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HANS D R EX LEB

E IN F Ü H R U N G IN D IE RÖ M ISC H E M E T R IK
HANS DREXLER
DIE ALTERTUMSWISSENSCHAFT
Einführungen in Gegenstand, Methoden und Ergebnisse
ihrer Teildisziplinen und Hilfswissenschaften

EINFÜHRUNG
IN DIE RÖMISCHE METRIK

1967
1967
W ISSEN SCH A FTLICH E BU CH GESELLSCHAFT
W ISSEN SCH A FTLICH E BU CH G ESELLSCH A FT
DARM STADT
DARM STADT
INHALTSVERZEICHNIS

V o r w o r t .................................................................................................. 7
I. G rundbegriffe....................................................................................... 9
1. Rhythmus und M e tru m .............................................................. 9
2. Silbenquantität .......................................................................... 12
3. A k z e n t.......................................................................................... 15
4. Synaloephe und H i a t .................................................................. 15
5. Caesur, Diaerese, V ersfuge........................................................... 19
II. Nomenclator m e tr ic u s ...................................................................... 23
III. Die altlateinische szenische M e t r i k ............................................... 28
Iamben und T ro c h a e e n ...................................................................... 30
Das S chem a.................................................................................. 32
C a e s u re n ...................................................................................... 33
Regeln über betonten W o rts c h lu ß ........................................... 36
Betonung der vorletzten K ü r z e ............................................... 40
Prokeleusmatische W ö rte r.......................................................... 41
Gesetz vom zerrissenen Anapaest ........................................... 41
Kretisches B etonungsgesetz....................................................... 42
Aufgelöste Hebung .................................................................. 44
Spond. u. anap. G ruppenbetonungsgesetz............................... 44
Der prosodische H i a t .................................................................. 46
Der ‘metrische’ und ‘logische’ H i a t ........................................... 48
Die Ia m b e n k ü rz u n g .................................................................. 49
Synizese ...................................................................................... 53
Die Kürzung durch Tonanschluß ........................................... 55
Apokope eines auslautenden e ................................................... 58
Synkope und A n a p ty x e .............................................................. 60
Schwinden auslautender Konsonanten ................................... 61
Doppelkonsonanten im Auslaut u. ............................................. 62
Bestellnummer: 4494
Zur Formenlehre ...................................................................... 63
Schrift: Monotype Garamond, 9/11
C a n tic a ................................................................................................. 67
Ursprung und Herkunft. Allgemeines....................................... 67
© 1967 by Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt xa-ra pivpov g e b a u t e .................................................................. 71
Satz: Werk* und Feindruckerei Dr. Alexander Krebs, Weinheim (Bergati . K o l a .............................................................................................. 75
Druck und Einband: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Dannstach K la u s e ln ...................................................................................... 76
Printed in Germany IV. Der Saturnische V e r s .................................................................. 79
6 Inhaltsverzeichnis

V. Der (daktylische) H e x a m e te r....................................................... 85


Das S ch em a...................................................................................... 85
Die Struktur: C a e su re n .................................................................. 86
1. Verse mit trochaeischem Wortschluß im 3. F u ß ................... 90
a) mit Caesur xa-ca xplxov xpo^atov............................................... 90 VORWORT
b) durch semitern. und semisept. d re ig e g lie d e rt....................... 91
2. Verse mit vorherrschender semiquinaria ............................... 94
Dieses kleine Buch ist eine Einführung, kein Handbuch. Nur das
3. Verse ohne s e m iq u in a ria ........................................................... 104
4. Caesur und Synaloephe. Monosyllaba vor der Caesur . . . . 105 Plautus-Kapitel wird man stoffreich finden. Aber auch hier wie über­
VI. Der (daktylische) Pentam eter....................................................... 109 all ist das Ziel, zu lehren, wie man Verse zu lesen und zu verstehen hat
VII. Die lyrischen Verse .................................................................. 116 - wie ich sie zu verstehen glaube. Denn allerdings habe ich eine be­
Asclepiadeus minor ...................................................................... 118 stimmte eigene Auffassung vom Wesen der römischen Verskunst.
Phalaeceus, Hendecasyllabi ........................................................... 120 Die theoretische Begründung findet man im ersten Kapitel ‘Grund­
Der sapphische E lf s ilb le r .............................................................. 123 begriffe’. Die der meinen entgegengesetzte Auffassung ist wohl am
Der alkäische E lfs ilb le r.................................................................. 126 radikalsten formuliert in dem Zitat aus Wilhelm Meyer S. 87 über
Der alkäische N eu n silb ler.............................................................. 128 die Caesur. Es ist selbstverständlich, daß die Gegner ihre Posi­
Der alkäische Z e h n silb le r.............................................................. 132
tion verteidigen werden. Möge es in der Weise geschehen, daß die
VIII. Seneca ...................................................................................... 135
T r i m e t e r ...........................................' ............................................. 136
Auseinandersetzung nicht in einem Dogmenstreit versandet, sondern
P r o s o d i e ......................................................................... 139 daß die ‘Concetti fondamentali’ noch einmal funditus durchdacht
C a n tic a .............................................................................................. 140 und daß auf Grund exakter Beobachtungen exakt argumentiert
IX. Der Prosarhythmus ................................................................. 142 werde. Denn ich hoffe von der Diskussion zu lernen, um die Anre­
Zeugnisse. Theorie ...................................................................... 142 gungen oder Einwände bei einer etwaigen zweiten Auflage nutzen
D ib a c c h e u s ...................................................................................... 153 zu können. Es bleibt noch viel zu tun, vor allem beim Prosarhythmus:
Dochmius ...................................................................................... 155 dieses Kapitel, ebenso das über den Pentameter und über Horaz
A n tis p a s t................................ 156 sind Erstveröffentlichungen oder Auszüge aus ihnen. Aber ich habe
Iambische D ip o d ie .......................................................................... 158 schon gelernt und möchte den drei gütigen Korrektoren dieses
Hypodochmius .............................................................................. 159
Buches, Walter Schmid, Andreas Thierfelder und Dietmar Korze-
D icreticus.......................................................................................... 162
Creticus + Trochaeus oder Trochaeus + M olo ssus.................... 166 niewski (ich nenne sie in zeitlicher Reihenfolge), für ihre sehr för­
A. Kretisch-trochaeisch.................................................................. 168 derlichen Bemerkungen aufrichtigst danken.
B. Trochäisch-molossisch............................................................... 170 Denen, die Weiterarbeiten wollen, sollen die Literaturhinweise
D itro ch aeu s...................................................................................... 172 dienen. Hier wären Ergänzungen besonders erwünscht, da heute
1. Syntaktischer Einschnitt vor dem D itro ch aeu s........................ 175 Vollständigkeit (natürlich nur des Wertvollen) bei der Sintflut, die
2. Ditrochaeus mit A u f t a k t ........................................................... 180 uns bedroht, nicht mehr von ferne zu erreichen ist. In dem conspectus
Tritrochaeus .................................................................................. 182 librorum am Schluß findet man die nur mit dem Verfassernamen
Zusam m enfassung....................... 183 zitierten Arbeiten aufgeführt.
Schriftenverzeichnis....................... 187
Register .............................................................................................. 193
I. GRUNDBEGRIFFE

1. Rhythmus und M etrum 11

Rhythmus, heißt es bei Hephaestion 76,19 Consbruch, ist zeitliche


Ordnung (ypovou raä;i.<;); 83, lff.: Metrum unterscheidet sich von
Rhythmus; für die Metra nämlich sind das Material (uäy]) die Silben,
und ohne Silben gibt es kein Metrum, Rhythmus dagegen gibt es in
Silben, gibt es aber auch ohne Silben, nämlich beim Geräusch von
Schlägen, z. B. dem Hammerschlag des Schmieds. Rhythmus und
Metrum verhalten sich demnach wie genus und species. Das beste
Beispiel für nicht metrischen Rhythmus ist das Dreschen mit dem
Flegel, lins s;wei drei oder eins %wei drU vier.
Cic. de orat. 3, 186: numerus (wichtig diese lateinische, dem Grie­
chischen nicht fremde Bezeichnung für Rhythmus) in continuatione
nullus est; distinctio et aequalium et saepe variorum intervallorum percussio
numerum conficit; quem in cadentibus guttis, quod intervallis distinguuntur,
notare possumus, in amni praecipitante non possumus. Man beachte notare
possumus-, der Rhythmus kann vorhanden sein, aber auch bewußt
oder unbewußt hergestellt werden; so beim Fallen von Tropfen in
gleichen Abständen (die weder zu lang noch zu kurz sein dürfen:
es muß der Eindruck einer ‘Reihe’ entstehen), denn hiervon gilt in
dem erweiterten Sinn einer gleichmäßigen Folge der Satz numerus in
continuatione nullus est. Wodurch hat oder erhält eine Reihe Rhythmus?
Die Definition Hephaestions und Sonnenscheins2) gibt die Antwort:
Rhythmus ist zeitliche Ordnung, Ordnung von “events in time”.
Wie kommt solche Ordnung zustande?
Da man weithin den Rhythmus des antiken Verses für rein quan­
titativ hält, muß die Möglichkeit eines solchen Rhythmus erwogen
werden. Sie liegt nach Cicero in den varia intervalla - wir müssen uns
ü Vgl. Rhythmus und Metrum, Glotta 29, 1941, 1-28. Quantität
und Wortakzent, Maia 12, 1960, 167-189. Plaut. Akzentstudien II, 1932,
351 ff. Kalinka I 315 ff.: hier weitere testimonia und tot sententiae quot
mentes.
2> E. A. Sonnenschein, What is rhythm? Oxford 1925.
10 Grundbegriffe Rhythmus und Metrum 11

genauer ausdrücken: entweder in dem verschiedenen zeitlichen Ab­ gien angewendet wird), sachlich aber keinen Unterschied macht. Wir
stand zwischen den punktuellen events oder in der verschiedenen folgen hier dem modernen Brauch und nennen den guten Taktteil
Zeitdauer durativer events, der Töne in der Musik, der Silben im H ebung, den schlechten S e n k u n g 8*. Daß Auftreten des Fußes,
Vers. Im ersten Fall gewinnt das dem längeren Intervall voran­ I leben der Stimme der gute Taktteil ist, versteht sich von selbst, und
gehende event ein Übergewicht, einen Vorrang vor den anderen, im wieder stellt sich die Frage, ob jenes - bei Gesang mit Tanz - not­
zweiten besitzt ihn das rhythmische Element mit der längeren Zeit­ wendig dieses zur Folge hat7*. Wir dürfen jedoch an Ciceros Beispiel
dauer vor dem kürzeren ohne weiteres. Jenes ist der ‘gute’, dieses der fallenden Tropfen erinnern: jeder Aufschlag des Tropfens ist
der ‘schlechte Taktteil’, oder wie die Franzosen sagen, le demi-pied selbst eine percussio-, der gute Taktteil kann daher nur eine verstärkte
fort portant un temps marqud und le demi-pied faible8*. Das metrische percussio sein, die wir ihm, notando, bewußt oder unbewußt rhythmi­
Musterbeispiel ist Catull 4 Phasellus ille quem videtis hospites mit der sierend, beilegen. Wie steht es mit den Silben? Auch sie sind, als
regelmäßigen Folge kurzer und langer Silben. Wenn die Termini phonetische Elemente der Rede, events, die sich aneinanderreihen
‘g u te r und sc h le c h te r T a k tte il’, ‘starker und schwacher Halb­ wie Perlen einer Kette, mit diesen auch insofern vergleichbar, als sie
fuß’ zugestanden werden, macht es nicht allzu viel aus, ob man die einerseits Ausdehnung, d. h. Zeitdauer haben, andererseits eine
Länge, sei es des Intervalls zwischen events, sei es der Silbe, schon als phonetische Ganzheit darstellen. Welches ist der beherrschende Ein­
solche für ‘stark’ genug hält, den Rhythmus zu markieren, oder ob druck? In der Musik, beim Lied, ist es die Dauer; vielleicht war er es
man der Meinung ist, daß bei ‘stark’ sich notwendig und von selbst auch in den Sprachen mit klaren Quantitätsunterschieden. Im Deut­
auch eine größere Intensität einstellt, im Vers eine stärkere Betonung schen ist es die Ganzheit; die Silben werden nicht nach ihrer Quanti­
des guten Taktteils, was man mit dem heiß umstrittenen Wort ‘Ik - tät wahrgenommen, sondern als percussiones, die unser Ohr treffen;
tu s ’ bezeichnet. Rhythmus als Ordnung kann daher nur Ordnung von percussiones
Eben dieser Begriff wird nun aber in der oben zitierten Cicero- sein. Auch geregelte Abfolge von Quantitäten könnte Rhythmus sein,
Stelle eingeführt, mit der gleichbedeutenden Benennung percussio** aber Catull 4 ist, wie festgestellt, eine seltene Ausnahme. In der Regel
er ist vor allem mit den Termini ffsaip und dtpat?, lateinisch positio und ist eine solche Ordnung nicht vorhanden, folglich auch kein quan­
sublevatio gegeben: Niedersetzen und Aufheben des taktschlagenden titativer Rhythmus, folglich muß etwas anderes hinzukommen, was
F ußes, während wir nach einer in der Spätantike, wahrscheinlich die Ordnung herstellt, und dies kann allein die Hervorhebung des
infolge des Akzentwandeins, aufgekommenen Umkehrung im Ge­ guten Taktteils, d. h. percussio oder Iktus sein. Es sei denn, daß es den
brauch der Termini6*von Heben und Senken der Stim m e sprechen, Leugnern des Iktus gelänge, ein anderes den Rhythmus konstituieren­
was zu großer Verwirrung geführt hat (man muß bei jeder Arbeit des Prinzip nachzuweisen oder wahrscheinlich zu machen8*.
über Metrik immer erst feststellen, welche von beiden Terminolo-

•* Eine aufgelöste Hebung oder Senkung ist eine solche, in der zwei
3* L. Nougaret, Memorial des Etudes latines 1943, 126. L. E. Rossi, Kürzen für eine Länge eintreten. Vgl. Marius Vict. GL VI 46, 10: trochaei
Metrica e critica stilistica, Roma 1963, 13 A. 23 und Annali d. Scuola seu iambi longa in duas breves divisa tribrachyn efficit, adaeque in spondeo soluta in
Norm. Sup. di Pisa 1964,120 gebraucht die Bezeichnung ‘clemento-guida’. breves prior longa anapaestum, sequens dactylum procreabit, utraque autem divisa
4> Vgl. Hör. sat. 1,10, 43 Pollio regum facta canit pede ter percusso, ars poet. tetrasyllabum e quattuor brevibus, id est proceleusmaticum dabit, eqs.
253 iambus, pes citus; unde etiam trimetris adcrescere iussit nomen iambeis, cum 7> Kalinka I 333 (er berichtet über eine Arbeit von Shorey): „es ist im
senos redderet ictus, primus ad extremum similis sibi. Quint, inst. 9, 4, 51 maior Grunde eine physiologische Notwendigkeit, daß die Stimme, wenn sie die
tamen illic licentia est, ubi tempora etiam manu mota metiuntur et pedum et digi­ Tanzbewegung begleitet, im Augenblick der Ufoi? (des Niedefsetzens des
torum ictu. Fußes) sich unwillkürlich verstärkt“ .
5> Marius Victorinus p. 40, 16 K. arsis elatio temporis, soni, vocis, thesis 8> Nach wie vor wichtig der Vortrag von P. VonderMühll, Rhythmus
depositio et quaedam contractio syllabarum. im antiken Vers, Aarau 1918.
a Grundbegriffe Silbenquantität 13

2. Silbenquantität Keine zu kommen, d. h. mit den geschlossenen, durch einen Kon­


sonanten geschlossenen Silben. Auch Konsonanten können, wie
Rhythmus, hieß es bei Hephaestion, gibt es auch sonst, Metrum, )cder selbst beobachten kann, entweder gestoßen oder ausgehalten
Maß nur in Silben, die kurz oder lang sind und als solche das Material werden, so die Sonanten, Liquidae und Nasale; allerdings gibt es hier
des Versmaßes bilden. Da wir im Deutschen wie in den meisten offenbar kein Entweder-Oder, sondern nur ein Mehr oder Weniger.
europäischen Sprachen zwar lange und kurze Vokale unterscheiden, Eine Tenuis wird entweder aus der Ruhelage, dem Verschluß heraus
uns dagegen der Unterschied zwischen langen und kurzen Silben gestoßen (es sind sowohl Verschluß- wie Explosivlaute), oder es
unbekannt oder nicht bewußt ist, bedarf die Silbenquantität der wird zuerst der Verschluß hergestellt, und diesen kann man dann
Erklärung. Man beobachte selbst die Aussprache eines kurzen und ebenfalls beliebig lange aushalten, bis man die explosio eintreten läßt.
eines langen Vokals: der erstere wird gestoßen, er ist p u n k tu e ll, Man spreche eine betonte geschlossene Binnensilbe, entweder mit
der letztere kann ausgehalten werden, beliebig, solange der Atem sog. Geminata oder mit zwei verschiedenen Konsonanten, deren
reicht, er ist d u rativ . Der Unterschied ist also primär qualitativ; erster die Silbe schließt, z. B. alle, Mutter, Laster, A kte, und man wird
die antike Normierung: eine lange Silbe gleich zwei kurzen91, ist finden, daß man in alle das / beliebig lange aushalten kann, bis man
willkürlich oder konventionell, vielleicht aber schon dem Sprach­ es mit einem neuen Einsatz, mit deutlicher Verstärkung die zweite
bewußtsein gegenwärtig, wie das lateinische Akzentgesetz zu bewei­ Silbe eröffnen läßt. Genau entsprechend bei den anderen Bei­
sen scheint; denn wie animus gleich causa wäre (vgl. ital. paura), so ist spielen. Wenn dagegen muta cum liquida bald Position macht, bald
änimus gleich causa. Schwerer ist mit der P o s itio n s lä n g e 10* ins nicht, dann liegt dies an einer Verschiedenheit der Silbengrenze,
pat-rem (oder wohl richtiger pat-trem) bzw. pa-trem. Daß auch im
8> Quint, inst. 9, 4, 46f. una enim syllaba {longa duabus) par est brevibus . . . Deutschen der Unterschied zwischen langen und kurzen Silben
longam esse duorum temporum, brevem unius etiam pueri sciunt. Mit tempus ist durchaus besteht und wirksam ist, ersieht man aus dem Lautwandel
Zeiteinheit gemeint, die wir mora zu nennen pflegen. Allgemein zur Quan­ mhd. väter zu nhd. Väter (dagegen Mütter)-, ein betonter kurzer
tität Cic. orat. 173 omnium longitudinum et brevitatum in sonis sicut acutarum offener Vokal wird gelängt11’. Dieses Gesetz erschwert uns die Aus­
graviumque vocum (Betontheit oder Unbetontheit) iudicium ipsa natura in sprache des Lateinischen: wir sagen entweder dolus mälus, oder wenn
auribus nostris conlocavit. wir die Kürze zu wahren versuchen, fast unvermeidlich dol-lus mal­
10>positio ist die Übersetzung von griechisch -Diene; und bedeutet eigent­
lus, d. h. so daß das l sowohl die erste Silbe schließt wie die zweite
lich Setzung, Konvention, im Gegensatz zu <puast, von Natur lang. Das
Mißverständnis z. B. bei Marius Victorinus p. 35, 10 igitur cum in metris
eröffnet. Unbetonte kurze offene Silben dagegen als solche zu spre­
longa syllaba opus esset, ut ea, quae brevis lege naturae prolata videbatur, longa chen bereitet keine Schwierigkeiten.
efficeretur, a principibus musicae artis auctoribus positio, id est duarum consonantium Nun können jedoch auch Monosyllaba oder Endsilben auf einen
copulatio, reperta atque inducta est. Daß es sich bei der Position um eine Konsonanten ausgehen, und diese Silben gelten als kurz, obwohl
Frage der Silbengrenze handelt, zeigt die Folge von muta und liquida, die
im Lateinischen im allgemeinen nicht Position macht, immer aber in der Catull. 64,186. 44,18. 67,32 in der Hebung). Vgl. Quint, inst. 9, 4, 85f.
Kompositionsfuge (Plaut. Cure. 695 dbripl) und in der Wortfuge (Asin. 70 Sommer Handbuch 282-284. 289. Lindsay 76f. 255f. Kalinka I 373ff.
db lenone'). Position von muta cum liquida, die man bislang auf griechisches 397-402. Ganz abweichend über Positionslänge Alfred Schmitt, Glotta 1935,
Vorbild zurückführte (widerlegt durch den ausgezeichneten Aufsatz von 80 ff. dagegen Concetti fondamentali 9 ff.
Sebastiano Timpanaro, Muta cum liquida in poesia latina e nel latino vol- u > Walter Schmid wendet ein, in Küche sei das ü nicht gelängt. Ist er
gare, Rivista di cultura classica e medioevale 7,1965,1075-1103), gelegentlich sicher, daß die erste Silbe des Wortes offen ist? Die Schrift könnte die
seit Ennius, z. B. ann. 484 ilt nigru1m (vgl. Verg. Aen. 2, 66; Ov. 13, 607; Geschlossenheit der ersten Silbe nicht ausdrücken, da es in unserer Ortho­
zur Position von qu Lucr. 4, 1259: in der Regel keine). Doppelkonsonant in graphie kein doppeltes ch gibt. Wenn von Neuhochdeutsch gesprochen
der Wortfuge macht in der Regel nicht Position, z. B. Rud. 198 sed eril le wird, ist damit die norddeutsche Hochsprache gemeint. Besonderheiten
scelu2s anap. Cas. 937 (vgl. Lucr. 4, 475 Verg. Aen. 11, 309 al., dagegen von Dialekten sind nicht in Erwägung gezogen worden.
14 Grundbegriffe Akzent 15

auch in diesem Fall der schließende Konsonant ausgehalten werden dl novo, igitur aus agitur in Gruppen wie quid agitur, beweist vor allem
kann. Man vergleiche jedoch alle mit all, batte mit hat-, dort gehört Plautus, bei dem diese Gruppenbetonungsgesetze weithin herrschen
der Konsonant wie dargelegt zu beiden Silben, hier nur zu der einen, (S. 42 ff.). Für gewisse Enkliseerscheinungen leugnen den Satzakzent
die er schließt, es besteht daher kein Anlaß, ihn anders als gestoßen, nicht einmal die Skeptischsten. Der Dreisilbenakzent, der bei Plautus
punktuell zu sprechen. Dies könnte nicht nur die Geltung geschlosse­ offenbar erst auf dem Wege ist, sich endgültig durchzusetzen, dürfte
ner Endsilben als Kürze erklären, sondern auch die Schwäche aus­ sich als Nebenakzent in längeren Wörtern und Gruppen entwickelt und
lautender Konsonanten in vielen Sprachen, auch im Lateinischen. allmählich den Sieg über den Anfangsakzent davongetragen haben.
Indessen wird es zur Klärung der Frage noch weiterer Beobachtungen Im Deutschen liegt der Akzent auf der Stammsilbe, d. h. dem
bedürfen, die jeder anstellen kann, und an sich selbst, ohne Zuhilfe­ wichtigsten Bestandteil des Wortes; daß er ein Moment der Sinn­
nahme irgendwelcher Apparate, anstellen sollte. gebung ist, wird evident beim Satzakzent. Die Quantität der Silben
ist in bestimmter Weise von ihm abhängig: eine betonte Binnensilbe
muß lang sein, d. h. entweder einen langen Vokal haben oder geschlos­
3. Akzent sen sein. Im Lateinischen ist umgekehrt der A k zen t v o n der Q uan­
titä t ab h ä n g ig , wie das Dreisilbengesetz lehrt, während nach Aus­
Daß der lateinische Akzent ein In te n s itä ts a k z e n t war, folgt für weis der Iambenkürzung und der Kürzung durch Tonanschluß der
die vorliterarische Zeit aus der Schwächung nachtoniger Silben, folgt Akzent im Altlatein die Quantität in gewissen Grenzen verändern
für Plautus aus den unten (S.49ff.) zu besprechenden Erscheinungen konnte. Die Abhängigkeit geht so weit, daß der Akzent je nach Zahl
der Iambenkürzung, der Kürzung durch Tonanschluß und der Apo- und Quantität der Silben von einer zur anderen wandert: läudo,
kope (Abstoßung) eines auslautenden e (neque: nec, dic duc fac fer). Da laudavi, laudavisti, laudavissemus, laudavissemüsque. Mit dem Sinn hat er
nun aber der spätlateinische Akzent sicher ein Intensitätsakzent war, nichts zu tun; er scheint den natürlichen, mit der Folge langer und
ist es unwahrscheinlich, daß er sich im klassischen Latein in einen kurzer Silben gegebenen Rhythmus des Wortes dadurch hervor­
sog. musikalischen, einen Tonhöhenakzent verwandelt, dann zurück­ zuheben, daß er auf das Ende dieser Folge vorausdeutet. Daraus
verwandelt habe, abgesehen davon, daß es einen reinen Intensitäts­ folgt erstens, daß im Lateinischen keine andere Metrik möglich war
und einen rein musikalischen Akzent nicht gibt und schwerlich je als eine quantitierende; folgt zweitens, wenn dabei der Akzent be­
gegeben hat12*. rücksichtigt wurde, daß dies nur in seiner Abhängigkeit von der
Der von Cicero und Quintilian bezeugte D re is ilb e n a k z e n t13* Silbenquantität geschehen konnte. Im deutschen Vers sind Iktierun-
war im Spätlatein und im Übergang zu den romanischen Sprachen gen, die mit dem Sprachakzent im Widerspruch stehen, Akzent­
ein starrer Wortakzent, dem die Quantitäten zum Opfer fielen. Das verletzungen, im lateinischen Vers A k z e n tv e rsc h ie b u n g e n , und
vorliterarische Latein hatte nicht nur in alter Zeit einen A n fa n g s­ an diese war die Sprache gew öhnt.
a k zen t des Wortes, wie die Schwächung nachtoniger Vokale und
Reste dieser Anfangsbetonung bei Plautus beweisen (S. 41. 45), son­
dern auch einen Satz- u n d G ru p p e n a k z e n t, dem sich das Einzel­ 4. Synaloephe und H ia t14*
wort unterwerfen mußte. Das beweisen z. B. ilico aus ln stloco, denuo aus
Das wichtigste Zeugnis für die Synaloephe (Verschleifung; Eli­
12> Vgl. Alfred Schmitt, Untersuchungen zur allgemeinen Akzentlehre, sion ist sachlich nicht zutreffend1B>) ist Cic. orat. 150 ff.: den Zu­
Heidelberg 1924 und spätere Arbeiten.
sammenstoß von Worten Latina lingua sic observat, nemo ut tam rusticus
13) Cic. orat. 58. Quint, inst. 1, 5, 29-31. Eine Sammlung der Zeugnisse:
De accentu linguae Latinae veterum grammaticorum testimonia coli. . . .
Fridericus Schoell, Acta Societatis philologorum Lipsiensis VI, 1876, 14* Synaloephe: Verschmelzung eines auslautenden Vokals (oder eines
1-231. Vokals + w; über kurzen Vokal + s s.S. 61 f.) und eines anlautenden Vokals,
16 Grundbegriffe Synaloephe und Hiat 17

sit, qui vocalis nolit coniungere. Bei Plato gibt es nicht nur in den Dia­ orationes illae ipsae horridulae Catonis, indicant omnes poetae praeter eos,
logen, sondern auch im Menexenos crebra vocalium (vocum codd.) qui, ut versumfacerent, saepe hiabant, ut Naevius (es folgen Beispiele)161.
concursio, quam magna ex parte ut vitiosam fugit Demosthenes, sed Graeci Cicero war, das ist das Interessanteste, beim Lesen der Reden Catos
viderint; nobis ne si cupiamus quidem distrahere voces conceditur, indicant imstande, die Synaloephen zu erkennen. Die bekanntesten Beispiele
für die Synaloephe sind animadvertere aus animum advertere und magno-
in der Weise, daß der erstere, wahrscheinlich nicht restlos, in dem letzteren
aufgeht. Hiat, Christ 38: die klaffende Aufeinanderfolge zweier Vokale
perem .
(wie in der deutschen Aussprache von Theater im Unterschied zur fran­ Auch schon für Synaloephe und Hiat ist von größter Wichtig­
zösischen), was den folgenden Zeugnissen entspricht, nicht: Offenhalten keit das unten noch widerholt zu besprechende Zeugnis Quintilians
des Mundes (so Kalinka I 308 gegen Crusius). inst. 9, 4, 67 f., der in dem ersten Satz der Cluentiana an folgenden
15• P. VonderMühll 15. - Luigi Enrico Rossi hatte die Güte, mir
folgendes über die Synaloephe im Italienischen mitzuteilen (ich übersetze Inzwischen ist erschienen Jean Soubiran, L’dlision dans la po6sie latine,
ins Deutsche): Im modernen Italienisch ist die Synaloephe in den meisten Paris 1966, der S. 648 die Ergebnisse seiner ebenso scharfsinnigen wie
Fällen wahre und wirkliche Synaloephe, d. h. man hört die zwei Vokale mühevollen Untersuchung so zusammenfaßt: „Quand une voyelle Anale
mehr oder weniger gut alle beide (z. B. Dante, Inf. 1. 2 mi ritrovai per una (ou une syllabe en -m) rencontrait en po6sie une initiale vocalique, ia Anale
selva sscura). Die wahre und eigentliche Elision ist in der Praxis des Vor­ dtait comptee pour z6ro dans la mesure du vers (Elision), mais eile conti-
trages verhältnismäßig selten: so wie man sie in der Schullektüre des Latei­ nuait d’etre entendue: les deux voyelles en contact 6taient prononc6es d’une
nischen anzuwenden pflegt, wo der erste der beiden Vokale vollkommen seule Emission de voix (synalephe). Trois exceptions: les enclitiques, dont
verschwindet. Was nicht leicht zu bestimmen ist, wegen des Fehlens ge­ l’61ision 6tait totale; le monosyllabe est qui, pr6c6d6 de Anale riidable, se
nauer und erschöpfender Untersuchungen über die Frage, ist das M aß r6duisait le plus souvent äst“; dagegen halte ich die Leugnung des sog. pros-
der Unabhängigkeit der beiden Vokale. In der Praxis gibt es manchmal odischen Hiats (S. 46) für unrichtig: vgl. die Rezension im Gnomon 1967.
wahre und wirkliche Koexistenz der beiden Vokale, manchmal wird der k> Vgl. ferner Cic. orat. 77 habet enim ille tamquam hiatus et concursus
erste Vokal bis zu dem Grade geschlossen, daß er fast ein Halbvokal wird vocalium molle quiddam et quod indicet non ingratam neglegentiam de re hominis
(ein wenig wie im Französischen roi = rua): ein e wird soweit geschlossen, magis quam de verbis laborantis. Quint, inst. 9, 4, 33 ff. vocalium concursus:
daß es i wird oder beinahe i,7 d. h. A
i ; ein o, daß es u wird oder beinahe u,7 quod accidit, cum hiat et quasi laborat oratio. 36 nam et coeuntes litterae, quae
d. h. u. Manchmal schließlich gibt es keine Synaloephe, sondern wahre auvocXoupod dicuntur, etiam leviorem faciunt orationem, quam si omnia verba suo
und eigentliche Elision: es wäre interessant, die Grenzen zwischen Elision fine eluduntur, et nonnumquam hiulca etiam decent faciuntque ampliora quaedam.
und Synaloephe zu untersuchen, was auf einer Praxis beruht, die mehr eqs. (Geli. 6 (7), 20, 6). Vgl. das berühmte Beispiel Cic. div. 2, 84 Cauneas
oder weniger spontan mit den verschiedenen relativen Verhältnissen inner­ (Feigen), verstanden als cave ne eas,d. h. cav(e) nejeas (vgl. S. 58). - Vor allem
halb des einzelnen Verses rechnet (z. B. Petrarca, R im e 1. 1 Voi ch’ascol- die Synaloephe, aber auch andere Erscheinungen (S. 50 A. 55 A.) widerlegen
tate in rime sparse il suono, wo man eine Elision und zwei Synaloephen die These von Havet und Meillet von der großen Selbständigkeit des phone­
hätte: s. R. Spongano, Nozioni ed esempi di metrica italiana, Bologna tischen Wortes im Lateinischen (A. W. de Groot, Wesen und Gesetze der
1966, S. 17). - Vgl. auch Vittore Pisani, Anzeiger f. d. Altertumswissen­ Caesur, Mnemos. 1935, 89.132); richtig allein Quint, inst. 9,4, 67 f.
schaft 1951, 141 f .: „ich möchte die italienische Norm heranziehen, wo­ 17> Zur Synaloephe von -um vgl. Leumann-Hofmann 174f., vor allem
nach Verse wie Carduccis das Zeugnis Quintilians inst. 9, 4, 40. Voraussetzung ist wahrscheinlich
dieselbe Nasalierung, die bei ns durch die Schreibung cos. für consul bezeugt
O bella ai suoi bei di Rocca Paolina, oder ist. - Das Beispiel animadvertere gibt die Antwort auf die umstrittene Frage
Salute o genti umane ajfaticate der Akzentverschiebung bei Synaloephe: sie mußte notwendig eintreten:
als Elfsilbler gelten, obgleich bella ai, nicht beli’ai, und im zweiten Vers animum adverti, aber animum advertisti ^entsprechend Plaut. Asin. 115 consilia
alle Vokale ausgesprochen, nicht elidiert werden: für das Ohr gilt der erste exordidr, aber Stich. 143 vostra consilia eloquar; denn durch die Synaloephe
Vokal als unwesentlich zur Auffassung des Rhythmus“. Dies wird auf die „verwachsen die Wörter fast zu einem“, Wilamowitz zu Euripides’ Herakles
Synaloephe bei Plautus, vor allem über den Personenwechsel hinweg, v.754 S. 379. Bestritten von Lindsay Burs.1906,172; Early latin verse 34; Sou­
angewandt. biran 457 ff.; im allgemeinen seit Ritschl Prolegomena CCXVII anerkannt.
18 Grundbegriffe Caesur, Diaerese, Versfuge 19

Stellen ein leviter insistere ansetzt: Animadverti, iudices, / omnem accusa­ Nicht Synaloephe, sondern A phaerese (<x<paipem<;), d. h. Verlust
toris orationem / in duas / divisam esse partis. Folglich muß omnem accusa­ des e, tritt bei est und es ein, z. B. insipientiast, aequomst, architectust
toris und divisam esse mit Synaloephe gelesen werden, nicht orationem (Plaut. Amph. 23 36 45); das letzte erklärt sich aus der Schwäche des
in. Dies ist nun aber kein Hiat, sondern eine Pause, die den concursus auslautenden s: vgl. S. 61 f.
vocalium verhindert. Hiat ist concursus vocalium ohne Synaloephe, z. B.
flagitium hominis, wie es bei Plautus regelmäßig heißt (S. 47. 61). Hier­
von muß wiederum unterschieden werden der mit Kürzung des aus­ 5. Caesur, Diaerese, Versfuge20*
lautenden Vokals verbundene Hiat wie im ersten Vers der Odyssee
avSpa pol i'vv£7ts, im Lateinischen quiamat u. ä. (S. 46), den man proso- Die Quintilian-Stelle gibt implicite zur Hälfte schon die Definition
dischen Hiat nennt, d. h. Hiat mit Quantitätsveränderung18*. Dieser, der Caesur: das leviter insistere nach einer syntaktischen Gruppe, ein
ein Hiat mit unzweifelhaft sprachlicher ratio, ist eine Sache für sich; graviter insistere nach einem incisum (xopfAa) oder membrum (xwXov)
ein wirkliches Problem ist nur Pause und eigentlicher Hiat. sind die natürlichen ‘Caesuren’ des Satzes, die im Vers aufzugeben
Viel verwunderlicher nämlich ist im Vers die S ynaloephe über
Interpunktion, ja über P erso n en w ech sel hinw eg. „Der Dichter hiermit wird denn wohl auch endlich die alte Frage der plautinischen
behandelt also einen unter mehrere Personen verteilten Vers lautlich Zäsurhiate definitiv gelöst, den man immer wieder bekämpft vom Stand­
so, als wäre er von einer gesprochen“. Fr. Skutsch 135 A. 3, womit punkt des versus Graecus aus, der da unkommatisch ist und vielmehr eine
nur eine Feststellung getroffen, keine Erklärung gegeben wird. Wie einheitliche Reihe darstellt, worin die Zäsur als etwas Bindendes und nicht
die Synaloephe über Personenwechsel hinweg realisiert wurde, dafür als etwas Trennendes erscheint und somit den Hiat nicht begünstigen
gibt es kein Zeugnis. Weit natürlicher erscheint uns in diesem Fall kann.“ Den Satz: Diaerese trennt, Caesur verbindet (Wilamowitz,
die Pause, die sich metrisch als concursus vocalium ohne Synaloephe s. ‘Caesur und Diaerese’ 336), halte ich für unrichtig. Weitere Literatur
darstellen müßte. Denn nur dies ist gegeben; ob aber im einzelnen Kalinka II lff.
Fall ein leviter insistere anzuerkennen ist oder ob Hiat im eigentlichen 20* Vgl. Caesur und Diaerese 332-366. Zetemata H. 38, 117ff. A. W.
de Groot, Das Wesen der Caesur, Mnemos. 1935, 81 ff. gibt S. 98 folgende
Sinne vorliegt, ist schwer zu entscheiden. Wenn nicht daneben so oft
Definition: „Korrespondenzgrenze zwischen Membra: unter Membra ver­
Synaloephe vorkäme, würde niemand Bedenken haben, bei Personen­ stehe ich korrespondierende, den Vers konstituierende Wörter und Wort­
wechsel eine Pause anzunehmen; demnächst nicht bei schwerer, reihen.“ 125: „die verbreitete und falsche Auffassung, daß eine Caesur nur
bei leichterer Interpunktion, wohl nicht einmal, unter Berufung auf durch syntaktische Grenze (oder durch Rezitationspause) gebildet werden
die Quintilian-Stelle, zwischen syntaktischen Gruppen. Aber gibt es kann“ . Der Begriff des Membrum ist hier also kein syntaktischer, daher
nicht vielleicht auch rein metrische incisiones im Vers, die eine Pause Undefiniert, und dies gilt infolgedessen auch für den Caesurbegriff de
rechtfertigen, in der Diaerese, wo sie anerkannt, in der Caesur, wo sie Groots. Paul Maas in seiner Rezension Gnomon 1936, 95-97: „Uber das
meist nicht anerkannt wird? Schließlich ist flagitium himinis zwar Wesen von Caesur und Brücke (eine Versstelle, an der kein Wortschluß
durch die Zahl det Belege legitimiert, welches aber sind die Bedin­ eintreten darf; gegen diesen Begriff Aevum 1950, 338 A. 1) im allgemeinen
gungen, unter denen Hiat und unter denen Synaloephe eintritt? Dies wage ich, nach achtunddreißigjähriger Arbeit an diesen Erscheinungen,
nichts auszusagen.“ Die Namen der Caesuren: Penthemimeres = semi­
sind die ungelösten und wahrscheinlich niemals vollständig lösbaren
quinaria, Hephthemimeres = semiseptenaria (beide Caesuren sowohl des
Probleme des Hiats bei Plautus *•>. Hexameters wie des Trimeters oder Senars), Trithemimeres = semiter-
18> R. Klotz 120 A. 1: „Im Grunde genommen ist es ja nur die An­ naria, d. h. Einschnitt nach fünf bzw. sieben bzw. drei Halbfüßen; zur
wendung der bekannten Regel: vocalis ante vocalem corripitur“, usw. Bucolica = Wortschluß nach dem 4. dact. (nicht spond.) s. S. 22. 88. Die
i») Vgl. hierzu Otto Immisch, SB Heidelberg 1923, 29. 32. 34: der versus Caesur xoctä xptxov xpoxaiov, nach trochaeischem Wortschluß im 3. Fuß, im
quadratus, „volkstümliches lateinisches Erb- und Eigengut, zerfiel in Griechischen mindestens ebenso beliebt wie die Penthemimeres, tritt im
2 mal 2 xöiqiax« oder quadrae“ ; nach ihm sei der Senar gebildet. „Und Lateinischen ganz zurück.
20 Grundbegriffe Caesur, Diaerese, Versfuge 21

kein Grand besteht, sofern sie nicht die Synaphie21' überbrückt. sich der Satz mit seiner syntaktischen Gliederung ein, in der Weise,
Insoweit ist die Caesur eine auf der syntaktischen Gliederung des daß seine Einschnitte mit den Einschnitten des Verses zusammenfal­
Satzes beruhende sprachliche Erscheinung. In der Tat kann die len, die dadurch realisiert werden. Da nun aber die syntaktischen
Rangordnung, das Gewicht der verschiedenen Caesuren ^on der Einschnitte nach ihrer Stärke und nach der Art der Beziehung zwi­
Häufigkeit syntaktischer Einschnitte an den Caesurstellen abgelesen schen den Worten des Satzes sehr verschieden stark ins Gewicht fal­
werden22*. Man sollte überhaupt nicht so sehr diese gliedernden len, ist auch die Realisierung der Caesuren eine ganz verschiedene,
Einschnitte als vielmehr die membra, incisa und Gruppen ins Auge aufsteigend vom einfachen Wortschluß (nach fast einhelliger Ansicht
fassen. Nun ist jedoch der Vers seinerseits ein idealer Satz (man denke die condicio sine qua non für die Anerkennung einer Caesur) bis zur
an den Sprichwortvers, paroemiacus; im Deutschen ist z. B. ‘Ende gut, schwersten Interpunktion. Es gibt daher nicht nur Rangunterschiede
alles gut’, technisch gesprochen, ein kretischer Dimeter), von dem zwischen den Caesuren, sondern auch von ein und derselben gilt der
das Schema des Verses abstrahiert ist23*. Als ein solcher idealer, Satz: C aesur ist n ic h t gleich Caesur. Andererseits macht immer
metrisch normierter Satz hat der Vers auch seinerseits Caesuren, die auch die Caesur ihr Gewohnheitsrecht geltend und weiß es manchmal
ihn nach einfachen Zahlenverhältnissen gliedern, z. B. im Hexameter sogar gegen die syntaktische Gliederung zu behaupten24*. Auf dieser
5:7 oder 3:4:5. Den Charakter von ‘Caesuren’ erhalten diese glie­ von Vers zu Vers wechselnden ‘gegenstrebigen Fügung’ ( tco X iv -
dernden Einschnitte durch ihre regelmäßige Wiederkehr: die Cae­ tovo? äpjioviT)), dem G eg en ein an d er von starrem Schem a, das
sur h e rrs c h t nach G e w o h n h eitsre c h t. Hieraus folgt eine den Satz in Fesseln schlägt, und leb en d ig em W o rt, das sich dem
Rangordnung der durch dieses Recht ausgewiesenen Caesuren, folgt Schema zwar fügt, ihm aber immer neue Möglichkeiten abgewinnt,
zweitens, daß es unterhalb der rangniedrigsten Caesuren noch weitere ja es der Sinngebung dienstbar macht, beruht die spannungsreiche
Einschnitte gibt, die oft, aber nicht so oft Vorkommen, daß sie als Schönheit der Verse.
Caesuren anerkannt werden könnten. Bei dem letzten Satz war vor allem an eine bestimmte Eigentüm­
Die Caesur ist also eine g le ic h z e itig m etrisc h e, g leic h ze itig lichkeit des lateinischen Hexameters gedacht, die in der Quintilian-
sy n ta k tisc h e Erscheinung. In das Schema des Verses, innerhalb Stelle eine Parallele hat und schon dadurch als sprachlich erwiesen
dessen die rangverschiedenen Caesuren ihre feste Stelle haben, fügt sein dürfte. Am interessantesten nämlich ist in ihr der Einschnitt
nach in duas, das zu partis in attributiver Beziehung steht und trotzdem
21) Diese Bezeichnung, die an sich für „die ununterbrochene Fortset­
zung des Rhythmus über die Grenze eines Verses hinaus“ gebraucht wird 24• Der extremste Fall eines Sieges des metrischen Schemas über die
(Christ 101), verwende ich hier für die rhythmische Kontinuität des Verses. syntaktische Gliederung wäre eine Caesur, die ein Wort zerschnitte. Vgl.
22> Phil. Wochenschr. 1924, 44f. Zetemata H. 3 8 ,133f., wo man A. W. de Groot, Mnemos. 1935, 131 zitiert
23> Vgl. die interessante Stelle Quint, inst. 9, 4, 114 quasi vero fecerint findet: „Man könnte sich aber denken, daß es Silbengrenzen gibt, die zwar
{sibi numeros (poetae), non hi) sint in compositione deprensi, sicut poema nemo
nicht Wortgrenze sind, aber doch in ihrer ästhetischen Funktion den Wort-
dubitaverit spiritu quodam initio fusum et aurium mensura et similiter decurrentium
grenzeaesuren gleichzusetzen sind.“ Er verweist auf Ed. Norden, Vergil
spatiorum observatione esse generatum, mox in eo repertos pedes. . .. neque vero
Aeneis VI2 426 A. 3: „Dagegen ist bei Verben mit zweisilbigen Praepositio-
tam sunt intuendi pedes quam universa comprensio, ut versum facientes totum illum
nen (nicht mit einsilbigen) wie interfusa, praeterlabere mit der Möglichkeit
decursum, non sex vel quinque partes, ex quibus constat versus, adspiciunt: ante
einer selbständigen Geltung der Praeposition zu rechnen.“ Nicht Geltung,
enim carmen ortum est quam observatio carminis. Anderer Ansicht ist W. J. W.
sondern höchstens Wirkung oder Eindruck, habe ich hinzugefügt, selbst
Koster, der Mnemos. 1950, 48 gegen die polemisiert, die „putabant et
aber die gleiche Erwägung bei Plaut. Capt. 159 angestellt:
putant in versibus lyricis interpretandis ex toto membro proficiscendum
esse et pedum partes aut nullas aut secundarias esse“ . Dieser Satz richtet sich multis et multigeneribus opus est tibi
gegen die Annahme freier ‘Urverse’, die erst später iambisch, trochaeisch, wo der Übergang von dem bedächtigen Gang der ersten zweieinhalb Füße
choriambisch, ionisch normiert worden seien: Wilamowitz, Verskunst zur Leichtfüßigkeit der kürzenreichen zweiten Vershälfte als Argument
234ff. Leo, Saturn. Vers 71 ff.; unten S. 69. hinzukommt. Man vergleiche Hör. epist. 2, 2, 93/94 ci*rcum- / spexctemu1s.
22 Grundbegriffe

gegen das Folgende durch ein leviter insistere abgesetzt ist; oder
vielmehr eben deshalb. Man findet Belege für H y p e rb a ta vor allem
zwischen Caesur und Versschluß am leichtesten bei Ed. Norden,
Vergil Aeneis VI S. 393ff., z. B. Catull. 64, 172
II. NOMENCLATOR METRICUS1»
Gnosia Cecropiae tetigissent litora puppesU).
E sm ußdanacbzw ischenlnterpunktions-und S p e rru n g sc a esu r Das ursprünglich an dieser Stelle vorgesehene Verzeichnis der
unterschieden werden. Im ersten Vers der Aeneis haben wir hinter cano wichtigsten metrischen Termini ist durch Hinweise im Sachregister
die erstere, hinter Troiae die letztere. Es wird ohne weiteres deutlich sein, ersetzt worden. Bei den metrischen Schemata folgen auf die
daß die gliedernde Funktion eine ganz verschiedene ist: dort ein rhyth­ Elemente die Versfüße in der Reihenfolge zunehmender Silbenzahl
mischer Ruhepunkt, hier eine Akzent-Dissonanz, die auf die Auflösung (die Angaben über die Verwendung sind fortgelassen worden; die
wartet und sie fordert, eine suspensio, die aufgefangen sein will. nicht selbständigen und ungebräuchlichen Versfüße stehen in Klam­
Die Caesur ist also ein den einheitlichen Vers gliedernder Einschnitt, mern), dann unteilbare, nicht nach Versfüßen meßbare Kola (membra,
dagegen die Diaerese (und nur so sollte man die Bezeichnung ge­ Versglieder, Kurzverse), wiederum in der Reihenfolge zunehmender
brauchen) teilt einen Vers in zwei H a lb v e rse , so wie in der moder­ Länge. Dabei wurde äußerste Beschränkung geübt, um Raum für
nen Metrik den Alexandriner, und zwar teilt sie ihn immer in der Wichtigeres zu gewinnen. Die Schemata der Strophen des Catull und
gleichen Weise. Caesur ist nicht gleich Caesur, Diaerese dagegen - Horaz (die man sich nicht an Hand von Kürze- und Längezeichen
- innerhalb derselben Versgattung - immer gleich Diaerese. Zwei auf dem Papier, sondern durch Auswendiglernen einiger Strophen
Beispiele, ein iambischer Octonar, Amph. 153, wo der Reim den aneignen möge), die metrischen und prosodischen Besonderheiten
Eindruck der Gleichheit der beiden Halbverse verstärkt, und ein der einzelnen Dichter kann man im Conspectus metrorum der Aus­
iambischer Septenar mit Personenwechsel in der Diaerese, Asin. 392: gaben nachsehen. Metrische Analysen schwierigerer plautinischer
Cantica würden den Rahmen dieser Einführung sprengen. Man findet
Qui me älter ist audäcior homo äut qui cönfidentiör? unten S. 71 ff. nur eine Übersicht über die Formen: die Versmaße
sed quid venis? quid quäeritds? :: Demäenetüm volibam und ihre Verwendung, die clausulae, xoppaxa und xtöXa. Für den,
Die B ucolica unterscheidet sich zwar in der rhythmischen Wirkung der sich einarbeiten will, gibt es nur einen Weg, die gründliche Durch­
von den männlichen Caesuren des Hexameters - dies gilt jedoch ebenso arbeitung von Fr. Leo, Die plautinischen Cantica und die hellenisti­
von der Caesur xaT& Tpfrov xpoxaiov, d. h. nach trochaeischem Wort­ sche Lyrik, Abh. Göttingen 1897. Über die lyrischen Maße bei
schluß im dritten Fuß -, ist aber ebenfalls ein gliedernder Einschnitt, Seneca und Späteren sagt derselbe Rh. Mus. 40, 1885, 203: „Nach
keine Diaerese. Man sollte sie deshalb, wie geschehen, einfach Buco­ abgestandener, ganz an der Außenseite haftender Schultheorie bildet
lica nennen, um sie einerseits von der Diaerese, andererseits von den man die neuen Kola nicht einmal auf eigene Hand, sondern schneidet
männlichen Caesuren zu unterscheiden. sie nach den horazischen Versen zurecht.“ Über diese papierene
Der Einschnitt in der Mitte des Pentameters und des Saturniers Metrik von Buchdramen und Buchgedichten ist über die Feststellung
wird am besten V ersfuge genannt. Der erstere ist ein doppeltes der Schemata hinaus nichts zu sagen.
Hemiepes, der letztere ein aus zwei ungleichen Kola zusammen­ Einige allgemeine Bemerkungen müssen vorangeschickt werden.
gesetzter Vers**». Erstens: ein Ve r s , heißt es bei Hephaestion p. 62,17, hat eine bestimmte
26 Man findet weitere Stellen in Menge Hexameterstudien II. III, Sala-
manca 1953, vor allem S. 26ff. 84ff. *> Otto Schroeder, Nomenclator metricus 1929 (für das Griechische,
26> Versfuge ist die Bezeichnung Fr. Leos beim Saturnier, z. B. Der schwierig). J. B. Hofmann und H. Rubenbauer, Wörterbuch der gramm.
saturnische Vers 17, zweiter Absatz. und metr. Terminologie 1950 (nicht sehr eingehend).
24 Nomenclator metricus Terminologie 25

Länge des Metron, des Maßes, nämlich von nicht weniger als drei und je ein katalektischer daktylischer Trimeter. Dagegen heißt der Hexa­
nicht mehr als vier Doppelfüßen, Si7to8tai., csu^uYlai.Davon unterscheidet meter nicht mit Recht katalektisch in bisyllabum: ginge er auf einen
er das metrische System aus gleichen Maßen in längerer Reihe, in glei­ vollen Daktylus aus, dann wäre er (außer in lyrischen Partien, in denen
chen oder ungleichen Abschnitten (nepixonai) oder aus ungleichen Ma­ es rein daktylische Reihen gibt) vielmehr ein Kretiker, da die letz te
ßen, wofür das einfachste Beispiel das elegische Distichon aus Hexame­ Silbe jedes V erses indifferent oder, wie man meist sagt, anceps
ter und Pentameter ist. Größere Gebilde dieser Art nennt man Strophen. ist2* und den Wert einer Länge hat: Quint, inst. 9, 4, 93f. habetur
Zweitens: der iambische Vers der griechischen Tragödie heißt indifferens ultima syllaba und die folgende sehr interessante Erörte­
T rim e te r, der trochaeische: Tetrameter. Aus diesen Bezeichnungen rung. ‘Hyperkatalexe’ dagegen ist ein „Verlegenheitsausdruck“
(man bemerke, daß im Gegensatz dazu H exam eter bedeutet: sechs (O. Schroeder s. v.)3>.
daktylische Füße) hat schon die antike Metrik (vgl. Marius Victorinus Drittens muß auf eine Schwierigkeit der üblichen T e rm in o lo g ie
GL VI 51, 19) den Begriff ‘M etrum ’ gleich Dipodie, Syzygie, ‘Paar’ hingewiesen werden. Der Hexameter bleibt ein daktylischer V ers,
abstrahiert. Daß es sich um wirkliche Dipodien handelt, ist daran zu obwohl Spondeen für Daktylen eintreten können. Man spricht aber
ersehen, daß die ‘inneren Senkungen’, bei Iamben die zweite, bei z. B. vom fünften Spondeus im Hexameter und meint damit den
Trochaeen die erste der Dipodie, rein, d. h. immer durch eine kurze Spondeus, der an Stelle des fünften Daktylus steht. Noch auffälliger
Silbe gefüllt sein müssen. Auch im Lateinischen gibt es Trimeter ist die Bezeichnung der Caesur nach der ersten Kürze des dritten
nach griechischem Muster, von Catull an. Bei Plautus dagegen ist der F ußes, also nach einem trochaeischen Wortschluß: xa-rä Tptxov
dem Trimeter entsprechende Vers ein Senar (vgl. Hör. ars poet. 253 xpo^aiov, z. B. Verg. Aen. 4, 486:
S. 10 A. 4); der dem trochaeischen Tetrameter entsprechende müßte spargunt umida mella / soporiferumque papaver.
eigentlich katalektischer trochaeischer Octonar heißen, heißt aber
ganz unlogisch Septenar, z. B. Mil. 196 und 182: Vgl. ferner unten über das Gesetz ‘vom zerrissenen Anapaest’, näm­
lich der Teilung durch Wortschluß eines für einen Iambus eingetre­
quod volütas tüte tecum in corde? Paulisper taci.
tenen Anapaest - aber in Trochaeen, für die das Gesetz ebenso gilt,
I sis, iübe transire huc quantum possit, se üt videänt domi
gehört der ‘Anapaest’ zu zwei Füßen, ist also nur Silbenfolge.
Der erste Vers könnte auch ein Tetrameter sein, der zweite hat nur Schließlich bezieht sich das Iambenkürzungsgesetz auf eine iambische
unreine Senkungen mit Ausnahme der letzten, die immer rein sein S ilbenfolge an sich, nicht nur im Vers, sondern auch in der
muß; alle Füße sind also einander gleich. Man wird im folgenden, Sprache, z. B. bene und mall. Man wird sich jedoch durch diese
wie es die Sache verlangt, die griechischen und die lateinischen Be­ 2* Quint, inst. 9, 4, 93 indifferens ultima; neque enim ignoro in fine pro longa
zeichnungen nebeneinander gebraucht finden. accipi brevem, quia videtur aliquid vacantis temporis ex eo quod insequitur accedere;
Der Begriff k a ta le k tisc h (xavaX^ystv aufhören) bezeichnet die aures tamen consulens meas intellego multum referre, verene longa sit quae eludit, an
Unvollständigkeit des letzten Fußes im Abschlußvers, so wie z. B. pro longa, eqs. Daß hier vom Prosarhythmus, nicht vom Vers gehandelt
in der dritten Zeile des Kirchenliedes: wird, macht für den Zeugniswert der Stelle nichts aus. Vgl. Luigi Enrico
Rossi, Anceps-, vocale, sillaba, elemento, RivFil. 91, 1963, 52-71, der darauf
In allen meinen Taten
hinweist, daß die antike Bezeichnung allein indifferens, äStdcpopoc; ist.
laß ich den Höchsten raten,
3) Vgl. Kalinka I 439. Fr. Klingner im Conspectus metrorum seiner
der alles kann und hat. Horazausgabe folgt offenbar antiken Metrikern; vgl. Marius Vict. GL VI,
Katalektisch ist z. B. das Hemiepes (halber epischer Vers, gleich dem z. B. 167,4 178,32 179,20 180,16. Aber das Hemiepes ist wie gesagt
Kolon bis zur Hauptcaesur des Hexameters), das doppelt gesetzt den ein katalektischer daktylischer Trimeter, kein hyperkatalektischer Dimeter.
Pentameter bildet, Catull 85, 2: Über hypermetrische Verse bei Terenz und Plautus J. Vahlen, SB Berlin
1901 und 1907, bei Terenz z. B. Haut. 596, bei Plautus Am. 726 Aul. 643
nescio, sedfieri sentio et excrucior. As. 530 Cap. 801 Am. 461 Tri. 660 Tru. 523 Am. 672 Mo. 1141 Ep. 126.
26 Nomenclator metricus Füße. Kola 27

Mehrdeutigkeit nicht lange verwirrt finden, sondern sich schnell — ww ionicus a maiore. Die katalektischen Tetrameter mit viel­
daran gewöhnen und dann sofort wissen, was jeweils gemeint ist. facher Anaklasis heißen Sotadeen, z. B. Afran. com. 202. Petron.
23. 132. Martial 3, 29, freier Plaut. Amph. 168-712. Die Ioniker
Elemente: - longum, w breve, w anceps oder (so antik) indifferens; das sind nicht nur durch Anaklasis, sondern auch durch Synkopen
longum wird durch eine lange, das breve durch eine kurze, das anceps (Unterdrückung eines Elements) ein besonders schwieriges, viel­
durch eine kurze oder lange Silbe gefüllt; derTerminus biceps u y von leicht das schwierigste Maß.
P. Maas ist im folgenden durch die geläufigen Termini der (mit einer -w w - choriambus, in reiner Form selten z. B. Men. 110 N t mala,
Länge vertauschbaren) aufgelösten Hebung oder Senkung ersetzt. ni stülta stts, ni indomita inipsque animi.
Zweisilbige Füße: ( w w pyrrhichius), — spondeus: kann für Iamben, (w----- \ J Antispast).
Trochaeen, Daktylen oder Anapaeste eintreten. Iamben und Fünfsilbige Kurzverse: w — w - dochmius; ihm gleicht der kata­
Trochaeen kommen im Griechischen nur paarweise, xaxd St7to8iav, lektische baccheische Dimeter: s. S. 73f.
au^uyEav, als ‘Metra’ vor. Eine Nebenform des trochaeischen Me­ _ w - w - hypodochmius, ein Dochmier mit Anaklasis, s. S. 77.
trum : -w— heißt Epitrit (ein Drittel des ersten Fußes, xpixov pipo?, - w w - w adoneus (versus), ’AStoveiov, Klausel der sapphischen
= eine Mora, kommt im zweiten hinzu, inl, so daß er die Dauer Strophe bei Horaz.
von 4 morae erhält). Uber Trimeter und Senars. oben. Nebenform Sechssilbige Kurzverse: w - w w - w reizianum, mit vielen Varianten,
des Trimeters ist der Hinkiambus (Choliambus, Skazon), ein Tri­ als Klausel nach iamb. dim. in Aul. 415—445 von Reiz ent­
meter mit Spondeus statt Iambus im letzten Fuß, z. B. Catall 8. deckt«): s. S. 77 f.
Dreisilbige Füße : ( w w w Tribrachys = Iambus oder Trochaeus mit - w - w - w ithyphallicus, Klausel z. B. Hör. carm. 1,4.
aufgelöster Hebung). ( -----Molossus). Kola, membra, Versglieder, die unter dem von Hephaestion (oben
- w w Daktylus. Zu ‘Hexameter’ wird in der Regel daktylisch nicht S. 2 3 u.f.) angegebenen Maß bleiben: - w - w w - w - glyconeus,
hinzugefügt. Der Pentameter besteht aus zwei katalektischen z. B. Hör. carm. 1, 3 , 1 sie te diva potens Cypri.
daktylischen Trimetern, jeder von zweieinhalb Füßen; zweimal - w - w w - w - w hipponacteus, ein ‘hyperkatalektischer’ glyconeus.
zweieinhalb = fünf: so erklärt sich der wenig passende Name, - w - w w - w pherecrateus, ein katalektischer Glyconeus, z. B. Hör.
u u - Anapaest. Der katalektische anapaestische Dimeter heißt carm. 1, 5, 3 grato, Pyrrha, sub antro.
paroemiacus (Sprichwortvers). -w w-w-w aristophaneus, z. B. Hor. carm. 1, 8 Lydia, dic per omnis.
w — Baccheus.- w - Kretiker. (— w Palimbaccheus). ( w - w Amphi- w -w w -w - telesilleion, ‘akephaler’ glyconeus.
brachys). w-w w-w w - prosodiacon, Hephaestion p. 48,2 aüxot St ab KaWuo7ra.
Viersilbige Füße: w w w w proceleusmaticus, aufgelöste Form von glyconeus + pherecrateus = priapeus, z. B. Catuli 17 O colonia,
Anapaest, Iambus oder Trochaeus; die Hebung des Daktylus wird quae cupis ponte ludere longo.
nie aufgelöst. phalaeceus, von Catull hendecasyllabus genannt. Cui dono lepidum
- w w w Paeon; je nachdem ob die Länge an erster, zweiter usw. novom libellum.
Stelle steht, heißt er erster, zweiter usw. Paeon, Ganz ähnlich, nur mit Doppelkürze in der dritten Senkung, der
w w — ionicus a minore. Ein System bei Horaz carm. 3,12. Der kata­ sapphische Elfsilber.
lektische Tetrameter (mit mehrfacher Anaklasis 4), Umbrechung, asclepiadeus: Maecenas atavis edite regibus.
Vertauschung von Längen und Kürzen) heißt Galliamben: Catull 63, Für alles übrige sehe man den conspectus metrorum zu den einzel­
ein katalektischer Dimeter mit Anaklasis ist der Anacreonteus, nen Dichtern.
z. B. Sen. Med. 852 facinüs parät furore.*)
®>Vgl. indessenGottfr. Hermann,Elementa doctrinae metricae, 1816,457:
*) Vgl. Marius Vict. GL VI 93, 30. Reizius . . . hos versus iambicos trimetros hypercatalecticos opinabatur.
Livius Andronicus inventor? 29

ungefähr 150 Verse: viel zu wenig, um über diesen außerordentlich


variantenreichen Vers Klarheit gewinnen zu können. Wenn man
nun aber bedenkt, daß Livius Andronicus und Naevius sowohl
Dramen in denselben Versmaßen wie Plautus und Terenz als auch
III. DIE ALTLATEINISCHE SZENISCHE METRIK1» Saturnier geschrieben haben, dann wird man es für ganz unwahr­
scheinlich halten müssen, daß diese von jenen prinzipiell verschieden
Die erhaltene lateinische Literatur fängt mit Plautus und Terenz gewesen seien. Wir werden daher der Beurteilung der Saturnier die
an, mit ihnen muß daher begonnen werden. Die Fragmente der Szeni- Anschauung zugrunde legen müssen, die wir uns von Plautus ge­
ker werden wegen der Unsicherheit von Text und Metrum nur bildet haben. Dies ist der Grund dafür, daß die Behandlung des
gelegentlich herangezogen. Auch an S a tu rn iern besitzen wir nur Saturniers auf die des Plautus und Terenz folgt.
Man ist wohl auch heute noch zumeist der Ansicht Wilhelm Meyers
*> Die folgende Darstellung geht von der Metrik ganz allmählich zur (19. 26 und sonst), L ivius A n d ro n ic u s sei der Mann, der „die
Prosodie über und zieht gegen Ende immer mehr auch nachplautinische Nachahmung der griechischen jambischen und trochäischen Verse
Erscheinungen heran, ein kompositioneller Mangel, den der Leser gebeten
zuerst versucht“ habe, der „ O r d n e r “ der altlateinischen Metrik2».
wird in Kauf zu nehmen. Der Grund ist der, daß vom Versschema ab­
gesehen alle metrischen Regelungen offenbar eine sprachliche ratio haben,
Dies kann unmöglich richtig sein. Ein sicherlich weit größerer Dich­
daher eigentlich schon zur Prosodie gehören. Zur Definition von TtpoacpSla ter, Ennius, hat den Hexameter in die lateinische Literatur eingeführt,
(die lat. Übersetzung ist accentus) Sext. Emp. adv. math. 1, 113: die Gram­ aber es hat hundertfünfzig Jahre gedauert, bis dieser Vers bei Vergil
matiker bezeichnen mit TtpoatoSia nicht nur Länge und Kürze, sondern auch seine Vollendung, rfjv saurou «pücxiv erreichte. Die altlateinische sze­
Akut, Gravis, Circumflex, Spiritus asper und lertis. - Zum Verhältnis nische Metrik dagegen ist bei Plautus, und soweit wir urteilen können,
zwischen Prosodie und Metrik vgl. P. Maas § 119: Die „schwankende schon bei Livius Andronicus, ‘fertig’, vollendet, in dieser Voll­
Praxis der Dichter (hinsichtlich der Quantität) und die Lehre davon nennen endung aber wesentlich, vielmehr wesenhaft von der griechischen
wir Prosodie. Prosodie ist Sprachwissenschaft vom metrischen Standpunkt Metrik verschieden. Es ist undenkbar, daß diese Verskunst aus dem
aus. Die prosodischen Erscheinungen sind mit den auf anderem Wege Kopf des tarentinischen Sklaven wie Athena aus dem Haupte des
feststellbaren sprachwissenschaftlichen (sprachlichen!) Erscheinungen
Zeus entsprungen sei3». Aber es gibt hierfür außer dieser metrischen
großenteils identisch; . . . Daher wollen wir auch die Behandlung der
eigentlich metrisch-prosodischen Frage . . . der Sprachwissenschaft über­
Erwägung noch andere Argumente, die an dieser Stelle nicht dar­
lassen“ . D. h. in allen Fragen der Prosodie geben zunächst Grammatik und gelegt werden können4».
Lexikon Auskunft; ein Lehrbuch der Metrik - dies ist das Unbefriedigende
für Verfasser wie Leser - bietet nur eine üaupaaitov auvaycoyi), wobei
ffaupäaiov ein undefinierbarer Begriff ist. 2> Ebenso noch Lindsay 4: die Pioniere in der Nachahmung der grie­
Wann Kenntnis und Verständnis der altlateinischen szenischen Metrik chischen quantitierenden Verstypen „followed their Greek models too
verlorengegangen ist, wissen wir nicht sicher. Vgl. Cic. orat. 184 zu Versen closely“ .
aus Ennius’ Thyestes (trag. 298): quae, nisi tibicen accessit, orationis sunt 3> So schon K. Meister, Sokrates 1922, 221.
solutae simillima, at comicorum senarii propter similitudinem sermonis sic saepe 4» Vgl. z. B. G. Jachmann, Glotta 1916, 61 ff. über Baccheen, Kretiker
sunt abiecti, ut nonnumquam vix in eis numerus et versus intellegi possit. Quint, und Saturnier und den Hexameter des Ennius. Sehr wichtig (wenn auch
inst. 10, 1, 99 in comoedia maxime claudicamus, licet Varro ‘Musas', Aeli z. T. bestritten) Otto Immisch, Zur Frage der plautinischen Cantica, SB
Stilonis sententia, ‘Plautino' dicat ‘sermone locuturasfuisse, si Latine loqui vellent', Heidelberg 1923. Uber Livius 7, 2 wohl zuletzt A. Klotz, Würzburger
licet Caecilium veteres laudibusferant, licet Terenti scripta ad Scipionem Africanum Jahrbücher 1947, 301-357, hierzu 303f. mit Literaturangaben. Plaut.
referantur (quae tamen sunt in hoc genere elegantissima et plus adhuc habitura Akzentstudien II 358ff. Der Anfang der röm. Literatur, Das neue Bild der
gratiae, si intra versus trimetros stetissent); eqs. Priscian G L III418,8: es wird be­ Antike II 64-85. Walther Hupperth, Horaz über die scaenicae origines
stritten esse in Terentii comoediis metra. Siehe auch S. 70 A. 79 über die Cantica. der Römer, Diss. Köln 1961.
» Versarten Plautus: Terenz 31

