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14 WOZ DIE WOCHENZEITUNG NR. 8 25.

FEBRUAR 2010

DIESSEITS UND JENSEITS


LESERiNNENBRIEFE DURCH DEN MONAT MIT Azem Maksutaj (4)

Enteignete Kleine
«Pensionskassen: Lasst die anderen
Sind Sie ein Promi?
schuften!», WOZ Nr. 5/10
WOZ: Azem Maksutaj, diese Woche Tomislav Mestrovic und Nicolo
Will jemand unser sogenanntes Drei- startet «Being Azem» in den Schwei- Settegrana, sind ja keine völlig dis-
Säulen-Modell zugunsten einer starken zer Kinos, der Dokumentarfilm über tanzierten Produzenten, die mit mir
AHV umkrempeln, wer in der Abstim- Sie. Wie gross ist der Rummel? nichts zu tun haben. Das sind echte
mung vom 7. März Nein stimmt zur Azem Maksutaj: Es ist derzeit sehr Freunde geworden während der Zeit,
Senkung der Renten in der beruflichen hektisch. Pressetermine, Premieren – in der wir zusammengearbeitet haben.
Vorsorge? Nicht unbedingt, wie der ich komme kaum zur Ruhe. Es ist ein Das merkt man dem Film auch an: Ich
WOZ-Artikel richtig festhält. Ist diese bisschen vergleichbar mit dem, was vor bin, wie ich bin. Und das haben die
Abstimmung somit gar nicht von ent- einem grossen Kampf abläuft. Ich war beiden sehr genau festgehalten. Ich
scheidender Bedeutung, wie es dieser ja immer mein eigener Manager und hoffe sehr, dass der Film für die beiden
Artikel suggeriert? Aber doch! Promoter, daher kenne ich das nur zu ein Sprungbrett ist. Vielleicht landen
Bei dieser Abstimmung geht es um gut. sie einmal in Hollywood. Ich würde es
etwas ganz Elementares: Es geht um die Aber ist es doch mehr als sonst? ihnen gönnen.
Verteidigung von mehr als der Hälfte Ein bisschen, sicher. Früher war Wie ist das für Ihre Frau Njomza?
der Beschäftigten und ihrer Altersgut- es «10 vor 10» und heute bin ich Im Unterschied zu Ihnen steht sie
haben vor einer weiteren Enteignung eben bei Aeschbacher. Und beim als Private Bankerin nicht im Licht
durch die grossen Versicherungskon- «Samschtig-Jass». der Öffentlichkeit ...
zerne. Denn die berufliche Vorsorge von Wie bitte? Es stört sie ein wenig. Sie wusste zwar,
mehr als der Hälfte der Beschäftigten ist Doch, doch. DJ Bobo und ich beim auf was sie sich mit mir einlässt. Aber
zwangsweise bei diesen Versicherungs- Differenzler diesen Samstag. Das wird es geht ihr schon näher als mir, wenn
konzernen versichert. sicher lustig. Ich habe üben müssen, Kritik kommt, gerade bei so belie-
Es droht eine Umverteilung von damit ich mich nicht blamiere. Sonst bigen Dingen wie einem Kommentar
Hunderten von Millionen Franken, die stehe ich da wie der Albaner, der nur auf YouTube. Und sie wäre lieber in
aus den Alterssparkonten von ungefähr eingeladen wird, weil er jetzt ein Promi der Öffentlichkeit wegen etwas, das
1,6 Millionen Zwangsversicherten in die ist. sie selber getan hat. Sie ist ja kein
Taschen der Managerinnen und Aktio- Sind Sie denn ein Promi? Püppchen.
nären von Swiss Life, Zurich Financial Ich denke schon. (schmunzelt) Bis- Und die Privatsphäre? Der Film Azem Maksutaj: «Ich habe sehr hart gearbeitet, da darf ich den Ruhm auch ein
oder Axa Winterthur fliessen sollen. her war ich nicht so bekannt. In der geht sehr nahe an Sie beide ran als wenig geniessen.» Foto: Florian Bachmann
Diese Abstimmung ist für viele von Schweiz, zumindest. Aber im Kosovo Paar, erzählt die Geschichte, wie Sie
existenzieller Bedeutung. Da brauchts bin ich einer der bekanntesten Sportler zusammenkamen, filmt Sie bei in-
auch von der WOZ einen klaren Posi- überhaupt. Und in Japan, wo die K- nigen Küssen unter einem Wasser- beides würde ich für kein Geld der Welt werden, was ich gut verstehen kann.
