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DAS PRONOMEN.

DIE KLASSIFIKATION DER PRONOMEN

1. Das Pronomen. Allgemeine Information.


2. Die Klassifikation der Pronomen.
2.1.Personalpronomen
2.2. Das Reflexivpronomen
2.3. Possessivpronomen
2.4.Demonstrativpranomen
2.5. Interrogativpronomen
2.6. Relativpronomen
2.7. Das unpersönliche Pronomen es
2.8.Indefinitpronomen
2.9.Reziprokpronomen
3. Funktionale Betrachtungsweise der Pronomen.

Unter Pronomen (Plural: Pronomina) versteht man eine zusammenfassende


Sammelbezeichnung für eine Reihe verschiedener, formal wie funktional heterogener
Wortklassen, die gemeinsam haben, dass sie in einem Satz selbständig als
Komplemente fungieren können.. Das Hauptmerkmal der Pronomen besteht darin, dass
sie nicht zu den benennenden Wortarten gehören, sondern verweisende Wörter sind. Sie
nennen nicht die Erscheinungen der objektiven Realität, sondern verweisen auf sie. Sie
werden auch Zeigewörter genannt. Sie besitzen keine bestimmte lexikalische
Bedeutung. Erst in der zusammenhängenden Rede erhalten sie ihre konkrete Bedeutung.
Die Pronomen haben eine sehr allgemeine Bedeutung, die durch den Verweis auf eine
Person oder einen Gegenstand, einen Sachverhalt oder eine Eigenschaft konkretisiert
wird, die sich aus dem Satzzusammenhang oder aus der Situation ergeben.
Ein Nomen wie beispielsweise Buch kann — je nach Kontext — durch
Pronomina wie es, meins, dieses usw. ersetzt werden. Die Pronomina charakterisieren
die Objekte, die sie bezeichnen, nicht inhaltlich-kategorematisch, indem sie sie einer
inhaltlichen Klasse (z. B. der Bücher) zuordnen. Vielmehr situieren sie sie im
Sprechkontext. Sie haben statt einer kategorematischen eine — deiktischce Bedeutung
und eine substantivische oder adjektivische Wortartbedeutung.
Die Pronomen werden in eine besondere Wortart abgesondert wegen ihrer
semantischen und funktionalen Eigentümlichkeit. In der Sprache gibt es nur sehr wenig
echte Pronomen im Vergleich zu den Wörterbenennungen. Daher ist die lexikalische
Bedeutung der Pronomen sehr weit. Die Wörter wer, was haben z. B. universale
Bedeutung: wer bezieht sich auf alle Lebewesen, was bezieht sich auf alle Dinge und
Erscheinungen.
Prinzipiell flektieren Pronomina nach Numerus,  Kasus und  Genus. Bei
einzelnen Subklassen oder einzelnen Vertretern können Einschränkungen auftreten.
Die grammatische Terminologie zur Bezeichnung der Pronomina ist nicht einheitlich.
Helbig/Buscha sprechen nur dann von „Pronomina“, wenn sie substantivisch sind,
adjektivisch gebrauchte (Proadjektive) heißen bei ihnen „Artikelwörter“ und werden in
der Grammatik an anderer Stelle behandelt, in der romanischen Grammatiktradition
gelten ebenfalls nur die substantivischen als Pronomina, die adjektivischen werden als
„Adjektive“ bezeichnet. Der Duden benutzt den Terminus „Pronomen“ nur zögernd
und im Text versteckt; in Definitionen und in Überschriften vermeidet er ihn.
Stattdessen ist dort von „Begleiter und Stellvertreter des Substantivs“ die Rede. In
dieser Grammatik soll der Terminus „Pronomen“ sowohl für den substantivischen als
auch für den adjektivischen Gebrauch der betreffenden Wörter beibehalten werden; der
Bestandteil „Nomen“ steht also hier für Substantiv und Adjektiv. Diese Entscheidung
vereinfacht die sprachwissenschaftliche Verständigung, da sich noch kein anderer
Terminus für adjektivische Pronomina durchgesetzt hat; außerdem trägt sie der
Tatsache Rechnung, dass die meisten Pronomina auch proadjektivisch verwendet
werden können, und erspart es somit, ihre Beschreibungen zweimal an verschiedenen
Stellen der Grammatik durchzuführen.

Die Klassifikation der Pronomen


Die Pronomen sind nur einige Dutzend Wörter, doch nach der
Verwendungsfrequenz stehen sie den Funktionswörtern nicht nach. Man rechnet zum
Pronomen als Wortart Wörter mit zweifacher syntaktischer Verwendung:
a) Die Stellvertreter der Substantive (substantivische Pronomen)
b) die pronominal geprägten Begleitwörter der Substantive (adjektivische
Pronomen).
Zu den substantivischen Pronomen gehören:
1) Personalpronomen (persönliches Fürwort)
2) reflexives Pronomen (rückbezügliches Fürwort)
3) Relativpronomen (bezügliches Fürwort)
4) unpersönliches Pronomen es
5) Reziprokpronomen (wechselbezügliches Fürwort)
Zu den adjektivischen Pronomen gehören:
6) Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort)
7) Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort)
8) Indefinitpronomen (unbestimmtes Fürwort)
9) Negativpronomen (verneinendes Fürwort)
10) Interrogativpronomen (fragendes Fürwort).
Die Interrogativ-, Indefinit-, Relativ- und Negativpronomen treten teils als
substantivische, teils als adjektivische Pronomen auf. In morphologischer Hinsicht sind
die Pronomen ungleich. Nach der Deklinationsart zerfallen sie in drei Gruppen:
1) deklinierbare Pronomen mit dem pronominalen Deklinationstyp;
2) Personalpronomen mit ihrem besonderen Deklinationstyp;
3) undeklinierbare Pronomen: einige Indefinitpronomen, das unpersönliche
Pronomen es, das Reflexivpronomen sich, alle Reziprokpronomen.

