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Das Parfum – Patrick Süskind

Der Roman
Grundsätze zum Roman
 umfangreicher und vielschichtiger als Novellen
 die Literaturgattung des Bürgertums
 Abenteuer-, Kriegs-, Bildungs-, Brief-, Entwicklungs-, Familien-, Fantasy-, Kriminalroma-
ne, historische Romane

Parfüm
 Verbindung verschiedener Romanformen
o Bildungsroman (Verbildungsroman)
o Künstlerroman
o historischer/biografischer Roman
o Reise, Kriminal, Fantasieroman
o Entwicklungsroman
o erotische Literatur (Gemälde auf Titelseite = Nymphe et Satyre ou Jupiter et An-
tiope von Antoine Watteaus)
 Roman ist voller Anspielungen und Hinweise auf andere literarische Werke
 montiert andere Werke mittels Parodieren, Paraphrasieren und Andeuten in seinen
Roman
 innere Reise: Erziehungsroman (wachsende Selbsterkenntnis, dann Höhepunkt und
Wendepunkt (mittels Selbsterkenntnis/Herrschaftsplan), dann Einsicht in sein Scheitern
 äussere Reise: Reiseroman, Bildungsroman (Aufbruch/Wanderschaft)
 1./2. Teil: Dominanz des Entwicklungsromans, 3./4. Teil: Dominanz des Krimigenres

Aufbau
 zentraler Held
 Figuren werden nacheinander eingeführt
 chronologischer Ablauf
 lineare Erzählstruktur
 allwissender Erzähler
 auktorial
 chronologisch erzählt
 Erzählzeit ist wesentlich kürzer als die erzählte Zeit (Zeitraffung)

Kompositionsstruktur und Erzählweise


 vier Gruppen, behandeln jeweils einen Lebensabschnitt von Grenouille
 51 Kapitel
 Kindheit, dann Entwicklungsprozess vom Jugendlichen zum Erwachsenen, dann Selbst-
findung
 um Achse gruppiert
 innere Entwicklung liegt in der Mitte des Romans
 äussere Entwicklung (Spannungsbogen) im dritten Teil des Roman
 Strukturelemente zur inneren Dramaturgie ziehen sich durch alle Teile
 auktorialer Erzähler, allwissend, organisiert die Elemente der Geschichte und wendet
sich in Kommentaren an den Leser
 Erzählerbericht, Ereignisse, Figuren und Räume werden beschrieben wie die Gedanken
und Empfindungen der Figuren (Innensicht)
 Besonderheit ist Gespräch zwischen Baldini und Chénier (Figurendialog)

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Das Parfum – Patrick Süskind

Steckbrief Patrick Süskind


1949
 in Ambach am Starnberger See geboren (26.03)
 Vater ist Publizist
 meidet Öffentlichkeit, hält sich von Medien fern
 lebt in München, Paris und Südfrankreich
 über Privatleben ist kaum etwas bekannt
 arbeitete für das Fernsehen
 gehört zu den erfolgreichsten Vertretern der deutschsprachigen Literatur
 Figuren sind häufig Einzelgänger – genau wie Autor
 studierte Geschichte und entschied sich dann, freier Schriftsteller zu werden
 lehnte die Annahme mehrerer ihm zuerkannter Literaturpreise ab!

1981
 der Kontrabass

1985
 das Parfum
 Verfilmung im 2016

1987
 die Taube

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Das Parfum – Patrick Süskind

Postmoderne und neue Übersicht-


lichkeit
Postmoderne und neue Übersichtlichkeit, 1980-2000
 spielt mit Foren, Themen und Stilen vergangener Epochen
 geschickt arrangiert und geschrieben, dass es älter klingt
 wichtigste Verfahren sind Zitat, Parodie und Montage
 keine fest gefügten Ideologien oder politische Blöcke
 offene, globale Kultur
 Internetliteratur, Popliteratur, Slam Poetry
 literarische Strömungen, die sich von der „Moderne“ abkehren
 Experimentierfreude
 neue ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten
 Aufbruch der alten Weltbilder
 Ersatz durch Offenheit
 keine Handlung im klassischen Sinne
 keinen Spannungsbogen mit Höhepunkt
 Erzählen besteht aus Montage, Collage und Perspektivwechsel
 nimmt Leser an die Hand
 Romanwelt ist eine Welt der Vergangenheit
 Eintauchen, ohne sofort eine Beziehung zu seiner Gegenwart herstellen zu können
 Intertextualität = Technik der Doppel- oder Mehrfachkodierung
o Zitat, Nennung Anspielung auf andere Texte als Parodie, Strukturelement
 Steigerung Lesevergnügen, gibt Deutungsspielraum

Parfüm
Parfum gilt als Schlüsselwerk der Postmoderne!
 Spannung erzeugen
 Unterhaltung als literarischer Wert
 vergangene Zeit
 exotische Orte
 keine Trennung zwischen sogenannter „ernster“ Literatur und Unterhaltungsliteratur
 Figuren sind Einzelgänger und Sonderlinge, die in eigentümlichen Räumlichkeiten le-
ben und menschenscheu sind

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Das Parfum – Patrick Süskind

