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Wolfgang Eifler | Eberhard Schlücker | Ulrich Spicher | Gotthard Will

Küttner Kolbenmaschinen

Wolfgang Eifler | Eberhard Schlücker | Ulrich Spicher | Gotthard Will

Küttner

Kolbenmaschinen

Mit 408 Abbildungen, 40 Tabellen sowie zahlreichen Übungen und Beispielen mit Lösungen. 7., neu bearbeitete Auflage

STUDIUM

Abbildungen, 40 Tabellen sowie zahlreichen Übungen und Beispielen mit Lösungen. 7., neu bearbeitete Auflage STUDIUM

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Eifler, Jahrgang 1957, studierte an der Universität Kaiserslautern Kraft- und Arbeits- maschinen. Nach der Promotion war er von 1990 bis September 2003 bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim in den Bereichen Basismotorenentwicklung und Motorsteuerungssysteme – Entwicklung und Applikation tätig. Seither ist er an der Ruhr-Universität in Bochum für den Aufbau des neu gegründeten Lehrstuhles für Ver- brennungsmotoren verantwortlich.

Prof. Dr.-Ing. Eberhard Schlücker, Jahrgang 1956, studierte Maschinenbau an der Fachhochschule Heil- bronn und promovierte 1993 an der Universität Erlangen-Nürnberg. Als Abteilungsleiter Forchung und Entwicklung sowie als Prokurist und Leiter des Bereiches Technik arbeitete er bis 2000 bei der Firma LEWA, Leonberg. Seither ist er Professor und Lehrstuhlinhaber „Prozessmaschinen und Anlagentechnik“ an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. Dr.-Ing. Ulrich Spicher, geboren 1947; Dipl.-Ing. RWTH Aachen 1975; Dr.-Ing. RWTH Aachen 1982;

1975

bis 1987 wissenschaftlicher Mitarbeiter, wissenschaftlicher Assistent, Oberingenieur RWTH Aachen;

1987

bis 1988 Abteilungsleiter „Motorische Verbrennung und Optische Verbrennungsanalysen“ FEV Moto-

rentechnik Aachen; 1988 bis 1993 Bereichsleiter „Motorische Brennverfahren und Sonderbrennverfahren“ FEV Motorentechnik Aachen; 1993 bis 1994 Professor (C3) Universität Paderborn (Thermodynamik und Verbrennungsmotoren); seit 01.08.1994 Professor (C4) Universität Karlsruhe (Institut für Kolbenmaschinen); 01.10.2002 – 30.09.2004 Dekan der Fakultät Maschinenbau der Universität Karlsruhe (TH); seit 2007 Vor- sitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik e.V. (WKM).

Prof. Dr.-Ing. Gotthard Will, Jg. 1939, Studium Maschinenbau TU Dresden, Promotion 1970, Habilitation 1989, Tätigkeit für Kombinat Pumpen und Verdichter Halle, Oberassistent an Sektion Energieumwandlung der TU Dresden, 1994 bis 2005 ordentl. Professor für Pumpen, Verdichter und Apparate an TU Dresden, Mitbegründer und erster Vorsitzender des European Forum for Reciprocating Compressors.

1. Auflage 1967

2. Auflage 1972

3. Auflage 1974

4. Auflage 1978

5. Auflage 1984

6. Auflage 1993

7., neu bearbeitete Auflage 2009

Alle Rechte vorbehalten © Vieweg+Teubner | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

Lektorat: Harald Wollstadt | Ellen Klabunde

Vieweg+Teubner ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media. www.viewegteubner.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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wären und daher von jedermann benutzt werden dürften. Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung,

Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg Druck und buchbinderische Verarbeitung: STRAUSS GMBH, Mörlenbach Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier. Printed in Germany

ISBN 978-3-8351-0062-6

V

Vorwort

Kolbenmaschinen sind in hohem Maße energieeffizient, vielfältigst einsetzbar und daher aus dem Leben zivilisierter Menschen nicht weg zu denken. Wir nutzen sie als Verbrennungsmoto- ren zum Antrieb von Fahrzeugen aller Art, wir bemerken ihre Mitwirkung als Einspritzpumpe am Dieselmotor oder als Kältemittelverdichter in einer Klimaanlage oder einem Haushaltkühl- schrank aber vielleicht schon weniger. Und bei der Verwendung chemischer oder pharmazeu- tischer Produkte denken wir in der Regel nicht mehr daran, welche Pumpen oder Verdichter zu ihrer Erzeugung erforderlich waren.