Personalpronomen
Die Personalpronomen vertreten Personen und Sachen d.h. sie haben stets die Funktion
eines Stellvertreters. Sie können nach vier Kategorien bestimmt werden: Person, Genus,
Numerus und Kasus.
Deklination
Singular Plural
1. Person 2. Person 1. Person 2. Person
N. ich du wir ihr
G. meiner deiner unser euer
D. mir dir uns euch
A. mich dich uns euch

3 Person:
Maskulina Neutra Feminina Für alle
Geschlechter
N. er es sie sie
G. seiner ihrer ihrer
D. ihm ihr ihnen
A. ihn es sie sie
Wie aus den Tabellen ersichtlich, unterscheidet sich die Deklination der 3. P. Sg.
von der Deklination der 1. und 2. P. Sg. durch die Fähigkeit, alle drei Geschlechter
anzugeben. Die Deklinationsformen sind suppletiv, d.h. von verschiedenen Wurzeln
gebildet. Die Deklination der 1. und 2. P. hebt sich scharf von der Deklination der 3. P.
und der Deklination aller anderen Pronomen ab. Das Personalpronomen der 3. P. hatte
früher hinweisende Bedeutung und steht seiner Formenbildung nach den
Demonstrativpronomen nahe.
Bedeutung und Gebrauch. Die Personalpronomen begleiten die konjugierbaren
Formen des Verbs, falls das substantivische Subjekt fehlt. Die 1. Person ist die
sprechende Person (der Sprecher). Die 2. Person ist die angesprochene Person (der
Angesprochene, der Adressat); du im Sg., Ihr im Plural ist die vertrauliche 2. Person.
Sie ist die Höflichkeitsform, die für beide Zahlarten. Die 3. Person nimmt nicht
unmittelbar am Gespräch teil, dies ist die besprochene Person. Die 3. Person ersetzt
einen beliebigen substantivischen Begriff, der im vorhergehenden oder im
nachfolgenden Text genannt wird. Dann haben er, sie, es rückwärtsweisende oder
vorwärtsweisende Bedeutung: Gestern als ich im Keller aufräumte, fand ich ihn —
Großmutters Korb... Ich säuberte ihn...
Er, sie, es können auch durch unmittelbar angeschlossene Apposition
verdeutlicht werden: er, ein ehemaliger Gefreiter... Als ein besonderes Stilmittel
verwendet man die dritte Person am Anfang eines schöngeistigen Werkes, um eine
größere Spannung zu erzeugen. Erst im nachfolgenden Text erfährt der Leser, wer sich
hinter diesen er, sie, es verbirgt: Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. Sie
überlegte, warum sieaufgewacht sei. Ach so! In der Küche hatte jemand einen Stuhl
gestoßen. Früher lautete die Genitivform mein, dein u. a. Heute gebraucht man die
volle Form meiner, deiner u. a. als Objekt, was auch archaisch wirkt: gedenke meiner!
erinnere dich meiner! Vom Genitiv aller Personen sind zusammengesetzte Adverbien
abgeleitet: meinetwegen, deinetwegen, seinetwegen u. a. Sie haben kausale Bedeutung:
Sie hat seinetwegen geweint. Meinetwegen hat außerdem die Bedeutung:„Schon gut, ich
habe nichts dagegen.“ Darf ich baden gehen? Meinetwegen ja.
Im Genitiv erscheinen die Formen dessen, deren in Bezug auf die Benennungen
der Nichtlebewesen: Behalte dein Geld, ich bedarf dessen nicht.. Die Genetivform des
Personalpronomens kommt fast nur noch in festen Redewendungen bei bestimmten
Verben vor: Sie rühmen sich meiner.
Der Genetiv des Personalpronomens und anderer Pronomen klingt heute eher veraltet.
Häufig benutzt man stattdessen einen präpositionalen Ausdruck. Wir schämen uns
dessen. – Wir schämen uns wegen dieser Sache.

Das Reflexivpronomen sich


Das Reflexivpronomen, kurz Reflexivum (von lat. reflectere „zurückwerfen“),
deutsch auch „rückbezügliches Fürwort“ genannt, ist ebenfalls eng mit dem
Personalpronomen verwandt. Das unveränderliche Reflexiv-Pronomen sich ermöglicht
eine besondere Form des anaphorischen Bezugs. Innerhalb eines Satzes beziehen sich
Reflexiv-Pronomina zurück auf bereits eingeführte Gegenstände oder Personen. Das
Reflexivpronomen sich ist ursprünglich eine Akkusativform der Personalpronomen,
doch hat es die Funktion zweier Kasus, Akkusativ und Dativ, übernommen. Es wird in
der 3. Person Singular und Plural für alle drei Geschlechter gebraucht. Für andere
Personen tritt der Akkusativ oder der Dativ des Personalpronomen sein.
Singular Akkusativ: Er (sie, es) fühlt sich wohl. Ich fühle mich wohl. Du fühlst
dich wohl.
Plural: Sie fühlen sich wohl. Wir fühlen uns wohl. Ihr fühlt euch wohl.
Dativ Singular: Er stellt sich sein Ziel klar vor. Ich stelle mir mein Ziel klar vor.
Du stellst dir dein Ziel klar vor.
Plural: Sie stellen sich ihr Ziel klar vor. Wir stellen uns unser Ziel klar vor. Ihr
stellt euch euer Ziel klar vor.
Sich begleitet reflexive Verben in allen Formen außer dem Partizip II, vgl.: Der
Alte kam, auf seinen Stock gestützt. — Der Alle kam, sich auf einen Stock stützend.
Der Bezugsausdruck des Reflexivpronomen ist dabei fast immer das  Subjekt:
Hans wäscht sich. Diese Regel kann aber in einigen Fällen, besonders beim Gebrauch
erweiterter Infinitive, durchbrochen werden: Sie bat ihn, sich nicht darüber zu ärgern.
In solchen Fällen bezieht sich das Reflexivum auf das unausgesprochene Subjekt des
Infinitiv-Satzes: nicht die Sprecherin, sondern der Angesprochene soll sich nicht ärgern.
Schwierig wird der Bezug allerdings, wenn das Pronomen nicht direkt vom Infinitiv,
sondern von einer Präposition regiert wird: Sie hörte jemanden hinter ihr /sich
keuchen.
Er sah jemanden die Treppe zu ihm / sich herauf kommen.
In solchen Fällen ist der Rückbezug nicht eindeutig geregelt; jedoch wird
normalerweise das Personalpronomen verwendet, wenn es sich um ein
Präpositionalobjekt handelt, das sich auf das Subjekt des übergeordneten Satzes bezieht
(Er hörte jemanden auf ihn schimpfen; Er sah jemanden auf sich warten). Das
Reflexivpronomen würde hier einen Bezug auf das zu ergänzende Subjekt des Infinitivs
ausdrücken (Er hörte jemanden auf sich schimpfen: Er hörte, wie jemand auf sich selbst
schimpfte'). Umgekehrt wird im allgemeinen das Reflexivum für den Rückbezug auf das
Subjekt des übergeordneten Satzes verwendet, wenn es innerhalb eines freien
(adverbialen) Satzteils steht: Sie hörte jemanden hinter sich keuchen.
Bedeutung und Gebrauch. Das Reflexivpronomen tritt als Dienstwort oder als
Wortbildungsmittel bei Verben, seltener als Vollwort auf. Seine Leistung ist
mannigfaltig:
1) Als Dienstwort kennzeichnet sich im Akkusativ den intransitiven Charakter
des Verbs. Es stehen einander transitive und intransitive Verben gegenüber; z. B.:
setzen - sich setzen, legen - sich legen, verstecken - sich verstecken
2) Sich kann darauf hinweisen, dass die Handlung vom Subjekt ausgeht und auf
das Subjekt selbst gerichtet ist. Daher die Benennung Reflexivpronomen,vgl.: jemanden
kämmen, waschen, putzen (transitiv) — er kämmt (wäscht, putzt) sich selbst (reflexiv).
3) Sich bezeichnet wechselseitige Beziehungen zwischen zwei oder mehreren
Personen: sich verbrüdern, verabreden, verbünden u. a. In dieser Funktion ist es oft
durch das Reziprokpronomen einander ersetzbar: sie lieben sich = sie lieben einander.
4) Sich verleiht dem Verb die Bedeutung der Passivität: Das begreift sich leicht.
5) Die wortbildende Funktion von sich kommt besonders deutlich bei den Verben
zum Ausdruck, die ohne dieses Pronomen ungebräuchlich sind. Das Pronomen sich ist
ihr unentbehrlicher Bestandteil, z. B. sich erholen, sich sehnen, sich schämen, sich
erkundigen nach jmdm. u. a.
6) Das Pronomen sich kann als Komponente einiger syntaktischen Strukturen
auftreten und ihnen eine besondere Bedeutung verleihen:
a) in unpersönlichen Sätzen mit verallgemeinernder Bedeutung: Es spricht sich hier
besser.
b) in einzelnen unpersönlichen Wendungen: es handelt sich um...
c) In einer idiomatischen Struktur, die die Folge einer Handlung für das Subjekt
wiedergibt. Die Struktur enthält außer Subjekt, Prädikat und Pronomen sich noch ein
obligatorisches zusätzliches Glied (Adverbiale, Prädikatsattribut, Objekt): Sie weinte
sich krank. — Sie weinte so, dass sie krank wurde..
7) Das Pronomen sich in Akkusativ und Dativ kann auch selbständige Bedeutung
haben und mit oder ohne Präposition gebraucht werden: Er sieht sich im Spiegel. Er hat
Geld bei sich (ich habe Geld bei mir).

Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter)


Das Possessivpronomen drückt eine Zugehörigkeitsrelation zum Sprecher (mein-)
bzw. zu Sprechergruppen (unser-), zum Adressaten (dein-, Ihr-) bzw. zu
Adressatengruppen (euer-/Ihr-) oder zu einem im vorausgehenden Kontext
verbalisierten anderen Gegenstand (sein-, ihr-) aus. Possessiv-Pronomina sind wie die
Possessiv-Artikel in zweifacher Hinsicht nach  Genus und  Numerus charakterisiert.
Die Possessivpronomen sind ursprünglich Genitivformen der Personalpronomen,
daher ihre Bedeutung der Zugehörigkeit im weitesten Sinne des Wortes. Das
Possessivpronomen wird zumeist als Artikelwort verwendet, kommt aber auch als
Substantivwort vor. Im allgemeinen stimmen die Formen des Substantivwortes mit
denen des Artikelwortes überein. Dabei gilt folgende Grundregel: Im Wortstamm richtet
sich das Pronomen nach Person, Genus und Numerus des Besitzers, in den Endungen
nach Kasus, Genus und Numerus des Besitztums:
Ich brauche kein Heft. Ich. nehme meines.
Er braucht kein Heft. Er nimmt seines.
Ihr bezieht sich auf die 3. Person Singular Feminina, die 3. Person Plural und die
Höflichkeitsform. Sein bezieht sich auf die 3. P. Maskulina und Neutra Singular sowie
auf das Pronomen man.
Alle Possessivpronomen werden folgenderweise dekliniert:
Singular
Maskulinum Neutrum Femininum
N. mein Bleistift mein Buch meine Mappe
G. meines Bleistifts meines Buches meiner Mappe
D. meinem Bleistift meinem Buch meiner Mappe
A. meinen Bleistift mein Buch meine Mappe

Plural
N. meine Bücher, Bleistifte, Mappen
G. meiner Bücher, Bleistifte, Mappen
D. meinen Büchern, Bleistiften, Mappen
A. meine Bücher, Bleistifte, Mappen
Diese Deklinationsart unterscheidet sich von der typischen pronominalen
Deklination durch das Fehlen der Kasusendungen in Nominativ und Akkusativ Singular
bei Neutra und im Nominativ bei Maskulina,
Bedeutung und Gebrauch. Das Pronomen kann sowohl substantivisch als auch
adjektivisch gebraucht werden. Das adjektivisch gebrauchte Possessivpronomen wird
nur attributiv verwendet. Bei attributivem Gebrauch entsprechen seine
Deklinationsendungen im Plural denen eines starken Adjektivs, im Singular denen des
unbestimmten Artikels: mein Freund, deine Schwester, unser Haus.
Für den substantivischen Gebrauch stehen zwei verschiedene Formen zur
Verfügung, die sich in der Stilebene unterscheiden. Umgangssprachlich wird der
Nullartikel und die Endung der starken Adjektivdeklination verwendet: Wem gehört ...?
Das ist meiner\meine\mein(e)s. In gehobener Sprache kann auch der bestimmte Artikel
und die Endung -e gebraucht werden, wobei (schon archaische) Stammerweiterungen
auf -ig- auftreten können: Es ist der mein(ig)e\die mein(ig)e /das mein(ig)e; Es sind die
mein(ig)en.
Beginnt der Satz nicht mit es, sondern mit dem Substantiv, so bleibt das
Possessivpronomen undekliniert: Die Mappe ist mein. Das Fahrrad ist mein. Der Füller
ist mein.
Die Possessivpronomen haben zweifache Beziehungen. Einerseits beziehen sie
sich auf das Substantiv, dessen Begleitwort sie sind. Sie kongruieren mit diesem
Substantiv in Geschlecht, Kasus und Zahl, wie es aus der Tabelle ersichtlich ist.
Anderseits hängt ihre Wahl von dem Substantiv oder Pronomen ab, das den „Besitzer“
darstellt.
Die Possessivpronomen sind vieldeutig ebenso wie der Genitiv. Sie bezeichnen
alle Arten der Zugehörigkeit zwischen zwei Begriffen. Außerhalb des Kontextes ist die
genaue Bedeutung nicht festzustellen, die Fügung sein Buch kann z. B. drei
Bedeutungen besitzen: er ist im Besitz des Buches, er liest dieses Buch, er hat dieses
Buch geschrieben.
Die Bedeutungen der Possessivpronomen:
1) Die Bedeutung des Eigentums: mein Mantel.
2) Die Beziehung zwischen dem Menschen (bzw. Lebewesen) und seiner äußeren
Charakteristik: ihre schönen Augen, ihre schlanke Gestalt.
3) Die Beziehung zwischen dem Menschen (bzw. Lebewesen) und seiner inneren
Charakteristik: sein Charakter, ihre Freude.
4) Räumliche Beziehung: seine Stadt = die Stadt, in der er geboren ist oder in
der er lebt.
5) Die Beziehung zwischen dem Schöpfer und seinem Werk: seine Gedichte.
6) Die Beziehung zwischen dem Subjekt oder Objekt einer Handlung und der
Handlung selbst, die in der Form eines Verbalsubstantivs verkörpert ist: mein Studium,
dein Besuch, seine Reise, seine Entlassung, vgl.: ich studiere, du hast (mich) besucht, er
reist (hat gereist), man hat ihn entlassen.
7) Unterschiedliche Beziehungen zwischen den Menschen (Verwandtschaft,
soziale Lage u. a.): meine Eltern, Geschwister, mein Freund.
8) Zugehörigkeit zu einem Kollektiv: unsere Partei, seine Delegation, sein
Institut.
Die Possessivpronomen sind imstande, die mannigfaltigsten Beziehungen
zwischen dem Menschen und seiner Umwelt festzulegen, ebenso wie wir es beim
Genitiv beobachtet haben.

