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Erste Hilfe in Offshore Windparks Diese Empfehlung für die Sicherstellung der Ersten Hilfe auf Offshore-Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Diese Empfehlung für die Sicherstellung der Ersten Hilfe auf Offshore-Windparks soll dem Unternehmer Hilfestellung bei der erforderlichen Planung und Umsetzung von Maßnahmen unter den besonderen Bedingungen im Offshore Bereich geben.

Das hier vorgestellte Konzept beschreibt die Erste-Hilfe-Offshore als erstes Glied in der Ret- tungskette, insbesondere die Funktion des Ersthelfer-Offshore.

Im Zuge der Energiewende in Deutschland werden in der Nord- und Ostsee Offshore Wind- parks (OWP) geplant, errichtet und in Betrieb genommen. Das schnelle und starke Wachs- tum dieses neuen Wirtschaftszweiges stellt die damit beschäftigten Unternehmen vor neue Herausforderungen, auch im Hinblick auf Arbeitsschutz- und Notfallkonzepte. Mehr als 1000 Menschen werden nach bisherigen Schätzungen künftig direkt in den Offshore-Windparks tätig sein, in Spitzenzeiten sogar vier bis fünfmal so viele, die mit den spezifischen Arbeits- und Rahmenbedingungen umgehen müssen.

Ein Großteil der OWP befindet sich bis zu 125 km von der Küste entfernt in der Ausschließli- chen Wirtschaftszone (AWZ). Die Tätigkeit in Windenergieanlagen (WEA) oder auf Um- spannplattformen ist gekennzeichnet durch erhebliche körperliche Anstrengung, Tätigkeiten in großen Höhen, räumliche Enge, Exposition gegenüber Hitze und Kälte sowie durch Schichtdienst.

In Notfallsituationen kann dem Verletzten/Erkrankten extreme körperliche Anstrengung ab- verlangt werden und er kann sowohl außergewöhnlichen Temperaturen, Rauch und kaltem Wasser ausgesetzt sein. Durch die großen Entfernungen der Windparks vom Festland sowie die zum Teil extreme Weitläufigkeit der Windparks wie auch die schwierigen Zugangsbedin- gungen kann ein Rettungsdienst häufig erst zwischen 60 und 90 Minuten eintreffen; je nach Wetterbedingungen (Sturm, Sicht oder Wellengang) kann sich diese Zeit auch noch deutlich verlängern. Diese Zeitspanne gilt es durch Erste-Hilfe-Maßnahmen zu überbrücken, für deren Sicherstellung der Unternehmer verantwortlich ist. Die Organisation der Ersten Hilfe muss den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung Rechnung tragen. Durch Abstimmung mit Ret- tungsorganisationen und Krankenhäusern müssen Notfallrettung und medizinische Versor- gung gewährleistet sein.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) gilt in vollem Umfang im Bereich der Offshoreanlagen einschließlich der hierauf fußenden Verordnungen-, z.B. Arbeitsstättenverordnung (Ar- bStättV) oder Gefahrstoffverordnung (GefstoffV).

Ferner gelten für Unternehmen und Versicherte die entsprechenden Unfallverhütungsvor- schriften im Zuständigkeitsbereich der jeweiligen UV-Träger, insbesondere die Unfallverhü- tungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV/GUV-V A1), welche auch die Erste Hilfe im Betrieb regelt.

tungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV/GUV-V A1), welche auch die Erste Hilfe im Betrieb regelt.

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Gefährdungsbeurteilung Ausgangspunkt für alle weiteren Überlegungen zur

Gefährdungsbeurteilung

Ausgangspunkt für alle weiteren Überlegungen zur Sicherstellung einer wirksamen Ersten Hilfe Offshore ist eine detaillierte Gefährdungsbeurteilung. Dabei müssen die weite Entfer- nung vom Festland, das Auftreten widriger Wetterbedingungen, die Weitläufigkeit der OWP und die häufig langen Flugzeiten im Notfall berücksichtigt werden.

Offshore Tätigkeiten bergen aufgrund der speziellen Risiken und Rahmenbedingungen er- höhte Unfall- und Gesundheitsgefahren.

