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NAZI-STRUKTUREN IN LEIPZIG

– EIN ÜBERBLICK

GAMMA NR. 176 – MÄRZ 2007


ANTIFA-NEWSFLYER FÜR
LEIPZIG & UMLAND Nazis aus Leipzig und Umgebung am 1. Mai ‘05: Jens Schober (li.), Isztvan Repaczki (Mi.), Rudi Knüpfer (2.v.r.)

UPDATES L eipzig, Lindenthaler Straße in Gohlis, in den


frühen Abendstunden des 8. Dezember 2006.
Am Gohlis-Center stehen um die 70 vor allem
zugerechnet. Ansonsten haut er sich auch gern mal
mit der Staatsmacht, wie am 1.Mai 2006 in Leipzig,
und auch bei der berühmt gewordenen Hooligan-
Am 29. Januar kam es vor dem Kino “Cine- männliche Jugendliche um ein Delitzscher Auto Attacke auf die Polizei nach einem LOK-Spiel An-
ding” in der Karl-Heine-Straße zu tätlichen mit Lautsprechern herum. Mit einem Transpi pro- fang Februar in Leipzig war er begeistert dabei.
Auseinandersetzungen mit Nazis. Am frühen testieren sie „Gegen Auslandseinsätze der Bun- Auch der Delitzscher Scheffler ist nach einer
Abend wollte eine BürgerInnen-Initiative deswehr“. Es ist jedoch keine harmlose Friedens- längeren Pause wieder aktiv dabei, oft in Gesell-
Kurzfilme über die Situation im Stadtteil Linde- kundgebung. Anmelder der Veranstaltung ist schaft Gerlachs. Bei den letzten Aufmärschen in
nau zeigen, wo insbesondere eine Naziclique Thomas Gerlach aus Meuselwitz bei Altenburg, Leipzig bildeten die beiden zusammen mit Chris-
in der Guts-Muths-Straße (mittlerweile umge- so genannter Organisationsleiter des
zogen in die Weißenfelser Straße) für Unmut bundesweit agierenden „Kampfbunds
unter den AnwohnerInnen sorgte. Vor Beginn Deutscher Sozialisten“(KDS). In den
der Veranstaltung postierten sich etwa 15 Nazis Redebeiträgen Gerlachs, des Delitzscher
– bereits bekannte Mitglieder der “Freien Kräfte Kameradschaftschefs Maik Scheffler und
Leipzig” (FKL) – vor dem Eingang. Als Antifas eines „Schkeuditzer Kameraden“ werden
eintrafen, führte dies nach Darstellung der LVZ die üblichen Nazi-Theorien zur Lage in
zu einer “Massenschlägerei”, in deren Folge die Deutschland abgespult. Unter den Teilneh-
Nazis die Flucht antraten. Es soll zwei Verletzte merInnen kann man all die bekannten
und diverse Sachschäden gegeben haben. Eine Gesichter wiedersehen, die sonst hinter
BürgerInnenveranstaltung wenige Tage später dem Transparent der „Freien Kräfte Leip-
erhielt Polizeischutz. zig“ (FKL) an Naziaufmärschen teilneh-
men. Und nicht zuletzt schleicht im Um-
Am 5. Februar hat das Bautzener Oberver- feld der Veranstaltung die fünfköpfige Combo von Bilder: Maik Scheffler (l.) und Jens Schober (r.)