Demonstrativpronomen
Mit den Demonstrativpronomina der, dieser, jener, derjenige, (ein) solcher,
derselbe, ebendieser wird  deiktisch auf Gegenstände, Personen und Sachverhalte
verwiesen, die sich im Wahrnehmungsfeld der Sprecher und Hörer befinden. Sie
werden bei der Textproduktion für die thematische Wiederauf- und Fortführung
gebraucht. Sie flektieren nach  Kasus und  Numerus, im Singular auch nach  Genus.
Alle Demonstrativpronomen außer es, selbst, selber werden nach der
pronominalen Deklinationsart gebeugt. Es, selbst, selber sind unveränderlich. Zahl,
Kasus und Geschlecht der deklinierbaren Pronomen richtet sich nach der Form des
Substantivs, dessen Begleitwort sie sind.
Die Pronomen dieser/diese/dies(es) kommt umgangssprachlich fast nur
adjektivisch vor, während es in einem gehobenen Stil sowohl adjektivisch als auch
substantivisch gebraucht werden kann: Er rief nach seiner Mutter, und diese
antwortete ihm sofort. Das Demonstrativpronomen der hat im Genitiv andere Formen
als der bestimmte Artikel der:
Singular
Maskulinum Neutrum Femininum
N. dieser Mann dieses Kind diese Frau
G. dieses Mannes dieses Kindes dieser Frau
D. diesem Mann diesem Kind dieser Frau
A. diesen Mann dieses Kind diese Frau

Plural
N. diese Männer, Kinder, Frauen
G. dieser Männer, Kinder, Frauen
D. diesen Männern, Kindern, Frauen
A. diese Männer, Kinder, Frauen
Das ist die typische pronominale Deklination, nach der auch der Artikel gebeugt
wird. Die meisten Kasus besitzen deutliche Kasusendungen, homonymische Formen
sind nicht zahlreich.
Im Nominativ und Akkusativ Neutra kann die verkürzte Form dies erscheinen. In
den zusammengesetzten Pronomen derjenige, derselbe wird der erste Teil der als
Artikel, der zweite Teil als schwaches Adjektivdekliniert:
Singular Plural
Maskulinum Neutrum Femininum
N. derjenige dasjenige diejenige diejenigen
G. desjenigen desjenigen derjenigen derjenigen
D. demjenigen demjenigen derjenigen denjenigen
A. denjenigen dasjenige diejenige diejenigen
In derselben Bedeutung wie dieser/diese/dies(es) als Demonstrativum kann der/die/das
verwendet werden.
Singular Plural
Maskulinum Neutrum Femininum
N. der das die die
G. dessen dessen deren deren, derer
D. dem dem der den
A. den das die die
Die alte Genitivform des ist nur in einigen Sprichwörtern erhalten geblieben: Wes das
Herz voll ist, des geht der Mund über.
Das Pronomen solcher ohne Artikel wird wie dieser dekliniert. Es kann auch mit
dem unbestimmten Artikel im Singular gebraucht werden, dann wird es wie ein
Adjektiv dekliniert: ein solcher Mensch, eine solche Überraschung, einem solchen
Menschen. Auch folgende Variante ist möglich: die vorangestellte unveränderliche
Form solch + unbestimmter Artikel: Solch ein Mensch! Solch eine Überraschung! solch
eines Menschen, solch einem Menschen u. a.
Bedeutung und Gebrauch. Alle Demonstrativpronomen weisen auf einen
vorhergenannten oder folgenden substantivischen Begriff hin, dementsprechend haben
sie rückverweisende (anaphorische) oder vorverweisende (kataphorische) Bedeutung.
Sie können als Begleitwörter eines Substantivs oder als dessen Stellvertreter erscheinen,
sie können sogar eine ganze Aussage ersetzen (dies, es, das). In einer konkreten
Situation dienen sie als Zeigewörter, oft von einer zeigenden Geste begleitet: Gib mir
jenes Buch im roten Einband!
Das Demonstrativpronomen der wird abweichend von dem bestimmten Artikel
betont; das -e ist lang und geschlossen. Sie betraten das Zimmer, ohne mit dem zu
sprechen, der ihnen die Tür öffnete.
Das leicht archaische Demonstrativum jener /jene/jenes verweist im Gegensatz
zu dieser/diese/dies(es) ursprünglich auf einen von der Sprecherin etwas weiter
entfernten Ort. Dieser Unterschied wird in Texten der Gegenwart noch genutzt, wenn
auf zwei nacheinander genannte Gegenstände oder Personen Bezug genommen werden
soll: Old Shatterhand saß neben Winnetou, und während dieser schweigend zuhörte,
berichtete ihm jener von den Ereignissen der letzten Tage. Mit dieser wird dann der im
Text näherliegende (also zuletzt genannte), mit jener der etwas weiter entfernte
Bezugspunkt bezeichnet. Außerhalb der Schriftsprache ist jener, das sowohl
adjektivisch als auch substantivisch gebraucht werden kann, so gut wie nicht
anzutreffen.
Derselbe kennzeichnet Identität einer Person oder eines Gegenstandes: Sie trägt
heute dasselbe Kleid, das sie gestern getragen hat.
Der gleiche kann Identität oder Ähnlichkeit bezeichnen. Im ersten Fall sind beide
Pronomen austauschbar, im zweiten nicht. Man kann also sagen: Sie trägt heule das
gleiche Kleid, das sie gestern getragen hat. Aber nur: Sie trägt das gleiche Kleid wie
ihre Schwester. Dasselbe würde heißen, dass beide Schwestern abwechselnd ein Kleid
anziehen.
Solcher antwortet auf die Frage was für ein? und verweist auf die Charakteristik
des Gegenstandes: Er ist tapfer, klug, Selbstbeherrscht, einem solchen Menschen kann
man vertrauen.
In einem Ausrufesatz können charakterisierende Beiwörter weggelassen werden:
Solch ein Mensch! Ein solcher Mensch! Nur die Situation, der Kontext und die
Intonation ergänzen die fehlende positive oder negative Charakteristik.
Drei Demonstrativpronomen sind Synonyme: es, das, dies Ich habe es (das, dies)
nicht gewusst. Es (das, dies) sind meine Freunde.
Die Verdoppelung der und der hat die Bedeutung ‚ein gewisser": an dem und dem
Tag, in der und der Stadt; der und der hat es gesagt.
Der Gebrauch von dessen, deren, derer, denen. Dessen, deren ersetzen die
Possessivpronomen sein, ihr, um die Beziehung zu verdeutlichen. Dessen, deren
beziehen sich auf den letztgenannten Begriff: ihre Freundin und deren Tochter (ihre
Tochter könnte ein Missverständnis hervorrufen). Er begrüßte seinen Freund und
dessen Begleiter. (seinen Begleiter könnte ein Missverständnis hervorrufen)
Dessen kann außerdem einen substantivischen Begriff im Genitiv ersetzen:
Ich erinnere mich dessen (= des Ereignisses) recht wohl.
Denen (= denjenigen) ersetzt einen substantivischen Begriff im Dativ Plural: Wir
helfen denen (denjenigen), die viel versäumt haben.
Derer gebraucht in an als Ersatzform im Gen. Plural, wenn ein Attributsatz oder
ein Genitivattribut den zu ersetzenden substantivischen Begriff bestimmen: Sie müssen
alle Anweisungen derer berücksichtigen (= derjenigen), die sich an der Besprechung
beteiligt haben. Erinnere dich meiner Worte und derer deiner Freunde.
Selber und selbst gebraucht man als nachgestelltes Attribut im Gegensatz zu dem
vorangestellten Adverb selbst (= sogar): Der Professor selbst (selber) führte das
Experiment durch. Selbst der Professor... würde heißen „sogar der Professor“.

