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INSTRUMENTS Gitarren doppeln

KLANGDICHTE DURCH MEHRFACH-AUFNAHMEN

Doppelt gespielt G U T E R G I TA R R E N - S O U N D I S T D E R A N FA N G V O N V I E L E M

Da tönt sie aus den Boxen, die


Oberhammer-Breitseite. Ja, so soll eine
Gitarre klingen! Aber Vorsicht, bist du
sicher, dass du hier wirklich nur eine
hörst? Denn in den allermeisten Fällen
Fotos und Montage: R.Wilschewski

wird im Studio gedoppelt und wie das


richtig funktioniert zeigen wir hier.

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klingt fetter
Bei professionellen Studioproduktionen auf Klären wir zunächst, warum doppeln ei-
hohem Level habt ihr euch vielleicht auch gentlich Sinn macht. An dieser Stelle könnte
schon einmal über die Unzahl an Signalen die Frage auftauchen: Kann man nicht ein-
gewundert, die dort oft verarbeitet werden. fach das Signal kopieren und dann Kopie
Mischungen mit 64 und wenn es ganz dicke und Original im Stereobild nach rechts und
kommt auch noch viel mehr Spuren kön- links legen? Die Antwort: Leider nein, so
nen Furcht erregend wirken. Bei näherem schön einfach es wäre. Um das zu verste-
Hinsehen, oder besser noch Hinhören, wird hen, müssen wir verdeutlichen, was genau
aber schnell klar, wie es zu einem solchen beim Doppeln von Gitarrenspuren geschieht.
Wust von Geräuschen kommt, denn hier Nehmen wir dazu mal die typische Achtel-
wurde so einiges doppelt und dreifach aufge- Rhythmusgitarre, am Steg mit der rechten
nommen. Bei Gesängen, Gitarren, Streichern Hand abgedämpft, wie man sie aus tausen-
und anderem Gezirpe ist das gang und gäbe den Rocksongs kennt. Wenn man so eine
und in den bunten Siebzigern wurden bei Spur nun kopiert und wie eben beschrie-
Disco-Produktionen auch gern mal ganze ben Original und Kopie auf rechts und links
Drum-Tracks gedoppelt, um den typischen dreht, hört man ein und dasselbe Signal, nur
Stampf-Beat zu bekommen. aus zwei Richtungen. Das ist natürlich auch

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nicht Stereo, sondern Mono, denn für echte feststellen, dass die Saite bei extrem hartem
Stereophonie muss das Signal auf zumindest Anschlag, also bei Erreichen ihrer maximalen
zwei Kanälen, sprich mit zwei Mikrofonen aufge- Schwingungsamplitude, leicht zu hoch intoniert.
zeichnet werden. Spiele ich aber jetzt zu meiner Bei sehr weichem Anschlag liegt sie auch mal
Originalspur noch einmal mal brav die gleichen leicht unter der eigentlich richtigen Tonhöhe.
Achtel auf eine weitere Spur, passiert Folgendes: Bei tieferer Stimmung und dadurch niedrigerer
Selbst wenn mein Timing unbeirrbar sicher ist, Saitenspannung wird sich dieser Effekt noch
so kommt es im Vergleich zur Originalspur doch deutlich verstärken, doch dazu später mehr.
zu minimalen zeitlichen Verschiebungen bzw.
Überlagerungen des Anschlags. Diese liegen Bleiben diese leichten Verzögerungen und
zwar im Millisekunden-Bereich, sind aber hör- Verstimmungen im Rahmen (einem sehr en-
bar, zumindest spürbar und werden vom Ohr als gen, wohlgemerkt), so sind sie als Effekt
„fetter klingend“ wahrgenommen. Dazu kommt durchaus erwünscht. Sie machen die Dopplung
ein leichter Modulationseffekt, denn auch wenn erst zum echten „Verdickungsmittel“. Man erhält
ich noch so feinfühlig wäre, so könnte ich doch dadurch nämlich einen natürlichen Chor-Effekt.
nicht genau bei jedem Anschlag die gleiche In einem Chor singen ja auch mehrere Soprane
Anschlagsstärke wie bei der ersten Spur repro- oder Bässe dieselbe Stimme. Da dies nun aber
duzieren. Was wiederum zur Folge hat, dass die mehrere Menschen tun, kommt es auch hier
Saiten ab und an minimal
anders intonieren. Wer das Der zweite Take hat immer anderen
nicht glaubt, der nehme
sich jetzt ein möglichst ge- Anschlag und andere Intonation.
naues Stimmgerät, stimme
Für dynamische Singlecoil-Sounds mit seine Gitarre und spiele immer wieder den im- zu minimalen zeitlichen Verzögerungen und
harmonischer Übersteuerung und klarer mer gleichen Ton. Dabei sollte man nun mal die Intonationsschwankungen, die das Ganze aber
Zeichnung: Tele oder Strat an einem AC 30. Anschlagsstärke variieren und wird dann schnell um so voller klingen lassen, da das Ohr nun

