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Einleitung

In den letzten Jahren breitet sich die humanistische Ideologie


der Selbstliebe gewaltig aus, auch unter Christen und vor allem
unter der christlichen Jugend. Sie ist wie eine Epidemie und übt
einen starken Einfluß aus auf solche Ausbildungsrichtungen, die
mit Menschen zu tun haben, sowohl im beruflichen wie auch im
christlichen Bereich, z. B. in (Heil)Pädagogik, Psychologie,
Psychiatrie, Sozialarbeit oder Seelsorgeausbildung und
Mitarbeiterschulung.

Von ihren Befürwortern und Verbreitern wird allerdings die


Selbstliebe nicht als „ansteckende Krankheit“ angesehen,
sondern gerade als Heilmittel gegen so mancherlei „psychische
Krankheiten“ wie Frustration, Depression, Süchte, Arbeitsunlust
und Feindseligkeit.

Was ist nun die Ursache der bereitwilligen Aufnahme dieser


weltweiten Botschaft der Selbstliebe? Bevor wir Gottes Wort zu
Rate ziehen, möchten wir uns kurz mit zwei der bekanntesten
Vertreter der Selbstliebe befassen: Mit Erich Fromm und Walter
Trobisch.

Es war vor allem Erich Fromm, der die humanistische Ideologie


der Selbstliebe populär machte, in die Psychoanalyse integrierte
und damit pseudowissenschaftlich legitimierte. Schon 1939
befaßte er sich mit diesem Thema in einem Aufsatz:
„Selbstsucht und Selbstliebe“ in der Zeitschrift „Psychiatry“.
Die gleichen Gedanken arbeitete dann Fromm näher aus in
„Furcht vor der Freiheit“ (1941), „Psychoanalyse und Ethik“
(1947), „Wege aus einer kranken Gesellschaft“ (1955) und „Die
Kunst des Liebens“ (1971). Wiederholungen ließen sich
anscheinend dabei nicht vermeiden.

1. Wer war Erich Fromm?

Erich Fromm (1900-1980) studierte Psychologie, Philosophie


und Soziologie. 1926-1929 absolvierte er sein
psychoanalytisches Training in München und war anschließend
Schüler von Hans Sachs und Theodor Reik am Institut für
Psychoanalyse in Berlin. Nicht nur Freuds Psychoanalyse,
sondern auch Ideen von Johann Jakob Bachofen (1815-1887) in
„Das Mutterrecht“ prägten Fromms Denken.

1930 war er Mitbegründer des Süddeutschen Instituts für


Psychoanalyse in Frankfurt am Main und außerdem bis 1932
Mitglied und Dozent am Institut für Sozialforschung, aus dem die
sog. „Frankfurter Schule“ hervorgegangen ist, zu der
Horkheimer, Adorno, Habermaß, Bloch und Marcuse gerechnet
werden. Sie alle standen unter dem Einfluß von Hegel, Marx und
Freud. Der größte Teil von ihnen stammte aus jüdischen
Familien (1 ).*∗ Als 1933 das Institut für Sozialforschung von der
nationalsozialistischen Regierung aufgelöst wurde, wanderten
die einflußreichsten Mitarbeiter, darunter Fromm, nach Amerika
aus. Dort wurde die Einrichtung 1934 der Columbia-University
angeschlossen.

1934-1938 hielt Fromm Vorlesungen an verschiedenen


amerikanischen Instituten. 1951-1965 war er dann Professor an
der National Autonomous University of Mexico, wo er den
Lehrstuhl für Psychoanalyse leitete. Neben seiner Lehrtätigkeit
war er auch Supervisor und Lehranalytiker und unterhielt
außerdem eine psychoanalytische Praxis. 1980 starb Fromm im
Tessin in der Schweiz, wo er seine letzten Lebensjahre verbracht
hatte.

Wie viele Psychoanalytiker stammte auch Fromm aus jüdischem


Elternhaus. Seine Eltern waren fromme, orthodoxe Juden, was
ihn prägte.

Bis zu seinem 26. Lebensjahr war Fromm selbst praktizierender


Jude, der sich auch intensiv mit dem Alten Testament
beschäftigte. Besonders faszinierten ihn die Verheißungen eines
weltweiten Friedens bei den Propheten Jesaja, Hosea und Amos
(2).

„Als Jugendlicher lernte er bei Rabbi J. Horowitz den Talmud


kennen. Während seines Studiums war er Schüler von Schneur
Rabinkov in Heidelberg sowie von Nehemia Nobel und Ludwig
Kraus in Frankfurt. Der Einfluß dieser Lehrer auf ihn ist insofern
von weittragender Bedeutung, als sich die sozialistische
Ausrichtung von Rabinkov und die mystische von Nobel
thematisch in den Schriften und Interessengebieten von Fromm
niedergeschlagen haben“ (3).

Als Fromm später die Werke von Karl Marx kennenlernte,


versuchte er, eine Synthese zwischen Marx und Freud zu
konstruieren, aus der seine Sozialpsychologie entstand. Vor ihm
hatte schon Wilhelm Reich versucht, Marx mit
psychoanalytischen Theorien zu ergänzen, wenn auch
vergeblich.

Als etwa 26jähriger kam Fromm mit dem Buddhismus in


Berührung. Später beschäftigte er sich auch mit dem
Zenbuddhismus, wie wir es auch bei Fritz Perls (1893-1970),
einem anderen Psychologen und Psychiater jüdischer Herkunft
sehen.

„Erich Fromms Weg der Religion, seine Kritik an jedem Verweis


auf irrationale Offenbarung und Autorität und seine Vorliebe für
die Verbindung von Vernunfterkenntnis und Mystik haben hier
eine wesentliche Prägung erhalten“ (3,19).**

Fromms Abneigung gegen die übernatürliche Offenbarung, d. h.


gegen diejenige in Gottes Wort und gegen die Autorität mag
aber viel mehr zu tun haben mit dem wesentlichen Einfluß von
Siegmund Freud bzw. mit dessen Haß gegen Gott, Gottes Wort,
Autorität und jegliche Normen. Freud hat Fromms
Psychoanaiyse entscheidend geprägt. Das Studium dieser anti-
theistischen Psychoanalyse und vor allem die eigene
Lehranalyse sind nicht wertneutral.

Die religiösen Voraussetzungen seines Denkens beschrieb


Fromm am ausführlichsten in seinem Buch „Ihr werdet sein wie
Gott“ (4).

Wie des öfteren bei Psychologen jüdischer Herkunft zu


beobachten ist, z.B. auch bei Abraham Maslow, dem Begründer
der Humanistischen Psychologie, bleibt auch Fromm nicht beim
Glauben seiner Väter stehen, sondern wird Humanist, und zwar
im Sinne eines radikalen Humanismus. Außerdem muß man sich
beim Lesen von Fromms Deutungen und Lösungsversuchen
ständig vor Augen halten, daß er durch und durch Evolutionist
mit einem unwirklichen Entwicklungsoptimismus war, wie es z.
B. in seinem Buch „Haben oder Sein“ (5) zum Ausdruck kommt.
Weil Fromms Bücher so durchtränkt sind von seinem
marxistisch-freudianischen, humanistisch-evolutionistischen
Ansatz, ist es nicht recht verständlich, wenn man heute von
„vielen zutreffenden und wegweisenden Analysen“ spricht, oder
davon, daß Fromm „funktional die Veränderung des Menschen
so sieht, wie sie auch in der Bibel beschrieben wird“ und daß
Fromms „Seinsmensch in Analogie zu dem neuen Menschen
aus Gott“ stehen würde (2). Wenn bibeltreue Christen
aufgefordert werden, bei Fromms Entwurf des neuen Menschen
„das Kind nicht mit dem Badewasser“ auszuschütten (2), so
kommt einem die Frage, was wohl „das Kind“ sein soll in der
Analyse und im Entwurf eines Menschen, der die Offenbarung
des Wortes Gottes nicht nur verwirft, sondern auch zum Teil
verfälscht (z.B. 1.Mose 3), und der Gott und Christus, den totalen
Sündenfall und Christi Sühneopfer leugnet? Daß Gedanken des
(evolutio¬nistischen, humanistischen) Fromm „in der Analyse
meist hilfreich und zum Teil brauchbar für den nach Wahrheit
und echtem Leben suchenden Menschen“ (2) sein sollen,
erinnert uns an den Standpunkt des Psychoanalytikers Paul
Tournier. Viele Christen, die sich an Tournier orientieren, denken
ebenso, daß zwar die Hilfe von oben kommen muß, wir aber in
bezug auf die Analyse und Diagnose so manches von der (durch
und durch atheistischen, evolutionistischen) Psychoanalyse
lernen könnten.

Wir sollten nicht vergessen, daß viele uns bekannte Worte wie
Gott, Liebe, Ehrfurcht, Selbsterkenntnis, Freiheit usw. bei
Fromm einen ganz anderen, d. h. humanistischen Inhalt haben.
Dazu gehört auch sein Begriff der Selbstliebe.

Gemäß seiner Orientierung am Buddhismus versteht es sich,


daß das erste Zitat des Humanisten Fromm in seinem Buch
„Psychoanalyse und Ethik" eines von Buddha ist. Es steht sogar
vor dem Vorwort und heißt:
„Seid euer eigenes Licht,
Seid eure eigene Zuversicht.
Haltet euch an die Wahrheit in euch selbst
als das einzige Licht.“

Auch von dem römisch-katholischen Mystiker und Gnostiker


Meister Eckehart (1250-1327) zitiert Fromm das, was in sein
humanistisches Konzept paßt. Er meint, es sei nur konsequent,
daß Gott für Meister Eckehart „das absolute Nichts“ ist, genau
so wie Er für die Kabbala „En Sof“ (göttliche Energie im
Universum) ist (6,94). Er scheint sich mit der Kabbala (jüdische,
mystisch-theosophische Ge¬heimlehre) beschäftigt zu haben
(7).

2. „Psychoanalyse und Ethik“ von Fromm

Am Anfang dieses Buches „Man For Himself" (1947) weist


Fromm darauf hin, daß die Psychologie bzw. die Psychoanalyse
nicht zu trennen ist von der Philosophie und Ethik. Die
Trennung, die nach seiner Meinung aber bestand, führt Fromm
auf Freud zurück, der nicht über die Kritik an falschen ethischen
Normen hinaus kam und außerdem versuchte, die
Psychoanalyse in eine Naturwissenschaft umzuwandeln (6, 19).

Fromm sieht für die Psychoanalyse die Dringlichkeit, „objektive,


gültige Normen der Lebensführung“ aufzustellen, darin, daß „die
moderne Psychologie zum Relativismus neigt“. (6,7). Die
Aufklärung hatte gelehrt, daß der Mensch seiner eigenen
Vernunft und ihrer Führung vertrauen kann und soll, auch im
Blick auf die Aufstellung gültiger ethischer Normen. Um zu
wissen, was gut oder böse ist, bedürfe es „keiner Offenbarung
und keiner kirchlichen Autorität“. Die Antwort auf die Aufklärung
aber war der sog. Realismus, der nach Fromm „nur ein anderer
Ausdruck für das Fehlen jeglichen Glaubens an den Menschen
ist ... Der wachsende Zweifel an der menschlichen Vernunft und
Autonomie schuf einen Zustand moralischer Verworrenheit. Der
Mensch sieht sich sowohl der Führung durch die Offenbarung
als auch der Führung durch die Vernunft beraubt. Das Ergebnis
ist die Annahme eines relativistischen Standpunkts“ (6, 17).
Fromm wehrt sich nun gegen die Vorstellung, als gäbe es nur
eine einzige Wahl zwischen Religion und Relativismus. Er
möchte eine andere Alternative anbieten:

„Gültige ethische Normen können von der menschlichen


Vernunft. und zwar von ihr allein, aufgestellt werden. Der
Mensch hat die Fähigkeit, zu unterscheiden und Werturteile zu
bilden.. .Die große Tradition des humanistischen Denkens hat
die Grundlage für die Wertsysteme geschaffen, die auf der
menschlichen Autonomie und Vernunft beruhen. Alle diese
Systeme gingen von der Voraussetzung aus, man müsse das
Wesen des Menschen kennen, um zu wissen, was für ihn gut
oder schlecht sei ... Der Fortschritt der Psychologie ist ... in der
Rückkehr zu der großen Tradition der humanistischen Ethik.
Diese...vertrat die Auffassung, daß es die Bestimmung des
Menschen sei, er selbst zu werden. Die Voraussetzung dafür ist,
daß der Mensch Selbstzweck sein kann“ (6,18-19).

Mit diesem Buch, das so wichtig ist zum Verständnis der


Selbstliebe-Ideologie, will Fromm

„die Gültigkeit der humanistischen Ethik erneut unter Beweis


stellen, indem ich zeige, daß unsere Kenntnis vom Wesen des
Menschen nicht zum ethischen Relativismus führt, sondern ganz
im Gegenteil zu der Überzeugung, daß die Normen einer
sittlichen Lebensführung in der menschlichen Natur selbst
begründet sind. Ethische Normen beruhen auf Eigenschaften,
die dem Menschen inhärent (innewohnend) sind ...

Ferner werde ich zu zeigen versuchen, daß die charakterliche


Struktur der zu sich selbst gelangten Persönlichkeit, der
produktive Charakter also, Ursprung und Grundlage der Tugend
ist. Im Gegensatz hierzu ist Laster nichts anderes als
Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Ich, also
Selbstverstümmelung. Die höchsten Werte der humanistischen
Ethik sind weder Preisgabe des eigenen Ich noch Selbstsucht,
sondern Bejahung des eigentlich Menschlichen. Soll der Mensch
Vertrauen in Werte haben, dann muß er sich selbst und seine
guten und kreativen Eigenschaften kennen“ (20).
Im nächsten Kapitel des genannten Buches behandelt Fromm
die humanistische Ethik. Sie kann mittels formaler und
materieller Kriterien erfaßt werden. Formal beruht sie auf dem
Prinzip, daß nur der Mensch selbst das Kriterium für Gut und
Böse bestimmen kann, „niemals aber eine Autorität, die ihn
transzendiert“. Das materiale Kriterium beruht auf dem Prinzip:
„gut“ ist das, was für den Menschen gut ist, und „böse“ was ihm
schadet.

„Das Wohl des Menschen ist also „das einzige Kriterium für
ethische Werte ... Humanistische Ethik ist anthropozentrisch ...
so zu verstehen, daß seine Werturteile, wie alle seine Urteile und
auch sein Wahrnehmungsvermögen, in der Besonderheit seiner
Existenz ihren Ursprung haben ...“ Der Mensch ist tatsächlich
„das Maß aller Dinge“. Vom humanistischen Standpunkt aus
gibt es nichts Höheres und nichts Erhabeneres als die
menschliche Existenz“ (6, 26-27).

Als Gegensatz zu dieser humanistischen Ethik mit ihrer


„rationalen“ Autorität sieht Fromm die „autoritäre „ Ethik mit
ihrer irrationalen“ Autorität, die „hilflos, abhängig und
ängstlich“ mache. In der autoritären Ethik bestimmt eine
Autorität, was für den Menschen gut ist.

Nach einem ausführlichen Kapitel über die Natur und den


Charakter des Menschen kommt Fromm nun zu dem für das
Thema „Selbstliebe“ wichtigsten Kapitel, nämlich zu dem
vierten.

3. Das Menschenbild Erich Fromms

Schon aus den obengenannten Zitaten wird deutlich, daß Fromm


in seinem Denken, Deuten und Bestreben völlig humanistisch
ausgerichtet ist. Aber auch schon der ursprüngliche Titel des
Buches „Man For Himself“ spricht für sich. Der „Mensch für sich
selbst“ ist der Mensch in seiner Beziehung zu sich selbst, der
Mensch „pour-soi“ des Existentialismus. Er ist der Mensch, der
sich selbst bestimmen will und sich autonom wähnt, der meint,
er könne erst „er selbst sein“, wenn (und solange) er keine
„irrationale Autorität“ und keine „autoritäre Ethik“ anerkennt.
Deshalb wettert Fromm auch gegen „die Doktrin, Selbstsucht sei
ein Grundübel“ und sagt dazu:

„„Sei nicht selbstsüchtig“ schließt ein: tue nicht, was du selbst


möchtest, gib deinen eigenen Willen zugunsten einer Autorität
auf ...Von seinem offenkundigen Sinn abgesehen, bedeutet es
„liebe dich nicht“, „sei nicht du selbst“, sondern unterwirf dich
einem Etwas, das wichtiger ist als du selbst, unterwirf dich einer
außer dir liegenden Macht oder ihrem inneren Gegenstück, der
„Pflicht“ ...“ (6,141).

Es handelt sich hier um den in sich genügsamen und auf sich


angewiesenen Menschen mit seinen schlummernden
Fähigkeiten und ungeahnten menschlichen Möglichkeiten und
Kräften. Als humanistische „Variante“ zu Ps. 87, 7 könnte ein
solcher Mensch sagen: „Alle meine Quellen sind in mir“. Er hat
z.B. in sich selbst „die Fähigkeit zum Guten“, d.h. die Fähigkeit,
„zu erkennen, was gut ist“, und zu handeln „gemäß seiner
natürlichen Fähigkeiten und seiner Vernunft“ (6, 228). Allerdings
begreift Fromm, der die Bibel kennt, gut:

„Dieser Standpunkt der humanistischen Ethik würde unhaltbar,


wenn das Dogma von der angeborenen natürlichen
Schlechtigkeit des Menschen richtig wäre“ ... (6,228).

Um die humanistische Ethik zu retten, muß darum der biblische


Bericht über den historischen Sündenfall verfälscht werden.
Darüber später mehr. Dieser humanistische Mensch hat die
Fähigkeit, zu lieben. Die Liebe ist „eine ihm eigene Kraft“ (6,27) –
und die Fähigkeit, „zu werden, was man potentiell ist“ (Spinoza;
6,41). Ob diese oder andere der menschlichen Natur inhärenten
(innewohnenden) Eigenschaften und Fähigkeiten, der Mensch
findet einfach Gefallen an sich selbst und liebt sich selbst.

Es ist der Mensch, der Sinn und Ziel seines Lebens in sich
selbst hat und darum in sich selbst suchen und finden muß.
Dieser Mensch ist „Selbstzweck“ (6,19). Er ist der sich frei
wähnende Mensch der „sich selbst treu“ sein will und „sich
selbst verantwortlich“ fühlt. Das äußert sich z.B. darin, daß er zu
seiner Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung bzw. zum
Wachstum und zur vollkommenen Entfaltung und
Verwirklichung seiner Persönlichkeit mit seinen dem
menschlichen Wesen eigenen Möglichkeiten kommt. Bei Fromm
sind das u.a. die (humanistischen) Möglichkeiten der Vernunft,
Liebe und Produktivität, wobei „der Begriff Produktivität eine
Erweiterung des Begriffs der Spontaneität“ (d.h. des
gefühlsmäßigen Handelns und Reagierens) darstellt. Bedingung
dazu sind (humanistische) Selbsterkenntnis, Selbstliebe und
Selbstinteresse, d.h. „Interesse an der Verwirklichung der
eigenen Möglichkeiten“. Nach Fromm ist „das humanistische
Gewissen ein Ausdruck der Interessiertheit des Menschen an
sich und an seiner Integrität“ (6,174). „Handlungen, Gedanken
und Gefühle, die ein richtiges Funktionieren und die Entfaltung
unserer Gesamtpersönlichkeit fördern, rufen ein Gefühl der
inneren Zustimmung der Richtigkeit hervor ... Gewissen ist also
die Re-Aktion unseres Selbst auf uns selbst“ (6,173). Und „um
die Stimme unseres Gewissens zu hören, müssen wir auf uns
selbst hören ...“ (6, 175).

Der Mensch ist auch darüber hinaus seinem Wesen nach der
gute Mensch, der Mensch „mit seinen Fähigkeiten zum Guten“.

„Wir haben dargelegt, daß der Mensch nicht zwangsläufig böse


ist, sondern nur dann böse wird, wenn die für sein Wachstum
geeigneten Bedingungen fehlen. Das Böse führt kein
unabhängiges Eigenleben; es ist ... das Scheitern eines
Verwirklichungsversuches“ (6,236).

So kann Fromm nicht anders als durch seine humanistische


„Brille“ sehen. Durch seinen humanistischen und vor allem
evolutionistischen Ansatz mit seinem Entwicklungsoptimismus
kommt er letztlich zur Verfälschung des Wortes Gottes in Bezug
auf den Sündenfall des Menschen und natürlich zur
dementsprechenden Leugnung der Tatsache, daß der Mensch
ein gefallener Mensch ist. „Erich Fromm polemisierte
leidenschaftlich gegen die angeborene Sündhaftigkeit des
Menschen“ (7).

Die Bemerkung „Erich Fromms Bild vom Christentum ist eine


Karikatur“ (7) ist berechtigt. Diese Karikatur des Christentums
bzw. die Verachtung des Christen, der sich an Gottes Wort hält,
sich seiner Sündhaftigkeit und Ohnmacht bewußt ist, sich
darum aus Gnade von Jesus Christus erretten ließ und nun
dankbar und freiwillig dem Herrn gehorsam ist und dient, diese
Verachtung hängt wohl eng mit der traurigen Tatsache
zusammen, daß Fromm sich von seinem orthodox-jüdischen
Hintergrund absetzte und dafür einen .radikalen Humanismus
wählte. Besonders Calvin und Luther bekommen das zu spüren.
Die „Theologie, für die der Mensch von Grund auf ein böses und
machtloses Wesen“ ist, irritierte Fromm maßlos. Er meinte:
Selbstverachtung und Selbsthaß sind die Wurzeln einer solchen
Doktrin“ (6,135).

Dieses humanistische Menschenbild Fromms kann in einem


humanistischen „Glaubensbekenntnis“ zusammengefaßt
werden: Ich glaube an den Menschen, an seine Würde, Integrität,
Tugend, Macht usw. Oder: Ich glaube an mich selbst! Die
Entthronung Gottes, die bewußte Abweisung seiner Autorität
und Normen einerseits und die Vergottung des Menschen sowie
des Menschlichen andererseits sind die Schlüssel zum
Verständnis der Selbstliebe-Ideologie. Wenn man die Grundlage,
nämlich die humanistische Anthropologie des sich von Gott und
Gottes Wort emanzipierten, gefallenen Menschen, nicht (genug)
kennt oder sie nicht ernst nimmt, steht man unweigerlich in der
Gefahr, sich von der humanistischen Ideologie der Selbstliebe
faszinieren und mitreißen zu lassen, so daß man meint, es
stecke „etwas Wahres“ darin, „etwas Hilfreiches“ und
„Brauchbares“. Wir aber wollen uns das biblische Zeugnis nicht
nehmen lassen, das da lautet: „Ich weiß, daß in mir, das ist in
meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“ (Röm. 7, 18); „Aber durch
Gottes Gnade bin ich, was ich bin ..., nicht aber ich, sondern
Gottes Gnade ! (1.Kor. 15.10).

4. Fromms humanistische Problemanalyse

Es sind vor allem V. Frankl, Professor der Neurologie und


Psychiatrie in Wien und Vater der humanistischen Logotherapie,
und E. Fromm, die sich mit dem Gefühl der „Selbstentfremdung“
und der Sinnlosigkeit beschäftigt haben. Beide betrachten das
menschliche Verhalten als ein Suchen nach der eigenen Identität
und nach dem Sinn des Lebens.

Nebenbei sei bemerkt: Wenn man meint, daß „die Identitätsfrage


das Zentralproblem der heutigen Studentengeneration“ sei (8),
so ist man, vielleicht unbewußt, beeinflußt von humanistischer
Psychologie. Die Leitgedanken sind dann folgende: Wenn man
nicht mehr weiß, wer „der Mensch in sich selbst“ ist, dann soll
das seine Rückwirkung auf den Respekt vor der Würde und
Integrität des Menschen und auf die Nächstenliebe haben. Denn
„die in der Liebe enthaltene Bejahung gilt dem geliebten
Menschen als einer Inkarnation wesentlich menschlicher
Eigenschaften. Die Liebe zu einem einzigen bedeutet Liebe zum
Menschen an sich“ (6,144). Ebenso schlimm ist es nach Fromm,
wenn der Mensch nicht mehr weiß, wer „er in sich selbst“ ist
und „wie er die in ihm schlummernden gewaltigen Kräfte
freilegen könnte. Ebensowenig weiß er, wie diese Kräfte
produktiv eingesetzt werden könnten“ (6, 16-17). Und Mangel an
(humanistischer) Selbsterkenntnis hat Mangel an Selbstrespekt
und Selbstliebe, an „Liebe zum eigenen Ich“ (6,143) zur Folge,
was wiederum der Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung im
Wege steht.

„Das Versagen unserer Kultur liegt nicht im Individualismus ...,


nicht darin, daß sich die Menschen zu sehr mit ihren Interessen
beschäftigen, sondern daß sie sich nicht genug mit den
Interessen ihres wahren Ich beschäftigen; nicht darin, daß sie zu
selbstsüchtig sind, sondern daß sie sich selbst nicht genug
lieben“ (6, 153) ...

Ferner habe der Mensch „bei seiner zunehmenden Macht über


die Materie den Blick auf das Ziel verloren, das allein all dem
einen Sinn zu geben vermag. Das ist der Mensch selbst“ (6, 16).
Darüber hinaus habe die „von Calvin und Luther vertretene
Auffassung“, die Selbstliebe ist identisch mit Selbstsucht und
schließt die Nächstenliebe aus, „einen ungeheuren Einfluß ... Sie
(die beiden Reformatoren) gaben damit die Grundlagen für eine
Verhaltensweise, die das Glück des Menschen nicht als
Lebenszweck betrachtete; er wurde zum Mittel von Zwecken, die
jenseits seiner selbst liegen: eines allmächtigen Gottes oder
nicht weniger mächtiger verweltlichter Autoritäten und
Normen ...“ (6, 136).

Fromm schätzte dagegen z.B. Nietzsche und Max Stirner, die


„radikalsten Verfechter“ des Rechts des Einzelnen auf Glück.
Diese richteten sich gegen die Auffassung der christlichen
Theologie, die fordern würde, „der Einzelne habe sich einer
Macht oder einem Prinzip außerhalb seines Ich zu beugen und
dort sein Zentrum zu finden“ (6,138).

5. Fromms humanistische Problemlösung

Logischerweise bestimmt Fromms vorwissenschaftliche


Vorentscheidung eines humanistischen Menschenbildes nicht
nur seine Deutung, sondern auch seine Lösung der Probleme
der Menschen. Das Problem der (humanistischen)
Selbstentfremdung und Identitätskrise soll sich durch
(humanistische) Selbsterkenntnis und Selbstfindung lösen
lassen, die dann zum Selbstrespekt und zur Selbstliebe führen.
Das Problem der Sinnlosigkeit löse sich durch das Erkennen
des (humanistischen) Sinnes des Lebens, d.h. Selbstentfaltung
und Selbstverwirklichung in autonomer Selbstbestimmung und
Selbstverantwortung.

„Der Mensch muß die Verantwortung für sich selbst


übernehmen und sich damit abfinden, daß er seinem Leben nur
durch die Entfaltung seiner eigenen Kräfte Sinn geben kann ...
Sieht er der Wahrheit furchtlos ins Auge. dann erfaßt er, daß
sein Leben nur den Sinn hat, den er selbst ihm gibt, indem er
seine Kräfte entfaltet (Hervorhebung im Original): indem er
produktiv lebt ... Nur wenn er die menschliche Situation, die
seiner Existenz innewohnenden Widersprüche und seine
Fähigkeit der Entfaltung erfaßt, kann er seine Aufgabe lösen: er
selbst und um seiner selbst willen zu sein und glücklich zu
werden durch die volle Verwirklichung der ihm eigenen
Möglichkeiten – der Vernunft, der Liebe und der produktiven
Arbeit“ (6,60).

Als Hilfe zur Erreichung dieser Selbstentfaltung und


Selbstverwirklichung führt Fromm nun die humanistische Ethik
ein und plädiert für ihre Integration in die Psychoanalyse. Das ist
das Ziel des obengenannten Buches:

„... so erörtere ich hier das Problem der Ethik, der Normen und
jener Werte. die dem Menschen zur Verwirklichung seines
Wesens und der in ihm schlummernden Möglichkeiten verhelfen
sollen“ (6,7).

Fromms humanistische Deutung der Selbstliebe

Das (humanistische) Selbst, das zu verwirklichen ist. d.h. das,


was man als Mensch in sich selbst ist und hat, gilt es, zu lieben.
Wo der Mensch an sich, d.h. das Ich mit seiner Würde und
seinen Möglichkeiten, Kräften und Eigenschaften, sowohl in mir
als im anderen, Gegenstand der Liebe ist, gibt es, nach Fromm,
keinen Gegensatz zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe. Bei
diesem Gedankengang, der prinzipiell den Sündenfall und damit
die sündige Natur des Menschen leugnet, ist die Aussage
Fromms so zu verstehen, als sei es ein „logischer Fehlschluß“,
zu meinen, Selbstliebe und Nächstenliebe würden einander
ausschließen. Im Gegenteil, Selbstliebe schließe immer
Nächstenliebe und Nächstenliebe immer Selbstliebe ein. Das
(humanistische) Menschliche ist ja unteilbar, in mir und im
Nächsten. Darum, so Fromm, kann man überhaupt nicht lieben,
wenn man nur andere lieben kann bzw. nur das Menschliche im
anderen und nicht in sich selbst.

Auch die Liebe zum menschlichen Ich ist nach Fromm unteilbar:

„Ist es eine Tugend, wenn ich meinen Nächsten als ein


menschliches Wesen liebe, so muß es auch eine Tugend, nicht
aber ein Laster sein, wenn ich mich selbst liebe, da auch ich ein
menschliches Wesen bin. Es gibt keinen Begriff des
„Menschen“, der mich selbst nicht einschlösse. Eine Doktrin,
die mich ausschließen würde, enthielte einen Widerspruch. Der
Gedanke Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, wie er in der
Bibel steht. bedeutet nichts anderes, als daß Achtung vor der
eigenen Unantastbarkeit und Einmaligkeit, Liebe zum eigenen
Ich und ein Begreifen des eigenen Ichs nicht trennbar ist von der
Achtung vor dem anderen, der Liebe zum andern und dem
Begreifen des andern. Die Liebe zu meinem Ich ist untrennbar
mit der Liebe zu jedem anderen Ich verbunden.

Somit sind wir zu der grundlegenden psychologischen


Voraussetzung gekommen, auf der die Schlußfolgerung unserer
Beweisführung aufgebaut ist. Ganz allgemein handelt es sich
um folgende Voraussetzung: Nicht nur die andern, sondern auch
wir selbst sind das „Objekt“ unserer Gefühle und
Verhaltensweisen. Zwischen dem Verhalten zu uns selbst und
dem Verhalten anderen gegenüber besteht kein Widerspruch ...,
sondern ein fundamentaler Zusammenhang ... Im Prinzip ist
Liebe unteilbar, soweit es den Zusammenhang zwischen
anderen Objekten und dem eigenen Ich betrifft. Liebe ist
Ausdruck der eigenen Liebesfähigkeit. Die Liebe zu einem
einzigen Menschen bedeutet Liebe zum Menschen an sich ...
Daraus folgt, daß mein eigenes Ich prinzipiell ebenso
Gegenstand meiner Liebe sein muß wie ein anderer Mensch. Die
Bejahung des eigenen Lebens, des Glücks, der Entfaltung und
der Freiheit wurzelt in meiner eigenen Lebensfähigkeit ... Ein
Mensch, der produktiv lieben will, liebt auch sich selbst. Kann er
nur andere lieben, so kann er überhaupt nicht lieben“ (6,143-
144).

Damit beantwortet Fromm die Frage, die er vorher stellte, ob die


psychologische Beobachtung die These bestätigt, daß
Selbstliebe und Nächstenliebe einander ausschließen. Er
übersieht dabei, daß seine, wie auch jede „psychologische“
Beobachtung nicht wertneutral ist, sondern geprägt wird von
dem zugrundeliegenden Menschenbild.

Im übrigen ist die Nächstenliebe nach Fromm nicht nur „ein


Gedanke in der Bibel“. Entsprechend der humanistischen Ethik
„besteht eines der Charakteristika des Menschseins darin, daß
der Mensch Erfüllung und Glück nur in bezug auf seine
Mitmenschen und auf die Solidarität mit ihnen findet“ (6, 27). So
scheint diese Nächstenliebe doch wieder Mittel zum Zweck zu
sein. Außerdem sei die Nächstenliebe „auch ein Gebot der
humanistischen Ethik, aus dem Verantwortungsbewußtsein
seiner selbst gegenüber“ (6, 182).

Fromms humanistische Deutung der Selbstsucht


Im Rahmen seines humanistischen Menschenbildes macht
Fromm einen Unterschied zwischen „echter“ Selbstliebe und
Selbstsucht. Für ihn sind Selbstliebe und Selbstsucht nicht
identisch, sondern Gegensätze. Wohl gäbe es einen
Zusammenhang zwischen beiden. Mangel an echter Selbstliebe
sei die eigentliche Ursache der Selbstsucht.

„Der Selbstsüchtige ist nur an sich selbst interessiert, will alles


für sich und hat nur am Nehmen Freude, nicht aber am Geben.
Seine Umwelt betrachtet er nur daraufhin, was sich aus ihr
herausholen läßt. Die Bedürfnisse der anderen interessieren ihn
nicht, es fehlt ihm an Respekt vor der Würde des Menschen und
seiner Integrität ... Sich selbst liebt der Selbstsüchtige nicht
etwa zu sehr, sondern zu wenig; tatsächlich haßt er sich selber.
Dieser Mangel an Liebe für sich selbst... macht ihn leer und
unbefriedigt ...“ (6,145).

Seine Theorie über die Natur, das Wesen der Selbstsucht, sieht
Fromm „deutlich bestätigt durch die psychoanalytischen
Erfahrungen in bezug auf neurotische „Selbstlosigkeit““ (6, 146),
z. B. die Selbstlosigkeit der Mutter ihren Kindern gegenüber,
gegen die Fromm wettert. Wohl dem Kind, das eine Mutter voller
Selbstliebe hat:

„Wer die Wirkung einer von echter Selbstliebe erfüllten Mutter


beobachten kann, wird feststellen, daß es für ein Kind keine
günstigeren Bedingungen gibt, um zu erfahren, was Liebe,
Freude und Glück ist, als wenn es von einer Mutter geliebt wird,
die sich selbst liebt“ (6,147).

Diese Aussage ist ein Beispiel voreingenommener


„Beobachtung“ eines humanistischen Psychologen
(Psychoanalytikers). Es erinnert uns an die gefärbte
„Beobachtung“ eines anderen jüdischen Humanisten, der der
Begründer der Humanistischen Psychologie wurde: Abraham
Maslow (1908-1970). Er war von Fromm beeinflußt und fühlte
sich besonders zu dessen politischer Orientierung hingezogen.
Maslow schrieb 1965, es sei „eine empirische Aussage“, daß der
Mensch bzw. die menschliche Natur „gut“ ist (9). Für Fromm
bedeuten Selbstlosigkeit und Selbstaufopferung wie Pflicht,
Gehorsam oder eines anderen Werkzeug zu sein, soviel wie
„Selbstverkrüppelung“ und „Selbstverstümmelung“.

Selbstsucht bedeutet nach Fromm, wenn es nicht mehr heißt:


Ich bin, was ich denke, sondern: Ich bin, was ich habe (Besitz)
oder wonach ich strebe (Geld, Erfolg). Er weist dann auf Ibsens
„Peer Gynt“ hin, der allen Reichtümern nachjagte, aber dabei
seine Seele oder – wie ich es ausdrucken würde – sein Ich
verlor“ (6, 152). Denn das Ich, das Selbst mit seinen wichtigsten
eigenen Möglichkeiten blieb „unverwirklicht“ ...

Hier sehen wir, wie gefährlich eine humanistische Umdeutung


einer biblischen Aussage ist. Geht es dem Herrn Jesus um die
ewige Errettung des Menschen (Matth. 16,26), so handelt es sich
bei Fromm um die zeitliche und vergängliche Verwirklichung des
(humanistischen) Selbst.

6. „Die Kunst des Liebens“

Das Buch „The Art of Loving“ (1956) ist ebenfalls ganz und gar
geprägt von Fromms humanistisch-evolutionistischem
Menschenbild und nur von diesem Ansatz her zu betrachten.
Liebe ist bei Fromm eine Kunst, genauso wie Musik, Malerei,
Medizin oder Technik (10,15).

Liebe ist eine dem Menschen inhärente „Fähigkeit, die voll


entwickelt werden muß“ (10 ,9). Die eigene Liebesfähigkeit
entwickeln bedeutet, seine Persönlichkeit entwickeln und
umgekehrt.

Die Liebe ist nach Fromm „eine aktive Kraft im Menschen“ (10,
31). Sie ist

„eine Aktivität und kein passives Gefühl. Sie ist etwas, was man
in sich selbst entwickelt ... Sie ist in erster Linie ein Geben und
nicht ein Empfangen ... Für den produktiven Charakter ist das
Geben der höchste Ausdruck seines Vermögens. Gerade im Akt
des Schenkens erlebe ich meine Stärke, meinen Reichtum,
meine Macht ... Dieses Erlebnis meiner gesteigerten Vitalität und
Potenz erfüllt mich mit Freude. Ich erlebe mich selbst als
überströmend, hergebend, lebendig und voll Freude“ (10, 33).

So wie man etwas tun muß, um z.B. die eigene musikalische


Fähigkeit zu entwickeln und Klavierspielen zu lernen, so muß
man „etwas tun, wenn man lernen will, zu lieben“. Als drei
notwendige Schritte nennt Fromm a) die (humanistische)
Theorie und b) die Praxis der Liebe beherrschen (lernen),
während „die Meisterschaft uns mehr als alles am Herzen liegen
muß; nichts auf der Welt darf uns wichtiger sein als diese
Kunst“ (10,16). Und „wenn sich in mir die Fähigkeit zu lieben
entwickelt hat, kann ich gar nicht umhin, meinen Nächsten zu
lieben“, so meint Fromm.

Er ist auch der Überzeugung, „daß Liebe Antwort auf das


Problem der menschlichen Existenz“ ist. Das klingt alles sehr
schön, fast wie eine säkulare Variation auf 1.Kor. 13, vor allem,
wenn man diese Aussage aus seinem
(humanistisch¬evolutionistischen) Zusammenhang löst, sie
isoliert zitiert und kommentiert, Es folgen einige Erwägungen zu
Fromms Aussage:

a) Welche Liebe ist es eigentlich, die Antwort auf das Problem


der menschlichen Existenz sein soll? Das ist die Kernfrage eines
Christen. Wir dürfen nie aus dem Auge verlieren, daß Fromms
Begriff „Liebe“ humanistisch gefüllt ist. Diese sog. Liebe stammt
aus den eigenen Möglichkeiten des (gefallenen) Menschen und
führt zur stolzen Freude über den eigenen Reichtum . Ich
brauche dabei nicht in erster Linie Liebe zu empfangen, um sie
weitergeben zu können, sondern ich habe in mir selbst etwas,
was ich zu geben imstande bin. Außerdem dient die Entwicklung
der eigenen Liebesfähigkeit der eigenen Selbstentfaltung und
Selbstverwirklichung, also mir selbst!

So steht Fromms „Liebe“ der Liebe in Röm. 14,8-10 oder 1.


Kor.13 diametral entgegen. Die biblische Liebe hat eine völlig
andere Quelle, führt zu einem ganz anderen Ergebnis und dient
einem anderen Zweck. Ihre Quelle liegt außerhalb des
(gefallenen) Menschen. Sie stammt aus Gott (1. Joh. 4,8-10; Joh.
3,16). Nur nach der biblischen Bekehrung und Wiedergeburt
wird die göttliche, die echte Liebe ins Herz ausgegossen (Röm.
5, 1 und 5). Man muß also erst Gottes Liebe in Jesus Christus
empfangen haben, um Liebe weitergeben zu können. Jedes Kind
Gottes, das zur biblischen Selbsterkenntnis kommt, weiß: „In
mir ... nichts Gutes“, auch keine „eigene Fähigkeit“ zu lieben
(Röm. 7,18). Die erfahrene und empfangene Liebe Gottes führt
zur demütigen Freude an Jesus Christus, den Erretter, und zur
Hingabe des Lebens, damit auch andere gerettet werden (1 .Kor.
5, 14.15 und 20). Sie dient zur Ehre Gottes, zum Lob seiner
herrlichen Gnade (Eph. 1,5.6).

b) Wie wichtig auch die (biblische) Liebe ist, sie darf niemals von
der Person des dreieinigen Gottes losgelöst und verselbständigt
werden. Liebe darf kein säkularer oder frommer Ersatz für den
Herrn werden! Was der (gefallene) Mensch in erster Linie
braucht, ist eine Person, ist der, der von Gottes Gericht rettet:
Jesus Christus. „Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den
Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht“ und „der Zorn
Gottes bleibt auf ihm“ (1. Joh. 5,12; Joh. 3,36). Nur mit und in
Jesus Christus hat Gott alles geschenkt (Eph. 1,3).

c) Welches ist „das Problem der menschlichen Existenz“, auf


das die Liebe die Antwort sein soll? Fromm meint: „Jede
Theorie der Liebe muß mit einer Theorie des Menschen
beginnen.“ Und dann entfaltet er, zusammen mit einer massiven
Verfälschung der biblischen Offenbarung über die Schöpfung
und den Sündenfall des Menschen, eine haarsträubende
evolutionistische Deutung der „Quelle von Angst, Scham und
Schuldgefühl“ und des dem entsprechenden „stärksten
Strebens des Menschen, der Wunsch nach
zwischenmenschlicher Vereinigung“.

Fromm philosophiert also: Der Mensch ist ein Teil der Natur.
Darauf beruht die Gleichheit aller Menschen. „Alle Menschen
sind gleich, weil sie alle Kinder der Mutter Erde sind“ (10, 77) Im
sog. Paradies gab es ursprünglich das Einssein des Menschen
mit der Natur, das Kindheitsstadium bzw. die infantile Periode
der menschlichen Rasse. Dann kam die .notwendige
Durchgangsphase in der Evolution, die Vertreibung aus dem
Paradies (Ausführlicher darüber auch im Literaturverzeichnis
Nr.11). Nach ihrer Geburt als menschliche Wesen (1. Mose 3, 7)
er kannten die Menschen, daß sie nackt waren, und schämten
sich. Das heißt:

„Sie wurden sich selber und ihres Partners bewußt und damit
ihrer Getrenntheit und Unterschiedlichkeit. Sie ... bleiben sich
fremd, weil sie noch nicht gelernt haben, sich zu lieben ... Das
tiefste Bedürfnis der Menschen ist demnach, ihre Abgetrenntheit
zu überwinden und aus dem Gefängnis der Einsamkeit
herauszukommen. Der Mensch sieht sich vor das Problem der
Lösung der einen Frage gestellt, wie er sein Abgetrenntsein
überwinden ..., wie er das Einswerden erreichen kann“ (10, 19).

In diesem Evolutionsprozeß „kann der Mensch nur


vorwärtsschreiten, indem er seine Vernunft entwickelt, indem er
eine neue, eine menschliche Harmonie findet anstelle der
vormenschlichen Harmonie“ (10, 17).

Solange die Menschen im „vormenschlichen Stadium „eins mit


der Natur“ waren, waren sie auch untereinander eins. Die
Ursache der menschlichen Trennung liegt also in der
evolutionären Abtrennung von der „Mutter Erde“. begründet. In
diesem besonderen Kontext muß wohl die Aussage gelesen
werden:

„Die Nächstenliebe enthält die Erfahrung der Einheit mit allen


Menschen, der menschlichen Solidarität, des menschlichen
Einswerdens. Die Nächstenliebe gründet sich auf die Erfahrung,
daß wir alle eins sind“ (10,58).

Und diese „Liebe“ soll also, nach Fromm, Antwort sein auf „das
Problem“ der Trennung des Menschen von der Natur bzw. von
der Mutter Erde und ihren Folgen. Als ehemaliger orthodoxer
Jude weiß Fromm nur zu gut, daß es sich im 1. Mose 3 um den
Sündenfall des Menschen seinem Gott und Schöpfer gegenüber
handelt. Er weiß nur zu gut, daß das Hauptproblem des
Menschen seine Trennung von Gott ist, aus der dann Angst,
Scham, Schuldbewußtsein und zwischenmenschliche Trennung
resultieren. Welch eine Torheit, wenn man die Wahrheit Gottes
uminterpretiert und die unverdiente Liebe Gottes und sein Heil
in Jesus Christus, die einzige Antwort auf das einzige
Hauptproblem des Menschen, abweist und durch Selbsterlösung
ersetzt! „Der Mensch kann sich selbst finden und sich durch
seine eigene Anstrengung, und ohne Akt der Gnade von Gott,
erlösen“ (7; vgl. aber Hebr. 2,1-3).

Welch eine Verantwortung, wenn man die Rebellion des eigenen


Herzens in ein pseudowissenschaftliches Gewand steckt, und
damit viele irreführt! Welch eine Verantwortung auch, wenn man
sich an Fromm, an dessen „Selbstliebe“ und „Nächstenliebe“
orientiert!

Auch dieses Buch, in welchem Fromm bewußt Gott, den


Schöpfer, durch die Schöpfung (Natur) wie auch Gottes Liebe
durch die menschliche „Liebe“ ersetzt und den Menschen mit
seinen sog. menschlichen Möglichkeiten vergottet, ist eine
Illustration der Wahrheit aus Röm. 1,21-23 sowie 25 und 28:
„Gott hat sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn ...“. Das
kommt auch zum Ausdruck in dem Kapitel „Liebe zu Gott“ (10,
75-94). In einem Selbstzeugnis sagt Fromm:

„Im Zusammenhang mit der Liebe zu Gott möchte ich


klarstellen, daß meine Auffassung keine theistische ist. Ich halte
die Gottesvorstellung für historisch bedingt““ (10, 84).

Unter „historisch“ versteht Fromm aber nicht die wirkliche,


sondern eine evolutionistische Geschichte. Dabei muß sogar
Gott evolvieren (sich entwickeln), von einem despotischen
Stammeshäuptling über die Gestalt eines liebenden Vaters bis
hin zu einem Prinzip der Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit im
Menschen.

„In einem nicht-theistischen System gibt es einen solchen


spirituellen, jenseits des Menschen existierenden oder ihn
transzendierenden Bereich nicht. Der Bereich der Liebe,
Vernunft und Gerechtigkeit existiert als Realität nur deshalb und
insofern, als der Mensch es vermochte, während des gesamten
Evolutionsprozesses diese Kräfte in sich zu entwickeln. Nach
dieser Auffassung besitzt das Leben keinen Sinn, außer dem,
den der Mensch ihm gibt; die Menschen sind völlig allein und
können ihre Einsamkeit nur überwinden, indem sie einander
helfen“ (10,84) ...“Gott wird Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit.
Gott, das bin ich, insofern ich menschlich bin“ (10,82).

Dementsprechend muß sich auch die „Liebe zu Gott“


entwickeln: von einer hilflosen Bindung an eine Muttergottheit
über die Gehorsamsbindung an einen Vatergott bis zu einem
„reifen“ Stadium,

„wo Gott aufhört, eine äußere Macht zu sein, wo der Mensch die
Prinzipien der Liebe und Gerechtigkeit in sein eigenes Inneres
hineingenommen hat, wo er mit Gott so eins geworden ist, daß
er schließlich von ihm nur noch in einem poetischen,
symbolischen Sinne spricht“ (10,93).

In bezug auf das Thema „Selbstliebe“ und „Selbstsucht“ ist das


genannte Buch zum größten Teil eine Wiederholung der
Ausführungen in den genannten Büchern auf S. 386. Fromm
schreibt, daß man seine Gedanken über die Selbstliebe „nicht
besser zusammenfassen kann“ als mit einem Zitat von Meister
Eckehart:

„Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich
selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast
als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft
liebgewonnen –, wenn du nicht alle Menschen so lieb hast wie
dich selbst, in einem Menschen alle Menschen, und dieser
Mensch ist Gott und Mensch.

So steht es recht mit einem solchen Menschen, der sich selbst


liebhat und alle Menschen so lieb wie sich selbst, und mit dem
ist es gar recht bestellt“ (12).

7. Zusammenfassung

Aus den obengenannten Ausführungen mag deutlich geworden


sein, daß Fromms Ideologie der Selbstliebe ein Aspekt des einen
Paradigmas (Musterbeispiels) ist: des humanistisch-
evolutionistischen Menschenbildes. Es dreht sich alles um den
Menschen ohne Bezug zu Gott und ohne innewohnende Sünde,
um das sog. Menschliche, das Ich, das Selbst im
humanistischen, evolutionistischen Sinne. Ob es sich um
Selbsterkenntnis (Erkenntnis dessen, was ich angeblich in mir
selbst bin und habe, aus mir selbst heraus weiß und kann) und
Selbstfindung handelt, um Selbstbejahung, Selbstrespekt,
Selbstgefallen und Selbstliebe in Verbindung mit den sog.
eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und positiven Eigenschaften
als Mensch, um dementsprechendes Selbstvertrauen, um
Selbstinteresse, daß es in Selbstbestimmung und
Selbstverantwortung zur höchsten Selbstenttaltung und
Selbstverwirklichung kommt –, es sind alles Früchte der
gleichen Wurzel: einer antibiblischen, humanistischen
Anthropologie (Lehre vom Menschen), die unzertrennlich damit
verbunden ist. Wie die Wurzel – so die Frucht! Diese
Selbstliebeideologie ist also nicht wertneutral. Sie ist weder zu
neutralisieren noch zu „christianisieren“. Selbstliebe stammt
aus der gefallenen Natur und ist Sünde. Die neue Natur liebt
Gott, den Bruder und den Nächsten (1. Joh. 4,19; 5,1.2; 2. Petr.
1,7; Röm. 13,8-10; Matth.5,44).

II. Walter Trobisch und die Selbstliebe

In einem warnenden Artikel bemerkt Dr. John Stott (von dem wir
nicht alles unterschreiben können, was er anderweitig sagt.
Siehe auch „Bibel und Gemeinde“ 4/1982, Seite 373ff.) , daß „ein
vielstimmiger Chor heute einstimmig singt, ich müsse mich um
jeden Preis lieben, daß Selbstliebe ein Gebot ist, das am meisten
vernachlässigt wird, und der die Liebe zu Gott und zum
Nächsten hinzugefügt werden muß. Wenn ich mich hierzu
verweigere, werden mich schreckliche Folgen überfallen:
Frustration, Depression, Feindschaft, Trägheit und vieles andere
mehr. Eine ganz neue Literatur ist um dieses Thema entstanden“
(13, 24). Und dann weist Stott hin auf Bücher von Cecil G.
Osborne (1976), Ray Ashford, Bryan Jay Cannon und Walter
Trobisch (1977). Wir wollen uns nunmehr mit dem Buch von
Trobisch „Liebe dich selbst“ auseinandersetzen (14).
So wie für Fromms Buch „Man For Himself“ das Anfangszitat
von Buddha kennzeichnend ist, wird in diesem Büchlein von
Trobisch zu Anfang bezeichnenderweise der ungläubige
Hermann Hesse zitiert (Aus „Steppenwolf“):

„... denn das „Liebe deinen Nächsten“ war ihm so tief eingebleut
wie das Hassen seiner selbst, und so war sein ganzes Leben ein
Beispiel dafür, dass ohne Liebe zu sich selbst auch die
Nächstenliebe unmöglich ist, daß der Selbsthaß genau dasselbe
ist und am Ende genau dieselbe grausige Isoliertheit und
Verzweiflung erzeugt wie der grelle Egoismus ...“

Hermann Hesse war der Sohn gläubiger Eltern, bei dem aber der
große Okkultist und Illuminat Johann Wolfgang von Goethe und
nicht Jesus Christus eine zentrale Stellung einnahm, und der die
hinduistische Religion „weit verlockender“ fand als die frohe
Botschaft Jesu Christi. Einige Hinweise auf seine innere
Ausrichtung kann man bei G. Meskemper finden (15).

Und so wie Erich Fromm Spinoza, Max Stirner, Nietzsche und


ein in sein Konzept passendes Zitat von Meister Eckehart als
Kronzeugen für seine Selbstliebe-Ideologie heranzieht, beruft
sich W. Trobisch auf den Psychoanalytiker Dr. Guido Groeger,
auf den römisch-katholischen Humanisten und Philosophen
Romano Guardini und auf Josef Piper, um seine Ideen über
Selbstliebe und Selbstannahme zu untermauern.

Es ist schon traurig, wenn ein orthodoxer Jude, wie Fromm, Gott
und Gottes Wort den Rücken kehrt und sich am Humanismus
bzw. an Humanisten orientiert. Noch trauriger ist es aber, wenn
sich einer, der sich Christ nennt, in der Frage der Selbstliebe an
der atheistischen, evolutionistischen Tiefenpsychologie und an
einem römisch-katholischen Humanisten orientiert. Am
bedenklichsten dabei ist, daß Trobisch die Idee aus
atheistischer, humanistischer Quelle zu christianisieren
versucht und diese Mischung in die Gemeinde Jesu Christi
bewußt hineintragen will.

„Liebe dich selbst“ (14)


Trobischs Sicht auf die Selbstliebe ist eine Variante der
humanistischen Selbstliebe-Ideologie.

1. Im ersten Kapitel geht der Verfasser von folgenden Thesen


aus:

daß keiner sich selbst liebt bzw. die Selbstliebe nicht angeboren
ist,

daß „die Selbstliebe Bedingung für die Liebe zu anderen ist“,


und

daß die Selbstannahme „Grundlage alles Existierens“ (Guardini)


ist.

Indem sich Trobisch auf Groeger und Guardini beruft, behauptet


er, es sei „eine bewiesene Tatsache, daß niemand mit der
Fähigkeit zur Selbstliebe geboren wird“ (14, 8), und daß darum
die Selbstliebe „erworben“ werden muß ... Er meint weiter, daß
dieses „Erkenntnis der modernen Tiefenpsychologie ist“, und
benutzt als Grundlage ein Zitat aus einem „unveröffentlichten
Brief“ von Groeger. – Wir aber müssen vom biblischen
Menschenbild ausgehen. Danach gehört die Selbstliebe zur alten
Natur des gefallenen Menschen und ist damit angeboren.

Groeger meint weiter, daß, „wer die Selbstliebe nicht (genügend)


erwirbt, ist auch nicht (genügend) zur Liebe anderen wie auch
Gott gegenüber fähig“. Ist nach biblischem Verständnis die
erfahrene und empfangene Liebe Gottes in Christo Jesu durch
den Heiligen Geist die Grundlage unserer Liebe zu Gott und den
Mitmenschen (1. Joh. 4; Röm. 5,5), so ist demgegenüber für den
Tiefenpsychologen Groeger und mit ihm auch für Trobisch die
sog. erworbene Selbstliebe die grundlegende Basis!

Trobisch stellt die Selbstliebe der Selbstannahme gleich.


Dagegen assoziiert der Psychiater Dr. Erwin Scharrer (Hohe
Mark) die Selbstliebe mehr mit „Selbstversöhnung“ („Wie
bekomme ich ein gnädiges Selbst?“). Die Bibel sagt jedoch das
Gegenteil: Die Annahme des Gnadenangebotes Gottes, des
Herrn Jesus Christus, ist die Grundlage „alles Existierens“,
(Joh. 1,12; 1.Kor. 3,11), niemals aber eine (humanistische)
Selbstannahme.

2. Der erste Satz des zweiten Kapitels ist ein Schlüssel zum
Verständnis des Irrweges von W. Trobisch. Nachdem er die
Zitate von Groeger und Guardini bejaht hat, schreibt er weiter:

„Von hier aus fällt nun ein ganz neues Licht auf das Gebot Jesu,
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matth. 22,
39ft.).

Für einen bibeltreuen Christen gilt genau das Gegenteil: Gottes


Wort ist die einzige Wahrheit, Autorität und Norm und gibt uns
Licht und Klarheit in den menschlichen Vorstellungen und
Meinungen. Das tun nicht die Hypothesen der gängigen
Psychologie und Philosophie. Die prinzipiell atheistische,
evolutionistische Psychoanalyse und der Humanismus, die den
Bezug auf Gott und die sündige Natur des Menschen leugnen,
können tatsächlich „ein ganz neues Licht“ auf das
alttestamentliche Gebot der Nächstenliebe werfen. Das kann
aber immer nur ein Irrlicht sein. Genau dieses beweist gerade
das Büchlein von W. Trobisch.

Als nächstes ist aufschlußreich, daß Trobisch nur diejenigen


drei Bibelstellen in den neutestamentlichen Briefen erwähnt, die
das Gebot der Nächstenliebe aus dem Alten Testament zitieren:
Gal.5,14; Jak.2,8; Röm.13,9. Dabei läßt er den unmittelbaren
Kontext weg, z. B. „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“
(Röm.13, 10) und „Seid niemand irgend etwas schuldig, als nur
einander zu lieben; denn wer den anderen ... liebt, hat das
Gesetz erfüllt“ (Röm. 13,8). Darin ist kein Hinweis und erst recht
kein Befehl zur Selbstliebe zu entdecken. Das Gegenteil ist der
Fall. Da die kontextuelle Bedeutung dieser drei Bibelstellen nicht
in das Konzept der Selbstliebe-Ideologie hineinpaßt, läßt
Trobisch sie dann auch außer acht. Wenn dort auch das ganze
alttestamentliche Gebot zitiert wird, geht es nun gerade um den
Nächsten oder den Bruder, den es zu lieben gilt, und nicht, wie
Trobisch es meint, um „den schwerwiegenden Zusatz: wie dich
selbst“. Im übrigen gilt schon das Gleiche für die erste
alttestamentliche Stelle über die Nächstenliebe in 3. Mose 19,18
im Zusammenhang mit den Versen 11-18.

Daß in den obengenannten drei neutestamentlichen Bibelstellen


dieser angeblich „schwerwiegende Zusatz bei der Aufforderung
zur Nächstenliebe nie fehlt“, ist logisch, weil diese Stellen ja
eine alttestamentliche Bibelstelle zitieren. Daß der Zusatz „wie
dich selbst“ ein schwerwiegender sein soll, ist also
hineininterpretiert. Außerdem gibt es viele andere Bibelstellen
über die Liebe, in denen dieser alttestamentliche Zusatz fehlt.
Diese Bibelstellen passen nicht in Trobischs Konzept der
Selbstliebe. Er läßt sie einfach weg. Das ist schuldhafte
Unterlassung.

Man muß immer Schrift mit Schrift vergleichen. Nur ein


gründliches Bibelstudium wirft "ein ganz neues Licht“ auf das
Thema der sog. Selbstliebe. Nehmen wir z. B. Joh. 13,34, wo der
Herr Jesus den Vergleich aus dem alten Testament „„wie
(griechisch „hoos“) dich selbst“ durch ein neues Kriterium
ersetzt: „„gleichwie („kathoos“) ich euch geliebt habe“. Deshalb
spricht der Herr hier von einem neuen Gebot. Das ist ein Gebot
Jesu (Joh. 13,34a), während Er in Matth. 22,36 „das größte Gebot
im Gesetz“ zitiert. Rienecker schreibt zum griechischen Wort
„kathoos“ gleichwie): Es hat „begründende und vergleichende
Bedeutung: der vergleichende Hinweis auf Christus enthält für
christliches Handeln stets eine Begründung und ist damit von
verpflichtender Bedeutung“ (16, 453-454). Dieses Wort
„kathoos“ hat eine stärkere Bedeutung als die Vergleichspartikel
„hoosc“ aus Matth. 22,39. Es ist so „schwerwiegend“, daß es
immer dort gebraucht wird, wo Jesus Christus als Beispiel und
Maßstab vor Augen gemalt wird (V gl. Joh. 13,34; 15,12; Eph.
5,2.25.29; Kol. 3,13). Der einfache unbetonte Vergleich „„wie
dich selbst“ dagegen fängt nie mit „kathoos“ an.

Andere Bibelstellen, welche die biblische Liebe betreffen, stehen


in 1.Kor. 13. 1.Joh. 3,16; 1.Joh. 4; Gal. 5,22; 1 Tim.1,5; 1.Petr. 4,8;
2.Petr. 1,7 usw. Dort ist von Selbstliebe nie die Rede. Auch von
daher ist Trobischs Folgerung aus dem alttestamentlichen
Gebot, es gäbe „keine Nächstenliebe ohne Selbstliebe“
grundfalsch. Diese aus dem Humanismus stammende
Selbstliebetheorie ist nun einmal nicht zu christianisieren.
Gerade das alttestamentliche Kriterium „wie dich selbst“ macht
deutlich, daß die Heilige Schrift die Selbstliebe als eine jedem
Menschen angeborene Tatsache voraussetzt. Sie entlarvt und
widerlegt damit die Hypothese der nicht angeborenen
Selbstliebe und zeigt auf, daß gerade die Bruder- und
Nächstenliebe keine angeborene Sache ist. Sie ist ein Geschenk
von oben (Röm. 5,5), eine Frucht des Geistes (Gal. 5,22). Von
daher heißt das neutestamentliche Gebot: „Liebet einander“
(Joh. 13,34; 15,12 usw.) und „Strebet nach der Liebe“ (1. Kor.
14,1; 1. Tim. 6,11). Statt nun fremde und eigene falsche
Vorstellungen „unter den Gehorsam Christi gefangen“ zu
nehmen (2. Kor. 10,5.6), versucht Trobisch sie durch
Hineininterpretieren zu retten (14, 13). Er macht die gefährliche
Aussage, daß das Kriterium „wie dich selbst“ auch „einen
zweiten Befehl enthält“ (14, 14). Wir kom¬men in Kapitel III noch
darauf zu sprechen.

3. An Hand von 1. Sam. 18,1 und Eph. 5, 21-33 versucht Trobisch


ebenfalls zu beweisen, daß die Selbstliebe die Voraussetzung
für die Nächstenliebe ist. So macht er aus einem Vergleich eine
Bedingung. Was steht aber in 1. Sam. 18,1 geschrieben? „Und
es geschah, als er (David) aufgehört hatte, mit Saul zu reden,
verband sich die Seele Jonathans mit der Seele Davids.“ Den
gleichen Ausdruck „verknüpfen, verbinden, fesseln, anhängen“
(kaschar) finden wir in 1. Mose 44,30 hinsichtlich der Seele des
Vaters Jakob zur Seele seines jüngsten Sohnes Benjamin. Bei
David und Jonathan heißt es dann weiter: „Und Jonathan liebte
ihn (David) wie seine Seele“ (1. Sam. 18,1; vgl. auch 19,1; 20,17).
Wenn wir Trobisch richtig verstehen, so meint er nun folgendes:
„Jonathan liebte sein Herz, und das machte ihn fähig zu einer
tiefen Freundschaft.“ Er liest also: Jonathan liebte David, weil er
seine eigene Seele liebte. Die Bibel aber sagt: „Jonathan liebte
David wie seine eigene Seele“. „Wie“ bedeutet bekanntlich nicht
„weil“.

Als Beispiel und Maßstab für die Liebe, die der Ehemann seiner
Ehefrau gegenüber hegen sollte, führt die Bibel in Eph. 5,25-38
die Liebe Christi zu seiner Gemeinde an. In Vers 25 heißt es
„gleichwie Christus“ und in Vers 28 „also die Männer“. Das
Wesen und Kennzeichen dieser Liebe ist die sich verleugnende
Selbsthingabe (zu Vers 25 vgl. Eph. 5,2 und 1.Joh. 3,16). So ist
auch die Ehe eine Dauerschule sich verleugnender, selbstloser
Selbsthingabe. Der neue Maßstab „gleichwie Christus“, den der
Herr Jesus schon in Joh. 13, 34 für die Liebe zu den geistlichen
Geschwistern gebraucht, wird in Eph. 5,25.26.28.29 auch auf das
besondere Verhältnis von Mann und Frau in der Ehe übertragen.
Das Wesentliche dieses Abschnitts ist auch hier der verstärkte
Ausdruck „gleichwie (griechisch „kathoos“) Christus“.

Entsprechend seinem Vorverständnis betont Trobisch dagegen,


daß in Eph.5 „nicht weniger als dreimal auf die Selbstliebe
hingewiesen wird“ (14, 14). Das nimmt er als Aufforderung. Er
meint auch, es sei „interessant“, daß „Paulus ausdrücklich auf
die leibliche Dimension der Selbstannahme hinweist. Ich frage
mich (so Trobisch): Liebe ich meinen eigenen Leib?“, (14, 16).

Von Selbstannahme ist aber weder in Eph. 5 noch sonstwo in


der Bibel die Rede. Die „leibliche Dimension“ in den Versen 28
und 29 hat wohl mit Vers 31 zu tun. Das ist ein Vers, den
Trobisch zum Schaden der Auslegung außer acht läßt. Vers 31
ist ein Zitat aus 1. Mose 2,24. Dieser Text beginnt mit
„Deswegen“. Das heißt also, daß er im Zusammenhang mit den
vorangegangenen Versen (2,21-23) steht. Die Ehefrau ist von
Gott erschaffen, aber nicht wie Adam aus der Erde, sondern aus
dem Leib ihres Mannes. Darum sagte Adam: „Diese ist Fleisch
von meinem Fleisch.“ Und in der Ehe sind Mann und Frau zu
einem Fleisch zusammengefügt. Darum sollen Ehemänner ihre
Ehefrauen lieben „wie ihre eigenen Leiber“, (auch „als“). Weil
Mann und Frau in der Ehe ein Fleisch sind, ist es logisch, daß
der Mann, der seine Ehefrau liebt, „sich selbst liebt“ (Vers 28b),
d. h. „sein eigenes Fleisch“ (Vers 29: „Denn“).

Die Feststellung „Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Denn ...“
(Vers 28) bedeutet weder einen Befehl noch eine Bedingung
noch einen Erweis, abgesehen davon, daß es hier nicht um
(„Selbst-)Liebe“ im allgemeinen Sinne geht, sondern um das
spezifische Verhältnis von Mann und Frau in der Ehe. Wenn
Selbstliebe eine Bedingung wäre, müßte Vers 28 gerade
umgekehrt lauten „Wer sich selbst liebt, liebt seine Frau“.
Trobisch verwendet nämlich diesen Abschnitt im
Zusammenhang mit seiner These: „Nur wer sich selbst liebt,
kann den anderen lieben.“

Es ist also eine Deutung, die nicht zulässig ist, wenn der Autor
zu Vers 28 schreibt: „Wer seine Frau liebt, erbringt damit den
Erweis, daß er die Fähigkeiten erlernt hat, sich selbst zu lieben“
(14, 16). Die Frage: „Liebe ich meinen eigenen Leib?“ ist hier
wohl nicht am Platze. Es geht hier gar nicht im allgemeinen um
das Verhältnis eines Menschen zu seinem Körper. Paulus
beschreibt nur die Beziehung Christi zu seiner Gemeinde, die
sein Leib ist (Eph. 1,22.23; 5,23), und zwar als Beispiel und
Maßstab für das spezifische Verhältnis des Ehemanns zu seiner
Ehefrau, mit der dieser ein Fleisch ist. Vers 33 beginnt mit den
Worten „Jedenfalls“ (griechisch plen). Dieser Ausdruck bedeutet
„die Erörterung abschließend und das Wesentliche
hervorhebend“ (17). Der Vers steht somit in engem
Zusammenhang mit den vorangehenden Versen (25-32) und hat
mit der Selbstliebe-Ideologie nichts zu tun.

Der Ansporn, die Ehefrau (5, 25 und 33) nach dem Vorbild Christi
zu lieben, zeigt, daß diese Liebe nicht selbstverständlich ist. Die
Liebe zur Ehefrau wird als eine heilige Pflicht dargestellt, die
Selbstliebe aber niemals.

4. In Kapitel 3 macht Trobisch den gleichen unbiblischen


Unterschied zwischen „Selbstliebe“ und „Selbstsucht“ wie Erich
Fromm. Was Fromm „echte“ Selbstliebe nennt, heißt bei
Trobisch „selbstlose Selbstliebe“. Einerseits weiß Trobisch um
Jesu eigene Worte in Joh. 12,25; Luk. 14,26 und Matth. 16,24, die
er am Anfang dieses Kapitels zitiert. Andererseits wagt er
anschließend gewissermaßen verächtlich zu schreiben: „Wir
sind so auf Selbstaufgabe, Selbstaufopferung,
Selbstverleugnung getrimmt, die Angst vor jeglicher
vermeintlichen „egoistischen“ Regung ist uns so eingeimpft“.
Die gleiche Gesinnung gegen Selbstverleugnung und
Selbstaufopferung finden wir beim Humanisten Erich Fromm.

Trobisch macht hier den gleichen verheerenden Fehler, der ihm


bei seiner Deutung von Matth. 22 auf Grund des „neuen Lichtes“
durch einen Psychoanalytiker und Humanisten unterlaufen ist:
Er orientiert sich an Josef Piper, der in seiner Schrift „Zucht und
Maß“ eine „selbstlose“ und eine „selbstische“ Selbstliebe
unterscheidet. Der Ausdruck „selbstlose Selbstliebe“ ist jedoch
ein Widerspruch in sich selbst. Er hängt mit der Ideologie der
Selbstfindung (Identitätsfindung) und Selbstannahme eng
zusammen. Trobisch unterscheidet also auch die Selbstliebe,
die „erworben“ werden muß („ich liebe mich selbst“ und bin
fähig, von mir wegzusehen) von dem Auto-Erotismus, der
angeboren ist („ich liebe nur mein Ich“ und blicke ständig auf
mich selbst zurück). Eine solche Unterscheidung ist jedoch
unzutreffend. Selbstliebe ist immer auf sich selbst konzentriert.
Im Humanismus (vgl. Erich Fromm) meint man, daß es eine
„Liebe zum eigenen Ich“ zum (humanistischen) Selbst gäbe,
welches imstande wäre, von all dem wegzusehen, was der
Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung im Wege steht. Nach
der Bibel aber ist das eigene Ich rechtmäßig mit Christus
mitgekreuzigt (Röm. 6,6), und bei Paulus auch im praktischen
Leben (Gal. 2,20).

Nachdem Trobisch über die Selbstfindung und die


Selbstannahme ähnliches wie Erich Fromm aussagt, kommt er
auch offensichtlich zu der gleichen falschen Analyse: „Unsere
Zeit ist so süchtig, so selbstsüchtig, weil es so wenig
Selbstliebe; Selbstfindung, Selbstannahme gibt“ (14,19). Die
Heilige Schrift nennt aber dagegen andere Gründe: weil es an
Liebe zu Gott und zur gesunden Lehre fehlt, und weil man nur
äußerlich religiös ist (2. Tim. 3,1-4; 4, 3-4). Trobisch wiederholt
dagegen Fromms These, daß Selbstliebe und Selbstsucht
„einander ausschließen" (14,19). Gefährlicher aber noch ist
seine Uminterpretierung von 1. Kor. 13,5, womit er seine These
biblisch zu untermauern versucht: „Denn die Liebe sucht nicht
das Ihre. Sie hat es gefunden. Darum kann sie es
verschenken ...“

5. In Kapitel 4 meint Trobisch dann, daß „die Verklammerung


von Selbstliebe und Selbstlosigkeit, von Selbstannahme und
Selbstentäußerung“ besonders deutlich bei Jesus Christus zu
beobachten ist (14, 23). In Joh. 13,1 handelte es sich, nach
Trobisch, um die „totale Selbstannahme“ und dann sagt er: „Auf
diesem Hintergrund ... erfolgt die Beschreibung seiner (Jesu)
Selbsterniedrigung und Selbst¬entäußerung“. Noch schlimmer
ist die Umdeutung des Abschnitts aus Phil. 2,6.7! Für einen
bibeltreuen Christen ist dieses eine Gotteslästerung, die man
eigentlich nicht wiederzugeben wagt.

Andererseits ist es vielleicht gut, einmal zu sehen, wohin man


(auch als Christ) kommen kann, wenn man Gottes Wort seinen
eigenen Ideen unterordnen und anpassen möchte:

„Jesus wußte, wer er war, und war einverstanden mit sich


selbst. Er hatte die „Annahme seiner selbst“ vollzogen. Darum
konnte er sein Selbst loslassen und der Selbstlose schlechthin
werden.

Darum brauchte er auch sein Selbst, seine Identität, sein


Gleichsein mit Gott nicht krampfhaft festzuhalten wie einen
Raub ... Pointiert könnte man es so sagen: Weil Jesus sich
selbst liebte, war er selbstlos und konnte uns lieben „wie sich
selbst““ (14,24.25).

Durch seine eigenmächtige Deutung dieser Bibelstelle, in die er


eine „Selbstliebe“ und „Selbstannahme“ hineinliest, kommt
Trobisch zu der Folgerung:

„Durch diese enge Verklammerung (Selbstannahme und


Selbstlosigkeit Jesu) sagt die Bibel aus: Es gibt keine
Nächstenliebe ohne Selbstliebe.“

Biblische Tatsache ist aber, daß uns in dem einmaligen,


wunderbaren Abschnitt von Phil 2,5-8 die innere Gesinnung
Jesu Gott gegenüber zum Vorbild und als Maßstab vor Augen
geführt wird. Von einer Selbstliebe und Selbstannahme Jesu ist
weder hier noch sonstwo in der Bibel die Rede, geschweige
denn, daß beides die Grundlage und Bedingung für seine
Retterliebe zu uns Sündern war. Wer so etwas denkt, hat wohl
weder von dem Herrn Jesus Christus noch von seinem
Gehorsam dem Vater gegenüber noch von seiner Liebe zu uns
etwas verstanden.
Das humanistische Vorverständnis von Trobisch führt nicht nur
zur falschen Deutung des Wortes in Phil. 2, sondern auch zu
weiteren falschen Folgerungen, daß Phil. 2,5 eine Aufforderung
sowohl zur ,.Selbstannahme“ als auch zur Selbstverleugnung
enthalten würde, ja, daß Nachfolge Jesu nicht ohne Selbstliebe
bzw. Selbstannahme möglich sei:

„Ist Jesus aber unser Leben, dann bedeutet das, daß die
Selbstannahme tatsächlich in einem, letzten und tiefsten Sinn,
„die Grundlage alles Existierens“ ist. Nachfolge ist ohne sie
nicht möglich. Der Gehorsam der Selbstverleugnung setzt den
Gehorsam der Selbstannahme voraus“ (14, 25).

Hinsichtlich der Nachfolge eines Jüngers Jesu redet aber der


Herr von Selbstverleugnung und vom Kreuz, das jeder täglich
auf sich nehmen soll (Luk. 9,24.25; 14,26.27 und 33; vgl. auch
Gal. 2,20). Allerdings ist die Selbstverleugnung eines Jüngers
Jesu dem Wesen nach etwas grundlegend anderes als die
Selbstentäußerung Jesu. Gott möge in uns die Gesinnung Jesu
bewirken! Er bewahre uns jedoch vor der humanistischen
Gesinnung der Selbstliebe und der Selbstannahme!

6. In den folgenden Kapiteln versucht Trobisch nun die für ihn


so „bedrängende“ Frage zu beantworten: Wie kann ich lernen,
mich selbst zu lieben? Seine Antwort lautet: „Indem ich lerne,
mich lieben zu lassen. Ich kann mich nur annehmen, wenn ich
angenommen bin, mich nur lieben, wenn ich geliebt werde und
mich selbst lieben lasse“ (14,26.27).

Man fragt sich dann, wie nach Deutung durch Trobisch unser
Herr Jesus zur Selbstannahme kommen konnte, denn er kam in
das Seinige, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh. 1,11).
Und wie soll der Herr Jesus Selbstliebe lernen, wo er doch von
vielen gehaßt, von Judas verraten und von den Jüngern
verlassen wurde, während er sein ganzes Leben „einen so
großen Widerspruch gegen sich“ erdulden mußte (Joh. 15,20-25;
Matth. 26,56; Hebr. 12,3; siehe auch Jes. 52,13.14; Jes. 53)?

Das Bedenkliche ist außerdem, daß für Trobisch das „Sich


lieben lassen“ oft das Gleiche ist wie „Sich loben lassen“, also
lieben, das Gleiche wie loben Er meint sogar, ein Mensch könne
nicht leben, wenn er von Menschen „nie gelobt wird“, (14,32).
Wäre das nicht furchtbar, wenn unser Leben vom Lob der
Menschen abhängig wäre? Gottes Wort sagt in Kol. 3,17 und
23.24 etwas ganz anderes! Trobisch dagegen geht sogar so weit,
daß er sagt, wir alle brauchen Anerkennung „wie das tägliche
Brot“. Das wäre dann eine Umdeutung von Matth. 4,4. Weiterhin
behauptet er in bezug auf Luther, der eine schwere, lieblose
Kindheit erlebt hatte: „Deshalb rang er sein Leben lang mit der
Selbstannahme“ (14, 32). Auch wird Trobisch hier wieder einmal
von seinem humanistischen Vorverständnis bestimmt, wenn er
mancherlei Sünden wie Süchte, Abtreibung, Freßsucht etc. als
„Folgen mangelnder Selbstliebe“ deutet (Kap. 8). Der Herr Jesus
dagegen sagt: „Aus dem Herzen kommen ...“.(Mark. 7,20-23). W.
Trobisch behauptet: Aus mangelnder Selbstliebe kommen. ...

7. In Kapitel 7 bringt dann Trobisch eine „Korrektur“ an. In den


ersten sechs Kapiteln wurden die Worte „Liebe“ und „Annahme“
„bewußt im Austausch verwendet und miteinander
gleichgesetzt“ (14, 35). Aber „wen Christus annimmt, der wird
verändert“. Von daher ist dem Autor der wichtige Vers Joh. 1,12
„ganz neu aufgegangen“:

„Ich will diesen Vers hier umschrieben wiedergeben: Wer


Christus aufnimmt, wer langsam lernt, ihm immer mehr sein
Leben zu überlassen, sich von ihm lieben zu lassen, der erhält
Macht, geschenkte Kraft, an sich zu arbeiten, um ein Gotteskind
zu werden, um in das Bild hineinzuwachsen, das Gott mit ihm
gemeint hat.“

Das ist aber keine Umschreibung mehr, sondern Bibelkritik! Der


Startpunkt für die Selbstveränderung ist nach Trobisch
„Selbstannahme“.

„Darum ist die Selbstannahme nur der erste Schritt, der


Startpunkt, der notwendige, ein Not wendender Ansatzpunkt. Sie
entbindet mich aber nicht von der Arbeit an mir selbst. Im
Gegenteil: Sie beauftragt mich damit und macht sie mir möglich“
(14,36).
Zur Bekräftigung seiner „Selbsterlösungsvorstellung“ zitiert
Trobisch Dr. Theodor Bovet:

„Wenn ich mich richtig selbst liebe, dann ist es mir unmöglich,
stehen zu bleiben, sondern ich will mich ändern, bis ich der bin,
den Gott haben will.“

Nach dem biblischen Verständnis aber ist biblische Bekehrung


und Wiedergeburt der Anfang des neuen Lebens. Das ist der
„Startpunkt“ und „Ansatzpunkt“ für Veränderung und Heiligung
des Lebens. Was für einen humanistisch orientierten Christen
die „Selbstannahme“ und „Selbstveränderung“ ist, ist für einen
an der Bibel orientierten Christen die Person und das Werk Jesu
Christi. Gottes Wort sagt, daß Jesus Christus uns von Gott
geworden ist zur Rechtfertigung, Erlösung und Heiligung (1.
Kor. 1,30).

Am Rande sei bemerkt, daß die Handauflegung zum Segnen, die


Walter und Ingrid Trobisch „als einen wesentlichen Bestandteil
im Beratungsvorgang“ ansehen und ausüben, nicht
unproblematisch ist (14, 70-71), auch deshalb schon nicht, weil
Frau Trobisch als Rednerin im Programm des ökumenisch-
charismatischen Zentrums Schloß Craheim zu sehen war. Es ist
eine Frage, ob sich ein Berater als Mittler zwischen Gottes
Segen und den Ratsuchenden ausgeben darf oder ob er nur auf
Jesus Christus, den einzigen Mittler, hinweisen soll. In Jesus hat
uns Gott mit jeder geistlichen Segnung gesegnet (Eph. 1,3)!
Außerdem haben wir uns die Warnung aus 1. Tim. 5,22 zu
Herzen zu nehmen.

Das Thema Selbstliebe und Selbstannahme scheint wie ein roter


Faden durch fast alle Bücher von Walter und Ingrid Trobisch zu
gehen. Wenn auch manches Richtige darin stehen mag, die
Gefahr ist groß, daß unbemerkt die Mentalität und das Denken
unter den Einfluß des Zeitgeistes bzw. des humanistischen
Ansatzes geraten. Gottes Wort aber sagt, daß wir uns in
unserem Denken, Streben, Reden usw. nicht dieser Welt
anpassen, sondern von Gottes Wort her korrigieren und
erneuern lassen sollen (Röm. 12,2; 2. Kor. 10,4-6). Falls wir uns
von der Selbstliebe-Ideologie (vielleicht unbewußt) haben
faszinieren lassen, sagt uns Gottes Wort:

„Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so laßt uns


reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes,
die Heiligung vollendend in der Furcht Gottes“ (2. Kor. 6,14 - 7,
1).

III. Selbstliebe – das Gebot der Stunde?

Beim Durchdenken der Selbstliebe-Ideologie, die im


deutschsprachigen Raum vor allem durch Walter Trobischs
Büchlein „Liebe dich selbst“ in christlichen Kreisen verbreitet
wurde, hat mir der Kommentar von Dr. John Statt hilfreiche
Hinweise gegeben (13). Obwohl schon manches in den
vorangegangenen Kapiteln I und II über die Selbstliebe-Theorie
ausgesagt worden ist, soll im folgenden zusammenfassend
noch einiges ergänzt werden.

Die Äußerung über die Selbstliebe in Matth. 22,29 ist kein Gebot
der Bibel

1.1. Der grammatikalische Aspekt

Das alttestamentliche Gebot lautet nicht: Liebe sowohl deinen


Nächsten als auch dich selbst. Sondern es heißt: Liebe deinen
Nächsten wie dich selbst! Trobisch und andere Vertreter der
Selbstliebe machen praktisch aus den zwei Geboten drei:

Liebe Gott, liebe deinen Nächsten und liebe dich selbst. Der Herr
Jesus sagt dagegen in Vers 39: „Das Zweite aber, ihm gleich“
und nicht: „Das zweite und dritte, ihm gleich“. Und in Vers 40
heißt es: „An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz“,
nicht: „An diesen drei Geboten“. Es gab im Alten Testament ja
auch nur zwei Tafeln des Gesetzes, eine für unser Verhältnis zu
Gott und eine für das Verhältnis zu unserem Nächsten. Es gab
nicht drei Tafeln.

Der linguistische Aspekt

Das griechische Wort, das hier für „lieben“ gebraucht wird, heißt
bekanntlich „agapáo“ und ist bedeutsam. Agapáo schließt
immer Opfer und Dienst in Selbstverleugnung ein. Das
Substantiv „Agápe“ bedeutet: Totaler Einsatz, Hingabe des
Selbst im Dienst an anderen (Vgl. 1. Joh. 3,16; Eph. 5,2 und 25;
Gal. 2.20; Joh. 15,13). Stott sagt, daß Agápe nie auf sich selbst
gerichtet sein kann: Wie kann ich mich selbst dahingeben im
Dienst an mir selbst?! Die Agápe schließt die Selbstliebe aus!
Selbstliebe ist niemals Selbsthingabe im Dienst für Gott und den
Nächsten. Selbstliebe ist Selbstdienst in Selbstgefallen und
Selbstverehrung.

Der historische Aspekt

Matth. 22, 37-40 steht in direktem Zusammenhang mit den


Versen 34-36, mit denen der Text eine Einheit bildet. Der Herr
zitiert 5. Mose 6,5 als Antwort auf die Fangfrage eines Pharisäers
nach dem Verhältnis Jesu zum Gesetz.

Den weiteren Kontext bilden die Streitgespräche der


Hohenpriester, Ältesten, Pharisäer, Herodianer und Sadduzäer
mit Jesus im Tempel (Matth. 22,23 - 24,1). Der Herr entlarvt die
Hohenpriester und Ältesten in drei Gleichnissen. Daraufhin
halten die Pharisäer Rat, wie sie Jesus in eine Falle locken
können (22,15). Auf die dreimalige Entlarvung durch den Herrn
folgt ein dreimaliger Angriff der Pharisäer und Sadduzäer auf
ihn.

Die Frage nach dem Hauptgebot ist eine bewußt versucherische


Frage (22,35).

Wie in Matth. 4 kämpft hier der Herr Jesus mit der geistlichen
Waffe des Wortes Gottes: Es steht geschrieben, und zwar in 5.
Mose 6,5. Jesu Antwort ist also weder eine Lehre, eine Predigt
noch ein Gebot, sondern eine Antwort auf eine Versuchung von
seiten der Frommen! Es stimmt also nicht. was Trobisch
aussagt, die Selbstliebe sei „ein Gebot Jesu“. Abgesehen
davon, daß auch in 5. Mose 6,5 keine Rede von einem Gebot der
Selbstliebe ist, handelt es sich doch nur um ein Zitat aus dem
Alten Testament. Jesu Gebot lesen wir dagegen in Joh. 14,34;
15,12.
Im übrigen ist Jesu Antwort auf die konkrete Frage sehr
aufschlußreich. Es gab viele Gebote und die Pharisäer taten
noch weit mehr hinzu. Man konnte unmöglich alle Gebote halten.
So hatte man die vielen Gebote in wichtige und weniger wichtige
eingestuft. Aber welcher Maßstab war nun der absolute und
feste, um zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden? Im
Alten Testament heißt es ja: „Wer das Gesetz tut, wird leben“ (3.
Mose 18, 5). Andererseits steht da: „Verflucht ist jeder, der nicht
bleibt in allem, was im Buche des Gesetzes geschrieben ist, um
es zu tun“ (5. Mose 27,26; Gal. 3,10). Jesu Antwort auf die
versucherische Frage war nun ausgerechnet das Gebot der
Liebe, d. h. der Maßstab soll die Agápe sein, die Gesinnung der
sich selbst verleugnenden, dienenden, sich opfernden Liebe!
Die verborgene, innere Einstellung der Liebe zu Gott und zum
Nächsten ist wichtiger als das bloße äußere Tun. Alles sollte von
der dankbaren Liebe zum Herrn und von der barmherzigen Liebe
zum Nächsten (damals in erster Linie Zugehörige zum Volke
Israel nach 3. Mose 19,18, dann auch „der Fremdling“, der in
Israel weilt nach 19,34) durchdrungen und getragen sein. Und
dieses Agápe-Kriterium ist von bleibender Art (vgl.Röm.13,10; 1.
Kor. 16,14;Gal.5,13;Phil.2,1.2).

Der theologische Aspekt

„... wie dich selbst“ ist Maßstab des Gesetzes (Matth. 22,36).
Dazu kommt Matth. 7,12: Wie wir möchten, daß man mit uns
umgeht, sollen wir mit ihnen tun. Ein Gebot „Liebe dich selbst“
ist überflüssig, denn die Selbstliebe gehört ja zur alten Natur des
gefallenen Menschen. Sie ist angeboren. Auch ist die Selbstliebe
Ungehorsam gegen Gott und Gottes Wort; denn das Gebot
lautet ja gerade: Liebe Gott und deinen Nächsten! Die
Selbstliebe ist somit in doppelter Hinsicht Sünde vor Gott. Sie
ist Abgötterei des (humanistischen) Selbst und im Grunde
Selbstvergottung. Selbstliebe ist Götzendienst. Die in Jesus
Christus erfahrene und empfangene Liebe Gottes führt dagegen
zum Gottesdienst (Röm. 12,1.2; 1. Kor. 6, 19.20; 1. Thess.1,9.10).

Selbstliebe ist nach 2. Tim. 3,2 das erste Kennzeichen des


Menschen der Endzeit! Warum wird die Endzeit eine schwere,
gefahrvolle Zeit sein? Weil die Menschen „eigenliebig“
(philautoi) sein werden, geldliebend (philarguroi) ... Vergnügen
liebend (philedonoi) ... anstatt vielmehr Gott zu lieben
(philotheoi). Das griechische Wort für „anstatt vielmehr“ heißt
„mallone“. Es „schließt das andere ganz aus, betont aber, daß
es (d. h. die Gottesliebe) eigentlich sein sollte; Gott liebend tritt
nachdrucksvoll am Schluß, sich selbst liebend an der Spitze
gegenüber“ (16, 504). Das heißt also, daß Selbstliebe und Liebe
zu Gott einander ausschließen.

In der Reihe der endzeitlichen Kennzeichen steht neben Selbst-,


Geld- und Vergnügungsliebe (eigentlich: die Lust liebend, nach
dem Lustprinzip lebend) noch etwas anderes, das man nicht
liebt: das Gute (aphilagatos bedeutet „dem Guten feind“).
Selbstliebe macht intolerant sowohl gegenüber dem „Guten“
(nach biblischem Maßstab) als auch gegenüber „der gesunden
Lehre“ der Bibel, ob das nun im bibelkritischen,
psychologischen oder charismatischen Sinne geschieht (2. Tim.
4,2-4). Die Liebe zu Gott aber ist eng verbunden mit der Liebe zu
seinem Wort und mit dem Gehorsam (Joh. 14,15 und 21;15, 10;1.
Joh. 5,2.3). Es ist bezeichnend, daß alle diese Eigenschaften des
Menschen der Endzeit zwischen den beiden sich
ausschließenden Fakten stehen: Zwischen Selbstliebe und
Gottesliebe. Es ist ein Entweder-Oder! Daß wir uns ja nicht am
Abfall von Gott und Gottes Wort mitschuldig machen, indem wir
die Selbstliebe tolerieren, propagieren und praktizieren!

2. Selbstliebe ist niemals Voraussetzung zur Nächstenliebe und


Gottesliebe

Die Basis ist nicht meine Liebe zu mir selbst, sondern Gottes
unverdiente Liebe in Jesus Christus zu mir, die er auf Golgatha
bewiesen hat (Röm. 5, 8;1. Joh. 4,9-11.16.19; 3.16). Erst aber,
wenn wir das Gnadenangebot Gottes in Jesus Christus
annehmen und aus Gott geboren werden, können wir im
biblischen Sinne lieben. Die Agape kommt ja aus der neuen
Natur und ist eine Frucht des Geistes (1. Joh. 4,7b; Röm. 5,5;
Gal. 5,22). Die Liebe ist aus Gott, darum laßt uns einander lieben
(1. Joh. 4,7a). Es heißt nicht: Die Liebe aus mir selbst zu mir
selbst macht mich fähig, dich zu lieben; sondern es heißt:
Christus hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben.
Darum kann ich dich lieben (Gal. 2,20; 2. Kor. 5,14.15). Die
Voraussetzung und die Quelle liegen also völlig außerhalb von
mir und meinen sog. menschlichen Möglichkeiten.

Süchte, Feindschaft usw. sind also nicht Folgen einer


„mangelnden Selbstliebe“, sondern Werke des Fleisches und
Folgen der sündigen Natur (Gal. 5,19.21). Aus dem sündigen
Herzen, nicht aus mangelnder Selbstliebe, kommen sie (Mark. 7.
20-23) .

3. Es gibt nicht zwei Arten von Selbstliebe

„Selbstlose Selbstliebe“, ist, wie bereits erwähnt, ein


Widerspruch in sich. Selbstliebe ist immer selbstsüchtig. Zwar
kann die alte Natur in uns verschiedene Formen annehmen. Sie
kann einmal selbstsüchtig und ein anderes Mal scheinbar
selbstlos sein. Aber es gibt nur einen alten Menschen. Und
dieser alte Adam ist von Gott gerichtet, mit Christus
mitgekreuzigt (Röm. 6)

4. Die Ideologie der Selbstliebe

steht in engem Zusammenhang mit dem humanistischen Welt-,


Menschen- und Selbstbild mit der Irrlehre des autonomen
Menschen mit seinen eigenen Möglichkeiten und positiven
Eigenschaften und mit der Selbstverwirklichung, die ohne
Selbstliebe nicht möglich ist. Die Selbstliebe-Theorie ist nicht zu
trennen von ihrer humanistischen Wurzel! Und dieses
unbiblische Menschenbild ist, wie bereits erwähnt, weder neutral
noch zu neutralisieren, geschweige denn zu christianisieren.

IV. Über die Selbstannahme

Im Vokabularium des Humanismus gibt es viele Wörter mit der


Anfangssilbe „selbst“, z.B. Selbstentfremdung, Selbstfindung,
Selbst(wert)gefühl, Selbstbejahung, Selbstbestätigung,
Selbstbewahrung, Selbstinteresse, Selbstgefallen, Selbstliebe,
Selbstrespekt, Selbstvertrauen, Selbstbestimmung,
Selbstentfaltung. Selbstverwirklichung, Selbstwert, Selbstzweck,
Sich-selbst-werden bzw. Sich selbst-sein.

Biblische Begriffe wie Selbstverleugnung um Jesu und des


Evangeliums willen (Luk. 9, 23-25; 14,26.27.33), Selbsthingabe
(1.Joh. 3,16; Apg. 20,24; 21,13; Phil. 2,17) und
Selbstbeherrschung als Frucht des Heiligen Geistes (Gal. 5,22;
2. Petr. 1,6) fehlen verständlicherweise in jener Reihe. Denn das
biblische Menschenbild geht von der Offenbarung Gottes über
den Menschen in Gottes Wort aus: Der Mensch wurde von Gott
zu Gott hin geschaffen. Er fiel jedoch von Gott ab und wurde so
ein durch und durch sündiger Mensch. Bei der biblischen
Bekehrung und Wiedergeburt eines Menschen bekommt dieser
aber eine neue Natur und wird Teilhaber der göttlichen Natur (2.
Petr. 1,4). Diese ist auf Gott und Gottes Sohn, auf Gottes Wort
und Gottes Willen hin ausgerichtet, im Gegensatz zur alten
Natur, die auch noch in einem Kind Gottes steckt. Die Letztere
ist immer auf sich selbst konzentriert, an sich interessiert und
orientiert.

Zu der humanistischen Begriffswelt gehört auch die sog.


Selbstannahme, d.h. die Annahme des humanistischen Selbst
mit seiner vermeintlichen Würde und Würdigkeit, Autonomie
und Freiheit, mit seinen eigenen ungeahnten Möglichkeiten und
Fähigkeiten (sittlichen) Kräften und positiven, kreativen
Eigenschaften, um das Beste und Höchste aus seinem Leben zu
machen, an sich zu arbeiten und mit den Problemen fertig zu
werden.

Die Idee der „Selbstannahme“ ist wie diejenige der „Selbstliebe“


untrennbar mit dem humanistischen Menschenbild verbunden,
das der von Gott getrennte, sich „selbständig“ und „mündig“
wähnende Mensch erfunden hat. Dieser emanzipierte Mensch
meint in seiner Verblendung, in sich als Mensch alles zu sein, zu
haben, zu wissen und zu können. Er ist es, der mit Erich Fromm
in Selbstüberhebung und Selbstvergottung behauptet, daß es
„nichts Höheres und Erhabeneres als die menschliche Existenz“
gibt (6). Ja, er spricht es sogar aus: „Gott, das bin ich, insofern
ich menschlich bin ...“ (10).

Bei Erich Fromm wie auch bei anderen Humanisten, auch unter
Juden und Christen, steht die Selbstannahme im Dienst der
Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung und schließlich der
Vervollkommnung der menschlichen Art im humanistisch-
evolutionistischen Sinne. Hierfür ist die Selbstannahme
zusammen mit Selbstrespekt, Selbstliebe, Selbstvertrauen usw.
Grundlage und Bedingung. Fehlende bzw. mangelnde
Selbstannahme soll die Ursache vieler, wenn nicht aller
Probleme sein.

Eine weltweite, alarmierende Tendenz unter den „Evangelikalen“


ist, daß man sich in zunehmendem Maße an der Psychologie mit
ihrem atheistischen, evolutionistischen und humanistischen
Menschenbild orientiert. Noch problematischer wird es, wenn
Christen versuchen, Begriffe aus diesem antibiblischen
Menschenbild biblisch zu legitimieren und zu integrieren, womit
sie notwendigerweise Bibelstellen uminterpretieren und
biblische Verkündigung und Seelsorge umfunktionieren
müssen. Diese Begriffe sind aber nicht wertneutral, auch nicht
der humanistische Begriff „Selbstannahme“. Sein ihm
zugrundeliegendes Menschenbild ist nicht zu harmonisieren und
nicht zu vereinen mit dem biblischen Menschenbild (2. Kor. 6,14;
10,3-6). Merken wir überhaupt noch, wie sehr sich heute schon
die Schlagworte wie Selbstliebe und Selbstannahme in
Ausbildung und Zurüstung, in Kinder- und Jugendarbeit, in
Verkündigung und Seelsorge eingebürgert haben? Können wir
noch darüber erschrecken?

1. Walter Trobisch und die „Selbstannahme“

Walter Trobisch orientiert sich u. a. an dem römisch-


katholischen Priester und humanistischen Kulturphilosophen
Prof. Romano Guardini und dessen Schrift: „Die Annahme
seiner selbst“ (1969). Trobisch bejaht dessen Aussage, daß die
„Selbstannahme die Grundlage alles Existierens ist“ (14, 10). Für
Trobisch ist Selbstannahme eine Voraussetzung, ja sogar eine
Bedingung:

„Wir können den anderen nicht annehmen, wie er ist, wenn wir
uns nicht selbst angenommen haben, wie wir sind“ (14, 11). Und
„nur wenn ich mein Selbst angenommen habe, kann ich es auch
loslassen, kann ich selbstlos werden. Habe ich mein Selbst aber
nicht gefunden, bin ich nicht zu meiner „Identität“ gelangt, dann
muß ich ständig suchen und werde ... selbst-süchtig, ich-
süchtig“ (14, 18).

Dagegen heißt es nach biblischem Verständnis: Nur wenn ich


das Gnadenangebot Gottes in seinem Sohne Jesus Christus als
Heiland und Herrn mir zu eigen mache und bejahe, daß mein Ich
mit Christus mitgekreuzigt ist, kann ich selbstlos werden (Joh.
3,16; 1,12; Gal. 2,20). Wenn ich mich aber nicht vom guten Hirten
finden lasse und dadurch vom Leben aus Gott entfremdet
bleibe, bleibe ich in meinem alten Wesen, das selbstsüchtig ist
(Luk. 19,10; Eph. 4,17-18). Nur wenn ich ständig aus der Gnade
und Vergebung Jesu und nach Gal, 2,20 lebe, kann ich den
anderen in seiner alten Natur tragen und ertragen, allerdings
auch mit dem stillen Gebet zum Herrn, daß er am anderen
arbeite. Dann kann ich ihn auch in Liebe und Weisheit ermahnen
(Kai. 3,12-14; 1,28.29).

Als Vorbild der „Selbstannahme“ nennt Trobisch Jesus


Christus, den „einzig Selbstlosen“, der „sich selbst voll
annahm“. Das „ldentitätsbewußtsein Jesu“, das der Autor aus
Joh. 5,58 und Joh. 10,30 herausliest, wird, wie auch die „totale
Selbstannahme Jesu“, die er in den Bericht des Apostels
Johannes in Joh. 13,3 und in den des Apostels Paulus in Phil.
2,6a hineinliest, uns zur Nachahmung hingestellt. Beides soll die
Voraussetzung der „Selbstverleugnung Jesu“ sein (14, 23-25).

Von seinem Vorverständnis geprägt, verwechselt offensichtlich


Trobisch Jesu Selbstoffenbarung mit der humanistischen
Selbstannahme. Ebenso interpretiert er in nahezu
blasphemischer Art, daß Jesus „einverstanden mit sich selbst“
war (14,24), anstatt eins mit Gottes Willen (Joh. 4,34; 5,30; Hebr.
10,7) und Gottes Gebot, sein Leben für uns zu lassen (Joh.10,
18; 18,11).

Trobisch versucht auch, diesen humanistischen Begriff der


„Selbstannahme“, den er integrieren möchte, mit Röm. 15,7
biblisch zu belegen und schreibt:
„Christus ist derjenige, der uns annimmt, wie wir sind, brutto,
mit Verpackung, und der es uns dadurch ermöglicht, uns selbst
anzunehmen und auch einander anzunehmen“ (14,32).

Auf diese Falschinterpretation von Röm. 15, 7 als


Vorverständnis der humanistischen Selbstannahme-Theorie
komme ich in Abschnitt IV, 3 zurück. Trobisch schreckt auch bei
dem Kapitel über Gottes Liebe zu uns nicht davor zurück, einen
Vers seinem Vorverständnis entsprechend zu verfälschen,
nämlich in die Umdeutung: „Laßt uns ihn annehmen, denn er hat
uns zuerst angenommen“. Dieser Vers in 1. Joh. 4,19, der für
Kinder Gottes geschrieben ist, besagt, daß sie Gott lieben
sollen, weil er sie zuerst geliebt hat. Kinder Gottes haben schon
längst den Herrn Jesus als ihren Heiland und Herrn in ihrem
Herzen und können nicht noch einmal (durch Trobisch) dazu
angespornt werden, Ihn anzunehmen. Darüberhinaus ist es
unbiblisch, zu verkünden, daß man Gott annehmen soll.

Zu solchen und anderen Umdeutungen und willkürlichen


„Korrekturen“ von Bibelstellen kommt man, wenn man Gottes
Wort seinem Vorverständnis unterordnen und anpassen will
anstatt sich unter Gottes Wort zu beugen und sich von diesem
korrigieren zu lassen.

Das „Angenommensein durch Gott“ versteht allerdings Trobisch


nicht so, daß man so bleiben muß oder kann, wie man ist,
sondern:

„Ich nehme dich an, wie du bist, aber nun beginnt die Arbeit der
liebe, die allerdings auch deine Mitarbeit erfordert, deine
Selbstliebe“ (14, 36).

Jedoch nach welchem Maßstab und zu welchem Ziel man


verändert werden muß bzw. „sich ändern“ soll, wird nicht
erwähnt.

Daß die angepriesene „Selbstliebe“ im Dienst der Heiligung


stehen soll ist eigentlich eine „christliche Variante“,. zu dem
Thema Selbstliebe als Bedingung für Selbstentfaltung und
Selbstverwirklichung. Wir sind als Kinder Gottes zwar kein toter,
sondern ein lebendiger Ton in der Hand des himmlischen
Töpfers und können die Umgestaltung in Jesu Bild bewußt
bejahen oder erschweren, ja sogar verhindern. Es ist aber Gott,
der sowohl das Wollen als auch das Vollbringen in uns wirkt,
und es ist Christus, der das Werk in uns, das er anfing, auch
vollenden wird (Phil. 2,13; 1,6). Unsere „Mitarbeit“ besteht
lediglich darin, daß wir uns täglich in dankbarer Liebe und im
Glaubensgehorsam dem Herrn Jesus Christus übergeben, d.h.
ja sagen zu seinem Willen und Weg und nein sagen zu unserer,
alten Natur und zur Welt. Und das ist gerade das Gegenteil von
Selbstliebe!

Es fällt auf, daß die Theorie „Gott hat dich angenommen“, und
„Nimm dich selbst an“ verbunden ist mit einer Verharmlosung
der Heiligkeit Gottes, der Sündhaftigkeit des Menschen und des
Ernstes des Opfertodes Jesu am Kreuz. Von der Heiligkeit
Gottes und dem hohen Preis, den Gott in Christus bezahlte, um
uns rechtfertigen, vergeben, heiligen und vollenden zu können.
lesen wir im Trobisch Büchlein überhaupt nichts. Der Satz „Gott
hat uns (dich) angenommen“ wird nur einfach als gegeben
hingestellt. Auch wird nie darauf hingewiesen, welche Folgen es
hat, wenn wir das teure Heil in Christus vernachlässigen oder
abweisen (Hebr.2,3; Joh. 3, 36). Die Bibel sagt aber: „Furchtbar
ist es. in die Hände des leben¬digen Gottes zu fallen“ (Hebr. 10,
31). Der Ausdruck „Gott hat uns ange¬nommen“ ist ein allzu
billiges, verkürztes „Evangelium“.

Kann die These „Gott hat uns angenommen“ überhaupt richtig


sein?

Das Wesen des gefallenen Menschen ist Rebellion,


Emanzipation, Feindschaft gegen Gott und sein Wort. Christus
starb stellvertretend für uns, „als wir noch Feinde waren“, nicht,
als wir an mangelnder Selbstliebe und fehlender Selbstannahme
litten. Wo Feindschaft ist, muß Versöhnung geschehen. Am
schrecklichen Fluchholz von Golgatha hat Gott uns mit sich
selbst versöhnt. Darum lautet die ernste biblische Botschaft:
„ ...als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt:
Laßt euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor. 5,11 und 18-21). Das ist
weit mehr, ja, etwas ganz anderes als der Satz: „Gott hat uns
angenommen – laßt uns nun ihn anneh¬men“. Nein, Gott hat
uns mit sich selbst versöhnt uns gerechtfertigt, erlöst, gereinigt,
geheiligt usw. In Christo Jesu. Welch ein Reichtum!

Auch von einem anderen Standpunkt aus ist. es fraglich, ob wir


sagen dürfen: „Gott hat uns angenommen.“ Die Bibel bezeugt
nämlich: Gott hat uns „durch das lebendige und bleibende Wort
Gottes wiedergezeugt, und zwar .wiedergezeugt zu einer
lebendigen Hoffnung (1. Petr. 1, 3 und 23; Jak. 1, 18; vgl. auch 1.
Kor. 4,15). Wir sind „aus Gott geboren“ (Joh. 1,13; 3,3.5.7; Tit.
3,5). Wir heißen nicht nur Gottes Kinder, sondern sind es auch
(1. Joh. 3,1.2). „Gott hat uns den Geist seines Sohnes in unsere
Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater!“ (Gal. 4, 6). Und dieser
„Geist selbst zeugt mit unserem Geiste, daß wir Gottes Kinder
sind“ (Röm. 8,16). Das alles sagt weit mehr aus als das
Schlagwort „Gott hat uns ange¬nommen“. Das Letztere würde
heißen, wir wären lediglich „angenommene“ Kinder Gottes.

Hat Gott uns angenommen, „wie wir sind“?

Gottes Wort sagt, daß wir durch die Erbsünde von Natur aus
Sünder, Gottlose, Feinde Gottes, tot in Sünden und Kinder des
Zornes Gottes sind, wandelnd nach dem Geiste und Willen der
Finsternis und nach der Lust unseres alten Menschen in uns
usw. (Röm. 5, Eph. 2). Die Sünde, die alte Natur in uns, ist Gott
so ein Greuel, daß er sie in Christo Jesu am Kreuz gerichtet und
verurteilt hat (Röm 8,3). Es ist nicht so, daß Gott uns einfach
„annimmt samt unserer Verpackung“ (nach Trobisch), d.h. samt
unserem alten Wesen, mit unseren Sünden, sündigen
Gewohnheiten und Gebundenheiten, mit allen Irrlehren usw.
Denn erstens dürfen wir nur in und durch Christus zu Gott
kommen. Auch verlangt der heilige Gott Buße, aufrichtige
Bekehrung, das Bekennen und das Lassen unserer Sünden und
gleichzeitig die gläubige Aufnahme des Herrn Jesus in uns. Und
dann sieht Gott uns nur in Christus an. Wer etwas von der
Heiligkeit Gottes, von der totalen Verdorbenheit des Menschen
und vom Kreuzopfer Jesu erkannt hat, wird nicht anders als
beim biblischen Sprachgebrauch bleiben können, d.h. bei der
frohen und ernsten Botschaft von Buße, Bekehrung,
Wiedergeburt, Rechtfertigung, Heiligung usw. (Vgl. auch Matth.
3,8-10). Man ist dann einfach nicht in der Lage. das verwässerte
„Evangelium“ mit seinem Satz „Nimm Gott an, denn Er hat dich
angenommen“ anzuerkennen. Dieser Satz ist falsch.

2. Dr. Erwin Scharrer und die Selbstannahme

In einer grundlegenden Andacht meinte der Psychiater Dr. E.


