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Hans Jonas

Gnosis und spätantiker Geist

Erster Teil:

Die mythologische Gnosis

Tflndenhoeck&Ruprecht

Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments

33

Die bahnbrechende philosophische Gesamtschau der spätantiken Gnosis und Grundlage aller weiteren For- schungen des Verfassers (1. A. 1934).

V&R

Gnosis und spätantiker Geist

von

Hans Jonas

ERSTER TEIL

Die mythologische Gnosis

Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen

Die mythologische Gnosis

Mit einer Einleitung zur Geschichte und Methodologie der Forschung

Vierte Auflage

Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen

Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments

Herausgegeben von Wolfgang Schrage und Rudolf Smend

33. Heft der ganzen Reihe

CJP- Taelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Jonas, Hans:

Gnosis und spätantiker Geist I von Hans Jonas. - Nachdr. - Göttingen : Vandenhoeck u. Ruprecht Teil I. Die mythologische Gnosis. - 4. Auf!., Nachdr. d. Ausg. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht, 1964. - !988 (Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments; H. 51) ISBN 3-525-53123-0 NE:GT

© 1988 Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen Printed in Germany. - Das Werk eimchließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbsondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Druck: Weihen-Druck, Darmstadt Bindearbeit: Huben & Co., Göttingen

öem

3n~enPen meines 'Vaters

Vorwort

Dem Werfe bes !)errn Dr. !). Jonas, bellen <Entjtef}ung unb IDad]fen id] mit bem lebenbigjten Jnterefle begleitet qabe, unb beflen erfter ll:eil qiermit vorliegt, möd]te id] ein fur3es Wort vorausfd)icfen, roeil bie A.ufnaqme, Oie feine erfte Sd)rift, "A.uguftin unb bas paulinifd]e Sreif)eits= problern" (1930}, wenigjtens teilweife gefunben qat, mid) mit ber illög= lid)feit red]nen läfjt, baf3 aud) fein neues Bud) f)ier ober bort einem illißverjtänbnis feiner A.bfid)ten begegnen fönne. Sreilid) f}offe id), baf3 bie in3wifd)en gereifte Darfteilungstraft bes t>erf.s ben fefer von felbjt gewinnen wirb; unb biefer wirb aud) bemerfen, baß ber t>erf. auf gewijje <Eigenwilligfeiten bes A.usbrucfs, bie man freilid) bem begabten A.nfänger 1930 f}ätte 3ugute ()alten follen, t>er3id)t geleiltet f)at. A.ber id) möd)te verl}inbern, baf3 bas neue IDerf uon oornf)erein etwa einem t>orurteil begegnt>. Despalb möd}te id} jagen, baß id), ber id) feit Jaf)ren einen grofjen ll:eil meiner A.rbeit bem Stubium ber (J;nojis gewibmet f)abe, aus feiner ber bisl}erigen Unterjud}ungcn über Oiefes (J;ebiet - unb man weiß, baß es beren gan3 oortrefflid)e gibt - fo viel für eine wirflid)e <Erfenntnis bcs geijtesgejd]id)tlid}en Pf)änomens ber (J;nofis gelernt f)abe, wie aus biejer, ja, baß mir f)ier bie Bebeutung Oiefes pf)änomens erjt im vollen Umfang erfd]lojjen wurbe. Stef)t bas roerf aud) burd)aus in ber l<ontinuität ber Sorfd)ung, fo ijt bod) f)ier, wie mir fd)eint, 3um erjtenmal Oie <Einorbnung ber (J;nofis in bie (J;ejd)id)te ber Spätantife wirflid) voll3ogen, unb es wirb beutlid], was bie (J;nofis in ber roenbe bes ll)eltoerftänbnijjes VOn Öer fl.ntife 3um ([f)rijtentum ÖeS flbenblanbes bebeutet. Damit tritt aud) bie Srage nad) bem t>erf}ältnis von ([f)rijten• turn unb <Dnofis in ein neues tid]t, inbem fie nid)t auf <Ein3elpf)änomene bes neuen ll:eftaments unb ber alten l<ird)engefd]id)te bejd)ränft bleibt, jonbern bas gan3e roelt: unb !)eilsoerjtänbnis bes ([f)rijtentums betrifft. Die metf)obe bes t>erf.s, ben eigentlid)en Sinn eines f)ijtorifd]en pf)ä= nomens burd) bas Prin3ip ber <Et:iiten3anall}je 3u erfajjen, fd]eint mir f)ier if)re Srud]tbarfeit glän3enb erwiefen 31! f)aben, unb id) bin gewiß, baß biefes ll)erf Oie geijtesgefd]id)tlid)e Sorfd)ung in mand)er !)infid)t befrud)ten wirb, nid)t 3um minbeften aud) bie Jnterpretation bes neuen ll:ejtaments.

marburg, 14. Juni 1934

Rubolf Bultmann

~ue bem 'Vorwort bee t>erfalfere iUr iWelten ~uflage

Daß ~ier nad} 3roan3ig Ja~ren ein - von fleinen Berid}tigungen abgefe~en - unveränberter nad}brutf ber erften Ruflage erfd}eint, foll feinesfalls bebeuten, baß ber Oerfafler bas Bud} ber Derbeiterung nid}t bebürftig ober bie Sorfd}ung ber le~ten 3roan3ig Ja~re ber Be• rütffid}tigung nid}t roert erad}tet: <Es ergab fiel} lebiglid} aus ber U:at• fad}e, baß 3u einer burd}greifenben Reoifion je~t nid}t ber 3eitpunft ift, unb anbrerfeits bod} eine ftetige Uad}frage es 3u red}tfertigen fd}ien, bas unter ben anormalen Bebingungen ber breißiger Ja~re nur unvollfornrnen 3ur Kenntnisna~rne unb <Erörterung gelangte ll)erf nod} einmal in feiner urfprünglid}en <Bejtalt 3ugänglid} 3u rnad}en. Jn ber U:at qat es feine erjte Kritit 3urneift nod} 3u finben. Denn fo belel)renb bie roenigen gelel)rten Befpred}ungen !inb, bie il)rn bornals 3uteil rourben - unb il)nen gegenüber läßt bie unveränberte IDieberl)olung für ben flugenblitf meine Danfesfd}ulb nod} unbeglid}en -, fo ift bod} roeitl)in bie roiltenfd}aftlid}e Kritif roenigjtens in Deut!d}lanb aus• geblieben. Jd} fann nid}t beurteilen, roie roeit bies bern Urnftanb, baß es fiel} um einen jübifd}en flutor qanbelte, unb roie roeit bern Rus• ftef)en bes 3roeiten U:eiles 3U3ufd}reiben ift, auf beflen angefünbigtes <Erfd}einen rnand}er Re3enjent, roie id} roeiß, roartete. Rber jenfeits biefer äußeren <Brünbe gab es rool)l einen rnel)r in ber Sad}e felbft gelegenen, unb von il)rn muß id} befürd}ten, baß er I)eute nod} fo beftel)t roie barnals. Das ift ber Urnjtanb, baß bas ll)erf in feine ber üblid}en IDil!enfd}aftsabteilungen fo red}t ober fo gan3 qineingel)ört. Jn feiner eigenen Reil)e, ben "Sorfd}ungen", ift es vermöge feiner

p~ilofopl)ifd}en Rbjid}t unb Bel)anblungsroeife fo etroas

roie ein Srernb·

Iing - aber burd} feinen Stoff bod} fo offenfunbig in il)r <Bebiet fallenb, baß U:I)eologen unb Religionsl)iftorifer es als il)re Sad}e an= fel)en mußten unb babei bas pl)ilofopqifd}e rnef)r ober rninber roiUig in Kauf nal)rnen. Den PI)ilofopl)en aber, auf beren Jnterel!e id} bei• naf)e rnel)r gered}net f)atte, ift ber Stoff roof)l 3u frernb, um bas <Ent· fpred}enbe von if)rer Seite 3u tun. ]ebenfalls ift mir (mit einer fran• 3öfifd}•tf)orniftifd}en flusnaf)rne) feine pqilofopqifd}e Re3enfion befannt geroorben. Das roäre vielleid}t anbers geroefen, roenn bie Plotin·Rnall}fe

bes 3roeiten U:eils fd}on vorgelegen qätte, bie ja vorn U:f)erna {)er ben P~ilofopl)iel)iftorifer angegangen roäre. Jnfofern I)at bas private

VIIl

ftus bem Darwort bes Derfaifers 3ur 3roeiten ftuflage

Sd}icffal bes IDerfes, über bas bas Dorroort 3um 2. Banb Ausfunft gibt, Oie öffentlid)e Aufnal)me feines erften U:eiles mitbeftimmt. Soweit bies ber SaU iit, mag bas ienige (frfd}einen ber I. f}älfte bes 3roeiten U:eiles, Oie aud} ol)ne bie Bel)anblung bes neuplatonismus ld)on in vertrautere a5efilbe ber Pl)ilofopl)iegefd)id)te fül)rt, etroas günjtigere Dorausfc~ungen fd)affen. Don ber religionsgeld)id)tlid)en l<ritif ift Oie "Derquicfung" bcs a>egenjtanbes mit pl)ilofopl)ie forool)l gelobt roie getabelt, erl)ellenb roie oerbunfelnb, nü~lid) roie über~üffig gefunben worben. Dem Autor bleibt nur 3u lagen, baf> für if)n es fid) l)ier nid)t um eine ablösbare 3utat l)anbelt, fonbern eben ber Derfud) einer pl)ilo• fopl)ifd)en Jnterpretation eines geid}id}tlid)en Pl)änomens ein 3entrales Anliegen roar. - Die roirflid)e l<arriere eines Bud)es liegt bei feiner l:eferfd)aft, unb jie fonnte id) im erjten ]al)r3el)nt feines Dafeins oon Paläjtina aus nid)t verfolgen. (frft als id) bei l<riegsenbe Deutfd)lanb roieberjal}, erful}r id) in perfönlid)en Begegnungen, baf> bas Bud)

- U:orlo ber es geblieben war - im ftillen gewirft unb fo3ufagen

{)inter meinem Rücfen wie bem ber l<ritit feinen IDeg gemad)t l)at. mand)en feiner Jbeen begegne id) f)eute an oerftreuten Stellen ber 3eitgenöHifd)en titeratur. Seit Jaf)ren nun ftellte ber Derlag eine Uad)frage nad) bem oer• griffenen Banbe fejt unb fd)lug einen pl)otomed)anifd)en nad}brucf oor.

Jd) war mir beim (Erwägen Oiefes Dorfd)lages im tlaren, bafi in• 3wifd)en auf bem (J)ebiete ber a>nolis oieles gefd)ef)en roar, roas id)

- in anbersartige Arbeiten vertieft - 3um U:eil nid)t verfolgt, unb

joweit verfolgt nod) nid)t für Oie nad)prüfung meiner eigenen Sid)t, ergiin3enb ober berid}tigenb, nußbar gemad)t l)atte. Ueuerbings f)at nun aber ber Sunb oon Uag~l)ammabi jeben Derfud}, bies im 3u· fammenf)ang mit bem je\)igen Ueubrucf 3u tun, in einem fold)en a>rabe 3ur Dorläufigteit verurteilt, unb überf)aupt Oie Dinge, belonbers mit Be3ug auf ben für meine Darltellung 3entralen Dalentinianismus, auf Jaf)re E)inaus roieber fo grünblid) in Slufi gebrad)t, bafi es oor3u• 3ief)en fd)ien, in oiefern Augenblicf nur ben U:e~t oon 1934 nod} einmal bar3ubieten unb Oie Berüd\id}tigung ber neueren Sorfd}ung einem aus~ fül]rlid]en flnqang oor3ubeqalten, ber bem fpäter erfd}einenben Sd)lufy banb beigegeben werben folL Bis baqin, fo ilt 3u {]offen, roirb aud} bie fierausgabe ber neuen toptifd}en Sd)äf3e weit genug fortgefd}ritten fein, um eine umfaifenbe Benuf3ung 3u erlauben

(J)ttama (<ranaba), mai 1954

'Vorwort iUl' tlrltten 2luflage

Die im Dorwort 3ut 3weiten fluflage ausgefpto~ene <Erwartung

be3ügli~ bet Uag~qammabi~C!eete qat fi~ in ben etwa a~t Jaqren,

bie bis 3Ut Jnangriffnaqme biefet btitten fluflage uetfloffen, n~t teil~ weife erfüllt: <hft Heben non übet uiet3ig Scfltiften biefer größten <Ent~ bedung auf bem <»ebiete bet <»nofis waten bis <Enbe 1962 butcfl Über~ feijung uoiiinqaltii~ 3ugänglicfl gema~t worben. flbet es waren wicfltige S~tiften, bie wertvolle Beoba~tungen erlaubten; unb anbetfeits fd}ien es bei bem fcflleppenben unb ertatifcflen <»ang, ben bie Detöffentlicflung bet Sunbe in über fünf3eqn Jaqren, nicflt 3um Ruqme bet 3unft, ge~ nommen qatte, nicflt geraten, bie verlangte Ueuauflage Oiefes wiebetum vergriffenen Banbes non bem ungewiffen Sortfcflritt fol~er Deröffentli~ d}ung abqängig 3u mad)en. aus biefer <Erwägung wurbe ein ben neuen

[eeten gewibmetes 3 u fa i3 f a p it e I (4. Kapitel) gefd}rieben unb feine burd} ben 3ufall bes flbfd)lußbatums - Srüqjal)t 1963 - bebingte Dorläufigfeit, ber aud} fpätere, ebenfo willfürlid}e [etmine nid}t ent• geqen würben, bewußt in Kauf genommen. fUierbings wollte es bann wieberum bet 3ufall, baß eine nid]t uorgefeqene ted}nifd}e Der3ögerung in ber fierausgabe gerabe mit einem weiteren Sortfd}ritt in ber (Quel• lenebierung 3Ufammentraf, fo baß unfere Beqanb!ung bei <hfd}einen

um

mit bergleid}en muß jebe Beqanblung nod} auf Jaqre qin ted}nen; fie wirb <hgän3ungen im voraus begrüßen; unb bie Srage ift weniger bie,

was alles nocl) nid}t betücffid)tigt worben ift, als bie, ob etwas jei3t

wirb. Dor

<»efagtes burd} fpäter fluftaud)enbes u ngüIti g gemad)t

biefe Srage mußte fid) feit ber erften Kunbe non ber großen <Entbecfung jeber geftellt feqen, bet fid} entfd)ieben genug über bas !Defen bet

<»nofis geäußert qatte. Jn biefer qinfid}t nun füqle id] meine im Dot• wort oon 1954 3um flusbrucf gebrad}te Dorfid)t burd} bas in3wifd}en <Erfd]ienene erqeblid} verringert: Das neue material, wie es mit bem patrijtifd}en 3eugnis weitqin 3Ufammenftimmt, fd}eint mir aud) in

einige Uummern {)inter bem Publifationsftanb 3urüd ift 1 ). flbet

1 )

3roijd)en Sa~ unb

Detöffentlid)ung

erid)ienen: m. ffialinine (u. ft.),

De

resurrectione Epistula. a.d Rheginum (Codex Jung XXIIr-XXVv), 3ürid),Stuttgad

1963; m. l\taufe'p. ~abib, Die btei Detfionen bes ftpofryp~on bes Joqannes, Wieshaben 1962; ft. Böqlig,p. ~abib, Koptild),gnoftild)e tlpofalypfen aus dobe~ V oon nag qammabi, fiaUe,IDittenberg 1963; ro. [iU, Das <Eoangelium nad) P~ilippos, Berlin 1963. Überjid)t b. m. l\raufe, Der fopti\d)e qanbfd)riftenfunb bei llag qam• mabi, Umfang unb Jnqalt, l\aito 1962, S. 121-132.

X

Dorwort 3ur btitten Äuflage

feinem roefentlid)en Punft 3u einer Berid]ti3ung, geroiß 3u feinem lDiberruf, ber in Oiefern lDerf vorgetragenen Sid)t ber G>nofis 3u nötigen. Ja, in bem als ,aentral" be3eid)neten Dalentinianismus, auf ben Oie erroä~nte Dorfid)t befonbers Be3ug naf)m, finbe id] burd] bas Evan- gelium Veritatis eine mit befonbers roid]tige [~efe in gerabe3u über• rafd)enber lDeife beftätigt. Eluf bem manid)äifd)en Slügel ber breiten gnoftifd]en Sront glaubte id] roenigftens einige n a d] träge 3u meiner Darfteilung oon 1934 aus ben feit~er 3ugänglid) gemad)ten <Driginalquellen, f)auptfäd)Iid) aus bem fovtifd)en Pfalmbud), fd)ulbig 3U fein. Elud) fonnie id] im mani4\avitel felbU (3, 2) mand]es in ben 3itaten unb bibliogravf)ifd)en Eingaben oer•

fran3öfifd]e Überfe~ung bes Seoerus oon Elntio•

d)ien burd] bie in3roifd]en oon EI. flbam vorgelegte beutfd)e erfe!Jen, p. J. be menasces Elusgabe bes Sfanb berüdfid)tigen, ufro. Dagegen roagte id) mid) nid]t an eine <Einarbeitung ber <Ergebnilfe von [aby Droroers großartigem [ebensroed in meine begren3te Be• f)anblung ber manbäer. Die Deref)rungsroütbiJe Sor!d)erin ließ mit gegenüber feinen 3roeifel an if)rer Über3eugung, baß man fiel), roenn es um bie manbäer ober oielmef)r Ua3oräer felber gef)t, mef)r an ben tatfäd)Iid)en Kult als an bie ,.Iiterarlfd)e Clf)eologie" f)alten mülfe, unb mef)r an bie (von if)r entbedten) <bef)eimfd)riften als an Oie e~oterlfd)e ("half-folklore") mytf)ologie bes <bin3a. Jd) beuge mid) roillig Oielet flutorität. Elber roas id) ben von tib3barsfi überfe~ten Sd)ritten für Oie Symptomatif bes gnoftifd]en <beiftes im G>an3en 3u entne~men fud)te, mag b i efe <bültigfeit bef)alten, felbft wenn in ber <Entroicflu ng ber Sette felbft bie anbersartige vriejterlid)e <bef)eimleqre jene Sd)riften in bie Rolle ber ,.volfstümlid)en" Sd)id)t vermies: felbft bann müHen fie etroas ausbrücfen, roas einmal von jemanb geglaubt roorben ift. Sd)lteßlid) rourbe bie <belegenfleit Oiefer britten Ruflage ba3u be• nu~t, um bem Banbe, ber offenbar fläufig für Iid] allein benu~t roirb, feine eigenen ausfüf)rlid)en Re gi ft er bei3ugeben. Sür bie f)ierbei ge• leiftete roertoolle qilfe fei Srl. <bertrub <Lf)avvu3eau, m. fl., aud) an biefer Stelle gebanft.

belfern, 3· B. Kugeners

nero Rod]elle, n. y. (USA), Sebruar 1964

qans Jonas

Jn~alta"oberOdlt

<Seite

Vormort

VI

Vormort 3ur 3meiten Auflage .

VII

Vormort 3ur britten Ruflage

IX

<Ein Ieitu ng. 3ur C&efdfidtte unb

met~obologie ber Sorfd)ung

I. Clntbedung einer aUgemein•ftJnfretiftifd)en "<Dnofis" S. I. 2. Be·

3. Bebeutung für bie

flal!ifd)e pqi!ologie (flltertumswiflenfd)aft) S. 2. 4. 3ujammen• jd)lufi ber Di!3iplinen; flnfd)lufi ber <Drientaliflif S. 4. 5 Jnl}alt• lid)e <rqarafteriftif bes neuen Stoffgebiets S. 4. 6. Sormale <rl}arafteriftif (l<laflififation ber <nueUen) S. 5-9: a) Die l}eibnifd!• gried)ijd)e <Druppe, b) Die d)riftlidJ•gried)ijd)e <Druppe, c) Die orientalifd)e <Druppe (manbäijd)e unb manid)äijd)e titeratur). 7. 3um [1Jpus ber bisl}erigen Sorjd)ung S. 9. 8. 3um Begriff

bes "Sl)nfretismus" unb ber Jbee einer möglid)en Clinl}eit bes <Drunbes S. 1I. 9. Der tranf3enbentale "<Drunb" in feiner <De•

an•

gemeinen Dajeinserfenntnis S. 14.

farnfeit bes ermittelten <Drunbes S. 16. 12. Clinbeutige unb mel}r•

beutige 3eugnisi1Jf!eme S. 18. 13. Die geiftesgejd)id)tlid)e Be· wertung ber <Dnofis in ber bisl}erigen Sorfd)ung s. 20. 14. rnetl}o· bijd)e <Drünbe für bies Clrgebnis S. 24. 15. !Einige Beifpieie für bie metqobe S. 25-49: (1) fln3 S. 25 (2\ BoufTet: Ableitung ber "Degrabierung" ber <Deftirngötter aus ber Stellung bes perfer• tums in Babl)lonien S. 27 (3) Boulfet: Ableitung bes gnoftifd)en Duai!smus aus ber Kombination von Parfismus unb Plato• nismus S. 34. Hritif ber Boulfetfd)en [l)efe S. 42. 16. Jnl)alt•

Iid) er unb

<Dnofis als "afuter f)eUenifierung bes <rl)riftentums" S. 50. Sd)aebers

l)umanlftild)•formale [l)efe: <Dnofis als Rationalifierung alt• orientalifdJer Religion burd) gried)ifd!es Denftn S. 52. 17. 3ur Srage bes Realgrunbes (PIIJd)ologie, So3iologie) S. 58-73: Die [qefe vom "Drud entfeijiid)er 3eittn" S. 58. Rüdfül}rung ber Jbeen auf bie gefdJid)tiid)en S:ebens3uftänbe S. 61. <Dren3en ber Haufalbett·ad)tung S. 62. Bebenfen gegen bie Cllenbstl)eorie S. 64. Der [rdger ber gnoftiid)en Bewegung S. 67. Die Seinslage ber weftlid)en lDeit S. 68. Dorrang bes <Dflens S. 70. Die Seinslage ber öftiid)en Welt S. 71. 18. Spenglers .Probleme ber arabifd)en Hultur" S. 73. 19. Die <Deburt einer neuen Welt: Derl}ältnis 3um <Dried)entum S. 74. 20. Derl)ältnis 3um "alten <Drtent" S. 75.

formaler <Drunb? S. 49- 58: l)arnads [qefe von ber

idJid)tlid)feit S. 12.

I I. Die l}ermeneutifd)e lDirf•

beutung für bie d)riftlid)e [qeologie S. I.

10. pqi!ofopl}ifd)e

qilfsm!ttei

aus

ber

1-91

21. Derl}äitnis 3um "SJ!nfretismus" S. 77. 22. mitwlrfung bes

Sl)nfretismus S, 78. 23. Umfang bes "gnoftifd)en" Bereid)u S. 80.

XII

Jnqalts·fl berfid)t

eeite

Unterfud)ung S. 82-90: (I) Die <Dnofis in iqrer ml)tl)ifd)en Sorm

S.

82. (2) trransformationen ber <Dnofis im jpätantifen Denfen

S.

86. 26. 3ur ftJftematijd)en <Drunblage (fieibeggers pqilojopqie

ber <Erilten3) S. 90.

[eil I. Die mqt~ologlfdtt <6nofis

92-375

t. Kapitel. Der S:ogos ber <bnofis

94-140

fiermeneutifd)er Dor3ug bes manbäijd)en Sd)rifttums S. 94. I. Das

,Srembe' S. 96. 2. ,Jenfeits•, ,au&erqalb'. ,Diefe' unb ,jene' Welt

S. 98. 3. ,tl>elten' unb ,tlonen' S. 98. 4. Dos IDeltgeqäufe. Das

,tl>oqnen· S. 100. 5. ,l:id)t' unb ,Sinfternis' S. 103. 6. Die ,mijd)ung'

S. 104. 7. Die ,3erfplitterung•; CEinqeit unb Dielqeit S. 104. 8. ,SaU',

,Sinfen', ,<Defangennaqme' S. 105. 9. Das ,<Demorfenjein' S. 106.

