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Herbert Kopp-Oberstebrink, Thorsten Palzhoff, Martin Treml (Hrsg.)

Jacob Taubes —Carl Schmitt

Briefwechsel mit Materialien

Wilhelm Fink

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© 2012 Wilhelm Fink Verlag, München (Wilhelm Fink GmbH & Co. Verlags-KG, Jühenplatz 1, D-33098 Paderborn)

Internet: www.fink.de

Einbandgestaltung: Evelyn Ziegler, München Herstellung: Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG, Paderborn Printed in Germany

ISBN 978-3-7705-4706-7

INHA lTSVERZEICHNIS

Vorbemerkung der H erausgeber

7

 

K orrespondenzen und T exte

Briefe

Jacob Taubes - Carl Schmitt 1 9 5 5 - 1980

19

Briefe an Dritte und Vierte / Briefe von Dritten und Vierten 1948 - 1987

115

Texte von Jacob Taubes zu Carl Schmitt und zur Politischen T heologie

209

Eintragungen in das Gästebuch der Familie Möhler 1958-1977

265

Abbildungen

268

 

Anhang

Martin Treml: Paulinische Feindschaft. Korrespondenzen von Jacob Taubes und Carl Schmitt

273

Z eittafel

305

Abbildungsnachweis

312

Verzeichnis der Briefe und T exte

313

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis

317

Personenregister.

321

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Die hier veröffentlichten Korrespondenzen und Texte von Jacob dau­ bes, Carl Schmitt, Dritten und Vierten - Kollegen, Schülern, Freun­ den, mit denen sie oft jahrelang in engem Austausch und lebhaftem Gespräch standen - werden von wenigen Ausnahmen abgesehen und vollständig zum ersten Mal publiziert. Zwar konnte seit fast zwanzig Jahren, seit dem Erscheinen des Verzeichnisses des Nachlasses von Schmitt (vgl. van Laak/Villinger), jedem, der es wissen wollte, nicht lange verborgen bleiben, dass er und Taubes Briefe gewechselt hatten und davon einige erhalten sind. Doch liegt mit einer Ausnahme (vgl. Brief 15) keiner davon bisher der Öffentlichkeit vor, und dieser eine Brief ist durch den Zufall einer schadhaften Kopie bei der Erstpublika­ tion 1987 um ein Jahr falsch datiert worden. Auch gibt es einige weni­ ge Arbeiten, vor allem von Reinhard Mehring, dem Biographen Schmitts, in denen Einzelheiten aus der Korrespondenz diskutiert und kontextualisiert werden, sonst herrscht Rumor. Den Gerüchten und Vermutungen abzuhelfen, ist eines der Ziele der vorliegenden Edition, wenn auch nicht das hauptsächliche. Neben der eben erwähnten Négligeance machten wir, wenn wir Tei­ le des Materials in Vorträgen in Deutschland, den USA oder Israel vor­ gestellt hatten, auch die Erfahrung, dass die Zuhörer neben Neugier off mit verklärender Überhöhung, aber auch heftiger Abwehr auf das Ge­ botene reagierten. Den stärksten Grund dafür zu benennen, fallt nicht schwer. Er muss darin erblickt werden, dass beide Korrespondenten als Persönlichkeiten intellektuell und moralisch umstritten - darum aber auch für viele besonders attraktiv - sind: Schmitt durch die (wiewohl komplizierten) Einlassungen in den Nationalsozialismus, Taubes durch die schiere Lebensführung. Doch kann auch vermutet werden, dass der kontingente Umstand der Überlieferung selbst der beschriebenen Situ­ ation Vorschub geleistet hat. Dass von den insgesamt 50 erhaltenen

bzw. bisher aufgefundenen und - mit einer nicht entzifferbaren Aus­ nahme - hier veröffentlichten Briefen und Briefentwürfen fast genau zwei Drittel an einem Ort liegen, nämlich im Nachlass von Schmitt, der sich im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf befindet, hat eher ungünstig gewirkt. Dort finden sich fast ausschließ­ lich Schreiben von Taubes, während die von Schmitt verfassten lange als verloren oder zumindest verschollen gelten mussten. Doch erst sie er­ öffnen das Gespräch, machen die Gegenstände wirklich deutlich, wei­ sen schließlich zusammen mit denen aus der Hand von Taubes über den engen Dialog hinaus. Geht man vom Befund in Düsseldorf aus, so musste Taubes als ein Appelant an Schmitt wirken, der isoliert an ihn herantrat, um Fragen abzuarbeiten, sich Unterstützung von einem klu­ gen Außenseiter zu holen oder um für jenen als eine Form jüdisches „gutes Gewissens“ zu wirken. Darum hat das Vorhaben, die zwischen Taubes und Schmitt gewechselten Schreiben zu publizieren, erst dann wirklich Gestalt annehmen können, als auch diejenigen von Schmitt verfassten aufgefunden wurden. Seit Sommer 2004 befindet sich im Zentrum für Literatur- und Kul- turforschung Berlin (ZfL) eine Sammlung von über tausend Schreiben von und an Taubes sowie ein ausgedehnter Bestand weiterer Dokumen­ te. Sie stellt weltweit die einzige Sammlung ihrer Art dar und soll die Basis einer zukünftigen Jacob Taubes Briefausgabe bilden. Dass sich diese Sammlung über Jahrzehnte erhalten hat, ist insbesondere der Ini­ tiative einer Mitarbeiterin von Taubes zu verdanken. Ina-Maria Gum- bel, später Sekretärin an der FU Berlin, hatte schon in Studienjahren für ihn gelegentlich Schreibarbeiten erledigt und wusste also von der Existenz zahlreicher Ordner und Mappen, in denen Taubes als Insti­ tutsleiter seine offizielle Post hatte ablegen lassen, freilich unter Beigabe privater Briefe, Karten, Telegramme, Aerogramme, Notizzettel. Dieser im Laufe vieler Jahre aus dem akademischen Alltagsgeschäft entstande­ ne Bestand hatte sich Schicht um Schicht angelagert und zum materia­ lisierten Gedächtnis eines bewegten Gelehrtenlebens zwischen den Disziplinen sedimentiert. Nach Taubes’ Tod erschien diese Hinterlas­ senschaft unter den Bedingungen der institutionellen Nachfolge als vom Reißwolf bedroht. Zur Abwendung des drohenden Erinnerungs­ verlustes durch die Unwiederbringlichkeit des Materials packte Gumbel Ordner und Mappen in Umzugskartons und verstaute sie in einem Ab­ stellraum der Villa in der Thielallee 43 in Berlin-Dahlem, dem ehe­

maligen Institut für Hermeneutik. Dort lagerten sie lange, um auf Ver­ mittlung der Kinder, Tania und Ethan Taubes, schließlich nach Berlin-Mitte zu gelangen. In den Ordnern und Mappen konnten neben vielem, was zur intel­ lektuellen Geschichte der Bundesrepublik der 1960er bis frühen 1980er Jahre entscheidend beiträgt, auch die fehlenden Briefe Schmitts aufge­ funden werden. Weiteres wurde durch intensive Recherche in anderen Briefschaffen und Nachlässen wie denen von Hans Blumenberg, Ro­ man Schnur oder Siegfried Unseld ergänzt oder von Korrespondenz­ partnern wie Ernst-Wolfgang Böckenfbrde, Wolfgang Fietkau, Hans- Dietrich Sander, Piet Tommissen - um die für den Zusammenhang hier wichtigsten zu nennen - zur Verfügung gestellt. Sie bilden nicht nur ein Netzwerk von Projektemachern für Zeitschriften, Konferenzen, Arbeitstreffen —wobei von Taubes’ Vorhaben oft nur wenige reüssierten und die meisten scheiterten -, sondern auch von Diskussionszusam­ menhängen, die entlang wichtiger konfliktuöser Linien verlaufen. Durch sie oder auch das von ihnen konstellierte Netz wird erkennbar, was die Bundesrepublik (nicht nur) dieser Jahre umgetrieben hat: die offenen Fragen der Nachwirkungen des Nationalsozialismus ebenso wie das Verhältnis zu Juden in- und außerhalb Deutschlands. Das philolo­ gisch nachzuzeichnen, ist das wichtigste Anliegen des vorliegenden Bandes. Darum wurden die zwischen Taubes und Schmitt gewechselten Schreiben für den vorliegenden Band ergänzt: einmal um Briefe von oder an Dritte und Vierte, die an Gesprächen oder Unternehmungen wie Tagungen etc. beteiligt waren oder um die —wie im Fall des SPD- Politikers Peter Glotz in seiner damaligen Eigenschaft als Wissenschafts­ senator für (West-)Berlin - geworben wurde, zum anderen um Texte, die Taubes selbst über Schmitt und das Problem der politischen Theo­ logie veröffentlich hat —auch wenn einige von ihnen bereits bekannt sind - , schließlich um das heute altmodisch wirkende Genre der Eintra­ gungen in ein Gästebuch, von Frau Möhler freundlicherweise zur Ver­ fügung gestellt. Einiges mag noch unentdeckt sein, doch das Ergebnis langjähriger Arbeit und Bemühungen ist der vorliegende Band.

E d it o r is c h f .

P r in z ip ie n

Zur Gestalt der Texte:

Alle hier aufgenommenen Texte von Taubes, Schmitt oder Dritten werden ohne Auslassungen wiedergegeben. Streichungen werden nur in den wenigen Ausnahmefällen mitgeteilt, in denen sie signifikante Varianten bezeugen. Die Angaben zur Textüberlieferung weisen vor allem im Falle von Schmitt zwar auf vorhandene Entwürfe zu Briefen hin; die Entwürfe selber werden aber nur dann ausnahmsweise mit­ geteilt, wenn sie substantiell andere Lesarten als die tatsächlich versandten Schreiben aufweisen. In diesen wenigen Fällen wird auf die chronologische Darbietung der Texte verzichtet; es erfolgt zuerst die Wiedergabe des tatsächlich verschickten Schreibens und erst im Anschluss daran, gleichsam als Material dazu, der Entwurf. Analog verfahren die Herausgeber dort, wo ein Briefentwurf zwar in die Nähe einer Endfassung gediehenen ist, aber nicht versandt wurde, und zugleich eine der Mitteilung würdige Vorstufe existiert. Bei bereits veröffentlichten Schriftstücken haben sich die Herausge­ ber bemüht, erste Textfassungen darzubieten, und nicht geglättete, zur Publikation überarbeitete, ln einem Falle des Artikels „Carl Schmitt - Ein Apokalyptiker der Gegenrevolution“ (vgl. Text VII) gelang es, eine Fassung letzter Hand zu etablieren, die Überarbeitungen und Korrektu­ ren von Taubes aufweist, die nicht mehr in die seinerzeit publizierte Fas­ sung gelangten. Schreibweisen, Schreibungen oder Schreibstile in den Briefen oder anderen Texten wurden nicht normiert oder in irgendeiner Weise ver­ einheitlicht, sondern stets in ihrem Wortlaut belassen. So findet sich in den Briefen, die Taubes eigenhändig verfasst hat, das in der Schweiz da­ mals wie heute übliche „Doppel-s“, daneben aber in Schreiben, die während seiner Zeit an der FU von Mitarbeitern mit der Schreibma­ schine abgetippt wurden, das im Deutschland jener Zeit gebotene „ß“. Die Herausgeber folgen auch hinsichtlich von Groß- und Klein- sowie Zusammen- und Getrenntschreibung den Originalen; das gilt ebenso für die verschiedenen Arten von Anführungszeichen: Taubes verwandte durchweg die im Englischen und Amerikanischen üblichen hochge­ stellten, Schmitt dagegen deutsche Guillemets. Solche Eigenheiten des individuellen Stils verdanken sich kulturellen Prägungen, die in der vor­

liegenden Edition nicht zugunsten von Normierung verschliffen wer­ den. In den wenigen Fällen überflüssig und sinnentstellend gesetzter Satz­ zeichen (etwa zwischen Satzsubjekt und -prädikat) werden diese still­ schweigend getilgt. Fehlende Satzzeichen sind nur dann im Dienste besserer Lesbarkeit ohne Nachweis ergänzt, wenn Aufzählungen zwar mit ihnen beginnen, sie aber nicht fortführen, oder wenn untergeord­ nete Sätze oder Satzteile mit einem Komma anheben, aber nicht ge­ schlossen werden. Dasselbe gilt auch im umgekehrten Falle, wenn am Beginn untergeordneter Sätze das Komma fehlt, an ihrem Ende aber ei­ nes steht. Satzenden sind nur dort stillschweigend mit einem Schluss­ punkt vervollständigt, wo der Folgesatz mit einem Großbuchstaben be­ ginnt und damit der Satzschluss klar indiziert ist. Runde Klammern, die geöffnet, jedoch nicht geschlossen, oder nicht geöffnet, aber ge­ schlossen wurden, sind in eckigen Klammern ergänzt. Ganz offenkun­ dige und eindeutige Schreibfehler wurden stillschweigend korrigiert, in sämtlichen Zweifelsfällen, die keine eindeutige Lesart zuließen, ist die Korrektur ausgewiesen. Auch alle sonstigen erforderlichen Ergänzungen durch die Herausge­ ber, wie etwa eingefügte Worte oder Wortteile, stehen in eckigen Klam­ mern. Abkürzungen, auch ungebräuchliche und insbesondere solche von Namen, die Taubes gleichsam als Signaturen verwendet (etwa C. S. für Carl Schmitt), sind nicht ergänzt; sie werden erforderlichenfalls im Kommentar aufgelöst. Unterstreichungen in den Manuskripten werden als solche wiederge­ geben. Falsche Datumsangaben werden im Brieftext zwar korrigiert, ihre Rektifizierung aber und die falsche Schreibung in den Erläuterungen ausgewiesen. Fehler in Zitaten dagegen sind im Brieftext belassen, wer­ den aber in den Anmerkungen korrekt angegeben. Es wurden sämtliche Zitate in den Brieftexten anhand der entsprechenden Buchausgaben überprüft.

Überlieferung:

In knapper Form werden zuerst das Original des jeweiligen Textes aus­ gewiesen, das in den meisten Fällen zugleich die Druckvorlage ist, sodann sein Fundort und danach weitere Transkriptionen, Kopien, Abschriften, soweit sie den Herausgebern in Archiven und Nachlässen bekannt geworden sind. Erforderlichenfalls werden kurze Hinweise zur Uberlieferungsgeschichte der Briefe gegeben, etwaige Erstdrucke nachgewiesen und den Schreiben beigelegte Schriftstücke wie Zei­ tungsartikel etc. verzeichnet. Wurden Entwürfe zu Briefen aufgefun­ den, so sind diese samt ihren Fundorten angegeben.

Erläuterungen und Eierausgeber-Kommentare:

Zugunsten der besseren Lesbarkeit der Briefe wurde auf ein Verweis­ system von Anmerkungsziffern und Anmerkungen verzichtet, das oft in Editionen Verwendung findet. Die möglichst knapp gehaltenen Erläuterungen und Kommentare der Herausgeber finden sich im Anschluss an die jeweiligen Briefe, ihr Bezug zu den Briefstellen wird über Lemmata hergestellt. Jegliche Herausgeber-Rede ist in Kursiv­ schrift gehalten, sämtliche Zitate aus Publikationen, Briefen oder sonstigen Dokumenten sowie bibliographische Angaben sind dagegen recte gesetzt. Die Lemmata am jeweiligen Ende der Briefe geben bib­ liographische Nachweise, Erläuterungen zu Personen (sofern es sich nicht um allgemein bekannte Größen der Geistesgeschichte handelt; entsprechend wird etwa Roman Schnur, nicht aber Ernst Troeltsch erläutert), Hinweise zu Sachzusammenhängen, weiterfuhrende Zitate vor allem aus nicht leicht zugänglicher Literatur und Übersetzungen fremdsprachiger Worte, Wendungen oder Satzteile. Dabei wird Lite­ ratur anhand von Ausgaben nachgewiesen, die Taubes und Schmitt benutzt haben oder zumindest benutzt haben können. Der biblio­ graphische Nachweis bei der Ersterwähnung einer Monographie, eines Sammelwerkes oder Zeitschriftenaufsatzes ist immer vollstän­ dig; bei weiteren Hinweisen auf dieselbe Publikation an späterer Stelle steht ein Kurztitel sowie der Rückverweis auf den ersten Nachweis. Dabei bezieht sich die Angabe „wie oben“ / „wie oben, Anm.“ auf einen Verweis im selben Brief. Ist ein- und dieselbe Publikation in

direkter Folge mehrfach nachzuweisen, so geschieht dies durch die Abkürzung „ebd.“. Sämtliche weiteren, von den Herausgebern ver­ wendeten Abkürzungen und Siglen können über das entsprechende Verzeichnis erschlossen werden. Wo immer möglich werden im Sinne eines materialen Kommentars auch weiterführende Textzeugen aus Archiven und Bibliotheken wie Briefe, Vorlesungsverzeichnisse, Semi­ narprotokolle etc. hinzugezogen, die in den Briefen Erwähntes zu kontextualisieren helfen. Im Falle der im dritten Teil des Bandes beigegebenen Texte von Jacob Taubes zu Carl Schmitt und der politischen Theologie haben die Her­ ausgeber auf Sacherläuterungen aller Art verzichtet. Die Texte selbst sollen hier vor allem als Material zu den Korrespondenzen verstanden werden. Die Lemmata geben auch handschriftliche Zusätze und Glossen des Briefempfängers und deren jeweiligen Ort auf der Seite wieder. So hat Carl Schmitt die empfangenen Briefe mit Anmerkungen und Hinwei­ sen versehen, oft auch mit Entwürfen seiner Antwort hauptsächlich in der von ihm für den eigenen Gebrauch verwendeten Abwandlung der Gabelsberger Kurzschrift. Unterstreichungen, die der jeweilige Brief­ empfänger vorgenommen hat, werden nicht mitgeteilt. Wenn nicht anders angegeben, werden Bibelstellen nach der 1984 revidierten Übersetzung von Martin Luther wiedergegeben.

Personenregister

Aufgenommen sind alle im Abschnitt Korrespondenzen und Texte vor­ kommenden Namen, ebenso diejenigen, die sich in der Überlieferungs­ zeile und den Kommentaren der Hg. finden, sofern sie nicht Bestandteil bibliographischer Angaben sind. Verwandte von JT sowie die Tochter und der Schwiegersohn von CSch sind unter ihren Namen auch dann aufgenommen worden, wenn sie nur indirekt genannt werden.

DANK

Die lange Arbeit an dieser Edition wäre nicht möglich gewesen ohne die Geduld und den Zuspruch, die finanzielle Förderung und die prak­

tische Hilfe vieler. Der Dank der Herausgeber richtet sich zuvörderst an Ethan und Tania Taubes (New York), die Kinder und Rechte­ inhaber am Nachlass von Jacob Taubes, sowie an Jürgen Becker (Mün­ chen), den Testamentsvollstrecker des Nachlasses von Carl Schmitt, für die großzügige Erlaubnis zum Abdruck der entsprechenden Texte und die stete Bereitschaft zu helfen, dann auch an diejenigen, die es gestattet und dazu beigetragen haben, dass Schreiben von ihnen hier aufgenommen werden konnten, zu deren Erschließung sie auch wesentlich beitrugen: Ernst-Wolfgang Böckenförde (Freiburg), Wolf­ gang Fietkau (Mülheim), Hans-Dietrich Sander (Fürstenwalde) und Piet Tommissen (t). Sehr zu danken für die Genehmigung von Abdruckrechten ist in diesem Zusammenhang auch den Nachlassver­ waltern von Hans-Joachim Arndt, Thor von Waldstein und Volker Beismann, dem Verwalter des Nachlasses von Siegfried Unseld, Rai­ mund Fellinger (Berlin), sowie Edith Möhler (Ottobrunn bei Mün­ chen), der Witwe Armin Möhlers, besonders auch für das Ausfindig­ machen der Eintragungen im Gästebuch. Unser großer Dank für wichtige Informationen und freundliche Mithilfe geht an Peter Gente (Chianmai, Thailand) und, einmal mehr, Edith Möhler, an Gert Gies- ler (Berlin) für die nonchalante Großzügigkeit in Gesprächen und die Überlassung der Fotografie Schmitts und an Henning Ritter (Wölfers­ heim) für vielerlei Auskünfte, den langjährigen Vertrauten von Schmitt und Taubes. Hans Gebhardt (Eckersdorf) nahm die mühevolle Arbeit der Entzifferung von Carl Schmitts Gabelsberger Kurzschrift auf sich, dafür sei ihm herzlich gedankt. In besonderer Weise gilt unser weiterer Dank den Archivarinnen und Archivaren, die uns bei zahlreichen Besuchen und Recherchen mit Rat und Tat so geduldig wie freundlich unterstützt haben, in erster Linie den jeweiligen Leitern des Dezernats für nicht-staatliches Archivgut des Nordrhein-Westfälischen Haupt­ staatsarchiv in Düsseldorf: Axel Koppetsch, Anselm Faust und seit 2009 Matthias Meusch sowie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbei­ tern, sodann Jan Bürger, dem stellvertretenden Leiter der Archivabtei­ lung im Deutschen Literaturarchiv Marbach, und seinen Mitarbei­ tern im Handschriftenlesesaal Hildegard Dieke, Heidrun Fink und Thomas Kemme, Anja Märke vom Referat für Nachlässe und Zeitge­ schichtliche Sammlungen beim Bundesarchiv in Koblenz, Frank Leh­ mann, dem stellvertretenden Leiter der Archivs der Freien Universität Berlin, und seinem Mitarbeiter Gerd Walter, Christiane Münter von

der Bibliothek des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karls­ ruhe, Jutta Weber, der stellvertretenden Leiterin der Handschriften- Abteilung der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz Berlin, und ihrem Mitarbeiter Falk Hoff, und Susan Klein von der Beinecke Rare Book and Manuscript Library, New Haven. Im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin wurde die Arbeit an der Edition durch ein Projekt ermöglicht, das die Direktorin, Sigrid Weigel, 2008 in das vom BMBF geförderte Forschungsprogramm aufgenommen und mit Rat und Tat begleitet hat. Ihr und den im Ministerium Zuständigen sei dafür herzlich gedankt. Darüber hinaus haben etliche Mitarbeiter des ZfL zum Gelingen der Edition beigetragen: allen voran Anja Schipke, die bei Aufnahme und Einrichtung des Texts unermüdlich geholfen, das Personenregister erstellt und ebenso wie Sultan Acikgüloglu bei der Beschaffung von Literatur und Material zur Seite gestanden hat; Mari- etta Damm, die die Edition auf die Einhaltung der Richtlinien hin durchgesehen hat, und Sabine Zimmermann, die ihr dabei zur Seite gestanden hat; allen Kolleginnen und Kollegen des Forschungsschwer­ punkts I, die der wiederholten Vorstellung des Projekts geduldig zuhörten und es immer kundig diskutierten; Ruth Hübner, Halina Hackert-Lemke und Jana Lubasch aus der Bibliothek für die Beschaf­ fung der Literatur. Bei der Kommentierung kniffliger Stellen und/oder durch Hinweise haben uns entscheidend weitergeholfen: Karlheinz Barck, Peter Berz, Claude Haas, Ernst Müller und vor allem Christina Pareigis (alle ZfL) sowie Evelyn Adunka (Wien), Aleida Assmann (Konstanz), Michael Brenner (München), Dana Holländer (Hamil­ ton), Nitzan Lebovic (Bethlehem), Marcel Lepper (Marbach), Rein­ hard Mehring (Heidelberg), Thomas Meyer, Mirjam Triendl-Zadoff und Noam Zadoff (alle München). Schließlich ist Raimar Zons und Andreas Knop vom Fink-Verlag für die grosse Geduld und Freundlich­ keit sowie die viele Mühe bei Einrichtung, Gestaltung und Produktion des Bandes zu danken.

HKO/TP/M T

BRIEFE JACOB TAUBES - CARL SCHMITT

1955 -

1980

1

TAUBES AN SCH M ITT BOSTON, 2.8.1955

Ihe Beacon Press 25 Beacon Street Boston 8, Massachusetts

den 2. August 1955

Sehr verehrter Herr Professor Carl Schmitt, Armin Möhler und Roman Schnur wissen seit Jahren, dass ich Ihrem Werke, wie viele andere, die es nicht zugeben wollen, viel verdanke in Fragestellung und Perspektive. Sie waren so freundlich und haben mir via Roman Schnur zwei kleine aber ausserordentliche Arbeiten gewid­ met. Ich habe an Roman Schnur einige Anmerkungen darüber geschrieben und ich sandte heute einige Sonderabdrucke, die aber - leider - keinen “Gegenwert” darstellen. In solchen Sphären gilt noch das “potlatch”-verfahren! In médias res: als “editor” einer “séries” denke ich an einen Band: Ihe Conservative Tradition. Vor einigen Wochen entdeckte ich dass schon 1847 de Maistres: Essai sur le principe générateur des constitutions politiques ins Englische übertragen wurde. Meine Frage an Sie: halten Sie diesen Text für repräsentativ genug, um de Maistre darzustellen? Ich nehme an, dass dieser Text allein nicht genügt und wir einen grös­ seren Abschnitt aus dem Essay über Katholizismus von Donoso und eine kleinere Arbeit von Bonald einbeziehen müssen. Donosos Ensayo ist übersetzt - welche Kapitel (zusammenhängende Kapitel) sollen wir wählen? Und was sollen wir von Bonald wählen? Ein in sich geschlos­ sener Essay wäre uns am liebsten. Glauben Sie, dass diese drei genü­ gen? Vielleicht anschliessend einige Dokumente von Pius IX? Denn im Pontifikat Pius IX kommen doch die drei grossen lheoretiker der “conservative tradition” zum Zuge. Ihre Kritik und Ihr Rat, dies darf ich Sie versichern, wird uns höchst willkommen sein.

Meine Adresse, die

nach Princeton, N. J., einer, neben Cambridge Mass., der ganz weni­ gen Orte wo Europäer leben können.