Interrogativpronomen
Unter dem Begriff Interrogativa (Sg. Interrogativum, von lat. interrogare
„fragen“) auch Fragepronomina genannt, fassen wir die eigentlichen
Interrogativpronomina wer, was, welcher sowie die Interrogativadverbien wo, warum,
wann usw. zusammen.
Das Charakteristikum der Fragepronomina wer, was, welch- ist ihre
systematische Polyfunktionalität: sie dienen als Interrogativ-Elemente zur Bildung von
Ergänzungsfragen (Was bedeutet das?) und Nachfragen (Das bedeutet was?), sie
fungieren als Einleite-Elemente von W-Sätzen (Ich weiß nicht, was es bedeuten soll.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr), können indefinite Mengen
bezeichnen (Da sind noch welche. Psst, ich hab was gehört) und treten in Exklamativen
auf (Was das Hänschen nicht schon alles kann!). W-Pronomina dienen ferner der
Bildung von  Relativsätzen (Die Person, welche er am 13. Dezember gesehen hat, ...).
Die Fragepronomen sind wer, was, welcher, was für ein. Welcher wird nach der
pronominalen Deklination gebeugt, was für ein nach der Deklination des unbestimmten
Artikels. Im Plural bleibt nur was für:
Was für ein toller Streich! Was für tolle Streichel!
Die Deklination von wer, was hat folgende Formen:
N. wer was
G. wessen wessen
D. wem
A. wen was
Bedeutung und Gebrauch. Das Pronomen wer verwendet man in Bezug auf
Personen, was in Bezug auf Tiere und Gegenstände, z. B.: Wer ist gekommen? — Unser
Freund. Was hast du gekauft? — Einen Kühlschrank. Man beachte die Verwendung von
was in der Frage nach dem Beruf: Was ist Ihr Vater? — Arzt (Elektriker, Flieger,
Agronom).
Wer und was verlangen als Antwort die Benennung der Personen und
Gegenstände. Welcher und was für ein verlangen die Charakteristik der Personen und
Gegenstände.
Der unbestimmte Artikel als Bestandteil des Fragewortes was für ein beeinflusst
dessen Bedeutung und Gebrauch. Man fragt nach einer genaueren Bestimmung eines
unbekannten oder unzureichend bekannten Gegenstandes. Was für ein Lied singt sie? —
Sie singt ein ukrainisches Volkslied.
Das Fragewort welcher kann sich im Gegensatz zu was für ein auf bestimmte,
bekannte Gegenstände beziehen, z. B. wenn man eine Wahl treffen soll: Welches Kleid
wirst du anziehen, das schwarze oder das blaue? — Das blaue.
Die Bestandteile des Fragewortes was für können distanziert werden: Was sind denn
das für Redensarten?! Was für Redensarten sind denn das?!
Die Fragepronomen stehen in unterschiedlichen Kasus in verschiedener syntaktischen
Positionen:
Subjekt: Wer (was) ist das?
Attribut: Wessen Kind ist es?
Objekt: Wem gehört das Buch? Wen (was) sehen Sie dort?
Prädikativ: in diesem Fall steht die Form welches für alle drei Geschlechter und
für beide Zahlarten, z. B.: Welches ist das neue Aufsatzthema? Welches sind die
wichtigsten Merkmale der Sprache?
Außer welch sind alle Interrogativa selbständig und können nicht adjektivisch
gebraucht werden. Welch- lässt sowohl substantivische als auch adjektivische
Verwendungen zu: Welcher gefällt dir besser? Welchen Anzug soll ich anziehen? Der
selbständige Gebrauch von welch- kann dabei als elliptisch aufgefasst werden: Hier
sind zwei Äpfel: Welchen willst du? (— Welchen Apfel willst du?)
Als Attribute können ferner wessen und wie viel(e) gebraucht werden, wobei letzteres
flektiert werden kann: Wessen Akte ist das? Wie viele Kinder hast du?
Wie solch kann auch welch vor dem unbestimmten Artikel gebraucht werden; es
bleibt dann unverändert, dient in solchen Fällen allerdings nicht zum Ausdruck einer
Frage, sondern eines Ausrufs: Welch ein Zufall! Der unbestimmte Artikel kann auch
fehlen, und der Satz kann dann als Ausruf oder als Frage verstanden werden. Welch
glücklicher Zufall! (Frage oder Ausruf). Vgl. aber: Welcher glückliche Zufall (führt dich
hierher)? (nur Frage).
Wie kann in Verbindung mit Adjektiven benutzt werden. Man fragt dann nach
dem Ausmaß der bezeichneten Qualität: wie weit?, wie lang? Wie und Adjektiv können
auch zum Ausdruck des Staunens verwendet werden: Wie schön sie ist!
Welch wird umgangssprachlich meist durch was für ein ersetzt: Was für ein
Gebäude ist das? Was für ein Zufall!