Rettung die an Land nur kurze Zeit erfordert, kann im Offshorebereich einen deutlich länge- ren Zeitraum bedeuten, den es zu überbrücken gilt. Diese spezifischen Rahmenbedingungen müssen in die personellen, materiellen und organisatorischen Planungen der Notfallmaß- nahmen einfließen. Durch die entsprechenden Maßnahmen sind im Rahmen des Möglichen und der Verhältnismäßigkeit die signifikanten Nachteile der widrigen geografischen und kli- matischen Bedingungen zu minimieren. Außerdem muss auch zwischen den unterschiedli- chen Gefährdungen unterschieden werden, die während der Bauphase der OWP oder der reinen Betriebsphase auftreten und möglichen Notfallorten, wie z.B. auf einer WEA oder auf einer zentralen Umspannplattform.

Nach der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV/GUV-V A1), § 26 „Zahl und Ausbildung der Ersthelfer“, Absatz 4 gilt:

„Ist nach Art des Betriebes, insbesondere auf Grund des Umganges mit Gefahrstoffen, damit zu rechnen, dass bei Unfällen Maßnahmen erforderlich werden, die nicht Gegenstand der allgemeinen Ausbildung zum Ersthelfer gemäß Absatz 2 sind, hat der Unternehmer für die erforderliche zusätzliche Aus- und Fortbildung zu sorgen.“

Danach trägt die Kosten der Aus- und Fortbildung der betrieblichen Ersthelfer der zuständige Unfallversicherungsträger. Der Unternehmer übernimmt die Weiterbildungskosten des be- trieblichen Ersthelfers zum Ersthelfer-Offshore.

Nach § 3 des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG) ist der Betriebsarzt bei der Gefährdungsbe- urteilung und der Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb einzubeziehen. Er berät den offs- hore tätigen Unternehmer zu Inhalten und Umfang der erforderlichen Ersthelfer- Weiterbildung und zur Auswahl der geeigneten Erste-Hilfe-Ausbildungsstellen.

Hinweise zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung können der BGI 657 „Windener- gieanlagen“ in ihrer jeweiligen aktuellen Fassung entnommen werden und müssen im Einzel- fall den besonderen Erfordernissen im Offshorebereich Rechnung tragen.

Notruf und weitere Rettungskette

Nach § 10 Abs. 1 des ArbSchG hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass im Notfall die er- forderlichen Verbindungen zu außerbetrieblichen Stellen, insbesondere in den Bereichen der Ersten Hilfe, der medizinischen Notversorgung, der Rettung und der Brandbekämpfung ein- gerichtet sind.

Jeder Mitarbeiter muss jederzeit und an jedem Arbeitsplatz einen Notruf absetzen können. Vor Beginn der Arbeiten muss sichergestellt sein, dass der Notruf abgesetzt und weitere Maßnahmen eingeleitet werden können. Rettungs- und Hilfskräfte (betriebseigene oder ex- terne) müssen den Notfallort im Einsatzfall schnell erreichen und betreten können.

Nach § 24 Abs. 3 BGV/GUV-V A1 hat der Unternehmer für einen sachgerechten Transport zu sorgen, der im Einzelfall auch staatliche Ressourcen einschließt. Auf dem Festland stehen für den sachkundigen Transport in der Regel die Einrichtungen des öffentlichen Rettungs-

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks dienstes zur Verfügung, auf die der Unternehmer zurückgreifen kann. Dies ist

dienstes zur Verfügung, auf die der Unternehmer zurückgreifen kann. Dies ist im Offshore- Bereich nicht der Fall, da sich der öffentliche Rettungsdienst als Aufgabe der Länder nicht auf die AWZ erstreckt.

Personelle Maßnahmen

Grundsätzlich zeigt die Auswertung der Verletzungsmuster der bisher erfassten Unfälle im Offshore Bereich keine signifikanten Unterschiede zum Onshore Bereich. Der gravierende Unterschied besteht insbesondere in dem längeren „therapiefreien Intervall“ bei Offshore- Einsätzen (bis zu ca. 60 – 90 Minuten), das von ausgebildeten Laien überbrückt werden muss. Dies sollte sich in Anzahl und der Qualifikation der Ersthelfer widerspiegeln.

Auf Grund der besonderen Offshore-Risiken soll jeder Offshore-Tätige zumindest als Ersthel- fer nach § 26 BGV/GUV-V A1 oder nach anderen vergleichbaren Regeln ausgebildet sein.

Der Ersthelfer im Betrieb ist ein ausgebildeter Laie, der als Erster am Ort des Geschehens geeignete Maßnahmen ergreift um akute Gefahren für Leben und Gesundheit abzuwenden.