10. angft, Jrren, fieimmeq S. 109. 11. Betäubung, Sd)laf, trrunfen•

S. 115. 13. abgefd)nitten•

merben S. 119. 14. Der l:ärm ber

Don auberqalb' S. 120. 16. Der ,frtmbe mann' S. 122. 17. Der

Jnqalt bes ,Rufes• S. 126. 18. Die antmort auf ben ,Ruf'

S. 134. 19. Sid)•ftlbft•Sammeln S. 139.

15. Der ,Ruf

qeit

S. 113.

12. Die

,trrunfenqeit'

tl>elt S. 119.

2. Kapitel. Die Dafeins~artung ber <bnofis

. 140-251

Die Situation bes gried)ijd)en <Deiftes S. 141. Die Stoa als frbe

grled)ifd)er tl>eltqeimlfd)feit S. 142. fierDorbred)en bes gnoftijd)en <Deiftts S. 143-146: Welterlebnis unb Seibiterlebnis bes gnoftifd)en

<Deiftes.

Die Begriffspaare Kosmos- <Dott, Pfqd)e- Pneuma

S.146.

1. Kosmos

.

. 146-156

Der gried)ijd)e Begriff .Kosmos" S. 146. Die gnoftifd)e Um· mertung S. 148. Kosmifd)er ntqilismus unb tl>irflid)feit ber Der• neinten tl>elt S. 149. trranf3enben3Dermittlung ber gnoftifd)en tl>dtfid)t S. 151. tl>enbung 3Ur Jnnenfid)t S. 152. antife tl>iber• ftänbe (Plotin, Corp. Henn.) S. 153. Klrd)lid)e CDppofition (anti• marcion) s. 155.

2. fjeimarmene

. 156-172

CEnbformen fiberifd)er Srömmigfeit: Solartqeologie S. 156. aJtro• logie S. 157. Stoifd)e Pl!tJfifotqeologie S. 159. Die ftoifd)e <Dleid)ung Don Sd)idfal unb Dorfequng; IDeltqarmonie S. 160. aftralmtJftif S. 161. Die gnoftijd)e Ummertung unb flberb!etung

S. 161. manbei ber Sormbegriffe: bie tl>eltqöqle S. 163. Der

Begrlff bes "JenjeitsH s. 164. neue ill1)tqifierung ber <Deftlrn· melt S. 166. aftraljqmbolif unb Demiurg S. 167. antifer IDiber• ftanb: Plotins polemif Enn. 119, 13; 18 S. 168. Der gnoftijd)e

Das unmelt!id)e Seibit:

<Degenfa~ Don Selbft unb tl>elt S. 170. Soliplismus unb Brf\beretqif S. 171.

3. fjeimarmene unb pronoia

. 172-178

Duallftild)e Sd)eibung DOn Sd)ldfal unb Dorfequng s. 172. marclon

S. 173. Bebeutung btr Sd)eibung: <Entgötterung unb Derbing•

XIII

Geite

4. l)eimarmene unb Pfl')d)e

.

178-210 parabolie uon Selbftuertrauen unb

Seele als lDeltprobuft S. 178.

Selbftmibtrauen S. 179. Pneuma als unmeltlitftes :Jcf! S. 180.

a. Seelenabfunft S.181-190

1. Die Planetenteeie S. 181-185: poimanbres, manbäer, Barbe•

fanes ufm.

Planetengaben im f}eUenismus S. 183.

2. ,pfqtftifos' als reiner Seinsbegriff (paulus) S. 185-186.

3. ~manationsle~ren S. 186-190: Der emanatiue trqpus; Seele als gefunfene Sorm bts a,etftes S. 186. Die Seelenle~rt bes Q)rigenes s. 187. ~manationsle~rt unb mqttif s. 188. lDedJfelnbe motiuierung bes Rbftlegs S. 189. l<osmos als manifeftation ber gefunfenen Pfqtfte S. 190.

b. Dämonologie S. 191-199

Dämonologiftfte Pfqtftologie bu ~:Jcf!". Ruflöfung ber perfönlicf!• feitsibee S. 191.

1. Palfiuität unb lDeiblicf!feit ber Seele S. 192.

2. Dämonologie als Sqmbol ber lDeltlitftfeit S. 193.

3. Dorfprung bts Dcimoniftften uor bem a,attlid}en S. 195.

4. Die :Jnfuffl3itn3 bes menfcf!en S. 196-199: Dafein als Be• feHenfein. Dämoni!tifd}t DarfteUung ber :Jnfufli3ien3. Dämo• nlftlftfte Reflelion.

c. ~rlöfung 5.199-210 ~rlöfung als Ruflöfung ber ,Seele' S. 199.

1. mq!tild!·efltatifd}e

S. 200-203:

Der ~ermetiftfte lDiebergeburtstraftat Corp. Herm. XIII S. 200.

Dermanblung

(Palingenefie)

lffjtatijtftes Pneuma unb eliften3ieUts Selbft S. 202.

2. Sormen bu Dorläuflgfeit

unb

Rnnciquung

S. 203-205:

magiftfte Stiung, S::ibertinismus, Di!tan3ierung, Rsfefe.

3. Der Rufltieg nad} bem trobe S. 205-210: a,nolis als l<enntnis

Rb·

Befreiung

bes ,lDeges' S. 207.

legung

unb Dergattung (Poimanbres) S. 210.

überminbung ber Rrtftonten S. 208.

beim

Spqärenaufltieg S. 209.

bu

pjqtfte

<E!furs I. Sl')nonl')me für ,Pneuma'

• 210-212

<E!furs II. antqropologifd)e 3wei• unb Dreiftufigfeit

. 212-214

5. Das reuolutionäre <Element ber (f)nofis

. 214-251

Ruf3ä~lung ber reuolutionären 3üge trrabitionalismus ber Sorm s. 215.

a. a,noJtlfcf!e RUegorie S. 216-223: Der Sinn f'onuentioneUer RUt• gorefe S. 216. Beifpide gnoJtiftfter RUegorefe: 1. promdqeus unb 3eus (3ojimos) S. 218. 2. Hain unb Jaqme (peraten b. f}ippolqt) S. 220. 3. ~ua unb bie Scf!lange (Q>p~iten b. :Jrencius) S. 221. Reuolutionärer Sinn bu gnoJtiftften RUegorie.

b. a,noftifcf!er Satalismus S. 223-227: lDertmanbel btr a,eJtirn• götter. Satalismus als Protelt. a,rietftiftfte unb gnoJtiftfte Scf!id• falsibtt. Das moment ber Ruflt~nung in ber gnoftlftften Scf!id• falsibee.

XIV

Jnl)alts•ilberjid}t

Eeite

c. Weltgötter unb Uleltgott S. 227 -233: <linojis unb jübijd}er

monotl)eismus. Der Drud bes <bejeßes. ftrd}onten unter bi· blijd}en <liottesnamen. Kon3entrierung ber Ard}onten 3um "De• miurg". Jalbabaotl) als Karifatur bes jübijd}en <liottes. Der <fine tDeltgott (marcion). Derl)öl)nung ber Weltl)errjd}er beim Seelenaufftieg. Der Demiurg als Rid}ter, (fntfommen ber Pneu•

matifer.

d. <linojtijd}e moral S. 233-238: motiue bes r:ibertinismus. Spefu· latiue Begrünbung. Unuerberblid}feit ber "pneumatijd}en natur". Jnbifferen3 ber fjanblungen. menjd}lid}er ober ard}ontijd}er Ur• jprung ber moral. nomos als bemiurgijd}es ::lnftrument ber Knedjtung bes menjd}en. Sein Prin3iP "<liered}tigfeit" (marcion). <liefe~ unb <linabe. r:ibertinijtijd}e unb asfetijdje Variante ber lDeltueradjtung. r:ibertinismus als "pflid}t" pneumatijdjer Sreil)eit. r:ibertinismus unb Seelenmanberung (Karpofratianer). trugenb· pflid}t ber PllJdJifer. e. Das gnoftijd}e "Selblt" S. 238-243: ,pneuma' als reuolutionärer Begriff - Sl)mbol für bas abjolute Selbft. Die antife r:el)re uom t!eil unb <lian3en. Jnbiuibuum, Polis unb Kosmos. Stoijd}e Konjeruierung bes Sdjemas uom t!eil unb <lianjen: Kosmos • religion als (frja~ für bie Polis. Der (finbrudj bes Pneuma.

f. Der gnoftijdje <liott S. 243-251: t!rabitioneUe Deutungen - Sl)n• fretismus, ftb!traftion, Spiritualifierung. lDeftlidje <frfdjtinungs• form: Steigerung ber tl)eologijd}en [ranl3enben3. Blid auf ben IDften. marcions Botfd}aft uom unbefannten unb neuen <liott. Das reuolutionäre moment im Begriff bes ,ftnberen'. Dualis• mus als <l>ppofitionstl)eologie. Der unmeltlid}e <liott. negatiue t!l)eologie.

Cf!tu rs III. 3ur Rolle ber platonifd)en Sprad)e

. 3. l<apitel. <J>noftifd)e mt)tl)ologie unb Spetulation

Cf!furs IV. Pfeubomorpl)ofe unb <J>ried)enl)aß

. 251-254

. 254-255

. 255-375

Die uier fjaupttl)pen ber Spefulation; geograpl)ijd}e 3entren

S. 256. ml)tl)os als Berid}t unb als lDenbe bes Berid}teten

(= <linojis) S. 258. Das Sd}ema ber ml)tl)ijd}en <liegenjtänblidjfeit

S. 259. Das Dl)namijd}e bes Sd}emas S. 260. Die Sormtl Exc.

ex Theodoto 78 S. 261.

1. manbäifd)e l<osmogonien .

. 262- 283

(R. <liin3a, 3. Bud} :) Die Urmannigfalttgung S. 262. Der RbfaU

ber Utl)ras; ftusjenbung manba b'fjaijes S. 265. Die 3mei G:r• flärungsformen: abgeleitete ober urjprünglidje Sinfternis = Dua• !ismus als (frgebnis ober als Urjad}e bn r:id}tjtörung S. 267. Der Kampf mit ber Sinfternis S. 268. Sd}öpfung bes menjd}en:

ftft bes lDißens ober ber <finfalt S. 270. Der ilbtrmut bes Wdt• fdjaffens S. 271. Ptal!il, Rul)a unb bie Planeten S. 272. Sd}affung ftbams burd} bie Planeten, Betedung burd} ptal)il S. 274. (fr. medung ftbams S. 275. fjöUenfal)rt fjibils S. 277. Rufflieg ber Seelen S. 278. Bote unb Demiurg als antl)ropologijd}e para• bigmen S. 279. Die 3mei fosmogonifdlen <lirunbmotiue: UrfaU- Urfampf = jl)rijd}e unb iranijd}e Sorm S. 280.

XV

2. Der iranifd)e tJ:l')pus: Das manid)äifd)e <Etlöfungsbrama

<Seite

. 284-320

Dorbemerfung S. 284. 1. U:~ema unb <6runbrib S. 285. QlueUen•

überlid!t S. 287. 2. Die Urprin3ipien S. 287: tld!t unb Sinfternis. Das IDefen ber Sinfternis. CEmigfeit ber Sinfternis. Selbftgenug• farnfeit unb UnDerfud)t~tit bes tilf!tes. 3. Der Angriff btr Slnfternis s. 293: 3mietrad)t ber Sinfternis. ma~rne~mung bes tid)ts, Begierbe banalf!. 4. Die Srieblilf!felt ber tid)tmelt S. 296. 5. CErlte "Sif!öpfung" (Urmenfdl) S. 297. 6. Kampf unb nteber• lage bes Urmenfd)en S. 298. 7. Q>pfer unb Dermiflf!ung ber Seele S. 299. 8. 3meite "Sd)öpfung" (,tebenbiger <6eift·); Be• freiung bes Urmenfd)en S. 301 : Soteriologifd)er Sinn ber Be•

freiung

S. 303. 9. Die Sd)affung brs mafrofosmos S. 305.

10. Dritte "Sd)öpfung" (,Bote) S. 306. 11. (ntfte~ung ber Pflan3en• unb U:iermelt S. 307. 12. CErfd)affung Rbams unb CEDas

S. 308. 13. Die Senbung bes ,tid)tjefus' S. 310. 14. Welt•

15. praftifd)e Sol•

gerungen (Rsfefe) S. 313. 16. Die te~re DOn btn le1ten Dingen S. 315: P~t!lif ber CErlöfung. Rpofalt)pfe bes Boten. Die IDie~er·

gefd)id)te unb menfd)~eitsgefd)id)te S. 312.

~erfteUung.

2 a. Das S:ieb non ber Petle

.

. 320-328

Das tieb DOn ber perle (Acta Thomae) s. 320. aus ben "Q)ben Salomos" S. 327.

3. Der fl'!rifcf!•ägl')ptifd!e tJ:l')pus .

. 328-362

Das ft)rifd)·ägt)ptlfd)e Spefulationsfd)ema urfprünglid) gnofti!d); bas franifd)e abaptiert S. 329. finfd)ränfung ber Bebeutung bes iranifd)en <Elements für bas <6efamtgebiet S. 330.

. Das aUgemeingnoftifd)e meltfd)ema (ltatifd)) S. 331. Seine bqna• mifdle Ableitung in ber fqri!d)•ägqptifd)en Spefulation: lbeal• tl)pi(d)e Sorm berfelben in Rb~ebung Don ber iranifd)en S. 332. Rb~ebung Don ber neuplatonifd)en Sorm S. 333. Das fonfreie motiD bes RbfaUs S. 334. Subjeft ber SaUbemegung männlid) ober meiblid) S. 335.

Das aUgemeine Sd)ema .

. 331-335

.

.

.

.

a. Die männlid)e <6ruppe

.

.

. 335-351

1. Ba ru d) • B u d) u nb Derma nb tes (Dreiprin3ipien•Sl)fteme)

peraten

bes l}ippoll)t S. 341. Set~ianer bes l}ippolt)t S. 342. naaflener• pfalm S. 343.

2. Poimanbres unb Dermanbtes (,Urmenld)'•Sl)fteme) s. 344-351: poimanbres s. 344. naal!eiterprebigt s. 348.

S. 335-344:

Das Barud).Bud)

bes

Juftin S. 335.

Rttisml)t~os S. 350.

b. Die meiblid)e <6ruppe

l}auptqueUe Jrenäus. Dualismus S. 352.

. 351-362

. Unab~ängigfeit bes U:l)pus Dom tranillf!en

1. Si m o n mag u s S. 353-358:

S. 353.

Sd)idfal ber

l}dena S. 356.

göttlid)en

Selbftent3meiung ber Urfraft

unb

Uberfid)t

CEnnoia S. 354.

Sirnon

Die ,<Engel' als IDdtfd)öpfer S. 357.

XVI

2. ÜbergAng 3um nahntinianifd)en S1Jfhm S. 358-362:

<benealogild}e Rei~enbilbung S. 358. a>p~iten bes Jrenäus S. 360. Barbelioten bes Jrenäus S. 361.

4. Das nalentinianifd)e Sl}ftem

.

. 362-375

Berld}te bes Jrenäus, a:lemens, qippoiqtus, cEpipfJanius S. 362.

1. Die «Entmidlung bes Pieroma S. 363. 2. Die Krife im Pieroma

S. 365. Solgen ber Krife; l[ätigfeit bes qoros S. 366. 4. Die

tDieberiJerftellung bes Pieroma S. 367. 5. Die «Erefgniffe aufler•

IJaib

S. 369. 7. Die «Entfte~ung ber materte S. 370. 8. Ableitung

«Entfte~ung bes Demiurgen; tDeltfd)i!pfung

ber «ElementeS. 371. 9.

bes Pieroma S. 368.

6. Die teiben

ber unteren Sop~ia

S. 372.

10. «Erfenntnis als «Eriilfung S. 374.

Abfd)lu& unb Überleitung

375

4. Kapitel. neue O:e~te ber G;nofis.

1. Bemerfungen 3ur Uag ~ammabi•Bibliotl)ef .

.

.

. 377-418

. 378-393

Die ,Drei IDur3eln' ber Setl)ianer S. 380. Die Überl)ebung bes Demi• urgen S. 381. Demütigung bes Demiurgen S. 383. Die llorl)eit ber

Sopqia S. 385-389:

Salles S. 387. paflion ber Sopqia S. 388. Bemerfungen 3u CJ:in3el•

fd)riften S. 389. Be3iequng 3u ~umran? S. 391.

IDefen ber Derfeqlung S. 386. Solgen bes

2. Die barbelognoftifd)en Sd)riften oon Uag ~ammabi .

.

.

.

. 393-407

1. Das Rpocrypl)on bes Joqannes S. 393. 2. Die Sd)rift nom Ur• fprung ber Welt S. 399. 3. Die t;ypoftafis ber Rrd)onten S. 406.

3. Das oalentinianifd)e ,<foangelium ber lDal)rl)eit'.

408--418

Die foteriologifd)e Sormel S. 410. Die mytl)ologifd)e Begrünbung ber Sormel s. 411. Rnbeutung bes mytqos im EV s. 412. CJ:foteri• fd)er ([qarafter bes EV S. 415. Der nalentinianifd)e Sinn ber Sormel

S. 416. Die pneumatifd)e <bleid)ung S. 418.

Uad)träge 3u Kapitel 3,2

brama" .

.

.

.

"Das manid)äifd)e <frlöfungs• . 419-424

Bibliograpl)ifd)e Uoti3 .

425

Uamen• unb Sad)regifter

426-445

Stellenregifter

446-456

einlntung.

Zuf C!5efc1Jtd)te unb jftetf)obologfe bff :foffd)ung.

1. CEntbedung einer aUgemein•fqnfretiftifdjen "<DnofisH.

Jn ber <Erforfd)ung bes fpätantifen Sl}nfretismus gibt feit längerm bas problern ber <6nofis für bie <Erfd}liefiung gan3 neuer Be3irle ben .Ceitfaben ab. Don i~m na~m aud) bas umfaHenbere, bie <6ren3en ber

flaffifd}·~umaniftifd)en Betrad}tungsmeife einerfeits, ber t~eologifd}en

anbrerfeits fprengenbe Sragen feinen Ausgang. Den entfd)eibenben flnftofi gab bie nod) oom Boben ber flaffifd}en P~ilologie aus ge• mad)te <Entbecfung einer ~eibn if d}en (~elleniftifd}en) "<6nofis", bie un• ab~ängig uon ber d)riftlid}en unb urfprünglid}er als biefe ift. Damit mobifi3ierte fiel} ber Begriff ber <6nofis felbft, ber ja bis ba~in nad) bem ber patriftif entnommenen Sprad)gebraud} ber Kird)en• gefd)id)te ausfd)liefilid} eine d)riftlid}e Ke~erei be3eid}net ~atte, grunb· legenb unb wurbe ein viel umfaffenberer unb - wie fiel} in ber Solge ~erausftellte - ~öd)ft frud)tbarer «:itel für <Erfd)einungen, bie grunb· fä~lid) jenfeits ber (für biefe frü~e 3eit ja über~aupt nod) red)t probte·

matifd)en) <6ren33ie~ung <r~riftentum-qeibentum fte~en. <Eben bie

<Einfid)t in bas Problematifd)e ber bis~er fo unbefangen, als 3mifd)en 3wei be3ie~ungslofen Welten, vorgenommenen <6ren33ie~ung war bas wiHenfd)aftsgefd}id}tiid) bebeutfamfte Saftum.

2. Bebeutung für bie djriftlidje fl~eoiogie.

Sür bie d)riftlid)e «:~eologie als frü~fird)lid}e Sorfd}ung be· beutete bies, bafi eine <Erfd}einung, bie bisf}er als eine innerd}riftlid}e, wenn aud} ~äretifd)•d}riftlid)e gegolten ~atte, fiel) nun als eine <6eiftes• rid)tung in bem gerneinfamen Kulturraum ~erausftellte, bie gleid}er•

weife fowo~I außer~alb wie inner~alb bes <r~riftentums emportaud}te

unb fid) O>eltung Derfd)affte. Damit aber erfd}ien 3um erftenmal bas junge <r~riftentum, wenn aud) norerft nur mit einer «:eil· erfd}l'inung feiner felbft, als ein Bebingtes ~ineinuermoben in bas ne~ ~elleniftildl"fqnfretiftifd}er Religionsftrömungen. Unb ba 3ugleid) ber fo erweiterte Begriff einer aUgemein·fl}nfretiftifd)en <6nofis alshalb non ben (im fprad)üblid)en Sinn allein "gnoftifd)en") t)ärefien aud) auf

1

2 2. 13ebeutung für

/)ie d)riftlid)e tl:l)eologie.

bas legitim d}ri!tlid)e Sd)rifttum l)inübergriff, unb 3war rücfwärts bis in bas urd}riftlid}e (insbejonbere in bie Deutung oer paulinifd}en uno jo!)anneifd}en Joeenwelt uno Begriffsfprad}e) uno nad} vom in Oie gried}ifd}e patrijtif (insbejonocre aletanbrinifd}er Sd}ule) uno in bas früf)e ffiönd}stum, - fo war plö~lid) oas [qriftentum auf weiten Strecfen 3u einem Stücf !l)nfretijtijd}er Religionsgefd}id)te geworben. Damit aber ~el, raoifaler als je uorqer, jene Jfolierung unb unbe· l:lingte Sonoer!teUung, worin bie «:qeologie aus einer «:enben3 3ur jd}led}t!)innigen Unoergleid}barfeit iqren (J)egenftanb gegenüber ben 3eitgefd}id}tlid}en Uad}barerfd}einungen 3U qC!lten bejtrebt war; unb für Oie «::qeologie felblt als Willenfd)aft iqre eigene Jjolierung gegen• über ben profan=wiflenfd}aftlid}en Dif3iplinen, oie fitft ber <Erforjtftung ber Spätantife wiomen. Das l)ieß aber, bafi nun bie «:qeologie felber in Oie Sront ber am Sl)nfretismus arbeitenben Dif3iplinen qinein· ge3mungen wurbe unb Iid) geqalten faq, an oer Klärung biefes re• ligionsgeid)id}tlid)en pqänomens als an einer eigenften llngelegenqeit

mit3uwirfen.

3. 13ebeutung für bie flallild)e PfJilologie (fUtertumsmiflenJcftaft).

<Eine analoge tt'lenl:lung erlebte am gleid)en (J)egenftano Oie tlafliid}e pl)ilologie, Oie ja Oie Jnitiatioe in ber neuen Sorfd)ungs• bewegung l)atte. Die qumaniftifd}e «::raoition unferer llltertumswilfen• fd}aft, il)r AusgelJen non ber Uaflifd)en llntife als bem ens realissi- mum ließ lange 3eit aud) ben fpäteren l}eUenismus im wefentlitften als inneres <Entwicflungsprobuft bes gried}ifd}en (J)eiftes b3w. ber an• titen Kultur in if)rem Sinne fef)en (wenn aud} vielleitftt unter nega• tioen {[iteln wie "Defaöcn3"}. l}arnacfs berüqmt geworbene Kenn· 3eid)nung ber (J)nojis als "afuie l}ellenifierung bes [qrijtentums" lpiegelt bieie Ruffallung für Oie bamals nod) innerd}riftlid} gefeqene (J)nojis roieber 1 ). <Eine gried}ijd}e Sd}riftenfammlung, bas fog. Corpus Hermeticum, war aud) 3unäd}ft bie l}auptqueUe für bie neuentbedte f)eibnifd}e (J)nojis, unb an il)r wurbe ber erjte Beweis gefüqrt (Reiben• !tein, poimanbres, Stubien 3ur gried}ifd}=ägt)ptijd}en titeratur, 1904). f\ber fd}on biefer fül)rte jogleid) in nid)tgried)ifd}e Denfbereid}e l)in•

1 ) Dafl ld)on eine Stufe ber Sorld}ung oorangegangen mar, bie nad}brüdlid} ben orientalild}en <rl)ararter ber (!;nofis oertrat (mosl)eim, Baur, i:!pfius, fjilgen•

ben 13ouffd in ber ~inleitung 3u feinen

.,fjauptproblemen ber (bnofis" oon ber (befd}id}te ber SorldJung gibt. Dlefe Stufen

felb), ilt aus bem Abrifl 3u erfel)en,

entJprecften ber Aufeinanberfolge oon Romantif unb neuf!a1fi3ismus in bet beutldlen <beiftesgeldlid}te bes 19. Jal)rqunberts.