IAMBEN UND TROCHAEEN scher oder kretischer Wortschluß voran9*. Der iam bische O c to n a r
(bei Plautus etwa 300, bei Terenz 800) hat bei Plautus entweder eben­
Wenn man vom tro c h a e isc h e n S eptenar, den Varro versus falls Diaerese nach der 4. Hebung (so z. B. Amph. 153 ff.) oder er ist
quadratus nennt6) (etwas über 8000 bei Plautus, etwa 1200 bei Terenz: in Synaphie gebaut (in sich verbunden) und hat dann meist eine
Zahlen nach Wilh. Meyer 10), vorn den sehr frei gebildeten Kretiker Caesur nach der 5. Senkung (so z. B. Asin. 830ff.), während bei Te­
abschneidet, dann bleibt ein Stück übrig, das dem iambischen Senar renz die letztere Form vorherrscht: es sind Verse, die durch die
(über 8000 bei Plautus, über 3000 bei Terenz) nicht nur an Umfang, schwache Gliederung schleppend wirken. Der tro c h a e isc h e O c to ­
sondern auch in der Bildung genau gleich ist6’. Man kann daher nar schließlich kommt nur in Cantica vor und genießt daher größere
zweifeln, ob der U n te rsc h ied zwischen Iamben und Trochaeen für Freiheiten, als den Dialogversen zustehen. Von allen Besonderheiten
Plautus und Terenz überhaupt irgendwelche Geltung hat. Der aber können wir absehen, denn die für den Senar geltenden Regeln
iam bische S eptenar (über 1200 bei Plautus, 380 bei Terenz) hat gelten auch für die anderen genannten Verse.
in der Regel Diaerese nach der 4. Hebung, und für diesen Halb- Zwischen P la u tu s und T erenz gibt es technisch keinen Unter­
versschluß gelten dieselben Regeln wie für den Versschluß der beiden schied10*, wohl aber einen nicht geringen Unterschied im Stil, was
zuerst genannten Verse, in erster Linie daß die letzte Senkung rein allein schon an der Bevorzugung der iambischen Octonare ohne
sein muß7*. Der iambische Septenar8* hat nur eine einzige Besonder­ Diaerese durch Terenz kenntlich ist: er hat nie Verse von solcher
heit: schließt er mit einem Monosyllabon, dann geht diesem iambi- tänzerischen Leichtigkeit und solchem Glanz geschrieben, wie wir
sie etwa in der ersten erhaltenen Szene der Bacchides bewundern.
6> Nach Rufin. GL VI 556, 15 hat Varro den iambischen Septenar comi­ Es kommt hinzu, daß Plautus die rhythmische Einheitlichkeit der
cus quadratus genannt; daher wird von ihm wohl auch der Name quadratus einzelnen Szene wahrt, während Terenz, z. B. Andr. 234-269, von
für den Vers, der dem griechischen trochaeischen Tetrameter entspricht, iambischen unvermittelt zu trochaeischen Langversen übergeht und
gebraucht worden sein. Wie z. B. GL VI 622, 6 zeigt: eo quod quattuor metris dazwischen Dimeter einstreut. Vor allem sind die Cantica im engeren
constat, dicitur, hat man das Wort einfach als Übersetzung von Tetrameter Sinne bis auf geringe Reste (Andr. 481—484. 625-638. Ad. 610-617)
aufgefaßt. Anders Otto Immisch a. O .; Widerspruch s. Kalinka II 102f., verschwunden. Der Grund ist ohne Zweifel ein anderes ‘Kunstwol­
zustimmend A. Klotz 307. len’. Dem Gegner stellt sich die Sache so dar, Photm. 4f.:
6* Umgekehrt nach O. Immisch 34: Livius Andronicus „drängte sich
alsbald die Beobachtung auf, daß bei diesem ‘Vierer’ nur das ursprüngliche qui ita dictitat, quas ante hicfecit fabulas
Eingangsglied (d. h. der erste Kretiker) wegzubleiben brauchte, und er tenui esse oratione et scriptura leviw .
hatte fix und fertig in der Hand, was den dramatischen Hauptvers der Für Plautus darf man wohl Trin. 707:
Griechen, den Trimeter, ersetzen konnte“. Damit erklärt sich für ihn
ohne weiteres die Gleichheit der Technik, insbesondere auch die Zulassung
hPc agit margis ex argumento et ve6rsus meliori'1s facit.
der Hiate im Senar an den dem trochaeischen Septenar entsprechenden als ein indirektes Selbstzeugnis werten.
Stellen, an denen er in diesem seit alters vorkam. Als Beleg für die Über­
einstimmung der Bildung des Senaranfangs mit dem entsprechenden 9> Ausnahmen Andr. 575 inte1r « .H e c .272 numqufd vis. Asin. 614 tu*
Stück des trochaeischen Septenars nach dem ersten Kretiker führt O. Im­ vita7 es mi. Hec. 613 troch. oct.; vgl. aus Cantica z. B. Pers. 854 Pseud. 1257.
misch S. 35 an Poen. 130 dubia1s ege2nas und Capt. 406 i 1« rebu2s dubii3s 10* Die Versschlüsse wie quid igitür bei Terenz (S. 38 f.) bedeuten keinen
egel nis. technischen Unterschied.
7> Ausnahmen Mil. 361 respi1cedum ad laet vam: quias illaec el st mulie^r. u > Haut. 46 in hac (fabula) est pura oratio würde man gern mit Leo
Pro di* immorta1les. 1233. Hec. 780. (A. Klotz 322). 249 A. 1 entsprechend verstehen: „In dem Lobe derpura oratio des Terenz
8> Auch bei Pacuvius und Accius nachgewiesen von Ladislaus Strzelecki, zeigt sich schon der Bildungsstolz einer neuen Zeit“ usw., aber sicher hat
De re metrica tragicorum Romanorum quaestiones. Travaux de la Soci6t6 W. Kroll recht, der, allerdings sehr frei, übersetzt: „In diesem Stücke
des Sciences et lettres de Wroclav Ser. A Nr. 41, 1952. Hießt die Handlung ruhig“ (Terenz’ Haut., Breslau 1927).
Altlateinische Metrik Schema. Caesuren 33

Das Schema Plautinae: quae rationes inter versus singulos sententiasque intercedant
exemplo comprobatur, Diss. Marburg 1893 (dazu O. Seyffert Burs. 1894,
285-287). Leo, Saturn. Vers 14. Kl. Schriften I 1960, 63 A. 3. Lindsay
D er le tz te Fuß vor dem Versschluß des Senars und des trochae-
Burs. 1906, 239. O. Wiebe, De versus sententiaeque concinnitate, Diss.
ischen Septenars muß re in sein, d. h. ein Iambus. Alle übrigen Göttingen 1909 (dazu Lindsay Burs. 1914, 34: besser als Appuhn). E. Lin-
Hebungen können aufgelöst, alle Senkungen durch eine lange oder pinsel. Quaestiones Plautinae, Diss. Münster 1918. F. Eckstein, Neue
zwei kurze Silben gebildet werden. Wie der Name sagt, sind die Untersuchungen zu Plautus und Terenz, Philol. 1925,410-436 (zu Bacch. und
Verse nach Füßen, nicht nach Metra gebaut. Das griechische Dipo- Most.). F. Conrad,Versende und Sinnesabschnitt bei Plautus, Glotta 5,1926,
diengesetz gilt also nicht; ihm ein lateinisches Dipodiengesetz an 128ff. Zum Hexameter vor allem Norden, Verg. Aen. VI 386ff. Zu Lukrez,
die Seite zu stellen (Wilh. Meyer 42 ff.), war ein Irrtum, der leider Karl Büchner, Beobachtungen über Vers und Gedankengang bei Lukrez
noch immer nicht ganz ausgerottet ist. Die Häufigkeit der A u f 1ö s u n- Diss. Leipzig 1936. Derselbe: Die Trennung von Adjektiv und Substan­
gen in den verschiedenen Hebungen und Senkungen ist indessen tiv durch die Versgrenze in Horazens Satiren, Hermes 71, 1936, 409-420.
keineswegs gleich, wofür eine abschließende Statistik (die jedoch
nicht nur die Versstelle, sondern auch die Wortformen und die syn­
taktischen Beziehungen berücksichtigen müßte) m. W. noch fehlt. Caesuren
Die Frequenzschwankungen dürften damit Zusammenhängen, daß die
aufgelöste Senkung zur folgenden Hebung ansteigt, die aufgelöste He­ Hier kann nach der oben S. 19 ff. entwickelten Theorie nur das ‘Ge­
bung vorwärtsweisenden Charakter hat: vgl. z. B. Epid. 137 exgo quod wohnheitsrecht’festgestellt werden; im übrigen hat man sich an die von
be2nefeci3malefe* ei. Daraus folgt, daß für aufgelöste Hebung die Stelle Vers zu Vers wechselnde Gliederung nach den gleichzeitig rhyth­
mischen und syntaktischen Kola, Kommata oder Gruppen zu halten13*.
nach der Caesur und die erste Hebung des trochäeischen Septenars be­
sonders geeignet sind, für aufgelöste Senkung der 1. und 5. Fuß des Die üblichen Caesuren des Senars sind die se m iq u in a ria und
Senars und die entsprechenden Stellen des trochäeischen Septenars die se m isep te n aria, z. B. Amph. 1 und 2:
(d. h. ohne den ersten Kretiker), außerdem dieser Kretiker, am schlech­ U t vols in vostris / vo3ltis mercimoniis
testen die Stelle vor der Caesur. Wichtig, daß aufgelöste vorletzte He­ emuxndis vendundisque j me* laetum lucris
bung verhältnismäßig nicht sehr häufig ist (O. Skutsch 61 ff.). Durch
Daneben haben noch andere häufigere Einschnitte gliedernde Funk­
Auflösung sowohl von Hebung wie von Senkung entsteht der Pro- tion, z. B. Amph. 929. 937:
k eleusm atiker.D er steigende ist häufig, aber auch der fallende sicher
belegt12). M o n osyllaba sind am V erssch lu ß nicht auf Grund einer iuben mi i*re comites? Sa3nan e*s? St non iubesM>,
metrischen Regel (Wilh. Meyer 44.48), sondern mit Ausnahme von est iam nuxnc irata non es? No*n sum. Be*nefacis.
usw. ihrer Natur nach nicht häufig: Glotta 1935, 225ff.; dort auch
Alleiniger caesurartiger Einschnitt nach der 3. H eb u n g ist nicht
über die nach Wilh. Meyer gemiedene Synaloephe vor schließendem
häufig, aber durchaus nicht so selten, wie Wilh. Meyer behauptet,
iambischem Wort. H y p e rm e ter, Verse, die das Maß überschreiten,
z. B. Bacch. 257 Amph. 912 Pers. 410 Trin. 56:
z. B. Aen. 1,332 loco3rumque / e1rramus. Ter. Ad. 375 a3tque / absurda.
Quamne A 1rchidemide3m? Quam, inquam, Archidemidem.
Enjambement, Übergreifen des Satzes über das Versende
cur dil xisti, inquie3s? ego expediam tibi.
Für diese mehr stilistisch, daher hier nicht unmittelbar interessierende
Frage werden Literaturhinweise ausreichen: Guil. Appuhn, Quaestiones
13> Gegen Wilh. Meyer 44ff.: Caesur und Diaerese 334f. Zetemata 38,
12> Nur als Materialsammlung nützlich Axel W. Ahlberg, De proceleus­ 117 ff. mit reichen Materialsammlungen. Vgl. etwa noch Aug. Franke,
maticis iamborum trochaeorumque antiquae scaenicae poesis Latinae, De caesuris eqs. Diss. Halle 1893, dazu O. Seyffert Burs. 1894, 267f.
Studia metrica et orosodiaca I. II. Lund 1900. 14> Zu dem Einschnitt nach der 4. Hebung vgl. S. 39. 42. 49.
3« Caesuren Caesuren: Monosyllaba 35

proca1x rapax trabazx - trecentis versibus Vers den Namen ‘v ersu s q u a d ra tu s ’ verdankt, sofern dies nicht
vivi1t vieturaque e3st. Bene hercie nuntias. die Übersetzung von Tetrameter ist. Vgl. außer O. Immisch (oben
S. 30 A. 6) vor allem Ed. Fraenkel, Zur Vorgeschichte des versus
Einschnitt nach der 2. und 4, Hebung z. B. Aul. 510:
quadratus, Hermes 1927, 357 ff., wo man weitere Stellen findet.
flamma1rii2 violarii4 carinarii. Hier werden nur drei angeführt, die häufigste Form Asin. 512, die
etwas seltenere Rud. 1276, und ohne Gliederung der zweiten Vers-
Nur nach der 2. Hebung z. B. Cist. 600 Cure. 652:
hälfte Pseud. 695:
Nempe Pstic e3st, qui Alcesimarcho filiam
lil nguaposcit, co3rpus quaerit, ahnimus orat, res monet.
ubi is exst homo2 qui te surrupuit? Nescio.
Cexnseo3. Post eius matrem? Ce3nseo®.Quid postea?
Sehr selten mit alleinigem Einschnitt nach der 4. Hebung, z.B. Eun. 836: sci1s amorem, sci3s laborem, sci6s egestatem meam.
viden? VPdeo. Co3mprendi iubei quantum potest. Auf den die Kolometrie des Verses unterstreichenden Reim braucht
nicht erst hingewiesen zu werden.
Ebenso selten ohne jeden Einschnitt in der Mitte des Verses, z. B.
Ein weiterer nicht ganz seltener Einschnitt liegt nach der v ie r­
Mil. 485:
ten H eb u n g , z. B. Amph. 655:
certum1 est nunc o3bservatio4ni opera3m dare.
quae1 me ama3t, quam co3ntra amo*, praesertim re gesta bene.
Im tro c h a e isc h e n S eptenar entspricht die Caesur16' nach
Weitere Stellen Zetemata 38, 121-123.
der 4. Senkung, dem Schema nach, der semiquinaria des Senars,
Die erste Hälfte des iam bi sehen S eptenars und des iambischen
während ein Einschnitt nach der 5. Senkung unharmonisch und
O c to n a rs mit Diaerese nach der 4. Hebung hat zwei hauptsächliche
daher selten ist, z. B. Aul. 644:
Gliederungsformen, z. Mil. 369 und 372:
axtque id quo3que iam fiet, nii si fate6re. Q ui3dfatear tibi?
quipluls vide3nt quam quo3d vide*nt.
Der Hauptcaesur nach der 4. Senkung treten aber sehr oft noch noli1 minita3ri: sci3o cruce*m
E in s c h n itte nach der 2. und 6. S enkung oder nach der 2.
In der zweiten Hälfte gibt es keine klaren Gliederungstypen.
u n d 6. H e b u n g an die Seite. Es sind dies die Formen, denen der15
M onosyllaba v o r der C aesur sind so wenig ein Problem wie
15' Ist dies Caesur oder Diaerese? Diaerese wäre es, wenn der Vers an am Versende. Dagegen gehört ein p y rrh ic h isc h e s W o rt an dieser
dieser Stelle regelmäßig in zwei Hälften geteilt würde, was augenscheinlich Versstelle rhythmisch und meist auch syntaktisch zum Folgenden,.
nicht der Fall ist. Von den Kriterien für Vers- und Halbversschluß fällt Caesur danach ist also nicht anzuerkennen. Der erste der von Fr.
syllaba anceps hier, in der Senkung, fort, Hiat aber ist, wie es scheint (Zah­ Skutsch Kl. Sehr. 108 angeführten Verse Amph. 755 lautet:
len stehen mir nicht zur Verfügung: man hat die Hiate im Senar ja auch
meist zu beseitigen versucht), nicht oder nicht wesentlich häufiger als in Quixd nunc, mulier? audin i*llum? Ego ve3ro, acfalsum dicere.
der semiquinaria des Senars. - In den sogleich anzuführenden ‘versus Der Vers hätte nach illum die regelmäßige Caesur, aber sie wird ver­
quadrati’ ist das Gewicht der drei Einschnitte nach der 2., der 4. und der
dunkelt, indem Alcumena ihrem Gatten mit Ego vero (steigend
6. Senkung fast gleich, das des Einschnitts nach der 4. nur deshalb etwas
größer, weil er in der Mitte liegt. Auf die Gleichheit des Baues von Senar anapaestisch) ins Wort fällt. Der Vers ist wichtig für das Verständnis
und trochaeischem Septenar nach dem ersten Kretiker kann man sich in der Synaloephe bei Personenwechsel16'.
diesem Falle nicht berufen: über den rhythmischen Charakter einer Caesur
entscheidet die Ponderierung, und diese kann bei zwei Versen von ver­ 16> Infolgedessen ist auch die Iambenkürzung an dieser Stelle, auf Grund
schiedener Länge nicht die gleiche sein. der Bedingung, an die sie gebunden ist (s. S. 49f.), kein Problem. Vgl.
36 Caesuren: Synaloephe Regeln über betonten Wortschluß 37

Wo ist die C aesur bei S ynaloephe anzusetzen? Die Frage curio8 est mihi*'. die Synaloephe bzw. Aphaerese ändert nichts an dem
bedarf einer Neubearbeitung in Auseinandersetzung mit Wilh. rhythmischen Charakter, Mercurio est ist anapaestischer Wortschluß
Meyer 60ff. Es müssen zwei Fälle unterschieden werden: Synaloephe wie Mercurio. Ganz anders ist die rhythmische Gliederung z. B. in
vor der Hebung und vor der Senkung. Der erste, z. B. Amph. 474: 43 co3mmemora*re quae6 bona*, 49 fa i cere quae*pari*tlsK
Die häufigste A usnahm e ist in maldm crucim (so immer, etwa
quae fa 1cta. dei nique A 3leume4nam lu *ppite *r
23 mal, ferner bondn (bona) ficti Most. 670 Truc. 586. Ausnahmen, die
ist zu beurteilen wie die Hypermeter (S. 32 u. 105): -que, das sich die Regel bestätigen, sind (Luchs 14ff.):
durch die Synaloephe lautlich eng mit Alcumenam verbindet (vgl.
rkeniünt domüm Amph. 188, ähnlich im ganzen etwa siebenmal;
16ff.; 17A. 17), rechnet nicht; das ‘Gewohnheitsrecht’ legt nahe, mit
falsch Amph. 983 Cist. 237 (Leo) Rud. 1247 (siehe Fr. Marx
Caesur nach deni- zu lesen.
z. St.)
Die andere Form ist sehr viel zweifelhafter. Man vergleiche aber
z. B. Aul. 352: äd animüm meüm Mil. 39. ddte operäm modo Pseud. 585, im gan­
zen etwa 40 mal
tibicinamque opsoniumque in nuptias
diceri voluifemür Mil. 27, etwa 26 mal.
mit Aul. 510 auf S. 34: es läßt sich kein Unterschied erkennen, man
wird daher den Vers ebenso wie jenen unter die Fälle mit Einschnitt Dies kann nur bedeuten, daß die Anapaeste -veniünt, animüm, operäm,
nach der 2. und 4. Hebung einreihen müssen. Auch hier treten volui als solche gehört wurden und voll zur Geltung kamen1®), während Ita
Hypermeter iambisch ausgehender Verse S. 32 u. 38 stützend und facitmibi o. ä. nicht vorkommt, da in diesem Fallfacti offenbar als iambischer
bestätigend an die Seite. betonter Wortschluß gehört wurde. Wenn aber in dicere voluifemür das zwei­
te Wort ein voller Anapaest war, dann bildete nicht -re vo- eine aufgelöste
Hebung, sondern -re muß sy llab a an cep s sein. Die Bestätigung liegt in
der Tatsache, daß in der drittletzten Hebung echte syllaba anceps oder
Regeln über betonten Wortschluß Hiat2®) wie z. B. Andr. 437 Rud. 7 :

D a s B e n tle y - L u c h s s c h e G e s e t z : in d e r v o r l e t z t e n Potin exs mihi ve*rum di*cerei ? Nilfa*ciliu*s.


intel r mortariis a3mbulo4 inte*rdiu*s.
H e b u n g i s t i a m b i s c h e r b z w . k r e t i s c h e r W o r ts c h lu ß g e ­
m ie d e n , s p o n d e i s c h e r o d e r a n a p a e s t i s c h e r W o r ts c h lu ß
f e s t e R e g e l 17*, also z. B. am A nfang des A m phitruo: 2 laetu*m “ ) Aber Capt. 572 ist zu lesen: Plu*s quide*m quam tP bi aut mihi*. Plaut.
lucri* s, 6 pe*rpetuo6 lucro*, aber auch 12 praesim e*t lucro*, 19 Me*r- Akzentstud. II 35; quam Lindsay.
“ ) A. Thierfelder: „Das ist die Frage, ein ‘schwebendes’ Gebilde scheint
Jachmann Stud. pros. 17ff. 38. O. Skutsch 88ff.; vgl. auch O. Seyffert möglich.“ Vgl. Zetemata 38, 58ff.
Burs. 1894, 268. Lindsay Burs. 1906, 213. 2°) Uber Hiat und syllaba anceps an dieser Versstelle und am Ende des
17) R. Bentley zu Hör. sat. 2, 5, 79. Ritschl Prolegomena CCX. August ersten Kretikers des trochaeischen Septenars Hermann Jacobsohn,
Luchs, Quaestiones metricae, Studemunds Studien auf dem Gebiete des Quaestiones metricae et grammaticae, Diss. Göttingen 1904. Dazu Fr.
archaischen Lateins I 1883, 1-75. Lindsay 270-272. Indiskutabel A. Klotz Leo, Saturn. Vers. 20: „Die Frage ist, ob die Wortform oder die Versstelle
319 ff., aber nützlich durch die Zusammenstellung der Ausnahmen. Die Anlaß der Dehnung ist. Ich habe früher gemeint, daß es die Wortform sei
ratio des Gesetzes liegt in dem auf spondeisch- oder anapaestisch-iambische (Plaut. Forsch. 309; vgl. in der 2. Aufl. 334 A. 1. 336 A. 1), weil ich in
Gruppen wie quantüm potest oder animüm meüm auszudehnenden Gesetz einer großen Zahl von Fällen bei Plautus dieselbe Verwendung daktylischer
kretischer Betonung kretischer oder daktylischer Wörter und Gruppen Wörter im Werte eines creticus fand. Aber die Annahme war an sich be­
(unten S. 43). Vgl. Plaut. Akz. Stud. II Kap. 2: Erweiterung des Bentley- denklich, da in diesem wie in anderen Fällen nur Auslautsilben im römi­
Luchsschen Gesetzes. schen Verse Dehnung erfahren. Inzwischen ist die Erscheinung, soweit sie
38 Bentley-Luchssches Gesetz Drittletzte Hebung 39

zusammen etwa ebenso häufig oder noch ein wenig häufiger sind als der Während also ita facit eine in sich geschlossene kretische Gruppe ist, die
Typus dicere volui femür. Umgekehrt stützt aber wiederum dieser Typus die sich im besonderen für Pausastellung eignet, scheint die Betonung ad
echte syllaba anceps wie in Andr. 437 (beidemal dicere) und den Hiat wie animüm nur konjunkt möglich. Beides sind paeonische Silbenfolgen und
in Rud. 7, deren Legitimität im allgemeinen anerkannt wird21). Dieser metrisch betrachtet gleich, trotzdem haben sie auf Grund der Verschieden­
durch das Bentley-Luchssche Gesetz wie von ungefähr gelieferte Beweis heit der Wortgrenzen verschiedenen Wert, jene den eines Kretikers, diese
ist von großer Bedeutung, erstens für den Hiat, der in einem Fall wenig­ den eines Anapaests mit davorgestelltem Monosyllabon. Jedoch erhebt
stens nicht mehr leicht bestritten werden kann, noch mehr aber für die sich ein Einwand: augenscheinlich ist igitur aus agitur in Gruppen wie quid
syllaba anceps: augenscheinlich setzt sich eine sprachliche Betonungsregel - agitür mit dieser Betonung entstanden,und zwar sicher auch, oder vor allem,
dicere, darüber unten S. 42f. - gegen die metrische Regel durch, daß die in der Verwendung als selbständiger Satz. Man könnte daher vermuten,
Hebung nur durch eine lange Silbe oder zwei kurze vertreten werden kann. daß diese Betonung in alter Zeit, unter der Herrschaft eines Anfangsakzents,
Wie es schien - darüber S. 42 -, hat ita facit den Wert eines Kretikers, absolut, in plautinischer Zeit nur noch konjunkt möglich war.
(ad) animüm an der Bentley-Luchsschen Stelle den eines Anapaests: ist Aus dem Bentley-Luchsschen Gesetz folgt, daß z. B. in Pseud. 800
ad animum, quid igitur o. ä. niemals ein Kretiker? Tatsächlich fehlen Grup­
sed cur sedebas ln fori, si erds coquis,
pen dieser Art bei Plautus am Versende. Vor der Diaerese allerdings kom­
men sie vor: meo animö u. ä. Cure. 505 Mil. 384 405 Phorm. 821. quid agitür si eras ein Anapaest sein muß, folglich mit prosodischem Hiat zu
Pers. 309 Poen. 822. et homines Rud. 346. neque adei Capt. 519. sed ubindm lesen ist: s. S. 46 (Plaut. Akz. Stud. I I 43.303).
Phorm. 827. quid alias Hec. 776. ille potior Pseud. 925 dim. cant. Und es Das Gesetz gilt nicht nur für Wörter, sondern auch für Gruppen.
kommt allerdings am Versende bei Terenz v o r: bono animi es Eun. 84 Phorm. Ein Vers schließt z. B. Quis hic ist homo Cure. 230, nicht quis ist homo,
965. quid agitür Eun. 854 1088. Phorm. 610 1007 Ad. 373 883 885. is adei
oder hoc ist tibi Men. 166 655, aber Rud. 632 ut sit tibi, nicht ut ist
Ad. 402Z). Die ratio der Fälle vor der Diaerese dürfte aus den Versen Poen.
tibi. Einzelheiten Plaut. Akz. Stud. II 26—46.
822 Phorm. 827 Hec. 776 am klarsten zu erkennen sein:
In der d r ittle tz te n H eb u n g überwiegt weit iambischer bzw.
leninis se’rvom; quid habedt sermonis auscultabo. kretischer betonter Wortschluß23): vgl. Amph. 12 (13) 15 18 25 30 31
buiüsce habendae, sed ubindm Getam invenire possim, ut
38 47 usw.
solam fecisse id quid aliae meretrices facere fugitant.
In der Mehrzahl der Ausnahmen folgt ein die beiden letzten Füße füllendes
Im ersten Vers ist habeat in die Gruppe quid - sermonis eingebettet, im dritten Wort, z. B. Amph. 363 The3bani6s legio7nibu3s. 366 co&mpositi6s menda7cii6s.
die attributive Verbindung aliae meretrices in einen weiteren Rahmen ein­ Indessen gibt es auch eine nicht ganz geringe Zahl anderer Fälle, z. B. Mil.
gefügt, im zweiten steht sed ubinam in Fembeziehung zu invenire possim, die 1095 na3m nullo4 pacto5 pote3st. Das Häufigkeitsverhältnis zwischen jenen
Diaerese ist also syntaktisch überbrückt, die Synaphie der beiden Vers- und diesen ist nach Hingst 74f. 166:105, oder vielmehr nach Abzug von
hälften ist eine vollständige, die Betonung quid babedt usw. muß als ‘kon- korrupten und zweifelhaften Fällen und von solchen mit einer erkennbaren
junkt’ verstanden werden. Daß aber bei Terenz auch der Versschluß viel ratio (z. B. inter se) 166:53, also etwa 3:1. Zur Erklärung der Fälle vor
weniger tief einschneidet als bei Plautus, beweisen die Hypermeter wie schließendem vier- bzw. fünfsilbigem Wort vgl. Plaut. Akz. Stud. I I 19-22.
Ad. 217 pau’lulum a%tque / adule1scenti. 465 S i6mulum a6tque / aequa1lern, Man könnte weiter vermuten, daß die Inversion eine Rolle spielt, z. B.
und die Fälle von härtestem Enjambement wie oben Phorm. 827 in der Truc. 482 me3as pugna6s dum prae7dicesm. Cure. 599 Epid. 446 vgl. Men.
Diaerese, sogar am Versschluß Eun. 631 et ea o6mnia i6n / peiol rempa2rtem. 929; parallele oder antithetische Satzglieder z. B. Cuc. 649 ne3c viva*m nec
mortuam. Cas. 373 Cure. 483 Merc. 860 Mil. 715 Rud. 1195 Trin. 134; Cure.
die plautinische Versbildung angeht, richtig erklärt worden. H. Jacobsohn 179 si6bi pugna6s, sibi proelia, Merc. 988 Mil. 29; vgl. auch Aul. 594 Cas. 771
hat nachgewiesen, daß bei Plautus die Dehnung von Endsilben daktylischer
Wörter ihren Grund nicht in der Wortform, sondern in der Versstelle hat.“ 23) Ritschl Prolegomena CCXI. O. Seyffert Burs. 1886, 32f. 1894, 278f.
Wir werden teils zu Leos früherer Ansicht zurückkehren müssen, teils für Wichtigste Arbeit: Theodor Hingst, De spondeis et anapaestis in antepaenul­
Versstelle einzusetzen haben: Gruppen- oder Kolongrenze. timo pede versuum generis duplicis ( = Iamben und Trochaeen) Latinorum,
21) Dagegen Lindsay 232 ff. Diss. Leipzig 1904. Gegen ihn erfolglos A. Klotz 311 ff. Vgl. Plaut. Akz.
22> O. Skutsch 85. Glotta 1935, 228 A. 4. Maia 1959, 261 f. Stud. II 19-22. Zetemata 38, 146ff.
40 nicht fadre omnibus Gesetz vom zerrissenen Anapaest

Mil. 820 Poen. 844. Im Hexameter nämlich gibt es ebenfalls Endiktierung Prokeleusmatische Wörter
solcher paralleler oder antithetischer Glieder, z. B. Lucr. 278 quae mare,
quae terras, quae denique nubila caeli / verrunt', vgl. Hexameterstudien II 52ff. Die Betonung fa c iliu s verhält sich zu fa ciliu s wie 9:1, so jedoch, daß
In der zw eiten und d ritte n H eb u n g des Senars ist betonter bei den Komposita des Typus benevolus (betont wie bene volünt: s. S. 42)
Wortschluß wegen der Caesur sehr selten241. In der erste n H ebung und dem Typus mulieris (vgl. abjete u. ä. Enn. trag. 80. Verg. Aen. 2, 16
des Senars und in der zw eiten und d ritte n des tro c h a eisc h en 442 492) 28> Anfangsbetonung fast ausnahmslos, dagegen bei dem Kom­
positionstypus reveniunt Betonung auf der zweiten Silbe verhältnismäßig
S eptenars unterliegt er keinen metrischen Beschränkungen. Vgl.
weit häufiger ist (vgl. für reveniunt selbst Capt. 447 Amph. 188 Asin. 897
O. Seyffert Burs. 1894, 279f. Zur Erklärung Zetemata 38, Kap. III. Most. 57 Poen. TI, ferner oben S. 37), desgleichen bei mediocris, hier wohl
IV A. Neue Plaut. Akz. Stud. 289 ff. aus unbekannten prosodischen Gründen. Vgl. zuletzt ‘Prokeleusmatische
Wörter’27).

Betonung der vorletzten Kürze


Gesetz vom zerrissenen Anapaest
Die Iktierung fa d r e fehlt vollständig24a). InVersen wie den folgen­
den ist mit syllaba anceps zu lesen: Men. 841 la3mpadibu3s ardentibus. Fr. Leo Plaut. Forsch.2 261: „in jam b isch en und tro c h ä -
Pseud. 147 tohnsilia3 tappetia; vgl. Stich. 378 to3nsilia e3t tappetia. isc h e n V ersen d a rf die aus zw ei K ü rz e n b e ste h e n d e
Die Iktierung omnibus kommt fast nur am Versanfang und auch S enkung n ic h t so g e b ild e t w erd en , daß eine o d er beide
hier nur sehr selten vor, z. B. Trin. 54 = 75 omnibus amicis; interessan­ K ü rz e n den Schluß eines m e h rsilb ig e n (d. h. mehr als ein­
ter Poen. 464 omnibus in ixtis. Cas. 55 filius is atitem. An anderer Stelle silbigen) W ortes b ild e n 28*.“
in freieren Versen z. B. Bacch. 614 Pseud. 146 151 Stich. 736. Stellen­ Regelmäßige Ausnahmen bei trochaeischem Wortschluß sind pröpter
sammlung und Versuch einer Erklärung zuletzt Zetemata 38 Kap. I. amirem (der durch Wortschluß ‘zerrissene’ Anapaest ist -ter ämö-), ante
Es gibt nämlich Ausnahmen, die die Regel nicht nur bestätigen, sondern pedes, inter eis, illic homi, bei daktylischem (oder kretischem) Wortschluß
auch einen Hinweis auf ihre ratio geben, z. B. Mil. 955 C i1rcumspi2ce dum, nescio quis, decipe dum hic Men. 386, Circümspicedüm te Trin. 146, Cimprime sis
ne3 quis. Most. 472. Most. 1105 aspi^cedum. Pers. 412 Pseud. 218 aixn, Truc. 262; vgl. auch Amph. 683 (verteidigt von Fr. Skutsch Kl. Sehr. 102
exce2tra tu? tr. oct. Es heißt ferner regelmäßig nescioquis (oder nescioquis), A. 2) Cure. 138 Epid. 3 Stich 71? 28>. Sonst kommen Ausnahmen vor allem
irgendeiner (nachgewiesen von A.Luchs Hermes 6,264ff.). Die Regel gilt also
nicht, wenn ein Enklitikon hinzutritt oder, so bei nescioquis, das daktylische
oder kretische Wort mit dem folgenden Monosyllabon zu enger, der Wort­ 2«) Vgl. S. Timpanaro 1097-1099.
einung nahekommender Gruppengemeinschaft zusammengeschlossen ist25). 27> Die spätlat. Betonung pariitem, filiilus wohl zuerst Stat. Theb. 2, 492
arietibus. Vgl. Leumann-Hofmann 182 u. Dag Norberg 11.
2‘> Ritschl Prolegomena CCXVIIIff. 28> Zuerst festgestellt von Gottfried Hermann, Elementa doctrinae
24a> Wohl nur eine scheinbare Ausnahme apdge sls Poen. 225 am Anfang metricae 78. 87 und Karl Lachmann zu Lucr. 2, 719 p. 116 für daktylischen,
eines bacch. Tetrameters. von Fr. Ritschl praef. zum Miles XXII, Opusc. II 399. 684 für trochaei­
25> Gegen die Ein-Wort-Theorie, mit der man gemeinhin die Fälle, in schen Wortschluß, von Fr. Leo 261 ff. eingehend verteidigt; vgl. Wilh.
denen zwei Wörter ‘unter einen Akzent treten’ (Leo), erklärt, scheine Meyer 29. R. Klotz 307ff. O. Seyffert Burs. 1894, 276 f. Fr. Skutsch Kl.
ich vergeblich anzukämpfen: vgl. Plaut. Akz. Stud. Register-Bd. 33 f. und Sehr. 252f. Lindsay 86ff. Plaut. Akz. Stud. Register-Bd. s. v. Anapaest,
Zetemata 38 Register s. v. Vgl. Quint, inst. 1, 5, 27 mihi videtur condicionem zerrissener. A. Klotz 316ff. Zetemata 38, 39ff.
mutare, quod his locis verba coniungimus. nam cum dico ‘circum litora' tamquam 29) Fälle wie Rud. 683 prdesidium dppards werden von dem Gesetz nicht
unum enuntio dissim ulata distinctione, itaque tamquam in una voce una est berührt, offenbar deshalb weil die letzte Silbe von praesidium nicht nur
acuta, quod idem accidit in illo ‘Troiae qui primus ab oris’. Priscian GL II 551 f. lautlich durch die Synaloephe, sondern auch nach ihrer Betonung mit der
unten S. 88 A. 5. ersten Silbe von apparas verschmilzt.
42 Kretisches Betonungsgesetz Kretisches Betonungsgesetz 43

am trochaeischen Versanfang, demnächst (bestritten) nach der Caesur vor, Für die Geltung des Gesetzes in Gruppen ist vielleicht das beste Beispiel
z. B. Stich. 114 Ad. 971: hoc age, Pers. 584 Capt. 444:

ömnibus 6s obtürent, ne quis merito male dicat sibi, Hoc age. öpusnest hdc tibi empta? Si tibi vinisset opiis,
omnibus gratiam habeo et seorsum tibi praeterea. Demea. tu hoc agi, tu mihi erus ntinc es, Uipatronus, tü patir.
Dagegen heißt es Hoc age sis Cas. 401 wie age sis z. B. Capt. 179, oder mit
Stellensammlung Zetemata 38, 46 ff. ‘umgekehrter’ Betonung Hoc dge sis, leno wie age sis z. B. Poen. 329 1422
(Plaut. Akz. Stud. 1153f.). Die Gruppe erweitert sich durch das Enklitikon
sis, und damit ändert sich auch die Betonung: das kretische Betonungsgesetz
Kretisches Betonungsgesetz301 gilt strikt nur bei Geschlossenheit der Gruppe. Nach hoc age sis wiederum
erklärt sich comprime sis. Da die Geschlossenheit des Wortes größer ist als
Die beiden Verbote omnibus und omnibus os können und müssen die der Gruppe, ist auch dieses seltener als jenes.
notwendig in dem einen Gebot kretischer Betonung kretischer (oder Mit Hilfe der oben S. 39 vorgenommenen Ausdehnung des Bentley-
paeonischer) und daktylischer (oder prokeleusmatischer) Wörter Luchsschen Gesetzes von spondeischem oder anapaestischem Wortschluß
in der vorletzten Hebung auf Gruppenschluß derselben Form ist es mög­
und, wie gleich hinzugefügt werden muß, ebensolcher Gruppen
lich, auch das kretische Betonungsgesetz zu erweitern. Wir fügen in
(hierüber Plaut. Akz. Stud. I) zusammengefaßt werden3031*. Also
kretische Gruppen der Form si videt, non taces, quö modo ein Enklitikon
diceris und diceri, mulieris und mulieri (S. 41), non potist und hoc age, ein, z. B. si quem videt Asin. 391, non tu taces Bacch. 470, quo me modo Poen.
male volo und mihi dari (Truc. 425: syllaba anceps)32*. 794, so ist aus der kretischen Gruppe eine spondeisch-iambische geworden,
Es bleibt dem Dichter überlassen, wie er die daktylischen Wörter in den die den Forderungen des Bentley-Luchsschen Gesetzes entspricht. Wir
Vers stellt: entweder ans Versende oder so , daß die Endsilbe durch Position stellen ferner neben quid vis tibi Aul. 636, wo vis noch volles Verbum ist,
lang wird, oder daß sie in Synaloephe steht, oder mit syllaba anceps, z. B. quo vis modo Cas. 301 oder dicere hic quidvis licet Cas. 794, wo quidvis schon auf
Amph. 25 65 Asin. 199 250: dem Wege ist, ein Wort zu werden, oder dieses Ziel bereits erreicht hat, so
a vobis iüssit, Uniter, dictis bonis, ist damit der Übergang zu Gruppen der Form quantum potest gewonnen
ut conquaestores singula in subsellia und die S p ra c h lic h k e ita u c h d ie se r B e to n u n g wahrscheinlich gemacht.
cetera quae volumus üti Graeca mercamur fide, Man findet weitere Beispiele Plaut. Akz. Stud. II Kapitel 2, vor allem S. 41 ff.
atque argento comparando fingere fallaciam. Die Zusammenfassung der beiden Verbote omnibus und ömnibus 6s zu
einem Gebot, der kretischen Betonung solcher Wörter und Gruppen, ist
nicht nur eine große Vereinfachung, sondern bietet mit Hilfe der regel­
30* Trotz des Widerspruchs von Walter Schmid gegen die sprachliche mäßigen Ausnahmen nescio quis und nescio quis auch die Möglichkeit, das
Mißbildung behalte ich diese Formulierung wegen ihrer Kürze bei statt Gesetz zu begründen. Aber dieser Gewinn ist mit einem Verlust bezahlt:
‘Regel für kretische Betonung kretischer und daktylischer (und paeoni­ die beiden Verbote, die kurz wieder nur mit den regelmäßigen Ausnahmen
scher und prokeleusmatischer) Wörter und Gruppen’. niscio quis und dnte pedis bezeichnet seien, sind nun getrennt. Aber die
31* Daß Ed. Fraenkel, Iktus und Akzent 1928, dieses Gesetz, das weiter Trennung ist vielleicht nur eine scheinbare. Erstens bilden eine Brücke
nichts ist als eine andere Formulierung der allbekannten Verbote omnibus die Fälle wie Stich. 718 e^ripe ex o*re tf°biaas, in denen das daktylische
und ömnibus 6s, nicht anerkennt, sondern Endiktierung kretischer und dakty­ eripe durch Synaloephe sozusagen trochaeisch wird, so daß es schwer ist
lischer Wörter als Akzentverletzungen betrachtet, ist, neben der Verwen­ anzugeben, ob eripe ex ore den Ausnahmen der Form niscio quis oder der
dung allzu vieler, z. T. gegensätzlicher Exceptionen, der Haupteinwand Form dnte pedis zuzurechnen ist. Zweitens lassen sich beide Fälle unter die
gegen sein Buch. Vgl. aber auch G. Jachmann Rh. Mus. 1916, 542f. gemeinsame Betonungsregel subsumieren, daß der Schatten des auf der
Lindsay 56 A. 1. P. J. Enk, The latin accent, Mnemos. 1953, 97: ersten Silbe ruhenden Akzents nicht über die folgende Kürze hinausreicht,
„Assuming (without proof), that cretic words are cretically accented, d. h. in der Regel weder die dritte Silbe eines kretischen oder daktylischen
Drexler“ usw. Wortes wie nescio oder dicere noch eine auf ein trochaeisches Wort wie ante
32> Vgl. ilico aus in stloco und denuo aus de novo. folgende Kürze zu decken vermag (vgl. Plaut. Akz. Stud. II 246 A. 2).
44 inter eos: inter eos Anapaest. Gruppenbetonungsgesetz 4®

Von der zw eiten F o rm des z e rrisse n e n A napaests gibt es Anapaestisches Gruppenbetonungsgesetz: quid agis
außer ante pedes*•> (Mere. 780 Ad. 386) noch weitere Ausnahmen,
nämlich inter eos u. ä. (meist wird nur propter amorem genannt), kquid quid agis und quid agis, mlum erum und meum erüm (im selben Wechsel
agis, illic homo, ille quidem, sämtlich dadurch gesichert, daß daneben wie dnimum und animüm) ist feste Regel, quid agis ebenso gemieden
die ‘umgekehrte’ Betonung inter eos, ecquid agis, illic homo, ille quidem wie facere.
steht. Dies ist zuerst nachgewiesen worden von A. Luchs Hermes 6, Vielleicht die einzigen Ausnahmen sind Poen. 225 apdge sis bacch.
278-280 und Commentationes prosodiacae Plautinae II, Programm (Andr. 265?). Vid. 75
Erlangen 1884, 3f. Man findet jetzt die Belege Zetemata 38, Kap. I. in o1pus ut se2se collocavit quam cito.
Vgl. Plaut. Akz. Stud. 1 138f. Dagegen heißt es, wenn keine Gruppe vor­
liegt, z. B. Amph. 291 Hec. 799
Aufgelöste H ebung, gebildet durch E nd- und Anfangssilbe
eines m ehrsilbigen Wortes I l bo ut e2rus quod i 3mperavit cf. 586 quoniam erus
E 1deJ>ol ne2 meam e3rus esse o1peram deputat parvi preti.
Echte Fälle dieser Art sind die soeben angeführten: inter eos, Men. 699 Most. 737 Pers. 617 Poen. 457a 839 Pseud. 881 Andr. 508 Haut.
ecquid agis, illic homo, die mit umgekehrter Betonung zerrissenen Ana- 377 628 Phorm. 1027 Hec. 642 Ad. 982. In diesen Versen ist die Iktierung
paest bilden; sie sind sonst selten, z. B. servo1s homo Stich. 442 neben gesichert; die vielen Fälle, in denen das nicht der Fall ist, sind vielleicht das
sehrvos homo o^fficiu* m suo%m Stich. 58. Denn umbra1 mea Pers. 298 ist verdrießlichste Problem der plautinischen Metrik, z. B. Merc. 108 modo
ganz vereinzelt: meist wird eine solche Gruppe so gestellt, daß die eam reliqui, wozu Lindsay 170 bemerkt: ,,mod(o) eam seems preferable to
Caesur zwischen die beiden Worte fällt: ümbra mla. Dagegen ist mod(o) eam“, womit offenbar eam gemeint ist35).
dicere voluifemür Mil. 27 syllaba anceps, und ebenso dürfte zu beurtei­ Auf das Vorstehende ist das folgende Axiom36) anzuwenden: „Entspricht
len sein cre1do edepo2/ equidezm z. B. Amph. 282 768.: Maia 1959, eine Verschiedenheit des Iktus einer Verschiedenheit der syntaktischen
291 f., desgleichen quexm propte^r hodie au%ri Aul. 786. Schließlich Beziehung, so muß der Iktus zugleich sprachlichen Charakters, d. h. zu­
gleich Akzent sein, oder doch den Akzent der Sprache widerspiegeln.“
erklärt sich tuti tibi u. ä. z. B. Capt. 371 Cist. 563 (tüte tibi scheint nicht
Ich halte damit das Problem ‘Iktus und Akzent’ hinsichtlich der Sprech-
vorzukommen) durch die Enklise von tibi. Vgl. hierzu Zetemata verse im Prinzip für gelöst, ohne dies eigens zu erörtern. Vgl. Plaut. Akz.
H. 38 Kap. II. Stud. II 344ff.37>.

Spondeisches (und anapaestisches) Gruppenbetonungsgesetz

Gruppen wie ad me, mi vir und meus vir, hanc rem und meam rem usw.
werden ebenso betont wie spondeische und anapaestische Wörter; sie
sind endbetont unter denselben Bedingungen wie diese, z. B. Merc. 234 *5) Es ist ein dringendes Erfordernis, daß diese Fälle gesammelt, geordnet
und soweit möglich entschieden werden, so wie z. B. für Amph. 291 die
ea sixmia adeo post haud multo ad m e5 venitM]. Parallele 586 entschied. Vgl. Lindsay Burs. 1906, 165. Plaut. Akz. Stud.
Register-Bd. 4f. s. v. ‘Steigend anapaestische Wortfolge’.
33) Weshalb es zwar kretisch scir(e) licet heißt mit Apokope des e, aber 36) Plaut. Akz. Stud. I 3.
choriambisch dnte pedes, wissen wir nicht. Vgl. zu letzterem Trin. 568 si 37> An Reste ursprünglicher Anfangsbetonung bei einzelnen Wörtern
ante voluisses, esses; nünc sero cupis. hat man gedacht hei. fenestra, sagitta, profecto und bei den ganz überwiegend
34) Materialsammlung Plaut. Akz. Stud. II Kap. I. Widerspruch Enk anfangsbetonten prokeleusmatischen Wörtern. Skeptisch G. Jachmann
Mnemos. 1953, 97. Rh. Mus. 1916, 541 f. Vgl. Lindsay 33.
46 Prosodischer Hiat Prosodischer Hiat 47

Der prosodische H ia t38> Der prosodische Hiat der Form ita me di ament findet sich bis in die
augusteische Zeit, z.B. Lucr. 2,681 3,1080 6,716 Catull. 97,1 Verg. ecl. 2,65
8,108 Aen. 6,507 Hör. sat. 1, 9,38 2,2,28 (R. Klotz 121 Luc. Müller 307).
ist ein Sonderfall des anapaestischen Gruppenbetonungsgesetzes und
anderer Formen der aufgelösten Hebung. Mustervers ist Merc. 744 In anderen Fällen, vor Monosyllaba oder längeren Wörtern, läßt
sich der Hiat nur selten feststellen, z. B. in Bacch. 176 quei m ad
nam qui1 am at quo2d amat si3 habet il d habet pro5 cibo*. epp stula3m, Mil. 1047 qua ab Pllaru2m anap. (Persius sat. 2, 13 nam
Er lehrt, daß die fallende BetonungS9) der anapaestischen Gruppe das et e3st), nicht bei quoad, wo er doch wahrscheinlich ist (vgl. Hör. sat.
Primäre, Hiat und Kürzung des langen Vokals die Folge ist40). Belege 2, 3, 91). cum amicis u. ä. Stich. 580 Bacch. 140 755 Most. 310, cum
aus Amph. bis Epidicus bei Lindsay 331-334. Vgl. Plaut. Akz. Stud. ace2to Rud. 937 anap., pro amica Pseud. 280, Qui3, amabo1, pate3r?
II 29A-342. Stich. 91; nicht zu entscheiden de amica Merc. 944 Mil. 263. Sehr
In der Senkung kann zwischen Hiat und Synaloephe oft nicht entschie­ wahrscheinlich cum illo u. ä. nach Analogie von ab illo, da aber da­
den w-erden: vgl. Pseud. 800 S. 39. Synaloephe in kretischer Gruppe neben auch ab Mo vorkommt, läßt es sich nicht beweisen. Eine zu­
Qui1d tu aPs? Rud. 1072 al., aber QuPd tu aPs, Gnatho•? Eun. 474; vor sammenfassende Behandlung der Frage ist notwendig42'.
kretischer oder anapaestischer Gruppe pro ia fide Pers. 194, de e'a re Amph.
Jos. Pelz, Der prosodische Hiat, Diss. Breslau 1930 behandelt gerade
1087 al. (vor einem anapaestischen Wort mit und ohne Hiat Most. 1033
diesen Hiat nicht, sondern erstens Fälle wie Mil. 1067 sed ama1ho mi2tte
1035). quam ego neben qu(am) ego Cure. 326 Mil. 1212. Synaloephe über
me aPctutum anap. oder Pers. 848 loquere5 tu etiaem frustu1m pueri8 anap.
Interpunktion hinweg ist merkwürdigerweise die Regel, z. B. Poen. 1418
(vgl. O. Skutsch 13), zweitens cum / bdc, drittens Cas. 564 homine1m ama-
sebquei~e me. E*go vero1 sequosr. al.41>.
to2rem, Rud. 49 ei1 erat bo2spes. Der Begriff des ‘Prosodischen’ bleibt un­
geklärt.
381 I}ie Bezeichnung erklärt R. Klotz 103 folgendermaßen: „Der Hiatus Ein prosodischer Hiat ist wahrscheinlich auch tüam amicam Merc.
ist reici prosodischer Natur, wo eine Verkürzung eintritt, die man anspre­ 181 479 858, mH honoris Amph. 1106 Cas. 994 Cure. 549 Mil. 620
chend so erklärt, daß von den zwei Moren einer Länge eine elidiert wird Stich. 338 u. ä. m., vgl. Verg. ecl. 6, 44 Ov.am. 2, 13, 21. Vgl. z. B.
und dvjrch die übrigbleibende Mora die Silbe den Wert einer Kürze erhält.“ A. Klotz 343 348 f., eine kritisch nicht gesichtete Stellensammlung
Jedoch gibt es diesen Hiat auch nach m, z, B. Amph. 403 quPd, malüm, non Zetemata 38, 150 A. 11 mit Literatur43'.
süm ega sirvos Amphitruonis Sosia? Uber den lautlichen Vorgang lassen sich
nur Vermutungen anstellen.
421 Vgl. Fr. Skutsch Kl. Sehr. 130ff.
39> ‘fa lle n d anapaestische Betonung’, wie es ursprünglich hieß, habe ich
43) Einzelheiten: circ(um) iit Asin. 742 Andr. 202, aber circumimus Men.
auf d e n Rat von D. Korzeniewski hin geändert, man wird dieser Bezeich­
231 Cure. 451 Rud. 145 Phorm. 614; intr(o) ire Eun. 842, aber introibis Men.
nung a.ber unten wie in den Plaut. Akz. Stud. begegnen. Gemeint ist: eine
662 Andr. 850. ant(e)hac und antidhac, antideo und ant(e)it Amph. 649
G rupp-e wie quid agis kannt entweder fallend quid agis, oder ‘umgekehrt’
steigernd quid agis betont werden. ‘Umgekehrt’ bedeutet: beides verhält sich Phorm. 247. coegi, aber coegi Bacch. 981. coepi Cas. 651, wohl auch Asin.
wie ängmum zu animüm, dagegen ist quid agis ebenso verboten wie animum. 626. coaccedunt Cure. 344 und anderes: Lindsay 149ff. - Hiat vor b (vgl.
Man k a n n te für umgekehrt auch reziprok sagen, animüm ist immer kon- Dag Norberg 7f.) und nach m?, von Lindsay 224 abgelehnt, vgl. O. Seyf-
junkt. .Alan vergleiche quantüm potist: quantümvis Truc. 571. fert BphW. 1890, 213 Lindsay Burs. 1906, 178. 196f.: immer ftagitium
40> Indiskutabel (obwohl ihm jetzt J. Soubiran 329ff. an die Seite tritt; hominis Asin. 473 Cas. 552 Men. 489 709 cf. 223, ferner z. B. Cist. 67 Pers.
vgl. G nomon 1967) Reinhold Rau, Drei Probleme der plaut. Metrik, 182 Mil. 1049 Pseud. 1121 al. Bacch. 1194 Cas. 564; Enn. ann. 332 mp litum
KZ 1931,145-169, der Synizese in di ament usw. wie in dego debeo annimmt. o3cto. 494 duxmqtädem u2ms. - Uber -ae im Genetiv, Dativ und Nominativ
Vgl. dfamat Epid. 219 Poen. 894; siehe auch unter Synizese S. 55. plur. Leo 334ff.: im Genetiv -ai, daher in der Regel Hiat, oder vielmehr
411 V g l. Plaut. Akz. Stud. II, besonders 326 A. 3f. über die ‘konjunk- Synaloephe des -i; Kritik bei Lindsay Burs. 1906,177. - Uber befremdliche
ten Ko»la’ wie Most. 1043 na1m erus me2 postqua3m rus mil sit; ferner Maia Synaloephen, quoi S. 65, peri ( = perii) S. 67, meo in Totalsynaloephe S. 54. -
1959, £69fF. Zetemata 38, 71 ff. 161 ff Über Hiat vor h jetzt J. Soubiran 97ff., nach -m 218ff.
Hiat Hiat. Iambenkürzung 49

