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Gasschutz und Luftschutz

Zeitschrift für das gesamte Gebiet des Gas- und Luftschutzes der Zivilbevölkerung Mitteilungsblatt amtlicher Nachrichten

Schriftleitung: Dr. Rudolf Hanslian und Präsident Heinrich Paetsch in Berlin

Mit Unterstützung von

Dr. Ahegg, Staatssekretär im Preuß. Ministerium des Innern; Dr. Adler, Stadtbaurat beim Magistrat Berlin; von Altrock , Generalleutnant a. 0., Berlin; Dr. Barck, Ministerialrat im Badischen Ministerium des Innern; Bleidorn, General der Artillerie a. 0., Berlin; Dr. Brandenburg, Ministerialdirigent im Reichsverkehrsministerium ; Dr. jur. Bruns, Univ .•Prof., Berlin: Delvendahl, Oberpostrat im Reichspostministerium; Dr. Dietrich, Prof., Min .•Direktor i. R.; Dr. Dräger, Lübeek ; von Düring, Reichsverband der Industrie; Dr. Flury, Univ.•Prof., Würzburg; Dr. Forstmann, Leiter der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen, Essen; Gempp, Oberbranddirektor von Berlin; Großkreutz, Reichs. archivrat; Dr. h. c. von Raeften , Präsident des Re:iehsarehivs; Rampe, Leiter des Gasschutzes der Teeh . nischen N o'thrilfe e. v., B erlin; Körner, Beigeordn . d . Deutschen Städtetages; Dr. Kottenberg, Be igeordn .

d.

Reichsstädtebundes; Dr. Kremer , Min .•Rat , Referent f. Unfallschutz u. Gewerbe.hygiene i. P'r. Minist. f. Handel

u.

Gewerbe;

Kretschmar ,

Vors .

d.

Arbeiter _Samariterbundes;

Lummitzsch, Vorstand

d.

Technischen

Nothilfe;

D1'. Menzel , Min .•Direktor i. Reichsministerium des Innern; Dr. Nernst, Geh .•Rat, Univ .•Prof., Berlin; Neubrand, Direktor, Magistrat Berlin ; Oppermann, Reichsbahndirektor, Geh. Oberbaurat bei der Hauptverwaltung der Deub

sehen Reichsbahngesellschaft;

Reichswirtschaftsministerium; Rumpf, Brandoberingenieur, Königsberg (Ostpr.); Sachsenberg, MdR., Dessau; Dr.

Schopohl, Min .•Direktor im Ministerium für Volkswohlfahrt , Staatskommissar für das Rettungswesen in Preußen :

von Seeckt, Generaloberst a. 0 ., Be rlin; Sperr, Min .• Direktor, Stellv. Bevollmächtigter Bayerns zum Reich srat Dr. Tübben, Bergrat, Prof. an der Technischen Hoch ehu!.: Charlottenburg; Wagner, Min .•Rat im Reichsminist c, rium des Innern; Dr. Wirth, Prof. an der Teehn:sehen Hochschule Charlottenburg; Woltersdorf, Prof. an der Tech.

;

Dr. Quasebart, Prof. , Berlin; Or. Riepert, Baurat. ßerlin; Ronde, Min .•Rat im

nischen

Hochschule

Breslau,

Direktor

der

Obersehlesischen

HauptsteIle

für

das

Grubenrettungswesen,

herausgegeben von Dr. August Schrimpff in München

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Dr.

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Schrimpff

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ScbrimpH,

München - Berlin , Geschäftsstelle Berlin, Berlin W 8, Friedrichstraße 166/IIl, Telegr .-Adr. " Aerochem-Berlin". Fe rnspr.: A 1 Jäger 5883 .

"Gasschutz

und

Luftschutz"

Berlin

W

8.

Friedri c hstraße

166/IH,

für

deo

Bezug

und

di e

Anzeigen

an

den

Verlag

Dr.

August

DEZEMB ERHEFT

MüNCHEN / BERLIN , IM DEZEMBER 1931

JAHRGANG 1931

Archivrat Großkreutz:

für

Diehlordiäthylsulfid. I Luftmanöver und Luftschutzübungen.

Luftschutz

Luftschutzerfahrungen aus dem

I

Dr.

Puseh:

Der Aufbau

des

I

Literatur.

I

Weltkriege.

Rettungs.

I

Patente

I

Künstlicher

und

Nebel?

I

Dr.

Dräger:

I

FIltergeräte

Dr.

HetzeI:

den Zivilgasschutz.

Liga.

I

Krankenhcförderungswesens.

Gasgefahren

und

des täglichen Lebens. / Feuerwehr. I Deutsche

Verschiedene3.

Gebrauchsmuster

Luftschutzerfahrungen aus dem Weltkriege

Von

Archivrat

G roß

k re

u t z

Zu Be~inn des Weltkrieges gab es bei keinem der bet eiligten Sta aten einen Luftschutz in dem Sinne, wie wir ihn heute verstehen, weder an der Front, noch in der Heimat. Immerhin bestand in Deutsch. land, wo die Frage der Bekämpfun~ von Luftfahr.

zeug en scho n seit Anfang 1906 bearbeitet wurde, wenigstens in der Theorie einig e KlarUleit üb er die für den Heimatluftschutz nötigen Mittel. Unter anderem hatte das Kriegsministerium bereits im Fe. bruar 1914 "Anhaltspunkte für die erforderlich er. scheinenden Maßnahmen zum Schutz wichtiger Kunstbauten gegen Unternehmungen feindlicher Luftfahrzeugo" herausgegeben. Sie zeichneten mit einer für jene Zeit erstaunlichen Voraussicht die großen Grundlinien des Heimatluftschutzes auf, wie er s päter im V erl aufe des Krieges zwangsläufig entstand.

in

Wenn di e "Anhaltspunkte"

die Tat umgesetzt wurd en, so ist zu berücksichti. ge n, daß das Flugwesen damals n och in d en Kinder. schuhen s teckte, so daß ihm noch nicht allzu große

nicht schon früher

Bedeutung für die Kriegführul1[! beigemessen wurde. Dies traf besonders für die offensive Ver. wendung der Flugzeuge zu Bombenan.griffen !luf das Heimatgebiet zu. Ferner schreckte der Perso. nalaufwand, der mit einer den "Anhaltspunkten" entsprech enden Organisation verbunden gewesen wäre und nur auf Kosten des Heeres hätte befrie. digt werden können. D er Gedanke aber. neben dem Heere eine derartige Organisation aufzubauen, schied aus Mangel an verfügbaren Haushaltsmitteln von vornherein aus. Diese Verhältnisse aus der Vorkrieg zeit mußten

kurz .gestreift werden, weil sie die Erklärung für die unzulänglichen Maßnahmen geben, die zu Kriegs.

b egi nn

gri ff e getroffen waren . Die verantwortliche Regelung dieser Maßnahmen lag in den Händen der Stellvertretenden General. komm a ndos. die zwar vom Kriegsministerium aU . ge meine Richtlini en und Anweisun~en erhielten, ihm aber nicht untergeordnet, sondern gleichgestellt

fü r

den

Schutz der

Heimat ,gegen

Luftan .

waren. Das Kric.qsministcrium hatte keine Kom~ mandogcwalt über sie. Eine straffe zentrale Le;~ tun):! des Luftschutzes bestand somit nicht. Inner~ halb der Korpsbezirke wurde der örtliche Luft- chutz als Nebenaufgabe den verschjedensten Dienststellen übertragen, denen die Materie erklär. lieherweise fremd war. Diese Systemlosigkeit und der Mangel an einheit- licher Leitung machte sich besonders auf dem Ge~ biete des Flugmeldedienstes fühlbar. Die wenigen Abwehrformationen der Heimat waren zur Fest. stellung feindlicher Flieger neben der eigenen Beob. achtung auf die Benachrichtigung durch militärische und zivile Dienststellen, die bis dahin keine oder nur geringe Fühlung mit dem Flugwesen hatten, angewiesen. Auch Privatbetriebe und Privatper. sonen beteiligten sich mit einem durch die Auf. regung der ersten Kriegsmonate gesteigerten Eifer an dem Meldewesen. Was dabei herauskam. soll durch einige Beispiele belegt werden. In dem Tagebuch des Abwehrkommandos der Firma Krupp ist unter dem 4. 8. 1914 verzeichnet:

Gegen 10 Uhr nachts wurde ein Luftschiff in Rich .

tung

tun!! Duisburg.Essen, II Uhr wurde ein Luftschiff von Bochum nach Dortmund, desg\. ein Luftschiff über Hügel gemeldet. 11,10 Uhr wurde ein Flieger in Richtung Rott. hausen,Essen. der mit Scheinwerfern arbeitete. 11,20 Uhr wurden zwei feindliche Flieger in Richtung Bochum~Süd nach Essen, 11,25 hr ein Luftschiff von Dortmund nach Essen, 3,10 Uhr ein Flieger in Richtung Frintrop.Essen, desg\. ein Luftschiff in Richtung Bredency.Essen, 3,35 Uhr nochmals ein Luftschiff in Richtung Bredcney gemeldet."

Werden, 10,10 Uhr wurden zwei Flieger in Rieh .

·Das waren also in der Zeit von 10 Uhr abends bis 3,35 morgens, in nur 5~ Stunden. 6 Luftschiffe und 6 Flugzeuge, die angeblich in dem Industrie. gebiet erschienen waren. In dem Tagebuch des A1:>~ wehrkommandos ist dazu vermerkt:

"Keins

der

vorgenannten

Flugzeuge

ist

hier

gesichtet.

Die

Bewölkung

des

Himmels

ließ

eine

gute Beobaeh~

tung zu."

Unter

dem Tagebuch

26.

dem

8.

1914 sind

eingetragen:

folgende

ngaben

in

Uhr nachts meldet die Polizei Borbeck einen

Flieger, der über Borbeek, Frintrop, Oberhausen kreise. Während der Meldung noch sichtb a r. 11,10 Uhr, Polizei Essen meldet durch Mülheimer Polizei mehrere Luft. schiffe. 11,20 Uhr wie vor, von einer Zuschauermenge beobachtet." Außerdem beteiligten sich n och die "elek. trische Bahn", das "Ledigenheim Karnap" und die .,Haupt.

feuerwache" an dem Mcldedienst.

11,03

Endlich sei

erwähnt, die lautete:

noch

eine Eintragung vom

5.

9.

1914

,,7,30 Uhr abends meldete Bezirkskommando I ein Luftschiff über dem Bernerwäldehen. Auf Anfrage beim ßezirkskommando ist vorstehende Meldung von einer Dame gemacht worden. Hier ist nichts gesichtet worden."

Tatsächlich konnte auch nichts gesichtet werden, weder an diesem Tage noch an den vorhergehenden. Denn von den in Betracht kommenden deutschen Luftschiffen war zu den angegebenen Zeiten keins in der Luft, während Nachtflüge im Flugzeuge da. mals etwas ganz Außergewöhnliches waren und daher noch nicht zum Aufgabenkreis der Fliel!er, truppe gehörten. Das angeblich Gesehene be- stand nur in der Phantasie der Beobachter. Die Meldungen bildeten aber eine Quelle der Beu,l- ruhigung für die Bevölkerung und a;efährdeten den Abwehrdienst, dessen Personal durch die häufige., falschen Alarme ermüdet und abgestumpft wurJc. Nun stelle man sich heute, wo die Luft tatsächlic.h am Tage und in der Nacht von Flugzeugen bevöl. kert sein würde, die Zustände vor, wenn nicht ein sorgfältig vorbereiteter und gut eingespielter Flu~-

98

meldedienst vorhanden ist. Es würden geradezu katastrophale Verhältnisse entstehen. Als erste Kriegserfahrung ergibt sich daher, daß ein orgam-

satorisch

entsprechend ausgesuCihtc.m und ausgebildetem Per- sonal die grundlegende Vorau setzung für alle M.aß~ nahmen des Luftschutzes ist. Wenn sich die vorher geschilderten Verhältnisse zu Beginn des 'Weltkrieges nicht nachteili.qer 'lU3' gewirkt haben, so lag es daran, daß die feindlichen Luftangriffe in den ersten beiden Kriegsmonut ".:ll nur vereinzelt und mit schwachen Kräften el'folJ;!ten. Doch schon am 8. Oktober 1914 gelang es eill~m englischen Flieger, die Luftschiffhalle Düsseldorf mit dem in ihr befindlichen Luftschiff Z. IX zu zer. stören. Ein Beweis dafür, daß die vor dem Kriege bestehende Unterschätzung des Flugwesens do~h nicht ganz angebracht war, was auch als Lehre für die heutige Zeit nicht vergessen werden sollte. Mit der Zeit steigerte sich dann die Angriffstäti~keit der feindlichen Flieger, die auch dazu übergingen, ein und dasselbe Ziel gleichzeitig mit mehreren Flugzeugen anzugreifen. Einem solchen Angriff auf die offene Stadt Karlsruhe am 15. 6. 1915 fielen 28 Tote und 68 Verwundete zum Opfer.

Flugmeldedienst mit

gut

ein qcrichtctcr

Die zunehmende Gefährdung der Heimat dränJ;!te daher zu einer einheitlicheren und wirksameren Ge~ staltung des Heimatluftschutzes. Diesem Bedürfnis wurde auf organisatorischem Gebiet durch die Schaffung des "Inspekteurs der Ballonabwehrkano~ nen 1 ) im Heimatgebiet" Rechnung getragen. Der Inspekteur war bei unmittelbarer Unterstellung un. ter das Krieg ministerium aber nur beratende Stelle der Stellvertretenden Generalkommandos. die nach wie vor für den Luftschutz innerhalb ihrer Befehls. bereiche verantwortlich blieben. Das wichtigste mit dieser Neuregelung verbundene Ergebnis war der Beginn eines einheitlichen Ausbaus des Flugmelde~ dienstes, der dem Inspekteur Ende 1915 vom Kriegsministerium übertragen wurde. Auch der passive Schutz der Bevölkerung, heute "ziviler Luft- schutz" genannt, fand steigende Beachtung. So wur. den Vorrichtungen zur Alarmierung der Bevölke~ rung geschaff en. Zufluchtstätten eingerichtet. Tarn. maßnahmen für wichtige Schutzobjekte getroffen, wozu auch der Bau von Scheinanlagen gehörte. Eine wichtige Rolle spielte ferner die Aufklärung und Be. lehrung der Zivilbevölkerung, auf die später noch zurückzukommen sein wird. sowie die Verdunke~ lung ganzer Zonen, der Städte und Industriegebiete zur Erschwerung nächtlicher FliegeranJ;!riffe. Ver. einzelt wur,de auf Antrag einiger Werke, teilweise auch auf deren Kosten, mit der Einrichtung von Ballon _ und Drachensperren begonnen; ein Beweis für das starke Interesse. das die Industrie an dem Schutz gegen Luftangriffe nahm. Wenn somit zweifello Fortschritte erzielt waren, änderto sich leider nichts an der grundsätzlichen Bestimmung, daß die Stellvertretenden General. kommandos die verantwortlichen Träger des Hei. matluftschutzlls waren. Trotz Schaffung des In~ spekteurs der Ballonabwehrkanonen im Heimatgebiet war eine einwandfreie Lösung der Organisations- frage nicht gefunden. Es fehlte an einer mit Kom. mandogewalt und nicht nur mit Inspektionsbefug- nissen ausgestatteten ZentralsteIle, die allein die notwendige Einheitlichkeit des gesamten Heimat- luftschutze gewährleisten konnte. Diesem Grundgesetz des Luftschutzes wurde erst mit der neuen Obersten Heeresleitung, die durch die Namen Hindenburg und Ludendorff gekenn. zeichnet ist, Erfüllung. Sie erwirkte die Kabinetts-

1)