Stimmung! Das richtige


kette. Bei billigen Stimmgeräten gibt es weile jeder Saitenhersteller einen Low
Gitarren-Tuning ist die Grundlage durchaus Toleranzen in der Genauigkeit, Tune Satz im Programm. Bei tiefen
daher lieber ein paar Euro mehr investie- Tunings sollte man die Gitarre übrigens
Beim Doppeln spielt wie bereits Doppeln sehr, wenn man seinen Part ren. Am genauesten sind übrigens immer auf den Impuls stimmen, d.h. die
eingangs erwähnt die Intonation schön aus einem Guss durchspielen Strobotuner wie z.B. von Peter son, die Anzeige des Stimmgeräts sollte beim
eine wichtige Rolle. Daher sind na- kann. Ärgerlich hingegen ist es, mitten in aber ein ziemliches Loch in die Kasse rei- Anschlag auf der richtigen Tonhöhe lan-
türlich das Setup und die saubere einem guten Take abzubrechen und neue ßen. Ist noch ein anderer Gitarrist mit von den. Wenn der Akkord dann im
Stimmung der jeweiligen Gitarre ein Saiten aufzuziehen. Deshalb sollten vor der Partie, sollten beide Sechssaiter und Ausklingen ein kleines bisschen nach un-
Muss, andernfalls kommt es insbe- Aufnahmen neue Saiten aufgezogen und auch der Bassist nach Möglichkeit das ten sackt, kratzt das das menschliche Ohr
sondere bei verzerrten Sounds zu für gute Stimmstabilität sorgfältig einge- gleiche Stimmgerät benutzen. nur noch peripher
extrem fies klingenden Reibungen. dehnt werden. Nylonsaiten auf
Da rollen sich dem Hörer förmlich Konzertgitarren sollte man sogar ein bis 3 Aufgepasst bei tiefen Tunings. 4 Spezial-Tunings. Wollen bestimmte
die Fußnägel auf. Deshalb beachte zwei Tage vorher einspielen. Bei E- Bei tiefen Stimmungen intoniert eine Akkorde trotz frischer Saiten und guter
man diese Checkliste: Gitarren sollte selbstverständlich nach Saite je nach Anschlag auch mal bis zu Einstellung des Instruments einfach nicht
dem Aufziehen frischer Saiten die Oktav- einem Halbton zu hoch und eiert sich sauber klingen, muss man für den betref-
1 Frische Saiten sind Pflicht! Immer und Bundreinheit überprüft und gegebe- dann im Ausklingen erst auf die richtige fenden Part die Gitarre eben auf diese
wieder erscheinen Menschen in Studios nenfalls korrigiert werden. Zu alledem Tonhöhe runter. Hier helfen dickere bestimmte Lage stimmen. Die heute all-
mit Saiten auf ihren Gitarren, welche die besorge man sich… Saiten. Für ein Drop D-Tuning gehen gemein gültige temperierte Stimmung ist
Vermutung aufkommen lassen, das .009er Saiten vielleicht so gerade noch, eben nur ein sehr brauchbarer
Instrument sei über mehrere Wochen im 2 …ein möglichst genaues doch auch da muss man den Anschlag Kompromiss, der uns ermöglicht in allen
Freien gelagert worden. Rostige, ver- Stimmgerät. Wer schon viel Geld für schon etwas zurücknehmen Mit einem 12 Tonarten zu spielen, ist aber eben
dreckte Saiten erinnern nicht nur vom seine Gitarre, für den Amp und auch für Satz .010 bis .052 intonieren Akkorde nicht hundertprozentig rein. Dieser Tücke
Spielgefühle her an Stacheldraht, son- Aufnahmen oder Studio-Equipment aus- schon deutlich straffer. Wer allerdings kann man dann nur mit einer
Foto: Emskötter