tionsbezug: Nein zu dieser gigantischen 1-Liga extrem populär ist, kennt man fall in Thailand ... hergeben. Aber das war ein weiterer Grund für
Umverteilung von unten nach oben – mich auch. Ich hoffe jedenfalls, dass Das ist für mich die wichtigste Ge- Gibt es Dinge, die im Film nicht die Last, die vor dem grossen Kampf
zumal es sich bei den betroffenen Be- der Film noch dazu beiträgt. Für den schichte des Films. Es gibt eine Szene, auftauchen? auf mir lag. Vielleicht ist es ganz gut so,
schäftigten vorwiegend um die un- Kampfsport generell wie auch für mich wo ich erzähle, ich hätte keine Mil- Wir konnten einige Kampfszenen nicht dass es ausgeklammert wird. Der Film
tersten Schichten handelt. (Beschäftigte selber. Ich habe sehr lange und sehr lionen mit dem Kampfsport verdient. in den Film aufnehmen, weil schlicht ist so schon genug traurig.
im öffentlichen Dienst, in den grossen hart gearbeitet, da darf ich den Ruhm Njomza sei meine Million. Das ist das Geld fehlte. Den Kampf gegen Wie geht der Film aus?
Dienstleistungsunternehmen et cetera auch ein wenig geniessen. auch so: Sie hat sehr viel mit mir Ruslan Karaev, zum Beispiel, obwohl (lacht) Das erzähle ich natürlich
haben eigene Pensionskassen mit Be- «Being Azem» ist ein sehr per- durchgemacht, und dafür bin ich ihr das der Moment war, der die beiden nicht. Die Leute sollen sich den Film
dingungen, die teilweise weit über das sönliches Dokument. Gerade in der ewig dankbar. Wenn ich mir überlege, Macher auf mich aufmerksam gemacht anschauen.
gesetzliche Minimum hinausgehen.) Phase vor dem grossen Kampf in was wäre, wenn ich 1998 die Einla- hat. Aber die K-1 ist knallhart, was die Interview: Etrit Hasler
Mit einem Nein am 7. März ist die Las Vegas ging es Ihnen nicht beson- dung von Andy Hug nach Japan an- Lizenzgebühren betrifft. Und die Ge-
AZEM MAKSUTAJ gilt als der erfolgreichste
Gestaltung der Altersvorsorge noch lan- ders gut. Wie ist das für Sie, wenn genommen hätte ... Vielleicht wäre ich schichte mit meiner Mutter ... Schweizer Kickboxer. Ab Donnerstag, dem
ge nicht erledigt. Da hat die WOZ recht. das nun einem öffentlichen Publi- heute ein Weltstar und Millionär. Aber Sie starb nach den Dreharbeiten 25. Februar, läuft der biografische
Denn in der relativ jungen Geschichte kum gezeigt wird? ich hätte Njomza nicht kennengelernt. an Krebs. Dokumentarfilm «Being Azem» in Zürich
des Obligatoriums der beruflichen Vor- Das gehört eben dazu. Es ist ja kein Wir hätten nicht geheiratet, hätten Während wir den Film drehten, lag und Winterthur. Weitere Daten unter
sorge (seit 1984) ist sie nun innert kur- Spielfilm. Die beiden Filmemacher, unseren Sohn Leandro nicht. Und sie im Spital. Sie wollte nicht gefilmt www.beingazem.ch.
zer Zeit schon das zweite Mal an einem
Totalschaden vorbeigeschrammt: Vor
dem neusten Finanzcrash war sie be-
reits mit dem Börsencrash nach der STANDPUNKT In der Schweiz wird eine neue Partei gegründet.
Jahrtausendwende ins Straucheln
geraten.
Vor allem auf Initiative von Comedia
und von Unia-Leuten hat der Schweize-
rische Gewerkschaftsbund SGB endlich
ein Umbauszenario in der Altersvorsor-
ge zugunsten einer starken AHV ausge-
Zwei Bundesräte für die Deutschen!
