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Novalis

deutscher Schriftsteller und Dichter


(1772 - 1801)

Novalis - sein bürgerlicher Name war Georg Philipp Friedrich Freiherr von
Hardenberg - wurde am 2. Mai 1772 auf dem Familiengut Oberwiederstedt (heute
Wiederstedt) nahe Hettstedt als Sohn eines Salinendirektors geboren. Friedrich von
Hardenberg war das zweite von elf Kindern der Familie.
Novalis war ein bedeutender Dichter der Romantik des ausgehenden 18.
Jahrhunderts.
Novalis entwickelte zentrale Vorstellungen von einer romantischen
Universalpoesie. Universalpoesie ist ein literaturtheoretischer Begriff aus der
Frühromantik, der durch das Übertragen philosophischer Gedanken auf den
Umgang mit Literatur entstanden ist. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts vor
allem von Friedrich Schlegel geprägt, der die Theorie der progressiven
Universalpoesie zusammen mit Novalis entwickelte.
Novalis begeisterte sich schon früh für alles Schöngeistige, insbesondere die
Dichtung, wovon seine vielen Jugendgedichte (Jugendwerk 1788-1791) ein
lebendiges Zeugnis ablegen.
Hardenberg wurde von Horaz, Wieland und Klopstock beeinflusst, welche
ihm den holden Dichtersamen ins Herz gestreut haben.
Schon zu Jugendzeiten brachen Dichtungen heraus, versuchte sich Novalis
in gängiger Form an Umdichtungen und Übersetzungen. Eine geahnte
Schaffenslust und Schaffenskraft, die tatsächlich durch den Tod seiner jungen
Geliebten dann erst einen eigenen Ton, eine eigene Kraft, eine eigene
'Schwärmerei' entfaltet.
1790 begann der von Gottfried August Bürger beeinflußte Novalis in Jena
das Studium der Jurisprudenz. Im Oktober 1790 lernte er in Jena Friedrich Schiller
als seinen Lehrer verehrend kennen. Dort machte er auch die Bekanntschaft des ihn
nachhaltig prägenden Friedrich Schiller, dessen Geschichtsvorlesung er hörte und
dessen Rat er folgte, einem »ernsten« Beruf den Vorrang vor der Dichtung zu
geben.
Hardenberg war Salinenassesor und angehender -direktor im salzreichen
Thüringen in der Stadt Weißenfels in Kursachsen, wo er die kursächsischen
Salinen beaufsichtigte. Aber immer öfter trifft man den feinfühligen Dichter in
Jena an, wo er an seinen »Hymnen an die Nacht« arbeitet. Abende lang hat er mit
Hölderlin und Fichte über Religion und Poesie gesprochen, und darüber, dass die
Philosophie noch nicht am Ende ist.
Novalis hatte viele Talente: er war Jurist, Bergwerksdirektor und Philosoph.
Bekannt wurde er als ein bedeutender Dichter der Frühromantik.
In den Werken von Novalis spiegelt sich die romantische Sehnsucht nach
dem Ursprünglichen, dem Phantastischen, dem Ahnungsvollen, nach der Kindheit,
nach der Philosophie und Religion wieder. "Des Dichters Reich sey die Welt in
den Focus seiner Zeit gedrängt."
Nach dem Besuch des Luthergymnasiums in Eisleben bezog Friedrich von
Hardenberg als Student der Jurisprudenz 1790 die Universität Jena, wo er die
Bekanntschaft Friedrich Schillers machte und zu den Studenten gehörte, die ihn
während einer schweren Erkrankung im Jahre 1791 pflegten.
Im Herbst übersiedelte er nach Leipzig, wo er an der Universität neben Jura
auch Philosophie und Mathematik belegte. In Leipzig machte er auch die
Bekanntschaft Friedrich Schlegels.
Dieser schon mit 28 Jahren verstorbene Genius des wahren Mitteleuropas
war der Prophet eines magischen Idealismus. Novalis wurde aber auch der
Verkünder eines allertiefsten Christentums – eines von jeglicher konfessionellen
Gebundenheit freien Geist-Christentums. Magischer Idealismus ist zugleich tiefste
Religion – Menschheits-Liebe, Erden-Verwandlung, Gottes-Erkenntnis.
Novalis war angetrieben von einem unerschütterlichen Glauben an die
eigene Mission, der Romantisierung der Welt.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören der Roman »Heinrich von
Ofterdingen«, »Hymnen an die Nacht« und seine Fragmente »Blüthenstaub« und
»Die Lehrlinge zu Sais«.
In dem Roman »Heinrich von Ofterdingen« schickt er seinen Helden auf
eine lange Reise in exotische Länder immer auf der Suche nach der
geheimnisvollen blauen Blume. Die "blaue Blume" symbolisiert die romantische
Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem Phantastischen, dem Ahnungsvollen,
nach der Kindheit, nach der Philosophie und Religion usw.
Für die Veröffentlichung der Fragmentsammlung »Blüthenstaub« im
Athenäum wählte er erstmal das Pseudonym »Novalis«. Novalis war ein
Pseudonym, das nicht in erster Linie einen Gegensatz in der Persönlichkeit betont,
sondern zunächst sicherlich auch und vor allem als Schutz gedacht war, dem
'ehrbaren Beamten von Hardenberg' nicht den nötigen Respekt zu verweigern,
denn diese 'zivile' Existenz war keine Last, sondern durchaus auch Lust für von
Hardenberg.
Als er zu Ostern 1798 seine Fragmentensammlung »Blüthenstaub« für die
Zeitschrift »Athenaeum« herausgab, stellte er sich unter dem Pseudonym Novalis,
der Neuland Bestellende, vor. Fragmente waren Novalis stets wichtiger als fertige
Kunstprodukte, das Werden interessierte ihn mehr als das Sein. Den den
bekanntesten Fragmentsammlungen gehören »Blüthenstaub«, »Heinrich von
Ofterdingen« und »Die Lehrlinge zu Sais«.
1799 schrieb Novalis seinen »Heinrich von Ofterdingen«, sein romantischen
Gegenentwurf zu Goethes »Wilhelm Meister« und erschuf mit der »Blauen
Blume«, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der
wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Der erste Teil hat ihm viel
Bewunderung eingebracht, handelt es sich doch um ein enzyklopädisches Werk,
das eine ganze Bibliothek ausfüllen soll. Ricarda Huch wird dazu viel später
bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu
wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.«
1799 träumte Novalis in seinem Essay »Die Christenheit oder Europa« die
Aussöhnung und Vereinigung der europäischen Nationen herbei.
Seit August des Jahres 1800 erkrankte Novalis an Schwindsucht. Novalis
starb am 25. März 1801 in Weißenfels.
Novalis' nachgelassene Schriften wurden erst nach seinem Tode
veröffentlicht. Sie erschienen erstmals 1802 und wurden von Friedrich Schlegel
und Ludwig Tieck herausgegeben.