dern intonieren auch nicht mehr sauber. gibt, sollte letztendlich am Stimmgerät ständig in Deftones-Manier im tiefsten Kompromiss-Stimmung beikommen.
Außerdem reißen alte Drähte schneller. nicht sparen, denn merke: Die saubere Frequenzkeller wildert, sollte zu noch di- Live interessiert das keinen Menschen,
Für das richtige Feeling hilft es beim Stimmung steht am Anfang der Signal- ckeren Drähten greifen. Dazu hat mittler- im Studio hört man es nun mal.

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Gitarren-Amp
mehrere unterschiedliche Stimmen orten kann,
die den gleichen Ton singen. Nun dürfte auch

Mikrofonieren
klar werden woher der Chorus-Effekt seinen
Namen hat. Hier wird das eingehende Signal in
zwei Hälften gesplittet, eine Signalhälfte dann
Eine zentrale Weisheit des Doppelns von Gitar- leicht zeitverzögert und verstimmt und danach
renspuren: Bei mehreren Mikrofone für dieselbe der unbearbeiteten Signalhälfte wieder hinzu-
Schallquelle müsst ihr die Phasenlage beachten! gemischt. Wer jetzt aber einfach seine kopierte
Spur nimmt, diese im Sequencer-Arrangement
Beim Einrichten von mehr als einem Mikrofon ist um ein paar Millisekunden nach vorn oder hin-
Sorgfalt gefordert um Phasenauslöschungen zu ver- ten zieht und noch ein bisschen Chorus drauf-
meiden. Das Signal sollte unbedingt zeitgleich auf alle legt, ist aber immer noch auf dem Holzweg,
Mikros treffen und daher gilt es, die Mikromembranen denn dabei entstehen Phasenprobleme. Stellen
in exakt den gleichen Abstand zum Speaker zu bringen. wir uns unser Gitarrensignal mal stark ver-
Zuallererst muss man wissen wo im betreffenden einfacht als Sinuswelle vor. Legt man nun die
Mikro genau die Membran sitzt und zwar millimeterge- gleiche Welle leicht verschoben darüber, so er-
nau. Sieht man sie nicht so gut wie bei z.B. beim SM 57 kennt man Stellen an denen sich das Wellen-
muss man schätzen. Dann heißt es: Hoch beider Wellen überlagert. Hier kommt es,
vereinfacht gesprochen, zu einer Verstärkung Es empfiehlt es sich, mehrere Signale einer
1. Mit einem Zollstock die Abstände der Seitenwand
dieser Signalanteile. In Bereichen, in denen Gitarrenstimme auf einen Bus zu legen.
zum rechten und linken Speakerrand, sowie zur
das Wellen-Hoch einer Welle auf das Wellen-
Speakermitte bestimmen. Bei einer 4 x 12er:
Tal der anderen fällt, kommt es
Akkuschrauber raus, Rückwand ab und messen.
zur Ausdünnung des Signals. Chorus- und Delay-Effekte
Im ungünstigsten Fall, wenn
2. Die Maße mit Tape-Streifen auf die Frontseite
übertragen und die Mikros in die gleiche Position
die zweite Welle um eine halbe ersetzen keine Dopplung.
Wellenlänge verschoben ist und
vor dem Speaker bringen. Dabei hilft der Zollstock
der Wellenhöhepunkt einer Welle genau über stehen zwar auch die oben beschriebenen
den gleichen Abstand zur Stoffbespannung der Box
dem Wellentiefpunkt der anderen Welle liegt, Zeitverschiebungs- und Chor-Effekte, aber eben
zu finden. Für angezerrte und High Gain-Sounds
