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Baustatik I (WS 2017/2018)

2. Statisch bestimmte und statisch


unbestimmte Systeme

2.2 Gegenüberstellungen von statisch bestimmten und


statisch unbestimmten Systemen

LEHRSTUHL FÜR BAUSTATIK 1 UNIVERSITÄT SIEGEN


Gegenüberstellungen
Statisch bestimmtes System Statisch unbestimmtes System
p p

• Schnittgrößen sind aus • Schnittgrößen können nicht aus


Gleichgewicht allein bestimmbar. Gleichgewicht allein bestimmt
• Kinematik und Werkstoff haben werden.
Schnittgrößen keinen Einfluss auf die • Kinematik und Werkstoff haben
Schnittgrößen. Einfluss auf die Schnittgrößen.
• Schnittgrößen hängen nicht von der • Schnittgrößen hängen von der
Steifigkeit EI ab. Steifigkeit EI ab.

wmax
wmax
4
5 pl pl 4
Verformungen wmax  wmax 
384 EI 384 EI
• Größer • Kleiner

Verformungs- • Kein Zwang (keine zusätzlichen • Zwang (zusätzliche Schnittgrößen


lastfälle Schnittgrößen bzw. Spannungen). bzw. Spannungen).

LEHRSTUHL FÜR BAUSTATIK 2 UNIVERSITÄT SIEGEN


Gegenüberstellungen
Statisch bestimmtes System Statisch unbestimmtes System
(Fortsetzung) p p

Noch tragfähig!
Kinematisch!
Sicherheit • Versagen an einer Stelle = Versagen • Versagen an einer Stelle ≠ Versagen
des Systems. des Systems. System hat noch
• Kleinere Sicherheit. Tragreserven.
• Größere Sicherheit.

Bemerkungen:
Zwang bei statisch unbestimmten Systemen führt zu zusätzlicher Beanspruchung
und ist unerwünscht. Zwang kann z.B. bei Stahlbeton und Mauerwerken zur
Rissbildung führen (Temperatur, Kriechen, Schwinden als Verformungslastfälle)!

LEHRSTUHL FÜR BAUSTATIK 3 UNIVERSITÄT SIEGEN


UNIVERSITÄT SIEGEN Eigenschaften von statisch Baustatik I
Lehrstuhl für Baustatik bestimmten/unbestimmten Arbeitsblatt
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Ch. Zhang Systemen

Eigenschaften von statisch bestimmten und unbestimmten Systemen


Die Kenntnis der Vor- und Nachteile von statisch bestimmten und statisch unbestimmten
Systemen ist für die Planung von Tragwerken von großer Bedeutung.

Statisch bestimmte Systeme:

Vorteil:
Der Lastfall Temperatur (gleichmäßig und ungleichmäßig) hat zwar eine Verformung des
Tragwerks zur Folge, allerdings werden durch diesen Lastfall keine Schnittgrößen
hervorgerufen.
Aus eingeprägten Lagerverschiebungen (Setzungen des Baugrundes) resultieren ebenfalls
keine Schnittgrößen.
Aufgrund von Herstellungsungenauigkeiten (Mängel/Imperfektionen) einzelner Tragelemente
entstehen beim Zusammensetzen des Tragwerks keine Zwangskräfte und somit keine
Schnittgrößenverläufe.

Nachteil:
Das Versagen eines Bauteils, z. B. eines Stabes oder der Ausfall eines Auflagers führt zum
kompletten Verlust der Tragfähigkeit. Das System wird kinematisch und fällt in sich
zusammen.

Statisch unbestimmte Systeme:

Unterteilung in zwei Gruppen:


 Allgemein statisch unbestimmte Systeme
 und innerlich statisch unbestimmte Systeme, die aber von den Auflagerreaktionen
statisch bestimmt sind.

a  3  2  3 1  2
aa  3  3  0
ai  2  3  1  1  2

Dargestellt ist ein zweifach innerlich statisch unbestimmtes System, dass mit drei
möglichen Auflagerreaktionen aber statisch bestimmt gelagert ist. Der Vorteil einer
solchen Lagerung ist, dass diese Tragwerke unempfindlich gegen Baugrundsetzungen
sind. Somit haben eingeprägte Lagerverschiebungen keine Schnittgrößenverläufe zur
Folge.

Vorteil:
Statisch unbestimmte Systeme besitzen eine größere Sicherheit gegen Versagen. Der Ausfall
einzelner Tragwerksteile führt in der Regel nicht zum Totalversagen des Tragwerks.

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UNIVERSITÄT SIEGEN Eigenschaften von statisch Baustatik I
Lehrstuhl für Baustatik bestimmten/unbestimmten Arbeitsblatt
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Ch. Zhang Systemen

Nachteil:
Bei einem statisch unbestimmten System sollte immer berücksichtigt werden, dass
Herstellungsungenauigkeiten (Imperfektionen), der Lastfall Temperatur (gleichmäßig und
ungleichmäßig) und der Lastfall Lagerverschiebung Schnittgrößen zur Folge haben.
Aus diesem Grund sind solche Einwirkungen bei der Planung zu berücksichtigen, um die
Bemessung eines Tragwerks für alle auftretenden Lastfälle durchführen zu können.
Schadensfälle resultieren häufig aus der nicht Berücksichtigung dieser Lastfälle.

Literatur:

Hirschfeld, K.: Baustatik – Theorie und Beispiele. 4. Auflage. Springer-Verlag, 1998.

Franke, W., Kunow, T.: Kleines Einmaleins der Baustatik. Wissenswertes für Neu- und
Wiederlerner, kassel university press, 2007.