UrsprUngliche

Bezeichnung

für

Flugabwehrkanonen

(Flak.).

order vom 8. 10. 1916, die eine ~rundle~ende Ände~ run~ in den Befehlsverhältnissen aller am _Luft~ kriege beteili~ten Waffen des Heeres schuf. In unübertrefflich kurzer und klarer Form r.!eben die cinleitenden Sätze Veranlassung und Zweck der Neuregelung wieder: "Die wachsende Bedeutung des Luftkrieges er ford er t es, di c gesamten Luft~ kampf~ und Luftabwehrmi ttel des Heeres, im Feldc und in der Heimat, in ci n c r Di en s t st eIl e zu vcreini~ gen. Hierzu wird bes timmt : Der einh eitlichc Aus~ bau, die BereitsteIlung und der Einsatz dieser Kriegsmittel wird ei nem Kommandierenden Gene ~ ral der Luftstreitkräfte übertragen, der dem Chef des Generalstabes unmittelbar unterstellt wird." In Ausführun.g der Kabinettsorder wurdc unter d em Kommandier enden General der Luftstreitkräfte di e Dienststelle des "Komman deurs des H eimatluft~ schutzes" geschaffen, dem der ges:lmtc Heimatluft~ schutz unterst ellt wurde. Sci n e aus führ enden Or~ gane waren neben den Stabsoffizieren dcr Flugab~ wehrkanonen und dem Sta bsoffizier der Flieger im Heimatg e biet mehr e r e Stabsoffiziere d es Flugmeld c~ dienstes, die in weit ausgedehnten. der Ei,genart des

Flugmeldewesen s endlich ken den Flugm eldedi enst

Hiermit war die grundlegende Organisation dcs Heimatluftschutzes geschaffen, an der sich bis zum Kriegsende nichts mehr geändert hat. Die ganze Kraft konnte nunmehr, abgesehen von einem klei~ nen, durch bund ess taa tlich e Sonderbestrebunr.!en hervorgerufenen Zwischenfall, unbehindert von Res~ sortschwierigkeiten und Instanzenwegen auf dic wert. und zahlen mäßige Leistungsstcigerung dcs Heimatluftschutzes verwendet werden. Die kurz gestreiften bundesstaa tlichen Sonderb estrebungen, die sich aus der Inanspruchnahme verfassungsmäßig festgelegter militärischer Hoheitsrechte ableiteten,

wichen von selb st unt er dem Zwange der w ei teren Entwicklung d es Luftkri eges. Es gi bt eb cn - auch das ist eine Erfahrung aus dem vVeltkriege - keinen preußischen oder bayerischen oder württem. bergischen oder irgend eines anderen Staates Pri~ vatluftschutz. Es gibt nur einen d eu t s c h e n Luftschutz. selbst wenn dabei Hoheitsrechte der Länder aufgegeben werden müßt en.

Am Ende des Krieges unterstanden dem Komman ~ deur des H eimatluftschutzes: 1 Kommandeur der Flieger , 11 Stabsoffiziere d er Flugabwehrkanoncn, 7 Stabsoffiziere des Flugmeldedienstes, 1 Stabsoffi. zier der Luftschiff er . 41 Flakgruppcn , rund 900 Flugabwehrkanonen, 370 Flaksch einwerf er, 200 Flug~ abwehrmaschinengewehre, 9 J agdstaffeln, 8 Luft. sperrabteilungen und die Wetterwarte des H eimat. luftschutzes nebst verschiedenen H eimatwetterwar~

gerecht werd end en Bezi r~

leit ete n und üb erw acht en.

ten.

Hinzu kam noch

die Mitarbeit

der

zivilen

Verwaltungsstellen,

die

ziffernmäßig

nicht

zu

fassen ist. Zur richtigen BewertunQ der .genannten Zahlen muß berücksichti gt werden, d a ß damals nur ein T eil

Deutschlands luftgefährd etes Gebiet war. das im

H amburg-Frankfurt

a. Main- Friedrichshafen a. Bodensee b er.!renzt

wurde. In Zukunft würde das ganze Deutsche Reich Luftkriegsgebiet werden. D ementsprechend wach~

sen auch die Ansprüche, die an den Heimatluft~

stellen sind . Mögen

die Lehren aus dem Weltkriege uns davor bewahren,

daß wiederum. wie 1914, der Heimatluftschutz hin. ter anderen, für wichtiger gehaltenen Mitteln der Landesverteidi.gung zurückstehen muß. Ein überblick über die E nt wie k I u n r.! der

deutsche Heimatgebiet

Lu f t a n g r i f ,f e auf das

schutz, aber auch von ihm zu

asten etwa durch die Linie

im WeltkrieQe läßt ahnen, welche Schäden durch solche Angriffe in Zukunft zu erwarten sind.

Es wurden ausgeführt:

33 Bomben

1915: 51 Luftangriffe mit 940 Bomben 1916: 96 Luftangriffe mit 1817 Bomben 1917: 175 Luftangriffe mit 5234 Bomben 1918: 353 Luftangriffe mit 7717 Bomben

1914:

8 Luftan gri ffe mit

Summe:

D emn ach fi elen in das Kriegsjahr 1918, trotzd em

es nur

griffe und rund 49 v. H. aller Bomben , mit den en das deutsche Heimatgebiet in der gesamten Kriegs~ zeit bedacht worden ist.

683 Luftangriffe mit 15741 Bomben

aller

10 Monate umfaß t e, rund 52 v. H.

An

~

Ein

ähnliches Bild ergibt sich bei einer Betr achtun g

der

Menschenverluste und S:lchschäden, wi e nach~

stehende übersicht zeigt:

Jahr

Menschenverluste

Tote

Verwundete

Zus.

Sachschaden 1 ) Mark

1914 11

42

53

1001000

1915 116

329

445

829000

1916 160

352

512

1383000

1917 79

323

402

6300000

1918 380

797

1177

15522000

Summe: 746 1843

2589

25035000

Allein auf das J ahr 1918 kommen also 45,S v. H . Menschenverluste und 62 v. H. d er Sachschäden. In dieser starken prozentualen Steigerun~ der Wir~ kung im letzten Kriegsj ahre zeichnen sich bereits die Entwicklungsmöglichkeiten für di e Zukunft ab .

Neben diesen, in Zahlen ausdrüc~baren unmittel~

baren Wirkungen weisen die Luftangriffe aber auch

mit t e l bar e Wir ku

ständigen Beunruhigung der Bevölkerung und in dcr Störung des Wirtschaftslebens, besonders der in~ dustriellen Produktion, zum Ausdruck kommen. Daß mit den Bomb enangriff en auch eine starke mo ~ ralische Wirkung auf die Bevölkerung bea bsichtigt ist, geht klar aus den Ausführun,gen eines englischen Fliegeroffiziers hervor, die aus der Nachl<riegszeit stammen:

der

n gen

auf,

die

in

"Alle Völker erleben durch Bombenangriffe drei Phasen: die erste ist Furcht, die in Panik ausarten kann:

die zweite ist Gleichgültigkeit, wenn sich herausstellt,

daß der Sachschaden ve rhältnismäßi g geri ng ist: die dritt e

und m ehr

Nicht nur die Angriffe, son dern schon die A~.rme und falsc hen Alarme werden di e Mehrzahl der Bevolke~

Leute

in Deckung si nd , stockt das normale Leben ; und wenn die Nachtruhe gestör t ist, werden di e Leute am nächsten Tage schwerlich arbeiten wollen. Wenn unsere Angriffe

sich das Leben b ei m

Gegner nicht mehr wie gewöhnlich abspielen. Die Er~

rung ve ranla ssen, D eckung zu suchen. Während die

zur

ist Z er mürbun g, wenn das n o rmal e Leben mehr

Unmöglichkeit

wird.

wirklich im großen Stil erfolgen, kann

schütterungen und Störungen, die nbequemlichkeit und Unwi.irdigkeit von all' diesem wird beim Volke den Ruf nach Beendigung des Krieges auslösen. U nser Ziel ist es, die Moral des Feind es zu zerstören; man muß ihn

unmö glich wird, daß nach uns eren Bedin~

fühl en lassen, daß das Leben so er vorzieht, Frieden zu schließen gungen."

Ob dieses Ziel tatsächlich durch Luftanr.!riffe zu erreichen ist, wird von den verschiedensten Um~ ständen abhängen, unter denen der Luftschutz eine

Das Bestehen einer seelisch

gewichtige Rolle spielt.

zermürbenden Wirkung von Bombenangriffen kann aber nicht geleugnet werden, wie folgcnd es Beispiel

aus dem Weltkriege zeigt: Die deutsche Oberste Heeresleitung wurde im März 1918 aufgefordert, zu einer im Reichstage bevorstehenden Anfrage über Verständigun gs möglichkeiten mit d e n Gegnern be~ züglich Luftangriffe Stellung zu nehmen. Als Grund für die Anfrage wurde angegeben, daß die sohwere

I )

EinschI.

Lults ch illh nlle

nüs • • ld orl

mit

Z,

IX .

99

moralische Erschütter·ung der Bevölkerung der durch feindliche Fliegerangriffe heimgesuchten süd~ und westdeutschen Städte auf rasche Abhilfe dränge. Dieser Wirkungsfaktor der Luftangriffe muß also in Rechnung gestellt werden. Ein Mittel, um ihn ab~ zuschwächen, ist die Aufklärung und die Belehrung des Volkes über das Verhalten bei Luftangriffen. Ständig wurde von dem Kommandierenden General der Luftstreitkräfte auf die Notwendigkeit und den Nutzen dieser Maßnahme hingewiesen. So hieß es in einem Schreiben an die Stellvertretenden Gene~ ralkommandos vom 15. März 1918:

"In der Anlage übersende ich eine ZusammensteJ1ung der im Monat Februar 1918 durch feindliche Flieger~ angriffe auf das Heimatgcbiet entstandenen Verluste. Aus dcrselben ist zu crschcn, daß sich bei richtigem Verhalten der Bevölkerung cntsprechend den von meiner Dienst~ stcJ1e gegebcnen Richtlinien cln großer Teil der Verlustc hätte vermeidcn lassen. Ich knüpfe an dicse Feststellung erneut dic Bittc, durch stetige Aufklärung in der Presse oder durch andere geeignete Veröffentlichungen die Be~ völkerung immer wieder zu verständigem Verhaltcn zu .erziehen und sie auf die großen Gefllhren aufmerksam 7.U machen, die ihr durch Neugier erwachsen."

Nach cinem anderen Bericht an die Oberste Heeresleitung war ein großer Teil der Verluste da~ durch entstanden, "daß die meisten Leute auf der Straße, während sie neu.!~ierig dem Angriff zusahen,

von den Bombensplittern getroffen wurden". Um das Verständnis für die Gefahren der Flieger~ angriffe und ihre Verminderung durch Eigenschutz~ maßnahmen in die breiten Schichten der Bevölke~ rung zu tra.gen, wurdc eine für den Laien leicht ver~ ständliche Abhandlung verfaßt, die auch in den Schulen verbreitet werden sollte. Ein Aufklärun.gs~

film:

"Wie

verhalte

ich

mich

bei

Fliegergefahr?"

stellte

dem

Publikum bildlich

vor

Augen,

wie

es

sich zweckmäßig zu verhalten hätte. Der Nutzen aller dieser Maßnahmen konnte wiederholt fest~ gestellt werden. Besonders aufschlußreich in dieser Beziehun~ ist eine Stelle aus einem Schreiben des Kommandierenden Generals der Luftstreitkräftc vom 7. August 1918, die ,folgendermaßen lautet:

"Als Beweis für die Richtigkeit der von hier aus empfohlenen Verhaltungsmaßregeln darf ich wiederum

anführen, daß auch im Monat Juli bei mehreren starken

Angriffen

denen die Bevölkerung sich sachgemäß verhielt, Verluste

nicht eintraten."

Dieses Beispiel zeigt, daß die Aufklärungs~ und Erziehungsarbeit viel dazu beizutragen vermag, die Verluste zu verrin.gern und dadurch auch die moralische Wirkung auf die Bevölkerung abzu~ schwächen, die, wie früher nach.gewiesen, ernster Beachtung wert ist. Die gleiche Beachtung verdient auch die andere mittelbare Wirkung der Luftangriffe: die Störung der Wirtschaft und der Produktion. Ober die englischen Erfahrungen auf diesem Gebiet wurde in einem Vortrage vor der Royal United Service Institution folgendes berichet:

bei

folgt

Aufzählung

derselben

),

"In

drei7.ehn

verschiedenen

Wochen

des

Jahres

1916

erschienen

feindliche

Luftstreitkräfte

über

dem

Distrikt

Cleveland. Die Folge war, daß die Eisenproduktion um 390 000 t, gleich einem Sechstel der Jahresproduktioll , zurückging. In einzelnen Rüstungsbetrieben wurde die Beobachtung gemacht, daß an Tagen nach Luftangriffen die gelernten Arbeiter bei der Präzisionsarbeit mehr Fehler machten als gewöhnlich, daß die Qualität der Arbeit geringer war, und daß Luftangriffe eine gleich~

mäßig laufende Produktion

unmöglich

machen."

Auch auf deutscher Seite liegen ähnliche Kriegs~ crfahrun .gen vor. So hatte am 20. 11. 1916 der Vor~ sitzendo des Stahlwerksverbandes in Düsseldorf ein Schreiben an die Oberste Heeresleitung gerichtet, in

100

dem

WUrde:

folgenden

Befürchtungen

Ausdruck

gegeben

der vorgestrigen Sitzung unseres Aufsichtsrates

wurde lebhafte Klage darüber geführt, daß die Flicger~ angriffe in dem Betricbe der an der Westgrenl.c liegen~ den Stahlwerke derartige Störungen vcrursachen, daß das

Lieferungsprogramm dcr Hecresv e~ waltung nicht erfüllt

Die durch die Angriffe veranlaßten

werden kann

fortwährenden Einschränkungen des Nachtbetriebes be , wirken nicht nur eine Einschränkund der Stahlwerks, erzeugund von durchschnittlich 30 v. H sondern lassen eine baldige gänzliche Einstellung des Nachtbetriebes he ~

fürchtcn

rn

"

Die hier beklagten Störungen waren aber nur ausnahmsweise durch Bombentreffer hervorgerufen. In der Hauptsache waren sie auf die mit jedem "Flie~eralarm" verbundene Unterbrechung der Ar~ beit zurückzuführen. Über die hohe Zahl der auf diese Weise im Saar~ebiet aus.gefallenen Arbeits~ stunden geben die Akten des Stabsoffiziers der Flugabwehrkanonen Saarbrücken Auskunft, in dessen Befehlsbereich vom September 1916 bis zum vVaffenstillstand die Gesamtdauer der Alar~ mierungcn 300 Stunden betru.g. Die Belegschaft der 5 Saarhütten war nach einer Statistik der dortigen Industrie in den Kriegsjahren durchschnittlich 30000 Köpfe stark. Diese Zahl mit den Alarmje~ rungsstunden multipliziert, ergibt einen Ausfall von 300 X 30000 = 9 Millionen Arbeitsstunden. Aber

noch

auch damit ist der wirkliche Produktionsausfall

nicht erfaßt, da der Produktionsgang nicht ohne weiteres an dem Punkt wieder fortgesetzt werden konnte, wo er unterbrochen war. Sehr anschaulich werden diese im Produktions~ prozeß begründeten Schwierigkeiten in dem Briefe eines ehemaligen Direktors der lothringischen In ~ dustrie geschildert:

"Nehmen wir an, die Hochöfen waren gerade vor dem Abstich, und nun "Fliegergefahr!" Es wurde nicht ab, gestochen, der Wind zu den öfen wurde abgestellt, aber der Ofen reduzicrte weiter. Die Schlacke und das Eisen stiegen hoch, die Tonnen verbrannten und mußten gleich oder frühzeitig ausgewechselt werden. Im Stahlwerk

wurden die Konverter umgelegt, rias Eisen wurde steif, ging dann schwerer heraus, und wir versauten die Kon~ vertermündung. Die Leute traten während der Angriffe unter, nach dem Angriff dauerte es immer geraume Zeit, bis sie wieder an der Arbeit warcn. Heute muß man sich wundern, daß noch die Produktionszahlen crreicht wurden. Ich habe das Gefühl, daß wir mindestens 25 bis 30 v. H. an Produktion eingebüßt haben. Wenn die Abwehr nicht so gut funktioniert hätte, wäre überhaupt

Schluß

gewesen ."

