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Maria Schmerz Kirche Bergrheinfeld

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Bergrheinfeld am Main
Bezirksamt Schweinfurt - Diözese Würzburg Patrozinium: Mariä Schmerz (Freitag vor dem Palmsonntag) Votivfest: Martyrer St. Sebastian (20. Januar)
1. Geschichte u. Bauzeit: Die ursprüngliche Pfarrkirche für die „Parochia Rheinfeldensis“ (Grafenrheinfeld, Bergrheinfeld, Oberndorf u. Röthlein) war die hinter dem alten Fährhaus gelegene Bartholomäuskirche, von einem den vier Dörfern gemeinschaftlichen Friedhof umgeben. Erheblichen Verwüstungen im Jahre 1388 und im Bauernkrieg 1525 ausgesetzt, wurde das Gotteshaus im Markgräflerkrieg 1553 durch Brand bis auf die Mauern zerstört. Außer der Bartholomäuskirche hatte Bergrheinfeld ein Kirchlein im Dorfe selbst, die Marien-Ritterkapelle, wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrh., von hier begüterten Grumbachschen Edelleuten erbaut und der seligsten Jungfrau geweiht. Das noch vorhandene Chörlein ist heute ein Teil der Sakristei. Unter Fürstbischof Johann Gotfrid. von Guttenberg (1684 bis 1698) wurde, da die Ritterkapelle die Gläubigen längst nicht mehr fasste, am 25. Mai 1688 durch Georg Bauer, Propst von Kloster Heidenfeld, der Grundstein zur heutigen Pfarrkirche gelegt. Unter Heranziehung der Dezimatoren Stift Haug- u. Juliusspital-Würzburg konnte der Bau mit Pfarrhaus ohne allzu große Belastung der Gemeinde durchgeführt und Bergrheinfeld zur selbständigen Pfarrei erhoben werden (1692). Am 8. Juni 1693 wurde die neue Pfarrkirche durch Weihbischof Stephan Weinberger, Würzburg, konsekriert. Um den nötigen Raum für die Kirche u. den sie umschließenden Gottesacker zu gewinnen, mußten die vier Gaden um die alte Ritterkapelle abgetragen werden. (Literatur bei Amrhein, Archivinventare der kath. Pfarreien d. Diözese Würzburg, 1914, S. 663/64 u. Mader-Lill, Kunstdenkm. Baierns, Bez.-Amt Schweinfurt 1917, bes. S. 88)

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2. Baumeister v. Künstler: Als leitender Baumeister der Pfarrkirche wird Christian Herrmann aus Würzburg genannt, der auch in Garstadt, Thüngersheim, Veitshöchheim, Burkardroth auftritt. Nach Scharold, Würzbg. Dom (Arch. d. Hist. Ver. Ufr IV 1838 S. 23) hat Mich. Kaut, Baumeister des Bischofs Julius, um 1600 Risse für die Bartholomäuskirche (oder Dach) gemacht. Die Steinmetzarbeiten übernahm Andreas Christ aus Egenhausen. Der erste Marienaltar und wohl auch der Sebastiansaltar wurde 1696 von Schreinermeister Ferd. Büllefeld in Würzburg um insgesamt 90 fl ausgeführt; die Fassung besorgte 1699 Franz Reinhard aus Karlstadt für 110 fl. Die Altarbilder für diese beiden Seitenaltäre wurden an Hofmaler Oswald Onghers, Würzburg, in Auftrag gegeben für je 30 fl (1698). Er war bes. für Stift Haug tätig. Es dürfte außer Zweifel stehen, daß auch das Hochaltarbild, die Kreuzaufrichtung, Oswald Onghers zuerkannt werden muß (vgl. Kainz, 0. Onghers, Straßbg. 1915). Die erste Orgel erstellte 1694 Joh. Adam Schöpfer aus Hopfingen. Heute leuchtet uns auf dem Antlitz des Innenraumes die frohe Lebendigkeit des Rokoko und Klassizismus in seltener Stimmungskraft entgegen. Die wirkungsvollsten Ausstattungsstücke der Kirche, Hochaltar u. Kanzel, stammen aus der Werkstätte des Würzburger Hofbildhauers Johann Peter Wagner (1730 bis 1809). (Vgl. L. Lehmann, Jugendwerk J. P. Wagners, Dissertation, W. 1933 u. Herm. Schneider, Das frühklassizist. Werk Wagners, Augsbg. 1936.) Der 1781 auf dem Wasserweg angelieferte Hochaltar kostete 420fl. Die Vergoldung desselben besorgte 1783 Joseph Eisenlauer, Würzburg, um 210 fl. Die Aufstellung der