kommt es zur totalen Phasenauslöschung: Es ist in natura und dadurch in völlig chaotischen, nie-
orientiert man sich mit dem Mikro eher zum
kein Signal mehr zu hören. mals gleich wiederkehrenden Mustern. Daher
Speaker-Rand, da man in der Speakermitte eine
klingt es eben auch natürlich, wohingegen fest
unangenehme Überbetonung der Präsenzen erhält.
eingestellte Chorus- und Delay-Effekte, die auf
Millisekunden genau nach gleichen Mustern
3. Feinjustierung mit den Ohren. Das klappt am
ablaufen, eben künstlich klingen. Manche
besten mit einem Helfer wie einem geduldigen
Produktion aus den effektverliebten Achtzigern,
Bandkollegen, der mit entsprechendem Gehörschutz
als Gitarrenspuren vor Effekten nur so trieften,
ausgestattet die Mikros im Aufnahmeraum bis zur ei-
könnte da als abschreckendes Beispiel dienen.
genen Zufriedenheit hin und her schiebt. Oder aber
Also: Play it again, Sam! Man muss es einfach
man lässt den Kollegen spielen, gibt sich das Signal
öfter spielen. Und dabei tun sich viele unter-
im Aufnahmeraum auf einen Kopfhörer und wursch-
schiedliche Wege auf. Zum besseren Überblick
telt selbst bis es klingt. Dabei sollte man immer beide
kann man die Gitarrendoppelei auch in unter-
Mikrospuren einzeln und dann wieder zusammen
schiedliche Schulen einteilen.
hören, um zu vergleichen, ob etwas verloren geht.
Da unser Gitarrensignal aus einer Vielzahl
solcher Wellen besteht, ist die Problematik Einer von vielen Bereichen, wo Gitarren
4. Bei einer Kombination aus Nahabnahme und
hier auch gleich um ein vielfaches komple- und ihre Doppelung für das Klangbild
Raummikrofon sollte man letzteres nicht direkt in
xer und die Effekte unter Umständen drama- enorm wichtig sind, ist der Metal. Thrash-
den Abstrahlkegel der Box richten. Besser ist es, das
tisch. Da können derlei Phasenschweinereien Ikonen wie James Hetfield (Metallica), Dimebag
Raummikro im Winkel von 90° zum Speakermikro
regelrechte Schneisen ins Klangbild schlagen, Darrell (Pantera), Scott Ian (Anthrax) und
zu drehen. In den meisten Fällen greift man hier zu
so dass von der satten Gitarrenwand am Ende Konsorten verfahren bei ihren Produktionen (für
einem Kondensatormikro. Hat man dann noch die
Foto: Wilschewski; Grafik: KvG

nur die sprichwörtliche wütende Wespe in der Metallica gilt das zumindest für ihre Frühphase
Möglichkeit einer umschaltbaren Richtcharakteristik,
Coladose bleibt. Auch alle Basteleien mit Delays einschließlich des schwarzen Albums) alle nach
sollte man es mal mit einer Kugel oder auch der Acht
und Chorus-Effekten werden letztendlich nicht dem gleichen Muster. Hier hört man in der Regel
versuchen. Diese Richtcharakteristiken kommen dem
zum wirklichen guten Resultat führen. Denn drei Rhythmusgitarren: Eine links, eine rechts,
Aufnahmeverhalten unserer Ohren am nächsten und
bei einem richtigen Chor, oder Streichern, oder eine in der Mitte. Alle Spuren werden mit exakt
klingen daher für uns besonders natürlich.
beim Einspielen mehrerer Gitarrenspuren en- dem gleichen Setup aus Gitarre, Amp und Box