Diese Beispiele dürften genügen, um die nach~ teiligen Folgen aufzuweisen, die mit jedem "Flieger~ alarm" verbunden sind. Daraus ist die Lehre zu ziehen, daß mit allem Nachdruck auf eine Ver~ kürzung der Alarmierungszeiten, soweit es nur irgend zulässig ist, hin.gewirkt werdcn muß. Genau so schädlich wie eine verspätete Alarmierun,!! ist es, den "Fliegeralarm" zu früh anzuordnen oder ihn zu spät aufzuheben. Daß tatsächlich bei den feindlichen Luft~ angriffen auf die deutschen Industrie.gebiete nur verhältnismäßig wenige Treffer erzielt worden sind, wird in einem Aufsatze des französischen Oberst Guillemeney1) bestätigt. Nach seinen Angaben sind von den Franzosen nach dem Kriege genaue Nach. forschungen angestellt worden bezüglich der Zahl und dem Aufschlagsort aller von 1916 bis zum Waffenstillstand auf das Gebiet von Die den. hofen abgeworfenen Bomben. Das Hauptangriffs~ zicl war der Bahnhof von Diedenhofen. Trotzdem

I)

Revue

d es

Fo rees

Aori e nn es .

Oktob c rhcft

193J.

la~en von den 1372 Bombeneinschlä!:!en, di e fest - gestellt wurden, nur 102 = 7,4 v. H. auf den Bahn- anlagcn von Diedenhofen. Guillemeney fügt selber hlnzu: "Diese Zahlen erübri~en jeden Kommentar". Außerdem heißt es an einer anderen Stelle: "N ach dem Zeu~nis der französischen Direktoren der lothringischen Werke waren die Er~ebnisse der Lufta ngriffe auf di e Industriebetri ebe und Hoch- öfen ~leich Null, was die Zerstörun~en anbetrifft". Wenn Guillemeney aber den Hauptgrund für diese unzureich ende Wirkun~ in dem gerin~en Gewicht der im Krie~e verwendeten Bomben sieht, so dürfte dem im Hinblick auf die oben wiedergegebenen schleohten Trefferprozente nur bedingt zu zustimmen sein. Mindestens den weichen, wenn nicht einen größeren Anteil an der mangelhaften Wirkung trägt zweifellos auch die im Wesen des Bombenwurfs

Künstlicher Nebel?

Von b efr eund et e r S e ite e rbalten wir nacb. . tebende Ausfübrungen, denen wir gern Raum geben. Uaß di e Schriltleitung eine Stellung.

nahme 7U den

unterläßt. darf nicht dahin ausgelegt werden,

einzelnen Punkt en des Inhalts

als

ob- sie

mit

alt e m

einverstanden

wäre,

\ondern sie läßt zunächst den Sondersac hver·

ständigen

Leserkreises

Scluiftl ei tung.

ihres

den

Di e

Vortritt.

In d ell bishcr erschienenen H eften der vorliegenden Zeitschrift i t umfassend dargel egt worden, welche Maßn ahmen zum Schutze der Zivilbevölkerun~ ge-

ge n Luftangriffe getroffen, welche Behörden b al-

digst mit der Vorbereitung beauftf[\J~t und welche Organisatione n und Einrichtun gen zu täti~er Mit-

a rbeit herang ezoge n

Schutzmitteln wurd e s chon gesprochen. Dabei konnte j edo oh ein Mittel nur flüchti o berührt wer-

den, dem d . E. bei d em vertra~ge~äßen völli~en

Fehlen von Abwehrwaffen in Deutschland beson - dere Beachtung geschenkt und dessen Verw en- dungsmöglichkcit mit allen Mitteln überprüft wer- den müßte: d e r künstlich e ebe!.

Die

t el in d en ausländischen Militärst aa ten, bei ihren

H ee ren, Flotten 'Und Luftwaffen ist bekannt. Es

wird bei all diese n

owohl dem G egn er die Sicht zu nehmen oder ihn in se iner Gefechts_ und F cuertätigkeit zu hind ern, als auch um cigene Bcwc,!:!un gen zu v,ersch leicr ,l. War n och in vergan~enen J ah rz ehn t en viclfach die . u nut zun g d er Dunk elhei t der Nacht zur \ Vah- rung der ü berraschuno 'Und zur 1inderuno \'0:1 Verlu s ten -c rford er lich ,~ s o sc h ei nt nunmehr ' ''dieser

neue Stoff die Mö~lichkcit zu bieten, auoh am Tage ähnliche Voraus e tzun,!:!en zu schaffen.

Zahlreiche Luftschutzübungen des Auslandes deu- ten darauf hin, daß der künstliche J ebcl für ein geeignetes Mittel erachtet wird, um den AnJ~riff au der Luft zu cr chweren bzw. unm öglich zu

m ache n. us den Ausland versuchen kann z war ,

soweit achrichten hierüber zur Verfü~ung stehen, gesch los en werden, daß man in der V erwen dun ,:1 des Nebels gegen Sicht aus der Luft noch tastend vorwärtsschreitet. Imm enb in scheinen z . B. die letzten französischen V ersuch e bei Nancy Fort< schritte gegen diejenigen von LinselIes :gebracht zu hruben. Unser sohwer gerüsteter westlicher Nach- bar legt unter der zielbewußten Leitung des Mar-

schalls Petain diesen V:ersuchen offenbar ~rößten Wert bei.

werden müss en. Auch von den

Ausnutzung di eses mod ernen chemis chen Mit-

Wehrmaahts t eilen

benutzt, um

liegende geringe TreffgenauiiV<eit. Guillemeney scheint das auch selber zu empfinden, da er für die Zukunft zur Stei~erung der Erfolge neben der Verwendun~ schwerer Bomben auch genaues Zielen verlangt. Abschließend ist somit festzustellen, daß im WeIb krieg e die unmittelbare Wjrkung der LuftJ!lJlJgriff·e durdh Verursaehung von Menschenverlusten und materiellen Z erstörungen verhältnismäßig gering war. Sie wird jedoch h eute, wie bereits an anderer Stellei) nachgewiesen wurde, sehr viel größer sein. Es wäre daher dringend zu wünsch en, daß die Völker von dem Mbdruck der Luftgefahr durch ein

So-

völliges Verbot d es Luftkriegas befreit würden.

lange dies aber nioht erreicht ist, hat niemand ein größeres Interesse dar~lI1, gegen diese Gefahr ge- schützt Z'U werden, als die Zivilb evölk e rung selbst.

Eine Ver wendungsart, und Amerika immer

wiede r zur Darstellung

kommt, fällt dabei für uns freilich aus: das Legen vertikaler und horizontaler Nebelwände durch Flugzeuoe! Inwieweit diese Anwendungsart zum Erfolge fiihren kann, sei dahingestellt. Zeitbedarf und Materialaufwand dürften gegen zeitlich und räumlich häufi gen Einsatz prechen, obwohl die Theorie v,erlockend erscheint.

Warum wird nun bei uns noch nicht an ÄhnliCi'es gedacht? Bemüht man sich schon bei den zustän-

dige n

zulän glichen Erfahrungen des Auslandes auszuwer- ten? Die Bevölkerung, die sioh willig den behörd- lichen zivilen Vorbereitungen fügen und zur Ver- fügung stellen will, bat unbedingt ein Recht darauf, zu ·erfahren, mit welch en Mitteln man - da j~­ liohe Abwehr w a f f e n fehlen - einen drohenden Luftangriff anderweitig e rschwer en k a nnl Die V er- nebelungsversuche bei der K ö n i g sb e rg e r

un-

die

in

Italien,

En~land

Stellen,

diese

d.

E.

zwar

noch

vielfach

~u f t sc hut z üb u n g im Hcrbst 1930 und beim Kraftwerk Fr·iedland 1929 waren erfol,gverspre_ ohende Anfänge! Sind 'Unsere Techniker und Che-

miker nicht in der La~e, einen geeigneten Stoff zu find en, brauchbare Apparate herzustellen? Wo

bleibt der Erfindungs,!:!eist der der doch Weltruf genießt?

Mehrere Forderun,gen ind b ei der V erwendun g

Nebels zum Schutz wichtiger Obj ekte

seien einige

\Vorte über das Wesen des künstlichen Nebels und se in e r Verwendung voraus~eschiokt. Dieses chemische Erzeugnis ist aus verschi edenen

toffen herstellbar ; das usland verwendet, soweit Unterlagen vorliegen, im all gemeinen weißen Phos - phor, CalC'iumpbosphid, Titantetrachlorid, Hexa- ch lorätm an und ähnliehes; in feinste Tropfen zer- stäubt und der Luft bci.!:!emengt , folgt der Nebel

Bevor sie erör t er t werden,

deutschen Industrie,

künstlichen zu erfü ll en.

der

Luftbewegung.

Er

ist

den

flüchtigen,

schnell

wirksamen,

tarnenden

chemischen

Stoffen

zuzu-

rechnen. Ähn li ch wie j eder chemische Kampfstoff 'Unterliegt er bei di eser V erw endung den Einflüssen der Luft. bewegung, des Luftdruokes, der Luftfeuchtigkeit und der T emperatur. AusIandserkenntnisse er- ge ben: b ei Luftbewegung über 5 rn/sec. ist T arn-

1)

kungsmöglichkeiten der Bo mb enl1ugzeu ~e auf

heft

Vgl.

Fre ih e rr

di eser

v.

Bülow:

luft rüstungen

Zeitschrift.

des

Auslandes

D eu t sc hland "

Wi r·

im August.

und

101

Nebel Iricht mehr verwendbar, da die Wolke in Schwaden zerrissen und zu schnell fort~eführt wird; bei Windstille und Wind unter etwa 2 rn/sec. ent- steht überhaupt kein deckender Schwaden; schnell wechselnder Luftdruck reißt die Wolke hoch oder V'erursacht heftige Winde, bei zu ~eringer Luft- feuchtigkeit bildet sich keine ausreichende Wolke, hohe Temperatur,en lassen die Wolke stark steigen und wirken genügender Tiefenausdehnung ent- gegen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielen auch die Geländeverhältnisse. Bodenbewachsun~ (Wald) b unmittelbarer Nähe des zu schützenden O bjekts erschwert den Einsatz gegebenenfalls außerordent_ lich und macht umfangreiche Vorkehrun~smaß­ regeln notwendig. Große Wasserfläohen, Täler und Schluchten beeinflussen andererseits die regelmäßi~e Ausdehnung bzw. Richtung und Geschlossenheit der N ebelwo1ke. Trotz dieser die Verwendung des Nebels erschwe- renden, sie gelegentlich sogar ausschließenden be- l;cannten meteorologischen und topographischen Be- dingungen dürften sich trotzdem häufi~e Einsatz- mögliahkeitt:n bieten. Als Grundforderungen für Nebelverwendung ergeben sich:

1.

Sicherstellung r ,e c h t z ei ti ger Wirksamkeit,

2.

Ausreichende Nebel d aue r.

3.

In kur zen Z e i t a b s t ä n den mögliche, wie der hol t e Vernebelung.

4.

Sicherstellung

schnellen Einsatzes bei ver -

sc h i e den s t e n

W i nd r ich tun gen, und

zu

jeder Tag es z ei t.

5.

S c h

n e 11 s t e

Ver wen dun g s b e r e i t _

sc ,h a f t (autom.atisohe Auslösung).

6.

Gerin~ster Per s 0 n a I bedarf.

7.

Geringer Mate r i albedarf (Kosten).

8.

Ausnutzung vor h a n den e r Geräte.

9.

Zweokmäßi'ge N e bel f a r b e unter Gewähr- leistung gen-Q~ender Aus d eh nun gun cl

Hai t bar k e i t der

Nebelwolke.

10. U n g e f ä h rl ich k e i t des Nebelstoffes für

Lebewesen und Material. 11. Jederz eit greifbare Rohstoffe für Ne- belstoffherstellung. Di'ese Forderungen scheinen bisher in keiner Weise erfüllt; ob und inwieweit sie verwirklicht werden können, ist noch nicht zu übersDhen. Es erscheint aber an der Zeit, sie zu prüfen und in systema- tischer Gedankenarbeit zu zergliedern. Als Leit- satz kann hierbei gelten: Ist eine Verwendung künstlichen Nebels auf Grund dieser Forderungen vi eie r 0 I' t s vielleicht auch n ich t möglich, so dürfte es doch den Allgemeininteressen dienende Objekte geben, die mit 'a 11 e n Mitteln zu schützen sind und bei denen daher auch der Einsatz künsb liooen Nebels vorzusehen ist. Die Einsatzforderungen beruh,en auf dem Grund- gedanken, bei jeder Witterung, die Nebelverwen- dung nioot völlig ausschließt, ein Objekt derart zu schützen, daß ein anfliegender Gegner möglichst schon über die Objektslage getäusoot oder doch wenigstens in seiner Treffsicherheit derart beein- flußt wird, daß nur noch mit Zufallstreffern ,ge- rechnet zu werden braucht.

Die Einzelforderungen lassen sioh in 3 Hau pt- p unk t e n zuSammenfassen:

1. Der Z ei tb e darf.

Die Nebelwolke muß in voller Ausdehnung das Ob- jekt und Umgebung bedecken, wenn di'e angrei- fenden Flugzeuge den BombenabW'llrfspunkt errei-

102

chen. Letzterer ist von der Flu,ghöhe abhän~i~, dürfte aber bei Höhen bis 6000 m nicht über 2 km vor dem Ziel liegen. Da Luftangreifer in Deutsch- land mit Abwehr nicht zu rechnen brauchen, dürf- ten in unserem Falle die Flughöhen vielfaah sehr viel nicdriger sein und der Abwurfspunkt würde damit im allgemeinen dicht am Ziel liegen. Werden angreifende Flieger etwa im Abstand von 60 km vor dem Objekt gemeldet, so benöti~en sie heutzutago noch etwa 15 Minuten Flugzeit zum

Zeit

Ziel. Diese Zeit ist ,als das Höchstmaß an

anzusehen, die bis zur Herstellun~ der Nebeldecke noch zur Verfügung steht. Als ihre M1ndestaus- dehnung müssen wohl im allgemeinen, wenn der Zweck erreicht werden soll, 2000-3000 m Längen- ausdehnung gereohnet werden. Bei Wind von etwa

3 rn /se c. ist hierzu theoretisch bereits ein Zeitauf- wand von 11- 14 Minuten erforderlich. Es ergibt sich also als Folgerung das Vor h a n den sei n einer Flugwachkette in der angegebe_ ne nE nt f ern u n g und weiterhin die Notwendig-

keit,

Aus 1 ö s u n g der Ver n e bel u n ,go Die Ver- wendung einzelner, von Hand bedient'er Nebel- geräte, wie sie im Ausland zu diesen Zwecken viel- fach noch eingesetzt wurden, verbietet sich somit

von selbst. D er Zeitbedarf spielt demgemäß eine entscheidende Rolle. Ist die notwendige Zeitspanne nicht sichergestellt, so ist jede Nebelanwendung Materialvergeudung und dient vielleicht sogar nur dazu, das Obj ekt :lJU verraten.

einer

so

f 0 r ti gen, au tom a t i sc he n

2.