Kanzel erfolgte, zugleich mit den beiden Seitenaltären, 1794. Vergolder Adam Berda verrechnete für die Fassung der Kanzel anno 1800 66 fl. Die barocke Ausschmückung der Decke sowie des Chorgewölbes wurde dem Stukkator Joh. Peter Helmuth aus Eltmann übertragen. Er verarbeitete für die Decke 1769/‘70 102 Ztr. Gips, 117 Malter Kalk, 16100 Stück Nägel u. erhielt hierfür 222 fl. bezahlt. 1783 ist auch der Chor fertiggestellt um 113 fl u. wird im nämlichen Jahre von Jos. Eisenlauer, Würzburg, um 61 f1 vergoldet. –

Der feine und interessante Stuck der Kirche von Peter Helmuth zeigt die Entwicklung des Kunststiles und desselben Meisters vom Rokoko,(Langhaus, 1769 und 1770, siehe Bild links) zum Klassizismus (Chor, 1783, siehe Bild nebenstehend rechts)

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3. Baugestaltung: Der Grundriß der Pfarrkirche, die im Schnittpunkt der in Kreuzesform laufenden Dorfstraßen in nordsüdlicher Richtung sich erhebt, bildet ein langgezogenes Rechteck mit eingezogenem Chor. Das Langhaus zählt 4 Fensterachsen mit Flachdecke. Die Fenster haben breite Mittelpfosten mit Segmentverdachungen. Der Chor besteht aus einem Joch mit 3 Achteckseiten, Kreuzgewölbe u. Kappenschluß. Die Strebepfeiler zeigen die lange Bindung an die Gotik. Zwei weit vorspringende Emporen tragen den bis gegen die Decke vorstoßenden Orgelaufbau u. sind vom Turm aus zugänglich. Dieser wurde erst 1875 an die Südseite des Langhauses gerückt, nachdem der erste, ohne Fundamente über dem Chor der Ritterkapelle erbaute Turm 1873 durch Feuer zerstört war. Leider ist durch diese Versetzung des Turmes die so notwendige Verlängerung des Kirchenschiffes unmöglich gemacht. Das dem neuen Turm eingefügte alte Portal mit Architrav über zwei Säulen ist gekrönt vom Wappen Johann Gotfrids von Guttenberg. An der Ostseite des Chors springt die Apsis der Ritterkapelle heraus (6 Zehneckseiten) mit Rippenkreuzgewölbe und spitzbogigen Schlitzfensterchen. In der Ecke zwischen Schiff u. Chor an der Westseite eine Ölberggruppe aus der PeterWagner-Werkstätte mit Bedachung auf zwei toskanischen Säulen über einer Balustrade. Maße: Länge: Schiff 22 m, Chor 8,40 m, Turm 62 m, Gesamtlänge 36,60 m; Breite Schiff 11 m, Chor 5,80 m; Höhe Schiff 10,40 m, Chor 11,40 m.

Anlässlich einer durchgreifenden Restaurierung 1930 wurden durch Kunstmaler Professor Waldemar Kolmsperger, Mchn., u. Kunstmaler Josef Gammerler, Mchn., zwei neue Deckengemälde in Temperatechnik ausgeführt, die Himmelfahrt der Unbefleckten Empfängnis u. die Kreuzigung Christi darstellend. – Ein Würzbg. Kelch, um 1750, von Pfister, ein Augsburg. Kelch Jahreszeichen I (1749-51) von Meister S (im Oval, vgl. Pfarrarchiv).