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arbeiten bzw. arbeiteten auch Zakk Wylde oder schneiderten Gitarrensound zusammenmischen.
der zu früh verstorbene Dimebag Darrell nach Dabei macht man sich die unterschiedlichen
dieser Methode. Die ebenfalls früh verschiedene Klangcharakteristiken der einzelnen Mikros zu-
Metal-Legende Randy Rhoads doppelte so nicht nutze. Für einen typischen Vintage-Marshall-
nur die Rhythmusgitarren, sondern spielte auch Sound eignet sich bestens das gute alte Shure SM
57. Ein Studio-
Randy Rhoads doppelte seine standard, der
die typischen
Soli bis zu dreimal übereinander. Mit ten dieser
Amps genau
Soli bis zu dreimal übereinander. Angesichts der so wiedergibt, wie man sie von vielen klassischen
darin exponierten Fingerakrobatik ist das eine Rock-Produktionen kennt. Das könnte man
Meisterleistung in Sachen Präzision. dann schön mit einem Bändchenmikro, wie et-
wa dem Beyerdynamic M 160 kombinieren. Sie
Man könnte jetzt vor den Speaker noch geben durch ihren linearen Frequenzgang die
ein zweites Mikro mit einer anderen Klang- Schallquelle sehr natürlich wieder und machen
charakteristik stellen und damit eine wei- den Sound so auch etwas breitbandiger. Ihr ten-
tere Spur aufnehmen. Wenn sich die Mikros gut denziell eher warmer Sound sorgt auch für mehr
eingespielt, und auf allen Spuren werden ex- ergänzen, beispielsweise eins für präsente Mitten, Druck. Will man etwas tiefere Mitten, wäre ein
akt die gleichen Riffs gespielt. Hier ist natürlich ein anderes für den Schub von unten, vielleicht so- Sennheiser MD 421 eine gute Wahl, für einen
äußerste Präzision gefordert, da möglichst alle gar noch ein drittes z.B. ein Großmembranmikro, noch weicheren, impulsärmeren Sound auch das
Parameter der zuvor eingespielten Spur genau das für einen Tick mehr Brillanz sorgt, kann man MD 441. Dieses wird zum Beispiel von Brian May
reproduziert werden sollten. Das geht mit dem die Spuren im Mix zu einem großen, maßge- sehr geschätzt.
genauen Timing los, dem
Klang und der Intensität des
Anschlags, dem Abdämpfen
bestimmter Töne etc. Wenn recmag
recmag
dann noch Slides, Hammer-
Ons, Pull-Offs, Bendings
oder gar Fingervibrato ins
tipp
tipp
Quick & Dirty
Ein paar Faustregeln zum Doppeln
Spiel kommen, wird es wirk-
1. Haltet das Signal beim Einspielen
 
Handmade in Europe
lich knifflig. Gerade Bending
und Vibrato sind bei einem
knochentrocken, also kein Reverb,
Delay oder andere Schönfärber.
 

Gitarristen sehr persönliche
2. Legt zur Probe die bereits aufgenom-  

 
Angelegenheiten, die sehr mene Spur auf eine Seite, die nächste 2299 €
vom eigenen Körpergefühl auf die andere. Das hilft beim beurtei-
abhängig sind und somit von len der rhythmischen Präzision. Seid
selbstkritisch in Sachen Intonation und
einem anderen Gitarristen
Vibrato.
nur bedingt nachempfun-



3. Finger weg vom EQ. Bei der Aufnah-
den werden können. Daher me sollte die Klangregelung am Pult
haben sich Metallicas James neutral eingestellt sein. Der EQ wird
Hetfield oder auch Scott Ian hinterher im Mix benutzt um eventuell
nervige Frequenzen herauszufiltern.
von Anthrax dereinst zu einer
Dazumischen kann man nichts, was