Scharrer, Hohe Mark, daß Röm.15, 7 eine „dreifache
Aufforderung“ enthielte:

„Paulus weist auf die vollbrachte Tatsache hin: Christus hat uns
angenommen. Daraus folgt: Wir dürfen einander annehmen, zu
Gottes Lob“ (18).

Die erste Aufforderung sei dann „Selbstannahme durch


Christusannahme“

„Christusannahme“ – die vollbrachte Tatsache?

Nach biblischem Verständnis ist es eine vollbrachte Tatsache:


Christus hat an unserer Statt Gottes Strafe für unsere Sünden
getragen (Jes. 53). Christus hat uns durch seinen Tod mit Gott
versöhnt und durch sein Blut uns vor Gott gerechtfertigt und
geheiligt. Christus hat sich selbst für unsere Sünden
dahingegeben, um uns aus der bösen Welt herauszunehmen
(Gal. 1,4), und hat einmal für unsere Sünden gelitten, auf daß er
uns zu Gott führe (1. Petr. 3,18). Abgesehen davon nahm der
Herr Jesus die Sünder schon vor Golgatha auf.

Jesus Christus ist nicht für uns gestorben, um uns mit sich
selbst zu versöhnen und uns anzunehmen. Er ist der Mittler zu
Gott, versöhnte uns mit Gott und ermöglichte, daß wir ihn, Jesus
Christus als Heiland und Herrn in unser Herz aufnehmen und
Gotteskinder werden können.

Nimmt Jesus Christus die Sünder an?

In Luk. 15 lesen wir, daß „alle Zöllner und Sünder“. sich zu dem
Herrn Jesus zu nahen pflegten. Was tut der Sünderheiland? Im
Gegensatz zu den Pharisäern und Schriftgelehrten schickte er
sie nicht fort. Er nimmt sie bei sich auf, so daß sie weiterhin ihn
hören (V. 1) können. Das heißt aber nicht, daß unser Herr die
Zöllner und Sünder „samt ihrer sündigen Verpackung“
angenommen, akzeptiert und bejaht hat. Das Wort „aufnehmen“.
in Luk. 15 hat mit dem humanistischen Begriff „annehmen“ oder
„akzeptieren“ nicht das Geringste zu tun. Aufnehmen steht hier
im Gegensatz zum Fortschicken: „Wer zu mir kommt, den werde
ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6.37). Rienecker schreibt zum
griechischen Wort ekballo (herauswerfen):

Es „gibt die Vorstellung eines geschlossenen Raumes, aus


welchem einer hinausgewiesen oder – geworfen wird; hier die
Nähe oder die jeweilige Umgebung Jesu“ (16).

Übrigens auch moralisch hochstehende, gesetzestreue


Menschen wurden von dem Herrn Jesus aufgenommen. Auch
der reiche Jüngling wurde nicht fortgeschickt. Aber gerade Jesu
Umgang mit dem reichen Jüngling zeigt, daß er nicht einfach
jemanden „annimmt samt Verpackung, brutto“. Der Herr hat den
reichen Jüngling nicht „inklusive“ seiner Besitzbindung
„akzeptiert“ und „bejaht“. Im Gegenteil, der Herr verlangte eine
konkrete, klare Bekehrung, einen Bruch mit der konkreten
Gebundenheit und eine sofortige Nachfolge.

Jesus hatte also den reichen Jüngling aufgenommen. Dennoch


ging dieser wieder fort, und zwar „sehr betrübt“, heute würde
man sagen: „schwer depressiv“. Warum? – Etwa weil er „sich
selbst nicht annehmen“ konnte? Nein, er wollte seine Bindung
nicht aufgeben und dem Herrn Jesus nicht nachfolgen. Er wollte
ihm nicht gehorchen.

In Luk. 5,32 lesen wir, weshalb Jesus die Zöllner und Sünder bei
sich aufnahm und Tischgemeinschaft mit ihnen hatte: „Ich bin
gekommen Sünder zur Buße zu rufen.“ Wer von dem Herrn
aufgenommen war, ihn aber nicht als seinen Heiland und Herrn
anerkannte, starb trotzdem in seinen Sünden. Judas ist ein
erschreckendes Beispiel. Er war sogar von dem Herrn in den
Jüngerkreis aufgenommen worden. Dennoch ging er verloren.
Er war selbstsüchtig, habsüchtig und geldgierig. Nach der
humanistischen Theorie von E. Fromm und W. Trobisch wäre
das eine „Folge mangelnder Selbstannahme“. Würde Judas
heute leben, hätte er in psychiatrischer Behandlung oder in der
Beratung wahrscheinlich den Rat bekommen: Nimm dich selbst
an, liebe dich selbst, dann kannst du loslassen! Die Bibel aber
sagt, Judas war ein Dieb. Und er blieb ein Dieb obwohl er oft den
Bußruf Jesu und wahrscheinlich vorher schon die Bußpredigt
von Johannes dem Täufer gehört hatte und von ihm getauft
worden war. Er hörte vom Herrn, daß niemand zwei Herren
dienen kann. Und er wählte den Herrn Mammon. Welch eine
Warnung für jeden, der das Geld bzw. sich selbst liebt und damit
die Tür seines Herzens für den Herrn Jesus verschlossen hält.

Wir dürfen zu Jesus kommen, wie wir sind

Eine ganz andere Sache ist es, daß wir zum Herrn kommen
dürfen, ja kommen müssen, wie wir sind, und zwar „brutto“. In
den Augen Gottes ist es ja eine Sünde, wenn wir versuchen,
unsere eigene Gerechtigkeit zu bewirken, in eigener Kraft mit
Sünden und Gebundenheiten oder überhaupt mit dem Leben
fertig zu werden. Wir dürfen kommen, wie wir sind, aber
aufrichtig, bußfertig und demütig, dem Eigenleben und der
Sünde den Rücken kehrend und mit ganzer Übergabe des
Lebens, inklusive. Zu Jesus kommen, ist die eine Sache, zu
Jesus kommen, die andere!

3. „Selbstannahme durch Christusannahme“?

Dr. E. Scharrer überschreibt seine Andacht zu Röm. 15,7 mit


„Selbstan¬nahme durch Christusannahme“. Er behandelt dieses
Thema auf dem Hintergrund „der beschwerten Vergangenheit“,
d.h. vor allem der Erziehung, die in der Anstalt „Hohe Mark“ das
Hauptthema der Einzel- und Gruppengespräche ist.

„Aus diesem ... Erfahrungshintergrund fragen wir nach dem


Versöhnungsangebot des Neuen Testaments: Christus hat uns
angenommen“ (18,82).

Und die sogenannte Christusannahme soll dann zur


Aufforderung führen, sowohl sich selbst als auch andere
anzunehmen, was dann „neue lebendige Beziehungen“
zwischen Kindern, Müttern, Vätern und Mitmenschen schafft (18,
83). Betrachten wir noch einmal, was Röm. 15,7 in Wirklichkeit
aussagt.

3.1. Der grammatikalische Aspekt

Gottes Wort aber sagt nicht: Nimm dich selbst an, gleichwie
Christus dich angenommen hat, sondern: „Nehmet einander auf,
gleichwie“ ...

„Einander“ hat nun einmal nicht die gleiche Bedeutung wie


„dich selbst“. Das Wort „einander“ kommt in den Briefen des
Neuen Testaments des öfteren vor (z. B. Eph.4,32; 5,21; Kol. 3, 9
und 13; Jak. 4,11; 1. Petr. 4,9-10; 5,5). Diese und andere
Bibelstellen mit dem Wort „einander“ dürfen wir nicht
eigenmächtig abändern in euch selbst oder „dich selbst“.
Außerdem wäre z.B. der Ausdruck „Sei dir selbst untertan“ oder
„sei gastfrei gegen dich selbst“ ein Nonsens, während sogar
„diene dir selbst“ dem biblischen Zeugnis zuwiderläuft.
„Einander“ in Röm. 15,7 und in allen anderen Bibelstellen im
Neuen Testament betrifft also innerhalb der Gemeinde immer
das Verhältnis der Glieder untereinander, nie das eines Gliedes
zu sich selbst.

Der linguistische Aspekt

Das griechische Wort für „aufnehmen“ in Röm. 14, 1 und 3


sowie 15,7 (proslambano) bedeutet:

a) zu sich nehmen. Vgl. hier Apg. 8, 26. Das Ehepaar Aquila und
Priscilla erkannte aus der Verkündigung des Apollos, daß dieser
nur von der Taufe des Johannes wußte. Darum nahmen sie ihn
auf bzw. mit nach Hause, um ihn näher über Jesus Christus und
sein schon vollbrachtes Werk zu unterweisen. Es handelt sich
hier gerade nicht um ein „Annehmen“ bzw. „Akzeptieren“ des
Apollos nach Trobisch, „inklusive“ seiner mangelnden
Erkenntnisse in seiner Verkündigung.

b) in seine Gemeinschaft nehmen (17). Vgl. auch Philemon 17,


wo Paulus den Philemon bittet. Onesimus, den weggelaufenen
Sklaven, den Paulus zurücksendet (Vers 12), wieder
aufzunehmen. nun aber „als einen geliebten Bruder“ (Verse 16-
17).

Ähnlich ist es auch mit Röm. 14,3. Vers 4, der zu Vers 3 gehört,
wirft Licht auf die Frage, wie Gott den Christen aus dem
Heidentum bzw. den sog. „Glaubensstarken“, der „alles ißt“
Wein trinkt und „jeden Tag gleich hält“, aufgenommen hat,
nämlich als Hausknecht. Er ist (griechisch) der oikétes, was
nach Rienecker „die Hausgenossenschaft hervorhebt“ (16).
Bauer schreibt, daß oikétes eigentlich Hausgenosse bedeutet.
dann aber speziell Haussklave. Worum es hier geht, ist
folgendes: Wo Gott den Gläubigen aus den Heiden als seinen
Hausknecht aufgenommen hat und sein Herr und Richter ist,
darf ihm der Gläubige aus den Juden die Gemeinschaft nicht
verweigern und ihn nicht richten. Umgekehrt sollen die
Glaubensstarken den glaubensschwachen Judenchristen in ihre
Gemeinschaft aufnehmen und ihn davon nicht ausschließen
(Röm. 14.1). Die Stelle in Röm. 14.3 bedeutet also nicht:

- „Gott nimmt den Sünder (mich) an.“ Es handelt sich in dem


Vers um Gläubige.

- Gott akzeptiert mich „brutto, mit Verpackung“. Demgegenüber


haßt Gott die Sünde(n)

- „Gott nimmt den Glaubensstarken an samt seiner Sünde,


seinen Bruder verachtet zu haben“. Das Gegenteil ist der Fall: Im
Namen seines Herrn mußte Paulus zurechtweisen.

-“Gott hat uns angenommen, nun kannst du dich selbst


annehmen“. Von Selbstannahme ist hier überhaupt keine Rede.
Wie könnte ich mich auch selbst als Haussklave bei mir selbst
annehmen?

In Röm. 15, 7 geht es nun hinsichtlich des Begriffes


„Aufnehmen“ in die Gemeinde Jesu zu Rom um die gleichen
Kinder Gottes, also einerseits um die Glaubensstarken. Das sind
die Christen aus dem Heidentum. Aber auch Paulus zählt sich zu
ihnen (Vers 1). Darum sagt er in Vers 7 „uns aufgenommen““. Es
geht andererseits um die Glaubensschwachen, um solche
Judenchristen, die zum Teil noch am Gesetz Mose festhielten.

Christus hat somit die Christen aus Heiden und Juden


gleicherweise und gleichermaßen in seine Gemeinschaft und als
gleichwertige Glieder in seinen Leib aufgenommen. So sollen
auch beide Gruppen von Gläubigen einander in ihre
Gemeinschaft aufnehmen, keine Sondergruppen für sich dulden
oder sogar bilden. In der Gemeinde des Herrn gibt es keine
„Exklusiven“, wohl aber Unterschiede in geistlicher Erkenntnis
über Nebensachen und in der geistlichen Reife.

Auch Röm. 15,7 hat nichts zu tun mit einem Annehmen,


Akzeptieren, Bejahen, geschweige denn „samt und sonders“
(wie u.a. bei Trobisch). Niemals kann der Herr Jesus eine Sünde
„akzeptieren“, z.B. die Sünde, den Bruder oder die Schwester zu
verachten oder zu richten. Er mußte ja für die Sünde am Kreuz
sterben!

Das griechische Wort für „aufnehmen“, proslambano, hat also


nichts zu tun mit dem Begriff „akzeptieren inklusiv“ bzw.
„bejahen“, der aus der humanistischen Psychologie stammt, vor
allem aus der des Extrem-Humanisten Carl Rogers mit seiner auf
den Klienten bezogenen, nicht direktiven Gesprächshaltung und
Gesprächstechnik.

3.3. Der historische Aspekt

Die Gemeinde in Rom wurde nicht von einem Apostel gegründet,


sondern entstand durch das judenchristliche Zeugnis von Mann
zu Mann. Vielleicht waren einige damals zu Pfingsten in
Jerusalem gewesen und haben sich bekehrt (Apg. 2,10). Die
römische Gemeinde bestand aus Gläubigen aus den Heiden und
aus den Juden, die sich damals in Hausgemeinden
versammelten (Röm. 16). Judenchristen hatten einen
gesetzlichen Hintergrund, die Heidenchristen nicht. Im Jahre 49
nach Christus befahl Kaiser Claudius, daß alle Juden Rom
verlassen mußten, somit auch die Judenchristen (Apg. 18,2).
Etwa 5 Jahre lang, bis zum Tode des Kaisers Claudius im Jahre
54, war die Gemeinde in Rom ohne Leitung der Judenchristen
und damit auch ohne deren oft judaisierenden, moralisierenden
und formalisierenden Einfluß. Nach ihrer Rückkehr versuchten
gewisse Judenchristen, ihre alte Führungsrolle wieder
einzunehmen. Auch waren sie in bezug auf das Gesetz Mose
noch nicht zur ganzen Freiheit in Christus im Sinne von Gal. 5,1
durchgedrungen. So gab es Spannungen und Konflikte und zwar
nur hinsichtlich einiger Punkte des Gesetzes Mose, d.h. in bezug
auf die Fleischspeise (Röm. 14, 2 und 21), den Genuß von Wein
(Röm. 14,21) und auf das Halten besonderer jüdischer Festtage
(Röm. 14,5; Gal. 4,10). Da drohte nun Parteibildung, ja Spaltung
in der Gemeinde. Man verweigerte sich schon gegenseitig die
Gemeinschaft.

3.4. Der theologische Aspekt

Auf diesem Hintergrund der Spannung und möglichen Spaltung


zwischen gesetzestreuen Judenchristen und „glaubensstarken“
Heidenchristen in Rom ermahnt Paulus beide Gruppen: Nehmet
einander auf, laßt es wegen der Meinungsverschiedenheiten
über nicht wesentliche Dinge zu keiner Trennung kommen,
„denn das Reich Gottes besteht nicht aus Essen und Trinken“.
(Röm. 14,17).

Die größte Gefahr war aber keineswegs die äußere Spannung,


sondern die innere Einstellung der Gotteskinder gegeneinander.
Bei den gesetzesorientierten Judenchristen hatte sich das
Richten der Geschwister aus den Heiden eingeschlichen, und
zwar nach dem Maßstab des Gesetzes: „wenn ihr nicht .., dann
seid ihr weder echte noch ganze Christen.“ Oder: „Wenn ihr
ganz gehorsam sein wollt, müßt ihr noch ...“ (Röm. 14, 3 und 10).
Die Mentalität des Richtens ließ keinen Raum im Herzen und
somit keinen Raum in der Gemeinde für Heidenchristen übrig.
So mußte Paulus die Judenchristen ermahnen: Richtet nicht den
Heidenchristen, denn Gott ist sein Richter (Röm. 14, 4 und 10b
vgl. Röm. 2,16). Schließe ihn nicht aus, denn Gott hat ihn als
Seinen Haussklaven aufgenommen. Auch ist der Maßstab für
den richtigen und vollwertigen Glauben nicht, was wir essen
oder trinken, denn „nichts ist unrein“ und „alles ist rein“ (Röm.
14, 14 und 20), sondern wie wir das tun, ob wir es dem Herrn tun
und Gott danksagen (Röm. 14,6).
Die Anfechtung der Heidenchristen bestand darin, daß sie
ihrerseits die gesetzestreuen Judenchristen verachteten (Röm.
14,2 und 10b). Sie fühlten sich erhaben über diese
„Glaubensschwachen“, die noch nicht zur ganzen Freiheit in
Christus durchgedrungen waren. Sie selbst ließen sich aber ihre
Freiheit in Christus nicht nehmen, aßen darum weiterhin Fleisch
und tranken Wein. So aber wurden sie zum Kummer und zum
Anstoß für ihre Mitchristen aus dem Judentum (Röm. 14, 15 und
20), ja sogar zu Verführern, so daß auch Judenchristen anfingen,
Fleisch zu essen und Wein zu trinken, zwar nicht aus innerer
Überzeugung, sondern mit Zweifel im Herzen, ob dieses dem
Herrn wohlgefällig sei. Und der Zweifel wurde einem solchen
Judenchristen zur Sünde, denn „alles, was nicht aus Glauben
ist, ist Sünde“ (Röm. 14,23). Diese überhebliche und
herablassende Einstellung versperrte die Tür des Herzens und
der Gemeinschaft für gesetzestreue Judenchristen. So mußte
Paulus auch besonders die „Glaubensstarken“ ermahnen:
Verachtet den nicht, der nicht ißt, d.h. der um des jüdischen
Gesetzes willen kein Fleisch ißt.

Weiter sagt Paulus: Den Schwachen im Glauben nehmet auf,


allerdings nicht, um mit ihm zu diskutieren (Röm. 14,1). Betrübt
und verderbt nicht mit eurer Speise den judenchristlichen
Bruder, für den Christus gestorben ist (Röm. 14,15). Im
Gegenteil, wandelt in der Liebe, die mehr als Erkenntnis ist. Die
Liebe kann verzichten (Röm. 14, 15 und 21). Die Liebe ist
tragfähig und möchte dem Bruder zum Guten und zur Förderung
seines Glaubens gefallen. Und das ist gerade das Gegenteil von
Selbstgefallen (Röm.15,1.2).

Immer wieder stellt Paulus den gemeinsamen Herrn Jesus


Christus als Beispiel und Maßstab für das Verhalten
untereinander hin. So auch hier: Die Glaubensstarken sollen
nicht selbstgefällig sein, weil der Herr Jesus nicht sich selbst
gefallen hat, sondern die Schwachheiten der Schwachen und
darüberhinaus sogar die Schmähungen gegen Gott ertragen und
getragen hat. Als rechte Jünger ihres Herrn sollen sie die
gleiche innere Gesinnung wie er haben (Röm. 15,3-5). Das Ziel
ist, daß Gott durch die Gesinnung seines Sohnes in seinen
Kindern verherrlicht wird. Und dann kommt die Aufforderung:

„Deshalb ... nehmet einander auf, gleichwie auch Christus uns


aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit“ (Röm. 15,7).

Beachtenswert ist das Wort „Deshalb“, mit welchem Vers 7


beginnt. Es bedeutet, daß Römer 15,7 im unzertrennlichen
Zusammenhang mit dem Vorhergehenden steht, mit Röm. 14,1 -
15,6. Und das Wort „Denn“ in Vers 8 zeigt auf, daß Vers 7 auch
zum folgenden gehört.

Ein Kennzeichen einer Irrlehre ist unter anderem, daß ein Satz
aus dem Zusammenhang gerissen und verselbständigt wird, auf
den man dann eine ganze Theorie aufbaut. So ergeht es auch
Röm. 15, 7, wobei denn bezeichnenderweise, wie hier von Dr.
Scharrer, das Wort „deshalb“ weggelassen wird.

4. Zusammenfassung

a) Röm. 15. 7 müssen wir immer auf dem historischen


Hintergrund der Spannungen zwischen den gesetzestreuen
Judenchristen und den Heidenchristen in Rom sehen. Der Vers
hat nichts mit einem persönlichen Hintergrund zu tun, z. B. mit
einer schweren Kindheit und Jugendzeit, einer sündigen
Vergangenheit, einer schweren Lebensführung und einem
schwachen oder gebrechlichen Körper.

b) Die These „Christus hat uns angenommen“ ist nicht nur ein
verdünntes, sondern ein abgeändertes „Evangelium“ (2. Kor.
5.18-21).

c) Durch das Wort „Denn“ in Röm. 15, 8 und das Wort „Deshalb“
in Röm. 15,7 verstehen wir, daß es sich hier nicht um eine
allgemeine Christusannahme handelt. Röm. 15,7 bedeutet nicht
„Christus nimmt die Sünder (mich) an“ und noch weniger, er tut
das „inklusive meiner schwachen Punkte“ und
„Unvollkommenheiten“ (d.h. meiner alten Natur), meiner
Sünden, Irrlehren usw. Hier sind nur Kinder Gottes mit einem
unterschiedlichen religiösen Hintergrund gemeint. Röm. 15,7
bedeutet gerade nicht, daß Jesus die Gotteskinder in Rom mit
ihren Sünden des Richtens und Verachtens „angenommen“
bzw. „akzeptiert“ hat. Er hat sie als Kinder Gottes in seine
Gemeinschaft aufgenommen.

d) Die These: Christus hat uns angenommen ist weder Basis


noch Aufruf zur sog. Selbstannahme. Erstens ist hier weder von
Christusannahme noch von Selbstannahme die Rede. Und dann:
Wie kann ich mich selbst in meine eigene Gemeinschaft
aufnehmen? Abgesehen von Röm. 15,7 muß ich mich nicht
annehmen, wie ich bin, sondern mich Jesus ausliefern, wie ich
bin. Dann bekleidet er mich mit seinem Kleid der Gerechtigkeit
(2. Kor. 5,21). Welch ein Tausch! Selbstannahme ist dagegen
Ungehorsam, denn die Bibel ruft dazu auf, Jesus Christus als
Heiland und Herrn in sein Herz aufzunehmen. Also: Entweder-
Oder.

Uns Kindern Gottes sagt die Bibel, daß wir uns Gott unterwerfen
sollen (Jak. 4,7). Das heißt, daß ich mich unter Gottes Wort,
Gottes Willen und Gottes Wege beugen soll und „Ja“ dazu
sagen lerne. Nicht „Ja“ zu mir selbst, sondern „Ja“ zum Herrn
und „Ja“ zu der Tatsache, daß ich mit Christus gekreuzigt bin
(Luk. 14, 26-27 und 33; Gal. 2. 20; 6. 10).

e) Die „Selbstannahme“ ist keine Voraussetzung zur „Annahme“


anderer.

Nicht meine Selbstannahme, sondern das Wunder, daß Christus


mich und alle anderen Gotteskinder in seine Gemeinschaft
aufnahm, ist die Grundlage für das offene Herz und die offene
Tür für glaubensschwache und glaubensstarke Geschwister.

f) „Nehmet einander auf bedeutet nicht Nehmet jeden Menschen


an.“

Röm. 15,7 hat nichts zu tun mit neuen Beziehungen zwischen


Kindern, Müttern, Vätern und sonstigen Mitmenschen, wie Dr.
Scharrer behauptet. Für das Verhältnis von Mann und Frau bzw.
Eltern und Kindern gelten andere Bibelstellen.

Soweit andere uns gegenüber schuldig geworden sind, haben


wir zu vergeben und vergessen zu lernen. Verharren sie aber in
Sünde, Welt oder Irrlehre, so dürfen wir nicht nur nicht
mitmachen, sondern müssen auch die Gemeinschaft mit
solchen Menschen meiden (Eph. 5,7-11 ; 2. Kor. 6,14-16). Auch
für solche Situationen gilt Röm. 15, 7 nicht.

g) „Nehmet einander auf“, bedeutet ebensowenig: Akzeptiert


und bejaht jeden Christen samt seinem fleischlichen Wesen,
seinen falschen Wegen und Praktiken, samt seiner modernen,
religiösen, moralischen und politischen Auffassung oder
Erfahrung oder mit „einem anderen Geist“ usw. – Im Gegenteil,
die Bibel fordert auf: „Ermahnet einander. Feget den alten
Sauerteig aus. Nehmet ihn nicht ins Haus auf“ usw. (2. Joh. 7-
11).

h) Das griechische Wort für „aufnehmen“ heißt proslambano. Es


hat nichts zu tun mit dem humanistischen Begriff „annehmen“,
„akzeptieren“ bzw. „bejahen“.

5. Das humanistische Menschenbild ist mit dem biblischen nicht


vereinbar

Die Ideologie der Selbstannahme hängt, wie wir schon zu


Anfang sahen, unzertrennlich mit dem atheistischen,
humanistisch-evolutionistischen Welt-, Menschen- und
Selbstbild zusammen. Hier bin ich als Mensch „das höchste
Wesen und auf kein höheres Wesen angewiesen bzw. keinem
höheren Wesen verantwortlich.“ Als „autonomer“ Mensch bin
ich „Selbstzweck“ und für meine „Selbstentfaltung und
Selbstverwirklichung mir selbst verantwortlich.“ Nach dieser
Ideologie muß ich „mich selbst, mein Ich, meine Identität sowohl
mit ihren „schwachen Seiten“ („Fehlern“,
„Unvollkommenheiten“ und Mangel an bestimmten Gaben usw.)
als auch mit ihren „starken Seiten“ (ungeahnten menschlichen
Möglichkeiten, positiven Eigenschaften und Kräften), also mich
so, wie ich bin, akzeptieren und in eigener Kraft und
„Selbstbestimmung“ an mir arbeiten. In diesem Zusammenhang
bedeutet dann das Gegenteil von Selbstannahme:
Selbstverkrüppelung, sobald ich eine Autorität, eine Norm und
einen Zweck außerhalb von mir anerkenne, und
Selbstverwerfung, wenn ich annehme, daß ich in mir selbst
sündig und ohnmächtig bin.

Aus dieser Wurzel stammt also die Idee der „Selbstannahme“.


Sie ist davon nicht zu trennen und kann nicht in das biblische
Menschenbild hineingepflanzt werden.

Die Bibel sieht immer und überall den Menschen in der


Beziehung zu Gott, von dem und zu dem hin er geschaffen und
in Christus erlöst ist. Deshalb sagt ein Mensch entweder ja oder
nein zu Gott, zu Gottes Willen und Wegen und zu Gottes Wort,
nicht aber ja oder nein zu sich selbst. Es gibt kein
geschlossenes Weltsystem, in dem er als selbständiger Mensch
existiert. Wer also seinen Körper, seine Begrenzung, sein
Elternhaus, seine Situation oder Lebensführung usw. ablehnt,
sagt nur scheinbar nein zu sich selbst. Nach dem Verständnis
der Bibel sagt er aber nein zu Gott. Er ist kein „Neurotiker“, der
unter dem „Mangel an Selbstannahme leidet“. Nein, er ist ein
Rebell gegen Gott, der mit ihm hadert, ihn kritisiert und
gewissermaßen mit geballter Faust anklagt. „Warum „ ist seine
Frage. „Warum gerade ich? Wenn du, Gott, die Liebe wärest ...,
dann ...“

Die einzige Botschaft und Hilfe ist dann für ihn: Buße, Beugung,
Schuld¬bekenntnis, Ganzhingabe mit einem „Ja, Vater“, wenn
auch unter Tränen. Gott sieht das zerbrochene und
zerschlagene Herz an (Ps. 51,17). Er macht einen solchen
Menschen zu seinem Kind und stellt die Gemeinschaft wieder
her. Wir sind „Geliebte Gottes“, „begnadigt in dem Geliebten“
(d.i. Christus) (Röm. 1,7; Eph.1.6). Welch ein Gott! Welch ein
Evangelium! Darum laßt uns: Ihn lieben (1. Joh. 4,19).

Dr. Scharrer behauptet jedoch in seiner Andacht: „Das


Evangelium, (ist) Selbstannahme durch Christusannahme. Weil
Christus mich annimmt, kann ich mich selbst annehmen. Weil
Christus mich liebt, kann ich mich selbst lieben“ (18, 83). Es
mag sich hier um ein christianisiertes, humanistisches
„Evangelium“ handeln, aber es ist ein anderes Evangelium als
das biblische (Gal. 1, 6-10). Unabhängig davon, was andere
forderten, suchten oder verkündigten, bezeugte Paulus:
„Wir aber verkündigen den gekreuzigten Christus ... Gottes Kraft
und Gottes Weisheit ... Nur Jesus Christus ...“ (1.Kor. 1,23-24;
2,2).

Und er ist darum für alle gestorben,damit, die da leben hinfort


nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und
auferstanden ist. (2. Kor. 5, 15)

Anmerkungen mit Literaturangaben.

1. Martin Jay, Dialektische Phantasie -Die Geschichte der


Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung (1973).

2. Klaus Berger, Auf der Suche nach einem neuen Menschen


(Factum 5,84).

3. R. Funk, Mut zum Menschen -Erich Fromms Denken und Werk


(1978).

4. Erich Fromm, Ihr werdet sein wie Gott (You Shall Be As Gods,
1966).

S. Erich Fromm, Haben oder Sein? (To Have or to Be).

6. Erich Fromm, Psychoanalyse und Ethik (Man For Himself.


1947).

7. Wilhelm Quenzer, Die Frage von Fromms „radikalem


Humanismus“ (EZW-lnformation Nr. 80 IX/80.

8. Clark Peddicord (Leiter d. deutschen Zweiges Campus f.


Christ) Idea 17/83.

9. Abraham Maslow, Eupsychian Management (1965).

10. Erich Fromm, Die Kunst des Liebens (The Art of Loving,
1956).
11. Erich Fromm, Die Seele des Menschen – ihre Fähigkeit zum
Guten und Bösen (1967).

12. Joseph Quint, Meister Eckehart. Deutsche Predigten und


Traktate (1977).

13. Dr. John Stott, Must I Really Love Myself? (Christianity


Today, 5. 5. 1978).

14. Walter Trobisch, Liebe dich selbst (Brockhaus, 1975) Loving


Yourselves (Intervarsity, 1977).

15. G. Meskemper, Falsche Propheten unter Dichtern und


Denkern (Schwengeler,1983).

16. Fritz Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen N.


T. (1974).

17. WalterBauer, Wörterbuch zum N.T. (1963).

18. Dr. Edwin Scharrer, In: Seelische Krankheit – Heilung und


Heil, 1980.

OKKULTISMUS IM ANGRIFF

INHALT

1. Die okkulte Explosion


2. Wissenschaft contra Okkultismus
3. Das Experimentierfeld der Parapsychologie
4. Aberglaube – Poesie des Lebens?
5. Die Magie – Experiment mit dem Übersinnlichen
6. Der Spiritismus – Trip ins Jenseits?
7. Befreit aus teuflischen Zwängen
8. » ... Das Feld muss ER behalten«

Teil 7: Befreit aus teuflischen Zwängen

Der Teufel bittet zur Kasse. Er befriedigt zwar egoistische


Wünsche, geht darauf ein, wenn man im Sicherungsfimmel
magisch experimentiert oder halb neugierig, halb skeptisch
spiritistisch manipuliert. Aber er präsentiert Rechnungen, bei
denen seinen Opfern das Hören und Sehen vergeht. Er ruiniert
ihre Nerven, versklavt in Süchte, jagt in den Selbstmord.

Im Alten Testament werden okkulte Praktiken, die sämtlich


gegen das erste Gebot verstoßen, von Gott verboten, weil er
nicht will, daß sein Volk in den Fangarmen der Dämonie
zugrunde geht. Götzendienst ist Dämonendienst. Der Stier-Kalb-
Kult Jerobeams wird verächtlich ein Kult für die Feldgeister
genannt (2. Chron. 11, 15); ein folgenschwerer Kult, denn die
Anbetung des Goldenen Kalbes ist mit Unzucht gekoppelt, die
Anbetung des Baal mit Moloch-Opfern und der Bilderdienst
(Hes. 8, 10) mit einer verhängnisvollen Verwechslung zwischen
Tempel und Götzendienst. Immer und immer wieder predigen die
Propheten, warnen, bitten, rufen. Umsonst. Die Führungsspitze,
bestehend aus gewissenlosen Königen, unentschlossenen
Priestern und falschen Propheten sind »Diebsgesellen«, die bei
üppigen Gastmählern und politischen Schachzügen moralisch
so absacken, daß Jesaja einem von der Bosheit infizierten Volk
sagen muß:

»Ihre Füße laufen zum Bösen, und sie sind schnell, unschuldig
Blut zu vergießen; ihre Gedanken sind Unrecht, ihr Weg ist eitel
Verderben und Schaden. Sie kennen den Weg des Friedens
nicht, und ist kein Recht in ihren Gängen - sie sind verkehrt auf
ihren Straßen; wer darauf geht, der hat nimmer Frieden« (Jes.
59, 7 8).

Israel ist genau genommen an den Folgen okkulter Praktiken


völkisch gescheitert; mußte in die Verbannung, damit »ein Rest«
übrigbleibe. Die Geschichte dieses Volkes zeigt, daß Dämonie
und Okkultismus einerseits, sittliche Fäulnis und Brutalität
andererseits miteinander verkettet sind.

Die einzelnen Folgeerscheinungen okkulter


Grenzüberschreitungen sollen nun im einzelnen aufgezeigt
werden.

Widerstand gegen alles Göttliche. In vielen evangelistischen


Einsätzen habe ich beobachtet, daß sich okkult belastete
Menschen gegen das Evangelium sperren, während der
Verkündigung unruhig werden, stören, mitunter den Raum
verlassen. Der Teufel macht für das Wort vom Kreuz immun. In
einer Briefzuschrift war zu lesen:

»Mein Bruder, 17 Jahre, Gymnasiast, ist in spiritistische


Sitzungen geraten. Außerdem beschäftigt er sich mit der
Parapsychologie. Er lehnt jedes Gespräch ab, ebenso geistliche
Literatur. Christen, so sagt er, seien nicht objektiv.«

Okkultisten aller Schattierungen widersetzen sich dem


Evangelium. In Apostelgeschichte 13, 8 ist zu lesen: »Da
widerstand ihnen der Zauberer Elymas . . . «

Heilsungewißheit. Dazu zwei Beispiele aus der seelsorglichen


Korrespondenz. Zu lesen war:

»Etwa 40 Jahre lang hatte ich Kontakte zur christlichen


Wissenschaft und bin dabei auch mit okkulten Praktiken in
Berührung gekommen. Bei meiner Entscheidung für Jesus fehlt
die frohe Hellsgewißheit.«

Oder: » Es fällt mir schwer zu glauben, daß Jesus meine Sünde


gesühnt hat. Obwohl ich mich schon lange für Jesus Christus
entschieden habe, treten diese Zustände immer wieder auf, in
denen ich zweifle, ob ich überhaupt noch ein Gotteskind bin. Als
junges Mädchen war ich einmal bei einer Kartenlegerin.«

Okkulte Praktiken aller Art verhindern das frohe Wissen . »Meine


Schuld ist vergeben, ich gehöre zu Jesus Christus.« Darum
müssen alle Brücken zur Dämonie radikal abgebrochen werden.
Am Beispiel des Zauberers Simon (Apg. 8, 21) wird das deutlich.

Mangelndes geistliches Unterscheidungsvermögen. Als sich


Israel um das Goldene Kalb sammelte, aß und trank, sang und
tanzte, sagte das Volk: »Das sind deine Götter, Israel, die dich
aus Ägyptenland geführt haben« (2. Mose 32, 4). Unbegreiflich!
Nach allem, was sich in Ägypten und am Roten Meer ereignet
hat, erwartet man eigentlich eine andere Reaktion. Aber so ist es
immer: Satan macht geistlich blind, verschiebt Grenzen, verbiegt
Maßstäbe, verwischt Leitlinien.

Ichbezogene Frömmigkeit. Paulus sieht sich genötigt, den


Korinthern zu verbieten, an heidnischen Götzenopfermahlzeiten
teilzunehmen (1. Kor. 10, 21). Ausgerechnet diese mit
Gnadengaben beschenkte Gemeinde ist »flelschlich«, lebt also
nach dem »Lustprinzip«, spaltet sich in Interessengruppen,
duldet Blutschande, behandelt den Apostel Paulus
geringschätzig, kann nicht so recht an die Auferstehung glauben
und mißachtet bei den Abendmahlsfeiern die Bruderschaft.
Wenn Götzendienst zugleich Dämonendienst ist, müssen wir
folgern, daß die Korinther okkult gefährdet waren. Viele
Mißstände in Korinth wären demnach die Folge unerlaubter
Kontakte mit »Götzendienern«.

Okkulte Praktiken sind mitunter in der Gemeinde ein


verborgener Achansmantel, der evangelistische Vorstöße
abstoppt und geistliche Niederlagen verursacht.

Angst. In einer Briefzuschrift standen diese Sätze:

»In meiner Jugend habe ich Zaubereisünden begangen:


Kartenlegen, Besprechen, Tischrücken und Glasrücken. Ich
erwache mit schrecklichen Angstgefühlen, kann kaum glauben,
finde keine Ruhe und keinen Frieden, bin immer schlechter
geworden und verzweifle an mir selbst.«

Neurotische Störungen. J. Staffort Wright schreibt:


»So schrieb mir zum Beispiel ein Geistlicher von vier Studenten,
die nach ein oder zwei Seancen >deprimiert und von
Selbstmordgedanken und Zwangsvorstellungen geplagt waren<.
Unter anderem waren sie einfach gezwungen, vor bestimmten
Häusern stehenzubleiben. Zwei Mädchen wurden von Geistern,
die vorgaben, ihre Väter zu sein, gedrängt, Selbstmord zu
begehen; eine von ihnen machte tatsächlich einen
Selbstmordversuch«.

Lästergedanken. Wer okkult Belasteten seelsorglich zu helfen


hat, weiß, daß es Menschen gibt, die von abscheulichen
Lästergedanken gequält werden. Diese Lästerungen richten sich
gegen Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist. Gelegentlich
berichtete mir )'emand, daß er bei einer bestimmten Bibelstelle,
die eine wichtige Aussage über das Blut Jesu macht, geradezu
gezwungen wurde, an ein Wort aus dem sexuellen Bereich zu
denken. Man kann das freilich als eine neurotische Fehlhaltung
bezeichnen, packt aber dabei das übel nicht an der Wurzel.
Dämonische Mächte können durchaus einen Menschen mit
Lästergedanken quälen.

Sexuelle Perversionen (pervers = geschlechtlich verkehrt,


entartet, verdorben, widernatürlich). Okkultismus und sexuell
abnormes Verhalten, Dämonie und sittliche Fäulnis gehören
zusammen. Die Kanaaniter waren nicht nur dem Götzendienst
verfallen, der weithin aus Fruchtbarkeitsriten (Festen,
Gebräuchen, Worten und Handlungen) bestand, sondern ebenso
abscheulichen sexuellen Lastern. Auf den Zikkuratentürmen in
Babylon befragten Astrologen nicht nur die Sterne; man huldigte
zugleich der Tempelprostitution. Wenn wir bedenken, daß die
Antike zur Zeit der Apostel vom Götterglauben = Götzenglauben
geprägt war, dann ist es nicht verwunderlich, wenn Paulus in
Römer 1, 24 27 in seinem Lasterkatalog auch die Homosexualität
erwähnt. Seelsorger wissen längst, daß es zwischen okkulten
Praktiken und Homosexualität bzw. lesbischer Liebe zuweilen
eindeutige Zusammenhänge gibt. Noch einmal: Sexuelle
Perversionen auch eine unnatürlich zwanghafte Sexualität
sind zuweilen Folgeerscheinungen okkulter
Grenzüberschreitungen. In einem Pressebericht war zu lesen:
»Spielarten des Gruppensex verknüpft mit sakralen Riten
gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen der
Eingeweihten. Die Teilnehmer versammeln sich um einen Altar
zu Okkultorglen, sprechen bei Kerzenschein selbstverfaßte
obszöne Gebete und steigern sich in sexuell religiöse Ekstase.«

In seelsorglichen Briefen war zu lesen:

»Ich bin eine 74jährige Frau. über 20 Jahre habe ich dem Herrn
gedient. Ich bin in Sünde gefallen. Ich komme einfach nicht
weiter. Ich habe mir Handlinien lesen lassen und mußte
feststellen, daß einiges von dem eintraf, was man mir
voraussagte. Ich heiratete innerhalb eines Jahres. Dann beging
ich Ehebruch.«

In einem anderen Brief standen diese Sätze:

»Im 16. Lebensjahr wollte mir eine Zigeunerin die Handlinien


lesen. Ich ließ das auch geschehen, obschon ich darüber lachte
und nicht daran glaubte. Mit 17 Jahren kam es zu sexuellen
Erfahrungen. Es blieb nicht bei einem Mal. Das Weinen um diese
Sünde geht mit mir durchs Leben.«

Solchen Menschen ist mit ein paar frommen Trostpflastern nicht


geholfen. Sie suchen nicht nur Vergebung. Nach Befreiung
sehnen sie sich, weil sie in den Zwängen der Sexualität leiden
und gleichsam vergeblich an den Gitterstäben rütteln. Wenn der
okkulte Hintergrund aufgehellt ist, die Brücken zur Dämonie
abgebrochen sind, kann der Weg in die Freiheit und damit in die
sieghafte Nachfolge beschritten werden. Damit soll nicht gesagt
sein, daß Sexualität in jedem Fall ein dämonisches Vorzeichen
hat. Die sexuelle Kraft ist eine Gabe Gottes, mit der wir
verantwortungsbewußt umzugehen haben. Vielfach aber kann
man auf sexuellem Gebiet erst dann sieghaft sein, wenn okkulte
Bindungen wo sie bestehen gelöst sind.

Jähzorn. Damit sind nicht die gelegentlichen Wutausbrüche der


sogenannten Choleriker gemeint, sondern Szenen, die mitunter
eine ganze Familie zerstören können. In einem
Rundfunkinterview sagte Pastor Spieker aus Sao Paulo:
»Mit einem unserer Nachbarn bin ich seit einigen Jahren im
Gespräch. Seine Frau ist praktizierende Spiritistin; er selbst ist
mehr oder weniger in die Dinge hineingerutscht. Aus nächster
Nähe erleben wir Auftritte mit, die man geradezu als hysterische
Anfälle bezeichnen könnte. Wenn es in der Familie Krach gibt,
schlägt die Frau das Kind sie haben einen Jungen oft solange,
bis es nahezu zusammenbricht. Man möchte manchmal am
liebsten dazwischengehen. Diese Leute sind nie ausgeglichen,
haben immer irgendwelche Probleme, leiden dauernd unter
einem gewissen Verfolgungswahn.«

In einer Briefzuschrift war zu lesen:

»Vor etwa 20 Jahren habe ich eine Wiedergeburt erlebt.


Trotzdem fehlt mir die Gewißheit der Sündenvergebung. Mir ist
es, als ob ich geistlich blind wäre. Nach meiner Bekehrung habe
ich mir Handlinien lesen lassen. Ich habe Streit mit den
Angehörigen. In geistlicher Hinsicht komme ich nicht weiter.«

Ohne Zweifel läßt sich manches auf diesem Gebiet


psychologisch erklären. Aber mit der Formel: »Frustrationen
führen zu Depressionen oder Aggressionen« kann nicht
beantwortet werden, warum sich jähzornige auf okkulter Basis
so und nicht anders verhalten. Wenn die okkulte Belastung
aufhört, kann ein psychischer Gesundungsprozeß beginnen, bei
dem sich dann auch der Jähzorn verliert.

Das Fluchen als zwanghaftes Verhalten. Auch dazu einige Sätze


aus der seelsorglichen Korrespondenz.

»Mein Bruder ist vor einigen Jahren schwer erkrankt.


Gelegentlich ging er zu einem »Wunderdoktor«, der bei seiner
Behandlung ein Pendel benutzte, ihm aber keine Medizin gab.
Geholfen hat das alles nichts. Nun wird es mit meinem Bruder
immer schlimmer. Wenn er nicht liegt, rennt er unruhig im
Zimmer auf und ab. Ruhig sitzen kann er nicht. Er hat Angst,
nervenkrank zu werden. Der Teufel plagt ihn mit schlechten
Gedanken und Flüchen.«
Der Heilige Geist erreicht alle Bevußtseinsschichten. Wer sich
seinem Wirken öffnet, erlebt, daß man nicht mehr zu fluchen
braucht, statt dessen aber segnen kann.

Suchtdisposition. Geschrieben wurde:

»Meine Bekannte ist friedlos, heimatlos, krank und


tablettensüchtig. Sie hat ihren toten Vater befragt und auch über
Lebende Auskunft erhalten, Buchstaben auf den Tisch
geschrieben und das Glas gerückt.«

Nicht wenige verfallen dem Alkohol nachdem sie sich in


okkulte Praktiken eingelassen hatten oder dem Rauschgift. Es
gibt nicht nur eine Beziehung zwischen Okkultismus und
abnormer Sexuahtät, sondern ebenso zwischen Aberglaube,
Magie, Spiritismus einerseits und bev"ußtseinserweiternden
Drogen andererseits. In der Seelsorge habe ich das mehr als
einmal festgestellt. Die »Rauschgiftwelle« hat sicherlich auch
eine okkulte Unterströmung, die mitbedacht werden muß, wenn
man den Drogenabhängigen wirksam helfen will. Der Trip ins
Drogenparadies wird weithin zu einem Todesmarsch in die
Rauschgifthölle, weil er von dämonischen Mächten begleitet
wird.

Okkulte Praktiken schaffen eine Disposition für Süchte aller Art.


In diesem Zusammenhang ein weiteres Beispiel aus der
Briefseelsorge:

»Meine Tochter und ich gehören zu Jesus Christus. Wir sorgen


uns um meine Enkelin B., 11 Jahre alt, die mondsüchtig ist. In
meiner Jugend galten Tischrücken, Gläserln, spiritistische
Sitzungen, Bleigießen usw. als Gesellschaftsspiele. Auch meine
Tochter wurde magisch besprochen und ließ sich Karten legen.
Von meinem Vater weiß ich von einer Totenbefragung, und B.'s
Oma väterlicherseits ist abergläubisch und beschäftigt sich mit
Horoskopen und Traumbüchern. Sollten sich diese
>Sandkörner< bei B. zum >Sandhaufen< vereinigt haben?
Übrigens hat B. ein großes Geltungsbedürfnis und beschäftigt
sich gern mit Zaubertricks.«
Erbbiologisch bedingte Folgen können durch eine »familiäre
Tendenz« (5/17) weitergegeben werden und wirken sich so und
ähnlich aus. Seelsorgern bleibt zuweilen nichts anderes übrig,
als je und dann einem okkult Belasteten zu raten, daß er sich
von den Sünden der Vorfahren bewußt lossagt. Dadurch wird
der Weg zur Entlastung frei.

In 2. Mose 20, 5 wird gesagt:

»Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr,
dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter
Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die
mich hassen.«

Die seelsorgliche Erfahrung zeigt, daß diese Bibelstelle auf


okkulte Praktiken anwendbar ist.

Dämonische Belästigung. Dazu auszugsweise drei Beispiele aus


der Rundfunkseelsorge. Zu lesen war:

»Das, was ich früher getrieben habe, beunruhigt mich immer


noch. Vor kurzem hatte ich eine nächtliche Vision, bei der eine
schwarze Hand mit einem verlängerten Arm und ein
Verlobungsring zu sehen war. Dieser Arm brachte mir auch den
Tisch und die Gläser vor Augen, mit denen ich okkult praktiziert
hatte.«

In einem anderen Brief standen diese Sätze.

»Meine Tante erzählt mir von nächtlichen Belästigungen. Eine


unsichtbare Macht ziehe sie an den Haaren. Sie leidet oft an
Albdruck. Sie spricht oft davon, daß ihr verstorbener Mann, der
Freimaurer war, nachts erscheint. Übrigens hat sie Kontakte zu
Leuten der Mazdaznan Bewegung und der Anthroposophie.«

Eine weitere Zuschrift:

»Des Nachts sehe ich häßliche Bilder. Manchmal wird auch


etwas gesagt. Ich schrecke dann auf. Auch am Tage höre ich
des öfteren hinter mir ein merkwürdiges Pfeifen. Mit einer
Nachbarstochter bin ich gelegentlich zu einer Kartenlegerin
gegangen. Als mein Mann in Gefangenschaft war, habe ich mich
dazu verleiten lassen, ebenfalls mit einer Nachbarin eine
Kartenlegerin aufzusuchen.«

In seelsorglichen Gesprächen haben mir okkult Belastete


ähnliche Vorkommnisse unabhängig voneinander so oft
berichtet, daß ich überzeugt bin: es handelt sich um ob)'ektive
Tatbestände. Selbst wenn man in dem einen und andern Fall
Eidetik oder Halluzinationen vermuten könnte, reicht diese
Erklärung nicht immer aus. Dämonen können sich sichtbar
machen und quälen im Gegensatz zu den Engeln , ihre Opfer
mit einer satanischen Zermürbungstaktik so lange, bis sie
psychisch krank werden und zuweilen freiwillig ihrem Leben ein
Ende machen. Und doch: Vor dem Namen Jesus zittert die Hölle.
Wer sich bewußt für den auferstandenen Herrn entscheidet, darf
im Namen Jesu allen finsteren Mächten gebieten. Sie müssen
weichen. In der Kraft des Blutes Jesu können Menschen, die
früher okkult belastet waren, dämonische Belästigungen
abwehren.

Mit incubi succubae wird ein dämonischer Geschlechtsverkehr


bezeichnet, bei dem »männliche oder weibliche Dämonen« in
Aktion sind. Vermutlich läßt sich 1. Mose 6, 4 in dieser Richtung
deuten. »In der christlichen Zeit lief dieses Motiv der
Dämonenehe weiter. In der Legende vom heiligen Antonius
erscheint der Teufel u. a. in der Gestalt eines verlockenden
Weibes. Im Volksglauben des Mittelalters hielt sich das Motiv. Im
6. Buch Mose, im 6. Kapitel wird berichtet, wie die Dämonen in
schöner Mädchen und Jünglingsgestalt Menschen nachts
sexuell heimsuchen. Beispiel: »Eine Frau erlebt oft nächtliche
Spukszenen. Im Wachzustand sieht sie fünf Eber auf sich
zustürzen, die sie schänden wollen. Die Frau schreit darüber laut
um Hilfe. Es gelingt ihrem Ehemann kaum, sie zu beruhigen. Der
Mann sieht die Eber nicht. Er hört nur seltsame Geräusche«
(12/140). Es handelt sich dabei um die gräßlichsten Folgen
okkulter Praktiken, die mit sexuellen Halluzinationen nicht
verwechselt werden dürfen. Ob man das »telepathischen
Beischlaf« nennt oder geneigt ist, von einer »Exkursion der
Seele« zu sprechen, ist letztlich belanglos. Menschen, die in
dieser Weise gequält werden, wünschen sich nichts sehnlicher,
als eine bleibende Befreiung. Sie ist möglich, weil jesus Christus
auferstanden ist.

Mediale Fähigkeiten - das wird in der Parapsychologie


anscheinend zu wenig beachtet - sind ebenfalls Auswirkungen
okkulter Experimente. In einem Brief war zu lesen:

»Ich leide unter unreinen Gedanken, Zwangsvorstellungen,


geistlichem Hochmut, Eifersucht und Begehrlichkeit. Geistlichen
Dingen gegenüber bin ich unempfänglich. Manchmal meinte ich
schon, ich sei von einem Wahrsagegeist beherrscht. Den Namen
jesu anzurufen, macht mir zwar keine Mühe, aber das Bibellesen
bereitet mir Schwierigkeiten. Ist die okkulte Behaftung der
Grund dafür, daß mir der innere Friede fehlt?«

Telepathie, Hellsehen, Telekinese, Exkursion der Seele,


Rutenfühligkeit und anderes mehr ist bei den Okkultisten aller
Schattierungen zu finden (Apg. 16, 16 17). Das sollte uns
hellhörig machen. Es ist uns einfach verwehrt, diese und andere
mediale Fähig¬keiten als »paranormale Funktionen« zu
etikettieren und dabei zu meinen, es gebe eine »neutrale Zone«.
Auch Satan »beschenkt« seine Leute, die sich ihm verschreiben;
aber nicht, um sie und andere zu beglücken; vernichten will er
sie, und zwar grausam, brutal, endgültig. Wer zu Jesus Christus
umkehrt und unter medialen Fähigkeiten leidet, darf den
erhöhten Herrn darum bitten, daß er ihn von diesen
»Begabungen« befreit.

Dämonische Übertragung. »Die Mediumität läßt sich oft in vier


Generationen einer Familie nachweisen. Einerseits trägt die
Erbmasse diese dunklen Fähigkeiten weiter; andererseits
werden diese Kräfte durch Sukzession weitergetragen. Man
versteht darunter den Brauch, daß der sterbende Vater dem
ältesten Sohn oder einer Tochter seine magischen Fähigkeiten
anhängt, um ruhig sterben zu können. Wenn die Kinder diese
Fähigkeit nicht vünschen, spielen sich oft Tragödien im
Sterbezimmer ab. . . . Das Sterben solcher Magier zögert sich oft
wochenlang hin, bis die >Amtsnachfolge« geregelt ist. Es gibt
also nicht nur eine apostolische, sondern auch eine diabohsche
Sukzession« (5/119).

Daneben gibt es eine dämonische übertragung anderer Art. Eine


Frau berichtete mir, daß sie satanisch angefochten werde, nicht
beten könne, an Zwangsgedanken leide und keine feste
Verbindung zu Jesus Christus habe. Vor Jahren verliebte sie
sich als Hausgehilfin in den Hausherrn. Es kam zu sexuellen
Beziehungen. Der Mann gelegentlich durch magische
Methoden geheilt sagte bei seinem Tode, sein Geist solle in
Frau N. hineinkommen.

Ein anderes Beispiel. In falsch verstandener Nächstenliebe bat


eine Frau im Gebet, der Unglaube eines Mannes, zu dem sie sich
hingezogen fühlte, möge sich ihrer bemächtigen. Nach der
ersten intimen Beziehung mit diesem Mann so wurde berichtet
hatte sie den Eindruck, »als ob ich durch die Hölle geschleift
werde. Ich kann das mit Worten nicht wiedergeben«. Paulus
schreibt den Korinthern: »Wisset ihr nicht, daß euer Leib Christi
Glieder sind. Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und
Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne! Oder wisset ihr
nicht, daß wer an die Hure hangt, der ist ein Leib mit ihr? Denn
es werden, sagt die Schrift, die zwei ein Fleisch sein. Der aber
dem Herrn anhangt, der ist ein Geist mit ihm. Flieht die Hurerei!
Alle Sünden, die ein Mensch tut, sind außer seinem Leibe. Aber
wer hurt, der sündigt an seinem eigenen Leibe« (l. Kor. 6, 15 18).
Es wäre demnach durchaus denkbar, daß sich Männer bei
Prostituierten je und dann dämonisch infizieren, zumal Leib und
Seele zusammengehören.

Horoskophörigkeit. Viele Seelsorger wissen, wie fatal sich


Horoskope auswirken. Zunächst ist man neugierig, dann
interessiert und zuletzt horoskophörig. Während Gottes Geist
leitet (Röm. 8, 14), die Persönlichkeit respektiert und niemals
gewaltsam zwingt, versklaven die Dämonen ihre Opfer. Paulus
erinnert die Korinther an ihren früheren Zustand und schreibt:
»Ihr wisset, daß ihr Heiden gewesen seid und hingegangen zu
den stummen Götzen, wie ihr getrieben wurdet« (1. Kor. 12, 2).

Geistlicher Stillstand. Die bisher erwähnten Briefzuschriften


zeigen, daß okkulte Manipulationen sowohl eine Entscheidung
für Jesus Christus erschweren als auch ein gesundes
Glaubenswachstum behindern. Darüber hinaus können sie sich
lähmend auf die geisthche Entwicklung einer ganzen Gemeinde
auswirken. Ein befreundeter Äthlopienmissionar schrieb mir:

»Der Brunnen unserer Missionsstation wurde durch


Rutengänger gefunden. Aber seitdem geht die blühende
Gemeinde zurück. Es gibt Streit und Reibereien. Ein Missionar,
der vor uns den Dienst zu tun hatte, wurde verklagt und mußte
von der Station fliehen.«

Diese Zuschrift macht übrigens deutlich, daß auch die


»Rutenfühligkeit« durchaus nicht so neutral ist, wie das manche
wahrhaben wollen. Mediale Fähigkeiten können leicht zum
Einfallstor für dämonische Mächte werden. Für uns ist wichtig
festzustellen, daß an diesem Beispiel klar wird, wie die geistliche
Entfaltung einer Gemeinde durch Rutengänger abgestoppt
wurde.

Spuk. In einer Zuschrift war zu lesen:

»Ich bin in einem Haus beschäftigt, in dem unheimliche Dinge


passieren: Es poltert, Schubladen werden aufgezogen und
zugestoßen, Schritte und Klopfen sind zu hören, auch wenn
niemand außer mir im Haus ist.«

Längst ist erwiesen, daß Spuk und Spiritismus aufeinander


bezogen sind. Es mag durchaus der Fall sein, daß vermeintliche
Spukphänomene nichts anderes als Halluzinationen sind. Und
doch läßt sich nicht bestreiten: Wo Tote befragt werden, zeigt
sich mitunter ortsgebundener Spuk.

Besessenheit. Zweifellos wird man mit diesem Wort in der


Seelsorge behutsam umgehen müssen und nicht vorschnell
einen Menschen für besessen erklären dürfen, der es gar nicht
ist. Andererseits sollten wir wissen, daß es auch heute
vielleicht wieder in zunehmendem Maße Besessenheit gibt.

Als die ersten Christen in Asien und Europa das Evangelium


verkündigen, stießen sie auf Dämonenglauben. Bei der
Christianisierung der Germanen war es ähnlich: »Energisch
gingen die Christen gegen Totenopfer, Hexenwahn, Wahrsagerei
und Teufelsspiele vor. Im Mittelalter trieb der Aberglaube seine
sonderbarsten Blüten, und hinter den Hexenverfolgungen
steckte eine unüberbietbare Teufelspsychose« (5/155). Gewiß
hat man sich oft geirrt. Und doch gab und gibt es Besessene,
auch wenn das eine bestimmte theologische Richtung nicht
gelten läßt. Der Parapsychologe Dr. Ringger berichtete über
einen, wie er meinte, schwersten Fall von Besessenheit in
unserer Zeit und in Europa:

»Eine Prostituierte wurde in einem evangelischen


Erholungsheim aufgenommen. Sie hatte entsetzliche
dämonische Attacken zu überstehen, wobei die merkwürdigsten
Erscheinungen passierten. Der zuständige Pfarrer berichtete
darüber ». . . Sie hatte rostige Nägel und ein halbes Hufeisen
erbrechen müssen, und eine Weile nach dem Nachtessen
ka¬men aus ihrem Munde zu meiner Überraschung – wieder
krumme Nägel und ein Stück einers kleinen Hufeisens zum
Vorschein. Auch an den darauffolgenden Tagen erinnerte sich
der Pfarrer, daß wiederum Nägel aus Nasenlöchern und
Augenhöhlen getreten seien. Dabei blutete die Besessene
jedesmal aus vielen Wunden, die ihr nach Ansicht des Pfarrers
von Dämonen beigebracht worden waren.«

Dr. Ringger stellte die Frage, ob man im medizinischen Sinn hier


noch von Hysterie sprechen könne, jener >Rumpelkammer für
alles medizinisch Unerklärliche<. Er läßt die Möglichkeit offen,
daß die Frau nicht an Persönlichkeitsspaltung litt, wie die
meisten Durchschnittsärzte diagnostizierten, sondern daß sie
Opfer höllischer Mächte geworden sei (5/154).

Professor Oesterreich, der über die charakteristischen


Kennzeichen der Besessenheit gearbeitet hat, berichtet von
einer besessenen Frau folgende typische Merkmale:

»Ohne besondere Ursache bekam die Frau plötzlich


konvulsivische (krampfartige) Zuckungen. Eine fremde Stimme
sprach aus ihr und stieß Verwünschungen gegen Gott aus.
Wenn die Besessene beten wollte, wurde sie mit Gewalt daran
gehindert. Das Gebet wurde durch teuflisches Gelächter
unterbrochen« (7/262).

In seinem reichhaltigen Material berichtet er von der


Besessenheit einer Vierundzwanzigjährigen:

»War das Mädchen im Normalzustand eine fromme Beterin, so


ergoß sich aus ihr im Besessenheitsanfall bitterer Hohn über
alles Religiöse. Außerdem sprach dann eine tiefe Männerstimme
aus ihr« (7/262).

Ärzte sind geneigt, Besessenheitsphänomene in bestimmte


Krankheitsbilder einzuordnen. Das gelingt allerdings durchaus
nicht immer. Professors Frei schreibt aus eigener Erfahrung:

»Man muß gewisse Reaktionen solcher Patienten auch auf leise


gesprochene Gebete, auf Gebete in fremden Sprachen, auf die
gläubige Nennung des Namens jesu selbst gesehen und erlebt
haben, um zu sagen: Wir dürfen es uns phänomenologisch (das
Erscheinungsbild betreffend) nicht zu leicht machen ... Es geht
hier zunächst gar nicht um eine Frage des Glaubens, sondern
zunächst nur um wissenschaftliche Sauberkeit« (7/263).

An mehreren Stellen wird im Neuen Testament berichtet, wie


sich Besessenheit äußert. W. C. van Dam hat die
Besessenheitsphänomene in seinem Buch »Dämonen und
Besessene« zusammengefaßt:

1. Heftiges Widerstreben gegen alle göttlichen Einflüsse (Mark.


1, 24; 5. 7; Matth. 8, 29; Luk. 4, 34; 8, 28).

2. Eine auffallend starke Körperkraft (Mark. 5, 3; Apg. 19,16).

3. Störungen in den organischen Funktionen (Mark. 9, 17. 25;


Matth. 9, 32; 12, 22; Luk. 11, 14).

4. Das Sprechen eines anderen aus dem Besessenen (Mark. 1,


24. 34; 3, 11; 5, 7. 9. 12; Matth. 8, 29; Luk. 4, 34. 41; 8, 28; Apg.
16, 17; 19, 15).
5. Selbstverwundungen (Mark. 5, 5) und Selbstmordversu¬che
(Mark. 9, 22).

6. Ein unruhiges, aggressives Verhalten, eine wütende


Erre¬gung (Mark. 1, 23; 5, 7; 9, 18. 20).

7. Ein geschärftes Wahrnehmungsvermögen, übernatürliche


Kenntnisse, Wahrsagen (Mark. 1, 24. 34; 3, 11; 5, 7; 9, 20; Luk. 4,
41; Apg. 16, 17; 19, 15).

8. Besondere Erscheinungen beim Ausfahren des Dämons


(Krämpfe, Schreien, zu Boden fallen) (Mark. 1, 26; 5, 13; 9, 26;
Luk. 4, 35. 41; Apg. 8, 7).

9. Erschöpfung, aber völlige Genesung nach erfolgter


Aus¬treibung (Mark. 5, 15; 7, 30; 9, 26 ff .; Apg. 5, 16) (28/112).

W. C. van Dam gliedert die wichtigsten Merkmale der


Besessenheit in fünf Gruppen:

1 . Religiöse Symptome: Gotteslästerliche Gedanken,


Gotteslästerung, Flüche, Gespött und Obszönitäten,
Gebetsverhinderungen, Abscheu gegenüber Christen, Wüten
gegen religiöse Gegenstände und Handlungen, Widerstand
gegen den Gottesdienst.

2. Körperliche Symptome: Starke Körperkraft, Sinnesstörungen,


plötzliche Änderungen im Gesicht und in der Stimme,
Schwellungen, Freßsucht, kein Gewichtsverlust bei
Nahrungsentzug, Gestank, stockender oder jagender Atem,
gebremste oder gesteigerte Geschlechtlichkeit.

3. Psychische Symptome: Wütende Erregung,


Selbstverwundungen und Selbstmordversuche, Depressionen,
Gebundenheiten Rauschgift, Alkoholismus, erhöhte
Wahrnehmungsfähigkeit.

4. Parapsychische Symptome: Übernatürliche Kenntnisse,


Hellsehen, Wahrsagen, Sprachkenntnisse, Elevationen,
Verwundungen, Telekinese.
5. Dämonische Belästigung und dämonische Gebundenheit:
Kleptomanie, Reinheitszwang, Lustmordneigung,
Homosexuafität, Depressionen (28/115 161).

Wer in der konkreten Situation Fehlurteile vermeiden möchte,


sollte sich mit dieser Übersicht eingehend beschäftigen. Manche
sind geneigt, allzuschnell die Besessenheit in psychiatrische
Krankheitsbilder einzuordnen; andere dagegen tun das
Gegenteil nicht minder verhängnisvoll und reden viel zu rasch
von Besessenheit. Beides ist falsch. Es kann gewiß nichts
schaden, wenn sich Seelsorger die wichtigsten Merkmale der
Besessenheit gut einprägen:

1. Die Besessenen wehren sich mit großer Kraft gegen jede


Berührung mit dem Namen Jesu Christi, mit dem Schriftwort
oder dem Gebet. Die »Resistenz der Besessenen ist völlig
verschieden von den religiösen Wahnideen des Psychotischen«.

2. Ungewöhnliche Veränderungen der Gesichtszüge, der


Sprechweise, des körperlichen Verhaltens zeigen sich beim
Anfall, und oft scheinen viele Dämonen den Besessenen zu
»besitzen« (»Legion heiße ich, denn wir sind viele« Mark. 5, 9).

3. Überstarke Körperkräfte machen sich bemerkbar.

4. »Ausgetriebene Geister« suchen sich gleichsam eine neue


Wohnung; auch Tiere im Stall werden plötzlich unruhig nach
einer Heilung, die im Hause stattgefunden hat.

5. Überintelligenz und Hellsichtigkeit ist zu beobachten; im


Neuen Testament erkennen die Dämonen vor den Jüngern, daß
Jesus der Sohn Gottes ist.

6. Die Heilung geschieht im Gegensatz zu Geisteskrankheiten


plötzlich und vollkommen, wenn ein Geistesmächtiger im Namen
Jesu die Dämonen besiegt (4/168).

Wer Besessenen seelsorglich zu helfen hat, muß gleichsam den


Nahkampf mit der Dämonie aufnehmen; ein Kampf, der mitunter
längere Zeit andauern kann, uns ganz fordert, das Letzte
abverlangt, zugleich aber auch erkennen läßt, daß Jesus der
Sieger war, ist und bleibt. In der Krankheitsgeschichte der
Gottliebin Dittus berichtet Pfarrer Johann Christoph Blumhardt:

»Um 2 Uhr morgens brüllte der angebliche Satansengel, wobei


das Mädchen den Kopf und Oberleib über die Lehne des Stuhls
zurückbog, mit einer Stimme, die man kaum bei einem
menschlichen Kind für möglich halten sollte, die Worte heraus:
>Jesus ist Sieger! Jesus ist Sieger<, Worte, die soweit sie
ertönten auch verstanden wurden und auf viele Personen einen
unauslöschlichen Eindruck machten. Nun schien die Macht und
Kraft des Dämons mit jedem Augenblick mehr gebrochen zu
werden . . . Das war der Zeitpunkt, da der zweijährige Kampf zu
Ende ging. Daß dem so sei, fühlte ich so sicher und bestimmt,
daß ich nicht umhin konnte, am Sonntag, tags darauf, da ich
über den Lobgesang der Maria zu predigen hatte, meine
triumphierende Freude merken zu lassen. Es gab freilich
hintennach noch mancherlei aufzuräumen, aber es war nur der
Schutt eines zusammengestürzten Gebäudes« (29/71).

Zu den Folgeerscheinungen okkulter Praktiken gehören auch


Selbstmordversuche. Saul ist dafür ein Beispiel. Der Besessene,
den das Markus Evangelium in Kapitel 9, 14 28 erwähnt, wird in
»Feuer und Wasser geworfen«. Selbstmordabsichten müssen
nicht immer durch okkulte Grenzüberschreitungen verursacht
sein, sind es aber häufig. Die bereits angeführten Briefauszüge
haben das gezeigt. Noch einmal: Der Teufel bittet nein, zerrt zur
Kasse! Er ruiniert systematisch nach Leib, Seele und Geist, jagt
in die Verzweiflung, stößt in den Selbstmord, treibt in die Hölle.

Es gibt eine Hölle, auch wenn sie aus lauter Angst, man könnte
den Leuten die »Hölle anheizen«, in der Verkündigung kaum
noch erwähnt wird. Die Hölle als Vokabel hält sich hartnäckig. Je
weniger auf den Kanzeln davon zu hören ist, um so mehr
schreien es uns die Film und Buchtitel, die Blätter und
Zeitungsüberschriften in die Ohren. Von der Hölle ist die Rede,
wenn es heißt: »Verdammt in alle Ewigkeit.« Von Dante bis
Sartre wird sie beschrieben als der Ort um es mit Bert Brecht
zu sagen »wo das Dunkel und die große Kälte ist«. Während
sich theologisch denkende Menschen überlegen, ob es ihnen
und ihren Zeitgenossen noch zumutbar ist, von der Hölle zu
sprechen; sich fragen, ob man diese harte Vokabel nicht durch
einen milderen Ausdruck ersetzen müßte, reden die Menschen
um uns herum ganz frei heraus, daß ihnen die Hölle in
Stalingrad, in Auschwitz und in Vietnam entsetzliche Schrecken
einflößt. Ein Reporter meint: »Hölle heißt: immer an einem
dünnen Faden über einem unendlichen Abgrund hängen.« Man
spricht von einer Feuerhölle und einer Geräuschhölle. Alles in
allem: Das Wort Hölle ist kein überholter Begriff. Sie wird
verstanden als äußerste Qual und unendliche Pein, aus der es
kein Entrinnen gibt.

Aber so schrecklich die Ereignisse auch sein mögen, die man


mit Hölle bezeichnet: An dem, was die Bibel darunter versteht,
geht man mit solchen und anderen Begriffen letztlich vorbei.
Das gilt auch für den Versuch, von der Hölle als dem Ort
grenzenloser Einsamkeit zu sprechen oder von einem Zustand,
in dem man den Namen Jesus nicht mehr hören kann. Hölle ist
viel mehr. Die Bibel spricht von einem See, der mit Feuer und
Schwefel brennt. Für das Neue Testament ist die Hölle die
gehenna. Dieses Wort geht ursprünglich auf das hebräische
gehinnom zurück; ein Tal südlich von Jerusalem, in dem
Kinderopfer dargebracht wurden. Dreizehnmal erwähnt die Bibel
das Wort gehenna als feurigen Abgrund. Jesus sagt, daß dort
äußerste Finsternis herrschte und zugleich Zähneknirschen und
Weinen. Er erwähnt das im Matthäus Evangelium viermal. Im
Markus Evangelium bezeichnet er dreimal hintereinander die
Hölle als ein »ewiges Feuer, in dem der Wurm nicht stirbt und
das Feuer nicht verlöscht«. Dieses Feuer ist auch dem Teufel
und seinen Engeln zur Strafe bestimmt: »Und ihr Verführer, der
Teufel, wurde in den Feuer und Schwefelsee geworfen, in
welchem sich auch das Tier und der Lügenprophet befindet.
Dort werden sie bei Tag und bei Nacht in alle Ewigkeit gepeinigt
werden. Und der Tod und das Totenreich wurden in den
Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuersee. Wenn
jemand nicht im Lebensbuch ge¬schrieben stand, wurde er in
den Feuersee geworfen« (Offb. 20, 10. 14. 15).
Ohne alle diese Aussagen zu entstellen wird man nicht wagen
dürfen, auch nur mit Wahrscheinlichkeit eine zeitliche
Begrenzung der Höllenstrafen zu behaupten. Alle Stellen
sprechen in einem furchtbaren Ernst, der die Gnade Gottes um
so heller leuchten läßt, von einem abschließenden, endgültigen,
bedingungslosen Urteil von ewiger Schmach und Schande
(16/628). Die Botschaft von der Liebe Gottes bedeutet keine
Verharmlosung Gottes: Gott ist und bleibt der heilige Gott.

Jesus kann diesen letzten Ernst der Entscheidung so


beschreiben, daß er von der »Finsternis« redet, »wo Heulen und
Zähneknirschen herrscht«. Wo immer Ferne von Gott,
Gottverlassenheit, Unglaube und Sünde herrschen, steht der
Mensch im Bannkreis der Hölle. Hölle ist nicht einfach nur
Zukunft, sondern sie ist der Ausdruck für die Erfahrung einer
gottfernen, gottfremden Wirklichkeit, in der Gnade, Güte, aber
auch die Schönheit des Lebens fehlen. Der Mensch ist dabei auf
sich selbst gewiesen, allen bösen Mächten preisgegeben, auch
allen Folgeerscheinungen der Sünde (30/715).

Manchmal ragt die endzeitliche Hölle in die Gegenwart hinein


(Phil. 1, 28; Jak. 3, 6). Die Pforten der Hölle (Matth. 16, 18)
können die bedrängte Gemeinde niemals vernichten.

Alles das, was zu diesem Thema biblisch theologisch erarbeitet


worden ist, sollte uns erneut bewußt werden, damit in
Verkündigung und Seelsorge die endzeitlichen Dimensionen des
Evangeliums wieder aufleuchten. Es geht der Bibel nicht nur um
»Lebenshilfe« und »bessere mitmenschliche Beziehungen« so
erstrebenswert sie auch sein mögen , sondern letztlich um
Rettung und Verdammnis, Himmel und Hölle, Tod und Leben. In
diesen scharfen Kontrasten dachten die Männer der Bibel. Es
stände uns gut an, es ihnen gleichzutun.

Der Teufel ist eine Realität. Folgeerscheinungen okkulter


Praktiken zeigen sich nicht nur in psychischen Störungen.
Besessenheit ist mehr als Hysterie, Epilepsie oder
Schizophrenie. Gewiß sollten wir das eine vom anderen zu
unterscheiden versuchen; vor allen Dingen aber müssen wir
vollmächtig helfen, damit sich solche, die im Machtbereich der
Dämonie gequält werden, »bekehren von der Finsternis zum
Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfangen
Vergebung der Sünden und das Erbe unter denen, die durch den
Glauben an Jesus Christus geheiligt sind« (Apg. 26, 18). Wo das
geschieht, schenkt der erhöhte Herr mitunter erweckliche
Aufbrüche. In der Blumhardt Biographie von Fr. Zündel ist zu
lesen:

» Oft schmerzte es Blumhardt, daß manche Leute immer mehr


vom Kampfe als von der Erweckung wissen und reden wollten,
und einmal, als ihm ein alter Freund das Manuskript der
Krankengeschichte zur Einsicht abbettelte, gab er's ihm ungerne
mit der fast befehlenden Bemerkung: >Aber du weißt: Das ist
nicht Möttlingen.< Möttlingen das heißt das Erlebnis, welches
der Name Möttlingen ihm ins Gedächtnis rief, auf das er auch
seine großen Hoffnungen baute und dem er bis ans Ende seines
Lebens eine hohe Bedeutung für die christliche Kirche
zuschrieb, war nicht der Kampf, sondern die Erweckung«
(32/125).

George Steed, Superintendent in Indonesien, erwähnt, daß es


Mitte 1967 auf Westborneo zwanzig Gemeinden gab. Er
berichtet, daß der Durchbruch ins tiefste Heidentum anfing, »als
die Diener des Herrn begonnen hatten, öffentlich die Kraft der
Finsternis herauszufordern und im Namen unseres sieghaften
Herrn den Dämonen befahlen, aus Besessenen auszugehen. Die
Tore der Hölle wankten, und Gefangene wurden frei. Das machte
diese finstere Gegend zu einem der Lichtorte in der
Missionsarbeit der letzten Jahre.«

Ob es richtig ist, die Dämonie bewußt herauszufordern, wird von


Fall zu Fall entschieden werden müssen. Tatsache aber bleibt,
daß der auferstandene Herr seiner Gemeinde zusagt:

»Die Zeichen, die da folgen werden denen, die da glauben, sind


die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben . . .« (Mark.
16, 17).

Einen ähnlichen Auftrag bekamen die Jünger bei ihrer


Aussendung:
»Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe
herbeigekommen. Macht die Kranken gesund, reinigt die
Aussätzigen, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus . . . «
(Matth. 10, 7 8).

Die Siebzig melden nach ihrem Missionseinsatz. »Herr, es sind


uns auch die Teufel untertan in deinem Namen« (Luk. 10, 17).
Wenn man bei diesen neutestamentlichen Belegstellen bedenkt,
daß in der Apostelgeschichte (8, 7; 13, 8; 16, 17; 19, 13 20)
ebenfalls vom Sieg über dämonische Mächte berichtet wird,
kommen wir zu dem Ergebnis: Zur bevollmächtigten
Verkündigung des Evangeliums gehört allemal auch die
Befreiung okkult Belasteter.

Einige Sätze zu dem Begriff: »Vollmacht«.

»Die exousia = Recht, Vollmacht, Freiheit, Macht, bezeichnet die


Möglichkeit zu einem Handeln, insofern sich ihr keine
Hindernisse in den Weg stellen. Exousia ist ferner die von einer
höheren Macht gegebene Möglichkeit und damit das Recht,
etwas zu tun. Exousia ist die Macht, die sich darin zeigt, daß
einem Befehl gehorcht wird, also die Macht, die zu sagen hat.
Exousia kann auch die sittliche Kraft bedeuten. Exousia
bezeichnet auch den Herrschaftsbereich, vom Staate (Luk. 23, 7)
wie vom Geisterreich (Eph. 2, 2; Kol. 1, 13). Exousia eignet sich
in besonderer Weise dazu, die unsichtbare Macht Gottes
auszudrücken, dessen Wort schöpferische Macht ist.

Bei Jesus zeigt sich die exousia darin, daß er Sünden vergibt
(Mark. 2, 10), Dämonen austreibt (Mark. 3, 15) und den Tempel
reinigt (Joh. 2, 15). Exousia setzt göttlichen Auftrag und
Bevollmächtigung voraus, die zugleich Macht ist.« (34/559).

Diese in Stichworten zusammengefaßte Übersicht


neutestamentlicher Aussagen zeigt, daß die Verkündigung des
Evangeliums auch den Sieg über dämonische Mächte
proklamiert, den »Gebundenen die Freiheit predigt« (Luk. 4,18)
und damit rechnet: »Wenn ein Stärkerer über ihn kommt, so wird
er ihn besiegen, er wird ihm seine Rüstung abnehmen, auf die er
sich verließ, und wird die Beute verteilen« (Luk. 11, 22).

An diesem Geschehen will uns der erhöhte Herr beteiligen, und


zwar immer dann, wenn wir uns auch zu solchen senden lassen,
die aus okkulten Zwängen befreit werden wollen. Dazu zwei
Briefzuschriften:

Wenn ich beten oder in der Bibel lesen will, ist es, als ob mir
jemand den Hals zudrückt. Ich habe dann das ganze Leben satt
und möchte am liebsten alles wegwerfen. Aber ich will Frieden
finden!«

Diesen Frieden schenkt Jesus Christus. Viele haben sich davon


überzeugt. Zu ihnen gehört auch ein junger Mann, der wie folgt
geschrieben hat:

»Früher habe ich Horoskope gelesen und Anleitungen zum


Handlinienlesen studiert. Ich ließ mir sogar ein Lebenshoroskop
anfertigen und besiegelte es mit meinem Blut. Nach einem
mißlungenen Selbstmordversuch wurde ich zu einem
Gottesdienst eingeladen. Höflichkeitshalber ging ich mit und
merkte sofort, daß diese Menschen anders waren. Mitglieder
dieser Gemeinde haben mich aus Liebe zu Jesus Christus an
Sohnesstatt angenommen. Nach zwei Jahren durfte ich auf einer
Freizeit erleben, daß Jesus auch von okkulten Bindungen
befreit. Unserem Herrn sei Dank dafür!«

Damit das noch viel häufiger geschieht, sollten wir die


geistlichen Voraussetzungen kennen, ohne die vollmächtige
Seelsorge an okkult Belasteten nicht möglich ist. Nur wer um die
Vergebung seiner Sünden weiß, eine klare Beziehung zu jesus
Christus hat, jene Lebenswende kennt, die das Neue Testament
mit Wiedergeburt bezeichnet, wird dämonisch gequälten
Menschen wirksam helfen können. Dr. Riecker schreibt in
seinem Buch »Das evangelistische Wort«:

»Die Grundvoraussetzung jedes geistlichen Wirkens ist der


pneumatische (geistliche) Stand des Trägers. Das Werkzeug ist
nur dann ein zureichendes Vermittlungsorgan des reichen
Maßes pneumatischer (geistlicher) Lebens und
Gestaltungsauswirkungen, wenn es selbst dem Wirken des
Pneuma (des Heiligen Geistes) untersteht und sein Leben und
Tun von diesem bestimmend getragen ist« (44/23).

Erich Schnepel ergänzt: >Es ist ein irrationaler, geheimnisvoller


Vorgang, der uns in die Gemeinschaft mit jesus bringt. Die Bibel
nennt ihn Wiedergeburt. Nur wem selbst diese Wiedergeburt
widerfuhr, weiß um diesen Lebensvorgang und hat einen Blick
für ihn auch bei anderen Menschen. Da alle Seelsorge diesen
grundlegenden Lebensvorgang als Zielpunkt hat, vermag
Seelsorgedienst nur der zu tun, der um das Geheimnis der
Wiedergeburt aus eigner Erfahrung weiß und die verborgene
Beziehung eines Menschen zu Christus aus täglichem Umgang
kennt« (12/263).

Mit dogmatischen Richtigkeiten ist es bei Befrelungsaktionen


auf okkultem Gebiet nicht getan. Mehr als irgendwo sonst gilt
hier der Satz aus 1. Johannes 1, 3: »Was wir gesehen und gehört
haben, das verkündigen wir.« Nicht theologisches Wissen allein
entscheidet den Kampf mit der Dämonie, sondern ein
geistgewirkter Glaube, der die Welt überwindet (l. joh. 5, 4).

Dazu gehört auch, daß wir in Christus bleiben und » aus seiner
Fülle nehmen Gnade um Gnade« (Joh. 1, 16); also fortwährend
die Vergebung unserer Sünden in Anspruch nehmen und zielklar
auf jesus Christus ausgerichtet sein. »Moralischer Sieg« ist die
normale Voraussetzung für Autorität über böse Geister (28/232).
Watchman Nee schreibt in seinem Buch: »In der Welt nicht von
der Welt«:

»Wir müssen ihm (dem Teufel) die Macht wieder entreißen,


müssen ihn von seinem eigenen Territorium vertreiben. Wir
müssen ihm seinen Besitz rauben und seine Gefangenen für
Gott befreien. Es geht nicht nur darum, welchen Anteil wir an der
Gewinnung von Seelen haben, sondern auch darum, welchen
Einfluß wir im Reich der Fürstentümer und Gewalten besitzen.
Und dafür muß ein Preis gezahlt werden.

Es ist oft möglich, Menschen in Bewegung zu setzen, wenn es


völlig unmöglich ist, den Satan von der Stelle zu bewegen.
Tatsache ist, daß es viel mehr kostet, sich mit dem Satan
auseinanderzusetzen als Seelen zu gewinnen. Es erfordert das
Äußerste eines gotthingegebenen Herzens, wenn dem Satan
rechtskräftig die Basis in uns entzogen wird, auf deren
Anspruch er pocht. Das kostet uns etwas! Gott kann aus seiner
barmherzigen Liebe für die Verlorenen bei seinen Knechten oft
etwas übergehen und nachsehen, das man als entsetzliche
Schwachheit und sogar als Versagen empfinden könnte. Aber
während er dies bei dem Seelengewinner tun mag, so sieht die
Sache doch ganz anders aus, wenn es um die
Auseinandersetzung mit dem Satan geht.

Böse Geister können durch das Zeugnis eines Menschen


hindurchsehen. Sie können feststellen, ob es durch
Halbherzigkeit oder Unaufrichtigkeit kompromittiert ist. Sie
merken es, wenn wir einen Teil des schuldigen Preises zur
ückbehalten. Wenn sie uns ansehen, so erkennen sie genau,
wem sie trotzen und wen sie einfach ignorieren können. Und
umgekehrt wissen sie genau, gegen wen sie machtlos sind.
>Jesus kenne ich, und Paulus kenne ich, wer aber seid ihr?<
(Apg. 19, 15). Weil sie glauben, wissen sie, wann sie zittern
müssen. Lassen Sie mich noch das sagen: Da ihr Sturz unsere
Hauptaufgabe ist, ist es wichtiger, das Zeugnis der bösen
Mächte als das Lob der Menschen zu haben.

Aber der Preis für dieses Zeugnis an die Fürstentümer und


Gewalten ist: ich wiederhole es die völlige, uneingeschränkte
Hingabe an Gott. Wenn unsere eigenen Meinungen und
Wünsche Vorrang haben und wir uns unseren wechselnden und
widersprüchlichen Entscheidungen hingeben, so überlassen wir
dem Feind das Feld. Dann lassen wir, kurz gesagt, unsere Beute
fahren. In jeder Sphäre mag es vielleicht ich weiß es nicht in
unseren Motiven Raum für eigene Interessen geben, ohne daß
erheblicher Schaden entsteht. Aber nie ich wiederhole es: nie
hier! Ohne solche unbedingte Hingabe an Gott kann nichts
erreicht werden, denn ohne sie machen wir selbst Gott machtlos
gegen seine Feinde.«

Deshalb sage ich nochmals: Die Forderung ist sehr hoch. Sind
Sie und ich hier auf der Erde zum Äußersten entschlossen, bis
aufs letzte Gott hingegeben? Wenn dies so ist, dann schmecken
wir jetzt schon die Kr ' äfte der zukünftigen Herrlichkeit. Fordern
wir vom Fürsten dieser Welt das Territorium zurück für den
einen, dem es von Rechts wegen allein gehört? (36/114)

Corrie ten Boom hat deshalb die gute Gewohnheit, Gott zu


bitten, ihr Herz zu untersuchen und ihr zu zeigen, ob darin noch
verborgene Sünden sind (28/232).

Wir dürfen uns nicht mit der punktuellen Erfahrung der


Wiedergeburt begnügen. Unser Leben muß sich gleichsam
linear auf der neuen geistlichen Basis fortbewegen; muß
zielgerichtet, geheiligt sein, an Jesus Christus abgegeben.

»Wenn wir nun in einer Kleinigkeit ungehorsam sind, werden wir


zu Bundesgenossen des Feindes. Wir befinden uns auf einem
gefährlichen Gebiet, und jedes Stückchen Selbstvertrauen,
Geldliebe, Stolz, Furcht, Groll oder eine andere Sünde, die den
Kanal verstopft, macht uns kraftlos und soll deshalb gleich unter
das reinigende Blut Jesu gebracht werden... Wenn Dämonen
einen schwachen Punkt im Seelsorger entdecken, greifen sie ihn
an« (28/232).

Die Auseinandersetzung mit den Mächten der Finsternis - kein


Hobby für Spezialisten, sondern vordringlicher Auftrag der
Gemeinde Jesu - erfordert einen totalen Einsatz und die
Bereinigung begangener Sünden. Darum sollten wir wo nötig ,
bevor wir okkult belasteten Menschen helfen, das seelsorgliche
Gespräch suchen, Schuld bekennen, die Vergebung in Anspruch
nehmen, begangenes Unrecht ordnen, Lügen klären,
Spannungen beseitigen, mit einem Satz: den Kampfanzug
anziehen und uns geistlich bewaffnen (Eph. 6, 10 17). - Das
Schwert des Geistes ist und bleibt Gottes Wort.

Bibelkenntnis ist mehr als wichtig, wenn wir die Schlacht


gewinnen wollen. Es versteht sich von selbst, daß wir wissen
müssen, was die Bibel über Sünde (Joh. 8, 34; 16, 9; Röm. 3, 23),
das Kreuz (l. Petr. 1, 18; 2, 24;), die Gnade (Röm. 3, 24; 4, 25), die
Vergebung (jes. 1, 18; jes. 44, 22; Micha 7, 19; 1. joh. 1, 7; Eph. 1,
7) sagt.
Übrigens, wußten Sie schon, daß man mit fünf Bibelstellen
einem Menschen den Weg zu Jesus Christus zeigen kann:

Röm. 3, 23; Jes. 53, 4 6; 1. Joh. 1, 9; Joh. 1, 12; Ps. 50, 23.

Diese und ähnliche Bibelstellen müssen wir zur Hand haben.


Satan weicht nicht vor unseren schönen oder klugen
Formulierungen, aber in jedem Fall, wenn wir ihm mit dem
Schwert des Geistes entgegentreten.

Dabei müssen wir mit der Kraft des Blutes Jesu rechnen. Blut
und Leben haben in der Bibel geradezu die gleiche Bedeutung.
Genauer gesagt: Das Blut ist der Sitz des Lebens. In 3, Mose 17,
11 steht der Satz: »Das Leben des Leibes liegt im Blut. « Das
Alte Testament belehrt uns darüber, daß jeder, der sich gegen
Gott versündigt, sein Leben verwirkt hat. Wer von der »Blut
Theologie« verächtlich spricht, vergißt, daß der
alttestamentliche Opferkult dem Volk Israel immer beides
einschärfen wollte: die Heiligkeit Gottes und zugleich die
Möglichkeit der Sündenvergebung. »Das Blut der Opfertiere
wurde entweder auf den Altar gesprengt, auf die Hörner des
Altars gestrichen oder am Altar ausgegossen. Der Sünder, der
das Opfertier zum Priester brachte, mußte bei der Schlachtung
seine Hand auf den Kopf des Opfertieres legen und damit
dokumentieren: »Eigentlich sollte ich sterben. Aber dieses Tier
stirbt an meiner Statt für mich« (16/236).

Die damit erlangte Vergebung war gleichsam schattenhaft


abgebildet und wollte letztlich auf jesus Christus, das Lamm
Gottes, hinweisen. Indem der Sohn Gottes sein Blut am Kreuz
vergießt und sein Leben zum Opfer darbringt, befreit er den
Menschen von der Sünde und ermöglicht ihm dadurch die
Gemeinschaft mit Gott. So wie der Alte Bund auf das Blut von
Opfertieren gegründet war, so der Neue Bund auf das Blut jesu.
In Matthäus 26, 28 sagt jesus beim Abendmahl: »Trinket alle
daraus. Das ist mein Blut des Neuen Bundes, das vergossen
wird für viele zur Vergebung der Sünden.« Das Blut Jesu ist
gegeben zur Erlösung, zur Reinigung, zur Gerechtigkeit, zum
Frieden, zur Heiligung, zum Eingang in das Heilige, zur
Gemeinschaft mit Gott und zur Überwindung. Das alles ist so
wichtig, daß wir die entsprechenden Bibelstellen kennen sollten:
Römer 5, 9; Epheser 1, 7; Kolosser 1, 20; Hebräer 9, 14; 10, 19;
Offenbarung 12, 11.

»Wir empfangen durch Jesu Blut nicht nur die Vergebung


unserer Schuld und die Erlösung von der zwingenden Macht der
Sünde (l. Petr. 1, 18 19). Im Blut Jesu liegt auch die Kraft zur
Heiligung (Hebr. 13, 12) und Überwindung aller gottfeindlichen
Mächte. Eine umwandelnde und erneuernde Kraft strömt vom
Sühnetod jesu in unser Leben, wenn wir seine Erlösung im
Glauben annehmen. So ermöglicht uns sein heiliges Blut auch
ein Leben in der Gegenwart Gottes, es öffnet uns den Zugang zu
Gott (Hebr. 10, 19; Eph. 2, 13 u. 18). Wir haben unmittelbaren
Zugang zu seiner Herrlichkeit. Das alles wird uns nur durch das
Blut jesu zuteil, aber auch eben nur durch sein Blut. Das Blut
jesu ist nicht nur Zeichen und Ausdruck seines Opfertodes am
Kreuz; man kann nicht ohne weiteres die Begriffe »Blut Christi«
und »Tod« vertauschen. Blut Christi bedeutet mehr. Ihm kommt
eigenständige geistliche Wirklichkeit zu.

Mose opferte nicht nur das Tier (Hebr. 9, 19 21), sondern er


besprengte auch das Volk mit dem Opferblut, so daß die
sühnende und reinigende Kraft jedem einzelnen Glied des
Gottesvolkes persönlich zuteil wurde. Die Blutbesprengung ist
als geistliche Wirklichkeit auch im neuen Gottesvolk wichtig
(Hebr. 10, 22). Durch das Blut ist der Tod Jesu auf den einzelnen
Menschen persönlich bezogen. Die sühnende und reinigende
Kraft des Opfertodes wurde dem Opfernden durch die
Blutbesprengung zugeeignet. Was sich im Bereich der
alttestamentlichen Gemeinde mit Tierblut sinnbildlich
wahrnehmbar vollzog, vollzieht sich im Bereich der
neutestamentlichen Gemeinde mit dem Blut Jesu unsichtbar als
geistliche Realität. Wenn wir das Blut Jesu für uns persönlich im
Glauben in Anspruch nehmen, wird uns die Kraft seines
Opfertodes in allen Auswirkungen zuteil« (37/182).

Noch einmal: Der Begriff »Blut Jesu« kann nicht einfach ersetzt
werden durch die Begriffe »Kreuz« und »Auferstehung«. Paulus
hat zwar Gottes Handeln in Christus zusammengefaßt im »Wort
vom Kreuz«, verzichtet aber keineswegs auf den Begriff »Blut
Jesu«. Auch wir sollten das nicht tun. Wenn bereits im Alten
Testament Blut und Leben geradezu in einem Atemzug genannt
werden, dürfen wir auf dem Hintergrund neutestamentlicher
Aussagen folgern: »Die Kraft des Blutes Jesu ist sein Leben
selbst. « Mit die¬ sein Leben beschenkt er uns. Er wurde auf
übernatürliche Weise gezeugt durch den Heiligen Geist. Sein
Blut wurde nicht bestimmt von einem menschlichen Vater. Er
war ganz Gott und ganz Mensch. Das bedeutet für uns: jesus hat
seine Sündlosigkeit bewährt in Haß und Feindschaft, in
Anfechtung und Leiden. Die Kraft seines Blutes will uns an
seinem Sieg beteiligen. »Und sie haben ihn überwunden« den
Satan »durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres
Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod«
(Offb. 12, 11). Das zu wissen ist wichtig, wenn wir okkult
belasteten Menschen dienen und damit rechnen müssen, daß
uns Satan je und dann frontal angreift.

Zur Bibelkenntnis muß die Sachkenntnis hinzukommen. Wir


sollten die wichtigsten Merkmale der Hysterie, Epilepsie und
Schizophrenie kennen, damit wir psychische Erkrankung mit
Dämonie möglichst nicht verwechseln.

Das Wort Hysterie so ein medizinisches Fachbuch wird nur


noch für seelische Krisen gebraucht, die heute psychogene
Reaktionen oder Neurosen genannt werden. Die seinerzeit auch
von hervorragenden Ärzten gemachte Annahme, nur das
weibliche Geschlecht sei für Hysterie anfällig, ist abwegig und
inzwischen längst verlassen. Das Wort Hysterie hat also nur
noch geschichtliches Interesse, ist sachlich falsch und sollte
aus dem Sprachgebrauch verschwinden, weil es mit dem
Werturteil »minderwertig« verknüpft wird (10/349). Trotzdem
sollten wir wissen, wie sich Hysterie äußert. Professor V. D. Berg
nennt sechs Symptome:

1. Kontaktbedürfnis 2. Unvermögen zum Kontakt 3. Unechtheit


im Kontakt 4. Körperliche Beschwerden und Störungen 5. Angst
6. Bewußtseinsstörungen und erotische Schwierigkeiten
»Bei den körperlichen Störungen besteht keine nachweisbare
Ursache im gestörten Organ. Hysterische Blindheit, Lähmung,
Heiserkeit, Lauf und Sehstörungen kommen meistens als
körperlicher Ausdruck eines psychischen Problems vor. Sehr
ernste körperliche Störungen werden mit Leichtigkeit ertragen.
Während ihrer Bewußtseinsstörungen können bei den
Hysterikern Stigmata, Schwellungen, Krämpfe und
Verrenkungen auftreten. Unter den Körperverrenkungen kommt
der sogenannte »hysterische Bogen« vor, in dem man rückwärts
gebeugt mit dem Kopf den Boden berührt« (28/187).

Obschon die Epilepsie eine komplizierte Krankheit ist es gibt


Ärzte, die 65 Erscheinungsarten unterscheiden -, sollten wir in
groben Umrissen wissen, wie sie sich äußert:

1. Der Epileptiker verliert plötzlich das Bewußtsein.

2. In Krämpfen und Verrenkungen knirscht er mit den Zähnen.

3. Auf seinen Lippen erscheint Schaum, gelegentlich streckt er


die Zunge weit heraus.

4. Er bekommt eine abnorme Körperkraft.

5. Seine Persönlichkeit wird verdrängt.

6. Er wird überwältigt von Ideen, Gefühlen und Erinnerungen, die


total anders sind als seine normalen und im Gegensatz zur
Persönlichkeit des Epileptikers stehen (28/181).

Die Schizophrenie (Spaltungsirresein) ist ein Sammelname für


sehr verschiedenartige, ihrem Wesen und ihren Ursachen nach
noch wenig erforschte Krankheitszustände. Man unterscheidet
im allgemei¬nen.

die Hebephrenie, die im jugendlichen Alter beginnt, bösartige


Verlaufsformen hat und zur Verblödung führt;

die Katatonie, gekennzeichnet durch Bewegungsstörungen,


große Unruhe und Erregung;
die paranoide und paraphrene Schizophrenie, bei denen Wahn
und Sinnentrug (Halluzinationen) vorherrschen (10/614).

Obschon nicht alle Symptome der Schizophrenie aufgezählt


werden können - das wäre Sache des Facharztes -, sollen die
wichtigsten genannt werden:

1. Der Zusammenhang zwischen Denken, Fühlen und Handeln


geht verloren und kommt auf eine für Außenstehende schwierig
zu fassende Ebene.

2. Oft hat der Patient das Gefühl, daß sein Denken gesperrt wird,
seine Gedanken ihm von einem feindlichen Einfluß geraubt
werden.

3. Schizophrene haben mitunter religiöse Wahnideen.

4. Der Geisteskranke hält sich manchmal für einen Besessenen,


dessen Gedanken und Taten von einem Dämon veranlaßt
werden. In seltenen Fällen bildet er sich ein, ein Tier zu sein.

5. Der Schizophrene hört Stimmen und hat Wahnvorstellungen.


Die Worte, die er hört, entsprechen seinen Wahnvorstellungen,
sind aber meistens nicht gottwidrig, wohl oft unsinnig.

6. Seine Visionen sind Halluzinationen; sie werden nicht von


Zeu¬gen wahrgenommen und bestätigt (28/191).

»Bei der Schizophrenie kann ein gefühlsmäßiger Verfall der


Persönlichkeit beobachtet werden. Ein Geisteskranker ist
wirklich krank, auch wenn er einige der Besessenheit ähnliche
Züge aufweisen sollte. Ein Besessener dagegen ist geistig
gesund, auch wenn ihm zeitweise seelisch anormale Zeichen
anhaften sollten« (28/193).

Es versteht sich von selbst, daß diese knappe übersicht niemals


die fachliche Beurteilung eines Arztes ersetzen kann. Diese
Aufzählung soll lediglich Orientierungspunkte andeuten, die
gelegentlich zu Grenzpunkten werden können; dann nämlich,
wenn psychische Krankheitssymptome dämonisch verursacht
sind.

Wir sollten auch wissen, daß man Depressionen nicht in jedem


Fall als Folgeerscheinung okkulter Praktiken ansprechen darf.
Bei den endogenen Depressionen beispielsweise handelt es
sich um anlagebedingte Schwermutszustände, die vermutlich
mit Stoffwechselstörungen des Gehirns zusammenhängen.
Reaktive Depressionen dagegen sind rein seelischen Ursprungs.
Sie erklären sich als Reaktion auf abnorme Erlebnisse oder
Konflikte. Erschöpfungsdepressionen und involutive
Depressionen (Involution = Rückbildung) haben körperliche
Ursachen.

Im seelsorglichen Gespräch müssen wir darum bemüht bleiben,


soweit das einem Laien möglich ist, zu differenzieren.
Depression ist nicht gleich Depression. Wer voreilig jede
psychische Erkrankung auf dämonische Ursachen zurückführt,
kann an einem seelisch Leidenden schuldig werden. Umgekehrt
ist es verantwortungslos, okkult bedingte Depressionen mit dem
Etikett »neurotische Störungen« zu versehen. Das eine ist so
falsch wie das andere. Natürlich kann man darüber streiten, wer
in dem jeweiligen »Fall« zuständig ist ob der Arzt oder der
Seelsorger. Mit Recht hat man festgestellt: Der Streit um die
Zuständigkeit wird vermutlich nie ein Ende nehmen. Vor
Verwechslungen und falschen Diagnosen ist weder der Arzt
noch der Seelsorger sicher. In der Seelsorge an okkult
Belasteten können verhängnisvolle Fehler gemacht werden.
Aber auch Psychiater können irren, indem sie Besessene für
Geisteskranke halten und sie in eine psychiatrische Heilanstalt
schicken, aus der sie nie mehr herauskommen. Mit
psychiatrischen Diagnosen kann man zuweilen die Probleme
verschieben, keinesfalls aber immer lösen Darum sollten in
Zweifelsfällen Arzt und Seel¬sorger zusammenarbeiten.

Die Beter mobilisieren. Seelsorge an okkult Belasteten sollte im


Team geschehen, und zwar deshalb, weil der einzelne dem
Ansturm der Dämonie durchaus nicht immer gewachsen ist.
Wenn irgend möglich, müßte man vor einem Einsatz auf
okkultem Gebiet erfahrene Christen bitten, anhaltend und gezielt
für die Betreffenden zu beten.

»Wo zwei auf Erden eins werden, worum es ist, daß sie bitten,
das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel«
(Matth. 18, 19).

Während einer Evangelisation, in der es viele seelsorgliche


Gespräche mit okkult Gebundenen gab, kam es zum
entscheidenden Durchbruch, als einige wiedergeborene
Menschen beteten und fasteten. Es gibt Situationen, auf die das
Wort Jesu anwendbar ist: »Aber diese Art fährt nicht aus denn
durch Beten und Fasten« (Matth. 17, 21).

In solchen Gebetszellen kann dann die seelsorgliche Betreuung


an solchen, die von okkulten Bindungen frei geworden sind,
kontinuierlich fortgesetzt werden. Das ist wichtig, denn in der
Regel bleiben okkult Belastete nach der Befreiung längere Zeit
gefährdet.

Die charismatische Befähigung. Markus 16, 17 18 ist nicht an


einen einzelnen adressiert. Diese Zusagen gelten der Gemeinde.
Jeder kann in eine seelsorgliche Situation geführt werden, in der
es gilt, einen anderen aus den Zwängen dämonischer
Bindungen herauszuholen. Gleichwohl werden in 1. Korinther
12, 10 Gnadengaben (Charisma = Gnadengabe) erwähnt, die in
besonderer Weise zur Seelsorge an okkult Belasteten befähigen.

Sachkenntnis und geistliche Befähigung schließen einander


nicht aus. Andererseits muß festgestellt werden, daß es auf
okkultem Gebiet mit psychologischer Sachkenntnis allein bei
weitem nicht getan ist. Wilhelm Löhe schrieb . »Erkenntnis und
gläubige Erkenntnis sind so verschieden wie ein Gemälde von
einem Menschen und der Mensch selbst« (12/268).

Die Gabe der Geisterunterscheidung. Das griechische Wort


diakrinein bedeutet so viel wie: auseinanderscheiden,
absondern, trennen, auswählen, unterscheiden, entscheiden,
beurteilen.

Paulus erwähnt in 1. Korinther 12, 10 die Gabe der


Unterscheidung der Geister. Hier steht der Plural (die Mehrzahl),
um anzudeuten, »daß es nicht um eine gleichbleibende Qualität
einzelner Gemeindeglieder geht, sondern um immer erneute
~Zuteilungen~, die immer wieder >einem andern geschenkt
werden können<« (38/204). Diese Gabe wird also der gesamten
Gemeinde zugeschrieben. Daraus dürfen wir folgern, daß auch
das seelsorgliche Gespräch mit okkult Belasteten nicht Sache
einzelner Spezialisten sein darf. Die Unterscheidung von
Geistern scheint in der Regel durch Propheten stattgefunden zu
haben (39/116). Wichtig ist diese Gnadengabe, weil sie befähigt,
trennscharf zu unterscheiden zwischen dem, was menschlich,
dämonisch und göttlich ist.

Die Gabe der Prophetie. »Die Prophetie wurzelt nicht in der


eigenen Entschließung oder Überlegung des Propheten,
sondern in einer von ihm unabhängigen Macht, welche sich
seines Geistes bemächtigt und ihn treibt, zu reden und so auf
die andern einzuwirken« (39/116). Mitunter können okkult
Belastete über ihre Vergangenheit nichts aussagen. Man könnte
manchmal meinen, der Teufel verschließe ihnen den Mund. Sie
haben Angst, das eine und andere preiszugeben, schämen sich,
sind gehemmt, zu einem »Beichtgespräch« geradezu unfähig.
Wem es dann geschenkt wird, verborgene Sünden beim Namen
zu nennen, ohne daß er die Lebensgeschichte des okkult
Belasteten kennt, räumt Barrieren zur Seite, die den Weg zur
Befreiung versperren.

Die Gabe der Krafttaten. »Paulus denkt hier an die Fähigkeit, alle
möglichen Wundertaten abgesehen von den bloßen Heilungen -
zu verrichten; Taten, die dazu dienen, in verschiedenen Lagen ,
in die ein Diener Jesu Christi kommen kann, der jeweiligen Not
abzuhelfen. Dahin gehören Totenerweckungen, Austreibungen
von Dämonen, Verhängung von Strafgerichten über Ungläubige
oder Gegner« (39/116).

Die Austreibung der Dämonen ist nicht jedermanns Sache. Für


das Wort »Krafttaten« steht in der Sprache des Neuen
Testaments energemata dynameon. Das eine Wort kann mit
Wirksamkeit, Kraft, Macht übersetzt werden, das andere mit
Möglichkeit, Gewalt, Fähigkeit, Wunderkraft. Alle diese
Ausdrücke, die sich gegenseitig ergänzen, zeigen, daß
Seelsorger, die Besessenen zu helfen haben, in besonderer
Weise bevollmächtigt sein müssen.

»Der Heilige Geist schenkt demjenigen, den er erfüllt,


Charismen, Gnadengaben. Dazu gehört die Verleihung von
machtvoll wirkenden Kräften und auch die so wichtige
Unterscheidung der Geister ... Wir meinen mit der Erfüllung des
Heiligen Geistes weder etwas, das jeder sogenannte Christ
automatisch besitzt, noch etwas, das in einem Ritus geschenkt
wird, sondern das, was Jesus, die Apostel und viele andere
Christen aller Zeiten erfahren haben« (28/235).

In der Seelsorge an okkult Belasteten stößt man sehr bald an


letzte Grenzen menschlicher Möglichkeiten. Psychologische
Kenntnisse und theologisches Wissen sind zwar wichtig,
können aber eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist nicht
ersetzen. jesus sagt:

»Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;


klopfet an, so wird euch aufgetan. So denn ihr, die ihr arg seid,
könnt euren Kindern gute Gaben geben, wieviel mehr wird der
Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten«
(Luk. 11, 9. 13).

Die Diagnose (unterscheidende Beurteilung). Wie bereits


erwähnt, müssen wir zwischen körperlich seelischen
Symptomen und dämonischen Einwirkungen unterscheiden,
damit wir nicht vorschnell alles »verteufeln«. Ebensowenig
sollten wir eindeutig okkulte Belastungen in psychotische
Krankheitsbilder unterbringen wollen. Damit weder das eine
noch das andere geschieht, müssen wir uns für das
seelsorgliche Gespräch Zeit nehmen. Noch immer ist die recht
verstandene »Beichte« niemals Zwang, auf keinen Fall mit
einem verdienstlichen Vorzeichen versehen die beste
Möglichkeit, den jeweiligen Sachverhalt abzuklären.