Relativpronomen
Die Relativpronomina bilden — rein formal gesehen — keine eigene Gruppe von
Wörtern. Als Relativpronomen dienen das Demonstrativpronomen der und die
Interrogativpronomina welcher, wer und was.
Die Relativpronomen erfüllen zugleich zwei Funktionen im Satz: als Satzglied und als
Bindewort zwischen dem Haupt- und Gliedsatz. Das Relativpronomen richtet sich in
Genus und Numerus nach seinem Beziehungswort, im Kasus hingegen nach seiner
Funktion in dem von ihm eingeleiteten attributiven Nebensatz: Der Baum, der im
Garten steht (Subjekt); Der Baum, den wir gepflanzt haben (Objekt). Wie das
Demonstrativum unterscheidet auch das Relativpronomen im Gen. Sg. Fem., und im
Gen. PI. zwischen derer und deren. Deren wird attributiv, derer in Satzgliedfunktion
gebraucht: Seine alte Großmutter, derer er sich kaum noch entsinnen konnte und deren
Tagebuch er nun in Händen hielt.
Welcher in der Funktion des Relativpronomens hat im Genitiv die Form des
bestimmten Artikels: Maskulina und Neutra dessen, Feminina deren, Plural deren.
Welcher ist veraltet, es wird immer mehr durch der verdrängt.
Im Nominativ erscheinen die Relativpronomen zugleich als Subjekt und
Bindewort: Wer nicht arbeitet, soll nicht essen. Alles, was hier erzählt wurde, ist wahr.
Im Dativ erscheinende Relativpronomen als indirektes Objekt und als Bindewort:
Wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. (Sprichwort)
Im Akkusativ erfüllen sie die Funktion des Bindewortes: Hier ist der Mann, den
Sie erwarten.
Im Genitiv sind sie Attribut und Bindewort: Anna Seghers, deren Werke den
Kampf gegen den Faschismus schildern, ist Nationalpreisträger.

Das unpersönliche Pronomen es


Das Pronomen es tritt in drei syntaktischen Funktionen auf:
1. Als Prowort ersetzt es ein neutrales Substantiv im Nominativ (= Subjekt)
oder im reinen Akkusativ (= Objekt). Der Ersatz ist nur möglich, wenn das Substantiv
im Kontext vorerwähnt ist: (Wo ist das Buch?) Es liegt auf dem Tisch. (Subjekt)
(Wann bekomme ich das Geld?) Ich brauche es. (Objekt)
Während das nominativische es alle Positionen des Substantivs einnehmen kann, steht
das akkusativische es nie am Satzanfang.
Es kann auch für einen neutralen substantivierten Infinitiv stehen, der sich auf
das Prädikat des vorhergehenden Satzes bezieht: Er siegt oft im Wettkampf, aber es (das
Siegen) macht ihn nicht überheblich.
Das Pronomen es kann auch als Prowort für ein Prädikativ stehen. Wenn es ein
prädikatives Substantiv ersetzt (bei den Verben sein, werden und bleiben), steht es für
ein Maskulinum oder Femininum. Im Gegensatz zum Substantiv steht es unmittelbar
nach dem finiten Verb. Der Vater ist Arzt, und sein Sohn wird es auch. - Der Vater ist
Arzt, und sein Sohn wird auch Arzt.
Die gleichen Stellungsregularitäten gelten, wenn es ein prädikatives Adjektiv
vertritt.
Für ein Subjekt im Maskulinum oder Femininum steht es in Sätzen mit dem Verb
sein (in der 3. Person) + prädikatives Substantiv. Wenn das Subjekt eine Person ist,
kann statt es auch das dem Genus bzw. Numerus des Subjekts entsprechende Pronomen
stehen. Beim Prädikativ ist dann im Sing. der unbestimmte Artikel fakultativ: Was ist
das für ein Tisch? — Es ist ein Couchtisch.
2. Das Pronomen es steht als Korrelat eines Substantivs oder eines
Nebensatzes bzw. einer Infinitivkonstruktion. Als Korrelat eines Substantivs, das das
syntaktische Subjekt des Satzes darstellt, steht das Pronomen es nur am Satzanfang.
Wenn die erste Stelle durch ein anderes Satzglied besetzt ist, fällt es weg. Das
Pronomen es hat hier die stilistische Funktion, dem Subjekt statt seiner Normstellung
vor dem finiten Verb eine betonte Stellung nach dem finiten Verb zu ermöglichen.
Besonders häufig ist das der Fall, wenn das Subjekt in unbestimmter Form (mit
unbestimmtem Artikel, Zahladjektiv u. ä.) erscheint. Dabei kongruiert das finite Verb
nicht mit es, sondern mit dem substantivischen Subjekt. Der Unfall hat sich am Abend
ereignet. — Es hat sich gestern ein schwerer Unfall ereignet.
Das Pronomen tritt aber auch häufig in subjektlosen Passivsätzen auf. Das finite
Verb steht hier immer im Singular. Es wurde bis in den Morgen getanzt.
Als Korrelat eines Nebensatzes tritt es bei Subjekt- und Objektsätzen und
entsprechenden Infinitiven und Infinitivkonstruktionen auf. Als Korrelat eines
nachgestellten Subjektsatzes steht es an der ersten Stelle im Hauptsatz. Ist diese Stelle
durch ein anderes Wort besetzt, erscheint es fakultativ im Satzinnern (nach dem finiten
Verb). Es freut mich besonders, dass ich ihn getroffen habe. - Besonders freut (es)
mich, dass ich ihn getroffen habe.
Als Korrelat eines nachgestellten Objektsatzes steht es nie an der ersten Stelle im
Hauptsatz, sondern fakultativ im Satzinnern (nach dem finiten Verb). An Stelle von es
kann das an der ersten Stelle stehen. Ich bedauere (es) sehr, dass ich Sie gekränkt habe.
- Das bedauere ich sehr, dass ich Sie gekränkt habe.
Ob das fakultative es im konkreten Satz auftritt oder nicht, hängt von der Wahl
des Vollverbs im Hauptsatz ab. Bei manchen Verben ist das Korrelat üblich, bei
anderen Verben fehlt es oft.Mir fällt es schwer, ihn zu überzeugen. ,„ , . .
Mich freut (es) besonders...
3. Bei einer Reihe von Verben, bei denen der Handlungsträger nicht
genannt wird bzw. nicht als Subjektsnominativ erscheint, ist es formales,
inhaltleeres Subjekt. Bei einer anderen kleinen Gruppe von Verben ist es formales,
inhaltleeres Akkusativobjekt. Als formales Subjekt kann es am Satzanfang und im
Satzinnern stehen, als formales Objekt steht es nur im Satzinnern. Plötzlich klingelte es.
(formales Subjekt) Ich habe es heute eilig. (formales Objekt)
Die Verben, bei denen es als formales Subjekt steht, bilden keine einheitliche
Gruppe. Entscheidend für eine syntaktische Gruppierung dieser Verben sind ihre
Valenzverhältnisse:
— Verben zum Ausdruck von Naturerscheinungen (sog. echte unpersönliche
Verben) blitzen, dämmern, donnern etc: Der Zug donnert über die Brücke.
— Verben zum Ausdruck von Geräuschen (sog. unechte unpersönliche Verben):
brausen, klopfen, krachen, läuten etc: Das Mädchen läutete an der Tür.
— Kopulaverb mit adjektivischem Prädikativ. Es ist schon sehr spät. Es wird noch
einige Tage kalt bleiben. Verbindungen dieser Art sind auf Adjektive beschränkt, die
Natur und Zeiterscheinungen ausdrücken: bewölkt, dunkel, früh, heiß, hell, kalt, schwül,
spät u. a.
— Verben mit personalem Akkusativobjekt. Von den Verben dieser Gruppe
verlangen einige außer es und dem Akkusativobjekt noch zusätzliche Bestimmungen:
überlaufen steht mit einer Modalangabe, ziehen mit einer Richtungsangabe. Es
überläuft mich kalt. Es zieht mich zu ihr.
— Verben mit personalem Dativobjekt Es geht ihm gut. Es fehlt ihm nicht an Mut.
— Verben mit verschiedenen Objekten Es gibt noch einen ungeklärten Punkt. Es
bedarf noch einiger Mühe.
— Reflexives lassen mit zwei Adverbialbestimmungen Hier lässt es sich gut
arbeiten.
Die Verben, bei denen das Pronomen es als formales Objekt steht, bilden feste
Verbindungen: Sie hat es ihm angetan. (= Sie gefällt ihm.) Sie hat es auf den Mantel
abgesehen. (= Sie wünscht sich den Mantel.)