Mit freundlichen Grüssen Ihr Jacob Taubes

stabil bleibt: Beacon Press. W ir ziehen im Herbst

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Aerogramm mit gedrucktem Briefkopf, HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW 265-15959; Empf.: Professor Carl Schmitt / Brockhauser­

weg 10

/ Plettenberg II /Westfalen /West Germany. -E :

Trajekte 20 (2010), S. 17-21.

den 2. August 1955] daneben von CSch eingefugt: beantwortet] 5/8 sowie einige nicht zu entziffernde Worte in Gabelsberger Stenogramm; Schmitts Antwortschreiben liegt nicht vor Möhler] Armin Möhler (1920-2003), Schweiz. Schriftsteller und Publizist, 1949 Pro­ motion an der Univ. Basel bei KarlJaspers m it der Arbeit Die Konservative Revolution

in Deutschland 1918-1932, Stuttgart: Vorwerk 1950, 1949-1953 Privatsekretär von

Ernst Jünger, 1953-1961 Umzug nach Paris, Frankreichkorrespondent verschiedener Schweiz. Zeitungen, dann zunächst Sekretär und 1964-1985 Geschäftsführer der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München, 1967 Habilitation fü r Politikwissenschaft an der Univ. Innsbruck. J T und Möhler kannten einander aus den gemeinsamen Jahren in Zürich und Basel. Schnur] Roman Schnur (1927-1996), Jurist und Verwaltungsrechtler, 1953 Promo­ tion an der Univ. Mainz, 1961 Habilitation fü r öffentliches Recht an der Univ. Hei­ delberg, 1965 o. Prof, ß r Politische Wissenschaften an der Univ. Bochum, 1968 fü r vergleichende Verwaltungswissenschaft und öffentliches Recht an der Verwaltungshoch­ schule in Speyer, 1972-1993Jur öffentliches Recht an der Univ. Tübingen; er legte auch rechtshistorische und -philosophische Arbeiten vor. Schnur nahm den Kontakt zu CSch Anfatig 1951 auf, kurz bevor er sein erstes Staatsexamen ablegte. Bereits 1952/53 durch CSch a u fJT aufmerksam gemacht, wandte er sich als Redakteur der Zeitschrift Archiv

für Rechts- und Sozialphilosophie erstmals 1955 an diesen. zwei kleine aber ausserordentliche Arbeiten] Carl Schmitt: „Nehmen / Teilen / Weiden. Ein Versuch, die Grundfragen jeder Sozial- und Wirtschaftsordnung vom Nomos her richtig zu stellen“, in: Gemeinschaft und Politik 1 (1953), S. 17-27, wiederveröffentlicht in : Carl Schmitt: Verfassungsrechtliche Aufsätze aus den Jahren 1924-1954. Materialien zu einer Verfassungslehre, Berlin: Duncker & Humblot 1958, S. 489-504, sowie Carl Schmitt: „Die geschichtliche Struktur des heutigen Welt-Gegensatzes von Ost und West. Bemerkungen zu Ernst Jüngers Schrift ,Der gordische Knoten'“, in: Armin Möhler (Hg.): Freundschaftliche Begegnungen. Festschrift für Ernst Jünger zum 60. Geburtstag, Frankfurt am Main: Vittorio Klo­ stermann 1955, S. 135-167, wiederveröffentlicht in-, Carl Schmitt: Staat, Großraum, Nomos. Arbeiten aus den Jahren 1916-1969, hg. mit einem Vorw. u. Anm. vers. v. Günter Maschke, Berlin: Duncker 8c Humblot 1995, S. 523-551. Die Zusendung

der beiden Aufsätze durch

dem JT in brieflichem Kontakt stand.

CSch an JT erfolgte a u f Veranlassung Roman Schnurs, mit

an Roman

Schnur einige Anmerkungen darüber geschrieben] vgl. B rief 56

ich sandte

heute einige Sonderabdrucke] Im Carl Schmitt-Nachlass finden sich das

a u f dem Titelblatt mit der Widmung für Carl Schmitt / mit herzlichem Gruss / J. T. versehene Separatum von „On the Symbolic Order of Modern Democracy“, in:

Confluence. An International Forum 4 (1955), S. 57-71 (HStA Düsseldorf Nachlass

Schmitt, RW265-24581), sowie ein Sonderdruck von „Theology and Political Theory“,

in: Social Research 22 (Spring 1955), S. 57-68, der a u f S. 57 für Carl Schmitt [/] mit

Dank und Gruss [/] Jacob Taubes gewidmet ist (HStA Düsseldorf, Nachlass Schmitt, RW265-24579); beide Aufsätze wurden von CSch mit Anstreichungen versehen. “potlatch”] ein Fest nordamerikanischer Indianerstämme, a u f dem im Zeichen der gegenseitigen Überbietung ein verschwenderischer Austausch von Geschenken stattfindet

als “editor” einer “series”] JT war in den Jahren 1955 bis 1956Jur den 1854 von der American Unitarian Association gegründeten VerlagThe Beacon Press ah Berater taug.

de Maistres: Essai (

générateur des constitutions politiques, Petersbourg 1810, erschien 1847 ab Essay on the Generative Principle of Political Constitutions in englischer Übersetzung in

)

politiques] Joseph Marie de Maistre: Essai sur le principe

lloston bei Little and Brown.

Essay über Katholizismus von Donoso] Juan Donoso Cortés: Ensayo sobre el cato­ licismo, el liberalismo y el socialismo, Madrid 1851 (dt.: Essay über den Katholi­ zismus, den Liberalismus und den Sozialismus, hg. u. übers, v. Günter Maschke, Weinheim: VCA 1989), vgl. Carl Schmitt: Donoso Cortés in gesamteuropäischer Interpretation. Vier Aufsätze, Köln: Greven 1950.

Bonald] Vicomte de Louis-Gabriel-Ambroise de Bonald (1754-1840), firz. Politi­ ker und Philosoph, Begründer des sogenannten Traditionalismus, wie de Maistre und Donoso Cortes Theoretiker der Gegenrevolution. Pius IX] (eigtl. Giovanni Maria Mastai Ferretti, 1792-1878), ital. Geistlicher und Theologe, Papst ab 1846. Unter seinem Pontifikat wurde 1870 das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes a u fdem von ihm einberufenen Ersten Vatikanischen Konzil proklamiert; erließ 1864 den sogenannten Syllabus Errorum (lat., Verzeichnis der Irr- tümer), der 80 Thesen enthält, die vom katholischen Lehramt alsfabch verurteilt werden. Princeton, N. J. ( Cambridge Mass.] Durch ein Rockefeller Fellowship w arJT von April 1953 bis April 1954 Research Fellow in Philosophy an der Harvard University, wo er im akademischen Jahr 1954/55 ab Lecturer in Social Philosophy lerte, um von /uli 1955 bisJuli 1956 Visiting Assistant Professor an der Princeton University zu sein. Von da an lehrte er bis 1966 an der Columbia University, New York, ah Assistent, seit 1959 ab Associate Professor o f Religion.

)

2 ARMIN MÖHLER, TAUBES, HANS-JOACHIM ARNDT,

DIETER WOLF, EDITH MÖHLER AN SCH M ITT

BOURG-LA-REINE (SEINE), 10.7.1958

Dr. Armin Möhler Bourg-I.a-Reine (Seine) 25 rue du Panorama

10. Juli, 1958.

Mein lieber Herr Professor, heute abend sitzen wir - Jakob Taubes, Hans-Joachim Arndt, Dieter Wolf (ein deutscher Student, der hier eine Dissertation über den fran­ zösischen Faschismus der 30er Jahre vorbereitet), Edith und ich - hier zusammen und gedenken Ihrer. Eben sprachen wir von Ihrem Verhält­

nis zur Geschichte. Und wir blättern in Ihren «Verfassungsrechtlichen Aufsätzen», die ich hier bei meiner Rückkehr zu meiner Freude vorge­ funden habe! Es ist schade, dass Sie sich nicht zum Weg über Paris ent­ scheiden können - aber wir verstehen Ihre Gründe. Weissen Saumur haben wir auf Ihr Wohl getrunken, und hoffen, in Ihrem neuen Lebens­ jahrzehnt bald einmal wieder Ihnen gegenübersitzen zu können. Gute, herzliche, dankbare Wünsche - Ihr Arminius.

Sehr verehrter Herr Professor —es ist nicht nur Ihr Festtag, der Sie unter uns fünf heute sehr stark anwesend sein läßt. In dem Kreise ist kein Gespräch mit unserem Gast aus Amerika möglich, das nicht über Meer und Land die Verbindung zu Ihnen knüpft. - Ich wünsche Ihnen noch gute Wochen bei Alfonso und Anima —die ich herzlich zu grüßen bitte ich hoffe, Sie in Ihrem neuen Lebensjahrzehnt bald wiederzusehen. - Im westlichen Deutschland? - Alle guten Wünsche, Gesundheit und Kraft

Ihr sehr ergebener Hans-Joachim Arndt

Lieber Herr Professor, am Tage unserer Abreise brachte Georg Schwab Ihre “Verfassungs­ rechtlichen Aufsätze” und wir verbrachten die letzten Stunden im Gespräch über C. S. - und Kojeve. In den ersten Pariser Stunden im Hause Armin Möhlers blättere ich wieder in den Aufsätzen und das Gespräch kreist um C. S. So schließt sich der Kreis. Das Wort schlägt Kreise, schlägt Ringe - auch wenn’s die offiziellen Stellen nicht wahr­ haben wollen. Auf Ihre Flaschenpost wartet immer jemand am ande­ ren Ufer —auch wenn er schweigt.

Ihr Jacob Taubes

Sehr verehrter Herr Professor! „Benjamin“ in jeder Hinsicht —kann ich nur staunend und dankbar zugleich den Gesprächen folgen - deren lebendiger Mittelpunkt Sie geworden sind. Zu Ihrem hohen Festtage alle guten Wünsche. Ihr Dieter Wolf

! ieber Herr Professor, es ist sehr schade, dass Sie doch nicht nach Paris kommen werden. Krstens hätte ich gerne Ihnen persönlich gratuliert zu Ihrem Herrn Schwiegersohn (zu Anima sowieso!) und zweitens hätte ich Ihnen zu gerne unsere Söhne vorgestellt (Den älteren mussten wir bei Animas besuch ausser Haus geben, weil er sich so unmöglich benimmt, und der andere schlief glücklicherweise ein). So gratuliere ich Ihnen sehr herzlich zu Ihrem morgigen Geburtstag, wünsche Ihnen noch eine recht schöne Zeit in Spanien und möchte Sie bitten, Ihre Kinder herzlich von mir zu grüßen.

Ihre Edith Möhler

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-9890.

- E: mit Auslassungen in: Mohler/Schmitt, S. 252, Nr. 207.

Arndt] Hans-Joachim Arndt (1923-2004), Autor und Politologe, Studium der Sozio­ logie u. Nationalökonomie, 1952 Promotion in Soziologie in den USA, 1968 o. Prof.

Jur Politische Wissenschaft an der Univ. Heidelberg. Stand seit Mitte der 1950er Jahre sowohl CSch als auch JT freundschaftlich nahe, letzteren hatte er bereits 1953 an der

Harvard University in Cambridge kennengelernt (vgl. B rief 86),

westdt. Nachkriegspolitik. Wolf] Dieter Wolf (geb. 1931); die erwähnte Dissertation ist aufgegangen in ders.:

Die Doriot-Bewegung. Ein Beitrag zur Geschichte des französischen Faschismus, Nuittgart: Deutsche Verlagsanstalt 1967 (Veröffentlichungen des Instituts für Zeit­ geschichte: Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 15). Zwischen Wolf

und Möhler kam es über die Veröffentlichung der Dissertation zum Zerwürfnis. Edith] Edith Möhler, geb. Weiland, seit 1949Armin Möhlers Ehefrau. gedenken Ihrer] Das Treffen fa n d am Vorabend des 70. Geburtstages von CSch statt.

in Ihren “Verfassungsrechtlichen Aufsätzen”] Carl Schmitt: Verfassungsrechtliche

Aufsätze (wie B rief 1, Anm.)

rechter Kritiker der

Arminius] Name, den Armin M öhler von ErnstJünger als dessen Secretarius erhalten

hatte und den er unter Freunden trug. Meer und Land] Anspielung a u fJTs Reisen von den USA nach Europa und zurück,

zugleich auch Hinweis a u f Carl Schmict: Land und Meer. Eine weltgeschichtliche Betrachtung, Leipzig: Reclam 1942.

bei Alfonso und Anima] Alfonso Otero Varela (1925-2001), span. Jurist, Schwie­ gersohn von CSch, und Anima Louise Schmitt Otero (1931-1983), einziges Kind von CSch, aus der zweiten Ehe mit Duska (Duschka), geb. Todorovic (1903-1950). Verhei­ ratet seit 1957, lebten sie mit vier Kindern in Santiago de Compostella. Schwab] George D. Schwab (geb. 1931), amerik. Historiker, 1955 M.A. an der Columbia University, 1959 Lecturer am Columbia College der Columbia University, I960 Lecturer am Department o f History des City College and Graduate Center der City University o f New York, wo er nach der Promotion 1968 Assistant Prof, o f History, 1973 Associate Prof, und 1980 Prof, wurde. Schmittforscher, vgl. ders.: The Challenge

of the Exception. An Introduction to the Political Ideas of Carl Schmitt between

1921 and 1936, Berlin: Duncker & Humblot 1970, eine Arbeit, die als Dissertation

von Otto Kirchheimer an der Columbia University 1962 abgelehnt und m it Auflagen zum Um- und Neuschreiben belegt ivurde. Sie und Schwabs Übersetzung von Der Begriff des Politischen aus dem Jahre 1976 machten CSch in den USA einem größeren Leserkreis bekannt. Kojeve] Alexatidre Kojeve (eigtl. Alexander Koschewnikow, 1902-1968). russ.-frz. Philosoph und Wirtschafisbeamter, 1924 Promotion an der Univ. Heidelberg. 1928 Umzug nach Paris. Seine Vorlesungen über Hegels Phänomenologie des Geistes, die er 1933-39 an der Ecole pratique des Hautes Etudes in Paris unter dem Titel La phi- losophie religieuse de Hegel hielt und die von Raymond Queneau unter dem Titel

Introduction ä la lecture de Hegel, Paris: Gallimard 1947 (dt.: Hegel. Eine Ver­ gegenwärtigung seines Denkens, Stuttgarr: W. Kohlhammer 1958) herausgegeben

wurden, prägten das intellektuelle Leben Frankreichs entscheidend, Kojeve war sowohl mit JT als auch mit CSch seit Mitte der 1950erJahre persönlich bekannt.

3 MÖHLER UND TAUBES AN SCH M ITT MÜNCHEN, 11.6.1962

München, Pfingstmontag [1962]

Mein lieber Herr Professor, ich führte Jakob Taubes zu Marées und zum Apoll von Tenea. Bei mir sah er die C. S.[-Sammlung] an.

Jacob liest jetzt in Berlin. A.

Herzlich Ihr Arminius

Verehrter Herr Professor, ob in Paris oder München mein Gespräch mit Arminius fuhrt auf C. S. und ich darf einsehen in die arcana seiner Mss. Hier wird Geschich­ te zum hohen Gericht herzlich j. t.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Ansichtskarte; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt,

RW265-9788. - E: Mohler/Schmirt, S. 317, Nr. 275.

Marées] Hans von Marées (1837-1887), Maler und Graphiker aus dem Kreis der neuidealistischen Deutsch-Römer, von 1947-1979fa n d eine provisorische Ausstellung ausgewählter Werke im Haus der Kunst in München statt.

Apoll von Tenea] frühgriech. Plastik eines nackten Jünglings mit dem so genannten archaischen Lächeln, jetzt in der Glyptothek in München jacob liest jetzt in Berlin] Auf Einladung M ichael Landmanns unterrichteteJT in den Monaten Juni und Juli 1961 sowie im Snmmersemester 1962 a u fdem vakanten Lehr­ stuhl im Fach Wissenschaft vom Judentum an der Philosophischen Fakultät der FU lierlin. In dieser Zeit liefen bereits die Berujungsverhandlungen zwischen der FU und ihm; von September 1962 bis Juli 1963 vertrat JT diesen Lehrstuhl durch eine Fulb- right-Gastprofessur; vom 1. Juli 1963 an wurde er mit allen Rechten und Pflichten eines ( hdinarius, aber ohne Verbeamtung a u fBasis eines Privatdienstvertrages a u fLebenszeit angestellt. Da er seine Position an der Columbia University in New York nicht aujgeben wollte, war ein Wechsel im jährlichen Turnus zwischen beiden Universitäten vereinbart worden, der bis zum Wintersemester 1966/67 Bestand hatte, als sich JT schließlich Jur den ständigen Verbleib an der FU entschloss. arcana] lat., Geheimnisse; hier auch Anspielung a u f eines der wichtigen Prinzipien frühneuzeitlicher Politik und die Geheimhaltungspflicht staatlicher Bürokratie, vgl.

Ciarl Schmitt: Römischer Kathilizismus und politische Form, 2., bearb. Auf!., Mün­ chen: Theatiner 1925, S. 47: Zu jeder großen Politik gehört das „Arcanum“.

Mss] Manuskripte

4 TAUBES AN SCH M ITT

O.O., O.D. (WOHL JULI 1970)

ENTWURF

Entwurf

Verehrter Herr Schmitt, der Brief Walter Benjamins an Sie hat unsere Gedanken in Rotation gebracht, freilich ohne noch zu einem abschließenden Urteil über seine Funktion zu kommen. Erlauben Sie mir daher, Ihnen einige vorläufige Gedanken zu äußern, die sicherlich Ihrer Korrektur be­ dürfen. Erstaunlich für jeden, der nach der Sintflut des Nazismus in die vor­ sintflutliche Periode herüberblickt, ist die von Walter Benjamin sicher­ lich nicht ohne Recht festgestellte Nähe seiner kunstphilosophischen Anschauung zu Ihrer staatsphilosophischen Perspektive. Ihr Werk und das Werk von Walter Benjamin sind, so scheint es mir, daran interes­ siert, d ie,Hierarchien des Sinns1(wie Benjamin in seinem außerordent­ lichen Brief an Max Rychner schreibt) zu entziffern. Um die Hierarchi­ en des Sinns geht es sowohl in Ihrer politischen Theologie' wie auch im

Trauerspiel-Buch Benjamins. Beide Werke sind Analysen ,Zur Lehre von der Souveränität“. Souveränität aber war im Zeitalter der liberalen

Auflösung ein verketzerter, ja mehr noch ein vergessener Begriff. Es läßt sich also sowohl von Ihnen wie von Benjamin sagen, daß Sie ,nie anders

forschen und denken können als in einem

theologischen Sinn“(Ben­

jamin im Brief an Rychner, 7. März 1931). bür Benjamin hieß dies in Gemäßheit der talmudischen Lehren von den neunundvierzig Sinn­ stellen jeder 'I horarolle. Für Sie, verehrter Herr Schmitt, hieß dies wohl

gemäß der symbolischen Interpretation der Heiligen Schrift, die im katholischen Raume noch lebendig ist. Soweit verstehe ich noch den Zusammenhang, nun aber beginnt mei­ ne Frage. Für Benjamin konkretisierte sich seine Erfahrung von den Hierarchien des Sinns“in geschichtsphilosophischen Thesen des his­ torischen Materialismus - sicherlich einer eigentümlichen Version von historischem Materialismus. Eine nämlich, die die Theologie in ihren Dienst nimmt (Geschichtsphilosophische Thesen I). Darum konnte er .Hierarchien des Sinns“ noch in der abgegriffensten kom­ munistischen Plattitüde entdecken, ja mehr davon dort erfahren als im gängigen bürgerlichen Tiefsinn, der immer nur den einen der Apo­ logetik besitzt. Alle historischen Studien waren für Benjamin Konst­ ruktion auf eine “Jetztzeit” hin. Diese “Jetztzeit” war ihm Modell der messianischen in einer ungeheuren Abbreviatur, darin die Geschichte der ganzen Menschheit zusammengefaßt ist (Geschichtsphilosophi­ sche Thesen XVIII). Auch für Sie haben, so scheint es mir, die Studien, die die .Hierarchien des Sinns“ in jeweils neuer Konstellation entfalten, einen konkret gegenwärtigen Sinn. Sie, sehr verehrter Herr Schmitt, haben die Viel­ falt der symbolischen Äußerungen der Tradition auf den konkreten politischen Index abgeklopft, also auch im Hinblick auf eine “Jetzt­

zeit”. Hier aber tut sich, so scheint es wenigstens dem Betrachter einer so rücksichtslos vergangenen Epoche wie der zwanziger Jahre, ein Abgrund auf. Akzeptiert man Ihre eigene Situationsanalyse vom Zeit­ alter des Weltbürgerkriegs, so sind Sie und Benjamin auf den verschie­ denen Seiten der Barrikaden gelandet. Beide verfaßten gegenrevoluti­ onäre Schriften. Sie aber haben Ihren Geist der Gegenrevolution auch noch ausdrücklich zur Verfügung gestellt, während Benjamin ver­

suchte

für die bessere Sache der Revolution einzusetzen.

mit seiner .kleinen Schreibfabrik“ gegenrevolutionäre Motive

Die Frage, die Max Rychner an Benjamin stellte: “Die, cur hie?”, möch­ te ich auch an Sie richten. Benjamin hat es sich nicht leicht gemacht in seinem Bündnis mit dem historischen Materialismus. Er war bereit, sei­ ne weitreichenden metaphysischen Einsichten in einer Phraseologie vor­ zutragen, die denkbar nahe an die offizielle kommunistische herankam. Er ließ sich auf dieses Verfahren ein, weil er unbedingt wehren wollte, daß seine Gedanken der Gegenrevolution zugute kommen. Vielleicht kann man sagen, daß auch Sie sich in den letzten Jahren der Weimarer Republik und immer mehr so in den Hitlerjahren krampfhaft bemüh­ ten, Ihre weitreichenden metaphysischen Einsichten in eine Phraseolo­ gie zu kleiden, die sich von der nazistischen schwer unterscheiden läßt. Ist es also nur ein Unterschied in der Entscheidung des einen nach links und des anderen nach rechts? Oder liegt der Unterschied doch tiefer? Hat Benjamin nicht durch seine kommunistische Engführung die meta­ physische Substanz “gerettet” (Rettung ist ein Stichwort Benjamins), und haben Sie nicht durch Ihre Entscheidung die metaphysische Subs­ tanz Ihrer Reflexion auf’s Spiel gesetzt, wenn nicht gar verspielt? Dies ist nicht als nörgelnde Kritik gemeint sondern eine nachdenkli­ che Frage eines Jüngeren, der sich die zwanziger Jahre, trotz gängiger Literatur über sie, kaum vorstellen kann. Waren die Wege nach links und rechts für einen, der die metaphysische Substanz retten wollte, gleich offen? Oszillierten Geister zwischen links und rechts nur weil sie am Programm des Liberalismus verzweifelten? Gab es damals keine Kriterien, die gut und böse klar auseinanderhielten? Der Brief Benja­ mins an Sie, der doch nicht vom Stigma des Opportunismus geschla­ gen ist, beweist, daß er in Ihnen eine wahlverwandte Art erkannt hat­ te. Hatten Sie auch damals um 1930 herum genügend Freiheit, auch in ihm einen wahlverwandten Geist zu entdecken? Oder waren Sie durch die massive Freund-Feind-Stellung im Bürgerkrieg geblendet, in ihm einen wahlverwandten Geist zu entdecken? Erstaunlich, daß Sie im Hamlet-Buch vielleicht als erster zu Benjamins Trauerspiel- Buch Steilung nehmen. Aber beim Hamlet schreiben wir schon 1956, also ein Jahrzehnt nach der Nazi-Sintflut. Wie sah die Konstellation von Ihrer Sicht 1930 aus? Konnten Sie in Benjamin, der eindeutig die abgegriffenste kommunistische Plattitüde dem bürgerlichen Tiefsinn vorzog, noch Geist von Ihrem Geist entdecken? Entschuldigen Sie, verehrter Herr Schmitt, die Härte der Fragen. Sie sollten nur einen Einstieg zur Orientierung bringen. Fern ist mir jede

persönliche Kritik. Soweit sie mitschwingt, ist sie Teil einer objektiven geschichtlichen Situation, in der Sie selbst eine Rolle übernommen hatten. Sollten diese Fragen Ihnen einige klärende Worte entlocken, so wäre für uns Jüngere damit Verständnis für ein Rätselhaftes in unse­ rer Geschichte gewonnen. Mit freundlichen Grüßen Ihr

ÜBERLIEFERUNG O: Ts; ZfL, Nachlass Jacob Taubes; die Abfassung des E ntwurf d ü rfe kurz vor dem 23. Juli 1970 efo lg t sein, dem Tag, an dem JT ihn an Dieter Brumm sandte, vgl. Anm.

Entwurf] JT schickte diesen E ntw irf am 23. Juli 1970 an Dieter Brumm. Brumm (geh. 1929), Journalist und Gewerkschafier, war Ende der 1960er Jahre Assistent am Institut fü r Philosophie der FU Berlin und arbeitete zu dieser Zeit bei dem Nach­ richtenmagazin Der Spiegel in der Redaktion Geisteswissenschaften. JT bat ihn in einem beiliegenden Schreiben, diesen E ntwurfCSch zukommen zu lassen: Lieber Herr

Brumm, anbei ein Konzept meines Briefes an Carl Schmitt als erster Teil. Darauf folgt Mitte September, nach den Ferien, eine selbständige Analyse des Verhältnisses von C.S und W.B. Ich bin seit Wochen gejagt von Tag zu Tag zuletzt auch noch als Vorsitzender des Fachbereichs Philosophie und Sozialwissenschaften. Wenn Sie von C.S. eine Antwort bekommen, so bitte ich Sie, mir diese photocopiert zu senden, so daß ich seine Gedanken in das Gutachten einbauen kann. Verzweifeln Sie nicht, ich halte mein Versprechen, wenn auch mit verzögertem Zeitplan. Herzlich grüßt

Ihr (O: ZJL, Nachlass Jacob Taubes). Zum Gespräch zwischen JT und CSch ist es

Anfang der 1970er Jahre nicht gekommen, vgl. den B rief von Brumm an JT vom 2.

August 1972: Lieber Herr Taubes, wie Sie sehen ist mein Bericht über Benjamin diese Woche erschienen; bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen nochmals für die Anregungen danken, die Sie mir vor geraumer Zeit in Sachen eines geplanten Gesprächs mit Carl Schmitt gegeben hatten. Dieses Gespräch hat ja leider nie statt­ finden können, denn Schmitt hatte Anfang vorigen Jahres einejn] Herzinfarkt, und sagte das Gespräch damit ab, daß ihn nun „der Arm der Nemesis“ erreicht habe. Wie es ihm heute geht, weiß ich nicht. (O: ZJL, Nachlass Jacob Taubes)

Brief Walter Benjamins] B rief Benjamins an CSch vom 9. Dezember 1930, zuerst

Sie

nach einer vom F.mpfänger überlassenen Abschrift unter Fortlassung des letzten Sat­ zes abgedruckt in: Hans-Dietrich Sander: Marxistische Ideologie und allgemeine Kunsttheorie, Basel /Tübingen: Kyklos / Mohr 1970 (Veröffentlichungen der List Gesellschaft e. V., Bd. 67, Reihe A; Studien des List Instituts), S. 173, Anm. 79; vollständig veröffentlicht in Walter Benjamin: Gesammelte Briefe, Bd. 3: 1925-30, hg. v. Christoph Gödde u. Henri Lonitz, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987, S.

558-559. Der B rief wurde von Adorno war ihnen unbekannt.

.Hierarchien des Sinns' (

und Scholem fe ilich nicht ignoriert, sondern

)

Brief an Max Rychner] B rief Benjamins an Rychner

vom 7. März 1931, in Walter Benjamin: Briefe, Bd. 2, hg. u. mit Anmerkungen ver­

sehen v. Gershom Scholem u. Theodor W. Adorno, Frankfurt am Main: Suhrkamp

1966, S. 522-524, hier: S. 524: ich habe nie anders forschen und denken können als

in einem, wenn ich so sagen darf, theologischen Sinn - nämlich in Gemäßheit der

talmudischen Lehre von den neunundvierzig Sinnstufen jeder Tho rasteile. Nun;

H ierarchien des Sinns hat meiner Erfahrung nach die abgegriffenste kommu­

nistische Plattitüde mehr als der heutige bürgerliche Tiefsinn, der immer nur den

einen der Apologetik besitzt.

in Ihrer politischen Theologie1] Carl Schmitt: Politische Theologie. Vier Kapitel

zur Lehre von der Souveränität, München / Leipzig: Duncker 8c Humblot 1922.