Der ‘metrische* und ‘logische’ H iat insbesondere den ‘versus quadratus’ zu verweisen. Die These von Hermann
Jacobsohn von der Zulässigkeit von Hiat und syllaba anceps nach der dritt­
letzten Hebung des Senars und troch. Septenars und nach der zweiten des
Mit diesen von R. Klotz 102 ff. geprägten Bezeichnungen ist der
letzteren, auch wenn man weder die Begründung noch die Beschränkung
Hiat an bestimmten Versstellen bzw. bei Sinneseinschnitten, schwe­ auf diese beiden Stellen gutheißt, dürfte ebenfalls unanfechtbar sein: die
rer Interpunktion, insbesondere Personenwechsel, gemeint. Zur Musterverse (mit syllaba anceps) sind Asin. 250 und 199:
Geschichte der Frage R. Klotz a. O. Leo 2 ff. 334 ff. Lindsay
axtque argento compara*ndo fingere* fallaciam.
221-259. A. Klotz 339ff.
ce*tera3 quae vo3lumus u*ti Graeca mercamur fide.
Über einen metrischen Hiat wenigstens herrscht Einigkeit: die
Diaerese genießt dieselben Rechte wie der Versschluß, daher ist hier Vgl. auch Zetemata 38, 117 ff., wo versucht wurde, die Lehre von deffl
Caesuren durch die von der Kolometrie des Verses zu ersetzen.
Hiat und syllaba anceps legitim. Schon aber ist zweifelhaft, ob der
Einschnitt nach der vierten Senkung des trochaeischen Septenars als
Diaerese oder als Caesur anzusprechen ist, da das Kriterium der
syllaba anceps fehlt. Ist es Caesur, dann kann man den Hiat in der Die Iam benkürzung (IK)
semiquinaria des Senars nicht mehr anfechten, der ebenso häufig sein
dürfte wie jener. ist die bahnbrechende, für die plautinische Metrik grundlegende Ent­
Leo 3 ff. ist der Ansicht, der Hiat sei in weitem Umfang erst durch die deckung C. F. W. Müllers, Plaut. Prosodie 1869, dazu Nachträge
Überlieferung in den Text gekommen. Demgegenüber weist A. Klotz 1871, bei dem man sich noch immer am besten über die komplizierte
357 in den Handschriften Fälle nach, in denen man versucht hat, ihn zu Casuistik unterrichtet4B). Fr. Skutsch formuliert das Gesetz S. 6f.:
beseitigen: Asin. 250 fingere fallaciam und 252 fingeres. Aul. 399 (Nonius „Eine iambische Silbenfolge, die den Ton auf der Kürze trägt oder
gegen codd.) Cas. 55 Poen. 1344Pseud. 856 ai moli*ri o5mnia6 P,a 3moli*ri- der die tontragende Silbe unmittelbar folgt, wird pyrrhichisch.“
devita ( = de5 via*) omnia A. Trin. 788 und 778a“ >. Es scheint auch an sich Kürzer und klarer: eine iam bische S ilb e n fo lg e kann im
wahrscheinlich, daß eine spätere, den Hiat scheuende Zeit diesen Versuch W erte eines P y rrh ic h iu s eine a u fg e lö ste H e b u n g (bene
gemacht hat, während nur durch Korruptel Hiate in den Text kommen fe c is ti) o d er S enkung {bene fect) f ü lle n 46*. Die Iambenkür­
konnten. Auf der anderen Seite ist sicher, daß Plautus „die Synaloephe zung ist uns demnach als eine an eine m etrisc h e Bedingung ge­
reichlicher zugelassen hat, als es zu irgendeiner Zeit der römischen Vers-
knüpfte p ro so d is c h e Lizenz gegeben47*. Ihren sp ra c h lic h e n
kunst sonst geschehen ist“ (Leo 334), sogar, für uns unverständlich, über
den Personenwechsel hinweg. Trotzdem dürfte O. Immisch 34 recht haben
C h a ra k te r lehrt der Vers zum mindesten nicht direkt, sondern die
mit der These von dem für den versus Italicus charakteristischen (fakul­ Tatsache, daß bestimmte durch IK gekürzte Wörter nur noch oder
tativen) ‘kommatischen’ Bau, während der griechische Vers „unkommatisch ganz überwiegend pyrrhichisch gebraucht werden, voran bene und
ist und eine einheitliche Reihe darstellt“ , deshalb auch den Hiat in der male, dann mihi tibi ego /fo'48*ubi.
Caesur nicht zuläßt. Daher scheint auch der Vergleich mit dem Satumier Für die IK haben wir eine doppelte Bedingung angegeben: es ist in
(P. Friedländer Rh. Mus. 1907, 73, jedoch nicht die Herleitung des Hiats Wirklichkeit nur eine. In benefeci wie in benefecisti wird die der steigend oder
aus ihm) berechtigt und aufschlußreich, denn nicht nur der lateinische
Vers, sondern auch der Satz ist kommatisch gebaut, wie die oben S. 17f.
angeführte Quintilian-Stelle lehrt. Wenn dies richtig ist, verwandeln sich 45* Eine Materialsammlung: Alice Brenot, Les mots et groupes iambiques
sämtliche Hiate (außer dem prosodischen und dem in der Diaerese) in reduits dans le th£atre latin. These Paris 1923.
‘logische’. Die Frage des Hiats wird infolgedessen zu einer solchen der 46> So auch R. Klotz 41; anders Lindsay Burs. 1906, 171.
Kolometrie. Es genügt hierfür auf den Abschnitt ‘Caesur und Diaerese’,4 47* Damit erledigt sich der Streit darum, ob die IK eine metrische oder
sprachliche Erscheinung sei. Vgl. Plaut. Akz. Stud. II 350 A. 1.
44> Hiate durch Varro und Grammatiker bestätigt: Amph. 275 Bacch. 48* Meist ibidem-, ibidem Rud. 396 Andr. 777. sibi: Lucr. 3,145 idque sibi
134 Merc. 619 Mil. 4 Poen. 443 1272 Pseud. 319 Stich. 233: A. Klotz 341 f. solum per se sapii, id sibi gaudet.
50 Iambenkürzung Iambenkürzung 51
fallend anapaestischen Betonung im Wege stehende Silbe gekürzt48). 2. Iambische Anfangssilben51), mit Positionslänge der zweiten Silbe
Diese Wirkung kann nur ein Intensitätsakzent der Sprache, im Verse der z. B. Amph. 939 Stich. 657:
Iktus gehabt haben. Dies ist das (neben der Kürzung durch Tonanschluß
und der Apokope eines auslautenden e) stärkste Argument für den In­ capitpnt volupta2tes, voluptds med oft am Versende.
tensitätscharakter sowohl von Akzent wie Iktus und somit für ihre Gleich­ quol t ego vo2lu p ta te3sfero4.
artigkeit. Vgl. Lindsay 37-39. Plaut. Akz. Stud. Register-Bd. S. 18 s. v. Auffälliger fenestra {festra Paul. Fest. 91), sagitta, avonculus (wahrscheinlich
‘Erklärung’. Synizese), Philipp(e)i die Münze62), noch weit mehr dedisti Cure. 345 Trin.
Besonders interessant ist die Prosodie von ego wegen des Nebenein­ 127 129, bibisti Stich. 723, bibendum Stich. 715, necesse esse Mil. 111853).
anders von ursprünglichem Iambus, sehr häufiger IK des so oft enklitischen Dagegen ist Kürzung naturlanger Silben selten (Fr. Skutsch Kl. Sehr.
Wortes und schon festgewordener pyrrhichischer Messung. Die Länge 100ff.), z. B. Epid. 405:
des o ist zwar nicht durch Amph. 601 ille ego (eine kretische Gruppe, die
pudicP tiam qui2squam suae servare filiae.
auch daktylisch sein könnte) oder Men. 463 sed quid egö videö (einer bemer­
kenswerten ‘Umkehrung’ des regelmäßigen sed quid ego video) mit hinreichen­ Amph. 930 903 Asin. 552 Epid. 520 Men. 37 Merc. 846 Pers. 555 Poen. 378
der Sicherheit, wohl aber durch die Anapaeste Poen. 1185 Spero e"1quidem. Rud. 601 (P) Truc. 46 Phorm. 901 Aul. 408 Pseud. 874/875 Liv. trag. 1154*>.
E t po2l ego quom PngeniPs bewiesen (vgl. O. SeyffertBurs. 1894,260f.). Auf Vgl. mit voluptds med die nicht seltenen Versschlüsse wie Truc. 893 a3d
der anderen Seite ist o sicher kurz in den Vers- und Halbversschlüssen Mil. amica7m mea3m 33h
925 quiss ego sPm, 1138 E 11 ego vo3s. Cure. 104 Men. 279 Rud. 238 cret.; 3. Positionslange Anfangssilben mit vorangehendem kurzen Monosyl-
vgl. Bacch. 1068 ve5luti mi*, Phorm. 827 se3d ubinai m\ unsicher Epid. labon, z. B. Pers. 676 Cure. 613:
94 dt enim tü cret., bedenklicher Truc. 163 quo3d apud no*s (vgl. Leo 251, da­
gegen Lindsay 40. 191). Da diese Fälle den Bedingungen der IK nicht AudPn tu, Persa, ubi argen3tum ab hoc acceperis,
unterliegen, muß sich die pyrrhichische Messung schon fast durchgesetzt Q uoxd argentu2m, quas tu3 mihi trPcas ruPrras? eqs.
haben, fast, aber nicht ganz, wie die Belege für iambische Messung zeigen. Selten naturlange Silben (Fr. Skutsch Kl. Sehr. 93-97), z. B. Cure. 594271:
Nach C. F. W. Müller 85 (den wir sogleich ergänzen werden) kann die
m l n vidi2 neque audi3vi ne*que pol eqs.
IK eintreten4950), „wenn die zwei Silben erstlich ein Wort oder zweitens einen
Wortanfang bilden oder drittens, wenn die erste der zwei Silben aus einem peta1s, nefo 2rte t i 3bi evenat (-iat codd.J magnum malum.
einsilbigen oder durch Elision einsilbig gewordenen Wort besteht“ . Merc. 774 Poen 1078 al.
1. Iambische Wörter: nächst ego usw. sind am häufigsten iambische Im­ 4. fügen wir hinzu die Folge eines kurzen und langen Monosyllabon, vgl.
perative wie vide; viden sogar noch bei Verg. Aen. 6, 780, Hör. sat. 2, 3, 177 Plaut. Akz. Stud. II 54—134; z. B. Q u i3d est negotii Epid. 713 Quid el st
cave Ov. ex. Pont. 1, 8, 39 put5] vgl. ferner z. B. Men. 16 und Hec. 409, negotii Merc. 135: das Zahlenverhältnis ist etwa 34:22. ad boc exemplum
Stich. 597 und 738: Merc. 265 Pseud. 135 Trin. 922, ad böc exemplum Pers. 335 Rud. 488 603;
tantum a1d narra2ndum argu3mentum al dest benPgnita3s. immer in hdc re-, et hunc u. ä. selten (z. B. Amph. 111 Epid. 55 Poen. 918).
adest Pa^rmeno2 cumpu2eris\ eqs.
QuPd,fora2sl Foras he3rcle ve*ro. eqs. 51> Vgl. Lindsay Burs. 1906, 170f.; eine Liste bei R. Klotz 87f.
f o 1rasegre2dere, eqs. 52> Dies ein wichtiges chronologisches Indiz: vgl. Wilh. Schulze bei
Ed. Fraenkel, Plautinisches im Plautus 18 A. 1.
49> Plaut. Akz. Stud. II 344f. Die von L. Havet aufgebrachte Bezeich­ 53) Ein wohl unlösbares Problem ist die ratio der Kürzung bei positions­
nung brevis brevians (R. Klotz 18) ist also unrichtig: sie trifft nur für die langer Silbe. Man würde ohne weiteres an Verschiebung der Silbengrenze
Hebung zu. Auch mit dem Sprechtempo kann die IK nicht erklärt werden; denken, derart daß die zu kürzende Silbe eine offene wird: vgl. S. 12A. 2.
dagegen ist allerdings ‘Synaphie’ von bene feci usw. notwendige Voraus­ Das kann man sich z. B. bei voluptas gut vorstellen, aber bei adest benignitas?
setzung, und so dürfte sich das Fehlen oder die Seltenheit der IK in Kreti- Vgl. R. Kauer Burs. 1922, 26.
kern und Baccheen (G. Jachmann Glotta 1916, 39ff.) erklären, in denen ein 54> califacere, aber ärefacere-, Tmesis: Lucr. 6, 233 962; calfacere Quint. 1, 6,
fortwährendes leviter insistere statthat. 21, olfacere.
5°) Vgl. zum Folgenden O. Seyffert Burs. 1894, 259-266. 56> Stellen bei Fr. Marx SB. Leipzig 1907, 171.
52 Iambenkürzung Iambenkürzung. Synizese 53
In der Senkung dagegen kann die erste Kürze durch jedes beliebige Wort Betonungsgesetzes nur selten Vorkommen, z. B. Capt. 558 H exgio, f i 2t
gebildet werden, z. B. Cist. 5 Pseud. 1113 Phorm. 723 Aul. 322 Most. 98; Poen. 1348 nemixnem veni2re. Stellen bei O. Seyffert Burs. 1894, 262f.
die drei ersten dieser Verse: R. Klotz 62f. Lindsay Burs. 1906, 174f. Fr. Skutsch Kl. Sehr. 252f.
nexscio2, nisi, ut me3us est Animus, eqs. O. Seyffert Burs. 1894, 266: „Ich für mein Teil sehe bisher keine Mög­
ego, ut mi i 1mperatumst, e3tsi abest, lichkeit, dem IKG irgendwelche si chere G r e n z e zu ziehen.“ Vgl.
datum e1sse doctis. Quid tua1, m alum , id re3f e r t ? eqs. Lindsay Burs. 1906, 169. Sie wird weder in der vorletzten Hebung gemie­
den noch in der Senkung vor der Caesur noch in Kretikern und Baccheen
Sehr auffällig IK über Personenwechsel hinweg, z. B. Capt. 231: (G. Jachmann, der damit Synizese von meo usw. beweisen wollte: Stud.
Sc io. A t scire memento, quando pros. 1912. Glotta 1916, 39ff., dazu W. Kroll ebenda 152ff. Jachmann Rh.
Mus. 1916, 527ff. oben S. 50 A. 49), noch in der drittletzten Hebung (Fr.
ähnlich Cas. 754 Merc. 751 Sed-Inte1rii. Pers. 497 pe3liege. Istae* anap.; Marx SB. Leipzig 1907, 129-200, um positio debilis der ersten Silbe von
ferner Cas. 845: ille und iste zu beweisen), noch im fallenden Prokeleusmatiker: Wider­
Q u id e s tf I'nstitit pldntam reizianum legung dieser drei Thesen durch O. Skutsch Kap. I I 59>. Seine eigene These:
‘brevis brevians’ nicht Endsilbe eines längeren Wortes (jedoch vorletzte
ähnlich 849 Rud. 1053 Haul d pudet. N i2l Eun. 282 ad illam. A 1ge Ad. 261 Silbe eines in Synaloephe stehenden Wortes), scheint der Bestätigung oder
Quid est? Quixd sit?\ in der Hebung Epid. 57 Widerlegung zu wenig Möglichkeiten zu bieten. IK bei muta cum liquida
Q uis? Ille qui arma perdidit. z. B. Bacch. 404 paxtrem soda2lis&\. (Lindsay Burs. 1906,170. A. Klotz 328).
Fr. Skutsch 118 A. 2 bezweifelt sedillf e) : vgl. oben Haut. 978 nach Lindsay.
Pseud. 1066 Simo. Q uixd est? Iam - Haut. 978 Qui3d? Unde mi3bi peterenm Ebenda 151: in Poen. 1116 sed i atque e1voca i %llam sei atque mit Recht ge­
cibu3m 631. Pers. 500 Täte, duhmpelle3go. Hau verbu1m facia%m. anap.5657*>. strichen, was Leo im Apparat durch Parallelstellen zu widerlegen sucht.
Es ist von größtem Interesse zu sehen, daß offenbar in der Hebung eine Zur C h r o n o l o g i e vgl. S. 51 A. 52. Die allgemeine Annahme, daß es
hinreichende Stärke des Akzents auf der Kürze (so insbesondere bei quid?) im Saturnier keine IK gab, wird sich nach Lage der Dinge so wenig bewei­
erforderlich ist, um die Leistung der IK zu vollbringen, w ä h r e n d in de r sen wie widerlegen lassen: dedit Tempestatebus?. bene aus duene, ehe duenos
S e n k u n g deshalb jedes b e li e bi g e W o r t die K ü r z e b i l de n darf, zu bonus wurde: Kalinka I 390. Im Hexameter des Ennius ann. 15 fieri.
weil die IK durch den folgenden Akzent bewirkt wird, wodurch sich be­ 73 ludicre. 93 quattuor. 101 virginis. 371 non enim. 439 it eques. 536 sicuti. var. 39
stätigt, daß die Bezeichnung brevis brevians falsch ist, weil sie nur für die apict Cumas\ Fr. Skutsch Kl. Sehr. 134 A. 2. 255f.; bei Lucilius ebenda 70f.
Hebung zutrifft. Für den Sprachakzent ergibt sich dies: Oben S. 15 wurde Aufhören mit Varro: 133f. 260, vgl. G. Jachmann Stud. pros. 12-15 und
gesagt, daß im Deutschen die Quantität in bestimmtem Umfang vom dazu Lindsay Burs. 1922, 25. Petrefakte Reste, z. B. viden Verg. Aen. 6,779,
Akzent, im Lateinischen der Akzent von der Quantität abhängig ist. Die palus Hor. ars 65 u. a. Fr. Vollmer Glotta 1917, 130-137. Lindsay 42ff.
IK beweist, daß dies letztere für das Altlatein nicht ohne Einschränkung Kalinka I 380f., hier auch über die in augusteischer Zeit beginnende End­
' gilt, sondern daß der Akzent die Quantität zu ändern vermag. silbenkürzung.
5. Kürzung von Binnensilben, selten, z. B. Epid. 420 dexpecula3tui* 58>.
Cist. 297? praestilgiato2r es (vielmehr praestigjator). Cist. 455 po*llicerP
volo8 (von Lindsay geändert). Synizese
6. Kürzung der Endsilbe eines kretisch ausgehenden Wortes ist häufig in
Anapaesten, kann dagegen in Iamben und Trochaeen wegen des kretischen In Fällen wie meo patri und meo more stellt sich die Frage, ob mit
IK o d er mit Synizese, d. h. einsilbig zu lesen ist. Mit letzterer
56> Quid? Und’ Lindsay in der Ausgabe 1 hatte man diese Fälle vor Entdeckung der IK allgemein erklärt. Für
57> Die Liste ist aus A. Klotz 325 ergänzt, erstere nach C. F. W. Müller vor allem Fr. Skutsch Kl. Sehr. 105 ff.
68> Vgl. peculatus Cist. 79 Pers. 555, dazu Lindsay Burs. 1914, 29, 227ff., für letztere Leo 349 A. 2, G. Jachmann a. O., R. S. Radford,
A. Klotz 325 f.: L. Havet habe Rev. de Phil. 1907, 233 mit Klauseln bei
Cicero die sprachliche Kürze der zweiten Silbe belegt. 59> Vgl. Plaut. Akz. Stud. Register-Band 18. Zetemata 38, 117 A. 1.
54 Synizese Kürzung durch Tonanschluß 55

Plautine Synizesis, Amer. Journ. of Phil. 36, 158ff. 37, 15ff. (vgl. Danach wohl sicher z. B. Epid. 105 me1orum. Men. 387 e1amus. (Phaethon
/ —s
Lindsay Burs. 1906, 191 ff.). Leo und Jachmann sind m. E. durch Quint, inst. 1,5,17). di deaeque (di deaeque Most. 655), vgl. Lindsay Burs. 1906,
0 . Skutsch (S. 53) widerlegt, so daß die Frage nach wie vor in 241, Lindsay Gbf. fuisse Merc. 470. fuisti Stich. 628. dein dehinc®2>. diebus Poen.
dubio ist. 1207. duellum (zu bellum) außer Amph. 189? (duello exstincto Leo), perduellis,
Ein sicherer Fall von IK ist Cas. 711 Eo nünciäm: ein anapaestisch-
puellam Cist. 124 Poen 1301. quieto Epid. 338. quiesce Merc. 48 (vgl. abjete;
iambisches Metrum in einer Reihe gleichgebauter. Cure. 155 glyc.
Fr. Skutsch Kl. Sehr. 262f.). avonculus. Vgl. ferner sis = si vis, ditiae =
Cas. 629 choriamb.: Lindsay Burs. 1906, 184. Daß meo u. ä. nicht divitiae, praebeo und debeo aus prae- bzw. dehibeo wie italienisch della aus de illa
in der letzten Hebung steht, ist kein Argument (vgl. Fr. Skutsch (aber dehortor Capt. 209 Poen. 674: Neuschöpfung, Walter Schmid), prendo:
Kl. Sehr. 246) gegen Synizese: sie wird so wenig wie IK in Pausa prehendo, naus = navis? Bacch. 797 Men. 344 (Leo 377), cf. nauta, Lartius
statthaben60)61. Zweifelhaft ist der Wert der Zeugnisse, die Lindsay (Ulixes) Bacch. 946. Über Formen von aio s. S. 66, über eius, illius S. 64f.
Burs. 1914, 27 anführt, jedenfalls des ersten: Serv. in Verg. Aen.
Bedenklich und wohl mit Recht bestritten gratiis Capt. 408, ingratiis Amph.
1, 575 eodem] o naturaliter longa est, sed st corripiatur, metri est, ut stetlrunt- 164,3>.
que comae. Geli. 10, 24, 1 zu diequinti: secunda in eo syllaba correpta est.
Lindsay: „Aber hat Servius damit recht?“
Die Kürzung durch Tonanschluß 641
Ein schwerwiegendes Argument für die Synizese ist die T o ta l-
sy n alo ep h e, da nur eine, sicher nicht zwei Silben Synaloephe er­
ist zuerst an Lucil. 475 erkannt worden von Franz Bücheier ALL 3,
leiden können, z. B. in Mil. 262 qui3n sermo11ne suo ahliquemJa*miliarium.
1886, 144ff. (dazu O. Seyffert Burs. 1890, 7f.); vgl. Lindsay Burs.
Mil. 136. Pers. 166 174 (756?: O. Skutsch 8 A. 1) Poen. 860 1070
1906, 197f. Lindsay 73 f. 172 skeptisch. A. Klotz 329f. Zetemata 38
Stich. 34/35 Trin. 665 Cas. 543?. (Weitere unsichere Stellen Lindsay
Kap. I über ecquis usw. und quidem. Die Erscheinung ist ebenso fakul­
Burs. 1906, 182f.) Vgl. Fr. Skutsch Kl. Sehr. 112ff. G. Jachmann
tativ wie die IK (s. unten Bacch. 581-583), anders aber als diese in
Glotta 1916, 41 ff. Lindsay 59ff.81>.
plautinischen Versen nicht oft mit Sicherheit feststellbar. Friedrich
Sicher ist die Synizese nur im Hexameter, z. B. Enn. ann. 200
el orundem. (zweifelhaft 593 quattuor). Lucii. 1191 eodem. Prop. 4, 7, 62> deorsum: S. 60.
7-8. Lucii. 542 e%t varaam fuisse A*mphitruonis acoetin. 63> Bei Späteren: abjete u. ä. s. S. 41. omnja Verg. Aen. 6,33 7,237. genva
Plautinische Argumente: da amicum nicht vorkommt (sondern nur dd Aen. 5, 432. tenvia georg. 2, 121 180. fluvjorum georg. 1, 482. aureä u. ä.
amicdm medm\ S. 51), ist auch eirum so gut wie ausgeschlossen, jedenfalls zweisilbig Aen. 1,698 10,496 ecl. 6,30 42; umgekehrt düello Ov. fast.
in der Hebung, in der e- als ‘brevis brevians’ die Last der Kürzung tragen 6, 201. süadent Lucr. 4, 1157. - Die These von Lindsay 61 (durchgeführt in
müßte. Ein zweites Argument könnte gewonnen werden aus einer ver­ seiner Terenzausgabe), eo, meo usw. sei unbetont (in der Senkung) mit
gleichenden Statistik (die m. W. fehlt): meuscerus, meumeerüm, meiceri, Synizese, betont (in der Hebung) wegen der ‘Emphase’ des Pronomens
meoterö, meas:amäs usw. Sie wird ergeben, daß amas selten, meas zwei- mit IK zu lesen, bezeichnet Kalinka I 393 mit Recht als reine Willkür. Es
morig uneingeschränkt zugelassen ist, während man meds fast nur in kre­ ist dies eine der xevoci So^ai Lindsays, die den Wert seines Buches (neben
tischen oder kretisch ausgehenden Gruppen antreffen wird. der Unübersichtlichkeit und der fehlenden Erschließung durch ausreichende
Indices) so sehr beeinträchtigen. Vgl- A. Klotz 302L, der nun wieder vor
60) Aber vor der Diaerese fehlt es nicht an Beispielen: Bacch. 1153 Facito allem auf eine teils überflüssige, teils unberechtigte ‘Rettung’ seines Vaters
u11 facia2s. Tacea3s. tu tu^om facito: ehgo quod dFxi haud mu1tabo. R. Klotz bedacht ist.
1157 nihili1 sum. Istu2c iam pri3dem scii o. anap. 64> Die Bezeichnung bedeutet: indem sich in siquidem, hodie quidem bzw.
61> Für die Regel, daß in Anapaesten vor aufgelöster Hebung kein län­ die nach der Betonung an si bzw. hoc (vielmehr höd) anschließt, beide Wörter
geres Wort in der Mitte der Senkung schließen dürfe (vgl. O. Skutsch unter nur einen Akzent treten (anstatt nach dem kretischen Betonungs­
7f.), folglich Pers. 756 nicht ültu meum inimicum, sondern ültus m(eum) gesetz einen Nebenakzent auf der letzten Silbe zu erhalten), wird si bzw.
inimicum zu lesen sei, wird wohl das Material zum Beweis nicht ausreichen. hoc gekürzt.
56 Kürzung durch Tonanschluß Kürzung durch Tbnanschluß 57

Vollmer, Kürzung durch Tonanschluß im alten Latein, SB. Mün­ Danach kann man sich in Trin. 978:
chen 1917, 9. Abh. gibt ihr mit den gewagtesten Messungen, der Q u E s ego sum Egitur, si3 quidem is no*n sum qm3 sum?
Annahme bedenklichster Hiate, eine viel zu weite Ausdehnung.
Sicher feststellbar ist sie nur in Versen mit festem Quantitätsschema, nicht m ehr für si verbürgen. Und neben Mil. 520:
z. B.: Lucil. 475 Ov. met. 104 Catull. 33, 6: siquidem non e2adern est.
quod viscus dederas tu quidem, hoc est: viscera largi, stehen die Fälle wie Asin 482 tibi quEdem supplEcium. Am sichersten sind
grata deum matri, siquidem Cybeleius A ttis Verse wie Poen. 1045 Siquidem A xntidama2i, Cist. 377 siquidem Empere2s,
itis, qudndoquidem patris rapinae.
wo die IK , im ersten Vers auch der fallende Prokeleusmatiker unwahr­
Bei Plautus ist am sichersten quandoquidem, das jedoch zweimal, Stich. scheinlich ist. Indessen, es ist unmöglich, aber wohl auch kaum nutzbringend,
483 559, als quandoquidem erscheint. Belehrend Bacch. 581-583: ins einzelne zu gehen: man findet ein reiches Material Zetemata 38 a. O.
Am auffälligsten sind die folgenden Verse, die Lindsay 115 120 129 mit
el cquis in ae3dibus?
Entschiedenheit bestreitet (vgl. Fr. Leo 252 Fr. Skutsch Kl. Sehr. 244,2
heus, elcquis bEc est? e3cquis hoc a*perit ostium?
Jachmann 26 A. Klotz 330), Trin. 413 Rud. 1335 Amph. 793 Epid.
ecquis e1xit?
507 (A),6>:
das zweite Mal trochaeisch, sicher pyrrhichisch nur zuletzt (denn ecquis exit Quid quod exgo defru2davi? E 2m istaec ra4tio maxumast.
wird man schwerlich wagen, trotz unten Stich. 338), die beiden anderen
Praei,7>vexrbis quEdvis. E d quod domE est, numquam u3Ui supplicabo.
Male wahrscheinlich, aber nicht sicher. Es geht dabei um die Frage der
I xd quod veru2mst. A i cu3m crucia*-tu tam, nisi apparet, tuo.
Zulässigkeit des zerrissenen Anapaests, schwerlich der Worteinheit von
volo scEre, sE scis. I 3d quod audEvi iam au3dies, iam om. P
ecquis. Durch ecquid agis u. ä. Poen. 364 Stich. 32 Cas. 913 456, ego Ad. 877,
eam Eun. 523, sogar Ecqui3dem adporta1s boni3 Stich. 338 ist nämlich (s. S. 41. Die Erscheinung ist selbstverständlich ebenso eine sprachliche wie
43. 44) ecquid agis Aul. 636 Cist. 643 Epid. 688, ähnlich Pers. 225 Pseud. 740 die IK. Hierher gehören sine aus seine, quasi aus quamsi, hodie aus
Truc. 542, ecquis homost Most. 354 gesichert65), bestimmt auch ecquidamäri höcdie oder vielmehr hödie bzw. höddie, sicher auch pro'fecto (so nur
Poen. 327, wohingegen man bei ecquid Astdphium Truc. 897, hallicis Pers. Mil. 185 a 290 Poen. 907)M), doch wohl auch Sägarinus für Sangarinus
107, egisti Bacch. 980 zunehmend zweifelhafter wird.
(Stich. 644 680: vgl. Prokeleusm. Wörter 13 f. 28), multimodis (Lodge
Unter den Verbindungen mit quidem ist nach quandSquidem am sichersten
siquidem, aber es gibt auch kretische Messung, z. B. Mil. 28 PolsE quide*m. II 95 a) und mirimodis (Trin. 931); und sollte daher nicht vielleicht
Sehr schwerwiegend die Fälle des Typus Mil. 419: auch quomodo anzunehmen sein89*, obwohl man es nicht beweisen
kann? Man sieht, wie die Kürzung durch Tonanschluß sehr eigen-
si quEdem east. A 2n dubiu3m tibi est
“ ) Der Beweis läßt sich zwingend für inter eos u. ä. führen: neben häu­
figem inter eos, z. B. Am. 942 Ps. 648 Trin. 623 Mil. 707, ist die umgekehrte 66) Vgl. ferner Mil. 311 Truc. 253 Stich. 21 Aul. 723.
Betonung sicher Poen. 265 i 3nter ista6s versa7rie3r. Trin. 1022 Enter eo2sne 67> Wahrscheinlich Kürzung durch Tonanschluß, dann IK, nicht Syni­
homine3s, wo man sich nicht bereit finden wird, eosne homines mit fallendem zese: vgl. Mil. 20 praeut a 1lia dEcam.
Prokeleusmatiker oder auch Synizese zu lesen, ferner natürlich in prdpter 68> Vgl. Fr. Vollmer, Die Prosodie der lat. Komposita mit pro- und re-,
amorem Mil. 184 996b 1284 1288 Poen. 399 880 Ad. 155, was dann wieder SB M ünchen 1922, 4. Leumann-Hofmann Register s. v., zu re- Sommer
propter eösdem Trin. 1090 Mil. 387, weiter Enter eo7s duo3s und doch wohl S. 207 f. Vgl. z. B. pröfiteor Capt. 480 Men. 643; proficiscor, aber profecturus
auch pröpter eam rem Cas. 278 1005 nach sich zieht. Es ist dieselbe spiegel­ Trin. 149. Z u der verworrenen Sachlage bei re- red- vgl. Sommer 208, aus
bildlich umgekehrte Betonung wie in consilium und cönsiliüm, die z. B. Plautus z. B. reddux Capt. 923 Rud. 909, rhortimini Amph. 689 Poen. 701
Men. 841 und Pseud. 147 zu der Lesung tönsilid tappitid zwang, tonsilia Phorm. 21 Hec. 22 47 Ad. 602 Acc. trag. 381 Lucil. 676 1012, Prokeleusm.
ausschloß (S.40). Wir müssen uns auf die Analogie von inter usw. stützen, Wörter 29 f.
weil sich bei ecquis, siquis usw. wegen der Möglichkeit der Kürzung 68) Vgl. Poen. 1245 et prae1dica2bo quo3 modo vo*s furta5 faciatis multa
durch Tonanschluß ein Beweis nicht führen läßt. Vgl. Zetemata 38 Kap. I. {vos dei. Leo nach anderen, nicht Lindsay).
58 Apokope eines auslautenden e Apokope eines auslautenden e 59

tümlich mit dem kretischen Betonungsgesetz konkurriert, ähnlich Franz Skutsch, Plautinisches und Romanisches, in der metho­
wie die sogleich zu besprechende Apokope in scir(e) licet mit dem disch reizvollsten, weiteste Perspektiven eröffnenden Untersuchung
zerrissenen Anapaest ante pedes. Hier wie dort wird man wohl ver­ zur plautinischen Metrik und Prosodie, hat diese Apokope
geblich nach dem Grund für diesen Unterschied fragen70*. auch für nempe, unde, inde, proinde (proin), deinde (dein), exinde
(exin), vor allem für Ule und iste nachgewiesen; nur ein Beispiel,
Amph. 988:
Apokope (Abstoßung) eines auslautenden e
ill(e) na1vem sai lvam nui ntiai t eqs.
Die Erscheinung als solche ist allgemein bekannt: neque : nec, Aber er hat die Apokope (oder vielmehr Synkope) auch für illic :ill(i)c
atque : ac, neve : neu, sive : seu, quin, sic, hic (vgl. Fr. Skutsch 54), die behauptet, z. B. Capt. 39:
Imperative dic duc fac fer, dazu cav(e) oben S. 17 A. 16, inger Catuli. huius Allic, hic Allius ho3die fert imaginem.
27, 2, capsis Cic. orat. 154 (zitiert von Quint, inst. 1, 5, 66)70a), dort
auch ain pro aisne70b), dein et exin pro deinde et exinde. Zu den Imperativen wo in der Tat illic nur entweder pyrrhichisch oder einsilbig gelesen werden
ist zu bemerken, daß die Pausaformen bei Plautus dice und face lauten, kann; ähnlich in der Hebung illic hinc dbiit Aul. 265 460 901 Epid. 81 Pers.
200 Poen. 917 Pseud. 394 Trin. 998, ferner Mil. 271 Pseud. 908 Rud. 79
z. B. Rud. 124 Mil. 812:
1058 Truc. 599? I l llicinest cret. (vgl. Pseud. 954). In der Senkung z. B.
tu si1 quid oipus est di3ce. D ii c quod te rogo. Capt. 751:
E 1go eo intro Agitur. E t praecepta so5hrie ut euresface3. Illic e1st abdu2ctus recte in phylacam ut dignus est.
Weitere Stellen findet man bequem bei Lodge71). ähnlich Asin. 676 Mil. 586 Poen. 445 625 (istic) Pseud. 444 954 Rud. 887
Vid. 72 frg. XVII, 2. Bei illic homo jedoch ist choriambische Messung sicher,
70> Vielleicht ist die Erklärung doch nicht so schwer: die kretische Be­ da es mit illic homo korrespondiert (Stellen zuletzt Zetemata 38, 3f.).
tonung gilt um so strenger, je geschlossener die Gruppe ist, während Skutsch nimmt weiter Apokope bei illa an, z. B. Pers. 232:
sogar die Worteinheit aufgehoben werden kann in Fällen wie aspicedum
und nescioquis. Also wäre vielleicht hoc die Pausaform, hödie Sandhi-Form i 1lla mili2tia mi3Uta 4tur
und Folge der Abneigung gegen den Daktylus. vgl. Stich. 159 nam illa me in a2Ivo (illaec?: Pelz 9) Trin. 809 Eun. 343 Trag,
70a) Vgl. edveto und cavisse S. 60. inc. 210. Schließlich bei illud, Mil. 757:
tob) Vgl. Paul Schräder, De particularum -ne, anne, nonne apud Plautum
F i1t pol Aliud ad i3llud exei mplum. ut do5cte et perspecte sapit.
prosodia, Diss. Straßburg 1885 (dazu O. Seyffert Burs. 1886, 27-29): nach
langer offener Silbe meist Apokope vor Konsonant (vgl. Amph. 818 tun, ähnlich Asin. 123 Epid. 714 Most. 280 622 Trin. 258 Fretum frg. 1 Caecil.
tune codd.), nach kurzer die volle Form: egone, jedoch omnian (hätte com. 55.
nicht omniane Schwierigkeiten gemacht?); hicine (hier die volle Form er­ Es ist kein Wunder, daß Skutsch bei illic, illa und illud mit seiner These
halten); audin (auch in Pausa), aber rogasne; potin, satin u. a. m. (diese beiden keinen Glauben gefunden hat. Vgl. Lindsay Burs. 1906, 108f. 1914, 28f.
nicht am Versende: O. Seyffert bei Lindsay Burs. 1906, 200). Uber nonne> 32f. Lindsay 73.164f. Kalinka 1384. A. Klotz 332 folgert einfach aus diesen
non, anne > an Fr. Skutsch Kl. Sehr. 177-182: an aus atne \ Lindsay Burs. 1906, Stellen: „Demnach scheint sicher, daß bei ille die 1. Silbe kurz gemessen
199, aber an ist kurz z. B. Cist. 564 A n ama1bo, Men. 962 a1nil/i pe2rperam; werden kann.“ Andererseits haben die Versuche, die Kürze der ersten
namque nur vor Vokal außer Enn. trag. 370: Lindsay Burs. 1906, 200. Silbe sonst zu beweisen (vor allem Fr. Marx SB Leipzig 1907 und Rudens,
71> Andere Imperative mit Apokope z. B. Stich. 768 redde ca1ntio2nem, Exkurs II, 244-254) zu keinem sicheren Ergebnis geführt; und an ill(e)
Pseud. 239 mitte me sis. Poen. 1237 Ite si Atis. Andere, unsichere Stellen wenigstens wird wohl niemand zweifeln. So bleibt die Aporie. Immerhin
Zetemata 38, 46 ff. mit Literatur. Uber em = em(e) Fr. Skutsch Kl. Sehr. muß bedacht werden, daß in den romanischen Sprachen sich entweder
120f. 141 ff., daher nicht in Synaloephe, dagegen Jachmann Stud. pros. nur die erste Silbe (il) oder die zweite erhalten hat, woraus man wohl wird
16f. Uber ess(e) Cas. 230 Pers. 260 Lindsay 71f. Zetemata 38 a. O. folgern müssen, daß jene im Satzzusammenhang wesentlich geschwächt
60 Synkope und Anaptyxe Schwinden auslautender Konsonanten

werden konnte, sei es, daß dies von der IK seinen Ausgang nahm (sie ist Immer valide und balineae. Zu avidus und audax oben.
bei ille und iste besonders häufig), sei es sonst als Enklitikon, insbesondere praecipies für praeceps Cas. 931.
in der Entwicklung zum Artikel72). praestigjator es Cist. 297. avjum Enn. ann. 94. insidjantes ebenda 436? Lindsay
141; cf. abjete, fluvjorum genva tenvia bei Vergil, Nasidjeni vindemjator princip-
jum (carm. 3,6,6) bei Horaz. Kalinka 1 397, S. Timpanaro 1097-1099. Immer
etiam nunciam, aber nunc iam Amph. 38 Capt. 266: Langen Beiträge 287 f.
Synkope und Anaptyxe73a) surripui: surpui Capt. 8 763 1011 al. cf. Lucr. 2, 314 Hör. carm. 4, 13, 20.
obiurigo:obiurgo Amph. 706 Bacch. 1020 Cure. 171.purigo:purgo siehe Lodge:
Im folgenden kommt es mehr und mehr auf eine Mitteilung zer­ Ritschl Opusc. II 426ff. Fr. Skutsch Kl. Sehr. 148f. pergo, aber corrigo, porge
streuter Einzelheiten hinaus. Vollständigkeit - natürlich nur im und porgite Pseud. 708 Epid. 733.
Interesse der Plautus-Leser, die bei metrischen und prosodischen olfacio Skutsch Kl. Sehr. 150: Mil. 1255 Men. 163 169, aber 167 olefactare\
Schwierigkeiten Rat und Auskunft suchen —ist erstrebt, aber kaum cf. Phorm . 284 obstupefecit.
Zu erreichen73). vidulus > vidlus Rud. 1106 1127 1130.
Synkope oder K ontraktion über v h in w e g : Deminutiva haben immer die volle Form:
prorsus, aber provorsus Pseud. 955 nach Varro gegen AP. aliorsum Truc. 403, uxorcula u. ä. z. B. Cas. 837 917 al.: Lindsay Class. Rev. 1892, 87-89; aber
aliovorsum Aul. 287. dextrorsum Acc. praetext. 27, dextrovorsum Cure. 70 periclum u. ä.,periculum nur am Versende; vehiclum Aul. 168 502 Pers. 782;
extempulo Aul. 93; vinculis nur Capt. 204: O. Seyffert Burs. 1894, 259.
Rud. 176 368. controversiam? Men. 592 f. deorsum Am ph. 1108 al., dreisilbig
Lucil. 703. sorsum Asin. 362 und noch dreimal. supera Cas. 815 Cure. 477, öfter bei Lucr. Alcumena.

cavisse Bacch. 1017, dreisilbig Amph. 944. edveto Asin. 372 Capt. 431. navis>
naus Men. 344 Bacch. 797. clavator Rud. 804. avidus > audus Bacch. 276 Schwinden auslautender Konsonanten
Skutsch 44, umgekehrt avidax Amph. 985? Skutsch K l. Sehr. 150.
si vis:sis. dites Cure. 472 475 485; ditiae Capt. 170 R ud. 542 Trin. 682; d nach langem Vokal: hau neben haud s. Lodge. Im Ablativ, Adverb und
dives:dis Bacch. 331 Ad. 770 Asin. 330?74). Im perativ (agrod facillumed facitod) bei Plautus nicht mehr nachweisbar;
Immer di dis, nicht dei deis, divinam Epid. 316? cf. A m ph. 672 Truc. 307? nur med ted abl. und acc. einige Male überliefert (aber sese).
(Leo), civitatem? Merc. 846. obliscendi Mil. 1359. vi(ve)ndi) Andr. 52? d nach kurzem Vokal: apu(d) Leo 251 f.; sein Hauptargument Truc. 163
Ad. 445?. quo*d apud vo*s; dagegen Lindsay Burs. 1906, 196 Lindsay 120.
Unbetonte Mittelsilben s u n d m : Zeugnisse Cic. orat. 161, cf. 153. Quint. 9, 4, 38 ff. GL VII 80.
I 30. Vgl. Carola Proskauer, Das auslautende s auf lat. Inschriften, Diss.
dextera und dextra, sinistera und sinistra, z. B. Eun. 775. aridus> ardus Aul-
Freiburg 1910; anderes bei Lindsay Burs. 1914, 29f. Leo Kap. V. Lindsay
297 (Zweifel Plaut. Akz. Stud. II 35) Pers. 266 Nonius 74, 20 aus Lucüius
122. 126ff.
(O. Seyffert Stud. Plaut. 6). Uber calidus und caldus Q uint, inst. 1, 6, 19.
m : E nn. ann. 332 militum octo. 494 dum quidem ünus. Bei Plautus am sichersten
flagitium hominis Asin. 473 Cas. 552 Men. 489 709; s. ferner z. B. Men. 82
72) Gegen et ill(e) Merc. 536a Fr. Skutsch 118 A. 2, 2 (aber gegen cum 167 227 292 406 446 497. Sonst positionsbüdend vor Konsonant, in Syna­
viro et ille bestehen nicht geringere Bedenken). Weitere Fälle von Apokope loephe vor Vokal. Jedoch erwägt Leo 330 A. 1 fdctu(m) volo Aul. 146.
fort(e) Asin. 794 (sicher nicht Cure. 271, sehr zweifelhaft Mil. 719/20). cu(m) machaera Pseud. 593 anap., Widerspruch Lindsay Burs. 1906, 194,
tul(e) Trin. 386. perqu(e) u. ä. Capt. 246 Cure. 705 Mil. 508 1072 Poen. 419 Lindsay 122. molestumst = molestu(m) + est: Leo 279f. Vgl. jetzt J. Soubiran
Pseud. 442 Stich. 701. Umgekehrt post(e) Andr. 483 E n n . ann. 230. 218 ff.
72a) Ausstoßung eines Vokals im Wortinneren und Entfaltung. s nach kurzem i: magi(s) zu mage, ebenso säte (dann sat) pote (wodurch sich
73) Vgl. vor allem Lindsay 196-221: List of words, u n d zu den einzelnen die Konjugation von posse erklärt), auch nimi(s) priu(s) ; sequeri(s) zu
Wörtern Lodge und Jenkins. sequere, zustimmend Skutsch Kl. Sehr. 352f. (nach Lindsay 182, sicher
71) Vgl. P. Langen, Beiträge 279ff. unrichtig, aus sequeso = tneoo); iure consultus = iuris consultus Skutsch
62 Prosodische Einzelheiten Prosodie: Nomen 63

Kl. Sehr. 327, Lindsay Burs. 1906, 189. tempore = tempori(s) Lucr. 6, 230. Einzelwörter, vor allem griechische
cred(is) Eun. 710 optund(is) Ph. 515 mens(is) hic Ad. 475. similest = simi­
li (s) -f es/: Leo 286ff., Einwände Lindsay 76.131. Immer quis, nie qu(is). mina, techina, Alcumena, schlma Amph. 117 Pers. 463 Caecil. com. 57 76.
s nach u: nullu(s) sum u. ä. am Versschluß; natust u. ä. aus natu(s) + est braccbium, Ächeruns (Acch. Lindsay 188, -Ach. Enn. trag. 70 203), Achilles:
(Einwände von Lindsay s. oben, s. auch Burs. 1906, 204-206), aber nie Acch.} Merc. 488 (Mil. 1054) Lindsay a. a. 0 . 200f., macchaera} Pseud. 593.
*virtust rest equest: Leo 280 ff. Für rest Lindsay 75 (vgl. L. Havet Rev. de drachuma: dracchumarum Trin. 925 A. Klotz 326. Cleostrata. Philipp(e)i
Phil. 1905, 184f.): Cas. 578 (AP) 894 Merc. 857 (B) Pers. 223 Stich. 473 s. S. 51 u. A. 52. talentum Mil. 1061 Phorm. 791 A. pölypus. miluos. lärua. —
Eun. 268. penest Amph. 653. Aber hicst Poen. 1333?!: Lindsay 76. Campans genus Trin. 545 (oskisch: Leumann-Hofmann 223).
amic(us) amico, ornat(us) incedo u. a. z. B. Mil. 897 660 Mete. 385: Leo 256ff.
auf Grund des Gesetzes vom zerrissenen Anapaest, besprochen: O. Seyffert
Burs. 1890, 9, abgelehnt von Lindsay Burs. 1906,189ff. Lindsay 89f. 130ff., Zur Formenlehre
Fr. Skutsch Kl. Sehr. 241 A .: gegen Synaloephe bei illius, bei -es anerkannt
352L, neue Argumente zugunsten Leos O. Skutsch Register 96a oben. Genusfragen: Lindsay Burs. 1906, 217-220 (A. W. Hodgman), z. B.
Letzter Beleg für die Schwäche des s Catull. 116, 8 tu dabi(s) supplicium. collus/collum (Leo 310), virile sexus Rud. 107 (Leo 304).
1. Deklination.
Nominativ griech. Eigennamen, Sösid u. ä. Amph. 439 Asin. 740:
schwerlich auf ä, vgl. z. B. tesserd Poen. 1052 Asin. 762.
Doppelkonsonanten im Auslaut Antidamas .-Lodge.
Genetiv auf -di Aul. 121 Mil. 103, aber auch Synaloephe von -ae Amph.
ess Asin. 511 Trin. 1063 Ad. 696. miless u. ä. Aul. 528 Asin. 330 Cas. 817 629. 1135: Leo 338ff. Lindsay 153f.; dömi meae eccam Epid. 563 Lokativ:
terr Bacch. 1127, cord Mil. 1087/1088 Poen. 388? Pers-802?: Bücheier Rh. Lindsay 154.
Mus. 46,236-238. lact(e) Bacch. 6 Men. 1089 Mil. 240Truc.903 Enn.ann.352 Ablativ auf -äd nur noch im Saturnier: Troiad Naev. 4.
Caecil. com. 220. Fr. Skutsch 60. Leo 282 A. 9. Lindsay 138f. Vgl. bodc(e) > 2. Deklination.
hoc(c). Über obicias u. ä. Asin. 161 814 Rud. 769 Merc. 932 Verg. ecl. 3, 96 proclivus und proclivis al. Nominativ Campans s. oben. Genetiv der Wörter
Ov. ex. Pont. 2, 3, 37 Lucan. 8, 796 Verg. Aen. 11, 890; vgl. Lindsay 140, auf -ins, -ium immer auxili u. ä., selten in Synaloephe: Men. 901 Hör.
Prokeleusm. Wörter S. 30. carm. 3, 4, 65: Leo 338.
Vokativ puere Fr. Skutsch Kl. Sehr. 383.
Genetiv plur. -orum und -um: Most. 120f.
Vocalis ante vocalem corripitur
filii filiis, gratiis} Capt. 408 Amph. 164 bestritten, vgl. Verg. Aen. 5, 269
(nuptias Aul. 157 IK, Skutsch Kl. Sehr. 252 A., nuptias Leo).
Chius Cure. 78 Poen. 699. Dicaea u. ä. Mil. 808 Asin. 333 Most. 759. A lli
Ablativ auf -öd} Rud. 268 equo] et quod codd., vgl. Marx z. St.
Capt. 24 31. platla (Stellen bei Lodge II 333 a): Bücheier Rh. Mus. 41,
3. Deklination.
311-313, Fr. Skutsch 10 A. 1. Vgl. über ei,fio,füi unten S. 66. süis Cure.
Nominativ Opis Bacch. 893. sortis Cas. 380. canes fern. Men. 718 Trin. 172
323?.
(Varro 1.1. 7, 32). infimatis Stich. 493 Most. 770. - uxör u. ä. noch Verg.
Metathesis georg. 3, 118, nicht pater Iuppiter, sicher mulier. - bacchandi Aul. 411a.
4. Deklination.
tarpeqita Cure. 341 406 712, trapezita Epid. 143 bestritten von Lindsay 219. Genetiv -i,senati Cas. 536 Epid. 189; -üs} Amph. 513 Capt. 826 Pseud. 1197.
A. Klotz 326. phrygio > phyrgio? Aul. 508. Dativ quaestu et cultu Rud. 294.
Genetiv plur. mille passum Men. 177 Truc. 334.
Metrische D ehnung 5. Deklination.
Genetiv rei fidei Aul. 121 Mil. 103 Lucr. 1,688 5,102 (wie -di), rei Men,
Italorum Catull. 1, 5. Priamus-Priamides. Quint, inst. 1, 5, 18. 323 494. rei Pers. 65. spei Eun. 1053 al.
64 Prosodie: Pronomen
Prosodie: Pronomen 65
Dativ fide Aul. 676, die Amph. 276 (codd. -ei), cf. Gell. 9, 14, 21. ei rei Hauptstelle für buiusPoen. 387-394 (Iktierungz.T. unsicher), hm’usmodi8
operam dabdnt Bacch. 297 al. z.B. Capt. 1033 Poen. 824 Rud. 127?. iius nur in IK : hic eiusgeminust frdter
Griech. Eigennamen auf -r\c, nach der 5.: Herculei Cas. 398 Pers.2 Rud.
822, aber Euripidi Rud. 86: Lindsay Burs. 1906, 221 f. Leumann-Hof- Pers. 830. illius z. B. Amph. 896, aber Cure. 716 haec au3tem illiu1s soro3r.
mann 262. Truc. 930 isti modi codd., vgl. Epid. 119 Merc. 144 Most. 746 Rud. 321
Adverbia Trin. 552. Vgl. Haut. 129 solixus solli2citi su3nt causa. Vgl. Quint, inst.
maestiter al. z. B. Rud. 265, Lindsay Burs. 1906, 227. 1, 5, 18 ünius.
volup subst., adiect., adverb.: Most. 153. Dativ (Kalinkal 396f. über Maurenbrecher) ei huic Bacch. 1097a Cure.
frusträ, conträ, z. B. Men. 692 nefrü ’stra si3s; zuletzt Catull. 66, 66 iuxtä 557 Rud. 389 al. hüte Stat. silv. 1,1,107. ei hüic (vielmehr wohl Positions­
(juncta edd.), cf. Trin. 197? iuxtaxque eam cu2ra. länge der ersten Silbe) Aul. 13 Rud. 39 Lucr. 2, 1136. ei Pers. 776 785
etiam nunciam s. S. 61. Rud. 934 Stich. 653; o5bviam e*i ultro de1fera3m Pseud. 1242? (doch
fmmö Amph. 726 Cas. 634 Merc. 738 Phorm. 936 Hec. 437 726 877: wohl vielmehr öbviam ei ültro mit zerrissenem Anapaest: Walter Schmid).
Vollmer SB. München 1917, 9, 28ff., Lindsay 256f., J. B. Hofmann - fern, iae Mil. 348.
Gnomon 1926, 44. (Zu Amph. 726 vgl. Vahlen SB Berlin 1907, 706f.: Nominativ plur. masc. hisce illisce istisce Priscian XII p. 593 K. Leumann-
immö in dem um zwei Silben zu langen Vers). Hofmann 276. 291. ei Merc. 869; ei homines Pseud. 819 Rud. 156 (hi B
Zahlwort om. CD), eae Men. 86 Rud. 646.
duo und düos acc.?: Studemund ALL 3, 551 f. O. Seyffert Burs. 1890, 22. Genetiv plur. meist eorum (wohl sicher Synizese); eorum Asin. 554.
Lindsay Burs. 1906, 223. Dativ und Ablativ eis Men. 585 Rud. 73. pro eis Asin. 437 Stich. 17. eis
duo nom. fern. Amph. 1108 nach Nonius, masc. codd. Pseud. 1112 (iis B) Enn. ann. 286. ibus Mil. 74, hibus Cure. 506.
Personalpronomina Adverbia: illi neben illic, illim neben illinc, illo neben illuc: Leumann-
ego s. S. 50, Plaut. Akz. Stud. II 135-291. Hofmann 288f.
Genetiv mis Poen. 1189 Enn. ann. 132 (Priscian), tis Mil. 1033, Quanti­ In Verbindung mit ecce: eccum eccillum.
tät unklar Pseud. 6 Trin. 343 (in A). ipse, daneben ipsus (ipsu'1 Cure. 170 Aul. 412a? Lindsay Burs. 1906, 188),
Dativ mihi und mi, oft nicht zu entscheiden, beide mit Synaloephe. eapse neben ipsa, eumpse neben ipsum, eopse neben ipso, eaepse neben ipsae,
med ted abl. und acc.: siehe oben, Belege bei Lodge. alius, alter: alis = alius Catull. 66, 28, alid Lucr. 1, 263, nicht Plautus:
Genetiv plur. nostrum Poen. 527 Rud. 289, nostrorum Poen. 540 861, Skutsch Kl. Sehr. 380f.
nostrarum Truc. 251, nicht nostri. Genetiv alterius oder altriusl Capt. 306 s. oben. Dativ alii Mil. 1075
nobis vobis einsilbig?: Merc. 699 894 988 Cure. 84 Stich. 742: Paul. Fest. 1357, aliae Mil. 802, alterae Rud. 750; vgl. Lindsay Burs. 1906, 223.
47 nis pro nobis. Leo Hermes 18, 596, Leumann-Hofmann 283. nihil bei Plautus nicht nachzuweisen; am Versschluß Haut. 896 Phorm. 940.
Demonstrativa: A. Luchs Commentationes prosod. I 1883, II 1884 (dazu nihili Cure. 155 dact.
O. Seyffert Burs. 1886, 24—26). F. Schmidt, De pronominum demon­ Interrogativa, Relativa, Indefinita.
strativorum formis Plautinis, Diss. Göttingen 1875. Fr. Skutsch Kl. Nominativ: quisund qui subst. interrog. und indef. promiscue: O. Seyf­
Sehr. 77-80. 135 A .l. 344-362. fert BphW. 1893, 277f., ebenso quid und quod adjektivisch; dasselbe gilt
Nominativ hic hi(c)quidem\ hic quidem nur Poen. 1125. *h~odce> Mcc. -ce von den Formen von aliquis, quisquam fern, (statt ulld) Rud. 406. quisquis
kann an alle Casus antreten; -e im Auslaut immer apokopiert, nicht auch = quisque, Trin. 881: Lodge II 519 b.
in hicine u. ä. z. B. Pers. 846. Apokope bei ille oben S. 59f. Genetiv cuius oder quoius: s. oben unter eius.
Genetiv: A. Luchs Studem. Stud. I 319ff. Fr. Skutsch 102. Kl. Sehr.
Dativ cui oder quoi z. B. Pseud. 1203. cüi Sen. Troad. 852 Juv. 7, 211.
241 f. Lindsay Burs. 1906, 202f. Lindsay 64ff. 165f. eius huius cuius ist
quoi homini Cure. 531 557. cui adhuc Truc. 501. si cui himini Rud. 1193,
entweder trochaeisch (schwerlich tribrachisch) oder einsilbig (schwer­
ähnlich Amph. 861 Asin. 459 Merc. 615. Synaloephe quoi imperes u. ä.
lich pyrrhichisch: Lindsay Burs. 1906, 202f.). Es heißt entweder illius
Aul. 75 420 Trin. 1061.
oder illius (sicher nicht illitis, so später, vgl. aber alUrius oder altriusl Ablativ auch qui für alle drei Geschlechter, sogar für den plur. Rud. 1110,
Capt. 306, alterius Enn. sat. 17, dazu Capt. 8 und Leo im Apparat). aber sicher ‘wodurch’ Pseud. 487 Ita, quaxs (minas) meo gna2to de3m,
Prosodie: Verbum Cantica: Ursprung 67

qui amicam liebere* m; am sichersten persönlich in quicum. Indef. insania. Cure. 364? quo*d cupi*s effecero. Amph. 555 facils üt bacch. Lucr.
‘irgendwie’; abundierend quippe qui quem Rud. 384 und hercle qui: Lodge I 1,72 cupiret. Nach Skutsch ist facis usw. durch IK entstanden.
766 b, Kienitz, Fleckeisens Jahrb. Suppi. X 525-574. sequere = sequeris s. S. 61 f. dice usw. S. 58.
Nominativ plur. ques Pacuv. trag. 221. dicier — dici u. ä. Bacch. 396 Rud. 255 cf. 1242, meist, aber nicht nur am
Versende: Men. 1005 Poen. 742: Jachmann Glotta 1916, 50.
Verbum abit = abiit, peri = perii, in Synaloephe? Cist. 286 Bacch. 51.
Stammbildung adnu'-meravit el t mibi cre3didi*t Asin. 501, ähnlich Pers. 834 Mil. 1038
Jio, fla t Mil. 1054 Aul. 405 (Juat Leo Lindsay), Lindsay 200: „perhaps Trin. 169 601 Cas. 543 Bacch. 1096a: Lachmann zu Lucr. p. 290, A.
never/7o“ wohl nicht richtig, fleri fieri Rud. 619 1035./;Vr< Enn. ann. 15. Spengel T. Maecius Plautus 1865, 97f. Sommer 577: inschriftlich
fü it Capt. 555, institüi u. ä. Most. 85 Men. 63 Capt. 912 ? Enn. ann. 133 377. triumphaut u. ä.; unwahrscheinlich: Lindsay Burs. 1906, 201.
stätus partic. und subst., stätus Mil. 1389. occeperunt und occeperunt Truc. 468 (.fuere Cist. 156, öfter in Synaloephe,
attigas, pervertat s. Lodge. contini ( = continui) Asin. 582 Amph. 926, alle drei Formen auch klassisch.
Nonius 178, 7 ff. siem sies siet sient = efrjv, Cic. orat. 157.
aggredimur, moriri. potis est neutr. Phorm. 379. potis allein und potin — potisne Rud. 968 425.
Genus potesse.
opino neben opinor, iuratus sum neben iuravi Rud. 1373 1347. nevis nevult. mavolo mavelim mavellem.
Tempora dare: duimperduim conj. praes.; danunt - dant.
meist scibam. aiebam und aibam75>. scibis neben scies, tetuli: tuli nur Poen.
1067, (Rud. 1040?), umgekehrt Terenz. CANTICA
-äveram : -äram, novissetnosse u. ä. Lindsay Burs. 1906, 206f. audisti,
insuevi insueram u. ä. Lindsay 179f. dixti adduxe haplologisch Seyffert
Ursprung und Herkunft der Cantica
Burs. 1886, 47 f.
Formen
1. Person sing, rapiör z. B. Rud. 868. Da Menander zwar Zwischenaktmusik, aber keine Lieder, sondern
2. und 3. Person: amät delet audit; dät? Rud. 1072: Lindsay Burs. 1906, nur Dialog hat, ist das Hauptproblem: weshalb ist an die Stelle von
200, aber dätur Aul. 520 al. „Menanders Sprechkomödie“ „ein Singspiel, opera buffa“ getreten:
-is und -it nur im praes, der 3. Konjugation und im Futurum: Lindsay Wilamowitz, Menander, das Schiedsgericht 1925, 169. Die Frage
137 (cf. Hor. sat. 2, 3, 260: syll. anc.; cf. carm. 1, 3, 36 2 ,1 3 ,16)7e>, im nach der Herkunft der Cantica darf daher nicht isoliert gestellt wer­
Perfekt lang: Pseud. 311 i1lico2 vixi21 amantor, Capt. 9 Mere. 428 Mil. den. Die Antworten auf diese Frage:
832 Most. 894 Poen. 260 1059 Rud. 199 Stich. 384. Fr. Leo, Die plautinischen Cantica und die hellenistische Lyrik,
Aber z. T. ist ‘Jacobsohnsche’ syllaba anceps möglich, vgl. Men. 1160
Abh. Göttingen 1897: Anknüpfung an das Grenfellsche Lied, ‘Des
ve1nibi2/ uxo2r, ferner Pers. 494 meminerisconj. perf.: Lindsay Burs. 1914,
Mädchens Klage’ (zuletzt Anthologia lyrica graeca ed. E. Diehl 6,
36, außerdem audi^ret hae*c Ad. 453 und Wechsel zwischen Länge und
Kürze bei Ennius ann. z. B. 14 70 79 80 83 89 90 92 371. Lindsay 197), und an den späten Euripides. Ed. Fraenkel, Plautinisches im
135-137. Sommer 576f. Leumann-Hofmann 337 f. Plautus, Phil. Unters. H. 28, 1922, Kap. X Ursprung und Art der
Von den Verben auf -io sind die mit kurzem Vokal in der Stammsilbe Cantica, 321 ff.: aus der römischen Tragödie und über diese aus der
in die 3.Konjugation übergegangen: Sommer 503f. Leumann-Hofmann griechischen. O. Immisch, Zur Frage der plautinischen Cantica,
320f. Fr. Skutsch Kl. Sehr. 208ff. Aber noch Men. 921? pe5rcipi*t SB Heidelberg 1923, 7: Rückkehr zu Leo mit dem Versuch, die
75) Vgl. Lindsay 188-190: äs, ain nicht ganz sicher, äin Amph. 284 344
hellenistischen Vorbilder (Hilarodie, Magodie) genauer zu bestim­
Cure. 323?. men; merkwürdig, daß er den versus quadratus (‘Vierer’: oben
’•) Syllaba anceps in der Hebung Verg. Aen. 8,98 4,222 11,111 ecl. S. 30 A. 6) für „volkstümliches lateinisches Erb- und Eigengut“ er­
6,53 Aen. 10,394 6,587 al. klärt, aber eine römische Vorgeschichte der Cantica nicht in Erwägung
68 Cantica: Mehrdeutigkeiten ‘meßbare’, ‘nicht meßbare’ 69

zieht (vgl. das viel besprochene Kapitel Liv. 7, 2). Wilamowitz In diesem iambischen Oktonar ist die 5. Senkung unterdrückt (oder
a. O. 168 ff.: Fortbildung der Form des Bühnengesangs der späten Umspringen von Iamben zu Trochaeen?): Leo Cant. 19. Unter­
Tragödie; aber: „Das ist italisch, einerlei wo Plautus und Naevius drückung einer Hebung in Baccheen wohl Rud. 289:
die fremden Versformen hernahmen.“ Wenn es richtig ist, daß
mater, nbstrum habis. Opirtht.
„zwischen den alten volkstümlichen Saturniern, die großenteils in­
schriftlich erhalten sind, und den literarischen der Kunstdichtung“ Drei Baccheen mit Unterdrückung des 2. ‘longum’ im zweiten. So
zu scheiden ist (Kalinka I I 66; es ist nicht zu scheiden: Walter Schmid), Lindsay und Gregor Maurach, Untersuchungen zum Bau plautini-
daß also auf die letzteren vielleicht griechische metrische Theorien scher Cantica, Hypomnemata H. 10, 1964, 27.
eingewirkt haben (vgl. S. 79 A. 3), dann könnte man denselben Von diesen Versen müssen die ‘nicht meßbaren’ Verse und Kol»
Vorgang auch für die plautinischen Cantica annehmen, d. h. für die unterschieden werden, aus denen die meßbaren, wie wir seit Wilamo­
Entwicklung von dem Tanz ad tibicinis modos über die impletae modis witz überzeugt sind, durch Normierung hervorgegangen sind77*.
saturae zu den plautinischen Cantica, d. h. einen Vorgang zunehmen­ Zum Beispiel kann der Glyconeus Hör. carm. 1, 3,1:
der Hellenisierung, wie er sich im großen darin darstellt, daß Ennius
Sic te diva potens Cypri
den Saturnier durch den Hexameter ersetzt. Vgl. Plaut. Akz. Stud.
II 358ff. Das neue Bild der Antike II 1942, 64ff.: Der Anfang der weder als spondeus + dactylus + katalektische trochaeische Dipodie
römischen Literatur, wo (leider ohne Anknüpfung an O. Immisch) noch als ein von spondeus und iambus eingerahmter choriambus
die Zeugnisse und Argumente für eine Vorgeschichte des römischen analysiert, d. h. aufgelöst werden. Er ist ein unteilbares Ganzes78*.
Theaters vor Livius Andronicus angeführt werden. Die erste Frage, die bei schwierigeren Cantica zu stellen ist, betrifft
Zur Metrik: O. Seyffert Burs. 1886, 39 (zu Leo Rh. Mus. 40): die Abteilung der Verse und Kola. Dafür stehen als Kriterien zur
gegen dessen Konstruieren; die größte Behutsamkeit tue not. 1894, Verfügung Hiat und syllaba anceps, die aber, wie wir gesehen haben,
283: „Die plautinischen Cantica bieten Rätsel über Rätsel“ usw. Leo beide auch im Versinneren Vorkommen, die Katalexe, die jedoch von
5 A. 1: „Es ist wohl gut, wenn ich besonders bemerke, so selbst­ einer Synkope wie in Rud. 289 nicht zu unterscheiden ist, schließlich
verständlich es ist, daß eine Menge von Versen m etrisc h v ie l­
77> Es läßt sich am leichtesten klarmachen am sog. Enoplier:
d e u tig ist, plautinische Verse noch mehr als griechische wegen der
prosodischen Vieldeutigkeit der altlateinischen Dichtersprache und ’EpaaptovfSr] XaptXae
der vielfachen Möglichkeiten des Hiatus.“ Lindsay 315: “The time parodiert von Kratinos: ‘EpacrpLoviSt) Baf>t7TTte (Hephaest. p. 47,10.48,19.49,
is not ripe for an analysis of all the Plautine Cantica.” 22); aber auch mit zweimoriger erster Senkung: dtortöv 8’ oi \xb> xax’ OTttadev
Bei der Frage der Mehrdeutigkeit muß vorweg unterschieden (47,15). spfto noXu (ptXrafl’ sxodpuv (49, 13). Das sind paroemiaci. Der Vers
werden zwischen den Versarten, die nach Iamben, Trochaeen usw. mit nur einsilbigen Senkungen (kurzer 2. und 4.) ist ein katalektischer iamb.
‘gemessen’ werden können. Dieses Messen wird nur erschwert Dimeter, mit zweisilbiger Senkung nur am Anfang ww—w -w -w ein kata­
durch Anaklasis, besonders bei den ionici, z. B. Catull 63: lektischer ionischer Dimeter mit Anaklasis: 39, 17. Das ist nicht adiectio
und detractio, sondern Normierung. Und eben nur die normierten Verse
Super alta vectus A ttis celeri rate maria
sind meßbar. Der nicht-normierte Vers ist zu beschreiben als steigend be­
Man denke sich die Silben al-ta umgestellt; das zweite ‘longum’ des ginnender, klingend endender Dreiheber mit freien Senkungen, nicht auf­
dritten ionicus ist aufgelöst: rate-, am Ende Katalexe und syllaba lösbaren Hebungen.
anceps. Es ist ferner erschwert durch Synkopen, Unterdrückung von 78* Vgl. Quint, inst. 9, 4, 115 neque vero tam sunt intuendi pedes quam uni­
Elementen (an deren Stelle ein tempus vacuum tritt), häufiger von versa conprehensio, ut versum facientes totum illum decursum, non sex vel quinque
partes, ex quibus constat versus, adspiciunt: ante enim carmen ortum est quam
Senkungen, aber auch von Hebungen, z. B. Pers. 1:
observatio carminis, ideoque illud ‘Fauni vatesque canebant’. - Ein Beispiel für
Qui amäns egens ingressus Ist princeps in Amoris vias. eine methodisch falsche Betrachtung S. 117 A. 2.
70 Cantica: Fr. Leo Canticum: Begriff 71

Wortgrenzen: vgl. Cas. 709-712 S. 71, andererseits bedenke man Crusius, Die Responsion in den plautinischen Cantica, Philologus
Synaphie und Enjambement. Nur zwei Beispiele für Mehrdeutigkeit: Suppl.-Bd. 21 H. 1, 1929 (sehr kritische Besprechungen bei Kalinka
Aul. 157 nuptias adorna Leo, also ein Ithyphallicus, nuptias adorna (I 383) II 121; vgl. vor allem Elisabeth Haecker, Zum Aufbau plau-
Fr. Skutsch BQ. Sehr. 252 und Lindsay, also Reizianum. Ebenso­ tinischer Cantica, Diss. Berlin 1936). Otto Skutsch passim, vor allem
wenig ist bei w— w- zu entscheiden, ob dies ein Dochmier oder ein 9 ff. über Pers. 768 ff. Gregor Maurach, Untersuchungen zum Aufbau
katalektischer baccheischer Dimeter ist: S. 73 u. Richtig Kalinka I I 58: plautinischer Lieder, Hypomnemata H. 10,1964; vgl. Gnomon 1965,
„Es hängt vom metrischen Zusammenhang ab, wie ein Gebilde zu 253-255. Im übrigen halte man sich an die Schemata metrorum in
deuten ist.“ Es ist in der Tat eine Frage der rhythmischen Gattungen, der Ausgabe von Lindsay. Man wird finden, daß die Iamben und
die so verschieden sind, wie bei uns Tonarten und Tanzrhythmen. Trochaeen der Cantica kaum schwieriger sind als die der Dialog­
Weshalb wir den Unterschied nicht fassen können, sagt Cicero orat. szenen, daß die Kretiker und Baccheen die einfachsten Maße über­
184, der zu dem Vers aus dem Thyestes, wohl des Ennius: haupt sind, und daß die Anapaeste (man beginne mit der Dialogszene
Mil. 1011-1093) zwar unbequem, aber nicht eigentlich schwierig sind.
quemnäm te esse dicäm? qui tdrda in senectä Zum B e g riff C a n tic u m : in den Handschriften stehen am Kopf
bemerkt: quae, nisi tibicen accessit, orationis sunt solutae simillima79>. der Szenen oft, aber nicht regelmäßig die Bezeichnungen DV =
Kontroversen und Aporien wie die genannten müssen dieser Ein­ Deverbium oder Diverbium, Dialog, C = Canticum; jenes vor Senar-
führung fernbleiben. Hier können n u r die G ru n d fo rm e n mit­ szenen, dieses sonst (vor iamb. sept. C Pers. II 5: Lindsay Burs.
geteilt werden80*, im wesentlichen nach der ersten Hälfte von Leos 1906,139f.), aber C vor den Senaten Pers. IV 6 und Trin. IV 4, DV
Abhandlung. Eine ‘Analyse’81* auch nur einzelner Cantica ist schon vor den troch. Septenaren Capt. III 1, Cas. III 2, IV 3 (cf. 798f. die
aus Raumgründen unmöglich. Eingehenderes Studium muß von Aufforderung an den tibicen), Epid. I 2: R. Klotz 387, Lindsay 273f.
Leo a u sg eh e n , über den Lindsay (sonst mit Leo nicht sehr einig: 283 (einen Zweifel äußert O. Seyffeft Burs. 1894,282f.), A. Klotz 306.
vgl. Leo Forsch.2 283 A. 1, Lindsay 129ff. und die Widmung an Während der tibicen trinkt, stehen Stich. 762-768 Senare: die troch.
Fr. Skutsch) 261 urteilt: “To Leo we all owe a truer appreciation of Septenare waren also von ihm begleitet, allerdings in dieser besonders
Plautine Cantica.” Weiter z. B. Fr. Skutsch Kl. Sehr. 452 über Epid. bewegten Szene. Briefe in Senaren Pers. 520ff. Pseud. 998 ff., ein Eid
166ff. Lindsay 313ff. über Stich lff. Mit Vorsicht zu benutzen Fr. Rud. 1338ff., der syngraphus Asin. 746ff.