Indefinitpronomen
Unter Indefinitpronomina versteht man eine Reihe von formal sehr
unterschiedlichen Pronomina, deren gemeinsame Funktion ist, dass mit ihnen auf
Personen, Gegenstände oder Sachverhalte verwiesen werden kann, ohne dass diese in
irgendeiner Weise näher  charakterisiert oder für den Hörer identifizierbar würden.
Zu den Indefinitpronomen gehören: man, einer, mancher, jeder, jemand,
jedermann, etlicher, etwas, alle, viele, wenige.
Man ist ein eigenartiges Pronomen. Es ist syntaktisch eindeutig, semantisch aber
vieldeutig. Syntaktisch erfüllt es stets Funktion des Subjekts. Semantisch hat es,
mindestens drei Bedeutungen:
1) Verallgemeinernde Bedeutung, die alle Personen einbezieht, ersetzbar
durch: ein Mensch, der Mensch, die Menschen, Leute, jedermann.
Man kann ohne Freude nicht leben.
2) Unbestimmt-persönliche Bedeutung, die eine oder mehrere unbestimmte,
unbekannte Personen einbezieht; ersetzbar durch jemand, einer, einige + Substantiv im
Plural: Man hat ihm den Koffer gestohlen.
Ob eine oder mehrere Personen gemeint werden, geht aus dem Kontext hervor.
3) Bestimmt-persönliche Bedeutung, wenn es sich um eine bestimmte, bekannte,
konkrete Person oder mehrere bestimmte Personen handelt. Man ist groß geworden.
Von allen Indefinitpronomen steht dem Pronomen man das Pronomen
einer am nächsten. Einer ersetzt man in den obliquen Kasus: Die Stadt Göttingen
gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.
Als Synonyme zu man erscheinen jedermann, jeder, jemand, alle, alles: Für jetzt
genügt es, dass jedermann sich erinnert, wie rasch eine Reihe von Tagen vergeht, die
man als Kranker im Bett verbringt.
Jemand (einer) und etwas stehen einander gegenüber: jemand (einer) bezieht
sich auf Personen, etwas auf unbelebte Begriffe: Hier steht jemand (einer). Hier steht
etwas (ein Koffer, ein Schrank u. a.). Erzähl mir etwas!
Etwas wird auch mit Stoffnamen attributiv gebraucht: Gib mir etwas Suppe. Ich
habe etwas Geld bei mir.
Nach etwas steht oft ein substantiviertes Adjektiv: etwas Angenehmes, mit etwas
Angenehmem.
Jemand kann wie der unbestimmte Artikel dekliniert werden, doch steht es meist
in unflektierter Form (außer Gen. jemandes) jemandes Freund sein: Hast du jemand(-
en) geschehen?
Jeder, jedermann (veraltet) sind Synonyme. Jeder wird substantivisch und
adjektivisch gebraucht: Jeder (jedermann, jeder Bürger) hat in unserem Land das Recht
auf Arbeit und Erholung.
Jedermann wird substantivisch gebraucht, es hat eine besondere Kasusform nur
im Genitiv Sg.: jedermanns, die attributiv gebraucht wird: Die Arbeit ist jedermanns
Pflicht und Bedürfnis.
Mancher wird wie jeder dekliniert und als substantivisches oder adjektivisches
Pronomen gebraucht:
a) Mancher erkundigt sich nach Ihrer Gesundheit.
b) Manche Arbeiter besuchen Abendkurse.
Viele, einige, etliche, alle, wenige verwendet man ebenfalls als substantivische
und adjektivische Pronomen:
a) Viele (wenige, einige, alle, etliche) Studenten haben ihre Prüfungen mit
„ausgezeichnet" bestanden.
b) Viele (alle) haben die Prüfung vorfristig abgelegt.
Viel und wenig verbinden sich in ihrer kurzen Form mit Stoffnamen und
Abstrakta: viel (wenig) Zucker, Brot, Fleisch; viel (wenig) Zeit, Freude, viel Geschrei
und wenig Wolle.

Negativpronomen (verneinendes Pronomen)


Dazu gehören kein, niemand, nichts.
Kein ist eine negative Entsprechung zu dem unbestimmten Artikel: Ich habe keinen
Bruder. Kein hat einen weiteren Verwendungsbereich als ein: kein steht im Plural: Ich
habe keine Geschwister, vor Stoffnamen und Abstrakta: Wir haben keinen Fruchtsaft
mehr. Ich habe keine Zeit. Keiner und niemand sind Synonyme:
Niemand (keiner) hat etwas bemerkt.
Niemand bezieht ausschließlich auf Personen, keiner kann auch Nicht-Personen
einbeziehen. Wir haben uns mehrere Farbfilme angesehen, doch hat keiner (von ihnen)
einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Niemand und nichts sind einander gegenübergestellt. Im Gegensatz zu
niemand bezieht sich nichts nur auf Nichtlebewesen: Ich habe niemand gesehen und
nichts gehört.
Niemand ist eine negative Entsprechung zu jemand, auch morphologisch und
syntaktisch sind sie einander gleich.
Nichts ist eine negative Entsprechung zu etwas, auch morphologisch und
syntaktisch sind sie identisch. Nach nichts steht ebenso wie nach etwas oft ein
substantiviertes Adjektiv: etwas Neues — nichts Neues.
Positiv Negativ
ein Bruder kein Bruder
jemand niemand
etwas nichts

Reziprokpronomen
Das Reziprokpronomen weist auf eine wechselseitige Beziehung zwischen zwei oder
mehreren Personen oder Gegenständen. Dazu gehören das Wort einander und seine
Zusammensetzungen mit verschiedenen Präpositionen: miteinander, füreinander,
zueinander, aufeinander u.a.
Sie haben einander lange gekannt.
Die Gatten haben viele Jahre miteinander gelebt.
Das Reflexivum wird auch als Reziprokpronomen gebraucht. In diesen Fällen kann es
manchmal durch einander ersetzt werden: Sie liebten sich — Sie liebten einander.
Einander wird daher gelegentlich ebenfalls als Reziprokpronomen bezeichnet.

