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Seminararbeit zur F1 „Shlomi und Mazy“ von Lukas Wilke

Zu Beginn der Findungsphase für die F1 „Shlomi und Mazy“ besprachen Irma und Ich, dass bei jedem Arbeitsschritt unser gemeinsames Ziel sein sollte ein möglichst hochqualitatives Produkt in Form einer O-Ton, Atmosphären oder Musikaufzeichnung abzuliefern. Dies entsprang nicht nur einem „hohen Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit“ oder solcher Floskeln, sondern hatte den praktischen Zweck als Nutzen so wenig Aufwand wie möglich bei der Nachbearbeitung eben jener Aufnahmen zu investieren. Um dieses Vorhaben umzusetzen wählten wir das Mikrofon Sennheiser 8090 mit der Charakteristik „breite Niere“. Dies ermöglichte es uns in engen Räumen, sowie Draußen, als auch in großen Sälen stets eine authentische O-Ton-Aufnahme einzufangen. Wir setzten fast ausschließlich dieses Mikrofon ein, sodass ein homogenes Klangbild bei allen Aufnahmen herrschte. Die Homogenität war uns besonders wichtig, da wir durch den Umstand eine „breite Niere“ zu benutzen auch viele Umgebungsgeräusche mit aufnahmen, was unserer Meinung nach den Tonaufnahmen zu Gute kam und vor allem eine dokumentarisch realistische Abbildung der Geschehnisse zur Folge hatte. So waren die O-Ton-Aufnahmen also schonmal in guter Qualität „im Kasten“. Bei der Nachbearbeitung Jener war es also ein leichtes die Spracheindrücke der verschieden Drehorte auf einander anzupassen, auch wenn natürlich das ein oder andere Hintergrundgeräusch die Sprachqualität beeinträchtigte. Es kam allerdings nie zu einer Sprachunverständlichkeit, insofern waren wir doch sehr zufrieden mit den Aufnahmen. Auch bei dem Sound Design galt das Prinzip der Einfachheit. Mit ein paar Aufnahmen aus dem Archiv waren so ein Rabe, ein Auto und noch sonstige kleinere Geräusche schnell vertont. Bei den Atmosphärenaufnahmen hat sich das mitführen eines Kugel-AB‘s bezahlt gemacht. Gerade bei einigen Großstadtatmos, aufgenommen aus dem 17. Stock in der Nähe des Kudamm‘s, gab es einen gewünschten difusen Klang mit großer Abbildungsbreite. Allerdings haben wir von vielen mitgeschnittenen Atmos nur recht wenige verwendet, da das Hauptmikrofon (die „breite Niere“) schon Einiges an Umgebungsinformationen mitgeliefert hat. Besonders heraus stach ein Drehtag an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Nach einigen kurzen Schnittbildern ohne nennenswerte Tonaufnahmen begaben wir uns in einen der Proberäume um eine Unterrichtsstunde des Protagonisten mitzuschneiden. Dies war nicht nur aus Sicht eines Zuschauers, Musikers oder Filmemachers interessant, nein, auch aus tonmeisterlicher Betrachtungsweise galt es hier eine ganz besondere Herausforderung zu meistern.

Kurz vorweg: Ich habe jene Herausforderung nicht gemeistert, aber mich zumindest , sagen wir, ehrenvoll versucht. Im besagten (kleinen) Raum stand ein viel zu großer Konzert(D-)Flügel, der oben drein auch noch mit der Öffnung zur Wand stand. Im ohnehin schon kleinen Raum suchte der Regisseur gemeinsam mit dem Kameramann nun nach kunstvollen Spiegelbildern, die rückblickend gesehen auch wirklich zu tollen Ergebnissen geführt haben, mir aber weiteren Platz für eine mögliche Mikrofonaufstellung versagten. Schlussendlich entschied ich mich dann für eine kleine AB Aufstellung zweier Kugeln an der Zarge des Flügels, auf die Öffnung gerichtet. Das Klangergebnis ist somit als Klavieraufnahme nicht ernst zu nehmen, unter Rücksichtnahme der vorherrschenden Umstände aber recht passabel, würde ich sagen. Die nun mehr angebrochene zweite Seite möchte ich den bereits im Vorfeld entstandenen Musikaufnahmen widmen. Zu aller erst steht da die erste von zwei Orchesteraufnahmen mit dem DFOB und dem Protagonisten, dem Opernsänger. Bereits beim Aufbau am Vortag bemerkte ich mit was für einem Aufwand und vor allem mit was für einer Seriosität eine solche Aufnahme verbunden ist. Hier ist keine Zeit für einen Fehler! Beim eigentlichen Aufnahmetag waren wir dann umso mehr angespannt ob unser Protagonist, den lediglich der Regisseur vorher kennen gelernt hat, den Anforderungen eines solchen Profi-Orchesters gewachsen ist. Doch kaum war der erste Take von „Una furtiva lagrima“ (man singe beim lesen des Titels die Melodie mit) im Kasten war und das Orchester dem unbekannten Sänger applaudierte war klar, dass wir es hier ebenso mit einem absolutem Profi zu tun haben. Ein lustiger Moment dieser Erfahrung war der Kommentar Prof. Wefelmeyers der nach einer Hand voll Takes in die Regie ging um das Aufgenommene zu überprüfen. Er sprach mit glücklichem Lächeln in den Augen seine Freude über die Möglichkeit aus mal wieder plakativ romantische Musik zu dirigieren - eine Freude, die jeder im Saal teilte. Bei der zweiten Musikaufnahme befanden wir uns im Musikstudio U96/95 um den von Dascha produzierten Popsong „Superhero“ nach 80er-Jahre Glampop Attitude mit entsprechenden Gesangsaufnahmen des gleichen Sängers zu bestücken. Nicht nur die Verantwortung als Aufnahmeleiter und Toningenieur für das abliefern eines guten Endproduktes zu übernehmen, sondern insbesondere die Rolle des Tonmeisters oder wie man es auch nennen möchte hat mir sehr viel Spaß gemacht. Gerade die Kommunikation unter Musikern und die psychologische Herangehensweise einen Sänger zu seinen Bestleistungen zu fördern reizt mich. Hier habe ich mich am wohlsten gefühlt, hier konnte ich meine Fähigkeiten am besten einsetzen. Daher möchte ich hoffen, dass ich mich auch in Zukunft noch viel mit solchen Menschen umgeben kann um weitere Erfahrungen zu sammeln.