Iambische Systeme
™* Zur Frage, wie lange man noch die plautinische Metrik verstand,
vgl. S. 28 A. 1; zu den Cantica im besonderen das Epigramm auf Plautus’
Leo 33-37: unsicher außer Cas. 709-712, wo jedes Metrum anap.-
Tod, Gell. 1, 24, 4 (Fragm. poet. lat. ed. W. Morel p. 32), v. 3: et numeri iamb. gebaut und durch Wortschluß gegen das nächste abgesetzt ist:
innumeri (die unzähligen Rhythmen) simul omnes conlacrimarunt. Cic. off. Operdm dabo usw. Sonst Reihen von Octonaren, Septenaren, Di­
1, 104. Urteil des Horaz epist. 2, 1, 70. ars 270. Aus Quint, inst. 10,1, 99 metern in unregelmäßiger Folge, z. B. Rud. 283-285. 938-944.
Terenti scripta in hoc genere elegantissima geht hervor, daß man ihn eben seiner Die Folge eines scheinbar hyperkatalektischen iambischen Octonars
pura oratio wegen schätzte. Vgl. R. Klotz l lf ., der auch über die Schriften und eines troch. Septenars Amph. 1067 Bacch. 971 f. Pers. 39-41
de metris Terentianis berichtet. Stich. 291-293; umgekehrt Pers. 34f.
80> Man wünschte sich einen Index metricus dieser Grundformen unter Ähnlich entweder synkopierte Iamben oder Umbruch von Iamben
Berücksichtigung der Mehrdeutigkeit und des Zusammenhangs. zu Trochaeen (Leo 19f.) Pers. 1 (S. 68 u.) Cure. 104
81> Die von P. Maas eingeführten, von B. Snell verwandten Zeichen habe
ich vermieden, nicht nur weil ich mich an sie nur schwer gewöhnen kann, ubi tü profusu’s, ibi ego m(, pervelim sepültam.
sondern auch weil sie scheinbar rein beschreibend, in Wirklichkeit Symbole iamb. dim. und ithyph.
einer Theorie sind. Vgl. die Auseinandersetzung mit P. Maas Plaut. Akz.-
Stud. Register-Band 68-70. Most. 894/95 Pseud. 1112f. Rud. 945f.
72 Systeme Kretiker. Baccheen 73

Vgl. hierzu Ladislaus Strzelecki, De peculiari quodam tragicorum Kretische Tetrameter z. B. Amph. 219ff. Asin. 217ff. Cas. 185fF.
Romanorum versu, Travaux Soc. Sciences et Lettres de Wrozlav 621 ff. Cure. 101 ff. 147-154 (besonders eindrucksvoll). Men. 112ff.
Ser. A Nr. 54, 1954, 107-113 über iamb. dim. + catal. troch. dim. Pseud. 926ff. Rud. 202ff. 233ff. 266-277 664-680a.
mit Parallelen aus Euripides8283*. Vor Versschluß und Diaerese Hebung natürlich nicht aufgelöst,
Senkung rein (Ausnahmen O. Seyffert Burs. 1894, 280f.: Rud. 209
Trochaeische Systeme Most. 724 al.), keine zweisilbige Senkungen, kein spondeischer be­
Leo 29-33: in ungleichen Abschnitten Amph. 575-585; ohne Ab­ tonter Wortschluß (s. aber Amph. 221), keine IK (als Ausnahme nur
schnitte Aul. 727-730 Pseud. 1132-1135 Epid. 67-71 77-80 Men. Trin. 249 anerkannt): Jachmann; Hiat in der Diaerese z. B. Cas. 190.
590-593? Bacch. 953-956 969-972? 979-986? (anders Klotz und Einzelne kretische Kola passim: Leo 9f. Verbunden mit Trochaeen,
Lindsay) 991-994 Pers. 26-32. Iamben -f- Trochaeen wie umgekehrt aber in dieser Verbindung die Kretiker selbst keine synkopierten
im vorigen Abschnitt Amph. 1072f. Epid. 23f. Stich. 228f. Trochaeen: Leo 20 (Walter Schmid äußert Zweifel). Andere Ver­
bindungen siehe unten.
Ionici
Die schwierige Analyse dieses durch Auflösungen, Anaklasis und Baccheen
Synkopen schwierigsten aller Maße muß bei Leo 37-49 nachgelesen Im Griechischen ganz selten: Hephaestion p. 43,1 t b Sk ßaz/staxov
werden. Am einfachsten die ionici a maiore Amph. 168-172: OTzd-viSv eaxi.
O. Seyffert, De bacchiacorum versuum usu Plautino, Diss. Berlin
noctesque dijesqm assidujo satis sujperque er/88*
1864. Burs. 1882, 45f. 1894, 281. A. Spengel 193-284. Leo 72f. Jach­
— O W — — \ J \ J ■— KJ — \ J — —
mann s. o. Lindsay 289-291; bei Tragikern, auch gemischt mit Kre-
Zum Namen des Maßes vgl. Pseud. 1275 Stich. 769, dazu Pers. tikern, auch synkopiert: L. Strzelecki a. O. 1952, 60-66. ‘Zur
824—826: ein wichtiges Zeugnis für die von Leo gezogene Ver­ Synkope in bacch. Versen’ (nicht Reiziana): Gregor Maurach, Phi­
bindungslinie zur hellenistischen Lyrik. Weiter werden als Ioniker lologus 1963, 257 ff.
noch besprochen Pseud. 1274-1276 Truc. 95-111 Men. 977f. Asin. Tetrameter z. B. Amph. 551-573. Aul. 120-130. Capt. 226-230.
133 Cas. 629-646 732f. 740f. 815-821 934-936. 781-783. 786-789. Cas. 648ff. Most. 84ff. Poen. 210ff. Pseud. 244ff.
Rud. 259-263. 278ff. 906ff. Truc. 453ff. Ein System Men. 571-579.
Kretiker Einzelne Kola passim.
A. Spengel, Reformvorschläge 1882, 1-134. O. Seyffert Burs. 1882, Kein Vers ohne mindestens eine reine Senkung (ohne die er auch
42—45. Leo 74. G. Jachmann Glotta 1916, 39-72. Lindsay 291-296. nicht als baccheisch zu erkennen wäre). Zwei zweisilbige Senkungen
Griechisch vorwiegend 1. Paeone - u u u . z. B. Cas. 152 maledicetis malefa2ctis amaztorem ulciscar (keinesfalls
ionici; in der 2. Senkung also zu Unrecht von Spengel bestritten).
Nirgends corpora, kein fallender Prokeleusmatiker, ein steigender nur
Cas. 153. Lindsays Regel, bei Monosyllabon am Versende müsse die
82* In Pers. 2 superavit aerumnis suis aerumnas Herculi (vielmehr doch letzte Senkung rein sein (S. 290. 354-356), nicht ohne Ausnahmen.
wohl sicher Herculei-, vgl. S. 64 o.), einem tadellosen iamb. Septenar (der
Oft Diaerese wie Amph. 551, aber auch oft Einschnitt nach der
ein gewichtiges Argument für Synkope im ersten Vers darstellt) nimmt
er die Lesung von Serv. Dan. in suis an, setzt also für die übliche Iktierung ersten Hebung des zweiten Metrum, z. B. Amph. 554 556 558 562
aerumnis suis die im höchsten Maße ungewöhnliche aerumnis in / suis. O. Bacch. 1126. Hiat und syllaba anceps z. B. Cas. 665 Poen. 211 214
Seyffert hat nicht umsonst zur Behutsamkeit ermahnt. Rud. 278 Truc. 459 463; vgl. Pelz 67ff. Keine IK: Jachmann s. o.
83* D. Korzeniewski: akephaler Glyconeus mit 2 Choriamben + Bac­ ‘Dochmier’ zwischen Baccheen sind katalektische bacch. Dimeter
cheus. M. E. darf satis superque est keinesfalls getrennt werden. (oder Tetrameter): Leo 15ff., z. B. Amph. 638 641 a 643 Bacch. 1137
74 Cantica: Anapaeste Kola 75

Pers. 808f. 81 lf. Poen. 244f. Pseud. 1267 Rud. 289?; nicht abschlie­ 798-802. Aul. 721-726; mit ungleichen Abschnitten Stich. 18-47
ßend Men. 972 (cf. 971) 974 Pers. 815. 309-330 Trin. 260-274 288-298 Cist. 200-228 Bacch. 1076-1103
Dochmier und Reizianum Cas. 663 673 691 703; und Ithyphallicus 1149-1206 Poen. 1178-1183 1187-1191 Cure. 128-133? 139-141
Cas. 665 674f.? 683/685 834?. Men. 357-360.
Anapaeste Daktylen
A. Spengel 308-333: erfolgreiche, aber zu weit gehende Vertei­ Leo Rh. Mus. 40,1885, 199, dazu O. Seyffert Burs. 1886, 34 ff. Leo
digung, Bedenken O. Seyffert Burs. 1882, 47. Wilh. Meyer 88ff., Cant. 58: meist eine freie Form des Glyconeus; Lindsay 302.
dazu O. Seyffert 1886, 33. Gegen die ‘Gesetze’ von R. Klotz (s. sein Andr. 625 Hoccinest cridibile aüt memorabile6^. Cas. 747f. sid lepidi
Register) Widerspruch von O. Seyffert 1894, 268f. 274—276. E. nitidique vol6, eqs. 937f. Cure. 137 155-157 (mit Klausel). Men. 114;
Audouin, De Plautinis anapaestis, These Paris 1898, 289 S. ohne zweimal Hemiepes Cure. 122.
nennenswerten Ertrag. Lindsay 296-302 unergiebig. E. V. Arnold,
The development of Plaut, anapaestics, Class. Rev. 1925, 160. Choriamben
Für die anapaest. Septenare und Octonare gibt es nur eine bindende Men. 110 N i mala, ni stülta siis, ni Indomita imposque animi. Sonst
Regel: Diaerese nach dem 4. Fuß, vor der nur ausnahmsweise auf­ nimmt Leo 45f. Ioniker an: Asin. 133 Cas. 629 645 Epid. 537. - Vgl.
gelöste Hebung: Bacch. 1157 1153 Rud. 927. Sonst wird zumeist nur Leo Rh. Mus. 1885, 200f. zu Stich, lff. (dazu Cant. 55f. Lindsay
festgestellt, was in den Anapaesten im Gegensatz zu Iamben und 313-315).
Trochaeen gestattet ist: corpora, zerrissener Anapaest (z. B. Mil. 1055
expro^me beni2gnum), ‘zerrissene’ aufgelöste Hebung (z. B. Aul. 719 Kola
nam esse6 bonum ex vo*ltu. 724 sedülo egömetl), steigende und fallende
Prokeleusmatiker, alles auch mit IK. Einschränkend O. Skutsch (auf Glyconeen
schmaler Materialgrundlage) 19: „Gehören brevians und brevianda Leo Rh. Mus. 1885,195ff. Cant. 49 ff. Lindsay 302ff. Sehr freier Bau,
nicht einem Worte an, so ist die brevians entweder ein Monosyllabon, oft von Trochaeen kaum zu unterscheiden. Bacch. 989-990a:
oder die Wortgrenze ist durch Synaloephe überbrückt.“ Andere
Gesetze dürfen als widerlegt gelten. üt seiäs quae hic scripta siint.
Hiat oder syllaba anceps in der Diaerese z. B. Mil. 1012 1055, an an­ N il moror neque scire volo. eqs.
derer Stelle z. B. Mil. 1057 1062 Aul. 725 Rud. 228. Die Diaerese wird Bacch. 626 (anders Leo). Cas. 937 ff. (daktylisch). Epid. 533-537 Pers.
aber auch durch Synaloephe überbrückt, z. B. Mil. 1014105010571066. 29 (zwischen Trochaeen). Rud. 232 (Klausel). Glyconeus und Ithy­
Auffällige Wortstellung (was untersucht werden müßte) Mil. 1043 phallicus Most. 882:
deus dignior fu 2it quisquam hozmo qui essest?: qui deus esset. 1051 quae
pel r tuam nu2nc vitazm vivi*t = quae per tuam vitam nunc vitam vivit (das mane castigabit eos bibulis exuviis.
Verständnis dürfte durch den rhythmischen Einschnitt nach nunc Epid. 339f. Men. 111 Pseud. 1268?
ermöglicht werden). Glyconeus und synkopierter Ithyphallicus, Rud. 953:
Man lese zuerst die strenger als sonst gebaute (Jachmann Stud. pros<
37f. O. Skutsch 26 f.) Dialogszene Mil. 1011-1093, dann etwa Pers* Do fidim tibi, fidus ero, quisquis es. Addi.
753-802, Aul. 713ff. Siehe im übrigen die Schemata metrorum von 952 Cas. 951 f. Cure. 155-157.
Lindsay.
Systeme nicht unterteilt (Leo 24ff.) Rud. 954—962. Cist. 697-701 a.
Trin. Schluß, vielleicht auch Anfang der Szene IV 1. Pers. “ > Anders Jo. B. Pighi in Terenz ed. Pretc 409f.: Hoccinest creticus eqs.
76 Cantica: Klauseln Cantica: Klauseln 77

Glyconeus und Adoneus, Cas. 956/962? (955?) (Skutsch Kl. Sehr. 454: reiz.). 327 339 545 af. Men. 111 Poen. 254
Pseud. 141? 264 922 950 1114 1248 1268f. Rud. 945f.? 253? Truc.
O'ccidi, revocor: quasi non audiam, abibo.
98 101.
Glyconeus und Reizianum Cas. 954 etsi malum m ituo.
Synkopierter Ithyphallicus
Hipponacteus (mit zweisilbiger Senkung an 1. Stelle) Nach Kretikern Most. 324 ni cadds, dsta. 326 879/880 Capt. 204
Cure. 138 Phaidrome mi, ne plöra amdbo. 135. cf. Soph. Aias zweimal. Cure. 155-157 Epid. 981 ? Rud. 952f. Trin. 236? 244 246 249
701. 250 fdmilid totdi Truc. 123: offenbar ein katalekt. cret. dim.

Fünfhebiges Kolon Hypodochmius


Rud. 229-231, 230: Pirtimui, quis hic loquitür propi? Uber die Verwandtschaft mit Kretikern Leo lOff. 75. Bacch. 620
232 Glyconeus als Klausel. omnibüs probris, quae improbis viris 621 624 643 646 quicum igo bibo,
quicum ido et amo (Iktierung Leos: Hiate). 650 662-667 Capt. 936 525
Enoplier? Cas. 247 865 872 888 940 Cist. 16 Cure. 99 113 119 Epid. 67 170
Pseud. 1335 in crastinum vos voedbo. 1332. Most. 108f. 113 116 133 135 136 138 141 315 336ff. 690ff. 899 Pseud.
258 261 263 577 1109 1268 1269 1280a 1285ff. 1308 1310 Rud. 200f.
Prosodiakon? iambisch 924-925 a Truc. 116 118.
Stich. 10-14 loqui de re viri. Abschluß 14b-15 drei Reiziana. Leo 9.
Lindsay 314. Leo Rh. Mus. 1885, 181 ff.: jambische Tripodie - ein Thymelicus (Diomedes p. 281)
leerer Name; der Vers scheint sich zum Hypodochmius zu verhalten Im Wechsel mit Hypodochmiern Leo 75f. Bacch. 646? 1112 optumus
wie Stich. 2 zu 1. homo. Most. 340 omnium hominum. 341 Callidamates. 344 Dormiam ego
iam. 693 me ire: minime. 696 697 702 cum meo animo. 703 atque anum habet?
Asclepiadeus 706 Pseud. 1286 quid video ego. 1299 1301 Rud. 203 209 215 Truc. 120f.:
Stich. 1 Crido ego miserdm, dann steigend:fuisse Pinelopdm eqs., dochm. eine einheitliche Iktierung ist unmöglich.
nach Lindsay.
Dasselbe mit langer erster Senkung?
Klauseln Rud. 212 monstret, ita nunc 216 scitis miseri (sciti’?).

Reizianum
Marius Vict. GL VI p. 79, 2: quot genera versuum sunt, totidem eorum
membra pro clausulis poni possunt. Leo Rh. Mus. 1885, 185ff. Leo Cant. 58-61. Lindsay 279f.; jetzt
vor allem Gregor Maurach, Zum Kolon Reizianum, Philologus 1963,
Ithyphallicus 227-262. Genannt nach Friedrich Wolfgang Reiz, dem Lehrer Gott­
Leo Rh. Mus. 40, 1885, 172ff. öfters Abteilung und Messung un­ fried Hermanns, der das Kolon in Aul. 415-446 entdeckt hat, wo es
sicher (s. S. 70 o. zu Aul. 157 nuptias adornd). Selten sind beide Sen­ auf iamb. dim. folgt. Griechisch z. B. ^Xff’ fjXfte xsXiScov. Grundform
kungen rein wie immer im Griechischen. Vor allem nach Kretikern Aul. 420 male plus libens faxim . 423 mendice homo. Quae res, aber z. B.
und Baccheen (nach Glykoneen s. vorige Seite). Aul. 143 imperd, si auch 421 res ipsa testist und andere Varianten. Außer der Aul.-Stelle
quid vis. 145 ted id monitum advinto. Bacch. 652 658 670? Capt. 208 213 immer Clausei in Cantica. Amph. 639 641 646 647 a 650 653 Aul. 155 bis
Cas. 147f. 665 674f. 683/685 817 (Lindsay: bacch. dim.). 830 888 160 Bacch. 661? 670? 996a 1121a 1124 1127 1128 1139 1140a Capt.
Cure. 96 ndribüs obiktust. 97 104 121 Epid. 170a Meere te uxorem 216 790 Cas. 162 175 177 179 662f. 673 691 702f. 749-758 Reihe
78 Cantica: Klauseln
unterbrochen durch zwei iamb. dim. 826 843-845 Reihe. 873 934-936
(ion. nach Leo 49). Men. 366 760 763 (762?, Leo im Apparat:
filia creticus). 981? Most. 330 347 858 874 877? 890-895 Pers. 849
Poen. 238 1191 a.b 1199ff? Pseud. 141? 589 602? 935a 1254f. Rud.
185 189 195f. 218 253? 285 (cf. 287 289?) Stich. 4-6 8a-15 772f. IV. DER SATURNISCHE VERS
Trin. 254 285 Truc. 97 128 129 209 449/450.
Lindsay S. 8: The Saturnian Metre has evoked almost as many
Adoneus monographs and magazine-articles as there are extant lines. Die Zahl
Rud. 668 nunc sumus ämbae (cf. 667 pirsequämur) Trin. 240 247 248 ist sicher nicht zu hoch gegriffen: Louis Havet, De Saturnio Latino­
250? 281 Cas. 171. rum versu, Paris 1880, führt im Conspectus librorum von 1699 bis
1880 achtundachtzig Veröffentlichungen auf1'. Lindsay fährt fort: but
Trochaeischer Monometer even yet no agreement has been reached on the most elementary
Leo 17: in Verbindung mit Kretikern. Amph. 242 245 247 Capt. point of all. Was it Accentual. . .? Or was it Quantitative? Noch
215 Epid. 166 £.: vor catalect. troch. dim. Pseud. 922 mit Ithyphallicus: skeptischer W. Kroll, Glotta 1932, 265: Nach allen Tintenströmen,
tii priör ut occupes adire. Pers. 805f. Rud. 668 674 681 Truc. 127. die geflossen sind, sind wir heute kaum so weit, daß wir einen einzigen
Saturnier lesen können.
Iambischer Monometer Eine so weitgehende Skepsis ist unbegründet. Um zuerst die
Leo 22: nach Baccheen und Anapaesten. Cas. 839 f. Cure. 99 103 Frage: ‘quantitierend oder akzentuierend?’2' zu präjudizieren, so ist
Epid. 171 hanc quae domist. Men. 354/355 amäntiüm. Poen. 253 Pseud. das Axiom Friedrich Leos S. 3 seiner grundlegenden Abhandlung,
240 Nunc tü sapis. Rud. 205?86). knapper formuliert von G. Pasquali31, unanfechtbar (ins Deutsche

**' Während des Drucks erhalte ich durch die Güte des Verfassers *' W. J. W. Koster Mnemos. 1929, 267-346 ist als Überblick über die
Cesare Questa, Problemi di metrica Plautina I, Quademi Urbinati 1966, hauptsächlichen Theorien nützlich.
13-28; II primo Canticum dei Captivi, Athenaeum 1966, 142-151; I Can­ 2> Die letztere Ansicht wurde wohl zuletzt von Antonius Kolär, De re
tici Plautini (Rezension von Maurach), Maia 1966, 410-420. Wir dürfen metrica poetarum Graecorum et Romanorum, Prag 1947,326-334 vertreten.
von ihm erwarten, daß er Fr. Leos Abhandlung erneuert oder ersetzt. Er liest z. B. App. CI. 2 Inimicus, Naev. 60 quianäm, als wären es Verse der
Spätantike oder des Mittelalters; ebenso O. Seel, Römertum u. Latinität
1964, 95 läcrimis.
*> Preistoria della poesia romana, Firenze 1936. Für die Frage, ob der
Saturnier indogermanisches Erbgut, eigenständige römische Schöpfung
oder aus dem Griechischen übernommen ist, verweise ich auf meine Aus­
einandersetzung mit Pasquali Riv. Fil. 93, 1965, 16-22. Eine Entscheidung
ist unmöglich, ist aber auch für die metrische Beurteilung des Satumiers
belanglos. Dagegen wäre es vielleicht nicht ausgeschlossen, daß griechische
metrische Theorie und Praxis auf die griechisch gebildeten Dichter Livius
Andronicus und Naevius Einfluß geübt hat (vgl. S. 60). Leo 37: „Wir
greifen es mit Händen, wie die Begründung einer kunstmäßigen Vers-
behandlung durch Livius gleich das zweite Scipionengedicht beeinflußt
hat.“ Wenn aber eine solche Entwicklung stattgefunden hat, dann ist die
These S. 12 nicht aufrechtzuerhalten: „Bei der Untersuchung von Versen
hat die kunstmäßige Form den Vortritt; erst von ihr aus kann man die
80 quantitierend oder akzentuierend? Saturnier: zweites Kolon 81

übersetzt): ‘Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, sondern für ab­ ausgewählten exempla, insofern sie Musterverse, Saturnier reinerer
surd, daß der Saturnier akzentuierend sei. . . . Es ist unvorstellbar, Form als jene durissimi sein sollen, äußerste Skepsis am Platze ist;
daß derselbe Dichter, Livius Andronicus, Verse nach zwei verschie­ denn sie sind ausgewählt, weil sie sich einem griechischen Schema
denen Prinzipien (im Drama und in der Odyssee-Ubersetzung) habe fügen. Zweitens, da sie geschrieben sind non observata lege nec uno
verfassen können.’ Wenn das richtig ist - nur die Verse könnten es genere custodito, daß man sich hüten muß, nach dem unum genus, der
widerlegen; sie tun es nicht -, dann muß versucht werden, wie weit observata lex zu suchen. Dies ist der methodische Fehler fast aller
man damit kommt, die Saturnier zu lesen, als wären es plautinische Arbeiten über den Saturnier, freilich ein denknotwendiger Fehler.
Verse, von denen feststeht, daß sie quantitierend waren, daß sich Denn das ist für uns wie für Caesius Bassus das Befremdliche: Verse
aber der Wort- und Satzakzent in ganz bestimmter Weise Geltung verschiedener Form, verschiedener Länge, verschiedenen Werts
verschaffte, seinerseits, wenn auch nicht ohne gewisse Einschrän­ stichisch einander entsprechend!
kungen, von der Silbenquantität abhängig. Dagegen verbietet sich Der Saturnier ist zusammengesetzt aus zwei Kola, zwischen denen
ein unmittelbarer Vergleich mit griechischen Versen, da die Einzel­ ein Einschnitt liegt, den Leo mit Recht Versfuge, nicht Diaerese
kola des Saturniers bereits im carmen Saliare und Arvale erscheinen, nennt. Für die metrische Selbständigkeit der beiden Kola ist bewei­
die beide von unbestimmbar hohem, aber sicher sehr hohem Alter send, daß sie im Arvallied einzeln Vorkommen. ‘Hiat’ in der Fuge
sind4’. Liv. 1 Camena / insece und sonst (Leo 17 A. 1). Da das erste Kolon
Dem Axiom Pasqualis könnte das Urteil des Ennius ann. 21 lf. meist mit einer Senkung schließt, folgen dort, wo das zweite stei­
entgegengehalten werden: gend anhebt, zwei Senkungen aufeinander.
Die häufigste Form des metrisch einfacheren zw eiten K o lo n s,
scripsere alii rem
diejenige, die den Grammatikern als die regelmäßige erschien, ist der
versibus quos olim Fauni vatesque canebant.
‘Ithyphallicus’6>: Liv. 881 plurimi venerunt. 14 16 20,1 21 22,1 27 usw.;
Über die Senare und Septenare seiner Vorgänger nämlich hat Ennius Hiat und syllaba anceps z. B. 1 insece versutum. 19 virginem oraret.
augenscheinlich nicht ebenso geurteilt, obwohl sie sich doch von dem Parallelen aus Plautus: Aul. 145 impera, si quid vis. Cure. 96 naribus
griechischen Vorbild wesenhaft unterscheiden: er hat ja selbst solche obiectust. Seltener ohne Wortschluß nach der zweiten Hebung: Liv.
Verse geschrieben. Es muß also zwischen ihnen und dem Saturnier 12 quem profata Morta est. Epid. 545 a hanc congrediar astu. Syntakti­
ein großer Unterschied bestanden haben. Bis jedoch das Gegenteil scher Einschnitt nach der zweiten Hebung ist nicht häufig, z. B. Sc.
bewiesen ist, kann man das Urteil des Ennius für hinreichend be­ 3, 7 Publio, Corneli, meist besteht engere syntaktische Beziehung, am
gründet halten durch den Sachverhalt, der sich Caesius Bassus so deutlichsten etwa Naev. 39, 2 ad suospopulares. Hier kann von Caesur,
darstellt (GL VI 265, 10ff.): Nostri autem antiqui, ut vere dicam quod geschweige von Diaerese, nicht die Rede sein; es handelt sich vielmehr
apparet, usi sunt eo (versu) non observata lege nec uno genere custodito, ut um den üblichen kretischen Wort- oder Gruppenschluß, der immer
inter se consentiant versus, sed praeterquam quod durissimos fecerunt, etiam die Wirkung einer gewissen Abgeschlossenheit und Isolierung hat,
alios breviores, alios longiores inseruerunt, ut vix invenerim apud Naevium, daher als Pausaform geeignet ist: vgl. einerseits Asin. 199 cetera quae
quospro exemplo ponerem. Daraus folgt erstens, daß gegen die von ihm volumus uti, andererseits Asin. 250 fingere fallaciam.
5> Es muß mit Nachdruck betont werden, daß mit diesen Termini nur
volksmäßigen Abweichungen und ob sie Ursprüngliches widerspiegeln, beschrieben oder an bekannte Formen erinnert, in keiner Weise ‘erklärt’
beurteilen.“ Aber bei derTrümmerhaftigkeit unseres Materials ist in Fragen oder gar hergeleitet werden soll. Vgl. immer wieder Quint, inst. 9 ,4 ,114f.
wie diesen nicht über Vermutungen hinauszukommen. S. 20A.23.
4> Das drückt Leo in seinem lapidaren Stil S. 62 so aus: „Das Arvallied •> Zitiert wird nach Leo, der seinerseits nach Baehrens, Fragmenta
und die Mummiusinschrift . . . beweisen die Existenz des Kurzverses für poetarum Romanorum 1886 (dessen Ziffern W. Morel 1927/1963 in Klam­
Numa und Mummius, wenn auch nicht für Aemilianus.“ mern hinzusetzt) und nach Buecheler CLE zitiert.
82 Saturnier: erstes Kolon Satumier: erstes Kolon 83

Der synkopierte Ithyphallicus z. B. Naev. 3, 3 victimam pulcram. Hyperbata dieser Art gibt es sowohl im Hexameter wie aber auch bei
Most. 324 ne cadas. asta; Sc. 3, 2 omnia brevia. Trin. 250 familia Plautus in Menge. Aus Maia 1959, 290ff., wo man viele Belege findet,
tota. seien nur zwei angeführt:
Die erste Form steigend, gleich einem katalektischen iambischen
Truc. 767 conceptis me non facturum verbis iurem, si velit.
Dimeter, Sc. 1,1 consentiont R(omane). Dasselbe synkopiert tit.
Truc. 470 mulieri nimio malefacere levius onus est quam bene.
Calatini 1 consentiont gentes.
Das Reizianum Naev. 4, 3 lacrimis cum multis (nicht lacrimis-, cf. Auch schon das geringe Material scheint die sonst allgemein geltende
Liv. 21 unten). Aul. 437 angülos in omnis (Leo; oder ithyphallicus). Regel zu bestätigen, daß iambischer betonter Wortschluß vorzüglich
Liv. 20,2 domum venisse. Bacch. 1121a ovis adegit. Weitere Formen findet für die Fermata geeignet ist, aber auch durchaus konjunkt vorwärts­
man bei Leo 51 ff. weisend sein kann, schwerer betonter Wortschluß immer dies letztere
Bei der ‘Musterform’ des e rste n K o lo n s sind von Interesse ist. Diese Regel hat nun aber eine wichtige Anwendung. In Zetemata
einerseits die Verse mit syntaktischem Einschnitt nach der zweiten 38, 104 schien sich bei einem Vergleich von ancillas servos und
Hebung (Diaerese: Leo), Sc. 4, 4 is hic situs qui numquam. Caec. 3 bene servös ancillas zu ergeben, daß ersteres Iuxtaposition ist, letzteres
rem geras et valeas7), viel mehr aber die mit enger syntaktischer Be­ ‘Gruppe’. Wenn diese Beobachtung zutrifft, erklärt sich damit die
ziehung, Liv. 20, 2 me carpento vehentem. App. CI. 1,2 Mor. ne quid befremdliche Wortstellung consul censor aidilis: aidilis consul censor
fraudis stuprique, zweitens mit Hyperbaton: würde auseinanderfallen, es wäre kein Vers.
Die anderen Formen des ersten Kolons werden von Leo 38 ff.
Sc. 3, 4 quibus sei in longa licuisset tibi utier vita besprochen. Hier seien nur angeführt Mum. 2 Corinto deleto-, bei
3, 7 terra, Publi, prognatus Publio, Corneli Plautus wäre das ein baccheischer Dimeter. Sehr merkwürdig Sc. 1, 3
Liv. 21 simul ac dacrimas de ore noegeo detersit Luciom Scipione, aber 2,1 Cornelius Lucius-, als ob der glatte katalekti-
Naev. 22 iamque eius mentemfortuna fecerat quietem sche trochaeische Dimeter geflissentlich gemieden wäre und hier wie
48, 5 Sicilienses paciscit obsides ut reddant. dort die beiden Namen rhythmisch getrennt und isoliert werden
epigr. Naev. 1 Immortales mortales si foret fas flere. sollten. Sc. 1, 1 hone oino ploirume und fast gleichlautend tit. Calatini 1:
Baccheus und Creticus. Liv. 15 sancta puer Saturni-, wohl ein katalek-
Aber auch bei iambischem Wortschluß: tischer choriambischer Dimeter; daher wahrscheinlich auch Liv. 22, 2
quamde mare saevom, dasselbe synkopiert und mit syllaba anceps; in­
Liv. 1 Virum mihi, Camena, insece versutum dessen, wenn es nicht das erste Kolon wäre, könnte man auch ein
Naev. 1 Novem Iovis concordes8) filiae sorores Reizianum vermuten, wie Cas. 172 itä solent ömnes, 873 nostra foris
crepuit. Men. 366 981? Pseud. 935 a Rud. 218 Stich. 9 und am Senar­
7> Auch bei Plautus ist dies die übliche Wortstellung: bene rem geras; anfang Mil. 542 perqul tua genua. Men. 236 mare superum ömne.
vgl. Lodge I 648bf., Zetemata 38, 38. Grundlage und einziger Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit
8* Eine solche Wortfolge ist am Senaranfang ganz selten: Aul. 38 anum dem Saturnier ist die Abhandlung Leos und muß es bleiben9*. Alle
foras extrudit, aber man kann Anfänge trochaeischer Septenare vergleichen, älteren Arbeiten sind durch ihn ausgelöscht, und Neues von wirk­
z. B. Amph. 365 Sosiam vocant Thebani. 1125. Asin. 324 866. Aul. 163 195 lichem Wert ist nicht hinzugekommen10). Natürlich kann man in der
213 219 772 779. Bacch. 380 530 535. Ein wenig häufiger sind Anfänge
*> W. J. W. Koster a. O. 278: doctrina (de Saturnio versu) metrica . . .
iambischer Verse mit schwerem betonten Wortschluß in der zweiten He­
ab Hermanno instaurata a Leone ita elaborata est, ut ea saltem via (K. hält
bung; Leo 277 führt aus Plautus an z. B .:
diesen Weg nicht für richtig) plus perficere vix cuiquam datum sit.
Pers. 465 sei sa1tin esti2s meditaati? Tragici et comici 10) Vgl. die Besprechung von William Beare, Latin verse and European
Asin. 561 ubi fT dente2m frauda2veris, ubi ero infidelis fueris. song durch Walter Schmid Gnomon 1959, 418ff.
84 Satumier: metrischer Charakter
Beurteilung der seltenen und schwierigen Formen mit ihm streiten:
im Grundsätzlichen steht seine Auffassung unerschüttert. Nur in
einem wird er so wenig wie nach ihm Pasquali recht haben: grie­
chische „Urmaße“ mag man mit dem Saturnier vergleichen - Ge­
winn wird man davon nicht haben -, keinesfalls aber die normierten V. DER (DAKTYLISCHE) HEXAMETER
Verse der ausgebildeten griechischen Metrik. Dagegen war es rich­
tig und notwendig, die bei Varro und anderen überlieferten Sprüche, Das Schema
carmina genannt, heranzuziehen, die unverkennbar ‘rhythmische
Prosa’ sind. Und damit ist das Urteil über den Saturnier gesprochen: Die Hebung wird nicht aufgelöst; Ausnahmen Enn. var. 36 42
er steht in der Mitte zwischen dieser und dem Vers als fester metri­ ann. 490, vgl. Vahlen z. St., zuletzt Scevola Mariotti, Lezioni su
scher Form. Mit jener teilt er die Freiheit der Bildungen, aber eine Ennio 19632, 15.
gewisse Normierung ist augenscheinlich bereits erfolgt: er setzt sich Für den Daktylus kann ein Spondeus eintreten. Rein daktylischeVer­
aus zwei Kola zusammen, und gewisse Verstypen (insbesondere mit se sind selten, noch seltener rein spondeische: z. B. Enn. ann. 140 33:
dem, was Leo Diaerese nennt) scheinen vorherrschend. Vielleicht at tuba terribili sonitu taratantara dixit. Aen. 8, 596
war er auf dem Wege zu noch festerer Normierung, ehe Ennius ihm olli respondit rex Albai longai. Catuli. 116, 3
den Untergang bereitete. Andererseits kann man ernsthaft bezweifeln,
ob er entwicklungsfähig war. Leo bemerkt S. 38 zu der ‘Musterform’, Vgl. im übrigen die Statistiken in Hexameterstudien IV.
falls sie sich dauernd wiederholt: es „entsteht nach kurzer Zeit eine Die letzte Silbe ist hier wie immer ‘anceps’. Über die ‘Katalexe’
unerträgliche, fur Recitator und Hörer gleich unerträgliche Mono­ eh; SioüXXaßov vgl. S. 25 o .; ‘Hypermeter’ s. S. 32.
tonie. Als epischer Vers war dieser Vers geeignet, wie die epischen Der 5. Fuß ist in der Regel daktylisch. Verse mit Spondeus in
Maße verwandter Völker zeigen, aber nicht diese Form“. Es kommt diesem Fuß heißen cmovSsta^ovre?, spondiaci; sie sind besonders
hinzu die Kurzatmigkeit dieses zwar ähnlich wie der lateinische Satz, beliebt bei den Neoterikern; vgl. Cic. Att. 7, 2, 1 ‘flavit ab Epiro
nun aber stereotyp in kleine incisa zerlegten Verses, der weder län­ lenissimus Onchesmites’: hunc crcrovSeia^ovTa si cui voles tcöv vswTspcov pro
geren Sätzen noch dem Enjambement günstig war. Man sieht die tuo vendito. Über das Ethos auch Quint, inst. 9, 4, 65 quod (ein Wort
Überlegenheit des Hexameters auf den ersten Blick. Er mußte, kaum vom Umfang zweier Füße in der Klausel) etiam in carminibus est
eingeführt, auf der ganzen Linie siegen. praemolle, nec solum ubi quinae, ut in his, syllabae nectuntur, ‘fortissima
Tyndaridarum’ (Hor. sat. 1,1,100), sed etiam quaternae, cum versus eludi­
tur ‘Apenninno’ et ‘armamento’ et ‘Oreione’X). Am Versende steht meist ein

0 Man wird sich bei dieser Erklärung der Versschlußregeln beruhigen


können: die Herleitung aus dem Prosarhythmus (bei Norden 437) war ein
unglücklicher Einfall - als ob dieser eine gegebene Größe, als ob er <pucret
Ttpörepov wäre. Am verständlichsten ist die Meidung eines Monosyllabons
am Versende: die berühmten Verse georg. 1, 181 exiguus mus, danach Hor.
ars 139 ridiculus mus und Aen. 1,105 praeruptus aquae mons erklären sich selbst
und zeigen, weshalb man nicht einen beliebigen Vers so schließen lassen
konnte. Uber den rhythmischen Unterschied zwischen den Versausgängen
moenia Romae und unde Latinum vgl. S. 92 unten, wo auf die difficilen Fest­
stellungen der Hexameterstudien verwiesen ist. Es ist erstaunlich, daß
sogar ein so feiner rhythmischer Unterschied beachtet wurde.
86 Hexameter: Schema Caesur: Definition 87

viersilbiges Wort wie in den vorstehenden Beispielen, selten ein dreisil­ zugrunde gelegt: ein gleichzeitig metrischer, gleichzeitig syntaktischer
biges (Enn. ann. 33 169 204 251 381 624), nicht zwei zweisilbige (Enn. Einschnitt3*, als metrischer Einschnitt gebunden an bestimmte, durch
123), ganz selten ein einsilbiges {cum magnis dis Enn. 201, danach Aen. 8, einfache Zahlenverhältnisse empfohlene, durch ‘Gewohnheitsrecht’
679). Die meisten spondiaci bei Catull 64, z. B. 3 11 15 24 29 36 usw. legitimierte Versstellen, als syntaktischer Einschnitt abhängig von
Der S chluß aller übrigen Verse hat zwei bzw. drei regelmäßige der elementarsten incisio, der Wortgrenze, aber von zunehmend
F o rm en der B ild u n g des 5. und 6. Fußes: moenia Romae, unde größerem Gewicht nach einer ‘Gruppe’, am Ende eines Kolons, eines
hatinum, primus ab oris. Aen. 1, 77 capessere fas est und 199 his quoque Satzes, wie sich denn umgekehrt der Rang der Caesuren von der
finem (ähnlich llm al in Buch I) können als Varianten der ersten Form Häufigkeit schwererer Interpunktionen an den Caesurstellen ablesen
angesehen werden. Die diesen ‘Geboten’ entsprechenden ‘Verbote’ läßt. Diese Definition der Caesur steht in schroffstem Gegensatz zu
werden am besten an den abweichenden Versschlüssen bei Ennius derjenigen Wilh. Meyers, die bislang die herrschende ist. Zur Ge­
anschaulich gemacht; die ‘Ausnahmen’ bei den Späteren findet man am schichte des griech. und lat. Hexameters, SB München 1884, 1044:
besten bei Ed. Norden Aeneis VI4 437 ff., geordnet nach ‘griechische „Wie L. Müller S. 187 (der 1. Aufl.) den Satz aufstellt, apud veteres
Technik’, ‘archaisch’, ‘mit malerischer Absicht’, ‘die übrigen Fälle’. metri rationes ubique potiores habentur quam sensus, so achte auch
Gemieden sind erstens ein fü n fs ilb ig e s oder längeres Wort wie ich bei der Untersuchung der Hexametercaesuren mehr auf die Form
induperator Enn. 21mal, länger 2mal: 181 280. als auf den Sinn, d. h. die Sinnespausen oder die Interpunktion. Im
Ein v ie rs ilb ig e s Wort, davor ein Monosyllabon, quos peperisti Enn. Homer genügt mir die Tatsache, daß von 27795 Versen nur 314 die
12 mal, mit Synaloephe Sarra oriundus 220 232 307. - Davor Wortschluß in Caesur nicht im 3. Fuße haben, zum Beweis, daß, wenn ein Vers im
der 5. Hebung, mortales perhibebant 7mal, Didone oriundus 290 99, pretium 3. Fuße Wortende hat, Homer hier Caesur gewollt hat, mag auch an
dederitis 194 271, pedem stabilibat 43 135 432 494. anderen Versstellen eine viel kräftigere Sinnespause stehen“ 41. Aber
Ein d re is ilb ig e s Wort, davor ein kures Monosyllabon: aetate in agunda
auf die veteres durfte sich weder Lucian Müller noch er berufen: man
380, ululatque ibi acute 342.
Ein z w e isilb ig e s Wort: 1) sit data regni 12mal, tam temere itis 554,
lese bei Marius Victorinus GL VI 64 f. nach - ich greife nur die
quaerere te neque posse 42 (diese Form auch bei Vergil). 2) dispendifacit hilum wichtigsten Formulierungen heraus: Incisiones etiam versuum ante
14 385 517 518, precibus pater orat 20 52 110 21A, feri bene firmum 32 40. - 3> Vgl. Jacques Perret REL 1953, 200ff. (über Wortschlüsse in der Mitte
pulcher in alto llm al, victusque sum ab isdem 193 (so auch klassisch). des Hexameters), S. 214: Le tissu de l’hexametre est . . . tissd de deux fils:
Z w ei M o n o sy lla b a : obstitit et nox 163 258 323, iam data sit fru x 431, le rhythme mdtrique, plus ou moins pressd, contractd, par l’indgale propor-
quisquam erat ante hunc 216, isque pium ex se 30. Bei Vergil in T. 77 181 603. tlbn des sponddes et des dactyles, mais, dans ses articulations majeurs,
E in M o n o sy lla b o n : exoritur sol 92 370 434 (574 575 577 609). dtroitement lid ä la syntaxe; et, d’autre part, apparemment harmonisd ä la
vi geritur res 268, atque hominum rex 175 420 (danach Verg.: Norden Aen. VI sextuple ondulation de l’arsis et de la thdsis, une mdlodie verbale qui reldve
438-441). - stolidi soliti sunt 105 273, scripsere alii rem 213. - esse meum cor de la phondtique du mot et de l’accentuation. Es wül mir nicht gelingen, die
97 197 360 382 424 561 576, Diana Venus Mars 19 mal. beiden Fäden auseinanderzuhalten; sein erster jedenfalls ist aus meinen
beiden gesponnen, und was bleibt dann für den zweiten? Sind nicht le
Die Struktur: Caesuren21 rhythme mdtrique und la sextuple ondulation de l’arsis et de la thdsis
identisch?
** Es ist ein Phaenomen eigener Art, daß man so erfolgreich beobachten
Wie in den Hexameterstudien so wird auch hier die oben S. 19 ff.
konnte, ohne schon von vornherein, vollends danach eine ratio zu suchen,
gegebene D e fin itio n der C aesur (vgl. ‘Caesur und Diaerese’) denn Wilh. Meyers Erklärungen für die von ihm festgestellten Tatsachen
2) Die Begründung für die rücksichtslose Beschränkung auf die .Struk­ sind nicht ernst zu nehmen. Noch viel erregender scheint mir der merk­
tur’ des Verses, so wie ich sie verstehe, d. h. auf die ‘gegenstrebige Fügung’ würdige Agnostizismus, um nicht zu sagen Nihilismus, der bei aller Be­
von metrischer und syntaktischer Gliederung, ist im Vorwort und mit den wunderung frösteln macht. Alle Wissenschaft, sogar die Metrik setzt einen
letzten Worten dieses Kapitels gegeben. Glauben voraus; man kann es nur griechisch ausdrücken: an den Xdyoi;.
88 Hexameter: Caesuren Hexameter: Caesuren 89

omnia in hexametro heroo necessario observandae sunt; omnis enim versus in Das Musterbeispiel für die oben begründete Caesurauffassung ist
duo cola formandus est; penthemimeres dicitur, cum post duos pedes sequens Aen. I 2:
syllaba plenam orationis partem (= ein Wort)8’ distinguit, (ita) ut Italiam fato profugus Lavinaque venit / litora.
sequens sermo ab integra parte orationis incipiat. Die Hephthemimeres
tribus pedibus emensis adicit syllabam completque sensum quacumque orationis In diesem Vers scheinen alle drei männlichen Caesuren vorhanden:
particula. In ‘quam luno fertur terris’ post tres pedes suprema ‘ris' semiternaria, semiquinaria, semiseptenaria, und Wilh. Meyer müßte
syllaba sensum complet. In ‘infandum regina iubes' ‘bes’ syllaba et sensum auf Grund seiner Theorie, da Wortende im 3. Fuß vorliegt, anneh­
superioris coli integrat, ut fiat hephthemimeres, et sequentis pedis initium men, daß Vergil hier Caesur gewollt habe. Aber von venit sind die bei­
inducit. Man wird einwenden, der Begriff sensus sei reichlich nebel­ den durch -que verbundenen Akkusative der Richtung Italiam La­
haft, aber schwerlich behaupten können, daß er nichts 2 u bedeuten vinaque litora abhängig; dazwischen ist fato profugus, eine Apposition
habe. zum Subjekt, als selbständiges, in sich geschlossenes Satzglied ein­
An C aesuren werden genannt: Penthemimeres, Hephthemimeres; gesprengt. Folglich hat der Vers nur die beiden so oft korrespondie­
si harum neutram inveneris, tertium trochaeum in versu conquires, eodem renden Caesuren semiternaria und semiseptenaria, keine semiqui­
modo et quartus trochaeus accipietur, qui raro admodum (!) reperietur (im naria. Italiam - Lavinaque litora ist Hyperbaton im wahrsten Sinne des
Griechischen ist Wortschluß an dieser Stelle verpönt, im Lateinischen Wortes. Man kann daher (vgl. S. 22) die semiternaria nach Italiam
wird er nur von wenigen Dichtern gemieden). Manchmal gibt es auch als ‘S p e rru n g sc a e su r’ bezeichnen, zum Unterschied von der
mehrere incisiones: Penthemimeres, Hephthemimeres, et ea quae quarto ‘In te rp u n k tio n s c a e s u r’. Im ersten Vers der Aeneis liegen beide
pede partem orationis terminat, quam bucolicen Graeci dicunt (als Beispiel vor: diese nach cano, jene nach Troiae. Es wird ohne weiteres deutlich
wird unbegreiflicherweise der erste Vers der Aeneis angeführt). Die sein, daß die Gliederungsfunktion dieser beiden Caesuren eine durch­
Trithemimeres fehlt; die lateinischen Namen semiquinaria, semisepte­ aus verschiedene ist.
naria, semiternaria kann ich nicht nachweisen. Aber unterhalb der Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, daß Gegenstand der
Caesuren gibt es noch Versstellen, an denen nicht ganz selten ein Untersuchung nicht Versfüße und Versstellen sein können, sondern
syntaktischer Einschnitt liegt, aber nicht oft genug, um ihnen den die g le ic h z e itig m e trisc h e , g le ic h z e itig syntaktische:
Rang von Caesuren zu geben. Es sind vor allem der Wortschluß G lie d e ru n g des V e rses; folgt weiter, daß die Arbeiten von
nach dem ersten Daktylus, Aen. 1 3 14 46 65 106 135: Wilh. Meyer und seiner Schule8’ nicht nur von begrenztem Wert,
scndern in bestimmter Richtung geradezu irreführend sind. Man
quos ego —l sed motos praestat componerefluctus. wundere sich daher nicht, wenn man diese Arbeiten nicht allzu sehr
und, auffälliger, nach dem zweiten Daktylus (vgl. S. 104): 17 52 54 berücksichtigt findet. Unsere Methode heißt Interpretation; Ziel dieser
82 115f.: Darstellung ist, Hexameter in der Weise lesen zu lehren, wie es soeben
an Aen. I 2 erläutert worden ist. Es werden dabei die Haupttypen der
in puppim ferit: excutitur pronusque magister Versbildung nacheinander besprochen werden, und zwar in der
volvitur in caput; ast illam terfluctus ibidem Reihenfolge der Hexameterstudien, wo man eine sehr viel eingehen­
torquet agens circum et rapidus vorat aequore vertex. dere Behandlung findet. Zu den C aesuren als m etrisc h en E in -
•’ Die beste Arbeit der älteren Zeit ist m. E. Th. Birt, Ad historiam
hexametri latini symbola, Diss. Bonn. 1876. Er bringt vor allem die semi­
5’ Vgl. z. B. Priscian GL II 551 f.; 552, 1: quid enim est aliud pars orationis septenaria zu Ehren und behandelt dabei natürlich auch die dreigegliederten
nisi vox indicans mentis conceptum, id est cogitationem? quaecumque igitur vox Verse. Man findet neuere Literatur in dem an sich auf ein anderes Ziel
litterata profertur significans aliquid, iure pars orationis est dicenda. Eine vor­ gerichteten Aufsatz von Harald Patzer, Der Sprachstil des neoterischen
zügliche Definition; vgl. S. 40 A. 25. Hexameters, Mus. Helv. 1955, 77-95.
90 Caesur xaxa xptxov xpo/aiov Wörtschluß nach 3. Trochaeus: dreigegliedert 91
s c h n itte n genügt die Feststellung, daß seit Ennius dem lateinischen Lucii. 418 Quintus Opimius ille, Iugurthini pater huius.
Hexameter die männlichen Caesuren das Gepräge geben, daß die Lucr. 1,137 difficile inlustrare Catinis versibus esse
im Griechischen so außerordentlich häufige trochaeische Caesur im 1, 853 ignis, an umor, an aura ?quid horum?sanguen an ossa?
dritten Fuß ganz zurücktritt, die Bucolica, d. h. daktylischer Wort­
schluß im vierten Fuß als Caesur keine Rolle spielt, spondeischer Zu diesen Versen ist übrigens die ausgezeichnete Beobachtung von
Wortschluß an dieser Stelle häufig ist und daß trochaeischer Wort­ Hirt S. 16 anzumerken: vis crescit caesurarum cum ambitu quo
schluß im vierten Fuß, wie schon oben bemerkt, nur von wenigen praeparantur. Nur der vorletzte entspricht dieser Forderung.
Dichtern gemieden wird. Der Vers wird sofort gegliederter, wenn entweder die semiternaria
oder die -septenaria oder beide hinzutreten und wenn die Worte
außerdem noch durch Hyperbaton miteinander in Beziehung gesetzt
werden:
1. Verse mit trochaeischem Wortschluß im 3. Fuß
Enn. ann. 89 interea sol albus recessit in infera noctis.
a) mit Caesur xaxa xplxov xpoyouov Lucr. 1, 546 dissolvi quo quaeque supremo tempore possint.
Enn. ann. 372 ergo postque magisque viri nunc gloria claret.
Die beiden Verse Hör. sat. 1, 4, 11 und Lucan. 2, 190 sind hin­ 18 doctusque Anchisesque, Venus quem pulchra dearum
sichtlich der Zahl und des Umfangs der einzelnen Wörter einander Aen. 1, 232 quid Troes potuere, quibus tot funera passis
genau gleich: 1, 292 cana Fides et Vesta, Remo cumfratre Quirinus
cumflueret lutulentus, erat quod tollere velles,
qui medio periere freto, quid perdere fructum
b) Durch semiternaria und semiseptenaria dreigegliedert
aber der erste hat unzweifelhaft Caesur xaxa xplxov xpo^aZov, der
zweite ist durch semiternaria und semiseptenaria dreigeteilt. Die erste Hexameterstudien I 30-32 des Sonderdrucks = 464—466 Aevum
Form nimmt von Ennius bis zu Lucan, bei dem sie ganz verschwun­ 1951 sind einige Verse zusammengestellt und besprochen, bei denen
den ist, immer mehr ab, die zweite im gleichen Verhältnis zu. man schwanken kann, ob sie diesem Typus oder dem mit über­
Der rhythmische Charakter der ersten Form ist aus folgenden Bei­ wiegender trochaeischer Caesur im dritten Fuß zuzurechnen sind.
spielen zu ersehen: 1)ic Entscheidung liegt bei der Interpretation.
Enn. ann. 478 labitur uncta carinaper aequora cana velocis, cf. 386
Aen. 4, 486 spargens umida mella soporiferumque papaver Hor. epist. 2, 2, 199 pauperies inmunda domus procul absit: ego utrum
5, 856 tempora cunctantique natantia lumina solvit. Heinze z. St. erklärt, weshalb Horaz nicht
Hor. epist. 2, 1, 223 cum loca iam recitata revolvimus inrevocati. domo geschrieben hat; in diesem Fall über­
Catuli. 64,115 tecti frustraretur inobservabilis error. wöge die trochaeische Caesur, mit domus ist
der Vers dreigeteilt.
Der Vers labitur, er ist soporiferus, so inobservabilis wie die langen Wör­ Ludl. 1097 est illud qiioque mite malum blandum atque
ter, die in drei von ihnen in der zweiten Vershälfte stehen (vgl. dolosum.
Aen. 3,707 5,591 781 12,619). Die ungegliedertsten Verse haben sicher unrichtig Marx z. St.: illud quoque
Ennius, Lucilius und Lucrez: mite (ingenium mulieris) est malum blandum
et dolosum; vielmehr mit Komma nach
Enn. ann. 59 haec ecfatus, ibique latrones dicta facessunt. malum (Warmington, Hinweis von D. Ko-
201 dono, ducite, doque volentibus cum magnis dis. rzeniewski): es gibt auch jenes sanfte Übel,
92 Marsa manus, Paeligna cohors, Vestina virum vis 1. Kolon: schwerer und leichter betonter Wortschluß 93
ein schmeichelndes und listiges. Ein gutes (Hexam. Stud. IV Tabelle 9). Der Grund dürfte in dem häufigen
Beispiel für die Notwendigkeit, gleichzeitig Parallelismus (so in den beiden ersten der vorstehenden Verse)
metrisch wie dem Sinne nach zu interpretieren. zwischen dem zweiten und dritten Kolon liegen. Es wird deutlich
sein, daß für den rhythmischen Charakter des Verses die Bevor­
Lucr. 1,322 postremo quaecumque dies naturaque rebus
zugung dieser oder jener Form des 5. Fußes nicht wenig ausmacht.
paulatim tribuit,
Wirklich interessant ist nur das erste Kolon, und zwar durch den
Dreigliederung würde quaecumque dies zu­
g ru n d le g e n d e n U n te rsc h ie d zw isch en schw erem (spon-
sammenschließen.
dcischem oder anapaestischem) u n d leic h te m (iambischem) b e ­
Hör. epist. 2,1, 85 quae / inberbes didicere, senes perdendafateri. to n te n W o rts c h lu ß 7* mit der semiternaria. Es können hier nur,
Catuli. 64, 384 praesentes namque ante domos invisere castas vereinfachend, ganz wenige besonders eindrückliche Beispiele an­
(Caelicolae solebant) geführt werden; einerseits:
In diesen beiden Versen wäre inberbes - senes
Aen. 2,126 bis quinos silet ille dies tectusque recusat
bzw. praesentes - domos sinnlos.
2 ,198 non anni domuere decem, non mille carinae.
Hör. sat. 1, 3,112 tempora si jastosque velis evolvere mundi (s. S. 106) Ov. met. 1,130 in quorum subiere locumfraudesque dolusque
1, 6, 44 cornua quod vineatque tubas; saltem tenet hoc nos. 274 nec caelo contenta suo est Iovis ira, sed illum
1, 6,131 ac si j quaestor avus pater atque meus patruusque 375 ut templi tetigere gradus, procumbit uterque
fuisset. 603 sub nitido mirata die, non fluminis illas / esse (nebulas
sensit)
Evidente Dreigliederung mit ebenso kühner
wie schöner Wortstellung: es sind besonders andererseits:
lehrreiche Verse. Aen. 1, 156 flectit equos curruque volans dat lora secundo.
222 fata Lyci fortemque Gyan fortemque Cloanthum.
Der Mustervers dieses Typus, dessen rhythmische Wirkung auf dem 436 fervet opus redolentque thymo fragrantia mella.
Wachsen der Glieder beruht: ist Enn. 276 Ov. 1, 48 cura dei, totidemque plagae tellure premuntur.
129 omne nefas, fugitque pudor verumque fidesque;
Marsa manus, Paeligna cohors, Vestina virum vis.
241 dignafu it; qua terra patet, fera regnat Erinys.
Von den drei Kola ist das mittlere, von dem es nur fünf Formen
gibt, ohne Interesse, das letzte von Interesse nur durch bemerkens­ Schwerer betonter Wortschluß (oben quinos) ist konjunkt vorwärts­
werten Parallelismus und durch Hyperbata, z. B.: weisend und daher sowohl bei enger syntaktischer Beziehung wie im
Hyperbaton legitim, leichter (oben equos) dagegen geeignet vor allem
Aen. 1, 87 insequitur clamorque virum stridorque rudentum.
für syntaktischen Einschnitt. Es wird sich zeigen, daß diese Regel
1, 320 nuda genu nodoque sinus collectafluentis.
auch für andere Versstellen und Versarten gilt8).
1, 23 id metuens veterisque memor Saturnia belli,
ferner durch die Tatsache, daß im 5. Fuß trochaeischer Wortschluß
’* Vgl. die Regeln über betonten Wortschluß S. 36ff.
über daktylischen im Verhältnis von etwa 277 zu 184 überwiegt ** J. Perret, dem die Erscheinung auch aufgefallen ist, erklärt sie Le
(Hexam. Stud. I Anlage 9), während bei Zweiteilung des Verses partage du demi-pied dans les anapestiques et dans l’hexametre, REL
durch vorherrschende semiquinaria das Verhältnis zwischen den 1955, 352-366, ganz anders: Lorsque la premitre brtve d’un demi-pied
verschiedenen Formen der zweiten Vershälfte zwar sehr verschieden diiyllabique est constitute d’une syllabe finale, il semble exister en latin
ist, im ganzen aber daktylischer Wortschluß im 5. Fuß überwiegt une tendance ä recourir ensuite ä un mot iambique.
*4 Wortschluß vor semiquinaria Hyperbaton bei iamb. Wort vor semiquinaria 95

Auf die Frage: Gleichgewicht von semitemaria und semiseptena­ bis, nach einem oft gebrauchten Bild, die Auflösung der Dissonanz
ria oder Übergewicht der einen von beiden, kann hier nicht ein­ in der zweiten Vershälfte folgt. Das Verständnis dieser Hyperbata
gegangen werden. gewinnt man am einfachsten, indem man z. B. von Vergil 1, 183 zu
Ovid met. 1, 23 fortschreitet:
aut Capyn aut celsis in pmppibus arma Caici
2. Verse mit vorherrschender semiquinaria et liquidum spisso secrevit ab aere caelum.