Ludwig Uhland

1787 26. April: Ludwig Uhland wird in Tübingen als Sohn des Universitätssekretärs Johann Friedrich
Uhland und seiner Frau, der Pfarrerstochter Elisabeth, geb. Hofer, geboren.
1793 Besuch der Tübinger Lateinschule.
1799 Erste lyrische Versuche.
1801 Uhland schreibt sich als Jurist an der Tübinger Universität ein, muß aber wegen seiner Jugend
zunächst Kurse an der Artistenfakultät besuchen (bis 1805), wo er von Karl Philipp Conz Impulse
empfing.
1805 Jurastudium und Studium der Philologie (bis 1810).
Uhland verkehrt in einem Kreis von Studenten, der sich mit Poesie befaßt, darunter Julius Kerner
und Karl Mayer. Mit Kerner verbindet ihn eine lebenslange Freundschaft.
1807 In Leo von Seckendorfs »Musenalmanach« erscheinen erste Gedichte von Uhland.
Januar-März: Die Tübinger Romantiker geben ein handschriftliches »Sonntagsblatt für gebildete
Stände« heraus, in dem weitere Gedichte von Uhland erscheinen.
1808 Uhland legt das rechtswissenschaftliche Examen ab.
»Klein-Roland« (Ballade).
1810 April: Uhland promoviert in Tübingen zum Doktor der Rechtswissenschaft.
Anschließend absolviert er einen neunmonatigen Studienaufenthalt in Paris, wo er sich mit
altfranzösischen und mittelhochdeutschen Handschriften beschäftigt und altfranzösische Lieder
nachdichtet.
In Paris begegnet er Varnhagen van Ense, Adelbert von Chamisso, David Ferdinand Koreff und
Immanuel Bekker.
1811 Rückkehr nach Tübingen.
Bekanntschaft mit Gustav Schwab.
Tätigkeit als Rechtsanwalt.
1812 Uhland erhält eine Stelle als unbesoldeter Beamter im Justizministerium und siedelt nach Stuttgart
über (bis 1829).
Uhlands erste Abhandlung »Über das altfranzösische Epos« erscheint in der von Friedrich de la
Motte Fouqué herausgegebenen Zeitschrift »Musen«. Damit wird er zum Mitbegründer der
Romanistik in Deutschland.
Beteiligung an dem von den schwäbischen Romantikern herausgegebenen »Poetischen Almanach
auf das Jahr 1812«.
1813 Gemeinsam mit Justinus Kerner und Friedrich de la Motte Fouqué veröffentlicht Uhland den
Almanach »Deutscher Dichterwald«.
1814 Nachdem Uhlands Bitte um eine bezahlte Anstellung abgeschlagen wird, scheidet er aus dem
Staatsdienst aus.
Unbefriedigende Arbeit als Advokat.
1815 Die erste Sammlung seiner »Gedichte« erscheint bei Johann Friedrich Cotta in Stuttgart
(substanziell vermehrte Auflagen 1820, 1831, 1834, 1835). Bis zu seinem Tod erlebt der Band
mehr als 50 Auflagen.
Mit oppositionellen Gedanken greift Uhland in den Kampf um die Württembergische Verfassung
ein.
1817 »Vaterländische Gesänge« (Gedichte).
»Keine Adelskammer« (Flugschrift).
Ständigen Verfolgungen ausgesetzt, verstummt Uhland für längere Zeit als politischer Dichter.
1818 »Ernst, Herzog von Schwaben« (Trauerspiel).
1819 Uhland wird als Vertreter Tübingens in die verfassunggebende württembergische
Ständeversammlung gewählt und gehört dem Landtag an (bis 1826).
»Ludwig der Baier« (Trauerspiel).
1820 Eheschließung mit Emilie Vischer, der Stieftochter eines reichen Stuttgarter Hofrats. Die Ehe bleibt
kinderlos.
1822 Uhlands wissenschaftlich bedeutsame Monographie »Walther von der Vogelweide, ein deutscher
Dichter« erscheint.
1823 Persönliche Begegnung mit Joseph von Laßberg, mit dem er bereits im Briefkontakt steht.
1826 Zusammen mit Schwab gibt Uhland eine erste Gesamtausgabe von Friedrich Hölderlins Gedichten
heraus.
Er scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Landtag aus.
1829 Nach mehrjährigen erfolglosen Bemühungen um ein akademisches Amt erhält Uhland eine
Professur für deutsche Sprache und Literatur in Tübingen.
Übersiedlung nach Tübingen.
1830 An der Universität hält Uhland Vorlesungen zur Geschichte der deutschen Poesie im Mittelalter,
zum Nibelungenlied, zur Geschichte der deutschen Poesie im 15. und 16. Jahrhundert sowie zur
Sagengeschichte der germanischen und romanischen Völker (bis 1832).
1832 Ermutigt durch die allgemeine Politisierung im Gefolge der französischen Julirevolution läßt sich
Uhland erneut als Abgeordneter in den Landtag wählen (bis 1838).
1833 »Aufruf für die Preßfreiheit«.
Der für die Ausübung des Landtagsmandats notwendige Urlaub wird Uhland vom König versagt.
Daraufhin gibt er sein akademisches Amt auf.
Zusammen mit Paul Pfizer steht er an der Spitze der Opposition im Landtag.
1836 Der erste Band seiner Sagenforschungen »Der Mythus von Thôr nach nordischen Quellen«
erscheint, weitere sagenkundliche Arbeiten finden sich im Nachlaß.
1838 Die Regierung löst den Landtag auf und wählt ihn wieder neu. Nach sechsjähriger
Oppositionsarbeit gibt Uhland sein Mandat auf.
Studienreise nach Wien.
1842 Studienreise nach Norddeutschland und Dänemark.
1844 Studienreise nach Belgien.
Die erste kommentierte volkskundliche Sammlung »Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder«
erscheint (zweiter Band 1845).
1845 Die philosophische Fakultät der Universität Tübingen verleiht Uhland die Ehrendoktorwürde.
1846 Teilnahme an der ersten Germanistenversammlung in der Frankfurter Paulskirche, die unter der
Leitung von Jacob Grimm stattfindet.
1847 Teilnahme an der zweiten Germanistenversammlung in Lübeck.
1848 März: Uhland verfaßt ein Sieben-Punkte-Programm »Adresse an den ständigen Ausschuß in
Stuttgart«.
Uhland wird als Vertreter Tübingens in die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main
gewählt. Er gehört dem links-liberalen Flügel an.
Wahl in den Siebzehner-Ausschuß, der in der Frankfurter Paulskirche die Revision der
Bundesverfassung beraten soll.
»Neun Reden für den Anschluß Österreichs an Deutschland«.
Der Senat der Universität Tübingen beantragt die Wiederanstellung Uhlands, der jedoch ablehnt.
Die Wiener Akademie der Wissenschaften ernennt Uhland zum korrespondierenden Mitglied.
1849 Er folgt dem Rumpfparlament nach Stuttgart, das durch das Militär aufgelöst wird.
1850 Als Mitglied des württembergischen Staatsgerichtshofes ist Uhland am Urteil über die Handlungen
des Ministers von Wächter beteiligt. Damit endet seine politische Tätigkeit.
In den folgenden Jahren lebt er zurückgezogen und widmet sich seinen wissenschaftlichen
Arbeiten, ins besondere volkskundlichen Studien, von denen ein Großteil jedoch Fragment bleibt
und erst postum veröffentlicht wird.
1862 13. November: Ludwig Uhland stirbt in Tübingen. In ganz Deutschland finden Gedenkfeiern statt.
Wilhelm Hauff (1802 - 1827)