3.

Bebeutung für bit flalfifdle P~iloiogie (Etlterlums1lllfttnld)aft).

3

ein, fo unficfter bie erften l)ertunftsbeftimmungen aucft roaren. Das griecftifcfte, oftmals pfeubopf)ilofopf)ifcfte Begriffsgeroanb rourbe burcft• jtoflen unb baf)inter eröffnete fid} ber Blicf auf eine frembe, nocft auf ber mt)tf)ifcften Beroufltfeinsftufe fteqenbe lDelt, bie unter biefer (J)ber• fläcfte, ber unioerfellen Dedfcfticftt ber gan3en bamaligen lDelt antifer 3ioilifation, iqr eigenes unb ans ticftt ftrebenbes teben füf)rte. lDurbe bies aucft erjt an einem <fin3elpqänomen, ber a>nofis, offenbar, fo roar bie <frfcfteinung bocft ber flrt, bafl fie ber gan3en fluffaflung bes l)eUenismus eine entfcfteibenbe lDenbung 3u geben oermocftte. Denn im weiteren Derfolg ber gefunbenen Spur faf) man fielt in immer umfaflenbere 3ufammenf)änge ge3ogen, unb es fteUte fielt qeraus, bafj man es qier mit einer repräfentatioen <frfcfteinung ber <fpocfte (ber erften Jaf)rqunberte n. O::qr.) 3U tun f)atte, bie mit ben a>eficftts• punften ber innergriecftifcften Denfgefcfticftte nicftt mef)r 3u falfen roar, um fo nacfthrüdlicfter aber auf toirflicftfeiten aufjerf)a!b berfelben {)in· mies. <Einmal bas pqänomen geficfttet, begannen für bas nun aufo gefcftlolfene IDI)r aUentqalben bisf)er ftumme 3eugen, fei es uHbeacfttete, fei es gän3licft auflerqalb bes flrbeitsbereicftes ber flallifcften pqilologie liegenbe, oerneqmlicft 3u rehen unh lieft roeit über bie a>ren3en ber Dif3iplin unb nocft etlicfter anberer qinroeg 3u einem Kreis naqer Oer• roanhtfcftaft 3Ufammen3ufd}liefjen. Damit aber roar bie pqilologie mitten in iqrem eigenjten Bereid}e, ber iqr monopol 3u fein fcftien, in ber antifen Kultur 3ur 3eit if)rer größten l)errfd)aft unb Ausbreitung, an einem roefentlicften Punfte auf iqre ffiren3e geftoflen, - bie fie nun in Ricfttung auf eine 3ufammenarbeit mit anberen Dij3iplinen entfcftlolfen 3U überieftreiten unternaqm, roobei fie aucft bas toagnis eines geroilfen Dilettantismus nicftt fcfteute. - Die Befreiung ber Blicfricfttung aus ber f)umanijtifcften flusfcftlief3Iicftfeit roar bie entfd}eibenbe trat: Sie fcftärfte bas fluge für rabifal Ungried}ifcftes im griecftifcften Spracft• unb Be· griffsgeroanbe ber 3eit (eben bies "a>eroanb" roar immer bie große formale Oerfüqrung für bie gefamte f)umaniltifcfte ffieiftesgefd)icftte ein• fd)Hefjlicft ber Pf)ilofopf)iegefcfticftte); fie eröffnete ben Brief auf bie "barbarifcften" Komponenten als pojitioe geiftige Prin3ipien in bem a>an3en (lo fragroürbig biefes "a>an3e" als ein folcftes bamit aucft rourbe) - bamit aber 3ugleicft aucft auf bie Refte unb neuen Anfänge barbarifcfter titeraturen felbft, trieb alfo ooUenbs aus bem eigenen Spracftbereicft f)inaus. So 3roang biefe toenbung aus ber Oertrautf)eit ber griecftifcften Denfroelt ben Blicf auf bie Unüberfef)barfeit eines 5rembm, fiel} 3unacftft recftt d)aotilcft Darbietenben.

4

4. 3ulammenfd)lub ber DtJ3q,linen, RnJd)lub ber G>rientalifttt.

4. 3ufammenjd)lub ber DiJ3iplinen; Rnfd)lub ber <Drientaltftif.

nad)bem fo mit ber Suggejtion ber gried)ifd)en Sorm ber ~uma· niftifd)e Bann über~aupt gebrod)en war unb ~ier bie Rbfolut~eits• fteUung bes <6ried)entums fiel, war bies 5elb für eine gro&3ügige 3u· fammenarbeit ber beteiligten Difliplinen freigegeben. Ruf ber einen Seite. ftellte bie am meiften betroffene «:~eologie (b. bie proteftanti· fd)e ber "religionsgefd)id)tlid)en Sd)ule") ben Rnfd)lu& an bie Sorfd)ungs• bewegung ~er (Bouflet), auf ber anbern fü~rte bas immer ftärlere ijeroortreten bes "orientalifd)en" (Elementes - fd)on oor~er in ber (fr. forfd)ung ber ml)fterienreligionen - 3U einer eigenen DOrberafiatifd)• f'l)nfreti!tifd)en Religionsforfd)ung (bef. <I:umont); Semitijtif (tib3· barsfi) unb neuerbings oor allem Jranijtif (Sd)aeber u. a.) gefeUten Iid} ~in3u (fprad)lid} erftrecft Iid} ber l<reis nod} weiter: auf bas «:ürfifd)e unb fogar auf bas ([~inefifd}e, f. u.). So bewä~rt ber S'l)n• fretismus feinen namen aud) in biejem notwenbigen 3ufammenfommen urfprünglid) getrennter Dif3iplinen. (frft in einem fold)en 'fann er über bie 3ufäUige, nad} fprad}lid)en, geograp~ifd}en ober religiös·bogma· tifd}en <6ejid}tspunften erfolgenbe 3erjtücfelung in be3ie~ungslofe (fin3el• ftoffgebiete unb beren 3uteilung an Sonberbil3iplinen ~inaus 3u einer ein~eitlid}en Betrad}tung gelangen. Dies 3ujammenwirfen ber Sorjd}ung ~at in oen le~ten De3ennien ein reid}es material 3Utage geförbert. Jnsbefonbere bie Blicfwenbung 3u ben Q)riginalqueUen bes Q)jtens (unb ber öftlid}en Jbiome) trug reid}e Srüd)te, nid}t o~ne 3utun ard}äologijd}en Sunbglücfes. Die beiben ijauptgeroinne, bie nod} nid}t entfernt ausgewertet finb, feien ~ier gleid} genannt: Die burd} tib3barsfis Uberfe~ungsarbeit neu er• fd)loflenen manbäifd)en (llueUen, unfd}ä~bar für bie l<enntnis auto• d)t~oner öftlid)er (lemitifd}er) <6nojis, bie felbft nad} oiefern granbiofen, 3u frü~ abgebrod)enen tebensroerf erft 3um «:eil (oieUeid)t fogar 3um fleineren ber er~altenen Sd}riftenmafle) 3ugänglid) geworben finb; unb 3weitens bie burd) bie reid}e Ausbeute ber oerfd}iebenen «:urfan• (frpebitionen bes Oorfriegsja~r3e~nts gewonnenen manid}äifd}en Srag• mente, bie eine gan3 neue l<enntnis biefer großen Religion geftatten, inbem fie an Stelle weftlid}er Berid)te Q)riginalqueUen fe~en, - aber 3um gro&en «:eil aud) nod} ber Publitation unb Uberfe~ung {)arten. Beibe Sunbe finb l<riftallifations· unb f\usgangspunfte ber ausgreifen• ben Sorfd)ung geworben.

5. Jn~altlid)t C[~arattertlttf bes neuen Stoffgebtdes.

teitfaben für bas Oorbringen in bas unbetannte <6ebiet blieb im wefentlid)en ber Begriff ber ,<6nofis', ber feine e~emplarifd}eBebeutung

5.

Jn~altlld}t ([~araftertftif bes neuen Stoffge&tetes.

5

immer mieber bemäqrte. Jn meitefter Bebeutung bitbete er fd)liefslid)

ben tritel unb gleid)fam bas Stid)mort für bie gan3e Sülle ml)tl)ifd)er (aud) quali pqilofopqild)er) Spefulationen unb loteriologild)er Kult• praris, in benen Iid) bie uon CDjten qer uorbringenbe esd)atologifd)e n>eltftimmung ber 3eit ausfprad). - n>eld)e ~rfd)einungen fanben Iid) nun unter biefer Kategorie 3Ufammen? .Jnqaltlid) qanbelt es fid) uor

allem um folgenbe <Drunb =m oti oe: Sd)roffer Dualismus

b. q. ftreng transmunbane <Dottesibee - unb n>ibergöttlid)feit ber n>elt als fold)er. Der "Kosmos" als bas Reid) ber Sinfternis; feinblid)es <Degeneinanber non ,tid)t' unb ,Sinfternis·, wobei bie Sinfternis eine aftiue unb urfprünglid)e mad)t bem tid)t gegenüber ift. "Sd)öpfung" als Solge einer Depravation ober eines partiellen SaUes (fd)ulbqafter ober gemaltlamer Rrt) bes <Döttlid)en, ober bas n>erf ber mibergöttlid)en mäd)te ober beibes 3ujammen. RntE)ropos=Spefulation: oor3eitlid)er SaU unb n>eltoerfned)tung bes göttlid)en ,Urmenfd)en'; biefer 3ugleid) fosmogonifd)e Poten3 unb antE)ropologifd)es Prin3ip. teqre uon einer fosmild)en unb einer überfosmifd)en Seele im menfd)en; erftere (= ,tjlux~' im engeren Sinn) ift mitgift ber n>e!tmäd)te, jpe3ieU ber (5eftirne, bie bie Überfosmijd)e (= OaS ,'II"V€Üpa' im menfd)en, Ober ber ,innere, pneumatifd)e menfd)') bei iE)rem SaU l)at polfieren müHen unb unter beren <Defe~ jie l}ier geraten ijt (aftrologifd)e Spefulationen). .Jrbifd)es Dafein als l<ned}tfd)aft in ber Srembe, bas als fold)e fd)on einen Sieg ber Sinjternis über ben bem tid)te entril\enen [eil bar= ltellt. ~rqebung bes ~in3elnen über biefen Welt3wang burd) bie ,<Dnofis'; enbgültige ~rlöfung als n>ieberaufltieg ber Seele (ber "eigent· lid)en" Seele) burd) bie feinblid)en SpE)ären, meld)er ebenfalls nur burd) ben Befi~ ber <Dnofis 3u bemerffteUigen ift. Rblegen ber fremben n>eltE)üUen, Rü(ffeE)r 3um jenfeitigen unweltlid)en tid)t (= DoUenbung ber <Dnofis). CDber: !)erabftieg eines <Defanbten vom tid)t in bie [iefe, ber uon bortqer ben Bann ber Welt fprengt unb bie gefel\elten Seelen aus iE)r qerausfüqrt. - Die a5-runbE)altung alfo: ein antifosmifd)er esd)atologi= ld)er Dualismus; bie <Drunbbemegun g bes ml)tE)os: SaU unb Oerfned)tung,

Rufftieg unb ~rlöfung; bas treibenbe motio: ~ntmel1lid)ungstenben3.

6. Sormale ([~arafteriltif (lUajjififation ber OlueUen).

Diefe motiue finben fiel) in ben mannigfad)jten Bred)ungen unb l>erfleibungen - oft nur mit einem aus ber <DefamtE)eit ifolierten tr:eil· motiu, oft aud) nur mittelbar anflingenb in irgenbeiner fafralen Sormel, einem ml)tqifd)en Bilb - uerftreut über eine grofie geogra• pqild)e Rusbeqnung unb über eine feqr bifparate titeratur. n>ir d}arafteri[ieren bie 3eugnille fur3 nad} iE)ren !)auptflaHen:

<Dott=n>elt;

6 b.

Sormale ([~araHeriftif (K!alfififation ber QlueUen).

&) Die ~eibni!d)•gried)ifd)e Cbruppe.

(l)e~en mir, bem <Einfa~ ber Sorfd)ung entfpred)enb, non ben Hermetic& als bem e~emplarifd)en 3eugnls blefer Cbruppe aus, fo !toben mir einerfeits (gleid)· tarn nad) "unten• ge~enb in ber geift!gen Stufenleiter) auf magifd)e Unterfd)id)ten ber Religion, nieberen unb l)öl)eren 3auber: ägqptifdJ·~eUeni!tifd)e 3auberpapqri, ald)emi!tifd)e Sd)riften, oerftreut be3eugte aftrologifd)e t>orfteUungen. - Das ()er• metifd)e Sd)rifttum fdbft ilt burd) ein ftattlid)es ([orpus oon ti:raftaten, auberbem burd) Brud)ftüde bei on·fdliebenen fpäten Sd)riftfteUern (Stobaeus, f:actan3 u. a.) repräfentiert. mtt ber l}ermes·Rdlgion auf gleid)er <Ebene, wenn aud) o~ne beren ölfentlid)•literari!d)es Dafe!n, Jtel)en bie l)eUeniftlfd)en mqJterienreiigionen, bie mol)l in oerfd)iebenem mabe bem gnojti!d)en Krelfe angel)ören unb benen Iid), fome!t jie uns befannt finb, mand)es 3eugnis über bie l)eUeniftijd)e Cbeftalt ber fraglid)en Jbeen• weit abgewinnen liifit. <llueUen finb: Berid)te jpätantlfer Sd)riftfteUer über jold)e mqJtet!en (Apulejus, Plutard) über Jfismqfterien, <Drigenes c. Cels. über mit~ras· mqfterien u. a.) unb in feltenen SäUen Refte liturgifd)er ti:e~te aus i~nen fdbft ("mitl)rasl!turgie" ?). - nad) "oben" jd)lieblldJ reid)t gnoftijd)e Ausftral)lung bis in blt Spl)äre ber fpätantifen P~ilofopl)ie: Pl)ilo non A!eranbrien, neupqtl)a· goreismus unb neuplatonismus, bie Iid) mit mannigfad)en Spdulationen, Begriffs• b!Ibungen unb ttl)i!d)•tdigiöfen Jbeen in biefen 3ujammenl)ang einfügen. Be3üg• IId) bes neuplatonismus gilt bas nid)t nur für einen Porp~qrius, Jamblid) ober überl)aupt für bie fpäteren, orientalifierten ("oern>ilberten") Sormen, fonbern aud) für Plotin fdbft; unb bicjer ijt eine gnoftifd)e QlueUe nid)t nur burd) feine Sd)rift gegen bie Cbnoftifer, lonbern aud) unb oor allem, wie mir nad)n>elfen wollen, in mefentlid)en ti:ei!en feines eigenen Denfens, - wobei bie eigentümlld)e über• fd)neibung mit original·gried)ifd)em Denfen bas ein3igartig Rei3ooUe biefes groben Cbeiftes ausmad)t. b) Die d)riftlid)•gried)ifd)e (l)ruppe. Jm d)riltlid)en Bereid)e ilt es in trfter (inie bie fe~erbejtreitenbe (iteratur, bie, wenn aud) in tenben3iöjer DarfteUung (unb bal)er mit Kritif 3u benutJen), bie l}auptqueUe für unfere Kenntnis ber Cbnofis bilbet; alfo Jrenäus, l}ippolqtus, <Epip~anius, bie Ale~anbriner ([lemens unb <Drigenes u. a. unb bejüglid) marcions oor allem ti:ertuUian. J~r QlueUenmert liegt 3uaUerertt in ben 3a~lreid)en n>ört• Iid)en 3itaten unb Aus3ügen aus gnoftijd)er (iteratur (meijt Brud)~tüde oerjd)ie• benften Ausmabes, aber aud) ein fo n>id)tiges (6an3eS wie ber naaflener•fjt}mnus bei l}ippolqt ober ber Brief bes ptoiemaeus an Slora bei <Epipl)anius); bann in ben Berid)ten über gnoftifd)e (el)ren unb Kulte; fd)lieblidJ eingejd)ränft aud) in ber polemif. - (6an3 oerein3elt finb d)riftlidJ•gnoftifd)e Sd)riften aud) unmittelbar erl)alten: bie fopti!dJ•gnoftifd)e (iteratur, bie "<Dben Salomos"; in gemiflem Sinne ba3u aud) bie Acta Thomae 3u red)nen (biefen oerbanfen mir bie <Er~altung einer ber !d)önften gnoftlfd)en Did)tungen: bes "Seelen~qmnus" ober bes "(lebes oon ber Perle"). - über biefen erflärt gnoftifd)en Bereid) ~inaus fteUen fid) aber einer fd)ärferen, oon ben mitteln ber oergleid)enben Begriffs• unb ti:erminologie•Sorjd)ung unterftütJten Analqje aud) weite Streden legitim d)riftlic:ljtn Sd)rifttums als in irgenbeinem Sinne im Ausftral)lungsbereid) gnoftifd)er t>orfteUungen Iiegenb ~er• o.us: bei ber urd)riftlid)en f:iteratur gilt bas faft für ben gan3en auberjqnoptijd)en [eil bes n. a:.s, alfo in erfter l:inie für paulus unb ben <Eoangeliften Jol)annes; (babei bleibt u 3unäd)ft gan3 ba~ingejtent, mie weit im ein3elnen SaU bie 3u•

6. Sormale ([~arafttriftif (l<Iaflififation ber QlueUen ).

7

ge~örigfeit iiber Begriffsal)parat, Bilberjdja~ unb ftereotqpe Sormein ~inaus in b!e eigentlidje SubJtan3 ber (6ebanfen ~inabreid)t: audj in ber Beeinflulfung ber formalen Seite, ber Ausbrucfsfprad}e einer titeratur befunbet Iid) ja madjt unb Ausbreitung einer Jbeenmeit). Don ben Apofrqp~en nannten mir bereits bie l[~omasaften; bebingter unb in »erfd)iebenem <firabe fommen audj anbere (3. B. bie p~i!ippusaften, bie Ascensio Jesajae, bas "lleftament bes f)iob") ein· ldJiiebiid) ber jüblfd}en Apofalqptif als Sunborte in Betradjt. - Don ber patriftif lft ts befonbers ber l<rtis ber ale~anbnnifdjen Spefulotion, in erfler tinie CDrigenes, ber Iid) uns bis tief ins 3entrale feines Denfens ~inein gnofti!d)em <6eifte 3uge~örig ermeifen mirb. lleils oon biejem, teils oom neu· platonismus im Spefulatioen ab~ängig bann btt lliöndjsmqftif, bejonbers ba· grius ponticus (unb bie jpätert Uberfttlgerung eines Dionqfius Areopagita); iiber~aupt ber gan3e Bereidj rdigiöjen Denfens, bn burdj ben Begriff nvtV)IOTtK6> (ober Ieine Aquiualente) unb ben (6egenta~ ojlux••6> -nvtv)lam6s mejentlidj beftimmt ilt - aljo be3eidjntnbermeife burdjmtg ~rld)einungen ber ö!tlidjen l<irdje, unb 3mar foldje, bit fidj mit biejem gnoftijdjen (finfdjlag audj ber ort~obo~en Ridjtung immer uerbtid)tlg gemad)t ~aben (IDrigenes, (fuagrius !). Bei ber möndjsmqftif ~anbelt ts Iid) babtl nid)t nur um bie Jpefulatioe Seite, bie polemildJ in Anat~e· matismen 3u foflen mar, tonbern meitge~en~ aud) um reiigiöfe praris, bie nur ben madjtmitteln unmittelbarer l<ird)enbil3iplin 3ugänglidj mar (als Hanflift aus• gefod)ten im l<ampf ber Hierihr gegen bie Pneumatiter mä~renb bes 4. unb

5. Ja~r~unberts).

c) Die orientaUjd}e <6ruppe

nun aber treten mir aus biefem gan3en Bereidj griedjifdjer (b3m. lateinifdjer) Spradje unb aud) geograp~ild) aus ben <6ren3en bes ~eUrniftifdj•römlfdjen l<ultur• Imperiums ~eraus unb ~iniiber in bas öftlidje l<erngebiet biejer Jbeenprobuftion. Unb ~ler !toben mir auf ble er~a!tenen 3eugen jener groben esd)ato!ogifdjen Be' megungen unb Religlonsbilbungen, bie ber tieferregte IDften in biefen Ja~r· l}unberten l}eruortrieb: auf bie manbäijd)e unb auf bie manid)äifd}e titeratur, Don benen uns bie erftere fogar in i~rem ooUftänbigen ([orpus, menn audj beflen Re• baftion n!ei fpäteren Jal)r~unberten ange~ört, er~alten ift - bie ein3ige gnoltifdje IDrlginaiiiteratur iiber~aupt, bie als Sdjrifttum einer fortbefte~enben Religions• gemeinfd)aft bis in ble <6egenmart burdjiiberliefert murbt. Die Urfunben beiber

Religionen finb gerabe megen i~res aubergried)ifdjen a:l)arafters Don uni<flä~· barem Wert. Sprad}lidj ge~ört bas manbäijdje Sdjrifttum gan3, bas manid)äii<fle in ber <firünbungsp~afe ber Religion - man! jdjrieb feine lDerfe mit einer (per• f!id)en) Ausna~me jqrifd) - bem l<reife ber aromäijdjen Jbiome an. Der mani• djäismus 3e!tigte aber als fosmopol!tifdje miflionsberoegung über feinen (gröbten• teils uerlorenen) ft)rlfd)en IDriginalfanon ~inaus eine umfangreid)e t~eologifdje

unb Iiturgijdje titeratur in ben jemei!igen nationalfpradjen feines Ausbreitungs• gebietes, bie nad) Weften bis ins tateinifd)e (befonbers bei Auguftin iiberliefert), nadj IDiten bis in ble 3entrala(iatifd)tn Spradjen (mitteltürfijdj) unb fogar bis ins ([~inelifdje ausgriff. <fierabe oon bem öJtlid}en [eile biefer (frpanfion finb neuer•

bings autl}entifd)e Refte auf uns gefommen (bie fogen.

übrigen finb bie manld}äifdjen QlueUtn, ebenfo mie bie d)riftlidj•gnoftifd)en, nor•

miegenb aus ber fe~erbeftreitenben titeratur bu ([l)riftentums 3u geminnen. Sür bie tateiner nannten mir td)on AuguJtin; bei btn <6ried}en: A!elanber oon i:l)copo!ls,

(manbäijdje unb manidjäifdje titeratu r).

llurfan•Sragmtnte).

.Jm

8 6.

Sonnale ~l)aratteriltif (Kialllfifation ber CllueUen).