Figurenbeschreibung
Name Merkmale
Jean-Baptiste-Grenouille  geniales Scheusal
 Genie (Fähigkeit, Gerüche zu analysieren, zu speichern
und neu zu kombinieren), hat keinen wirklichen Gegen-
spieler
 einziger Ehrgeiz auf Reich der Gerüche
 am 17.07.1738 geboren
 3x Amme gewechselt
 gierig, nicht getauft = Findelheim
 Kloster von Saint-Merri päppelt ihn auf eigene Kosten auf
 überlebt Masern, Windpocken, Cholera, Sturz in Brunnen
 Narben und verkrüppelter Fuss
 genügsam wie ein Zeck
 gegen Liebe und für Leben aus Trotz und Boshaftigkeit
 von Beginn ein Scheusal, klein, hässlich, bockig, stur,
eklig, einsam
 gibt nichts als Kot und wartet auf bessere Zeiten
 Mordanschläge
 erste Worte von Gerüchen wie Fisch oder Holz (nur olfak-
torische Begriffe, keine abstrakten)
 Lehrer denken, er sei schwachsinnig
 übernatürliche Fähigkeiten (im Dunkeln sehen, findet
Geld, sieht durch Wände
 Gernouille ist zäh und genügsam, unauffällig, fügsam und
anspruchslos
 überlebt Milzbrand und wird resistent
 Schlaraffenland, Abertausende von Gerüchen
 Jagdgebiet, auch kostbare Düfte, sucht immer neue Düf-
te, ohne Prinzip
 1.09.1753: Feuerwerk Thronbesteigung, König, riecht
Duft, Herz leidet zum ersten Mal, unbegreiflich, nicht ein-
zuordnen
 Rue de Marrais, Mädchen, 13/14 Jahre, ohne Besitz des
Duftes macht sein Leben keinen Sinn mehr, er erwürgt
sie, riecht sie welk und ist danach sehr glücklich, weiss
nun, wer er ist, Kompass für sein Leben, er muss grösster
Parfümeur aller Zeiten sein
 Tod ist ihm gleichgültig, er hat nun Katalog aller Düfte im
Kopf und Prinzip ihres Duftes (Zartheit, Kraft, Dauer, Viel-
falt, erschreckende Schönheit)
 wird zum zielstrebigen Erbauer von Duftkompositionen,
hierarchische Ordnung, wird aus seiner bisherigen
Gleichgültigkeit gerissen und gibt seine animalische Exis-
tenzweise auf
 Zeck wittert Blut, Gewissenheit, dass er hierher gehört
 er zischelt: ich will hier arbeiten
 Goethes Ballade vom „Zauberlehrling“ wird parodistisch
auf den Kopf gestellt
 krächzt, er weiss Formel nicht
 schafft es auf seine Art, verbessert es sogar noch
 neu gelernte Verfahren bringen Grenouille auch etwas,
Mantel bürgerlicher Existenz

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Das Parfum – Patrick Süskind

 Kenntnisse handwerklicher Verfahren, Gewinn interes-


siert ihn überhaupt nicht
 kann sich aber der Gerüche noch nicht dinglich bemächti-
gen
 Ziel: Dingen ihre duftende Seele zu entreissen
 dass manches sich nicht destillieren lässt, verbittert
Grenouille, er wird krank
 Grenouille überlebt, als er erfährt, dass man mittels En-
fleurage à chaud/froid/à l’huile aus Körpern Düfte ge-
winnen kann
 3 Jahre, kriegt Gesellenbrief (Mantel einer bürgerlichen
Existenz), Schutz, kann ungestört seinen eigentlichen
Leidenschaften frönen
 muss Paris verlassen, stillschweigen und darf von den
Formeln nichts selber herstellen
 berauscht von menschenferner Luft
 Plan mit Grasse verblasst
 nur nachts
 sucht Einsamkeit, um sich nahe zu sein, Glücksgefühl
 traut zunächst seiner Nase nicht, sondern nimmt Augen
zu Hilfe, um den Horizont nach Menschen abzusuchen
 euphorische Stimmung
 nimmt Rache an allen, die ihn erniedrigt, benutzt und ver-
achtet haben, Möglichkeit, sein Leben gedanklich und
emotional zu ordnen, kann im Nachhinein Beziehungen
herstellen, Vergangenheitsbewältigung, nachgeholte
Sozialisation, Bestimmung eigener Standort, Selbstref-
lexion, evtl. Findung einer eigenen Identität, lässt anima-
lische Existenz hinter sich, gewinnt Bewusstsein von der
eigenen Kraft, Heilung von kranker Vergangenheit und
Ausgang aus der Unmündigkeit
 Schauplatz ist sein inneres Imperium, Universum von
Düften
 Seele = Schloss, trinkt seine Düfte
 merkt, dass er nicht riecht und verlässt das Zentralmassiv
 hat keinen Eigengeruch!
 sagt, er sei von Räubern überfallen worden und gefangen
worden
 Narben, verkrüppelt, sieht furchtbar aus, total verwahrlost,
Bären, Waldwesen
 dann sieht er plötzlich so unglaublich normal aus
 macht sich eigenen Körpergeruch bei Runel, um Wir-
kung auf Menschen zu erlangen
 Imitation Menschenduft für sich, lernt, sich den mensch-
lichen Konventionen nach zu verhalten
 bessere Haltung, geschickter in der Konversation, z.B.
auch Lügen
 mehr Aura, Kraft, Wirkungsart, zuerst Stolz, dann böses
Triumphgefühl, weil Menschen sich von ihm so leicht be-
trügen lassen
 er würde einen Engelsduft kreieren, so dass jeder ihn
von Herzen lieben musste
 er beherrscht Gerüche und somit die Herzen der Men-
schen
 Herrschaftspläne: Beherrschung der Menschen und
Erweckung der Liebe

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Das Parfum – Patrick Süskind