Die ersten drei Kapitel wurden zuerst veröffentlich als: „Soziologie des Souveräni-

tätsbegrififes und politische Theologie“, in: Hauptprobleme der Soziologie. Erin­ nerungsgabe für Max Weber, Bd. 2, hg. v. Melchior Palyi, München / Leipzig:

Duncker & Humblot 1922, S. 3-35. Das vierte Kapitel erschien selbständig als: „Die

Staatsphilosophie der Gegenrevolution“, in: Archiv für Rechts- und Wirtschafts­ politik 16 (1922), S. 121-131. Die 2., bearb. Aufl., München / Leipzig: Duncker & Humblot 1934, mit einem neuen Vorwort, datiert November 1933, liegt allen

weiteren Nachdrucken und Übersetzungen seither zugrunde.

Trauerspiel-Buch] Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels, Berlin:

Rowohlt 1928. ,Zur Lehre von der Souveränität1] so der Untertitel von Carl Schmitt: Politische

Theologie (wie oben, Anm.)

talmudischen Lehren von den neunundvierzig Sinnsteilen jeder Thorarolle] zum

Wortlaut bei Benjamin vgl. oben, Anm.

in geschichtsphilosophischen Thesen des historischen Materialismus] Walter Benjamin: Geschichtsphilosophische Thesen, in: Walter Benjamin: Schriften, hg. v. Theodor W. Adorno u. Gretel Adorno unter Mitwirkung v. Friedrich Podszus, Bd.

1, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1955, S. 494-506.

Version (

Thesen 1)] Geschichtsphilosophische These 1, ebd., S. 494: Zu dieser Appara­ tur kann man sich ein Gegenstück in der Philosophie vorstellen. Gewinnen soll

immer die Puppe, die man „historischen Materialismus“ nennt. Sie kann es ohne weiteres mit jedem aufnehmen, wenn sie die Theologie in ihren Dienst nimmt, die heute bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen.

Alle historischen Studien (

philosophische These XTV, ebd., S. 503: Die Geschichte ist Gegenstand einer Kon­

struktion, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit, sondern die von „Jetztzeit“ erfüllte bildet. Diese “Jetztzeit” war ihm Modell der messianischen in einer ungeheuren Abbre­

(Geschichtsphilosophische Thesen XVIII)] Geschichtsphilosophische

These XVIII, ebd., S. 505: Die Jetztzeit, die als Modell der messianischen in einer ungeheuren Abbreviatur die Geschichte der ganzen Menschheit zusammenfaßt, fällt haarscharf mit der Figur zusammen, die die Geschichte der Menschheit im Universum macht.

viatur (

)

die die Theologie in ihren Dienst nimmt (Geschichtsphilosophische

)

Konstruktion auf eine “Jetztzeit” hin] Geschichts­

)

mit seiner .kleinen Schreibfabrik1] vgl. B riefBenjamins an Scholem vom 17. April 1931,

in: Walter Benjamin: Briefe, Bd. 2, 1966 [wieoben, Anm.), S. 529-532, hier: S. 531. Die Frage, die Max Rychner an Benjamin stellte: “Die, cur hic?”] lat., sage, warum

du hier bist; JT zitiert hier aus dem dem B rief Benjamins an Rychner vom 7. März 1931

vorangestellten Hinweis der Herausgeber, ebd,, S, 522: Die Abschrift des folgenden Brie­ fes sandte Benjamin Scholem mit folgender Vorbemerkung ein: „Dies habe ich dem

Herausgeber der ,Neuen Schweizer Rundschau' auf seinen Artikel .Kapitalismus und schöne Literatur' - eine Rezension der gleichnamigen Schrift von Brentano - geschrie­

ben. Der Artikel wurde mir mit dem Motto: ,Dic, curhic? zugesandt. Walter“,

im Hamlet-Buch (

Schmitt: Hamlet oder Hekuba. Der Einbruch der Zeit in das Spiel, Düsseldorf / Köln: Eugen Diederichs 1956, S. 62-67. - ln seinem Handexemplar von Benja­

mins Trauerspielbuch findet sich die Notiz CSchs: Mein Gespräch mit W. Benjamin:

„beispiellose Intensität des Gesprächs mit einer nicht zu überbietenden Ferne vom Partner“ (so W. Benjamín 1929 über die Gespräche bei Proust) Artikel: „Zum Bilde

Prousts“ (HStA Düsseldoifi RW 265-26567). Die Notiz dürfte aus dem Jahre 1969 stammen, dem Erscheinungsjahr des fotomechanischen Nachdrucks der Ausgabe von 1963, der sich in der Bibliothek von CSch findet.

)

zu Benjamins Trauerspiel-Buch Stellung nehmen] Carl

5 ARMIN MÖHLER, TAUBES, HANS-DIETRICH SANDER,

JOHANN LUDWIG DÖDF.RLEIN, EDITH MÖHLER AN

SCHMITT

MÜNCHEN, 31.5.1977

31.5.77

Mein lieber Herr Professor, der verlorene Sohn Jakob Taubes ist zurückgekehrt, und wir denken an Sie.

Ihr Armin Möhler

Der Benjamin Brief an Sie steht in der Mitte der Diskussion. Freund­ lich Jacob Taubes.

- auch die Ortlosigkeit des Marxismus, des Judentums Herzlich Ihr Hans-Dietrich Sander In Erinnerung an das Zusammensein in den Jahren 1934/35 im Hau­ se von Dr. Schranz:

Joh. Ludwig Döderlein

Herzliche Grüsse auch an Fräulein Anima

Ihre Edith Möhler

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Ansichtskarte; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt,

RW265-9881. - E: mit Auslassungen in Mohler/Schmitt, S.414-415, Nr. 378.

der verlorene Sohn Jakob Taubes] Anspielung sowohl a u f das Gleichnis Jesu vom Sohn, der völlig heruntergekommen zum Vater zurückkehrt, von diesem wieder auf­ genommen und m alle Rechte eingesetzt wird, vgl. Evangelium nach Lukas 15,11-

32, als auch a u fdie zu diesem Zeitpunkt erreichte Genesung JTs von

einem schweren

psychischen Zusammenbruch, den er Mitte 1975 erlitten hatte. Ein halbes Jahr vor diesem Schreiben hatte Möhler CSch mitgeteilt, ¡d]ass Taubes seit einem Jahr in der Klapsmühle ist, werden Sie wissen, vgl. B riefvon Möhler an CSch vom 18. November

1976 (O: HStA Düsseldorf, Nachlass Schmitt, RW265-9879, vgl. Mohler/Schmitt, S. 411, Nr. 375, wo dieser Satz ausgelassen ist).

Der Benjamin-Brief an Sie] vgl. B rief 4, Anm.

Ortlosigkeit des Marxismus (

rich Sander: Marxistische Ideologie (wie B rief4, Anm.), die 1975 in 2., erw. Aufl.

erschienen ist. - Hans-Dietrich Sander (geh. 1928), Publizist, studierte 1948-1949 an der Kirchlichen Hochschule in Berlin-Zehlendorf und 1949-1952 an der FU Berlin, 1950 bis 1951 Hospitant bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble, 1952 Umzug nach Ostberlin, Arbeit als Dramaturg und Kritiker, 1957 Bruch mit dem Kommunismus und erneuter Umzug nach Westberlin, wo er als Literaturkritiker f i r Die Welt arbei­ tete. 1969 Promotion an der Univ. Erlangen m it der Arbeit Marxistische Ideologie

und

)

Sander] Kapitel der Dissertation von Hans-Diet­

allgemeine Kunsttheorie (wie B rief 4, Anm.). Seit den späten 1970er Jahren

zunehmende Radikalisierung, die Sander ms Lager der nationalen dt. Rechten und zum Bruch sowohl mit JT als auch CSch führte. M it letzterem stand Sander von Mai 1967 bis August 1978 in regem Briefverkehr; vgl. Schmitt/Sander; dabei unterrichtete San­ der CSch detailliert auch über Vorhaben JTs. MitJT war Sander anlässlich des Treffens

im Hause Möhler bekannt geworden, aus dem die oben stehende Karte hervorging. Bei einem weiteren Treffen mit Sander im August 1977 bot sich JT an, Sanders Habilitati- onsbemühungen an der FU Berlin zu unterstützen.

Schranz] Franz Schranz (1894-1961), Arzt, war Begründer eines seit 1930 bestehen den literarischen Zirkeb in Siedlinghaus im Sauerland, den CSch, ErnstJünger, Konrad Weiss u.a. frequentierten.

konnte näheres nicht

ermittelt werden, außer dass auch er im Kreis um Schranz verkehrte. JT lud den in München ansässigen Döderlein am 15- Oktober 1919 zum Hobbes-Kolbquium nach

Berlin: Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn Sie dazu kämen und werde, sobald ich Materialien habe, sie Ihnen zusenden. Während sonst nur Vortragende einge­ laden werden, käme es mir in Ihrem Fall äußerst gelegen, wenn Sie jenseits eines Einzelvortrags in der Diskussion uns Jüngeren etwas von der sinnlichen Atmo­ sphäre vermitteln, in der Carl Schmitts Politische Theologie im ersten Gang in den zwanziger Jahren, Petersons Kritik in den dreißiger Jahren wucherten. Uber Politische Theologie II weiß ich Einiges aus eigener Anschauung (O: ZfL, Nachlass

Jacob Taubes); außerdem sollte er am 30. Oktober 1979 einen Vortrag «¿er Außenseiter

Döderlein] Über den Hegelforscher Johannes Ludwig Döderlein

der Geschichtsphilosophie an der FU Berlin halten.

6

TAUBES AN SCH M ITT BERLIN, 17.11.1977

Freie Universität Berlin Fachbereich 11 Philosophie und Sozialwissenschaften Institut für Philosophie

1 Berlin 33, den 17.XI.1977 Gelfertstrasse 11 Ruf: Durchwahl 838 21 07

Verehrter Herr Schmitt, H D Sander hat, auf meinen Wunsch hin, den ersten Schritt unternom­ men und explorierend angefragt, ob Sie einverstanden wären, Teil 5 aus Der Leviathan. 1938, wieder abdrucken zu lassen. Gegeben, was seit Jahrzehnten über Spinoza verhandelt wird, insbesondere 1977 dreihun­ dert Jahre nach seinem Tod, wo ein Spinoza festival das andere jagt und die ewige Wiederkehr des Gleichen in philosophischer Doxographie ihre

Triumphe feiert, ist der Text von 1938, vierzig Jahre alt schon, ein Unab- gcgoltenes, noch nicht in die “Diskussion” Eingegangenes, ein Novum! Unser Aperiodikon “für Hermeneutik und Humanwissenschaften” (polemisch gegen Sozialwissenschaften die vulgärmarxistisch oder noch ärger positivistisch verkommen sind) soll nach letztem Stand der Diskussion KASSIBER (Rotwelsch für kataw ktiwa hebrfäisch] Schrift, Brief, Text, “also” Hermeneutik) heissen. Der Kassiber im KASSIBER wäre natürlich Ihr Text in einem Aperiodikon hg. u. a. von Jacob Taubes. Eingeleitet soll der Text durch einen Hinweis auf

W. Benjamins Brief an Sie, 1930, werden, dem wenig hinzuzufügen

ist, es sei denn, dass das “Archiv” in Frankfurt das Schreiben zwar kannte (so Adorno an mich), “ergo” unterdrückt hat. Dies ein weiterer

Kassiber im Kassiber C. S. im KASSIBER. Denn trotz Abdruck bei

H. D. Sander ist auch dieser Brief Benjamins noch unbekannt!

Zu den Vetera, die aber novissima sind, gehört ein Vortrag Hermann Cohens mit Vorwort Franz Rosenzweigs, einiges von Leo Strauss aus den Vorentwürfen zu Spinozas Religionskritik wie sein erschütterndes “preface” zur amerikanischen Ausgabe seiner Religionskritik. Ich höre, dass R. Smend zu Ihrer in der Tat erhellenden und tief heim­ leuchtenden Spinoza interpretation sich geäussert hat. Wenn Sie es gestatten, dann bin ich ganz mit von der Partie auch diesen Text zu veröffentlichen. Es ist in Ihrer Hand.

Von mir kommt ein Beitrag: “Nietzsche und Spinoza als Interpreten des Apostels Paulus”, H. D. Sander wird Spinoza vor dem Forum der Marxismen beleuchten. Also eine Konstellation ad Spinozam, die wie das Sternbild des Bären vom Bären im Zirkus sich vom gängigen Geschwätz ad Spinozam unterscheiden soll. Sind Sie mit von der Par­ tie? Mit gleicher Post geht an Sie eine xerocopie des “preface” von Leo Strauss zur amerikanischen Ausgabe seiner Religionskritik. Vielleicht entlockt Ihnen die Lektüre eine Anmerkung, eine Correctur oder einen Hinweis. Auch dieser wäre Kassiber im KASSIBER der deut­ schen (und französischen) geistigen Landschaft. Es grösst Sie die Hand über einen Abgrund reichend Ihr Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Briefkopf; HStA Düsseldorf Nachlass Carl Schmitt, RW 265-15960, BI. 1-2. - K: ZfL, Nachlass Jacob Taubes /DLA Marbach, Nachlass Hans Blumenberg. - E: Teilabdruck in Blumenberg/Schmitt, S. 152-1 53.

1 Berlin 33, den I7.XJ.1977] darüber hs. Vermerk von Schmitt: Geantwortet]

29/11/77

Teil 5 aus Der Leviathan. 1938] Carl Schmitt: Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes. Sinn und Fehlschlag eines politischen Symbols, Hamburg:

Hanseatische Verlagsanstalt 1938, S. 79-97;

das fünfte Kapitel ist überschrieben: Die

souverän-repräsentative Person stirbt an der Trennung von Innen und Außen.

Unser Aperiodikon ( KASSIBER] Einer der zahlreichen, nicht verwirklichten

Pläne JTs zu einer Zeitschrift; KASSIBER sollte in der von Axel Rätters und dem

ehemaligen Lektor des Suhrkamp Verlages Karl Markus M ichel gegründeten

Syndikat

)

Autoren- und Verlagsgesellschaft in Frankfurt am Main erscheinen, was zu schweren Konflikten zwischen JT und Siegfried 1Inseid, dem Leiter des Suhrkamp Verlages fiihrte,

für den JT beratend tätig war. Rotwelsch für kataw ktiwa] Rotwelsch, die dt. Gaunersprache, bekannt vom Spät­ mittelalter bis heute, hat seine Bestandteile auch aus dem Jiddischen, der Sprache der Juden Mittel- und Osteuropas, genommen. Kassiber ist ein solcherJiddismus, abgeleitet von kaswenen (schreiben) bzw. kessaw (Schrift). JT hat den Ausdruck hier a u fseine älteren hebr. Formen zurückbezogen.

Benjamins Brief an Sie, 1930] vgl. B rief4, Anm.

das “Archiv” in Frankfurt] Der in Frankfurt am Main gesammelte Teil des Nach­ lasses von Walter Benjamin umfasste die Materialien, die nach seinem Tod Theodor W. Adorno übergeben wurden; zugleich Verweis a u fdie Herausgabe der Gesammelten Schriften von Walter Benjamin, die seit 1972 von den Adorno-Schülern R olf Tiede- mann (geb. 1932) und Hermann Schweppenhäuser (geh. 1928) hauptverantivortlich betreut wurde. so Adorno an mich] Der entsprechende B riefliegt nicht vor.

Abdruck bei H. D. Sander] Hans Dietrich Sander: Marxistische Ideologie und

allgemeine

Vetera, die aber novissima sind] lat., Altes, das aber ganz neu ist; so wie Benjamins

B riefan CSch waren auch die im folgenden erwähnten Publikationen unbekannt und neu zu entdecken. Vortrag Hermann Cohens] Der 1910 gehaltene Vortrag wurde posthum publiziert,

vgl. „Ein ungedruckter Vortrag Hermann Cohens über Spinozas Verhältnis zum Judentum, eingeleitet von Franz Rosenzweig“, in: Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, 1919-1929, Berlin:

Kunsttheorie (wie B rief 4, Anm.)

Akademie Verlag 1929, S. 42-44. aus den Vorentwürfen zu Spinozas Religionskritikl Leo Strauss: Die Religionskri­ tik Spinozas als Grundlage seiner Bibelwissenschaft. Untersuchungen zu Spinozas Theologisch-Politischem Traktat, Berlin: Akademie Verlag 1930 (Veröffentlichun­ gen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Philosophische Sektion,

Bd. 2). - Mit Vorentwürfen m eint J T d ie der Schriß von 1930 vorausgehenden, the­ matisch vorbereitenden Aufsätze von Strauss „Cohens Analyse der Bibel-Wissenschaft

Spinozas“, in: Der Jude 8 (1924), S. 295-314 und „Zur Bibelwissenschaft Spinozas und seiner Vorläufer“, in: Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums 7 (1926), S. 1-22.

“preface” (

ders.: Spinozas Critique of Religion, New York: Schocken Books 1965, S. 1-31 u.

271-273 (notes). Ich höre dass R. Smend zu Ihrer (

)

Religionskritikl Leo Strauss: Preface to the English Translation, in:

)

Spinoza interpretation sich geäussert hat]

A uf R udolf Smends Spinoza-Interpretation wurde JT durch Sander aufmerksam gem acht (vgl. B rief58), diesen hatte zuvor CSch in einem B riefvom 3. November 1977 a u f die Bedeutung des nicht erhaltenen Schreibens Smends flir seine Hobbes-Deutung

hingewiesen: Kennt Taubes den Brief von Smend (vom Juli 1938, zu S. 88 meines »Leviathan« von 1938)? Ich habe Ihnen einmal eine Fotokopie davon geschickt (in: Schmitt/Sander, S. 41; zu dem verlorenen B rief vgl. Reinhard Mehring (Hg.):

.Auf der gefahrenvollen Straße des öffentlichen Rechts“. Briefwechsel Carl Schmitt

- Rudolf Smend 1921-1961. Mit ergänzenden Materialien, Berlin: Duncker &

Humblot 2010, S. 99-100, hier: S. 99 u. Anm. 333.) Sander antwortete CSch am 7. November 1977: Den Briet von Smend kennt Herr Taubes nicht. Ich sagte ihm nur, dass ein solcher existiert (Schmitt/Sander, S. 415).

7A

SCH M ITT AN TAUBES PLETTENBERG, 29.11.1977

Plettenberg-Pasel

29/11/1977

Verehrter Herr Taubes, Ihren Anruf vom 17. November erwidere ich dankbar und bereit. Die adäquate Wellen-Länge muss sich noch ergeben. Diese Zeilen sind

nicht mehr als eine Empfangsbestätigung und - als Bestätigung —noch etwas mehr. Ihr Anruf macht mir meine quälende Situation gegenüber l.eo Strauss nachträglich (epi-metheisch) erst ganz bewusst. Der Auf­ satz »Spinozas Critic of Religion« (von 1962) war mir unbekannt, als ich meinen »Hobbes-Kristall« (1963) und meinen Essay »Die vollen­ dete Reformation« (1963) veröffentlichte. Beides hatte Leo Strauss zum Adressaten; bei dieser Art von »Dialog« war ich von Anfang an der Besiegte. Das lässt sich nicht schriftlich explizieren, am wenigsten handschrift­ lich durch einen 90Jährigen. Ich darf deshalb schnell zum speziellen Ihema Ihres Schreibens ein Wort erwidern:

Ihren Vorschlag, das 5. Kapitel meines »Leviathan« von 1938 in Ihrer geplanten neuen Zeitschrift zu veröffentlichen, empfinde ich als eine Auszeichnung, die etwas anderes und mehr ist als ein »pour le mérite«. Was mir die Annahme unmöglich macht, ist meine Situation und die meines zerstörten Image, meiner »Figur«, die mir in den letzten Wochen und Monaten auf eine ziemlich brutale Weise ins Gesicht geschleudert wird. Damit will ich Sie nicht aufhalten. Es hat über 20 Jahre gebraucht, um einen so einfachen, dokumentarisch klaren Fall wie den des Walter-Benjamin-Briefes vom Dezember 1930, wenigs- lens für einige, vereinzelte Interessenten philologisch zu klären. Darf ich jetzt versuchen, meine Bitte um Ihr Verständnis für meine Zurück­ haltung zu erklären? Alles was mich heute noch angeht, wird für mich eine Frage Politischer Iheologie. Auch Max Weber ist als Revanchist des Versailler Friedens­ vertrages von 1918/9 am Ende seines Lebens offen das geworden was er war; politischer Theologe. Bei mir bedeutet das etwas, was Hugo Ball 1924 ausgesprochen hat: »in der Gewissensform seiner Begabung erlebt er (CS.) seine Zeit«. Bei mir ist das eine spezifisch juristische Begabung. Mit andern Worten: ich vermag Nomos und Norm zu unterscheiden, eine fundamentale, konstituierende Unterscheidung, deren sich der heutige juristische Positivismus durch Selbstverstümme­ lung selber beraubt hat. I iir die neue Zeitschrift, die Sie planen, ist als Titel und Name das Wort »Kassiber« vorgeschlagen. Zur Aura eines solchen Namens gehört eine Parole, die für einen Juristen etwas anderes schreibfest macht als liir jeden Andern. Vielleicht genügt diese Andeutung; sie ist kein Urteil über Ihre Ziele und Intentionen. Ich spreche es aus, um einen Vor­

schlag und eine Sendung wie die vom 17. November nicht »katego­ risch« unbedankt zu lassen. Inzwischen bleibe ich bei Habakuk 2, 2 ft und 2 Thess. 2, 6 ft. Abyssus vocat Abyssum. Zu Hermann Cohen (mir stets präsent von 1912-1977) hoffentlich ein anderes mal; er bleibt präsent, vor allem weil die Wert-Diskussion noch kaum begonnen hat; Wert und Leben, zu diesem Ihema ist Cohen heute noch aktueller als der wackere Schopenhauer, dessen Rechts- und Staatsphilosophie hun­ dertprozentigen Hobbesianismus treuherzig sich aneignet.

Ich bleibe stets

Ihr

Carl Schmitt.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; ZflL, NachlassJacob Taubes. - K: DLA Marbach, Nachlass Hans Blumenberg; eine Kopie des Briefes schickte JT an Hans-Dietrich Sander, vgl.

Schmitt/Sander, S. 420. - Unter der Überschrift Antwort an Jacob Taubes /29. Nov.

1977findet sich ein Entwurfin Stenogramm m it Datum 29. Nov. 1977, der näher am Text des Briefes ist als der im folgenden (vgl. 7B) abgedruckte, von CSch sogenannte 1. Entwurf; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-21927, Bl. Ir. - Ein wei­

terer, Brief an Taubes. Nov. 1977 (endgültiger Text) iiberschriebener und ebenfalls in

Kurzschrift ausgeführter E ntwurfweist kaum Differenzen zur schließlich abgeschickten

Fassung des Briefes auf, ebd

Bl. 2. - Ein kaum entzifferbarer, mit zahlreichen Strei­

chungen versehener Notizzettel in Gabelsberger Kurzschrift enthält wohl erste Notate

und Einfalle zu J T B rief ebd. Bl.

5.

Ihren Anruf vom 17. November] gem eint istJ T Briefvom 17. November 1977, vgl.

Brief6

epi metheisch |griech., zu spat denkend, gebildet nach Epimetheus, dem Bruder des

Prometheus, dem Vor(wärts) Denkenden; zugleich Verweis <z»y"Konrad Weiss: Der christliche Epimetheus, Berlin: Edwin Runge 1933. Für CSch verkörpert Epimetheus

eine der drei Formen christlicher Existenz, vgl. Carl Schmitt: „Drei Möglichkeiten

eines christlichen Geschichtsbildes“, in: Blumenberg/Schmitt, S. 161-166. CSch

charakterisiert sich selbst öfter als christlichen Epimetheus, vgl. Carl Schmitt: F.x Cap-

tivitate Salus. Erfahrungen der Zeit 1945/47, Köln: Greven 1950, S. 12: Mein Wesen mag wohl nicht ganz durchsichtig sein; aber mein Fall lässt sich benennen,

mit Hille eines Namens, den ein großer Dichter gefunden hat. Es ist der schlechte,

unwürdige und doch authentische

Der Aufsatz »Spinozas Critic of Religion« (von 1962)] gem eint ist Leo Strauss:

Pretace to the English Translation (wie B rief 6, Anm.) »Hobbes-Kristall« (1963)] Der von CSch selbst so genannte Hobbes Kristall findet sich

in den 1963 hinzugefugten Corollarien seines im August 1927 erstmals publizierten Auf­ satzes Der Begriff des Politischen, der als Buch 1932 erheblich erweitert und verändert

erschienen ist; vgl. Carl Schmitt: Der Begriffdes Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien, 2. Aufl., Berlin: Duncker & Humblot 1963, S. 122.

Fall eines ch ristlich en

E pim etheus.

meinen Essay »Die vollendete Reformation« ( 1965)] Carl Schmitt: „Die vollen­ dete Reformation. Bemerkungen und Hinweise zu neuen Leviathan-Interpretatio­ nen“, in: Der Staat. Zeitschrift für Staatslehre, öffentliches Recht und Verfassungs­ geschichte 4 (1965), S. 51-69.

Ihren Vorschlag (

)

zu veröffentlichen] vgl. B rief6

pour le mérite] frz., für den Verdienst, von Friedrich II. 1740 in Preußen als Aus­

zeichnung vor allem fu r militärische Tapferkeit eingefuhrter Orden: 1842 schufFried­ rich Wilhelm IV. einen Orden Pour le mérite fü r Wissenschaften und Künste.

philologisch zu klären] Dieser Zeitraum ergibt sich aus der

Es hat über 20 Jahre (

)

ersten öffentlichen Erwähnung des Briefs von Benjamin, die CSch selbst 1956 machte,

vgl. Carl Schmitt: Hamlet oder Hekuba (wie B rief4, Anm.), S. 54.

politischer Theologe] Vgl Max Weber: „Parlament und

Regierung im neugeordneten Deutschland“, in: ders.: Gesammelte politische Schriften, hg. v. Johannes Winckelmann, 3. Auf!., Tübingen: J.C.B. Mohr 1971, S. 306-443, hier: S. 348: Die ganze breite Masse der Deputierten fungiert nur als Gefolgschaft für den oder die wenigen „leader“, welche das Kabinett bilden, und gehorcht ihnen blind, solange sie Erfolg haben. Das soll so sein. Stets

Auch Max Weber (

)

beherrscht das „Prinzip der kleinen Zahl“, d. h. die überlegene politische Manöv­ rierfähigkeit k lein er führender Gruppen, das politische Handeln. Dieser „cäsa-

ristische“ Einschlag ist (in M assenstaaten)

Hugo Ball (

erlebt er (CS.) seine Zeit«] Hugo Ball: „Carl Schmitts Politische

Rheologie“, in: Hochland 21 (1924), S. 263-286, hier: S. 264: In der Gewissens-

unausrottbar. (HervorhebungM. W.)

