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F Forschung

I bersicht ber abgeschlossene und laufende


Forschungsvorhaben im Mauerwerksbau 421
Anke Eis und Todor Vassilev, Dresden

II rtliche Verstrkung gemauerter Wandscheiben


mit aufgeklebten Faserverbundwerkstoffen 481
Uwe Pfeiffer, Baar und Werner Seim, Kassel
2010
MAUERWERK KALENDER

Herausgegeben von
Wolfram Jäger, Dresden

35. Jahrgang
Hinweis des Verlages
Die Recherche zum Mauerwerk-Kalender ab
Jahrgang 1976 steht im Internet zur Verfgung
unter www.ernst-und-sohn.de

Titelfoto: „Schnecke“, Architektur Erwin Heerich, 1993, Stiftung Insel Hombroich, Neuss-Holzheim
 Fotograf: Tomas Riehle

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detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

 2010 Ernst & Sohn


Verlag fr Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin
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eigens markiert sind.
Satz: Dçrr + Schiller GmbH, Stuttgart
Druck und Bindung: Scheel Print-Medien GmbH, Waiblingen
Printed in the Federal Republic of Germany
ISBN 978-3-433-02940-4
ISSN 0170-4958
III

Vorwort
Liebe Leser, von Beispielen die gngigen Berechnungs- und Bemes-
sungsverfahren erlutert. Wer sich nicht nur mit den
vor Ihnen liegt ein Mauerwerk-Kalender, in dessen Mit-
Norminhalten und der praktischen Anwendung beschf-
telpunkt die aktuelle Normung im Mauerwerksbau
tigt, sondern auch an der Weiterentwicklung insbeson-
steht. Kaum eine Vorschrift fr Bemessung und Aus-
dere der Bemessungsnormen interessiert ist, der wird
fhrung von Mauerwerk bleibt derzeit in Deutschland
aufmerksam die Umsetzung der Bemessungskonzepte
und Europa von einer grundlegenden berarbeitung
des EC 6 im europischen und auch das Vorgehen im
verschont. Der Mauerwerk-Kalender 2010 mçchte Ih-
weltweiten Ausland verfolgen: Drei Beitrge finden Sie
nen mit der gewohnten fachlichen Kompetenz die be-
hierzu im Bereich Bemessung dieses Kalenders – aus
treffenden Problemkreise transparent machen. Zahlrei-
Kanada, sterreich und den Niederlanden. Wie die Be-
che der insgesamt 35 Autoren der diesjhrigen Ausgabe
rechnung von Mauerwerk in Deutschland knftig prak-
sind als Obmann, -frau oder Mitarbeiter der jeweiligen
tisch aussehen soll, veranschaulichen in einem weiteren
Normenausschsse im DIN und/oder den europischen
Aufsatz ausgewhlte Beispiele nach dem Bemessungs-
Normungsgremien engagiert und berichten aus erster
algorithmus der Normenentwrfe E DIN 1053-11 (ver-
Hand ber den aktuellen Bearbeitungsstand und dar-
einfachtes Verfahren) und E DIN 1053-13 (genaueres
ber, was die Anwender der Normen in naher Zukunft
Verfahren).
erwartet.
• Im Bereich Baustoffe · Bauprodukte finden Sie den • In der Rubrik Bauphysik · Brandschutz finden Sie
bekannten aktualisierten Beitrag Eigenschaftswerte von Ausarbeitungen zu den aktuellen Schallschutz-, Wr-
Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen so- meschutz- und Brandschutzregelungen fr Mauerwerk.
wie eine Fortsetzung der langjhrigen Reihe Festig- Auf diesen Gebieten muss der planende Ingenieur sich
keitseigenschaften von Mauerwerk – diesmal geht es stndig weiterbilden, da die aktualisierten gesetzlichen
um die Druckfestigkeit. Eine weitere Abhandlung will Regelungen als Antwort auf die klimatischen Vernde-
versuchen, Europische Produktnormen im Mauer- rungen unserer Umwelt sowie die Umsetzung neuer
werksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Forschungsergebnisse in die berarbeiteten Normen
Bauordnungsrecht fr den Anwender verstndlicher zu dies erfordern.
machen.
• Im Bereich Normen · Zulassungen · Regelwerk stehen
• Die Abteilung Konstruktion · Bauausfhrung · Bau- das aktuelle Verzeichnis der allgemeinen bauaufsicht-
werkserhaltung nimmt in zwei Beitrgen das Thema lichen Zulassungen sowie die tabellarischen bersich-
Konstruktion und Ausfhrung von Mauerwerk auf – ten zu den geltenden technischen Regeln fr den Mau-
zuerst werden die geplanten Regelungen des Normen- erwerksbau zur Verfgung – Letztere diesmal ergnzt
entwurfes E DIN 1053-12 vorgestellt, anschließend durch einen kurzen separaten Beitrag mit einem Exkurs
widmet sich ein zweiter Aufsatz speziell dem Verblend- in die Grundstze der Normung, der die Arbeitsweise
mauerwerk, mit dem Schwerpunkt Vermeidung von des Deutschen Instituts fr Normung e. V. (DIN) und
Feuchteschden. Der Beitrag zur Instandsetzung einer des Normenausschusses Bauwesen (NABau) im DIN
Brcke stellt das Mauerwerk in den Kontext der Ge- darlegt. Der letzte Beitrag in dieser Rubrik schildert
samtkonstruktion, die außer den untersuchten Mauer- die Randbedingungen fr die verschiedenen bauauf-
werks-Brckenpfeilern auch Beton-, Stahlbeton- und sichtlichen Verwendbarkeitsnachweise – geschrieben
Stahlbaubestandteile enthlt und die Problemlçsungen von einem Ingenieur, der beide Seiten aus eigener Er-
somit nur fachbergreifend mçglich sind. In einer Zeit, fahrung kennt: die Behçrde, die ihre bauaufsichtlichen
in der die Ingenieurausbildung tendenziell weg geht von Aufgaben zu erfllen hat und den praktisch ttigen In-
der universellen Ausbildung und hin zur fachlichen genieur, dem die unterschiedlichen Erfordernisse fr
Spezialisierung, muss trotzdem ein Mindestmaß an die einzelnen Verwendbarkeitsnachweise oft nicht bis
Verstndnis fr die jeweils angrenzenden Fachgebiete ins Letzte klar sind. Der vorliegende Aufsatz erlutert
erhalten und auch in der Ausbildung gelehrt werden – die verschiedenen Nachweise und belegt diese mit Bei-
die hier ausfhrlich vorgestellte Brckenertchtigung spielen.
zeigt die Notwendigkeit dafr sehr anschaulich.
• Das Kapitel Forschung bringt nach dem jhrlichen
• Der Komplex Bemessung nimmt in zwei Artikeln das berblick ber die aktuelle Forschungssituation im
Thema Erdbebenbemessung von Mauerwerk auf. Es Mauerwerksbau einen Beitrag zur çrtlichen Verstr-
werden die aktuelle Normungs- und Forschungslage kung von Mauerwerk mithilfe aufgeklebter Faserver-
in Deutschland und Europa beleuchtet und anhand bundwerkstoffe. Nachdem diese Technik bereits seit

Mauerwerk-Kalender 2010. Herausgegeben von Wolfram Jger


Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
IV Vorwort

einigen Jahren fr die Biege- und Schubverstrkung von umfangreichen Kompendiums. Ich hoffe, Sie – unsere
Betonbauteilen und vereinzelt auch fr Holzbauteile geschtzten Leser – finden darin wieder viele interes-
zum Einsatz kommt, beschftigt sich der vorliegende sante Dinge, die fr Ihre tgliche Arbeit wertvolle An-
Beitrag hauptschlich mit Versuchen zu nachtrglichen regungen geben und freue mich darauf, von Ihnen kriti-
çrtlichen Verstrkungen bei Mauerwerksstrukturen. sche Hinweise auf knftig im Mauerwerk-Kalender zu
behandelnde Themenkomplexe zu erhalten.
Den hervorragenden Autoren danke ich fr die unermd-
liche Arbeit an den Beitrgen, dem Verlag Ernst & Sohn Ihr
fr die Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingun-
Wolfram Jger
gen fr eine effektive Arbeit und dem gesamten Team
ji@jaeger-ingenieure.de
der Planung und Bearbeitung des Mauerwerk-Kalenders
fr die Geduld und Sorgfalt bei der Fertigstellung dieses Dresden, im November 2009
V

Inhaltsbersicht
A Baustoffe · Bauprodukte
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 3
Peter Schubert, Aachen
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit –
Regelungen nach DIN 1053 27
Wolfgang Brameshuber und Markus Graubohm, Aachen
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung
mit dem deutschen Bauordnungsrecht 45
Antonio Caballero Gonzlez, Hannover

B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung


I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 67
Dieter Figge, Warburg
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 79
Birger Gigla, Lbeck
III Instandsetzung der oberstromigen Fußgngerberwege an der Horchheimer Brcke –
Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 103
Holger Tebbe, Neuwied; Stefan Lietz, Markus Brhl, Frank Tataranni und
Peter Schwarz, Koblenz

C Bemessung
I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten 143
Christoph Butenweg und Christoph Gellert, Aachen; Udo Meyer, Bonn
II Die Anwendung des Eurocode 6 in sterreich 169
Anton Pech, Wien
III Bemessung von Mauerwerk nach der hollndischen Norm 185
Simon Wijte und Rob van der Pluijm, Niederlande
IV Bemessung von Mauerwerk nach der Kanadischen Norm 195
Yasser Korany, Edmonton Alberta, Canada
V Bemessung von Mauerwerk – Beispiele nach E DIN 1053-11 und E DIN 1053-13 207
Frank Purtak, Uwe Hirsch und Sebastian Ortlepp, Dresden
VI Mauerwerk und Erdbeben – Bemessungsanstze, aktuelle Forschung
und Normungslage in Europa 225
Suikai Lu, Wien

D Bauphysik · Brandschutz
I Schallschutz im Mauerwerksbau 245
Heinz-Martin Fischer, Stuttgart und Werner Scholl, Braunschweig
II Die Energieeinsparverordnung 2009 293
Michael Gierga, Bonn
III Brandschutz mit Mauerwerk – Stand DIN 4102-4 sowie DIN 4102-22 313
Christiane Hahn, Hamburg/Braunschweig
IV Brandschutz im Industrie- und Gewerbebau – Anforderungen und Nachweise 327
Franz-Josef Frey, Wiesbaden

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VI Inhaltsbersicht

E Normen · Zulassungen · Regelwerk


I Geltende Technische Regeln fr den Mauerwerksbau (Deutsche und
Europische Normen) 347
Immo Feine und Joachim Kopacek, Berlin
II Verzeichnis der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen fr
den Mauerwerksbau 365
Roland Hirsch, Berlin
III Grundstze der Normung 397
Detlef Desler, Berlin
IV Bauaufsichtliche Verwendbarkeitsnachweise 401
Hans-Jçrg Irmschler, Berlin

F Forschung
I bersicht ber abgeschlossene und laufende Forschungsvorhaben
im Mauerwerksbau 421
Anke Eis und Todor Vassilev, Dresden
II rtliche Verstrkung gemauerter Wandscheiben mit aufgeklebten
Faserverbundwerkstoffen 481
Uwe Pfeiffer, Baar und Werner Seim, Kassel

Stichwortverzeichnis 501
VII

Inhaltsverzeichnis
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . III

Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIX

Beitrge frherer Jahrgnge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXIII

Abdruck von Technischen Baubestimmungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXVI

A Baustoffe · Bauprodukte

I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3


Peter Schubert, Aachen

1 Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 5.2 Verformungseigenschaften . . . . . . . . . . . . . 17


5.2.1 Druckbeanspruchung senkrecht zu den
2 Eigenschaftswerte von Mauersteinen . . . . . . 3
Lagerfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1 Festigkeitseigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . 3
5.2.1.1 Druck-E-Modul ED . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1.1 Biegezug-, Spaltzug-, Zugfestigkeit bBZ,
5.2.1.2 Querdehnungszahl mD und Dehnung bei
bSZ, bZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Hçchstspannung eu,D . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.1.2 Druckfestigkeit in Richtung Steinlnge bD,l
5.2.1.3 Vçlligkeitsgrad a0 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
bzw. Steinbreite bD,b . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
5.2.2 Druckbeanspruchung parallel zu den
2.2 Verformungseigenschaften . . . . . . . . . . . . . . 4
Lagerfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.2.1 Druck-E-Modul ED . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
5.2.2.1 Druck-E-Modul ED,p . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.2.2 Querdehnungsmodul Eq . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5.2.2.2 Dehnung bei Hçchstspannung eu,D,p . . . . . . 18
2.2.3 Zug-E-Modul EZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5.2.3 Zug-E-Modul EZ (Zugbeanspruchung
2.2.4 Dehnung bei Hçchstspannung eu,D ; eu,Z . . . . 6
parallel zu den Lagerfugen) . . . . . . . . . . . . . 18
2.2.5 Feuchtedehnung (Schwinden, Quellen),
5.2.4 Feuchtedehnung ef, (Schwinden es,
Kriechen, Wrmedehnung . . . . . . . . . . . . . . . 6
irreversibles Quellen ecq),
3 Eigenschaftswerte von Mauermçrteln . . . . . . 7 Kriechen (Kriechzahl j), Wrme-
3.1 Festigkeitseigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . 7 dehnungskoeffizient aT . . . . . . . . . . . . . . . . 18
3.1.1 Zugfestigkeit bZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
6 Feuchtigkeitstechnische Kennwerte
3.1.2 Scherfestigkeit bS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
von Mauersteinen, Mauermçrtel und
3.2 Verformungseigenschaften . . . . . . . . . . . . . . 7
Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
3.2.1 E-Modul (Lngsdehnungsmodul) El . . . . . . . 7
6.1 Kapillare Wasseraufnahme . . . . . . . . . . . . . 20
3.2.2 Querdehnungsmodul Eq . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
6.2 Wasserdampfdurchlssigkeit . . . . . . . . . . . . 20
3.2.3 Feuchtedehnung (Schwinden es) . . . . . . . . . . 8
3.2.4 Kriechen (Kriechzahl j) . . . . . . . . . . . . . . . . 8 7 Natursteine, Natursteinmauerwerk . . . . . . . 21
4 Verbundeigenschaften Stein/Mçrtel; Haft- 8 Eigenschaftswerte von Putzen (Außenputz) 21
scherfestigkeit bHS, Haftzugfestigkeit bHZ . . 9 8.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
8.2 Festigkeitseigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . 22
5 Eigenschaftswerte von Mauerwerk . . . . . . . . 9
8.2.1 Druckfestigkeit bD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5.1 Festigkeitseigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . 9
8.2.2 Zugfestigkeit bZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5.1.1 Druckbeanspruchung senkrecht zu den
8.3 Verformungseigenschaften . . . . . . . . . . . . . 22
Lagerfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
8.3.1 Zug-E-Modul EZ, dynamischer E-Modul
5.1.1.1 Druckfestigkeit bD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
dyn E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5.1.1.2 Rissspannung sR . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
8.3.2 Zugbruchdehnung eZ,u . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5.1.2 Druckbeanspruchung parallel
8.3.3 Zugrelaxation y . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
zu den Lagerfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
8.3.4 Schwinden es, Quellen eq . . . . . . . . . . . . . . . 23
5.1.2.1 Druckfestigkeit bD,p . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
8.4 Eigenschaftszusammenhnge . . . . . . . . . . . 23
5.1.3 Zugfestigkeit bZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
5.1.4 Biegezugfestigkeit bBZ . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 9 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23

Mauerwerk-Kalender 2010. Herausgegeben von Wolfram Jger


Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
VIII Inhaltsverzeichnis

II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 . . 27


Wolfgang Brameshuber und Markus Graubohm, Aachen

1 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34


4.2 Vorgehensweise bei der Erarbeitung der
2 Regelungen bezglich der Mauerwerkdruck-
charakteristischen Druckfestigkeitswerte fk 34
festigkeit in DIN 1053-1 . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.2.1 Erfasste Daten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.2.2 Rechnerisch ermittelte Kennwerte . . . . . . . 34
2.2 Vereinfachtes Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.2.3 Regressionen und 5%-Quantil . . . . . . . . . . 35
2.3 Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
4.3 DIN 1053-11 (Vereinfachtes Berechnungs-
3 Regelungen bezglich der Mauerwerk- verfahren) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
druckfestigkeit in DIN 1053-100 . . . . . . . . 31 4.4 DIN 1053-13 (Genaueres Berechnungs-
3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 verfahren) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.2 Vereinfachtes Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . 31
5 Schlussbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
3.3 Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4 Regelungen bezglich der Mauerwerk-
druckfestigkeit in DIN 1053-11 und
DIN 1053-13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem


deutschen Bauordnungsrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
Antonio Caballero Gonzlez, Hannover

1 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 7 Das deutsche Umsetzungskonzept . . . . . . . 52


7.1 Anwendungsnormen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
2 Hintergrnde zur europischen Normung
7.2 Normen fr Produkte mit besonderen
im Bereich der Mauerwerksprodukte . . . . . 45
Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
3 Das deutsche Normungskonzept . . . . . . . . . 46 7.3 Zulassungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4 Die deutsche Kennzeichnung von Bau- 8 Praxisgerechte Umsetzung der Hersteller . 62
produkten und ihre Bedeutung . . . . . . . . . . 50
9 Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
5 Das europische Normungskonzept . . . . . . 50
10 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
6 Die europische Kennzeichnung von Bau-
produkten und deren Bedeutung . . . . . . . . . 52

B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 . . . . . . . . . . . . . . 67


Dieter Figge, Warburg

1 Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 7 Zweischalige Außenwnde . . . . . . . . . . . . . 71


7.1 Außenschalen von 115 mm Dicke . . . . . . . 72
2 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
7.2 Außenschalen mit Dicken von t ‡ 105 mm
3 Wnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 und t < 115 mm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
3.1 Tragende Wnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 7.3 Außenschalen mit Dicken von t ‡ 90 mm
3.2 Nichttragende Wnde . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 und t < 105 mm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
3.3 Anschluss der Wnde an Decken und 7.4 Verankerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
Dachsthle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 7.5 Dehnungsfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
3.4 Auflagertiefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 7.6 Luftschicht und Wrmedmmung . . . . . . . 75
7.6.1 Luftschicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
4 Ringanker und Ringbalken . . . . . . . . . . . . . 70
7.6.2 Wrmedmmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
5 Schlitze und Aussparungen . . . . . . . . . . . . . 71
8 Ausfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
6 Einschalige Außenwnde (einschaliges 8.1 Lagerfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Verblendmauerwerk) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 8.2 Stoßfugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Inhaltsverzeichnis IX

8.2.1 Vermauerung von Steinen mit 10 Schutz des Mauerwerks . . . . . . . . . . . . . . . . 77


Mçrteltasche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 10.1 Schutz gegen Regen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
8.2.2 Vermauerung von Steinen ohne 10.2 Schutz gegen Frost-Tau-Wechsel . . . . . . . . 77
Stoßfugenvermçrtelung . . . . . . . . . . . . . . . . 76
11 Kontrollen und Prfungen . . . . . . . . . . . . . . 77
8.3 Verband . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
8.4 Deckenauflager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 12 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
9 Kellerwnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 13 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79


Birger Gigla, Lbeck

1 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 6 Hinweise zur Ausfhrung . . . . . . . . . . . . . . 94


6.1 Steine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
2 Grundstzliche technische Regeln und
6.2 Mçrtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
Stand der Baupraxis in Norddeutschland . . 80
6.3 Dehnungsfugen und Lftungsçffnungen . . . 96
2.1 Zweischaliges Verblendmauerwerk . . . . . . 80
6.4 Reinigung und Beschichtung . . . . . . . . . . . . 97
2.2 Tragende Innenschale . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
6.5 Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
2.3 Verblendschale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
6.6 Schalenzwischenraum . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
2.4 Schalenzwischenraum . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
6.7 Tragschale und Abfangungen . . . . . . . . . . . 98
3 Dauerhaftigkeit der Verblendschale . . . . . . 86
7 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
4 Energiesparender Wrmeschutz . . . . . . . . . 87
8 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
5 Eindringen von Feuchte durch Schlag- Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
regen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 Zulassungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101

III Instandsetzung der oberstromigen Fußgngerberwege an der Horchheimer Brcke –


Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
Holger Tebbe, Neuwied; Stefan Lietz, Markus Brhl, Frank Tataranni und Peter Schwarz, Koblenz

1 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 5 Status der einzelnen Abschnitte der


Fußgngerteilbrcken . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
2 Baugeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
2.1 Geschichtliche Rahmenbedingungen . . . . 104 6 Außerplanmßige Brckeninspektionen . . 111
2.2 Ausfhrungskonzept zum Errichtungs- 6.1 Maßnahmen bis Ende 2004 . . . . . . . . . . . . 111
zeitpunkt 1878 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 6.2 Untersuchungen im Zeitraum 2004–2007 111
2.3 Umbauten bis zum Jahr 1945 . . . . . . . . . . 106 6.2.1 Untersuchungsanlass . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
2.4 Wiederherstellungsarbeiten nach 1945 . . . 106 6.2.2 Untersuchungsumfang . . . . . . . . . . . . . . . . 112
2.5 Wiederherstellung des zweigleisigen 6.3 Untersuchungen im Zeitraum 2008–2009 112
Betriebs 1961 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 6.3.1 Untersuchungsanlass . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
3 Verkehrsbedeutung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 6.3.2 Untersuchungsumfang . . . . . . . . . . . . . . . . 113
3.1 Bedeutung fr den Schienenverkehr . . . . . 107
7 Untersuchungsergebnisse Vorlandbrcken
3.2 Bedeutung fr Fahrrad- und Fußgnger-
(DB-Bauwerk) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
verkehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
7.1 Untersuchte Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
4 Brckenaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 7.2 Augenscheinliche Beurteilung der Bogen-
4.1 Beschreibung der einzelnen Brckenteile 107 pfeiler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.2 Flutbrcke Oberwerth . . . . . . . . . . . . . . . . 108 7.3 Augenscheinliche Beurteilung der Mauer-
4.2.1 Hauptbrcke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 werksbçgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.2.2 Fußgngerteilbrcken . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 7.3.1 Aufbau des Bogens und der Stirnwand . . 114
4.3 Strombrcke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 7.3.2 Beschaffenheit des Mauerziegels . . . . . . . 115
4.3.1 Hauptbrcke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 7.3.3 Beschaffenheit des Mçrtels . . . . . . . . . . . . 115
4.3.2 Angehngte Fuß- und Radwegebereiche . 110 7.3.4 Eluierbare Salze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
4.4 Anschluss Horchheim . . . . . . . . . . . . . . . . 110 7.4 Betonbçgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
4.4.1 Bogenbrcke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 7.4.1 Aufbau der Bçgen und der Schildmauer . 116
4.4.2 Straßenbahnunterfhrung . . . . . . . . . . . . . . 110 7.4.2 Untersuchung an Bohrkernen . . . . . . . . . . 117
4.4.3 Kreuzungsbauwerk ber die DB-Strecke 7.4.3 Eluierbare Salze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
Ehrenbreitstein–Niederlahnstein . . . . . . . . 110 7.5 Randbalken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
X Inhaltsverzeichnis

7.5.1 Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 9.1 Planungskonzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126


7.5.2 Untersuchungen an Betonbohrkernen . . . 118 9.2 Lastabtragung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
7.5.3 Karbonatisierungstiefe . . . . . . . . . . . . . . . . 118 9.3 Ausfhrungsdetails der Geh- und Rad-
7.5.4 Eluierbare Salze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 wegebereiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
9.3.1 Altbestand/Kragarmstummel . . . . . . . . . . 130
8 Untersuchung der begleitenden Fuß-
9.3.2 Tragkonstruktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
und Radwege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
9.3.3 Gehweg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
8.1 Untersuchungsanfang . . . . . . . . . . . . . . . . 120
8.2 Untersuchung Geh- und Radwegebereich 10 Untersuchung Brckenauflagerungspunkte
Flussbrcke (Stahlbrcke) . . . . . . . . . . . . . 120 Oberwerth, oberstromig . . . . . . . . . . . . . . 132
8.3 Untersuchung Geh- und Radwegebereich 10.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
Vorlandbrcken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 10.2 Aufbau und Erhaltungszustand des
8.3.1 Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 Verblendmauerwerks der Pfeiler . . . . . . . 132
8.3.2 Augenscheinliches Schadensbild . . . . . . . 121 10.3 Durchfhrung der Sondierungsbohrungen 132
8.3.3 Schden an der Betonplatte . . . . . . . . . . . 121 10.4 Ansprache der Bohrkerne . . . . . . . . . . . . . 132
8.3.4 Betongte der Kragarme . . . . . . . . . . . . . . 121 10.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
8.3.5 Karbonatisierung Kragarme . . . . . . . . . . . 122 10.4.2 Druckfestigkeitsprfung . . . . . . . . . . . . . . 134
8.3.6 Eluierbare Salze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 10.4.3 Landpfeiler Hauptbrcke . . . . . . . . . . . . . 134
8.3.7 Bewehrungsfhrung in den Kragarmen . . 122 10.4.4 Landseitiges Bogenwiderlager . . . . . . . . . 135
8.3.8 Zustand der Bewehrung in den Krag-
11 Untersuchung berfhrungsbauwerk der
armen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
DB Netz AG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
8.3.9 Zustand der Bewehrung in der Gehweg-
platte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 12 Instandsetzung Fußgngerteilbrcke
8. 3. 10 Bestimmung der Stahlgte des Horchheim, oberstromig . . . . . . . . . . . . . . 136
Bewehrungsstahls . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 12.1 Planungskonzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
8. 3. 11 Auszugsversuche am Bewehrungsstahl 12.2 Montage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
der Kragarme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
13 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138
8. 3. 12 Stabanker Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . 125
14 Ausblick auf weitere Baumaßnahmen . . . 138
9 Neubau Fußgngerteilbrcke Oberwerth,
oberstromig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 15 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139

C Bemessung

I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143


Christoph Butenweg und Christoph Gellert, Aachen; Udo Meyer, Bonn

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 6 Nichtlineare statische Nachweisverfahren 153


6.1 Kurzbeschreibung des Nachweiskonzepts 153
2 Verhalten von Mauerwerksbauten unter 6.2 Ermittlung der Last-Verformungskurven
Erdbebenbelastung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 der Einzelwnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
3 Rechenverfahren fr Mauerwerks- 6.2.1 Auswertung zyklischer Last-Verformungs-
bauten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 kurven aus Versuchen . . . . . . . . . . . . . . . . 154
6.2.2 Approximationsansatz . . . . . . . . . . . . . . . . 154
4 Mauerwerksbauten ohne rechnerischen 6.3 Grundlagen und Annahmen des
Nachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 Verfahrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
4.1 berblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 6.4 Umsetzung und Anwendung fr die
4.2 Anwendungsbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 Baupraxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
6.5 Normative Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . 157
5 Nachweis mit linearen Verfahren . . . . . . . 149
6.6 Anwendung auf eine zweigeschossiges
5.1 Ersatzkraftverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
Doppelhaushlfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
5.2 Ersatzsystem fr die Ermittlung der
6.6.1 Nachweis auf Grundlage experimenteller
Beanspruchungsgrçßen . . . . . . . . . . . . . . . 149
Last-Verformungskurven . . . . . . . . . . . . . 158
5.2.1 Ermittlung der Erdbebenersatzkrfte . . . . 150
6.6.2 Nachweis auf Grundlage approximierter
5.2.2 Verteilung der Erdbebenersatzkrfte auf
Last-Verformungskurven . . . . . . . . . . . . . 159
die Wandscheiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
5.2.3 Standsicherheitsnachweise nach 7 Aktuelle Ergebnisse aus Forschung und
DIN 1053-100 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Wissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
5.3 Unregelmßige Tragwerke . . . . . . . . . . . . 152 7.1 Großversuch in Ispra . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
Inhaltsverzeichnis XI

7.1.1 Nachrechnung mit linearen kraftbasierten 8 Variantenuntersuchung und Schluss-


Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 folgerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
7.1.2 Nachrechnung mit verformungsbasierten
9 Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166
Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162
7.1.3 Zusammenfassung der Untersuchungen . . 164 10 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166

II Die Anwendung des Eurocode 6 in sterreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169


Anton Pech , Wien

1 Normendokumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 5.3 Anhang D: Nachweise von Bestands-


objekten und Bestandsbauteilen aus
2 NORMen EN 1996-1-1 und B 1996-1-1 169
Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
3 NORMen EN 1996-1-2 und B 1996-1-2 172 5.4 Anhang E: Auf Strze entfallende
Lastanteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
4 NORMen EN 1996-2 und B 1996-2 . . . 172
5.5 Anhang F: Anschluss von Wnden
5 NORMen EN 1996-3 und B 1996-3 . . . 172 an Decken und Dchern . . . . . . . . . . . . . . . 181
5.1 Anhang B: Nachweis durch Einhaltung
6 ON-Regel ONR 21996 . . . . . . . . . . . . . . . . 183
konstruktionsbedingter Grundregeln . . . . . 176
5.2 Anhang C: Wnde in Mantelbeton- 7 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
Bauweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177

III Bemessung von Mauerwerk nach der hollndischen Norm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185


Simon Wijte und Rob van der Pluijm, Niederlande

1 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 4 Grenzzustand der Tragfhigkeit . . . . . . . . 190


2 Baustoffeigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . 185 5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194
3 Schnittkraftermittlung . . . . . . . . . . . . . . . . 188 6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194

IV Bemessung von Mauerwerk nach der Kanadischen Norm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195


Yasser Korany, Edmonton Alberta, Canada

1 Kurzfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195 9.1 Schrgzugversagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201


9.2 Schubwnde mit zusammengesetztem
2 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
Querschnitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
3 Grundlagen der Bemessung . . . . . . . . . . . . 195 9.3 Reibungsversagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
4 Tragfhigkeit unter zentrischer Druck- 10 Tragfhigkeit von Ausfachungswnden
beanspruchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195 bei Scheibenschub . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
5 Tragfhigkeit unter Druck- und Biege- 11 Naturwerksteine und knstliche Steine . . . 203
beanspruchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
12 Empirische Bemessung von unbewehrtem
6 Schlankheitseffekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
6.1 Last-Verschiebungs-Verfahren . . . . . . . . . 197
6.2 Momenten-Vergrçßerungs-Verfahren . . . . 197 13 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
7 Wnde unter zweiachsiger Biegung . . . . . 198 14 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
8 Zweischalige Wnde mit Verbund . . . . . . 200
15 Bezeichnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
9 Erdbebenbemessung und Schub- 15.1 Formelzeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
tragfhigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200 15.2 Abkrzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205
XII Inhaltsverzeichnis

V Bemessung von Mauerwerk – Beispiele nach E DIN 1053-11 und E DIN 1053-13 . . . . . . . . . . . . . . . 207
Frank Purtak, Uwe Hirsch und Sebastian Ortlepp, Dresden

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 3.6 Pos. AW3 Außenwand im Keller-


geschoss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
2 Ablauf der Bemessung/
3.6.1 Bemessung nach DIN 1053-11:
Nachweisfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208
Vereinfachtes Verfahren . . . . . . . . . . . . . . 216
2.1 Bemessungssituationen . . . . . . . . . . . . . . . 208
3.6.1.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 216
2.2 Nachweisfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210
3.6.1.2 Materialeigenschaften Mauerwerk . . . . . . 216
3 Berechnungsbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . 210 3.6.1.3 Nachweis fr den unteren Bemessungs-
3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210 wert der Normalkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
3.2 Geometrie und Material . . . . . . . . . . . . . . 210 3.6.1.4 Nachweis fr den oberen Bemessungs-
3.3 Belastung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 wert der Normalkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
3.3.1 Vertikale Lasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 3.6.2 Bemessung nach DIN 1053-13:
3.3.2 Horizontale Lasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
3.4 Pos. AW1 Außenwand im Dach- 3.6.2.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 217
geschoss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 3.6.2.2 Nachweis fr den unteren Bemessungs-
3.4.1 Bemessung nach DIN 1053-11: wert der Normalkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
Vereinfachtes Verfahren . . . . . . . . . . . . . . 211 3.6.2.3 Nachweis fr den oberen Bemessungs-
3.4.1.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 211 wert der Normalkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
3.4.1.2 Materialeigenschaften Mauerwerk . . . . . . 212 3.6.2.4 Nachweis fr Plattenschub [13/10.5.2(3)] 217
3.4.1.3 Nachweis der Tragfhigkeit . . . . . . . . . . . 212 3.7 Pos. IW1 Innenwand im Erdgeschoss . . . 218
3.4.2 Bemessung nach DIN 1053-13: 3.7.1 Bemessung nach DIN 1053-11:
Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 Vereinfachtes Verfahren . . . . . . . . . . . . . . 218
3.4.2.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 212 3.7.1.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 218
3.4.2.2 Ausmitten und modifizierte Knoten- 3.7.1.2 Materialeigenschaften Mauerwerk . . . . . . 218
momente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 3.7.1.3 Nachweis der Tragfhigkeit . . . . . . . . . . . 218
3.4.2.3 Nachweis der Tragfhigkeit in Wand- 3.7.2 Bemessung nach DIN 1053-13:
mitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
3.4.2.4 Nachweis der Tragfhigkeit am 3.7.2.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 219
Wandkopf [13/10.2.2 (2)] . . . . . . . . . . . . . 214 3.7.2.2 Ausmitten und modifizierte Knoten-
3.4.2.5 Nachweis der Tragfhigkeit am momente nach [13/9.5 (2)] . . . . . . . . . . . . 219
Wandfuß [13/10.2.2 (2)] . . . . . . . . . . . . . . 214 3.7.2.3 Nachweis der Tragfhigkeit in
3.5 Pos. AW2 Außenwand im Erdgeschoss . . 214 Wandmitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 219
3.5.1 Bemessung nach DIN 1053-11: 3.7.2.4 Nachweis der Tragfhigkeit am
Vereinfachtes Verfahren . . . . . . . . . . . . . . 214 Wandkopf [13/10.2.2(2)] . . . . . . . . . . . . . . 220
3.5.1.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 214 3.7.2.5 Nachweis der Tragfhigkeit am
3.5.1.2 Materialeigenschaften Mauerwerk . . . . . . 214 Wandfuß [13/10.2.2(2)] . . . . . . . . . . . . . . . 220
3.5.1.3 Nachweis der Tragfhigkeit . . . . . . . . . . . 215 3.8 Pos. WS1 Aussteifungswand im
3.5.2 Bemessung nach DIN 1053-13: Erdgeschoss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 3.8.1 Bemessung nach DIN 1053-13:
3.5.2.1 Geometrie und Belastung . . . . . . . . . . . . . 215 Genaueres Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
3.5.2.2 Ausmitten und modifizierte Knoten- 3.8.1.1 Geometrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
momente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 3.8.1.2 Materialeigenschaften Mauerwerk . . . . . . 220
3.5.2.3 Nachweis der Tragfhigkeit in Wand- 3.8.1.3 Bemessungsschnittgrçßen . . . . . . . . . . . . . 221
mitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 3.8.1.4 Nachweis der Querkrafttragfhigkeit . . . . 221
3.5.2.4 Nachweis der Tragfhigkeit am Wand- 3.8.1.5 Nachweis der Randdehnung [13/11] . . . . 222
kopf [13/10.2.2(2)] . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222
3.5.2.5 Nachweis der Tragfhigkeit am Wandfuß
[13/10.2.2(2)] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216 5 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222
Inhaltsverzeichnis XIII

VI Mauerwerk und Erdbeben – Bemessungsanstze, aktuelle Forschung und


Normungslage in Europa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
Suikai Lu, Wien

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225 2.3.2.1 berlegungen zur Kapazittsspektrum-


1.1 berlegungen und Diskussionen zur methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
Mauerwerksbemessung . . . . . . . . . . . . . . . 225
3 Vergleich der Berechnungsmethoden . . . . 235
1.2 Grundbegriffe der klassischen
Baudynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 4 Ausblick auf die Forschung und
1.2.1 Eigenfrequenzen und Eigenformen . . . . . . 226 bereits implementierte Ergebnisse
1.2.2 Das Antwortspektrum . . . . . . . . . . . . . . . . 227 in europische Normen . . . . . . . . . . . . . . . 236
4.1 Verhaltensfaktor q . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236
2 Erdbebennachweisverfahren fr Mauer-
4.1.1 Analyse und Beurteilung der experimen-
werk nach den aktuellen europischen
tellen Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
Normungswerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229
4.1.1.1 Beispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
2.1 Geometrische Methoden . . . . . . . . . . . . . . 229
4.1.2 Ermittlung des Verhaltensbeiwerts q . . . . 238
2.1.1 Nachweis fr „einfache Mauerwerks-
4.1.3 berfestigkeitswerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
bauten“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229
4.1.4 Zusammenfassung und Empfehlungen
2.2 Kraftbasierte lineare Methoden . . . . . . . . . 229
der q-Werte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240
2.2.1 Vereinfachtes Antwortspektrumverfahren 230
4.1.4.1 Europische Normung in Bezug auf
2.2.2 Multimodales Antwortspektrumverfahren 231
q-Faktoren fr Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . 240
2.3 Verformungsbasierte nichtlineare
4.2 Maximal zulssige Driftwerte . . . . . . . . . . 241
Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231
4.3 Schubwandtabellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
2.3.1 „Pushover“-Methode nach Eurocode 8,
Anhang B . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232 5 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
2.3.2 „Pushover“-Methode nach der Kapazitts-
spektrummethode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234

D Bauphysik · Brandschutz

I Schallschutz im Mauerwerksbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245


Heinz-Martin Fischer, Stuttgart und Werner Scholl, Braunschweig

1 Grundbegriffe im Schallschutz . . . . . . . . . 245 2.2.2 Gerusche aus haustechnischen Anlagen


1.1 Schall, Luftschall, Kçrperschall, und Betrieben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
Trittschall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 2.2.3 Schutz gegen Außenlrm: Außenwnde . . 253
1.2 Frequenz, Spektrum . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 2.2.4 Empfehlungen fr den eigenen Wohn-
1.3 Schallpegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 oder Arbeitsbereich: Innenwnde . . . . . . . 254
1.4 Die A-Bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 2.3 Besondere Regelungen . . . . . . . . . . . . . . . . 254
1.5 Kenngrçßen fr den Luftschallschutz . . . . 246 2.3.1 Anforderungen nach dem Fluglrm-
1.5.1 Schalldmmung von Bauteilen . . . . . . . . . 246 Gesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254
1.5.2 Schalldmmung zwischen Rumen . . . . . . 246 2.3.2 Anforderungen nach der TA-Lrm . . . . . . 255
1.5.3 Das bewertete Schalldmm-Maß . . . . . . . 247 2.4 Europische Regelwerke des baulichen
1.5.4 Spektrumanpassungswerte . . . . . . . . . . . . . 248 Schallschutzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
1.6 Kenngrçßen fr den Trittschallschutz . . . . 248 2.4.1 Auswirkungen der europischen
1.6.1 Norm-Trittschallpegel . . . . . . . . . . . . . . . . 248 Normung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
1.6.2 Bewerter Norm-Trittschallpegel . . . . . . . . 248 2.4.2 nderungen bei Prf- und Beurteilungs-
1.6.3 Trittschall-Verbesserungsmaß . . . . . . . . . . 248 verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
1.6.4 quivalenter bewerteter Norm-Trittschall- 2.4.3 nderungen bei Berechnungsverfahren . . 255
pegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 2.4.4 Neuer Planungsansatz durch die
1.6.5 Spektrum-Anpassungswerte . . . . . . . . . . . . 249 europische Normung . . . . . . . . . . . . . . . . 256
1.7 Rechenwerte nach DIN 4109 . . . . . . . . . . 249 2.4.5 Kennzeichnende Grçßen fr den Luft-
schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
2 Anforderungen und Regelwerke . . . . . . . . 249
2.1 Derzeitige Regelwerke und deren 3 Die physikalischen Grundlagen des
Anwendungsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249 Schallschutzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
2.2 Zahlenmßige Festlegungen . . . . . . . . . . . 250 3.1 Luftschallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
2.2.1 Luft- und Trittschallschutz . . . . . . . . . . . . 250 3.1.1 bersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
XIV Inhaltsverzeichnis

3.1.2 Schalldmmung einschaliger Bauteile . . . 257 4.5.3.3 Schalltechnische Bemessung von


3.1.2.1 Massengesetz und Koinzidenz . . . . . . . . . 257 WDVS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275
3.1.2.2 Offenporige Wnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259 4.6 Zweischalige massive Wnde mit durch-
3.1.2.3 Unerwnschte Schwingungsformen . . . . . 259 laufenden Decken und Wnden . . . . . . . . 276
3.1.2.4 Randverluste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261 4.7 Zweischalige gemauerte Haustrennwnde 276
3.1.3 Schalldmmung zweischaliger Bauteile . . 261 4.7.1 Anwendungsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . 276
3.1.3.1 Wirkungsprinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261 4.7.2 Konstruktive Auslegung . . . . . . . . . . . . . . 277
3.1.3.2 Dickenresonanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262 4.7.3 Behandlung in der DIN 4109 . . . . . . . . . . 277
3.1.3.3 Schallbrcken, Randeinspannung . . . . . . . 263 4.7.4 Fehlervermeidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277
3.1.3.4 Mehr als zwei Schalen . . . . . . . . . . . . . . . 263 4.7.5 Fundamentausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . 278
3.1.4 bertragung durch Lçcher, Schlitze und 4.8 Installationswnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278
porçse Stoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 4.9 Lochsteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280
3.1.5 Schalldmm-Maß zusammengesetzter 4.9.1 Das physikalische Verhalten . . . . . . . . . . . 280
Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264 4.9.2 Die wichtigsten Einflsse auf die
3.2 Flankenbertragung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264 Schalldmmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
3.2.1 Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264 4.9.2.1 Steineigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
3.2.2 Behandlung nach dem neuen 4.9.2.2 Vermauerungseigenschaften . . . . . . . . . . . 282
europischen Rechenverfahren . . . . . . . . . 265 4.9.3 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283
3.2.3 Behandlung in der geltenden DIN 4109 . 265 4.9.4 Ein anderer Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
3.3 Trittschallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266 4.10 Außenwnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
4.10.1 Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
4 Schallschutz von Wnden in der Praxis . . 268
4.10.2 Belange des Schall- und Wrme-
4.1 Einschalige Trennwnde . . . . . . . . . . . . . . 268
schutzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
4.1.1 Mauerwerkswnde im Rahmen der
4.10.3 Einschalige Außenwnde aus Mauerwerk 285
DIN 4109 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
4.10.4 Zweischalige Außenwnde aus
4.1.2 Mauerwerkswnde im Rahmen der
Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285
europischen Berechnungsverfahren . . . . 269
4.10.5 Außenwnde mit Wrmedmmverbund-
4.2 Einschalige Wnde mit Schalungssteinen 270
system . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285
4.3 Trockenputze auf einschaligem
4.10.6 Außenwnde mit innenseitiger
Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
Verkleidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
4.4 Einflsse von Fugen, Schlitzen
und Zhlerksten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 5 Flankierende bertragung von Wnden . 286
4.4.1 Fugen in Mauerwerkswnden . . . . . . . . . . 271 5.1 Einfluss der Wnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
4.4.2 Schlitze und Steckdosen in Mauerwerks- 5.2 Einfluss von Wandverkleidungen . . . . . . . 287
wnden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 5.3 Einfluss der Stoßstelle . . . . . . . . . . . . . . . . 288
4.4.3 Zhlerksten in Mauerwerkswnden . . . . 272 5.3.1 Das Stoßstellendmm-Maß . . . . . . . . . . . . 288
4.5 Verkleidungen an Massivwnden . . . . . . . 272 5.3.2 Wohnungstrennwnde mit Stumpfstoß . . 288
4.5.1 Das physikalische Verhalten . . . . . . . . . . . 272 5.3.3 Leichte, massive Innenwnde . . . . . . . . . . 289
4.5.2 Praktische Ausfhrungen . . . . . . . . . . . . . 273 5.3.4 Stoßstellen mit Lochsteinwnden . . . . . . . 289
4.5.3 Wrmedmm-Verbundsysteme . . . . . . . . . 274 5.4 Hinweise fr die Planung . . . . . . . . . . . . . 289
4.5.3.1 Aufbau und Einflussgrçßen . . . . . . . . . . . 274
4.5.3.2 Schalltechnische Bewertung . . . . . . . . . . . 275 6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289

II Die Energieeinsparverordnung 2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293


Michael Gierga, Bonn

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 3.2 Anforderungen an zu errichtende Nicht-


wohngebude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 298
2 Gesetzliche Regelungen zum Klima- 3.3 Sommerlicher Wrmeschutz . . . . . . . . . . . 299
schutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 3.4 Gebude im Bestand . . . . . . . . . . . . . . . . . 300
2.1 Zielsetzung der Bundesregierung . . . . . . . 293 3.5 Luftdichtheit der Gebudehlle . . . . . . . . 300
2.2 Die Energieeinsparverordnung 2009 . . . . 293 3.6 Bercksichtigung von Wrmebrcken . . . 300
2.3 Das Erneuerbare-Energien-Wrme- 3.7 Anforderungen an die Anlagentechnik . . 300
gesetz 2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 294 3.8 Bewertung der Festlegungen fr Wohn-
gebude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 302
3 Einzuhaltende Anforderungen . . . . . . . . . 296
3.1 Anforderungen an zu errichtende Wohn- 4 Konsequenzen fr die technische
gebude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296 Umsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303
Inhaltsverzeichnis XV

4.1 Grundstzliche berlegungen . . . . . . . . . . 303 5 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311


4.2 Auswirkungen auf die Außenwand- 5.1 Konsequenzen fr die Mauerwerks-
konstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 304 industrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
4.3 Auswirkungen auf die Technische 5.2 Ausblick auf die EnEV 2012 . . . . . . . . . . . 311
Gebudeausrstung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 308
6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
4.4 Aufklrungspflicht gegenber dem
Nutzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309

III Brandschutz mit Mauerwerk – Stand DIN 4102-4 sowie DIN 4102-22 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
Christiane Hahn, Hamburg/Braunschweig

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313 4.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 320


4.2 Entwicklung der nationalen Bemessungs-
2 Stand der Brandschutzentwicklung . . . . . . 313
regeln – DIN 1053 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
2.1 Prf-/Klassifizierungsnormen . . . . . . . . . . 314
4.2.1 Baustoffnormen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
2.1.1 Nationale Prf-/Klassifizierungsnormen –
4.2.2 Bemessungsnormen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 322
DIN 4102 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
4.3 Europische Bemessungsregeln –
2.1.2 Europische Prf-/Klassifizierungsnormen 314
DIN EN 1996 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323
2.2 DIN 4102-4 und DIN 4102-22 . . . . . . . . . 318
4.4 DIN 4102-4 (neu) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323
3 Bauaufsichtliche Anforderungen . . . . . . . . 319 4.4.1 DIN 4102-4 Fassung A2 2009 . . . . . . . . . . 323
3.1 Musterbauordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319 4.4.2 DIN 4102-22 Fassung A1 2009 . . . . . . . . . 324
3.2 Baugenehmigungsverfahren . . . . . . . . . . . 319 4.4.3 DIN 4102-4 (neu) 2010 . . . . . . . . . . . . . . . 325
3.3 Verwendbarkeitsnachweise . . . . . . . . . . . . 319 4.5 Ausfhrungsdetails . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 325
3.4 Baupraxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319
5 Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 325
3.5 Verantwortlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319
6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 326
4 Brandschutz mit Mauerwerk nach
DIN 4102-4 und DIN 4102-22 . . . . . . . . . 320

IV Brandschutz im Industrie- und Gewerbebau – Anforderungen und Nachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . 327


Franz-Josef Frey, Wiesbaden

1 Einfhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 4.3.1 Trennung unterschiedlicher Bereiche . . . . 333


4.3.2 Stabilisierung der Gebude . . . . . . . . . . . . 333
2 Baurechtliche Anforderungen . . . . . . . . . . 327
4.3.3 Geschosse unter der Gelndeoberflche . . 333
2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327
4.3.4 Brandabschnitte und Brandbekmpfungs-
2.2 Anforderungen gemß MBO . . . . . . . . . . . 328
abschnitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 333
3 Brandschutzkonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . 328 4.3.5 Ausbildung von Rauchabschnitten . . . . . . 334
3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 328 4.3.6 Lnge und Ausbildung von Rettungs-
3.2 Nachweisgrundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . 328 wegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
3.3 Maßnahmen zum Brandschutz . . . . . . . . . 330 4.4 Gebudeteile und Bauteile . . . . . . . . . . . . . 336
4 Nachweise auf der Grundlage der Muster- 4.4.1 Brandwnde und Brandbekmpfungs-
Industriebaurichtlinie . . . . . . . . . . . . . . . . . 330 abschnittswnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 336
4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 330 4.4.2 Nichttragende Außenwnde und Außen-
4.1.1 Ziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331 wandbekleidungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
4.1.2 Anwendungsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331 4.4.3 Feuerberschlagsweg . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
4.1.3 Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331 4.4.4 Bedachungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
4.1.4 Nachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331 4.5 Technische Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
4.1.5 Allgemeine Anforderungen . . . . . . . . . . . . 331 4.5.1 Rauch- und Wrmeabzugsanlagen . . . . . . 338
4.2 Gebudeumfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331 4.5.2 Brandmeldeanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
4.2.1 Lage und Zugnglichkeit des Gebudes . . 331 4.5.3 Feuerlçschanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339
4.2.2 Gebudeabstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 332 4.6 Anforderungen an Baustoffe und Bauteile
4.2.3 Lçschwasserbedarf, Ringleitungen, nach MIndBauRL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339
Hydranten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 332 4.6.1 Tabellenverfahren nach Abschnitt 6 . . . . . 339
4.2.4 Lçschwasserrckhaltung und -entsorgung 332 4.6.2 Rechenverfahren nach Abschnitt 7 . . . . . . 339
4.3 Gebudekonzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 333 4.6.3 Rechenverfahren nach Abschnitt 8 . . . . . . 339
XVI Inhaltsverzeichnis

5 Feuerwiderstnde und Ausbildung der 5.2 Vorhandene Feuerwiderstnde . . . . . . . . . 341


Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341 5.3 Ausbildung der Bauteile . . . . . . . . . . . . . . 341
5.1 Benennungen der Feuerwiderstands-
6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343
fhigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341

E Normen · Zulassungen · Regelwerk

I Geltende Technische Regeln fr den Mauerwerksbau (Deutsche und Europische Normen) . . . . . . 347
Immo Feine und Joachim Kopacek, Berlin

Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347 5.3 Prfnormen fr Mçrtel . . . . . . . . . . . . . . . 357


5.4 Prfnormen fr Ergnzungsbauteile
1 Bemessung und Ausfhrung . . . . . . . . . . . 348
fr Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 358
2 Mauersteine, Mauermçrtel und Putzmçrtel 350 5.5 Prfverfahren fr Wrmeschutz . . . . . . . . 359
3 Mçrtelbestandteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351 6 Bauphysik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360
4 Weitere Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 353 7 Bauwerksabdichtungen . . . . . . . . . . . . . . . 362
5 Prfnormen fr Mauerwerk . . . . . . . . . . . 356 8 Weitere Normen, die fr den Mauerwerks-
5.1 Prfnormen fr Mauerwerk . . . . . . . . . . . 356 bau von Bedeutung sind . . . . . . . . . . . . . . 363
5.2 Prfnormen fr Mauersteine . . . . . . . . . . . 356

II Verzeichnis der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen fr den Mauerwerksbau . . . . . . . . . . . 365


Roland Hirsch, Berlin

Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365 2.1.6.2 Planhohlblocksteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383


2.1.6.3 Plansteine aus Leichtbeton mit
1 Mauerwerk mit Normal- oder Leicht- integrierter Wrmedmmung . . . . . . . . . . 384
mçrtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365 2.2 Planelemente und dafr zugelassene
1.1 Mauersteine blichen Formates . . . . . . . . 365 Dnnbettmçrtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 385
1.1.1 Mauerziegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365 2.2.1 Planziegel-Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . 385
1.1.2 Ziegel mit integrierter Wrmedmmung . 369 2.2.2 Kalksand-Planelemente . . . . . . . . . . . . . . . 385
1.1.3 Verfllziegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369 2.2.3 Porenbeton-Planelemente . . . . . . . . . . . . . 386
1.1.4 Kalksandsteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369 2.2.4 Beton-Planelemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . 386
1.1.5 Betonsteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 370 2.3 Wandbauart aus Planelementen in drittel-
1.1.5.1 Vollsteine und Vollblçcke . . . . . . . . . . . . 370 oderhalbgeschosshoher Ausfhrung . . . . . 387
1.1.5.2 Hohlblocksteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371 2.4 Weitere Dnnbettmçrtel . . . . . . . . . . . . . . 387
1.1.5.3 Hohlblocksteine mit integrierter Wrme-
dmmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371 3 Mauerwerk mit Mittelbettmçrtel . . . . . . . 388
1.1.6 Sonstige Mauersteine . . . . . . . . . . . . . . . . 372 4 Vorgefertigte Wandtafeln . . . . . . . . . . . . . 388
1.2 Mauersteine grçßeren Formates . . . . . . . . 372 4.1 Geschosshohe Mauertafeln . . . . . . . . . . . . 388
1.2.1 Mauerziegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372 4.2 Vergusstafeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389
1.2.2 Betonsteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372 4.3 Verbundtafeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389
1.3 Mauermçrtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372
1.3.1 Leichtmçrtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372 5 Geschosshohe Wandtafeln . . . . . . . . . . . . 389
1.3.2 Sonstige Mçrtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372 6 Schalungsstein-Bauarten . . . . . . . . . . . . . . 389
2 Mauerwerk mit Dnnbettmçrtel . . . . . . . . 373 7 Trockenmauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . 391
2.1 Plansteine blichen Formates und dafr
8 Bewehrtes Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . 391
zugelassene Dnnbettmçrtel . . . . . . . . . . . 373
8.1 Bewehrung fr bewehrtes Mauerwerk . . . 391
2.1.1 Planziegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373
8.2 Hochlochziegel fr bewehrtes Mauerwerk 391
2.1.2 Planziegel mit integrierter Wrme-
8.3 Strze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 391
dmmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 379
2.1.3 Planverfllziegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380 9 Ergnzungsbauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393
2.1.4 Kalksand-Plansteine . . . . . . . . . . . . . . . . . 381 9.1 Mauerfuß-Dmmelemente . . . . . . . . . . . . 393
2.1.5 Porenbeton-Plansteine . . . . . . . . . . . . . . . . 381 9.2 Anker zur Verbindung der Mauerwerks-
2.1.6 Beton-Plansteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 382 schalen von zweischaligen Außenwnden 394
2.1.6.1 Planvollsteine und Planvollblçcke . . . . . . 382 9.3 Sonstige Ergnzungselemente . . . . . . . . . 395
Inhaltsverzeichnis XVII

III Grundstze der Normung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397


Detlef Desler, Berlin

1 DIN – Deutsches Institut fr 3.1.2 Normungsantrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398


Normung e. V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397 3.1.3 Rechtsverbindlichkeit von Normen . . . . . . 398
3.1.4 Nationale Normung im Bereich NABau . 398
2 Ziele und Aufgaben des DIN . . . . . . . . . . 397
3.1.5 Europische/internationale Normung im
2.1 Erfolg durch Normung . . . . . . . . . . . . . . . . 397
Bereich NABau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398
2.2 Marktzugang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397
3.1.6 bernahme von Europischen / Interna-
2.3 Sicherheit und Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . 397
tionalen Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399
3 Normenausschuss Bauwesen (NABau) 3.2 Herausforderung an die Baunormung . . . . 399
im DIN 398 3.3 Motivation zur Beteiligung an der
3.1 Normungsarbeit im Bereich NABau . . . . . 398 Normungsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399
3.1.1 Idealtypische Ablufe von Normungs-
auftrgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398

IV Bauaufsichtliche Verwendbarkeitsnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401


Hans-Jçrg Irmschler, Berlin

1 Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401 3.1.3 Bauprodukte mit CE-Kennzeichnung –


Anwendungsregelungen . . . . . . . . . . . . . . . 406
2 Bauaufsichtliche Verwendbarkeits- 3.2 Bauarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409
nachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401 3.2.1 Nicht geregelte Bauarten . . . . . . . . . . . . . . 409
2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401 3.2.2 „Geregelte“ Bauarten – technische
2.2 Bauaufsichtliche Aufgabenstellung . . . . . . 401 Verwendungsregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . 410
2.2.1 Bauordnung – Bauaufsicht . . . . . . . . . . . . 401
2.2.2 Anwendungsbereich der Landesbau- 4 Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung,
ordnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 402 allgemeines bauaufsichtliches Prfzeugnis,
2.2.3 Anlagen – bauliche Anlagen . . . . . . . . . . . 402 Zustimmung im Einzelfall . . . . . . . . . . . . . 410
2.2.4 Bauprodukt – Bauart . . . . . . . . . . . . . . . . . 402 4.1 Anwendungsbereiche der Nachweisarten . 410
2.2.5 Abwehr von Gefahren fr die çffentliche 4.2 Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung
Sicherheit und Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . 403 (abZ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 411
2.2.5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403 4.2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 411
2.2.5.2 Allgemeine bauaufsichtliche 4.2.2 Beispiele aus dem Mauerwerksbau . . . . . . 412
Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403 4.3 Allgemeines bauaufsichtliches Prfzeugnis
2.2.5.3 Konkretisierung der Allgemeinen (abP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404 4.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
4.3.2 Beispiel aus dem Mauerwerksbau . . . . . . . 415
3 Erfordernis bauaufsichtlicher Verwendbar- 4.4 Zustimmung im Einzelfall (ZiE) . . . . . . . . 415
keitsnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404 4.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 415
3.1 Bauprodukte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404 4.4.2 Beispiel aus dem Mauerwerksbau . . . . . . . 416
3.1.1 Nicht geregelte Bauprodukte . . . . . . . . . . . 404
5 Schlussbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416
3.1.2 Geregelte und sonstige Bauprodukte –
technische Produktregeln . . . . . . . . . . . . . . 405 6 Literatur – Fundstellen . . . . . . . . . . . . . . . . 416

F Forschung

I bersicht ber abgeschlossene und laufende Forschungsvorhaben im Mauerwerksbau . . . . . . . . . 421


Anke Eis und Todor Vassilev, Dresden

Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 421 1.2.1 Verklebung von Plansteinen mittels


1-K PU-Kleber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 424
Forschungsstellen (F) . . . . . . . . . . . . . . . . . 421
1.2.2 Eingefasstes Mauerwerk als Mçglichkeit
1 Abgeschlossene Forschungsvorhaben . . . . 424 zur Erhçhung der Tragfhigkeit von Aus-
1.1 bersicht Forschungsprojekte und steifungsscheiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
Forschungsstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 424 1.2.3 Schubtragfhigkeit von Mauerwerk
1.2 Kurzberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 424 aus Porenbeton-Plansteinen und -Plan-
elementen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 432
XVIII Inhaltsverzeichnis

1.2.4 Konstruktive Maßnahmen zur Gewhr- 2.2.4 Anwendung der Kapazittsspektrum-


leistung der Erdbebensicherheit im Mauer- Methode zum Nachweis von Mauerwerks-
werksbau – Erweiterung fr die Erdbeben- bauten unter Erdbebenbelastung . . . . . . . . 465
zonen 2 und 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 439 2.2.5 Verdichtung von Kalksand-Rohmassen –
1.2.5 Befestigungen in Mauerwerk: Trag- Teil 2 „Packungsdichterechner“ (AiF) . . . 466
verhalten von Injektionsdbeln in Mauer- 2.2.6 Zerstçrungsfreie Ersatzprfverfahren zur
werk unter Querlasten . . . . . . . . . . . . . . . . 445 Ermittlung der Steindruckfestigkeit (AiF) 468
1.2.6 Einfluss einer Ettringit- und Thaumasit- 2.2.7 Differenzial-Thermoanalyse (AiF) . . . . . . 468
bildung auf das Tragverhalten von 2.2.8 Maßnahmen zur Erdbebenertchtigung
Mauerwerk aus Porenbetonplansteinen . . 450 von historischem Mauerwerk . . . . . . . . . . 469
1.2.7 Experimentelle Untersuchungen zur 2.2.9 Polytect – Polyfunctional Technical
Druckfestigkeit von Tuffsteinmauerwerk 452 Textiles against Natural Hazards . . . . . . . 473
1.2.8 Experimentelle Untersuchungen zur 2.2.10 Verbesserung der Erdbebensicherheit
Ermittlung der Oberflchenzugfestigkeit von Mauerwerk durch textile Hybrid-
sprçder Materialien am Beispiel von Beton Bewehrungen mit integrierten hochdehn-
und Mauersteinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 452 baren Verstrkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 474
1.2.9 Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit 2.2.11 Entwicklung theoretischer Modelle zur
eines vertikalen Trennwand-Außenwand- Berechnung und Auslegung von Mantel-
anschlusses ohne Mauerwerksverbund zur betonbauten in Erdbebengebieten . . . . . . . 476
Reduzierung der Schall-Lngsleitung bei 2.2.12 berprfung der Festlegungen der
Verwendung wrmedmmender Hochloch- DIN 1053 zur Verankerung von zwei-
ziegel-Außenwnde . . . . . . . . . . . . . . . . . . 452 schaligem Mauerwerk unter Bercksichti-
1.2.10 Bogenbrcken aus Natursteinmauerwerk gung der in DIN 1055, Ausgabe 2002,
(Forschungsvorhaben KU 0425001KAT2): neu geregelten Lastannahmen . . . . . . . . . . 477
Entwicklung eines realittsnahen Berech- 2.2.13 Untersuchungen zur Tragfhigkeit von
nungsmodells fr den statischen Nach- Drahtankern nach DIN 1053-1 fr die
weis von Bogenbrcken aus Naturstein- Verankerung von zweischaligem Mauerwerk
mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 453 unter Bercksichtigung der Windlasten
nach DIN 1055-4, Ausgabe 2005-03, und
2 Laufende Forschungsvorhaben . . . . . . . . . 459
Verwendung von heute blichen Mauer-
2.1 bersicht Forschungsprojekte und
stein-Mauermçrtel-Kombinationen fr das
Forschungsstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 459
Hintermauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
2.2 Kurzberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 460
2.2.14 Recycling von Mauerwerk (AiF) . . . . . . . 478
2.2.1 Risssicherheit von Außenputzen . . . . . . . . 460
2.2.15 Nachtrgliche Hohlraumdmmung des
2.2.2 berprfung der ansetzbaren Verbund-
Außenmauerwerks – Anwendung und
spannungen fr die Verankerung
Dauerhaftigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 479
der Bewehrungsstbe in Mauerwerk nach
2.2.16 Recycling von Kalksandsteinmaterial
DIN 1053-3 und DIN EN 1996-1-1 . . . . . 464
fr Tragschichten ohne Bindemittel im
2.2.3 Biegezugfestigkeit von tragendem Ziegel-
Straßenbau (AiF) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 480
mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 464

II rtliche Verstrkung gemauerter Wandscheiben mit aufgeklebten Faserverbundwerkstoffen . . . 481


Uwe Pfeiffer, Baar und Werner Seim, Kassel

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481 5 Verankerungsuntersuchungen am


Wandknoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 489
2 Stand der Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . 482
6 Rechenmodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 492
3 Werkstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 482
7 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 497
4 Verbunduntersuchungen an Kleinkçrpern 484
8 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 499

Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 501
XIX

Autoren
Neben der Titulatur und der Anschrift sind nachstehend Professor an der Hochschule fr Technik Stuttgart mit
auch die Hauptttigkeit der Autoren und die fr ihren Lehre und Forschung in den Bereichen Bauakustik,
Beitrag in diesem Mauerwerk-Kalender besonders rele- Raumakustik, Schallimmissionsschutz; aktuelle For-
vanten speziellen Ttigkeiten angegeben. Außerdem schungsschwerpunkte: Schallschutz im Mauerwerks-
wird auf den jeweiligen Beitrag des Autors in diesem bau, Kçrperschall in Gebuden; Mitglied in zahlreichen
Mauerwerk-Kalender in Klammern verwiesen (Rubrik nationalen und internationalen Normungsgremien des
und Ordnungsnummer des Beitrages). baulichen Schallschutzes (DIN, CEN, ISO) (D I).
Gellert, Christoph, Dipl.-Ing., Rheinisch-Westflische
Brameshuber, Wolfgang, Prof. Dr.-Ing., Rheinisch-
Technische Hochschule Aachen, Lehrstuhl fr Bau-
Westflische Technische Hochschule Aachen, Institut
statik und Baudynamik, Mies-van-der-Rohe-Str. 1,
fr Bauforschung (ibac), Schinkelstr. 3, 52062 Aachen.
52074 Aachen.
Professor fr Baustoffkunde und Leiter des Instituts
Lehre: Lehrbeauftragter fr Statik der Flchentragwer-
fr Bauforschung; Lehre und Forschung: Konstrukti-
ke an der RWTH Aachen; Forschung: Wissenschaftli-
onswerkstoffe (Bindemittel, Beton, Verbundwerkstof-
cher Mitarbeiter mit Forschungsschwerpunkt „Erdbe-
fe, Mauerwerk); Mitglied einschlgiger DIN-Aus-
benbemessung von Mauerwerksbauten“ (C I).
schsse, u. a. der DIN-Arbeitsausschsse „Rezept-
und Ingenieurmauerwerk“, „Bewehrtes Mauerwerk“ Gigla, Birger, Prof. Dr.-Ing., Fachhochschule Lbeck,
und „Bauten aus Fertigteilen“ sowie Obmann des Fachbereich Bauwesen, Direktor des Instituts fr An-
UA „Baustoffe“; Mitglied des Lenkungsgremiums gewandte Bauforschung (IfAB), Mçnkhofer Weg 239,
„Mauerwerksbau“, Mitglied des DIN-Spiegelausschus- 23562 Lbeck.
ses „Bemessung und Konstruktion von Mauerwerks- Lehre: Bauwerkserhaltung und -instandsetzung, Mauer-
bauten“, Mitglied des DIBt-Sachverstndigenaus- werkbau und FEM, Statik; Forschung: Planen und Bau-
schusses „Wandbauelemente“; RILEM-Beauftragter en im Bestand, Bauwerkserhaltung, Verpressanker;
fr Deutschland (A II). Weitere Ttigkeiten: ffentlich bestellter und vereidig-
ter Sachverstndiger fr Schallschutz im Hochbau
Brhl, Markus, Dipl.-Ing. (FH), J. J. Brhl Stahlbau (B II).
GmbH & Co. KG, Emser Straße 337, 56076 Koblenz.
Geschftsfhrender Gesellschafter der J. J. Brhl Stahl- Graubohm, Markus, Dipl.-Ing., Rheinisch-West-
bau GmbH & Co. KG, Schweißfach½ingenieur, Landes- flische Technische Hochschule Aachen, Institut fr
fachgruppenleiter (Rheinland-Pfalz) Stahlbau/Schwei- Bauforschung (ibac), Schinkelstr. 3, 52062 Aachen.
ßen Bundesverband Metall, Stellvertr. Obermeister Me- Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Arbeits-
tallinnung, Koblenz (B III). gruppe Mauerwerk; Lehre: Grundlagen Mauerwerk,
Bewehrtes Mauerwerk, Schden an Mauerwerk, Mauer-
Butenweg, Christoph, Dr.-Ing., Rheinisch-West- werk nach DIN 1053-100; Forschung: Trag- und Ver-
flische Technische Hochschule Aachen, Lehrstuhl fr formungsverhalten von Mauerwerk unter Druck-
Baustatik und Baudynamik, Mies-van-der-Rohe-Str. 1, beanspruchung (A II).
52074 Aachen.
Lehre: Computer im Bauwesen, Finite-Elemente-Me- Hahn, Christiane, Dipl.-Ing., HAHN Consult Inge-
thode, Nichtlineare Verfahren, Bionik; Forschung: Bau- nieurgesellschaft fr Tragwerksplanung und baulichen
dynamik und Erdbebeningenieurwesen; Weitere Ttig- Brandschutz mbH, Baumschulenweg 2, 38104 Braun-
keiten: Geschftsfhrender Gesellschafter der SDA-en- schweig / Gertigstraße 28, 22303 Hamburg.
gineering GmbH (C I). Geschftsfhrende Gesellschafterin der Ingenieurge-
sellschaft HAHN Consult GmbH; Forschung: Mauer-
Caballero Gonzlez, Antonio, Dipl.-Ing., European werk unter Brandeinwirkung; Weitere Ttigkeiten: Be-
Calcium Silicate Producers Association (ECSPA), ratender Ingenieur VBI, ç.b.u.v. Sachverstndige fr
Square de Mees 38/40, B 1000 Brussels; Sekretariat: Brandschutz, staatl. anerkannte Sachverstndige fr
ECSPA, Entenfangweg 15, D-30419 Hannover. die Prfung des Brandschutzes, Mitarbeit in Normen-
Geschftsfhrer ECSPA. Mitglied in verschiedenen eu- ausschssen NABau sowie bei der Europischen
ropischen Normenausschssen (A III). Normung der Bemessung von Mauerwerk, u. a. Obfrau
Eis, Anke, Dipl.-Ing. (FH), Jger Ingenieure GmbH, „EN 1996-1-2“; Mitglied der DIBt-Sachverstndigen-
Wichernstr. 12, 01445 Radebeul. ausschsse „Wandbauelemente“, „Brandverhalten von
Mitarbeiterin der Jger Ingenieure GmbH (F I). Bauteilen“ (D III).

Figge, Dieter, Dr., Ziegel-Zentrum NordWest e. V., Hirsch, Roland, Dr.-Ing., Deutsches Institut fr Bau-
Eggestraße 3, 34414 Warburg (B I). technik (DIBt), Kolonnenstr. 30 L, 10829 Berlin.
Mitarbeiter des Fachgebietes „Mauerwerksbau“ im
Fischer, Heinz-Martin, Prof. Dr.-Ing., Hochschule fr DIBt; Mitglied der DIN-Arbeitsausschsse fr Mauer-
Technik Stuttgart, Schellingstr. 24, 70174 Stuttgart. steine und Mauermçrtel und der DIN-Arbeitsausschs-
XX Autoren

se „Mauerwerk“, Geschftsfhrer des DIBt-Sachver- and restoration of masonry buildings for environmental
stndigenausschusses „Wandbauelemente“ (E II). effects; evaluation, diagnosis and monitoring of mason-
ry building envelopes (C IV).
Hirsch, Uwe, M.Sc Dipl.-Ing. (FH), Trag Werk Inge-
nieure, Prellerstraße 9, 01309 Dresden (C V). Lietz, Stefan, Dipl.-Ing., Ingenieurbro Kocks Consult
GmbH, Stegemannstraße 32–38, 56068 Koblenz.
Irmschler, Hans-Jçrg, Prof. Dipl.-Ing., Ltd. Baudirektor Projektleiter im Ingenieurbro Kocks, Niederlassung
a. D., Burgemeisterstraße 57, 12103 Berlin. Koblenz, fr Brckenbauwerke, Tunnel, Sttzwnde
Ehem. Abteilungsleiter beim Deutschen Institut fr und Lrmschutzwnde, Mitglied im VSVI (B III).
Bautechnik DIBt und Honorarprofessor mit Lehrauftrag
Ingenieur-Mauerwerksbau an der Technischen Univer- Lu, Suikai, Dr., Wienerberger AG, Product Manage-
sitt Berlin (E IV). ment International – Walls, Wienerbergstrasse 11,
Wienerberg City, A-1100 Wien, sterreich.
Jger, Wolfram, Prof. Dr.-Ing., TU Dresden, Fakultt Hat die F & E fr Baudynamik und Statik von Mauer-
Architektur, Lehrstuhl fr Tragwerksplanung, Zelle- werkswandkonstruktionen konzernweit inne; Mitarbei-
scher Weg 17, 01069 Dresden. ter in den Normungsgremien: A, CEN, D, CH, BE, SK,
Lehre: Tragwerksplanung, Analyse historischer Trag- HR, SL, RO, USA; Vortrge in Europa, Australien,
werke, Grundlagen Sanierung/Modernisierung; Enhan- Asien und Amerika; Verçffentlichungen auf dem Ge-
cement of Masonry Structures; Forschung: Mauer- biet Mauerwerksmechanik und Erdbebeningenieurwe-
werksbau und Sanierung historischer Bauwerke; Bera- sen. Studierte Bauingenieurwesen (TU Wien), Bau-
tender Ingenieur fr Bauwesen und Prfingenieur fr und Erdbebeningenieurwesen (Stanford University,
Baustatik; Gesellschafter der Jger Ingenieure GmbH USA) (C VI).
in Radebeul und der Jger u. Bothe Ingenieure in Chem-
nitz; Obmann des DIN-Spiegelausschusses „Mauer- Meyer, Udo, Dr.-Ing., Arbeitsgemeinschaft Mauerzie-
werksbau“, Obmann des DIN-Arbeitsausschusses „Re- gel im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie
zept- und Ingenieurmauerwerk“, Mitarbeit bei der Eu- e. V., Schaumburg-Lippe-Str. 4, 53113 Bonn.
ropischen Normung der Bemessung von Mauerwerk Technische Geschftsfhrung / Anwendungstechnik
u. a. in den CEN-Projektgruppen „EN 1996-1-1“ und der Arge Mauerziegel. Weitere Ttigkeiten: u. a. Mit-
„EN 1996-1-3“; Mitglied des DIBt-Sachverstndigen- glied der DIN-Spiegelausschsse Einwirkungen auf
ausschusses „Wandbauelemente“, Chefredakteur der Bauten und Erdbeben; Sonderfragen, Obmann des DIN-
Zeitschrift „Mauerwerk“ (Herausgeber). Arbeitsausschusses Erdbebensicherheit von Mauerwerk
(C I).
Kopacek, Joachim, Dipl.-Ing., ehem. DIN Deutsches
Institut fr Normung, Normenausschuss Bauwesen, Ortlepp, Sebastian, Dr.-Ing., Jger Ingenieure GmbH,
Burggrafenstr. 6, 10787 Berlin. Wichernstr. 12, 01445 Radebeul.
Ehem. Referent im Normenausschuss Bauwesen ins- Mitarbeiter der Jger Ingenieure GmbH. Lehre: Trag-
besondere fr den Fachbereich „Mauerwerksbau“; werkslehre, Grundlagen Sanierung und Modernisierung
Ehem. Geschftsfhrer aller DIN-Arbeitsausschsse historischer Bauwerke (C V).
fr den Mauerwerksbau und Ehem. Geschftsfhrer Pech, Anton, Dipl.-Ing. Dr. techn., Ziviltechnikerbro
der Internationalen Mauerwerksausschsse CEN/ Dr. Pech, Johann Strauß Gasse 32/11, A-1040 Wien/
TC 250/SC6, CEN/TC 125/WG 1 und ISO/TC 179 sterreich.
(E I). Ingenieurkonsulent fr Bauwesen; gerichtlich beeideter
und zertifizierter Sachverstndiger fr Bauschden,
Korany, Yasser, Ph. D. PEng., Endowed Research Chair
Mauerwerkskonstruktionen, Mauerwerkstrockenlegung
in Masonry Systems and an Associate Professor in the
und historische Konstruktionen; Univ.-Lektor und FH-
Department of Civil & Environmental Engineering at
Lektor fr Baukonstruktionen, Sanierungstechnik und
the University of Alberta in Canada, 3–133 Markin/
Garagenbauten; Mitarbeiter in zahlreichen nationalen
CNRL Natural Resources Engineering Facility, Ed-
und internationalen Normungsgremien (C II).
monton Alberta T6G 2W2, Canada.
Member of several technical committees on masonry Pluijm, Rob van der, Wienerberger AG, International
construction and rehabilitation such as The Canadian Product Management – Facing Bricks, c/o PO Box 144,
Standards Association Technical Committees, Masonry NL-5300 AC Zaltbommel, The Netherlands (C III).
Standards Joint Committee, The Masonry Society Exis-
Purtak, Frank, Dr.-Ing., Trag Werk Ingenieure, Prel-
ting Masonry Buildings Committee and the American
lerstraße 9, 01309 Dresden.
Concrete Institute (ACI) 440M Subcommittee on the
Mitarbeiter im DIN-Arbeitsausschuss Rezept- und In-
application of Fibre Reinforced Polymers (FRP) to ma-
genieurmauerwerk (C V).
sonry structures; coauthor of „Masonry Design for En-
gineers and Architects“, research and paper awards, Scholl, Werner, Prof. Dr.-Ing., Kleine Heide 65,
author and reviewer for several professional journals; 38159 Vechelde.
Research: Structural rehabilitation and strengthening of Leiter des Fachbereichs „Angewandte Akustik“ der
contemporary and historic masonry structures; design Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Braun-
Autoren XXI

schweig; ehem. Leiter der Abteilung Bauakustik am Abschnittsmanager fr die rechte Rheinstrecke, Pro-
Fraunhofer Institut fr Bauphysik, Stuttgart; Mitglied jektleiter und Bauherrenvertreter fr Infrastrukturpro-
zahlreicher einschlgiger Gremien, darunter des DIBt- jekte im Bereich konstruktiver Ingenieurbau der DB
Sachverstndigenausschusses „Baustoffe und Bauarten Netz AG (B III).
fr Wrme- und Schallschutz“ sowie ISO TC43 SC2
Tebbe, Holger, Dipl.-Ing., Ingenieurbro H. Tebbe,
„Building Acoustics“ (Vorsitz) und ISO TC43 SC2
Fuhrweg 32, 56567 Neuwied.
WG18 „Measurement of Sound Insulation in Buildings
ç.b.u.v. Sachverstndiger fr Mauerwerksbau, Beton-
and of Building Elements“ (Vorsitz) (D I).
technologie und mineralische Baustoffe, Mitglied des
Schubert, Peter, Akademischer Direktor a. D., Dr.-Ing., Arbeitskreises Sachverstndigenwesen der Ingenieur-
Karl-Friedrich-Straße 3, 52072 Aachen. kammer Rheinland-Pfalz (B III).
Ehem. Mitglied der Institutsleitung (Betriebsleiter) und
Vassilev, Todor, Doz. Dr.-Ing., Technische Universitt
Leiter der Arbeitsgruppe „Mauerwerk“ des Instituts fr
Dresden, Fakultt Architektur, Lehrstuhl fr Trag-
Bauforschung – ibac – der RWTH Aachen; Ehem.
werksplanung, Zellescher Weg 17, 01069 Dresden.
Chefredakteur der Zeitschrift „Mauerwerk“, Mitheraus-
Lehre: Grundlagen der Statik und Festigkeitslehre,
geber „Mauerwerksbau-Praxis“ und Fachautor, Autor
Tragwerkslehre; Forschung: Computerorientierte Me-
Fachbuch „Mauerwerk-Risse und Ausfhrungsmngel
thoden in der Baustatik, Numerische Verfahren im
vermeiden und instand setzen“ (A I).
Mauerwerksbau, Materialmodelle, Biegebeanspruchtes
Schwarz, Peter, Dipl.-Ing., Stadtverwaltung Koblenz, Mauerwerk, Stabilittsverhalten (F I).
Tiefbauamt, Bahnhofstraße 47, 56068 Koblenz.
Wijte, Simon N. M., Ir., Adviesbureau ir. J. G. Hageman
Leiter Abteilung Straßen- und Brckenbau Stadtver-
B. V., Polakweg 14, NL 2288 GG Rijswijk ZH, The
waltung Koblenz-Tiefbauamt (B III).
Netherlands (C III).
Tataranni, Frank, Dipl.-Ing., DB Netz AG, Produk-
tionsplanung und Steuerung, Frankenstraße 1–3,
56068 Koblenz.
XXII Autoren
XXIII

Beitrge frherer Jahrgnge


Die Beitrge sind den Rubriken A bis H zugeordnet und B Konstruktion · Bauausfhrung ·
innerhalb der jeweiligen Rubrik in der Reihenfolge ih- Bauwerkserhaltung
res Erscheinens im Mauerwerk-Kalender aufgelistet. Es
sind nur solche Beitrge aufgefhrt, die in diesem Jahr- Instandsetzung und Ertchtigung von Mauerwerk;
gang nicht enthalten sind. Die Beitrge werden nur in Teil 1: Planung der Maßnahmen (Jger, Burkert); 2004,
ihrer jeweils letzten Fassung angegeben, es sei denn, S. 207
dass unter gleichem Titel vom gleichen Autor auch an- Aussparungen und Schlitze in Mauerwerkswnden Er-
dere Inhalte behandelt werden. luterungen und Ergnzungen zum DGfM- Merkblatt
Abgedruckt werden hier die Beitrge der letzten sechs (Kasten); 2004, S. 251
Mauerwerk-Kalender 2004–2009. Eine komplette Onli-
ne-Recherche zum Mauerwerk-Kalender ab Jahrgang Verstrkungsmçglichkeiten fr Mauerwerk in stark
1976 steht im Internet zur Verfgung unter www.ernst- erdbebengefhrdeten Gebieten (Fouad, Meincke); 2005,
und-sohn.de/kalenderrecherche. Hier kann nach Autor, S. 185
Stichwort oder Beitrag gesucht werden, außerdem ist Vermeiden und Instandsetzen von Rissen in Putzen
eine Suche nach kombinierten Begriffen mçglich. (Schubert, Schmidt, Fçrster); 2005, S. 209
Konstruktionsregeln fr Mauerwerk Teil 1: Mauer-
A Baustoffe · Bauprodukte werksarten, Verbnde und Maßordnung (Jger, Pfeifer);
2005, S. 233
Arten, Klassifizierung, technische Eigenschaften und
Kennwerte von Naturstein (Siedel); 2004, S. 5 Ein Bemessungsvorschlag fr die Dehnfugenanordnung
bei Verblendschalen aus Sichtmauerwerk (Franke,
Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk Teil 2:
Stehr); 2005, S. 267
Biegezugfestigkeit (Schmidt, Schubert); 2004, S. 31
Konstruktionsregeln fr Mauerwerk, Teil 2: An-
Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk:
schlussdetails (Jger); 2006, S. 231
Teil 3: Schubfestigkeit von Mauerwerksscheiben
(Graubner, Kranzler, Schubert, Simon); 2005, S. 7 Putz – Planung, Gestaltung, Ausfhrung (Riechers,
Zum Einfluss der Steinformate auf die Mauerwerk- Hildebrand); 2006, S. 267
druckfestigkeit – Formfaktoren fr Mauersteine (Beer, Bauen mit Fertigteilen aus Mauerwerk (Krechting, Figge,
Schubert); 2005, S. 89 Jedamzik); 2006, S. 301
Mauermçrtel (Riechers); 2005, S. 149 Instandsetzung und Ertchtigung von Mauerwerk,
Mauerwerksprodukte mit CE-Zeichen (Schubert, Teil 2: Herkçmmliche Bestimmung der Materialkenn-
Irmschler); 2006, S. 5 werte (Burkert); 2007, S. 27
Mçrtel mit CE-Zeichen (Riechers); 2006, S. 17 Instandsetzung und Ertchtigung von Mauerwerk,
Teil 3: Zerstçrungsfreie Prfung zur Beurteilung von
Ergnzungsbauteile mit CE-Zeichen (Reeh, Schlundt); Mauerwerk (Maierhofer); 2007, S. 53
2006, S. 25
Instandsetzung und Ertchtigung von Mauer-
Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk Teil 4:
werk, Teil 4: Ertchtigung von Mauerwerksbauten
Scherfestigkeit (Brameshuber, Graubohm, Schmidt);
gegenber Erdbebeneinwirkungen (Pech, Zach); 2007,
2006, S. 193
S. 75
Prfverfahren zur Bestimmung der Festigkeitseigen-
Befestigungsmittel fr den Mauerwerksbau, Teil 1:
schaften von Mauerwerk (Brameshuber, Schmidt,
Kunststoff- und Injektionsdbel mit nationalen und
Graubohm, Beer); 2008, S. 165
europischen Zulassungen (Feistel, Scheller); 2007,
Wrmedmmstoffe und Wrmedmmsysteme mit Zu- S. 119
lassung – Aktuelle bersicht (Fechner); 2008, S. 193
Lehm-Mauerwerk (Minke); 2007, S. 167
bersicht Injektionsmçrtel (Kratzsch); 2008, S. 251
Instandsetzung und Ertchtigung von Mauerwerk, Teil
Injektionsschaummçrtel (Mielke, Stark); 2008, S. 269 5: Vernadeln – Verankern (Berechnung) (Gigla); 2008,
Mauerwerksbau mit allgemeiner bauaufsichtlicher S. 281
Zulassung (Hirsch); 2009, S. 29 Verpressen und Injizieren von Mauerwerk
(Nodoushani); 2008, S. 319
Konstruktionsregeln fr Mauerwerk, Teil 3: Ausfh-
rungsbeispiele (Schneider); 2008, S. 329
XXIV Beitrge frherer Jahrgnge