~itus Don Boltra, bie Acta Archelai u. D. a. ( aucf) bie griecf)ijcf)en Rnatl)ematismen) l)öcf)ften QlueUenmert aber l)at ein Sqrer, ber nettorianer «:l)eobor bar Kl)onai burcf) feine DarlteUung ber manicf)iiifcf)en Kosmogonie, bie grö&tenteils mörtlicf)e! ctr3erpt aus einer <Driginalfcf)rift manis ilt. ctine Iette manicf)iiijcf)e CllueUe fd}lie&• lief) flnb arabijcf)e Religionsl)iftorlfer (ctn.nabim, Scf)al)raftani u. a., befonbers be1 ausfül)rlicf)e Berid)t im Sil)rilt" bes erfteren). nur bie 3entralafiatijcf)en manlcf)iiel jprecf)en, mit geJagt, aus ben ermäl)nten mittdperfifcf)en, türfild)en unb d)inejijd)er Sragmenten ber ([urfanfunbe unmittelbar 3u uns'). - Ruf bas Jnl)altlid)e an• gejel)en ilt bleje titeratur bu O>ftens mqtl)otogijcf)er, pl)antaftijd)er unb ins. bejonbere im ctsd)atologifd)·Dualiltijd)en 3ugleid) gegenftiinblicf)er unb leibenlcf)aft• lid)er als bie parallele bes IDeltens. Das joteriologifd)e moment ift bort unmittel· barer eins mit bem fosmologild)en (t}eilsgefcf)eqen als (l)efcf)el)en bes objeftioe~ UniDerjums) unb lft anbererjeits meqr ein 3Ufammenqiingenber KolieftiD• als ei~ jemeiliger JnbiDibualDorgang; b. q. es 1ft meniger entbinglicf)t unb inbioibualijier1 als im lDeften - alfo meniger ,.qeUeniftifcf)". (Demnacf) gel)ört 3· B. aucf) eint Bemegung mle ber monthnismus 3U biejem jpe3ifild) öjtlicf)en O:qpus, DOn btl jübllcf)•d)riltlicf)en Rpofalqptif gan3 3u !d)meigen.) Das Urjprünglicf)feitsoerl)ältnis 3mi!d)en bem öftlid)en unb bem meftlicf)en «:qpus in Riidlicf)t auf ben gemein• jamen CllueUgrunb ift ftrittig, mie alle bieje gegenfettigen Oerqältnil!e in ber feqt meitgejpannten mannigfaltigfeit DOn Differen3ierungen. lDir bel)aupten, ba& bic öftlicf)en CErjd)einungsformen unb bie religiöfen lDirflicf)feiten, beren 3eugen fie flnb, ber urfprünglid)fte Rusbrud ber in Srage fteqenben DajeinsDerfaflung jinb. Dod) baoon jpäter. - Den unmittelbaren 3eugniflen bes O>ftens lcf)ließen Iid) bann nocf) mittelbare an: nad)rid)ten über O:äuferjdten im O>ftjorbanlanb bis nad) mefopotamien unb bie arabifd)e IDüfte; eine nacf)ricf)t mie bie bes ([e(jus bei <Drlgenes (c. Cels. VII 8f.) über bas Sd)marmgeijtertreiben famaritanifcf)er propl)eten mit fl)rer Oerfünbigung DOm beDorftel)enben IDeltenbe unb DOn il)rer eigenen foteriologijd)en unb mqtqologifd)en Bebeutung. Serner unter gemiHen ml)tqograpl)ifcf)en (i)ejid)tspunften (Urmenfd)leqre) O:eile bes jüngeren Rmefta unb felbft Bericf)te ijlamijd)er Sd)riftjteUer (im mejentlid)en mieber bie oben genannten). IDiemeit ble jübijd)e Kabbala ober ein3elne Spefulationen berjdben l)ier ebenfalls 3ugel)örig linb, mage fd) mangels genügenber Kenntnis nid)t 3u entjd)tiben; ein motiD mie bas bes fosmijd)en ,.Urmenfd)en" (),~1j? D1N) bejeugt 3Uminbelt ml)tl)ograpqifd)e Be3iel)ungen.

l}iermit ~aben mir im ffirohen ben Bereilil abgeflilritten, ber burlil bie oben ffi33ierte lDeltbeutung beftimmt ift; ober (für ein3elne ffilieber wie Piotin unb CDrigenes uorfililtiger gejagt:) lilil als burlil fie beftimmt ermeifen läht. Darüber, was ~ier "bejtimmt fein" bebeutet, werben mir uns nä~er aus3ufpre1ilen ~aben; jebenfaUs ift es primär nililt als Iiterariflile ober fonftmie ftofflilile Ab~ängigfeitsbe3ie~ung 3u uerfte~en, wenn es lilil aulil notmenbig in ftofflid)en ffiemeinfamfeiten äuhert unb ~ierin 3unälilft fahbar ilt, wobei fiel) in ber uerfelbftän· bigten Au&erungsfd)ililt bann mannigfaltige Ab~ängigfeiten unb <Einfluh· be3ie~ungen fi~ieren lalfen. primär aber meinen mir Beftimmtfein aus

7. 3um I1Jpus ber &fs~erfgen Sorjdjung.

9

bem (J)runbe einer faftifd)en Daleins~altung, bas

3ie~ungen erft trägt unb in i~rer inneren Bebeutung beftimmt.

iene ltofflidJen Be·

Uber

biefe p~ilofop~ifd)e (für bie met~obologie ber (J)eiftesgefd}id)te über~aupt

wid)tige) Srage fpäter; uorerft fa~ren wir mit unferm wiffenfd)afts• gefd)id}tlid}en Berid)t fort.

7. 3um ll)pus ber bfs~erlgen Sorjdjung.

Die motin•gefd)id)tlid)e 1 ) Sorfd)ung ~at, inbem fie bie unter bem U:itel ber "(J)nofis" irgenl>wie vereinigten mannigfaltigen <Ein3elmotiue nad) ijerfünften uni> Auswirfungen, Uorbill>ern uni> Ab~ängigfeiten, parallelen, Uerwanbtfd}aften unb Abwanblungen aUfeHig verfolgte, nad) unb nad) aUe aufge3ä~Iten Prouin3en bes oben umfd)riebenen Bereid)es wenigftens einmal berü~rt, auf biefe Weife fel)r entfernt fd}einenbe (J)ebiete erftmalig 3ueinanber in Be3iequng fetenb; bamit aber eben ben erften Sd)ritt ba3u getan, biefen Bereid) überqaupt als einen in Iid) 3Ufammengel)örigen für bie tf}eoretifd)e Betrad)tung 3u fonftituieren. Denn lie fanb il)n nid)t als einen fold)en uor. 3unäd)lt beftanb ja ber neue <Einfat ber Sorfd)ung gerabe barin, ba& er mit bem gefd)ilberten Abgel)en non ber qumaniftifd}en tinie eine alte Siftion non <Einqeit preisgab; unb eben bies war ber erfte Sd}ritt 3ur <Erfd}lie&ung bes unbefannten (J)ebietes, l>a& man fiel} gegenüber l>er Oertrautqeit unb <Einbeutigfeit bes f}eUeni!d)en <Elementes bie rabifale ijeterogeneität unb vorläufige Unbefanntf)eit ber nid}tgried}ifd)en <Eie• mente 3um wifienfd}aftlid)en Bewu&tfein brad}te. nid)t ein einqeitlid}es Jnterpretationsfelb tat fiel) auf, fonbern 3unäd}ft el)er ein für feine Jn· {}alte unuerbinblid)er teerraum vieler ffiöglid}feiten, bem burd} ben namen bes "St)nfretismus" biefe feine inl)altlid}e Unuerbinblid}feit - unb bamit eine weitgeqenbe Difparatl)eit unb felbft Be3iel)ungslofigfeit feiner Jnl)alte gleid}jam legitimiert war. Die "ffiijd}ung" mad}te einen d)aotijd)en <Einbrucf, jobalb man {}inter bie, bem f}iftorijd}en Berou&tfein oor3üglid} lid}tbare, l)eUenijd}e Sd}id}t 3urücfging. Sogleid} aUerbings ging l>ie Sorfd)ung l>aran, auf iqre Weife <Einqeit in bas [qaos 3u bringen unb beqerrfd}enbe tinien f}eraus3U3eid}nen. Ruf iqre Weife:

mir gebraud)ten ben Husbrucf "motio•gefd}id}tlid}e Sorjd)ung" unb woUten bamit ben qerrjd}enben, "pqilologijd)en" [t)pus ber Durd)· leud}tung eines geijtesgefd}id}tlid)en 3eugnisfomple!:es fenn3eid}nen, ber in if}m am teitfaben beftimmt 3u be3eid}nenber ltofflid}er <Ein3elmotioe

1 ) wmotiu" ~ier im 9 eg en ft ä n b Ii dj en Sinne uerftanben, mie "motiue" (.,teftmotioH) in einer Didjtung, einem mujifftüd, nidjt im pfl)d)ologild)·ptrfonalen; aljo nidjt = Bemeggrunb, fjeroorbringenbes, jonbern bem objdtioen Bereidj bes fjeroorgebradjten ange~örig.

10 7. 3um U:t)pus ber bls~ertgen Sorlcf)ung.

Dorge~t unb in ber Sreilegung i~rer ijauptlinien, bes ne~es i~rer Oberfd}neibungen unb Kreu3ungen unb uor allem in ber ijerfteßung

i~rer Def3enben3en unb Af3enben3en feine wefentlid)e Aufgabe fie~t. Die motioe mögen mt}tf)ograp~ifd)e ober terminologifd)e fein, be· ftimmte gegenftänblid)e Dorftellungen ober tt}pifd) ~eraus~ebbare Be· griffsmotiue ober ftiliftifd)e ober weld)e aud) immer: iebenfalls ~anbelt es fiel) um bie ftofflid) ibenhfi3ierbaren r6n-oa in ber Iiterarifd)en Auße• rungsfd)id)t eines gefd)id)tlid)en Dafeins, bie als fold)e uerfelbftänbigt unb eigenftänbig t~emati!iert i!t. nad) biefem prin3ip ging bie gan3e CErforfd)ung unferes Auslegungsbereid)es uor Iid), unb es fonnie nid)t anbers fein, fofern es ja 3uerft fiel) einmal bes materiellen Befunbes 3u uerfid)ern galt. neben ber Sonberung ber ijauptmotiue unb i~rer Oer• folgung burd} aUe Oer3weigungen i~rer literarifdjen, 3eitlid)en unb räumlid)en Ausbe~nung ift es jpe3iell i~re Rüdoerfolgung 3u ben

"Oluellen",

b. f). 3u i~ren 3eitlidj früf)ften Sormen, was ein ijaupt·

intereile biefer Sorfd)ung ausmadjte: infolge einer eigentümlid)en, nod) 3U analt}fierenben <T>runbeinfteUung fa~ fie in biefer Rüdfü~rung 3u ben Ardjett}pen, in ber möglid)ft lüdenlofen ijerfteUung einer gegen• ftänblid}en <T>enealogie il}r wejentlid)es Cfrfenntnis3iel; ein motiu war

befriebigenb eingeorbnet, bewältigt, erflärt, wenn unb foweit bie Rüd· füf)rung gelungen war: bie d)ronologifd)e äpx~ i!t mit ber ~ermeneu• tifd)en, bem Cfrl}eUungsgrunbe ber Jnterpretation gleidjgefe~t. Damit

orbnet fiel) bi~fe Sorfd)ungsridjtung in ben il:t}pus ber geneti!d) er• flärenben lDilfenfdjaft ein, aber woi)lgemerft: erflärenb nid)t burdj Rüdgang auf unterliegenbe Re a 1faftoren jold)en ibeeUen <T>efd)e~ens, alfo auf ben gefamten empirifdjen tebens3uftanb jener <T>ruppen, bie feine fontreten il:räger waren - l}ier3u wäre gerabe eine Durdjbredjung

<Ebene erforbert 1) -, fonbern erflärenb burdj inneribeeße

Siliationen, benen eine eigentümlid)e, abgelöfte l<aufalität in fidj felbft 3ugejtanben wirb. <Es ilt alfo m o r p l} o 1o g i Id) ·faufale <Erflärung, infofern bie morpl}ologifd)en <T>ebilbe felber foroof)l bas lDirfenbe wie bas Be• wirfte finb u'lb if)re Determinationen rein unter fiel) in if)rer 3eitreif)e bilben, alfo für bie <Erflärung nidjt tranf3enbiert 3u werben braud)en.

- über biefes genealogifd)e Prin3ip ber St}nt~efis ging bann, in ber

ber ibeeUen

Rid)tung auf bie ijerftellung einer <Ein{)eit, nur nod) bie Srage {)inuus, weld)es uon ben fo gefonberten unb rüdoerfolgten motiuen bas oor• {) e rr I d) e n b e in bem <T>an3en ift, ober weldje me~r3a{)l uon fold)en gerneinfam bie ijauptfaftoren in i{)m finb. Dies ift bie le~tmöglid)e

1 ) über biete möglicf)felt u. nr. 17 bieJer ~inleitung.

8.

3um Begriff bes "S!Jnlrdfsmus" unb btr 3bee einer mi5glilflen fin~tft utm.

11

Jbee Don <Ein~eit auf biefer Betrad)tungsebene; fie ift Don Dorn~erein barauf eingefteßt, fiel) aud) mit einer me~r3a~l Don irrebu3iblen <Eie• menten ab3ufinben. <Es ift bie <Ein~eitbes meiterDerbinbbaren <Elementes. Die <Ein~eit in bem gan3 anberen, abfoluten Sinne aber, als bas in ber triefe 3ugrunbe Iiegenbe Prin3ip bes Dafeins felber, Don bem aus <Er3eugung, Aneignung unb t>erbinbung jener <Elemente feiner ituüe• rungsfd)id)t erft erfolgt, jene eigentlid)e <Ein~eit, bie aßerbings aus ber 3eugnisroelt mit i~ren tl}pifd)en motioen unb beren Kombinationen

erft ~ermeneutifd) 3u refonftruieren ift - fie fte~t ~ierbei nid)t in .Srage.

nad) i~r. über~aupt nad) einer le~ten <Ein~eit 3U fragen, Derbot

~iefem .SaU fd)on ber Begriff Don "Sqnfretismus", mit bem mir es

~ier 3u tun

le~ter <Elemente erroarten, unb roenigftens biefe aus ber oerroorrenen

.Süße ber <Erfd)einungen 3U ibentifi3ieren unb rein bar3ufteßen muüte fd)on als ein bebeutenbes unb glüdlid)es Refultat gelten.

8. 3um Begriff bes "Sqnfretismus" unb ber Jbee einer mi5giid)en fin~eitbesCfirunbes.

Diefer Begriff bes Sqnfretismus ift bas eigentlid) fritifd)e .Saftum im Anfa~e ber gan3en Sorfd)ung. Das <Einftrömen ber Dielen, in i~ren Urfprüngen nid)t überfe~baren ffieiftesformen in ben 3ioilifationsraum ber Diabod)enreid)e uno fpäter bes römifd}en Jmperiums lieb nur bas Bilb einer mifd)ung 3u, unb 3roar einer mifd}ung oon morp~olo· gifd)en <Elementen, bie je oon fiel} ~er gefe~en nur 3ufäUig 3ueinanber traten, urfprünglid} be3ie~ungslos unb einanber äuberlid}, nun aber, einmal in ein Kräftefqftem 3Ufammengebrad}t, 3mangsläufig aud) ein neues fd)ufen. <Es ift ein d}emifd}es Bilb, gan3 aUgemein bas Korrelat einer ob j eftgefd)id)tlid}en, bin g ge!d}id)tlid}en <Einfteßung; es fabt ben Sqnfretismus nad) einer fold}en Seite, nad) ber er in ber O::at in bas Sunftionsfpiel gegenftänblid)er Kaufalitäten im roeiteften Sinne ge~ört ober ein fold}es Sunftionsfpiel barfteUt - benn aud) ber Bereid) ber Iiterarifd)en Dofumentation, über~aupt ber quafi binglidp oor~anbenen Ausgefprod}en~eitift ein ffiegenftanbsbereid} mit eigenen inneren Kaufal· gefe~en. So ift es in ber O::at ber fo gefabte Begriff bes Sqnfretismus, ber Don ber Srage nad} einer tieferen <Ein~eit entbanb. Wir aber fragen, ob biefe .Srage nid}t bod} 3u fteUen ift - unbefd}abet biefer <Erfd)einungsfeite bes Sl)nfretismus. Jn biefem .SaU roäre bas DOr• läufige Refultat ber ftofflid}·p~ilologifd}en Spe3ialforfd}ungen als neue Aufgabe ernft 3u ne~men, b. ~. als Aufgabe einerneuen Befragungs• ro eife biefes eben fonftituierten geiftesgefd)id}tlidpen CDbjefles, bie i~m bemgemäü aucfJ anbere Antroorten ab3ugeminnen tracfJtet.

in

~aben: gerabe er lieb oon oorn~erein nur eine me~r~eit

12

9. Der tranf3enbentale "lbrunb" in !einer lbeld!id)tlid)feit.

Die motio·gefd)id)tlid)e Sorfd)ung ~at es als objeftgefcflid)tlid)e mit ben fertigen Probutten bes inneren, fid) in i~nen "entäu(Jernben" Da·

feinsgefd)e~ens 3u tun, wenn aud) biefe Probutte inner~alb i~res

eigenen Seinsbereid)es mieberum i~re eigenen genetifd)en pro3e1te

3eitigen (es finb bie Kaufalitäten inner~alb ber oergegenftänblid)ten unb bamit in geroilter lDeife oerfelbftänbigten Rusbrulfs!d)id)t); auf

fie trifft bas Bilb ber

tismus bas probuft bie!er Probutte: bies ilt bie ontologijd)e Struttur feines Begriffes, fo wie er im Rnja~ ber Betrad)tung fungiert. Unb biefe Betrad)tungsmeife ~at iqr oolles Red)t, ba biefe ffiegenftanbs!d}id)t tatfäd)lid) befteqt, bas 3unäd)jt ein3ig ffiegebene i!t unb nur oon ibr aus ein etwaiger RÜifgang in bie Urfprungsfd)id)ten möglid) ilt. Da· qer ift !ie 3uer!t in i~rem gan3en Bejtanbe 3u fid)ern: unb eben bies war bie Rufgabe ber pqilologifd)•religionsgefd)id)tlicl}en (motiogefcl}id)t• lid)en) materialforfcl}ung. Rber wo fie ans 3iel gelangt i!t, fängt bie neue 5rage erft an, bie eigentlid)e, wie mir meinen: bie fd)on ermäqnte nad) ber le~ten mur3elqaften <Einqeit bes Prin3ips in biefer <Erfcl}einungsmannigfaltig· feit. Diele 5rage leitet nun in lDaqrqeit eine nod)malige ffiefamt• bearbeitung bes ffiegenjtanbes ein unb begnügt Iid) teinesmegs mit ber blofJen Seft!tellung jenes "prin3ips": jie füqrt 3uerjt 3u ber e~ijten3ialen 1Dur3el felbft, b. q. 3U ber "gnoftifd)en" Dafeinsqaltung; oon iqr aber 3urülf 3u iqren unmittelbaren <Dbjeftioationen, b. q. jenen primär gnoftifcl}en 3eugnilten, benen fie regreHio abgewonnen murbe unb bie iqr nun in iqrer oollen Jnqaltlicl}feit in concreto 3u3uorbnen finb; !d}liefJlid) oon bort 3u ben entfernteren tr:ransformationen besfelben Prin3ips, bie erft burd} biefe e~ijten3iale Rücfbe3iequng als im ffirunbe ebenfalls "gnoltifd)e" ffieftaltungen flal!ifi3ierbar werben, burd) biefen "ffirunb" alfo aud} (unb allein burd) iqn) mit jenen bireft·gnoitifd}en 3eugnilten eine <Einqeit beftimmter Rrt bilben. So füqrt gerabe bies Rebuftionsoerfaqren, bei feiner Rülfwenbung 3u ben literarifd)en ffie• gebenqeiten, 3U einer <Erweiterung bes Stoffbereid)es. - über bies Der· fa~ren unb feine illltematifd)en t>orausje~ungen qaben mir uns jetit näqer 3u erflären.

9. Der tranlltnbentale .,lbrunb" in !einer lbeld)id)tlid}feit.

lDenn mir oon ben "fertigen Probutten" als bem ffiegenftanb ber objeftgefd)id)tlid}en Sorfd)ung fprad)en, fo war bamit qingebeutet auf ein bem 3ugrunbe liegenbes Probu3ierenbes. Dies oerfteqen mir nun qier nid)t als bie jeweiligen empiri!d}en Subjette (inbioibuelle ober

ffiifd)ung primär 3u. Dann ift ber Sl}ntre•

9. Der ttcmf3enbentclle "Cirunb" in felntt Ciefcllld!tlitf!fett.

13

foUeftiDe, etl)nologifd)e ufm.), bie ja felber Sd)nittpunfte un3äl)liger Kautallinien außer il)nen finb, fonbern als bie <firunbl)altung bes Da· feins in jener llrfd)id)t ber imaginatiDen flpper3eption bes Seins, oon ber aus fiel) als gefd)id)tlid)er Art bie übergreifenbe Konftitution ber "lDelt" unb bes DafeinsDetl)ältniHes 3ur lDelt für eine gan3e

fo, bafJ biefe urfprünglid)e Konltitution ber a priori

Derbinblid)e l}ori3ont bes Welt• unb SelbftDerftänbniftes für bie

betreffenbe <Epod)e unb bie empirifd)en

belfen fid) alle jemeiligen ausbrüdlid)en RuslegungsDerfud)e, ·bifferen3en unb •manblungen, bie im übrigen als empirifd)e Realitäten ben melt• l)aften Kaufalitäten unterftel)en, D0U3iel)en müffen. - Das probu3ierenbe Derftel)en mir alfo als bas tranf3enbental KonftitutiDe, bas jemeils in einer faftifd) gefd)id)tlid)en <firunbDerfaffung "bes Dafeins" mur3elt. Von l)ier aus mirb bie gan3e Weltbeutung Don ben rol)eften ml}tl)ifd)en bis 3u ben fublimften pl)ilofopl)ifd)en Sormen in einem ffiefd)id)ts• bereid)e beftimml, ber l)ierl)er überl)aupt feine mefenl)afte <Einl)eitlid)• feit unb <Einl)eit be3iel)t, aus biefem ffirunbe unb traft feiner einen Bereid) bilbet. <Es ilt bas fd)led)tl)in RU·ffiemeine in il)m, bie 3entrale <Einl)eit feines Prin3ipes. Diefes ift felber feinem Wefen nad) gefd)id)t• lid) - DieUeid)t bürfen mir nid)t einmal fagen: gefd)id)tlid) "bebingt":

Subjefte in il)r ift, inner 1) a I b

~pod)e 3eitigt -:

o& biefes 3entrale Sinngebungsprin3ip felber aud) Sunftion inner• gefd)id)tlid)er Kaufalpro3effe ift ober Dielmel)r einmal be3iel)ungslos, eine urfprünglid)e ffieburt, in bie 3eit tritt, fid) entfaltet unb nad) <Er• fd)öpfung feiner möglid)feiten mieber Derfd)winbet (wie Spengler meint), ift 3unäd)ft burd)aus bal)ingefte1lt. - Wie bem aud) fei: jebenfaUs ift eine fold}e eliften3iale Wur3el als bas einl)eitlid)e unb einl)eitgebenbe Prin3ip für jeben 3eitgefd)id)tlid)en 3eugnisfomplel a priori 3u poftu• lieren, fofern in il)m überl)aupt eine aftiDe Probuttion Dorliegt; es ift jemeils ein Dafein, bas biefes Sl}ftem Don Au{Jerungen fid) aufgebaut l)at, in biefer 3eugniswelt fid) be3eugt, in il)r fein Sein objeftiDiert - mobei aud) eine l}eterogeneität Don 3eugniselementen Don bortl)er 3Ufammengel)alten mirb.

mirb 3u

einem praftifd)·metl)obifd)en Prin3ip im geiftesgefd)id)tlid)en l>erfal)ren:

lie bered)tigt unb Derpflid)tet ba3u, auf biefe Wur3el l)in bie gegebenen <Erfd)einungen 3U befragen, fie auf fie l)in gleid)fam ab3ul)ören, um mit il)r bas 3entrale Prin3ip il)rer Deutung in bie l}anb 3u befommen; bafJ ein fold)es überl)aupt 3ugrunbe liegen mufJ, ift bas geiftesgefd)id)tlid)e Apriori unb bemnad), wie gefagt, jeweils Don Dornl)erein 3u "oftulieren.

Diefe ffirunbDorausfe~ung, grünbenb im Wefen bes Dafeins,

14

10.

P~ilofop~ifd?e t;Ufsmittd aus ber aUgemeinen DafthtS•fdenntnis.

10. p~Uofop~ifd)e qilfsmittd aus ber allgemeinen Dafetns•frfenntnts.