)

lorm seiner Begabung erlebt er die Zeit. Balls Aufsatz, den CSch sehr schätzte, wurde

von JT wiederveröffentlicht in: Jacob I'aubes (Hg.): Der Fürst dieser Welt. Carl Schmitt und die Folgen, Paderborn u.a.: Fink / Schöningh 1983, S. 100-115, das

Z.itat hier: S. 100. eine Parole ( als für jeden Andern] Hinweis von CSch a u fdiejuristische Bedeutung von Kassiber - gem eint ist der Strafiatbestand des heimlichen Schmuggels der Nachricht eines Inhaftierten im oder aus dem Gefängnis heraus. Auch Hans Blumenberg, an den JT offenbar eine Kopie des vorliegenden Briefes gesandt hatte, erhob heftigen Einspruch gegen den Titel, vgl. seinen B riefan CSch vom 28. Dezember 1977, in: Blumenberg/

Schmitt, S. 152. Ilabakuk 2, 2 ff] Der Herr aber antwortete mir und sprach: Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, dass es lesen könne, wer vorüberläuft! / Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den ’Iag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben. / Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. 2 Thess. 2, 6 ff] Zweiter Brief an die Thessalonicher 2,6-7: Und ihr wisst, was ihn \den Widersacher Gottes] noch aufhält, bis er offenbart wird zu seiner Zeit. / Denn es regt sich schon das Geheimnis der Bosheit; nur muss der, der es jetzt noch aufhält, weggetan werden. Abyssus vocat Abyssum] Psalm 42,8: Abyssus ad abyssum invocat in voce catarac- tarum tuarum omnia excelsa tua et fluctus tui super me transierunt, lat Deine Fluten rauschen daher, und eine Tiefe ruft die andere; alle deine Wasserwogen und

Wellen gehen über mich. - Der oben angeführte Notizzettel (HStA Düsseldorf, Carl Schmitt-Nachlass, RW 265-21927, Bl. 5) verdeutlicht den assoziativen Zusammen­ hang zwischen der Grußformel in JTs B rief an CSch (vgl B rief 6) und dem Zitat aus den Psalmen in CSchs Antwort, nach mehreren gestrichenen Worten heißt es: am

)

Schluss Ihres Briefes trifft mich unmittelbar aber auch nicht unvermittelt. Ich habe es begriffen und ich greife es auf. Abyssum. Aber was ist die Sprache der Abgründe.

[.danach mehrere Worte unleserlich und gestrichen]

Vgl. Carl Schmitt: Gesetz und Urteil. Eine

Untersuchung zum Problem der Rechtspraxis, Berlin: Otto I.iebmann, 1912, S. 59, Anm. 1: Die Ausführungen von Cohen in seiner „Ethik des reinen Willens“ sind durch H. Kantorowicz im Archfiv] fjür] Sozialw[issenschaft] N. F. 13, S. 602-

Hermann Cohen (

)

1912-1977)]

604 zurückgewiesen worden. Eine eingehendere Auseinandersetzung mit Cohen und dem Marburger Neukantianismus findet sich erst in der zwei Jahre später erschienenen

Schrift Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen, Tübingen: J. C. B. Mohr / Paul Siebeck 1914, S. 12-14 u. 60-61.

der wackere Schopenhauer (

Carl Schmitt: „Schopenhauers Rechtsphilosophie außerhalb seines philosophischen Systems“, in: Monatsschrift fiir Kriminalpsychologie 10 (1913), S. 27-31

)

Hobbesianismus] vgl. dazu die ablehnende Kritik in

7B

SCH M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 26./27.11.1977 ENTWURF

1. Entwurf

597 Plettenberg-Pasel 11c den 27. November 1977

Verehrter Herr Taubes:

abyssus vocat abyssum. Ich erwidere Ihren Anruf, dankbar und bereit. Die adäquate Wellenlänge muss sich noch ergeben; wir können nicht „Bedingungen der Möglichkeit“ unseres Dialogs schon protokollie­ ren, ehe wir überhaupt miteinander gesprochen haben. Umso grösser mein Dank für Ihren Brief vom 17. November und für den Aufsatz von Leo Strauss aus dem Jahre 1962. Ich kannte ihn nicht. Mein Aufsatz »Die vollendete Reformation« ist erst 1965 in der Zeit­ schrift »Der Staat«, Bd. 4, erschienen; aber auch mein »Hobbes-Kris- call« liegt vor 1962, nämlich 1963 (Begriff des Politischen 1962, Glos­ sar Seite 122). Beides war an Leo Strauss gerichtet; alles andere war für die Komparserie bestimmt. Bedenken Sie nur einmal eine solche Art von »Dialog«; von meiner Seite sieht das anders aus als von Leo Strauss her gesehen. Denn ich war von Anfang an der politisch Besiegte.

jetzt machen Sie, verehrter Herr Taubes, mir sehr konkret-topologi­ sche Vorschläge für einen Beitrag zu einer neuen Zeitschrift, als deren Namen Sie das Wort «Kassiber« vorgeschlagen haben. Ich bin, in mei­ ner Essenz wie in meiner Existenz, gut oder schlecht], Jurist, Berufs- jurist. Alle Human-Wissenschaft wird mir zur Rechts-Wissenschaft. Von dort her mein lebhaftes Interesse an [ein Wortfehlt], vom »Wert des Staates« 1914 (Vorwort S. 12/13) bis zur »Tyrannei der Werte« (Ebracher Festgabe fiir Ernst ForsthofF, 1968, S. 49 Anm. 9). Hugo Ball hat (1924) von mir gesagt: »In der Gewissensform seiner (sc. juristischen) Begabung erlebt er (C.S.) die Zeit.« Das ist es. Wie erlebt ein solches Subjekt heute - Herbst 1977 - das Wort »Kassiber«? Ne simus faciles in verbis. Sie müssen mir mein Alter zugutehalten. Ich denke nicht mehr schnell genug fiir meine Zeit, die keine Geduld mehr kennt. Ich schreibe diese Zeilen, um einen Brief und eine Sen­ dung wie Ihre vom 17. November nicht unbestätigt und unbedankt zu lassen. Darf ich Ihnen ein Exemplar der amerikanischen Ausgabe des »Begriffs des Politischen« beifügen, die 1976 erschienen ist? Ich kann die USA-Aura nicht beurteilen. Mein Lebensthema bleibt, was in den Schlussthesen von Politische Theologie II formuliert ist: homo liomini res mutanda. Ich bin Berufs-Jurist und kein Berufsrevolutio­ när. Am liebsten spräche ich mit Ihnen über Habakuk 2,2fF. Leider kann ich kaum Hebräisch.

1 Anlage

(Buch)

Stets Ihr

Carl Schmitt

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW 265- 21927, Bl. lv u. Bl. 6.1

1. F.ntwurf] darüber und daneben einige kaum entzifferbare Worte in Gabelsberger Kurzschrift den 27. November 1977] Das Datum ist wegen mehrfacher Überschreibung schwer lesbar, eine alternative Lesart wäre 26. November 1977. Ihren Anruf] gem eint istJTs B riefvom 17. November 1977. vgl. B rief6

Die adäquate Wellenlänge] Die anfängliche Formulierung Die adäquate Sprache

ersetzte CSch durch die Wendung Der adäquate Stil unseres Dialogs welche er wie­ derum in Schallwellenlänge korrigierte, um schließlich zu der endgültigen Fassung Die

adäquate Wellenlänge zu gelangen.

schon protokollieren] davor gestrichen: vorher

Aufsatz von Leo Strauss aus dem Jahre 1962] gem eint ist Leo Strauss: Preface to ehe

F.nglish Translation (wie B rief 6, Anm.)

»Die vollendete Reformation« (

)

»Der Staat«, Bd. 4] vgl. B rief 7A, Anm.

Ich kannte ihn nicht (

mein »Hohbes Kristall«! vgl B rief 7A, Anm.

Beides] statt: Alles was ich zu Hobbes seit 1932 geäussert habe mir sehr konkret-topologische Vorschläge] statt: mir gleich konkrete Vorschläge vorgeschlagen haben.] vorgeschlagen ist. darüber, am oberen Bl-Rattd von CSch notiert: [x] Parole Wie Walter Benjamin weiss was ein Name bedeutet (Nehme - Nahmen - Namen) - vgl. dazu Carl Schmitt: „Nomos - Nähme - Name“, in:

Siegfried Behn (Hg.): Der beständige Aufbruch. Festschrift für Erich Przywara, Nürnberg: Glock und Lutz o.J. [1959], S. 92-105, wiederveröffentlicht in: Staat,

Großraum, Nomos (wie B rief 1, Anm.). S. 573-591. Zum Hinweis a u f Benjamin vgl.

Walter Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers, in: ders.: Gesammelte Schriften,

Bd. 4,1: Kleine Prosa / Baudelaire-Übertragungen, hg. v. Tiiiman Rexroth, furt am Main: Suhrkamp 1991, S. 9-21.

»Wert des Staates« 1914 (Vorwort S. 12/13)] Carl Schmitt: Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen, Tübingen: J. C. B. Mohr / Paul Siebeck 1914.

»Tyrannei der Werte« (

Tyrannei der Werte“, in: Säkularisation und Utopie. Ebracher Studien. Ernst Forst­ hoff zum 65. Geburtstag, Stuttgart: W. Kohlhammer 1967, S. 49, Anm. 9: [Max Scheler:] Gesammelte Werke, Bd. 2, S. 24. Ortega, der in Marburg Philosophie studiert hat, kannte die Marburger Neu-Kantianer gut und wußte, daß bei ihnen keine materiale Wertethik zu holen war. In der „Ethik des reinen Willens“ von Her­ mann Cohen (1. Aufl. 1904, 2. Aufl. 1907, Neudruck 1921) erscheint der Wert in

Forsthoff, 1968, S. 49 Anm. 9)] Carl Schmitt: „Die

)

Glossar Seite 122).] gestrichen

Frank­

)

der Lehre von dei Tugend der Gerechtigkeit, aber mit dem klaren Bewusstsein, daß „der Wert die Kategorie des Verkehrs“ ist und der Gebrauchswert zum Tauschwert wird (S. 611 der Ausgabe von 1921). Die Tyrannei der Werte erschien erstmalig

als Privatdruck in limitierter Aufl. fiir die Teilnehmer des Ebracher Seminars am 23. Oktober 1959, ein unautorisierter und stark gekürzter Druck wurde veröffentlicht in:

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 146 v. 27. Juni 1964.

Hugo Ball (

Ne simus faciles in verbis.] lat., seien wir nicht leichtfertig im Gebrauch unserer Worte, vgl. Carl Schmitt: Tyrannei der Werte, ebd., S. 24-25 u. 39-40

Darf ich Ihnen ein Exemplar (

The Concept of rhe Political. Translation, Introduction, and Notes by George Schwab, with Comment s on Schmitts Essay by Leo Strauss, New Brunswick: Rut-

gers University Press 1976. Diese erste vollständige Übersetzung von CSchs Begriff des

Politischenfolgt der 2. bearb. u. erw. Aufl., München / Leipzig: Dunckcr & Humblot 1932, die auf dem Titelblatt den Zusatz trägt: Mit einer Rede über das Zeitalter der Neutralisierungen und Politisierungen. Die Rede wurde in diese Ausgabe neu aufge­

nommen; in ihrer ursprünglichen Fassung erschien sie ab „Die europäische Kultur im

Zwischenstadium der Neutralisierung“, in: Europäische Revue 5 (1929), S. 517-530. homo homini res mutanda] lat., der Mensch ist für den anderen stets wechselhaft,

eine von CSch selbst geprägte Sentenz in einer ganzen Reihe ähnlicher Sinnsprüche,

vgl. Carl Schmitt: Politische Theologie II. Die Legende von der Erledigung jeder Politischen Theologie, Berlin: Duncker 8c Humblot 1970, S. 126. Leider kann ich kaum Hebräisch. |gestrichen

Stets] gestrichen

)

keine Geduld mehr kennt] gestrichen

)

1976 erschienen ist] gestrichen - Carl Schmitt:

8

TAUBES AN SCH M ITT BERLIN, 23.12.1977

Suhrkamp Verlag Jacob Taubes Erkelenzdamm 17, 1 Berlin 36

23.XII. 1977 Verehrter Herr Schmitt, dass fast vier Wochen verstrichen sind, bis ich auf Ihre schwer befrach­ teten Zeilen antworte, liegt einzig daran, dass Ihre Post - von aussen so “unscheinbar” - in Berlin liegen blieb und mich erst vor zwei Tagen erreichte. Morgen früh fahre ich nach Jerusalem - ohne Gershom Scholem zu besuchen. Auf dem Weg zu ihm liegen einige Tote, die ich so leicht nicht vergessen kann. Dennoch bin ich der “challenge” Gün­ ter Zehms nicht ausgewichen und habe in vier Tagen für die WELT ad Gershom Scholems 80. Geburtstag “respondiert”. Ein Drittel ist geschnitten worden, aber das Stück doch “lang” genug, um auch mei­ ne universitäts-politische Position in all ihrer Gebrochenheit darlegen zu können. Vielleicht ersehen Sie aus dem Text dass es mir an Schmä­ hungen und Verleumdungen an der Freien Universität nicht fehlt, die übrigens schon ein Seminar trafen, das ich - für die FU nicht ohne Risiko - einst “Carl Schmitt und Walter Benjamin” angekündigt habe. Einiges PXs ist damals gebrochen worden und die Ignoranz als Progress marschiert nicht —wenigstens in diesen Gefilden - erhobe­ nen Hauptes durch die Hallen der Universität. Jedenfalls einige “Sicherheiten” sind gebrochen worden. Nicht ohne Absicht schreibe ich auf “Suhrkamp-papier”, denn ich möchte einiges anschneiden, was vielleicht die “Figur” C. S. angeht. Ich darf Einigkeit voraussetzen, dass die Diskussion um “Politische Iheologie” heute von Amnesie, Ignoranz und Chuzpe markiert ist. All dieser Spuk wäre mit einem Schlag zerstoben, wenn Sie erwägen wür­ den, einen Band “abzusegnen”, der etwa so aussieht:

C.

S.

Politische Theologie

E.

P.

Monotheismus Aufsatz 1932 (?)

E.

P. Monotheismus-schrift

C.

S.

Politische Theologie II

mit Vorwort von H. Blumenberg oder J. T. plus einige “kleine” Ergän­ zungen u. a. Benjamin Brief. Die gängige Diskussion ad Politische Theologie würde ich durch eis­ kalte schweigende Verachtung “strafen”; nicht ’mal ignorieren! Sie würden sich wundern, wie schnell die Mäuse sich verkriechen, wenn die Katze wieder auftaucht - bei Suhrkamp natürlich als STW (Mate­

rialienband, “Seminar” genannt

Wissenschaft)! Sie, freilich, müssten bei “D+H” vorstellig werden, dass er für eine “Taschenbuchausgabe” mit den Texten ’rausrückt. Für E. P. Texte würde ich mich um Rechte kümmern. Sollte dieses Projekt realisierbar sein, so wette ich, dass zwei Jahre später man fragen wird, wer ist J. B. Metz oder D. Solle oder auch H. Maier in rebus “Politi­

sche Theologie”? Sie müssen wissen, dass “D+H” einfach ausserhalb

eines ausser-juristischen Diskussionsrahmens bleibt. Dixi e t

chen Sie doch die Frage mit H. D. Sander, der Ihnen ohne Abstrich wohl gewogen ist. Ich habe überdies H. D. Sander ein Projekt vorgetragen das auch eine Minute Ihrer Überlegung wert ist: C. S. Materialien zur Literatur. Ich

kenne weniges ad Däubler, Konrad Weiss, insbesondere aber die unvergleichliche Hamlet interpretation. Es gibt sicher einiges Ver­ steckte, das mir entgangen ist, was aber H. D. Sander bibliographisch eruieren könnte. Der Verlag wird Kopf stehen, wenn ich beides vor­ schlage (erwähnt habe ich es schon), Habermas sein “gewaltiges” Wort ad faschistische Intelligenz in den Raum der Berater brüllen usw usw, aber auch das werde ich überstehen und - wie “wir” vom SDS s. A. sagen - “unterlaufen” können. Ad Spinoza: ceterum censeo — vielleicht in Metamorphose eines “Gesprächs”, das H. D. Sander und ich mit Ihnen fuhren sollten?! Dies wirklich nur in Eile und zwischen Zügen und Flugzeugen gesagt und unter Druck einiger Lemuren des Geistes am Orte stehend, den zu verlassen ich aber nicht gewillt bin. Denn es gibt in und an der Freien Universität “Positionen” zu verteidigen trotz des Einmarsches von unzähligen Plagiatoren. Ihnen frohen Mut für 1978 wünschend bin ich stets Ihr Jacob Taubes

usw STW = Suhrkamp Taschenbuch

bespre­

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Briefkopf mit hs. hinzugesetztem Namen und eingefugter Adresse des Absenders; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW

265-15961, Bl. 1-2; dem B rief lag der Artikel

von JT bei Der liebe Gott steckt im

Detail (s. unten) samt Widmung: für Ci. S. als ganz kleine Gegengabe für vieles JT

23.XII.77. - K: DLA Marbach, Nachlass Hans Blumenberg.

Ihre schwer befrachteten Zeilen] vgl. Briefe 7A und 7B

Gershom Scholem (

vom 16. März 1977, in: Gershom Scholem: Briefe, Bd. 3, hg. v. Itta Shedletzky, München: Beck 1999, S. 388: Zwischen uns und um uns stehen auch Tote, gerade solche, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind: Susan Taubes, für die Sie ein Trauma blieben, Josef Weiss, wo wir beide schuldig geworden sind, Peter Szondi,

Paul Celan und George Lichtheim, die trotzdem sie wussten, dass Scholem und Taubes „Feinde“ sind, mit beiden bis ans Ende in Freundschaft verbunden blieben. Jetzt ist auch noch Manes Kartagener heimgegangen, dem wir beide bis ans Finde

)

nicht vergessen kann] vgl. dazu den B riefvon JT an Scholem

(hier zitiert

nach K: ZfL, Nachlass Jacob Taubes)

“respondiert”] Günter Zehm (geb. 1933) war

1977-1989 stellvertr. Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt und ein Förderer von Sander. Im B rief vom 6. Dezember 1977 an J'T schrieb Sander, dass eigentlich er selbst

den Artikel zu Scholems achtzigstem Geburtstag hätte schreiben sollen. Er zog jedoch zurück und schlug Zehm JT an seinerstatt vor (O: ZfL, NachlassJacob Taubes). —Jacob

Taubes: „Der liebe Gott steckt im Detail. Gershom G. Scholem und die messiani- sche Verheißung“, in: Die Welt, Nr. 288, Berlin, 10. Dezember 1977, Welt Report, S. I. Der Artikel trug ursprünglich den 7itel Wozu Geschichte in dürftiger Zeit? Zur

Aktualität Gershom Scholems; er lag dem vorliegenden B riefvon JT bei.

“Carl Schmitt und Walter Benjamin”) Gemeint ist die von JT im

ein Seminar (

als Freunde verbunden blieben. Von Amerika will ich nicht reden (

der “challenge” Günter Zehms (

)

).

)

Sommersemester 1973 am Institutfü r Philosophie und in den Fachrichtungen Evange­ lische Theologie und Judaistik der Freien Universität Berlin unter dem Titel Geschichte

und Theorie: Politische Theologie als Geschichtsphilosophie, zur Geschichtstheorie Carl Schmitts und Walter Benjamins angekündigte Übung für Fortgeschrittene. Im Ankündigungstext des Kommentierten Vorlesungsverzeichnisses heißt es: Frankfur­ ter Positionen und Marxistische Antipositionen sind an Benjamins eigentümlicher Verschränkung einer konservativen Armatur historischer Reflexion und einer mar­ xistisch orientierten Theorie der Revolution vorbeigegangen. Genauer: Benjamin selbst hat die „staatsphilosophischen“ Schriften Carl Schmitts, vor allem seine „Dik­ tatur“ als „Bestätigung (s)einer kunstphilosophischen Forschungsweisen“ bezeichnet (Brief an C.S. vom 9.12.1930). Zu prüfen wäre im Gang der Untersuchung, inwie­ fern Benjamins „Geschichtsphilosophische Thesen“ als Politische Theologie im Gegenzug zur Politischen Theologie Carl Schmitts sich exponieren lassen. JT plante

eine Wiederaufiiahme dieser Veranstaltung als Hermeneutisches Colloquium unter

dem Titel Politische Theologie als Theorie von Revolution und Gegenrevolution am Beispiel von Walter Benjamin und Carl Schmitt fiir das Wintersemester 1978/79. -

CSch hatte von JTs erster Veranstaltung zum Thema CSch und Walter Benjamin und deren Ankündigung im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis spätestens im April /973 erfahren, denn im B riefan Sander vom 23. April 1973 zitiert er den letzten Satz

des Ankündigungstextes undfugte an: Da kann man gespannt sein. Leider sind meine Informationen aus Berlin (wie alle übrigen, ausser denen von Ihnen) fragmentarisch und Zufallsmitteilungen); vgl. Schmitt/Sander, S. 266-267, hier: S. 267.

“Suhrkamp-papier”] JT spielt a u fseine Beratertätigkeitfü r den Suhrkamp Verlag an dessen Briefpapier er wie hier zu verwenden beliebte —, die er nach seinem im Som­ mer des Jahres erfolgten Ausstieg aus der Leitung der Reihe Theorie in anderer Form fortsetzte.

C.

S. Politische Theologie]

Carl Schmitt: Politische Theologie (wie B rief 4, Anm.)

E.

P. Monotheismus 1932] Erik Peterson: „Kaiser Augustus im Urteil des antiken

Christentums. Ein Beitrag zur Geschichte der politischen Theologie“, in: Hochland

30 (1932/33), S. 289-299. Dieserfü r einen breiten Leserkreis geschriebene Aufsatz ist

zusammen mit dem Beitrag „Göttliche Monarchie“, in: Theologische Quartalsschrift

112 (1931), S. 537-564 im nachfolgend erwähnten Traktat aufgegangen.

E. P. Monotheismus-schrift] Erik Peterson: Der Monotheismus als politisches Pro­

blem. Ein Beitrag zur Geschichte der politischen Theologie im Imperium Roma- num, Leipzig: Jakob Hegner 1935, wiederveröffentlicht in-, dcrs: Theologische Trak­ tate, München: Kösel 1951 (Hochland Bücherei), S. 45-147.

C. S. Politische Theologie II] Carl Schmitt: Politische Theologie II (wie B rief 7B,

Anm.) Benjamin Brief] vgl. B rief4, Anm.

J.

B.

Metz (

)

“Politische Theologie”] Der kath. Theologe und Schüler von Karl

Rahner Johann Baptist Metz (geb. 1928) suchte in Abgrenzung zur Politischen Theo­ logie von CSch eine neue Politische Theologe zu begründen; vgl. ders.: .„Politische

Theologie“ in der Diskussion“, in: Helmut Peukert (Hg.): Diskussion zur „poli­ tischen Theologie“, Mainz / München: Matthias-Grünewald-Verlag / Chr. Kaiser

Verlag 1969, S. 267-301. Im Jahr der Abfassung des vorliegenden Briefes wurden Metz’ Thesen als Teilabdruck wiederveröffentlicht unter dem Titel Dogma als gefährliche

Erinnerung, in: ders.: Glaube in Geschichte und Gesellschaft. Studien zu einer praktischen Fundamentalrheologie, Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag 1977, S.

176-180. - Dorothee Steffensky-Sölle, geb. Nipperdey (1929-2003), evang. Theologin,

vgl. dies.: Politische Theologie, Stuttgart: Kreuz-Verlag 1971. -

Hans Maier (geb.

1976-1986

Präsident des Zentralkomitees der dt. Katholiken, vgl. ders.: Kritik der Politischen

Theologie, Einsiedeln: Johan nes Verlag 1970 (Kriterien 20).

“D+H”] der Verlag Duncker & Humblot, in dem zahlreiche Schriften von CSch erschienen sind

Dixi e t

1931). 1970-1986 bayerischer StaatsministerJu r Unterricht und Kultus,

] Dixi et salvavi animam meam, lat., Ich habe gesprochen und meine Seele

gerettet, vgl. Ezechiel 3,19. H. D. Sander ein Projekt (

Über beide Pro­

jekte, die Anthologie zur Politischen Theologie wie den Sammelband über CSch und die

Literatur, hatte Sander CSch in einem am Vortaggeschriebenen B riefunterrichtet und dabei auch von einem Telefonat zu diesem Themenkomplex zwischen ihm und JT vom 21. Dezember 1977 berichtet, vgl. Schmitt/Sander, S. 420-421. Nach langem Zögern antwortete CSch Sander am 19. Januar 1978: Suhrkamp kommt nicht in Frage; für

)

C. S. Materialien zur Literatur]

mich jedenfalls nicht (ebd., S. 428). weniges ad Däublcr, Konrad Weiss (

)

Hamlet interpretation] Seit 1912 war

CSch m it dem Dichter und Kunstkritiker Theodor Däubler (1876-1934) bekannt, dessen Werk, v. a. dessen monumentales Versepos Nordlicht (begonnen 1901, erste Fass- sungin 3 Bdn. 1910) er zeitlebens bewunderte. Vgl. Carl Schmitt: Theodor Däublers

„Nordlicht“. Drei Studien über die Elemente, den Geist und die Aktualität des Werkes, München: Georg Müller 1916; vgl. auch ders.: „Zwei Gräber (Sommer 1946)“, in: ders.: Ex Capdvitate Salus (w ieB rief 7A, Anm.) S. 35-53, bes. S. 45-51.

- Zu dem Journalisten und katholischen Lyriker Konrad Weiss (1880-1940) vgl. ebd.,

S. 51-53. - Zu Hamlet oder Hekuba vgl. B rief4, Anm. Sl)S s. A.] Sozialistischer Deutscher Studentenbund seligen Angedenkens

ceterum enseo] lat., im übrigen meine ich; Anfang der formelhaften Wendung, mit der Cato d. A. im römischen Senat regelmäßig zur Zerstörung Karthagos auftief.

9 SCH M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 10.2.1978

Verehrter Herr Taubes: wenn es denkbar ist, dass wir uns Ende Febru­

ar sehen, werde ich alles tun, was von mir aus möglich ist, um eine sol­ che persönliche Begegnung herbeizuführen. Das ginge aber nur hier

in Pasel, und unter vier Augen. Ich überlasse es Ihnen, die Zeit zu

bestimmen. Riskieren wir es. Herrn Dr. Sander verdanke ich die

Adresse, an die ich diese Zeilen schreibe.

10/2/1978

D 597 Plettenberg-Pasel 11c

Ihr

Carl Schmitt

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; ZfL, NachlassJacob Taubes.