Konstruktionsregeln fr Mauerwerk, Teil 4: Kommentierte Technische Regeln fr den


Abdichtung von erdberhrtem Mauerwerk (Oswald); Mauerwerksbau Teil 2: Richtlinie fr die Herstellung,
2008, S. 353 Bemessung und Ausfhrung von Flachstrzen (Reeh,
Schlundt); 2006, S. 433
Zur baustatischen Analyse gewçlbter Stein-
konstruktionen (Huerta, Kurrer); 2008, S. 373 Bemessung von Mauerwerk nach dem Teil-
sicherheitskonzept – Bemessungsbeispiele nach
Lehmmauerwerk zur Ausfachung von Fachwerkbauten DIN 1053-100 (Hoffmann); 2007, S. 183
(Gerner, Gaul); 2008, S. 423
Vereinfache Berechnung von Mauerwerk nach DIN EN
Befestigungsmittel fr den Mauerwerksbau, Teil 2: 1996-3 (Reeh, Schlundt); 2007, S. 227
Anker, Konsolen und Schienen (Feistel, Scheller); 2008,
S. 439 Entwurf fr den Nationalen Anhang zur Europischen
Mauerwerksnorm DIN EN 1996-1-1 (EC 6-1-1) (Jger);
Instandsetzung und Ertchtigung von Mauerwerk, 2007, S. 255
Teil 6: Unterfahrung von Mauerwerk am Beispiel der
Severinstorburg Kçln – Sicherung eines der Symbole Bemessung von drei- oder vierseitig gehaltenen,
der Domstadt (Tebbe, Dominik, Brauer, Jnecke); 2009, flchenbelasteten Mauerwerkswnden (Jger); 2007,
S. 209 S. 273
Instandsetzung und Ertchtigung von Mauerwerk, Bemessung von vorspannbarem Mauerwerk – Spiege-
Teil 7: Experimentelle Bestimmung der Tragfhigkeit lung der Regeln von EC 6 (Gunkler, Budelmann,
von Mauerwerk – Belastungsversuche an Mauer- Husemann, Heße); 2007, S. 329
werksbauten in situ (Steffens, Burkert); 2009, S. 243
Bewehrtes Mauerwerk: Stand der berarbeitung von
Mauerwerksbau mit Lehmsteinen heute – Konstruktion DIN 1053-3 (Baumgrtel, Grnzer); 2007, S. 367
und Ausfhrung (Schroeder); 2009, S. 271
Nachweis tragender Mauerwerkswnde und Erdbebe-
Konstruktion und Ausfhrung von zweischaligem neinwirkung nach DIN 4149 in Verbindung mit
Mauerwerk (Altaha); 2009, S. 291 DIN 1053-100 (Graubner, Kranzler, Spengler); 2007,
S. 379
Terminmanagement im Mauerwerksbau: Planung der
Planung und Planung der Ausfhrung (Busch); 2009, Kommentierte Technische Regeln – DIN EN 1996-1-1:
S. 319 Normentext sowie Kommentare und Erluterungen fr
unbewehrtes Mauerwerk (Jger, Hauschild); 2008,
Arbeits-, Fassaden- und Schutzgerste im Mauer- S. 457
werksbau (Jeromin); 2009, S. 355
Festlegung der Teilsicherheitsbeiwerte fr das Material
Nachtrgliche Horizontalabdichtung gegen kapillar (Nguyen); 2008, S. 527
aufsteigende Feuchtigkeit (Frçssel); 2009, S. 397
Kommentierte Technische Regeln – DIN EN 1996-1-1:
Entwicklung des Mauerwerkbaus – Leitfaden fr Normentext sowie Kommentare und Erluterungen fr
praktische Anwender (Maier); 2009, S. 431 bewehrtes und eingefasstes Mauerwerk (Jger, Hau-
schild); 2009, S. 465
Bemessung von Mauerwerk – Entwurf fr DIN 1053-11
C Bemessung
und DIN 1053-13 mit Kommentaren (Jger, Reichel);
Genauere Bemessung von Mauerwerk nach dem Teil- 2009, S. 497
sicherheitskonzept (Mann, Jger); 2004, S. 265
Sicherheitsbeurteilung historischer Mauerwerksbr-
Bemessung von Flachstrzen (Schmidt, Schubert, Reeh, cken (Proske); 2009, S. 537
Schlundt, Duensing); 2004, S. 275
Numerische Modellierung von Mauerwerk (Schlegel,
D Bauphysik · Brandschutz
Rautenstrauch); 2005, S. 365
kologisch-bautechnische Beratung (Rudolphi); 2004,
Rechnerische Schubtragfhigkeit von Mauerwerk –
S. 417
Rechenanstze im Vergleich (Gunkler, Heumann,
Becke); 2005, S. 399 Praktische Anwendung der EnEV 2002 auf Fachwerk-
huser im Bestand (Eßmann, Gnßmantel, Geburtig);
Kommentierte Technische Regeln fr den Mauer- 2004, S. 441
werksbau Teil 1: DIN 1053-100: Mauerwerk – Berech-
nung auf der Grundlage des semiprobabilistischen Mauerwerkspezifische Anwendungsbeispiele zur
Sicherheitskonzepts – Kommentare und Erluterungen, Energiesparverordnung 2002 (Liersch, Langner); 2005,
Wortlaut der Norm (Jger, Pflcke, Schçps); 2006, S. 363 S. 437
Beitrge frherer Jahrgnge XXV

Bauklimatische Software zur Quantifizierung des ge- F Forschung 2)


koppelten Wrme- und Feuchtetransports im Mauer-
Forschungsbericht: Materialuntersuchungen an Mauer-
werk (Grunewald, Hupl, Petzold, Ruisinger); 2005, S. 447
steinen aus heutiger Produktion (Marzahn, Kçnig); 2003,
Bemessungswerte der Wrmeleitfhigkeit von Mauer- S. 841
werk nach DIN 4108-4 (Bender); 2006, S. 445
Experimentelle und numerische Untersuchungen zum
Schallschutz im Mauerwerksbau (Fischer, Scholl); 2007, Erdbebentragverhalten unbewehrter Mauerwerksbauten
S. 423 (Zilch, Schermer); 2004, S. 649
Die Novelle der Energieeinsparverordnung – EnEV Bemessung bewehrter Mauerwerkswnde (Graubner,
2007. Chancen fr die bessere Bewertung von Nicht- Glock); 2004, S. 665
wohngebuden und Einfhrung von Energieausweisen
Erhçhung der Schubtragfhigkeit von KS-Wnden
(Hegner); 2007, S. 475
unter Erdbebenlasten durch schlaffbewehrte Beton-
Salze (Klemm); 2008, S. 539 sttzen in Formsteinen bzw. durch Vorspannung der
Wand (tes, Lçring, Elsche); 2004, S. 683
Stand des Brandschutzes im Mauerwerksbau –
DIN 4102-4/A1 sowie DIN 4102-22 (Hahn); 2008, Erhçhung der Erdbebenwiderstandsfhigkeit
S. 577 unbewehrter Mauerwerkswnde mit Hilfe von GAP-
Elementen (Fehling, Nejati); 2005, S. 691
Feuchtehaushalt von Mauerwerk (Garrecht); 2009,
S. 575 Tastversuche an Wnden aus Planfllziegeln unter
simulierter Erdbebeneinwirkung (tes, Lçring, Elsche);
Passivhausbau mit Mauerwerk (Grobe); 2009, S. 617
2005, S. 699
Energetische Optimierungen an Bestands-Mauerwerk –
Modellierung des Wand-Decken-Knotens (Baier); 2007,
Ein Beispiel aus der Praxis (Conrad, Petzold, Grunewald);
S. 621
2009, S. 641
Konstruktion des Wand-Decken-Knotens (Zilch,
Schermer, Grabowski, Scheufler); 2007, S. 681
E Technisches Regelwerk 1)
Stand der Untersuchungen und Zwischenergebnisse des
Zum Stand der europischen brandschutztechnischen Forschungsprojekts ESECMaSE (Gonzlez, Meyer);
Bemessungsregeln fr Mauerwerk – ENV 1996-1-2 2008, S. 727
(Hahn); 2004, S. 469
Experimente im Mauerwerksbau – Versuche
Europische Brandschutzklassifizierung (Herzog); 2004, an geschosshohen Prfkçrpern (Schermer, Scheufler);
S. 499 2008, S. 761
Bestimmungen: Hinweise zum bautechnischen Regel- Mçglichkeiten der numerischen Simulation von
werk und Abdruck ausgewhlter Technischer Bau- Mauerwerk heute anhand praktischer Beispiele
bestimmungen (Irmschler); 2005, S. 523 (Schlegel); 2009, S. 791
Stand der berarbeitung von DIN 1053-1 (Jger,
Pflcke); 2005, S. 623
H Software
Software zur Energieeinsparverordnung (Liersch,
Langner); 2005, S. 713
Bauklimatische Software zur Qualifizierung des ge-
koppelten Wrme- und Feuchtetransports in Mauerwerk
(Grunewald, Hupl, Petzold, Ruisinger); 2005, S. 447

1) Mit dem Mauerwerk-Kalender 2006 sind die bisherigen


Kapitel E – Europisches Regelwerk und F – Nationales
Regelwerk in einem gemeinsamen Kapitel E – Tech-
nisches Regelwerk aufgegangen. Damit wurde der fort- 2) Bis zum Mauerwerk-Kalender 2005 wurde die For-
schreitenden bernahme des europischen Normenwerks schungs-Rubrik mit G bezeichnet (neue Bezeichnung we-
in das deutsche Rechnung getragen. gen Fußnote 1).
XXVI Abdruck von Technischen Baubestimmungen

Abdruck von Technischen Baubestimmungen


(letzter Abdruck im Mauerwerk-Kalender in derzeit Anmerkung: Ausgabe 2007-09 wurde im Februar 2009
geltender Fassung) in die Musterliste der Technischen Baubestimmungen
(MLTB) des Deutschen Instituts fr Bautechnik (DIBt)
aufgenommen und kann nun durch die Lnder einge-
Mauerwerk fhrt werden. Diese Fassung beinhaltet hauptschlich
eine Anpassung beim Randdehnungsnachweis und ist
DIN 1053-1:1996-11 Mauerwerk; Berechnung und
bisher noch nicht im Mauerwerk-Kalender abgedruckt.
Ausfhrung
MK 2005, S. 536 DIN EN 1996-1-1:2006-01: Eurocode 6: Bemessung
und Konstruktion von Mauerwerksbauten – Teil 1-1:
DIN 1053-3:1990-03 Mauerwerk; Bewehrtes Mauer-
Regeln fr bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk;
werk; Berechnung und Ausfhrung
Deutsche Fassung EN 1996-1-1:2005
MK 2002, S. 739
MK 2008, S. 457–526: Unbewehrtes Mauerwerk MK
Bemessung und Ausfhrung von Flachstrzen: Rege- 2009, S. 465–496: Bewehrtes Mauerwerk
lung ber allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen
DIN 1053-100:2004-02 Mauerwerk – Berechnung auf
Mauersteine, Mauermçrtel
der Grundlage des semiprobabilistischen Sicherheits-
konzepts Die nunmehr geltenden Normen fr Mauersteine,
MK 2006, S. 411, mit eingearbeiteter nderung A1, Mauermçrtel und Ergnzungsbauteile sind noch nicht
Ausgabe 2006-01, druckfehlerberichtigt (entspricht im Mauerwerk-Kalender abgedruckt
Ausgabe 2006-08) (siehe MK 2006, Beitrag I im Kapitel A).
A Baustoffe J Bauprodukte

I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen,


Mauermçrtel und Putzen 3
Peter Schubert, Aachen

II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk –


Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 27
Wolfgang Brameshuber und Markus Graubohm, Aachen

III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und


deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 45
Antonio Caballero Gonzlez, Hannover
A Baustoffe · Bauprodukte 3

I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen,


Mauermçrtel und Putzen
Peter Schubert, Aachen

1 Vorbemerkung Mauerwerks. Auch die Zug-, Biegezug- und Schubtrag-


fhigkeit von Mauerwerk kçnnen von der Steinzug-
In zahlreichen Fllen werden Eigenschaftswerte von bzw. der Steinbiegezugfestigkeit erheblich beeinflusst
Mauerwerk, Mauersteinen und Mauermçrtel bençtigt, werden.
die aus Normen oder Richtlinien direkt oder indirekt Ersatzweise fr bZ wird bislang die Druckfestigkeit der
nicht zu entnehmen sind. Beispiele dafr sind: die rech- Steine ermittelt und fr die Beurteilung der Mauerwerk-
nerische Beurteilung der Risssicherheit von Mauer- druckfestigkeit herangezogen.
werk, die Analyse von Schadensfllen, Sonderflle fr Die Prfung der Zugfestigkeit ist relativ aufwendig.
Tragfhigkeitsnachweise, Forschung und Entwicklung. Eine Prfnorm oder -richtlinie existiert zurzeit nicht
Im Folgenden werden wesentliche Eigenschaftskenn- (siehe aber [41]). Einfacher, aber z. T. (vor allem bei
werte von Mauersteinen, Mauermçrtel und Mauerwerk, Lochsteinen) weniger aussagesicher, ist die Prfung der
die sich vorrangig auf Festigkeits- und Verformungs- Spaltzugfestigkeit [1].
eigenschaften beziehen, jeweils kurz hinsichtlich Be- Meist werden die Mauersteine in Richtung Steinlnge
deutung und Prfverfahren beschrieben und – soweit geprft. Wesentliche Eigenschaftsunterschiede zwi-
mçglich und sinnvoll – Zahlenwerte tabellarisch und schen Steinlnge und -breite ergeben sich vor allem
grafisch angegeben. bei Lochsteinen mit richtungsorientierten Lochungen.
Dieser Beitrag enthlt auch Eigenschaftswerte von Au- Zugfestigkeitswerte in Richtung Steinbreite liegen nur
ßenputzen. Diese sind vor allem fr die Vertrglichkeit fr HLz vor (8 Werte, Wertebereich bZ,b/bD =
von Putz und Putzgrund zur Vermeidung schdlicher 0,003…0,026, Mittelwert: 0,009).
Risse von Bedeutung. Sinnvollerweise werden die bSZ- bzw. bZ-Werte auf die
Nicht Gegenstand dieses Beitrages sind wrme- und jeweilige Steindruckfestigkeit (nach Norm ermittelt) be-
schallschutztechnische Eigenschaftswerte sowie Eigen- zogen als Verhltniswerte bSZ/bD bzw. bZ/bD angegeben.
schaftswerte, die regelmßig im Rahmen von Normen, Vorliegende Verhltniswerte bSZ/bD sind zusammen
Zulassungen, Prfzeichen-Prfungen und hnlichem mit den bZ/bD-Werten in Tabelle 1 angegeben.
nachzuweisen sind, wie z. B. Druckfestigkeit und Roh- Fr den Zusammenhang zwischen bZ (in Steinlngsrich-
dichte. tung) und bD (mit Formfaktor) ließen sich folgende Re-
Dieses Kapitel des Mauerwerk-Kalenders ist ein stn- gressionsgleichungen ermitteln:
diger Beitrag, der jhrlich aktualisiert wird. Hinweise
auf hier nicht erfasste Untersuchungsergebnisse werden (1) Kalksandsteine
ausdrcklich erbeten. Vollsteine (2DF), NF: bZ = 0,06 · bD
Beim Quellennachweis fr die Eigenschaftswerte wird Vollsteine mit
jeweils nur auf die wesentlichen Quellen, vor allem auf Griffloch (2DF): bZ = 0,05 · bD
diejenigen mit umfangreicheren Ergebnisdarstellungen, Lochsteine (2DF): bZ = 0,04 · bD
Bezug genommen. Ein detaillierter Quellennachweis
Fr Prismen mit jeweils Schlankheit l = 3 bis 4
kann angefordert werden.
ergab sich bZ = 0,09 · bD (40 Versuchswerte)
(2) Mauerziegel bZ = 0,026 · bD
2 Eigenschaftswerte von Mauersteinen (3) Leichtbetonsteine
V2, Vbl 2 bZ = 0,105 · bD
2.1 Festigkeitseigenschaften V, Vbl, Hbl ‡ 4 bZ = 0,062 · bD
2.1.1 Biegezug-, Spaltzug-, Zugfestigkeit Hbl 2 bZ = 0,086 · bD
bBZ, bSZ, bZ [1, 39, 54, 65]
(4) Porenbetonsteine
Bei der blichen Druckbeanspruchung von Mauerwerk- Festigkeitsklasse 2: bZ = 0,18 · bD
bauteilen senkrecht zu den Lagerfugen ist die Zugfes- Festigkeitsklassen 4, 6, 8: bZ = 0,09 · bD
tigkeit der Steine in Richtung Steinlnge bzw. -breite Fr alle Festigkeits-
von wesentlichem Einfluss auf die Druckfestigkeit des klassen [65]: bZ = 0,10 · bD

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
4 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 1. Mauersteine; Spaltzugfestigkeit bSZ,l und Zugfestigkeit bZ,l in Richtung Steinlnge bezogen auf die Normdruckfestigkeit bD
(ohne Formfaktor)

Mauerstein bSZ,l / bD bZ,l / bD

n x Wertebereich n x Wertebereich

KS 40 0,07 0,04…0,10 18 0,063 0,039…0,081

KS (GL) 24 0,045 0,027…0,065

KS L 31 0,06 0,03…0,08 19 0,035 0,026…0,055

Mz 9 0,07 0,05…0,08 9 0,04 0,01…0,08

HLz 29 0,04 0,02…0,09 20 0,03 0,013…0,041

LHLz – – – 54 0,01 0,002…0,019

Hbl 10 0,09 0,07…0,15 8 0,08 0,05…0,13

Hbl 2 10 0,09 0,07…0,15 5 0,09 0,07…0,13

Hbl ‡ 4 10 0,09 0,07…0,15 3 0,07 0,06…0,10

V, Vbl 13 0,11 0,09…0,18 23 0,08 0,04…0,21

V 2, Vbl 2 13 0,11 0,09…0,18 16 0,11 0,06…0,18

V, Vbl ‡ 4 13 0,11 0,09…0,18 7 0,07 0,05…0,09

PB, PP 4 0,09 0,05…0,14 24 0,11 0,06…0,19

PB, PP 2 9 0,15 0,12…0,16 7 0,18 0,13…0,20

PB, PP 4,6,8 9 0,12 0,08…0,15 8 0,11 0,09…0,13

Hbn 3 0,04 0,04…0,05 2 0,08 0,06…0,09

n: Anzahl Versuchswerte; x: Mittelwert; GL: Griffloch

Der Verhltniswert bZ/bD – ermittelt jeweils an nen mit hohem Lochanteil kçnnen bD,l bzw. bD,b im Ex-
Zylindern – betrgt im Mittel 0,17, der 5%-Quan- tremfall maßgebend fr die Tragfhigkeit werden.
tilwert ist 0,12. Wie bei der Steinzugfestigkeit ist es auch hier sinnvoll,
bD,l und bD,b bezogen auf die nach Norm ermittelte
Folgende weitere Eigenschaftszusammenhnge wurden
Druckfestigkeit bD als Verhltniswerte bD,l/bD bzw.
ermittelt:
bD,b/bD anzugeben. Die Tabelle 2 enthlt im Wesentli-
(1) Kalksandsteine (Prismen) chen die in [2, 33, 37] erfassten und ausgewerteten Ver-
bBZ = 0,16 · bD (Best.: 79 %) hltniswerte. Sie sind in den Bildern 1 a bis 1 d dar-
bZ = 0,55 · bSZ (Best.: 90 %) gestellt. Bei der Normdruckfestigkeit wurde der Form-
bZ = 0,40 · bBZ (Best.: 91 %) faktor bercksichtigt.
Fr Porenbetonsteine ergab sich der Zusammenhang (s.
(2) Porenbetonsteine
auch Bild 1 c) bD,l/bD = 0,91 –0,04 · bD (Best.: 70 %),
bBZ = 0,18 · bD (Anhaltswert)
d. h. der Verhltniswert nimmt mit zunehmender Stein-
bSZ = 0,27 · bD0,50
druckfestigkeit ab. Er betrgt im Mittel 0,8; 0,7; 0,6 fr
bZ = 0,87 · bSZ (Best.: 89 %)
die Steinfestigkeitsklassen 2, 4, 6.
2.1.2 Druckfestigkeit in Richtung Steinlnge bD,l
bzw. Steinbreite bD,b
2.2 Verformungseigenschaften
Bei einigen Beanspruchungen von Mauerwerkbauteilen
2.2.1 Druck-E-Modul ED
bzw. Bauteilbereichen, wie Teilflchenbelastung senk-
recht zur Wandebene, Scheibenschub oder Biegung Der E-Modul ist als Sekantenmodul bei 1/3 der Hçchst-
(Biegedruckzone), werden die Mauersteine in Richtung spannung (Druckspannung senkrecht zu den Lagerfu-
Steinbreite bzw. -lnge auf Druck beansprucht. Bei Stei- gen) und einmaliger Belastung definiert
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 5

Tabelle 2. Mauersteine; Druckfestigkeit in Richtung Steinlnge bD,l , Steinbreite bD,b bezogen auf die Normdruckfestigkeit (mit
Formfaktor) bD, Auswertung vorliegender deutscher Versuchsergebnisse [2, 33, 37]
a1 = bD,l / bD (oberer Tabellenteil), a2 = bD,b / bD (unterer Tabellenteil)
Mauerstein n bD a
Wertebereich N/mm2 x min x max x

Mz 2 21,9/22,7 0,67 0,64 0,70
HLz 1) 5 20…47 0,23 0,12 0,33
HLz 2) 37 7,4…26, 0,18 0,05 0,39
KS 8 24,1…36,8 0,59 0,32 0,75
KS L 7 8,9…26,9 0,40 0,32 0,56
V 5 4,1…23,1 0,75 0,61 0,83
Vbl 5 2,7… 3,6 0,90 0,36 1,13
Hbl 12 2,5… 7,9 0,61 0,35 0,81
Hbn 1 15,8 0,46 – –
PB, PP 15 2,3… 9,4 0,70 0,50 0,92

Mz 2 21,9/22,7 0,74 0,73 0,75


HLz 6 17,4…82,0 0,44 0,20 0,65
KS 2 24,1…31,4 0,69 0,56 0,83
KS L 2 8,9…26,9 0,67 0,55 0,79
PB, PP 2 3,5… 8,1 0,79 0,56 1,01

n: Anzahl der Versuchsserien; x: Mittelwert; min x, max x: Kleinst-, Grçßtwert


1) Trockenrohdichte rd > 1,0 kg/dm3
2) rd £ 1,0 kg/dm3

Bild 1. Mauersteine; Verhltniswert Lngsdruckfestigkeit/Normdruckfestigkeit bD,l,st / bD,st in Abhngigkeit von der Normdruckfestig-
keit. a) Leichthochlochziegel, b) Kalksandvollsteine, Kalksandlochsteine, c) Porenbeton-Blocksteine, Porenbeton-Plansteine,
d) Leichtbetonsteine, Betonsteine
6 A Baustoffe · Bauprodukte

max sD Zwischen Eq und bD,st (mit Formfaktor) ergaben sich


ED ¼
3  el folgende Zusammenhnge:
mit • Mauerziegel:
el Lngsdehnung bei 1/3 max sD Eq = 2810 · bD,st0,93 (Best.: 89 %)
Es liegen nur wenige Versuchswerte vor. • Leichtbetonsteine:
Fr Kalksandsteine ergibt sich aus 12 Einzelwerten fr Eq = 2790 · bD,st (Best.: 88 %)
Prismen:
ED;l ¼ 230  bD 2.2.3 Zug-E-Modul EZ
Fr Porenbetonsteine (Zylinder, 18 Mittelwerte) wurde Der Zug-E-Modul ist analog zum Druck-E-Modul als
ermittelt: Sekantenmodul bei 1/3 der Hçchstspannung (Zugfestig-
ED ¼ 700  bD0;74 (Best.: 83 %) keit) und einmaliger Belastung definiert.
Zwischen EZ und bZ wurden folgende Zusammenhnge
Der Zusammenhang zwischen dynamischem E-Modul
ermittelt:
und ED ergab sich zu:
Kalksandsteine (Prismen; 13 Mittelwerte)
Edyn ¼ 1; 08 ED (Best.: 96 %)
EZ ¼ 5800  bZ0;73 (Best.: 95 %)
(Zylinder, 17 Mittelwerte)
Leichtbetonsteine (V, Vbl, Hbl; Prismen; Prfung in
2.2.2 Querdehnungsmodul Eq Steinlngsrichtung; 35 Einzelwerte, große Streuung)
EZ ¼ 6000  bZ (Best.: 77 %)
Der Querdehnungsmodul ist der Sekantenmodul bei ei-
ner Druckspannung (senkrecht zur Lagerfuge – Steinla- Porenbetonsteine
gerflche) von rd. 1/3 der Hçchstspannung (Druckfes- EZ ¼ 3180  bZ (Best.: 78 %)
tigkeit), wobei die Spannung auf die zugehçrige, in (Zylinder, Prismen; 21 Mittelwerte)
Richung Steinlnge oder -breite gemessene Querdeh-
EZ ¼ 1; 01  ED (Best.: 93 %)
nung eq,l bzw. eq,b bezogen wird:
(Zylinder; 11 Mittelwerte)
max sD max sD
Eq;l ¼ bzw. Eq;b ¼
3  eq;l 3  eq;b 2.2.4 Dehnung bei Hçchstspannung eu,D ; eu,Z
Der Querdehnungsmodul beeinflusst zusammen mit Folgende Werte in mm/m wurden ermittelt:
dem Querverformungsverhalten (Querdehnungsmodul) Porenbetonsteine:
des Mçrtels die Druckfestigkeit des Mauerwerks. Gns- • eu,D
tig ist es, wenn der Querdehnungsmodul des Steines Mittelwert: 2,87, Wertebereich: 2,3…3,74
gleichgroß oder etwas kleiner als der des Mçrtels ist. • eu,Z
Die Ermittlung von Eq ist schwierig und erfolgt bisher Mittelwert: 0,35, Wertebereich: 0,28…0,44
an in der Lagerflche miteinander verklebten Mauer-
Leichtbetonsteine:
steinen. Die vorliegenden Werte fr Eq,l sowie die Quer-
• eu,Z
dehnungszahl m enthlt Tabelle 3.
Vollsteine
Mittelwert: 0,21, Wertebereich: 0,11…0,31
Vollblçcke (Vbl 2)
Mittelwert: 0,15, Wertebereich: 0,10…0,24
Tabelle 3. Mauersteine; Querdehnungsmodul Eq,l in 103 N/mm2, Hohlblçcke (Hbl 2, Hbl 4)
Querdehnungszahl m, Anhaltswerte [3, 4, 34, 35] Mittelwert: 0,10, Wertebereich: 0,07…0,15

Mauerstein Festig- Eq,l m 2.2.5 Feuchtedehnung (Schwinden, Quellen),


keitsklasse Kriechen, Wrmedehnung
n Wertebereich
Schwindendwerte und Wrmedehnungskoeffizienten
Hbl, Vbl 2… 6 8 3,6…20 0,08…0,11 sind in [36, 46] angegeben (siehe auch Abschnitt 5.2.4
und Tabellen 11a bis 11d).
PB, PP 2… 6 7 5,6…25 0,15 Bei Mauerwerk aus großformatigen Mauersteinen, Ele-
menten entsprechen diese Eigenschaftswerte der Mau-
KS, KS L, 8…28 12 12 …100 ersteine in guter Nherung denen des Mauerwerks.
KSHbl Fr Porenbetonsteine wurden folgende Werte ermittelt
(Mittelwerte, Anhaltswerte):
6 4 2,7…40 0,11…0,20 Endkriechzahl j1 = 0,6
8 8 12 …59 Endschwindwert es 1 = 0,2 mm/m
HLz 12 4 31 …55 Max. Quelldehnung max eq = 0,2 mm/m
48 – 133

n: Anzahl Versuchswerte
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 7

3 Eigenschaftswerte von Mauermçrteln


3.1 Festigkeitseigenschaften
3.1.1 Zugfestigkeit bZ
Fr Normalmçrtel ergab sich mit 33 Versuchswerten
(Mittelwerte) der folgende Zusammenhang zur Druck-
festigkeit bD
bZ = 0,11 · bD (Best.: 91 %)

3.1.2 Scherfestigkeit bS
Die Scherfestigkeit von Mauermçrtel ist definiert als
maximale Spannung bei einschnittiger Scherbeanspru-
chung. Ein genormtes Prfverfahren existiert nicht.
blicherweise wird die Scherfestigkeit an nach
DIN 18555 bzw. DIN EN 1015 hergestellten Mçrtel-
prismen 160 mm  40 mm  40 mm geprft. Dabei
wird das Prisma senkrecht zur Prismenlngsachse auf
Scheren beansprucht.
Die Scherfestigkeit von Mauermçrtel ist z. B. von Inte-
resse bei der rechnerischen Bercksichtigung von mit
Mauermçrtel verfllten Mauersteinkanlen (Verfllzie-
gel-Mauerwerk) und beim rechnerischen Nachweis von
Verankerungen mit Haken, z. B. bei zweischaligem
Mauerwerk.
Mit den fr diese Auswertung vorliegenden 11 Ver-
suchswerten fr Werk-Trockenmçrtel, Werk-Frisch-
mçrtel und Rezeptmçrtel ergeben sich folgende Zusam-
menhnge zwischen Scherfestigkeit bS und der Norm-
druckfestigkeit bD (Bereich fr bD: 4 bis 18 N/mm2)
bS = 0,55 · bD0,68 (Best.: 89 %)
bS = 0,25 · bD (Best.: 76 %) Bild 2. Mauermçrtel; Lngsdehnungsmodul El in Abhngigkeit
von der Normdruckfestigkeit bD.
Die Auswertung einer Vielzahl von Festigkeitsprfun- a) Normalmçrtel, b) Leichtmçrtel; Zuschlag Naturbims l,
gen in [66] ergab Zuschlag Blhton g, Zuschlag Perlite h
bS = 0,71 · bD0,57
bS = 2 · bZ

3.2 Verformungseigenschaften
nung eq definiert. Er wird an Mçrtelprismen nach DIN
3.2.1 E-Modul (Lngsdehnungsmodul) El 18555-4 [6] ermittelt und kennzeichnet das Querverfor-
Der E-Modul El ist wie in Abschnitt 2.2.1 definiert. Er mungsverhalten des Mauermçrtels.
wird i. d. R. nach DIN 18555-4 [6] zusammen mit dem Ist der Querdehnungsmodul des Mçrtels deutlich klei-
Querdehnungsmodul ermittelt. ner als der des Steines, so entstehen durch die grçßere
Nach den vorliegenden Versuchsergebnissen lassen Querverformbarkeit des Lagerfugenmçrtels zustzliche
sich folgende Beziehungen zwischen El und der Norm- Querzugspannungen im Stein, wodurch die Mauer-
druckfestigkeit bD angeben [7] (s. auch Bild 2). werkdruckfestigkeit verringert werden kann. Dies ist
a) Normalmçrtel besonders bei leichten Leichtmçrteln mit sehr verform-
El = 2100 · bD0,7 bzw. El » 700 · bD baren Zuschlgen der Fall. Ein Zusammenhang zwi-
b) Leichtmçrtel mit Blhtonzuschlag schen Eq und der Normendruckfestigkeit bD kann je-
El = 1200 · bD0,6 weils nur fr Mçrtel mit gleicher Zuschlagart (gefge-
c) Leichtmçrtel mit Perlitezuschlag dichter Sand, Blhton, Naturbims, Perlite usw.) erwartet
El = 1200 · bD0,4 werden (Bild 3).
In der Tabelle 4 sind Eq-Werte angegeben.
Fr Leichtmçrtel wurde der Zusammenhang zwischen
3.2.2 Querdehnungsmodul Eq
Quer- und Lngsdehnungsmodul (bei allerdings großer
Der Querdehnungsmodul ist wie bei den Mauersteinen Streuung)
(s. Abschnitt 2.2.2) als Sekantenmodul aus 1/3 der ma- Eq = 4,92 · El (Best.: 67 %)
ximalen Druckspannung und der zugehçrigen Querdeh- ermittelt.
8 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 3. Mauermçrtel; Querdehnungsmodul Eq in Abhngigkeit von der Normdruckfestigkeit bD.


a) Normalmçrtel, b) Leichtmçrtel; Zuschlag Naturbims l, Zuschlag Blhton g, Zuschlag Perlite h

Tabelle 4. Mauermçrtel; Querdehnungsmodul Eq [5]

Mçrtelart n rd bD Eq
3 2
kg/dm N/mm 103 N/mm2

Normalmçrtel 49 1,1…1,9 1,5…24 1,2…116

Dnnbettmçrtel 5 1,4…1,6 14 …21 36 …49

Leichtmçrtel LM 21
(Zuschlag, Polystyrol, Perlite, Naturbims) 23 0,6…0,8 8,4…11,6 6,7…15

Leichtmçrtel LM 36
(Zuschlag, Naturbims, Blhton, Blhschiefer) 36 0,8…1,2 4,0…21 16 … 48

n: Anzahl Versuchswerte
rd: Trockenrohdichte
bD: Normdruckfestigkeit

3.2.3 Feuchtedehnung (Schwinden es) Das Schwinden kann nach DIN 52450 [8] an gesondert
in Stahlschalung hergestellten Mçrtelprismen ermittelt
Das Schwinden des Mauermçrtels kann die Risssicher-
werden. Der Mçrtel im Mauerwerk schwindet i. d. R.
heit von Mauerwerk beeinflussen. Schnelles und großes
weniger, weil der Mauerstein dem Mçrtel einen Teil
Schwinden fhrt gelegentlich im oberflchennahen Be-
des Anmachwassers entzieht. Quantitative Aussagen
reich zum Ablçsen des Fugenmçrtels vom Mauerstein.
dazu liegen bislang nicht vor.
Schwindwerte es ¥ (rechnerische Endwerte) fr Normal-
mauermçrtel sind in der Tabelle 5 in Abhngigkeit von
Tabelle 5. Mauermçrtel; Endschwindwerte e s ¥, Normal- der relativen Luftfeuchte des Schwindklimas angege-
mçrtel [9] – Anhaltswerte ben.
Die es ¥-Werte von Leichtmçrteln kçnnen je nach ver-
Relative Rechenwerte Wertebereich wendetem Leichtzuschlag bis etwa doppelt so groß sein.
Luftfeuchte %
mm/m
3.2.4 Kriechen (Kriechzahl u)
30 1,2 0,7…2,0
Das Kriechen kann wie das Schwinden die Risssicher-
50 0,9 0,5…1,5 heit von Mauerwerk beeinflussen. Es wird in analoger
Weise wie bei Beton ermittelt. Fr im Alter von 7 d mit
65 0,8 0,5…1,5 einer Kriechspannung von etwa 1/3 der Prismendruck-
festigkeit belastete Mçrtelprfkçrper ergaben sich End-
80 0,5 0,2…1,0
kriechzahlen j¥ im Bereich von rd. 5 bis 15, im Mittel
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 9

von etwa 10 [10]. Auch hier gilt – wie beim Schwinden – Die Haftscherfestigkeit wird sehr stark von Mçrtelart,
dass sich das Kriechen des Mçrtels im Mauerwerk we- -zusammensetzung, Steinart und dem Feuchtezustand
sentlich von dem der Mçrtelprismen unterscheiden kann. der Steine beeinflusst. Anhaltswerte bHS fr Stein-Mçr-
tel-Kombinationen mit Normalmçrtel enthlt die Tabel-
le 6 a. Bei Verwendung von Dnnbettmçrtel ergeben
sich meist bHS-Werte im Bereich von 0,5 bis 1,5 N/mm2
4 Verbundeigenschaften Stein/Mçrtel; (s. auch Tabelle 6 b).
Haftscherfestigkeit bHS, Mit Leichtmçrtel werden berwiegend die bHS-Werte
von Normalmçrtel MG II und IIa in Tabelle 6 a erreicht.
Haftzugfestigkeit bHZ
Die Haftzugfestigkeit zwischen Mçrtel und Stein beein-
Die Haftscherfestigkeit zwischen Mçrtel und Stein be- flusst vor allem die Zug- und Biegezugfestigkeit von
einflusst vor allem die Zug-, Biegezug- und Schubtrag- Mauerwerk bei vorwiegender Zugbeanspruchung senk-
fhigkeit von Mauerwerk [12]. recht zu den Lagerfugen.
Als Mçrteleigenschaft wird sie nach DIN 18555-5 [11] Eine deutsche Prfnorm bzw. -richtlinie existiert derzeit
bestimmt. Fr die Ermittlung von bHS verschiedener nicht. Zwei hufig angewendete Prfverfahren – die
Stein-Mçrtel-Kombinationen empfiehlt sich die Pr- zentrische Beanspruchung und das so genannte Bond-
fung nach DIN EN 1052-3 [43]. wrench-Prfverfahren – sind in [41] (s. auch [44])
beschrieben. Zur Haftzugfestigkeit liegen nur wenige
Versuchswerte vor, sie sind in der Tabelle 6 c zusam-
mengestellt.
Tabelle 6 a. Stein/Mçrtel; Haftscherfestigkeit bHS in N/mm2,
Steine lufttrocken, Normalmçrtel – Anhaltswerte

Mauerstein Mçrtelgruppe
5 Eigenschaftswerte von Mauerwerk
II IIa III IIIa
5.1 Festigkeitseigenschaften
Mz 0,4 0,5 0,7 1,0 5.1.1 Druckbeanspruchung senkrecht zu den
HLz, LHLz 0,4 0,5 0,7 1,0 Lagerfugen
5.1.1.1 Druckfestigkeit bD
KS, KS L 0,15 0,20 0,30 0,40
Fr viele Mauerstein-Mauermçrtel-Kombinationen lie-
Hbl, V, Vbl 0,4 0,6 0,7 0,9 gen heute zahlreiche Versuchsergebnisse ber die
PB 0,1 0,15 0,2 0,25
Mauerwerkdruckfestigkeit vor, die im Wesentlichen in
Forschungsarbeiten ermittelt wurden. Aus diesen Un-

Tabelle 6 b. Stein/Mçrtel; Haftscherfestigkeit bHS – Dnnbettmçrtel; geprft nach DIN 18555-5

Mauerstein bN,st n hm x min x max x v Versagensart


Art M.- % 2
%
N/mm

1 2 3 4 5 6 7 8 9

Porenbeton-Plansteine 2, 4, 6, 8 34 2 bis 45 0,75 0,30 1,28 – meist Stein

Kalksandsteine
– Vollsteine 12, 20 15 (146) 3 bis 12 1,21 0,66 1,71 37 meist Fuge/Stein
– Planelemente

Leichtbetonsteine
– Vollsteine 2, 4 7 (63) < 25 1,70 0,68 2,57 51 meist Stein
– Vollblçcke

Leichthochloch-Ziegel 6 1 (10) 0,3 0,63 – – – Stein

bN,st: Festigkeitsklasse Mauerstein


n: Anzahl der Versuchsserien, ( ) Anzahl der Einzelwerte
hm: Feuchtegehalt der Mauersteine
x: Mittelwert; min x, max x: Kleinst-, Grçßtwert
v: Variationskoeffizient
10 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 6 c. Stein/Mçrtel; Haftzugfestigkeit bHZ; Prfalter i. Allg. mind. 14 d

Mauerstein Mauermçrtel Prf- n x min x max x


verfahren 2)
Art Feuchte-
zustand 1) N/mm2

1 2 3 4 5 6 7 8

l NM IIa Z 16 0,48 4) 4)

l, f NM IIa BW 5 0,44 0,23 0,58

HLz l LM 21 BW 2 0,07 4) 4)

f LM 21 BW 2 0,17 4) 4)

l DM BW 3 (15) 0,19 0,10 0,32

l NM IIa BW 2 0,14 4) 4)

f NM IIa BW 1 0,42 4) 4)
KS
l, f DM BW 20 0,61 0,43 4)

l DM Z 6 (30) 0,42 0,24 0,82

l DM Z 5 0,67 0,49 0,82


KS-PE
l DM Z 5 3) 0,29 0,26 0,36

PP l, f DM Z 14 0,37 0,25 0,50

1) l, f: lufttrocken, feucht; KA: keine Angabe n: Anzahl der Versuchsserien


2) Z: zentrisch (SM 3 in [41]); BW: Bond-Wrench (SM 4 in [41]) ( ) Anzahl der Einzelwerte
3) Prfalter unter 14 d x, min x, max x: Mittelwert, Kleinstwert, Grçßtwert
4) Keine Angabe von Einzelwerten

tersuchungsergebnissen kann die Mauerwerkdruckfes- Die derzeit verfgbaren bekannten Gleichungen fr ver-
tigkeit mit Hilfe der folgenden empirischen Beziehung schiedene Mauerstein-Mauermçrtel-Kombinationen
berechnet werden. sind in der Tabelle 7 a zusammengestellt. Zur Charak-
terisierung der Aussagesicherheit der Gleichung bzw.
bD,mw = a · bbD;st · bcD;mö
der Streuung der Versuchswerte ist das Bestimmtheits-
mit maß mit angegeben. Auch die jeweils mitangefhrte
bD,mw Mauerwerkdruckfestigkeit Anzahl der Versuchswerte gibt einen Hinweis auf die
bD,st Steindruckfestigkeit, ermittelt nach der jeweili- Aussagesicherheit der Gleichungen.
gen Mauersteinnorm bzw. Zulassung In den Bildern 4 a bis d sind Zusammenhnge zwischen
bD,mç Mçrteldruckfestigkeit, ermittelt nach Mauerwerk- und Mauersteindruckfestigkeit unter Be-
DIN 18555-3 [13] bzw. zug auf die Gleichungen in Tabelle 7 a dargestellt.
DIN EN 1015-11 [55]
5.1.1.2 Rissspannung rR
Diese Gleichung wird seit vielen Jahren angewendet
und ist auch Grundgleichung in der europischen Mau- Nherungsweise kann die Rissspannung sR der Span-
erwerknorm DIN EN 1996-1-1 [14]. Der Zusammen- nung beim kleinsten Volumen des Prfkçrpers gleich-
hang zwischen Mauerwerk-, Mauerstein- und Mçrtel- gesetzt und als Verhltniswert kR = sR/bD,mw angegeben
druckfestigkeit wird mit dieser einfachen Beziehung werden. In [26] wurden fr Mauerwerk mit Normalmçr-
recht gut und zutreffend beschrieben. Fr eine Mçrtel- tel kR-Werte von rd. 0,3 bis 1,0 ermittelt. Die Mittel-
druckfestigkeit bD,mç = 0 gilt die Beziehung allerdings werte fr die verschiedenen Steinsorten liegen zwischen
nicht, denn fr diesen Fall ergibt sich tatschlich – im rd. 0,6 und 0,8.
Gegensatz zu bD,mw aus der Gleichung – noch eine ge- Fr Mauerwerk aus HLz und verschiedenen Leichtmçr-
wisse Mauerwerkdruckfestigkeit, wie aus entsprechen- teln ergaben sich kR-Werte von 0,7 bis 1,0 im Mittel von
den Untersuchungen bekannt. Dies ist jedoch fr die rd. 0,9. Fr Kalksandsteinmauerwerk mit Dnnbettmçr-
praktische Anwendung der Gleichung kaum von Be- tel wurden kR-Werte bei ersten sichtbaren Rissen von
deutung. im Mittel 0,8 (KS L) und 0,9 (KS) bestimmt.
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 11

Bild 4 a. Mittlere Druckfestigkeit von Mauer-


werk (Schlankheit l = 10) bD,mw in Abhngigkeit
von der Mauersteindruckfestigkeit (mit Form-
faktor) bD,st ; Normalmçrtel MG IIa

Bild 4 b. Mittlere Druckfestigkeit von Mauer-


werk (Schlankheit l = 10) bD,mw in Abhngigkeit
von der Mauersteindruckfestigkeit (mit Form-
faktor) bD,st ; Normalmçrtel MG III

Bild 4 c. Mittlere Druckfestigkeit von Mauer-


werk (Schlankheit l = 10) bD,mw in Abhngigkeit
von der Mauersteindruckfestigkeit (mit Form-
faktor) bD,st ; Leichtmçrtel LM 21, LM 36

Bild 4 d. Mittlere Druckfestigkeit von Mauer-


werk (Schlankheit l = 10) bD,mw in Abhngigkeit
von der Mauersteindruckfestigkeit (mit Form-
faktor) bD,st ; Plansteine, Dnnbettmçrtel

5.1.2 Druckbeanspruchung parallel stehen aus 4 Steinschichten bzw. 4 Steinschichten mit


zu den Lagerfugen jeweils einer in der Steinhçhe halbierten Randschicht.
Die Beanspruchung erfolgt zentrisch und parallel zu
5.1.2.1 Druckfestigkeit bD,p
den Lagerfugen.
Die Lngsdruckfestigkeit von Mauerwerk wird u. a. fr Wegen des erhçhten Prfaufwandes und der gegenber
die Bemessung von Mauerwerk auf Biegedruck parallel der Druckfestigkeit senkrecht zu den Lagerfugen gerin-
zu den Lagerfugen bençtigt. Sie wird an kleinen Mauer- geren Bedeutung wurden bislang wenige Druckfestig-
werkwnden analog DIN 18554-1 bzw. DIN EN 1052-1 keitsversuche durchgefhrt. Die zusammengefassten
ermittelt, wobei die Mauerwerkprfkçrper fr die Pr- Ergebnisse enthlt die Tabelle 7 b. Eine ausfhrlichere
fung um 90  gedreht werden. bliche Prfkçrper be- Darstellung findet sich in [51].
12 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 7 a. Rechenanstze zur Bestimmung der mittleren Mauerwerkdruckfestigkeit senkrecht zu den Lagerfugen,
bD;mw = a · bbD;st · bcD;mö (Schlankheit l = 10, Steindruckfestigkeit mit Formfaktor)

Mauerwerk n a b c BEST % Quelle

Mauersteine Mçrtel

Art Sorte

1 2 3 4 5 6 7 8 9

DM 35 0,85 0,84 0 97 [16]

V, Vbl, Hbl LM 80 0,85 0,58 0,15 82

NM 167 0,82 0,73 0,07 87

V, Vbl LM 21 0,70 0,66 0,16 76


Leichtbetonsteine [17]
Hbl LM 59 0,86 0,57 0,14 83

V, Vbl NM 61 0,85 0,72 0,09 94

Hbl NM 106 0,89 0,69 0,05 78

V, Vbl DM 20 0,63 1,00 0 97 [49]

140 0,98 0,68 0,02 67


NM
0,99 0,69 0 64
PB [17]
17 0,80 0,64 0,09 – 1)
Porenbetonsteine LM
0,99 0,64 0 – 1)

0,63 1,00 0 94
PP DM 162 [50]
0,83 0,86 0 96

Normalbeton-
steine Hbn NM 15 0,03 1,82 0,23 88

KS (Vollsteine) NM 276 0,70 0,74 0,21 81

KS (Blocksteine) NM 24 0,44 0,92 0,17 96 [19]

KS L (Lochsteine) NM 108 0,85 0,57 0,20 66


Kalksandsteine
KS L (Hohlblocksteine) NM 70 0,99 0,64 0,05 72
KS (Blocksteine,
Planelemente) DM 66 0,53 1,00 0 70 [49]

Mz 55 0,73 0,73 0,16 (52)


NM [19]
HLz 342 0,55 0,56 0,46 88

DM 9 0,75 0,72 0 78

LM 21 17 0,67 0,50 0,05 (41)


Mauerziegel
LM 21 17 0,18 1,00 0 (46)
[42]
Leichthochlochziegel
LM 36 13 0,47 0,82 0 70 [49]

LM 36 13 0,28 1,00 0 67

NM 28 0,26 0,82 0,42 77

1) Zu wenig Versuchswerte n: Anzahl der Versuchswerte


BEST: Bestimmtheitsmaß
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 13

Tabelle 7 b. Mauerwerk; Druckfestigkeit parallel zu den Lagerfugen bD,p (Lngsdruckfestigkeit) in N/mm2 [51]

Mauerstein Mauermçrtel Mauerwerk


Art, Sorte Festig- Roh- Loch- bD;p Art Gruppe Stoß- bD,p bD;p bD;p
keits- dichte- anteil bD fugen 1) bD calbD
x Einzelwerte
klasse klasse (%)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
12 1,4 KA – vm 2,6 – 0,27 0,42
53 IIa vm 1,56 1,50; 1,56; 1,61 – 0,16
HLz 20 1,0 0,184 NM
53 um 1,13 1,00; 1,09; 1,31 – 0,12
28 1,0 41 – III vm 3,5 – 0,37 0,22
6,3 – 0,71 0,72
12 1,8 KA – NM II vm
KS 5,5 5,4; 5,5; 5,6 0,52 0,63
20 1,8 0 0,959 DM III um 0,62 0,56; 0,63; 0,68 – 0,04
um 1,42 1,28; 1,41; 1,56 – 0,22
NM IIa
vm 3,01 2,66; 2,69; 3,67 – 0,47
12 1,4 37 0,356
DM III um 2,21 1,93; 2,33; 2,38 – 0,24

KSL NM III um 1,86 1,74; 1,75; 2,08 – 0,28


12 1,6 20 – NM III vm 7,5 – 0,71 0,62
1,6 23 0,393 NM vm 3,58 3,48; 3,55; 3,71 – 0,41
12(20) IIa
1,8 8 0,647 vm 4,27 3,73; 4,81 – 0,48
2 0,5 – 0,839 DM III vm 2,34 2,14; 2,43; 2,47 – 0,84

PP 4 0,8 – – DM III vm 4,0 – 1,18 1,06


6 0,7 – 0,580 DM III vm 3,57 3,52; 3,59; 3,60 – 0,63
Vbl 2 0,5 10 0,654 LM 21 vm 1,73 1,67; 1,73; 1,79 – 0,92
V (NB) 8 1,6 – – NM II vm 7,0 – 1,08 1,24
Hbl, 3K 4 0,9 26 0,620 NM IIa vm 1,79 1,61; 1,81; 1,96 – 0,49
Hbl, 2K 4 0,9 32 0,772 NM IIa um 3,36 3,19; 3,43; 3,46 – 0,84

1) vm, um: vermçrtelt, unvermçrtelt


NB: Naturbims
x: Mittelwert; bD, cal bD: Druckfestigkeit senkrecht zu den Lagerfugen; bD: Versuchswerte;
cal bD: berechnet mit Gleichungen aus Tabelle 7 a
KA: keine Angabe

Da in vielen Fllen nur die Druckfestigkeit parallel zu und dem i. d. R. nicht kraftschlssigen Kontakt der
den Lagerfugen bestimmt wurde, der Verhltniswert Steinstoßflchen mssen die Druckspannungen des
Druckfestigkeit parallel und senkrecht zu den Lagerfu- Mauerwerks im Stoßfugenbereich ber die Lagerfugen
gen jedoch von großem Interesse ist, wurde in diesen bertragen werden. In den, allerdings wenigen, ver-
Fllen die Druckfestigkeit senkrecht zu den Lagerfugen gleichbaren Fllen, ist die Druckfestigkeit parallel zu
rechnerisch mit den Gleichungen aus Tabelle 7 a ermit- den Lagerfugen deshalb bei unvermçrtelten Stoßfugen
telt. Wie die so bestimmten Verhltniswerte in Spalte deutlich geringer als bei vermçrtelten Stoßfugen.
12 der Tabelle 7 b zeigen, beeinflusst die Ausfhrung
der Stoßfugen die Druckfestigkeit parallel zu den La-
gerfugen ganz erheblich. Bei unvermçrtelten Stoßfugen
14 A Baustoffe · Bauprodukte

5.1.3 Zugfestigkeit bZ hnlich wie bei der Druckfestigkeitsprfung von Mau-


erwerk, die an kleinen, reprsentativen Wandwerkkçr-
Die Zugfestigkeit ist maßgebend fr die zulssige Be-
pern durchgefhrt wird, erfolgt auch die Biegezugpr-
anspruchbarkeit des Mauerwerks auf Zug und meistens
fung an kleinen Mauerwerkkçrpern. Dabei werden die
auch fr dessen Risssicherheit.
einachsigen Biegezugfestigkeiten parallel und senk-
Die Zugfestigkeit parallel zu den Lagerfugen bZ,p kann
recht zu den Lagerfugen an jeweils gesonderten Prf-
nherungsweise aus den Versagensfllen „Steinzugfes-
kçrpern ermittelt (s. dazu [40]). Eine deutsche Prfnorm
tigkeit“ bZ,st und „Haftscherfestigkeit“ bHS errechnet
fr die Bestimmung der Biegezugfestigkeit existiert
werden, wobei der kleinere der beiden Werte anzuset-
nicht, in der europischen Norm DIN EN 1052-2 [45]
zen ist:
  ist die Biegezugfestigkeitsprfung an solchen kleinen
1 wandartigen Mauerwerkkçrpern zusammen mit der
a) bZ;p;1 ¼ 0; 5  bZ;st
1 þ df =hst Auswertung und Bewertung der Versuchsergebnisse
€u beschrieben.
b) bZ;p;2 ¼ bHS  Die so ermittelten Biegezugfestigkeitswerte sind – nach
hst þ df entsprechender sicherheitsbezogener Bewertung – im
mit Eurocode 6, DIN EN 1996-1-1 [14] eine mçgliche
df Lagerfugendicke Grundlage fr die Bestimmung der Biegetragfhigkeit
hst Steinhçhe von Mauerwerk.
 berbindemaß In [40] und [53] wurden alle derzeit verfgbaren Ver-
suchsergebnisse von Biegezugprfungen an kleinen
Nicht bercksichtigt ist hierbei der Einfluss von Druck-
wandartigen Prfkçrpern (analog DIN EN 1052-2) er-
spannungen senkrecht zu den Lagerfugen.
fasst, zusammengestellt und ausgewertet. Wegen der
Bei Mauerwerk mit unvermçrtelten Stoßfugen kçnnen
Vielzahl von Einflussgrçßen streuen die Versuchs-
die im Bereich der Stoßfugen auftretenden Spannungs-
ergebnisse im Allgemeinen sehr. Es erscheint deshalb
spitzen zu deutlich verringerter Zugfestigkeit fhren.
an dieser Stelle derzeit nicht sinnvoll, diese Versuchs-
Die versuchsmßige Ermittlung der Mauerwerkzugfes-
ergbnisse im Einzelnen aufzufhren, dazu wird auf [40]
tigkeit ist aufwendig, ein Prfverfahren ist in [41] –
und [53] verwiesen.
MW4 – beschrieben. Eine Prfnorm bzw. -richtlinie
Erwartungsgemß sind die Biegezugfestigkeitswerte fr
existiert derzeit nicht. Vorliegende Versuchswerte ent-
Dnnbettmauerwerk i. d. R. erheblich grçßer als fr
hlt die Tabelle 8 a.
Mauerwerk mit anderen Mauermçrteln. Da eine mçgli-
Fr die Zugfestigkeit senkrecht zu den Lagerfugen bZ,s
che Neubewertung der Biegezugfestigkeit von Mauer-
liegen bislang zu wenige Versuchswerte vor.
werk im Hinblick auf die Bemessungsanstze am ehes-
ten fr Dnnbettmauerwerk erwartet werden kann und
5.1.4 Biegezugfestigkeit bBZ
bei diesem Mauerwerk die Unterschiede zwischen den
Die Biegezugfestigkeit von Mauerwerk ist bei allen, auf Versuchswerten fr verschiedene Mauersteinarten nicht
Biegung beanspruchten Bauteilen aus Mauerwerk von allzu groß sind, wurden die Auswerteergebnisse in der
Bedeutung. Dies sind z. B. Verblendschalen von zwei- folgenden Tabelle 8 b zusammengestellt. Wegen der
schaligen Außenwnden und Ausfachungen, die durch hohen Verbundfestigkeit (Haftscherfestigkeitswerte im
Windlasten beansprucht werden, sowie auf Erddruck Mittel mindestens 0,6 N/mm2, s. auch Tabelle 6 b) wird
beanspruchte Kellerwnde aus Mauerwerk. die Biegezugfestigkeit parallel zu den Lagerfugen im
Unterschieden wird zwischen der Biegezugfestigkeit Bereich niedriger bis mittlerer Steinfestigkeit entschei-
parallel und senkrecht zu den Lagerfugen. Die Biege- dend von der Mauersteinfestigkeit beeinflusst.
zugfestigkeit parallel zu den Lagerfugen wird im We- Bei Dnnbettmauerwerk mit Porenbeton-Plansteinen
sentlichen durch die Verbundfestigkeit zwischen Mau- tritt das Versagen praktisch immer durch berschreiten
ermçrtel und Mauerstein (Haftscherfestigkeit), die der Steinzugfestigkeit ein. Die Biegezugfestigkeit pa-
Mauerstein-Biegezugfestigkeit bzw. Mauerstein- rallel zu den Lagerfugen, Stoßfugen vermçrtelt (geprft
Lngsdruckfestigkeit (Biegedruckzone), das berbin- nach DIN EN 1052-2) kann fr dieses Mauerwerk n-
demaß sowie die Ausfhrung der Stoßfugen (vermçr- herungsweise aus
telt, unvermçrtelt) beeinflusst. Fr die Biegezugfestig-
bBZ = 0,05 · bD,st
keit senkrecht zu den Lagerfugen sind in den meisten
Fllen die Haftzug- bzw. „Biege-Haftzugfestigkeit“ mit
zwischen Lagerfugenmçrtel und Mauerstein senkrecht bD,st Steindruckfestigkeit
zu den Lagerfugen maßgebend. Nur bei sehr hoher Ver-
bestimmt werden.
bundfestigkeit – z. B. bei Dnnbettmauerwerk – kann
die Stein-Biegezugfestigkeit in Richtung Steinhçhe ent-
scheidend sein.
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 15

Tabelle 8 a. Mauerwerk; Zugfestigkeit bZ,p in N/mm2 (Zugbeanspruchung parallel zu den Lagerfugen) [21, 22, 67]

Mauerstein Mauermçrtel SF n Z,p


b
(Mittelwerte bzw.
Art, Sorte Format Festigkeits- Art Gruppe
Einzelwerte)
klasse
Mz, KMz NF 28, 60 NM IIa, IIIa vm 5 0,45; 0,51
HLz 2DF 12 NM II…III vm 8 0,12; 0,20; 0,21
HLz 2DF 60 NM III vm 3 0,82
KS, KS L 2DF, 5DF 12…36 NM II…III vm, um 30 0,07…0,41
KS 2DF 20 DM III vm 2 0,65
PB 2DF 2, 6 NM IIa, IIIa vm 6 0,09; 0,11
PP 2DF, 16DF 2 DM III um 4 0,04…0,14
PP 2DF 2 DM III vm 1 0,16
Vbl 10DF 2 LM21 IIa um 1 0,03
V, Vbl 2DF, 8DF 2 NM II, IIa vm 6 0,16; 0,18; 0,24; 0,26
V 2DF 2 DM III vm, um 2 0,25; 0,21
V 2DF 12 NM III vm 3 0,58
Hbl 10DF 2 NM IIa vm 1 0,13
Hbl 10DF 2 LM36 IIa vm 1 0,17

NM: Normalmçrtel, DM: Dnnbettmçrtel, LM: Leichtmçrtel, SF: Stoßfugen


vm: vermçrtelt, um: unvermçrtelt, n: Anzahl der Einzelwerte

Tabelle 8 b. Mauerwerk; Biegezugfestigkeit bBZ,p (parallel zu den Lagerfugen – p) und bBZ,s (senkrecht zu den Lagerfugen – s)
in N/mm2 – Dnnbettmauerwerk [40, 53]

Mauerstein Stoßfugen 1) p, s n x Wertebereich 


b BZ;p

b
Art, Sorte Festigkeitsklasse BZ;s

1 2 3 4 5 6 7 8
LHlz 8,12 um p 2 0,21 0,20; 0,22 0,78
(rN £ 1,00) 8,12 um s 3 0,28 0,26…0,30 –
KS, KS-PE 12, 20 vm p 6 0,51 0,36…0,69 –
28 vm p 2 1,05 0,96; 1,14 –
8…28 um p 11 (0,71) (0,22); 0,38…0,97 –
um/vm s 8 0,56 0,35…0,73 –
KS L 12 vm p 4 0,48 0,45…0,51 1,41
um p 4 0,25 0,29…0,35 –
vm s 4 0,34 0,23…0,48 –
PP 2 vm p 3 0,23 0,22…0,23 –
4…8 vm p 7 0,45 0,28…0,64 –
2, 4 um p 6 0,20 0,16…0,24 –
2…8 vm, um s 23 0,40 0,25…0,81 –
Vbl, Hbl 2…6 vm s 5 0,33 0,22…0,44 –

1) vm, um: vermçrtelt, unvermçrtelt


rN: Rohdichteklasse
n: Anzahl der Versuchsreihen (i. Allg. 3 bis 5 Einzelversuche)
 : Mittelwert
x; b BZ
16 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 9 a. Mauerwerk; Druck-E-Modul ED gerundet in 103 N/mm2 (Druckbeanspruchung senkrecht zu den Lagerfugen)
[17, 24, 25, 42, 47, 49, 50]

Mauersteine Mauermçrtel
Steinsorte DIN V Festigkeits- Normalmçrtel, Gruppe Leicht- Dnnbett-
klasse mçrtel mçrtel
II IIa III IIIa
4 – – – – 2,5 4,0
6 – – – – 4,0 4,5
8 – – – – 5,0 5,5
HLz, Mz 12 3,5 5,0 6,0 8,0 6,5
(HD-Ziegel- 20 5,0 6,5 8,5 11,0
105-100
Rohdichteklasse 28 6,5 8,5 10,5 13,5
rN ‡ 1,2) 36 – – 12,5 16,0 – –
48 – – 15,0 19,0
60 – – 18,0 22,5

Leichthochlochzie- 4 2,0 2,5 3,0 4,5 3,0 2,5


gel 6 2,5 3,5 4,5 6,0 4,0 4,0
105-100 8 3,0 4,0 5,5 7,5 5,0 5,0
(LD-Ziegel-
und Zulassung 12 4,5 6,0 8,0 10,0 6,5 7,5
Rohdichteklasse
rN £ 1,00) 20 7,0 9,0 12,0 15,0 9,0 –
4 1,9 2,2 2,5 2,9
6 2,6 3,0 3,4 4,0
8 3,2 3,7 4,2 4,9
12 4,3 5,0 5,7 6,6
20 6,3 7,2 8,4 9,7 8,0
KS 106 –
28 8,1 9,3 10,7 12,4 10,0
36 9,7 11,2 12,9 15,0
48 12,0 13,9 16,0 18,5
60 14,2 16,4 18,9 21,8
12 3,2 3,7 4,2 4,9
KS L 106 20 5,0 5,8 6,6 7,7 – –
28 6,1 7,0 8,0 9,3
2 2,2 2,2 2,3 – 2,2 2,0
4 3,5 3,6 3,8 – 3,0 3,5
Hbl 18151-100 6 4,6 4,8 5,0 – 3,6 4,5
8 5,6 5,9 6,1 – 4,1 –
2 2,2 2,4 2,5 – 2,0 1,6
4 3,7 3,9 4,1 – 3,0 3,3
V, Vbl 18152-100 6 4,9 5,2 5,6 – 3,7 5,0
8 6,0 6,4 6,8 – 4,3 6,6
4 4,5 5,8 7,6 –
6 5,8 7,5 9,8 –
Hbn 18153-100 8 6,9 9,0 11,7 15,2 – –
12 8,8 11,5 15,0 19,5
2 1,1 1,1
4 1,8 2,0
PB, PP 4165-100 6 2,4 2,9
8 3,0 3,7
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 17

5.2 Verformungseigenschaften Tabelle 9 b. Mauerwerk; Druck-E-Moduln ED in Abhngigkeit


vom Grundwert der zulssigen Druckspannung s0 nach
5.2.1 Druckbeanspruchung senkrecht zu den
DIN 1053-1 [38] ED = k · so
Lagerfugen
Mauerstein k-Werte
5.2.1.1 Druck-E-Modul ED
Rechenwert Wertebereich
Der E-Modul ist als Sekantenmodul bei 1/3 der Hçchst-
spannung (Druckspannung senkrecht zu den Lagerfu- Mauerziegel 3500 3000…4000
gen) und einmaliger Belastung definiert Kalksandsteine 3000 2500…4000
max sD Leichtbetonsteine 5000 4000…5500
ED ¼
3  el Betonsteine 7500 6500…8500
mit Porenbetonsteine 2500 2000…3000
el Lngsdehnung bei 1/3 max sD
Er wird fr bestimmte Bemessungsflle und fr die Be-
urteilung der Risssicherheit bençtigt.
Ermittelt wird ED nach DIN 18554-1 [23] bzw. DIN EN • Mauerwerk aus Leichthochlochziegeln
1052-1 [52]. ED = 1480 · bD – Leichtmçrtel
Bezogen auf die Mauerwerkdruckfestigkeit bD ist im ED = 1170 · bD – Normalmçrtel
Mittel ED = 1000 bD. Je nach Stein-Mçrtel-Kombinati- ED = 1190 · bD – Dnnbettmçrtel bzw.
on ergeben sich ED-Werte im Bereich von etwa 500 bD ED = 460 · bD,st – Dnnbettmçrtel
bis 1500 bD. (Streubereich der Einzelwerte etwa € 50 %)
Aus z. T. verçffentlichten Auswertungen [17, 25, 42, bD,st: Steindruckfestigkeit
47, 49, 50], ergaben sich folgende Zusammenhnge: ED, bD: Bezogen auf Mauerwerk l = 10
• Mauerwerk aus Kalksandsteinen In Tabelle 9 a sind unter Bezug auf die neuesten Aus-
ED = 500 · bD – Normal-, Dnnbettmçrtel (grobe wertungen ED-Werte fr Mauerwerk aus Normal-,
Nherung, Streubereich der Einzelwerte etwa € 50 %) Leicht- und Dnnbettmçrtel angegeben. Fr die Berech-
• Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen nung der ED-Werte wurden Stein- und Mçrteldruckfes-
ED = 1240 · b0;77 – Leichtmçrtel tigkeitswerte zugrunde gelegt, die jeweils 10 % grçßer
D
ED = 1040 · bD – Normalmçrtel sind als die Mindestmittelwerte nach Norm.
ED = 930 · bD – Dnnbettmçrtel bzw. Die Tabelle 9 b enthlt ED-Werte in Abhngigkeit vom
ED = 600 · bD,st – Dnnbettmçrtel Grundwert der zulssigen Druckspannung nach DIN
(Streubereich der Einzelwerte etwa € 20 %) 1053-1 [38].

• Mauerwerk aus Porenbetonsteinen


5.2.1.2 Querdehnungszahl lD und Dehnung
ED = 520 · bD – Normalmçrtel bzw.
bei Hçchstspannung eu,D
ED = 570 · b0;69
D;st – Normalmçrtel
(Streubereich der Einzelwerte etwa € 50 %) Die Eigenschaftswerte mD und eu,D fr auf Druck senk-
ED = 560 · bD – Dnnbettmçrtel bzw. recht zu den Lagerfugen beanspruchtes Mauerwerk
ED = 470 · b0;86
D;st – Dnnbettmçrtel bzw. kçnnen bei der Prfung nach DIN 18554-1 bzw. DIN
ED = 350 · bD,st – Dnnbettmçrtel EN 1052-1 mitbestimmt werden. Vorliegende Zahlen-
(Streubereich der Einzelwerte etwa € 20 %) werte enthlt Tabelle 10.

Tabelle 10. Mauerwerk; Querdehnungszahl mD, Dehnungswerte bei Hçchstspannung eu,D in mm/m und Vçlligkeitsgrad a0
(Druckbeanspruchung senkrecht zu den Lagerfugen, Normalmçrtel) [25, 34, 35]
Mauersteine mD eu,D a0
Steinsorte DIN V Rechenwert Wertebereich Rechenwert Wertebereich Rechenwert Wertebereich
HLz 105-100 0,1 0,05…0,23 1,8 1,0…2,6 0,55 0,51…0,65
KS, KS L 106 0,1 0,07…0,12 2,5 1,3…3,9 0,65 0,57…0,75
Hbl 18151-100 1,6 0,9…2,5
0,2 0,11…0,34 0,60 0,57…0,68
V, Vbl 18152-100 1,7 0,6…4,0
Hbn 18153-100 0,2 – 1,0 0,5…2,5 0,65 0,63…0,70
PB, PP 4165 0,25 0,17…0,32 2,0 1,4…3,7 0,55 0,53…0,60
PP 4165-100 – – 1,8 1,5…2,2 – –
18 A Baustoffe · Bauprodukte

5.2.1.3 Vçlligkeitsgrad a0 Er wird vor allem fr die Beurteilung der Risssicherheit
bençtigt. Nach Versuchsergebnissen, im Wesentlichen
Der geometrische Vçlligkeitsgrad a0 im Bereich der
aus [21, 22], kann EZ,p fr Mauerwerk aus Normalmçr-
Spannungs-Dehnungs-Linie bis zur Hçchstspannung
tel mit vermçrtelten Stoßfugen nherungsweise wie
(Druckfestigkeit bD,mw) bzw. zur Dehnung bei Hçchst-
folgt aus der Mauerwerkzugfestigkeit bZ,p bestimmt
spannung eu,D kann aus
e werden [67] (Best.: Bestimmtheitsmaß):
  Zu;D • Mauerwerk aus Kalksandsteinen
a0 ¼ 1= eu;D  bD;mw  sðeÞde EZ,p = 24 500 · b (Best.: 77 %)
0 • Mauerwerk aus Mauerziegeln
errechnet werden. EZ,p = 15 300 · b (Best.: 99 %)
In Tabelle 10 sind a0-Werte angegeben. • Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen
EZ,p = 14 800 · bZ,p (Best.: 98 %)
5.2.2 Druckbeanspruchung parallel zu den • Mauerwerk aus Porenbeton-Plansteinen PP2
Lagerfugen und Dnnbettmçrtel
EZ,p = 13 000 · bZ,p (sehr unsicher)
5.2.2.1 Druck-E-Modul ED,p
Der Sekantenmodul bei max. sZ ist bis auf sehr wenige
Der E-Modul ED,p wird wie in Abschnitt 5.2.1.1 be- Ausnahmen deutlich niedriger als EZ,p s. [67].
schrieben ermittelt.
Aus den wenigen vorliegenden auswertbaren Versuchs- 5.2.4 Feuchtedehnung ef, (Schwinden es,
ergebnissen lassen sich fr Mauerwerk mit vermçrtelten irreversibles Quellen ecq),
Stoßfugen folgende Zusammenhnge zwischen Druck- Kriechen (Kriechzahl u),
festigkeit parallel zu den Lagerfugen und dem E-Modul Wrmedehnungs- koeffizient aT
als Anhaltswerte herleiten:
Die Verformungskennwerte werden vorwiegend fr die
• Mauerwerk aus Kalksandsteinen
Beurteilung der Risssicherheit, z. T. aber auch fr Be-
ED,p = 300 · bD,p (Kalksandvollsteine)
messungsflle, bençtigt.
ED,p = 700 · bD,p (Kalksandlochsteine)
Zur Ermittlung der Kennwerte existiert derzeit keine
(Streubereich der Einzelwerte etwa € 50 %)
Prfnorm bzw. Richtlinie. Einen Vorschlag fr ein
• Dnnbettmauerwerk aus Porenbeton-Plansteinen
Schwindprfverfahren fr Mauersteine enthlt [46].
ED,p = 600 · bD,p
In der Tabelle 11 a sind Endwerte fr Feuchtedehnung
(Streubereich der Einzelwerte etwa € 30 %)
(ef ¥) und Kriechen (j¥) sowie aT-Werte als „Rechen-
Der Zusammenhang entspricht etwa dem bei Druck-
werte“ (in etwa hufigste Werte) und in der Regel zu-
beanspruchung senkrecht zu den Lagerfugen.
treffende Wertebereiche angegeben (s. auch DIN
Fr Mauerwerk mit unvermçrtelten Stoßfugen ergaben
1053-1 [38]). Die Wertebereiche kçnnen in Ausnahme-
sich – bei allerdings sehr wenigen Versuchswerten –
fllen grçßer sein. Die Werte gelten fr Mauerwerk mit
etwa halb so hohe E-Modul-Werte wie bei Mauerwerk
Normalmçrtel. Sie kçnnen nherungsweise auch fr
mit vermçrtelten Stoßfugen.
Mauerwerk mit Leicht- und Dnnbettmçrtel angenom-
men werden. Empfohlen wird, fr Leichtmauerwerk die
5.2.2.2 Dehnung bei Hçchstspannung eu,D,p
in Tabelle 11 d angegebenen Werte anzusetzen.
Anhaltswerte fr eu,D,p sind: Die Tabellen 11 b und 11 c enthalten Endschwindwerte
• Mauerwerk aus Hochlochziegeln: 2,3 mm/m mit statistischen Kennzahlen aus [36]. Die Zahlenwerte
• Mauerwerk aus Kalksandvollsteinen: 3,5 mm/m gelten fr Mauerwerk mit Normalmçrtel.
• Mauerwerk aus Kalksandlochsteinen: 2,2 mm/m Die ef ¥- und aT-Werte kçnnen sowohl in Richtung
• Dnnbettmauerwerk aus Porenbeton-Plansteinen: senkrecht zu den Lagerfugen als auch in Richtung pa-
2,8 mm/m rallel zu den Lagerfugen angesetzt werden. Die
Die eu,D,p-Werte fr Mauerwerk mit unvermçrtelten j¥-Werte gelten fr Druckbeanspruchung senkrecht
Stoßfugen sind deutlich – rd. 30 bis 80 % – hçher als zu den Lagerfugen.
die von Mauerwerk mit vermçrtelten Stoßfugen. Fr Leichtmauerwerk mit Leicht- bzw. Dnnbettmçrtel
sind die Auswerteergebnisse neuester Versuche in der
5.2.3 Zug-E-Modul EZ (Zugbeanspruchung parallel Tabelle 11 d zusammengestellt.
zu den Lagerfugen) Der Kenntnisstand ber Feuchtedehnung, Kriechen und
Wrmedehnung ist zusammen mit neuesten Auswerte-
Der Zug-E-Modul wird analog zum Druck-E-Modul als
ergebnissen und Hinweisen fr Prfverfahren in [46]
Sekantenmodul bei 1/3 der Hçchstspannung und der bei
dargestellt.
dieser Spannung auftretenden Dehnung definiert.
max sZ
EZ;p ¼
3  el;Z
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 19

Tabelle 11 a. Mauerwerk; Endwerte der Feuchtedehnung ef ¥, Endkriechzahl j ¥ und Wrmedehnungskoeffizient aT [9, 10, 36],
s. auch DIN 1053-1, 11.96
Mauersteine ef ¥ 1) j¥ aT
Steinart DIN V Rechenwert Wertebereich 2) Rechenwert Wertebereich Rechenwert Wertebereich
–6
mm/m 10 /K
Mauerziegel 105-100 0 +0,3…–0,2 3) 1,0 0,5…1,5 6 5… 7
Kalksandsteine 106 –0,2 –0,1…–0,3 1,5 1,0…2,0 8 7… 9
Leichtbetonsteine 18151-100 –0,4 –0,2…–0,5 2,0 1,5…2,5 10; 8 4) 8…12
18152-100
Betonsteine 18153-100 –0,2 –0,1…–0,3 1,0 – 10 8…12
Porenbetonsteine 4165-100 –0,2 +0,1…–0,3 1,5 1,0…2,5 8 7… 9

1) Vorzeichen minus: Schwinden, Vorzeichen plus: irreversibles Quellen


2) Bereich blicher Werte
3) Fr Mauerwerk aus kleinformatigen Mauersteinen (£ 2 DF), sonst –0,1
4) Fr Leichtbetonsteine mit berwiegend Blhton als Zuschlag

Tabelle 11 b. Kalksandsteine und Kalksandsteinmauerwerk; Tabelle 11 c. Leichtbetonsteine und Leichtbetonsteinmauer-


Schwindendwerte es ¥ in mm/m, Schwindklima 20/65 werk; Schwindendwerte es ¥ in mm/m, Schwindklima 20/65,
hoher Anfangsfeuchtigkeitsgehalt der Steine (in der Regel
Statistischer Einzelsteine Mauerwerk
Wasservorlagerung)
Kennwert
H 1) W 2) H 1) W 2)
Statistischer Hbl, V, Vbl KLB 1)
n 8 146 8 11 Kennwert
Einzel- Mauer- Einzel- Mauer-
x 0,14 0,30 0,16 0,26 steine werk steine werk
min x 0,03 0,10 0,01 0,13 n 19 24 3 9
max x 0,22 0,52 0,29 0,42 x 0,40 0,41 0,25 0,32
x10 – 0,18 – 0,07 min x 0,16 0,23 0,17 0,23
x90 0,31 0,42 0,42 0,46 max x 0,67 0,57 0,33 0,49
1) H: Steine etwa herstellfeucht x10 0,11 0,24 – 0,09
2) W: wasservorgelagerte Steine
Bei Einzelsteinen: 2 d Wasser;
x90 0,67 0,58 – 0,55
Steine fr Mauerwerk: 2 d Wasser, 1 d Raumluft
1) Klimaleichtblçcke
n: Anzahl der Versuchsserien
x, min x, max x: Mittel-, Kleinst-, Grçßtwert
x10, x90: 10%-, 90%-Quantilwert

Tabelle 11 d. Leichtmauerwerk; Endwerte der Feuchtedehnung ef¥ in mm/m, Endkriechzahlen j¥, Lagerungsklima 20/65 (s. auch [46, 49])
Mauersteine Mauermçrtel Anzahl der ef¥ 1) j¥
Versuchs-
Steinart/-sorte DIN V Rechenwert Wertebereich 2) Rechenwert Wertebereich 2)
serien
mm/m
HLz 3) 105-100 Leichtmçrtel 4 +0,1 0 bis +0,3 2,0 1,1 bis 2,7
Dnnbettmçrtel 1 – 0 – 0,1
PP 4165-100 Dnnbettmçrtel 10 –0,1 –0,2 bis +0,1 0,5 0,2 bis 0,7
Vbl 18152-100 Leichtmçrtel 1 – bis –0,6 – 2,3
Dnnbettmçrtel 1 – bis –0,6 – 1,9

1) Vorzeichen Minus: Schwinden, Vorzeichen Plus: Quellen


2) Bereich der vorliegenden Versuchswerte
3) Rohdichteklassen rN £ 1,00
20 A Baustoffe · Bauprodukte

6 Feuchtigkeitstechnische Kennwerte Tabelle 12 b. Mauerwerk; Wasserdampf-Diffusions-


von Mauersteinen, Mauermçrtel und widerstand m nach DIN V 4108-4:2004-07 [58]
Mauerwerk Mauersteine rN m
6.1 Kapillare Wasseraufnahme
1 2 3
Die Wasseraufsaugfhigkeit von Mauersteinen, Mauer-
mçrtel und Putz kann durch die kapillare Wasserauf- Vollklinker, Hochlochklinker, ‡ 1,80 50/100
nahme bzw. den Wasseraufnahmekoeffizienten w ge- Keramiklinker £ 2,40
kennzeichnet werden. Diese sind wichtige Kenngrçßen Vollziegel, Hochlochziegel Fllziegel ‡ 1,20 5/10
fr die Beurteilung des Wasserabsaugens – aus dem £ 2,40
Fugenmçrtel bzw. aus dem Putzmçrtel durch den Mau-
erstein – fr die Wasseraufnahme von Sichtflchen bei Hochlochziegel ‡ 0,55 5/10
Beregnung, vor allem bei Schlagregen ( Anforderun- DIN V 105-100, DIN V 105-6 £ 1,00
gen an den Wasseraufnahmekoeffizienten von Außen-
putzen) sowie fr die Beurteilung des Austrocknungs- Kalksandsteine ‡ 1,00 5/10
verhaltens. £ 1,40
Werden Mauersteine mit hoher Wasseraufsaugfhigkeit ‡ 1,60 15/25
– gekennzeichnet durch hohe Wasseraufnahmekoeffi- £ 2,20
zienten w – vor dem Vermçrteln nicht vorgensst, so
kann dem Mçrtel nach dem Vermauern zuviel Wasser Porenbetonsteine ‡ 0,35 5/10
entzogen werden. Mçgliche Folgen sind zu geringe £ 0,80
Verbundfestigkeit zwischen Mauermçrtel und Mauer-
stein (Haftscher- und Haftzugfestigkeit) und zu geringe Leichtbetonsteine 5/10
Mçrteldruckfestigkeit in der Fuge. Deshalb sollen auch – Hohlblçcke ‡ 0,45
nach DIN 1053-1 Mauersteine mit hoher Wasserauf- £ 1,60
saugfhigkeit vor dem Vermçrteln vorgensst werden. – Vollblçcke, Vollsteine ‡ 0,45
Dies trifft stets fr Mauersteine mit einem hohen Anteil £ 1,40
an kleinen Kapillarporen und geringem Feuchtegehalt Vollsteine, Vollblçcke ‡ 1,60 10/15
vor dem Vermçrteln zu (Kalksandsteine). £ 2,00
Die kapillare Wasseraufnahme wird i. d. R. nach DIN
EN ISO 15148 [56] – bisher DIN 52617: 1987-05 – Betonsteine ‡ 0,80 5/15
geprft. Ausgehend vom getrockneten Zustand wird £ 1,20
bei stndigem Wasserkontakt der Saugflche der zeitli-
che Verlauf der Wasseraufnahme ermittelt. Dieser ist ‡ 1,40 20/30
im Allgemeinen im Wurzelmaßstab annhernd linear. £ 2,40
Der Anstieg wird durch den Wasseraufnahmekoeffi-
rN: Rohdichteklasse Mauersteine
zienten w in kg/(m2 · h0,5) gekennzeichnet.