 Gott stank, und zwar miserabel


 Leute glauben ihm alles
 er bekommt bessere Haltung
 schmeckt Duft des Mädchens, den er haben wollte in 2
Jahren, nachdem sie sich in ganzer Pracht entfaltet hat,
ist jetzt noch ein Kind, das aber heranreift
 will Fähigkeiten vervollständigen für „Ernte“, wird zum
Mörder, um aus dem Duft von vor allem jungen Frauen
das absolute Parum zu erschaffen
 lernt Mazeration, Lavage, Filtrage und Enfleurage
 entscheidet alles alleine, Druot merkt, dass Grenouille
„gutes Gefühl hat“
 kalte Enfleurage = zarte Düfte einfangen
 entwirft neues Eigenparfüm, mausgraues Duftkleid, be-
scheiden, anderes mit Kanten, eines mitleiderregend
 Gegenstände, Tiere, Menschen
 Menschen, die Liebe inspirieren
 Grenouille liebt nicht Menschen, sondern deren Duft
 Besitz und Verlust begehrenswerter als Verzicht auf bei-
des, Angst, dass Duft zu Ende geht, weil er flüchtig ist
 Duft darf nicht roh verwendet werden, Duftdiadem, Herz-
note, Basis, Mitte, Kopf, Spitzen, Fixateur, Menschen als
Duft
 bringt 24 Mädchen um, schwerblütiger Typ, wie dunkler
Honig, alle unberührt geblieben
 Grenouille folgt ihnen, Gerbergeselle aus Nizza, Stall
 bringt Laure um, fühlt sich sowohl wie noch nie, ausgegli-
chen, dankt sich selber für sein Genie
 wird in Zelle gesperrt, sagt nur immer, er habe sie ge-
braucht
 15. April 1766: Urteil, binnen 48 Stunden (2 Tage)
 Urteil: 12 Schläge mit eiserner Stange, um seine Ge-
lenke zu zerschmettern auf einem Kreuz
 Grenouille entsteigt Kutsche wie ein freier Mann
 erkennt, dass die Menschen nur seine künstlich erschaf-
fene Duftaura lieben, aber nicht ihn selbst
 aber er kanns nicht geniessen, er findet nur in Hass und
Gehasstwerden Befriedigung, zuerst messianische Ge-
fühle, er war der Grosse Grenouille, aber dann hasst er
sie
 will einmal so sein wie andere Menschen, aber es geht
nicht
 er wird vergöttert, Gefühl von Zuneigung, Zärtlichkeit,
toller kindischer Verliebtheit, Liebe zu dem kleinen Mör-
dermann, sexuelle Orgie, alle moralischen, sittlichen
und gesellschaftlichen Schranken sind aufgehoben
und machen einer Freisetzung von Instinkten Platz
 er will sterben, meint Richis tötet ihn, doch dieser meint,
er sei sein Sohn
 wird ohnmächtig
 verlässt Grasse
 will nach Paris und sterben
 auf der Suche nach sich selbst und einem Standort in der
Beziehung zu anderen Menschen muss Grenouille fest-
stellen, dass er auf sich selbst zurückgeworfen ist
 hat Macht, den Menschen Liebe einzuflössen, aber er will

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Das Parfum – Patrick Süskind

nur eins, sich selbst riechen


 Prozess der Zivilisation ist abgeschlossen, könnte ohne
Schwierigkeiten der erfolgreichste Parfumeur werden,
aber der Prozess der Ich-Findung wird in dem Moment, in
dem sein Meisterwerk seine Wirkung entfaltet, zur persön-
lichen Katastrophe = schmerzlichste Erkenntnis in der
Stunde seines grössten Triumphs, denn sie lieben nicht
ihn, sondern seine Maske
 ohne dass weiss er nicht, wer er ist
 er geht auf den Cimetière des Innocents und besprenkelt
sich nach Mitternacht mit seinem Parfum
 wird in einem kannibalischen Mahl verzerrt
 grotesk-makabrer Höhepunkt, offenbart noch einmal die
Tragik seiner Existenz, wird immer einsamer, wird sich
nie riechen können
 kann sich an seiner Übermenschwerdung nicht freuen,
weil er weiss, dass er nur ein geschickter Geruchsfäl-
scher ist, weil er sonst ein steriler Unmensch ist
 aus Selbsthass und Selbstekel sucht er den Tod
 hat erkannt, dass er immer der Verstossene, der Unge-
liebte und der Isolierte sein wird
 alles was bleibt, ist Erinnerung an das Parfum
Mutter von Grenouille  Kindermörderin
 Nase abgestumpft, nimmt keine Gerüche wahr
 5. Geburt, alles Totgeburten
 Mitte 20, noch gesund
 gebärt unter Schlachttisch, wird ohnmächtig
 Festnahme und Verurteilung wegen Kindermord
 Kopf abgeschlagen
Amme Jeanne Bussie  bekommt 3 Franc pro Woche
 will Grenouille nicht mehr, weil er sie in den Ruin frisst
 riecht nach Milche und käsiger Schafswolle
 sagt, Grenouille sei vom Teufel besessen, weil er über-
haupt nicht riecht
 ihr wird von Pater Terrier gekündigt, weil sie ihm Grenouil-
le ohne Wiederrede zurückbringt
Pater Terrier  50 Jahre
 kahlköpfig
 Mönch, stinkt nach Essig
 gemütlicher Mann
 ärgert sich über Säuglingsproblem
 meint, es geht ums Geld und will 4 Franc geben
 glaub, dass Vormensch noch keine ausgebildete Seele
besitzt
 Wut über Widerborstigkeit, glaubt das mit dem guten Ge-
ruch eines Gotteskindes nicht
 nimmt Grenouille mit, glaubt nicht an Aberglaube
 schnuppert noch paarmal an ihn, riecht nichts
 stellt sich vor, Vater zu sein
 plötzlich riecht ihn das Kind schamlos ab, und er kommt
sich nackt und hässlich vor (begafft)
 er will das Ding loshaben und zahlt für ein Jahr im Voraus
und gibt ihn ab
Madame Gaillard  nimmt Kostkinder auf, noch keine 30 Jahre
 Geruchssinn verloren da Schlag mit Feuerhaken auf Na-
senwurzel