Er darf auf dem Gebiet der Ersten Hilfe nur das tun, was seinem Ausbildungsstand ent- spricht. Er hat stets zu beachten, dass Erste Hilfe kein Ersatz für ärztliche Maßnahmen ist. In dem durch Aus- und Fortbildung gestellten Rahmen obliegt es ihm, bei Notfällen die notwen- digen und zumutbaren lebensrettenden Sofortmaßnahmen zu ergreifen und den Verletzten oder Erkrankten so lange zu betreuen bis professionelle Rettungskräfte ihn übernehmen.

Die Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer erfolgt in einem acht Doppelstunden (16 UE) umfassenden Erste-Hilfe-Lehrgang.

Darüber hinaus sollte ein Teil der Ersthelfer zum Ersthelfer-Offshore weitergebildet werden. Er soll durch eine entsprechende, zusätzliche Weiterbildung in die Lage versetzt werden, vor Ort in der längeren Warte- bzw. Überbrückungszeit bei Offshore-Notfällen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte weiterführende Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen.

Diese erweiterte Kompetenz des „Ersthelfers-Offshore“ setzt sich auf der Basis des Erste- Hilfe-Lehrgangs zum Ersthelfer im Betrieb zusammen aus

zusätzlicher Erste-Hilfe-Weiterbildung (mit 20 UE) einschließlich,

• ergänzter Ausrüstung und Anwendung von erweiterten Maßnahmen und

• Telekonsultation.

Regelmäßiges, jährliches Refresher-Training mit situationsgerechten Übungen gewährleistet schnelles und zielgerichtetes Handeln auch bei nur seltenen Notfällen.

Die für Offshorearbeiter notwendigen sicherheitstechnischen Zusatzausbildungen sind Vo- raussetzungen für das Tätigwerden von Ersthelfern und Ersthelfern-Offshore in OWP.

Der Begriff „Telekonsultation“ bezeichnet im Zusammenhang mit der Erste-Hilfe-Leistung durch den Ersthelfer-Offshore eine notärztliche Beratung, Unterstützung und Betreuung, die mittels Einsatz von medizinischen Geräten (Vitaldatenmessgeräte, z.B. Pulsoximeter) und Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ermöglicht wird. Das Spektrum der verwen- deten Kommunikationstechnik reicht von der reinen Audio-Kommunikation über Sprechfunk-, Satelliten-, IP- und Handytelefonie bis hin zur bidirektionalen audio-visuellen Kommunikation (Videokonferenz) unter Einbeziehung eines Telemonitorings zur Vitaldatenübertragung und - überwachung.

Die Telekonsultation durch die Notfallleitstelle gliedert sich im Wesentlichen in folgende Be- standteile auf:

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks • Supervision der Ersten Hilfe-Maßnahmen • Diagnose- und Indikationsstellung

• Supervision der Ersten Hilfe-Maßnahmen

• Diagnose- und Indikationsstellung medizinischer Maßnahmen sowie die

• Fernüberwachung deren Durchführung

• Individuelle psychologische Unterstützung des Ersthelfers-Offshore

• Dokumentation und Auswertung

Telekonsultation zielt auf eine qualitative Verbesserung der Ersten Hilfe durch den Ersthelfer- Offshore und Erweiterung der Bandbreite möglicher Maßnahmen ab.

Der Telekonsultation könnte in Abstimmung mit dem Betriebsarzt durch eine Notfallleitstelle oder eine andere geeignete Einrichtung erfolgen.

Bisher fehlen spezifische Aus- und Fortbildungsstandards für Ersthelfer-Offshore und ent- sprechende abgestimmte Ausbildungsangebote. Deshalb führt die Anlage 1 „Weiterbildung zum Ersthelfer-Offshore“ ein entsprechend auf diese Einsatzfälle abgestimmtes Ausbildungs- konzept (Inhalt und Umfang der Lehrgänge) sowie Empfehlungen für die Auswahl geeigneter Ausbildungsstellen auf.

Ersthelfer-Offshore sollten in folgender Anzahl zur Verfügung stehen:

• In Kleingruppen (z. B. Wartungstrupp auf Windenergieanalagen mit bis zu 3 Personen) immer 2 Ersthelfer-Offshore.