Tabelle 12 a. Mauersteine; Wasseraufnahmekoeffizient w Die Tabelle 12 a enthlt w-Werte von Mauersteinen.


ermittelt nach DIN 52617 Die Ergnzung der Tabelle sowie Angaben fr Putze
sind in den folgenden Ausgaben vorgesehen.
Mauerstein n Mittlerer Wertebereich
Wert
6.2 Wasserdampfdurchlssigkeit
kg/(m2 · h0,5)
Die Wasserdampfdurchlssigkeit kann durch die Was-
1 2 3 4 serdampf-Diffusionswiderstandszahl m gekennzeichnet
werden. Der Wert m gibt an, um wieviel mal grçßer der
Mauerziegel 36 4…16 Diffusionswiderstand eines Materials ist als der einer
Kalksandsteine 42 3 1,5…20 gleichdicken Luftschicht. Die m-Werte werden zur Be-
urteilung der Tauwasserbildung und der Austrocknung
Porenbetonsteine 5 3…9 in Bauteilen – vor allem Außenbauteilen – bençtigt.
Die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl wird
Leichtbetonsteine 7 1…2 i. d. R. nach DIN EN ISO 12572 [57] ermittelt.
Betonsteine 1 2 Tabelle 12 b enthlt m-Werte aus DIN 4108-4.

n: Anzahl der Versuchswerte


I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 21

7 Natursteine, Natursteinmauerwerk 8 Eigenschaftswerte von Putzen


Die Bedeutung von Natursteinmauerwerk im Vergleich (Außenputz)
zu Mauerwerk aus knstlichen Steinen ist fr den Neu- 8.1 Allgemeines
baubereich gering, jedoch fr die Erhaltung von wert-
vollen Bauwerken groß. Gerade auch im letztgenannten Der Außenputz als „Außenhaut“ des Gebudes soll vor
Anwendungsbereich ist die Kenntnis der wichtigsten allem ein Eindringen von Niederschlagsfeuchte sicher
Festigkeits- und Verformungseigenschaften sowie und dauerhaft verhindern, also den ausreichenden
feuchtetechnischer Kennwerte hufig wesentliche Vo- Feuchteschutz gewhrleisten. Voraussetzung dafr ist,
raussetzung fr eine erfolgreiche Instandsetzung und dass der Außenputz wasserabweisend eingestellt ist und
Erhaltung der Bauwerke. Es erschien deshalb sinnvoll, frei von Rissen bleibt, ber die Wasser in den Putzgrund
vorliegende Werteangaben ber die Druck-und Biege- eindringen kann. Derartige „schdliche“ Risse mit einer
zugfestigkeit, den Druck-E-Modul, den Schleifver- Rissbreite ab meist 0,2 mm kçnnen die Funktionsfhig-
schleiß als Kennwert fr das Abnutzungsverhalten, keit der Gebudehlle beeintrchtigen – Verringerung
den Wrmedehnungskoeffizienten, die Schwind- und des Wrmeschutzes, Feuchteschden, Frostschden –
Quelldehnung sowie die Wasseraufnahme unter Atmo- und mssen deshalb sicher vermieden werden.
sphrendruck und die Wasserdampfdiffusionswider- Schdliche Risse kçnnen durch verschiedene Ursachen
standszahl zusammenstellen (siehe Tabellen 13 bis entstehen [61], so durch Unvertrglichkeiten von Putz
15). Die Zahlenangaben stammen im Wesentlichen und Putzgrund. Grundstzlich gilt, dass der Putz „wei-
aus [28–30]. Fr vulkanische Tuffsteine lagen umfang- cher“ als der Putzgrund sein muss, damit breitere,
reiche Untersuchungsergebnisse aus [31] vor. schdliche Risse vermieden werden. Um dies sicher-
Bemessungsgrundlagen, d. h. im Wesentlichen Angaben zustellen, mssen die dafr wesentlichen mechanischen
zur zulssigen Beanspruchung von Tuffsteinmauerwerk, und physikalischen Putzeigenschaften bekannt sein.
kçnnen [32] entnommen werden. Informationen, die der Diesbezgliche Prfverfahren sind in [61, 62] auf-
weiteren Vervollstndigung und Aktualisierung der Ei- gefhrt. Die Beurteilung, ob schdliche Risse auftreten
genschaftswerte dienen, werden gerne bercksichtigt. kçnnen, ist in guter Nherung rechnerisch mçglich [61].
Verschiedene Eigenschaftswerte finden sich auch in Nachfolgend werden die derzeit bekannten Eigen-
[60]. schaftswerte und Eigenschaftszusammenhnge angege-

Tabelle 13. Natursteine; Druckfestigkeit bD, Biegezugfestigkeit bBZ, Druck-E-Modul ED, Schleifverschleiß – Anhaltswerte

Naturstein bD bBZ ED Schleifverschleiß


2
103 N/mm2 cm3/50 cm2
N/mm

Granit, Syenit 160…240 10…20 40… 60


Diorit, Gabbro 170…300 10…22 100…120
5… 8
Porphyre 180…300 15…20 20…160
Basalt 250…400 15…25 50…100
Basaltlava 80…150 8…12 12… 15
Diabas 180…250 15…25 60…120 5… 8
Quarzit, Grauwacke 150…300 13…25 50… 80
5… 10
Quarzitische Sandsteine 120…200 12…20 20… 70
Sonstige Sandsteine 30…180 3…15 5… 30 10… 30
Dichte Kalksteine, Dolomite, Marmore 80…180 6…15 60… 90 15… 40
Sonstige Kalksteine 20… 90 5… 8 40… 70 35…100
Travertin 20… 60 4…10 20… 60
Vulkanische Tuffsteine 5… 25 1… 4 4… 10 20… 60
Gneise, Granulit 160…280 13…25 30… 80 4… 10
Serpentin 140…250 25…35 5… 20
22 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 14. Natursteine; Wasseraufnahme bei Atmosphren- Tabelle 15. Natursteine; Wrmedehnungskoeffizient aT,
druck Wa und Wasserdampf-Diffusionswiderstandzahlen 1) Schwind- und Quelldehnung es, eq – Anhaltswerte

Naturstein Wa m (0/50) m (50/100) Naturstein aT es, eq


M.- % 10–6/K mm/m
Granit, Syenit 0,2… 0,5 Granit, Syenit 5…11
Diorit, Gabbro 0,2… 0,4 Diorit, Gabbro 4… 8 0…0,2
Porphyre 0,2… 0,7 Porphyre 5
Basalt 0,1… 0,3 > 400 > 20 Basalt 5… 8
0,4
Basaltlava 4…10 Basaltlava
Diabas 0,1… 0,4 Diabas 4… 7
0…0,2
Trachyt Trachyt 12,5
Quarzit, Grauwacke 0,2… 0,5 > 400 > 20 Quarzit, Grauwacke 10…12 0…0,1
Quarzitische Sandsteine 0,2… 0,6 Quarzitische Sandsteine, 8…12 0,3…0,7
20…50 8…20 sonstige Sandsteine
Sonstige Sandsteine 0,2… 9
Dichte Kalksteine, Dolomite, 5…10
Dichte Kalksteine 0,2… 0,6
Marmore
Sonstige Kalksteine 0,2…10 50…200 20…40 Sonstige Kalksteine 0,1…0,2
Travertin 2… 5 4…12
Travertin
Vulkanische Tuffsteine 6…15 10 Vulkanische Tuffsteine 6…10 0,2…0,6
Tonschiefer 0,5… 0,6
Gneise, Granulit
Gneise, Granulit 0,1… 0,6
Serpentin 0,1…0,2
Serpentin 0,1… 0,7

1) s. auch DIN EN 12 524 [59]


m (0/50) – Trockenbereich 8.3 Verformungseigenschaften
m (50/100) – Feuchtbereich
8.3.1 Zug-E-Modul EZ, dynamischer E-Modul dyn E
Der Zug-E-Modul EZ,33 (Definition analog Abschn.
ben. Da sich diese mehr oder weniger fr Putzmçrtel 2.2.3) von Putzmçrteln ist im Mittel rd. 10 % hçher
(ohne Kontakt zum Putzgrund) und Putz auf Putzgrund als der E-Modul bei Hçchstspannung, d. h. die Span-
unterscheiden kçnnen, wird entsprechend differenziert. nungs-Dehnungs-Linie ist leicht gekrmmt. Der dyna-
mische E-Modul und EZ,33 unterscheiden sich um maxi-
mal –10 %, im Mittel sind beide gleich groß.
8.2 Festigkeitseigenschaften
8.2.1 Druckfestigkeit bD 8.3.2 Zugbruchdehnung eZ,u
Die Druckfestigkeit ist in DIN EN 998-1 [63] bzw. DIN Fr Putzmçrtel wurden folgende eZ,u-Werte in mm/m
V 18550 [64] klassifiziert. Bei Putzmçrtel nimmt bD ermittelt:
i. Allg. bis zum Alter von 28 d zu. • Normalputz:
Der Feuchtezustand beeinflusst bD deutlich: Im nassen 0,15 bis 0,27; im Mittel: 0,21
Zustand ist bD im Mittel um rd. 25 % kleiner als im • Leichtputz:
lufttrockenen Zustand. Die Druckfestigkeit von Putz 0,11 bis 0,23; im Mittel: 0,18
auf Putzgrund kann sich – abhngig von Art und Feuch-
tezustand des Putzgrundes – wesentlich von der Druck- 8.3.3 Zugrelaxation w
festigkeit des Putzmçrtels unterscheiden.
Der Abbau von Zugspannungen durch Relaxation lsst
sich mit der Relaxationszahl y kennzeichnen:
8.2.2 Zugfestigkeit bZ
st s1
Bei Putzmçrtel nimmt bZ meist bis zum Alter von 28 d y ¼1 ;y ¼ 1 
zu. Der Einfluss des Feuchtezustandes ist geringer als s0 1 s0
bei der Druckfestigkeit: Im Mittel verringert sich bZ um st, s¥: Zugspannung nach der Zeit t, nach t = ¥
rd. 15 % vom lufttrockenen zum nassen Zustand. s0: Anfngliche Zugspannung
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 23

Zugspannungen im Putzmçrtel verringern sich sehr 8.4 Eigenschaftszusammenhnge


schnell und in hohem Anteil durch Relaxation.
In der folgenden Tabelle 17 sind Zusammenhnge zwi-
Nach 100 h wurde ein Spannungsabbau um 20 bis 60 %
schen verschiedenen Eigenschaften angegeben. Wie aus
festgestellt.
Tabelle 17 zu entnehmen ist, kann in erster grober N-
Die y¥-Werte betrugen – bei allerdings sehr wenigen
herung davon ausgegangen werden, dass die Zusam-
Versuchen:
menhnge fr den Putzmçrtel in etwa auch fr den
• Normalputz:
Putz auf Putzgrund gelten. Damit ergibt sich die Mçg-
0,12 (Spannungsabbau um rd. 90 %)
lichkeit, von Ausgangskennwerten des Putzmçrtels An-
• Leichtputz:
haltswerte fr Eigenschaftskennwerte des Putzes auf
0,06…0,27 (Spannungsabbau um 90 bis 70 %)
Putzgrund zu ermitteln.
Durch Anwendung der Eigenschaftszusammenhnge
8.3.4 Schwinden es, Quellen eq
lsst sich die Anzahl der jeweils durch Prfung zu er-
Schwind- und Quellwerte von Putzmçrteln enthlt mittelnden Eigenschaftswerte wesentlich verringern.
Tabelle 16. Das Schwinden ist meist nach 3 Monaten
beendet.
Das zweite Schwinden – nach dem Erstschwinden und
darauffolgendem Quellen – ist deutlich kleiner als das 9 Literatur
Erstschwinden, nach vorliegenden Werten um etwa [1] Schubert, P. und Friede, H.: Spaltzugfestigkeit von Mau-
50 %. Putz auf Putzgrund schwindet erheblich weniger ersteinen. Die Bautechnik (1980), Nr. 4, S. 117–122.
als Putzmçrtel; und zwar um 30 bis 80 %, meistens um
70 %. [2] Glitza, H.: Druckbeanspruchung parallel zur Lagerfuge.
Mauerwerk-Kalender 13 (1988),
S. 489–496. Berlin: Ernst & Sohn.

Tabelle 16. Endschwindwerte und Quellwerte von Putzmçrteln [3] Kirtschig, K. und Metje, W.-R.: Leichtzuschlge fr
Mauermçrtel. Institut fr Baustoffkunde und Materialpr-
Putzart Endschwindwerte Quellwerte fung der Universitt Hannover (Hrsg.). Forschungsbericht,
(Normalklima (nach 2 d September 1979.
20/65) Wasserlagerung)
[4] Institut fr Ziegelforschung, Essen (Hrsg.): Verfor-
– mm/m mungsverhalten und Tragfhigkeit von Mauerwerk mit
Leichtmauermçrtel, Forschungsschlussbericht, September
1 2 3 1983.
Normalputz [5] Kirtschig, K., Metje, W.-R.: Auswertung von Versuchs-
– Kalk-Zement 0,56…1,20 0,12 … 0,41 ergebnissen zur berprfung der Vorstellungen ber den
– Zement 0,99 / 1,22 0,22 / 0,24 Bruchmechanismus von Mauerwerk und zur Festlegung
von zulssigen Spannungen bei Verwendung von Leichtmau-
Leichtputz 0,88 … 2,22 0,14 … 0,58
ermçrtel. Hannover: Institut fr Baustoffkunde und Material-

Tabelle 17. Außenputze; Eigenschaftszusammenhnge

Zusammenhang zwischen Putzmçrtel (PM) Putzart Zusammenhang Korrelationskoeffizient R2


Putz auf Putzgrund (PG) Normalputz (NP)
Leichtputz (LP)
1 2 3 4 5
PM NP, LP bZ = 0,15 bD 0,92

Zugfestigkeit bZ – NP bZ =0,09 bD 0,89


Druckfestigkeit bD PG bZ =0,16 bD 1) 0,95
LP bZ =0,11 bD 1) 0,96
PM NP, LP EZ,33 = 6050 bZ 0,86
0,73
Zug-E-Modul EZ,33 – NP EZ,33 = 11150 b 0,90
Zugfestigkeit bZ PG EZ,33 = 6500 bZ 1) 0,92
LP EZ,33 = 7000 bZ 1) 0,85

1) Ergebnisse aus 2 Forschungsarbeiten


24 A Baustoffe · Bauprodukte

prfung (Eigenverlag). In: Mitteilungen aus dem Institut fr [21] Backes, H.-P.: Zum Verhalten von Mauerwerk bei Zug-
Baustoffkunde und Materialprfung der Universitt Hanno- beanspruchung in Richtung der Lagerfugen. Dissertation
ver (1984), Nr. 53. RWTH Aachen, 1985 sowie auch Institut fr Bauforschung,
Aachen (Hrsg.): Zugfestigkeit von Mauerwerk und Verfor-
[6] DIN 18555-4:1986-03. Prfung von Mçrteln mit mine-
mungsverhalten unter Zugbeanspruchung. Forschungsbericht
ralischen Bindemitteln; Festmçrtel, Bestimmung der Lngs-
Nr. F 124, 1983.
und Querdehnung sowie von Verformungskenngrçßen von
Mauermçrteln im statischen Druckversuch. [22] Metzemacher, H.: Verformungsverhalten von Mauer-
[7] Schubert, P.: Einfluss von Leichtmçrtel auf Tragfhig- werk unter Zugbeanspruchung (Zugspannungsrelaxation).
keit und Verformungseigenschaften von Mauerwerk. In: Zie- Forschungsbericht des Instituts fr Bauforschung, Aachen,
gelindustrie International 38 (1985), Nr. 6, S. 327–335. Nr. F 225, 1988.

[8] DIN 52450:1985-08. Bestimmung des Schwindens und [23] DIN 18554-1:1985:12. Prfung von Mauerwerk; Er-
Quellens an kleinen Probekçrpern; Prfung anorganischer mittlung der Druckfestigkeit und des Elastizittsmoduls.
nichtmetallischer Baustoffe. [24] Schubert, P.: E-Moduln von Mauerwerk in Abhngig-
[9] Schubert, P.: Zur Feuchtedehnung von Mauerwerk. Dis- keit von der Druckfestigkeit des Mauerwerks, der Mauerstei-
sertation, RWTH Aachen, 1982. ne und des Mauermçrtels. Mauerwerk-Kalender 10 (1985),
S. 705–717. Berlin: Ernst & Sohn. Sowie Institut fr Baufor-
[10] Institut fr Bauforschung, Aachen (Hrsg.): Kriechver- schung, Aachen (Hrsg.): Mathematische Beschreibung der
halten von Mauerwerk. Forschungsbericht Nr. F 163, 1984 Abhngigkeit des Elastizittsmoduls von Mauerwerk von
sowie Glitza, H.: Zum Kriechen von Mauerwerk. Die Bau- Stein- und Mçrteleigenschaften. Forschungsbericht Nr. F
technik (1985), Nr. 12, S. 415–418. 162, 1983.
[11] DIN 18555-5:1986-03. Prfung von Mçrteln mit mine- [25] Schubert, P.: E-Moduln von Mauerwerk aus Leicht-
ralischen Bindemitteln; Festmçrtel, Bestimmung der Haft- beton- und Porenbetonsteinen. Ehningen: Expert, 1993. In:
scherfestigkeit von Mauermçrteln. Werkstoffwissenschaften und Bausanierung. Tagungsbericht
[12] Schubert, P.: Zur Haftscherfestigkeit zwischen Mçrtel des dritten Internationalen Kolloquiums. Wittmann, F. H.:
und Stein. Mauerwerk-Kalender 12 (1987), S. 497–506. Ber- Bartz, W. J. (Ed.), Teil 2, S. 1355–1365.
lin: Ernst & Sohn. [26] Meyer, U.: Verformungsverhalten von Mauerwerk un-
[13] DIN 18555-3:1982-09. Prfung von Mçrteln mit mine- ter kurzzeitiger Beanspruchung. Diplomarbeit Institut fr
ralischen Bindemitteln; Festmçrtel; Bestimmung der Biege- Bauforschung der RWTH Aachen, 1988.
zugfestigkeit, Druckfestigkeit und Rohdichte.
[27] Schubert, P., Wesche, K. und Wilmes, K.: Verfor-
[14] DIN EN 1996-1-1:2006-01. Eurocode 6: Bemessung mungseigenschaften und Risssicherheit von Mauerwerk aus
und Konstruktion von Mauerwerksbauten; Teil 1-1: All- Naturbimsbetonsteinen. Die Bautechnik (1985), Nr. 5,
gemeine Regeln fr bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk; S. 145–155.
Deutsche Fassung EN 1996-1-1:2005.
[28] Naturstein-Lexikon, 2. Aufl. Mnchen: Verlag Georg
[15] Schubert, P.: Beurteilung der Druckfestigkeit von aus- D. W. Callwey, 1981.
gefhrtem Mauerwerk aus knstlichen Steinen und Natur-
steinen. Mauerwerk-Kalender 20 (1995), S. 687–701. Berlin: [29] DIN 52100, 07.39. Prfung von Naturstein; Richtlinien
Ernst & Sohn. zur Prfung und Auswahl von Naturstein (zurckgezogen).

[16] Schubert, P.: Druckfestigkeit von Mauerwerk aus [30] Wendehorst, R., Mutz, H., Achten, H. et al.: Bautech-
Leichtbetonsteinen und Dnnbettmçrtel; Auswertung von Un- nische Zahlentafeln, 23. Aufl. Stuttgart: Teubner, 1987.
tersuchungsergebnissen in Hinblick auf zulssige Grundspan- [31] Sybertz, F.: Ermittlung von Baustoffkennwerten von
nungen nach DIN 1053-1, 02.90. 1993, nicht verçffentlicht. Tuffgestein und Mçglichkeiten zur Erhçhung der Dauerhaf-
[17] Schubert, P., Meyer, U.: Druckfestigkeit von Porenbe- tigkeit von Tuffsteinmauerwerk. Aachen: Institut fr Baufor-
ton- und Leichtbetonmauerwerk. Mauerwerk-Kalender 18 schung der RWTH Aachen. Forschungsbericht Nr. F 168,
(1993), S. 627–634. Berlin: Ernst & Sohn. 1986.

[18] N. N.: Auswertung neuer Untersuchungsergebnisse zur [32] Schubert, P.: Tuffsteinmauerwerk – Standsicherheit
Druckfestigkeit von Porenbeton-Planstein-Mauerwerk mit und Gebrauchsfhigkeit; Bemessungsgrundlagen. In: Mauer-
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wandte Bauschadensforschung (LBB), Aachen (Hrsg.), 1992.
[19] Kirtschig, K., Meyer, J.: Auswertung von Mauerwerks-
versuchen zur Festlegung von zulssigen Spannungen und [33] Schubert, P., Metzemacher, H.: Biegezugfestigkeit von
charakteristischen Mauerwerksfestigkeiten; Teil 1: Auswer- Mauerwerk senkrecht und parallel zur Lagerfuge. Aachen:
tung. Hannover: Institut fr Baustoffkunde und Materialpr- Institut fr Bauforschung, 1987. Forschungsbericht Nr. F 275.
fung der Universitt Hannover. Mitteilungen aus dem Institut
[34] Schubert, P., Meyer, U.: Harmonisierung europischer
fr Baustoffkunde und Materialprfung (1987), Nr. 54.
Baubestimmungen – Eurocode 6 Mauerwerksbau; Ermitt-
[20] Schubert, P.: Auswertung der Untersuchungsergebnisse lung von charakteristischen Spannungs-Dehnungs-Linien
fr die Druckfestigkeit von Mauerwerk aus Kalksand-Plan- von Mauerwerk. Aachen: Institut fr Bauforschung, 1990.
steinen, 1997. Forschungsbericht Nr. F 330.
I Eigenschaftswerte von Mauerwerk, Mauersteinen, Mauermçrtel und Putzen 25

[35] Schubert, P., Meyer, U.: Verbesserung der Druckfestig- [50] Schubert, P.; Beer, I.; Graubohm, M.: Druckfestigkeit
keit von Naturbimsbetonmauerwerk durch Optimierung der und E-Modul von Dnnbettmauerwerk; Teil 1: Dnnbett-
Mçrteleigenschaften. Aachen: Institut fr Bauforschung, mauerwerk aus Porenbeton-Plansteinen. Mauerwerk 8
1991. Forschungsbericht Nr. F 308. (2004), Nr. 5, S. 209–221.
[36] Schubert, P.: Formnderungen von Mauersteinen, Mau- [51] Schubert, P.; Graubohm, M.: Druckfestigkeit von Mau-
ermçrtel und Mauerwerk. Mauerwerk-Kalender 17 (1992), erwerk parallel zu den Lagerfugen. Mauerwerk 8 (2004),
S. 623. Berlin: Ernst & Sohn. Nr. 5, S. 198–208.
[37] Schubert, P., Hoffmann, G.: Druckfestigkeit von Mau- [52] DIN EN 1052-1:1998-12. Prfverfahren fr Mauer-
erwerk parallel zu den Lagerfugen. Mauerwerk-Kalender 19 werk; Teil 1: Bestimmung der Druckfestigkeit.
(1994), S. 715. Berlin: Ernst & Sohn.
[53] Schmidt, U.; Schubert, P.: Festigkeitseigenschaften von
[38] DIN 1053-1:1996-11. Mauerwerk; Berechnung und Mauerwerk; Teil 2: Biegezugfestigkeit. In: Mauerwerk-Ka-
Ausfhrung. lender 29 (2004), S. 31–63. Berlin: Ernst & Sohn.
[39] Schubert, P., Caballero Gonzlez, A.: Zugfestigkeit von [54] Schubert, P.; Graubohm, M.: Eigenschaftswerte von
Porenbeton und Haftscherfestigkeit von Dnnbettmçrtel auf Kalksandsteinen unter Zugbeanspruchung. Mauerwerk 10
Porenbeton. Mauerwerk-Kalender 22 (1997), S. 629–643. (2006), Nr. 3, S. 112–116.
Berlin: Ernst & Sohn.
[55] DIN EN 1015-11:2007-05. Prfverfahren fr Mçrtel fr
[40] Schubert, P.: Biegezugfestigkeit von Mauerwerk – Un- Mauerwerk; Teil 11: Bestimmung der Biegezug- und Druck-
tersuchungsergebnisse an kleinen Wandprfkçrpern. Mauer- festigkeit von Festmçrtel.
werk-Kalender 22 (1997), S. 611–628. Berlin: Ernst & Sohn.
[56] DIN EN ISO 15148:2003-03. Bestimmung des Wasser-
[41] Schubert, P.: Prfverfahren fr Mauerwerk, Mauerstei- aufnahmekoeffizienten bei teilweisem Eintauchen.
ne und Mauermçrtel. Mauerwerk-Kalender 16 (1991),
S. 685–697. Berlin: Ernst & Sohn. [57] DIN EN ISO 12572:2001-09. Bestimmung der Wasser-
dampfdurchlssigkeit.
[42] Schubert, P., Meyer, U.: Druckfestigkeit von Mauer-
werk mit Leichthochlochziegeln. Das Mauerwerk 3 (1999), [58] DIN 4108-4:2007-06. Wrmeschutz und Energie-Ein-
Nr. 1, S. 34–41; sowie Schubert, P.: Druckfestigkeit und sparung in Gebuden; Teil 4: Wrme- und feuchteschutztech-
Kennwerte der Spannungsdehnungslinie von Mauerwerk nische Bemessungswerte.
aus Leichthochlochziegeln mit Normal-, Leicht- und Dnn- [59] DIN EN 12524:2000-07. Wrme- und feuchteschutz-
bettmçrtel. Aachen: Institut fr Bauforschung, 1998. For- technische Eigenschaften – Tabellierte Bemessungswerte.
schungsbericht Nr. F 632/1.
[60] Siedel, H.: Arten, Klassifizierung, technische Eigen-
[43] DIN EN 1052-3:2007-06. Prfverfahren fr Mauer- schaften und Kennwerte von Naturstein. In: Mauerwerk-
werk; Teil 3: Bestimmung der Anfangsscherfestigkeit (Haft- Kalender 29 (2004), S. 5–29. Berlin: Ernst & Sohn.
scherfestigkeit).
[61] Schubert, P.: Außenputz auf Leichtmauerwerk – Ver-
[44] DIN EN 1052-5:2005-06. Prfverfahren fr Mauer- meiden schdlicher Risse. Mauerwerk 10 (2006), Nr. 3,
werk; Teil 5: Bestimmung der Biegehaftzugfestigkeit. S. 87–101.
[45] DIN EN 1052-2:1999-10. Prfverfahren fr Mauer- [62] Schubert, P.; Beer, I.: Außenputz auf Leichtmauerwerk
werk; Teil 2: Bestimmung der Biegezugfestigkeit. – Einfluss der Putzgrundfeuchte auf die Putzeigenschaften,
[46] Schubert, P.: Schadensfreies Konstruieren mit Mauer- Teile 1 und 2. Mauerwerk 7 (2003), Nr. 2, S. 66–71; Nr. 3,
werk; Teil 1: Formnderungen von Mauerwerk – Nachweis- S. 94–107.
verfahren, Untersuchungsergebnisse, Rechenwerte. In: Mau- [63] DIN EN 998-1:2003-09. Festlegungen fr Mçrtel im
erwerk-Kalender 27 (2002), S. 313–331. Berlin: Ernst & Mauerwerksbau, Teil 1: Putzmçrtel. Deutsche Fassung EN
Sohn. 998-1:2003, NA Bau im DIN, Berlin 2003.
[47] Schubert, P.: Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen mit
[64] DIN V 18550:2005-04. Putz und Putzsysteme – Aus-
Dnnbettmçrtel – Druckfestigkeit, Elastizittsmodul und
fhrung.
Bruchdehnung. Mauerwerk 6 (2002), Nr. 2, S. 55–61.
[65] Schubert, P., Graubohm, M.: Eigenschaftswerte von
[48] Schubert, P., Beer, I.: Mauerwerk aus Porenbeton-Plan-
Leichtbetonsteinen unter Zugbeansppruchung. Mauerwerk 11
steinen und Dnnbettmçrtel-Auswertung von Druckfestig-
(2007), Nr. 1, S. 48–53.
keitsversuchen. Aachen: Institut fr Bauforschung, 2003,
Forschungsbericht Nr. 6052. [66] Siech, H. J.: Scherfestigkeit, Haftscherfestigkeit und Fu-
gendruckfestigkeit. Mauerwerk 12 (2008), Nr. 6, S. 340–345.
[49] Schubert, P.: Festigkeits- und Verformungseigenschaf-
ten von modernem Mauerwerk. Weimar: Bauhaus-Univer- [67] Schubert, P.: Festigkeit und Verformungseigenschaften
sitt, 2003. In: 15. Internationale Baustofftagung – ibausil, von Mauerwerk unter Zugbeanspruchung parallel zu den La-
24.–27. 09. 2003, Weimar, S. 1–1043–1065. gerfugen. Mauerwerk 13 (2009), Nr. 6, S. 364–370.
A Baustoffe · Bauprodukte 27

II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk –


Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053
Wolfgang Brameshuber und Markus Graubohm, Aachen

1 Einfhrung Angabe der charakteristischen Druckfestigkeit in DIN


1053-11 [5] zuknftig analog zu DIN 1053-1 [1] und
Die Druckfestigkeit von Mauerwerk wird bislang bei DIN 1053-100 [2] in Form von Treppenkurven. Die den
Berechnung nach der im November 1996 verabschiede- Treppenkurven in [5] zugrunde liegenden charakteristi-
ten deutschen Mauerwerknorm DIN 1053-1 [1] durch schen Werte fk sind jedoch abweichend von [1] und [2]
die Grundwerte der zulssigen Druckspannungen s0 in differenziert in Abhngigkeit von der jeweiligen Mau-
Abhngigkeit von Steinfestigkeitsklassen, Mçrtelarten erstein-Mauermçrtel-Kombination angegeben. Bei der
und Mçrtelgruppen festgelegt. Diese Unterteilung wurde Festlegung der charakteristischen Werte fr die aktuel-
auch in der auf das semiprobabilistische Sicherheitskon- len Entwurfsfassungen der DIN 1053 wurde sicher-
zept umgestellten DIN 1053-100 [2] bernommen, mit gestellt, dass die zuknftigen Tabellenwerte in DIN
dem Unterschied, dass der Nachweis nicht mehr mit den 1053-11 [5] in keinem Fall grçßere charakteristische
Grundwerten der zulssigen Druckspannungen s0, son- Druckfestigkeiten ergeben als die ber die Berech-
dern mit charakteristischen Werten fk der Druckfestig- nungsgleichungen aus DIN 1053-13 [4] ermittelten
keit von Mauerwerk zu fhren ist. Eine Unterscheidung und die „Eckpunkte“ der sich aus den Tabellenwerten
nach den verschiedenen Mauersteinarten war sowohl ergebenden Treppenkurven den Werten der Berech-
beim vereinfachten als auch beim genaueren Berech- nungsgleichungen entsprechen.
nungsverfahren in DIN 1053-1 [1] und DIN 1053-100 Zur Festlegung der charakteristischen Werte fr DIN
[2] bisher nicht vorgesehen. 1053-11 [5] und DIN 1053-13 [4] wurden alle in bishe-
In den letzten Jahren hat sich der Arbeitsausschuss „Re- rigen Datenbanken erfassten verwertbaren Versuchs-
zept- und Ingenieurmauerwerk“ des Normenausschus- ergebnisse und wichtigen Kennwerte zur Druckfestig-
ses Bauwesen (NABau) im DIN mit der berarbeitung keit von Mauerwerk zusammen mit den am ibac vor-
der DIN 1053-1 [1] beschftigt. Ziel der berarbeitung handenen sowie dem ibac bergebenen Prfzeugnissen
war im Wesentlichen eine formale Annherung an die in einer neu eingerichteten Datenbank elektronisch fr
europische Mauerwerknorm DIN EN 1996-1-1 [3] und smtliche Mauersteinarten aufbereitet. Auf Grundlage
die Aktualisierung durch Bercksichtigung von neuen dieser Datenbasis sollten aktualisierte und differenzier-
Erkenntnissen und Erfahrungen. Im Zuge der Anpas- te charakteristische Werte der Mauerwerkdruckfestig-
sung an den EC 6 wurde die DIN 1053 grundlegend keit fr bestimmte in der Praxis vorkommende Bau-
neu strukturiert, sodass das vereinfachte Verfahren, stoff-Kombinationen festgelegt werden. Fr bestimmte
das genauere Verfahren, die Ausfhrung und Konstruk- Kombinationen erfolgte jedoch – u. a. aufgrund zu ge-
tion sowie das Natursteinmauerwerk zuknftig in ge- ringer Anzahl von Versuchswerten – eine Ermittlung
trennten Normteilen behandelt werden. Das vereinfach- der Parameter K, a und b durch Anpassung der Potenz-
te Nachweisverfahren fr unbewehrtes Mauerwerk wird funktion an die Eckpunkte der bisherigen Treppenkurve
dann im Teil 11, das genauere Nachweisverfahren fr aus DIN 1053-100 [2]. Die aktuell vorgeschlagenen
unbewehrtes Mauerwerk im Teil 13 der Normenreihe Gleichungsparameter sind in Tabellenform in DIN
DIN 1053 geregelt. 1053-13 [4] angegeben (s. Abschn. 4.4).
Die Vorgehensweise bei der Festlegung von aktualisier- In dem Beitrag werden die bisherigen Regelungen be-
ten charakteristischen Druckfestigkeitswerten fr die zglich der Druckfestigkeit von Mauerwerk in
Neufassung der DIN 1053 wurde im Unterausschuss DIN 1053-1 [1] und DIN 1053-100 [2] zusammenge-
„Baustoffe“ diskutiert. Fr das genauere Berechnungs- fasst und den Neuerungen in den aktuellen Entwurfs-
verfahren wird die charakteristische Druckfestigkeit fassungen der Normteile 11 und 13 gegenbergestellt.
von Mauerwerk nach dem aktuellen Entwurf der DIN Weiterhin wird die Vorgehensweise bei der Festlegung
1053-13 [4] analog zum Nationalen Anhang zur euro- der neuen charakteristischen Werte fk der Druckfestig-
pischen Mauerwerksnorm DIN EN 1996-1-1 [3] unter keit von Mauerwerk erlutert.
Bezug auf eine vorgegebene Grundgleichung (Potenz-
ansatz) und von der jeweiligen Mauerstein-Mauermçr-
tel-Kombination abhngigen Faktoren und Exponenten
angegeben. Fr das vereinfachte Verfahren erfolgt die

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
28 A Baustoffe · Bauprodukte

2 Regelungen bezglich der zitten, sodass die Wnde meistens nur auf zentrische
Mauerwerkdruckfestigkeit in Druckbeanspruchung nachgewiesen werden mssen.
DIN 1053-1 Die Standsicherheit darf nach dem vereinfachten Be-
rechnungsverfahren nachgewiesen werden, wenn die
2.1 Allgemeines folgenden und in Tabelle 1 enthaltenen Voraussetzun-
Die DIN 1053-1 ist die grundlegende Norm fr die gen erfllt sind:
Berechnung und die Ausfhrung von Rezeptmauerwerk • Die Gebudehçhe ber Gelnde betrgt nicht mehr
und Mauerwerk nach Eignungsprfung. Die aktuell gl- als 20 m, wobei bei geneigten Dchern das Mittel
tige und im Jahr 1996 bauaufsichtlich eingefhrte Fas- von First- und Traufhçhe als Gebudehçhe angesetzt
sung der DIN 1053-1 [1] basiert noch auf dem globalen werden darf.
Sicherheitskonzept. Anders als die Vorgngerfassung • Die Sttzweite der aufliegenden Decken ist auf 6,0 m
aus dem Jahre 1990 [6] ist sowohl das vereinfachte beschrnkt, sofern nicht die Biegemomente aus dem
als auch das genauere Berechnungsverfahren in DIN Deckendrehwinkel durch konstruktive Maßnahmen,
1053-1 [1] geregelt. DIN 1053-2 [7] enthlt nur noch z. B. Zentrierleisten, begrenzt werden. Bei zweiach-
die Verfahrensweise zur Einstufung von Mauerwerk in sig gespannten Decken ist die krzere der beiden
Festigkeitsklassen aufgrund von Eignungsprfungen. Sttzweiten anzusetzen.
Die Bemessung des Mauerwerks unter Druckbeanspru- Sind die zuvor beschriebenen Voraussetzungen nicht
chung erfolgt beim vereinfachten Berechnungsverfah- erfllt, muss das Bauwerk oder das Bauteil nach dem
ren durch Vergleich von vorhandenen und zulssigen genaueren Berechnungsverfahren nachgewiesen wer-
Spannungen, beim genaueren Berechnungsverfahren den (s. Abschn. 2.3).
durch Gegenberstellung von Spannungen im Ge-
brauchszustand und Rechenfestigkeiten. Ein weiterer 2.2 Vereinfachtes Verfahren
Unterschied zwischen dem vereinfachten und dem ge-
naueren Verfahren besteht im Wesentlichen darin, dass Im vereinfachten Berechnungsverfahren nach [1] ist auf
die Rechenannahmen und Nachweise beim vereinfach- Grundlage einer linearen Spannungsverteilung unter
ten Verfahren deutlich einfacher als nach dem genaue- Ausschluss von Zugspannungen nachzuweisen, dass
ren Verfahren sind. Durch die Vereinfachungen entfal- die angegebenen zulssigen Druckspannungen im Ge-
len in der Regel planmßige und zustzliche Exzentri- brauchszustand nicht berschritten werden, siehe Gl. (1).
F
vorh s ¼  zul s (1)
A
Tabelle 1. Voraussetzungen fr die Anwendung Die zulssigen Druckspannungen zul sD in Gl. (1) er-
des vereinfachten Verfahrens [1] geben sich aus den Grundwerten s0 der zulssigen
Druckspannungen, die auf Grundlage von statistischen
Bauteil Voraussetzungen
Auswertungen tabelliert fr Mauerwerk mit Normal-,
Wanddicke d Lichte Wand- Verkehrslast p Dnnbett- und Leichtmçrtel in Abhngigkeit von Stein-
mm hçhe hs kN/m± festigkeitsklassen, Mçrtelarten und Mçrtelgruppen
bzw. fr Mauerwerk nach Eignungsprfung (EM) unter
Innenwnde ‡ 115 £ 2,75 m £5 Bezug auf die Nennfestigkeit bM des Mauerwerks nach
< 240 DIN 1053-2 [7] festgelegt worden sind, und dem Ab-
‡ 240 – minderungsfaktor k, siehe Gl. (2).
Einschalige ‡ 175 1) £ 2,75 m zulsD ¼ k  s0 (2)
Außenwnde < 240
mit
‡ 240 £ 12 · d s0 Grundwerte der zulssigen Druckspannungen nach
den Tabellen 2 bis 4 fr Mauerwerk mit einer theo-
Tragschale ‡ 115 2) £ 2,75 m £ 3 3) retischen Schlankheit l = 10
zweischaliger < 175 2) k Abminderungsfaktor (k = k1 · k2 bzw. k = k1 · k3)
Außenwnde
‡ 175 £5 Der Abminderungsfaktor k in Gl. (2) bercksichtigt die
und zwei-
< 240 Wandart (k1), den Knickeinfluss (k2) und die Traglast-
schalige Haus-
trennwnde ‡ 240 £ 12 · d minderung durch den Deckendrehwinkel bei Endauf-
lagerung auf Innen- und Außenwnden (k3). Einflsse
1) Bei eingeschossigen Garagen und vergleichbaren Bauwerken, die aus Beanspruchungen sind bei der Spannungsermittlung
nicht zum dauernden Aufenthalt von Menschen vorgesehen sind, im vereinfachten Verfahren nicht zu bercksichtigen.
auch d ‡ 115 mm zulssig.
Die fr Mauerwerk mit Normalmçrtel geltenden Grund-
2) Geschossanzahl maximal zwei Vollgeschosse zuzglich aus-
gebautes Dachgeschoss; aussteifende Querwnde im Abstand werte s0 der zulssigen Druckspannungen aus
£ 4,50 m bzw. Randabstand von einer ffnung £ 2,0 m. DIN 1053-1 [1] sind in Tabelle 2 angegeben und zu-
3) Einschließlich Zuschlag fr nichttragende innere Trennwnde. stzlich in Bild 1 dargestellt.
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 29

Bild 1. s0-Werte von Mauerwerk mit Normalmçrtel [1]

Tabelle 2. s0-Werte fr Mauerwerk mit Normalmçrtel [1] Tabelle 3. s0-Werte fr Mauerwerk mit Dnnbett- und
Leichtmçrtel [1]
Steinfestig- Grundwerte s0 fr Normalmçrtel Mçrtelgruppe
keitsklasse Steinfestig- Grundwerte s0 fr
I II IIa III IIIa
keitsklasse
Dnnbett- Leichtmçrtel
MN/m±
mçrtel 1)
LM 21 LM 36
2 0,3 0,5 0,5 1) – –
MN/m±
4 0,4 0,7 0,8 0,9 –
2 0,6 0,5 2) 0,5 2), 3)
6 0,5 0,9 1,0 1,2 –
4 1,1 0,7 4) 0,8 5)
8 0,6 1,0 1,2 1,4 –
6 1,5 0,7 0,9
12 0,8 1,2 1,6 1,8 1,9
8 2,0 0,8 1,0
20 1,0 1,6 1,9 2,4 3,0
12 2,2 0,9 1,1
28 – 1,8 2,3 3,0 3,5
20 3,2 0,9 1,1
36 – – – 3,5 4,0
28 3,7 0,9 1,1
48 – – – 4,0 4,5
60 – – – 4,5 5,0 1) Anwendung nur bei Porenbeton-Plansteinen nach DIN 4165 und
bei Kalksand-Plansteinen. Die Werte gelten fr Vollsteine.
1) s0 = 0,6 MN/m± bei Außenwnden mit Dicken ‡ 300 mm. Fr Kalksand-Lochsteine und Kalksand-Hohlblocksteine nach
Diese Erhçhung gilt jedoch nicht fr den Nachweis der Auflager- DIN 106-1 gelten die entsprechenden Werte der Tabelle 2 bei
pressung. Mçrtelgruppe III bis Steinfestigkeitsklasse 20.
2) Fr Mauerwerk mit Mauerziegeln nach DIN 105-1 bis DIN 105-4
gilt s0 = 0,4 MN/m±.
3) s0 = 0,6 MN/m± bei Außenwnden mit Dicken ‡ 300 mm.
Diese Erhçhung gilt jedoch nicht fr den Nachweis der Auflager-
pressung.
Tabelle 3 enthlt die Werte aus DIN 1053-1 [1] fr 4) Fr Kalksandsteine nach DIN 106-1 der Rohdichteklasse ‡ 0,9
Mauerwerk mit Dnnbett- und Leichtmçrtel. Die sich und fr Mauerziegel nach DIN 105-1 bis DIN 105-4 gilt
aus den s0-Werten ergebenden Treppenkurven sind in s0 = 0,5 MN/m±.
den Bildern 1 bis 3 dargestellt. 5) Fr Mauerwerk mit den in Fußnote 4) genannten Mauersteinen
gilt s0 = 0,7 MN/m±.
Die s0-Werte aus DIN 1053-1 [1] fr Mauerwerk nach
Eignungsprfung sind in Abhngigkeit von der Nenn-
festigkeit bM des Mauerwerks nach DIN 1053-2 [7] in
Tabelle 4 aufgefhrt. Dabei gilt als Nennfestigkeit die
aus den Versuchsergebnissen ermittelte 5%-Fraktile der
Grundgesamtheit.
30 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 2. s0-Werte von Mauerwerk mit Dnnbettmçrtel [1]

Bild 3. s0-Werte von Mauerwerk mit Leichtmçrtel [1]

Tabelle 4. s0-Werte fr Mauerwerk nach Eignungsprfung [1] 2.3 Genaueres Verfahren
Nennfestigkeit bM 1) 1,0 bis 9,0 11,0 und 13,0 16,0 bis 25,0 Fr den Fall, dass die in Abschnitt 2.1 beschriebenen
in N/mm± Voraussetzungen fr die Anwendung des vereinfachten
Verfahrens nicht erfllt sind und der Nachweis nach
s0 2) 0,35 · bM 0,32 · bM 0,30 · bM dem genaueren Verfahren nach DIN 1053-1 [1] gefhrt
in MN/m± werden muss, sind die Rechenwerte bR der Druckfestig-
keit von Mauerwerk mit der theoretischen Schlankheit
1) bM nach DIN 1053-2
2) s0 ist auf 0,01 MN/m± abzurunden.
Null mithilfe der Gl. (3) aus den in Abschnitt 2.2 in den
Tabellen 2 bis 4 aufgefhrten Grundwerten s0 der zu-
lssigen Druckspannungen abzuleiten.
bR ¼ 2,67  s0 (3)
mit
s0 Grundwerte der zulssigen Druckspannungen nach
den Tabellen 2 bis 4
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 31

Der Faktor 2,67 in Gl. (3) setzt sich zusammen aus dem In Hochbauten mit Decken aus Stahlbeton, die mit cha-
globalen Sicherheitsbeiwert fr Wnde gW = 2,0 und ei- rakteristischen Nutzlasten von maximal 2,5 kN/m± be-
nem Faktor 1,334 zur Umrechnung von der Schlankheit l lastet sind, darf der Bemessungswert der einwirkenden
= h/d = 10 (s0) auf die theoretische Schlankheit l = 0 (bR). Normalkraft NEd vereinfachend nach Gl. (7) angesetzt
Unter Annahme einer linearen Spannungsverteilung werden.
und ebenbleibender Querschnitte ist der Nachweis zu
fhren, dass die g-fache Gebrauchslast ohne Mitwir- NEd ¼ 1,4  ðNGk þ NQk Þ (7)
kung des Mauerwerks auf Zug im Bruchzustand auf- Im Fall grçßerer Biegemomente M, z. B. bei Ausstei-
genommen werden kann, siehe Gl. (4). fungswnden und Windscheiben, gilt der Ansatz in
g  sR  bR (4) Gl. (8).
min NEd ¼ 1,0  NGk (8)
Auf Grundlage eines rechteckigen Spannungsblocks,
3 Regelungen bezglich der dessen Schwerpunkt mit dem Lastangriffspunkt der
Lastresultierenden bereinstimmt, ergibt sich der Be-
Mauerwerkdruckfestigkeit in
messungswert der aufnehmbaren Normalkraft NRd
DIN 1053-100 nach Gl. (9) fr bliche Rechteckquerschnitte zu
3.1 Allgemeines
NRd ¼ F  A  fd (9)
Mit DIN 1053-100 [2] wurde ein Bemessungsverfahren
fr Mauerwerk aus knstlichen und natrlichen Steinen mit
nach dem semiprobabilistischen Sicherheitskonzept be- F Abminderungsfaktor zur Bercksichtigung der
reitgestellt. Bei der Einfhrung des neuen Sicherheits- Schlankheit und von Lastexzentrizitten
konzeptes mit Teilsicherheitsbeiwerten im Teil 100 A Gesamtflche des Querschnitts (A ‡ 400 cm±)
sind die Nachweise angepasst und auf Krfte als nach- fd Bemessungswert der Druckfestigkeit des Mauer-
zuweisende Grçße anstelle von Spannungen umgestellt werks mit fd = h · fk/gM
worden. Der Inhalt von [2] ergibt sich aus dem Inhalt h Abminderungsbeiwert zur Bercksichtigung von
der Fassung aus dem Jahre 2006 [8] und der nderung Langzeitwirkung und weitere Einflsse; h ist im
DIN 1053-100/A1 [9]. Inhaltlich ist DIN 1053-100 [2] Allgemeinen mit 0,85 anzunehmen
im Vergleich zu DIN 1053-1 [1] weitgehend unver- fk charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks
ndert geblieben. Mauerwerk darf nach [2] – analog nach den Tabellen 5 und 6
zu DIN 1053-1 [1] – entweder nach dem vereinfachten gM Teilsicherheitsbeiwert fr Baustoffeigenschaften
oder dem genaueren Verfahren berechnet werden. Die Die charakteristischen Werte fk der Druckfestigkeit von
Anwendungsvoraussetzungen fr die Bemessung nach Mauerwerk mit Normalmçrtel aus DIN 1053-100 [2]
dem vereinfachten Verfahren sind gegenber [1] unver- sind in Tabelle 5 angegeben und zustzlich in Bild 4
ndert geblieben (s. Abschn. 2.1). dargestellt.
Tabelle 6 enthlt die Werte aus DIN 1053-100 [2] fr
Mauerwerk mit Dnnbett- und Leichtmçrtel. Die Bilder
3.2 Vereinfachtes Verfahren
4 bis 6 zeigen die zugehçrigen Treppenkurven.
Beim vereinfachten Berechnungsverfahren nach [2] ist Die charakteristischen Werte fk der Mauerwerkdruck-
im Grenzzustand der Tragfhigkeit nachzuweisen, dass festigkeit in den Tabellen 5 und 6 bzw. in den Bildern
der Bemessungswert der einwirkenden Normalkraft NEd 4 bis 6 lassen sich aus den in DIN 1053-1 [1] angege-
kleiner ist als der Bemessungswert der aufnehmbaren benen Grundwerten s0 der zulssigen Druckspannun-
Normalkraft NRd, siehe Gl. (5). gen ableiten. Der Wert fk entspricht dabei dem Re-
chenwert bR der Druckfestigkeit von Mauerwerk mit
NEd  NRd (5) der theoretischen Schlankheit Null nach Gl. (3) ohne
Der Bemessungswert der einwirkenden Normalkraft Bercksichtigung der Langzeiteinwirkung. Der Zu-
NEd in Gl. (5) wird in Abhngigkeit der entsprechenden sammenhang zwischen dem charakteristischen Wert
Teilsicherheitsbeiwerte der mçglichen Einwirkungs- fk und dem Rechenwert bR wird durch Gl. (10) be-
kombination berechnet. Im Allgemeinen gilt fr NEd schrieben.
der Ansatz in Gl. (6). 1 1
fk ¼ b ¼  2,67  s0 ¼ 3,14  s0 (10)
NEd ¼ 1,35  NGk þ 1,5  NQk (6) 0,85 R 0,85
mit mit
NGk charakteristischer Wert der einwirkenden Normal- bR Rechenwerte der Druckfestigkeit von Mauerwerk
kraft infolge Eigenlast mit der theoretischen Schlankheit Null
NQk charakteristischer Wert der einwirkenden Normal- s0 Grundwerte der zulssigen Druckspannungen nach
kraft infolge Nutzlast den Tabellen 2 bis 4
32 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 4. fk-Werte von Mauerwerk mit Normalmçrtel [2]

Tabelle 5. fk-Werte von Mauerwerk mit Normalmçrtel [2] Tabelle 6. fk-Werte von Mauerwerk mit Dnnbett- und
Leichtmçrtel [2]
Steinfestig- Druckfestigkeit fk der in N/mm± von Mauerwerk
keitsklasse mit Normalmçrtel der Mçrtelgruppe Steinfestig- Druckfestigkeit fk der in N/mm± von Mauerwerk mit
keitsklasse
I II IIa III IIIa Dnnbett- Leichtmçrtel
mçrtel 1)
2 0,9 1,5 1,5 1) – – LM 21 LM 36
4 1,2 2,2 2,5 2,8 – MN/m±
6 1,5 2,8 3,1 3,7 – 2 1,8 1,5 (1,2) 2) 1,5 (1,2) 2) (1,8) 3)
8 1,8 3,1 3,7 4,4 – 4 3,4 2,2 (1,5) 4) 2,5 (2,2) 5)
10 2,2 3,4 4,4 5,0 – 6 4,7 2,2 2,8
12 2,5 3,7 5,0 5,6 6,0 8 6,2 2,5 3,1
16 2,8 4,4 5,5 6,6 7,7 10 6,6 2,7 3,3
20 3,1 5,0 6,0 7,5 9,4 12 6,9 2,8 3,4
28 – 5,6 7,2 9,4 11,0 16 8,5 2,8 3,4
36 – – – 11,0 12,5 20 10,0 2,8 3,4
48 – – – 12,5 2) 14,0 2) 28 11,6 2,8 3,4
60 – – – 14,0 2) 15,5 2) 1) Anwendung nur bei Porenbeton-Plansteinen nach DIN V 4165-100
bzw. DIN EN 771-4 in Verbindung mit DIN V 20000-404 und bei
1) fk = 1,8 N/mm± bei Außenwnden mit Dicken ‡ 300 mm. Kalksand-Plansteinen. Die Werte gelten fr Vollsteine. Fr Kalk-
Diese Erhçhung gilt jedoch nicht fr den Nachweis der Auflager- sand-Lochsteine und Kalksand-Hohlblocksteine nach DIN V 106
pressung. bzw. DIN EN 771-2 in Verbindung mit DIN V 20000-402 gelten die
2) Die Werte fk ‡ 11,0 N/mm± enthalten einen zustzlichen entsprechenden Werte der Tabelle 5 bei Mçrtelgruppe III bis
Sicherheitsbeiwert zwischen 1,0 und 1,17 wegen Gefahr von Steinfestigkeitsklasse 20.
Sprçdbruch. 2) Fr Mauerwerk mit Mauerziegeln nach DIN V 105-100 . DIN EN
771-1 in Verbindung mit DIN V 20000-401 gilt fk = 1,2 N/mm±.
3) fk = 1,8 N/mm± bei Außenwnden mit Dicken ‡ 300 mm. Diese
Erhçhung gilt jedoch nicht fr den Fall der Fußnote b und nicht fr
den Nachweis der Auflagerpressung.
4) Fr Kalksandsteine nach DIN V 106 bzw. DIN EN 771-2 in Ver-
bindung mit DIN V 20000-402 der Rohdichteklasse ‡ 0,9 und fr
Mauerziegel nach DIN 105-1 bis DIN 105-4 gilt fk = 1,5 N/mm±.
5) Fr Mauerwerk mit den in Fußnote d) genannten Mauersteinen
gilt fk = 2,2 N/mm±.
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 33

Bild 5. fk-Werte von Mauerwerk mit Dnnbettmçrtel [2]

Bild 6. fk-Werte von Mauerwerk mit Leichtmçrtel [2]

Die Herleitung des Umrechnungsfaktors 3,14 zwischen beanspruchung. Exzentrizitten aus Knotenmomenten
den s0-Werten aus DIN 1053-1 [1] und den charakte- oder Windeinwirkungen mssen im vereinfachten Ver-
ristischen Werten fk der Druckfestigkeit von Mauer- fahren nicht berechnet werden, da diese Einflsse be-
werk aus DIN 1053-100 [2] wurde in [10] umfassend reits durch die Abminderungsfaktoren bercksichtigt
beschrieben. werden.

3.3 Genaueres Verfahren


Sind die Voraussetzungen fr die Anwendung des ver-
einfachten Verfahrens nicht erfllt, so ist der Nachweis
nach dem genaueren Verfahren zu fhren. Der Unter-
schied zwischen dem vereinfachten und dem genaueren
Verfahren besteht im Wesentlichen in der Bestimmung
der sich aus Deckenverdrehung ergebenden Momenten-
34 A Baustoffe · Bauprodukte

4 Regelungen bezglich der Stegdicken, Stegdickensummen in Lngs- und Quer-


Mauerwerkdruckfestigkeit in richtung, Rohdichte (lufttrocken), Trockenrohdichte,
DIN 1053-11 und DIN 1053-13 Steinfestigkeitsklasse, Feuchtegehalt, Mittelwert der
Druckfestigkeit (ohne Formfaktor), Lochbild.
4.1 Allgemeines
• Mauermçrtel
Eine der wesentlichen Zielsetzungen bei der berarbei- Mçrtelart, Mçrtelgruppe, Rohdichte (lufttrocken),
tung der DIN 1053 war die differenziertere Beschrei- Trockenrohdichte, Druckfestigkeit.
bung der Mauerwerkdruckfestigkeit in Abhngigkeit
der unterschiedlichen Steinarten, um vorhandene Trag- • Mauerwerk
fhigkeitsreserven zuknftig nutzen zu kçnnen. Dabei Prfkçrperart, Prfalter (entspricht dem Prfalter des
wurde der Rechenansatz aus der europischen Mauer- Mauermçrtels), Maße, Feuchtezustand, Anzahl der
werksnorm DIN EN 1996-1-1 [3] mit einer Potenzfunk- Prfkçrper, Druckfestigkeit, E-Modul bei 33 % der
tion und von der Mauerstein-Mauermçrtelkombination Hçchstspannung und zugehçrige Dehnung, gemesse-
abhngigen Parametern bernommen, sodass spter ne maximale Dehnung und zugehçrige Druckspan-
eine bertragung fr das Nationale Anwendungsdoku- nung sowie die Rissspannung.
ment zum EC 6 mçglich ist. Hierzu wurde eine umfas- Aus den erfassten Daten wurden berechnet:
sende Auswertung von Mauerwerkdruckversuchen – die Steindruckfestigkeit bD,st,f (mit Formfaktor nach
durchgefhrt (s. Abschn. 4.2), welche die Grundlage [12–15]),
fr die Ableitung der charakteristischen Druckfestig- – die Mauerwerkdruckfestigkeit bD,mw,0, bezogen auf
keitswerte fr DIN 1053-11 bzw. -13 bilden sollte. die theoretische Schlankheit l = 0.
In den folgenden Abschnitten werden die Neuerungen
in den Normenteilen DIN 1053-11 und DIN 1053-13 4.2.2 Rechnerisch ermittelte Kennwerte
bezglich der charakteristischen Werte fk der Druckfes-
tigkeit von Mauerwerk vorgestellt und die Vorgehens- Die Steindruckfestigkeit wurde aus den Prfwerten der
weise bei der Festlegung der neuen charakteristischen Druckversuche an den Steinen bPR und dem von der
Werte fk der Druckfestigkeit von Mauerwerk erlutert. Probekçrperhçhe abhngigen Formfaktor f (s. Tabelle 7
Es wird darauf hingewiesen, dass es sich bei fr Kalksand- und Leichtbetonsteine bzw. Tabelle 8 fr
DIN 1053-11 [5] und DIN 1053-13 [4] zum Zeitpunkt Porenbetonsteine) berechnet, siehe Gl. (11).
der Erstellung dieses Beitrags um Entwurfsfassungen bD,st ¼ bPR  f (11)
handelt und in bestimmten Bereichen ggf. noch nde-
rungen zu erwarten sind. Der nach Bauregelliste A Teil 1 (Ausgabe 2006/1), An-
lage 2.17 [16], bei der Berechnung der Druckfestigkeit

4.2 Vorgehensweise bei der Erarbeitung der


charakteristischen Druckfestigkeitswerte fk
Tabelle 7. Formfaktor nach [12–14]
Als Grundlage fr die Erarbeitung von differenzierten
charakteristischen Werten fk der Druckfestigkeit von Prfkçrperhçhe hst Formfaktor f 1)
Mauerwerk wurden alle wesentlichen Eigenschaftswer- mm
te von Mauerwerkdruckversuchen im Rahmen eines am
< 175 1,0
Institut fr Bauforschung Aachen (ibac) durchgefhrten
Forschungsvorhabens [11] in einer umfangreichen nach 175 ‡ hst < 238 1,1
Mauerstein- und Mauermçrtelarten unterschiedenen
‡ 238 1,2
Datenbank zusammengestellt. Im Folgenden werden
die aus den erfassten Daten rechnerisch ermittelten
Kennwerte und die zur deren Berechnung verwendeten
Anstze nher erlutert.
Tabelle 8. Formfaktor nach [15]
4.2.1 Erfasste Daten Steinfestigkeits- Prfkçrperhçhe hst Formfaktor f 1)
Alle wesentlichen Eigenschaftswerte von Mauerwerk- klasse mm
druckversuchen wurden in [11] tabellarisch zusammen- 2 alle Hçhen 1,0
gestellt.
Erfasst wurden – sofern in den Quellen angegeben – 4, 6 und 8 < 175 1,0
u. a. folgende Eigenschaften, unterteilt nach Mauer- 175 ‡ hst < 238 1,1
stein, Mauermçrtel und Mauerwerk:
‡ 238 1,2
• Mauersteine
Bezeichnung, Maße, Anzahl und Durchmesser von 1) Gilt nur fr Festigkeitsklassen ‡ 4 N/mm±.
Griffhilfen, Lochanteil, minimale und maximale Fr Festigkeitsklasse 2 ist f = 1,0 einzusetzen
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 35

von Porenbetonsteinen zustzlich zum Formfaktor an- Die Berechnung der charakteristischen Werte fk der
zusetzende Korrekturfaktor k3 wurde in den Regressi- Druckfestigkeit von Mauerwerk (5%-Fraktile) erfolgte
onsrechnungen fr die Beschreibung des Zusammen- nherungsweise durch Abminderung der Regressions-
hangs zwischen der Mauerwerkdruckfestigkeit und der gleichungen mit einem konstanten Faktor 0,80.
Steindruckfestigkeit nicht bercksichtigt, sondern in die
Treppenkurven fr DIN 1053-11 [5] eingerechnet.
4.3 DIN 1053-11 (Vereinfachtes
Die Schlankheit l der bei den Druckversuchen geprf-
Berechnungsverfahren)
ten Wnde wurde aus dem Quotienten von Wandhçhe
und -dicke berechnet, siehe Gl. (12). Das Nachweisformat beim vereinfachten Verfahren
h nach DIN 1053-11 [5] entspricht im Wesentlichen
l¼ (12) dem in DIN 1053-100 [2]. Es ist nachzuweisen, dass
d der Bemessungswert der einwirkenden Normalkraft
Zur besseren Vergleichbarkeit der Versuchsergebnisse NEd kleiner ist als der Bemessungswert der aufnehm-
wurde die Mauerwerkdruckfestigkeit bD,mw,0 durch baren Normalkraft NRd, siehe Gl. (5). Analog zu [2] sind
Umrechnen der in den Mauerwerkdruckversuchen mit unter bestimmten Bedingungen vereinfachte Lastkom-
verschiedenen Schlankheiten bestimmten Mauerwerk- binationen erlaubt, sodass im Allgemeinen der Ansatz
druckfestigkeit bD,mw auf eine theoretische Schlankheit aus Gl. (6) bei der Ermittlung des Bemessungswertes
l = 0 ermittelt, siehe Gln. (13) und (14). der einwirkenden Normalkraft NEd gewhlt werden
kann. Die Gln. (7) und (8) gelten ebenfalls unverndert.
bD,mw,0 ¼ kl  bD,mw (13)
Der Bemessungswert der vom Mauerwerksquerschnitt
2 aufnehmbaren Normalkraft NRd wird nach Gl. (17) be-
kl ¼ ð0,966 þ 0,00136  l Þ  1,1 (14)
stimmt.
Der Umrechnungsfaktor kl wurde in Abhngigkeit von
NRd ¼ F  Aeff  fd (17)
den Schlankheiten l der Mauerwerk-Versuchskçrper
mit Gl. (14) berechnet, der in [17] hergeleitet wurde. mit
F Abminderungsfaktor zur Bercksichtigung der
4.2.3 Regressionen und 5%-Quantil Schlankheit und von Lastexzentrizitten
A wirksame Querschnittsflche
Unter Bezug auf ausgewhlte Versuchswerte wurden
fd Bemessungswert der Druckfestigkeit des Mauer-
Regressionsrechnungen fr die Beschreibung des Zu-
werks mit fd = h · fk / gM
sammenhangs zwischen der der auf die theoretische
h Abminderungsbeiwert zur Bercksichtigung von
Schlankheit l = 0 umgerechneten Mauerwerkdruckfes-
Langzeitwirkung und anderen Einflssen. Der
tigkeit und der Mauerstein- und Mçrteldruckfestigkeit
Beiwert h ist fr Mauerwerk mit 0,85 anzunehmen
(Normalmçrtel) bzw. zwischen der Mauerwerkdruck-
fk charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks
festigkeit und der Mauersteindruckfestigkeit (Dnnbett-
nach den Tabellen 9 bis 16
mçrtel) durchgefhrt.
gM Teilsicherheitsbeiwert fr die Bestimmung des
Der Zusammenhang wurde mithilfe der auf Brçcker
Tragwiderstandes im Grenzzustand der Trag-
[18] zurckgehenden Funktion
fhigkeit
bD,mw ¼ k  baD,st  bbD,mö (15)
Fr die Bemessung nach dem vereinfachten Verfahren
beschrieben, wobei die in die Gl. (15) einzusetzende sind in DIN 1053-11 [5] nach Mauersteinarten differen-
Konstante K sowie die Exponenten a und b Parameter zierte charakteristische Druckfestigkeitswerte fk in Ab-
sind, die in Abhngigkeit der jeweiligen Mauerstein- hngigkeit von der Mauerstein-Festigkeitsklasse ange-
Mauermçrtel-Kombination zu bestimmen waren. Bei geben (s. Tabellen 9 bis 16). Bei der Festlegung der
dem gewhlten Ansatz in Gl. (15) geht man von der charakteristischen Werte fr die aktuellen Entwurfsfas-
Vorstellung aus, dass das Verhltnis von Mauerwerk- sungen der DIN 1053 wurde sichergestellt, dass die
druckfestigkeit zu Mauersteinfestigkeit mit zunehmen- Tabellenwerte in DIN 1053-11 [5] in keinem Fall grç-
der Steinfestigkeit abnimmt. hnliches gilt fr die Ab- ßere charakteristische Druckfestigkeiten ergeben als die
hngigkeit der Wandfestigkeit von der Mçrtelfestigkeit. ber die Berechnungsgleichungen aus DIN 1053-13 [4]
Dieser Einfluss kann z. B. durch den Ansatz von Poten- ermittelten. Die „Eckpunkte“ der hierdurch beschriebe-
zen der Stein- und Mçrtelfestigkeit dargestellt werden. nen Treppenkurven entsprechen den mit den Rechen-
Bei dem in [17] beschriebenen und hier angewendeten anstzen des genaueren Verfahrens ermittelten Werten
Auswerteverfahren erfolgte die Auswertung der Daten- (s. Abschn. 4.4).
basis ber die logarithmierten Mittelwerte der Ver-
suchsserien. Hierfr wurde Gl. (15) analog zu [17] lo-
garithmiert, siehe Gl. (16), und die Koeffizienten der
verwendeten Nherungsfunktion k, a und b durch Mi-
nimierung der Fehlerquadratsumme bestimmt.
ln bD,mw ¼ ln k þ a  ln bD,st þ b  ln bD,mö (16)
36 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 9. fk-Werte von Mauerwerk aus Mauerziegeln sowie Tabelle 10. fk-Werte von Mauerwerk aus Kalksand-Vollsteinen
Kalksand-Loch- und Hohlblocksteinen mit Normalmçrtel [5] und Kalksand-Blocksteinen mit Normalmçrtel [5]

Steinfestigkeits- fk Steinfestigkeits- fk
klasse N/mm± klasse N/mm±
NM II NM IIa NM III NM IIIa NM II NM IIa NM III NM IIIa
2 1,4 1,6 1,9 2,2 2 – – – –
4 2,1 2,4 2,9 3,3 4 2,8 3,2 3,5 4,0
6 2,7 3,1 3,7 4,2 6 3,6 4,0 4,5 5,0
8 3,1 3,9 4,4 4,9 8 4,2 4,7 5,3 5,9
10 3,5 4,5 5,0 5,6 10 4,8 5,4 6,0 6,8
12 3,9 5,0 5,6 6,3 12 5,4 6,0 6,7 7,5
16 4,6 5,9 6,6 7,4 16 6,4 7,1 8,0 8,9
20 5,3 6,7 1) 7,5 8,4 20 7,2 8,1 9,1 10,1
28 5,3 6,7 1) 9,2 10,3 28 8,8 9,9 11,0 12,4
36 5,3 6,7 1) 10,2 11,9 36 10,2 11,4 12,6 14,1
48 5,3 6,7 1) 12,2 14,1 48 10,2 11,4 14,4 16,2
60 5,3 6,7 1) 14,3 16,0 60 10,2 11,4 14,4 16,2

1) Die Druckfestigkeit von Mauerwerk aus Mauerziegeln darf nicht


grçßer angenommen werden als fr Steinfestigkeitsklasse 16.

Tabelle 11. fk-Werte von Mauerwerk aus Kalksand-Plansteinen Tabelle 12. fk-Werte von Mauerwerk aus Mauerziegeln und
und Kalksand-Planelementen mit Dnnbettmçrtel [5] Kalksandsteinen mit Leichtmçrtel [5]

Steinfestig- fk Steinfestigkeits- fk
keitsklasse N/mm± klasse N/mm±
KS-Planelemente KS-Vollsteine KS-Lochsteine LM 21 LM 36
KS-Blocksteine KS-Hohlblock-
XL XL-N, 2 1,2 1,3
steine
XL-E
4 1,6 2,2
2 – – – –
6 2,2 2,9
4 4,7 2,9 2,9 2,9
8 2,5 3,3
6 6,0 4,0 4,0 3,7
10 2,8 3,3
8 7,3 5,0 5,0 4,4
12 2,8 3,3
10 8,3 6,0 6,0 5,0
16 2,8 3,3
12 9,4 7,0 7,0 5,6
20 2,8 3,3
16 11,2 8,8 8,8 6,6
28 2,8 3,3
20 12,9 10,5 10,5 7,6
28 16,0 13,8 13,8 7,6
36 16,0 13,8 16,8 7,6
48 16,0 13,8 16,8 7,6
60 16,0 13,8 16,8 7,6
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 37

Tabelle 13. fk-Werte von Mauerwerk aus Leichtbeton- und Tabelle 14. fk-Werte von Mauerwerk aus Leichtbeton-
Betonsteinen [5] Vollblçcken Vbl-S, SW mit Normalmauermçrtel [5]

Leichtbeton- Steinfestig- fk Steinfestig- fk


steine keitsklasse N/mm± keitsklasse N/mm±
Mçrtelgruppe LB-Vollblçcke Vbl-S, SW mit Normalmauermçrtel
Mçrtelgruppe
II IIa III und IIIa
II IIa II IIIa
Hbl I, Hbn I 2 1,6 1,7 1,8
2 1,4 1,6 1,9 2,2
4 2,5 2,7 2,8
4 2,1 2,4 2,9 3,3
6 3,2 3,4 3,7
6 2,7 3,1 3,7 4,2
8 – 4,1 4,4 8 3,1 2) 3,9 4,4 4,9
10 – 4,7 5,1 10 3,5 2) 4,5 5,0 5,6
12 – 5,3 5,7 12 3,9 2) 5,0 5,6 6,3
Hbl II, Hbn II 2 1,4 1,5 1,7 16 4,6 2) 5,9 1) 6,6 7,4
4 2,2 2,4 2,6 20 5,3 2) 6,7 1) 7,5 8,4
6 2,9 3,1 3,3 28 5,3 2) 6,7 1) 9,2 10,3

8 – 3,7 4,0 36 5,3 2) 6,7 1) 10,2 11,9

10 – 4,3 4,6 48 5,3 2) 6,7 1) 12,2 14,1


60 5,3 2) 6,7 1) 14,3 16,0
12 – 4,8 5,1
V, Vbl 2 1,5 1,6 1,8 1) Die Druckfestigkeit von Mauerwerk aus Leichtbetonvollblçcken
Vbl-S, SW mit NM IIa darf nicht grçßer angenommen werden als fr
4 2,5 2,7 3,0 Steinfestigkeitsklasse 12, und die Steinfestigkeit darf nicht grçßer
angenommen werden als die dreifache Mçrtelfestigkeit fst £ 3 · fm.
6 3,4 3,7 4,0 2) Die Druckfestigkeit von Mauerwerk aus Leichtbetonvollblçcken
Vbl-S, SW mit NM II darf nicht grçßer angenommen werden als fr
8 – 4,5 5,0
Steinfestigkeitsklasse 6, und die Steinfestigkeit darf nicht grçßer
10 – 5,4 5,9 angenommen werden als die dreifache Mçrtelfestigkeit fst £ 3 · fm.

12 – 6,1 6,7 Tabelle 15. fk-Werte von Leichtbeton-Mauerwerk


16 – – 8,3 mit Leichtmauermçrtel [5]

20 – – 9,8 Steinfestig- fk
keitsklasse N/mm±
Vn, Vbn 4 2,7 3,1 3,5
Voll- und Lochsteine mit Leichtmauermçrtel
6 3,5 4,0 4,4
2 1,4
8 – 4,8 5,2
4 2,3
10 – 5,4 6,0 6 3,0
12 – 6,1 6,7 8 3,6
16 – – 7,9
20 – – 9,1 Tabelle 16. fk-Werte von Mauerwerk aus Porenbetonsteinen [5]

28 – – 9,1 Steinfestig- fk
keitsklasse N/mm±
Vollsteine mit Dnnbettmçrtel
2 1,8
4 3,2
6 4,5
8 5,7
38 A Baustoffe · Bauprodukte

4.4 DIN 1053-13 (Genaueres Tabelle 17. Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit
Berechnungsverfahren) von Mauerwerk aus Mauerziegeln sowie Kalksand-Loch- und
Hohlblocksteinen mit Normalmçrtel [4]
Im genaueren Berechnungsverfahren nach DIN
1053-13 [4] ist die charakteristische Mauerwerkdruck- Mittlere Stein- Mçrtelart Parameter
festigkeit aus den Rechenanstzen fr Mauerwerk mit druckfestigkeit
k a b
Normalmçrtel in Gl. (18) bzw. fr Mauerwerk mit N/mm±
Leichtmçrtel oder Dnnbettmçrtel in Gl. (19) rech-
2,5 £ fst < 10,0 NM II 0,68 0,605 0,189
nerisch mit den in den Tabellen 17 bis 22 angegebenen
Gleichungsparametern und Exponenten zu ermitteln. NM IIa
fk ¼ k  fba  fmb (18) NM III 0,70
NM IIIa
fk ¼ k  fba (19)
10,0 £ fst £ 75,0 NM II 1) 0,69 0,585 0,162
Dabei sind:
fk charakteristische Druckfestigkeit von Mauerwerk NM IIa 2) 0,79
in N/mm± NM III
K Konstante
NM IIIa
a, b Exponenten
fst mittlere Mauersteindruckfestigkeit in Lastrichtung 1) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
in N/mm± (um den Faktor 1,25 erhçhter Nennwert men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 25 N/mm±.
der Festigkeitsklasse gemß Anwendungsnorm 2) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf bei Mauerziegeln nicht
und/oder Restnorm) grçßer angenommen werden als fr Steinfestigkeiten fst = 20
N/mm± und bei Kalksand-Loch- und Hohlblocksteinen nicht grçßer
fm die der Mçrtelgruppe zugeordnete Festigkeits-
als fr fst = 25 N/mm±.
klasse des Mauermçrtels gemß DIN EN 998-2
[19] in Verbindung mit DIN V 18580 [20] in
N/mm± Tabelle 18. Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit von
Mauerwerk aus Kalksand-Vollsteinen und Kalksand-Blocksteinen
Grundstzlich ist hierdurch eine von den Festigkeits-
mit Normalmçrtel [4]
klassen losgelçste Bestimmung der Mauerwerkdruck-
festigkeit unter Bezug auf deklarierte Werte mçglich. Steinart Mçrtelart Parameter
Ursprnglich sollten die Parameter K, a und b fr smt-
k a b
liche in der Praxis vorkommenden Mauerstein-Mauer-
mçrtel-Kombinationen auf Grundlage der Versuchsaus- KS-Vollsteine, NM II, IIa 1) 0,95 0,585 0,162
wertung in der Norm festgelegt werden. Fr bestimmte KS-Blocksteine
NM III, IIIa 2)
Kombinationen erfolgte jedoch – u. a. aufgrund zu ge-
ringer Anzahl von Versuchswerten – eine Ermittlung 1) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
der Parameter durch Anpassung der Potenzfunktion an men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 45 N/mm±.
die Eckpunkte der bisherigen Treppenkurve aus DIN 2) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
1053-100 [2]. Die von den Mauerstein-Mauermçrtel- men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 60 N/mm±.
Kombinationen abhngigen Gleichungsparameter sind
in Tabellenform in DIN 1053-13 [4] angegeben (s. Ta- Tabelle 19. Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit von
bellen 17 bis 22). Mauerwerk aus Kalksand-Plansteinen und Kalksand-Planele-
In den Bildern 7 bis 16 sind die mit den im genaueren menten mit Dnnbettmçrtel [4]
Verfahren nach DIN 1053-13 [4] anzusetzenden Para-
metern (s. Tabellen 17 bis 22) ermittelten Kurven fr Steinart Mçrtel- Parameter
den Zusammenhang zwischen Mauerwerkdruckfestig- art
k a b
keit und Steindruckfestigkeit zusammen mit den cha-
rakteristischen Werten der Mauerwerkdruckfestigkeit fk KS-Plan- XL DM 1) 1,70 0,630 –
in Abhngigkeit von der Steindruckfestigkeit nach DIN elemente
XL-N, XL-E 0,80 0,800 –
1053-11 [5] dargestellt.
KS-Vollsteine, KS-Blocksteine DM 2)
Die Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit von
Mauerwerk aus Mauerziegeln sowie Kalksand-Loch- KS-Lochsteine, KS-Hohlblock- DM 3) 1,15 0,585 –
und Hohlblocksteinen mit Normalmçrtel wurden unab- steine
hngig von den wissenschaftlichen Auswertungen in
[11] aus den charakteristischen Werten der Druckfestig- 1) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 35 N/mm±.
keit in DIN 1053-100 [2] abgeleitet.
2) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
Die Parameter in Tabelle 18 basieren auf der Auswer- men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 45 N/mm±.
tung vorliegender Versuchsergebnisse des ibac in [11]. 3) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
Es erfolgte jedoch eine Abminderung der vorgeschla- men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 25 N/mm±.
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 39

Bild 7. fk-Werte von Mauerwerk aus Mauerziegeln sowie Kalksand-Loch- und Hohlblocksteinen mit Normalmçrtel nach [4, 5]

Bild 8. fk-Werte von Mauerwerk aus Kalksand-Vollsteinen und Kalksand-Blocksteinen mit Normalmçrtel nach [4, 5]

Bild 9. fk-Werte von Mauerwerk aus Kalksand-Plansteinen und Kalksand-Planelementen mit Dnnbettmçrtel nach [4] und [5]
40 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 20. Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit von Die sich aus den Parametern fr Kalksand-Planelemen-
Mauerwerk aus Mauerziegeln und Kalksandsteinen mit Leicht- te XL ergebende Kurve stellt eine Nherung an die
mçrtel [4] Werte in den bestehenden Zulassungen dar; die Aus-
wertung in [11] ergab geringfgig hçhere Werte. Die
Mittlere Stein- Mçrtelart Parameter
Gleichungsparameter fr Kalksand-Planelemente
druckfestigkeit
k a b XL-N, XL-E ist eine Nherung an die Treppenkurve
N/mm±
in der Zulassung Z-17.1-575. Die Kurve fr Kalksand-
2,5 £ fst < 5,0 LM 21 0,74 0,495 – Vollsteine beinhaltet eine 10%ige Abminderung wegen
des in [11] nicht bercksichtigten maximalen Loch-
LM 36 0,85 anteils und stellt den Kompromiss fr die Schlankheits-
5,0 £ fst < 7,5 LM 21 0,74 umrechnung dar. Die Parameter fr Lochsteine sind
eine Nherung an die bisher geltenden Werte fr Nor-
LM 36 1,00 malmauermçrtel der Mçrtelgruppe III.
7,5 £ fst £ 35,0 LM 21 1) 0,81 Die Parameter fr Mauerwerk aus Mauerziegeln und
Kalksandsteinen mit Leichtmçrtel in Tabelle 20 wurden
LM 36 1) 1,05 unabhngig von [11] durch Anpassung der Potenzfunk-
tion an die Eckpunkte der bisherigen Treppenkurve aus
1) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom-
men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 15 N/mm±. DIN 1053-100 [2] ermittelt.
2) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenom- Die Parameter fr Mauerwerk aus Leichtbeton- und
men werden als fr Steinfestigkeiten fst = 10 N/mm±. Betonsteinen in Tabelle 21 basieren auf einer separaten
von der Leichtbetonindustrie durchgefhrten Auswer-
tung. Dabei erfolgte einheitlich ein Bezug auf die
Schlankheit l = 5. Die Parameter fr Vbl-S, SW ent-
genen Faktoren, da keine Untersuchungen fr den ma- sprechen denen fr Mauerwerk aus Mauerziegeln sowie
ximalen Lochanteil bei der Auswertung bercksichtigt Kalksand-Loch- und Hohlblocksteinen mit Normalmçr-
werden konnten. Ferner wurde eine Abminderung der tel in Tabelle 17. Bei Vn, Vbn sowie Vm und Vmb
Faktoren fr den Bezug auf die Schlankheit l = 5 vor- wurden die Gleichungsparameter fr Mauerwerk aus
genommen, da neuere Forschungsergebnisse [21] ge- Kalksand-Vollsteinen und -Blocksteinen mit Normal-
zeigt haben, dass der bei der Auswertung der Kalksand- mçrtel Tabelle 18 bernommen.
stein- und der Leichtbetonversuche angesetzte Faktor Die nach DIN 1053-13 [4] fr Mauerwerk aus Betonstei-
1,1 zur Umrechnung von der Schlankheit l = 5 auf nen (Vn, Vbn, Vm, Vmb) mit Normalmçrtel anzusetzen-
die Schlankheit l = 0 zu hoch ist. Die Exponenten a den Parameter aus Tabelle 21 entsprechen denen fr Mau-
und b wurden geringfgig angepasst, sodass sie mit erwerk aus Kalksand-Vollsteinen und Kalksand-Block-
denen aus Tabelle 17 bereinstimmen. steinen mit Normalmçrtel (s. Tabelle 18 und Bild 8).