Wie können okkulte Belastungen festgestellt werden? Eine


wichtige Frage, zumal der okkult Behaftete durchaus nicht
immer Farbe bekennt und mit der eigentlichen Problematik
meist geschieht das unbewußt zurückhält.

1. Es empfiehlt sich, anhand eines kleinen Katalogs (siehe Seite


118) gleichsam den Patienten auf okkulte Praktiken hin
»abzuklopfen«. Wenn wir systematisch fragen das habe ich oft
beobachtet , wird zuweilen geantwortet: »Stimmt, das habe ich
ganz vergessen!« Genau diese Reaktion ist beabsichtigt.
Einzelne okkulte Grenzüberschreitungen sollen wieder bewußt
werden. Wenn je auf einem Gebiet der Satz aus 1. Johannes 1, 9
gilt, dann auf dem okkulten: »Wenn wir aber unsere Sünden
bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden
vergibt und reinigt uns von aller Untugend. «

2. Die Lebensgeschichte eines Menschen kann mitunter die


Frage beantworten, inwieweit neurotische Störungen vorliegen.
Damit sind krankhafte Funktionsstörungen des Nervensystems
ohne organische Ursachen gemeint, die hauptsächlich durch
Fehlentwicklungen des Trieblebens oder durch unverarbeitete
seelische Umweltkonflikte entstanden sind. Eine
Depressionsneurose kann dann nicht immer einer okkult
bedingten Depression gleichgesetzt werden. Nur wenn wir
sorgfältig unterscheiden, kann der Punkt gefunden werden, an
dem dann die seelsorgliche Betreuung zielstrebig anzusetzen
hat. Eine Lebensbeichte macht es dem Seelsorger leichter,
diesen Punkt zu finden. »Bei okkulter Behaftung wird stets
beobachtet, daß die Hilfesuchenden, die eine Generalbeichte,
welche nicht nur die okkulte Betätigung, sondern auch das
übrige Leben betrifft, scheuen, nicht frei werden« (11 /276).

3. In vielen Fällen muß gefragt werden, inwieweit die Vorfahren


des Betreffenden okkult praktiziert haben (2. Mose 20, 5).

4. Folgeerscheinungen okkulter Praktiken lassen auf okkulte


Belä¬stigung schließen (siehe Seite 154 167).

5. Mangelnde Reaktionsbereitschaft im Blick auf geistlichen


Zuspruch. In einem Rundfunkinterview sagte Pastor Spieker aus
Sao Paulo:

»Man hat sehr schnell ein Empfinden dafür, ob eine Person


okkult behaftet ist. Man spürt ein gewisses Mißtrauen,
Schwerfälfigkeit im Gespräch, Hemmungen im Blick auf den
menschlichen Kontakt. Man hat den Eindruck, daß der andere
Angst hat. Es ist so, als stünde eine Wand dazwischen. Man hat
es schwer, mit einem solchen Menschen über den Glauben an
Jesus Christus zu reden. Irgendwo schaltet er ab, als ob er nicht
mehr folgen könnte. Das Verstehen fehlt. «

6. Der Widerstand gegen Gottes Wort kann herausgelockt


werden durch Gebet und Schriftlesungen. Besessene reagieren
oft mit Wut, wenn beispielsweise K.olosser 2, 14 15 gelesen wird
(28/239). Dr. A. Lechler empfahl solche Bibelstellen, in denen
besonders von Jesus, seinem Blut und seiner befreienden
Macht die Rede ist: Epheser 1, 20 23; Philipper 2, 91 11;
Kolosser 1, 14 16; 1. Petrus 1, 18 19; 1. Johannes 1, 3;
Offenbarung 5, 6 14 und 12, 10 11. Zu den bewährten
Bibelstellen gehören auch 5. Mose 18, Lukas 10, 18 19 und 1.
Korinther 6, 20 (28/2761).

7. Die Gabe der Geisterunterscheidung. »Diejenigen, die die


Gabe der Unterscheidung haben, werden wohl öfter die geheime
und furchtbare Anwesenheit Satans in Seelen verspüren, als der
mittelmäßige Christ allgemein wahrhaben will. Diese Gabe ist
besonders wichtig, um Einsicht in die dämonische
Gebundenheit zu bekommen. Sie kann durch Erfahrungen
weiterwachsen« (28/240).

8. Besessenheit zeigt in jedem Fall okkulte Belastungen an


(siehe Seite 164 od. 165). Wir sollten allerdings zwischen
okkulter Belästigung und Umsessenheit und Besessenheit
unterscheiden. Wenn man sich den Menschen als eine Stadt
vorstellt, ergibt sich folgendes Bild: »Die Stadt wird belagert, der
Feind steht draußen vor den Toren und beschießt die Stadt. In
diesem Fall kann man von einer dämonischen Belästigung
sprechen. Der Feind kann aber auch in die Stadt eindringen und
einige Straßen, ein Viertel erobern. Hier v"ürden wir von
dämonischer Gebundenheit sprechen, die je nach dem Umfang
des eroberten Gebietes leichter oder schwerer sein kann. Bei
dämonischer Besessenheit ist die ganze Stadt in Feindeshand
gefallen. Der Kampf um Befreiung wird dann meistens schwer
sein und auch länger dauern. Während bei der Besessenheit der
Feind den Menschen erobert hat, ihn beherrscht, wird er bei der
Umsessenheit von außen her mit Störungen und Verwirrungen
angegriffen. Bei Besessenheit stellt bei Umsesman sich den
Dämon als permanent gegenwärtig vor, senheit ist er nur ab und
zu da. Deshalb ist die Umsessenheit schwieriger zu erkennen
(28/151).

Absage an den Teufel. Längst ist seelsorglich erwiesen, daß es


keine Befreiung aus okkulten Bindungen gibt, wenn sich der
Betreffende nicht bewußt vom Teufel und allen seinen Werken
lossagt. Wenn Götzendienst im Neuen Testament dem
Dämonendienst gleichgesetzt wird (l. Kor. 10, 1 ff.; Offb. 9, 20),
dann ergibt sich daraus . »Die okkulte Betätigung ist ein
Vertragsschluß mit dem Reich der Finsternis. Dieser Vertrag
muß aufgehoben, annulliert, gelöst werden durch eine bewußte
Lossprechung von seiten des okkult Behafteten, nachdem von
Christus schon die ob)ektiven Voraussetzungen dafür
geschaffen worden sind.« Dr. Riecker schreibt dazu: »überall,
wo magische, okkulte oder zauberhafte Handlungen
vorgenommen wurden, kann auch ein offizielles Bekenntnis der
Loslösung von allen dämonischen Mächten, eine Absage an den
Teufel notwendig werden: Ich entsage dem Teufel und allen
seinen Werken. Als biblische Begründung werden gewöhnlich
Matthäus 25, 41; Johannes 12, 31 Epheser 6, 11 12 und 1.
Johannes 2, 13 und 5, 19 genannt. Analysiert man den
griechischen Begriff apotassesdiai, was soviel bedeutet wie: aus
der Schlachtreihe treten, dann begibt sich der okkult Belastete
durch die Absage an den Teufel in die Nachfolge jesu, wird also
»Soldat Christi« und kämpft nunmehr unter einem anderen
Herrn« (12/278 f.).

Dazu eine kirchengeschichtliche Information.

»In den 40 Tagen vor Ostern mußten die Katechumenen zuerst


fasten: Sie bekamen geweihtes Brot, 01, Salz und Wasser; dann
mußten sie sich jeden Morgen früh vor dem Gottesdienst in
einem besonderen Raum in der Kirche versammeln, um sich die
Hände auflegen und die Beschwörungsgebete über sich
sprechen zu lassen. Bei dem Prüfungsexorzismus wird der
Täufling mit 01 gesalbt und auch >angeblasen<, ehe er die Taufe
empfängt« (28/98).

Pfarrer Hans Bruns pflegte den okkult Belasteten aufzufordern,


das Lossagegebet nachzusprechen:

»Ich entsage dem Teufel und allem seinem finsteren Wesen und
Werken und übergebe mich dir, dreielniger Gott, Vater, Sohn
und Heiliger Geist, und will dir im Glauben und Gehorsam treu
sein bis an mein Ende« (12/278).

Es kann nicht darum gehen, den Wortlaut genau festzulegen.


Immerhin müßte das Lossagegebet zwei wichtige Elemente
enthalten: die Absage an den Teufel und alle okkulten Praktiken
der Vorfahren und die Ubereignunc, sämtlicher Lebensbereiche
an Jesus Christus.

Den Teufel direkt anzureden seitens des okkult Belasteten halte


ich nicht für nötig. Auch scheint es mir richtiger zu sein, das
Gebet mit der Übereignung an den auferstandenen Herrn zu
beginnen.

Es gibt Situationen, in denen okkult Gebundene ein solches


Absagegebet einfach nicht nachsprechen können, obschon sie
das gern möchten. Sie schaffen es nicht, dem Teufel die
Gefolgschaft aufzukündigen. Wiederholt habe ich das bei
solchen beobachtet, die zum Satan gebetet, sich ihm
verschrieben hatten oder an spiritistischen Praktiken beteiligt
waren. Ein ähnliches Verhalten ist mir bei Umsessenen und
Besessenen begegnet. Seelsorger können in einem solchen Fall
als Einzelkämpfer kaum etwas ausrichten. Sie müssen:

1. andere Seelsorger hinzuziehen und eine Mannschaft bilden.


Blumhardt wandte sich zuerst an den Schulvorsteher, »später
standen ihm mehrere Helfer zur Seite« (28/243).

2. die Beter mobilisieren. Es ist nicht unbedingt nötig, daß alle


Beter beim seelsorglichen Handeln anwesend sind. Sie können
mit ihrer Fürbitte auch an einem anderen Ort zu einer
vereinbarten Zeit die seelsorglichen Bemühungen begleiten. je
und dann empfiehlt es sich, auch zu fasten und zu beten (Matth.
17, 21).

3. okkulte Gegenstände vernichten. Ein spiritistisches Medium


in Berfin wurde erst frei, als es bereit war,
Blutsverschreibungen, Talismane und anderes mehr verbrennen
zu lassen.

4. die Ursachen klären. a) Sünden b) Abfall vom Glauben c)


Verfluchung d) Vertrag mit dem Teufel e)Anrufung des Teufels f)
Okkultismus(28/260)

5. dem Satan gebieten. Seelsorger, die mit der Kraft des Blutes
Jesu rechnen und sich geistlich rüsten ließen, haben über den
Teufel und seine Dämonen im Namen Jesu auch Befehlsgewalt.
Jesus gebot den Dämonen (Matth. 17, 18; Mark. 1, 25; Luk. 8, 33).
Auch Paulus befahl finsteren Mächten (Apg. 13, 11; Apg. 16, 18).
Gelegentlich hatte ich mit einer Gemeindehelferin ein
seelsorgliches Gespräch, die mit einer südkoreanischen Irrlehre
sympathisierte. Beim Lossagegebet wollte der Name Jesus nicht
über die Lippen. Als ich sie bat, den Wortlaut der Absage an den
Teufel aufzuschreiben, verkrampfte sich ihre Hand. In
Gegenwart eines anderen Seelsorgers wurde den dämonischen
Mächten der Befehl erteilt, diesen Menschen freizugeben. Das
geschah einige Male. Danach konnte jene Gemeindehelferin das
Lossagegebet schreiben, und schließlich war sie auch in der
Lage, den Namen jesus auszusprechen. Sie wurde frei.

Der Zuspruch der Vergebung kann mit Matthäus 18, 18 20 und


Johannes 20, 21 23 begründet werden und sollte in der
Seelsorge an okkult Belasteten nicht fehlen. »Die Vergebung der
Schuld ist der tiefste, tragende Grund, dem der Christ sein
Leben verdankt, der zentralste Vorgang in der Seelsorge, der
entscheidende Punkt bei der Hilfe an okkult Belasteten« (6/280
oder 12/284).

Der seelsorgliche Zuspruch kann mit folgenden Bibelstellen


erfol¬gen: Jesa)a 1, 18; 43, 25; 44, 22; jeremia 31, 34; Micha 7, 18
19; Matthäus 9, 2; 26, 28; Lukas 7, 48; Johannes 1, 29; Römer 5,
20; Galater 1, 4; Epheser 1, 7; Kolosser 1, 14; 1. Petrus 1, 19; 2,
24; 1. Johannes 1, 7 9; 2, 2; Hebräer 1, 3; Offenbarung 1, 5. Es
hat sich bewährt, wenn man diese und andere Bibelstellen in der
Ich Form liest, also (Jes. 53, 4 7): »Fürwahr, er trug meine
Krankheit ... er ist um meiner Missetaten willen verwundet . . .
durch seine Wunden bin ich geheilt. « Wir sollten nicht
versäumen, darauf hinzuweisen, daß jesus Christus auf
Golgatha alle Sünden gesühnt hat. Die Heilstatsachen sind
perfekt, abgeschlossen, objektiv. Das gilt es zu betonen. Was
Gott für uns bereithält, gilt es nunmehr zu nehmen: Matthäus 28,
18; Römer 3, 24; Römer 4, 25; Römer 5, 1; 1. Korinther 1, 30;
Epheser 1, 7; Kolosser 1, 13; 1. Johannes 4, 9. Wir sollten
deutlich machen: Glauben heißt jesus aufnehmen, annehmen,
was er für uns bereithält, ihm für Golgatha danken.

Im Namen Jesu dürfen dann auch okkult Belastete von ihren


dämonischen Bindungen gelöst werden (Matth. 18, 18). Am
besten geschieht das in Gegenwart seelsorglicher Menschen,
also vor Zeugen, die übrigens auch bereit sein sollten, sich des
Betreffenden in Zukunft anzunehmen.

Menschen, die an psychischen Folgeerscheinungen okkulter


Praktiken leiden, sind dankbar, wenn man sie im Namen Jesu
unter Handauflegung segnet.

»Im Alten Testament sind alle symbolischen Handlungen nicht


nur bildhafte Darstellungen eines von ihnen unabhängigen
Geschehens, sondern sie haben selbst Vollzugsgewalt und sind
wesenhaft mit den entsprechenden geistlichen Ereignissen, die
sie begleiten, verbundeii. Bei der Handauflegung geht es um
eine reale Übertragung: von geistlicher Macht, Dienstvollmacht
und göttlicher Kraft, von Segen und Verantwortlichkeit, aber
auch von Schuld.

Im Neuen Testament wird durch ein Gebet, das mit der


Handauflegung verbunden ist, Segen übertragen (Matth. 19, 13.
15). Jesus heilt Kranke durch Handauflegung (Mark. 5, 23)
ebenso Paulus (Apg. 28, 8). Mit der apostolischen
Handauflegung war wohl in der Regel die Gabe des Heiligen
Geistes verbunden (Apg. 8, 14 19) als Anfang des geistlichen
Lebens (Hebr. 6, 2). Die Handauflegung der Apostel übertrug
nach Apostelgeschichte 6, 6; 13, 3 auch Dienstvollmacht und
vermittelte geistliche Gaben (1. Tim. 4, 14; 2. Tim. 1, 6).

Daß es sich bei der Handauflegung nicht nur um eine äußere


Zeremonie handelt, sondern um wirklichen Vollzug geistlicher
Wirkungen, macht die Warnung des Paulus an Timotheus
verständlich, die Hände nicht vorschnell aufzulegen, um sich
nicht fremder Sünde teilhaftig zu machen (l. Tim. 5, 22).
Demnach kann dieses Eingreifen in den geistlichen Kampf wie
auch die Krankenheilung (Apg. 19, 14 16) eine Rückwirkung auf
den Ausübenden haben« (16/541).

Beim segnenden Gebet unter Handauflegung darf man darum


bitten, daß Jesus Christus die Folgeerscheinungen okkulter
Praktiken beseitigt soweit das seinem Willen entspricht ,
psychische oder körperliche Krankheiten heilt und den Befreiten
mit seinem Heiligen Geist erfüllt.

Vernichtung okkulter Gegenstände.

In Apostelgeschichte l9, 18 19 ist zu lesen:

»Viele aber von denen, die schon vorher gläubig geworden


waren, kamen und bekannten, was sie früher getrieben hatten.
Viele andere aber, die sich oft mit Zauberei abgegeben hatten,
trugen die Zauberbücher zusammen und verbrannten sie
öffentlich. Man errechnete einen Wert von fünfzigtausend
Silbergroschen. So breitete sich das Wort des Herrn mit Macht
aus und erwies sich als große Kraft.«

Zu okkulten Gegenständen gehören: Horoskope, Spielkarten, die


zum Wahrsagen benutzt werden, Pendel, das 6. und 7. Buch
Mose, Amuletts, Medaillons, sogenannte Himmelsbriefe,
Brandbriefe, Kettenbriefe, Traumbücher und okkulte Literatur.
Alles das muß beseitigt werden. Geschieht das nicht, startet die
Dämonie erneut gefährliche Angriffe. Wir sollten wissen, daß
okkulte Gegenstände die Funktion eines Fetischs haben.

Ebenso müssen alle Kontakte zu Okkultisten abgebrochen


werden. Wie wichtig das ist, wurde mir deutlich im
seelsorglichen Gespräch mit einem Ehepaar, das
freundschaftliche Beziehungen zu einem Spiritisten unterhielt.
Weil sich das nicht gut auswirkte, entschloß man sich, die
bestehenden Kontakte zu lösen.

Die geistliche Betreuung. »Wer die Seelsorge vorzeitig abbricht,


gleicht dem Chirurgen, der die Wunde vernäht, noch ehe sich
der Eiter vollständig entleert hat« (28/293). Die geistliche
Betreuung ist wichtig, weil die Dämonie zur Gegenoffensive
antritt, sobald sie feststellt: »Das Haus ist leer« (Matth. 12, 43ff.;
Luk. 11, 24ff.).

Darum müssen solche, die okkult belastet waren, darüber


informiert werden, wie man mit dem Heiligen Geist erfüllt werden
kann (Eph. 5, 18 21). Außerdem sollten wir ihnen sagen, daß
satanische Angriffe abgewehrt werden können, wenn wir für die
Kraft des Blutes Jesu danken und den Dämonen im Namen Jesu
gebieten (Matth. 4,10). Am Kreuz hat der Sohn Gottes der
Schlange den Kopf zertreten und damit die Dämonie entmachtet.
Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. »Er hat
alle Mächte und Gewalten entwaffnet, an den öffentlichen
Pranger gestellt und am Kreuz über sie einen Triumph
davongetragen« (Kol. 2,15). Satan ist ein geschlagener Feind.
Das Ende aller Dämonie ist beschlossen. »Denn ihr wißt doch:
Gott hat auch die Engel, die gesündigt hatten, nicht verschont,
sondern hat sie mit Ketten gebunden, an die Unterwelt
dahingegeben, wo sie zum Endgericht in Haft behalten werden«
(2. Petr. 2, 4). Es bleibt dabei: »Wer den Namen des Herrn Jesu
anrufen wird, soll gerettet werden« (Apg. 2, 21).

Zur geistlichen Betreuung gehört auch, daß wir Menschen, die


von okkulten Belastungen befreit worden sind, in das
»christliche ABC« einüben (Apg. 2, 42). Wir müssen ihnen
sagen:

1. Lesen Sie täglich und systematisch die Bibel.

2. Nehmen Sie sich Zeit zum Gebet. je mehr Sie beten, um so


besser werden Sie jesus Christus kennenlernen.
3. Für das geistliche Wachstum ist die Gemeinschaft mit
Gotteskindern wichtig. Der Bruder und die Schwester ergänzen
das, was wir nicht haben, richten auf, wenn wir
niedergeschlagen sind, korrigieren aber auch. Wir brauchen den
andern; aber auch umgekehrt: der andere braucht uns. Der
wiedergeborene Mensch darf ein aktives Glied am Leib jesu
Christi sein.

4. In Johannes 15, 14 ist zu lesen: »Ihr seid meine Freunde,


wenn ihr tut, was ich euch gebiete.« Echter Glaube zeigt sich im
Gehorsam. Darum sollten Sie beständig fragen: »Herr, was willst
du, daß ich tun soll?«

5. Bekennen Sie sich zu Jesus Christus. Er sagt: »Wer mich


bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem
himmhschen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den
Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem
himmlischen Vater.« Fürchten Sie sich nicht vor einem solchen
Bekenntnis, denn »Bekennen befreit«!

6. Ordnen Sie Ihre Vergangenheit, damit der Teufel keine


Angriffsflächen bekommt. Zachäus sagte: »Siehe, Herr, die
Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand
betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder.« Geben Sie
Gestohlenes zurück, seien Sie bemüht, Lügen richtig zu stellen,
versöhnen Sie sich mit solchen, die an Ihnen schuldig geworden
sind.

Damit sind keine neuen Gesetze gemeint, sondern eher


Lebensre¬geln, die jeder beachten sollte, der geistlich
weiterkommen will. Menschen, die aus okkulten
Gebundenheiten kommen sie bleiben mitunter drei bis vier
Jahre hindurch gefährdet , sind dringend darauf angewiesen,
daß sie am Anfang ihres Glaubensweges von einem begleitet
werden, der mit ihnen die ersten Schritte geht, für sie Zeit hat,
auf Fragen eingeht, ermutigt, betet, korrigiert, kurz: der Freund
und Bruder ist.

Diese geistliche Partnerschaft muß in die Gemeinde der


Wiedergeborenen einmünden. Der okkult Belastete muß wissen:
»Wenn mich der Teufel isoliert, werde ich abgeschossen«.
Darum kommt die geistliche Betreuung erst dann zum Zielpunkt,
wenn der Befreite als »Sklave Jesu Christi« (Röm. 1, 1) anderen
dient und sich der Gemeinde verpflichtet weiß. Nur wenn er als
funktionsfähiges Glied am Leibe Jesu empfängt und weitergibt,
kann er heranwachsen »zum Maß des vollkommenen Alters
Christi« (Eph. 4, 13).

Hausbibelkreise, in denen okkult Befreite im besten Sinne des


Wortes »aufgefangen« und betreut werden können, sollten als
Brücke zur Gemeinde verstanden werden. Sie schaffen jene
Atmosphäre, die es einem Außenstehenden leicht macht, über
seine Probleme zu sprechen. Er lernt mit andern, wie man die
Bibel liest, betet und sich in das »christliche ABC« einübt. Noch
einmal: Menschen, die aus der okkulten Zone kommen, dürfen
nicht allein gelassen werden.

Die Nachhutgefechte. Es ist wie bei einer verlorenen Schlacht:


Dä¬monische Mächte mußten besetztes Gebiet freigeben und
sind nunmehr auf dem Rückzug. Der ehemals okkult Gebundene
ist frei und gehört zu Jesus Christus. Aber Satan läßt nichts
unversucht. Er möchte koste es, was es wolle das verlorene
Territorium zurückerobern. Er hat zwar den Rückzug angetreten
aber kämpfend. Sobald Menschen, die aus der okkulten Zone
kommen, erneut in okkulte Praktiken einwilligen, hat der Teufel
den Fuß in der Tür. Wiederholt ist mir in der Seelsorge
aufgefallen, daß beispielsweise erneute Beschäftigung mit
Horoskopen sofort zu einer neuen Belastung fiihrt.

An dieser Stelle mag deutlich werden, daß auch das Gebiet des
Aberglaubens bei weitem nicht so harmlos ist, wie das die
meisten meinen. Was abergläubische Leute als »Spaß« abtun,
wird vom Teufel blutig ernstgenommen. Er kennt keinen Spaß.
Darüber müssen wir in der betreuenden Seelsorge gründlich
informieren und eindeutig davor warnen auszuprobieren, »wie
stark man ist«. Ein alter Trick Satans, auf den viele immer wieder
hereinfallen. übrigens: Man mag zwischen aufdeckender und
zudeckender, betreuender und diakonischer Seelsorge
unterscheiden und das direktive seelsorgliche Gespräch
ängstlich meiden. In der Seelsorge an okkult Belasteten können
wir nicht einfach wie man heute gern empfiehlt eine bunte
Palette verschiedener Möglichkeiten anbieten mit dem Tip .
»Such dir aus, was dir gefällt.« Ohne klare Anweisungen, die
selbstverständlich liebevoll und verstehend weitergegeben
werden müssen, kommen wir in der Seelsorge an okkult
Belasteten nicht aus. Gewiß soll der Befreite geistlich mündig
werden. Er ist aber bei den ersten Schritten in der Nachfolge für
jeden eindeutigen Orlentierungspunkt dankbar.

Vor Nachhutgefechten schützen sich Menschen, die okkult


belastet waren, am besten dadurch, daß sie sich mündlich oder
schriftlich von allen okkulten Kontaktpersonen trennen, und
zwar sofort, radikal, unwiderruflich und dabei gleich bezeugen,
wie jesus Chrlstus sie befreit hat. Die Brücken zur
Vergangenheit müssen abgebrochen, alle Lebensbereiche dem
auferstandenen Herrn untergeordnet werden. Geschieht das
nicht, bildet sich sehr bald ein dämonischer Brückenkopf, von
dem aus der Teufel mit gezielten Gegenangriffen ein Gebiet nach
dem andern zurückerobert. Damit das nicht geschieht, müssen
wir mit dem okkult Befreiten gleichsam die Stellung halten und
ihm immer wieder sagen: »Jesus war Sieger. Jesus ist Sieger.
Jesus bleibt Sieger!«

In dem Beitrag »Die Herausforderung an die Macht des Bösen«


schreibt Dr. A. Mader seinerzeit Chefarzt der Klinik »Hohe
Mark« :

»Gerade an unseren Kranken in der Kuranstalt Hohe Mark


erleben wir und erleiden mit, wie unbeschreiblich notvoll der
herausgeforderte Böse sie bedrängt. Schwierig zu beurteilen ist
die Lage bei denen, die, da schon rein anlagemäßig gefährdet,
immer nah einer im einzelnen kaum beschreibbaren Grenze
leben. Sie sind gleichsam von allen Seiten bedroht und
wahrscheinlich schon von kleinauf den satanischen Einflüssen
ausgesetzt.

Auffallend häufig stoßen wir dann auch auf Beziehungen zu


Kartenlegen, Spiritismus und sonstigen okkulten Praktiken.
Diese Belasteten versuchen, zwischen Licht und Finsternis zu
balancieren. Immer ist eine Zwiespältigkeit nachzuweisen. Sie
klagen und ihre Not ist wirklich glaubhaft nicht lauter und echt
reden und handeln zu können. Sie bejammern ihr Elend und
tändeln zugleich mit ihm.

Daß der Feind hier von vornherein leichtes Spiel hat, solche
Menschen zu umgarnen und zu verführen, liegt auf der Hand. Er
bekommt im Laufe der Zeit immer größere Macht über sie. Und
wenn ihm und seinen Machenschaften nicht radikal abgesagt
wird, so kann Verhärtung des Herzens die Folge sein.

Wir haben mit diesen Leidenden Seite an Seite und Schritt um


Schritt den Weg genauesten und geprüften Gehorsams zu
gehen, damit sie lernen, dem Feind auch nicht in der kleinsten
Kleinigkeit Raum zu geben. Hier geht es wirklich uni ein.en
Kampf auf Tod und Leben. Mit den uns Anvertrauten haben wir
das Geheimnis der Nachfolge sehr grüiidlicli zu erforschen. Es
darf nie Theorie bleiben! . . .

Wo sich ein Mensch oft nach schweren Kämpfen und manchem


Hin und Hergerissensein durchgerungen hat und sich zu
Christus hat hinretten lassen, indem er dem Feind und seinen
Praktiken absagte, da fühlt Satan sich aii i stärksten
herausgefordert. Er stürmt doppelt gegen den Befreiten, sich zu
seinem rechtmäßigen Herrn Bekennenden an und möchte das
Erreichte zunichte machen. da er unter allen Umständen der
legitime Herr bleiben will. Darum pflegen wir auch jedem vom
Bann Gelösten zu sagen: Sei auf der Hut! Der Feind wird mit
verstärktem Angriff einsetzen. Sei wachsam! . . .

Je vielschichtiger und verfeinerter der Mensch ist (und das


macht uns nicht zuletzt sein Leiden offenbar), um so sorgfältiger
werden wir auf die raffinierten Winkelzüge des Satans zu achten
haben . . . Zu alledem tritt noch die heilige Aufgabe, den
Notleidenden auf seine persönliche Verantwortung aufmerksam
zu machen, für die es keine Stellvertretung durch uns mehr
geben darf (sonst machen wir uns schuldig!). Durch sein Leiden
mag ihm ein Teil seiner Entscheidungsfreiheit genommen sein.
Selten ist sie ganz geschwunden. jesus aber will völlig ohne
den geringsten Abstrich der Herr im Leben und Leiden jedes
Menschen werden.
Wie sollte der Feind sich geschlagen geben, wenn der
angefochtene Mensch nur unter sorgfältig beachtetem Vorbehalt
sich zu jesus stellt, wenn er vielleicht äußerlich und
oberflächlich sein altes Leben ordnet und unter Umständen uns
das Absagegebet nachplappert und nun mit magischen, also
abergläubischen, vom Widersacher also beeinflußten
Vorstellungen weiterlebt! Denn wenn die Absage an den Bösen
nicht mit ganzem Ernst und ungetelltem Herzen auf der
Grundlage des mich völlig verpflichtenden Kreuzestodes jesu
erfolgt, dann artet sie zu einer magischen Handlung aus und
wird zum fürchterlichen Bumerang ...

Woher kommt es nun aber, daß wir in unserem seelsorglichen


(auch ärztlich seelsorglichen) Dienst an Angefochtenen und
Leidenden so häufig versagen? An unserem Herrn kann es
unmöglich liegen, unmöglich auch an einer übermacht des
Widersachers. Da täten wir ihm zu viel Ehre an! Also muß es an
uns liegen; an unserer Untreue, an dem mangelnden Einsatz, der
ungenügenden Fürbitte und der zu geringen Geduld, oft genug
auch an dem zu schwachen Glauben und Für Glauben; daran,
daß wir dem Christus Gottes einfach nicht alle Gewalt zutrauen,
daß wir etwa bei der durch wissenschaftliche Erkenntnis
gesetzten Grenze stehenbleiben (so bei seelisch Kranken und
anlagemäßig Anfälligen), statt voll Glaubensmut gemeinsam mit
Brüdern und Schwestern das »Dennoch« für den Bedrängten
auszurufen.

Letztlich fehlt es an der Vollmacht. Wir erwägen nicht in ernstem


Ringen, daß es nicht genügt, die Breite, Länge, Tiefe und Höhe
des Erlösungswerkes zu erkennen, sondern daß wir nur als
immer wieder und ganz und gar von Christus Abhängige den
Sieg erringen können. Wir beten zu wenig um die Gabe, Geister
zu unterscheiden . . . Es ist mehr als gefährlich, in geistlichen
Fragen zu vereinfachen. Vergessen wir nie: Solange wir >heute<
sagen dürfen, bleibt jesus die Herausforderung an die Macht des
Bösen: der lebendige Herr und seine lebendige Gemeinde!« (41).

Und dieser Herr befreit auch heute noch Menschen, die unter
okkulten Bindungen und dämonischen Zwängen leiden. Hörer
des Evangeliums Rundfunks haben wie folgt geschrieben:

»Seit 20 Jahren bin ich bewußt Christ. Aber erst durch Ihre
Sendungen bekam ich den Eindruck, daß in meinem Leben
etwas nicht in Ordnung war. In mir wurde die Sehnsucht wach,
jesus ganz zu gehören. Er zeigte mir den dunklen Punkt. Früher
las ich Horoskope und stellte mich oft unbewußt darauf ein.
Als ich das bekannt hatte, kam ein unsagbarer Friede über mich.
Seither hat sich mein Leben grundlegend verändert. Dort, wo ich
mich früher vergeblich mühte, schenkt mir jesus heute Sieg.«

Oder:

» Es waren Taue, mit denen mich Satan gebunden hatte. Aber im


Namen jesu bin ich von allen Gebundenheiten gelöst worden. «

Eine andere Zuschrift:

»Als ich von okkulten Bindungen gelöst wurde, meinte ich, der
Ring um meine Brust sei gesprungen, so frei fühlte ich mich. Die
Freude war unbeschreiblich.«

In einem Brief war zu lesen.

»Ich habe alles im seelsorglichen Gespräch bekannt, mich vom


Teufel losgesagt und wurde in Vollmacht von diesen Mächten
gelöst, ebenso mein Mann. Friede und Freude sind in mein Herz
gekommen. Wir haben beide in ganz neuer Weise die
freimachende Kraft des Blutes Christi erfahren.«

Sätze aus einem anderen Brief:

»Meine okkulten Belastungen bin ich los. Vor allen Dingen kann
ich jetzt auch frei beten, ohne daß ich dabei diese dämonischen
Anfechtungen erlebe. «

Berichtet wurde:

»Heute ist es genau zwei Jahre her, daß ich meine


Entschei¬dung für jesus Christus getroffen habe und unter
Handauflegung von okkulten Bindungen gelöst wurde. Seitdem
bin ich frei von Krankheiten, die ich schon seit meinem 15.
Lebensjahr hatte.«

Befreit zum Dienst:

»Im seelsorglichen Gespräch wurde ich von der okkulten


Vergangenheit gelöst und an jesus Christus gebunden. In
dieseni Sommer nehme ich an einer evangelistischen Aktion teil.
Wenn der lebendige und allmächtige Gott mich nicht von befreit
hätte, meinen Depressionen und ihren Wurzeln könnte ich )etzt
nicht von Haus zu Haus gehen und anderen in persönlichen
Gesprächen und Straßeneinsätzen die Frohe Botschaft durch
Bekenntnis, Zeugnis und Bücher weitergeben. «

Ein wichtiger Entschluß:

»Inzwischen kam es zur Aussprache. Vieles konnte beseitigt


werden. Es waren Dinge, die ich allein nicht vernichten konnte.
Was mich an meine Vergangenheit erinnern kann, will ich
vernichten, damit es mich nicht erneut zu Fall bringt. «

Sätze zum Mitfreuen:

»Mein Mann hat die okkulten Gegenstände vernichtet. Dann


haben wir gemeinsam von ganzem Herzen um Vergebung
gebeten. Jesus Christus hat uns erhört. «

Sieg:

»Ich habe erlebt, wie Jesus Christus die Dämonen zur Flucht
gezwungen hat. «

Ein Bekenntnis zum Weitersagen:

»Ich lebte unter der Macht Satans. Doch gelobt sei der Herr
jesus Christus, der mich erlöst hat. «

Alle diese Zuschriften zeigen: jesus befreit. Mit ihm können wir
auch in Nachhutgefechten siegen, und zwar dann, wenn wir uns
geistlich bewaffnen lassen und dämonische Angriffe mit den
unvei brüchlichen Zusagen Gottes abwehren.

Einige Fragen möchte ich wenn auch nur knapp abschließend


beantworten.

Darf man für okkult Belastete beten?

Bei einem solchen Fürbittegebet sollte man mit der schützenden


Kraft des Blutes jesu rechnen und im Blick auf teuflische
Anfechtungen wachsam sein. Gebet ist nicht nur Arbeit der
Seele, sondern auch je und dann Kampf mit der Dämonie. Das
sollte jeder wissen, der für okkult Belastete vor Gott eintritt. Es
empfiehlt sich, einen Gebetspartner an diesem gezielten
Fürbittegebet zu beteiligen.

Werden bei der Umkehr zu jesus Christus nicht auch okkulte


Grenzüberschreitungen vergeben?

Manche folgern: »Dann ist die okkulte Belastung automatisch


erledigt. Wozu also Beichtgespräche, Lossagegebete und
anderes mehr?« Gewiß vergibt jesus Christus alles, sofort und
gern. Es sei an jene Briefzuschrifteii erinnert, in denen die
Hellsungevtrißheit erwähnt wurde. Nicht wenige kommen erst
dann zur glaubensfrohen Gewißheit der Sündenvergebung,
wenn sie ihre okkulte Vergangenheit aufarbeiten. jesus vergibt
dem Dieb, aber er erwartet, daß gestohlene Gegenstände
zurückgebracht werden. Er tilgt schuldhafte Unversöhnlichkeit,
aber er möchte, daß man sich versöhnt. Auch okkulte Sünden
sind auf Golgatha grundsätzlich gesühnt. Aber sie müssen
ausgesprochen werden, damit keine Randzonen bleiben, die
Satan nur zu gern als Aufmarschgeblet für gezielte
Gegenoffensiven benutzt. Wie wichtig es ist, okkulte Praktiken
seelsorglich zu bereinigen, zeigt diese Briefzuschrift:

»Vor 18 Jahren bin ich zu Jesus Christus umgekehrt und habe


auch meine Vergangenheit, soweit das möglich war, in Ordnung
gebracht. Und doch werde ich immer wieder an bestimmte Dinge
erinnert. Als 19)ähriges Mädchen war ich mit einer Kollegin bei
einer Kartenlegerin. Ich kam auch mit dem Handlinienlesen in
Berührung. Zwar habe ich das jesus Christus im Gebet schon
bekannt. Die Erinnerung an diese Dinge läßt mich aber nicht zur
Ruhe kommen. Muß ich noch von einem Seelsorger von den
okkulten Bindungen gelöst werden?«

Darauf kann man nur antworten: ja! Unser Herr will, daß wir
okkulte Praktiken erkennen, bekennen, hassen und lassen. Was
ist das doch für ein Geschenk, wenn man okkulte
Grenzüberschreitungen, die mitunter)ahrelang verdrängt worden
sind, endlich aussprechen darf und dann erfährt: das Blut jesu
macht rein von aller Sünde. (l. Joh. 1, 7 und 1. Joh. 1, 9)

Muß man unbedingt nachforschen, ob die Vorfahren okkult


praktiziert haben?

Man sollte die Dinge nicht auf die Spitze treiben. Wenn sich das
geistliche Leben normal entfaltet, kann man auf jede weitere
Nachforschung verzichten. Ist das aber nicht der Fall, zeigen
sich typische Folgeerscheinungen okkulter Belastungen, ist es
empfehlenswert, einen seelsorglich erfahrenen Menschen
aufzusuchen, mit dem man die Dinge im Detail abklärt. Wer
immer um okkulte Grenzüberschreitungen seiner Vorfahren
weiß, sollte sich im seelsorglichen Gespräch von diesen Sünden
lossagen.

Können Besessene andere dämonisch infizieren?

Im letzten Stadium der Besessenheit von Gottliebin Dittus


wurden ihre Geschwister Katharina und Hansjörg angesteckt.
Hier war »deutlich der innere Zusammenhang zwischen diesen
dreien zu erkennen«. Christen können angesteckt werden, wenn
sie sich übermütig in das Gebiet des Feindes begeben und z. B.
heidnische Feste oder Tempel besuchen. Der Apostel Paulus hat
davor gewarnt (l. Kor. 10, 20; 2. Kot. 6, 15). Der Missionar
Peterson erzählt über seine eigene Erfahrung. Er besuchte ein
buddhistisches Dämonenfest, ohne vorher gebetet zu haben. Ein
von Dämonen besessener Priester richtete seine Wut auf ihn, als
er versuchte, Fotoaufnahmen von ihm zu machen. Peterson
bekam das Gefühl, in einem dunklen Gefängnis eingeschlossen
zu sein. Während einiger Stunden war er voller Ängste und
Selbstmordgedanken. Um dieselbe Zeit veranlaßte der Heilige
Geist zwei Freunde Petersons, den einen in den Vereinigten
Staaten, den andern in Kanada, zur Fürbitte für ihn. Sofort wurde
Peterson befreit; der Nebel verschwand . . . Nicht jeder ist ein
Christ, der diesen Namen trägt. Die Gefahr der Ansteckung soll
dazu mahnen, die vorbereitenden Schritte ernst zu nehmen
(28/285).

Kann ein wiedergeborener Mensch von Dämonen besessen


sein?

Nein. Der religiöse Mensch dagegen durchaus. Nicht jede


Entscheidung für jesus Christus ist ohne weiteres mit einer
Wiedergeburt gleichzusetzen. In der Seelsorge muß das neu
beachtet werden. »Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein«
(Röm. 8, 9 b). Menschen, die nicht wiedergeboren sind, haben
ein psychisches Vakuum, das von Dämonen besetzt werden
kann.

Führt Aberglaube automatisch zu okkulter Behaftung?

In der Regel ist das so, wobei allerdings der Grad okkulter
Belästung verschieden sein kann. Wer nur gelegentlich ein
Horoskop gelesen hat, wird die Folgeerscheinungen okkulter
Belastung weniger zu spüren bekommen als einer, der
spiritistisches Medium ist. Und doch: Belastung bleibt
Belastung. Sie sollte in jedem Fall im seelsorglichen Gespräch
geklärt werden.

Darf jeder, der sich Jesus Christus verpflichtet weiß, den


seelsorglichen Dienst an okkult Belasteten übernehmen?

Die Aufträge sind verschieden. Nicht jeder ist zum Exorzismus


(Geisteraustreibung) berufen. Gaben und Aufgaben sind
durchaus aufeinander bezogen. Wenn aber andererseits jesus
auch den unerfahrenen Christen in die Seelsorge an okkult
Belasteten führt, will er auch bevollmächtigen und Befreiung
schenken. Nicht wenige haben dadurch neue geistliche
Erfahrungen gemacht und wurden befähigt, von nun an auch bei
anderen Gelegenheiten den Kampf mit der Dämonie
aufzunehmen.

Dürfen sich Frauen am seelsorglichen Dienst an okkult


Behafteten beteiligen?

Betend in jedem Fall. Ich habe den Eindruck, daß Gott


barmherzig genug ist, um einer Frau den Nahkampf mit der
Dämonie zu ersparen; obschon andererseits gesagt werden
muß, daß der erhöhte Herr in einzelnen Fällen durchaus auch
Frauen zum seelsorglichen Dienst an dämonisch Gebundenen
befähigt hat.

Muß bei einem Rückfall erneut das Lossagegebet gesprochen


werden?

Ja, denn der Teufel meldet sofort seine Ansprüche an, die in
jedem Fall aufgekündigt werden müssen.

Sollen sich wiedergeborene Menschen mit der Parapsychologie


beschäftigen?

Noch einmal sei darauf hingewiesen, daß sich die


Parapsychologie mit der wissenschaftlichen Erforschung
okkulter Phänomene (das sich den Sinnen Zeigende)
beschäftigt. Sie unterscheidet psi Phänomene (psi = Abkürzung
für parapsychologisch), gamma Phänomene (gamma =
Abkürzung für ginoskein = erkennen), kappa-Phänomene (kappa
= Abkürzung für kinein = bewegen). Die Parapsychologie will
mithin wissen und erkennen, letzte Zusammenhänge
durchsichtig machen, Gesetzmäßigkeiten aufspüren und
all¬gemein gültige Formeln finden auf einem Gebiet, von dem
die Bibel sagt: ». . . wer solches tut, der ist dem Herrn ein
Greuel« (er ist dem Herrn abscheulich) (5. Mose 18, 12 a).

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß ein Mensch, dessen
Lebensmitte der auferstandene Herr ist, magische oder
spiritistische Experimente unbeschadet wissenschaftlich
untersuchen darf. Er wird das auch kaum wollen; wer sich für
parapsychologische Experimente interessiert, muß wissen, daß
er eher als ihm lieb ist in das Gebiet der Magie und des
Spiritismus hineinstolpert und dort zur Strecke gebracht wird.
Noch einmal: es gibt keine neutrale Zone.

Wir sollten nicht vergessen:

1 . Die Parapsychologie untersucht Ob)ekte, für die es zum Teil


noch immer keine angemessene wissenschaftliche Methode
gibt. Die zu erforschenden Phänomene lassen sich in unsere
dreidimensional bestimmte Begriffswelt nicht einordnen.

2. Die Parapsychologie kann immer nur die Außenseite okkulter


Phänomene erforschen, vermag aber nichts über den
»ungeklärten Rest« auszusagen.

3. Die Parapsychologie deutet einzelne Phänomene sehr


unterschiedlich. Die Kluft zwischen der »animistischen« und der
»spiritistischen« Richtung innerhalb der Parapsychologie ist
nahezu unüberbrückbar.

4. Die Parapsychologie leugnet, daß sich Dämonen objektivieren


können und bleibt damit bei allen ihren Erklärungsversuchen im
Vorletzten.

5. Parapsychologische Begriffe werden von den


Okkultbewegungen als willkommenes Tarnmaterial benutzt, um
dämonische Tatbestände zu verschleiern.

Kritische Fragen im Blick auf parapsychologische


Forschungsergebnisse sind auf Seite (67 69) erwähnt.
Menschen, die sich jesus Christus verpflichtet wissen, sollten
den Okkultismus aller Schattierungen meiden und auch zu dem,
was die Parapsychologie sagt, eine kritische Distanz wahren.

Wie soll man sich verhalten, wenn man in der Seelsorge bei
okkult Belasteten nicht weiterkommt?

In der Seelsorge läßt sich nichts erzwingen. Nicht der Seelsorger


befreit, sondern Jesus Christus. Das dürfen wir nie vergessen.

Für Menschen, die seelsorglichen Bemühungen einen


hartnäckigen Widerstand entgegensetzen, sollte man beten. Es
empfiehlt sich, einen Gebetskreis zu mobilisieren, der auch
bereit ist zum fastenden Gebet. Niemals sollte man aufgeben.
Der okkult Belastete sehnt sich nach Befreiung, auch wenn sein
Verhalten dagegen spricht.

Bleiben mediale Fähigkeiten auch nach der Befreiung von


okkulten Behaftungen erhalten?

Das kann gelegentlich der Fall sein, nicht zuletzt dann, wenn sie
im seelsorglichen Gespräch verschwiegen werden. Mediale
Fähigkeiten sind alles andere als neutestamentliche
Gnadengaben. Sie werden als Belastung empfunden; sind also
meilenweit von Geistesgaben entfernt, die dazu bestimmt sind,
die Gemeinde jesu aufzubauen.

Was versäumt worden ist, muß nachgeholt werden. Im


seelsorglichen Gespräch sollte man die einzelnen medialen
Fähigkeiten beim Namen nennen und dann gemeinsam mit dem
Seelsorger den erhöhten Herrn um Befreiung bitten.

Können mediale Fähigkeiten mit Gnadengaben verwechselt


werden?

Anscheinend ist das möglich. Gelegentlich wurde mir von einem


befreundeten Seelsorger berichtet, daß jemand, der von einer
okkulten Belastung befreit worden ist, prophetische Weisungen
gibt und dadurch in einer bibeltreuen Gemeinde eine ernst zu
nehmende Verwirrung verursacht. Mit Menschenkenntnis,
psychologischem Wissen und gesundem Menschenverstand
kommt man in solchen Fällen nicht weiter; wohl aber mit der
Gnadengabe der Geisterunterscheidung. Wir sollten sie bewußt
vom erhöhten Herrn erbitten. Mehr als je zuvor sind wir auf diese
besondere geistliche Befähigung angewiesen.

Vielschichtig ist der seelsorgliche Dienst an okkult Behafteten.


Ein starres Schema gut eingespielter Routinefragen und
erprobter Rezepte ist ebenso gefährlich wie die mit
Bescheidenheit vorgetragene Feststellung: »Das ist nicht mein
Auftrag, darum müssen sich andere kümmern!« Wir sollten den
erhöhten Herrn bitten, Männer und Frauen für die Seelsorge an
okkult Gebundenen vollmächtig auszurüsten, damit sich noch
oft ereignet, was ein Hörer des Evangeliums Rundfunks so
beschreibt:

»Ich werde nie vergessen, wie mich Satan hin und


hergewor¬fen hat. Aber er hat das Feld räumen müssen. Dem
Herrn sei Dank dafür! jesus ist nun auch in meinem Leben
Sieger. Wie freue ich mich darüber und bin ihm dafür dankbar.
Er hat mir vergeben. Nun gehe ich an seiner Seite und weiß, daß
er mein Leben führt«.

Teil 8: » . . . Das Feld muß er behalten«

Nicht alle geraten in den Sog okkulter Praktiken. Aber alle, die
sich bewußt ihrem auferstandenen Herrn unterordnen, sind den
massiven Angriffen des Teufels ausgesetzt. Paulus läßt die
Epheser wissen:

»Denn das ist nicht der eigentliche Kampf, wenn wir mit Fleisch
und Blut zu tun haben, sondern wir haben zu kämpfen gegen die
übermächte und Gewalten, gegen die Herrscher der Finsternis
und die Geister der Bosheit in den Himmeln« (Eph. 6, 12).

Wir leben Tag um Tag und Stunde um Stunde in


»Feindberührung«. Der Weg zum Himmel ist nicht ein
interessanter Urlaubstrip, sondern könnte eher einer schmalen
Schneise verglichen werden, die mitten durch feindliches
Territorium führt. Die Gemeinde jesu wird links und rechts
attacklert, »angeschossen«, »überfallen«. Darum müssen wir die
Taktik des Teufels kennen. Sein strategisches Ziel ist
unverändert das gleiche: Er will die Gemeinde jesu zerstören.
Seine Taktik aber wörtlich: die Methode kann von Situation zu
Situation wechseln. Es kann jetzt nicht darum gehen, alle
»listigen Anläufe« des Teufels im einzelnen aufzuzeigen; einige
aber vielleicht die wichtigsten seien erwähnt, damit wir nicht
unversehens von satanischen Überraschungsangriffen
überrannt werden.
Noch einmal sei daran erinnert, daß Satan kein Es, sondern ein
Er ist. Die Bibel spricht von ihm nicht in blassen Begriffen. Sie
bezeichnet ihn als den Löwen, den Drachen, den Lügner, den
Mörder von Anfang, den Fürsten, ja sogar den Gott dieser Welt.
Der Teufel ist also keine blasse Idee, ein blutleerer Begriff, eine
symbolische Figur oder gar ein Mythos, sondern eine
widergöttliche Person, der ein gut organisiertes Heer von
Dämonen untersteht. Er ist gewissermaßen der
Oberkommandierende, der dem Reich Gottes einen
unerbittlichen Kampf angesagt hat; einen Kampf allerdings, der
seit Golgatha entschieden ist und mit dem Siege Gottes enden
wird.

Noch aber leben wir in der Kampfzone und sollten wissen, wann,
wie und wo Satan die Gemeinde jesu überrennen will.

»Sollte Gott gesagt haben?« (l. Mose 3, 1). Mit diesem uralten
und längst bewährten Manöver erringt Satan seit vielen
jahrtausenden seine Siege. Viele Neuauflagen hat die Frage
»Sollte Gott gesagt haben? « inzwischen erlebt. Heute wird sie
zuweilen so kommentiert. »Damals, zur Zeit des Neuen
Testaments, lebten die Leute in einer anderen Situation und
mußten sich dementsprechend verhalten. Inzwischen aber hat
sich die Welt verändert, und darum müssen wir die Aussagen
der Bibel der neuen Situation anpassen. Die Verfasser
neutestamentlicher Schriften haben in den Begriffen ihrer
Vorstellungswelt geschrieben. Und darum gilt es, den
Wahrheitskern jeweils herauszuarbeiten. Man sollte auch
bedenken, daß es überhaupt nichts gibt, was ein für allemal
falsch wäre. Unser Verhalten muß von der )eweiligen Situation
bestimmt sein. Sittliche Normen sind schließlich für das
menschliche Miteinander nur Spielregeln.«

Mit anderen Worten: »Damals ja heute nicht.« Damit sind aber


nicht nur dogmatische Aussagen gemeint, sondern letztlich
ethische. Es geht dem Teufel nicht nur darum, die Gedanken zu
verwirren; es geht ihm um die praktische Tat. übrigens sollten
wir nicht vergessen, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen
einem widergöttlichen Verhalten einerseits und einer
pervertierten, entarteten Theologie andererseits.

Das Schlagwort »Damals ja heute nicht«, bei dem man bemüht


ist, den Menschen kein unnötiges »joch« aufzubürden, bringt
Ergebnisse, über die das Heer der Dämonen ein höllisches
Freudengeheul anstimmt, denn: Die Menschen wissen nicht
mehr, was Sünde ist. Sie reden nicht vom Geiz, sondern von der
Sparsamkeit, nicht vom Neid, sondern von der Strebsamkeit,
nicht von der Unzucht, sondern von der Vitalität, nicht von der
üblen Nachrede, sondern von Konversation, nicht von der
Arroganz, sondern von der Selbstachtung, nicht von Diebstahl,
sondern vom »Organisieren«, nicht von der Lüge, sondern von
der Intelligenz, nicht mehr von der Heuchelei, sondern von der
Anpassungsfähigkeit. Man könnte diesen Katalog beliebig
ergänzen.

Die Rundfunkseelsorge hat mir in vielen tausend Zuschriften


gedaß Menschen, »die mit Ernst Christen sein wollen«, weithin
zeigt, nicht mehr wissen, was Sünde ist. Ein theologischer
Relativismus, gepaart mit einer unerlaubten Toleranz, ist zum
Pluralismus geworden, der die Sünde salonfähig gemacht hat.
Grenzen werden verwischt, Maßstäbe verbogen und sittliche
Grundsätze mit dem Schlagwort abgebaut: »Jeder kann nach
seiner Fasson selig werden.« Wer gern ironisiert, pflegt
hinzuzufügen: »jeder ist auf seine Art komisch.«

Genau das will der Teufel. Mit der Frage »Sollte Gott gesagt
haben?« demontiert er systematisch die Bibel. Niemand sollte
sich zu schnell auf sein theologisches Wissen berufen. Wie oft
hat die Theologie geirrt! Angepaßt an philosophische
Modemeinungen wurden unter der Hand biblische Aussagen so
verzerrt, daß vom Evangelium nicht mehr übriggeblieben ist als
eine Handvoll »vernünftiger Lebensregeln«. Es ist erschütternd,
wenn man feststellen muß: »Der eine Theologe weiß mit der
jungfrauengeburt nichts mehr anzufangen, für den andern stirbt
der Mensch in seiner gesamten Existenz, und schließlich wird
alles erledigt, was der moderne Mensch in seinen
dreidimensional orientierten Begriffen nicht unterbringt« als ob
sich die Dimensionen der Ewigkeit mit unseren Denkkategorien
begreifen ließen! Wer immer biblische Aussagen unserem
»Verstehenshorizont« anpaßt, wird Opfer jener uralten Frage:
»Sollte Gott gesagt haben?« Das Endergebnis hat ein
Universitätsprofessor seinen Studenten mit dem schlichten Satz
präsentiert: »Meine Herren, es wackelt alles ~« Genau das will
der Teufel. Er will die Fundamente zerstören, den Einzelkämpfer
und die Gemeinde insgesamt entwaffnen, um dann
schonungslos jeden Bereich des menschlichen Lebens zu
dämonisieren.

Daraus ergibt sich die Konsequenz: Wir müssen vorbehaltlos


alle Aussagen der Heiligen Schrift akzeptieren, ob wir sie
verstehen oder nicht, ob sie uns passen oder nicht. Nur wenn
wir das Wort Gottes als Schwert fest in unserer Faust haben,
haben wir die Chance zu überwinden. In Offenbarung 12, 11 wird
gesagt: »Sie haben ihn (den Teufel) überv"unden durch des
Lammes Blut und durch das Wort des Zeugnisses und haben ihr
Leben nicht geliebt bis an den Tod. « Alles in allem: wir dürfen
die Aussagen der Bibel nicht unserem Denken genauer:
unseren Wünschen anpassen; andererseits aber ist es auch
nicht mit einer toten Rechtgläubigkeit getan, die lautstark
Bekenntnisse deklamiert. Die Bibel will gelebt und im Kampf
erprobt sein. Sie ist immer noch »Anweisung zum Leben« (Prof.
Dr. Seiß).

Vernebelung. Damit soll eine satanische Taktik angesprochen


werden, die deshalb so gefährlich ist, weil sie teuflische
Aktionen mit dem Dunst gefährlicher Halbwahrheiten überzieht.
Dazu drei Beispiele:

Joga ist im Gespräch. »Joga für alle«, »Joga für Frauen«, »Ein
neues Leben durch Joga«, »Joga ein Weg zur Gesundheit und
Wahrheit« solche und andere Slogans gehören neuerdings zum
Tagesprogramm vieler Intellektueller, Künstler und Sportler. Das
mörderische Arbeitstempo reißt an den Nerven, und darum sind
solche Angebote verlockend. Joga will eine Erneuerung der
Kräfte anbieten ohne Medikamente. Während im modernen
Arbeitsprozeß der Mensch weithin entpersönlicht wird, will joga
jene Kräfte entdecken helfen, mit denen man die Persönlichkeit
ins Gleichgewicht bringen kann. Das alles und vieles andere
mehr macht joga übungen auch bei Christen salonfähig. Dabei
wird weithin vergessen, daß joga mit seiner asketischen
Heilstechnik auf zwölf verschiedenen Stufen die Erlösung und
Versenkung in das göttliche Wesen erreichen möchte.
Irreführend sind nicht zuletzt die verwendeten Begriffe.
»Heiligkeit« und »Hell« meinen nicht das, was die Bibel darüber
aussagt. Der Ansatzpunkt ist )ene teuflisch inspirierte Lehre
vom guten Kern des Menschen, den man durch Askese und
Meditation bis zur Vergottung entfalten kann. »jede erreichte
Stufe der inneren Leere, der völligen Stille, der gewollten
Passivität bis hin zur Aufgabe des Bewußtseins bereitet den
joga Schüler vor, neue Kräfte in sich aufzunehmen. je mehr er
sich diesen Kräften ausliefert, um so freier verfügen sie über
ihn. Er ahnt zunächst oft noch nicht, daß er sich damit
dämonischen Mächten ausliefert. Mit der Zeit gewinnt er neue
Fähigkeiten, empfängt höhere Einsichten, kann Gedanken lesen,
erhält telepathische Begabungen und verfügt über okkulte
Kräfte« (42/17). Nicht alle wissen ein Joga Schüler hat mir das
berichtet , daß die letzte Stufe der Joga übungen spiritistisch
dämonische Formen annimmt.

Gruppendynamik. In einer Zeit, die den einzelnen immer mehr


isoliert, ist es durchaus verständlich, daß man das
»zwischenpersonale Kräftespiel« entdecken möchte, um damit
die richtige »Selbstentfaltung der Persönlichkeit« zu
ermöglichen. Gruppendynamische Experimente unterwandern in
christlichem Gewand anscheinend immer häufiger die Gemeinde
der Gläubigen. Nicht alle wissen, daß Moreno, der Vater der
Gruppendynamik, geschrieben hat: »Ich habe immer die Idee
gehabt, daß die schicksalsvolle Welt, in der wir geboren sind,
eine Welttherapie braucht und daß ich mit meiner eigenen
Person etwas dazu tun muß, um diese Ilerapie zu schaffen und
zu verbreiten . . . Es gibt in der heutigen Welt nicht nur die zwei
altbekannten Weltanschauungen, die sich um die Vorherrschaft
streiten, die kommunistische und die demokratische, sondern
eine dritte. Ich nenne sie die the¬rapeutische ... Wenn Gott
wieder in die Welt kommen würde, würde er nicht als
Einzelwesen kommen, sondern als eine Gruppe, als ein Kollektiv
... Ich habe versucht, die Saat einer schöpferischen Revolution
zu säen. Es gibt nur einen Weg, das Gott Syndrom
(Krankheitsgeflecht) auszumerzen: das Rollenspiel in der
Gruppe.« Das ist eindeutig genug. Ganz abgesehen davon, daß
man fragen müßte, ob dem einzelnen wirklich an der
entscheidenden Stelle weitergeholfen wird, müssen sich
verantwortungsbewußte Seelsorger deutlich machen, daß man
bei gruppendynamischen Experimenten nicht nur eine neue
Form des Miteinanders übernimmt, sondern zugleich Inhalte, die
dem Evangelium radikal entgegengesetzt sind.

Professor Dr. Seiß sagte im Blick auf die Gruppendynamik:


»Man verliert in der Gruppendynamik wohl seine Maske
sicherlich auch seine fromme Maske , man sollte aber keinerlei
überspannte Hoffnungen an die Gruppendynamik hängen.
Unsere Hoffnung ist und bleibt allein Jesus Christus, und nicht
die Gruppendynamik.«

Andererseits freilich müssen wir feststellen, daß


gruppendynamische Experimente die Gemeinde jesu
herausfordern. Es kann also nicht nur darum gehen, gegenüber
der Gruppendynamik feste Positionen zu beziehen und
wachsam zu sein. In Hauskreisen und Arbeitsgruppen sollten
wir neu entdekken, daß wir in der Bruderschaft nicht nur ergänzt
und ermuntert, sondern ebenso korrigiert und ausgerichtet
werden.

Wichtig aber ist es zu wissen, daß ähnlich wie bei den


Jogaübungen gruppendynamische Experimente nicht losgelöst
werden können von einer dämonisch inspirierten Zielsetzung.

Parapsychologie. Noch einmal sei darauf hingewiesen, daß sich


die parapsychologische Forschung mit wissenschaftlichen
Methoden darum bemüht, das Gebiet des Okkultismus
aufzuhellen. Wie schnell der Okkultismus aber mit
Parapsychologie verwechselt werden kann, wird da deutlich, wo
man sich informiert gibt und okkulte Praktiken rundweg als
parapsychologische Experimente bezeichnet. Wir sollten
wissen, daß kein anderer als der Teufel den Okkultismus
parapsychologisch an den Mann bringen möchte.

An diesen drei Beispielen sollte aufgezeigt werden, daß Satan


weder auf »Filzpantoffeln« die Gemeinde umschleicht noch vor
seinen Verführungskünsten die Visitenkarte abzugeben pflegt.
Er tarnt sich, verstellt sich als ein Engel des Lichts, kommt mit
der Bibel in der Hand, vernebelt seine dämonischen
Bereitstellungen. Das alles müssen wir wissen und 1. Petrus 5,8
beachten:

»Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel,


geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er
verschlinge. «

Satan überlegt sich genau den Zeitpunkt seines Angriffes. Jesus


wurde vom Teufel versucht, als er 40 Tage und 40 Nächte
gefastet hatte. Der Hunger quälte. Wüste. Einsamkeit.
Körperliche Ermüdung. jetzt setzt Satan dreimal zum frontalen
Angriff an, um jesus den Weg nach Golgatha zu versperren.

Der Teufel weiß genau, wann wir körperlich und psychisch


indisponiert sind. Wenn die Nerven vom beruflichen Streß
überreizt sind, schießt Satan aus dem Hinterhalt. Er hat sich den
Zeitpunkt genau überlegt. Nach einem bekannten Satz spielt
Satan auf kaputten Nerven Klavier. Nicht nur das-. er schädigt
mitunter einen Menschen nervlich so lange, bis er ihn mit
leichter Hand in seine Gewalt bekommt. Das ist seine Taktik. Das
müssen wir wissen, mit unseren körperlichen Kräften sorgfältig
umgehen, diszipliniert leben und dabei unsere Grenzen sowohl
kennen als auch akzeptieren.

Satan setzt aber gelegentlich auch zum Trommelfeuer an nach


einem geistlichen Höhepunkt. Viele Verkündiger des
Evangeliums wissen das. Die Predigt ist angekommen. Die
Gemeinde spürte die Gegenwart Jesu, und schon lauert Satan
darauf, den Segen zu zerstören. Darum sollten wir nach
geistlichen Segnungen hellwach sein und nicht in einem
gefährlichen Hochgefühl meinen: »jetzt kann mir nichts
passieren«. Eher als wir's uns versehen, kann uns der Teufel
eine entsetzliche Niederlage zufügen, weil wir anstatt gewappnet
zu sein, leichtsinnig den geistlichen Kampfanzug ausgezogen
haben. Als David auf dem Gipfel seiner politischen und
militärischen Erfolge, anstatt selbst an der Front zu sein, auf
seinem Dachgarten spazieren ging, wurde er zum Ehebrecher.
Aber auch vor besonderen missionarischen Einsätzen versucht
der Teufel, alles dranzusetzen, um geistliche Aktionen zu
verhindern. Er schießt gleichsam aus allen Rohren. Es gibt
Schwierigkeiten in der Familie oder in der Gemeinde, am
Arbeitsplatz oder mit Nachbarn. Manche Evangelisten werden
vor Einsätzen krank oder haben mitunter einen Autounfall. Alles
das läßt sich nicht einfach psychologisch wegdiskutieren.
Dahinter müssen wir die »listigen Methoden« eines Gegners
erkennen, der sich genau überlegt, wann er an¬zugreifen hat. Er
bedient sich der Überraschungstaktik. Dann, wenn wir es gar
nicht vermuten, werden wir dämonisch angefochten. Darum sagt
jesus: »Wachet und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallet.
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.«

Und Paulus empfiehlt: »Betet ohne Unterlaß«. Das Gebet


könnten wir mit jener Funkverbindung vergleichen, bei der uns
Christus über die feindlichen Operationen und Angriffsziele
informiert. Wer darauf bedacht ist, mit seinem Herrn beständig
in »Funkverbindung« zu bleiben, wird von teuflischen Angriffen
nicht so leicht überrannt.

Satan greift immer an der schwächsten Stelle an. Er ist ein


ausgezeichneter Psychologe und kennt uns besser als wir
selbst. Ihm sind die leicht verwundbaren Stellen gut bekannt. Er
weiß, wo die charakterlichen Minuspunkte sitzen und setzt
gerade dort an, wo wir uns nur schlecht in der Hand haben. Bei
dem einen wird es der Leistungsstolz sein, bei dem andern die
Faulheit. Ob Selbstbewußtsein oder Minderwertigkeitskomplexe,
übertriebene Sparsamkeit oder Feigheit alles das und auch
vieles andere mehr ist dem Gegner gut bekannt. An diesen
»Nahtstellen« versucht der Teufel seine Durchbrüche.

Petrus war unbeständig, Markus feige, Johannes neigte


anscheinend zum Jähzorn und Paulus zum Fanatismus. Damit
sollten wir uns nicht trösten, sondern wissen, daß alle diese
Männer von ihrem auferstandenen Herrn so umgeformt worden
sind, daß bei ihnen der Charakter jesu ablesbar war. Wer der
»Heiligung nachiagt«, darf erleben, daß der auferstandene Herr
unsere schwächsten Stellen zu den stärksten machen kann.
Angriff an vielen Fronten zugleich. Hiob bekommt eine schon
fast sprichwörtlich gewordene Hiobsbotschaft nach der
anderen: die Knechte werden getötet, Schafe verbrennen,
Kamele kommen um, alle seine Kinder sterben an einem Tag.
Hiob selbst wird krank. Seine Frau versteht ihn nicht mehr. Gute
Freunde werden zu leidlgen Hiobströstern. Das 1. Kapitel des
Buches Hiob zeigt, daß sich das alles nicht zufällig ereignet.
Satan greift gleichzeitig an mehreren Stellen an, um Hiob von
Gott loszureißen.

Das ist seine Taktik. Satanische Angriffe sind in der Regel


konzentriert und massiert. Der Teufel möchte schon im ersten
Anlauf alle Stellungen überrennen. Das kann ihm nicht gelingen,
solange wir bei unserem Herrn bleiben. Auch dafür ist Hiob ein
sprechendes Beispiel: Aus satanischen Angriffen werden
schließlich göttliche Siege. Dazu kommt es, wenn wir uns von
unserem Herrn abhängig machen, bei ihm bleiben und uns auch
von ihm korrigieren lassen.

Das Leistungsprinzip. Wer sich für jesus Christus entscheidet,


trennt sich von der Sünde und möchte nur noch für seinen Herrn
dasein. Satan weiß das und jagt nicht wenige in einen
geistlichen Leistungszwang, bei dem man zur Karikatur wird.
Aus dem geistlichen Kampf wird ein » Krampf «, über den man
schon oft und viel gewitzelt hat. Gewiß waren die Galater
fromme Leute. Aber ihre Frömmigkeit war vom Leistungsstolz
geprägt. Ehern stand über ihrem geistlichen Leben das Prinzip:
»Wenn dann«. »Wenn wir uns beschneiden lassen, bestimmte
Feiertage beachten, den Zehnten pünktlich abliefern, dann
werden wir von Gott akzeptiert. « Falsch, ganz falsch! Gott liebt
uns bedingungslos. Selbst dann, wenn wir versagen, gibt er uns
nicht auf. Genau das will der Teufel verdunkeln.

Er möchte, daß wir Dinge tun, die jesus am Kreuz für uns schon
längst getan hat. Ein raffinierter Trick! Satan möchte verhindern,
daß wir uns über das »Es ist vollbracht« freuen und es andern
weitersagen. Statt dessen will er unser Leben zwischen
geistlichen Paragraphen ansiedeln und aus uns »komische
Heifige« machen. Wenn ihm das gelingt, wirken wir nicht
einladend, sondern abstoßend und dürfen uns nicht wundern,
wenn christusferne Menschen vom Evangelium nichts wissen
wollen.

Das Lustprinzip. Leute, die danach leben, sagen: »Ich tue, was
mir Spaß macht.« Also: Man liest die Bibel, solange es Spaß
macht. Man betet, solange es Spaß macht. Man ist Mitarbeiter in
einer Gemeinde, solange es Spaß macht. Man stellt Zeit und
Kraft für Gott zur Verfügung, solange es Spaß macht. Wenn das
alles aber keinen Spaß mehr macht und dieser Zeitpunkt
kommt früher oder später , wird Gott die Freundschaft
aufgekündigt. Anscheinend haben die Korinther nach dem
Lustprinzip gelebt. Paulus nennt sie fleischfich, mit anderen
Worten: egoistisch, selbstbezogen, ich orientiert. Es gibt
Menschen, die sich für jesus Christus entscheiden, weil sie sich
sagen: »Dann habe ich einen, der sich um mich kümmert«.
Richtig! Letztlich aber geht es gar nicht darum, daß wir von Gott
etwas haben, sondern da.ß er von uns etwas hat. Wenn dieser
entscheidende Gesichtspunkt in der evangelistischen
Verkündigung zu kurz kommt, fehlt der entscheidende Akzent.
Das Ergebnis ist eine Frömmigkeit, die nach dem Lustprinzip
handelt. Jesus sagt:

»Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme
sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten
will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um
meinetwillen, der wird's finden. Was hülfe es dem Menschen,
wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an
seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine
Seele wieder löse?« (Matth. 16, 24 26).

Wir sollten mißtrauisch sein, wenn man uns ein


erfolgversprechendes christliches Engagement anbietet, bei
dem man natürlich nicht offiziell sein Image polieren kann,
einen weiten Aktionsradius bekommt, so etwas wie eine
bekannte Persönlichkeit wird. Schneller als uns lieb ist, kann
das der Teufel ausnutzen. Er macht uns zu Leuten, die sich von
den Götzen des Lust rinz* s und der Erfolgsstatistik abhängig
machen, in Wirklichkeit aber die Sache Gottes verraten.
Ablenkungsmanöver. Satan ist ein raffinierter Taktiker. Er greift
durchaus nicht immer dort konzentriert an, wo wir das vermuten.
Manchmal lockt er uns mit kleinen Plänkeleien heraus nicht
zuletzt deshalb, damit wir uns verzetteln , um dann konzentriert
an einer ganz anderen Stelle anzusetzen. Mitunter läßt er sogar
zu, daß wir große geistliche Siege erringen. Aber während wir
uns darüber freuen und auch ein bißchen stolz darauf sind, wie
tapfer wir gekämpft haben, rennt er mit voller Wucht an einem
Abschnitt unseres Lebens an, der nicht genügend abgesichert
ist. Eine gefährliche Taktik. Wir müssen sie rechtzeitig erkennen
und dürfen uns nicht ablenken lassen.

Als die Apostel in der ersten Gemeinde anscheinend immer


häufiger damit beschäftigt waren, die Verteilung der Almosen zu
beaufsichtigen, sagten sie eines Tages . »Es ist nicht gut, daß
wir den Dienst der Verkündigung zurückstellen, um auch bei der
Verteilung der Almosen aufzupassen. Seht euch, Lebe Brüder,
nach sieben Männern aus euren Reihen um, die einen guten Ruf
haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind. Die wollen
wir mit diesen Aufgaben betrauen. Wir aber wollen uns weiter
dem Gebet, dem Dienst der Verkündigung widmen« (Apg. 6, 2 4).

Unnötige Angst. Was damit gemeint ist, zeigt john Bunyan


anschaulich in einer bestimmten Szene seiner »Pilgerreise«. Der
Christ geht durch den Wald und erschrickt plötzlich, weil ein
Löwe brüllend auf ihn zukommt. Dabei merkt er nicht, daß die
Bestie angebunden ist.

Satan, der Lügner von Anfang, brüllt, will uns ängstigen,


gebärdet sich als ein übermächtiges Ungeheuer, obschon er
weiß, daß ihn » ein Wörtlein fällen~, kann. Seit Golgatha ist er
»angebunden. « Wir sollten nicht andern ironisch nachplappern:
»Aber an einer entsetzlich langen Leine. « Der Teufel ist besiegt.
Dabei bleibt es. Er kann nur so weit an uns heran, wie ihm das
Christus gestattet. Darum: Keine unnötige Angst! Es gibt viele
Stellen in der Bibel, die mit dem Satz beginnen: »Fürchte dich
nicht!«

Das letzte Buch des Neuen Testaments nennt den Teufel einen
Ver¬kläger der Brüder. Als ihr Ankläger beschwert er sich,
beschuldigt, wirft etwas vor, zeigt, beweist so könnten wir
wörtlich übersetzen. Seine Taktik besteht darin, daß er uns
zunächst zur Sünde reizt und dabei ein Stück Paradies
verspricht; haben wir aber eingewilligt, will er uns einreden: »Es
hat doch keinen Zweck. Gott kann dir das nicht vergeben. Deine
Schuld ist viel zu groß.«

Mitunter erinnert er auch an längst vergebene Schuld. Mit


diesem taktischen Manöver möchte er unsere Liebe und unser
Vertrauen zu jesus Christus zerstören. Er will nicht, daß wir
kindlich zum Schöpfer Himmels und der Erde »lieber Vater«
sagen und uns darüber freuen, daß uns das Blut jesu von aller
Sünde reinigt. Viel lieber möchte er, daß wir uns Gott als einen
grausamen Tyrannen vorstellen, der nur darauf bedacht ist,
unsere Minuspunkte aufzuaddieren. Mit diesem falschen
Gottesbild verfolgt er ein bestimmtes Ziel: Er möchte, daß wir
uns von jesus Christus abwenden.

Es bleibt dabei: »Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er


treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns
von aller Untugend« (l. Job. 1, 9). Wenn uns der Teufel eine
Niederlage beigebracht hat, dürfen wir sofort um die Vergebung
unserer Schuld bitten: »Wir müssen schneller sein als der
Teufel« so sagte es gelegenthch ein erfahrener Seelsorger.
Richtig! Niemand, der zu jesus Christus gehört, sollte
liegenbleiben, wenn ihn Satan »niedergeschlagen« hat. Gott will
auch nicht, daß wir unsere Wunden bejammern, sondern sofort
damit rechnen, daß jesus Christus alles vergibt und uns erneut
auf die Ebene des Sieges stellt. Erich Sauer hat den guten Satz
formuliert: »Hinfallen ist menschlich, hegenbleiben ist teuflisch,
aufstehen ist göttlich. «

Isolierung. Die Gemeinde Jesu siegt als Mannschaft. Wer sich


vom Teufel isolieren läßt, wird »abgeschossen«. Viele scheinen
das zu vergessen und merken gar nicht, wie Satan Antipathien,
Vorurteile und Mißverständnisse bis zum Haß steigert, um uns
dann einzureden: »Setz dich ab. « Er will, daß wir uns über den
Bruder ärgern, er¬innert beständig an den Splitter im Auge des
andern, zeigt überdimensional die Fehler solcher, die auch zu
jesus Christus gehören, und verfolgt dabei immer das gleiche
Ziel¬Absonderung.

Wenn es dem Teufel gelingt, die Gemeinde in Gruppen


aufzuspalten, die oft erstaunlich rasch bestehende Kontakte
abbrechen und eines Tages gegeneinander kämpfen, hat er die
Schlacht gewonnen. Die wenigen »Oberlebenden« schießt er
dann der Reihe nach unbarmherzig ab. Manche Trennung und
gewiß auch viele Tränen wären der Gemeinde Jesu erspart
geblieben, hätte sie dieses taktische Manöver des Teufels
rechtzeitig durchschaut.

jesus sagt »Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch
untereinander hebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr
einander liebhabt. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr
meine jünger seid, ihr Liebe untereinander habt« (Joh. 13, 34 35).
»Diese Liebe addiert die Fehler der andern nicht auf, weil sie um
das eigene Versagen weiß, nicht zuletzt auch damit rechnet, daß
unser Herr größer ist als unser Herz, das uns so oft verdammt,
und alle Dinge weiß (l. Joh. 3, 20). Diese Liebe rechnet das Böse
nicht zu, freut sich nicht der Ungerechtigkeit, verträgt alles,
glaubt alles, hofft alles, erduldet alles (1. Kor. 13, 3 7). Diese
Liebe will beim Bruder bleiben, koste es, was es wolle auch
dann , wenn das nur unter Opfern möglich ist. Wir alle haben
schwache Stunden, die Satan nur zu gern ausnutzt, um uns in
die Knie zu zwingen. Und darum können wir auf den Bruder
neben uns nicht verzichten.

Infiltration = eindringen, einsickern, einströmen. Satan hat Zeit.


Wenn er bestimmte Gebiete unseres Lebens nicht auf einmal
zurückerobern kann, versucht er es nach und nach mit kleineren
Teilerfolgen. Er bildet gleichsam Brückenköpfe, die er zu
Ausgangspositionen für eine breit angelegte Offensive
ausbauen kann. Das weite Feld der »Mitteldinge« sind jene
Nahtstellen, auf die er gezielt seine Stoßkeile richtet, um dort
Geländegewinne zu erzielen.

Wer immer noch fragt: »Darf ein Christ tanzen, rauchen,


trinken ... ?«, merkt gar nicht, daß er bereits teuflisch berannt
wird. Gewiß gibt es Sünden, die schlimmer sind als alles das
zusammengenommen. Wir sind aber falsch beraten, wenn wir
diese Dinge verharmlosen. Die Rundfunkseelsorge hat mir mehr
als einmal gezeigt, daß das weite Feld der »Mitteldinge«
gemeint ist also alles, was noch nicht Sünde ist, aber zur Sünde
werden kann bei weitem unterschätzt wird. Man könnte den
Eindruck haben, daß gerade solche, die lauthals die falsch
verstandene christliche Freiheit in alle Welt hinausposaunen,
den Jammer über die eigene Gebundenheit übertönen wollen.
Schon mancher ist beim Tanz bildlich gesprochen
ausgerutscht, wurde Sklave des Nikotins oder des Alkohols und
geriet dabei in die Zwänge des Lasters. Das alles geschah nicht
auf einmal, sondern nach und nach.

Wir sollten hellwach sein und uns in unserem Lebensstil bewußt


von einer Welt unterscheiden, die sich im hemmungslosen
Sinnengenuß selbst zerstört. Paulus schreibt den Römern:
»Nun, liebe Brüder, ermahne ich euch im Blick auf die
Barmherzigkeit Gottes: Weiht eure Leiber Gott als ein
lebendiges, heiliges und ihm wohlgefälfiges Opfer! Das ist euer
vernünftiger (wörtlich: logischer) Gottesdienst, den ihr halten
könnt. Gestaltet euer Leben nicht nach der Weise wörtlich: dem
Schema) dieser Weltzeit, sondern laßt euch vielmehr umwandeln
und eine neue Gesinnung schenken! Dann werdet ihr auch
imstande sein zu prüfen und zu erkennen, was Gottes Wille ist,
das heißt, was in seinen Augen gut, schön und vollkommen ist«
(Röm. 12, 1 2).

Resignation. Teilerfolge des Teufels führen zur Entmutigung.


Man rechnet nicht mehr mit dem Sieg jesu. Resignation gibt es
aber auch dann, wenn wir keine Erfolge sehen. Darüber hinaus
haben wir uns einer Entmutigung zu erwehren vor großen
Siegen, die jesus für uns bereithält. Dazu ein Beispiel:

»Der junge Norweger Hans Nielsen Hauge zog aufgrund einer


spontanen Christusvision, die er auf freiem Felde erlebte, als
Erweckungsprediger im Jahr 1800 in eine verrufene Gegend, das
Numetal. Auch dort wollte er das Licht Christi in den Herzen der
einsamsten Bauern entzünden. Während er auf seinem Pferd
dahinritt, überfielen ihn immer wieder Anfechtungen. Er fühlte
die Nähe des Satans körperlich hinter sich her. Am liebsten wäre
er umgekehrt. Aber er zwang sich, den Weg fortzusetzen. Wüste
Gedanken fallen ihn immer wieder stoßweise an, so daß ihm ist,
»als ob der Teufel hinter ihm im Sattel säße«. Aber mit letzter
Kraft schüttelt er die Angst von sich ab. »Vorwärts will ich,
vorwärts muß ich!« ruft er und reitet scharf drauflos, bis er im
ersten Kirchspiel des Tales ankam. Aber gerade dort ist ihm eine
besonders gesegnete Wirkung beschieden worden. So hat der
Apostel Nordnorwegens »die Kraft des bösen Feindes« als die
»Kraft eines rauhen Nordwindes, der durch sein Wehen kalt und
gefrieren macht, tötet und starr macht« (Nikolaus von Cusa)
zwar gespürt, aber im Sieg Christi überwunden (l/79).

In Jakobus 4, 7 ist zu lesen: »Widersteht dem Teufel, so flieht er


von euch!« Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!« Es gibt
Situationen, in denen wir allen Empfindungen zum Trotz den
Auftrag unseres Herrn auszurichten haben. Satan flieht. Er
weicht übrigens auch, wenn wir geschützt durch das Blut jesu
ihm im Namen Jesu gebieten.

Satan hat viele Methoden erprobt. Er weiß, mit welcher Taktik er


jeweils anzugreifen hat. »Groß' Macht und viel List sein'
grausam' Rüstung ist.« Dieser Satz Martin Luthers sicherlich
aus eigener Erfahrung gesprochen kann von vielen bestätigt
werden. Und doch sollten wir uns nicht in erster Linie auf den
übermächtigen Feind konzentrieren, sondern auf jesus Christus,
den Sieger von Golgatha. Er hat der Schlange den Kopf
zertreten. Niemand kann ihm seinen Triumph streitig machen.
Vor dem kyrios zittert das 1 leer der Dämonen. Alle Gewalt ist
ihm gegeben im Himmel und auf Erden.

»Er hat den Schuldzettel, dessen Inhalt uns verklagte, zerrissen,


beseitigt, ja ans Kreuz genagelt. Er hat alle Mächte und Gewalten
entwaffnet, an den öffentlichen Pranger gestellt und am Kreuz
über sie einen Triumph davongetragen« (Kol. 2, 14 15).

»Der Sohn Gottes ist gekommen, um die Werke des Teufels zu


zerstören« (l. Joh. 3, 8).

An diesem Sieg will jesus seine Gemeinde beteiligen. Darum


kann Paulus den Korinthern schreiben:
»Die Waffen, mit denen ich streite, sind nicht die sonst
übli¬chen, wohl aber starke Gotteswaffen. Mit ihnen sind wir in
der Lage, Bollwerke niederzuwerfen, ja jede Festung zu
zerstören, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt« (2. Kor.
10, 4. 5).

Menschen, die jesus Christus verpflichtet sind und ihr Leben an


ihn gebunden haben, leben mithin nicht defensiv, sondern
offensiv. Befähigt werden sie dazu von ihrem auferstandenen
Herrn, der ihnen Sieg geben will »an allen Orten« (2. Kor. 2, 14).

Freilich ist das nur möglich in der geistlichen Waffenrüstung, die


Paulus in seinem Brief an die Epheser beschreibt (Eph. 6, 13 17):

»Darum nehmt die volle Waffenrüstung Gottes, damit ihr am


bösen Tage widerstehen, alles gut durchführen und als Sieger
das Feld behalten könnt. Steht darum zum Kampf bereit;
umgürtet eure Hüften mit Wahrheit, zieht an den Panzer der
Gerechtigkeit, bindet eure Schuhe fest an eure Füße in der
Be¬reitschaft, die Heils und Friedensbotschaft weiterzugeben.
Habt in allen Lagen den Schild des Glaubens bei euch, mit dem
ihr alle Feuerpfelle des Bösen unschädlich machen könnt.
Schließlich nehmt den Helm des Heils und das Schwert des
Geistes, nämlich das Wort Gottes. Bei allem betet zu jeder Zeit
im Heiligen Geist. Dabei seid wachsam in großer Ausdauer und
treuer Fürbitte für alle Heiligen.«

Damit wir das, was Paulus hier meint, besser verstehen, sei
zunächst noch einmal darauf hingewiesen, daß Satan nicht mit
offenem Visier kämpft, sondern mit Ränken, Schlichen,
Tarnungen aller Art. Er bedient sich dabei bewährter Methoden,
wörtlich: der Umwege, um uns zu überlisten. Berechtigt und
dringlich ist darum der Appell: »Werdet stark in dem Herrn und
in der Kraft seiner Stärke.« Man könnte auch übersetzen: ». . . in
der Machtäußerung seiner inneren Stärke.« Weil der Feind
übermächtig und mit einer raffinierten Taktik angreift, müssen
wir uns so eng an jesus anschließen, daß er uns mit seiner
Auferstehungskraft unmittelbar beschenken kann. Es gilt,
hellwach nicht nur den Angn*ff selbst, sondern bereits den
dämonisch getarnten Aufmarsch zu erkennen.
Die Waffenrüstung ist da wörtlich: die Ganzausrüstung Gottes.
Dieser Begriff steht im ganzen Neuen Testament nur hier und in
Lukas 11, 22. Während Epheser 6, 11 17 modern ausgedrückt
den Kampfanzug solcher meint, die für jesus kämpfen,
bezeichnet Lukas 11, 22 die Rüstung des Feindes. Der geistliche
Waffengang ist demnach kein Spiegelgefecht, sondern ein
bewaffneter Nahkampf genau übersetzt: Ringkampf. Mit der
»Ganzausrüstung« will Paulus die volle Rüstung eines
römischen Legionärs beschreiben, bestehend aus Schild, Helm,
Brustpanzer, Beinschiene, Schwert und Lanze. Fritz Rienecker
schreibt dazu in seinem Epheser Kommentar:

» Die Ausrüstung des Gläubigen gleicht nicht der eines


Leichtbewaffneten (kleiner Schild), der leicht beweglich sein
muß, um schnell angreifend und ebenso schnell fliehend den
Feind hier und dort zu bedrängen sucht; der Gläubige ist ein
Schwerbewaffneter (großer Schild). Diese Schwerbewaffneten
waren die Kerntruppe des antiken Heeres, welche die
Entscheidung herbeizwangen, die nur siegten oder fielen.
Wegen der schweren Rüstung war eine Flucht unmöglich«
(43/407).

Diese Rüstung müssen wir »anziehen, in sie hineingehen,


hineinkriechen«. Die ursprüngliche Wortbedeutung lautet: sich
hineintauchen. Der Kampfanzug ist also nicht ein Dreß, den man
im Bedarfsfall aus dem Schrank holt und im übrigen sorgfältig
pflegt, sondern eine Rüstung, mit der wir ständig bekleidet sein
müssen: Tag und Nacht, Stunde um Stunde. Nur so können wir
den dämonischen überfällen standhalten und das »Feld«
behalten. Es gibt »böse Tage«, satanisch beherrschte Zeiten, die
man nur in der geistlichen Waffenrüstung durchstehen kann. Wir
müssen sie »aufnehmen«: »In diesem Ausdruck liegt, daß man
sich bücken muß, daß es mit Beschwerlichkeiten für den
Gläubigen verbunden ist, die geistliche Ganzrüstung, die
Heiligung >anzulegen<« (43/411).

An der Hüfte gilt es, gegürtet zu sein. (Dieses Wort steht bei
Paulus nur hier; dann findet es sich in den bedeutsamen
Parallelen zu dieser Stelle: Luk. 12, 3 5. 3 7 und Apg. 12, 8). Da
man im Hause das Gewand umgürtet hatte, bezeichnet das
Gürten die Bereitschaft zur Tätigkeit, besonders zum Wandern.
Der Gürtel, der das Gewand zusammenhält, ist der wichtigste
Teil der antiken Kleidung (43/414). Sowohl für den Soldaten als
auch für den antiken Kämpfer ist der Gürtel in der
Kampfsituation geradezu unentbehrlich. Der römische Legionär
befestigte am Gürtel sein Schwert. Kein Schwert ohne Gürtel;
aber auch umgekehrt: kein Gürtel ohne Schwert! Ohne Bild: Das
Schwert des Geistes das Wort Gottes und die innere
Wahrhaftigkeit gehören zusammen. »In dem Ausdruck
~Wahrhelt< ist dasjenige vorhanden, was allein ewige Realität
hat und ist, was darum ganz allein gilt und ewige Norm ist, von
dessen Anerkennung und Aufnahme das ewige Geschick
abhängt« (43/114). Wahrhaftig sind wir dann das entspricht der
Wortbedeutung , wenn wir unverhohlen, aufrichtig, zuverlässig
und echt sind.

Der Panzer der Gerechtigkeit. »DasWort Gerechtigkeit


bezeichnet eine Eigenschaft. Neben einer profanen Bedeutung
als der Eigenschaft des Richters ist es im Neuen Testament
stets ein religiöser Wertbegriff. Weil es von Gott und den
Gläubigen gleichermaßen ausgesagt werden kann, ist es mit
manchen anderen biblischen Worten gleichzustellen und
entspringt den tiefsten Tiefen des Glaubens. In Epheser 6, 14 ist
der Akzent ein wenig verschoben. Der Ausdruck kennzeichnet
das Verhalten des Menschen, der der göttlichen
Rechtsentscheidung, der göttlichen Norm entspringt.

Diese Norm, das Lebenselement des Glaubens, ist aber, daß der
Christ in Gott wurzelt, daß er aus der oberen Welt die Kräfte, die
Antriebe, die ganze Art und Richtung seines Lebens erhält. So
liegt in dem Wesen dieses Wortes, daß ein gerechtes, ein
rechtes Verhalten zu den Menschen, zur >Umwelt<, nur dann
möglich ist, wenn man ein gerechtes, ein rechtes Verhältnis zu
seinem Gott und Heiland hat« (43/355). Der Panzer der
Gerechtigkeit besteht nicht aus antrainierten Tugenden. Er ist
das »Kleid des Heils« (jes. 61, 10) oder »Christi Blut und
Gerechtigkeit«, das also, was die Väter des Glaubens »Schmuck
und Ehrenkleid« genannt haben. Wenn wir geistlich siegen
wollen, müssen wir dafür sorgen, daß sich keine Sünde
einschleicht. Bildlich gesprochen: der Panzer der Gerechtigkeit
darf keine Löcher haben, in die Satan seine »feurigen Pfeile«
hineinschießt. Wir sollten alle miteinander neu entdecken, wie
wichtig und heilsam zugleich ein rechtverstandenes
»Beichtgespräch« ist, bei dem man Sünden erkennt und bekennt
und dabei gleichsam schadhafte Stellen des Panzers
ausbessert.

Die Bereitschaft, das Evangelium weiterzusagen, vergleicht


Paulus mit geschnürten Schuhen. Dieses Bildwort kann man
sprachlich nur ungenau wiedergeben. Wörtlich müßte man
sagen: sich untergebunden habend in bezug auf die Füße.
Gemeint ist der »Bereitschaftszustand des Evangeliums des
Friedens« (43/414). Gewiß kann man auch barfuß kämpfen aber
nicht in J*edem Gelände. Unser Herr will aber, daß wir in allen
Bereichen kampfbereit sind und dabei nicht nur die Stellung
halten, sondern zugleich Widerstandsnester des Feindes
ausheben. Das geschieht, wenn wir in Wort und Tat anderen das
Evangelium des Friedens bezeugen.

Der Langschild des Glaubens. »Auch dieser Begriff steht im


Neuen Testament nur hier und bezeichnet den großen
römischen, vierekkigen Langschild, der ungefähr die ganze
Gestalt des Kämpfers verdeckte. So ist auch der Gläubige durch
seinen Glauben ganz verdeckt. Der Feind kann ihn nirgends
verwunden. Ursprünglich ist thyreos der Türstein, der vor den
Ausgang gesetzt wird, um diesen zu verschließen. Der Glaube
ist auch gleichzeitig die Tür, durch die man ins Reich Gottes
hineinkommt. Der Gläubige ist einer, der mit dem Tau des
Vertrauens sich fest verbunden weiß mit seinem Gott« (43/415).

Satan schießt mitunter ein ganzes Bündel quälender Zweifel auf


uns ab, die man mit feurigen Pfeilen vergleichen könnte. Sie
können alle »ausgelöscht«, also unschädlich gemacht werden,
wennvn*r uns als Leute verstehen, die am Kreuz mit dem Blut
jesu freigekauft und mit Christus gekreuzigt sind. Auch dann,
wenn Denken und Fühlen die Realität unseres auferstandenen
Herrn nicht registrieren, dürfen wir glaubensfroh trotz aller
Zweifel buchstabieren: »Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem
Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach
väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines
unschuldigen und unbefleckten Lammes« (i. Petr. 1, 18 19).
Dieser Langschild deckt uns ab, wenn Satan auf uns seine
Zweifel abfeuert. Müßten wir übrigens nicht viel häufiger gerade
dann, wenn wir angefochten werden, mit den Zusagen unseres
Herrn rechnen? Bibelkenner sollen ausgerechnet haben, daß es
in der Heiligen Schrift mindestens 36 000 Verheißungen gibt
also für jeden Tag hundert. Machen wir sie uns zu eigen.~

Der Helm des Heils. Eigentlich handelt es sich hier um ein Wort,
das »um den Kopf gehend« bedeutet. Statt Heil könnte man
auch Rettung sagen. Im griechischen Götzendienst bedeutete
dieses Wort: »Das alte Leben ist abgelaufen, und die Göttin
verpflanzt den Würdigen in ein neues Leben des Heils.« Dieser
Wortinhalt kann voll und ganz auf das neue Leben übertragen
werden. Unser Herr hat uns hineingepflanzt in eine neue
Wirklichkeit. Außerdem besagt der Begriff »Rettung«, daß »alle
göttlichen Hellsgüter, obschon in der Gegenwart gegeben, doch
in ihrer vollen Entfaltung und Entäußerung der Zukunft
angehören« (43/115). Mit diesem Gedanken können wir im
Gefecht gewissermaßen unseren Kopf schützen.

Nicht zu Unrecht wird behauptet. »Säe einen Gedanken, und du


erntest ein Wort; säe ein Wort, und du erntest eine Tat; säe eine
Tat, und du erntest ein Schicksal.« Satan weiß um diese
Gesetzmäßigkeit, und darum zielt er auch auf den Kopf. Er will
unsere Gedanken vergiften. Gelingt ihm das, sind wir schnell
»niedergeschlagen« und liegen sehr bald am Boden. Darum
müssen wir uns den Helm des Heils umbinden. Weil wir erlöst
sind, haben wir es nicht nötig, in irgendeine okkulte Praktik
einzuwilligen. Wer sofort den ersten Gedanken an irgendeinen
okkulten Grenzübergang weit von sich weist, hat einen
wichtigen Tellsieg errungen.

Wir können es uns einfach nicht leisten, auf den Helm des Heils
zu verzichten. »Der Helm hat die Aufgabe, die Schwertschläge
des Feindes aufzufangen und abzuschwächen. Nie wird der
Christ in seinem Glaubenskampf davor bewahrt bleiben, daß er
nicht auch >eins einstecken muß~, daß ihn ein Schlag trifft. Aber
dann haben wir das Heil in Christus, das die Wucht des
Schlages auffängt. Man kann auch übersetzen >Helm der
Erlösung<. In solchen Stunden dürfen wir uns dessen
vergewissern, daß wir erlöste Menschen sind errettet aus
Sünde, Tod und Teufel. >Denn dein Heil steht allein bei mir,
spricht Gott<« (Hos. 13,9) (43/418).

Das Schwert des Geistes. Man kann auch übersetzen: »Dolch


des Geistes. « Machaira ist ursprünglich das kurze, dolchartige
Schwert, das man im Nahkampf verwendete. Es handelt sich
dabei um die letzte Waffe, die der Kämpfer noch besitzt, wenn er
alles andere verloren hat auch der Geist ist für den Gläubigen
das letzte Mittel, zu dem er greifen kann« (43/415).

Wer die Bibel solange angeblich wissenschaftlich kritisiert, bis


aus dem Schwert des Geistes ein harmloses Taschenmesser
geworden ist, darf sich nicht wundern, wenn er von der Dämonie
zum geistlichen Krüppel geschlagen wird. Die ganze Heilige
Schrift ist Gottes Wort ohne Wenn und Aber. Sie ist nun einmal
im Nahkampf mit den Mächten der Finsternis die
unaustauschbare Offensivwaffe. Die Seelsorge an okkult
Belasteten hat das tausendfach gezeigt. Und darum sollten wir
uns nicht darauf einlassen, im Namen der intellektuellen
Redlichkeit die Bibel zu entblättern.

Noch einmal sei darauf hingewiesen, daß wir auch nicht das
Recht haben, den biblischen Begriff »Blut jesu« einfach durch
»Tod jesu« zu ersetzen. Wenn es dem Heiligen Geist gefallen
hat, zwischen diesen beiden Begriffen zu unterscheiden, steht
es uns gut zu Gesicht, diese Formulierungen so stehenzulassen,
wie sie sind. Im Nahkampf mit satanischen Mächten können wir
auf die Kraft des Blutes Jesu nicht verzichten.

Vier Gesichtspunkte zur geistlichen Waffenrüstung

1 . Christen - Menschen also, die durch den Heiligen Geist das


neue Leben empfangen haben - sind keine Paradesoldaten, die
in Galauniformen vor Touristen eine Show abziehen, sondern
Nahkämpfer in der Frontsituation.

2. Wir sollten nicht geistlich abrüsten, sondern aufrüsten, weil


die okkulte Invasion längst begonnen hat.

3. Alle Teile der »Ganzausrüstung Gottes« sind gleich wichtig:


ob Panzer oder Helm, Schild oder Schwert, Gürtel oder Schuhe.
Auf einen Teil dieses Kampfanzuges zu verzichten ist nicht nur
leichtsinnig, sondern zugleich lebensgefährlich.

4. Der geistliche Kampf ist nicht nur defensiv, sondern in erster


Linie offensiv zu führen. »Wir sollen nicht nur Schwertschläge
hinnehmen. Wir sollen sie selber austeilen. In der Macht seiner
Stärke wollen wir kämpfen. Wir wollen versuchen, im tapferen
Glaubenszeugnis und im Gebet der Finsternis die kostbaren
Menschenseelen zu entreißen. Wir wollen versuchen, in der
Macht geistlichen Wesens die Sache des Reiches Gottes
vorwärtszutreiben« (43/418). Der auferstandene Herr will, daß wir
dem »Starken« seine Rüstung abnehmen und »Beute« verteilen
(Luk. 11, 22).

Kein Sieg ohne Gebet, aber auch keine geistliche Kampfausr


üstung ohne Gebet. Epheser 6, 18 könnte man so beginnen: »So
kämpft nun richtig, indem ihr durch vielerlei Gebet und Bitten zu
jedem Zeitpunkt im Geiste flehet und indem ihr zu diesem Zweck
wachsam seid in aller Beharrlichkeit und Flehen für alle
Heiligen.«

Dazu noch einmal Fritz Rienecker:

»Gebet ist Kampf. Das alttestamentliche Vorbild eines solchen


Gebetskampfes ist Jakobs Ringen mit dem Engel am jabbok (l.
Mose 32, 24ff.).

Gebet ist eine Waffe. Nicht ohne Grund schließt Paulus seiner
Beschreibung der geistlichen Rüstung diese Aufforderung zum
Gebet an. Es ist, als wollte er sagen: »Hier ist eure beste Waffe.
« Als Mose und sein Heer gegen die Amalekiter stritten (2. Mose
17, 8ff.), da half es dem Volk Israel nichts, daß es mehr oder
minder gut ausgerüstet war, da half es ihm aber auch nicht, daß
es das auserwählte Volk war, das Volk seines Eigentums. Da
half ihm einzig und allein, daß oben auf einsamem Berge ein
Mann, unterstützt von zwei Glaubensbrüdern, die Hände zum
Himmel emporhob.

Gebet zu jedem Zeitpunkt. »Wir sind im Kampfe Tag und Nacht.«


Nicht nur zu jeder Stunde. Nein, ob gute oder schlechte Laune,
ob Glaubensfreudigkeit oder Niedergeschlagenheit betet!

Betet im Geist! Man kann auch übersetzen: durch den Geist. Nur
Menschen, die wiedergeboren sind also geistbegabt können
recht beten (Joh. 4, 24). Andere vermögen im besten Falle ein
Gebet zu sprechen.

Ausdauerndes Gebet für alle Heiligen (43/420).

Wir müssen anhaltend, konzentriert, gezielt beten, zumal wir


auch in den Gebeten vor den listigen Anläufen des Teufels nicht
sicher sind. jesus mahnt: »Wachet und betet, daß ihr nicht in
Anfechtung fallt« (Matth. 26, 41). Gott bekennt sich zum
anhaltenden Gebet. Von Hanna wird berichtet: »Da sie lange
betete vor dem Herrn« (l. Sam. 1, 12). Von Komelius wird gesagt,
daß er »immer betete« (Apg. 10, 2). Auch bei David ist das
beharrliche Gebet zu finden (Dan. 6, 10). Menschen, die zu jesus
Christus gehören, sollten sich im weltumspannenden Gebet
üben und dabei sowohl an globale Anliegen denken als auch an
kleine, örtlich begrenzte.

»Nur wenn wir gewissenhaft >für alle Heiligen beten<, wird die
Gemeinde in göttlicher Glaubenslebendigkeit bestehen und
gedeihen« (43/422).

Augustinus hat gesagt: »Einmal gesungen ist zweimal gebetet. «


Das trifft weithin zu. Wie wichtig es ist, Gott auch in der
geistlichen Kampfsituation zu loben, zeigt ein Bericht aus 2.
Chronik 20. Feindliche Truppen sind aufmarschiert. Israel ist in
großer Gefahr. Da entschließt sich der König, den Herrn zu
suchen. Zu lesen ist: »Josaphat aber fürchtete sich und richtete
sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen, und er ließ in ganz
juda ein Fasten ausrufen. « Das bleibt nicht ohne Erfolg,
Menschen kommen aus allen Städten Judas, um den Herrn zu
suchen. Gott antwortet. Jahasiel darf prophetisch sagen: »So
spricht der Herr zu euch: Ihr sollt euch nicht fürchten und nicht
verzagen vor diesem großen Heer, denn nicht ihr kämpft,
sondern Gott.«

Dann wählt Josaphat eine Strategie, die auch der


neutestamentlichen Gemeinde zeigen kann, wie wir teuflischen
Anfechtungen wirksam begegnen können: »Und er beriet sich
mit dem Volk und bestellt Sänger für den Herrn, daß sie im
heiligen Schmuck Loblieder sängen und vor den Kriegsleuten
herzögen und sprächen: Dankt dem Herrn, denn seine
Barmherzigkeit währet ewigech.« Die Auswirkung: »Und als sie
anfingen mit Danken und Loben, ließ der Herr einen Hinterhalt
kommen über die Ammoniter und Moabiter und die vom Gebirge
Seir, die gegen juda ausgezogen waren, und sie wurden
geschlagen.«

In allen Anfechtungen dürfen wir wissen: Der Herr kämpft für


uns. jesus Christus hat am Kreuz den Teufel und das ganze
organisierte Heer dämonischer Mächte ein für allemal besiegt.
Wenn wir ähnlich wie damals die Leute im Alten Testament
singend in den Kampf ziehen und den Sieg glaubend
vorwegnehmen, ehren wir unseren Herrn und überzeugen uns
davon, daß vor dem Namen Jesu die Hölle zittert.

Ja, Jesus siegt, obschon das Volk des Herrn noch hart
darniederliegt. Wenn Satans Pfeil ihm auch von nah und fern mit
List entgegenfliegt, löscht Jesu Arm die Feuerbrände; das Feld
behält der Herr am Ende. Ja, Jesus siegt!

Literaturverzeichnis

1 Wilhelm Horkel: »Botschaft von Drüben« Verlag Goldene


Worte, Stuttgart
2 Paul Müller: »Die unsichtbare Welt« Hänssler Verlag,
Neuhausen Stuttgart 1968
3 Hermann Leitz: »Engel gibt es« Verlag der Liebenzeller
Mission, Bad Liebenzell, 4. Auflage 1969
4 Paul Bauer: »Horoskop und Talisman« Quell Verlag, Stuttgart,
1963
5 Reinhold Ruthe: »Medien, Magier, Mächte« Aussaat Verlag,
\X'tippertal, 1968
6 Staffort Wright: »Der Christ und das Okkulte« R. Brockhaus
Ver!ag, Wuppertal, 1974
7 Gerhard Bergmann: „... und es gibt doch ein Jenseits“
Schriftenmissions Verlag, Gladbeck/Westf., 1971
8 Walter Freitag: »Das Dämonische in den Rellgionen« (Aufsatz)
9 »Das Bertelsmann Lexikon«, Band 3 C. Bertelsmann Verlag,
Gütersloh, 1954
10 »Der Gesundheits Brockhaus« F. A. Brockhaus, Wiesbaden,
1953
11 R. Brasch: »Dreimal schwarzer Kater« Deutscher
Taschenbuch Verlag, München, 1973
12 Dr. Kurt E. Koch: »Seelsorge und Okkultismus«
Evangelisations Verlag, Berghausen b. Karlsruhe, 1955
13 Dr. Kurt E. Koch: »Die Magie« Evangelisations Verlag,
Berghausen
14 Richard Kriese: »Besiegte Schwermut« Verlag der Francke
Buchhandlung, Marburg
15 Prof. Dr. Walther Hinz: Moderne jenseitsforschung, (Aufsatz)
16 »Lexikon zur Bibel« R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1960
17 »Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament«,
Band 11/2 Verlag Brockhaus,Wuppertal, 1971
18 Hans Rohrbach: »Naturwissenschaft, Weltbild, Glaube« R.
Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1967
19 Fritz Rienecker: »Das Evangelium des Matthäus« R.
Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1953
20 Alfons Rosenberg: »Praktiken des Satanismus« Glock & Lutz,
Nürnberg
21 Ralph Luther: »Neutestamentliches Wörterbuch« Furche
Verlag, Hamburg, 1951
22 Fritz Rienecker: »Das Evangelium des Lukas« R. Brockhaus
Verlag, Wuppertal, 1966
23 Werner de Boor: »Das Evangelium des johannes«, 2.Teil R.
Brockhaus Verlag, Wuppertal
24 Werner de Boor: »Die Briefe des Paulus an die Philipper und
an die Kolosser« Brockhaus Verlag,1957
25 Werner de Boor: »Die Briefe des Paulus an die
Thessalonicher« Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1960
26 Adolf Pohl: »Die Offenbarung des Johannes«, 1. Teil R.
Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1969
27 «Evangefisches Kirchen Lexikon« Verlag Vandenhoeck &
Ruprecht, Göttingen
28 W. C. van Dam: »Dämonen und Besessene« Paul Pattloch
Verlag, Aschaffenburg, 1970
29 Johann Christoph Blumhardt: »Die Krankheitsgeschichte der
Gottl. Dittus« Ludwig Appel Verlag, Hamburg, 1950
30 »Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testarnent«,
Band II/1 Theol. Verlag Brockhaus, Wuppertal, 1969
31 Kurt Hutten: »Impulse«, Nr. 4 IX/69 Evangelische Zentrale für
Weltanschauungsfragen
32 Friedrich Zündel: »Johann Christoph Blumhardt« Brunnen
Verlag, Basel, 1942
33 Kurt Hutten: »Informationen« Nr. 54 IX/73 Evangelische
Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
34 »Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament« Band
11Verlag W. Kohlhamrner, Stuttgart, 1935
35 Resene Rojas: »Vom Spiritisten zum Evangelisten« Zeitschrift
»Offene Türen« 2/74
36 Watchman Nee: »In der Welt nicht von der Welt« R.
Brockhaus Verlag, Wuppertal
37 Fritz Laubach: »Der Brief an die Hebräer« R. Brockbaus
Verlag, Wuppertal, 1967
38 Werner de Boor: »Der erste Brief des Paulus an die
Korinther« R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1968
39 F. Godet: »Kommentar zu dem ersten Brief an die Korinther«
Verlag Carl Meyer, Hannover, 1886
40 Gudrun Gebhardt: »Teufelsaustreibung als Knüller?« (Beitrag
im Evangeliums Rundfunk)
41 Dr. A. Mader: »Die Herausforderung an die Macht des Bösen«
»Die Gemeinde« Nr. 3/62 (Aufsatz)
42 Richard Kriese: »konkret gefragt konkret geantwortet«
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal, 1974
43 Fritz Rienecker: »Praktischer Handkommentar zum
Epheserbrief« Verlag G. Ihloff,Neumünster/Holstein,
44 Otto Riecker: »Das evangelistische Wort« Hänssler Verlag,
Neuhausen Stuttgart

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Psychologie und das Okkulte

Der große Physiker David Bohm anerkannte widerwillig »die


Unmöglichkeit eines letztendlichen Wissens« per Wissenschaft.
Als Student des indischen Mystikers Krishnamurti wurde Bohm
tief vom Hinduismus und dessen mystischen Offenbarungen
beeinflußt. Ähnliche Schlußfolgerungen von anderen führenden
Denkern und Wissenschaftlern sind in einem respekt- und
gottlosen, aber gedankenanregenden Buch zu finden mit dem
Titel The End of Science: Facing the Limits of Knowledge in the
Twilight of the Scientific Age (»Das Ende der Wissenschaft:
»Konfrontation mit den Grenzen der Erkenntnis im Zwielicht des
wissenschaftlichen Zeitalters«), das vom Autor und Redakteur
der Scientific American (deutsche Ausgabe: »Spektrum der
Wissenschaft«) John Horgan geschrieben wurde.