Auch für die Verse mit Caesur nach der 3. Hebung gilt die Regel übet oder, noch näherliegend, zu Troiae qui primus ab oris, celsis in puppibus
leichten und schweren betonten Wortschluß. Hier die ersten Halbverse war sicher ursprünglich Postposition mit Akzentverschiebung wie
mit iambischem Wort vor der Caesur aus dem Anfang der Aeneis: in nobiscum; im Hyperbaton geht ab, das inzwischen zur reinen Prae-
position geworden ist, zum Substantiv9*, aber an der Endbetonung
1 arma virumque cano, 1 Albamque patres von Troiae ändert sich nichts.
12 urbs antiqua fu it 14 ostia, dives opum, Nun geht die Rechnung allerdings keineswegs glatt auf. Iambische
18 si quafata sinant, 29 bis accensa super (Gruppe) Wörter kommen vor der semiquinaria durchaus auch in Binnen­
34 tantae molis erat 43 disiecitque rates satzstellung vor (Hexam. Stud. II/III 7ff.), ja sogar in Sperrung,
56 circum claustra fremunt 67 gens inimica mihi (Gruppe) z. B. Aen. 1, 298 354:
77 explorare labor; 83 qua data porta ruunt
ut terrae utque novae pateant Karthaginis arces
Dagegen mit schwerem betonten Wortschluß, zunächst einfach coniugis; ora modis attollens pallida miris
konjunkt:
Vor allem der letzte Vers stellt sich in eine interessante Reihe:
15 quam luno fertur terris magis omnibus unam
19 progeniem sed enim Troiano a sanguine duci Aen. 1, 80 nimborumque facis tempestatumque potentem.
24 prima quod ad Troiam pro caris gesserat Argis 1, 545 nec pietate fu it nec bello maior et armis.
34 vix e conspectu Siculae telluris in altum 2, 38 aut terebrare cavas uteri et temptare latebras.
2, 53 insonuere cavae gemitumque dedere cavernae.
mit Hyperbaton: Lucan 1, 350 nam nequepraeda meis neque regnum quaeritur armis:
36 cum luno aeternum servans sub pectore volnus 2, 43 nec non bella viri diversaque castra petentes
42 ipsa Iovis rapidum iaculata e nubibus ignem Enn. 294 aut occasus ubi tempusve audere repressit
50 talia flammato secum dea corde volutans
63 et premere et laxas sciret dare iussus habenas. 9> Dies gilt jedoch nur für einsilbige Praepositionen. Man vergleiche z. B.
Aen. 1, 24 prima quod ad Troiam pro caris gesserat Argis
aber hierher sind auch zu rechnen Verse wie
(unmöglich caris pro) 11, 48 Ov. met. 1, 368 727 7,852 Catuli 64, 157 al.
38 nec posse Italia Teucrorum avertere regemi mit
Aen. 1, 737 primaque, libato, summo tenus attigit ore;
Besonders wichtig sind die Verse mit Doppelsperrung wie aus I I :
Lucr. 1, 213 quod si nulla forent, nostro sine quaeque labore
11 et breviter Troiae supremum audire laborem, 2, 425 non aliquo sine materiae squalore repertast.
26 ergo omnis longo solvit se Teucria luctu. 5, 869 sunt et larga suo sine pabula parta labore.
6,1210 et manibus sine non nulli pedibusque manebant
in denen vor der Caesur zwei Wörter aufeinander folgen, die keine Lucan. 1, 397 castraque, quae Vosegi curvam super ardua ripam
Beziehung zueinander haben und zunächst unverständlich bleiben. vgl. Aen. 3,196 7,52912,197 Lucan.l ,103 548 3,193 4,459 5,572 606 640 8,293.
96 schwerer betonter Wortschluß vor semiquinaria am Kolonende

Hör. sat. 1,1,112 quid latura sibi, quid sit dolitura negatum, 201 f. vos et Scyllaeam rabiem penitusque sonantis
Catuli. 64, 24 vos ego saepe meo, vos carmine compellabo. accestis scopulos, vos et Cyclopea saxa / experti:
204 per varios casus, per tot discrimina rerum / tendimus
Die beiden letzten Verse zeigen, wie auch die vorangehenden zu 209 spem voltu simulat, premit altum corde dolorem.
verstehen sind: in raffinierter Weise ist das Hyperbaton mit einer 255 voltu, quo caelum tempestatesque serenat;
Art von doppeltem Kolonschluß verbunden; die Regel ist also nicht 287 imperium Oceano, famam qui terminet astris.
wirklich verletzt, es sind ‘Ausnahmen’ ganz eigenen Gepräges10'.
Bedenklicher wird man die Verse mit schwerem betonten Wort­ Am eindrucksvollsten ist der letzte Vers: ein klarer Fall von Sper­
schluß am Kolonende finden, denn sie könnten, wenn für sie keine rungsendbetonung auf Grund der Beziehung zu dem doro xotvoü
Erklärung gefunden werden kann, die Regel zu widerlegen scheinen. stehenden Verbum. Ebenso dürften zu verstehen sein 113, 204 und
Ganz beiseite bleiben müssen natürlich Verse wie Aen. 1, 289 255, aber auch 155, wo das Subjekt genitor, und 196, wo litore Trinacrio
als adverbiale Bestimmung zu beiden membra gehört. Schließlich sind
hunc tu olim caelo, spoliis Orientis onustum,
202 und 209 parallele oder antithetische Kola, als solche im ersteren
accipies secura;
Fall durch die Anapher charakterisiert, die sich auch 204 findet. Einen
denn hier steht caelo in Sperrung zu accipies im nächsten Vers. 1,47 steht vorwärtsweisenden Sinn der Endbetonung wird man ferner dort
coniunx am Ende eines eingeschobenen, konjunkten Relativsatzes: erkennen können, wo ein Doppelpunkt steht oder gesetzt werden
könnte:
ast ego, quae divom incedo regina Iovisque
76 Aeolus haec contra: tuus, o regina, quid optes,
et soror et coniunx, una cum gente tot annos
explorare labor;
bella gero.
39 quippe vetor fatis. Pallas exurere classem / . ..
1, 192 folgt ein ganz eng mit dem Hauptsatz verbundener Nachsatz: potuit
25 f. necdum etiam causae irarum saevique dolores
nec prius absistit, quam septem ingentia victor
exciderant animo; manet alta mente repostum
corpora fundit humi
iudicium Paridis
und in gleicher Weise könnte man vielleicht auch 1, 205 und andere
In 26 folgt nach der Caesur die positive Begründung der negativen
Verse erklären:
Aussage, in 39 für den Widersinn von quippe vetor fatis. Um aber auf
tendimus in Latium, sedes ubi fata quietas die parallelen oder antithetischen Kola zurückzukommen, so schei­
ostendunt; nen die folgenden Verse, in denen sich die Erklärung von selbst bie­
tet, am belehrendsten:
Häufig ist schwerer betonter Wortschluß am Ende des ersten von
zwei durch -que oder et verbundenen membra, z. B. 1, 27 45 53 69 70 Aen. 1, 467 hac fugerent Grai, premeret Troiana iuventus, /
usw.; vielleicht eröffnen die folgenden Verse das Verständnis: hac . . .
Ov. met. 1, 353 deinde torus iunxit, nunc ipsa pericula iungunt,
1,113 unam, quae Lycios fidumque vehebat Oronten, 327 innocuos ambo, cultores numinis ambo,
154f. aequora postquam 393 magna parens terra est: lapides in corpore terrae
prospiciens genitor caeloque invectus aperto flectit equos ossa reor dici;
195 f. vina bonus quae deinde cadis onerarat Acestes 429 altera pars vivit, rudis est pars altera tellus.
litore Trinacrio dederatque abeuntibus heros, 556 oscula dat ligno: refugit tamen oscula lignum.
10) Vgl. Pentameter-Kapitel S. 111 f. 44 fronde tegi silvas, lapidosos surgere montes;
98 Wortschluß nach 4. Hebung oder Senkung Fr. Marx: Troiae qui, nicht qui Troiae 99

238 canities eadem est, eadem violentia vultus, auch, wenngleich selten, nach spondeischem Wortschluß, z. B. Hor.
239 idem oculi lucent, eademferitatis imago est. sat. 1, 4, 103:
266 barba gravis nimbis, canisfluit unda capillis,
Hor. epist. 2, 2, 59 carmine tu gaudes, hic delectatur iambis, ut siquid promittere de me
sat. 1, 2, 58 verum est cum mimis, est cum meretricibus, unde possum aliud vere, promitto, liberius si / dixero quid,
1,1,106 est modus in rebus, sunt certi denique fines, I ii beiden Fällen haben wir eine rhythmische Fermata, lebendiger
1, 6, 37 quo patre sit natus, num ignota matre inhonestus, dort, schwerer und stumpfer hier. Ganz anders bei Wortschluß in
Catuli. 62, 4 iam veniet virgo, iam dicetur hymenaeus. der vierten Hebung, bei semiseptenaria, die so kurz nach der vor­
Lucr. tibi suavis daedala tellus herrschenden semiquinaria nicht Interpunktionscaesur sein kann
1, 8 summittitflores, tibi rident aequora ponti ist sie das, dann ist eben die semiseptenaria vorherrschend, der
1, 788 a caelo ad terram, de terra ad sidera mundi. Vers gehört daher in ein anderes Kapitel -, sondern sehr oft, wie im
ersten Vers der Aeneis, Sperrungscaesur istia). Der Vers ist um einen
Es sind parallele oder antithetische Kola, bei denen man unwill­ konjunkt vorwärtsweisenden, als Dissonanz nach Auflösung ver­
kürlich die Stimme vor der Caesur hebt, in der Erwartung, das Echo langenden Einschnitt reicher.
des soeben Gehörten oder die Antwort darauf in der zweiten Vers- Für diese Versstelle hat F rie d ric h M arx, Molossische und bac-
hälfte zu vernehmen; oder man könnte auch sagen, die beiden Kola cheische Wortformen in der Verskunst der Griechen und Römer,
wirken wie 7tpoTaoi; und ä-rcoSoau;. Man vergleiche diese Versreihe Abhandl. Leipzig 1926, 1-237 auf S. 198 fo lg e n d e s G esetz auf-
mit derjenigen oben auf S. 95: wie der syntaktische Bau, so ist der gestellt: „Folgt auf die Semiquinaria ein Monosyllabon oder pyr-
rhythmische Charakter grundlegend verschieden. rhichisches Wort verbunden mit einem spondeischenWort und ist der
Die Hauptfrage der Bildung des zw eiten K o lo n s nach der Dichter nicht durch Rücksichten auf Hiatus (oder auf geforderte
semiquinaria ist die nach dem Verhältnis zwischen dem Bau mit Verlängerung einer Endsilbe durch Position) gebunden, so steht das
semiseptenaria und dem mit Wortschluß nach dem vierten Fuß (oder, spondeische Wort an erster Stelle.“ Bereits der erste Vers der Aeneis
nicht häufig, nach dem vierten Trochaeus). Musterverse der letzteren ist ein Beispiel für diese Erscheinung: Troiae qui, nicht qui Troiae,
Form sind Aen. 1, 7 und 33 aber von einem metrischen Gesetz kann nicht die Rede sein (vgl.
Albanique patres atque altae moenia Romae, Phil. Wochenschrift 1924, 44ff.), vielmehr, wie nach den Erwägun­
tantae molis erat Romanam condere gentem. gen des vorigen Absatzes ohne weiteres deutlich sein wird, um eine
Frage der gleichzeitig rhythmischen wie syntaktischen Gliederung.
mit denen eine lebhafte Bewegung großartig zum Abschluß kommt. Wie verfehlt immer auch dieser Abschnitt der Abhandlung sein mag,
Dieser Verstypus ist bis zur Eintönigkeit häufig bei Catull 64, womit so läßt sich doch kaum etwas Belehrenderes denken als seine genaue
im Einklang steht, daß Vers für Vers innerhalb des überlangen Satzes Nachprüfung, die durch die vielen Fehlinterpretationen und un­
am Anfang des Gedichts ein eigenes Kolon bildet111, während am haltbaren Konjekturen sehr erleichtert wird. Wir müssen uns hier
Anfang der Aeneis ein Vers seine Bewegung an den des anderen auf die Verbindungen von Praeposition und Substantiv beschrän­
weitergibt (vgl. ‘Caesur und Diaerese’ S. 355-358). ken.
Nach dem vierten Fuß findet sich syntaktischer Einschnitt bei
Bucolica vor allem in den Eclogen, z. B. 1,7 und 11: 12 D. Korzeniewski: Darf man in Anlehnung an Hellegouarc’h (siehe
•ein Register S. 307 s. v.) bei Troiae von „mise en relief“ sprechen? Vgl.
namque erit ille mihi semper deus, illius aram S. 95: wenn man bei celsis in puppibus nicht davon sprechen darf, dann
non equidem invideo, miror magis: undique totis auch nicht bei Troiae qui primus ab oris. Mit Hyperbaton, Sperrung ist alles
genagt. Daß und wie H. mit jenem Begriff operiert, ist einer meiner Ein-
11 Vgl. Ed. Norden, Aeneis Buch VI« S. 387. witndc gegen sein Buch.
100 multa cum laudi mm mag» pondere versus 101

1. Wortstellung multa cum laude 1'ernbeziehung


Attributives Hyperbaton (im zweiten Vers 4-5 eingerahmt von 3-6) Aen. 5,289 circus erat; quo se multis cum milibus heros
Hör. ars 141 dic mihi, Musa, virum, captae* post te3mpora Troiae consessu medium tulit,
qui mores hominum Lucan. 2,148 iusserat, infandum domini per viscera ferrum
Stat. Theb. 9,197 iam sentit inane exegit famulus;
auxilium et sera3m rapto*pro co3rporepugnam. Lucan. 4,564 haud trepidante tamen toto cum pondere dextra
exegere enses.
Sil. 2,183 aut Itbacsss vero ficta pro morte loqssacem ) affecit leto.
Eingerahmt von Verbum (oder Adjektiv) und Substantiv
Enn. ann. 86 quam mox emitta3t picti*s e fa u 3cibus cu*rrus, 2. Wortstellung cum multa laude
Catull. 64,154 quaenam te genui31 sola* sub ru3pe leae*na, Attribut zum Folgenden
329 Hesperus, adveniet fausto cum sidere coniunx, Hor. ars 260 Enni / in scaenam missos cum magno pondere versus
Lucan. 5 ,8 consul uterque vagos belli per munera patres j elicit sat. neque ego illi detrahere ausim
Epirum. 1,10,48 haerentem capiti cum multa laude coronam,
Martial 4, 88,1 nulla remisisti parvo pro munere dona, Ov. met. sed neque iam fetus desiderat arbore demptos
Cic. Arat. 132 obvertunt navem magno cum pondere nautae 14, 490 nec quas hortus alit cum sucis mitibus berbas.
Aen. 2, 308 stupet inscius alto 14,606 unxit et ambrosia, cum dulci nectare mixta,
accipiens sonitum saxi de vertice pastor. contigit osfecitque deum;
Ov. met. 13, 864 modo copia detur,
sentiet esse mihi tanto pro corpore vires, Adverbiale Beziehung zum Folgenden
Martial 12,9,3 ergo agimus laeti tanto pro munere grates. Aen. 12,229 non pudet, o Rutuli, pro cunctis talibus unam
Enn. ann. 555 olli cernebant magnis de rebus agentes, obiectare animam?
Lucr. ignis enim curavit ut alsia corporafrigus Ov. met. 15,365 (cognita res usu): de putri viscere passim
5,1015 non ita iam possent caeli sub tegmine ferre, florilegae nascuntur apes,
Ov. trist. 1, 5,43 invigiles igitur nostris pro casibus, oro. fast. 4,203 Iuppiter ortus erat (pro magno teste vetustas
Hor. sat. 1, 6, 61 pauca; abeo, et revocas nono post mense iubesque creditur; acceptam parce movere fidem ):
Catull. 66,33 atque ibi me cunctis pro dulci comuge divis
Eingerahmt von Substantiv (oder Adjektiv) und Verbum non sine taurino sanguine pollicita es.
Lucr. 1,45 immortali aevo summa cum pace fruatur
Catull. inde pedem sospes msdta cum laude reflexit Beziehung nach rückwärts
64,112
Aen. 5, 75 ille e concilio msdtis cum milibus ibat Cic. Arat. 390 inseqtutur, labensper caeli lumina, navis,
Culex 414 funeris officium vitae pro munere reddit. Hor. sat. siquis ad ingentem frumenti semper acervum
Lucan. 1,607 Arruns dispersos fulminis ignes 2, 3,112 porrectus vigilet cum longo fuste neque illinc f audea
colligit et terrae maesto cum murmure condit, Lucr. 1, 988 nec res ulla geri sub caeli tegmine posset.
Martial 10, 28, 7 at tu, sancte pater, tanto pro munere gratus,
ferrea perpetua claustra tuere sera, Von den Versen unter 1. ist im ersten, Hor. ars 141, Praeposition und
Hor. sat. 1,4, 50 filius uxorem grandi cum dote recuset, Substantiv von dem gesperrten Attribut umrahmt; post captae tempora
Lucil. 4 consilium summis hominum de rebus habebant, Troiae wird man wohl ohne weiteres als schlecht empfinden, aber dieses
Hor. epist. 2,1,246 munera, quae multa dantis cum laude tulerunt, Urteil müßte freilich noch begründet werden. In allen folgenden Fällen ist
Aen. 1» 95 quis ante ora patrum Troiae sub moenibus ipsis der Rahmen weiter gespannt; die in Rede stehende praepositionale Gruppe
contigit oppetere? gehört zu den Worten, von denen sie umschlossen ist, im ganzen, in erster
Lucr. 1,823 quin etiam passim nostris in versibus ipsis Linie aber zu dem verbalen Begriff, so auch in Lucan. 5, 8: patres qui belli
102 magno cum : cum magno Statistik der Formen mit semiquinaria 103

per munera vagi erant. Besonders hinzuweisen ist auf den zweiten Vers unter Hör. sat. 2, 3,112 ein mit vigilet korrespondierendes Satzglied wie etwa das
‘Fernbeziehung’, wo das Objekt infandum ferrum und die adverbiale Be­ Subjekt am Versende: man beachte im Unterschied hierzu in sat. 1, 6, 61
stimmung domini per viscera jedes für sich von exegit abhängig ist. Anderer (S. 100 am Ende der ersten Reihe) das bimembre revocas iubesque, zu dem
Art sind nur zwei Verse, Hör. sat. 1, 4, 50, wo man grandi cum dote wohl nono post anno als gemeinsame Zeitbestimmung gehört. So bleibt Lucr.
zunächst als Attribut zu uxorem wird auffassen müssen, wo man aber viel­ 1, 988 mit dem allerdings gegenüber geri bedeutungsschwachen posset am
leicht doch auch verstehen kann: wenn auch mit einer großen Mitgift, trotz Ende, so wie oben Cic. Arat. 132 eine ‘Ausnahme’ schien. Die Rechnung
großer Mitgift. Dagegen gibt es bei Cic. Arat. 132 keine Ausflucht: geht auch im Plautus nie glatt auf, kein Wunder bei so subtilen syntaktischen
Antonio Traglia, Cicero, I frammenti poetici 1962, 82 übersetzt unzweifel­ Unterscheidungen. Eben dies aber sollte an dem vorstehenden Beispiel
haft richtig: voltano la nave pesante. Jedoch, würde nicht vielleicht die gelernt werden: es gibt gewiß metrische Regeln, die man sich als solche
Beziehung zu navem durch die Wortstellung cum magno pondere geradezu einprägen kann, aber zum Verständnis der Verskunst gelangt man nur
gestört sein? durch Interpretation, für die es kein Rezept gibt13>.
Denn man sehe nun die Verse mit dieser Worstellung unter 2. durch. Von den Versen mit vorherrschender se m iq u in a ria findet man
Am schlagendsten sind die drei ersten. Hieße es in Hör. ars 260 in scaenam in Hexam. Stud. IVeine Statistik der verschiedenen F o rm en beid er
missos magno cum pondere versus, so würde die praepositionale Gruppe zu V e rsh ä lfte n , zuletzt eine Gesamtstatistik des ganzen Verses bei den
missos-versus im ganzen, d. h. im Grunde zu missos allein zu beziehen sein,
einzelnen Dichtern für das der Untersuchung zugrunde gelegte
ebenso wie in Enn. 86 emittat pictis efaucibus currus, d. h. es müßte verstan­
den werden: versus, qui magno cum pondere in scaenam missi sunt. In der über­ Material. In der zweiten Vershälfte ist außer der soeben behandelten
lieferten Worstellung ist cum magno pondere Attribut zu versus; denn in der Frage nur noch von Interesse das Häufigkeitsverhältnis von dakty­
Zweiten Vershälfte gibt es keine Caesur mehr, die semiquinaria ist der für lischem und trochaeischem Wortschluß im fünften Fuß; darüber
den Vers bestimmende, die beiden Vershälften deutlich gegeneinander kurz S. 92f.14).
absetzende Einschnitt, nach dem die zweite Vershälfte als rhythmische
Einheit bis zum Ende dahinfließt, während die Doppelsperrung missos
magno cum pondere versus die drei Worte in der Mitte sozusagen in
Klammern setzte und daher eine Beziehung zu versus allein unmöglich
machte. '*> Man vergleiche ferner z. B. solum te Catull. 72,1 Lucan 7,68 5,103
Auch in den beiden nächsten Versen ist die praepositionale Gruppe Aen. 7,389 mit te solum Catull. 64, 299; sim, sunt u. ä., einerseits Aen.
Attribut, in Ov. 14, 606 gehört sie allein zu mixta; in den folgenden hat 9, 216 ecl. 5, 53 Ov. rem. 317 Hör. sat. 2, 5, 91, andererseits Verg. ecl. 1, 80
jedenfalls die semiquinaria die Alleinherrschaft, wodurch eine engere Aen. 8, 150 Lucan. 7, 445 Hör. sat. 1, 1, 106 Tib. 1, 1, 49 Prop. 3, 20, 7
syntaktische Beziehung zwischen den beiden Vershälften unmöglich ge­ Ov. ars 3, 329 epist. Sapph. 21; nox, einerseits Manil. 2, 421 3, 312 5, 60,
macht wird. Hieße nicht vielleicht Ov. met. 15, 365 andererseits 3, 194 und vieles andere: Marx 202ff.
14> Vgl. über diese komplizierte Frage a. O. V 46-52. Musterverse sind
cognita res usu putri de viscere passim
(als Beispiel sind dreigeteilte gewählt):
die Sache ist durch die Praxis aus den faulenden Eingeweiden hier und dort Enn. asm. 292 nunc hostes vino domiti somnoqm sepulti j consiluere
erkannt worden? - es ist der einzige Vers, bei dem durch die Umstellung Ov. met. 1, 322 non illo melior quisquam nec amantior aequi / vir fu it
eine Art von Sinn herauskommt. In Catull 66, 33 allerdings liegt Enjambe­
mentsperrung vor wie oben in Aen. 5,289 usw., vor allem in Lucan 2,148, Im ersten Vers rhythmische Entsprechung zwischen den Kola vor und
aber ist nicht vielleicht in diesem Vers infandum domini per viscera ferrum nach der semiseptenaria, im zweiten ein Hinübergleiten zum nächsten Vers.
schon fast in sich verständlich - das Verbum ergänzt sich ohne weiteres -, Jedoch handelt es sich natürlich nur um eine Neigung, keineswegs um eine
Während man bei der Wortstellung cunctis dulci pro coniuge divis auf den Ge­ Regel. Übrigens findet man wie bei den dreigeteilten Versen mit Wort­
danken kommen könnte oder sogar müßte: allen Göttern anstatt der süßen schluß jcaxit xptxov rpoxalov so bei denen ohne Wortschluß an dieser Stelle
Gattin? Man vergleiche Stat. Theb. 8,187 seram rapto pro corpore pugnam. In überwiegend Kolon- und Gruppenschluß in der semiternaria nach einer
Cic. Arat. 390 schließlich würde wohl bei Umstellung zu verstehen sein: trochaeisch-iambischen Gruppe wie flectit equos, während non cepit u. ä.
es folgt das durch die Himmelslichter gleitende Schiff. Ebenso fehlt in konjunkt vorweisend ist, mit oder ohne Hyperbaton.
104 ohne semiquinaria Caesur und Synaloephe

3. Verse ohne semiquinaria Verse ohne männliche Caesur, nur archaisch, z. B.


Enn. ann. 43 corde capessere: semita nulla pedem stabilibat.
Es wird vielleicht von Nutzen sein, die Formen (hierüber Hexam.
230 poste recumbite vestraque pectora pellite tonsis.
Stud. V mit reichem Material) mit je ganz wenigen Beispielen vor­
122 Volturnalem Palatualem Furinalem.
zustellen. Semiternaria und semiseptenaria, erstens etwa im Gleich­
gewicht (198 Verse15>), z. B. Besondere Erwähnung verdienen die Verse mit Verdunkelung der
semiseptenaria oder der semiquinaria durch ein folgendes pyr-
Lucr. 1, 779 naturam clandestinam caecamque adhibere
rhichisches Wort, wobei im ersteren Fall Bucolica eintritt, z. B.
Aen. 1, 224 dispiciens mare velivolum terrasque iacentis
Hör. sat. 1,6, 13 Tarquinius regno pulsus fugit, unius assis
überwiegende semiseptenaria (231), z. B.
Enn. ann. 269 spernitur orator bonus, horridus miles amatur.
Aen. 1, 421 miratur molem Aeneas, magalia quondam, Aen. 1, 435 ignavum fucos genus a praesepibus arcent.
1, 31 arcebat longe Latio, multosque per annos
Ans Ende dieser Reihe muß Hör. ars 263 gestellt werden:
überwiegende semiternaria (182), z. B.
non quivis videt inmodulata poemata iudex.
Aen. 1, 581 ardebant, prior Aenean compellat Achates:
Er hat augenscheinlich den Vers bewußt als inmodulatus gebildet und
1,4 vi superum, saevae memorem Iunonis ob iram.
damit bezeugt, daß er für ihn caesurlos war.
Ohne semiternaria mit Wortschluß nach der 3. Hebung (434), z. B.
Aen. 1,124 navem in conspectu nullam, tris litore cervos
1, 278 his ego nec metas rerum nec tempora pono;
4. Caesur und Synaloephe. Monosyllaba vor der Caesur
Lucan. 1, 128 victrix causa deis placuit, sed victa Catoni.
Es bleiben zwei speziellere Fragen: Caesur und Synaloephe181
Ohne Wortschluß nach der 2. und 3. Hebung (261), z. B. und Monosyllaba vor der Caesur. Bei der ersten Frage muß unter­
Aen. 1, 85 una Eurusque Notusque ruunt creberque procellis schieden werden zwischen Synaloephe nach der Hebung und vor der
1, 418 corripuere viam interea, qua semita monstrat. Hebung, in der dann natürlich ein Monosyllabon stehen muß. Auf
diese Weise hängt die erste mit der zweiten Frage zusammen.
Hierunter sind von besonderem Interesse die Verse mit daktylischem Synaloephe nach der Hebung ist ebenso zu beurteilen wie bei dem
oder pyrrhichischem Wortschluß nach dem 2. Fuß (102), z. B. (s. S. 88 Hypermeter, z. B. Aen. 1, 332 loco*rumque / e1rramus, also z. B.:
und 107)
Lucan. 1,111 Ausoniis umbraque erraret Crassus inulta.
Aen. 1,17 hic currusfuit; hoc regnum dea gentibus esse
Hör. sat. 1, 9, 9 ire modo ocius, interdum consistere, in aurem Sie ist nicht sehr häufig, noch weniger in der semiseptenaria:
Aen. 1, 434 aut onera excipiunt venientum, aut agmine facto
ein Vers, der authentisch über den rhythmischen Charakter Auskunft
gibt. Mit Wortschluß nach dem 2. Spondeus (44), z. B. am wenigsten häufig in der semiternaria (die nur, wenn sie mit der
Enn. ann. 343 aspectabat virtutem legionis suai semiseptenaria korrespondiert, wirklich Geltung beanspruchen kann):
Hör. epist. 2, 2, 91 carmina compono, hic elegos; mirabile visu15 Lucan. 1, 68 inmensumque aperitur opus, quid in arma furentem
15) Wie sich versteht unter den in den Hexam. Stud. behandelten Versen,
Die Zahlen sind hinzugefügt, um die relative Häufigkeit anzugeben. Vgl. Kap. III S. 36.
106 Monosyllaba vor der Caesur Monosyllaba vor der Caesur 107
Bei den Monosyllaba vor der Caesur besteht kein Grund, zwischen 1, 438 Aeneas ait etfastigia suspicit urbis.
den Fällen mit Synaloephe des vorangehenden Wortes und denen 2, 229 insinuat pavor, et scelus expendisse merentem
ohne Synaloephe zu scheiden, obwohl dieses das intersistere der Wort­ Hor. sat. 1, 9, 63 quo tendis? rogat et respondet, vellere coepi
grenze (Quint, inst. 9, 4, 36) überbrückt und die beiden Wörter laut­
Verse wie die folgenden sind auch vorklassisch selten, bei Ovid ganz
lich zusammenschließt. Der einfachste Fall sind die echten Gruppen
rxceptionell:
zweier Monosyllaba oder eines pyrrhichischen und eines einsilbigen
Wortes vor der Caesur, an die man ohne Bedenken wohl auch einige Ov. met. 1, 720 Arge iaces, quodque in tot lumina lumen habebas,
okkasionelle Gruppen anschließen kann: Lucil. 144 crebrae ut scintillae, in structuris quod genus olim,
483 quod malus navi e corbita maximus ullast. 5741016
Aen. II 140 effugia, et culpam hanc miserorum morte piabunt.
Lucr. 1, 835 esse, videlicet, e pauxillis atque minutis
Hor. sat. 1,1,13 cetera de genere hoc - adeo sunt multa - loquacem
Lucil. 64 tum facta omnia, sum circumlatus ww-w
Aen. 1, 322 vidistis si quam hic errantem forte sororum Enn. ann. 565 cum legionibus quom proficiscitur induperator.
Aen. 1, 333 erramus vento huc vastis et fluctibus acti; Lucil. 101 illud ad incita cum redit atque internecionem
mit sehr eindrucksvollem doppeltem Hyper­
baton Täuscht der Eindruck, oder sind nicht die Fälle ohne Synaloephe die
Lucan. 1, 334 quis scelerum modus est? ex hoc iam te, improbe, regno härteren? Sonst aber liegt mit und ohne Synaloephe zumeist überhaupt
Aen. 1, 645 Ascanio ferat haec ipsumque ad moenia ducat. keine semiquinaria vor, z. B.
Aber für eine Gruppe wie bei Horaz: Aen. 1, 148 ac veluti magno in populo cum saepe coorta est
1, 656 haec celerans iter ad navis tendebat Achates.
sat. 1, 3, 46 sicui filius est, ut abortivus fu it olim
Es ist mehr als begreiflich, daß die Dichter der augusteischen Zeit
gibt es bei Vergil, Ovid und Lucan kein Beispiel. Um so interessanter
( '.aesur nach einer Praeposition im allgemeinen nicht zugelassen haben.
sind die folgenden Verse mit einem Monosyllabon in der 2. Hebung:
Aber es gibt eine nicht geringe Zahl von Fällen, in denen Caesur
Hor. sat. 1, 3,112 tempora si fastosque velit exsolvere mundi. nach dem Monosyllabon nicht anerkannt werden kann: Verse mit
1, 2, 6 frigus quo duramque famem propellere possit. starkem syntaktischen Einschnitt vor diesem Monosyllabon; so
1, 4 ,103f. liberius si Aen. 1, 17 S. 104,
dixero quid, si forte iocosius, hoc mihi iuris Aen. 1, 52 Aeoliam venit, hic vasto rex Aeolus antro
cum venia dabis: insuevit pater optimus hoc me,
168 nympharum domus, hicfessas non vincula navis
Lucan. 2, 289 sidera quis mundumque velit spectare cadentem
2, 29 hic Dolopum manus, hic saevus tendebat Achilles;
expers ipse metus?
Aber 1,115-117 muß noch einmal ausgeschrieben werden:
Daß das daktylische Wort nicht der zureichende Grund für diese
Wortstellung ist, durch die das erste Kolon sehr eindrucksvoll in puppim ferit: excutitur pronusque magister
Sperrungscharakter erhält, lehrt der zweite Vers, in dem quo frigus volvitur in caput; ast illam ter fluctus ibidem
ohne weiteres möglich gewesen wäre. torquet agens circum et rapidus vorat aequore vertex.
Auch in den folgenden Versen ist an der Caesur nach dem Mono­
Muß nicht der rhythmische Eindruck von 115 so stark nachwirken,
syllabon kein Zweifel möglich:
daß man ohne weiteres 116 ebenso versteht? Denn Verse der Form
Aen. 1, 323 succinctam pharetra et maculosae tegmine lyncis, von 115 gibt es nicht ganz wenige, allerdings vor allem bei Horaz
1, 414 molirive moram aut veniendi poscere causas. und den vor klassischen Dichtern; der wichtigste von allen, Hor. sat.
108 Einschnitt nach dem 2. Dactylus

1,9,9 wurde obenS. 104 angeführt. Aber es darf auch an denHalbvers


Aen. 1, 534 erinnert werden: hic currus fuit, der zu bezeugen scheint,
daß Vergil einen Einschnitt an dieser Stelle für möglich hielt. Denn
natürlich ist an Caesur nach der Praeposition in 115 ex / cutitur nicht
zu denken: vgl. S. 21 Anm. 24. VI. DER (DAKTYLISCHE) PENTAMETER
Über das Problem, vor das uns die vorstehend besprochenen Verse
stellen, hat J. Hellegouarc’h 17), Sur un type de vers Virgilien: vela Der Pentameter wird von Marius Victorinus GL VI 65, 7 richtig
dabant laeti et spumas salis aere ruebant, REL 1962, 236-250 und Le erklärt: geminata penthemimeres tome versum pentametrum complet. Da­
Monosyllabe dans Phexamfetre latin, Paris 1964, 112 ff.: Le mono- neben findet sich eine andere Erklärung, ausführlicher p. 291, 7ff.,
syllabe au longum III, gehandelt (offenbar ohne die Hexameter­ ganz knapp p. 612, 19: recipit dactylum (vielmehr zwei Daktylen),
studien gelesen zu haben, obwohl er sie in der Bibliographie aufführt). spondium, anapaestos duos . . .; tertium pedem spondium semper habet (so
Er entscheidet sich durchweg für semiquinaria (glaubt übrigens bei schon Quint, inst. 9, 4, 98 in pentametri medio spondio), quartum et
dem Wort nach der Caesur ‘une mise en relief’ durch diese Wort­ quintum anapaestos duos, sed quintum aliquando braebysyllabum. So erklärt
stellung zu erkennen: Unwägbarkeiten, wie mir scheint); aber sich der sonst unverständliche Name, der seinerseits das Alter der
durfte er das, da er sich zu denen rechnet (236 des Aufsatzes), qui zweiten Erklärung verbürgt. Er findet sich zuerst bei Hermesianax
admettent une certaine (?) concordance entre les c6sures et les points (Athenaeus 13 p. 598a), dann bei Dionys. Hai. comp. verb. 25 p. 127,
d’articulation de la phrase? Die Formel bedarf einer nur scheinbar 11 Us.-Rad., nicht bei HephaestionV
geringfügigen, in Wirklichkeit grundlegenden Richtigstellung: nicht Für den Pentameter gelten nach den gängigen Lehrbüchern fol­
une certaine concordance, sondern, dort wo der Vers r/]v sauToü gende R egeln: In der Versfuge (die man weder Diaerese noch voll­
erreicht hat, eine vollständige Harmonie, aber eine 7taXlvTovo<; äppovi?). ends Caesur nennen sollte) gibt es im allgemeinen keine Synaloephe
Dies ist der Grund, weshalb das Problem, das sich H. gestellt hat, (Ausnahmen z. B. Catull 68,10 56 82 90 und noch zehnmal), noch
nicht allgemein und grundsätzlich, sondern nur von Fall zu Fall mit andererseits Hiat oder syllaba anceps (Ausnahmen Catull 66,48 67,44
mehr oder weniger Sicherheit lösbar ist, weshalb wir daher aus dem 76,10 97,2 99,8 101,4). Das zweite Kolon ist rein daktylisch. Beide
Schwanken nicht herauskommen. Es wäre jedoch ganz falsch, darüber Vershälften schließen nicht mit einem einzelnen Monosyllabon. Am
zu klagen. Wer nur das starre Schema sieht, der ist freilich von keiner Versende steht bei Ovid so gut wie immer ein zweisilbiges Wort; bei
Unsicherheit angefochten, aber für ihn sind die Verse tot. Man muß seinen Vorgängern setzt sich diese Regel allmählich durch. Um­
verstanden haben, daß die vorgegebene, auch an sich variable Form gekehrt ist ein iambisches Wort vor der Versfuge zwar nicht gemie­
sinnvolle Worte, immer andere und in anderer Weise, in sich auf­ den wie im Griechischen, aber auch nicht sehr häufig. Die letzte
nimmt, nicht ohne auch ihrerseits, durch die Stellung im Vers, Silbe des Verses ist selten kurz und offen, des ersten Kolons lieber
insbesondere durch die Hyperbata, die Beziehungen der Worte natur- als positionslang. Am Ende des Pentameters liegt in der Regel
kenntlich zu machen. Die Möglichkeiten zur Verwirklichung dieser ein schwerer syntaktischer Einschnitt; innerhalb des Verses ist
gegenstrebigen Harmonie sind unendlich. Nur für den, der sie erfaßt, syntaktischer Einschnitt nach dem ersten Daktylus nicht selten.
haben die Verse Leben. Es war die Absicht dieses Kapitels, Verse so
lesen zu lehren. Alle rein metrischen Feststellungen, die man ge­
*> Vgl. Wilamowitz, Verskunst 101: „ein Name, der erst zutrifft, wenn
macht hat und machen kann, sind letzten Endes ohne Belang. die zwei Glieder. . . zu einem Verse so eng verwachsen sind, daß sie Penta­
meter genannt werden können, was schon von Hermesianax und Kalli-
innchos geschieht, wo also der Takt zur Gliederung in Widerspruch trat,
17> Vgl. dagegen jetzt J. Soubiran 179ff., der 18?. A. 3 zu H. Stellung die durch die Worttrennung immer aufrecht gehalten ward“ . Hält er also
nimmt. die zweite Erklärung für sinnvoll?
110 Pentameter: Halbverschluß leichter u. schwerer betonter Wortschluß 111

Wenn die wichtigste Regel, die über den Versschluß, sich wie gesagt Hier eine Reihe von Beispielen für solches Auseinandetfallen in zwei
Halbverse 2>:
allmählich durchsetzt, um bei Ovid fast ausnahmslos zu gelten, so
bedeutet das offenbar, daß der Vers bei ihm fry lauro5 cpüaiv erreicht am. 3, 3, 8 longa decensque fu it: longa decensque manet.
hat; eine Untersuchung des Pentameters mußte sich daher in erster 3, 6, 44 cedere iussit aquam: iussa recessit aqua.
3, 7, 48 oscula ferre: tuli; proximus esse: fui.
Linie an ihn halten. Sie ist zur Vorbereitung dieses Kapitels geführt
3, 9, 32 altera cura recens, altera primus amor.
und im Philologus 1965, 219-245 veröffentlicht worden. Da die dort
ars 1, 18 saevus uterque puer, natus uterque dea.
festgestellten Regeln mit denen des Hexameters übereinstimmen und 1, 426 nunc opus esse sibi, nunc bene dicet emi.
da sie ebenso wie bei diesem zwar dem Prinzip nach einfach, in der 2, 506 qui canit arte, canat; qui bibit arte, bibat.
Anwendung aber so kompliziert sind wie die syntaktischen Bezie­ fast. 4, 210 hoc Curetes habent, hoc Corybantes opus. &Tth xoivoO
hungen der Worte im Satz, für die sie gelten, kann hier nur das 5, 140 compita grata deo, compita grata cani
Wichtigste vereinfachend dargelegt werden. Wirklich aneignen kann 5, 142 pervigilantque Lares, pervigilantque canes.
man sich die Regeln nur durch die Anschauung, d. h. durch Lesen der Unter den Versen mit schwerem betonten Wortschluß zuerst solche mit
in jenem Aufsatz zusammengestellten Versreihen oder, noch besser, dbro xotvoü:
durch eigene Beobachtung.
am. 1, 1, 6 Pieridum vates, non tua turba sumus.
Die Regel lautete für den Hexameter und lautet hier: Spondeischer 1,2, 48 tu gravis alitibus, tigribus ille fuit.
und anapaestischer betonter Wortschluß ist vorwärtsweisend-kon- 2, 5, 58 lingua tuast nostris, nostra recepta tuis.
junkt und besonders für das Hyperbaton geeignet, iambischer Wort­ 2, 11, 26 et prope tam letum, quam prope cernit aquam.
schluß kommt vorzugsweise, aber nicht allein am Ende einer syn­ 3, 2, 34 in flammam flammas, in mare fundis aquas.
taktischen Gruppe oder eines Kolons vor.- Verse mit schwerem 3, 2, 54 Pollucem pugiles. Castora placet eques.
betonten Wort sc hlu ß v or der Versfuge mit enger syntaktischer 3, 6, 100 forsitan baec alios, me mea damna movent.
Beziehung zum Folgenden, insbesondere mit Sperrung zu einem Wort
Waren bei iambischem Wortschluß vor der Versfuge die Kola nicht nur
in der zweiten Vershälfte, meist dem letzten, sind derartig häufig inhaltlich, sondern auch rhythmisch genau parallel - auch die ersten Kola
- mindestens jeder zweite -, daß es zwecklos wäre, Beispiele an­ sind fast alle rein daktylisch so sind sie in den zuletzt angeführten Ver­
zuführen. Interessant ist nur erstens iambischer Wortschluß, hinter sen antithetisch. Und dies ist offenbar auch die ratio der folgenden Verse:
den, wie es die Regel fordert, meist syntaktischer Einschnitt fällt,
am. 1, 8, 36 sed iste / si simules, prodest; verus obesse solet.
zweitens schwerer betonter Wortschluß gegen die Regel, vor Inter­ 1, 9, 4 turpe senex miles, turpe senilis amor.
punktion. Wenn jener wie gesagt am Ende des ersten Kolons verhältnis­ 2, 8, 4 apta quidem dominae, sed magis apta mibi.
mäßig selten ist, vor allem im Vergleich mit der semiquinaria des Hexa­ 2, 9, 46 saepe fruar domina, saepe repulsus eam.
meters, so bietet sich dafür zunächst als Erklärung an, daß auch das 2, 11, 26 hactenus est tutum; cetera caeca viast.
zweite Kolon mit einem iambischen Wort schließt, daß also gleicher 2 ,19, 20 saepe time insidias, saepe rogata nega.
Ausgang beider Vershälften vermieden wird. Da nun aber die Regelung 2, 19, 36 quod sequitur, fugio; quodfugit, ipse sequor.
des Versschlusses, an dem fast ausnahmslos schwerer syntaktischer 3, 1, 68 tu labor aeternus; quod petit illa, brevest.
Einschnitt liegt, eben auf dem Gesetz über schweren und leichtenWort­ 3, 2, 48 nil mihi cum pelago, me mea terra capit.
schluß beruht, muß die Regel für das Ende des ersten Kolons anders 3, 8, 56 inde gravis iudex, inde severus eques.
vgl. ferner 1,10,30 2,5,44 2,9,36 2,11,40 3,3,42 ars 2,134
gefaßt werden: es wird vermieden, syntaktischen Einschnitt auch nach
dem ersten Kolon des Verses eintreten zu lassen, weil dadurch die 2) Wilh. Meyer, Zur Geschichte des griech. und lat. Hexameters 1033
rhythmisch selbständigen Vershälften auch syntaktisch selbständig erklärt diese für „durch rhetorische Zwecke entschuldigt“ : ich wenigstens
werden, somit der Vers in zwei Halbverse auseinanderfällt; die beiden kann mit diesem okkulten Begriff nichts anfangen, aber man begegnet ihm
Vershälften sollen sich vielmehr verhalten wie rcpoTacni; und dbtoSoat.^. auf Schritt und Tritt.
112 Halbverschluß Bau der beiden Kola 113
Besonders charakteristisch die vorangestellten attributiven Relativsätze: bischem Wort geruhige Korresponsion zweier einander entsprechender
am. 1, 4, 32 et, qua tu biberis, hae egoparte bibam. Glieder. Aber vielleicht ist es nützlich, noch einige Verse mit wechselnder
1,10,18 quo pretium condat, non habet ille sinum. Beziehung der Worte hinzuzufügen:
1.10, 62 carmina quam tribuent, fama perennis erit.
am. 1, 2, 8 et possessa ferus pectora versat Amor.
1,14, 2 tingere quam possis, iam tibi nulla comast.
1,15, 2 ingeniique vocas carmen inertis opus,
2, 3 ,4 vulnera quae fecit, debuit ipse pati.
2,13,12 sic tua sacra pius semper Osiris amet.
2.18.10 et, quae me perdunt, oscula mille dedit.
ars 3, 244 orneturque Bonae semper in aede Deae.
2.19.10 quaque capi possem, callida norat opem.
fast. 1, 72 nunc dicenda bona sunt bona verba die.
Ebenso bezeichnend sind umgekehrt bei iambischem Wortschluß die 1, 204 pascebatque suas ipse senator oves.
choriambischen Gruppen, vor allem die parenthetischen: 1, 390 et quicumque tuas accolit, Haeme, nives.
1, 612 et quodcumque sua Iuppiter auget ope.
am. 1, 9 ,2 Attice, crede mihi, militat omnis amans.
1, 716 canteturque fera nil nisi pompa tuba.
dieselbe Gruppe ars 1, 66 2,464 fast. 1, 496
2, 612 dicitur illa duci tunc placuisse deo.
1, 3, 16 tu mihi, si qua fides, cura perennis eris
630 3, 34 4, 448
sicher si qua j fides, nicht si / qua fides
ars 1,146 nec mora, quisquis erit, cui favet illa, fave. Von den beiden Kola des Pentameters ist das zweite, da es
fast. 5, 302 fulmina, ture dato sustinuisse manum. immer mit einem iambischen Wort schließt, außerordentlich eintönig.
6, 214 an tibi, Semo pater; tum mihi Sancus tut:
Im ersten Buch der Amores kommen vor: die Form praetulit auctor
6, 482 arceat - arcet enim - libaque tosta petat,
6, 612 tangere: mira quidem, sed tamen acta loquar. opus 132 mal, poena duobus erit 127 mal, non tua turba sumus 62 mal,
conveniente modis 33 mal, quisquis ad arma facit 26 mal, tot Cytherea
Aber diese Gruppen können auch in Sperrung zu einem Wort der zweiten preces 4mal, ut sit apertus habet lmal, 10, 16. Fragen stellen sich
Vershälfte stehen, z. B .: nicht.
fast. 1, 74 iurgia! differ opus, livida turba, tuuml Im ersten K o l o n ist syntaktischer Einschnitt nach dem
3, 30 decidit ante sacros lanea vitta focos; ersten Trochaeus selten, am schwerwiegendsten 1, 8, 58 donat?
4, 572 teque, future parens, Thybri, potentis aquae. amatoris milia multa leges, aber der Frage scheint die Antwort auf
am. 2, 13, 24 ipse feram ante tuos munera vota pedes. dem Fuße zu folgen; rhythmisch fällt der Einschnitt kaum ins
Damit stehen wir vor der schwierigen Frage des Hyperbaton bei iambischem Gewicht.
Wortschluß, das ja bei schwerem betonten Wortschluß unendlich häufig Häufig findet sich Einschnitt nach dem ersten Dactylus, so
ist: läßt sich ein Unterschied erkennen? gleich im zweiten Vers: tres sumus; hoc illi praetulit auctor opus.
am. 1, 4, 2 ultima cena tuo sit precor illa viro. Belege anzuführen dürfte unnötig sein. Viel seltener und auch
2.11, 38 impleat illa tuos fortior aura sinus. rhythmisch von geringer Bedeutung ist der Einschnitt nach dem
2 ,13, 20 quarum tarda latens corpora tendit onus. ersten Spondeus, z. B. 1, 6, 30 prosunt: in media pace quid arma
fast. 2, 108 reddidit icta suos pollice chorda sonos. times? Interessant ist allein der Einschnitt nach der zweiten He­
Hier haben sich Attribute und Substantive paarweise zu genau entsprechen­
bung, und hier scheint der Befund derselbe wie vor der Versfuge:
den choriambischen Gruppen zusammengefunden: cena tuo - illa viro, illa jambischer Wortschluß schneidet sowohl syntaktisch wie rhythmisch
tuos - aura sinus, icta suos - chorda sonos3>. Bei schwerem betonten Wortschluß, ein, z. B.
so scheint es, Spannung, Dissonanz und Auflösung, ein Sich-die-Hand-
reichen über Trennendes hinweg, ein Sprung über Hindernisse, bei iam- am. 1, 4, 52 dumqtte bibit, furtim, si potes, adde merum.
1, 6, 34 solus eram, si non saevus adesset Amor;
3> Vgl. S. 95. 1, 7, 20 ipsa nihil; pavidost lingua retenta metu;
114 Pentameter: Wortschluß in der zweiten Hebung 115
1,14, 28 sponte decent: capiti, ferrea, parce tuo! nicht fehlen, in denen einerseits iambischer betonter Wortschluß
2,2,30 2,4,18 2,5,60 2,11,14 3,3,6 3,4,26 3, 4, 32 konjunkt, andererseits schwerer betonter Wortschluß so vor einer
3,8,16 Interpunktion gebraucht wird, daß die Synaphie des Verses den Ein­
schnitt überbrückt: es ist nur nötig, sich der entsprechenden Er­
Hinzugenommen werden müssen die echten Gruppen wie ars 1, 100
ille locus, die erweiterten Gruppen wie fast. 1, 298 inque domus superas,< scheinungen bei Plautus zu erinnern. Hier kam es nur darauf an, die
die Gruppen in Sperrung wie fast. 1, 16 deque meo pavidos excute corde Hauptregel einzuprägen und das rhythmische Gefühl für die Struktur
des Verses zu wecken.
metus; aber es gibt wie sich versteht auch die ‘natürliche’ Wortfolge
wie fast. 1, 10 saepe tibi pater est, saepe legendus avus. Auf Belege kann
wohl verzichtet werden.
Wie steht es umgekehrt mit schwerem betonten Wortschluß?
Nicht in Betracht kommen natürlich Fälle von Inversion wie am.
2, 14, 20, so interessant der Vers ist:
temptasset, quod tu, si tua mater opus:
oder mit Hyperbaton über einen Nebensatz hinweg wie 1, 10, 32:
et pretium, quanti gaudeat ipsa, facit.
Wir haben es hier nur mit echtem syntaktischen Einschnitt zu tun.
Unter den Beispielen seien hier, wegen der Ähnlichkeit mit den
Versen oben S. 112 o., nur die vorangestellten Attributiv- oder Ob­
jektsätze ausgewählt:
am. 1, 2, 24 qui deceat, currum vitricus ipse dabit.
1, 2, 52 qua vicit, victos protegit ille manu.
3, 2, 68 quid cupias, ipsi scire videntur equi.
ars 1, 498 quod spectes, umeris adferet illa suis.
2, 520 quae patimur, multo spicula feile madent.
3, 576 quae fugiunt, celeri carpite poma manu.
fast. 1, 42 quae sequitur, numero turba notata fuit;
1, 274 quaefuerat, tuto reddita forma loco est.
5, 472 quodpotuit, lacrimas manibus ille dedit.
6, 2 quae placeat (causa), positis omnibus ipse lege.

Die hier gegebene Darstellung, die man mit der ausführlicheren in


Philologus 1965 vergleichen möge, ist vereinfachend, und da es sich
bei dem Unterschied zwischen schwerem und iambischem betonten
Wortschluß nicht um unverbrüchliche Gesetze handelt, sondern um
Neigungen der lebendigen Sprache, denen der Dichter folgt und die
er sich beim Bau seiner Verse zunutze macht, kann es an Grenzfällen
Horaz’ lyrische Verse 117

3. Mit seiner Normalisierung der Verse steht Horaz im allgemeinen


Zuge der hellenistischen und römischen Verskunst.
4. In der Festlegung der im griechischen Verse freien Silben­
quantitäten hat Horaz die von seinen Vorgängern bevorzugten
VII. DIE LYRISCHEN VERSE Quantitäten durchgeführt.
5. In der Ansetzung der festen Cäsuren und bevorzugten Wort­
Aus der in vieler Hinsicht grundlegenden Arbeit von Richard schlußstellen hat Horaz mit selbständiger Auswahl Tendenzen,
Heinze, Die lyrischen Verse des Horaz, SB Leipzig 1918 = Vom die er bei seinen lesbischen Vorbildern oder in der hellenistischen
Geist des Römertums8 1960, 227-294, muß der erste Absatz und die Lyrik bemerkte, weiter verfolgt und teils zu Regeln, teils zu Gesetzen
Zusammenfassung am Schluß im Wortlaut angeführt werden: „Die des Versbaus erhoben.“
lyrischen Verse des Horaz unterscheiden sich von denen der alten Dem Nachweis von Punkt 1, der die metrischen Theorien des
äolischen Lyriker wesentlich in drei Punkten: 1. die Asklepiadeen, Altertums betrifft und hier nicht interessiert, gilt der Hauptteil der
Glykoneen und Pherekrateen beginnen (mit einer einzigen Ausnahme Abhandlung. Zu 2: die Verse der äolischen wie aller griechischen
115, 36) durchweg, die alkäischen Elfsilbler ganz überwiegend mit Lyrik gehen auf ursprüngliche Drei-, Vier- oder Fünfheber mit
einem Spondeus, während bei den Vorbildern statt dessen auch variablen Senkungen zurück1*, können also grundsätzlich nicht in
Trochäus und Jambus, selten Pyrrhichius eintritt; 2. die vierte Silbe Versfüße ‘aufgelöst’ werden, - womit niemand gehindert sein soll,
des sapphischen Elfsilblers und die fünfte des alkäischen (mit sich aus praktischen Gründen die Sache so oder so zurechtzulegen2).
einziger Ausnahme von III 5,17) sind lang, so daß also in beiden In 3-5 bleibt unklar, welches der Grund für den allgemeinen Zug
Versen vor der Cäsur Spondeus steht, während bei den Vorbildern zur Normierung war, vor allem für Horaz’ selbständige Auswahl, mit
die betreffende Silbe doppelzeitig ist; endlich 3. - und dies ist das der er diese Tendenz verfolgte. Wenn überhaupt, kann dieser Grund
Wichtigste, für die akustische Wirkung der Verse Bestimmende - hat nur gefunden werden, wenn man, mehr als Heinze, die Einfügung
Horaz im Asklepiadeus nach der sechsten Silbe, im sapphischen und der Worte und Satzglieder in den Vers betrachtet. Dies soll im fol­
alkäischen Elfsilbler nach der fünften, im größeren Asklepiadeus genden hinsichtlich der wichtigsten Versarten geschehen. Dagegen
nach der sechsten und zehnten, im größeren Sapphiker nach der werden die Schemata hier nicht aufgeführt, da man sie in jeder besse­
fünften und achten Silbe regelmäßig Wortende eintreten lassen, also die ren Ausgabe, vor allem bei Fr. Klingner, findet. Eine Vorarbeit:
Verse durch ‘Cäsuren’ in zwei oder drei Glieder zerfällt; diese Cäsur ist Quantität und Wortakzent. Maia 1960, 175-189, wo mehr Beleg­
im Asklepiadeus niemals, im alkäischen Vers nur zweimal vernach­ stellen ausgeschrieben sind.
lässigt ; im sapphischen Elfsilbler ist sie in den drei ersten Odenbüchern
ganz selten, öfters im Carmen saeculare und den Oden des vierten
Buches zwar nicht vernachlässigt, aber um eine Silbe hinausgeschoben.
Die Griechen haben dagegen alle diese Verse cäsurlos gebaut.“ »> Vgl. Kapitel III S. 69 und A. 77.
S. 90f.: „Ich fasse zum Schluß das Wesentliche zusammen, was 2* Dagegen sind Erwägungen wie die folgenden nichtig, R. Heinze 60:
„Müßte ich mich für eine der beiden von Diomedes (p. 518, 32; 519, 1)
uns die Betrachtung der lyrischen Verse des Horaz gelehrt hat.
zur Wahl gestellten Skansionen (des Asclepiadeus minor) (— |— —1|
1. Von Einfluß einer metrischen Theorie ist keine Spur vorhanden.
2. Horaz hat alles getan, um in seinen äolischen Versen den Ein­
w u-J|-c/c/— j
- u u | - u u und — |— c^w) entscheiden, so würde ich un­
bedenklich die choriambische vorziehen.“ usw. 72: „Wenn Horaz, was
druck des jambischen, trochäischen und daktylischen Rhythmus zu ich für wahrscheinlich halte, den Vers (den sapphischen Elfsilbler) als
vermeiden oder abzuschwächen; eine Analyse also, die seine Verse Trimeter aufgefaßt hat, so wird die bei Augustin überlieferte Analyse
in Jamben, Trochäen und Daktylen auflöst, ergibt das genaue Gegen­ - w—|— den Vorzug v o rder des Atilius —w—cz| —ww—|w—w
teil dessen, was der Dichter beabsichtigt hat. verdienen.“
118 Horaz’ lyrische Verse Gliederung

Asclepiadeus minor III 9, 24 10, 2 15, 8 16,18 22 38 19, 18 22 25,18 30, 8 14


IV 1 ,2 5, 39 8,23 29 12, 11 22 13,2
a. anapaestischer (oder choriambischer) Wortschluß vor der Versfuge Schluß eines Kolons
Hyperbaton 3-6 (bzw. 3-5)
collegisse iuvat metaque fervidis / evitata rotis palmaque nobilis
Maecenas atavi* s edite re*giba" s, 1 1 ,4 5 16,9 3,26 15,27 11 12,18
1 1, 1 6 7 8 9 10 18 19 20 21 22 27 28 usw. 1119,10 16,23 24,4 24 56 IV 12, 3 25
Hyperbaton zum nächsten Vers Ende einer Gruppe
gaudentem patrios findere sarculo / agros ignemfraude mala gentibus intulit
I 1, 3 11 29 3, 18 5, 10 15, 3 23, 2 5 usw. I 3, 28 32 5, 6 6, 10 15, 29 30 34 23, 10 24, 7 9
III 13, 2 16, 2 29 30, 3 IV 1, 6 5, 1 18 8, 28
Nahsperrung oder enge syntaktische Beziehung über die Versfuge hin­
weg, oft verbunden mit Hyperbaton 1-6 Enklise
luxctantem Icariis fluctibus Africu*m nulli plura tamen dividet oscula
I 1, 12 14 15 16 26 34 35 36 usw. 136, 6 21, 10

Bimembre Es bleibt ein nicht geringer Rest verschiedenartiger Gruppenbildung,


nec tristes Hyadas nec rabiem Noti, Sperrung oder natürlicher Wortstellung, z. B.
1 1, 24 30 33 3, 14 30 5, 10 6, 15 19 13, 2 usw.
Erweiterte Gruppen
Vor einem Nachsatz quos inrupta tenet copula nec malis
numquam demoveas, ut trabe Cypria / . . . nauta secet mare. I 13, 18 16 15, 10 III 7, 6 17 10, 6
I 1, 13 32 24, 3 33, 3 10 cf. 3, 4 24, 10
Doppelsperrung 2 + 3 — 4 + 5/6
Frage nolis lo2nga ferae3 bel lla Numa*ntiae*
fluctus, o quid agis? fortiter occupa I I 12, 1 III 19, 4 24 IV 1, 32 34 cf. IV 10, 2
I 5, 5 14, 2 24, 2 III 28, 2 IV 13, 22
Sperrung 3-6
Doppelpunkt (?) coniurata tua3s rumpere nuptia6j-
debes Vergilium: finibus A tticis I reddas 1 1, 31 15, 7 III 9, 18 16, 27 24,10 IV 1, 12 5, 5 8, 34
I 3, 6 33, 7 II 12, 9 IV 8, 11 13, 6 ‘Nahsperrung’, oft von Hyperbaton umrahmt
Schwerer syntaktischer Einschnitt nach choriambischem Wortschluß non tangenda rates transiliunt vada.
III 16, 11 13 15 42 I 3, 24 40 15, 33 19, 2

nach anapaestischem Wortschluß Einschnitt vor dem iambischen Wort


III 24, 54 62 25, 8 IV 1, 4 3, 24 8, 22 detestata; manet sub love frigido
I 1, 25 15, 5 33, 15
b. iambischer Wortschluß vor der Versfuge
Schluß des Satzes oder Nebensatzes Fernsperrung
laudat rura sui: mox reficit rates quam rem cumque ferox navibus aut equis / miles te duce gesserit
1 1, 17 3, 10 5, 13 13, 6 14, 6 15, 26 33, 6 I 6, 3
120 Phalaeceus Gliederung