radikalen Lösung entschlos- auf der Aufnahme nicht schon da ist.
sen. Um das Maximum an 4. Bei mehreren Mikrosignalen sollte
Präzision zu erreichen, wurden man immer kritisch die Phasenlage
sämtliche Rhythmusgitarren beurteilen. Oft tut es auch ein Mikro.
stets nur von Hetfield bzw. 5. Vorsicht mit dem Gain-Regler am
Amp. Beim Doppeln von Heavy-
Scott Ian eingespielt. Die
Riffs ist hier weniger oft mehr. Die
Kollegen Kirk Hammett und Zeichnung der einzelnen Akkorde
Dan Spitz betraten das Studio bleibt deutlicher, der Attack klarer. Bei
nur zum Einspielen ihrer Soli. zu hohem Gain erhält man gerade bei
bissigen High-Gain-Amps durch die Exklusiv Vertrieb für M-Guitars in Deutschland
Ist man alleiniger Gitarrist der www.musicstore.de
Überlagerungen der einzelnen Spuren Große Budengasse 9-17
Band, gibt es da sowieso zu viel aggressive Obertöne. 50667 Köln Tel: 0221 925791 0
keine Diskussionen und so

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Für ein richtig bissiges Heavy-Brett mit inklusive Out-of-phase-Schaltung nutzbar


ordentlich Low End sollte man die Kom- macht. Die Klangvielfalt, die daraus entsteht
bination aus einem Kondensator- und ei- kann man auf allen Queen-Platten hören. Wenn
nem dynamischen Mikro ausprobieren. Als man nun noch die Vielfalt unterschiedlicher
Kondensatormikro könnten diverse Kleinmem- Pickups mit bestimmten Amps kombiniert
braner, aber auch Großmembranmikros wie etwa wird die Spielwiese riesig. Hier könnte als klas-
ein Neumann TLM 103 in Frage kommen, nur sisches Hörbeispiel Jimmy Page dienen, der bei
ordentlich Schalldruck müssen sie vertragen. Als Aufnahmen stets mit verschiedenen Amps und
dynamisches Mikro wäre z.B. ein Shure SM 7 Gitarren arbeitet. Zu derlei Sound-Experimenten
oder ein ElectroVoice RE 20 einen Versuch wert. kann man hier natürlich nur ein paar allgemeine
Letzteres gilt als absoluter Tipp für Attack von Beschreibungen liefern, die immer von Fall zu
unten. Mit gezieltem Einsatz eines Kompressors Fall ausprobiert und nach eigenem Geschmack
lassen sich nun bestimmte Signalanteile der eingesetzt werden sollten.
einzelnen Mikros hervorheben. So
kann man unter Umständen sogar
auf Nachbearbeitung mit dem EQ
verzichten.

Bringt man darüber hinaus


andere Gitarrentypen und damit
auch andere Pickups ins Spiel,
lässt sich noch mehr machen,
wie es die folgenden Herren
tun. Einen sehr minimalistischsten
Ansatz verfolgt Tom Morello. Er
vertraut seit Jahr zehnten dem
immer gleichen Marshall 50 Watt
JCM 800-Topteil mit einer Peavey
4x12"-Box. Was Pickups angeht ist
Tom ein Singlecoil-Fan, denn viele
Gut für High Gain: Ibanez über Peavey 5150. Die seiner groovigen Heavy-Riffs sind
Kombi aus Kondensator- und dynamischem Mikro auf dem Hals-Pickup von Fender-
sorgt für sattes Low End und brilliante Obertöne. Gitarren gespielt. Dazu nimmt er
gern die Stratocaster aber auch immer wieder …und hier eine clean eingespielte
eine Telecaster zur Hand. Ein Sound Aufnahme. Die jeweiligen Attacks kommen
wie man ihn auch von Hendrix oder im Timing aber eben nicht exakt gleich.
Steve Ray Vaughan kennt. Soll es
noch fetter rocken, doppelt er das Für warme, fette Mitten gibt es eigent-
auch schon mal mit dem Bridge lich nichts besseres als die Kombination
Pickup einer Les Paul. Hörtipp: aus Humbucker und Vintage-Marshall. Das
Audioslave – Revelation. ist der klassische Rocksound. Eine etwas an-
dere Textur bei gleichem Mitten-Punch liefert
Auch Brian May vertraut den im- der klassische Marshall oder auch ein Fender
mer gleichen Amps, nämlich dem Bassman in Kombination mit P-90 Pickups.
Vox AC 30 und dem legendären Dieser Sound ist auf der letzten Green Day-
Fotos: Wilschewski, Emskötter; Grafiken: Emskötter