Nobelpreisträger Richard Feynman gibt (ebenso wie andere


führende Physiker) der Physik nur geringe Zukunftsaussichten.
Für Wissenschaftler ist es frustrierend einzugestehen, dass aller
Existenz etwas zugrunde liegt, was der Mensch niemals
verstehen wird. Natürlich würde man genau das von einem von
Gott erschaffenen Universum erwarten. Lange vor den heutigen
Physikern informierte die Bibel uns:

Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes


Wort bereitet sind, sodass das Sichtbare nicht aus
Erscheinendem geworden ist (Hebr 11, 3).

Es gibt einige Dinge, die wir nur verstehen, indem wir glauben,
was Gott uns sagt. Er sagt nicht, dass das sichtbare Universum
aus etwas Unsichtbarem oder aus nichts gemacht wurde –
sondern nur, dass es nicht durch irgendetwas geschaffen
wurde, was der Mensch sehen kann, nicht einmal mit den
höchstentwickelten Elektronenmikroskopen oder irgendeinem
anderen Instrument, das wir erfinden könnten. Wir sind
informiert, dass das Universum durch »das Wort Gottes«
entstanden ist und »durch das Wort seiner Macht« (Hebr 1,3)
aufrechterhalten und getragen wird. Mehr als das können und
brauchen wir nicht zu wissen.

Der Mensch wird niemals das Geheimnis lösen, das der Existenz
des Weltraums, der Zeit und der Materie zugrunde liegt. Jede
Tür, die die Wissenschaft öffnet, bringt auf der anderen Seite
zehn weitere ungeöffnete Türen zum Vorschein. Mit jeder neuen
Entdeckung türmt sich vor uns das Unbekannte auf wie die
fliehenden Bilder in einem Spiegelkabinett. Nobelpreisträger
Niels Bohr sagte über die Quantenmechanik: »Wenn du denkst,
dass du sie verstehst, dann zeigt das nur, dass du nicht einmal
die elementarsten Dinge darüber weißt.« In der Tat wissen wir
nicht, was Schwerkraft, Energie, Elektronen oder irgendetwas
anderes ist. Die Wissenschaft hat die einst stolze Hoffnung
aufgegeben, die letztendliche Realität erforschen zu können. Wir
hatten bereits Sir James Jeans zitiert:

"Die herausragendste Errungenschaft der Physik des 20.


Jahrhunderts ist nicht die Relativitätstheorie … oder die
Quantentheorie … oder die Kernspaltung … [sondern] die
allgemeine Erkenntnis, dass wir mit der höchsten Realität noch
gar keinen Kontakt haben …"

Wir wissen nicht, an welchem Punkt das Physische mit dem


Spirituellen verbunden ist. Aber irgendwo dort draußen (oder
drinnen?) gibt es ein anderes nichtphysisches Universum (oder
viele solcher Universen?), das unseren Verstand völlig
übersteigt. Mit keiner wissenschaftlichen Methode und keinem
Instrument kann man feststellen, ob das Spirituelle dem
Natürlichen zugrunde liegt, eine Erweiterung des Natürlichen ist
oder aber etwas völlig anderes.

Die beeindruckende Realität dieser »spirituellen« Dimension


kann nicht länger geleugnet werden. Joan Borysenko,
Krebszellen-Biologin und führende New-Agerin, spricht davon,
dass »Psychologie und Medizin und Spiritualität alle
zusammenfinden werden« Da die Wissenschaft keine Antworten
auf die Fragen des Herzens geben kann, wendet die Welt sich
zum Mystizismus und Okkultismus zurück – mittlerweile durch
die Psychologie gefördert –, anstatt sich an Gott und sein
zuverlässiges Wort zu wenden. Selbst das angesehene
American Journal of Psychology gab zu:

Patienten, die einer konventionellen psychologischen


Behandlung … unterzogen wurden, berichteten von einer
geringeren Besserung als solche, die zu spiritistischen Heilern
gingen … Bei spiritistischen Heilungen… erhält das Medium
Botschaften von Geistern oder wird von solchen besessen, um
eine Diagnose zu erstel¬len, Rat zu bieten oder Kräuter und
rituelle Heilmittel zu verordnen.

Leben, Seele und Geist

Wenn das physische Universum ein unerklärbares Geheimnis


ist, so ist das Leben selbst sogar noch geheimnisvoller. Wir
wissen nicht, was Leben ist – nur, dass es von Gott kommt und
nichts Physisches ist. Leben macht physische Körper lebendig
und ist doch nicht Teil des Körpers. Physisches Leben hat etwas
mit einer Seele zu tun: Gott »hauchte in seine Nase Atem des
Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele« (1Mo 2,7). Die
Bibel gibt keine Definition für eine Seele an, doch scheint in
jedem atmenden Lebewesen eine Seele zu sein.

Während bei niedrigeren Lebewesen zwar von einer Seele die


Rede ist, so ist bei tierischem Leben niemals von einem Geist
die Rede. Der Mensch ist »nach dem Bild Gottes« (1Mo 1,26.27;
9,6 u.a.) geschaffen, und Gott selbst ist Geist. Das trifft auf Tiere
nicht zu. Die Bibel unterscheidet zwischen der Seele und dem
Geist, ohne jedoch eine Definition davon zu geben: »… euer
Geist und Seele und Leib …« (1Thes 5,23); »… bis zur
Scheidung von Seele und Geist …« (Hebr 4,12; vgl. auch 1Kor
15,45).

Der Mensch ist ein Geist, der in einem Körper lebt, durch den er
am physischen Geschehen teilnimmt. Der Geist des Menschen
unterscheidet ihn von den Tieren und ermöglicht ihm, Gott zu
erkennen. Weder Körper noch Seele des Menschen sind im Bild
Gottes geschaffen, da Gott keines von beiden hat. Der Geist des
Menschen wurde einst im Bild Gottes geschaffen. Die Trennung
des menschlichen Geistes vom Geist Gottes bedeutet den
geistlichen Tod. Gott sagt: »… eure Vergehen sind es, die eine
Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott« (Jes
59,2); und »… die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden
…« (Eph 2,1 u.a.).

Die Trennung des Geistes vom Körper hat den Tod des Körpers
zur Folge: »Denn wie der Leib ohne Geist tot ist …« (Jak 2,26).
Nach dem Eintreten des Todes wird der Körper in das Grab
gelegt und »… der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben
hat« (Pred 12,7). Wenn man die Bibel als Ganzes betrachtet,
kann das nur bedeuten, dass Gott darüber verfügt, ob der Geist
des Menschen entweder in den Himmel oder in die Hölle gelangt.
Der Geist eines Toten würde nicht über den Lebenden
schweben, sie quälen oder ihnen erscheinen, wie es uns die
Welt des Okkulten weis machen möchte. »Geister« können nur
getarnte Dämonen sein.

Der Geist bleibt bei Bewusstsein, wenn er vom Körper getrennt


ist, ganz gleich ob im Himmel oder in der Hölle. Wir haben
bereits herausgestellt, dass das Gehirn nicht denkt. Gedanken
entstehen im Geist, der das Gehirn benutzt, um den Körper zum
Sprechen oder zur Ausführung seines Willens zu veranlassen.
Der reiche Mann, dessen Körper im Grab lag, war im Hades
gewiss bei Bewusstsein (Lk 16,23-31) und Gleiches gilt für jene,
die von ihren Körpern getrennt wurden und sich im Himmel
befinden: »… sah ich unter dem Altar [im Himmel] die Seelen
derer, die geschlachtet worden waren, um des Wortes Gottes …
willen … Und sie riefen mit lauter Stimme …« (Offb 6,9.10).

Psychologie, die religiöse Wissenschaft

Obwohl schon der Ausdruck »Psychologie« die Existenz der


Seele anerkennt, hat man unnachgiebig darauf bestanden, dass
die Seele lediglich die Gesamtsumme von rein physiologischen
Reaktionen auf physikalische Reize sei. Für beinahe ein
Jahrhundert hingen Psychologen und Psychiater dem
medizinischen Model Freuds und der Behaviorismus-Theorie B.
F. Skinners an; beide versuchten hartnäckig (und gegen den
gesunden Menschenverstand) Gedanken, Gefühle und
Persönlichkeit allein in Begriffen des physischen Körpers zu
erklären.

Aufgrund der stolzen Entschlossenheit, die Psychologie als


Wissenschaft zu etablieren, bestand dieser Irrglaube länger als
erwartet. Es kann keine Wissenschaft des Geistes geben, da die
Wissenschaft nicht über die Mittel zur Beobachtung von
Geistern verfügt. Trotzdem versuchten die »Mind-Science«-
Sekten (Christliche Wissenschaft, Religiöse Wissenschaft,
Science of Mind etc.) aus der Spiritualität eine Wissenschaft zu
machen und sind dadurch tief in Okkultismus gefallen.

In seinem neuesten Buch Worldwide Laws of Life (»Weltweite


Gesetze des Lebens«) wiederholt John Marks Templeton (Stifter
des Templeton-Preises für den Fortschritt der Religionen)
seinen Traum von einer »neuen Renaissance des menschlichen
Wissens« durch »die wissenschaftliche Erforschung spiritueller
Themen … Ich habe eine Vision von der Grün¬dung eines neuen
wissenschaftlichen Zweiges: die Wissenschaft spiritueller
Information und Forschung«. Das ist, wie wir gesehen haben,
genau das Wesen des Okkultismus: Religiöse Wissenschaft. Der
Okkultismus gibt vor, eine spirituelle Kraft nutzbar zu machen,
die aufgrund bestimmter Gesetze wirkt und es ermöglicht, der
Geisterwelt eine voraussagbare Reaktion zu entlocken.

Vor 100 Jahren schrieb William James: »Ich möchte der


Psychologie zu einer Naturwissenschaft verhelfen, indem ich sie
als eine solche behandle.« Die Nachkriegsgesellschaft glaubte
dieser Lüge und unterwarf sich eifrig jedem neuen Experiment
und jeder Theorie. »Die Wissenschaftlichkeit der Psychologie
machte große Versprechungen: Lösungen für gesellschaftliche
und internationale Probleme, Verständnis und Veränderung
individuellen und sozialen Verhaltens und die Erschaffung einer
sicheren und besseren Welt durch Eliminierung der
zerstörerischen Kräfte, die zum Krieg geführt hatten …« Die
Illusion machte sich breit, »die soziale Welt sei erfassbar,
vorhersagbar und kontrollierbar und … Durch¬brüche im
Verständnis des individuellen menschlichen Denkens würden
Grundbausteine einer besseren Gesellschaft sein«.

In Wirklichkeit kam 1979 eine ausführliche Studie der


Amerikanischen Gesellschaft für Psychologie zu dem Schluss,
dass Psychologie keine Wissenschaft ist und auch keine sein
kann. Karl Popper, einer der größten Wissenschaftsphilosophen,
erklärte, dass die Theorien der Psychologie »mehr mit primitiven
Mythen als mit Wissenschaft gemeinsam haben«. Der berühmte
jüdische Psychiater Thomas Szasz nannte die Psychologie »die
clevere und zynische Zerstörung der Spiritualität des Menschen
und deren Ersetzung durch eine positivistische ›Wissenschaft
des Geistes‹«. Der Versuch, mit menschlichem Verhalten auf
wissenschaftliche Weise umzugehen, hat der okkulten
Verführung Tür und Tor geöffnet.

Das Problem des Menschen ist, dass er durch die Sünde von
Gott getrennt ist. Die Psychologie hat aus Sünde eine Krankheit
gemacht, eine Krankheit des Geistes, die keine Reue oder
Versöhnung mit Gott erfordert, sondern Therapie und
Aussöhnung mit der eigenen »inneren Wahrheit«. Templeton
bewirbt sie als »der Lernprozess … die Ressourcen des eigenen
inneren Wesens zu erschließen«. Das ist nichts anderes als
Schamanismus bzw. Okkultismus.

Während die meisten Psychologen noch daran fest halten, es


mit einer Wissenschaft zu tun zu haben, würden viele andere
zugeben, dass es keine Wissenschaft des menschlichen
Verhaltens geben kann. Das menschliche Versuchskaninchen
hoppelt bei seinen Entscheidungen launenhaft umher, was
jeglicher Vorhersagbarkeit auf irgendeiner rein
wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Gerade der Ausdruck
»Sozialwissenschaften« hat viel Zeit vergeudet und zu
gravierenden Irrtümern geführt.

Freud sagte, Religion sei der »Feind«. Doch gründete er eine


neue zerstörerische Religion mit dem Menschen als Gott.
Tatsächlich war Freud, ebenso wie Jung, zutiefst im Okkulten
verstrickt. In ihrem neuen Buch The End of »Christian
Psychology« (»Das Ende der ›christlichen Psychologie‹«) stellen
Martin und Deidre Bobgan heraus:

»Freud … sammelte eine große Anzahl antiker griechischer,


römischer, orientalischer und ägyptischer Artefakte …
Statuetten reihten sich auf seinem Schreibtisch und ringsherum
in seinem Büro. ... Jemand, der die Familie kannte, sagte über
Freud: >Die Artefakten waren für ihn nicht nur Dekoration.
Einige davon benutzte er als Hilfe beim Schreiben< …auch dass
Freud möglicherweise … eine antike Form von Magie
praktizierte, bei der geweihte Statuen Geister darstellen oder
transpersonale Kräfte den Magier in imaginäre Dialoge
verwickelten und ihm unschätzbares Wissen lieferten.«

Eine subtile Machtübernahme ist im Gange

Psychologen und Psychiater präsentierten sich als


Wissenschaftler der Psyche bzw. Seele und beanspruchten so,
die Experten zu sein, die einzig und allein normales Verhalten
definieren können. Martin L. Gross erklärt:

»Als die protestantische Ethik in der abendländischen


Gesellschaft schwächer wurde, wandte sich der verunsicherte
Bürger zur ihm einzig bekannten Alternative: dem Psycho-
Experten, der behauptete, es gäbe eine neue wissenschaftliche
Verhaltensnorm als Ersatz für schwindende Traditionen … Dem
Patient Bürger wurde gesagt – und zumeist glaubte er es –, dass
seine quälenden Zweifel über Liebe, Sexualität, Arbeit,
zwischenmenschliche Beziehungen, Ehe und Scheidung,
Kindererziehung, Zufriedenheit, Einsamkeit und sogar Tod, der
neuen Technologie des Geis¬tes weichen würden. Den heiligen
Namen der Wissenschaft im Munde führend, beanspruchen die
psychologischen Experten, alles zu wissen«.

Auf Gesellschaft und Familie wirkte sich das Ergebnis


zerstörerisch aus. Die Ausbreitung von Gewalt, Rebellion und
Unmoral deckt sich mit dem exponentiellen Wachstum der
Psychologie seit den frühen fünfziger Jahren. In den Jahren
1980 bis 1987 steigerte sich die Einweisung in psychiatrische
Kliniken unter 10- bis 19-jährigen US-Amerikanern um 43%.
Derweil stieg in den fünf Jahren zwischen 1983 bis 1988 die
Anzahl der Bet¬ten in privaten psychiatrischen Einrichtungen
pro 100.000 Personen auf das Doppelte an. Was für eine
Wachstumsindustrie! Psychologie wurde zu Recht als die
einzige Profession bezeichnet, die »die Krankheiten schafft,
welche sie zu heilen behauptet«.

Das öffentliche Vertrauen in diesen Berufszweig und dessen


Unterstützung durch die Medien hält trotz der Tatsache an, dass
sich in ihren Reihen mehr moralische, emotionale und
verhaltensbedingte Problemfälle bergen als in irgendeiner
anderen Berufsgruppe. Jeder vierte Psychologe hat gelegentlich
Selbstmordgedanken. Bruno Bettelheim, Paul Federn, Wilhelm
Stekel, Victor Tausk, Lawrence Kohlberg und Sigmund Freud
sind einige der prominenten »Profis für mentale Gesundheit«,
die Selbstmord begangen haben. Ein Bericht über
Selbstmordprävention, der von einer Spezialgruppe der
Amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie herausgegeben
wurde, zeigte, dass »die Selbstmordrate unter Psychiatern
doppelt so hoch ist wie [für Ärzte] erwartet«.

Freud war selber ein Fall für die Klapsmühle, häufig kraftlos,
konnte seine eigenen sexuellen Triebe nicht beherrschen, selbst
nach dreißig Anläufen nicht das Rauchen aufgeben und wurde
vom Aberglauben verfolgt. Freud sagte: »Patienten sind nichts
anderes als Gesindel. Sie dienen zu keinem anderen sinnvollen
Zweck als unserem Lebensunterhalt und als Lernmaterial.
Helfen können wir ihnen jedenfalls nicht.«

Dr. Al Parides, Professor für Psychiatrie, beobachtete: »Wenn


man das persönliche Leben aller anfänglichen Freud-Jünger
betrachtet … kann man feststellen, dass sie eine unglaubliche
Menge besonderer Problemen auf sexuellem Gebiet haben … Ihr
abweichendes Verhalten bezüglich Sexualität und anderen
Dingen ist enorm.«

Trotz der wachsenden Beweisfülle gegen die Psychologie wird


sie als die neue Wahrheit und neue Hoffnung aufgegriffen. Solch
ein öffentliches Vertrauen hat den Psychologen eine enorme
Macht verschafft. Es ist beängstigend zu sehen, zu welchem
Punkt sie die Gesellschaft hinführen möchten. Führende
Psychologen haben vorgeschlagen, dass »Eltern nur dann
Kinder genehmigt werden sollen, wenn sie über eine fundierte
Kenntnis … der Wahrheiten verfügen, die von Psychologen
erteilt werden« und dass sich politische und militärische Führer
Testverfahren unterziehen sollten, um sicherzustellen, dass sie
nicht die fundamentalistische Auffassung vertreten, die Schlacht
von Harmagedon sei unvermeidbar. 1971 schlug der Präsident
der Amerikanischen Gesellschaft für Psychologie vor, dass
Psychologen zivilen und militärischen Führern
verhaltensverändernde Drogen verabreichen sollten, um
dadurch ihren Aggressionstrieb zurückzustellen.

Eine gefährliche Pseudowissenschaft

Psychologische Theorien kommen und gehen auf einem


Karussell der Verwirrung. Beispielsweise war Drapetomanie die
offizielle psychiatrische Diagnose einer »Geisteskrankheit«, die
im frühen Amerika epidemieartig auftrat. Es waren
ausschließlich Sklaven betroffen, die dann als Auswirkung der
Krankheit unter dem inneren Zwang litten, von der Plantage zu
fliehen – eine Geisteskrankheit, die durch den amerikanischen
Bürgerkrieg geheilt wurde. Heute werden »Geisteskrankheiten«
durch Abstimmung geschaffen oder geheilt. Früher wurde
Homosexualität immer als unnatürliches Verhalten betrachtet.
1974 änderte sich die Ansicht über Homosexualität jedoch
aufgrund einer Abstimmung der Mitglieder der Amerikanischen
Gesellschaft für Psychiatrie und das, was zuvor als
abweichendes bzw. abnormes Verhalten galt, wurde in »sexuelle
Präferenz« umbenannt. Schließlich wurde Homosexualität
gänzlich aus den diagnostischen Handbüchern gestrichen. Das
ist keine Wissenschaft.

Eine ähnliche Abstimmung entscheidet, welche neu entdeckten


Geisteskrankheiten im aktuellen Diagnostischen und
Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM)
aufgenommen werden. Ein Psychologe, der bei der DSM-III-R
Verhandlung dabei war, bemerkte traurig:

»Das niedrige Niveau intellektueller Redlichkeit war


schockierend. Diagnosen wurden durch Mehrheitsbeschluss
entwickelt, nach gleichem Maßstab, wie wir uns für ein
Restaurant entscheiden. Du möchtest zum Italiener gehen, ich
würde den Chinesen vorziehen, also lass uns eine Cafeteria
nehmen. Anschließend wird es in den Computer eingegeben.
Vielleicht zeugt das von unserer Naivität, doch dachten wir, man
würde versuchen, die Dinge wissenschaftlich zu sehen.«

In ihrer hervorragenden Aufdeckung der Psychologie,


Manufacturing Victims (»Herstellung von Opfern«), stellt Dr.
Tana Dineen heraus, dass »zwischen dem, was die Psycho-
Branche den Leuten versuchte glaubhaft zu machen und dem,
was wirklich bewiesen worden ist, ein großer Unterschied
besteht«. Sie meint, wenn Psychologen »ihr Handeln aufrichtig
beurteilten, bekämen sie Zweifel an ihrer Effektivität, ihrem Wert,
ihrem Selbstbild und ihrer Karriere«. Sie zeigt auf, dass
wissenschaftliche Studien tatsächlich beweisen, dass
Psychotherapien unwirksam und unnötig sind und in
Wirklichkeit schädlich sein können.

Psychologen haben mehrere Hundert konkurrierende Theorien


und einige Tausend verschiedene Therapien entwickelt. Jeder
primitive Aberglaube oder neu erfundene Betrug von Urschrei-
Therapie über Rebirthing bis hin zur Reinkarnations-Therapie
wird legitimiert, wenn man ihn mit dem Begriff »Therapie«
etikettiert. In seinem Artikel »Die Psychologie wird wahnsinnig
und verwirkt ihre Rolle als Wissenschaft« merkt der Psychologe
Roger Mills an: »Ich habe persönlich erlebt, wie Therapeuten
ihre Patienten davon überzeugen, dass all ihre Probleme
zurückführbar sind auf ihre Mütter, die Sterne, die
biochemischen Kosmetika, die Ernährung, den Lebensstil und
sogar auf das ›Karma‹ ihres früheren Lebens.«

In einer Broschüre der ehemaligen Dominikanerin Dr. Kathleen


A. Fitz-Gerald liest man: »Die heilige Psychologie … erforscht
und versteht die einzigartige Na¬tur und die Schattierungen und
Gefühle unserer individuellen Seele. Sie handelt vom
Seelenverlust, von Seelenrückführung, Seelenpflege und
Verherrlichung der Seele … Das »innere Kind« sendet seine
bzw. ihre Seele ins Exil, bis sie in Sicherheit zurückkehren kann
… In der amerikanischen Eingeborenen-Spiritualität gehen
Schamanen auf die Reise, um die Seele zurückzuführen …«

Das ist Mythologie! Professor Robyn M. Dawes von der


Carnegie-Mellon Universität schrieb das Buch House of Cards:
Psychology and Psychotherapy Built on Myth (»Ein Kartenhaus:
Psychologie und Psychotherapie sind auf Mythen gebaut«)
aufgrund von »Ärger und einem sozialen Pflichtgefühl«.
Professor Dawes führt das Beispiel einer Psychiaterin von der
Harvard Universität an, deren Patient Selbstmord beging. Das
Interesse der Untersuchungskommission bestand darin, ob sie
mit ihrem Patienten Geschlechtsverkehr hatte. Die Tatsache,
dass sie »ihn in einen infantilen Zustand zurückführte, in
welchem sie ihn einem ›Reparenting‹ [einer ›Wiederbeelterung‹]
unterziehen konnte«, wurde ignoriert – wer könnte behaupten,
ein solcher Unsinn stelle eine rechtmäßige Therapie dar?

Dawes beschuldigt die Psychobranche, für »Prinzipien


einzutreten, von denen man weiß, dass sie falsch sind sowie
aufgrund ihrer Anwendung nachweislich falscher Techniken«. In
die berühmte Cambridge-Sommerville Jugendstudie wurden 650
unterprivilegierte Jungen im Alter von 6 bis 10 Jahren
einbezogen, die man in zwei gleich große Gruppen unterteilte.
Eine 30 Jahre später durchgeführte Nachuntersuchung zeigte,
dass diejenigen, die therapeutisch behandelt worden waren,
mehr Probleme mit »Alkoholismus, geistigen Störungen,
beruflicher Unzufriedenheit und streßbedingten Krankheiten«
hatten und bedeutend mehr schwere Verbrechen begingen, als
jene, denen man den »Segen« psychologischer Beratung
vorenthalten hatte. Alle wissenschaftlichen Indizien, die wir
gefunden haben, bescheinigen, dass die Psychotherapie
bestenfalls wirkungs¬los und in vielen Fällen sogar schädlich
ist.
Eine Definition des Spirituellen

Der Philosoph Daniel Dennett behauptet in seinem 1992


veröffentlichten Buch Philosophie des menschlichen
Bewußtseins, dass »das Bewußtsein – und unsere
Wahrnehmung unseres einheitlichen Selbst – eine Illusion sei,
die durch die Interaktion vieler verschiedener ›Unterprogramme‹
in der Hardware des Gehirns zustande kommt«.

Dafür gibt es ebenso wenig einen wissenschaftlichen Beweis


wie für den Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht. Während
einige Psychologen noch immer solch einem Irrsinn anhängen,
ist die Psychologie als Ganzes weitergegangen – gezwungen
von den Phänomenen, mit denen sie konfrontiert ist. Man
braucht sich nicht mehr dafür zu schämen, wenn man zugesteht,
dass es Geist und See¬le gibt und beides weder gemessen noch
erklärt werden kann.

Es war die neue Disziplin der Parapsychologie (die Erforschung


übersinnlicher Phänomene), die widerwillige Forscher zwang,
die Existenz der nichtphysischen Seite des Menschen
anzuerkennen. Experimente schie¬nen darauf hinzuweisen,
dass der menschliche Geist Gegenstände über eine Distanz
beeinflussen konnte, die weit über den Radius messbarer
Gehirnwellen hinausgeht. Tatsächlich ist seit der Zeit Anton
Mesmers bekannt, dass hypnotisierte Personen Ereignisse
»sehen« können, die viele Kilometer entfernt passieren. Dafür
gab es keine natürliche Erklärung. Der Geist musste eine
nichtphysische Entität sein, die sich vom Gehirn unterscheidet.

Doch auch dieses Eingeständnis konnte das Phänomen nicht


erklären. Der menschliche Geist allein kann keine Erklärung für
Fernwahrnehmung liefern und kann sicherlich nicht
verantwortlich sein für Erscheinungen von Geistwesen und
Blicke in die Zukunft oder für die Fähigkeit, Sprachen zu
sprechen, die man niemals gelernt hat. Das Phänomen könnte
nur erklärt werden, wenn der menschliche Geist in Verbindung
mit einer anderen Informations- oder Machtquelle steht.
Viele Psychotherapien verwenden Hypnose, um den Patienten in
die Vergangenheit zurückzuversetzen oder andere Mittel, um
einen leicht beeinflussbaren Zustand des Patienten zu erreichen.
Während der Therapeut eine verbale Kontrolle praktiziert,
können andere Geister eine mentale Kontrolle ausüben. Edgar
Mitchell beteiligte sich bei seiner Apollo-14-Mondmission an
scheinbar erfolgreichen telepathischen
Kommunikationsexperimenten mit der Erde. Sowohl der KGB als
auch die CIA haben versucht, das Verhalten einer Person aus
der Entfernung durch Telepathie zu beeinflussen. Wie wir sehen
werden, kann nur der Einfluss von anderen Geistern als dem des
Therapeuten vieles dessen erklären, was sich bei
Psychotherapie ereignet.

Auf der Suche nach anderen Geistern

Die Bibel sagt uns – und alle Kulturen der Geschichte haben das
stets geglaubt –, dass es Geister gibt, intelligente körperlose
Wesen. Auf eine Art und Weise, die wir nicht verstehen, können
einige jedoch (sowohl Engel als auch Dämonen) körperliche
Gestalt annehmen. Sie können sogar auf die physische
Dimension einwirken, in der unser natürliches Leben stattfindet
und anscheinend einen Körper und die Persönlichkeit eines
Menschen »in Besitz nehmen«. Wie dies wiederum vonstatten
geht (sogar mit der Zustimmung des Besessenen), wissen wir
nicht. Wir sollten auch nicht versuchen, diese Wesen zu
verstehen und noch viel weniger, mit ihnen in Kontakt zu treten:

»Und die Person, die sich zu den Totengeistern und zu den


Wahrsagern wendet, um ihnen nachzuhuren, gegen diese
Person werde ich mein Angesicht richten und sie ausrotten aus
der Mitte ihres Volkes« (3Mo 20,6).

»Es soll niemand unter dir gefunden werden, … der Wahrsagerei


treibt, kein Zauberer oder Beschwörer oder Magier oder
Bannsprecher oder Totenbeschwörer oder Wahrsager oder der
die Toten befragt. Denn ein Greuel für den HERRN ist jeder, der
diese Dinge tut« (5Mo 18,10-12).
»Um den Kampfpreis soll euch niemand bringen, der seinen
eigenen Willen tut in [scheinbarer] Demut und Anbetung der
Engel, der auf das eingeht, was er [in Visionen] gesehen hat ...«
(Kol 2,18).

Carl Jungs okkulte Auffassungen haben eine einschneidende


Auswirkung auf die Psychologie gehabt. Sein persönlicher
Leitgeist Philemon konnte aus dem Nichts erscheinen und
ebenso plötzlich wieder verschwinden wie die »Geister«, von
denen Jung gequält wurde. Trotzdem schien er eine greifbare
Form und ein reales und eigenständiges Wesen zu haben, zu
dem Carl Jung schließlich als seinem Guru aufschaute. Und aus
solchem dämonischen Ursprung stammen Jungs Haupttheorien,
die die heutige Psychologie tiefgreifend geprägt haben.

Forscher haben sich auf vier Erklärungsmöglichkeiten für dieses


Phänomen geeinigt:

1.) Wir alle sind Teil eines universellen Geistes und folglich steht
uns alles Wissen und jegliche Kraft zur Verfügung;

2.) die Geister der Toten sind fähig, mit den Lebenden zu
kommunizieren;

3.) die »anderen Geister« gehören außerirdischen Wesen, von


denen einige sich so weit entwickelt haben, dass sie keinen
Körper benötigen, das menschliche Denken beeinflussen und
beherrschen zu können;

4.) es gibt andere Geister von Dämonen oder Engeln, die beide
versuchen, die Menschheit zu beeinflussen. Die ersten
unterstehen der Führung Satans und die zweiten der Anweisung
Gottes.

Die erste Theorie fällt aufgrund ihrer eigenen schwergewichtigen


Behauptung, da sie der Menschheit eine leicht zugängliche
Quelle von unendlicher Weisheit und Kraft zuschreibt. Das
stimmt wohl kaum mit der normalen menschlichen Erfahrung
überein. Dass jemand in einen erweiterten Bewusstseinszustand
gelangen muss, um in Verbindung mit diesem angeblich
universellen Geist zu kommen, scheint eher wenig überzeugend.
Entweder sind wir ein Teil davon – dann sollte es uns allen leicht
zugänglich sein – oder wir sind es nicht. Letzteres ist eindeutig
der Fall.

Die zweite Alternative (Totengeister könnten mit den Lebenden


in Kontakt treten) widerspricht der Bibel ebenso wie dem
gesunden Men¬schenverstand. Warum sollte beispielsweise
Tante Frieda, die in ihrem Leben eine ganz normale Person war,
auf der »anderen Seite« allwissend geworden sein? Außerdem
verbreiten diese vermeintlich körperlosen Existenzen einhellig
die Lügen des Teufels aus dem Garten Eden. Sie mögen
behaupten, im Leben Christen, Atheisten oder Agnostiker
gewe¬sen zu sein, aber nach ihrem Tod sind sie zu
überzeugenden Sprechern des Teufels geworden. Es ist
wahrscheinlicher, dass sich Dämonen als Verstorbene tarnen.

Bezüglich der dritten Alternative (hochentwickelte


Außerirdische) haben wir bereits die Unmöglichkeit der
Evolution herausgestellt und gezeigt, dass die Tatsachen die
Hypothese von außerirdischer Intelligenz widerlegen. Der Autor
Robert A. Baker stellt heraus, dass bisher nie¬mand in der Lage
war, einen »materiellen Gegenstand zu zeigen, der die Existenz
von Ufos oder außerirdischer Lebensformen – ob intelligent
oder nicht – zweifellos beweist«. Solange ein solches
Beweisstück fehlt, blei¬ben wir weiterhin »jeglichen Berichten
von außerirdischen Wesen, Ufos und Entführungen durch
Außerirdische gegenüber skeptisch«. Terence Sanbek,
klinischer Psychologe aus Kalifornien, erhebt einen weiteren
of¬fensichtlichen Einwand des gesunden Menschenverstandes:

»Um zum nächstgelegenen Stern zu kommen, benötigt es Jahre


… [selbst] wenn man mit Lichtgeschwindigkeit reist, was
allerdings nicht möglich ist. Wenn Sie dort hingelangen könnten,
würden Sie dann mit einem betrunkenen Fischer aus Mississippi
reden oder einen Staatsmann aufsuchen? Wenn sie derart
intelligent wären, würden sie sich nicht so töricht verhalten.«

Uns bleibt nur noch die letzte Möglichkeit: hinter okkulten


Phänomenen stehen Dämonen. Alle bisher untersuchten
Beweise deuten darauf hin, dass wir von überaus listigen Wesen
heimgesucht werden, deren letzt¬endliches Ziel die
Niederwerfung der Menschheit in den Untergang ist – einem
Untergang, dem die Menschen aufgrund ihrer Rebellion gegen
Gott ohnehin entgegengehen. Ja, der Satanist Marilyn Manson
gab sein Ziel preis, als er sagte: »Ich bin auf dem Weg abwärts
und will dich mitnehmen.« Diese Art wahnsinnigen
Draufgängertums spricht bestimmte Menschen an. Aber die
Falle für die meisten Menschen wird dadurch gelegt, dass
Dämonen sich als außerirdische Intelligenzen, Aufgestiegene
Meister, gespaltene oder multiple Persönlichkeiten oder etwas
ande¬res ausgeben, was immer gerade am attraktivsten ist für
solche, zu denen diese bösartigen Wesen Kontakt aufnehmen
können. Und ihr Spiel wird durch das erstaunliche Widerstreben
der Menschheit gegen die Wahrheit erleichtert – und durch die
Bereitwilligkeit der Psychotherapeuten, durch ihre Lügen dazu
beizutragen.

Das Mekka der »Human-Potential« - Bewegung

Während der 60er und 70er Jahre versammelten sich viele der
führenden Köpfe des aufblühenden Feldes der humanistischen
Psychologie im Esalen Institut in der Big Sur Gegend südlich
von San Francisco, um sich dort über ihre Theorien
auszutauschen. 1962 stolperten Abraham und Bertha Maslow
beinahe zufällig darüber und erfreuten sich anschließend einer
langen Beziehung zu Esalen. Viele berühmte Persönlichkeiten,
wie zum Beispiel Aldous Huxley, Paul Tillich, Arnold Toynbee,
Joan Baez, Simon und Garfunkel, einige der Beatles, B. F.
Skinner, Linus Pauling und Jerry Brown kamen zu Diskussionen
vorbei.

Noch bevor der Ausdruck »New Age« bekannt wurde, war


Esalen das New-Age-Zentrum der Westküste. In Esalen wurden
Geistwesen »gechannelt«, lange bevor Channeling populär
wurde. Esalen hatte eine eigene dort ansässige »Channelerin«,
Jenny O’Connor, eine junge Frau aus England. Durch die
Technik des automatischen Schreibens überbrachte eine
Gruppe nichtmenschlicher Wesen, die sich selbst »Die Neun«
nannten (und angeblich vom Stern Sirius stammten), zutreffende
Botschaften, die mit ihrer bemerkenswerten Genauigkeit ihrer
Vorhersage manchmal geradezu unheimlich waren.
Mitbegründer Richard Price war vor seinem makaberen Tod im
Jahr 1985 so sehr beeindruckt, dass er »Die Neun« in seine
Gestalttherapie-Sitzungen mit einbezog. Über mehrere Jahre bot
der Esalen-Katalog einen Kurs in Gestalttherapie an, von dem
versprochen wurde, dass er durch »Die Neun, eine paranormale
Intelligenz« unterstützt würde.

Für »Die Neun« gab es sogar einen biografischen Eintrag im


Katalog, der sie als »gigantische Reflektoren Ihres Selbst,
Anwender der Gestalttherapie, Eheberater – eine für alle
verfügbare pure Energie von höchster Qualität« beschrieb. Price
vertrat die Meinung, es sei egal, ob die durch Jenny
gechannelten Botschaften von der Gruppe »Die Neun vom Sirius
oder aus Jennys Unterbewusstsein kam«. »Die Neun« wurden
selbst von Esalens leitenden Direktoren in einer berüchtigten
Sitzung zu Rate gezogen, woraus eine Umbesetzung des
obersten Führungsstabes resultierte.

Für uns ist die Tatsache von Interesse, dass »Die Neun« durch
weitere Medien und andere Organisationen und andere
Menschen, die mit Okkultem zu tun haben, gesprochen haben.
Sie nahmen Kontakt auf zu Andrija Puharich und führten ihn in
Okkultismus. Der verstorbene Gene Roddenberry hoffte in
Verbindung mit der Gruppe »Die Neun« treten zu können und
verfasste eine schriftliche Arbeit mit dem Titel »Die Neun«.
Bücher wurden ihnen gewidmet wie The Only Planet of Choice
(»Der einzige Planet der Wahl«) für »Tom und den Rat der
Neun«, wobei »Tom« den mutmaßlichen Sprecher des Rates
darstellte. Paulus identifizierte »Die Neun« vor 1900 Jahren als
dämonische Feinde der Menschheit, als »die geistigen Mächte
der Bosheit« (Eph 6,12).

Humanistische und transpersonale Psychologie


Die Gesellschaft für Humanistische Psychologie (AHP) wurde
zutiefst von unverhohlenstem Okkultismus durchdrungen.
Bereits 1986 befanden sich praktizierende Schamanen unter den
Hauptrednern des 24. Jahrestreffens der AHP an der Universität
von San Diego. Teilnehmern wurde die Möglichkeit gegeben,
den schamanisch erweiterten Bewußtseinszustand, der zur
Kontaktaufnahme mit Geistern förderlich ist, zu erfahren und zu
erlernen, wie man ihn bei anderen entwickeln kann. Es gab
mediale Seancen, um die Kommunikation mit »Geistführern und
anderen spirituellen Freunden« zu entdecken. Ein Foto im
Bericht der Los Angeles Times über die Tagung zeigte
Durchback Akuete, einen afrikanischen Medizinmann, wie er
gerade »Lonnie Barbach, die Vizepräsidentin der AHP, in Trance
versetzte«.

Die AHP, die behauptet, Psychologie als Wissenschaft zu


betreiben, warb für die 1986er Tagung in der Zeitschrift
Shaman’s Drum: A Journal of Experiential Shamanism (»Die
Schamanentrommel: ein Journal des experimentellen
Schamanismus«). Ein Blick in eine beliebige Ausgabe der
»Schamanentrommel« zeigt die schwerwiegende Beteiligung
von Psychologen. Eine typische Ausgabe dieser Zeitschrift
enthält Artikel wie »Lernen Sie den Geistern zu vertrauen« und
verbreitet den primitivsten und dämonischsten Okkultismus als
befreiende Wahrheit. Lesen wir nur einmal die folgenden
Beschreibungen unterhalb der Illustrationen eines kürzlich
veröffentlichten Artikels mit dem Titel Umgang mit hungrigen
Geistern: Schamanische Rituale der Embera:

»Ein junger Haibana … stimmt einen Singsang an, um den Hai


[Geist] zu beschwören. … Ein Mädchen mit einem
Schlangenmuster bemalt … die während der Heilung eines
Kranken als Gastgeberin der Hai [Geister] dient. In Perlen und
einen traditionellen Lendenschurz gekleidet, hält der Haibanese
einen seiner schamanischen Stäbe in der Hand, während er dem
Geist handelsübliche Spirituosen und importierte Marlboro-
Zigaretten anbietet. Aceite lässt eine lebende Schlange dreimal
über eine Patientin glei¬ten, damit sie die Krankheit der Frau
aufnimmt.«
Mit der Werbung in der Schamanentrommel hoffte die AHP mehr
prakti¬zierende Schamanen in ihre Reihen zu ziehen, und zwar
aufgrund der Verbindung zwischen Psychotherapie der alten
Schamanenreligion. Da¬mit war auch klar, dass die
Psychologen den Schamanen ein paar neue Tricks beibringen
könnten. Auszüge aus dem Anzeigenteil:

»Eine unvergessliche Möglichkeit, von einigen der


bedeutendsten Hei¬lern und spirituellen Führern aus Westafrika
und Brasilien zu lernen. Reise in erweiterte
Bewusstseinszustände, in denen man die eige¬nen höheren
Geistlehrer und die »Götter« selbst treffen kann … Themen sind
u.a.: Rituale, Meditation … erweiterte Bewusstseins¬zustände,
Schamanismus und Geistesheilung, mediale Begabung …«

Was meinen »wissenschaftliche« Psychologen mit »höheren


Geistlehrern«, »Göttern« oder »Geistesheilung« und »mediale
Begabung«? Die transpersonale Psychologie spricht sogar noch
offener über ihren Okkultismus. Eine Zeitung (San Jose Mercury
News) berichtete:

»Visionen haben. In Zungen sprechen. Mit Jesus gehen und


reden. Glücklich durch Buddha. Mit Satan kämpfen. Ufos
sichten. Es liest sich wie eine Litanei psychologischer Probleme
… von Menschen, die … den Nachweis ihres Wahnsinns bringen
… Im Institut für Transpersonale Psychologie in Menlo Park
[Kalifornien] … widmen sich Psychiater, Psychologen und
Berater der Anerkennung der Spiritualität … als ein wichtiger
Aspekt für den Zustand des Menschen.«

Für Professor Charles Tart ist transpersonale Psychologie


spirituelle Psychologie. Er wurde als »einer der führenden
Wissenschaftler der trans¬personalen Psychologie, der
Psychologie des spirituellen Wachstums« bezeichnet und ist
Autor von angesehenen Klassikern der transpersonalen
Psychologie. Er schreibt:

»Spirituelle Psychologien … die Ihnen zeigen, wie man spirituell


wächst, kann man finden im Sufismus, in verschiedenen Formen
des Buddhismus, wie zum Beispiel im Zen-Buddhismus, in
traditionellen Yoga Praktiken … usw. Sie lehren üblicherweise
… dass unsere wahre Bestimmung in der Evolution eines
höheren spirituellen Wesens liegt.«

Der Psychologe John Heider erkennt im Journal of Humanistic


Psychology an, dass der »weit verbreitete Gebrauch und
Missbrauch von bewusstseinserweiternden Substanzen wie
Marihuana, LSD und Meskalin« ein Hauptkatalysator für die
Entwicklung der transpersonalen Psychologie war. »Die
psychedelischen Drogen erbrachten einen unwiderlegbaren
Beweis, dass veränderte Bewusstseinszustände real waren und
Wege hin zu einer transzendentalen Erfahrung existierten.«

Das Vermächtnis Sigmund Freuds

Sigmund Freud ist als Schwindler entlarvt worden. Sein Werk


war nicht wissenschaftlich. Einige der Fallstudien, die er zur
Unterstützung seiner Theorien vorbrachte, sind getarnte
autobiografische Skizzen. Seine »Entdeckungen« reflektieren
seine eigenen pervertierten sexuellen Leidenschaften, ebenso
wie bei C. G. Jung. Ein früher Briefwechsel zwischen Jung und
Freud beinhaltet Jungs Ratschläge an Freud für dessen
Verführung einer Patientin namens Sabina Spielrein. Jung hatte
andere Mätressen, ebenso wie Freud nicht auf seine Schwägerin
Minna Bernays beschränkt war. Die moderne Psychologie
entspringt zum großen Teil der sexuellen Verdorbenheit und
Rebellion gegen Gott seiner geehrten »Entdecker«.

Die Freudschen Theorien wurden auf seiner verdrehten


Sichtweise gegründet, dass alle Gedanken, Gefühle und
Beweggründe in sexuellem Verlangen wurzeln. Sein
»Ödipuskomplex«, für den kein Nachweis in der allgemeinen
Bevölkerung gefunden werden kann, reflektiert eindeutig seine
eigene Leidenschaft für Inzest. Das Übel, das aus dem Einfluss
Freuds und Jungs hervorging, ist unermesslich. Selbst das
bekannte deutsche Magazin Der Spiegel hielt es in einem Beitrag
vom Juli 1994 für möglich, dass die Psychologie von Freud und
Jung mit dämonischer Verstrickung zu tun hat.

Obwohl Freud in Misskredit gebracht wurde, bleiben zwei seiner


Theorien als die tragenden Säulen des Großteils der
Psychologie und Psychotherapie bestehen: die Lehre vom
Unbewussten und das Konzept der Überdeterminierung. Freud
behauptete entdeckt zu haben, dass das menschliche Verhalten
durch Triebe gesteuert wird, die aus Kindheitstraumata
entstehen. Sie lägen in einem Bereich verborgen, der »das
Un¬bewusste« genannt wird und können nur mittels
Psychotherapie erreicht und geheilt werden. Professor Dawes
drückt seine Empörung so aus:

»Das Schädlichste an dieser Überzeugung ist, dass das


Verhalten von erwachsenen Menschen hauptsächlich durch
Kindheitserfahrungen festgelegt wird, sogar von äußerst
unterschwelligen, aber vor allem von solchen, die das
Selbstwertgefühl erhöhen oder vermindern.«

Die offensichtliche Folgeerscheinung solcher Theorien besteht


in der Entlastung des Straffälligen, egal was er auch getan
haben mag. Im Index der Freudschen Arbeiten, welches einen
ganzen Band füllt, vermisst man ein Wort: Verantwortung.

Ohne Verantwortung gibt es keinen Schuldigen. »Alkoholismus


und Drogenabhängigkeit wurden zu ›Krankheiten‹, Kriminalität
wurde zu einem ›Nebenprodukt‹ des sozialen Umfelds, in dem
die Menschen aufwachsen, usw.« Anstatt schuldig zu sein, sind
wir alle Opfer – nicht nur durch das, was andere uns angetan
haben, sondern auch Opfer unserer eigenen Gefühle – und
stehen daher außerhalb der Verantwortung. Die Entscheidung
des Berufungsgerichtes des US-Bundesstaates Columbia von
1954, dass eine Person »nicht aufgrund von unwiderstehlichen
Impulsen für eine Straftat schuldig gesprochen werden kann…
führte somit später zum Freispruch von John Hinckley, der ein
Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan verübt hatte«.

Das Wiederbringen »verdrängter« Erinnerungen


Wenn das Problem in der Vergangenheit liegt, dann muss man
laut Freud dorthin zurückgehen, um das Trauma aufzudecken
und zu behandeln. Dieser Prozess wird als
»Regressionstherapie« bezeichnet und wirft viele Fragen auf.
Das Gedächtnis ist nicht gerade unfehlbar, sogar oft fehlerhaft
und eigennützig, was durch zahlreiche wissenschaftliche Tests
nach¬gewiesen wurde.

Es gibt eine therapeutische Methode, um Erinnerungen


hervorzuholen. Der Klient wird unterschwellig in einen äußerst
beeinflussbaren Geisteszustand geführt und dann mit gezielten
Suggestionen angegangen, um den »Erinnerungen« auf die
Sprünge zu helfen. Sehr häufig greifen diese Suggestionen und
bewirken, dass man sich an etwas »erinnert«, was niemals
geschehen ist. Ereignisse werden somit in ganz ähnlicher Weise
erzeugt wie bei der Verfahrensweise des Schamanen.

Häufig hat der Therapeut sein eigenes Programm und bringt den
Patienten dazu, sich an das zu »erinnern«, was der Therapeut –
allerdings ohne Beweis – bereits als Problem beschlossen hat.
Wenn der Patient sich nicht an das erinnern kann, was der
Therapeut von ihm erwartet, wird er beschuldigt, die Erinnerung
zu unterdrücken oder sich zu verweigern. Freuds Modus
operandi besteht bis heute fort. Freud schrieb:

»Wir dürfen nicht glauben, was sie [die Patienten] sagen [wenn
sie ab¬streiten, sich zu erinnern], wir müssen immer
voraussetzen und es ihnen auch sagen, dass sie etwas
zurückgehalten haben … Wir müssen darauf bestehen, wir
müssen den Druck wiederholen und uns selbst als unfehlbar
darstellen, bis wir letzten Endes doch etwas erzählt bekommen
… diese Technik mit Druck versagt in der Tat nie.«

Diese Art von Therapie hat wiederholt zu falschen Erinnerungen


geführt. Tausende von Familien wurden in den USA aufgrund
falscher Erinnerungen an angeblichen sexuellen bzw. satanisch-
rituellen Missbrauch (SRA) zerstört, den es nie gegeben hatte.
Die Beschuldigten (meistens die Väter) wehren sich und die
Gerichte verhängen in einigen Fällen hohe Strafen gegen die
verantwortlichen Therapeuten.

Die meisten »Erinnerungen« an mutmaßlichen sexuellen


Missbrauch und SRA werden unter Hypnose aufgedeckt. Freud
selbst verwendete diese Technik. Hypnose hat nachweislich
falsche Erinnerungen hervor¬gebracht. Deshalb werden derart
zustande gekommene Aussagen vor Gericht in den meisten
Staaten nicht akzeptiert. Ja, es ist auch bekannt, dass faktisch
richtige Erinnerungen unter Hypnose hervorkommen, aber das
stellt uns vor ein ernsthaftes Problem.

Hypnotisierte werden in den Mutterleib »zurückversetzt« und


»erinnern« sich an Einzelheiten ihrer Geburt (einschließlich von
Gesprächen, die sie gar nicht verstehen konnten).
Wissenschaftliche Tatsache ist jedoch, dass die Myelinschicht
des Gehirns zur Zeit der Geburt zu unter¬entwickelt ist, als dass
sie Erinnerungen speichern könnte. Offenbar stam¬men die
»Erinnerungen« nicht aus dem Gehirn. Wir können daraus nur
schließen, dass irgendwelche anderen Geister für eine
Vortäuschung die¬ser »Erinnerung« sorgen.

Wir haben bereits die Verbindung zwischen dem Okkulten und


der Reinkarnation gesehen, die eine grundlegende Auffassung
im fernöstlichen Mystizismus und der Zauberei ist. Unter
Hypnotherapie werden ebenfalls tatsächliche »Erinnerungen«
des jetzigen und Ereignisse eines vermeintlich früheren Lebens
und sogar das Sprechen fremder Sprachen hervorgerufen.
Wieder werden wir zur unausweichlichen Schlussfolge¬rung
gedrängt, dass andere Geistwesen diese Informationen
vermitteln, die mit Sicherheit außerhalb des Wissensstandes der
hypnotisierten Person liegen. Genau dieser Technik haben sich
Schamanen mit dem Ge¬brauch ihrer Geistführer über die
Jahrtausende bedient.

Multiple Persönlichkeiten?

Ein weiterer Irrglaube, den die Freudschen Theorien des


Unbewussten und der Überdeterminierung mit sich brachten, ist
die Überzeugung, dass einem Menschen mehrere
Persönlichkeiten »innewohnen« können. Einem derartigen
Patienten wird eine »multiple Persönlichkeitsstörung« (MPD)
diagnostiziert. Vor der Publikation von The Three Faces of Eve
(»Die drei Gesichter Evas«) im Jahr 1957 hat wohl kaum jemand
etwas von MPD gehört. Es erzählt die Geschichte von Christine
Costner Sizemore, der man nach einigen Therapien
bescheinigte, angeblich 22 verschiedene Persönlichkeiten in
sich zu beherbergen. Durch das Buch Sybil von 1973 (und den
Spielfilm von 1977) wurde diese Überzeugung verbreitet und
MPD wurde mit sexuellem Missbrauch assoziiert. Die
Veröffentlichung von Michelle Remembers (»Michelle erinnert
sich«) aus dem Jahr 1980 stellte zusätzlich eine Verbindung
zwischen SRA und MPD her.

1980 erkannte man MPD im DSM-III als psychische Störung an.


Einige Psychologen stellen nun die Theorie auf, dass wir alle
multiple Persönlichkeiten haben und die Menschheit einen
großen Evolutionssprung machen könnte, wenn wir lernen
würden, diese innere Kraft zu nutzen. Andere verweisen auf den
Zusammenhang zwischen MPD und okkulten Erfahrungen und
die Beziehung von »multiplen Persönlichkeiten« zum »höheren
Ich«, das in der Yoga-Trance entdeckt wird. Die Schilderung von
Armand DiMele, einem klinischen Arzt aus New York, macht den
okkulten Zusammenhang sehr deutlich:

»Beim Umgang mit multiplen Personen … öffnet man dieser


Sache durch einen hypnotischen Zustand in Wirklichkeit Tor
und Tür … Ich habe mit »Geisterstimmen« gesprochen, die
durch multiple Personen übermittelt wurden und mir Dinge über
meine Kindheit erzählten. Genaue Einzelheiten wie
beispielsweise über Gegenstände, die in unserem Haus hingen.
Es gibt einige unbestreitbare Hinweise … auf etwas, das wir
nicht verstehen und ermessen können.«

Der kalifornische Psychiater Ralph B. Allison, einer der


führenden Autoritäten im Bereich der MPD, glaubt fest an das
höhere Ich und praktiziert diese Theorie. Allison sagt: »Wir alle
haben Zugang dazu. Wir müssen nicht … zu [einem Channeler]
gehen. Wir können es in Ruhe zu Hause tun …« Manchmal
spricht Allison von seinem eigenen höheren Ich »Mike«, hält
sich aber zurück mit einem endgültigen Urteil darüber, wer oder
was Mike letzten Endes ist. Laut Allison leiden MPD-Patienten,
weil sie nicht auf ihre höheren Helfer hören. Zur Therapie gehört,
den Patienten bei¬zubringen, auf diese Stimmen zu hören. Ist
das Wissenschaft?

In klassisch okkulter Terminologie bezeichnet Dr. Allison diese


Wesen als »Aufgestiegene Meister«, die, wie er glaubt, mit
unserem eigenen höheren Ich verwandt sind. Aufgrund seiner
Erfahrung mit multiplen Persönlichkeiten glaubt er an die
Existenz körperloser Wesen. Bei seinen Gesprächen mit diesen
Wesen sagen einige zu ihm: »Sorge dich nicht darum, woher wir
kommen, wo wir uns aufhalten oder wo wir zuvor gelebt haben.«
Andere sagen etwas wie: »Ich war in meinem vorigen Leben ein
Sioux in Dakota und eine multiple Persönlichkeit. Nun wurde ich
von Gott hierhin gesandt, um ihr [der Patientin] in den
Schwierigkeiten zu helfen – ich bin Experte dafür.«

In der typischen Art eines Psychiaters sagt Dr. Allison: »Warum


sollte ich streiten …? Mein Job ist, Menschen zu helfen, und ich
kann mich wenig darum kümmern, woher die Informationen
kommen. [Mich interessiert nur:] Funktioniert es?« - Tatsächlich
sollte die Identität dieser Wesen aber von großem Interesse sein,
da es sich nach dämonischer Besessenheit anhört.

Zu den vielen Fällen, über die man lachen müsste, wenn sie
nicht so tragisch wären, gehört auch Nadean Cool. Sie verklagte
ihren früheren Psychiater aufgrund eines Berufsvergehens, da
»er sie davon überzeugte, dass sie 120 Persönlichkeiten in sich
berge und anschließend ihrer Krankenkasse eine
Gruppentherapie in Rechnung stellte«. Die
Krankenversicherung, die etwa 113.000 Dollar an den Psychiater
Kenneth Olson und 114.000 Dollar an das St.-Elizabeth-Hospital
in Wisconsin zahlte, schloss sich Nadean Cool in dem Prozess
an. Sie legten Beschwerde ein, da Olson Gruppensitzungen
berechnete und den Anspruch erhob, mehr als eine Person zu
beraten. Was für eine Wissenschaft ist das? Dem gesunden
Menschenverstand graut vor dieser Wahnvorstellung.
Außerirdische und die Psychologie

Ganz gleich, ob der Ufo-Kult Märchen, Magie oder Wahnsinn ist,


seine Hohenpriester sind jedenfalls die Psychiater und ihr
religiöses Ritual ist die Hypnose. Diese uralte schamanische
Praktik ist ein Bindeglied zwi¬schen Ufos, Nahtod-Erfahrungen
und dem Okkulten. Wenige Entführte, wenn überhaupt welche,
haben eine bewußte Erinnerungen an diese vermeintliche
Erfahrung. Beim Prozess der zeitlichen Zurückversetzung unter
Hypnose (mit Hilfe von gezielten Suggestionen) werden die
»Erinnerung« an die »Entführung«, die körperliche
Untersuchung und bisweilen auch an sexuelle Übergriffe vom
Therapeuten aufgedeckt – genauso wie Erinnerung an
mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in der Kindheit
tausendfach »aufgedeckt« wurden.

Jacques Vallee bezeichnet die Zurückversetzung unter Hypnose,


um Erinnerungen wiederzugewinnen, als »eine höchst
fragwürdige Methode, die in der Ufo-Forschung leider zur Norm
geworden ist«. In Wirklichkeit kann sich jede hypnotisierte
Person bereits durch minimale Suggestion an Ufo-Entführungen
»erinnern«, die im Detail mit den Beschreibungen von angeblich
echten Entführten übereinstimmen. Die Erfahrung eines so
genannten klinischen Todes lässt sich unter Hypnose ebenso
kopieren und verdeutlicht den okkulten Zusammenhang zum
Ufo-Phänomen.

Überall in Amerika treffen sich regelmäßig Hunderte von


Gruppen, deren Teilnehmer glauben, Außerirdischen begegnet
oder von ihnen entführt worden zu sein. Üblicherweise werden
diese Treffen von einem Psychotherapeuten geleitet. Ein
typisches Beispiel ist die Gruppe der Hypnotherapeutin Yvonne
Smith in einem Vorort von Los Angeles »für Menschen, die
glauben, ihr Sexual- und Fortpflanzungsverhalten werde von
Außerirdischen überwacht«.

Der Hohepriester der Ufo-Entführungen ist Dr. John E. Mack,


Professor für Psychiatrie am Cambridge-Hospital, der
medizinischen Fakultät in Harvard, und Pulitzer-Preisträger für
Autoren. Er hat mehr als 100 Menschen befragt, die angaben,
von Außerirdischen in ein Ufo entführt worden zu sein. Vieles
von dem, was er angeblich aus diesen Begegnungen gelernt hat,
wird in seinem Buch Entführt von Außerirdischen offen gelegt.
James S. Gordon rezensiert das Buch in der New York Times:

»Vier Jahre lang hat der anerkannte Psychiater … die seltsamen


und verblüffenden Geschichten ganz normaler Männer und
Frauen fest gehalten, die glauben, aus ihren Häusern und Autos
entführt und durch Wände hindurch mittels besonderer
Lichtstrahlen zu Raumschiffen transportiert worden zu sein …
Diese vernünftigen, feinsinnigen und gebildeten Männer und
Frau¬en waren, so schien es Dr. Mack, nicht psychotisch,
wahnhaft oder selbstdarstellerisch … Ihr Erlebnis der Ufo-
Entführung schien wirklich die Ursache ihrer Probleme zu sein,
und nicht deren Symptom.

Als Dr. Mack zuhörte, fing er an zu glauben, dass ihre


Erfahrungen in gewisser Hinsicht sehr »real« waren und … unter
Hypnose wurden ihre bruchstückhaften Erinnerungen glasklar
und komplexe Szenerien von Entführung, Gewaltanwendung
und Instruierung ergaben sich … Wie sein Buch zeigt … stellte
Dr. Mack andere Verbindungen her – Verbindungen zwischen
Entführungen, Nahtod-Erfahrungen und »Reinkarnations-
Therapien«. Dr. Mack meint, dass all diese Erfahrungen Wege
zur Wiederentdeckung ewiger [okkulter] Weisheit sind …

Leider … fehlt es den Entführungsberichten … an der Autorität,


die Dr. Mack und ein sympathisierender Leser ihnen gerne
geben möchte … Hier, exakt auf dem klinischen und
wissenschaftlichen Boden … ist sein Buch für Kritik am
angreifbarsten … Gleichfalls beunruhigend ist der Mangel an
Literatur über Dr. Macks Methodik … wie er einen hypnotischen
Trancezustand herbeiführt oder wie er die Person unter Hypnose
befragt … [und über] seine Aussage, dass er und die Entführten
ihre Realität miterschaffen«.

Dr. John Mack spricht von »Phänomenen, die aus einer anderen
Dimension zu kommen scheinen; durch Telepathie erhaltene
Informationen; Hellseherei und dem ganzen [übersinnlichen]
Psi-Bereich; außerkörper¬liche Erfahrungen; Nahtod-
Erfahrungen; Telekinese und dem Phänomen der Entführung
durch Außerirdische. Phänomene also, die sich im natürlichen
Bereich zeigen, aber anscheinend aus einer anderen Dimension
kommen, aus einer unsichtbaren Welt herrühren«. - Er
beschreibt die Welt des Okkulten, an die er nun voller
Überzeugung glaubt.

Carl Jung lebte in ständiger Verwirrung – ein Zustand, der ihn


seit seiner Kindheit quälte. Er war hin- und hergerissen, ob nun
der Zustand des Bewussten oder der des Unbewussten der
wirkliche ist. Diese Ambi¬valenz spiegelt sich in der folgenden
Aufzeichung eines Traumes wider, die ebenso seine Sicht über
Ufos und die Tatsache, dass er tiefere Proble¬me als viele seiner
Patienten hatte, zum Vorschein bringt:

»Ich erblickte mein Haus, über dem zwei linsenförmige


metallisch schimmernde Scheiben in einem engen Bogen
schwirrten … zwei Ufos. Dann kam ein anderes Objekt … durch
die Luft geflogen: eine Linse mit einem metallischen Anbau, der
zu einem Kasten führte – eine Laterna magica [ein
Filmprojektor]. Es stand in einer Entfernung von fünfzig bis
sechzig Metern ruhig in der Luft und zeigte direkt auf mich. Ich
erwachte mit einem Gefühl des Erstaunens … der Gedanke ging
durch meinen Kopf: »Wir denken immer, dass Ufos unsere
Projektionen sind. Nun stellt sich heraus, dass wir ihre
Projektionen sind. Ich wurde von der Laterna magica als C. G.
Jung projiziert. Aber wer bedient den Apparat?« (C.G.Jung,
Memories, Dreams, Reflections, 1963).

Die erstaunlichen Produkte eines hypnotischen


Trancezustandes

Die mysteriösen Auswirkungen der Hypnose stellen die heutigen


Wissenschaftler vor ein Rätsel. Spontane »Erinnerungen« an
vergangene und zukünftige Leben (etwa ein Fünftel handelt von
Existenzen auf anderen Planeten) tauchen häufig auf. Im
hypnotischen Trancezustand werden auch Erfahrungen
gemacht, die im Zusammenhang psychedelischer Drogen, TM
und anderer Yoga-Formen und fernöstlicher Meditation weit
verbreitet sind. Ferner manifestieren Hypnotisierte spontan
übersinnliche Kräfte, Hellsehen, außerkörperliche Erfahrungen
sowie das ganze Spektrum okkulter Phänomene.

Nehmen wir den Fall des 21-jährigen William, eines intelligenten


und unauffälligen Studenten, der von Professor Charles Tart
hypnotisiert wurde. William erlebte dasselbe kosmische
Bewusstsein und die gleiche Verwirklichung seines Ichs, welche
auch durch Yoga und im klinischen Tod hervorgerufen werden.
Erst erlebte er einen tiefen Frieden, danach eine Loslösung von
seinem Körper und schließlich die Befreiung von seiner eigenen
Identität, um mit dem Universum zu verschmelzen. Er hatte das
Gefühl, dass er alles sei und ihm keine Begrenzungen auferlegt
wären bezüglich dessen, was er erfahren oder werden könnte. Er
spürte die ganze Fülle eines Gottesbewusstseins, »in dem die
Grenzen von Zeit, Raum und der eigenen Identität angeblich
überschritten sind und ein reines Bewusstsein des
ursprünglichen Nichts zurückbleibt, aus dem jegliche sichtbare
Schöpfung stammt«.

Die Hypnose, die nur im Jahr 1958 durch die Amerikanische


Gesellschaft für Medizin als therapeutische Technik anerkannt
wurde, scheint die Macht des Geistes über den Körper zu
beweisen. Es ist präzise zielgerichteter Placebo-Effekt. Es gibt
sogar Hinweise darauf, dass »zelluläre Veränderungen im
Körper vor sich gehen, zusammen mit Veränderungen der
persönlichen Einstellung«. Martin Bobgan schreibt:

»Auch wenn man das Wort Hypnose mit dem Wort Therapie
verbindet, so hebt dies die Praktik an sich noch nicht aus der
Sphäre des Okkulten auf eine wissenschaftliche Ebene … Der
weiße Kittel ist vielleicht ein angeseheneres Gewand als Federn
und Gesichtsbemalung, aber die Grundlage ist die Gleiche.
Hypnose bleibt Hypnose, ob man sie nun medizinische
Hypnose, Hypnotherapie, Autosuggestion oder sonstwie nennt.
Hypnose in den Händen eines Mediziners ist genauso
wissenschaftlich wie eine Wünschelrute in den Händen eines
Tiefbauingenieurs.«

Einige Ärzte benutzen Hypnose als Narkosemittel. Suggeriert


man der hypnotisierten Person, dass sie während der Operation
keinen Schmerz empfinden und es nicht einmal zu Blutungen
kommen werde, dann wird dies in vielen Fällen zur Realität des
Patienten. Eine unter Hypnose auferlegte Suggestion (z. B. dass
Zigaretten schrecklich schmecken) wird häufig zur neuen
Realität, wenn der Hypnotisierte wieder in seinen normalen
Bewusstseinszustand zurückgekehrt ist.

Yoga und andere Arten fernöstlicher Meditation sind eine Form


von Selbsthypnose oder Autosuggestion. Es werden
verschiedenste andere Formen der Selbsthypnose angewendet.
Dr. med. William Kroger und der Psychologe William Fetzler
warnen aufgrund jahrelanger Forschungsarbeit vor »einer
Verwirrung durch angebliche Unterschiede zwischen Hypnose,
Zen, Yoga und anderen fernöstlichen Heilmethoden. Obwohl
sich das Ritual jeweils unterscheidet, sind sie grundsätzlich
gleich.«

Selbsthypnose wird weithin in der holistischen


Gesundheitsbewegung angewendet, ebenso wie in den Erfolgs-
und Selbstbild-Verbesserungs-Seminaren. Die Resultate können
weder durch etwaige Leistungsfähigkeit des Gehirns noch des
Geistes erklärt werden. Die Hypnose ist ein Haupteinfallstor des
Okkulten und hat eine Schlüsselrolle bei der okkulten
Unterwanderung der abendländischen Gesellschaft gespielt. Bei
Phil Jackson spielte die Selbsthypnose, die er von seinem
älteren Bruder Joe lernte, für seine Einführung in das Okkulte
eine wichtige Rolle.

Zwei Folgerungen, die für die meisten Forscher zwar sehr


unangenehm sind, scheinen unausweichlich:

1.) Es gibt einen gemeinsamen Ursprung aller okkulten


Phänomene, einschließlich Ufos, die scheinbar auf intelligente
und wohlüberlegte Weise eine clevere Täuschung zur
Unterstützung ihrer eigenen Absichten arrangieren; und
2.) Hypnose – oder die Macht der Suggestion – ist der
eigentliche Kern dieses Schemas. Werden diese beiden
Schlussfolgerungen abgelehnt, ergibt alles keinen Sinn. Dem
Forscher – wie beispielsweise Professor Alvin H. Lawson von
der staatlichen Universität in Long Beach, Kalifornien – bleibt
nichts anderes übrig als zu raunen: »Das Wesen dieses Inputs
hier ist eine sehr gruselige Sache!«

Teil 2

»Christliche« Psychologie

Es gibt nichts Christliches an der Psychologie. Ihre Verwendung


von Ausdrücken wie Seele, Geist und sogar Gott verleitet viele
Christen zur Annahme, die Psychologie sei irgendwie mit dem
christlichen Glauben vereinbar. Die Bedeutung dieser Begriffe in
der Psychologie kommt jedoch aus dem Bereich des Okkulten,
steht im Widerspruch zur Bibel und ist unabänderlich
antichristlich.

Tatsächlich ist die Psychologie eine konkurrierende Religion mit


ihrem eigenen antichristlichen Evangelium, das eine unbiblische
Diagnose und ein gottloses Heilmittel für die menschlichen
Probleme anbietet. Sogar Rollo May drückte seine Besorgnis
über die Verbindung zwischen Psychologie und Religion aus.
Andere weltliche Psychologen wie Sam Keen und Philip Reiff
haben »Psychotherapie als eine Art Nationalreligion mit einem
Evangelium der Selbstverwirklichung und mit Therapeuten als
den neuen Priestern beschrieben«.

Ein Psychologe sagte: »Gewisse besonders einflussreiche


Pioniere der amerikanischen Psychologie fanden in ihr ein
ideales Mittel, ihrer eigenen christlichen Erziehung im Namen
der Wissenschaft abzuschwören.« Thomas Szasz, Professor für
Psychiatrie und nichtpraktizierender Jude, erklärte: »Einer der
stärksten Beweggründe im Leben Freuds war es … sich am
Christentum zu rächen …«
Szasz nannte die Psychotherapie »nicht nur eine Religion, die
vorgibt, eine Wissenschaft zu sein … [sondern] eine gefälschte
Religion, die versucht, die wahre Religion zu vernichten«.

Aber ist die christliche Psychologie irgendetwas anderes? Nein.


Ob ein Psychiater oder Psychologe Christ ist oder Atheist,
mussten beide die gleichen Prüfungen ablegen und die gleichen
Maßstäbe erfüllen, um die staatliche Berufserlaubnis zu
erhalten. Zum Beispiel ist die »Fuller Hochschule für
Psychologie« des Fuller-Seminars im kalifornischen Pasadena
durch die Amerikanische Gesellschaft für Psychologie
anerkannt und muss deren gottlose Normen genau wie jede
säkulare Schule für Psychologie erfüllen.

Es gibt keine »christliche« Psychologie

Simple Wahrheit ist, dass etwas wie eine christliche Psychologie


nicht existiert. Schauen Sie in den Index eines beliebigen
Psychologie-Lehrbuches. Dort finden sich Einträge über die
Psychologie von Freud und Jung, über den Behaviorismus
sowie über existentielle, humanistische und transpersonale
Psychologie und weitere Fachrichtungen. Aber es gibt keinen
Eintrag unter »christliche Psychologie«. Der Grund dafür ist
einfach: Es gibt keinen Christen, der je eine Schule der
Psychologie gegründet hat, die als »christlich« bekannt ist.

In ihrem Artikel, der auf einem Treffen professioneller


Psychologen vorgestellt wurde, behaupteten die christlichen
Psychologen J. Sutherland und P. Poelstra mit der Zustimmung
der Anwesenden:

»… es gibt keine akzeptable christliche Psychologie, die sich in


einem wesentlichen Merkmal von der nichtchristlichen
Psychologie unterscheidet… Es ist schwierig zu implizieren,
dass wir in einer Art und Weise funktionieren, die sich
grundlegend von unseren nichtchristlichen Kollegen
unterscheidet … Bisher gibt es [in der Psychologie] keine
annehmbare Theorie, keine Forschungsmethode und keine
Behandlungsmethodik, die ausgesprochen christlich ist.«

Was ist dann mit »christlicher Psychologie« gemeint? Die


meisten Laien meinen, dass es tatsächlich eine Psychologie
gibt, die eindeutig christlich ist. Die Fachleute wissen jedoch,
dass sie sich an einem Versuch der Integration atheistischer
und antichristlicher Theorien in die christliche Theologie
beteiligen. Psychologie ist ein Teil der »Weisheit dieses
Zeitalters«, die gelehrt wird vom »Geist der Welt«, den Paulus
verwirft (1.Kor. 2,5-14). Der Gründer von Rapha, Robert McGee
gibt offen zu, dass er sich zusammen mit dem Atheisten Albert
Ellis, für den das Christentum ein Grund für Geisteskrankheiten
ist, in Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist befindet:

»Die Veränderung unseres Denkens, Fühlens und Handelns ist


ein Pro¬zess, zu dem das übernatürliche Wirken des Heiligen
Geistes gehört … Als Ausgangspunkt verwenden wir jedoch ein
Modell, das aus der Rational-Emotiven-Therapie von Albert Ellis
abgeleitet ist.«

Die Psychologie entstammt dem Okkulten, ist nicht


wissenschaftlich und viele der führenden Professionellen geben
zu, dass sie zerstörerisch ist. Die gleiche legitime Kritik, die
gegenüber der weltlichen Psychologie vorgebracht werden
kann, kann man auch für die so genannte »christliche«
Psychologie geltend machen. Dennoch hat sie die
segensreichsten Kanzeln erobert und ist zu einem wichtigen Teil
des Lehrplans an christlichen Universitäten und sogar
Seminaren geworden. Vor einigen Jahren teilte Jerry Falwell den
Personen auf seiner Adressenliste Folgendes mit:

»Nächsten Sonntag werde ich im … Fernsehen einen


historischen Durchbruch zum Leib Christi verkünden. Die
Auswirkung … wird die christliche Welt begeistern und uns in
eine neue Ära der christlichen Mission führen … Es gibt einfach
nicht genug ausgebildete christliche Psychologen, Psychiater
und Pastoren, um den Seelsorgebedarf einer wimmelnden, nach
Hilfe schreienden Menge zu decken. Das »Liberty Institut für
Laienseelsorge« wird das notwendige Ausbildungsprogramm
anbieten … Sie können dabei sein …! Stellen Sie sich Folgendes
vor …! Dr. Gary Collins und sein Mitarbeiterstab … sind per
Kassette [bei ihnen zu Hause] ...«

Ein Zeitungsinserat der George-Fox-Universität ist mit dem Titel


»Unsere Psychologie-Doktoren haben etwas ganz Besonderes –
Eine christliche Sicht der Welt« überschrieben. Ein Prospekt des
Fuller Theological Seminary prahlt: »Als Berufszweig ist die
christliche Psychologie nicht gerade neu. Fullers Schule für
Psychologie bietet alles … von der Ehe und Familientherapie bis
hin zum Doktor für klinische Psychologie.« Der folgende Auszug
aus einer ganzseitigen Werbeanzeige der Wheaton-College-
Graduate-School in Christianity Today zeigt das gleiche
integrative Bild:

»Symbole für ein neues Jahrhundert in der Psychologie – Dr.


psy. und Dipl. Psy. … die Verpflichtung gegenüber der Bibel und
die Integration der psychologischen Theorie mit dem
christlichen Glauben ...«

Der große Einfluss Norman Vincent Peales

Es war Norman Vincent Peale, ein Freimaurer des 33. Grades,


der die Jungfrauengeburt Christi »irgendeine theologische Idee«
nannte und der der Integration von Theologie und Psychologie
den Weg bahnte, die dann zur »christlichen« Psychologie wurde.
Im Jahr 1937 »gründete Peale eine Klinik mit einer einzigen
Psychiaterin in seiner Gemeinde, [die] auf mehr als nur einige
Doktoren und Pastoren anwuchs«. Das wurde zur Inspiration für
Tausende ähnlicher Kliniken heute.

Peales Hauptjünger Robert Schuller wurde zu einem


bedeutenden Faktor dafür, dieser Sache und vielen anderen
zerstörerischen Überzeugungen Peales unter den Evangelikalen
Anerkennung zu verschaffen. In seinem Bericht auf dem
Weltkongress für Psychiatrie im Jahr 1967 in Madrid vermittelte
Schuller den Eindruck, Psychologie und Psychiatrie würden mit
dem Christentum auf einer Linie liegen und er verbreitete diesen
Irrglauben weiter in seinen vielen Büchern und in beliebten
Fernsehpredigten. In seiner Sendung »Hour of Power« (»Stunde
der Kraft«) vom 5. Oktober 1997 nahm Robert Schuller den
Internationalen Viktor-Frankl-Logotherapiepreis entgegen. In der
Logotherapie wird der Patient aufgefordert, eine existenzielle
Bedeutung in seinem Leben auf der Erde zu erkennen (ohne
jeden Bezug auf Himmel oder Hölle). Sie beinhaltet »spirituelle«
Werte ohne jeden »religiösen Unterton« und gründet sich auf
»das Gute, das Wahre und das Schöne« – aber nicht auf Gott.

Die Logotherapie ist humanistischen Ursprungs und


antichristlich. Trotzdem sagte Schuller bei der Annahme des
Preises, dass es »die größte Ehre« für ihn sei und »Viktor Frankl
nach Jesus Christus sein zweitgrößter Lehrer war«.

Heute folgen die meisten evangelikalen Gemeinden dem Beispiel


Peales, und Schullers »Hour of Power« erfreut sich unter allen
Fernseh-Evangelisten jeden Sonntagmorgen der höchsten
Einschaltquoten. Die Tatsache, dass Billy Graham sowohl Peale
als auch Schuller seine uneingeschränkte Billigung erteilte, trug
zweifellos zu ihrem wachsenden Einfluss bei. Auf die wenigen
Gemeindeleiter, die dieser okkulten Invasion nach wie vor
Widerstand leisten, blickt man von oben herab, als lebten sie
hinterm Mond. In ihrem Buch The Integration of Psychology and
Theology (»Die Integration von Psychologie und Theologie«)
schreiben die christlichen Psychologen John D. Carter und
Bruce Narramore:

»Der typische konservative Pastor steht 20 bis 30 Jahre hinter


seinen liberalen Kollegen zurück, was das Wissen um den
Beitrag anbelangt, den die Psychologie zum Verständnis der
Persönlichkeit geleistet hat.«

Peale war schlimmer als liberal. Er gab offen zu, dass viele
seiner Gedanken von zwei führenden Okkultisten stammten,
vom Gründer der »Religious Science« Ernest Holmes und dem
Mitbegründer der Unity-Sekte Charles Fillmore. Zwei Pastoren
(einer von ihnen war ein früherer Schützling Peales) haben
jüngst eine weitere okkulte Quelle von einigen Lehren Peales
aufgedeckt: Florence Scovel Shinn. Nachdem sie Shinns Bücher
mit Peales verglichen hatten, stellten sie fest, dass Peales
Schriften massenhaft spezielle Fälle zitieren, in denen Peale und
Shinn nicht nur übereinstimmen, sondern auch ähnliche oder
identische Formulierungen benutzen … Shinn, die 1940 starb,
bediente sich mystischer Quellen, die auf den antiken
ägyptischen Philosophen Hermes Trismegistus zurückgehen
sowie auf die Geheimnisse der Freimaurer, wie sie im Kybalion
dargestellt sind. Peale schreibt, dass er die Lehren von Shinn
»seit langem benutzt hat«.

Der unmögliche Beruf

Der christliche Psychologe James Dobson schreibt: »Die


christliche Psychologie ist für einen jungen Gläubigen ein
achtbares Berufsfeld, vorausgesetzt, sein Glaube ist stark
genug, um den humanistischen Konzepten zu widerstehen,
denen er ausgesetzt sein wird.« Warum muss man sich
humanistischen Konzepten aussetzen, um christliche
Psychologie zu erlernen? Psychologie wurde von Humanisten
erfunden und kann nicht vom Humanismus getrennt werden, auf
den sie sich gründet.

In einem Interview in einer US-Radiosendung stimmte Dobson


mit dem führenden christlichen Psychologen Gary Collins
überein, dass Psychologie auf den gleichen fünf Prinzipien
basiert wie Humanismus. Anschließend sagten beide, dass
Psychologie (Humanismus) natürlich in den christlichen
Glauben integrierbar sei. - Man muss fragen, wozu eine solch
gottlose Partnerschaft gut sein soll!

In einem seiner Bücher schreibt Gary Collins: »Es ist noch zu


früh für eine sichere Antwort, ob Psychologie und christlicher
Glaube miteinander integrierbar sind.« Da seinem eigenen
Eingeständnis zufolge diese Integration noch nicht
stattgefunden hat, war der Begriff christliche Psychologie von
Anfang an eine falsche Darstellung, die der Christenheit
aufgezwängt wurde! Leider wächst der Einfluss der »christlichen
Psychologie« weiter. Ein Reporter machte bei einem Besuch in
einem christlichen Buchladen folgende Feststellung:
»In der Rubrik »Leben als Christ« herrschten einst Bücher mit
den Themen Gebet und Bibelstudium vor. Heute kann man
Ratgeber für Themen finden wie »Das Überwinden von
Abhängigkeiten«, »Wie man seine Sorgen los wird«,
»Stressbewältigung« und »Leben ohne Schuldgefühl«.

Wieder fragen wir: Warum versucht man Theologie und


Humanismus zu verheiraten? Kann die Weisheit der Welt den
christlichen Glauben bereichern? Ist der christliche Glaube
fehlerhaft? Und ist die Psychologie, die von antichristlichen
Köpfen erfunden wurde, das, was dem Christentum fehlt? Ist die
Christenheit 1900 Jahre lang zu kurz gekommen? Die ganze Idee
der christlichen Psychologie ist sowohl unlogisch als auch
unbiblisch.

Ja, Christen können und haben auf manchen Gebieten einen


Nutzen von der Weisheit dieser Welt – Physik, Chemie, Medizin
und andere säkulare Bereiche sind Beispiele dafür – weshalb
nicht auch von der Psychologie? Hierfür gibt es eine ganze
Anzahl von Gründen. Allem voran wäre es lächerlich, von
christlicher Physik oder christlicher Chemie zu sprechen, da
diese Sparten nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben.
Aber die Psychologie beansprucht – anderes als andere
Disziplinen –, sich gerade mit den Themen zu befassen, von
denen die Bibel handelt: die Seele und die spirituelle Seite des
Menschen. Dieser Anspruch ist nur rechtmäßig, wenn die Bibel
nicht hinreichend ist.

Wo sollten wir Hilfe für unsere Seele suchen?

Aber benötigen wir nicht alle Seelsorge? Allerdings. Die Frage


ist: Welche Art von Seelsorge und von wem? Würde jemand den
Ratschlag eines Automechanikers einholen, wenn er
Herzbeschwerden hat? Oder sich bei einem Mann, der
wiederholt bankrott gegangen ist, über Geldanlagen
informieren? Oder sich den Weg in den Himmel von einem
Menschen zeigen lassen, der ihn selbst nicht kennt und
eigentlich damit rechnet, in der Hölle zu enden? Man sollte Rat
und Hilfe doch beim höchstqualifizierten Experten zum
jeweiligen Sachgebiet suchen.

Der Mensch hat sich weder selbst erschaffen, noch kann er sich
selbst begreifen. Er weiß nicht einmal, was Leben ist. Wie kann
er dann die inneren Vorgänge in seiner Seele und seinem Geist,
seinem Verstand und seinen Gefühlen verstehen? Die
Psychologie ist die Lehre von der Seele (Psyche). Doch Jung
gestand, dass »niemand weiß, was die ›Psyche‹ ist«. Nur ein
Narr würde dann Jungs psychologische Theorien übernehmen –
und dennoch werden sie von Hunderten (wenn nicht gar
Tausenden) christlichen Psychologen befolgt.

Psychologie ist der vergebliche Versuch des Menschen, sich


selbst zu verstehen und sein Verhalten entsprechend zu
regulieren. Die christliche Psychologie hat die Weisheit der Welt,
die aus Gottes Sicht Torheit ist (1Kor 1,20), in die Christenheit
eingeführt. Sie wird als Ergänzung zur Bibel angeboten.

Benötigt die Bibel eine solche Unterstützung und würde die


Gemeinschaft mit dem Humanismus die biblische Theologie
aufbessern? Wenn das stimmt, dann haben wir eine
unzureichende Bibel. Natürlich ist die Bibel auf Gebieten wie der
Raumfahrttechnik, bei Reparaturen von Maschinen,
Nierentransplantationen und anderen Dingen unangemessen.
Die Bibel wurde nicht zu diesen Zwecken geschrieben. Es wäre
töricht, sich »nur an die Bibel zu halten«, wenn man ein hohes
Bürogebäude errichten will. Aber wenn es um die Dinge geht,
die in der Bibel behandelt werden, ist sie die höchste Autorität.
Wir brauchen nichts anderes.

Die Bibel ist Gottes Wort und unfehlbar. Deshalb ist es äußerst
sinnvoll, sich bei den Themen, in denen sie uns belehrt,
»ausschließlich an die Bibel zu halten«. Die Bibel hat mit den
Dingen zu tun, die »zum Leben und zur Gottseligkeit« gehören
und sie sagt, dass sie uns alles, was wir dafür benötigen, in
Christus gegeben hat (2Petr 1,3-4). Das Geheimnis des
christlichen Lebens ist: »Christus in euch« (Kol 1,27). Zweifellos
benötigt Christus, der »euer Leben« (Kol 3,4) ist, keine
Psychotherapie. Wir müssen ihm nur gehorchen und ihm
vertrauen, damit er sein Leben durch uns lebt. Dazu erteilt die
Bibel uns die vollständige Unterweisung.

Gott sagt uns: »Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und
unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus? Ich, der HERR, bin
es, der das Herz erforscht …« (Jer 17,9-10). Der weise Mensch
spricht wie David:

»Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz. Prüfe mich und
erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei
mir ist, und leite mich auf dem ewigen Weg!« (Ps. 139, 23-24)

Was könnte besser sein, als dass Gott unser Leben und unsere
Motive erforscht und uns leitet? Einer der Namen unseres Herrn
Jesus Christus ist »Ratgeber« – »Seelsorger« (Jes 9,6). Können
wir uns einen besseren Ratgeber wünschen als den, der uns
durch sein Wort und durch seinen Heiligen Geist berät? Was für
eine Beleidigung muss es für unseren himmlischen Ratgeber
sein, wenn wir woanders nach zusätzlicher Hilfe suchen!

Die christliche Psychologie erhebt den Anspruch, ergänzende


Sachkenntnis zu bieten, an welcher es der Bibel mangelt. Dieser
Anspruch widerspricht den klaren Aussagen der Bibel. Die
wahren Christen widerstanden der römischen Arena und der
Inquisition ohne eine christliche Psychologie. Durch das Blut
ihrer Märtyrer prägten sie den Siegesstempel eines christlichen
Lebens auf die Seiten der Geschichtsschreibung, lange bevor
Freud und seine »christlichen« Nachfolger die Weltbühne
betraten.

Reicht die Bibel aus?

Die Bibel beansprucht, allen unseren geistlichen, emotionalen


und praktischen Bedürfnissen zu genügen. Gott lügt nicht (4Mo
23,19). Waren die von Gott inspirierten Autoren der Bibel durch
ihr eigenes Wissen begrenzt und ermangelten deshalb eines
tieferen Verständnisses des Menschen, was später durch Freud,
Jung, Maslow usw. ausgeglichen wurde? Blasphemie!

Psychotherapie besteht aus Hunderten widersprüchlicher und


unbewiesener Theorien, deshalb braucht sich niemand zu
sorgen, sich womöglich ihre vorgetäuschte Weisheit entgehen
zu lassen. Die Tatsache, dass die Zeiten und Kulturen, in denen
die Bibel geschrieben wurde, nicht den geringsten Einfluss auf
sie hatten, ist darüber hinaus einer der größten Beweise dafür,
dass die Bibel Gottes Wort ist. Die Bibel ist nicht durch die
Weisheit oder das Wissen derer begrenzt, die sie unter
Inspiration schrieben, sondern sie ist das Wort Gottes und somit
vollkommen.

Paulus sagt, dass der Mensch Gottes allein durch die Schrift
»vollkommen [reif, vollständig] sei, zu jedem guten Werke völlig
geschickt« (2.Tim. 3,17. Ein Mensch, der Gottes Maßstäben
entsprechen und völlig nach dem Willen Gottes leben möchte,
findet jeden nötigen Rat in der Bibel. Die christliche Psychologie
sagt im Endeffekt, dass Paulus falsch lag und die Bibel
unzureichend sei. Der klinische Psychologe Bernie Zil¬bergeld
schreibt:

»Deren Vorfahren einst Trost in Gottes Wort suchten und am


Altar Christi bzw. Jahwes anbeteten, beten nun die Theorien von
Freud, Jung, Carl Rogers und einer Schar ähnlicher Autoritäten
an und suchen Trost an deren Altären.«

Eine simple Logik allein macht uns klar: Wenn christliche


Psychologie irgendetwas von Wert zu bieten hat, ist der
biblische Anspruch der Hinlänglichkeit falsch, dann irrte die
Christenheit mit ihrem alleinigen Ver¬trauen auf die Bibel und
hat es somit in den letzten 1900 Jahren versäumt, die geistlichen
und emotionalen Bedürfnisse der Christen zu stillen. Die
christliche Psychologie behauptet, dass es der Bibel an Einsicht
fehlt, die in jüngerer Zeit durch atheistische Humanisten uns zur
Hilfe erbracht wurde.

Die Bibel wurde zu Recht als »Gebrauchsanweisung des


Herstellers« bezeichnet. Gott, unser Schöpfer (Ps 95,6; Spr 22,2;
Jes 17,7; 45,12; 51,13; Hebr 11,10 u.a.), beabsichtigte für seine
Geschöpfe, dass sie diese »Ge¬brauchsanweisung«
kontinuierlich im Vertrauen zu Rate ziehen und mit Folgsamkeit
darauf reagieren. Mit Sicherheit enthält die
Bedienungsan¬leitung unseres Schöpfers jede Anweisung, die
notwendig ist für ein hei¬liges (3Mo 11,44.45; 19,2; 1Thes 2,10;
1Petr 1,16), glückliches (Hi 5,17; Ps 128,1; 144,15; 146,5; Spr
3,13.18; 14,21; 16,20; 28,14; 29,18; Joh 13,17; 1Petr 3,14; 4,14)
und fruchtbringendes (1Mo 1,28; Joh 15,4.8; Kol 1,10) Leben
Seiner Geschöpfe. Mit ebensolcher Sicherheit hat Gott kein
einzi¬ges mögliches Problem oder irgendeine Störung
übersehen, mit denen wir konfrontiert werden können, noch hat
er versäumt, vollständige Anweisungen und ein geeignetes
Heilmittel bereitzustellen.

Angenommen, die Nachkommen Adams sind zornig, frustriert,


ängstlich, besorgt, unsicher oder einsam. Angenommen, sie
kommen sich falsch behandelt vor, missbraucht oder unnütz
und sehen nicht den Sinn und Zweck ihres Lebens. Um Rat und
Hilfe zu bekommen, sollten sie sich an ihren Schöpfer wenden,
der sie zu seinem eigenen Zweck geschaffen hat und sie bis ins
Detail kennt. Sie sollten Rat im Handbuch des Herstellers
suchen, in dem der Schöpfer ihnen Anweisungen zu
vollkommenen Vorgehensweisen bietet. Sie sollten sich zu
Christus wenden, der von der Strafe und Macht der Sünde
errettet, der in dem Gläubigen wohnt und ihn stärkt. So
wendeten sich die Heiligen und Märtyrer der Kirchengeschichte
an ihn und hatten in ihm stets volles Genüge. Wie David sagte:
»An dem Tag, da ich mich fürchte – ich, ich vertraue auf dich«
(Ps 56,4). Was brauchen wir mehr? Wenn außerdem wahre
Christen von der Liebe Jesu erfüllt sind, werden sie sich – wie
der barmherzige Samariter (Lk 10,33-35) – der Verletzten und
Verwundeten voller Mitgefühl und Aufopferung an¬nehmen. In
seiner Vorsehung stellt Gott Gläubige mit Hirtenherzen be¬reit,
die die Kranken pflegen und die Schwachen stärken (Apg
20,28.35; 1Thes 5,14 u.a.).

Was haben Christen vor Aufkommen der Psychologie getan?


Bis vor nicht allzu langer Zeit schauten die Christen zur
Erfüllung ihrer geistlichen und emotionalen Bedürfnisse allein
auf Gott – und trugen einen glorreichen Sieg davon! Lesen Sie
noch einmal Hebräer 11. Achten Sie auf die Leiden und den
Triumph. Keiner dieser Glaubenshelden hatte Zugang zu (oder
fühlte das geringste Bedürfnis nach) Steve Arterburns Kliniken
»New Life« oder zu irgendeinem anderen Programm christlicher
Psychologie.

Der leidende Hiob hielt ohne Therapie des »RaphaCare-


Programms« oder eines der 17.000 Mitglieder der
Amerikanischen Gesellschaft der Christlichen Seelsorger durch.
Wenn Hiob eine solche psychologische Betreuung nicht
benötigte, dann brauchen diejenigen, die heute wesentlich
geringeres Leid tragen, diese neu erfundene Hilfe sicherlich
ebenso wenig! Von Hiob lernen wir, dass Erprobungen zu
unserem Besten ertragen werden müssen, um uns zu formen
und zur Reife zu bringen; und dass Gott selbst mit uns ist und
dies alles ist, was wir zum Durchhalten brauchen.

Oder denken wir an Josef. Er wurde von seinen Eltern


missverstanden und kritisiert und von seinen Brüdern, die ihn
töten wollten, gehasst und schließlich nach Ägypten verkauft.
Dort stand er unter falscher Anklage und wurde zu Unrecht
inhaftiert, um als Verbrecher zu verschmachten. Wie konnte er
emotional überleben, da er ohne Hilfe christlicher Psychologie
oder Seelentherapeuten auskommen musste, die heute von so
vie¬len als unverzichtbar angesehen werden? Eine törichte
Frage!

Bedenken wir, was Paulus durchstand: »In Mühen umso mehr,


in Ge¬fängnissen umso mehr, in Schlägen übermäßig, in
Todesgefahren oft. Von den Juden habe ich fünfmal vierzig
Schläge weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten
geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich
Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in
Seenot zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren von Flüssen, in
Gefahren von Räubern, in Gefahren von meinem Volk, in
Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in
Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren
unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen
oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße, außer
dem Übrigen noch das, was täglich auf mich eindringt: die Sorge
um alle Gemeinden« (2.Kor. 11,23-28).

Paulus bezeugt: »Aber in diesem allen sind wir mehr als


Überwinder durch den, der uns geliebt hat« (Röm 8,37). Trotz der
schweren Leiden und Widrigkeiten, die er ertrug, konnte Paulus
frohlocken: »Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug
umherführt in Christus …« (2.Kor. 2,14). Er konnte aus dem
Gefängnis schreiben, um andere zu ermutigen: »Mein Gott aber
wird alles, wessen ihr bedürft, erfüllen nach seinem Reichtum in
Herrlichkeit in Christus Jesus« (Phil. 4,19).

Tragischerweise wird die Bibel von vielen Christen nicht befolgt.


Charismatiker suchen meist nach Erfahrungen anstatt nach der
gesunden biblischen Lehre. Evangelikale suchen den
oberflächlichen Ausweg mittels Therapie, um den
Schwierigkeiten zu entkommen, die sie formen und stärken
sollen (1.Petr. 1,7). Die Psychotherapie wird der biblischen
Seelsorge, die Demut und Reue bewirkt, vorgezogen. Die
Bobgans stellen heraus:

Bevor die psychologische Irrlehre sich in der Gemeinde


einnistete, lehrten die Prediger die Leute, dass Gottes Gnade in
Notzeiten und Versuchungen kraftvoll und hinlänglich ist. Aber
heute scheinen viele an¬zunehmen, dass die Menschen
»verletzt« sind und folglich eine besondere Art von
psychologischer Weisheit und Hilfe benötigen.

Sie bieten eine geistlose Lösung der neuesten psychologischen


Trends an, die die Herde garantiert schwächen, anstatt vielmehr
die Kraft des Evangeliums zur Errettung und Heiligung zu
predigen.

Wir leben in einer »Ja, aber«-Generation. Ist die Bibel nicht


Gottes unfehlbares Wort? Ja, aber … bei mir funktioniert es
nicht. Haben wir nicht den Heiligen Geist? Ja, aber … Ist
Christus nicht gekommen, um in unse¬ren Herzen zu wohnen
und wird Er uns nicht leiten und kräftigen? Ja, aber … War es
bei den leidenden und gequälten Christen der ersten 19
Jahrhunderte der Kirche nicht so, dass das Wort Gottes, der
Trost und die Führung des Heiligen Geistes und der in uns
wohnende Christus nicht ausreichte? Ja, aber … die Welt heute
ist komplizierter und wir brauchen zusätzliche Hilfe. Die Helden
und Heldinnen des Glaubens, die in Hebrä¬er 11 Erwähnung
finden, triumphierten inmitten heftigster Verfolgung ohne
Psychologie. Ja, aber … du verstehst meine Situation nicht …
meine Kinder, mein Ehemann, meine Ehefrau, mein Vorgesetzter
… meine Kind¬heit, meine Einsamkeit …

Okkultismus und Selbst-Sucht

Wenn wir den Blick nach innen richten, dann sehen wir, dass
Freuds und Jungs Wahn des Unbewussten eine Vielfalt von
Selbstismus hervorbrach¬te, der nicht nur die Welt, sondern
auch die Christenheit ergriffen hat: Selbstliebe, Selbstannahme,
Selbstbestätigung, Selbstwert, Selbstvertrau¬en, Selbstachtung.
Die Selbst-Sucht gehört zum Kern des Okkulten. Das Ich ist das
Heiligtum des menschlichen Potenzials. Es ist das Ich und der
Hochmut, die nach übersinnlicher Kraft suchen. Jesus sagte,
dass ein Christ sich selbst verleugnen muss (Mk 8,34) und
Paulus verurteilte jegli¬ches Vertrauen in sich selbst (Phil 3,3-7).
Im Gegensatz dazu erhebt Ro¬bert Schuller das Ich:

»Die Selbstliebe ist ein krönendes Gefühl des Selbstwertes, ein


erhe¬bendes Gefühl von Selbstachtung … ein unvergänglicher
Glaube an sich selbst. Sie ist die ehrliche Überzeugung von sich
selbst. Sie entsteht durch Selbstentdeckung, Selbstdisziplin,
Selbstverge¬bung und Selbstannahme und sie bringt
Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und eine innere Sicherheit
hervor, die ruhig wie die Nacht ist.«

Vor 40 Jahren noch wurde Egozentrik als ein hässlicher


menschlicher Ma¬kel angesehen. Heute ist das Ich das Zentrum
der meisten Psychotherapien – der Gott, vor dessen Altar man
sich beugt, um Gunst zu erbitten. Der Gründer von Rapha,
Robert McGee, legt nahe, dass Jesu Aussage »die Wahrheit wird
euch frei machen« (Joh 8,32), »die Anwendung der Wahrheit in
Bezug auf … unser Selbstwertgefühl« mit einschließt. Er
schreibt:

»Das Gefühl, etwas zu bedeuten, ist für die emotionale, geistige


und soziale Stabilität des Menschen entscheidend, ob wir es nun
»Selbst¬achtung« oder »Selbstwert« nennen. Es ist das
antreibende Element im menschlichen Geist.«

Welch eine Schuld ist das Selbst der Psychologie schuldig!


Anstatt es zu verleugnen, wird das Ich nun geliebt, geachtet und
gefördert. Radio, Fern¬sehen, Bücher, Magazine, Predigten und
Seminare erzählen uns immer wieder, dass die Entwicklung von
Selbstliebe, Selbstachtung, Selbstwert und eines positiven
Selbstbilds das ist, was die Christenheit am allernö¬tigsten
habe. James Dobson schreibt:

»In gewisser Hinsicht hängt die Gesundheit einer ganzen


Gesellschaft wirklich davon ab, wie leicht die Einzelnen ihre
persönliche Annahme erreichen können. Wenn also die
Schlüssel zur Selbstachtung für einen Großteil der Bevölkerung
außer Reichweite sind, wie im Amerika der 20er Jahre, dann
werden mit Sicherheit weit verbreitete »psychische
Krankhei¬ten«, Neurosen, Hass, Alkoholismus,
Drogenmissbrauch, Gewalt und soziale Störungen auftreten ...«.

Im Garten Eden war es, wo das Ich einst seine schreckliche


Geburt erleb¬te, weil auf Satan gehört wurde. Das Selbst wurde
geboren durch den Wunsch, so zu sein wie Gott. Und die
Vermarktung des Selbst innerhalb der Christenheit ist ein Teil
der okkulten Invasion.

Ein offener Widerspruch zur Schrift

Eine Welle des Selbstwert-Wahns hat die Christenheit


überschwemmt. Jerry Falwells Liberty-Universität fördert
Selbstwertgefühl. Robert Schuller bezeichnet das
Selbstwertgefühl als »das einzig wichtige Bedürfnis, dem sich
die Menschheit heute gegenüber sieht«. Schuller bezeichnet
diese Psycho-Lüge als Basis für eine »neue Reformation« und
schreibt:

»Wie die Reformation des 16. Jahrhunderts unseren Blick wieder


auf die Heilige Schrift als einzig unfehlbare Richtschnur für
Glauben und Leben lenkte, richtet die neue Reformation unser
Augenmerk wieder auf das heilige Recht jedes Einzelnen auf ein
Selbstwertgefühl.«

Solch eine zerstörerische Torheit bringt die Psychologie mit


sich, die zu¬dem der Bibel widerspricht. Wir werden dazu
ermahnt »… dass in der Demut einer den anderen höher achtet
als sich selbst« (Phil 2,3). Römer 12,3 warnt uns, »nicht höher
von sich zu denken, als zu denken sich ge¬bührt«. An keiner
Stelle warnt uns die Bibel vor schlechten Gedanken über uns
selbst. Der Psychiater Samuel Yochelson und der klinische
Psy¬chologe Stanton Samenow haben sechseinhalb Jahre lang
Hunderte von Gewohnheitsverbrechern untersucht und konnten
nicht einen finden, der keine hohe Meinung von sich selbst hatte
– sogar beim Schmieden einer Straftat.

Kein Wunder, dass die Bibel uns häufig daran erinnert, dass wir
durch und durch für Gott unbrauchbare Sünder sind. Doch die
christliche Psy¬chologie zielt darauf ab, uns aus solchem
»Negativismus« heraus zu hel¬fen. Wir sollen immer »positiv«
sein.

Die Wahrheit über das Ich

Als Christus sagte: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst!«, meinte Er nicht (worauf christliche Psychologen aber
bestehen), dass wir Therapien oder Seminare benötigen, die uns
beibringen, uns selbst zu lieben. Wäre das der Fall, würde Er
gesagt haben: »Liebe deinen Nächs¬ten so unzureichend, wie
du dich selbst liebst«, was allerdings keinen Sinn ergibt.
Christen haben immer geglaubt (bis die Psychologie kam), dass
Christus unsere natürliche Besessenheit von uns selbst
korrigieren wür¬de. Er sagte: »Gib deinem Nächsten von der
Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorge, die du dir selbst
zukommen lässt!« Und wir haben diese Er¬mahnung nötig!

Die heutige neue Interpretation wurde der Christenheit durch


einen gottlosen Psychologen namens Erich Fromm vermittelt,
der »den Glauben an Gott eine kindische Illusion« nannte. Er
behauptete, dass Chris¬tus mit der Aussage »Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst« meinte, dass wir uns selbst
lieben lernen müssen, bevor wir unseren Nächsten oder Gott
lieben können. Diese falsche Sicht wurde von Robert Schul¬ler
durch sein Buch Self-Love, the Dynamic Force of Success
(»Selbstliebe, die dynamische Kraft des Erfolgs«) verbreitet. Von
dort aus machte sich diese Lüge in der ganzen Christenheit
breit. Die neue Männerbewegung Promise-Keepers hat die
Lügen der christlichen Psychologie unverhoh¬len
weiterverbreitet. Ein Mitteilungsblatt der Promise-Keepers
schrieb:

»Viele allein stehende christliche Männer haben den Kampf


ausgetra¬gen, Selbstwertgefühl, Selbstachtung und Selbstliebe
aufzubauen … Es ist unmöglich, eine gesunde Beziehung zu
anderen zu haben, wenn man ein gestörtes Verhältnis zu sich
selbst hat. Jesus erkannte das, als er uns herausforderte,
unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben (Mk 12,31).«

Ja, einige Leute sagen: »Ich hasse mich selbst!« Wie können wir
diese Behauptung mit dem Bibelzitat »Denn niemand hat jemals
sein eigenes Fleisch gehasst« (Eph 5,29) vereinbaren? Was
dieser Mensch eigentlich hasst, ist vielleicht seine Erscheinung,
Kleidung, Arbeit, das Gehalt, die Art und Weise, wie andere
Menschen auf ihn niederblicken usw. Aber er hasst nicht sich
selbst. Wenn er dies täte, dann wäre er froh, dass er
un¬scheinbar ist, schlechte Kleidung und ein geringes
Einkommen hat und von anderen geschmäht wird. Da er sich
über diese Dinge beklagt, verdeutlicht das nur, dass er sich
selbst liebt – genau wie die Bibel sagt.

Es lag gewiss nicht am »negativen Selbstbild«, das Luzifer den


Ruin brachte, sondern an einem sehr »positiven«. Vor mehr als
200 Jahren drückte William Law aus, was Christen seit jeher
verstanden hatten:

»Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstsucht sind das Wesen


und das Le¬ben des Hochmuts. Der Teufel, der Vater des
Hochmuts, ist bei sol¬chen Leidenschaften niemals fern oder
ohne Einfluss auf sie.«

Leider haben die Lügen der Psychologie nicht nur christliche


Psycholo¬gen beeinflusst, sondern auch Gemeindeleiter und
Autoren. Josh McDowell, der ansonsten viel Gutes geleistet hat
(sein Buch Die Bibel im Test hat vielen Segen gebracht),
widmete zwei Bücher dem Aufbau von Selbst¬achtung,
Selbstbild und Selbstwert: Building Your Self-Image (»Aufbau
Ihres Selbstbildes«) und Werden, wie Gott mich meint.

Biblische Beispiele, die die Lüge widerlegen

In Werden wie Gott mich meint führt Josh drei psychologische


Grundsätze für eine in sich ausgewogene Persönlichkeit an:

1.) Ein Gefühl der Zugehörigkeit (Annahme durch andere);

2.) ein Gefühl der Ehrenhaftigkeit (Zufriedenheit mit sich selbst)


und

3.) ein Gefühl der Kompetenz (Ver¬trauen in sich selbst). - In


der Tat ist es aber so, dass den meisten Helden und Heldinnen
in der Bibel, wenn nicht sogar allen, das mangelte, wovon Josh
sagte, dass man es bräuchte.