Für die erste Vershälfte, die wie die des Hexameters und des Penta­ Nach der ersten Kürze der zweisilbigen Senkung
meters ein Hemiepes ist, gelten also dieselben Regeln wie für diese. 1, 9 qualecumque, quod o patrona virgo schwächer: 6, 9 36, 13 19
Die rhythmische Ähnlichkeit mit dem letzteren springt in die Augen, 45, 8 = 17 hoc ut dixit, Amor sinistra ut ante Synaloephe:
und damit ist der wahrscheinliche Grund angegeben, weshalb Horaz 6,11 argutatio inambulatioque 13,5 23,14 57,4
die Versfuge in der Mitte zum festen Gesetz gemacht hat. Das 3, 16 ofactum male, io miselle passer
Lateinische hat wie in der Sprache so im Vers eine Neigung zu klarer Einschnitt nach dem ersten Spondeus
kolometrischer Gliederung.
10, 26 istos, commode enim volo ad Sarapim
9,5 16,6 21,5 21,7 27,7 28,12 40,6 56,6
Phalaeceus, von Catull (12,10. 42,10) Hendecasyllabi genannt Einschnitt nach der zweiten Hebung
6, 16 dic nobis, volo te ac tuos amores
S c h e m a ----- w w -w -w -G , seltener Anfang wie 1, 2 arida oder 1, 4 meas. 10,10 10, 27 15, 2 23, 7 28, 13 41, 8 57,3
Ausnahme 55: etwa die Hälfte der Verse hat eine einsilbige, lange zweite
Senkung. Einschnitt vor der vorletzten Hebung
E in s c h n itte , z. T. mit Caesurchatakter 5 ,1 da mi basia mille, deinde centum
V o r der 3. Hebung 5,1 5,9 5,11 7,7 10,10 10,15 14,16 24,7 26,1 28,14
32, 4 36,14 41, 7 42,7 42,12 49,2 55,16 58,1
1, 3 Corneli, tibi: namque tu solebas 1, 8 2, 11 3, 7
1, 7 doctis, luppiter, et laboriosis, 2, 2 2, 9 5, 9 6, 3 6, 5 ohne Wortschluß vor oder nach der 3. Hebung:
gegen 80mal; mit Synaloephe: 7,11 9,9 32,11 41,6 57,2
9, 6 visam te incolumem audiamque Hiberum Einschnitt vor der vorletzten Senkung
6, 2 10, 6 15, 13 16, 2 16, 8 26, 3 33, 7 36, 12
10, 31 verum, utrum illius an mei, quid ad me?
10,6 10,14 15,11-13 21,9 23,1. 2 42,1 42,16 (48,1)
N ach der 3. Hebung
3,13 at vobis male sit, malae tenebrae 9, 4 9, 11 10, 11
10, 9 respondi id quod erat, nihil neque ipsis 12, 1 12, 5 13, 6 13, 13 Beziehungen der W orte
10.16 ad lecticam homines, ego, ut puellae 14, 25 15, 4 15, 6 15, 9
10, 29 fugit me ratio: meus sodalis 15, 14 15, 17 16, 1 16, 4 16,10 Das pyrrhichische Wort in der zweiten Senkung

bei weitherziger Zählung etwa 57 mal; iambischer Wortschluß: Beziehung überwiegend zum Vorangehenden (vgl. Einschnitt v. d.
3. Hebung)
3, 6 nam mellitus erat suamque norat 10, 21 36, 3
12,4 hoc salsum esse putas?fugit te, inepte: 9, 2 antistans mihi milibus trecentis 5,12 24, 9 al.
23.16 a te sudor abest, abest saliva, 10,1 Varus me meus ad suos amores
32, 9 verum, siquid ages, statim iubeto: Beziehung zum Folgenden:
unklarer: 6, 15 16, 5 18, 4; mit Synaloephe: 5,1 vivamus mea Lesbia atque amemus 16,13 21,1 32,1 41,5 50,19
1,6 omne aevum tribus explicare chartis 6,16 10, 18 14, 6 23, 7.13 al.
42, 6 persequamur eam et reflagitemus. 45, 3
Beziehung nach beiden Seiten mit Hyperbaton:
Die geringe Zahl der Stellen gestattet nicht, den Eindruck sicher
zu bestätigen, daß auch hier iambischer betonter Wortschluß 1, 2 arida modo pumice expolitum
für Pausastellung geeignet, schwerer nicht geeignet ist. 3,15 7 ,5 35,5 33,3 45,15 48,6 49,4 46,2 55,6
122 Phalaeceus Horaz’ lyrische Verse
Sperrung zum letzten Wort: D er sap p h isc h e E lfsilb le r
2, 8 credo tum gravis acquiescet ardor 7, 12
Im Conspectus metrorum findet man bei Klingner S. 323 (3173) :
Hyperbaton 1-5: „versus Sapphicus hendecasyllabus (minor)
1,4 mea1s esse aliquid putare »«5gas, 28,6 33,4 45,4 50,11 55, 19 —\j----- | | vjw— aut —w------ w||vj —W—
sic: c. 1,10, 1. (6) (18); 12,1; 25,11; 30, 1; 2, 6,11 et fere quadragiens in
Hyperbaton 1-4: Carminum libro quarto et carmine seculari.“
15, 8 i 1» re praetereunt sua4 occupati 35, 6 Verse ohne eine der beiden angegebenen Caesuren gibt es nur bei
Catull, 11, 7 septe3mgeminu4s, 23 prae3fereui nte, und einmal mit kurzer
Hyperbaton 2-5 (oder 4) vierter Silbe, 11, 6 seu Sagas sagi3ttifero3sve Partbos-, so zweimal auch bei
Wortschluß nach der sechsten Silbe, 11, 15 pauca nuntiate meae puellae, 51, 13
1,10 plus uno2 maneat perenne sae5clo. otium, Catulle, tibi molestumst. Der Schluß liegt nahe, daß die Länge der
2, 4 et acris solet incitare morsus, vierten Silbe mit der Caesur nach der fünften zusammenhängt: iambischer
2,13 5,13 7,1 7,10 10,8 14,5 14,7 16,11 23,20, 4 0 ,4 .8 Wortschluß ergäbe eine Fermata, spondeischer ergibt sie nicht.
42,17 46,7 Die trochaeische Caesur nach der sechsten Silbe ist die schwächere; sie
Hyperbaton 3-5: Sperrungscaesur wird weiter geschwächt durch Gruppenbildung mit einem folgenden iam-
bischen Wort,
7, 4 lasarpiciferi%s iacet Cyre3nis 1,1 6, 8 21, 3 15, 2 35,15 36, 5
3,18 flendo turgiduli iacent ocelli. 58, 5, etwa 26mal Catull 51,1 ille mi par esse deo videtur.
2,12 pernici aureolum fuisse malum, 6,17 36, 11 46, 3. 4 58, 3 Hör. IV 2, 13 seu deos regesque canit, deorum
6, 6 nam te non viduas iacere noctes etwa 16mal. 2, 41 6, 13 33 35 11, 19 34 CS 51 55 al.
Man vergleiche auch
Gruppe 3-4:
IV 2, 23 aureos educit in astra nigroque / invidet Orco.
2, 5 cum desiderio3 meo4 nitenti 6, 1 6, 7 10, 13 16, 3 36, 7 CS 35 siderum regina bicornis, audi.
3, 5 quem plus illa oculis suis amabat. 14, 1 15, 3 10 28, 12 57, 3
3, 2 et quantumst hominum venustiorum. Man kann zweifeln, ob IV 2, 13 nicht vielmehr mit Einschnitt nach deos
3,11 5, 2 6, 4 9,10 14, 3 27, 2 al. und nach canit zu lesen ist.
Auch die männliche Caesur nach der fünften Silbe ist nicht selten dadurch
Bimembre verdunkelt, daß sich ein pyrrhichisches Wort eng anschließt. Es werden
3, 1 lugete o Veneres Cupidinesque, 13, 12 36, 3 38, 3 43, 8 45, 22. 24 nur wenige Beispiele mit deutlichem Kolonschluß angeführt:
42, 22 mutandast ratio modusque vobis, 47, 2 55, 26. 27 I 12, 50 Caesaris fatis data: tu secundo
II 16,13 vivitur parvo bene, cui paternum
III 27, 50 inpudens Orcum moror, o deorum
Für den Rhythmus bestimmend sind die Einschnitte vor und nach II 8, 6 16, 35 III 27, 69 IV 6, 17 29 11, 2 6 9 21 CS 2.
der dritten Hebung, ersterer eindeutig Interpunktionscaesur, von Man wird die Caesur nach dem pyrrhichischenWort kaum bestreiten können.
derselben rhythmischen Wirkung wie die Bucolica, letzterer nach Schwach ist die Caesur nach der fünften Silbe auch in der großen Masse
schwerem betonten Wortschluß auch bei Interpunktion wahrschein­ der Verse mit enger syntaktischer Beziehung zwischen den Worten vor und
lich keine wirkliche Fermata, aber zur Sperrungscaesur praedestiniert. nach der Caesurstelle oder mit ‘natürlicher’ Wortfolge, z. B.
Die Caesur xaxa SeiSxepov rpoyatov, so selten sie ist, wird man nicht
I 2,10 nota quae sedesfuerat columbis,
bestreiten können. Auch der Einschnitt xocxa xpixov Tpo/atov hat fast 13 vidimus flavom Tiberim retortis
Caesurcharakter. Die übrigen zählen nicht. 12,14 laudibus, qui res hominum ac deorum
124 sapphischer Elfsilbler Gliederung 125
Der letzte Vers ist ein Beispiel für die Folge zweier Monosyllaba: ein ein­ ein Fragezeichen:
zelnes kann vor der Caesur natürlich nicht stehen.
Sehr oft aber findet sich eine sehr deudiche Sperrungscaesur wie z. B. - II 16,19 sole mutamus? patriae quid exui
es lohnt nicht, weitere Belege anzuführen: III 27,18 pronus Orion? ego quid sit ater
37 unde quo veni? levis una mors est
I 2, 3 dextera sacras laculatus arcis 27, 42 58
6 saeculum Pyrrhae nova monstra questae,
9 piscium et summa genus haesit ulmo.
Es bleiben:
Sperrung zum nächsten Vers: I 12, 21 proeliis audax, neque te silebo, / Uber
I 2, 11 et superiecto pavidae natarunt / aequore dammae. III 11, 22 risit invito; stetit urna paulum / sicca,
10, 17 tu pias laetis animas reponis / sedibus 39 f. surge, ne longus tibi somnus unde
non times detur; socerum et scelestas / falle sorores,
Sehr häufig ist auch das Bimembre: 27,7 terruit mannos, ego cui timebo
38 virginum culpae, vigilansne ploro
I 2, 38 quem iuvat clamor galeaeque leves 63 crede veloci; nisi erile mavis / carpere pensum
12, 5 aut super Pindo gelidove in Haemol 66 barbarae paelex.’ aderat querenti / . . . Venus
74 mitte singultus; beneferre magnam / disce fortunam:
Interessanter sind Verse wie die folgenden mit Anapher oder Antithese: IV 11, 31 disparem vites, age iam, meorum j finis amorum
II 10, 6£F. tutus caret obsoleti
sordibus tecti, caret invidenda / sobrius aula. Man wird einen Teil dieser Stellen unschwer an die oder jene der
10, 13 sperat infestis, metuit secundis vorangehenden Materialgruppen anknüpfen können. Denn darüber kann
10, 22 16, 34 I I I 18, 7 IV 2,15 6, 5 19 kein Zweifel bestehen: die Caesur nach der fünften Silbe ist keine
Fermata.
Am Ende des Vorder-(Haupt- oder Neben-)Satzes: Sonst gibt es Einschnitt ohne Caesurcharakter noch nach der zweiten
I 2, 5 terruit gentis, grave ne rediret Hebung (mit iambischem oder kretischem Wortschluß), wo sich nach
10, 11 voce dum terret, viduus pharetra / risit Apollo. Heinze S. 67 unter 165 Versen des ersten Buches 122mal Wortschluß
10, 19 12, 35 47 20, 3 32, 2 38, 3 II 2, 2 3 14 4, 2 22 findet; z. B .:
6,3 14 8,23 10,3 16,2 111 14,11 20,7 al. II 8, 5 crederem: sed tu simul obligasti
2,21 4,13 10, 6 17 18 III 8, 25 11,1 7 17 30 14,10 20,1 9
Mit Inversion: 22.17 IV 2,14 30 34 39 11,14 34 CS 9 11
II 4, 9 barbarae postquam cecidere turmae
6, 6 sit meae sedes utinam senectae, Einschnitt nach der zweiten Silbe ist rhythmisch bedeutungslos, z. B.:
III 8, 1 Martiis caelebs quid agam kalendis,
11,7 49 14,19 18,6 IV 2,1 26 6, 6 CS 22. II 10, 15 pectus: informis hiemes reducit / Iuppiter, idem
16.18 III 11, 23 38 18,1 20, 2 10 27, 41 IV 6,1 9 26 11, 3
Schließlich schwere Interpunktion; zuerst Verse, in denen bei Klingner 5 18 CS 17 25.
ein Doppelpunkt steht:
Etwas schwerer wiegt Einschnitt nach der fünften Hebung:
I 12, 46 fama Marcelli: micat inter omnis
20, 10 tu bibes uvam: mea nec Falernae / temperant vites III 11,42 singulos eheu lacerant: ego illis
38, 6 sedulus curo: neque te ministrum / dedecet myrtus IV 6,33 Deliae tutela deae, fugacis
116,22 16,27 37 1118,15 14,14 27,75 IV 2,27 11,35 6,35 11, 34 CS 43 51 55.
126 Horaz’ lyrische Verse Gliederung 127

Der alkäische Elfsilbler Am häufigsten ist die Sperrung zwischen dem Wort vor der Caesur und
am Versende, weniger häufig zwischen dem ersten und einem Wort der
zweiten Vershälfte, z. B .:
Zum Schema bei Klingner ist nachzutragen die Kürze in der fünften
Silbe3,5,17 (Heinze 78) 3>. Von den Fällen mit viersilbigem Wort + Mono- III 3,1 iustum et tenacem propositi virum
syllabon am Versanfang sind 3, 21, 10 und wohl auch 4, 4, 69 denen mit 5 dux inquieti turbidus Hadriae,
vernachlässigter Caesur hinzuzurechnen (siehe unten). 2,1 angustam amice pauperiem pati
Syntaktischer Einschnitt in der Caesur ist so häufig, daß es sich erübrigt,
Im zweiten dieser Verse sind beide Hyperbata vereinigt. Fernsperrung fin­
Beispiele anzuführen. Ja die Regelmäßigkeit der Caesur ist so groß, daß
det sich z. B. III 4, 9 und 69.
man zweifeln kann, ob es sich um einen ‘gliedernden Einschnitt’ handelt
Interessanter sind die Verse mit Inversion, in denen der Satz gleichsam
oder nicht vielmehr um eine A rt von Diaerese. So hat es, wie der Reim zeigt,
erst in der zweiten Vershälfte anfängt, die erste den Charakter einer Pro­
auch der Dichter des Kirchenliedes empfunden (Gesangbuch der Hannover­
lepse hat, z. B.
schen Landeskirche 636), von dem ich die erste und fünfte Strophe anführe:
I 35,1 o diva, gratum quae regis Antium
Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt 13 iniurioso ne pede proruas
und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt III 6, 5 dis te minorem quod geris, imperas.
und hätte gern mein müdes Leben, 23.1 caelo supinas si tuleris manus
Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 17 inmunis aram si tetigit manus,
Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt gesehn, 29, 25; andere Formen I I 17, 5 IH 6, 45 IV 4, 33 57
und ohn Ermüden will ich ihr näher gehn IV 14,45 te fontium qui celat origines, 15, 2 5
und ihre hellen goldnen Gassen
lebenslang nicht aus den Augen lassen. Mit bemerkenswerter Tmesis:
Der Rhythmus ist, außer in der zweiten Zeile, vortrefflich wiedergegeben. I 9, 14 quem Fors dierum cumque dabit, lucro
Auch für den Fall der Verteilung zweier Gruppen auf die beiden Vers- 16, 2 quem criminosis cumque voles modum
hälften, enger syntaktischer Beziehung über die Caesur hinweg und natür­ 27,14 mercede. quae te cumque domat Venus,
licher Wortfolge sei nur je ein Beispiel angeführt: Unter dem Aspekt eines Neueinsatzes mit der zweiten Vershälfte kann
I 16, 1 o matre pulchra filia pulchrior, jedoch auch ein Teil der Sperrungsfälle betrachtet werden, der Fälle, in
III 1,1 odi profanum volgus et arceo, denen die umrahmenden Worte dem umrahmten am Anfang der zweiten
I 25, 17 te semper anteit saeva Necessitas, Vershälfte syntaktisch untergeordnet sind, z. B.
Für den dritten Fall war es am schwierigsten, ein geeignetes Beispiel zu fin­ I 9, 1 vides ut alta stet nive candidum
den, denn der metrische Bau des Verses ladet dazu ein, daß sich ihm die 29, 9 doctus sagittas tendere Sericas
Worte anpassen, und zwar erstens durch Hyperbata zwischen den beiden 31.1 quid dedicatum poscit Apollinem
Vershälften: 35, 2 praesens vel imo tollere de gradu
37, 25 ausa et iacentem visere regiam
Dies ist ein Gesichtspunkt, den man wird in Erwägung ziehen dürfen, wenn
3) Eine Erklärung der Länge der fünften Silbe könnte man vielleicht in man sich Gedanken macht über das Verhältnis dieser Form des Hyperbaton,
dem Satz Quintilians 9, 4, 93 suchen: clausula e longis firmissima est usw. in der das erste Wort nach dem Dreisilbenakzentgesetz betont ist, zu der
Denn am Versende erklärt sich brevis pro longa ex vacanti tempore, an den mit betontem Wortschluß des Typus Troiae qui primus ab oris: ein Problem,
Jacobsohnschen Stellen wahrscheinlich auch bei Plautus, schwerlich in der das noch nicht einmal gestellt, geschweige denn zu lösen versucht worden
Caesur bei Horaz, der die Synaphie des Verses kaum hat aufgeben wollen, ist. Indessen müssen natürlich auch ‘Postpositionen’ wie I 17, 5 tutum per
dann aber dafür sorgte, daß der Vers vor der Caesur sedebit, non subsistet, nemus oder 1, 37, 9 contaminato cum grege turpium mit dem Typus magna cum
wie es Quintilian ausdrückt. laude verglichen werden: Aufgaben, die hier nur angedeutet werden können.
128 alkäischer Elfsilbler alkäischer Neunsilbler

Was kommen sonst noch für Einschnitte vor? Nach der zweiten Silbe III 6, 5 dis te minorem quodgeris, imperas.
z. B. hinc omneprincipium4>, huc refer exitum:
I I 11, 22 Lyden? ebuma dic age cum lyra di multa neglecti dederunt
13,18 14,22 1112,26 6,38 21,6 29,26 54 IV 9,26 Hesperiae mala luctuosae.
116,6 10 27,14 22 29,6 41,6 34,10 22 111,14 18 22 38
nach der dritten Silbe: 3,14 18 5,14 18 7,1 10 14 13,22 38 14,14 17,610 26 19,2
I 9,18 morosa, nunc et campus et areae 22 20,14 22 III 1,6 26 46 2,14 18 22 30 3,2 6 10 54 62
26, 6 securus, o quae fontibus integris 4,2 26 34 38 46 50 54 5,30 34 38 54 6, 2 14 18 30 34 usw.
9.2 27,21 115,2 13,10 1111,1314 2,6 4,5 6 13 5,2
Die dritte Zeile ist einige Male ein Hypermeter:
6.2 26,6 IV 4, 66 14,5
II 3, 27 sors exitura et nos in aetemum
nach der vierten Silbe, mit folgendem Monosyllabon, mit oder ohne Ver­ exilium impositura cumbae. III 28, 35
nachlässigung der Caesur:
III 21,10 sermonibus, te neglegit horridus: Ebenso bemerkenswert sind Verse wie
29, 57 IV 4,37 73 14,33 41 45 I 35,11 regumque matres barbarorum et
vor der viertletzten Silbe: purpurei metuont tyrarmi,
I I 13,23 I I I 1,39 3,71 4, 59 6, 3 29,3 7
II 11,5 poscentis aevi pauca, fugit retro aber auch
III 5, 6 6, 26 29, 22 IV 4, 25 46 15,9 13 14 17
II 7,19 depone sub lauru mea nec
vor dem schließenden Kretiker parce cadis tibi destinatis.
I 9, 9 permitte divis cetera, qtd simul
16, 26 17, 2 26, 5 27,18 34,1 II 3, 25 11, 6 13, 30 Auch zwischen dem Bimembre liegt kein tieferer Einschnitt:
III 1, 34 5, 38 6, 5 IV 4, 22 9, 21 15, 22 I 9, 23 pignusque dereptum lacertis
vor der vorletzten Silbe aut digito male pertinaci.
16,3 17,7 27,7 119,7 11 13,39 14,11 20,7al.
III 1,25 desiderantem quod satis est neque
tumultuosum sollicitat mare Parallele Kola mit Anapher:
1, 38 3,13 22 4, 29 29,1 46 IV 4,18 14, 2 I 26, 7 gaudes, apricos necte flores,
Man kann diese Verse selbstverständlich auch unter den Gesichtspunkt necte meo Lamiae coronam,
des Enjambements stellen: hier interessiert, welche syntaktischen Ein­ 31,15 1113,27 19,7 1111,111519 23 3,39 55 4,27 IV 15,23
schnitte bei dem Übergreifen des Satzes über das Versende entstehen, Apposition:
Einschnitte von sehr verschiedenem Gewicht, alle ein belebendes Element
und ein Gegengewicht gegen die Eintönigkeit der Caesur nach der fünften II 3, 23 de gente sub divo moreris,
Silbe. victima nil miserantis Orci.
I I 14, 27 III 4,19 6, 31 29, 51 cf. 3, 63
Der alkäische Neunsilbler vor oder nach Participium:
III 1, 7 clari Giganteo triumpho,
Enjambement ist zwischen allen Zeilen der alkäischen Strophe häufig, cuncta supercilio moventis.
sogar zwischen den Strophen nicht selten, aber man hat doch den Eindruck, 111 4,39 5,11
daß es zwischen der dritten und vierten Zeile eine besondere Rolle spielt.
Zum Vergleich stelle ich Strophen voran, die nach der zweiten Zeile einen
klaren syntaktischen Einschnitt haben. 4>principjum: s. S. 61.
130 alkäischer Neunsilbler Gliederung
vor Nebensatz: Fast ebenso häufig ist der Einschnitt nach der dritten Silbe:
III 3, 31 iras et invisum nepotem, I 9, 15 adpone, nec dulcis amores / sperne
Troica quempeperit sacerdos, 31.7 15 19 34,7 35,15 37,11 111,27 31 5,3 11,23 13,27
3, 47 21, 23 29, 39 59 IV 14,19 19.7 20,11 111 1,23 31 2,3 4,23 43 55 59 63 67 5,11 17,15
26,11 29,31 47 59 IV 4,39 59 75 9,19 14,3 15 43 15,19
Vor Hauptsatz:
III 3, 7 si fractus inlabatur orbis, Von diesen Versen haben die meisten betonten Wortschluß in der dritten
inpavidumferient ruinae. IV 4, 35 Hebung, und dieser ist gerade auch in den Versen ohne jene beiden Ein­
es bleiben: schnitte außerordentlich häufig, so häufig, daß nicht alle Stellen angeführt
werden können. Und zwar besteht entweder zwischen dem vorletzten
II 1, 35 non decoloravere caedes? und dem letzten Wort enge syntaktische Beziehung, so wie oben I 9, 15
quae caret ora cruore nostro? und z. B.
II 17, 21 aedemque votivam memento:
nos humilemferiemus agnam. I 16,15 desectam et insani leonis / vim
16.23 17,7 11 27 9,23 29,15 31,19 34,7 37,3 7 15 11 1,7
Auch in diesen Versen gleitet Gedanke wie Rhythmus über das Ende der 15 23 27 39 3, 7 23 5, 3 9,3 7 11 11,7 15 19 al.
dritten hinüber zur vierten Zeile. Denn das ist offenbar die Funktion dieser
oder das vorletzte Wort steht in Sperrung zu einem Wort des nächsten
Zeile: sie bildet den Übergang vom steigenden Rhythmus der beiden ersten
Verses:
Zeilen zur Kaskade der letzten. Von allen horazischen Strophen ist diese
die glanzvollste. I 9, 7 deprome quadrimum Sabina,
Der Vers selbst ist entweder mit oder ohne Einschnitt gebaut, was o Thaliarche, merum diota.
wiederum mit dem Enjambement zusammenhängt. Einschnitt nach der 9,19 16,27 17,(3) 15 19 23 27,15 29,3 31,711 34,7 35,7
fünften Silbe: 15 23 31 35 39 37,19 31 II 3,11 19 5,11 19 7,3 7 15 9,15
19 11,11 23 13,35 15,3 7 al.
I 9, 11 deproeliantes, nec cupressi Bimembre:
16,3 711 19 26,3 27,11 31,3 34,3 35,3 19 37,23 11 1,11
3,15 27 5,715 7,11 13,311 14,711 15,19 17,71519 19,11 II 1,3 ludumque Fortunae gravisque
20,19 23 III 1,43 2,11 3,15 4,75 5,43 6,3547 17,3 29,43 principum amicitias et arma
IV 4,51 9,3547 14,23 19,3 11 13,15 19,3 20,15 III 1,15 2,23 3,67 4,15 5,19
23 23, 3 26,7 29,15 23 55 IV 4,4 43 67 14,11 15, 31
Auf die Caesur folgt meist ein Monosyllabon und ein dreisilbiges Wort;
vor oder nach Nebensatz oder Participium:
das Monosyllabon ist 17mal eine Verbindungspartikel, 4mal ein Relati­
vum, je 2mal non und iam, je einmal me te bac cur sic mox nunc in. So erklärt I 37, 26 tractare serpentes, ut atrum
sich ohne weiteres der zweite Teil der Lachmannschen Regel (Heinze 79): corpore conbiberet venenum.
gemieden sei Wortende nach der fünften Silbe außer vor einem Monosylla­ 11 11,3 15,15 17,11 1112,27 4,7 6,43 IV 4,19
bon. Im übrigen hat diese ‘Regel’ Ausnahmen (Heinze 80): Vokativ:
II 1,11 res ordinaris, grande munus II 17, 3 obire, Maecenas, mearum
14.11 enaviganda, sive reges (wieder eine Kopulativpartikel) grande decus columenque rerum. 20,7 29, 3
19.11 cantare rivos atque truncis natürliche Wortstellung
1 16, 3 I I 13, 27 19, 7 19 26,7 29,11 35,11
I 35, 27 diffugiunt cadis
Das sind 10 Verse gegen 33 mit einem Monosyllabon, allerdings bei deut­ cumfaece siccatis amici
lichem syntaktischen Einschnitt: von einer Regel kann nicht die Rede ferre iugum pariter dolosi.
sein. 115.23 14,27 1113,47
132 alkäischer Zehnsilbler Gliederung
Interpunktion: I 17,8 nec viridis metuunt colubras.
II 7, 23 unguenta de conchis, quis udo 27 19, 27 37.32 I I 14,12 III 5,52 17,16 IV 4,28 9,16 52 cf. III4,8
29.32
In II 7, 27 hat die Ausgabe Klingners einen Doppelpunkt; auch an den I 26, 8 necte meo Lamiae coronam.
beiden anderen Stellen wäre er vielleicht nicht unmöglich. 35.28 37,4 II 1,24 5,16 7,24 14,24 17,12 III 4,16 68
Eine Gesamtstatistik würde keinen Ertrag bringen. Ein viersilbiges 29.4 IV 4,40 9,32 cf. I 9,16 III 3,4 IV 14,24
Wort (I, 35, 11 II 3, 3 19, 19) am Versende oder ein Versschluß wie qui I 17, 24 proelia, nec metues protervum
ter amplum (II 14, 7 3,27 5, 7 III 29,43) ist ohne Interesse, alles übrige, 27.12 29,12 31,20 37,12 11 5,8 9,16 20 111 1,32 3,32
was man feststellen könnte, noch belangloser. 4,64 26,4 IV 15,8 cf. 1 16,24 II 11,4 IU 29,36 52
II 3, 8 interiore nota Falerni. IV 9, 8 cf. I 9, 8
I 26,12 teque tuasque decet sorores.
Der alkäische Zehnsilbler 1 16,12 Iuppiter ipse ruens tumultu. 35, 36 II 17, 8

Die Statistik bei Heinze 86 vereinfacht allzu sehr; sie ist auch nicht ganz ein zweisilbiges Wort
richtig. Dies ist der Grund, weshalb ich eine eigene folgen lasse. Auch sie II 20,16 ales Hyperboreosque campos. III 1,44 IV 4, 64
vereinfacht etwas, dadurch daß z. B. in usum am Versschluß den baccheischen I 16, 20 Penelopen vitreamque Circen.
Wörtern zugerechnet wird. Geordnet ist nach der Länge der Wörter am 17.12 28 27,16 29,4 35,16 32 11 3,28 5,24 11,20 13,4
Versende. 14.4 15,16 19,24 20,4 III 6, 36 21,8 29,16
ein sechssilbiges Wort dazwischen Monosyllaba: 1 16,16 I I 11,16 III4, 36 134,16
II 3,24 IV 4,4 I I I 1,12 28 I 34,4
III 1, 48 divitias operosiores. 6, 48 I 9, 20 composita repetantur hora.
16.28 17,20 27,4 29,16 35,40 II 3,4 20 9,24 11,8 13,36
ein viersilbiges Wort 14, 8 16 28 15,12 17,16 20 32 III 1, 4 2,16 20 3, 8 4,40
IV 4, 72 nominis Hasdrubale interempto, cf. 4, 52 III 3, 64 56 5,4 48 6, 32 17, 8 IV 4, 8 9, 20 24 36 48 14, 8 28 44 52;
III 6, 8 Hesperiae mala luctuosae. eine paeonische Wortfolge:
29, 8 IV 14,40 cf. I 37, 20 et adulta virgo III 2, 8 IV 4, 76
I 9, 24 aut digito male pertinaci II 13,12 valet ima 134,12 11 17,28 19,20 1112,32 3,12 4,48 76 5,20
III 3, 24 cum populo et duce fraudulento. 23, 8 29, 56 IV 4, 36 9, 44 14, 20
I 16,4 sive mari libet Hadriano. Iove et urbe III 5,12
II 7,16 20 III 26,12 29, 44 IV 15, 28 I 9, 12 nec veteres agitantur orni.
16,8 26,4 27,8 29,8 II 5,4 7,4 9,8 12 13,20 40 14,24
ein dreisilbiges Wort 17.32 20,8 12 III 1,20 24 36 2,28 3,20 40 56 4,4 24 28 60
III 5, 56 aut Lacedaemonium Tarentum. 6,20 24 29,60 IV 4,44 14,4 36 15,12 20 cf. HI 29,12 4,20
II 20, 24 mitte supervacuos honores. III 1, 8 IV 4, 20 cf. II 1, 4 I 17, 4 usque meis pluviosque ventos.
I 1, 9 flumina constiterint acuto 17,16 27,20 31,8 12 34,8 35,20 24 37,24 II 1,20 40 3,12
27,24 35,4 37,28 111,28 14,20 1114,32 44 52 5,40 6,12 16 5,20 7,12 11,24 13,16 15,420 17,4 19,8 12 28 32 20,20
28 23,12 IV 4,68 11,12 48 cf. I 37,8 16 I I 9,4 19,16 III 2,4 24 3,16 52 60 68 72 4,12 5,24 28 36 44 6,4 44
III 6,40 29,40 IV 4, 56 15,16 21.12 23, 4 16 20 29, 20 24 28 64 IV 4,16 48 60 9, 4
I 31, 4 Sardiniae segetesferacis I 31,16 me cichorea levesque malvae, anderer Versanfang:
35,8 12 11 1,8 12 16 32 5,12 7,8 24 11,12 13,24 15,8 hospitis; ille II 13, 8 quae caret ora II 1, 36
19,4 111 3,28 36 4,72 80 6,16 21,16 26,8 IV 4, 24 32 II 13, 32 densum umeris bibit aure volgus.
9,12 14,16 15, 32 cf. III 5, 8 16 1111,40 2,12 3,48 17,4 21,4 20 24 29,48 IV 9,40 15,24
134 alkäischer Zehnsflbkr
I I 13,28 durafugae mala, dura belli
III 1,16 3,44 5, 32 17,12 IV 4,12 9,28 14,32 15,4
Die letzten Stellen zeigen am deutlichsten, daß die Statistik der Wortschlüsse
noch keine zureichende Auskunft gibt über die rhythmische Gliederung6*.
Der rhythmische Fluß, zuerst eilend, dann retardierend, ist nicht oft durch VIII. SENECA
syntaktischen Einschnitt unterbrochen, am häufigsten noch nach dem
ersten Daktylus wie Die Diskussion der Autorschaft, vor allem natürlich der Octavia,
demnächst des Hercules Oetaeus, in letzter Linie des Agamemno, hat
I 35, 36 liquimus? unde manum iuventus 37,12 II 13, 8 17, 8 al.
zu einer minutiösen Beobachtung wie des Sprachgebrauchs so der
oder nach der zweiten Hebung wie Metrik Anlaß gegeben, über deren Ergebnisse hier nicht im einzelnen
I 34,12 concutitur, valet ima summis 37,20 I I 17, 28 III 5, 32 29,32 al. berichtet werden kann und berichtet zu werden braucht. Es muß
dafür auf die Spezialliteratur verwiesen werden, von der am wichtig­
Kaum an anderen Stellen: I I 13,28 IH 17,12 IV 9,28. sten sind:
Das Vorstehende will, dem Charakter dieses kleinen Buches ent­ Bernh. Schmidt, De emendendarum Senecae tragoediarum ratio­
sprechend, nur eine Anleitung zum Lesen horazischer Verse sein. nibus prosodiacis et metrids, Diss. Berlin 1860.
Da die anderen Versarten einfacher und daher von geringerem Max Hoche, Die Metra des Tragikers Seneca, Halle 1862
Interesse sind, schien es nicht notwendig, sie ebenfalls und mit Fr. Leo, Ausgabe vol. I 58-61. 98-146.
gleicher Ausführlichkeit zu behandeln. Ladislaus Strzelecki, De Senecae trimetro iambico quaestiones
selectae. Polska Akademia T. LXV nr. 5. Krakau 1938. Darin
*) Vgl. S. 19ff. 89. S. 107-109 ein Conspectus librorum laudatorum.
Derselbe zu der Einzelfrage der Cantica polymetra in einer Rezen­
sion von Remo Giomini, De Canticis polymetris in Agamemnone
et Oedipode Annaeanis, Rom 1959 (der vor allem Reiziana und
Hypodochmier findet): Gnomon 1960, 747-7501).

1* Gustav Przychocki, Eine Charakteristik der römischen Tragödie im


Zeitalter der Kaiserzeit, Bulletin international de FAcad6mie Polonaise des
Sciences et des Lettres, Classe de Philologie . . . 1931, 210-214 und: Die
metrische und lyrische Kunst in den Tragödien Senecas, ebenda 1932,
198f. sind leider nur kurze Berichte über Akademievorträge. Daraus nur
wenige Sätze der zweiten Abhandlung, 198: „So zeigt sich z. B., daß der
jambische Trimeter Senecas einige Merkmale aufweist, die, von dem Ge­
brauch der griechischen Tragiker stark abweichend, teils als Fortsetzung
der Verstechnik der alten römischen Tragödie, teils als Senecas Eigentüm­
lichkeit zu beurteilen sind. Ebenso scheint Senecas Gebrauch der Anapäste
(durchwegs Monometer, ohne Paroemiacus) viel Individuelles aufzuwei­
sen, es wäre denn, daß Seneca seine diesbezüglichen Muster schon bei den
Tragikern der Kaiserzeit gefunden hat. Seine daktylischen Tetrameter, die
vielleicht Alkmanische Technik aufweisen, stammen nicht von Horaz
. . . sondern vielmehr von den alten römischen Tragikern, wobei, als
136 Seneca: Trimeter Regeln 137

Ähnlich wie bei Plautus, wenn auch aus anderen Gründen, sind 255 regni vindices. 397 495 641 652 657 698 715; Monosyllabon:
die D ia lo g v e rse viel interessanter als die Cantica. Es sind T r i­ 265 haec quae caelites 406 1139 119712901323; Gruppe zweier Mono­
m ete r (ferner wenige, gleichgebaute trochaeische Tetrameter), nicht syllaba: 1246 per ius nominis 1252 1329; bemerkenswert Tro. 191
Senare, d. h. die geraden Senkungen sind rein. (Die ungeraden sind mä3nibu*s meis debitos: wohl Synizese.
öfter lang als kurz, die fünfte fast immer lang.) Für Monosyllabon + iambisches Wort gilt dieselbe Regel: Hf. 19
Caesuren: meist semiquinaria, saepe autem et haec et semisepte­ 344 358 381 428 (449 est) 813 al. fas sit loqui o. ä. 266 338 938 1243.
naria in eodem versu coniunctae reperiuntur: quarum utra gravior Ausnahmen: Med. 567 quidquid non potest Agam. 196.
sit, ex orationis contextu fere intellegitur (Schmidt 55). Syntaktischer me1moria nur 4mal: Hf. 408 Med. 266 268 Oed. 847.
Einschnitt nach einem auf die semiquinaria folgenden Monosyllabon nip'otibus o. ä. nur 6mal: Tro. 195 1080 Med. 512 709 Thy. 115 HO.
nur Phoen. 213. Wenn kein Wortschluß nach der zweiten Senkung, 804; nur in diesen Wörtern kurze 5. Senkung.
meist neben der semiseptenaria Wortschluß nach der zweiten Hebung: Etwa 76mal viersilbiges Wort mit langer erster Silbe wie HF. 92
Hf. 117 ab inferis reversus, hic possit mihi (ohne semiseptenaria nur cäligine. Nur 3mal davor Synaloephe: Med. 407 Oed. 823 Agam. 787.
Phoen. 403); viel seltener Phoen. 76 si moreris, antecedo: si vivis, sequor. Mehr-als-viersilbiges Wort 15mal: Hf. 246 Phoen. 133 165 Phaedr.
(Schmidt will hier nach ante Caesur annehmen.) 193 482 512 519. 1157 HO. 1642 Oct. 446 541 970.
Personenwechsel: 177mal nach der 3., 45mal nach der 4., 16mal In den Regeln über die Bildung des 5. Fußes sehen Schmidt und Leo
nach der 2. Senkung (Strzelecki 4), selten nach Hebungen. Doppelter eine Nachahmung des Porsonschen Gesetzes, aber weder die
Wechsel Med. 170 171 Thy. 257 HO. 438. Keine Synaloephe außer Regeln der plautinischen Metrik noch die des Hexameters noch auch
Agam. 794 Oct. 457, die aber auch über Interpunktion hinweg ge­ die des Horaz lassen sich auf griechische Vorbilder zurückführen.
mieden wird (Leo 58 f.). Andere Erklärungsversuche gibt es nicht. Man hat den Eindruck,
Am bemerkenswertesten ist die Bildung des Versschlusses: meist daß eine über das Bentley-Luchssche Gesetz weit hinausgehende
ein iambisches Wort (unter den 1042 Trimeter des Hf. 880mal: Neigung besteht, die beiden letzten Füße zu einer spondeisch- bzw.
Schmidt p. 36; mehr als 340mal geht ein spondeisches voran). Zwei anapaestisch-iambischen Einheit zusammenzufassen.
einsilbige Wörter selten, quid hic u. ä. Phoen. 234 495 Phaedr. 713, Betonung der prokeleusmatischen Wörter wie facilius: facilius bei
quis est u. ä. Tro. 42 56 475 al. HO. 7mal (Schmidt 39). ausus est u. ä. Seneca 44, bei Phaedrus 30mal, meist vor der semiquinaria, fdcilius
nur Hf. 1162 HO. 939 Med. 692. Synaloephe weder vor dem schlie­ bei Seneca 56, bei Phaedrus 114mal, meist nach der semiquinaria.
ßenden Monosyllabon (einige Male Aphaerese meast u. ä.) noch vor Strzelecki vermutet bei den Senaren des Phaedrus altlateinischen
dem iambischen Wort, das in Tro. nur 28mal von 795 vokalisch Einfluß.
anlautet. Aufgelöste Hebung (Tabellen2’ bei Hoche 14—16, freilich nach
Kretisches Wort: meist vokalisch anlautend und davor Synaloephe: Füßen, nicht nach Wörtern): Nicht facere; corpore nur am Vers-
Hf. 35 saeva impero, 91 ostendam inferos, seltener 219 placido intuens. anfang (Strzelecki: 3- oder 4mal in jedem Stück, scheint zu viel;
Selten ohne Synaloephe (wobei der Anlaut keine Rolle spielt): Liste bei Schmidt 43): Hf. 995 1163 Tro. 204 808 809 1101. Megara
fure2nti Ht. 1009: wahrscheinlich Megara, cf. Hf. 203. Tro. 607
quid a 1gis, Uli2xe? wäre bei Plautus unmöglich. Erste Kürze eine
Bindeglied, auch die Manier der römischen Tragiker der Kaiserzeit an­ Endsilbe nur HO. 981 et quidquid aliud restiti* t: ab illis tamen (sic A,
gesehen werden kann.“ Dies sind, wie man sieht, Gleichungen mit vielen
Unbekannten. Wichtig demgegenüber das Urteil Strzeleckis, des Schülers f cessit E) wäre bei Plautus unbedenklich; von Oed. 263 quidqui*d
von Przychocki, Gnomon 1960, 649: „als Prinzip des Aufbaus dieser egofugi gilt dasselbe.
Cantica bleibt also bestehen . . .: es sind Teile der in der römischen Dich­
tung (hauptsächlich: bei Horaz) vorkommenden Verse, die manchmal auf 2) Tabellen der Versfüße und der Elisionen (nur Häufigkeitszahlen)
Grund der adiectio, detractio usw. umgestaltet werden“. auch bei G. Richter, De Seneca tragoediarum auctore, Diss. Bonn 1862.
138 Seneca: Trimeter Seneca
Statistik nach Strzelecki 92 (vgl. Hoche 32f.: nach Zahl der Auflösungen Prosodie
je Vers): 1. Hebung: 773. 2.: 1119. 3.: 1217. 4.: 376. 5.: 4. Vor der He­
bung liegt, außer der ersten, meist Wortschluß. 5. Hebung: memoria, siehe Man findet bei B. Schmidt (nach ihm Hoche 2-9) folgende Erscheinun­
oben. gen besprochen (Korrekturen in Einzelheiten bei Edwin Flinck, De
4. Hebung: 22mal davor Synaloephe wie Hf. 228; einige Formen aus Octaviae praetextae auctore, Diss. Helsingfors 1919,86 ff.): consili: consilii =
natürlichen Gründen selten; »*» aperto3 Hf. 56 o. ä. 16mal.
18:11 (Lachmann Lucr. 326ff.). suppliciis 4mal (Lachmann ZI*)fl), periit-,
2. Hebung: 29mal miseria o. ä. Wegen der semiquinaria meist ana-
paestisches oder tribrachisches Wort oder Gruppe (fast immer mit est periit 104:5 nach Flinck (Lachmann 208ff.). deest Hf. 500; deerat Hf. 832.
oder sum); nicht hic homo o. ä. deinde, anteire dreisilbig Agam. 453. meis Tro. 191.proin, aber proinde Phoen.
3. Hebung: nur in etwa 1/6 der Fälle davor kurze Silbe; nur in 1/10 kein 458 al. (Lachmann 148). saxeo Thy. 233. quattuor HO. 1095. suapte Agam.
tribrachisches Wort: Danaides Hf. 757 o. ä. 52mal, sine metu Tro. 496 869 250. cui immer einsilbig, aber cui uxltima Agam. 146. semustus, semanimis
0. ä. 19mal; se3d animui s o. ä. nur Oed. 766 Thy. 415 640 (Agam. 795 Tro. 1085 Phaedr. 1102. conubia dreisilbig Phaedr. 232 Oed. 800, vier­
stellt Schmidt, nicht Leo um). Synaloephe vor der Hebung nur Oct. 564. silbig Tro. 901. ädice Med. 277 al. (Lachmann 188). Perf. 3. pers. plur.
1. Hebung: davor kurze Senkung, quid axgimus o. ä. Tro. 22 234: -ere: -erunt — 79:10, in der Octavia 4:4 (Flinck).
19mal; peraxgite Tro. 680 1178 o. ä.: 12mal; bene a1nimus Phoen. 115 Hiat unsicher Oct. 516 HO. 1201. Synaloephe am häufigsten vor der
Agam. 1009 Thy. 192; quid dgis Tro. 607. Sonst immer mit langer Silbe 1. und 5. Hebung, si aeterna Hf. 362 u. ä. 13mal. Langer Vokal vor kurzem,
in der ersten Senkung, sämtliche möglichen Formen in verschiedener vor der Hebung Med. 471 Phaedr. 147 Oed. 288 Agam. 918 HO. 716
Häufigkeit. Tro. 341; vor der Senkung Hf. 606 613 764 Tro. 306 320 al., aber doch
Prokeleusmatiker 19, außer Thy. 1052 uxbi facta3s scelus (sicher nicht selten; Monosyllaba Med. 916 Phoen. 6 207 413; (Lachmann 158ff.).
facjas: Lachmann Lucr. p. 130), nur steigend, nur am Versanfang, Iambische Wörter vor betonter Silbe: Med. 150 Tro. 973 Hf. 489 Med. 128
meist ego video Phoen. 44, je einmal vide ut animus Tro. 945, patefacite (gemieden nach Lachmann 196ff.: zweifelhaft; noch zweifelhafter ana-
Phaedr. 1275 (Hoche 24f.). paestische Wörter: Madvig). In lyrischen Partien außer -e und -m ganz
selten: HO. 1956 1887 Oed. 740 Agam. 684 Oed. 886 737 al.
Aufgelöste Senkung: Quantität von Endsilben: -o in Hebung lang, in Senkung kurz (Schmidt
Statistik nach Strzelecki S. 93, 1. Senkung: 1312; 3. Senkung: 34; 30), vincendi u. ä. Tro. 264 HO. 1862 Oed. 942. -a in griech. Eigennamen
5. Senkung: 1895. Keine zerrissenen Anapaeste, meist Senkung und kurz außer Megarä Hf. 203 1009. sanguis, aber -is Med. 775. Oedipüs Phoen.
folgende Hebung in einem Wort. 313. hic und boc nom. sing, immer lang (cf. Phoen. 551).
3. Senkung: Tro. 307 quam si negas retinesque, ähnlich 494 516 631 904 Positionslänge von muta cum liquida: im allgemeinen in der Hebung,
942 1148 1172 al.; Gruppe nur Oct. 447 satis esse; Synaloephe weder nicht in der Senkung: pa2Irem Hf. 305, patri3 51; hy2dra Hf. 222, hydrae•
davor noch danach außer Med. 912 secuisse et. HO. 914; volu2eri Hf. 750 756; aber probro5 Hf. 17. patrio3s Phoen. 267:
5. Senkung: pyrrhichisches Wort wie caret Hercule nur HO. 406 757 diese dreisilbigen Wörter immer mit kurzer erster Silbe. - Wortfugen­
1847 Oct. 393; vetus est malum Tro. 43: 9mal. nescioquid Hf. 1147 ist ‘ein position: nur Hf. 950fri3gida4 spatio refert und Phaedr. 1026 undique scopuli
Wort’: 5mal. Sonst alle möglichen Formen in verschiedener Häufigkeit. adstrepunt; sonst vermieden (cf. Oed. 419).
1. Senkung: keine der möglichen Formen ist gemieden.
nicht allein, so doch in erster Linie interessanten Hyperbata innerhalb eines
Unvollständiger Vers oder einzelne Worte außerhalb des Verses: einzigen Verses. Am Anfang des Sperrungskapitels heißt es: „Das häufigste
Tro. 1103 Phaedr. 606 Thy. 100 (del. Leo). und beliebteste Mittel zur Hervorhebung und Betonung gewisser Stellen
im Satz ist die Sperrung von zusammengehörigen Wörtern durch ein oder
Trochaeische katalektische Tetrameter Med. 740-751 Phaedr.
mehrere dazwischentretende andere Satzglieder. Auf diese Weise wird die
1201-1212. Oed. 223-232®». Spannung gesteigert,“ usw. Die Arbeit verfolgt also stilistische Ziele. Ich
3» Brigitte Seidler, Studien zur Wortstellung in den Tragödien Senecas, halte Hervorhebung und Betonung (durch Hyperbaton) für unrichtig (z. B.
Diss. Wien 1955/56 behandelt Enjambement, Sperrung und Inversion, in Troiae qui primus ab oris), ‘Spannung’ aber, die unzweifelhaft entsteht,
und zwar unter Sperrung nur Fernsperrungen, nicht die metrisch wenn müßte genau definiert werden.
140 Seneca Cantica polymetra 141
Cantica solitos numerorum ordines variarit. Die Theorie z. B. bei Caesius
Bassus GL VI 271, 2 tantum me tamen hoc libro consecutum, ut quodcum-
Conspectus metrorum Hoche 37. 55-59. Anapaeste: Dimeter, que metrum novum aliquis se invenisse iudicarit, ad haec quae enumeravi
dazwischen Monometer, keine paroemiaci. Schemata (nach Füßen) utique referatur, cum omnia metra varientur aut adiectione aut detractione
Hoche S. 40f. Die Abgrenzung der Zeilen wird von Leo 99ff. ein­ aut concinnatione aut permutatione. Mar. Viet. lib. III und IV passim.
gehend diskutiert. Hiat: Hf. [162] 1109 Med. 306 342 Phaedr. 342 Die Analyse muß bei Leo nachgelesen werden.
Oed. 178 Agam. 68 Thy. 849 9484); syllaba anceps: Hf. 170 Tro. 724 Die Metrik der Cantica Senecas ist also teils imitatio bekannter
Phaedr. 30 43 327? Agam. 85 Thy. 832 6>; beides: Agam. 79 646 652 Formen, teils, in den Polymetra, ein Zusammensetzspiel mit will­
Oct. 936. Nach jeder Dipodie Wortschluß. Die zweite Hebung auf­ kürlich herausgeschnittenen Teilen dieser Versformen. Sie sind
gelöst nur Oct. 779 (korrigiert). Fallender Prokeleusmatiker sehr unlebendig, papieren, und daher ohne Interesse. Und was von
selten: Oct. 646 parcite lacrimis-, Hf. 1064 solvite superi A edd., solvite Seneca gilt, gilt für alle Folgezeit bis zum Beginn eines akzentuie­
o E. HO. 186 1883 196 E Oct. 904. renden Versbaus um 400.
Daktylische akatalektische Tetrameter.
Oed. 449ff. HO. 1944ff. Phaedr. 761-763. Am Ende immer Dakty­
lus, sonst viele Spondeen: HO. 1946 1949. Sicher nicht Systeme,
denn sonst würde einige Male Position entstehen, z. B. Oed. 454/55
oi bstrepit; vi1vace2s; Hiate Oed. 451 456.
Asklepiadeen. e^ffugium e2t Agam. 591, rein spondeisch Tro. 401.
Glyconeen. Hiat oder syllaba anceps z. B. Med. 76 79 84. Meist
spondeischer Anfang, trochaeischer Oed. 882 ff., pyrrhichisch Oed.
904 907? In diesem Lied häufig mittlere Senkung eine Länge.
Pherecrateus als Klausel HO. 1060; cf. Phaedr. 1131.
Sapphische Elfsilbler.
Med. 579ff. z. B. zuerst sapphische Strophen, dann ein Adonius
nach je 8, zuletzt nach 17 Zeilen. Hf. 830ff. ohne Adonius. Zwei
zweisilbige Senkungen Med. 636 sumere innumeras solitum figuras.
Tro. 836 1051 (A) Phaedr. 286 288 Oed. 413 477 Agam. 832. Ohne
zweisilbige Senkung Tro. 824 852 853 Phaedr. 287.
Cantica polymetra Agam. 589-636 808-866. Oed. 403-508 709-763.
L. Müller 126-137. Hoche 59-88. Leo 119 u. f.: sunt autem (versus)
praeter quosdam trochaici et dactylici generis versiculos omnes ex
metris Horatio usitatis derivati, ut versus aut integri aut dimidiati
aut inversis colis ponantur. 132: metris Horatianis, eis scilicet quibus
in reliquis quoque tragoediis (Leo de Agamemnone loquitur) usus
est, Seneca se continuit; ita tamen ut aut adiciendis aut detrahendis
syllabis pedibusve, segregandis aut invertendis longiorum particulis

4> nach Hoche S. 44: 70mal, davon Oct. 24.


51 nach Hoche S. 44: 74mal, davon Oct. 29.
toto in ambitu verborum 143

wie viel schwerer für uns, ihn zu erkennen, da man doch bemüht war,
ne animadverteretur, ut lateret. Es ist eine Aufgabe, die nur in engen
Grenzen lösbar sein kann.
Daß wir in der Rede manchmal per imprudentiam Verse sprechen
IX. DER PROSARHYTHMUS1» (orat. 189), ist ein Beweis für die grundsätzliche Gleichartigkeit von
Prosarhythmus und Rhythmus des Verses. Am wichtigsten ist in die­
Die allgemeinsten Anweisungen lauten folgendermaßen: Aristo­ ser Hinsicht Dionys. Hai. de comp. verb. 199ff., der einige Demosthe­
teles Rhet. 3, 8 p. 1408b 22: Die Prosarede soll weder metrische Form nes-Stellen rhythmisch analysiert: der Anfang der Rede gegen Aristo-
haben (Cic. orat. 172 Aristoteles versum in oratione vetat esse, numerum krates z. B. sei ein anapaestischer Tetrameter mit fehlendem letzten
iubet) noch unrhythmisch sein. Die Z ahl als Formprinzip der Rede, Fuß, den er exempli gratia ergänzt, um den Vers zu vervollständigen.
das ist der Rhythmus; aber Rhythmus nicht genau, sondern bis Daraus folgt, daß wir rhythmische Prosa nur dann richtig verstehen,
zu einem gew issen G rad e (pi^P1 tou). Cicero de orat. 3, 184 wenn wir überall rhythmische Sequenzen entdecken, keine Verse,
Theophrastus putat orationem, quae quidem sit polita atque facta quodam aber versähnliche Gebilde, die ad numeros proxime accedunt.
modo, non astricte, sed rem issius numerosam esse oportere, orat. 180. 187 Cic. orat. 199 solet autem quaeri totone in am bitu verborum
extr. 188 extr. pedibus ordine locatis quod efficitur numerosum sit (= Periode) numeri tenendi sint an in primis partibus atque in extremis;
necesse est. 195 ego autem sentio (im Gegensatz zu denen, die bestimmte plerique enim censent cadere tantum numerose oportere terminarique senten­
Versfüße empfehlen) omnis in oratione esse quasi p erm ixto s et con­ tiam. est autem, ut id maxime deceat, non ut solum; ponendus est enim ille
fusos pedes eqs. 198 omnis nec claudicans neque quasifluctuans, sed aequaliter ambitus, non abiciendus. qua re cum aures extremum semper exspectent in
constanterque ingrediens numerosa habetur oratio. eoque acquiescant, id vacare numero non oportet, sed ad hunc exitum iam a
Aristoteles Rhet. 3, 2 p. 1404b 18 (er behandelt die Angemessen­ principio ferri debet verborum illa comprehensio et tota a capite ita fluere,
heit : nicht zu niedrig, nicht zu hoch im Stil): Man muß seine Mittel ut ad extremum veniens ipsa consistat. 203; aus de orat. 3,191 f.: clausulas
v e rb o rg e n halten und darf nicht den Anschein des Gemachten autem diligentius etiam servandas esse arbitror quam superiora, quod in eis
erwecken, sondern der Natürlichkeit usw. Cic. orat. 197 sic (durch maxime perfectio atque absolutio iudicatur. Es ist das Verdienst von
Mischen der Versfüße) minime animadvertitur delectationis aucupium et Walter Schmid2», nachdrücklich an diese Sätze erinnert zu haben,
quadrandae orationis industria; quae la teb it eo magis, si et verborum et daran, daß der ganze Satz rhythmisiert war und daß conclusio den
sententiarum ponderibus utemur. nam qui audiunt haec duo animadvertunt et organischen Abschluß des Ganzen bedeutet. Der tiefere Grund war
iucunda sibi censent, verba dico et sententias, eaque dum animis attentis der antiken Theorie nicht bewußt: daß die Aussage, das Urteil selbst
admirantes excipiunt, fugit eos et praetervolat numerus; qui tamen si abesset, eine conclusio ist: der Zusammenschluß der einzelnen syntaktischen
ipsa illa delectarent minus. 198 quo etiam difficilius est (weil Prosarhythmus Glieder, aus denen sich der Satz aufbaut, zur Sinneinheit. Für sie
nur ad numeros proxime accedit) oratione uti quam versibus, quod in illis war conclusio eine rein rhythmische Erscheinung, wofür aus der Fülle
certa quaedam et definita lex est, quam sequi sit necesse; in dicendo autem der Zeugnisse nur zwei angeführt seien, Aristoteles Rhet. 3, 8 p. 1409 a
nihil est propositum, nisi ut ne immoderata aut angusta aut dissoluta aut 20 (gleich Cic. de orat. 3,173. orat. 228): Das Ende (für das er eine
fluens sit oratio. Wichtig auch die Schrift rapi (tyou? 41. - Wenn die lange Silbe verlangt) muß deutlich sein, nicht durch den Schreiber,
Handhabung des Prosarhythmus schon für den Redner schwer ist, nicht durch die Interpunktion, sondern durch den Rhythmus. Cic.
orat. 168 quod (den Rhythmus) qui non sentiunt, quas auris habeant aut
quid in eis hominis simile sit nescio, meae quidem et perfecto completoque
11 Wenn dieses Kapitel z. T. den Charakter einer Untersuchung hat, so
deshalb, weil ihm erstens eine umfangreichere, ungedruckte Abhandlung
zugrunde liegt, weil zweitens neue Wege beschritten worden sind und 2) Über die klassische Theorie und Praxis des antiken Prosarhythmus.
beschritten werden mußten. Hermes Einzelschriften H. 12, 1959.
144 clausulae: Länge omnespedes quasi permixti et confusi 145

verborum ambitu gaudent et curta sentiunt nec amant redundantia. Vgl. noch wäre, ohne Intervall gesprochen, ein Senar; omnino melius caderet
170 173 178 al. Für conclusio brauchen Cicero und Quintilian auch ‘prodeant ipsi', womit Cicero die kretisch-trochaeische Klausel als
clausula, allerdings wohl in konkreterer Bedeutung; vor allem ist solche bezeugt. 223 ‘cur clandestinis consiliis nos oppugnant? cur de perfugis
der stehende Ausdruck cadere, z. B. orat. 229: Cicero warnt vor nostris copias comparant contra nos?’: die Bemerkung comprehensio in
auffälligem Umstellen der Worte zu dem Zweck, quo melius aut cadat spondios cadit bezieht sich vielleicht, paßt jedenfalls auf beide r»r-Sätze,
aut volvatur oratio, was wohl als ucrrepov 7rp<$Tepov zu verstehen ist: d. h. erstens auf nos oppugnant, zweitens auf -rant contra nos; so in der
der Fluß des Satzes neigt sich von einer bestimmten Stelle an und Tat Quintilian 101, der nur das zweite Kolon bespricht: duo spondei
fällt wie eine Kaskade herab: wir sprechen von Kadenz. Es ist die non fere se iungi patiuntur (d. h .: gemieden die Folge zweier spond.
entscheidende Frage, wo diese Kadenz anfangt. Gcero und Quintilian Wörter), quae in versu quoque notabilis (nobis codd.) clausula est, ni cum
geben ihre u n g e fä h re L änge an, de orat. 3, 193 duo autem aut id fieri potest ex tribus quasi membris; ‘cur . . . . contra nos?’ una syllaba,
tres fere sunt extremi servandi et notandi pedes, si modo non breviora et duabus, una (d. h. -rant contra nos). Sehr merkwürdig, wie er einerseits
praecisa erunt superiora, orat. 216 sed hos cum in clausulis pedes nomino, non die Wortgrenzen beachtet, andererseits, um den Dispondeus zu
loquor de uno pede extremo: adiungo, quod minimum sit, proximum superio­ gewinnen, rücksichtslos compajrant zerschneidet, genau wie die mo­
rem, saepe etiam tertium. Quint, inst. 9, 4, 94f.3) nec solum refert, quis derne Klauselforschung, die sich durch diese Quintilian-Stelle be­
clauda(t pes, sed et claude)ntem quis antecedat, retrorsum autem neque plus stätigt fühlen könnte. Wir setzen kühn eine andere Analyse dagegen
tribus, iique si non ternas syllabas habebunt, repetendi erunt (absit tamen (die Begründung findet man S. 146) cur de perfugis nostris / copias / com­
poetica observatio), neque minus duobus: alioqui pes erit, non numerus, eqs. parant contra nos4): nach der ersten kretisch-trochaeisch ausgehenden
Tatsächlich beschränken sich die Analysen, die sie uns geben, ganz Gruppe das was Zielinski die kretische Basis genannt hat, dann ein
auf Klauseln, deren Länge diesen Angaben entspricht. Es war daher Tritrochaeus. So viel oder so wenig ist den Analysen einzelner Sätze
nicht nur verständlich, sondern berechtigt, daß man sich zunächst zu entnehmen.
den Klauseln zuwandte; es war nicht berechtigt, daß man sich auf sie Die Angaben über die Formen der conclusio, orat. 212 ff., Quintilian
beschränkte, noch weniger, daß man sie wie mit der Schere vom 95 ff., sind deshalb für uns so verwirrend, weil sie unter dem seit
Satzganzen abschnitt, wozu Cicero und Quintilian allerdings ver­ Aristoteles geltenden Gesichtspunkt stehen, qui maxime cadant in
leiten konnten. orationem aptam numeri (orat. 191). Merkwürdig, daß sie sich ihm
Was ist ihren Analysen zu entnehmen? Diese beziehen sich zum unterwerfen, denn beide üben Kritik, Cic. 195 ego autem sentio omnis
weit überwiegenden Teil auf die Kolometrie des Satzes, auf seine in oratione esse quasi permixtos et confusos pedes, eqs. Entschiedener
Einteilung in membra und incisa (aus der wir unsererseits gewisse Quintilian 87 miror autem in hac opinione doctissimos homines fuisse, ut
Folgerungen ziehen können); die Zahl der rhythmischen Erklärungen alios pedes ita eligerent aliosque damnarent, quasi ullus esset, quem non sit
ist nicht allzu groß. orat. 214 wird persolutas als Ditrochaeus angeführt necesse in oratione deprendi. eqs. Noch wichtiger ist die Stelle, mit der
(der bei Cicero und Quintilian dichoreus heißt), ebenso comprobavit in er den Abschnitt über die Formen der conclusio abschließt, 112 ff.
dem berühmten Satz des C. Carbo, der stürmischen Beifall entfesselte. (vgl. S. 69A. 78): totus vero hic locus non ideo tractatur a nobis, ut oratio, quae
219 innocentiae leve praesidium est wird von Quintilian 109 als ein ferre^ debet ac fluere, dimetiendis pedibus acperpendendis syllabis consenescat:
Pentameterschluß (übrigens ist es ein schlechter) gerügt: wir würden nam id cum miseri tum in minimis occupati est. . . . quasi vero fecerint (sibi
unbedenklich seine Autorität in den Wind schlagen und einen Dispon- numeros, non hi) sint in compositione deprensi, sicut poema nemo dubitaverit
deus mit aufgelöster erster Hebung lesen (so Walter Schmid 57). 222
4| Nicht comparant j contra nos: contra nur altlat., und contra nos (so zu
zu dem Satz des Crassus missos faciant patronos; ipsi prodeant-, dies
iktieren) ist als Klausel zu kurz. Übrigens beachte man, daß Quintilian
contra nos als zwei Wörter rechnet: (una syllaba), duabus, una, nicht als ‘Ein
3> Da aus Quintilian fast nur dieses Kapitel zitiert wird, werden weiter­ Wort’.
hin nur noch die Paragraphen angegeben. 4a>ferri PW2 Edd.
146 Abgrenzung der conclusis Ditrochaeus. Creticus -(- Trochaeus 147

spiritu quodam initio fusum et aurium mensura et similiter decurrentium bedürfen ihrer um so mehr, weil die Erklärungen von jenen oft
spatiorum observatione esse generatum, m ox in eo pedes repertos. . . . bedenklich, meist ungenügend sind. Wir werden sogleich sehen,
neque vero tam sunt intuendi pedes quam universa comprensio, daß sie mehr Formen des Satzschlusses bezeugen, als die moderne
ut versum facientes totum illum decursum, non sex vel quinque partes (der Klauselforschung annimmt und zuläßt. Die Zahl ist etwa doppelt
Pentameter), ex quibus constat versus, adspiciunt: ante enim carmen ortum so groß, trotzdem: bleibt nicht der Eindruck einer nicht ge­
est quam observatio carminis. . . . ergo quem in poemate locum habet versifica­ ringen Eintönigkeit? Die Gegenfrage lautet: wieviel Füße können
tio, eam in oratione compositio, optime autem de illa iudicant aures, quae überhaupt durch die Abfolge langer und kurzer Silben am Satz­
plena sentiunt et parum expleta desiderant eqs. Diese Sätze müßten als ende gebildet werden? Aber sehen wir zu, was Cicero und Quintilian
Motto vor jeder Arbeit über Metrik stehen. Es ist freilich unvermeid­ bezeugen.
lich, zur Beschreibung der Phaenomene die Namen der Versfüße zu Mit Namen nennen Cicero und Quintilian nur den D itro c h a eu s
gebrauchen, und das haben ja auch Aristoteles, Cicero und Quintilian (bzw. dichoreus), orat. 212-215, Quint. 96 extr. 103; die Beispiele
getan. Hierin liegt nun aber keine geringe Schwierigkeit - nicht wurden oben besprochen. Der D is p o n d e u sis t ihm, wie wohl all­
dieselbe wie oben S. 70: ist die Silbenfolge w— w- ein Dochmier gemein anerkannt wird, rhythmisch gleichwertig, eine Tatsache von
oder ein katalektischer baccheischer Dimeter? Denn beim Prosa­ nicht geringer Bedeutung: auch im Senar sind die Senkungen frei,
rhythmus dürfte es kaum etwas dem Unterschied der Rhythmen­ orat. 216 ne spondeus quidemfunditus est repudiandus, etsi, quod est e longis
geschlechter Vergleichbares geben, trotz des Satzes von Cicero orat. duobus, hebetior videtur et tardior; eqs. Quint. 101 duo spondei eqs. wurde
57 est autem etiam in dicendo quidam cantus obscurior, trotz der Tatsache, oben besprochen, auf 102f.: palimbaccheus davor ein molossus,
daß sich C. Gracchus von einem <pc&va<jxo? „die jeweils zu wählende kommen wir unten zurück. Ein Ditrochaeus mit zwei Auflösungen
Stimmhöhe und Stimmlage (vam; - und unvermeidlich auch den wäre mea facilitas 110f., aber Quintilian stellt unbegreiflicherweise
Rhythmus) angeben ließ“ (Ed. Norden, Kunstprosa 56f.). Die nostra facilitas unmittelbar daneben.
Schwierigkeit liegt erstens in der Kolometrie des Satzes, die zu C reticu s -f- T ro c h a e u s, eine Form die ab uno Bruto minus
erkennen erste Voraussetzung ist - aber wer würde von selbst darauf probatur (Quint. 63), ist belegt durch orat. 222prodeant ipsi, dazu ohne
kommen, jenen Satz der Cluentiana so zu gliedern wie Quintilian 68? Analyse 225 extr. essefacturos und 232 e Syria Aegyptoque vicerunt, mit
Angenommen, diese Bedingung sei erfüllt, dann stehen wir vor einer anderen Wortgrenzen. Hierüber eine sehr wichtige Bemerkung
zweiten Aporie; machen wir es an dem auf der vorigen Seite bespro­ Quint. 97 f. non nihil est, quod supra dixi, multum referre, unone verbo
chenen Satz des Crassus klar. Von Cicero erfahren wir nur den spon- sint duo pedes comprehensi an uterque liber, sic enim fit forte ''criminis causa’,
deischen Schluß; vorher sicher ein Kretiker copias, dann ein kretisches molle ‘archipeiratae’, {mollius, si tribrachys [spondeum] praecedat, ‘facili­
Wort comparant und eine molossische Gruppe. Aber Quintilian findet tates, temeritates’: unter dem Gesichtspunkt ‘ein Wort’ wird also un­
nicht nur einen, sondern zwei Spondeen, also -rant contra nos. Wenn bekümmert ganz Andersartiges angeknüpft; aber es lohnt weiter­
wir den Anfang des zerschnittenen Wortes hinzunehmen, haben wir zulesen, über das ipsa divisione verborum eintretende latens tempus).
einen Tri trochaeus compardnt contrd nos, also nicht, woran man denken Sehr wichtig ist uterque liber: jeder Fuß selbständig, denn dies trifft
könnte (aber es dürfte sicher sein, daß die Worte ‘unter einen Akzent auf essefacturos und Aegyptoque vicerunt nicht zu. Es trifft auch nicht zu
treten’), contra nos. Wir geben also den Worten eine rhythmische auf esse pro nobis 100, dazu Quintilian: apparet molosson quoque clausulae
Deutung, noch mehr: wir iktieren, und wie sollte sonst Ordnung in convenire, dum habeat ex quocumque (!) pede ante se brevem. Ganz anders
die verwirrende Abfolge langer und kurzer Silben .kommen?, und wieder wird 106 analysiert: trochaeus (i. e. Tribrachys)praecedente longa
Rhythmus ist Ordnung. Wir müssen uns über das Wagnis dieser fit paean (der sog. erste Paeon), quale est ‘si potero’ et ‘dixit hoc Cicero’,
Deutung im klaren sein, aber Cicero und Quintilian sind ebenso ver­ ‘obstat invidia’. Noch merkwürdiger 101: noch schlechter ist es, wenn
fahren. Eine Bestätigung ist nur durch Vergleich mit anderen ähnlich dem Spondeus ein erster Paeon vorangeht ut ‘Brute dubitavi’; dagegen
rhythmisierten Sätzen und Satzschlüssen zu gewinnen, und wir heißt es 104: accipiet ante se choreus (i. e. Trochaeus) et pyrrhichium:
148 Dicreticus. Hypodochmius Dochmius. Baccheus. Antispast 149
. . . 'dignitate superabat'. Unverständlich 73: ‘esse videatur', 'tarn nimis cretico (man bemerke die doppelte Erklärung), stabilis in clausulis et
frequens, octonarium inchoat56). Man kann sich nicht leicht eine größere severus; und 99 erweitert er ‘armis fu i' zu ‘in armis fu i': sic enim fiet
Verwirrung denken. ultimus dochmius.
Auch der D o p p e lk re tik e r wird von Cicero nicht ausdrücklich Ebenso wichtig ist der B accheus, Quintilian 102: bacchius et
genannt, sondern nur der einfache zusammen mit dem Paeon, 215, claudit et sibi iungitur: ‘venenum timemus', vel choreum et spondeum ante
218, de orat. 3, 183. Ein Beispiel ohne Analyse 213 extr. esse rem (se) amat: ut venenum timeres'. Ps. Asconius p. 108, 4 Or. zu div. in
publicam. Ergiebiger ist Quintilian, 104: eludet et dactylus, nisi eum Caecil. 23 'cuius ego causa laboro': inepti sunt homines, qui hanc clausulam
observatio ultimae creticum facit: ‘muliercula nixus in litore'. habebit ante notant ut malam, cum sit ex spondeo et baccheo de industria durior ad expri­
se bene creticum eqs. 107 creticus et initiis optimus . . . et clausulis: ‘in mendam sententiam posita more Ciceronis6>. Es ist sehr bemerkenswert,
conspectu populi Romani vomere postridie', apparet vero, quam bene eum daß für Quintilian die Erweiterung durch ut kein Anlaß ist, an der
praecedant vel ocvdcTtaiCTTOi; vel ille, qui videtur fini aptior, paean (beide Er­ Erklärung von timeres als Baccheus etwas zu ändern. Die communis
klärungen sind auf dieses Beispiel anwendbar: -merepos- oder vomere opinio nämlich (W. Kroll zu orat. 218) faßt dies als Kretiker +
pos-). sed et se ipse sequitur: ‘servare qmm plurimos'. Ob der Fuß 'liber' Ditrochaeus. Aber zwischen Kretikern und Baccheen besteht ein
ist, wird, wie man sieht, nicht erwogen. fundamentaler rhythmischer Unterschied, wie man sich leicht an
Quintilian fährt in 107 fort: sic melius qmm choreo praecedente ‘quis einem Vergleich von Plaut. Cure. 147ff. und Men. 753ff. (dies die
non turpe duceret?' (auf die Erörterung der Quantität der Endsilben charakteristischsten Beispiele) klarmachen kann.
von turpe und duceret kann hier nicht eingegangen werden, sei aber Quintilian fährt 102 fort: contrarius quoque qui est (baccheo, also der
besonders hingewiesen). Das ist die h y p o d o ch m isch e K lau sel, P a lim b acch eu s), cludet, nisi si ultimam syllabam longam esse volumus,
die auch 104 genannt wird: habebit ante se (dactylus) .. -. spondeum male, optimeque habebit ante se molosson: ‘civis Romanus sum', aut bacchium:
peius choreum. Die Ablehnung ist hier also noch schärfer. 'quod hic potest, nos possemus', sed verius erit claudere choreum praece­
Dies sind die vier allgemein anerkannten Klauseln; aber es sind kei­ dente spondeo, nam hic potius est numerus: ‘nos possemus' et ‘Romanus
neswegs die einzigen, die erwähnt werden. Über die clau su la h e ro ­ sum'. Eine äußerst wichtige Selbstkorrektur: er nahm offenbar
ica sind die Äußerungen widerspruchsvoll, orat. 217 (ne) dactylus Anstoß an einer Erklärung, die sich um Wortgrenze und Inter­
(quidem), qui est e longa et duabus brevibus, si est proximus a postremo, punktion überhaupt nicht kümmerte. Wir haben Stellen kennen­
parum volubiliter pervenit ad extremum, si est extremus choreus aut spondeus. gelernt, durch die sich die moderne Klauselforschung bestätigt
Übrigens verwehrt uns Cicero durch volubiliter, den daktylischen Wort­ fühlen konnte: hier haben wir ein Gegenargument, das deshalb so
schluß als Kretiker mit syllaba anceps zu lesen. Aber bei Quintilian viel bedeutet, weil sich Quintilian zu dem Schematismus der herr­
heißt es 102: ne dactylus quidem spondeo bene praeponitur, quia finem versus schenden Theorie, die nur von Versfüßen wußte, in Widerspruch setzt.
damnamus in fine orationis - und dies ist an sich auch durchaus die Was wird sonst noch genannt? orat. 217 ne iambus quidem, qui est
Meinung Ciceros. e brevi et longa, . . . si est proximus a postremo, parum volubiliter (dies
Ausdrücklich erwähnt und mit Namen genannt wird der D o c h ­ bezieht sich zunächst auf dactylus) pervenit ad extremum, si est extremus
m ius, orat. 218 dochmius autem e quinque syllabis, brevi, duabus longis, choreus aut spondeus. Quint. 99 iambus quoque, qui est utroque (anapaesto
brevi, longa, ut est hoc: ‘amicos tenes' quovis loco aptus est, dum semel pona­ et cretico) syllaba minor, (potest praeponi spondeo); praecedet enim tres
tur; iteratus aut continuatus numerum apertum et nimis insignem facit. longas brevis. Das ist ein A n tisp a s t: haben Cicero und Quintilian ihn
Quintilian 97 est et dochmius, qui fit ex bacchio et iambo vel iambo et für eine legitime Klausel gehalten? W. Kroll zur Cicero-Stelle: der
Schluß w— w „ist unvollständig: es verbirgt sich dahinter - u - / - u “ .
5> Spalding z. St. denkt an einen troch. Octonar, man vergleiche aber
z. B. den Senaranfang Rud. 166 neque guberndtor. Warum überhaupt ein 6) Hierzu Ed. Norden 929 A. 2: „was Cicero, der rhythmisch sprach,
Langvers? gar nicht verstanden hätte“ - was ich wiederum nicht verstehe.
150 seltene Formen. Beginn der cadere Kolometrie und Wortstellung 151