waltungsgericht die Aufhebung der Baugeneh- Nazihool Ricardo Sturm herum, wie immer auf der
migung für ein Gedenkkreuz auf dem Gelände Suche nach Schlägereien. Dass die Nazis an diesem tian Worch meist den engeren Orga-Kreis. Damit
der Röthaer Straße 22 in Borna für rechtens er- Abend ungehindert durch Gohlis ziehen können, ist übrigens auch der regionale Umfang des Nazi-
klärt. Dort wollen Nazis eine “Gedächtnisstätte” liegt vor allem daran, dass eine Hundertschaft der Dunstkreises umrissen, das sich am 8. Dezember
einrichten, inklusive eines 12 Meter hohen Metall- Bereitschaftspolizei die eintreffende Antifa mit wei- in Leipzig versammelt hat und sonst gern das FKL-
kreuzes als Zentrum eines “Thing”-Platzes. Das träumigen Platzverweisen auf Abstand hält. Transpi und die schwarzen Fahnen mit den weißen
Kreuz darf nun nicht aufgerichtet werden, der Diese Veranstaltung liefert eine recht anschau- Fraktur-Schriftzügen „Leipzig“ und „Schkeuditz“
Beschluss des Gerichts ist nicht anfechtbar. Der liche Beschreibung der Kameradschaftsszene in dabei hat. Schkeuditz spielt dabei nach wie vor eine
Düsseldorfer Architekt Ludwig Limmer hatte Leipzig und Umland. Zum einen waren alle wichti-
das Areal bereits Anfang 2005 im Auftrag des gen Akteure der Region anwesend. Thomas Gerlach,
Nazi-Strukturen in LE 1
INHALT

Vereins “Gedächnisstätte” ersteigert, dem klare der seine Aktivitäten sofort nach der Haftentlassung
Verbindungen zum “Collegium Humanum” wieder aufgenommen hatte, ist bundesweit aktiv.
Updates 1
in Vlotho nachgewiesen werden können. Bor- Seine Altenburg-Crew übernimmt Ordneraufgaben
nas Bürgermeister Bernd Schröter war von von München bis Dresden, er selbst ist öfter an der
Robert Wilkens 2
den Plänen anfangs begeistert – seine Firma Organisation von Aufmärschen der so genannten REP-KV Leipzig 3
fertigte das inkriminierte Metallkreuz. Einen Freien Strukturen, z.B. in Delitzsch, beteiligt. Er Dresden am 13.02. 4
Rückzieher machte er erst, nachdem Ende 2005 ist dabei nicht nur fest in die Strukturen des KDS 1. Mai 2007 4
eingebunden, sondern wird auch den Hammerskins

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Nazistrukturen in Leipzig – Ein Überblick (Forts.) ditz-Leipziger Strukturen allein über interne BesucherInnen mehr als doppelt so viele wie üblich.
Kommunikation an einem Freitagabend auf Bei einigen dieser Veranstaltungen ließen sich auch
kritische Medienberichte auf das rechte Projekt wichtige Rolle. Der Ort dürfte eine Schlüsselposition noch ein weiteres Umfeld, das sich zu Aufmärschen die Beine bekommen. Bei einer geschätzten Kameraden der „Freien Kräfte“ blicken. Abgesehen
aufmerksam machten. Nun freut sich Schröter bei der Entstehung der aktuellen Leipziger „freien“ mobilisieren lässt. Im letzten Jahr haben die FKL ihre Gesamtzahl von 250 Nazis in Leipzig sind davon gehört auch die ulkige ehemalige Betreiber-
laut LVZ über den juristischen “Zwischenerfolg Strukturen innegehabt haben. Denn der Beginn Aktivitäten im Vergleich zu 2005 ausgebaut. Waren die mobilisierten 70 vielleicht nicht viel, aber
crew der 2005 eröffneten und wieder geschlossenen
im Kampf gegen ein braunes Borna”. des Ganzen lag in dem 2004 vom Hallenser Sven sie bisher hauptsächlich zusammen zu Aufmärschen auch nicht wenig genug, sich zurücklehnen Nazikneipe „Lady Liberty“, Kornelia „Conny“ Rel-
Liebich gestarteten Versuch, über die Schkeuditzer gereist, haben sie mittlerweile begonnen, Flyer vor zu können – erst recht nicht angesichts der ler und ihr Mann, zum „alten Eisen“ der Leipziger
Am 10. Februar kam es nach dem Fußball- Naziszene hinaus auch in Leipzig mehr Organisation Supermärkten zu verteilen – z.B. die Flugblätter der zunehmenden Aktivitäten, die der Kern der NPD. Einen regelrechten Nazitreffpunkt, wie es das
spiel 1. FC Lok gegen FC Erzgebirge Aue II auf die Beine zu stellen. Eine zentrale Figur in dieser in Leipzig über ein Postfach verfügenden „Bewegung „Freien Kräfte“ entfaltet. „Liberty“ werden sollte oder wozu das 2005 einge-
vor dem Bruno-Plache-Stadion in Probstheida Entwicklung war bis vor kurzem Jens Schober aus Neues Deutschland“. Auch die Teilnahme an Diskus- Der Kreisverband der NPD, immerhin schlafene Projekt „Freier Jugendclub Grünau“ das
zu Auseinandersetzungen zwischen Hooligans Leisnig – zumindest solange er in Leipzig lebte. Mit- sionsveranstaltungen zum Thema Rechtsextrem- Bilder: Isztvan Repaczki (l.) und Christian Trosse (r.) der größte in Sachsen, dümpelt dagegen un- Potential gehabt hätte, konnten die Leipziger Nasen
und der Polizei. Bis zu 800 Hools seien auf tlerweile ist er wieder nach Leisnig zurück gezogen. ismus scheinen sie als interessante Beschäftigung ter seinem Vorsitzenden Helmut Herrmann jedoch nicht etablieren.