Tabelle 21. Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit von Mauerwerk aus Leichtbeton- und Betonsteinen [4]

Steinsorte Mittlere Stein- Mçrtelart Parameter


druckfestigkeit
k a b
N/mm±
Vollsteine V, Vbl – NM 0,67 0,74 0,13
Vbl-S, SW 2,5 £ fst < 10,0 NM II 1), IIa 1) 0,68 0,605 0,189
NM III 1), IIIa 1) 0,70
10,0 £ fst £ 75,0 NM II 1) 0,69 0,585 0,162
NM IIa 1), III 1), IIIa 1) 0,79
Vn, Vbn, Vm, Vmb – NM 0,95 0,585 0,162
Lochsteine Hbl I, Hbn I NM 0,82 0,63 0,10
Hbl II, Hbn II 0,74
Voll- und Lochsteine LM 21, LM 36 2) 0,79 0,66 –

1) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenommen werden als fr Steinfestigkeiten fst = 7,5 N/mm± bei MG II, fst = 15
N/mm± bei MG IIa, fst = 25 N/mm± bei MG III und IIIa. Außerdem darf die Steinfestigkeit darf nicht grçßer angenommen werden als die
dreifache Mçrtelfestigkeit fst £ 3 · fm.
2) Die Druckfestigkeit des Mauerwerks darf nicht grçßer angenommen werden als fr Steinfestigkeiten fst = 10 N/mm±.
II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 41

Bild 10. fk-Werte von Mauerwerk aus Mauerziegeln und Kalksandsteinen mit Leichtmçrtel nach [4] und [5]

Bild 11. fk-Werte von Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen V, Vbl mit Normalmçrtel nach [4, 5]

Bild 12. fk-Werte von Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen Vbl-S, SW mit Normalmçrtel nach [4, 5]
42 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 13. fk-Werte von Mauerwerk aus Mauerwerk aus Leichtbeton- und Betonsteinen (Hbl I, Hbn I) mit Normalmçrtel nach [4, 5]

Bild 14. fk-Werte von Mauerwerk aus Mauerwerk aus Leichtbeton- und Betonsteinen (Hbl II, Hbn II) mit Normalmçrtel nach [4, 5]

Bild 15. fk-Werte von Leichtbeton-Mauerwerk mit Leichtmauermçrtel nach [4, 5]


II Festigkeitseigenschaften von Mauerwerk – Teil 5: Druckfestigkeit – Regelungen nach DIN 1053 43

Bild 16. fk-Werte von Mauerwerk aus Porenbetonsteinen nach [4, 5]

Tabelle 22. Parameter zur Ermittlung der Druckfestigkeit von 6 Literatur


Mauerwerk aus Porenbetonsteinen [4]
[1] DIN 1053-1:1996-11: Mauerwerk; Teil 1: Berechnung
Steinart Steinsorte Mçrtelart Parameter und Ausfhrung.

k a b [2] DIN 1053-100:2007-09: Mauerwerk; Teil 100: Berech-


nung auf der Grundlage des semiprobabilistischen Sicher-
Porenbeton- Vollsteine DM 0,84 0,83 – heitskonzepts.
steine
[3] DIN EN 1996-1-1:2006-01: Eurocode 6: Bemessung und
Konstruktion von Mauerwerksbauten – Regeln fr bewehrtes
und unbewehrtes Mauerwerk.

Die Parameter in Tabelle 22 basieren auf der Auswer- [4] Norm-Entwurf DIN 1053-13:2009-03 Mauerwerk; Teil
13: Genaueres Nachweisverfahren fr unbewehrtes Mauer-
tung vorliegender Versuchsergebnisse des ibac in [11].
werk.
In Abstimmung mit der Bauaufsicht erfolgte jedoch
durch die Porenbetonindustrie eine Abminderung des [5] Norm-Entwurf DIN 1053-11:2009-03: Mauerwerk; Teil
in [11] vorgeschlagenen k-Faktors von 0,864 auf 0,84. 11: Vereinfachtes Nachweisverfahren fr unbewehrtes Mau-
Das Zustandekommen des abgeminderten Faktors wur- erwerk.
de bislang nicht erlutert. [6] DIN 1053-1:1990-02: Mauerwerk; Rezeptmauerwerk;
Berechnung und Ausfhrung.
[7] DIN 1053-2:1996-11: Mauerwerk; Teil 2: Mauerwerks-
festigkeitsklassen aufgrund von Eignungsprfungen.
5 Schlussbemerkung
[8] DIN 1053-100:2006-08: Mauerwerk; Teil 100: Berech-
Die hinsichtlich der noch nicht bauaufsichtlich einge- nung auf der Grundlage des semiprobabilistischen Sicher-
fhrten Normenteile DIN 1053-11 bis DIN 1053-14 heitskonzepts.
dargestellten Faktoren und Zusammenhnge geben
[9] Entwurf DIN 1053-100/A1:2007-02: Mauerwerk; Teil
das Resultat einer Auswertung und Diskussion in den
100: Berechnung auf der Grundlage des semiprobabilisti-
Normenausschssen wieder. Hier werden im Rahmen schen Sicherheitskonzepts; nderung A1.
einer endgltigen Bearbeitung der Schlussfassung noch
nderungen an einzelnen Stellen auftreten. Solange [10] Jger, W.; Pflcke, T.; Schçps. P.: Kommentierte Tech-
DIN 1053-11 bis DIN 1053-14 nicht eingefhrt sind, nische Regeln fr den Mauerwerksbau. Teil 1: DIN
gelten die Festlegungen in DIN 1053-1 und 1053-100: Mauerwerk – Berechnung auf der Grundlage des
DIN 1053-100. An dem Grundprinzip der Vorgehens- semiprobalistischen Sicherheitskonzepts – Kommentare und
weise zur Ermittlung ndert dies jedoch nichts. nde- Erluterungen. In: Mauerwerk-Kalender 31 (2006),
S. 363–444. Ernst & Sohn, Berlin.
rungen gegenber dem hier beschriebenen Stand wer-
den sich aufgrund einzelner Versuchsreihen und daher [11] Brameshuber, W.; Graubohm, M.: Elektronische Auf-
notwendiger Korrekturen ergeben. bereitung von Versuchsdatenbanken zur Erarbeitung von
44 A Baustoffe · Bauprodukte

Grundlagen fr die charakteristische Mauerwerkdruckfestig- [17] Mann, W.: Druckfestigkeit von Mauerwerk. Eine Sta-
keit in DIN 1053-1. Institut fr Bauforschung, RWTH Aa- tistische Auswertung von Versuchsergebnissen in geschlos-
chen, 2007. Forschungsbericht Nr. F 7056. sener Darstellung mit Hilfe von Potenzfunktionen. In: Mau-
erwerk-Kalender 8 (1983), S. 687–699. Ernst & Sohn, Berlin.
[12] DIN V 106-1:2003-02: Vornorm Kalksandsteine;
Teil 1: Voll-, Loch-, Block-, Hohlblock-, Plansteine, Planele- [18] Brçcker, O.: Steinfestigkeit und Wandfestigkeit. In:
mente, Fasensteine, Bauplatten, Formsteine. Ziegelindustrie 21 (1961), Nr. 2, S. 19–21.
[13] DIN V 18151-100 2005-10: Hohlblçcke aus Leicht- [19] DIN EN 998-2:2003-09: Festlegungen fr Mçrtel im
beton; Teil 100: Hohlblçcke mit besonderen Eigenschaften. Mauerwerksbau; Teil 2: Mauermçrtel.
[14] DIN V 18152-100 2005-10: Vollsteine und Vollblçcke [20] DIN V 18580:2007-03: Mauermçrtel mit besonderen
aus Leichtbeton; Teil 100: Vollsteine und Vollbçcke mit be- Eigenschaften.
sonderen Eigenschaften.
[21] Jger, W.; Pflcke, T.: Einfluss der Schlankheit auf die
[15] DIN V 4165 2003-06: Porenbetonsteine: Plansteine und Druckfestigkeit von Mauerwerksprfkçrpern nach EC 6.
Planelemente. IRB-Verlag, Stuttgart, 2006. Best.-Nr. T 3106.
[16] Bauregelliste: Bauregelliste A, Bauregelliste B und Lis-
te C (Ausgabe 2006/1). In: DIBt-Mitteilungen 37 (2006),
Nr. 33, Sonderheft.
A Baustoffe · Bauprodukte 45

III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung


mit dem deutschen Bauordnungsrecht
Antonio Caballero Gonzlez, Hannover

1 Einfhrung 2 Hintergrnde zur europischen


Nach etwas ber 20 Jahren Normungsarbeit wurde die Normung im Bereich der
erste Generation europischer Mauerstein- und Mauer- Mauerwerksprodukte
mçrtelnormen vor einigen Jahren von den nationalen Mit der zunchst nur politisch bekundeten Vision des
Normungsinstituten wie dem DIN verçffentlicht. Seit Freien Warenverkehrs vor Augen, begann die Normung
2005 bzw. 2006 sind diese europischen Produktnor- von Mauerwerksprodukten auf europischer Ebene be-
men, mit Ausnahme einiger weniger Mitgliedstaaten, reits Mitte der 1980er-Jahre. Dies geschah zunchst
EU-weit die technische Grundlage fr das Inverkehr- vorgreifend, da dem politischen Willen anfnglich
bringen von Mauersteinen und Mauermçrteln. Die noch der konkrete rechtliche Rahmen fehlte. Erst durch
rechtliche Grundlage bildet die sog. Bauproduktenricht- die Verabschiedung der Bauproduktenrichtlinie (BPR)
linie, die in Deutschland durch das Bauproduktengesetz [1] 1988 durch den Rat der Europischen Gemeinschaf-
zu nationalem Recht wurde. Erkennbar sind Baupro- ten und deren anschließender Umsetzung durch die Mit-
dukte, die gemß Bauproduktenrichtlinie und mit Be- gliedstaaten in das jeweilige nationale Recht wurde die-
zug auf eine harmonisierte Produktnorm oder eine Eu- ser rechtliche Rahmen geschaffen. In Deutschland er-
ropische Technische Zulassung (ETA) 1) in Verkehr folgte diese Umsetzung 1992 durch das Bauprodukten-
gebracht werden, am CE-Kennzeichen. gesetz [2].
In dem vorliegenden Beitrag wird auf die Unterschiede Ein wesentliches Ziel der Bauproduktenrichtlinie ist es,
zwischen den ehemaligen deutschen und den neuen eu- bestehende Handelshemmnisse zwischen den Mitglied-
ropischen Produktnormen fr Mauersteine und Mauer- staaten der Europischen Gemeinschaft fr Bauproduk-
mçrtel sowie auf die Bedeutung der CE-Kennzeichnung te auszurumen, um den freien Warenverkehr zu er-
eingegangen. Hierauf aufbauend wird das deutsche mçglichen. Da hierzu gemeinsame Produktnormen,
Konzept fr die bauaufsichtliche Handhabung CE-ge- als gemeinsame „Produktsprache“, eine wichtige Vo-
kennzeichneter Mauerwerksprodukte erlutert und die raussetzung sind, erteilte die Europische Kommission
sich hieraus ableitende Verantwortung fr den Verwen- CEN 2) – dem europischen Normungsinstitut – in der
der solcher Produkte. Folge Mandate (Auftrge) fr definierte Produktgrup-
Zugunsten einer besseren Allgemeinverstndlichkeit er- pen sog. „harmonisierte Normen“ zu erarbeiten. Fr
hebt der Autor des vorliegenden Beitrags nicht den An- Mauerwerksprodukte erging 1997 das Mandat M 116,
spruch in allen Details stets formal und juristisch exakt auf dessen Grundlage CEN die Teile 1 bis 6 der DIN
zu sein. Dies wre ohnehin nicht mçglich, da die Bau- EN 771 sowie die beiden Teile der DIN EN 998 erar-
produktenrichtlinie in vielen Bereichen unzureichend beitete.
exakt und damit selbst Auslçser zahlreicher Aus- Durch die Bauproduktenrichtline und deren Umsetzung
legungsdiskussionen ist, nicht zuletzt in der Frage, in nationales Recht haben sich die Mitgliedstaaten der
was genau das CE-Kennzeichen aussagt. Europischen Union u. a. verpflichtet, europisch ver-
abschiedete, harmonisierte Bauproduktnormen ein-
zufhren und entsprechende nationale Normen zurck-
zuziehen. Darber hinaus besteht zwischen CEN und
seinen Mitgliedern, wie etwa dem DIN, eine hnliche
1) ETA: European Technical Approval. Europische Tech-
bereinkunft. Fr die Umstellung der Ablufe in Pro-
nische Zulassungen werden von der Europischen Orga- duktion, Vertrieb etc. von nationalen auf europische
nisation fr Technische Zulassungen (EOTA) erteilt. Eu- Normen wird den Baustoffherstellern in der Regel
ropische Technische Zulassungen spielen im Bereich der eine einjhrige bergangsfrist – die sog. Koexistenz-
Mauerstein- bzw. Mauermçrtelprodukte derzeit keine Rol- periode – gewhrt. Die Koexistenzperiode beginnt mit
le und werden daher im Folgenden nicht weiter behandelt.
In Bezug auf die Anwendung von Bauprodukten gemß
einer ETA in Deutschland gilt im Prinzip das Gleiche wie
fr Bauprodukte nach einer harmonisierten europischen
Norm. 2) Comit Europen de Normalisation

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
46 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 1. bergang von nationalen auf europische Normen am Beispiel der Mauerstein- und Mauermçrtelnormen
(Erluterung Anwendungsnorm, s. Abschn. 7.1)

dem „Date of Applicability“ (DOA) – dem Tag, an dem passungen von Prozessen im Herstellwerk angemessen
die betreffende europische Norm in Kraft tritt und da- sein kann, jedoch das Aufbrauchen der Lagerbestnde
mit erstmals angewendet werden kann – und endet mit deutlich lngere Rest- bzw. Nachlaufzeiten geltender
dem „Date of Withdrawal“ (DOW) – dem Tag, an dem Normen erfordert. Ob dies die Europische Kommis-
bisherige nationale Normen ihre çffentlichrechtliche sion nach den bisherigen Erfahrungen auch so sehen
Bedeutung verlieren und von den Mitgliedstaaten zu- wird, wird von den beteiligten Mauerwerkkreisen be-
rckzuziehen sind. Fr die erste Generation der Mauer- reits mit Spannung erwartet, da fr 2010 berarbeitete
stein- und Mauermçrtelnormen ist dieser Umstellungs- Fassungen der geltenden europischen Mauerstein- und
prozess bereits seit einigen Jahren abgeschlossen, wie in Mauermçrtelnormen erwartet werden.
Bild 1 verdeutlicht. Seit dem 1. April 2006 gelten somit
fr das Inverkehrbringen von Mauersteinen nur die har-
monisierten europischen Normen. Fr Mauermçrtel
nach DIN EN 998 war der Stichtag bereits der 1. Febru-
3 Das deutsche Normungskonzept
ar 2005. Tabelle 1 gibt einen berblick ber die Nor- Die europischen Produktnormen, die trotz langer Nor-
menteile der DIN EN 771 und DIN EN 998. mungsphase erst wenige Jahre in Gebrauch sind kçn-
Auch bei der Einfhrung knftiger Fassungen bereits nen, insbesondere in ihrer ersten Generation, nicht als
geltender harmonisierter Produktnormen sind ber- gewachsen betrachtet werden. Im Gegensatz dazu wa-
gangsregelungen dringend erforderlich, die sicherstel- ren die von den europischen Produktnormen abgelçs-
len, dass Produkte, die vor Inkrafttreten der neuen Nor- ten deutschen Produktnormen ein Ergebnis jahrzehnte-
menfassungen hergestellt wurden – ob bereits in Ver- langer Erfahrung und eines entsprechenden Entwick-
kehr gebracht oder noch auf dem Lagerplatz des Her- lungsprozesses.
stellers befindlich –, in Verkehr gebracht und gehandelt Traditionell verzichtet man in Normen darauf, Eigen-
werden kçnnen. Die Sicherstellung, dass die Lager- schaften oder Bereiche zu regeln, die bereits an anderer
bestnde weiter gehandelt und verwendet werden kçn- Stelle geregelt sind. Man verweist stattdessen auf den
nen, ist auch der Grund, weshalb die vor dem DOW entsprechenden Abschnitt der betreffenden Norm oder
gltigen deutschen Produktnormen nach wie vor in setzt gleich voraus, dass die vorliegende Norm nur im
der Bauregelliste A Teil 1 genannt sind, wenngleich Zusammenhang mit anderen, einzuhaltenden Normen
nach diesen lngst nicht mehr produziert werden darf. gilt. Dieser Regel folgend wurden in Deutschland bau-
Diese Entscheidung der Bauaufsicht zeigt, dass eine stoffbezogene Merkmale meist in Stoffnormen (Pro-
bergangsfrist von einem Jahr fr ggf. notwendige An- duktnormen) geregelt die von den Bemessungs- und
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 47

Tabelle 1. Normenteile der DIN EN 771 und DIN EN 998

Norm / -teil Titel Teilweiser Ersatz fr


DIN EN 771 Festlegungen fr Mauersteine
-1 Teil 1: Mauerziegel [10] DIN V 105-1:2002-06
DIN V 105-2:2002-06
DIN 105-3:1984-05
DIN 105-4:1984-05
DIN 105-5:1984-05
DIN V 105-6:2002-06
-2 Teil 2: Kalksandsteine [11] DIN V 106-1:2003-02
DIN V 106-2:2003-02
-3 Teil 3: Mauersteine aus Beton DIN V 18151:2003-10
(mit dichten und porigen Zuschlgen) [12] DIN V 18152:2003-10
DIN V 18153:2003-10
-4 Teil 4: Porenbetonsteine [13] DIN V 4165:2003-06
-5 Teil 5: Betonwerksteine [14] – 1)
-6 Teil 6: Natursteine [15] – 1)
DIN EN 998 Festlegungen fr Mçrtel im Mauerwerksbau
-1 Teil 1: Putzmçrtel [16] DIN 18555-1:1985-01
DIN 18555-2:1985-01
DIN 18555-3:1991-03
DIN 18555-4:1983-08
DIN 18557:1997-11 2)
-2 Teil 2: Mauermçrtel [18] DIN 1053-1:1996-11
DIN 18557:1997-11 2)

1) Weder fr Betonwerksteine noch Natursteine gab es in Deutschland entgegenstehende Produktnormen.


2) DIN 18557:1997-11, welche die Herstellung, berwachung und Lieferung von Werkmçrtel regelte, wurde insgesamt durch DIN EN 998-1
und -2 ersetzt.

Anwendungsnormen in Bezug genommen wurden. auf der Basis von Prfzeugnissen abzuleiten, geben un-
Durch die Aufteilung der Inhalte und die abgestimmte sere Bemessungsnormen Bemessungswerte fr Teil-
Weiterentwicklung der Normen stellten die Produkt-, mengen von Produkten an. Dies setzt voraus, dass die
Bemessungs- und Ausfhrungsnormen in Deutschland Teilmenge der Produkte, fr die der jeweilige Bemes-
ein in sich schlssiges, miteinander verzahntes Gesamt- sungswert gilt, hinreichend beschrieben und abgegrenzt
normenpaket dar. ist. Die Beschreibung und Einteilung der Produkte in
Ordnungshalber ist anzumerken, dass historisch bedingt Teilmengen erfolgte in der Regel in den Produktnormen
zunchst die Baustellen- und spter dann auch die (Ausnahme z. B. Mauermçrtel, s. o.), damit die Herstel-
Werkmçrtel eine Ausnahme von der Regel, die Inhalte ler, an die sich in erster Linie die Produktnormen rich-
in der zuvor beschriebenen Art zu trennen darstellten. ten, entsprechend produzieren zu kçnnen. Die deut-
Baustellen- und Werkmçrtel waren nicht in einer eigen- schen Produktnormen fr Mauersteine legten beispiels-
stndigen Produktnorm, sondern im Anhang A der Be- weise fest, wie die Produkte in Voll- und Lochsteine
messungs- und Ausfhrungsnorm fr Mauerwerk DIN einzuteilen waren und welche Voraussetzungen (Loch-
1053-1:1996-11 [3] geregelt, in der diese Festlegungen anteile, Lochdurchmesser, etc.) hierfr galten. Durch
immer noch enthalten sind. Lediglich die Herstellung, Verweis auf die Produktnormen und ggf. Bezug auf
berwachung und Lieferung von Werkmçrteln war in die dort festgelegten und benannten Teilmengen war
DIN 18557:1997-11 [4] geregelt. eindeutig geregelt, fr welche Bauprodukte bzw. fr
Die deutschen Bemessungsnormen, wie etwa die welche Teilmengen daraus – eine normgerechte Ver-
DIN 1053-1:1996-11, beinhalten eine Vielzahl von Be- arbeitung vorausgesetzt – die in den Bemessungsnor-
messungswerten, die in verallgemeinerter Form an- men angegebenen Bemessungswerte galten.
wendbar sind. Das heißt, anders als in anderen Staaten, Die Bemessungswerte fr die Mauerwerksfestigkeiten
in denen es blich ist, individuelle Bemessungswerte in DIN 1053-1:1996-11 bzw. DIN 1053-100:2006-08
48 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 2. Mauerwerkdruckfestigkeit von Lochsteinen einer Mauersteinart mit Dnnbettmçrtel

[5] gelten demnach nur in Verbindung mit genormten Beispiel der Mauersteine und der Mauerwerkdruckfes-
Mauersteinen und -mçrteln und nur dann, wenn u. a. die tigkeit verdeutlichen. In Bild 2 sind die Ergebnisse der
Fugendicken und die berbindemaße bei der Ausfh- Druckfestigkeit von Dnnbettmauerwerk aus Lochstei-
rung eingehalten werden. Gleiches oder hnliches gilt nen einer Mauersteinart in Abhngigkeit von der Mau-
fr die wrme- und feuchteschutztechnischen Bemes- ersteindruckfestigkeit dargestellt. Die Bandbreite der
sungswerte der DIN V 4108-4:2007-06 [6], den be- Ergebnisse zeigt, dass die Mauerwerkdruckfestigkeit
werteten Schalldmmmaßen nach DIN 4109 Bei- offensichtlich nicht allein von der Mauersteindruckfes-
blatt 1:1989-11 [7], den Feuerwiderstandsklassen der tigkeit abhngt. Da es sich im gezeigten Beispiel um
DIN 4102-4:1994-03 [8], etc. Auch diese Bemessungs- Ergebnisse von Dnnbettmauerwerk handelt, kann ein
werte setzen genormte und normgerecht verarbeitete Einfluss des Mçrtels vernachlssigt werden. Da auch
Bauprodukte voraus. Einflsse infolge unterschiedlicher Mauersteinarten
Die in den Bemessungsnormen angegebenen Rechen- ausgeschlossen sind, sind die Unterschiede offensicht-
werte stellen untere und/oder obere Grenzwerte dar, die lich auf die unterschiedlichen Lochbilder zurckzufh-
aufgrund zahlreicher Nachweise, Forschung und Erfah- ren. Trotz gleicher Mauersteindruckfestigkeiten haben
rung fr die in den Produktnormen definierte(n) Teil- demnach offenbar Lochanteil, Grçße und Anordnung
menge(n) von Produkten gesichert abgeleitet werden der Lçcher sowie anderer Lochbildmerkmale einen nen-
konnten. Die deutschen Produktnormen definierten die- nenswerten Einfluss auf die Mauerwerkdruckfestigkeit.
se Teilmenge(n) in Form von Einstufungen bzw. Klas- Der Einfluss dieser Lochbildmerkmale kann derzeit
sierungen von Produkteigenschaften sowie durch be- zwar weder im Einzelnen noch in der Summe quantifi-
schreibende Festlegungen. Die Aufnahme weiterer Pro- ziert werden, kann jedoch auch nicht ignoriert werden.
dukte in bestehende deutsche Produktnormen, d. h. die Die Festlegungen zu den Lochbildern in den ehemali-
Erweiterung der definierten Teilmenge(n), setzte durch gen deutschen Mauersteinnormen sind somit nichts an-
die bestehende Abhngigkeit zu den Bemessungsnor- deres als die geometrische Beschreibung derjenigen
men somit jedoch voraus, dass fr diese „neuen“ Pro- Teilmenge von Mauersteinen, fr welche die Rechen-
dukte die entsprechenden Nachweise und insbesondere werte der Bemessungsnormen, in diesem Fall der
ausreichende Erfahrungswerte vorlagen, sodass die gel- DIN 1053-1 bzw. -100, als gesichert gelten kçnnen.
tenden Rechenwerte auch auf die „neuen“ Produkte an- Da man bis heute nicht weiß, welche Lochbildmerkma-
wendbar waren oder neue gesicherte Rechenwerte ab- le welchen Einfluss nehmen, handelt es sich bei den
geleitet werden konnten. Bis dies gegeben war, wurde Festlegungen in den Produktnormen um den Versuch,
die Verwendung nicht genormter, innovativer Baupro- die Teilmenge der Lochbilder, fr die hinreichend Er-
dukte z. B. in allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassun- kenntnisse und Erfahrungen vorliegen, bestmçglich de-
gen geregelt. skriptiv (beschreibend) zu erfassen. Mauerwerk aus
Die Notwendigkeit, die Teilmenge(n) der Produkte, fr Mauersteinen mit Lochbildern, die diesen Festlegungen
die bestimmte Bemessungswerte gelten, auch mithilfe nicht entsprechen, mag sich gleichwertig oder besser
beschreibender Elemente zu definieren, lsst sich am verhalten, jedoch ist dies ohne Nachweis zunchst nicht
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 49

bekannt und kann daher keinesfalls als gesichert ange- produkten die technischen Eigenschaften in Form von
nommen werden. Klassen und Stufen ausgedrckt werden.
Neben der deskriptiven Abgrenzung der Produkte, die Kurzum: Aufgrund der gngigen Praxis und der not-
von den Produktnormen erfasst und ggf. in Teilmengen wendigen Anbindung an Ausfhrungs- und Bemes-
unterteilt werden, ist die Einstufung und Klassierung sungsnormen fhrt in Deutschland derzeit kein Weg
von Baustoffeigenschaften ein wesentliches Merkmal an der Klassierung und Einstufung der technischen Ei-
der ehemaligen deutschen Produktnormen. Im All- genschaften genormter Massenprodukte vorbei. Fr
gemeinen versteht man unter Klassierung die Einteilung nicht genormte, allgemein bauaufsichtlich eingefhrte
der Baustoffeigenschaften in definierte Wertebereiche, Produkte trifft dies nicht zu. Diese sind entweder im
z. B. in Druckfestigkeits- oder Rohdichteklassen. Aber Zuge der Bemessung konkret festzulegen oder es ist
auch die Aufteilung der Produkte in Teilmengen selbst im Einzelfall zu prfen, ob das betreffende zugelassene
oder in Qualitten stellt eine Klassierung dar. Bereits Produkt in allen Belangen den technischen Vorausset-
vor nahezu 20 Jahren beschrieb Kirtschig [9] die Vor- zungen der Bemessung gengt.
teile, die eine Klassierung fr Planer, Baustoffhandel Neben der Definition von Klassen und Stufen haben die
und Hersteller in Mrkten mit entsprechend großem ehemaligen deutschen Produktnormen aber auch Quali-
Warenangebot, wie etwa in Deutschland, haben. Die tten festgelegt. Beispielsweise verbindet sich mit einem
Einteilung der Produkteigenschaften in Stufen und Vormauerstein, Verblender, Klinker, Vollstein oder ei-
Klassen, die so gewhlt sind, dass z. B. der Einfluss nem Planstein jeweils eine Reihe von Eigenschaften, die
der individuellen Werte innerhalb der Klassengrenzen von dem Mauerstein einzuhalten sind, damit dieser so
auf die Eigenschaften des Bauteils vernachlssigbar bezeichnet werden kann: KS-Verblender etwa mssen
sind, reduziert die Produktvielfalt durch Zusammenfas- mindestens der Festigkeitsklasse 16 entsprechen, min-
sung scheinbar unterschiedlicher Werte auf die vor- destens 50 Frost-Tau-Wechsel nach einem festgelegten
gegebenen Klassen- bzw. Stufenwerte. Diese Reduzie- Prfverfahren bestehen und es drfen nur besonders aus-
rung macht bei einem großen Warenangebot erst den gewhlte Rohstoffe fr deren Herstellung verwendet
Vergleich mçglich und erlaubt einen sinnvollen preis- werden. Gleiches gilt fr Mauermçrtel: Die Bezeichnung
lichen Wettbewerb. NM IIa oder LM 21 beispielsweise umfasst eine Reihe
Ein Szenario ohne Klassen und Stufen ist fr genormte von Eigenschaften (Druckfestigkeit, Dichte, Querverfor-
Massenprodukte, zu denen i. d. R. auch genormte Mau- mungsverhalten, Verbundeigenschaften, Fugenmçrtel-
erwerksprodukte zhlen, in Deutschland aufgrund der eigenschaften, etc.), die vom Mauermçrtel einzuhalten
Angebotsvielfalt undenkbar. Eine weitestgehend flexi- sind. Hintergrund der festgelegten Qualitten sind die
ble Vorbemessung wre ohne Klassen und Stufen Erfahrungswerte z. B. in Bezug auf das Zusammenspiel
kaum mçglich, da der Planer das zu verwendende Pro- mit anderen Bauprodukten, aber nicht zuletzt auch in
dukt gleich zu Anfang der Planung eindeutig festlegen Bezug auf die Dauerhaftigkeit.
msste. Folglich wre eine sptere Auswahl alternati- Die Dauerhaftigkeit von Baustoffen und Bauteilen ist
ver Produkte wesentlich erschwert oder gar unmçg- ein komplexes Thema, welches nicht immer durch Pr-
lich, da es reiner Zufall wre, wenn zwei Produkte fungen eindeutig beantwortet werden kann. Vielmehr
exakt gleiche Kombinationen von Produkteigenschaf- spielt hierbei die Erfahrung eine wesentliche, hufig
ten (z. B. Druckfestigkeit, Rohdichte, Wrmeleitfhig- sogar die wesentlichste Rolle. Auch ohne die ausschlag-
keit, etc.) aufweisen wrden. Gleichfalls wre hier- gebenden Mechanismen zu kennen oder diese explizit
durch der preisliche Wettbewerb erschwert oder unter- bewerten zu kçnnen, ist beispielsweise aus jahrzehnte-
bunden. Ebenso wre der Vertrieb von Bauprodukten langer Praxiserfahrung implizit bekannt, dass Mauer-
ber den Baustoffhandel aufgrund der erheblich grç- werk gemß den Ausfhrungsregeln der DIN 1053
ßeren Produktvariationen und der daraus resultieren- aus den ehemals in Deutschland genormten Mauerstei-
den aufwendigeren Lagerhaltung sowie der grçßeren nen und -mçrteln dauerhaft ist. Keiner kann derzeit bei-
Menge vorzuhaltender und zu bermittelnder, spezi- spielsweise mit Bestimmtheit sagen, ob ein Außenmau-
fischer Produktdaten erheblich erschwert. Die kurzfris- erwerk auch dann den in Deutschland blichen Witte-
tige Versorgung der Baustellen mit Massenprodukten rungsbedingungen dauerhaft stand hielte, wenn die
ber den Baustoffhandel wre nur bedingt mçglich, da Mauersteine weniger Frostzyklen als bislang gefordert
mangels Vergleichbarkeit nur das vom Planer fest- schadlos berstehen. Ebenso wenig kann derzeit gesagt
gelegte Bauprodukt infrage kme, dessen Verfgbar- werden, ob das jeweilige Frostprfverfahren die Sch-
keit nicht zwingend gewhrleistet wre. Eine Ausnah- digungsmechanismen einer natrlichen Bewitterung
me bilden genormte Massenprodukte nur dann, wenn ausreichend genau im Zeitrafferverfahren simuliert,
das betreffende Produkt eine einzigartige Eigenschaft wohl eher ist eine gegenteilige Aussage mçglich. Allein
aufweist (z. B. Farbe oder Erscheinungsbild) aufgrund die ber Jahrzehnte gewachsene Erfahrung aus man-
dessen andere Produkte von vornherein nicht infrage gelnden Schden lsst den Rckschluss zu, dass Außen-
kommen. Allerdings sehen die deutschen Bemessungs- mauerwerk aus gemß den ehemaligen deutschen Pro-
normen bei den technischen Eigenschaften derzeit kei- duktnormen festgelegten Mauersteinqualitten (ein-
ne individuelle Zuordnung von Bemessungswerten schließlich der festgelegten Prfungen) unter deutschen
vor, weshalb auch bei speziellen genormten Massen- Witterungseinflssen dauerhaft frostbestndig ist.
50 A Baustoffe · Bauprodukte

Die in den Produktnormen definierten Qualitten und Produkte“. „Nicht geregelte Bauprodukte“ sind u. a.
festgelegten Stufen und Klassen haben einen weiteren, Bauprodukte, die wesentlich von den in der Bauregel-
ganz wesentlichen Vorteil: erst durch diese ist es mçg- liste A Teil 1 bekannt gemachten Normen abweichen
lich, Produkteigenschaften mithilfe von Kurzkennzei- und in diesem Fall nur mit einer allgemeinen bauauf-
chen anzugeben. Beispielsweise war in Verbindung sichtlichen Zulassung verwendet werden drfen.
mit der DIN V 105-1 jedem am Baugeschehen Betei- Die Frage des Umgangs mit genormten oder von der
ligten klar, welche Produkteigenschaften sich hinter der Norm abweichenden Produkten und wie diese gekenn-
Bezeichnung „HLz B 12-1,0 2 DF“ verbergen, und zeichnet sind, ist in privat- bzw. vertragsrechtlicher
selbst die Mauersteinmaße waren bekannt. Kurzkenn- Hinsicht von zweitrangiger Bedeutung, da Bauproduk-
zeichen sind eine nicht zu unterschtzende Erleichte- te, die in der Bauregelliste A Teil 1 genannt sind, in
rung fr die Kommunikation zwischen Herstellern, Pla- beiden Fllen nur dann in Verkehr gebracht werden
nern, Handel und Verarbeitern. Sie erlauben die Aus- durften, wenn sie das bereinstimmungskennzeichen
schreibung bzw. Festlegung und Bestellung der zu ver- (-Zeichen) trugen. Voraussetzung fr das Anbringen
wendenden Produkte in knappster Form. Dem des -Zeichens war, dass das jeweilige Produkt mit der
Verarbeiter erlauben sie mit einem kurzen Blick fest- Norm oder der betreffenden allgemeinen bauaufsicht-
zustellen, ob die gelieferte Ware mit der festgelegten lichen Zulassung bereinstimmte. Dies schloss ein, dass
und bestellten Ware bereinstimmt. die festgelegten bereinstimmungsnachweise im Rah-
men der Eigen- und ggf. Fremdberwachung gefhrt
worden waren. Nach außen hin war das -Zeichen so-
mit das Erkennungszeichen dafr, dass das vorliegende
4 Die deutsche Kennzeichnung von Produkt norm- bzw. zulassungskonform und recht-
Bauprodukten und ihre Bedeutung mßig in Verkehr war.
In Deutschland werden Normen vom Deutschen Institut
fr Normung, welches ein gemeinntziger Verein ist,
unter Einbeziehung der beteiligten Kreise konsens- 5 Das europische Normungskonzept
basiert erarbeitet. DIN-Normen haben daher zunchst
Durch sog. Mandate erteilte die Europische Kommis-
nur eine privatrechtliche Bedeutung. Da fr die DIN-
sion CEN den Auftrag, Produktnormen zu erarbeiten,
Normen des Normungsausschusses Bau aber die Ver-
die der Bauproduktenrichtlinie als „Werkzeug“ zum
mutung gilt, dass sie den allgemein anerkannten Regeln
Angleichen nationaler Gesetze, Verordnungen und ins-
der Technik entsprechen, haben sie zudem eine beson-
besondere dem Abbau technisch begrndeter Handels-
dere Bedeutung im Vertragsrecht, z. B. in der VOB. Die
hemmnisse dienen sollten. Die Mandate geben dazu den
bereinstimmung mit der Produktnorm macht der Her-
von der Europischen Kommission zu diesen Zwecken
steller dadurch kenntlich, dass er sich auf diese bezieht,
bençtigten Mindestinhalt der Normen vor. Dazu zhlen
z. B. indem er die betreffende Norm als Teil der Pro-
die technischen Produkteigenschaften, die nach Ansicht
duktkennzeichnung benennt.
der Europischen Kommission in Abstimmung mit Mit-
Neben der privat- und vertragsrechtlichen Bedeutung
gliedstaaten notwendig sind, um den wesentlichen
kçnnen Produktnormen ber die Verçffentlichung in
Schutzzielen der Bauproduktenrichtlinie, den sog. we-
der Bauregelliste A, Teil 1 auch eine bauordnungsrecht-
sentlichen Anforderungen an Bauwerke, gengen zu
liche Bedeutung erlangen. Der Teil 1 der Bauregelliste A
kçnnen. Hierzu wurden in Abstimmung mit den Mit-
gibt die technischen Regeln (Normen) fr Bauprodukte
gliedstaaten aus den Bauerwerksanforderungen, die auf
an, „die zur Erfllung der Anforderungen der Landes-
Baustoffebene zunchst abstrakt sind, konkrete Bau-
bauordnungen von Bedeutung sind und die die betroffe-
stoffeigenschaften abgeleitet. Beispielsweise leitet
nen Produkte hinsichtlich der Erfllung der fr den Ver-
sich aus der wesentlichen Anforderung Nr. 1 „Mecha-
wendungszweck maßgebenden Anforderungen hinrei-
nische Festigkeit und Standsicherheit“ von Gebuden
chend bestimmen. Diese technischen Regeln bezeichnen
u. a. die Baustoffeigenschaft „Druckfestigkeit“ ab. Die
die geregelten Bauprodukte.“ Zu den technischen Re-
Liste der so abgeleiteten Eigenschaften findet sich im
geln, die in der Bauregelliste A Teil 1 bekannt gemacht
Mandat der jeweiligen Produktgruppe wieder und die
sind, zhlen die ehemaligen deutschen Produktnormen 3)
Abschnitte, die den mandatierten Eigenschaften gewid-
fr Mauersteine und Mauermçrtel. Insofern handelte es
met sind, stellen den grçßten Teil der europischen Pro-
sich bei Mauersteinen und Mauermçrteln nach den ehe-
duktnormen dar.
maligen deutschen Produktnormen um sog. „geregelte
CEN ist jedoch eine privatrechtliche Organisation mit
einer eigenen Geschftsordnung, die ihren Mitgliedern
– wie etwa dem DIN – und auf diesem Wege den betei-
3) Die ehemaligen deutschen Produktnormen sind nach wie ligten Kreisen eine Mitsprache im Normungsprozess
vor in der Bauregelliste A Teil 1 gefhrt, u. a. um Baupro- ermçglicht. Folglich regeln viele Produktnormen auch
dukte, die bereits in Verkehr gebracht wurden, bevor die
europischen Produktnormen in Kraft traten, rechtmßig Bereiche oder Eigenschaften, die ber das Mandat der
verwenden zu kçnnen, bis die Lagerbestnde aufgebraucht Kommission hinaus gehen. Im Sinne der Bauprodukten-
sind. richtlinie bzw. der Europischen Kommission sind je-
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 51

doch nur die mandatierten und mit den Mitgliedstaaten chen und ein normkonformes Produkt herzustellen oder
abgestimmten (harmonisierten) Eigenschaften bzw. nicht. Im ersteren Fall war sein Produkt kompatibel zu
Abschnitte rechtlich relevant. Dies sind die Abschnitte den Bemessungs- und Ausfhrungsnormen und damit
einer Produktnorm, die im jeweiligen Anhang ZA in verwendbar. Im letzteren Fall wich sein Produkt von der
Bezug genommen werden. Das heißt nur die im Anhang Norm ab und durfte nur mit einer allgemeinen bauauf-
ZA genannten Abschnitte stellen in der Summe die sichtlichen Zulassung verwendet werden. Da die euro-
harmonisierte europische Produktnorm dar. Die bri- pischen Mauersteinnormen keine Anforderungen stel-
gen Abschnitte sind, selbst wenn sie sinnvoll oder von len oder, wo solche zu erkennen sind, Abweichungen
den beteiligten Kreisen gewnscht sind, in Bezug auf hiervon zulassen (z. B. in DIN EN 771-1 in Bezug auf
die Bauproduktenrichtlinie irrelevant. die Maßtoleranzen), ist es praktisch unmçglich, dass ein
Whrend die bisherigen deutschen Normen, wie zuvor Mauerstein nicht dem jeweiligen Teil der DIN EN 771
erwhnt beschreibende (deskriptive) und festlegende entspricht.
(prskriptive) Elemente beinhalteten, trifft dies in der Die deutschen Vertreter in den europischen Normen-
Regel auf europische Produktnormen nicht zu, auch gremien, nicht zuletzt Prof. Dr. Kirtschig [9], haben sich
wenn Ausnahmen diese Regel besttigen. Den europi- immer wieder dafr eingesetzt, in den europischen
schen Produktnormen liegt das sog. Performance Kon- Mauersteinnormen Klassen und Stufen etwa fr die
zept (Leistungskonzept) zugrunde, bei dem die Leis- Druckfestigkeit und Rohdichte zu definieren. Die Geg-
tung (der ermittelte Wert) der einzelnen Produkteigen- ner dieser Vorstçße haben ihre Ablehnung insbesondere
schaften im absoluten Vordergrund steht. Das heißt, die anfangs u. a. damit begrndet, dass normativ definierte
europischen Produktnormen nennen primr, durch Klassen und Stufen Handelshemmnisse darstellten und
welche Merkmale, d. h. Eigenschaften (Maße, Druck- damit der Bauproduktenrichtlinie widersprchen, die
festigkeit, Rohdichte, Wrmeleitfhigkeit, etc.), das be- aus diesem Grund nur performanceorientierte Produkt-
treffende Produkt blicherweise geprgt ist und wie normen zuließe. Untersttzung fanden sie in den Euro-
diese Eigenschaften gemß welcher Prfnorm zu be- pischen Kommissionsdiensten, die zu Anfang in Klas-
stimmen sind, um sie mit Werten zu belegen. Eine sen und Stufen ebenfalls Handelshemmnisse sahen.
Gruppierung der ermittelten Werte in Stufen, Klassen, Dass dies offensichtlich kein stichhaltiges Argument
Kategorien oder Gruppen durch Festlegungen in der ist, zeigen zahlreiche europische Bauproduktnormen,
Produktnorm ist nicht grundstzlich vorgesehen, son- nicht zuletzt die Norm fr Mauermçrtel DIN EN 998-2
dern nur dann, wenn man sich im betreffenden Normen- [18]. Fr Mauermçrtel gelang im zustndigen Normen-
ausschuss auf solche Gruppierung einigen kann. Folg- ausschuss die Verstndigung auf eine Festlegung (De-
lich ist die Definition von Qualitten, d. h. die Kom- finition) normativer Klassen fr die Mçrteldruckfestig-
bination verschiedener Eigenschaften mit vorgegeben keit, wobei es dem Hersteller berlassen bleibt, ob er
Wertebereichen, erst recht kein grundstzliches Merk- den fr sein Produkt individuell bestimmten Wert an-
mal europischer Produktnormen. Als Folge daraus las- gibt oder sich einer der definierten Klassen bedient. Im
sen die europischen Produktnormen in der Regel im CEN TC 125/WG 1, dem zustndigen Normenaus-
Vergleich zu den uns bekannten ehemaligen deutschen schuss fr Mauersteine, sind bis zuletzt entsprechende
Produktnormen einen viel grçßeren, nahezu unbegrenz- Vorschlge am nçtigen Konsens gescheitert. Lediglich
ten Produktumfang zu. die europische Mauersteinnorm fr Kalksandsteine
Ein Beispiel: Whrend die ehemaligen deutschen Mau- DIN EN 771-2 legt in einem informativen Anhang
ersteinnormen vorgaben, welchen Anforderungen die Druckfestigkeits- und Rohdichteklassen fest. Da jedoch
einzelnen Merkmale des Lochbilds eines Mauersteins informative Anhnge keinen bindenden Charakter ha-
gengen mussten, damit dieser z. B. als Lochstein ein- ben, kçnnten die in DIN EN 771-2 angegebenen Klas-
gestuft werden konnte, geben die europischen Mauer- sen von den nationalen Normungsinstituten anders de-
steinnormen lediglich vor, nach welchen Prfverfahren finiert werden, was bei einer anderen europischen
diese Merkmale zu bestimmen sind. Whrend der deut- Norm bereits der Fall war. Somit sind die informativ
sche Hersteller ehemals angab, dass es sich bei seinem angegeben Klassen nicht eindeutig und folglich fr die
Produkt um einen Lochstein gemß Produktnorm han- Praxis ungeeignet.
delte, darf er gemß europischer Produktnorm die Eine weitere Besonderheit europischer Normen ist,
Merkmale (z. B. Mindeststegdicke, Lochanteil, Grçßt- dass den vom Hersteller deklarierten Produkteigen-
lochdurchmesser, Stegdickensumme, etc.) aufzhlen schaften hufig eine statistische Sicherheit zugrunde
und mit Werten belegen oder darf – muss aber nicht – liegt. Fr Mauersteine der Kategorie I, der Kategorie,
Bezug auf eine der Mauersteingruppen im Eurocode 6 die fr die Verwendung von Mauersteinen nach
[19] nehmen. Letzteres macht jedoch nur dann Sinn, DIN 1053-1 in Deutschland vorgeschrieben ist, darf
wenn der Eurocode anwendbar ist, was, als die DIN die Wahrscheinlichkeit der Unterschreitung der dekla-
EN 771er Normen in Kraft traten, nicht der Fall war rierten Druckfestigkeit nicht ber 5 % liegen. Dies wird
und bis heute nicht ist. nochmals dahingehend eingeschrnkt, dass im Fall ei-
Da es in den ehemaligen deutschen Produktnormen ner Probenahme der ermittelte Mittelwert nicht den de-
konkrete Anforderungen u. a. an das Lochbild gab, hatte klarierten Wert unterschreiten darf und auch Einzelwer-
der Hersteller die Wahl, diesen Vorgaben zu entspre- te 80 % des deklarierten Werts nicht unterschreiten dr-
52 A Baustoffe · Bauprodukte

fen. Diese zustzliche Einschrnkung entspricht dem, interpretation, dass das CE-Kennzeichen bzw. das
was fr die Druckfestigkeitsklassen der ehemaligen CE-Symbol die bereinstimmung mit der Norm als
deutschen Produktnormen ebenfalls galt, allerdings Ganzes und nicht nur mit dem harmonisierten Teil
ohne statistische Ungewissheiten, sondern als bindende der Norm (s. Abschn. 5) darstelle.
Zusage des Herstellers. – Vielfach besteht der Glaube, das CE-Zeichen sei ein
Qualittszeichen. Dem hat die Europische Kommis-
sion immer wieder deutlich widersprochen.
6 Die europische Kennzeichnung von – Ein weiterer weitverbreiteter Irrglaube ist, dass CE-
gekennzeichnete Bauprodukte sicher seien. Im Sinne
Bauprodukten und deren Bedeutung
der Bauproduktenrichtlinie bezieht sich der Begriff
Ziel der Bauproduktenrichtlinie ist, den freien Waren- „Sicherheit“ aber auf die Bauwerke, die aus den Bau-
verkehr von Bauprodukten im europischen Binnen- produkten erstellt werden, und nicht auf die Baupro-
markt zu ermçglichen. Das CE-Kennzeichen hat hierbei dukte selbst.
– wie auch bei anderen Produkten die frei gehandelt Auf den Punkt gebracht ist das CE-Kennzeichen fr
werden drfen – eine wesentliche Bedeutung: Nur CE- Bauprodukte Ausdruck dafr, dass die Vorgaben der
gekennzeichnete Produkte drfen im Binnenmarkt frei Bauproduktenrichtlinie und etwaiger darber hinaus
gehandelt werden. geltender Richtlinien und Verordnungen eingehalten
Die CE-Kennzeichnung signalisiert, dass das Baupro- wurden, infolgedessen das Bauprodukt rechtmßig mit
dukt die Merkmale (Eigenschaften) aufweist, die von dem CE-Kennzeichen versehen wurde und deshalb frei
den Mitgliedstaaten als notwendig erachtet und man- im Binnenmarkt gehandelt werden darf.
datiert wurden (s. Abschn. 5), um die baulichen Anla- In Bild 3 sind zwei Beispiele von CE-Kennzeichen dar-
gen, fr die das Bauprodukt verwendet werden soll, so gestellt, eines fr einen Kalksandstein, das andere fr
zu planen, dass diese – bei bestimmungsgemßer Ver- einen Mauerziegel. Die Beispiele zeigen, mangels bin-
arbeitung, Verwendung, Instandhaltung etc. – brauch- dender Vorgaben fr das Erscheinungsbild, dass beide
bar sind und die sog. „wesentlichen Anforderungen“ der und auch andere Darstellungsformen zulssig sind. In
Bauproduktenrichtlinie erfllen. Dies ist jedoch als Tabelle 2 werden die Inhalte der beiden beispielhaften
prinzipielle, jedoch nicht zwingend ausreichende Vo- CE-Kennzeichen anhand der in Bild 3 verwendeten
raussetzung zu verstehen. Mit Bezug auf das national Buchstaben erlutert.
festgelegte Sicherheitsniveau kann der Mitgliedstaat
durchaus bestimmen, ob beispielsweise einzelne Merk-
male festgelegten Mindestwerten gengen mssen oder
nur eine bestimmte Menge an Produkten verwendet 7 Das deutsche Umsetzungskonzept
werden darf (vgl. Abschn. 7.1).
7.1 Anwendungsnormen
Da das CE-Kennzeichen mit der Bauproduktenrichtline
verknpft ist, signalisiert es weiterhin, dass das Baupro- Durch die Einfhrung der Bauproduktenrichtlinie wur-
dukt mit den betreffenden, im CE-Kennzeichen ange- den die Mitgliedstaaten zur nationalen Umsetzung der
gebenen, harmonisierten technischen Regeln (europi- europischen Produktnormen verpflichtet. Hintergrund
sche Normen oder Zulassungen) bereinstimmt. Das der Bauproduktenrichtlinie ist es, den Binnenmarkt fr
heißt, dass die deklarierten Eigenschaftswerte mit den Bauprodukte zu çffnen, um diese ber nationale Gren-
festgelegten europischen Prfverfahren bestimmt wur- zen hinweg handeln zu kçnnen. Die europisch harmo-
den und auf Grundlage des festgelegten Konformitts- nisierten Produktnormen stellen dabei die technische
bewertungsverfahrens zugesichert werden. Grundlage fr den freien Warenverkehr von Baupro-
Mit der CE-Kennzeichnung von Bauprodukten ver- dukten dar. Die Bauproduktenrichtlinie untersagt den
knpfen sich eine Reihe von Fehlinterpretationen und Mitgliedstaaten, den freien Warenverkehr von europ-
Irrglauben, die z. T. daher rhren, dass die Bauproduk- isch harmonisierten Bauprodukten zu behindern oder zu
tenrichtlinie die Bedeutung des CE-Kennzeichens fr unterbinden. Sie sind daher dazu verpflichtet, entgegen-
Bauprodukte unzureichend darstellt und von anderen stehende nationale Produktnormen zu einem festgeleg-
Produkten, die nach anderen Rechtsvorschriften in Ver- ten Stichtag (dem Date of Withdrawal, s. Abschn. 2)
kehr gebracht werden, abgrenzt. Einige der hufigsten zurckzuziehen. Da dem Subsidiarittsprinzip folgend,
Fehldeutungen werden nachfolgend klargestellt: die Verantwortung u. a. fr die Sicherheit der Bauwerke
– Das CE-Kennzeichen besteht im Wesentlichen aus unangetastet bei den Mitgliedstaaten selbst verbleibt, ist
dem Symbol „CE“. Dies trifft auf zahlreiche Produk- die aus der Bauproduktenrichtline resultierende Ver-
te nach anderen Rechtsvorschriften zu. Nach der pflichtung auf das Inverkehrbringen der Bauprodukte,
Bauproduktenrichtlinie besteht das CE-Kennzeichen nicht jedoch auf deren Verwendung, beschrnkt.
aus dem Symbol „CE“ und einer Liste weiterer In- Aus der Bauproduktenrichtlinie leitet sich nicht die
formationen, die je nach Produktgruppe mehr oder Verpflichtung zur Einfhrung europischer Ausfh-
weniger umfangreich ausfallen kann. rungs- und Bemessungsnormen ab, obwohl diesbezg-
– Die Zitierung der betreffenden europischen Norm lich eine freiwillige bereinkunft zwischen den Mit-
im CE-Kennzeichen fhrt immer wieder zu der Fehl- gliedstaaten besteht. Da jedoch zum Zeitpunkt der Ein-
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 53

Bild 3a. Beispiele von CE-Kennzeichen: Kalksandstein

fhrung der ersten europischen Produktnormen keine deutschen Ausfhrungs- und Bemessungsnormen an-
anwendungsreifen europischen Ausfhrungs- und Be- wendbar zu machen.
messungsnormen vorlagen, was auch auf den Eurocode Da die europischen Mauersteinnormen der DIN EN
6 im Zusammenhang mit der Einfhrung der europi- 771-Reihe, wie bereits erwhnt, eine nahezu unbe-
schen Mauersteinnormen zutraf, wird bis heute die Ver- schrnkte Vielfalt an Produkten zulassen, htte eine
wendung europischer Produkte national geregelt. Wie Anpassung der Bemessungs- und Ausfhrungsnormen
die Verwendung im Einzelnen geregelt wird, bleibt je- einen nicht zu beziffernden Aufwand bedeutet. Es ht-
dem Mitgliedstaat selbst berlassen. In Deutschland be- ten zunchst sehr umfangreiche Nachweise gefhrt wer-
diente man sich hierzu der bestehenden Bemessungs- den mssen, um u. a. gesicherte Rechenwerte ableiten
und Ausfhrungsnormen. Davon ausgehend, dass keine zu kçnnen. Von einem solchen Vorgehen wren aber
europische Produktnorm – zumindest keine europi- nur hçchst unwirtschaftliche Ergebnisse zu erwarten
sche Mauersteinnorm – exakt deckungsgleich mit der gewesen, da die abzuleitenden Rechenwerte auch die
jeweils zuvor geltenden, deutschen Produktnorm war, ungnstigsten Flle htten abdecken mssen. Vor allem
ergaben sich zwei Mçglichkeiten: entweder die beste- wre es aber ohne Einschrnkung der Produktvielfalt
henden deutschen Bemessungs- und Ausfhrungsnor- nicht mçglich gewesen, Rechenwerte abzuleiten, da
men an die europischen Produktnormen anzupassen die erforderlichen Nachweise nur fr real existierende
oder Erstere weitestgehend unverndert zu lassen und und nicht fr theoretisch mçgliche Produkte htten ge-
im Gegenzug die europischen Produktnormen mit den fhrt werden kçnnen. Da eine solche Einschrnkung
54 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 3b. Beispiele von CE-Kennzeichen: Mauerziegel


III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 55

Tabelle 2. Erluterung der Inhalte eines CE-Kennzeichens fr Mauersteine am Beispiel eines Kalksandsteins sowie eines Mauerziegels

Buchstabe Beispiel CE-Kennzeichen fr Kalksandstein Beispiel CE-Kennzeichen fr Mauerziegel


in Bild 3
A Das Konformittszeichen CE, welches besagt, dass die Vorgaben der Bauproduktenrichtlinie und etwaiger darber hinaus
geltender Richtlinien und Verordnungen eingehalten wurden, infolgedessen das Bauprodukt rechtmßig mit dem CE-
Kennzeichen versehen wurde und deshalb frei im Binnenmarkt gehandelt werden darf.
B Die eindeutige Kennnummer des Notified Body (deutsch: Benannte Stelle = Zertifizierungs- und berwachungsstelle), die
im Zuge des vorgeschriebenen Konformittsbewertungsverfahrens vom Hersteller (in diesem Fall u. a. mit der ber-
prfung der werkseigenen Produktionskontrolle) beauftragt wurde. Die Nando-CPD 1) Datenbank gibt Auskunft, welche
Stelle sich hinter der jeweiligen Kennnummer verbirgt.
C Der Name des Herstellers sowie seine eingetragene Anschrift. Statt des Namens kann der Hersteller auch sein Bildzeichen
verwenden. (Im CE-Kennzeichen des Mauerziegels fehlt diese Angabe, weil es sich hier um ein Beispiel handelt. Bei einem
reellen CE-Kennzeichen stnde auch hier die entsprechende Information.
D Die letzten beiden Ziffern des Jahres, in dem das Kennzeichen am Produkt angebracht wurde, wie von der Baupro-
duktenrichtlinie vorgesehen. Im Beispiel fr einen Mauerziegel ist die Jahreszahl ganz ausgeschrieben.
E Die Nummer des Konformittszertifikats, das der Hersteller von der zuvor genannten Zertifizierungsstelle (Notified Body)
fr das gekennzeichnete Produkt erhalten hat. Ein Zertifikat bezieht sich bei Mauersteinen in der Regel auf mehrere
Produkte eines Herstellers.
F Die nationale Norm, in welche die europische Norm umgesetzt wurde und fr deren harmonisierten Teil der Hersteller die
Konformitt erklrt.
G Der vorgesehene Verwendungszweck (intended use) der Mauersteine, der vom Hersteller anzugeben ist. Der vorgesehene
Verwendungszweck kann vom zulssigen Verwendungszweck abweichen, da Letzterer ggf. nationalen Festlegungen
unterliegt.
H Die Maße des Mauersteins kann der Hersteller frei whlen, da er durch die europischen Mauersteinnormen weder an
Vorzugsmaße gebunden noch solche empfohlen bekommt.
I Bezglich der Maßtoleranzen von Kalksandsteinen definiert Bezglich der Maßtoleranzen von Mauerziegeln definiert die
DIN EN 771-2 3 Klassen: TLMP, TLM und GPLM. TLMP ist DIN EN 771-1 5 auf den Mittelwert der Sollmaße bezogene
die in Deutschland geforderte Kategorie zur Vermauerung Klassen (T1, T1+, T2, T2+ und Tm) sowie 5 Klassen fr die
mit Dnnbettmçrtel. Im Fall der Kategorie TLMP hat der Maßspanne (R1, R1+, R2, R2+, Rm). Die Klassen Tm bzw.
Hersteller zustzlich Angaben zur Ebenheit und Planparal- Rm sind freie Klassen bei denen der Hersteller die Abwei-
lelitt der Lagerflchen zu machen. chungen bzw. Maßspanne selbst festlegt und die Zahlen-
werte angibt.
J Fr die Beschreibung des Lochbilds machen die Normen keine festen Vorgaben. Der Hersteller kann statt einer detail-
lierten Beschreibung des Lochbilds auch eine Zeichnung verwenden oder auf eine der Gruppen im Teil 1-1 des Eurocodes 6
verweisen.
K In Bezug auf die Druckfestigkeit hat der Hersteller anzugeben, welcher Kategorie der Mauerstein entspricht. Mauersteine
nach Kategorie I sind solche „mit einer deklarierten Druckfestigkeit, wobei die Wahrscheinlichkeit des Nichterreichens
dieser Festigkeit nicht ber 5 % liegen darf“. Neben der Kategorie I existiert die Kategorie II, in die alle Mauersteine fallen,
„die das Vertrauensniveau … der Kategorie I nicht erreichen“. Mauersteine der Kategorie II drfen in Deutschland fr
Mauerwerk nach DIN 1053 nicht verwendet werden. Des Weiteren hat der Hersteller Angaben zur Belastungsrichtung zu
machen.
Die Druckfestigkeit von Kalksandsteinen kann bzw. ist ggf. –
an Teilproben zu prfen. Der Hersteller hat daher anzuge-
ben, auf welchen Prfkçrper sich die deklarierte mittlere
Druckfestigkeit bezieht. Neben der mittleren Druckfestig-
keit hat der Hersteller auch die normierte Druckfestigkeit zu
deklarieren.

1) http://ec.europa.eu/enterprise/newapproach/nando/index.cfm
56 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 2. Erluterung der Inhalte eines CE-Kennzeichens fr Mauersteine am Beispiel eines Kalksandsteins sowie eines Mauerziegels
(Fortsetzung)

Buchstabe Beispiel CE-Kennzeichen fr Kalksandstein Beispiel CE-Kennzeichen fr Mauerziegel


in Bild 3
K Die deklarierte mittlere Druckfestigkeit bezieht sich auf europisch genormte Prfbedingungen, die von den Prfbedin-
gungen der ehemaligen deutschen Normen mehr oder weniger stark abweichen kçnnen. Aus diesem Grund lsst sich die
deklarierte mittlere Druckfestigkeit nicht direkt deutschen Festigkeitsklassen zuordnen.
L Bei der Deklaration der Verbundfestigkeit (Haftscherfestigkeit) zum Mauermçrtel darf sich der Hersteller (ohne Prfung)
auf die in DIN EN 998-2 tabellierten Werte beziehen. Hçhere Verbundfestigkeitswerte als die in DIN EN 998-2 tabellierten
Werte sind fr den Anwendungsbereich der DIN 1053-1 bzw. -100 in Deutschland rechnerisch nicht nutzbar.
M Mauersteine mit bis zu 1 % organischer Bestandteile kçnnen unter Bezug auf die Entscheidung 96/603/EG der Euro-
pischen Kommission ohne Prfung in die Brandverhaltensklasse A1 (nicht brennbar) eingestuft werden.
N Die Wasseraufnahme ist zu deklarieren, sofern der vom Hersteller vorgesehene Verwendungszweck dies erfordert,
insbesondere aber dann, wenn in dem betreffenden Mitgliedstaat, in dem das Produkt verwendet werden soll, Anfor-
derungen bez. der Wasseraufnahme bestehen. Bestehen diesbezglich keine Anforderungen an sein Produkt, wie etwa in
Deutschland, muss der Hersteller die Eigenschaft zwar auffhren, darf aber deklarieren, dass er diese Leistung nicht
bestimmt (LNB) 2) hat. Dieses Prinzip gilt auch fr andere Eigenschaften.
O Mit der gleichen Begrndung wie zu (N), whlt der Her- Fr Mauerziegel zur Verwendung in Außenbauteilen hat der
steller in diesem Beispiel die LNB-Option Hersteller unter Bezug auf tabellierte Werte in EN 1745
Angaben zur Wasserdampfdurchlssigkeit zu machen.
P Der Hersteller hat den Kleinst- und Grçßtwert der Brutto-Trocken-Rohdichte seines Produkts anzugeben.
Fr mçgliche Abweichungen gelten die in DIN EN 771-2 Bezglich der zulssigen Abweichungen von der deklarier-
festgelegten Grenzen. ten Rohdichte definiert die DIN EN 771-1 3 Klassen (D1, D2
und Dm). Die Klasse Dm ist eine freie Klasse, bei der der
Hersteller die Abweichungen selbst festlegt und die Zah-
lenwerte angibt.
Q Die Frostbestndigkeit ist stets zu deklarieren, sofern der Mit der gleichen Begrndung wie zu (N) whlt der Hersteller
vom Hersteller vorgesehene Verwendungszweck die in diesem Beispiel die LNB-Option.
Frost-Tau-Wechsel-Beanspruchung der Produkte nicht
ausschließt. Als frostbestndig gemß der europischen
Prfnorm gelten Kalksandsteine, wenn sie nach dem
Durchlaufen von 50 Prfzyklen keine Schden aufweisen
bzw. deren Druckfestigkeit gegenber dem Ausgangs-
zustand um nicht mehr als 20 % reduziert wird. Der im
Beispiel deklarierte Wert signalisiert – entgegen mçglicher
Fehlinterpretationen – den mçglichen Abfall der Druckfes-
tigkeit und somit eine Frostbestndigkeit.
R Fr Kalksandsteine drfen (sofern erforderlich und nicht die Mit der gleichen Begrndung wie zu (N), whlt der Her-
LNB-Option gewhlt wird) die wrmeschutztechnischen steller in diesem Beispiel die LNB-Option.
Eigenschaften auch stellvertretend durch die Rohdichte und
das Lochbild ausgedrckt werden.
S – Sofern erforderlich, hat der Hersteller den Gehalt an aktiven
lçslichen Salzen anzugeben. Hierfr definiert DIN EN 772-2
3 Klassen (S0, S1, S2). An die Klasse S0 werden keine An-
forderungen gestellt.
T Anhang ZA.3 besagt sinngemß, dass Angaben ber gefhrliche Substanzen in geeigneter Form zu machen sind, sofern
Anforderungen bestehen. Im Beispiel fr einen Kalksandstein wurde mangels Anforderungen auf Hinweise und Angaben
verzichtet.

2) Engl. „no performance determined“ und daher auch abgekrzt als „NPD“ mçglich.
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 57

ohnehin unumgnglich gewesen wre und es zudem die herauszufiltern, welche Produkte in Deutschland ver-
wirtschaftlichste und schnellste Mçglichkeit war, ent- wendbar sind und welche nicht. Man entschied sich
schied man sich dafr, nur eine Teilmenge der europ- daher, die „Filterregeln“ in eigenstndigen Normen
isch genormten (mçglichen) Mauersteine mit den deut- festzuhalten, statt diese in Form von Anhngen den
schen Ausfhrungs- und Bemessungsnormen anwend- Bemessungs- und Ausfhrungsnormen oder – was oh-
bar zu machen. Es ist naheliegend, dass diese Teilmen- nehin nicht zulssig gewesen wre – den europischen
ge exakt derjenigen entspricht, die in den ehemaligen Produktnormen anzufgen.
deutschen Mauersteinnormen definiert war. Entspre- Die Normen, welche die Regeln zur Filterung der ver-
chend verfuhr man in Bezug auf die Verwendung von bzw. anwendbaren Produkte beinhalten, nennt man An-
Mauermçrtel nach DIN EN 998-2. wendungsnormen. Diese sind als Teile der Vornorm
Baurechtlich gesprochen bestand die Aufgabe darin, DIN V 20000 vom DIN verçffentlicht und in der Liste
aus der Vielfalt der mçglichen, theoretisch im Binnen- der Technischen Baubestimmung bekannt gemacht wor-
markt verkehrenden Bauprodukte diejenigen heraus- den. Die Anlage 2.2/5 E der Liste der Technischen Bau-
zufiltern, die im Sinne der Landesbauaufsichten als ge- bestimmungen verdeutlicht, was fr die Verwendung
regelt gelten und zusammen mit den bekanntgemachten von Bauprodukten nach europisch harmonisierten Nor-
Bemessungs- und Ausfhrungsnormen verwendbar men in Mauerwerk zu beachten ist. Es wird darauf hin-
sind. Hierbei galt es insofern umzudenken, als dass gewiesen, dass zu den Teilen 1 bis 4 der europischen
vor der ffnung des Binnenmarkts fr Bauprodukte in Mauersteinnormen der DIN EN 771-Reihe die zugehç-
Deutschland nur solche Bauprodukte in Verkehr ge- rigen Anwendungsnormen DIN V 20000-401 bis -404
bracht werden durften, die den in der Bauregelliste A gelten und fr Mauermçrtel nach DIN EN 998-2 die
Teil 1 bekannt gemachten technischen Regeln oder – DIN V 20000-412. Gleichzeitig wird darauf hingewie-
wenn sie davon abwichen – einer allgemeinen bauauf- sen, welche harmonisierten Mauerwerkprodukte nicht
sichtlichen Zulassung entsprachen. Das heißt, die Ver- geregelt sind, d. h. welche Mauerwerkprodukte zwar
pflichtung lag beim Hersteller, nur Produkte in Verkehr rechtmßig in Verkehr gebracht und gehandelt werden
zu bringen, die in Deutschland gemß Landesbauord- drfen, aber ohne allgemeine bauaufsichtliche Zulas-
nung verwendbar waren. Diese Herstellerverpflichtung sung nicht verwendet werden drfen. Beispielsweise
war mit Einfhrung des Binnenmarktes und aufgrund sind Betonwerksteine nach DIN EN 771-5 sowie Natur-
der Bauproduktenrichtlinie, die den Mitgliedstaaten un- steine nach DIN EN 771-6 fr die Verwendung in Mau-
tersagt, den freien Verkehr (nicht die Verwendung!) erwerk zu tragenden Zwecken nicht geregelt. Tabelle 3
von Bauprodukten zu behindern oder zu unterbinden, gibt einen Auszug aus der Anlage 2.2/5 E der Liste der
nicht mehr aufrechtzuerhalten. Folglich musste man da- Technischen Baubestimmungen wieder.
von ausgehen, dass auch in Deutschland nicht verwend- Bild 4 veranschaulicht die Unterschiede, die zwischen
bare Produkte verkehrt werden und es daher – weil die der frheren Verfahrensweise, bei der nur geregelte
betreffenden Bauprodukte bereits im Markt sind – zur oder allgemein bauaufsichtlich zugelassene Produkte
Aufgabe des Planers bzw. Verarbeiters werden muss, in Verkehr gebracht werden durften, und der Verfah-

Tabelle 3. Inhaltlicher Auszug aus Anlage 2.2/5 E der Liste der Technischen Baubestimmungen
Die folgende gilt mit folgender Anwendungsnorm Mauersteine, die jedoch zustzlich die Anforderun-
europische Norm gen der folgenden Norm erfllen, drfen fr Mauer-
werk nach DIN 1053 verwendet werden
EN 771-1 [10] DIN V 20000-401 [20] DIN V 105-100 [25]
EN 771-2 [11] DIN V 20000-402 [21] DIN V 106 [26]
EN 771-3 [12] DIN V 20000-403 [22] DIN V 18151-100 [27]
DIN V 18152-100 [28]
DIN V 18153-100 [29]
EN 771-4 [13] DIN V 20000-404 [23] DIN V 4165-100 [30]
EN 771-5 [14] Die Verwendung der Betonwerksteine fr tragende –
Zwecke ist nicht geregelt.
EN 771-6 [15] Die Verwendung der Natursteine fr tragende –
Zwecke ist nicht geregelt und bedarf daher einer
allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung.
EN 998-2 [18] DIN V 20000-412 [24] DIN V 18580 [31] 1)

1) Die Restnorm fr Mauermçrtel DIN V 18580 [31] ist in der Liste der Technischen Baubestimmungen, Stand 02.2009, noch nicht genannt
58 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 4. Systemunterschiede der Baunormung


III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 59

rensweise im Fall harmonisierter Bauprodukte und zu- Bauprodukte in Deutschland frei gehandelt werden kçn-
gehçriger Anwendungsnormen. Wie zuvor angedeutet nen, aber – wie bereits erlutert – nur diejenigen Pro-
und im Bild 4 gezeigt, richten sich die Anwendungs- dukte ohne zustzliche Festlegungen verwendet werden
normen nicht an den Hersteller, sondern an den Ver- kçnnen, die mit den frheren Festlegungen der Produkt-
wender (Planer und/oder Verarbeiter). In der Praxis normen bereinstimmen, die in die Anwendungsnor-
sieht das Konzept der Anwendungsnorm vor, dass der men bernommen wurden. Entgegen frherer Praxis
Verwender die vom Hersteller im CE-Kennzeichen de- drfen aber auch solche Produkte gehandelt werden,
klarierten Produkteigenschaften anhand der betreffen- die nicht verwendet werden drfen, weil nicht gewhr-
den Anwendungsnorm bewertet. Infolge dieser Bewer- leistet werden kann, dass die daraus erstellten Bauwerke
tung hat der Verwender eigenverantwortlich festzustel- die geforderten Sicherheitsniveaus erfllen.
len, welche Produkte verwendet werden drfen und Es ist zu betonen, dass die deutsche Mauerwerksindus-
welche zurckzuweisen sind. In Bild 5 sind die Haupt- trie unter dem von der Bauaufsicht gewhlten Weg der
bewertungsschritte am Beispiel von Kalksandsteinen Umsetzung der Bauproduktenrichtlinie die Notwendig-
nach DIN EN 771-2 und der Anwendungsnorm keit fr Anwendungsnormen zwar einsah und nach wie
DIN V 20000-402 in einem Flussdiagramm dargestellt. vor einsieht, sie sich diese jedoch nicht „gewnscht“
Hinter den Hauptbewertungen kçnnen sich – insbeson- hat. Aus Sicht der Industrie gengen die Anwendungs-
dere in Bezug auf die Bewertung des Lochbilds – eine normen lediglich den Belangen der Bauaufsicht, nicht
Mehrzahl weiterer Bewertungen verbergen. Zum Teil jedoch denen der Mauerwerkindustrie und ihrer Kun-
muss der Verwender gar zuerst – wie im Fall der dekla- den. Wie im vorangegangenen Abschnitt erlutert, wird
rierten Steindruckfestigkeit – die im CE-Kennzeichen mit den Anwendungsnormen die ehemalige Pflicht des
deklarierten Werte umrechnen, um sie mit den Anfor- Herstellers, nur verwendbare Produkte in Verkehr zu
derungen der Anwendungsnorm vergleichen zu kçnnen. bringen, in eine Pflicht des Verwenders gewandelt,
Aber auch ohne in die Details zu gehen veranschaulicht den Bauprodukten mit Zweifel zu begegnen und selbst
Bild 5 eindrucksvoll, dass das Konzept der Anwen- festzustellen, ob diese verwendbar sind. Die deutsche
dungsnormen unter den gegebenen Rand- und Rahmen- Mauerwerkindustrie wollte diese Pflicht jedoch nie ab-
bedingungen zweifellos gleichermaßen bauordnungs- geben, was ihr und anderen Industrien aber in der Folge
rechtlich unverzichtbar wie fr die Praxis in Deutsch- gelegentlich unterstellt wurde. Dass sie diese Pflicht nie
land ungeeignet ist. abgeben wollte, lsst sich einfach begrnden: Baustoff-
hersteller verdienen ihr Geld damit, Produkte zu ver-
kaufen und nicht damit, Nachfragen bez. deren Ver-
7.2 Normen fr Produkte mit besonderen
wendbarkeit oder gar Reklamationen nachzugehen.
Eigenschaften
Sie sind daher auf einen vertrauensvollen Umgang mit
Der offenkundigste Unterschied zwischen den europi- ihren Kunden angewiesen.
schen und ehemals deutschen Produktnormen ist das Dem Ansatz folgend, Neues anzunehmen ohne Bewhr-
Fehlen konkreter Anforderungen an die Produkte in tes ber Bord zu werfen, wurden Normen fr Baupro-
den europischen Normen. Es kann selbstverstndlich dukte mit besonderen Eigenschaften erarbeitet. Diese
nicht erwartet werden, dass die ehemals in den deut- sind in der Allgemeinheit auch als Restnormen bekannt
schen Produktnormen festgelegten Anforderungen glei- und werden im Folgenden auch so bezeichnet. Der
chermaßen auf alle Mitgliedstaaten zutreffen. Hierfr Name macht bereits deutlich, dass hierin die Inhalte
sind die Bautraditionen und Bauprodukte zu unter- geregelt sind, die nicht oder nur unzureichend in den
schiedlich. Anderseits geben die europischen Produkt- europischen Produktnormen behandelt werden. Zu
normen aber auch keine Orientierung welche Anforde- diesen Inhalten der Restnormen fr Mauersteine und
rung an Produkte in den jeweiligen Mitgliedstaaten be- Mauermçrtel zhlen die in Deutschland bewhrten
stehen bzw. welche Produktinformationen notwendig und der Bemessung von Bauwerken zugrunde liegen-
sind, damit die Produkte nicht nur gehandelt, sondern den Klassen und Stufen (Druckfestigkeit und Rohdich-
auch verwendet werden kçnnen. Letzteres wurde viel- te). Darber hinaus schrnken die Restnormen, ins-
fach abgelehnt, um die Produktnormen als Druckmittel besondere ber die Festlegung der Lochbilder, aber
zu nutzen, die Mitgliedstaaten dazu zu zwingen, ihre z. T. auch die Begrenzung der verwendbaren Ausgangs-
Bemessungskonzepte bzw. -normen an die neuen Pro- stoffe, die Vielfalt mçglicher Mauersteine auf diejenige
duktnormen anzupassen. Verkannt wurde dabei jedoch, Menge ein, fr die hinreichende Erfahrungen und gesi-
dass die Mitgliedstaaten lediglich verpflichtet sind, ihre cherte Erkenntnisse hinsichtlich ihres Verhaltens im
Rechtsvorschriften dahingehend anzupassen, dass die Bauteil und Bauwerk vorliegen. Des Weiteren definie-
Produkte gehandelt und – im Prinzip – verwendet wer- ren sie durch Gruppierung einzelner Eigenschaften und
den kçnnen. Wie sie dies sicherstellen und insbesondere Anforderungen Qualitten, die sich in der Praxis als
welche Sicherheitsniveaus sie dabei einhalten, ist den dauerhaft bewhrt haben und nicht durch die europi-
Mitgliedstaaten selbst berlassen. schen Produktnormen dargestellt werden kçnnen. Zu
In Deutschland wurden unter Einbehaltung bisheriger Letzteren gehçren Qualitten, die im Zusammenhang
Bemessungskonzepte und Sicherheitsniveaus die mit den Anforderungen an die Frostbestndigkeit z. T.
Rechtsvorschriften so angepasst, dass harmonisierte an Mauerziegeln, Kalksandsteinen oder Mauersteinen
60 A Baustoffe · Bauprodukte

Bild 5. Bewertungsabfolge (Auswahl) zur Beurteilung der Verwendbarkeit von Kalksandsteinen nach DIN EN 771-2 fr Mauerwerk
nach DIN 1053-1 auf Grundlage der DIN V 20000-402
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 61

aus Beton gestellt werden. Zu guter Letzt legen die ihre Produkte in Deutschland in Verkehr bringen wol-
Restnormen die Definition der Kurzkennzeichen fest, len, gut beraten, den Verwendern die Pflicht zur ber-
die sich in Deutschland bewhrt und einen reibungs- prfung der Verwendbarkeit abzunehmen, indem sie
losen Handel von Mauersteinen und Mauermçrteln in zustzlich zu der betreffenden europischen Produkt-
weiten Teilen erst ermçglichen. norm auch – sofern vorhanden – die zugehçrige Rest-
In Summe ersetzen die Restnormen fr Mauersteine norm einhalten. Fr die in Deutschland blichen Mauer-
und Mauermçrtel gemeinsam mit den zugehçrigen eu- werksprodukte liegen zwischenzeitlich Restnormen vor
ropischen Produktennormen nahezu vollstndig die (s. Tabelle 3). Dass die bereinstimmung mit der Rest-
entsprechenden ehemaligen deutschen Normen. Eine norm den Verwender von einer Prfung anhand der
Ausnahme stellt das Konformittsbewertungsverfahren Anwendungsnorm enthebt, zeigt sich daran, dass fr
dar. Fr die Bewertung der Konformitt gilt das von der den Mauerwerksbau die Restnormen, zumindest die
Europischen Kommission festlegte und den europi- Restnormen fr in die Deutschland bekannten Mauer-
schen Produktnormen angesprochene Verfahren. Ein steinarten, in der Liste der Technischen Baubestimmun-
Verfahren, das die bereinstimmung mit den Restnor- gen genannt werden, und Mauersteine, die diesen ent-
men u. a. mithilfe einer verpflichtenden Fremdprfung sprechen, verwendbar sind.
der Produkte sicherstellt, htte vermutlich als Handels-
hemmnis ausgelegt werden kçnnen. Ein Teil der Rest-
7.3 Zulassungen
normen fr Mauersteine weist jedoch explizit darauf
hin, dass die bereinstimmung mit der Norm auch mit- Wichen in der Vergangenheit Bauprodukte wesentlich
hilfe von Fremdprfungen erfolgen darf (jedoch nicht von den ehemaligen, in der Bauregelliste A Teil 1
muss). bekannt gemachten Normen ab, galten sie als „nicht
Die gegenber den ehemaligen deutschen Produktnor- geregelt“ und bedurften einer allgemeinen bauaufsicht-
men fehlenden Inhalte in den entsprechenden europi- liche Zulassung, um in Verkehr gebracht und verwen-
schen Normen sind der Grund dafr, dass die europi- det werden zu drfen. Dieser Grundsatz hat sich durch
schen Normen die ehemaligen Normen nur teilweise die Bauproduktenrichtlinie und die Einfhrung der eu-
ersetzen, wie dies in Tabelle 1 angezeigt wird. ropisch harmonisierten Produktnormen insofern gen-
Die Restnormen ersetzen – wie zuvor erwhnt – keines- dert, als dass das Inverkehrbringen stets zulssig ist,
wegs die europischen Produktnormen, im Gegenteil wenn die Bauprodukte die Voraussetzungen zur CE-
setzen sie die Einhaltung dieser sowie die CE-Kenn- Kennzeichnung erfllen und mit dieser versehen sind.
zeichnung der Bauprodukte voraus. Sie sind weder Auch die Beurteilungsgrundlage zur Bestimmung
eine Voraussetzung, um Bauprodukte zu handeln – „nicht geregelter“ Bauprodukte ist nicht mehr die glei-
dies ist die CE-Kennzeichnung und die damit verbun- che. Anstelle der ehemaligen deutschen Produktnor-
dene Einhaltung harmonisierter technischer Regeln ein- men sind die Anwendungsnormen getreten, die Beur-
schließlich des festgelegten Konformittsbewertungs- teilungskriterien (Lochbild, etc.) sind jedoch die glei-
verfahrens – noch Voraussetzung, um Bauprodukte in chen geblieben. Damit ist gewhrleistet, dass smtli-
Deutschland zu verwenden. Letzteres lsst sich – wie che europisch harmonisierten Bauprodukte im Prinzip
bereits erlutert – auch durch die Anwendungsnormen anwendbar sind, weil sie die Kriterien der Anwen-
gewhrleisten. In der Tat weist der Vergleich der zuge- dungsnorm erfllen oder (z. B. im Fall der Mauerstei-
hçrigen Anwendungs- und Restnormen auf den ersten ne) der betreffenden Restnorm entsprechen oder durch
Blick ber weite Teile große hnlichkeiten auf. Der eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung anwend-
wesentliche Unterschied ist, dass die Anwendungsnor- bar gemacht werden kçnnen.
men als „Checkliste“ fr den Verwender formuliert sind Whrend der Anfangszeit, als die Umstellung auf die
(im Sinne von „der vorliegende Mauerstein/Mauermçr- europischen Produktnormen gerade erfolgt war, gal-
tel ist verwendbar, wenn…“), wohingegen die Restnor- ten bereits erteilte allgemeine bauaufsichtliche Zulas-
men als Anforderungen an den Hersteller (im Sinne von sungen unverndert weiter. Diese beschrieben die Ab-
„der Mauerstein/Mauermçrtel hat Folgendes zu erfl- weichungen des Produkts zur ehemals geltenden deut-
len…“) formuliert sind. schen Norm sowie die fr das Produkt geltenden Ver-
Die Hersteller von Mauersteinen und Mauermçrteln wendungsregeln und schrieben eine -Kennzeichnung
sind daher nicht verpflichtet, den Festlegungen der vor. Nach und nach laufen diese „alten“ Zulassungen
Restnormen zu gengen, um ihre Produkte in Verkehr aus. Zulassungen neueren Datums – auch solche, die
zu bringen oder damit diese verwendet werden kçnnen. bereits bestanden, jedoch in jngerer Zeit verlngert
Damit erfllen die Restnormen nicht den Tatbestand oder ergnzt wurden – unterscheiden sich ußerlich
eines Handelshemmnisses oder zustzlicher bauord- nicht von den frheren, jedoch setzten sie nun die ent-
nungsrechtlicher Anforderungen an den Hersteller, wel- sprechende europisch harmonisierte Produktnorm und
ches sie – wie auch die Anwendungsnormen – aus Sicht das CE-Kennzeichen voraus. Wegen der nahezu unbe-
der Europischen Kommission unzulssig machen wr- grenzten Vielfalt an Mauersteinen, die nach den Teilen
den. Die Einhaltung der Restnormen ist freiwillig und der DIN EN 771-Normenreihe mçglich sind, ist eine
diese sind fr jeden, nicht nur fr deutsche Hersteller wesentliche Abweichung zu diesen Normen nahezu
ber das DIN erhltlich. Gleichwohl sind Hersteller, die unmçglich. Insofern stellen die Zulassungen neueren
62 A Baustoffe · Bauprodukte