Zum Beispiel wurde Mose von seinem eigenen Volk abgelehnt


und sah sich selbst als wertlos und unfähig an (2. Mose 3,11;
4,10-13). Wenn es je einen Mann mit einem miserablen Selbstbild
und geringer Selbsteinschät¬zung gab, dann war es Mose. Aber
Gott sagte zu ihm: »Ich werde mit dir sein!«, anstatt ihm eine
mehrmonatige christliche Psychotherapie zum Aufbau seines
Selbstbildes zu verschreiben. Tatsächlich erwählte Gott Mose,
weil er sich selbst nicht hoch einschätzte. Gott wählte den
sanftmü¬tigsten Mann auf Erden (4.Mose 12,3), um dem
mächtigsten Herrscher gegenüberzutreten und Seine Leute aus
dem Griff des Tyrannen zu befrei¬en, damit allein Gott die Ehre
bekommen würde.

Schauen wir Paulus an. Von den Juden gehasst und von den
meisten Christen allein gelassen (»… stand mir niemand bei,
sondern alle verlie¬ßen mich …« – 2Tim 4,16; »… dass alle, die
in Asien sind, sich von mir abgewandt haben …« – 2Tim 1,15),
betrachtete er sich als den größten aller Sünder (1Tim 1,15) und
als den »allergeringsten von allen Heiligen« (Eph 3,8). Statt das
Selbstbild und die Selbstachtung von Paulus aufzubauen,
erklärte Christus, dass seine Kraft in Paulus’ Schwachheit
vollkommen war (2Kor 12,9). Versuchen Sie die beiden
Aussagen von Paulus, »wenn ich schwach bin, dann bin ich
stark« (Vers 10) und »ich weiß, dass in mir … nichts Gutes
wohnt« (Röm 7,18) mit den drei psycho¬logischen Grundsätzen
in Einklang zu bringen!

Der Schwarze Peter der Selbstliebe

Die christliche Psychologie hat die Lüge gefördert, Gott würde


uns lie¬ben, weil Er etwas Wertvolles in uns sieht, und dass
sogar der Tod Christi beweist, welch unendlichen Wert wir für
Gott haben. Bruce Narramore jubelt: »Was für eine Grundlage
für Selbstachtung …! Welch ein Gefühl von Wert und Bedeutung
dies vermittelt! Der Sohn Gottes misst uns sol¬chen Wert bei,
dass Er Sein Leben für uns gab.« - Wie egozentrisch! Der Preis,
den er bezahlte, war so hoch wegen unserer Sünde und den
Forde¬rungen seiner Gerechtigkeit. Auch basiert Liebe nicht auf
Wert. Spurge¬on drückte es richtig aus:

»Jesus starb nicht für unsere Rechtschaffenheit, sondern für


unsere Sün¬den. Er ist nicht gekommen, weil wir es wert waren,
dass man uns ret¬tet, sondern weil wir völlig wertlos, ruiniert
und verdorben waren. Er ist nicht auf die Erde gekommen, weil
es irgendeinen Grund dafür in uns selbst gab, sondern einzig
und allein … aus Gründen, die in den Tiefen Seiner eigenen
göttlichen Liebe zu finden sind. Zu gege¬bener Zeit starb Er für
jene, die Er als gottlos und hoffnungslos beschreibt.«

Christliche Psychologen haben sich den Schwarzen Peter der


Selbstliebe eingehandelt. Selbst die Jugend hat die Nase von
der Heuchelei voll. Ein Schüler sagte: »Man fühlt sich
schlechter, wenn man für alles gelobt wird. Du fragst dich: Wenn
sowieso alles gelobt wird, was ist es dann überhaupt noch wert,
getan zu werden?« Ein Reporter der Washington Post schrieb:

»Kennen Sie jene Selbstwert-Verfechter … die predigen, man


solle Kin¬dern immer wieder sagen, wie wunderbar sie sind?
Eine ihrer Übun¬gen lautet: Schließen Sie die Augen und stellen
Sie sich vor, dass sie vollkommen sind. Schreiben Sie fünf
Dinge auf, die Sie zu etwas Be¬sonderem machen, heißt eine
weitere.

Stärken Sie die Selbstachtung eines Kindes und Sie werden


sehen, wie sich seine Leistung steigert, sagen die Selbstwert-
Befürworter. Lehren Sie die Jugend sich selbst zu achten, und
sie wird nicht so leicht versucht sein, Drogen zu nehmen und
Babys zu bekommen. »Selbst¬achtung kann Leben retten« …
[und] Wissenschaftler haben mehr als 200 Messungen und über
10.000 Studien entworfen, um das zu bewei¬sen. Die Ergebnisse
konnten es jedoch nicht bestätigen …

Doch neue Stimmen erheben sich und sagen, das Lehren von
Selbst¬achtung sei Zeit- und Geldverschwendung, eine
gefährliche Ablen¬kung von wirklich wichtigen Aufgaben wie
Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Charakterbildung.«

»Willkommen in Kalifornien, dem Staat der Selbstachtung.« So


lautete der Titel eines absurden Berichtes einer kalifornischen
Selbstwert-Initiative aus dem Jahr 1990. In diesem Bericht wurde
behauptet, dass »der Mangel an Selbstachtung von zentraler
Bedeutung für persönliche und soziale Krankheiten ist, die
unsere Nation plagen«. Nach etlichen Jahren Forschung
scheiterte die kalifornische Initiative jedoch, weil sie keine
faktischen Belege für ihre Behauptungen aufzeigen konnte. Die
Star Tribune aus Minneapolis belegte, dass es bei
Sexualverbrechern, denen vom Staat eine psychologische
Behandlung verabreicht wurde (die zum Großteil im Aufbau von
Selbstwertgefühl besteht), »wahrscheinlicher ist, dass weitere
Sexualdelikte folgen, als bei denen, die diese Behandlung nicht
erhielten«.

Der Psychologie-Professor Roy Baumeister, der sich


jahr¬zehntelang diesem Thema widmete, sagt: »Die
Behauptungen der Selbstwert-Bewegung reichen von Phantasie
bis zu purem Unsinn ... Es ist alarmierend zu bedenken, was
geschehen wird, wenn diese Generation von Schulkindern im
Bewusstsein aufwächst, sie seien cle¬verer als der Rest der
Welt. Amerika wird ein Land von eingebildeten Narren sein.«

Zahlreiche Studien säkularer Psychologen und Psychiater haben


gezeigt: Je mehr Selbstachtung ein Mensch hat, desto
wahrscheinlicher ist er un¬moralisch und gewalttätig und neigt
dazu, die Rechte anderer zu miss¬achten. Der Selbstwert-
Bewegung wird viel Schaden zur Last gelegt. Das Magazin
Newsweek kündigte auf der Titelseite ihren Sonderbeitrag in
fetter Schlagzeile an: »Der Fluch der Selbstachtung: Was ist
falsch an der Fühl-dich-wohl-Bewegung?«

Der Sonderbericht eines Professors und Forschers in


Tageszeitungen in den ganzen USA trug den Titel: »Eine Notiz
an Kalifornien: Lasst die Selbstachtung los; Selbstbeherrschung
ist am allerwichtigsten …« Auf jahrelanger Forschung basierend
erklärt der Autor: »Wenn wir Selbstachtung streichen und durch
Selbstbeherrschung ersetzen könnten, würden Kinder und die
Gesellschaft im Allgemeinen besser dran sein.«

Dennoch hält gerade die irreführende und destruktive


Selbstwert-Theorie die christliche Psychologie weiterhin am
Leben. Die christlichen Führungspersonen, die den Selbstwert-
Irrglauben gefördert haben, müssten sich bei der Christenheit
entschuldigen und eifrigst erstreben, den Scha¬den
gutzumachen, den sie über die Jahre verursacht haben.

Reuige Sünder werden mit himmlischer Freude erfüllt. Im


Gegensatz zu Simon, dem Pharisäer mit hohem
Selbstwertgefühl, der aber Jesus weder Wasser noch ein
Handtuch anbot, wusch eine sündige Frau Jesu Füße mit ihren
Tränen und trocknete sie mit ihren Haaren ab. Jesus be¬nutzte
ihr Beispiel, um Simon zu zeigen, dass die Liebe, die im Himmel
ewiglich erstrahlen wird, dem Erkennen unserer Unwürdigkeit
ent¬springt – einem Erkennen, das Jesu Retterliebe preist (Lk
7,36-50). Je mehr wir unsere Schuld und unser Elend erkennen,
desto größer wird unsere Dankbarkeit und Liebe dem Einen
gegenüber sein, der sich so tief niederbeugte, um uns zu
erretten.

Multiple Persönlichkeitsstörungen (MPD) in der Gemeinde

Einer der neuesten Irrglauben der Welt, der in die Christenheit


eingedrungen ist, heißt multiple Persönlichkeitsstörung (MPD),
eine aktuelle »Entdeckung«. Der christliche Psychologe James
G. Friesen, der auf diesem aufstrebenden Gebiet führend ist,
schreibt: »MPD tritt viel häufiger auf als erwartet. Die Anzahl der
MPD-Therapeuten liegt weit hinter dem Bedarf zurück.«

Friesen sagt uns leichthin, das Geheimnis im Umgang mit MPD


(von dem die Bibel nichts sagt) sei die »verblüffende«
Notwendigkeit des »Aufdeckens … verborgener Erinnerungen«.
Er nimmt an, dass diese angeblichen »Erinnerungen« in
»Vergessenheit« geraten und »gewöhnlich unglaublich sind«:

»Es sind schreckliche, schmerzliche und sogar groteske


Ereignisse, die niemand entdecken möchte. »Das ist mir nicht
passiert!«, ist die übliche Antwort … Freunde und
Familienangehörige teilen diese leugnende Haltung ebenfalls.
Wir alle würden gerne glauben, dass diese Dinge nicht
geschehen sind, aber vielleicht sind sie es.«

»Vielleicht« sind sie geschehen? Für den gesunden


Menschenverstand wären Erinnerungen unglaubwürdig, die
nicht existierten, bis eine Therapie sie »aufgedeckt« hat. Zumal
sie dem Patienten unwirklich erschei¬nen und Ereignisse
beinhalten, die die Familie und Freunde beharrlich abstreiten!
Friesen fährt fort: »Eine Unterscheidung zwischen [multiplen]
Persönlichkeiten und Dämonen ist äußerst wichtig.« Man fragt
sich, wes¬halb Jesus (ebenso wie Paulus) dieses Verfahren bei
der Austreibung von vielen Dämonen niemals anwandte.

Friesen besteht darauf, dass Dämonen »nicht ausgetrieben


werden können, bis diese verborgenen Erinnerungen aufgedeckt
sind«. Doch Jesus hat sich nie dem Aufdecken von
Erinnerungen gewidmet, ebenso wenig tat Paulus dies bei der
Austreibung von Dämonen. Friesen fügt hinzu, dass Exorzismus
»von Personen ausgeführt werden muss, die so¬wohl Erfahrung
auf christlichem wie auf psychologischem Gebiet haben«. Doch
Christus und Seine Apostel waren bei der Dämonenaustreibung
sehr erfolgreich, und das 1900 Jahre bevor die Psychologie in
die Chris¬tenheit einfiel! Wenn die christliche Psychologie wahr
ist, ist die Bibel falsch!

Einige christliche Psychologen bemühen sich, jede einzelne


Persönlichkeit des »multiplen« Menschen für Christus zu
gewinnen. Friesen schlägt vor, dass der Therapeut »dem
Patienten beibringt, sein Leben aus den starken [multiplen] Ichs
zu leben, um die Arbeit mit den verletzten Ichs für die Therapie
aufzusparen … Bringen Sie jedes Ich dazu, für das gemeinsame
Wohl zu arbeiten … wobei die erwachsenen Ichs die meiste Zeit
in der Verantwortung stehen und die kindlichen Ichs in
Sicherheit vor dem Stress eines Erwachsenenlebens bewahrt
werden.« Das klingt eher wie die Leitung einer Anstalt durch ihre
Insassen als wie ein Heilverfahren! Man fragt sich, warum diese
lebenswichtigen Anweisungen im »Handbuch des Herstellers«
fehlen und weshalb Paulus sagte: »… wie ich nichts
zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist … denn ich habe
nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu
verkündi¬gen« (Apg 20,20.27), wenn er die erforderliche Hilfe für
MPDs ausgelassen hat! Entweder lag Paulus falsch oder die
christliche Psychologie ist ein Schwindel.

Eine Vielfalt des Okkultismus


Wir haben uns in einem der vorigen Kapitel ein wenig mit
Hypnose be¬fasst. Seit Jahrtausenden gehört sie zum
Handwerkszeug der Medizin¬männer. Michael Harner führt sie
als Hauptelement des Schamanismus an, das in der westlichen
Gesellschaft wieder auflebte. Erstaunlicherwei¬se benutzen
Hunderte christlicher Psychologen Hypnose.

Eine gleichermaßen tödliche Form des Schamanismus ist


Visualisie¬rung, nunmehr Teil der okkulten Invasion durch die
»christliche« Psy¬chologie. Tatsächlich ist Visualisierung als
die wirksamste Okkulttechnik bekannt und wird von den meisten
Schamanen als Methode zur Kontakt¬aufnahme mit Geistführern
benutzt. Will Baron lernte es in der New-Age-Sekte, der er
angehörte:

»Wir haben uns schließlich vorgestellt, wir säßen unter einem


Baum in einem Garten, der als der Garten der Seele bezeichnet
wurde. Diese Techniken dienten dazu, Geist, Körper und Gefühle
ins Gleichgewicht zu bringen und uns dem höheren Ich zu
öffnen, um in Kommunikati¬on mit den Meistern zu treten.

Nach ungefähr fünf Minuten stiller Meditation sprach Muriel


wie¬der. Wir bitten um die Gegenwart und die Energie unseres
geliebten Meisters Djwhal Khul … Gebraucht nicht euren
Verstand … Hört auf die Stimme Gottes. Nach einer Zeit des
Schweigens sprach Muriel wieder: Wir wer¬den der Reihe nach
um den Lichtkreis herumgehen und Meister Jesus channeln.«

Zu Wills Verwunderung erhielten die Mitglieder der Gruppe


Übermitt¬lungen von »Jesus«. Natürlich war es nicht der Jesus
der Bibel. Ein Geist¬wesen gab sich als Jesus aus und erschien
jenen, die ihn visualisierten, ob sie nun Christen oder New-Age-
Anhänger waren.

In der Visualisierung konvergieren fernöstlicher Mystizismus


und Scha¬manismus im Zentrum der okkulten Welt. Das ist der
Kern allen Mysti¬zismus, ob er nun von Yogis oder von römisch-
katholischen »Heiligen« praktiziert wird. Es ist das Herzstück
der spirituellen Übungen des Igna¬tius von Loyola, dem
Gründer der Jesuiten. Trotzdem wird sie von Hun¬derten
christlicher Psychologen und sogar führenden Evangelikalen
an¬gewendet. Wir haben das bereits an früherer Stelle
angesprochen und werden uns im nächsten Kapitel tiefer damit
befassen.

Richard Foster befürwortet die Visualisierung von »Jesus«


ebenso wie David Seamands, H. Norman Wright und andere
christliche Psycholo¬gen. Christen täuschen sich zutiefst, wenn
sie sich einbilden, Christus würde seinen Platz zur Rechten des
Vaters verlassen und ihnen erschei¬nen, wenn sie ihn
visualisieren. Anstatt die okkulten Praktiken innerhalb der
christlichen Psychologie einzugestehen und seine Leser davor
zu war¬nen, äußert Gary Collins diese Befürchtungen:

»Viele, die den Eingang okkulter Praktiken in die Psychologie


fürch¬ten, ziehen unzulässige und unlogische Schlüsse aus der
gegenwärti¬gen Seelsorgepraxis. In ihrem meist aufrichtigen
Wunsch, die Seelsor¬ge von okkulten Einflüssen zu säubern,
verdammten einige Autoren die Visualisierung, das
Selbstgespräch, das Heilen von Erinnerungen und andere häufig
gebrauchte therapeutische Methoden.«

Weiter sagt er: »Visualisierung, Imagination und Fantasiereisen


sind ver¬wandte Begriffe. Sie beschreiben den Gebrauch
mentaler Bilder, die zu gesteigertem Verständnis, Entspannung
oder Selbstvertrauen führen.«

Selbstvertrauen steht im Widerspruch zur Bibel, wird von


Collins aber als wünschenswert angesehen. Er stimmt zwar zu,
dass »einige Seelsorger Visualisierung und Fantasiereisen
missbrauchen«, erklärt aber an keiner Stelle, was daran falsch
sein könnte, noch warnt er vor dem okkulten Gebrauch der
Visualisierung.

Das Aufdecken »unterdrückter« Erinnerungen

Buchstäblich Tausende von Familien – darunter viele christliche


Famili¬en – werden von einer Plage falscher Erinnerungen an
angeblichen sexu¬ellen Missbrauch zerstört. Diese
Erinnerungen werden »in der Therapie aufgedeckt«. Ich erhielt
einen Anruf von einem beunruhigten Gemein¬deleiter, der mit
den Worten begann: »Ich brauche Ihren Rat. Eine junge Frau in
unserer Gemeinde ist zu einem angesehenen christlichen
Psycho¬logen gegangen und entdeckte, dass ihr Vater sie vom
zweiten bis zum fünften Lebensjahr sexuell missbraucht hat und
sie sogar an satanischen Ritualen beteiligte! Und er ist
Vorsitzender unseres Ältestenrats! Was sollen wir tun?«

Auf die Frage, wie dieser »Missbrauch« entdeckt wurde,


erwiderte der Pastor: »Der Psychologe versetzte sie in ihre
Kindheit zurück und die Erinnerungen tauchten auf. Natürlich
streitet der Vater die Anschuldi¬gung ab und die Mutter schwört,
dass so etwas niemals geschehen sei. Die Geschwister, von
denen einige älter und andere jünger sind, sagen auch, das
könnte auf keinen Fall geschehen sein. Aber diese
›Erinnerun¬gen‹ sind so real; sie sagt, dass wir etwas tun
müssen.«

Derartige Fälle, die früher selten waren, greifen nun um sich, da


im¬mer mehr Psychologen und Psychiater ihre Patienten auf der
Suche nach Missbrauch in die Vergangenheit zurückversetzen.
Einige Therapeuten sind überzeugt, dass es kaum Menschen
gibt, die nicht sexuell missbraucht wurden.« - Das ist eindeutig
ab¬surd. Doch auf Grundlage dieser falschen Erinnerungen,
vielfach durch christliche Psychologen aufgedeckt, werden
Familien zerstört und Leben ruiniert.

Die zu Unrecht Beschuldigten, von denen einige verhaftet


wurden, fangen an sich zu wehren und verklagen die beteiligten
Therapeuten. Die Gerichte hören sich ihre Fälle an, wägen die
Beweise ab und verhängen hohe Strafen. Die führende
Gedächtnisforscherin Elizabeth Loftus warnt vor der
Ungenauigkeit von Erinnerungen im Allgemeinen, ganz zu
schwei¬gen von solchen, die unter Therapie »aufgedeckt«
wurden. Sie berichtet beispielsweise von einer Frau, die das
Opfer einer Vergewaltigung wurde und hysterisch reagierte,
wenn sie den Mann sah, den sie als ihren Peini¬ger identifizierte.
Er wurde aufgrund ihrer Aussage verurteilt – später bekannte
jedoch ein anderer Mann die Gewalttat.

Das Moody-Magazin verbreitete diesen Irrwahn durch die


Titelge¬schichte einer jungen Frau, bei der unter Therapie
»Erinnerungen« an angeblichen Inzest und satanisch-rituellen
Missbrauch (SRA) »aufge¬deckt« wurden. Vorher hatte sie keine
solche Erinnerungen; sie tauchten erst in der Therapie auf. Nach
zwei weiteren Jahren therapeutischer Behandlung fing die
Patientin an, eine multiple Persönlichkeit zu offenba¬ren, die
wiederum in der Therapie geschaffen wurde. Der Artikel kam
zum Schluss, dass die Therapie noch einige Jahre fortgesetzt
werden müsse, um die Patientin zu »heilen« und dass es extrem
gefährlich sein würde, solche Personen den normalen
christlichen Mitteln wie Gebet, Bibellesen und Gehorsam
gegenüber dem Herrn zu überlassen.

Wir unterstellen nicht, dass es keinen sexuellen Missbrauch


gäbe; lei¬der kommt er nur allzu häufig vor. Jedoch sind
»Erinnerungen«, die un¬ter Hypnotherapie vermeintlich
aufgedeckt wurden, nahezu mit Sicher¬heit falsch. »Was
wirklich geschah, geschah in der Therapie«, sagt Sherrill
Mulhern nach einer umfangreichen Studie. Der Psychiater
Richard Gard¬ner, Autor des Buches Sex Abuse Hysteria
(»Sexualmissbrauch-Hysterie«), sagt: »Es ist unwahrscheinlich,
dass ein Patient sich nicht an ein traumati¬sches Erlebnis wie
eine Vergewaltigung … erinnern würde. Gedächtnis¬schwund
ist keine Funktionsstörung, die üblicherweise nach
traumatischen Belastungen auftaucht. Im Gegenteil: Die
betroffene Person ist von dem Erlebnis völlig in Beschlag
genommen.«

Fred und Florence Littauers Buch Freeing Your Mind from


Memories That Bind (»Befreien Sie Ihr Denken von bindenden
Erinnerungen«) legt die These vor, das Aufdecken verborgener
Erinnerungen sei der Schlüs¬sel zu emotionalem und
geistlichem Wohlergehen. Sie meinen, dass
»Er¬innerungslücken« aus der Kindheit auf einen Missbrauch
hindeuten. - Nach dieser Definition sind wir alle missbraucht
worden. Solch eine Theo¬rie widerspricht dem gesunden
Menschenverstand und entbehrt jeden wissenschaftlichen und
biblischen Beleg.

Warum ist es für eine gesunde Beziehung zu Gott nötig,


Erinnerungen eines früher erlittenen Missbrauchs aufzudecken
(selbst sofern sie zu¬treffen)? Wo legt die Bibel einen solchen
Gedanken nahe? Und wenn die Erinnerung an die Vergangenheit
wirklich der Schlüssel ist, dann müss¬ten wir jede Einzelheit
aufdecken. Das wäre ein hoffnungsloses Unter¬fangen. Wenn
jedoch die Theorie einmal akzeptiert ist, kann man nie¬mals
sicher sein, dass nicht irgendwo im Unterbewusstsein noch ein
Trau¬ma verborgen ist, ein Trauma, das den Schlüssel zu
emotionalem und geistlichem Wohlergehen festhält!

Im Gegensatz dazu vergaß Paulus die Vergangenheit und


streckte sich nach vorne zum Kampfpreis aus (Phil 3,13-14), der
all jenen verheißen ist, die das Erscheinen Christi lieben (2Tim
4,7-8). Für Christen, die wirk¬lich eine neue Schöpfung in
Christus sind, ist die Vergangenheit von ge¬ringer Bedeutung,
denn »das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist gewor¬den«
(2Kor 5,17). Zwar scheint die Suche nach der Vergangenheit
zeit¬weise eine Hilfe zu bieten, um das gegenwärtige Verhalten
eines Men¬schen zu »erklären«, doch bringt sie eine
Ungewissheit mit sich (»Habe ich alles aufgedeckt?«) und raubt
einem die biblische Problemlösung durch Christus. Worauf es
ankommt, ist nicht die Vergangenheit, sondern die derzeitige
persönliche Beziehung eines Menschen zu Christus.

Ebenso wie viele andere christliche Psychologen, stützen sich


die Au¬toren Littauer stark auf die so genannten vier
Temperamente. Diese schon lange unglaubwürdige
Persönlichkeitstheorie entstammt der antiken grie¬chischen
Auffassung, der physische Bereich bestünde aus vier
Elemen¬ten: Erde, Luft, Feuer und Wasser. Empedokles bezog
sie auf vier heidni¬sche Gottheiten, während Hippokrates sie
seinerzeit mit den vier Körper¬säften verband: Blut
(Sanguiniker), Schleim (Phlegmatiker), gelbe Galle (Choleriker)
und schwarze Galle (Melancholiker). Diese Merkmale wur¬den
darüber hinaus in Zusammenhang mit den Tierkreiszeichen
gebracht.
Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die vier
Temperamente. Dennoch erheben viele christliche Psychologen
und »Amateurheiler« sie zur Basis einer
»Persönlichkeitsbestimmung« und zum Verständnisschlüs¬sel
für Verhaltensmuster. Wie die Bobgans in ihrem hervorragenden
Buch Four Temperaments, Astrology & Personality Testing
(»Vier Temperamte, Astrologie und Persönlichkeitstest«)
herausstellen:

»Das Wort Temperament stammt vom lateinischen Wort


temperamentum ab, was so viel bedeutet wie »ausgewogene
Mischung«. Die zu¬grunde liegende Vorstellung war, dass
Heilung eintreten würde, wenn die Körperflüssigkeiten …
miteinander im Gleichgewicht stehen … Sogar von den
Positionen verschiedener Planeten dachte man, dass sie die
Flüssigkeiten zum Besseren oder Schlechteren wenden … Nach
dem Mittelalter wurden die vier Temperamente nahezu verworfen
… bis ein paar einzelne Seelen … sie in der Sprache des 20.
Jahrhunderts vermarkteten … Sie erfreuten sich einer
Renaissance … sowohl unter Astrologen wie evangelikalen
Christen.«

Was ist Wahrheit?

»Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit.« So die hauptsächliche


Begründung christlicher Psychologen, wenn Theorien gottloser
antichristlicher Den¬ker in die christliche Theologie integriert
werden. Sie argumentieren, dass Freud & Co. Anteil an der
Wahrheit Gottes hatten und dieser Anteil alles sei, was
christliche Psychologen ihnen entleihen. Diese These hat
Scharen in die Irre geführt. Die Gültigkeit dieser These hängt
von zwei Faktoren ab: 1.) Was ist in der Psychologie wahr? und
2.) Was ist Gottes Wahrheit?

Psychologen können sich untereinander nicht einigen. Es gibt


Hun¬derte widersprüchlicher Theorien und viele gegensätzliche
Schulen der Psychologie. Da sie nicht wissenschaftlich ist, gibt
es keinen objektiven Maßstab, an dem die Wahrheit in der
Psychologie gemessen werden kann. Aber selbst wenn die
Psychologie wissenschaftlich wäre, so ist doch keine noch so
gut anerkannte Wissenschaft die Wahrheit Gottes.

Viele haben die irrige Ansicht, dass jede Tatsache ein Teil von
Gottes Wahrheit ist. Daraus lässt sich logischerweise schließen,
dass die Bibel nicht die ganze Wahrheit Gottes enthält. Diese
Vorstellung widerspricht jedoch dem, was die Bibel über
Wahrheit sagt.

Jesus sagte von sich selbst: »Ich bin die Wahrheit.« Er sagte
nicht, dass Er eine unter vielen Wahrheiten sei oder ein Teil der
Wahrheit, sondern, dass Er die Wahrheit ist. Allein diese
Behauptung trennt die Wahrheit Gottes von der Wissenschaft
und von den Theorien der Psychologie.

Existiert Gottes Wahrheit außerhalb der Bibel? Jesus zufolge


nicht. Er versicherte: »Dein [Gottes] Wort ist Wahrheit.« Nicht
ein Teil davon, sondern Wahrheit. Er sagte: »Wenn ihr in
meinem Wort bleibt … werdet ihr die Wahrheit erkennen und die
Wahrheit wird euch frei machen« (Joh 8,31-32). Noch einmal:
nicht Teil der Wahrheit, sondern die Wahrheit. Die ganze
Wahrheit Gottes ist in Seinem Wort und dieses Wort befreit von
Sünde.

Kann es nicht sein, dass Freud und andere säkulare


Psychologen zufäl¬lig auf einen Teil der Wahrheit aus Gottes
Wort gestoßen sind? Gott hat sein Gesetz in das Gewissen jedes
Menschen geschrieben (Röm 2,15) und folglich wissen sie in
dem Ausmaß etwas von Gottes Wahrheit, wie sie ihr Gewissen
beachten. Obwohl Psychologen etwas von Gottes Wahrheit
kennen, bleibt die Frage: Welchen Sinn macht es, sich durch
den Schmutz und Dreck ihrer falschen Lehren zu graben, wenn
die Wahrheit rein, klar und leicht im Wort Gottes zu finden ist?

Jesus verhieß, dass er den Jüngern nach seiner Himmelfahrt


einen Trös¬ter senden würde, »den Geist der Wahrheit, den die
Welt nicht empfan¬gen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn
kennt« (Joh 14,17). Das macht Freud und die anderen weltlichen
Psychologen unnötig. Und der Heilige Geist »wird … euch in die
ganze Wahrheit leiten« (Joh 16,13). Es wird deutlich, dass die
Wahrheit Gottes nur in Seinem Wort und durch Seinen Geist
Seinen Kindern geoffenbart ist.

Paulus bestätigt diese Tatsache: »So hat auch niemand erkannt,


was in Gott ist, als nur der Geist Gottes« (das schließt alle
Unerretteten aus); »ein natürlicher [unerretteter] Mensch aber
nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine
Torheit« (1Kor 2,11.14). Freud und seine Anhänger qualifizieren
sich auch an dieser Stelle nicht. Somit können sie uns nur
schwerlich etwas von Gottes Wahrheit vermitteln.

Die Wahrheit erkennen

Trotz der klaren Worte von Jesus und Paulus versuchen


christliche Psy¬chologen und ihre Verfechter weiterhin, die
Integration der Psychologie in die christliche Theologie zu
rechtfertigen. Bob und Gretchen Passanti¬no versuchten zu
beweisen, dass jede sachliche Tatsache ein Teil von Got¬tes
Wahrheit ist. Sie sagten: »Da 100 × 100 gleich 10.000 ist, können
wir dies als ›Gottes Wahrheit‹ nehmen, weil es sich mit der
Realität deckt, einschließlich der Gesetze der Logik.« Ganz im
Gegenteil: Diese Rech¬nung erfüllt nicht die biblischen Kriterien
für Gottes Wahrheit: Sie macht die Menschen nicht frei; sie ist
nicht in Gottes Wort enthalten; sie ist nicht durch den Geist der
Wahrheit geoffenbart worden; sie wird auch vom natürlichen
Menschen angenommen uvm.

Jesus sagte zu den Juden: »Weil ich aber die Wahrheit sage,
glaubt ihr mir nicht« (Joh 8,45). Die Juden hätten anerkannt,
dass 100 × 100 gleich 10.000 ist – doch Christus sagte, sie
würden der Wahrheit nicht glauben. Selbstverständlich haben
die Passantinos – genau wie die christlichen Psy¬chologen, die
sie zu rechtfertigen versuchen – eine falsche Auffassung von
Gottes Wahrheit. Die Passantinos schreiben:

»Die Bewegung Biblische Seelsorge (BCM) … hat kein


umfassendes Programm [was wirklich durch die Bibel belegt
werden kann!] … Hunt und einige andere BCM-Befürworter
nehmen 1. [falsche Angabe] Pe¬trus 1,3 aus dem
Zusammenhang … Der Vers lautet: »Da seine göttli¬che Kraft
uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat …«
[2Petr 1,3]. Der Vers steht mit der Errettung in Verbindung und
bezieht sich nicht auf die Einzelheiten des täglichen
menschlichen Lebens.«

Im Gegenteil, Petrus berichtet uns nicht, wie man errettet


werden kann, sondern wie wir als Christen leben sollen.
Sicherlich beinhaltet die »Gott¬seligkeit« unser Verhalten auf
Erden. Der Kontext befasst sich mit diesem Leben. Petrus
ermahnt zu Fleiß, Tugend, Erkenntnis, Enthaltsamkeit,
Ausharren, Gottseligkeit und Bruderliebe, welche das »tägliche
mensch¬liche Leben« auf der Erde kennzeichnen sollen. Die
Passantinos behaup¬ten aber, dies sei eben nicht das Thema im
Petrusbrief.

Da Gottes ganze Wahrheit in seinem Wort enthalten ist, hat die


christ¬liche Psychologie nichts zu bieten und führt in einen
gewaltigen Irrtum. Wenn christliche Psychologen im Geschäft
bleiben wollen, ist es für sie unbedingt erforderlich, die Christen
vom Glauben an die Hinlänglich¬keit der Schrift abzuhalten.

Paulus sagt sehr deutlich, dass seine Verkündigung »nicht


Weisheit dieses Zeitalters … sondern … Gottes Weisheit« ist
und dass er »nicht in Worten, gelehrt durch menschliche
Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist« (1Kor 2,5-
13) spricht. Im Gegensatz zu Paulus halten die Passantinos
(zusammen mit der ganzen Bewegung der christlichen
Psychologie) wenigstens einige der »Worte, gelehrt durch
menschliche Weisheit«, zur Ergänzung der Wahrheit in Gottes
Wort für notwendig. Wir sollten lieber der Zusage Gottes
glauben, dass »Liebe, Freude, Frie¬de, Langmut, Freundlichkeit,
Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit« wirklich die »Frucht des
Geistes« (Gal 5,22-23) ist und nicht im Gerings¬ten die Frucht
von Therapie.

Entnommen dem Buch DIE OKKULTE INVASION.


Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst
Koch, Herborn, im November 2007

www.horst-koch.de

Kontakt: info@horst-koch.de

--

Seelische Verletzungen und ihre Heilung

Prof. Dr. Dr. Eberhard Grossmann

Unter seelischen Verletzungen verstehen wir Verwundungen, die


einem Menschen von nahen Verwandten, guten Freunden oder
gar Glaubensgeschwistern zugefügt worden sind, und die
gerade deshalb so nachhaltig schmerzen. Der Betreffende leidet
auch in der Erinnerung sehr an der Untreue und Hartherzigkeit
von Personen, von denen er eigentlich etwas Anderes, etwas
Besseres erwartet hätte. Diese Verletzungen zerstören die
Lebensfreude und vermindern die Energie, die ein Mensch zur
Bewältigung seines Alltags braucht. Und weil sie tief im Innern
der menschlichen Seele wirksam sind, kommt es bei diesen
Verletzungen nur sehr schwer zu einer Heilung. Von der Welt her
gibt es bei diesen Nöten kaum eine Hilfe. Dagegen stellt die
göttliche Offenbarung der Bibel im 1. Buch Mose in der
Geschichte des Joseph dem Leser einen Weg vor Augen, wie
auch tiefgehende seelische Verletzungen geheilt werden
können.

Ohne unnötiges Klagen den Weg in die Zukunft gehen


Im biblischen Bericht über Joseph treten folgende Einzelheiten
besonders hervor: Joseph hält sich nicht mit unnötigen Klagen
auf. Er bleibt trotz schwerer Erlebnisse im Glauben an Gott fest
und bewährt sich im Hause des Potiphar ebenso wie im
Gefängnis durch Treue, Umsicht und Weisheit. Schliesslich zeigt
er vor dem Thron des Pharao Mut und Glaubenstreue, wobei er
durch kluge Traumdeutung den Weg zu einer notwendigen
Vorratswirtschaft in Ägypten weist. Er wird zum Minister ernannt
und kann in dieser Aufgabe dem Land einen ausserordentlich
guten Dienst tun.

In gleicher Weise sollte jeder an seelischen Verletzungen


Leidende unnötiges Klagen vermeiden. Das Jammern wird
nichts dazu beitragen, seine Not zu wenden. Vielmehr sollte ein
Betroffener vertrauensvoll in die Zukunft weitergehen, gerade
eben nicht zurückschauen, sondern nach vorne sehen und nach
seinen Kräften den Mitmenschen nützen und helfen. Natürlich ist
das schwere Leid dann noch immer im Innern der Seele
vorhanden. Es wird aber durch die Ausrichtung nach vorne und
durch ein wertvolles neues, weil sinngefülltes Leben gelindert
und weniger schmerzhaft. Wer sich dabei wie Joseph im
Vertrauen an Gott hält, wird diese Erleichterung erfahren; es
wird schon jetzt heller werden in seinem Leben. Der Schmerz
seelischer Verletzungen lässt nach, wenn ein Mensch sein
Leben ganz bewusst nach vorne, auf Gott und auf den Nächsten
hin ausrichtet.

Wartenkönnen auf die endgültige Heilung

Selbstverständlich aber bleibt die endgültige Heilung von


seelischen Verletzungen das Ziel, Diese setzt jedoch voraus,
dass diejenigen, die verletzt haben, ihre Schuld einsehen und
den Willen zu einer echten Versöhnung aufbringen. Das kann
manchmal ganz schnell geschehen. Wenn es aber länger dauert,
und das ist wohl oft der Fall, dann ist es geboten, mit grosser
Geduld darauf zu warten, dass diese Änderung bei den anderen
eintritt. Es macht keinen Sinn, wenn man Menschen, die
unbussfertig, selbstsicher und manchmal sogar arrogant sind,
die Versöhnung anbietet. Man wird dann nicht verstanden,
sondern zurückgewiesen und manchmal sogar verspottet. Die
Folge: Verletzungen verschlimmern sich. Da ist es besser,
warten zu können, bis die Menschen auf der anderen Seite ihr
Unrecht einsehen.

Joseph wartet geduldig, bis er die Brüder eines Tages


wiedersieht und sich überzeugen kann, dass sie anders
geworden sind. Juda, einer der schuldig gewordenen Brüder,
tritt für diese ein und ist zu einem Opfer bereit. (Der Stamm Juda
wird danach der Stamm, der den anderen Stämmen vorangeht
und aus dem David und menschlich gesprochen auch Jesus
hervorgehen.) Erst daraufhin löst sich bei Joseph das Gefühl der
Verletzung, und in seinem Innern wird alles heil.

Auch der Mensch unserer Zeit braucht bei seelischen


Verletzungen oft eine längere Zeit des Wartenkönnens, selbst
wenn ihm dies sehr schwer wird. Um so mehr braucht er aber
auch einen geduldigen Seelsorger, der ihn in dieser Phase des
Wartens begleitet. Wie schön ist es dann aber, wenn es später
doch endlich zur Versöhnung kommt.

Der Weg zur endgültigen Heilung

Indes geht es bei dem Weg zur endgültigen Heilung nicht nur um
die anderen, also um die, die verletzt haben, sondern auch um
die, die verletzt wurden. Für sie ist der Weg zur Heilung ein
besonderer Weg in der Nachfolge Christi. Täglich soll in uns ja
etwas Altes sterben und etwas Neues von Christus her Gestalt
gewinnen. «Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt
in mir», schreibt Paulus in Gal 2, 20. So werden die Tage der
Geduld auch bald Zeiten des Segens, Zeiten des göttlichen
Wirkens an den unter Verletzungen leidenden Menschen selbst.
Wenn sie durch andere Menschen leiden, ergeht es ihnen, wie es
Christus auch ergangen ist. Wenn sie sich dies immer wieder
vergegenwärtigen, dann wächst auch bei ihnen die Bereitschaft
zur Vergebung und zum Frieden mit den Menschen, die ihnen
einmal weh getan haben. Denn von selbst werden auch sie nicht
zur Versöhnung bereit sein. Auch sie werden die
Vergebungsbereitschaft von Jesus lernen müssen.

Wir erfahren in unserem Leben aber nicht nur Verletzungen.


Vielmehr gibt es immer auch Menschen, die unser Leben mit
Liebe, Verständnis und Treue begleiten. Somit ergibt sich für
jeden ebenso Anlass wie Grund genug zur Dankbarkeit.

Joseph denkt nicht nur an den Schmerz, den ihm seine Brüder
bereitet haben, sondern auch an die Freundschaft und Freude,
an die Liebe, die ihm sein Vater Jakob und sein Bruder Benjamin
erwiesen haben. So bezeugen es seine Worte im biblischen Text.

So sollten auch wir nie einseitig werden und nur den


Verletzungen anhangen, sondern erkennen, dass es daneben in
unserem Leben sehr wohl Erweise von Liebe, Treue und
Freundschaft gegeben hat und gibt. So viele Menschen taten
und tun uns nichts zuleide, sondern wohl! Das Wissen darum ist
für uns ein Motiv zum Dank und sollte unsere Bereitschaft zur
Vergebung erhöhen, sodass auch unser Beitrag zur endgültigen
Heilung einer Verletzung verwirklicht werden kann, wo immer
Menschen an uns schuldig wurden

--

A. Dr. med. Alfred Lechler:

Seelenkrankheit oder Dämonie


I. Was verstehen wir unter Dämonie

1. Die dämonische Gebundenheit


2. Die Besessenheit

II. Die Unterscheidung von seelischen Krankheiten und Dämonie

1. Die Geisteskrankheiten und die Dämonie


2. Die Epilepsie und die Dämonie
3. Die Schwermut und die Dämonie
4. Die Neurosen und die Dämonie
5. Die Psychopathie und die Dämonie

III. Die hohe Verantwortung bei der Betreuung okkult Belasteter

B. Dr. theol. Kurt Koch:

Die seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen

I. Der Begriff "okkulte Belastung"

Il. Die Diagnose okkulter Belastungen

1. Die Kenntnis psychiatrischer Krankheitsbilder


2. Die charismatische Ausrüstung des Seelsorgers
3. Die Symptome der okkulten Belastung

III. Die Therapie okkult Belasteter

1. Der Sieg Jesu über alle Belastungen


2. Die Beichte
3. Die Absolution
4. Das Lossagegebet
5. Das Lossprechen
6. Das Gebieten im Namen Jesu
7. Der Gebetskreis
8. Beten unter Fasten
9. Die Waffenrüstung

IV. Das Stehen im Sieg Jesu

VORWORT

Der bekannte Berner Pfarrer, Walter Lüthi, verglich den Zustand


des modernen Menschen mit dem Strickzeug einer Mutter, aus
dem das achtlose Kind die Stricknadel gezogen hat. Es entstand
dadurch das "Wirrlete", das auseinanderfallende Geflecht, das
heillose Durcheinander, das Chaos. Die Stricknadel ist der
Glaube. Ohne ihn zerfällt der innere Halt und die innere
Harmonie des Menschen. Und wer tritt das Erbe an?
Fragen wir den Autofahrer. Ihm ist das Maskottchen Talisman.
Blicken wir auf den Bauern. Das Hufeisen über der Stalltür soll
ihn vor Unglück bewahren. Beachten wir den heutigen
Techniker. Der Besuch des spiritistischen Zirkels soll ihm für
seine seelenlose Arbeit Ausgleich bringen. Folgen wir dem
Mädchen mit seinem Liebeskummer. Die Wahrsagerin soll ihm
Trost und Halt vermitteln. Beobachten wir den Kranken in seiner
Not. Wenn der Arzt nicht hilft, dann muß eben der okkulte
Heilpraktiker zu Rate gezogen werden. Schauen wir auf den
mystisch veranlagten Menschen. Anthroposophie, Yoga,
Mazdaznan, I Ging oder ein anderes System östlicher oder
westlicher Weisheit soll ihn befriedigen. Das gute, gesunde
Alltagsbrot des Wortes Gottes ist wenig gefragt. Wer zahlt die
Rechnung für diese Fremdgängerei? Der Mensch selbst!
Dem verjagten Glauben folgen die Angstträume und die
Gespenster. Der Aberglaube, dieser gierige Polyp, tritt das
verscherzte Erbe an. Was der Gottesglaube aufbaut und
zusammenhält, reißt er nieder. Der Aberglaube ist der Inbegriff
aller Unordnung und Disharmonie. Wie kann der Mensch sich
nur so schamlos betrügen lassen! Damit sind wir bei dem
Thema der vorliegenden Schrift. Es geht uns um den
unglücklichen Menschen, der aus Unkenntnis und Unglauben in
die Nöte der Zauberei geraten ist. Ihm wollen wir beide, Arzt und
Seelsorger, mit der Hilfe unseres Herrn Jesu Christi als Berater
und Helfer beistehen. Wir bitten um Gottes Gnade zu diesem
Dienst.

Der Herausgeber

Teil A - Dr. med. Alfred Lechler

SEELENKRANKHEIT ODER DÄMONIE?

Die Frage der okkulten Belastungen beschäftigt zahlreiche


Gläubige, die an ihren Nebenmenschen eine solche Belastung
zu sehen meinen oder gar selbst fürchten, unter einem
satanischen Bann zu stehen. So erscheint es dringend
angezeigt, diese Zustände näher ins Auge zu fassen. Da es sich
hierbei meist um seelische Störungen handelt, bedarf es der
Klarheit darüber, ob diese auf eine Seelenkrankheit oder eine
Dämonie zurückzuführen sind. Nur ein Beispiel, das die
Bedeutung und die Schwierigkeit der Frage aufzeigt. In die
Sprechstunde kommt eine Frau mit den Zeichen einer schweren
Depression. Als sie über deren Ursache ausgefragt wird, sagt
sie: “Ich bin in meiner Jugend besprochen worden, das ist die
Ursache.“ Hat sie recht mit ihrer Annahme, oder ist es eine
erbliche Schwermut, bei der so häufig frühere Zaubereisünden,
auch wenn sie längst vergeben sind, als Ursache der Krankheit
angesehen werden?

Eine klare Unterscheidung dieser beiden Gruppen, der seelisch


kranken und der dämonischen Menschen, stößt jedoch häufig
auf erhebliche Schwierigkeiten. Und doch ist sie nicht nur zur
Beurteilung, sondern auch zur richtigen Betreuung dieser
Menschen von entscheidender Bedeutung. Denn einerseits
stehen manche Seelsorger auf dem Standpunkt, daß eine
Dämonie grundsätzlich abzulehnen ist; andererseits sehen
zahlreiche Seelsorger hinter allen anormalen Erscheinungen des
Seelenlebens nur dämonische Wirkungen. Wir wollen daher eine
klare Trennung von Seelenkrankheit und Dämonie vorzunehmen
suchen. Ich glaube, daß der christliche Nervenarzt bei dieser
Aufgabe einen wichtigen Beitrag zu geben hat. Er befindet sich
jedoch dabei in einer nicht leichten Lage. Denn einerseits ist es
ihm unmöglich, die Dämonen rundweg zu verneinen, wie es die
psychiatrische Wissenschaft tut, und andererseits vermag er der
in gläubigen Kreisen vielfach herrschenden Auffassung von der
Dämonie, wenigstens was die Beziehungen zu den Gemüts und
Geisteskrankheitenbetrifft, nicht voll zuzustimmen. So hat er
sich von dem Bestreben leiten zu lassen, jeden einzelnen Fall
von fraglicher Dämonie einer sachlichen, unvoreingenommenen
Prüfung zu unterziehen.

I.

Zunächst ist eine Klärung der Begriffe erforderlich. Deshalb


fragen wir: was verstehen wir unter D ä m o n i e ? Wir gehen
dabei von der Bibel aus und halten uns an das, was diese uns
vom dämonischen Menschen sagt. Es würde der Autorität und
Wahrheit der Heiligen Schrift widersprechen, wenn wir den
biblischen Berichten über dämonische Menschen Zweifel
entgegenbringen und eine Entmythologisierung vornehmen
wollten. Wir unterscheiden dabei zwei Formen von Dämonie: die
dämonische Gebundenheit und die Besessenheit. Näheres
hierüber habe ich in meiner Schrift "Der Dämon im Menschen"
ausgeführt. Ich kann mich daher an dieser Stelle auf einiges
Wesentliche beschränken.

1. Die dämonische Gebundenheit.

Diese ist außerordentlich häufig anzutreffen. Wir verstehen


darunter eine Beeinflussung des Menschen durch Satan, so daß
der Mensch sich in der Gewalt des Teufels befindet. So lesen wir
Joh. 13, 2: "Bei dem Abendessen, da schon der Teufel es dem
Judas Ischarioth ins Herz gegeben hatte, daß er ihn verriete. . ."
Und Luk. 13, 16 ist von einer Frau die Rede, die achtzehn Jahre
lang von Satan mit Krankheitsfesseln gebunden war. Wenn der
Teufel den Menschen durch seine Schuld krank macht, oder
wenn er ihm seinen Willen aufzwingt, ist der Mensch ein
Gebundener Satans.

Was aber gibt Satan das Recht dazu, den Menschen an sich zu
ketten? Mit anderen Worten: was sind die U r s a c h e n der
dämonischen Gebundenheit? Zur dämonischen Gebundenheit
kommt es, wenn der Mensch bewußt in schweren Sünden lebt,
wenn er in völliger Verstocktheit dem Geiste Gottes andauernd
widerstrebt, wenn er keine Reue zeigt und keine Vergebung
mehr sucht, wenn er gewohnheitsmäßig flucht und lästert, wenn
er einen Meineid begangen hat oder Blutschande ausübt.
Besonders gerät der Mensch in dämonische Gebundenheit,
wenn er sich mit okkulten Dingen abgibt. Dazu gehören Besuche
bei der Wahrsagerin, spiritistisches Totenbefragen,
abergläubische Gebräuche, Benützung von Zauberbüchern,
aktive oder passive Besprecherei. Auch das Tragen von
Amuletten, Schutzbriefe mit Zaubersprüchen und
Teufelsverschreibungen können solche Auswirkungen
hervorbringen.

Vor allem die letztere Art, ein bewußtes Sichverschreiben an


Satan, eine offizielle Vertragschließung, zumal mit dem eigenen
Blut geschrieben, führt zu schwerer dämonischer Gebundenheit.
Ein solch förmlicher Vertrag ist häufiger, als man denkt, aber
meist unbekannt, weil der Betreffende auf keinen Fall darüber
etwas auszusagen wagt. Erst nach langer seelsorgerlicher
Beeinflussung gibt er seine Sünde heraus. Weil die
Vertragschließung mit Satan für den Seelsorger von großer
Bedeutung ist, seien einige solcher Fälle angeführt.
Eine Patientin hatte auf einen Zettel geschrieben: "Ich gelobe dir
im Namen Gottes, daß ich meinen ganzen Eigensinn aufbieten
werde, mich gegen jede religiöse Beeinflussung aufzulehnen."
Solch ein Zettel wird streng geheim aufbewahrt. Ein Gebundener
sagte oft laut vor sich hin: Teufel, komm und hilf mir, wenn der
andere da oben nichts kann!" Ein andermal: "Komm in mein
Herz und nimm Besitz von mir; du mußt mir dafür Gelingen bei
all meinem Tun schenken." Eine andere Patientin bat den Teufel:
"Hole mich, dann kriege ich Ruhe und Frieden! Ich will dir
dienen, wenn du mich gesund machst!" Solch lautes Gebet ist
ebenso sündig wie das Aufschreiben mit Tinte oder mit dem
eigenen Blut. Eine dämonische Frau, die ihren geschiedenen
Gatten öfters verfluchte, schrieb mir: "Ich habe wieder infolge
schwerster Anfechtungen Satan gebeten, mich nicht so zu
quälen; das half." Die mildeste Sünde dieser Art ist der Wunsch:
"Wenn mir doch der Teufel helfen würde!"

Durch all die erwähnten Machenschaften beansprucht der


Mensch die Dienste des Teufels. Er sucht entweder etwas zu
erlangen, was ihm bisher versagt blieb, etwa Gesundheit und
irdisches Glück, oder er sucht die Zukunft zu erfahren, die Gott
ihm absichtlich verborgen hat. Satan aber gewährt ihm nur allzu
gern seine Hilfe. So werden die Menschen, die sich besprechen
lassen, meist gesund, und denen, die zur Wahrsagerin gehen,
wird die Zukunft richtig vorausgesagt, wenn die Helfer im Bunde
mit dämonischen Kräften stehen. Indessen der Teufel leistet
seine Dienste nicht umsonst. Er bindet die Menschen, die sich
an ihn wenden, mit schweren Ketten an sich. Und der Mensch ist
nicht mehr imstande, sich aus diesen Banden zu lösen. Gott hat
sich von ihm zurückgezogen. Er hat ihn "dahingegeben"
(Röm.1). Und meist zeigen sich alsbald schwere Folgen in
seinem Seelenleben.

Damit kommen wir zu den M e r k m a l e n der dämonischen


Gebundenheit. Das ganze Denken, Fühlen und Wollen des
Menschen gerät unter den Einfluß Satans. Der Mensch kann
nicht an Gott und Jesus glauben, auch wenn er es will. Er kann
sich zum Beten und Bibellesen nicht konzentrieren, er ist
unfähig zu wahrer Sündenerkenntnis, er kann nur noch Böses,
nur gottwidrige Dinge denken. Die Sucht zu unreinen Gedanken
und zum Lügen erfüllt ihn; denn Satan ist der Fürst der
unsauberen Geister und der Vater der Lüge. Auch das Fühlen
des Menschen wird satanisch beeinflußt. Er wird von Unruhe,
von Friedelosigkeit, von einer ständigen Unlust zu allem
Göttlichen geplagt, er empfindet keinerlei Reue über seine
schweren Sünden. Den Namen Jesu kann er nicht oder nur mit
Widerstreben oder nur ganz gedankenlos aussprechen. Und
ebenso wird das Wollen des Menschen von Satan beherrscht. Er
neigt zum Jähzorn, zum Trotz, zur Lästerung und Auflehnung
gegen Gott, zu Gewalttätigkeiten und Wutanfällen. Er haßt und
verflucht seine Nebenmenschen, wenn sie ihm etwas angetan
haben. Er ist erfüllt von der Sucht zu anormalen sexuellen
Handlungen, er hat den Drang, Hand an sich zu legen; denn
Satan ist ein Mörder von Anfang. Oft muß er unbedachte Taten
begehen, die sich gegen Gott wenden. Er zerreißt seine Bibel,
verbrennt religiöse Schriften, wirft das Gesangbuch in die Ecke.
Er muß Dinge tun, die er gar nicht will. Er fühlt selbst, daß er
unter einem fremden Zwang steht und begreift hinterher
überhaupt nicht, wie er zu solchen Handlungen fähig war. Eine
Gebundene sagte mir, es sei ihr so, als ob sie es gar nicht wäre,
sondern als redete und handelte etwas ganz anderes ihr. Seine
bösen Taten sucht er zu verbergen, er wehrt sich unter allen
Umständen, sie zu offenbaren; denn Satan ist der Fürst der
Finsternis, der nicht will, daß die Sünde ans Licht kommt und
dadurch vergeben werden kann. Selbst wenn der Belastete
reden möchte, er kann es nicht. Der Mund ward ihm
verschlossen.

Wenn nun ein solcher Mensch durch andauernde


seelsorgerliche Beeinflussung religiös angesprochen ist und an
Gott zu glauben beginnt, kommt es bei ihm zu einer
bezeichnenden inneren Gespaltenheit. So fühlt er sich einmal
zum Guten hingezogen und ist entschlossen, sein Leben Gott
auszuliefern. Dann wieder haßt er das Gute, hat Freude am
Bösen und zweifelt an Gott. Einmal sucht er Gemeinschaft mit
echten Christen, dann wieder verhöhnt er die "Frommen".
Obwohl er oft den Wunsch zu einer seelsorgerlichen
Aussprache hat, kann er kurz vor der verabredeten Stunde
Reißausnehmen. Zeitweise hat er ein Verlangen zum Beten,
dann wieder fühlt er in sich einen Widerstand dagegen und
bringt es nicht fertig, seine Knie zu beugen; und wenn mit ihm
gebetet wird, kann er laut hinauslachen. Auch während des
Gottesdienstes vermag er zuweilen kaum ein Lachen zu
unterdrücken. Einmal sucht er Trost in der Bibel, ein andermal
sagt ihm Gottes Wort überhaupt nichts. Der Teufel will eben auf
keinen Fall, daß der Mensch zum Glauben an Gott kommt und
sich ihm völlig ausliefert.
Eine dämonische Gebundenheit zeigt auch folgende Symptome.
Der so belastete Mensch kann den Namen Jesu nicht
aussprechen. Er kann kein Lied singen, in dem dieser Name
vorkommt. Wenn er aufgefordert wird, zu Jesus zu beten, tobt es
in ihm. Beim Hören der biblischen Verheißungen empfindet er
einen inneren Widerstand.
2. Satan kann aber nicht nur eine dämonische Gebundenheit
hervorrufen, sondern auch wirklich Besitz von einem Menschen
ergreifen. Die B e s e s s e n h e i t ist häufig das Endstadium der
Gebundenheit, jedoch viel seltener als diese. Während wir in
Joh. 13, 2 lesen, daß der Teufel dem Judas Ischarioth den Verrat
Jesu eingeredet hatte, heißt es im gleichen Kapitel Vers 27:
"Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn." Die Heilige Schrift
unterscheidet hier klar zwischen Gebundenheit und
Besessenheit. Satan benützt das große Heer der ihm hörigen
Dämonen, das sind von Gott abgefallene Engel, daß diese von
dem Menschen, der sich ihm hingegeben hat, Besitz ergreifen,
um ihn ganz und gar für Satan zu gewinnen. Viele Menschen
leugnen zwar die Tatsache der Besessenheit, für den
Bibelgläubigen besteht jedoch kein Zweifel, daß es zu Jesu und
der Apostel Zeiten Besessene gab. Warum aber sollte in der
Gegenwart die Besessenheit nicht mehr angetroffen werden?
Welches sind nun die M e r k m a l e der Besessen¬heit? Sie
decken sich zum großen Teil mit den er¬wähnten Zeichen der
dämonischen Gebundenheit. Außer ihnen beobachten wir in
seltenen Fällen das Sprechen eines anderen aus dem
Besessenen. Dann zeigt sich bei manchen Besessenen eine
gewisse Hellsichtigkeit. Sie sagen Dinge voraus, die wirklich
eintreffen. Es findet sich auch zuweilen eine auffallend starke
Körperkraft, Fluchen und Lästern. Verhältnismäßig häufig sind
Spukerscheinungen.

II. Gehen wir nunmehr zur Unterscheidung der seelischen


Krankheiten von der Dämonie über.

1. Es sind vor allem die G e i s t e s k r a n k h e i t e n, bei denen


eine Unterscheidung, besonders zu Beginn der Störung, oft
recht schwierig ist, weil die Dämonie einer Geisteskrankheit und
die Geisteskrankheit einer Dämonie ähnlich sehen kann. So ist
es erklärlich, daß Verwechslungen sehr häufig sind, zumal
manche Seelsorger dazu neigen, fast in jeder Geisteskrankheit
eine Besessenheit zu sehen, und andererseits die Psychiater
jeden Besessenen für einen Geisteskranken zu halten pflegen.
Und doch gibt es manche Fälle, bei denen es dem Psychiater
nicht gelingt, sie in die ihm geläufigen Krankheitsgruppen
einzureihen, so daß eine ärztliche Diagnose nur mit einem
Fragezeichen versehen werden kann.

Zunächst könnte der Unvoreingenommene bei der häufigsten


Geisteskrankheit, der Schizophrenie, eine Besessenheit
vermuten, wenn ein bis dahin unauffälliger Jugendlicher sich
allmählich ohne besonderen Grund gegen seine Eltern auflehnt,
störrisch, bösartig, erregt und unverträglich wird, gegen seine
Umgebung tätlich vorgeht oder allerlei unberechenbare
Handlungen ausführt. Noch mehr könnte man an eine
Besessenheit denken, wenn der Betreffende selbst von der
Anwesenheit eines in ihm wohnenden Dämons felsenfest
überzeugt ist und er seine körperlichen Beschwerden mit einer
Beeinflussung durch diesen Dämon in Verbindung bringt. Der
Kranke fühlt sich von dem Dämon dauernd angesprochen, und
er erzählt seiner Umgebung immer wieder, daß er von einem
Dämon zu seinen Gedanken und Taten veranlaßt werde. Wenn in
solchen Fällen sich allmählich ausgesprochene
Wahnvorstellungen bemerkbar machen und ein langsamer
Verfall der ganzen Persönlichkeit einsetzt, dann müssen wir die
geschil¬derten Erscheinungen auf krankhafte Störungen, das
Jugendirresein, und einen mit diesem verbundenen
Besessenheitswahn, zurückführen. Die Ursache seiner
Wahnideen ist meist darin zu suchen, daß der Kranke vor seiner
Erkrankung manches über Besessenheit und Dämonen gelesen
oder gehört hat. Selbst wenn ein solcher Mensch angibt,
anormale Geräusche zu hören und auffallende Erscheinungen
zu sehen, muß man hierbei krankhafte Sinnestäuschungen
annehmen, zumal wenn seine Umgebung nichts von solchen
Erscheinungen wahrnimmt.

Wie ist es aber bei dem Gadarener, von dem uns die Evangelien
berichten? Er wird von einem nicht bibelgläubigen Psychiater
ohne weiteres als ein typischer Geisteskranker angesehen. Sein
Schreien und Toben, seine Nacktheit, seine außergewöhnliche
Kraft, seine Selbstbeschädigung, seine Gemeingefährlichkeit
das alles trifft man in der Tat auch bei einer schweren
Geisteskrankheit an. Daß aber doch eine Besessenheit
dahintersteckte, ersehen wir nicht nur aus der raschen und
völligen Heilung nach der Austreibung durch Jesus, sondern
auch aus der Tatsache, daß eine fremde Stimme sinnvolle Worte
aus ihm sprach, zum Beispiel: "Was habe ich mit dir zu
schaffen, Jesu, du Sohn Gottes; ich beschwöre dich bei Gott,
daß du mich nicht quälest!“ Ein unruhiger Geisteskranker
dagegen redet nur unsinniges Zeug, kann stundenlang
dieselben Worte oder Sätze sprechen und sich mit Gestalten
unterhalten, die er zeitweise vor sich sieht. Er bedient sich
vielfach einer absonderlichen Ausdrucksweise und ist von
verschrobenen Ideen erfüllt. Das alles widerspricht einer
Besessenheit, bei der der Mensch völlig klar bleibt, auch wenn
er zeitweise unruhig oder sogar tobsüchtig werden kann.
So kann man sagen: ein Geisteskranker ist wirklich krank, auch
wenn er einige der Besessenheit ähnliche Züge aufweisen sollte.
Ein Besessener dagegen ist geistig gesund, auch wenn ihm
zeitweise seelisch anormale Zeichen anhaften sollten. Eine
Geisteskrankheit ist auch dann anzunehmen, wenn sich die
erwähnten Merkmale bei einem Menschen finden, der bis zu
seiner Erkrankung in lebendiger Verbindung mit Gott gestanden
hat, ebenso wenn okkulte Bindungen nicht nachzuweisen,
dagegen andere seelische Störungen in der Familie des
Betreffenden vorhanden sind. Wenn ferner bei religiöser
Beeinflussung ein solcher Mensch sich nicht wehrt oder wenn er
den Namen Jesu ohne Widerstand aussprechen kann, so spricht
dies alles für eine Geisteskrankheit. Demgegenüber sträubt sich
der Besessene gegen das Beten und gegen jede religiöse
Einwirkung, weil der Dämon in ihm fürchtet, seine Behausung
verlassen zu müssen. Der ausgesprochene Widerstand bei
seelsorgerlicher Beeinflussung legt von vornherein den
Verdacht auf Dämonie nahe.

Ein Merkmal sei noch etwas eingehender besprochen: das S t i


m m e n h ö r e n. Dieses wird bei Unkundigen in eine direkte
Verbindung mit teuflischer Einwirkung gebracht. Aber das
Stimmenhören bei Geisteskranken ist viel häufiger als das
Stimmenhören bei Besessenen. Krankhaft sind die Stimmen,
wenn der Betreffende hört, was er selbst denkt, oder wenn er
meint, die Stimmen rührten von fremden Menschen her, die über
ihn reden, ihn beobachten, belästigen, verfolgen oder ihm den
Befehl geben, wegzulaufen, nichts mehr zu essen, sich das
Leben zu nehmen und anderes. Oft sagt ihm die Stimme etwas,
das seiner Natur völlig zuwider ist, und doch muß er der Stimme
folgen. Und wenn er etwas anderes tun will, dann verwehrt ihm
dies die Stimme. Vielfach sind es auch ganz unsinnige Worte,
die der Geisteskranke hört. Besonders wenn das Stimmenhören
mit Wahnvorstellungen verbunden ist, besteht kein Zweifel
daran, daß es ein Zeichen von Geisteskrankheit ist.
Ganz anders die satanischen Stimmen. Diese sind
psychologisch durchaus begreiflich, indem sie dem Menschen
gottwidrige Dinge einreden. Sie kommen meist bei Besessenen
vor. Diese hören nicht selten eine Stimme: "Du bist zu Großem
berufen! Glaube doch nicht, daß es einen Gott gibt! Was die
Bibel und der Seelsorger sagen, ist Quatsch! Dein Beten hilft dir
nichts, du kommst nicht frei von mir, du bist mein! Nimm dir
doch das Leben!" Gleichzeitig können solche Belastete
unheimliche Gestalten reden hören, die sie im Zimmer sehen.
Eine meiner Patientinnen, die sich früher okkult betätigt hatte,
sah ihren Vater seit seinem Tode jede Nacht vor sich und hielt
Zwiesprache mit ihm wie mit einem lebenden Menschen. Eine
andere hörte, nachdem sie sich dem Teufel verschrieben hatte,
oft eine Stimme, die ihr verbot, die Anweisungen des
Seelsorgers zu befolgen und ihr drohte, es würde ihr schlecht
ergehen, wenn sie dies weitersagte. Auch sah sie oft den Teufel
vor sich, der ihr gebot, sie sollte ihm angehören; wenn sie sich
Gott übergäbe, würde dieser sie wegen ihres bisherigen
Sündenlebens bestrafen. Im allgemeinen ist festzustellen:
dämonische Stimmen sagen nur das, was den Menschen von
Gott abbringen soll; krankhafte Stimmen dagegen reden meist
unsinnige Dinge.

Mit Vorsicht aufzunehmen sind die Angaben der Angehörigen


von Schizophrenen, es sei mit dem Kranken Zauberei getrieben
worden, weshalb mit Bestimmtheit eine Besessenheit vorliegen
müsse, zumal er selbst sich von fremden Mächten beeinflußt
fühle. Zweifellos kann durch eine früher ausgeübte Zauberei
eine seelische Störung hervorgerufen worden sein. Aber
wesentlich häufiger sind die Fälle, in denen eine typische,
anlagebedingte Schizophrenie nachzuweisen ist, die nichts mit
okkulter Behaftung zu tun hat, selbst wenn der Erkrankung
okkulte Machenschaften vorausgegangen sein sollten.
2. Können wir bei der mit Anfällen von Bewußtlosigkeit
einhergehenden E p i l e p s i e eine klare Unterscheidung
zwischen Krankheit und Dämonie treffen? Manche Seelsorger
neigen zu der Auffassung, daß die Epilepsie ein Kennzeichen
der Dämonie ist. Sie stützen sich dabei auf den biblischen
Bericht von dem von Anfällen geplagten, mondsüchtigen
Knaben, aus dem Jesus einen Teufel austrieb. Wenn wir jedoch
bei einem Epileptischen eine dämonische Einwirkung annehmen
wollen, muß auch eine entsprechende Ursache okkulter Art
vorliegen. Davon ist aber bei den meisten Epileptikern nichts
nachzuweisen. Auch sind unter ihnen nicht wenige Gläubige, die
in lebendiger Verbindung mit Gott stehen. Und ferner würde,
wenn die Epilepsie dämonischen Ursprungs wäre, keine
Besserung der Anfälle durch bestimmte Medikamente erfolgen,
wie dies meist der Fall ist. Ich glaube vielmehr, daß der
mondsüchtige Knabe von Jugend auf an einer Besessenheit litt,
die in epilepsieähnlichen Erscheinungen sich äußerte. Seine
Anfälle wurden von dem Dämon wohl zu dem Zwecke
verursacht, ihn aus dem Leben zu schaffen. Denn es ist stets
das Endziel der Besitzergreifung finsterer Mächte, den
Menschen zu töten und ihn auf diese Weise für immer Satan
auszuliefern. So sagte der Vater des Knaben zu Jesus (Mark. 9):
"Oft hat er ihn in Feuer und Wasser geworfen, daß er ihn
umbrächte." Noch im letzten Augenblick, ehe er ausfahren
mußte, hatte der Dämon einen solchen Versuch unternommen.

3. Betrachten wir die S c h w e r m u t. Auch bei dieser Krankheit


vertreten nicht wenige Seelsorger die Auffassung, daß ihre
Merkmale Zeichen einer dämonischen Gebundenheit oder einer
Besessenheit sind. Eine solche scheint besonders dann
vorzuliegen, wenn der Schwermütige auf dem Höhepunkt seines
Leidens für göttliche Einflüsse unzugänglich ist, sich für
innerlich tot und verstockt hält, sich zum Beten und Bibellesen
weder aufraffen noch konzentrieren kann, oder gar, wenn er
selbst sich als besessen ansieht. Aber dies alles sind keinerlei
Zeichen einer besonderen Gottentfremdung, sondern typische,
in religiösem Gewand auftretende Merkmale der Schwermut. Es
wäre daher verkehrt, wollten wir dem Kranken, der von der
Echtheit seiner Besessenheit durchdrungen ist, Glauben
schenken. Diese Meinung ist vielmehr als ein ausgesprochen
krankhafter Wahngedanke anzusehen. Dies geht schon daraus
hervor, daß der Besessenheitsglaube oft mit anderen
Wahnvorstellungen verbunden ist (Versündigungswahn,
Verarmungswahn, Beziehungswahn, Unheilbarkeitswahn),
Befürchtungen, die sich meist als völlig unbegründet erweisen.
Auch hat die ärztlich seelsorgerliche Erfahrung gelehrt, daß bei
demjenigen, der immer wieder von Besessenheit redet, eine
solche nicht vorliegt. Im Gegensatz dazu denkt der wirklich
Besessene gar nicht an Besessenheit, selbst wenn sein Zustand
ihm unbegreiflich sein sollte. Denn Satan ist alles daran gelegen,
möglichst unerkannt zu bleiben. Wenn man daher einem wirklich
Besessenen gegenüber äußert, er sei besessen, so pflegt er dies
zunächst in ehrlicher Meinung weit von sich zu weisen. Ferner
handelt es sich bei den Schwermütigen, die sich etwa infolge
früher begangener Zaubereisünden besessen wähnen, oft um
Menschen, deren Vergangenheit vor Gott völlig geordnet ist, und
die vor ihrer Erkrankung in wahrem Glauben an Gott und
Christus standen. Es ist daher nicht anzunehmen, daß sie nun
plötzlich einem Dämon zum Opfer gefallen sind.

Nun wird aber meist der Standpunkt geäußert, daß das


Vorhandensein von L ä s t e r g e d a n k e n bei der Schwermut
doch ein sicheres Zeichen einer Dämonie sei. Lästergedanken
finden sich allerdings gerade bei gläubigen Schwermütigen
recht häufig. Sie sind bei ihnen als krankhafte Zwangsgedanken
anzusehen. Besonders bei übergewissenhaften und ängstlichen
Gläubigen, die schwermütig geworden sind, entstehen solche
Gedanken aus der Angst heraus, sie könnten sich zu einer
Lästerung gegen das Heilige hinreißen lassen. Und weil eine
solche Angst beim Bibellesen, beim Beten und besonders
während des Gottesdienstes und Abendmahls leicht auftritt,
drängen sich gerade bei diesen Gelegenheiten die
Lästergedanken oft mit stärkster Macht auf. Aber mit einer
teuflischen Beeinflussung haben sie nichts zu tun. Dies geht
schon daraus hervor, daß sie gleichzeitig mit der Heilung der
Schwermut schwinden.

Ebenso muß zwischen den S e l b s t m o r d g e d a n k e n bei


Dämonischen und Schwermütigen grundsätzlich unterschieden
werden. Der dämonische Mensch will nicht mehr leben, weil er
Satan gehorchen muß, der ihn in den Selbstmord hineintreibt.
Die Tat begeht er bei klarem Bewußtsein, weshalb er die volle
Verantwortung dafür trägt. Beim Schwermütigen dagegen ist es
zunächst der ihn beherrschende krankhafte Gedanke, er könne
nicht mehr leben, weil er sich zu schwer versündigt habe.
Diesen Lebensüberdruß benützt Satan, um ihn zur
Selbstmordabsicht zu verführen. Geht er in den Tod, so deshalb,
weil zuletzt die Klarheit der Gedanken völlig ausgeschaltet ist. Er
ist daher für die Tat nicht verantwortlich zu machen.

4. Gehen wir zu den erlebnisbedingten Seelenstörungen, den N e


u r o s e n, über. Es gibt zahlreiche seelisch empfindsame
Menschen, die infolge schwerer Erlebnisse ihre Fassungskraft
völlig verlieren und dadurch mit allerlei krankhaften
Erscheinungen reagieren können: mit großer Unruhe und Angst,
mit Weinkrämpfen und Jammern, Schreien und Davonlaufen,
Dämmerzuständen und Visionen. Auch hierbei wird nicht selten
allzu rasch eine dämonische Einwirkung angenommen. Aber
eine eingehende Erforschung des Seelenlebens wird meist zu
dem Ergebnis führen, daß ein vorher unerklärlicher Zustand auf
natürliche, psychologisch erklärbare Ursachen zurückgeführt
werden kann. Hierzu sei ein Fall aus meiner Praxis angeführt.
Ein gläubiges, junges Mädchen litt an Angstzuständen, innerer
Unruhe und dem Unvermögen, zu beten und die Bibel zu lesen.
Sie sah außerdem finstere Geister vor sich, die sie verklagten.
Sie hielt sich daher für besessen und war innerlich völlig
verzweifelt. Ein psychologisch nicht geschulter Seelsorger hätte
mit größter Wahrscheinlichkeit eine Besessenheit angenommen
und dementsprechend mit ihr verfahren. Die Aufdeckung des
Unterbewußten ergab jedoch eindeutig, daß der Zustand von
einem bestimmten Erlebnis herrührte. Das Mädchen hatte
nämlich eine Frau kennengelernt, die ihr von bösen Geistern
erzählt und ihr gesagt hatte, diese würden auf sie übergehen
und ihr Unglück bringen. Sie wurde infolge ihrer anormalen
Beeindruckbarkeit von dieser Kunde tief betroffen und in Angst
versetzt. Aber durch die Klärung der Zusammenhänge konnte
sie völlig beruhigt werden und wurde frei von all den erwähnten
Beschwerden. Damit war zugleich erwiesen, daß ihre
vermeintliche Besessenheit nur eine Angstidee gewesen war.
Visionen des Teufels oder angebliche Erscheinungen von Jesus
und von Engeln können sich nicht selten als hysterische Angst
oder Wunschvisionen entpuppen. Eine Patientin zum Beispiel,
die sich immer den Tod wünschte, sah eines Nachts den Tod als
skelettartige Gestalt an ihrem Bett stehen. Als dann ihre Angst
vor dem Teufel und dem Jüngsten Gericht in den Vordergrund
trat, sah sie bei Nacht den Teufel vor sich, der sie holen wollte.
Eine Dämonie lag hier nicht vor; denn als der Patientin diese
Zusammenhänge aufgedeckt wurden, verschwanden die
Visionen sofort und für immer. Es gibt also nicht nur satanische
oder durch Geisteskrankheit hervorgerufene, sondern auch
seelisch bedingte Visionen, die streng voneinander
unterschieden werden müssen.

Auch Dämmerzustände sind in erster Linie auf seelische


Ursachen zurückzuführen. Der Kranke versenkt sich hierbei
bewußt oder unbewußt in eine Art Selbsthypnose zu dem Zweck,
sich der rauhen Wirklichkeit zu entziehen und in eine
Wunschwelt zu flüchten. Solche Zustände sind also meist
hysterischer Natur. Erfolgt die Aufdeckung der wahren
Ursachen, so können sie rasch zum Schwinden gebracht
werden. Ich habe aber bei drei Patienten satanisch verursachte
Dämmerzustände beobachtet, bei denen eine Besessenheit oder
eine dämonische Gebundenheit infolge schwerwiegender
okkulter Machenschaften vorlag. In diesen Zuständen hörten die
Betreffenden den Teufel reden, sprachen mit ihm, lachten
höhnisch, wenn ich von Jesus, dem Erlöser, sprach. Wenn nach
einiger Zeit das Erwachen erfolgte, wußten sie nichts von dem,
was vor sich gegangen war. Solche Dämmerzustände mit
leichter Geistesabwesenheit und nachfolgendem Vergessen
treten zuweilen während der Wortverkündigung oder während
einer Unterredung und des Betens mit dem Seelsorger auf.
Satan versucht durch diese Zustände, den Gebundenen von
religiöser Beeinflussung abzuhalten. Während also die
hysterischen Dämmerzustände ichhafter Natur sind, werden die
satanischen Dämmerzustände vom Teufel zu seinen Zwecken
benützt.

Die eigenartigen Erscheinungen, die Johann Christoph


Blumhardt bei der von ihm betreuten Gottliebin Dittus
beobachtete, und die ebenfalls mit Dämmerzuständen
einherging, werden auch von gläubigen Ärzten zumeist für eine
schwere Hysterie, genauer für eine eingebildete Besessenheit
gehalten, wie sie nicht selten vorkommt. Dennoch glaube ich an
eine wirkliche Besessenheit bei diesem Mädchen, und zwar
einmal deshalb, weil mehrmals fremde Stimmen in höhnischer
und gotteslästerlicher Weise in verschiedenen Sprachen, die der
Gottliebin selbst unbekannt waren, aus ihr redeten, und ferner,
da häufig Poltergeräusche von neutralen, urteilsfähigen
Personen festgestellt wurden. So hielten sich sowohl der
behandelnde Arzt als auch mehrere Gemeinderäte von
Möttlingen bei Nacht in der Wohnung auf, wobei sie Töne,
Schläge, Klopfen der verschiedensten Art, sowie Bewegungen
des Tisches bemerkten. Alles wurde genau untersucht, ohne
daß eine natürliche Erklärung dafür gefunden werden konnte.
Gerade solche Spukerscheinungen trifft man, wie erwähnt, nicht
selten in der Umgebung von Besessenen.

5. Wie ist es aber bei den anormalen Charakterzügen seelisch


abwegiger Menschen, zum Beispiel den Erregungszuständen
des reizbaren P s y c h o p a t h en, den Roheiten des
Gefühllosen, den Intrigen und Gehässigkeiten des Hysterischen,
den Unwahrheiten des Lügensüchtigen, den Perversitäten des
Sexuellsüchtigen, den Gewalttätigkeiten des Rauschsüchtigen?
Bei diesen Menschen handelt es sich zweifellos um erblich
bedingte Seelenstörungen, die zunächst krankhaft zu bewerten
sind. Aber gerade seelisch labile und leicht versuchbare
Menschen, wie es die Psychopathen sind, sucht der Teufel zu
sündigen Handlungen zu verleiten und an sich zu ketten. Er
benützt die krankhafte Anlage solcher Menschen als
willkommenen Angriffspunkt. Hier finden wir also krankhafte
Seelenstörung und dämonische Gebundenheit beieinander.
Beides läßt sich bei diesen Menschen kaum voneinander
trennen.

III.

Zum Schluß ist es mir ein Anliegen, auf einen besonderen Punkt
kurz hinzuweisen. Die Unterscheidung zwischen seelischen
Krankheiten und Dämonie ist oft nicht nur eine schwierige,
sondern auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb
ist es dringend geboten, mit der Annahme einer dämonischen
Gebundenheit und besonders einer Besessenheit überaus
vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Denn es handelt sich bei
diesen Menschen häufig um seelisch sehr empfindsame
Naturen. Wenn einem solchen ohne eingehende Prüfung
vorgehalten wird, er sei ein Gebundener Satans oder sogar, er
sei besessen, kann dieser durch einen solchen Vorwurf so stark
beeindruckt werden, daß er in schwere innere Unruhe, Angst
und Depression gerät. Besonders wenn einem Schwermütigen,
dessen Glaubensleben infolge krankhafter Hemmungen erstarrt
ist, vom Seelsorger gesagt wird, es liege ein teuflischer Bann
auf ihm, ist es verständlich, daß ein solcher Kranker nun erst
recht sich ewig verloren glaubt. Ich habe in zahlreichen Fällen
erlebt, welch ungünstige Wirkungen auf einen seelisch kranken
Menschen ausgehen können, wenn er fälschlicherweise als
dämonisch gebunden bezeichnet wird. Es ist furchtbar, wenn ein
unter seinem Zustand leidender Gemüts oder Geisteskranker
dazu noch den Vorwurf hören muß, er sei in die Gewalt des
Teufels geraten. Wer ohne Kenntnis des krankhaften
Seelenlebens und dämonischer Zustände sich ein solches Urteil
anmaßt, der handelt höchst voreilig, ja geradezu grausam. Erst
vor kurzem berichtete mir eine Bekannte, die in einem
christlichen Erholungsheim weilte, daß während ihres dortigen
Aufenthaltes ein Gast mit den bekannten Zeichen der
Schwermut aufgenommen wurde. Der Hausvater erklärte sie
nach kurzer Unterredung für dämonisch und schickte sie, als die
entsprechende Seelsorge keine Wirkung zeigte, nach wenigen
Tagen nach Hause zurück.
Ganz anders haben wir beim Vorliegen von wirk¬licher
Gebundenheit und Besessenheit vorzugehen. Hier gilt es, dem
Betreffenden mit verständnisvoller Liebe, aber doch mit aller
Deutlichkeit zu sagen, daß man ihn an sich gekettet und Besitz
von ihm ergriffen hat. Auch wenn er zunächst darüber
erschrecken sollte, so ist es doch ein heilsames Erschrecken.
Denn er muß nun den Feind seiner Seele klar erkennen lernen
und gemeinsam mit dem Seelsorger einen schweren Kampf
gegen ihn ausfechten, der, wenn er ehrlich und ausdauernd
gekämpft wird, zum Siege führt. Und wenn er eine Befreiung
erfährt, hat er größte Wachsamkeit walten zu lassen, damit der
Teufel ihn nicht aufs neue in seine Gewalt bekommt.

Weil die Unterscheidung zwischen einer krankhaften


Seelenstörung und einer Dämonie eine solch hohe
Verantwortung in sich schließt, ist in allen fraglichen Fällen die
Zuziehung eines gläubigen Nervenarztes oder eines auf diesem
Gebiete kundigen und erfahrenen Seelsorgers dringend
anzuraten. Aber daneben gilt es, ernstlich um die Gabe der
Geisterunterscheidung zu bitten, die eine Gabe des Heiligen
Geistes ist. Denn letztlich vermag der Geist Gottes allein, uns
die rechte Kenntnis über den Menschen zu vermitteln, der sich
mit seinen seelischen Nöten an uns wendet, und uns vor
verkehrten Worten und unbedachten Schritten zu bewahren.

B. Dr. theol. Kurt Koch

DIE SEELSORGERLICHE FÜHRUNG OKKULT BELASTETER


MENSCHEN

Es gibt Menschen, die bei der Erwähnung okkulter Dinge sofort


das Schlagwort "finsteres Mittelalter" zur Hand haben. Sie reden
vom Wahn einer unerleuchteten Zeit, von abergläubischen
Vorstellungen, die in unserem vom wissenschaftlichen
Fortschritt erfüllten Jahrhundert keinen Raum mehr haben. Ein
solches Denken und Reden beweist die Unkenntnis der
untergründigen Strömungen unserer Gegenwart. Kenner des
okkulten Gebietes wissen um einen anderen Tatbestand. Der
Aberglaube und seine Begleiterscheinungen nehmen nicht ab,
sondern zu. Das hat verschiedene Gründe. Die zunehmende
Seelenlosigkeit der fortschreitenden Technik ruft nach einem
Ausgleich im Mystischen oder Magischen. Die wachsende
Vergeistigung hat als Komponente die zunehmende
Verdinglichung. Die fortschreitende Beherrschung aller Gebiete
unserer Natur hat die steigende Abhängigkeit und Verknechtung
unter die Materie zur Folge. Der Griff nach den Geheimnissen
der Schöpfung bringt als Umkehrung den unheimlichen Griff
nach dem Menschen. So ist auch der Aberglaube umgelehrt
proportional zum Glauben. Die Neuzeit ist geprägt durch die
abnehmende Glaubenskraft der Menschheit und damit
gekennzeichnet durch den wachsenden Aberglauben. Nicht
zuletzt erleben wir auf geistesgeschichtlicher Ebene eine
rückläufige Bewegung zum Rationalismus und zur Aufklärung.
Schlug dort der Pendel aus zum rein Ra¬tionalen, so schlägt
jetzt der Pendel zurück zum anderen Extrem, dem Magischen.
Mit einer gewissen Berechtigung darf vom Beginn eines
magischen Zeitalters gesprochen werden. Wenn wir nach
Beweisen suchen, so finden wir sie in dem gewaltigen
Anwachen schwarmgeistiger und okkulter Strömungen. Kenner
des prophetischen Wortes der Heiligen Schrift sehen darin auch
die Zuspitzung und dämonische Verfinsterung unserer Weltzeit
zur Endkatastrophe hin. Bei dieser gegenwärtigen Entwicklung
entstehen in der Menschheit nicht nur seelische
Gleichgewichtsstörungen, sondern auch im Gefolge der Magie
okkulte Belastungen, die eine sachgemäße Behandlung
erfordern.

I. Zunächst ist der Begriff "Okkulte Belastung" zu klären.

Wird der Psychiater nach einer Definition gefragt, so redet er


vom magischen Komplex oder von Illusionen (Fehldeutungen)
und Wahnideen der Geisteskranken. Er leugnet die Wirklichkeit
einer okkulten Belastung oder deutet sie um. Ist damit dem
Seelsorger sofort der Wind aus dem Segel genommen?
Keineswegs! Der Ausdruck "Okkulte Belastung" ist eine
religiöse Aussage und kein medizinischer Terminus. Dieser
Ausdruck weist auf einen Tatbestand in der biblischen Welt es
Glaubens hin und ist keine naturwissenschaftliche Definition.
Wenn gewisse Anhänger einer bestimmten rationalistischen
Theologie sich ins Schlepptau der naturwissenschaftlichen
Psychiatrie nehmen lassen, so müssen wir uns dagegen scharf
verwahren. Sie üben Verrat an ihrer eigenen Sache. Die
Psychiatrie kennt als Naturwissenschaft nur inner¬menschliche,
innerweltliche, immanente Vorgänge. Die Theologie weiß um die
Wirklichkeit übernatürlicher, transphysischer und
transzendenter Gegebenheiten. Die Medizin hat
naturwissenschaftliche, die Theologie dagegen geistliche
Belange zu vertreten und wahrzunehmen. Das heißt natürlich
nicht, daß sich beide Disziplinen nichts zu sagen hätten. Die
Theologie hat die Forschungen der Psychiatrie nicht zu
fürchten. Ihr eigener Bereich wird dadurch nicht angetastet. Die
Psychiatrie würde gut tun, nicht die theologische Seelsorge
bevormunden zu wollen, wie es manchmal geschieht. Suum
cuique! Jeder hat seinen Arbeitsbereich. jeder kann dem
anderen dienen mit der Gabe, die der Schöpfer ihm anvertraut
hat.

Il. Die Grundlagen einer seelsorgerlichen Betreuung okkult


Belasteter ist die D i a g n o s e .

Die Bestimmung einer seelischen Erkrankung als okkulte


Belastung ist außerordentlich schwer und verantwortungsvoll.
Fehldiagnosen können geradezu verhängnisvoll sein.
Dazu zwei Beispiele. Ein seelisch krankes Mädchen kam in die
"Arche" nach Möttlingen. Um es vorwegzunehmen, will ich
gleich bekennen, daß ich Vater Stanger als Mann Gottes
geschätzt habe. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß alles in der
"Arche" gut war. Das seelisch kranke Mädchen erhielt durch
einen Bruder eine Handauflegung. Als sich keine Besserung
zeigte, und auch eine zweite Handauflegung nicht half, wurde
dem Mädchen gesagt: "Du hast den Teufel! Dir ist nicht zu
helfen." Die Patientin reiste total erschüttert heim. Monatelang
litt sie unter dieser fürchterlichen Seelsorge. Das zweite Beispiel
ist genau so entsetzlich. Eine depressive Pfarrfrau kam in ein
schweizerisches, christliches Erholungsheim. Der leitende
Bruder, der eine massive Seelsorge trieb, erklärte der Pfarrfrau:
"Sie sind besessen." Hinterher bekam ich diese Frau in die
Seelsorge. Nachdem ich zwei Stunden die Möglichkeit hatte,
Fragen zu stellen, stand ich unter dem Eindruck, daß bei der
Pfarrfrau eine endogene Depressionvorlag und niemals eine
Besessenheit. Das Gespräch mit ihrem Mann ergab, daß der
Psychiater die gleiche Diagnose gestellt hatte. Durch die in dem
Heim gegebene plumpe, verteufelnde Seelsorge entstanden bei
der Pfarrfrau neue seelische Belastungen.

Die Diagnose umfaßt für den Seelsorger drei Elemente.


1. Für die sorgfältige Behandlung okkult belasteter Menschen ist
die gründliche Kenntnis psychiatrischer K r a n k h e i t s b i l d e
r unerläßlich. Auch sollte der Seelsorger mit den
grundsätzlichen Fragen der Psychotherapie und
Tiefenpsychologie vertraut sein. Das soll natürlich nicht heißen,
daß der Seelsorger medizinisch oder psychologisch
kurpfuschen soll. Nichts ist schlimmer in der Seelsorge, als daß
der Pfarrer anfängt zu psychologisieren. Wir haben einen
anderen Auftrag. Die Kenntnis der medizinischen sind
psychologischen Grenzwissenschaften hat nur den Sinn, daß
wir in der Lage sind, Krankheitsfälle von Belastungsfällen zu
unterscheiden. Kranke gehören in die Behandlung des Arztes,
okkult Belastete bleiben in unserer Seelsorge. Es ist genau so
verhängnisvoll und erfolglos, wenn ein Psychiater einen okkult
Belasteten betreuen soll. Fehldiagnosen gibt es auf beiden
Seiten. Ich wehre mich entschieden dagegen, wenn von
Psychiatern okkult Belastete einfach als schizophren bezeichnet
werden. Das ist eine Unterstellung, die in Nervenheilanstalten
immer wieder passiert. Ein Beispiel, das um viele vermehrt
werden kann, soll das zeigen.
Ein junger Mann verfiel dem ziellosen Umherirren (Fugues). Ein
planloser Wandertrieb hatte ihn erfaßt. Dazu gesellten sich
andere Zwangshandlungen und Zwangsantriebe. Der Psychiater
bezeichnete sein Krankheitsbild als Schizophrenie, ohne
überhaupt den magischen Praktiken der Vorfahren dieses
kranken jungen Mannes Beachtung zu schenken. Es ist fast
durchweg bei unseren Psychiatern zu beobachten, daß sie dem
spiritistischen oder magischen Treiben in der Vorgeschichte der
Patienten wenig Bedeutung beimessen. Solche Dinge werden
höchstens als anormale Veranlagung der Vorfahren bewertet. In
dem vorliegenden Beispiel beantragte der Arzt die Einweisung in
eine Nervenheilanstalt. Der Vater des Patienten wehrte sich aus
gewissen negativen Erfahrungen heraus. Er übergab seinen
Jungen einem bekannten Seelsorger, der ihn einige Wochen im
Haus behielt. Nach kurzer Zeit konnte der Kranke wieder seinen
Beruf aufnehmen und ist nun schon viele Jahre frei. Nie wieder
hat sich die angebliche Schizophrenie gezeigt.

Bei der Forderung psychiatrischer Kenntnisse erhebt sich bei


den Seelsorgern der Einwand: "Sollen wir noch zusätzlich
Medizin studieren? Oder soll unser ohnehin kompliziertes
Studium noch erweitert werden?" Ich kenne die Not dieser
Fragen. Das beste wäre allerdings, wenn der Seelsorger für
okkult Belastete gleichzeitig Mediziner wäre. Eine
Zwischenlösung wäre, wenn ein Psychiater ein gläubiger,
geistesvollmächtiger Jünger Jesu ist. Mit Fassadechristen und
Traditionschristen allerdings ist der leidenden Menschheit in
keinem Beruf geholfen. Eine andere Lösung wäre die
Umstellung unseres theologischen Studiums. Mit wieviel
unnützem Ballast schickt man uns Theologen ins Amt! Und
gerade das, was wir für die Seelsorge brauchen, fehlt uns. Was
auf der Universität über Seelsorge gelesen wird, ist nach meiner
Erfahrung oft von einer himmelschreienden Dürftigkeit.

2. Zur richtigen Diagnose gehört auch die c h a r i s m a t i s c h


e Ausrüstung des Seelsorgers. Wir befinden uns hier auf einem
Gebiet jenseits aller naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. Die
Betreuung okkult Belasteter ist ein Eingriff in den Bereich
dämonischer Mächte. Ein solcher Eingriff erfordert eine
Ausrüstung, die nicht auf dem Boden unserer natürlichen
Veranlagungen und Fähigkeiten gewachsen ist. Seelsorger sein
bedeutet in echtem Sinne, Werkzeug des Heiligen Geistes sein.
Diese charismatische Rüstung, etwa nach Epheser 6, 16 f, ist
uns nicht kraft unseres Amtes gegeben. Wir haben keinen
character indelebilis (unzerstörbare Eigenschaft) wie angeblich
der katholische Priester. Dieses Charisma ist nicht von unserem
Wollen abhängig, sondern von Gottes Geschenk und Gnade.
Eine Tür ist uns aber offengelassen. Wir dürfen darum bitten.
Jesus verheißt: "Wieviel mehr wird der Vater im Himmel den
Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten" (Luk. 11,13).
Zum Diakonendienst wurden einst (Apg. 6, 3) Männer voll
Heiligen Geistes und Weisheit bestellt. Der Seelsorgedienst an
okkult Belasteten ruft heute mehr denn je nach Männern voll
Glaubens und Heiligen Geistes. Wer sich auf diesem schweren
Gebiet nicht dauernd verrennen will, braucht die Gabe der
Geisterunterscheidung (l. Kor. 12, 10).

3. In der Medizin wird von den Symptomen auf die Ursachen und
damit auf das Krankheitsbild selbst geschlossen. Bei der
okkulten Belastung gibt es auch S y m p t o m e, die dem
Seelsorger eine Diagnose ermöglichen, auch wenn er nicht
Medizin studiert hat. Okkult Belastete reagieren auf geistliche
Beeinflussung. Das ausgeprägteste Symptom ist die Resistenz
gegen alles Göttliche. Die Gegenüberstellung von zwei
Beispielen soll das deutlich machen. Angenommen, es sitzt im
Sprechzimmer des Seelsorgers ein manisch Depressiver in der
depressiven Phase (Zustandsperiode). Der Patient verhält sich
völlig apathisch und reagiert auf nichts. Beim Vorlesen des
Wortes Gottes und beim Beten zeigt er sich ebenso
teilnahmslos. Völlig anders verläuft die Seelsorge bei einem
okkult Belasteten. Angenommen, es handelt sich um eine starke
Belastung, etwa um ein spiritistisches Medium. Betet man mit
diesem Belasteten und spricht ihm passende Bibelworte zu, so
wird der Belastete unruhig. Es zeigen sich typische Symptome
der Abwehr.

Dazu einige selbst erlebte Beispiele. In Zürich brachte mir ein


Prediger eine Frau in die Seelsorge. Sie war durchaus für
seelsorgerliche Betreuung zugänglich. Sie spürte selbst
Belastungen, von denen sie frei werden wollte. Als wir beide mit
ihr beteten, fiel sie in Trance (mediale Bewußtlosigkeit). Ihr
Bewußtsein war weg. Sie streckte die Zunge gegen uns aus und
schrie: "Ich kann diese Beterei nicht ertragen." Nach dem Amen
kam sie wieder zu sich und fragte: "Wo bin ich? Was ist mit
mir?" Sie hatte von dem Vorfall keine Ahnung. Auf Befragen gab
die Frau zu, einem spiritistischen Zirkel anzugehören, in dem
Totenverkehr, sogar geschlechtlicher Art, getrieben wurde. Ein
weiteres Beispiel aus dem Elsaß. Bei einer Vortragsreihe im
Münstertal erklärte mir ein starkes Medium: "Ich habe nun zwei
Vorträgen beigewohnt, aber ich empfinde bei Ihrer
Verkündigung körperliche Schmerzen." Ein drittes Beispiel liegt
wieder auf der gleichen Ebene. Eine Französin, die bei mir in der
Seelsorge war, betete für eine italienische Familie. Schließlich
schrieb ihr die Italienerin: "Hören Sie doch bitte mit dem Beten
auf. Ich habe dadurch Schmerzen."

Nun könnte ein Psychotherapeut den Einwand bringen, diese


Menschen haben durch irgendein unangenehmes Erlebnis mit
der Kirche oder einem Pfarrer einen antikirchlichen Komplex.
Bei jeder geistlichen Betreuung schlagen sie dann dagegen aus.
Dieser Einwand mag wohl in manchen Fällen stimmen. In den
vorliegenden Beispielen läßt sich dieser Einwand durch zwei
Beobachtungen entkräften. Die Resistenz gegen alles Göttliche
zeigt sich auch, wenn der Belastete von der Fürbitte für ihn
keine Ahnung hat. Ferner haben oft die Belasteten den Wunsch
nach einer geistlichen Hilfe und sind doch den
Abwehrreaktionen gegen ihren Willen unterworfen. Wir
beobachten das auch in Markus 5 bei dem besessenen
Gadarener. Er läuft zu Jesus und sucht Hilfe. Dann zeigt sich
wieder die Abwehr.

Ich will kurz die wichtigsten Resistenzsymptome nennen:


nervöse Unruhe, Brechreiz, Übelkeit, Lachreiz, Schlafsucht,
Bewußtseinstrübung bis zur Absence, Spottsucht, Lästersucht
bis zur Tobsucht, Unfähigkeit zu glauben und zu beten.
Manchmal genügt das Auftauchen einer Kirche, eines Kruzifixes,
einer Bibel, um die Resistenz auszulösen. Die Resistenz kann
sich auch darin zeigen, daß etwa eine Heilbehandlung durch
einen okkulten Heilpraktiker dazu führt, daß der Patient plötzlich
unkirchlich wird oder einer schwarmgeistigen Bewegung
verfällt. Es gibt viele Äußerungen einer Resistenz, die nicht alle
hier aufgezählt werden können. Es gibt auch Symptome, die fast
gleichlaufende Parallelen in der psychiatrischen Klassik haben.
Hier sind Fehldeutungen besonders leicht möglich.

III. Es geht um die T h e r a p i e okkult belasteter Menschen.

Sind wir bei guter Beobachtung, unter viel Gebet und vielleicht
unter Rücksprache mit einem gläubigen Facharzt, zu einer
Diagnose gekommen, so gilt es, den Belasteten seelsorgerlich
zu betreuen. Liegt bei der Diagnose großes Gewicht auf der
Beobachtung der Symptome, so gibt es dagegen in der Therapie
keine Symptombehandlung. Was ist darunter zu verstehen?
Wird ein Grippekranker von einem praktischen Arzt behandelt,
so interessiert sich der Arzt nur für das gesundheitliche
Befinden des Patienten und nicht für seine Einstellung zu
Christus. Die Krankheit wird isoliert behandelt. Das ist in der
Seelsorge völlig unmöglich. Ein Beispiel dazu. In Marburg kam
anläßlich einer Evangelisation eine junge Frau mit allen
Anzeichen einer okkulten Be¬lastung zu mir. Sie fragte mich, ob
ich ihr helfen könnte. Ich verneinte und wies sie auf Christus
hin. Sie erwiderte impulsiv: "Ich will gesund werden. Christus
kann ich nicht nachfolgen." Ich erklärte ihr, daß es bei ihrer
Belastung ein Gesundwerden ohne die Christusnachfolge nicht
gibt. Darauf verließ sie wütend das Sprechzimmer. Die
Behandlung einer okkulten Belastung kann nie von Christus
getrennt werden. Diese Art der Belastung ist ja im Widerspruch
und im Gegensatz zu Christus und seinem Wort entstanden,
also kann die Heilung nur im Einklang mit Christus und seinem
Wort eintreten. Hier geht es nur um totale Entscheidungen, um
die ganze Hingabe an Jesus. Halbe Lösungen sind nicht
möglich.

Ist schon bei der Diagnose die charismatische Ausrüstung von


großer Bedeutung, so gilt das noch mehr bei der Therapie. Als
Beispiel sei folgendes Gleichnis gebracht. Es hat keinen Sinn,
einem Ertrinkenden vom Ufer aus Schwimmanweisungen zu
geben. Nein, ein guter Schwimmer muß sich in das Wasser
stürzen und ihn retten. Ein Nichtschwimmer kann kein
Rettungsschwimmer sein. Das ist eine Binsenwahrheit, die aber
in der Seelsorge nicht immer erfüllt ist. Zum Beichten auffordern
kann nur, wer selbst gebeichtet hat. Seelsorgerlich führen kann
nur, wer selbst ein von Christus Geführter ist. Den Weg der
Befreiung zeigen kann nur, wer selbst durch die Gnade Gottes
diesen Weg gegangen ist. Auf keinem Gebiet rächt sich eine
vollmachtslose Seelsorge mehr als bei der Betreuung okkult
Belasteter. Eine Seelsorge, die nur theoretische Anweisungen zu
geben hat, dringt nicht durch. Es wäre an der Zeit, daß Männer,
Theologen und Nichttheologen, denen die Befreiung okkult
Belasteter und anderer Gebundenen brennend auf dem Herzen
liegt, sich zu stillen Tagungen zusammenschließen, bei denen
die Kniearbeit und die geistliche Ausrüstung an erster Stelle
stehen und nicht die geistreichen Referate. Brillantes
Geistesfeuerwerk haben wir übergenug. Waffenschmieden zur
Schärfung der geistlichen Waffen sind schwer zu finden.

Es sollen nun die einzelnen Etappen der Seelsorge an okkult


Belasteten skizziert werden. Ich schließe mich dabei an die
ausführliche Schilderung in "Seelsorge und Okkultismus" an.
Was hier zur Darstellung kommt, soll niemals als ein Schema,
als seelsorgerliche Schablone aufgefaßt werden. Es gibt in der
Seelsorge keine vorgeschlagenen Stufen, denen man nur zu
folgen hätte. Jeder Mensch ist ein unwiederholbares Original
Gottes. Es gibt schlechterdings unter den Menschen keine
"Dubletten", keine zwei gleichgearteten Geschöpfe. So läuft
auch die seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen
nicht nach einer frommen Platte, nicht nach einer gesetzlichen
Kasuistik ab nach der Regel: für jedes Wehweh die
entsprechende Pille aus der frommen Schublade. Es kann dem
Seelsorger geschenkt werden, daß der Geist Gottes alles
überspringt, was der Seelsorger sich zurechtgelegt hat und dem
gebundenen Menschen unmittelbar die Freiheit schenkt. Es
kann sich auch durch einen Akt der Gnade Gottes ereignen, daß
der Belastete nur unter der Verkündigung des Wortes frei wird,
ohne daß ein Seelsorger sich mit einer persönlichen Aussprache
dazwischengeschoben hätte. Der Geist Gottes weht auch hier,
wo und wie er will.
Wenn hier Schritt für Schritt gezeigt wird, wie der okkult
belastete Mensch frei werden kann, so hat das zwei Gründe.
Zunächst sollen alle Möglichkeiten der Hilfe vom Neuen
Testament her gezeigt werden. Wer dem okkult Belasteten
helfen will, bekommt es mit der Finsternis zu tun. Dieser Kampf
läßt sich nur bestehen, wenn der Seelsorger alle Machtmittel
kennt, die uns von der Heiligen Schrift her geschenkt sind. Der
zweite Grund, warum hier alle Einzelheiten der Befreiung
dargestellt werden, ist die Überflutung mit seelsorgerlichen
Briefen. Es gibt auf dem vorliegenden Gebiet so wenig fachlich
geschulte Seelsorger und so viele belastete Menschen, daß die
wenigen Seelsorger schier verzweifeln über dem Andrang der
Hilfesuchenden. Da es immer ein schweres Unterfangen ist,
okkult Belasteten seelsorgerlich zu raten und zu helfen, muß
von vornherein der feste Standort zu solchem Dienst aufgezeigt
werden.

1. Der Sieg Jesu über alle Belastungen

Der Seelsorger steht nicht auf verlorenem Posten. "Satan flieht,


wenn er uns beim Kreuze sieht." Das Kreuz von Golgatha ist das
Mahnmal des Sieges über alle Finsternismächte. Christus hat
alle Trabanten der Finsternis entmächtigt und zieht sie im
Triumphzug hinter sich her (Kol. 2, 15). Von diesem Sieg lebten
bisher alle Männer des Glaubens bei ihrem schweren Dienst.
Von diesem Triumph her konnte Pfr. Blumhardt singen:
Daß Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht,
Sein wird die ganze Welt!
Dieser Sieg hat seine Auswirkungen im Leben derer, die Jesus
nachfolgen oder sich für ihn entscheiden wollen. Das soll
zunächst an einigen Beispielen deutlich gemacht werden. Diese
Erfahrungen aus der Seelsorge haben nicht den Sinn zu zeigen,
wie es bei jedem belasteten Menschen zugehen soll. Nein, diese
Zeugnisse, deren Veröffentlichung mir gestattet wurde, wollen
nur andeuten, wie verschiedenartig die Wege des Herrn mit den
Gebundenen sind.