Wilhelm Hauff war ein deutscher Schriftsteller der Romantik der trotz seiner nur
kurzen literarischen Schaffensperiode als ein Hauptvertreter der Schwäbischen
Dichterschule gilt.
Geboren wurde Wilhelm Hauff am 29. November 1802 in Stuttgart, das damals
zum Herzogtum Württemberg gehörte. Sein Vater, ein Regierungs-Sekretarius in
Stuttgart, starb bereits 1809. Daraufhin zog Hauffs Mutter mit Wilhelm und seinen drei
Geschwistern zu ihrem Vater nach Tübingen. Dort besuchte Hauff von 1809 bis 1816
die damalige Tübinger Lateinschule Schola Anatolica. Nach dem bestandenen
Landexamen wurde er ab 1817 in der Klosterschule in Blaubeuren unterrichtet.
Von 1820 bis 1824 studierte Hauff als Stipendiat des Evangelischen Stifts
Tübingen an der Universität Tübingen Theologie und wurde zum Dr. phil. promoviert.
Als Student war Wilhelm Hauff Mitglied der Tübinger Burschenschaft Germania
und schrieb Texte für Studentenliedern von denen einige im Kommersbuch abgedruckt
wurden.
In den Jahren 1824 bis 1826 arbeitete Hauff eine Zeit lang in Stuttgart bei Ernst
Eugen Freiherr von Hügel als Hauslehrer und reiste danach durch Frankreich und
Norddeutschland.
1825 wurde Hauff erstmals einem größeren Kreis bekannt durch seine Satire
"Der Mann im Mond". In diesem Werk imitierte er den Stil des Trivialautors Heinrich
Clauren und dessen Erzählung "Mimili" und gab so beide der Lächerlichkeit preis. Erst
zwei Jahre später deckte er den Sachverhalt in der "Controvers-Predigt über H. Clauren
und den Mann im Mond" auf.
In den Jahren 1825 bis 1827 veröffentlichte Hauff drei Bände mit Märchen und
Sagen unter dem Projekttitel "Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 für Söhne und
Töchter gebildeter Stände" - respektive 1827 und 1828. Die Erzählungen des ersten
Band spielen allesamt im orientalischen Raum, eingebettet in die Rahmenerzählung
"Die Karawane" finden sich so bekannte Märchen wie "Kalif Storch" und "Der kleine
Muck".
Der zweite Band. um den Scheich von Allessandria und seine Sklaven steht mehr
in der europäischen Märchentradition und enthält das Märchen "Zwerg Nase".
Im dritten Band griff Hauff vorwiegend Sagenstoffe als Grundlage auf, darunter
die Schwarzwaldsage "Das kalte Herz".
Neben seinen Märchen wurde der 1826 veröffentlichte historischer Roman
"Lichtenstein" sein bekanntestes Werk.
Im Januar 1827 wurde Hauff Redakteur des Cottaschen Morgenblattes für
gebildete Stände.
Im gleichen Jahr heiratete Hauff seine Cousine Luise Hauff. Nur eine Woche nach
der Geburt seiner Tochter starb Wilhelm Hauff am 18. November 1827 in Stuttgart, das
inzwischen zum Königreich Württemberg gehörte, infolge einer Typhus-Erkrankung.
Friedrich Rückert (1788-1866)
(Pseudonym Freimund Reimer)
Der fränkische Dichter Friedrich Rückert gehört zu den fast
vergessenen Klassikern, was aber nicht daran lag, dass er sein Leben hauptsächlich
in Franken verbrachte. Geboren 1788 in Schweinfurt, aufgewachsen dort und im
unterfränkischen Oberlauringen, Student in Würzburg, Privatgelehrter in Ebern
und in Coburg, wurde nach kurzen Zwischenstationen in Jena, Stuttgart, Italien
und Wien, Professor an der Universität in Erlangen, wo er den ersten deutschen
Lehrstuhl für Orientalistik begründete.
Sprachgenie und Lyriker
Acht Jahre lehrte er auch im ungeliebten Berlin, bis er sich 1848 auf
seinen Alterssitz nach Neuses bei Coburg zurückzog, wo er 18 Jahre später starb.
Rückert war ein Sprachengenie – 44 überwiegend orientalische Sprachen soll er
beherrscht haben. Und er war ein Lyriker, der ein immenses Werk von
Zehntausenden von Gedichten hinterlassen hat, die längst noch nicht alle
veröffentlicht sind.
Der Sprachgelehrte und Orientalist hat Unfassbares geleistet, indem
er etwa die persischen Dichter Hafis und Rumi, die ältesten arabischen Volkslieder
der Hamasa, das riesige Lehrgedicht "Die Weisheit des Brahmanen" in sechs
Bänden, die Heldengeschichte von Rostem und Suhrab in zwölf Bänden, den
Koran und vieles, vieles mehr übersetzte.
Und auch für den Dichter Friedrich Rückert bricht die große
Orientalistin Annemarie Schimmel eine Lanze. Allein Rückerts Gedichtband
"Östliche Rosen" oder seine über 400 Kindertotenlieder, in denen er die Trauer
über den Tod seiner in Erlangen an Scharlach gestorbenen kleinen Kinder Luise
und Ernst verarbeitet, müssten reichen, um dem fränkischen Dichter einen ewigen
Platz in der Weltpoesie zu sichern.
Wie Annemarie Schimmel auf gerade mal 160 Seiten den poetischen
Kosmos von Friedrich Rückert durchdringt und sein Leben beschreibt, ist wissend,
gelehrt, einfühlsam, leicht zu lesen und immer treffend. Ein bis heute
unübertroffener Klassiker über den Klassiker, der Lust macht Rückerts eigene und
übersetzte Verse zu lesen und ihn als großen Völkerverständiger neu zu begreifen.
Und auch für den Dichter Friedrich Rückert bricht die große Orientalistin
Annemarie Schimmel eine Lanze. Allein Rückerts Gedichtband "Östliche Rosen"
oder seine über 400 Kindertotenlieder, in denen er die Trauer über den Tod seiner
in Erlangen an Scharlach gestorbenen kleinen Kinder Luise und Ernst verarbeitet,
müssten reichen, um dem fränkischen Dichter einen ewigen Platz in der
Weltpoesie zu sichern.
Annette von Droste-Hülshoff