die Polizei losgegangen, ein Zivilpolizist habe Am 8. Dezember waren die eigentlichen Leip- erkannt zu haben. Sie tauchten bei einer PDS-Ver- auch die nötige Körperfülle zugelegt, weshalb ihn weiter mehr oder weniger vor sich hin. Obwohl Jür- Zumindest ein Treffpunkt zum Klamottenkauf
einen Warnschuss abgeben müssen. Im Nazi- ziger natürlich auch anwesend. Es gibt eine FKL- anstaltung in Holzhausen auf, diskutierten bei einer manche Antifas, die ihn noch aus der ersten Hälfte gen Schön aus Wahren auf der Landesliste der Partei ist der Shop „Untergrund“ in der Kolonnadenstraße
forum “HatecoreTK” berichtete Thomas Ger- Kerngruppe von ca. 15 Lesung in Großpösna mit der 90er in Erinnerung hatten, kaum wieder erkann- in den Dresdner Landtag eingezogen war, wurde 9 geworden. Dessen Gründer Daniel Benetka ist
“Freie Kräfte Leipzig”
lach (“Ace”) freudig über seine Teilnahme. Im Typen, die immer dabei (zusammen mit lokalen ten. Damals hatte er noch mit einem Bücherstand auch in Leipzig nie ein Wahlkreisbüro eröffnet – aus zwar eigentlich Profi-Footballer der Frankfurter
Thiazi-Forum (Ex-“Skadi”) outeten sich weitere sind, unter ihnen der verurteilte Schläger Christian NPD-Funktionären) und versuchten, BesucherIn- des Holocaustleugners David Irving zu schaffen. Sicherheitsbedenken, wie es aus NPD-Kreisen hieß. „Galaxy“, will seine Sport-Karriere jedoch bald
Nazis, an den Auseinandersetzungen beteiligt Trosse und der Ex-Connewitzer Istvan Repaczki. nen eines Filmabends gegen Rechts im Plagwiter Heute versucht er offensichtlich, jüngere LOK-Hools Inzwischen ist Schön – langjährig ein wichtiger beenden. Offenbar versucht er nun, als Betreiber
gewesen zu sein. Die älteren unter „Cineding“ einzuschüchtern. Ob ihnen diese Be- zu politisieren. Kader des Landesverbands eines Nazi-Ladens zu reüssieren. Sein Geschäft führt
NPD-Kreisverband
ihnen sind An- suche weiter Spaß machen, seitdem sie in Plagwitz Am Beispiel des und dessen stellvertre- bekannte Nazi-Marken wie „Thor Steinar“, aber
Am 13. Februar versammelten sich in Borna fang bis Mitte 20 von Antifas handgreiflich in die Flucht geschlagen Aufmarschs vom 8. Dezember wird schließlich auch tender Vorsitzender – aus der Partei ausgetreten auch „Walhall“, deren Inhaber Unterstützer der ver-
etwa 35 Nazis zu einem Trauermarsch anlässlich und waren meist wurden, bleibt abzuwarten. Nicht wenige von ihnen eine Besonderheit der Leipziger Nazi-Szene deutlich. und wird als Verräter geschasst. Dessen ungeachtet botenen Band “Landser” ist, sowie die bevorzugt in