• Bei Gruppen mit mehr als 3 Personen sollten mindestens zwei Ersthelfer-Offshore pro 10 Personen anwesend sein (Quote: 2 Ersthelfer-Offshore für je 10 Beschäftigte).

Bei Anwesenheit vieler Beschäftigter, z. B. auf Umspann- bzw. Wohnplattformen sollte dar- über hinaus höher qualifiziertes Personal zur Ersten Hilfe anwesend sein, z. B. ein Rettungs- assistent mit entsprechenden Kenntnissen für den Offshorebereich. Dies trifft auch zu, wenn erhöhte Unfallgefahren auftreten, insbesondere in der Errichtungsphase der Windparks.

Erste-Hilfe-Ausstattungen

Neben der erweiterten Qualifikation von Ersthelfern im Offshorebereich wird auch eine erwei- terte Ausstattung mit Erste-Hilfe-Material empfohlen.

Dabei ist nach personenbezogener Ausrüstung des Erste-Hilfe-Personals und dem Vorhalten von Ausrüstungs- bzw. Erste-Hilfe-Material vor Ort zu unterscheiden, z. B. in Windenergiean- lagen oder auf Plattformen.

Als Zusatzausrüstung für den Ersthelfer-Offshore (teambezogen), wird folgendes empfohlen:

1. Augenspülflüssigkeit (geschlossenes, gebrauchsfertiges System)

2. AED mit EKG-Anzeige und Übertragungsmöglichkeit, spritzwassergeschützt

3. Beatmungsbeutel incl. Zubehör

- Larynxtuben (Gr. 4/5) - Beatmungsmaske z. B. Pocket Mask

4. Ausrüstung für Telekonsultation

5. Pulsoximeter

6. Tourniquet

7. Schmerzmittel in Absprache mit dem Betriebsarzt und dem ärztlichen Leiter der betriebli- chen Notfallleitstelle

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Auf Windenergieanlagen ist folgende über den Inhalt des Betriebsverbandkastens nach

Auf Windenergieanlagen ist folgende über den Inhalt des Betriebsverbandkastens nach DIN 13157 hinausgehende Zusatzausrüstung anzuraten:

1. Schienungsmaterial

2. HWS-Immobilisation

3. Decke

4. Aktiv wärmende Decke

Eine eventuell weitere Ausstattung mit Erste Hilfe Material hängt von der Gefährdungsbeur- teilung ab, bedarf weiterer Weiterbildungsschritte und ist mit Betriebsarzt, Notfallleitstelle und Rettungskräften abzustimmen. Sie hat u.a. Einfluss auf die Organisation der Rettungskette und die einzubindende Telekonsultation.

Die Erste-Hilfe-Ausstattung und -Ausrüstung auf Schiffen ist bereits durch die Krankenfürsor- ge-verordnung auf Kauffahrteischiffen geregelt. Dies kann beim Transport des offshore- Personals mit Schiffen oder beim Einsatz von größeren Errichterschiffen berücksichtigt wer- den.

Hinsichtlich der räumlichen Ausstattung auf Umspann- oder Wohn-Plattformen wird ein Erste- Hilfe-Raum nach ASR A 4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“ angeraten.

Organisatorische Maßnahmen

Zentraler Bestandteil der Rettungskette-Offshore ist ein betrieblicher Alarmplan. Dazu gehö- ren Angaben der Meldewege und Meldemittel sowie der Notrufnummer, die Reihenfolge von zu benachrichtigenden Stellen usw. Die entsprechenden Meldemittel (z. B. Mobiltelefon, Funknotruf) müssen funktionssicher vorgehalten werden.

Für den Notfall sind erforderliche Maßnahmen mit der für den OWP dafür zuständigen Stelle abzustimmen und die Informationen den Rettungskräften zugänglich zu machen. Die Be- schäftigten sind hinsichtlich der besonderen Anforderungen an Notruf und Rettungsmaß- nahmen im Offshorebereich zu unterweisen.

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Anlage 1: Weiterbildung zum Ersthelfer-Offshore 1) Anforderungen an Ausbildungsstellen

Anlage 1: Weiterbildung zum Ersthelfer-Offshore

1) Anforderungen an Ausbildungsstellen

Lehrkräfte

Die Lehrkraft sollte als didaktische Grundlage über eine gültige Lehrerlaubnis zur Ausbildung „Erste Hilfe“ verfügen.