Die gemeinsame Aufgabe von Kolbenmaschinen ist, die verschiedenen Energieformen in ein- ander umzuwandeln. Aus der latenten Energie des Brennstoffs erzeugen Verbrennungsmotoren mechanische Arbeit. Pumpen und Verdichter benötigen die Zufuhr mechanischer Arbeit, um den Druck von Flüssigkeiten oder Gasen zu erhöhen. Darin unterscheiden sie sich nicht von anderen Fluidenergiemaschinen, wie z. B. den Turbomaschinen.

Gemeinsam ist ihnen auch das volumetrische Prinzip der Energieübertragung. Dem gasförmi- gen oder flüssigen Arbeitsstoff wird im Zylinder der Maschine bei einem periodischen Ar- beitsspiel über den bewegten Kolben mechanische Arbeit zugeführt oder abgenommen. Das Triebwerk der Maschine realisiert die Wandlung zwischen der oszillierenden Bewegung des Kolbens und der rotierenden Bewegung der Kurbelwelle in beiden Richtungen. Diese Merk- male grenzen die Kolbenmaschine gegenüber anderen Energiemaschinen ab.

Zielstellung dieses Lehrbuchs ist es, Studierenden des Maschinenbaus und der Verfahrens- technik, die gemeinsamen theoretischen Grundlagen der Kolbenmaschinen zu erschließen und ihre vielfältigen Ausführungsformen zu veranschaulichen. Anliegen des Buches ist es aber auch, die Studierenden auf die aktuellen Aufgaben der Forschung und Entwicklung für Kol- benmaschinen aufmerksam zu machen. Diese beziehen sich vor allem auf die Erhöhung der Energieeffizienz, der Zuverlässigkeit und der Umweltverträglichkeit solcher Maschinen.

Im Gegensatz zu den früheren Auflagen dieses Buches, die aus der Feder von Karl-Heinz Küttner, dem langjährigen Professor für Kolbenmaschinen an der FH Berlin stammten, ist die Neuauflage das Werk eines Autorenkollektivs von Hochschullehrern, die an verschiedenen Universitäten für Lehre und Forschung an speziellen Kolbenmaschinen Verantwortung tragen bzw. trugen. Der Verlag und die Autoren waren sich der schwierigen Aufgabe bewusst, ein pädagogisch bewährtes Lehrbuch durch etwas Neues zu ersetzen. Sie hoffen, dass dieses Buch im Sinne des Namensgebers einen guten Überblick über das klassische Stoffgebiet liefert, aber auch die Dynamik seiner ständigen Weiterentwicklung widerspiegelt. Sie sind für alle Hinwei- se zu seiner weiteren Verbesserung dankbar.