Datums eine Erweiterung der betreffenden Anwen- Eigenschaften ihrer Produkte in verstndlicher, altbe-
dungsnorm dar und werden deshalb auch als „Anwen- whrter und somit praxisgerechter Weise zu kommuni-
dungszulassungen“ bezeichnet. In der Regel schreiben zieren.
die Anwendungszulassungen keine zustzliche Ein Verwender, der ein Kurzzeichen mit Bezug auf die
-Kennzeichnung der Produkte vor, da dies der Bau- betreffende Restnorm vorliegen hat, braucht die Infor-
produktenrichtlinie widersprechen wrde. Die Ausnah- mationen im CE-Kennzeichen nicht. Im Gegenteil, der
me bilden hier Produkte, die zwar der europischen Verarbeiter auf der Baustelle kann mit den Informatio-
Norm entsprechen, deren Verhalten im Bauwerk aber nen im CE-Kennzeichen oftmals nichts anfangen und
von speziellen Produkteigenschaften abhngt, welche hat auch nicht die Zeit, diese Anhand der Anwendungs-
nicht Bestandteil der CE-Kennzeichnung sind. Ein ty- normen zu bewerten.
pisches Beispiel sind Produkte, deren Verhalten von Aus diesem Grund stellen alle bekannten deutschen
einer bestimmten Rezeptur mçglicher Rohstoffe ab- Hersteller ihre CE-Kennzeichen auf Internetplattformen
hngt, die im Rahmen des Zulassungsantrags dem zur Verfgung. Viele, wenn nicht sogar die berwie-
Deutschen Institut fr Bautechnik offengelegt und gende Mehrheit, haben dieses Medium gar als einzigen
dort hinterlegt wird. Solche Produkte mssen zustz- Weg zur bermittlung der CE-Kennzeichen gewhlt
lich zum CE-Kennzeichen auf Basis einer berein- und gewhrleisten, dass diese Informationen dauerhaft
stimmungserklrung des Herstellers (bereinstim- und unverndert abrufbar sind. Eine ebenfalls unab-
mungsnachweis H) auch mit dem -Zeichen gekenn- dingbare Voraussetzung, die die Hersteller gewhrleis-
zeichnet werden. Hierdurch wird dem Verwender ver- ten, ist die eindeutige Zuordnung der CE-Kennzeichen
deutlicht, dass das Produkt diese speziellen – fr ihn zu gelieferten Produkten. Hierfr hat sich eine Reihe
aus dem CE-Kennzeichen nicht ersichtlichen – Eigen- von Systemen etabliert, die sich teilweise „sprechen-
schaften aufweist, die Voraussetzung fr die in der der“ Codes bedienen, aus denen die Produkteigenschaf-
Zulassung festgelegten Verwendungsregeln sind. ten bereits herausgelesen werden kçnnen (siehe z. B.
http://ziegel.de/ce/ – das im Bild 3b gezeigte Beispiel
ergibt sich aus dem Code
8 Praxisgerechte Umsetzung der „CE 06 1234 H 247 240 238 B 12 12 N 0 N N CE“)
oder auch „nicht-sprechenden“ Codes (siehe z. B.
Hersteller
www.kalksandstein.de/ce/ beispielweise mit dem
Die ehemaligen Produktnormen im Mauerwerkbau Code CE KSI 000 0721 433) . Allen Systemen ist ge-
nahmen nicht nur Bezug auf nationale Gepflogenhei- meinsam, dass sie sich bewhrt haben, bei den Verwen-
ten wie Formate und Vorzugsmaße, sondern harmo- dern auf breite Akzeptanz stoßen und die Hersteller
nierten uneingeschrnkt mit den nationalen Bemes- angeben, wo ihre betreffenden CE-Kennzeichen im In-
sungs- und Ausfhrungsnormen, die auch nach der ternet zur Verfgung stehen.
Umsetzung der europischer Mauerstein- und Mauer- Die Bereitstellung der CE-Kennzeichen auf elektro-
mçrtelnormen weiterhin in Deutschland gelten. Ein nischem Wege war schon deshalb notwendig, weil diese
wichtiges Merkmal nationaler Gepflogenheiten im Informationen lange vor der Lieferung der Produkte auf
Mauerwerkbau waren die in den Produktnormen defi- die Baustelle den interessierten Planern und Einkufern
nierten Kurzkennzeichen. Damit war es mçglich, dem bereitstehen mssen, sofern sich diese nicht oder nicht
Verwender in einer Zeile die fr ihn in Deutschland nur mit den Kurzkennzeichen begngen. Zudem hat die
notwendigen Informationen zu den Produkteigenschaf- Erfahrung, gerade whrend der Anfangszeit der Umstel-
ten zu bermitteln und – gemeinsam mit dem -Zei- lung auf die europischen Produktnormen, vielen Mau-
chen – auszudrcken, dass die Produkte rechtmßig ersteinherstellern besttigt, dass die CE-Kennzeichnung
gehandelt und verwendet werden konnten. All dies am Produkt an den Bedrfnissen der Kunden und nicht
ist mit dem CE-Kennzeichen trotz des grçßeren Um- zuletzt des Baustoffhandels vorbeigeht.
fangs nicht mçglich, da teilweise die deklarierten Wer-
te nicht ohne Umrechnung verwertbar sind und die
Aussage bez. der Verwendbarkeit des Produkts in
9 Ausblick
Deutschland gnzlich fehlt. Daher wird die CE-Kenn-
zeichnung der Bauprodukte oftmals sowohl von den Wie sich in Zukunft der Umgang mit europisch ge-
Herstellern als auch von den Verwendern als lstige normten Produkten im Kontext der deutschen Landes-
Pflicht angesehen, die nur dann nennenswerte, aber bauordnungen entwickeln wird, hngt entscheidend da-
auch unbestreitbare Vorteile erkennen lsst, wenn von ab, wann und in welcher Form der Eurocode 6 um-
Bauprodukte grenzberschreitend gehandelt werden. gesetzt wird und wie die derzeitigen Verhandlungen
Fr die Praxis in Deutschland setzten daher alle Her- ber eine knftige Bauproduktenverordnung, welche
steller von Mauerwerkprodukten auf die bewhrten In- die geltende Bauproduktenrichtlinie ersetzen soll, aus-
halte der ehemaligen deutschen Produktnormen, die gehen. Zu beiden Themen lsst sich jedoch nur speku-
nun in den Restnormen enthalten sind. Vor allem setzen lieren.
die Hersteller jedoch auf die in den Restnormen defi- Eine Umsetzung und vor allem bauaufsichtliche Ein-
nierten Kurzkennzeichen, die es ihnen erlauben, die fhrung des Eurocodes 6 innerhalb der eng begrenzten
III Europische Produktnormen im Mauerwerksbau und deren Umsetzung mit dem deutschen Bauordnungsrecht 63

Anpassungsmçglichkeiten im Nationalen Anhang wr- dung in Deutschland – den heutigen Bewertungshinter-


de die Verwendung harmonisierter Mauersteine zwar grund unverndert voraussetzend – wenig Hoffnung auf
deutlich erleichtern, ist vor dem Hintergrund der Recht- Besserung.
fertigung heutiger Anwendungsnormen aber kaum vor-
stellbar. Die Tabelle 3 im Teil 1-1 des Eurocodes 6 gibt
vier Gruppen von Mauersteinen vor, in welche Mauer-
steine nach der EN 771-Reihe anhand geometrischer 10 Literatur
Anforderungen eingeteilt werden. Diese geometrischen [1] Richtlinie des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Anglei-
Anforderungen sind jedoch weiter gefasst als die der- chung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mit-
zeitigen Anforderungen an das Lochbild in den gelten- gliedstaaten ber Bauprodukte (89/106/EWG), gendert
den deutschen Anwendungsnormen. Somit fallen in die durch die Richtlinie des Rates 93/68/EWG vom 22. Juli
Gruppen sowohl Mauersteine, die in Deutschland ge- 1993.
genwrtig verwendbar sind als auch solche, die es nicht
sind. Bei der Festlegung der charakteristischen Mauer- [2] Gesetz ber das Inverkehrbringen von und den freien
werkdruckfestigkeiten ergeben sich hieraus zwei Mçg- Warenverkehr mit Bauprodukten zur Umsetzung der Richt-
linie 89/106/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 zur
lichkeiten mit jeweils eigenem Dilemma:
Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der
a) Die Gleichungen bzw. Werte werden den derzeit in
Mitgliedstaaten ber Bauprodukte und anderer Rechtsakte
Deutschland zulssigen Mauersteinen gerecht, gelten der Europischen Gemeinschaften.
dann aber auch fr Mauersteine, die nicht zulssig
sind, sodass Sicherheitslcken entstehen oder [3] DIN 1053-1:1996-11: Mauerwerk; Teil 1: Berechnung
b) die Gleichungen werden so angepasst, dass fr alle und Ausfhrung.
Mauersteine das geforderte Sicherheitsniveau er- [4] DIN 18557:1997-11: Werkmçrtel; Herstellung, ber-
reicht wird, was aber bedeutet, dass die Bemessung wachung und Lieferung.
von Mauerwerk aus den derzeit in Deutschland zu-
lssigen Mauersteinen unwirtschaftlicher wird. [5] DIN 1053-100:2005-08: Mauerwerk; Teil 100: Berech-
Die Mçglichkeit a) drfte wohl fr die Bauaufsicht nung auf der Grundlage des semiprobabilistischen Sicher-
nicht infrage kommen, die Mçglichkeit b) lehnt die heitskonzepts.
deutsche Mauerwerkindustrie ab. Dies ist nur eines [6] DIN V 4108-4:2007-06: Wrmeschutz und Energie-Ein-
der Beispiele, anhand derer sich entweder sicherheits- sparung in Gebuden; Teil 4: Wrme- und feuchteschutztech-
relevante oder wirtschaftliche Bedenken aus einer Um- nische Bemessungswerte.
setzung und bauaufsichtlichen Einfhrung des jetzigen
Eurocodes 6 im Zusammenhang mit einer engen Aus- [7] DIN 4109 Beiblatt 1:1989-11: Schallschutz im Hochbau;
legung der Anpassungsmçglichkeiten im Nationalen Ausfhrungsbeispiele und Rechenverfahren.
Anhang aufzeigen lassen. Vor diesem Hintergrund [8] DIN 4102-4:1994-3: Brandverhalten von Baustoffen und
drngt die deutsche Mauerwerkindustrie seit lngerem Bauteilen; Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter
darauf, dass die im Entwurf vorliegenden Teile der Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile.
DIN 1053-11, -12 und -13 als Normen, die in Anleh-
[9] Kirtschig, K.: Zur Klassifizierung von Produkteigen-
nung an den Eurocode 6 erarbeitet wurden, verabschie-
schaften. Tagungsband 9. Internationale Mauerwerkskonfe-
det, verçffentlicht und in die Liste der Technischen
renz, Vol. 3, Hrsg. DGfM, Berlin 1991, S. 1275–1280.
Baubestimmungen aufgenommen werden. Gleichzeitig
pldiert sie fr eine ausreichende bergangsfrist, um [10] DIN EN 771-1:2005-05: Festlegungen fr Mauersteine;
die Zeit dafr zu nutzen, den Eurocode 6 anzupassen. Teil 1: Mauerziegel; Deutsche Fassung EN 771-1:2003 +
Letzteres vor allem auch an den lngst fortgeschrittenen A1:2005.
Stand der Technik. [11] DIN EN 771-2:2005-05: Festlegungen fr Mauersteine;
Die Diskussionen und Entwicklungen bezglich der Teil 2: Kalksandsteine; Deutsche Fassung EN 771-2:2003 +
Bauproduktenverordnung werden in Bezug auf das In- A1:2005.
verkehrbringen und die Verwendung von Bauprodukten
in Deutschland mit großem Interesse verfolgt. Ersteres [12] DIN EN 771-3:2005-05: Festlegungen fr Mauersteine;
ist im Wesentlichen mit der Frage geknpft, ob Baupro- Teil 3: Mauersteine aus Beton (mit dichten und porigen Zu-
dukte auch knftig nur dann im Binnenmarkt in Verkehr schlgen); Deutsche Fassung EN 771-3:2003 + A1:2005.
gebracht werden drfen, wenn sie CE-gekennzeichnet [13] DIN EN 771-4:2005-05: Festlegungen fr Mauersteine;
werden oder ob die CE-Kennzeichnung zuknftig in Teil 4: Porenbetonsteine; Deutsche Fassung EN 771-4:2003
vielen Mitgliedstaaten weitestgehend freiwillig sein + A1:2005.
kçnnte. Wie die knftigen Mandate der Europischen
Kommission an CEN zur Anpassung der harmonisier- [14] DIN EN 771-5:2005-05: Festlegungen fr Mauersteine;
Teil 5: Betonwerksteine; Deutsche Fassung EN 771-5:2003 +
ten Normen an die Ziele und Vorgaben der knftigen
A1:2005.
Verordnung aussehen werden, wird fr die inhaltliche
Form bestimmend sein. Hlt man weiterhin dogmatisch [15] DIN EN 771-6:2005-12: Festlegungen fr Mauersteine;
am Performance-Prinzip fest, besteht bez. der Verwen- Teil 6: Natursteine; Deutsche Fassung EN 771-6:2005.
64 A Baustoffe · Bauprodukte

[16] DIN EN 998-1:2003-09: Festlegungen fr Mçrtel im [23] DIN V 20 000-404:2006-01: Anwendung von Baupro-
Mauerwerksbau; Teil 1: Putzmçrtel; Deutsche Fassung EN dukten in Bauwerken; Teil 404: Regeln fr die Verwendung
998-1:2003. von Porenbetonsteinen nach DIN EN 771-4:2005-05.

[17] DIN EN 998-1 Berichtigung 1:2006-05: Festlegungen [24] DIN V 20000-412:2004-03: Anwendung von Baupro-
fr Mçrtel im Mauerwerksbau; Teil 1: Putzmçrtel; Deutsche dukten in Bauwerken; Teil 412: Regeln fr die Verwendung
Fassung EN 998-1:2003, Berichtigungen zu DIN EN von Mauermçrtel nach DIN EN 998-2:2003-09.
998-1:2003-09; Deutsche Fassung EN 998-1:2003/AC:2005. [25] DIN V 105-100:2005-10: Mauerziegel; Teil 100: Mau-
erziegel mit besonderen Eigenschaften.
[18] DIN EN 998-2: 2003-09: Festlegungen fr Mçrtel im
Mauerwerksbau; Teil 2: Mauermçrtel; Deutsche Fassung [26] DIN V 106:2005-10: Kalksandsteine mit besonderen
EN 998-2:2003. Eigenschaften.
[27] DIN V 18151-100:2005-10: Hohlblçcke aus Leicht-
[19] EN 1996: Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion
beton; Teil 100: Hohlblçcke mit besonderen Eigenschaften.
von Mauerwerksbauten.
[28] DIN V 18152-100:2005-10: Vollsteine und Vollblçcke
[20] DIN V 20 000-401:2005-06: Anwendung von Baupro- aus Leichtbeton; Teil 100: Vollsteine und Vollbçcke mit be-
dukten in Bauwerken; Teil 401: Regeln fr die Verwendung sonderen Eigenschaften.
von Mauerziegeln nach DIN EN 771-1:2005-05.
[29] DIN V 18153-100: 2005-10: Mauersteine aus Beton
[21] DIN V 20 000-402:2005-06: Anwendung von Baupro- (Normalbeton); Teil 100: Mauersteine mit besonderen Eigen-
dukten in Bauwerken; Teil 402: Regeln fr die Verwendung schaften.
von Kalksandsteinen nach DIN EN 771-2:2005-05. [30] DIN V 4165-100:2005-10: Porenbetonsteine; Teil 100:
Plansteine und Planelemente mit besonderen Eigenschaften.
[22] DIN V 20 000-403:2005-06: Anwendung von Baupro-
dukten in Bauwerken; Teil 403: Regeln fr die Verwendung [31] DIN V 18580:2007-03: Mauermçrtel mit besonderen
von Mauersteinen aus Beton nach DIN EN 771-3:2005-05. Eigenschaften.
B Konstruktion J Bauausfhrung J Bauwerkserhaltung

I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem


Mauerwerk nach E DIN 1053-12 67
Dieter Figge, Warburg

II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion


von Verblendmauerwerk 79
Birger Gigla, Lbeck

III Instandsetzung der oberstromigen Fußgngerberwege


an der Horchheimer Brcke – Untersuchungen
an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 103
Holger Tebbe, Neuwied; Stefan Lietz, Markus Brhl,
Frank Tataranni und Peter Schwarz, Koblenz
B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung 67

I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem


Mauerwerk nach E DIN 1053-12
Dieter Figge, Warburg

1 Vorbemerkungen Tabelle 1. Gegenberstellung von DIN 1053-1:1996 [1]


und E DIN 1053-12:2009 [4]
Die aktuelle und bauaufsichtlich eingefhrte Fassung
der DIN 1053-1: Mauerwerk, Teil 1: Berechnung und DIN 1053-1:1996 E DIN 1053-12:2009
Ausfhrung [1] stammt aus dem Jahr 1996 und regelt DIN 1053-1:1996 Abschn. 1 E DIN 1053-12:2009 Abschn. 1
bislang in nur einer Norm das vereinfachte und das Anwendungsbereich und Anwendungsbereich
genauere Nachweisverfahren sowie die Konstruktion normative Verweise
und die Ausfhrung von Mauerwerk. E DIN 1053-12:2009 Abschn. 2
Eine erstmalige berarbeitung der Norm erfolgte dann Normative Verweise
im Jahr 2004 mit der Vorlage der DIN 1053-100 [2], in DIN 1053-1:1996: Abschn. 2 E DIN 1053-12:2009 Abschn. 3
der die Umstellung der Berechnung und Bemessung auf Begriffe Begriffe
das semiprobabilistische Sicherheitskonzept vollzogen
wurde. Mit dieser zustzlichen Norm wurde jedoch kei- – E DIN 1053-12:2009 Abschn. 4
ne grundlegende inhaltliche berarbeitung der Mauer- Abkrzungen und Formelzeichen
werksnorm verfolgt, sondern lediglich die Anpassung DIN 1053-1:1996 Abschn. 3 E DIN 1053-11:2009 Abschn. 5
an das Teilsicherheitskonzept bei unbewehrtem Mauer- Bautechnische Unterlagen und
werk geregelt. E DIN 1053-13: 2009 Abschn. 5
Um den neuen Entwicklungen in den Bereichen Bau- Bautechnische Unterlagen
stoffe, Bemessung sowie Ausfhrung und Konstruktion
DIN 1053-1:1996 Abschn. 4 E DIN 1053-11:2009 Abschn. 7
zuknftig Rechnung tragen zu kçnnen, wurde eine neue
Druckfestigkeit des Mauer- und
DIN 1053 fr unbewehrtes Mauerwerk erarbeitet und
werks E DIN 1053-13:2009 Abschn. 7
als Gelbdruck in den Teilen DIN 1053-11 [3], DIN
Baustoffe
1053-12 [4] und DIN 1053-13 [5] verçffentlicht. DIN 1053-1:1996 Abschn. 5
So erfolgt die Bemessung nach dem vereinfachten Baustoffe
Nachweisverfahren zuknftig nach DIN 1053-11: Mau- DIN 1053-1:1996 Abschn. 6 E DIN 1053-11:2009 Abschn. 1
erwerk, Teil 11: Vereinfachtes Nachweisverfahren fr Vereinfachtes Berechnungs- bis 10
unbewehrtes Mauerwerk [3] und die genauere Bemes- verfahren Vereinfachtes Nachweisverfah-
sung nach DIN 1053-13: Genaueres Nachweisverfahren ren fr unbewehrtes Mauerwerk
fr unbewehrtes Mauerwerk [5]. Die Konstruktion und
die Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk hat knf- DIN 1053-1:1996 Abschn. 7 E DIN 1053-13:2009 Abschn. 1
tig einen eigenen Normenteil und wird in DIN 1053-12 Genaueres Berechnungs- bis 10
[4] Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem verfahren Genaueres Nachweisverfahren
Mauerwerk geregelt. Der aktuelle Stand von Teil 12 fr unbewehrtes Mauerwerk
enthlt eine Reihe von Neuerungen im Mauerwerksbau DIN 1053-1:1996 Abschn. 8 E DIN 1053-12:2009 Abschn. 5
und wird in diesem Beitrag vorgestellt und erlutert. Bauteile und Konstruktions- Konstruktion
details
DIN 1053-1:1996 Abschn. 9 E DIN 1053-12:2009 Abschn. 6
2 Allgemeines Ausfhrung Ausfhrung

Die DIN 1053-12 [4] regelt die Konstruktion und die DIN 1053-1:1996 Abschn. 10 E DIN 1053-12:2009 Abschn. 7
Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk und ist so- Eignungsprfung Kontrolle und Prfungen
wohl in Verbindung mit DIN 1053-11 [3] als auch in DIN 1053-1:1996 Abschn. 11
Verbindung mit DIN 1053-13 [5] anzuwenden, sobald Kontrolle und Gteprfungen
diese als Weißdrucke erschienen sind.
DIN 1053-1:1996 Abschn. 12 E DIN 1053-14:2009: Bemessung
Inhaltlich orientiert sich die neue DIN 1053-12 in den
Natursteinmauerwerk und Ausfhrung von Mauerwerk
wesentlichen Punkten an den Abschnitten 8 und 9 von
aus Natursteinen
DIN 1053-1:1996 [1].

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
68 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Neuerungen betreffen vor allem die Konstruktion und Bei Ausfachungswnden von Fachwerk-, Skelett- und
die Ausfhrung von zweischaligem Mauerwerk, die Schottensystemen darf immer dann auf einen statischen
Auflagertiefe von Deckenauflagern, das berbindemaß Nachweis verzichtet werden, wenn die Wnde viersei-
und die Art der Verfllung bei der Ausfhrung von tig gehalten werden.
Kellermauerwerk. Weiterhin mssen die Bedingungen nach Tabelle 2 ein-
Innerhalb der neuen Normenreihe DIN 1053 [3–5] re- gehalten sein und mindestens Normalmauermçrtel der
gelt Teil 12 ausschließlich die Konstruktion und die Mçrtelgruppe IIa, Dnnbettmçrtel oder Leichtmauer-
Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk und nimmt mçrtel LM 36 verwendet werden.
hinsichtlich der erforderlichen bautechnischen Unterla- In Tabelle 2 ist e das Verhltnis der grçßeren zur klei-
gen sowie der Verwendung zulssiger Baustoffe Bezug neren Seite der Ausfachungsflche.
auf die Bemessungsteile 11 und 13.

Tabelle 2. Grçßte zulssige Werte der Ausfachungsflche von


3 Wnde nichttragenden Außenwnden ohne rechnerischen Nachweis
nach E DIN 1053-11 [3]
3.1 Tragende Wnde
1 2 3 4 5 6 7
Nach E DIN 1053-12 sind Wnde, die mehr als ihre
Eigenlast aus einem Geschoss zu tragen haben, stets Wand- Grçßte zulssige Werte 1) der Ausfachungsflche in m2
tragende Wnde, die mindestens 115 mm dick sein dicke bei einer Hçhe ber Gelnde von
mssen, sofern aus Grnden der Standsicherheit, der t (mm)
0 bis 8 m 8 bis 20 m 20 bis 100 m
Bauphysik oder des Brandschutzes keine grçßeren Di-
cken erforderlich sind. e = 1,0 e ‡ 2,0 e = 1,0 e ‡ 2,0 e = 1,0 e ‡ 2,0
Der Mindestquerschnitt tragender Pfeiler betrgt 400 cm±.
115 2) 12 8 8 5 6 4
Wnde, die der Aufnahme von horizontalen Krften
rechtwinklig zur Wandebene dienen, drfen auch als 175 20 14 13 9 9 6
nichttragende Wnde ausgebildet sein.
240 36 25 23 16 16 12
300 50 33 35 23 25 17
3.2 Nichttragende Wnde
1) Bei Seitenverhltnissen 1,0 < e < 2,0 drfen die zulssigen Werte
Nichttragende Wnde mssen auf ihre Flche wirkende der Ausfhrungsflchen geradlinig interpoliert werden.
Lasten auf tragende Bauteile, wie z. B. Wand- oder De- 2) Bei Verwendung von Steinen der Festigkeitsklasse ‡ 12 drfen die
ckenscheiben, abtragen. Werte dieser Zeile um 1/3 vergrçßert werden

Bild 1. Zulssige Ausfachungsflche von nichttragenden Außenwnden ohne rechnerischen Nachweis


I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 69

Bei Verwendung von Steinen der Festigkeitsklassen


‡ 20 und einem gleichzeitigen Seitenverhltnis h/l ‡ 2,0
drfen die Werte der Spalten 3, 5 und 7, verdoppelt
werden (h = Hçhe bzw. l = Lnge der Ausfachungs-
flche).
Fr nichttragende innere Trennwnde, die nicht durch
auf ihre Flche wirkende Windlasten beansprucht wer-
den, gilt weiterhin DIN 4103-1 [11].

3.3 Anschluss der Wnde an Decken und


Dachsthle
Umfassungswnde mssen an die Decken entweder
durch Zuganker oder durch Reibung angeschlossen
werden.
Zuganker (bei Holzbalkendecken Anker mit Splinten) Bild 2. Anschluss der Wnde an Decken und Dachsthle:
sind in belasteten Wandbereichen – nicht in Brstungs- 1 Umfassungswand, 2 Secke, 3 Anschluss Decke/Umfassungs-
bereichen – anzuordnen. Bei fehlender Auflast sind wand (Reibung)
Ringanker vorzusehen. Der Abstand der Zuganker
muss im Allgemeinen < 2 m sein und darf in Ausnah-
mefllen 4 m nicht berschreiten. 3.4 Auflagertiefe
Bei Wnden, die parallel zur Deckenspannrichtung ver-
laufen, mssen die Maueranker mindestens einen 1 m DIN 1053 regelt auch, dass die Auflagertiefe von De-
breiten Deckenstreifen und mindestens zwei Decken- cken mindestens 100 mm betragen muss und bei Mas-
rippen oder zwei Betonbalken, bei Holzbalkendecken sivdecken keine besonderen Zuganker erforderlich sind.
drei Balken, erfassen oder in Querrippen eingreifen Der statisch voll nutzbare Wandquerschnitt wird nach
(Bild 3). E DIN 1053-11 [3] nur bei ganzflchig aufliegenden
Werden mit den Umfassungswnden verankerte Balken Deckenplatten bercksichtigt. Bei einer Teilauflage-
ber einer Innenwand gestoßen, so sind diese zugfest rung der Deckenplatte wird der Wandquerschnitt mit
miteinander zu verbinden. der Formel (a + 0,5 · tV) / t bercksichtigt.
Giebelwnde sind durch Querwnde oder Pfeilervor- Dabei ist a die Deckenauflagertiefe; tV die Dicke des
lagen ausreichend auszusteifen, falls sie nicht kraft- Abmauersteins mit min tV = 60 mm und t die Dicke der
schlssig mit dem Dachstuhl verbunden werden. Wand. Ist kein Abmauerstein vorhanden, so gilt tV = 0.

Bild 3. Verankerung des Mauerwerks mit der Balkenlage; Bild 4. Mindestauflagertiefe


1 Kopfanker, 2 ‡ 3 Balken von Geschossdecken
70 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

4 Ringanker und Ringbalken (Bild 5)


Ringanker sind grundstzlich in Außen- und Querwn-
den erforderlich, die als vertikale Scheiben der Abtra-
gung horizontaler Lasten dienen, wenn mindestens ei-
nes der folgenden Kriterien zutrifft:
– Es sind mehr als zwei Vollgeschosse vorhanden oder
das Bauwerk ist lnger als 18 m.
– Es sind viele oder besonders große ffnungen in
Wnden vorhanden, auf jeden Fall aber dann, wenn
die Summe der ffnungsbreiten 60 % der Wandln-
ge oder bei Fensterbreiten von mehr als 2/3 der Ge-
schosshçhe 40 % der Wandlnge bersteigt,
– Die Baugrundverhltnisse machen einen Ringanker
erforderlich.
Die Ringanker sind in jeder Deckenlage oder unmittel-
bar darunter anzubringen. Sie drfen aus Stahlbeton, Bild 5. Ringanker und Ringbalken; 1 Ringanker/Ringbalken, 2
bewehrtem Mauerwerk, Stahl oder Holz ausgebildet tragende Wand, 3 nichttragende Wand
werden und mssen einen Bemessungswert der Zug-
kraft von 60 kN aufnehmen kçnnen.

> 2 Vollgeschosse: Ringanker erforderlich t > 18 m: Ringanker erforderlich

Bild 6. Anordnung von Ringankern infolge Gebudegeometrie

P P
RA erforderlich bei a > 60 % von l RA erforderlich bei a > 40 % von l
bei einer Einzelçffnungsbreite > 2/3 h

Bild 7. Anordnung von Ringankern infolge Wandçffnungen


I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 71

Tabelle 3. Ohne Nachweis zulssige Schlitze und Aussparungen in tragenden Wnden (Maße in mm)

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Wanddicke Horizontale und schrge Vertikale Schlitze und Vertikale Schlitze und Aussparungen,
Schlitze 1), nachtrglich Aussparungen, nachtrglich in gemauertem Verband
hergestellt hergestellt
Schlitzlnge Schlitz- Einzel- Abstand der Schlitz- Rest- Mindestabstand der Schlitze
tiefe 4) schlitz- Schlitze und breite 5) wand- und Aussparungen
breite 5) Aussparun- dicke
unbeschrnkt 1,25 m 2) von unter-
gen von
ffnungen einander
Schlitztiefe 3) Schlitztiefe ffnungen

‡ 115 – – £ 10 £ 100 ‡ 115 – – ‡ 2-fache ‡ Schlitzbrei-


Schlitzbreite te
‡ 150 – – £ 10 £ 100 – –
bzw.
‡ 175 0 £ 25 £ 30 £ 100 £ 260 ‡ 115 ‡ 240
‡ 200 0 £ 25 £ 30 £ 100 £ 260 ‡ 115
‡ 240 £ 15 £ 25 £ 30 £ 150 £ 385 ‡ 115
‡ 300 £ 20 £ 30 £ 30 £ 200 £ 385 ‡ 175
‡ 365 £ 20 £ 30 £ 30 £ 200 £ 385 ‡ 240

1) Horizontale und schrge Schlitze sind nur zulssig in einem Bereich £ 0,4 m ober- oder unterhalb der Rohdecke sowie jeweils an einer
Wandseite. Sie sind nicht zulssig bei Langlochziegeln.
2) Mindestabstand in Lngsrichtung von ffnungen ‡ 490 mm, vom nchsten Horizontalschlitz zweifache Schlitzlnge.
3) Die Tiefe darf um 10 mm erhçht werden, wenn Werkzeuge verwendet werden, mit denen die Tiefe genau eingehalten werden kann. Bei
Verwendung solcher Werkzeuge drfen auch in Wnden ‡ 240 mm gegenberliegende Schlitze mit jeweils 10 mm Tiefe ausgefhrt werden.
4) Schlitze, die bis maximal 1 m ber den Fußboden reichen, drfen bei Wanddicken ‡ 240 mm bis 80 mm Tiefe und 120 mm Breite ausgefhrt
werden.
5) Die Gesamtbreite von Schlitzen nach Spalte 5 und Spalte 7 darf je 2 m Wandlnge die Maße in Spalte 7 nicht berschreiten. Bei geringeren
Wandlngen als 2 m sind die Werte in Spalte 7 proportional zur Wandlnge zu verringern.

5 Schlitze und Aussparungen Das sichtbar bleibende Mauerwerk wird in der Regel
im Fugenglattstrich ausgefhrt. Soweit kein Fugen-
Vertikale Schlitze und Aussparungen sind auch weiter-
glattstrich ausgefhrt wird, mssen die Fugen der
hin ohne Nachweis zulssig, wenn die Querschnitts-
Sichtflchen mindestens 15 mm tief flankensauber
schwchung, bezogen auf 1 m Wandlnge, nicht mehr
ausgekratzt und anschließend handwerksgerecht aus-
als 6 % betrgt und die Wand nicht drei- oder vierseitig
gefugt werden.
gehalten gerechnet ist.
Die Restwanddicke muss dabei nach Tabelle 3, Spalte 8,
und der Mindestabstand nach Spalte 9 eingehalten wer-
den. 7 Zweischalige Außenwnde
Ergnzend dazu ist geregelt, dass fr 150 mm und
Die bislang in 1053-1 [1] beschriebenen 4 Wandkons-
200 mm dicke Wnde die nchst niedrigen Wanddicken
truktionen:
im Oktametersystem gelten.
– Zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht,
– Zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht und Wr-
medmmung,
6 Einschalige Außenwnde – Zweischaliges Mauerwerk mit Kerndmmung,
– Zweischaliges Mauerwerk mit Putzschicht
(einschaliges Verblendmauerwerk)
werden in E DIN 1053-12 [4] nicht mehr im Einzelnen
Die Mindestwanddicke von einschaligem, einseitigem behandelt.
Verblend- oder Sichtmauerwerk muss mindestens So sind im Normentwurf im Wesentlichen die erforder-
310 mm betragen. Da die Sichtseite bei einschaligem lichen Abfangungen und die zulssigen Steinberstnde
Verblendmauerwerk einen Teil des tragenden Quer- in Abhngigkeit von der Gebudehçhe und der Scha-
schnitts darstellt, ist fr die zulssige Beanspruchung, lendicke aufgefhrt.
die im Querschnitt verwendete niedrigste Steinfestig- E DIN 1053-12 regelt zudem die Verankerung der Au-
keitsklasse maßgebend. ßenschale und beschreibt die Ausbildung des Schalen-
72 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

zwischenraumes als ohne, teilweise oder ganz mit Wr- drfen die Steine bis zu 38 mm ber ihr Auflager hi-
medmmschichten ausgefllte Konstruktionsbereiche. nausragen.
Die in den meisten Fllen nichttragende Außenschale Das sichtbar bleibende Mauerwerk soll in der Regel im
bleibt bei der Bemessung unbercksichtigt. Sie muss Fugenglattstrich ausgefhrt werden. Wird kein Fugen-
mindestens 90 mm dick und ber die ganze Lnge voll- glattstrich ausgefhrt, mssen die Fugen der Sichtfl-
flchig aufgelagert sein. chen mindestens 15 mm tief flankensauber ausgekratzt
Die nichttragende Außenschale muss bei unverputzter und anschließend handwerksgerecht ausgefugt werden.
Ausfhrung (z. B. Sichtmauerwerk) aus frostwider-
standsfhigen Mauersteinen bestehen. Bei verputzten
7.2 Außenschalen mit Dicken von t ‡ 105 mm
nichttragenden Außenschalen sind auch nichtfrost-
und t < 115 mm
widerstandsfhige Mauersteine mit Außenputzen nach
DIN EN 998-1 [12] in Verbindung mit DIN V 18550 Außenschalen mit Dicken von t ‡ 105 mm und t <
[13] zulssig. 115 mm drfen nicht hçher als 20 m ber Gelnde ge-
fhrt werden und mssen ebenfalls in Hçhenabstnden
von etwa 12 m abgefangen werden (Bild 9).
7.1 Außenschalen von 115 mm Dicke
Außenschalen an Gebuden bis zu 2 Vollgeschossen
Außenschalen von 115 mm Dicke sollen in Hçhen- brauchen nicht abgefangen zu werden. Zudem darf ein
abstnden von etwa 12 m abgefangen werden, wobei Giebeldreieck bis 4 m Hçhe ohne zustzliche Abfan-
die Schalen dabei bis zu 25 mm ber ihr Auflager vor- gung ausgefhrt werden. Diese Außenschalen drfen
stehen drfen (Bild 8). dann maximal 15 mm ber ihr Auflager hinausragen.
Ist die 115 mm dicke Außenschale nicht hçher als zwei Die Fugen der Sichtflchen dieser Verblendschalen
Geschosse oder wird sie alle 2 Geschosse abgefangen, mssen in Fugenglattstrich ausgefhrt werden.

Bild 8. Außenschalen mit 115 mm Bild 9. Außenschalen mit Dicken von Bild 10. Außenschalen mit Dicken von
Dicke; 1 Abfangung der Verblend- t ‡ 105 mm und t < 115 mm; 1 Abfangung t ‡ 90 mm und t < 105 mm; 1 Abfangung
schale (berstand maximal 25 mm), der Verblendschale (berstand maximal 15 der Verblendschale (berstand maximal
2 Fußpunkt nach DIN 18195-4 mm), 2 Fußpunkt nach DIN 18195-4 15 mm), 2 Fußpunkt nach DIN 18195-4
I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 73

Tabelle 4. Ausfhrung von 2-schaligem Mauerwerk nach DIN 1053-12

Nr. Dicke der max. Abfangungen max. berstand Fugenausbildung


Vormauerschale Hçhe der Steine
1 ‡ 115 mm unbegrenzt ca. alle 12 m 25 mm In der Regel Fugenglattstrich.
Bei nachtrglicher Verfugung
2 max. 2 Geschosse oder Abfangung 38 mm
15 mm tief auskratzen
£ 2 Geschosse
3 t ‡ 105 mm 20 m ca. alle 12 m 15 mm Muss in Fugenglattstrich
und ausgefhrt werden.
4 Nicht bei Gebuden mit bis zu zwei
t < 115 mm
Vollgeschossen. Hier darf zudem ein
Giebeldreieck bis 4 m Hçhe ohne zustz-
liche Abfangung ausgefhrt werden.
5 t ‡ 90 mm 20 m ca. alle 6 m 15 mm Soll in Fugenglattstrich aus-
und gefhrt werden, damit auch
6 Nicht bei Gebuden mit bis zu zwei
t < 105 mm nachtrgliche Verfugung
Vollgeschossen. Hier darf zudem ein
mçglich.
Giebeldreieck bis 4 m Hçhe ohne zustz-
(15 mm tief auskratzen)
liche Abfangung ausgefhrt werden.

7.3 Außenschalen mit Dicken von t ‡ 90 mm 7.4 Verankerung


und t < 105 mm
Die Mauerwerksschalen zweischaliger Konstruktionen
Außenschalen mit Dicken von t ‡ 90 mm und t < sind durch Anker nach allgemeiner bauaufsichtlicher
105 mm drfen nicht hçher als 20 m ber Gelnde ge- Zulassung aus nichtrostendem Stahl oder durch Anker
fhrt werden und sind in Hçhenabstnden von etwa 6 m nach DIN EN 845-1 [14] zu verbinden.
abzufangen (Bild 10). Fr den bislang in DIN 1053-1 [1] geregelten Drahtan-
Außenschalen an Gebuden bis zu 2 Vollgeschossen ker (Rundanker) (Bild 12) ist damit zuknftig eine bau-
brauchen nicht abgefangen zu werden. Zudem darf ein aufsichtliche Zulassung erforderlich.
Giebeldreieck bis 4 m Hçhe ohne zustzliche Abfan- Die Drahtanker sind unter Beachtung ihrer statischen
gung ausgefhrt werden. Diese Außenschalen drfen Wirksamkeit so auszufhren, dass sie keine Feuchte
maximal 15 mm ber ihr Auflager hinausragen. von der Außen- zur Innenschale leiten kçnnen (z. B.
Die Fugen der Sichtflchen dieser Verblendschalen sol- Aufschieben einer Kunststoffscheibe).
len in Fugenglattstrich ausgefhrt werden. Bei nichtflchiger Verankerung der Außenschale, z. B.
linienfçrmig oder nur in Hçhe der Decken, ist ihre
Standsicherheit nachzuweisen.

Bild 12. Drahtanker fr zweischaliges Mauerwerk; 1 Anker


nach ‡ 50 mm Auflagerbreite ab- oder in der Stoßfuge
hochbiegen, 2 Tropfscheibe, 3 Vormauerschale, 4 Luftschicht,
Bild 11. Gebude mit bis zu 2 Vollgeschossen 5 Innenschale
74 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bei gekrmmten Mauerwerksschalen sind Art, Anord- Tabelle 5. Mindestanzahl und Durchmesser von Drahtankern
nung und Anzahl der Anker unter Bercksichtigung der je m2 Wandflche
Verformung festzulegen.
Zeile Anwendung Drahtanker
Fr Drahtanker, die in Form und Maßen Bild 12 ent-
sprechen, gilt ein maximal zulssiger vertikaler Ab- Mindest- Durchmesser
stand der Drahtanker von 650 mm [4] (550 mm [1]) anzahl mm
und ein maximaler horizontaler Abstand von 750 mm.
Die Mindestanzahl und der Durchmesser von Drahtan- 1 Mindestens, sofern nicht 5 3
kern je m2 Wandflche sind in Tabelle 5 geregelt, falls Zeilen 2 und 3 maßgebend
in den bauaufsichtlichen Zulassungen fr Drahtanker 2 Wandbereich hçher als 12 m 5 4
keine anderen Festlegungen getroffen sind. ber Gelnde oder Abstand
Der Schalenabstand ist weiterhin auf 150 mm begrenzt, der Mauerwerksschalen ber
sofern auch hier bauaufsichtliche Zulassungen keine 70 bis 120 mm
anderen Schalenabstnde regeln.
An allen freien Rndern (von ffnungen, an Gebudee- 3 Abstand der Mauerwerks- 7 oder 5 4 oder 5
cken, entlang von Dehnungsfugen und an den oberen schalen ber 120 bis 150 mm
Enden der Außenschalen) sind zustzlich zu Tabelle 5
drei Drahtanker je Meter Randlnge anzuordnen.
Werden die Drahtanker in Leichtmauermçrtel eingebet-
Die Dichtungsbahn selbst und die Lage der Dichtungs-
tet, so ist dafr LM 36 erforderlich.
bahn fr die untere Sperrschicht muss ebenfalls DIN
Drahtanker in Leichtmauermçrtel LM 21 bedrfen einer
18195-4 [6] entsprechen.
anderen Verankerungsart.
Abfangkonstruktionen, die nach dem Einbau nicht mehr
Die Innenschalen und die Geschossdecken sind an den
kontrollierbar sind, mssen dauerhaft gegen Korrosion
Fußpunkten der Zwischenrume der Wandschalen unter
geschtzt sein.
Beachtung von DIN 18195-4 gegen Feuchte zu scht-
zen. Dieses gilt auch bei Fenster- und Trstrzen sowie
im Bereich von Sohlbnken.
7.5 Dehnungsfugen
Die Mauerwerksschalen sind an ihren Berhrungspunk-
ten (z. B. Fenster- und Transchlgen) durch eine was- In der Außenschale mssen vertikale Dehnungsfugen
serundurchlssige Sperrschicht zu trennen. Die Auf- angeordnet werden. Ihre Abstnde richten sich nach
standsflche muss so beschaffen sein, dass ein Abrut- der klimatischen Beanspruchung (Temperatur, Feuchte
schen der Außenschale auf ihr nicht eintritt. usw.), der Art der Baustoffe und der Farbe der ußeren
Die erste Ankerlage ist so tief wie mçglich anzuordnen. Wandflche. Darber hinaus muss die freie Beweglich-

Zustzlich:
3 Drahtanker auf 100 cm Randlnge an:
1 = Gebudeecke
2 = ffnungen
3 = Dehnungsfugen
4 = Wandoberseite (Außenschale)

Bild 13. Anordnung von Luftschichtankern an freien Rndern und Dehnungsfugen


I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 75

7.6.1 Luftschicht
g
Luftschichten im Schalenzwischenraum mssen min-
Nord
destens 60 mm betragen.
Wird der Mauermçrtel mindestens an einer Hohlraum-
1 = Fuge
seite abgestrichen, so kann die Luftschichtdicke bis auf
40 mm reduziert werden.
Besonders zu beachten ist, dass zuknftig „Lftungs-
und Entwsserungsçffnungen“ kein „Muss“ mehr sind,
sondern angeordnet werden „drfen“. Dies gilt auch fr
Sturz- und/oder Brstungsbereiche der Außenschale.
Gemß DIN 18195-4 [6] sind alle vom Boden berhrten
Außenflchen der Umfassungswnde gegen seitliche
Bild 14. Anordnung von Dehnungsfugen (Systemskizze)
Feuchtigkeit abzudichten.
Die Abdichtung muss nach DIN 18195-4 [6] planmßig
bis 300 mm ber Gelnde hochgefhrt werden, um aus-
keit der Außenschale auch in vertikaler Richtung si-
reichende Anpassungsmçglichkeiten der Gelndeober-
chergestellt sein.
flche sicherzustellen. Im Endzustand darf dieser Wert
Die unterschiedlichen Verformungen der Außen- und
das Maß von 150 mm nicht unterschreiten. Ist dies im
Innenschale sind, insbesondere bei Gebuden mit ber
Einzelfall nicht mçglich, sind nach DIN 18195-4 [6]
mehrere Geschosse durchgehender Außenschale, auch
besondere Maßnahmen erforderlich.
bei der Ausfhrung der Tren und Fenster zu beachten.
7.6.2 Wrmedmmung
7.6 Luftschicht und Wrmedmmung
Wenn im Schalenzwischenraum Wrmedmmstoffe
Die Abschnitte 8.4.3.2 bis 8.4.3.5 aus DIN 1053-1 [1] eingebaut werden sollen, so sind ausschließlich Dmm-
wurden stark gestrafft und die wesentlichen Punkte in stoffe des Typs WZ nach DIN 4108-10 [7] „Dmmung
den Abschnitten 5.4.3.2 und 5.4.3.3 von E DIN 1053-12 von zweischaligen Wnden, Kerndmmung“ zu ver-
[4] zusammengefasst. wenden.

a) b)

Bild 15. Fußpunktausbildung nach DIN 18195-4; a) mit Entwsserungsçffnungen, b) ohne Entwsserungsçffnungen
76 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

8 Ausfhrung wegen der herstellungsbedingten Unebenheiten der


Stoßfugenflchen mçglich ist.
Neben einigen Umstrukturierungen haben sich gegen-
Bei Stoßfugenbreiten > 5 mm mssen die Fugen beim
ber DIN 1053-1 [1] keine relevanten Vernderungen
Mauern beidseitig an der Wandoberflche mit einem
ergeben.
geeigneten Mçrtel verschlossen werden.

8.1 Lagerfugen 8.3 Verband


Lagerfugen im Mauerwerk bei Normal- und Leichtmau- Nach E DIN 1053-12 [4] muss im Verband gemauert
ermçrtel sollen ca. 12 mm dick sein. Bei Vermauerung werden und das berbindemaß  muss ‡ 0,4 hst, min-
von Steinen in Dnnbettmçrtel muss die Dicke der La- destens jedoch 45 mm betragen.
gerfugen 1 bis 3 mm betragen. Neu hinzugekommen sind Regelungen fr Mauerwerk
aus Elementen und Großblçcken, hier darf das ber-
8.2 Stoßfugen bindemaß  bis auf 0,2 hst reduziert werden, wenn die-
ses in der statischen Berechnung bercksichtigt und in
Stoßfugen sollen bei Verwendung von Normal- oder den Ausfhrungsunterlagen (z. B. Versetzplan bzw.
Leichtmauermçrtel 10 mm dick sein. Bei Vermauerung Positionsplan) ausgewiesen ist.
der Steine mit Dnnbettmçrtel muss die Dicke der Stoß-
fuge 1 bis 3 mm betragen.

8.2.1 Vermauerung von Steinen mit Mçrteltasche


Wenn Steine mit Mçrteltaschen vermauert werden,
mssen die Steine entweder knirsch verlegt und die
Mçrteltaschen verfllt oder durch Auftragen von Mçrtel
auf die Steinflanken vermauert werden.

Bild 18. berbindemaß

8.4 Deckenauflager
Bild 16. Ausfhrung von Stoßfugen bei Steinen
mit Mçrteltaschen Neu ist, dass „geeignete“ konstruktive Maßnahmen wie
z. B. Zentrierung, bei Dachdecken zur Vermeidung von
Rissbildung in Putz und Mauerwerk vorzusehen sind.
8.2.2 Vermauerung von Steinen ohne Dies war in DIN 1053-1 [1] und DIN 1053-100 [2] nur
Stoßfugenvermçrtelung dann erforderlich, wenn die rechnerische Exzentrizitt
konstruktiv auf t/3 begrenzt werden sollte bzw. musste.
Soll bei Verwendung von Normal-, Leicht- oder Dnn-
bettmçrtel auf die Vermçrtelung der Stoßfugen verzich-
tet werden, mssen hierzu die Steine hinsichtlich ihrer
Form und Maße geeignet sein.
Die Steine sind stumpf oder mit Verzahnung durch ein
Nut- und Federsystem ohne Stoßfugenvermçrtelung
knirsch zu verlegen bzw. ineinander verzahnt zu ver-
setzen (Bild 17).
Steine gelten dann als knirsch verlegt, wenn sie ohne
Mçrtel so dicht aneinander verlegt werden, wie dies

Bild 17. Ausfhrung von Mauerwerk


ohne Stoßfugenvermçrtelung Bild 19. Anordnung von Zentrierleisten
I Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk nach E DIN 1053-12 77

9 Kellerwnde
Erfolgt der Nachweis der Kellerwand nach DIN
1053-11 [3], ist sicherzustellen, dass bei der Verfllung
und Verdichtung des Arbeitsraums nur nichtbindiger
Boden nach DIN 1054 und nur Rttelplatten oder
Stampfer mit folgenden Eigenschaften zum Einsatz
kommen:
– Breite des Verdichtungsgertes bV £ 50 cm,
– Wirktiefe zt £ 35 cm,
– Gewicht bis etwa 100 kg bzw. Zentrifugalkrfte bis
max. 15 kN.
Die Abdichtung der Kellerwnde ist nach DIN 18195-4
auszufhren. Die waagerechte Abdichtung (Quer-
schnittsabdichtung) muss dabei aus besandeter Bitu-
mendachbahn (z. B. R 500 nach DIN 52128) oder Ma-
terial mit gleichwertigem Reibungsverhalten bestehen
(z. B. mineralische Dichtungsschlmme).

10 Schutz des Mauerwerks


Bild 20. Systemskizze Kellermauerwerk
10.1 Schutz gegen Regen
Neu sind auch Festlegungen zum Schutz gegen Regen.
So soll fertiges Mauerwerk vor direktem Regen ge- sowie ein gnzlich neues Konzept zur Schubbemessung
schtzt werden, bis der Mçrtel abgebunden hat. Der nach E DIN 1053-13 ist der Teil 12 [4] der Norm gegen-
Schutz soll so erfolgen, dass der Mçrtel nicht aus den ber DIN 1053-1 stark gestrafft worden.
Fugen ausgewaschen wird und dass er nicht abwech- Neuerungen betreffen in vorliegendem Entwurf der DIN
selnd Feucht- und Trockenzeiten unterworfen wird. 1053-12 vor allem die Konstruktion und die Ausfhrung
Bei anhaltendem starkem Regen soll nicht gemauert von zweischaligem Mauerwerk, die Auflagertiefe von
bzw. verfugt werden. Deckenauflagern, das berbindemaß und die Art der
Mauersteine, Mçrtel und frisch verfugtes Mauerwerk sol- Verfllung bei der Ausfhrung von Kellermauerwerk.
len ebenfalls in angemessener Weise geschtzt werden. Auch wenn die Regelungen konstruktionsbedingt gera-
de bei der Ausfhrung von zweischaligem Mauerwerk
zu Verschrfungen fhren, so steht den Architekten und
10.2 Schutz gegen Frost-Tau-Wechsel Ingenieuren mit der neuen DIN 1053-12 ein Werkzeug
zur Verfgung, mit dem Mauerwerk auch zuknftig
Bei Frost darf Mauerwerk nur unter besonderen Schutz-
einfach und sicher konstruiert werden kann.
maßnahmen ausgefhrt werden, wobei Frostschutzmit-
tel und Tausalze nicht zulssig sind und gefrorene Bau-
stoffe nicht verwendet werden drfen.
13 Literatur
[1] DIN 1053-1:1996: Mauerwerk, Teil 1: Berechnung und
11 Kontrollen und Prfungen Ausfhrung.

Mit Ausnahme der Aktualisierung von Verweisen auf [2] DIN 1053-100:2007: Mauerwerk, Teil 100: Berechnung
Mçrtelnormen und der Streichung der Regelungen fr auf der Grundlage des semiprobabilistischen Sicherheitskon-
Mauerwerk nach Eignungsprfung keine nderungen zepts
gegenber DIN 1053-1 [1]. [3] E DIN 1053-11:2009: Mauerwerk, Teil 11: Vereinfach-
tes Nachweisverfahren fr unbewehrtes Mauerwerk.
[4] E DIN 1053-12:2009: Mauerwerk, Teil 12: Konstruktion
12 Fazit und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk.

Die neue Normenreihe DIN 1053-11, -12 und -13 [5] E DIN 1053-13:2009: Mauerwerk, Teil 13: Genaueres
(Gelbdruck) beinhaltet zahlreiche und umfangreiche Nachweisverfahren fr unbewehrtes Mauerwerk.
nderungen und Neuerungen im Vergleich zu DIN [6] DIN 18195-4:2000: Bauwerksabdichtungen, Teil 4: Ab-
1053-1 [1] und DIN 1053-100 [2]. dichtungen gegen Bodenfeuchte (Kapillarwasser, Haftwas-
Neben der nun endgltigen Umstellung auf das Teil- ser) und nichtstauendes Sickerwasser an Bodenplatten und
sicherheitskonzept in E DIN 1053-11 [3] und -13 [5] Wnden, Bemessung und Ausfhrung.
78 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

[7] DIN 4108-10:2008: Wrmeschutz und Energie-Einspa- [11] DIN 4103-1:1984: Nichttragende innere Trennwnde,
rung in Gebuden. Anwendungsbezogene Anforderungen an Teil 1: Anforderungen, Nachweise.
Wrmedmmstoffe, Teil 10: Werkmßig hergestellte Wr-
[12] DIN EN 998-1:2003: Festlegungen fr Mçrtel im Mau-
medmmstoffe.
erwerksbau, Teil 1: Putzmçrtel.
[8] Reichert, H.: Konstruktiver Mauerwerksbau. Bildkom-
[13] DIN V 18550:2005: Putz und Putzsysteme.
mentar zur DIN 1053, Teil 1. 7. Auflage, R. Mller, 1994.
[14] DIN EN 845-1:2008: Festlegungen fr Ergnzungsbau-
[9] Jger, Pflcke, Waurig, Figge, Meyer: Bemessung von
teile fr Mauerwerk, Teil 1: Maueranker, Zugbnder, Auf-
Ziegelmauerwerk nach DIN 1053-1, AMz 2002.
lager und Konsolen.
[10] Brauer, Ehmke, Figge, Meyer: Bemessung von Ziegel-
mauerwerk nach DIN 1053-100, AMz 2006.
B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung 79

II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von


Verblendmauerwerk
Birger Gigla, Lbeck

1 Einfhrung stdte und nimmt in den entsprechenden Regionen ei-


nen bedeutenden stdtebaulichen Wert ein.
Verblendmauerwerk (Bild 1) ist eine zweischalige Au- Andere Außenwandsysteme weisen unter den genann-
ßenwandkonstruktion aus einer tragenden Innenschale ten klimatischen Bedingungen in Abhngigkeit von der
und einer nichttragenden Außen- bzw. Verblendschale lokalen Situation Nachteile auf. Holzfassaden oder au-
aus Mauerwerk. Die Bauweise ist insbesondere in Re- ßenseitige Wrmedmmverbundsysteme gemß DIN
gionen mit mßig-kalten und regenreichen Wintermo- 55699 [64] kçnnen sich durch Besiedlung von Mikroor-
naten sowie regelmßiger Schlagregenexposition b- ganismen nach relativ kurzer Zeit grnlich oder dunkel
lich. Hierzu zhlen die norddeutschen Kstenlnder verfrben (z. B. „Veralgung“ oder „Schwrzepilz“).
und die Kstenregionen der angrenzenden nordeuropi- Dieses Problem zieht insbesondere bei Geschosswoh-
schen Lnder sowie weltweit Kstenregionen von In- nungsbauten Instandsetzungsaufwand nach sich. Kos-
dustrielndern mit dem genannten Klima. Die Bauweise ten entstehen durch die erforderliche Gerststellung,
ist national genormt in der Norm DIN 1053-1 „Mauer- Reinigung, Grundierung und Neubeschichtung. Eine
werk, Teil 1: Berechnung und Ausfhrung“ [27] und im nachtrgliche Reduzierung der Mikroorganismen, bei-
Norm-Entwurf DIN 1053-12 „Mauerwerk, Teil 12: spielsweise durch Algizide ist nicht dauerhaft und kann
Konstruktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mau- in Abhngigkeit von den Inhaltsstoffen zu unerwnsch-
erwerk“ [29]. ten Nebenwirkungen oder zu Umweltbeeintrchtigun-
Der Vorteil von Verblendmauerwerk liegt in einer ho- gen fhren. Wohnungsbaugesellschaften rechnen in
hen Funktionalitt unter den genannten klimatischen den genannten Regionen mit 10-Jahres-Instandsetzung-
Bedingungen sowie einer langen Lebensdauer bei ge- intervallen fr die Beseitigung von Mikroorganismen
ringen Unterhaltungskosten. Die Bauweise prgt ge- auf Wrmedmmverbundsystemen. Eine einsetzende
meinsam mit dem vorhandenen Sichtmauerwerk das Besiedlung durch Mikroorganismen kann jedoch infol-
Stadtbild vieler mittel- und nordeuropischer Ksten- ge der visuellen Beeintrchtigung bereits nach krzerer
Zeit zu Beanstandungen der Mieter oder Eigentmer
fhren. Bei Verwendung von Wrmedmmverbund-
systemen mit Deckschichten aus Klinker-Riemchen
(Bild 2) kommt es erfahrungsgemß weniger stark zur
Beeintrchtigung durch Mikroorganismen. Die Dauer-
haftigkeit dieser Außenwandsysteme hngt von mehre-
ren Faktoren ab, u. a. der Formbestndigkeit der Dmm-
platten und den Eigenschaften des Befestigungsmçrtels
und ist noch nicht systematisch nachgewiesen. Außen-
seitige Wrmedmmverbundsysteme setzen außerdem
eine sorgfltige Planung bei der Befestigung von Regen-
fallrohren, Beschattungssystemen und anderen nichttra-
genden Außenbauteilen voraus, da diese Bauteile im Re-
gelfall nur unter Mehraufwand befestigt werden kçnnen.
Fassaden aus Verblendmauerwerk sind außerdem erfah-
rungsgemß weniger anfllig fr Vandalismus, z. B.
durch Graffiti, als gleichfçrmige Oberflchen.
Auch bei Verblendmauerwerk kann es jedoch infolge
nicht sachgerechter bzw. nicht optimaler Planung oder
Ausfhrung zu Beeintrchtigungen kommen. Am Insti-
tut fr Angewandte Bauforschung (IfAB) der Fach-
hochschule Lbeck werden entsprechende Beeintrch-
Bild 1. Verblendmauerwerk, mit Folie abgedeckt whrend tigungen regelmßig untersucht und analysiert. In man-
einer Arbeitspause, Verblendschale und Tragschale chen Fllen handelt es sich um altbekannte Probleme. In

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
80 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

2 Grundstzliche technische Regeln und


Stand der Baupraxis in
Norddeutschland
2.1 Zweischaliges Verblendmauerwerk
Zweischaliges Verblendmauerwerk – im Folgenden
kurz als Verblendmauerwerk bezeichnet – besteht aus
einer tragenden Innenwand („Innenschale“) und einer
nichttragenden Außenwand („Verblendschale“). Bei
der tragwerksplanerischen Bemessung der Wand gemß
den Normen bzw. Norm-Entwrfen der Reihe DIN
1053 [27–30] und der Norm EC 6 [67] ist als Wanddi-
cke nur die Dicke der tragenden Innenwand anzuneh-
men. Beide Wnde werden auf einem gemeinsamen
Fundament gegrndet (vgl. Bilder 3 und 4). Zur Auf-
Bild 2. Dmmplatte mit aufgeklebten Klinker-Riemchen nahme von Winddruck und -Soglasten auf die Ver-
blendschale sind die beiden Schalen durch Drahtanker
aus nichtrostendem Stahl miteinander zu verbinden.
anderen Fllen liegen komplizierte Wirkungsgefge Der lichte Abstand der beiden Wnde bzw. „Schalen“
vor, die bereits im Vorfeld von mehreren Gutachtern betrgt nach DIN 1053-1 und DIN 1053-12 maximal
und Sachverstndigen unterschiedlich bewertet wurden. 15 cm. Der Abstand von 15 cm ist derzeit der Regelfall.
Das Ziel dieses Beitrags ist es, Hinweise zur mçglichst Im Schalenzwischenraum wird die Wrmedmmung
dauerhaft beeintrchtigungsfreien und in diesem Sinne angeordnet. blicherweise wird geeignete Mineralwol-
nachhaltigen Ausfhrung von Verblendmauerwerk zu le [41] als Kerndmmung verwendet. Die Verblend-
erarbeiten. Eine umfassende Darstellung der norm- schale ist ber ffnungen und in bestimmten in den
und regelgerechten Ausfhrung von Verblendmauer- Normen geregelten Hçhenabstnden statisch abzufan-
werk unter Einbeziehung aktueller Bauprodukte und gen und an der Tragschale oder den Deckensystemen
europischer technischer Entwicklungen steht nicht im zu befestigen. Aufgrund der Vielzahl der enthaltenen
Vordergrund. Hierzu wird z. B. auf den Beitrag von Bauprodukte handelt es sich beim Verblendmauerwerk
Altaha im Mauerwerk-Kalender 2009 verwiesen [1]. um eine komplexe Bauweise. Tabelle 1 und Bild 5 ge-
Einige grundstzliche technische Regeln zur Planung ben einen berblick ber die beteiligten Komponenten.
und Ausfhrung von Verblendmauerwerk werden im Bei der Außenwand-Planung ist das Baurichtmaß [36]
folgenden Abschnitt unter Bercksichtigung des Stan- auf die Tragschale anzuwenden. Die Verblendschale
des der Baupraxis in Norddeutschland zusammenge- wird unter Bercksichtigung der Fenster- und Tr-
fasst. Schden und Beeintrchtigungen an Verblend- anschlge maßlich angepasst.
mauerwerk sind ein interdisziplinres Problem, an
dem Architekten, Bauingenieure, Bauchemiker, Bau-
physiker, Mineralogen und Baubiologen zusammen- 2.2 Tragende Innenschale
arbeiten. Dieser Beitrag geht insbesondere aus objekt- Fr die tragende Innenschale werden im Prinzip alle
planerischer und tragwerksplanerischer Sicht [10] auf genormten, bzw. allgemein bauaufsichtlich zugelasse-
die beeintrchtigungsfreie Konstruktion von Verblend- nen Wandbaustoffe verwendet. Unter Beachtung der
mauerwerk ein.

Bild 3. Kellergeschoss im Rohbau. Rechts auf der


Baugrubensohle ist der Rand der Bodenplatte mit
wrmedmmender Kimmschicht sichtbar.
Am Wandkopf der Kelleraußenwand – unterhalb der
Elementplatten – ist ein der spteren Gelndeober-
kante angepasster Rcksprung von 36,5 cm auf
17,5 cm Wandstrke zur Auflagerung der Verblend-
schale zu erkennen. Das Kelleraußenmauerwerk
besteht aus Kalksand-Planelementen der Abmes-
sungen 498 mm · 498 mm (L/H)
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 81

Bild 4. Grndung der Verblendschale, Sockeldetail.


Ganz außen eine Perimeterdmmung. Das Kellerau-
ßenmauerwerk ist mit Bitumen-Dachdichtungsbah-
nen abgedichtet. Auf dem Rcksprung am Wandkopf
des Kelleraußenmauerwerks unterhalb der Ver-
blendschale sind Wrmedmmelemente aus ge-
schumtem Glas mit geschlossenzelliger Struktur und
eine Hçhenausgleichsschicht aus Kalksandsteinen
angeordnet. Die Dichtungsebene wird unter dem
Wrmedmmelement zur Tragschale gefhrt und ist
hinter der Verblendschale zu erkennen. Die sptere
Gelndeoberkante liegt ungefhr auf Hçhe der
obersten fertiggestellten Lage der Verblendschale

Bild 5. Schematische Darstellung der im Verblend-


mauerwerk vorhandenen Bauprodukte

Tabelle 1. Bauprodukte im zweischaligen Verblendmauerwerk

Tragschale Schalenzwischenraum Verblendschale


Mauersteine Wrmedmmung Mauerziegel oder Kalksandsteine
Mauermçrtel Maueranker Mauermçrtel
Ringanker und -balken Abdichtungsfolien Verfugmçrtel
Auflagerkonsolen Verblendstrze
Balkenauflager Feuchtesperrschicht
Schubanker Dichtungsbnder
Zugbnder Reinigungsmittel
Feuchtesperrschicht
82 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

konstruktiven Grundstze ist auch eine Holzstnderbau- 10,5 oder 11 cm Breite zum Einsatz, z. B. das Olden-
weise mçglich. Die Auswahl des Wandbaustoffs erfolgt burger Format mit ca. 220/105/52 mm (L/B/H). Die
in Abhngigkeit von den Entwurfszielen. Maßgebend Mindestdicke der Verblendschale betrgt 9 cm. Sollen
sind Baukosten, architektonische Aspekte, Nachhaltig- aus architektonischen Grnden sehr kleine Steinformate
keit sowie die Eigenschaften im Hinblick auf Tragfhig- verwendet werden, wie z. B. ca. 180/80/50 mm (L/B/H),
keit, Schallschutz, Brandschutz und energiesparenden ist die Standsicherheit der Verblendschale gesondert
Wrmeschutz. Zu beachten ist weiterhin die Veranke- nachzuweisen und sicherzustellen.
rung der Verblendschale. In der Baupraxis in Nord- Da keine echten Binder vorhanden sind, ist der Begriff
deutschland werden fr die Tragschale massive Baustof- „Verband“ eigentlich irrefhrend. Hufig wird eine un-
fe mit Innenputz deutlich bevorzugt. Im Hinblick auf die regelmßige und nicht im Detail geplante Struktur –
Wirtschaftlichkeit werden in vielen Fllen großformati- sog. „wilder Verband“ – ausgefhrt (Bild 7). Gestalte-
ge Steine mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung risch hçherwertig aber auch aufwendiger in Planung
verwendet. Entsprechend kommen zugelassene Mauer- und Ausfhrung sind regelmßige Strukturen, z. B. in
mçrtel zum Einsatz, z. B. geeignete Dnnbettmçrtel. Die Anlehnung an den Blockverband (Bild 8). Eine Ausfh-
Steine der Tragschale sind heute zumeist mit Nut- und rung gemß Bild 8 setzt eine steingerechte Werkpla-
Federsystem ausgestattet und werden „knirsch“, d. h. nung voraus.
ohne Vermçrtelung der Stoßfugen versetzt. Als Steine werden fr die Verblendschale HD-Ziegel
Im Mehrgeschosswohnungsbau und bei grçßeren Ein- (Klinker oder Vormauerziegel) gemß der Norm DIN
familienhusern wird die Tragschale in Norddeutsch- 771-1 [15] und der Vornorm DIN V 105-100 [13] oder
land hufig aus Kalksand-Planelementen [68] errichtet. Kalksandsteine mit besonderen Eigenschaften nach Vor-
Zulassungsgemß sind 15 cm starke Tragschalen aus norm DIN V 106 [14] verwendet. Fr HD-Ziegel gelten
Kalksand-Planelementen im Prinzip gleichgestellt mit definierte Anforderungen an die mechanischen Eigen-
Wnden von 17,5 cm Strke nach Norm DIN 1053-1, schaften sowie an den Frostwiderstand, Lichtbestndig-
wodurch etwas schlankere Außenwnde realisiert wer- keit und Gehalt an aktiven Salzen nach den Vornormen
den kçnnen. DIN V 105-100, DIN V 20000-401 [60] und DIN
V 52252-3 [63] sowie nach Norm DIN EN 771-1.
Das ußere Erscheinungsbild von Mauerziegeln hngt
2.3 Verblendschale
von den Ausgangsstoffen, der Formgebung und dem
Die Verblendschale ist grundstzlich nichttragend und Brennvorgang ab. Bei handwerklich geprgter Herstel-
trgt ausschließlich ihre Eigenlasten ab. Die DIN lung und traditioneller Brenntechnik – z. B. in einem
1053-1 bzw. DIN 1053-12 regeln die Hçhenabstnde, Ringofen – weisen Mauerziegel aus natrlichem Ton
in denen die Verblendschale zur Begrenzung ihrer eine individuelle Struktur auf. Nach sorgfltiger Sortie-
Schlankheit abzufangen ist. In Abhngigkeit von rung lassen sich mit solchen Mauerziegeln architekto-
Hçhe und Dicke sind gewisse Auflagerexzentrizitten nisch ansprechende Verblendschalen herstellen. Tradi-
zulssig. Zur Abfangung der Verblendschale werden tionell hergestellte Mauerziegel sind relativ teuer und
Auflagerkonsolen oder Verblendstrze (Bild 6) ver-
wendet. Beide Abfangungsarten werden an der Trag-
konstruktion verankert, im Regelfall an den Stahlbeton-
decken und -berzgen, sofern zulssig und statisch
mçglich auch an der Tragschale selbst.
Die erforderlichen tragwerksplanerischen Nachweise
beschrnken sich im Allgemeinen auf die Abfangungen
und auf die Auflagerpressungen bei Exzentrizitten, so-
wie ggf. auf Temperaturdehnungen. Die Befestigung
von statisch nicht nachzuweisenden Bauteilen, wie bei-
spielsweise Regenfallrohren oder Beleuchtungen, ist
blicherweise unkritisch. Bauteile, die ußere Einwir-
kungen wie Windlasten oder Verkehrslasten aufneh-
men, z. B. Verschattungseinrichtungen oder Gelnder
sind gesondert nachzuweisen oder an der Tragschale
zu verankern.
Bei Planung und Ausfhrung der Verblendschale sind
berwiegend architektonische Zielvorstellungen maß-
gebend. Im Vordergrund stehen Farbe und Struktur
der Ziegel und des Mçrtels sowie der gewhlte „Ver-
band“. Die Strke der Verblendschale entspricht im Re-
gelfall der Steinbreite von 11,5 cm des Normalformats
nach Vornorm DIN V 105-100, Tabelle 12. In manchen Bild 6. Verblendstrze, hier bereck gefhrt und
Fllen kommen auch abweichende Steinformate mit an einem Stahlbeton-berzug verankert
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 83

Bild 7. Verblendschale im sog. „wilden Verband“, nachverfugt. Bild 8. Verblendschale im „Blockverband“, Fugenglattstrich.
In der Steinreihe oberhalb des Sockels ist hier infolge zeitweiliger Oberhalb der Verblendschale im Sttzenbereich ist eine hori-
starker Durchfeuchtung eine schwarze Verfrbung durch Mikro- zontale Dehnungsfuge erforderlich. Die Ausfhrung von Rck-
organismen eingetreten sprngen – wie hier im Bereich des Eckpfeilers – setzt eine
sorgfltige Planung im Hinblick auf den energiesparenden
Wrmeschutz voraus

werden bevorzugt bei reprsentativen Immobilien ein- Schattenwurf und die visuelle Struktur der Fassadenfl-
gesetzt. Zunehmend wird auch im niedrigpreisigen che gewnscht. Eine zunehmende Fugentiefe vermin-
Marktsegment eine individuelle Struktur der Mauerzie- dert jedoch die Standsicherheit der Verblendfassade,
gel gewnscht. Preisgnstigere Verblendsteine kçnnen kann zu hçherem Feuchteeintrag in die Verblendschale
auch aus industriell gefertigten, gleichartigen Rohlin- fhren und die Besiedlung der Fugen mit Mikroorga-
gen marktgerecht gestaltet werden. Hierzu eingesetzt nismen begnstigen. Gemß der DIN 1053-1 und DIN
werden u. a. einfrbende Zustze in der Tonmasse (Pig- 1053-12 ist die Verblendschale daher vollflchig aus-
mente), zustzlich aufgebrachte Tonschlmmen (Engo- zufhren. Die Fugen mssen normgemß bndig mit
bieren), Matrizen bei der Formgebung, oder mecha- der Steinaußenkante abschließen. Baupraktisch ist ein
nischer Abrieb nach dem Brennen. Rcksprung der Fugen um bis zu ca. 5 % der Steinbreite
Bei der Herstellung der Verblendschale kommt ein im Vergleich zu einer bndigen Außenflche erfah-
Mauermçrtel fr die Verblendschale und die Tragschale rungsgemß unschdlich, sofern eine Mindestdicke
sowie in besonderen Fllen ein zustzlicher Mauermçr- des tragenden Mçrtels von 9 cm nicht unterschritten
tel fr das nachtrgliche Verfugen der Verblendschale wird (Bild 9).
zum Einsatz. Zum Vermauern der Lager- und Stoß- Verfugmçrtel sind Mauermçrtel, die zum nachtrgli-
fugen der Verblendschale drfen ausschließlich Nor- chen Verfugen bzw. zur Instandsetzung schadhafter Fu-
malmçrtel der Mçrtelgruppen II und IIa nach DIN genbereiche eingesetzt werden. Nachtrgliches Ver-
1053-1 verwendet werden (vgl. Tabelle 2). Hierbei han- fugen bezeichnet ein Auskratzen der Lager- und Stoß-
delt es sich um Kalkzementmçrtel. Reine Zementmçrtel fugen der Sichtflche der Verblendschale und ein an-
der Mçrtelgruppen III und IIIa fhren als Mauermçrtel schließendes Reinigen und Neuverfllen der Fugen mit
infolge ihres hçheren E-Moduls erfahrungsgemß hu- geeignetem Mçrtel in einem gesonderten Arbeitsschritt.
figer zu Rissen bei Temperaturdehnungen oder ußeren Die Auskratztiefe betrgt bei Verblendschalen mit nor-
Verformungen. Kalkmçrtel der Mçrtelgruppe I ermçg- malformatigen Steinen mindestens 15 mm und hçchs-
lichen keinen ausreichend zgigen Arbeitsfortschritt. ten 25 mm, gemessen von der Steinaußenkante. Gemß
Die Fugen der Sichtflchen werden beim Vermauern der Norm DIN 18330 (VOB Teil C) [53] sind Verblend-
durch das Verfahren des sogenannten Fugenglattstri- und Sichtmauerwerk im Fugenglattstrich auszufhren,
ches gestaltet. Hierunter ist das Glattstreichen des Mau- sodass ein nachtrgliches Verfugen bei Bauvertrgen
ermçrtels whrend des Aufmauerns zu verstehen, dass auf Grundlage dieser Norm nicht vorgesehen ist. Nach
blicherweise mit einem Fugholz erfolgt. In der Praxis DIN 1053-12 wird sichtbar bleibendes Mauerwerk in
werden abschnittsweise einige Lagen gemauert und die der Regel im Fugenglattstrich ausgefhrt. Beim Nach-
Fugen dann in einem Zwischenschritt – abhngig von verfugen mssen die Fugen der Sichtflchen nach der
der Verarbeitbarkeit des Mauermçrtels – geglttet. Norm ansonsten mindestens 15 mm tief flankensauber
Gelegentlich kommt es zu Diskussionen ber die mçg- ausgekratzt und anschließend handwerksgerecht aus-
liche Fugentiefe, d. h. das Maß zwischen Fugenaußen- gefugt werden. Auf die Rolle der Fugenausbildung im
kante und Steinaußenkante. Aus architektonischer Sicht Hinblick auf sptere Beeintrchtigungen des Verblend-
wird ein gewisser Rcksprung im Hinblick auf den mauerwerks wird in Abschnitt 6.1 eingegangen.
84 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 9. Fugenausbildung in der Verblendschale

Die bei der Herstellung von Verblendmauerwerk ver- die Verwendung von „Nassmçrtel“, der gebrauchsfertig
wendeten Mçrtel sind weiterhin nach Art bzw. Ort ihrer geliefert wird. Im Werk hergestellte Mçrtel sind in der
Herstellung zu unterscheiden. Nach den Regelungen Norm DIN EN 998-2 [18] in Verbindung mit den Vor-
der DIN 1053-1 war traditionell freigestellt, den Mçrtel normen DIN V 20000-412 [61] und DIN V 18580 [59]
auf der Baustelle nach Raumteilen anzumischen (sog. geregelt. Baustellenmauermçrtel wird durch die Vor-
Baustellenmauermçrtel) oder einen im Werk hergestell- norm DIN V 18580, Abschnitt 6 neu erfasst. Auf der
ten Mauermçrtel zu verwenden. Da es bei der Herstel- Baustelle ist hiernach ausschließlich die Herstellung
lung der Mçrtel auf der Baustelle leicht zu Ungenau- von Normalmçrtel zulssig. Das Abmessen der Binde-
igkeiten kommen kann und auch aus wirtschaftlichen mittel und der Gesteinskçrnung darf nach Raumteilen
Grnden werden in der Baupraxis bevorzugt im Werk oder nach Gewichtsteilen erfolgen, wobei die Rezeptu-
hergestellte Mauermçrtel verwendet. Diese sog. Werk- ren (Mischungsverhltnisse) fr die Mçrtelgruppen I bis
mauermçrtel werden im Mçrtelwerk als „Trockenmçr- III der bekannten Tabelle A.1 aus DIN 1053-1 entspre-
tel“ zusammengestellt und im Silo oder als Sackware chen und unverndert in Raumteilen angegeben sind.
geliefert. Auf der Baustelle ist nach Herstellerangabe Tabelle 2 gibt einen berblick ber Bezeichnungen und
Wasser zuzugeben und der Mçrtel anweisungsgemß einige mechanische Anforderungen. Fr Werkmçrtel
zu mischen und zu verbrauchen. Weniger blich ist sind neben den mechanischen Eigenschaften auch der

Tabelle 2. bersicht ber die Normalmçrtel. Anforderungen an einige mechanische Mçrteleigenschaften, Normen siehe Anhang

Baustellengefertigter Mçrtel oder Werkmauermçrtel nach DIN 1053-1 Werkmauermçrtel nach DIN 998-2 in Verbindung
mit DIN V 20000-412 und DIN V 18580
Mçrtel- Typ Gteprfung Eignungsprfung Mçrtel- Eignungsprfung
gruppe klasse
Druckfestigkeit Druckfestigkeit Verbundfestigkeit Druckfestigkeit Verbundfestigkeit
(DIN 18555-3) (DIN 18555-3) (DIN 18555-5) (DIN EN 1015-11) (DIN EN 1052-3)
[N/mm±] [N/mm±] [N/mm±] [N/mm±] [N/mm±]
I Kalkmçrtel – – – M 2,5 ‡ 2,5 –
II Kalk-Zement- ‡ 2,5 ‡ 3,5 ‡ 0,10 M5 ‡ 5,0 ‡ 0,04
mçrtel
IIa Kalk-Zement- ‡ 5,0 ‡ 7,0 ‡ 0,20 M 10 ‡ 10,0 ‡ 0,08
mçrtel
III Zementmçrtel ‡ 10,0 ‡ 14,0 ‡ 0,25 M 15 ‡ 15,0 ‡ 0,10
IIIa Zementmçrtel ‡ 20,0 ‡ 25,0 ‡ 0,30 M 30 ‡ 30,0 ‡ 0,12
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 85