Der Endsieg
Eine junge Lehrerin in Berlin verlebte ihre Sommerferien in
einem Ostseebad. Am Strand lernte sie eine vornehme,
feingebildete Familie kennen und schloß sich ihr an. Die Dame
las gern und viel. Im Strandkorb war genug Muße zum Plaudern.
Schließlich vertraute die neue Bekannte ihre Bücher der
Lehrerin an. Es waren ausnahmslos okkulte Schriften. Die neue
Freundin war eine begeisterte Anhängerin dieser "modernen
Lehren" und schwärmte ihr deshalb unentwegt von den "großen
Entdeckungen der Okkultisten" und ihren "himmlischen
Weisheiten" vor. Schließlich vertiefte sich auch die Lehrerin in
jene "hochinteressanten Bücher". Das ging gut bis zum
Abschied. Daheim angekommen, erkrankte sie plötzlich schwer.
Eine totale Lähmung des ganzen Körpers hatte sie heimgesucht.
Regungslos mußte sie im Bett liegenbleiben. Ärzte wurden
gerufen. Sie kamen und gingen hoffnungslos. Drei Jahre lag sie
unbeweglich danieder, indes ihre Kräfte zerfielen, der Leib zum
Skelett abmagerte, und die Zeichen des Todes sich meldeten. Ihr
Anblick war zuletzt ein Bild des Jammers. Mutter und Schwester
litten großes Herzeleid um die einst so fleißige, talentvolle und
dankbare Tochter. In ihrem Kummer schlossen sie sich einer
christlichen Gemeinschaft an. Dort fanden sie den Heiland und
erlebten ihre Bekehrung. Inzwischen zeigten sich bei der
Kranken die Zeichen des Sterbens. In ihrer Not baten sie einen
gläubigen Bruder in die Wohnung. Er kam und sah das
furchtbare Elend. Erfahren in der Seelsorge und speziell
berufen, dämonisch Gebundene zu behandeln, erkannte er
sogleich die Ursache der Lähmung. In der eingehenden Beichte
kam auch die Bekanntschaft mit jener feinen Dame im
Ostseebad und das Lesen der okkulten Bücher zum Vorschein.
Auf die Erklärungen, daß diese Schriften satanisch inspiriert
sind, und daß die Leser derselben sich in die Hand finsterer
Mächte begeben, erkannte sie reumütig ihre Verirrung. Die
Sünde wurde vor Gott und unter das Blut Jesu gebracht. Da
mußten die bösen Geister ausfahren und ihren geplagten Leib
loslassen. Wenige Tage darauf jubelte sie im Gefühl völliger
Gesundheit und ging wieder zur Schule. Das gab ein großes
Verwundern, als die Unheilbare froh und heiter unter das
Kollegium trat. Sie hatte die Gewalt und Furchtbarkeit der Hölle
erlebt, aber auch die überschwengliche Gnade des Erbarmens
Jesu erfahren. Von Stund an war sie eine überzeugte eifrige
Jüngerin des Herrn und bezeugte Christus vor jedermann.
Ströme lebendigen Wassers gingen von diesem Gotteskind aus.
Ich selbst war stets ergriffen von der Freudigkeit ihres
Zeugnisses und Bekennens. - B. Reichelt

Vom Bann des Besprechens befreit


Im Alter von elf Jahren bekam ich eine bösartige Flechte, die
immer größer wurde. Meine Eltern hatten viel Geld an die Ärzte
gehängt, ohne daß wir Hilfe finden konnten. Da machte ein Arzt
meine Eltern auf einen Besprecher aufmerksam, der ein
Spezialist für Hauterkrankungen war. Meine Eltern brachten
mich zu ihm. Innerhalb von zwei Tagen war ich meine Flechte
los. Von dieser Zeit an litt ich aber unter einer merkwürdigen
Unruhe. Spiritisten entdeckten an mir starke mediale Kräfte und
wollten mich als Medium in ihre Zirkel haben. Auch entwickelte
sich die Eigenart, daß sich die Beschwerden der Menschen
meiner Umgebung auf mich übertragen konnten. Ich fing
sozusagen alles auf. Seit dieser merkwürdigen magischen
Behandlung war ich ein regelrechter Unglücksrabe. Mit zwölf
Jahren bekam ich eine Hüftgelenkentzündung. Mit vierzehn
Jahren litt ich unter einer furchtbaren Furunkulose. Mit fünfzehn
Jahren wurde ich das Opfer einer Explosion. Ich erlitt große
Verbrennungen. Mein ganzes Gesicht war entstellt. Außerdem
verlor ich mein Augenlicht, was das Schwerste war. Der
Augenarzt erklärte, meine Augen wären nicht zu heilen, und ich
müßte blind bleiben. Mein Vater war in dieser Zeit ganz
verzweifelt. In seiner Not warf er sich auf die Knie und schrie zu
Gott, er möchte mich doch lieber heimholen, als daß ich als
Blinde durchs Leben gehen müßte. Gott hat das Gebet des
Vaters in doppelter Weise erhört. Ich wurde nicht in die Ewigkeit
abgerufen und mußte auch nicht blind bleiben. Diese vielen
Erkrankungen, die meine Eltern ein halbes Vermögen kosteten,
hatten ihre Segensseite. Ich selbst fing an, ernsthaft Christus zu
suchen. Ich legte ein Gelübde ab und versprach, mich ganz der
Reichgottesarbeit zu widmen, wenn Gott mir das Augenlicht
zurückgeben würde. Im Alter von dreiunddreißig Jahren durfte
ich Christus als meinen Herrn erleben. Seit dieser Zeit war die
Unglückskette der Belastungen und Erkrankungen wie
abgebrochen. Das volle Augenlicht wurde mir zurückgeschenkt.
Ich hielt mein Gelübde. Zuerst begann ich, ehrenamtlich
christliche Blätter und Traktate auszutragen. Überall, wo es mir
geschenkt war, wies ich die Menschen auf Jesus hin. Dann
stellte ich mich für den landeskirchlichen Dienst zur Verfügung:
im Hilfswerk, in der Inneren Mission, in der Krankenpflege, in der
Seelsorge an gefallenen Frauen und Mädchen. Mein Tagewerk
war völlig ausgefüllt für Jesus. Es fehlte natürlich nicht an
Anfechtungen und Anfeindungen. Manche hielten mich für einen
Schwärmer. Sie begriffen nicht, daß man aus Dankbarkeit Jesus
gegenüber sein ganzes Leben einsetzen kann.
Trotz meiner Entstellungen im Gesicht, die durch die damaligen
Verbrennungen verursacht waren, hielt ein gläubiger Mann um
meine Hand an. Wir heirateten. Das Verhältnis zu Christus wurde
durch die Heirat nicht getrübt. Mein Mann starb früh an den
Folgen des ersten Weltkrieges. Mein Sohn ist in Rußland im
zweiten Weltkrieg verschollen. Ich selbst lebe immer noch durch
die Gnade Gottes. Wunderbar bin ich durch alle Schwierigkeiten
hindurchgetragen worden. Das Geheimnis meines Lebens ist
der verborgene Umgang mit dem Herrn, der mich täglich
durchträgt und mir immer neu darreicht, was ich brauche für den
inneren und äußeren Menschen. Es geht in unserem Leben nicht
allein darum, daß wir dem Herrn Frucht bringen, sondern selbst
durch seine Gnade und durch seinen Geist als Frucht für ihn
ausreifen. - Frau N.

Bei der seelsorgerlichen Führung okkult Belasteter ist es oft ein


erschwerendes Moment, daß die Betroffenen von der
Entstehung ihrer Belastung nichts wissen. Wie oft werden
Kleinkinder besprochen, manchmal sogar ohne Wissen der
Eltern. Diese Unglücklichen nehmen dann eine schwierige
charakterliche Entwicklung, leiden unter extremen Neigungen
und wissen nicht um deren Ursachen. Und doch gibt es für sie
Hilfe. Die Gnade Jesu Christi reicht aus, um allen Gebundenen
und Gefangenen die Tür zur Freiheit zu öffnen. Solche
Befreiungen aus dem Bann des Besprechens sollen hier
berichtet werden.

Den Gebundenen die Lösung


Eine Frau wurde als zweijähriges Kind gegen eine
Kinderkrankheit besprochen. Später nahm sie eine eigenwillige
Entwicklung, war schwer erziehbar und sehr verwildert. Bei
einer Evangelisation sprach der Redner einmal über die Formen
der okkulten Belastungen. Sie verstand plötzlich ihren eigenen
Zustand und sprach sich seelsorgerlich aus. Die Gnade Gottes
ermöglichte es ihr, das Werk der Erlösung im Glauben zu
fassen. Sie lieferte ihr Leben Christus aus und durfte völlig
freiwerden.

Den Gefangenen die Freiheit


Eine 64jährige Frau aus M. berichtete, daß sie als Kind von
einem Besprecher der Lüneburger Heide gegen Läuse
besprochen worden war. Die Läuse verschwanden sofort. Dafür
aber stellten sich andere Beschwerden ein wie Schlaflosigkeit,
Nervosität, Unruhe, Reizbarkeit, schwere sexuelle Anfechtungen
und anderes. Sie war durch den Besprechungsvorgang auch
medial geworden. Sie fing alles auf, was ihre Umgebung erlebte.
Bei einer Evangelisation wurde sie vom Wort Gottes getroffen.
Sie sprach sich seelsorgerlich aus. Es wurde ihr geschenkt, daß
der Geist Gottes ihre mediale Veranlagung überwand. Der große
Befreier war in ihr Leben getreten.

Die Gnade schlägt durch


Ein junger Mann in T. berichtete mir in der Seelsorge folgendes.
Sein Urgroßvater hatte das 6./7. Buch Moses besessen. Er
betrieb damit die schwarze Kunst. Er konnte alle Krankheiten an
Menschen und am Vieh heilen. Er verfolgte seine Feinde oder
wehrte sie ab. Nach den Regeln dieses Buches entfaltete er
unheimliche Kräfte, mit denen er den Menschen, die nicht an
Christus glaubten, schaden konnte. Bei den Jüngern Jesu kam
er mit diesen finsteren Machenschaften nicht durch. Am echten
Christusglauben fand er die Grenze seines Einflusses. Eines
Tages erhängte sich dieser Zauberer. Der Großvater meines
Berichterstatters übernahm das Zauberbuch des Selbstmörders
und wurde damit ein bekannter Besprecher, der von vielen
Menschen um Hilfe angegangen wurde. Auch das Leben dieses
Besprechers endete am Strick. Dann übernahm seine Schwester
die okkulte Literatur und experimentierte damit. Ihr Ende war
genau so schrecklich wie das der anderen Zauberer. Auch sie
erhängte sich. Die Mutter des Berichterstatters war eine gottlose
Frau. Es ist ja ein charakteristisches Symptom der
Besprecherfamilien, daß es entweder unheimlich gottlose
Menschen sind oder, sofern weiße Magie getrieben wird,
pharisäische, heuchlerische Naturen. Aus solch einer schwer
belasteten Ahnenreihe stammt dieser junge Mann, der anläßlich
einer Evangelisation bei mir in der Seelsorge war. Er legte eine
Generalbeichte ab und durfte durch die Gnade Gottes ganz
zurechtkommen. Alle Bindungen und Belastungen der Vorfahren
fielen bei der Übergabe seines Lebens an Jesus von ihm ab. Die
verheerenden Auswirkungen der Familientradition hörten auf.
Durch das Wirken des Heiligen Geistes war er ein neuer Mensch
geworden. Wenn Satan gezeigt hat, was er im Leben des
Menschen verwüsten kann, so beweist Christus noch viel mehr,
was seine Gnade vermag.
Wir leben in dem Bereich des Fürsten dieser Welt. In diesen
Bereich ist aber ein noch Stärkerer einge¬brochen. Ein kleines
Häuflein schart sich um diesen Sieger. Dieser kleinen Schar ist
der Sieg verheißen: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde, es ist
eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben." Alle
Seelsorge an okkult Belasteten hat dieses hoffnungsvolle
Vorzeichen, daß alle Gewalt und Macht dem Mann von Golgatha
gegeben ist. Und diese Macht teilt er den Seinen mit: “Sehet, ich
habe euch Macht gegeben über alle Gewalt des Feindes, und
nichts wird euch beschädigen“ (Luk. 19. 10).
2. Die Beichte.

Es kann sich bei der Seelsorge an okkult Belasteten nur darum


handeln, daß sie den Weg zu Jesus finden. Die Medizin, die
Psychologie und die Theologie hat solchen Menschen keine
Hilfe zu bieten. Sie haben lediglich ihre Bedeutung darin, daß sie
teilweise das Rüstzeug bieten, Krankheit von Belastung zu
unterscheiden. Ich sage ausdrücklich teilweise, da die letzte
Unterscheidung nur dem möglich ist, dem vom Heiligen Geist
die Augen geöffnet worden sind. Hier gilt wie überall: "Der
natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes", auch
wenn er Mediziner, Psychologe oder Theologe ist. Die beste
Voraussetzung für den Seelsorger auf diesem besonderen
Gebiet ist die möglichst gründliche wissenschaftliche
Zurüstung, verbunden mit einem kindlichen Glauben und der
Erfüllung mit dem Heiligen Geist.
Ein entscheidender Punkt auf dem Weg zu Jesus hin ist die
Beichte. Das lateinische Wort occultus heißt verborgen, geheim.
Okkult belastet sein heißt, im Verborgenen, im Finsteren stehen.
Beichten heißt, vom Finsteren ins Licht treten. Das
Finsternisreich steht unter Satans Gewalt. Gott aber hat uns
errettet von der Obrigkeit der Finsternis (Kol. 1, 13). Die Beichte
darf nicht gesetzlich gehandhabt werden. Sie ist keine
Forderung, sondern eine Hilfe. Sie kann im Bekenntnis der
ganzen Gemeinde vor dem Abendmahl erfolgen oder in der
privaten Aussprache. Ein Freiwerden von okkulten Bindungen in
der allgemeinen Beichte ist mir bis jetzt allerdings noch nicht
bekannt geworden. Grundsätzlich müßte das aber möglich sein,
da die Gnade Gottes stärker ist als alle äußeren Formen. Der
gewöhnliche Weg bei okkulter Belastung ist die persönliche
Aussprache vor einem Seelsorger. Die Beichte beschränkt sich
nicht auf die okkulten Verfehlungen, sondern soll eine
Generalbeichte sein. Auch hier wiederum sei es vermerkt, daß in
der Beichte keine gesetzliche Drängerei aufkommen darf. Es hat
keinen Sinn, dem Heiligen Geist das Amt abnehmen zu wollen.
Es ist für die Beichte eine Hilfe, wenn der Seelsorger während
des Beichtens innerlich stets um das Wirken des Heiligen
Geistes bittet und alles, was er hört, nicht an sich heranläßt,
sondern sofort unter dem Kreuz ablädt. Es sollen ja keine
Übertragungen erfolgen im Gegensatz zur Psychoanalyse, bei
der manche Ärzte bewußt Übertragungen von den Patienten auf
sich einleiten und später bei eintretender Heilung wieder
abbauen.
Nun sollen einige Beispiele die Frage der Beichte
unterstreichen. Es muß wiederholt werden, daß nur solche
Erlebnisse berichtet werden, für die eine Genehmigung vorliegt.
Das Beichtgeheimnis wird also nicht verletzt.

Der Bann des Spiritismus gebrochen


Eine 74jährige Frau, die schon jahrelang unter das Wort Gottes
ging, konnte trotz eifrigen Suchens keine Gewißheit der
Vergebung finden. Sie hatte stets das Gefühl, zwischen Gott und
ihr wäre eine undurchdringliche Wand. Anläßlich einer
Evangelisation kam sie zur Aussprache und b e i c h t e t e alles,
was ihr in ihrem Leben als Sünde bewußt geworden war. Sie
erzählte auch, daß sie als junges Mädchen als
Gesellschaftsspiel oft das Tischrücken mitgemacht hätte. Sie
sah diesen Vorgang als harmlos an, zumal auch gelegentlich
eine Pfarrfrau daran teilnahm. Nach der Beichte konnte sie nach
einem Lossagegebet die Vergebung fassen und glauben, daß
nun auch ihr Leben Christus gehört.

Vom Sieg des Namens Jesu


Ein Landesvertrauensmann des Pfarrergebetsbundes lud mich
zu einer Pfarrerkonferenz ein. Mein Fachgebiet "Die
seelsorgerliche Führung okkult belasteter Menschen" sollte
besprochen werden. Die Konferenz war sehr gut besucht. Aus
allen Teilen dieser ausländischen Provinz waren Pfarrer
angereist. Überraschenderweise nahmen auch zwei Herren der
Kirchenleitung daran teil. Nach der ganztägigen Konferenz
unterhielt sich einer der beiden Herren längere Zeit mit mir. Er
berichtete folgendes:

"Was ich Ihnen erzähle, liegt schon einige Jahre zurück. Es wird
Sie aber dennoch freuen. Vor einigen Jahren hatten Sie am Sitz
unserer Kirchenleitung zwei Vorträge im Festsaal der Stadt. Eine
Frau, die vorher jahrelang in Behandlung bei Psychiatern und
Psychotherapeuten war, hatte Sie bei diesen Vorträgen gehört.
Sie hatte die Absicht, Sie hinterher seelsorgerlich zu sprechen.
Sie kam aber nicht durch, weil Sie von Menschen umringt waren.
Am nächsten Tag erschien sie bei mir und berichtete, sie hätte
durch die beiden Vorträge gemerkt, um welche Belastungen es
in ihrem Leben ginge, und warum die Ärzte ihr bisher nicht
helfen konnten. Dann gab sie Bericht über ihr ganzes Leben. Es
war offensichtlich, daß in ihrem Leben schwere okkulte
Belastungen vorlagen. Sie war in einem Haus aufgewachsen, in
dem alle Kinder bei Krankheitsfällen besprochen wurden. Nicht
genug damit, die Großmutter selbst war Kartenlegerin und hatte
viele Kundinnen aus Stadt und Land. Die Berichterstatterin
selbst hatte von ihrer Großmutter das Kartenlegen gelernt und
es auch schon ausgeübt. Um das Maß voll zu machen, wurde
auch Totenzauber getrieben. Als Beispiel sei erwähnt: ein
kleines Kind, das ein Muttermal hatte, wurde auf ihren Rat in ein
Sterbehaus geführt. Die Hand des Toten wurde über das
Muttermal gestrichen und dabei ein magischer Spruch gesagt.
Somit hatte die berichtende Frau nicht nur passive Belastungen
durch die Zauberei ihrer Eltern und Vorfahren, sondern auch
aktive Belastungen durch die eigene Betätigung auf dem Gebiet
der Magie. Bei dem Bericht dieser Frau wurde es mir fast übel.
Bei dieser Seelsorge war ich froh, durch Ihr Buch "Seelsorge
und Okkultismus" orientiert zu sein. Ich hätte sonst kaum
gewußt, was ich mit dieser Frau hätte tun müssen. Ich wies
diese Belastete auf Christus hin als den alleinigen Helfer auf
dem Gebiet der Zauberei. Die Frau legte eine Generalbeichte ab.
Ich sprach ihr die Vergebung zu und betete nach Anweisung des
Buches das Lossagegebet mit ihr. Ich wies sie auch auf die
Gnadenmittel der Gemeinde Jesu Christi hin (Apg. 2, 42). Es war
für mich eine große Freude, als nach einigen Tagen die Frau
wiederkam und freudestrahlend berichtete, daß sie seit dem
seelsorgerlichen Gespräch von all ihren Depressionen,
Selbstmordgedanken, nervösen Störungen und anderen
Belastungen frei war. Ich hatte auch die Möglichkeit, seit Jahren
diese Frau im Auge zu behalten. Durch die Gnade Gottes durfte
die Frau bis jetzt frei bleiben." O. B.

3. Die Absolution

Die Beichte ohne die im Glauben erteilte und erfaßte Absolution


(Zuspruch der Vergebung) bleibt auf halbem Weg stecken. Beim
Erfassen der Vergebung stellen sich manchmal die
Resistenzphänomene (Widerstand gegen alles Göttliche) ein.
Der Beichtende kann nicht glauben. Er ist gehemmt. Hier zeigt
sich die Auswirkung eines okkulten Bannes, wenn nicht noch
andere Störungen etwa eine seelische Erkrankung vorliegen.
Beim Nichtglaubenkönnen und damit einer verhinderten
Befreiung müssen spezielle Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden.
a) Hat die Unfähigkeit zu glauben eine Erkrankung als
Hintergrund, so muß eventuell ein Facharzt zu Rate gezogen
werden. Depressive, Neurotiker, Psychopathen, Psychotiker und
andere haben es oft recht schwer zu glauben.
b) Liegt die Unfähigkeit zu glauben in einer allgemeinen
Lebenshemmung, einer geistigen Schwerfälligkeit oder einem
Abgestumpftsein durch jahrelanges Drauflossündigen, so kann
dem Beichtenden eine Brücke gebaut werden. Manchmal
verwende ich folgendes Gleichnis zur Überbrückung. "Nehmen
wir an, Sie haben in Amerika einen reichen Onkel, der auf
Besuch kommt. Er bringt Ihnen ein wertvolles Reisegeschenk
mit. Nehmen Sie es an?" Gewöhnlich antwortet der Beichtende:
"Ja." "Nun steht Christus vor Ihnen, der Sie reich beschenken
will. Er hat Ihnen unvergleichlich mehr zu bieten, nämlich
Vergebung aller Schuld, ewiges Leben, Frieden mit Gott.
Nehmen Sie das an?" Durch solche oder ähnliche Gleichnisse
werden manchmal die Glaubensnöte überbrückt.
Welche befreiende und entspannende Macht in dem Zuspruch
der Sündenvergebung liegt, soll an einem Beispiel gezeigt
werden.

Die Ketten gesprengt


Eine Frau, 40 Jahre alt, berichtete in der Seelsorge folgendes.
Als vierjähriges Kind wurde sie ohne Kenntnis ihrer gläubigen
Eltern von einer Tante besprochen. Schon als Kind hatte sie den
Trieb zum Selbstmord. Einmal hatte sie dazu alles vorbereitet
und wartete nur auf einen günstigen Augenblick. In dieser
Stunde lag ihre gläubige Mutter auf den Knien, weil sie den
unheimlichen Geist der Tochter spürte. Schließlich fragte die
Mutter ihre Tochter: "Was hast du eigentlich vor? Hüte dich und
gib dich nicht dem Teufel in die Hand."
Ihre Mutter hatte sie also noch zur rechten Zeit gewarnt. Die
Tochter suchte dann eine gläubige Schwester auf und beichtete
ihr. Die Schwester las mit ihr dann viele Bibelstellen, die von der
Vergebung der Sünden handeln. Dann wandte sie sich der
bekümmerten Frau zu und erklärte: "Das alles gilt auch dir. Der
Herr hat dir alle deine Sünden vergeben." Dann betete die
Schwester noch ein Lossagegebet und legte ihr auch die Hände
auf. Der Zuspruch der Vergebung übte auf die bisher belastete
Frau eine große Befreiung aus. Der Trieb zum Selbstmord kam
nie wieder.
Damit dieses Beispiel niemand zum Verhängnis wird, sei noch
vermerkt, daß die Handauflegung bei okkult Belasteten sonst
nicht üblich ist. Ohne einen besonderen göttlichen Auftrag sollte
man sich hier einer Zurückhaltung befleißigen. Nicht umsonst
warnt Paulus 1. Tim. 5, 22: "Die Hände lege niemand zu bald auf;
mache dich auch nicht teilhaftig fremder Sünden."

4. Das Lossagegebet

Kommt man mit dem Zuspruch der Vergebung nicht zum Ziel,
das heißt, kann der Belastete einfach nicht daran glauben, so ist
ein Lossagegebet zu erwägen. Das Lossagegebet darf nicht als
Formel oder nur als leeres liturgisches Stück benützt werden.
Zaubereisünden werden nicht durch eine Art fromme Magie
überwunden. Das Lossagen ist in der christlichen Kirche schon
seit der Urgemeinde bekannt und geübt worden. In der
Seelsorge an okkult Belasteten spielt es eine wichtige Rolle. Das
Lossagen zusammen mit dem Seelsorger ist eine vor Gott
vollzogene Kündigung des Vertrages mit der Finsternis. Jede
okkulte Betätigung war ja ein Bündnis mit dämonischen
Mächten.
Dr. Lechler schreibt in seinem Artikel "Wie treten wir dämonisch
Gebundenen gegenüber" folgendes: "Durch das Absagegebet
soll Satan wissen, daß der Gebundene gewillt ist, sich aus
seinen Fesseln zu lösen, ihm nicht weiter zu gehorchen, und daß
er deshalb sein Anrecht auf den Gebundenen aufgeben muß. Ein
solches Absagegebet zu sprechen ist für den Gebundenen
vielfach mehrere Male erforderlich, da er zunächst immer wieder
dazu neigt, Satan sein Ohr zu leihen und seinen Verführungen
nachzugeben." ("Der Gärtner" 1959, 4)
Einige Beispiele sollen die Wahrheit des Lossagens
unterstreichen.
Überwundener Fluch
Pfarrer M. von N. hatte eine Frau in der Seelsorge, die jahrelang
spiritistisches Medium war. Die Frau war verheiratet. Die ersten
drei Kinder wurden entweder tot geboren oder starben wenige
Tage nach der Geburt. Die jungen Eheleute wünschten sich
sehnlichst ein Kind. Diese Not brachte sie in die Seelsorge. Sie
beichtete, sagte sich von ihren finsteren Mächten los und
übergab ihr Leben Christus. Das vierte Kind war dann ein
gesundes Kind, das am Leben blieb.

Entlastung
Der Prediger einer Gemeinschaft kam zu einer seelsorgerlichen
Unterredung. In seinem Elternhaus wurde das Tischrücken
gepflegt. Er selbst nahm als Kind stets daran teil. Als er
heranwuchs, stellten sich schwere Störungen seines
Seelenlebens ein. Er hatte Anfechtungen zum Selbstmord und
wurde sehr jähzornig. Es stellten sich mediale Gaben, vor allem
die Fähigkeit des Wahrträumens und des zweiten Gesichts ein.
Mit 14 Jahren hatte er den ersten Wahrtraum, der sich seinem
Gedächtnis einprägte. Er sah ein Haus, in dem ein Toter
eingesargt wurde. Nach der Schulentlassung kam er in die Lehre
zu einem Tischler. Er erkannte sofort, daß das Haus seines
Meisters das Haus des Traumes war. Einige Monate später starb
in dem Haus ein Mensch. Als Tischlerlehrling half er beim
Einsargen. Die Situation war so, wie er es im Traum
vorausgesehen hatte. Während des Krieges war er an der Front
und hatte dort viele Träume von fallenden oder sterbenden
Kameraden, die sich alle erfüllten. Einmal sah er sich selbst in
einer bedrohlichen Situation. Nach dem Traum sollte er
erschossen werden. Auch diese Gefahr trat ein. Mit knapper Not
wurde er vom Tod errettet. Seine Tante und eine andere
Verwandte hatten ebenfalls Wahrträume und Vorschaugesichte.
Bemerkenswert ist, daß diese Vorschaugesichte in einem
Zustand mangelnder Konzentration gegeben wurden. Es war
fast wie ein Schauen aus dem Unterbewußtsein. Im Zustand
stärkster geistiger Konzentration hatte er keine
Vorschaugesichte. Manchmal beobachtete er auch Tote in
Häusern oder auf den Straßen, die schon längst gestorben
waren.
Mit 21 Jahren fand er den Weg zu Christus. Er beichtete und
konnte im Glauben die Vergebung aller Schuld fassen. Daraufhin
nahmen die Träume rasch ab, und die Vorschauerlebnisse
verschwanden. Doch war er immer noch nicht frei. Er spürte
keinen Zug zum Wort Gottes und wurde manches Mal jähzornig.
Diese Belastungen blieben auch, als er seine Ausbildung als
Prediger erhielt und in die Reichgottesarbeit trat. Dieser Zustand
führte ihn zu mir in die Seelsorge. Bei seiner damaligen
Bekehrung hatte er noch keinen Blick für seine medialen
Belastungen. Auch der betreffende Seelsorger konnte ihn darin
nicht richtig beraten und führen. Nachdem der okkulte
Fragenkreis im Gespräch geklärt war, beteten wir zusammen ein
Lossagegebet. Sein inneres Blockiertsein dem Wort Gottes
gegenüber ging daraufhin zurück.

Lästergeister werden verjagt


Ein Mann aus T., 45 Jahre alt, berichtete, daß er ganze
Jahrgänge der Zeitschrift "Die weiße Fahne" (okkulte Zeitschrift)
in seinem Hause hätte. Er meinte, das wäre ein christliches Blatt.
Gleichzeitig bekannte er, daß er nicht richtig zum Glauben
durchdringen könnte. Manchmal würde er in sich ein lästerliches
Lachen hören. Er legte eine Generalbeichte ab, sprach mit mir
ein Lossagegebet und durfte von dem lästerlichen Lachen frei
werden.

Zu dem letzten Beispiel ist noch zu sagen, daß solche


Lästerstimmen nicht immer ein Zeichen einer okkulten
Belastung sein brauchen. Sie können auch ein Symptom einer
Zwangsneurose oder einer skrupulösen Übergewissenhaftigkeit
sein. Gerade sehr feinfühlende und ängstliche Menschen
können eine Umkehrung ihrer Versündigungsangst erleben. Sie
hören Flüche und Lästerstimmen in sich, die dann nur Zeichen
einer seelischen Schwäche oder Krankheit sind.

Da man es in der Seelsorge immer wieder erleben darf, daß


Belastete durch eine Schrift oder durch einen seelsorgerlichen
Brief den Weg zur Freiheit finden, sollen einige mögliche
Formen des Lossagegebetes hier wiedergegeben werden. Seit
fast zweitausend Jahren wird in der christlichen Kirche
folgendes Lossagegebet benützt: "Ich entsage dem Teufel und
allen Werken der Finsternis und verschreibe mich Jesus
Christus, meinem Herrn und Heiland." Manche Evangelisten
lassen auch in direkter Weise beten: "Im Namen Jesu Christi,
des Sohnes Gottes, sage ich mich von dir, Satan, los, und ich
verschreibe mich Jesus Christus, meinem Herrn, für Zeit und
Ewigkeit. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes." Oft fragen mich auch Eltern, die ihre Kleinkinder haben
besprechen lassen, in welcher Weise sie sich mit den Kindern
zusammen lossagen dürften. Wenn die Eltern über ihrer
Zauberei Buße getan haben und sie beide das Lossagegebet
sprechen, so dürfen sie einfach ihre Kinder mit einschließen:
"Im Namen Jesu Christi, des Sohnes Gottes, sagen wir uns mit
unseren Kindern von dir, Satan, los, und wir...“

Da Irrtum, Mißverständnisse und Mißbrauch möglich sind,


müssen folgende Abgrenzungen hier hervorgehoben werden.
Das Lossagegebet hat niemals den Sinn einer magischen
Abwehrformel. Gebet und Magie stehen sich total entgegen,
obwohl die Magie im Gewand des Gebetes und Gebete in
magischer Verzerrung auftauchen können. Ferner hat ein
Lossagegebet ohne vorherige Beichte und die Übergabe des
Lebens an Christus keinen Sinn. Wenn das Lossagen
mißbräuchlich geübt wird, treten hinterher manchmal noch
stärkere Anfechtungen auf als vorher da waren. Es gibt kein
Freiwerden durch den "technischen" Vollzug christlicher
Bräuche. Das Loswerden ist immer ein Akt der Gnade Gottes.

5. Das Lossprechen

Das Lossprechen gehört zur Vollmachtsfrage. Ihren Ursprung


hat dieser Dienst in dem Wort Jesu (Mt. 18, 18): "Was ihr auf
Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein." Gerade an
dieser Stelle wird sichtbar, wie wenig eine charismatische
(geistgewirkte) Seelsorge Schablone, Technik, Ritus, äußere
Form sein kann. Hier ist äußerste Behutsamkeit und strenges
Achten auf die Fußspuren des großen Schrittmachers geboten.
Wie leicht kann das Lossprechen zur angemaßten Vollmacht
werden. Anmaßung in geistlichen Dingen schlägt immer ins
Ge¬genteil um. So haben die sieben Söhne des Hohen¬priesters
Skevas (Apg. 19, 13 f.) einen bösen Reinfall erlebt. Viel
schauerliche Anmaßung erlebte ich auch als Beobachter in
extremen, schwarmgeistigen Kreisen. Es konnte bei einer
solchen schwarmgeistigen Veranstaltung vorkommen, daß
hinterher dutzendweise kranke und belastete Menschen
losgesprochen wurden. Die gräßliche Ausbeute dieser Abende
hatten dann die Seelsorger, wenn diese armen losgesprochenen
Menschen weder frei, noch geheilt waren, sondern in um so
größeren Anfechtungen steckten.

Aller Mißbrauch des Lossprechens jedoch darf uns nicht den


Mut nehmen, uns in unerschütterlichem Vertrauen vom Herrn
führen zu lassen. Es gibt Belastungen, bei denen das
Lossprechen zu einer Befreiung des Belasteten führen kann.
Das tritt vor allem da ein, wo Belastete unter der Suggestion und
unter dem Bann irgendeines magischen Zuspruchs stehen. Eine
solche Suggestion läßt sich nach vorangegangener Beichte
manchmal durch den Zuspruch der Vergebung und durch das
Lossprechen zerschlagen. Der Seelsorger muß aber bei solchem
Handeln unter Geistesleitung stehen. Er darf nur handeln, wenn
der Herr das Kommando dazu gibt. Ein Beispiel soll das zeigen.

Abgebaute Suggestion

Ein Mädchen war bei einer Kartenlegerin und erhielt dort


folgende Auskunft: "Sie werden zweimal verlobt sein. Der erste
Mann fällt im Krieg, der zweite läßt Sie im Stich. Sie werden ein
uneheliches Kind haben und mit 54 Jahren sterben." Die
betreffende Person war in der Seelsorge und erklärte, es wäre
bis jetzt alles eingetroffen. Hier bei dieser Prophezeiung ging
also echte Wahrsagerei und Suggestion durcheinander. Nun
stand diese Frau in der großen Sorge, auch das letzte Stück
dieser Voraussage würde sich erfüllen. Der Hinweis, daß unser
Leben in der Hand Gottes steht, brachte der Frau noch keine
Lösung von ihrer Angst. Schließlich war die Belastete bereit,
eine Beichte ihres ganzen Lebens abzulegen. Es wurde ihr
geschenkt, sich Christus ganz anzuvertrauen. Das Lossagen der
Frau und das Lossprechen des Seelsorgers löste die düstere
Prophezeiung auf. Sie wurde in Zukunft nicht mehr davon
gequält.

Dieses Beispiel zeigt wie viele andere, daß die Kinder des
Teufels immer den Mut haben, Menschen mit ihren entsetzlichen
Zusprüchen zu belasten. Die Kinder Gottes dagegen bringen
gewöhnlich nicht den Mut auf, im Vertrauen auf den Herrn
solche Gebundenen loszusprechen. Ist das nicht ein
Armutszeugnis für unsere Sache und eine Beleidigung unseres
Herrn? Wir nehmen es einfach als unabänderlich hin, den
Dämonen das Feld zu überlassen. Allerdings gilt die
Einschränkung, wenn das Lossprechen nicht aus einer vom
Herrn geschenkten Vollmacht heraus geschieht, ist es
abzulehnen.

6. Das Gebieten im Namen Jesu

Wir betreten hier eines der heiß umstrittensten Gebiete der


Seelsorge. Es handelt sich um den sogenannten Exorzismus,
die Austreibung der bösen Geister und Dämonen. Es liegen
religionsgeschichtlich mehr verzerrte als echte Formen vor. Es
gab schon in der vorchristlichen Zeit den heidnischen und
jüdischen Beschwörungsexorzismus. Die christliche Zeit zeigt
genau die gleichen Entartungen. Dazu kommen noch die
Zerrformen der christlichen Kirche selbst. Die katholische
Kirche besitzt exorzistische Riten, die in der Praxis zu
unbiblischen Demonstrationen geworden sind. Auch in der
Seelsorge schlecht ausgebildeter Seelsorger gibt es
Austreibungen, die nur neue Belastungen hervorrufen. Wenn ein
schlichter Laienbruder bei einem gemütskranken oder
geisteskranken Patienten die Teufel austreiben will, so ist das
nicht nur Unfug, sondern ein gefährliches Unterfangen. Der
Patient kann zu seiner Erkrankung dadurch noch eine
zusätzliche aufsuggerierte Besessenheitsidee bekommen. Von
den schauerlichen Vorgängen des Hexenbannens, wie wir sie
zum Beispiel in der Lüneburger Heide, aber auch sonst in vielen
anderen Gegenden vorfinden, brauchen wir nicht sprechen. Wer
Material sucht, findet das reichlich in dem Buch von Lehrer
Kruse “Hexen unter uns“.
Soll das alles uns den Mut nehmen, nach dem Wort Jesu zu
handeln? Nein, das hieße wiederum, den Dämonen das Feld
überlassen. Der Teufel darf uns das Wort Gottes nicht
verdunkeln. Auch in dieser Brandung irrgeistiger Strömungen
steht Jesus als der unerschütterliche Fels. Er hat das
Kommando in dem Brüllen und Toben finsterer Elemente. Der
Name des Herrn ist ein festes Schloß. So wie einst der junge
David im Namen des Herrn gegen den Riesen Goliath auszog (i.
S. 17. 45) und siegte, so kann der jünger Jesu den Kampf nicht
bestehen ohne den Namen des Herrn. Das Gebieten im Namen
Jesu ist kein frommer Zauber, sondern die Inanspruchnahme
einer Vollmacht, die der Herr denen schenkt, die ihm ganz
untertan sind. Es handelt sich hier wie beim Lossprechen um
eine geistliche Vollmacht, die der Herr seinen Jüngern zu allen
Zeiten gibt. Wir hören davon in Luk. 9,1 2; Luk. 10, 17; Apg.
16,18.
Es gibt gerade in der Seelsorge bei okkult Belasteten
Situationen, bei denen wir tapfer im Aufblick auf jesus in seinem
Namen das Panier aufwerfen dürfen. Zwei Beispiele aus meiner
Arbeit sollen das unterstreichen.

Der Lästerer wurde zum Beter

Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die Lästersucht nicht


immer ein Zeichen einer okkulten Belastung sein muß. In vielen
Fällen allerdings steht im Hintergrund, sei es bei dem Belasteten
selbst, sei es bei seinen Vorfahren, die Zauberei mit all ihren
Folgen. So kam eines Tages ein junger Mann zu mir und klagte,
er hätte eine starke Abneigung gegen alles Göttliche. Bei jeder
geistlichen Betreuung oder Beeinflussung würde ein Ekel in ihm
aufsteigen. Vier Aussprachen ergaben, daß ein antikirchlicher
Komplex vorlag. Dagegen stammte der junge Mann aus einer
Besprecherfamilie, in der kranke Menschen und kranke Tiere
besprochen wurden. Der Belastete fand sich bereit, alles Dunkle
aus seinem Leben auszupacken. Als ich mit ihm beten wollte,
fing er wieder an zu lästern. Es blieb mir nichts anderes übrig,
als noch zwei gläubige Brüder zu Hilfe zu rufen. Wir beteten
gemeinsam mit ihm mit dem üblichen Erfolg, daß der Belastete
wieder zu lästern anfing. Nun war der Zeitpunkt gekommen, den
finsteren Mächten zu gebieten. Im Aufblick zum Herrn wagte ich
es mit großer Gewißheit, den dunklen Gewalten zu gebieten. Der
junge Mann hörte auf mit Fluchen, fing an zu beten und gab dem
Herrn die Ehre. Später suchte ich ihn wieder auf. Er ist noch auf
dem Weg des Herrn.

Fluchgeister kapitulierten

Bei einer Evangelisation suchte mich eine Frau auf, die seit
Jahren die Bibelstunden einer Gemeinschaft besucht. Sie litt
unter folgender Belastung. Wenn im Gebetskreis für sie gebetet
wurde, kamen furchtbar lästerliche Flüche aus ihrem Mund.
Zunächst lag für mich der Verdacht einer Zwangsneurose vor.
Die Patientin war sehr sensibel und stark religiös eingestellt.
Das Fluchen und Lästern stand also im Gegensatz zu ihrer
übrigen Haltung. Ich wurde während der Seelsorge selbst Zeuge
ihres furchtbaren Fluchens. Da ich mich dieser belasteten Frau
gegenüber einfach zu schwach und zu unfähig fühlte, bat ich
noch einige Brüder um ihren Beistand. Zuerst hatten wir zu zweit
eine Aussprache mit ihr und dann sogar zu fünft. Bei der
Aussprache und dem anschließenden Gebet kamen wieder die
gotteslästerlichen Flüche in einem Akzent, daß man meinen
konnte, es wären fremde Stimmen. Dem ältesten von uns
Brüdern wurde das zuviel, und er fragte wie Jesus bei dem
besessenen Gadarener (Mark. 5, 9): "Wer bist du?"
Erstaunlicherweise gaben die Lästerstimmen Antwort und
erklärten, sie wären ihrer sieben. Auf weiteres Befragen erhielt
der Bruder die Antwort, es wäre der Geist einer Großmutter, die
Zauberei getrieben hatte und der Geist eines anderen Vorfahren,
der im Alkoholdelirium gestorben war, in der geplagten Frau
anwesend. Ich selbst beteiligte mich an dieser schauerlichen
Unterhaltung nicht. Bis jetzt hatte ich noch nie die Freiheit,
solche geplagten Menschen in dieser Weise zu befragen.
Immerhin wurde bei dieser schwierigen Seelsorge deutlich, daß
wir eine besessene Frau vor uns hatten. Als wir die Hände zum
Gebet falteten, ging wieder das furchtbare Fluchen los. Nun
hatte ich genug. Im Aufblick auf Jesus gebot ich den
Fluchgeistern aufzuhören und zu weichen. Dann kam eine
Reaktion, die ich nicht erwartet hatte. Die Frau wollte mich an
der Jacke packen und brüllte mich an: "Du bist schuld, du bist
schuld, daß wir weichen müssen." Diese Ehre kam wahrhaftig
nicht auf mein Konto. Der Name Jesu wurde diesen
Fluchgeistern zu unbequem, so daß sie das Feld räumen
mußten. Es muß zur Vermeidung von Mißverständnissen
hinzugefügt werden, daß Besessenheitsfälle sehr selten sind.
Viel¬leicht sind unter 1200 bis 1800 Ratsuchenden, die im Lauf
eines Jahres den Evangelisten aufsuchen, im Höchstfall nur ein
oder zwei Besessene. Okkult Belastete und dämonisierte
Menschen gibt es allerdings in großer Zahl.

7. Der Gebetskreis

Für besonders schwierige Belastungen hat Jesus auch


besondere Hilfe zugesagt. In Matthäus 18, 19 sagt der Herr: "Wo
zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie
bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im
Himmel." Auf dem Gebet von kleinen Gebetskreisen liegt eine
größere Vollmacht als auf dem Gebet des einzelnen Seelsorgers.
Das beste ist, wenn zwei oder drei gläubige Menschen zwei
oder dreimal in der Woche zur Fürbitte für den Belasteten
zusammenkommen. Der Belastete kann dabei sein; es geht auch
ohne ihn. Dazu einige Beispiele.

Er sandte sie zwei und zwei

In einem mitteldeutschen Badeort kam eine Frau und beichtete


schwere Verfehlungen okkulter Art. In der Seelsorge kam ich
allein nicht durch. Ich bat sie, sich nach mindestens zwei
Jüngern Jesu umzusehen, die mit ihr mehrmals in der Woche
beten sollten. Diese kleine Gebetsgemeinschaft ist ihr geschenkt
worden. Als ich nach einem Jahr wieder in der Gegend dort
evangelisierte, erschien sie und erklärte, daß sie nun restlos frei
geworden wäre. Der Gebetskreis war fast ein Jahr mit ihr
zusammengekommen.

Der Heiland der Hoffnungslosen


Eine 30 jährige Frau wurde schwermütig. Sie verlor die Lust am
Leben und die Freude zur Arbeit. Kaum besaß sie noch die Kraft
zu Entschlüssen und Entscheidungen. Ihren Angehörigen wurde
sie zur großen Last. Trübsinn, Stumpfheit und doch wieder
große Selbstvorwürfe kennzeichneten ihren Zustand. Für ein
aufmunterndes Wort oder tröstlichen Zuspruch von seiten ihrer
Angehörigen und ihres Ortspfarrers war sie nicht mehr
empfänglich. Sie wähnte sich von Gott verstoßen und der Hölle
preisgegeben. Versündigungsideen plagten sie. Schlaflosigkeit
machten die Nächte zur Qual. Selbstmordgedanken
bemächtigten sich ihrer. Dem Ortsgeistlichen vertraute sie an,
daß sie am liebsten Selbstmord verüben würde, um ihre
Angehörigen von der großen Last zu befreien. Aber selbst zum
Selbstmord war sie nicht mehr fähig, weil alle Funktionen des
Willens und der Entschlußkraft beeinträchtigt waren.

Auf den Rat des Pfarrers brachten die Angehörigen die


Schwermütige zu einem Nervenarzt, der verschiedene
Beruhigungsmittel und nervenstärkende Drogen an ihr
ausprobierte. Die Behandlung war ohne Erfolg. Schließlich
entschloß sich ihre Familie, die großen Kosten für die
Unterbringung in einem Sanatorium aufzubringen. Dort erhielt
die Patientin zunächst einmal eine Reihe von Schocks. Nach
langer Behandlung kehrte sie ungeheilt in den Kreis ihrer
bekümmerten Familie zurück. Der Elendsweg ging weiter. Die
Kranke war ihren Betreuern eine große Sorge. Ihr Seelsorger
wurde es fast müde, ihr immer wieder tröstende Bibelworte
zuzusprechen und mit ihr zu beten. Nichts wollte bei der
Kranken helfen. Kein Bibelwort konnte sie mehr aufnehmen und
fassen. Zum Glauben und Beten war sie viel zu bedrückt und
gehemmt. Sie konnte tagelang vergrämt und stumpf in einer
Ecke des Zimmers sitzen. Dann wieder zerfleischte sie sich mit
Selbstvorwürfen und Selbstanklagen. Der behandelnde
Nervenarzt konnte ihren Krankheitszustand nicht erkennen, weil
die Merkmale und Kennzeichen der seelischen Erkrankung nicht
eindeutig waren. Die Kranke wurde auf seine Veranlassung in
eine Nervenheilanstalt überwiesen. Sie erhielt wiederum
Schocks mit dem gleichen Ergebnis wie das erste Mal. Nicht die
geringste Besserung war zu spüren. Es zeigte sich nur, daß die
Erinnerungsfähigkeit und die Gedächtniskraft der Patientin
rapide abnahm. Der apathische Zustand, eine völlige
Teilnahmslosigkeit an allem Geschehen, griff weiter um sich. Da
die Kranke nicht bösartig war, durften die Angehörigen nach
einer längeren stationären Behandlung die Kranke wieder
heimnehmen.

So verstrichen einige Jahre. Verschiedene Male wurde die


Kranke in die Heilanstalt eingeliefert, bis sie schließlich 48
Schocks erhalten hatte. Einer der Ärzte meinte einmal, die
Kranke wäre "verschockt", so daß neu entwickelte Medikamente
nicht mehr anschlagen würden. Die lange Krankheitszeit war für
die Angehörigen nicht nur eine schwere Prüfung, sondern auch
eine Zeit des Segens. Sie fingen wieder an, die Hände zu falten,
um bei dem Hilfe zu suchen, dessen Möglichkeiten nicht so
begrenzt sind wie die der Psychiater. Not lehrt beten. Die
verstaubte Traubibel wurde wieder vorgeholt. Der
Gottesdienstbesuch wurde reger. Ein Fragen und Suchen
entstand in den Herzen der Angehörigen. Da die Mittel zur Pflege
der Kranken erschöpft waren, und ihnen auch die ärztliche
Wissenschaft nicht die geringste Hilfe hatte bringen können,
entschlossen sich die Angehörigen, die Kranke ganz nach
Hause zu nehmen. In dieser Zeit kamen einige gläubige
Menschen des Ortes der bedrängten Familie zu Hilfe. Jede
Woche, am Samstagabend, versammelten sich einige treue
Christen zum Gebet in einem Zimmer der leidgeprüften Familie.
Diese Gebetsstunden wurden dann noch verstärkt, so daß
schließlich die Gebetsgruppe jede Woche zweimal in dem Haus
der Kranken zusammenkam. Ihre Absicht war nicht, Gott eine
Heilung abzunötigen, sondern dieser Familie durch Fürbitte
beizustehen, gleichzeitig aber auch Gott alles zuzutrauen.

Einige Monate verliefen in dieser Weise. Wieder war ein Samstag


gekommen. Acht Beter befanden sich im Zimmer der
Schwermütigen, die regungslos in einer Ecke saß. Ein Bruder
las zur Einleitung der Gebetsstunde Luk. 4, 18: "Der Geist des
Herrn ist bei mir. Er hat mich gesandt, zu verkündigen das
Evangelium, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein
sollen, den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen." Er
wiederholte im Blick auf die Schwermütige: "Den Gefangenen,
daß sie los sein sollen." Dann gingen die acht Beter auf die Knie
und befahlen die Kranke und all ihre Angehörigen der Gnade
Gottes. Ein großer Gebetsgeist bemächtigte sich der treuen
Schar. Sie hielten Gott alle Verheißungen der Heiligen Schrift vor
und wagten es, Gott kühn um eine Heilung der Kranken zu
bitten. Beim fünften oder sechsten Gebet sagte die Kranke, als
wieder ein Beter geendet hatte, ein halblautes Amen.

Ihre Angehörigen schauten sie erstaunt an. Seit langer Zeit war
das das erste Kennzeichen einer inneren Beteiligung der
Kranken. Die Beterschar ging an diesem Abend mit dem
Eindruck auseinander, daß der Herr in seiner Barmherzigkeit in
irgendeiner Weise nun einschreiten und helfen würde. Bald
zeigte sich, daß der Abend für den Zustand der Kranken eine
Wendung bedeutet hatte. Es ging rasch aufwärts mit ihr. Das
ausdruckslose Gesicht bekam wieder Spannung. Die Kranke
fing an zuzuhören und schließlich sich langsam wieder am
Gespräch zu beteiligen. Das Wunder geschah. Nach acht Jahren
schwerer Depressionen wurde die Patientin völlig geheilt. Und
was noch wichtiger ist, die Heilung hielt an. Sie ist heute wieder
ein fröhliches Menschenkind, das Christus die Ehre gibt. Ihr
großes Erlebnis ist die Erfahrung der Tatsache, daß Jesus den
Gefangenen die Befreiung gebracht hat. In ärztlicher Sicht wäre
diese Krankheit als eine schwere, endogene Depression zu
bezeichnen.

Werke des Teufels zerstört

Eine Frau im Alter von 54 Jahren berichtete mir zwei wunderbare


Glaubensheilungen aus ihrem Leben.
Im Alter von 10 Jahren hatte ihre Mutter sie wegen einer Flechte
zu einer Besprecherin gebracht. Nach der
Besprechungsbehandlung war die Flechte sofort verschwunden.
Seit dieser magischen Beeinflussung konnte das Kind nicht
mehr beten. Später, im Konfirmandenunterricht, bekam sie
manchmal beim Aufsagen von Gesangbuchversen Hemmungen,
so daß sie die Textworte nicht mehr herausbrachte, obwohl sie
die Verse gut gelernt hatte. Diese Hemmun¬gen traten
besonders bei Gesangbuchversen ein, die Gebetscharakter
trugen. Als Beispiel sei genannt: "Nun, was du Herr erduldet, ist
alles meine Last, ich hab' es selbst verschuldet, was du
getragen hast." Einige Jahre später kam sie als Mädchen
anläßlich einer Evangelisation zum Glauben an Christus. Es fiel
ihr ungeheuer schwer, das Heil im Glauben anzunehmen. Nach
ihrer Umkehr ging dann ein Höllentanz los, wie man es
manchmal bei besprochenen Menschen beobachten kann. Es
stellten sich hartnäckige Depressionen ein, die sie vor ihrer
Wende nicht hatte. Geruchs und Geschmackshalluzinationen
traten auf. Manchmal hatte sie das Gefühl, als ob der Leibhaftige
in ihrem Zimmer wäre. Nach diesem Empfinden nahm sie
jedesmal einen ekelhaften Schwefelgeruch wahr. Auch sexuelle
Anfechtungen stärkster Art stellten sich ein. Ohne Zweifel hätte
ein Psychiater alle diese Symptome für eine beginnende
Schizophrenie gehalten.

In diesem Zustand ging sie eine Ehe ein, ohne daß die
merkwürdigen Symptome nachließen. Einige Jahre nach der
Entbindung einer gesunden Tochter bemächtigte sich der
jungen Frau eine furchtbare Unruhe. Sie magerte ab und
entschloß sich schließlich zu einer gründlichen Untersuchung
durch einen Professor einer Universitätsklinik. Der Professor
zog einen zweiten Kollegen, einen Krebsspezialisten hinzu und
eröffnete der Frau, daß sie Krebs hätte. Der Professor war ein
gläubiger Christ und sagte ihr: "Es ist allerhöchste Zeit zur
Operation. Sie hat uns Gott hierher geführt, sonst wären Sie
verloren gewesen." Die Patientin konnte sich nicht sofort zur
Operation entschließen. Sie verständigte den Gebetskreis einer
landeskirchlichen Gemeinschaft, dem sie seit ihrer Bekehrung
angehörte. Die Schar dieser treuen Beter kam täglich zur
Fürbitte zusammen. Nach 14 Tagen stellte sie sich wieder den
beiden Professoren vor, die ganz überrascht eine Besserung
feststellen mußten. Die Operation war überflüssig geworden. Es
darf an dieser Stelle nicht unterlassen werden, darauf
hinzuweisen, daß bei starken Besprechungsheilungen, wie sie
die Berichterstatterin als 10jähriges Mädchen erlebt hatte, oft
verschiedene Krankheiten hinterher auftreten. Die Ärzte
diagnostizieren diese Krankheiten als organische Leiden. Solche
rasch auftretenden Erkrankungen können aber meistens durch
die treue Fürbitte eines Gebetskreises ohne ärztliche
Behandlung wieder überwunden werden. Wir haben hier ein
Parallelgebiet zu den psychogen verursachten Leiden, nur mit
dem Unterschied, daß diese Erkrankungen der Ausdruck einer
magischen Belastung sind und durch geistliche Betreuung und
Beeinflussung überwunden werden können. Es ist das ein
Gebiet, das von der Schulmedizin so gut wie nicht erfaßt ist, weil
unsere Psychiatrie den Bereich der medialen Veränderungen
noch nicht kennt und nicht anerkennt. Eine Ausnahme bilden
gläubige Psychiater, denen in der Seelsorge solche Fälle
begegnet sind.

Viele Jahre später zeigte sich bei der Berichterstatterin eine


neue Attacke. Ihre Tochter war inzwischen herangewachsen und
nach Amerika ausgewandert. Es war für die Mutter eine große
Freude, daß diese Tochter auch Christus fand und sich
entschloß, Missionarin zu werden. Die Mutter wurde eines Tages
von ihrer Tochter eingeladen, sie in Amerika zu besuchen. Nach
langen Beratungen entschloß sich die Mutter zu dieser Fahrt
nach Amerika. Einige Wochen schon dauerte der Aufenthalt, da
brach die Mutter eines Tages besinnungslos zusammen und
kam nicht mehr zum Bewußtsein. Sie wurde in ein Krankenhaus
eingeliefert. Der Arzt stellte einen Gehirnschlag fest. Neun Tage
lag die Patientin besinnungslos und mußte künstlich ernährt
werden. Inzwischen verständigte die Tochter einen Gebetskreis
ihrer Missionsschule. Täglich kamen diese gläubigen Menschen
zur Fürbitte für die Schwerkranke zusammen. Nach neun Tagen
erlangte die Schwerkranke das Bewußtsein zurück. Sie lag noch
einmal 16 Tage wie gelähmt und hatte kein Gefühl mehr im
Körper von der Hüfte bis zum Kopf. Nach dieser Zeit
verschwand die Gefühllosigkeit und Unempfindlichkeit der Haut.
Die Genesende unternahm Gehversuche. Nach verhältnismäßig
kurzer Zeit erlangte sie die volle Bewegungsfreiheit ihrer Glieder
wieder. Von dem Gehirnschlag blieb nicht die geringste
Nachwirkung zurück. Der Chefarzt erklärt ihr: "An Ihnen ist ein
Wunder Gottes geschehen, daß Sie diesen Gehirnschlag ohne
Lähmungserscheinung und ohne jegliche Beeinträchtigung
überstanden haben. Sie müssen sich aber in acht nehmen. Sie
haben noch 270 Blutdruck. Es besteht die Gefahr, daß eine
Wiederholung des Gehirnschlages eintritt." Aber auch diese
Prophezeiung ist nicht eingetreten. Der Blutdruck wurde wieder
normal. Der Gehirnschlag wiederholte sich nicht.
In der Seelsorge machte ich sie darauf aufmerksam, daß der
ganze Verlauf der Krebserkrankung und des Gehirnschlages
zeigte, daß es sich hier um eine Auswirkung jener
Besprechungsheilung in der Jugend handeln könnte. Auf diesen
Tatbestand weist auch hin, daß diese beiden schweren
Erkrankungen durch den Einsatz des Gebetskreises
überwunden wurden. Die Art der Erkrankungen und der
Heilungen ist ein Hinweis, daß hier im Grunde genommen eine
schwere okkulte Belastung vorlag, die durch Christus
überwunden wurde. Die Symptome solcher Erkrankungen sind
genauso gelagert wie echte organische Leiden. Darum ist die
Diagnose der betreffenden Ärzte durchaus richtig. Nur spielen
sich diese von den Ärzten als echte organische Krankheitsbilder
diagnostizierten Leiden im medialen Bereich ab. In diesem
medialen Bereich werden die Schalthebel von jemand anderem
bedient. Wir befinden uns hier im Raum der Mächte, die nur von
Menschen mit einem geistlichen Verständnis erfaßt werden
können. Diese Mächte lassen sich auch nur mit den Waffen einer
geistlichen Ritterschaft abwehren. Begreife es, wer es zu
begreifen vermag!

Wer die Beispiele dieses Buches vergleicht, mag vielleicht zu


dem Schluß kommen, daß hier sehr drastische oder sogar
grauenvolle Erlebnisse berichtet werden. Das kann unter
Umständen zu dem Gedanken Anlaß geben, als hätte jede
okkulte Belastung nur diese schreckliche Form. Vor diesem
Kurzschluß soll gewarnt werden. Es gibt Belastungen aller
Stufen und Schattierungen, von der leichten, negativ gerichteten
Medialität angefangen, bis hin zur reinen Besessenheit. Der
Grad, die Intensität der Belastungen ist durch mancherlei
Faktoren bestimmt. Jahrelang aktiv betriebene Beschäftigung
mit Spiritismus und Magie schafft schwere Bindungen, die nur
sehr schwer zu lösen sind. Eine Behandlung durch einen
schwach medialen Heilmagnetopathen verursacht Wirkungen,
die nicht so offensichtlich ins Auge fallen. Es gibt also
eindeutige Symptome und schwer zu erkennende Grenzfälle. Es
gibt okkulte Belastungen, die vom Betroffenen überhaupt nicht
erkannt werden und nur vom fachkundigen Seelsorger in
mühevoller Kleinarbeit erhellt werden können. Ob schwere oder
leichte Bindungen, gelöst werden sie allein durch die Hinkehr zu
Christus. Diese Christusentscheidung soll uns der betende,
tragende und kämpfende Bruderkreis erleichtern.

8. Beten unter Fasten

Schwer verschüttetes biblisches Gut ist das Beten und Fasten.


Als die Jünger über ihre Vollmachtslosigkeit klagten, sagte
ihnen der Herr das bekannte Wort Matthäus 17, 21: "Diese Art
fährt nicht aus denn durch Beten und Fasten." Bei uns
Evangelischen hat das Fasten einen merkwürdigen Klang. Das
hängt mit dem in der katholischen Kirche geübten
"verdienstlichen" Fasten zusammen. Der Mißbrauch soll uns
nicht zurückschrecken. In kleinen lebendigen Kreisen unserer
evangelischen Kirche wird in aller Stille auch noch unter Fasten
gebetet, wenn es gilt, einem schwer Belasteten zu helfen. Das
biblisch Feine daran ist, daß in der Öffentlichkeit nicht darüber
gesprochen wird. Fast scheue ich mich, es hier darzustellen. Es
gibt Kreise, die jeden Monat einen Gebetstag ansetzen. An
diesem Tag wird nichts gegessen. Morgens, ab 7 Uhr, kommen
einige Gläubige zusammen. Sie lesen ein Wort Gottes, dann
beten sie der Reihe nach alle Anliegen der Gemeinde durch. Tritt
eine Ermüdung ein, dann ruhen sie einige Minuten still aus.
Wieder wird eine Bibelstelle gelesen und weitergebetet. Dieser
Fürbittedienst gilt besonders den schwer Belasteten. Nicht jeder
kann den ganzen Tag bei solchem Fürbittedienst dabei sein. Für
manche ist das geistlich und physisch zu anstrengend. Es ist
keinem verwehrt, nach einigen Stunden wegzugehen. Dafür
kommen wieder andere hinzu, die nicht von Anfang an da sein
konnten. Ich will erwähnen, daß es keine schwärmerischen
Kreise sind, die diesen Fürbittedienst unter Beten und Fasten
durchführen. Ich habe wohl kaum mehr die Sorge als Schwärmer
zu gelten, da die Schwarmgeister in Deutschland und in der
Schweiz mich als ihren erbittertsten Gegner bezeichnen und
mich in ihren Blättern ununterbrochen angreifen und
verleumden. Was ich hier als Gebets und Fasttag schilderte,
wird in anderen Kreisen wieder anders gehandhabt. Eine
Missionarin, die auf ihrem Arbeitsgebiet viel mit Besessenen zu
tun hatte, kam mit ihrem Gebetskreis jeden Abend von 6 bis 9
Uhr zusammen. In ihrer Seelsorge gab es dann viele
Befreiungen. In einer anderen Gemeinde, in der ich evangelisiert
hatte, bildete ein Bruder auf meinen Rat hin für eine okkult
Belastete einen Gebetskreis. Nach einigen Monaten war dieses
Mädchen durch die Gnade Gottes frei geworden. Der Bruder,
durch diese Erfahrung bestärkt, ließ nunmehr den Gebetskreis
weiterhin zusammenkommen, um für weitere Belastete
einzustehen. Diese Einrichtung bewährte sich. Weitere kleine
Gebetskreise bildeten sich. Anläßlich meiner zweiten
Evangelisation in der gleichen Gemeinde kamen die
verschiedenen Gebetskreise jeden Abend abwechselnd
zusammen, so daß ein ununterbrochener Gebetsdienst geübt
wurde. Die Bildung solcher Gebetskreise zeigt sich bereits in
manchen Kirchengemeinden. Ich kenne verschiedene Pfarrer,
die sich täglich in der Kirche mit Gemeindegliedern zum Gebet
treffen. Das sind aber alles Erfahrungen, die es fast nicht
ertragen, daß sie veröffentlicht werden. Auf jeden Fall sind das
Zeugnisse dafür, daß das Wort Jesu vom Beten und Fasten noch
nicht erstorben ist. Die Kirche Christi lebt noch im Verborgenen.
"Die Lampe Gottes ist noch nicht erloschen" (1. Sam. 3, 3).

Einer meiner Freunde, der 20 Jahre als Missionar in China


arbeitete, will dazu ein Erlebnis berichten.
Manchmal wird die Diagnose erst nach der Heilbehandlung oder
seelsorgerlichen Betreuung deutlich. Der bekannte Psychiater
und Seelsorger Dr. Lechler sagt ganz drastisch: "Hilft dem
Patienten eine Schockbehandlung, so hatte er keine okkulte
Belastung. Hilft einem Patienten gläubiges Gebet zu einer
sofortigen Heilung, so ist der Verdacht einer Psychose sehr
gering." Das soll natürlich nicht heißen, als ob Christus nicht
einen Schizophrenen heilen könnte. Es gibt also seelisch kranke
Menschen, bei denen erst die Therapie (Heilbehandlung) die
Diagnose (Erkenntnis der Krankheit) ganz deutlich macht.

Befreiung von Besessenheit

Li Huan ü, der Sohn eines chinesischen Wahrsagers aus der


Provinz Chekiang, war wie das bei den Erstgeborenen in China
üblich ist dem Regengott von Yünhwo geweiht, und von ihm
bekam er auch seinen Namen "Köstlicher Regen". Der Wunsch
seiner Eltern bestand darin, daß "Köstlicher Regen" Priester
werden sollte. Regelmäßig wurde er von seinen Eltern
angehalten, im großen Stadttempel die monatlichen Opfergaben
darzubringen und dem Regengott die Weihrauchstäbchen
anzuzünden. "Köstlicher Regen" tat es zuerst aus Gehorsam;
denn so wurde es von seinen Eltern befohlen. Aber je älter er
wurde, desto widerspenstiger betrug er sich gegen diesen
elterlichen Wunsch. Eines Tages war Li Huan ü verschwunden,
und er tauchte bei seinem Onkel auf, dem er seinen Widerwillen
klagte, daß er nicht Priester werden, sondern heiraten wollte.
Der Onkel hatte Verständnis für den Jungen und unternahm es,
mit den Eltern in dieser Sache zu reden. Doch er stieß auf taube
Ohren. Es gab deswegen einen großen Familienkrach. Die Eltern
verbanden sich mit einigen Teufelspriestern, und die
versprachen gegen Bezahlung, es schon fertigzubringen, daß Li
Huan ü wieder zurückkommen und doch noch Priester werden
würde. Unterdessen heiratete er, ohne auf die Einwilligung der
Eltern zu warten. Er kam mit seiner jungen Frau in unsere Jesus
Halle, wo sie das erstemal das Evangelium hörten. Gott tat an
den beiden ein Wunder der Errettung, und sie wurden an Jesus
Christus gläubig.
Aber nun begann der Gegenschlag der Teufelsmächte, die
wochenlang in der ganzen Umgebung durch die Teufelspriester
mobilisiert wurden. Li Huan ü wurde krank. Es wurde gemunkelt,
daß seinen Speisen von der eigenen Mutter ein gefährliches Gift
beigemischt worden wäre, um ihn vollständig willenlos zu
machen. Eine Art Gehirnwäsche nach altem chinesischen
Muster! Und schon kam die zweite Nachricht zu mir: Li Huan ü
wäre verrückt geworden und hätte Tobsuchtsanfälle. Zum
Verwundern wäre das auch nicht gewesen; denn wochenlang
wurde jede Nacht um sein Wohnhaus herum mit einem
Höllenlärm Teufelsspuk getrieben, um Li Huan ü gefügig zu
machen. Es wurde nun recht ungemütlich in seinem Hause.
Wenn er seine Tobsuchtsanfälle hatte und alles in seiner
Umgebung gefährdete, bedurfte es sechs starker Männer, bis er
gefesselt werden konnte. Oft zerriß er die Fesseln, zerschlug die
Türen, Fenster und Wände, dann schrie er wieder auf wie ein
todwundes Tier.
Nun bekamen es die Eltern mit der Angst zu tun und gaben mir
Bericht, ob wir nicht ihrem Sohn helfen könnten. Wir nahmen ihn
auf. Gefesselt und zerschunden wurde er zu uns gebracht. Ein
Riesenkampf begann, der mir fast das Leben kostete, aber
zuletzt doch mit einem herrlichen Sieg Jesu endete.

Als ich bei seiner Ankunft versuchte, mit ihm zu reden und zu
beten, da fing er an zu toben und zu fluchen und mit dem
eigenen Kot nach mir zu werfen. Ich merkte bald, daß hier keine
Geisteskrankheit vorlag, sondern ein typischer Fall von
Besessenheit, wie wir es in China leider oft angetroffen haben.
Jedesmal, wenn ich mich dem Besessenen nähern wollte, gab
es ein wüstes Reden und schaurige Flüche zu hören, und vor
allem wollte er gegen mich tätlich werden. In dieser Situation
erinnerte ich mich an die Worte Jesu: "Diese Art Teufel fahren
nicht aus, denn durch Beten und Fasten." So machte ich einen
Aufruf an die Gemeinde, und zusammen mit acht Brüdern waren
wir bereit, gemeinsam zu fasten, auf das Morgenessen zu
verzichten und in dieser Zeit für den Besessenen fürbittend
einzustehen. In der ersten Woche taten wir es getrennt in
unseren Wohnungen. Aber von der zweiten Woche an kamen wir
früh am Morgen regelmäßig bei Li Huan ü zusammen, um in
seiner Gegenwart die Bibel laut zu lesen und für ihn zu bitten.
Schaurige Sachen erlebten wir dabei. Man war oft seines Lebens
nicht sicher. Einmal kam er los von seinen Fesseln. Wie das
möglich gewesen war, ist mir heute noch ein Rätsel. Wir lagen
eben auf den Knien, als er mit einem Stuhl bewaffnet, sich auf
uns stürzte. Erschreckt flohen die Brüder aus dem Zimmer. Mich
aber erwischte der Besessene noch am Arm, riß mich in den
Raum zurück und riegelte die Türe ab. Schreckliche Minuten
folgten. Wie ein Raubtier umkreiste er mich. Zuerst dachte ich,
er wollte mich erwürgen; denn mit der einen Hand griff er immer
wieder nach meinem Hals.

Ich betete laut und rief immer den Namen Jesu an. Da plötzlich
schrie er: Dauernd quälst du mich mit deinem Beten, laß mich
los, laß mich los." Es war mir klar, hier redete nicht der
Besessene selbst, sondern der böse Geist in ihm. Es gelang mir
nach und nach, den Besessenen auf die Knie zu ziehen, und
dann geschah etwas Außergewöhnliches. Li Huan ü warf sich
auf den harten Boden und fing an zu zittern und zu heulen, und
mit einem markdurchdringenden Schrei: "Ich gehe, ich gehe" lag
er wie tot am Boden. Ich konnte die verriegelte Türe öffnen, und
meine Mitverbündeten, mit denen ich mehr als acht Wochen
gefastet und gebetet hatte, kamen wieder in den Raum herein.
Einer meinte, der Besessene wäre tot. Aber er war nicht tot,
sondern der böse Geist war von ihm ausgefahren. Li Huan ü war
durch Jesus frei und wieder er selber geworden.

Nach dieser Erfahrung geschah noch das größere Wunder. Der


alte Vater brachte seinen Wahrsagekasten und andere
Zaubergeräte und verbrannte alles auf dem Hof. Die ganze
Familie wurde an Jesus Christus gläubig. Es rumorte in der
Folgezeit noch manchmal in der Familie, aber die Bresche war
geschlagen, und das Bollwerk Satans und aller Widerstand
brach immer mehr in sich zusammen. Wir erlebten Jesu Sieg auf
der ganzen Linie. Es stimmt, was in Johannes 8, 36 steht: "So
euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei!" - Missionar G.
Russenberger

Es mag für manchen eine besondere Hilfe sein, was der Arzt Dr.
Lechler über das Fasten sagt. Der folgende Abschnitt ist seinem
Artikel "Wie treten wir dämonisch Gebundenen gegenüber?"
entnommen.

Neben dem anhaltenden Gebetskampf ist gegenüber dämonisch


Gebundenen in der Schrift auch das Fasten geboten. Jesu Wort:
" Diese Art fährt nicht aus denn durch Beten und Fasten" gilt
zweifellos nicht nur gegenüber wirklicher Besessenheit, sondern
auch gegenüber dämonischer Gebundenheit. Zur Vollmacht
über den Gebundenen ist für den Seelsorger ein Leben der
Zucht unerläßlich. Ein solches aber vermag er nicht in eigener
Kraft, sondern nur in der Kraft des Geistes der Zucht zu führen.
Die Zucht zeigt sich besonders auf dem Gebiet der
Enthaltsamkeit, die eine Frucht des Geistes ist. Darunter ist
nicht nur eine vorübergehende Enthaltung von Speisen und
alkoholischen Getränken zu verstehen, sondern auch der
zeitweilige Verzicht auf den ehelichen Umgang, auf allerlei
Veranstaltungen, wie überhaupt das freiwillige Aufgeben von
Dingen, die an sich erlaubt sind, und das alles frei von jeglicher
Werkgerechtigkeit. Paulus betont, wie wichtig es für einen
Kämpfer ist, sich strenge Enthaltsamkeit aufzuerlegen, seinen
Leib zu zerschlagen und ihn sich untertänig zu machen (1. Kor.
9, 25-27 Menge). Durch solche Selbstzucht soll der Feind zur
Erkenntnis kommen, daß es dem Seelsorger ein heiliges
Anliegen ist, seine Gedanken zu sammeln und seine Seele zu
stärken, um gegen ihn recht kämpfen zu können. Es ist auch
selbstverständlich, daß nur derjenige, der sich selbst
überwinden kann, fähig ist, dem Feind entgegenzutreten und
dem Gebundenen den Weg zur Befreiung zu zeigen. Solche
Menschen, die nur an die Pflege ihres Körpers, an ihre
Schonung und Bequemlichkeit denken, fürchtet Satan nicht;
aber er flieht vor denen, die ihr Leben um Jesu willen für nichts
achten. Nur wer "sein Leben nicht liebt bis in den Tod" (Offb. 12,
11), nur wer sich selbst verleugnet, nur wer bereit ist, seine Zeit
und Kraft für seinen Herrn hinzugeben, vermag den Teufel zu
überwinden.

9. Die Waffenrüstung

Beim Freiwerden des okkult Belasteten kann es sich nicht


darum handeln, daß dem Belasteten alle eigene Beteiligung
abgenommen wird. Ist eine Beichte und ein Lossagen erfolgt,
muß der Befreite es selbst lernen, sich zu rüsten und zu wehren.
Das neugeborene Kind kann nicht immer auf dem Arm der
Mutter liegen. Es muß wachsen, stark werden, laufen lernen. Der
Befreite soll es lernen, alle Machtmittel des Wortes Gottes zu
handhaben. In Eph. 6 spricht Paulus von der W a f f e n r ü s t u
n g, die wir anlegen müssen, wenn uns nicht der Feind aufs
neue überrumpeln soll. Der Schild des Glaubens deckt uns vor
den Pfeilen des Bösewichtes. Der Helm des Heils schützt uns
vor den schweren Schlägen der Finsternis. Mit dem Schwert des
Geistes wehren wir Angriffe ab.

In Lukas 11, 24 sagt der Herr, daß die ausgetriebenen Geister


gern wieder zurückkommen. Jeder, der eine Befreiung erlebt hat,
ist dieser Gefahr ausgesetzt. Wenn also einer durch die Gnade
Gottes frei geworden ist, so ist er der Gefahrenzone noch lange
nicht entronnen. Die Finsternis bietet alles auf, um die
verlorenen Bastionen zurückzuerobern. Wir müssen deshalb mit
allem vertraut sein, wie wir neue Angriffe und Anfechtungen
abwehren. Als die wichtigsten Schutzmaßnahmen kommt der
fleißige, treue Gebrauch der G n a d e n m i t t e l in Frage, die in
Apg. 2, 42 erwähnt sind: Wort Gottes, Gemeinschaft der Kinder
Gottes, Brotbrechen, Gebet. Der Befreite soll alle Verheißungen
in seinem Herzen bewegen, die vom Sieg Jesu handeln. Dann
muß er unbedingt von einer tragenden Gemeinde aufgenommen
werden. Die Ähre, die im Fruchtfeld isoliert steht, wird vom Wind
geknickt. Außerhalb der geistlichen Lebensäußerungen der
Gemeinde Jesu und der biblischen Ordnungen kann der Befreite
sich kaum behaupten. Wer sich nicht hinter den Gebetsmauern
einer mittragenden Schar verschanzen kann, erliegt zu leicht
dem Ansturm der zurückkehrenden Mächte.

Wir stehen hier allerdings vor fast unlösbaren Problemen. Es


gibt wenig Gemeinden, die einen solchen geistlichen Zustand
haben, daß sie Befreite aufnehmen und betreuen können.
Lebendige Jüngergruppen sind leider bis jetzt nur Ausnahmen.
Oft begegnet man in unseren Gemeinden einer solchen
geistlichen Öde und Dürre, daß man die geistliche Totenklage
eines Jeremia (8, 23) anstimmen möchte: "Ach, daß ich Wasser
genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen
wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die
Erschlagenen in meinem Volk!"

Wenn wir auch rings um uns her so viel Versagen erleben


müssen und unser eigenes Darniederliegen dauernd vor Augen
haben, so versagt einer doch nie: Jesus Christus. Wer keine
Hilfe von gläubigen Brüdern und Schwestern findet, weil er in
einer geistlich toten Gegend wohnt, der klammere sich um so
mehr an den Herrn selbst. Was er zu geben hat, reicht aus, damit
wir durchkommen und überwinden. Es ist ein Geheimnis, das
nicht allen Christen erschlossen ist, daß wir in einer
ununterbrochenen Verbindung mit dem Herrn stehen können.
Das B l e i b e n i n I h m (Joh. 15) ist unsere Schutz und
Trutzburg. Der Arge kann uns nicht antasten, wenn wir in der
Gemeinschaft des Siegers stehen. Die listigen Anläufe prallen
ab, wenn wir eingeschlossen sind von der bewahrenden Gnade
unseres Herrn.

Damit stehen wir vor dem größten Geschenk, das Jesus seiner
Gemeinde gegeben hat. Das K r e u z ist der gläubigen
Gemeinde das liebste Symbol; aber nicht nur Symbol, sondern
das Zeichen, daß dort das Blut Jesu für uns geflossen ist. Der
Dichter sagt: "Rühmt alle Wunder, die er tut, doch über alles
rühmt s e i n B l u t ! "
Es geht wahrhaftig nicht um eine sentimentale Blutsmystik,
auch nicht um eine magische Auffassung; aber es geht um die
Tatsache, daß das Blut Jesu uns dafür Bürge ist, daß die
Erlösermacht Jesu sich in unserem Leben gewaltig offenbaren
kann. Die Männer der Bibel wissen um die Besprengung mit dem
Blut Jesu (l. Petr. 1, 2); sie wissen um die reinigende und
freimachende Kraft des Blutes (Hebr. 9, 14; Offb. 7, 14). Sie
kennen auch die überwindende Gewalt des Blutes gegen alle
Mächte der Finsternis (Offb. 12, 11). Wer frei geworden ist, muß
daher täglich die Kraft des Blutes in Anspruch nehmen. Es ist
gut, wenn der ehemals okkult Belastete immer wieder betet:
"Herr Jesus, ich stelle mich im Glauben unter den Schutz deines
Blutes." Will der Angriff nicht aufhören, darf der Befreite auch
selbst im Namen Jesu gebieten und betend sagen: "Im Namen
Jesu gebiete ich euch Finsternismächten zu weichen." Jedes
Anrecht, das der Teufel an uns zu haben glaubt, ist abgegolten
durch das Blut Jesu am Kreuz. Darum müssen wir diese
Tatsache bei allen Anfechtungen zwischen den Feind und uns
stellen. Diese Zwischenwand des Opfers und Sieges Jesu ist
stark genug, daß alle dämonischen Angriffe daran zerbrechen.
Wer diese Wirklichkeit des Sieges Jesu nicht bewußt im Glauben
täglich ausnützt, wird den Kampf nicht bestehen. Nun sollen
zwei Beispiele vom Geheimnis des Blutes Jesu Zeugnis geben.

Die Zufluchtsstätte

In einem Straßburger Vorort wohnte vor etlichen Jahren eine


Schwägerin von mir, die absolut ungläubig und
gottesleugnerisch eingestellt war. Ihre Kinder verbrachten oft
Ferientage bei mir. Ich machte sie bekannt mit Gottes Wort und
lehrte sie beten. Als die Kinder nach ihrer Heimkehr dann auch
zu Tisch oder zu Nacht beteten, verbot es ihnen ihre Mutter
energisch. Diese gottlose Frau fuhr ihre Kinder an: "Das ist
dummes Zeug." Als ich solches erfuhr, ermahnte ich meine
Schwägerin ernstlich und bat sie sehr, doch nicht den Kindern
den Glauben aus ihren Herzen zu reißen. Sie lehnte jedoch
meine gutgemeinten Ermahnungen ab.

Eines Tages wurde ich durch eine Benachrichtigung überrascht,


daß meine Schwägerin plötzlich an einem Herzschlag gestorben
wäre. Beim ersten Erschrecken durchzuckte mich der Gedanke,
ob sie wohl in solchem gottlosen Zustand in die Ewigkeit
gegangen wäre, und ich betete für sie. Zu ihren Lebzeiten hatte
sie angeordnet, daß sie im Falle ihres Ablebens verbrannt
werden wollte. So fand nun ihrem Wunsche gemäß im hiesigen
Krematorium die Verbrennung ihres Leichnams statt. Ich wohnte
dieser Handlung bei.

In der folgenden Nacht wurde ich plötzlich durch einen starken


Wind aus dem Schlaf geschreckt. Ich machte Licht und stellte
fest, daß die Fenster meines Schlafzimmers geschlossen waren.
Ich konnte mir den Wind nicht erklären. Im gleichen Moment
vernahm ich ein merkwürdiges Geräusch. Gegenüber von
meinem Bett stand ein Ofen. Aus dieser Richtung vernahm ich
ein Rauschen, als ob Wasser über den Ofen geschüttet würde.
Gleichzeitig hörte ich im angrenzenden Zimmer Schritte mit
Stöhnen begleitet. Ich war unfähig zu rufen oder mich
aufzurichten. Die Schritte kamen näher und machten schließlich
vor meinem Bett halt. Ein jammern und Stöhnen drang in meine
Ohren. Ich wurde dabei am Arm gefaßt. Dann entfernte sich das
unheimliche Wesen wieder auf demselben Weg. Solches
wiederholte sich nun jede Nacht. Mir war klar geworden, daß es
sich hier um meine abgeschiedene Schwägerin handelte. Ich bat
eine mir befreundete, gläubige Frau, mit mir während der Nacht
für einige Zeit das Zimmer zu teilen, ohne ihr jedoch etwas von
dieser Sache zu sagen. Nach der ersten Nacht erklärte mir diese
Frau, sie könnte nicht mehr bei mir übernachten, da sie im
Verlauf der vergangenen Nacht etwas Furchtbares erlebt hätte.
Diese fortwährenden Auswirkungen wurden mit der Zeit für mich
unerträglich. Ich erfuhr von dem Direktor eines hiesigen
Krankenhauses, der ein sehr gläubiger Mann war. Hilfesuchend
wandte ich mich an ihn. Er verbot mir, für die Abgeschiedene zu
beten. Ferner gab er mir den Rat, jedesmal den Herrn Jesus und
die Kraft seines heiligen Blutes im Glauben anzurufen, wenn die
Erscheinung sich zeigen würde. Andererseits versprach er mir,
sich mit einigen gläubigen Menschen im Ge¬bet für mich
vereinigen zu wollen. In der kommenden Nacht tat ich, wie mir
befohlen war. Der unselige Geist kam nur bis auf eine gewisse
Entfernung an mich heran. Dann wich er zurück. Nach etlichen
Versuchen zeigte sich schließlich nichts mehr. Dann war ich von
dieser schrecklichen Plage befreit, unter welcher ich drei Monate
lang gelitten hatte. Der Name Jesu ist die Schutz und Trutzburg
für alle angefochtenen Menschen. Im Namen Jesu weichen alle
finsteren Gewalten. - Frau B.

Die Abwehr

Kurz nach meinen ersten Erfahrungen auf dem Gebiet des


Okkulten fühlte ich mich zu Beginn eines Gottesdienstes
getrieben, ganz besonders ernstlich um die Deckung durch das
Blut Jesu für mich und die ganze Versammlung zu beten. Einen
besonderen Grund dafür wußte ich nicht. Nachdem sich das
einige Male wiederholt hatte, merkte ich, daß stets dann eine
Dame anwesend war, die ich nicht kannte, die mir aber doch
immer irgendwie auffiel. Eines Tages blieb sie nach der Predigt
zurück und verlangte eine Aussprache. Wieder mußte ich im
Stillen um die Deckung durch das Blut Jesu flehen, und es war
nötig. Es folgte ein Bekenntnis, wie ich ein ähnliches noch nie
gehört hatte. Die Frau erzählte mir, daß sie vor mehr als 30
Jahren auf den Knien zum Teufel gebetet und sich ihm
übergeben hätte. Dabei hätte sie zu ihm gesagt, daß sie ihm
dienen wollte, wenn er sie mit seiner Macht ausrüsten würde.
Seither hätte sie eine Menge Menschen schwer geschädigt. Nun
fing sie an, Beispiele zu erzählen, und ich erschrak, als unter
diesen auch einige mir bekannte Na¬men vorkamen. Da war
einer mit ganz ruinierten Nerven, auch jemand, den man in eine
Heilanstalt hatte bringen müssen, und einer, der einen schweren
Fall getan hatte. Mir wurde recht unheimlich zumute. War dieses
Bekenntnis echt oder nicht? Ich bat den Herrn, mir dies zu
zeigen. Plötzlich schwand der Ausdruck der Not um diese
Schuld aus ihrem Gesicht. Sie blickte mich an und sagte: "So,
jetzt wissen Sie Bescheid, und nun kommen Sie an die Reihe!"
In diesem Moment wurde mir so ganz klar, daß ich nun wirklich
vom Blut Jesu gedeckt war, daß ich also keine Angst zu haben
brauchte. Ich durfte ihr antworten, daß ich wohl wisse, welch
furchtbarer und starker Macht sie diene, daß ich selber aber im
Dienst eines viel Größeren und Stärkeren stehen dürfe, nämlich
des Herrn Jesus Christus, der den Teufel am Kreuz besiegt
habe.

Ein großes Erlebnis wurde es für mich, als diese Frau zu mir
kam und mir erklärte, es wäre bei ihr zu einer großen Wendung
gekommen. Sie hätte zum ersten Mal richtig auf das Wort hören
können, wäre nun in ganz großer Sündennot und verlangte
sehnlichst, aus ihrer furchtbaren Gebundenheit heraus gerettet
zu werden. Damit setzte aber ein langer und schwerer Kampf
ein. Der Satan wollte sein Opfer nicht fahren lassen. Ein Jahr
lang hatte ich täglich in der Seelsorge mit dieser Frau zu tun. Oft
schien es, als ob sie nun endlich die frohe Botschaft hätte
erfassen können, doch dann kamen wieder diese ganz
unheimlichen Quälereien. Unter einem furchtbaren Zwang lief
sie auf die Bahnschienen, oder sie spritzte sich Gift in den
Oberschenkel, brach dann die Nadel ab und ließ sie im Bein
stecken. Oft brachte sie sich Schnitt , Schürf und Kratzwunden
bei und behandelte diese mit Salzsäure. Wie froh waren wir, als
diese Quälereien bald immer seltener wurden und schließlich
ganz aufhörten, weil die Frau es gelernt hatte, immer in solchen
Augenblicken das Blut Jesu als ihre einzige wirksame Deckung
in Anspruch zu nehmen. Sie hatte gelernt, aufzuschauen auf
Jesus als den viel Stärkeren. Nach einem Jahr wurde sie, die
früher eigentlich während der ganzen Zeit ihres Sündendienstes
sehr schmerzhaft krank gewesen war, nochmals ernstlich krank.
Als im am späteren Nachmittag zu ihr kam, sagte sie mir, die
Dämonen würden sie umgeben und ihr höhnend zurufen, daß es
für sie kein Entrinnen mehr geben könnte. Alles, was sie schon
im Glauben hätte erfassen können, wollte ihr der Zweifel wieder
nehmen. Es wurde mir bald klar, daß alle Vernunftgründe und
Überlegungen nichts helfen konnten. Nur das Wort Gottes selber
war imstande, diesen konzentrierten Angriff abzuwehren. Ich
betete, daß mir der Herr durch Seinen Heiligen Geist auf jeden
Einwand der Dämonen das rechte Wort als Antwort schenken
möchte. Er tat es. Nach einem Kampf, der bis gegen den Morgen
währte, kam endlich der Sieg. Diese Frau durfte ein frohes
Gotteskind werden und durfte während etwa zehn Jahren bis zu
ihrem Tod vielen ein Wegweiser zu Jesus Christus hin sein. Ja,
Jesus ist Sieger! Selig, wer ihm gehören darf! - Otto Häni

Vor Toresschluß

Die Zeltmission, die wir 1958 in unserer Stadt veranstalteten,


brachte manche Frucht. Es gab Freude im Himmel und auf Erden
über Menschen, die den Herrn Jesus als ihren persönlichen
Heiland annehmen durften. Auch Frau B. kam zum Glauben an
Jesus Christus. Das war wirklich ein besonderes Wunder. Sie
war zuerst katholisch und dann evangelisch gewesen, aber
längst aus der Kirche ausgetreten. Da sie unglücklich verheiratet
war, ließ sie sich scheiden. Vom christlichen Glauben hatte sie
sich völlig abgewandt und war dem Aberglauben verfallen. Sie
lernte das Kartenlegen und übte diese schwarze Kunst auch in
Bekanntenkreisen. In ihrer Wohnung hing ein großes Hufeisen.
Es sollte Glück bringen, aber das Glück wohnte dort nicht. Sie
hatte viele Bindungen und stand mit finsteren Mächten im
Bunde, ohne es zu wissen.

In ihrem Beruf leistete Frau B. überdurchschnittliches. Als


Abteilungsleiterin in einem bekannten Betrieb war sie fast
unentbehrlich. Die intelligente Frau wurde mit den schwierigsten
Aufgaben fertig. Aber ohne Zigaretten konnte sie keinen Tag
leben. Auch dem Alkohol sprach sie im Stillen gut zu. Ohne
Romanhefte ging es auch nicht. Das war die allabendliche
Lektüre vor dem Einschlafen. Das Alleinsein wurde ihr oft zur
Qual. Die Stille konnte sie nicht ertragen. Deshalb war der
Musikschrank da mit allen möglichen Schlagerplatten. Auch der
Fernsehapparat fehlte nicht. Der Tag war ausgefüllt mit Arbeit,
und die Freizeit gestaltete sie auf ihre Weise. Geld hatte sie
genug und eine ordentliche Wohnung. Aber den Herzensfrieden
kannte sie nicht.

Einige ihrer Verwandten standen im lebendigen


Christusglauben. Sie beteten viel für ihr "schwarzes Schäflein",
wie sie Frau B. nannten. Aber Frau B. wollte absolut nichts von
den Frommen wissen und verstand es, die lästigen Mahner
abzuschütteln. Ein Neffe bemühte sich insbesondere um seine
so gottlose Tante. Da nun das Zelt in der Stadt war, ließ er nicht
locker, seine Tante einzuladen. jedoch, seine Mühe war
umsonst. Er kam immer extra mit seinem Wagen, sie abzuholen.
Aber der junge Mann ließ nicht nach, er kam wieder und wieder
und bat flehentlich und inständig, aber stets ohne Erfolg. Als er
trotz allem noch einmal anläutete und plötzlich in der Türe
stand, war Frau B. von der Treue und Sorge ihres Neffen
geradezu tief bewegt. Um den Sohn ihrer Schwester nicht zu
kränken, willigte Sie ein und bestieg den Wagen.

Das große Missionszelt füllte sich wieder einmal. Zum ersten


Male betrat Frau B. ein solches Missionszelt. Das Posaunenspiel
und der kräftige Gesang beeindruckten sie stark. Als aber
Pfarrer K. vollmächtig das Evangelium verkündigte, vergaß sie
alles andere. Gerade an dem Abend sprach der Evangelist vom
dämonischen Gefälle unserer Zeit und von den vielen okkult
belasteten Menschen. Frau B. wurde erweckt. An den folgenden
Abenden brauchte sie niemand mehr zu bitten, ins Zelt zu
gehen. Sie sehnte sich nach den Vorträgen, kam in die
Seelsorge und schließlich zum lebendigen Glauben an den
Herrn Jesus Christus. Sie fand auch bald den Weg in die
Bibelstunden, las eifrig die Bibel und wuchs merklich im
Glauben. Aber von allem war sie noch nicht frei. Sie litt sehr
darunter, daß sie noch Kettenraucherin war. Auch die Romane
lagen noch stapelweise auf ihrem Tisch. Die Karten übergab sie
gleich den Flammen, aber andere Dinge hielt sie noch fest. Aber
sie ließ sich sagen. Selten hatte ich in den Bibelstunden eine
solch aufmerksame Zuhörerin. Sie bewegte das Wort in ihrem
Herzen und war stets voller Fragen. Gottes Geist arbeitete an ihr
und schloß ihr die großen biblischen Wahrheiten mehr und mehr
auf.

Ganz plötzlich erkrankte sie. Keiner ahnte, daß es eine Krankheit


zum Tode war, sie selbst auch nicht. Es begann eine Leidenszeit
ungewöhnlicher Art. Es folgten Monate eines qualvollen
Leidens. Der Krebs tat sein zerstörendes Werk. Gott gebrauchte
diese Zeit, sein Kind von allen noch festgehaltenen Bindungen
zu lösen. Im Krankenhaus wurde sie eine vorbildliche Beterin
und Zeugin für ganz ungläubige Patientinnen, die bei ihr lagen.
Sie hatte nur noch als einzige Lektüre ihre Bibel. Herzergreifend
konnte sie beten. Jedem Besucher bezeugte sie ohne Scheu
Jesus als ihren persönlichen Heiland.

Die Krankheit hatte die junge Frau völlig entstellt, aber der
Heilige Geist hatte an der Seele ein Wunder der Gnade tun
können. Ich stand an ihrem Sterbebett. Sie war völlig klar. Ihr
Bekenntnis vor dem Tode war eindeutig und wunderbar. Als sie
es aussprach, daß sie von allem gänzlich frei wäre, die Nähe
Jesu spürte und alles unter den Willen des Herrn gestellt hätte,
fiel sie plötzlich in Ohnmacht. Sie wachte nicht mehr auf. Der
Herr hatte sie auch von dem schweren Leiden erlöst und
aufgenommen in sein Reich. Nun war sie daheim.
Wie dankbar waren die gläubigen Eltern für die gnädige Führung
Gottes mit ihrer einst so weltlichen, gebundenen und abgeirrten
Tochter! Der Wunsch der Heimgegangenen und der
Angehörigen, aus der Beerdigung eine Lob und Dankstunde zu
machen, erfüllte sich. Eine große Schar von allerlei Leuten
mußte es hören, daß Jesus Menschen freimachen und erneuern
kann.

Frau B. wurde kurz vor Toresschluß wie ein Brand aus dem
Feuer gerettet. Wenn sie die einzige Frucht der Zeltarbeit
gewesen wäre, dann hätte sich gewiß schon alle Mühe und
Arbeit gelohnt. Der Herr war mächtig an der Arbeit. Das wurde
uns erneut ein Beweis dafür, daß die Zeit der Evangelisation
noch nicht vorbei ist. - Rudolph Strücker

Wenn wir abschließend auf die Seelsorge an okkult Belasteten


zurückblicken, so müssen zwei grundlegende Wahrheiten noch
einmal auf den Leuchter gestellt werden.
Es geht in der Seelsorge darum, daß der Sieg Jesu in unserem
Leben Wirklichkeit wird. Der Okkultismus, die Zauberei ist einer
der gefährlichsten Kampfabschnitte des Feindes. Die Macht der
Finsternis kämpft hier mit allen Waffen, mit List und Gewalt, mit
frommen und gottlosen Worten, mit geistigen und massiven
Kräften. "Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist",
sagte Martin Luther. Unter einem so massierten Ansturm kann
nur der standhalten, der restlos auf der Seite des Siegers steht
und dort bleibt. Wenn wir von Jesus Christus ganz
Überwundene werden durften, dann gilt uns auch die Losung
des Apostels Paulus (2. Kor. 2, 14): "Gott sei gedankt, der uns a l
l e z e i t S i e g gibt in Christo."

Pfarrer Dr. Riecker schreibt zu dieser Tatsache des Sieges: "Wir


wissen um die Realität des Sieges, wir wissen, daß die Kraft
Gottes stärker ist als die aller widrigen Mächte. Wir wissen, daß
wir im Schutzbereich Jesu allem Zugriff des Teufels entzogen
sind. Das Kreuz von Golgatha ist eine ganz tiefe Entsühnung
von allen dunklen Mächten. Lu¬thers Wort: >Er hat mich erkauft
vom Tod und aller Gewalt des Teufels, auf daß ich sein eigen sei
und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit<
findet hier eine ganz wunderbare Erfüllung."
Die zweite Wahrheit ist der Einsatz, das Mitkämpfen einer
lebendigen Beterschar oder einer opferbereiten Gemeinde. An
diesem Punkt brechen ungeheure Nöte auf. Manche
Evangelisation bedeutet, daß geistliche Kinder geboren, dann
aber ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen werden. Über
kurz oder lang sind diese Neugeborenen den "greulichen
Wölfen", auch den frommen Wölfen, zum Opfer gefallen. Sie
werden entweder von den sektiererischen oder
schwarmgeistigen Strömungen aufgesaugt oder durch das
Scheinchristentum erstickt. Dieser Zustand der Christenheit
heute ruft nach einer tiefgreifenden Erweckung durch den
Heiligen Geist. Eine Erweckung können wir aber nicht
"machen". Das hängt ab von Gottes Wollen. Die Jünger Jesu
aller Kreise können sich aber zusammentun und im festen
Vertrauen auf Gottes Verheißungen anhaltend darum bitten, daß
der Himmel sich auftut und sich über unseren Todeszustand
erbarmt. Wenn der Lebensodem Gottes in unsere Totengebeine
fährt, dann gibt es wieder lebendige Gemeinden und in ihr
seelsorgerliche Menschen, die Angefochtenen und Belasteten in
geistlicher Vollmacht helfen dürfen. Bis jetzt sind es nur
einzelne, die zu diesem Dienst bereit sind. Diese wenigen
werden heute fast erdrückt von der Flut der anfallenden Arbeit.
Pfarrer Blumhardt konnte sich der Gottliebin Dittus 18 Monate in
der Seelsorge widmen. Der heutige Seelsorger und Evangelist
hat in der gleichen Zeit 1200 bis 1800 Belasteten zu helfen. Und
dazu ist er beim besten Willen nicht in der Lage. Der Seelsorger
ist in unserer von seelischen Erkrankungen erfüllten Zeit am
Ertrinken. Darum der starke Ruf nach einem geistlichen
Aufbruch in unseren Gemeinden. Die Führung okkult Belasteter
ist nur zu einem geringen Teil Aufgabe des Seelsorgers und zum
größten Teil geistlicher Auftrag lebendiger und reifer
Gemeinden. Gleichzeitig läßt diese ungeheure Flut seelischer
Krankheiten und Belastungen unseren Blick auf den richten, der
einmal kommen wird, um allem Leid der gequälten Menschheit
ein Ende zu bereiten.

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst


Koch, Herborn, im November 2008
www.horst-koch.de
info@horst-koch.de

Weitere auf meiner Webseite angebotenen Beiträge zum Thema


Okkultismus:

1. Dr. A. Lechler: Krankheit oder Dämonie?


2. Dr. A. Lechler: Der Dämon im Menschen
3. Richard Kriese: Aberglaube
4. Richard Kriese: Der Spiritismus
5. Richard Kriese: Die Magie
6. Dave Hunt: Charismatischer und evangelikaler Okkultismus
7. Dave Hunt: Eine dunkle eine helle Seite der Kraft?
8. Dave Hunt: Spiritistische Kommunikation und Besessenheit
9. Dave Hunt: Drogen, Fantasie und das Okkulte
10. Dave Hunt: Fernwahrnehmung
11. Dave Hunt: Engel, Geister und Marienerscheinungen
12. Dave Hunt: Psychologie und das Okkulte
13. Dave Hunt: Fernöstlicher Mystizismus
14. Dave Hunt: Holistische Medizin
15. Samuel Pfeifer: Gesundheit um jeden Preis?
16. Els Nannen: Alternative Medizin
17. Adelgunde Mertensacker: Esoterische Medizin von A bis Z

--

Wozu erwählt?
(Röm. 9,15-18)

„Gott spricht zu Mose: Welchem ich gnädig bin, dem bin ich
gnädig, und welches ich mich erbarme, des erbarme ich mich.
So liegt es nicht an jemandes Wollen oder Laufen sondern an
Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zu Pharao: Eben darum
habe ich dich erweckt, dass ich dir meine Macht erzeige, auf
dass mein Name verkündigt werde in allen landen. So erbarmt er
sich nun, welches er will und verstockt, welchen er will.“

Da denken nun manche: Da brauchen wir doch nichts zu


machen! Wenn wir glauben sollen, dann kriegen wir den
Glauben, und wenn wir verstockt werden sollen, dann werden
wir verstockt. Da können wir doch leben, wie wir wollen: Was wir
haben sollen, das kriegen wir.

So haben schon viele gemeint und haben sich darum schwer an


dieser Stelle gestoßen. Es handelt sich hier um die Lehre von
der Erwählung. Wenn wir dieselbe recht verstehen wollen, so
müssen wir zuerst bedenken, dass es sich bei derselben nicht
um eine Erwählung zur Seligkeit, sondern um eine Erwählung
zum Dienst handelt. Den Schlüssel zu dieser Lehre, die schon so
viele beunruhigt hat, bietet die Stelle Joh. 15, 16: „Ihr habt mich
nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, dass
ihr hingeht und Frucht bringt.“ Da sagt der HErr deutlich, wozu
Er die Jünger erwählt hat. Nicht dazu, dass sie in den Himmel
kommen und alle andere Menschen verloren gehen, sondern Er
hat sie dazu erwählt, dass sie ein Segen werden sollen für
andere. Das ist der Zweck der Erwählung.

Dass ein Schlüssel der richtige ist, kann man daran erkennen,
dass er schließt. Wenn dieser Schlüssel – erwählt zum
Fruchtbringen, zum Segen für andere – richtig ist, dann werden
dadurch die Stellen verständlich werden, die uns etwas von der
Erwählung sagen. Abraham wird von Gott auserwählt. Warum?
Weil Abraham allein selig werden soll? Nein, sondern weil er ein
Segen werden soll für alle Geschlechter auf Erden.
Wenn wir in Römer 9 lesen: „Jakob habe ich geliebt. Esau habe
ich gehaßt“, so heißt das keineswegs: Jakob habe ich zur
Seligkeit bestimmt und Esau zum Verlorengehen. Sondern das
heißt: Mit Esau konnte ich nichts anfangen, den konnte ich nicht
zu einem Segen für andere machen. Aber heißt es denn nicht:
„Esau habe ich gehaßt?“ Ja, aber hier wird das Wort hassen
geradeso gebraucht, wie der HErr es braucht in seinem Wort:
„So jemand zu mir kommt und hasset nicht seinen Vater, Muter,
Weib Kinder..., der kann nicht mein Junger sein“ (Luk. 14, 26).
Wir sollen Vater und Mutter nie „hassen“, sondern lieben. Das
verlangt ja Gottes Wort. Aber wenn es sich darum handelt:

Der Vater – oder Jesus, dann sollen wir bereit sein, den Vater
zurückzustellen, um Jesus den ersten Platz zu geben. Denn „wer
Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.“
Den Vater hassen, das heißt also: ihn zurückstellen, damit er
sich nicht vor den Heiland drängt. „Esau habe ich gehasst“,
heißt ebenso: Esau habe ich zurückgestellt: denn mit Esau war
nichts zu machen. Er war nicht zu gebrauchen, um ein Segen für
die Welt zu werden. Aber so schlecht Jakobs Charakter von
natur war, mit ihm ist Gott zum Ziel gekommen; aus ihm hat er
einen Segen machen können. Es handelt sich also gar nicht
darum, dass Jakob zur Seligkeit vorherbestimmt wurde und
dann Esau zum Verlorengehen, sondern es handelt sich um die
Brauchbarkeit für den Dienst Gottes.

Im 106. Psalm, Vers 23, wird auch Mose ein Auserwählter


genannt. Soll das heißen: Mose war zum Seligwerden bestimmt,
während das übrige Volk zur Verdammnis bestimmt war? O
nein! Sondern Mose wurde auserwählt, um ein Segen für sein
Volk zu werden!

Israel wird das auserwählte Volk genannt. Nicht aus dem


Grunde, weil Israel allein gerettet werden soll und alle anderen
Völker ewig verloren gehen sollen. O nein, sondern im
Gegenteil, Israel wird zu dem Zweck auserwählt, damit dies Volk
ein Segen werde für alle anderen Völker – dadurch, dass der
Heiland aus diesem Volke hervorgehen sollte.

Jesus wird vom Propheten Jesaja der Auserwählte genannt, weil


Er ein Segen werden sollte für die ganze Welt.

Die Gemeinde des Neuen Bundes wird 1.Petrus 2, Vers 9 „das


auserwählte Geschlecht“ genannt, weil Gott durch die Gemeinde
Jesu Christi die Welt erretten und segnen will. Wir sind nicht
dazu erwählt, dass wir uns nun freuen: ich komme in den
Himmel, und daß wir uns über andere überheben könnten, o
nein, sondern wir sind erwählt, dass wir ein Segen für unsere
Umgebung, dass wir den Leuten, die uns beobachten, die
Tugenden Jesu verkündigen, nicht sowohl mit unserem Munde,
als vielmehr mit unserem Wesen und Wandel, damit sie für
Jesum gewonnen werden, damit sie auch selig werden.

Damit stimmt Eph. 1,4 vortrefflich überein: „Wie Er uns denn


erwählt hat, ...daß wir seien heilig und unsträflich vor Ihm.“
Dadurch werden Menschen zu Jesus gezogen, wenn sie die
Kinder Gottes sehen „heilig und unsträflich vor Gott“.

Und nun verstehen wir auch 2. Petrus 1,10: „Darum, liebe


Brüder, tut desto mehr Fleiß, eure Berufung und Erwählung
festzumachen. Denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht
straucheln.“ Wenn es sich bei der Erwählung um unsere
Seligkeit handelte, dann könnten wir nichts tun, um unsere
Erwählung festzumachen. Wenn wir nicht erwählt sind, dann ist
ja alles umsonst. – Aber wir können und sollen unsere
Erwählung festmachen. Das heißt: wir sollen darauf eingehen,
wir sollen uns Gott dazu hingeben, daß Er uns zu
Segensmenschen gebrauchen kann. Und wenn wir uns Gott
dazu hingeben, dann ist das das beste Mittel, um gefördert zu
werden in unsrem eigenen Leben. „Wir werden nicht
straucheln.“ Wenn wir aber nur an uns und unsere eigene
Seligkeit denken, dann werden wir „faul und unfruchtbar“ sein,
wie der Apostel vorher gesagt hat. „Faul“ und „unfruchtbar“,
das gehört zusammen.

Der Zweck der Erwählung ist also nicht die Seligkeit, sondern
der Dienst für Gott, die Frucht für Gott.
Wir sehen das Kapitel falsch an, wenn wir daraus die Frage
beantworten wollen: „Sind einige Menschen von Gott zur
Seligkeit bestimmt und andere zur Verdammnis?“ Darüber redet
Paulus hier gar nicht. Er will eine Antwort auf die Frage geben:
„Warum wird das Volk Israel jetzt verstockt und warum erhalten
die Heiden die Gnade zum Leben?“ Ist Gott nicht seinen
Verheißungen untreu, wenn Er jetzt Israel dem
Verstockungsgericht preisgibt? Diese Frage beantwortet Paulus
hier mit bewegtem Herzen, und zwar als ein Zeuge für Gott. Er
betont, dass fleischliche Abstammung von Abraham nie eine
Bürgschaft für Anteil am Gnadenbund gegeben habe. Dann sagt
er, dass überhaupt der sündige Mensch ebenso wenig ein Recht
habe, Gottes Handeln zu kritisieren, wie der Ton die Arbeit des
Töpfers, welcher Gefäße zu hohen und Gefäße zu niedrigen
Diensten mache. Er will durch dieses Gleichnis eine Belehrung
und Ermahnung geben, dass der Mensch, der sich so frei und
stark dünkt, sich unter seinem Schöpfer beugen und sich seiner
gänzlichen Abhängigkeit bewußt werden solle.

Daß er hier nicht von Vorherbestimmung zum Seligwerden und


zum Verlorengehen redet, das beweist der Schluß seiner
Ausführungen: „O welch eine Tiefe – wer hat des Herrn Sinn
erkannt oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ Er bricht bei der
Betrachtung nicht in wehmütiges Verzagen darüber aus, dass so
viele verloren gehen, sondern er lobt Gott, „daß Er alle
beschlossen habe unter den Ungehorsam, damit Er sich aller
erbarme“. Daraus geht klar hervor, dass Paulus hier nicht lehrt,
dass die Mehrzahl der Menschen zum Verlorengehen bestimmt
sei, sondern er redet davon, dass Gott das Recht habe, aus
Gnaden erst ein Volk zu erwählen und später wieder ein
anderes, daß Gott aber auch ein Volk verstoßen müsse, wenn es
Gnade nicht mehr Gnade sein lassen wolle, wenn es die Gnade
für ein Recht ansehe und stolz für sich Gnade und für die andern
Völker Verwerfung verlange.

Ernst Modersohn, aus „Widersprüche in der Bibel?“

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ans Rohrbach
ANFECHTUNGEN UND IHRE ÜBERWINDUNG

Inhalt

Grundsätzliches über Anfechtungen

Vom Sinn der Anfechtung


Vom Wesen der Anfechtung
Ursache und Ziel der Anfechtung

Anweisungen zur Überwindung

Die erste Art von Anfechtungen


Die erste Weisung: Flucht
Die zweite Weisung: Zum Kreuz hin
Die zweite Art von Anfechtungen
Die erste Weisung: Abstand
Die zweite Weisung: Umwandlung
Die dritte Art von Anfechtungen
Die erste Weisung: Widerstand
Die zweite Weisung: Vom Kreuz her

Abschluß und Hilfen

Gebete in der Anfechtung


Trost und Verheißung
Die große Versuchung

Grundsätzliches über Anfechtungen

Vom Sinn der Anfechtung

»Lasset uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen


Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus!« Dieser Rat des
Paulus aus Epheser 4, 15 gibt uns eine Antwort auf die Frage
nach dem Sinn der Anfechtungen, denen ein Christ sich immer
wieder ausgesetzt sieht. Denn wer wissen will, wie das
geschieht, daß wir »wachsen in allen Stücken« zu Christus hin,
der darf sich sagen lassen: Ein Mittel dazu sind die
Anfechtungen, vor allem das Aushalten in ihnen und ihre
Überwindung. Unser Glaube muß erprobt werden, ebenso
unsere Treue, unsere Liebe, unsere Geduld, unsere Freude,
unsere Hoffnung, unser Friede und alle anderen Stücke in
unserer Verbindung zu Christus hin. Und diese Erprobung
geschieht in, mit und unter Anfechtungen.