Bochum/Erlangen-Nürnberg/

Wolfgang Eifler

Karlsruhe/Dresden

Eberhard Schlücker

im November 2008

Ulrich Spicher

Gotthard Will

VII

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

V

1 Gemeinsame Grundlagen der Kolbenmaschinen

1

1.1 Wirkungsweise, Bauarten und Grundbegriffe

1

1.1.1 Das volumetrische Prinzip der Energieübertragung

1

1.1.2 Bauarten und ihre historische Entwicklung

4

1.1.3 Aufbau und Kenngrößen von Hubkolbenmaschinen

6

1.2 Die thermodynamische Funktion von Kolbenmaschinen

9

1.2.1 Die „vollkommene Maschine“ als Modellvorstellung

9

1.2.2 Idealisierte Arbeitsspiele

10

1.2.3 Die verlustbehafteten Zustandsänderungen im Arbeitsraum einer Kolbenmaschine

17

1.3 Kurbeltrieb

22

1.3.1 Kinematik der Hubkolbenmaschine

23

1.3.2 Kräfte und Momente im Triebwerk

27

1.3.3 Massenausgleich

34

1.3.4 Ungleichförmigkeitsgrad und Drehmomentausgleich

43

1.3.5 Übungsaufgaben

46

1.4 Antriebsstränge für Kolbenmaschinen

50

1.4.1 Elektromotoren für Kolbenmaschinen

50

1.4.2 Antriebsformen für leckfreie Kolbenmaschinen

51

1.4.3 Getriebe für Kolbenmaschinen

52

1.4.4 Kupplungen für Kolbenmaschinenantriebe

53

1.4.5 Frequenzumrichter

53

1.4.6 Auswahl der Motor- und Getriebegrößen

53

2 Oszillierende Verdrängerpumpen

57

2.1 Einsatzgebiete

58

2.2 Einteilung und Merkmale

58

2.3 Arbeitsweise

61

2.3.1 Funktion

61

2.3.2 Kinematik der Verdrängerbewegung

62

2.3.3 Massenstrom und Förderleistung

65

2.3.4 Volumetrischer Wirkungsgrad

65

2.3.5 Kennlinien und Einfluss der Stellgrößen

68

2.3.6 Dosiergenauigkeit

70

2.3.7 Wirkungsweise und Einfluss der Pumpenventile

71

2.3.8 Wirkungsweise von Mehrfachpumpen

77

2.3.9 Beispiele

78

2.4 Technische Ausführung oszillierender Pumpenantriebe

80

2.4.1 Baukonzepte

80

2.4.2 Linearantriebe

82

2.4.3 Maschinen mit Geradschubkurbeltrieb

87

2.4.4 Federnockentriebwerke

90

VIII

Inhaltsverzeichnis

 

2.4.6 Steuerkolbenantriebe

91

2.4.7 Hydraulische Membranpumpen mit hydraulischem Phasenanschnitt

92

2.5 Technische Ausführungen von Kolbenpumpenköpfen

93

2.5.1 Klassische Bauformen

93

2.5.2 Hochdruckpumpenköpfe

95

2.5.3 Pumpenköpfe für die Hygienetechnik

96

2.5.4 Pumpen für die Motorentechnik

97

2.5.5 Mikrodosierpumpen

99

2.6 Technische Ausführungen von Membranpumpenköpfen

100

2.6.1 Membranpumpen mit mechanischem Membranantrieb

100

2.6.2 Membranpumpen mit hydraulischem Membranantrieb

101

2.6.3 Schlauchmembranpumpen

107

2.7 Konstruktive Gestaltung ausgewählter Baugruppen

108

2.7.1 Kolben

108

2.7.2 Kolbenabdichtung

109

2.7.3 Flüssigkeitsgesteuerte Ventile

111

2.7.4 Membranen

114

2.7.5 Hydraulikventile

115

2.8 Das Pumpensystem

117

2.8.1 Druckverluste

117

2.8.2 Saugfähigkeit oszillierender Pumpen

118

2.8.3 Schwingungstechnische Betrachtung von Pumpensystemen mit oszillierenden Verdrängerpumpen

122

2.8.4 Pulsationsdämpfung mit Absorptionsdämpfern

125

2.8.5 Pulsationsdämpfung mit Resonatoren und Blenden

126

2.8.6 Druckpulsationen in Einspritzsystemen der Motorentechnik

128

2.8.7 Beispiele

128

2.9 Überwachung und Diagnose

131

2.10 Stelleingriffe und Regelungen

134

2.11 Ausgewählte Rotierende Verdrängerpumpen

135

2.11.1 Gemeinsame Grundlagen

135

2.11.2 Drehkolbenpumpen

136

2.11.3 Zahnradpumpen

137

2.11.4 Flügelzellenpumpen

138

2.11.5 Peristaltische Schlauchpumpen

139

2.11.6 Exzenterschneckenpumpen

141

2.12 Vergleichende Betrachtungen

142

3

Kolbenverdichter

147

3.1 Bestandteile, Förderparameter und Einsatzbedingungen

147

3.2 Funktionsweise

150

3.2.1 Vorgänge im Arbeitsraum

150

3.2.2 Vorgänge in der Verdichterstufe

152

3.2.3 Massebilanz und Förderstrom

155

3.2.4 Energiebilanz und Leistungsbedarf

157

3.3 Konzeption und Gestaltung des Verdichters

161

3.3.1 Stufenzahl

161

3.3.2 Hauptparameter und Bauform

163

Inhaltsverzeichnis

IX

 