Deacy-Amp. Dies ist eine kleine Scheibe „American Idiot“ zu hören. Darf es hef-
Transistorkiste, die Bass-Kollege John tiger sein, greife man zu Gain-Boliden von Mesa,
Deacon einst für ihn bastelte. Eine Engl oder Peavey. Hier bekommt man schär-
Kopie dieses Geräts gibt es von Vox fere Höhen und mächtig Low End. Auch wenn
als Brian May Amp. Allerdings spielt es vielleicht komisch klingt, sollte man gerade
er beim Einspielen seiner manch- beim Doppeln von harten Riffs auch mal eine
So werden gedoppelt einge- mal geradezu orchestralen Gitarrenwände viel Gitarre zur Hand nehmen, die eigentlich nicht
spielte Gitarrenspuren in der mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der so mit Metal assoziiert wird, wie beispielsweise
Waveform-Darstellung sichtbar: Pickup-Schaltung seiner Red Special, die die drei ein Tele. Bei hartem Anschlag liefert die gerade
Hier mit ordentlich Gain… Singlecoils in allen erdenklichen Kombinationen unten herum richtig Schub. Auch Baritongitarren

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von Gretsch oder Danelectro, die sonst eher im sollten natürlich Fender- oder auch ältere Music tun. Etwas, das wie eine Gitarre klingt, kann al-
Surf- oder Rockabilly-Sound angesiedelt werden, Man-Amps nicht unerwähnt bleiben, die vom so aus fünf, sechs oder auch mal zehn Spuren
sind hier ein echter Tipp. Bei tiefen Stimmungen bissigen Funk bis zum Country-Twang feinste zusammengemischt sein. Wer nun nicht über
und viel Gain kann schnell etwas Zeichnung Ergebnisse liefern. eine riesige Auswahl an Amps verfügt, sollte
im Klangbild verloren gehen, die man sich mit auch ruhig mal mit digitalen Simulationen
dem cleaneren Sound eines Lipstick-Pickups Gerade die Kombination beider Extreme, wie Amplitube oder Guitar Rig herumpro-
wiederholen kann. Für besonders dynamische, also High-Gain-Zerre und Cleansound, kann bieren, da hier unterschiedlichste Amp- und
angezerrte Sounds mit weicher Übersteuerung beim Doppeln besonders reizvoll sein, um Mikrofon-Charaktere im Angebot sind. Das
ist die Kombi aus Tele oder Strat mit einem Vox dem Sound mehr Räumlichkeit zu geben. so etwas klanglich durchaus professionellen
AC 30 oder einem vergleichbaren Class A-Amp So etwas hört man zum Beispiel bei Steve Standard erreichen kann zeigt Farin Urlaubs
Morse, der oft Läufe Album „Am Ende der Sonne“, wo alle Gitarren
Zu viel Gain kann dem Klangbild und Akkordzerlegungen komplett mit PlugIns eingespielt worden sind.
mit einem Cleansound Viel Spaß!
auch die Zeichnung nehmen. unterlegt. Dazu ist üb-
rigens oft ein direkt ins
unschlagbar. Man höre sich mal dazu die alten Pult gespieltes DI-Signal die erste Wahl. Aber
Aufnahmen von Rory Gallagher an. Aber auch auch bei Nu Metal-Produktionen ist das ge-
Der Autor
auf „Echoes, Silence, Patience and Grace“ von bräuchlich. Man höre dazu mal Korn‘s „Freak
Uli Emskötter
den Foo Fighters ist die Tele mit dem AC 30 On A Leash“, insbesondere den Chorus. Hier
Gitarrist, Workshop- und Fachbuchautor
kombiniert mit Gibsons über Mesa-Rectifier zu gibt die Clean-Gitarre mit Chorus der Sache (Band Book Bd. 1 & 2) ist unter
hören. Auch für unverzerrte Klänge ist der alte AC erst die richtige Weite. Auch die Hinzunahme anderem auf den Playalongs der
30 Dave Grohls Favorit. In Sachen Cleansounds von Akustikgitarrenspuren kann hier Wunder DrumHeads!!-CD zu hören.

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