Solche Anfechtungen haben mancherlei Gesicht. Allen


gemeinsam aber ist, daß eins oder mehrere der Stücke bei uns
eine Krise durchmacht, sei es, daß wir an Grenzen unseres
Vermögens und unserer Erkenntnis stoßen, sei es, daß uns
Zweifel anfallen, sei es, daß wir in Schuld geraten. Als von jesus
Christus Herausgerufene sind wir nicht mehr von der Welt, aber
immer noch in der Welt. Diese Spannung löst die Krisen aus,
denen wir standzuhalten haben. Es ist letzten Endes der
Herrschaftsanspruch Jesu an das persönliche Leben des
einzelnen Christen, durch den wir immer neu in Frage gestellt
werden, aber auch gerade dadurch das Wachsen zu ihm hin in
allen Stücken lernen.

Die Gegenwart zeichnet sich wohl dadurch aus, daß Krisen und
Spannungen ein immer größeres Ausmaß annehmen. Hier hinein
versuche ich ein Wort der Hilfe und der Stärkung zu sagen. Dazu
möchte ich eine Krise als die eigentliche angesehen wissen;
nicht nur als eine vorübergehende, die im Leben des einzelnen
kommt und wieder geht. Ich denke an die Krise, in der wir alle
stehen, und die man wohl am besten als einen ungeheuren Sog
zu verstehen hat. Er geht im wesentlichen von der Welt um uns
aus, erfaßt den natürlichen Menschen in uns und zwingt damit
dem geistigen Menschen in uns einen Kampf auf, nämlich,
diesem Sog zu widerstehen, mindestens Distanz zu halten, sich
nicht hineinziehen zu lassen. Dieser Sog ist, um es biblisch
auszudrücken, ein endzeitliches Geschehen. Denn es gehört zu
den Kennzeichen der Endzeit, daß wir, die wir uns zur Gemeinde
Jesu zählen, abgezogen werden sollen von dem Weg, den unser
Herr für seine Gemeinde in dieser letzten Zeit bestimmt hat. Das
ist der Weg der Trübsal. Es ist der Weg der Bedrängnis und der
Verfolgung, der Weg der Anfechtung und der Verachtung, der
Weg der Einsamkeit und des kleinen Haufens. Demgegenüber
steht immer wieder die Welt da mit vielen starken Verlockungen.

Jeder wird heute dort hineingezogen. Ob es nun das Auto ist


oder der Kühlschank, das Einfamilienhaus oder die Sicherungen
gegen Wechselfälle, der Lebens¬standard oder ein angenehmes
Leben wir können uns praktisch nicht heraushalten. Damit soll
nicht ge¬sagt sein, daß diese Dinge nicht auch für Christen
möglich sind. Aber es geht um die Haltung, die Paulus mit den
Sätzen umreißt: »Alles ist euer, ihr aber seid Christi« (1. Kor. 3,
22. 23). »Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist heilsam. Alles
ist mir erlaubt, aber ich darf mich von nichts beherrschen
lassen« (l. Kor. 6, 12). Ich halte es für außerordentlich wichtig,
rechtzeitig darauf zu achten, daß dieser Sog da ist, daß er immer
stärker nach uns greift und uns ein Leben aufzwingen will, das
sich immer mehr der Welt angleicht.

Man verherrlicht eine Freiheit ohne Bindung und sieht nicht


oder will nicht sehen , daß man in Gefahr steht, sich in neue
Bindungen zu verstricken (Drogen, Sexualität, Alkohol, Ängste
u. a.). Von anderer, aber nicht weniger bedrängender Art sind die
Abhängigkeiten, die die Völker und die einzelnen durch die
weltweiten wirtschaftlichen und politischen Krisen der
Gegenwart zu spüren bekommen.

Wir müssen das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung


Johannis, einmal von der Seite her verstehen und lesen, daß uns
unser Herr jesus darin eine seelsorgerliche Hilfe geben will, dem
Sog und den Sorgen zu widerstehen. Er zeichnet uns den Weg
seiner Gemeinde in der letzten Zeit in vielen Einzelheiten auf.
Wir sollen wissen, wie es uns ergehen wird, aber wir dürfen
zugleich wissen, daß er uns durchtragen wird. Er ist bei uns alle
Tage bis an der Welt Ende. Die Frage ist nur: Sind wir noch bei
ihm? Wachsen wir in allen Stücken zu ihm hin oder verkümmern
wir?

Vom Wesen der Anfechtung


Um nicht zu verkümmern, müssen wir um die Gefahren wissen,
die unser geistliches Leben mit jesus bedrohen, und um die
Mittel, mit denen wir diesen Gefahren zu begegnen haben. über
das eine wie das andere bekommen wir von der Schrift her klare
Weisungen. Vieles in der Welt führt uns in Versuchung und
Anfechtung hinein. Dahinter steht eine Macht, die nur das eine
Ziel hat, jeden einzelnen von uns, der sich zur Nachfolge Jesu
entschlossen hat und sich bemüht, diesen Weg zu gehen, von
den vier geistlichen Kraftquellen abzuschneiden, über die er die
Verbindung mit seinem Herrn haben kann. Das sind die vier
Übungen, die uns die Urgemeinde als Vorbild überliefert hat: Sie
blieben einmütig beieinander in der Apostel Lehre, in der
Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet (Apg. 2, 42). Das
heißt: Das Wort Gottes, Verkündigung im Gottesdienst, in der
Versammlung, in Bibelstunden und bei Bibelarbeiten, ist die eine
Kraftquelle, die wir für unser geistliches Leben nötig haben. Die
Gemeinschaft untereinander ist die zweite. Das Brotbrechen, die
Teilnahme am Tisch des Herrn, ist die dritte. Das Gebet, das
gemeinsame, sowohl wie das Einzelgebet, ist die vierte. Und
nichts ist Satan widerwärtiger, als daß wir uns von diesen
Kraftquellen her speisen lassen. Deshalb versucht er mit allen
Mitteln, die ihm zu Gebote stehen, uns davon zu scheiden.

Es sind im wesentlichen drei Richtungen, von denen her sein


Angriff erfolgt, und drei Zielpunkte in uns, auf die sein Stoß sich
richtet. Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Diese drei
Bereiche sind es, die Satan von unterschiedlichen Seiten her
angreift. Es sind die Versuchungen vom Fleisch her, die auf den
Leib hin gezielt sind. Es sind die Versuchungen von der Welt
her, die auf die Seele sich erstrecken. Und es sind die
Versuchungen vom Satan direkt, die auf unseren Geist sich
richten. Man muß unterscheiden können. Er übt die Macht, die
ihm gegeben ist, in allen drei Richtungen aus, wie es ihm
zweckmäßig erscheint, und tut es jeweils meisterhaft; er betrügt
und täuscht uns auf die listigste Weise. jeder von uns sollte es
wissen, daß es diese drei Zielpunkte in uns und diese drei
Angriffsrichtungen auf unser Menschsein gibt. Er braucht es,
um die Diagnose stellen zu können, wenn er in der Anfechtung
steckt. Wir müssen ferner wissen, was uns die Schrift als
Gegenmaßnahme sagt, als Kampfmittel und Verhaltensweise
gegen die erste Angriffsart, gegen die zweite und gegen die
dritte.

Zuvor aber noch einige weitere Bemerkungen zum Wesen der


Anfechtung bzw. der Versuchung. Beide Worte gebrauche ich
hier im gleichen Sinne, wie auch Luther das Wort peirasmos des
griechischen Urtextes im Neuen Testament sowohl mit
Versuchung wie auch mit Anfechtung wiedergibt. Ich verstehe
darunter jede Art von Verlockung, die von den eben genannten
vier Kraftquellen des geistlichen Lebens abziehen will. Damit
beschränke ich mich also auf Anfechtungen der Menschen, die
an Jesus Christus glauben, und ihn, den Auferstandenen, als
ihren Herrn anerkennen. Dabei sind natürlich alle die mit
eingeschlossen, die gerade von der Anfechtung her immer
wieder zitternd ihm bekennen müssen: »Ich glaube, hilf meinem
Unglauben« (Mark. 9, 24).

Als Erprobung unseres Glaubens gehören Anfechtungen zum


Leben mit Christus notwendig dazu. Daß wir in Anfechtungen
hineingeraten, ist also wenn wir uns nicht mutwillig
hineinbegeben, etwa um die »Tiefen des Satans zu erkennen«
(Offb. 2, 24) keine Schuld. Erst wenn wir in ihr versagen,
werden wir schuldig und sind auf Jesu Vergebung angewiesen.

Ursache und Ziel der Anfechtung

Die Anfechtungen kommen, wie gesagt, vom Satan auf uns zu.
Ich erinnere nur an die drei großen Beispiele, die uns die Bibel
dazu gibt: Den Sündenfall des Menschen (1. Mose 3, 1 ff.), das
Leiden Hiobs (Hiob 1, 6 ff.; 2, 1 ff.) und die Versuchung Jesu
(Matth. 4, 1 ff.). Die Anfechtungen kommen nicht von Gott (Jak.
1, 13). Gott läßt sie nur zu. Wenn in 1. Mose 22, 1 übersetzt wird,
Gott versuchte Abraham, so ist das nur im Sinne eines
Erprobens zu verstehen. In gleicher Weise wird es vom Volke
Israel ausgesagt: »Du sollst gedenken des ganzen Weges, den
dich der Herr, dein Gott, geführt hat in der Wüste, um dich zu
demütigen und zu erproben, auf daß er erkenne, wie du gesinnt
seist, ob du seine Gebote halten werdest oder nicht« (5. Mose 8,
2).
Die Grundsituation einer Versuchung besteht also darin, daß
Gott uns scheinbar allein läßt und damit dem Teufel die
Möglichkeit gibt, mit seinen Listen und Verlockungen an uns
heranzukommen. Am uns ist es, gerade dann durch Jesus an
Gott festzuhalten, unsere Ohnmacht zu erkennen, demütig zu
werden und in ihm allein unsere Stärke zu haben (2. Kor. 12, 9.
10). Jesu Verlassenheit am Kreuz ist hier das eindrücklichste
Beispiel. Nicht also die Anfechtung, wohl aber die Situation für
eine Anfechtung kommt von Gott als ein Mittel, uns in allen
Stücken zu Christus hin wachsen zu lassen. Er ist es dann aber
auch, der uns darin beisteht (vgl. dazu 1. Kor. 10, 13 und die
Berichte Matth. 8, 23 26; 14, 22 27; 28 32). So muß Satan wider
Willen Gott als Werkzeug dienen, damit er der dreieinige Gott
darüber gepriesen werde, wie er mit uns selbst zu seinem Ziele
kommt. Dies Ziel ist die Heiligung derer, die zu Jesus Christus
gehören (l. Thess. 4, 1 3), ihr Um¬ gestaltet werden in sein
Ebenbild (Röm. 8, 29).

Dazu bedarf es der Überwindung in den Anfechtungen. Auf ihr


ruhen die großen Verheißungen Jesu in den Sendschreiben an
die sieben Gemeinden (Offb. 2 und 3).

Deshalb dürfen wir uns schließlich der Anfechtungen sogar


freuen »Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in
mancherlei Versuchungen geratet und erkennt, daß die
Erprobung eures Glaubens Geduld wirkt! Die Geduld aber soll
ein vollkommenes Werk zur Folge haben, damit ihr vollkommen
und ganze Leute seid, die in nichts einen Mangel zeigen« (Jak. 1,
2 4). Abschließend sei bemerkt, daß von allen Versuchungen
und Anfechtungen, die hier in Rede stehen, eine bestimmte sich
grundsätzlich abhebt, nämlich die Versuchung, von der es in
Offenbarung 3, 10 heißt: »Weil du bewahrt hast das Wort von
meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der
Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu
versuchen, die da wohnen auf Erden.« Das griechische Wort
hypomonä (Geduld) des Urtextes bezeichnet hier ein
beharrliches Warten, und als Inhalt des Wartens ist die
Wiederkunft Jesu zu verstehen. Wer also die Erfüllung dieser
Verheißung beharrlich erwartet (vgl. Mark. 13, 13), wird der
weltweiten Stunde der Versuchung enthoben werden. Daß das
dem Beter geschenkt werde, ist der Sinn der 6. Bitte des
Vaterunsers: »Führe uns nicht in Versuchung!« Damit bitten wir
um die von Jesus zugesagte Bewahrung vor der Stunde der
Versuchung, die im endzeitlichen Geschehen als Gericht Gottes
über die Menschheit gewiß kommen wird.
Diese Bitte um Bewahrung ist uns geboten. Sie hat endzeitliches
Gewicht. Doch hat auch unser Glaube und unser Verhalten dem
zu entsprechen. Darauf gehe ich im Anhang (Abschluß und
Hilfen) näher ein.

Anweisungen zur Überwindung

Die erste Art von Anfechtungen

Jeder von uns weiß wohl aus eigener Erfahrung: Mit unserem
Leibe sind wir sehr vielen Verlockungen und damit
Anfechtungen ausgesetzt. Es sind vielleicht die bekanntesten.
Mancher verengt sogar das Wort »Sünde« auf diese Richtung
hin, was aber irreführt. Man kann diese erste Art kennzeichnen
durch die beiden Worte »Lust« und »Genuß«. Die Sinneslust,
alles was mit der Erotik, mit unserer Geschlechtlichkeit
zusammenhängt, ist eine äußerst versuchliche Seite in uns, und
Satan weiß sie kräftig in uns anzusprechen. Man braucht nur auf
die leichte Literatur in Kiosken zu achten, auf viele Illustrierte,
Magazine u. a. Oder man denke an die zahlreichen Sex und
Pornofilme mit ihren Bildern, die so gerne in den Schaukästen
ausgehängt und betrachtet werden. Oder man denke an die
Anzeigen in Tageszeitungen, mit denen zum Besuch von Bars
mit Nacktbedienung eingeladen wird. Es läuft alles nur darauf
hinaus, die Sinnenlust in uns zu erregen. Auch die Mode hilft da
kräftig mit.

Und daneben regt sich die Genußsucht, der Bauch. Auch der
wird immer wieder gern zum Götzen gemacht. Unmäßigkeit und
Völlerei nennt es die Bibel. Das ist uns ja aus den
Lasterkatalogen im Neuen Testament geläufig (etwa 1. Kor. 6, 9.
10; Gal. 5, 19 21; Phil. 3, 18. 19; Kol. 3, 5). Und wie gerne machen
wir da mit! Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, daß
beides die Lust und der Genuß schwache und wunde Stellen in
uns sind, mindestens im Wunschdenken und in der Phantasie.
Es ist das natürliche Wesen des gefallenen Menschen.
Die Bibel weiß um das Treiben der Menschen, auch derer von
heute, und spricht ganz nüchtern davon (2. Tim. 3, 1 8). Sie weiß
auch, daß Menschen dies Treiben nicht hindern können,
sondern es erst von Gott her sein Ende finden wird (2. Tim. 3, 9).
Solange die verführerische Macht Satans sich auswirken und
mehr und mehr steigern darf, leiden Christen darunter für die
Menschen, die nichts von jesus wissen, und beten darum, daß
Gott sein Wort wirken lasse und dem Treiben der Welt durch die
Wiederkunft Jesu bald Einhalt gebieten möge (2. Thess. 3, 1. 2).
Es wäre daher kein biblischer Weg, wenn Christen sich und ihre
Kinder in bester Absicht vor den Verführungen durch Lust und
Genuß mit Verboten schützen und etwa festsetzen wollten, als
Christ dürfe man nicht mehr tanzen, nicht mehr rauchen, nicht
mehr trinken, nicht mehr ins Kino gehen, dies und jenes nicht
mehr tun. jesus hat uns vom Gesetzesdenken nicht dazu befreit,
daß wir einer neuen Gesetzlichkeit verfallen. Schon die
Fragestellung ist verkehrt. Es geht nicht um die besorgte Frage:
Was darf ich als Christ tun, was muß ich lassen? Sondern es
geht um die beglückende Erfahrung: Als Christ brauche ich die
Freuden der Welt nicht mehr, kann ich gern alles lassen weil
meine Freude darin besteht, ihm Freude zu machen, so wie es
ihm eine Lust ist, mir Gutes zu tun. Und gebunden an ihn sind
wir völlig frei.
Wie aber komme ich zu dieser beglückenden Erfahrung? Wie
lerne ich, in der Freiheit zu bestehen, zu der Christus midi befreit
hat (Gal. 5, l)? Dazu brauche ich nur zweierlei zu wissen eine
Bewegung und ein Ziel , und es zu tun! Die Bibel läßt mich
darüber nicht im Unklaren. Es kommt nur darauf an, ob ich
willens bin, mich auf das Ziel hin in Bewegung zu setzen.

Die erste Weisung: Flucht!

Der erste Schritt auf dem Wege ist ein Innehalten und ein
Innewerden über dem schon eingangs genannten Schriftwort:
»Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist heilsam. Alles ist mir
erlaubt, aber ich darf mich von nichts beherrschen lassen. Die
Speisen sind für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott
aber wird sowohl jenen wie diese zunichte machen. Der Leib
dagegen ist nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn, und
der Herr für den Leib ... Wißt ihr nicht, daß eure Leiber Christi
Glieder sind? Oder wißt ihr nicht, daß, wer einer Dirne anhängt,
ein Leib mit ihr ist? ... Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein
Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt,
und daß ihr nid it euch selbst angehört? Denn ihr seid teuer
erkauft worden; so verherrlicht nun Gott mit eurem Leibe!« (l.
Kor. 6, 12. 13. 15. 16. 19. 20).

Das bedeutet praktisch: Wenn ich spüre, daß ich durch Dinge
der Lust und des Genus¬ses von Jesus abgelenkt werde, wenn
ich etwa merke, daß Illustriertenberichte mir die Bibellese
unmöglich machen, daß Film oder Fernsehen in meine Träume
und in mein Gebetsleben hineinfunken, daß ich beim Anblick
von Süßigkeiten diesen nicht widerstehen kann dann gibt es
tatsächlich nichts anderes, als diese Dinge aus freiem Entschluß
zu lassen.

Jesus sagt: »Wenn dich dein Auge ärgert, dann reiß es aus. Es
ist dir besser, daß du einäugig in den Himmel eingehst, als mit
zwei gesunden Augen in die Hölle« (Mark. 9, 47 ff.). Das ist klar
und deutlich. Anders ausgedrückt: Die erste Maßnahme, die die
Schrift uns diesen Verlockungen gegenüber befiehlt, die auf
unsere Sinneslust und unsere Genußsucht abzielen, ist schlicht
und einfach: Flucht. Fliehe vor der Sünde wie vor einer Schlange
(Sir. 21, 2)! Fliehe die Hurerei (1. Kor. 6, 18)! Fliehe vor dem
Götzendienst (1. Kor. 10, 14)! Fliehe die Lüste der Jugend (2.
Tim. 2, 22)! Du, Gottesmensch, fliehe solches 1l. Tim. 6, 11)!

Immer wieder die klare Anweisung: Flucht! Das ist keine


Feigheit, sondern schriftgemäße Weisung. Gottes Wort
empfiehlt es so. Und wenn wir es zehnmal erleben müssen, daß
wir darüber ausgelacht werden. Wenn wir es hundertmal hören
müssen: »Sei doch kein Spielverderber.« Wir sollen nicht die
Hand bieten, wenn wir zu unlauteren Dingen aufgefordert
werden.

Wir sollen den Fuß nicht gehen lassen, sondern umkehren,


wenn andere uns auf schlüpfrige Wege führen wollen. In der
Schule, bei der Berufsausbildung, am Arbeitsplatz, überall
werden wir, ob jung oder alt, von Dingen der Lust und des
Genusses angefochten, meist durch Verführung. Hier sich
abzuwenden, erfordert Mut. Das Mitmachen ist in Gottes Augen
Feigheit. In der Welt dagegen gilt das Mitmachen als Mut, und
wer sich davon fernhält, wird als feige verspottet.

Aber noch einmal: Bei diesen Anweisungen der Bibel geht es


nicht um Ver oder Gebote, sondern um verläßliche
Empfehlungen Gottes, der uns liebt. Alles ist erlaubt aber nicht
alles ist heilsam. Alles ist erlaubt aber ich darf mich von nichts
beherrschen lassen. Ich habe also die Wahl: Mitmachen oder
krank werden. Mitmachen oder unfrei werden. Darum geht es,
daß meine freie Entscheidung Konsequenzen hat. Deshalb sind
die Ratschläge Gottes wert, beachtet zu werden. Sie wollen uns
weder die Freiheit beschneiden noch die Lebensfreude nehmen.
Sie wollen uns vor uns selber schützen. Denn wer sich an Lust
und Genuß verliert, muß dafür zahlen. Er ist in Wirklichkeit
unfrei und verliert letzten Endes sein Menschsein. Gott aber will,
daß wir frei sind und uns freuen und daß unsere Freude
vollkommen sei. Es ist viel von Freude in der Bibel die Rede,
gerade im Neuen Testament. Und der Weg zur echten Freude
besteht darin, daß Gott uns durch jesus frei macht von den
Dingen, damit wir uns an den Dingen freuen können. Denn sie
sind ja von ihm für uns gemacht worden.

Auch die natürliche Reaktion des anständigen Menschen dieser


ersten Art von Anfechtungen gegenüber ist fehl am Platze, weil
sie nichts nützt. Wenn wir etwa anfangen, Askese zu treiben,
solchen Versuchungen aus eigener Kraft mit
Selbstbeherrschung widerstehen zu wollen, so werden wir dabei
elendig Schiffbruch erleiden. Idi habe es an mir selber erfahren
müssen. Mir wurde es auch in der Seelsorge immer wieder
eingestanden. Die Schrift hat recht: Der einzige Weg ist die
Flucht. Schau nicht hin, wenn die Bilder und Plakate locken!
Gehe nicht mit, wenn man dich zum Mittun verführen will oder
wenn es dich nach dem »süßen Leben« gelüstet! Halt deine
Hand fest, wenn sie nach Schmutz und Schund greifen oder sich
an deinem oder eines andern Leib vergreifen will! Laß die Leute
über dich lachen, über dich reden! Es geht um dich, um dein
Menschsein, daß dein Leib ein Tempel des Heiligen Geistes sein
darf. Um mehr noch geht es: um dein ewiges Leben, das Jesus
dir erworben hat. Setze es nicht aufs Spiel!

Die zweite Weisung: Zum Kreuz hin!

Jeder von den Ratschlägen, den die Schrift uns für das
Verhalten in der Anfechtung gibt, unterscheidet, wie schon
gesagt, zwei Stücke: eine Bewegung und ein Ziel. Das eine habe
ich für die erste Art eben genannt: Flucht! Das andere ist ebenso
wichtig: Nicht blindlings fliehen! Wir müssen wissen, wohin wir
zu fliehen haben vor den Verlockungen, die vom Fleische her auf
uns zukommen. Da heißt es: »Du aber, o Mensch Gottes, fliehe
dies, jage aber der Gerechtigkeit nach« (l. Tim. 6, 11). Das Ziel ist
also niemand anders als Jesu selbst, und zwar der Gekreuzigte.
Denn er ist uns von Gott gemacht zur Gerechtigkeit (l. Kor. 1,
30), d. h. in ihm haben wir durch seinen Kreuzestod die
Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, in ihm sind wir vor Gott richtig.
Hier erweist sich Jesus eindeutig als der Herr in einer irrenden
und berührenden Menschheit. Denn weil er gelitten hat und da
Del selbst versucht worden ist, vermag er denen, die versucht
werden, zu helfen (Hebr. 2, 18).

Das geschieht, wenn ich es fertig bekomme, bei Angriffen vom


Fleische her, die in mir Sinnlichkeit und Begierde erregen,
innezuhalten, die Augen zu schließen und zu rufen: »Herr Jesus,
hilf mir bitte! Ich will nicht unterliegen, aber ich schaffe es nicht
allein. Gib mir bitte Kraft aus deinem Sieg!« In dieser Weise
ehrlich zu beten, heißt sich zu jesus hinzuflüchten, an seinem
Kreuz sich zu bergen. Dann kann die Anfechtung dieser Dinge
nicht mehr gefährlich werden. Ein Spruch von Zinzendorf faßt
beide Stücke der biblischen Anweisung kurz und treffend
zusammen:

»Wenn mich die böse Lust anficht, so sag ich nur: Ich muß ja
nicht.
Ich sprech zur Lust, zur Welt, zum Geiz.
Dafür hing ja mein Herr am Kreuz.«
Das soll und darf unsere Einstellung sein: Ich muß nicht mehr
sündigen. jesus hat mich von Gebundenheit an Leib und Triebe
frei gekämpft. Dafür ist er ans Kreuz gegangen, daß ich, von
diesen Dingen angefochten, nicht mehr zu unterliegen brauche.
Solange ich aber immer noch damit spiele, solange ich meine,
ich könnte bis zu einer gewissen Grenze mitmachen, bin ich
noch der selbstherrliche Mensch, der zu stolz ist, sich dem
Worte Jesu zu beugen: »Wer in mir bleibt und ich in ihm, der
trägt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun»« (Joh.
15, 5). Auch Oberwindenkönnen ist eine Frucht, die nur aus dem
Bleiben in jesus erwächst. Wir dürfen nicht ausprobieren,
wieweit wir vielleicht aus eigener Kraft widerstehen können. Wir
müssen wissen, daß hier unsere schwachen Punkte sind, und
uns an die Weisung halten: Flucht von der Anfechtung hin zum
Kreuz!

Das Alte Testament hat hierfür ein sehr charakteristisches


Beispiel, den Bericht der Bibel über das Volk Israel, das auf der
Wanderung durch die Wüste immer wieder darüber murrt, daß
nicht genug zu essen da sei. Und einmal schickt Gott ihnen
Schlangen, durch deren Bisse viele Israeliten sterben (4. Mose
21, 4 9). Da wenden sie sich an Mose: »Bete doch für uns zum
Herrn, daß er uns die Schlangen wegnimmt.« Mose tut es, aber
die Erhörung fällt anders aus, als die Leute es sich gewünscht
haben. Gott nimmt nicht die Schlangen weg. So nimmt Gott uns
auch nicht die Anfechtung weg. Das wäre uns wohl das liebste.
Er sagt stattdessen zu Mose: Richte eine eherne Schlange auf
und lasse jeden in Israel, der von einer Schlange gebissen ist,
dorthin schauen. Dann wird er nicht sterben.»« Diese eine
Kopfwendung genügt: Blick von der leiblichen Anfechtung weg,
die auf dich zukommt, und schau den Gekreuzigten an dann
hast du überwunden!

Die zweite Art von Anfechtungen

Betrachten wir als nächstes die zweite Stoßrichtung, die


Anfechtungen von der Welt her, den Sog, der von der Welt auf
unsere Seele zielt. Er geht insbesondere aus von der Hetze, der
Hast und Unruhe, der Geschäftigkeit und dem Tempo, das das
Leben um uns herum bestimmt. Lassen wir uns nicht auch in
der Reichgottesarbeit allzu oft von Betriebsamkeit und falschem
Eifer mitreißen? Erleben wir es heute nicht auch unter Christen,
daß wir vieles mitmachen wollen, was die Welt tut?
Fortschrittlich und modern sein, überkommene Traditionen als
überholt abwerten das ist die Parole. Auch an die Gemeinde
tritt immer wieder die Versuchung heran, sich der Welt
anzupassen, d. h. in einem falschen Sinne unter Verkürzung
der Botschaft, die wir der Welt zu geben haben weltoffen zu
sein. Das birgt eine große Gefahr für jeden einzelnen von uns.

Weitere Einflüsse, die von der Welt her auf unsere Seele zielen,
sind falscher Ehrgeiz, Geltungssucht, Ehre suchen bei den
Menschen, Stolz, das Streben nach Besitz, nach Macht und
Einfluß, nach Herrschaft. Das gilt zunächst für das
gesellschaftliche Leben in Beruf, Bekanntenkreis und Familie.
Sind nicht auch wir Christen in der Gefahr, bei Feiern und
Festen groß anzugeben? Mit großartigem Essen und
aufwendigem Drum und Dran Eindruck zu machen? Wer wagt es
dem gegenüber, um Jesu willen eine Familienfeier in einem
bescheidenen Rahmen auszurichten und nicht das Essen in den
Mittelpunkt zu stellen, sondern das Wort Gottes?

Gerade diese Mitte soll uns ja genommen werden. Hetze, Unruhe


und Terminkalender, Streben nach Ansehen und Einfluß sollen
uns die tägliche stille Zeit rauben. Das ist der Sinn, den Satan
damit verbindet. Er will uns vom Bibellesen abbringen, von der
Stille und vom Gebet.
Das Streben nach Macht und Einfluß, nach Wohlstand und
Sicherheit prägt aber auch das Handeln in der Politik und
Weltwirtschaft. Neben die großen Machtblöcke der Union der
sozialistischen Sowjetrepubliken Rußlands mit ihren Satelliten
auf der einen Seite und den Vereinigten Staaten von Amerika mit
ihren Partnerländern Westeuropas auf der anderen Seite sind
inzwischen die Volksrepublik China, die Staaten des
afrikanischen Kontinents und die reichgewordenen arabischen
Erdölländer getreten. jeder denkt nur an sich, schaut nur auf das
Seine, strebt nach oben oder will oben bleiben, vertritt seine
Ideologie und will damit die Welt überziehen.

Und so entstehen politische und wirtschaftliche Probleme


weltweiten Ausmaßes mit Krieg, Revolution, Terrorismus,
Unterdrückung, Inflation, Teuerung, Arbeitslosigkeit,
Hungersnot, Rohstoffverknappung, Umweltverschmutzung und
aus alledem tiefgreifende Sorgen der Völker, der
gesellschaftlichen Institutionen bis hin zu Fragen der Existenz,
des Überlebens, des Davonkommens der einzelnen. Auch von
dieser Seite dringt die Welt mit ihren Problemen und Sorgen auf
die Seele des Christen ein und bringt ihn in Unruhe, raubt ihm
die Möglichkeit der Stille.

Die erste Weisung: Abstand!

Welche Weisung gibt uns nun die Schrift als Gegenmaßnahme


gegen all die Unruhe und Angeberei, die von der Welt her uns
ergreifen und vom Eigentlichen, den vier Kraftquellen, ablenken
will? Hier heißt das erste Stück, die Bewegung: »«Stellet euch
dieser Welt nicht gleich»« (Röm. 12, 2). Mit anderen Worten:
Haltet Abstand! Wahrt Distanz! Wagt es, anders zu sein als die
anderen, und haltet in dieser Spannung aus! Es geht tatsächlich
um ein Aushalten.

Unser irdisches Leben als Christen vollzieht sich ja in dreifacher


Hinsicht in unreiner Umgebung. Da sind zunächst wir selber,
unser Fleisch, von dem es im Neuen Testament heißt: »«Ich
weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes
wohnt. Denn das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, das
Vollbringen des Guten aber nicht. Denn nicht das Gute, das ich
will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, das führe ich
aus. Nach dem inwendigen Menschen habe ich Lust zum Gesetz
Gottes; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern,
das dem Gesetz meines Innern widerstreitet und mich zum
Gefangenen des Gesetzes der Sünde macht, das in meinen
Gliedern ist»« (Röm. 7, 18. 19. 22. 23). Diese unreine Umgebung
meines eigenen Ichs Selbstsucht in Form von Lust und Genuß
überwinde ich in dem Wissen: »«Was ich aber jetzt im Fleische
lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich
geliebt und sich für mich dahingegeben hat»« (Gal. 2, 20). In
diesem Wort leuchtet noch einmal die Weisung zur Überwindung
der ersten Art von Anfechtungen auf.
Die zweite unreine Umgebung ist die Welt, die Menschheit als
solche. Von ihr heißt es: »«Und wie sie (die Menschen) es
verworfen haben, Gott recht zu erkennen, so gab sie Gott in
einen verworfenen Sinn dahin, zu tun, was sich nicht geziemt;
sie, die erfüllt sind mit jeglicher Art von Ungerechtigkeit,
Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader,
Betrug, Tücke, Ohrenbläser, Verleumder, Gottesfeinde, Frevler,
Hochmütige, Prahler, erfinderisch im Bösen, ungehorsam gegen
die Eltern, unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig; sie die
das Recht Gottes zwar kennen (daß nämlich die, welche solches
verüben, des Todes würdig sind), aber nicht nur selbst dies tun,
sondern auch ihr Wohlgefallen an denen haben, die es
verüben»« (Röm. 1, 29 32). Von solcher Umgebung geht die
zweite Art von Anfechtungen aus, und ihr gegenüber sollen wir
das ist hier die erste Weisung der Schrift Abstand wahren.

Die dritte unreine Umgebung, in der wir leben, ist das Reich der
Finsternis. Darauf komme ich bei der dritten Art von
Anfechtungen zurück. Zunächst geht es um die Anfechtungen
von der Welt her, zu deren Überwindung wir noch das zweite
Stück, das Ziel, hören müssen.

Die zweite Weisung: Umwandlung!

Die Weisung von Römer 12, 2 lautet vollständig: »Stellet euch


dieser Welt nicht gleich, sondern laßt euch umwandeln durch
Erneuerung eurer Sinne.« Das bedeutet wieder etwas ganz
Entscheidendes. Es wäre für manche z. B. sehr einfach, Abstand
von der Welt zu halten, indem sie sich aus ihr zurückziehen, in
dieser oder jener Form ein Einsiedlerleben führen oder in engen
Kreisen und Gemeinschaften zusammenhocken und nichts mehr
von der Welt wissen wollen. Das aber wäre verkehrt. Damit sage
ich nichts gegen Bruderschaften oder Schwesternschaften, die
sich gerufen wissen, zur Anbetung Gottes, zum Mitleiden mit
Jesus Christus (Kol. 1, 24) und zur Seelsorge an den Menschen
sich zusammenzuschließen. Für uns, die wir in Beruf und
Familie stehen, ist das Abstandhalten von der Welt anders
gemeint. Wir haben das Hohepriesterliche Gebet unseres Herrn
zu beachten . »Sie sind nicht mehr von der Welt, wie ich nicht
von der Welt bin, aber ich bitte dich nicht, daß du sie aus der
Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst. So
wie du mich geschickt hast in die Welt, sende ich sie in die
Welt« (Joh. 17, 15 18).

Wir haben einen Auftrag in der Welt und an die Welt. Deswegen
dürfen wir uns nicht aus der Welt zurückziehen, müssen aber
stets darauf achten, daß wir der Welt gegenüber Distanz wahren.
Wir dürfen nicht alles mitmachen um unseres Auftrags willen.
Vielmehr sollen wir uns umwandeln lassen. Das Abstandhalten
von der Welt bedeutet also, daß wir in diesem Abstand die Stille
gewinnen, die wir brauchen, um Gemeinschaft mit jesus zu
haben, um seine Stimme zu hören und von ihm her uns sagen zu
lassen, was bei uns anders werden soll. Wir werden unter
seinem Wort laufend umgeprägt, und das große Ziel, auf das hin
wir umgestaltet werden sollen, ist das Wesen Jesu Christi, sein
Ebenbild. Das aber ist unmöglich, wenn wir uns vorn Wesen der
Welt mitreißen lassen. Deshalb ist der Abstand von der Welt
notwendig und in ihm die Stille, die Bibellese, das
immerwährende Gebet zu jesus, damit er uns umprägen und
zurüsten kann. Alles das aber in dem Wissen um das Wort Jesu:
»Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und
euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht tragt und daß
eure Frucht bleibe. Wenn die Welt euch haßt, so erkennet, daß
sie mich zuerst gehaßt hat. Wenn ihr aus der Welt wäret, würde
die Welt das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht aus der Welt seid,
sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, deshalb haßt euch
die Welt« (Joh. 15, 16. 18. 19). Und die Frucht, um die es dabei in
erster Linie geht, wird uns wie folgt verheißen: Die Frucht des
Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit,
Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (Gal. 5, 22).

Das also ist für die zweite Art von Anfechtungen die Anweisung
der Schrift. Bei jedem Angriff auf unsere Seele durch Unruhe,
Ehrgeiz, Geltenwollen, Stolz, durch Habsucht, Geiz oder Neid,
durch Sorgen oder Existenzangst loslassen, von der Welt
Abstand wahren und in diesem Abstand stillehalten, beten und
auf das Wort Gottes in der Bibel hören, damit jesus uns
umwandeln und mit neuer Vollmacht in die Welt senden kann!
Abstand von der Welt zur Umwandlung für die Welt!

Die dritte Art von Anfechtungen


Nun die dritte Richtung und das dritte Ziel der Anfechtungen,
unser Geist, d. h. unser Verstand und unser Denken. Hier, sagte
ich schon, kommt Satan selbst auf uns zu in Form von
Einflüsterungen, Eingebungen, Gedanken. Bei den beiden ersten
Arten von Anfechtungen tarnt er sich und verschanzt sich hinter
unserem Ich oder hinter der Welt.

Das erste, was er uns schickt, ist Zweifel am Worte Gottes.


Sollte Gott gesagt haben? Ist die Bibel wirklich Gottes Wort? Ist
nicht so vieles in der Bibel spätere Zutat? Von den
Nachbarreligionen übernommen oder von der Urgemeinde
hinzugefügt? Ist jesus wahrhaftig auf erstanden? Ist er Gottes
Sohn? Haben sich die Wunder wirklich ereignet? Oder handelt
es sich dabei nur um Märchen und Mythen und Legenden? Der
Zweifel an der absoluten Zuverlässigkeit des Wortes Gottes
schleicht sich wohl bei jedem Blatt der Bibel in unser Denken
ein.

Und immer steckt der Teufel dahinter, der uns aus dem
Kraftbereich des Wortes Gottes herauslocken will auch wenn er
sich in Menschengestalt tarnt. Der Spötter, der sich über den auf
die Bibel Vertrauenden lustig macht; der Gottlose, der Bibel und
Gemeinde mit Haß und Verachtung verfolgt; der Humanist, der
die in der Bibel überlieferten göttlichen Normen um einer neuen,
menschlichen Wünschen angepaßten Moral willen beiseite
schiebt; der Irrlehrer, der die Bibel als Menschenwort hinstellt
und Gottes große Taten in menschliche Reflektion umdeutet
sie alle dünken sich klug und dem Glaubenden überlegen und
sind doch nur Werkzeuge im Dienste einer Macht, von der sie
nichts wissen wollen. Sie kommen uns mit bestechenden
logischen Argumenten, sie bringen uns wohltemperierte
philosophische Konzeptionen, sie verweisen uns auf
religionsgeschichtliche Parallelen in antiken Sagen und
beseitigen uns das Ärgernis in der Botschaft und der Passion
Jesu.

Und das alles aus »ehrlicher« Überzeugung, daß es nicht so


gewesen sein kann, wie es die Bibel überliefert. Wenn überhaupt
noch Glaube möglich sei, so meinen sie, dann nur als
verstehender Glaube. Gott sei Dank, daß sie sich selbst nicht
darüber einig sind, wie unser Glaube zu verstehen sei, und daß
alles, was sie anbieten, so kompliziert ist, daß es kaum einer
versteht!

Jesus urteilt darüber: »Ihr irrt, indem ihr die Schriften nicht
kennt noch die Kraft Gottes« (Matth. 22, 29). Und Paulus sagt es
in gleicher Weise: »Werdet rechtschaffen nüchtern und sündigt
nicht; denn gewisse Leute haben keine Erkenntnis Gottes« (l.
Kor. 15, 34). Schließlich schreibt Tertullian, einer der ersten
christlichen Apologeten (um 200): »Welche Weise könnte ihnen
(dem Satan und seinen Dämonen) mehr am Herzen liegen, als
daß sie den Menschen vom Gedanken an die wahre Gottheit
abbringen durch falsche Gaukeleien ... Alle Mittel gegen die
Wahrheit sind auf der Wahrheit selbst aufgebaut, und diese
Rivalität bewirken die Geister des Irrtums. Von ihnen sind ...
Verfälschungen der Heilslehre aufgebracht worden, von ihnen
auch manche dichterische Mythen eingegeben, die durch ihre
Ähnlichkeit den Glauben an die Wahrheit erschüttern oder
vielmehr ihn sich selber verschaffen sollen, so daß man deshalb
den Christen nicht glauben zu müssen meint»« (Apologeticum,
übersetzt von C. Becker, 22, 7 und 47, 11).

Hier wird die dritte unreine Umgebung, in der wir leben, das
Reich der Finsternis, in seinen Auswirkungen besonders
deutlich. Jesus warnte einmal Juden, die zum Glauben an ihn
gekommen waren, in denen aber sein Wort keinen Fortschritt
machte (Joh. 8, 31. 37), sehr scharf: »Warum versteht ihr meine
Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr stammt
vom Teufel als eurem Vater und wollt die Gelüste eures Vaters
tun. Der war von Anfang an ein Menschenmörder und stand
nicht in der Wahrheit; denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er
die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen; denn er ist ein
Lügner und ein Vater derselben. Wer aus Gott ist, hört die Worte
Gottes; deshalb hört ihr sie nicht, weil ihr nicht aus Gott seid«
(Joh. 8, 43. 44. 47).

Wo immer Lüge und Irrtum herrschen, ist Satan am Werk, sogar


wenn es ihn selbst betrifft. Ihm liegt nichts daran, daß wir an
seine Existenz glauben. Er freut sich, wenn man ihn und seine
Dämonen als mythologische Figuren erklärt oder ihn lediglich
als Idee, als Prinzip, als das Böse versteht. Auch wer von seiner
Existenz überzeugt ist, wird immer wieder von ihm getäuscht.
Satan versucht nicht, gute Menschen schlecht oder böse
Menschen noch schlechter zu machen. Im Gegenteil, er redet
Menschen ein, sie könnten von sich aus gut werden - ohne
Jesus Christus, etwa nach der Devise: Tue recht und scheue
niemand. Eine Religion sei so gut wie die andere. Man brauche
es mit dem christlichen Glauben und der Bibel nicht so genau zu
nehmen.

Hand in Hand mit dem Ausstreuen von Zweifeln an der


Glaubwürdigkeit der biblischen Zeugnisse und von Irrtümern in
ihrer Bewertung bewirkt Satan eine Stärkung des Vertrauens zu
uns selbst. Das drückt sich etwa in einer anthropozentrisch
ausgerichteten Theologie aus, aber ebenso im einseitigen
Herausstellen einzelner Bibelworte ohne Rücksicht auf das
Gesamtzeugnis der Bibel. Einen solchen fanatischen Gebrauch
des Wortes Gottes finden wir bei Sektierern, Schwarmgeistern
und anderen Eiferern. Sie verführen manchen zu einem falschen
Glaubensleben. Eine weitere Folge sind christlich gefärbte
Religionsgemeinschaften, die neben dem Erlösungswerk Jesu
Christ, noch eine Leistung seitens des Menschen für notwendig
erachten. Damit sind wir nicht weit vom Weg der Selbsterlösung
durch eigenes Tun oder Verhalten. Selbst in den christlichen
Gemeinden und Gemeinschaften kommen leider immer wieder
selbstische Eigenschaften wie Ichbezogenheit, Lieblosigkeit,
Hochmut vor und zeugen von einem Denken, das nicht unter der
Zucht Christi steht, sondern noch vom Gegenspieler beherrscht
wird. Aber auch Müdigkeit im Glaubensleben, Verzagtheit,
Unlust zum Bibellesen, Abhaltungen vom Beten Satan uns auf
dein Umweg über unser Denken. Sowie er merkt, wir wollen
Gemeinschaft mit Jesus und seinem Wort haben, ist er auf dem
Plan und läßt uns störende Gedanken einfallen oder macht uns
müde und läßt uns einschlafen. Das deutlichste Beispiel aus
dem Neuen Testament ist Jesu Erfahrung in Gethsemane: »So
wenig vermochtet ihr, eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet
und betet, daß ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist zwar ist
willig, das Fleisch aber ist schwach ... Und er kam und fand sie
abermals schlafend; denn ihre Augen waren vom Schlaf
überwältigt« (Matth. 26, 40 43).

Ebenso gehören die Anfechtungen, die uns durch Krankheiten,


schweres Geschick und Leid jeder Art bereitet werden, in diese
dritte Kategorie. Denn sie bringen uns ins Grübeln: Warum läßt
Gott das zu? Warum geht es mir so schlecht? Warum haben es
die Gottlosen so viel besser? Wir kennen solches Fragen aus
manchen Psalmen und aus eigener Erfahrung. Jedes »Warum?«
zu Gott hin ist im Grunde ein Zweifel an seiner Gerechtigkeit und
seiner Güte und deshalb vom Satan.

Die erste Weisung: Widerstand

Was ist nun dieser dritten Art von Anfechtungen gegenüber die
Maßnahme, die die Bibel uns als erstes vorschreibt? Da heißt es
ganz eindeutig: »Widerstehet dem Teufel, dann fliehet er von
euch« (Jak. 4, 7). Hier geht es tatsächlich um Widerstand. Ich
erinnere an dieser Stelle an den ersten Punkt unserer
Betrachtung. Wir sind meist geneigt, dort Widerstand zu leisten,
wo Versuchungen vom Fleische her auf uns zukommen. Da
versuchen wir es mit Askese und Selbstbeherrschung. Da
meinen wir, wir hätten die Kraft mitzumachen, ohne zu fallen.
Und hier, bei den Versuchungen vom Denken her, wo der Teufel
auf uns zukommt, laufen wir weg. Denn ein Nachgeben
gegenüber den Zweifeln an der Zuverlässigkeit des Wortes
Gottes, ein Ansiechreißen und Uminterpretieren seines Wortes,
ein Nachlassen im Wachen und Beten, ein Grübeln über der
Gerechtigkeit Gottes ist Flucht Flucht in autonomes Denken, in
das eigene Ich, in Kleinglauben und Irrglauben. Das lehrt uns
insbesondere die Geschichte vom Sündenfall, die mit Zweifel
beginnt (l. Mose 3, 1) und Flucht vor Gott zur Folge hat (l. Mose
3, 8).

Die Schrift aber gibt uns die umgekehrte Weisung. Flucht bei all
den Verlockungen, die auf unseren Leib zukommen, jedoch
Widerstand gegenüber den Versuchungen vom Denken und vom
Verstand her. Wie der Widerstand zu praktizieren ist, zeigt uns
am besten jesus selbst, als er vom Teufel versucht wurde
(Matth. 4, 1 11): »Es steht geschrieben!« Das ist die Waffe, mit
der Jesus gestritten hat und die auch wir anzuwenden haben.
Wenn heute einer von jenen Theologen auf uns zukommt, die
uns einen verkürzten Christus verkündigen einen Christus, der
nicht der Sohn Gottes ist, der nicht für uns gestorben ist, der
uns nicht durch sein Blut erlöst hat, der nicht auferstanden ist,
der nicht zum Gericht wiederkommen wird so sollen wir uns
nicht auf Diskussionen mit ihm einlassen. Da werden wir immer
den kürzeren ziehen, weil er uns im Argumentieren überlegen
ist. Aber wenn wir ihm »naiv« erklären: »Das leuchtet mir nicht
ein; in meiner Bibel steht es anders!»«, dann wird er sich
geschlagen geben. Denn er kommt mit einem großen
Sendungsbewußtsein zu uns, daß er endlich die richtige Art
bringe, wie die Bibel auszulegen sei, und daß wir glücklich sein
müßten, diese neue Erklärung zu bekommen.

Die zweite Weisung: Vom Kreuz her

Allerdings muß man selbst fest im Worte Gottes, d. h. in


Christus gegründet sein, ehe man sagen kann: »Das leuchtet mir
nicht ein; es steht geschrieben!« Es kann sein, daß der Teufel
trotz unseres Widerstandes durchaus nicht flieht. Denn auch
diese Weisung der Schrift hat ihre andere Hälfte. Es heißt (Jak.
4, 7): »Unterwerfet euch Gott und widerstehet dem Teufel; dann
fliehet er von euch.»« Wir können dem Teufel nicht aus eigener
Kraft widerstehen. Ein solcher Versuch wäre vollkommen
nutzlos. Wir können ihm nur dann Widerstand leisten, wenn wir
uns zuvor Gott unterworfen haben. Anders ausgedrückt. Wir
brauchen die volle geistige Waffenrüstung, die uns im
Epheserbrief genannt wird (Eph. 6, 13 17), den Panzer der
Gerechtigkeit, d. h. das Blut Jesu Christi, das uns deckt und
schützt, ferner den Helm des Heils, den Schild des Glaubens,
das Schwert des Geistes, den Gürtel der Wahrheit, die Schuhe
der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verkünden.
Diese Rüstung anlegen heißt: »«Unterwerfet euch Gott!»« Oder
noch anders ausgedrückt: Kämpfe vom Kreuze her! Denke
daran, daß der Gekreuzigte für dich gestorben ist! Sei gewiß,
daß du in der Beugung und Buße vor Gott Vergebung und
Vollmacht empfangen hast!

Auch als Glaubende können wir nicht hindern, daß uns


schlechte Gedanken kommen: selbstsüchtige, nachtragende,
zweifelnde, schmutzige, böse, mitunter sogar lästerliche. Satan
schickt sie uns. Aber wir können und müssen verhindern, daß
sie sich bei uns festsetzen. Kommt es zu solchen Gedanken,
dann sofort mehrmals nachdrücklich zu jesus rufen Herr Jesus,
ich will so etwas nicht denken. Wehre du bitte dem Bösen, daß
er von mir abläßt!

Und wenn dich Satan ganz hartnäckig angreift und verfolgt,


dann gehe gegen ihn an mit dem stillen Gebet »Ich bin ein
jünger Jesu; ich stehe unter dem Schutz des Blutes Jesu, das
auch für mich geflossen ist. In seinem Namen gebiete ich dir:
Hebe dich hinweg, Satan!«
Vom festen Gegründetsein im Worte Gottes, gewonnen aus
ehrfürchtigem Forschen in der Schrift und treuem Umgang mit
dem Herrn im Gebet, bis hin zu dieser schärfsten Form des
Widerstandes: »Hebe dich hinweg, Satan!« brauchen wir che
ganze Waffenrüstung Gottes, um Anfechtungen, die auf unseren
Geist zukommen, überwinden zu können.

Abschluß und Hilfen

Zusammenfassung

Damit habe ich die drei Richtungen angegeben, aus denen


Anfechtungen auf uns zukommen und uns abziehen wollen von
den Kraftquellen des Glaubens. Wir haben aber auch die drei
Gegenmaßnahmen gehört, die den Jüngern Jesu von der Schrift
her gewiesen werden und die auch wir gebrauchen sollen. Noch
einmal: Im ersten Falle, bei den Versuchungen vom Fleisch her,
Flucht von den Anfechtungen weg zum Kreuz Jesu hin. Im
zweiten Fall, bei den Anfechtungen von der Welt her, Abstand
von ihr wahren und in diesem Abstand bei jesus am Kreuz sein.
Und im dritten Fall, bei den Anfechtungen vom Teufel selbst her,
Widerstand gegen Satan vom Kreuze aus. Diese drei Mittel sind
so einprägsam in ihrer Bewegung Flucht auf das Kreuz zu,
Verharren am Kreuz, Vorstoß vom Kreuz her daß sie jedes Kind
behalten kann. So wunderbar einfach und klar ist die Schrift in
ihren Anweisungen.

Wir müssen sie uns nur einmal deutlich gemacht haben. Dann
erkennen wir zugleich, daß wir die Anfechtungen brauchen, da
wir an ihnen im Glauben wachsen und reifen. Und wir wissen
uns in ihnen gehalten vom Herrn und gestärkt durch sein Wort:
»Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle! Es
hat euch noch keine Versuchung erfaßt als nur menschliche;
Gott aber ist getreu, der euch nicht über euer Vermögen wird
versuchen lassen, sondern mit der Versuchung auch den
Ausgang schaffen wird, so daß ihr sie ertragen könnt« (l. Kor.
10, 12. 13).

Nun heißt es nur noch lernen, im Einzelfall die Diagnose zu


finden. Ich habe hier betont systematisch gesprochen. Häufig
sind die Zusammenhänge nicht immer so einfach
auseinanderzulegen, sondern es kommen Anfechtungen auch in
gemischter Form auf uns zu, etwa Welt und Fleisch zugleich auf
unseren Leib oder Welt und Teufel zugleich auf Geist und Seele.
Aber wenn wir überhaupt einmal die drei Angriffsrichtungen und
ziele zu unterscheiden gelernt haben, sollte es uns leicht fallen,
auch in Anfechtungen gemischter Art die Hauptquelle
herauszufinden. Daß wir dann wissen, wie wir uns zu verhalten
haben, ist das Entscheidende.

Aber so einfach die Anweisungen der Schrift sind, sie müssen


geübt werden. Wir können sie nicht von selber. Wir lernen sie
auch nicht von heute auf morgen. Und wenn wir fallen, so wollen
wir nicht aufgeben, nicht verzweifeln. Wir lernen dadurch nur um
so besser die schwachen Stellen in uns kennen, und das ist
wichtig. Denn das Ziel jeder Anfechtung ist ihre Überwindung.
Dazu haben wir bei unserem Herrn noch einmal in die Schule zu
gehen, und es schadet nichts, wenn wir zu wollen Fünfen
schreiben oder nicht versetzt werden. Nur ei dadurch, daß wir
versagen, aber dann doch wieder zurückfinden zu unserem
Herrn und uns vergeben lassen, üben wir uns im Überwinden,
spüren wir seine Nähe und seine Hilfe. Er ist ein wunderbarer
Lehrer, unbe¬stechlich in seiner Gerechtigkeit, unübertroffen in
der rechten Anwendung von Liebe und Strenge. Er bringt uns
durch, auch wenn wir noch so ungeschickt sind. Die Hauptsache
ist, daß wir an ihm bleiben. Das ist der Weg zur Lösung jeder
Krise, für den Christen wie für den autonomen Menschen. Beide
brauchen dazu seelsorgerlichen Beistand und sollten ihn
suchen und in Anspruch nehmen. Der Weltmensch verliert dabei
zwar seine Autonomie, tauscht jedoch etwas Besseres ein: Er
wird frei von sich selbst, frei von den Dingen dieser Welt, frei
von der Angst und von der Macht der Finsternis.

Gebete in der Anfechtung

Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann


werde ich kommen und Gottes Angesicht schauen? Tränen sind
meine Speise geworden bei Tag und Nacht, da man täglich zu
mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Was bist du so gebeugt, meine Seele, und so unruhig in mir?
Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, ihm, meinem
Helfer und meinem Gott! - Psalm 42, 3. 4. 6.

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir, höre auf meine Stimme! Laß
deine Ohren merken auf mein lautes Flehen! Wenn du die
Sünden anrechnest, Herr, wer kann bestehen? Doch bei dir ist
Vergebung, auf daß man dich fürchte. Ich hoffe auf dich, o Herr,
meine Seele hofft auf dein Wort. - Psalm 130, 1- 5

Zu dir, o Herr, erhebe ich meine Seele, deiner harre ich allezeit,
mein Gott. Auf dich vertraue ich, laß mich nicht zuschanden
werden, laß meine Feinde nicht über mich frohlocken.
Nein, keiner, der auf dich harrt, wird zuschanden. Zuschanden
werden die schnöden Verräter.
Zeige mir, o Herr, deine Wege, deine Pfade lehre mich. Leite
mich in deiner Wahrheit, lehre midi. Denn du bist der Gott
meines Heils.
Gedenke, o Herr, deiner Barmherzigkeit und deiner Gnaden, die
von Ewigkeit her sind. Der Sünden meiner Jugend gedenke
nicht! Nach deiner Gnade gedenke mein, o Herr, um deiner Güte
willen. - Psalm 25, 1 - 7

Das will ich zu Herzen nehmen, darum will ich hoffen. Die
Guttaten des Herrn sind noch nicht aus, ja, sie sind noch nicht
zu Ende. jeden Morgen neu ist sein Erbarmen, und groß ist seine
Treue. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich
auf ihn hoffen. Der Herr ist gütig gegen den, der auf ihn hofft,
gegen die Seele, die ihn sucht. Es ist gut, in Stille zu harren auf
die Hilfe des Herrn. - Klagelieder 3, 21 – 26

Trost und Verheißung

In allem werden wir bedrängt, aber nicht in die Enge getrieben,


in Zweifel versetzt, aber nicht in Verzweiflung, verfolgt, aber
nicht verlassen, zu Boden geworfen, aber nicht vernichtet. Daher
werden wir nicht mutlos, sondern ob auch unser äußerer
Mensch zerstört wird, so wird doch unser innerer von Tag zu
Tag erneuert. Denn die schnell vorübergehende leichte Last
unserer Trübsal schafft uns nach überreichem Maße zu
überreichem Ertrag ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, da wir
nicht schauen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.
Denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig. - 2.
Korinther 4, 8. 9. 16 18
Selig ist der Mann, der die Versuchung standhaft erträgt, denn
nachdem er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens
empfangen, welche er (Gott) denen verheißen, die ihn lieben. -
Jakobus l, 12
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des
Teufels zerstöre. - 1. Johannes 3, 8

Die große Versuchung

Neben all den vielen Versuchungen und Anfechtungen, von


denen hier gesprochen wurde, kommt in der heutigen Zeit, die ja
bereits endzeitlichen Charakter trägt, einer Versuchung ein
besonderes Gewicht zu. Von ihr spricht Jesus im Sendschreiben
an die Gemeinde in Philadelphia (Offb. 3, 10): »«weil du bewahrt
hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren
vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den
ganzen Erdkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden.»«
Worin die Versuchung im einzelnen bestehen wird, sagt Jesus
nicht, aber daß auch die Gläubigen in ihr nicht ohne ihn werden
standhalten können, sagt er zum einen in Matthäus 24, 21 22,
zum andern in der sechsten Bitte des Vaterunsers: »«Führe uns
nicht in Versuchung.»« Diese Bitte schließt das ein, was jesus
der Gemeinde in Philadelphia verheißt: sie zu bewahren vor der
Stunde der Versuchung, d. h. sie gar nicht erst in die
Versuchung hineingeraten zu lassen.
Die Gemeinde in Philadelphia ist die einzige der sieben
Sendschreiben Gemeinden, die Jesus durch diese Verheißung
auszeichnet. Was ist das Wesentliche an ihrem Verhalten? Was
ist es, das jesus an ihr anerkennt und lobt? Es sind die Worte,
mit denen er ihr die offene Tür' zusagt, d. h. die Möglichkeit, im
Segen für ihn zu wirken: »«Du hast eine kleine Kraft und hast
mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet»«
(Offb. 3, 8). Wie dürfen wir das verstehen?

Kleine Kraft, das bedeutet: Die Gemeinde überhebt sich nicht,


bildet sich nichts ein auf ihr Leben in der Nachfolge und auf ihre
Missionstätigkeit. Sie gibt in allem jesus die Ehre. Sie begnügt
sich nicht nur mit der kleinen Kraft, sie bittet darum. Denn ihr
liegt an seiner Gnade, weil sie weiß: Seine Kraft ist in den
Schwachen mächtig (2. Kor. 12, 9). Sie schaut nicht auf sich,
sondern auf ihn in allem, was sie tut.

Mein Wort behalten, das bedeutet: Für sie ist die Bibel Gottes
Wort, absolut zuverlässig und alleiniger Maßstab für Glauben
und Leben. Die Gemeinde läßt sich nicht irremachen durch neue
Lehren, weiß aber auch daß nicht der Buchstabe, sondern der
Geist das Bibelwort mit Leben füllt und daß über dem
geschriebenen Wort das lebendige Wort, Jesus, steht. Er ist es,
der zu behalten ist. Insbesondere hebt jesus hervor, daß die
Gemeinde »«das Wort von seiner Geduld»« behalten hat, d. h.
von seiner sich hinziehenden Wiederkunft. So erwartet er auch
heute von den Seinen, daß sie nicht nur fest mit seiner
Wiederkunft rechnen, sondern sich in großer Freude und
sehnendem Verlangen darauf zubereiten.

Meinen Namen nicht verleugnen, das bedeutet: Die Gemeinde


bekennt sich zu Jesus als dem Sohne Gottes, von der Jungfrau
Maria geboren. Sie bekennt, daß in ihm der allmächtige Gott
Mensch geworden ist, um stellvertretend für die verlorene
Menschheit das Sühnopfer zu bringen, das jeden, der es
annimmt, mit Gott versöhnt. Sie bekennt, daß jesus gekommen
ist, die Werke des Teufels zu zerstören und daß er durch seinen
Gehorsam bis zum Tode am Kreuz Hölle Tod und Teufel
überwunden hat. Sie bekennt sich zu Jesus, dem Gekreuzigten
und Auferstandenen, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist
regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Damit ist in Kürze angegeben, was jesus von den Seinen


erwartet, wenn er sie vor der Stunde der Versuchung bewahren
soll. Dazu läßt er seinen Ruf hören: »«Tut Buße und glaubt an
das Evangelium!»« Wir dürfen daran glauben, daß in jesus die
Herrschaft Gottes begonnen hat und bald zum vollen
Durchbruch kommen wird. Alle andern Mächte, so stark sie sich
geben und so heftig sie die Gemeinde Jesu verfolgen, sind im
Vergehen. Im Namen JESUS liegt die Kraft, vor der sie weichen
müssen, vor der aber auch alles in uns weichen muß, was
Sündenerkenntnis und Buße hindern will.

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Heilung Kranker u. Besessener


Friedrich Sondheimer

Heilung Kranker und Besessener

Krankenheilung

Es gibt unheimlich viele Krankheiten unter den Menschen. Jedes


Organ unseres Leibes kann von den verschiedenartigsten
Krankheiten befallen werden. Ein Heer von Ärzten müht sich,
diese Not zu lindern. Und doch sind wir noch weit davon
entfernt, sagen zu können, daß wir sie bald beseitigt hätten,
obgleich gewiß schon viel erreicht worden ist.

Wir wollen diese wichtigen Dinge vom biblischen Standpunkt


aus prüfen und dann untersuchen, wie es heute mit der
Krankenheilung und Dämonenaustreibung bestellt ist. Im Blick
auf das weite Gebiet kann es allerdings nur eine Art Skizze sein.

Gründlich habe ich mich mit diesem Stoffe im Lichte der


Heiligen Schrift befaßt, habe vor allem sämtliche einschlägigen
Stellen des Neuen Testamentes überprüft, in Beziehung
zueinander gesetzt und alles mit dem persönlichen Erleben in
Verbindung gebracht. In sorgfältigen Zählungen habe ich
festgestellt, daß es im Alten Testament mindestens achtzig
Stellen gibt, besonders in den Psalmen, und im Neuen
Testament deren an einhundertunddreißig, die davon handeln.
Schließen wir die 15 negativen Stellen der
Gerichtsheimsuchungen der Offenbarung Johannes aus, die ja
auch von Krankheiten reden, so haben wir im Neuen Testament
immer noch 115 Stellen über diesen Gegenstand, davon
vierundachtzig, die nur einmal vorkommen, während die 31
anderen in den Evangelien als Parallelstellen wiederholt sich
finden. Auf das verschieden häufige Auftreten der einzelnen
Begriffe und ihre Wertung kann ich leider nicht eingehen,
möchte aber so viel sagen, daß von den rund 5200 Vokabeln des
Neuen Testamentes 115 spezifisch die Kranken- und
Dämonenangelegenheit betreffen. Es handelt sich dabei um 85
Begriffe, unter ihnen 23 Hapaxlegomena (= Wörter, die sich nur
ein einziges Mal im N. T. finden). Außer diesen Wörtern werden
natürlich noch viele andere in den betreffenden Geschichten
gebraucht, die aber nicht spezifisch für diese Untersuchung in
Frage kommen.

Aus einer von mir aufgestellten Übersicht geht jedenfalls hervor,


daß schon im Alten Testament wie auch im Neuen die Heilung
der verschiedenartigsten Krankheiten, auch solcher rein
organischer Art, bis hin zur Blinden- und Lahmenheilung, ja
sogar Totenauferweckungen berichtet werden. Darunter gibt es
einige Stellen, an denen nicht einzelne bestimmte Krankheiten
genannt werden, vielmehr ganz allgemein gesagt wird, daß alle
Krankheiten, Leiden und Übel von Jesus geheilt wurden (z. B.
Matth. 4, 23 u. 24). Schon im Alten Testament wird prophetisch
auf Jesu Heiltätigkeit in Jes. 53, 4 hingewiesen, und auch 2.
Mose 15, 26 und Psalm 103, 3 reden von Krankenheilung.

Es geht bei den Heilungen Jesu um echte Heilungen. Wir dürfen


die vielen Heilungsberichte der vier Evangelien und der
Apostelgeschichte nicht versinnbildlichen, als wenn der Herr
und die Apostel hier geistlich Blinde, Lahme, Taube usw. geheilt
hätten. Gegen eine solche Bibelauslegung hat sich bei mir
schon als Knabe Widerspruch geregt. Die Wunder Jesu sollten
auch nicht einen Prüfstein unseres Glaubens darstellen,
sondern als geschichtliche Ereignisse eine Stärkung unseres
Glaubens vermitteln. Mag manches bei den Heilungen Jesu
psychologisch und parapsychologisch erklärt werden können,
so steht doch fest, daß sehr viele Seiner Heilungen in dieser
Weise nicht erklärbar sind, sondern offenbare Wunder Gottes
darstellen. Das geht einmal daraus hervor, daß Er völlig
unheilbare Krankheiten geheilt hat, zum andern daraus, daß
diese Heilungen Spontanheilungen ohne lange
Behandlungsmethoden sind. Wie langwierig und kümmerlich
sind unsere Heilweisen dagegen! Bei den Massenheilungen
Jesu und der Apostel, die übrigens wohl seltener vorgekommen
sind, konnten seelsorgerliche Einzelaussprachen vielleicht nicht
immer möglich sein (Luk. 6, 17 bis 19; 7, 20 ff.).

Wenn wir alle Aussagen des Alten und Neuen Testamentes


überprüfen, so geht aus dem A. T. mit Ausnahme des Buches
Hiob hervor, daß Krankheit als eine Strafe für die Sünde,
Gesundheit aber als ein Beweis für gottwohlgefälligen Wandel
angesehen worden ist. Im N. T. ist der Befund ein etwas anderer.
Dabei muß festgestellt werden, daß unser Herr Jesus Christus
keinen Kranken abgewiesen hat, der im vollen Vertrauen mit
seiner Not zu Ihm gekommen ist. In einigen Fällen aber wird
ausdrücklich hervorgehoben, daß Er um ihres Unglaubens
willen nichts getan hat, so Mark. 6, 1 6. Wir müssen hier aber
von vornherein feststellen, daß es erstens durchaus nicht immer
ein Beweis für das Wohlgefallen Gottes ist, wenn sich jemand
guter Gesundheit erfreut; es gibt nämlich auch Gottlose, die sich
durchaus gesund und wohl fühlen; Gesunde sollten sich also
nicht pharisäisch über ihre kranken Mitmenschen erheben,
sondern demütig Gott danken, daß es ihnen wohlergeht.

Zweitens kann ein Mensch krank sein, der durchaus mit seinem
Gott in Ordnung ist und dem es auch nicht an Glauben gebricht.
Ein Kranker muß also nicht dauernd in seinem Leben
herumschnüffeln, wo etwa noch ein Ungehorsam gegen Gott
vorliegt. Im weiteren Verlauf der Ausführungen wird darauf noch
weiteres Licht fallen.
Mit den Glaubensheilungen verhält es sich ähnlich wie bei dem
elektrischen Strom. Es muß elektrischer Strom vorhanden sein,
aber es muß auch Kontakt hergestellt werden. Ohne elektrischen
Strom nützt der Schalter nichts, und ohne diesen bleibt der
Strom ungenützt. So ist es bei einer Glaubensheilung: Der Mann
mit göttlichem Auftrag muß sich finden, aber Vertrauen muß ihm
die Tür öffnen. Jedenfalls wirkt der Herr auch noch heute an
kranken Leibern.

Der Chefarzt einer Klinik sagte bei der Visite zu seinem


Assistenten, Dr. O.: "Herr Kollege, wir kommen jetzt an das Bett
einer frommen Frau. Ich habe mit den Frommen nicht viel im
Sinn, aber ich möchte Ihnen einen guten Rat geben: Seien Sie
vorsichtig mit Ihren medizinischen Urteilen an den
Krankenbetten von frommen Leuten, denn da geht es oft ganz
anders zu, als wir es uns denken! Da wird ein Kranker mit einer
geringfügigen Krankheit eingeliefert, und er stirbt uns unter den
Händen weg. Dann wieder kommt einer, von dem wir meinen, er
sei ein Todeskandidat, und nach kurzer Zeit verläßt er das
Krankenhaus schon wieder. Also seien Sie vorsichtig mit Ihren
medizinischen Urteilen bei Frommen!" Der Ausspruch eines
Krankenwärters in B.: "Bei Frommen ereignen sich
unvorhergesehene Dinge", liegt auf derselben Linie.

Wichtig ist es aber, daß wir die Krankenheilung auch verkünden,


denn wie sollen die Menschen mit ihren Krankheiten zu Jesus
kommen, wenn ihnen nicht gesagt wird, daß sie das tun dürfen
und sollen? Weithin überlassen wir die Kranken den oft
materialistisch gesinnten Ärzten die volle Sprechzimmer haben,
während die Menschen an uns vorbeigehen, die wir uns so
einseitig in spiritualistischer Fehldeutung auf die jenseitige Welt
eingestellt haben. Und doch haben wir als Seelsorger eine
bedeutsame Aufgabe zu erfüllen, da so viele Menschen auf
psychischer Grundlage erkrankt sind und gar nicht durch Pillen
und Spritzen geheilt werden können. Wir haben es in unseren
Heilswochen in der Zeltmission und auch in den Gemeinden hin
und her immer wieder erlebt, daß sich der Herr schon während
der Verkündigung und auch nach seelsorgerlichen Aussprachen
an kranken Leibern verherrlicht hat. Dabei konnten wir in vielen
Fällen auch auf das Seelenheil der Kranken zu sprechen
kommen und ihnen den Weg zu Christus zeigen. Diese
Verkündigung ist aber schon eine Glaubenseinstellung. Wir
dürfen dann die Krankenheilungen auch in keuscher Weise zur
Glaubensstärkung anderer erzählen, denn die Apostel haben
das auch in den urchristlichen Gemeinden getan (Apg. 15, 3 u.
4).

In 1. Kor. 12, 9 u. 28 werden Heilungsgaben erwähnt. Es wird


dabei aber ausdrücklich festgestellt, daß es nicht die Aufgabe
aller Gemeindeglieder ist, zu heilen, sondern daß Gott einzelnen
diese Gabe in Seiner Machtvollkommenheit zugedacht hat. Es ist
wichtig, daß diese Männer (oder auch Frauen) erkannt werden,
und daß ihre Begabung in Anspruch genommen wird. Nach
Hebr. 6, 1 u. 2 gehört die Belehrung über Handauflegung mit zu
den Anfangsgründen christlicher Wahrheit. Die Gemeindeglieder
sind also darüber zu belehren, damit sie wissen, was die Schrift
nach dieser Seite sagt und wo sie sich hinwenden können. 1.
Tim. 5, 22 ist eine Mahnung zur Vorsicht bei Handauflegung
gegeben, damit wir uns nicht fremder Sünden teilhaftig machen.
Auf keinen Fall darf diese Gottesgabe zur Bereicherung
ausgenützt werden. Hier liegt vielleicht der Hauptgrund, warum
es weithin an Vollmacht gebricht und Seelen sich nicht
vertrauensvoll erschließen. Lies dazu die Stellen Matth. 10, 8;
Apg. 3, 6; 8, 18 24. Sobald wir anfangen, routiniert zu werden,
hört die Vollmacht auch auf! Das Heilen war übrigens nicht nur
Sache der Apostel, sondern auch anderer schlichter Männer.
Dafür gibt es eine Anzahl von Beweisen aus dem N. T. (Mark. 16,
15 18; Apg. 6, 8; 8, 6 8; 9, 17 18).

Tatsache ist es allerdings auch, daß nicht alle Kranken geheilt


worden sind, mit denen wir im Glauben gebetet haben. Und
diese nicht geheilten Fälle beschäftigen uns viel mehr als die
Geheilten. Es taucht für uns ja die Frage auf, warum der Herr
nicht alle kranken Leiber gesund macht. Im Laufe der Jahre sind
mir da gewisse Erkenntnisse gekommen, die ich hier mitteilen
möchte.

Es können die Heilung verhindern:


1. Sündenliebe, wie Unversöhnlichkeit, Unreinheit, Trunksucht;
aber auch Überarbeitung, wie überhaupt alles, was der
göttlichen Ordnung zuwider läuft.

2. Unaufrichtigkeit und Verstellung an Stelle eines offenen


Bekenntnisses begangener Schuld. Manche bekennen nur
unwichtige Dinge, die Hauptsache aber verschweigen sie; sie
bekennen, einen Strick gestohlen zu haben, verschweigen aber,
daß an den Strick eine Kuh gebunden war.

3. Elterlicher Fluch. Wehe den Kindern, die sich durch ihr


Verhalten einen berechtigten Fluch ihrer Eltern zugezogen
haben. Sie sollten so schnell wie möglich zusehen, daß er von
ihnen genommen wird! (2. Mose 20, 12.)

4. Erbbiologische Folgen, so Trinkerelend, Nachwirkungen von


Geschlechtskrankheiten, okkulte Behaftungen. Inwieweit sich
dabei die Heimsuchung Gottes bis ins dritte und vierte Glied
auswirkt, ist oft schwer festzustellen, da wir die Vorfahren nicht
kennen und uns die Kranken über sie auch nicht das
Wünschenswerte sagen können. Jedenfalls erscheint mir dieses
Kapitel besonders tragisch.

5. Unglaube und Zweifel. Das lesen wir schon Mark. 6, 5- 6; Jak.


1, 5 - 7

6. Das wahllose Experimentieren mit allen möglichen Mitteln


unter Einbeziehung der Handauflegung: manche verwenden
allopathische, homöopathische, biochemische Mittel, lassen
sich bestrahlen und massieren, und dann wollen sie obendrein
auch noch die Handauflegung ausprobieren in der Meinung, daß
schließlich doch etwas helfen müsse. Dazu scheint Gott nein zu
sagen.

7. Bewahrung mag bei manchen der Grund ihrer Krankheit sein;


sie würden das ewige Ziel nicht erreichen, wenn Gott es ihnen
äußerlich gut ergehen ließe. Matth. 18, 8 - 9 spricht davon, daß
es besser sei, es ginge jemand einäugig, einarmig oder
einbeinig ins ewige Leben, als daß er zwei Augen, zwei Arme
und zwei Beine habe und werde ins ewige Feuer geworfen.
8. In anderen Fällen will sich Gott wohl durch die Geduld Seiner
Kinder verherrlichen, um Gesunde zur Dankbarkeit zu führen
und anderen Kranken ein Beispiel des Glaubens und der Geduld
zu geben. (Siehe weiter hinten die Ausführungen über Motive
und Quietive.)

9. Eine Krankheit kann auch zur Zurüstung dienen. Vielleicht soll


sogar in einem Krankenhaus eine suchende Seele durch die
Zusammenführung mit einem Kinde Gottes zu Christus finden.

10. Gewiß kommen auch Fälle vor, in denen Gott nichts tut, weil
Er es zur Demütigung Seiner Knechte für ratsam hält; Er gibt zu
erkennen, daß Er völlig unumschränkt handeln und trotz Seiner
Zusagen zu nichts gezwungen werden kann.

11. Ganz seltene Fälle mögen überbleiben, in denen es wie bei


Hiob um ein Rechtfertigungsleiden geht. Die Engelwelt soll
daraus erkennen, daß Gott Menschen auf der Erde hat, die Ihn
um Seiner selbst willen und nicht bloß um Seiner Gaben willen
lieben. (Material über diese Schau ist zu finden in meinem
Büchlein "Der Segen des Leides", Oncken Verlag, Kassel.)

Nach stenographischen Notizen und Beobachtungen in etwa 250


Fällen seelsorgerlicher Aussprachen mit nachfolgender
Handauflegung im Laufe von ungefähr zwei Jahren stellte ich
fest, daß sich mindestens in jedem vierten Fall keine Wirkung
zeigte, es kam weder zu einer Heilung noch zu einer Besserung.
Nicht selten waren die Gründe dafür erkennbar. In manchen
Fällen trat ein Rückfall ein. - Es wurden ja auch nicht alle
Krankheiten zur Zeit Jesu geheilt oder sofort geheilt. So heilte
Jesus am Teiche Bethesda im dortigen Krankenhaus nur den
Mann, der schon 38 Jahre gelegen hatte. Paulus ließ den auf den
Tod erkrankten Trophimus ohne Heilung in Milet zurück (2. Tim.
4, 20). Auch dem Timotheus hat er nicht helfen können (1. Tim.
5, 23).

Gelegentlich wurden nach den biblischen Berichten auch Mittel


angewandt. So lesen wir in Jes. 38,21, daß Jesaja dem
erkrankten König Hiskia ein Feigenpflaster auf sein Geschwür
legen ließ (ein Feigenpflaster ist ein vorzügliches Zugmittel), und
daß Timotheus wegen seines kranken Magens und wegen seiner
häufigen Schwächeanfälle in geringen Mengen Wein als
Stärkungsmittel benutzen sollte. Dem König Asa (dieser Name
bedeutet "er hat geheilt") hingegen werden Vorhaltungen
gemacht, daß er, durch seinen Namen ständig an die Heilkraft
Gottes erinnert, bei seinem Beinleiden seine Zuflucht zu den
Ärzten und nicht zu Gott genommen hatte (1.Kön. 15, 23 und 2.
Chron. 16, 12).

Es ist nicht zu leugnen, daß natürliche Heilkräfte in Licht, Luft


und Wasser, in Bestrahlungen verschiedener Art, in Kräutern
und in der Elektrotherapie liegen. Auch Gifte mögen bei
gewissen Krankheiten starke Wirkungen zeigen, doch ist gewiß
damit Vorsicht geboten, weil es eben "Gifte" sind, die in anderer
Weise wieder Störungen im Körper hervorrufen können. Dr.
Schwenninger, der sich zur Naturheilweise bekennt, äußert sich
im "Pilz" dahin, daß nach seiner Überzeugung die meisten
Menschen an Arzneivergiftung stürben.

Ich selbst bin als vierjähriger Knabe nachts um 0.30 Uhr, als ich
bei einer schweren Diphtherie wegen Sauerstoffmangels schon
blau zu werden anfing, durch einen Luftröhrenschnitt gerettet
worden, kann also durch meine Narbe am Hals nie vergessen,
was ich nächst Gottes Gnade der ärztlichen Kunst zu verdanken
habe.

Wir müssen uns sehr vor Verallgemeinerungen hüten, denn


sonst beurteilen wir vieles falsch und tun Menschen Unrecht
(Joh. 9, 1 3). Gottes Handeln ist weitaus vielseitiger, als wir es
leichthin meinen. Gott ist eben kein Automat, in den man eine
Münze hineinwirft, um unten dann das Gewünschte in Empfang
zu nehmen. Aber Er neigt sich zu den Demütigen und
Gebeugten. Echter Glaube ist immer mit Demut gepaart! Wo der
kleine Mensch in Vermessenheit Gott zu befehlen wagt, wird er
auf göttlichen Widerstand stoßen. Gott steht gewiß zu Seinen
Verheißungen, wenn wir die Bedingungen erfüllen, aber nie
dürfen wir Seine Zusagen in mechanistischer Weise verwirklicht
sehen wollen. In erster Linie hat Er das ewige Heil des Menschen
im Auge. Das müssen wir beachten! Manche würden gewiß
verloren gehen, wenn sie immer gesund wären!

Grundsätzlich will unser Herr heilen. Er hat es bei Seinem


Weilen auf Erden in Knechtsgestalt getan, Er kann es heute in
Seiner Machtvollkommenheit gewiß auch. Die Gesundheit ist
eine große Gottesgnade. Es muß nicht so sein, daß wir gesund
sind. Sind wir einmal krank, so sollen wir dankbar werden und
uns wohl auch auf die Ewigkeit beginnen. Jedenfalls kann ein
Mensch in der Regel mit einem gesunden Körper Gott ganz
anders dienen, als wenn er leidend ist. Das Endziel der Wege
Gottes ist übrigens verklärte Leiblichkeit (Phil. 3, 21).

Die Heilungen nehmen einen verschiedenen Verlauf. Es gibt


sofortige Heilungen, stufenweise Heilungen, offensichtliche
Besserungen, teilweise Besserungen und Schwankungen mit
viel Glaubensproben. Warum das so ist, läßt sich schwer im
einzelnen sagen, da die Menschen ja so sehr verschieden sind
und Gott wohl immer wieder anders verfahren muß.

Viele Kranke berufen sich eigenartigerweise auf das Leiden des


Apostels Paulus (2. Kor. 12, 1 10). Richtig ist es dann aber, wenn
wir sie fragen, in welchen Himmel sie denn entrückt worden sind
und was für unaussprechliche Worte sie gehört haben, daß
ihnen eine solches Demütigungsleiden wie Paulus auferlegt
worden ist. Man muß doch bei der Bibelauslegung den
Zusammenhang wahren und darf nicht willkürlich jedes Wort auf
jede Lage anwenden. Dasselbe gilt auch von dem Gebet unseres
Herrn in Gethsemane "nicht mein, sondern Dein Wille
geschehe!" Bei vielen ist dieses Gebet nur ein Vorwand für ihren
Unglauben, aber nicht ein Beweis ihrer Gottergebenheit und
Frömmigkeit.

Aufs Ganze gesehen ist die Krankheit eine Folge der Sünde,
nicht unbedingt der eigenen Sünde, wohl aber eine Auswirkung
der Menschheitssünde. In sehr vielen Fällen stellt die Krankheit
jedoch tatsächlich eine Folge persönlicher Versündigung dar.
Nach den Feststellungen von Dr. Paul Tounier in seinem Buche
"Krankheit und Lebensprobleme", Verlag Benno Schwabe u.
Co., Basel, das jeder Pastor und Prediger lesen müßte, sollen 80
% aller Krankheiten seelisch bedingt sein. Kummer, Herzeleid,
Sorge, Ärger, Enttäuschungen, Neid, Zorn, Mißgunst und andere
ungeordnete Regungen wirken zurück auf das Leibesleben, weil
nach der Feststellung eines englischen Arztes "nicht der Leib,
sondern der Mensch krank" ist. Der Mensch ist eben eine
leiblich-seelisch-geistige Einheit. Was im Leibe vorgeht, wirkt
zurück auf die Seele. Das empfinden wir schon bei
Zahnschmerzen, wir sind nicht gut gelaunt! Umgekehrt wirkt
auch alles Seelische auf den Leib zurück. Das ist leicht
festzustellen, denn bei Schreck erblaßt der Mensch und bei
Scham errötet er. Da wirken sich rein seelische Vorgänge über
das Nervensystem auf Herz und Kreislauf aus. Wir können
deshalb mit Fug und Recht sagen: die beste Medizin für den
Leib ist ein fröhliches Herz!

In dieser Hinsicht haben echtes Gottvertrauen und die Gewißheit


der Sündenvergebung eine große Bedeutung im Leben der
Menschen. Das sagt schon das Alte Testament: "Die Freude am
Herrn ist unsere Stärke" (Neh. 8, 10). Das gilt auch vom
Stillesein und der Gottesgemeinschaft (Jes. 12,2; 30,15; 45,24;
61,10). Die Gottlosen verfallen dem Unfrieden (Jes. 48,22; 57,20
21). Alle negativen Regungen in unserem Leben, wozu die
Selbstsucht in jeder Form gehört, verursachen Störungen der
Harmonie und rufen über das Nervensystem Krankheiten hervor.
Alle positiven Regungen hingegen, die der Liebe, dem Vertrauen
und der Hoffnung entspringen, wirken Harmonie und
Wohlbefinden und sind dem Leib ein Balsam. Im übrigen ist es
ja ganz offensichtlich, daß ein Mensch sich durch ein
ausschweifendes Leben ruinieren kann (Sprüche 5,1 23; 6,20 bis
7,27; 23,26 35). Auch durch Überarbeitung sündigen viele
Menschen an ihrer Gesundheit. Wer nicht mehr die Ordnungen
des Ewigen beachtet und Nachtruhe, Sonntagsruhe und
Winterruhe dauernd übergeht, braucht sich garnicht zu
wundern, wenn sich "Neurosen" bei ihm einstellen und sein
Befinden launenhaft wird. Wenn jemand statt um 23 Uhr schon
um 22 Uhr zu Bett geht, so hat er im Jahre 365 Stunden
wertvollen Schlafes, das sind volle 15 Tage, mehr. Und wenn
jemand wirklich jeden siebenten Tag sich körperlich und
seelisch ausruht, hat er auf diese Weise einen Urlaub von 7 1/2
Wochen.
Wo erleben heute Menschen noch die Dämmerstunde? Das
elektrische Licht ist uns in mancher Hinsicht nicht gerade
nützlich geworden, weil wir nur an einem Lichtschalter zu
knipsen brauchen und uns so die Nachtruhe rauben können. Die
Folgen dieser Unnatur wirken sich in krankhaften Zuständen
aus. Bronchialasthma, Hautekzeme, Magen- und
Zwölffingerdarmgeschwüre, Nervenentzündungen, Geschwülste,
sogar Erblindungen und Lähmungserscheinungen sind weithin
eine Auswirkung seelischer Störungen. Es besteht kein Zweifel,
daß ein frohes Herz ein Balsam für den ganzen Leib ist. Aber nur
ein reines und liebevolles Herz kann froh sein! Hier ist Jes. 58, 6
12 eine hervorragende Stelle, die in jedem Krankenhaus und
Arztzimmer hängen sollte. Dort heißt es nach Menge:

"Ist nicht vielmehr das ein Fasten, wie ich es liebe: daß man
ungerechte Fesseln löst, daß man die Bande des
Knechtschaftjoches sprengt, Vergewaltigte in Freiheit setzt und
jegliches Joch zerbricht? Nicht wahr? Wenn du dem Hungrigen
dein Brot brichst und unglückliche Obdachlose in dein Haus
nimmst, wenn du einen Halbnackten siehst, ihn kleidest und
dich deinem Volksgenossen nicht entziehst: dann wird dein
Licht wie das Morgenrot hervorbrechen und deine Heilung
schnelle Fortschritte machen; und vor dir wird deine
Gerechtigkeit hergehen und die Herrlichkeit des Herrn deine
Nachhut bilden. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir antworten,
und wenn du um Hilfe schreist, wird Er sagen: Siehe, hier bin Idi!
Wenn du die Gewalttätigkeit, das höhnische Fingerausstrecken
und das Trugreden aus deiner Mitte wegschaffst und dem
Hungrigen das darreichst, wonach du selbst Verlangen trägst,
und die verzagte Seele sättigst, so wird dein Licht in der
Finsternis erstrahlen und dein Dunkel wie der helle Mittag sein;
und der Herr wird dich allezeit leiten und deine Seele auch in
wüsten Gegenden sättigen und deine Glieder rüstig machen,
daß du einem wohlbewässerten Garten gleichst und einem
Wasserquell, dessen Fluten nie versiegen. Und die uralten
Trümmerstätten sollen von dir wieder aufgebaut werden; die
Grundmauern vieler früheren Geschlechter wirst du wieder
aufrichten; und man wird dich den Vermaurer von Rissen, den
Wiederhersteller bewohnbarer Straßen nennen." (Siehe dazu
auch Psalm 32, 1-5)
Im übrigen ist dem Menschen auch eine Lebensgrenze gesetzt,
die wir nicht überspringen können. "Unser Leben währet 70
Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's 80 Jahre" (Psalm
90,10). Und wenn jemand dieses Alter erreicht hat, sollten wir
nicht so sehr um Gesundung bitten, sondern um die rechte
Vorbereitung für den Heimgang. Die Gebrechen des Alters
liegen eben heute in der natürlichen Schöpferordnung
begründet. In Prediger 12, 1 8 wird uns das in meisterhafter
Weise geschildert.

Sehr wichtig ist für die Krankenheilung das Gebet unter


Handauflegung mit oder ohne Ölsalbung als Zeichen der Weihe
(Mark. 6, 13). Jesus und Seine Apostel übten sie. Und unser Herr
hat sie ausdrücklich aufgetragen (Mark. 16, 17 u. 18). Bei
Besessenen hat Er Sich ihrer jedoch nie bedient, da hat Er durch
ein Machtwort ausgetrieben. Bei den verschiedensten
Krankheiten hingegen hat Er Seine Hände den Kranken
aufgelegt. In einem Falle hat Er es auch zweimal getan (Mark. 8,
22 26). Unser Herr ließ sich auch von den Kranken anrühren, und
Er selbst rührte sie an, wohl, um ihren Glauben zu unterstützen.
So ergreift Er die Hand, legt die Finger in die Ohren, berührt mit
Seinem Speichel sogar die Zunge eines Stummen, spuckt einem
Blinden in die Augen, macht mit Seinem Speichel einen Brei und
legt diesen dem Blinden auf, Er spricht Mut dabei zu, stellt
Fragen, gibt Anweisungen, nimmt beiseite und treibt Leute fort,
um ungestört mit den Kranken reden zu können, prüft auch
zeitweise den Glauben, in vielen Fällen aber legt Er die Hände
auf ihr Haupt und betet für sie, indem Er zum Himmel aufschaut.

Hierher gehört auch Jak. 5, 14 16, wo vom Gebet der


Gemeindeältesten unter Ölsalbung nach voraufgegangener
Beichte die Rede ist. Dieses Gebet hat für den Kranken, der im
Vertrauen auf Gottes Zusage hin die Ältesten hat rufen lassen,
immer eine Auswirkung, vorausgesetzt, daß das Bekenntnis
aufrichtig abgelegt worden ist. In manchen Fällen vermittelt das
Gebet eine plötzliche oder auch langsame Genesung, in anderen
Fällen schafft es eine wunderbare Stärkung und Tröstung des
Kranken, manchmal führt es auch einen stillen, träumenden
Heimgang herbei. In jedem Falle ist es nach Gottes Wort eine
Aufrichtung.

Es gibt im Neuen Testament Motive und Quietive. Motiv kommt


von dem lateinischen Wort "moveo, movi, motum, movere" =
bewegen. Damit hängt das Wort "Motor" = Antrieb zusammen.
Die Motive wollen uns antreiben, uns nicht mit dem "Schicksal",
der Krankheit, den Schwierigkeiten usw. abzufinden, sondern
vielmehr im Gebet bei Gott Hilfe zu suchen und zu erwarten! Er
kann Dinge ändern und Wunder tun!

Im Gegensatz dazu kommt das Wort Quietiv von dem


lateinischen Wort "quies, quietis" = Ruhe (Brahms Requiem!).
Die Quietive fordern uns auf zur Geduld, zur Gelassenheit, zu
stillem Genügen. Sowohl für Motive als auch für Quietive hat das
Neue Testament Belegstellen. Darum ist es sehr wichtig, daß wir
unter Geistesleitung stehen und zur rechten Zeit die richtigen
Schriftstellen für uns in Anspruch nehmen. Wir dürfen nicht
dort, wo wir stille sein sollten, voranstürmen und umgekehrt, wo
Gottes Zusagen uns anreizen wollen, Dinge anzupacken, im
stillen Genügen bleiben wollen. Wir müssen das Wort richtig
teilen!

Wichtig ist, daß wir ein Wort Gottes für uns haben, dann können
wir mutig wagen. Zu fragen ist aber ebensowohl, ob wir kein
Schriftwort gegen uns haben; dabei müssen wir die einzelnen
Schriftworte stets aus dem Ganzen heraus werten. Das Gebet im
Namen Jesu ist dann dasselbe wie das Gebet des Glaubens oder
die Erhörung durch das Bleiben in Ihm (Joh. 14,12 14; 15,7;
16,23 24). Handeln wir nach dem eben Gesagten, so werden wir
im gehorsamen Wandel vor Gott einen Gebetssieg nach dem
anderen erringen.

Sehr zu beachten ist Hebr. 11, 32 39, wo von den verschiedenen


Glaubenstypen die Rede ist. Von manchem wird gesagt, daß sie
die Verheißungen erlangten (V. 33), von den anderen aber (V.
35), daß sie die Erfüllung der Verheißung nicht erlebt haben (V.
39). Dennoch werden die letzteren ebenso wie die ersteren als
Glaubenshelden bezeichnet. Gott vermischt die Lose der
Menschen eigenartig, damit niemand zu der Meinung kommt,
daß es sich mit der Frömmigkeit wie mit einer Handelsware
verhält. Er will "Reinkulturen" der Frömmigkeit haben. Gott kann
sich auf die eine wie auf die andere Art verherrlichen. Wir
müssen Ihm freie Hand lassen, wie Er sich bei den Seinen
auswirken will.

Auf derselben Linie liegt auch, was uns in Jak. 5 über Hiob und
Elias gesagt wird. Der eine wird als Typus des Dulders, der
andere als Typus des Siegers hingestellt. Beide waren
hervorragende Gottesmenschen, hatten aber nach dem
Ratschluß Gottes ganz verschiedene Aufgaben zu erfüllen.
Hüten wir uns vor Schablonisierung und Mechanisierung, denn
dann geraten wir in Einseitigkeit, und das bedeutet den Tod
gesunden geistlichen Lebens!

Bei den vielen Motiven des N. T. finden wir übrigens immer


wieder Bedingungen und Voraussetzungen, die wir beachten
müssen, wenn unser Gebet wirksam werden soll. Mark. 11, 24;
Joh. 14, 12 14; 15,7; 16, 23 24; 1. Petr. 5, 7; Matth. 7, 7 sind
solche Motive. In den Gleichnissen von dem bittenden Freund
Luk. 11, 5 13 und von der bittenden Witwe Luk. 18, 1 8 werden
wir durch den Herrn sogar zu unverschämtem Bitten ermuntert,
wenn wir nicht gleich Antwort erhalten. Vielleicht muß an
unserem Leben erst noch etwas zurechtgebracht werden, ehe
Gott unser Gebet erhören kann. Wenn Er nicht gleich antwortet,
ist das noch lange kein Beweis dafür, daß Er es überhaupt nicht
tun will. Und da hat nicht nur das Gebet des einzelnen eine
Bedeutung, sondern erst recht das Gebet der ganzen Gemeinde,
wie wir es auch aus Apg. 4, 29 31 klar ersehen können. Solches
Gebet sollte noch viel bewußter und zielstrebiger geübt werden;
dadurch würde auch eine kräftigere Verbundenheit der
Gemeindeglieder erreicht.

Unser Herr Jesus Christus lebt ewiglich! Er hat alle Gewalt im


Himmel und auf Erden. Er hat das barmherzige Herz. Er hat
große Verheißungen gegeben. Und Er kann unmöglich lügen!
Das bekennen wir als Jünger Jesu mit frohem Herzen. Ist das
der Fall, dann kann Er auch heute noch Sünden vergeben,
Krankheiten heilen, von Dämonen befreien und aus allerlei Not
erretten. Anderenfalls müßten wir zu dem Schluß kommen, daß
die Bibel nicht wahr sei oder daß der Herr unverständlicherweise
Sein Verhalten gegen früher geändert habe. Zu behaupten, daß
mit der Zeit der Apostel Forderung und Vermögen zur
Krankenheilung aufgehört habe und wir nun dafür die Bibel
besäßen, ist abwegig und eine aus fehlender Vollmacht
geborene bloße Ausflucht. Hebr. 13, 8 lesen wir: "Jesus Christus
gestern, heute und in Ewigkeit derselbe". Und die Erfahrungen
bestätigen das ja auch herrlich!

Der Unglaube setzt an die Stelle des großen, ewigen Schöpfers


den blinden Zufall. Der Aberglaube verläßt sich auf
Geschaffenes anstatt auf den Allherrn und Seinen eingeborenen
Sohn. Und der Irrglaube gründet sich auf Menschensatzungen
anstatt auf Gottes geoffenbartes Wort. Wenn wir aber
nachdenken über die Größe und Macht Gottes, wie sie uns in der
Natur und in der Bibel geoffenbart wird, dann müssen wir mit
dem Psalmisten bekennen: "Er heilt die zerbrochenen Herzen
und verbindet ihre schmerzenden Wunden. Er bestimmt den
Sternen ihre Zahl und ruft sie alle mit Namen" (Psalm 147, 3 4).
Im Kleinsten ist Gott am größten! Welche Zuversicht erwächst
uns bei diesem betenden Sinnen im Blick auf unsere Nöte!

Heilung von Besessenen

Und nun ein Wort zur Dämonie! Gibt es überhaupt Dämonen?


Auf dem humanistischen Gymnasium meiner Heimatstadt
Meiningen wurde uns gesagt: Dämonen gibt es nicht; dieser
Begriff ist nur eine Personifizierung, eine orientalische
Ausdrucksweise für anormale Triebhaftigkeit im menschlichen
Leben. Im Neuen Testament kommt der Stamm dafür aber 78 mal
vor, und außerdem findet sich noch etwa 50 mal die Benennung
"unreine, böse Geister", auch "Geister der Bosheit" für die
Dämonen. Und Satan, der Oberste der Dämonen, hat allein
dreißig ausgeprägte Namen, die 142 mal erwähnt werden; ja 34
mal heißt er Teufel (= Dazwischenwerfer) und Satan (=
Verkläger).

Jesus und Seine Jünger reden immer wieder vom Satan und den
Dämonen. Manche meinen zwar, Jesus sei ein Kind seiner Zeit
gewesen und hätte deshalb dieselbe irrige Meinung gehegt wie
Seine Zeitgenossen. Andere wieder glauben, daß Jesus zwar
weit über Seine Zeit hinausgewachsen wäre, aber die Leute bei
ihrem Glauben gelassen hätte. Beides jedoch ist irrig. Ich selbst
glaubte als junger Mensch meinen akademisch gebildeten
Lehrern mehr als der Bibel und konnte mit ihren Aussagen über
Dämonen nichts anfangen, zweifelte auch im Blick auf das, was
Pfarrer Blumhardt über die Gottliebin Dittus geschrieben hatte,
bis ich eines Tages umdenken lernte.

Aus dem ersten Weltkrieg war ich wohlbehalten wieder


heimgekommen und stand unter dem Eindruck, daß mein Leben
mir gar nicht gehöre. Mit Entschiedenheit setzte ich mich in der
Sonntagsschule und Jugendarbeit ein. Wir hatten in unserem
Jugendkreis ein etwa 20jähriges Mädchen, Lotte, von der gesagt
wurde, sie habe hin und wieder "epileptische Anfälle". Als sie
wieder einmal fehlte, fühlte ich mich innerlich gedrängt, sie zu
besuchen. Ihre Mutter führte mich an ihr Bett. Lotte unterhielt
sich schicklich und freundlich mit mir. Plötzlich wurde sie
ohnmächtig, sank in die Kissen zurück, und jetzt sprach eine
andere Stimme aus ihr, sie schimpfte und lästerte, daß ich ganz
entsetzt war. Wie ein Blitz ging es mir durch den Sinn, daß
meine Professoren sich geirrt hätten. Ich dachte daran, daß
Jesus einmal nach dem Namen eines solchen Dämonen gefragt
hatte. Als ich das auch tat, kam es mit dumpfer Stimme aus
Lottes Mund: "Ich bin die Lotte, ich bin die Lotte!" Ich aber gebot
jetzt im Namen Jesu Christi, daß der unsaubere Geist ausfahren
und nicht wieder in sie zurückkehren dürfe. Lotte tat einen tiefen
Seufzer, öffnete ihre Augen, redete wieder in der gesitteten
Weise mit mir wie vorher, wußte jedoch nicht, was mit ihr
vorgegangen war. Von Stund an bekam sie keinen sogenannten
"epileptischen Anfall" mehr.

Als ich mich im Jahre 1950 das letzte Mal nach ihr erkundigte,
hatte sie keinen Anfall wieder bekommen, und darüber waren
mehr als dreißig Jahre vergangen. Dieses Erlebnis hatte ich kurz
nach meiner Berufung mit einem dreifachen Berufungsgesicht
und zwei wunderbaren Krankenheilungen. Seitdem glaube ich
an die Existenz von Dämonen und an die Möglichkeit, sie im
Namen Jesu auszutreiben. Ich habe dann im Laufe von über 34
Jahren in kleineren und größeren Abständen in etwa 20 bis 24
Fällen mit Besessenen zu tun gehabt und dabei die
verschiedensten Erfahrungen machen dürfen, meist mit
unangenehmen Begleitumständen. Was den erwähnten Fall
angeht, so ist ein Arzt der Überzeugung gewesen, daß es sich
hier um einen typischen Fall von Hysterie gehandelt habe, ich
aber bleibe bei der Feststellung, daß hier doch Dämonie
vorgelegen hat, weil bestimmte Merkmale darauf hindeuten.

Überhaupt habe ich Konvergenzerscheinungen feststellen


müssen. Es handelt sich dabei um Ähnlichkeit ohne
Verwandtschaft (convergere = annähern, aufeinander zulaufen).
Wir kommen hier auf Merkmale zu sprechen, ohne die wir
überhaupt nichts auseinanderhalten können. Solche
Erscheinungen haben wir im Mineral , im Pflanzen und im
Tierreich auch. Manche Mineralien sehen sich sehr ähnlich, so
daß sich auch Kenner irren können. Aber diese Mineralien haben
verschiedene Härten, ein verschiedenes spezifisches Gewicht,
verschiedene Kristallisationsmerkmale und reagieren
verschieden auf Säuren. Konvergenz liegt bis zu einem
gewissen Grade auch bei Stein-, Gallen- und Satanspilz vor. Wir
müssen genau die Merkmale jedes einzelnen kennen, wenn wir
uns nicht vergiften oder doch unser Pilzgericht verderben
wollen. Ein Kenner täuscht sich bei diesen Pilzarten nie, wohl
aber alle, die keine Merkmale kennen und unterscheiden
können. So ist es bei gewissen Wolfsmilch- und Cereus-
Kakteenarten, deren Stammkörper zum Verwechseln ähnlich
sind, die jedoch durch den Saft, die Blüten und vor allem die
Früchte klar unterschieden werden können. Nicht anders verhält
es sich bei Fällen in der Tierwelt, etwa bei Schmetterlingen mit
unterschiedlichen Eiern und Raupen, aber mit täuschend
ähnlicher Imago (Endform der Entwicklung) und
Giftunterscheidung. Merkmale, Kennzeichen! Das ist ein
wichtiges Wort für uns in der Seelsorge!

Auch im Menschenreich treten Konvergenzerscheinungen auf.


Deshalb müssen wir sorgfältig auf Merkmale achten und fein
säuberlich auseinanderhalten, ob es sich um somatische
(körperliche), psychische oder dämonische Vorgänge handelt.
Eigentlich müßten wir Mediziner, Psychologen,
Parapsychologen, Philosophen und Theologen sein. Vor allem
aber bedarf es einer gründlichen Kenntnis der Heiligen Schrift
und der geistigen Strömungen inmitten der Menschheit. Da das
alles jedoch kaum in einem Menschen vereinigt sein wird,
müssen wir eben zusehen, wie wir, etwa in der Zusammenarbeit
mit Fachleuten, in schwierigen Fällen zum Ziele kommen. Im
übrigen geht es ja auch um Heilungsgaben, so daß wir nicht
allzu ängstlich zu sein brauchen, wenn wir unter der Leitung
Gottes stehen und Intuitionen und Inspirationen erleben.

Auf einige Merkmale möchte ich hinweisen, die sowohl


somatisch, psychisch als auch dämonisch bedingt sein können.
Es gibt eine dämonische Körperstarre bei vollem Bewußtsein
des Besessenen, die ähnlich wie im hypnotischen Schlaf
beobachtet werden kann. So kann Müdigkeit durch körperliche
Anstrengung, aber auch durch Traurigkeit oder Besessenheit
kommen. Die Ursachen von Herzbeschwerden können etwa in
Überarbeitung oder besonders bei Frauen in klimakterischen
Erscheinungen liegen, aber auch in Kummer und Sorgen oder in
Dämonie. Anfälle mit Schäumen und Zähneknirschen können
durch Fallsucht als rein organische Auswirkung auf Grund einer
Erkrankung der Hirnrinde hervorgerufen werden, andererseits
aber auch durch böse Geister. Ebenso können
Rückgratsverkrümmungen durch nachlässige Haltung, durch
offenbare Krankheiten, aber auch durch einen Dämon
verursacht sein. Aus der Kenntnis von Merkmalen ergibt sich die
Stellung der richtigen Diagnose, um dann zur entsprechenden
Heilweise zu kommen. Siehe Luk. 13, 10 17, wo von einer Frau
geredet wird, die einen Krankheitsgeist hatte, von der Jesus
sagte, Satan habe sie 18 Jahre lang gebunden.

Nach dem N. T. wirken sich die Dämonen recht verschieden aus


bis hin zur Verursachung von Stummheit, Blindheit, Taubheit
u.a. Sie haben auch ein gewisses Maß von Wissen, kennen
Vorgänge im Reiche Gottes und können wahrsagen. Vor dem
Sohne Gottes fallen sie ehrfurchtsvoll nieder. Sie können auch
zu mehreren oder gar vielen einen Menschenleib mit Beschlag
belegen. Ich selbst beobachtete noch andere Merkmale (die
natürlich keineswegs in jedem Fall dämonisch sein müssen), so
dauernde Lästergedanken und Stimmen, quälende
Selbstmordgedanken und Zwangsvorstellungen, unerklärbare
Angstzustände, Schwermut, Frechheit, Trotz, Verstellungen,
Angriffigkeit, Menschenfeindschaft, Würgeerscheinungen,
Gesichtsverzerrungen, Rennen gegen die Wand, Salto in der
Luft, Stuhlzerbeißen, Schlaflosigkeit, Nervenzucken,
Nichtglaubenkönnen, Nichtbetenkönnen, Bibelzerfetzen,
zweiseelisches Wesen, allerlei Süchte, Sündigenmüssen bis hin
zu den schwersten Verbrechen. Auch hörte ich vom
Überspringen auf andere Personen und Rückkehr der Dämonen,
vom Kleiderzerreißen bis hin zu völliger Entblößung. Manche
Merkmale mögen Ärzte und Psychologen aus somatischen und
psychischen Ursachen heraus richtig erklären, keinesfalls aber
reichen ihre Erklärungen für alle Fälle aus. Manchmal handelt es
sich eben doch um Dämonie.

Wenn das der Fall ist, kann natürlich nicht mit den gewöhnlichen
Mitteln geholfen werden, hier kann nur ein Gebieten in der Kraft
Gottes die Heilung bringen. Unter Umständen muß ein Kreis von
ernsten, gläubigen Betern zu Hilfe gerufen werden. Dann
geschieht je und je tatsächlich etwas Durchgreifendes. Und das
beweist eben, daß sich diejenigen irren, die alles nur als
Psychopathie, Schizophrenie etc. erklären wollen. Damit, daß wir
ein schönes Wort gefunden haben und klassifizieren können, ist
es noch nicht getan. Wir müssen den Menschen helfen. Auch
dadurch, daß wir Menschen kasernieren, sie mit elektrischen
Schocks behandeln und notfalls in die Zwangsjacke stecken,
haben wir praktisch noch nichts erreicht, wenn es auch in
manchen Fällen, sofern keine Besessenheit vorliegt,
Ernüchterungen bringen mag. Und mit einem Lächeln und
überlegener Geste unter Berufung auf akademische Bildung
solchen gegenüber, die Vollmacht haben, ist ebenfalls nichts
geholfen. Es beweist nur eine hochmütige Überschätzung des
Intellekts. Jesus und Seine Apostel hatten nicht studiert, aber
sie waren imstande, Menschen durchgreifend zu helfen, und
darauf kommt es ja schließlich an. Damit ist nichts gesagt gegen
ein gründliches, wissenschaftliches Studium dieser Gebiete. Im
Gegenteil! Ich halte es, um Verzerrungen vorzubeugen, für
dringend nötig. Ich bekämpfe nur die rein materialistischen
Auffassungen ebenso wie die vielköpfige Hydra eines kalten,
überheblichen Intellekts.
Hier wäre die Frage zu beantworten, wann überhaupt
Besessenheit eintritt. Nach meinen Feststellungen:

1. vor allem bei Teilnahme an spiritistischen Sitzungen;

2. beim Befassen mit den verschiedenen Gebieten der Zauberei;

3. bei bewußten Teufelverschreibungen und

4. auf vorsätzlichen Sündenwegen. - Betonen möchte ich aber


entschieden, daß wir nicht vorschnell Besessenheit annehmen
dürfen, solange andere Erklärungen ausreichen!