3.4 Konstruktion und Berechnung von Baugruppen

175

3.4.1 Zylinder und Ventile

175

3.4.2 Kolben und Dichtelemente

187

3.4.3 Kühler, Abscheider und Trockner

194

3.4.4 Pulsationskontrolle im Zwischenstufensystem

198

3.5 Betrieb von Kolbenverdichter-Anlagen

200

3.5.1 Förderverhalten

200

3.5.2 Stelleingriffe und Regelungen

206

3.5.3 Überwachung und Diagnose

212

3.6 Drehkolbenverdichter

216

3.6.1 Einteilung, Eigenschaften und Grundbegriffe

216

3.6.2 Zellenverdichter

218

3.6.3 Scrollverdichter

219

3.6.4 Rootsgebläse

220

3.6.5 Schraubenverdichter

223

4

Brennkraftmaschinen

231

4.1 Mechanische Bauteile

231

4.1.1 Kurbeltrieb

231

4.1.2 Kurbelgehäuse, Zylinder

239

4.1.3 Zylinderkopf und Ventiltrieb

240

4.1.4 Übungsaufgaben

247

4.2 Kraftstoffe des Verbrennungsmotors

248

4.2.1 Herkunft und Herstellungsprozess

248

4.2.2 Der chemische Aufbau der Kraftstoffe

250

4.2.3 Physikalisch-chemische Eigenschaften der Kraftstoffe

252

4.2.4 Normtabellen der Kraftstoffkennwerte

262

4.2.5 Kraftstoffadditive [4.2-1]

262

4.2.6 Stöchiometrischer Luftbedarf, Lambda und Gemischheizwert

264

4.2.7 Die Rußbildungsneigung von Kraftstoffen

266

4.2.8 Die laminare Brenngeschwindigkeit und die Zündgrenzen

267

4.2.9 Der Gemischheizwert

267

4.2.10 Alternative Kraftstoffe

269

4.2.11 Übungsaufgaben

282

4.3 Thermodynamik des Verbrennungsmotors

285

4.3.1 Einführung

285

4.3.2 Geschlossene Kreisprozesse

285

4.3.3 Offene Vergleichsprozesse – das Modell des „Vollkommenen Motors“

296

4.3.4 Korrektur der Verbrennungsberechnung und Auswirkung der Dissoziation

309

4.3.5 Der reale Motorprozess (Verlustteilung)

311

4.3.6 Der Wärmestrom im Verbrennungsmotor

318

4.3.7 Energiebilanz und -umwandlung

330

4.4 Motor- und Betriebskenngrößen

334

4.4.1 Hubvolumen und Verdichtungsverhältnis

334

4.4.2 Die mittlere Kolbengeschwindigkeit

336

4.4.3 Effektive Leistung und Drehmoment

337

X

Inhaltsverzeichnis

4.4.5 Wirkungsgrade und Kraftstoffverbrauch

341

4.4.6 Die Zylinderfüllung – Kenngrößen des Ladungswechsels

342

4.4.7 Die Motorenkennfelder

346

4.5 Ladungswechsel

352

4.5.1 Allgemeines

352

4.5.2 4-Takt-Hubkolbenmotor

353

4.5.3 2-Takt-Hubkolbenmotor

368

4.5.4 Übungsaufgaben

373

4.6 Der Prozessverlauf im Ottomotor

375

4.6.1 Grundlagen der Gemischbildung

376

4.6.2 Gemischbildungsverfahren

379

4.6.3 Zündung

398

4.6.4 Verbrennung

404

4.7 Dieselmotor

416

4.7.1 Grundlagen

416

4.7.2 Einspritzverfahren

418

4.7.3 Einspritzsysteme

421

4.7.4 Strahlausbreitung und Gemischbildung

431

4.7.5 Zündung und Verbrennung

433

4.7.6 Schadstoffentstehung

439

4.7.7 Übungsaufgaben

443

4.8 Entwicklungsschwerpunkte

445

4.8.1 Variabler Ventiltrieb (VVT)

445

4.8.2 Benzin-Direkteinspritzung (BDE)

452

4.8.2.1 Direkteinspritzung mit homogenem Gemisch

454

4.8.2.2 Direkteinspritzung mit geschichtetem Gemisch

456

4.8.2.3 Serienkonzepte

465

4.8.3 Aufladung

471

4.8.3.1 Mechanische Aufladung

472

4.8.3.2 Abgasturboaufladung

476

4.8.4 Downsizing und Downspeeding

479

4.8.4.1 Downsizing

480