arbeitet (siehe SGB-Dossier 34, Februar Liebe Schweizer, in diesen Tagen ist in wenigen Wählern, von 0,4 Prozent: un- die an einer Schlange Schweizer vorbei-
2006). Jetzt müssen Taten folgen. Ein Ihrem verkommenen Land viel von ei- ser bestes Ergebnis seit Kriegsende! ziehen, weil sie es eilig haben, Klagen
nächster Schritt muss heissen: Raus mit ner ominösen deutschen Partei namens Aber schon für die wichtigen Land- über Minarettbauverbote für unsere
den Versicherungskonzernen aus der «Die PARTEI» die Rede, die in Zürich tagswahlen in Nordrhein-Westfalen deutschen Muslime, Klagen allgemein
zweiten Säule. gerade eine Auslandsorganisation (AO) (NRW) im Mai haben wir ein ehrgei- über Unfreundlichkeiten. Kürzlich soll
Christoph Lips, gründet. Deswegen hier ein paar beru- zigeres Ziel formuliert: «SPD plus X!» sogar ein deutscher Rentner in der
Regionalsekretär des VPOD Zürich higende Hintergrundinformationen: (nach den letzten Meinungsumfragen: Schweiz getötet worden sein, und am
Die PARTEI ist der politische Arm «SPD plus X plus X!») vergangenen Wochenende zwei deut-
des Faktenmagazins «Titanic» – und sche Skifahrer!
Nichtsnutz Cern die beste aller deutschen Parteien. Ich Hightechmauern statt Röstigraben! Um einer weiteren Eskalation und
«Langfristig sieht muss es wissen, ich bin ihr Bundes- Und wir sind zuversichtlich, denn möglichen Pogromen vorzubeugen,
«Schwarze Löcher: Ob sie wissen, was sie vorsitzender. Ausserdem habe ich gute in NRW haben wir ein starkes Allein- soll Die PARTEI (CH) ab sofort die
tun?», WOZ Nr. 7/10 unser Programm vor, Vergleichsmöglichkeiten, denn ich bin stellungsmerkmal: Wir werben für die deutschen Interessen in der Schweiz
Gut, dass Sie den Artikel über Cern und die Schweiz mit einer Mitglied in sämtlichen deutschen Par- Idee, die Mauer wieder aufzubauen, vertreten und gegenüber den Schwei-
dessen Experiment veröffentlicht ha- teien. Selbst in der SPD; die Älteren un- damit Frau Merkel wieder dahinter zern schützen. Mittelfristiges Ziel ist die
ben. Ich frage mich schon lang, warum Volksabstimmung an ter Ihnen werden sich möglicherweise weggeschlossen werden kann. Ich erin- Anerkennung der Deutschen als schüt-
diese Cern-Wissenschaftler ihr frag- Deutschland anzu- noch an die Sozialdemokratie erinnern. nere in diesem Zusammenhang gerne zenswerte politische Minderheit – mit
würdiges Projekt dermassen unange- daran, dass Westdeutschland – ja: allgemeinem Wahlrecht, dem Recht,
fochten vorantreiben können. Ich hätte schliessen und damit in Für skrupellose Klientelpolitik! Westeuropa! Inklusive Ihrer mora- zwei Bundesräte zu stellen, Schulun-
eigentlich erwartet, dass zum Beispiel In einer Zeit, in der die ehemaligen lisch kaputten Schweiz! – seine besten terricht auf Hochdeutsch einzufordern
Schriftstellerverbände öffentlich Stel- den Kreis anständiger Volksparteien in vielen europäischen Jahre, Jahrzehnte hatte, als Merkel und in Behörden einen Hochdeutsch
lung nehmen zum Projekt oder grosse demokratischer Staaten Ländern zunehmend an Bedeutung hinter der Mauer weggeschlossen war. sprechenden Beamten einzusetzen.
Tageszeitungen wie zum Beispiel die verlieren, steht Die PARTEI für eine Die Idee, die Milliardenzahlungen in
NZZ oder «Le Monde» oder die «New zurückzuführen.» moderne, populistische, skrupellos die DDR einzustellen, wird uns in den Berufliche Vorteile für Sie!
York Times» eine kritische Studie lan- Martin Sonneborn machtorientierte Klientelpolitik. Ihnen ruinierten westdeutschen Randgebie- Langfristig sieht unser Programm
cieren, aber soweit ich weiss, ist nichts als Schweizer wird das gefallen! Schon ten erdrutschartige Stimmengewinne vor, die Schweiz mittels einer Volksab-
dergleichen passiert. unser Name signalisiert dabei einen ge- bescheren. stimmung an Deutschland schliessen
Das Projekt kostet nicht nur boden- wissen Alleinvertretungsanspruch, der Unser Mauerbauprogramm ist auch und damit zurückzuführen in den Kreis
los viel Geld, es ist wissenschaftlich ohne sowohl im Osten als auch im Westen eine Exportidee, die wir der Globalisie- anständiger demokratischer Staaten.