Des Weiteren wird zur qualifizierten Ausbildung in den offshore-spezifischen Maßnahmen der erweiterten Ersten Hilfe empfohlen:

• eine aktive rettungsdienstliche Tätigkeit mindestens auf dem Ausbildungsniveau eines Rettungssanitäters unter Supervision des kursverantwortlichen Arztes,

• Erfahrung in der Planung und Durchführung von Szenario-basierten Trainings,

• Kenntnisse der Offshore-spezifischen Verhältnisse (Anlagen, Rettungskonzepte).

• Kenntnisse über Telekonsultation.

Grundkurse zu Arbeitsschutzthemen bei Offshore Windparks (OWP) diverser Anbieter ver- mitteln dem Ausbilder in der Weiterbildung von „Ersthelfern-Offshore“ die nötigen theoreti- schen und praktischen Kenntnisse über PSA, Rettung und sonstige offshore-spezifische As- pekte. Bereits in anderen Zusammenhängen erworbene Kenntnisse (z.B. Ausbildung im Be- reich Höhenrettung) können bei entsprechenden Lehrinhalten als gleichwertig angesehen werden. Die Weiterbildung kann auch in der betriebsinternen Verkehrssprache (z.B. Eng- lisch) erfolgen.

Lehrgangseinrichtungen

Das Szenario-basierte Training (in einer den Windanlagen vergleichbaren Umgebung, ggf. an einem OWP-Arbeitsplatz) vermittelt Praxisnähe. Beispielsweise sind folgende offshore- spezifische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen:

• beengte Räumlichkeiten, Durchstiege, hochgelegene Außenanlagen etc. (z. B. WEA- Bauteile oder vergleichbare Verhältnisse)

• Bedingungen wie Anlagenbewuchs, Regennässe, Schnee, Reif- und Eisbildung, Kälte oder Hitze, Wind/Sturm etc. auf Außenanlagen

Zusätzliche Demonstrations- und Übungsmaterialien

1. AED mit EKG-Anzeige und Übertragungsmöglichkeit

2. Beatmungsbeutel incl. Zubehör, Larynxtuben (Gr. 4/5), Pocket Mask

3. Ausrüstung für Telekonsultation

4. Pulsoximeter

5. Tourniquet

6. Augenspülflüssigkeit

7. Schmerzmittel (wirkstofffreie Übungsmuster)

8. Schienungsmaterial

9. HWS-Immobilisation

10. Aktiv wärmende Decke

11. Übungsphantom (z. B. für Beatmung, Larynx-Tuben, AED-Anwendung, Immobilisation)

12. geeignete Medien (z. B. Filme).

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Bei Teilnehmerübungen und Ausbilderdemonstrationen sollte nach Abstimmung des Unter-

Bei Teilnehmerübungen und Ausbilderdemonstrationen sollte nach Abstimmung des Unter- nehmens mit der Erste-Hilfe-Ausbildungsstelle (bauart-)gleiches Erste-Hilfe-Material, wie es unternehmensspezifisch vorgehalten wird, verwendet werden.

Jedem Teilnehmer ist eine Teilnahmebescheinigung auszuhändigen. Die Bescheinigung über die Weiterbildung zum Ersthelfer-Offshore darf jeweils nur erteilt werden, wenn die Lehrkraft die Überzeugung gewonnen hat, dass der Teilnehmer die erforderlichen Kenntnisse und Fä- higkeiten besitzt.

2) Inhalt und Umfang der Lehrgänge - Weiterbildungslehrgang zum Ersthelfer-Offshore

Voraussetzung für die Teilnahme an der Weiterbildung zum Ersthelfer-Offshore ist die Absol- vierung einer betrieblichen Erste-Hilfe-Ausbildung. Auf dieser Basis der Ausbildung zum be- trieblichen Ersthelfer (16 Unterrichtseinheiten = UE) beinhaltet das Weiterbildungsmodul zu- sätzliche 20 UE. Vergleichbare externe Ausbildungen zum Ersthelfer können anerkannt wer- den.

Insgesamt umfasst die Ausbildung zum Ersthelfer-Offshore 36 UE. Die Weiterbildungs- Unterrichtseinheiten können an einen Erste-Hilfe-Lehrgang direkt angehängt oder aufeinan- der abgestimmt an insgesamt 4 Tagen (z. B. 4 x 9 UE) durchgeführt werden. Wenn die Aus- bildung zum bzw. Fortbildung des Ersthelfers im Betrieb nicht länger als ein halbes Jahr zu- rückliegt, kann die Weiterbildung mit 20 UE an 2 Tagen (z. B. mit 2 x 10 UE) komplettiert werden.