4.8.4.2 Downspeeding

482

4.8.5 Moderne Konzepte bei Dieselmotoren

484

4.8.5.1 Mehrfacheinspritzung und Einspritzverlaufsformung

486

4.8.5.2 Piezo-Injektor und variable Einspritzdüsen

488

4.8.6 Homogeneous Charged Compression Ignition (HCCI)

489

4.8.7 Übungsfragen

493

4.9 Sonderverfahren

495

4.9.1 Wankelmotor

495

4.9.2 Stirling-Motor

498

4.9.3 Dampfmotor

501

4.9.4 Gasmotor

502

4.9.5 Wasserstoffantrieb

508

4.9.6 Atkinson-Zyklus und Miller-Verfahren

513

Anhang: Stoffwerte zur Thermodynamik

516

Sachwortverzeichnis

523

1

1 Gemeinsame Grundlagen der Kolbenmaschinen

1.1 Wirkungsweise, Bauarten und Grundbegriffe

1.1.1 Das volumetrische Prinzip der Energieübertragung

Die Gewinnung mechanischer Arbeit aus der Arbeitsfähigkeit von Fluiden für Antriebe aller Art mit Kraftmaschinen und die Förderung von Fluiden durch Zufuhr mechanischer Arbeit in Arbeitsmaschinen gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

Kraft- und Arbeitsmaschinen werden gemeinsam als Fluidenergiemaschinen bezeichnet. Das in der Maschine durchgesetzte Fluid (Arbeitsstoff) kann eine Flüssigkeit oder ein Gas sein, evtl. auch innerhalb der Maschine seinen Aggregatzustand ändern. Hydraulische Maschinen haben als Arbeitsstoff eine Flüssigkeit. Ein gasförmiger Arbeitsstoff ändert bei der Arbeits- übertragung seine Temperatur. Man spricht deshalb von thermischen Maschinen.

Die Übertragung mechanischer Arbeit von einem oder auf ein Fluid erfordert die Kraftwirkung zwischen einem bewegten Maschinenteil und dem Fluid.

Die zugeführte Maschinenleistung beträgt

(1.1)

die Geschwindigkeit

bzw. Winkelgeschwindigkeit des Maschinenteils sind.

Im Idealfall ist der Vorgang umkehrbar und die zugeführte Fluidleistung (Änderung der Ar- beitsfähigkeit einer Fluidmasse in der Zeiteinheit) gleich der Maschinenleistung

(1.2)

wobei m

sespezifischen Arbeitsfähigkeit des Fluids bei dessen Zustandsänderung in der Maschine sind.

Die Arbeitsfähigkeit eines Fluids beruht auf Druck-, Temperatur-, Höhen- und Geschwindig- keitsdifferenzen gegenüber einem Bezugszustand (meist dem Umgebungszustand) und wird durch seinen thermodynamischen Gesamtzustand bestimmt. Für Flüssigkeiten ist die Arbeits- fähigkeit gleich der Bernoulli-Konstanten. Bei Gasen ist die Exergie ein Maß für die Arbeits- fähigkeit. In Verbrennungsmotoren, die nicht nur eine Zustandsänderung, sondern einen kom- pletten Kreisprozess realisieren, ergibt sich Y als spezifische Kreisprozessarbeit, die über den thermischen Wirkungsgrad mit der im Brennstoff zugeführten latenten Wärme zusammen- hängt.

Massestrom m

beitsfrequenz bzw. Drehzahl n die wichtigsten Parameter einer Fluidenergiemaschine.

und spezifische Arbeit Y sind zusammen mit der Ar-

der Fluidmassestrom (Durchsatz) durch die Maschine und Y die Änderung der mas-

P

M

Fc M

,

wobei F, M

die auf das Fluid wirkende Kraft bzw. Moment und c,

P

F

mY

P

M

,

bzw. Volumenstrom V

Fluidenergiemaschinen realisieren die Arbeitsübertragung entweder nach dem volumetrischen Prinzip (Kolbenmaschinen) oder dem Strömungsprinzip (Turbomaschinen).