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4. Innere Ausstattung: Helle Töne, Stuck, Gemälde u. Altäre geben dem harmonischen Raum einen intimen Reiz. An der Langhausdecke schwingen über dem betonten Gesims die eigenwilligen reichen u frohen Stukkaturen Peter Helmuths um die beiden Deckengemälde u. umspielen Chorbogen u. Fensterbogen. Die Verbindung beider Stuckrahmen bildet das Auge Gottes, von einem lieblichen Kranz reizender Engelköpfchen umsäumt. Der Chor zeigt bereits die nüchterne, klassizistisch Form, Festons u. Schilde in den Stichkappen; auf den Gewölbegraten stark betonte Laubstäbe; in den beiden Wandmedaillons die Kirchenväter Augustin u. Ambrosius. Der stattliche, bis zur Decke emporstrebende Hochaltar ist eine interessante Leistung des frühen Klassizismus. Die dreiteilige Anlage ist durch 4 Säulen gegliedert, welche die Fensterumrahmung bilden. Feinstens durchgebildet sind die beiden Engel am Tabernakel, besonders auf der Säulenbekrönung; desgleichen die Gottvater-Figur. Letztere mit starkem Anklang an die Poseidonfigur im Wasserspiel des Veitshöchheimer Hofgartens. Wie der ganze Aufbau, sind auch die vier lebensgroßen Seitenfiguren Petrus u. Paulus, Kilian u. Burkardus beste Schöpfungen Wagnerscher Kunst. Schade, daß der ehemalige Drehtabernakel in eleganter Rokokoform nur einen matten, weichen Ersatz gefunden hat. Das Altarbild ist eine reife künstlerische Leistung von seltener Farbenstimmung u. wuchtiger Körperlichkeit, mit starkem Anklang an Rubens. lhm tritt würdig zur Seite das St.-Sebastiansbild, während das Maria-Hilf-Bild nur mittelmäßige künstlerische Qualität verrät (seitlich Engel). Die Kanzel (1794) zeigt typisch, wie bei Peter Wagner das strenge, klassizistische

Element in seiner letzten Schaffensepoche im Figürlichen u. Dekorativen die Oberhand gewinnt. Trefflich fügen sich die sitzenden Evangelisten in das Reliefbild ein. Auf Voluten sitzen betont die Büsten der vier Weltteile. Den Schalldeckel krönt eine Puttengruppe mit Kreuz, Kelch, Gesetzestafeln, umrahmt von den Kopfmedaillons der Kirchenväter Augustin, Ambrosius, Hieronymus u. Gregor der Große. - Einfach u. schlicht wirken die reichlich großen Stationsbilder aus der Nazarenerzeit. – Der Taufbrunnen ist ein einfaches Muschelbecken um 1600. - Um so reicher präsentieren sich die Docken an den Eichenholz-Kirchenstühlen mit originellem, an jedem Stuhl verändertem KnorpeIwerk, um 1700. Auch der zwölfarmige Messinglüster von unbekanntem Meister mit fein durchgebildeter Sebastianusfigur als Bekrönung zeigt beachtliches handwerkliches Können. Die Kugel trägt die barocke Inschrift: „Dießen Leuchter haben zu Gottes und deß heiligen Sebastiani Ehren Andreas Endres der Alte u. Barbara seine eheliche Haußfrau, in das Bergreinfeldter Gotteshaus gestifft und am Fest des heiligen Sebastiani anhencken laßen. Under Direktion Ihro Wohlwürdten H. Franzisci Adami Bergner damahligen Ordspfarr. Anno 1714.“ Noch sei auf die reichvergoldeten Holzstatuen in den Wandnischen hingewiesen, wohl zum Teil aus der Auwera-Werkstätte: Eines der Evangelistenreliefs an der Kanzel: Heiliger Johannes Die bedeutende Kanzel von J. Peter Wagner Ausdrucksvolle Mater dolorosa (Auwera-Kreis?) Detail aus dem schwungvollen Rokokostuck Hochaltarfigur Heiliger Petrus von J. Peter Wagner