Chloridgehalt, der Luftgehalt, die Wasseraufnahme, die noch gebruchlich. blicherweise werden Maueranker
Wasserdampfdurchlssigkeit, die Verbundfestigkeit, mit Eignung fr dnne Lagerfugen und allgemeiner
das Brandverhalten und die Dauerhaftigkeit (Frost- bauaufsichtlicher Zulassung mit Geometrie-Vorgaben
widerstand) nachzuweisen und anzugeben. verwendet. Die Maueranker mssen aus Werkstoffen
Die Mindesttrockenrohdichte betrgt sowohl fr Nor- gemß DIN EN 10088 [37] hergestellt werden.
malmçrtel nach DIN 1053-1 als auch fr Werkmçrtel Im Hinblick auf den energiesparenden Wrmeschutz [6]
gemß DIN 998-2 in Verbindung mit DIN V 20000-412 wird der Schalenzwischenraum heute mçglichst voll-
mindestens 1500 kg/m. stndig mit Wrmedmmung ausgefllt. Die frher teil-
weise gebruchliche Luftschicht zwischen Außenschale
und Wrmedmmung von mindestens 60 bzw. 40 mm
2.4 Schalenzwischenraum
Strke ist heute nicht mehr blich. Stand der Baupraxis
Innen- und Außenschale sind durch Draht- bzw. Mauer- ist das Ausfllen des Schalenzwischenraums mit einer
anker mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung mit- Wrmedmmschicht (sog. „zweischalige Wand mit
einander zu verbinden. Die Maueranker drfen den Wrmedmmung“). Hierbei verbleibt ein „Fingerspalt“
Feuchteschutz zwischen Verblendschale und Tragscha- von ca. 20 mm Dicke, um die Verblendsteine anforde-
le nicht berbrcken. Durchlaufende „Mçrtelbrcken“ rungsgerecht versetzen zu kçnnen. Die Wrmedm-
auf den Ankern sind daher unbedingt zu vermeiden. Sie mung gilt entsprechend als Kerndmmung und muss
treten aber bei heute blicher Kerndmmung in der dem Anwendungstyp „WZ“ nach DIN 4108-10 [35]
Praxis kaum auf. Anzahl und Abstnde der Maueranker entsprechen. Die nach DIN 1053-1 und DIN 1053-12
werden in den jeweiligen Zulassungen und in DIN vorgesehene Kunststoffscheibe („Tropfscheibe“) ist je-
1053-1 und DIN 1053-12 geregelt. In DIN 1053-1 doch weiterhin grundstzlich erforderlich und kann nur
wird der Begriff Drahtanker verwendet. Die Drahtanker bei entsprechender Eignung der Wrmedmmschicht
mssen aus den nichtrostenden Stahlsorten 1.4401 oder Zulassung der Maueranker entfallen, bzw. als Fi-
(X5CrNiMo 17-12-2) oder 1.4571 (X6CrNiMoTi xierung der Dmmschicht an der Tragschale verwendet
17-12-2) hergestellt sein. Ihre Form und die Veranke- werden. Ein gewisses Problem beim Ausfllen des
rungslngen sind in Bild 9 der DIN 1053-1 definiert Schalenzwischenraums mit Wrmedmmung ist die
(Bild 10). Darber hinaus drfen auch Drahtanker mit Ausfhrung der Innenseite der Verblendschale. Der
allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung verwendet Mauermçrtel lsst sich auf der Innenseite baupraktisch
werden. nicht glattstreichen, da er hierbei in den Zwischenraum
In den neuen Normentwurf DIN 1053-12 wurden die fallen und sich am Fußpunkt der Wand sammeln wrde.
bisherigen Regelungen weitgehend bernommen, wo- Durch Kerndmmung und Anker ist es auch kaum mçg-
bei zunehmend der Begriff Maueranker verwendet lich zur Untersttzung ein Schalbrett an der Innenseite
wird. Zustzlich gilt die DIN EN 845-1 [17]. Fr den der Verblendschale anzulegen. Das Hineinfallen von
Referenz-Ankertyp gemß DIN 1053-1, Bild 9 gilt ein Mçrtel in den Schalenzwischenraum ist trotzdem unbe-
etwas hçherer vertikaler Abstand von 650 mm gegen- dingt zu vermeiden, da es bei einer Anreicherung am
ber dem vorherigen Soll von 500 mm. Diese nderung Wandfuß zu einer andauernden lokalen Feuchteeinwir-
wird in der Baupraxis keine große Bedeutung erlangen. kung kommen kann. Mçrtelbrocken sind darber hinaus
Da in der Tragschale zumeist Bauprodukte wie groß- unerwnschte Fremdkçrper in der Wrmedmmschicht.
formatige Steine mit Dnnbettfugen verwendet zum Daher ist handwerklich darauf zu achten, Mçrtel mit
Einsatz kommen, ist der Referenz-Ankertyp kaum geeigneter Konsistenz zu verwenden und eine optimale

Bild 10. Draht- bzw. Maueranker nach DIN 1053-1 und E DIN 1053-12
86 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Ein weiteres Problem besteht in den schalltechnischen


Eigenschaften der Maueranker im Hinblick auf Bau-
werke, die durch Lrmimmissionen belastet sind. Akus-
tisch gewhrleisten zwei getrennte Schalen in ausrei-
chendem Abstand mit gedmpftem Innenraum im Prin-
zip eine hervorragende Schalldmmung. Durch die Ver-
ankerung der beiden Schalen wird diese
Schalldmmungswirkung jedoch berwiegend „kurz-
geschlossen“. Hier besteht ein gewisser Entwicklungs-
bedarf fr schalldmmende Anker mit hinreichender
Zug- und Druckfestigkeit sowie Brandsicherheit. Mit
schalldmmenden Ankern hergestelltes Verblendmau-
Bild 11. Auf der Innenseite der Verblendschale ausgetretener erwerk wre besonders immissionsreduzierend. Ent-
Mauermçrtel, der deutlich bersteht. Um zu verhindern, dass sprechende Schalldmmanker wurden international bei-
ausgetretener Mçrtel in den Schalenzwischenraum fllt und sich spielsweise in Australien entwickelt.
am Wandfuß anreichert, sollte Mçrtel mit geeigneter Konsistenz
in optimaler Menge aufgetragen werden. Hierdurch wird der
Mçrtelberstand begrenzt
3 Dauerhaftigkeit der Verblendschale
Unter Dauerhaftigkeit der Verblendschale wird eine
Mçrtelmenge aufzutragen, um die Steine vollfugig zu mçglichst lange Standzeit ohne Instandsetzungsbedarf
vermauern und auf der Innenseite der Verblendschale verstanden. Die Dauerhaftigkeit hngt – wie beschrie-
berstehenden Mauermçrtel („Mçrtelwlste“, vgl. ben – im Wesentlichen von der Planung, von der hand-
Bild 11) zu vermeiden. Bei Verwendung einer geeig- werklichen Ausfhrung und von den Eigenschaften der
neten Wrmedmmschicht ist zwar kein Feuchtedurch- verwendeten Mauerziegel und Mauermçrtel ab. Pla-
schlag zur Tragschale zu befrchten, allerdings kann die nung und Ausfhrung von Verblendmauerwerk sind in
hçhere Feuchtemenge in der betroffenen Lagerfuge die den genannten Normen der Reihe DIN 1053 und der
Ansiedlung von Mikroorganismen an der Sichtflche Norm DIN 18330 geregelt. Hier finden sich auch we-
begnstigen. sentliche Vorgaben fr die handwerkliche Ausfhrung.
Im Schalenzwischenraum lassen sich bei der beschrie- Im Zusammenhang mit der Dauerhaftigkeit stellt sich
benen Bauweise Dmmschichtstrken von ca. 12 bis die Frage nach der Art mçglicher Schden oder Beein-
14 cm Strke anordnen, was das Potenzial des Ver- trchtigungen. Schadensbeispiele an Ziegelmauerwerk
blendmauerwerks im Hinblick auf den rechnerischen werden bei Franke/Schumann [7] klassifiziert. Hier
Transmissionswrmeverlust [6] einschrnkt. Bei au- werden die folgenden sieben Schdigungsprozesse un-
ßenseitigen Wrmedmmverbundsystemen sind heute terschieden:
Mindest-Dmmschichtstrken von 14 bis 18 cm b- – Durchfeuchtung,
lich, mit entsprechend gnstigerem rechnerischem – Frostschdigung,
Wrmedurchgangskoeffizienten. – Salzkristallisation,
Bei Verwendung entsprechend zugelassener Maueran- – Oberflchenerosion,
ker kann der lichte Schalenabstand vergrçßert werden. – Ausdehnung,
Hierdurch erhçhen sich jedoch die Kosten fr Anker – Konstruktionsschdigende Prozesse,
und Abfangungen. Die erhçhte Gesamtwanddicke des – Biologischer Bewuchs.
Verblendmauerwerks verringert außerdem die nutzbare Da die Begriffe „Schaden“ oder „Mangel“ von juristi-
Wohnflche, wodurch sich insbesondere in innerstdti- scher Bedeutung sein kçnnen, wird im Folgenden der
schen Lagen grundstzliche Nachteile bei Investitions- Begriff „Beeintrchtigung“ verwendet. Aus wissen-
entscheidungen ergeben. Aus Grnden der Wirtschaft- schaftlicher Sicht soll er juristisch wertungslos einen
lichkeit wird in der Baupraxis daher am maximalen Zustand bezeichnen, mit dem ein Bauwerkseigentmer
Schalenabstand von 15 cm festgehalten. Eine alternative oder -bewohner zunchst unzufrieden ist.
Lçsungsmçglichkeit zur Verbesserung des Wrmedurch- Wenn bei Verblendschalen Beeintrchtigungen auftre-
gangskoeffizienten ist die Verwendung hocheffizienter ten, ist zumeist Durchfeuchtung die Ursache. Eine
Dmmstoffplatten aus Polyurethan [42], die derzeit an sichtbare Durchfeuchtung kann bereits selbst als Beein-
einem Lbecker Modellprojekt untersucht wird. trchtigung empfunden werden (sog. „Regenfahnen“),
In der aktuellen Fassung der DIN 1055-4 [31] sind u. a. darber hinaus kann es bei Durchfeuchtung zur Salz-
in einigen Kstenregionen (Windzone 4) rechnerisch kristallisation und zum biologischen Bewuchs kommen.
hçhere Windsoglasten anzusetzen. Da sich die Ver- Entscheidend fr die Dauerhaftigkeit ist das Potenzial
ankerungen zwischen Verblendschale und Tragschale der Baustoffe der Verblendschale im Hinblick auf
bislang auch in den betroffenen Regionen bewhrt ha- Feuchteaufnahme und -abgabe. Maßgebend sind die
ben, wird derzeit kein Bedarf an einer Neuregelung der Porenstukturen von Steinen und Mçrteln, die optimal
Ankergeometrie gesehen. aufeinander abgestimmt sein sollen, sowie die Vermei-
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 87

Bild 12. Moosbildung auf dauerfeuchten Lagerfugen Bild 13. Riss am Wandkopf einer Verblendschale infolge
einer Verblendschale unplanmßiger Lasteinleitung aus dem Dachtragwerk

dung von Hohlrumen, Rissen und Verbundstçrungen In der europischen Norm EN 998-2 wird die Dauer-
zwischen Steinen und Mçrteln. Die Feuchteaufnahme haftigkeit des Mçrtels dem Frostwiderstand gleichge-
ber die Oberflche der Verblendschale infolge der po- setzt. Da die Norm bislang nicht auf ein geeignetes
rçsen Baustoffe ist im Prinzip eine gute Eigenschaft. Verfahren zur Prfung des Frostwiderstandes von Mçr-
Sofern kein andauernder Feuchtefilm infolge von Kon- teln verweist, werden informativ Hinweise als Grund-
densation an der Fassadenoberflche auftritt, wird die lage fr die Deklaration als Bauprodukt gegeben. Be-
Besiedlung durch Mikroorganismen weitestgehend ver- wertet wird die mçgliche Durchfeuchtung des Mçrtels
mieden. Wichtig ist jedoch, dass die Oberflchen in bis zur Wassersttigung bei gleichzeitigen hufigen
ausreichender Zeit wieder austrocknen kçnnen. Wenn Frost-Tau-Wechseln. Einige typische Mauerwerkkon-
Steine oder Mçrtel andauernd durchfeuchten, kçnnen struktionen – u. a. Außenmauerwerk nahe der Gelnde-
Folgeprobleme entstehen, wie Lçsung und Transport oberkante – werden hierbei drei Gefhrdungsklassen
von Schadstoffen (z. B. Salzen) aus den Baustoffen an zugeordnet (stark, mßig und nicht angreifend).
die Fassadenoberflche oder biologische Besiedlung. Maßgebend im Hinblick auf Salzkristallisationen (Aus-
Dauerfeuchte Fugen kçnnen z. B. von Moosen besiedelt blhungen) und biologischen Bewuchs (Algen, Schim-
werden (Bild 12). melpilze, Flechten und Moose) ist die Durchfeuchtung
Statische Probleme, wie Risse nach unplanmßiger Ein- des Mauerwerks. Stoffbewegungen im Mauerwerk sind
leitung von Dachlasten (Bild 13) oder durch Wrmedeh- ausschließlich mit Wasser als Transportmedium mçg-
nungen, werden im Allgemeinen nach relativ kurzer Zeit lich. Eindringendes Wasser lçst vorhandene Salze aus
eindeutig erkannt und sollen hier außer Acht gelassen den Mçrteln und Steinen und transportiert die Salze auf
werden. Frostprobleme an Mauerziegeln oder Mauer- die Sichtflche, wo sie abgeschieden werden und „aus-
mçrteln treten im Neubaubereich in Norddeutschland blhen“. Im Bereich von Gefgestçrungen, wie nicht
u. a. infolge weiterentwickelter europischer ber- vollflchig verfllten Fugen oder Verbundstçrungen
wachungs- und Zertifizierungssysteme nur selten auf, zwischen Mçrteln und Mauerziegeln, kann es zu einer
sofern alle Bauprodukte auf der Baustelle sachgerecht Aufkonzentration von Salzen oder Calciumhydroxid
verarbeitet werden. Vçllig auszuschließen sind Quali- kommen.
ttsprobleme bei Steinen und Mçrteln jedoch nicht. Sie
entstehen u. a. bei unbemerkter Verunreinigung der Aus-
gangsstoffe, bei Produktionsstçrungen (z. B. Verlauf
Brenntemperatur nicht wie vorgesehen, Mischanlage un-
4 Energiesparender Wrmeschutz
zureichend gereinigt) oder durch Unachtsamkeit in der Wie bereits in Abschnitt 2.3 beschrieben, ist die mçgli-
Logistik. Frostprobleme kçnnen auch entstehen, wenn che Strke der Wrmedmmschicht bei Verblendmauer-
hochwertige Mauerziegel aus einem alten Gebude neu werk begrenzt, da der lichte Abstand der Verblendschale
verwendet werden sollen. Hierbei ist eine berprfung und der Tragschale 150 mm nicht bersteigen darf. Heu-
der Frostwiderstandsfhigkeit nach DIN 52252-1 [62] te baupraktisch blich ist die zweischalige Wand mit
bzw. DIN CEN/TS 772-22 [16] zu empfehlen, da die Wrmedmmung, nach DIN 4108, Beiblatt 2 [33] all-
Frostexposition in einer neuen Verblendschale außerhalb gemein als Mauerwerk mit Kerndmmung bezeichnet.
der Wrmedmmung hçher ist als beispielsweise vorher Hierbei wird der Schalenzwischenraum mçglichst voll-
in einschaligem Sichtmauerwerk. Der Frostwiderstand stndig mit einer nach DIN 4108-10 [35] geeigneten
kann daher nicht durch die erkennbare Eignung in einem bzw. bauaufsichtlich zugelassenen Wrmedmmschicht
Vorgngerbau als nachgewiesen gelten. Frostprobleme ausgefllt. Heute blich sind zweilagige Wrmedmm-
an Steinen werden als Haarrisse oder Abblttern im Re- schichten von 12 bis 14 cm Strke aus Mineralwolle.
gelfall bereits nach einigen Frostperioden mit voran- Von Bauherren werden infolge erhçhter Anforderungen
gegangener Durchfeuchtung bemerkt. inzwischen Außenwand-Dmmstoffdicken bis 20 cm
88 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

verlangt. Wie in Abschnitt 2.3 bereits beschrieben, lsst Tabelle 3 wiedergegebenen Beanspruchungsklassen de-
sich der Abstand zwischen Tragschale und Verblend- finiert.
schale nicht ohne Weiteres steigern. Hierfr zugelassene Zustzlich steht eine bersichtskarte zur berschlgli-
Verankerungen und Abfangungen erhçhen die Baukos- chen Ermittlung der Beanspruchungsgruppen der
ten erheblich und werden aus Grnden der Wirtschaft- Schlagregenbeanspruchung zur Verfgung (Bild 14).
lichkeit bislang kaum eingesetzt. Alternativ kann der Zweischaliges Verblendmauerwerk mit Luftschicht und
Wrmeschutz von Verblendmauerwerk durch hochwr- Wrmedmmung oder mit Kerndmmung (mit Innen-
medmmende Stoffe verbessert werden. putz) ist nach Tabelle 3 der Norm der Beanspruchungs-
Betrachtungen zur Ermittlung der rechnerischen Grç- klasse III zugeordnet und gengt damit den hçchsten
ßen zum Nachweis des energiesparenden Wrmeschut- Anforderungen. Der Schlagregenschutz ist zustzlich
zes finden sich bei Altaha im Mauerwerk-Kalender im Bereich der Fugen und Anschlsse sicherzustellen.
2009 [1]. Beim Wrmedurchgangskoeffizienten fr Zu den Mechanismen des Feuchtetransportes in porçsen
die Außenwand („U-Wert“) oder dem spezifischen Baustoffen, insbesondere im Sichtmauerwerk und hier
Transmissionswrmeverlust handelt es sich um rech- speziell im bergang vom Stein zur Fuge liegen zahl-
nerische Grçßen. Derzeit wird in der Fachçffentlichkeit reiche Verçffentlichungen vor. Beispielhaft seien hier
ber den Vergleich des tatschlichen Energiebedarfs die grundlegenden Arbeiten von Garrecht im Mauer-
von Wohnhusern mit Außenwnden aus Verblend- werk-Kalender 2009 [8] und die Ergebnisse von Bro-
mauerwerk mit dem rechnerisch vorhergesagten fl- cken [3] und Groot [9] genannt. Die Beschreibung der
chenbezogenen Jahres-Primrenergiebedarf [6] dis- zugrundeliegenden Transportmechanismen ist auch Ge-
kutiert. Trotz prziser Berechnung hngt der tatsch- genstand laufender Forschungsprojekte, derzeit u. a. im
liche Energiebedarf vom Nutzerverhalten ab, das nur Hinblick auf die numerische Simulation der Feuchte-
bedingt vorhersehbar ist. Vorliegende Erhebungen bertragung, die bereits in der DIN EN 15026 [43] er-
zum tatschlichen flchenbezogenen Energiebedarf zei- fasst ist.
gen teilweise sehr unterschiedliche Ergebnisse. Ent- Verblendmauerwerk kann auf unterschiedliche Weise
scheidend sind auch die Gesamtwirtschaftlichkeit und Feuchte aufnehmen, z. B. durch Dampfdiffusion, Kon-
die Funktionalitt der Außenwand ber das ganze Jahr, densation, Spritzwasser oder ablaufendes Wasser infol-
z. B. im Hinblick auf den sommerlichen Wrmeschutz. ge defekter Dachentwsserung. Schlagregeneinwirkung
Auf diese Aspekte soll hier nicht weiter eingegangen entsteht, wenn Regentropfen durch strçmende Luft aus
werden. Zum energiesparenden Wrmeschutz von Au- ihrer lotrechten Bahn abgelenkt werden und auf die
ßenwnden aus Verblendmauerwerk wird u. a. auf ak- Oberflche auftreffen. Die Einschtzung der durch
tuelle Ergebnisse der „Arbeitsgemeinschaft fr zeitge- Schlagregen auf eine Fassade einwirkenden Wasser-
mßes Bauen e. V.“, Kiel (www.arge-sh.de) verwiesen. menge ist schwierig, da Luftstrçmungen sehr lokal
und diskontinuierlich auftreten und stndliche Wind-
und Niederschlagsdaten nur im Bereich von Messstatio-
5 Eindringen von Feuchte durch nen zur Verfgung stehen. Zudem hngt die einwirken-
de Wassermenge zustzlich auch von der Fassaden-
Schlagregen gestaltung ab (Vorsprnge, Balkone, Dachberstnde
Außenwnde mssen so beschaffen sein, dass sie usw.). Da die Windgeschwindigkeit mit steigender
Schlagregenbeanspruchungen standhalten [29]. Der Hçhe ber Gelnde zunimmt, ist die lokale Schlag-
Schlagregenschutz von Wnden ist in der DIN 4108-3 regenbelastung grundstzlich eine Funktion der Bau-
[34] national geregelt. In Abhngigkeit von Jahresnie- teilhçhe. Der Norm-Entwurf DIN EN ISO 15927-3
derschlagsmenge und Windexposition werden die in [51] gibt Hinweise zur Ermittlung der wahrscheinlich

Tabelle 3. Beanspruchungsklassen zur Einschtzung der Schlagregenbeanspruchung nach DIN 4108-3

Beanspruchungsklasse I • Jahresniederschlagsmenge unter 600 mm


(geringe Schlagregenbeanspruchung) • in besonders windgeschtzten Lagen auch bei grçßerer Niederschlagsmenge
Beanspruchungsklasse II • Jahresniederschlagsmenge von 600 bis 800 mm
(mittlere Schlagregenbeanspruchung) • in windgeschtzten Lagen auch bei grçßerer Niederschlagsmenge
• fr Hochhuser oder Huser in exponierter Lage in Gebieten der
Beanspruchungsklasse I
Beanspruchungsklasse III • Jahresniederschlagsmenge ber 800 mm
(starke Schlagregenbeanspruchung) • windreiche Gebiete, auch mit geringeren Niederschlagsmengen
(z. B. Kstengebiete, Mittelgebirgslagen, Alpenvorland)
• fr Hochhuser oder Huser in exponierter Lage in Gebieten der
Beanspruchungsklasse II
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 89

Bild 14. bersichtskarte zur Schlagregenbeanspruchung in der Bundesrepublik Deutschland


aus der Norm DIN 4108-3 [34]

auf eine Wand auftreffende Wassermenge auf Grundlage tes stand zunchst nicht im Vordergrund. Allerdings
stndlicher Daten oder auf Grundlage durchschnittlicher orientiert sich die in den Versuchen aufgebrachte Was-
Winddaten und Wettercodes fr Regen in Abhngigkeit sermenge an Regenereignissen in Lbeck. In einem ers-
von Topografie und weiteren Eigenschaften der Wand. ten Schritt wurde Leitungswasser verwendet.
Die Verfahren zur Berechnung der Schlagregenmenge je Bild 15 zeigt den prinzipiellen Versuchsaufbau. Als
Quadratmeter Wandflche fhren jedoch nur zu groben Versuchskçrper wurden fnf realittsnahe Verblend-
Anhaltswerten und leiden darunter, dass fr ein beliebi- schalen der Abmessungen ca. 100/99/36,5 cm (H/B/T)
ges Gebude kurzfristig kaum reprsentative Wetter- hergestellt. Die Versuchskçrper waren im Grundriss
daten und -codes zur Verfgung stehen. U-fçrmig (vgl. Bild 16). Sie wurden aus drei Arten
Zur Untersuchung des Feuchtetransports in Verblend- von Mauerziegeln mit unterschiedlichen kapillaren
mauerwerk bei Schlagregeneinwirkung wurden eigene Saugeigenschaften hergestellt: einem wenig saugenden
Versuche durchgefhrt [2]. Hierbei ging es zunchst um Kanalklinker, einem mittelstark saugenden Mauerzie-
die Beobachtung der grundstzlichen Vorgnge und um gel und einem stark saugenden Mauerziegel. Die Eigen-
die Quantifizierung der vom Mauerwerk aufgenom- schaften der verwendeten Steine wurden im Labor un-
menen Wassermenge. Die Untersuchung des bei tersucht. Eine Auswahl der ermittelten Werte ist in der
Schlagregen tatschlich transportierten Feuchteangebo- nachfolgenden Tabelle 4 zusammengestellt.
90 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 15. Eigene Versuche zur Schlagregenbeanspruchung von Verblendschalen, Versuchsaufbau [2]

Bild 16. Steingerechte Skizze der Versuchskçrper

Tabelle 4. Ausgewhlte Eigenschaften der verwendeten Steinarten

Untersuchung nach DIN EN 772 Wenig saugender Mittelstark saugender Stark saugender
Kanalklinker Mauerziegel Mauerziegel
Teil 1 konditionierte Druckfestigkeit [N/mm2] 76,34 66,10 19,17
Teil 2 Lochanteil [ %] 1,68 1,24 10,84
3
Teil 13 Netto-Trockenrohdichte [kg/m ] 2319 2021 1785
Brutto-Trockenrohdichte [kg/m3] 2280 1996 1591
Teil 7 Wasseraufnahme [ %] 4,5 10,7 15,5
2
Teil 11 anfngliche Wasseraufnahme [kg/(m · min] 0,2 1,3 3,3
Untersuchung nach DIN EN ISO 15148 ganzer Stein ganzer Stein ganzer Stein
2 0,5
Wasseraufnahmekoeffizient [kg/(m · h )] 0,22 6,14 14,94
Format ca. (L / B / H) [mm] 240 / 115 / 71 240 / 115 / 71 210 / 100 / 50
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 91

Tabelle 5. bersicht ber die Versuchsreihen zum Feuchtetransport im Verblendmauerwerk bei Schlagregeneinwirkung

Versuchs- Verwendete Hçhe Herstellungsart Besonderheit


kçrper-Nr. Mauerziegel (Schichten)
1 schwach saugend 12 Fugenglattstrich
2 mittelstark saugend 12 Fugenglattstrich
3 stark saugend 16 Fugenglattstrich
4 mittelstark saugend 12 nachtrglich verfugt
5 mittelstark saugend 12 Fugenglattstrich Verbundstçrung („Blattkapillare“)
in jeder zweiten Schicht

Tabelle 5 gibt eine bersicht ber die durchgefhrten zurckgegriffen, da die Beregnungsbedingungen zu-
Versuchsreihen. Die Versuchskçrper Nr. 1 bis 3 wurden nchst mçglichst einfach und robust gehalten werden
im Fugenglattstrich jeweils aus den unterschiedlichen sollten. Daher wurde eine Luftstrçmung – z. B. durch
drei Steinarten hergestellt. Hierbei wurde ein handels- Ventilatoren – nicht simuliert. Auch in einer Prfkam-
blicher Normalmçrtel (Werktrockenmçrtel) der Mçr- mer erzeugter Luftdruck, entsprechend den Prfverfah-
telgruppe IIa verwendet, der sich nach Herstellerangabe ren zum Schlagregenwiderstand von Wandsystemen
auch fr stark saugende Steine eignet. Der Mçrtel wur- oder Einbauteilen, z. B. nach den Normen DIN EN
de in schwachplastischer Konsistenz verarbeitet. Ver- 1027 [21], DIN EN 12865 [38] bzw. dem Norm-Ent-
suchskçrper Nr. 4 wurde aus den mittelstark saugenden wurf DIN EN 13050 [39] wurde nicht herangezogen.
Mauerziegeln hergestellt, wobei 14 Tage nach der Her- Zur Beregnung wurde in gewisser Anlehnung an den
stellung mit einem Normalmçrtel der Mçrtelgruppe III Feldversuch gemß DIN EN 13051 [30] ein selbst ent-
nachverfugt wurde. Bei den zum Mauern und zum wickeltes Holzgestell mit zwei Wassersprhbalken ver-
Nachverfugen verwendeten Mçrteln wurden im Labor wendet. Das Sprhen erfolgte durch vier handelsbliche
Korngrçßenverteilung, Konsistenz, Rohdichte, Luft- Gartenbrausen mit jeweils 365 Sprhdsen. Der ge-
gehalt, Biegezug- und Druckfestigkeit sowie Gehalt whlte Versuchsaufbau hat sich im Laufe der Versuchs-
an wasserlçslichem Chlorid bestimmt. Die Herstellung reihen bewhrt.
des Versuchskçrpers Nr. 5 erfolgte im Fugenglattstrich Maßgebende Versuchsgrçße war die Gesamtmenge an
aus den mittelstark saugenden Mauerziegeln. Bei die- zugefhrtem Wasser, die bei konstanter Wassermenge
sem Versuchskçrper wurden Verbundstçrungen zwi- ber die Sprhzeit gesteuert wurde. Die Prfflchen
schen Lagerfugen und Steinen simuliert, indem jede wurden durch die vier Brausen mit einer kalibrierten
zweite Schicht nach dem Frherhrten des Mçrtels ab- Wassermenge von insgesamt 0,5 l/s direkt besprht.
gelçst und ohne Verbund neu aufgesetzt wurde. Ent- Der erforderliche Druck von etwa 6 bar wurde ber
sprechende Verbundstçrungen (sog. „Blattkapillare“) eine Tauchpumpe erzeugt. Die Trçpfchengrçße lag in
kçnnen in der Baupraxis bei nicht optimaler Verarbei- etwa bei 2 mm und entsprach damit einem intensiven
tung des Mçrtels entstehen, wenn z. B. bei sehr trocke- bis schweren Regen nach DIN IEC 60721-2-2 [65]. Die
ner Witterung mit Wind und Sonneneinstrahlung die Grçße der Prfflche betrug entsprechend den Prfkçr-
Steine nicht ausreichend vorgensst werden und die er- perabmessungen 1 m±, die Randflchen der Prfkçrper
forderliche Nachbehandlung (Abdecken, Feuchthalten waren sorgfltig mit Folie abgedichtet. Insgesamt wur-
des Mauerwerks) unterbleibt. de jeder Prfkçrper acht Versuchsreihen unterzogen. In
Normgerecht betrug die Strke der Lagerfugen ca. zwei unterschiedlichen Verfahren wurden Wassermen-
12 mm, die Strke der Stoßfugen ca. 10 mm bei den gen von 5, 10, 20 und 40 l/m± kontinuierlich und inter-
normalformatigen Steinen und ca. 12,5 mm bei dem vallartig aufgebracht. Bei dem kontinuierlichen Verfah-
stark saugenden Mauerziegel. Der Zuschnitt der Steine ren betrug die Beregnungsdauer entsprechend 10, 20, 40
erfolgte mit einer Kreissge. Die mittelstark und stark oder 80 s. In dem intervallartigen Verfahren wurde in
saugenden Mauerziegel wurden durch Tauchen in einer Intervallen von 5 Sekunden je Minute beregnet, bis die
Wanne vorgensst. Bei dem schwach saugenden Kanal- jeweilige Wassermenge erreicht wurde. Die gesamte
klinker wurde auf ein Vornssen verzichtet. Die Nach- Versuchsdauer bei dem intervallartigen Verfahren be-
behandlung der Prfkçrper erfolgte durch Feuchthalten trug zwischen 1 und 15 Minuten. Die aufgebrachten
und Abdecken mit einer Folie. Wassermengen entsprechen Regenintensitten zwi-
Zur Simulation von Schlagregen auf Fassaden aus Mau- schen ca. 14 und 30 mm/m±/h
erwerk sind dem Verfasser keine genormten Prfver- Nach den Beregnungsversuchen wurde zur Unter-
fahren und nur wenige Verçffentlichungen, z. B. [5] suchung der Wassereindringtiefe und der Wasserauf-
bekannt. Auf die in [5] beschriebenen Verfahren zur nahme jeweils ein Stein entnommen und im Labor un-
Erzeugung von knstlichen Schlagregen wurde nicht tersucht. Hierbei konnte der Verlauf der Saugtiefe ber
92 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 17. Versuchskçrper Nr. 3 nach intervallartiger


Schlagregensimulation mit der geringsten in den
Versuchen aufgebrachten Wassermenge von 5,0 l/m±
[2]. Zur Untersuchung wurde ein Lufer entnommen.
Der Verlauf der eingedrungenen Feuchte ist am
Nachbarstein markiert und auf dem Stein und an der
oberen Lagerfuge erkennbar

das Steinprofil exakt bestimmt werden. Die ausgebau- Die Versuche zeigen, dass Verbundstçrungen zwi-
ten Steine wurden mit einem gleichartigen Stein unter schen Lagerfugen und Steinen („Blattkapillare“) zu
Verwendung des zugrunde liegenden Mauermçrtels er- einer deutlich hçheren Wasseraufnahme gegenber
gnzt. dem ungestçrten Zustand mit gutem Verbund zwi-
Phnomenologisch stellt sich bei allen Versuchskçrpern schen Steinen und Mçrtel fhren. Eine Nachverfugung
bereits nach kurzer Beregnungszeit infolge der auftref- fhrt gegenber dem Verfahren des Fugenglattstriches
fenden Wassertropfen und des ablaufenden Wassers ein zu einer geringeren Wasseraufnahme. In Bild 18 ist die
relativ gleichmßiger Wasserfilm auf der Sichtflche mittlere Saugtiefe in den Lagerfugen als Funktion der
des Mauerwerks ein. Der Feuchtetransport in die Ver- aufgebrachten Wassermenge fr die Versuchskçrper
blendschale erfolgt unabhngig von der Mauerziegelart aus den mittelstark saugenden Verblendziegeln dar-
primr ber die Lager- und Stoßfugen. Ein Austreten gestellt.
des Wassers auf der Rckseite der Versuchskçrper wur- Weiterhin hngt die von der Verblendschale aufgenom-
de insbesondere im Bereich der Fugenkreuze beobach- mene Wassermenge nicht allein von der aufgebrachten
tet, die im Hinblick auf den Widerstand gegen Schlag- Wassermenge ab, sondern auch von der Beregnungs-
regen einen Schwachpunkt darstellen. Infolge der star- dauer, in der die Wassermenge aufgebracht wird. Diese
ken Wasseraufnahme durch die Fugen erfolgte der Beobachtung ist im Prinzip zu erwarten, denn wenn das
Wassertransport in die Steine vornehmlich ber die Fu- Wasserangebot grçßer ist als die kapillar aufnehmbare
genflanken und nicht ber die Steinsichtflchen. Bild 17 Wassermenge, luft das berschssige Wasser entlang
veranschaulicht diesen Zusammenhang. der Fassade ab. Die beiden folgenden Diagramme quan-

Bild 18. Ergebnisse der eigenen Versuche zur Schlagregenbeanspruchung, mittlere Saugtiefe in den Lagerfugen als Funktion der
aufgebrachten Wassermenge [2]. Bei gleichen Mauerziegeln und gleicher, intervallartiger Beregnung ist die Wassereindringtiefe bei der
nachverfugten Ausfhrung etwas geringer als bei der Ausfhrung im Fugenglattstrich. Beim Versuchskçrper mit gestçrtem Verbund
(„Blattkapillaren“) ist die Wassereindringtiefe deutlich erhçht
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 93

Bild 19. Ergebnisse der eigenen Versuche zur Schlagregenbeanspruchung, gewichtsbezogene Wasseraufnahme des Mauerziegels
als Funktion der aufgebrachten Wassermenge bei intervallartiger Beregnung [2]. Ausschlaggebend fr die Wasseraufnahme des
Mauerwerks sind die Saugeigenschaften der Steine. Stçrungen im Verbund („Blattkapillare“) machen sich weniger bemerkbar

Bild 20. Ergebnisse der eigenen Versuche zur Schlagregenbeanspruchung, gewichtsbezogene Wasseraufnahme des Mauerziegels
als Funktion der aufgebrachten Wassermenge bei konstanter Beregnung [2]. Die Wasseraufnahme ist bei gleicher aufgebrachter
Wassermenge geringer als bei der intervallartigen Beregnung (Bild 19)

tifizieren diesen Aspekt. Bild 19 zeigt die prozentuale


massebezogene Wasseraufnahme der Steine als Funk-
tion der aufgebrachten Wassermenge bei intervallarti-
ger Beregnung. In Bild 20 ist der gleiche Zusammen-
hang bei kontinuierlicher Beregnung dargestellt. Wird
die gleiche Wassermenge intervallartig ber einen ln-
geren Zeitraum aufgebracht, erhçht sich die gemessene
Wasseraufnahme bei allen Versuchskçrpern. Insofern
kçnnen die Annahmen zur Einschtzung der Schlag-
regenbeanspruchung auf Grundlage der Jahresnieder-
schlagsmenge nach DIN 4108-3 przisiert werden. Ne-
ben der Gesamtregenmenge ist auch die Ausprgung
des Regenereignisses (Regendauer) bei einwirkender
Luftstrçmung von Bedeutung. Ansonsten folgt die Was-
seraufnahme der Verblendschale im Wesentlichen den
Saugeigenschaften der Mauerziegel. Bild 21 verdeut-
licht schematisch den Wassertransportmechanismus
bei Schlagregen.
Anhand der Versuche konnte auch das Entstehen von
„Ausblhungen“ infolge Salzkristallisation demons-
Bild 21. Wassertransportmechanismus bei Schlagregen, triert werden: eine Woche nach Abschluss der Ver-
schematische Darstellung suchsreihen traten an allen Versuchskçrpern – mit Aus-
94 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 23. An der Vorderseite der Prfkçrper traten


die Ausblhungen auf den Fugen auf

gel wahrgenommen werden. Die durch Schlagregen vom


Mauerwerk aufgenommene Wassermenge ist bei stark
saugenden Steinen insgesamt hçher (vgl. Abschn. 5).
Da jedoch auch die Austrocknung schneller verluft,
als bei weniger saugenden Steinen ist eine hçhere Was-
seraufnahme der Steine im Prinzip grundstzlich unkri-
Bild 22. Nach Abschluss der Versuchsreihen entstanden weiße tisch. Allerdings kçnnen sich bei der Verwendung stark
Ausblhungen, die an den Seitenflchen der Prfkçrper in ihrem saugender Steine Ausfhrungsmngel oder Probleme in
Verlauf der in den vorangegangenen Versuchen eingedrungenen der Baustoffqualitt strker auswirken: Grçßere Wasser-
Feuchte entsprachen mengen, die im Mçrtel-Stein-System transportiert wer-
den, haben ein entsprechend grçßeres Potenzial zur Mo-
bilisierung und zum Transport vorhandener Schadstoffe,
nahme des Versuchskçrpers aus den schwachsaugenden die bei Auskristallisation auf der Oberflche beispiels-
Kanalklinkern – weiße Verfrbungen auf. In ihrem Ver- weise Ausblhungen hervorrufen kçnnen. Kann die auf-
lauf entsprachen sie der eingedrungenen Wasserfront genommene Wassermenge aus konstruktiven Problemen
whrend der Versuche (Bild 22). An der Vorderseite ber einen lngeren Zeitraum nicht austrocknen, wird
der Prfkçrper traten diese Verfrbungen in den Fugen ausreichend Feuchtigkeit fr eine biologische Besied-
auf (Bild 23), an den Seitenflchen berwiegend auf lung angeboten.
den Steinen, wie in Bild 22 dargestellt. Bei den Ver- Die Wasseraufnahme der Steine kann zur Voreinscht-
frbungen handelt es sich um Salzausblhungen, die zung der vorhandenen Porenstruktur durch die ge-
sich berwiegend aus Natriumsulfat zusammensetzen. wichtsbezogene Wasseraufnahme unter Atmosphren-
Die Analyse der verwendeten Ausgangsstoffe zeigt, druck beurteilt werden. Zur Bestimmung der kapillare
dass in diesem Fall hauptschlich der Mçrtel Quelle Wasseraufnahme stehen fnf Normen zur Verfgung:
fr die aufgetretenen Salzausblhungen ist. Die DIN EN ISO 15148 [44] gilt allgemein fr Baupro-
dukte und Baustoffe, DIN EN 1925 [32] fr Naturstein,
DIN EN 1015-18 [20] fr erhrteten Mauermçrtel, die
Norm DIN EN 772-11 fr Mauersteine und E DIN EN
6 Hinweise zur Ausfhrung 15801 [49] fr Baustoffe, die dem kulturellen Erbe zu-
zuordnen sind.
6.1 Steine
Vom Grundprinzip sind die Prfverfahren jedoch hn-
Die verwendeten Steine und auch das System Steine- lich. Die Prfkçrper werden auf eine gewisse Aus-
Mçrtel muss eine ausreichende Frostwiderstandsfhig- gangsfeuchte konditioniert, auf einen Gitterrost gestellt
keit auch bei hoher Wassersttigung aufweisen. Die und unter Atmosphrendruck in ein Wasserbad einge-
Wasseraufnahme von Mauerziegeln fr Verblendsteine taucht. In festgelegten Zeitabstnden werden die Prf-
kann nach Tabelle 6 eingestuft werden. Bei Verblend- kçrper dann gewogen, um die flchenbezogene Masse-
schalen aus Mauerziegeln mit geringer Wasseraufnahme zunahme infolge der Kapillaritt der Prfkçrper fest-
kommt es erfahrungsgemß seltener zu Beanstandungen, zustellen. Die flchenbezogene Wasseraufnahme ergibt
als bei Verwendung von Mauerziegeln mit hçherer Was- sich aus der aufgenommenen Wassermenge dividiert
seraufnahme. Bei stark saugenden Steinen kçnnen nach durch die Grundflche. Der Wasseraufnahmekoeffi-
starken Regenereignissen ausgeprgte sichtbare Durch- zient wird definiert als flchenbezogene Wasseraufnah-
feuchtungen entstehen („Regenfahnen“), die zwar zu- me je Zeiteinheit. Da die flchenbezogene Massezunah-
nchst keine weiteren unmittelbaren Beeintrchtigungen me mit der Zeit abnimmt, wird die Zeit im Wurzelmaß-
hervorrufen, aber in einigen Fllen als sthetischer Man- stab einbezogen. Entsprechend wird der Wasseraufnah-
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 95

Tabelle 6. Einteilung des Saugverhaltens von Mauerziegeln oder Schlagregen. Zur Vereinfachung sollte als Wasser-
fr Verblendmauerwerk in Abhngigkeit vom Wasseraufnahme- aufnahmekoeffizient fr Mauerziegel die flchenbezo-
koeffizienten bei Prfung in Anlehnung an DIN EN ISO 15148 gene Wasseraufnahme nach einstndiger Saugzeit an-
nach einstndiger Saugzeit gegeben werden. Auf Grundlage eigener Untersuchun-
gen wird dann die Einteilung von Mauerziegeln nach
Saugverhalten von Mauer- Wasseraufnahmekoeffizient A w,1 h
Tabelle 6 vorgeschlagen.
ziegeln fr Verblendschalen in Anlehnung an DIN EN ISO 15148
In einigen Fllen wurde beobachtet, dass strker sau-
nach einstndiger Saugzeit
gende Mauerziegel werksmßig hydrophobiert werden.
[kg / m2 / h0,5]
Hierbei ist zu beachten, dass die Lagerflchen und die
wenig saugend <2 Seitenflchen der Steine nicht hydrophobiert sein dr-
fen, da ansonsten der Verbund zwischen Mçrtel und
mittelstark saugend 2 bis 8 Stein beeintrchtigt werden kann. Das Vorhandensein
stark saugend >8 einer hydrophobierenden Beschichtung kann auf der
Baustelle durch probeweises Benetzen mit Wasser fest-
gestellt werden. Bilden sich Wasserperlen oder zieht
das Wasser nicht sofort ein, kann eine solche Beschich-
mekoeffizient blicherweise in kg/m±/h0,5 angegeben. tung vorliegen.
Nach den genannten Normen wird bei Mauer- und Na-
tursteinen auf ein Beschichten der Seitenflchen ver-
6.2 Mçrtel
zichtet. Die Eintauchtiefe betrgt 5 mm bzw. 3 mm
und ist whrend des Versuchs konstant zu halten. In Quelle fr Schadstoffe, die durch eindringende Feuchte
diesem Fall kann das aufgenommene Wasser ber die aus der Verblendschale gelçst werden und auf der Ober-
Seitenflchen der Prfkçrper verdunsten. Bei den Mçr- flche der Verblendschale auskristallisieren (Sulfate,
teln und gemß DIN EN ISO 15148 sind die Seiten- Carbonate, Calciumhydroxid usw.) kçnnen Steine,
flchen der Prfkçrper abzudichten. Das Dichtmittel Mçrtel, Reinigungsverfahren oder weitere ußere Ein-
darf nicht in den Porenraum der Prfkçrper eintreten flsse sein (Lagerung auf Baustelle, Transport usw.).
und mit dem Prfkçrper nicht chemisch reagieren. Bei Aus dem Ort der Ablagerung (z. B. Steinrand, Fuge
dem Verfahren nach DIN EN 15801 werden die Prf- usw.) kann im Allgemeinen nicht hinreichend auf die
kçrper unbeschichtet bis zu ihrer Oberflche mit Was- Quelle geschlossen werden. Da bei Steinen und Mçrteln
ser bedeckt, sodass ein kapillares Saugen auch ber die im Wesentlichen natrliche Ausgangsstoffe verwendet
Seitenflchen erfolgen kann. werden, sind Auskristallisationen nicht vollstndig aus-
Bei der Beurteilung von vorhandenem Mauerwerk ste- zuschließen. Geringfgige Ausblhungen werden oft-
hen hufig nur relativ kleine Probenmengen zur Ver- mals von Regenschauern gelçst und abgewaschen. Tre-
fgung. Daher wird empfohlen, die flchenbezogene ten Ausblhungen systematisch und dauerhaft
Wasseraufnahme von Bauprodukten vorhandener Ver- (Bild 24), oder an einzelnen Punkten konzentriert und
blendschalen in Anlehnung an DIN EN ISO 15148 zu ber einen lngeren Zeitraum auf (Bild 25), stellen sie
bestimmen. Diese Norm bezieht sich zudem auf die eine Beeintrchtigung dar. Fr die hinzugezogenen
Beurteilung der Intensitt der Wasseraufnahme auf- Sachverstndigen und Labore ist es dann aufwendig,
grund von Kapillarkrften bei anhaltender Beregnung die Quelle der auskristallisierten Schadstoffe nach-

Bild 24. Ausblhungen an den Steinflanken infolge Bild 25. Punktartige Ausblhung durch lokale Aufkonzentration
von mobilisierbarem Calciumhydroxid von Schadstoffen
96 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

zuweisen, zumal auch Verarbeitungsfehler auftreten


kçnnen. Die Zuordnung der Schadstoffe zu einem ver-
wendeten Mçrtel ist mit chemischen Nachweismetho-
den schwierig, wenn die Ausgangsstoffe des Mçrtels
nicht vorhanden sind. Auch bei analytisch aufwendige-
ren Verfahren wie Rçntgenspektroskopie oder Rçntgen-
fluoreszenzanalyse ist die Interpretation der gewonne-
nen Ergebnisse ohne vorliegende Ausgangsstoffe kom-
pliziert. Werden unterschiedliche Mçrtel zum Mauern
und zum Nachverfugen verwendet oder gar Mçrtel
zweier unterschiedlicher Hersteller eingesetzt, wird
die Zuordnung zustzlich erschwert. Beim Nachver-
fugen kommt außerdem blicherweise ein zustzliches
Gewerk zum Einsatz, wodurch weitere Fehlerquellen
entstehen kçnnen.
Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, die Verblend- Bild 26. Detail Fugenausbildung und Lftungsçffnung.
schale ausschließlich entsprechend der DIN 18330 Die Fugenoberflche wurde hier im Fugenglattstrich hand-
(VOB Teil C) im Fugenglattstrich herzustellen und werklich rau belassen. Die Lftungsçffnung ist zum Schutz
auf das Nachverfugen zu verzichten. Nachverfugte Ver- gegen eindringende Insekten mit einer manipulationssicheren
blendschalen sind dichter gegen Schlagregen (vgl. Abdeckung versehen. Nach E DIN 1053-12 ist die Ausbildung
Abschn. 5) und lassen sich gnstiger herstellen, als von Lftungsçffnungen zuknftig freigestellt. Ohne Lftungs-
Mauerwerk im Fugenglattstrich, da beim Mauern ein çffnungen ist der Widerstand der Verblendschale gegen Ein-
zgiger Arbeitsfortschritt erreicht wird, wenn das Glatt- wirkungen aus Flora und Fauna grçßer
streichen der Fugen unterbleibt. Trotz dieser Vorteile ist
aus den genannten Grnden im Hinblick auf die Ge-
samtqualitt der Verblendschale vom Nachverfugen wirtschaftlich. Da der Besiedlung oftmals komplexere
eher abzuraten. Im Hinblick auf mçgliche Beeintrch- Wirkungsgefge zugrunde liegen, sind im Hinblick auf
tigungen ist dem Bauherren zu empfehlen, Rckstell- die Besiedlungsursache zustzliche Randbedingungen
proben der verwendeten Mçrtel anzulegen, ggf. kann zu bercksichtigen.
hierbei ein unabhngiges Labor oder eine PZ-Stelle
des DIBT (www.dibt.de) untersttzen.
6.3 Dehnungsfugen und Lftungsçffnungen
Werden wenig saugende Steine verwendet, ist darber
hinaus zu empfehlen, die Fugenoberflchen handwerk- Nach DIN 1053-1 und DIN 1053-12 mssen in der
lich etwas rau zu belassen (Bild 26). Sehr dicht abge- Verblendschale vertikale Dehnungsfugen angeordnet
strichene („glattgebgelte“) Fugenoberflchen kçnnen werden. Die Dehnungsfugen sollen insbesondere Tem-
den Feuchtedurchgang ber die Fugenflche behindern, peraturdehnungen aufnehmen. Bei unvertrglichen
sodass die Austrocknung bevorzugt entlang der Fugen- Temperaturdehnungen wird zumeist die Zugfestigkeit
flanken erfolgt und die Gefahr von Auskristallisationen der Verblendschale berschritten, sodass treppenfçrmi-
steigt. In diesem Sinne ist zum Fugenglattstrich eher ein ge Risse entlang der Stoß- und Lagerfugen entstehen.
geeignetes Fugholz zu empfehlen, als beispielsweise Ursache ist das Versagen der Lagerfugen auf Reibung,
ein Kunststoffschlauch oder eine Kelle. Außerdem ist da die Verblendschale keine ußeren Lasten aufnimmt
dringend darauf zu achten, dass die Mauermçrtel nach und die vorhandenen Normalspannungen entsprechend
dem Anmischen nicht manuell verndert werden, z. B. gering sind. Die Dehnungsfugen werden mit Dichtungs-
durch „Verlngern“ mit Wasser oder durch Abmagern bndern nach DIN 18542 [56] oder mit bauaufsichtlich
(sog. „Pudern“) mit Trockenmischung. Insbesondere zugelassenen Systemen abgedichtet. Dehnungsfugen
die nachtrgliche Zugabe von Trockenmçrtel in die fer- sind im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit potenzielle
tige Mischung ruft sptere Ausblhungen aus Calcium- Schwachstellen und sollten maßvoll und nur in den er-
hydroxid hervor, wenn bei der Herstellung nicht gen- forderlichen Bereichen eingeplant werden. In diesem
gend Wasser zum Abbinden des Mçrtels zur Verfgung Zusammenhang wird auf Altaha [1] verwiesen. Nach
steht. Kann sich das gelçste Calciumhydroxid in vor- Altaha sind in Ziegelverblendschalen von Ein- und
handenen Hohlrumen oder Fehlstellen aufkonzentrie- Zweifamilienhusern mit Grundrissabmessungen von
ren, kçnnen noch lngere Zeit nach Herstellung der maximal 12 m keine vertikalen Dehnungsfugen erfor-
Verblendfassade Schden an Verglasungen auftreten derlich. Diese Einschtzung ist erfahrungsgemß im
[11], die hohe Instandsetzungskosten nach sich ziehen. Prinzip zu besttigen. Allerdings ist eine tragwerkspla-
Analytisch ist auch die Zuordnung der Ursache von nerische berprfung zu empfehlen, die insbesondere
biologischer Besiedlung in manchen Fllen schwierig. die Geometrie der Westfassade umfassen sollte. Bei-
Die Anwendung molekularbiologischer Verfahren spielsweise ist bei Versprngen oder großen Fensterçff-
(DNA-Vergleich) hilft bei der Identifizierung von Mi- nungen die Notwendigkeit von Dehnungsfugen unter
kroorganismen, ist aber aufwendig und nicht immer Bercksichtigung der Tragschale und des Tragwerkes
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 97

(evtl. vorhandene Ringanker oder Stahlbetonscheiben) in vielen Fllen eine abschließende Reinigung des hier-
sorgfltig zu prfen. Die erforderlichen Dehnungsfugen zu grndlich vorzunssenden Verblendmauerwerks mit
sollten nach Mçglichkeit so angeordnet werden, dass verdnnter Salzsure. Hierdurch kçnnen Verfrbungen
eine Kontrolle und ggf. Instandsetzung mçglich ist. Au- der Fassadenoberflche und sptere Ausblhungen her-
ßerdem sollten die Dichtungsbnder nach Mçglichkeit vorgerufen werden (Bild 27). Auch aus Grnden der
zementbestndig sein. Diese Anforderung wird in der Umweltvertrglichkeit sollte von einer Reinigung mit
DIN 18542 nicht geregelt. Salzsure Abstand genommen werden. Sind abschlie-
Im vorliegenden Entwurf der DIN 1053-12 ist die Ver- ßende Reinigungsmaßnahmen erforderlich, sollten in
wendung von Lftungsçffnungen (offene Stoßfugen) in Abstimmung mit dem Auftraggeber und ggf. den Mçr-
der Verblendschale oberhalb der Abdichtungsebenen tel- und Steinherstellern geeignete Reiniger verwendet
freigestellt. Im Hinblick auf die Dichtheit der Verblend- werden, z. B. organische Suren.
schale gegen das Eindringen von Insekten ist der Weg-
fall der Entlftungsçffnungen wnschenswert. Der Wi-
6.5 Nachhaltigkeit
derstand der Verblendschale gegen natrliche Einflsse
aus Fauna und Flora [66], beispielsweise gegen das Aufgrund der hohen Funktionalitt, insbesondere in Re-
Eindringen von Termiten, ist in den entsprechenden gionen mit mßig-kalten und regenreichen Wintermo-
Regionen von großer Bedeutung fr die Dauerhaftigkeit naten und regelmßiger Schlagregenexposition und der
von Gebuden. Auch in Europa ist die Ansiedlung von im Regelfall geringen Instandsetzungsaufwendungen
Insekten im Schalenzwischenraum unerwnscht. Wer- bei sehr langer Lebensdauer ist Verblendmauerwerk
den Entlftungsçffnungen angeordnet, sollten sie durch im Prinzip eine nachhaltige Bauweise (vgl. Abschn. 1).
manipulationssichere Schutzgitter abgedeckt werden Die Diskussion ber die Nachhaltigkeit von Gebuden
(Bild 26). Nach Mçglichkeit sollten sie insbesondere und Bauprodukten ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
bei Verblendschalen mit wenig saugenden Mauerzie- Allgemeine Grundzge der Nachhaltigkeit werden be-
geln zuknftig weggelassen werden. reits seit lngerem im „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“
des Bundesamtes fr Bauwesen und Raumordnung [4]
beschrieben. Um im internationalen Wettbewerb nicht
6.4 Reinigung und Beschichtung
den Anschluss zu verlieren, wird seit Anfang 2009 das
Nach DIN 18330 (VOB Teil C) drfen dem Rei- Deutsche Gtesiegel Nachhaltiges Bauen vergeben
nigungswasser bei nachtrglicher Reinigung von Ver- (www.nachhaltigesbauen.de). Viele Verfahren zur kon-
blendmauerwerk keine Suren zugesetzt werden. Mçr- kreten Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Gebudes
telspritzer auf Mauerwerk lassen sich durch herkçmm- sind derzeit jedoch noch in Entwicklung. Zu den bislang
liche Reinigungsmittel (Tenside) jedoch kaum entfer- definierten Faktoren fr die Nachhaltigkeit, zhlen çko-
nen. Zur Vermeidung von Verunreinigungen der logische, çkonomische, soziale und kulturelle Faktoren.
Fassadenoberflche durch Mçrtel ist das frische Mauer- Zu den Rahmenbedingungen fr die Bewertung der um-
werk bei Arbeitsende oder bei Regen mit Folien abzu- weltbezogenen Qualitt von Gebuden liegen bereits die
decken. Bei plçtzlich eintretenden Regenschauern ist Norm-Entwrfe DIN EN 15643-2 [46] und DIN EN
das nicht immer mçglich. Mçrtelverunreinigungen soll- 15643-1 [45] vor. Die Umweltdeklaration von Baupro-
ten dann unverzglich entfernt werden. Frher erfolgte dukten „EPD“ (Environmental Product Declaration)
wird im Entwurf DIN EN 15804 [50] geregelt. Hier feh-
len allerdings bei Methoden, wie z. B. der Beschreibung
der Referenz-Nutzungsdauer von Bauprodukten, noch
systematische Eingangsdaten und Erfahrungen. Zu den
Rahmenbedingungen fr die Bewertung der sozialen und
der çkonomischen Qualitt von Gebuden sind Normen-
entwrfe derzeit noch in Vorbereitung [47, 48].

6.6 Schalenzwischenraum
Zur Vermeidung von Feuchte- und Kltebrcken sollte
die Wrmedmmung (Kerndmmung) bei Verwendung
von Mineralwolle in zwei Schichten bereinander ver-
setzt angeordnet werden. Dmmplatten sollten nach
Mçglichkeit entsprechend mit einem Nut- und Feder-
system ausgestattet sein.
Die Abdichtungsfolien am Fußpunkt der Wand bzw.
oberhalb von ffnungen („Z-Folie“) werden heute mit
einer Unterftterung durch keilfçrmige Wrmedm-
Bild 27. Flchige weißliche Verfrbungen nach ungeeigneter mung ausgefhrt. Die Ausbildung mit Untermçrtelung
Reinigung mit Suren gemß DIN 1053-1, Bild 10 ist nicht mehr blich. Zu-
98 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

rungsmngel vor. So waren die Drahtanker beim Bau


teilweise heruntergebogen worden und wiesen keine
Verbindung zur Verblendschale auf.

6.7 Tragschale und Abfangungen


Bei heutigen Bauvorhaben kommt es im Rahmen des
technischen Ausbaus hufig zu umfangreichen Elek-
troinstallationen fr Stromversorgung und Netzwerke.
Bei der Herstellung von nachtrglichen Schlitzen in der
Tragschale sind die Vorgaben der DIN 1053-1 und
1053-12 und der jeweils zugrundeliegenden allgemei-
nen bauaufsichtlichen Zulassung zu beachten. Bei
Wandstrken von weniger als 175 mm sind nach den
beiden Normen z. B. horizontale Schlitze nicht zulssig
(DIN 1053-1, Tab. 10). Bei Wandstrken zwischen 175
Bild 28. Abdichtung (sog. „Z-Folie“) am Fußpunkt einer und 240 mm ist die maximale Schlitztiefe auf 25 mm
Verblendschale: Dichtungsfolie auf Dmmkeil mit Aluminium- bei einer maximalen Schlitzlnge von 1,25 m fest-
profil (sog. „Kappleiste“) und Silikonfuge gelegt. Bild 29 zeigt horizontale Schlitze mit zu großer
Tiefe. Elektroinstallationsarbeiten sind in Planung und
Bauausfhrung gesondert zu bercksichtigen und zu
stzlich sollte ein Abdichtungsprofil an der Tragschale berwachen. Es ist zu empfehlen, die erforderlichen
befestigt werden und mit einer Silikonfuge abgedichtet Leitungen bereits in der Rohdecke zu fhren, beispiels-
werden (Bild 28). Erfahrungsgemß ist die Lebensdauer weise durch Auflegen auf die Elementplatten vor dem
der Silikonfuge im Schalenzwischenraum relativ hoch, Betonieren (vgl. Bild 3). Diese Vorgehensweise setzt
sodass mit der dargestellten Bauweise eine dauerhafte eine frhzeitige Planung der Elektroauslsse durch Bau-
Qualitt in der Anschlussausbildung erreicht werden herren und Architekten voraus.
kann. Verblendstrze mssen den statisch festgelegten Ab-
Bei lterem Verblendmauerwerk, das vor 1974 her- messungen entsprechen. In Bild 30 ist ein Verblend-
gestellt wurde, sollten Drahtanker und Auflagerkon- sturz dargestellt, der zu kurz geliefert wurde. Die erfor-
solen periodisch auf Korrosion kontrolliert werden. Ins- derliche Einbindetiefe in die Verblendschale ist hier
besondere in den 1960er-Jahren wurden verzinkte Sth- nicht eingehalten, sodass der Sturz auszutauschen ist.
le verwendet, die nicht dauerhaft korrosionsbestndig Verblendstrze drfen nur an den werkmßig eingebau-
sind. Korrodierende Drahtanker kçnnen insbesondere ten und im Beton verankerten Aufhngungen befestigt
bei hçheren Geschosswohnungsbauten zu Verformun- werden. Nachtrgliche Verdbelungen auf der Baustel-
gen, Rissen und Teileinstrzen fhren. Bei vielen be- le – beispielsweise zur Anpassung bei lokalen Maß-
kannt gewordenen Teileinstrzen [12] lagen neben teil- abweichungen – sind berwiegend unzulssig und sorg-
weise korrodierten Drahtankern noch weitere Ausfh- fltig zu prfen.

Bild 29. Zu große Schlitztiefe (hier ca. 45 mm) fr die Elektro- Bild 30. Zu geringe Einbindetiefe eines abgehngten
installation in der Tragschale. Insbesondere horizontale Schlitze Verblendsturzes in die Verblendschale
sind in Abhngigkeit von der Wanddicke und den verwendeten
Werkzeugen gemß Norm DIN 1053-1 nur eingeschrnkt mçglich
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 99

7 Zusammenfassung Bauwesen und Stdtebau. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart,


Juni 1981.
Der vorliegende Beitrag beschreibt Konstruktion und
Ausfhrung von Verblendmauerwerk, insbesondere im [6] Verordnung ber energiesparenden Wrmeschutz und
Hinblick auf die Vermeidung von feuchteinduzierten energiesparende Anlagentechnik bei Gebuden (Energieein-
Beeintrchtigungen. Ausgehend vom heute blichen sparverordnung – EnEV) vom 24. Juli 2007 (BGBl. I
vollstndigen Ausfllen des Schalenzwischenraumes S. 1519), die durch die Verordnung vom 29. April 2009
mit einer Wrmedmmschicht werden wesentliche zu- (BGBl. I S. 954) gendert worden ist.
grundeliegende technische Regeln und der Stand der [7] Franke, L., Schumann, I.: Schadensatlas: Klassifikation
Baupraxis in Norddeutschland dargestellt. Hierbei und Analyse von Schden an Ziegelmauerwerk, Forschungs-
wird insbesondere aus Sicht der Objektplanung und bericht. Europische Kommission Schutz und Erhalt des eu-
der Tragwerksplanung auf die beeintrchtigungsfreie ropischen Kulturerbes. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart,
Konstruktion von Verblendmauerwerk eingegangen. 1998.
Auf Grundlage eigener Versuche zur Schlagregenbelas- [8] Garrecht, H.: Feuchtehaushalt von Mauerwerk. Mauer-
tung von Verblendschalen werden die Mechanismen werk-Kalender 2009. Ernst & Sohn, Berlin, S. 575–615.
des Feuchteeintrages durch Regen und strçmende Luft
beschrieben. Hierbei zeigt sich, dass Feuchtigkeit be- [9] Groot, C.: Effects of water on mortar-brick bond. Proef-
schrift, Technische Universiteit Delft, 1993.
vorzugt ber die Fugen und dann ber die Steinflanken
aufgenommen wird. Die Sichtflche der Mauerziegel [10] HOAI, Honorarordnung fr Architekten und Ingenieure
trgt weniger zur Wasseraufnahme bei. Ein Feuchte- vom 11. August 2009 (BGBl. I S. 2732).
durchschlag erfolgt insbesondere im Bereich der Fugen- [11] Hçper, M.: Schden an Verglasungen durch aus Mçrtel
kreuze. Verbundstçrungen zwischen Steinen und Mçr- gelçstes Calciumhydroxid. Bachelorthesis, Fachhochschule
tel („Blattkapillare“) wirken sich ungnstig aus. Nach- Lbeck, 2009.
verfugtes Mauerwerk ist dichter gegen Schlagregen,
wird aber nicht zur Ausfhrung empfohlen, da durch [12] Molnr, Mikl s; Gustavsson, Tomas; Jçnsson, Johan:
das Nachverfugen zustzliche Fehlerquellen entstehen Reparation av murade fasader med korrosionsskador. AB
kçnnen, die Beanstandungen nach sich ziehen. Erfah- Svensk Byggtjnst, Stockholm, 2007.
rungsgemß gehçrt die Ausfhrung mit wenig saugen-
den Steinen im Fugenglattstrich und handwerklich rau Normen
belassenen Fugen zu den beanstandungsfreiesten Kons- [13] DIN V 105-100:2005-10: Mauerziegel; Teil 100: Mau-
truktionsformen von Verblendmauerwerk. erziegel mit besonderen Eigenschaften.
Verblendmauerwerk weist eine hohe Funktionalitt und [14] DIN V 106:2005-10: Kalksandsteine mit besonderen
eine lange Lebensdauer in Regionen mit mßig-kalten Eigenschaften.
und regenreichen Wintermonaten sowie regelmßiger
Schlagregenexposition auf. Die Bauweise prgt zusam- [15] DIN EN 771-1:2005-05: Festlegungen fr Mauersteine;
men mit Gebuden aus Sichtmauerwerk das Stadtbild Teil 1: Mauerziegel. Deutsche Fassung EN 771-1:2003 +
vieler nordeuropischer Kstenstdte. Entsprechend A1:2005.
geht der vorliegende Beitrag auch auf das Potenzial [16] DIN CEN/TS 772-22:2006-09: Prfverfahren fr Mau-
der Bauweise Verblendmauerwerk im Hinblick auf Be- ersteine; Teil 22: Bestimmung des Frost-Tau-Widerstandes
trachtungen zur Nachhaltigkeit ein. von Mauerziegeln. Deutsche Fassung CEN/TS 772-22:2006.
[17] DIN EN 845-1:2008-06: Festlegungen fr Ergnzungs-
bauteile fr Mauerwerk; Teil 1: Maueranker, Zugbnder,
8 Literatur Auflager und Konsolen. Deutsche Fassung EN
845-1:2003+A1:2008.
[1] Altaha, N.: Konstruktion und Ausfhrung von zweischa-
ligem Mauerwerk. Mauerwerk-Kalender 2009. Ernst & Sohn, [18] DIN EN 998-2:2003-09: Festlegungen fr Mçrtel im
Berlin, S. 291–317. Mauerwerksbau; Teil 2: Mauermçrtel. Deutsche Fassung
EN 998-2:2003.
[2] Andresen, S.: Feuchtetransport in Fassaden aus Mauer-
werk-Verblendschalen. Masterthesis, Fachhochschule L- [19] DIN EN 1015-11:2007-05: Prfverfahren fr Mçrtel fr
beck, 2009. Mauerwerk; Teil 11: Bestimmung der Biegezug- und Druck-
festigkeit von Festmçrtel. Deutsche Fassung EN
[3] Brocken, H.: Moisture transport in brick masonry: the 1015-11:1999+A1:2006.
grey area between bricks. Proefschrift, Universiteit Eindho-
[20] DIN EN 1015-18:203-03: Prfverfahren fr Mçrtel fr
ven, 1998.
Mauerwerk; Teil 18: Bestimmung der kapillaren Wasserauf-
[4] Leitfaden Nachhaltiges Bauen. Bundesamt fr Bauwesen nahme von erhrtetem Mçrtel (Festmçrtel). Deutsche Fas-
und Raumordnung, Bonn, Berlin, Stand: Januar 2001. sung EN 1015-18:2002.
[5] Cziesielski, E., Maerker, B.: Methode zur Erzeugung [21] DIN EN 1027:2000-09 Fenster und Tren – Schlag-
eines Schlagregens fr die Bauteilprfung. Berlin. In: Bau- regendichtheit – Prfverfahren. Deutsche Fassung EN
forschungsberichte des Bundesministers fr Raumordnung, 1027:2000.
100 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

[22] DIN EN 1052-1:1998-12: Prfverfahren fr Mauer- [40] DIN EN 13051:2001-11: Vorhangfassaden – Schlag-
werk; Teil 1: Bestimmung der Druckfestigkeit. Deutsche regendichtheit – Feldversuch. Deutsche Fassung 13051:2001.
Fassung EN 1052-1:1998.
[41] DIN EN 13162:2009-02: Wrmedmmstoffe fr Ge-
[23] DIN EN 1052-2:1999-10: Prfverfahren fr Mauer- bude – Werkmßig hergestellte Produkte aus Mineralwolle
werk; Teil 2: Bestimmung der Biegezugfestigkeit. Deutsche (MW) – Spezifikation. Deutsche Fassung EN 13162:2008.
Fassung EN 1052-2:1999.
[42] DIN EN 13165:2009-02: Wrmedmmstoffe fr Ge-
[24] DIN EN 1052-3:2007-06: Prfverfahren fr Mauer- bude – Werkmßig hergestellte Produkte aus Polyurethan-
werk; Teil 3: Bestimmung der Anfangsscherfestigkeit (Haft- Hartschaum (PUR) – Spezifikation. Deutsche Fassung EN
scherfestigkeit). Deutsche Fassung EN 1052-3:2002 + 13165:2008.
A1:2007.
[43] DIN EN 15026:2007-07: Wrme- und feuchtetech-
[25] DIN EN 1052-4: 2000-09: Prfverfahren fr Mauer- nisches Verhalten von Bauteilen und Bauelementen – Bewer-
werk; Teil 4: Bestimmung der Scherfestigkeit bei einer tung der Feuchtebertragung durch numerische Simulation.
Feuchtesperrschicht. Deutsche Fassung EN 1052-4:2000. Deutsche Fassung EN 15026:2007.
[26] DIN EN 1052-5:2005-06: Prfverfahren fr Mauer- [44] DIN EN ISO 15148:2003-03: Bestimmung des Wasser-
werk; Teil 5: Bestimmung der Biegehaftzugfestigkeit. Deut- aufnahmekoeffizienten bei teilweisem Eintauchen. Deutsche
sche Fassung EN 1052-5:2005. Fassung EN ISO 15148:2002.
[27] DIN 1053-1:1996-11: Mauerwerk; Teil 1: Berechnung [45] E DIN EN 15643-1:2009-02: Nachhaltigkeit von Bau-
und Ausfhrung. werken – Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebuden; Teil
[28] E DIN 1053-11:2009-03: Mauerwerk; Teil 11: Verein- 1: Allgemeine Rahmenbedingungen; Deutsche Fassung
fachtes Nachweisverfahren fr unbewehrtes Mauerwerk. prEN 15643-1:2009.

[29] E DIN 1053-12:2009-03: Mauerwerk; Teil 12: Kons- [46] E DIN EN 15643-2:2009-02: Nachhaltigkeit von Bau-
truktion und Ausfhrung von unbewehrtem Mauerwerk. werken – Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebuden; Teil
2: Rahmenbedingungen fr die Bewertung der umweltbezo-
[30] DIN 1053-100:2007-09: Mauerwerk; Teil 100: Berech- genen Qualitt. Deutsche Fassung prEN 15643-2:2009.
nung auf der Grundlage des semiprobabilistischen Sicher-
heitskonzepts. [47] prEN 15643-3: Nachhaltigkeit von Bauwerken – Inte-
grierte Bewertung der Qualitt von Gebuden; Teil 3: Rah-
[31] DIN 1055-4:2005-03: Einwirkungen auf Tragwerke; menbedingungen fr die Bewertung der sozialen Qualitt.
Teil 4: Windlasten. Berichtigung 1: Mrz 2006. Normentwurf in Vorbereitung, bislang unverçffentlicht.
[32] DIN EN 1925:1999-05: Prfverfahren von Naturstein – [48] prEN 15643-4: Nachhaltigkeit von Bauwerken – Inte-
Bestimmung des Wasseraufnahmekoeffizienten infolge Ka- grierte Bewertung der Qualitt von Gebuden; Teil 4: Rah-
pillarwirkung. Deutsche Fassung EN 1925:1999. menbedingungen fr die Bewertung der çkonomischen Qua-
[33] DIN 4108 Beiblatt 2:2006-03: Wrmeschutz und Ener- litt. Normentwurf in Vorbereitung, bislang unverçffentlicht.
gie-Einsparung in Gebuden – Wrmebrcken – Planungs- [49] E DIN EN 15801:2008-04: Erhaltung des kulturellen
und Ausfhrungsbeispiele. Erbes – Prfmethoden – Bestimmung der Wasserabsorption
[34] DIN 4108-3:2001-07: Wrmeschutz und Energie-Ein- durch Kapillaritt. Deutsche Fassung prEN 15801:2008.
sparung in Gebuden; Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz, [50] E DIN EN 15804:2008-04: Nachhaltigkeit von Bauwer-
Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise fr ken – Umweltdeklarationen fr Produkte – Regeln fr Pro-
Planung und Ausfhrung. duktkategorien. Deutsche Fassung prEN 15804:2008.
[35] DIN 4108-10:2008-06: Wrmeschutz und Energie-Ein- [51] E DIN EN ISO 15927-3:2006-09: Wrme- und feuchte-
sparung in Gebuden; Teil 10: Anwendungsbezogene Anfor- schutztechnisches Verhalten von Gebuden – Berechnung
derungen an Wrmedmmstoffe – Werkmßig hergestellte und Darstellung von Klimadaten; Teil 3: Berechnung des
Wrmedmmstoffe. Schlagregenindexes fr senkrechte Oberflchen aus stndli-
[36] DIN 4172:1955-07: Maßordnung im Hochbau. chen Wind- und Regendaten. Deutsche Fassung prEN ISO
15927:2006.
[37] DIN EN 10088-1:2005-09: Nichtrostende Sthle; Teil
1: Verzeichnis der nichtrostenden Sthle. Deutsche Fassung [52] DIN 18055:1981-10: Fenster; Fugendurchlssigkeit,
EN 10088-1:2005. Schlagregendichtheit und mechanische Beanspruchung; An-
forderungen und Prfung.
[38] DIN EN 12865:2001-07: Wrme- und feuchteschutz-
technisches Verhalten von Bauteilen – Bestimmung des Wi- [53] DIN 18330:2006-10: VOB Vergabe- und Vertragsord-
derstandes des Außenwandsystems gegen Schlagregen bei nung fr Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische
pulsierendem Luftdruck. Deutsche Fassung EN 12865:2001. Vertragsbedingungen fr Bauleistungen (ATV) – Mauer-
arbeiten.
[39] E DIN EN 13050:2006-03: Vorhangfassaden – Schlag-
regendichtheit – Laborprfung mit wechselndem Luftdruck [54] DIN 18515-1:1998-08: Außenwandbekleidungen; Teil
und Besprhen mit Wasser. Deutsche Fassung prEN 1: Angemçrtelte Fliesen oder Platten; Grundstze fr Pla-
13050:2006. nung und Ausfhrung.
II Nachhaltige und schadensfreie Konstruktion von Verblendmauerwerk 101

[55] DIN 18515-2:1993-04: Außenwandbekleidungen; An- [62] DIN 52252-1:1986-s12: Prfung der Frostwiderstands-
mauerung auf Aufstandsflchen; Grundstze fr Planung und fhigkeit von Vormauerziegeln und Klinkern; Allseitige Be-
Ausfhrung. frostung von Einzelziegeln.

[56] DIN 18542:2009-07: Abdichten von Außenwandfugen [63] DIN V 52252-3:2005-02: Prfung der Frostwider-
mit imprgnierten Fugendichtungsbndern aus Schaum- standsfhigkeit von Vormauerziegeln und Klinkern; Teil 3:
kunststoff – Imprgnierte Fugendichtungsbnder – Anforde- Einseitige Befrostung von Prfwnden.
rungen und Prfung. [64] Norm DIN 55699:2005-02: Verarbeitung von Wr-
medmm-Verbundsystemen.
[57] DIN 18555-3:1982-09: Prfung von Mçrteln mit mine-
ralischen Bindemitteln; Festmçrtel; Bestimmung der Biege- [65] DIN IEC 60721-2-2:1992-05: Elektrotechnik; Klassifi-
zugfestigkeit, Druckfestigkeit und Rohdichte. zierung von Umweltbedingungen; Teil 2: Natrliche Einfls-
se; Niederschlag und Wind.
[58] DIN 18555-5:1984-06: Prfung von Mçrteln und Mi-
[66] DIN IEC 60721-2-7:1990-06: Elektrotechnik; Klassifi-
neralischen Bindemitteln; Festmçrtel; Bestimmung der Haft-
zierung von Umweltbedingungen; Natrliche Einflsse, Fau-
scherfestigkeit von Mauermçrteln.
na und Flora.
[59] DIN V 18580:2007-03: Mauermçrtel mit besonderen [67] DIN EN 1996-1-1:2006-01: Eurocode 6: Bemessung
Eigenschaften. und Konstruktion von Mauerwerkbauten; Teil 1-1: Allgemei-
ne Regeln fr bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk. Deut-
[60] DIN V 20000-401:2005-06: Anwendung von Baupro- sche Fassung EN 1996-1-1:2005.
dukten in Bauwerken; Teil 401: Regeln fr die Verwendung
von Mauerziegeln nach DIN EN 771-1:2005-05. Zulassungen
[61] DIN V 20000-412:2004-03: Anwendung von Baupro- [68] Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-17.1-332,
dukten in Bauwerken; Teil 412: Regeln fr die Verwendung Mauerwerk aus Kalksand-Planelementen vom 9. 7. 2007.
von Mauermçrtel nach DIN EN 998-2:2003-09. Deutsches Institut fr Bautechnik, Berlin
B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung 103

III Instandsetzung der oberstromigen Fußgngerberwege


an der Horchheimer Brcke – Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern
einer Bogenbrcke
Holger Tebbe, Neuwied; Stefan Lietz, Markus Brhl, Frank Tataranni und
Peter Schwarz, Koblenz

Obwohl die tragenden Teile der in diesem Beitrag be-


1 Einfhrung
handelten Vorflutbereiche im Wesentlichen aus Mauer-
Die Vorflutbereiche der Horchheimer Brcke wurden werk bestehen, liegt der Schwerpunkt vorwiegend bei
mit gemauerten Brckengewçlben berspannt (Bilder Brckenertchtigungs- und -erneuerungsarbeiten aus
1 und 2), die Hauptbrcke mit 2 Stahlfachwerkbçgen. den Bereichen des Beton-, Stahlbeton- und Stahlbaus.
Das Bauwerk stellt also ein Zeugnis der zu Ende ge- Es handelt sich somit um eine klassische Problemstel-
henden Epoche der Dominanz der gemauerten Bçgen lung des Ingenieurbaus, die nur fachbergreifend lçsbar
bei den Großbrcken dar. ist. Die Schwierigkeiten, die solche fachbergreifende

Bild 1. bersicht Horchheimer Brcke,


Vordergrund Vorlandbrcke Oberwerth

Bild 2. Vorlandbrcke Horchheim, Br-


ckenbogen ber Leinpfad, ehem. Straßen-
bahndurchfhrung (verdeckt durch Baum)
und Eisenbahnberfhrungsbauwerk DB
(Aufzhlung von rechts nach links)

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
104 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Zusammenarbeit mit sich bringt, drfte in einem Zeit-


alter, in dem die sehr universell angelegten Ingenieur-
studiengnge abgeschafft werden und zumindest die
Bachelorausbildung fachlich sehr viel enger gefasst
wird, zuknftig tendenziell eher steigen. Wichtig ist
daher, dass ber die Aufsplittung der Ausbildung in
speziellere kleinere Fachgebiete nicht die gemeinsame
Sprache des Ingenieurs verloren geht und ein Mindest-
maß an Verstndnis hinsichtlich der zum Teil deutlich
anders gelagerten Problematiken angrenzender Fach-
gebiete bestehen bleibt.

2 Baugeschichte
2.1 Geschichtliche Rahmenbedingungen
Koblenz (lat. Confluentes) liegt am Zusammenfluss von
Rhein und Mosel. Es stellt daher von jeher einen wich-
tigen Verkehrsknotenpunkt dar, somit besteht hier eine
lange Tradition hinsichtlich des Großbrckenbaus
(Bild 3).
Im Gebiet des Neuwieder Beckens wurden gemß neue-
ren Forschungsergebnissen die berhmten Pionierbr-
cken ber den Rhein gebaut, deren Bau Caesar in sei-
nen Bchern ber den „Bellum Gallicum“ beschrieben
hat [1, 19].
In der Nhe von Koblenz, in Rheinbrohl, wurden inte-
ressanterweise die Basaltquader fr den wasser- und
wasserwechselberhrten Bereich der Brckenpfeiler
der Moselbrcke in Trier, der ltesten noch genutzten
Brckenpfeilerkonstruktion, gebrochen. Als Bauzeit-
punkt dieser heute noch fr eine Straßenbrcke genutz-
ten Pfeilerkonstruktion (Bild 4) ist die Mitte des 2. Jh.
n. Chr. anzunehmen [2]. Bild 3. Auswahl historischer Flussbrcken im Bereich
Bereits 49 n. Chr. erschloss in Koblenz eine auf Pfahlros- des Zusammenflusses von Rhein und Mosel
ten fundamentierte Rheinbrcke das rechtsrheinische
Grenzland [3]. Da keine Reparaturarbeiten an dieser
Brcke nachweisbar sind, geht man davon aus, dass die Aufgrund der Bedeutung der linksrheinischen Verkehrs-
Brcke nur eine krzere Zeitspanne bestand. Nach dieser straße ist eine lange Bestandsdauer anzunehmen, mehre-
Brcke wurde erst 1680 eine neue „fliegende Brcke“ re Instandsetzungsphasen sind archologisch nachgewie-
(einschwimmbare Flussbrcke auf Pontons) errichtet. sen. Ein weiteres Teilstck dieser rheinbegleitenden
Zu einer bisher nicht nher datierten Bauzeit wurde in der Trasse wurde bereits im Mauerwerk-Kalender 2009 im
Antike auch die Mosel mit einer Brcke berspannt [2]. Bereich der Severinsbrcke Kçln kurz beschrieben [4].