Geboren wurde Annette von Droste-Hülshoff am 12. Januar 1797


auf dem Wasserschloss Hülshoff zwischen den Orten Havixbeck und Roxel bei
Münster. Wohlbehütet erzogen in der Abgeschlossenheit der westfälischen
Adelswelt, begann sie früh zu schreiben, zunächst noch ganz im Sinne
biedermeierlicher Familienkultur. Nur selten hatte Droste Gelegenheit, den engen
Grenzen des Elternhauses zu entfliehen. Einige Male besuchte sie Bökendorf im
Paderborner Land, wo die Familie ihrer Mutter ihren Wohnsitz hatte. 1820 war der
Bökerhof Schauplatz ihrer Beziehung zu dem Göttinger Jurastudenten Heinrich
Straube. Das durch eine Intrige herbeigeführte Scheitern der Verbindung wurde für
die 23-Jährige zu einem mit vielerlei Demütigung verbundenen traumatischen
Erlebnis.
In dieser Zeit hatte sie begonnen, einen Zyklus von geistlichen
Liedern auf die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres zu verfassen. Vor dem
Hintergrund der existentiellen Erschütterungen gerieten ihre Texte zum
persönlichen Bekenntnis, das die Spuren eines vielfach gepreßten und getheilten
Gemüthes trug. Erst zwanzig Jahre später konnte sie das Geistliche Jahr vollenden.
Nach dem Tod des Vaters 1826 zog Annette von Droste mit Mutter
und Schwester auf den Wohnsitz Haus Rüschhaus nahe Münster, eine Mischung
aus Bauernhaus und Herrensitz, erbaut von dem berühmten westfälischen
Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun. Für einige Zeit verlegte sie sich auf ihr
zweites Talent, die Musik. In den dreißiger Jahren erweiterte sie allmählich ihren
Gesichtskreis, insbesondere durch Reisen nach Köln und Bonn sowie in die
Schweiz. In literarischer Hinsicht beschäftigte sie sich mit der Abfassung von
Versepen, die einerseits formal wie inhaltlich dem Zeitgeschmack verpflichtet
waren, andererseits ein eigenes, originelles Erzählen dokumentieren, das die
üblichen Genregrenzen überschreitet. Mit dem Erscheinen der Gedichtausgabe von
1838, die weitgehend unbeachtet blieb, schließt sich die erste größere
Schaffensphase.
Auch ihre Novelle Die Judenbuche (1842) brachte Droste in der
literarischen Öffentlichkeit zunächst wenig Gehör. Mit der Geschichte des
Friedrich Mergel, der viele Jahre nach dem Mord an einem Juden am Ort der Tat in
einer Buche erhängt aufgefunden wird, war ihr ein „Sittengemälde” gelungen, das
mit fast naturalistischer Detailschärfe einen Ausschnitt westfälischer Lebenswelt
spiegelt. Doch Die Judenbuche ist mehr als eine Milieustudie; sie ist gleichzeitig
Kriminalgeschichte und Psychogramm, eine Erzählung, die durch Ambivalenz und
Mehrdeutigkeit letztlich die Wahrnehmung von Wirklichkeit grundsätzlich in
Frage stellt.
Eine Phase höchster poetischer Inspiration erlebte die Autorin im
Winter 1841/42, den sie zu Besuch bei ihrer Schwester Jenny von Laßberg auf der
Meersburg am Bodensee verbrachte. Angespornt durch ihren „Seelenfreund” Levin
Schücking, gelang es ihr, fast täglich ein neues Gedicht zu verfassen. Es entstand
damals der Grundstock ihrer zweiten Gedichtsammlung, die 1844 erschien und
viele ihrer bekannten Texte enthält, so Das Spiegelbild, Am Thurme oder die
heimatbezogenen Haidebilder mit ihrer Einsicht in die Doppelbödigkeit der Natur.
Schücking blieb auch später Anreger neuer literarischer Texte, doch gelang es
Droste aufgrund beständiger Krankheiten immer seltener, ihren Pegasus zu satteln.
Ihre literarische Stimme begann zu versiegen. Ein letztes Mal reiste sie im Herbst
1846 an den Bodensee. Hier starb sie am 24. Mai 1848.
Der heutige Ruhm Annette von Droste-Hülshoffs gründet sich insbesondere