Herrn Dr. Sander verdanke ich die Adresse] in seinem Schreiben an JT vom 12.

hebruar 1978 berichtet Hans-Dietrich Sander: Wenn nicht noch etwas dazwischen

kommt, wird es Ende Eebruar mit einem Besuch bei Carl Schmitt klappen. Er ist mit einem Besuch einverstanden und hat Ihnen, wie er mir schrieb, darüber auch nach Chantilly Mitteilungen gemacht. Allerdings möchte er kein Gespräch zu dritt, sondern unter vier Augen. Ich finde das verständlich und vielleicht auch besser so. Ich dachte mir schon, dass ich ihn dabei stören würde. Bitte, machen Sie nun kei­

nen Rückzieher!!! (O: ZfL, Nachlass Jacob Taubes)

10

TAUBES AN SCH M ITT PARIS, 21.2.1978

Maison des Sciences de l’Homme Fondation reconnue d’utilité publique 54, boulevard Raspail 75270-Paris Cedex 06 Téléphone: 544 38 49

Les Fontaines, F 60 Chantilly Paris, le den 21.2.1978

Verehrter Herr Schmitt, erst vor einer Woche bin ich nach Chantilly zurückgekehrt und habe gleich verschiedene Abmachungen für Deutschland getroffen, so dass ich auf dem Rückweg von Berlin wo ich zwischen 26. 2. und 1. 3. wohl “stationiert” bin über Plettenberg zurück nach Chantilly gelan­

ge-

Das genauere Wie kann ich erst von Berlin aus planen und will Sie sofort verständigen und erfragen welcher Termin Ihnen genehm ist. Auch das Wie der Reise kann ich erst in Berlin erkunden. Inzwischen lese ich zur Tröstung von Mal zu Mal ex captivitate salus, das in Paris auch E M Cioran genauestens kennt. Warum soll KASSIBER nicht etwas von der “Weisheit der Zelle” an eine Generation vermitteln, die es dringend brauchen wird? Und was ist an Historiographia in Nuce - seit nun dreissig Jahren —veraltet? Im

Gegenteil: jetzt erst kann man ohne apologia pro vita sua verstehen, dass nostra res agitur. Heute freilich müsste das “silete” sich nicht an Theologen richten, eher an einen ganzen Schwarm von Soziologen,

Psychologen

Darüber und über anderes baldAug in Aug, Freundlich grüsst Sie Ihr Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Brießopft HStA Düsseldorf, Nachlass Carl

Schmitt, RW265-15962. - K: ZfL, Nachlass Jacob

Taubes.

Verehrter Herr Schmitt,] darüber hs. Vermerk von CSch: beantwortet] 24/2/78

nach Chantilly zurückgekehrt] JT nutzte im Wintersemester 1977/78 ein Freise­

mester, um sich m it Unterbrechungen von Ende November bis Ende März nach

Fontaines in Gouvieux bei Chantilly nahe Paris zurückzuziehen. Die Domaine Les Fontaines war ursprünglich ein landwirtschaftliches Gut, das 1878 vom Pariser Zweig der Familie Rothschild erworben und zum Schloss umgebaut wurde. Später gelangte es

Les

in den Besitz des Jesuitenordens, der es von 1970 bis 1998 ah Tagungszentrum Centre Culturel des Fontaines m it einer reich ausgestatteten Bibliothek verwendete. JTs wieder­

holte Aufenthalte dort ließen das Gerücht entstehen,

ex captivitate salus] Carl Schmitt: Ex Captivitate

er selbst seiJesuit geworden. Salus (wie B rief 7A, Anm.)

I M Cioran] Emile M ichele Cioran (1911-1995), rumän. Schriftsteller, der in seiner lugend m it den antisemitischen und faschistischen Bewegungen Europas sympathisierte

und sich fü r die Legion Erzengel Michael - die sogenannte Eiserne Garde —seines

Ileimatlandes publizistisch einsetzte, wie seit den

Humboldt-Stipendiat, er hörte u.a. an der Univ. Berlin bei CSch. Seit 1937 in Paris, wo er ah freier Schriftsteller lebte und seit 1949 ausschließlich a u f Frz. publizierte; Cioran war mit JT bekannt, zu dessen Festschrift zum sechzigsten Geburtstag Spiegel

und Gleichnis, hg. v. Norbert W. Bolz u. Wolfgang Hübener, Wiirzburg: Königs­

1990er Jahren bekannt ist. 1933-35

hausen und Neumann 1983, er die Miszelle Einige Sätze

verfasste (ebd., S. 423).

"Weisheit der Zelle”] CSchsgleichnamiger Essay wurde erstmalig in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26. August 1950publiziert; er erschien im selben Jahr in

Carl Schmitt: Ex Captivitate Salus (wie B rief 7A, Anm.), S. 55-78, mit dem Zusatz April 1947. 1listoriographia in nuce] Carl Schmitt: „Historiographia in nuce: Alexis de Toc- t|ueville (August 1946)”, ebd., S. 25-33. apologia pro vita sua] lat., Verteidigung seines Lebens,' John Henry Newman:

Apologia pro vita sua. Being a Pamphlet, entitled „What, then, does Dr. Newman mean“, London: Longman, Roberts & Green 1864; diesefü r viele wirkungsmächtige

GLiubensautobiographie sollte ihren 1845 zum Katholizismus konvertierten Verfasser gegenüber Anfeindungen rechtfertigen, in denen ihm vor allem Opportunismus vorge­ worfen wurde.

nostra res agitur] lat., es geht um unsere Sache; Variation der bekannten Wendung des Horaz tua res agitur, vgl. ders.: Epistulae/Briefe 1, 18, 84. silete] silete, theologi, in munere alieno, lat., Theologen, schweigt auf fremdem

Gebiet, einer der Lieblingsaussprüche von CSch, vgl. Carl Schmitt: Der Nomos der

Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum, Köln: Greven 1950, S. 96:

Am Anfang des neuen europäischen Völkerrechts steht ein Aufruf des Albericus ( ientilis, der den Theologen in der Frage des gerechten Krieges Schweigen gebietet:

„Silete Theologi in munere alieno!".

11

SCH M ITT AN TAUBES PLETTENBERG, 24.2.1978

D 597 Plettenberg-Pasel 11 c (Tel. 02391/3265) den 24. Februar 1978

Verehrter Herr Taubes, Ihr Brief aus Chantilly hat mich beglückt: Ihre Äusserung zu Ex Cap- tivitate, die Mitteilung zu Cioran und vor allem: die Ankündigung Ihres Besuches. Vielen Dank! Aber Pasel ist ein neben den Verkehrs­ strassen zwischen Plettenberg-Finnentrop gelegenes Dörfchen, als sol­ ches meiner Rand-Existenz adäquat, aber für Besucher (namentlich im Winter) nicht ohne weiteres zu finden. Sollen wir unser Gespräch als obiter dictum in ein kompliziert eiliges (Eile ist das Schlimmste) Reiseprogramm einklemmen? Besser kein Gespräch als ein halbes. Ich kann mir die Ruhe eines allwissenden Greises erlauben, ein »tout ce qui arrive est adorable«; doch darf ich sie nicht einem Besuch zumu­ ten, der aus fernen Welten kommt. Mein Terminkalender ist beinahe so übersichtlich wie der des Diogenes; Ihre Zeiten sind an total anders strukturierten Räumen, Wegen, Linien und Vehikeln orientiert. Bestimmen Sie also von sich aus; ich bin dankbar, wenn mir eine Ent­ scheidung abgenommen wird. Nochmals herzlichen Dank für Ihren Brief vom 21. Februar und freundliche Grüsse Ihres

Carl Schmitt.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; ZfL, Nachlass Jacob Taubes. - Entwurf. Hs, in Ste­ nogramm ausgefiihrt; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW 265-21927, Bl. 14.

obiter dictum] lat., nebenbei Gesagtes, juristischer Terminus, der rechtliche Aus- führungen eines Gerichts zur Urteilsfindung bezeichnet, die über das fü r das Urteil Erforderliche hinausgehen; entsprechend beruht die gerichtliche Entscheidung nicht a u f diesen Ausführungen.

»tout ce qui arrive est adorable«] frz., alles was geschieht ist gut, häufig verwendeter

Ausspruch CSchs, der a u fden von ihm sehr geschätzten frz. Schriftsteller und überzeug­ ten Katholiken Leon Bloy (1846-1917) zurückgeht, vgl. ders.: Le mendiant ingrat.

Journal de l’auteur (1892-1895), Bd. 2, Paris: Mercure de France 1898, S. 218.

Diogenes] Diogenes von Sinope, griech. Philosoph des 4. vorchristl. Jahrhunderts, Kyni­ ker, zeichnete sich durch seine Bedürfnislosigkeit und seinen schlagenden Witz aus, wie viele Anekdoteti überliefern.

12 TAUBES AN SCH M ITT BERLIN, 2.3.1978

Freie Universität Berlin Fachbereich 11 Philosophie 1 Berlin 33, den 2. März 1978

und Sozialwissenschaften Institut für Philosophie

Gelfertstrasse 11 Ruf: Durchwahl 838 21 07

Verehrter Herr Schmitt, eben erst am Erkelenzdamm angekommen, da ich bei Freunden in der Nähe der Universität übernachtet, um bereit für Institutionen und Präsident zu stehen in re auch H D Sander! Verehrter Herr Schmitt, mein Besuch bei Ihnen ist kein “Pflichtbe­ such” oder gar einer der Höflichkeit, sondern kommt aus dem Bedürf­ nis in den Wirrnissen der Geschäfte des Tages mal anzuhalten und politische und spirituale Messung vorzunehmen. Ich nehme mir Zeit, weiss oder besser wusste nicht recht, wie viel von Ihrer Zeit Sie zur Verfügung stellen können. H D Sander und / oder Karlfried Gründer werden mich schon instruieren, wie man nach Plettenberg kommt, wie und wo ich mich einquartiere, um frei für Sie zu sein. Ich will vorher alles hier und in Frankfurt abschliessen, um auch geistig frei zu sein für ein Gespräch, das, wenn es gelingt, eine Spur hinterlassen kann. Ein Gelingen lässt sich nicht erzwingen, aber ich weiss es zu schätzen, dass Sie besorgt um die Möglichkeit, hart auf den Bedingungen der Möglichkeit beharren. Seien Sie gewiss, ich eile nicht, Plettenberg [ist] keine Zwischenstation für mich! W ir können nur hoffen, dass es uns gelingt Aug in Aug, auch im Ungesagten, ein Stück Wahrheit, einen Zipfel nur vielleicht festzuhalten zu können. Denn Wahrheit und Wahrhaftigkeit ist, wie der Talmud sagt, zwar nicht Gott aber Siegel Gottes, vor dem wir im Jüngsten Gericht von den Toten, dem Tode, auferstehend erscheinen werden. Dessen bin ich gewiss, sonst könnte post Auschwitz ich nicht atmen.

Und was die durchschnittliche Aufklärung und den redlichen Atheis­ mus post Nietzsche und Max Weber angeht, sagte ich letzten Freitag der KASSIBER gruppe: wir müssen auch ihm gegenüber unsere “iro­ nische Distanz” bewahren. “Auch der .redliche“ Atheismus könnte - Gott behüte! - nicht wahr sein”. Was einigen zu denken gab. Dies nur erwähnt, um Ihnen anzudeuten, dass auch die riskantesten Passagen von Ex Captivitate salus übers Stossgebet und über Ihr Gebet für Bodin und Hobbes nicht als literarische Floskeln gelesen, sondern ernstlich gehört wurden.

Herzlich Ihr Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Briefkopf; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-15963, Bl. 1-2.

Erkelenzdamm] JT wohnte von 1978 bis 1982 am Erkelenzdamm Nr. 17 in Berlin- Kreuzberg.

in re auch H D Sander] JT bemühte sich m it der Unterstützung seines Kollegen Wolf­

gang Hübener um eine Gastdozentur fiir Sander am Institut flir Philosophie der FU Berlin fü r das Sommersemester 1978. Dazu kam es jedoch erst ein Semester später, als

Sander das Seminar Zur Ethik und Ästhetik des Lehrstücks am Beispiel der „Maß­ nahme“ von B. Brechr (mit Ansätzen zur Terrorismus-Debatte) und die Vorlesung Historisch-kritische Einführung in die Kunsttheorien des Marxismus - K. Marx und E. Engels hielt.

Gründer] Karlfried Gründer (1928-2011), Philosoph und Philosophiehistoriker, Pro­ motion 1954 an der Univ. Münster bei Joachim Ritter, dort Habilitation 1965, 1967 apl. Prof, 1969 Prof, fiir Philosophie an der Univ. Bochum, 1978-1996 an der FU

Berlin. Von Joachim Ritters Tod 1974 bis

1998 Haupthg. des Historischen Wörter­

buchs der Philosophie, 13 Bde., Basel: Schwabe 1970-2007, Gründer stand seit

1958 mit CSch in Kontakt.

H D Sander (

1978 erklärte Sander: Zu Ihrer Reise nach Pasel: Sie müssen einen Zug wählen oder

unterwegs in einen Zug umsteigen, der in Rönkhausen hält. R. ist von Siegen aus

eine Station vor Plettenberg, von Hagen aus eine Station nach Plettenberg. Der Gasrhof in R., den ich Ihnen empfehle, heisst „Im stillen Winkel“, Inh. Hubert

Huss, Tel. 02395-371. (O: ZfL, NachlassJacob Taubes)

in Frankfurt] gem eint ist JTs Tätigkeit fü r den dort ansässigen Suhrkamp Verlag, vgl.

B rief8, Arirn.

einen Zipfel vielleicht nur festzuhalten zu können] Anspielung a u f Franz Kafka:

Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande, in: ders.: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem Nachlaß, Frankfurt am Main: S. Fischer 1953, S. 121: Ich bin nicht von der allerdings schon schwer sinkenden Hand des Christentums ins Leben geführt worden wie Kierkegaard und habe nicht den letz­ ten Zipfel des davonfliegenden jüdischen Gebetsmantels noch gefangen wie die Zionisten. Ich bin Ende oder Anfang.

)

nach Plettenberg kommt] In seinem B riefan JT vom 23. März

Wahrheit und Wahrhaftigkeit ist (

)

Siegel Gottes] vgl. Babylonischer Talmud,

Traktat Schabbat 55a: Rabbi Chanina sagte: Wahrheit ist das Siegel des Heiligen,

et sei gepriesen.

der .redliche1Atheismus] vgl. Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral. Eine

Streitschrift, in: ders.: Werke, hg. v. Giorgi Colli u. Mazzino Montinari, Abt. 6, Bd.

2, Berlin / New

ist die Ehrfurcht gebietende

K atastrophe einer zweitausendjährigen Zucht zur Wahrheit, welche am Schlüsse

sich die Lüge

Gebet für Bodin und Hob-

hes] Carl Schmitt: Ex Captivitate Salus (wie Brief 7A, Anm.J, S. 61: Das letzte Asyl für einen von Menschen gequälten Menschen ist immer ein Gebet, ein Stoßgebet zu dem gekreuzigten Gott. In der Schur des Schmerzes erkennen wir ihn und erkennt er uns. sowie ebd., S. 67-68: Man soll nicht zuviel von seinen Freunden sprechen. Jeder die­

ser beiden [=

T.tssagen von Ex Captivitate salus übers Stossgebet (

York: De Gruyter 1968, S. 257-430, hier: S. 427 (Dritte Abhand­

]

)

lung, 27): Der unbedingte redliche Atheismus [

im G lauben an G ott verbietet.

Thomas Hobbes und Jean Bodin\ ist mein Freund, so verschieden sie im

übrigen sein mögen, so fromm und abergläubisch der eine, so desillusioniert und auf­ klärerisch der andere. Ich lasse es mir auch nicht verwehren, für ihre Seele zu beten.

I3A

SC H M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 13.3.1978

597 Plettenberg-Pasel 11 c den 13. März 1978

Verehrter Herr Taubes:

surtout pas trop de zèle! Ihr Brief aus Les Fontaines (vom 21. Februar) ist für mich ein guter Anfang eines guten Gespräches geworden. Für tlie durch Herrn Sander übermittelten Informationen über Zeitpro­ gramme danke ich vielmals. W ir können bis ins Frühjahr hinein war­ ten. Wenn Sie praktisch eilige Fragen an mich haben, bitte ich Sie zu bedenken, dass ich (unter total verdrehten Fragestellungen) von Rechts und von Links zur blossen Zielscheibe geworden bin und die täglich wechselnden Fronten nicht mehr wahrnehme; kein brauchba­ rer Kamerad also für den praktisch Tätigen, »dieweil er eben lädt«. Berühren Ihre Fragen aber »arcana« die diesen Namen verdienen (wie z. B. meine über 40 Jahre lange, erst ausdrückliche, dann schweigende Auseinandersetzung über Thomas Hobbes mit Leo Strauss) dann tue ich gern das Mögliche und das Unmögliche, um ein Gespräch à vive voix und unter vier Augen zustande zu bringen.

Dieses Frühjahr hat meinem bescheidenen Rest von psychosomati­ scher Vitalität arg zugesetzt. Die Erinnerung an das Jahr 1930 in Ber­ lin und an Walter Benjamins Brief aus dieser Zeit (und mehrere solche Contemporaneitäten, z. B. Bert Brechts »Massnahme«) hält mich noch wach —nachdem §je mich mit Ihrem Brief neu belebt haben. Ihr

Carl Schmitt

für Ihr Hobbes Material P.S. Hinweis auf die Rezension einer Edition von Th. Hobbes polemi­ scher Abhandlung gegen White; die Edition ist überaus verdienstlich und dankenswert; sie ist 1973 bei J. Vrin (Paris) erschienen; Autoren der Edition [sind] Jean Jacquot und Harold Whitmore Jones; Autor der Rezension ist E. G. Jacoby, Wellington (Neuseeland); Erschei­ nungsort der Rezension Archiv f. Geschichte der Philosophie, Bd. 59, 1977, Seite 156-166; Titel der Rezension: „Der Anti-White des Tho­ mas Hobbes.“ Es handelt sich um eine Polemik, die Hobbes gegen White über naturwissenschaftliche Fragen (Galilei!) geführt hat; 1643 geschrieben (also kurz nach de Cive). Jacoby benutzt diese Edition zu einem Seitenhieb gegen die bisher (d. h. in den letzten 25 Jahren) „im deutschen Sprachraum“ „etwa mit Leo Strauss und Carl Schmitt“ betriebene „vorzugsweise Beschäfti­ gung mit der Politik des Hobbes“; diese haben einem „Nachholbedarf an Quellenforschung alles andere als nachhelfen können.“ (S. 162 der Rezension)

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; ZfL, NachlassJacob Taubes. —E ntwurf Hs, Stenogramm, irrtümlich datiert a u f US. Juni 1976, die Jahresangabe später m it Bleistift korrigiert zu 1978, der E ntwurfentspricht nahezu wörtlich dem B rief HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-21927, Bl. Br.

13. März 1978] im O irrtümlich: 13. März 1976 surtout pas trop de zèle] ftrz., nur keinen Übereifer; eines der Motti des frz. Staats­

manns Charles-Maurice de Talleyrand-Perigord (1754-1838), das er Diplomaten fu r Verhandlungen mit a u f den Weg gegeben haben soll; vgl die mit der Zueignung Für

Carl Schmitt in Freundschaft und Verehrung versehene Studie von Franz Blei: Tal- leyrand oder der Zynismus, Berlin: Rowohlt 1932, das Zitat dort nicht wörtlich, aber

der Sache nach. arcana] vgl. B rief3, Anm.; hier auch in der Bedeutung eines Wissens, das nicht allen zugänglich ist

Ihr Brief aus Les Fontaines (vom 21. Februar)] vgl. B rief 10

meine über 40 Jahre lange (

)

Auseinandersetzung über Thomas Hobbes mit

I,co Strauss] CSch spielt hier in einer Verdichtung a u fseine Debatte der 1930erJahre

tmt Leo Strauss an, vgl. ders.: „Anmerkungen zu Carl Schmitt .Der begriff des Politi- ■i lien1“, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 67 (1932), S. 732-749,

inwie a u f deren Fortsetzung in den 1960er Jahren, die freilich nicht explizit geführt wurde, vgl. Briefe 7A und 7B, Anm.

h vive voix] de vive voix,frz., mündlich llcrt Brechts »Massnahme«] Das Lehrstück Die Maßnahme von Bertolt Brecht mit

Musik von Hanns Eisler wurde am 13. Dezember 1930 in der alten Berliner Philhar­ monie in der Bemburger Straße uraufgefuhrt. liir Ihr Hobbes Material] JT kündigte am Institut fü r Philosophie der FU Berlin Jur

das Sommersemester 1978 die Vorlesung Die Anfänge bürgerlicher Aufklärung: Hob­ bes und Spinoza (nur für Fortgeschrittene) an. Abhandlung gegen White] Thomas Hobbes: Critique du De Mundo de Thomas White, hg., eingel. u. komm. v. Jean Jaquot und Harold Whitmore Jones, Paris:

Vnn 1973. Die Handschrift dieses Texts von 1643 war bis dahin unentdecktgeblieben.

( ialilei] Dialogo di Galileo Galilei sopra i due Massimi Sisremi del Mondo Tole- maico e Copernicano, Florenz: Landini 1632, dt.'. Dialog über die beiden haupt­ sächlichsten Weltsysteme, das ptolemäische und das kopernikanische, Leipzig: B.

t

de Give] Thomas Hobbes: Elementa philosophica de Cive, Amsterdam: Elzevir

Teubner 1891.

1647, erschien 1642 als Privatdruck.

„im deutschen Sprachraum“] E. G. Jacoby: „Der ,Anti-White‘ des Thomas Hob­

bes“ (wie im B rief angegeben), S. 162: Aber ehe wir hierauf [auf den B egriff der

Metaphysik] eingehen, muß der enge Zusammenhang des „Anti-White“ mit den vielfältigen Vorarbeiten zu Hobbes’ Elementa Philosophica, insbesondere zu De Cor­ pore, hervorgehoben werden. Zumal was die Quellenforschung betrifft, besteht in dieser Hinsicht möglicherweise im deutschen Sprachraum ein gewisser Nachhol­ bedarf, dem die vorzugsweise Beschäftigung mit der Politik des Hobbes (etwa seit 1,co Strauss und Carl Schmitt) alles andere als hat abhelfen können. Vgl. die Fuß­ note: Hierzu A. Pacchi, Cinquant anni di studi hobbesiani, Rivista di Filosofia 57 (1966), S. 306-335, bes. S. 317ff.

13B

SCH M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 13.3.1978

ENTW URF ZUM ANHANG VON 13A

13/3/78

l’S. für Ihr Leo-Strauss-Material. I.ine verdienstliche und dankenswerte vollständige Edition eines (bis­ her nur unvollständig bekannten) Hobbes-Aufsatzes gegen White aus

dem Jahre 1643 (also kurz nach De Cive) durch Jean Jacquot et Harold Whitmore Jones, 1973 bei Vrin in Paris erschienen, wird in einem Aufsatz des Archiv f. Geschichte der Philosophie, Bd. 5 9 ,1977. Seite 156-166, von E. G. lacoby, Wellington (Neuseeland), Titel die­ ses Jacoby-Aufsatzes »Der Anti-White des Thomas Hobbes«

benutzt, um den Schwerpunkt der Hobbes-Forschung von der

tik“ auf die philologisch-historische Forschung zu verlagern; in den

letzten 25 Jahren hat dieser Schwerpunkt „im deutschen Sprachraum“

etwa (

holbedarf in der Hobbes-Forschung“ (sic) erzeugt, dem diese politi­ sche Seite der Sache „alles andere als hat nachhelfen können“ (sic, p. 163 der Besprechung Jacobysf).]

Poli­

mit Leo Strauss und Carl Schmitt“!)! einen „gewissen Nach­

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW 265- 21927, Bl. 9r.

13/3/78] daneben von CSch eingefugt: Mitteilung an B. Willms, 28/7/78 - Bernard

Willms (1931-1991), Politologe und Philosoph, 1964 Promotion, 1969 Habilitation und von 1970 an Professorfü r Politische Wissenschaft an der Univ. Bochum; von ihm erschienen mehrere Bücher zu Hobbes, die sich im Besitz von CSch befanden mit

dem Willms seit 1960 bekannt war so ders.: Revolution und Protest oder Glanz und Elend des bürgerlichen Subjekts. Hobbes - Fichte - Hegel - Marx - Marcuse, Stuttgart / Berlin: W. Kohlhammer 1969: Die Antwort des Leviathan. Thomas Hobbes’ politische Philosophie, Neuwied /Berlin: Luchterhand 1970; Der Weg des Leviathan. Die Hobbes-Forschung von 1968-1978, Berlin: Duncker & Humblot (Der Staat, Beiheft 3) 1979.

14 TAUBES AN SCH M ITT

BERLIN, 8.4.1978

Jacob Taubes Maison des Sciences de I’Homme

—>Erkelenzdamm 17 1 B 36

Sehr verehrter Herr Schmitt, da die FU nicht zeitig genug in re H D Sander reagiert hat (der Präsident ist in Leningrad!), muss ich schleu­ nigst zurück in die Löwengrube. Die jüdischen Pessach/Ostertage fal-

Ion dieses Jahr (Schaltmonat) [auf] April 21/28 die in Zürich ich ver­ bringen muss, um meine Tochter im Augenblick in Israel nahe I iberias und meinen Sohn, New York, zu vereinen. I >ie Kirche nennt sich jetzt - in Frankreich stolz - “peuple nomade”, obwohl sie ganz fest in französischer Erde beheimatet, wir jedoch haben es in unseren Geist und in unser Fleisch eingetrieben, aber "sehnen” uns (wirklich?!) nach nichts mehr als nach “Landnahme” und “Ruhe” (tmchala und menucha. beides Grundvokabeln des Deuteronomions). Viel über “katechontische” Form der Existenz nachgedacht, da hinein auch das Mysterium Judaicum gehört. Die Hobbes/Spinoza Vorle­ sung fürs Sommersemester abgesagt, weil ich zuerst mit Ihnen darü­ ber sprechen will. Ich melde mich, sobald ich klar sehe, wie meine Berliner Verpflich­ tungen mich beanspruchen. Herzlich Ihr

J. Taubes

t UiIRL IEFER UNG O: Hs, gedruckter Briefkopf mit hs. hinzugesetztem Namen des

Absenders; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-15964, Bl. I; beiliegend

ein Blatt mit Stenogramm-Notizen, RW 265-15964, Bl. 2, sowie der Briefumschlag, RW 265-15964, Bl. 3, m it hs. Notiz Schmitts: 14. April 1978.