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Das Parfum – Patrick Süskind

 keine Leidenschaft, kein Gefühlsempfinden


 Ordnungs- und Gerechtigkeitssinn
 will sich den privaten Tod leisten
 behält Grenouille
 er wird ihr aber immer unheimlicher
 mit 8 Jahren bezahlt Kloster nicht mehr
 Verkauf Grenouille an Gerber Grimal
 wird sehr alt, Tod kommt nicht, keine Rente mehr, Ge-
schwulstkrankheit, Massengrab (Gemeinschaftsbett)
Gerber Grimal  Rue de la Mortellerie
 lebensgefährliche Arbeiten (giftige Färberbrühen)
 Verschlag für Grenouille
 stinkende Häute, Schichten mit Rindern, einbuddeln, aus-
buddeln = gegerbtes Leder
 Wasser schleppen
 12 Jahre, braucht Grenouille, gibt ihm deshalb Freizeit
 betrinkt sich nach Verkauf Grenouille, fällt ins Wasser und
stirbt
Giuseppe Baldini  hat einen Gesellen namens Chénier, dieser will das Ge-
schäft übernehmen
 Pont au Change
 Parfumeur/Handschuhmacher
 alt und starr, über 60 Jahre
 Gegner der Ideen der Aufklärung
 tausende Düfte und Kosmetika, Chaos an Düften ver-
scheucht Kundschaft
 wegen Pélissiers „Amor und Psyche“ deprimiert, Einge-
bung kommt nicht, kein grosser Parfumeur mehr
 alt und verbraucht, kennt Moden der Zeit nicht mehr
 hat noch nie etwas erfunden, will das aber auch nicht,
dient bloss als Hokuspokus
 will für Graf Verhamont Pélissiers Pafüm kopieren, was
unfein ist, aber nicht verboten
 will nicht noch mehr Kunden verlieren
 geht in Konkurrenz unter, ist immer zu spät
 wünscht Zunftrecht zurück
 Pélissier = Schnösel, Quacksalber
 gegen Neuerungssucht & Geschwindigkeitswahn
 „böse würde alles ändern“
 gehässig, wegströmendes Leben, Reichtum, niederge-
schlagen
 das Parfum war ekelhaft gut
 wird noch neidischer auf das „Scheusal mit Talent“
 schafft es nicht, weiss, dass es sinnlos ist, wird allergisch
 macht Runden durch Salons mit Seifen, Pomaden, will
irgendwann nach Italien
 Plötzlich Besinnung, Fluss strömt auf ihn zu, pures Gold
 schmeisst Parfüm raus, will nicht zu Pélissier und keine
Touren mehr machen
 will Haus und Geschäft verkaufen
 entschlossen, zufrieden, stolz, erleichtert, Leben geän-
dert zu haben, jugendlicher Elan
 Klingel, es ist Grenouille mit Ziegenleder
 Baldini nimmt sie an, da Angst dass Gerüchte entstehen
 Baldini lässt ihn, im Grunde ist es egal
 vergisst seinen hochheiligen Entschluss und kauft

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Das Parfum – Patrick Süskind

Grenouille Grimal für 20 Livre ab


 stellt Grenouille als Lehrling an und wird durch ihn zum
reichsten Parfumeur von Paris
 europäisches Ansehen
 alles wird Erfolg
 verlangt Arbeitsweise mit Rezepten und Formeln
 bringt Grenouille die Grundlagen des Parfumeurhand-
werks bei
 Baldini will Filiale gründen und persönliche Parfums kreie-
ren
 organisiert besten Doktor, pflegt Grenouille, obwohl es
ihm graut
 hat Grenouille nie berührt, nie gemocht, Vorstellung, er
müsse bezahlen fürs Einlassen auf diesen Menschen,
jetzt fühlt er sich sehr angenehm
 600 Formeln, so viel Glück und vor Rache verschont
 Pont du change bricht zusammen, alles weg, nichts wurde
gefunden, Haus stürzt in die Seine
Marquis de la Taillade-  bekommt Gesellenbrief
Espinasse  ist Lebensherr, Mitglied Parlament in Toulouse
 Wissenschaftler, ein Adeliger
 glaubt an Zusammenhang zwischen Erdnähe und Vital-
kraft
 ist als Parodie auf die Ideen der Aufklärung angelegt
 Erde verströmt Verwesungsgas Fluidum letale
 braucht Grenouille als Bestätigung für seine Theorie
 Montpellier, lebendiger Beweis für Richtigkeit der letalen
Erdfluidumtheorie
 Vitalluftventilationsapparat zur Heilung, neue Kleider für
Grenouille
 bekommt neues Parfüm von Grenouille
 ist entzückt, Menschen werden vom Parfüm beeinflusst
und glauben ihm seine Theorie
 bringt Grenouille bei, sich nach den Konventionen der
Gesellschaft zu verhalten
 Expedition Pic du Canigou, 3 Wochen Vitalluft, Jüngling,
kehrt aber nicht zurück, hat sich in Luft aufgelöst
Madame Arnulfi/Geselle  Marseille, Grasse
Druot  Witwe, gesunder Wohlstand & Geschäftssinn, teilt Bett
mit Druot
 Heirat
 Zigeuner, Wanderarbeiter, Juden werden verdächtigt
 Furcht, Wachen, Ausgangsverbot
 Stadtrat macht Petition, plötzlich passieren in Grenoble
Mädchenmorde, kein Einklang, aber Angst bei Leuten ist
weg
Antoine/Laure Richis  zweiter Konsul, angesehenes Mitglied der bürgerlichen
Gesellschaft
 Witwer
 40 Jahre
 Tochter soll Baron heiraten
 reich Häuser
 will Dynastie gründen, 2 Söhne sind nötig
 16 Jahre, rotes Haar, grüne Augen
 entzückend, er würde lieber nicht ihr Vater sein
 träumt von Laures Tod