auf Die Judenbuche sowie ihre Naturlyrik – Texte, mit denen sie weit über ihre Zeit
hinausweist. Ihr dichterisches Selbstverständnis hat die Autorin einmal so
formuliert: Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren
möcht ich gelesen werden. Dies hat sie zweifellos erreicht.

Adelbert von Chamisso


(1781 - 1838)

Den Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso bezeichnet Robert


Fischer in seiner Biografie als "frühen Bürger Europas", der "die Gegensätze
zweier Nationen erfahren und in seinem Leben zu vereinen" gesucht habe. "Seine
Hinwendung zur Natur und die Konsequenz, mit der er schließlich seine Neigung
zum Beruf machte, die Erfahrungen des Weltreisenden als Teilnehmer einer
russischen Entdeckungsexpedition; die liberalen Anschauungen des aus einem
alten Adelsgeschlecht stammenden Dichters, der sich bis in seine letzten Jahre
hinein einen Blick für soziale Missstände bewahrte und für alles Neue
aufgeschlossen blieb, rücken seinen Lebensweg, der vor mehr als 150 Jahren
endete, in ein verblüffend aktuelles Licht." 
Geboren wurde Adelbert von Chamisso am 30. Januar 1781 auf Schloss
Boncourt bei Ante, Châlons-en-Champagne, Frankreich, und ursprünglich auf den
Namen Louis Charles Adélaïde de Chamissot de Boncourt getauft. Chamisso war
eines von sieben Kindern des Grafen Louis Marie de Chamissot, einem verarmten
Adeligen.
1790 musste die Familie aus ihrem Stammschloss ausziehen und verließ
1792 auch Frankreich, auf der Flucht vor den Revolutionsheeren. Über die
Niederlande und Süddeutschland gelangten die Chamissos 1796 nach Berlin, wo
sie sich dauerhaft niederließen. Die beiden älteren Brüder arbeiten als Hauslehrer,
während Chamisso als Page bei Luise Friederike von Preußen das Französische
Gymnasium "Collège Français de Berlin" besuchte.
In den Jahren 1798 bis 1807 leistete Chamisso trotz seiner französischen
Wurzeln Militärdienst in der preußischen Armee, wo er 1801 den Dienstgrad eines
Leutnants erreichte. Eine Offizierslaufbahn strebte Chamisso jedoch nicht an. Ihn
interessierten vielmehr Literatur und schöngeistige Dinge. Bereits während seiner
Zeit beim Militär gab er ab 1804 den "Berliner Musenalmanach" mit den Freunden
des romantischen Dichterkreises "Nordsternbund" heraus.
Die Jahre 1810 bis 1813 verbrachte Chamisso in Frankreich und der
Schweiz und zuletzt wieder in Berlin. In der Schweiz wuchs sein Interesse an der
Naturwissenschaft, nachdem er sich bereits vorher zusammen mit Rosa Maria
Varnhagen von Ense, die er aus dem Nordsternbund kannte und mit der ihn eine
platonische Freundschaft verband, mit Botanik befasst hatte.
1815 nahm er als Naturwissenschaftler an einer dreijährigen
Weltumsegelung teil. Chamisso kartografierte große Teile der Küste von Alaska
und beschrieb auch die Flora Alaskas sowie die Lebensgewohnheiten der Eskimos
und Aleuten.
Im Jahr 1819 wurde Chamisso Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina
und nach dem Weggang Schlechtendals im Jahr 1833 Erster Kustos. 1835 wurde
Chamisso auch Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften.
1831 veröffentlichte Chamisso seinen ersten Lyrikband mit älteren
Gedichten. Neue Gedichte schrieb er im Alter nur noch selten. Eines der wenigen
neuen Gedichte war 1833 "Der rechte Barbier" und natürlich 1831 "Das
Riesenspielzeug" über die Burg Nideck im Elsass, das zu seinen bekanntesten
Gedichten gehört. Auch Chamissos bekanntestes Werk "Peter Schlemihls
wundersame Geschichte" entstand bereits 1813.
Am 21. August 1838 starb Adelbert von Chamisso in Berlin an
Lungenkrebs.