Funktionale Betrachtungsweise der Pronomen


Innerhalb der Wortart Pronomen bestehen mehrfache Beziehungen zwischen
einzelnen Wörtern auf Grund ihrer gemeinsamen Funktion, Vieldeutigkeit und
Gegenüberstellung.
Vor allem lassen sich zwei Gruppen ausscheiden, die einander entgegengesetzt
sind: die Gruppe der Pronomen für Personenbezeichnungen und die Gruppe der
Pronomen für alle andern Bezeichnungen. Außerdem gibt es Pronomen, die in dieser
Hinsicht neutral sind, sie können für alle möglichen Bezeichnungen eintreten.
Zu den Pronomen aus dem Themenkreis „Mensch“ gehören: die
Personalpronomen: ich, du, wir, ihr, Sie; die Possessivpronomen: mein, dein, unser,
euer, Ihr, die Indefinitpronomen: man, jemand, jedermann; das Negativpronomen
niemand, das Fragepronomen wer.
Dem Themenkreis „Nicht-Mensch“ sind folgende Pronomen zuzuordnen: das
Indefinitpronomen etwas, das Negativpronomen nichts, das Fragepronomen was, alle
Pronominaladverbien.
Alle andern Pronomen sind in Bezug auf die Gegenüberstellung Mensch/ Nicht-
Mensch neutral. Synonymische Beziehungen verbinden mehrere Pronomen
miteinander.
Eine synonymische Kette entsteht mit dem Pronomen man an der Spitze:
man in der verallgemeinernden Bedeutung hat die Synonyme jeder, jedermann,
alle, einer, alle Menschen; man in der unbestimmt-persönlichen Bedeutung hat die
Synonyme: jemand, einer, sie.
Das Pronomen man in der konkret-persönlichen Bedeutung berührt sich mit allen
Personalpronomen. Je nach dem Kontext kann das Pronomen man durch beliebiges
Personalpronomen ersetzt werden. Dabei geht natürlich die stilistische Wirkung der
Verschleierung einer konkreten Person, der Verallgemeinerung oder der Typisierung
verloren: Seien Sie (sei) doch vernünftig! Man ist ja ein intelligenter Mensch (man =
du, Sie).
Beeilen Sie sich! Man wartet auf Sie (man = er, sie).
Das Pronomen man wird aus verschiedenen Gründen den Personalpronomen.
vorgezogen:
1) Wenn man einen Einzelfall verallgemeinern will, so entsteht die Wirkung der
Typisierung: Na du man klopft aber an, wenn man ein fremdes Zimmer beitritt.
2) Statt mehrere Einzelpersonen zu nennen, gebraucht man das Pronomen man
als Sammelbegriff: Der Tumult war grenzenlos... Man rief nach einem Arzt, nach der
Polizei. Man stürmte das Podium.
3) Aus Bescheidenheit vermeidet der Sprechende die ich-Form: „Danke sehr,
danke sehr. Man tut, was man kann,“ wisperte er.
Diese stilistische Wirkung könnte man Verschleierung nennen. Die Verschleierung
erfolgt nicht nur aus Bescheidenheit, sondern auch aus dem Bestreben, eine
unangenehme Tatsache von sich fern zu halten.
4) In der erlebten Rede ersetzt man oft die 1. Person: ‚Ja, großer Gott, wo war diese
Ferienzeit geblieben! Verronnen, verflogen, enteilt, — man wusste wahrhaftig nicht zu
sagen, wie.
In der direkten Rede ersetzt man die 2. Person: Man ist ein erwachsener junger Mann
geworden!
Man +Imperativ:„Man bilde die Kettel“ schloss Dr. Krakowski, und so tat man.
Man und es sind meist keine Synonyme; nur in dem Falle, wenn der Täter eine Person
ist, können beide Pronomen austauschbar sein: Man klopft (= es klopft), mach die Tür
auf.
An der Spitze der zweiten synonymischen Reihe steht das Personalpronomen er: er,
der, dieser, derselbe, jener. Man gebraucht dieser, derselbe statt er, um
Missverständnisse zu vermeiden; dieser (derselbe) verweist auf die letztgenannte
Person (oder ein Lebewesen). Der Junge wollte nicht sagen, dass der Hund ihn
gebissen hatte, damit man denselben (d. h. den Hund) nicht schlage. (Dieser Gebrauch
ist veraltet)
Der anstelle von er ist in den Volksliedern und Märchen üblich. Von dort aus
dringt dieser Gebrauch in die schöngeistige Literatur, vor allem in die Poesie ein: Es
war einmal ein Kind, das war nicht artig und wollte sein Essen nicht essen.
In der Umgangssprache aber klingen der, dieser statt er in Bezug auf Personen
unhöflich: Dieser (der) da hat mich angesprochen.
Possessivpronomen und Personalpronomen, als Synonyme berühren sich im
folgenden Fall: mein Freund = ein Freund von mir. Das Pronomen sich in reziproker
Bedeutung hat als Konkurrenzform das Reziprokpronomen einander: Sie lieben sich =
Sie lieben einander. (auch bei: sich küssen, treffen, prügeln, schlagen, hassen u. a.)
Einige Verben mit reziprokem sich lassen keinen Ersatz zu: Die Gattenlassen sich
scheiden. (auch bei: sich vermählen, verheiraten, verabschieden).
Umgekehrt: nur das Reziprokpronomen ist gebräuchlich in: Sie dachten aneinander. Sie
standen nebeneinander. Sie sprachen miteinander. Seid nett zueinander. Sie kamen
immer gut miteinander aus.
Weitere Synonyme dazu sind: gegenseitig, einer den anderen (einer mit dem andern).
Sie haben sich gemustert, Sie haben sich gegenseitig gemustert.
Sie trösten einander. = Sie trösten sich gegenseitig.
Das unpersönliche Pronomen es kann durch das Demonstrativpronomen das zum
Zweck der Verstärkung ersetzt werden:
Wie das blitzt und donnert! Das regnet aber!
Einige Pronomen können durch Zusammensetzung mit irgend-, eben- verstärkt
werden: irgend- tritt zu den Indefinitpronomen, eben- zu den Demonstrativpronomen
hinzu: irgendjemand, irgendetwas, irgendwelche, ebendies, ebenderselbe.

Quellen:

1. DUDEN. Die Grammatik. Band 4.


2. Helbig G., Buscha J. Deutsche Grammatik. 1996.
3. Hentschel E., Weydt H. Handbuch der deutschen Grammatik, 1994
4. Schendels E. Deutsche Grammatik : Morphologie, Syntax, Text,1982.
5. Москальская О. И. Теоретическая грамматика современного немецкого
языка, 2004
6. https://grammis.ids-mannheim.de/progr@mm/5305