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Das Parfum – Patrick Süskind

 glaubt nicht an bischöflichen Bannfluch, glaubt, Mörder ist


noch in Grasse
 durchschaut Grenouille, weiss nicht, was er begehrt,
aber kommt Wahrheit nahe, ist Kämpfernatur
 sagt, er reise nach Grenoble, in Wirklichkeit jedoch nach
Cabris nach Süden
 will Laure in Kloster (Saint-Honorat) unterbringen, dann
Heiratsvertrag, „rettende Haube“, kann jedoch Ermordung
seiner Tochter nicht verhindern
 hält „Gerbergeselle“ im Stall für ungefährlich
 schläft so gut wie schon lange nicht mehr, findet sie
 in Stadt absolute Panik, grausamer als Pest, Kirche, Hexe
 Befürchtung Volksaufstand
 Verhaftung Grenouille, Holzkeule, Kleider und Haare öf-
fentlich ausgestellt
 niemand hat sich Mörder so vorgestellt
 Vorbereitung wie auf Festtag
 Antoine schwört Rache
 Hinrichtung 17.00 Uhr, 10‘000 Menschen
 Tribüne, Papon, Wagen (Kutsche) zu Schafott und Tribü-
ne
 „durchtränkt“, alle denken, dass er unmöglich Mörder ist
 schwach, kindische Verliebtheit, ergiebig
 Bacchanial
 Richis will ihn als Sohn, weil er ähnlich ist wie Laure
(Adoption)
 personifiziert das Scheitern eines aufgeklärten Menschen
 Grasse löscht alles aus Gedächtnis, verhaften Druot und
richten ihn hin
 25 Morde insgesamt
Gesindel  Gesindel will ihn, fressen ihn auf
 zuerst verdattert, dann heiter, froh, stolz, weil sie etwas
aus Liebe getan hatten

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Das Parfum – Patrick Süskind

Interpretation „Das Parfum“


Sprache
rhetorische Mittel
 Anapher (Wiederholungen desselben Wortes/Wortgruppe)
o stanken, stanken, stanken
o keine, keine
 Oxymoron (Kontrastbildungen)
o genialsten & abscheulichsten
o blumig, ohne schmalzig zu sein
 Alliteration (gleicher Anlaut)
o Tag für Tag
 Vergleiche
o wie ein Raubtier, wie eine alte Ziege => Parallelismus
o wie ein Feld von Lilien
 Hyperbel (Übertreibung)
o genialste, abscheulichste
o allerstickenster Ort
 Klimax (Steigerung)
o und schlägt ihr ein paar Wochen später den Kopf ab
 Aufzählungen
o Holzarten
 Superlative
o grösste Geruchsrevier
 Parallelismus (Wiederholung derselben Satzteilrechenfolge in zwei oder mehreren auf-
einanderfolgenden Sätzen)
 Wiederholungen, polysyndetische Reihung, Antithese, Aufzählung
 zahlreiche Andeutungen und Anspielungen auf Prätexte, die teilweise auf der Ebene von
Paraphrasen oder Zitaten in den Roman geholt werden (Intertextualität)
 flüssiger, leicht verständlicher, aber sehr lebendiger und anschaulicher Stil
 keine schwerfälligen Sätze
 ausgezeichneter Stilist
 Sinn für Rhythmus der Sprache, musikalisch

Weiteres
 traditionell
 konservativ
 flüssig
 anschaulich
 bildreich
 eingängig
 akribische Beschreibung von Düften und Duftnuancen
 Ablauf von physikalischen und chemischen Prozessen im Zusammenhang mit der Par-
fumherstellung
 „unmoderner“ Erzählstil
 auktorialer Erzähler
o führt Leser durch Welt des Romans
o erzählt traditionell
o spielt mit Prätexten (Intertexualität)
 Moment des Aufbruchs
o Entwicklung des Protagonisten im zweifachen Bewegungsprozess
o Reisebeschreibung und innerer Entwicklungsprozess (Reise durch sein Inne-
res, sein Seelenleben)

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Das Parfum – Patrick Süskind