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Die beiden Tragfiguren Maria lmmaculata u. St. Joseph sind aufs reichste durchgebildet, etwa 1740. Würdiger u. eindrucksvoller wirkt die Statue der Himmelskönigin, in edlem Faltenwurf. Die etwas einfacheren, strengeren Linien der Mater dolorosa lassen die stille, tief verhaltene Wehmut, die das Antlitz der Gottesmutter ausstrahlt, nur um so tiefer wirken. Zwei rückwärts in der Höhe des Beichtstuhles auf Konsolen stehende Holzfiguren des hl. Wendelin u. Sebastian aus neuerer Zeit bleiben an künstlerischer Ausdruckskraft hinter den Arbeiten des 18. Jahrhunderts zurück. Ein Kabinettstück der Rokoko-Nadelmalerei (2. Viertel 18. Jahrh.) ist das großblumige, in tiefen, satten Farben aufleuchtende Messgewand mit dem Bilde: Moses am brennenden Dornbusch. Es stammt aus dem säkularisierten Kloster Heidenfeld (1916 neu übertragen).

5. Das Äußere: Der Architekt war bei der Aufführung des Baukörpers an die Lage der bisherigen Ritterkapelle gebunden. Diese erhob sich genau im Mittelpunkt des Dorfes, auf erhöhtem Platz, da wo die Straße vom Main her das Dorf durchschneidet. In früheren Zeiten führte die Hauptstraße Würzburg-Schweinfurt an der Nordseite des Dorfes, am heutigen Friedhof, vorüber. Als Bauplatz für die neue Kirche konnte ob seiner günstigen, das Dorf beherrschenden Lage nur die alte Kapelle in Frage kommen, die man darum auch bis auf die Apsis opferte. Schlank und nüchtern steigt die Kirche mit ihrem steilen Schieferdach in die Höhe und verzichtet auf jeden äußeren Schmuck.

Das verputzte Bruchsteinmauerwerk ist durchbrochen von vier Fensterachsen mit betonten Mittelpfosten. Harmonisch fügt sich der eingezogene Chor der Baumasse ein u. verleiht dem Ganzen ein würdiges, repräsentatives Aussehen. Ein südlicher Haupteingang durch den Turm und ein westlicher Nebeneingang mit neuerem Anbau vermitteln den Zutritt zur Kirche. Um den kleinen, hinter der Kirche liegenden, alten Gottesacker nicht noch mehr zu schmälern, verzichtete man auf die Fundamentierung eines neuen Turmes und führte einen solchen über der Apsis der Ritterkapelle in die Höhe. Am 18. Juli 1873 zerstörte eine Feuersbrunst, die 256 Gebäulichkeiten des Dorfes in Asche legte, auch den Turm, teilweise auch den Dachstuhl des Langschiffes und die Sakristei, dessen vier Glocken u. Uhr teils schmolzen, teils in Trümmern herabstürzten. Das Gewölbe des niedergebrannten Turmes wurde zur Sakristei adaptiert. Nach diesem Brande wurde auch das Ossarium (Beinhaus) an der Ostseite der Kirche eingelegt. Der neue Turm wurde nun an den Haupteingang verlegt und von März bis November 1875 aufgeführt. Er hat die typische petrinische Form des viereckigen, zweigeschossigen Unterbaues mit aufgesetztem Achteck mit Bekrönung u. Tambour. Die Bausumme betrug 32000 fl. Die Glocken des Gotteshauses wurden im Wandel der Zeiten öfter erneuert. Bereits in der Kirchenrechnung 1705/06 findet sich eine Ausgabe von 76 f1 an Glockengießer Joh. Ignaz Kopp in Würzburg für das Umgießen der alten Glocken. 1774 wurde das bisherige Geläute abermals von Joh. Lorenz Roth in Würzburg umgegossen; es kostete 521 fl. Die 4 neuen Glocken wogen 13, 8, 3,