Friedrich Hebbel
Der deutsche Lyriker hat sich vor allen Dingen einen Namen als
Dramatiker gemacht. Mit der Tragödie "Judith" begründete Christian Friedrich
Hebbel diesen Ruf. Seine Dramen erzählen tragische Existenzerfahrungen durch
das Aufeinandertreffen der Geschlechter oder historischer Epochen und Kulturen.
Mit seinem Stück "Maria Magdalena" eröffnete Christian Friedrich Hebbel dem
bürgerlichen Trauerspiel eine neue Dimension. Bemerkenswert sind auch die
Tagebücher, Briefe und kritischen Schriften von Hebbel, die durch eine scharfe
Beobachtungsgabe und aphoristische Darstellung gekennzeichnet sind.
Christian Friedrich Hebbel wurde am 18. März 1813 in Wesselburen
in Norderdithmarschen, als Sohn eines Maurers geboren.
Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, eine höhere Schulbildung
und ein Studium blieben ihm verwehrt. Seine Bildung eignete sich Hebbel durch
beständiges Lesen autodidaktisch an, während er als Laufbursche und Schreiber
eines Kirchenspielvogts tätig war. Seine ersten Gedichte wurden in regionalen
Zeitungen veröffentlicht. 1835 ging er nach Hamburg, um sich auf ein Studium
vorzubereiten. Dort lernte er Elise Lensing, seine spätere Geliebte, kennen, mit der
er zwei Kinder hatte. Sie und die Schriftstellerin Amalia Schoppe ermöglichten
ihm den Aufenthalt in Hamburg.
In diese Zeit fiel auch der Anfang seiner Tagebücher, in denen er
über Kunst, Philosophie und eigene Werke reflektierte, zudem geben sie Auskunft
über sein Leben. Sie zählen zu den interessantesten Bemerkungen in der Literatur
des 19. Jahrhunderts. Ein Jurastudium in Heidelberg brach er 1836 ab. Er ging
nach München, da er sich dort bessere Chancen für seine Schriftstellerei
ausrechnete. In dieser Zeit studierte er die großen Tragödien von Aischylos,
William Shakespeare und Friedrich Schiller. Nach erfolglosem Aufenthalt kehrte
er 1839 wieder nach Hamburg zurück. Dort arbeitete er als Rezensent und
Mitarbeiter des "Telegraphen für Deutschland", einem Blatt, das von Karl
Gotzkow herausgegeben wurde.

Im Jahr 1840 beendete Hebbel die Arbeiten an der Tragödie "Judith", die seinen
Ruf als dramatischer Schriftsteller begründete. In seiner Streitschrift "Mein Wort
über das Drama" (1843) veröffentlichte er seine Anschauung von Kunst und
Drama. Im gleichen Jahr begab er sich auf die Reise nach Paris, die er durch ein
vom dänischen König bewilligtes Reisestipendium finanzierte. Dort lernte er
Heinrich Heine kennen und den Radikaldemokraten Arnold Ruge. Es folgten
weitere Reisen nach Rom und Neapel. 1848 beendete er eine Gedichtausgabe, die
er Ludwig Uhland widmete. In den lyrischen Werken spiegeln sich seine
philosophischen Gedanken wieder, ohne sie als abstrakte Gedankenlyrik in reiner
Form auszugestalten. Sie sind verbunden mit Reflexionen, Persönlichem und
allegorischen Deutungen.

Ab dem Jahr 1845 lebte Hebbel in Wien, wo er auch seine spätere Frau Christine
Enghaus kennenlernte. Sie heirateten 1846. Zur Zeit der Revolution 1848 zählte
der Schriftsteller schon zu den bekannten Persönlichkeiten in Wien. Er verfocht als
eifriger Journalist die konstitutionelle Monarchie auf demokratischer Grundlage. In
diese Zeit fiel auch die Entstehung des Ehedramas "Herodes und Marianne"
(1850). 1855 wurde das Drama "Agnes Bernauer" veröffentlicht, das den Konflikt
zwischen dem Individualrecht auf Freiheit und Liebe sowie der umfassenden
Staatsmacht darstellt. Hierbei und in den übrigen Dramen Hebbels wird deutlich,
dass der Autor die Auffassung von einer bleibenden sittlichen Weltordnung
thematisiert und weniger sozialgeschichtliche Veränderungsprozesse als
Darstellungsmittel verwendet.