o
Persönlichkeitsentwicklung und Ortswechsel (innere Entwicklung mit höherer
Stufe zur Selbsterkenntnis zieht Ortswechsel nach sich)
o nach erstem Mord Sprung: hat nun Ziel vor Augen (Schöpfer von Düften werden)
und Massstab für Beurteilung von Dürften (Duft des Mädchens, Einsicht in Not-
wendigkeit, sich die Handwerkstechniken anzueignen)
o als er lernt, dass die Destillation ihm nichts bringt, verlässt er Baldini
o im Plomb du Cantal merkt er, dass er nicht riecht und hat den Willen, seine tech-
nischen Fähigkeiten zu vervollkommnen
o nach Prozess der Zivilisation nach Grasse
o Extrempunkt seiner Reise (Grenouille = Gott), diese Station seines Lebens wird
zum inneren und äusseren Wendepunkt
o letzter Aufbruch führt zu Ausgangspunkt seiner Reise und Anfangspunkt seiner
Entwicklung, er ist schlagartig wieder auf sich selbst zurückgeworfen
 Moment des Paradoxen
o Sohn einer Fischhändlerin, wo es stinkt, und die nichts riecht, und er hat so ein
gutes Geruchsorgan
o er gedeiht in absoluter Gefühlskälte am besten
o Milzbrand überlebt er ausnahmsweise, dies bringt ihm eine Verbesserung seiner
Lebensumstände
o fühlt sich in einer Phase der absoluten Menschenferne am wohlsten, wird äusser-
lich ein Tier aber durchlebt innerlich menschliche Gefühle wie Liebe und Hass
o Minimum der Bewegungsfreiheit = Fantasien
o absolute Geruchslosigkeit, aber Grenouille träumt von Abermillionen von Gerü-
chen
o genau ein Adeliger nennt ihn zum ersten Mal „Monsieur“
o Vater des schönsten Mädchens bittet den Mörder seiner Tochter darum, ihn
adoptieren zu dürfen
o Mörder der 25 Mädchen wird freigesprochen
o Unschuldiger wird für schuldig erklärt
o Grenouille erlebt im Moment seines grossen Triumphes seine innere Katastrophe
o im Moment seiner grössten Machtfülle über die Massen ist er der einsamste
Mensch auf der Welt (inmitten der tausenden von Menschen ist er allein)
o sie tun etwas aus Liebe = jemanden kannibalisch verzehren???
 Moment des Zufalls
o Geburt ist heissester Tag
o Mutter fällt in Ohnmacht, deshalb kann Kind schreien
o Terrier weiss von Heim von Gaillard
o Kirchengemeinde ist karitativ tätig = finanzielle Absicherung
o hat Geruchssinn verloren = merkt nicht, dass Grenouille nicht riecht
o kennt zufällig Grimal
o der Moment bei Baldini, als dieser Geschäft aufgeben will
o steigt dann ins Bett, als Grimal im Fluss unter ihm treibt
o Wettersturz, als Grenouille sich entschieden hat, sich zu Tode zu schlafen
o Schwindelgeschichte stösst ausgerechnet bei Espinasse auf Glauben
o am ersten Tag der Geruch von Richis
o zufällig benötigt Arnulfi einen weiteren Gesellen
o Kabane ist zufällig recht abgeschieden und somit für Experimente geeignet
o Leiter, Fenster ist nicht verschlossen, Himmel ist bedeckt und Hunde schlafen
o in Paris ist wieder der heisseste Tag
o Zufall entfaltet seine Wirkung besonders dann, wenn die Menschen ihr Leben
planen
 Moment des Scheiterns und der Anonymität
o Gaillard will privaten Tod, kommt aber ins Massengrab
o Grimal = Seine
o Baldini freut sich schon auf weiteren Reichtum und fällt in Seine
o Espinasse löst sich in Luft auf

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Das Parfum – Patrick Süskind

o Druot wird hingerichtet


o Mensch ist zum Scheitern verurteilt
o Zukunft = Anonymität
o in einem stillen Moment der Einsicht hat Baldini diese Einsicht, Sinnbild für das
Wegströmen aller Hoffnungen, allen Reichtums, der Zukunft überhaupt

Motive & Themen


 Parfum (Kulturgeschichte)
 Hygiene
 Tradition des Handwerks
 Geschichte der Hygiene und es Parfums
 monströser Mörder
 die „Schöne“ und das Biest, aber ohne Happy End
 religiöse Bezüge (Schöpfungsakt)
 philosophische Bezüge (Höhle)
 innere Zerrissenheit
 genialisches Schaffen
 Gegensatz zu Gesellschaft

Ansätze
Aufklärung
 Entwicklung der Empfindung und der Vernunft
 habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen (Immanuel Kant)
 Beginn der Moderne
 Vernunft als zentrale Kategorie
 alte gesellschaftliche Institutionen und Ideen werden im Lichte der Vernunft überprüft
 anhand drei Personen werden drei Modelle des Reagierens auf die Entwicklungen
und Herausforderungen der Zeit beschrieben
o Baldini: rückwärtsgewandte Kritik an der Aufklärung, radikale Negation, Kritiker
o Espinasse: Fortschrittlicher Gegenpart Baldinis, Aberwitzige Theorie, allerdings
ins Parodistische überzeichnet, somit Parodie auf die Wissenschaft
o Richis: moderner Bürger, tragische Ironie, Tragödie eines Bürgers
 Anti-Aufklärung, denn gemäss Buch scheinen die Ideen der Aufklärung alle zum Schei-
tern verurteilt
 Grenouille als dunkler Schatten der Aufklärung

Grenouille
 Monster
o Auswurf der Hölle?
o „Nasenmensch“
o feindseliges Animal
o Jäger, Nüstern, Nase als Kompass, „Blick seiner Nase“
o Verkörperung des Bösen
o vom Teufel besessen
 Teufel und Dämon
o körperliche Entstellungen
o unheimliche Fähigkeiten
o verzögerte Sprachentwicklung
o verkannte Genialität (zweites Gesicht = merkt, wenn Besucher kommen)
o befremdliches Verhalten
 Zeck
o wird immer wieder mit Tieren verglichen
o Kröte, schwarze Spinne, schlangenhaft
o zäh, still, genügsam, resistent

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Das Parfum – Patrick Süskind

o
Existenzweise wie eine Zecke (zurückgezogen und unauffällig, bis sie sich fallen
lassen auf Gedeih und Verderb)
o animalischer Charakter
o Blut wittern
o erst in der Höhle wird er empfindlich, entwickelt Liebe zu Duft, nicht zu Menschen
o letzter Fall ist Ernte vom Duft von Laure
o nachher kommt Vergleich nicht mehr, evtl. weil er immer menschenähnlicher wird
 Mörder und Künstler
o Untertitel weist auf Krimi hin
o insgesamt 26 Morde
o beim Leser werden Emotionen unterschiedlicher Art geweckt (Abscheu, Hass,
Mitleid und Bewunderung)
o warum Sympathien?
 er ist auch Opfer
 Einzelgänger
 stiller und sanfter Mörder
 frei von jeglichem sexuellen Aspekt
 Vergewaltigung mit der Nase
 mehr Handwerksarbeit, Keule
 Künstler, will gestecktes Ziel erreichen
 strebt nach höchster Vollkommenheit
 Pop-Star, den es von den Fans ekelt
 Faszination, die von Serienmördern ausgeht
 dämonischer Charakter, rührt das in uns schlummernde Gewaltpotential,
Erregung