jeden Nutzen für die Menschheit. Vor unseres Landes verstanden wird. Sofort rung entgegensetzen. Denn das Bestre- Um den Vorbehalten europäischer
zwei Jahren musste der Start des Be- nach der Gründung im Jahr 2004 rie- ben, sich vom Nachbarn abzugrenzen, Nachbarn zu begegnen, die weitgehend
schleunigers abgebrochen werden we- fen uns viele Leute an, um zu erklären: ist ein menschliches Grundbedürfnis. unproduktive Schweiz hätte sich ihren
gen eines angeblich minimen Defektes, «Schon mein Grossvater war in der Welche Länder würden sich nicht über Reichtum über Jahrzehnte hinweg mit
nun kann argumentiert werden, dass Partei, ich möchte auch zu euch!» eine Mauer freuen, mit der unlieb- der Verwaltung von Mafia-, Steuer-
das wissenschaftliche Team nicht be- Heute haben wir über 8000 Mit- same Volksgruppen eingeschlossen flucht- und Despotengeldern erkauft,
fugt ist, eine sehr gefährliche Anlage zu glieder und die schönste Kanzlerkandi- oder voneinander getrennt werden wird das Bankgeheimnis dann end-
betreiben, wenn schon allein beim Start datin Europas. Das ist auch kein Wun- können! Denken Sie nur an Belgien, gültig abgeschafft, die Tradition der
Defekte auftreten, die im Vergleich zum der, denn wir haben zahllose Bewerbe- an Spanien, an Frankreich, an Irland, Schwarzgeldverwaltung beendet.
Beschleunigerprojekt minim waren. rinnen gecastet («Junge, gutaussehende an die ... Schweiz! Vergessen Sie Ihren Nach schlechten Erfahrungen mit
Heidi Haas (Schweizerin, in den Frau unter 35 gesucht, die die Frage antiquierten Röstigraben, wir sind mit anderen Methoden im vergangenen
USA lebend), per E-Mail nach einer politischen Vision mit ‹Ja› israelischen Experten im Gespräch und Jahrhundert aber wollen wir dies, da-
beantworten kann und bereit ist, als versprechen Ihnen moderne Hightech- rauf gebe ich Ihnen mein Ehrenwort –
willenlose Marionette in den Händen mauern zwischen der Deutschschweiz, ich wiederhole: mein Ehrenwort! – auf
des Bundesvorstandes zu agieren ...»). der Romandie und den Italienern. demokratischem Wege erreichen.
BRIEFE AN DIE WOZ Wir nehmen in Deutschland an (Rätoromanen sind uns eine zu unbe- Und deswegen appelliere ich an Sie:
Wahlen teil und werden von Wikipedia deutende Klientel.) Treten Sie in Die PARTEI ein – es gibt
Schicken Sie LeserInnenbriefe bitte zu den acht grössten Parteien der Ber- Es gibt allerdings noch einen wei- noch niedrige Mitgliedsnummern. Eine
per E-Mail an: briefe@woz.ch MARTIN SONNEBORN ist Vorsitzender liner Republik gezählt. Bei den Bürger- teren Grund für die Gründung der niedrige Mitgliedsnummer kann Ihnen
oder per Post an der PARTEI. schaftswahlen in Hamburg haben wir, PARTEI in der Schweiz. In letzter Zeit später berufliche Vorteile verschaffen!
WOZ Die Wochenzeitung Am Donnerstag, 25. Februar, um 20 Uhr in
und ich schreibe das mit einem gewis- sind uns Klagen deutscher Mitbürger Das Ganze kann natürlich zwölf Jahre
LeserInnenbriefe der Roten Fabrik in ZÜRICH präsentiert sen Stolz, unter dem Wahlkampfmotto aus Zürich zugetragen worden. Klagen später auch nach hinten losgehen. Aber
Hardturmstr. 66 Sonneborn den Propagandafilm «Die «Hamburg – Stadt im Norden» einen über Schweizer Filz an den Universi- als Schweizer dürften Sie es dann schon
8031 Zürich PARTEI». Anschliessend wird die Aus- ganz klaren Auftrag zur Regierungs- täten und Kliniken, Klagen über Un- schaffen, Ihre Hände in Unschuld zu
landsorganisation der PARTEI gegründet. bildung erhalten; allerdings von relativ freundlichkeiten gegenüber Deutschen, waschen.