Er plädierte durchweg für eine Selbstständigkeit der Kunst. In der Gestaltung


seiner dramatischen Werke folgte er der traditionellen Struktur. "Gyges und sein
Ring" entstand 1856. Für die "Nibelungen"-Trilogie (1862) wurde Hebbel 1863
mit dem Schiller-Preis geehrt. Der nationale Stoff und der Autor wurden besonders
von den Nationalsozialisten im Dritten Reich für sich eingenommen. Diese
Rezeption schadete dem Autor. Kritik kam aber auch von Kollegenseite, wie
Gottfried Keller sowie von anderen Zeitgenossen. "Verkünstelte und verzwickte
Motivation" sowie "historische Willkür" lauteten die Vorwürfe an Hebbels
Stoffgestaltung. Dagegen steht die Einzigartigkeit der "Nibelungen"- Gestaltung,
die auf das Ineinandergreifen von archaischer Größe und einem Realismus
individualpsychologischer Färbung begründet ist.

Überhaupt ist die gegenseitige Verknüpfung und Durchdringung von


Individuellem und Allgemeinem eine literarische Grundtendenz von Christian
Friedrich Hebbel. Der Literaturgattung Tragödie verpasste der Dramatiker mit
"Maria Magdalena" (1844) und dem Konflikt in der Kleinbürgerwelt eine neue
Dimension. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem "Genoveva" (1843),
"Der Diamant" (1847), "Ein Trauerspiel in Sizilien" (1851), "Erzählungen und
Novellen" (1855), "Mutter und Kind" (1859) oder "Demetrius" (1864).
Christian Friedrich Hebbel starb am 13. Dezember 1863 in Wien.

Theodor Storm (Hans Theodor Woldsen Storm)


Theodor Storm (geb. 14.09.1817; gest. 04.07.1888) war Jurist und ein bedeutender deutscher
Novellist und Lyriker. Theodor Storm gilt als hervorragender Vertreter der Novellistik. Seine
zahlreichen Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Viele seiner Werke wurden vertont, auf
die Bühne gebracht oder verfilmt. Besonders bekannt sind u.a. die Novelle "Der
Schimmelreiter" sowie weitere literarische Werke wie "Der kleine Häwelmann", "Pole
Poppenspäler", "Aquis submersus", "Eine Halligfahrt" und vieles mehr.Seiner Heimatstadt
Husum widmete Storm das bekannte Gedicht "Die Stadt" (veröffentlicht 1852). Daher ist Husum
literarisch bekannt als "Graue Stadt am Meer". Kommen Sie vorbei und überzeugen Sie sich
persönlich davon, warum man heute über die "Bunte Stadt am Meer" schreiben müsste.