Wie soeben dargelegt, kann der Einsatz von Einzel- geräten nicht in Frage kommen. Was bleibt also zu fordern? Ein als Ringleitun~ oder in selbstän- digen Rohrteilen ausgebautes System, das jeder Anflug_ und Windrichtung Rechnung trägt, sowie treffenweise und automatisch von einer Stelle aus zentral ~n Funktion gesetzt werden kann. Das Rohrsystem ist in einer mittleren Entfernun~ vom Obj ekt einzurichten, di'e normale Windverhältnisse berücksichtigt; sein Ausbau muß jederuit schnell möglich sein. Da mit längerer Vernebelungsdauer oder in kurzen Zeitabständen zu wiederholender,

gegebenenfalls auch aus Ersparnis~ründen schnell abzustellender Vernebelung gerechnet werden muß, ist für ,genügenden, an Ort und Stelle vorhandenen ebelstoff Sorge zu tragen, d. h. das Rohrsystem oder seine Teile müssen fortlaufend gespeist, der Bestand der Vorratsanlagen schnell auf,gefüllt wer_ den können. Tankanlagen für diesen Zweck sind

kostspielig und rechtferti c1 en wohl nicht den

ßen Geldaufwand im Frieden; es müssen vielleicht Kesselwagen, die in der Wirtschaft in ~roßer Zahl vorhanden sind, ,als Vorratslager angeschlossen wer_ den können; eine technisch wohl zu lösende Forde- rung. Um allen für eine erfolgreiche Vernebelung überhaupt in .Frage kommenden Wind~esehwindig­ keiten Rechnung zu tragen, erscheint mir ein schachbrettartig, in mehreren Treffen, angelegtes Rohrsystem zweckmäßig. Der im Ausland für Er- gänzung ortsfester Anlagen vor~esehene Einsatz beweglicher, in Reserve gehaltener Nebelgeräte würde dadurch überflüssig, die Organisation ein~

gro-

0

i e

Ger ä t e aus s tat tun g.

facher und wohl auch billiger. Wird dagegen nur eine einfache Rin gleitung gewählt, so ist auch die Verwendun~ bewe~licher Nebelquellen schon des- halb erforderlich, um die nötige Dichte der Nebel- wolke in jedem Falle sicherzustellen. Inwieweit zu einer derartigen Anlage handelsübliche Geräte ver- wandt werden können, ist Z'll prüfen. Zur Senkung.

der Kosten ist Verwendung ,genannten M,aterials auf jeden Fall erwünscht. Nachstehende Abbildung soll den vorstehend skiz. zierten Aufbau eines treffenweise angeordneten Rohrsystems veranschaulichen, wobei das Vorherr. schen nordwestlicher, westlicher und südwestlicher Winde, wie z. B. im Westen des Reiches, angenom- men ist. Für Scheinvernebelungen von in der Nähe des zu schützenden Objekts gelegenen Einrichtun- gen oder als Orientierungsmerkmale für Flieger in Frage kommenden auffälligen Geländepunkten emp. fehlen sich ähnliche, allerdings wesentlich einfacher zu haltende Vorkehrungen.

-- ,
-- ,
• \,.----- Ot,v/<It ' v.t,{ ,
• \,.-----
Ot,v/<It
'
v.t,{ ,

S

3.

Vielfach wird jeder Nebelverwendung entgegen- gehalten, daß die weiße Nebelwolke der bisher üb. lichen Stoffe nur dazu führe, das Objekt dem Flie. ger zu verraten. In dieser verallgemeinerten Form ist die Behauptung sicher niOOt zutreffend, aber ein Körnchen Wahrheit liegt darin. Es ist fra~los er~ wünscht, die Nebelwolke der Umgebung anzupas. sen, d. h. ihr eine derartige Farbe zu ~eben, daß sie nicht von weither auffällt, sie dage~en alle Ge. genstände auf der Erde verschwimmen läßt und besonders aus größeren Höhen ein 'genaues Zielen verhindert. Bei Vermeidung der weißen und Ver. wendung einer deckenden Farbe könnte sogar die Forderung nach genügender Diohte der Nebelwolke gemildert werden. Technisch erschwerend ist, daß jede Färbun~ der Wolke bisher wohl nur durch Bei. mischung fester Bestandteile zu erzielen ist, die in. folge ihrer Schwere sinken und sich dadurch all. mählich aus der Wolke lösen. Es wird Aufgabe der Chemiker sein, hier einen Ausweg zu suchen. Nur die Praxis kann erweisen, ob der Wunsch nach farbigem Nebel erfülJbar ist. Ausländische Zeitungsnachrichten berichten von der angeblichen "giftigen" Eigenschaft verwendeter

Der

N e bel s t 0 f f.

Nebelstoffe in Amerika, Belgien und Frankreich. Trotzdem die saOOliche Richtigkeit dieser Nach. richten bezweifelt werden muß, so zeigen sie doch die Forderung, daß keinesfalls der Nebelstoff Eigenschaften haben darf, die - gegebenenfalls bei Verbindung mit der Luft - gesundheitsschädigend wirken können. Der Tarnnebel muß in normaler Dichte unbedingt ungefährlich für Lebewescn sein und darf auch weder Materialien angreifen noch Produktionsvorgänge - z. B. chemische - stören. Bei der Beschränktheit der deutschen Rohstoffe

in ,genügender

Menge greifbar sein und darf auch nicht anderen wichtigen Zwecken der Allgemeinheit zu großen Teilen oder völlig entzogen werden dürfen! Dies ist eine Forderung, die an den deutschen Erfin. dungsgeist vielleicht die größte Anforderung stellt. Der deutsche Nebelstoff muß das Prädikat haben:

g ut, ungefährlich, in gen üg en der

Menge greifbar, zu jed ,er Tages" und Jahreszeit verwendbar und billig, bill i g, bill i g.

Außer diesen 3 Hauptpunkten ist noch eine weitere wichtige Forderung zu erwähnen. Die Wirksamkeit jeder Vernebelung ,gegen Luftsicht kann nur aus der Lu f t überprüft werden, andernfalls entstehen leicht schiefe Folgerungen. Diese Luftüberprüfung hat sich auf die Nebelausdehnung, .dichte und -farbe in erster Linie zu erstrecken. Aus dem Vorstehenden dürfte sich el'geben, daß im Hinblick auf die vielfältigen Einsatzforderungen und die recht umfangreichen benötigten Geräte eine Verwendung des Tarnnebels von der Erde aus nur bei besonders wichti.gen Objekten, keinesfalls aber zum Schutz .großer Räume, wie Städte, großer Verkehrsanlagen usw., in Frage kommen kann. Al. lein der Zeitbedarf dürfte bereits gerten letzteren sc~,,,at Iv; d . U Gedanken sprechen. Andererseits muß wiederholt r".« "hJ~":betont werden, daß ein Schutz räumlich begrenzter

muß der N ebelstoff ferner jederzeit

Iv' 61. AI tv'. Anlagen durch Nebel theoretisch durchaus möglich erscheint. Bei erfolgreicher Klärung der angeschnit. tenen chemisahen und technischen Fragen wäre es zu begrüßen, wenn der Gedanke allmählich Bod en

crewänne, daß die Einrichtung von Nebelanlagen bei Vorlieg,en der Voraussetzungen für Nebelver. wendung in gleicher Weise zu den Selbst. oder Gewerbe.Schutzmaßnahmen gehöre wie der Ab. schluß einer Feuerversicherung, die Durchführung von Unfallv,er.hütungsmaßnahmen und ähnlichet>. Die Vorbereitungen für eine Nebelanlage wären daher auch schon in Friedenszeiten zu treffen, das benötigte Gerät wäre bereitzuhalten. Vorstehende Ausführungen wollen als Beitrag zur Looung des deutschen Luftschutzproblems betrach. tet werden, sie erheben aber weder auf Vollständig. keit noch auf unbedingte Richtigkeit Anspruoh. Dafür sollen sie dem Gedankenaustausch in dieser Zeitschrift dienen und dazu führen, daß von be. rufener Seite diese wichtige Frage unter die Lupe genommen wird. Sie erscheint schon deshalb so bedeutungsvoll, weil die Italiener vor wenigen Wochen bei ihrer großen Schaustellung des ope. rativen Luftkrieges Bologna und Mailand im Ti e f. anflug und -angriff mit Bomben belegten. Ein hei, ßes, um unser aller Vaterland besorgtes Herz führte die Feder, der kühle Verstand Berufener hat das Wort!

Abonnementsbestellungen auf Gasschutz und Luftschutz beim

bei der Berliner Geschäftsstelle des Verlages Dr. August Sc h r im pff München-Berlin, Berlin W 8, Friedrichstraße 166

zuständigen Postamt oder

103

Filtergeräte für den Zivilgasschutz

Dr. Heinrich Dräger,

Lübeck

Im Drä gerw erk wurd e vo r einige n J ah r en ein neu es

V erfahren zur H erstellun g von N ebelfiltern er.

fund en. a

sor,gfälti ge n V ersuch e und Erprobungen an den d a.

mit heligest ellt cn Filtern b eendet sind, k ann gesag t werd en, d a ß clieses V erf ahre n d aZ'll b eruf en er. sch eint, ein en n cuen A bs chnitt in d er E ntwicJdun g des G assohutzes einzuleiten - entweder direkt oder zum mind es ten indirekt durch di e sei th er be. sond ers s t a rk in Fluß gekommcn e Bewegung zur Scha f.fun g eincs Ho ohleis tungs.Einsatzfilters gegen

Gase und

h ergest ellte n Filter zeigt en beim V er gleich mit d em

ch dem je t zt di e sehr eing eh e nd en und

Neb el. Die n ach dem n eu en Verf ahr en

bish er bekannten b est en N ebelfilter b ei

glel cher

Schutzleistung nur das h al be G e wicht und nur 1/3 bis 1/2 d es bi s herigen V o lum en s .

zu gleich

Hi erdurch war

die

Möglichkeit gegeb en,

ein Filte r

mit Hochleistun gs.N ebelschutz zum direkten Ein.

schrauben in die Maske herzustellen. D as zu diesem Zwe ck VOm Dräge rwerk e ntwiokelte Filter wurd e

N ebelfiltereinsat z 204 genannt. Dieses Filter

ist zunäohst längere Zeit zurückgehalten wor-

den. Nur in Fachkreisen war es bekannt, und das dürfte der Anl aß für ande re, ähnlich e Konstruk. tion en, v or all em im Ausl and e, gew es en s ein. Durch

d en ,Filter einsa tz 204 ist ein alter G e dank e der G as. schutztechnik, der einen t atsächlich nebelschüt zen. den lidein en Einsatz dir ekt an d er M ask e ford ert ,

WirklichJk eit geworden.

U m di e n eu e Filte rt yp e 204 und

dung des

ebelfilters in größeren Filterbüohsen voll

aus nüt ze n zu k ö nne n , wurd e ein e ent spr eoh end e

Mask e

o nstrui ert. In fol ge nd en Aus.

auch di c Anw e n.

(s.

Bild

1)

k

führungen

s ind

di e

M ask e

und

d as

Filter näh e r

beschrieben.

'

Die Neukonstruktionen.

 

D

er

N e b e l f i I t e r ei n s a t z

2 0 4.

D

a

F:ilt er ,hat äuß e rli ch folge nd e Abm ess un ge n:

U nt e r er

Dur

ohm esse r

.

105 mm

Ob er cr Durchm esse r

 

90 mm

Füllh öhe

.

.

63

m m

Gosamthöhe

90 mm

. Gcsam t,gew ich t

410 g

Es is t vo n k l'eis fö rm igem, sich n ach dem E nde

ve rjün ge ndem Querschnitt un d tr äg t als

zu

Anschlu ß

an di e Maskc cin R ollgewinde. Di e E in at em öffnun g

is t beim Lagern

durch ,ein

Öl papi crbl a tt versohl os.

sen.

Ei n

Ei natemventil

ha t

dieses

Filter

nicht .

D

cr

ebelfilt crcinsat z

204

h

at

n eb en

hoh er

eh e.

mischer Aufna hm eleis t un g (z. B.

cbelfilte rwirk ung

vo n

9,3g Ph osge n) ei ne

D ar aus

mi nd es t ens

97 %.

.w

10.

3 1.

67 14-

Bild 1. Maske Modell 40, au, GummistoH , mit runden Cellon- stütze, mit Ausalemvenlil und kombiniertem Nacken-Trag-

stütze, mit Ausatemventil und kombiniertem Nacken-Trag-

band,

mit

NebeUiitereinsatz

204.

Di e F i I t e r ob ü c h se

Di e Un gewißh ei t bezüglich der im Ern stf all e zu er<

wartenden Konzentrationen hat

a n

die Leis tun gs fähi gk eit ei nes At emfilt e rs ge,ge n G ase,

s t eb

ach

büchse zu verwend en, s tellt das Drägerwerk die

Filt ert yp e 1004 h er. Bel Anbrin gung unser es N ebel.

in ein er großen Filt erbüchse erJ~eben sich fol. V ort eile :

d ie E rr eichung ei nes u. E . üb er tr ieb en hoh en

wi rd ein e Schut zleistu ng z. B. gcge n Arsi ne oder

Es is t

d az u

wi e Ph osge n, C hlo rp ikrin, Bl ausäur e

1en. Für di ej eni gen Kr eise, d ie es als

I 0 0 4.

in V'ielen Länd ern

no tw cnd i!:! e r.

gr o ßen

Filter.

g eführt,

ein e

üb e rtri e be n 110 h e Anford e run ge n

G aS'ffiaske

mit

eine r

'lJSW. ,

zu

t en,

filt ers ge n de

ebels chutzcs m öglic h. Es erzielt gege n 100 mg/cbm ;

a nde r c N cbcl.

Sohutz.

k ann

d io Fil t el1bü chse tr o t z de r errcicht en e b clsohut z<

leis tun g e benf3 lls einen ( nach unse r em D afür halt en)

üb ert rie ben hoh en Schutz gcge n an dere Kam pfs t o ff e

Da

trotz

leistung nu r sehr wenig Raum einnimmt,

unser

1 cbelfilter

dieser

hohen

0

cl'gibt sich folge nd es:

 

bie t en.

 

1.

vo

D ,:s Filt cr 204 schüt zt

gegen h oh e R au ch. u nd

kau m

ebelkonzentrationen, wie sie in der

P raxis

rko mmen dü rften.

Infolge

Ne

größe im Du rchsch nitt in der chemisohen Leistung

Filter.

de r

Ve rwe n du ng

ist

es

unseres

bei

Hoohl eis tun gs.

gleicher

belschutzes

möglich,

2.

In B ezug a uf d ie übri ge n

A t em gift e

h a t d as

Filter

etw

a

20 % -

b ei m

eb elfilt er

der

ogar

100 % -

ü b er

204

ei ne

Schut zwi rkun g, di e den bes t en im Kri e,ge

dcn

Leis tun gc n

bishe r

b ek annt ge word enen

vo

n

den

D eutsoh en ge brauchten Ein sat z erheblich ,

Filterk ons trukti oncn zu bleiben.

fr anzösischcn Einsat z soga r um übertrifft.

d en

d as m ehrf ach e

Di

e Filt e rbü chse

1004 nimmt z. B.

13,3 's:! Ph osge n

W

issensch aftli ohe

N 3 chprüfun gen

hab en

er geben,

a

uf u nd bind et 99 % R auc.h und

cb el.

da

ß ein M ask enträger,

d er mit

dem Filter 204 aus.

Ihr G ebra uch dürft e nu r in

ge

rüst et ist , mehrmals

hinterein and er ein e schw er e

und

auch d ann

nur für

d en

gewissen Sonderfällen aktiv en T ell d er Be.

V

crgasung im G eländ e durchm ach en kann.

 

völk erun g in Frage komm cn.