des Jahrestages der Bombardierung Dresdens schon bei den versuchen sich außerdem im Umfeld von LOK Leip- Er wurde mit Absicht nirgends öffentlich beworben. organisierte der Kreisverband im letzten Jahr bei- rechten Hooligan-Kreisen getragenen Marken “Pro
durch die Alliierten. Radio Mephisto sprach Vorgänger- bzw. zig zu profilieren und lassen sich öfter bei Spielen se- In keinem Internetforum fand sich im Vorfeld ein nahe monatlich Info- und Schulungsveranstal- Violence” und “Brachial”. Wem das noch nicht reicht,
von 200 GegendemonstrantInnen, wegen denen Vorläufer-Grup- hen. Die meisten Aktiven der Freien Kräfte wohnen Hinweis auf die Veranstaltung - die Mobilisierung tungen. Als Referenten der kann auch Kapuzen-
Klamotten für die “Szene”
sich der Mini-Aufmarsch um mehrere Stunden pen „Freier Wid- im Leipziger Osten und in Lößnig. lief komplett intern. Auch wenn die Organisatoren wurden vor allem Kader shirts mit „88“-Aufdruck
verzögerte. Bei den TeilnehmerInnen handelte erstand Leipzig“ Nach wie vor am Start ist der LOK-Hool Ricardo das als Erfolg verbucht haben: Es ist ein klares aus der Landtagsfraktion gebucht – bis hin zum kaufen. Darauf hingewiesen, dass er da Naziklamot-
es sich um augescheinlich unorganisierte Dor- und „Jugendsturm Sturm. Er ist vor allem bei Handgreiflichkeiten im- Zeichen dafür, wie sie ihre Chancen einschätzen, Bombenleger Peter Naumann. Gerade dieser und ten verkaufe, reagierte Benetka lediglich damit,
fnazis. In Naziforen wurde die Anmeldung des Leipzig“ dabei. mer vorn dabei, zum Beispiel im Dezember 2005 vor ungestört in Leipzig marschieren zu können, wenn der kurz mach ihm eingeladene Ex-FAP-Chef Fried- die Inhaberschaft auf seine Lebensgefährtin, Lydia
Aufmarsches in Borna durch Peter Kühnel und Über diesen Kern dem Amtsgericht in der Bernhard-Göring-Straße. davon nur irgendetwas vorher bekannt wird. Und helm Busse wirken vor allem auf jüngere Nazis an- Naumann, zu übertragen. Darüber hinaus scheint
Mathias Wendt, die als “Freien Kräfte Borna” Bild: Ricardo Sturm hinaus gibt es Während seines Knastaufenthalts hat er sich dazu es zeigt, wie viele Leute die Delitzsch-Schkeu- ziehend. An diesen Abenden jedenfalls kamen mit 80 er recht enge Beziehungen zum bundesweit bedeu-
firmieren, kritisiert, schließlich trennt Borna
und Dresden nur eine reichliche Autostunde.

Am 17. Februar wollten die “Jungen Natio-


naldemokraten” in Riesa ihren “10. Eu-
ropäischen Kongress der Jugend” veranstalten. Robert Wilkens versucht sein Glück in Leipzig “Republikaner” gründen neuen Kreisverband in Leipzig
Geladen waren NPD-Parteiprominenz sowie
Delegationen aus mehreren europäischen Staat-
en. Die JN fand jedoch keine geeignete Lokalität
und musste den Kongress absagen.
