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Berechnung der Boden-Bauwerksinteraktion mithilfe des Steifemodulverfahrens

1 GRUNDLAGEN

1.1 Bettungsmodulverfahren

Das Bettungsmodulverfahren ist ein gängiges Näherungsverfahren um die


Auflagerbedingungen für statische Berechnungen abzuschätzen. Die Kraftübertragung in
den Boden wird dabei über entkoppelte, linear elastische Federn idealisiert, die die
Steifigkeit des Bettungsmoduls aufweisen.
Der vertikale Bettungsmodul errechnet sich aus dem Verhältnis der Auflagerspannungen
σ zu den Verformungen v: ks,v = σ / v. Der horizontale Bettungsmodul kann man mit:
ks,h = ks,v / 3 bis ks,v / 2 abgeschätzt werden

1.1.1 Ermittlung des Bettungsmoduls

Der Bettungsmodul kann beispielsweise sehr einfach über die Setzungsberechnung nach
Steinbrenner ermittelt werden. Das Ergebnis dieser Berechnung ist nur eine grobe
Näherung, und ist in vielen Fällen zu hinterfragen.
1.1.2 Anmerkungen Bettungsmodulverfahren

+ Federn sind linear elastisch  Superpositionsprinzip gültig


+ Wenig Rechenaufwand
- Grobes Näherungsverfahren
- Die tatsächliche Verteilung des Bettungsmoduls kann schwer abgeschätzt
werden

1.2 Steifemodulverfahren

Das Steifemodulverfahren (Halbraumverfahren) ist ein numerisches, iteratives


Berechnungsverfahren mit dem die Boden-Bauwerksinteraktionen berücksichtigt werden
können. Aufgrund seiner Komplexität ist es in der Praxis nur mittels EDV-Berechnungen
anwendbar. Die Berechnungsergebnisse (Spannungsverteilung) müssen die folgenden
Bedingungen erfüllen, um die Boden-Bauwerksinteraktion richtig darzustellen:
 Die Gleichgewichtsbedingungen müssen erfüllt werden
 Sie müssen (von oben nach unten wirkend) im Boden eine Setzungsmulde
erzeugen, die (von unten nach oben wirkend) der Biegeform des Bauwerks
entspricht

Die Berechnungsergebnisse sind von folgenden Parametern abhängig:


 Bodensteifigkeiten / Bauwerkssteifigkeiten
 Größe und Ort der Lasten / Größe der Lastfläche (generell: Lastbild)
 Geometrie des Bauwerks (Form und Abmessungen)
 Eventuell Zeit (Konsolidierung)
 Sonstiges (Änderung Grundwasserspiegel, Eigensetzungen)

Da die Ergebnisse sehr stark vom Lastbild abhängig sind, ist das Superpositionsprinzip
nicht mehr gültig!

1.2.1 Anmerkungen Steifemodulverfahren

+ Boden-Bauwerksinteraktion wird exakt berechnet


+ Es treten keine Sohldruckspitzen bzw. Sohlzugspannungen auf
- Großer Rechenaufwand (3D-Systeme, iterativ)
- Das Superpositionsprinzip ist nicht gültig
1.3 Vorschlag für die Anwendung

Falls die Notwendigkeit besteht eine Analyse der Boden-Bauwerksinteraktion


durchzuführen, werden für die Anwendung die folgenden Berechnungsschritte empfohlen:

1. Ermittlung der Grenztiefe (20% - Kriterium)


2. Berechnung der Sohlspannungen und Verformungen mit dem
Steifemodulverfahren (repräsentative Lastgruppe, vereinfachte Erfassung der
Bauwerksstruktur)
3. Ermittlung der Bettungsmodule aus den Setzungen und Sohlspannungen des
Steifemodulverfahrens: ks = σ / v
4. Berechnung nach Bettungsmodulverfahren mit den aus Schritt 3 ermittelten
Bettungsmodulen

Werden diese Berechnungsschritte durchgeführt, entsprechen die Ergebnisse aus dem


Bettungsmodulverfahren denen des Steifemodulverfahrens.

2 STEIFEMODULVERFAHREN MIT INFOCAD

2.1 Aufgabenstellung

Aufgabe war es die vom geotechnischen Sachverständigen empfohlenen Ansätze des


Bettungsmoduls für verschiedene Tunnelbauwerke zu hinterfragen.

Geometrie: Einzelliger Tunnelquerschnitt


Vorgeschlagener Bettungsverlauf:

Für eine genaue Berechnung ist es zweckmäßig das Elementraster der 3D-Berechnung
analog zum Raster der Stabwerksberechnung festzulegen.

2.2 Ermittlung der Grenztiefe

Die Grenztiefe wird mittels Excel-Sheet berechnet (siehe Kapitel 1.1.1).


Berechnung der Auflast:
Eigenlast: 25 * (8,57 * 9,12 – 7,17 * 7,52) = 606 kN/m
Last aus Gleisaufbau: 25 * 0,6 * 7 = 105 kN/m
Erdauflast: (247,5 + 224,4) / 2 * 8,57 = 2022,1 kN/m
LM 71: (zu 50%) 250 * 1,21 / 1,6 * 0,5 = 94,5 kN/m
Summe: 2827,6 kN/m

 Grenztiefe ergibt sich zu 13 m (siehe Excel-Berechnung)


2.3 Eingabe der Bodenschichten

Auszug Infocad-Dokumentation:
2.4 Eingabe der Lastfälle und Lastgruppen und Berechnung

Die ständig wirkenden (charakteristischen) Lasten werden in Lastgruppen eingegeben.


Alle gebetteten Bauteile müssen einen Bettungsmodul erhalten (frei wählbarer Startwert)!

2.5 Ergebnisse und Auswertung

Um aus den Berechnungsergebnissen die Bettungsmodule abzuleiten werden die


mittleren Bodenpressungen und Verschiebungen jedes Elements benötigt.
Bodenpressungen:

Verschiebungen:
Lastgruppe 1 laut geotechnischem Bericht
20 MN/m³

15 MN/m³

10 MN/m³

5 MN/m³

0 MN/m³
0m 1m 2m 3m 4m 5m 6m 7m

Der Bettungsverlauf aus dem Steifemodulverfahren bestätigt die Angaben des geotechnischen Sachverständigen. Für die weiteren Berehcnungen
kann der angenäherte Bettungsverlauf verwendet werden.