 

104

.'1 a s k e M

0

cl e 11 4 O.

Im Zusammenhang mit den beschriebenen Filtern wurde vom Drägerwcrk eine völlig neuartige Gummi toffmaske mit Ra,hmen in mehrjähriger Versuchsarbeit entwickelt und praktisch auspro~ biert. Die Maske ist nahtlos aus Gummistoff gc~ preßt. Sic besitzt zur E rzielung eines besonders dichten itzes und, um jedes Zerren und Verziehen des Gummis zu verhindern. einen kr~lfti.gen Leder~ dichtrahm en. Gegen das .Kinn ist sie abgestützt . Es ist nicht erforderlich, daß 3 verschiedene Grö~ ßen geliefert werden; jedoch kann, falls es ge ~ wün. oht wird, durch Lieferung der Bändorun.g in versohiedener A'llSführung für kleine, mittlere und große Köpfe eine Einteilung in 3 Größen erfolgen. Es ist bei der Konstruktion der Maske in ~anz be~ sonders hohem Maße gelun gen, sie zum Tragen

eines großen Filtergewichtes geei.gnet Z1.1 machen . Häufi ge und lan ge Übungen in der s t a rk vergasten

Ü

Drä gerwe rk s h a b en gezeigt, d aß

~\Uch Fil ter mit 700 1.! Gewicht noch bequ em an der Maske ge tr agen werden können, ohne daß ei nc Un~

dichtigkeit an der Maske eintritt. Erreicht worden ist diese Fä1higkcit, große Gewichte zu tragen, durch folgendc Konst ruktionseinzelh ei ten :

bun. crsst r ec k c des

um

pl atte der Bänd erung befestig t ist, die

rung gut auf dem Hinterkopf festzuhaltcn und die Maske gegen das G esicht zu ziehen. Man err eicht auf diese Weise ein gutes Ausbalancieren der Kräfte, die die einzelnen Bänder ausüben.

2.

gewich tes auf und verbessert den Sitz der Maske.

D em

chutz 1.!egen etwaige LOIStspritzer entsprechen

Dicke und Qualität des Gummistoffes.

1.

D as

N a c k e nb

a ac k e n h a k e n s,

n d

wird

dazu

der

benutzt,

mittels des

an der Kopf~

ga n ze Bäna.::~

Di e

Kin n s t ü t z e

fän gt

einen

Teil

d es FiIter~

® 10. 31. 6713
® 10. 31. 6713

Bild 2. mit Nebelliltereinsatz 204 und

TragetascI",. Gesamtgewicht mit Tasche ca. 1000 g.

Maske Modell 40,

Die Fenster der M'lske sind mittels einer ehr ein~ fachen Vorrichtung auswcchselbar. Das Be chlagen der Augengläser wird in bekannter \\leise wirksam verhindert dureh sogenannte l-:.larsehciben. Die Augengläser selbst sind unter Verwendung von Cellon hergestdlt, da diese naeh unseren Erfahrun~ !:!en vollkommcn ausreichend i t. Auf Wunsch kann flhne weiteres Ausführung in Triplexglas erfolgen. Das Ausatemventil ist ·ein Glimmerventil. Dieses

äußer t Ian.ge Haltbar ,

Ventil zeichnet sich dureh keit aus.

i!!> 10.
i!!>
10.

Bild 3.

Mask e

Mode ll

40 ,

mil

Gesamtgewicht

einschI.

Schh.uch

und

Segelluchlasche

Großliller .

ca.

2200

g.

Di ese Maske h at den besonderen Vorzug, sich so~

wdhl

Büchse b enutzen zu lassen

Die Anwendungsformen der Neukonstruktionen.

mit

Einsatzfilter

als auch

mit

Sohlauch und

(siehe Bild 2 und 3).

I.

D ·i

e s a t z

M a s k e

2 0 4.

ein

M 0

d.

4 0

mit

N

e bel f i I t

er:

Die oben beschri ebene Maske Modell 40 ei~net

sich

hervo rr agen d, um ein Einsatzfilter direkt in die

Maske ein~eschraubt zu tr a,ge n, wie z. B. ebe!. filtereinsatz 204 (siehe Bild 1 und 2).

Für dic Aufbewahrun~ der Maske mit Ein atzfilter eignet 6ioh a m besten ei ne lciohte Trageta ohe, wie

z.

Vorzüge von Filtergeräten 40 und 204 ~ e gen übe r den ä I t e ren M 0 deli c n.

Gegenüber den bisher beka.nnten Masken mit direkt eingesohraubten Filtern (Einsatzfiltern) besteht der Vorzug darin. daß hier eine Maske mit Einsatzfilter geschaffen wurde, die einen wirklich ausreichenden

B. Modell N r.

10 009 , gezei .gt in

Bild 2.

ehutz

gegen

die

gefürchtet en

Nebel.

und

Rauch~

gifte bietet. Bevor die Konstruktionsarbeiten des

Einsatzfilters nl1t

Dr ägerwerks zur Schaffund eine

rToehIcistl.lngs~ Tebelschutz ~einsetz ten, gab es nur

105

Einsatzfiltermasken mit sehr schwachem, unzurei. chendem Nebelsohutz. Es war in der Re~el der sog. "Schnappdeokel" für den N ebelschutz vor~eschen; bekanntlich war die Schutzleistun~ dieses Schnapp. deckels für die meisten der in Frage kommenden Fälle nicht ausreichend.

Das Gewicht der Maske Modell 40 mit Einsatz<

filter 204 sowie mit Bereitschaftstasche beträgt etwa

1000 g. Mit Leder,dose kommt das Gewioht auf

,etwa 1450 'g, wohing egen das Gesamtgewioht

der

englischen und amerikanischen I-Ieeresmasken, wie sie 1918 an der Westfront für die Zivilbevölkerung ausgegeben wurden, etwa 2300 g betragen hat.

u n cl

G roß f i I t e r.

Wie schon gesagt, ist die Maske ModeLl 40 so kon. struiert, daß sie ohne weiteres auch mit Sohlauch und Großfilter benutzt werden kann. (Siehe Bild 3.) Man ist also nach der Beschaffun~ der Gasmaske Mod. 40 durchaus nicht für immer an den Gebrauch des mit,gelieferten Einsatzfilters~ebunden, sondern es besteht die Möglichkeit, gelegentlich einer Er< neuerung der Filter, außer dem Filter selbst noch den Schlauchanschluß dazu zu besohaffen und somit auf ein Großfiltergerät überzugehen, ohne daß an der eigentlichen Maske die geringsten Veränderun.

gen notwendi.~ sind.

H.

M a s k e

M 0 d.

4 0

mit

S chI au c h

Selbstverständlich kann man für den passiven Teil der Bevölkerung im allgemeinen überhaupt nicht an Großfiltergeräte denken; vor allem wegen der zu hohen Kosten. Trot'zdem darf man auch nicht ~lau. ben, daß für die Zivrilbevö1kerung ein gewöhnlicht!S Filter .etwa nach Art des alten deutschen Feldein. satzes mit Schnappdeokel ausreichend sein würde. Die Unzulänglichkeit des Schnappdeokels ge~en. über nebelförmigen Atemgiften steht einwandfrei fest. Bei einer genauen Nachprüfun.g der nach dem Iheu. ügen Stand der Technik vorhandenen Möglich- keiten von Gaskatastrophen im Frieden und im Kriege kommt man zu dem Ergebnis, daß mit dem Vorkommen nebelförmig,er Atemgifte gerechnet werden muß und daß demgemäß das Vorhanden. sein eines Nebelschutzes in dem für die Zivil. bevölkerung bestimmten Filter notwendig ist. Mit der etwa schon vor Jahresfrist erfolgten Sohaf- fung eines an der Maske ohne weiteres tra~baren und mit Hochleistungs.Nebelschutz aoogestatteten Kleinfilters wurde eine Konstruktion ~eschaffen, die gerade für die Zwecke des sogenannten Luft_ schutzes VOn besonderem Wert ist, da sie erhöhten Schutz auch gegen Nebel. und Rauchgifte bietet. Eine nahtlose MaSke aus Gummistoff erscheint aus dem Grunde für die Zweake des Luftsohutzes be. sonders geeignet, weil man mit ein e r Masken. größe bei P,ersonen von etwa dem 17. Lebensjahre aufwärts auskommt.

Der Aufbau des Rettungs- und Kranken- beförderungswesens

Or. Pusch, Oberregierungs- und Obermedizinalrat im Ministerium Staatskommissar für das Rettungswesen

Das Rettungs. und Krankenbeförderungswesen hat

erst in den letzten drei J ahrzehnten zu einer

der wichtigsten Aufgaben der Medizinalverwaltung entwickelt.

Hilfe bei

Unfällen aller Art wurde seit jeher

b e ruf s m ä ß i g von Ärzten, Wundärzten und Heilgehilfen ,geleistet. Die f r e i wall i geHilfe. leistung bei Not und Gefahr lag im frühen Mittel- alter bei den Klöstern, vor ,allem bei den ~eistlich'en Ritterol'lden, später aJUch bei den Innun~en, deren Hauptzweok gegel1iSeitige Unterstützung WiUr. Offentlich ,e Sonder-Organisationen für Rettung und Krankenbeförderung fehlten im Gegensatz zu dem ber,eits sehr früh und gut ent_ wickelten Feuerlöschwesen. Sie wurden auch nicht vermißt, da keine Maschinen, keine Eisenbahnen, keine elektrischen Straßenbahnen, keine !Autos vor- handen waren. In den seltenen Fällen plötzlicher Verunglüakung sorgte das Gebot der Nächstenliebe für Hilfeleistunl! aller Art, wenn ärztliche Hilfe nicht zu erlangen war.

sich

tUr Volkswohlf ahrt, stellvertretender

seIlschaft zur Rettung Schiff ·brüchi- ger, deren großzügiger Ausbau von 1865 ab mit dem Wachstum unseres Handels und Wandels zur See einsetzte. Rettungsboote, Leinengeschosse, Ra- keten usw. wurden an gefährdeten Punkten der deutsc'hen Seeküsten bereitgehalten. Die Gesell- schaft ist die älteste aller freiwilligen Organisationen und rugIeich für ihre Sonderaufgaben am vorzüg. liehsten ausgerüstet.

1859 gab die blutige Schlacht von Solf.erino dem SchiWeizer Menschenfreunde Henri Dunant die An- regung zur Gründung des lR 0 t en Kr eu z es. Seine Sarutätskolonnen widmen jetzt ihre Haupt. arbeit dem Rettungs- und Krankenbeförderungs- wesen, während sich die Vaterländischen Frauen. vereine vom Roten Kreuz auf allen Gebieten der Gesundheitsfürsorge und WohlfiUhrtspflege betätigen. Einen gewaltigen Aufschwung erhielten alle Bestre- bungen auf unserem Gebiete durch den Krieg 1870/71, dessen glücklicher Ausgang ein Aufblühen der Großstädte rur Folge 'hatte. Dje Anhäufunl! der Menschenrnassen brachte gleichzeitig -eine Vermeh. rung der Unfallziffem. Es ist das besondere Ver- dienst -des Kieler Chirurgen Prof. Dr. von Esmarch, daß er den H!lIupUeil seiner Lebel1iSarbeit dem Samariterwesen widmete, ein besonderes Lehrbuch für den Unterricht herausg!llb und für die erste Hilfe bei Unfällen einfache Methoden einführte, die auch von den Laien ausgeübt werden können. Ihm ist es vor allem zu danken, daß die Erfahrungen des Krie- g,es den Bedürfnis en des Friedens angepaßt wurden.

Die ersten gc m e,i n n ü t z ,i gen G ,e seIl s c h a f - t e n -entstanden infolge des Zunehmens der Ertrin- kungstodesfälle. 1767 wurde in Holland eine Gesell- schaft zur Rettung Ertrinkender gegründet, der im Jahre 1786 in Hamburg eine gleiche Ges~llschaft folgte. 1803 tat sich in W~en ,eine Ges-ellschaft zur Rettung von Verunglückten und Totscheinenden auf. Von diesen dreien hat nur die holländisohe Geselilscoo.ft ununterbrochen bo.s heute fortbestanden.

1824 erfolgte die Gründung der D eu t s c he n Ge.

106

Auf Grund dieser Anregungen erfol~te 1895 die Gründung der D e u t s c h enG es e 11 s c h a f t für Samarit -er. und RettlUngswesen mit dem Sitz in Leipzi~, die besonders im Freistaat Sachsen se~ensreich wirkt.

1909 sohlossen sich die Arbeitersamariter, die bereits

in der Vorkriegszeit eine reiche Hi1feleistung na.

menthlch bei Unfällen auf Bauten entfaltet hatten, durch feste Satzun~en zum Ar bei t er . Sam a •

r i t er. B und mit dem Sitz dn Chemnitz zU&ammen.

1913 wulide ooroh den Deutschen Sahrw.immvcrband

die D cut s ehe Leb ·e n s • R e t tun ~s • Ge. se 11 sc h a f t ·gegründet; s-ie widmet sich besonders den Einrichtungen für die Wiederbelebun~ Er. trunkener.

N eben diesen lediglich für die Aufgaben des Ret.

tungs. und Krankenbeför,derungswesens .I~eschaf. f,enen Organisationen sind die verschiedenen

S p 0 r t ver b ä n d e - meistens in en~-er Zusam.

menarbeit mit diesen - bei der Hilfeleistun~ bei den zahlreichen in ihren eigenen Reihen vorkom. menden Veruetzungen tätig.

Beso:ldere Förderun~ läßt

ste:lendc A I I ge me i ne D eu t sc he Au t 0 •

mob i lei u b - ADAC. - unseren Bestrebul1J~en zuteil werden.

Das alpine Rettun$wesen wird von dem seit 1873 bestehenden D eu t s ehe nun dös t e r r e i • chi s c he n Alp c n ver ein ~epflegt. InfoLg,e der Zunahme des Wintersportes haben die Rettun~s.

arbeiten -durch den Verein

Iioh starke Förderung erfahren. Im engsten Zusammenhang mit dom Rettungs. und Krankenbeförderungswesen steht die Tätigkeit

der Fe u e r weh r, die an vielen Orten, an denen Sonderorganisationen fehkn, sich mit dankens. wcrtem Eifer dieser Auf,grube annimmt oder in vorbildlichem Einvernehmen mit den auf diesem Gebiet tätigen Vereinen zusammenarbeitet. D eu t. sc h -er Feuerwehrvcrbanid, Verlb 'and

d e u t s ehe r B e ruf s f e u e r weh ren und Reichsverein Deutscher Feuerwehr.

i n gen i eu r e sind die Spitzenor~anisationen un.

serer Feuerwehr. Für außergewöhnliche Katastrophen ist die Tee h • ni sc he Not h i -l f e (Teno) eingeriohtet worden, die in allen größeren Städten im Einvernehmen mit den Behörden or.!:/anisiert ist.

Der Verhütung der Verkehrsunfälle durch Förde. rung ailiIer technischen Vel1besserungen und Er. ziehlUn~ ,der Bevölkerung zur VerkehrsdiszipIin ,gilt die Arbeit der D eu t s eh e n V e rik ehr s w ach t. Die außerol'dentilich wichtd~e Au.f~abe der Auf. lclärung der Bevölkerund über die Wiahtidkeit sachgemäßer Hi\f,e bei U~ällen betreut unter" der verdienstvollen Führun.~ vOtn Pwf. Dr. Adam der

u ß

für h y ~i e n i s ehe V 0 1k sb eIe h run:g ; durch die Reichsunf.allwoche "Ruwo" wUflde die Auf. klärun~ in die entlegensten Dörfer ,getragen.