Beziehungen und Bezugspersonen Grenouilles


 gegen die Liebe und für das Leben
 zählt nur als wirtschaftlicher Faktor
 mangelnde Liebe und Ablehnung, Hass wird Grenouille immer an seine Mitmenschen
zurückgeben!
 wächst bei einer völlig emotionslosen Person auf
 Grimal würde ihn ohne Problem zu Tode prügeln
 Baldini praktiziert eine menschlichere Variante der Ausbeutung
 bei Espinasse soll Grenouille bloss dessen Ruhm mehren
 bei Arnulfi soll Grenouille einfach Geschäft in Gang behalten
 Liebe bloss auf Verführungskraft des Parfums, nicht echte menschliche Gefühle
 sein Menschsein ist bloss an das flüchtige Parfum gebunden, beruht deshalb auf Selbst-
täuschung
 er will zwar den Menschen gleich werden und einmal als einer von ihnen angesehen
werden, doch die Menschen können ihn nicht als den erkennen, der er ist
 deshalb hasst er die Menschen
 Grenouille scheitert an sich selbst und an den Menschen
 er ist unmenschlich und grausam, aber in seiner gefühlsleeren Psyche spiegelt sich die
Grausamkeit und Gefühlkälte der menschlichen Gesellschaft und der Individuen, mit
denen Grenouille in sozialen Kontakt kommt

Interpretationsansätze
 Titel des Romans als mehrdimensionales Schlüsselwort
o Parfum: Sphäre des Ästhetischen, des Schönen, der Erotik
o Mörder: das Böse, das Hässliche, das Dunkle
o hoher Symbolgehalt, verweist auf verschiedene Referenzebenen
 historisch-kultureller Kontext
o Welt des Parfums wird mit Liebe zum Detail vorgestellt
o menschlicher Geruch verweist auf Animalisches

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Das Parfum – Patrick Süskind

o
Parfum als künstlicher Geruch steht für Schönheit und Verfeinerung, für Sauber-
keit und Frische
o Geruch steht auch für soziale Kategorie
o Erotik und Liebe: Parfum als Verführungskraft, Sinnlichkeit, Sicherheit und
Wohlbefinden für den Träger
 Parfum als Duft: Kontext im Roman
o Parfum ist Lebensinhalt von Grenouille
o Parfum als Herrschaftsinstrument
o Duft-Messias
 Parfum – politischer Kontext?
o massenhypnotisches Ausserkraftsetzen des Verstandes zeigt evtl. Hauch eines
faschistischen Massenwahns und faschistischer Massenmanipulation
o Grenouille als Hitler…
o kaum zu begreifende Wirkung eines widerlichen und verabscheuungswürdigen
Verbrechens auf ein zivilisiertes Volk
o Verdrängen und Vergessen des faschistischen Erbes (Gedächtnis löschen)
 Deutungsoffenheit
o sehr schwer, den Roman interpretatorisch einzugrenzen
o viele Dekodierungsebenen
o Spiel mit dem Genre Krimi
o parodistisches Spiel mit den Mustern des Entwicklungs- und Bildungsromans

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Das Parfum – Patrick Süskind

Zusammenfassung
1985 erschienen, Diogenes Verlag
Der Roman erzählt vom Leben Grenouilles, der zum Mörder junger Frauen wird, um sein,
Ziel, grösster Parfumeur aller Zeiten zu werden und die Menschen zu beherrschen, zu errei-
chen. Er besitzt die Fähigkeit, Gerüche zu erfassen, zu analysieren, zu speichern und sie zu
neuen Duftkompositionen zu verarbeiten, allerdings fehlt ihm der menschliche Eigengeruch.
Der Roman präsentiert Grenouilles Werdegang und die Stationen seiner Entwicklung von der
Geburt bis zum Tod (29 Jahre).

1. Paris – Kindheit – Lehrjahre


Geburt
Wird am Verkaufsstand seiner Mutter, einer ledigen Fischhändlerin geboren und ist von da
an mit einem besonders hoch entwickelten Geruchssinn ausgestattet. Er hat aber keinen
Eigengeruch. Seine Mutter will ihn zwischen den Fischresten sterben lassen, aber durch
seinen Schrei werden die Leute auf ihn aufmerksam. Die Mutter wird wegen mehrfachen
Mordes hingerichtet (geköpft) und Grenouille kommt zu einer Amme.

Madame Gaillard
Nach verschiedenen Ammen kommt Grenouille zu dieser gefühllosen Frau ohne Geruchs-
sinn. Die Mitzöglinge wollen ihn töten, weil sie ihn wegen seiner Zurückgezogenheit und sei-
nem seltsamen Äusseren hassen. Doch er übersteht alle Unglücksfälle und auch Krankhei-
ten. Er ist genügsam (Zeck) und lernt, seine Umgebung geruchlich zu erfassen. Die gesam-
melten Gerüche speichert er in seinem Gedächtnis.