Hat er recht? - Quintilian 99 sed (et) spondeus iambo recte praeponitur: das lange Listen von Wörtern und Formen bietet (zuletzt -que und
[in] ‘arm is fu i'. Das wäre der Bentley-Luchssche Schluß des Senats. atque). Zum Beispiel werden Wörter wie Antonius, oratio oder wie
101 ist lückenhaft. - 105 eludit et amphibrachjs: ‘Q. Ligarium in Africa sempiternus mit Vorliebe an das Ende des Satzes oder Kolons gestellt.
fuisse', si non eum malumus esse bacchium. Also Kretiker + Baccheus. - Übrigens muß auch der Wechsel zwischen den vollen und den kontra­
106 eludet et pyrrhichius choreo praecedente, nam sic paean est, nämlich der hierten Formen, vitavisse und vitasse, in Betracht gezogen werden. Ein
erste, der den Wert eines Choriambus hätte: als Klausel kaum vor­ häufiger Wortstellungstypus ist dieser (zitiert wird nach Seiten der
zustellen. - Sehr merkwürdig 108 sicut illud ‘ore excipere liceret' si Teubnerausgabe Ciceros):
iungas, lascivi carminis est, sed interpunctis quibusdam et tribus quasi initiis off. 47, 13 (105) mens discendo alitur et cogitando.
fit plenum auctoritatis: ein leviter insistere nach excipere scheint nicht Arch. 167,18 (5) Romam venit Mario consule et Catulo.
unmöglich, aber auch nach ore? Quintilian spricht vorher über die Phil. 265,12 (7, 5) C. Pansa, fortissimus consul atque optimus.
Quantität der Endsilben von turpe und duceret in einem Satz aus Cic.
Phil. 2, 63, scheint also auch bei excipere mit der Möglichkeit einer Das zweite Hilfsmittel ist die Kolometrie des Satzes, worüber sich
Längung von -re intervallo quodam zu rechnen. Wir hätten dann zwei bei Cicero eine ganze Reihe wichtiger Angaben findet; die wichtigste
Baccheen mit Auflösung der ersten Hebung des ersten und Länge der aber bietet Quintilian mit der schon oben S. 17f. besprochenen Glie­
Senkung ex-. - 110 analysiert Quintilian die von ihm empfohlene derung des ersten Satzes der Cluentiana, aus der sich für unsere
Umstellung leve innocentiaepraesidium est als Spondeus oder Baccheus -f- Zwecke ergibt, daß divisam esse partis als Ganzes Klausel ist und nicht
Anapaest, d. h. -ae prae- / oder -iae prae / sidium est. Ebenso unbegreif­ zerschnitten werden darf und daß die in Sperrung stehende Gruppe
lich, daß ihm der vierte Paeon ein vorn um eine Silbe verlängerter in duas als kretische Basis, wie es Zielinski nennt, vorangeht.
Anapaest ist. So schematisch verfährt er, so sehr verstößt er gegen die Aber es muß noch etwas anderes vorangeschickt werden, ein Bei­
in 102 (S. 149) gewonnene Einsicht. spiel für deutschen Prosarhythmus, das uns die Erscheinung als
Die Analysen Ciceros und Quintilians lehren einerseits, daß wir solche nahebringen soll und an dem sich etwas lernen läßt, was auf
an ihnen keinesfalls vorübergehen dürfen: die moderne Forschung das Lateinische übertragen werden kann. Die beiden letzten Verse
hat sie zu einem nicht geringen Teil bestätigt, und hier und da schien des 23. Psalms lauten in der Übersetzung Luthers: ‘Gutes und Barm­
eine tiefere Einsicht aufzuleuchten. Andererseits bleiben sie doch in herzigkeit werden mir folgen mein Leben lang’ - das sind, um die
dimetiendis pedibus ac perpendendis syllabis stecken; ihre Erklärungen antike, an sich natürlich quantitierende Terminologie darauf an­
sind sehr oft unannehmbar, stehen zudem nicht selten untereinander zuwenden, ein katalektischer trochaeischer Dimeter und eine
im Widerspruch. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als selbst an kretisch ausgehende daktylische Tetrapodie; ‘Und ich werde bleiben
die Arbeit zu gehen. Die Richtlinien stehen fest: rhythmisiert ist der im Hause des Herrn immerdar’: entweder eine trochaeische Dipodie
ganze Satz, aber clausulae diligentius servatae sunt quam superiora, ergo a und ein Hemiepes, oder eine trochaeische Tripodie, --w w - (= Plaut.
nobis quoque diligentius observandae. Dabei ist die Hauptfrage: an w el­ Stich. 7 nostrum officium) und ein Kretiker, der augenscheinlich die
chem P u n k t b e g in n t das cadere der Rede? Allein diese Frage­ Klausel bildet. Diesem Kretiker scheint im vorangehenden Kolon
stellung aber bedeutet eine radikale Absage an das Verfahren der der Kretiker ‘Leben lang’ zu entsprechen, der nun aber nicht durch
Klauselforschung, die Klauseln mit der Schere vom Satzganzen ab­ Wortstellung und Zusammenstoß zweier Hebungen syntaktisch ge­
zuschneiden, an dem Walter Schmid vernichtende Kritik geübt hat. gen das Vorangehende abgesetzt ist, sondern abschließt lediglich
Bei der eigenen Untersuchung kommen uns zwei Kriterien zu durch Retardation. Aber auch im zweiten Kolon muß das Voran­
Hilfe, erstens Eigentümlichkeiten der Wortstellung, worüber man gehende mit in Betracht gezogen werden; der Rhythmus steigt an:
Bemerkungen in verschiedenen Arbeiten findet, so bei Ed. Norden ‘im Hause des Herrn’; erst durch die damit erreichte Höhe kommt
937f., bei Laurand 186-192, vor allem bei WolfF 585f. und dann der Fall, wie es Cicero nennt, zu seiner Wirkung, zu der sich aber
602-645 in dem Kapitel: Quomodo Cicero clausulas formare studuerit. Form und Gehalt der Worte vereinigen: in dem Ausdruck der
152 deutsches Beispiel Dibaccheus 153
Glaubensgewißheit kommt die Bewegung zur Ruhe. Wir haben hier syntaktischen Gesichtspunkten, aber die Reihenfolge der Unter­
zwei verschiedene Formen der conclusio vor uns, einen gleitenden und abteilungen ist aus verschiedenen, z. T. belanglosen Gründen nicht
einen durch rhythmischen und syntaktischen Einschnitt scharf mar­ immer dieselbe.
kierten Schluß. Es ist klar, daß die zweite Form bei weitem leichter
zu fassen ist; mit ihr werden wir uns daher im folgenden in erster Dibaccheus
Linie beschäftigen. Aber es bleibt noch übrig, in derselben Weise
wie orat. 214 durch das Gegenbild ‘prosaischer’ Wortstellung Sinn Für einen sicheren Fall dieser Klausel wird man auch den Schluß
und Wirkung des Rhythmus augenfällig zu machen: ‘Und ich werde des ersten Satzes der Cluentiana zu halten haben: divisam esse partis.
immer im Hause des Herrn bleiben’. Animo istuc satis est, auribus non Da sich aber die Abtrennung eines Ditrochaeus: esse partis nicht
satis. Was macht den Unterschied? Der Satz ist bei Luther so gebaut, strikt widerlegen läßt, werden nur Fälle mit Wortschluß vor dem
daß die syntaktischen Glieder gegeneinander abgesetzt sind; durch letzten Baccheus angeführt. Sie nötigen ihrerseits dazu, den voran­
die Umstellung wird die Rede fluitans, dissoluta et fluens (orat. 199). gehenden Spondeus oder spondeischen Wortschluß ebenfalls als
Allein schon die Tmesis ‘ich werde - bleiben’, aber auch die Tren­ Baccheus aufzufassen. Hier nun aber brauchte auf den Wortschluß
nung ‘immer - bleiben’ hebt jeden Rhythmus auf. Die Rede ist bei nicht mehr geachtet zu werden. Gleich zu Anfang sind honorum
Luther suapte natura numerosa durch die compositio (orat. 164); vor tuorum zwei baccheische Wörter, inimicorum hat eine lange drittletzte
allem finitur et concluditur in großartiger Weise durch das gewichtig an Silbe, der zwei kurze vorangehen, in omnes labores steht nur ein Spon­
den Schluß gestellte ‘immerdar’. deus vor dem Baccheus, aber rhythmisch ist kein Unterschied zu
Es sollen nun die wichtigsten Klauseln an Hand von Beispielen, erkennen. Sehr wichtig, daß auf die Quantität der ‘Senkungen’
die teils in bestimmten Schriften Ciceros systematisch gesammelt, offenbar ebenso wenig ankommt wie bei dem Ditrochaeus. Beim
teils gelegentlich notiert worden sind, vorgestellt werden, und letzten Baccheus allerdings überwiegt weit die reine Form, aber
zwar unter dem Gesichtspunkt: an welcher Stelle beginnt das cadere?, Molosser kommen durchaus vor: urgebat, sed facti, Quirites usw., nur
weshalb nur conclusiones ausgewählt worden sind, die sich in ähn­ zweimal innerhalb des folgenden Materials Auflösungen: mihi crede,
licher Weise wie am Ende des 23. Psalms scharf von dem Voran­ quia non sint, also ionici a minore (vgl. orat. 223 extr.). Im vorletzten
gehenden abheben. Wir werden aber dies Letztere, soweit sich die Baccheus ist beides häufiger: armorum, consiliorum, subeundos usw.
Möglichkeit bietet, mit in Betracht ziehen. Anfängen wollen wir Sehr wichtig ist die erste Stelle unter ‘Parenthese’ Phil. 263, 1/2
mit Klauseln, die von Cicero und Quintilian ausdrücklich genannt (6,19), bei der ich nicht nur zwei, sondern drei Baccheen bzw. Mo­
werden, aber von der modernen Forschung nicht anerkannt sind. losser vermute, nämlich vincatis mit syllaba anceps, wofür wir uns
An technischen Bemerkungen ist nur zweierlei voranzuschicken auf die Bemerkung Quintilians 107f. (S. 150) zu excipere liceret
nötig. Erstens zur Zitierweise: da die Paragraphen bei Cicero viel berufen können. Ebenso Sest. 250, 22 (147) reprimere potestis. Wir
zu lang sind, als daß man die betreffende Stelle, zumal dann wenn sie werden noch öfter Satzschlüssen begegnen, bei denen sich die An­
nicht ausgeschrieben ist, finden könnte, wird nach Seiten und Zeilen nahme einer syllaba anceps nahelegt. Schließlich sei die Frage
der ‘neuen’, nun schon lange nicht mehr neuen Teubner-Ausgabe wenigstens angedeutet, ob der Dibaccheus ebensogut für den
von A. Klotz und anderen zitiert, nur bei den Tusculanen nach Perioden- wie für den Kolon-Schluß geeignet ist.
meiner eigenen (Mailand, Mondadori 1964)7). Geordnet ist nach
7> Auf den Einwand von D. Korzeniewski hin, die Teubneriana sei nicht 1. Reim
mehr in aller Händen, habe ich zuerst die Paragraphen hinzuzufügen ver­ Ligar. 96, 23 (30) dum te inforo tenuit ratio honorum tuorum,
sucht, habe mich aber überzeugt, daß dies bei den nicht ausgeschriebenen 88,12 (9) armorum tuorum. Sest. 202,23/4 = 207,16 = Mil. 63,23/4 (100)
Stellen niemandem helfen würde, und beschränke mich daher auf die aus­ inimicorum meorum. Sest. 239, 23/4 (131) consiliorum meorum. 239, 21
geschriebenen. (240, 8/9). off. 39, 10 Tuse. 58,13 76,19 orat. 49, 20 al.
154 Dibaccheus Dochmius
Sest. 245, 9/10 (138) subeundos labores. Tuse. 78, 9 (1, 118) omnes labores, al. Catii. 58, 14 (4, 6) quantumfacinus ad vos delatum sit videtis 9>.
Mil. 58,1 (87) instabat urgebat. 58,20/1 (89)possideret teneret. Sest. 212,23 (84) Phil. 164, 1 (2, 37) si idem providissent, fuissent. (Reim). 147, 6
coegisti parasti. Phil. 183,22 188,12 (Sest. 173, 28). Catii. 41,11/2 (3, 7 extr.) ut vidistis, coegi. 16,9 15,5 Ligar. 90,12
Phil. 143, 12 (33 extr.) inbecillum caducum, orat. 63, 1/2 (165) non docti sed Sest. 190, 17 (48) mortem ego . . . tantis rebus gestis timerem?
facti. Phil. 131, 10 (1, 8) cum ventum exspectans manerem, off. 17, 19 Catii 40, 25
2. Syntaktischer Einschnitt Phil. 273, 18/9 (7,27) ne dimittatis cavete. Tuse. 39, 24 (1,42) capessat ne-
cesse est. Sest. 162, 14 (2) utendum putabam 167, 8 (11) recordari possitis.
Parenthese Ähnliches sehr häufig.
Phil. 263, 1/2 (6, 19) aut vincatis oportet, Quirites,
Quirites am Kolonschluß Catii. 28, 1 (2,12) 29, 21 (2,15) 30,1 (2,15) Dochmius
.Antoni Phil. 147, 6 (2,1)
Ligar. 84, 10 (1) confitendum est, opinor. Tuse. 55, 11 (1, 75) mihi crede, Das Problem Dochmius oder katalektischer baccheischer Dimeter,
off. 50, 18s>(1, 110) invita Minerva, ut aiunt, wohl 3 bacch. das in den Cantica ein solches des Ethos, d. h. der Musik ist, stellt
Lael. 53, 2 (18 extr.) pingui, ut aiunt, Minerva. sich beim Prosarhythmus natürlich nicht; dafür ein anderes: es ist
off. 5,1 (1, 8) rectum opinor vocemus. Tuse. 27,1 (1,15) dicam sipotero Latine-, ganz leicht, den Dochmier amicos tenes (S. 148f.) durch Voranstellen
Hyperbaton eines Wortes in einen Doppelkretiker zu verwandeln: hos amicos tenes.
Die Entscheidung liegt bei den Wortgrenzen, der Gruppenbildung,
off. 61, 8 (1, 134) severitatem adhibeat, si iocosis, leporem. Phil. 260, 1
der Kolometrie. Noch eine andere Form kann mit dem Dochmier
Tuse. 27, 3 (1, 15) in Graeco Latine. Lael. 64, 24 Phil. 251,5 267,1/2
Catii. 63, 9 orat. 28, 12 (82) docendi causa sumptum, non ludendi, videtur. in Konkurrenz treten: die hypodochmische Klausel, dann nämlich,
orat. 32,16 74,25 off. 43, 1 wenn die erste Silbe lang ist. Es muß bei den zweifelhaften Fällen
jeweils gefragt werden: sind sie mit den sicheren Dochmiern oder
‘Doppelpunkt’ mit den sicheren Hypodochmiern näher verwandt? Die Entschei­
Phil. 260, 21 (6, 13) qui item adseribunt PATRONO. dungen, die im folgenden getroffen werden, können nicht den An­
Puse. 36, 7/8 (1, 36) e quo dictum est humari, 63,3/4 61,19 spruch erheben, immer richtig zu sein. An einem Beispiel wenigstens
soll der Grund angegeben werden, Mil. 38, 11 et illum heredem et me
Praedikativ scripserat: it me hätte die Wirkung, daß me zum Enklitikon herab­
orat. 77, 21 (202) in utroquefrequentiores sunt, in altero liberiores poetae. gedrückt würde, was dem Sinn widerspricht. Man sieht, es wurde
Hauptsatz - Nebensatz iktiert: wie könnte man hier n ic h t iktieren? Übrigens ist die Ver­
wandtschaft mit dem Dibaccheus unverkennbar: man vergleiche
orat. 36, 15 (107) ita vivunt, dum possunt, 80, 14 (211) ostendi licere. oben utendum putabam mit agendum putant S. 156.
orat. 9,20 67,3 Tuse. 26, 1/2 Ligar. 100, 1 Phil. 264, 19/20
Nebensatz - Hauptsatz Eigenes Kolon
off. 62, 14 (1, 137) neque (possunt) is, qui adsunt, probari 52,13 51,18 38,14 off. 63, 23 (1, 140) sed haec hactenus. Phil. 153, 28 (2, 14) at ad quos refert?
Catii. 43, 27/8 (3, 12 extr.) nihil ex iis quae Galli insimulabant negavit. orat. 34, 7 (100) quis est igitur is? (Wortstellung ut efficiatur clausula)
orat. 24, 6 (70) quid deceat videre 25, 27 off. 44, 7 Lael. 15, 10/1 Phil. 181, 22 (2, 75) tu vero quid est? Sest. 179, 15 (30) hoc vero quid est?
Phil. 164, 24 Sest. 230, 20 Tuse. 46, 8 Mil. 28, 13/4 Catii. 16, 1/2 Tuse. 56, 10 Ligar. 98, 32

8) Ed. Atzert3. Die Ausgabe von P. Fedeli, Mondadori 1965, war bei der Zu dem Problem der Iktierung von delatum sit vgl. S. 145 zu orat. 223
Niederschrift noch nicht erschienen. contra nos, S. 149 zu Quint. 103 Romanus sum.
156 Dochmius/Antispast Antispast 157

Parallel oder antithetisch liyperkatalektischen Baccheus, dies erstens wegen der beiden Stellen
Phil. 154, 7/8 (2, 15) qui suam rem nullam habent, tuam exhauriunt. unter ‘Reim’, die den entsprechenden unter ‘Dibaccheus’ oben
Phil. 279, 1 (8, 8) idem defendunt, idem sentiunt. 152, 16 off. 40, 3 S. 153 u. ganz ähnlich sind, noch mehr wegen des unverkennbaren
Tuse. 29,22/3 36,20 orat. 30, 14 Phil. 145,16/7 279,24 Parallelismus zwischen agendum putant, utendum putabam und imponen­
Phil. 179, 10 (2, 69 extr.) et consul et Antonius. 179, 14 (2, 70) et consulem et dum putaverunt. Sonst ist nur noch etwas zu bemerken zu dem letzten
Antonium.10) I.emma ‘Vor dem Antispast eine kurze Silbe’. Man hätte Fälle dieser
Nebensatz - Hauptsatz Art natürlich auch beim Dochmier zusammenstellen können, aber
off. 26, 4 (1, 55 extr.) nos .. . illi in quo id inesse videtur amicosfacit. man macht sich über die rhythmische Vorbereitung einer längeren
off. 2, 9 orat. 88, 1 Phil. 285,4 Klausel weniger Gedanken: hier war die Kürze auffälliger, sowohl bei
Tuse. 48,13 (1, 60 extr.) at quantum sit profecto vides. Phil. 159, 23/4 daktylischem wie bei trochaeischem Wortschluß vor dem Antispast.
orat. 45, 20 (130 extr.) maiora . . . quam cum leguntur videri solent. 88, 8 Nehmen wir die winzige Pause der Wortfuge und inane illud tempus
Phil. 136,3 173,2 172,16 157,9 Sest. 185, 2 off. 50, 22/3 an, durch das die kurze Silbe den Wert einer langen erhält, so sind
Hauptsatz - Nebensatz wir im ersten Fall des zerrissenen Anapaests, im zweiten des noch
viel lästigeren zerrissenen Paeons ledig. Man müßte dem Problem
orat. 25, 7 (73) qui non sentiunt, quid esset satis. 64, 20 Mil. 38, 15
Ligar. 98, 1 Phil. 178,8 150,14 Tuse. 27, 21 dieser ‘Zerreißungen’, des Zusammenstoßes von ‘Senkungen’, aber
auch von ‘Hebungen’ weiter nachgehen, wenn nur irgendwelche
Schließende Satzglieder Aussicht bestände, zu einem Ergebnis zu gelangen.
Phil. 256, 21 (6, 3) intellego . . . hanc sententiam repudiari, neque iniuria.
Ligar. 99, 4 Phil. 181, 11/2 off. 34, 23 Catii. 18,15 25,-11 Reim
off. 71, 25 (1, 157) feritas sit quaedam et immanitas.
off. 33, 25 (1, 74) bellorum gerendorum 32, 27 (1, 72) rerum gerendarum.
Wörter und Gruppen
z. B. necessarius, magistratuum, recordamini, voluptatibus Eigenes Kolon
suo incommodo Tuse. 34, 1 (1, 30) bonorum omnium Sest. 171, 15 (17) al. Sest. 213, 8 (85) captum erat forum . . .; silebatur. 211,1 Phil. 169, 2/3
agendumputant off. 49, 12 (1, 109) timendumfuit Mil. 32, 4 (36) al. saepe Ligar. 88, 6 (9 in.) sed hoc quaero: 90,17 (14) = 91, 15 (16) cave ignoscas.
92, 24/5.
Parallel oder antithetisch
Antispast Ligar. 88, 13 (9) quid cupiebas, quid optabas? Mil. 30, 7
Phil. 195, 11 (2, 104) ludebatur, vomebatur. Tuse. 42, 2 (1, 46) nec videmus
Diese Klausel begegnet orat. 213 in dem Beispiel ‘O Marce Druse, nec audimus, off. 17, 20 27,14 60, 27 Mil. 19, 4 Phil. 130,10/1 183,25
patrem appello’, wozu Cicero leider nur bemerkt: haec quidem duo
binis pedibus incisim. Denn schwerlich ist die erste Silbe von patrem Inversion
positionslang. Man kann den Antispast (dessen erste Silbe immer kurz Sest. 209, 4 (77 extr.) nocturnam seditionem quis audivit? 210,23 229,19
sein muß, denn sonst ist es ein Dispondeus) einen Ditrochaeus mit Tuse. 31, 9,
Anaklasis nennen, oder auch (rein beschreibend natürlich) einen Nebensatz - Hauptsatz
10> Man wird ein leviter insistere vor dem zweiten et annehmen müssen. off. 55, 21 (1,121) quo minus ab eo id, quod desit, requiratur. 17,10
Dann hätten wir im ersten Fall Zusammenstoß zweier ‘Senkungen’, im Sest. 191,22 244,12/3 Ligar. 95, 26 87, 7
zweiten den Hiat der Pause und wahrscheinlich syllaba anceps nach kreti­ Sest. 240,1 (131) reditus vero meus qui fuerit quis ignorat? Phil. 184, 5/6
schem Wort in der Fermata. Sest. 238, 27 (130) ut venirent rogarentur. 180, 6 Phil. 196, 3 Tuse. 42, 27
158 Diiambus Diiambus/Hypodochmius 159

Hauptsatz - Nebensatz Nebensatz - Hauptsatz


Lael. 71,15 (65) nibil est enim stabile quod infidum est. Phil. 177,2 Phil. 139, 25 (1, 26) quod ita erit gestum, id lex erit? 191, 23/4 268, 6
Catii. 59, 25 orat. 70,1 70,23 Mil. 64,1/2 orat. 32,13/4 42,11
Phil. 263,16 (7,1) quantum adferat languoris animis quis non videt? Ligar. 89,1
Apposition. Hyperbaton l.igar. 93, 3 (20) si me consulis, nullo modo. Phil. 161, 27 167, 29 193, 3/4
Tusc. 39, 6 (1,18 in.) Dicaearchum . . . doctos sane viros, omittamus. 30,15 l.igar. 93, 5 (20) cumparere senatui necesse erat. Mil. 54, 11 Phil. 140, 7
Catii. 65,9 (4,16 extr.) qui non. . . quantumpotest conferat ad salutem voluntatis. Hauptsatz - Nebensatz
Infinitiv Ligar. 90, 21 (14 extr.) dicam plane Caesar quod sentio. Phil. 157, 11 173, 12
Catii. 59,11 (4, 8) nonpotest esse suae dignitatis recusare. Mil. 36, 1/2 (44 extr.) vos potestis dubitare quid fecerit? (dicret?.) orat. 39, 29
Sest. 198, 17 (60) imponendum putaverunt, ähnlich sehr oft Phil. 162, 19 (2, 34 in.) sed unam rem vereor ne nonprobes. 134, 9 Sest. 228, 9

Vor dem Antispast eine kurze Silbe Parallel oder antithetisch


Mil. 44, 27 (63) illa portenta loquebantur. Sest. 214, 8 228, 4 Lael. 74, 4 al. Sest. 246, 3 (139) haec accepimus, haec legimus. Phil. 165,12 184,10 195,27
Ligar. 96, 8 (28) vincere volebamus, Sest. 193,11/12 202, 26 209, 8 233, 28 al. Catii. 50, 4 (3,23) multi honores . . . iusti habiti sunt ac debiti, orat. 8, 22
Apposition, Parenthese u. ä.
Ligar. 85, 5 (2) virum omni laude dignum, patrem tuum. Phil. 185, 13/4
Iambische Dipodie 191,14
(Choriambus - Iambus: selbständiges Kolon)
Man wird sich überzeugen müssen, daß auch für diese Klausel
Mil. 36, 3 (45) dixi equidem modo. Phil. 162, 8 180,13
nicht wenige unanfechtbare Belege vorhanden sind. Sehr merkwürdig,
daß das für den Versschluß bei Plautus geltende Bentley-Luchssche
Gesetz über das Verbot von iambischem Wortschluß in der vor­
Hypodochmius
letzten Hebung innerhalb des hier vorgelegten Materials nur einmal
schwer verletzt ist: patrem meumlv> unter ‘Apposition’, einmal leich­
In der folgenden Stellensammlung, bei der wir stärker auswählen
ter: quid ergo erat Mil. 41, 2 unter ‘Selbständiges Kolon’. Sollen wir
können, da diese Klausel, ebenso wie die nächsten, allgemein an­
folgern, daß das Gesetz auch für Cicero noch galt, als sprachliches
erkannt ist, dienen die Abschnitte 1-3 dazu, den Anfang der Kadenz
Gesetz, das es bei Plautus selbstverständlich ist? Aber die Material­
zu bestimmen. Man bemerke, daß die Zahl der Hypodochmier mit
grundlage ist noch viel zu schmal, als daß eine so kühne Vermutung
‘Auftakt’ verhältnismäßig groß ist. Hier kann es überall an der Ab­
erlaubt wäre. Was geht der iambischen Dipodie voran? Meist ein
grenzung keinen Zweifel geben. Dagegen ist sie unter 3 ‘Längere
Spondeus oder Baccheus, weniger oft ein Creticus.
Kola’ schwierig oder unmöglich. Also eine gleitende conclusio? Oder
sollen wir entgegen der Anweisung Ciceros und Quintilians
Eigenes Kolon
Klauseln von mehr als drei Füßen annehmen? Eine überzeugende
Ligar. 86, 12 (4) multo minus. Ligar. 89, 3 = Phil. 192,15/6 (2, 99) non est Lösung scheint nicht möglich. Hinsichtlich der hypodochmischen
satis. Ligar. 87,1 91,14 Phil. 136, 8 174, 20/1 191,24 169, 1 Mil. 36,6 41,2
Ligar. 95, 3 Phil. 135, 10/1 258, 10 Arch. 180, 101 Klausel im allgemeinen ist auf zweierlei hinzuweisen, erstens darauf,
daß die vorletzte Senkung sehr oft unrein ist, woraus man schließen
könnte, daß sie rhythmisch irrelevant ist, daß es nur auf den kreti­
11> Aber es gibt eine genau gleiche Ausnahme bei Plautus, Men. 750
Negas novisse mei negas patrem meum?', ‘consulto ut videtur’, sagt Leo im schen Schluß ankommt. Und dafür spricht auch, zweitens, die nicht
Apparat, unmöglich zu verbessern. Amph. 46 dagegen ist korrupt. geringe Zahl von Satz- oder Kolonschlüssen vor dem letzten Kretiker.
160 Hypodochmius Hypodochmius mit Auftakt 161

Wäre also vielleicht überhaupt nur dieser Kretiker ,die Klausel’? Hauptsatz - Nebensatz
Die Frage läßt sich nicht beantworten. Man kann vermuten, daß er orat. 90,4 (233) qui improbosprobet. 33,9 (98) si non maximus.
immerhin einer Basis, einer crepido bedurfte (vgl. orat. 224). Um an Catii. 58, 7/8 Arch. 172, 14 Phil. 141,2 197,25
den 23. Psalm zu erinnern: auch ‘immerdar’ ist nicht ipsa suis pollens
Parallel oder antithetisch
viribus, sed indiga fulturae cuiusdam.
Was geht dem Hypodochmius voran, wenn vor ihm ein Einschnitt Mil. 22,24 (18 extr.) caruit senatu, caruit publico. 46,11 orat. 36,3 72,5 75,16
liegt? Man hat den Eindruck, daß die ‘Caesur’ mit kretischem Wort­ Phil. 173,16 (2, 57 extr.) tantam turpitudinem, tantum dedecus. Sest. 235,2/3?
quam probabilis sim. orat. 22,11 74, 29 Sest. 187,21/2 222, 9
schluß - und Zusammenstoß zweier Hebungen - stärker ins Gewicht
fällt als mit trochaeischem oder spondeischem. Aber ob es gelingen
kann, den Eindruck zu befestigen, ist eine andere Frage. Wenn ja, 2. Einschnitt vor dem Hypodochmius mit Auftakt
dann nur in der Weise, daß man den Unterschied an bestimmten
signifikanten Beispielen aufweist, zwischen denen immer die große Ein hypodochmisches Wort
Masse der anderen liegen wird, in denen die Wortfolge unvermeidlich
Sest. 223, 6 (102) haec divina, haec immortalia. Mil. 43, 18 Phil. 257, 9/10
war. Wir werden bei den späteren Klauseln auf diese Frage zurück­
kommen. Eigenes Kolon
Am befremdendsten ist der syntaktische Einschnitt vor dem orat. 54, 11 (152 in.) sed Graeci viderint. Sest. 189,10 243,9 Phil. 160, 1
schließenden iambischen Wort. Er ist z. T. so schwer, daß davor
nicht ein leviter, sondern ein graviter insistere fallen muß, daß nur mit Nebensatz - Hauptsatz
einer vernehmlichen Pause hat gesprochen werden können. An Mil. 31, 11/2 (35) si haec . . . nulla in hoc, quid voltis amplius?
okkasionelle oder analogische kretische Gruppenbildung ist daher orat. 46, 23 Phil. 151,20/1 165,25 136,16/7 133, 5/6?
nicht zu denken, mithin auch nicht an eine hypodochmische Klausel.
Das letzte Wort steht ganz für sich, davor z. B. im dritten Beispiel Inversion
in conspectu meo, was man einen Dicreticus nennen, womit aber auch Phil. 134, 12 (1, 14 in.) quid? de reliquis rei publicae malis licetne dicere?
ein plautinischer Vers schließen kann (z. B. Men. 708), oder im fünften
Hauptsatz - Nebensatz
ein autarker Kretiker rhetorum, im sechsten ein doppelter: compre­
hensio sontium. Uber tastende Vermutungen ist nicht hinauszukommen. Mil. 32, 10 (37) ita est mulcatus ut vitam amiserit, orat. 34,5 73,17/8 81,21
Phil. 138,11/2 149,16 181,26. orat. 26, 10 Ligar. 88, 7

1. Einschnitt vor dem Hypodochmius Parallel oder antithetisch


Mil. 35,20 (44 in.) sed quid ego argumentor, quid plura disputo? orat. 35,5 69,16
Ein hypodochmisches Wort orat. 38,9 67,15 72,10 75,20 63,2 69,9 28,24. Phil. 135,22/3 al.
Phil. 200, 23 (2, 116) cogitatio, diligentia. 151,16/7 orat. 1,16 28,28 al.
Eigenes Kolon 3. Längere Kola
orat. 85,6 (222) ipsi prodeant (vgl. S. 144 u.). Phil. 178,13 (2,68) fieri nonpotest.
Sest. 179, 4/5 209,11 227, 5/6 Phil. 136,10 191,6/7 266,15 al. orat. 34, 20 (101 extr.) modica temperate, magna graviter dicere.
26,15 33,15 66,13
Nebensatz - Hauptsatz Sest. 210, 7 (79) venit in templum Castoris, obnuntiavit consuli.
orat. 80, 24 (212) quo autem pacto deceat . . . dici iam videbimus; nunc orat. 40, 5/6
orat. 70, 20 Sest. 210,25 247,27/8 Phil. 149,13 260,16 orat. 67, 26 (176) ut eos ille moderatione, non inventione vicerit. 80,27 38,6
162 Hypodochmius/Dicreticus Dicreticus 163
4. Einschnitt vor dem letzten Kritiker Quintilian angegebene Höchstumfang überschritten. Es versteht sich
Nebensatz - Hauptsatz aber von selbst, daß der erste der beiden Kretiker zu einem vorn um
mehrere Silben längeren Wort gehören kann. Beispiele wird man in
orat. 63, 15 (166) quod nescis multum ohest. 42, 28 (123) qui quid deceat viderit.
den späteren Abschnitten ohne Mühe finden, z. B. Sest. 222, 5 (100)
Ligar. 84, 5 (1) quo me vertam nescio, orat. 24,4 22,7 77,31 off. 13,22 43,21
Phil. 129,11 133,8 140,19 201,15 Sest. 201,4 230,6 230,10 insidiarum negem mentiar, Phil. 152, 22 (2, 11) vituperaret inventus est
(oder doppeliambisch?).
Hauptsatz - Nebensatz Der doppelkretische Rhythmus fallt am stärksten ins Ohr bei
orat. 64, 2 (168) genus illud tertium explicetur quale sit. 24, 19 off. 32, 2 syntaktischem Einschnitt zwischen den beiden Kretikern wie in est
Phil. 157,25 163,3 198, 21 Sest. 181,11 219, 25 labor, non nego, aber natürlich auch in elaborabimus. Auch bei confitentem
reum und bei dicere ex tempore wird man keinen Augenblick zweifeln.
Inversion Nicht ebenso selbstverständlich sind die Fälle mit unreiner Senkung
Phil. 186, 25 (2, 86) supplex te adpedes ahiciehas quidpetens? off. 7,21 9,19/20 in ersten Kretiker wie bei respondendum fu it oder semper contempserim.
Wir haben z. B. Phil. 181, 26 in qttae tu invaseras als hypodochmische
Vokativ
Klausel gerechnet: warum nicht dikretisch in quae tu invaseras, um­
Sest. 187, 6 (43) haec cum viderem, quid agerem, iudices? ähnlich oft gekehrt sempir contempserim? Und zu respondendumfu it vergleiche man
di boni Phil. 184, 11 (2, 80) vos . . . centuriones vosque milites Mil. 64,15 (101)
Versschlüsse bei Plautus wie Amph. 515 et sübpardsitabdr patri, 654
Parallel oder antithetisch crido adventurum domüm, 715 tisque exquisivi simül. Wir haben uns vom
Phil. 159,1 (2, 26) etforis potius quam domo? 168,31 orat. 25,5 off. 53,7 10,21 Wortakzent leiten lassen und können uns auf Iktierungen plautini-
Sest. 245, 20 (139) aliis . .. quaerere voluptates, non sibi. Mil. 47, 20 scher Kretiker berufen, aber wirkliche Sicherheit ist nicht zu gewin­
Phil. 166,1 (2, 41) qua statura, quo municipio, qua tribu. Mil. 40,18 off. 48,10 nen. Und noch viel ernster ist eine andere Frage - die Beispiele sind
aus der Materialgruppe ‘Parallel oder antithetisch’ ausgewählt: quos
Schließendes Satzglied cantus, quae carmina, quam valentis, quam nobilis. Quirites, sed temporum:
Mil. 28, 21 (32 in.) insidias Milonifecisse Clodium. 30,8 35,24 43,9 sind das wirklich Dicretici oder nicht vielmehr Baccheen bzw.
Molosser und iambische Dipodien? Die Kolometrie scheint unbedingt
5. Einschnitt vor dem schließenden iambischen Wort dazu zu raten, aber unmittelbar daneben lesen wir tum audire, tum
dicere : sollen wir audire als Palimbaccheus im Werte eines Molossers,
Sest. 242, 8 (133 extr.) vetat gladiatores biennio quo quis . . . petiturus sit dare.
Ligar. 89, 4/5 (10 extr.) aut ut ego dico meliorem quam tu, aut ut tu vis parem. d. h. mit syllaba anceps verstehen? Wir werden die Aporie hin­
Catii. 57, 5/6 (4, 3) neque ille, qui . . . in conspectu meo, gener. zunehmen haben. Man könnte höchstens sagen: je enger die syntakti­
orat. 64, 22 (169) plus est enim in verbis et sententiis boni, quibus sche Verbindung, um so wahrscheinlicher der Dicreticus, je stärker
Phil. 193, 25 (2, 101) medico tria milia iugerum: . . . rhetori duo. der syntaktische Einschnitt vor dem schließenden Diiambus oder
Phil. 155, 17 (2, 18) nam comprehensio sontium mea, (animadversio senatusfuit). Epitrit — w-, um so wahrscheinlicher der doppeliambische Schluß -
Mil. 64,1/2 Sest. 226,13;praedicativ orat. 50,20/1 (143 in.) Phil. 201, 21 womit zugegeben ist, daß wir nicht entscheiden können.
Sonst ist wenig zu bemerken. Zu ‘5. Einschnitt vor dem letzten
Iambus’ vergleiche man oben S. 162 u. 166. Und dann sind in diesem
Dicreticus Abschnitt die Fälle des Typus bella narrat et proelia wegen ihrer ver­
hältnismäßig großen Zahl zu einer eigenen Materialgruppe zusam­
Von der folgenden Stellensammlung dienen die beiden ersten mengestellt. Bei den drei ersten Beispielen mit iambischem Wort am
Abschnitte der Abgrenzung der Klausel: ohne Auftakt, mit Auftakt. Ende kann an dem Dicreticus (mit Auftakt) kein Zweifel sein. Noch
Greift man noch weiter zurück, dann wird der von Cicero und klarer sind die Fälle mit epitritischem Wort: es ist bekannt, wie gern
164 Dicreticus Dicreticus mit Auftakt 16$

atque (und -que) 2 ur Bildung der Klausel verwandt werden: atque Hauptsatz - Nebensatz
sententias ist ein Musterfall. Und daher wird man wohl auch nicht Sest. 223, 5 (102) qui laudem, qui gloriam quaeritis. Phil. 253, 23 Mil. 59, 15
zögern, narrat et proelia ebenso aufzufassen. Der Stellen mit unreiner Mil. 30, 6 (34) quid Milonis intererat interfici Clodium? orat. 27, 26 63, 18
vorletzter Senkung sind es wenige. Umgekehrt kann es über die
Synaloephe vectigalia et maxima keinen Zweifel geben. Hiermit aber Parallel oder antithetisch
muß unter ‘Parallel oder antithetisch’ Phil. 282, 4/5 (8, 15) verglichen orat. 61, 24 (163) de numero mox, nunc de sono quaerimus. 5, 21 27, 4/5 14, 8/9
werden. Die Fälle sind nicht ganz gleichartig: hier eine scharfe orat. 52, 8 63,19 Ligar. 92, 8/9
Antithese, während dort die syntaktische Verbindung ganz eng, nur
das der Klausel dienende Hyperbaton auffällig ist. Also bei Antithese 3. Einschnitt vor dem letzten Creticus
Hiat? Vielleicht; aber wer wollte sich dafür verbürgen?
Vokativ
Mil. 45, 17 (65) sed dicam ut sentio, iudices. ähnlich oft
1. Einschnitt vor dem Dicreticus Mil. 39, 15 (52 in.) video adhuc constare, iudices, omnia. Sest. 242, 9
Ein Wort, eigenes Kolon Nebensatz - Hauptsatz
off. 52, 8/9 (1, 114) in iis potissimum elaborabimus. Sest. 223, 8 (102) est labor, non nego. 203,22 245,19 Tuse. 31,18 orat. 67, 3
Ligar. 88, 15 (10 in.) isdem in armisfuit. Arch. 171,24 (13 extr.) ex quofonte hauriam, sentio. Phil. 196,17 Sest. 228,19
90, 5 Phil. 156,2 163,16 186,17 190,15/6 Sest. 222, 5 (100) hanc viam si plenam esse . . . insidiarum negem, mentiar.
Nebensatz - Hauptsatz Catii. 24, 23 28,6 Tuse. 38,1/2 33,13 MU. 17,17 Ligar. 85,21 87,18 al.
Ligar. 85, 3 (2) habes . . . quodest accusatori maxime optandum, confitentem reum, Hauptsatz - Nebensatz
orat. 52, 16 (147 extr.) iis quos . . . suspicabar respondendum fuit. Phil. 260, 25 (6, 14 in.) o sordidos qui acceperunt, improbum qui dedit.
orat. 49,18 52,23 Arch. 173,24 (18) dicere ex tempore. Phil. 145,9 144,22 Ligar. 97,23/4 90,23 89,14/5 Catii. 59, 8 PhU. 137, 27 Tuse. 46,15
Hauptsatz - Nebensatz Parallel oder antithetisch
orat. 37, 19 (110) iam pridem effectum est quod futurum fuit. 86,20/1 91,16/7 Ligar. 97, 19 (31) causas valere plus quam preces, Sest. 193, 21/2
Phil. 154,14 194, 23/4 Ligar. 91,18 Phil. 282, 4/5 (8, 15) hoc interest. . . inter meam sententiam et tuam
Parallel oder antithetisch wohl Hiat vor et
Phil. 190,15 (2, 94 extr.) haec vivus eripuit, reddidit mortuus, 134, 13/4 144, 26
orat. 81, 22 (215) animo istuc satis est, auribus non satis. 15,15 34,7/8 40,18 4. Einschnitt vor dem letzten Epitrit
orat. 82, 1/2 48, 8 Ligar. 98,8 98, 12/3 Phil. 263, 19/20 Catii. 66, 4
orat. 32, 5 (94) suntque dulcissima. 39, 22/3 Nebensatz - Hauptsatz
Mil. 19, 9/10 (12) senatum . .. quod ego vellem decernere. Catii. 23, 23
Phil. 152, 22 (2, 11) quis . . . qui vituperaret inventus est? 161, 22 188, 25
2. Einschnitt vor dem Dicreticus mit Auftakt Mil. 14, 20 (4) et timorem si quem habetis deponite. 59,18 65, 22 Phil. 167, 29
Eigenes Kolon Phil. 193, 3/4 174,27 201,18 off. 27,24 54,18 66,14 Phil. 152,9 130,9
Mil. 38, 2 (48 in.) nuncpersequar cetera, orat. 48,11 65,16 18,2 Sest. 221, 6 Hauptsatz - Nebensatz
Nebensatz - Hauptsatz orat. 4, 10 (11) quid haec pertineant ad ea quae quaerimus. Phil. 151, 13 (2, 9)
off. 14,16 15,19 39,14 Tuse. 25,14 48, 7 Mil. 35,25 36,1/2 Catii. 23,18
Ligar. 87, 15 (7) tamen me antequam vidit rei publicae reddidit, orat. 23, 18 Phil. 162,21/2 195,3/4 162,19 orat. 49, 8
166 Creticus + Trochaeus Trochaeus + Molossus 167

Parallel oder antithetisch Weit wichtiger sind die Abschnitte 3 und 4, zu denen man die
Mil. 43, 25 (61) qtü vultus, quae oratio. 54, 7 (80) quos cantus, quae carmina. authentische Erläuterung S. 147 findet: criminis causa wird von Quin-
Catii. 24,14 Tuse. 33,21 Sest. 206,5 225,20 off. 72,11 (1,158) tum audire, tilian ausdrücklich als Creticus + Trochaeus bezeichnet (und von
tum dicere. Catii. 23, 19 Mil. 21,14 al. der Bildung in einem Wort unterschieden), esse pro nobis dagegen ist
ihm ein Molosser mit vorangehender kurzer Silbe ex quocumque pede.
Inversion
Vollends werden für die Klauseln mit aufgelösten Hebungen, dixit
Phil. 189, 9 (2, 91) scis de immunitate quid dixeris. Tuse. 36,18 52, 21 al.
hoc Cicero, Brute dubitavi, dignitate superabat, esse videatur, zu unserer
5. Einschnitt vor dem letzten Iambus Verwirrung ganz verschiedene Erklärungen geboten.
Sest. 165,6 (8) quaestorbic C. Antoni.. .fuit sorte, sedsocietate consiliorum meus. Da man wohl im allgemeinen das ‘Prinzip der Auflösung’ für
Phil. 154, 9 (2, 15) tuus . . salutaris consulatus, perniciosus meus. cf. 139, 8 unbestreitbar halten wird, brauchen wir uns hierdurch nicht allzu­
sehr anfechten zu lassen. Aber hat es wirklich nichts zu bedeuten, daß
6. Isolierung der letzten Worte durch Hyperbaton
Quintilian criminis causa und esse pro nobis ganz verschieden auffaßt ?,
Ligar. 92, 9 (18) nisi uti suum ius tueretur et dignitatem tuam? Phil. 177, 8 zumal er bei ersterem den Unterschied zwischen Bildung in zwei
orat. 10, 11 (30) Thucydides .. . res gestas et bella narrat et proelia.
Wörtern oder in einem ausführlich bespricht, wozu man sich wieder­
orat. 11,14 14,14 22,10 26,1/2 47,12 53,20 82,25 82,9 Phil. 137, 14
Manii. 5, 28 (6) aguntur certissima populi Rom. vectigalia et maxima, off. 60, 23 um-der Erörterung über turpe duceret (S. 148) erinnern muß: paulum
Catii. 58, 12 (4, 6) quocumque vestrae mentes inclinant atque sententiae. enim morae damus inter ultimum et proximum verbum, et 'turpe" illud inter­
orat. 3, 14 (8) cogitatione tantum et mente complectimur. 22, 17 85, 2 vallo quodam producimus. Denn dies kann ohne weiteres auf den
orat. 76, 23 (199) cadere tantum numerose oportere terminarique sententiam. Trochaeus vor schließendem Molossus übertragen werden, aber
off. 32, 15/6 Phil. 213,5 257, 19 ebenso sehr auch auf criminis causa, d. h. jene kleine mora, jenes
orat. 36, 6 (106) Crassum dico et Antonium. Phil. 279, 24 off. 32, 22/3 intervallum liegt hier und dort an verschiedener Stelle: muß das nicht
der Klausel einen verschiedenen Charakter geben? In der Tat wird
man ernstlich zu erwägen haben, ob wir nicht Quintilian folgen und
Creticus + Trochaeus oder Trochaeus -f Molossus zwei verschiedene Klauseln ansetzen sollen, so wie es bereits durch
die Überschrift angedeutet worden ist. Aber wir können noch eine
Die beiden ersten Abschnitte der folgenden Stellensammlung dienen zweite Folgerung aus jenem Satz Quintilians ziehen. Ob wir bei
wieder nur dem Nachweis, daß die Kadenz mit dem Kretiker oder turpe oder esse Längung intervallo quodam annehmen oder nicht, wird
schon eine Silbe vorher beginnt. Man wird ebenso wenig wie beim rhythmisch kaum einen Unterschied machen, ist jedenfalls unentscheid­
Dicreticus weiter zurückgehen dürfen. Beispiele längerer Wörter bar ; dagegen würde es viel bedeuten, wenn wir uns berechtigt fühlen
an vorletzter Stelle findet man jedoch von S. 171 an ohne Mühe. dürften, an Stelle des Kretikers einen Daktylus mit syllaba anceps
Es ist begreiflich, daß Wörter vom Umfang dieser Klausel häufiger zuzulassen, z. B. Sest. 238, 3 horrida muta, Phil. 281,15 Opimius armis.
sind als dikretische. Satzschlüsse wie audiebatur, nominaretur, obligave­ Denn muß nicht, was turpe recht ist, diesen beiden Daktylen billig
runt, imperitorum gibt es in Menge (Wolff 605 f. 642). Von Interesse sein?
sind allein Wörter mit fünf langen Silben wie condonabantur Phil. 177, Viel schwieriger als Creticus + Trochaeus ist Trochaeus -)- Mo­
26 oder inlustrarentur Catii. 48, 13 und choriambisch-trochaeische wie lossus, und zwar wegen der Ähnlichkeit mit dem Dibaccheus. Meist
suppeditarentur off. 72, 6/7, die wahrscheinlich ins Kapitel Dispondeus allerdings sind sie nicht zu verwechseln: dort muß die drittletzte
zu verweisen sind; aber auch die mit Auftakt wie quid iudicaretis Silbe kurz, hier lang sein, dort umgekehrt die viertletzte lang, hier
Mil. 14, 16 54, 3, desgleichen in einem Wort: accommodaverunt off. kurz. Aber wir haben S. 153 die Möglichkeit erwogen, in Fällen wie
32, 10, denuntiavissent Catii. 46, 20, bei denen man es aufgeben sollte, vincatis oportet oder reprimerepotestis mit syllaba anceps am Ende des vor­
die erste Silbe wegzuschneiden. letzten Wortes zu lesen; andererseits kann ein Molossus ohne weiteres
168 Creticus + Trochaeus Creticus + Trochaeus m
als Baccheus mit unreiner Senkung aufgefaßt werden. Beispiele Hauptsatz - Nebensatz
aus Plautus sind rasch gefunden, z. B. Amph. 557 scelestam, scelus, Mil. 25, 21 (26) ex Appennino deduxerat, quos videbatis. Ligar. 92, 20
linguam abscidam. Tuos sum. Es gibt daher Stellen, bei denen schwer Phil. 262, 18 (6, 18) nullam umquam vidi tantam, quanta nunc vestrum est.
zu entscheiden ist, ob sie hierher gehören oder als Dibaccheen auf-
zufassen sind: man wird sie mit einem Sternchen versehen finden. Parallel oder antithetisch
Bei Schlüssen der Form numquam reliquissent aber muß entweder Catii. 16, 9 (1, 21) cum tacent clamant. 27, 23 (2, 11) intus est hostis.
Endiktierung von numquam angenommen oder reliquissent als Anti- orat. 20,20/1 (60) tum dignitatem, tum venustatem. Catii. 28,10 Ligar. 86,18/9
spast gelesen werden. Welche Möglichkeiten bestehen, trotzdem zu Phil. 138, 7 (1,21) quae turpitudinem summam habeat, gratiam nullam? 272.9/10
entscheiden? Man könnte sagen: in einem Fall wie off. 17,23/4 (1, 36) orat. 36, 22/3 (107 extr. = Quent. 199) filiae paelex.
militabat, dimisit ist der trochaeische Rhythmus des ersten Wortes 72,18 73, 3. - 71, 11 MU. 37,19
so eindeutig, daß man Ditrochaeus + Molossus annehmen möchte. Hyperbaton
Andererseits könnte die Paronomasie z. B. Phil. 177, 25 (2, 67) Manii. 8, 26 (13) impetus . . repressos esse intellegunt ac retardatos, orat. 10,1
nihil ( = nil) erat clausum, nihil obsignatum, nihil scriptum -. 135,27 (1,17)
non muto, non moveo'. Catii. 25, 12 (2,6) pertimuit, profugit fur den
Dibaccheus sprechen. Jedenfalls aber scheint es in diesen und ähn­ 2. Syntaktischer Einschnitt vor der Klausel mit Auftakt
lichen Fällen unmöglich, kretisch-trochaeisch zu lesen. Es gibt jedoch
noch einen anderen Gesichtspunkt, orat. 183f. (s. S. 70) heißt es: Eigenes Kolon
(lyricos Graecos) cum cantu spoliaveris, nuda paene remanet oratio, quorum MU. 51, 20 (76) vestrae pecuniae - pecunias dico?
similia sunt quaedam etiam apud nostros, velut illa in Thyeste: quemnam te
Nebensatz - Hauptsatz
esse dicam? qui tarda in senecta, et quae sequuntur; quae, nisi tibicen accessit,
orationis sunt solutae simillima. Und Rufin. GL VI 555, 22 berichtet: orat. 42,19 (122) ut quid agatur intellegi possit. = off. 73,6.
Bassus ad Neronem de iambico dicit, ‘Iambicus autem, cum pedes etiam Phil. 270,12 Catil. 31, 24 orat. 20, 24.
MU. 26, 8 (27 extr.) = 36, 9 (45) numquam reliquisset
dactylici generis adsumat, desinit iambicus videri, nisi percussione ita modera­
veris, ut, cumpedem supplodes, iambumferias. Es wird also vielleicht beim Hauptsatz - Nebensatz
Redner gelegen haben, ob er die conclusio trochaeisch-molossisch oder Ligar. 98,19 (33 extr.) cetera quae dicta sunt a tel2\ off. 5,13 (1,9) conducat id
dibaccheisch sprechen wollte, - womit auch wir nicht mehr einem necne orat. 48,14 37, 5/6 Phil. 272, 16. ?:orat. 69,23 23, 20/1 17,16
unausweichlichen Entweder-Oder gegenüberständen.
Im folgenden sind die beiden Formen getrennt, obwohl die Schei­ ParaUel oder antithetisch
dung nicht reinlich aufgeht. Die fünfsilbigen Wörter wie iudicaverunt, Phil. 281, 15 (8, 14) senatus haec verbis, Opimius armis.
aber auch der Typus quos videbatis sind unter ‘kretisch-trochaeisch’ Mil. 53, 6. - orat. 61, 19/20 orat. 4, 13 (11 extr.) tritas relinquamus.
gestellt, aber gehört z. B. orat. 3, 8 haud scio an numquam hierhin oder
dorthin?
3. Einschnitt vor dem schließenden Trochaeus
A. KRETISCH-TROCHAEISCH
Nebensatz - Hauptsatz
1. Syntaktischer Einschnitt vor der Klausel Catil. 16, 8 (1, 21) cum tacent clamant. Sest. 169, 17 (14) siqui . . . dissentimt,
lateant. Sest. 183, 6/7 Phil. 161, 6
Eigenes Kolon Sest. 228,13 {\\\) in civitate esseme nolles? 188,3 Catil.17,12 19,5 Ligar. 88,8
Catil. 5, 13 (1, 2) senatus haec intellegit, consul videt: hic tamen vivit. Zu a te vgl. S. 44 u.
Trochaeus + Molossus Trochaeus 4- Molossus 171
Parallel oder antithetisch Inversion
Phil. 282,14 (8,16)fateor te vidisse plus quam me. off. 5,13 orat. 74,23 69,23? MIL 36, 20 (46) Milo de Clodi reditu unde quaesivit?
Sest. 209, 13 (78) sed vi manuferro. 238, 3 (128) deserta horrida muta,
Hauptsatz - Nebensatz
Vokativ MIL 44, 27 (63) vobis haecfruenda relinqueret quae ipse strvasset.
Sest. 219, 24/5 (96) de qua pauca iudices dicam, et 242, 3 Ligar. 89,13/4 orat. 50,15 51, 6
Praedikativ Parallel oder antithetisch
Catii. 27, 23 (2, 11) intus est hostis, orat. 20,24 37,6 72,18 orat. 27,17 (80) alia rerum alia verborum. 42,11/2 (122) alteri adsumpti. 65,13
Sulla 126,2 126,4 Phil. 223,24 252, 8 orat. 51,15 68,11/2 36,15
Wortstellung
Ligar. 98, 19 (33 extr.) quae dicta sunt a te, Catii. 29, 24/5 39,1 50, 18/9 atque
Ligar. 98, 29 orat. 31, 7 (92) quaedam tralata verba atque mutata. 76, 21/2 off. 44,19
Phil. 199,25/6 264,16 178,25 Arch. 174,15/6 175,15
-que
B. TROCHAEISCH-MOLOSSISCH
Phil. 246,15 (5, 33) decertandum est idque confestim. 129, 7 orat. 12, 24/5 al. al.