Das g roß s t ä d t.j sc heR e t tun g s we sen, wie w~r es heute lhaben und ausbauen, leitet seinen Ur; sprung von der Wdener Rettun$~eseIlscha;ft her, deren Gründung im Ansahluß an die furchtbare Katastrophe des Ringtheaterbrandes im Jahre 1881 erfolgte. Diese Gesellschaft hat zum erstenmal das Rettungs. und Krankenbeförderungswesen in einer Großsk'lldt planmäßig cirugerichtet. Die damals ge. schaffenen Einrichtun.~en hahen sioh 'auf das beste

sei t 25 hhren bestehende Re ich sau s s ch

der

seit 25 JaJhren

be.

eine ~anz außerordent.

bewährt und IWIllroen auclh vorbildlliich ~ür die Organi_ sation des Rettungswesens in BerLin. Um die hiesi~en Einrichtungen, die alljährlich von Besuchern aus allen Weltteilen studlert werden, hat sich vor .allem -der langjährige Leiter des Städtisahen Rettungsamts, Sanitätsrat Dr. Frank, unvergängliche VeroieIllSte erworben. Das rapide Anwachsen der Großstädte haUe im Verein mit der zunehmenden Industrialisierun~ eine gewaltige Steigerung aller Auf~aben nach Zahl und Art zur Folge. Die Fortschritte der Medizin und Technik mußten den Bedürfnissen des Rettungs. und Krankenbeförderungswesens in weitestem Um. fange nutzbar gemacht werden. Im Interesse plan. mäßiger Zusammenarbeit schlossen sich die be- stehenden OrganisatdOJlen im Jahre 1901 zum Zen. tralkomitee für das Rettungswesen in Pr eu ß e n zusammen. Im Jahre 1910 erfolgte durch den Zusammenschluß der über die übri~en deutschen Länder verbreiteten Organisationen die

Gründung des D -eu

ban des für das Re t tun g 5 wes e n. Dadurch

wurde

menfaSSIUng und Zusammenarbeit gelegt. Beide Sp-itzenverbände dienen - jeder in seinem Arbeits. bereich - der wissenschaftlichen Forschun~ und der Förderung der Praxis. Durch die wertvollen An. regungen und Unterstützun~en, die Reichs. und Staatsbehörden auf diesem Wege erhalten haben, sind diese beiden Spitzenverbände für die gesamte weitere Entwicklun~ von maßgebender Bedeutung gewesen. Ihrem Wirken ist es auch im wesent. lichen zu verdanken, daß die von ernsten und v-er. :lI1twortungsvollen Stellen gehegten Bedenken wegen etwa,iger Kurpfuscherei der Laienhelfer beseitigt werden konnten und nunmehr eine den wachsenden Bedürfnissen entsprechende fruchtbringende Täti~. keit einsetzte, die den Ausbau der gesamten Unfall. hilfe aufs beste förderte. Mit Stolz konnten im Jahre 1911 auf der Internationalen Hy~iene.Ausstel. lung an Dresden die geschaffenen Einrichtungen allen Kulturvölkern vorgeführt werden. Ms r ·e eh t 1i ch e G run d la lg e für das R,ettungs.

Zusam.

ts ehe n Ze n tr al ver.

der

Schlußstein

einer ,einheitlichen

und Krankenbefönderull'~wesen ha:ben wir eine

und

landesgeset.zliaher Bestimmungen.

r eie h s g e set z 1ich e n

m u n gen bietet die wichNgste Handhabe der § 360,

Ziffer

von der Polizei.

behörde oder deren Stellvertreter zur Hilfe auf. gefordert, keine Folge leistet, obgleich -er der Auf_

forderung ohne erhebldche ei~ene Gefahr genü~en konnte, wird mit Geldstrafe ois zu 150 RM. oder mit Haft bestraft."

§ 23 des Reichsgesetzes, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. vom 30. Juni 1900 bestimmt: "Die zuständige Landesbehörde kann die Gemeinden oder die weiteren Kommunalverbände dazu anhalten, diejeni~en Einrichtungen, welche zur Bekämpfung der gemeingefährlichen Krankheiten notwendig sind, zu tr,effen. W e~en Aufbrin~ung der erforderlichen Kosten findet die Bestimmung des

§ 37, 11 Anwendung."

§ 37, 11: "Die Zuständi~keit der Behörden und die

Aufbringung

nach Landesrecht."

sich

Unglücksfällen

Von

Rcihe

wichtiger

den

10,

des

und

wirkungsvoLler

"Wer

bei

Not,

reichs.

B e s tim"

RStGB.:

oder gemeiner Gefahr und

der

entstehenden

Kosten

redelt

,., Wenngleich das Gesetz ~n erster Reihe die Assa- nierun~ der Gemeinden durch Tdnkwasserversor. gung. Abwässer:beseitigung, Müllabfuhr usw. be. zweckt, so gehört doch auch die Fürsorge für einen

107

geregelten Tr ansport d er Seuchenkranken zu den notwencligen Einrichtun~cn, so daß ruuf Grund die- ser Bestimmungen auch der Ausbau des Rettun~s­ und Krankenbeförderungswesens erreicht werden kann. Für die beteiligten gemeinnützi.gen Orgalliisa tionen und deren Mjtglieder sind folgendc reichsgesetz- liche Bestimmun gen von W-ichti~keit:

Das Reichsgesetz zum Schutzc des GenFer l\'eutra litiits. abzeichens vom 22. 3. 1902; die hierzu ergangene Bckanntmachung ,dcs Reichskanz. lers von 1903 über die Grundsätze Für die Erteilung d er Erlaubnis zu m Geb r auche des Roten Kreuzes; die ge mäß A nordn un g d es Reichsministers des In ncrn ergangene Beka nntmachung des Kommissars dcr frei. willigen Krankenpflege, betrcfFend Abänderung dcr Gr undsätze Für die Erteilung d er Erlaubnis zum Ge. brauche d es R otcn Kr e u zes vom 4. 3. 1922 (RGH.

S. 569), die a uf G rund d er Umste llun g des R otcn Kreu .

zes für di e Friedensarbeit erforderlich wurde; Reichsgesetz, bet rcfFend d en Schut z von Bcrufstrachten und Berufsabzeichen für Betä ti gun g in der Kranken.

G rund sätzc

Beka nntmachun g

zur

vom

6. 8. 1920, die d e n V'eränd erte n Be dürfni sse n d er Nach .

kriegszeit Rechnung trägt.

Von besonderer Bed eutung für die "Vciterentwicb

lung des Rettun gs_ und Krankenbeförder'Un ~ wesens

ist die 5 0 z i a 1,e Ver sie h ·e run d s des e tz-

ge b'U n g des Reich es. Das Unfallv~rsrcherunds­ gese t z von 1884 galt zwar nur d en in industrieli~n Betrieben beschäftigt·en Arbeitern und brachte Vor- schriften für die Verhütund und Heilun C1 der Un~

fälle und

den neuen Aufgaben erhielten Heilkunde und Tech- nik außerordentlich reiche Anr eduna en für die Praxis. Die wissenschaftliche Forschung beschäftigte sich eingehend mit den Fragen der Unfallh eilkun·d e. währ,end die ruuf Grund des Gesetzes neu entstan~ denen Berufsgenossenschaften -ihr besonderes Inter-

esse der Unfallverhütung und den Einrichtun C1 en der

ersten Hilfe und

widmeten. 1911 wurden die drei großen sozialen Gesetze in

d e r R ci chsv ,e rsicherun~ordnung zusammengcfaßt.

pfl ege vo m 7. 9. 1915;

Ausführung

des

d es

Re ichskan.z lers vorbczcichneten

üb er

Gesetzes

Entschädigun~ der'" Unfallfolgen :'" Aber aus

des Abtransports der Vecletzten

Dere n wi ed erholte Ergänzun ,g führt e durch die Zu-

sammenal1beit

sdlaften

h y g i e n e. Unfallv,erhütun.g und Rettungswesen

wurden .in den Betri,eben eingehend geregelt. Die von den Berufs~enossensehaften erlassenen Unfall - verhütun.gsvorschriften wurden bezüglich ihrer Durchführung durch die von allen Ländern neu or- ganisierte, den Bedürfnissen der Zeit andepaßte Gew e rbeaufsicht, und zwar durch b~ ond erc fach wissenschaftlich vor.gebildete G ewerbeaufsichts- beamte (Preußen 1892), fortlaufend überwaeht~t Um den gesundheitilichen Be dürfnissen m ehr als b~her Rechnung zu trag en, wurden in d er ach- kruC.d zeit hauptamtliche G e wer b e m e d i z i n a I ~ rät e angest ellt (in Pr eußen 8) .

Berufsd·enossen-

von

Ärzten

zur

und

allmählich

modernen

G e '~v erb e _

Für die Fabrjkbetriebe wurden V erbandkäs ten oder

ei,gen·e Verbandzimmer unter ärztlicher Leitun~ und mit ausgebildetem Hilfspersonal ei1weniehtet. Für die Wiederbelebung wurden Sauerstoff-;pp arate a n gosc hafft, Lob e lin ei nsprit z un ge n b e re it~eha ltc.n ,

eidene

Fabrikfeuerwehr·en

b eso nd ere Fabrikhelfe r

wurden

ausde bilde t

wurden

zusam~endest~llt ''''die

mit ihren R ' e ttung sappa rat e n und G asscllUtz,ei~ rieh­ tun ge n bei all en Unfällen o fort tJelfend ,ei n dreHen

können.

Au balu jederzeit die Möglichkeit, auch der übrigen

Diese Einrichtungen ge währen bei weiterem

')

Rnl

Siehe

Dr .

108

darü ber

" Indus lri esch u lz

:md

Gewerbenufsichl"

[n ~.

Kremer

im

~eple",berhcf l di e ser Ze its ehr . Die

von ~1in.·

Schriflll~.

Bevölkerung bd Katastrophen irgendwelcher Art auf sch nells t em \ ,ye,ge Hilfe zu leisten. Das R e i chsvers ich eru n gsam t als oberste Aufsichtsbehörde der Berufsgenossenschaften hat wiederholt selbst verschiedene AnordnUlwen (Jetrof~

fen, d~e für die Gesamtheit der Beruf~ dc li-;ssen­

schaften von

lich über

bcsondererWichtigkeit sind;'" nament.

die Hilfe bei ·elektrischen Un fäll en.

1929 sind

auf dem D eutschen Berufsgenossenschafts~

t age in Salz burg a usf üh rliche orma l-Un fa ll ver-

hütungsvorschriften aufgestellt worden. Die wkhtigste Ergänzung des Rettungs- und Kra n~ kenbcförderungswescns brach t e das 3. R e ich s ~ gesetz üb er Ä nd e run gen in der U nf a ll ~ ve r s ich e run g vom 20 . 12. 1928, das 1m § 537 der Reiehsversiahcrungsordnung in Ziffer 4 a den Betrieben der Fouerwehr und Betrieben zur Hilfe- leis tun g be:i Unglücksfällen a u ch den H elf ern E nt-

sch äd igun ~ aus öffentlichen Mitteln ge währt. Da - mit ist d er un erfr eulich e ZustJan.d beseitidt daß Helfer, di e b e i einer fr e:i willig üb ernommen e~ i - filF e.

l eis tun,g selbs t einen Schaden erlitten ~atten, erst in langjährige n, zum T ei l uner.fr eulichen Bemühun - gen eine Entschädigun~ erkämpfen mußte n, falls sie ruicht einer Unfallv,e rsiahel'\und .an dehö rten

Von sonstig

.e n Reichs-ges"'e tz en: di e mit

dem Rettungs~ und :Krankenbeförd erunas wesen im Zusa mmenhang stehen, ist ferner das'''' Re ich s - weh r ge set z von 1921 zu ,erwähne n, das im § 17

bestimmt, daß clie auf Anfordern der

Di e

verhütungsvorschdften erlassen . 'Sie hat einen

eige ne n vorrbildlieh ge regelt,en Rettungsdi enst. In

R eichswe hr bei allen Notfällen Land esbehörd en helfen muß.

h at

1926

ei ng ehende

Unfall~

Re i c h5 b a h n

jedem Packwagen der Per onen züge muß ein

Ret-

tungsk as t en mitgef ührt werden. Die D~Züge

sind

besonders gut ausgerüstet. Für größere Unfä'lle wer~

d~n Hilfszüg.c und

dI e Bahnärzt e müssen mit Kraftwag en herangeholt

werden; auf den Bahnhöfen befinden sioh Verband -

schränke;

haben

Leuchtmittcl und großes \,yerkzeug. Durch das im

Jal1re 1926gcschlossene Abkommen mit den Sani~

Gerätewagen vorrätig gehalten;

und

Blockhäuser

Str,eekenposten

tätskolonn en

vom Roten Kre·uz hat sich die Reichs-

.'"

bahn woitcre

schnelle und saehkundi C1 e Hilfeleistun o

gesi chert.

.-

Die Re ich s pos t hat durch die Fernspreehord. nung von 1927 eingehende Bestimmungen über den

U nfallmelded~enst getroffen. Durch eine Sonder~

verfügung von 1928 sind Bestimmungen über das

hinzugekomm e n.

Durch das Rcichsgesetz über den \,yeltfunkvertru d

von 1929 ist ein besond eres Fun k not z ci c h e ~

eingeführt worden, d.'lS in holten Morsezeich en our sools).

bes tehen

In

besteht (save

rcichsdcsetz-

lichen Bestimmun gen über das Rettun ds_ und'''':Kran -

kenbcförderungswesen un.d n eben Id~n am 1. 10.

Poliz ei-Verwaltun{!Sdesetz

k ein e

bedürfnisse ist ei ne Reihe von M.inistenialerJ.assen

ü~er d4 e. Re ~elung di ese r Fragen er ,gangen.

EIIl MlIllstcrlalerlaß von 1820 üh cr die Gc währun d

s t aat lic h er Priimien für \ Vicder b e leb un gsvers ll c h e sCt7:'t Hir jcdcn. der sich um dic Wiedcrhelebung bemü ht.

5 Talcr Fest für d en Fall. d aß di e Bemühungcn Erfo lg

h abe n ; .b ci e rFo l,g l ose m Bemühcn ", crdcn 27{ Taler ge . za hl t. Arztliche Pcrsonen (HcilgchiIFcn , Totcnschaucr)

Meld e wes e n bei Eis enbahnunfäll e n

den 1n Abständen wi ede r - - - -

neben

den

Für

vers chdede n e 'S;nder~

Pr C l! ß e n

in

:Kraft

193 1

getretenen

eige n e n G ese tz e.

cr ha lt en das

Durch einen Ministerialerlaß vom 9. 7. W98 wurdcn in dankenswerter \\' eise Schu tzleutc , dic im Samaritcr.

dienst ausgcbildet sind, Feuer",chrleute lind Mann.

sc ha ft'cn

Pr ,il1l ie d en

hö he ren

D o pp elt e di esc r Sützc.

R oten

Kr e uzes

.

d es

bezüglich

der

.~r ztcn gle ic h gcs t c llt.

Das Gesetz, betreffend die ärz tli chen Ehrenger ichte. vom 25. 11. 1899 ermög li cht ein Einschr,eiten gegen Arzte, di e ihre Berufspflichten ve rl etzen. Dadurch wird auch indirekt, abgesehen von den bereits erwähnten Vorsc hrift en des § 360, Ziffer 10, des RStGB. , den Arzten die Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Not und Gefahr auferleQt. Der Ministerialerlaß v o m 2.,1. 1. 1913. betreffend ge , sundheitliehe M indestforderun gcll für Badeorte, gibt gleichzeitig Anwe isung für das Rettungswesen. Die Dienstanweisung für Kreisärzte vom l. 9. 1909 be, s timmt im ~ 100, daß der Kreisar zt die Einrichtungen der ersten Hilfe in seinem Amts bezirk in gesundheit, lieher Beziehung zu überwachen und mindestens cin, ma l jährlich - abwechselnd im Sommer und \Vinter - unter Zu ziehung des leitenden Arztes und dcs Ver, walt un gsvo rsta nd es zu besiehtig,en hat. Die Heb a m m ,e n wer-den in Preußen in der ersten

H ilf,eleist un g

Förde ,

Be ,

ge fahr vo rgesehen.