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1 Ztr. Anno 1813 bescheinigt der Glockengießer Adam Klaus zu Markt-Nordheim den Empfang von 172 fl für das Umgießen einer Glocke. Der Brand 1873 hat dieses Geläute zerstört. 2 ½ Jahre mußte man der Glocken entbehren. Glockengießer Herrmann aus Schweinfurt lieferte im Jahre 1875 vier neue, die größte 26 Ztr. schwer. Sie sind dem Herzen Jesu, der Schmerzhaften Mutter als Kirchenpatronin, St. Florian u. St. Sebastian geweiht. 2 dieser Glocken mußten im Kriege 1917 abgeliefert werden, wurden aber 1923 wieder ersetzt. 6. Innenrenovationen: Wir konnten bereits feststellen, daß der Geist des Rokoko u. Klassizismius in der Zeit von 1769-1794 in das Gotteshaus einzog u. in der Stukkierung der Decke und des Chores, in den Schöpfungen des Hochaltars u. der Kanzel treffliche Leistungen künstlerischen Wollens uns schenkte. Es konnte die Aufgabe späterer Zeiten nur die sein, das Wertvolle zu pflegen und es würdig der Nachwelt zu überliefern. Von gelegentlichen kleineren Arbeiten abgesehen, hat erst das Jahr 1891 eine durchgreifende Innenrestauration gebracht. Bei dieser Gelegenheit wurden Blindfenster und Stuckdecke in Farben gelegt, 2 Deckengemälde durch die Kunstmaler Ranzinger und Lessing, München, hergestellt, im Turm 2 noch fehlende Decken eingezogen, die Fenster neu verglast. 1930 neue, gründliche Innenrenovation. Die Leitung oblag dem Landesamt für Denkmalpflege, München. Decke u. Chor, Altäre und Kanzel wurden von früheren Übermalungen befreit und das ursprüngliche Gewand wieder ergänzt. Eine helle Tönung des Gesamtraumes schuf eine heitere, festlich-frohe Stimmung. Im Zuge der Wiederherstellung wurden auch die Fenster erneuert, dem Westeingang ein

Vorbau gegeben und die völlig zerstörten Deckengemälde durch neue ersetzt. Gleichzeitig konnte das durch den Brand 1873 sehr stark beschädigte Hochaltarbild instandgesetzt und nach Entfernung des wertlosen Ersatzes wieder aufgestellt werden. 7. Würdigung: Wir Deutsche haben in der Geschichte der Kunst das Verdienst, die letzten Folgerungen aus dem gezogen zu haben, was Frankreich, Italien und die Niederlande im Barock erstrebt haben. Die schwellenden Formen des Barock aus Italien mit dem Feingeistigen, dem Esprit, aus Frankreich zu einer heiteren Vielfältigkeit und frischen Natürlichkeit verbunden zu haben, das ist die eigentliche Leistung der Deutschen. Geistliche wie weltliche Fürsten sahen es als edelste Herrscherpflicht an, der Kunst höchste Aufgaben zu stellen, allen voran die fränkischen Fürstbischöfe. Die künstlerische Ausgestaltung der Bergrheinfelder Pfarrkirche zeigt, daß der neue Geist des Barock auch die einfache Dorfkirche erfaßt und umgestaltet hat. Und wenn ein schlichtes Bauerndorf sich entschließt, dem neuen künstlerischen Geist seine Tore zu öffnen, dafür große Opfer materieller Art auf sich nimmt; wenn es sich ferner zeigt, dass einfache Handwerker vom Lande in großer Zahl mit Künstlern des fürstlichen Hofes in Wettbewerb treten, wie die Bergrheinfelder Kirche typisch beweist, so muss doch gesagt werden, daß die Kunst des 18. Jahrh. nicht einem kleinen Kreise ausschließlich verpflichtet war. Sie hat vielmehr auch die Volksseele erfasst. In dieser Aufgeschlossenheit des Volkes für die große Kunst vermochte diese Zeit, bevor in den Fürsten die Hauptstützen derselben stürzten, Kunstdenkmäler zu errichten von nie vergehendem Glanz.

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Text von Dr. W. Fleckenstein Alle Fotos Jürgen Kohl Druck und Gestaltung: Revista Verlag Schweinfurt © 2009

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