Diefe lDuf3el ift aus ber literarifd! uor~anbenen Außerungs• mannigfaltigfeit 3u er~eben unb erft bies ift bas eigentlicf!e ~ermeneu• tifd)e C6efd)äft. l)ierfür müffen gewiffe Befragungs~infid)ten 3u C6ebote fteqen, bie il}rerfeits nid)t erft Probuft ber pofitiuen ontifd)en <Ein3el· forfd)ung finb, fonbem einer Dertrautqeit mit bem ontologifd)en lDefen oon Dafein über~aupt entftammen, alfo p~ilofop~ifd)en Urfprungs unb G:~arafters finb unb fo aud) bie betreffenbe geiftesgefd)icf!tlid)e Jnter• pretation felbft, obwol)l fie ontifd)•pofitioe Sorfd)ung bleibt, bod) 3u einem Jpe3ififd! p~ilofopl)ifd)en Unteme~men mad)en. Das 3iel ift, bie Struftur ber betreffenben Dafeinsoerfaffung 3u berjenigen pl}ilofopl}ifd)en Derftänblid)feit 3u bringen, bie bann felber als Derftänblid)feits q u e 11 e bie Perip~erie bes gegenftänblid)en Außerungsbereid)es 3u erleud)ten oermag. l)ierfür aber muß fold)e Oerftänblid)feit, b. q. bas Prin3ip berfel&en, fd)on im Anfa' ent~alten fein: ber Ausgang muß oon einer bereits uerfüg&aren pl)ilofopl}ifd)en Dafeinserfenntnis l}~r genommen werben, wenn biefe aud) nid)t inqaltlid)e Refultate bereitfteUt, fonbern im wefentlid)en bie Art unb lDeife bes Befragens uon Dafein aus feinem togos ~}er. Die Seinsftrufturen aus ber reinen Dafeinsanall)fe werben 3U fontreten Befragungs~infid)ten gegenüber gefd)id)tlid)en Da= feinsformen: bie ontologifd)e <Einfid)t 3· B., baß bas Dafein fiel! fon• ftitutio 3U einer Welt oerl)ält, beren l<onftitution es uon fid) ()er in fpe3ififd)en Auslegungen unter~iilt, fo baß fid) l)ierin aud} fein innerfies Selbftoerl)ältnis realifiert, unb baß es feine Befinblid)feit, fein reales Derl)aftetfein in ber lDelt wefensmäßig in <Entwürfen ber lDeltbeutung 3u bewältigen unternimmt, mit benen es feiner fd)led)t~innigen Safti· 3ität bie l)ori30nte feiner möglid)en <Eriften3ialitöt abgewinnt - eriften:

3iale <Einfid)ten biefes U:l)pus oermanbeln fid) in entfpred)enbe 5rage • bireftionen gegenüber gefd)id)tlid)en DafeinslDirflid)feiten. Sinb fo "lDelt" unb "Selbft" in i~rem forrelatioen Derqältnifle als ein Urtl}ema aller faftifd)en Seinsbeutung aud) eine C6runb·Srageqinfid)t nad)gel}enber l)iftorifd)er Auslegung (oerwirflid)t in Sragen ber Sorm: Wie ift l}ier lDelt "gefel)en", lDie bas Selbft unb weld)es Sein bes Selbft 3ur lDelt realifiert fid) in biefer Sid)t?), fo finb bamit 3Ugleicf! an bie formalen Strufturen als mö g I i d) e Befragungsl}infid)ten mitübernommen, in benen fid), nad) bem <Ergebnis ber reinen Dafeinsanall)fe, jene eriften• 3iale C6runbbe3ie~ung wefenl)aft ooU3iel)t. Das gefud)te innerfte Prin3ip für eine gefd)id)tlid)e CErfd)einung bes C6eiftes fann alfo nid)t ein "einfad)er", "einftral)liger" Begriff fein, fonbem nur eine ge•

10.

Pl!ilofopltifdJe fjilfsmittd aus ber aUgemeinen Dajeins·<Erfenntnis.

15

glieberte Strufturgan3~eit, bie aud) nur an i~ren fontreten gejd)id)t•

lid)en AufJerungsformen, bem togos, ben jie Iid) felbft gefd)affen ~at, in il)rer gejd)id)tlid)en <finmaligfeit bar3ujteUen ijt, - bie aber l)ierin notwenbig bie Urp~änomene umfpannt, bie in jebem Dafein 3um llus• trag jtel)en: tDeltab~ängigfeit unb Sreil)eit, teben unb trob, Sorge,

llngft, Sid)erung, Oerbedung

3u angemeflenen Befragungsl)inlid)ten werben 3U lallen, bürfen fie (3. B. "Srei~eit" unb "notwenbigfeit") nid)t einfad) nad) irgenbeinem burd)fd)nittlid)en Begriff in ben llnfa~ gebrad)t werben, fonbern es muf> il)re on to log i1d)e a>runblage in ber formalen Konjtitution bes Dafeins über~aupt (alio bas "a priori" für bas, als was "Sreil)eit" unb "notwenbigfeit" Iid) faftild) nur je barfteUen fönnen) 3uoor ge• lid)ert fein - eben aus ber llnall)tif bes Da!eins felber l)er. - tratfäd)lid) wirb ja unoermeiblid) in jeber über bie bloße Stoff· fammlung unb •orbnung l)inausgel)enben geiftesgefd)id)tlid)en Jnter• prdation a>ebraud) gemad)t oon irgenbweld)en, meift unausbrüdlid)en, aUgemeinen Dorftellungen oon ber Seinsart bes Subjettes ber ffiejd)id)te unb ber Kultur, im weiteften Sinn antl)ropologifd)en OorfteUungen, bie bem verfügbaren Beftanbe bes unbisfutiert in a>eltung ftel)enben, "natürlid)en" Oerftänbnilles bes menjd)en, bas aber 3Umeift aus jel)r weitläufigen begrifflid)en trrabitionen aufgebaut ift, entnommen finb. Das "oorausfe~ungslofe" f}erantreten an bie ffiefd)id)te, bas fid) "frei oon Pl)ilojopl)ie" ber ffiefd)id)te unmittelbar gegenüber3u!teUen oermeint, ijt aljo nur ein l}erantreten aus ungef!ärten Oorausje~ungen. <Eben bieje Oorausfebungen für bie Befragung ber ffiefd)id)te 3u flären unb 3u red)tfertigen, il)r (J)ptimum an ontifd)er Präjubi3 lo f i g feit unb 3U• gleid), oermöge il)res eeilten3ial wefentlid)en [f)arafters, an l)erme• neutjfd)er Srud)tbarfeit 3u jid)ern, oermag für bie a>eiftesgefd)id)te bie pl)ilojopl)ifd)e llnalqfe bes Dafeins als bes Subjettes ber <Defd}id)te unb aller jemals in ber ffiefd)id)te wirflid) geworbenen IDeltbeutungen, in benen es fomit nad) feinen wefentlid)en, b. 1). fonftitutioen Strurturen unb trenben3en aud) jeweils wieber3ufinben fein muß 1 ). - <fs oerjteqt

1 ) Den <Einmanb: mer uns benn bie Wefentlidjfeit unterer gerabe verfüg• baren <EinfidJten vom mentdJen verbürge, beantworten mir bamit, bafl in ber unaufqebbaren nidjtgarantierbatfeit eben bas jpe3ifildJt Rififo eines jeben ~iftori· ldJen Bemüitens liege. Die lDefentlidJfeit für bie beftimmte Aufgabe finbet ja, menn audJ nidjt eine Cbarantie, fo bodJ ein gemilfes Regulativ in ber funftioneOen Bemäljrung gegenüber ber vollen Didjtigfeit ber QlueOen, belteqt aljo fdJon in il)rer ljermeneutijdJen <Ergiebigfeit (f. u.). Da anbererfeits eben biete fontreten Dajeins• erld!einungn ber CbefdJidjte nidjt nur Aufgabe, jonbern [elber ldJon QlueUen unjeres

Unb um bieje le~ten "Jnoarianten"

16

tl.

Die Jrermeneutild}e IDidfamfeit bes ermittelten Citunbes.

fidt non felbft, baß es fitft baber nitftt um ein ftarres in~altlitftes Sqftem ~anbelt, in bas jebes geftftid}tlid}e Dafein fd}ematifd} ein3u• fpannen ift. SoU bod} bie <Dntologie bes Dafeins für bie (J)efd}itftte

nid}t Refultate, fonbem

bie 3mar aus ber ontologifd)en t>ertraut~eit ~eroorge~en, aber erft angefitftts ber beftimmten gefd}id}tlid}en <E!iften3 fitft aus ben mög• lid}en 3U beftimmten fonfretilieren, nitftt als lold}e fd}on gleid}bleibenb

für aUe SäUe fi!iert finb. Das inbinibueUe :Prin3ip ber Deutung für

jebes ~iltoriftfte :p~änomen, feine 3entrale Befragungs~infid}t, bie es

am abäquateften 3um Reben bringt, ilt jemeils non Angelid}t 3u An· gelitftt mit bem geld}id}tlid}en ffiegenüber erft 3u geminnen; unb ~ier3u ilt nid}ts anberes erforbert als bie aUgemeinen trugenben bes f}iftorifers, alfo Dor aUem: traft, Jnltinft, Jntuition.

11. Die Jrermeneutifd}e IDirffamfeit bes ermittelten Cirunbes.

<Ebenfomenig mie bie p~ilofop~ifd)e Ausgangsftellung ein in~altlitft feitgelegtes Sd}ema, fann bas jeweilige "Refultat", nämlid} bie ~intet ben Betunbungen 3u ermittelnbe etiften3ieUe (J)runbnerfaflung bes be· treffenben geld}id}tlitften Daleins, ein Don jenen Befunbungen ablös· bares, "an Iid}" barfteUbares lqftematild}es :Prin3ip fein, für bas jene nur bie ~euriltild} notmenbigen, aber bann entbe~rlid}en Sqmbole ge• mefen finb. lDie es nur non biefen ~er ~ermeneutifd) 3u geminnen (nid}t etma a priori aus ber Abmanblung eines bafe~nsontologifd}en Sd}emas 3u fonftruieren) ift, fo ift es aud} nur burtft fie unb in i~nen in !einer l<onfret~eit bar3ulteUen; nur in biefen Sormen feiner ge• fd)id}tlid}en lDirflid}feit entfaltet es über~aupt feine Strufturen, bie nid}t abitraft aus einem Derfügbaren Kern ~eraus3umideln finb, unb

ber Durd}leud}tung jener lDirf=

möglid}e

f}infitftten i~rer Befragung norgeben,

nur in unmittelbarer 5unft i on bei

Iitftfeit erfüllen biefe Iid} für bie nad}ge~enbe Jnterpretation. Daraus ergibt fid} eine boppelte innere Bemegung im <Erfenntnispro3e& biefes Sorfd}ungstqpus, bie bei feinem fontreten VoU3uge in eins 3ulammen• fäUt: ber aus ber 3eugnisfd}itftt erfd}loflene <E!iften3ialgrunb fd}lägt jemeils unmittelbar als Deutungsprin3ip in biefe 3urüd unb ~at nur ~ierin für bie <Erfenntnis feine lDirflid}feit. Diefes 3urüdfd}lagenbe

.,aUgemeinenn IDilfens nom menfd}en finb, aus benen es Iid} ebenfo wie aus btr gegenwärtigen ~rfd}einung urfprünglid} mit aufbaut, ba alfo in IDaJrrJreit unfere Dafeinserfenntnts aus ber gan3en Vergangenl)eit flrre f}erfunft unb Jtdnbig weiter wirffame QlueUe l)at - fo fommt bas eine nid)t fremb 3um anbern, fel)rt niei• mel)r gewilftrmaben 3u il)m 3urücl Ruf ble edenntnistl)eordifd}en Probleme, bie l}ler befd}Iolfen liegen, braudjen wir an blefem O>rte nid}t ein3ugel)en.

11.

Die l}trmeneutifdJ~ ll>irfjamfeit bes ermlttrlten ffirunbes.

17

Srud}tbarmerben öer Urfprungserfenntnis befagt, bafi ber jeweilige terminus bes .,bejtruftioen" (anallJtifd}en) Rücfganges oon ben <Db· jeftioationsgebilben ~er fogieid} biejen gegenüber 3um "fonftruftioen"

{flJnt~etifd}en) Prin3iP i~rer oerfte~enO·orbnenbt>n neu·<frfailung wirb,

als fold}es unmittelbar mit feiner <fntbecfung mirffam merbenb, ja 3u biejer feiner <fntbecfung über~aupt nur in biejer ltänbigen funftioneUen Rücfbe3iequng fommenb. Unb nur in biefer beftruftio·fonftruftioen <finl}eit beiber OoU3ugsmomente bes <frfenntnispro3ef1es erfüllt Iid} ber Sinn foid}er pl}ilofop~ifd}en <befd)id}tsauslegung. Das oorf)anbene 3eugnis ftef)t babei alfo in ber parabo!:en DoppelfteUung, bafs mir es fd)on 3u lefen oerftef)en müHen, um il}m fein e~ij1en3iales Sinnprin3ip ab3ugeminnen, es aber anbrerfeits erft aus eben biejem rid)tig unb eigentlid) "lejen" lernen. <Ein logifd)er 3irfel ift bies nur besmegen nid)t, weil mir bereits jene allgemeine uno aus ber gan3en Oergangen• f)eit mitgejpeifte Dafeins•l<enntnis unb ·<frfenntnis mitbringen, bie fd)on bie Befragung bes 3eugnismäfjig Oor~anbenen leitet unb nid)t ein blinbes 3uge~en fein läfst; unb ber möglid}e Unterfd)ieb ift nur, ob es fiel} ~ierbei um eine uage (bie fiel} nid)t Red)enfd)aft über fiel} jelblt abgelegt qat) ober um eine prä3ife Oor•<frfenntnis uom Dah•in über• l}aupt l}anbelt t). praftifd) bebeutet biefes rücfläufige Wirfjammerben bes erfd)lolfenen G;runbes, bafj im tid}te feiner <frl}ellungsfunftion bie Betrad}tung ber Udunben gleid}fam 3u m i e b er l} o fe n ilt: il}re rabifalere neubeftim• mung ilt bie red)tfertigenbe 1lberminbung ber Oorläufigfeit, mit ber fie in ber erften Befragung als ffiegebenes fungiert l)atten; biefe lDieber• aufna~me ift bie 3meite, bie p~ilofopqifd)e Pl}afe ber geiftesgefd)id}t• Iid)en Jnterpretation (benn bie blofse Uennung bes "Prin3ips" wäre nid)t meqr als eine abftratte Ranbbemedung). Sie läßt bie Urfunben neu lefen, b. q. uon ber nun erfd}lollenen <frl}eUungsquelle f)er fett fie bie 1Did)tigfeitsaf3ente, fd}eibet 3entrales unb peripl}eres, lDefentlid)es unb 3ufälliges, <benuines unb Srembes, Abäquates unb Oortäufd)enbes im 3eid)enjl')ftem ber Befunbungen, ja orbnet bie OlueUen neu, inbem fie - gegenüber ben <bruppierungen, bie bie objeftgefcf)id)tlid)e 5or• fd}ung nad} i ~re m fl')nt~etifd}en Prin3ip oornal}m - beifpielsmeife 3U• fammenbringt, was biefe in eine Be3ief)ung 3u bringen feine Oeran• Iaffung ~atte, unb unter Umftänben fel}r entfd}ieben trennt, was biefe in engen ftoffgenetifd}en 3ufammen~ang brad}te. So fann biefe Stufe

1 )

Jm

übrigen

ngl. über

btn

unnermeiblidJen

.~ltfe[N Im ~tftnnen non

Dajeln: fieibeggtt, Sein unb 3dt I, 1927, § 63 (S. 310ff.).

18

12.

~inbeutige unb meflrbeutige 3eugnlsfl}fteme.

ber Betrad}tung 3U unmittelbaren pofitiven Berid}tigungen von Reful• taten ber objdtgefd}id}tlid}en fü~ren, wenn fie aud} inner~alb biefer in gewifler Weife rid}tig waren.

Damit fommen wir von ber aUgemein met~obologifd}en ~rörterung

wieber 3U unferer praftijd}en Rufgabe unb wir ~aben nun 3u 3eigen, wie fiel} für biefe in i~rer Jpe3ieUen (J)egenftanbsumgren3ung bie obigen

aUgemeinen ma!:imen auswirfen. genbes flar:

mad}en wir uns ~ierfür nod} fol=

12. ~inbeutige unb meflrbrutige 3eugnisfl}fteme.

Unbebingte Rutarfie ber ~ntfaltung, bie allein aud} unbebingte ~inbeutigfeit ber ftufjerung verbürgt, ijt feit bem SortfaU ber räum= Iid}en Jjolierung unb 3eitlid}en <Erltrnaligfeit, worin bie primären ijod}· fulturen bes Altertums Iid} entwic:felten, neuen Anfängen in ber (J)e= fd}id}te nid}t me~r fraglos mitgegeben Die l<onfteUation feiner (J)eburts• ftunbe ilt in biefer ijinfid}t für bas Sd}ic:ffal eines fold}en neuen "prin• 3ips" (fo wollen wir es nennen) jenfeits feines eigenen lDefensgefeßes bebeutfarn: ob es <Drt unb Stunbe allein antritt ober fd}on in frembem BeJi\'ie finbet. nur in bem erfteren SaU: baß i~m fein gefd}id}tlid}er Raum nid}t ftreitig gemad}t ober vorweggenommen ilt burd} bie tebenbigfeit eines vor~anbenen l<ulturgefd}e~ens unb bie fortbefte()enbe mad}t feiner tebensorbnungen, ilt i~rn unge()inberte Seibitentfaltung vergönnt, in ber aud} alles Dergongene neues teben nur oon i~m er ()ält, auf feine Befeelung angewiefen, feinem Sd}öpfergefeß alfo allein unterworfen ilt: bann ift bie Be3ie~ung ber fo ge3eitigten <Dbjefti·

oationen 3u i~rern Dafeinsgrunb

i~rn aud} befd}ieben fein, Iid} in eine roelt ~inein3Uentfalten, bie burd} ein entwic:feltes (J)ei[tesprin3ip anberer ijerfunft be~errjd}t iJt, bas ben

gan3en l<osmos gegenjtänblid}er Be3ie()ungen in i~r mit feinen fpe3ififd}en Rusbruc:fs= unb Ruslegungsgebilben befe~t ~ält. Jn biefern SaU ijt bem neuen Prin3ip, obwo~l felber ein urfprung~aft neues unb jpontanes, eine unbebingt jpontane Sqmbolbilbung oerwe~rt unb fo bie autonome Srei~eit in ber Sd}öpfung Ieines togos 3uminbeJt bebro()t. Sein eben erwad}enbes Bewufjtfein, ~ineinerwad}enb in bie

I) 3. B. btr SaU ber neueren abenblänblfd}en l<uttur trot ber übermdlti• genben Dorgängerfd)aft ber ftntife: benn fit murbe getragen non ber neuent• fteflenben Welt ber germanifd)tn Dölfer, ble im JnteroaU nad) einem abgelaufenen unb abgelebten l<ulturgefd)eflen iflr eigenes begannen unb benen bei lflrem ~in• treten in ben fliftorlfd)en pro3efl aud) polltifd) unb blologlfd) bie mad)t 3ufitl unb ein Raum, ber erft burdj fie ber aiefd)id)te erfdjloßen murbe, in bem fie alfo un• befdjränft Subjeft fein fonnten.

abäquat unb einbeutig 1 ). Dod} fann

12. finbeutige unb me~rbeutige ~eugnisfqfteme.

19

geiftig fd}on vorgeformte lDelt unb i~re Ausfd}ließlid}feit vor Augen, ift fd}on mit feiner erften unb für alle 3ufunft entfd}eibenben Sud}e nad} mutein ber <Dbjeftivation auf fie vermiefen, b. ~. aber barauf, fiel} feine Sqmbolmelt aus ben vorgefunbenen a:Iementen ber fremben auf3ubauen, biefe ~inein3uoerarbeiten in feine Seinsauslegung, bie in i~rer a=rfd}einung baburd} mefentlid} beftimmt mirb. masfierung unb mimifrt} ift fein Sd}idfal oon Anfang unb Kompromiß feine meiften frgebniffe. Dennod} ~at es feine Sid}tbarfeit, bie aber befonberer a=r. lennung bebarf: Jn ber 3eugnisgefd}id}tlid}en Abfolge mirb trot Kon• 1tan3 ber fqmbolifd}en unb begrifflid}en a=temente ein Brud} bemerflid}, Sqmptome in ber t~eoretifd}en mie ber praftifd}en Sp~äre 3eugen für bie lDirlfamfeit neuer lDiUensrid}tungen unb legen es na~e, bie fd}ein· bare lDeitergültigfeit ber alten Begriffe einer neuen Sinngan3~eit 3u unterftellen. Aud} im fd}einbar Seibigen 3eid}nen fiel} bann bie 3üge eines neuen gegenftänblid}•"motioifd}en" Außerungsfanons ~eraus. t>on bem ibeellen fd}ließen mir meiter auf irgenbeinen realen Brud} ober

einen

fü~rt bies mo~l immer aud} auf einen neuen folleftioen (et~nifd}en ober fo3ialen) '[räger ber neuen Seinsauslegung, ber ~iermit als Subjett in bie <6efd}i<f!te - aber nid}t immer aud} in bie mad}t unb nid}t immer in ein volles Bewußtfein feiner felbft - eintritt. Durd} fold}e 3uorbnung er~ält jener fad}gefd}id}tlid} feftgeftellte Brud} fein eigent•

lid}es Relief. J~n über~aupt über bie inbuftio 3u mad}enbe Beob• ad}tung ~inaus als umfaftenben Umbrud} unb bamit als Be3eugung eines neuen Urfprungs auf3ufaften, ift Sad}e einer Ausbeutung, bie fiel} oon bem 3etfplitterten, aber 3Ufammenftimmenben ([~orus ber neuen '[öne anfpted}en lieb unb mit ber ~ieraus (3unäd}ft ~qpot~etifd}) angefetten neuen Sinnein~eit bie probe gegenübet ber gan3en Sülle aud} bes anfd}einenb fiberlieferungsgemäßen ber 3eugniffe magt. Be• fte~t [ie biefe, bann barf mit 5ug oon einer neuen totalen <6eftalt bes <6eiftes gefprod}en merben. lDir fanben alfo, baß bie Be3ie~ung einer fo entftanbenen 3eugnis· fd}id}t 3u i~rem Dafeinsgrunbe nid}t einbeutig, fonbem grunbfätlid} problematifd} ift. t>on ber realen lDirlung abgefe~en, bie bies für Bewußtfein unb Sd}idfal bes neuen Dafeinsprin3ips felber ~at, be·

neu.a:infat im 3Ugrunbe Iiegenben Dafein felbft 1 ). a:mpirifd}

1 ) Die objdtgtld!id!tlid! lid!tbare priimifle biefes wSd!luflts" fann felbft eine rein ftiliftifd!e IDanblung (ein - ~ierfür ~at 3· B. norben mit feinem "Agnoftos a:~eos, Unterfud!ungen 3ur Sormengejd)id!te nllgiilfer Rebe• für untern Bertid! ein bejonbers ld!Cifles Btijpid geliefert.

20

13. Die geiftesgefd}id}tlid}t Bewertung ber <bnofis in ber bis~erigen SorfdJung.

beutet es für bie nad}ge~enbe ~iftorifd}e a:rtenntnis eine belonbere

~ermeneutijd}e Sad}lage, bie bas Unterne~men ber Deutung

anfang oor bie fritild}e Srage ftellt, weld)es ~ier ber Sinn ber 1lber· na~me gegebener Uorftellungen ift, b. l}. weld}en neuen Sinn fie in biejer 1lbernal}me gewinnen unb non weld}em eeilten3iellen 3entrum fie nunmel}r beftimmt linb. a:s bebarf alfo 3eugnisbe3irfen biejes

gefd}id}tlid}en Sd}idfalstl}pus

- unb bas l}eißt: einer prin3ipi1?Uen Sr e i 3ü gigfeit gegenüber

bem rein jtofflid}en Befunb. Die Deutung !tel}t unb fällt bamit, burd} bie Jnabäquatl}eit ber übernommenen Außerungselemente l}in· burd} bas neue 3entrum 3u erfennen, ber Uerfül}rung il}res el}emaligen Sinnes 3um «:roß. Ja, fd}on baß ein fold)es originales 3entrum gegen• über ber jtofflid} nid}t•originalen 3eugnisjd}id}t über~aupt an3u!eten ijt, baß es Iid} alfo in ber «:at um eine erneute Jnanfprud}nal}me jener (Elemente l}anbelt, bafJ bei il}nen ein Sinnwanbel überl}aupt vorliegt unb ein Ueues, weld}es audj immer, 3ugrunbe liegt, fd}on bies i!t nur gegen bie Suggejtion ber vertrauten motivgejd}id}tlidjen <Del}alte wal}r•

3une~men. - Unb eben l}iermit i!t ber SaU getroffen, ben wir uor uns

~aben.