19 11 wurde von d cr Medizinalabteilung des Ministe , riums ei n Not h elferbue h h e r.a u sgegebcn, in d em a ll e in Betracht kommcnden Hilfsmaßnahmcn e in ge h end dargestellt sind. Der Ministerialcrlaß vo m 19. 7. 191 2 gab ausführliche Anweisung für die R cttung Ertrinkender.

run g

Im

stimm unge n

ausgebildet.

vom

Ministeria l er l aß

des

7.

7.

1910,

betreff e nd

sind

bei

öffent li ch en

über

die

Badewesens.

Hilfelcistung

ebenfalls

Ertrinkungs,

Von

besonderer

Wichtigkeit

war

der

MinilSterialerlaß

vom

20.

12.

1912,

dur ch

den

di e

vom

R eichs ges und ,

heits rat auf G rund der R efera te von Ministc-rialdirektor

i.

George Meyer beschlossenen G run d s iI t z e üb e r

das R ctt un gs, und Krank en b

run g s wes e n allgemein bekanntgegeben wurden.

Diese Gr und sätze war e n ent s pr ec hend e in em Erlaß

d es R e ichskanz le rs vom

Preußischen Z cntralkom it ees für das R ettungswese n

v o m R e ichsges undheit sa mt a ufge<; t ellt word en. Zur Be , grü ndung der zu treffendcn Maßnahmen war ausdrück, lich betont worden. daß di e Tätigkeit von Privab personen und Vereinen bei der hohen Entwicklung von Verkehr und Indu st ri e nicht mehr ge nü gt . Es wurd e die Forderung aufgestellt, daß mindesten in größeren Städ ten di e Geme ind en eintreten müssen. G leich zeit ig war vor jedem Schematisieren gewarnt worden. Zugleich ergingen weiter,e Ministerialerlasse unter dem

di e

e I e k tri s e h e n Unfä ll e. Ein Ministeria le rlaß vom 19. 9. ] 9 13 führt e für die erste Hilfe bei Vergiftungen di e soge nannt e n " G e gen ,

R.

Professor

Dr .

Di e tri c h

und

vo n

Prof,essor

Dr .

efö rd e ,

23. 12. 1908 auf Anregung d es

21.

12 .

19 12

und

unt er

d cm

5.

] 1.

19 13,

betreffend

Q i f t k ii s t e n "

c i n .

Leider konnt e n weder di e se hr zweckmäßi ge n und

aus führlich en vom R eiehsgcsundh eitsra t

ge nen Grundsätz e noch di e übri~en vom pr eu,

ßischen Rcsso rtminds terium eingefüJlI'ten Maß,

nahmen e in e nenn ensw e rt e W irk{

kur:oe Zeit s päter de r \ Vcl tkri eg ausbmch '1.lnd nicht nur jcden Ausbau für die Bedürfnisse des Friedens

ve rhinderte. sondern auch

Mü11en und Gcldopfern ~eschaffene Einrichtungen

ze rstört e.

In

eige n en

fah r t von außerordentlich großer Wichtigkeit ~e,

worden, in dem all e in B etr acht k omm end en Fra~en

b eso nd ers ei ng ehe nd e Behandlun g find en

Dureh ei n en

1920, betreffe nd Anla ,gc, B ~ u und Eä nrich ,

di e

segensreiche Anordnung ge troff e n , daß . in jcdem Krankenhaus ein R t lUm für e r s t e Hilfe vo rh ande ~l

sein muß.

Di e

den Großstädten, die Zunahme des Kraft, und Last,

~ewaltigc A nhäufun g vo n Mensehenmassen in

wagenverkehr , des Eisenbahn~ und Straßenbahn,

vcr k chr~; lind di e rapid e Tndu s tri ~di sie run g, d ' ureh d ie

tun g von

vor~eschla,

n g cntfalte n , da

za-hlreich e unter enorm en

ist

di e

für

Gründung

ein es

Volk s wohl ,

konnt en.

de r

achkriegszeit

Mdnjsteri'1.lm s

Erlaß dieses Ministeriums vo m 30. 3.

K r a n k 'e n a n s ta 1 t e n,

wurde

die Maschinc bis in die kleinsten Betriebe eingeführt wurde, hatte ein enormes Ansteig,en der Unfälle zur Folge. N ach den Feststellungen des Statistischen Rc.ichsamts fielen im Jahre 1927 im D eutsahen Reiche täglich 64 Menschen einem tödlichen Unfall zum Opfer. Jeder entschädigungspfliehtige Unfall kostet die Berufsgenossenschaften durchschnittlich 440 RM. jährlich. Da däe Leistun.gen im allgemeinen 10 J ahre hindurch gowäbrt werden müssen, so verschlingt jeder Unfall jnsgesamt etwa 5000 RM. Barauslagen. Neben den tödlichen Unfällen waren im J ahre 1927 außerdem 129000 gewerbliche und landwirtschaft; liche Unfälle im Deutschen R,eieh zu entschädigen. Diese 129000 Unfälle betreffen aber nur die in den Berufsgenossenschaften versicherten Volkskr-eise und sind nur der dri tt e Teil al1er sonstdgen Unfälle I Diese furchtbar,en Zahlen gabcn dem Minister für Volkswohlfahrt Veranlassung, mit besonderem

achdruck für den WicderaJUfbau der während

d es

Krieges und der Infl ationszcit leid er ze rfallenen

Or.

ganisation en des R ettungs, und Krankenbeförde, rungswesens Z'1.l so rgen. Nach Anhörung des Pre u, ßischen Landes.gesundheitsrats wurden ,unter dem 5. 10. 1926 G run d ätz e für d e n p I a n m ä ß i , gen Aufbau und die Ordnun g des R et, tun gs, und Kr anken b eförder ung s.

w e ti e n s auf g ' t ellt, die ihr,er Wichtigkeit w egen

im \ Vor tlaut fol gen:

r.

PI a n m ii ß i ger

A uf bau.

1. Das R e ttun gs , und Kran~ellheförderungswesen ist

 

planmäßig

nach

Provinzcn

zusammenzufassen.

 

2.

Für da s Gebie t

jeder Provinz wird ei n e Ar be its ,

gemei n scha ft g,e bild et, di e sich zusamme nse t zt au.s der Staatsregierung. d,er PrO'VinZ'ialverwaltung und

Vertrctern

kreistages,

des pr ovi n ziell en Städtetages und L a nd ,

dor anerkar,nten AI'beitgeber, und A r,

beitneh111lerverbände, der Reichsversicherungsträger und privaten Versicherungsgesellschaften, der Arzte,

oTiganisationen.

·des

Roten

Kreuzes,

der

Feu-erwehr

und der übrig,en a m Rettungswesen beteiligten Ver,

bände

und

Behörd en.

 

Di

e

Arbeitsgemeinscha ft

wählt

Vorstand

und Ge,

sc

h äfts führun g.

Bestehende

Arbe itsgemeinschaften

dieser

Art

sind

zu b e rück sic hti gen und g,ege benenfa ll s zu erweitern .

3.

A ufgabe d e r Arbeitsgemeinschaft ist es, die J<:i n , richtungen des Rettungs, und Krankenheförderungs, wesens pla nm ä ßi g zu f,öTldern und nach Kräft,en zu unt ers tützen, ei nschließlich der Versicherung der

 

ot h el f.er

gegen

d ie

Fo lgen

vo n

Un fäll en

bei

der

 

A

usbildun g und im Dienst (Unfallversicherung) un d

gegen etwa-ig,e Schadenersatzansprüche a us A nl aß der

Ausübun g des

Dienstes

(H aftpflichtv ersicherun g).

4.

Entsprechende

Arbeitsgemeinschaften z ur planmäßi ,

gen Durchführung des Rettungs,

und Krankentra ns,

porhV1e en s we rd en für das Gebi et eines Stadt , und Landkreises oder mchrerer Kreise gebild et. die

zweck mäßig an d ie

Gcs undh eitsämter ' (Wo hlfahrts ,

ämter) angegliedert werden.

 

5.

Als

Zentra l instanz

erne nnt

der

Minister

für

Volks ,

 

wohlfahrt

ei n e n

Kommissar

für

das

R ett un gs ,

und

J

::rankenoeförderung'Swesen

, -dem

aLs

beratendes

01"

gan ein Ausschuß a us den zu 2.)

beteiligtcn Verbän ,

 

den

zur

Seite steht.

11.

Notwendige Einrichtungen .

 

A. Z u L a n d e.

1. Rettungsstellcn .

a) In Großstädtcn: Rettun gsstellen mit ständigem iirl.b lichcn Dienst und yollkommener Einrichtung zur crsten lIilfe bei l,; nfällen und plötzlichen Erkran , kungen innerhalb und außerhalb der Rettungsstellen mit LagerräuJ'ncn, cntweder seihständig oder im An , schluß an Krankenanstaltcn.

109

b) In MitteLstädten: Rettungsstellen in Verbindung mit vorhandenen Krankenhäusern unt-er besonde~er ört. licher Einrichtung für die Rettungsstellen im Kran. kenhause.

besetzte

Krankenhäuser : Rettungswachen, Rettungseinrichtun. gen der freiwilligen Sanitätskolonnen und ähnlicher Organisationen oder solche in Polizeiwachen oder Feuerwachen unter Versorgung durch im Sanitäts. dienst ausgebildet,es P,ersonal.

d) In kleinen Orten, Dörfern, Gutsbezirken usw.: Vor. handensein von Verband. und notwendigstem Medi. kamentenmaterial unter Beaufsichtigung durch eine tunliehst ständ'ig erreichbare, im Sanitätsdienst aus . gebildete Vertrauensperson.

e) Vorhandene Einrichtungen der ,hetciligten Rettungs. verbände sind bei den unter abis d zu schaffenden Einrichtungen zu berücksichtig'en und auszubauen.

2. Beförderungseinrichtung,en.

Vorhandell'.3<ein von jederzeit abfahrfertigen Rettungs, transportwagen in Großstädten und von möglichst schnell fahr,bereiten Rettungstransportwagen in Mittel, und kleineren Städten, hier im Anschluß an di,e be. stehenden Rettungsverbände, an die Feuel"WlChren und dergleichen, auch unter Benutzung von Krankentrans, portwagen oder vön leicht zu solchen umzuge.stalten, den Lastkraftwa.gen von Großbetrieben, Vorhandensein von Krankenkraftwagen bei den Kfleiskrankenhäusern, Bereitstellung von fahrbaren Tragen bei den Rettungs. stellen großen und kleinen Umfangs.

3. Ausbildung

Allenthalben Anschluß und Verbindung mit den vor. handenen Sanitätskolonnen usw. behufs Ausbildung von N othel6ern (Betriebshelfern) un,d sonsti,gem l-filfs. personal.

4. Mddewesen.

c) In

kleinen

Städten,

ohne

ständig

ärztlich

des Hilflspersonals.

An allen Stellen mit nicht ständigem ärztlichen Di'enst Vorkehrung.en zur Erlangung ärztlicher Hilfe durch V,ermittlung der Rettungseinrichtungen. Verbindung mit den vorhandenen Sanitätskolonnen usw. zur Hilfe. I'eistung bei Massenunfällen, Vorsorge für Erreichbar, keit von Unfallhilfen, auch an Sonn. und Festtagen. An. f.ertigung von Verzeichnissen (wenn möglich auch Kar, ten) über die Lag,e und Größe der vorhandenen Ret, tungsstellen un~. Beförd'erungseinrichtungen, über den Aufenthalt ,der Arzte und des Hilfspersonals unter An. gabe der Fernsprech, und Verkehrsverbindung·en.

5. Hinweis'Wesen .

Ein durchgebildetes Hinweiswesen auf die vorhandenen Rettungsein'richtungen und ihre Erreichbarkeit (Fern, spI'lecher), insbesondere auf Straßen , Chausseen, an Kilo, metersteinen, Bahnübergängen, Bahnwärterhäusern usw.

6. Aufklärung weit,erer Kreise über Art und Nutzen der erst,en Hilfe, etwa durch Rundfunkvorträge, Varträg,e hei Gesundheits.wochen, Unterricht in Schillen, Anbringung von Merktafeln, Wandbildern usw.

B. Zu Was se r.

1. Vor,handensein von Rettungsmaterial (Kähnen, Ret- tungsringen, Hinweistaf,eln für erste Hilfe in Ertrin,

kungsgefahr

Geratener)

mit

Angabe

,der

nächsten

Rettungseinrichtun,g,en

an

möglichst

vielen

Gefahr.

stellen

(Brücken,

Wasser treppen

u.

a.),

in

Badean,

stalten, an Freibadeplät7,en us\\"o ständiger Rettungs. dienst.

2. Ausgedehnte Ausbildung durch Vereine, Schulen usw. in der Wiederbelebung in Ertrinkungsg.efahr Geratener und im Rettungsschwimmen.

Dj,e vorstehenden Grundsätze wurden durch ejni~e Erlasse vom Juli 1928 bezüglich der Beteili~ung der Behörden näher erläutert und ergänzt. Auf Grund der Erfahrungen über die Arbeitsgemein.

110

schaften und auf Grund des Ergebnisses der Sitzung des preußischen Zentralkomitees vom 6. 6. 1929 wurden vom Herrn Minister für Volkswohlfahrt für die praktische Arbeit folgende Maß nah m e n zur Durchführung des Rettungs. und K r a n k e n b e f ö r der u n g s w ,e sen saufgestellt.

Als .die wesentlichen Aufgaben der im Ministerialerlaß vom 5. 10. 1926 erwähnten Arbeitsgemeinschaften für das Rettungs. und Krankenbeförderungswesen sind die folgenden anerkannt worden:

1.

Die Errichtung von Hilfsstellen für die erste Hilfe

hei

Unglücksfäll,en,

2. die

Beschaffung

ausreichender Krankentransport.

mittel,

3. die Bevölkerung auf ,di,e nächstgelegenen

Hilfsstellen

4. Einrichtungen zur Benachrichtigung

Hinweis für

Hilfsstellen und Hilfsmöglichkeiten,

der

und

zur

Herheischaffung

der HilfsmitteL

Die unter' 3 und4 g enanntenM<aßnahmen erfor,dern di·e bei weitem größten Ausgaben, so d.aß ihre Durchführung in großem Umfange in absehbarer Zeit sehr schwer sein wird. Soweit d,erartige Einrichtungen i n n e r hai b der Städt'e und kleineren Gemeinden (Kennzeichnung der Wohnung von Kolonnenmitgliedern, Hinweise an den litfaßsäulen U. dgl.) bereits vorhanden sind, wird sich ein allmählicher weiterer Ausbau schon mit gerin. gen Mitteln erreichen lassen. Das gJ.eiche gilt von den Alarmorganisationen der Kolonnen. Für die Bekannt. gabe der in Frage kommenden Einrichtungen an die Bevölk'erung ist die Mitwirkung der PI'lesse zu erstreben. D-es Hinweis, und Benachrichtigungswesens au ß ,e r • hai b der geschlossenen Ortschaften (Tafeln, Fern. sprecher an den Verkt:hrswegen und Landstraßen u'Sw.) beabsichtigt n'ach hierher Igelarugten Mitteilungen das Reichsverkehrsministerium sich anzun,ehmen. Es emp. Hehlt sich daher auch aus diesem Grunde, zunächst di,e praktisch leichter erreichbaren, unter 1 und 2 ge. nannten Aufgaben mit Nachdruck zu betreiben. Unter Berücksichtigung der R1ichtlinien des Mini. sterialerlasses vom 5. Oktoher 1926 ist es am zweck. mäßigsten, die vorhandenen Einrichtungen in allen Gemeinden mit Krankenhäusern, Ärzten und Ge. meindepflegestattionen ohne weiteres für die ·e r s t e H i I f ,e (Unfallhilfe) nutzbar zu machen und, soweit erforderlich, mit möglichst sparsamen -Mitteln weiter auszubauen. Derartige Einrichtungen sind am besten als "Unfallstation" od,er "Rettungsstelle" zu kenn . zeichnen.