Bild 4. Trierer Moselbrcke, Brckenpfeiler ca. 150 n. Chr. errichtet, berbau neuzeitlich
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 105

Die vermutlich in der Zeit der Vçlkerwanderung zerstçrte nischen Flussarms wurde in Abstimmung mit den Auf-
Brcke wurde bereits im 14. Jahrhundert durch die nur sichtsbehçrden der Verkehrsgewsser der durch Aus-
50 m stromaufwrts gelegene Balduinbrcke in der Bau- baggern von Kies- und Geschiebemassen vergrçßert.
weise einer steinernen Bogenbrcke ersetzt. Die Brcke berspannt den Fluss mit zwei schmiedeei-
Ein fester Rheinbergang wurde erst 1819 mit einer sernen Zweigelenkfachwerken von jeweils rund 107 m
Schiffsbrcke geschaffen. 1864 wurde die erste Eisen- Sttzweite (Bild 5). In den Vorflutbereichen sind auf
bahnbrcke (Pfaffendorfer Brcke) errichtet [5]. Diese der Horchheimer Seite ein, auf der Oberwerther Seite
reichte fr den aufkommenden Verkehr jedoch nicht drei gemauerte Brckenbçgen mit je 25 m lichter Weite
aus. Da die Verbindung ber den Rhein auch mili- angeordnet. Einschließlich Vorbrcken betrgt die Ge-
trische Bedeutung besaß, wurde in der Folge als wei- samtlnge der Brcke damit knapp 320 m. An das Br-
tere Brcke die Horchheimer Brcke geplant und ge- ckenwerk schließen die Zufahrtsdmme an.
baut. Aufgrund der militrischen Bedeutung der Brcke wur-
Die Errichtung der Horchheimer Brcke erfolgte nach de auf der Oberwerther Seite ein reprsentativer Br-
dem deutsch-franzçsischen Krieg 1870/71. Sie wurde ckenturm mit Verteidigungscharakter vorgesehen
aus strategischen Gesichtspunkten zur Sicherung der (Bild 6). Aus Symmetriegrnden wurden dann aller-
Nachschubwege zu den annektierten Gebieten in El- dings auf beiden Landpfeilern Brckentrme errichtet,
sass-Lothringen errichtet. wobei der Horchheimer Brckenturm jedoch einfacher
gehalten war.
Die ußere Schale der Brcke besteht aus aufgemauer-
2.2 Ausfhrungskonzept zum
ten gelblichen Grauwackesteinen, die angabegemß aus
Errichtungszeitpunkt 1878
regionalen Steinbrchen des Lahn- und des Rheintales
Die Rheinbergangsstelle wurde knapp unterhalb der gewonnen wurden.
Lahnsteiner Rheinbiegung in Hçhe der Insel Ober- Die Seiteneinfassungen der Wasserwechselbereiche der
werth gewhlt. Die Rheinuferhçhen treten hier weit Pfeiler sind mit Basaltlava aus Niedermendiger Vor-
zurck, sodass die Zufahrtslinien unter Einhaltung kommen (Kreis Neuwied–Koblenz) verkleidet. Die
der hçchstzulssigen Steigung an die bestehenden Brckenbçgen sind durchgngig mit Vollziegeln auf-
rechts- und linksrheinischen Trassen angeschlossen gemauert, deren angegebener Bezugsort Worms immer-
werden konnten. hin rd. 100 km Luftlinie entfernt ist. Weiterhin wurde
Der linksrheinische Flussarm wurde mit einem Erd- fr Gesimse und Brckenvorkçpfe Roter Sandstein aus
damm vom Strom abgetrennt. Das Profil des rechtsrhei- der Pfalz verwendet.

Bild 5. Konstruktionsprinzip der Horchheimer Brcke einschließlich spterer Umbauten (nach [5])
106 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

dieses Umbaus getrennt, es wurden beidseitig ange-


hngte Fußgngerstege angebaut.
Eine weitere Brckenverstrkung erfolgte 1933/34. Im
Zuge der Kriegsvorbereitung wurde die Brcke durch
Ausbohlen der Gleise und Anlegen von Fahrzeugram-
pen auch fr Straßenfahrzeuge nutzbar gemacht. Am
09. Mrz 1945 wurde die Brcke dann durch deutsche
Pioniere gesprengt. Neben der zweifeldrigen Hauptbr-
cke wurde auch jeweils ein Bogen der Vorlandbrcken
zerstçrt (Bild 7).

2.4 Wiederherstellungsarbeiten nach 1945


Mit der Brckeninstandsetzung wurde bereits im Febru-
ar 1946 begonnen (Bild 8). Im Juli 1947 konnte der
Bahnverkehr dann wieder aufgenommen werden. Die
stark beschdigten Brckentrme wurden abgebaut
und die zerstçrten Brckenbçgen als Betonbçgen wie-
derhergestellt. Bedingt durch den Stahlmangel, aber
auch aufgrund besonderer franzçsischer Interessen,
wurde die Hauptbrcke mit zwei Parallel-Fachwerken
lediglich eingleisig wiederhergestellt (s. Bild 5).

2.5 Wiederherstellung des zweigleisigen


Betriebs 1961
Bild 6. Ursprnglicher Brckenturm auf dem Landpfeiler
der Horchheimer Rheinseite (vgl. Bild 1) [5] 1960 wurden die Arbeiten zur Wiederherstellung der
Horchheimer Brcke als zweigleisige Rheinquerung
begonnen. Die bisher eingleisigen Behelfsberbauten
Die Brcke war von Anfang an fr Zug- und Fußgn- wurden durch einen zweigleisigen berbau ersetzt.
gerverkehr ausgelegt – sie wurde hierzu in den Zugpau- Als Konstruktionsprinzip wurde ein schlanker, leicht
sen fr den Fußgngerverkehr freigegeben. berhçhter Kastenquerschnitt gewhlt, der als Durch-
lauftrger ausgebildet ist (s. Bild 5).
Auf Hilfspfeilern erfolgte die Montage ausgehend vom
2.3 Umbauten bis zum Jahr 1945
Mittelpfeiler im Freien Vorbau. Ende April 1961 wurde
Aufgrund verstrkten Verkehrsaufkommens und daraus die Brcke auf Gleitbahnen in eine vorlufige Lage an
folgender schadhafter berlastung einzelner Brcken- die Behelfsbrcke geschoben. Das ber die Hçhe der
teile der Hauptbrcke wurde in den Jahren 1901 und Gleitbahn der Querverschiebung stehende Pfeilermau-
1902 eine Verstrkung der berbauten und der Pfeiler erwerk musste vorab abgebrochen werden. Direkt im
vorgenommen. Fuß- und Bahnverkehr wurden im Zuge Anschluss an die Verschiebung wurde der Bahnbetrieb

Bild 7. Brckenzustand nach Sprengung


am 9. 3. 1945 durch Wehrmachtsverbnde [5]
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 107

Bild 8. Vorlandbrcke Oberwerth,


freiliegender Brckenquerschnitt im Bereich
des 2. Bogens; „Aufbauarbeiten nach
1945“ [5]

ber die alte Behelfsbrcke gesperrt und eingleisig ber 3.2 Bedeutung fr Fahrrad- und
das zweite Brckengleis mittels teilverschobener Fußgngerverkehr
Brcke aufgenommen. Nach Abbruch der alten Be-
Neben der Funktion als Eisenbahnbrcke besitzt die
helfsbrcke wurde die Brcke Ende September in die
Horchheimer Brcke eine hohe Bedeutung fr den
endgltige Lage verschoben und der zweigleisige Be-
Fahrrad- und Fußgngerverkehr. Die fr diese Ver-
trieb aufgenommen.
kehrsarten angehngten Teilbrcken (vgl. Abschn. 2.5)
Im Zuge der Wiederherstellung wurde eine Verein-
besitzen eine hohe lokale, aber auch eine berregionale
barung zwischen der Stadt Koblenz und der Deutschen
Bedeutung. So ist der Fahrradweg Teil des berregio-
Bundesbahn abgeschlossen, die der Stadt Koblenz die
nalen Fernradwegenetzes, der die touristisch sehr
Errichtung von beidseitig angehngten Fuß- und Rad-
bedeutsamen Radwegenetze entlang der Lahn, des
wegkonstruktionen gestattet. Betreiber der Konstruktio-
Rheins und der Mosel miteinander verbindet (vgl.
nen ist die Stadt Koblenz. Der Stadt obliegen vertrags-
Bild 3). Lokal verbindet er die rechtsrheinischen Stadt-
gemß die Unterhaltung und die Erneuerung der Bau-
teile mit dem Stadtzentrum.
werksteile, sowie die wegepolizeilichen Pflichten, ins-
besondere die Verkehrssicherung.

4 Brckenaufbau
3 Verkehrsbedeutung
4.1 Beschreibung der einzelnen Brckenteile
3.1 Bedeutung fr den Schienenverkehr
Die gesamte Brcke besteht in Lngsrichtung aus meh-
Die Horchheimer Brcke befindet sich auf der zweiglei- reren separaten Brckenteilen. Von Koblenz-Oberwerth
sigen elektrifizierten Strecke von Wetzlar nach Koblenz Richtung Horchheim sind folgende Brckenabschnitte
(Strecke 3710) des Fern- und Ballungsnetzes der DB vorhanden (vgl. Bilder 1 und 2):
Netz AG. ber das Bauwerk wird im Regelbetrieb G- – Flutbrcke Oberwerth, bestehend aus 2 Bçgen 
ter- und Nahverkehr geleitet. Die Strecke ist im betref- 30 m und 1 Bogen  34,25 m Sttzweite;
fenden Abschnitt Bestandteil des konventionellen trans- – Strombrcke, bestehend aus einem 2-feldrigen
europischen Netzes. Durchlauftrger aus Stahl mit einem Pfeilerabstand
Die Rheinbrcke verbindet die linksrheinische Rhein- von 2 · 117,56 m;
strecke von Kçln nach Bingen (Strecke 2630) mit der – Flutbrcke Horchheim, bestehend aus 1 Bogen mit
rechtsrheinischen von Mlheim nach Niederlahnstein 35 m Sttzweite;
(Strecke 2324). Sie hat aufgrund ihrer Verbindungs- – ehemaliger Straßenbahndurchlass, lichte Weite ca.
funktion fr den Eisenbahnbetrieb eine hohe verkehr- 3,30 m;
liche Bedeutung sowohl fr den Regelbetrieb als auch – Kreuzungsbauwerk ber die DB-Strecke Koblenz–
als Umleitermçglichkeit in einem Stçrungsfall. Ehrenbreitstein / Nieder-Lahnstein mit einer Sttz-
In Verbindung mit der 13,6 km weiter nçrdlich liegen- weite von ca. 10 m.
den Kronprinzenbrcke nahe Engers (vgl. Bild 3) er- Die einzelnen Abschnitte werden im Folgenden in Rei-
mçglicht sie eine Anbindung des Koblenzer Haupt- henfolge der Aufzhlung vorgestellt.
bahnhofs von der rechten Rheinstrecke sowohl aus sd-
licher als auch aus nçrdlicher Richtung.
108 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

4.2 Flutbrcke Oberwerth rungsrohr zu einem Sickerschacht vor dem Pfeilerfuß


gefhrt (Bild 9). Im Zuge der Sanierung wurde 1960 die
4.2.1 Hauptbrcke
Abdichtung erneuert. Es wurde eine gering bewehrte
Die Flutbrcke besteht aus 3 Bçgen aus Ziegelmauer- Stahlbetonplatte von 25 cm Dicke mit Geflle nach in-
werk. Der mittlere Bogen wurde jedoch nachtrglich nen unter dem Schotterbett eingebaut. Die Platte wird
infolge der Kriegsschden 1946 aus Sichtbeton wieder- mit den beiden Stahlbetonrandbalken konstruktiv ber
hergestellt (vgl. Bild 8). In optischer Anlehnung an die Betonstahlanker im Abstand von 1,50 m verbunden.
beiden ußeren Bçgen weist der Betonbogen einen ca. Die auf der Platte verlegte neue Abdichtung fhrt das
1 m dicken, bewehrten Tragbogen auf, der mit einer Sickerwasser, wie frher zu den Tiefpunkten zum
Kerbe die aufgehenden Wnde optisch trennt (vgl. nchstliegenden Pfeiler, wo das Wasser in das bereits
Bild 1). vor dem Umbau vorhandene Entwsserungsrohr abge-
Die beiden Ziegelgewçlbe weisen einen ebenfalls ca. leitet wird.
1 m dicken radial gemauerten Bogen auf. Die berlie- Die Pfeiler der Flutbrcke bestehen aus Natursteinen,
genden Wnde auf dem Bogenrand sind 65 cm dick und wobei die Ecken mit gesgten Quadern aus Basalt,
horizontal gemauert. Zwischen den Randwnden ist eine ca. b/h = 80/40 cm, und die Innenflchen mit regelmßi-
Bruchsteinhintermauerung mit Trassmçrtel vorhanden, gem Mauerwerk aus Grauwacke ausgefhrt sind (vgl.
deren rckwrtige Kante unter ca. 60 Grad gegen die Bilder 1 und 2). Vor den Stirnseiten der Pfeiler ist ein
Vertikale geneigt ist, sodass sich ein Trog in Brcken- halbkreisfçrmiger Pfeilervorsatz aus Basaltquadern als
mitte ergibt (vgl. Bild 8). Der Trog ist bis zum Gleis- Eisbrecher angesetzt. Die Hçhe des Pfeilervorsatzes be-
aufbau mit Kies und Schotter gefllt. Der Trog ber dem trgt ca. 9 m ber GOK. Die Grundflche des Pfeilers
Gewçlbe weist ein starkes Lngsgeflle auf, da im Ge- zwischen Bogen 1 und 2 sowie zwischen Bogen 2 und 3
wçlbescheitel eine Tiefe von ca. 1,20 m unter SO vor- betrgt etwa 12 m · 5 m, whrend der Strompfeiler auf
handen ist und im Pfeilerbereich ca. 3,50 m Tiefe. der Oberwerther Seite ca. 21 m · 13 m Grundflche
Das Sickerwasser im abgedichteten Trog wird im Tief- aufweist, da die deutlich hçheren Lasten der Strombr-
punkt der Gewçlbe im Pfeileransatz ber ein Entwsse- cke abzutragen sind.

Bild 9. Darstellung der innenliegenden Trogentwsserung laut Planungsunterlagen


III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 109

Bild 10. Brckenquerschnitt im Altbestand mit beidseitig angehngtem Fuß- und Radwegebereich

gespannten Platte von 10 m Gesamtlnge mit Gesims.


4.2.2 Fußgngerteilbrcken
Die Plattendicke betrgt in der Regel etwa 10 cm. Die
Auf den 3 Bçgen liegt auf jeder Seite ein durchgehender Platten liegen in der Regel auf 4 Konsolen auf, sodass
Stahlbetonrandbalken von rund 1,10 m Hçhe auf, von am Plattenende jeweils ein Kragarm von 1,25 m vorhan-
dem Stahlbetonkonsolen seitlich auskragen (Bild 10). den ist. Die Konsolen weisen eine Breite von 40 cm auf
Der Stahlbetonrandbalken liegt auf dem Ziegelmauer- und sind in der Hçhe gevoutet (13 cm unter ußerem
werk auf und ist in ihm nur ber in gebohrte Lçcher Gelnder und 70 cm am Anschnitt des Gewçlbebogens).
gesetzte konstruktive Verankerungseisen rckver- Die Betongte der Stahlbetonbauteile ist auf den Be-
ankert. Auf den Konsolen, die im Abstand von 2,50 m standsplnen nicht angegeben. Fr die weitere Planung
angeordnet sind, liegen die Stahlbetonplatten des Geh- wurde zunchst angenommen, dass es sich bei allen
wegs auf. Die Gehwegplatten bestehen aus einer lngs- Stahlbetonbauteilen ein B 225 (nach DIN 1045, Ausgabe
110 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

1959 [6]) mit einem Mittelwert der Druckfestigkeit von 4.4 Anschluss Horchheim
22,5 MN/m2 (Zementgehalt 300 kg/m3) planmßig ein-
4.4.1 Bogenbrcke
gesetzt werden sollte (vgl. Abschn. 7.5.2 und 8.3.4).
Weiterhin wurde eine Bewehrung aus glattem Beton- Die Flutbrcke besteht aus einem Bogen, der 1946 in-
stahl St I (BSt 220) zugrunde gelegt (s. Abschn. 8. 3. 10). folge der Kriegsschden aus Stahlbeton neu hergestellt
wurde (s. Bild 2). hnlich wie der Mittelbogen auf der
Seite Oberwerth wurde ein ca. 1 m dicker Bogen mit
4.3 Strombrcke
einer Kerbe optisch von den berliegenden Flchen ge-
4.3.1 Hauptbrcke trennt. Die Bauart einschließlich der Fußgngerteilbr-
cken ist hnlich dem Mittelbogen auf der Seite Ober-
Die Strombrcke besteht aus einer 2-feldrigen Stahl-
werth.
konstruktion mit je 113,1 m Sttzweite, die auf den
3 Strompfeilern mit einem Achsabstand von 2 ·
117,56 m lagert (s. Bild 1). Der Stahlberbau ist als 4.4.2 Straßenbahnunterfhrung
vollwandiger Hohlkastenquerschnitt ausgebildet. Der In Richtung Horchheim ist neben der Flutbrcke ein
gegenseitige Abstand der senkrechten Stege betrgt weiterer Durchlass unter den Gleisen vorhanden (vgl.
5,5 m. An den Endlagern haben diese eine Hçhe von Bilder 2 und 5). Es handelt sich um einen ehemaligen
5,022 m, am Mittelpfeiler von 5,555 m. Die beiden u- Straßenbahndurchlass mit ca. 3,30 m lichter Breite und
ßeren Schienen liegen ber den Haupttrgerstegen. Die 4,20 m Hçhe. Nach den vorliegenden Plnen handelt es
beiden inneren Schienen werden von gesonderten sich um einen Rahmendurchlass mit ca. 9,50 m Lnge.
Lngstrgern getragen. Das Fahrbahnblech hat von
der Mitte nach außen hin ein Geflle von 1:40. Die 4.4.3 Kreuzungsbauwerk ber die DB-Strecke
Schienen werden unmittelbar auf dem Fahrbahnblech Ehrenbreitstein–Niederlahnstein
aufgelagert.
In Abstnden von 6,0 m, am Mittelpfeiler von 5,1 m, Es handelt sich hierbei um ein Einfeldbauwerk mit einer
liegen die Quertrger bzw. Gehwegkonsolen. ber den lichten Weite von ca. 8 m (vgl. Bilder 2 und 5). Der
Auflagern sind vollwandige Querscheiben angeordnet. Kreuzungswinkel mit der unterfhrten Strecke betrgt
Weiterhin befinden sich Querverbnde in Abstnden ca. 100 gon. Der berbau aus nebeneinander liegenden
von 6 bzw. 12 m. Der Kasten ist unterhalb der Konsolen ca. 35 cm hohen Stahlhohlksten nimmt den Oberbau
geteilt und wird hier durch Flachsthle, die zugleich als der Gleise auf. Seitlich am berbau sind Stahlkonsolen
Lngssteifen dienen, gestoßen. Die senkrechten Bau- im Abstand von ca. 2,15 m angebracht, die nach einer
stellenstçße wurden in 18 m, am Mittelpfeiler in 10,2 m Verstrkung und Verlngerung den Gehweg tragen. Der
Entfernung, vorgesehen. Außer der oben angefhrten Gehweg liegt auf den Stahlkonsolen auf und besteht aus
Lngssteife liegen außen sichtbare Steifen nur an den einer 10 cm dicken Stahlbetonplatte mit außenliegen-
Stçßen, alle brigen sind auf der Innenseite angeordnet. dem Gesimsbalken aus Stahlbeton. Das ußere Geln-
Die am Fahrbahnblech wie auch am Kastenboden be- der sitzt auf den Konsolen auf und ist mit vollflchigen
findlichen Steifen werden mit zum tragenden Quer- Stahlplatten bis OK Handlauf verkleidet, die vor die
schnitt gerechnet. Fllstbe gesetzt wurden. Entsprechend den gltigen
Die Brcke ist aus Stahl der Gte St 37 und St 52 her- Vorschriften der DB Netz AG ist als Berhrungsschutz
gestellt. Die Nieten weisen eine Gte von St 36 auf. der Oberleitung der unterfhrten Strecke ein auskragen-
Untergeordnet wurden auch Schrauben verschiedener des Welldrahtgitter ab OK Handlauf montiert.
Festigkeiten verwendet.
Außer den Baustellenstçßen ist das Bauwerk vollkom-
men geschweißt. Die Obergurt- und Stegblechstçße 5 Status der einzelnen Abschnitte der
sind genietet, die Untergurtstçße bis auf den Querstoß Fußgngerteilbrcken
am Pfeiler mit HV-Schrauben verbunden.
Auf dem Pfeiler der Oberwerther Seite (vgl. Bild 1) Zum besseren Verstndnis werden die Brcken-
befinden sich die festen Lager der Brcke. Alle brigen abschnitte, die in den nachfolgenden Abschnitten einge-
Lager sind Rollenlager. hender behandelt werden, hier kurz vorgestellt. Die
Da der Untergurt seitlich etwa 50 cm ber das Steg- beidseitig an die Hauptbrcke angehngten Gehwege
blech heraussteht, besteht die Mçglichkeit, ein fahr- werden im Folgenden in 6 Abschnitte gegliedert.
bares Gerst zu montieren. Folgender Status der einzelnen Brckenteile lsst sich
festlegen:
4.3.2 Angehngte Fuß- und Radwegebereiche
Oberstromig:
Die Tragkonstruktion der Teilbrcken fr den Fuß- und
Fahrradverkehr bilden Gehwegkonsolen als Verlnge- Oberwerth (O1)
rung der Quertrger. Der Belag wird durch Holzbohlen September 2004 gesperrt, 2006 bis 2007 abgebrochen
(U2) bzw. Stahlbleche als orthotrophe Platten (O2) ge- und durch Neubau ersetzt, im Mai 2007 wieder freige-
bildet. geben.
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 111

Bild 11. Unter- und oberstromige Teilabschnitte des beidseitig angehngten Fuß- und Radwegebereiches
(U1 bis U3 bzw. O1 bis O3)

Hauptbrcke (O2) und Radwegebereich Vorlandbrcke Oberwerth ober-


September 2004 bis Mai 2007 aufgrund Sperrung des stromig (s. Abschn. 7 bis 9) und O3 – Fuß- und Rad-
entsprechenden Oberwerther Teilstckes nicht nutzbar. wegebereich Vorlandbrcke Horchheim oberstromig
In diesem Zeitraum wurden eine genauere berprfung (s. Abschn. 10 bis 12).
und kleinere Reparaturen durchgefhrt, erneute Sper-
rung im 1. Halbjahr 2009 wegen berarbeitung des
entsprechenden Horchheimer Teilstcks.
Horchheim (O3) 6 Außerplanmßige
September 2004 bis Mai 2007 aufgrund Sperrung des Brckeninspektionen
entsprechenden Oberwerther Teilstcks nicht nutzbar,
6.1 Maßnahmen bis Ende 2004
im Januar 2009 gesperrt, durch aufgesetzten berbau
Ende Juni 2009 wieder freigegeben, endgltiger Umbau Aufgrund alterungsbedingter Schden wurde Mitte der
voraussichtlich ab 2012. 1980er-Jahre der unterstromige Gehweg (U1–U3) sei-
tens der Stadtverwaltung Koblenz gesperrt. Im Septem-
Unterstromig: ber 2004 wurden bei einer berprfung durch Mitarbei-
ter des Tiefbauamtes auch auf der oberstromigen Vor-
Oberwerth (U1)
landbrcke Oberwerth (O1) schwere Schden in der
Seit Mitte der 1980er-Jahre gesperrt, derzeit finanzielle
Gehwegplatte festgestellt (Bild 12). In der Folge musste
und technische Machbarkeitsstudien hinsichtlich der In-
auch der oberstromige Radweg geschlossen werden.
standsetzungsmçglichkeiten.
Hauptbrcke (U2)
Seit Mitte der 1980er-Jahre aufgrund Sperrung der ent- 6.2 Untersuchungen im Zeitraum 2004–2007
sprechenden Vorlandteilbrcken nicht mehr nutzbar.
6.2.1 Untersuchungsanlass
Aufgrund Schden der Holzbelge und sonstiger Alte-
rungsschden kann das Brckenteil ohne berholung Mit der Schließung auch der oberstromigen Teilbrcke
nicht fr den Verkehr freigegeben werden. im September 2004 (vgl. Abschn. 6.1) war ein Fuß- und
Fahrradverkehr ber die Brcke nicht mehr mçglich.
Horchheim (U3)
Das Tiefbauamt Koblenz arbeitete umgehend an einer
Seit Mitte der 1980er-Jahre gesperrt, derzeit finanzielle
Lçsung zur Wiederherstellung des unterbrochenen Ver-
und technische Machbarkeitsstudien hinsichtlich der In-
kehrswegs. Die çffentliche Anteilnahme an der Sper-
standsetzungsmçglichkeiten.
rung war groß, dies spiegelte sich auch in den zahl-
Die nachfolgenden Abschnitte behandeln im Wesent- reichen regionalen, aber auch berregionalen Presse-
lichen den Neubau der Brckenabschnitte O1 – Fuß- berichten wider.
112 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 12. Fuß- und Radwegebereich


bestehend aus den in den Randbalken
eingelassenen Kragarmen, Gehwegplatte
und Randbalken aus ußerem Abschluss,
Ausbruch in oberstromiger Gehwegplatte
im Bereich des landseitigigen Bogens der
Oberwerther Vorlandbrcke (O1)

6.2.2 Untersuchungsumfang • Untersuchung des Mauerwerks der Gewçlbe – Mau-


erwerksverband, Stein- und Mçrtelgte, Alterungs-
Zur Erstellung eines Instandsetzungskonzeptes wurden
schden (s. Abschn. 8.3);
zunchst umfangreiche Untersuchungen durchgefhrt.
• Auszugsversuche von Ankern im Beton und im Mau-
Da es sich um angehngte Teilbrcken handelte, musste
erwerk (s. Abschn. 8.10 und 8.11).
die eigentliche Eisenbahnbrcke in das Untersuchungs-
Diese unter wesentlicher Mitwirkung des Chemisch
und Instandsetzungskonzept mit einbezogen werden.
Technischen Laboratorium Heinrich Hart GmbH, Neu-
Dies bedingte fr diese und die folgenden Maßnahmen
wied, durchgefhrten Untersuchungen waren Grund-
eine enge Abstimmung mit den zustndigen Bahnabtei-
lage der Neuerrichtung der oberstromigen Oberwerther
lungen fr die Brckenbauwerke und den laufenden
Teilbrcke (O1) (s. Abschn. 9).
Fahrbetrieb.
Die Instandsetzung der oberstromigen Horchheimer
Die Eingangsuntersuchungen der Brckenunterseiten
Teilbrcke (O3) (vgl. Abschn. 10 bis 13), konnte aus
und der Brckenbçgen erfolgte von einer Scherenbhne
organisatorischen und finanziellen Grnden nicht
und einem Hubsteiger aus, die Untersuchungen der
gleichzeitig in Angriff genommen werden. Da jedoch
Gehwegplatte konnten teilweise von der Laufebene
bereits abzusehen war, dass auch die entsprechende
aus durchgefhrt werden. Nach Abbruch der Altbrcke
Teilbrcke auf der Horchheimer Seite umfangreich in-
wurden die Untersuchungen, insbesondere die Auszugs-
standgesetzt werden muss und dies nicht ohne erneute
versuche, von einem brckenbegleitenden Arbeits-
Sperrung des oberstromigen Gehweges mçglich ist, ließ
gerst aus vorgenommen.
die Stadt in der Folge die unterstromige Seite unter-
Im Einzelnen wurde durchgefhrt:
suchen (s. Abschn.6.3).
• eine augenscheinliche Zustandserfassung des Alte-
rungszustandes und der Schden der Eisenbahnbr-
cke unter Bercksichtigung der Feststellung in den 6.3 Untersuchungen im Zeitraum 2008–2009
Brckenbchern (s. Abschn.7.1, 7.2 und 8.2);
6.3.1 Untersuchungsanlass
• eine augenscheinliche Erfassung der Konstruktions-
weise und des Zustands aller vier angehngten Teil- Die Stadtverwaltung Koblenz beauftragte das Inge-
brcken der beiden Vorlandbrcken (O1 und O3 so- nieurbro Kocks Consult GmbH, Koblenz, im Dezem-
wie U1 und U3, vgl. Bild 11; s. Abschn. 8.3); ber 2008 mit einer Brckenhauptprfung nach DIN
• betontechnologische Untersuchungen des dem Ge- 1076 [7] fr den unterstromigen Rad- und Gehweg-
wçlbe aufgelagerten Brckenbalkens, der Kragarme, bereich sowie das Ingenieurbro Tebbe mit begleiten-
der Gehwegplatte und des Randbalkens (vgl. den betontechnologischen Untersuchungen.
Bild 12) im Einzelnen (s. Abschn.7.4 und 7.5) Es sollte in erster Linie festgestellt werden, inwie-
– Feststellung der Betongte – Druckfestigkeit, weit die Unterstromseite (U1 – U3) fr den Zeitraum
Karbonatisierungstiefe Gefge, Alterungsschden genutzt werden kann, in dem die Oberstromseite we-
(s. Abschn. 7.4 und 7.5), gen der anstehenden Ertchtigung der oberstromigen
– Untersuchung der Bewehrung – Bewehrungsfh- Fußgngerteilbrcke auf der Horchheimer Seite (O3)
rung, Korrosionsschden, Bestimmung der Stahl- gesperrt werden muss. Weiterhin lagen und liegen
gte (s. Abschn. 8.4 bis 8.9), auch berlegungen vor die Unterstromseite wieder
– Untersuchung auf Chloride der sonstige Stahl, fr den dauerhaften Betrieb zu ertchtigen. Die Pr-
Beton oder Stahlbeton angreifende Stoffe, ins- fung bezog sich diesmal im Wesentlichen nur auf
besondere in den Kragarmen (vgl. Abschn. 8.3.6); in der Baulast der Stadt befindliche Bauteile; die
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 113

Bild 13. Untersicht durch Fangnetz auf


Gehwegplatte nach Abstemmen von losen
Teilen, oberstromige Gehwegplatte im
Bereich des Bogens der Horchheimer Vor-
landbrcke (O3) (vgl. Bild 2)

eigentliche DB-Brcke war daher nicht im Prf- Man entschied sich, die standsicherheitsgefhrdeten
umfang enthalten. Teilbereiche der oberstromigen Teilbrcke durch drei
Die im Zuge dieser Untersuchung festgestellten außer- selbsttragende Einfeldtrger zu berbrcken, sodass der
gewçhnlichen Schden fhrten dazu, dass auch der oberstromige Geh- und Radweg im Juni 2009 wieder
oberstromige Fuß- und Radweg im Januar 2009 erneut erçffnet werden konnte.
gesperrt wurde. Eine berprfung des bisher nicht in-
standgesetzten Teilstckes auf der Horchheimer Seite 6.3.2 Untersuchungsumfang
(O3) zeigte dann, dass der Radweg aufgrund der erheb-
lichen Verkehrsgefhrdung bis auf Weiteres nicht wie- Unterstromig wurden die Hauptschden an den Fußgn-
der geçffnet werden konnte. ger- und Fahrradteilbrcken der Hauptbrcke und an
In der Folge waren gesonderte Maßnahmen notwendig, den Gewçlbevorlandbrcken erfasst und dokumentiert.
die ein mçglichst schnelles Wiederherstellen einer Fuß- Ergnzend zu den bisherigen Erkenntnissen wurden
und Radwegeverbindung ber die Horchheimer Brcke weiterhin Substanzuntersuchungen analog dem bereits
sicherstellen konnten. Unter anderem musste unter allen im Abschnitt 6.2.2 skizzierten Umfang (Erneuerung der
Umstnden gewhrleistet werden, dass zur Bundesgar- oberstromigen Teilbrcke Oberwerther Seite) vor-
tenschau 2011 eine Brckenquerung per Rad und zu genommen. Im Zuge dieser Untersuchung wurden die
Fuß mçglich ist. geschdigten, abgngigen und gelçsten Teile der Br-
ckensubstanz entfernt. Teile des Vorlandbereiches wur-
den gesperrt und das Fangnetz berprft.
Oberstromig mussten die Auflagerbereiche fr die als
Ersatz vorgesehenen Einfeldtrger untersucht werden.
Weiterhin mussten Tragfhigkeitsuntersuchungen des
Bodens im Bereich des Aufstellplatzes des bençtigten
Mobilkrans mit 400 t Tragkraft Bodenuntersuchungen
im geplanten Aufstellbereich durchgefhrt werden.
Die Brckenuntersuchungen erfolgten im Wesentlichen
von einem fr die Untersuchungszwecke aufgestellten
Arbeitsgerst (Horchheim unterstromig) und vom Hub-
steiger aus. Die Untersuchungen an den Pfeilern erfolg-
ten vom Seil aus (Bild 14).

7 Untersuchungsergebnisse
Vorlandbrcken (DB-Bauwerk)
7.1 Untersuchte Bauteile
Ab September 2004 wurden im Nachgang zur Sperrung
der oberstromigen Fuß- und Radwege (O1–O3) (vgl.
Bild 14. Sondierungsbohrung am Horchheimer Flusspfeiler Abschn. 6.1), der Konstruktionsaufbau der Vorland-
(vgl. Bild 2) brcken genauer in Augenschein genommen. Neben
114 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

der Untersuchung der Fuß- und Radwege wurden auch aus Natursteinbruchstcken mit Anteilen von Ziegel-
Teile der Hauptbrcke in den Vorlandbereichen unter- bruchstcken. Im Scheitelpunkt des Bogens schließt di-
sucht. rekt der durchlaufende Randbalken an, die Hçhe der
Stirnwnde luft hier also auf null aus (vgl. Bild 10).
7.2 Augenscheinliche Beurteilung der Der Gleiskçrper ist in einen aufgeschtteten Trog ge-
Bogenpfeiler fhrt (vgl. Bilder 8 bis 10). Nach den Unterlagen wurde
die Abdichtung letztmalig 1960/61, also vor rund
Die unter- und oberstromigen Bogenpfeiler besitzen 50 Jahren, erneuert. Die Gewçlbebrcke ist, wie all-
wie die Strompfeiler eine unter- und oberstromige ovale gemein bei derartigen Konstruktionen hufiger zu be-
Verbreiterung zur Verringerung des Strçmungsdruckes obachten ist, bauartbedingt von Durchfeuchtungen be-
und als Anprallschutz. Die Bereiche sind mit Basalt troffen. Insbesondere in den Kmpferbereichen der Bç-
verkleidet. Die Vorbauten enden etwa im Kmpfer- gen sind Durchfeuchtungen festzustellen.
bereich. Die entsprechenden Vorsprnge sind mit einer Die Entwsserung des trogfçrmigen Brckenquer-
berstehenden kegelfçrmigen Abdeckung versehen, die schnittes erfolgt ber in den Brckenpfeilern angeord-
ebenfalls mit Basalt bekleidet ist. Die Seitenflchen nete Innenentwsserungen (s. Bild 9). Diese sind gemß
besitzen eine Basalteinfassung, die Flche ist mit bos- den Sinterspuren auch (zumindest teilweise) noch in
siertem Grauwackemauerwerk verkleidet (Bild 15). Funktion, allerdings weisen die meisten Gewçlbe vor-
Die Pfeiler wurden, mit Ausnahmen der im Zuge der wiegend an den Gewçlbeanstzen auf der Unterseite
oberstromigen Horchheimer Brckenertchtigung erhebliche Aussinterungen auf. Offensichtlich ist die
durchgefhrten Maßnahmen (s. Abschn. 10) lediglich Leistungsfhigkeit der Entwsserung durch Ablagerun-
augenscheinlich begutachtet. gen oder sonstige Schden fr den anfallenden Sicker-
Da an den einseitig angebrachten Entwsserungsçff- wasseranfall eingeschrnkt, sodass sich Wasser in den
nungen der Bogenpfeiler keine Fall-Leitung mehr an- Zwickeln der Bogenanstze anstaut und die Konstruk-
geschlossen ist, ist diese Seite mehr durch Spritzwasser tion durchfeuchtet. Die außenliegenden Fall-Leitungen
und entsprechende Folgeschden belastet (vgl. Bild 15). der Entwsserung sind schadhaft oder abgngig, sodass
Die Pfeiler, deren Bçgen gesprengt wurden, weisen ten- die noch ablaufenden Sickerwsser auch die Außenfl-
denziell strkere Durchfeuchtungen auf. chen der Pfeiler belasten (s. Bild 15).
An einigen Stellen deuten sich bereits Folgeschden,
7.3 Augenscheinliche Beurteilung der wie Schalenabplatzungen im Ziegelmauerwerk, an.
Mauerwerksbçgen Die Korrosionsschden der Stahlbetonbewehrung in
den Betonbçgen (vgl. Abschn. 7.4) sind stellenweise
7.3.1 Aufbau des Bogens und der Stirnwand
berspachtelt. Zustzlich werden diese auch etwa von
Der eigentliche Bogen (Gurtung) ist senkrecht zur der wohl im Zuge der Verspachtelung aufgetragenen
Drucklinie durchgngig aufgemauert. Die Stirnwnde Farbfassung verdeckt.
mit einer Strke von ca. 50 cm (gemß Bohrkernsondie- Das Mauerwerk ist steinsichtig, allerdings wurde eine
rung) sind danach, getrennt durch eine Baufuge, auf den mineralische Schlmme aufgetragen. Auf der Bogen-
Bogen aufgesetzt (Bild 16). Zwischen den Stirnwnden unterseite ist diese Schlmme stellenweise aufgrund
befindet sich ein mçrtelgebundener Auffllungskçrper Hinterfeuchtung abgngig.

Bild 15. Oberwerther Vorlandbrcke, landseitiger Pfeiler des Bild 16. Oberwerther Vorlandbrcke, Pfeiler zwischen land-
mittleren Bogens, Feuchteschden im Ansatz des Betongewçl- seitigem und mittlerem Bogen, Mauerwerk im Kmpferbereich
bes, Entwsserungsçffnung mit eingewachsenem Strauch
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 115

Bild 17. Bruchstck aus der Sprengung des Horcheimer Bild 18. Bruchflche eines Ziegels aus der Stirnwand
Brckenbogens der Gewçlbe

Die Ansichtsflche des Mauerwerksverbandes zeigt ei- weisen optisch keine Unterschiede zwischen Außenhaut
nen mit um halber Kopfbreite versetzten Binder- oder und Kern auf, die Außenhaut zeigt keine Versinterungs-
Kopfverband. Ein Bruchstck eines Mauerwerksver- spuren. Es drfte sich daher um gleichmßigen Brand
bandes, das am Horchheimer Flussufer vorgefunden bei maximal mittleren Ofentemperaturen handeln. Die
wurde, stammt vermutlich aus einem im 2. Weltkrieg Gefahr der Schalenabplatzung ist bei derartig gebrann-
zerstçrten und nachtrglich in Beton wiederhergestell- ten Ziegeln geringer als bei dem zeitgençssischen Sicht-
ten Brckenbogen (Bild 17). Die vorgefundenen mauerwerk, das mit Ziegeln der Oberflche versintert
Bruchstcke sind ebenfalls im beschriebenen Kopfver- ist, deren Kern jedoch vergleichsweise weich ist.
band aufgemauert. Es ist daher davon auszugehen, Ausgeprgte Schrumpf- und Trocknungsrisse sind nicht
dass die statisch tragende Gewçlbeschale der Altbr- vorzufinden. Allerdings ist der Witterungsangriff auf
ckenteile aus entsprechend durchgemauerten Verbn- eine derartige Außenhaut auch deutlich strker. Ein ent-
den besteht. sprechendes Bestreben, diese Außenhaut zustzlich zu
Diese Vermutung wird auch durch die an der landseiti- schtzen, wird durch den Schlmmauftrag deutlich (vgl.
gen Horchheimer Vorlandbrcke vorgenommenen Bau- Abschn. 7.3.1).
werksçffnungen untersttzt, bei der der Mauerwerks- Die Matrix weist aufbereitungsbedingt Lunkerstellen
verband lediglich bis zu einer maximalen Tiefe von bis zu ca. 2 cm Kantenlnge auf, die relativ regelmßig
ca. 20 cm freigelegt wurde. Entsprechend der Ansichts- verteilt sind. Die Matrix ist mit dunkelroten und
flche, wurden dort, je Steinlage, mit der Kopfflche schwarzen Zuschlgen durchsetzt, die als gebrannter
vermauerte Halbsteine abwechselnd zu einem Binder- Ziegelsplitt und Schlacken anzusprechen sind. Die Kçr-
stein vorgefunden. Das Mauerwerk ist somit in der nung weist in der Regel eine Korngrçße bis zu 5 mm
Tiefe mit einer halben Steinlnge verzahnt aufgemauert auf, vereinzelt sind auch grçßere Einzelkçrner vorzufin-
worden. den, sowie Zuschlge anderer Herkunft, wie Kalk- oder
Der Mauerwerksverband besitzt auf der Außenseite ei- Kalksteineinschlsse.
nen Schlmmanstrich, der vermutlich als Witterungs- Die Steinrohdichte (lufttrocken) streut zwischen 1,53
schutz gedacht ist. und 2,17 kg/dm3, im Mittel wurde sie zu 1,66 kg/dm3
ermittelt. Die an wrfelfçrmigen Einzelproben ermittel-
ten Druckfestigkeiten liegen vergleichsweise eng ge-
7.3.2 Beschaffenheit des Mauerziegels
staffelt zwischen 17,8 und 23,6 N/mm2.
Die Einzelsteine weisen an der Kopfflche eine Hçhe
von ca. 6,5 und eine Breite von 12 cm auf. Es drfte
7.3.3 Beschaffenheit des Mçrtels
sich wahrscheinlich um Ziegel im sog. Reichsformat
(L/B/H 25/12/6,5) handeln. Steine aus Produktionen Die Fugen sind mit einem gesonderten, dunklen Fug-
vor dem 2. Weltkrieg entsprechen hinsichtlich Eben- mçrtel hoher Festigkeit ausgekleidet (vgl. Bild 19. Die
heit und Maßtoleranzen in der Regel nicht den Vor- Anbindung des Fugmçrtels an Stein und Mauermçrtel
gaben der heutigen Normung, sie weisen meist eine ist als gut zu bezeichnen. An den ffnungsstellen sind
hçhere Schwankungsbreite hinsichtlich Abmaßen und auf den Fugmçrtel und insbesondere im Anschluss-
Ebenheit auf. bereich Fugmçrtel/Mauermçrtel weißliche Ausblhspu-
Die Steine zeigen eine vergleichsweise einheitliche ren vorzufinden, die als Kalkausblhungen anzusehen
hellrote bis gelbliche Tonmatrix (Bild 18). Die Ziegel sind.
116 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 19. Lagerfuge eines Ziegels mit Resten des Fugmçrtels Bild 20. Bogen der Horchheimer Vorlandbrcke, Betonierfuge
(dunkel) und Mauermçrtels (hell) im unteren Bogendrittel (lineare Sinterfahnen) und im Scheitel-
bereich (Schwindgasse) gut sichtbar

Der Mauermçrtel weist eine hellgelbe feinkçrnige 7.4 Betonbçgen


Struktur mit vereinzelter Ausfallkçrnung (mit etwa
7.4.1 Aufbau der Bçgen und der Schildmauer
8 mm Grçßtkorn) auf (Bild 19). Der Mçrtel ist ver-
gleichsweise dicht und besitzt wenig Lunkerstellen. Der Betonbogen der Horchheimer Vorlandbrcke setzt
Der Verbund zum Stein ist sowohl in den Lagerfugen direkt an den jeweiligen Pfeilern an, siehe Bild 20, wh-
als auch in den Stoßfugen als gut zu bezeichnen. rend auf der Oberwehrter Seite noch der gemauerte
Gemß optischer Beurteilung und durchgefhrter Ritz- Kmpferbereich des gesprengten Bogens fr den Neu-
probe ist der Mauermçrtel hinsichtlich seiner mecha- aufbau weitergenutzt wird (s. Bild 15). Offensichtlich
nischen Eigenschaften sicherlich als Mauermçrtel ist zunchst der Bogen auf einem Lehrgerst erstellt
MG II nach DIN 1053 T1 [8] bzw. M 2,5 nach DIN worden. Darauf wurden die Stirnwnde mit Baufuge
EN 998-2 [9] zu klassifizieren. Eine Hçhergruppierung aufgesetzt.
in die Mçrtelgruppe MG IIa bzw. M 5 wre ggf. auf Der Horchheimer Bogen wurde genauer untersucht. Der
Grundlage von (bisher nicht erfolgten) Druckfestig- Bogen wurde offensichtlich im Bauzustand als Dreige-
keitsprfungen mçglich. Eine Einordnung in noch hç- lenkbogen ausgefhrt. Die drei Gelenke wurden jeweils
here Druckfestigkeitsklassen ist aufgrund der Zusam- im unteren Bogendrittel und im Scheitel ausgefhrt
mensetzung und Ritzhrte des Mauermçrtels eher aus- (Bild 20). Die Gelenke sind vermutlich als Schwindgas-
zuschließen. se gedacht und nach Ausfhrung der Bogensegmente
betoniert worden. An den Betonierfugen treten lecka-
gebedingt deutliche Sinterfahnen auf.
7.3.4 Eluierbare Salze
Der Bogen besitzt eine kreuzweise verlegte Bewehrung.
Mauerstein (Steinoberflche) und Mçrtelfge (Sammel- An der Bogenunterseite tritt diese Bewehrung teilweise
proben Mauermçrtel) wurden auf mçgliche Chlorid- hervor. Entsprechende Korrosionsschden sind zu ver-
belastung aus Streusalz untersucht. An den Ziegelober-
flchen wurden 0,12 M.- % Chlorid und im Mauermçr-
tel 0,06 M.- % Chlorid festgestellt. In Anbetracht des
Alters des Bauwerks ist die Chloridbelastung eher un-
auffllig.
Da jedoch die Abdichtung der Gewçlbebçgen nicht
mehr funktioniert, fhrt die Durchfeuchtung der Bçgen
zu einer schnelleren Alterung des Bauwerkes. Im Be-
reich von Fugen und Schadstellen kçnnen aufgrund
des hier stattfindenden Wassertransports bei wechseln-
den Feuchtegraden und entsprechenden Austrock-
nungsperioden auch zuknftig schadensauslçsende
Salzanreicherungen nicht ausgeschlossen werden. Da
der Beton in Teilbereichen eine ußerst geringe Beton-
rohdichte aufweist, ist zudem in diesen Bereichen mit
beschleunigter Chloriddiffusion in tiefere Betonzonen Bild 21. Bogen der Horchheimer Vorlandbrcke, freiliegende
zu rechnen. Bewehrung, berstrichen und teilweise verspachtelt
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 117

auch im Beton des Randbalkens festgestellt (siehe


Abschn. 7.5.2). Dichte Gefgebereiche wechseln mit
Bereichen in denen zahlreiche Verdichtungsporen bis
ber 5 mm Durchmesser vorzufinden sind (Bild 23).
Die Karbonatisierungstiefe schwankt dementsprechend
von gut 10 mm bis zu ber 90 mm.
Im Einzelnen sind in der Betonzusammensetzung und
im Gefgeaufbau erhebliche Unterschiede festzustel-
len. Der Beton variiert sowohl in den einzelnen Entnah-
mestellen als auch ber die Entnahmetiefe erheblich.
Zonen mit gut abgestuftem Kçrnungsaufbau wechseln
unvermittelt mit sehr feinkçrnigen Abschnitten oder mit
Zonen, in denen Einzelsteine mit Kantenlngen deutlich
ber 63 mm Kantenlnge vorliegen.
Als Gesteinskçrnung wurden Quarzkies und deutliche
Bild 22. Horchheimer Vorlandbrcke, Rissbildung zwischen Splittanteile vorgefunden. Der Hauptgesteinsanteil liegt
Brckengurt (Bogen) und Stirnmauer, Bauteilbergang durch in den Korngrçßenbereichen 0/16 bzw. 0/32 je nach
Dreikantleiste angedeutet Bohrkernabschnitt.

7.4.3 Eluierbare Salze


zeichnen. Abplatzungen und Schden auf der Bogen-
An der Oberflche der Stirnwnde sind Chloridgehalte
unterseite wurden teilweise verspachtelt und berstri-
bis etwa 0,2 M.- % vorzufinden. Chloridanreicherungen
chen (Bild 21).
an Stçrstellen und wasserfhrenden Rissen oder Beto-
Die Stirnmauern wurden nachtrglich betoniert. Eine
nierfugen waren jedoch festzustellen. Eine klare Ab-
oberflchennahe Anschlussbewehrung zu den Stirn-
hngigkeit vom Streumitteleinsatz auf den Gehwegen
mauern wurde gemß Sondierung mit einem Beweh-
war erkennbar.
rungssuchgert nicht gefunden. Zwischen Stirnwand
Da der Beton in Teilbereichen eine ußerst geringe Be-
und Bogen ist eine leichte Rissbildung zu verzeichnen
tonrohdichte aufweist, ist in diesen Bereichen mit be-
(Bild 22).
schleunigter Chloriddiffusion in tiefere Betonzonen zu
rechnen. Daher sollte zuknftig der Einsatz von Streu-
7.4.2 Untersuchung an Bohrkernen salzen im Fuß- und Gehwegbereich nicht erfolgen, um
weitere Chloridbelastung zu vermeiden.
Aus den direkten Bçgen wurden keine Materialproben
genommen. Die im Bereich der Stirnwand entnomme-
nen Proben wiesen Streuungen von 5 bis auf ber 7.5 Randbalken
46,8 N/mm2 auf (Bild 23). hnliche Streuungen wurden
7.5.1 Aufbau
Auf die Schildmauer ist der Betonrandbalken mit den
angehngten Konsolen und der Gehwegplatte auf-
gesetzt (s. Bild 12). Der Randbalken wurde in Stampf-
betonbauweise errichtet. Die aufgetragene Schlmme
ist, bedingt durch Feuchteeinflsse, teilweise abge-
platzt, Aussinterungen und Algenbildung ist zu ver-
zeichnen. Die Feuchteschden sind durch das durch
die Gehwegkonstruktion dringende Wasser verursacht.
Der Randbalken ist gemß Befund im geringen Maße
kreuzweise bewehrt, es wurden entsprechende Stab-
sthle mit 12 mm Durchmesser vorgefunden. Neben
dieser kreuzweise verlegten Bewehrung ist die Rck-
verankerung der Kragarme eingebunden. Die entspre-
chenden Stabsthle sind gemß Plan dort abgewinkelt
und aufgefchert angeordnet worden (Bild 24).
In regelmßigen Abstnden von ca. 1 bis 1,2 m sind auf
die Schildmauer quer zur Brckenspannrichtung der
Bçgen Eisenbahnschienen aufgelagert. Sie sind daher
vermutlich als Hilfskonstruktion whrend der Bauphase
oder als Teil eines Lastverteilungsrostes anzusehen. Sie
Bild 23. Bogen der Horchheimer Vorlandbrcke, zwei Beton- schließen nahezu bndig an den Stirnseiten an, lediglich
bohrkerne aus unterschiedlichen Abschnitten der Stirnwand die aufgebrachte Schlmme berdeckt die Schienen-
118 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 25. In regelmßigen Abstnden in Randbalken


einbetonierte Eisenbahnprofile

Als Bewehrung wurde berwiegend glatter Rundstahl


mit einem Durchmesser von 12 mm vorgefunden. Die
Stahloberflche war metallisch glnzend, sie zeigte kei-
ne oder kaum Flugrostbildung.
Bild 24. Bewehrungsverankerung des Kragarms gemß Es wurde sowohl horizontal verlegte Quer- als auch
Planungsunterlagen Lngsbewehrung angeschnitten. Die Kontaktflchen
(Negativabdrcke im Beton) zeigten nur kleinere Luft-
einschlsse oder Wasserlinsen. Die Ummantelung des
kçpfe (Bild 25). Korrosionsschden haben daher zu Ab- Stahls mit Zementstein ist somit insgesamt fast vollfl-
platzungen im Bereich der Schienenkçpfe gefhrt. Auf- chig, der Stahl war gut im Beton eingebettet.
grund des Witterungsschutzes durch die darber liegen- Aufgrund des eingesetzten glatten Rundprofils war der
de Kragplatte des Gehwegs sind die Schden bisher Verbund zwischen Stabstahl und Beton trotzdem gering.
eher als geringfgig einzustufen. Der Stabstahl ließ sich daher an Anschnittstellen in der
In der Stirnflche der Brcke wurden weiterhin tiefer- Regel ohne grçßere Kraftanstrengung rckstandsfrei aus
gehende rechteckige Hohlkammern mit stirnseitiger seinem z. T. wenig verdichtetem Betonbett lçsen.
Abdeckung vorgefunden. Hierbei handelt es sich wahr-
scheinlich um stillgelegte seitliche Ablufe zur Entws- 7.5.3 Karbonatisierungstiefe
serung des Gleiskçrpers.
Die an den entnommenen Bohrkernen ermittelte Kar-
bonatisierungstiefe schwankte zwischen 15 und knapp
7.5.2 Untersuchungen an Betonbohrkernen 100 mm. Die sehr unterschiedliche Karbonatisierungs-
tiefe korrespondiert naturgemß mit der sehr unter-
Es wurde als Grundmischung ein Splittbeton mit ber-
schiedlichen Betongte und Rohdichte der Einzelpro-
wiegend Basaltsplitt als Gesteinskçrnung vorgefunden.
ben (vgl. Bild 23). Whrend eine Karbonatisierungstie-
Der Hauptgesteinsanteil liegt in den Korngrçßenberei-
fe von 15 mm fr ein ca. 60 Jahre altes, derart bewitter-
chen 0/16 bzw. 0/32 je nach Bohrkernabschnitt.
tes Bauwerk einen sehr guten Wert darstellt, lsst eine
Im Einzelnen sind in der Betonzusammensetzung und
Karbonatisierungstiefe von 100 mm fr ein Stahlbeton-
im Gefgeaufbau erhebliche Unterschiede festzustellen
bauwerk aus Normalbeton Handlungsbedarf erkennen.
(vgl. Bild 23). Der Beton variiert sowohl in den einzel-
nen Entnahmestellen als auch ber die Entnahmetiefe
7.5.4 Eluierbare Salze
erheblich. Zonen mit gut abgestuftem Kçrnungsaufbau
wechseln unvermittelt mit sehr feinkçrnigen Abschnit- Im Randbalken lsst sich der Einfluss der Taumittel-
ten oder mit Zonen, in denen Einzelsteine mit Kanten- beaufschlagung deutlich ablesen. Auf der gesperrten
lngen deutlich ber 63 mm Kantenlnge vorliegen. unterstromigen Seite sind an der berflche im Bereich
Dichte Gefgebereiche wechseln mit Bereichen, in de- von Aussinterungsstellen Chloridgehalte bis zu 5 M.- %
nen zahlreiche Verdichtungsporen bis ber 5 mm bezogen auf den Zementgehalt festgestellt worden. Im
Durchmesser vorzufinden sind. Insbesondere in Berei- ungestçrten Beton sind Chloridgehalte bis etwa
chen mit Ausfallkçrnung oder extremem berkorn sind 0,6 M.- % bezogen auf den Zementgehalt vorgefunden
auch grçßere Lunkerbildungen festzustellen. Dement- worden. Auffllig ist, dass die Chloridgehalte mit zu-
sprechend weist der Beton auch extreme Unterschiede nehmender Entnahmetiefe teilweise leicht ansteigen
in der Bruchlast auf (Tabelle 1). (Tabelle 2).
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 119

Tabelle 1. Betonfestigkeiten des Randbalkens ber den Bçgen der Horchheimer Vorlandbrcke
Bohrkern Entnahme- Entnahmetiefe Karbonati- Rohdichte (lufttrocken) Druckfestigkeit 1)
stelle sierungstiefe Front Tiefe Front Tiefe
(Zhlung von (an Beton-
Landseite) oberflche)
lfd. Nr. cm mm kg/dm3 N/mm2
Randbalken ber Bçgen der Flutbrcke Oberwerth – unterstromig (U1)
I/II 1. Bogen 65 25 2,38 78,1
7 2,14 10,0
II/III 2. Bogen 50 55 2,24 18,0
1 2,41 80,7
3 2,34 59,0
4 2,39 87,8
II/V 3. Bogen keine Entnahme
5 2,40 24,1
Randbalken ber Bçgen der Flutbrcke Oberwerth – oberstromig (O1)
I/I 1. Bogen 38 98 2,00 10,8
14 2,35 52,1
II/IV 2. Bogen 36 15 2,29 55,8
9 2,34 10,0
10 2,26 12,1
11 3. Bogen 2,32 36,4
1) Rohergebnisse ohne Bercksichtigung von Formfaktoren.

Tabelle 2. Chloridgehalte aus verschiedenen Entnahmestellen im Randbalken


Proben- Entnahmestelle Eluierbares Chlorid bez. auf Beginn Ende Mittlere
bezeichnung (Zhlung von Chlorid Zementgehalt 1) Entnahme Entnahme Entnahmetiefe
Landseite) M.- % M.- % cm
Vorlandbrcke Oberwerth unterstromig – (Randbalken direkt unter Gehwegplatte)
I/II 1. Bogen 0,031 0,22 0,0 1,4 0,7
0,029 0,20 1,4 3,0 2,2
0,010 0,07 3,0 6,7 4,9
II/III 2. Bogen 0,057 0,40 0,0 1,5 0,8
II/V 3. Bogen 0,053 0,37 0,0 1,9 1,0
Vorlandbrcke Oberwerth oberstromig – (Randbalken direkt unter Gehwegplatte)
0 (I/I) 1. Bogen 0,046 0,32 0,0 2,8 1,4
0,010 0,07 2,8 4,2 3,5
0,021 0,15 4,2 7,1 5,7
II/IV 2. Bogen 0,078 0,55 0,0 1,6 0,8
0,038 0,27 1,6 3,4 2,5
Betonrandbalken, landseitiges Bogenwiderlager Horchheim – (Unterkante Randbalken nhe Pfeiler)
A/I unterstromig 0,006 0,04 0,0 1,5 0,8
A/II 0,007 0,05 1,5 3,5 2,5
A/III 0,009 0,06 3,5 5,3 4,4
A/IV 0,012 0,08 5,3 7,1 6,2
B/I oberstromig 0,024 0,0 1,4 0,17 0,7
B/II 0,006 1,4 3,6 0,04 2,5
B/III 0,008 3,6 5,1 0,06 4,4
B/IV 0,076 5,1 7,4 0,53 6,3

1) Annahme: Gewichtsanteil Zement 1/7 des Betons.


120 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

8 Untersuchung der begleitenden Betrieb war und entsprechend einer Mindestwartung


Fuß- und Radwege unterlag, waren die Schden naturgemß deutlich gerin-
ger (vgl. Abschn. 5).
8.1 Untersuchungsanfang
Nach der außerplanmßigen Brckenschließung fr den 8.2 Untersuchung Geh- und Radwegebereich
Fuß- und Fahrradverkehr 2004 wurde nach einer kos- Flussbrcke (Stahlbrcke)
tengnstigen Instandsetzungsmçglichkeit der oberst-
Zur Prfung der Kragarme (Doppel-T-Querschnitt) an
romigen Teilbrcke gesucht. Insbesondere sollte unter-
der Hauptbrcke wurde der Holzbelag entfernt, sodass
sucht werden, ob die Kragarme der Altkonstruktion fr
u. a. folgende Schden sichtbar waren:
die durchzufhrende Ertchtigung verwendbar sind.
– bituminçse Ablagerungen aus einem ehemaligen Fu-
Dies bedingte auch eine Untersuchung der Einspann-
genverguss der nicht mehr vorhandenen Gehweg-
stellen der Kragarme, also von Teilen der Hauptbrcke.
platten, unter Ablagerungen;
Im Hinblick auf die Tragfhigkeit und Dauerhaftigkeit
– punktuelle Anrostung der Nietkçpfe, einige wenige
der Konsolen wurden daher der Randbalken, in dem die
mit starkem Blattrost, im Bereich der Konsolstçße;
Kragarme verankert sind, nher untersucht. Weiterhin
– feuchte Ablagerungen, Anrostungen und z. T. Blatt-
mussten auch in den Stirnmauern der Gewçlbe Sondie-
rost der Konsolen im Bereich der Stirnplattenstçße
rungen durchgefhrt werden, um die Verankerungs-
(Wasser kann nicht ablaufen);
mçglichkeit von Zugankern (Sicherung der neuen Br-
– punktuelle Anrostung der Außenlngstrger mit
ckenkonstruktion gegen Windsog) festzustellen. Die
Schden in den Trgerlngsstçßen (tragendes Bauteil
Abdichtung der Hauptbrcke, Leckage stellen der Ab-
fr wasserseitiges Gelnder);
dichtung und Belastung mit Chloriden waren weitere
– durchgngige Anrostung, abschnittsweise starker
Untersuchungspunkte.
Rost, punktuell Lochfraß am DB-seitigen und was-
Im Dezember 2008 wurde der unterstromige Geh- und
serseitigen Gelnder;
Radweg einer Brckenprfung unterzogen. Ziel der
– ehemalige Beleuchtung offen liegend;
Untersuchung war festzustellen, inwieweit die Unter-
– Holzbohlenbelag bereichsweise verfault.
stromseite fr den Zeitraum genutzt werden kann, in
Fr das Bauwerksteil liegen die Zustandsnoten nach
dem die Oberstromseite wegen der anstehenden Er-
dem Programm SIB-Bauwerke [10] zwischen 3,5 und
tchtigung der oberstromigen Fußgngerteilbrcken
4,0 (Tabelle 3).
auf der Horchheimer Seite gesperrt werden mssen
(vgl. Abschn. 6.3.1).
Bezogen auf die Hauptbrcke wurden also nur die Be- 8.3 Untersuchung Geh- und Radwegebereich
reiche der unterstromigen Geh- und Radwege in Ergn- Vorlandbrcken
zung zu den von der DB Netz AG routinemßig vor-
8.3.1 Aufbau
genommenen regelmßigen Brckeninspektionen un-
tersucht. Die Fuß- und Radwegebereiche der Vorlandbrcke sind
Der oberstromige Bereich wurde bereits in Zusammen- an die Bogenbrcke mittels im Randbalken verankerten
hang mit dem Neubau der oberstromigen Fuß- und Betonkragarmen angehngt (s. Bild 12). Die einzelnen
Radwege der Oberwerther Vorlandbrcke bereits Kragarme haben einen lichten Abstand vom 2,5 m. Die
2006–2007 inspiziert und ertchtigt. Die Schden wa- Kragarme werden durch einen ußeren Lastverteilungs-
ren hnlich gelagert wie auf der Unterstromseite. Da der balken miteinander verbunden.
oberstromige Fuß- und Radweg mit Ausnahme der Un- Auf die Kragarme, Lastverteilungsplatte und Randbal-
terbrechungen 2004–2007 und 2009 jedoch dauerhaft in ken (4-seitige Auflagerung) ist eine nur ca. 10 cm starke

Tabelle 3. Vergleich der Bauzustandsnoten in sterreich, Deutschland und der Schweiz (nach [11])

Zustandsnote/Definition Zustandsnote/Definition Zustandsnote/Definition


sterreich [2–5] Schweiz [2–6] Deutschland [2–4]
1 sehr guter Zustand 1 gut, keine bzw. geringfgige Schden 1,0–1,4 sehr guter Bauwerkszustand
2 guter Zustand 2 annehmbar, unbedeutende Schden 1,5–1,9 guter Bauwerkszustand
3 Funktion erfllt 3 schadhaft, bedeutende Schden 2,0–2,4 befriedigender Bauwerkszustand
4 Funktion beeintrchtigt 4 schlecht, große Schden 2,5–2,9 noch ausreichender Bauwerkszustand
5 Funktion nicht erfllt, 5 alarmierend, die Sicherheit ist 3,0–3,4 kritischer Bauwerkszustand
dringender Erhaltungsbedarf gefhrdet, dringliche Maßnahme
3,5–4,0 ungengender Bauwerkszustand
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 121

Betonplatte aufgelegt, die eine unten liegende kreuz-


weise Bewehrung aufweist.
In Abstnden von maximal 7,5 bis maximal 17,5 m sind
Dehnungsfugen in Feldmitte zwischen zwei Kragarmen
angeordnet. Eine Systematik der teilweise stark wech-
selnden Dehnfugenabstnde ist nicht zu erkennen.
Im Bereich des DB-berfhrungsbauwerks (vgl.
Bild 2) liegen hiervon abweichend auskragende Stahl-
konsolen vor (vgl. Abschn. 11).
Die Verkehrsanbindung erfolgt nach Abschluss des
Brckenbauwerks ebenerdig (U3 und U1; Horchheim),
siehe Bild 2, ber eine bahndammbegleitende Rampe
(O1, Oberwerth oberstromig ) oder ein Treppenbauwerk
(U1, Oberwerth unterstromig).

8.3.2 Augenscheinliches Schadensbild


Bild 26. Untersicht Oberwerther Vorlandbrcke oberstromig
Die Prfung der massiven Kragarme der Gewçlbebr- (O1) nach Schließung September 2004
cken wurde von einem Hubsteiger aus vorgenommen,
der auf den Vorlandwiesen und den Betriebswegen des
WSA (Wasser- u. Schifffahrtsamt) stand. Die Schden
der einzelnen Konsolfelder wurden mittels Rissskizzen
und Fotos dokumentiert. Die wesentlichen Schadensbil-
der bestehen aus:
– Aussinterungen, z. T. große Stalaktiten, an der ge-
samten Untersicht;
– freiliegender und angerosteter Bewehrung an der
Plattenunterseite infolge Betondeckung zwischen
ca. 5 bis 10 mm;
– großflchigen unterseitigen Abplatzungen der
Plattenunterseite;
– offener Dehnfuge in der Betonplatte ohne Abdeckung;
Randabplatzungen im Beton am Rand der Fuge;
– teils krftigen Ausbrchen im Beton im Bereich der
Gelnderpfosten;
– durchgngigen Schden am Gehwegbelag (starke Bild 27. Beton Gehwegplatte in vorgefundener Reststrker
Ausbrche und Hohlstellen am Estrich); mit Horizontalrissbildung (Aufschieferung)
– teilweise erheblichen Feuchteschden am Kragarm,
Rissbildungen und Betonstahlkorrosion;
– weitgehend abgngigem Lastverteilungsbalken.
8.3.4 Betongte der Kragarme
8.3.3 Schden an der Betonplatte
Der Beton der Kragarme weist ein gleichmßiges dich-
Der Zustand grçßerer Teile der untersuchten Bausub- tes Betongefge auf. Es ist ein abgestufter Kornaufbau
stanz war ußerst schlecht (Bild 26). Mehrere Meter bis 16 mm Grçßtkorn vorhanden. Als Gesteinskçrnung
lange Teilstcke des Lastverteilungsbalkens wiesen werden Quarzkies und Basaltsplitt verwendet. Außer
aufgrund von Frostschdigungen, Korrosionsspreng- Verdichtungsporen bis zu etwa 2 mm Durchmesser
druck und sonstigen Feuchteschden weitgehende Ge- sind keine weiteren Inhomogenitten zu verzeichnen.
fgeschden auf. Nennenswerte Restfestigkeiten waren Aus dem Kragarmen wurden aufgrund der allgemeinen
in diesen Bereichen nicht mehr festzustellen. Das uße- Standsicherheitsproblematik lediglich aus zwei aus-
re Plattenauflager ist somit nicht mehr funktionstchtig. gewhlten Kragarmen Proben von 75 mm Durchmesser
Bei Versagen eines Kragarms ist eine Lastverteilung in der Mitte der voutenfçrmigen Verbreiterung im
auf die benachbarten Kragarme nicht mehr mçglich. Kragarmansatz gezogen. Weitere berprfungen, an-
In der Nhe der Bewegungsfugen ist die Platte stark hand deren die gleichmßige Betongte nachgewiesen
durchfeuchtet. Zudem sind horizontale Trennrisse vor- werden konnte, erfolgten zerstçrungsfrei mittels Rck-
zufinden, dieses Phnomen ist als Frostschaden anzuse- prallhammer.
hen. Die Platte ist hier sozusagen aufgeschiefert Die Betonrohdichte wurde gemß DIN EN 12390-7
(Bild 27). An anderen Stellen ist großflchig die Unter- [12] bestimmt. Es wurde eine Rohdichte (lufttrocken)
seite der Platte korrosionsbedingt abgesprengt. Die von 2,26 und 2,40 kg/dm3 bestimmt, bei Festigkeiten im
Resttragfhigkeit der Platte ist somit in Teilen minimal. Versagensfall von 22,1 N/mm2 und 25,6 N/mm2.
122 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

8.3.5 Karbonatisierung Kragarme sionsschden an der Lngsbewehrung gefhrt (vgl.


Abschn. 8.3.8).
Der Beton der Kragarme ist offensichtlich von einer
Mit abnehmender Entfernung Einbindungsstelle Geln-
hçheren Verarbeitungsqualitt als der Beton der Stirn-
der war gemß stichprobenweise durchgefhrter Unter-
wand. Der zweifelsohne geschttete Beton der Stirn-
suchung eine deutliche Abnahme der Chloridkonzentrati-
wand weist eine wesentlich grçßere Streuung der Roh-
on festzustellen. Es wurden Konzentrationen bis maximal
dichte und somit auch der Festigkeit auf als der Beton
0,4 M.- % bezogen auf den Zementgehalt festgestellt. Die
der Kragarme. Damit ist an den Kragarmen tendenziell
Einzelergebnisse sind Tabelle 2 zu entnehmen.
mit geringeren Karbonatisierungstiefen als in der
Schildmauer zu rechnen. Die zustzlich von oben durch
8.3.7 Bewehrungsfhrung in den Kragarmen
Abdichtungslage und Mçrtel abgedeckten Kragarm-
stummel und die nur geringe Mçglichkeit eines Nieder- Als Stabstahl der Lngsbewehrung wurde schwarz ge-
schlagszutritts ließen generell hier keine grçßeren Kar- walzter unprofilierter Rundstahl verwendet. Die Lngs-
bonatisierungstiefen erwarten. bewehrung ist mit einem Endhaken versehen. Die obere
Da auf der oberstromigen Oberwerther Vorlandbrcke Zugbewehrung besteht aus 7 Stabsthlen, die aufgef-
die Kragarmbewehrung als Verankerungspunkt fr die chert in den Randbalken einbinden (s. Bild 24). Plan-
neue Brckenkonstruktion weiterverwendet wurden, mßig ist ein Durchmesser von 16 mm vorgesehen, ver-
mussten die Kragarmanstze hinsichtlich ihres Karbo- einzelt wurden auch Stabsthle mit 18 mm vorgefun-
natisierungsfortschritts nher untersucht werden. den. Die Druckzone des Kragarms ist mit Bewehrungs-
Um die Korrosionsgefahr fr den Stabstahl im Bereich stben von 12 mm bzw. 8 mm Durchmesser bewehrt.
der Kragarmanstze genauer einschtzen zu kçnnen, Der Abstand der Bgelbewehrung mit Durchmesser
wurde in diesem Bereich gezielt die Karbonatisierungs- 8 mm betrug ca. 30 cm (Bild 28). Gemß Befund wurde
tiefe, anstatt im Labor, am Bohrkern vor Ort gemessen. der Stabstahl vor dem Betonieren ggf. mit einer Kalk-
Die zu messende Randzone des Betons wurde mittels milch oder hnlichem vorbehandelt.
Meißel frisch abgeschlagen. Auf die frischen Bruch- Die Betonberdeckung, sowohl der Bgel- als auch der
kanten wurde eine Phenolphthalein-Indikatorlçsung, Lngsbewehrung, war teilweise rissig oder sogar abgn-
gemß DIN EN 14630 [13], aufgesprht. Es wurden gig. Die Lngsbewehrung ist mit einer seitlichen ber-
etwa 7 Kragarmstummel untersucht. deckung von mindestens 2 bis 3 cm im Bereich des
Da die Kragarmoberseite durch eine Estrichschicht und Anschnittes im alkalischen Milieu.
eine darauf aufgebrachte Dichtungsebene abgedeckt Die Korrosion ist nicht durch eine Aufhebung der Passi-
war, betrug die Karbonatisierungstiefe zur Oberseite vierung verursacht, sondern durch die festgestellten
an den untersuchten Stellen maximal 3 bis 5 mm. Die Chloride (vgl. Abschn. 8.3.8). Aufgrund des unbekann-
Karbonatisierungstiefe an den waagerechten Seitenfl- ten Salzgehaltes potenzieller Salzdepots im Konstrukti-
chen wurde zu maximal 10 bis 15 mm gemessen, sie lag onsaufbau, kann somit, selbst wenn keine Streumittel
jedoch in den meisten untersuchten Fllen deutlich da- mehr eingesetzt werden, auch fr die Zukunft eine scha-
runter. densauslçsende Salzanreicherung im Bereich der Krag-
armbewehrung nicht mit absoluter Sicherheit aus-
8.3.6 Eluierbare Salze geschlossen werden.
Gemß dem derzeitigen Wissensstand stellt ein Chlo-
8.3.8 Zustand der Bewehrung in den Kragarmen
ridgehalt von etwa 0,2 M.- % (bezogen auf den Zement-
gehalt) die unterste kritische Grenze fr eine chloridin- Nach Abnahme der Gelnder konnte auch die Beweh-
duzierte Bewehrungsstahlkorrosion dar. Bei schlaff- rung im Einbindungsbereich der Gelnder freigelegt
bewehrten Stahlbetonbauwerken, je nach Randbedin- werden. Im direkten Einbindungsbereich waren an ei-
gungen, ggf. noch ein Chloridgrenzwert von 0,4 M.- %
toleriert werden [14]. Der genannte Grenzwert gilt fr
den Beton in der Grenzflche zur Bewehrung.
Bezogen auf den Zementgehalt ergaben sich im Bereich
der Einbindungsstelle Gelnder und an einzelnen bereits
stark ausgeblhten Kragarmstummeln Chloridkonzen-
trationen von maximal 2,4 M.- %. Auf der Unterseite
der Kragarmoberflche wurde noch 1,0 M- % Chlorid
nachgewiesen und im Bereich der Bewehrung 0,6 M- %.
Es ist also von erheblichen Eindringtiefen des Chlorides
in diesem Bereichen auszugehen. Die Transportwege
sind offensichtlich die Grenzspalte zwischen dem ein-
bindenden Gelnder und dem umgebenden Beton, so-
wie die Schadstellen (z. B. Korrosionsabplatzungen) in
diesem Bereich. Die nachgewiesenen erheblichen Chlo-
ridkonzentrationen hatten bereits zu erheblichen Korro- Bild 28. Kragarmbewehrung nach Freilegung
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 123

Bild 29. Kragarmbewehrung mit Kraterbildung im Bereich der


einbinden Gelnderpfosten (Bildmitte)

Bild 31. Großflchig freigelegte Bewehrung


der Gehwegplatte

bei hndischen Biegeversuchen im Schadensbereich


komplett durch.
Aufgrund der vorgefundenen Schden und der Auffl-
ligkeiten des Stahls wurde beschlossen, den Stabstahl
Bild 30. Detail der Kragarmbewehrung mit punktuellem
genauer metallurgisch in Augenschein zu nehmen (vgl.
Lochfraß
Abschn. 8. 3. 10).

nigen Konsolenstmpfen teilweise schwere Korrosions- 8.3.9 Zustand der Bewehrung in der Gehwegplatte
schden zu verzeichnen (Bild 29).
In einigen stark durchfeuchteten Bereichen ist der Un-
Offensichtlich hat ber die Pfosteneinbindung des Ge-
terbeton der Gehwegplatte in einzelnen Bereichen kor-
lnders eindringendes Oberflchen- und Niederschlags-
rosionsbedingt flchig (Grçße von bis ca. 1 m2) abge-
wasser zu den beobachteten, lokal relativ begrenzbaren,
sprengt (vgl. Bilder 12 und 13). Die freiliegende Beweh-
Korrosionsschden gefhrt (Bild 30). Außerdem wur-
rung – soweit nicht durch Korrosion bereits vçllig abge-
den beim Stellen der Pfosten die Eisen çrtlich abge-
rostet – war hier teilweise nach unten durchgebogen. Der
bogen, sehr wahrscheinlich durch unzulssiges Erwr-
Restbetonquerschnitt wird zu ca. 3 cm abgeschtzt.
men des Stahls.
In nicht durchfeuchteten Bereichen wurden freigelegte
Gemß den in situ an den Betonstmpfen durchgefhrten
Rundsthle weitgehend ungeschdigt vorgefunden. Es
Messungen der Karbonatisierungstiefe (s. Abschn. 8.3.5)
lagen lediglich vereinzelt oberflchliche Korrosions-
lag die Bewehrung vollstndig im alkalischen Milieu des
spuren vor (Bild 31). Die an einigen Sthlen vorzufin-
Betons. Mit Ausnahme von z. B. chloridinduzierter Kor-
dende pockennarbige Oberflche deutet darauf hin, dass
rosion ist der Betonstahl in diesem Milieu passiviert, das
seinerzeit mçglicherweise wiederholt entrosteter Stab-
heißt eine Stahlkorrosion findet nicht statt. Da entspre-
stahl eingesetzt wurde.
chende Chloridanreicherungen in den Einbindungsstellen
des Gelnderpfostens nachgewiesen werden konnten, ist
8. 3. 10 Bestimmung der Stahlgte des
Korrosion, insbesondere der teilweise zu beobachtende
Bewehrungsstahls
Lochfraß (Bild 30) auf die festgestellte Chloridanreiche-
rung zurckzufhren. Die Bewehrungssthle sollten hinsichtlich ihrer mecha-
Außerhalb der Bereiche, in welche die den Gehweg zur nischen Eigenschaften und Anschlussmçglichkeiten
Bahn begrenzende Gelnderbefestigung im Kragarm (u. a. Schweißeignung) untersucht werden.
einbindet, wurden neben einzelnen lokalen Korrosions- In Abstimmung mit der MPA Darmstadt wurde dort
anstzen auf der laufenden Lnge lediglich an den End- folgendes Untersuchungsprogramm durchgefhrt:
haken strkere Korrosionsspuren vorgefunden. – Zugversuche an Betonstahlabschnitten nach
Die Sthle wiesen augenscheinlich eine gewisse Sprç- DIN 488 [15] bzw. DIN EN ISO 15630 [16],
digkeit und/oder gewisse Aufflligkeiten im Gef- – Faltversuche an Betonstahlabschnitten nach
geaufbau auf. So brachen in Einzelfllen die Stabsthle DIN 488 [15],
124 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Die Untersuchungen an den geschliffenen Querschlif-


fen zeigten, dass die Sthle im Randbereich ein ber-
wiegend ferritisches, perlitarmes Gefge aufwiesen und
im Kern ein hçherer Perlitanteil erkennbar war.
In den untersuchten Proben wurden im Vergleich zur
Spezifikation, gemß DIN 488-1 [15], teilweise erhçhte
Phosphor- und Schwefelgehalte festgestellt.
Bei den Zugversuchen gemß DIN ISO 15630 [15]
wurden
– Zugfestigkeiten zwischen 317 und 367 MPa,
– Streckgrenzen zwischen 226 und 278 MPa und
– Bruchdehnungen zwischen 30 und 34 %
erzielt.
Bei den Faltversuchen nach DIN 488 [15] wurde bei
allen 5 untersuchten Bausthlen ein Winkel von 180 
ohne Bruch erreicht.
Die Ergebnisse der Kerbschlagbiegeversuche nach
DIN EN 10045-1 [17] wiesen eine erhebliche Sprei-
zung auf. Es wurden Kerbschlagarbeiten im Streu-
bereich von 11-177 J ermittelt. Ein untersuchter Stahl
unterschritt mit Werten von 11 J den Sollwert, gemß
DIN EN 10045-1 von 27 J (bei 20 C) erheblich.
Gemß den Untersuchungen liegen anleierte Sthle vor,
die mit gewissen Einschrnkungen der DIN 488-1, Aus-
gabe 1986 [15], entsprechen. Allerdings wurde in eini-
gen der untersuchten Sthle der normative Grenzwert
fr den Phosphor- und/oder Schwefelgehalt berschrit-
ten.
Aufgrund der berschreitung der Phosphor- und
Schwefelgehalte war gemß Einschtzung der MPA
Darmstadt eine Schweißeignung mehrerer der unter-
Bild 32. Lngs- und Querschliff eines Bewehrungstabes des suchten Sthle nicht gegeben.
Kragarms, deutlich sind die ausgewalzten Einschlsse erkennbar Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass gerade die
Elemente Phosphor und Schwefel fr das Alterungsver-
halten und die Sprçdbruchgefahr bei unlegierten Sth-
– Kerbschlagbiegeversuche nach DIN len verantwortlich sind.
EN 10045-1 [17], Kritisch fr den Anwendungsfall Brckenbau wird wei-
– Funkenemissionsspektralanalysen, terhin die singulre Unterschreitung der Kerbschlag-
– Lichtmikroskopische metallographische Unter- arbeit zu sehen sein. Die Kerbschlagarbeit ist gemß
suchungen an ungetzten und getzten Quer- und MPA Darmstadt ein Hinweis auf die Vernderung der
Lngsschliffen. Zhigkeiten bei unterschiedlichen Temperaturen.
Weitergehende Untersuchungen zur Festlegung und Gemß Untersuchungsbefund liegt somit keine generelle
Untersuchung der geplanten Verbindungstechnik (An- Schweißeignung vor, gleichzeitig gibt es Hinweise auf
bindungsart und -gte des Anschlusses Altkonstruktion eine mangelnde Zhigkeit und alterungsbedingte Zunah-
an Neukonstruktion) wie me der Sprçdbruchgefahr fr zumindest einige der
– Zugversuche an Muffenverbindungen und Stabsthle. Plne die Neukonstruktion an den Altsthlen
– Schwingversuche mittels Schweiß- oder Muffenverbindung anzuschlie-
wurden nicht mehr durchgefhrt, da aufgrund der im ßen, mussten fallengelassen werden (vgl. Abschn. 9.1).
Versuchsprogramm festgestellten Eigenschaften von
Schweiß- oder Muffenverbindungen grundstzlich ab-
8. 3. 11 Auszugsversuche am Bewehrungsstahl
zusehen war. und eine andere Verbindungsart gewhlt
der Kragarme
werden musste (vgl. Abschn. 9.1).
Die untersuchten ungeschliffenen Lngsschliffe zeig- Da an die obere Zugbewehrung angeschlossen werden
ten, dass die Sthle vergleichsweise geringe Reinheits- sollte und deren Endverankerung im Trog des Gleisbet-
grade und nichtmetallische Einschlsse aufwiesen tes nicht untersucht werden konnte, wurde die Zugfes-
(Bild 32). Das Gefge weist deutliche querschnitts- tigkeit einzelner Stbe in situ untersucht. Die Prfung
abhngige Inhomogenitten auf, zeilenfçrmig angeord- wurde durch das Ingenieurbro Dominik, Bornheim,
nete Sulfide und Oxide waren auf den Kernbereich kon- durchgefhrt. Die vorbereiten Stbe wurden mittels hy-
zentriert. draulischer kraftgeregelter Presse gegen ein vorbereite-
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 125

Bild 33. In-situ-Zugdehnungsversuche an ausgesuchten und vorbereiteten Bewehrungssthlen im Vergleich zur Laborprfung

tes Auflagerposter gedehnt. Die Verbindung zur Prf- der Horizontalkrfte im unteren Auflagerpunkt der
presse wurde kraftschlssig mit einer Muffenverbin- Neukonstruktion dienen.
dung hergestellt. Die Messung des Schlupf- bzw. Ver- In stichprobenweise durchgefhrten zentrischen Zug-
formungsweges erfolgte zwischen Pressenkopf und versuchen (Bild 35) sollte daher orientierend in situ
Auflagerpolster. berprft werden, ob die gemß Statik anzusetzenden
Alle geprften Stabsthle wurden mindestens bis zur Zugkrfte einschließlich der einschlgigen Sicherheits-
vom Statiker vorgegebenen Prfkraft von 28,5 kN ge- beiwerte (6,2 kN gemß Bro Kocks Consult) auf-
zogen. Die Gesamtverformung (einschließlich eines ge- genommen werden kçnnen.
wissen Schlupfes auch nach Aufbringung der Vorlast) An ausgewhlten Prfstellen wurden die Anker in ent-
wurde zu 2,5 bis 5,9 mm ermittelt. sprechend vorgebohrten Lçchern in die Stirnwand ein-
Der Kurvenverlauf der eingebauten geprften Stabsth- gebracht und mit Zementleim vermçrtelt. Es wurden
le stimmte mit dem Kurvenverlauf des geprften Stab- acht eingebaute Stabanker zur Prfung vorbereitet.
stahls grundstzlich gut berein (Bild 33). Der Untergrund bestand in zwei Fllen aus Beton, in
den brigen Fllen aus Mauerwerk.
Die freien entkoppelten Stabstahllngen liegen zwi-
8. 3. 12 Stabanker Mauerwerk
schen 14,5 und 20 cm. Als Verankerungslnge des
Es wurden Ausziehversuche an tastweise vorab einge- Stabankers wurde 1 m gewhlt.
setzten Stabankern mit verzinkten Gewindestangen Zur Verringerung des Anfangsschlupfes wurden lose
(Bild 34) durchgefhrt. Die in die Stirnwand des Ge- Teile sowie die teilweise vorhandene mineralische Be-
wçlbes eingebrachten Stabanker sollen zur Aufnahme schichtung an den drei Aufstandspunkten der Lastver-

Bild 34. Anker fr den unteren Auflagerpunkt Bild 35. Zugversuch an eingesetztem Ankerstab
126 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 36. In-situ-Zugdehnungsversuche an ausgesuchten und vorbereiteten Ankern (vgl. Bild 35)

teilungsflche entfernt. Die Versuche wurden mit einer – Hauptbrcke (Eigentmer Deutsche Bahn AG) nicht
Belastungsgeschwindigkeit von 100 N/s mindestens bis im Eigentum des Bauherrn (Stadt Koblenz),
zum Erreichen der anvisierten Hçchstlast von 6,2 kN – laufender Bahnbetrieb (Genehmigungs- und Ab-
durchgefhrt. Vor Beginn der Wegaufzeichnung wurde stimmungsverfahren mit der DB Netz AG, ggf. zu-
eine Vorlast von 250 N aufgebracht. stzliche Betriebserschwerniskosten am anliegenden
Die Ankopplung des Stabstahls erfolgte formschlssig Gleis),
ber eine Gewindekupplung. Trotz Aufbringens einer – zustzliche Versorgungsleitungen auf der Gehweg-
Vorlast stellte sich auf dem unebenen und nicht vor- platte (Wasserleitung DN 300 des çrtlichen Versor-
gefestigten Untergrund ein Anfangsschlupf ein, der in gungstrgers, Kabelkanal der DB), s. Bild 10,
Abhngigkeit des Einzelversuchs mit maximal etwa
0,2 mm abgeschtzt werden kann. Der Schlupfbereich
ist in den Last-Weg-Diagrammen entsprechend gekenn-
zeichnet.
Alle geprften Stabanker wurden weit ber die vor-
gegebene Prfkraft von 6,2 kN bis etwa 12 kN gezogen.
Die Gesamtverformung (einschließlich des Schlupfes
nach Aufbringung der Vorlast) wurde bei Maximallast
von 12 kN zu 0,2 bis 0,5 mm ermittelt (Bild 36).
Die Streuung der Kurvenverlufe der geprften Stab-
anker ist vergleichsweise gering. Ein Unterschied zwi-
schen den Prfstellen im Beton und im Mauerwerk wur-
de nicht ermittelt. Hierbei ist jedoch darauf hinzuwei-
sen, dass lediglich zwei im Beton verankerte Prfstellen
gemessen wurden.