2

1 Gemeinsame Grundlagen der Kolbenmaschinen

V p A F,c
V
p
A
F,c

F = A*p

p = f(V)

p’ A M, r M = A*r*p’
p’
A
M,
r
M = A*r*p’

p’ = f( )

Bild 1-1

Energieübertragung in Kolben- und Turbomaschinen

Beide Prinzipien sind sehr alt, haben Vor- und Nachteile. Sie werden deshalb heute und zu- künftig parallel angewendet. Die nachstehende Tabelle fasst die wichtigsten Merkmale beider Prinzipien zusammen.

Tabelle 1.1

Vergleich der Energieübertragungsprinzipien

Volumetrisches Prinzip (Kolbenmaschine)

Strömungsprinzip

(Turbomaschine)

In einem abgeschlossenen Arbeitsraum ist der Druck und damit die Kraft auf den begrenzen- den Verdränger nur von dessen Lage und nicht von dessen Geschwindigkeit abhängig.

In einem beidseitig offenen koaxialen Schaufel- gitter ist die Druckverteilung und damit das Dreh- moment auf den Rotor von dessen Winkelge- schwindigkeit abhängig.

Statische Arbeitsübertragung

dynamische Arbeitsübertragung

Die Arbeitsübertragung erfolgt periodisch

Die Arbeitsübertragung erfolgt konstant

Große Druckdifferenzen und hohe spezifische Energieübertragungen sind auch bei kleinen und langsam drehenden Maschinen möglich.

Große Druckdifferenzen und hohe spezifische Energieübertragungen erfordern große und/oder schnell drehende Maschinen.

Der Durchsatz ist von der Größe des Arbeits- raumes und der Arbeitsfrequenz abhängig. Da letztere relativ eng begrenzt ist, steigt der Bau- aufwand stark mit dem Durchsatz.

Der Durchsatz ist von den Abmessungen und den Geschwindigkeiten abhängig.

Da die zulässigen Geschwindigkeiten relativ hoch liegen, steigt der Bauaufwand weniger schnell.

Wird das volumetrische Prinzip der Energieübertragung mit einem Verdränger (Kolben) reali- siert, der sich geradlinig bewegt, so spricht man von Hubkolbenmaschinen. Die Verdrängung kann – insbesondere bei Arbeitsmaschinen – auch durch eine schwingende Membran erfolgen. Hubkolben- und Membranmaschinen bilden gemeinsam die Gruppe der oszillierenden Verdrängermaschinen.

1.1 Wirkungsweise, Bauarten und Grundbegriffe

3

Daneben gibt es eine sehr vielfältige Gruppe von Maschinen mit rotierenden oder umlaufenden Verdrängern (Rotoren oder Drehkolben), die als Drehkolbenmaschinen bezeichnet werden.

Aus den unterschiedlichen Eigenschaften von Kolben- und Turbomaschinen ergeben sich prak- tische Konsequenzen für ihren Einsatz:

Als Kraftmaschinen zum Antrieb von Straßen- Schienen- und Wasserfahrzeugen, bei denen keine extremen Anforderungen an Leistung und Leichtbau gestellt werden, sind fast aus- schließlich Verbrennungsmotoren im Einsatz, während mittlere und große Flugzeuge Strahl- triebwerke mit hoher Leistungsdichte erfordern. In Großkraftwerken werden ausschließlich Turbomaschinen als Dampf-, Gas- oder Wasserturbinen eingesetzt. Kleinere Blockkraftwerke werden auch mit Verbrennungsmotoren ausgeführt, die sich durch hohe Wirtschaftlichkeit auszeichnen.

Welches Energieübertragungsprinzip bei der Förderung von Flüssigkeiten und Gasen zu be- vorzugen ist, hängt von der spezifischen Arbeitsübertragung, dem Durchsatz und der Drehzahl der Maschine ab. Nach [1-1] werden diese Größen zu einer dimensionslosen Kennzahl – der

allgemeinen spezifischen Drehzahl

n

q

verbunden (Gl. (1.3)).

n

q

V 1 2 3 4
V
1
2
3
4

n Y

(1.3)

Den Pumpen- und Verdichterbauformen mit verschiedenen Energieübertragungsprinzipien können erfahrungsgemäß Wertebereiche dieser Kennzahl zugeordnet werden (Bild 1-2).