13. Die geiftesgeld}id}tlid}e Bewertung ber <bnofis in ber bis~erigen Sorfd}ung.

mir ~atten oie objeftgefd}id}tlid}e Sorfd}ung d}aratterifiert uno

von allem

gegenüber einer f r i

t i I d} e n a:injtellung

i~r ben Rüdgang

ll)eld}e jpe3ifi!d}en Uerfel}lungsmöglid}feiten bies für einen SaU nid}t einbeutiger 3uorbnung uon jtofflid}er 3eugnis!d}idjt unb Dafeinsgrunb einfd}liefJt, ilt burd} bie obigen Darlegungen flarer geworben. - Jm Rüdgang 3u ben ard}ett}pen wurben non ber (J;rforfd}ung ber <Dnofis wä·qrenb ber Iet}ten Jal}r3e~nte nad}einanber babl}lonifd}e, ägl}ptifd}e unb perfifcf}e ffienealogien beo0r3ugt (je nad}bem man aftraJ•, UUS• ober Urmenfd}·te~re als bas IDefentlid}e anfal}), unbefd}abet ber gan3en übrigen mannigfaltigfeit von Urjprungsbe3ie~ungen, bie gemäß bem a:~arafter bes "St}nfretismus" boneben immer angenommen unb aud} im ein3elnen aufgejpürt wurben. Das l}eUenifd}e (Element trat babei 3eitweije 3iemlid} 3urüd. Die let}te ffiöglid}feit ber a:inl}eit bejtanb, wie gejagt, im aufweis eines vorl}errfd}enben (Elementes (b3w. einer uorl}errfd)enben l}erfunftslinie) ober einer möglid}ft fleinen l<onjteUation von fold}en als ber 3ureicE)enben Komponenten für bie a:rflärung ber Refultante. Jn ben Jetten Jal}ren i!t immer me~r bas perfifd}·iranifd}e ~lement, in einer gewiflen gried}ifd}en mobififation, auf biejen Plat} gerüdt; unb fid}er burd}aus über3eugenb, foweit es fiel) um Settitellungen

3U ben ftofflidjen ard}ett}pen als wefentlid} 3Uerfannt.

!3. Di~ geifttsgefdJid)tlidJt Bemertung ber <bnofis in ber bis~trigen Sor!d)ung.

21

in ber ltofflid)en 3eugnisjpqäre h,anbelt. Rber mit jeber fold)en nod) fo rid)tigen genealogifd)en a:inorbnung wurbe bas JnbioibueUe, (Ein· malige unb Unoergleid)bare bes pqänomens mel}r verflüd)tigt in blone flbqängigfeitsbe3iequngen 3u ben fertigen Rrd)ett,pen ber Dergangenl}eit, unb um fo meqr, je rid)tiger fie war, b. q. je über3eugenber alle !toff• lid)en (Ein3elelemente Iid) fd)on in ber Dergangenqeit nad)roeifen ließen 1 ). Sreilid), was mit ben ifolierten (Ein3elmotioen möglid) war, war es feineswegs aud) mit bem <6an3en, bem fie als Baufteine bienten unb bas mit iqrer bloßen Summe fo wenig ibentifd) war, baf) es oielmeqr iqre Seleftion, bie IOeije ih.res 3ufammentretens unb iqren Sinn in ber neuen <6an3l}eit bejtimmte. Rber biefe entfd)wanb eben mit ber motiogefd)id)tlid}en (Ein3elforfd)ung aus bem ffielid)tsfelb unb füh.rte in i~r nur nod) ein Dajein als bie 3UfäUige Summe ober bie med)anifd)e Refultante aus ben im Sl}nfretismus 3Ufammenwirfenben, jeweils fd)on unabqängig oorf)an~enen Komponenten. - Dies fpiegelt fid) in ber geijtesgefd}id)tlid)en Bewertung ber ffinofis: fo feqr fie bas ftofflid)e Jntereffe feflelte, fo gering wurbe fie nad) iqrer qiftorifd)en (Eigen• bebeutung eingejd)äbt. B ou IIe t 3itiert in ber (Einleitung 3u feinen "l)auptproblemen ber ffinofis" (S. 6) bas Urteil ffiruppes, ber übrigens aud) bie orientalifd)e l)erfunft ber ffinofis betont, -: "Sie (bie (bnoftifer) fteqen auf bem Stanbpunft einer Kultur, bie ein qalbes Jaf>rtaufenb

3uoor bie grof)e IOelt bewegt qat

weber in ber aUgemeinen <6efd)id)te ber menfd)lid)en Kultur nod) fpe3ieU

in ber <6efd)id)te bes <rqriftentums. Rls 5l}mptom finb lie bead)tens• wert, weld)e Stimmungen bas ([qrijtentum oorfanb, weld)e IOiberftänbe

<6eförbert aber qaben lie nid)t" (ffiried)ifd)e

lnl}tqologie uno Religionsgefd)id)te, S. 162); unb Boullet ielbjt fd)lieijt jid)

es überminben mußte

eine bewegenbe Kraft finb fie

biefem Urteil an mit ben IOorten, baß bie <6nojis "feine nad) oorwärts bringenbe, geijtesgeroaltige (Erfd)einung, ei1er ein 3urüdbleiben, eine Reaftion bes antifen Sl}nfretismus gegen bie aufltrebenbe Unioerfal•

1 ) (Ein mujterbeijpitl jold)er Uerflüd)t!gung burd) Atomijierung unb Siliation i!t Joj. }{ rolls .,S:e~ren bes f}ermes flrismegi!tos"; KroU gelingt ts tatjad)lid), falt afie (finlelDorltefiungen bes Corp. Hermeticum in ber mittleren Stoa nad)3U• meijen unb fo fämtlid) geneti!dJ .,unter3ubringenM - mit bem <Ergebnis, bab nom .,<bnoftijd)en" fo gut mie nid)ts me~r übrig bleibt (ngl. bie glan3enbe fritijd)e Bt• lpred)ung Boulfets in <bött. ge!. An3. 1914, S. 697ff.). Cl:ro11 unnerg(eid)lid) grö~erer morp~ologifd)tr Sid)er~eit unb burd)aus nerjd)iebener ftofflid)er IDrlentierung in btn Ableitungen gel)önn jelbft bie Arbeiten Reltjenfteins unb Sd)abers Im <brunbe il)rer f}altung bem gltid)en [IJpus an.

22

13. Die gtiftugeflf!!lf!tlilf!e Bewertung ber (J;nofis in bu bis~erigen Sorfdlung.

religionN fei (S. 7}. nod} d}arafteriftifd}er aufS. 8: Die <6nofis "ent· ~ält in fiel} - unb barauf beru~t i~r roefentlid}er Wert - gan3e Sd}id}ten untergegangener religiöfer Dorftellungen unb Anfd}auungen in ber Oer•

lteinerung unb

nid}t um eine gnoltifd)e <6runbibee ~anbete, fonbern um "eine reid}e mannigfaltigfeit nebeneinanber liegenber, Iid} mannigfad} oerfd}lingen• ber <6ebanfen 11 (S. 8), - roas mir in geroilfer Weife gegenüber An3 ein Rücffd)ritt 3u fein fd)eint, roenn man bie!e <6runbibee aud} nid}t, roie An3 es tat, blo& als eine !tofflid)e Oorjtellung falfen barf (Aufltieg ber Seele burd} bie Planetenfp~ären - nad) An3 bie "3entralibee" bes <6no!ti3ismus), fonbern als jenes e~ijten3iale Prin3ip im oben ep panierten Sinne. - Aud} An3 übrigens, bem roir uns in biefer Jnten= tion auf einen Urgebanfen ber <6nofis oon allen Autoren am näd}ften fül)len, beurteilt nid}tsbeftoroeniger ben <6nofti3ismus als <6an3es nad} feinem gefd)id}tlid}en Seinsh}pus unb bemgemäfl aud} feinen <6efd}id}ts•

roert nid}t anbers: "

nur auf bem moberboben

Jagt er am Anfang feiner ausge3eid}neten Unterfud}ungen- unb befd}ließt

!ie mit ben Worten: "Jn Babt)lonien geboren, ~at ber <6nolti3ismus

bas <Erbe einer nad} Ja~rtaufenben 3ä~lenben Oergangen~eit über•

nommen, barunter mand}es l<leinob, aber aud) mand}es fra~en~aft

feine gan3e <Erfd}einung (ift) ein Jrrlid}t, roie es ber 3erfallenben antifen Kultur entfte~enfonnte 11 ,

<Erftarrung. 11 Unb gegen An 3 oertritt er, baß es fiel}

l}äfilid}e. <Er ift eine fpäte Blüte an einem fd}on oerborrenben Baum, aber bod} l)aben Iid} bie menfd}en eine 3eitlang beraufd}t an feinem

Dufte

fd)lolfenen manbäifd}en unb manid}äifd}en (Quellen (obfd}on er auf bie

1 ) lD. An3, 3ur Srage nalf! bem Urfprung bes (J;noftl3ismus (O:erte unb Unterf. 3· (J;eflf!. b. altlf!riftl. ttt., Bb. XV, q. 4, 1897) S. 1 unb S. 109f. Slf!on bie auf bas ufte 3itat folgenbe Seite bringt bann eine mdqobifd)e Überlegung, bfe uoUfommen aus unferm Stanbpunft gefprolf!en fein fönnte: "lDenn bie Srage nacfJ feinem Urfprung gefteUt wirb, fo genügt es bod) nodj nid)t, fonftatiert 3U l)aben,

bits Stüd ftammt uon l)ier ober jenes uon

ufro. 11 1 ). - An3 oerfügte nod} nid}t über bie feit~er er•

babei (wirb) bie innere ~inqelt

bes (J;nofti3ismus unberiidfid)tigt gelaflen: feine CEntftequng als (J;an3es bedt Iid! nlcfJt

So finb bit

ein3elnen ~lemente, bie btr (J;noiti3ismus bann 3Ufammenfa&t, faft aUe fd)on uor• qanben, aber eben erft mit biejer 3ufammenfalfung in i~rer tigentümlid)en Art

ift ber (J;nofti3ismus

Unterfd)leb: blt qauptfrage bleibt bie nad) ber qerfunft ber 3entralibee

; fie wirb lief)

bann bocfJ eben als bas löfenbe lDort, bas fo3ufagen in ber tuft lag, mit grober Sdjneutgfeft verbreiten unb mit Innerer notwenbigfeit burd)fet~en" (S. 2ff.). Damit

Dieftlbe fann einem feqr eng umfdJrlebenen Kreife entftammen

3Wifc1Jen Vorbereitung unb Urjprung !ft ein

mit ber <Entftequng ber ~in3duorfteUungen, bie er

fönnen wir uns, fo wie es bajteqt, uneingefcfJränft ibentifi3ieren.

13. Die geijtesgejd)ldJtlid}e Bemertung ber (J)nofis in ber bls~erigen Sorfd}ung.

23

manbäer fd}on Be3Ug nimmt). 1lber~aupt bie gan3e gefd}ilberte <Er· roeiterung bes Begriffes ber (J)nofis, feine Rusbe~nung auf eine mannig·

faltigfeit ~eUenijtifd}·fqnfretiltifd}er (~eibnifd}er) <llueUen wurbe erjt

fpäter, uor allem burd} Rei~enfteins unb Boullets Sorfd}ungen, uoll· 3ogen. Damit änberte Iid} 3war uieles im Bilbe bes ffinofti3ismus, 3umal in ben motiuifd}en 3ured}nungen - bie ffiefamtauffaflung uon

feiner bloß fqnfretiftifd}en <E~ijten3 aber ~atte fid} womöglid} nod} uer· ftärft. So t•rteilt 3· B. Rei~enftein: "<Es gibt im jtrengen Sinne feine gnoftijd}e Religion, nur uerjd}iebene (J)rabe eines Sqnfretismus, bellen roid}tigfter Bejtanbteil iranijd} ijt" 1 ); ober in einem anberen IDerf:

"Die gnojtifd}e Bewegung, bie mir in ber ägl)ptifd}en, p~rl}gifd}en, iranifd}en, jübifd}en unb d}riftlid}en Religion nad}wiefen, unb in ber perfifd}er Dualismus unb babqlonifd}er Sternenglaube entfd}eibenbe

3eigt bie notwenbige Sortbilbung ber orientalifd}en

Religionen in ber Diafpora, ben l)ö~epunft i~rer inbiuibualiitijd}en unb

3ugleid} uniuerfaliftifd}en <Entwidlung, bie in gewillem Sinn le~te Stufe bes l)eUenismus unb ilt ba~er fu aUgemein wie biefer felbft. nid}t

bas roort

<6noftild} meint nur eine natürlid}e <Entwidlungsp~aje, nid}t ein fremb=

<Element" 2 ). Uns bünft, bie "<Entwidlung" (e~er ein Um=

fd}lag 3u nennen) uon orientalifd}en natur• unb Sd}öpfungsreiigionen 3u einem weltfeinblid}en Dualismus ift nid}ts Wl!niger als "natürlid}"

- fofern man als natürlid} bie <Entfaltung bellen anjie~t, was in ber

Sad}e jelbjt barin liegt - unb nur burd) ben <Einja~ einer urfprünglid} neuen lDeltjid}t auf 03runb eines neuen Seinsuer~ältni!les 3u erflären. Dod} greifen wir bamit bereits ber inl}altlid)en Bearbeitung uor. - Die obigen Beijpiele ~aben wir 3UföUig JUS einer maue gleid)artiger qerausgegriffen. Rud) wo man ber ffinojis immerqin eine pofitioe <Be· fd)id)tsbebeutung 3u)prid}t (einen gei\1esgefcf)id}tlid}en 3ufunftswert), be, fteqt biefe bocf) nur barin, bie (J)e qa I te altorientalijcf)er Spefulationen bem Rufbau einer neuen Bewufitfeinswelt mit ein3uoerleiben, bas <Erbr einer Oergangenqeit weiter in eine 3u!unft 3u traöieren, bie iqre be< roegenbe Kraft aber nid}t oon i~r empfing. Rlfo übl'rall Vergangen·

Rollen fpielen,

einmal uon gnoftijd}en Religionen joUten wir

artiges

Die Betonung bes irani'

fd)en (Elements mtjprid)t ber leljten p~aje in R?t~enfteins aiefamtforfd}ung.

2 ) Die ~eUenijtifd)en ffiqjterienreiigionen, 3. Hutl. (!pätet 3itlett als t}en. mqft.s) S. 69i. Jn bet Abfolge ber brd Auflagen biefes IDetfes (1. Auf!.:

1910; 3.: 1927) fid)tbar.

1 } Das iranild}e (lrlöjungsml}jterium 1921, S. 146.

mirb

bie ermii~nte IDenbllng

3um

Jranifd)en

faft

biograp~i!dj

24 14.

met~ol'i!d)t <brünbe für bits CErgebnis.

I}eitsprobuft, nirgenbs. <figenfd)öpfuny uno neuer originaler Jmpuls t).

14. metl)obifdle (brünbe für birs cfrgebni~.

3u biefem <Ergebnis trägt nl'ben ber jtoffgefd)id)tlid)en <finfteUung in eriter tinie bie gefem13eid)ncte inneriöeeU t' dl ären b e trenben3 in ber a>eiftesgefd)id)te bei unb in eins bamit öt'r Dorrang oer Der= gang en ~e i t als Prin3ip \:lel CErflarung. Die jew?ilige gefd}id)tlid)e a>egenwart möglid)lt als einbeutige ltefultante oer Dergangm~eit 3u be· greifl!n, ift eine met~obifd)e <6runo~altung bteler <befd)id)tsbetrad)tung. So wirb <frfenntnis oer a>efd)id)te gerabe3u gleid)bebeuteno mit Rüd· tü~rung auf Dergangenrs, <frflärung aus oer tlergangen~eit. Jjt aber auf bitfern Selbe <Erfennen ltüdfü~ren auf Betonntes, fo uerjtc~t es Iid}, baß einer fo eingefteUten Betrad)tung ein gi.in3lid) fpontaner neu· dnfa~ im fontinuierlid) aufgefafit~n <6efd)id)tsnerlauf ein "Argernis" ijt, oas lie um il}res <Erfenntnisibeales miUen nur in 3wingenben SäUen 3ugeben, nad) aller ffiöglid)feit aber oa uermeiben wirb, wo fie es mit einem gefd}id)tlid) fd)on roeitgel}enb uorbeftimmten Raume ~u tun ~at, in öem Iid') bie Rnfnüpfungspunfte 3a~lretd} anbieten. <Ein an· ld1einenb nid)t•ltüdroeijenb··:>, (trltmaliges wiro lie ~ier immer nur als vorläufige, nod) 3u überwinbenbe ffiren3e ber <Erf!ärungsaufgabe 3u heuten jud)en, als unbefriebigenöes nod}·nid)t ~~s reftlojen Belthnmt· unb <fingeorbnetfeins. Denn inmitten aUjPitiger Dcterminations3u• 1ammen~ängr ift bie Rnerfennung eines Jrrebu3iblcn, folange nid)t alle ffiöglid)feiten genetif<f1et Rüdbe3ie~ung erfd)öpft fino, als a~;~·lum tgnora.ntiae uertäd)tig. Daraus ergibt Iid), !>ak nid)t 3ufällig, fonbem notwenöig aus i~rem lDefl?n biefe ("p~ilologifd)e") Rrt ffiejd)id)ts<

forjd)ung bie ffinofis fo liel}t, wie !ie es tut - b. ~- b a s an ihr fie~t,

roas fiel) in bet «:at lo fehen ldfjt ·

ift k im norqinein oon fo etroas wie abfolutem Urjprung, raöifalem

mit i~rem gan3en <Erfenntnisentwurf

1 ) man wirb bemerft ~oben, bafl nur Ocrtreter ber ,.orientalifiermbm"

<bruppe ber Sotld)ung jitiert wurbtn. naa, aUem Vorangegangenen braudjt faum nodj gejagt 3U werben, :>afl jid) oer Oetf. ourd)aus bielem (agn jUgtqörig fü~It unb eben beswegen in iqm o~n IDrt ber reieuunteften auseinunoHje~ung

~eUenifinenben" S!üge!, i·:ir ben f}nrnads berül)mtt

Definition ber <bno!is als ber .,afuten f)tUenifierung bes «l)riftentums" bie f!alfild)~ Sormulierung gibt, fd)eint i~m burdj bie Sorfdjungsbewegung ber lel.ltm brei Ja~qel)nte l)inreid)enb geieiltet unb jebenfaUs nad) Berufung ber namen Boulfd unb Rel~enftein feines Beitrages nid)t mel)r bebürftig. Dabei finb wir un~ bt• wuflt, llafl bieftr Panl)eUenismus in !ler Betradjtung bH (bnofis aud) l)eute nodj Dertreten wirb (3- B. uon t~ifeg.:ng; im übrigen !lg!. nr. 16 bi~fer ~inleitung bie ausetnanlltrfeljung lll it s d) \leb f t ).

gegeben fie~t. Die mit bem

15.

~Einige Beijpiele für b!e metl}obe (Rn3. Bouflet).

25

neuanfang, ber i~rem jqnt~etijd}en prin3ip feinen An~alt bietet, weg unb auf bie ~ijtorifd}e Sd}id}t uerwielen, bie mit einer quafi~binglid} fid) burd)~altenben Jnuarian3 if)rer <Elemente bielem Derfaf)ren in ber [at 3ugänglid} ilt - auf bie Sd}id}t ber ablösbaren, überneqmbaren, transportablen ffie~alte, bie, wie fd}on gejagt, if)re eigene l<aujalität entwidelt. Unbeantwortet unb ungeftellt bleibt aber bann bie .Srage, warum (im .SaUe ber ffinofis innerl)alb bes Sqnfretismus) gerabe biefe motiue aufgenommen unb miteinanber amalgamiert wurben, uon weld}er [enben3 biefe Aufnaf)me geleitet war ufw. <fin3iger ffirunb bleibt:

bafi fie ba waren unb burd} i~r 3ufammenfommen automatifd) mit· einanber ein Parallelogramm ber l<räfte, gegenfettiger Beeinfluflungen, mobififationen biTbeten -: bie Dergangen()eit, bas Sd}on·ba·fein, bie Be~arrung unb Sd}werfraft ber puren <f~ijten3 als Ietter IDirflid}feits• grunb unb lomit aud} lettes <frflärungsprin3ip! So ergibt Iid} ein eigentümlid}es Bilb: oben bas Spiel ber Jn~alte, unten - eigentlid} nid}ts, nämlid} ein gän3lid} pafjiues, bies einfad} geld}el)enlalfenbes Dafein.

15. ~Einige Beijpiele für bie metqobe (AnJ. Boujfet).

mad}en wir bas Derfal)ren an einigen f)eruorragenben BeilpieJen ber Sorfd)ung beutlid}, bie 3ujammen ein ffian3es üblid)er unb an· genommener <frflärung barfteUen.

1. An3 uerroeiit (a. a. CD. S. 77ff.) für bie .lehre oom Seelen· aufjtieg auf altperfifd}e Dorjtellungen, nad) benen bie Seelen ber ffie• red}ten über ben Berg l)ara unb bie [jd)inoatbrüde ins Parabies auf· fteigen, - !teilt aber (S. 83) fejt: "Unerflärt aus parlifd}en Doraus· fetungen bleiben babei nur bie ,fieben [ore' unb bie 3entrale Stellung, bie ben Planeten baburd) 3ngewiejen wirb"; mit anberen Worten:

ber gnojtijd}en Au fltiegslef)re. unb

unertlärt bleibt bas alt ra Ie Sd}ema

b. roeiterl)in: bie ber gnojtifd)en Soteriologie überl)aupt 3ugrunbe• liegenbe l<osmologie. Sür bieje nun in if)rer ajtrologifd]en Ausgeftaltung

uer[te~t Iid] ber Derweis auf Babqlon oon jelbjt unb An3 3ief)t (S. 84) jpe3iell ben berül)mten "il:urm 3u Babel" 3ur <frflärung f)eran 1 ):

"Dieler gan3e il:urm nimmt Iid] aus wie eine Jllujtration 3u ber

nad) ber Be!d)reibung l)erobots (I 181) ein Baumerf oon fieben aufein•

anbergefeiJten [Ül men,

uerbunben; auf iqnen erqob fidJ bann nod) ein ad)ter {[urm, aber leer, bie lDoqnung ber aiottljeit." Rn3 mad)t aud) barauf aufmerfjam, bafl in gemiifen altbabnlonifd)en ijt)mnen bas lfrfteigen ber ad)t [empelftodmerfe (moljl in fultild)~r

alle untereinanber burdJ auflen qerumfül}renbc a:reppen

')

Pro3e!fion) als gottgefälliges U>erf erfd)~int, auf bas fid) ber Beter beruft.

26 15.

linige Bdfpitle fit bie Met~obe (Rn3).