III',Kl.IN, 8.4.1978] Datum des Poststempels a u fdem Briefumschlag

I rkclenzdamm 17 1 B 36] darunter hs. Notiz von Schmitt: erhalten 11 /4/78

Pessach/Ostertage] Hebr. Pessach, griech. Pascha, eines der großen jüdischen Feste biblischen Ursprungs, gefeiert vom 14. bis 21. bzw. 22 Nissan in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Pessach kann m it den Ostertagen kalendarisch zusammenfallen. Bride Feste zu vergleichen - wie JT es hier tut - ist eine Übersetzung von Jüdischem ins ( christliche, inhaltlich haben sie nichts miteinander zu tun, außer dass Jesus den Evan­ gelien zufolge am Vorabend von Pessach gekreuzigt wurde und das christliche Ostern ja gerade an Kreuzigung und Auferstehung erinnert.

da die FU nicht zeitig genug in re H D Sander reagiert hat] vgl. B rief 12

meine Tochter (

)

meinen Sohn] Tania (geb. 1957) und Ethan Taubes (geb. 1954),

dir Kinder aus JTs erster Ehe m it der Religionsphilosophin und Schriftstellerin Susan

Feldman (1928-1969).

"peuple nornade”] ftrz., wanderndes Gottesvolk, spielt a u fdie Wüstenwanderung des

l 'olkes Israel an, dessen klassische Heibzeit. In der Dogmatischen Konstitution des Zwei­ ten Vatikanischen Konzil über die Kirche, Lumen Gentium (dt.: Licht der Völker], am 21. November 1964 verabschiedet und von Papst Paul VI. promulgiert, übernahm die katholische Kirche diese Formel und wandte sie a u fsich selbst an —ein theologisches Paradox, das JT hieranspricht. n.u hala und menucha] Das hebr. nachala bezeichnet im Deuteronomium (Dtn) den Besitz Jahwes bzw. des erwählten Volkes und wird von Luther mit Erbteil übersetzt,

vgl. Dtn 4,21. M it hebr. mnucha, dt.: Ruhe, wird dieser Besitz im Unterschied zur Unruhe des Wüstenzuges charakterisiert, vgl. Dtn 12,9 (zu Beginn der Verkündigung

der Gesetze durch Moses): Denn ihr seid bisher noch nicht zur Ruhe und zu dem Erbteil gekommen, das dir der Herr, dein Gott, geben wird. “katechontische” Form der Existenz] Von katechon, griech. Aufhalter, Im deute-

ropaulinischen Zweiten Brief an die Thessalonicher bezeichnet diese rätselhafte Figur eine geheimnisvolle Macht, die die Ankunfi des Antichristen verzögert und somit das

Enden der Zeiten aufhält. JT zitiert in Carl Schmitt - ein Apokalyptiker der Gegen­ revolution, in: Ad Carl Schmitt, S. 22 (vgl. Texte VII) eine Passage aus Der Nomos der Erde, die CSchs Stellung zum katechon markiert: „Ich glaube nicht, daß für einen ursprünglich christlichen Glauben ein anderes Geschichtsbild als das des Kat echon überhaupt möglich ist. Der Glaube, daß ein Aufhalter das Ende der Welt zurückhält, schlägt die einzige Brücke, die von der eschatologischen Lähmung alles menschlichen Geschehens zu einer großartigen Geschichtsmächtigkeit wie der des christlichen Kaisertums der germanischen Könige fuhrt.“ (vgl. Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum, S. 29.) —Zu CSchs Diskussion des katechon, vgl. Blumenberg/Schmitt, S. 138-140. Hobbes/Spinoza Vorlesung] vgl. B rief I3A, Anm.

15 TAUBES AN SCH M ITT

PARIS, 18.9.1978

Jacob Taubes Maison des Sciences de l’Homme Fondation reconnue d’utilité publique 54, boulevard Raspail 75270 Paris cedex 06 Tél. 544 38 49

Paris, den 18. September 1978

Verehrter Herr Schmitt, lassen Sie mich Ihnen nochmals Dank sagen für Ihre freundliche ja freundschaftliche Aufnahme, für Ihre Geduld und fiir Ihre Offenheit mit der Sie auch von den Fehlschlägen im langen Leben eines Legisten sprachen. Auch in seinen Fehlschlägen, so darf ich ein Wort variieren, das mir noch aus Studentenzeiten im Ohr klingt, “ein unvergleichli­ cher politischer Lehrer”. Just als Erzjude weiss ich zu zögern den Stab zu brechen. Weil in all dem unaussprechlichen Grauen wir vor einem bewahrt blieben. Wir

hauen keine Wahl: Hitler hat uns zum absoluten Feind erkoren. Wo aber keine Wahl besteht, auch kein Urteil, schon gar nicht über ande­ re. Was nicht heisst, dass es mich nicht umtreibt zu verstehen was eigentlich” (gar nicht im historistischen Sinn, sondern eher im escha- lologischen des Ernstfalls) geschehen ist —wo die Weichen in die Katastrophe (unsere und die Ihrige) gestellt wurden. Was uns doch /um Ihema Politische Theologie bringt, zu jener “parthischen Atta-

t ke” Petersons. 1)ie brave und gediegene Arbeit der Heidelberger hat, wie ich Ihnen schon andeutete, das Problem nur verdeutlicht. Alles Wichtige steht schon in Politische Theologie II, freilich als Kritik Petersons - ohne zu bemerken, dass die “Schwächen” Petersons seine Stärke, seine Aktua- liiät —1935 - ist. Gewidmet Sancto Augustino, eingeleitet durch ein ( icbet dass dieser Kirchenvater in einer “Wende der Zeiten” (ich zitie­ re aus dem Gedächtnis) uns auch heute beistehen möge, beschlossen durch einen Hinweis auf Carl Schmitts “Politische Theologie” - mit einem in die Anmerkung exilierten letzten (sic) Hinweis über die

theologische Unmöglichkeit einer politischen Theologie

einmalige Einleitung und Ausleitung war (und ist) ganz an Sie gerich­ tet (gewesen). Bei einem so bedeutenden Stilisten wie Peterson gilt nicht (nur), was er oft wiederholt, also mit einem Computer aufgear­ beitet werden kann (und soll), sondern vornehmlich gilt [es] aufzu­ horchen, was einmalig, blitzartig eingeführt ist; seinen “Sprung” (von Eusebius zu Augustin) gilt’s zu beachten. Als ob “Professor” Erik Peterson [einen] solchen selbst nicht “bemerkt” hätte und hätte, wenn er wollte, [den Text] nicht “besser”, akademisch zünftig zubereiten können! Einmalig sind, das haben Sie herausgefunden, der Ausdruck “Führer”, einmalig der Hinweis auf “christliche Ideologie” für das Theologume- non des Euseb. Erstaunlich auch der Hinweis auf Civitas Dei III 30, der “historisch” nichts hergibt, aber 1935 brisant aktuell [war]: caecus atque improvidus futurorum, verschlüsselt warnend an Sie sich wen­ det - und Sie nicht erreicht. Sie haben keinen besseren Freund als Peterson gehabt, den Sie auch auf den Weg zur Ecclesia gebracht haben. “Treu sind die Wunden, die der Pfeil eines Freundes schlägt” (kurz auf hebräisch: ne’emanim pizei ohew) sagt der Psalmist irgend­ wo (hier im “Maison” [ist] keine Bibel zur Hand). Es ist kein “Parther- l'feil”, sondern ein Christen-Pfeil der Pfeil Petersons.

diese ganz

Obwohl ich es gar nicht leicht nehme, dass das Naziprogramm vom “positiven Christentum” sprach und man dies sowohl katholisch wie

protestantisch “ernst” nahm (nehmen wollte, aber auch konnte: Hitler und Goebbels waren auch nie aus der “Kirche” ausgetreten, also wenn ich recht verstehe, haben auch “Kirchensteuer” bis zu letzt bezahlt!), so war doch mit der “Rassen’frage eine politische “Theo-zoologie” (der Ausdruck stammt nicht von mir, sondern von Liebenfels, der ihn “positiv” meint und an Hitler weitergibt) eingeleitet und eingeläutet, die hätte aufhorchen lassen müssen. Oder nicht? Ich kann das nicht

vom Innenraum der Kirche her hören

ich will nur “verstehen” ler­

nen, wieso hier nicht die Grenze - empfunden wurde, trotz Röm 13- Ich versuche mich gerade pflichtgemäss durch die neuere Hobbes iite- ratur hindurch zu lesen und komme aus dem Staunen nicht heraus wie vorbei am Text sie liest - wo doch Hobbes in Bild und Wort an Deutlichkeit es nicht hat fehlen lassen, dass der “Leviathan” das Ver­ hältnis des Commonwealth (zuerst) ecclesiastical (dann) civil bespricht. Also muss ich zurück zu Ihrem nun vierzig (sic) Jahre alten Büchlein über das Symbol des Leviathan und kann nur traurige Gedanken über den Fortschritt in der Wissenschaft hegen. Ich weiss nicht ob man Hobbes nicht noch mehr ä la lettre lesen muss als Sie vorschlagen. Warum soll Leviathan als “literarischer Einfall” nur gelten? Es ist Hobbes todernst wenn er vom great Leviathan jenem “mortal God” spricht dem wir - und das ist der springende Punkt - “under the immortal God” peace und defence verdanken. Darum ist auch that Jesus is the Christ keine Floskel, sondern ein immer wiederkehrender Satz. Darum ist die Staats maschine doch kein perpetuum mobile, ein tausendjähriges Reich, sine fine, sondern sterblich also ein fragiles Gleichgewicht von innen und aussen, sterblich also auch immer auf der Strecke bleibend. Nicht erst der “erste liberale Jude” hat jene “Bruchstelle” entdeckt, sondern der (vom “ersten liberalen Juden”

auch äusserst “geschätzte”) Apostel Paulus, an den ich mich wende in den Wenden der Zeiten, hat innen und aussen, auch für “das Politi­ sche” unterschieden. Ohne diese Unterscheidung sind wir ausgeliefert an die Throne und Gewalten die in einem “monistischen” Kosmos kein Jenseits mehr kennen. Die Grenzziehung zwischen geistlich und weltlich mag strittig sein und ist immer neu zu ziehen (ein immer­ währendes Geschäft der politischen Theologie), aber fällt diese Schei­ dung dahin, dann geht uns der (abendländische) Atem aus, auch dem

Ihomas Hobbes, der wie immer power ecclesiastical and civil unter­ st beider. Ihr Hinweis auf Barions Hinweis in der Savigny Zeitschrift ersetzt Bibliotheken der Hobbes-“Literatur”. Ich fahre nach Zürich, wo das Material für mich leichter zu finden ist (ich kann hier weder Barion noch Kempf auftreiben) und will von diesem Hinweis (der doch auch wohl Ihr Hobbes-büchlein verschär- lend überholt) die Hobbes-Spinoza Vorlesung aufrollen - vor Studen- len die bestens Strauss schlimmstens MacPherson als Leitfaden haben. 1)ic Vorlesung ist ein Wagnis in der marxoiden Atmosphäre, sie setzt sich auch bewusst durch [den] Hinweis “nur für Fortgeschrittene” vom Markt der Philosophicums-Studenten ab, den wir am Institut bedienen, und wird wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit sich vollziehen - was ihr nur zum Vorteil gereichen kann. Seien Sie gewiss non jam frustra doces Carl Schmitt auch wegen der Fehlgänge und Fehlschläge (auch auf den armen Julius Stahl dem ichs j.i klammheimlich “gönne”). Vielleicht kommt noch der Moment, wo wir über die mir jüdisch wie christlich bedeutsamste politische Theolo­ gie Römer XI sprechen können. Dort fällt auch das Wort “Feind” und /war im absoluten Sinn, aber, das scheint mir der springendste aller Springpunkte, verstrebt mit “geliebt”. Dass diese Kapitel “dran” waren 1935 (und noch sind 1978) das hat Peterson, Ihr (nach aussen) Kritiker und (nach innen) bester Freund, gewusst - und [das] unterscheidet ihn turmhoch von den Existenzialismen seines bedeutendsten Zeitgenossen in neutestamentlicher Exegese, Rudolf Bultmann. Über Peterson wird manch einer noch den Weg nach Plettenberg finden —müssen. Freundlich grüsst Sie Ihr Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter B rießopf mit hs. hinzugesetztem

Namen

des Absenders; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW 265-15965, BL 1-6 (•■ Druckvorlage). - K: Z ß, Nachlass Jacob Taubes - Abschr. mit Überarb.: Ts mit gedrucktem Brießopf, sprachliche Überarbeitungen, irrtümlich datiert a u f 18. Sep­ tember 1979; Z ß, Nachlass Jacob Taubes (= A). - E: überwiegend a u f der Grundlage von A, einschließlich der dortigen Fehldatierung in Ad Carl Schmitt, S. 38-44.

Paris, den 18. September 1978] darüber hs. Notiz Schmitts: Expl. Nomos bestellt

29/9/78

Ihre freundliche ja freundschaftliche Aufnahme] CSchs Notizbuch des Jahres 1978

verzeichnet unter dem Datum des 4. bis 7. Septembers JT und Martin Kriele als gemeinsame Besucher in Plettenberg.

“ein unvergleichlicher politischer Lehrer”] Carl Schmitt: Leviathan (wie B rief 6, Anm.), S. 131: Doch bleibt Hobbes auch in seinen Fehlschlägen ein unvergleichli­ cher politischer Lehrer.

“parthischen Attacke” Petersons] Häufig gebrauchter Ausspruch von CSch, der sich auf einen Bericht Herodots bezieht, demzufolge die Parther ihren Feinden selbst noch

beim Rückzug blutige Verluste zufugten, indem die Bogenschützen die Pfeile gegen die

Carl Schmitt: Politische Theologie II (wie B rief 7B,

Anm.), S. 11: Barion spricht darin auch von Petersons Abhandlung, erklärt eine Auseinandersetzung mit ihr für notwendig und nennt sie eine „parthische Attacke“. Zu diesem Zitat vgl Hans Barion: „.Weltgeschichtliche Machtform?' Fine Studie zur Politischen Theologie des II. Vatikanischen Konzils“, in: Epirrhosis. Festgabe

Fluchtrichtung abschossen, vgl.

für Carl Schmitt, Bd. 1, hg. v. dems., Ernst-Wolfgang Böckenförde, Ernst Forsthoff

u. Werner Weber, Berlin: Duncker & Humblot 1968, S. 13-59, hier: S. 54, Barion

form uliert

hier die Aufgabe einer Würdigung jen er Aufsätze von CSch über Politische

Theologie, die m it dem Essay Römischer Katholizismus und politische Form Zusam­ menhängen und fährt fort: Wenn sie [- die Aufgabe] angefaßt wird, soll es gesche­ hen in Auseinandersetzung mit E. Petersons parthischer Attacke auf Schmitt in der Schrift „Der Monotheismus als politisches Problem“ (wie B rief8, Anm.). Die brave und gediegene Arbeit der Heidelberger]: Alfred Schindler (Hg.): Mono­ theismus als politisches Problem? Erik Peterson und die Kritik der politischen

Theologie, Gütersloh: Mohn 1978. Der Band gin g aus der Arbeit über Erik Peterson im evangelisch-theologischen Seminar der Universität Heidelberg hervor.

seine Aktualität - 1935] Carl Schmitt: Politische Theologie II (wie B rief 7B, Anm.),

S. 16: Wenn im Jahre 1935 in Deutschland eine Abhandlung über die Formel „Ein

Gott - Ein Monarch“ erschien, so geriet sie von selbst in den Bereich einer gefährli­

chen Aktualität, zumal sic ihren M onarchen gelegentlich (S. 52) auch einen Führer

nannte.

Gewidmet Sancto Augustino (

)

durch einen Hinweis] Erik Peterson: Der Mono­

theismus (wie B rief8, Anm), S. 7: Sancto Augustino, lat., für den Hl. Augustinus.

Diese Widmung der Erstausgabe von 1935 ist in spätere Ausgaben nicht aufgenommen worden, wohl aber die Vorbemerkung, in der sich auch jenes von JT sogenannte Gebet

findet, vgl. ebd., S. 11: Der hl. Augustinus, der an allen geistigen und politischen Wenden des Abendlandes sichtbar geworden ist, helfe mit seinen Gebeten den Lesern und dem Verfasser dieses Buches! Zum Beschluss durch einen Hinweis, vgl. ebd., S. 158, Anm. 168: Der Begriff der „politischen Theologie“ ist m. W. von Carl Schmitt, Politische Theologie, München 1922 in die Literatur eingeführt worden. Wir haben hier den Versuch gemacht, an einem konkreten Beispiel die theologische Unmöglichkeit einer „politischen Theologie“ zu erweisen. Vgl. Carl Schmitt: Poli­ tische Theologie II (wie B rief 7B, Anm), S. 13-14. “Sprung” (von Eusebius zu Augustin)] Carl Schmitt: Politische Theologie II (wie B rief 7B, Anm), S. 47: Im Wesentlichen und Entscheidenden ist 1935 eine Kon­ frontation des Bischofs Eusebius von Cäsarea mit dem hl. Augustinus neu hinzuge­ kommen, als Übergang zu der Schlußthese mit Schlußanmerkung. Augustinus soll mit seinem christlichen Begriff des „Friedens“ das geleistet haben, was die griechi­ schen Kirchenväter, insbesondere Gregor von Nazianz, durch ihren Gottes-Begriff und die Lehre von der Trinität geleistet hatten: die Befreiung des christlichen Glaubens „aus der Verkettung mit dem Imperium Romanum“. Vgl. Erik Peterson:

Der Monotheismus (wie B rief 8, Anm), S. 99: Doch die Lehre von der göttlichen Monarchie musste am trinitarischen Dogma und die Interpretation der Pax Augu-

11 .in der christlichen Eschatologie scheitern. Damit ist nicht nur theologisch der Monotheismus als politisches Problem erledigt und der christliche Glaube aus der Vrikrttung mit dem Imperium Romanum befreit worden, sondern auch grund- S.u/luh der Bruch mit jeder „politischen Theologie“ vollzogen, die die christliche Velkütuligung zur Rechtfertigung einer politischen Situation missbraucht,

di i Ausdruck “Führer” (

logie 11 (wie B rief 7B, Amn.), S. 62: Der Führer wird in Petersons Abhandlung (S.

■»,>) zu den Monarchen gerechnet: charismatische und erbdynastische Legitimität

IheKen ineinander, so daß am Ende Adolf Hitler und Kurt Eisner gemeinsam mit Kaiser Franz Joseph und Wilhelm II. in einunddieselbe politisch-theologische Kate- goiie der „Monarchen“ zusammengeraten. Vgl. Erik Peterson: Der Monotheismus (wie B rief 8, Anm.), S. 52: [Eduard Norden] hat ferner im Anschluß an Zeller

ml die Polemik des sogen. Onatas hingewiesen, der gegenüber dem Monotheis­

mus cinwendet, die Anhänger dieses Glaubens könnten die eigentliche Würde der göttlichen Herrschaft nicht sehen, die darin bestände, daß man herrsche und Füh­

Vgl. ebd., S. 81-82: Bei aller

Bestimmtheit des Eusebius durch die antike Philosophie und Rhetorik kann man dndi nicht verkennen, daß die Gesamtkonzeption, die Reich, Frieden, Monotheis­ mus und Monarchie miteinander verknüpft, eine von Christen geschaffene Einheit d.itstellt. Wie anders ein Heide über die Einheit des Reiches und die Einheit der

Kulte dachte, hat uns das Beispiel des Celsus gezeigt, der wohl letzthin den Anstoß

)

“christliche Ideologie”] Carl Schmitt: Politische Theo­

let sei von gleichen und über anderen stehe [

].

liir die Ausarbeitung dieser ganzen christlichen Ideologie gegeben hat.

( ivitas

Monotheismus (wie B rief 8, Anm.), S. 77: Der Mangel an exegetischem Takt ist .ttillallend, mit dem Eusebius ohne weiteres die sämtlichen prophetischen Weissa­ gungen vom Völkerfrieden als im Römischen Reich in Erfüllung gegangen betrach­

tet. Da hat Augustin in der Civitas dei III 30 doch anders gesprochen. Vgl. Carl Schmitt: Politische Theologie II (wie B rief 7B, Anm.), S. 89-90: Der Leser, der sich

die Mühe gibt, das Kapitel III 30 daraufhin nachzulesen, wird einigermaßen ent­

täuscht. Er findet im III. Buch eine Schilderung der römischen Bürgerkriege. [ ]

In dem zitierten Kapitel 30 nennt er die Namen Sulla, Caesar und Octavian; [ ]

Im Anschluß daran enthält das Kapitel eine Klage überdas besondere Unglück, das

den unglücklichen C icero im Bürgerkrieg getroffen hat. Cicero wird bedauert, weil er so töricht war, mit Octavian zu paktieren, um die Freiheit der Republik von Antonius zu retten, während Octavian mit Antonius paktierte, um Cicero und

die Freiheit zu töten; so „zukunftsblind und ahnungslos“ - usque adeo caecus

atque im providus futurorum - war dieser Heide Cicero, sagt Augustus.

Ahnungslos und zuk u n ftsb lin d . Möglicherweise steckt bei Peterson in dem 1linweis auf das Schicksal Ciceros eine auffällige, zeitgeschichtliche Anspielung auf

Situationen der Zeit von 1935. Das wäre interessant als Beitrag zu den Möglich­ keiten einer Meinungsäußerung in Zeiten politischer Zensur und manipulierter Öffentlichkeit.

Dei III 30

(

)

caecus atque improvidus futurorum] Erik Peterson: Der

[ ]

sagt der Psalmist] Das Zitat kommt im hebräischen Wort­

laut in der Bibel nicht in den Psalmen, sondern in Sprüche 27,6 vor, wörtlich übersetzt:

treu sind die Wunden des (geliebten) Freundes. Der Genetiv kann ab Genetivus

subjectivus aufgefasst werden, wie JT es tut. In seiner Übersetzung nimmt er eine erw ei­ ternde Deutung vor, indem er in Treue zur Tradition der rabbinischen Bibelexegese den Pfeil aus dem eigenen B riefaktualisierend in den heiligen Text einträgt. Der Pfeil hat ihm vermutlich auch die Psalmen in den Sinn gebracht, denn dort spielt dieser ab Waffe

Freu sind die Wunden (

)

Gottes eine Rolle - gegen den Feind gerichtet, vgl. Psaira 64,8: Da trifft sie Gott mit

dem Pfeil, plötzlich sind sie zu Boden geschlagen. hier im “Maison”] Die Fondation Maison des Sciences de l’Homme wurde in denfrü ­

hen 1960er Jahren von dem Industriellen und Philosophen Gaston Berger (1896-1960) a u fAnregung von Fernand Braudel (1902-1985) gegründet. Der österr. Soziologe Cle­ mens Heller (1917-2002) war während der Leitung Braudels Administrator und wurde nach dessen Tod Leiter (1985-1992). Der Bezug des Maison des Sciences de l’Homme genannten Gebäudes 54 Boulevard Raspail im 6. Pariser Arrondissement erfolgte 1964. JT hielt sich dort bei seinen Pariser Aufenthalten auf, vgl. seinen B riefan Heller vom

29. März 1978: Lieber Clemens Heller, 1. ich würde Sie bitten (auch dem Ersuchen Bourdieus entsprechend) mir doch eine kleine Zelle (am 1. Stock womöglich) zu zu weisen, in der ich auch Bücherbestände zurücklassen kann in absentia. Die Bitte

braucht ja nicht ad personam erfüllt zu werden, sondern ad Institution Fachrichtung Hermeneutik am Institut f. Philosophie, FU, so dass auch andere [Wolf] Lepenies, [Fritz] Kramer, dessen Vorschlag ad Heisenberg ich Ihnen vorlegte usw. usw. diesen Raum als den[,] was man im Mittelalter in der Uni der „natio Germanica“ zugewie­

sen [hatte,] nutzen könnten.

das Naziprogramm vom “positiven Christentum”! Punkt 24 des Programms der

NSDAP von 1920 erklärte, die Partei vertrete den Standpunkt eines positives Christen­ tums, ohne dassjedoch hier oder später ausgefubrt wurde, was darunter zu verstehen sei.

“Theo-zoologie”J Jörg Lanz von Liebenfels: Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms- \fflingen und dem Götter-Elektron. Line Einführung in die älteste und neueste Weltanschauung und eine Rechtfertigung des Fürstentums und des Adels, Wien / Leipzig / Budapest: Moderner Verlag 1905. Liebenfels zählte zu Hitlers wich­

(O: ZfL, Nachlass Jacob Taubes)

tigsten Stichwortgebern während der WienerJahre. trotz Rom 13] Im 13. Kapitel des Briefs an die Römer handelt der Apostel Paulus grundlegend vom Verhältnis der Christen zur weltlichen Regierung, vgl Vers 1: Jeder­

mann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt hat über ihn. Denn es ist keine Obrig­ keit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet, zu Ihrem nun vierzig (sic) Jahre alten Büchlein] Carl Schmitt: Der Leviathan (wie

B rief 6, Anm.). Das Buch erschien 1938. M öglicherweise spielt JT mit der Hervorhe­ bung von vierzig auch a u fdie Bedeutung dieser Zahl in der Bibel an: die vierzigjährige Wüstenwanderung des Volkes Israel und Jesu vierzigtägiger Aufenthalt ebendort.

als “literarischer Einfall” nur gelten?] Carl Schmitt: „Der Staat als Mechanismus bei Hobbes und Dcscartes“, in: Carl Emge (Hg.): Dem Gedächtnis an René Des­ cartes (300 Jahre Discours de la Méthode). Erinnerungsgabe der Internationa­ len Vereinigung fur Rechts- und Sozialphilosophie (zugleich Band 30 Heft 4 des Archivs für Rechts- und Sozialphilosophie), Berlin: Verlag für Staatswissenschaf­ ten und Geschichte 1937, S. 158-168, hier: S. 161: Das Bild vom Leviathan aber bedeutet bei Hobbes etwas ganz anderes. Es malt - zum Unterschied vom späteren „Behemoth“ - nicht einen Feind, denn es stellt den frieden- und sicherheit-brin- genden Gott dar. Es ist auch kein politischer Freund-Mythus, dafür ist es wohl zu schauerlich und abschreckend. Es ist, näher betrachtet, in der staatstheoretischen Gesamtkonstruktion des Hobbes nicht mehr als ein aus gutem englischem Humor geborener, halbironischer, literarischer Einfall; wiederveröffentlicht in: Carl Schmitt:

Staat, Großraum, Nomos (wie B rief 1, Anm.), S. 139-151, hier: S. 142; vgl. auch Carl Schmitt: Der Leviathan (wie B rief6, Anm.), S. 42-43, Anm. 2.

jenem “mortal God” (

peace und defence] Thomas Hobbes: Leviathan,

reprinted front the édition of 1651, with an essay by the late W. G. Pogson Smith,

)

( Ixlord: Clarendon Press 1909, S. 87 (part 2, chap. 17): This done, the Multitude

so

united in one person, is called a COMMON-WEALTH,

in

latin CIVITAS. I his

is

the generation ofthat great LEVIATHAN, or rather (to speak more reverently)

ol

dial M ortal! God, to which wee owe under the Im m ortall God, our peace

,ind defence. Dt.: Ist dies geschehen, so nennt man diese zu einer Person vereinigte

Menge Staat, auf lateinisch civitas. Dies ist die Erzeugung jenes großen Levia- lli.in oder besser, um es ehrerbietiger auszudrücken, jenes sterblichen G ottes,

dem wir unter dem un sterb lich en G ott unseren Frieden und Schutz verdanken ( Thomas Hobbes: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und Ion blichen Staates, hg. u. eingel. v. Iring Fetscher, Darmstadt / Neuwied: Hermann

I

uihtcrhand 1966, S. 134. Vgl. Carl Schmitt: Der Leviathan (wie B rief 6, Anm.),

S

10, Anm. 1.

tli.it Jesus is the Christ] Thomas Hobbes: Leviathan (wie oben, Anm.), S. 462 (part

V iliap. 43): The (Unum N ecessarium ) Onely Article of Faith, which the Scrip-

■me- maketh simply Necessary to Salvation, is this, that JESUS IS THE CHRIST.