Wertebereiche dieser Kennzahl zugeordnet werden (Bild 1-2). Bild 1-2 Arbeitsgebiete der Bauarten von Pumpen und

Bild 1-2

Arbeitsgebiete der Bauarten von Pumpen und Verdichtern in Abhängigkeit von der allgemeinen spezifischen Kennzahl nach BLAHA [1-1] 1 Hubkolben-, 2 Radialkolben-, 3 Zahnrad-, 4 Zellen-, 5 Axialkolben-, 6 Schrauben-, 7 Exzen- terschnecken-Pumpen, 8 radiale, 9 diagonale,10 radiale Kreiselpumpen, 11 Kolbenverdichter, 12 Schraubenverdichter, 13 radiale, 14 axiale Turboverdichter

4

1 Gemeinsame Grundlagen der Kolbenmaschinen

Aus dem Bild erkennt man, dass Hubkolbenmaschinen für kleine spezifische Drehzahlen und große Förderarbeiten (entspricht großen Druckerhöhungen) eingesetzt werden. Das Einsatzge- biet der Drehkolbenmaschinen liegt zwischen dem der Hubkolben- und dem der Turbomaschi- nen. Dem Bild ist auch zu entnehmen, dass die spezifische Arbeitsübertragung in Verdichtern um ein bis zwei Größenordnungen höher liegt, was auf die geringere Dichte bei Druckdiffe- renzen der gleichen Größenordnung zurückzuführen ist.

1.1.2 Bauarten und ihre historische Entwicklung

Kolbenpumpen waren die ersten Kolbenmaschinen. Die Erfindung einer Feuerlöschpumpe von Atsebius in Alexandrien geht auf das Jahr 2200 v. d. Z. zurück. Mit der Entwicklung der Strömungsmaschinen wurde die Kolbenpumpe, die vor allem für hohe Drucksteigerungen günstig ist, aus dem Gebiet großer Förderströme durch die Kreiselpumpen verdrängt. Für mitt- lere und hohe Drücke (im Extremfall bis 2000 MPa) sind Kolbenpumpen für die Volkswirt- schaft unentbehrlich, so z. B. als Prozess- und Dosierpumpen in der chemischen Industrie oder als Press- und Hydraulikpumpen in den verschiedensten Industriezweigen.

und Hydraulikpumpen in den verschiedensten Industriezweigen. a) b) Bild 1-3 Älteste Pumpen und Verdichter: a)

a)

b)

Bild 1-3

Älteste Pumpen und Verdichter: a) Feuerlöschpumpe; b) Blasebalg

Kolbenverdichter sind wichtige Ausrüstungskomponenten in vielen Wirtschaftszweigen. Nach dem bereits im frühen Mittelalter beim Metallschmelzen eingesetzten Blasebalg war die Luftpumpe von Otto von Guericke zur Vakuumerzeugung (1641) ein wichtiger Schritt in der Verdichterentwicklung. Im Zusammenhang mit der Dampfmaschinenentwicklung machte auch der Kolbenverdichterbau Fortschritte. Mehrstufige Verdichter für höhere Drücke wurden Ende des 19. Jahrhunderts für die Gewinnung und Verflüssigung technischer Gase benötigt. Die Ver- fahrensentwicklung der chemischen Industrie erforderte Verdichter mit immer höheren Förder- strömen und Enddrücken.

Hauptanwendungsgebiet für Kolbenverdichter ist die stoffumwandelnde Industrie, wo der Einsatz als Prozessverdichter z. B. in Erdölverarbeitungswerken oder bei Syntheseverfahren erfolgt. Es wird eine hohe Verfügbarkeit der Maschinen gefordert, da mit Ausfall des Prozess-

1.1 Wirkungsweise, Bauarten und Grundbegriffe

5

verdichters die Produktion zum Erliegen kommt. Weitere Anwendungen ergeben sich als Gas- verdichter in Gastrennanlagen, als Drucklufterzeuger für Mechanisierungsmittel und für mess- und regelungstechnische Anlagen, für lufttechnische Anlagen und pneumatischen Transport. Kältemittelverdichter haben einen breiten Einsatz in der gesamten Kälte- und Klimatechnik. In der Druckluft- und Kältetechnik ist ein zunehmender Einsatz von Umlaufkolbenverdichtern insbesondere von Schraubenverdichtern zu erkennen.