S eit Herbst 2006 wohnt der Pirnaer Nazi Robert
Wilkens (20) in Leipzig. Samt Freundin (17)
und Kind zog er für sein Jura-Studium von Pirna-
Mai 2006 statt, als er versuchte, in Dresden eine
Tierschutz-Aktion im Rahmen eines Aktionstages
gegen den Pelzhandel bei Peek & Cloppenburg zu
A m 3. Februar gründete sich ein Kreisverband
der Republikaner in Leipzig. Die Gründungs-
veranstaltung fand in der Kneipe “Käfer” (Wurzner
Internetplattform hat er als Hobby die “Nouvelle
Droite” („Neue Rechte“) angegeben.
Als politisches Ziel wurde die Teilnahme an den
Schlierer, dem “Deutschlandpakt” zwischen NPD
und DVU zu entsagen, stattdessen will er die REPs als
“Rechtspartei” in Konkurrenz zur NPD profilieren.
Goes nach Grünau-Nord. Der Name Wilkens ist initiieren. Da dies im Vorfeld bekannt wurde, dis- Straße 99, Leipzig-Sellerhausen) statt, anwesend Stadtratswahlen 2009 formuliert. In einer Pressemit- Dies misslang jedoch: In Sachsen verzich-
In der Nacht vom 20. zum 21. Februar hinlänglich bekannt: in Pirna betrieb er zunächst tanzierte sich die “Offensive gegen die Pelzindustrie” waren rund ein Dutzend vorwiegend älterer Per- teilung hieß es: “Die Roten werden sehen mit wem tete die Partei schon 2004 auf einen Antritt zur
wurden zwei Wahlkreisbüros von SPD und den von ihm gegründeten “Berkana-Versand”, gab von Wilkens, der seine Aktion deswegen zeitversetzt sonen. Unter ihnen befanden sich der Bundes- Sie es zu tun bekommen [...] und es wird nur die lo- Landtagswahl, nachdem zahlreiche Mitglieder
Linkspartei in Grünau angegriffen und die das Fanzine “Der Stahlhelm” heraus und druckte mit Hilfe einschlägig bekannter Kameraden selber vorsitzende Rolf Schlierer, sein Stellvertreter Dirk gische Konsequenz sein das die Sozis bald eingestehen zur NPD überwechselten, inklusive der (mittler-
Scheiben eingeschlagen. Bereits im Oktober antisemitische Aufkleber. Zusammen mit anderen durchführen musste. Ein mitgeführtes Transpa- Hacaj, der niedersächsische Landesvorsitzende müssen daß ein starker Gegenwind von Rechts bläst.” weile verstorbenen) Landesvorsitzenden Kerstin
2006 kam es zu einem ähnlichen Angriff auf das Szenegrößen agierte er dann ab 2005 unter dem La- rent wies eine “Sozialrevolutionäre Aktion” und Christian Perband sowie der sächsische Landes- (Fehler im Original) Die Partei befände sich “im Lorenz. Seitdem baute die Partei beständig ab.
Linkspartei-Büro. Der Staatsschutz ermittelt. bel “Autonome Nationalisten” und war mit Karsten “Autonome Sozialisten” als Veranstalterinnen auf. vorsitzende Mathias Seifert. Gast war außerdem Aufschwung”, mit der Verbandsgründung würde der Der Leipziger Kreisverband ist aktuell der ein-
Scholz, der sich mittlerweile aus der Naziszene Einen Tag darauf wurde ein entsprechender “Ak- das Stadtratsmitglied Karl Heinz Obser, Landes- “stetig wachsende Mitgliederzahl” Rechnung getra- zige Kreisverband der Republikaner in Sachsen. •
zurückzog, an der wenig erfolgreichen Herausgabe tionsbericht” auf dem von Maik Müller (Freie Kräfte vorsitzender der Deutschen Sozialen Union (DSU), gen.