1817 Hans Theodor Woldsen Storm wird am 14. September in Husum, Markt 9, als Sohn
des Rechtsanwalts Johann Casimir Storm (1790-1874) geboren; Mutter: Lucie, geb.
Woldsen (1797-1879).
1821 Umzug in das Haus der Großeltern Woldsen, Hohle Gasse 3.
1826 Theodor tritt in die Quarta der Husumer Gelehrtenschule ein.
1833 Erstes Gedicht: "An Emma".
1834 Erste Gedichtveröffentlichung "Sängers Abendlied" im Husumer Wochenblatt vom
27. Juli 1834.
1835 Im Herbst Umschulung in die Prima des Katharineums in Lübeck; dort Freundschaft
mit Ferdinand Röse, der ihn mit Goethes "Faust" und der Lyrik Heines und
Eichendorffs bekannt macht.
1837 Beginn des Jura-Studiums in Kiel; Storm schreibt ein Märchen und Gedichte für
Bertha von Buchan; Verlobung mit der 17-jährigen Emma Kühl von Föhr.
1838 Entlobung; Studium in Berlin, Bildungsreise nach Dresden. Veröffentlichung von
Gedichten in den "Neuen Pariser Modeblättern".
1839 Rückkehr zur Universität Kiel; Freundschaft mit Theodor und Tycho Mommsen.
1842 Bertha von Buchan weist Theodors Heiratsantrag zurück. Juristisches Staatsexamen in
Kiel. Beginn der Sammlung von Sagen und Reimen aus Schleswig-Holstein. Seit Herbst
lebt Theodor wieder in Husum.
  Als Rechtsanwalt in Husum (1843-1852)
1843 Zunächst arbeitet Storm in der väterlichen Kanzlei; Anfang des Jahres eröffnet er eine
eigene
1844 Verlobung mit seiner Cousine Constanze Esmarch, Tochter des Bürgermeisters von
Segeberg.
1845 Einzug in das Haus Neustadt 56. Karl Müllenhoff gibt die Sagensammlung mit vielen
Beiträgen von Storm zum Druck.
1846 Eheschließung mit Constanze. Geburt der beiden ältesten Söhne (Hans, Ernst).
Weitere Arbeiten für die "Volksbücher".
1847 Liebesverhältnis zu Dorothea Jensen, leidenschaftliche Liebesgedichte, z. B. "Rote
Rosen"; "Marthe und ihre Uhr" im "Volksbuch" veröffentlicht.
1849 Storm engagiert sich für die nationale Unabhängigkeit Schleswig-Holsteins;
"Immensee" (1. Fassung).
1850 Niederlage der Schleswig-Holsteiner bei Idstedt; Beschießung von Friedrichstadt.
1852 Storms Bestallung als Rechtsanwalt wird kassiert; er ist nicht bereit, eine
Loyalitätserklärung gegenüber der dänischen Krone abzugeben.
  Im preußischen Exil (1853-1864)
1853 Storm bemüht sich in Berlin um eine Stelle im preußischen Justizdienst; schließlich
wird er zum preußischen Gerichtsassessor (zunächst ohne Gehalt) ernannt; Wohnung
in Potsdam. Storm schließt sich dem "Tunnel über der Spree" an. Bekanntschaft mit
Fontane, Paul Heyse, Franz Kugler, Friedrich Eggers u. a.
1854 Gedicht "Für meine Söhne", Novelle "Im Sonnenschein".
1855 Besuch bei Eduard Mörike in Stuttgart.
1856 Freundschaft mit dem "Immensee"-Illustrator Ludwig Pietsch; Ernennung zum
Kreisrichter in Heiligenstadt; Übersiedlung nach Thüringen.
1859 In Heiligenstadt entstehen bedeutende Erzählungen, so die Novellen "Auf dem
Staatshof" und "Veronika", in denen Storm seine zunehmend kritischere
gesellschaftspolitische Position darstellt.
1862 "Knecht Ruprecht"; neben der Novelle "Im Schloß", in der er seine demokratische
Gesinnung veranschaulicht, konzipiert Storm eine Reihe von Märchen ("Bulemanns
Haus", "Die Regentrude", "Der Spiegel des Cyprianus").
1864 In Folge des Deutsch-Dänischen Krieges besiegen preußisch-österreichische Truppen
die Dänen. Storm wird zum Landvogt des Kreises Husum gewählt; er scheidet aus
dem preußischen Staatsdienst aus und kehrt nach Husum zurück.
  Landvogt und Amtsrichter in Husum (1864-1880)
1864 Im März tritt Storm sein Landvogt-Amt in Husum an.
1865 Stirbt seine Frau Constanze nach der Geburt des 7. Kindes (Gertrud). Gedichtzyklus
"Tiefe Schatten";
1866 Vermählung mit Dorothea Jensen; Umzug in das Haus Wasserreihe 31.
1868 Nach Aufhebung des Amtes des Landvogts wird Storm preußischer Amtsrichter; die
erste Auflage der "Sämtlichen Schriften" erscheint. Geburt des 8. und letzten Kindes
(Friederike).
1870 Storm stellt das "Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Claudius. Eine kritische
Anthologie" zusammen. Freundschaft mit dem Illustrator Hans Speckter.
1872 "Draußen im Heidedorf" (erste Novelle, die sich "aus den vorgetragenen Tatsachen"
entwickelt); Reise nach Leopoldskron bei Salzburg zum österreichischen Politiker und
Schriftsteller Julius Schindler, der unter dem Namen "Julius von der Traun"
Erzählungen veröffentlichte.
1874 Ernennung zum Oberamtsrichter; "Pole Poppenspäler" entsteht als Auftragsarbeit; es
handelt sich um Storms einzige eigens für die Jugend geschriebene Erzählung.
1876 "Aquis submersus"; "Meine Erinnerungen an Eduard Mörike".
1877 Beginn der Freundschaft und des Briefwechsels mit Gottfried Keller und mit dem
Literaturprofessor Erich Schmidt; "Carsten Curator". Storms Novellistik entwickelt
sich in Richtung auf eine kompromisslose Realistik.
1878 In der Novelle "Renate" thematisiert Storm gesellschaftspolitische Veränderungen
seiner Zeit im Gewand der Geschichtserzählung (Chroniknovellen).
1879 Gedicht "Geh nicht hinein".
1880 Storm wird auf eigenen Wunsch pensioniert und beschließt, mit seiner Familie
Husum zu verlassen.
  Alter in Hademarschen (1880-1888)
1880 Umzug nach Hademarschen, um "als Poet noch eine neue Periode zu beginnen";
Neubau einer großzügigen Villa; "Die Söhne des Senators".
1881 An Gottfried Keller schreibt Storm: "Die 'Novelle' ist die strengste u. geschlossenste
Form der Prosa-Dichtung, die Schwester des Drama's."
1881/82 Mit seinen Erzählungen "Der Herr Etatsrat" und "Hans und Heinz Kirch" setzt Storm
die Kritik am Bürgertum der Gründerzeit fort und thematisiert den Verfall der Familie.
1884 "Zur Chronik von Grieshuus"; Festbankett in Berlin zu Ehren Storms.
1885 "John Riew' "; "Ein Fest auf Haderslevhuus".
1886 Reise nach Weimar zur Jahresversammlung der "Goethe-Gesellschaft"; "Bötjer
Basch"; Beginn der Arbeit am "Schimmelreiter". Schwere Krankheit.
1887 "Ein Doppelgänger"; "Ein Bekenntnis"; Reise nach Sylt; "Sylter Novelle" (Fragment).
Zur Feier seines 70. Geburtstags wird der Dichter in ganz Deutschland geehrt.
1888 Vollendung der Novelle "Der Schimmelreiter"
  Tod Storms am 4. Juli.
  Beisetzung am 7. Juli in der Familiengruft auf dem Husumer St. Jürgen-Friedhof.