Für ,die OrtschaHen, in denen weder ein Kranken, haus noch e:in Arzt noch ,eine Gemeindepflegestation vorhanden ist, müssen behelfsmäßige Einrichtungen ge. schaffen werden. Vor allem gilt es hierbei, unter M~t. wirkung der bestehenden Sanitätskolonnel1' urud aller Organisat<ionen der karitativen und der freien Wohl. fahrtspflege Pel1 onen in der ersten Hilfe auszubilden. Auch in d ,er kleinsten Ortschaft muß ein e S tell e für e r s t e H i I f eie ist u n g (U n fallhilfsstelle, NothiIRsst ,elle) vorhan . den sei n! Die Wohnung einer solchen HHfsperson (N othelfer, Samariter oder wi'e man sie sonst b:e, z'eichnen m'alg) ist durch ein Schild kenntlich zu machen; sie muß außerdem !heim Gemeindevorsteher jederzeit - und Zlwar Tag lI'rud Nacht - zu eI'lfahren sein. Sie muß auch am Hause des Gemeindevorstehers auf einer Tafel verzeichnet sein und von Zeit zu Zeit in geeigneter Weis·e ,der Bevölkerung bekanntgegeben werd,en. Die Art der Aus b i 1dun g der Personen für die erste Hilfele~stung muß nach den örtlichen Bedürf. nissen und vor allem unter bester Ausnutzung ,der vor. handenen Mögl1chkeit'en geregelt werden. Für Ort, schaften ohne Krankenhaus, ohne Arzt und ohne Ge.

,

ll1'eindepfleg'estation sollen nur solche Persönlichkeiten aus,gebildet werden, die körperlich und geis tig gesund

und

aus,

geschlossen ist. Um eine ·einwandfrcie Ausbildung solcher Helfer und Helferinnen sicherzustellen (z. B. durch Heranziehung zu fortlaufcnden Übungen), sind nur Mitglieder von bestehenden , dem Zentralkomitee

und

bedingte ZuverläsS'igkeit

ihrem Charakter nach un.

leistungsfäh'ig sind ulld

bei

für

ihre

Aufgaben

verbürgen.

denen . joeder Mißbrauch

ihrer Kenntnisse

für das Rettungswesen in Preußen angeschlossenen Ver,

bänden auszubilden, bei ,denen schon die Zug'chöri.gkeit zur Ol'lganisaNon eine Gewähr für ein zuV'erlässigcs Ver, halten bietet. Muß ausnahIl15weise auf Personen zurück, gegri.ffen werden, die nie h t _den genannten Organi , sationen angehören, so ist darauf hinzuwirken, daß die

an ,

schließen. Es ist erwünscht, daß diese Hilfspersonen ent, wed·er selbst oder doch in unmittelbarer Nähe einen Fe r n s pr e c h ans chI u ß haben. Die genannten' Per, sonen müssen genau wissen, wie am chnelLsten ärzt, liehe Versorgung zu erreichen ist; sie müssen üb Cl' die Wohnung des nächsten Arztes, über die Lage der nächsten Apotheke, über das nächste erreichbare Kran,

Ausgebildeten sich einer benachbarten Organisation

kentransportmittel und

über

das

nächste Krankenhaus

Bescheid

gehen

können.

Bei

Autounfällen

müssen sie

auch die nächste er r eic hb-are Rcparaturwerk\Stätte an,

geben können.

zweck ,

entsprechenden Ver ban d,k ast e n ausgestattet sein, der so oeschaffen ist, daß er gegebenenfalls von der HJilfsperson allejn bequem zur UnfallsteIle mitgeführt

werden kann. 0!cben -der Ausbildung von Hilfspersonen ist für aus,

zu

tragen. Es muß danach gestrebt werden, daß in jedem Kreise ein Krankenauto vorhand,en ist. Solange d,ie Beschaffung eines solchen nicht möglich ist , ilSt es unbedingt notwendig, daß andere Transportmittel, wie Krankentmge n und fahrbare R ii derbahren, vorhanden sind. Als außerordentlich zweckmäßig haben sich in neuerer Zeit die für Krank'entransport besonders kon,

reichende Kr a n k e n t I' ans p 0 r b mit tel Sorge

Jede

derarti ge Unfallhilfsstelle muß

mit

ei nem

struierten kleinen An h ä n g e wa gen erwiesen, die an jeden Personenkraftwagen angehängt werden Können und deren Anschaffung nur geringe Kosten verursacht. (NäheI'le Auskunft hierüber erteilt das Zentralkomitee für das Rettung,swesen in Preußen, Ber, lin W 8, Leipziger Straße 3.)

Es ist drin ge nd notwendi g, daß in jedem Krankenhaus

ein

Bei der Durchführung der Aufgaben auf dem Gcbiete des RettunglS' und Krenkenbeförderungswesens ist die Mit a I' b c i t der Ä r z tein weitestem Umfange er,

forderlich. Alle Einrichtungen für erste Hilfe in den einzelnen Ortschaftcn müssen amtsärztlich b-esichtigt und auf ihre Brauchbarkeit und Verwendung bereitschaft ge, prüft werden.

Bei allen Einriohtungen, die zum Ausbau des Hin,

Krankentransportmittel vorhanden ist.

weiswesens ,~eschaffen werden, müssen

Preußischen Minister des Innern unter dem

übe r

vom

26.

die

3.

1930

erlassenen

"V 0

r s c ,h r i f t e n

Vßrkehrseinrichtun~ e n" .genau beachtet

werden. Als außerordentlich wich t ig und wertvoll hat sich di,e Mitarbeit des Allgemeinen Deutschen Automo b i l ,Clubs - ADAC - beim Reb

tungs, und Krankenbeförderun~wa:;cn erwiesen.

ADAC, die an ähren

Kraftwagen das Ärzteschild - rotes Kreuz auf blauem Gnmde - führ-en, sind überall zur ersten

Hilf.eleistun~ verpflichtet.

Die in dem vorgenannten ministetidlen Erlaß er, wähnten Einrichtungen zur Benachrichtigung der Hilfsstellen konnten ,wegen der sehr erheblichen Kosten biSher erst an einigen besonders vel'kehrs, reiohen Autostraßen angebracht werden. Eine derar' tige Einrichtung besteht z. B. an der großen Ver, kehr traße Berlin- Leipzi~, die von der Pr,ivatgese1l, schaft "Autohilfe" (Aha) mit einer finanziellen Bei. hilfe des Reichsverkehrsministersiums angebracht worden ist. Es wäre erwün cht, daß dieses Fern, sprechnetz für den Unfallmeldedienst auf den Land, straßen eine möglichst baldige weite Verbr,eitun~ finden möchte. Für die einheitliche Leitung des Rettungs, und Kran, kenbeförderun~swesens in der Zentralinstanz wurde

Die ärztlichen M it~lieder des

vom Minister für Volkswohlfahrt als S t a at s, kom m .j s s a r für das Re t tun g s wes e n der derzeitige Leiter der Medizinalabteilung äm Mini. sterium für Volkswohlfahrt, Ministerialdirektor Dr. Schopohl, -eingesetzt. Einer der ersten und wichtigsten Erfolge dieser 0Jeuregelung war die WiedererriahtunJ;! des Zen. tralkomliteelS für rd 'as Rettuu 'gswesen

e u t s c ih e n Zen t r al •

ver ban des für Re t tun ,g s wes e n. Beide

Verbände ~ngen t~tkräJftig an ihre Auf~ben und

habcn durch die Zusammenarbeit mit den Behörden und den beteiligten Organisationen bereits emreu' Hche Arbeit ,geleistet. Mit Unterstützung des Reichs, ministeniums des Innern ullid des Preußischen Volks.

wurde Mn Ja nu'ar 1930 die

Zeitschnift

gegrüTlldet, die als Mtitteilun~sblatt für alle einschlä,

gigen Fm·gen bestimmt ist. Auf Grund eines Ministerialer1asses vom 5. 3. 1930 wird sie ämt, lichen beteiJrlgten Behörden, insbesondere den staat. liahen Medizinalbeamten, sowie sämtlichen Sanitäts, kolonnen des Deutschen Rciches kostenfrei zu' gesandt. Die furchtbaren B erg w 0 r k s kat ast r 0 p h e n des Jahres 1930 in Neurode, Alsdorf und Maybaeh. schacht gaben dem Staatskommissar Veran]assun~, unter Hinzuziehun.g des Handelsministeriwns ~enaue Feststellungen zu treffen, ob und welch.e Verbesse. rungen im Rettun~s, und Krankenbeförderungs, wesen unter Tage möghlch sind. Federführend für diese Fragen ist das G ru ben s ich er h ei t s. amt im Handelsministerium. Der wissenschaft, lichen und praktischen Forschun~ der ej,nsehlä~i~en Aufgaben unter Tage dienen die beiden Zen t r al , stellen für das Grubenr -ettungs. wes e n, für Westdeutsahland in Essen unter Berg, assessor Dr. Forstmann, für Ostdeutschland -in Beuthen unter Professor Dr. Woltersdorf. Beide In, stitute beschäftigen sich besondersein~ehend mit den Untersuchungen über Explosivstoffe und die gefürchteten Wetter. Durch ihre ~roßen und wert. vollen Erfahrungen sind sie in der La~e, außeror, dentlich wertvolle Anregungen für den Schutz gegen Giftgase zu geben, so daß ihre Tätigkeit gerade auch für das Gebiet des Gas, und Luftschutzes w.ichtig·e Hilfe verspricht. So traurig die erwähnten Katastrophen waren, so bed.auermch die zahlreichen Opfer und deren Ange, hörige sind, sie haben das Gewissen wachgerüttelt und das Verantwortungs~efühl aller beteiligten Stel. len geschärft. Bereits duroh die G i f t gas kat a , strophe in Harburg , Wilhelmsburg war die Bevölkerung aJUfmerksam ~emacht worden, welche gewalti,gen Gefahren durch die moderne in. dustrielle EntwicklJung drohen. Die Bcstrebun,gen zur Vorbeu~ung und für die Ein, rkhtun.g der -ersten Hilfe finden mehr denn je über. all ein erfreuliches Verständl1lis und den ernsten Willen zur MitaI'lbeit. Sohule und Rundfunk müssen mithelfen im Kampf ~~en die Schäden des model" nen Vcrkehrs. Staat und Gem ci nden leben in einer katastro , pihaJen Finanznot. Sie können daher selbst kei, nerlei kostspielige Einriahtungen schaffen; sie

siah viCiLmehr . auf FÖl'del'ung der freien

Liebestä ti~ke·it und matcrieUe Unterstützung der hierbei Täti~en beschräniken. Durch den Ausbau ~hrer Or~nisationen, durch gemeinsame EinriohtuDig

i n P r e u ß e n und des D

wohlfahrtsministeriums

,,0 eu ts c he s iRe t tu n gs wes en"

müssen

von Stellen für erste HiJfe bei UnfäUen, Aushndun~

von

geeig net en und preiswerten Kr nn kentranspo rtmitteln l:iIlige Anhängerwagen an Stelle kostsp·ieliger

Helfern und H elkrinnen uTlid Beschaffung von

111

Krankenautos! - müs en diese instand gesetz t werden, allc.n plötzliche n Massenunfällen gewachse'] zu sein, gleiehgülhg ob die Gefahren zu Wasser, zu Lande oder aus der Luft über uns hereinbrechen.

Zu den vor tehenden Ausführungen des Herrn D r.

Pu sc h erhalten wir vo n Herrn Sanitätsra t Dr.

das

P au I Fra n k, Stellvertr. Staatskommissar für

Rettungswesen, folgende Schlußbetrachtungcn, de ~ nen wir ge rn R aum .geben :

noch in uns e rem Volke erfreulicherweise vor; handen sind, lebendig zu maohen und handelnd am Leben zu erha lt en. \ Vi r sind beispielsweisc natürlich. njcht in der La,gc gewescn, Tause nd e und aber T.ausende von Verbandkästen aus un. seren Mitteln anzuschaffen, sie zu ver t ei len und nun zu sagen, mit diesem Verbandkasten soll jede Stelle au&gerüs t e t sei n . vVir si nd uns darüber klar gewesen, daß es den Hilfsorganisationen, wje "Rot es

Kreuz" und "A rb ei te r ~Samariter ~Bund ", aus s ieh

Der vorstehenden Veröffentlichung hätte ich nichts hinzuzufügen, da sie in außerordentlich klarer Weise

die Entwicklung der Fragen gesohildert bat, für die

ben, daß, wcnn auf diesem Wege in Pr cu ß e n für

selb t heraus, nati.irlieh in kleinem Umfa nge, doch möglich sein wird , derartige Einrichtun ge n zu tref~

uns ängstlich ge hüt et -, wje solche Hilfsstellen ein ·

besonders das "Preußisohe Ministerium für Volks~ wdhlfahrt" Interesse hegt. Ich darf bemerken, daß wir die Hoffnung ha ~

das öffentliche Rettungswesen etwas geschaffen

fen. Wir haben uns somi t d arauf beschränkt, An ~ regungen zu geben - vor Vorschriften ha ben wir

zuricht en si nd ; und dadurch en t stande n bereits ein Betätigun.r!sdrang und ein e Jeigung, den Mi tm en. sehe n Gutes zu tun, und förderten di e Men.ge neuer

R

et tun gss t ellen , üb er deren Bestehen wir uns j et zt

wird, di e and e ren Länd er dem Beispiel Pr·eußen s fol ge n werden. So z. B. int eress i e rt man s ich in

se

sich

S

ach

se n , wie mir b ek annt ist, lebh aft für di ese

hr fr eue n und von den en wir thoffen, daß sie immer m ehr .ausdehn en werd en. loh ~laube,

d aß

Qin ge, und wir hoffen somit, daß auch dort unsere

di

eses ein R ezept ist, naoh

d em auoh ähnli che () r~

 

Bestpebungen sich Eingan.g versohaffen.

ga

nis a tion e n ein wenig sich

richt e n könnt e n,

Das, was ich hauptsächlich hi er betonen möchte.

gleich ja di e Ll.lftsehutzor ga nisa tion sich von vorn .

ist ein e Id entität zwisohcn d en Bes tr ebungen auf

h

e rei n a uf ein e br eiter e und,

w e nn ioh mich so aus~

 

dem G ebi et e des Rettungswesens und dem d es

drücken da rf, b ehördli oh m eh r ge fes tigt e Basis

ZivilJuftsc hut zes . Es b e dar.f woh l im au genblick~

s

t ell e n k a nn.

 

liohen Z ei tpunkt keines beso nd eren Hinw-cises dar~

U

nd nun no ch ein kur ze r H.inw eis ~lUf di e Mög1ich~

 

auf, daß es auch beim besten Willen den Reg.ie~

~eit, d as jenig e, was wir be r eits t eils ei nge richt et

rungsstellen nicht möglich ist, für Luftschutzzwecke größere Mit te l zur V erfü gun g zu stell e n, und ich

teils ausgeb au t hab en, für Luftscbutzzwec~e 'auszu~ nutzen . Es ist b ekannt, daß wir in g roß e n Städ t en

weiß, d a ß m an ch e Leut e von d en Luftschutzb es tr e~

di

e K r ~l n k e n h 'ä u sc r und die vorhandenen

bungen sich lediglich aus P essimismus a bwend en,