der “Schülerzeitung in’vers” beteiligt. Dresden) betriebenen Internetportal “Freie Offen- die sich als Auffangbecken für ehemalige NPD-Mit- Das ist allerdings wenig
Schon 2004 zählte er zum Dunstkreis der ver- sive” veröffentlicht. glieder – Klaus Beier und Jürgen Schön sitzen nach glaubhaft: Zwar führten die REPs
botenen “Skinheads Sächsische Schweiz” (SSS). Die Aneignung vermeintlich “linker” Themen ihrem Ausscheiden aus der NPD für die DSU im bei der Bundestagswahl 2005 in
Bei mehreren handfesten Aktionen war er dabei, gehört dabei zur Taktik von Wilkens. Schon früher sächsischen Landtag – empfiehlt. Sachsen durch auffällige Plaka-
bspw. an Störaktionen der “Freien Kräfte Dresden” nahm er an bürgerlichen Anti-Nazi-Veranstaltungen Zum REP-Kreisvorsitzenden wurde Toralf Grau tierungen einen sichtbaren Wahl-
im Juni 2005 gegen zwei Bürgerveranstaltungen im teil und suchte das Gespräch mit Linken. Im Inter- (21, Schüler der Leipziger Rahn-Schule) gewählt, kampf, erreichten bundesweit aber
Japanischen Palais und in der Kunsthofpassage in netportal “StudiVZ” gibt er als politische Richtung Stellvertreter ist Michael Weidnitzer (22, Jura-Stu- nur 0,6%, womit sie immerhin in
Dresden, wobei die zweite Aktion in einer mittleren “links” an. Anfang 2007 baute Wilkens seine Quer- dent der Universität Halle). Zum Schriftführer ist Genuss staatlicher Wahlkamp-
Straßenschlacht zu Ungunsten der Nazis endete. front-Ambitionen weiter aus, indem er Kontakt zur Alexander Wilhelm Schmidt (17), zugleich fkostenerstattung kamen. Im
Zwar profilierte sich Wilkens durch solche Aktionen trotzkistischen Politsekte “One Solution Revolution” “Landesjugendbeauftragter” der REPs, bestimmt sächsischen Verfassungsschutz-
als Protagonist der “Autonomen Nationalisten”, doch in Berlin aufnahm. Er selbst betrachtet sich als Teil worden. Er besucht zur Zeit die 11. Klasse an der bericht für das Jahr 2005 wurde
an einem NPD-Infostand beteiligte er sich trotz- des “ultralinken Flügels des nationalen Wider- Leipziger Nikolaischule und ist gewählter Sprecher die Mitgliederzahl des hiesigen
dem. stands” – ist also trotz Ortswechsels und Abstinenz des StadtschülerInnenrates, was mittlerweile zu Landesverbandes auf nur noch 30 geschätzt, Tendenz
Bild: Robert Wilkens Wilkens’ vorerst letzte Aktion fand am 27. von eindeutigen Nazi-Aktivitäten kein Aussteiger. • Protesten anderer Jugendverbände führte. Auf einer fallend. Grund ist die Linie des Bundesvorsitzenden Bilder: Toralf Grau (l.), Alexander W. Schmidt (r.)

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Nazistrukturen in Leipzig – Ein Überblick (Forts.) ein Online-Shop. Und dass dessen Betreiber Matthi- terrorisiert hatten. Als diese anfingen, dagegen zu
as Eichler ebenfalls gute Kontakte zu Persdorf hat, ist protestieren, begannen die Nazis, sie zu schikani-
tenden Naziversand „Front Records“ und dessen augenfällig: auch er nutzt dieselbe Fax-Nummer wie eren und zu bedrohen. In Fernsehbeiträgen
Inhaber Thomas Persdorf zu unterhalten. Die „Un- „Protexdruck“ und „Untergrund“. posierten sie schwarzgekleidet und vermummt.