1. Syntaktischer Einschnitt vor der Klausel Hyperbaton


Phil. 135, 12/3 (1, 16) quia rationem habendam maxime arbitror pacis atque oti.
Eigenes Kolon Phil. 131, 15 (1, 8) edictum Bruti adfertur et Cassi, 130, 10/1 282, 18
Catil. 19, 11 (1, 28 in.) quid tandem te impedivit? mosne maiorum? Arch. 167,18 (5) Mario consule et Catulo, orat. 22,24 82,11 Mil. 37,4/5 51,17

Nebensatz - Hauptsatz
2. Syntaktischer Einschnitt vor der Klausel mit Auftakt
Arch. 175,3 (20 extr.) ea quaegesseratposse celebrari, orat. 74, 18 (193) cordacem
appellat Nebensatz - Hauptsatz
Phil. 255,16/7 130,24 orat. 88,5 (229) similefacamus3*18>21,22 Mil. 32,23 orat. 68,16 (177) id quod casus effudisset, cecidisse iucunde. 70,21 84,8/9 12,3
l3> D. Korzeniewski: „Darf man ‘simile faciamus’ = 'Mario consule et Mil. 56, 3 (84) plane qualis aut ubi sit sentire possimus. 26, 13 Catil. 58, 15
Catulo' setzen? possimus / constituit? Die Termini sind in solchen Fällen eine Hauptsatz - Nebensatz
Zwangsjacke, die den Unterschied des Ethos, der Ruhe und der Erregung
(je nachdem, ob die Längen oder die Kürzen sich häufen) verwischen. Catil. 32,12 (2, 20) ex iis coloniis quas Sulla constituit, orat. 82,16 48,22 35, 9
Man darf m. E. nicht von Auflösungen der Längen ausgehen, als ob Li­
zenzen wie in den katä m£tron gebauten Sprechversen vorlägen. Die Parallel oder antithetisch
Längen beruhigen (mulcent), die Kürzen erregen (excitant).“ Es folgt ein orat. 18, 6 (51) ubi res spectantur, non verba penduntur. 61, 27 33, 4 Mil. 44, 8
Beispiel. Ich würde erwidern: ein Unterschied des Ethos besteht sicher, orat. 13, 26 3,8 83,23 70,5 74, 8/9
aber kein Unterschied des Rhythmus. Auflösung einer Länge in zwei Kür­
zen ist keine Lizenz der Sprechverse, sondern animus ist gleich causa; wie 3. Einschnitt vor dem schließenden Molossus
Quintilian sagt (Kap. I S. 12): eine lange Silbe ist gleich zwei Kürzen;
daß eine lange zweimorig ist, eine kurze einmorig, wissen schon die Kinder. Nebensatz - Hauptsatz
Wir handeln hier allein vom Rhythmus, lassen uns dabei allerdings auch vom Catil. 40, 20 (3, 6) pugna quae erat commissa sedatur. 27, 30 (2, 11 extr.) que»
Wortakzent leiten: auch für ihn gilt die Gleichung dnimus = causa. merentur expectent.
172 Ditrochaeus Ditrochaeus 173

Catii. 40, 5 (3, 5) quaefieri placeret, ostendi. 43,11 44,11 Phil. 132, 1 zu 213 bemerkt: „Zielinski hat Unrecht, wenn er diese Klausel nur
off. 42,18 Sest. 201,17 Mil. 53,22 63,27 65,23/4 al. al. bei vorangehendem Creticus anerkennen will.“ Man versteht in der
Tat nicht, wie Zielinski diese These angesichts des berühmten Bei­
Hauptsatz - Nebensatz spiels 214 patris dictum sapiens temeritas fili comprobavit überhaupt auf­
Tuse. 57, 19/20 (1, 79) nihil esse quod doleat, orat. 64, 21 (169) quam illa quae stellen konnte. Andererseits ist richtig, daß dem Ditrochaeus sehr oft
desunt. Tuse. 25, 29 off. 43,4 38,28 Phil. 184,27 185, 15 ein Kretiker vorangeht. Werden also beide Formen promiscue ge­
*Ligar. 89, 6 (11 in.) stdprodigi simile esi quod dicam. Catii. 18, 27 braucht oder läßt sich zwischen ihnen ein Unterschied erkennen? Das
*off. 7, 21 (1, 14) quid sit quod deceat. Phil. 140, 22 Sest. 248,14 212, 1 ist die Frage, die den Gesichtspunkt für die Anordnung des Materials
im ersten Abschnitt hergegeben hat: man findet die Stellen mit Kreti­
Inversion ker vor dem Ditrochaeus mit gxffeau;, die anderen mit sta&eau; ge­
Phil. 140, 23/4 (1, 27 extr.) ista arma ne noceant. druckt. Dürfen wir eine Prognose wagen? Daß der Kretiker eine
Parallel oder antithetisch Neigung zur Pausastellung hat, zeigt bei Plautus das kretische
Betonungsgesetz für kretischen und daktylischen Wortschluß mit
Phil. 279, 7 (8, 8) id molitur, id pugnat. 267, 23 141, 3 140, 21 seinen regelmäßigen Ausnahmen aspicedum und nescioquis. Wir sind
Sest. 225, 17 (106) non conducta, sed vera. Mil. 64, 8 Sest. 214, 2/3 177, 15
♦Phil. 177, 25 (2, 67) nihil obsignatum, nihil scriptum. 135, 27 (1, 17) non daher vielleicht zu der Vermutung berechtigt, daß auf den kre­
muto, non moveo. tischen Wortschluß ein leviter insistere folgt, jedenfalls vor dem
♦Catii. 25, 12 (2, 6) Catilina ipse pertimuit, profugit. Ditrochaeus, d. h. im Zusammenstoß zweier Hebungen. Wir werden
ein kleines Intervall sicher auch vor comprobavit in dem Carbo-Zitat
annehmen, aber es macht doch einen Unterschied, ob der Rhythmus
Ditrochaeus trochaeisch durchgeht oder ob er vom Kretiker zum Trochaeus
umbricht, d. h. ins Stocken gerät. Wenn also überhaupt eine
Unter allen Klauseln ist der Ditrochaeus am besten bezeugt und Verschiedenheit besteht und greifbar ist, dann muß sie hierin zu
scheint am einfachsten: er ist die schwierigste. Uber eine Tatsache suchen sein. Aber sehen wir zu, was sich dem Material entlocken
allerdings ist kein Wort zu verlieren, so bemerkenswert sie ist, so läßt.
sehr sich der Ditrochaeus darin von den anderen Klauseln unter­ Am besten beginnen’wir mit den Stellen unter ‘Parallel oder anti­
scheidet: es kann für ihn ohne weiteres der Dispondeus eintreten. thetisch' S. 178. Zuerst findet man Satzschlüsse mit einem den Ditro­
Dieser ist seltener, aber eine Statistik aufzustellen -würde schwerlich chaeus einleitenden quam. Bei vorangehendem Kretiker handelt es
lohnen. Bekanntlich wird diese Klausel besonders gern durch ein sich, wie man ohne weiteres sieht, dutchweg um echte Antithesen.
einziges Wort gebildet, und hierbei versteht man besonders gut, daß In den Gegenbeispielen aber wird höchstens eine Korrektur vor­
auf die Quantität der drittletzten Silbe nichts ankommt. Man ver­ genommen. Catil. 30, 9 (2,16): nach außen hin queruntur, in Wirklich­
gleiche z. B. Phil. 188,2/3 (2, 88) praevertendum est mit off. 20,4 (1, 40) keit verentur-, fast ebenso 30,16/7 (2,16 extr.); off. 30,1 (1, 65): lieber
cogitandum est oder off. 4, 5 (1, 6 extr.) hauriemus mit orat. 15, 27 (43) sein als scheinen; orat. 51, 3 (143) wird nur ein ‘mehr’ festgestellt;
exponemus. Catil. 26, 6 (2, 8) wird das Haupt der Verschwörung nur aus allen
Für die Anordnung des Materials ist auch hier wieder die Abgren­ herausgehoben, denen je inlecebra eigen war (die vielen Kürzen machen
zung der Klausel durch syntaktischen Einschnitt maßgebend. Da allerdings die rhythmische Deutung schwer). Man beachte aber auch
diese nun aber die kürzeste von allen Klauseln war, lag es nahe, sie die Wortstellung: die opposita folgen einander unmittelbar: repu­
nicht nur mit dem Auftakt einer einzigen Silbe einsetzen zu lassen. diata - quaesita, dicax -facetus, apta - soluta, geri - parari, efferunt - acce­
Nun rechnet jedoch W. Kroll S. 170bf. zu orat. 199 als Klausel nicht perunt, gerentibus - quietis-, in den Gegenbeispielen steht das gemein­
den einfachen Ditrochaeus, sondern -w-/-v_.-w, während er S. 182a same Praedikat meist vermittelnd zwischen den beiden Gliedern:
174 vor dem Ditrochaeus Creticus oder Trochaeus 175

inlecebra juit, mallem, mavult, potius luitur, plus valuerint. Dort prallen Es schien zuerst unglaubhaft, als der Unterschied bemerkbar wurde,
die Gegensätze aufeinander, hier wird von dem einen der parallelen und freilich bedarf der Sachverhalt einer sorgfältigen und argwöhni­
Begriffe zum anderen hinübergeleitet. schen Nachprüfung, wobei man allerdings nicht in den Fehler ver­
Fahren wir fort, S. 178u.: orat. 12, 5/6 (35 extr.) tua culpa sit, mea ist fallen darf, durch die in der Mitte liegenden Fälle, bei denen promiscue
wieder eine klare Antithese, ebenso die beiden folgenden Stellen, Kretiker oder Trochaeen vor dem schließenden Ditrochaeus erschei­
jedenfalls Phil. 193, 16 (2, 101); viel schwächer orat. 76, 24 (199), nen, die Beobachtung ad absurdum führen zu wollen. Man hat zu ver­
und wieder steht deceat dbrö xoivoO dazwischen. Dann sind die beiden fahren wie bei den Synonyma, bei denen der Unterschied der Bedeu­
Beispiele Phil. 182, 16 (2, 76) und 179, 7/8 (2, 69) ausgesprochen tung nicht dort gefaßt werden kann, wo man ebensogut beide Wör­
‘parallel’, nicht gegensätzlich. Am ersteren Ort wiederum wie oben ter, sondern nur dort, wo man nur das eine von ihnen gebrauchen
Phil. 130, 18/9 (1, 6) vidi - audivi, das kurz darauf in Catil. 18, 13/4 kann. Da der Leser in die Lage versetzt werden muß, selbst eine vor­
(1, 26) noch einmal begegnet. Ganz anders orat. 73, 12/3 (190) nec läufige Prüfung vorzunehmen, ist es leider notwendig, das Material
potest nec necesse est; off. 60, 28/9 (1, 135) scheint schon fast ein Tri- in größerer Breite vorzulegen.
trochaeus mit ‘Auftakt’; ganz anders auch nisi coacti off. 13,23/4 (1,28)
und die beiden nächsten Stellen. Man gehe das Folgende selbst durch, 1. Syntaktischer Einschnitt vor dem Ditrochaeus
z. B. Lael. 84, 11 (100) et conciliat amicitias et conservat, dann orat.
20, 14/5 (59) und die beiden nächsten: eaque rara ist rein fortführend Eigenes Kolon
(übrigens davor sicher Pausahiat). Dann die Reime Mil. 25, 23 (26) Arch. 168,23 (8) nihil dico amplius; causa dicta est.
nonposse, vitamposse us w., falsi testes,falsum crimen, Arch. 173,9 (16 extr.) Ligar. 94,4 (23) ‘recepti in provinciam non sumus', quid, si essetis?
peregrinantur rusticantur. Dagegen unter ‘Wortstellung’-S. 179f. haben Phil. 179,14 (2,70) dixisset . . . se et consulem et Antonium, numquam
wir in den ersten Beispielen nicht nur Antithese, sondern auch dixit.
Hyperbaton. Dieses ebenso off. 4, 24 (1, 8), wo et perfectum eben Phil. 182, 2 (2, 76 extr.) quemerat aequissimum. . .pugnare, quem? te sectorem
Phil. 268, 5 (7,14) at legatum misimus, heu me miserum: cur . . .
als Ditrochaeus abgesondert und ans Ende gestellt ist, davor dicitur
orat. 81,10 (213) baec quidem . . . incisim; dein membratim:
Daktylus pro Cretico. Dieselbe Absonderung auch in den fol­ Ligar. 93, 6 (20) reprehendo igitur? minime vero. 96,24
genden Stellen, aber nicht orat. 61, 24 (163), wo sonus et numerus Mil. 63, 28 (100) hoc denique . .. deposco, quid iam restat? quid
Apposition ist und statt des Kommas ein Doppelpunkt gesetzt habeo . . .
werden müßte. off. 36, 8/9 (1, 81) ut aliquando dicendum sit: ‘non putaram'.
Selbst unter der Rubrik ‘Eigenes Kolon’ S. 175 scheint der Unter­ Phil. 186, 9 (2, 84) adparet esse commotum: sudat pallet. 198,12
schied faßbar, z. B. Phil. 182, 3 (2, 75 extr.) quem? te sectorem-, dagegen 265,5
in glattem Fluß orat. 81, 10 (213) dein membratim, mit Doppelpunkt
Nebensatz - Hauptsatz
davor Phil. 186, 9 (2, 84) sudat pallet. Dann unter ‘Nebensatz-Haupt­
satz’ S. 175 u. Phil. 155,2 (2,17) antithetisch, aber Koloneinheit Sest. off. 50,11 (1,110) quo facilius decorum illud quod quaerimus retineatur.
193, 3 (52) si erit is id quod debetur persolutum mit Hyperbaton der orat. 22, 21 (66) ab his . . . haec eloquentia quam quaerimus sevocanda
est.
Verbalform. Parallelismus Phil. 257, 14 (6, 5) S. 176 m. feci in senatu,
Mil. 32,12 (37) quando . .. sica illa quam a Catilina acceperat con­
faciam apud vos. Sehr merkwürdig die ‘Indirekten Fragesätze’: die quievit?
Stellen mit Kretiker vor dem Ditrochaeus sind echte Fragen, nicht Phil. 155, 2 (2,17) tibi idem quod illis accidit contigisset?
so die Gegenbeispiele. Bezeichnend, daß es off. 53, 20 (1, 117 extr.) Sest. 226, 20 (109) ut quini . . . qui suffragiumferant referiantur.
S. 177 o. quod, nicht quid optimum esset heißt, nicht weniger bezeichnend Lael. 74, 7 (73) quantum (possit) ille quem diligas atque adiuves
das Hyperbaton potuit - iudicare. Besonders eindrücklich Mil. 52, 12 sustinere.
(77) S. 177 vetera illa gaudia quanta fuerint iudicare. Sest. 193, 3 (52) praesertim si erit is id quod debetur persolutum.
176 vor dem Ditrochaeus Creticus oder Trochaeus 177
orat. 20, 25 (60 extr.) tristitiae modum res ipsae de quibus agitur tem­ orat. 75, 22 (196) quos numeros . . . misceri oporteat nunc dicendum est.
perabunt. Sest. 243,4 (134 extr.) tanta legumcontemptio nonne quem habitura sit exitum
Phil. 181,13 (2, 74 extr.) hunc quisquam, qui . . . tam timidus fuerit, pertimescit?
pertimescat? orat. 39, 21 (115) qua ratione verumfalsumne sit iudicetur;
Phil. 191,1 (2,96) u t. . . ii quibus erepta essent reciperarent. orat. 46,13/4 (133 in.) verum haec vis . . . quanta sit suspicemur, quoniam
Ligar. 85, 22 (3) Varus qui . . . Africam optinuerat Uticam Sest. 174, 17 (23) quoius et quo tempore et quomodo non quaerebat,
venit. off. 53, 20 (1,117 extr.) ante . . . quam potuit quod optimum esset iudi-
Phil. 155,19/20 (2,18 extr.) eosapudquos dicit vituperari. Arch. 170, 6/8 care.
orat. 28,1 (81) sint illa quidem permulta, sed quae emineant Mil. 41,19 (56) semper . . . et quantum ille auderet cogitabat.
pauciora. orat. 86, 23 (226 extr.) ut .. . auribus quid numerosum . . . esset iudi-
orat. 52,17 (148 in.) quodsi ea quae dixi non ita essent, quis tamen caret.
Sest. 193,13 (52) quae cum omnia . . . quae .. praetereo acci­ orat. 51,11/2 (144 extr.) docere honestum est, ut est: quibus (verbis) ipsa
sacra . . . defendique possint non honestum?
dissent,
Mil. 52,12 (77) vetera illa gaudia quantafuerint iudicare;
Ligar. 88,16 (10) nisi ut quod hic potest nos possemus? orat. 15, 26 (43) nec quibus rebus ea paretur exponemus, sed
off. 4, 5 (1,6 extr.) efontibus eorum .. . quantum . .. videbitur hauriemus.
Phil. 175, 9 (2, 62) = 181, 5 (2, 74) quo se verteret, non habebat. Konjunktionaler Nebensatz
off. 15, 9 (1, 32) nam si .. . Neptunus quod Theseo promiserat, non
fecisset, ut c. ind. Lael. 85, 3 off. 16, 14: Phil. 135, 9 196, 16 off. 73,12
off. 49,14 (1,109) dum quod velint consequantur, ut ut, ne c. conj. Catii. 66, 27 Sest. 172,7/8 203,14 Phil. 197, 15/6: orat. 54,
Phil. 257, 14 (6, 5) quod paulo ante feci in senatu, faciam apud vos. 15 Catii. 53,11 52,9
Mil. 42, 12 (57) quod tormentis inveniri vis, idfatemur. si orat. 69, 7/8 7, 7/8 off. 14, 12 Sest. 201, 5/6:
Phil. 154, 12 (2, 15) ego senatum qui . . . praesidebat consulebam, tu orat. 50,15 55,10/1 Mil. 55,12 Catii. 17,11 Phil. 170,19 193, 3
Sest. 212, 6 (83) si Sestius . . . animam quam vix retinuit edi­ Temporalsatz: Sest. 150,11 Lael. 78,8: Sest. 202,28 170, 1 Phil. 192,
disset, 4/5 266,22
Phil. 188, 2/3 (2, 88) quod iis rebus, in quas ingressa est oratio, praeverten- Hauptsatz - Nebensatz
dumst. Relativsatz
orat. 75, 20 (196) sit oratio . . . numeris quos ille praeterit temperata. M li. 53, 9 (79) ut ea cernimus quae videmus -
Lael. 66, 21 (52) si quando de amicitia, quam . . . habent cognitam, orat. 28, 27 (83 extr.) eliget quibus utatur.
disputabunt. Ligar. 92, 2/3 (18) de illis loquor qui occiderunt.
Phil. 148, 7 (2, 3) . . . quod egogravissimum crimen iudico, pauca dicam. Sest. 218, 19 (94) hos duos quos videtis
Mil. 39,12 (51) ad villam suam quae viam tangeret deversurum. Sest. 233, 9/10 (119) non esse popularis omnis eos qui putentur.
Ligar. 89, 21 orat. 56,3 73,14
Sest. 234, 24 (122) quibus reddere salutem a quo acceperant non liceret, nec Mil. 44, 11 (61 extr.) poenam semper ante oculos versariputent qui peccarint.
orat.12, 22/3 (36 extr.) idque ab eoposse qui eius rei gnarus esset iudicari. Mil. 61, 19 (95) hoc eodem loquitur vultu quo videtis.
orat. 49, 6/7 (138 extr.) ut fiat iis apud quos dicetfamiliaris. Phil. 195, 5 (2, 104) remove gladios parumper illos quos videmus:
Phil. 271, 8 (7, 21) de tribus enim quae proposui hoc extremum est. Ligar. 87, 16 (7) ut essem idem qui fuissem,
orat. 77, 13 (201) eadem cumfaciamus quae poetae,
Indirekter Fragesatz Sest. 206, 18 (73) ita de me illum . . . scripsisse quae scripsisset,
Sest. 204, 15 (71) quid egerit, quidprofecerit, nihil ad causam. Sest. 235, 6 (122 extr.) existimare facilius possunt qui adfuerunt.
Phil. 272, 29 (7, 26) quid enim legati egerint, nondum scimus. Phil. 264, 18 (7, 3) quos quidem a se primum numerare possunt qui
off. 23,11/2 (1, 49) quo quisque animo . . .fecerit, ponderandum est. haec locuntur —
off. 20, 4 (1, 40) quid senseris, non quid dixeris, cogitandum est. Phil. 261,22 (6,16) plures quam re pubi, dignum est qui ita loquantur:
178 vor dem Ditrochaeus Creticus oder Trochaeus 179

Mil. 27, 16/7 (30) non habeo quod defendam. Catii. 18,13/4 (1, 26) neque audies virum bonum quemquam neque videbis.
Sest. 173, 5 (20) habebit senatus in hunc annum quem sequatur; off. 60, 28/9 (1,133) sine contentione vox nec languens nec canora.
Sest. 235, 22/3 (124) dignum . . . illo Metello quoi dabatur. off. 13, 23/4 (1, 28) eos ne ad rem pubi, quidem accessuros putant nisi
Phil. 189, 25 cf. orat. 80, 10 Ligar. 94, 19 Phil. 158, 20 coactos.
Phil. 178, 26 (2, 69) quid enim umquam domus illa viderat nisi pudicum,
Konjunktionaler Nebensatz quid . . .
orat. 57,10 52,7 52,14: Sest. 236,24/5 243, 12 orat. 65, 15/6 Mil. 45, 23 Ligar. 89,16 (11 extr.) non tu hunc patria privare qua caret, sed vita vis.
Ligar. 96, 7 (28) pacis .. . semper auctorfuit, sed tum sero.
Parallel oder antithetisch Sest. 196,8 (57) erat rex si nondum socius, at non hostis;
Lael. 65, 25/6 (50) nihil est .. . nec rapacius quam natura. pacatus. . .
Mil. 45, 15 (64 extr.) nec ante repudiata sunt quam quaesita. Sest. 226,17/8 (109 in.) venio ad comitia sive magistratuum placet sive legum.
orat. 30, 23/4 (90) sed non tam dicax fuit quamfacetus. Phil. 271,15 (7, 21) ii qui . . . amici umquam vobis erunt aut vos illis?
orat. 79, 31 (210) narratio quae plus dignitatis desiderat quam doloris, orat. 86, 6 (225) cum aut arguas aut refellas,
orat. 87, 19 (228) quod multo maiorem habent apta vim quam soluta. Sest. 248,22 (143 extr.) qui rem /> . .. . aut auxerint aut defenderint aut
Ligar. 85,16/7(3) (bellum) ante audierunt geri quam parari. servarint,
off. 23, 2 (1, 48) agrosfertiles, qui multo plus efferunt quam acceperunt. orat. 78, 27 (206) utrum una species . . . sit earum anne plures, et
off. 33, 11 (1, 73) rem publicam gerentibus quam quietis, orat. 80, 7 (210) cum is qui audit ab oratore iam obsessus est ac tenetur.
Catii. 30, 9 (2, 16) non tam hoc queruntur quam verentur. Phil. 202,3/4 (2,119) perfuncto rebus is, quas adeptus sum quasquegessi.
Catii. 26, 6 (2, 8) quae tanta in ullo . . . inlecebra fuit quanta in Lael. 84,11 (100) virtus . . . et conciliat amicitias et conservat.
illo? orat. 20,14/5 (59) excursio moderata eaque rara;
Phil. 130, 18/9 (1, 6) quae cum audire mallem quam videre haberem- orat. 65, 24/5 (171) ego autem illos ipsos laudo idque merito quorum
que . .. Phil. 167,15/6 (2, 44) certa flagiti merces, nec ea parva; sed
off. 30,1 (1,65) principemque se esse mavult quam videri. Mil. 25, 23 (26) consulatum eripi Miloni non posse, vitam posse.
Mil. 63,17/8 (99) cur non id meo capite potius luitur quam Milo­ Mil. 20, 12 (14) crimen iudicio reservavi, rem notavi.
nis? orat. 88,14/5 (230) ad quem scripsit, cui se purgat,
Catii. 30,16/7 (2,16 extr.) optemus potius ut eat in exsilium quam quera­ Ligar. 96, 26/7 (30) falsi testes, falsum crimen.
mur. Mil. 60, 22 (93) sint incolumes, sint florentes, sint beati;
orat. 51, 3 (143) haud scio an plerique . . . ingenio plus valuerint Phil. 177, 26 sq. (2, 67) alia mimi rapiebant, alia mimae.
quam doctrina. Ligar. 96, 24 (30) erravit, lapsus est, non putavit
orat. 12, 5/6 (35) iniusti operis impositi tua culpa sit, mea recepti; Sest. 184, 23/4 (39) cum testamentario, cum sicario, cum latrone.
off. 11, 6 (1, 22) ortus nostri partem patria vindicat, partem amici, Phil. 262, 22 (6,18) eodem incumbebant municipia, coloniae, cuncta Italia.
Phil. 193, 16 (2,101) tua ista detrimenta sunt, illa nostra. Sest. 242,15 (134) familiam . . . speciosam nobilem gloriosam.
orat. 76, 24 (199) est autem ut id maxume deceat, non ut solum. Arch. 173, 9 (16 extr.) pernoctant nobiscum, peregrinantur, rusticantur.
orat. 21, 27 (64) nihil atrox nihil miserabile nihil astutum;
orat. 66,17 (173) nihil curtum nihil claudicans nihil redundans? Vokativ
off. 67, 12/3 (1,148 extr.) sine qua nihil rectum esse potest, nihil honestum. Sest. 250, 20/1 188,14 Phil. 156, 6: Catii. 67, 1/2 off. 60, 31
Phil. 182,16 (2, 76) nullum turpius vidi, nullum audivi.
Phil. 179, 7/8 (2, 69) quam porro spectatus civis, quam probatus. Wortstellung
orat. 73, 12/3 (190) quod ne accidat observari nec potest nec necesse est. Sest. 221, 25 (99) qui . . . communi incendio malint quam suo deflagrare.
Phil. 182,12 (2, 76) nullis nec Gallicis nec lacerna. Ligar. 86, 21/2 (5) an ille . . . cum alienis esse quam cum suis maluisset?
Phil. 196, 24/5 (2,108) erantfortasse gladii, sed absconditi nec ita multi. Phil. 167, 13 (2, 44) quamvis quisfortunae vitio, non suo decoxisset.
180 Ditrochaeus mit Auftakt Ditrochaeus mit Auftakt

Phil. 153, 25 (2,14) vitrici te similem quam avunculi maluisti. Eigenes Kolon
orat. 85, 23/4 (224) iacentem domum pluris quam te et quamfortunas tuas pro di immortales, o hominem nequam, ad me revertar sim. Phil. 180, 20 183, 11
aestimasti - (2,77) 186,25 Ligar. 88,15 89,10 90,9 Mil. 33,7 38,8 41,1 65,5
Sest. 178, 4/5 (28) venisse tempus ulciscendi. orat. 35, 20/1 48,10 50,2 70,3 Lael. 58,12 83,15 Sest. 217,17 234,15/6
off. 4, 24 (1, 8) nam et medium quoddam officium dicitur et perfectum.
Ligar. 91,26 (17) alii errorem appellant,... quigravissime, temeritatem, Nebensatz - Hauptsatz
orat. 61, 23/4 duae sunt res quae permulceant auris, sonus et Mil. 66, 6/7 (105) u t. . . quod sentiatis id audiatis off. 29, 2/3 11,2 orat. 48,20
numerus. Lael. 83, 16/7 Catil. 14, 24 Phil. 168, 17/8
o ff. 30, 20 (1, 67) in posteriore est, causa . . . efficiens magnos viros in off. 1, 16 (1, 2) quoad te quantum proficias non paenitebit. Sest. 235, 5/6
priore. Phil. 172, 14 (2, 56) si severus, cur non in omnis? 270, 18 off. 65, 12/3 66,7/8
Phil. 198, 6 (2, 110) an supplicationes . . . passus es, pulvinaria noluisti? 67,1/2 Sest. 180, 7 orat. 53, 21 Mil. 29,18
orat. 80, 28 (212) cursum contentiones magis requirunt, expositiones orat. 37, 18 (109 extr.) cum dico me, te Brute dico\ Catil. 52, 18 off. 61, 5 al.
rerum tarditatem.
Phil. 170,15/6 (2, 51) cum ego conservator essem, tu hostis rei p. iudicatus? Inversion
Lael. 79, 17 (87 extr.) cuique non auferet fructum voluptatum omnium soli­ Catil. 58, 7 (4, 6) et defacto quid iudicetis et de poena quid censeatis, off. 73, 11
tudo?
Phil. 152, 13 (2, 10 extr.) etsi ille nullo modo consul, . . . ego sine ulla controversia Hauptsatz - Nebensatz
consularis. Ligar. 97, 7 (30 extr.) tu idemfer opem qui spem dedisti. 97,14/5 off. 33,3 27, 7
Phil. 174, 25 (2, 61) venisse eam tibi tot dierum viam gratulatum? Mil. 43, 20 Phil. 192, 17 Lael. 85, 9/10 Sest. 241,19/20
Catii. 26,4/5 (2, 7 extr.) quae caedes sine illo facta est, quod nefarium stuprum Lael. 76, 12 (79) quibus in ipsis inest causa cur diligantur,
non per illum? quam serviatis Phil. 263, 3 (6,19) orat. 68, 8 49,10
Phil. 183, 24 (2, 78) factus es ei rursus nescio quo modofamiliaris. nisi providetis Catil. 57, 12 (4, 4)
ut quaereretur Mil. 28, 14 (31) Sest. 237, 17 al.

2. Ditrochaeus mit Auftakt Parallel oder antithetisch


Catil 50, 13 (3, 24) partim eiecit ex civitate, partim interemit, orat. 69, 27
Da in diesem Abschnitt lediglich diese verlängerte Form als solche Phil. 263, 14 (7, 1) semper timui, numquam probavi. Sest. 174, 4 off. 16, 15/6
nachzuweisen ist, genügt ein verkürztes Stellenverzeichnis. Denn auf orat. 25, 1 (72) nec re solum, sed saepe verbo. Ligar. 89, 7 off. 61, 16/7
die Frage, ob auch hier ein Unterschied zwischen kretischem und Phil. 269, 14 (7, 16) quam turpitudo,
trochaeischem Wortschluß vor der Klausel festzustellen ist, antwortet Lael. 51, 10/1 Catil. 50, 22/3 Sest. 234, 24/5
das Material eindeutig mit Nein. Aber der Grund liegt auf der Hand: Phil. 150, 1 (2, 6) quid non moderate, quid non amice?
154, 3 Sest. 241, 4/5 Mil. 64, 19
hinter kretischem Wortschluß scheint von Natur ein leichter pho­
Phil. 185, 19 (2, 83) neque . . . dixisti nec hodie dicis, al. al.
netischer Einschnitt zu liegen, bei trochaeischem Wortschluß aber
folgen zwei Senkungen aufeinander, was ebenfalls auf ein leviter E inschnitt vor dreisilbigem W ort (nicht gesammelt), z. B.
insistere hinauskommt. Es wurde daher auf Scheidung zwischen Phil. 199, 20 (2, 114) illi quod nemofecerat fecerunt.
diesen beiden Fällen verzichtet.
E inschnitt vor zweisilbigem W ort (nicht gesammelt), z. B.
Ein Wort Phil. 193, 12 (2, 100 extr.) quem ad modum . . . paene non abieris, scimus.
consentiebant, defensione sim. Phil. 128,18 (1,2) 133,15 Ligar. 98,5 Sest. 169, 7 145, 14
195,1 196,2 206,27 232,19 241,9 243,10 orat. 78, 3 (203) si quando, semper; Ligar. 86, 28 Mil. 31, 25
182 Prosarhythmus: Tri trochaeus Prosarhythmus: Zusammenfassung 183
T ritro c h a e u s Nebensatz - Hauptsatz
orat. 72,20 (188 extr.) quodefficitur, numerosum sit necesseest. 78,3 Phil. 266,16
Die folgenden Stellen sollen auch diese Form als legitime Klausel Mil. 43, 17 31, 2 off. 13, 19
erweisen. In einigen Fällen kann man übrigens schwanken; z. B.
wird man bei orat. 88, 3 (229) nec vis esse possit vielleicht besser an Hauptsatz - Nebensatz
einen Dibaccheus denken. Hier nun aber stellt sich erneut die Frage Ligar. 97, 12 (31) vidi enim et cognovi, quid maxime spectares, cum
nach dem Unterschied zwischen kretischem und trochaeischem Wort­ Phil. 272, 20 140, 1 orat. 63, 9 81,16/7
schluß vor dem Tritrochaeus, und bei einigen Stellen meint man den
Unterschied zu fassen, z. B. orat. 15, 9 (42) Plato . . . exagitator omnium Parallel oder antithetisch
rhetorum, hunc miratur unum, andererseits Phil. 141, 1 (1, 28 extr.) non orat. 82, 7 (215 extr.) ego non plane reicio, sed alios antepono.
idem tibi . . . licebit quod Pisoni socero; aber weder ist die Zahl der Bei­ Mil. 40, 16/7 54, 13/4 Ligar. 97, 5 cf. orat. 71, 4
spiele groß genug, noch geht das Exempel ohne Rest auf; es wird
daher auf eine Sonderung der beiden Fälle verzichtet. Es wird notwendig sein, dieses Kapitel mit einer Zu s a m m e n­
Ein Wort fassung zu beschließen. Den antiken Zeugnissen ist folgendes zu
entnehmen: Der Rhythmus, beruhend auf pedibus ordine locatis, ist im
liberalitatem sim. off. 3, 14 (1, 5) 35, 20/1 Lael. 81, 7 Sest. 249, 24
Vers streng, adstricte, gewahrt, in der rhythmischen Prosa p£xPl T0U>
Eigenes Kolon remissius, ad numeros proxime accedit. Verse sind verpönt. Der Rhyth­
sednunc aliud agimus; arguisfatentem sim. orat. 30,3 (87 extr.) 37,17 48,10 58,1 mus muß verborgen bleiben, darf nicht bemerkbar, geschweige denn
Ligar. 84, 21 89, 3 Phil. 256, 21 auffällig sein. Der Prosarhythmus ist dem des Verses wesensgleich -
das wird so ausgedrückt: alle Füße des Verses erscheinen auch in
Nebensatz - Hauptsatz
Prosa, und zwar permixti et confusi. Bestimmte Versfüße zu bevorzugen,
Catil. 67, 4/5 (4, 20) tantam laudem quanta vos me .. . honestatis, nemo est wäre falsch und ist unmöglich. Aus der Wesensgleichheit folgt, daß
assecutus, orat. 30, 19/20 Mil. 61, 3 Phil. 266, 30
wir rhythmische Prosa grundsätzlich in der gleichen Weise zu lesen
orat. 24, 17 (71) quid deceat est considerandum 72, 10/1
Ligar. 96, 7/8 (28) erat enim amentis, cum aciem videres, pacem cogitare. haben wie Verse, so, daß wir auf Schritt und Tritt versartige Gebilde
Catii. 17, 4/5 52,17 66,26 Mil. 54, 1 off. 68, 17/8 Arch. 175, 5/6 entdecken, wie uns das Dionys Hai. Vormacht, wobei wir uns an
die Kolometrie des Satzes zu halten haben. Wo findet sich Rhythmus?
Hauptsatz - Nebensatz Semper, in tota continuatione verborum. Der Satz {sententia) muß iam a
off. 45, 4 (1, 100) in hac inest parte, de qua disputamus. 23, 4/5 41, 20 51, 23 principio ita fluere, ut ad extremum veniens ipsa consistat; omnia et prima
Ligar. 87, 1 (6) animadverte quaeso, qua fide defendam. 92, 21/2 92, 23/4 et media verba spectare debent ad ultimum', infolgedessen cadere numerose
Phil. 141, 1 orat. 36,18 55,3/4 79,3/4 83,9 terminarique sententiam non solum, sed maxime decet; clausulae diligentius
Parallel oder antithetisch servandae sunt quam superiora', der Rhythmus magis desideratur in clausulis
et apparet. Es war daher berechtigt, ja unumgänglich, daß sich die
orat. 78, 17 (205) facere alias breviores alias longiores. 6, 5/6 23, 28/9 30, 24
Forschung zunächst der conclusio zuwandte, über die wir auch allein
off. 19,1 (38) crudelis Hannibal, reliqui iustiores (athetiert) 31,18 24,24/5 58,24
Mil. 48,1 42,10 62,12/3 64,12 44,28 Lael. 81, 9/10 81, 7 al. von unseren Gewährsmännern Auskunft erhalten. Da der Rhythmus
nicht einmal am Schluß aufdringlich sein darf, im Satzinnern ver­
Tritrochaeus mit Auftakt borgen sein soll, besteht nicht allzu viel Aussicht, ihn hier zu fassen.
Ein Wort, eigenes Kolon Wenn dies aber überhaupt gelingen soll, so erst dann, wenn man sich
off. 16, 1 (1, 33) interpretatione. über die Kolometrie des Satzes klar geworden ist. Hierfür findet man
orat. 48, 14 (137) ut dividat in partis-, 78,8 81,11 bei Cicero einige Hinweise, den bei weitem wichtigsten gibt Quintilian
184 Prosarhythmus: Zusammenfassung Prosarhythmus: Zusammenfassung 185

mit seiner Analyse des ersten Satzes der Cluentiana. Sobald wir in­ Ausdruck. Claudere, conclusio, clausula sind nur andere Bilder für den­
dessen versuchen wollten, das Muster auf andere Sätze zu übertragen, selben Vorgang, dessen tiefster Grund in der Sinneinheit des Satzes
würden wir uns fast unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber­ liegt, der, eben um ein ev x«l oXov zu werden, ‘geschlossen’ werden
sehen. Jener Satz hat zwei sichere Synaloephen, einen sicheren Pausen- muß. Das Wesen dieser conclusio wurde S. 151 f. an einem deutschen Bei­
hiat: wo ist jene oder dieser in einem beliebigen Kolon anzusetzen? spiel, dem Ende des 23. Psalms in der Übersetzung Luthers, zu erhellen
Und wie steht es mit dem Wortakzent, dem Iktus, ohne den in das versucht, wobei wir auf die Unterscheidung zwischen einer gleiten­
Chaos keine Ordnung zu bringen ist? Denn man muß nach Dionys den und einer durch rhythmischen und syntaktischen Einschnitt
Hai. den kleinen versähnlichen Gebilden entweder iambischen oder scharf markierten Kadenz geführt wurden. Da sich nun aber allein
trochaeischen oder daktylischen usw. Rhythmus geben, was nach bei der zweiten Form der Anfang der Kadenz bestimmen läßt, war
den S. 9 ff. angeführten Stellen nicht ohne percussio möglich ist. Und der Untersuchung ihre Aufgabe gestellt: Abgrenzung der Klauseln
hierbei stößt man alsbald auf das Problem des Zusammentreffens von mit Hilfe der syntaktischen Einschnitte. Dabei erinnerten wir uns,
Hebungen und von Senkungen, wobei man sich des ‘Gesetzes vom daß Cicero und Quintilian außer den von der modernen Forschung
zerrissenen Anapaest’ erinnert, und der Folge von mehreren kurzen anerkannten noch zwei weitere Klauseln erwähnen, den Baccheus und
Silben wie S. 150 excipere liceret (orat. 108). Es ist mehr als zweifel­ den Dochmius, und, soweit man ihren unklaren Angaben trauen darf,
haft, ob es je möglich sein wird, diese Schwierigkeiten zu überwinden. noch andere Formen zuzulassen scheinen. Das Stellenmaterial brachte
Die Angaben Ciceros und Quintilians über den Rhythmus der die Bestätigung: es gibt erstens mehr Klauseln als jene vier, und diese
conclusio haben den schweren Mangel, daß sie nicht vom Text aus­ wiederum kommen sämtlich auch mit ‘Auftakt’ vor, ja der Ditro­
gehen und ihn analysieren, sondern von den Versfüßen unter dem chaeus sozusagen mit dreifachem Auftakt, und außerdem - dies war
Gesichtspunkt ihrer rhythmischen Eignung; die Angaben selbst sind das Interessanteste - schien ein rhythmischer und syntaktischer Unter­
meist unklar und widerspruchsvoll. Es liegt wesentlich an diesem schied erkennbar zwischen kretischem und trochaeischem Wort­
Ausgangspunkt, daß es eine ganze Anzahl von Stellen gibt, an denen schluß vor dem Ditrochaeus, ein Unterschied wie zwischen Caesur
unsere Gewährsmänner die Klauseln ebenso mechanisch abschneiden, oder Umbruch und glattem rhythmischem Fluß. Aber dieses Buch
wie es in ihrer Nachfolge die moderne Klauselforschung getan hat. verheißt mit seinem Titel nur eine Einführung zu geben: nirgends mehr
Aber es gibt doch auch einige andere Stellen, wo Quintilian einer als beim Prosarhythmus, bei dem wir ganz neue Wege gegangen sind,
ersten Erklärung mit einem vel potius oder verius eine solche ent­ ist eine Nachprüfung der Ergebnisse, und, wenn sie sich bestätigen,
gegenstellt, die auf die Wortgrenzen Rücksicht nimmt. Wichtiger eine Weiterführung der Untersuchung notwendig.
aber als alles andere ist wiederum der erste Satz der Cluentiana, dessen
Schluß Quintilian so abteilt: in duas / divisam esse partis, woraus wir
entnehmen, daß nicht etwa esse partis als Ditrochaeus abgetrennt
werden darf, sondern daß die drei letzten Worte zusammen als Klau­
sel zu betrachten sind. Diese eine Stelle ganz allein schon widerlegt
die gesamte moderne Klauselforschung, an der Walter Schmid mit
Recht vernichtende Kritik geübt hat. Nicht mit Recht aber scheint
er die ‘Klausel’ im Prinzip verworfen zu haben, obwohl uns Cicero
und Quintilian nicht nur über ihre Form, sondern auch über ihren
minimalen und maximalen Umfang genaue Angaben machen. Der
rhythmische Schluß stellt sich Cicero so dar, daß der ‘Fluß’ des Satzes
von einem bestimmten Punkt an sich dem Ende zuneigt, um wie in
einer Kaskade abzustürzen: cadere ist der immer wieder gebrauchte
SCHRIFTENVERZEICHNIS

Arbeiten zu einzelnen Fragen sind an der betr. Stelle angeführt und


werden hier nicht noch einmal genannt. Andererseits sind Abhandlungen
in dieses Verzeichnis aufgenommen, die nicht zitiert sind, auf die hinzuwei-
sen jedoch nützlich schien. Daß nur eine Auswahl geboten werden konnte,
ist selbstverständlich. Wenn die Arbeiten zu Plautus den meisten Raum
beanspruchen, so liegt das an der besonderen Schwierigkeit der altlateini­
schen Metrik und Prosodie, andererseits daran, daß ich in den anderen
Kapiteln eigene Wege gegangen bin. Die Grammatiken, Neue-Wagener
Formenlehre, Ferdinand Sommer Handbuch, Leumann-Hofmann, ebenso
das Plautus-Lexikon von G. Lodge und der Terenz-Index von Jenkins
werden als bekannt vorausgesetzt.
Literaturberichte in Bursians Jahresberichten
Kalinka, Ernst, Griechisch-römische Metrik und Rhythmik im letzten
Vierteljahrhundert, Suppl. Bd. 250, 290-494 (I). 257, 1-160 (II). 256,
1-126 (III). Bewunderungswürdig durch die Bewältigung und ein­
sichtige Beurteilung einer erdrückenden Literaturmasse.
Zu Plautus
Seyffert, Otto (vor ihm von geringerem Wert Lorenz) 1882 1886 1890
1894 (bis nach 1900 viele Rezensionen in der Berl. Phil. Wochenschrift).
Über diese Berichte Lindsay Burs. 1906,116: „diese berühmten Berichte,
die man mit Recht progressus nostri et indicium et maxima causa nennen
kann“. An Kennerschaft unerreicht, von klarem Urteil, auch heute noch
belehrend, vor allem Maßstab setzend.
Lindsay, W. M. 1906 1914; dann nicht mehr von gleichem Niveau
O. Koehler, 1922 1928, F. Conradt, 1935.
Man vergleiche ferner die vorzüglichen Literaturberichte von Wilhelm
Kroll in der Glotta.
Allgemeines zur griechischen Metrik
Hermann, Gottfried, Elementa doctrinae metricae, Leipzig 1816.
Christ, Wilhelm, Metrik der Griechen und Römer, Leipzig 18792.
Maas, Paul, Griechische Metrik, in: Einleitung in die Altertumswissen­
schaft Bd. I H. 7, 1923; separat zuletzt 1929. Englische Übersetzung:
Greek metre von H. Lloyd-Jones, Oxford 1962.
188 Schriftenverzeichnis Schriftenverzeichnis 189

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Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von. Griechische Verskunst, Ber­ Brenot, A., Les mots et groupes iambiques r£duits dans le theätre latin,
lin 1921. These Paris 1923.
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logus Suppi. Bd. XXI H. 1, 1929.
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190 Schriftenverzeichnis Schriftenverzeichnis 191

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1897, 509ff.
REGISTER
- L. Annaei Senecae tragoediae rec. et em., Vol. prius: De Senecae tragoe­
diis observationes criticae, Berlin 1878.
Marx, W., Funktion und Form der Chorlieder in den Seneca-Tragödien, Der Erschließung dieses Buches dienen zuerst das Inhaltsverzeichnis und
Diss. Heidelberg 1932. die Kolumnentitel. Eine Art von Register ist das Kapitel Nomenclator
Weitere Arbeiten S. 135. metricus, aber auch die Abschnitte Prosodie und Cantica der Kapitel III
und VIII. Dadurch wurde das Sachregister entlastet. Unter ‘Testimonia’
Prosarbytbmus werden von den Zeugnissen für die ‘Grundbegriffe’ und den Prosarhyth­
Clark, A., Fontes prosae metricae, Oxford 1909. mus nur ganz wenige, besonders wichtige angeführt; desgleichen von den
K roll, Wilhelm, Cicero Orator hrsg. u. erkl., Berlin 1913. Versen nur diejenigen, zu denen um ihrer selbst willen etwas zu bemerken
Laurand, L., Etüde sur le style des discours de Cicdron, Paris 1928-1931. war, von den Beispielen des Kapitels Prosarhythmus nicht ein einziger.
N orden, Eduard, Die antike Kunstprosa, Bd. II, 3. Abdruck Leipzig 1918; Dieses Kapitel durch Indices zu erfassen, erwies sich überhaupt als unmög­
Anhang II: Zur Geschichte des rhythmischen Satzschlusses. 4. Die lat. lich. Unter ‘Autoren’ ist auf das Schriftenverzeichnis nicht verwiesen.
Prosa S. 923-960. Nachträge 16-20. Die Ziffern der Anmerkungen sind fortgelassen.
Schmid, Walter, Über die klassische Theorie und Praxis des antiken
Prosarhythmus. Hermes Einzelschriften H. 12, 1959.
Wolff, J., De clausulis Ciceronianis. Jahrbücher f. Philologie, Suppl. Metrisches und Sprachliches
Bd. XXVI 1901.
Zielinski, Th., Das Klauselgesetz in Ciceros Reden, Philologus Suppl. adiectio, detractio usw. 141 Apokope von auslautendem e 14.
Bd. IX 4, 1904. Adoneus 78 53. 58 ff.
Akzent nicht bei ante 44-A. 58 o.
Akzentuierende Metrik des Spätlatein ursprüngliche Anfangsbetonung Arsis, s. Hebung
N orberg, Dag, Introduction ä l’etude de la versification latine medi6vale. 45 A. Asclepiadeen 76. 118ff. 140
Studia latina Stockholmensia V 1958. Intensitätsakzent 50 Auflösungen, s. Hebung u. Senkung
‘umgekehrte’ Betonung 46 A. Baccheen 73
s. Iktus, Synaloephe, s. Iambenkürzung
dact. u. tribrach. Wörter Bentley-Luchssches Gesetz 36 ff. 39.
alkäische Strophe 126ff. 43. 46.137. 158
Anaklasis 68 f. biceps 26
Anapaeste 74.140 Bucolica 22. 98 f.
anapaestisches Gruppenbetonungs­ Caesur, Definition 19 ff. 86 f.
gesetz 45 f. (137 u.) Namen 19 A. 88
anapaestische Silbenfolge 45 oder Diaerese im tr. sept. 34 A.
Anapaest zerrissener 25. 41 f. 43f. männliche im lat. 90 o.
44A. 54 A. 56. 74. 157. 184 Interpunktions-, Sperrungs- 22.
siehe Apokope 89. 122 u. 125
Anaptyxe 60 bei Plautus 33 ff.
anceps, s. syllaba anceps rangniedrigere Einschnitte 20.
Aphaerese 37 o. 88 f. 104. 107 f.
194 Register Metrisches und Sprachliches 195
‘mise en relief’ ? 108 in Anapaesten Senecas 140 indifferens syllaba Plautus u, Terenz: wann Verständ­
und Synaloephe 36. 105 in der Caesur 30 A. s. syllaba anceps nis der Metrik verloren? 28A.
davor monosyllabon 35. 106ff. metrischer, logischer 48f. incisa, s. Kola, Kommata Porsoniana lex 137
pyrrhich. Wort 35 Jacobsohnscher 37f. u. A. 49 o. Ionici 68. 72 Positionslänge, Name 12f.
Iambenkürzung 35 prosodischer 18. 39. 46ff. 75 Ithyphallicus 76 f. in der Wortfuge 12A. 139
nach Praeposition ? 21A. 108 o. mei honoris 47 synkopiert 77 s. muta cum liquida
Cantica, Begriff 71 vor h, nach m ? 47A. Katalexe 24f. 69. 85 Postpositionen 95. 127 u.
wie lange verstanden ? 70A. Hipponacteus 76 Klauseln 76 Praepositionen: einsilbige u. 2sä-
bei Terenz 31 Hyperbaton (Sperrung) 22. 94f. Kola (= membra) 20. 23. 69. 75f. bige + Subst. 95 A.
carmina = Sprüche 84 im Saturnier 82f. ‘nicht meßbar’ 116f. Prokeleusmatiker 32
Choriamben 75 ‘mise en relief’? 99A. 139A. s. ‘Urverse’ prokeleusmatische Wörter 41.137
Daktylen 75. 140 mit und ohne betonten Wort­ konjunkt 46 A. Prosodie, Begriff 28A.
dakt. Wörter, Betonung 40. 137 schluß 127 u. Kolometrie 19A. 48.144f. 146 Prosodiakon 76
Diaerese, s. Caesur Hyperkatalexe 25 Kommata (= incisa) 23 pyrrhich. Wörter vor Caesur 35
Dipodiengesetz (W. Meyer) 32 Hypermeter 21A. 25 A. 32.36.38 Konsonanten im Auslaut 13f. 61 f. quadratus versus, s. versus
Dochmier oder catal. bacch. dim. 85. 105.129 Kretiker 72 f. Reizianum 77 f.
146. 155 Hypodochmius 77 kretisches Betonungsgesetz 37-42 ff. Rhythmus = numerus 9. 142
s. Mehrdeutigkeit Iamben 71 f. 78 kretische Gruppe, davor Synaloephe und Iktus 9 ff. 168
Enjambement 32f. 38 u. 128ff. s. Senar, Septenar, Octonar 46 Sandhi 58A.
Wort über Versgrenze 21A. Iambenkürzung 49 ff. Kürzung durch Tonanschluß 14f. s. auch Synaphie
Ennius: Hexameter 29 Chronologie 50; 51A. 52. 53 55 ff. sapphische Strophe 123ff.
Enoplier 69A. 76 Erklärung 49 f. Kürzung von Endsilben 53. 147 u. Saturnier 28 f.
Glyconeen 75. 140 metrisch oder sprachlich? 49 u. A. Livius Andronicus ‘Ordner’ 29 inschriftlich, literarisch 79 A.
Hebung lOf. Hebung und Senkung, Unter­ Mehrdeutigkeit 70 o. 73f. 76 u. 146 Senar: Trimeter 24. 30
aufgelöste 11A. 32. 37. 44. 74. schied 52 155 Senkung lOf.
83. 85. 137.170A. nicht: brevis brevians 50A. 52 membra, s. Kola aufgelöste 11A. 32
Zusammenstoß von Hebungen und Sprachakzent 14f. 52 Metrum = Dipodie 24 Septenar, iamb. 30 f.
und Senkungen 157.184 und Sprechtempo? 50 A. ‘mise en relief’ Septenar, troch. Name 24; 30
Hemiepes 22. 24 u. 25 A. Bedingung: Sandhi 50A. s. Caesur und Hyperbaton Caesur oder Diaerese? 34A. 48
Hendecasyllabi 120 ff. positionslanger Silben 51A. Monosyllaba am Versschluß 32 Sperrung, s. Hyperbaton
Hexameter, Name 24 muta cum liquida 53 vor Caesur 35. 106ff. spondeisches Betonungsgesetz 44 f.
von Ennius eingeführt 29 ille, iste 60 o. mora (s. tempus) 26. 167 spondiaci versus 85 f.
Wortschluß nach 1. dact. 88 über Personenwechsel 52 muta cum liquida 12 A, 53. 139 syllaba anceps (indifferens) 25 f. 37.
nach 2. dact. 88 f. 104. 107f. Beschränkungen? 53 s. Position und IK 66. 69. 81.109.126 A. 137? 139?
nach 4. Hebung oder Senkung nicht in Pausa 54 Normierung ursprünglich freier 140.150.153.163.167 f. 184
98 ff. nicht in letzter Hebung 54 Verse 69 u. A. Synaloephe
trochaeischer oder dact. im vor Caesur oder Diaerese 35 A. numerus = Rhythmus 9. 142 phonetischer Zusammenschluß
5. Fuß 92 u. f. 103 A. 54A. Octonar, iamb. u. troch. 31 106 o.
Hiat, Definition 16A. in cret. u. bacch. 50A. 73 Pentameter, Name 26. 109 und Akzentverschiebung 17 A.
danach Versabteilung 69 bei Apokope von e? 53 Versfuge bei Catull 109 über schwere Interpunktion 18.
in der Plautusüberlieferung 48 Iktus (= percussio) 9f. 168. 184 percussio, s. Iktus 46
Saturnier 81 und Akzent 45. 50 Personenwechsel u. Synaloephe 18 über Versfuge des Pentameters
Versfuge des Pentameters 109 im Prosarhythmus 146 u. Phalaeceus 120ff. 109
Verse 197
196 Register
und Caesur 36. 105 tribrachische Wörter, Betonung 40. Quintilian, inst. 112ff. ... 20 A. 145f. (81 A.)
vor schließendem iamb. Wort 32 137 9, 4, 67 f. ...,17f. 48.146.151 115................ ............ 69 A.
u. zerrissener Anapaest41 A. 43u. Trimeter: Senar 24 9 3 ............ ..................126A. 118ff............. ............ 150
lautlich harte Synaloephen 47 A. Trochaeen 72. 78 107........... ...........148.167 10,1, 9 9 ......... ............ 28
Totalsynaloephe 47 A. 54 s. Septenar, Octonar
Synaphie der Worte im Satz 20. 32. ‘Utverse’, ‘nicht meßbar’ 20A. 23. Verse
70 o. 69. 84. 117 u. A.
siehe Sandhi Vers, Definition 23 f. Catuli. 2, 3,112......... ............ 103 o.
Synizese 47 A. 53 ff. Verschluß, rein 32 4 .............. .................. 10 f. Lucan.
Synkope (Vokalausstoßung) 60 f. quid agittir o. ä. 31A. 38 6 4 ............ .................. 98 2,148............ ............ 102
Synkopen (metrische) 68f. 71 u. Monosyllaba 32 64, 384 . . . . .................. 92 2, 289 ............ ............ 106
Systeme 24. 71 ff. Versus quadratus, 18 A. 30. 34A. 35 66, 33 ....... ..................102 5, 8 ................ ............ 101 f.
tempus (= mora) comicus quadratus 30 A. Cicero, Aratea Lucii.
inane 126A. 148. 150. 153. 157. Wort phonetisch selbständig? 17 A. 132........... ..................102f. 475 ................ ............ 56 f.
167 ‘Ein Wort’ 40A. 88A. (132) 390 .......... ..................102 u. 1097 .............. ............ 91
Terenz, Unterschied von Plautus 31 Wort durch Versgrenze zerschnit­ Ennius, ann. Lucr.
unmetrisch!? 28A. ten 21A. 8 6 ............ ..................102 1, 322 ............ ............ 92
Hypermeter, Enjambement 38 u. Wortschluß, betonter 36-40 21 l f . ......... .................. 80 1, 988 ............ ............ 103 o.
terminologische Schwierigkeiten 25 leichter (iamb.) und schwerer 276 ........... .................. 92 3, 145............ ............ 49 A.
Thesis, s. Senkung (spond. oder anapaest.) 82f. 292 .......... ..................103 A. Ovid, am. 2,14, 20 ...........114
Thymelicus 77 93ff. 109ff. U3f.- 332 ........... .................. 47 A. — met.
494 ........... .................. 47 A. 1, 322............ .............103A.
Wörter — trag. 298 .. ...........28 A. 70 14, 606 ........... ............ 102
Horaz, ars 15, 365 ........... ............ 102
an 58A. ilico 14. 42 A. 141........... ..................101 Persius 2 ,1 3 ....... ............ 47
avonculus 51 ille, iste 47. 53. 59 260 ........... ..................101 f. Plautus, Amph.
cauneas 17 A. Philipp(e)i 51 263 ........... ..................105 4 6 .................. ............ 158 A.
contra 64. 145A. pro- 57A. — epist. 164................ ............ 55
denuo 14 u. f. 42A. pröfecto 45 A. 57 2,1, 85 . . . . .................. 92 168-172 ......... ............ 72
egö 50 quoad 47 2, 2, 93/4 .. .................. 21 A. 291................ ............. 45
em 58A. quomodo? 57 2, 2,199 ... .................. 91 586 ................ ............. 45
fenestra 45 A. 51 re- 57 A. — sat. 683 ................ ............. 41
ibidem 49 A. sagitta 45 A. 51 1, 2, 6 ....... ..................106 793 ................ ............ 57
igitur 15 o. 39 1, 3, 46 . . . . ..................106 988 ................ ............ 59
1,3,112... ............ 92. 106 — Asin.
Testimonia 1, 4, 50 .. . . ..................102 199................ .........49. 81
1, 4,104 ... ..................106 250 ................ ... 48. 49. 81
Caesius Bassus, GL VI Livius, T. 7, 2 ......... 29 A. 68 1 ,6 ,4 4 .... .................. 92 252 ................ ............ 48
265,10 ......................... 80 Marius Viet. GL VI 64f. .. 87 f. 1, 6, 61 . . . . ..................103 o. 482 ................ ............ 57
271, 2 ............................ 141 Quintilian, inst. 1,6,131 ... .................. 92 - Aul.
Cicero, Att. 7, 2, 1 ............ 85 1, 5, 27 ................... 40 A. 1 ,9 ,9 ....... ........... 104. 107f. 3 8 .................. ............ 82 A.
- Cluent. 1.. 17f. 151. 153.184 9,4,36 ................... 106 1,10, 48 ... ..................101 146................ ............ 61
- orat. 184.............. 28A. 70 9, 4, 65................... 85 2, 3, 91 . . . . .................. 47 157................ .........70. 76
198 Register Autoren 199
265 ................ ............ 59 - Mil. — Trin. — Eun.
297 ................ ............ 60 262 ........... .................. 54 413.............................. 57 282 .................. ........... 52
415-445 ......... ............ 27 520 ........... .................. 57 o. 568 .............................. 44A. 474 .................. ........... 46
— Bacch. 757 ........... .................. 59 707 .......................... 31 — Haut.
176................ ............ 47 925 ........... 978 .......................... 57 o. 4 6 ................... ........... 31A.
581-583 ......... ............ 56 1043 ......... .................. 74 — Truc. 978 .................. ........... 52 f.
1068 .............. ............ 50 1047 ......... .................. 47 163 .......................... 50. 61 - Hec. 799 ......... ........... 45
1153.............. ............ 54A. 1051......... 470 .......................... 83 — Phorm.
1157.............. ............ 54A. 1067 ......... .................. 47 599 .......................... 59 4 f.................... ........... 31
— Capt. 1138......... .................. 50 767 .......................... 83 723 .................. ........... 52 o.
3 9 .................. ............ 59 - Pers. - Vid. 75....................... 45 827 .................. ........... 50
159................ ............ 21A. 1 ................ Stat. Theb.8,187 .............. 102 u. Verg. Aen.
231................ ............ 52 2 ................................. 72 A. Terenz, Ad.261................ 52 1 ,2 .................. ........... 89
408 ................ ............ 55 232 ............ ................. 59 - Andr. 625 .................... 75 1, 534 .............. ...........108 o.
444 ................ 497 ............ ................. 52 5, 289 .............. ...........102
572 ................ ............ 37A. 500 ............ ................. 52
751................ ............ 59 584 ............ ................. 43 o. Autoren
— Cas. 756 ............ ................. 54A.
152................ ............ 73 768 ff. .......................... 71 Appuhn, W. 32 f. Hellegouarc’h, Jean 99 A. 108
564 ................ ............ 47 848 ............ ................ 47 Ahlberg, Axel W. 32 A. Hermann, Gottfried 27 A. 41A.
709-712 ......... ............ 70f. — Poen. Arnold, E. V. 74 Hingst, Theodor 39 A.
711................ ............ 54 225 ............ .........40 A. 45 Audouin, E. 74 Hoche, Max 135.137. 140
845 ................ ............ 52 1045 ........... ................ 57 Beare, William 83 A. Hofmann, J. B. 23 A. 64
— Cist. 1116........... ................ 53 Bentley, Richard 36 A. Hupperth, Walter 29 A.
5 ..................... ............ 52 o. 1245 ........... ................ 57A. Birt, Th. 89 A. 91 Immisch, Otto 18A. 29A. 30A. 35.
377 ................. ............ 57 — Pseud. Brenot, Alice 49 A. 48. 67
- Cure. 104 ....... .........50. 71 147............ ............ 40. 56 A. Bücheier, Franz 55. 62 Jachmann, Günther 29 A. 36 A.
— Epid. 593 ............ ................ 61 Büchner, Karl 33 42 ff. passim
5 7 .................. ............ 52 800 ............ ............ 39. 46 Christ, Wilh. 16 A. 20 A. Jacobsohn, Hermann 37A. 49 o.
9 4 .................. ............ 50 856 ............ ................ 48 Conrad, F. 33 Kalinka, Ernst, passim
166ff............. ............ 70 1066 ........... ................ 52 Crusius, Fr. 71 o. Kauer, R. 51A.
507 ................. ............ 57 1113........... ................ 52 o. Eckstein, F. 33 Kienitz, O. 66 o.
— Men. 1242 ........... ................ 65 Enk, P. J. 42A. 44A. Klotz, Alfred 29 A. ff. passim
110................. ............ 27 — Rud. Flinck, Edwin 139 Klotz, Richard 18A. 41A. ff. passim
279 .............................. 50 4 9 .............. ................ 47 Fraenkel, Ed. 35. 42 A. 51A. 67 Kolif, Ant. 79A.
463 .............................. 50 238 ............ ................ 50 Franke, Aug. 33 A. Korzeniewski, Dietmar 7. 46 A. 72.
750 ..............................158A. 289 ............ ................ 69 Friedländer, Paul 48 91. 99 A. 152A. 170A.
841.......................... 40. 56A. 1053 ........... ................ 52 Giomini, Remo 135 Koster, W. J. W. 20A. 79A. 83A.
— Merc. 1072 ........... ................ 46 Groot, A. W. de 17 A. 19 A. 21A. Kroll, Wilhelm 31A. 53. 79. 149.
546a.............. ............ 60A. 1335 ........... ................ 57 Haecker, Elisabeth 71 1 7 2 f.
744 .................. ............ 46 — Stich. Havet, Louis 17A. 50A. 52A. 62. Lachmann, Karl 41A. 67.130.138f.
751.............................. 52 lff. ............ 79 Langen, Peter 60 A. 61
846 .................. ........... 60 159............ ................ 59 Heinze, Richard 116ff. Laurand, L. 150 u.
200 Register
Leo, Friedrich 20 A. 22 A. 23 Rossi, L. E. 10A. 16A. 25A.
in Kap. III u. VIII passim Rubenbauer, H. 23 A.
Lindsay, W. M. 13A. 17 A. in Kap. Schmid, Walter7 .13A.42A. 55. 65.
III passim 68. 73. 83 A. 143f. 150
Linpinsel, E. 33 Schmidt, Bernhard 135 ff.
Luchs, August 36 A. 40. 44. 64. Schmidt, F. 64
Maas, Paul 19 A. 26. 28 A. 70 A Schmitt, Alfred 13 A. 14A.
Madvig, J. N. 139 Schoell, Fr. 14A.
Mariotti, Scevola 85 Schroeder, Otto 23 A.
Marx, Friedrich 51A. 53. 59. 99 ff. Schulze, Wilhelm 51A.
Maurach, Gregor 68. 71. 73. 77f. Seel, Otto 79 A.
Meillet, A. 17A. Seidler, Brigitte 138 A.
Meister, Karl 29 A. Seyffert, Otto in Kap. III passim
Meyer, Wilhelm 7. 29. 30. 32. 33 A. Skutsch, Franz 18, in Kap. III
41A. 74. 81A. 87. 89. 111A. passim
Müller, C. F. W. 49. 50. 53 u. Skutsch, Otto 32. 36 A. 38 A. 47. 53.
Müller, Lucian 87. 140 54 u. A. 62. 71. 74
Norberg, Dag 41A. 47 A. Snell, Bruno 70A.
Norden, Ed. 21A. 33. 85 A. 86.98A. Spengel, A. 67. 72. 74
146. 149 A. 150 u. Sommer, F. 13A. 57 A. 66 passim
Nougaret, Louis 10A. Sonnenschein, E. A. 9
Pasquali, G. 79 f. Soubiran, Jean 17 A. 46 A. 47 A.
Patzer, Harald 89 A. 61. 108A.
Pelz, J. 47 Strzelecki, Ladislaus 30 A. 135 ff.
Perret, Jacques 86 A. 93 A. Studemund, W. 64
Pighi, J. B. 75A. Thierfelder, Andreas 7. 37 A.
Pisani, Vittore 16A. Timpanaro, Seb. 12A. 41A. 61
Proskauer, Carola 61 Vahlen, J. 25 A. 64
Przychocki, Gustav 135A. Vollmer, Fr. 53. 56 o. 57A. 64
Questa, Cesare 78 VonderMühll, P. 11 A. 16A.
Radford, R. S. 53 u.f. Wiebe, O. 33
Rau, Reinhold 46 A. Wilamowitz, U. v. 17A. 19A. 20A.
Reiz, Fr. W. 27 A. 77 67f. 109A.
Richter, G. 137 A. Wolff, J. 150f.
Ritschl, Fr. 17A. 36A. 39A. 40A. Zielinski, Th. 173 o.
41A. 61