Die Dampfmaschine wurde als erste unabhängig von Orts- und Wetterbedingungen zu betrei- bende Kraftmaschine entwickelt (James Watt, 1765 erste Volldruckmaschine). Diese Kolben- maschine beeinflusste entscheidend die technische Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Zur industriellen Energieerzeugung, zum Antrieb ortsfester Arbeitsmaschinen sowie als Fahrzeug- antrieb (Lokomotiven, Schiffe) war die Dampfmaschine auch in der ersten Hälfte des 20. Jahr- hunderts unentbehrlich. Mit der verstärkten Elektroenergie-Erzeugung wurde sie weitgehend durch Turbinen in Großkraftwerken und elektromotorische Antriebe ersetzt.

in Großkraftwerken und elektro motorische Antriebe ersetzt. Bild 1-4 Dampfmaschine (1787) Watt’sche 1

Bild 1-4

Dampfmaschine (1787)

Watt’sche

1

Zudampfleitung,

2

Zylinder mit Dampfmantel,

3

Kondensator,

4

Kondensat-Luftpumpe,

5

Kesselspeisepumpe,

6

Einlassventile,

7

Auslassventile,

8

Fliehkraftregler,

9

Drosselschieber,

10

Balancier,

11

Lenkerführung,

12

Planetenradgetriebe

In Gaszerlegungs- und Verflüssigungsanlagen werden auch heute noch den Dampfmaschinen ähnliche Expansionsmaschinen zur Arbeit leistenden Entspannung des verdichteten Gases eingesetzt, wobei eine hohe Temperaturabsenkung und nicht die abgegebene Leistung im Vor- dergrund steht.

Die potentielle Energie von Flüssigkeiten oder Gasen, die unter einem hohen Druck stehen, wird über Hydraulik- bzw. Pneumatikmotoren zum Antrieb von Werkzeugen und Mechani- sierungsmitteln verwendet.

Mit dem Verbrennungsmotor gelang es erstmalig, die latente Energie des Kraftstoffes im abgeschlossenen Arbeitsraum der Hubkolbenmaschine in Wärmeenergie umzuwandeln und unmittelbar als mechanische Arbeit an den Kolben abzugeben (Nikolaus Otto, 1876 erster

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1 Gemeinsame Grundlagen der Kolbenmaschinen

Viertaktmotor mit Kompression; Rudolf Diesel, 1897 erster Verbrennungsmotor mit Kraft- stoffeinspritzung). Durch die wachsende Bereitstellung von flüssigen und gasförmigen Kraft- stoffen wurde der Einsatz der Verbrennungsmotoren gefördert. Ihre Verwendung erfolgt vor allem zum Antrieb von Straßen- und Schienenfahrzeugen, Schiffen, Flugzeugen, Landmaschi- nen sowie von Arbeitsmaschinen, z. B. Pumpen, Verdichtern und Elektroenergieerzeugern. Das Arbeitsmittel Luft wird beim Verbrennungsprozess der Umwelt entnommen und verändert wieder zugeführt. Die umweltschädlichen Einflüsse der Abgase von Verbrennungsmotoren werden durch intensive Forschung zur besseren Kontrolle des Verbrennungsvorganges so ge- ring wie möglich gehalten.

Verbrennungsvorganges so ge- ring wie möglich gehalten. a) b) Bild 1-5 Erste Verbrennungsmotoren: a) Lenoir-Motor;

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Verbrennungsvorganges so ge- ring wie möglich gehalten. a) b) Bild 1-5 Erste Verbrennungsmotoren: a) Lenoir-Motor; b)

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Bild 1-5

Erste Verbrennungsmotoren: a) Lenoir-Motor; b) Atmosphärischer Otto-Gasmotor

1.1.3 Aufbau und Kenngrößen von Hubkolbenmaschinen

In Hubkolbenmaschinen bewegt sich der der zylindrische Verdränger 2 (Kolben) oszillierend in einem zylindrischen Gehäuse (Zylinder) zwischen zwei Endlagen, die auch als Totlagen bezeichnet werden.

Zur Energieübertragung zwischen dem oszillierenden Kolben und der rotierenden Welle, an der die Maschine die mechanische Arbeit aufnimmt bzw. abgibt, dient das Triebwerk (hier bestehend aus Kolbenstange 3, Kreuzkopf 4, Schubstange 5 und Kurbel 6).