tergrund“-Website bewirbt zum Beispiel Persdorfs Jenseits von Strukturen und Organisationen Aber auch in anderen Stadtteilen gibt es
„Protexdruck“, und die Fax-Nummer, unter der man gibt es in Leipzig nach wie vor eine in ihrem Umfang Wohngemeinschaften von Nazis und Cliquen,
bei Benetka bestellen kann, ist eine mit Wurzner schwer überschaubare Zahl von Nazicliquen, die in die sich in ihren Stammkneipen treffen, ohne
Vorwahl: Persdorfs Büro. In diesem Zusammen- den einzelnen Stadtteilen ihr Unwesen treiben. Die gleich eine Kameradschaft zu gründen. Nazis
hang ergibt auch Sinn, dass vor dem Laden ab und Kombo in der Lindenauer Guthsmutsstraße hat es bleiben sie trotzdem, auch wenn sie kein Trans-
an schwarze BMWs mit Aufklebern des Leipziger immerhin in die Bild-Zeitung und ins Fernsehen pi mit einem Gruppennamen bedrucken lassen. Wer
„Kampfsportclubs Germania“ stehen. Denn diesem geschafft und zur Gründung eines Bürgerbündnisses mal ein paar mehr auf einem Haufen sehen will, kann
werden gute Verbindungen zur Wurzner „Fighting gegen Rechtsextremismus geführt. Aufgefallen waren sich gern einschlägige Veranstaltungen wie die Klein-
Fellas Brotherhood“ nachgesagt. Auf deren Website sie, weil sie mit ihrem Parolengebrülle während messe antun oder lasse sich von der Antifa seines
wiederum („gewalttaetersport.de“) findet sich auch ihrer regelmäßigen Wohnungsparties die Nachbarn Vertrauens die bereits bekannten Adressen geben. •

TERMINE Review: “Trauermarsch” am 13. Februar in Dresden


3. März: Aufmarsch in Halbe zum „Tag der Ehre“.
Nachdem der traditionelle Trauermarsch im
November nach Seelow verlegt werden musste,
A m 13.02. veranstalteten Nazis in Dresden
ihren traditionellen “Trauermarsch” anlässlich
der Bombardierung der Stadt durch die Alliierten.
der “Freien” sollte der diesjährige Aufmarsch “un-
politischer” gestaltet werden. Insbesondere wurde
Anstoß genommen an der NPD-Dominanz in
soll das „Heldengedenken“ künftig nur noch Anmelder war Ronny Thomas, der mittlerweile den vergangenen Jahren, die u.a. dazu führte, dass
im März stattfinden. Derzeit läuft ein Rechts- von Dresden nach München verzogen ist. Der die NPD vor zwei Jahren als “Schirmherrin” des
streit um ein mögliches Verbot. Aufmarsch fand diesmal an einem Wochentag statt, Marsches auftrat. Neu war die Garnierung des Da-
Antifa-Gegenaktionen: http://redhalbe.de.vu nach Polizeizählungen nahmen 1.500 Personen teil; tums mit einer “Aktionswoche”, die zu “kreativen
seitens der Nazis wird mit Zahlen bis 3.000 hantiert. Aktionen” in Dresden und anderen Städten aufrief.
3. März: „Gedenkmarsch“ von Kamerad- Der Aufmarsch selbst kann als Misserfolg gewertet Nennenswert ist in diesem Zusammenhang
schaftlern in Chemnitz anlässlich der Jährung werden: er begann mit zweieinhalbstündiger Ver- lediglich der Nazi-Angriff auf das AZ Conni in der
der Bombenangriffe der Alliierten auf die Stadt. spätung – Treffpunkt war 18 Uhr hinter der Semper- Dresdner Neustadt am Abend des 12. Februar. 20
Es handelt sich möglicherweise um eine Ersatz- oper – und musste auf die Hälfte der ursprünglich Vermummte bewarfen das Gebäude mit Eiern und
veranstaltung, falls Halbe verboten bleibt. geplanten Route verzichten. Grund waren nicht nur Steinen und befestigten am Eingangstor ein mit der
die rigiden Personenkontrollen, sondern eine An- URL des Nazi-Aktionsbündnisses unterzeichnetes
Bis 22. April ist noch die Ausstellung „Flucht, tifa-Blockade im Bereich Terrassenufer/Steinstraße. Transpi, vor dem sie sich fotografierten. Verletzt
Vertreibung, Integration“ im Zeitgeschichtli- Durch den hektischen Polizeieinsatz gelangten auch wurde niemand, der Sachschaden begrenzt sich auf
chen Forum zu sehen. Am 27.03. startet eine viele BürgerInnen nicht zu “ihrem” Gedenken. zwei zerbrochene Scheiben.