KAipa~ tnchruAo~ ber Planeten mit bem barüber befinblid}en ad}ten «:ore. Anbers gefagt: biefe te~re ift eine Ubertragung jenes Baumerfs

"nur in ber nä~e jenes Baumerfs fonnten

ins metap~llfifd}e."

biefe <6ebanfen Iid} entmideln" - alfo fei bie tanbfd}aft Babl}lon im engeren Sinne als bie l}eimat ber gnoftifd}en 3entralle~re an3u(eqen (S. 85). Semer: Durd}ld}reiten non fieben «:oren bei ber Untermelts• tDanberung ber Derftorbenen, uerbunben mit jebesmaligem Ablegen eines Kleibungsftüdes, fo bafJ ber «:ote nadt uor bem Rid}terftu~l ber Untermett erfd}einen mufi, gelellt fid} als altbabl}lonifd}e Anfd}auimg ~in3u (ugl. l}öllenfa~rt ber Jstar); mieber in anberm 3ufammen~ang finb, allerbings o~ne bie Sieben3a~l, aud} «:ore am l}immel be3eugt (S. 86} - unb fo fommt Rn3 3u bem Sd}lufi (S. 86f.): "Die Sad}e liegt bemnad} fo: Die Unterfud}ung nad} bem Urfprung jener ml}(terien• le~re 1 ) als ber (relatiu) ältelten Sorm ber gnoftild}•manbäifd}en 3entral· le~re mies uns burd} bie Anfd}auung uom Ruffteigen ber Seele in ben l}immel auf bie perlifd}e Religion; für bie fieben «:ore unb bie Be· beutung ber Planeten fe~lte aber ~ier bie parallele. Sieben «:ore, bie bie Seele 3u burd}laufen ~at, «:ore am l}immel, bie tDid}tigfeit ber Planeten unb bas Urbilb ber KAipa~ tncmuAo~ bietet uns Babl}lonien,

aber feine l}offnung einer ~immlifd}en Seligfeit tDas liegt nun nä~er, als beibes 3u fombinieren ba~in, baf} bie perfifd}e Seligfeitsle~re ben AnjtofJ 3u einer Sortbilbung ber babl}lonifd}en Anfd}auungen im Sinne jener ml}lterienle~re gegeben ~at?". Die l}immelstore feien mit ben lieben Untermettstoren ber alten «:otenroanberungs·DorlteUungen "ibentifi3iert" morben unb i~re Sieben3a~l "mies fie bann uon Ieibit ben Planeten 3u". "So ober ä~nlid} mirb man bie ~ntjte~ung jener te~re 3u erflären ~aben aus einer Derbin bu n g perlild}er unb babq• lonifd}er Jbeen." Die "3entralle~re bes <6no(ti3ismus" ilt allo "lelbft fd}on ein Probutt ber Religionsmifd}ung" (S. 88). - Ruf bie ~in3el• l)eiten bieler Rbleitung ge~en wir nid}t ein. Sie fei 3ugegeben l)in·

fid}tlid) ber jtofflid)en motiue. tDie weit abr.r reid)t fie 3ur wirflid}en

was norliegt? Das aftrale tD e lt Id) e m a ber babt)•

lonijd)en Religion wurbe, nad) biefer ~rflärung, bem perfild)en Seelen•

a ufft i eg gemillt>rmafien räumlief) lubftruiert. Dod) bas Spe3ififum, was lold)e Derbinbung erjt 3u einer gnoftild)en mad)t: nämlid} ber

tDert• unb Sinn ·lDanbel jenes lDeltfd)emas - ber Umld}lag

alfo bes planetarifd)en ffiötterfl}(tems in ein roibergöttlid)es Sl}ftem, bes

~rflärung beifen,

rabifale

') Rn3

geqt

qier

jpe3ieU

uon

ber DatfteUung ber mitl)tasmqiterien bei

15. ~inigt Btifpitle für bie Mttf!obe (Bouflet).

27

Sl}mbols Dollenbeter Kosmosreligion 3um Sl}mbol einer fd}roff anti· fosmifd}en <Einftellung - bies <Entfd}eibenbe ift, ba qier3u aud} im <Eigengeqalt bes originalen Parfismus ber Anlafs nid}t gegeben war, burd} bie "Derbinbung" ober "ffiifd}ung• feineswegs erflärt - unb bleibt eine offene Srage, wenn man nid}t bie antifosmifd}e <Einftellung felbft fd}on (unb 3mar eben bie bes gnoftifd}en U::l}pus) als <Edlärungs• grunb mit in Anfa~ bringt. Sofern man aber in biefem bualiftifd)en moment eben bas IDefen ber ffinofis 3u feqen qat, fo bleibt bas eigent· lid}e demonstrandum bes Ableitungsoerfud}es: bie Urfad}e ber meta• :p~l}fifd}en Umwertung, nod} unbelegt.

2. B o u ff et, ber fid} bie perfifd}·babl}lonifd}e Ableitung 3u eigen

mad)t, fud}t if)r über An3 f)inaus aud} biefe Urfäd}lid}feit ab3ugewinnen, inbem er für bie <Erflärung jener Ummertung, bie er allerbings in öiefem 3ufammenf)ang nur als "Degrabierung" fa&t, 3u bem Jnf)alt ber Ausgangsoorftellungen aud) bie Umftänbe if)rer Begegnung qin3U• nimmt. "Die perfifd}e Kultur unb Religion", fo fagt er a. a. <D. S. 39, "f)at bie Stellung ber fiegenben Kultur unb Religion gegenüber ber babl}lonifd}en innegef)abt", unb biefer gleid)ermeife mad}t• wie geiftes• politifd}e U::atbeftanb bient nun 3ur <Erflärung beflen, was bie 3u· fammenbringung ber Dorftellungsinf)alte allein nid}t leiften fann: Die perfifd)e Religion bringt als Religion eines fiegreid}en Dolfes ins babl}lonifd}e U::ieflanb, wo bamats fd)on bie babl}lonifd}e Religion 3u einem aftrologifd)en Satalismus unter ber Allmad}t ber lieben plane• tarifd)en ffiottf)eiten erftarrt mar. "Als nun bie perfifd}e Religion mit ber babl}lonifd)en 3Ufammenprallte, begrabierte fie biefe f>öd}ften babl}• lonifd}en ffiottf)eiten 3u Dämonen, bie tief unter ber tid}tmelt, in ber bie f)öd}fte ffiottf)eit ber perfifd}en Religion unb i~re U::rabanten mof)nten, in ber Sinfternis if)r IDejen trieben" (S. 55). Das foll einmal als Ausbrud ber neuen mad}toer~ältnifle unb bes voraufgegangenen Kampfes 3u oerfteQen fein. Jn berfelben Rid}tung wirfte bas geiftige t>erqältnis ber beil:len f)ier 3Ufammentreffenben Religionen: Wie ber fiegenbe, fo fei es 3ugleid} ber "qöQere ffilaube" gewefen, ber bie alten ffiötter 3u Dämonen begrabierte (S. 38). B. oerroeift auf bas Beifpiel ber jübifd}en Religion, bie "bie babl}lonifd}en ffiöttergejtalten in bie lieben <Er3engel ummobelte unb biefe um Jaf)mes U::f)ron fteUte" (S. 53). Als "fd}lagenbften Bemeis" be3eid}net er bie U::atfad}e, ba& aud} innerqalb ber fpäteren perfifd}en Religion entgegen ben altperfifd}en Dorftellungen oon iqrer göttlid}en natur bie Planeten bämonifd}en <rf)arafters unb Bunbesgenofien Af)rimans geworben feien (S. 41 ). nid}t

28 15.

CEiniqe Beifpltle für bie md~obe (Boul!tt).

me~r aljo, wie bei Rn3, einfad) aus einer "t>erbinbung", lonbem "aus einem 3 uIammenprall perlifd)er unb babqlonijd)er Religionsgebanfen" ijt ber ffirunbgebanfe bes ffinojti3ismus "entjtanben" (S. 321 ). - !Das nun ienen "jd)lagenbjten Beweis" ange~t, lo ilt er offenbar eine petitio principii: benn er gilt ~öd)ftens bann, wenn es jd}on auso gemad)t ijt, bafi bies Dämonijd)werben ber Planeten im fpäteren Par• fismus nid)t ein (übrigens red)t ld)wad)er) Refler. eben bes ffinojti3ismus fein tann 1 ); grunbjä~lid) gejagt: wenn es ausgemad)t ijt, bah bem ffino!ti3ismus feine eigene ibeeUe l<aujalität innewo~nt, bah er aller· wärts nur Bebingtes, nid)t aud) jeinerfeits Bebingenbes ilt. <Eben bies gilt aber ber Sorld)ung aus einem unerflärlid)en t>orurteil ~urd)weg

1 ) B. 3iel)t wol}l birje möglid}feit in CErwägung, weilt fie aber mit ber Be· grünbung ab, im Parfismus feien ,.bie OorlteUungen uitl flatet nnb beftimmter·•, ,.nid einfad}er unb burd}fid}tlger• als in ber (l)nofis (S. 43f. Dal)er, fo gel)t Oir Solgerung, müflten fie bort urfprüng!id}er fdn unb fönnten bann - ba jie nld}t altperfild} linb - eben nur aus ber 3eit bes 3ujammenfaUs ber babqlonifd}en mit ber perfifd}en Religion ftammen.) Jd} fann bas nid}t finben. Jm (l)egenteil: Bei jenem Anlturm Al)rimans gegen bie gute Sdjöpfung bes 0Jrmu3b im Anbeginn ber 3eiten b~finben fidj, nad} ber flnfd)auung bes fpäteren Parfismus (3. B. Bunb. 3, 25), unter ber ijeerjd)aar ber Daeuas neben aUcn o:>nberen Dämonen au d) bie :Plao neten (lie werben gefangengenommen unb an ben qimmel uerfe\jt). ijier ift il)rt al)rimanifd}e Rolle 3ufällig: ol)ne Begrünbung in ber (l)ejamtfon3tption bes tl)eo• logljd)en Sl}ftems unb ol)nr CErl)eblid}feit für ben Sinn bes (l)anJen - ein bei, läufiges ml}tl}ifd)Ps DetaiL Jm (l)nofti3ismus bagegen iit fie 3entral unb wejentlidj begriinbet im Sinn bes Sl)ltems. Dennod) foll b:efe IDelentlid)feit aus jener B~i' läufigfeit abJulelten fein? I,.CEinfad)er" mag le\jtere wol}l fein, mie es einfm nebenfäd)lid)en unb nidlt betaiUierten 3ug entfprid)t; aber gewifl nid)t ,.flarcr, beltimmter unb burd)fid)tigu" als bie gnoltifd)e l}eimarmene.(eqre. übrigens ift bie <befd)loflenqeit bet Oorftellung fd}on baburd) 3erbrod)en, bafl l}ier nur b1e fünf :Planeten im engHen Sinn als böfe IDädlte gelten, wäl)renb Sonne unb monb uon il)nen abgetrennt unb iqnen famt ben 3obiafalgeftirnen als gute IDäd)te ent' gegengelttUt finb. Das ilt eine aftrologild)e Verteilung guter unb böfer ~l)araftert auf bie (l)eftlrnmelt - unb fie mufl in ben Parfismus !el)r fpät Q:ingang gejunben l}aben. Denn, fo bemerft fln3 a. a. Ql. S. 83, 4 mit Red}t, ,.wie jeft muflte ber name 0Jrmu3b fitr Jupiter erjt eingewur3rl! Iein, el}e bie Ungel)euerlid)feit mög' Iid) werben fonnte, mit 0Jrmu3b (sc. uls :Planeten) ben Begriff eines böfen IDe!ens 3U uertnüpfen !". Das fann nid)t woql flusbrud eines perfifdjen Sieges über babl)' lonlfd)e Religion fein, jonbern nur ber uiel jpätere CErfolg eines anl)altenb Jtarfen fremben CEinflulfes auf bas parfifd)e Denfen, eine qeteronome Hon3e1fion beslelben.] -· Sd)liefllid) i(t ble gan3e Srage unerl)eblid): wie es mit biefer fpätperfijd}en CEr· fdleinung aud) fei, jie 3eigt bod) gerabe bies, bafl Dämonifierung ober Degrn, bierung ber :Planeten für Iid) nod) feinesmegs (l)nofti3ismus bebeutet, es oielmei)r erft unter einem beftimmten Sormprin3ip wirb, bem bann aud) eine eigene Kraft für bie Umgeftaltung ber überfommenen Oorftellungen 3u3utrauen ilt.

15.

<Einige Bei!piele für

bie met~obe (Boul!d).

29

als ausgemad)t unb biftiert fd)on bie Sud)e nad) Ableitungen aud) ba,

wo bem tD ei en

möglid)feiten, bie immer fonftruierbar finb - bie Anna~me einer eigenen Urfprünglid}feit bes 05nofti3ismus, b. feines bualiftifd}•anti· fosmifd}·esd}atologifd)en pri n3ips, allein bie <Erflärung geben fann. Diefern (J)runbfä~lid}en gegenüber fönnen wir fogar bie begren3te U:at• fad)enfrage jenes innerperfifd}en Beweismittels auf fid) beru~en laflen, ba es für ben gnoftifd)en Befunb bod) nid)t beweisfräftig wäre, wie

wir 3eigen wollen. Betrad)ten wir alfo bie <Erflärung felbft. 3unäd)ft ift feft3uftellen, bab fie eine f)l)pot~efe unb als fold}e 3U be~anbeln ilt. Das an Iid) unbeglaubigte U:atfäd)lid}e i~rer Se~ung: eine irgenbwann ftattge~abte Depravation ber babl)lonifd)en (J)ötterwelt burcl} bie perfifcl}e Religion ift fo wenig 3U wiberlegen wie 3u beweifen. <Es genügt, wenn es in Rnbetrad)t ber befannten ilnte3ebentien - politifd)es unb geiftiges t>er• ~ältnis uon perfifcl}er unb babl)lonijcl}er Religion - möglicl} unb in Rnbetracl}t ber ebenfalls befannten l<onjequen3en - gnoftifcl}e te~re - , 3u beren <Erflärung es fonftruiert wurbe, befriebigenb ift; wenn es alfo ein plaufibles 3wifd)englieb barbietet unb 3ur <Erflärung leiftet, was es foll. (tDie bei jeber f)l)pot~efe fommt es alfo uor allem auf ben f)l)pot()efenwert an, ber bie fe~lenbe Be3eugung ber U:atfacl}e felbft erfe~en muß.) Die erftere 5rage nun, bie ber ffiöglid)feit aus ben

beja~t werben, wenn man aud) mand}e Scl}wierig•

ilnte3enbentien, fann

feiten babei nur im f)inblicf auf eine befonbere <Ergiebigfeit ber f)l)pO• t~efe in l<auf ne~men wirb; biefe aber, alfo bie 3weite Srage, ilt 3u oerneinen unb bamit fällt bie f)l)pot()efe felblt, b. i()re tatfad)en• mäßige Ricl}tigfeit ober Unricl}tigteit wirb irreleoant für bie gnoftifcl}e Srage. Dod} müflen wir, bamit bies er~eUt, beibe Seiten betrad}ten. 3unäd)ft bie erftere: Die politifd)en Umftänbe ber Begegnung beiber

Religionen, bie feinbfelige waren, finb befannt unb es ift wo~l benf· bar, baß bies fcl}liefilid} in jener "Degrabierung" als ber ibeellen tDiberfpiegelung eines neuen f)errfcl}aftsuer~ältnifies feinen Rusbrucf fanb. Rud) baß ein innerer a>egenfa~ bes geiftigen Prin3ips beiber Religionen ftarf genug im Bewu{Jtfein ber perlifcl}en gewefen fei, um fie bie Ieitenben Sqmbole ber babqlonifd)en auf bie a()rimanifcl}e Seite ()inüberoerfe~en 3U lallen, wäre tro~ ber fonjt 3u beobad}tenben tr:o• leran3 bes Perfertums jener 3eiten als möglicl} 3u3ugeben. <Es mag babei ein tDiberftreben i()res fittlid}•geijtigeren ([qarafters gegen ben Satalismus unb bas fd)roff naturale bes a>eftimgöttertums in ilnfd}lag

bes Befunbes nad) -

nid)t erft

mangels Ableitungs•

30 15.

finige BeiJpidt für bie mtt~obe (BouiJd).

3u bringen fein - menn aud) bie t>orftellung Sd}mierigfeiten mad}t, bab fie babei freimiUig altperfifd)e Dorftellungen Don ber <5öttlid}feit ber Planeten preisgegeben unb in i~r <5egentei1Derle~rt ~aben foll. - lDas mubte nun ~ieroon bas <Ergebnis fein? Uad) aller togif mie aller religionsgefd}id}tlid)en Analogie mubte eine fold}e Degrabierung mit einer meitge~enben Depoffebierung ber baDon betroffenen <5e· malten ein~erge~en: mit einer Bebeutungsminberung unb <fntmad}tung, bie im oerfö~nlid}ften SaUe 3u einer unterorbnenben <finglieberung in bie f)ierard}ie bes eigenen <5ottes fü~ren fonnie (mie in ber fpätjübifd}en <fr3engelle~re), im anberen aber bie entt~ronten <5ötter 3u Spufgeiftern bes t>olfsaberglaubens (~ier im C5efolge A~rimans), b. ~- im <5runbe 3u religiöfer Bebeutungslofigfeit f)erabfinfen läfit, etma fo mie es mand}en

~eibnifd}en <5öttern nad} bem Siege bes a:~riftentums miberfu~r (Dgl.

lDotan als "lDilber Jäger" u. a.). Jn biefer Dimenfion allein liegen aud) im Darliegenben SaU bie ffiöglid}feiten: Ausge~enb Don einer antifen, fosmifd}·pofitiDen Religion, mie es bie perfifd}e mar, fonnte bie f)erabbrücfung einer <5ruppe oon Aftralgöttem biefe nur als ein

gan3 Partitulares ber lDelt treffen, unb b. ~- für bie in Srage fte~enbe Siebenl}eit ber babqlonifd}en Planetengötter: nur unter entfd)iebener trrennung DOn i~rer fosmifd)·totalen Bebeutung unb mad)tftellung. nun treffen mir fie aber gerabe im <5nofti3ismus im Stanbe meltlid}er Allmad}t unb einer trotalbebeutung für bie Sqmbolif ber lDelt, bie nid}t mo~I überboten merben fann; bie alfo bas ungebrod}ene Sort• befte~en jener Stellung, bie if)nen eine pofitio·fiberifd)e Religion im

i~rer größten, vielleid)t fogar ~qpertrop~ifd}en Ausbilbung 3U•

gemiefen ~atte, nod} in ber Ummertung be3eugt. <Eine überragenbe, nid}t eine begrabierte Rolle ber <6eftirne fe~t biefe Doraus - vielme~r:

fd}ließt fie meiter~in ein. J~re finftere <6emalt im gnoftifd)en Sqftem ift für ben meltlid}en Bereid) oon feiner mad)tminberung berü~rt. nid)t ffiinberung, fonbern t>or3eid}enänberung, lDertDerle~rung: nur als ed}t antit~etifd)er ift ber Umfd}lag rid)tig 3u Derfte~en unb an• gemefien 3u mürbigen. Als beiläufiger oerftanben Derlied er feinen eigentlid}en Sinn. Da~er ift es aud} nid)t rid)tig (unb im 3ufammen• ~ang biefer Srage irrefü~renb), oon einer "Degrabierung" ber plane• tarifd)en <6ott~eiten 3u reben; es ~anbelt fiel} um eine für ben gan3en Kosmos mitgültige Umle~rung ins lDibergöttlid}e. Um es beutli~ 3u Jagen: meil bie lDelt als fold}e je~t fo gefe~en murbe, barum erfa~ren bie Planeten als bie e~onierten mqtf)ifd}en <Dbjelte bie ~ier• burd) geforberte Umbeutung (nid)t etma umgelef)rtl). Unb 3u biefer

Stabium

15.

~inige Btijpiele für bie Md~obe (Boufld).

31

fqmbolifd)en Rolle qualifi3ierten fie fiel) burd) jenen fosmifd}•repräfen• tatioen Rang, ben fie in einer weit~in ~errfd}enb geworbenen fibe• rifd)en Religion inne~atten unb ber bie Jnoariante bei i~rer Um•

wertung ift. 3u biefer Bebeutung fonnten

untergeorbneten Dämonenbaieins wieber ~od)fd)iefien; bies wäre fd)werer 3u edlären als bie birdte Umwertung. Wir le~en allo: felblt wenn

widlid} bie perfifd)e Religion gegen bie i~r wiber!treitenbe babqlonifd}e

mit einer Degrabierung ber Planetengötter ternonitriert ~aben follte (mit Red)t fprid)t B. im 3ulammen~ang feiner <Erllärung ftets oon Degrabierung, benn nur eine fold)e fommt für ben oon i~m ange• nommenen pro3e{i in .Srage) - fo ~ätte bies e~er eine ungünftigere Dorausfetung für ben Cl)no(ti3ismus gefd}affen, inbem es i~m ein be· fonbers braud)bares Sqmbol für feine totale Weltumbeutung entwertet

~ätte 1 ).

l<ur3 gefabt lautet alfo unfer Argument: .Sür bie perfifd)e welt• beja~enbe Religion fonnten bie Planeten nid}t bie ,Welt~ errf d} er' bleiben, wenn fie minbermertig wurben. <Eben jenes aber, jenes unb biefes 3ugleid}, finb fie ausgefprod)enerma{ien im Cl)no1ti3ismus: Böfe Welt~errfd}er• .Sür eine fold)e '[ransformation bes babqlonifd)en Cl)ötter• fl}ftems bilbet ber Parfismus fein plaufibles 3wifd}englieb. Wir erinnern nod) baran, bafi bie feinblid)e l)altung bes Cl)nolti• 3ismus gar nid)t bie Planeten jpe3iell betrifft, fonbern bie gan3e Cl)e. ftirnwelt - für bie Planeten fönnen 3· B. in mand)en Sl}jtemen bie 3Wölf '[iedreisbilber eintreten -: fie meint ben mafrofosmos über• ~aupt als bas große 3wangsfl}ltem, bas ben mitrofosmos unter fiel) befd}lie{it. nur bie anld)aulid)en IDbjefte bes Derbiftes, bas mittels i~rer bie Welt als fold)e treffen foll, fönnen nad) ben jeweils geltenben '[rabitionen wed)feln. (So fann es in fortgefd)rittenen .Sormen fogar unter Wegfall ber gan3en Rftralfqmbolif ber ,Demiurg' allein fein, ber als l)err unb ml}t~ifd}er Repräfentant bes ge~abten "Weltmefens" biefe Rolle erfüllt.) .Sür bie perfifd)e Religion aber, bie ltets, bis in bie fpäteften .Sormen, ben Sternen eine ~o~e Wertfd}ätung 30Ute, beltanb

lie faum aus bem 3wielid}t eines

1 ) ~s mar ja bas Au[!erfte, mas ller qt)pot~efe für bie <Erflärung bes gnoftl• llf!en Clatbeftanbes 3U3ugejte~en mar, eben bies: ba[! in ben ent~eiligten numina ein bisponibles, aber 3iemlilf! inbifferentes material frei murbe, bas, um mieber 3ur Bebeutung 3u gelangen, ber ~rgreifung burlf! ein neues aftiues Sormprin3ip matten mu[!te. mtr fanben aber, bafl bies bie <Erflärung e~er erflf!mert als er• le!lf!tert. über bie llatfalf!e fdbft lft bamit nicqt geurteilt. Sie mag gan3 au[!er• ~lb ber ~ntlte~ung ber gnoftifcqen Jbeen, dma als lnnerperfifd!er l)organg, fi~ im Raume biefer IDdt aucq ereignet I!aben. Docq bas gellt uns ~Iet nicqts an.

32 15.

finige Beijpiele für bie met~obe (Boullet).

gewiß feinerlei Oeranlafiung nod} möglid}feit, bie (J)eftimwelt als fold}e a~rimanifd} werben 3u lalfen - jo wenig wie bie Welt über~aupt, bie bod} göttlid}e Sd}öpfung ift. Oermod}te es bod} bie iranifd}e Sd}ä1}ung ber (J)ejtirne fogar gegen bie Sternenfeinbfd}aft ber gan3en übrigen (J)nofis, für beren iranifd}e Spielart, ben manid}äismus, ben Sternen (Sonne, monb unb trierfreisbilbern) einen Pla1} auf ber l:id}tjeite bes Dualismus, ja eine ~eroorragenbe Rolle im <frlöfungswerf felbft 3u lid}ern. - (J)ewiß meinte aud} Bouliet nid}t, baß ijaß gegen bie babt)• lonifd}e Religion bie perlild}e ba3u uerfü~ren fonnte, i~re eigenen (J)runblagen 3u verleugnen. Dod} aber foll ber i{)r 3ured}enbare partio fulare, gewiflermaßen {)armlofe Oorgang ben fpäteren totalen, grunb· jiüt3enben eingeleitet {)aben unb errlären. Jrgenbwie fd}eint bei biefer wie ä{)nlid}en Ableitungen bie Oorftellung mit3ufpielen, baß ein ibeeller Pro3e5 "unoerfe{)ens" über fein 3iei ~inausfd}ießen unb etwas gan3 anberes er3eugen fonnte, als was finngemäfj in feiner eigenen Reid}· weite war. Ald}emie ber Jbeen 1 1 ). IDir bringen ben (J)egenfa1J am Wortlaut Bouffets felbft auf bie für3efte Sormei. B. fagt (S. 38): "Wenn bie babt)lonifd}en {)öd}ften (J)ott{)eiten {)ier als bämonijd}e, teuflild}e (J)ejtalten erld}einen, fo rann bas nur ba{)er rü{)ren, bafi in biefen Religionsft)ltemen ein anberer unb frember (J)laube über bie babqlonifd}e Religion gefommen iiP)".