Hv

ilie name of C h rist, is understood the King, which God had before promised

by

die Prophets of the Old Testament [

].

Dt.: Das unum n ecessarium , der ein­

zige Glaubensartikel, den die Schrift für die Errettung schlechthin voraussetzt, lau-

n i: |csus ist der C h ristu s. Mit dem Namen C h ristu s ist der

ilrn Gott zuvor durch die Propheten des Alten Testaments in die Welt zu senden

versprochen hatte, damit er unter ihm über die Juden und über solche Menschen .uulercr Völker, die an ihn glauben würden, ewig herrsche und ihnen das ewige

I eben schenke, das durch die Sünde Adams verlorengegangen war (Hobbes: Levia-

lli.in (wie oben, Anm.), S. 450. Vgl. Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen (wie

B rief7A, Anm.),S. 121-122.

»ine line] lat., ohne Ende

“erste liberale Jude”] JT greift hier eine Formulierung von CSch auf, die sich a u fSpi­ noza bezieht; vgl. Carl Schmitt: Der Leviathan (wie B rief6, Anm.), S. 86.

Apostel Paulus] vgl. dazu Jacob Taubes: Die politische Theologie des Paulus. Vor­ träge, gehalten an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in

I leidelberg, 23.-27. Februar 1987, nach Tonbandaufzeichnungen redigierte Fas­

sung v. Aleida Assmann, München: Fink 1993. Ilarions Hinweis in der Savigny Zeitschrift! In Die vollendete Reformation (wie

B rief 7A, Anm.) geht CSch im dritten Teil a u f eine Bemerkung von Hans Barion über

/lobbes’ Leviathan ein, die er einer langen Rezension Barions zu Friedrich Kempf:

Ilie päpstliche Gewalt in der mittelalterlichen Welt: Eine Auseinandersetzung mit Walter Ullmann, in: Saggi storici intorno al Papato dei Professori della Facoltä di Storica F.cclesiastica, Rom 1959, S. 117-169 entnahm (Zeitschrift der Savigny- Mlining für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung XLVI, Weimar 1960,

S. 481-501). - Hans Barion (1899-1973), kath. Kirchenrechtler, der wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus 1934 vom Vatikan seines universitären Lehramtes ent­ hoben wurde, erfuhr nach 1945 keine Wiedereinstellung und lebte als Privatgelehrter undfreier Schriftsteller, der etwa Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils so scharf wie luzide kritisierte. Barion stand bis zu seinem Lebensende in regem freundschaftli­ chen Austausch mit CSch. die Hobbes-Spinoza Vorlesung] Die von JT bereits fü r das vorangegangene Semester itniekündige, dann aber verschobene und im Vorlesungsverzeichnis des Wintersemesters

/978/79 wieder aufgefiihrte Vorlesung Die Anfänge bürgerlicher Aufklärung: Hobbes und Spinoza (für Fortgeschrittene), vgl. B rief13A, Anm.

König gemeint,

Strauss (

)

MacPherson] Anspielung a u fStrauss: Die Religionskritik Spinozas (wie

B rief 6, Anm.) sowie d e rs.: The Political Philosophy of Hobbes. Its basis and its gen­ esis, Oxford: Clarendon Press 1936, und. Crawford B. Macpherson: The Political

Theory of Possessive Individualism: Hobbes to Locke, Oxford: Oxford University Press 1962 (d t . Die politische Theorie des Besitzindividualismus. Von Hobbes bis Locke, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967).

Julius Stahl] Friedrich Julius Stahl, eigtl. Friedrich Julius Jolson-Uhlfelder (1802- 1861), Rechtsphilosoph und Politiker ausjüdischer Familie, Staatsrechtler und Theore­ tiker des preussischcn Konservatismus, ließ sich 1819 evangelisch taufen.

non jam frustra doces Carl Schmitt] lat., du hast nicht vergeblich gelehrt, Carl

Schmitt; Variation des letzten Satzes aus Carl Schmitt: Der Leviathan (wie B rief 6,

Anm.), S. 132: Non jam frustra doces, Thomas Hobbes!

Römer XI (

)

“geliebt”] Römer XI in A ergänzt zu: 1X-X1

Rudolf Bultmann] (1884-1976) evang. Theologe, 1910 theol. Lizentiat, 1912 Habilitation fü r Neues Testament an der Univ. Marburg, 1916 Extraordinarius an der Univ. Breslau, 1920-21 Ordinarius an der Univ. Gießen, 1921-51 Professor fü r Neues Testament an der Univ. Marburg. Bultmann stand dort in enger Verbindung mit Martin Heidegger und entwickelte seine exegetische Methode der existentialen Inter­ pretation und das Programm der Entmythologisierung der neutestamentlichen Texte.

16 SCH M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 12.10.1978

597 Plettenberg-Pasel, 11c

12/10/1978

Paris) ist

pünktlich hier eingetroffen. Seitdem habe ich einige Dutzend Antwor­ ten im Kopfe rumoren. Wo soll das enden? Zunächst aber: an welche Adresse soll ich schreiben? Oder darf ich mit einer Weiterführung des mündlichen Gespräches rechnen? Das wäre natürlich das Beste. Ver­ gessen Sie nicht, dass Sie mich mit einem Explosivstoff in Bewegung gesetzt haben, den man nicht einfach auf Eis legen kann: das evange­ lisch-theologische spezifisch-paulinische Messias-Bild des Tübingers David Friedrich Strauss (Kern der Sache: damals war das Christentum das „Grosse Neue“: heute ist es das Alte, also: was damals das Heiden­ tum und das Judentum war, d.h. »Legitimität der Grossen-Neu=Zeit« als das Grosse Neue comme tel. taliter qualiter. Und das ist ja erst die

Verehrter Herr Taubes: Ihr Brief vom 18. September d. J. (aus

»Exposition« zum Drama, also nur 1 Akt der Pol.-Theol.-Tragödie.[)]

An welche Adresse soll ich meine schriftliche Antwort richten? Ich wciss noch nicht einmal, ob Sie mein Schreiben vom (13. etwa) März il. |. (an [die] FU) erhalten haben. Auch hat das Semester begonnen und Ihre Gedanken werden in andere Himmelsstriche tendieren als ins Sauerland. Mit Recht.

Alle guten Wünsche Ihres Carl Schmitt Ith habe durch den Verlag Duncker & Humblot ein Ex[em]pl[ar] meines »Nomos der Erde« an Ihre Adresse (Institut) schicken lassen. Anlage: 2 Seiten (52 mit Einführung [unsichere Lesung auf Seite 35). I.tlls Interesse ad libitum zur Ergänzung der Lektüre des Legalitäts- Aufsatzes

t(RERLIEFERUNG O: Hs; liegt nicht vor. - K: BA Koblenz, Vorlass Emst-Wolfgang Biickenförde (= Druckvorlage); JT sandte das Schreiben ab Anlage zu seinem B rief an Böckenfördc vom 16. Oktober 1978, vgl. B rief 62. - hs. E ntwurf vom 12. Okto­ ber 1978 mit geringen Abweichungen, Stenogramm; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-21927.

18. September d. J. (aus Paris)] vgl. B rief 15

I>avid Friedrich Strauss (

.(»Legitimität der Grossen-Neu=Zeit«] David Friedrich

Strauß (1808-1874), protest. Theologe und Schriftsteller, der ab Hegelianer kirchen-

nnd theologiekritisch das Vernünftige des Christentums aus seiner biblischen Schale lösen wollte und dafür die Bibelwissenschaft radikalisierte. In Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet (1835/36) erklärte er, die neutestamentlichen Schriften berichteten nichts

Historisches über Jesus, sondern

stus, sondern der in ihm vollzogene Kult der menschlichen Gattung insgesamt sei heib- wirksam. Das Buch wurde ein großer publizistischer Erfolg führte aber zur Entlassung aus dem Kirchendienst. Auch Strauß’ 1839 erfolgte Berufung a u f einen Lehrstuhl fü r I higmatik an der Univ. Zürich r iefheftige Proteste hervor, die erst mit seiner sofortigen Pensionierung endeten. In Der alte und der neue Glaube (1872) popularisierte Strauß seine Kritik, die ihn nun zur Überzeugung einer allgemeinen kunstsinnigen Huma­ nitätsreligion geführt hatte. Friedrich Nietzsche verspottete diesen Philisterglauben in

seiner Ersten Unzeitgemäßen Betrachtung. - Legitimität der Grossen-Neu=Zeit ist eine Anspielung a u f Hans Blumenberg: Die Legitimität der Neuzeit, Frankfurt am

Main: Suhrkamp 1966, in der mit der These der Säkularisierung ab der Setzung eines Anfangs der endgültigen Überwindung der Gnosis in der Neuzeit auch eine Kritik an CSchs politischer Theologie eingeschrieben ist. comme tel. taliter qualiter.l frz. bzw. lat., als solches, im Original ohne Unterstrei­ chung, Einfügung über der Zeile

mein Schreiben vom (13. etwa) März d. J.] vgl. B rief 13A

Seite 3 5 1schwer lesbare Korrektur, alternative Lesart: Seite 25

»Nomos der Erde«] Carl Schmitt: Der Nomos der Erde (wie B rief 10, Anm.). ries Legalitäts-Aufsatzes] Carl Schmitt: Legalität und Legitimität, München /Leip­ zig: Duncker &: Humblot 1932.

seien mythische Erzählungen. Nicht der personale Chri­

17

TAUBES AN SCHMITT

BERLIN, 16.10.1978

Jacob Taubes Freie Universität Berlin Fachbereich 11 Philosophie und Sozialwissenschaften Institut für Philosophie

1 Berlin 33, den 16. Oktober 1978 Gelfertstrasse 11 Ruf: Durchwahl 838 21 07

Verehrter Herr Schmitt, eben, vor einer halben Stunde, habe ich das Institut betreten und fin­ de Ihre Post vor. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Denn ich hatte meine Post in einem Zuge, ohne nochmals zu lesen, geschrieben und abge­ sandt - sonst hätte ich von Skrupel geplagt, ob, was ich sagen will, auch recht ankommt, kaum so freimütig geschrieben. Sie haben’s im Geiste der Freundschaft aufgenommen, in denen die Zeilen auch gedacht waren und sind. Ich komme auf Ihre Post in den nächsten Tagen zurück, will aber noch hinzufügen, dass an unerwartetem Orte:

Wolfgang Fietkau: Schwanengesang auf 1848, ein Rendezvous am Louvre: Baudelaire, Marx, Proudhon und Victor Hugo, Rowohlt (das neue Buch), eben erschienen ist, eine Exegese nach Ihrem Sinn von einem jungen Germanisten, jetzt Assistent [in] Essen. Fietkau war vor Jahren in meinem C. S. /W. B. - Seminar und Früchte davon finden sich da. Ich werde Fietkau bitten es Ihnen zu senden. Aber besorgen Sie es gleich. Es ist aufregend just en détail. Ihr J. T.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Briefkopf mit hs. hinzugesetztem Namen des Absenders und Datum; HStA Düsseldorf Nachlass Carl Schmitt, RW265-15966.

finde Ihre Post vor] vgl. B rief 16

meine Post] gem eint ist JTs B rief vom 18. September 1978, vgl. B rief 15

Rowohlt (das neue Buch)] Wolfgang Fietkau: Schwanengesang auf

1848. Ein Rendevous am Louvre: Baudelaire, Marx, Proudhon und Victor Hugo,

Reinbek: Rowohlt 1978. Im Nachlass von CSch findet sich ein stark glossiertes Exem­ plar. Vgl. auch JTs Hinweis aufdas Buch im Schreiben an Ernst- Wolfgang Böckenforde

vom

Komparatist, war in den 1960em und 1970em an der FU Berlin Student sowohl bei Peter Szondi —dessen Assistent in Zürich er werden sollte ab auch bei JT. Danach lehrte er an den Univ. Essen und Le Mans.

in meinem C. S. /W. B.-Seminar] vgl. B rief8, Anm.

16. Oktober 1978, vgl. B rief63. —Wolfgang Fietkau (geb. 1941), Romanist und

Fietkau (

)

IH

I'AUBES AN SCHMITT

BERLIN, 19.10.1978

19.10.1978

Vm hrter Herr Schmitt, dien H D Sander gesehen und mit ihm über Plettenberg, über unsere ( ,espräche ad Peterson geredet. Ich habe ihm auch Ihre “RätseP’frage .ml der Brücke genannt, wo ich doch das “Examen” bestand und die IVterson antwort “rekonstruierte”. Er nun muss seine Aesthetik ich die Politische Ihelogie von Hobbes bis Spinoza vortragen - aber wir denken an Sie, vielleicht kommen wir November (Busstag) nach Plet- it nberg. Wäre Ihnen das recht?

Ihr

Jacob Taubes

h h würde mich sehr freuen, Sie bei dieser Gelegenheit wiederzusehen.

I lerzlichst Ihr H-D.

Sander

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Postkarte; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW .’65-15967; vorderseitig am Fuße der Karte nicht entzifferbare stenographische Notizen von CSch, ebenso rückseitig neben der Briefmarke.

Plettenberg (

)

“Rätsel”frage auf der Brücke] Hinweis JTs a u f seinen ersten,

gemeinsam m it Martin Kriele durchgefiihrten Besuch bei CSch vom 4. bis 7. September des lahres, vgl. B rief 15, Anm. Die erwähnte “Rätsel”frage bezieht sich offenbar a u f

eine Episode dieser Begegnung. »eine Aesthetik] Sander las an der EU Berlin im Rahmen seiner Gastdozentur im Wintersemester 1978/79 über marxistische Ästhetik, vgl. Briefe 12, Anm. November (Busstag) nach Plettenberg] Tatsächlich besuchte JT am 23. November 1978 CSch zum zweiten Mal, vgl. Briefe 20, 24 u. 25. Ihr / Jacob Taubes] a u f der gegenüberliegenden Kartenseite von CSch in Kurzschrifi

notiert: [x] Ich habe so viel zu fragen, auch nicht alles neues Zeug, auch nicht »ekundär[es] [x]

19

SCH M ITT AN TAUBES PLETTENBERG, 30.10.1978 ENTWURF

30/10/78

Verehrter Herr Taubes, dieser »Schwanengesang 1848« ist für mich atemberaubend; eigentlich sind es sogar ja mehrere Schwanengesänge, und jeder einzelne davon verdient es, von Orff vertont, oder nach neuen Melodien (sagen wir:

Freude schöner Götterfunken, oder auch Yankee doodle [x]) gesungen zu werden. Ich [x] für meine Person (S. 137, 394, 413) verstehe und

verstumme, capio et [danach mehrere Zeilen nicht entzijferbar\

Ihr alter S

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Stenogramm, einzelne Worte, insbes. Namen in lat. Buch­ staben; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-21927, Bl. ll r ; der aus dem E ntwurfhervorgegangene und tatsächlich verschickte B riefliegt nicht vor.

»Schwanengesang 1848«] Wolfgang Fietkau: Schwanengesang auf 1848 (wie B rief

17, Anm.) capio et] lat., ich begreife und; ErnstJünger gab CSch den Spitznamen Don Capisco.

20 LAUBES AN SCH M ITT BERLIN, 2.11.1978

Freie Universität Berlin Philosophisches Seminar (Hermeneutik) 1 Berlin 33, den Allerseelen 1978

Verehrter und lieber Herr Schmitt, haben Sie Dank von Herzen für Ihre Post. Dass Sie der rechte Leser, vielleicht einzige sind, der Tiefen und Breiten des Schwanengesangs

n.nli 1848 ausmessen kann, das allein bewog mich Ihnen auch jetzt

iimli Lektüre“pflichten” aufzuerlegen. h li beginne nun wieder - mit einer neuen Generation den Vergleich

< S. / W. B. Aus dem ersten Gang gingen R. Faber und W. Fietkau

hervor, ob jetzt eine Saat aufgeht, wer weiss es zu denken. I >.is Semester geht nicht vorbei, ohne dass ich noch einmal in Pasel

anklopfe und Sie —trotz all Ihrer Vorahnungen - munter im Geiste .1111 reffe. Herzlich grüsst Sie Ihr

Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Briefkopf mit hs. Datums- sowie Straßenan- i/iilir; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-15968; am oberen Rand nicht entzifferbare Notizen Schmitts in Stenogramm.

Allerseelen 1978] von JT hs. eingefugt

Kuf: Durchwahl 76 90 2003/2004] darunter von CSch eingefiigt: beantwortet]

7/11/78

Ihre Post] der nicht erhaltene B riefzum E ntwurfvom 30. Oktober 1978, vgl. B rief19

lies Schwanengesangs nach 1848] Wolfgang Fietkau: Schwanengesang auf 1848

(wie B rief 17. Anm.) Faber] Richard Faber (geh. 1943), K ultur-und Religionssoziologe, 1973 Promotion in Philosophie an der EU Berlin, 1977 Habilitation ebenda, seit 2006 Honorarprofessor, langjähriger enger Vertrauter von JT, dessen früher und beständiger Interpret er wurde.

Ich beginne nun wieder (

den Vergleich C. S. / W. B.] Im Wintersemester

)

1078/79 hielt JT sein Hermeneutisches Colloquium unter dem Titel Politische Theo­

logie als Theorie von Revolution und Gegenrevolution am Beispiel von Walter Ben­

jamin und Carl Schmitt ab. Ort der sich vierzehntägig von 20 Uhr 30 bis 24 Uhr wiederholenden Veranstaltung war das InstitutJur Philosophie in der Celfertstraße 11, die erste Sitzung hatte am 20. Oktober stattgefunden. Der Text der Ankündigung im

Kommentierten Vorlesungsverzeichnis lautete: Der Satz Carl Schmitts: „Alle prä­ gnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte theologische Begriffe“ (Politische Theologie, 1922) hat eine Problemstellung erölfnet, die weit über das Gebiet der Jurisprudenz gewirkt hat. Walter Benjamins „Theologisch-Politisches Fragment“ (ca. 1922) insbesondere aber sein Hauptwerk Ursprung des deutschen Trauerspiels (1928) bis hin zu seinem geistigen Testament der „Geschichtsphilo­ sophischen Thesen“ (1940) stehen manchmal in verschwiegener, an entscheiden­ den Stellen aber in offener Auseinandersetzung mit den Thesen Carl Schmitts zur „Politischen Theologie“. Es wird zu überprüfen sein, inwiefern Carl Schmitts „staatsphilosophische Anschauungen“ mit Walter Benjamins kunstphilosophischen Anschauungen „Übereinkommen“ (wie Walter Benjamin in einem Brief an Carl Schmitt, Dezember 1930, meinte), inwieweit sie aber als gegenstrebige Interpreta­ tionen derselben Problemstellung interpretiert werden können.

21A

SCH M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 7.11.1978 ENTWURF

7/11/78

Herzlichen Dank, lieber und verehrter Jacob Taubes, für die Colloqui­ um-Mitteilung vom 1. Nov. 1978! Besitzen Sie ein Exemplar meiner Schrift »Hamlet oder Hekuba« von 1956, mit dem »Exkurs 1f«1 »Über den barbarischen Charakter des Shakespearschen Dramas; zu Walter Benjamin, Ursprung des deutschen Trauerspiels«? Keiner (auch kein Keuner) hat beachtet, dass es schlechterdings unmöglich ist, das deut­ sche Wort »Trauerspiel« in irgendeine nicht-deutsche Sprache zu übersetzen, und was das eigentlich bedeutet. Ich frage mal Wolfgang Fietkau und Herrn Prof. Herbert Kraft (Münster), Autor von »um Schiller betrogen«. Alles strampelt sich tot, in der Sackgasse einer Alternative von Diamat und Histomat; Thema für eine ewige Diskus­ sion wie geschaffen; auch geeignet für das, was Ernst Troeltsch (der es wissen musste) »die heimliche Religion« der Gebildeten des moder­ nen Deutschland genannt hat (Politische Romantik, Seite 175, Anm. 1) also Politische Theologie der F.D.P.?! Ich habe einen apokalypti­ schen Satz des jungen Hegel zitiert; in einem Aufsatz von 1929 über Faschismus, der in meinem Seminar 1929/30 (in der Handelshoch­ schule Berlin) im Gespräch war.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-21927,

Bl. 14 r/v; der aus dem E ntwurfhervorgegangene Briefliegt

nicht vor, oh er überhaupt

geschrieben und versandt wurde, ist nach CSchs Notiz Nov 78 nicht abgeschickt am oberen Rand von Bl. I4v fraglich.

die Colloquium-Mitteilung vom 1. Nov. 1978] Gemeint istJTs B riefvom 2. Novem­

ber 1978, vgl. B rief20; dem Schreiben war ein Exemplar des als Matrizendruck

vielfältigten R undbrief An die Mitglieder des

1978/79 vom 1. November 1978 beigelegt (vgl. Text I).

ver­

Hermeneutischen Colloquiums WS

»Hamlet oder Hekuba« (

)

Ursprung des deutschen Trauerspiels«?] vgl B rief 4,

Anm. Keuner] Brechts in den Jahren 1926 bis 1930 entwickelte und bis 1956 immer wieder aufgenommene Figur des Herrn Keuner als die eines modernen Jedermann, vgl. Bertolt

Brecht: Gesammelte Werke, Bd. 12: Prosa 2, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967 (werkausgabe edition suhrkamp), S. 375-415.

unmöglich I im O doppelt unterstrichen

Alles strampelt sich tot] darüber eingefugt: Nov 78 nicht abgeschickt

Ihrhert Kraft (

l’liillingcn: Neske 1978.

(Politische Romantik, Seite 175, Anm. 1)] Carl Schmitt:

l'oliiische Romantik, 2. bearb. u. erw. Aufl., München /Leipzig: Duncker & Hum- blui 1925, S. 175, Anm., CSch erwähnt dort den romantisch-mystisch-ästhetisch-

den Troeltsch in seinen Ausführungen über

was Ernst Troeltsch (

»um Schiller betrogen«] Herbert Kraft: Um Schiller betrogen,

)

)

,|uiiiuulistischen Protestantismus (

),

■Ite Religiosität der Romantik als „die heimliche Religion“ der Gebildeten des

modernen protestantischen Deutschland bezeichnet ([Ernst Troeltsch:] Die Sozi- .illrhrcn der christlichen Kirchen und Gruppen, Tübingen 1912, S. 934), recte

Y 931: In dieser romantischen Religiosität, in dem mit der künstlerischen Dif-

li lonzicrung und dem philosophischen Immanenzgedanken verbundenen Spiri- ni.ilisinus, wurzelt dasjenige, was der moderne Deutsche der Bildungsschicht vom l’iolcstantismus sich aneignen, sein Verständnis der Religion überhaupt. Es ist die

heimliche Religion der Gebildeten.

eitlen apokalyptischen Satz (

Wesen und Werden des fascistischen Staates“, in: Schmollers Jahrbuch für Gesetzge­

bung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reiche 53 (1929), S. 107-113, hier: S. 111, Anm.: Man kann als Deutscher nur hoffen, daß dem deutschen Volk ein weiteres Schicksal erspart bleibe, das der junge Hegel angedeutet hat: es ist ein höhe-

irs Geseß, daß dasjenige Volk, von dem aus der Welt ein neuer universeller Anstoß

gegeben wird, selbst am Ende vor allen übrigen zugrunde geht, und sein Grundsatz, aber es selbst nicht, bestehe (Schriften zur Politik, Ausgabe Lasson, S. 96). Das bei

( Sch wiedergegebene Zitat stammt aus Hegels Schrift Die Verfassung Deutschlands aus

dem ¡ahre 1802, vgl. Georg Friedrich Wilhelm Hegel: Sämtliche Werke, Bd. 7: .Schrif­ ten zur Politik und Rechtsphilosophie, hg. v. Georg lasson, 2., durchgesehene Aufl., Leipzig: Felix Meiner 1923 (Philosophische Bibliothek, Bd. 144), S. 1-154.

in meinem Seminar 1929/30 (in der Handelshochschule Berlin)]

CSch wurde

■um Sommersemester 1928 a u f den Lehrstuhl für Staatsrecht an der Berliner Han­

delshochschule berufen. Im Wintersemester 1929/30 behandelte er dort laut Semi­

narbericht Rechtswissenschaft. Öffentlich-rechtliche Abteilung, in: Chronik der

)

Aufsatz von 1929 über Faschismus] Carl Schmitt:

S. 70: [D]as

politische Verhältnis von Wirtschaft und Staat, mit Referaten über wirtschaftliche Inkompatibilitäten, wirtschaftliche Neutralität des Staates; Staatsform und Wirt­

schaftordnung; Staatstheorie von Hugo Preuß.

I landels-Hochschule Berlin 1926-1930, Berlin: Büxenstein 1930,

2 1B

SC H M ITT AN TAUBES PLETTENBERG, 7.11.1978

ENTWURF

[. Taubes 7/11/78 (Anlage [x] Was habe ich getan? von 1956) l ieber und verehrter Herr Taubes, herzlichen Dank! An Wolfg. Fiet- kau habe ich einige Notizen zu Racines Krieger witwe Andromache

geschickt; wer aber weint heute noch um Krieger-witwen? Und wer, seit Bert Brecht, um Hekuba? Mein Buch, Hamlet oder Hekuba, der Einbruch der Zeit in das Spiel (1956) müsste doch eigentlich einen Studenten ganz [x] West Berlin interessieren. Papst Paulus war ein Hamlet; eine These: Polen ist Hamlet; aber ein polnischer Papst kann eigentlich kein Hamlet mehr sein. Alle guten Wünsche für Ihr Colloquium! Alle die brennen [mehrere

Worte nicht entzifferbar] mit Öl gelöscht werden.

Stets Ihr alter C. S. mit Dokument: 1956 was habe ich getan [vertikaler Pfeil zeigt auf:]

beim Akt Hamlet oder Hekuba [darüber einige Notizen CSchs nicht entzifferbar]

ÜBERLIEFERUNG 0 : Hs, teils Stenogramm, leib Lat. Buchstaben; HStA Düsseldorf Nachlass Carl Schmitt, RW265-21927, Bl. 13; Vorstufe zu Entwurf21A.

Was habe ich getan? von

Titel des Vortrags über sein Buch Hamlet oder

Hekuba, m it dem CSch am 12. Juni 1956 einen Diskussionsabend im Hause des Verlegers Eugen Diedenchs in Düsseldorf eröffnete; erstmalig publiziert in: Dietsland-

Europa 2 (1957), S. 7-9, wiederveröffentlicht in: Mohler/Schmitt, S. 221-224.