9 Neubau Fußgngerteilbrcke
Oberwerth, oberstromig
9.1 Planungskonzept
Die Altkonstruktion wies einen derart schlechten Zu-
stand auf (vgl. Bild 26) dass eine Betoninstandsetzung
als zumindest vçllig unwirtschaftlich angesehen werden
musste. Bedingt durch den schlechten baulichen Zu-
stand und die statischen Schwierigkeiten beim Last-
abtrag ist ein Teilabbruch vorgesehen worden. Auf- Bild 37. Abgetrennte und beigearbeitete Gehwegplatte,
grund der besonderen Umstnde: freigelegte Kragarmbewehrung
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 127

wurde nach einer Lçsung gesucht, die es ermçglichte, Bauarbeiten installierten Arbeitsgerst erfolgen konn-
die gleisnahen Teile des Altbestandes weiter zu nutzen. ten (Bild 37).
Folgerichtig wurde eine Konstruktion geplant, die den Die Bewehrungsanschlsse der Konsolen in die Wnde
Abbruch der Stahlbetongehwegplatte, des wasserseiti- mussten bei dieser Planungsvariante weiter als tragen-
gen Randlngsbalkens und eines Teils der Konsole nur des Anschlussbauteil genutzt werden. Die Lasteinlei-
bis zum Rand der vorhandenen Wasserleitung vorsah. tung der Zugkrfte aus der Verbreiterung sollte gemß
Somit wurden Kosten fr den Umbau der Versorgungs- Planung ber eine Verlngerung der Konsollngs-
leitungen sowie deutliche Betriebserschwerniskosten bewehrung erfolgen. Zunchst war man aufgrund punk-
am anliegenden Gleis vermieden, da alle Arbeiten hin- tueller Kontrollen (Freistemmen an der Konsolenober-
ter einer gleisseitigen Absperrung auf einem fr die seite) davon ausgegangen, dass die Bewehrung noch

Bild 38. Ausbildung Abschlusspunkt neue Gehwegplatte Oberwerth (O1), oberstromig


128 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

intakt sei. Auf der sicheren Seite liegend, sollten nur der starken Streuung der Materialeigenschaften, der
4 der 7 vorhandenen Lngseisen mit aufgedrehtem Ge- mangelnden Schweißeignung sowie der Tendenz zur
winde verlngert werden. Diese Lçsung htte den Vor- Versprçdung einiger untersuchter Proben wurde von
teil gehabt, dass die Bestandseisen nur auf geringer der ursprnglich vorgesehenen Befestigungskonstrukti-
Lnge htten freigelegt werden mssen. on abgesehen.
Der vorgefundene Stabstahl wich gemß den durch- Da gemß Untersuchungsbefund keine generelle
gefhrten Untersuchungen stark von einem heute han- Schweißeignung vorliegt und gleichzeitig Hinweise
delsblichen Baustahl ab (s. Abschn. 8. 3. 10). Aufgrund auf eine mangelnde Zhigkeit und alterungsbedingte

Bild 39. Querschnitt Gehwegplatte Oberwerth (O1), Altbestand oberstromig


III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 129

Bild 40. Querschnitt Gehwegplatte Oberwerth (O1), Neukonstruktion oberstromig

Zunahme der Sprçdbruchgefahr fr zumindest einige diesem fest verbunden. Die Stahltrger wurden im Be-
der Stabsthle bestehen, wurden die Plne, die Neu- reich der Kopfplatte zustzlich mit einzubetonierenden
konstruktion an den Altsthlen mittels Schweiß- oder Endschlaufen versehen, die die Altbewehrung bergrei-
Muffenverbindung anzuschließen, fallen gelassen. Da- fen (Bild 42).
raufhin wurde die Lasteinleitung aus der neuen Stahl- Die Lasten der Stahlkonstruktion werden ber die
konstruktion ber Schubnocken statisch nachgewiesen Schubnocken mit einer entsprechenden Lasteinleitungs-
und baulich umgesetzt. Durch die gewhlte Konstruk-
tion wurde die kritische Direktanbindung an den Stab-
stahl vermieden (Bild 38).
In den Bildern 39 und 40 sind die Alt- und die Neukons-
truktion zum besseren Verstndnis gegenbergestellt.

9.2 Lastabtragung
Die Schubnocken wurden auf beiden Seiten des Krag-
armstummels mittels Kernbohrung in den Randbalken
der Hauptbrcke eingelassen und vergossen (Bild 41).
Die Stahltrger der Neukonstruktion umgreifen den al-
ten Kragarmstummel. Eine Kopfplatte (Winkelprofil)
sttzt sich gegen die Stirnseite des neu aufbetonierten
Pfeilerstummels ab. Die Stahltrger wurden ber seit-
lich in die Kragarmstummel eingelassene, 10 cm lange,
gegeneinander verspannte, Vierkantprofilstcke mit Bild 41. Bohrung fr die Schubnocken
130 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Bild 42. Einbindung der Kopfplatte der Neukonstruktion Bild 43. Fertig montiertes Traggerst der Neukonstruktion

lnge in den reprofilierten Kragarmstummel eingetra- tung im Anbindungsbereich deutlich gesenkt. ber die
gen. Die Lastabtragung erfolgt entsprechend dem Fach- Chloridbelastung des Trogs vom Gleisbett kçnnen kei-
werkmodell, der Stabstahl fungiert hierbei entsprechend ne gesicherten Aussagen getroffen werden. Sofern le-
als Zuggurt (vgl. Bild 40). diglich die Gehwege gestreut wurden, ist gegenber der
Die auftretenden Momente und somit die in den Krag- Belastung im Bereich der Gelndereinbindung eine
arm eingeleiteten Zugkrfte werden durch eine im vor- deutlich geringere Belastung anzunehmen. Sofern keine
deren Drittel des neuen Gehwegs angeordnete Druck- lokalen Anomalien vorliegen (ungnstige Rissschden,
strebe vermindert (Bild 43). Die Druckstrebe wurde Hohlrume, Kabelkanle, Fehlstellen o. .), ist daher
mittels Anker in der Stirnseite der Gewçlbegalerie ver- im Bereich der Stabstahlverankerung im Trog eher
ankert. Zur Aufnahme des Windsogs musste eine ver- von einer unkritischen Chloridbelastung auszugehen.
gleichsweise große Verankerungslnge gewhlt wer- Gesicherte Erkenntnisse fr diesen Bereich liegen aller-
den, da der Beton in diesem Bereich teilweise nur dings nicht vor. Aufgrund der bereits nachgewiesenen
sehr geringe Festigkeitswerte aufwies. Chloridbelastung sollte zuknftig jedoch mçglichst auf
einen Einsatz von Tausalzen verzichtet werden.
Als Betoninstandsetzungssystem wurde ein PCC-Sys-
9.3 Ausfhrungsdetails der Geh- und tem verwandt. Die Bewehrung musste daher im um-
Radwegebereiche mantelten Bereich zustzlich mit einem Korrosions-
schutz versehen werden. Der Stabstahl geht dann in
9.3.1 Altbestand/Kragarmstummel
den Altbeton ber, der nach den Bewehrungsplnen
Der Stabstahl der Altkonstruktion wurde bis hinter den mit dem Bahnkçrpertrog unter die Gleisoberflche he-
Einbindepunkt des Gelnders freigelegt, gesandstrahlt runtergefhrt ist.
und anschließend mit einem Betonpolster neu um- Absprachegemß wurde der arbeitstechnisch bedingte
schlossen. Spalt zwischen den reprofilierten Anbindungspunkten
Die festgestellte Karbonatisierungstiefe ist in den Krag- (Kragarmstummel) und der seitlich ehemals anbinden-
armanschlssen mit maximal 1,5 cm als eher unkritisch den Restgehwegplatte beibehalten (vgl. Bilder 39 und
anzusehen. Sofern Betongte und Betonberdeckung 40). Hierdurch werden die Verweilzeiten von ablaufen-
im Verankerungsbereich (Trog des Gleisbettes) mit dem Niederschlagswasser verkrzt. Auf eine zustzli-
dem Untersuchungsbereich bereinstimmen, kann fr che Beschichtung der kunststoffmodifizierten Beton-
den ungestçrten (unbeschdigten) Altbeton in diesen oberflche wurde aufgrund der großen oberen horizon-
Bereichen ein passivierendes alkalisches Milieu ange- talen Betondeckung von ber 5 cm verzichtet, da bei
nommen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Pas- dem verwendeten hochfesten PCC-Feinbeton (90-Tage-
sivierungsarten, alkalisches Milieu (Altbestand) bzw. Festigkeit von 63 N/mm2) bei ordnungsgemßer Ver-
Schutzanstrich (Neukonstruktion), ist es besonders arbeitung nur eine geringe Wasseraufnahme voraus-
wichtig, dass der Stabstahl im Altbeton hinreichend zusetzen ist. Bei Beschdigungen einer beschichteten
passiviert ist. Oberflche wre auch die Austrocknung im Beschdi-
Durch das weitgehende Entfernen des chloridbelasteten gungsbereich verzçgert, was eine ungewollte Feuchte-
Altbetons im Umgebungsbereich der Gelndereinbin- kumulation zur Folge haben kçnnte.
dung und das Reprofilieren mit einem entsprechenden Zur Verminderung des Wassereintrags in den Fugen-
Betoninstandsetzungssystem wurde die Chloridbelas- spalt zwischen Trog und angrenzendem Fundament
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 131

Jede Stahlkonsole besteht aus 2 U-Profilen U 160, die


mit den Stegen seitlich am verbleibenden Beton des
verbleibenden Konsolteils anliegen. Die Konsole wird
mit einer Diagonalstrebe 100/100/4 mm untersttzt, die
in der Schildmauer (Mauerwerk bzw. Beton) rckver-
ankert wird. Am Fußpunkt der Diagonalen sind 2 Zug-
stangen DU = 20 mm mit Spannschlçssern vorgesehen,
die den Vertikallastanteil zur Stahlkonsole hoch leiten.
Dies bewirkt, dass die Vertikallast am Fußpunkt der
Diagonalen minimiert wird, um speziell ber dem Bo-
genscheitel Risse zu verhindern. Somit wirken die neu-
en Bauteile insgesamt als Fachwerkmodell, insbesonde-
re im Regellastfall mit vertikalen Verkehrslasten, als
auch bei Unterwind.
Der untere Fußpunkt der Diagonalen wurde ber 2 GE-
WI-Anker, DU = 16 mm, Zuglast 5 kN, im Bestand
Bild 44. Gleisseitige Fuge zwischen Abdichtung und Konstruk- verankert. Die GEWI-Stbe wurden 1,0 m lang in das
tionsaufbau Gehwegplatte vor berarbeitung (vgl. Bild 39) Mauerwerk bzw. in den Beton gesetzt. Es wurde jeder
Anker vor Ort auf die 1,5-fache Last geprft, da unbe-
kannte Risse oder Hohlrume anstehen konnten. Auf
der Wasserleitung sowie Kabelkanal, wurde dieser die Gewindestangen wurde dann die Kopfplatte der
Spalt dauerelastisch mit einer Dichtungsmasse auf Po- Diagonalabsteifung verschraubt.
lyurethanbasis geschlossen (Bild 44). Die gesamte Stahlkonstruktion wurde gemß ZTV-ING
Die Verankerung der Altbewehrung im Gleisbett kann bzw. ZTV-KOR-Stahlbauten mit einem mehrlagigen
nicht untersucht werden. Grundstzlich bedarf die Schutzanstrich versehen. Ein Farbanstrich der obersten
Konstruktion daher einer regelmßigen berprfung Deckbeschichtung in DB 902 wurde vorgesehen, da die
und Wartung. Beton- und Mauerwerksflchen in hnlichem Farbton
Der verbleibende Teil der Konsolen und der Stahlbe- vorhanden sind. Zustzlich musste die neue Stahlkons-
tonplatte wurde mit einer Betonsanierung versehen. truktion gemß den DB-Vorschriften geerdet werden.
Wegen der spter praktisch nicht mehr vorhandenen
Zugnglichkeit wurde die Oberseite mit einem EP-
9.3.3 Gehweg
Mçrtelkeil versehen, um die Wasserableitung zu ge-
whrleisten. Darauf wurden eine PUR-Versiegelung Die neue Verbreiterung des Gehwegs ist aus Gewichts-
mit Abstreuung sowie ein UV-bestndiger Deck- grnden mit einer leichten Konstruktion aus Stahl und
anstrich aufgebracht. Holzbelag ausgefhrt worden, damit die neuen Lasten
Im bergangsbereich der Rad-/Gehwegverbreiterung in nicht die Lasten im Bestand bersteigen.
Richtung Widerlager ist eine Verschwenkung des Wegs Es ist folgender Konstruktionsaufbau vorhanden: Un-
in der Lage erforderlich. Der Verziehungsbereich muss ter den querverlaufenden, geriffelten Eichenholz-
ca. 1,50 m seitlich auskragen und wird mit einer dnnen bohlen, d = 6 cm, verlaufen Lngshçlzer aus Eiche,
auskragenden Stahlbetonplatte aus C 30/37 (LP) her- b/h = 10/14 cm, die auf horizontalen Stahlkonsolen
gestellt. Der voll auf der Schildmauer aufliegende Teil aufliegen (Bild 45).
der Stahlbetonplatte wirkt als Gegengewicht und ist
1,0 m dick. Um die Kippsicherheit zu gewhrleisten,
ist als Gegengewicht ein Schwerbeton mit g = 34 kN/m
ausgefhrt worden. Eine Verbreiterung der Platte in
Richtung Gleis war nicht mçglich, da die vorhandene
Wasserleitung htte abgefangen werden mssen.

9.3.2 Tragkonstruktion
Die Lasteinleitung der Schubkrfte aus der Verbreite-
rung in den verbleibenden Beton am oberen Kopfpunkt
erfolgt ber eine kurze Schubnocke aus HEB 100, die
an einer Kopfplatte am Ende jedes U-Profils angeordnet
wird. Die Schubnocke wurde in eine Kernbohrung,
DU = 18 cm, die in der Schildwand herzustellen war,
gesetzt und verpresst. Die konservativ angegebenen zu-
lssigen Druckspannungen von 5 N/mm± fr den Beton
der Schildwand wurden dabei nicht berschritten. Bild 45. Beplankung der Neukonstruktion
132 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

10 Untersuchung Der Landpfeiler der Bogenbrcke war vom Leinpfad (s.


Brckenauflagerungspunkte Bild 2) nicht mittels Hubsteiger zu erreichen, da die
Oberwerth, oberstromig Zugnglichkeit des Leinpfades hçhen- und breiten-
mßig beschrnkt war. Zur Sondierung der Außenseite
10.1 Allgemeines des Landpfeilers wurde eine seitliche Auslegung von
Nach Instandsetzung des oberstromigen Oberwerther rund 27 m bei einer Hubhçhe von 18 m bençtigt. Die
Geh- und Radwegebereiches (O1, vgl. Bild 11) wurden Reichweite von mçglichen Fahrzeugen, die den Lein-
im Januar 2009 auf der oberstromigen Horchheimer pfad benutzen konnten, gengte hierfr nicht.
Seite (O3) Schden in der Betonplatte festgestellt, die Durch Einsatz von Industriekletterern der Fa. Geoalpin,
eine erneute Sperrung der Brcke fr den Fuß- und Merzig (s. Bild 14) konnte eine langwierige und kostspie-
Radverkehr notwendig machten. Um kurzfristig eine lige Einrstung des Pfeilers vermieden werden. Etwaige
Begehung der Brcke wieder zu ermçglichen, wurde Abstimmungen mit dem Bundesschifffahrtsamt (Konzep-
beschlossen, auf die bestehenden Brckenpfeiler eine tion des Anprallschutzes fr den Schifffahrtsverkehr, Si-
Ersatztragkonstruktion aufzulegen. Die Altkonstruktion cherung des Gerstes gegen Hochwassereinflsse etc.)
wurde nicht abgebrochen, sondern verblieb unterhalb konnten so ebenfalls entfallen. Es war lediglich eine Ab-
der neuen Teilbrcken (s. Bilder 2 und 46). stimmung mit der DB Netz AG hinsichtlich der Eingriffe
Insgesamt sollten drei Teilbrcken die bisherige ober- in die bahneigene Bausubstanz und der Sicherung gegen-
stromige Horchheimer Fuß- und Radwegeverbindung ber dem laufenden Bahnverkehr notwendig.
ersetzen. Die entsprechenden Auflagerbereiche muss- Die mit Wassersplung durchgefhrten Kernbohrungen
ten daher nher untersucht werden. Hierzu wurden Son- wurden im Bereich der Außenfassade mit einem Durch-
dierungsbohrungen in den entsprechenden Uferpfeiler messer von 164 mm durchgefhrt, in der Tiefe wurde
und in den Pfeiler zwischen Bogen und Straßenbahn- der Durchmesser auf 111 mm reduziert. Die senkrech-
durchlass durchgefhrt. ten Sondierungen reichten bis zu einer Tiefe von rund
1,90 m. Die in ca. 1 m unter Laufniveau angeordneten
horizontalen Bohrungen erreichen in Querrichtung zum
10.2 Aufbau und Erhaltungszustand des Fluss eine Tiefe bis ca. 1,80 m und in Fließrichtung eine
Verblendmauerwerks der Pfeiler Tiefe bis ca. 2 m.
Da zur Erzielung geeigneter Anschlagpunkte fr die am
Sinterspuren weisen auch auf eine Durchfeuchtung der Seil durchgefhrten Bohrungen am landseitigen Bogen-
Pfeiler der Hauptbrcke hin (s. Bilder 2 und 20). Dem- widerlager erst Teile der Gehwegplatten htten entfernt
entsprechend sind verschiedentlich Ausbrche und werden mssen, wurde hier auf Bohrungen in Querrich-
Schden an den Stoß- und Lagerfugen des Verblend- tung verzichtet. Die in Querrichtung angeordneten Ho-
mauerwerks vorzufinden. Die Verblendung ist gemß rizontalbohrungen wurden ebenfalls in einer Tiefe von
Klopfprobe stellenweise hohllagig. ca. 1 m unter der Gehwegoberflche angeordnet.

10.3 Durchfhrung der Sondierungsbohrungen


10.4 Ansprache der Bohrkerne
An dem Flusspfeiler und dem landseitigen Pfeiler des
10.4.1 Allgemeines
Brckenbogens wurden horizontale und vertikale Son-
dierungsbohrungen eingebracht (Bilder 47 und 48). Auf Erwartungsgemß wurden keine durchgngig auf-
zunchst ebenfalls geplante Schrgbohrungen wurde gemauerten Pfeiler vorgefunden. Der Pfeilerkern be-
aufgrund der erschwerten Bohrbedingungen verzichtet. stand erwartungsgemß aus mineralisch gebundenen

Bild 46. Isometrie der aufgelagerten 3 Teilbrcken, der beiden Zugangsrampen und einer zustzlich notwendigen Stahlsttzte
(vgl. Bild 2)
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 133

Bild 47. Sondierungsbohrungen BK 1 bis BK 8 in der Ansicht

Bild 48. Sondierungsbohrungen BK 1 bis BK 8 in der Aufsicht


134 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Tabelle 4. Rohdichte und Druckfestigkeit verschiedener Entnahmestellen der Sondierungsbohrungen (vgl. Bilder 47 und 48)

Bezeich- Pfeiler Bohrtiefe Bohr- Abmessungen Rohdichte Druck-


nung des (cm) richtung (kg/dm3) festigkeit
Lnge Breite Hçhe Durchmesser
Prfkçrpers (N/mm2)
(mm) (mm) (mm) (mm)
BK 1 Landpfeiler ca. 40 –80 horizontal 107 104 2,17 15,3
BK 4 Landpfeiler ca. 120–140 horizontal 106 104 2,10 9,4
BK 6 Bogenwiderlager ca. 40 –60 senkrecht 160 104 2,24 20,6
BK 7 Bogenwiderlager ca. 80 –100 horizontal 107 104 2,24 11,8
BK 2 Landpfeiler ca. 0 –20 senkrecht 99 157 2,25 47,0
BK 5a Landpfeiler ca. 10 –30 senkrecht 159 157 2,34 16,8
BK 5a Landpfeiler ca. 0 –8 senkrecht 50 50 51 2,51 40,0 1)

1) Probekçrperabmessung nicht normkonform, daher nur orientierender Wert.

Schttlagen. Bedingt durch die umfangreichen Umbau- 10.4.3 Landpfeiler Hauptbrcke


ten und die Kriegsschden wurden insbesondere im
Der Pfeiler besaß ursprnglich einen Aufbau mit einem
Landpfeiler sehr unterschiedliche Substanzaufbauten
Brckenhaus (s. Bild 6). Aufgrund der Kriegsbeschdi-
in kurzen Wechseln vorgefunden.
gungen sowie der Umbaumaßnahmen 1947 und 1961
Gemß Befund ist die Verfllung vermutlich als
war von vornherein von einem inhomogenen Aufbau
Stampfbetonfllung geplant und ausgefhrt worden,
auszugehen.
wobei die Mischung teilweise geringe bis deutlich zu
Die Gehwegoberflche besteht aus einer gelblichen
geringe Mçrtelanteile aufweist. Das Schttmaterial be-
kunststoffmodifizierten Beschichtung, die offensicht-
steht aus unterschiedlichen Gesteinsvarietten von
lich vor nicht allzu langer Zeit aufgetragen wurde.
Bruchschiefer ber Basaltbruchstcke, Quarzkies und
Die Oberflche weist in der Flche keine nennenswer-
andere Gesteine.
ten Schden auf.
Unterhalb der Beschichtung befindet sich gemß den
10.4.2 Druckfestigkeitsprfung Befunden des Bohrkerns BK 2 und BK 5 a eine ca. 1
bis 2 cm starke mineralische Feinmçrtelschicht als Aus-
Es wurden insgesamt 7 Bohrkernabschnitte aus ver-
gleichsschicht. Diese ist ihrerseits auf eine Normalbe-
schiedenen Sondierungsbohrungen fr die Druckfestig-
tonschicht aufgebracht. Die Dicke der Normalbeton-
keitsprfung ausgewhlt. Folgende Bereiche wurden
schicht betrgt 7 bis 10 cm. Der gesamte bisher be-
untersucht:
schriebene Schichtenaufbau ist als verhltnismßig
• Flusspfeiler neue Instandsetzungsmaßnahme anzusprechen. Der Be-
Obere flchige Betonplatte direkt unter Laufniveau ton weist ein dichtes ordnungsgemßes Gefge auf, die
(BK 2 und BK 5 a); Druckfestigkeit dieses Betons liegt gemß den unter-
Bohrkerne aus dem Bauwerksinneren (BK 1, BK 3, suchten Bohrkernabschnitten BK 2 (Bild 49) und
BK 4 und BK 5 b). BK 5 a bei 47 bzw. 40 N/mm±. Der Beton drfte hin-
sichtlich seiner Festigkeit einem C 30/37 entsprechen.
• Landpfeiler
Die eigentliche Verfllung des Pfeilers ist demgegen-
Bohrkerne aus dem Bauwerksinneren (BK 6 bis BK 8).
ber offensichtlich mit einem gering verdichteten Beton
Die Prfung erfolgte in Anlehnung an die DIN EN erfolgt. Whrend die Randzonen einen etwas hçheren
12390-3 [18]. Ermittelt wurden Rohdichte (lufttrocken) Verdichtungsgrad aufweisen, sind die inneren Flchen
und Druckfestigkeit (Tabelle 4). wenig verdichtet. Es sind sogar „Hohlrume“ (scht-
Aufgrund der eher plattigen Probekçrpergeometrie wur- tungshnliche Bereiche mit geringer Kornbindung
de aus dem Bohrkern 5 a ein Wrfel mit der Kantenln- durch Bindemittel) mit geringem Bindemittelgehalt
ge von ca. 50 mm im Nasssgeverfahren herausgearbei- vorzufinden. Ganz vereinzelt wurden Stahleinlagen an-
tet. Im Bohrkern BK 2 musste eine in der Kopfflche geschnitten, die vermutlich auf Hilfskonstruktionen der
befindliche Vertiefung (bedingt durch eine entnahme- verschieden Um- und Aufbaumaßnahmen herrhren,
bedingte Drillbohrung) mit festigkeitsangepasstem wie auch angeschnittene senkrechte glatte Betonierfu-
Mçrtel verschlossen werden. Die somit im Prfkçrper gen, die faktisch keine Verbundfestigkeit aufwiesen. So
befindliche Fehlstelle fhrt in der Regel zu verminder- wurden in der Fllung auch senkrechte Betonierfugen
ten Festigkeitsergebnissen. vorgefunden. Teilweise wurde der Beton offensichtlich
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 135

mit sehr hohem Wasserberschuss gefahren, die Abriss- Grauwacke ca. 10 cm. Es handelt sich hierbei offen-
festigeit war, wie sich bereits an der Mantelflche der sichtlich um Ausbesserungen der Kriegsschden. Im
Bohrkerne zeigte, dementsprechend gering. Die zusam- landseitigen Bogenwiderlager, bei der ursprnglich
menhngend gewonnenen Bohrkernabschnitte waren eine gleiche Konstruktionsweise anzusetzen ist, besteht
berwiegend als haufwerksporig anzusprechen. Dar- die Vorschale aus ganzen Natursteinquadern (s.
ber hinaus wurden ber grçßere Strecken lediglich Abschn. 10.4.4). In diesen instandgesetzten Bereichen
Schttungen mit geringem Bindemittelgehalt durch- besteht teilweise kein Verbund mehr zwischen Vor-
çrtert. schale und Kernbeton.
Die Druckfestigkeit prffhiger tieferliegender Bohr- Bei den Bohrungen im landseitigen Bogenwiderlager
kernabschnitte wurde zu rund 15 N/mm± bei einer Roh- wurde demgegenber eine Tiefe der Vorschale von
dichte (lufttrocken) von 2,17 kg/dm (BK 2, s. Bild 49), 20 cm (Grauwacke) bzw. 40 cm (Basalt) angetroffen.
bzw. 9,4 N/mm± bei einer Rohdichte (lufttrocken) von Da die Brckentrme auch nach den gegen Kriegsende
2,10 kg/dm (BK 4) ermittelt. erfolgten Sprengungen noch aufrecht standen, ist daher
Die Basaltbekleidungen sind teilweise nur als dnne zu vermuten, dass im unteren Pfeilerbereich, der nicht
Platten mit Strken von rund 5 cm ausgefhrt (Bild 50), von den nachkriegsbedingten Umbauten betroffen ist,
die Bereiche mit als Bossenmauerwerk ausgefhrter noch der ursprngliche Vorschalenaufbau vorhanden
ist. Dass mit Durchfeuchtungsproblemen zu rechnen
ist, zeigt sich durch die im unteren Bereich deutlich
sichtbaren Sinterspuren (s. Bild 2).

10.4.4 Landseitiges Bogenwiderlager


Im Gegensatz zum Befund am Landpfeiler bestehen die
angeschnittenen Teile der Vorschale nicht aus schmalen
Verblendern, sondern aus eher kubischen Werksteinen.
Die Eckeinbindung besteht aus Basaltsteinquadern, die
gemß Befund eine Strke von 40 cm haben. Die Ver-
blendung der Flche mit Grauwacke weist gemß Be-
fund eine Strke von 20 cm auf.
Inwieweit sowohl bei der Verblendschale als auch bei
der flchigen Natursteinverblendung wechselnde Stein-
tiefen zur besseren Verzahnung mit dem Kernmauer-
werk angeordnet sind, kann anhand der beiden durch-
gefhrten Bohrungen nicht entschieden werden. Gemß
dem Gesamtbefund scheint es sich hier jedoch um die
ursprngliche Bausubstanz zu handeln. Zu dieser Zeit
war das Verbinden der Mauerschale ber sogenannte
Bindersteine jedoch Stand der Technik. Grundstzlich
ist somit auch hier von einer entsprechenden Einbin-
dung der Vorschale auszugehen.
Die Oberflche des Gehwegs im Sondierungsbereich
Bild 49. Bohrkerne BK 1 (waagerecht) und BK 2 (senkrecht) BK 6 besteht aus einer Lage von ca. 6 cm Feinbeton.
aus Landpfeiler Horchheim Weitere darber befindliche Schutzschichten sind im
Sondierungsbereich abgngig. Die Grenzflche zwi-
schen Fein- und Normalbeton weist horizontale Trenn-
rissschden auf. Diese sind mçglicherweise als Frost-
schden anzusehen. Darunter befinden sich ca. 10 cm
feinkçrniger Normalbeton mit zahlreichen Luft- und
Verdichtungsporen. Ab einer Bohrtiefe von ca. 20 cm
bis zu einer Tiefe von rund 1 m liegt ein stark hohlraum-
reiches Betongefge geringer Festigkeit vor. Diese
Schicht wird ab einer Sondierungstiefe von 1 m bis
zum Ende der Sondierungstiefe von rund 2 m wieder
durch eine starke Normalbetonschicht mit hohem Anteil
an Verdichtungs- und Luftporen abgelçst (Bild 51).
Mit zunehmender Tiefe zeigt der Zementstein abneh-
Bild 50. Bohrkern BK 3 menden Abrasionswiderstand. Es ist also davon auszuge-
(senkrecht) aus Landpfeiler hen, dass zum Abbindezeitpunkt der Beton in den unte-
Horchheim ren Lagen einen zu hohen Wasserzementwert aufwies.
136 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

rhrt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das


Verfllmaterial dieses Pfeilers zum Teil aus Schttun-
gen mit zum Teil nur sehr geringen Mçrtelbeimengun-
gen besteht. Die Fllung im Pfeilerinneren ist jedoch
sehr inhomogen. Es sind grçßere Bereiche mit Gesteins-
schttungen verschiedenster Materialien (Basalt- und
Grauwackebruch, Quarzkies, Schiefer) und lediglich
geringem Mçrtelanteil vorzufinden. Der Beton weist
einen hohen berkornanteil auf. Im Bereich des ber-
korns ergeben sich klaffende Fugen zwischen dem um-
gebenden Mçrtel und dem berkorn. Das gesamte Er-
scheinungsbild entspricht somit einer zeitgençssischen
betonhnlichen Stampfbetonfllung mit geringem Ver-
dichtungsgrad.
Die Festigkeit an zusammenhngend entnommenen
Proben lag bei 20,6 N/mm2 bei einer Rohdichte (luft-
trocken) von rund 2,24 kg/dm (BK 6), bzw. bei knapp
11,8 N/mm2 bei etwa gleicher Rohdichte (BK 7).

11 Untersuchung berfhrungsbauwerk
der DB Netz AG
Das berfhrungsbauwerk ber die rechte Rheinstrecke
Bild 51. Bohrkern BK 6 (senkrecht) aus landseitigem der DB Netz AG im Vorlandbereich (vgl. Bild 2) weist
Bogenwiderlager Horchheim das gleiche Schadensbild an der Gehwegplatte wie an
den entsprechenden Konstruktionen der Gewçlbebr-
cken auf. In diesem Bereich besteht eine grçßere Ver-
Ab einer Bohrtiefe von rund 1,80 m wurde gruliches kehrsgefhrdung durch mçglicherweise herabfallende
breiiges Material angeschnitten (Bild 52). Dieses Materi- Betonteile der Fuß- und Gehwegkonstruktion, die zu
al erhrtete nach Luftzutritt zu einem zusammenhngen- beachten ist. Die tragenden Stahlkonsolen, auf denen
den Gefge mit nennenswerter Festigkeit. Gemß dem die Gehwegplatten aufliegen, bestehen aus Plattenroste
durchgefhrten Salzsuretest ist das Material als Kalzi- auf großer Lnge.
umhydrat (Ca(OH)2) anzusprechen, welches sich unter
Luftzufuhr zu Kalciumkarbonat (CaCO3) umwandelte.
Gemß den Befunden hat das landseitige Gewçlbe- 12 Instandsetzung Fußgngerteilbrcke
widerlager eine einheitlichere Bausubstanz, die mçgli- Horchheim, oberstromig
cherweise noch weitgehend aus der Erstellungszeit her-
12.1 Planungskonzept
Nach Sperrung der Fußgngerteilbrcke (Bezeichnung
O3 gemß Bild 11) im Januar 2009 wurde schnellstens
nach einer Mçglichkeit gesucht, die Brcke wieder fr
den Fuß- und Randverkehr nutzbar zu machen. Es wur-
de beschlossen, die bestehenden Brckenpfeiler zu nut-
zen, indem zwischen ihnen eigenstndige selbsttragen-
de Teilbrcken als Einfeldbalken montiert werden.
Das schließlich zur Ausfhrung gelangte Konzept sah
drei Teilbrcken vor (vgl. Bild 46). Die Teilbrcke mit
der grçßten Spannweite (35 m bei 20 t Konstruktions-
gewicht) berbrckt den Bogen der Vorlandbrcke.
Aufgrund der großen Spannweite ist er als Parallelfach-
werk mit oben liegendem Druckgurt ausgefhrt. Die
beiden anderen Teilbrcken, die die ehemalige Straßen-
bahnunterfhrung und die linksrheinische rheinbeglei-
tende DB-Strecke berbrcken, sind als tragende Fahr-
bahnplatte ausgefhrt. Die Platte besteht aus umlaufen-
den Stahlprofilen mit fest verbundener Stahlplatte als
Bild 52. Aus Bohrung BK 6 (vgl. Bild 47) gewonnenes Fahrbahnflche. Die Spannweite betrgt jeweils ca.
breiiges Material, vermutlich Kalciumhydrat 10 m bei 3,5 t Konstruktionsgewicht. Das Zwischenauf-
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 137

lager dieser beiden Teilbrcken musste ebenfalls neu innerhalb einer Sperrpause montiert. Danach erfolgten
geschaffen werden. Da die Brcken auf Linienauflagern der Abbruch des Außengelnders im Bereich der Bogen-
in der Hçhe der ehemaligen Laufzone aufgelagert sind, brcke und die Montage der Linienauflager. Der Stell-
schließen sich rechts und links der Konstruktion zwei platz fr den Mobilkran wurde berprft und verfestigt.
Rampen zum Hçhenausgleich an. Die drei Brckenteile sollten dann in einer nchtlichen
Die Breite der Brcke wurde so gewhlt, dass im Bereich Sperrpause in ihre endgltige Lage eingehoben werden.
der Bahnunterfhrung das alte Außengelnder bestehen Allerdings war die Zugnglichkeit sehr beschrnkt. Der
bleiben konnte. So konnte eine separate Sicherung dieses Leinpfad ist fr einen Kran mit der notwendigen Hub-
Bereiches fr den Zeitraum der Vormontagen entfallen. hçhe (ca. 25 m) und Tragkraft (20 t) nicht zugnglich (s.
Bild 2). Der nchstmçgliche Standplatz lag landseitig
der DB-Gleise (rechter Rand in Bild 2). Dies bedingte
12.2 Montage
eine Kranreichweite von 60 m bei einer Hubhçhe von
Die vormontierte Zwischensttze direkt neben der Bahn- 25 m. In dieser Leistungsklasse war in Deutschland le-
strecke wurde in den vorbetonierten Einzelfundamenten diglich ein Mobilkran verfgbar (Bild 53).

Bild 53. Diagramm der Reichweite des eingesetzten Mobilkrans


138 B Konstruktion · Bauausfhrung · Bauwerkserhaltung

Eine Montage der ausladenden Bauteile war nur bei


weitgehender Windstille mçglich. Es wurden daher
zwei Sperrpausen vereinbart. In diesen Zeitrumen
wurde der Verkehr auf der stark vom Gterverkehr fre-
quentierten rheinbegleitenden Bahnstrecke komplett
gesperrt. Auf der Horchheimer Brcke wurde lediglich
das oberstromige Gleis gesperrt, auf der unterstromigen
Seite lief der Verkehr whrend des Einhebens weiter.
Die Sperrpausen wurden jeweils in die verkehrsrmste
Zeit (Nacht von Sonntag auf Montag) gelegt. Je Mon-
tagenacht standen zwei Zeitfenster zur Verfgung, zu
denen jeweils auch die betreffenden Oberleitungen ab-
geschaltet und gesichert werden mussten. Das Ein-
heben aller drei Brckenteile konnte am ersten mçgli-
chen Montagetag in der ersten Sperrpause, die etwa
von 22 bis 24 Uhr angesetzt war, unter reger Publi-
kums- und Pressebeteiligung komplett ausgefhrt wer-
den (Bild 54).

13 Zusammenfassung
Die vorgestellte Brckenertchtigung zeigt deutlich,
wie sehr eine nicht ausreichende Wartung ein Bauwerk
schdigen kann. Die Mngel bzw. Schden in der Ab-
dichtung und Wasserabfhrung der Fuß- und Rad-
wegebereiche der Vorlandbrcken haben zu derartigen
Frost- und Korrosionsschden gefhrt, dass die Trag-
fhigkeit und Standsicherheit der Konstruktion in grç-
ßeren Teilbereichen nicht mehr gegeben ist. Der unter-
stromige Bereich wurde bereits Mitte der 1980er-Jahre Bild 54. Einheben des Parallelfachwerks
gesperrt. Bereits damals war der dringende Handlungs-
bedarf gegeben.
Dringende Instandsetzungsarbeiten werden hufig zu- zustand im çffentlichen Blickpunkt ist, wie die hier
rckgestellt. Instandsetzungsarbeiten bedrfen eines behandelten Brcken(untersichten) oder im noch grç-
aufwendigeren Planungsaufwandes, insbesondere eines ßeren Maße fr die Abwasserkanalisation.
sorgfltigen Vorerkundungskonzepts. Die Dringlichkeit
von Instandsetzungsarbeiten ist oft nur nach fachlicher
Erluterung ersichtlich, die prognostizierten Folgekos-
14 Ausblick auf weitere Baumaßnahmen
ten sind noch hypothetisch. Neubauten haben dem-
gegenber hufig ein deutlich geringeres Ausfhrungs- Die Instandsetzung der oberstromigen Horchheimer
risiko. Vorlandbrcke (Bezeichnung O2, s. Bild 2) musste
Je weniger ein Bauwerk im Blickfeld ist, desto stief- aus verschiedenen Grnden provisorisch bleiben. So
mtterlicher werden hufig Wartung und Instandset- wird von der DB Netz AG die Erneuerung der Brcken-
zung durchgefhrt. Eine normative oder gesetzliche rampe fr die Zukunft geplant, sodass ein endgltiger
Festlegung der Wartungsintervalle (wie z. B. bei den Neubau die Planungsfreiheit eingeschrnkt htte. Auch
turnusmßig durchzufhrenden Brckeninspektionen) die Genehmigungsverfahren und die Sicherstellung der
hilft den Verantwortlichen die notwendigen Maßnah- Finanzierungsmçglichkeiten htten bei einer vçlligen
men durchzusetzen. Neukonstruktion wesentlich lnger gedauert als das
Dass der Widerstand gegen derartige Maßnahmen, be- jetzt bençtigte Zeitfenster von 6 Monaten zwischen
dingt auch durch die schlechte Finanzlage insbesondere Sperrung und Wiedererçffnung.
vieler Gemeinden, groß ist, lsst sich an vielen Br- Wird der oberstromige Geh- und Radweg wegen der
ckenbauwerken ablesen. Erst grçßere Unglcksflle, Umbauten gesperrt, kçnnten die drei Teilbrcken ge-
wie z. B. der Dacheinsturz der Eisporthalle in Bad Rei- nutzt werden, um ohne großen Aufwand die unterstro-
chenhall, lsst diese Widerstnde deutlich erlahmen. mige Vorlandbrcke Horchheim in gleicher Weise zu
Dass frhzeitige Wartung und Instandsetzung auch die berbrcken. Zurzeit werden entsprechende Machbar-
Gesamtunterhaltungskosten z. T. erheblich senken, keitsstudien durchgefhrt, die die Mçglichkeit und Kos-
kann in diesem Zusammenhang nicht oft genug betont ten der Wiederherstellung der unterstromigen Geh- und
werden. Dies gilt umso mehr, je weniger der Bau- Radwege (U1 bis U3) weiter erkunden sollen.
III Untersuchungen an Mauerwerkspfeilern einer Bogenbrcke 139

Der Fuß- und Gehweg Oberwerth unterstromig (U1, [10] Bundesministerium fr Verkehr, Bau- und Wohnungs-
vgl. Bild 11), insbesondere der vorhandene Treppen- wesen der Bundesrepublik Deutschland: RI-EBW-PRF –
abgang, ist jedoch in einem baulich sehr schlechten Richtlinie zur einheitlichen Erfassung, Bewertung, Aufzeich-
Zustand. Es sind nahezu alle Treppenstufen ausgebro- nung und Auswertung von Ergebnissen der Bauwerksprfun-
chen, die Gelnderpfosten sind ohne kraftschlssige gen nach DIN 1076, Ausgabe 1999. Verkehrsblatt-Verlag.
Einbindung vorhanden oder der Pfostenfuß ist durch- [11] Fingerloos, F. (Hrsg.): Historische Regelwerke fr den
gerostet, sodass hier wiederum eine grçßere und kosten- Beton-, Stahlbeton- und Spannbetonbau – Bemessung und
intensivere Baumaßnahme anstehen wrde. Ausfhrung. Ernst & Sohn, Berlin, 2009.
[12] DIN EN 12390-7:2009-07: Prfung von Festbeton; Teil
7: Dichte von Festbeton. Beuth Verlag, Berlin, Wien, Zrich.
15 Literatur [13] DIN EN 14630:2007-01: Produkte und Systeme fr den
[1] Schfer, K.: Caesar am Mittelrhein. Andernacher Bei- Schutz und die Instandsetzung von Betontragwerken – Prf-
trge Nr. 12, Andernacher Stadtmuseum (Hrsg.), Selbstver- verfahren – Bestimmung der Karbonatisierungstiefe im Fest-
lag, 1996. beton mit der Phenolphthalein-Prfung. Beuth Verlag, Ber-
lin, Wien, Zrich.
[2] Cppers, H.: Die Trierer Rçmerbrcken. Verlag Philipp
von Zabern, Mainz, 1969. [14] DIN EN 206-1:2001-07: Beton; Teil 1: Festlegung, Ei-
genschaften, Herstellung und Konformitt. Beuth Verlag,
[3] Fehr, H.: Rçmische Rheinbrcke Koblenz; Archologie Berlin, Wien, Zrich
am Mittelrhein und Mosel, Bd. 2. Archologische Denkmal-
pflege, Amt Koblenz, Selbstverlag, 1980. [15] DIN EN 488:2009-08: Betonstahl; Teil 1: Stahlsorten,
Eigenschaften, Kennzeichnung. Beuth Verlag, Berlin, Wien,
[4] Tebbe, H., Dominik, A., Brauer, N., Jnecke, Th.: Un- Zrich.
terfahrung von Mauerwerk am Beispiel der Severinstorburg
Kçln – Sicherung eines der Symbole der Domstadt. Mauer- [16] DIN EN ISO 15630:2002-09: Sthle fr die Bewehrung
werk-Kalender 34 (2009), S. 209–242. Ernst & Sohn, Berlin, und das Vorspannen von Beton – Prfverfahren; Teil 1: Be-
2009. wehrungsstbe, -walzdraht und -draht. Beuth Verlag, Berlin,
Wien, Zrich.
[5] Scharf, H.-W.: Eisenbahnbrcken in Deutschland. Eisen-
bahn-Kurier Verlag, Freiburg im Breisgau, 2003. [17] DIN EN 10045-1:1991-04: Metallische Werkstoffe;
Kerbschlagbiegeversuch nach Charpy; Teil 1: Prfverfahren.
[6] DIN 1045:1959-11: Bauwerke aus Stahlbeton. Beuth Beuth Verlag, Berlin, Wien, Zrich.
Verlag, Berlin und Kçln.
[18] DIN 12390-3:2001-02: Prfung von Festbeton; Teil 1:
[7] DIN 1076:1999-11: Ingenieurbauwerke im Zuge von Form, Maße und andere Anforderungen fr Probekçrper und
Straßen und Wegen – berwachung und Prfung. Beuth Ver- Formen. Beuth Verlag, Berlin, Wien, Zrich.
lag, Berlin, Wien, Zrich.
[19] Gaius Julius Csar: Der Gallische Krieg. Philipp Reclam
[8] DIN 1053-1:1996-11: Mauerwerk; Teil 1: Berechnung Jun. (Hrsg.), Selbstverlag, Stuttgart 1951.
und Ausfhrung. Beuth Verlag, Berlin, Wien, Zrich.
[9] DIN EN 998-2:2003-09: Festlegungen fr Mçrtel im
Mauerwerksbau; Teil 2: Mauermçrtel. Beuth Verlag, Berlin,
Wien, Zrich.
C Bemessung

I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten 143


Christoph Butenweg und Christoph Gellert, Aachen; Udo Meyer, Bonn

II Die Anwendung des Eurocode 6 in sterreich 169


Anton Pech, Wien

III Bemessung von Mauerwerk nach der hollndischen Norm 185


Simon Wijte und Rob van der Pluijm, Niederlande

IV Bemessung von Mauerwerk nach der Kanadischen Norm 195


Yasser Korany, Edmonton Alberta, Canada

V Bemessung von Mauerwerk –


Beispiele nach E DIN 1053-11 und E DIN 1053-13 207
Frank Purtak, Uwe Hirsch und Sebastian Ortlepp, Dresden

VI Mauerwerk und Erdbeben – Bemessungsanstze,


aktuelle Forschung und Normungslage in Europa 225
Suikai Lu, Wien
C Bemessung 143

I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten


Christoph Butenweg und Christoph Gellert, Aachen; Udo Meyer, Bonn

1 Einleitung 2 Verhalten von Mauerwerksbauten


Im Hinblick auf die Einfhrung des Eurocode 8 als unter Erdbebenbelastung
europische Erdbebennorm erfolgte in den letzten Jah- Grundlage fr die Bemessung von seismisch bean-
ren eine weitgehende berarbeitung der nationalen spruchten Tragwerken sind Rechenmodelle, mit denen
Normen in ganz Europa. Diese hatte in einigen Lndern das dynamische Verhalten ausreichend genau simuliert
die direkte Einfhrung des Eurocode 8 mit nationalen werden kann. Fr Tragwerke aus Stahl oder Stahlbeton
Anwendungsdokumenten zur Folge. Andere Lnder sind in der Regel linear-elastische Rechenmodelle aus-
whlten zunchst den Weg, berarbeitete nationale reichend und allgemein akzeptiert. Unbewehrte Mauer-
Normen in enger Anlehnung an den Eurocode 8 als werksbauten lassen sich aber aufgrund der fehlenden
bergangslçsungen einzufhren. Dieser Weg wurde Zugfestigkeit durch lineare Modelle nur unzureichend
in Deutschland mit der im Jahr 2005 eingefhrten beschreiben. Bei dem Versuch, Mauerwerksbauten
DIN 4149 gewhlt, die 2010 durch die DIN EN 1998 nichtlinear zu berechnen, wird der Berechnungsinge-
(EC 8) abgelçst wird. Die praktische Anwendung der nieur mit blichen Rechenwerkzeugen vor nahezu un-
neuen Normenkonzepte fhrt jedoch bereits in Lndern lçsbare Probleme gestellt. Aber auch im wissenschaft-
mit moderaten Erdbebenbelastungen zu großen Proble- lichen Bereich werden auf Knopfdruck funktionierende
men in der Nachweisfhrung traditioneller Mauer- komplexe nichtlineare dynamische Modelle fr Mauer-
werksbauten. In zahlreichen Forschungsprojekten wur- werksbauten in absehbarer Zeit nicht verfgbar sein.
de deshalb versucht, neue Bemessungs- und Modellie- Die Problematik in der Erstellung von Rechenmodellen
rungsanstze zu entwickeln, mit denen die Reserven liegt grundstzlich in dem Zusammenspiel zwischen
von Mauerwerksbauten besser ausgenutzt werden kçn- den Nichtlinearitten auf Wandebene und der Wand-
nen. Der folgende Beitrag gibt einen Gesamtberblick scheiben auf Tragwerksebene. Auf Wandebene lassen
ber den aktuellen Stand der europischen Erdbebenbe- sich die in Bild 1 dargestellten Versagensformen unter-
messung von Mauerwerksbauten und illustriert die An- scheiden.
wendung der gngigen Berechnungs- und Bemessungs-
verfahren anhand von baupraktischen Beispielen.

Bild 1. Schubversagen von


Mauerwerkswnden

Mauerwerk-Kalender 2010
Herausgegeben von Wolfram Jger
Copyright  2010 Ernst & Sohn, Berlin
ISBN: 978-3-433-02940-4
144 C Bemessung

Bild 2. Lastabtrag von kurzen und langen Wnden in Mauerwerksbauten

Das globale Tragverhalten von Mauerwerksbauten er-


gibt sich aus der Konfiguration der Einzelwnde im
Grundriss in Interaktion mit den Geschossdecken. Bei
einer horizontalen Belastung wirken die ber mehrere
Geschosse verlaufenden Mauerwerkswandscheiben
nicht wie im Stahlbetonbau als durchgehende Scheiben
mit Zugbertragung, sondern fhren geschossweise
Wandrotationen aus. Die Wnde stellen sich auf und
es bilden sich Druckdiagonalen zwischen den Wand-
ecken aus. Durch das Aufstellen der Wnde kommt es
zu einer Einspannwirkung durch die Deckenscheiben.
Diese Einspannwirkung ist bei kurzen Wnden durch
die grçßeren Wandrotationen strker als bei langen Bild 3. Verlauf des Einspanngrades fr die Querwnde
Wnden, die im Wesentlichen ber Schub abtragen im Erdgeschoss
(Bild 2).
Da es sich bei Erdbeben um zyklische Belastungen han-
delt, wechselt die Richtung des Aufstellens der Wnde von 1,2 mm zu einem Reibungsversagen zwischen
und es kommt zu einer Variation des Einspanngrades Wand und Decke kommt und danach der Einspanngrad
am Wandkopf und in der Folge zu einer wechselnden konstant bleibt.
Biegebeanspruchung der Decke. In Bild 3 sind die Ver- Das komplexe Zusammenspiel von nicht kraftschlssig
lufe des Einspanngrades fr die Erdgeschosswnde verbundenen Lngs- und Querwnden wird am Beispiel
dargestellt. Hierbei entspricht der Wert 0,5 einer vollen des in Bild 4 a dargestellten Erdgeschosses eines zwei-
Einspannung und der Wert 1,0 dem Kragarm. Es zeigt geschossigen Gebudes verdeutlicht. Durch die Wand-
sich, dass die kurze Wand (1,0 m) bei einer Verschie- konfiguration weisen die Querwnde bereits exzentri-
bung von etwa 4 mm den vollen Einspanngrad erreicht sche Vorbelastungen infolge Eigengewicht auf, was
hat. Die lange Wand (2,50 m) erreicht den vollen Ein- dazu fhrt, dass sich die Entwicklung der Einspanngra-
spanngrad hingegen nicht, da es bei einer Verschiebung de in die Lastrichtungen deutlich unterscheiden. Eine

(a) (b)

Bild 4. a) Erdgeschoss eines zweigeschossigen Gebudes, b) Verlauf des Einspanngrades


I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten 145

x-Richtung im kleineren Verformungsbereich zu einer


Umlagerung von Vertikalkrften von der Schubwand in
die Querwand. Erst bei grçßer werdenden Verformun-
gen fhrt die Wandrotation wieder dazu, dass die
Schubwand der Querwand Lasten entzieht und damit
strker belastet wird. Den Verlauf der Wandnormalkraft
in Abhngigkeit der Wandkopfverschiebung in positive
und negative x-Richtung zeigt Bild 5.
Die einfachen Modellgrundrisse haben verdeutlicht,
dass die bei einer wechselnden Horizontalbelastung ak-
tivierten Kinematiken zu stark vernderlichen Randbe-
dingungen der Einzelwnde fhren, welche die Trag-
Bild 5. Verlauf der Wandnormalkraft ber die Verformung und Verformungsfhigkeiten positiv oder negativ be-
einflussen kçnnen. Die hier nur ansatzweise beschrie-
benen Aspekte werden in verschiedenen Literaturstel-
Belastung in die negative x-Richtung fhrt fr die linke len ausfhrlicher behandelt [12, 20, 25].
Wand wegen der exzentrischen Vertikallast unmittelbar Da die Erdbebenbelastung nach den Normen in zwei
zu einer vollen Einspannwirkung. Eine Belastung in die Richtungen gleichzeitig wirkend anzusetzen ist, wird
positive x-Richtung hebt zunchst die exzentrische Vor- die rechnerische Erfassung der oben beschriebenen Ein-
belastung auf und baut dann durch eine Wandrotation in flsse weiter erschwert. Beispielsweise kann eine
die andere Richtung wieder eine volle Einspannwirkung Schubwand infolge der Rotation einer orthogonal an-
auf, die jedoch erst bei wesentlich grçßeren Verformun- schließenden Wand durch die erste Erdbebenkom-
gen erreicht wird (Bild 4 b). ponente entlastet werden, was zu einer starken Redu-
Gleichzeitig fhrt eine Belastung in die positive x-Rich- zierung des Erdbebenwiderstandes fhrt. Bei gleichzei-
tung durch die Wandrotation zur Umlagerung von Ver- tiger Wirkung der zweiten Erdbebenkomponente kann
tikalkrften der linken Querwand auf die Schubwand, dies direkt zum Versagen der orthogonal angeschlosse-
die sich bei grçßer werdenden Verformungen ber Rah- nen Schubwand fhren (Bild 6 a). Dieser Fall tritt nicht
mentragwirkung auf die gegenberliegende Wand um- ein, wenn die erste Erdbebenkomponente in die andere
lagern. Umgekehrt fhrt eine Belastung in die negative Richtung wirkt (Bild 6 b). Welche Situationen letztend-
lich whrend eines Erdbebens auftreten, ist aufgrund
der stochastischen Einwirkung infolge Erdbeben nicht
a) vorhersehbar.
Zielsetzung fr den Mauerwerksbau ist es, der Praxis
anwendbare Berechnungs- und Bemessungskonzepte
zur Verfgung zu stellen, mit denen die Tragwerks-
reserven bei gleichzeitig ausreichendem Sicherheits-
niveau gut ausgenutzt werden kçnnen. Im Folgenden
werden die zurzeit gngigen Berechnungs- und Bemes-
sungsverfahren anhand von baupraktischen Beispielen
erlutert und bewertet.

3 Rechenverfahren fr
b)
Mauerwerksbauten
Fr den rechnerischen Nachweis von Mauerwerksbau-
ten unter Erdbebenbelastung kçnnen folgende Rechen-
verfahren zum Einsatz kommen:
– Ersatzkraftverfahren,
– Antwortspektrenverfahren,
– Pushoverberechnung,
– Zeitverlaufsberechnung.
Bei Anwendung der Rechenverfahren ist zu beachten,
dass die DIN 4149 [16] nichtlineare statische Berech-
nungen und Zeitverlaufsberechnungen generell aus-
schließt, whrend die DIN EN 1998 (EC 8) [18] alle
Bild 6. a) Versagen der Schubwand in Querrichtung durch Verfahren zulsst. Mit Fertigstellung des Nationalen
Entlastung, b) ausreichender Widerstand der Schubwand in Anwendungsdokumentes und Einfhrung der DIN EN
Querrichtung ohne Entlastung 1998 werden aber ab 2010 auch in Deutschland alle
146 C Bemessung

Tabelle 1. Zusammenstellung der entscheidenden Eigenschaften der Berechnungsverfahren


Berechnungsverfahren
Ersatzkraftverfahren Antwortspektrenverfahren Nichtlineare statische Zeitverlaufsberechnung
Berechnung (Pushover)
Verfahren statisch statisch statisch dynamisch
Tragwerksmodell linear linear nichtlinear nichtlinear
2-D 2-D, 3-D 2-D, 3-D 2-D, 3-D
Torsionseinfluss vereinfachte Anstze 2-D: vereinfachte Anstze 2-D: vereinfachte Anstze 2-D: vereinfachte Anstze
3-D: im Modell enthalten 3-D: im Modell enthalten 3-D: im Modell enthalten
Bercksichtigung pauschal: pauschal:- im Modell enthalten im Modell enthalten
Nichtlinearitten Verhaltensbeiwert Verhaltensbeiwert
Einwirkung Antwortspektrum Antwortspektrum Antwortspektrum Zeitverlauf
Berechnung Tragwerksanalyse mit modale Analyse mit qua- Pushoverberechnung mit mindestens 3 Zeitverlaufs-
statischen Ersatzlasten dratischer berlagerung monoton anwachsenden berechnungen mit statisti-
der Zustandsgrçßen ußeren Krften scher Auswertung
Ungenauigkeiten Modellbildung, Modellbildung, Modellbildung, Modellbildung
Tragwerksdynamik, Tragwerksdynamik, Tragwerksdynamik
Materialverhalten Materialverhalten
Anforderungen sehr hoch 2-D: hoch 2-D: hoch 2-D: hoch
an Regelmßigkeit 3-D: keine 3-D: keine 3-D: keine
Nachvollziehbarkeit sehr gut gut gut schwierig
Ausnutzung der gering gering gut sehr gut
Tragwerksreserven
Aufwand gering mßig vertretbar sehr hoch

Rechenverfahren einsetzbar sein. An dieser Stelle wird erwerksbauten stehen die zeitintensive nichtlineare Mo-
darauf verzichtet, die Theorie der einzelnen Rechenver- dellierung und die damit verbundenen großen Rechen-
fahren zu erlutern. Statt der theoretischen Beschrei- zeiten und dem großem Aufwand in der Auswertung
bung werden hier die Verfahren nach den fr die prak- und Interpretation der Ergebnisse in keinem Verhltnis
tische Anwendung wesentlichen Kriterien in Kurzform zum Nutzen. Insgesamt kann man resmieren, dass
bewertet (Tabelle 1). nichtlineare Zeitverlaufsberechnungen fr Mauer-
Als Standardrechenverfahren werden fr den Mauer- werksbauten in der Praxis zurzeit nicht anwendbar sind.
werksbau das Ersatzkraftverfahren oder das Antwort- Pushoverberechnungen hingegen sind im Bereich der
spektrenverfahren angewendet. Diese beiden Verfahren Tragwerksplanung fr Stahlbeton oder Stahl bereits lan-
bieten aufgrund ihrer einfachen Handhabung und der ge anerkannte und oft angewendete verformungsbasier-
vergleichsweise einfachen Modellbildung die Mçglich- te Nachweisverfahren. Die nichtlinearen statischen Ver-
keit fr die blicherweise kleinen bis mittelgroßen fahren ermçglichen eine gute Ausnutzung der Trag-
Tragwerke aus Mauerwerk den Nachweis effizient werksreserven und lassen sich auch fr Mauerwerks-
und damit kostengnstig zu fhren. Zudem sind die bauten so aufbereiten, dass eine Anwendung in der
Resultate aus den linearen Nachweisen einfach aus- Baupraxis mçglich ist. Insbesondere durch ein stetig
zuwerten und zu interpretieren. Nachteilig ist hingegen wachsendes Angebot an geeigneten Software Lçsungen
die schlechte Ausnutzung der Tragwerksreserven, die es [1, 24, 26, 30], die auf Mauerwerksbauten und ihre
bereits in Erdbebenzone 2 schwierig macht, realistische Anforderungen an Tragwerks- und Materialmodellie-
Grundrisse nachzuweisen. Die Anwendung der linearen rung speziell zugeschnitten sind, bieten sich diese Ver-
Verfahren wird in Abschnitt 5 erlutert. fahren dem Tragwerksplaner als echte Alternative zur
Der Schritt zu einer Nachweisfhrung mit nichtlinearen klassischen linearen Nachweisfhrung an. Mit ihnen
Nachweisverfahren wird trotz der sich daraus ergeben- kçnnen nichtlineare Tragwerksreserven ohne sprbare
den Chancen hinsichtlich der besseren Ausnutzung von Aufwandssteigerung nachgewiesen werden. Die Nach-
Tragwerksreserven blicherweise als zu aufwendig ein- weisfhrung mit nichtlinearen statischen Verfahren
geschtzt. Dies ist insbesondere fr die nichtlinearen wird in Abschnitt 6 vorgestellt.
Zeitverlaufsberechnungen zutreffend. Fr bliche Mau-
I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten 147

4 Mauerwerksbauten ohne erbracht werden kann, in denen ein linearer rechneri-


rechnerischen Nachweis scher Nachweis nicht mçglich ist. Der Grund hierfr
liegt darin, dass die erforderlichen Schubwandflchen
4.1 berblick auf neueren Erkenntnissen und Erfahrungen basieren.
In der Baupraxis hat sich aber gezeigt, dass der Nach-
Auf einen rechnerischen Nachweis im Grenzzustand
weis mittels konstruktiver Regeln fr „einfache Mauer-
der Tragfhigkeit kann fr Mauerwerksbauten der Be-
werksbauten“ in den meisten Fllen nicht anwendbar
deutungskategorien I bis III nach DIN EN 1998 (EC 8)
ist, da die Gebude die sehr restriktiven Anforderungen
und DIN 4149 vollstndig verzichtet werden, wenn fol-
hinsichtlich der Gestaltung im Grund- und Aufriss hu-
gende Bedingungen eingehalten sind:
fig nicht erfllen. Zur Realisierung architektonischer
• Die mit einem Verhaltensbeiwert von q = 1,0 ermit-
Ansprche und moderner Nutzungsanforderungen ist
telte horizontale Gesamterdbebenkraft ist kleiner als
somit der rechnerische Nachweis unverzichtbar. Eine
die Horizontalkraft, die sich aus anderen stndigen
weitere Einschrnkung in der Anwendung der Tabellen
und vorbergehenden Bemessungssituationen ergibt
zur Ermittlung der Mindestschubwandflchen liegt da-
(z. B. Wind in Kombination mit stndigen Lasten
rin, dass Zulassungsprodukte nicht abgedeckt werden,
und Verkehrslasten).
da die Tabellenwerke in der Regel nur auf Normsteine
• Die Kriterien des erdbebengerechten Entwurfs sind
anwendbar sind. Hier besteht noch Regelungsbedarf.
erfllt.
Da in Deutschland in den meisten Fllen Zulassungs-
Darber hinaus kann auf einen rechnerischen Nachweis
produkte verwendet werden, ist in der Regel ein
verzichtet werden, wenn die Anforderungen fr „ein-
rechnerischer Nachweis unter Bercksichtigung der
fache Mauerwerksbauten“ (DIN 4149, Abschn. 11.6
speziellen Zulassungsanforderungen erforderlich. Die
bzw. DIN EN 1998, Abschn. 9.7) erfllt werden. Diese
genannten Einschrnkungen verdeutlichen, dass der
umfassen Vorgaben an Mauerwerksbaustoffe in Erdbe-
rechnerische Nachweis den Regelfall fr die Erdbeben-
bengebieten, Kriterien des erdbebengerechten Entwurfs,
bemessung von Mauerwerksbauten darstellt.
Vorgaben an die maximale Geschossanzahl, konstrukti-
ve Regeln der Grundrissgestaltung und Mindestanforde-
rungen an Schubwandflchen. Diese Anforderungen
4.2 Anwendungsbeispiel
werden in den europischen Erdbebennormen in Abhn-
gigkeit der seismischen Belastung, der Anzahl der Voll- Die Anwendung der Regeln fr „einfache Mauerwerks-
geschosse und der Steinfestigkeitsklasse als auf die Ge- bauten“ nach DIN 4149 wird fr den Grundriss eines
schossgrundrissflche bezogene Mindestquerschnittsfl- typischen Reihenhauses mit ber die Hçhe durchgehen-
chen von Schubwnden je Geschossrichtung angegeben. den Innen- und Außenwnden aus Kalksandsteinen der
Der Nachweis mit Berechnung der Mindestquer- Steindruckfestigkeitsklasse 12 vorgestellt (Bild 7). Das
schnittsflchen fr Schubwnde ist einfach und schnell Haus liegt in der Erdbebenzone 1, die Untergrundver-
durchfhrbar und sollte daher, wenn mçglich, dem hltnisse sind B-R und nach DIN 4149, Tabelle 3 wird
rechnerischen Nachweis vorgezogen werden. Hinzu die Bedeutungskategorie II mit einem Bedeutungs-
kommt, dass der vereinfachte Nachweis in vielen Fllen faktor gI = 1,0 gewhlt. Der Keller ist als steifer Kasten

Bild 7. Grundriss des Reihenhauses


148 C Bemessung

Tabelle 2. berprfung der Anforderungen an Mauerwerksbauten nach DIN 4149, Absatz 11.1 bis 11.3
Absatz Anforderung Erfllt
11.1 (1) Horizontallastabtrag ber Mauerwerksschubwnde ja
11.2 (1) Anforderungen an die Mauerwerksbaustoffe ja
(fr Kalksandsteine der Steindruckfestigkeitsklasse 12 nach DIN 1053-1 erfllt)
11.3 (1) Einhaltung der Konstruktionsmerkmale nach DIN 4149, Abschnitt 4.2 ja
11.3 (2) Geschossdecke als starre Scheibe ausgebildet ja
11.3 (3) Mindestanforderung an die Lnge aussteifender Wnde nach DIN 4149, Tabelle 14 ja
fr Erdbebenzone 1 : l = 0,74 m
Mindestanforderungen fr die Wandschlankheit (hk/t) nach DIN 1053-1 ja

Tabelle 3. Nachweis durch Einhaltung konstruktiver Regeln nach DIN 4149, Absatz 11.6
Absatz 11.6 Konstruktionsregel Erfllt
(1) Erfllung der allgemeinen Anforderungen der Abschnitte 11.1 bis 11.3 ja
(2) Kompakter, annhernd rechteckiger Grundriss ja
Lngenverhltnis von b/l = 5,97/11,49 = 0,52 ‡ 0,25 ja
(3) Anzahl der Vollgeschosse: 2 < 4 (DIN 4149, Tabelle 8 fr EZ 1, BK II) ja
Maximale Geschosshçhe: 2,84 m £ 3,50 m ja
(4) Steifigkeitsmittelpunkt und Massenschwerpunkt liegen nahe beieinander ja
Ausreichende Torsionssteifigkeit ja
(5) Aussteifende Wnde ber alle Geschosse durchgehend ja
(6) Aussteifende Wnde tragen den berwiegenden Teil der Vertikallasten ja
Vertikallasten verteilen sich auf die aussteifenden Wnde in beiden Gebuderichtungen ja
(7) Mindestschubwandflchen nach Tabelle 15 der Norm: ja
Eingangswerte
ag = 0,4 m/s± (DIN 4149, Tabelle 2, Erdbebenzone 1)
S = 1,25 (DIN 4149, Tabelle 4, Untergrundkombination B-R)
gI = 1,0 (DIN 4149, Tabelle 3, Wohngebude)
Ag = 68,6 m± (Geschossgrundrissflche)
lax = 1,240 m (mittlere Wandlnge in x-Richtung)
lay = 11,23 m (mittlere Wandlnge in y-Richtung)
Erforderliche Schubwandflchen
Querrichtung Lngsrichtung
Beiwert kx Beiwert ky
kx ¼ 1 ky ¼ 1 þ ðlay  2Þ=4 ¼ 3,31  2
(Anteil Schubwnde > 2 m: 29 % < 70 %) (Anteil Schubwnde > 2 m: 100 % > 70 %)
Linke Spalte in Tabelle 15 der Norm Linke Spalte in Tabelle 15 der Norm
ag  S  g I ¼ 0,5  0,06  9,81  kx ¼ 0,59 ag  S  g I ¼ 0; 5  0,06  9,81  ky ¼ 1,18
Erforderliche Schubwandflche Asx Erforderliche Schubwandflche Asy
erf. ASx = 2 % · 68,6 m2 = 1,37 m2 erf. ASy = 2 % · 68,6 m2 = 1,37 m2
Vorhandene Schubwandflchen
Querrichtung Lngsrichtung
AS1 = 0,175 · 0,74 = 0,13 m2 AS3 = 0,175 · 11,32 = 1,98 m2
AS2 = 0,175 · 0,99 = 0,17 m2 AS7 = 0,175 · 11,14 = 1,95 m2
AS4 = 0,175 · 0,99 = 0,17 m2
AS5 = 0,175 · 0,99 = 0,17 m2 vorh. Asy = 3,93 m2 > erf. Asy = 1,37 m2
AS6 = 0,175 · 0,97 = 0,17 m2
AS8 = 0,175 · 2,00 = 0,35 m2
AS9 = 0,175 · 2,00 = 0,35 m2
vorh. Asx = 1,51 m2 > erf. Asx = 1,37 m2
(8) Je Gebuderichtung mindestens zwei Wnde mit l ‡ 1,99 m ja
I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten 149

ausgebildet und die Masse der Dachkonstruktion be- und weniger auf den Bauteilnachweisen nach einschl-
trgt weniger als 50 % des darunter liegenden Geschos- gigen und hinreichend bekannten Mauerwerksnormen.
ses. Damit verfgt das Haus nach DIN 4149 ber zwei
anrechenbare Vollgeschosse.
5.1 Ersatzkraftverfahren
Voraussetzung fr die Anwendung der vereinfachten
konstruktiven Regeln ist nach Absatz 11.6 (1) der DIN Das Ersatzkraftverfahren wird fr ein Mehrfamilien-
4149 die Einhaltung der in den Abschnitten 11.1 bis haus mit dem in Bild 8 dargestellten Grundriss durch-
11.3 festgelegten allgemeinen Anforderungen fr Mau- gefhrt. Der Keller ist als steifer Kasten ausgebildet,
erwerksbauten. dem sich drei Vollgeschosse mit starren Geschoss-
Tabelle 2 zeigt, dass die Anforderungen der Abschnitte decken anschließen. Da die Masse der Dachkonstrukti-
11.1 bis 11.3 der DIN 4149 erfllt sind, sodass der ver- on weniger als 50 % des darunter liegenden Voll-
einfachte Nachweis nach Abschnitt 11.6 erfolgen darf. geschosses betrgt, wird die Masse des Dachgeschosses
Der Nachweis der Einhaltung der konstruktiven Regeln dem darunter liegenden Vollgeschoss aufgeschlagen.
ist in Tabelle 3 zusammengestellt. Es zeigt sich, dass Die Mauerwerksinnenwnde werden aus Kalksandstei-
die Konstruktionsregeln eingehalten werden und auf nen (240 mm, Steindruckfestigkeitsklasse 20) und die
einen rechnerischen Nachweis verzichtet werden kann. Außenwnde aus Hochlochziegeln (365 mm, Stein-
Der Nachweis gelingt jedoch nur in Erdbebenzone 1. druckfestigkeitsklasse 6) in Kombination mit Dnnbett-
Fr die Erdbebenzone 2 kann der vereinfachte Nach- mçrtel ausgefhrt. Der Standsicherheitsnachweis wird
weis in Querrichtung nicht mehr gefhrt werden, da in nach DIN 4149 fr die Erdbebenzone 2 mit der Unter-
diesem Fall die erforderliche Gesamtschubwandflche grundkombination C-S gefhrt.
nicht mehr ausreichend ist.
5.2 Ersatzsystem fr die Ermittlung der
Beanspruchungsgrçßen
5 Nachweis mit linearen Verfahren
Als Ersatzsystem fr das dreidimensionale Gebude
Anhand von zwei Beispielen werden im Folgenden das kann aufgrund der Gebuderegelmßigkeit ein einfacher
Ersatzkraftverfahren und das multimodale Antwortspek- Dreimassenschwinger gewhlt werden (Bild 9). Die in
trenverfahren erlutert. Das Augenmerk liegt dabei mehr Tabelle 4 zusammengestellten Einzelmassen des
auf der Methodik bis hin zur Schnittgrçßenermittlung Schwingers mi ergeben sich aus dem Eigengewicht und

Bild 8. Grundriss des Mehrfamilienhauses


150 C Bemessung

Tabelle 4. Zusammenstellung der Stockwerksmassen

A gk qk1 y2,1 qk2 y2,2 Mw j MSt


[m±] [kN/m±] [kN/m±] [–] [kN/m±] [–] [t] [–] [t]
Decke 1 195,88 6,00 2,70 0,30 0,00 0,00 62,51 0,50 190,40
Decke 2 195,88 6,00 2,70 0,30 0,00 0,00 62,51 0,50 190,40
Decke 3 195,88 7,20 2,70 0,30 0,45 0,50 31,26 1,00 195,68

y-Richtung: Fb,y = Sd(T1) · M · l = 0,75 · 576,48 · 0,85


= 367,51 kN
Die Verteilung der Gesamterdbebenkrfte erfolgt ver-
einfachend hçhen- und massenproportional auf die ein-
zelnen Stockwerksebenen (Tabelle 5).

5.2.2 Verteilung der Erdbebenersatzkrfte auf die


Wandscheiben
Die Summe der Erdbebenlasten je Geschoss wird ent-
sprechend der jeweiligen Wandsteifigkeiten auf die
Bild 9. 3-D-Gebudeansicht und dynamisches Ersatzsystem
Einzelwnde verteilt. Dafr sind die Verteilungszahlen
six fr die Bebenkomponente in x-Richtung und siy fr
die Bebenkomponente in y-Richtung zu ermitteln [27].
den vernderlichen Masseanteilen infolge von Verkehrs-
Bei der Berechnung der Verteilungszahlen sind die Tor-
lasten auf den Stockwerksebenen. Die Steifigkeiten des
Ersatzstabes sind die Geschosssteifigkeiten ki,x,y, die sich
aus der Summe der Wandsteifigkeiten in eine Richtung
berechnen. Die Ermittlung der Erdbebenersatzkrfte und
der daraus resultierenden Wandbeanspruchungen erfolgt
getrennt fr die x- und y-Richtung. Bei der Berechnung
der Steifigkeiten sollten die Schubverformungen berck-
sichtigt werden [27]. Eine Kombination der Beanspru-
chungsgrçßen ist nach DIN 4149, Abschnitt 6.2.4.1 (5)
fr mit Wnden ausgesteifte Systeme nicht erforderlich.
An dieser Stelle sei aber darauf hingewiesen, dass diese
Sonderregelung mit Einfhrung der DIN EN 1998
(EC 8) entfllt, und zuknftig eine berlagerung der
Erdbebenrichtungen erfolgen muss.

5.2.1 Ermittlung der Erdbebenersatzkrfte


Bild 10. Bemessungsspektrum, Erdbebenzone 2, UK C-S, q = 1,5
Mit den mittels einer Modalanalyse berechneten Eigen-
perioden von 0,19 s in x-Richtung und 0,13 s in y-Rich- Tabelle 5. Stockwerkskrfte aus hçhen- und massen-
tung werden die Ersatzkrfte ermittelt. Mit den Peri- proportionaler Verteilung
oden werden die zugehçrigen Spektralbeschleunigun-
gen nach DIN 4149 aus dem Antwortspektrum be- Kraftverteilung Stockwerkskrfte
stimmt. Dabei wird ein Verhaltensbeiwert von q = 1,5 x-Richtung y-Richtung
fr unbewehrtes Mauerwerk nach DIN 4149, Tabelle 17
angesetzt. Bild 10 zeigt, dass sich fr beide Richtungen F3 186,3 kN 186,3 kN
eine Spektralbeschleunigung von 0,75 m/s± ergibt.
Aus der Gesamtmasse des Tragwerks und den Spektral-
beschleunigungen werden die Gesamterdbebenkrfte F2 120,8 kN 120,8 kN
berechnet. Die Gesamterdbebenkrfte kçnnen noch
mit dem Korrekturfaktor l abgemindert werden, da F1 60,4 kN 60,4 kN
nicht die gesamte Masse dynamisch mitwirkt:
x-Richtung: Fb,x = Sd(T1) · M · l = 0,75 · 576,48 · 0,85 Fb 367,5 kN 367,5 kN
= 367,51 kN
I Erdbebenbemessung bei Mauerwerksbauten 151

sionswirkungen infolge der tatschlichen Exzentrizitt Tabelle 6. Anzusetzende Exzentrizitten nach DIN 4149
eo, der zustzlichen Exzentrizitt e2 und der zuflligen
Exzentrizitt e1 nach DIN 4149, Abschnitt 6.2.2.4.2 zu Tatschliche Zufllige Zustzliche emin emax
bercksichtigen. Aus diesen ergeben sich die anzuset- (e0) (e1) (e2)
zenden Exzentrizitten emin und emax, die getrennt fr [m] [m] [m] [m] [m]
beide Untersuchungsrichtungen zu bestimmen sind.
Fr den hier betrachteten Grundriss wurden die in Ta- x 0,011 0,712 0,060 – 0,706 0,783
belle 6 angegebenen Exzentrizitten berechnet und bei y 2,193 0,712 2,846 0,385 5,750
der Ermittlung der Verteilungszahlen angesetzt.

5.2.3 Standsicherheitsnachweise nach DIN 1053-100


Zur Durchfhrung der Standsicherheitsnachweise nach
DIN 1055-100 [15] sind die horizontalen Erdbebenlas-
ten infolge Erdbeben mit den Vertikallasten infolge Ei-
gengewicht zuzglich 30 % der Verkehrslasten zu ber-
lagern. Die Berechnung der Wandnormalkrfte erfolgte
hierbei mit dem Programm MINEA [30] ber Lastein-
zugsflchen (Bild 11).
Mit den Beanspruchungen werden die Nachweise im
Grenzzustand der Tragfhigkeit fr zentrische und ex-
zentrische Druckbeanspruchung sowie fr den Schub Bild 11. Last-
am Wandfuß nach DIN 1053-100 gefhrt. Die Ergeb-