Veranstaltungsreihe, die sich kritisch mit der Schon im Vorfeld gab es Querelen: Auf Wunsch Die Polizei traf nach 30 Minuten ein. •
Ausstellung auseinandersetzen soll:
http://www.stura.uni-leipzig.de/~vertreibung/
Worch bricht Wort: Kein Erster Mai 2007 in Leipzig

REDAKTIONELLES D er diesjährige 1. Mai hält eine Überraschung


parat: Worch kommt nicht nach Leipzig. Nach
dem desaströsen 1. Mai 2006 wurden die Versuche,
nicht in die Planungen einbezogen worden zu sein
und drohte mit der Veranstaltung eines eigenen
Aufmarsches in Sachsen, woraufhin der Aufruf um-
GAMMA ist ein antifaschistischer Newsflyer. Er einen “zentralen” Aufmarsch am “Tag der Arbeit” zu geschrieben wurde. Fraglich ist außerdem, wie lange
wird von AntifaschistInnen nach Bedarf heraus- etablieren, eingestellt. Statt dessen wird es mehrere Protagonisten der Kameradschaften wie Christian
gegeben und informiert über Nazistrukturen und regionale Aufmärsche geben, so u.a. in Dortmund, Worch und Thomas Gerlach die NPD-lastige Organi-
-aktionen in Leipzig und dem näheren Umland. Berlin, Neubrandenburg und Erfurt. Ungewöhnlich sation der Demo mitzutragen bereit sind. Bereits
ist, dass es sich bei allen Anmeldungen um Demons nach dem 13. Februar äußerten Nazis Unmut über
Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 26.02.2007
handelt, die von NPD und Kameradschaften ge- die mäßige Kooperation von NPD und “Freien”.
Kontakt-Adresse: recherche-leipzig@lycos.com meinsam organisiert werden. Das Ausweichen ins Bundesland Thüringen
In Erfurt soll der “mitteldeutsche Aufmarsch” möchten Worch und Gerlach unterdessen nicht als
stattfinden, an dem sich auch Christian Worch Flucht vor militanten Antifa-Aktionen oder ein “Auf-
beteiligen will. Anmelder ist Ralf Wohlleben (stel- geben” Leipzigs verstanden wissen. Einerseits wolle
FREIHEIT FÜR MATTI! lverstretender Landesvorsitztender NPD-Thüring- man Leipzig “kreativ bearbeiten”, womit vermutlich
en), die von den Nazis präferierte Route führt direkt weitere Aktionen im Stile der “Spontandemo” in
Seit 12. Dezember sitzt unser Genosse Matti
durch die Innenstadt. Inhaltlich soll der Aufmarsch Leipzig-Gohlis vom 8. Dezember 2006 gemeint sind.
aus Berlin in U-Haft. Ihm wird “versuchter Tot-
schlag” vorgeworfen, weil er an einer tätlichen an die “Antikapitalismus-Kampagne” anknüpfen. Im Andererseits plane man bereits an einem Aufmarsch
Auseinandersetzung mit zwei Nazis beteiligt Aufruf heißt es außerdem: “Die Demonstration wird in Leipzig mit bundesweiter Beteiligung in der
gewesen sein soll. neben anderen Aktionen zum 1. Mai der Auftakt einer zweiten Jahreshälfte, wobei es sich nicht um den 3.
www.freiheitfuermatti.com deutschlandweiten NPD - Kampagne gegen den G 8- Oktober handeln soll, da dieser (wie der 1. Mai) ein
Spendenkonto: Gipfel vom 6. - 8. Juni 2007 in Heiligendam sein”. Wochentag ist. Denkbar ist beispielsweise der 1. Sep-
Rote Hilfe Berlin Kto.: 7189590600, Allerdings ist der Burgfrieden unter den ver- tember, der auf einen Samstag fällt – wie schon 2001,
BLZ: 10020000, Stichw.: 12.12.2006 schiedenen Naziströmungen keineswegs gesichert. als die Nazis nur wenige hundert Meter weit kamen. •
Zwischenzeitlich monierte die sächsische NPD, Mehr Infos: http://left-action.de/antifa/