1956]

Racines Krieger witwe Andromache] Die Trojanerin Andromache steht exemplarisch fiir das Leid der Frauen im Krieg. Witwe Hektors, der von Achilleus erschlagen worden ist, muss sie beim Fall der Stadt Zusehen, w ie auch ihr Sohn grausam getötet wird. Danach verschleppt Achilleus’ Sohn Neoptolemos sie ab Beute in seine Heimat. Jean Racines 1667 in Paris uraufgefuhrte Tragödie Andromaque ist eine der bekanntesten Bearbeitungen des Themas. wer aber weint ( um Hekuba?] In Shakespeares Hamlet weint einer der Schauspie­ ler in seiner Rolle über den Tod der trojanischen Königin Hekuba, was Hamlet Anlass zu Erstaunen gibt, vgl. Carl Schmitt: Hamlet oder Hekuba (wie B rief 4, Anm.),

S. 44. Zugleich Hinweis a u f die sich im I. Weltkrieg auspriigende Tradition der Hekuba

- der Schwiegermutter Andromaches - ab einem weiteren Symbol der durch den Krieg

traumatisierten Frau und Mutter, paradigmatisch hierfür ist der seinerzeit weit ver­

breitete Roman von Clara Viebig: Töchter der Hekuba, Berlin: Fleischel 1917; auch

der frühe Brecht thematisierte in Gedichten wie etwa Moderne Legende (1914) oder

)

Mütter Vermisster (1916) deren Leid.

Papst Paulus (

)

ein polnischer Papst] Papst Paul VI. (eigtl. Giovanni Maria Montini,

1897-1978), von 1963 an Papst, wirkte in seinen letzten Jahren zögerlich und hilflos. Der

polnische Papst ist Johannes Paul II. (eigtl. Kami Josef Wojtyla, 1920-2005), im Amt seit 1978. - Polen ist Hamlet ist eine von CSchs beliebten, o f ad hoc vorgenommenen Analogiebildungen zur ersten Zeile von Ferdinand Freiligraths Gedicht Hamlet von 1844:

Deutschland ist Hamlet. Ernst und stumm [/] In seinen Toren jede Nacht [/] Geht die begrabne Freiheit um [/] Und winkt den Männern auf der Wacht. Vgl. Carl Schmitt:

Hamlet oder Hekuba (wie B rief4, Anm.), S. 11.

Ihr Colloquium] vgl. Brief 20, Anm. u. 21A

22

I'AU BES AN SCH M ITT

10.11.1978

Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH I (alle 6 - Stand 1066

10.11.1978

Verehrter Herr Schmitt, Wolfgang Fietkau hat mir eine Copie seiner Epistel an Sie eingesandt. Sie sehen non iam frustra doces, Carl Schmitt. Wenigstens an der FU doch der hellste Ort in Deutschland. Ihr J. T.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Postkarte des J.H.W. Dietz

Verlags, a u f der Vorderseite:

I)cr wahre Jacob - Hinweise a u f ein Satirisches Blatt der Arbeiterbewegung 1884 — 1933; HStA Düsseldorf Nachlass Carl Schmitt, RW265-15969.

( 'opie seiner Epistel an Sie] Fietkau legte seinem B riefan JT vom 30. Oktober 1978 sowohl ein Exemplar seiner soeben im Rowohlt Verlag erschienenen Monografie Schwa- nengesang auf 1848 (wie B rief 17, Anm.) als auch eine Kopie des Briefs an CSch bei, den er anlässlich der Versendung seines Buches an diesen verfasst hatte. Von CSchs Reak­ tion berichtet er in einem B riefan JT vom 18. November 1978: [D]er alte „Partisane“

hat, wie Sie beiliegend sehen, gleich geantwortet (was ich wirklich sehr nett finde!) und sich in den mir zugedachten Marginalien zum Thema „Legale Weltrevolution“ nichts anmerken lassen, was, wenn ich den an Sie gerichteten Brief (vielen Dank liir die Fotokopie!) richtig verstehe, dort doch weniger verblümt zum Ausdruck gekommen ist. Daß C.S. der Vaterschaft, für die er da in Anspruch genommen wird, nicht ganz ohne Argwohn begegnen würde, habe ich ja fast erwartet, ln der litt scheint er das eine oder andere, lese ich die Antwort an Sie richtig, als gewissen l’icks empfunden zu haben, und da müßte ich, ein bißchen unschlüssig, ob ich mich über derlei Treffer freuen oder grämen sollte, am Ende doch eher freuen: der l’crfidie, die er als „Anti-Vergilianismus“ heraushört, lag meinerseits nicht die Spur von Absicht zugrunde. Dieser Aspekt der Sache hat sich rein immanent ergeben, als mir bei der Cygne-Analyse langsam aufdämmerte, daß es sich hier abermals um eine Art Äneis-Travestie handelte, die zu Baudelaires Zeiten als Genre ja schon gut 200 Jahre Geschichte hatte. Daß C.S. da eine Art „Hai? auf meine Art von Virgi- 1irät“ herauslesen könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Kapiert habe ich cs erst, nachdem ich inzwischen Fabers „Verkündigung Vergils“ gelesen habe [ ] (die mich übrigens sehr beeindruckt hat und die ich gerne zitiert hätte). Nebenbei bemerkt, ist die Retourkutsche „Carl OrfP ja auch nicht von schlechten Eltern. Sollten Sie C.S. noch einmal sehen und sollte sich die Gelegenheit dazu ergeben, fände ich es doch nett, wenn Sie ihn darüber aufklären würden, daß ich ihm da wi rktich nichts Hämisches unterjubeln wollte ( O: ZfL, Nachlass Jacob Taubes). - Aus

dieser Bitte zur Richtigstellung ebenso wie aus Fietkaus Besitz eines Autos, mit dem er JT nach Plettenberg chauffierte, hat sich seine Teilnahme an dessen zweitem Besuch bei CSch ergeben (persönliche Auskunft von Woljgang Fietkau).

non iam frustra doces, Carl Schmitt] vgl. B rief 15, Anm.

23 TAUBES AN SCH M ITT BERLIN, 15.11.1978

Jacob Taubes Freie Universität Berlin Philosophisches Seminar während einer Sitzung des (Hermeneutik) Akademischen Senats 1 Berlin 33, den 13. November 1978 Anf dem Grat 48 Gelfertstrasse 11 Ruf: Durchwahl 76 90 2003/2004

Verehrter und lieber Herr Schmitt, am Abend, da die Nachricht in die Öffentlichkeit platzte dass Horst Mahler einige Tage Ferien bekam, traf sich ein Kolloquium zum Prob­ lem Terrorismus im Hotel Gerhus zum fröhlichen Abend(essen). Die “Intelligentsia” Richard Löwenthal und Nathan Leithes meinten (mit Recht), dass das Colloquium tanzt, während Belehrung zum Problem von Horst Mahler zu erwarten wäre (200.000 DM sind für die Konfe­ renz bereitgestellt!). Ich selbst habe dem Senatsrat Hildebrandt, dem verantwortlichen Leiter “von der Staatsseite”, Carl Schmitts Partisa- nen-buch zur Lektüre gegeben (plus Schickel-Kommentare). Seitdem ist für ihn sein eigenes Programm - ich zitiere ihn - “ungen¡essbar”. Inzwischen haben Verschiebungen sich ergeben: für Dienstag 21. Nov. 12 h [ist] eine Sitzung anberaumt über das Geschick der “Religi­ onssoziologie”, die ich mit linker Hand vertrete. Ich will sehen, ob ein Zug mich Dienstag nachmittags nach Plettenberg bringen kann, so dass ich am Dienstag und Donnerstag Sie besuchen kann. Freitag bin ich in Hannover zu einem Colloquium einer Gruppe von Schülern über Hermeneutik und Phänomenologie, ein Vorwand sich zu treffen. Ich lege einiges bei: a) das Protokoll der 2. Sitzung des Colloquiums von einer Studentin im 7. Semester die auch [das] Hamlet-buch ana-

lysicren soll, b) Post an den Präsidenten, in der [ich] die Geschichte des Fachbereichs 11 rekapituliere und glaube das Problem deutlich formuliert zu haben. I >ic Reform der Reform die jetzt ansteht kann leicht in eine gegenre­ volutionäre Welle Umschlagen und wir verlieren dann die Loyalität jener Studenten von der Art Fietkaus. Also wandelt man auf einem schmalen Grat und ich kann nur hoffen dass wir nicht abstürzen. Sie hören von mir sobald ich Zeit und Stunde weiß. Herzlich grüsst Sie Ihr Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG 0 : Hs, gedruckter Briefkopfmit hs. Namen und Straßenangabe des Absenders; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-15970.

wahrend einer Sitzung des Akademischen Senats] hs. von JT eingefugt

Mahler] Horst Mahler (geh. 1936), Jurist, APO-Anwalt und RAF-Gründungsmit- glied; Mahler verbüßte seit 1970 in der Berliner Haftanstalt Tegel eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung, Bankraubs und der ¡>cwaltsamen Befreiung von Andreas Baader. Die Entscheidung zum Urlaub aus der Haft fü r Mahler tra f der damalige Berliner Justizsenator Meyer (FDP) trotz Sicher­ heitsbedenken des Innensenators Ulrich (SPD); der Urlaub wurde am 14. November gewährt und am selben la g von derJustizverwaltung in einer Pressemitteilung bestätigt. 19HOerfolgte seine endgültige Haftentlassung. M ahler war m it JT 1967 aus Anlass des Prozesses gegen die Kommune 1 in Kontakt gekommen, der sich nach der Haft noch einmalfü r kurze Zeit wiederherstellte. Mahler ist seit den 1980erJahren Jur die NPD politisch und organisatorisch aktiv.

Kolloquium zum Problem Terrorismus] näheres nicht ermittelt

Lowenthal] Richard Löwenthal (1908-1991), Politikwissenschafiler, in seiner Jugend Kommunist, seit 1935 im Exil, 1945 Eintritt in die SPD, 1961-1974 Prof. Jur die Wissenschaft von der Politik an der FU Berlin. I .eithes] Nathan C. Leithes (1912-1987), amerik. Soziologe und Autor, Experte Jur die Sowjetunion, seit 1947fü r die Rand Cooperation tätig.

Carl Schmitts Partisanen-buch (

des Partisanen, Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen, Berlin: Dunk-

ker

& Humblot 1963. M it den erwähnten Schickel-Kommentaren meint JT das

Ciespräch über den Partisanen, das der Maoist und Rundfunkredakteur des NDR

)

Schickel-Kommentare] Carl Schmitt: Theorie

/oachim Schickei (geh

1924) 1969 m it CSch geführt hat, veröffentlicht in: Joachim

Schickel (Hg.): Guerrilleros, Partisanen. Theorie und Praxis, eingel. u. hg. v. loachim Schicke!, München: Carl Hanser Verlag 1970, S. 10-29, in seiner Vor­

bemerkung (ebd., S. 9) begründet Schickel, weshalb er mit CSch geredet habe: Seine

Schrift T heorie des P artisanen wies ihn als einzig erreichbaren Autor sich kompetent zum Thema geäußert hat.

(ieschick der “Religionssoziologie”] JT erhielt 1963 an der FU Berlin ein Ordina­ riatfü r Judaistik und Religionssoziologie, ein Umstand, der ihn zu einem institutionell

aus, der

mächtigen Mann machte, der am (anfangs so genannten) Philosophischen Seminar in Judaistik und Religionssoziologe Mitentscheidungsrecht besaß. Ende der 1970er Jahre verlor er unter anderem im Zuge der Neustrukturierung des Fachbereichs 11 viel von seinem Einfluss. Seit 1980 war er a u fdie Philosophie und das von ihm geleitete (An-) Institutfü r Hermeneutik beschränkt. Protokoll der 2. Sitzung des Colloquiums] Ein zweiseitiges, als Matrizendruck ver­ vielfältigtes und namentlich nicht gezeichnetes Ts (O: Ts; HStA Düsseldorf Nachbiss Carl Schmitt, RW 265-21906); im Zentrum der Diskussion des Colloquiums (vgl. Brief20, Anm.) stand der vorletzte Absatz von Walter Benjamins Lebenslauf, der später

als Lebenslauf [III] in: ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 6, hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985, S. 217-219,

hier: S. 219 veröffentlicht wurde.

Hamlet-buch] Carl Schmitt: Hamlet oder Hekuba (wie B rief 4, Anm.)

Post an den Präsidenten] B riefJTs an den Präsidenten der Freien Universität Berlin Eberhard Lämmert v. 10. November 1978 (K von Ts; HStA Düsseldorf, Carl Schmitt- Nachlass, RW265-15953/1-2).

24 SCH M ITT AN TAUBES

PLETTENBERG, 24.11.1978

Freitag, 24. November 78

Lieber, verehrter I Ierr Taubes: diese beiden, für mich kostbaren Tage Ihres Besuchs werden mich noch lebenslang beschäftigen; die bevöl­ kerungsstatistische Dauer dieser meiner Lebens-,,Erwartung“ spielt dabei keine Rolle. Herzlichen Dank! Für Ihre Geduld, und für Ihre Nachsicht mit meiner Randsituation und meinen kaum noch zumut­ baren Altersbeschwerden ganz besonderen Dank! Ich habe gestern nachmittag vergessen, Ihnen die beigefügte Fotokopie der Däubler Schrift von 1916 mitzugeben, und füge sie diesen meinen Zeilen bei; machen Sie sich für Ihr Material eine Fotokopie und schicken Sie mir das hier beigefügte Exemplar dann zurück. Die Buch-Schicksale alles dessen was Däubler angeht, sind ungeheuerlich; ich darf Ihnen diese Warnung nicht verschweigen. Eine Topographie im Wolfgang-Fiet- kau-Stil wäre ein konstituierendes Europäisches Ereignis; auch unter dem Gesichtspunkt der Bedingungen der Möglichkeit eines Nobel- Preises bezw. einer Kandidatur, als heuristisch-fruchtbare Frage, nicht etwa nur ironisch.

Nix limals alle guten Wünsche und herzlichen Dank für die Wohltat dieses Besuches! 1111 aller Carl Schmitt

Olli KUF.FERUNG O: Hs; ZfL, Nachlass Jacob Taubes. - Entwurf: Hs in Steno- i'hlitini, in weitgehend wörtlicher Übereinstimmung mit dem verschickten Brief; HStA Idhsrldorf Nachlass Carl Schmitt. RW265-21927, Bl. 15r.

Iiilnkopie der Däubler Schritt von 1916] Carl Schmitt: Theodor Däublers „Nord-

ln In“ (wie Brief 8, Anm.) wurde erst 1991 wieder neu aufgelegt, dieses Mal bei Dunk- kri & Humblot.

21 TAUBES AN SCH M ITT ESSEN/BIELEFELD, 24.11.1978

Verehrter

haben Sie herzlichen Dank für die beiden Tage. W. Fietkau u. ich blie­ ben noch bis tief in die Nacht hinein zusammen. Dabei kam auch die Kritik Gadamers im Exkurs II von “Wahrheit u. Methode” an Ihrer I lamlet-Interpretation zur Sprache. G. begreift nicht dass Ihr (u. unser) philosophisches Interesse sich nicht aufs Geschichtslose, son­ dern gerade auf das zeitlich Bestimmteste richtet, aufs Unumkehrba­ re, also biblisch oder christlich. Wie auch das Credo keine mythische Geschichte erzählt, sondern durch das harte sub Pontio Pilato in einem konkreten Ereigniszusam­ menhang steht. Darum unterscheidet sich grundlegend griechische (paganische) Tragödie vom (christlichen) Trauerspiel. Darum aber ist auch von Ihnen das Wort “Mythos” zu ungenau gebraucht. Post Christum natum gibt [es] oder gilt Mythos nicht mehr: “aufgehoben”. Auch alles “Spiel” ist hereingerissen in den Sog sub Pontio Pilato, also von Zeit als Ereignisgeschichte, also unumkehrbar auf der “Einbahn Strasse” zum Jüngsten Gericht. Koselleck lässt herzlich grüssen

u. lieber Herr Schmitt, 24.11.! 978

Ihr J. T.

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, Karte; HStA Düsseldorf, Nachlass CarlSchmitt, RW265-

15971.

ESSEN/BIELEFELD, 24.11.1978] neben dem Poststempel von CSch notiert:

25/11/78 darunter: erhalten 27/11/78 sowie schwer entzifferbare Notizen in Steno­

gramm, a u f dem Rand lesbar: Gespräch

)

mit T.

Kritik Gadamers (

Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, Tübin­

gen: Mohr / Siebeck 1960, S. 469-471. - Zur Kritik Gadamers notierte CSch a u f

dem

m it Tinte: (und nicht: der Einbruch der Historie in die Literatur) wie Gadamer

es missdeutet; / aber auch nicht: Einbruch der Zeitgeschichte in die Zeit; / eher

(1972) Einbruch der Zeit in die Zeitgeschichte (

Schmitt, RW265-27612).

Credo (

an Ihrer Hamlet-Interpretation]

Hans-Georg Gadamer:

Titelblatt seines Handexemplars von Hamlet oder

)

Hekuba (wie B rief 4, Anm.)

(HStA Düsseldorf, Nachlass Carl

)

sub Pontio Pilato] passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus et sepul-

tus, descendit ad inferos, tertia die resurrexit a mortuis, lat., gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, am dritten Tage auferstanden von den

Toten¡zentraler Teil des Nicäno-Konstantinopolitanum, des Apostolischen Glaubensbe­ kenntnisses (Credo), das die in den Evangelien betonte Historizität der Ereignisse um Jesus und zugleich ihren erlösenden Charakterfesthält.

vom (christlichen) Trauerspiel] Anspielung a u f CSchs Erör­

unterscheidet sich (

)

terung von Benjamins entsprechenden Überlegungen, vgl. Carl Schmitt: Hamlet oder

Hekuba (wie B rief 4, Anm.), S. 62:

Walter Benjamin behandelt die Verschieden­

heit von Trauerspiel und Tragödie (S. 45-154) und spricht, gemäß dem Titel seines Buches, vor allem von dem Trauerspiel des deutschen Barock.

“Einbahn Strasse”] Hinweis a u fden Titel der von Walter Benjamins 1928 erstmals in Buchform publizierter Aphorismensammlung Einbahnstraße, wiederveröffentlicht in

ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 4.1: Kleine Prosa, Baudelaire-Übertragungen, hg. v. Tillman Rexroth, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1972, S. 83-148.

Koselleck] Reinhart Koselleck (1923-2006), Historiker, Promotion 1954 mit der Stu­

die Kritik und Krise. Pathogenese der bürgerlichen Welt, Habilitation 1965, 1966

P rof fü r Politische Wissenschaft in Bochum, 1968 Prof, fü r Neuere Geschichte an der Univ. Heidelberg, 1973-1988 Prof, fü r Theorie der Geschichte an der Univ. Biele­ feld. Mit Otto Brunner und Werner Conze Hg. von Geschichtliche Grundbegriffe.

Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, 8 in 9 Bdn.,

Stuttgart: Klett 1972-1997. Seine Bekanntschaft mit JT geht a u f deren gemeinsame Teilnahme an den Treffen der Forschungsgruppe Poetik & Hermeneutik zurück, an denen Koselleck von 1963 an teilgenommen hat.

•/.

I AUBES AN SCHMITT HEREIN, 29.11.1978

|.u ob Taubes

I ific Universität Berlin

I .ich bereich 11 Philosophie mul Sozialwissenschaften Institut ftir Philosophie

1 Berlin 33, den 29. 11. 1978 Gelfertstrasse 11 Ruf: Durchwahl 838 21 07

Verehrter und lieber Herr Schmitt, haben Sie Dank für Ihre Sendung und herzlichen Dank für Ihre Post.

I s gehört, wenn Sie wollen, zu meinem jüdischen Erbe das Alter nicht

/u ehren sondern in der Gebrechlichkeit auch Weisheit zu vermuten. Uh hoffe Sie haben meine Postkarte in Essen geschrieben in Bielefeld vollendet erhalten und bemerkt wie entscheidend der Einbruch der /.eit ins Spiel meine Reflexion bestimmt. Es ist damit ein Ernst ins Spiel gekommen, den keine griechische Tragödie, die dem Mythos verhaftet bleibt, erreicht. Im Augenblick in den Sog von Kontroverse gezogen, in der wiederum das Gesamt des Unternehmens Hermeneutik in Frage gestellt werden soll. Wenn ich Sie hinter die Kulissen blicken lasse, so weil in den Nichtigkeiten des Tages ein Problem, das übergreifend ist, steckt. (Brief an Senator Glotz, der einen offenen Brief ankündigt den ich erst nach Vorlesung und Seminaren sowie Besuch von Christian Mei­ er schreiben kann. Peter von Oertzen stellte in seinem Vortrag Karl Marx und - Carl Schmitt gegenüber —in aller Ablehnung doch ein “Kompliment”). Ich lege auch einen Brief von Henning Ritter bei von tlem ich meine er könnte Sie interessieren. Ich komme erst nächste Woche post Christian Meier zu Atem und zu Wort.

Ihr Jacob Taubes

ÜBERLIEFERUNG O: Hs, gedruckter Briefkopf mit hs. Namen des Absenders und Datumsangabe; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-15972.

den 29. 11. 1978] darunter von CSch eingefiigt: erhalten 1/12/78 Einbruch der Zeit ins Spiel] Der Einbruch der Zeit in das Spiel ist der Untertitel von Carl Schmitt: Hamlet oder Hekuba (wie B rief 4, Anm.).

das Gesamt des Unternehmens Hermeneutik in Frage gestellt) In den geistes- und

sozialwissenschaftlichen Fächern der FU Berlin und ihren häufig wechselnden organisa­ torischen Zusammenschlüssen tobten in den späten 1970erJahren heftige akademische und wissenschafispolitische Auseinandersetzungen, die in der Auflösung des Fachbereichs 11 Höhepunkt und Endefanden und in deren Verlaufauch das von JT geleitete Institut fü r Hermeneutik als bedroht erschien. Brief an Senator Glotz) Im B riefan Peter Glotz vom 29. November 1978 weist JT

flH/Ereignisse der letzten Sitzung des Direktoriums des Philosophischen Instituts der

FU hin; dabei gin g es auch um die von Glotz betriebenen und von JT unterstützten Pläne zu Neuberufungen, gegen die es am Institut große Widerstände gab: Sie können

die Idee Tugendhat /Theunissen in die Lade Ihrer Utopica verscharren. Eine Kopie

des Schreibens findet sich im HStA Düsseldorf, vgl. HStA Nachlass Carl Schmitt RW 265-15950/1-2. - Peter Glotz (1939-2005), Politiker der SPD, 1978-1981 Berliner Senator fü r Wissenschaft und Forschung und in dieser Funktion sowohl durch seine, von JT beratene Berufungspolitik verantwortlich fü r die Neuordnung des Instituts fü r Philosophie an der FU Berlin als auch fü r die 1981 erfolgte Gründung des Wissen­ schaftskollegs zu Berlin. Brief von Henning Ritter] Es handelt sich hier um einen B rief vom 18. November 1978, den Ritter als Reaktion a u feinen Vortrag verfasste, den Sander am Abend zuvor in JTs Hermeneutischem Colloquium gehalten hatte, vgl. dazu B rief 27, Anm. Eine Fotokopie des Schreibens befindet sich im Nachlass von CSch (HStA Düsseldorf, Nach­ lass Carl Schmitt RW265-11640/1-2). Peter von Oertzen ( in seinem Vortrag] Peter von Oertzen (1924-2008), Polito­ loge und Politiker, 1953 Promotion an der Univ. Göttingen, 1962 Habilitation ebenda,

1963 Prof, an der Technischen Univ. Hannover, 1970-74fü r die SPD Niedersächsi­

scher Kultusminister, 1974-1982 Prof, fü r Politikwissenschaft an der Univ. Hannover. Besuch von Christian Meier] Christian M eier (geb. 1929), Althistoriker, 1956 Pro­ motion an der Univ. Heidelberg, 1963 Habilitation fü r Alte Geschichte an der Univ. Frankfurt am Main, 1966-1968 und 1973-1976 Prof, an der Univ. Basel, 1968-

1973 an der Univ. Köln. 1976-1981 an der Univ. Bochum, 1981-1997 Prof, an der

Univ. München, 1982-1996 Kurator des Historischen Kollegs München, 1996-2002 Präsident der Deutschen Akademiefü r Sprache und D ichtung in Darmstadt. M eier war mit CSch seit Ende der 1960erJahre gut vertraut.

)

11

TAUBES AN SCHMITT

B E R L IN , 3.12 .19 7 8

Jiicob Taubes Freie Universität Berlin 1‘liilosophisches Seminar (I lermeneutik)

1 Berlin 33, den 3.12.1978, 1. Adventssonntag Gelfertstrasse 11 Ruf: Durchwahl 838 2002

I ¡eher und verehrter Herr Schmitt, anbei das Protokoll der 3. Sitzung des Herrn. Colloquiums mit einem verbum abbreviatum von H. D. Sander selbst. Der Gang der Diskus­ sion ist tolerabel genau nachgezeichnet. Ob Sie sich in einer solch geistesgeschichtlichen Perspektive wiedererkennen? Ich hoffe, dass Ihre Intentionen nicht zu beschädigt ankamen. In der letzten Sitzung sprach Christian Meier, der im Begriff des Poli­ tischen den Bogen schlug von Aeschylus zu C. S. Aus vielen Vorarbei­ ten und Entwürfen kreierte C. Meier einen neuen Text, der ganz her­ vorragend ankam. Ein seltener Augenblick auch in der Geschichte des I lermeneutischen Colloquiums, das auf einige Höhepunkte in ver­ gangenen Jahren zurückblicken kann. 1)er Bürgerkrieg im Institut geht munter weiter in Formen, die unter dem Niveau einer Berichterstattung liegen. Dennoch anstrengend. I ietkau am 15.12. hier, nach den Weihnachtsferien, eine Studentin über C. S. zur Literaturtheorie, dann Gadamer, seinen Exkurs vertei­ digend oder korrigierend, eilt das Semester dem Ende entgegen. Doch nicht übel, muss ich selber sagen, obwohl mit den juristischen Semi­ naren ad C.S. nicht konkurrenzfähig. Herzlich Ihr J. T.

ÜBERLIEFERUNG O: Eis, gedruckter Briefkopf mit hs. Namen des Absenders, Datums- und Straßenangabe sowie hs. ergänzter Telefonnummer; HStA Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-15973.

Hans-Dietrich

Sander hatte am 17. November 1978 im Hermeneutischen Colloquium JTs einen

öffentlichen Vortrag mit dem Titel Carl Schmitts Politische Theologie als Rechtsphi­ losophie und Lehre von den Letzten Dingen gehalten, vgl. auch Schmitt/Sander, S.

447. Das Protokoll liegt als 7 Seiten umfassendes Ts im Matrizendruck vor (O: Ts; HStA

Düsseldorf, Nachlass Carl Schmitt, RW265-21906).

verbum abbreviatum von H. D. Sander] lat., Kurzkommentar. -

In der letzten Sitzung sprach Christian Meier] Christian Meiers öffentlichen Vor­

trag in der 4. Sitzung des Hermeneutischen Colloquiums vom l. Dezember 1978 zum

Thema Aischylos und das Politische bei den Griechen