In meinem Leben habe ich durch die Gnade Gottes viele


wunderbare Heilungen erleben dürfen, doch habe ich auch
manche Korrekturen bekommen. Ich hatte niemand, der mir
Anleitung in diesen Fragen gegeben hätte, war vielmehr
ausschließlich auf das Führen und Leiten Gottes unter
ständigem Gebet angewiesen. Eine besondere Zeit brach für
mich an im Jahre 1948 durch die wunderbare Heilung meiner
ältesten Tochter, die unter Handauflegung plötzlich von einer
schweren Lungentuberkulose geheilt worden ist, nachdem sie
Jahre vorher von den Ärzten aufgegeben worden war. Bei
vielleicht dreitausend seelsorgerlichen Aussprachen in drei bis
vier Jahren durfte ich Hunderten von Kranken die Hände
auflegen und für ihre Gesundung im Glauben beten. Von 1920
bis 1933 waren mir nur vier Fälle von Besessenheit begegnet,
dann erst wieder ab 1950 weitere 16 bis 20 Fälle. Auch da
möchte ich mit meinen Angaben vorsichtig sein. Nur bei der
Hälfte der Fälle trat Heilung ein.

Wie wichtig übrigens die mitfolgenden Zeichen sind, geht


daraus hervor, daß nach den Berichten des Neuen Testaments
daraufhin andere Heilung begehrten und erlangten, Gott
gepriesen wurde, Menschen in die Nachfolge Jesu eintraten und
Gottes Werk unterstützten, ja ganze Häuser und Scharen von
Männern und Frauen gläubig wurden, die Gemeinden Gottes
wuchsen, andererseits Furcht auf die Ungläubigen fiel,
Sündenbekenntnisse abgelegt, Zauberbücher verbrannt und
Glaubensgehorsam aufgerichtet wurden. Allerdings kamen auch
Verfolgungen auf.

Krankenheilungen brauchen durchaus kein Zeichen für Heiligen


Geist zu sein! Es gibt Menschen die heilen können und doch
nicht vom Herrn anerkannt werden. So sagt Jesus in Matth. 7, 21
23: "Nicht alle, die Mich ’Herr, Herr’ anreden, werden darum
schon ins Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen
Meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tage zu Mir
sagen: Herr, Herr, haben wir nicht kraft Deines Namens als
Propheten geredet und kraft Deines Namens böse Geister
ausgetrieben und kraft Deines Namens viele Wunder getan?'
Dann werde Ich ihnen erklären: Niemals habe Ich euch gekannt;
hinweg von Mir, ihr Übeltäter!'"

Es gibt andererseits bevollmächtigte Menschen, die keine


Heilungen verrichten; sogar "der Größte von Weibern Geborene"
hat keine vollzogen. Wir lesen in Matth. 11,11: "Wahrlich, Ich
sage euch: unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein
Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; aber der Kleinste
im Himmelreich ist größer als er."

Und Joh. 10, 41 heißt es: "Da kamen viele zu Ihm und sagten:
Johannes hat zwar kein einziges Zeichen getan, aber alles, was
Johannes von diesem Manne gesagt hat, ist wahr gewesen."

Fehlschläge sind kein Beweis für einen ungöttlichen Wandel (1.


Tim. 5, 23; 2. Tim. 4, 20; 2. Kor. 12, 7 10). Neben den göttlichen
und natürlichen Heilungen laufen teuflische einher, die
verwirren. Aber, gottlob, es gibt auch echte Heilungen, in Gottes
Kraft gewirkt, und wir müssen uns vor unberechtigter und
abfälliger Kritik hüten, damit wir uns nicht der Lästerung des
Geistes schuldig machen wie die Pharisäer (Matth. 12, 23 33;
Luk. 9, 49 u. 50).

Es wäre fesselnd, gründlich auf die verschiedenen Heilweisen


einzugehen, deren sich die Menschen schon bedient haben und
noch bedienen. Jedoch würden solche Untersuchungen den
Rahmen dieser Arbeit vollständig sprengen. Trotzdem möchte
ich wenigstens einiges berühren, um zu zeigen, daß der Geist
über den Leib die Herrschaft haben muß, wenn Heilungen
geschehen sollen, und daß nicht nur auf christlicher Grundlage
geheilt worden ist, sondern auch ohne jede Beziehung zu Gott
und zu Christus.

"Der Geist bewegt die Masse" (Virgil). Der Geist beherrscht den
Stoff! Beschwörungen unter gewissen Zauberformeln sind
immer in der Menschheit verbreitet gewesen und werden auch
heute noch bei den Medizinmännern vorgenommen und als
Besprechungen im weiten Lande hin und her gepflegt. Bald war
es der Mesmerismus, der auf Grund eines sog. "tierischen
Magnetismus" geheilt hat; dann wieder war es Coué, der durch
ständige Wiederholung bestimmter optimistischer Sätze vielen
seelisch Kranken Heilung vermittelte; Freud mit seiner
Psychoanalyse und der Betonung des Unbewußten; Adler, der
Begründer der individuellen Psychologie, der nicht so sehr die
von "verdrängten sexuellen Komplexen herrührenden
Reaktionen, sondern die aus Konflikten zwischen dem
Geltungsstreben des Individuums und seinen unerreichten
Zielen herrschenden Spannungen" betonte; Jung mit seiner
analytischen Heilbehandlung und darüber hinaus recht
fragwürdige "Heiler" wie etwa Weißenberg, Gröning, Cornelje u.
a., die auf irgendeine Weise das Vertrauen ihrer Mitmenschen zu
gewinnen wußten und auf recht verschiedene Art ihre
"Patienten" behandelten. Die "Christliche Wissenschaft", die
aber weder christlich noch wissenschaftlich ist, dürfen wir hier
nicht übergehen. Sie hat aber wohl ein richtiges
Wahrheitsmoment erfaßt, nämlich die Tatsache, daß es
gewaltige Seelenkräfte im Menschen gibt, die sich heilend
auswirken können, wenn sie in Tätigkeit gesetzt werden. Von
einem Beten ist aber bei dieser Richtung keine Rede; ihr "Beten"
ist nur ein Gesunddenken. Auch zu Christus nimmt sie keine
biblische Stellung ein, da sie Ihn gar nicht als das Lamm Gottes,
sondern nur als einen Märtyrer anerkennt. Verschiedene
Heilbewegungen gibt es auf der Erde, besonders in Amerika und
auch in England. Wer sich darüber orientieren möchte, dem sei
das Buch "Psychology, Religion and Healing" von Weatherhead
empfohlen. Viel Gutes ist in diesem Buche gesagt, wenn es nach
meinem Urteil auch teilweise theologisch recht frei geschrieben
ist. Lourdes kann nicht übergangen werden, obwohl hier bei
dem ungeheuren Zustrom von Menschen doch nur wenige
geheilt werden; ich las von etwa 2 %. Jedenfalls sind diese
Heilungen unter starker seelischer Beeinflussung nicht von der
Hand zu weisen, da sie durch ein Kollegium von Ärzten
überprüft und erst dann als echte Wunderheilungen
veröffentlicht worden sind. Therese von Konnersreuth mit ihren
Stigmata wird ebenso wie die etwa zweihundert in der
Kirchengeschichte bekannten ähnlichen Fälle auf hypnotisch-
suggestivem Wege erklärt; nur die fast fehlende
Nahrungsaufnahme ist ein Rätsel. Die Hypnose wird von mir
abgelehnt, weil sie einen schädigenden Eingriff in die freie
Persönlichkeit darstellt, der dazu noch die Versuchsperson in
eine gefährliche Abhängigkeit vom Hypnotiseur bringen kann.
Erfahrene Ärzte haben allerdings manches damit erreicht. - Auf
biblischer Grundlage mit gottgeschenkter Begabung heilten
aber Blumhardt, Seitz, Stanger und heilen heute noch manche
glaubensstarken Jünger Jesu. Neben ihnen stehen tüchtige,
gläubige Ärzte.

Es ist mir nicht möglich, über die vorhandene Literatur etwas


Maßgebliches zu sagen. Ich habe gar keine Zeit zu einer
gründlichen Durcharbeitung, da mich das Leben viel zu stark mit
Beschlag belegt. Es ging bei mir überhaupt nicht so zu, daß ich
erst vielerlei über Krankenheilung und Dämonenaustreibung
vom medizinischen, psychologischen und parapsychologischen
Standpunkt aus gelesen hätte und von daher an den Stoff
herangekommen wäre. Ich bin vielmehr umgekehrt von der Bibel
her mit gläubigem Gebet an die Dinge herangetreten und habe
Erfahrungen gesammelt. Danach erst habe ich dann durch das
Studium einiger Bücher die Dinge überprüft und, wo es möglich
gewesen ist, gern mit Ärzten Gespräche darüber gesucht und
geführt.

Entscheidend war für mich, daß ich bereits mit 13 Jahren zum
lebendigen Glauben an Christus gekommen bin und mit 21
Jahren eine klare Berufung in den Dienst Gottes erlebt habe.
Das Buch von Murray "Jesus heilt die Kranken" machte damals
Eindruck auf mich, nachdem ich einige Anregungen von meinem
Vater erhalten hatte. Außer den schon genannten Büchern
möchte ich das 1953 erschienene Buch von Dr. theol. Kurt E.
Koch über "Seelsorge und Okkultismus" empfehlen. Ich halte es
für das Beste, was ich bis jetzt darüber gelesen habe, trotz der
griechischen, lateinischen und sonstigen schwer
verständlichen, medizinischen Ausdrücke, die diese
Doktorarbeit enthält. Auch Dr. Lechler hat einiges geschrieben,
das beachtenswert ist.

Im Laufe von 34 Jahren habe ich eine Menge von Erfahrungen


unter ständigem Gebet und dem Leiten Gottes sammeln dürfen,
die hier einen gedrängten Niederschlag gefunden haben. Dazu
möchte ich ausdrücklich bemerken, daß ich von Jugend auf
neben einem gründlichen Bibelstudium mit besonderer Vorliebe
naturwissenschaftliche Studien betrieben habe. Im ersten
Weltkrieg konnte ich einen Krankenhelferkursus mitmachen und
später als Gerichtsbeamter gewisse Einblicke bei
Gerichtsgutachten und Sektionen gewinnen.

Zum Schluß einige Ratschläge allgemeiner Art für die Seelsorge


an den Kranken:

1. Wir müssen Zeit für den Kranken haben; er muß das Gefühl
gewinnen, daß wir jetzt nur für ihn da sind.

2. Dabei muß von uns eine starke, klare Ruhe ausgehen, die wir
uns in der Hetze unserer Zeit immer wieder von Gott erbitten
müssen.

3. Ein freundliches Wesen voller Liebe wird ein Schlüssel zum


Herzen des Kranken sein.

4. Eine freundliche Bestimmtheit muß uns eigen sein, damit wir


uns doch nicht ins Uferlose verlieren.

5. Wir lassen den Kranken erzählen und helfen gelegentlich mit


Fragen nach. Wir suchen von ihm etwas zu erfahren über seine
Vorfahren, seine Familie, seinen Beruf, seine Lebensführung, die
Art seiner Krankheit, die Beurteilung seitens des Arztes oder der
Ärzte, das bis jetzt erreichte oder nicht erreichte Ziel. Besonders
wichtig ist uns die Stellung des Kranken zu Gott und Christus.
So bekommen wir ein Bild über ihn und können zu einer Einsicht
und zu rechtem Urteil kommen.

6. Treten Schwierigkeiten auf, so vertagen wir die Aussprache


am besten, um die Angelegenheit durchbeten zu können. Unter
Umständen ist die Zuziehung eines Fachmannes ratsam,
möglichst eines Gläubigen.

7. Gebetskreise sind dabei immer eine gute Hilfe.

8. Handauflegung üben wir bei leiblich und seelisch Erkrankten


nur dann, wenn unsere seelsorgerliche Aussprache zu einem
positiven Ergebnis geführt hat, damit wir uns nicht nach m. Tim.
5, 22 fremder Sünden teilhaftig machen.

9. Bei offenbarer Besessenheit, die bei weitem nicht so oft


vorkommt, wie manche denken, hilft nur das Absagen im Gebet
und das Austreiben des bösen Geistes, wobei man ihm in der
Kraft des Namens Jesu Christi gebietet.

10. Wer nicht von Gott zu diesen Aufgaben berufen ist, der lasse
die Finger davon!

---

Ideenheft zum Jahr der Stille

IDEENHEFT ZUM JAHR DER STILLE 2010

Stellungnahme

In dem „Ideenheft“ zum Jahr der Stille werden von Vertretern


und Mitarbeitern verschiedener evangelikaler Werke unter dem
Vorsitz von Wolfgang Breithaupt Vorschläge unterbreitet, wie
man besser zur Stille kommen soll, vor allem aber um Gott in der
Stille intensiver zu erfahren. Man ist getragen von dem Wunsch,
Gott inniger zu begegnen. (Zwecks besserer Übersicht sind
direkte Zitate aus dem „Ideenheft“ im Fettdruck wiedergegeben).

Wir brauchen Stille

Das Positive zuerst: Der Diagnose dieses Heftes kann ich nur
zustimmen. Wir sehnen uns nach Stille. Wir sind überladen und
überrannt mit und von unzähligen Impulsen und Eindrücken.
Auch der Arbeitsdruck nimmt ständig zu und Mobbing gibt es
leider nicht nur unter Weltmenschen. Immer mehr Zeitschriften,
Magazine, Artikel landen in unseren Briefkästen und Mailboxen.
Es geht uns manchmal, wie es jemand karikierte, wie einem Igel,
der auf der elektronischen Datenautobahn plattgewalzt wird.

Wer sehnt sich da nicht nach Stille, nach Auszeit, nach einem
buchstäblichen Abschalten nicht nur des Handys und
Computers? Der Schrei nach Stille wird immer lauter, so
widersprüchlich dies auch klingen mag. Ist da nicht manch ein
Kloster oder eine Kommunität besonders einladend? Sind gar
Methoden und Techniken, diese Stille zu erfahren, dann nicht
mehr als vielversprechend und attraktiv für Seele und Leib?

Nach dieser zutreffenden Diagnose ist allerdings die Frage, ob


die angebotene Therapie ebenfalls stimmt. Und hier ergeben
sich in diesem Sonderdruck „Ideenheft - Jahr der Stille 2010“
manche Fragezeichen, für mich sogar manche Stopptafeln.

Kann man Stille einatmen?

Die in diesem Heft propagierte Stille ähnelt öfter dem Zustand


der Passivität bis hin zu fast identischen Anleitungen, die man
sowohl in der Esoterik wie in den asiatischen Meditationsformen
kennt, um die „kosmische Energie“ einzuatmen.
So heißt es unter der Überschrift „Stilleübung“ folgendermaßen:

Suchen Sie sich einen stillen Ort in Ihrer Wohnung oder in einer
Kirche. Zünden Sie eine Kerze an. – Bevor Sie sich auf Ihrem
Platz niederlassen, beginnen Sie in den Knien zu wippen,
zunächst langsam und dann immer heftiger bis der ganze
Körper in eine Schüttelbewegung kommt. Streifen Sie mit den
Händen den Körper ab und hauchen Sie alle verbrauchte Luft
aus. –Führen Sie die Handflächen vor der Brust zusammen und
verneigen Sie sich vor dem Geheimnis der Gegenwart Gottes. –
Nehmen Sie Platz auf einem Stuhl mit einer geraden, nicht zu
weichen Sitzfläche. – Nehmen Sie mit beiden Füßen Kontakt zum
Boden auf. –Spüren Sie den Kontakt Ihrer Sitzfläche zum Stuhl,
verlagern Sie das Gewicht leicht auf die eine, dann auf die
andere Seite, nach vorn, zur Seite, nach hinten, zur anderen
Seite, kommen Sie so in eine kreisende Bewegung. Kommen Sie
wieder zur Ruhe. Der Oberkörper richtet sich aus dem Becken
heraus frei auf –ohne Kontakt zur Stuhllehne …–Die Hände
liegen im Schoß oder auf den Oberschenkeln .… –Die Augen
sind leicht geöffnet oder geschlossen … –Nehmen Sie Ihren
Atem wahr, wie er kommt und geht, ohne ihn zu verändern … –
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Ausatmen, legen Sie in
das Ausatmen alle innere Unruhe und lassen Sie sie mit dem
Atem abfließen … –Nehmen Sie die Geräusche um sich wahr, die
lauten und die leisen, die nahen und die fernen … –Nehmen Sie
die Stille um sich herum wahr … –Lassen Sie nun die Stille mit
jedem Atemzug in sich einströmen … –Genießen Sie den
Augenblick; genießen Sie es, einfach nur da zu sein …1

Dies aber sind Ansätze von Techniken, die in ihrer Spiritualität


an das Gottesbild des Buddhismus und Hinduismus erinnern.
Gott kann als kosmische Energie und Kraft, ähnlich wie im Yoga,
besonders durch Atemübungen erfahren und aufgenommen
bzw. „aufgesogen“ werden. Elke Kamphuis, die jahrelang im
New Age verstrickt war, bemerkte dazu, dieses „Abstreifen“ sei
ihr nicht unbekannt. In der Esoterik ist man der Meinung, dass
sich durch starkes Schütteln schlechte Energien aus dem
Körper lösen, sich aber noch in der Aura befinden können.
Durch Abstreifen könnten solche negativen Energien aus
diesem Bereich entfernt werden. Sie selber hat durch ähnliche
Techniken, wie man sie in der Psychotherapie praktiziert,
besonders durch Entspannungsübungen verbunden mit
Konzentration auf den Atem, eine Öffnung für diese
esoterischen Strömungen und Welten erlebt.

Im Vorwort von Ray Yungens Buch „A Time of Departing“ (Zeit


des Abirrens) schreibt Ron Comer: Indem man die mystischen
Methoden der östlichen Religionen wie die Wiederholung von
Worten (Mantras) und die Passivität des Verstandes praktiziert,
machen bekennende Christen außerordentliche Erfahrungen mit
der geistlichen Welt. In christlichen Kreisen sind diese
Methoden bekannt als: die Stille, Atemgebet, Gebet der
Sammlung oder kontemplatives Gebet. Durch diese mystischen
Gebetspraktiken wendet sich die christliche Gemeinde von
heute in einer subtilen Weise vom Evangelium ab.2

Warum Passivität und innere Leere gefährlich sind


Warum ist Passivität, dieses Anstreben einer inneren Leere, so
gefährlich? Zunächst: Die Nachfolge Jesu und das Gebet erfor-
dern immer unsere Aktivität. Unser Wil le ist hier entscheidend
angesprochen. Die Bibel sagt: Ringet! Suchet! Bittet! Klopfet an!
Jaget nach! Widerstehet! Prüfet! Nahet euch zu Gott! Paulus
schreibt an die Kolosser: Ich lasse euch wissen, welch einen
schweren Kampf ich für euch habe (Kol 2,1). Und das ge naue
Gegenteil von Passivsein ist: Seid wachsam! Das aber ist die
fast intensivste und häufigste Warnung des Herrn Jesu im
Zusammenhang mit seiner Wiederkunft.

Der bekannte chinesische Christ Watchman Nee schreibt über


das Phänomen der Passivität:

Die eigentliche Unterlassungssünde, die den bösen Geistern


Raum gewährt, ist die Passivität des Gläubigen ... Wenn ein
Mensch aufhört, eine natürliche Gabe zu gebrauchen und sie in
Untätigkeit absinken lässt, gibt er damit dem Teufel und seinen
Helfern eine Gele genheit, sie an seiner Stelle zu nutzen. Das
bildet dann die Basis für ihre finsteren Machenschaften ...>Die
haupt sächliche Ursache des Betrugs bei gottgeweihten Gläubi
gen kann in einem Wort zusammengefasst werden: Passivi tät,
das heißt, ein Einstellen der aktiven Betätigung des Willens bei
der Beherrschung von Geist, Seele und Leib, oder einem von
den dreien<... Aus dem Brachliegenlas sen seiner
verschiedenen Anlagen entsteht die Passivität eines Gläubigen.
Er hat einen Mund, aber er weigert sich zu reden, weil er hofft,
der Heilige Geist werde durch ihn sprechen. Er hat Hände, aber
ist nicht bereit, sie zu ge brauchen, da er von Gott erwartet, dass
er es für ihn tut. Er betrachtet sich selbst als Gott völlig
hingegeben, dar um will er keinen Bereich seiner Persönlichkeit
mehr ge brauchen. Dadurch verfällt er in einen Zustand der
völligen Trägheit, der dem Betrug und der darauffol genden
Besetzung durch böse Geister Tür und Tor öffnet.3

Immer häufiger kann man lesen, wie man angehalten wird,


passiv zu meditieren, sich in die „innere Stille“ zu versen ken;
man betreibt oft anhaltende Meditation über Bilder und
Gegenstände, ja es werden einem sogar gewisse Atem-, Sprech-
und Stillhalteübungen empfohlen, um ein vertieftes Wirken des
„Heiligen Geistes“ zu ermöglichen. Ohne geistige Spannung soll
man einfach allem, was auf einen zukommt, nach- bzw. sich
hingeben. Gerade da durch aber erfüllt man, wie Watchman Nee
darlegte, die Gesetze der Passivität. Man kann somit, etwas
ungeschminkt formuliert, zu einem Medium umfunktioniert
werden.

Fast noch deutlicher heißt es bei Watchman Nee in seinem


Klassiker: Alle übernatürlichen Offenbarungen, Visionen oder
merkwürdigen Geschehnisse, welche die völlige Unter brechung
der Betätigung des Verstandes fordern, oder erst empfangen
werden, nachdem der Verstand seine Arbeit eingestellt hat, sind
nicht von Gott und Der Christ muss ganz klar ver stehen, dass
alle seine Äußerungen das Resultat seines ei genen Denkens
sein müssen. Jedes Wort, das den Denkprozess umgeht, ist von
den bösen Geistern formuliert worden.4

Prof. Johan Malan von der Universität North in Limpopo,


Südafrika, konstatiert in seinem Artikel „Östliche Meditation und
Christentum“: Die östliche Meditation gewinnt unter weiten
Teilen der Namenschristen im Westen einen immer größeren
Einfluss. In vielen christlichen Kirchen, Gemeinden und
Gruppierungen wird das Gebet zunehmend durch Meditation
ersetzt – was man auch als Kontemplation, Gebet der Sammlung
(centering prayer) oder Stillegebet bezeichnet. Meditation wird
oft von Yoga-Übungen oder entspannenden Atemübungen
begleitet, um eine mentale Entspannung herbeizuführen.5

Ray Yungen schreibt: Eine Umfrage in den USA ergab kürzlich,


dass 84 % der Befragten glauben, dass Gott überall und in allen
Dingen ist, statt eine Person an einem Ort. Das bedeutet, dass
Pantheismus heute das populärste Gottesbild ist. Wenn dies
wahr ist, dann vertritt ein hoher Prozentsatz evangelikaler
Christen in den USA ein pantheistisches Gottesbild, und ohne
sich darüber bewusst zu sein, entehren sie die wahre Quelle
ihres Heils.6

Erschreckende Parallelen

Das „Ideenheft“ liefert hier eine bunte Mischung von solchen


Anleitungen. Der bereits zitierte Dr. Manfred Gerland, Pfarrer für
Meditation, empfiehlt:

Stille werden im Leib. Stille werden in der Seele. Stille werden im


Geist. Nichts tun, nichts wollen, nichts denken, einfach nur da
sein, ganz da sein im Augenblick, ausruhen in der bergenden
Gegenwart Gottes, wie ein leeres Gefäß sein, sich Gott
hinhalten.7

Wie fromm sich so etwas tarnen kann, ist einem Buch zu


entnehmen, das in spiritistischen Logen zirkuliert. Dieses Buch
trägt den bezeichnenden Titel, Der Verkehr mit der Geisterwelt.
Unter der Überschrift „Die Ausbildung der Medien“ heißt es dort:
Er beginnt mit einem kurzen Ge bet, hält eine Lesung aus der
Heiligen Schrift und denkt über das Gelesene nach. Darauf hält
er, wie vorhin angege ben, seine Hand mit einem Bleistift auf ein
vor ihm liegendes Blatt Schreibpa pier und verhalte sich
abwartend ohne ir gendwelche geistige Spannung. Wird er zur
Niederschrift von Gedanken ge drängt, die mit großer
Bestimmtheit ihm inspiriert werden, so schreibe er sie nie der.
Wird seine Hand durch eine fremde Kraft in Bewegung gesetzt,
so gebe er nach.8

Diese unglaublich biblische Tarnung sollte er schrecken und


eben wachsam werden lassen. Fast identische Anleitungen
findet man in diesem „Ideenheft“ mit all seinen Anregungen zum
Jahr der Stille 2010.

Frank Buchman, der Gründer der »Moralischen Aufrüstung«,


erteilte seinen Mitarbei tern im Prinzip genau die gleichen
Anleitungen für die per sönliche Stille. Durch Frank Buchman
aber wur den etliche christliche Kreise und Kommunitäten
„inspiriert“.

Die Bibel erklärt, wie schon erwähnt: Seid wachsam und


widersteht! Man beachte: Die Mahnung im ersten Petrusbrief ist
keineswegs an die Ungläubigen gerich tet, sondern an die
Gläubigen: Seid nüchtern und wachet! Euer Widersacher, der
Teufel, geht umher wie ein brüllen der Löwe und sucht, wen er
verschlingen könne; dem widerstehet fest im Glau ben! (1Petr
5,8).

Mystik und Auflösung der Personalität Gottes

Zu diesem Bereich der Verführung durch eine Woge der


Passivität gehört auch das Wiederaufleben der Mystik. Sie ist
schon von ihrer Definition her der ideale Nährboden für
Passivität. Ihr liegt das griechische Wort „myein“ zugrunde, was
sich schließen oder verschließen, insbesondere die Augen und
den Mund, bedeutet. Man gleitet in eine passive Stille und wird
so für übernatürliche Erfahrungen konditioniert.

So findet man in dem „Ideenheft“ folgenden Beitrag eines


Kapuzinermönches: In der Stille eines Raumes, mit anderen
zusammen, achte ich auf meinen Atem und habe die Augen
dabei halboffen. Ich sitze auf einem harten Stuhl, den Rücken
gerade, die Hände zu einer Schale geformt.9

Nahezu identische Meditationsanleitungen gibt Anselm Grün,


der ganz offen erklärt hat, wie er mit dem stellvertretenden
Sühneopfer Jesu nichts anzufangen vermag: In manchen
Köpfen schwirrt noch immer die Idee herum, dass Gott seinen
Sohn sterben lässt, um unsere Sünden zu vergeben. Doch was
ist das für ein Gott, der den Tod seines Sohnes nötig hat, um
uns vergeben zu können?10

Zurück zum „Ideenheft“. Weiter heißt es bei diesem Mönch


namens Bruder Paulus: Wenn ich meditiere, dann geht es mir
darum, dass ich mir Zeit nehme, mit Gott zusammen zu sein. ...
Ich möchte nicht nur einfach leer werden, sondern ganz im
Gegenteil: In der Meditation versenke ich mich in das Wesen
meines geliebten Gegenübers – meines Gottes. Seine
Gegenwart genieße ich, wenn ich einfach da bin und immer
wieder beim Einatmen bete: Von dir zu mir. Und beim Ausatmen:
Von mir zu dir.11

Das aber erinnert verblüffend an die indische So-Ham-


Meditation. So ist „Er“, also Gott, Ham bin ich selber. Durch
solches ständiges Wiederholen der Silben und Aus- und
Einatmen soll man angeblich Gott näher kommen bzw. mit ihm
eins werden.

Zunächst wird hier der persönliche Gott offenbar zu einer


kosmischen Energie- bzw. Kraftquelle, die man durch
Atemübungen „anzapfen“ kann. Das aber ist genau das
Gottesbild des Hinduismus, Mystizismus und der Esoterik.
Heute wird sogar in den Schulen Kindern zur Beruhigung und
Ruhigstellung Yoga empfohlen. Durch intensives Atmen sollen
sie Frieden und Energie tanken und somit Aggressionen und
Unruhen überwinden.

Atemübungen als esoterische Technik


Einer der Ersten, der solch ein Atem- bzw. „Jesusgebet“
vorschlug, war Wilhard Becker:

Damit die Gegenwart Gottes auch in sein Unterbewusstsein


dringt, spricht er zunächst leise, im langsamen Rhythmus Jesus
Christus vor sich hin, wobei er sich nach und nach bemüht,
beim Ausatmen den Namen Jesus zu sagen und beim Einatmen
Christus.12

Durch ständiges Wiederholen dieser Silben bzw. Worte wird das


„Gebet“ zu einem Mantra, das letztlich einen veränderten
Bewußtseinszustand zu bewirken vermag. Gerade davor warnt
unser Herr ausdrücklich, dass wir eben nicht plappern sollen
wie die Heiden (Matth. 6,7).

Heute erfreuen sich solche Praktiken immer größerer


Beliebtheit. So empfiehlt beispielsweise die Evangelistin
Christina Brudereck folgendes: Mit dem Ton der Klangschale
lassen wir uns zur Stille rufen + Atemgebet Beim Einatmen:
Gott, Du, Beim Ausatmen: ich bin hier.
Letztlich ist die Überzeugung, Gott durch eine bestimmte
Methode oder Technik, z.B. mittels Atemübungen, zu erreichen,
in gewisser Hinsicht ihn also verfügbar zu machen, eine
magische Vorstellung. Und wir leben nun leider in einem zutiefst
magischen Zeitalter, wie der sensationelle Erfolg von Harry
Potter so unrühmlich zeigt. Die reformatorische
Grundüberzeugung jedoch war: „Das Wort Gottes bringt den
Heiligen Geist zum Herzen. Der Heilige Geist bringt das Wort
Gottes in das Herz.“

Der biblische Weg, Gott näher zu kommen, ist, sich vor Ihm zu
demütigen, Buße zu tun, wie das Nahen zu Gott in Jakobus 4,7-
10 so eindrücklich geschildert wird. Von Atemübungen und
einer passiven Stille ist da nichts zu lesen.

Die auf dem Weg der Atmung angeblich bewirkte Vertiefung in


das „göttliche Sein“ ist die klassische Unio mystica, wie sie die
Gnostiker und Schwärmer seit Jahrtausenden praktizieren. Sie
finden Gott angeblich in ihrem Seelengrund, jenem göttlichen
Funken der Seele, in ihrem innersten Wesen.

Meditation richtet sich nach innen. Man sucht nicht den Gott, der
sich außerhalb des Menschen befindet, sondern man lernt, die
Barriere des menschlichen Denkens zu überwinden, um den
Gott tief in sich selbst zu entdecken. Dies ist eine östliche
Methode, … schreibt Professor Johan Malan.14

So heißt es bezeichnenderweise in dem Zeugnis einer


Schwester Dorothea in diesem Ideenheft: Der Weg in meine
Mitte ist ein Weg in die Tiefe meines Wesens, an den Ort, wo
Gott schon auf mich wartet, mich empfängt und in seine Arme
nimmt. In der wortlosen Begegnung mit ihm lerne ich verstehen
und mit dem Herzen zu sehen.15

Henri Nouwen und seine New-Age-Theologie

Sie erwähnt auch in diesem Abschnitt Henri Nouwen (S.20), der


besonders durch die Zeitschrift „Aufatmen“ sehr populär
geworden ist. „Aufatmen“ hat auch ein Sonderheft zu diesem
Jahr der Stille 2010 herausgebracht und einer der dort
abgedruckten Autoren ist besagter Henri Nouwen, eine Art
Lieblingskind mystisch veranlagter Christen. Unter der
verheißungsvollen Überschrift „Gott begegnen in der
Einsamkeit“ kommt er dort zu Wort. Nur, Henri Nouwen, ein
guter Freund von Anselm Grün, ist eher New Ager denn
biblischer Christ. Anselm Grün wird übrigens in dem besagten
Sonderheft mit seiner Neuerscheinung Exerzitien für den Alltag
wärmstens empfohlen.16 Ebenso findet sich die Empfehlung
eines Buches dieses Benediktinerpaters in dem Ideenheft. Auf
Seite 54 erwähnt Manfred Gerland unter dem Stichwort Literatur
u.a.: Anselm Grün, Auf dem Wege. Zu einer Theologie des
Wanderns.

Henri Nouwen erklärt nun in seinem Buch Here and Now: The
God who dwells in our inner sanctuary is the same as the one
who dwells in the inner sanctuary of each human being. („Der
Gott, der in unserem inneren Heiligtum wohnt, ist derselbe, der
im inneren Heiligtum eines jeden Menschen wohnt.)17

Ähnliche Ansichten über den Geist Gottes vertrat auch der


Gründer des immer noch sehr beliebten und populären Ordens
von Taizé. Roger Schütz erklärte öffentlich: In jedem
menschlichen Wesen wohnt der Heilige Geist.18
Zurück zu Nouwen: Today I personally believe that while Jesus
came to open the door to God's house, all human beings can
walk through that door, whether they know about Jesus or not.
Today I see it as my call to help every person claim his or her
own way to God („Heute glaube ich, obwohl Jesus kam, um die
Tür zu Gottes Haus zu öffnen, dass alle Menschen durch diese
Tür gehen können, ob sie Jesus kennen oder nicht. Heute sehe
ich es als meine Berufung, jeder Person zu helfen, ihren eigenen
Weg zu Gott in Anspruch zu nehmen.“)19

Henri Nouwen wurde entscheidend von Thomas Merton geprägt,


den man eigentlich als seinen Mentor bezeichnen kann. In
seinem Buch Thomas Merton: Contemplative Critic (Thomas
Merton: Kenner der Kontemplation) spricht Nouwen über die
"neue Sicht", zu der ihm Merton verholfen hat und bekennt, dass
Merton und sein Werk "einen derartigen Einfluss" auf sein
Leben hatten, dass er die Person war, die ihn am meisten
inspirierte.20

Der Trappistenmönch Merton wiederum war stark beeinflusst


von dem LSD-abhängigen Mystiker Aldous Huxley, der auch als
Vater der Droge gilt. Aldous Huxley war einer seiner
Lieblingsautoren und durch dessen Buch, Ends and Means, kam
Merton zum ersten Mal „in Kontakt mit dem Mystizismus.“21
Merton schreibt: Er [Huxley] war sehr belesen und hatte eine
tiefe und scharfsinnige Einsicht in alle Arten christlicher und
orientalischer Literatur über Mystik, und er kam zu der
erstaunlichen Einsicht, dass all dies weit davon entfernt war,
lediglich Träumerei oder Magie oder Scharlatanerie zu sein,
sondern es war sehr real und sehr aufschlussreich.22

Diese mystische Reise brachte Merton direkt in den Schoß des


Buddhismus. Sein Weg der Kontemplation führte ihn zu dem
Glauben, dass Gott in allen Dingen ist und dass Gott alles ist.
Dies wird ersichtlich aus Mertons Worten: Wahre Stille ist die
Teilhabe an der Zurückgezogenheit Gottes, der in allen Dingen
wohnt.23

Ähnliche Überzeugungen vertritt der in den USA sehr populäre


Pastor und Autor Tony Campolo, einer der Redner beim
Dünenhof-Festival Cuxhaven, 2007. Er glaubt, ganz im Sinne der
heutigen New-Age-Mystik, dass Jesus bzw. Gott in allen
Menschen wohnt. Wir wollen die ganze menschliche Rasse
davon überzeugen, dass es einen Gott gibt, der jeder Person
einen unendlichen Wert verleiht und mystisch in jedem
Menschen wohnt.24

Wenn dies zutrifft, dann muss man also nur noch Techniken
aufzeigen, die es jedem Menschen ermöglichen, in seinen
„inneren Raum der Stille“ einzutauchen und man darf dort Gott
begegnen. Dann geht der Weg zu Gott nun nicht mehr unbedingt
über das Evangelium und Zerbruch, sondern tatsächlich über
ein sich stilles Versenken in sich selbst. Doch dort hausen die
Abgründe und besonders der unerlöste Mensch ist von einem
heiligen Gott äonenweit entfernt. Je mehr er sich in sich selbst
versenkt, desto intensiver gelangt er in den Bannkreis
betrügerischer Mächte, die sich gerne als Engel des Lichts
tarnen. Nicht umsonst spricht der Herr Jesus die Warnung aus:
So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei (Luk
11,35).

Heute kann man auch in der evangelikalen Welt beobachten, wie


immer mehr eine mystische Frömmigkeit propagiert wird,
getragen von dem Wunsch, manchen hässlichen Graben, wie es
scheint, zu überwinden. Nicht nur den zwischen Evangelikalen
und Charismatikern, sondern letztlich auch zwischen Katholiken
und Protestanten usw. Und nichts ist dafür besser geeignet als
die Mystik, die gewöhnlich alle konfessionellen Trennungen
überspringen kann. Typisch für die mystische Frömmigkeit ist
auch die Betonung der Einheit, gewöhnlich auf Kosten der
Lehre.
Als ein Beispiel von vielen sei folgendes Zeugnis eines
katholischen Autors erwähnt: ... andere ums Gebet und die
Handauflegung und wieder andere um die Geistestaufe baten.
Ich erhielt die Geistestaufe ... Ich glaube, dass die Sakramente
dieselbe Wirkung haben können ... Immerhin erkannte ich durch
die Pfingstbewegung die Parallelen zwischen Zen-Satori und
christlicher Bekehrung oder Metanoia.25

Gegenreformatorische und andere Einflüsse

In diesem „Ideenheft“ sind Beiträge von Katholiken überhaupt


kein Problem, werden im Prinzip als Bereicherung verstanden
(z.B. S.25). Sogar Ignatius von Loyola (S.38), der Gründer der
Jesuiten, des schlimmsten gegenreformatischen Ordens, wird
mit seinen Exerzitien empfohlen. Der Sonntagswoche liegt die
ignatianische Erfahrung zugrunde, dass der Mensch sich
„geistlich üben“ kann (Exerzitien/geistliche Übungen nach
Ignatius von Loyola).26

Vielleicht sollte man diesen Sympathieträgern Roms und


ökumenischen Brückenbauern die Worte von Martyn Lloyd-
Jones in Erinnerung rufen: Ihr, die ihr euch freut über diese
Annäherungen an Rom, lasst mich euch feierlich warnen. Ihr
verachtet das Blut der Märtyrer.27

Auch hat es mehrere Artikel von Margit Lambach, die als


Kursleiterin für Bibliodrama und Enneagramm vorgestellt wird
(S. 34). Das Enneagramm aber ist ein okkulter Seelenspiegel,
ähnlich der Astrologie, der eigentlich mit Christentum gar nichts
zu tun hat und aus der mystischen Frömmigkeit der Moslems,
dem Sufismus, kommt.

Das inzwischen so beliebte “Kontemplative Gebet”, man könnte


es auch „Gebet der Stille“ nennen, vermag auch Hindus,
Moslems und Christen zu dem angeblich selben göttlichen
Urgrund zu führen.

Und dies ist nun der Grundfehler dieser Stilleandachten, die aus
der gnostischen Mystik stammen: Man meint, Gott ist der tiefste
Wesensgrund aller Menschen, oder der seelische Urgrund, der
göttliche Funke usw., der angeblich in jedem Menschen wohnt
und nur zur Erleuchtung gebracht werden soll.

Doch Paulus erklärt das Gegenteil: Denn ich weiß, dass in mir,
das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt (Röm 7,18).

Mystik kontra biblische Lehre

Diese Ausführungen sollen nun andererseits nicht so


verstanden werden, dass wir vor Gott nicht mehr stille werden
dürfen. Wir sollen unsere „stille Zeit“ einhalten, doch nie mit
einem passiven oder leeren Verstand. Es sei hier nur an Psalm 1
oder Josua 1,8 erinnert, wo erwähnt wird, wie man über Gottes
Wort nachdenken und es auswendig lernen soll. Also das
genaue Gegenteil eines passiven Verstandes oder innerer Leere.
Die Heilige Schrift war schon immer lebendig und kräftig und
wenn der Gläubige, verbunden mit Gehorsam, sein Denken mit
Gottes Wort erfüllt, dann entsteht und wächst Liebe zu Gott und
seinem Wort (1Joh 2,5).

Mystizismus neutralisiert die Unterschiede in der Lehre, indem


man die Wahrheit der Schrift auf dem Altar mystischer
Erfahrungen opfert. Mystizismus bietet eine gemeinsame
Grundlage, und angeblich ist die Göttlichkeit in allem das
verbindende Element.

Deshalb ist der Todfeind der Mystik die biblische Lehre. Doch
der Kampf um Dogmen ist, wie es jemand formuliert hat, in
unserer Generation megaout. Deswegen können auch gewisse
Publikationen, die man früher eindeutig als Irrlehre
zurückgewiesen hätte, nicht nur große Verbreitung finden,
sondern auch Bestseller werden. So heißt es in „Aufatmen“ von
dem zitierten Henri Nouwen, er war einer der einflussreichsten
Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts.28 Dies zeigt leider, in
welch einer Krise und Verwirrung sich ein großer Teil der
gegenwärtigen Christenheit befindet.
Allerdings gab es solche Auseinandersetzungen schon seit
Anfängen der Reformation. Schon zu Luthers Zeiten meinten
etliche „Propheten und Schwärmer“, durch gewisse
„Stilleübungen“ Gott zu erfahren. Luthers Warnung fiel ebenso
drastisch wie deutlich aus: Deshalb mahne ich euch vor solchen
verderblichen Geistern, die sagen, ein Mensch empfängt den
Heiligen Geist durch stilles Sitzen in der Ecke, auf der Hut zu
sein. Hunderttausend Teufel wird er empfangen und nicht zu
Gott kommen.29

Hörendes Gebet, Meditativer Tanz und andere New-Age-


Elemente

In diesem „Ideenheft“ finden sich Beiträge zum Thema


„Hörendes Gebet“ (S. 28) und auch zu „Meditativer Tanz“.
Ganzheitliches Beten, meditativer oder sakraler Tanz,
Meditationen und Körperarbeit - ... (S.35). Man ist leider ziemlich
im Einklang mit der derzeitigen New Age-Welle, die nicht nur
Stimmen, Visualisierungen, Bilder und Träume, sondern auch
gerne ganzheitliche Körpererfahrung, bevorzugt durch Tanz,
vermittelt. Insofern gibt es durch solche Empfehlungen manche
angeblich „erwecklichen“ Aufbrüche, gerade in unseren Tagen
des moralischen und ethischen Verfalls.

Eigentlich wäre es nötiger denn je, ein Jahr der Buße auszurufen
wegen all dieser falschen Lehren, Oberflächlichkeit, Passivität,
Lauheit, Sünden und moralischer Dammbrüche, die leider nicht
vor den Gemeinden halt machen.

Das Problem der Vermischung

Betont soll werden, dass es nicht unsere Aufgabe ist zu richten.


Ich möchte allen Autoren dieser Zeitschrift die besten Absichten
konzedieren. Wahrscheinlich sehnen sie sich einmütig in dieser
Zeit des Niedergangs nach Erweckung und geistlichen
Aufbrüchen und haben sicherlich nur gute Motive. Doch all dies
entbindet uns nicht von dem Auftrag, eigentlich ist es in der
Bibel ein Befehl, die Geister zu prüfen (1Thess 5,21; 1Joh. 4,1
usw.) und in unseren Tagen besonders wachsam zu sein. Da
aber ergibt sich auch bei größtem Wohlwollen ein -leider-
anderes Bild. Ein Bild, das so ziemlich dem gleicht, was die
Bibel im Zusammenhang mit Verführung in den letzten Tagen
und den damit verbundenen Dämonenlehren und kräftigen
Irrtümern vorausgesagt hat.

Natürlich sind in diesem Heft nicht nur unbiblische Anleitungen


zu finden. Wolfgang Breithaupts einführender Artikel „Stille in
der Bibel“ ist nicht zu beanstanden (S.5-6). Allerdings werden in
dem Haus der Stille, dem Breithaupt vorsteht, u.a. die Exerzitien
nach Ignatius von Loyola angeboten. Ferner werden im
Zusammenhang mit Wolfgang Breithaupt, der auch Mitglied der
charismatisch ausgerichteten GGE (Geistliche Gemeinde-
Erneuerung) ist, Bücher der katholischen Mystiker Henri
Nouwen und Anselm Grün sowie von dem Extremcharismatiker
Dutch Sheets empfohlen.30

Es enthält dieser Sonderdruck manchen positiven und richtigen


Ratschlag wie auch Kommentar und kann sicherlich auch etliche
Christen dazu motivieren, Gott mehr zu suchen und mehr Zeit
mit ihrem Erlöser Jesus zu verbringen. Das Problem, wie in fast
allen Bereichen, ist die Vermischung. Man hat, wie es schon
Paulus bei den Korinthern beklagen muss (2Kor 6,14ff), eine
Mischung von Licht und Finsternis, Christus und Belial,
Gläubigen und Ungläubigen usw. Je besser die tödlichen
Wirkstoffe in einem Gift durch nahrhafte Substanzen getarnt und
ergänzt sind, desto gefährlicher allerdings wird diese Mischung.
Ein paar Kapitel danach muss er ziemlich deutlich konstatieren,
wie man auch einen anderen Jesus und einen fremden Geist nur
allzu willig annimmt (2Kor 11,4).

Es entsprechen diese Passivitätswogen meiner Meinung nach


dem Bild der Wehen, das der Herr Jesus in seiner
Wiederkunftsrede aufgreift (Mat 24,8). Zwar gab es schon immer
solche Praktiken des passiven bzw. leeren Verstandes,
besonders im Mönchtum, doch die Reformation hat die Klöster
abgeschafft und stellte das Wort wieder in den Mittelpunkt.
Diese passive Stille kannte man im 19. Jahrhundert vor allem in
spiritistischen Zirkeln. Später propagierte sie Frank Buchman,
der Gründer der Oxford Gruppenbewegung bzw. 1938 der
„Moralischen Aufrüstung“. Dann war sie in etlichen
entstehenden Kommunitäten, später bei extremen Pfingstlern,
danach vielen Charismatikern und vor allem bei Jugend mit
einer Mission (JMEM) anzutreffen.

Durch einflussreiche Mystiker wie Richard Foster, Thomas


Merton, Henri Nouwen, Tony Campolo, Anselm Grün u.a.
drangen diese Methoden immer mehr bei den Evangelikalen ein.
Besonders die Zeitschrift „Aufatmen“ hat praktisch all diesen
mystischen Multiplikatoren eine Plattform geliefert, mit dem
Ergebnis, dass das evangelikale Lager immer mehr medial
umfunktioniert wird. Mystische Stille, Atemübungen,
Kerzenmeditationen, Phantasiereisen, innere Bilder, „Hörendes
Gebet“, Anbetungstänze usw. werden immer populärer, nicht
zuletzt auch durch den Einfluss der „Emerging Church“.

Gegenwärtig, so hat es den Eindruck, bahnt sich eine Art


flächendeckender „Tsunami“ der Passivitätswoge an, um auch
noch die letzten nüchternen „Inseln“ zu überspülen. Bis in die
obersten Kreise der Evangelischen Allianz sind nun diese
Wellen vorgedrungen. Man versteht vielleicht die Klage unseres
Herrn Jesu in Lukas 18,8: Doch wenn der Menschensohn
kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?

So möchte ich mit dem Urteil von Scott Smith - Professor für
Apologetik an der BIOLA-Universität (Bible Institute of Los
Angeles) - abschließen, das dieser nun im Zusammenhang mit
der „Emerging Church“ fällte: Ihre Ansichten sind nicht im
Einklang mit gesunder biblischer Lehre, sie unterhöhlt objektive
Wahrheit und weist schwere Mängel und Fehler auf und sie wird
zu einem Niedergang des Christentums führen.31

Alexander Seibel

---
Wolfgang Bühne

„Die Hütte“ - „Das beste Buch über Gott seit der Bibel“?

Eine kritische Rezension

Der amerikanische Bestseller „Die Hütte – Ein Wochenende mit


Gott“ von William Paul Young (seit über einem Jahr in der
Bestseller-Liste der New York Times), ist in den USA mehr als
6,5 Millionen Mal verkauft worden und stürmt seit Juni 2009 nun
auch die Bestseller-Listen in Deutschland, nachdem es im
Verlag Allegria (Ullstein-Gruppe) erschienen ist und durch den
Verlag „Gerth-Medien“ im evangelikalen Bereich verbreitet und
vermarktet wird.

Bereits wenige Wochen nach dem Erscheinen gab es


begeisterte Reaktionen. Viele Leser schreiben, das durch dieses
Buch ihr „Gottesbild positiv verändert“ und die „Beziehung zu
Gott (´Papa´) vertieft“ wurde. Andere seien durch die Lektüre
„unglaublich berührt worden“ oder bekennen, dass ihr
„spirituelles Leben völlig verändert“ wurde. Der amerikanische
Theologe Peterson urteilt sogar, dass „dieses Buch für unsere
Generation das ist, was Bunyans ´Pilgerreise´ für dessen
Generation war“. Der ansonsten eher esoterische Verlag Allegria
wirbt für seinen Bestseller mit dem Prädikat: „Das beste Buch
über Gott seit der Bibel!“

Der Autor
Der Kanadier William Paul Young stellt sich im Anhang und
Klappentext des Buches als Sohn von Missionaren in Papua-
Neuguinea vor, der in seiner Kindheit sexuell mißbraucht wurde
und in seiner Jugend „mit Lügen, zwanghaftem Perfektionismus
und allgegenwärtiger Scham“ (S.292) belastet war. Später
„arbeitete er viele Jahre als Büroangestellter und als
Nachtportier im Hotel“ und war „viele Jahre Mitarbeiter in einer
christlichen Gemeinde. Mit seiner Frau Kim und seinen sechs
Kindern lebt er in Happy Valley im US-Bundesstaat Oregon“ – so
der Klappentext.

Er schreibt über sich selbst, dass er sich auf einem „schmalen


Grat zwischen Selbstmord und Flucht bewegte – das alles
versteckt unter einer Maske aus äußerer Anpassung,
Spiritualität und Gesundheit“. Sein Lebenszug sei 1994 entgleist
- „mit verheerenden Resultaten“(S. 292). Im Jahr 2005, als er 50
Jahre alt wurde, hätte Gott zu „seinem Herzen geflüstert“, dass
dieses Jahr ein Jahr der „Heilung und Aussöhnung“ sein würde,
wo Gott sein Leben „so wiederherstellen würde, wie es
ursprünglich geplant war“ (S. 293). In diese Zeit fällt sein
Entschluß, dieses Buch zu schreiben, in dem der Autor viele
eigene Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet hat.

Entstehung und Zielsetzung des Buches


In den folgenden Monaten reifte der Vorsatz, seinen Kindern zu
Weihnachten als Geschenk einen Roman zu schreiben - um
ihnen eine „Geschichte zu erzählen, die ihnen Freude machte
und durch die sie ihren Vater besser verstehen würden, und den
Gott, den ihr Vater so sehr liebt“ (S. 295).

Das Manuskript wurde also zunächst nicht geschrieben, um


einmal als Buch verlegt zu werden. Nachdem es aber einige
Freunde gelesen hatten und davon begeistert waren, wurde es
von „drei Brüdern im Geist“, die Erfahrung mit Medien hatten,
redigiert und erweitert. Es sollte zunächst als Buch erscheinen,
allerdings mit dem ausdrücklichen Ziel, Interesse für einen
geplanten Kino- Film zu wecken, um damit „eine Welt hungriger
Herzen zu erreichen“ (S. 292).

Da sich aber kein Verlag fand, der bereit war, dieses Buch ohne
Abstriche zu veröffentlichen, gründete man 2007 einen eigenen
Verlag, der „Die Hütte“ als erstes Buch herausgab.
Laut Verlagsangabe wurde das Buch „nur durch
Mundpropaganda, Empfehlungen und Internetforen zum
meistverkauften amerikanischen Bestseller 2008“, das
inzwischen in viele andere Sprachen übersetzt und in über 25
Ländern verbreitet wurde.

Mit dem Erlös dieses Buches soll – wie erwähnt - ein


„abendfüllender Film“ gedreht werden, „der weltweit ein großes
Publikum erreicht und ein akkurates Bild vom Wesen und
Charakter Gottes zeichnet, für eine Menschheit, die sich aus
tiefsten Herzen nach einem solchen Gott sehnt“ (S. S. 301).

Geistige und geistliche Hintergründe


In seiner „Danksagung“ am Ende des Buches bekennt der
Autor, dass er viele Anregungen „von einigen längst
verstorbenen Herrschaften wie Jacques Ellul, George McDonald,
A.W. Tozer, C.S. Lewis, Gibran, den Inklings und Sören
Kierkegaard“ bekommen hat, sich aber auch lebenden Autoren
und Rednern wie Ravi Zacharias, Wayne Jacobsen usw. zu Dank
verpflichtet fühlt (S. 290).

Tatsächlich findet man in diesem Buch auch Zitate von Blaise


Pascal, A.W. Tozer, Oswald Chambers usw., was darauf
hindeutet, dass der Autor mit den Werken von Autoren vertraut
ist, die man als konservativ, bibeltreu oder fundamentalistisch
bezeichnen würde. Das wird manche Leser vielleicht verwirren,
entspricht aber genau dem Inhalt des Romans, der ein Gemisch
von sehr richtigen und biblischen Wahrheiten, wie auch von
absolut gotteslästerlichen Vorstellungen vermittelt.

Interessant ist, dass Wayne Jacobsen, der Autor des in letzter


Zeit vielgelesenen Buches „Der Schrei der Wildgänse“, großen
Einfluss auf den Inhalt, die Bearbeitung und Verbreitung des
Buches hatte. Für Young war Jacobsen „der einzige Autor, den
ich kannte, der in einem meiner Geschichte verwandten Genre
schrieb. Sein neuestes Buch ´Der Schrei der Wildgänse´ war ein
paar Monate zuvor erschienen, und es gefiel mir sehr.“ (S.
296/297) Jacobsen ist einer der erwähnten „drei Brüder im
Geist“ und wer sein Buch „Der Schrei der Wildgänse“ gelesen
hat, wird viele seiner Ideen und seiner Gottes-Vorstellungen im
Buch „Die Hütte“ wiederkennen.

Die Inhalt des Buches


Der erste, recht kurze Teil schildert mitreißend und emotional
aufwühlend die Entführung von Macks jüngster Tochter „Missy“
während eines Familienausfluges. Ihre letzten Spuren hat man in
einer verlassenen Schutzhütte tief in der Wildnis von Oregon
gefunden, wo sich Hinweise finden, dass sie von einem
Serienmörder ermordet wurde.

Vier Jahre später, mitten in der „großen Traurigkeit“, in der Mack


mit Gott über den Verlust seiner Tochter hadert, erhält er eine
rätselhafte Einladung von „Papa“ (Gott), der ihn für ein
Wochenende in die besagte Hütte einlädt. Trotz aller Einwände
seines Verstandes macht er sich auf den Weg und trifft dort
persönlich „Gott“ (“Papa“) in der Gestalt einer „großen, dicken
Afroamerikanerin“ (S. 94), die auch „Elousia“ genannt wird.
Dann taucht eine „kleine, eindeutig asiatische Frau...mit
melodiöser Stimme“ (S.95) auf, die sich „Sarayu“ nennt und den
Heiligen Geist verkörpern soll und schließlich „Jesus“, der als
gutmütiger, grinsender Handwerker dargestellt wird, der „Papa“
lachend als „Scherzkeks“ bezeichnet (S. 101).

Auf den folgenden fast 200 Seiten werden dann Begegnungen


und Gespräche Macks mit der „Dreifaltigkeit“ geschildert, die
ich teilweise als kitschig, blasphemisch und abstoßend
empfand, so dass ich mich zum Weiterlesen zwingen musste
und daher die begeisterten Reaktionen vieler Leser in keiner
Weise nachvollziehen kann.

Spätestens ab dem 15ten Kapitel müsste jedem Bibelleser


deutlich werden, dass man ein esoterisches Minenfeld betreten
hat, wo sich Mack mit seinem verstorbenen Vater – zu Lebzeiten
ein nach außen religiöser, aber ansonsten bösartiger Säufer, der
zu Hause seine Frau verprügelt und Gott anschließend um
Vergebung bittet (vgl. S. 10) – versöhnt und anschließend die
ermordete kleine Missy nachträglich beerdigt wird und „Sarayu“
am Grab das Lied singt, dass Missy selbst für ihre Beerdigung
geschrieben hat.

Warum man vor diesem Bestseller warnen muss!

1. Das Buch verstößt eindeutig gegen das zweite Gebot (2. Mo.
20,4 und 5. Mo. 4,23). Es vermittelt ein Bild von Gott, das
eindeutig nicht mit der Heiligen Schrift - worin Gott sich selbst
offenbart - übereinstimmt, sondern ist ein Produkt menschlicher
Phantasie und humanistischer, esoterischer Vorstellungen. Und
das ist Gotteslästerung, selbst wenn man dem Autor beste
Motive zugesteht.

2. Das Buch wurde nach Aussagen des Autors nicht als


unterhaltsamer Roman geschrieben, sondern mit der
ausdrücklichen Absicht, ein „akkurates Bild vom Wesen und
Charakter Gottes zu zeichnen“ (S. 301). Doch das Tragische ist,
dass die vielen Leser in aller Welt hier ein völlig falsches Bild
von Gott bekommen, bei welchem u.a. die Gerechtigkeit und
Heiligkeit Gottes ausgeblendet und damit die Leser getäuscht
und betrogen werden. Der kumpelhafte „Papa“ dieses Buches
entspricht nicht dem Gott der Bibel, „den kein Mensch sehen
und leben kann“ (2. Mo. 33,20) und „vor dessen Angesicht die
Erde entfliehen“ wird (Offb. 20,11).

3. Das Problem der Sünde, die Wirklichkeit der Hölle und der
ewigen Verdammnis wird relativiert oder geleugnet. Es wird ein
Wohlfühl-Evangelium suggeriert, das den Leser nicht zur
Erkenntnis der eigenen Verlorenheit bringt und Jesus Christus
nicht als Herrn unseres Lebens vorstellt.

Der Rezensent Daniel Hames urteilt sehr richtig: „Der dreieinige


Gott wird zu einem ... ´Verb´ gemacht, die Natur Christi wird
zerteilt und sein Kreuzestod von jeder Bedeutung entleert. Das
Heil hat folglich nichts mehr mit dem persönlichen Glauben an
Jesus zu tun, sondern gilt automatisch allen Menschen.“
Winfried Kuhn, selbst Autor und Vertriebsleiter der Stiftung
Christlicher Medien (Holzgerlingen) schreibt:

„Drei lustige oder abgedrehte Personen, die ein bißchen


Seelenmassage betreiben, können doch die Wirklichkeit von
Gottes Wesen nicht beschreiben. Worte wie Sünde, Gottes
Gerechtigkeit, alles zentrale biblische Aussagen, bleiben fast
unerwähnt oder werden weich gespült. Ja, selbst ewige
Verlorenheit wird relativiert. Dieses Buch ist Wasser auf die
Mühlen derer, die Gottes Gericht und große Teile der Bibel
immer schon als Nikolaus-ähnliche Angstmache gesehen
haben.“

Die beängstigende Frage taucht auf, ob die begeisterten Urteile


vieler evangelikaler Leser ein Indiz dafür sind, dass auch der
letzte Rest von Gottesfurcht unter uns Evangelikalen zu
verschwinden droht und sich die mahnenden Worte aus 2. Tim.
4,3 buchstäblich erfüllt haben:

„Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht
ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich
selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren
kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren,
sich aber zu den Mythen hinwenden.“

Was uns nachdenklich, selbstkritisch und wachsam machen


sollte...

Es scheint offensichtlich zu sein, dass der Autor in seinem


Roman traumatische Erlebnisse verarbeitet hat, die er als Kind
oder Jugendlicher in seinem evangelikalen Elternhaus oder
Umfeld erlebte. Das verlogene Doppelleben, pharisäische
Arroganz, abstoßende Unglaubwürdigkeit und das oft nur
formale Christenleben ohne warmherzige Beziehung zu dem
Erlöser scheint mir der Hintergrund dieses Buches zu sein.

Immer wieder stößt man auf solche tragischen Zusammenhänge


und die dadurch bedingte „Schlagseite“ als Reaktion. Und die
begeisterten Reaktionen zahlloser Leser machen deutlich, dass
leider genau dieses Zerrbild vom Christsein weit verbreitet ist
und deshalb biblische Dogmatik, konsequente Nachfolge,
verbindliches Gemeindeleben und die Anerkennung von
Autoritätsstrukturen in Mißkredit geraten sind.

Deshalb wahrscheinlich auch die starke Betonung von


Beziehungen, Liebe, „Papa-Gott“, Spiritualität, Intuition und
Gefühlen, die in dem Buch „Die Hütte“, wie auch in „Der Schrei
der Wildgänse“ und vielen anderen Publikationen erkennbar ist.

Damit sind solche Publikationen bei aller berechtigten Kritik am


Inhalt und an der Einseitigkeit gleichzeitig auch eine starke
Herausforderung, unser eigenes Bekenntnis und Leben als
Nachfolger Jesu einer kritischen Selbstprüfung zu unterziehen.
Wir sollten die Frage bewegen, ob in unserem persönlichen
Leben wie auch im Gemeindeleben echte Charakterzüge unseres
Herrn Jesus zu erkennen sind, die uns allein in der Heiligen
Schrift gezeigt werden und Ausgewogenheit in Lehre und Leben
bei uns zu finden ist.

Abschließend einige mahnende Worte von A.W. Tozer, der von


W.P. Young zwar auch zitiert, aber – wie es scheint – nicht
verstanden wurde:

„Ein träumerischer, sentimentaler Glaube, der das Gericht


Gottes über uns ignoriert und auf die Beteuerungen der Seele
lauscht, ist so tödlich wie Blausäure! Ein Glaube, der passiv alle
angenehmen Texte der Bibel akzeptiert, während er die ernsten
Warnungen und Befehle übersieht oder verwirft, ist nicht der
Glaube, von dem Christus und seine Apostel geredet haben.“

(Aus A.W. Tozer: “Verändert in sein Bild“, CLV, S. 109).

---

Ich ging zum Familienstellen

- von Sabine -
Vor meiner Umkehr zu Jesus vor ca. 5 Jahren war ich in vielen
okkulten Praktiken verstrickt. Ich wollte einfach nur heil werden,
nachdem ich mein Leben lang unter vielen Belastungen gelitten
habe. Heute kann ich es als Begenung mit Todesmächten und
Bedrückungen und Lügen erkennen. Vieles hat mit massivem
Schmerz aus der Kindheit zu tun.

Ich bin zu diesen Veranstaltungen also nicht mal eben so


gegangen, sondern weil ich ein große Not hatte. Keine Therapie
konnte mir letztendlich helfen, also habe ich mich immer weiter
in die diversen Praktiken der Esoterik und des Okkultismus
verstrickt. Alles sah immer sehr gut aus, es war scheinbar nichts
Böses, was ich da tat. Alle wollten ja äusserlich nur das Gute.
Die Teilnehmer und die Leiter. Trotzdem war ich in äußerst
finstere Bereich vorgedrungen. Eine Praktik war das
Familienstellen.

Es hörte sich so gut an, es ging um Versöhnung mit den Eltern,


mit der eigenen Geschichte, mit dem sogenannten Schicksal. Zu
Beginn der Sitzung, an der bis zu 20 Teilnehmer anwesend
waren, fasste man sich an den Händen und öffnete sich für das
sogenannte Energiefeld des „wissende Feld“ (esoterisch
gesagt: wo kosmische und energetische Kräfte oder die große
Seele wirken). Man macht sich eins, manchmal war es auch wie
eine kleine Meditation. Die Quelle war auf keinen Fall der Heilige
Geist. Ich würde es als Informationen aus der Astralwelt oder
dem 2. Himmel (gemäß der Bibel der Aufenthaltsbereich der
gefallenen Engel, s. Epheser 2,2) beschreiben. Dann wurden je
nach der jeweiligen Teilnehmergeschichte Stellvertreter in der
Gruppe gesucht - für das aufzustellende Thema. Meist begann
man, Vater, Mutter, Geschwister aufzustellen, um das
sogenannte System in der Familie zu erkennen, z.B. wie standen
die Einzelnen untereinander etc, wo waren Spannungen,
Verletzungen...

Ziel des Familienstellens:


- Auflösung von Blockaden, auch von psychischen Problemen
- Versöhnung mit den Vorfahren, mit dem Leben etc
- Vergebung,
- Befreiung von geistlichen Lasten oder unausgesprochenen
Bürden oder Erwartungen der Vorfahren

Ich habe z.B. folgende Fragestellungen in der Gruppe erlebt:

- ob meine Eltern hinter mir stehen, was meine berufliche


Situation angeht.
- psychischen Problemen bis hin zu Wahnsinn
- Krankheit, Krebs, Totgeburten
- wie man den passenden Ehepartner bekommt
- wie finde ich den passenden Job
- Finanzprobleme
- was steht hinter den Todesfällen in der Familie
- Ehe-Probleme
- Schwere auf dem Leben
- wo sind Erwartungen der Vorfahren
- Nazischuld
- Mord
- den Hof/das Geschäft der Familie übernehmen

Man suchte sich also die passenden Stellvertreter aus der


Gruppe und fragte sie dann, ob sie für eine bestimmte Person
(z.B. Mutter) stehen würden, dann legte man seine Hand auf die
Person und schob sie in den Raum an eine Position, die man
sich „intuitiv“ meist selbst aussuchte. Wenn alle Personen
aufgestellt waren, befragte der Leiter die Einzelnen, wie sie sich
fühlten, wie es ihnen geht, ob etwas komisch war, ob sie lieber
anders stehen würden, wie sich der Körper anfühlt etc... alles
nur Erdenkliche kam schon hierbei zu Tage.

In dem Moment des Stellens habe ich persönlich erlebt, dass ich
nicht mehr ich selbst war, sondern tatsächlich die Person, für
die ich stand. Ich fühlte Dinge, die ich nicht wissen konnte. Ich
fühlte mich wie ein Kanal für ihren Geist. („Channelling“
allerdings ist Verkehr mit Geistwesen, Wesenheiten aus der
Geistwelt = okkult). Alles war sehr lebendig und eine
Atmosphäre, geladen mit Gefühlen (und Geistern). Oft fühlte es
sich für die Person, die die Stellvertreter aufgestellt hatte, sehr
stimmig an, was da abging. Sie saß außen in der
Zuschauergruppe und beobachtete das ganze Geschehen -
meist neben dem Leiter der Session. Weitere Schritte im
Prozess, der gut auch mal 2 Stunden pro Teilnehmer dauern
konnte, wurden von dem Leiter je nach ihren Eindrücken
koordiniert. Es wurden noch weitere Menschen oder Dinge dazu
aufgestellt. So konnte plötzlich ein abgetriebenes Kind aus dem
Nichts auftauchen und eine sehr wichtige Rolle haben...

Meine schlimmste Stellvertreter-Situation war, dass ich „als eine


psychische Krankheit“ aufgestellt wurde (ich habe mich da
freiwillig reinbegeben, weil ich es so spannend fand und ich so
gut „Fühlen“ konnte) Im Laufe des Stellens wurde aus der
psychischen Krankheit dann der „Wahnsinn“. Plötzlich stand
mir dann der Teufel in der Person eines anderen Stellvertreters
gegenüber. Das war sehr real und sehr gefährlich, die Situation
hätte voll entgleiten können, wenn da nicht Jesus Bewahrung
geschenkt hätte. Im Nachhinein konnte ich sehen, dass ich
selbst oft von schlimmen Sachen bewahrt wurde, weil Gottes
Hand auf meinem Leben lag. Es war alles andere als ein nettes
Spiel, was ich beim Familienstellen erlebt habe. Und ich habe
mich für Dinge und Geister geöffnet, die in der Hölle geboren
sind.

Prozess des Familienstellens

Es ging dann platt gesagt darum, so lange die Personen oder


Dinge hin und herschieben, bis Frieden einkehrt. Es ging oft um
Vergebung (auch der Ahnen untereinander). Vergebung und
Befreiung sind natürlich biblische Wege. Aber es geht hier um
die Art und Weise. Es ging nicht um das Kreuz als Ort des
Austausches, es ging nicht um die Person Jesus von Nazareth
als den einzigen Erlöser und Retter, oder den Heiligen Geist, der
Dinge offenbart. Es geht ganz klar um esoterisches
Gedankengut. Es sind eigene Wege, völlig verdreht, okkult,
unabhängig von Gott, einfach gefährlich. Es wurde auch Sünde
oder Fehlverhalten nicht als Sünde anerkannt, oder als Wurzel
des Übels. Oder das Leben ohne Gott als Ursache von Leid. Es
gab für alles eine Lösung jenseits vom Kreuz.

Letztendlich steht ja hinter dieser Methode schon


Unabhängigkeit von Gott, dem Vater, was ja DIE Sünde an sich
ist. Nur durch eine wirkliche Umkehr zu Jesus kann Heilung
geschehen und echter Frieden einkehren. Bei dem Aufstellen
der Stellvertreter spielte es keine Rolle, ob die Menschen noch
leben oder schon gestorben sind. Das bedeutet, dass ich bereits
verstorbene Ahnen befragte, was ganz einfach Spiritismus
bedeutet und das ist vor Gott eine Greuelsünde. Das heißt, ich
benutze meinen Geist (also, dass was mich ausmacht) um mit
anderen Geistern außer dem Heiligen Geist zu kommunizieren.
Das macht die Tür weit auf, für Mächte aus der Finsternis und
kann sogar Wahnsinn und Verwirrung oder auch Psychosen
hervorrufen. Es wird dermaßen heftig im geistlichen Bereich
herum manipuliert und hin und her geschoben, das ist wirklich
Wahnsinn.

Welche Quelle liefert die Information: Spiritismus. Allerdings ist


fraglich, ob wirklich die Geister der Verstorbenen antworten
oder nicht irgendein unreiner Geist, der eingeladen wurde. Es ist
die menschliche Neugier, man will Infos bekommen, egal, wie.
Es sind Informationen, um die man besser im Gebet bitten sollte.
Gibt nicht der Heilige Geist die Botschaften zur richtigen Zeit!?

5. Mose 18,10-12:

Niemand von euch darf seinen Sohn oder seine Tochter als
Opfer verbrennen, niemand soll wahrsagen, zaubern, Geister
beschwören oder Magie treiben. Keiner darf mit Beschwörungen
Unheil abwenden, Totengeister befragen, die Zukunft
vorhersagen oder mit Verstorbenen Verbindung suchen. Wer so
etwas tut, ist dem Herrn zuwider.

Außerdem wird man die Geister, die man rief nicht mehr so
einfach los. Es gibt einfach Konsequenzen, für das was man tut.
Oft dauert es lange, bis man durch Seelsorge und Gebet wieder
frei ist von derartigen Verstrickungen. Ich war bei mehreren
Familienaufstellungen dabei, ich habe diverse Methoden und
Leiter kennen gelernt. Sie unterscheiden sich natürlich je nach
Ausbildung und Richtung. Jedoch haben sie das ähnliche
Prinzip.

Die 2 bekanntesten Gründer:


Bert Hellinger, Virginia Satir

Wichtig bei allen Therapien oder ähnlichem ist ja


bekanntermaßen die Quelle. Dann weiß man, mit welchen
Mächten man es zu tun hat. Im Falle Bert Hellingers sind die
Quellen äußerst bedenklich. Soweit mir bekannt ist, war B.
Hellinger mehrere Jahre in Afrika als Missionar eines
katholischen Ordens und hat dort bei den Schamanen einige
Techniken gelernt oder abgeguckt, die er später in das
Familienstellen integrierte.

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Inhalt

1. Die verborgene Kraft der Seele


2. Der Christ und die seelische Kraft
3. Geistliche Kraft gegen Seelenkraft

Vorwort

Als ich im Jahre 1924 erstmals die Aufmerksamkeit der Kinder


Gottes darauf richtete, Geist und Seele zu unterscheiden, hielten
dies viele freundlich gesinnte Brüder für einen Wortstreit, der
keine große Bedeutung hätte. Was sie nicht erkannten, war, daß
unser Konflikt sich nicht um Worte dreht, sondern darum, was
sich dahinter verbirgt. Der Geist und die Seele sind zwei total
verschiedene Organe, das eine gehört zu Gott, während das
andere zum Menschen gehört. Wie man sie auch bezeichnen
mag, sie sind völlig verschieden in ihrer Substanz. Für den
Gläubigen besteht die Gefahr, Geist mit Seele und Seele mit
Geist zu verwechseln, so daß er auf die Fälschung der bösen
Geister hereinfällt und somit in Gottes Werk Verwirrung gestiftet
wird. Es war die Absicht, diese Reihe von Artikeln sofort nach
der Beendigung des Buches "Der geistliche Christ" im Jahre
1928 zu schreiben, aber wegen körperlicher Schwäche und
wegen schwerer Belastung im Dienst war es mir erst möglich,
sie in den letztjährigen Ausgaben des Revival Magazines zu
veröffentlichen. Als Antwort auf Fragen von den Lesern bringe
ich nun dieses Büchlein heraus.

Der größte Vorteil in der Erkenntnis des Unterschiedes zwischen


Geist und Seele liegt darin, daß man die verborgenen Kräfte der
Seele erkennt und ihre Fälschungen des Heiligen Geistes
versteht. Solches Wissen ist nicht theoretisch, sondern
praktisch und hilft, in Gottes Wegen zu wandeln. Eben letzte
Nacht las ich, was F. B. Meyer einmal in einer Zusammenkunft
sagte, bevor er verschied. Hier ist ein Abschnitt davon: "Es ist
eine verwunderliche Tatsache, daß noch nie soviel
Spiritualismus außerhalb der Gemeinde Christi gefunden wurde
wie heutzutage. Ist es nicht Tatsache, daß im niedrigeren Teil
unserer menschlichen Natur die Stimulation der Seele deutlich
überwiegt? Heutzutage ist die Atmosphäre so geladen von
allerart Fälschungen, daß es scheint, der Herr berufe seine
Gemeinde in eine höhere Ebene." Die aktuelle Situation ist
gefährlich, "mögen wir alles prüfen, das Gute aber behalten",
wie es in 1. Thessalonicher 5, 21 heißt. Amen.

8. März 1933 - Watchman Nee

Kapitel 1

Die verborgene Kraft der Seele


„Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern über sie, weil
niemand mehr ihre Ware kauft: Ware von Gold und Silber,
Edelsteine und Perlen ... und Vieh und Schafe und von Pferden
und von Wagen und von Leibeigenen und Menschenseelen"
(Offb. 18, 11-13).
Bitte beachte in diesem Abschnitt die Liste der Handelsware, die
man tauschen kann; sogar Sklaven kann man tauschen oder
-handeln. Das ist ein Handel mit menschlichen Leibern, hier ist
es jedoch ein Austausch von Seelen von Menschen als
Handelsware. "So steht auch geschrieben: Der erste Mensch,
Adam, war eine lebendige Seele; der letzte Adam ein lebendig
machender Geist. Aber das Geistige war nicht zuerst, sondern
das Natürliche, danach das Geistige" (1. Kor. 15, 45. 46).

„Und der Herr bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden,
und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der
Mensch wurde eine lebendige Seele" (l. Mose 2, 7).

In den letzten zwei Jahren habe ich sehr stark die Not
empfunden, diese Botschaft zu geben. Es ist eine Botschaft, die
sowohl verwickelt als auch tief ist. Es wird nicht einfach sein für
den Redner zu reden, noch für die Hörer zu verstehen. Aus
diesem Grunde habe ich diese Botschaft nicht in den Teil 3 des
Buches "Der geistliche Christ" eingefügt. Ich hatte jedoch immer
den Eindruck gehabt, ich hätte es tun sollen, besonders
nachdem ich verschiedene Bücher gelesen und bis zu einem
gewissen Grade mit Menschen dieser Welt Kontakt gehabt hatte.
Ich weiß, wie kostbar die Wahrheit ist, die wir bevorzugterweise
besitzen dürfen. In Anbetracht der jetzigen Situation und
Tendenz der Gemeinde wie auch der Welt sind wir gezwungen,
das weiterzugeben, was uns gegeben wurde. Sonst würden wir
die Lampe unter den Scheffel stellen.

Was ich in dieser Botschaft erwähnen und uns zu Gemüte


führen möchte, bezieht sich auf geistliche Kampfführung und ihr
Verhältnis zum Ende dieses Zeitalters. Um deretwillen, die das
Buch Der geistliche Christ nicht gelesen haben, will ich kurz die
Trilogie von Geist, Seele und Leib berühren.
Die Trilogie von Geist, Seele und Leib

„Und der Herr bildete den Menschen, Staub vom Erdboden" (1.
Mose 2, 7). Dies bezieht sich auf den menschlichen Leib. "Und
hauchte in seine Nase den Odem des Lebens." Dies beschreibt,
wie Gott dem Menschen den Geist gab, es war Adams Geist. So
wurde der Leib des Menschen aus Staub des Erdbodens
geformt, und der Geist wurde ihm von Gott gegeben. "Und der
Mensch wurde eine leben dige Seele." Nachdem der Odem des
Lebens zur Nase des Menschen eingegangen war, wurde dieser
zur lebendigen Seele. Der Geist, die Seele und der Leib sind drei
verschiedene Dinge. "Und euer ganzer Geist und Seele und Leib
werde tadellos bewahrt" (1. Thess. 5, 23). Der Geist ist Gott-
gegeben; die Seele ist eine lebendige Seele; der Leib ist
Gott-geformt.

Gemäß allgemeiner Auffassung ist die Seele unsere


Persönlichkeit. Als Geist und Leib vereint wurden, wurde der
Mensch zur lebendigen Seele. Die Eigenart der Engel ist Geist;
das der Tiere ist das Fleisch. Wir Menschen haben sowohl Geist
als auch Leib; aber unsere Eigenart ist weder Geist noch Leib,
sondern Seele. Wir haben eine lebendige Seele. Daher nennt die
Bibel den Menschen ,Seele'. Zum Beispiel sagt uns die Schrift,
daß, als Jakob mit seiner Familie nach Ägypten herunterzog:
"Aller Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen,
waren siebzig" (l. Mose 46, 27).

Und wiederum jene, die das Wort von Petrus an Pfingsten


empfangen hatten und getauft wurden, von denen heißt es in
Apostelgeschichte 2, 41: "Und es wurden an jenem Tage
hinzugetan bei 3000 Seelen." Daher steht Seele für unsere
Persönlichkeit, für das, was uns als den Menschen ausmacht.

Welches sind die verschiedenen Funktionen von Geist, Seele


und Leib? Diese wurden schon im 1. Teil des Buches "Der
geistliche Christ" erklärt. Aber ich war sehr glücklich, eines
Tages auf dem Büchergestell eine Ausgabe von Andrew Murrays
Schriften zu finden, in welchen eine Erklärung stand über Geist,
Seele und Leib, welche unserer Interpretation sehr ähnlich ist.
Im folgenden ist ein Zitat aus diesen Bemerkungen
wiedergegeben:

"In der Schöpfungsgeschichte des Menschen lesen wir: Der Herr


bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden“ - so wurde
sein Leib gemacht - und hauchte in seine Nase den Odem des
Lebens' - so kam also sein Geist von Gott; und der Mensch
wurde eine lebendige Seele'. Der Geist, der den Leib belebte,
machte den Menschen zur lebendigen Seele, zu einer lebendigen
Person mit Selbstbewußtsein. Die Seele war der Treffpunkt, der
Punkt der Vereinigung von Leib und Geist. Durch den Leib
konnte der Mensch, die lebendige Seele, in Verbindung stehen
mit der äußerlichen Welt der Sinne; er konnte sie beeinflussen
oder durch dieselbe beeinflußt werden. Durch den Geist stand er
in Verbindung zur geistlichen Welt und zum Geist Gottes, von
wo er seinen Ursprung hatte; er konnte der Empfänger und der
Darreicher von dessen Kraft sein. Indem er so mitten zwischen
zwei Welten stand und zu beiden gehörte, hatte sie, die
lebendige Seele, Kraft, selber zu entscheiden, die Gegenstände,
von welchen sie umgeben war und zu welchen sie in Beziehung
stand, entweder zu wählen oder abzulehnen.

In der Zusammensetzung dieser drei Teile des Menschen stand


der Geist, der ihn mit dem Göttlichen verband, an erster Stelle;
der Leib, der ihn mit dem Tierischen und Sinnlichen verband,
der untergeordnete; da zwischen stand die Seele, Teilhaber
beider andern Naturen, das Band, das sie vereinigte und durch
welches diese zwei aufeinander einwirken konnten. Ihre Aufgabe
als die zentrale Kraft war, diese zwei in ihrem rechten Verhältnis
zueinander zu bewahren; den Körper dem Geist zu unterwerfen;
die Seele selbst sollte durch den Geist vom göttlichen Geist das
empfangen, was ihm zur Vollendung gereichte: und so das an
den Leib weiterreichen, was diesen an der Perfektion des
Geistes teilhaben läßt, damit dadurch ein geistlicher Leib
werden konnte."*

Was ist der Geist? Das, was uns Gottesbewußtsein gibt und uns
mit Gott verbindet. Was ist die Seele? Das, was uns mit uns
selbst verbindet und uns Selbstbewußtsein gibt. Was ist der
Leib? Der Leib stellt unsere Verbindung zur Welt her. C. I.
Scofield erklärt in seinen Anmerkungen zur Bibel, daß der Geist
Gottesbewußtsein gibt, die Seele Selbstbewußtsein, der Leib
Weltbewußtsein. Pferd und Ochs haben kein Gottesbewußtsein,
weil sie keinen Geist haben. Sie sind sich nur ihres eigenen
Wesens bewußt. Der Leib verursacht es, daß wir die Welt spüren
– z.B. sehen wir die Dinge der Welt, oder wir fühlen heiß und
kalt.

Was oben erwähnt wurde, bezieht sich auf Funktionen von Leib,
Seele und Geist. Ich werde jetzt zum wichtigsten Problem
kommen. Viele sehen diese Angelegenheit von Geist, Seele und
Leib so an, als ob sie nur auf das geistliche Leben beziehe; aber
wir müssen hier erkennen, daß sie auch für den geistlichen
Dienst und Kampf wichtig ist. Wir neigen dazu, uns Adam
beinahe gleichzustellen vor dem Sündenfall. Wir nehmen an, da
wir ja so wie Adam auch Menschen sind, daß kein allzu großer
Unterschied zwischen uns ist. Wir denken, daß, was wir nicht
tun können, konnte Adam auch nicht. Aber wir erkennen nicht,
daß hier zwei Dinge vorliegen:

a) einerseits ist es wahr, daß wir das nicht tun können, was
Adam nicht tun konnte; doch

b) wir können das nicht tun, was Adam tun konnte. Ich
befürchte, daß wir nicht erkennen, wie fähig Adam war. Wenn
wir die Bibel studieren, erkennen wir, was für eine Art Mensch
Adam vor seinem Fall wirklich war.

Adams Autorität und Tüchtigkeit

"Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde; im Bilde Gottes


schuf er ihn; als Mann und Weib schuf er sie. Und Gott segnete
sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch
und füllet die Erde und machet sie euch untertan; herrschet über
die Fische des Meeres und über die Gevögel des Himmels und
über alles Getier, das sich auf der Erde regt!" (1. Mose 1, 27. 28).
"Machet euch die Erde untertan", sagte Gott.

Freunde, habt ihr euch schon vorgestellt, wie riesig die Erde ist?
Angenommen, ein Meister würde von seinem Diener verlangen,
zwei Häuser zu verwalten. Er trifft seine Vereinbarungen
aufgrund der Fähigkeiten des letzteren, diese zu besorgen. Kein
Diener könnte alle Häuser, die an einer Gasse gelegen sind,
verwalten, denn er kann nicht tun, was seine Fähigkeiten
übersteigt. Würde denn Gott von Adam etwas verlangen, wozu
er nicht in der Lage wäre? Wir können daher daraus schließen,.
daß, wenn Adam fähig war, die Erde zu beherrschen, dann muß
seine körperliche Tüchtigkeit der unsrigen heute überlegen
gewesen sein. Er hatte Kraft, Fähigkeit und Geschick. Er
empfing alle diese Fähigkeiten frisch vom Schöpfer.

Adams Kraft mußte die unsrige bei weitem übersteigen. Sonst


wäre er nicht in der Lage -gewesen, die Pflicht zu erfüllen, die
ihm von Gott aufgegeben war. Aber wir heute, wir könnten
unseren Rücken abends nicht mehr strecken, wenn wir nur eine
Gasse im Tag dreimal fegen müßten. Wie könnten wir uns dann
überhaupt die ganze Erde untertan machen? Aber Adam machte
sich nicht nur die Erde untertan, er herrschte auch über die
Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über jedes
lebendige Tier auf der Erde. Und herrschen heißt nicht einfach
dasitzen und nichts tun. Es verlangt Verwaltung und Arbeit.
Wenn wir das sehen, sollten wir die überlegene Kraft erkennen,
die Adam tatsächlich besaß. In Wirklichkeit übersteigt sie bei
weitem unseren heutigen Zustand. Meinst du, diese Erkenntnis
sei etwas Neues? Tatsächlich ist es die Lehre der Bibel. Vor
seinem Fall hatte Adam solche Stärke, daß er sich nach der
Arbeit nicht müde fühlte. Erst nach dem Sündenfall sagte ihm
Gott: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot
essen."

Adams geistige Kraft und Gedächtnis

"Und der Herr bildete aus dem Erdboden alles Getier des Feldes
und alles Gevögel des Himmels, und er brachte sie zu dem
Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde, so sollte es
heißen" fl. Mose 2, 19). Meine Freunde, ist das nicht wunderbar?
Angenommen, du würdest ein Wörterbuch nehmen und alle
Namen der Tiere herunterlesen; müßtest du nicht zugeben, daß
du die Namen weder erkennen noch dich daran erinnern
würdest? Doch Adam gab allen Tieren und Vögeln die Namen.
Wie intelligent muß er gewesen sein! Die weniger intelligenten
unter uns würden bald ein Zoologiestudium aufgeben, sobald
wir unsere Unfähigkeit, all die Details auswendig zu lernen,
erkannt hätten. Aber Adam hat diese zoologischen Namen nicht
nur auswendig gelernt; er war der Namengeber, denn er gab
ihnen allen den Namen. Hieran können wir erkennen, wie reich
und vollkommen die Denkkraft oder rationale Kraft Adams war.

Adams Fähigkeit zu verwalten

"Und der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten
Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren" (l. Mose 2, 15).
Wenn wir sehen, wie Adam die Erde ver waltete, sollten wir ein
bißchen darüber nachdenken, was Gott ihm aufgab zu tun. Gott
hatte ihm befohlen, den Garten zu bebauen. Das mußte
systematisch getan werden. Wie groß war der Garten? Im 1.
Buch Mose, 2, 10-14 werden vier Flüsse genannt; mit den Namen
Pison, Gihon, Hiddekel und Euphrat. Sie alle flossen aus dem
Garten Eden und teilten ihn in vier Flußgebiete ein. Kannst du
dir nun vorstellen, wie groß der Garten war? Wie stark muß
Adam gewesen sein, daß er beauftragt werden konnte, das Land
zu pflegen, welches von vier Flüssen umgeben war! Und er
mußte das Land nicht nur pflegen, sondern auch bewahren; er
sollte das Land davor bewahren, daß der Feind eindringen
konnte. Daher muß die Kraft, die Adam in jenen Tagen hatte,
riesig gewesen sein. Er muß ein Mann mit erstaunlicher
Fähigkeit gewesen sein. Alle seine Kräfte wohnten in seiner
lebendigen Seele. Wir mögen Adams Kraft als übernatürlich und
wunderbar ansehen, aber soweit es Adam betrifft, waren diese
Fähigkeiten nicht wunderbar, sondern menschlich, nicht
übernatürlich, sondern natürlich.

Verbrauchte Adam alle seine Kräfte an jedem Tage? Wie wir aus
unsern Studien des 1. Buches Mose erkennen, hatte er seine
Kraft nicht verbraucht. Nachdem er von Gott neu geschaffen
wurde, doch bevor er alle seine Fähigkeiten ausdrücken konnte,
fiel er.

Welches war der Köder, den der Feind benutzte, als er Eva
bezauberte? Was versprach ihr der Feind? Es war folgendes:
"Gott weiß, daß welchen Tages ihr davon esset, eure Augen
aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes
und Böses" (1. Mose 3, 5). "Wie Gott sein" war das Versprechen
des Feindes. Er erzählte Eva, daß trotz der Kraft, die sie schon
besaß, immer noch eine große Kluft zwischen Gott und ihr war,
aber daß, wenn sie diese Frucht essen würde, sie dann Gottes
Autorität, Weisheit und Kraft besitzen würde. Und an jenem Tag
wurde Eva verführt; sie fiel.

Die Kraft, die Gott Adam gab

Wenn wir auf diese Art forschen, sind wir nicht ungebührlich
neugierig; wir wünschen nur zu erkennen, was Gott Adam
tatsächlich gegeben hatte. "Und Gott sprach, lasset uns
Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis"
(1. Mose 1, 26). Die Wörter "Bild" und "Gleichnis" mögen uns in
der Bedeutung gleich und daher als Wiederholungen
erscheinen. Aber im Hebräischen deutet das Wort "Bild - nicht
auf körperliche Gleichheit hin, eher noch bezeichnet es
moralische oder geistliche Ähnlichkeit. jemand hat das
folgendermaßen ausgedrückt: "Verändern in das Gleichnis"; das
bedeutet "einem Bild angleichen". Die Absicht Gottes, als er den
Menschen schuf, war, daß er nach seinem Bild umgeformt
werden sollte; Gott wollte, daß Adam ihm ähnlich werden sollte.
Der Teufel sagte: "Du wirst sein wie Gott." Aber Gottes
ursprüngliche Absicht war, daß Adam ihm ähnlich werden sollte.
Daraus schließen wir, daß Adam vor dem Sündenfall die Kraft
hatte, diese Ähnlichkeit zu erlangen. Er besaß eine verborgene
Fähigkeit, auch moralisch Gott ähnlich zu werden. (Ich
gebrauche das Wort "moralisch", um das zu bezeichnen, was
über dem Materiellen steht, nicht einfach das, was auf das gute
Verhalten des Menschen hinweist.) So wird uns gezeigt, wieviel
der Mensch durch den Sündenfall verlor. Die Größe des
Schadens übersteigt wahrscheinlich unsere Vorstellungen.

Der Sündenfall

Adam ist eine Seele. Sein Geist und Leib sind durch die Seele
verbunden. Die erstaunliche Kraft, die wir soeben erwähnt
haben, ist in Adams Seele vorhanden. Mit anderen Worten: die
lebendige Seele, welche das Resultat aus dem Zusammentreffen
von Geist und Leib ist, besitzt unvorstellbare Kraft. Diese Kraft
ging beim Sündenfall verloren. Das bedeutet nicht, daß solche
Kraft nicht mehr vorhanden ist. Es heißt nur, daß sie, wohl im
Menschen vorhanden, jedoch "eingefroren" oder stillgelegt ist.
Gemäß 1. Mose 6 wird der Mensch nach dem Sündenfall Fleisch.
Das Fleisch umschließt das ganze Wesen und unterwirft es. Der
Mensch war ursprünglich eine lebendige Seele. jetzt, nachdem
er gefallen ist, wird er zu Fleisch. Seine Seele hätte der Kontrolle
des Fleisches unterworfen sein sollen; jetzt ist sie der
Herrschaft des Fleisches untergeben. Daher sagt der Herr: "Mein
Geist wird nicht ewiglich mit dem Menschen rechten, da er ja
Fleisch ist" (l. Mose 6, 3). Wenn Gott hier den Menschen
erwähnt, nennt er ihn Fleisch, was er jetzt in seinen Augen
geworden ist. Dem entsprechend heißt es in der Bibel, daß "alles
Fleisch seinen Weg auf Erden verdorben hat" (1. Mose 6, 12).

Wiederum "auf keines Menschen Fleisch soll man es (das heißt


das heilige Salböl, welches ein Typus des Heiligen Geistes ist)
gießen" (2. Mose 30, 32). Weiter: "durch Gesetzeswerke wird
kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden" (Röm. 3, 20).

Warum erwähne ich das so ausführlich? In Offenbarung 18


werden Dinge erwähnt, die in den letzten Tagen geschehen
werden. Ich habe ganz am Anfang gezeigt, wie die menschliche
Seele eine Handelsware in BabyIon werden wird, die man
verkaufen und kaufen kann. Aber warum wird die
Menschenseele als Ware behandelt? Weil Satan und seine
Marionette, der Antichrist, die menschliche Seele als Werkzeug
für ihre Aktivitäten am Ende dieses Zeitalters benützen. Als
Adam im Garten Eden fiel, wurde seine Kraft stillgelegt. Er hatte
seine Kraft nicht gänzlich verloren, sie wurde jetzt nur in ihm
begraben. Er war Fleisch geworden, und dieses umschloß jetzt
fest die wundersame Kraft, welche in ihm war. Generation auf
Generation mit dem Ergebnis, daß Adams ursprüngliche Kraft in
seinen Nachkommen zu einer verborgenen Kraft geworden ist.
Sie ging dem Menschen nicht verloren, sondern ist einfach vom
Fleisch eingeschlossen.

Heute liegt diese adamitische Kraft in jeder Person, die auf der
Erde lebt, obwohl sie in ihm eingeschlossen ist und sich nicht
frei ausdrücken kann. Aber solche Kraft ist in jeder
Menschenseele, genauso wie sie am Anfang in Adams Seele
war. Das Werk des Teufels richtet sich darauf, die menschliche
Seele zu erregen und die verborgene Kraft als eine Täuschung
für geistliche Kraft freizulegen. Ich erwähne diese Dinge uns zur
Warnung in bezug auf das besondere Verhältnis zwischen der
Seele des Menschen und Satan in den letzten Tagen.

Wir haben gesehen, daß Adam besondere Kraft und Fähigkeit


besaß, obwohl sie in Wirklichkeit gar nicht besonders oder
übernatürlich war, wie sehr es uns heute auch so erscheinen
mag. Vor seinem Fall konnte Adam seine Fähigkeiten mit
Leichtigkeit ausüben, da sie in seine Seele eingelegt waren.
Aber nach seinem Fall wurde seine Kraft vom Körper
eingeschlossen. Vorher war der Körper Adams kraftvoller Seele
eine Hilfe gewesen; jetzt war die Seele gefallen, und die Kraft
wurde von der Schale des Fleisches umgeben. Satan versucht
jedoch, diese Schale des Fleisches aufzubrechen, die Kraft, die
in der Seele des Menschen schlummert, freizu legen, um so die
Kontrolle über den Menschen zu gewinnen. Viele verstehen
diese Strategie nicht und werden dahin getäuscht, daß sie
annehmen, es sei alles von Gott.

Religiös gesehen

Dies alles geschieht jedoch nicht nur in der Christenheit. Die


Babylonier, die Araber, die Buddhisten, die Taoisten und die
Hindus versuchen alle in ihrer eigenen Art, die Kraft, die Adam
unserer Seele gelassen hat, freizulegen. In irgendeiner Religion,
was für Mittel auch zur Instruktion benutzt werden, ein
gemeinsames Prinzip steht hinter all den äußerlichen
Unterschieden. Es zielt darauf hin, das Fleisch zu überwinden,
um die seelische Kraft von aller Art Bindungen loszulösen,
damit diese freier ausgedrückt werden kann. Einige Lektionen
dieser Religionen gehen dahin, das Hindernis des Leibes zu
zerstören; einige, den Leib und die Seele zu vereinigen; während
andere die Seele durch Training zu stärken und sie so zu
befähigen versuchen, daß sie den Leib überwinden könne. Was
auch immer die Mittel sein mögen, das Prinzip dahinter ist
dasselbe. Es ist wichtig, das zu wissen, sonst werden wir
getäuscht.

Ich weiß nicht, wie die Leute von dieser wunderbaren Energie
informiert werden, die in der menschlichen Seele schlummert,
jetzt vom Fleisch umschlossen ist und deren Freilegung zu einer
Darstellung wunderbarer Kraft führt, sogar bis zum Erreichen
des Status eines " Zauberers " oder " Buddha ". Wahrscheinlich
werden sie alle vom Teufel, dem bösen Geist, informiert. Ihre
Erklärungen mögen unterschiedlich sein, jedoch das ihm
zugrunde liegende Prinzip ist immer dasselbe, nämlich der
Gebrauch von besonderen Mitteln, um die Kraft der Seele
freizulegen. Sie mögen nicht wie wir die Terminologie von Seele
und Kraft verwenden; die Tatsache jedoch ist nicht zu
übersehen. Zum Beispiel im Buddhismus, Taoismus und sogar
in einigen Sekten des Christentums ist spezielle, übernatürliche
Kraft für alle erhältlich, um Wunder zu tun wie Krankenheilung
und Voraussagen der Zukunft.

Nimm zum Beispiel die asketischen Praktiken und Atemübungen


des Taoismus oder sogar die einfachste Form der abstrakten
Meditation: diese alle tun es gemäß dem einen Prinzip, den Leib
der Seele zu unterwerfen, mit dem Zweck, die Kraft der letzteren
freizulegen. Kein Wunder, daß viele wunder same Dinge
geschehen, die man nicht einfach als Aberglauben abtun kann.
Buddhismus war ursprünglich atheistisch. Gautama Siddhartha
war ein Atheist. Viele Gelehrte und Fachkundige verstehen die
Lehre des Buddhismus so. Er glaubte an die Seelenwanderung,
sowohl als auch an das Nirwana*. Nun, ich habe nicht die
Absicht, Unterricht über den Buddhismus zu erteilen; ich
möchte nur erklären, wie und warum viele Wunder durch diese
Religion vollbracht worden sind.

Im Buddhismus haben wir die Lehre des Entfliehens von der


Welt. Wer das buddhistische Gelübde ablegt, muß sich des
Fleisches und der Ehe enthalten. Er darf nichts Lebendiges
töten. Durch asketische Praktiken können sie sogar eine Stufe
erlangen, wo sie keine Speise mehr benötigen. Einige Mönche
von hoher Stufe können sogar die unbekannte Vergangenheit
durchdringen und die Zukunft voraussagen. Durch
buddhistische Magie vollbringen sie viele Wunder. Wenn, wie sie
es nennen, ihr "Herz-Blut" in Wallung gerät, sind sie fähig,
Geschehnisse vorauszusagen. All die verschiedenen
durchgeführten Arten von Enthaltungen und asketischen
Praktiken entstammen aus einem einzigen, ihnen
übergeordneten Prinzip: der Buddhist ist bestrebt, alle
physikalischen und materiellen Schranken zu durchbrechen, um
so seine Seelenkraft freigelegt zu bekommen.

Ich kenne einige Leute, die älter sind als ich, die dem Unity Club
beigetreten sind. Sie und die andern Club-Mitglieder praktizieren
u. a. abstrakte Meditation. Sie sagen mir, daß jede Stufe, in die
sie eintreten, ihre eigene Intensität des Lichts hat. Das Licht, das
sie wahrnehmen, folgt der Wahrheit, in die sie eintreten. Ich
glaube ihnen, denn sie sind in der Lage, von der Bedrückung
des Körpers loszuwerden und so die Kraft freizulegen, die Adam
vor seinem Fall besaß. Eigentlich liegt gar nichts
Außergewöhnliches darin. Die moderne Sekte der Christlichen
Wissenschaft wurde von Frau Mary Baker-Eddy gegründet. Sie
verleugnete die Existenz von Krankheit, Schmerz, Sünde und
Tod (obwohl Frau Eddy gestorben war). Da es gemäß ihrer Lehre
nichts gibt wie Krankheit, muß jemand, wenn immer er krank
wird, nur seine Gedanken gegen eine Anerkennung der
Krankheit richten und wird so geheilt. Das bedeutet, daß, wenn
jemand an keine Krankheit glaubt, er nicht krank sein wird. So
auch, wenn jemand nicht an Sünde glaubt, meinen sie, nicht zu
sündigen. Indem der Mensch seinen Wil len, seine Gedanken
und seine Emotionen so trainiert, bis er völlig die Existenz
dieser Dinge verneint - indem er sie als falsch und trügerisch
ansieht -, wird er sie tatsächlich als nichtexistent vorfinden.

Als diese Lehre erstmals verbreitet wurde, wurde sie von vielen
Menschen abgelehnt. Besonders Ärzte haben ihr widerstrebt,
denn wenn es wahr wäre, würde man keine Ärzte mehr
brauchen. Doch nachdem sie Leute untersucht hatten, die von
der Christlichen Wissenschaft geheilt worden waren, konnten
die Ärzte die Lehre nicht als falsch abweisen.
Konsequenterweise glauben mehr und mehr Leute daran; sogar
berühmte Wissenschaftler und Ärzte haben diese Lehre
angenommen. Es ist gar nicht verwunderlich, da in der Seele
des Menschen ein Reservoir von riesiger Kraft vorliegt und nur
darauf wartet, von der Gefangenschaft des Fleisches freigelegt
zu werden.

Wissenschaftlich gesehen

Jetzt wollen wir diese Angelegenheit wissenschaftlich ansehen.


Die Psychologie hat in moderner Zeit noch nie dagewesene
Erfor schungen betrieben. Was ist Psychologie? Das Wort selbst
ist eine Kombination von zwei griechischen Wörtern: "psyche",
was Seele bedeutet, und "logia", was u. a. Abhandlung Wissen
bedeutet. Daher ist Psychologie die "Wissenschaft der Seele".
Die Erforschung moderner Wissenschaftler ist die des
seelischen Teils unseres Lebens. Sie ist auf diesen Teil
beschränkt; der Geist wird nicht berührt.

Moderne Parapsychologie begann mit Franz Anton Mesmer.


Seine erste Entdeckung im Jahre 1778 ist jetzt bekannt als
Mesmerismus (Hypnose, wie sie von Mesmer selbst praktiziert
wurde). Seine Anhänger übertrafen ihn jedoch durch ihre
eigenen Entdeckungen, genauso wie das Grüne, das vom Blau
abgeleitet wird, das Blaue überstrahlt. Einige ihrer Experimente
sind fast unglaublich in ihrem Resultat. Ihre Methode ist - nicht
unerwarteterweise - das Entladen der Kraft, die in der
Menschenseele liegt. Zum Beispiel beim Hellsehen (Dinge
wahrnehmen, die außerhalb des Bereichs der menschlichen
Sinne liegen) oder Telepathie (Kommunikation durch
wissenschaftlich unbekannte oder unerklärbare Mittel wie durch
Betätigung mystischer Kräfte), sind Menschen in der Lage,
Dinge zu sehen, zu hören oder zu riechen, die tausende von
Meilen entfernt sind.

Es wurde gesagt, daß Mesmerismus „der Fels ist, aus dem alle
mentalen Wissenschaften gehauen wurden".(Penn-Lewis). Vor
Mesmers Zeit war die psychische Forschung nicht ein
unabhängiger Zweig der Wissenschaft; sie nahm einen
unbedeutenden Platz innerhalb Naturwissenschaft ein. Aber
wegen dieser erstaunlichen Entdeckung ist sie zu einem eigenen
System geworden.
Ich möchte die Aufmerksamkeit nicht auf das Studium der
Psychologie wenden, aber auf die Tatsache, daß alle diese
wundersamen Phänomene durch das Freilegen der verborgenen
Kraft der menschlichen Seele eintreten. Warum wird diese Kraft
"verborgen" genannt? Weil Gott bei Adams Fall ihm diese
übernatürliche" Kraft nicht entzog, sondern seine Kraft fiel mit
ihm und wurde in seinem Körper eingeschlossen. Die Kraft war
da, nur konnte sie nicht zum Ausdruck kommen. Daher die
Bezeichnung "verborgene Kraft".

Die Erscheinungen unseres menschlichen Le bens, so wie


Sprechen und Denken, sind Fähigkeiten, die bemerkenswert
sind. Aber die verborgene Kraft, die im Menschen versteckt liegt,
ist auch verblüffend. Könnte diese Kraft aktiviert werden,
würden viel mehr außerordentliche Dinge in unserem Leben zum
Ausdruck kommen. Die vielen wundersamen Geschehnisse, die
die modernen Parapsychologen entdecken, bezeugen in keiner
Art ihren übernatürlichen Charakter. Sie beweisen nur, daß die
verborgene Kraft der Seele durch die passenden Mittel freigelegt
werden kann.

Eine Liste der Entdeckungen, welche folgten, nachdem Mesmer


das grundlegende Wissen der mystischen Kräfte, die in der
menschlichen Schale verborgen liegen, entdeckt hatte, zeigt, wie
verblüffend diese Bewegung voranging, als der Mensch einmal
den Schlüssel erhalten hatte. Im Jahre 1784 entdeckte ein
Schüler Mesmers das Hellsehen als ein Resultat des
Mesmerischen Schlafs, und zufälligerweise stolperte er über das
Gedankenlesen.

Telepathie - welches die Kommunikation zwischen zwei


Intelligenzen ist, auf andere Art als durch die bekannten Kanäle
der Sinne - befähigt eine Person, seine eigene psychische Kraft
zu betätigen, um die Gedanken eines andern zu erkennen, ohne
daß sie ihm gesagt wurden. "Hypnose, Neurologie und
Psychometrie ... und zahllose andere Entdeckungen folgten mit
den Jahren. Hypnose ist ein künstlich herbeigeführter,
schlafähnlicher Zustand, in welchem ein Individuum extrem
empfänglich ist für Eingebungen, die der Hypnotiseur tut. Nicht
nur der Mensch, sondern auch Tiere können hypnotisiert
werden.

Psychometrie ist die Entdeckung, daß der Geist außerhalb des


menschlichen Körpers betätigt werden kann und daß der
"psychometrisch Empfindliche" die Vergangenheit wie ein
offenes Buch lesen kann. Dann kam die Entdeckung, die
Statuvolismus genannt wird. Bei diesem kann der Geist sich
selbst vom Bewußtsein des Schmerzes entziehen und
Krankheiten kurieren. Am Anfang gingen die Wissenschaftler
diesen Entdeckungen nach als Zweige der Naturwissenschaf ten
... “

Aber wegen der Vielfalt dieser wundersamen Phänomene wurde


die Parapsychologie bald eine Wissenschaft für sich selbst. Für
die Praktizierenden dieser Wissenschaft sind all diese
außerordentlichen Phänome ne ganz natürlich. Und für uns
Gläubige sind sie noch natürlicher. Denn wir wissen, daß sie nur
die Konsequenz der Freilegung der verborgenen Kraft der Seele
sind. Psychologen erklären, daß innerhalb des Menschen eine
riesige Anlage von Kräften ist: die Kraft der Selbstkontrolle, die
Kraft zu schöpfen, die Kraft wiederherzustellen, die Kraft zu
glauben, die Kraft zu beleben, die Kraft wiederzubeleben. Diese
alle können vom Menschen freigelegt werden. Ein
Psychologiebuch geht sogar so weit und erklärt, daß alle
Menschen Götter seien, nur daß der Gott in uns eingeschlossen
sei. Indem man den Gott in uns freilege, werden wir alle zu
Göttern. Wie ähnlich sind diese Worte jenen Satans! (Siehe auch
Der geistliche Christ.)

Die allgemeine Regel

Sei es in China oder in westlichen Nationen, alle diese Praktiken


der Atemübung, der asketischen Übung, der Hypnose, der
Voraussagungen, der Sympathien und Kommunikationen sind
nichts anderes als das Freilegen der Kraft, die in uns ist. Ich
nehme an, wir haben alle irgend etwas von der Hypnose gehört.
In China gibt es Wahrsager, deren Kunststücke der
Vorhersagung bekannt sind. jeden Tag nehmen sie nur wenige
Kunden in die Aussprache. Sie haben viel Zeit und Energie dazu
verwendet, ihre Kunst zu vervollkommnen. Und ihre
Voraussagungen sind verblüffend genau. Die Buddhiste