Gerber Grimal
Hier übersteht er die tödliche Gerberkrankheit (Milzbrand) und wird deshalb zu einem wert-
vollen Mitarbeiter. Er bekommt Freizeit, die er nutzt, um Paris olfaktorisch zu erfassen. Er
sammelt prinziplos alle Gerüche und spaltet sie in einzelne Komponenten auf. Diese spei-
chert er und kombiniert neu. Am 1. September schmeckt Grenouille ein besonders feiner
Geruch. Er wittert das Mädchen, von dessen Geruch er besessen ist, bringt es um und saugt
den Geruch in sich auf. Er ist nun plötzlich in der Lage, die bisher gesammelten Gerüche
nicht nur zu sammlen, sondern auch systematisch zu ordnen und planvoll Geruchskombina-
tionen zu entwickeln. Er erkennt seine Bestimmung und will der grösste Parfumeur aller Zei-
ten werden. Er weiss, dass er ein Schöpfer Düften sein will und bewahrt den Geruch des
Mädchens im Gedächtnis, ohne jegliche moralischen Skrupel wegen des Mordes.

Baldini
Er demonstriert bei Baldini seine Fähigkeiten und kann Lehrling werden. Er produziert Un-
mengen von Düften und lernt handwerkliche Techniken und die Sprache. Er will mittels Des-
tillation auch Gerüche von Lebewesen klauen, doch dies funktioniert nicht. Er wird krank und
wird erst wieder gesund, als ihm Baldini verrät, dass man ihn Grasse die richtigen Techniken
dazu lernen kann.

2. Zentralmassiv – Einsamkeit – Rückkehr


In der Höhle
Sobald Grenouille den Gesellenbrief erhalten hat, verlässt er Baldini. Auf dem Weg nach
Grasse wird ihm der Menschengeruch so zuwider, dass er sich zum menschenfernsten
Punkt Frankreichs, einem Vulkan im Zentralmassiv, zurückzieht. Dort lebt er, glücklich über
seine Einsamkeit und sich über sieben Jahre von Moos, Wasser und kleinen Tierchen, in
einer Höhle. Er träumt von sich als göttlichem Weltenerzeuger und rächendem Weltenzerstö-
rer und betrinkt sich in Rauschzuständen an seinen gesammelten Geruchserinnerungen wie
an Wein. Plötzlich träumt er davon, dass er keinen Eigengeruch besitzt. Nach dieser Er-
kenntnis stürzt er in eine innere Katastrophe und verlässt die Höhle.

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Das Parfum – Patrick Süskind

Taillade-Espinasse
Grenouille ist verwildert und gelangt so als lebender Beweis für eine Theorie des Wissen-
schaftlers an die Öffentlichkeit. Grenouille wird mit einem selbst zusammengemischten Ei-
gengeruch plötzlich von den Menschen akzeptiert. Er fasst den Entschluss, die Menschen zu
beherrschen und sie durch ein Parfum dazu zu bringen, ihn zu lieben.

3. Provence – Meisterschaft – Mädchenmorde


Madame Arnulfi
Grenouille geht nach Grasse. Abermals gelangt ihm ein faszinierender Geruch in die Nase.
Er findet ein Mädchen, dass er jedoch noch 2 Jahre lang sich entfalten lässt, bevor er es
töten will. In dieser Zeit eignet er sich die Techniken der Enfleurage an und lernt, den Dingen
ihren Geruch zu entreissen. Er stellt sich verschiedene Eigengerüche er, die er in unter-
schiedlichen sozialen Situationen verwendet. Er verfeinert sein handwerkliches Geschick
solange, bis er weiss, welche Methode die beste ist, um einem Lebewesen den Duft zu ent-
reissen.

24 Morde
Er ist von der Angst gepackt, dass er, wenn das aus dem Mädchen hergestellte Parfum mal
verbraucht ist, den Duft des Mädchens ganz verlieren würde, entscheidet er sich, den Duft
als kostbarsten Edelstein in ein Duftdiadem einzubauen. Die Basis sollen ihm 24 Mädchen
liefern, die er allesamt tötet, um deren Duft zu ernten. Die im Volk entstandene Unruhe legt
sich, als nach einem Bittgottesdienst die Mordserie ein Ende findet.

Mord Laure
Antoine Richis ahnt, dass der Mörder noch in Grasse ist. Er durchschaut das System, aber
nicht das Motiv. Er weiss, dass seine Tochter das nächste Opfer sein wird und bringt diese
aus der Stadt. Dort will er sie verheiraten, um sie für den Mörder wertlos zu machen. Doch
Grenouille verfolgt die beiden und tötet Laure. Nachher geht er nach Grasse zurück.

Verurteilung und Manipulation der Masse


Die Polizei verhaftet Grenouille und er gesteht die Tag. Er sagt nichts über seine Motive und
wird zum grausamen Tode verurteilt. Die Hinrichtung wird vorbereitet wie ein Volksfest. Die
Menschen jedoch, glauben wegen des Parfums nicht, dass er der Mörder ist. Sie lieben ihn
plötzlich, und es findet eine Massenorgie statt. Diesen Triumph kann Grenouille jedoch nicht
geniessen. Er ekelt sich vor den Menschen, hasst sie und will einen Widerhall des Hasses
spüren. Doch genau dies vereitelt sein Parfum. Als er Antoine auf sich zukommen sieht, hofft
er erleichtert, dass dieser ihn töten wird und ihn erlöst. Doch dieser umarmt ihn und bittet ihn
um Verzeihung. Grenouille fällt ihn Ohnmacht und erwacht in Laures Bett, wo ihn Antoine
bittet, ihn adoptieren zu dürfen. Grenouille sagt ja, aber verlässt Grasse sogleich.

4. Paris – Tod
Grenouille geht wieder zurück nach Paris, wo er geboren ist und übergiesst sich mit dem
Parfum. Diebe, Mörder und anderes Gesindel glauben, sie sähen einen Engel und stürzen
sich in einen kannibalischen Akt auf ihn. Sie fressen alles von ihm, sodass er wie vom Erd-
boden verschwunden ist.

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Das Parfum – Patrick Süskind

Quelle:
Erläuterungen., K. (2014). Das Parfum von Patrick Süskind. Bange, C.

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