Gesamtlernziel:

Der Teilnehmer soll nach Abschluss der offshore-spezifischen Weiterbildung und des regel- mäßigen Refresher-Trainings befähigt sein, unter besonderer Beachtung des Eigenschutzes lebensrettende Sofortmaßnahmen und erweiterte Erste Hilfe mit zusätzlicher notfallmedizini- scher Ausrüstung und Telekonsultation im Offshorebereich durchzuführen.

Lernziele, theoretische und praktische Inhalte:

1. Allgemeine Verhaltensweisen bei Unfällen/Notfällen, Rettung im Offshorebereich 7,5 UE

In dieser Unterrichtung lernen die Teilnehmer kennen

• die Besonderheiten von medizinischen Notfällen offshore

• die eigene Gefahrensituation bei Notfallsituationen

• adäquate Maßnahmen in Kenntnis der Möglichkeiten der Offshore-Rettungskette

• psychologische Aspekte (Kollegen, Alleinsein, fachfremdes Fachgebiet)

• Prinzip der Telekonsultation

Nach dieser Unterrichtung kann der Teilnehmer

• den richtigen Notruf abzusetzen

• Maßnahmen zum Eigenschutz ergreifen

• Rettung Verunglückter aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zum nächst sicheren Ort

• Im Team eindeutig und klar kommunizieren

• Telekonsultation nutzen.

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Praktische Inhalte Szenario-basiertes Training (in einer den Windanlagen vergleichbaren

Praktische Inhalte

Szenario-basiertes Training (in einer den Windanlagen vergleichbaren Umgebung, ggf. an einem WEA-Arbeitsplatz) (TÜ) Fertigkeiten zur Unterstützung professioneller Rettungskräfte (TÜ)

Einweisung und Übung von Kommunikation sowie Durchführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen per Telekonsultation (TÜ)

2. Kontaktaufnahme/Prüfen der Vitalfunktionen 1 UE

Nach dieser Unterrichtung können die Teilnehmer

• Vitalzeichenkontrolle (ABCDE-Schema)

• Erfassen des Unfallhergangs und Erkennen von (Erkrankungs-) Symptomen

• die Funktion und den Aussagewert eines Pulsoximeters einschätzen

Praktische Inhalte

Handhabung des Pulsoximeters (TÜ)

3. Störungen von Atmung und Kreislauf 5 UE

Nach dieser Unterrichtung können die Teilnehmer

• Gefahren durch Hängetrauma erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen

• Training der Reanimation unter Zuhilfenahme von AED und Beatmungshilfen (Beat- mungsbeutel incl. Zubehör, Pocket Mask, Larynxtubus)

Praktische Inhalte

Atemerleichternde Lagerung (AD) Lagerung beim Hängetrauma (AD)

Übung zur Beutel-Masken-Beatmung (TÜ)

Übung zur Mund-Masken-Beatmung (Pocket-Mask) (TÜ)

Übung zum Platzieren des Larynxtubus (TÜ) Reanimation unter Einbeziehung des AED und Legen des Larynxtubus (2-Helfer-Methode) (TÜ)

4. Knochenbrüche, Gelenkverletzungen 3 UE

Nach dieser Unterrichtung können die Teilnehmer

• eine orientierende strukturierte Untersuchung des Patienten von Kopf bis Fuß (Schädel, Thorax, obere Extremität, Bauch, Wirbelsäule, Becken, untere Extremität) durchführen

• Immobilisierungsmaßnahmen durchführen

• Achsengerechte schmerzlindernde Lagerung

Praktische Inhalte

Ganzkörperliche Untersuchung „bodycheck“ unter Einbeziehung der Telekonsultation(TÜ) Übung mit Schienungs- und Ruhigstellungsmaterial (TÜ)

Lagerung bei Schädel-Hirn-Trauma (AD)

5. Bedrohliche Blutungen 1 UE

Vertiefung des Themenbereiches aus der Grundausbildung Betriebliche Ersthelfer mit erwei- terten Maßnahmen

Nach dieser Unterrichtseinheit können die Teilnehmer

• die Blutstillung nach einem vorgegebenen Algorithmus durchführen

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Praktische Inhalte Blutstillung durch Druckverband (TÜ) Blutstillung durch Handhabung