1 ) Cffn tDort nod) über bas non B. ange3ogene jübifd)e .Btlfpiel, übrigens bas ein 3i g e überlieferte eines Kampfes gegen bie babl)lonifd)e Rftralreligion fn ber Rntife. a>erabe biefes 3eigt bte a>ren3e, b!e ~itr für eine meitbeja~enbe Re• ligion ge3ogen mar. Das biblifd)e Sd)rifttum be3eugt ben leibenfd)aftlid)en Kampf, ber gegen bie "Anbetung DOn Sonne, monb unb gan3em fjimmelsl}eer" gefü~rt murbe, unb bod) ~at biejer feinesmegs eine Verteufelung ber a>eftirnfpl}äre 3ur Solge ge~abt unb ~at es nid)t einmal nerl}fnbert, bab fpäter bie lieben Planeten in a>eftalt ber Cfr3engei fogar in bie l}ierard)ie bes Monotl}e!smus Rufnal}me fanben, natürlicfl a(s pofit!Dt ffiäd)te. lDenn fit bann tnieberum jpäter, in ber

m ltf a m t blefem übergeorbneten tDeitgott, bem Demiurgen, 3u

negatinen merben, fo ilt bies auf bie Recf!nung einer neuen Bewegung, eben ber gnoftifd)en, 3u feten, auf bie als eine urfprünglfd)e a>röbe, bie neu über aUe ge• gebenen ber Rntife fommt, bie Cfrflärung nld)t mirb ver3id)ten fönnen. 2 ) B. fä~rt fort: "Deutllcf! merft man nocf! ben manbäifd)en QlueUen ben Jngrimm bes Kampfes an, ber ~!er gefpielt l}at. Mit faft fanatifcf!er tDut tnerben bie alten a>öttergeftalten entmürbigt unb in bie lr:iefe l}inabgeftoben." tDir ftimmen 3u. fjier finb oUt Kenn3cicf!en eines an ben S!Jmbolen lief! austobenben, reD o• lutlonären unb anfd)einenb ftarf reflentiment•beftlmmten Brud)es mit einer l}errfcf!tnb gemefenen DorfteUungstntlt norl}anben. Der gleicf!e SanaUsmus ft~rt fiel! ja aucf! gegen ben jüblfcf!en Scf!öpfer• unb tDeltgott, ber, mie fcf!on bemerft, jenen planetarlfcf!en Kosmosmäcf!ten 3U• unb übergeorbnet murbe (momit aljo bie

gnoftifd)en <Epocf!e,

15. CEinige Bei!piele für bie mttl)obe (Bouflet).

33

lDir fagen: ber Sat ift rid}tig, roenn man für jenen "anberen <6lauben", ber fold}erart über bie babt}Ionifd}e Religion gefommen ift, ftatt bes perfifd}en eben ben gnoftifd}en einfett; roenn man alfo bie "De•

fpätjübifd)e 3ufammenfteUung, menn aud) mit negatinem Sinn, gerabe3u über• nommen murbe) - burd)aus fonfequent, mie mir 3ugeben müflen, menn mir l)ier an bas IDalten eines umfafienben prin3ips glauben. JebenfaUs müflen bie Sqm• bole fo leibenfd)aftlid) um b es miUen befämpft morben fein, mas lie aftueU b e • beuteten unb repräfentierten; mas bies mar, ilt non bem Subjeft biefes Kampfes, ai(o non ben gnoftijd)en Religionen jelbft, in beten SelbftbarfteUung er Sprad)e geminnt, 3u erfal)ren, non b o r t aud) bas prin3ip ber Seinbfd)aft 3u gewinnen, ble il)rerleits mieber ben pofitinen Sinn ber aljo reagierenben Bewegung erl)eUt. DieUeid)t fommt man gar ba3u, bafl bies negatioe moment ber Seinbjd)aft gegen dmas 3u einem guten lieil ben eigentlid)en, "pofitinen" Sinn ausmad)t, nieUeid)t gar ble SubJtan3 bes <lian3en ijt. ltlenn mir 3· B. 3u bcr <Einjid)t gelangen, ba(! bie Planeten unb ber Demiurg nid)t als Sqmbole nergangener Religionen, jonbern ber (immer gegenwärtigen) IDdt (elbft gel)a(!t werben, bie mit il)rer eigenen fort• bauernben ltlirflid)feit aud) il)nen ftänbig aftuene Bebeutung, <liemalt unb Be• fämpfungsmürbigfeit nerbürgt, jo ergibt Iid), bafl fie mit einer einmaligen "De, grabierung" nid)t erlebigt finb, jonbern bie feftgel)altene <liegenftenung gegen fie ber bauernben Rftualität ber <EinfteUung, bie mejentlid) l)ierauf be3ogen ijt, 3U• gel)ört. Dies i!t freilid) bereits ein <Ergebnis, bas mir ber Bead)tung ber S u n ft i on, bie jene jqmbolifd)en <lirö(!en in b~r gnoftijd)en ltlelt• unb qeilslel)re innel)aben, uerbanfen. Aber jd)on non anem Anfang an mu(! gelten, ba(! bie fo lebl)aft geäußerte Seinbjd)aft bem Sinn bes Sqftems jelblt, bas jie äu!!ert, entjd)ieben 3113ured)nen ilt unb il)n jebenfaUs irgenbmie be3eugt - jei es nun als Sqmptom ober als mejentlid)er Beftanbteil. nur bie gnoftild)e Religion jelbft, feine anbcre, lft um ben Sinn einer Seinbld)aft 3u befragen, bic bod) tl)r als d)arafteriltifd)cr Befii.l 3UJuerfennen ilt - unb rld)tig befragt fagt fie il)n beutlid) genug ol)ne Refurs. Aud) Bouffet glbt ja in bem 3itierten Satj 311 erfennen, bafl bas gnoftijd)e Sd)rifttum bie Seinbld)oft to3uiagen in actu barjtent -- bafl alio ber <bnojti3i~mus bie Aftualität eben biefes Kampfes Ieiber ift. <Er fäl)rt aber fort: "CEs fragt jiro nun, uon meld)er Religion jene CEinflüfle ausgegangen jinb, bie 3u biefer Degrabation ber babr,loni!d}en «iöttergeftalten gefül)rt qaben." Jnbem l)iermit eine Umjd)au unter ber. be· fannten Religionen nad) ber Urjad)e jener <Erjd)einung eingeleitet wirb, biefr alfo nid)t mel)r als aftueUe Rngelegenl)eit bes lbnoJti3ismus felbft, jonbern als fertige liatfad)e für benjdben genommen :Dirb, wirb bas Rid)tige bes uorigen Satjts mieber rücfgängig gemad)t. Jetjt ijt bit Degrobierung, oud) jener "Jn, grimm bes KampfesH, jene .,fanatijd)e IDut" n!d)t mel)r dmas, worin Iid) ber <linojti3ismus fdber man!feftiert, woran !ein Sinn unb ltlefen 3u erfennen ift - benn er tliftiert ja gar nid)t, nur als bie Summe uon Wirfungen Rnberer. Dem, gemäfl fragt B. bie nor~anbenen groflen Religionen aufler ber gnoftifd)en fdbft ab; er gelangt babel 3ur Ausfd)eibung fomoi)I bes t!~riftentums wie bes Juben• tums unb 3u bem Sd)Iu& (S. 39): "CEs bleibt bemgemäb eigentl!d) nur eine große unb mäd)tige Religion übrig, bie biefe Umgeftaitung ber bab!)lonifd)en Religion l)erbeigefül)rt l)abtlJ fann, nämlid) bie perfijdje Religion." Dies mirb bann mie

berld)tet ausgefü~rt.

34

15.

~tnige Beijpide ujm. (Bounets Ableitung bes gnoftijd}en Dualismus).

grabation" ber babt}lonifd)en (J)ottl)eiten nid)t als <frflärung, fonbern als St}mptom bes ffinofti3ismus nimmt, nid)t als Urfad)e, fonbern als lDirfung besfelben. - !Dir fommen 3u bem Sd)lufj, baß wieberum bei ber "llbleitung" bas eigentlid)e Sinnprin3ip, ber gnoftifd)e Dualis· mus, ben man faum mit bem 3aratl)uftrifd)en wirb oerwed)feln fönnen, gän31id) braufsen bleibt. 3. Der Du a 1is mus ber ffinofis: il)m wibmet Bouflet eine befonbere llbleitung, bie bie norige ergän3t unb fiel) mit if)r 3u bem nollftänbigen <frflärungs3ufammenl)ange nereint. Sragt man nad) Rnfnüpfungs• punften für bie RbIeitung eines "Dualismus" in her lDelt her fpäteren Rntife, fo bieten fiel) 3wei norausliegenbe Sormen non Dualismus überl)aupt in biefem Raume an: her perfifd)e unb her gried)ifd)·plato• nifd}e. miteinanber l)aben lie nid)ts gemein, aufser eben bas Rller• formalfte einer 3wei·Prin3ipien•tel)re; jeher für fiel} ift bem gnoftifd)en U::atbeftanb gegenüber un3ureid)enb: wieber foll il)re Kombination il)re lDirfung ergän3en unb fie gerneinfam bas britte Rnbere, eben ben gnoftifd}en Dualismus, bilben laffen. !Dir befinben uns alfo einer tt}• pifd} wieberfel)renben metl)obe gegenüber, bie materiell burd) ben ge· fenn3eid)neten Begriff bes "St}nfretismus" getragen wirb. - Jn bem

Kapitel "Der Dualismus ber (J)nofis" l)eifst es bei Bouflet (S. 116), es liefse fid) leid)t ber nad)weis fül)ren, "bafs bie!e gan3e bualijtifd)e (J)e. hanfenweit urfprünglid) non her perfifd)en Religion bebingt ift", unb nad)bem biefer nad)weis gefül)rt worben, auf S. 118f. weiter:

"Rnbererfeits mufs freilid) aber aud) I}ernorgel)oben werben, bafs her per• fijd)e Dualismus in biefer Umgebung eine ftarfe Ueränberung unb Um·

wanblung burd)gemad)t

faß lebenbig geworben, ben bie perfild)e Religion nod) nid)t fennt .•. :

Der (J)egenfaß 3wifd)en her guten geiftigen unb ber böjen förperlid)en lDelt. Rn biejem Punft l)at Iid) eben her ffieift her fpätgried)ifd)en Rntife mit bem perfifd)en Dualismus nerbunben unb in ffiemein· I d) a ft mit i f) m eine aufserorbentlid) ftarfe unb gefd)loffene pe fl im i ft i • fd)e (J)runbanfd)auung er3eugt. Jn her gemäfsigt bualiftifd)en (J)runb· anfd)auung her fpäteren gried)ifd)en Rntife ift unb bleibt bie niebere materielle lDelt bod) wefentlid) bas nur Unnollfommene, bas nod) Un· gejtaltete, bal)er immerl)in, oon ber anberen Seite angeld)aut, ein llb· glan3 unb bei aller Uerbunfelung bod) eine leßte Rusftraf)lung ber oberen geiftigen lDelt. J nfo1ge her Uerbinbung, weld)e bie gried)ifd)e llnfd)auung mit bem perfifd)en Dualismus eingef)t, wirb biefe niebere förperlid)e lDeit erjt red)t eigentlid) bas feinhlid)e <Element, bas mit eigener Rftinität unb Jnitiatioe ber tid)twelt ge~enüberjtef)t, gegen biefe 3um llngriff übergef)t, • • . fie in fiel} l)inab3tef)t unb gefangen• f)ält. Rnbrerfeits war ber <rf)arafter bes alten perfifd)en Dualismus

Uor allem ilt {)ier ein neuer (J)egen·

15. Cfinige Btilpiele ulm. (Bouifets Etbleitung brs gnoftild}en Dualismus).

35

ein me~r 3Ufälliger. Jnner~alb biefer lUelt unterfd)eibet man je nad) il)rer Uü~lid)feit für bie 5rommen b!e guten Sd)öpfungen <D~mu3bs

unb bie böfen

lUeltanfd}auungen wirb nunmel)r ber perft)d)e Dualtsmus metapl)~ftld} untrrbaut unb auf bie groben <Degenfä~e uon geiftiger unb matmeUer lUelt Seele unb Körper be3ogen. So entftel)t ber abfolute unb troftlofe

pelfi~ismus ber <Dnofis mit feinen praftifd)en asfetifd)en 5olgerungen,

unb biefer <rl)arafter ue~bleibt ber g.an3en <D~iftesbewegung tro.~ ~Uer

l)ermittlung ber <Emanahonsfl}fteme, m benen tmmer nod) ber gned)tfd}e <Deilt gegen ben abfoluten orientalifd)en Dualismus reagierte."') lUir befinben uns l)ier am wefentlid)en punft ber überlieferten

5orfd)ung, wo aud) bie

tuaren es bisl)er nur bie DorfteUungsinl)alte, beftimmte oerein3elungs• fä~ige <Dbjeftioitäten, oon beren Derbinbung, mildJung unb gegen= Ieitiger Beeinflulfung bie Rebe war (ein unbeftreitbares Dorfommen im geiftigen <Defd)el)en), unb bitbete bas <Dffenbleiben ber 5rage nad) ber 5unftion bes bal)interwirfenben geiftigen irotalprin3ips ben <Degen• {tanb unterer Kritif, fo l)at es bie oorliegenbe <Erflärung mit biefem felbft 3u tun unb beanfprud)t nid)t mel)r unb nid)t weniger als bellen fom= binatorifd)e l)erleitung aus uorausliegenben l)eterogenen <Deifiesformen; babei werben biefe genau fo wie bie il)nen unterftel)enben DorfteUungs• inl)alte aud) bel)anbelt, nämlid) als beweglid)e, teilbare unb partiell weiter· oerbinbbare <J>rößen. 3wei "Dualismen", jeber sui generis, follen Iid)

Durd) Jene~ Kontaft. ber uerfd)tebe~en

Kritif i~r entfd)eibenbes roort 3U fpred)en l)at.

1 ) 3eitlid} Derbinbei Iid} biele Cfrf!ärung mit ber Dorigen Don ber Degra• bierung unb Dämonliierung ber Planetengötter in folgenber Weife (S. 56f.):

HUber biete gan3e fd!on ftarf fompli3ierte Welt religiöfen lblaubens (sc. perfild)e

+ babl)lonifd!e Religion] ift bann im Diabod)en3eitalter nod) ber gried)ifd!e Cf in•

flub gefommen. Wii~renb nadj ber alten perlild)•babl)lonifd)en t>orfteUung biefe förperlid)e Welt im lbrunbe bod) als gut, aus ber flanb ber l}öd)ften (bottl}eit ober (bottl}eiten ~erDorgegangen unb l}öd)ftens nur burd) biimonlfd)e Hräfte geftört unb Dorübergel}enb Derberbt erfdjeint, brad)te bas lbried}entum in feiner fpäteren fntmicflung btn lbebanfen Don ber prin3ipieUen minbermertigfeit biefer förper• licljen Welt unb ben lblauben, bab bie mal}re f!eimat ber Seele bes menfdjen ber obere f!immel fei, l}inein. flierburclj Deränberte Iid! nun ber gan3e Etuf• rib ber lbebanfen. Etn SteUe bes orientalifd}en Dualismus, nad) mddjem bie guten unb bie böfen mädjte Iid) innerl}alb blefer Welt ftreiten unb befämpfen, fetJte bas lbried)entum ben metap~l)fifd!en Dualismus einer l}öl)eren gelftlgen unb einer nlebertn, mlnbermertigen förperlidjen Welt. Jn blefem 3ufammenl)ang fönnen nun bie begrab i er t e n planetarifd)en lböttergeftalten fogar als S d! ö p f er biefer niebeten Wdt erfd)eintn, ein lbebanfe, gegen ben bas perfifd)e Religions•

ll'lftem aud) in feiner fpäteften lbeftaltung immer remonftrieren mürbe

blefem Boben •

gefdjolftn. • (Sperrungen l)ier unb oben DOn mir.)

Etuf

lft bann bie bunte mannigfaltigfeit ber gnoftifd)en Sl)Jteme auf•

36

15. iinige Beifpielt ufm. (Bounets Ableitung bts gnoftifdjtn Dualismus).

fo miteinanber verbunben unb mit Beifteuerung beftimmter tr:eile einen neuen Dualismus anberer metap~l}!ifd}er Rrt er3eugt ~aben. Uor fold}en (J) an 3~ei t en fte~t aber als <Entfd}eibenbes i~rer lDefensbeftimmung immer bie 5rage, weld}er geiftigen l}altung fie urfprünglid} Rusbrud finb, unb bemgemäfj aud}, weld}er es bie neuentftanbene ift. Bei ber Dualismusfrage alfo, bas ilt 3u bead}ten, ~anbelt es fid} nid}t me~r um bie (J)enefis ber "UorfteUungen", einer gegenftänblid}en Uiel~eit, fonbern ber begrünbenben "Jbee" felbft, bes einen vor·in~altlid}en Prin3ips, ber geiftigen l}altung. (J)enefis - b. ~· ~ier 3 u f a m m en = Ie~u n g fold)er tr:otal=Jbee (" tDeltanfd)auung") aus nerfd)iebenen anberen, für fid) ebenfo totalen unb unergän3baren Jbeen (IDeltanfd)auungen); ber geiftigen "l}altung" aus me~reren anberen, für iid) ausgebilbeten unb abgefd)lolfenen geiftigen l}altungen. roie aber "nerbinben", fom:

binieren, nermifd)en Iid) geiftige l}altungen ober i~re Korrelate, bie IDeltanfd)auungen? U)je er3eugen 3Wei DOn i~nen in einem britten Subjett eine neue, im innerften IDefen nerfd)iebene? roir lefen bei Boulfet, ber (J)eift ber fpätgried)ifd)en Rntife I}abe fid) mit bem perfifd)en Dualismus "nerbunben", er I}abe "in (J)emeinfd)aft mit i~m" eine aufjerorbentlid) ftarfe unb gefd)lolfene p e ff im i ft i f d) e (J) ru n b an • I d} a u u n g "er3eugt". Beibe Rusgangsgröfjen finb 3ugeftanbenermafjen burd)aus nid)t pelfimiltifd)e (ob3war bualiftifd)e) roettanfd}auungen 1 ):

i~r gerneinfames Refultat, eine neue IDeltanfd)auung, foU es fein; unb foU es fraft if)res 3ufammentrdens fein. Das ~eifit in einem mixturn erwarten, was in feinem feiner <Elemente ent~alten war unb was feinem tDejen nad) nid)t eine Rbbition, jonbern eine eigene Cllualität

ijt.

praftifd)en

binbung "entftanben" jein. Das f)eifje id) O:f)emie ober aud) Rld)emie ber Jbeen. Jd) befenne, bafj id) mir von bem Pro3efi feine red)te UorjteUung mad)en rann. <Eine fold)e müfjte bie ~ier metap~orifd) auf= tretenben Doll3ugsbegriffe wie: "Iid) nerbinben", "3ufammen er3eugen" ufw., mit fad)entfpred)enber Rnfd)auung erfüllen. Diefe aber will Iid)

1 ) 3mar in feinem Artife[ .,(J)nofis" in paull)·lDiflomas Realen3l)flopäbie b. dafl. Altertumsmifl. Bb. VII (1912), Sp. 1510 lautet ber entfpredjenbe Sa1: "irft burdj bas 3ujammenfluten 3meier peifimiftijdjer (sie) tDeltanjdjauungen entftanb ber gefteigerte, abjolut troftloje Peliimlsmus ber (J)nofls." tDenn ~ier nidjt eine Dtt• fdjreibung ftatt .,bualiftijdjer" oorltegt, jo märe ber Ptliimismus ber perfifdjen Religion unb bu nadjariftotelijdjen griecfJiicfJen (J)eiftes erft 3u bemeljen, jebenfaUs aber nä~er 3u beftimmen. Audj bann bleibt eine Summationsmirfung in biefen Dingen eine fe~r fragmürbige Anna~me.

Der "abfolute unb troftlofe pe!fimismus ber (J)nofis" ("mit feinen

asfetifd)en

5olgerungen" !) -

joU aus

einer fold)en

Der=

15.

jfintge Belfplde ufm. (BouHets Ableitung bes gnoftlfcfren Dualismus).

37

gerabe bei fteigenber <6egenftänblid}feit ber Betrad}tung nid}t einftellen; bie erfüllenbe Etnfd}auung nerfagt fid} i~nen in ber Unnad}fid}tigfeit ber Konfretion. mit ben bloßen BUbbegriffen fönnen wir uns nid}t 3Ufrieben geben, müffen nielme~r fragen: was ge~t babei wirflid} nor? 3unäd}ft: wer ift ber l}anbelnbe? Sollen es bie ".Jbeen" felbft fein, bie fiel} fraft eigener Dt}namif nereinigen unb 3u neuen 3ujammen• feten? Das würbe gerabe3u in ben Oorjtellungsfreis gnoftijd}er mt}t~ologie unb <Emanationsjt}fteme ge~ören. Dies ift wo~l aud} nid}t gemeint. natürlid} jollen es bie menfd}lid}en Subjette jein, bie bieje Oerbinbung ~ergefteUt, biefe Ueuer3eugung einer roeltanfd}auung burd} fie ober aus i~r noll3ogen ~aben. Damit ijt aber beren gan3e Konfret• ~eit als .Saftor in bie .Srage ~ineingenommen unb biefe lautet jett fo:

n>ie fa~en bie menfd}en aus, bie fold}ermaßen oerfu~ren? Unter weld}en Bebingungen ~antierten fie mit jenen .Jbeen, weld}e motioe beftimmten fie babei, beftimmten aljo aud} ben <Effett? Kur3: Warum nerfd}mol3en, wenn es benn fo 3ugegangen ift, biefe b eft im mten menfd)en jene norgefunbenen .Jbeen 1o, baß babei bie gnoftifd}e .Jbee ~erausfam? Diefes "roarum ?" umfd}ließt bie 3Ufä~lid}e, oielleid}t gar bie prima causa, bie außer bem Oor~anbenfein ber .Jbealitäten nod} wirffam gewefen fein muß, bamit biefe über~aupt 3ur <6enefis ber gnoftifd}en beitragen fonnten. ]ebenfalls 3eigt bas Ruftreten eines fold}en "warum" eine tüde in ber bargebotenen bloß ibeellen (J)enealogie an. Oerfud}en wir alfo, uns bie möglid}feiten eines l}ergangs mit biefem ctrgebnis fonfret oor3uftellen. Sollte es oielleid}t bas Bebürfnis nad} <Ein~eit ber ILf)eorie ge· wefen fein, was bamalige menfd}en veranlaßt ~at, 3wei gleid}3eitig in

geltenbe, aber fe~r oerjd}iebene ILf)eorien bes Seins

i~rem tebensraum

in einer St}nt~efe 3ufammen3ubringen, gewiflermaßen ouf einen ge· meinfamen Uenner 3U bringen? Dod} abgefef)en baoon, baß bies formale agens nodl nid}t ben in~altlid}en ausfall ber St}ntf)efe beter• miniert - wer wollte glauben, baß einem fold}en tf)eoretifd}en Be• bürfnis 3uliebe eine gan3e menfd}f)eit bereit war (wenn fie es nid}t o~nebies fd}on war), oon nun an bie roelt als wibergöttlid}e mad}t, als tl)erf ber ,5infternis an3u[ef)en? (J)ott a[s außerweltlicf}, fiel} felbft als fremb in ber Welt, als O>pfer if)rer feinblid}en mad}t ufw.? roer wollte glauben, baß fie oom <Ergebnis einer t~eoretifd} geglüdten Sqn•

t~efe ~er i~r Weltoer~ältnis praftifd} unb emotional ~ätte beftimmen laffen - bis 3ur leibenfd}aftlid}ften tl)eltangft, bis 3ur grimmigften Rsfefe? Daß über~aupt menfd}en einem Sqfteminteretfe i~r gan3es