Praktische Inhalte

Blutstillung durch Druckverband (TÜ)

Blutstillung durch Handhabung des Tourniquet (TÜ) Blutstillung in Form eines Algorithmus- orientierten Vorgehens (TÜ)

6. Thermische Schäden 1 UE

Wiederholung des Themenbereiches Verbrennung aus der Grundausbildung Betriebliche Ersthelfer

Nach dieser Unterrichtung können die Teilnehmer

• die Stadien der Hypothermie kennen,

• Hitzeerschöpfung/Hitzschlag unterscheiden

• die Gefahren der Hypothermie erkennen und entsprechende Maßnahmen durchführen Praktische Inhalte

Maßnahmen zum Wärmeerhalt (AD)

Anwendung einer aktiv wärmenden Decke (AD)

Kühlung bei Hitzeerschöpfung/Hitzschlag (AD)

7. Augenverletzungen 0,5 UE

Wiederholung des Themenbereiches aus der Grundausbildung Betriebliche Ersthelfer

Praktische Inhalte

Demonstration Verband und Anwendung einer Augenspülflasche (AD)

8. Schmerzbekämpfung 1 UE

Nach dieser Unterrichtung können die Teilnehmer

• Schmerzintensität einschätzen

• Verabreichungsweg und Anwendungsvoraussetzungen erklären

• Arzneimittel sachgerecht vorbereiten

• die Wirkweise von Notfall-Medikamenten kennen

Praktische Inhalte:

• Numerische Ratingscala für Schmerzen anwenden, (TÜ)

Praktische Inhalte sollen nach Wunsch des Betriebsarztes ergänzt werden

(AD) Ausbilderdemonstration:

Die Maßnahme wird von der Lehrkraft demonstriert und erläutert sowie gegebenenfalls von einzelnen Teilnehmern geübt.

(TÜ) Teilnehmerübungen:

Die Maßnahme wird von der Lehrkraft demonstriert und erläutert sowie grundsätzlich von allen Teilnehmern bis zur sicheren Beherrschung (insbesondere durch zielgruppenorientierte Fallbeispiele) unter Einbeziehung der psychischen Betreuung geübt. Die Maßnahmen sollen grundsätzlich im Gesamtablauf ggf. unter Einbeziehung der Telekonsultation geübt werden.

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Regelmäßiges Refresher-Training Dieses soll erfolgen zusammen mit den jährlichen

Regelmäßiges Refresher-Training

Dieses soll erfolgen zusammen mit den jährlichen Erste-Hilfe Fortbildungen im Umfang von 4 UE als zusätzliches jährliches Refresher-Training für die offshore spezifischen Inhalte im Um- fang von 4 UE, also jährlich insgesamt 8 UE Fortbildungsumfang. Hierbei soll ein praxisna- hes Training (überwiegend TÜ) offshore-spezifischer Szenarien als Kursform im Vordergrund stehen.

Weitere interne Schulungen bzw. Übungen mit möglichst realitätsnahen Szenarien, ggf. an einem WEA-Arbeitsplatz, sind anzuraten.

Erste Hilfe in Offshore Windparks

Erste Hilfe in Offshore Windparks Anlage 2: Beteiligte Institutionen in der Projektgruppe  Berufsgenossenschaft der

Anlage 2: Beteiligte Institutionen in der Projektgruppe

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse

Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution

Berufsgenossenschaft Holz und Metall

Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft

Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg

VBG - Verwaltungsberufsgenossenschaft

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Ordnung des Meeres

Bundesärztekammer, Dezernat 8 - Telemedizin, Berlin

Deutsche Gesellschaft für Maritime Medizin e.V.

Havariekommando, FB 4, Brandbekämpfung und Verletztenversorgung auf See

Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg

Arbeitsgemeinschaft in Norddeutschland tätiger Notärzte

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin

DRK Ammerland, Offshore Rettung + Sicherheit

EnBW Systeme, Infrastruktur Support GmbH der Energie Baden-Württemberg AG

EWE offshore, Service & Solutions GmbH

Lloyd Apotheke, Bremerhaven

Offshore Forum Windenergie

OffTEC GmbH, Enge-Sande

RWE Power AG

Siemens AG

Telemedizincentrum der Charitè

Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Anästhesiologie, Medizinische Fakultät der RWTH Aachen

VGB PowerTech e. V.

Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf