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1) Analysieren sie genau die Entwicklung der deutschen Sprache!

Beschreiben sie hierbei die Entwicklung vom Indogermanischen bis


zur 2. Lautverschiebung. Gehen sie dabei auch auf die
Indogermanischen Literaturdenkmäler ein.

Viele europäische und asiatische Völker besitzen die gleiche Ursprache, nämlich die
Sprache der Indogermanen.

Die Indogermanen:
In ihrem Namen sind die östlichsten und westlichsten Verwandten verbunden
(östl.: Inder, westl.: Germanen Indogermanen)

Indogermanische Sprachen:
• Keine schriftlichen Denkmäler, muss erschlossen (rekonstruiert) werden –
hypothetische Rekonstruktion.
• Durch Abwanderung der Indogermanen aus ihrer Urheimat in weit entfernte
Regionen (Gangesdelta & Atlantikküste) wird das Ur – Indogermanische in
selbstständige Sprachen (durch Lautänderungen) aufgespaltet.
• Diese Lautänderungen werden durch Änderung der Betonung und Einfluss
von Nachbarlauten spontan hervorgerufen.
• Das Indogermanische Zerfällt in 2 große Stämme:
o KENTUMSPRACHE: Griechisch, Italisch, Keltisch, Germanisch
o SATEMSPRACHE: Indo – Iranisch, Armenisch, Baltisch, Slawisch

Das Griechische wird zur Sprache berühmter Dichter und Philosophen, stirbt aber in
seiner Urform aus und wird zur Quelle der neugriechischen Sprache. Sie gilt heute
als tote Sprache.

Das Italische wird über das Latein der Römer zu einer Weltsprache, stirbt aber
ebenso in seiner Urform aus.
Aus dem Lateinischen entwickeln sich die Romanischen Sprachen:
Italienische, Portugiesische, Französische, Provenzalische, Rätoromanische (in
einzelnen Gebirgsdörfern in der Schweiz) und Rumänische (weißt aber auch
slawische Einflüsse auf).

Das Keltische lebt heute als Volkssprache in Wales, Irland, Schottland und der
Bretagne fort.

Das Slawische kann in 3 Gruppen aufgeteilt werden:


• Ostslawische (von Russen gesprochen)
• Westslawische (von Ukrainern, Polen, Tschechen, Slowaken gesprochen)
• Südslawische (von Bulgaren, Serben, Kroaten, Slowenen gesprochen)

Die Germanische Sprachgruppe wird in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. mit
der 1. Lautverschiebung von der idg. Sprache getrennt. Trotz mundartlicher
Unterschiede wird das Urgermanische bis ins 3. Jh. als Grundsprache der Germanen
angesehen. Die völkerwanderung bewirkt den Zerfall des Ug. in die ost, nord und
westgermanische Sprachfamilie.

Ostgermanische:
Goten, Vandalen, Burgunder (ostgermanischen Völkerwanderungsstämme)
Älteste Literaturdenkmal: Runenschrift auf dem Lanzenblatt.
Das älteste Literaturdenkmal in gotischer Schrift und das bedeutendste der
Ostgermanischen ist die Wulfilabibel (4. Jh. n. Chr.)

Nordgermanische (Skandinavische):
Besitzt bis 800 als einheitliche Sprachform das Altnordische (älteste
Sprachdenkmäler: Runeninschriften).
Altnordische zerfällt in die Sprachen der Isländer, Dänen, Norweger, Schweden.
In Island, das bedeutendste Literaturdenkmal „Edda“.

Westgermanische:
Umfasst das Angelsächsische und Deutsche.
Bedeutendstes Literaturdenkmal ist in altsächsischer Sprache der „Heliand“. (Jesus
als König und Krieger dargestellt).

Das Deutsche teilt sich in das Hochdeutsche und das Niederdeutsche auf. (Urform
nicht bekannt)

Das Nd. verändert den b – Laut wie das Hd. in ein D, enthält statt des Mhd. „ei“ ein
„ee“ (z.B.: mhd. Stein = Nd. Steen). Dem Nd. fehlen die Diphthongierung (Diphthong
= Selbstlaut) vom Mhd. zum Nhd.
Es zerfällt in das Niederfränkische (später Holländische – in Belgien: Flämisch
genannt) und das Niedersächsische.

Je nach Grad der 2. Lautverschiebung lassen sich 2 Mundartgruppen unterscheiden:


• Mitteldeutsch
• Oberdeutsch

Das Oberdeutsche umfasst das Oberfränkische, das Schwäbisch – Alemannische


und das Bayrisch – Österreichische. Es macht die 2.Lautverschiebung vollständig
mit.

Das Hd. Lässt sich in 3 Stufen einteilen:


Althochdeutsch (Ahd.) von 800 – 1050
Mittelhochdeutsch (Mhd.) von 1050 – 1400
Neuhochdeutsch (Nhd.) von 1400 bis heute

1. germanische Lautverschiebung (Mitte des 1. Jahrtausends):


Umfasst die spontane lautliche Veränderung der idg. Verschlusslaute im
Germanischen, erstreckt sich über den gesamten germ. Sprachraum.

Es verläuft in 3 Hauptabschnitten:
Abfolge Idg. -> Germ. Idg. -> Germ.
1. Abschnitt bh -> b bhrato -> engl. Brother
2. Abschnitt b -> p lat. labium -> engl. lip
3. Abschnitt p -> f lat. pater -> engl. Father

Indogermanische Literaturdenkmäler:
Die Veden (sanskrit = Heiliges Wissen) sind als „heilige Bücher“ der indischen
Religion in dem Sanskrit (altindische Schriftsprache) abgefasst.

Die gotische Bibelübersetzung:


Bischof Wulfila übersetzte um 370 die Heilige Schrift ins Gotische.
Diese Bibelübersetzung gehört zu den größten Übersetzungsleistungen der
Weltliteratur. Wulfila musste für sein Werk aus dem griechischen Alphabet und den
germanischen Runenzeichen eine eigene Schrift schaffen.
 Verbreitung des Christentums
Das größte Bruchstück ist aus dem „Codex argentus“ erhalten, der sich heute in
Uppsala befindet und Bruchstücke aus den 4 Evangelien enthält.

Darstellung:
Auf rotem Grund heben sich leuchtend die Buchstaben in Silber und Gold ab.
(deswegen: Silberkodex)
Aus dieser Handschrift erkennen wir die genaue Sprache der Goten. Sie
beschäftigten sich viel mit der Übersetzung, dies beweisen die Randglossen
(persönliche Kommentare/ Randbemerkungen).
Aus den Mailänder Handschriften lässt sich schließen, dass beim Gottesdienst
Abschnitte aus der Bibel vorgelesen wurden.

2) Charakterisieren Sie die Entwicklung der deutschen Sprache!


Beschreiben sie hierbei die Entwicklung der 2. Lautverschiebung
bis zur Gegenwart.

Die 2. Lautverschiebung:
Verändert die germanischen Verschlusslaute, dauert von 500 – 750, dringt von
Süddeutschland bis zur Benrather Linie vor (Düsseldorf – Kassel – Frankfurt/Oder).
Sie erfasst vollständig den oberdeutschen Raum, den mitteldeutschen Raum
teilweise und umfasst folgende Verschiebungsvorgänge:
Im Anlaut und nach Konsonanten Beispiele/Anlaut Beispiele nach Konsonant
germ. -> hd. engl. -> nhd engl. nd. -> nhd.
p -> pf pound -> Pfund engl. apple -> Apfel

Nach Vokalen Beispiele/Inlaut Beispiele/Auslaut


germ. -> hd. engl. -> nhd. engl. -> nhd.
p -> f open -> offen ship ->Schiff
t -> s (ss) water -> Wasser it -> es
k -> h (ch) make -> machen cook -> Koch

Gesamthochdeutsche Lautänderung:

Sie ist die Verschiebung des germanischen Φ – Lautes zum d – Laut (engl. Three 
nhd. Drei).
Diese Verschiebung beginnt nach der 2. Lautverschiebung und ist 1400
abgeschlossen.
mhd. (Langvokale) -> nhd. Beispiele mhd. -> nhd.
î -> ei mîn -> mein
û -> au hûs -> Haus
iu (ü) -> eu hiute -> heute

Die 2. nhd. Monophthongierung:


mhd. (Zwielaute) -> nhd. Beispiele mhd. -> nhd.
ie -> ie liep -> lieb
uo -> u guot -> gut
üe -> ü güetec -> gütig

Bedeutungsänderung:
Im Laufe der Zeit können Worte ihre ursprüngliche Bedeutung verändern. Es gibt
dabei 4 Änderungsmöglichkeiten:
Bedeutung
Art der Änderung Begriff früher jetzt
1. Bedeutungs - Verengung Geweher alle Verteidigungswaffen Schießgewehr
2. Bedeutungs - Erweiterung bereit zum Reisen fertig zu allem bereit
3. Bedeutungs - Veredelung Marschall Pferdeaufseher Offizier
4. Bedeutungs - Verschlechterung Knecht Jungmann Dienstmann

3.) Beschreiben Sie die Wesenszüge der mittelhochdeutschen


Ritterdichtung und analysieren Sie den Unterschied zwischen
ritterlich höfischen Epos und Heldenepos/Volksepos.
Charakterisieren Sie im Speziellen das ritterlich höfische Epos am
Beispiel von Wolfram von Eschenbachs Werk „Parzival“.

Mittelhochdeutsche Ritterdichtung
1180-1300

Um 1180 tritt an die Stelle des Geistlichen der Ritter als Träger der geistigen Kultur.
Die Ritterburgen werden zu den neuen Kulturzentren. Hauptpflegestätte wird nicht
der Kaiserhof sondern die Höfe der Lehensfürsten.

Das neue ritterlich-höfische Menschenbild

Germanische Sittenideale und antike Ethik verschmelzen mit christlicher


Tugendlehre.
1. Aus der Antike werden die vier Grundlehren der stoischen Tugendlehre
übernommen. Die prudentia erscheint als „zuht“, die fortitudo als „mannes
muot“, die temperantia als „mâze“ und die iustitia als „milte“.
2. Vom Germanentum stammen die Forderungen êre, truwe, unverzaget
mannes muot.
3. Aus der christlichen Ethik nimmt man das streben des Ritters nach gotes
hulde, das Verbot der Blutrache und das Töten um jeden Preis.

Der Ritter erstrebt „hövescheit“ (feingebildetes Wesen) und ist gegen „dörperîe
(bäurisch-rohes Benehmen).
Besondere Ziehle sind „minne“, „êre“, „gotes hulde“ und „varndes guot“. Diese
Ritterziele können nur durch besondere Dienstleistungen („arebeit“) erworben
werden.
1. Durch Frauendienst erlangt der Ritter „minne“, d.h. die Achtung vor
hochgestellten Frauen.
2. Durch den Herrendienst gewinnt der Ritter „êre“ und „varndes guot“. Er hat
jederzeit bereit zu sein, für seinen Herrn oder mit diesem ins Feld zu
ziehen. Um stets zu solchem Einsatz fähig zu sein, muss sich der Ritter
einem dauernden Training unterwerfen.
3. Der Gottesdienst verpflichtet zum Kampf gegen Heiden (Kreuzzüge), zur
Achtung vor Kirche und Klerus, zur Nächstenliebe, d.h. zum Kampf für
jedwede unschuldig verfolgte oder gequälte Kreatur Gottes.

Stoffe der ritterlich-höfischen Epen

1.) Die antiken Stoffe um Alexander den Großen, die Tojanerkriege und Aeneas
2.) Der französisch-bretonische Stoffkreis um die Artus-, Gral-, und Markesagen.
• Die Artussage: Der geschichtliche König Artus erwirbt durch die
Verteidigung seines Landes um 500 n. Chr. Gegen die Angelsachsen
so großen Ruhm, dass er in der Sage zum Symbol höchster
Ritterschaft wird. Mit seiner Gattin Ginevra hält er in Karidol in Wales
Hof. Mit zwölf seiner tapfersten Ritter bilden sie die Tafelrunde, so
genannt weil an dem, weil an dem runden Tisch kein Ehrensitz
vorhanden ist und sie alle gleichwertig sind. Die Artusritter sind die
Vertreter des weltlichen Rittertums. Zu ihnen zählen Iwein, Erek,
Gawein, Lancelot, Parzival
• Die Gralssage dagegen ist die Verkörperung des geistlichen Rittertums.
Der Heilige Gral ist jene Schale/Kelch, die Christus beim letzten
Abendmahl verwendet hat und in der dann das Blut Christi aufgefangen
worden ist. Er verleiht lebensspendente Kraft und wird von einem
reinen, von Gott berufenen Königsgeschlecht bewacht.
Die besonderen Merkmale sind: die Berufung- kein Ritter kann aus
eigenem Willen die Burg finden. Die Frage nach den Wundern. Das
Gelübde- die Ritter geloben Demut und Keuschheit; nur der König darf sich
verehelichen.

Im 12. Jahrhundert schreibt der franz. Dichter Chrestien de Troyes auch große
Ritterepen über diese Helden. Nach seinem Vorbild entstehen die deutschen
höfischen Epen.

3.) Der dritte Stoffkreis umfasst verschiedene französische Heldenepen,


besonders solche aus dem Sagenkreis rund um Karl den Großen.
Bei der Übernahme der Stoffe dieser Sagenkreise durch deutsche Dichter
handelt es sich nicht um Übersetzungen der fremden Werke, sondern um sehr
freie Bearbeitungen, in denen die französischen Epen verinnerlicht
erscheinen.

Charakteristik des ritterlich-höfischen Epos

• Ausgesprochen Standesdichtungen, von Rittern für ein ritterliches Puplikum


verfasst.
• Sie sind zum vorlesen und nicht zum Vortrag durch Spielleute bestimmt.
• Eine gehobene Dichtersprache. Alle Dialektwörter oder derbe, unhöfliche
Ausdrücke sind streng vermieden. Wohl aber dringen viele französische
Fremdwörter ein.
• Die Epen sind in vierhebigen, paarweise gereimten Versen geschrieben,
wobei auf Reinheit der Reime und strengen Rhythmus geachtet wird.
• Der Stil ist durchaus idealistisch. In den Epen wird der Ritter nicht so
dargestellt, wie er wirklich ist, sondern wie ein vollhöfischer Ritter sein soll. Sie
entwerfen großartige Musterbilder für Ritter. Das Leben sollte sich nach
diesen Epen ausrichten, nicht die Epen nach dem Leben. Das Verhältnis
zwischen Ritter und Welt, Frau und Gott und die Entwicklung zum
vollhöfischen Ritter werden uns vorgeführt. Die Epen enthalten breite
Schilderungen von Abenteuern, Kämpfen, Turnieren, Festen, Kleidern,
Waffen, Speisen, Pferden und Schmuck.

Wolfram von Eschenbach (1170 – 1220)

Leben: Heimat des Dichters ist die kleine Stadt Eschenbach im bayrischen Franken.
Er ist ein armer Ritter, der am Hof des Landgrafen Hermann von Thüringen weilt, wo
er Walter von der Vogelweide kennen lernt. Er besitzt keine gelehrte Bildung und
versteht nur mangelhaft Französisch. Er hat ritterliches Standesbewusstsein, stellt
seine Rittertaten höher als seine Dichtung, wendet sich gegen den höfischen
Minnedienst und setzt sich für die Huldigung der eigenen, immer angetrauten Frau
ein. Sein Werk kennzeichnet eine enge Verbindung von Dichtung und Leben.
Stilistisch steht Wolfram in strengem Gegensatz zu den höfisch-glatten Stil
Hartmanns. Sein Stil ist dunkel, seine Sprache ist schwerfällig und kraus. Er ist
sorglos im Satzbau und von reichstem Wortschatz, der auch das Volkstümliche und
die Archaismen (= altertümliche Ausdrucksformen) des Heldenepos nicht meidet. Er
liebt Neubildungen, Umschreibungen, Fremdwörter und kühne Vergleiche.

„Parzival“ (1200 – 1210)

Hauptquelle ist das unvollendete Epos über Parceval von Chrestien de Troyes.
Inhalt: Wolfram schildert in seinem Epos den in mehreren Entwicklungsstufen
ablaufenden Lebensweg Parzivals vom Zustand der paradiesischen Unschuld
(„tumbheit“) über den Sündenfall zur Erlösung.

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Vergleich

Höfisches Epos Volksepos


1. Stoffe stammen aus fremdländischen 1. Stoffe liefert die bodenständige
Sagenkreisen Sagenwelt der eigenen Vorfahren
2. Der Inhalt zeigt den Helden im Kampf 2. Die Helden sind dem Schicksal
um die Ausgeglichenheit (mâze) und ausgeliefert, ihr Untergang
endet in der Regel glücklich vorgezeichnet.

Thema 4:
Analysieren Sie den Minnegesang anhand des Beispiels von
Walther von der Vogelweide. Gehen Sie dabei genauer auf sein
Leben ein, und beschreiben Sie welche Weiterentwicklung der
Minnegesang durch ihn erfahrne hat.

Der Minnegesang
Ist die höfische Lyrik des 12. – 14./15. Jahrhunderts.
Grundthema: „minne“ d.h. die verehrende Liebe
Es gibt hohe Minne und niedere Minne.

„Hohe Minne“ ist an eine unerreichbare „Herrin“ gerichtet, auch „vrouwe“ genannt.
„vrouwe“ = adelige meist verheiratete Frau
Sie wird umworben, besungen und geehrt.
Auch heute noch verlangen wir von einer Dame Anstand und Sitte und vom Mann
Ritterlichkeit gegen die Frau.

„Niedere Minne“, auch Mädchenlieder genannt.


Sie ist an ein „vrouwelin“ oder „maget“ gerichtet
„vrouwelin“ = junge adelige Frau
„maget“ = junge nicht adelige Frau
Auch Tagelieder gehören dazu drücken Abschiedsschmerz nach einer unerlaubter
Liebesnacht aus

Minnesänger

• Entstammen ritterlichen und fürstlichen Kreisen


• Nicht nur Dichter  komponieren zum Text, auch passende Melodie
• Begleiten sich selbst, mit der „fidel“ (Geige) oder lassen sich von einem
„singerlin“ (Sänger) damit begleiten

Arten des Minnegesangs

• Botenlied
Ritter schickt mit Boten Liebesbotschaft an Dame, nach Gespräch mit dieser kehrt Bote
zurück und redet mit Ritter
• Frauenstrophe
enthält Rede der Frau über ihre Liebe (Monolog)
• Wechsellied
gibt Gespräch zwischen Dame und Ritter wieder (Dialog)
• Tagelied
es kommt am Morgen zu einer schmerzlichen Trennung der Liebenden
• Klagelied
es wird der Tod eines Fürsten, einer Frau oder zu geringer Minnelohn beklagt
• Tanzlied
fordert zum Tanz auf und begleitet ihn
• Kreuzlied
Aufforderung zur Kreuzfahrt
Das Lied:
Der gesamte Minnegesang ist „Sang“ und nicht gesprochene oder gelesene
Dichtung.

Der Spruch:
Einstrophiges Gedicht mit einfachem Aufbau und Themen zur Politik und zum
Tagesgeschehen.

Überlieferung des Minnegesangs

Wird ursprünglich von Mund zu Mund verbreitet.


Bald jedoch werden sie auf Pergamentstreifen geschrieben und zu Gedichtbüchlein
gebunden.
Ende des 13. Jahrhunderts entstehen erste Liederhandschriften.

Schönste und größte  „Heidelberger Handschrift“ auch „Manessische Handschrift“


genannt (nach Ratsherrn Manesse, der sie anfertigen lies, benannt)

Walther von der Vogelweide (ca. 1170 – 1230)


Geburtsort: Südtirol oder Niederösterreich, Abstammung nicht nachweisbar, jedoch
sicher ritterbürtig

Ausbildung als Minnesänger am Hofe der Babenberger in Wien, wo


Reinmar von Hagenau sein Lehrmeister wird.
Walther war neben Reinmar auch Hofsänger.
Er schreibt Minnelieder im konventionell- höfischen Stil  bringts zur Meisterschaft
Als Friedrich I. stirbt muss Walther den Wiener Hof verlassen, da Friedrichs
Nachfolger ihm seine Gunst entzieht.

Im Dienste Philipps von Schwaben (1197-1200)


Drei Reichssprüche z.B: ich saz uf eime steine
Aus Minnesänger wird Spruchdichter
Während Wahlstreit und Kampf zwischen Papst und Kaiser (Investiturstreit: Jeder
wollte selber Bischofsämter besetzen) tritt er in Spruchdichtungen für Macht, Idee
und Größe des Reiches ein.
Philipp enttäuscht Walther  verlässt königlichen Hof  fahrender Sänger (für 12
Jahre)

fahrender Sänger (1200- 1212)

Bekommt eine Reiserechnung des damaligen Bischofs, bei Zeizelmauer an der


Donau, welche die einzige urkundliche Erwähnung von ihm ist. Dieser gibt Walther in
der Urkunde auch Geld für einen Winterpelz.

Er löst sich aus dem engen Formenkreis, was zu einer Erweiterung und
Bereicherung seiner Kunst führt.
Benützt seine Erfahrungen als Anregungen für die volksmäßige Lyrik. D.h. seine
Minne gilt jetzt nicht mehr einer „vrouwe“ sondern einem „vrouwelin“ oder „maget“.
Nicht die hohe sondern die niedere Minne wird gepriesen.
Die Lieder sind eine Synthese zwischen romanischer und einheimischer Tradition 
Abrücken vom Modeideal des Frauendienstes und der Weltfremdheit des
Minnedienstes. Die Gedichte zeigen volkstümliche Motive und Natürlichkeit, ohne
Rücksicht auf höfische Schranken.
Er leidet unter kaltem Winter und besingt daher die Wonnen und Freuden des
Frühlings und des Sommers.

Im Dienst Ottos IV. und Friedrich II. (1212- 1220)

Nach Ermordung von Philipp von Schwaben tritt er in den Dienst von Otto IV.
Er widmet ihm die 3 großen Kaisersprüche z.B. „Her keiser, sit ir willekomen…“
Die 3 Papstsprüche enthalten scharfe Zurückweisung der päpstlichen Politik.
Otto IV. versagt in der Reichspolitik  der Staufer Friedrich II. wird zum Gegenkönig
gewählt, Walther geht zu ihm über
Friedrich gibt ihm ein kleines Lehen, ein Rittergut in der Nähe von Würzburg.

1220-1228

Walther hat endlich ein eigenes Zuhause.


Aus seinen letzten Gedichten spricht Lebensweisheit und Abkehr von der Welt.
Er wurde etwa 60 Jahre alt. Sein Grab soll sich im Neumünster in Würzburg
befunden haben.

Walther Bedeutung als Dichter

Bereits zu Lebenszeiten wurde seine Bedeutung anerkannt und gewürdigt.


Er war der größte Lyriker des Mittelalters und gehört zu den genialsten lyrischen
Dichtern der Weltliteratur. Walther ist Minnesänger und politischer Spruchdichter
zugleich. Er vereinigt in seinem Werk heimische Tradition (donauländische) mit der
romanisierenden (Lyrik des Ritters mit dem des Fahrenden). Sein Werk behandelt
Frauen-, Herren- und Gottesdienst.
In den Liedern der hohen Minne erweist er sich als Formkünstler mit einer bisher
nicht gekannten Meisterschaft und Reinheit. Durch eingefügte Naturbilder setzt er
sich über alles Steife hinweg.
Die Spruchdichtung führt er zur künstlerischen Höhe und bringt ein Spiegelbild der
politischen Ereignisse dieser Zeit.

5.) Beschreiben Sie die Zeit des Barocks mit deren Menschenbilder
und Stil Merkmalen. Berücksichtigen Sie dabei historische
Grundlagen. Charakterisieren Sie Epoche am Beispiel
Grimmelshausen.

Historische Grundlagen
Beginnt bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jhd., geprägt durch den 30 jährigen
Krieg zwischen Katholiken und Protestanten. Dadurch wurden Landschaft und
Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen. Westfälischer Frieden zerschlägt
„Deutschland“ in 100 einzelne Fürstentümer. England steigt zur kolonialen Weltmacht
auf.

Gesellschaftliche Entwicklung
Verfall des Bürgertums und des Bauernstandes >> Städte werden Kulturzentren.
Es entsteht eine französische Lebensform. Neue höfische - aristokratische Zeit,
Fürstenhöfe ahmen Frankreich nach. Das Führt zum Ruin des Bauernstandes.
Literatur leidet auch darunter und die Literatur im Dienste der Fürsten entstand.
Endgültige Lösung der Literatur durch die Kirche (Mäzen – Sponsoren).

Ausbildung – Bildung
Förderung des Schulwesens (feste Schulen entstehen)
Aufschwung des Buchhandels
Erste Tageszeitung entsteht (Relationen)

Religion
Rekatholisierung – neureligiöse Verinnerlichung zu einer Flucht zu Gott.
Protestantische Kirche verliert ihren revolutionären Schwung.
Der Teufelskult und die Hexenprozess dauern immer noch an.

Barocke Baukunst
Träger der Barockkultur wurden die Fürstenhöfe. Als Vorbild wurde der französische
Königshof Versailles genommen. Es wurden Prunkvolle Schlösser mit weitläufigen
Parkanlagen gebaut(Schloss Schönbrunn, Belvedere, Karlskirche, Stift Melk). Sie
wollten die Natur beherrschen(Bäume und Sträucher wurden in Kugel oder
Kegelform geschnitten) >> französischer Gartenstil.
• Stein und Ziegel als Baumaterial
• Kuppelbau und Zwiebelturm
• Kolossalordnung –Säulen über mehrer Stockwerke
• Grundrisse zeigen Geschwungenlinien
• Dachlinie verläuft Stufenförmig
• Parkähnliche Gartenanlagen
• Malerei und Plastiken rauschende Bewegungen
• Hell und Dunkel fließende Konturen
Baukunst
Fischer von Erlach
Lukas von Hildebrandt
Jakob Prandtauer

Malerei
Paul Trogen
Peter Paul Rubens
Rembrand

Literatur
Die Menschen erkannten das Vergängliche der Literatur, Malerei und Graphik.
Der Tod als Sensenmann und die Vergänglichkeit der weiblichen Schönheit.
So entstand das „memento mori“ (gedenke deines Todes) und daraus das „carpe
diem“ (den Tag genießen).
Poetik
Gleichgültigkeit gegenüber der Kunstform, derbe Töne verwilderte Formen. Es
entstehen feste Kunstgesetzte nach dem Vorbild aus dem französischem und der
Antike. Der Barocke Dichter brauchte sprachliche Begabung und Wissen über
Formen der Dichtkunst. Lehrbuch der Dichtkunst von Martin Opitz.

Sprache
Die Entwicklung der hochdeutschen Sprache war noch nicht abgeschlossen.
Sprachgesellschaft reinigt die Sprache von Fremdwörtern und bietet dafür deutsche
Wörtern an.

Roman
Der deutsche Roman im 17.Jhd. war im Bann fremder Vorbilder(Italien Spanien).
Schäferromane(Liebesroman) aus England und Frankreich
Heroisch-galante(politische Romane) Roman aus Frankreich
Schelmenroman(Abenteuer Roman, Held ist ein Schelm) aus Spanien
Robinsonaden(Reiseroman) Vorbild „Robinson Crusce“

Bedeutenste Roman „Der Abenteuerliche Simplicissimus“ von Hans Jakob


Grimmelshausen(1622-1676). Grimmelshausen stammt aus einer Handwerksfamilie
er ist schon im Kindesalter als Troßbube in den 30jährigen Krieg geraten. Erstieg
zum Regimentschreiber auf. Nach dem Krieg wurde er Verwalter in gräflichen
Diensten. Er tritt zum Katholizismus über und schreibt seinem Roman.

Inhalt:
Simplicius wächst auf einem Bauernhof auf nachdem seine Mutter starb. Dieser wird
von Kürasieren überfallen. Simplicius flieht zu einem Einsiedler (sein Vater). Dieser
lehrt ihm Lesen und Schreiben. Nach seinem Tod wird Simplicius Hofnarr bei einem
Schwedischen Gubernator. Als Soldat lernt er Reiten und Fechten, er wird Gefreiter
und Schlussendlich der berühmt Jäger von Saest. Er erwirbt bei den adeligen ein
Vermögen dass ihm von den Schweden wieder genommen wurde und er verarmt
und geht nach Paris wird dort Schauspieler im Louvre. Durch die Blattern verliert er
in Deutschland seine Schönheit. Er gerät auf die schiefe Bahn und wird
Straßenräuber. Durch das zusammen treffen mit seinem Alten Freund, Herzbruder
kommt er wieder auf die rechte Bahn. Er bereut seine Sünden und geht auf Wallfahrt.
Er nimmt neue Kriegsdienste an und Wird Hauptmann in Wien. Nach dem Tod seiner
ersten Frau und Herzbruder wird er katholisch und gerät fast wieder auf die schiefe
Bahn. Er heiratet ein zweites Mal und erwirbt ein Landgut. Er trifft seine Zieheltern
und erfährt von seiner adeligen Herkunft. Das Steigt seiner Frau zu kopf und sie
stirbt in Trunksucht. Er übergibt sein Landgut seinen Zieheltern und reist zum
Mummelsee in Schwaben. Er zieht mit seinem schwedischen Oberst Richtung
Russland. Als er zurück kam war der Krieg vorbei er zieht sich auf dem Hof seiner
Ziehelter zurück und wird schließlich Einsiedler

• Erzählform ist eine Autobiographie


• Die Linienführung des Romans ist klar und Übersichtlich
• Deutlich ist die Ähnlichkeit mit dem „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach.
Simplicius und Parzival wachsen beide in Weltfremdheit auf, verlieren früh ihre
Eltern, erfahren erst spät ihre adelige Herkunft, ihr Leben erstreckt sich von
der frommen Einfältigkeit über Weltverstricktheit und Sünde zur Läuterung
und zurück zu Gott. Simplicius wird Soldat Parzival wird Ritter!
• Schauplatz des Romans ist Österreich Deutschland Schweiz Frankreich und
Russland

Thema 6: Vorklassik
3 bedeutendsten Dichter der Zeit
Verdienste Lessings und große Werke

Vorklassik (1750 – 1770)


Mitte des 18.Jhdts gibt es 3 geniale Dichter die durch die deutsche Literatur
internationales Ansehen gewinnen. Jeder von ihnen erwächst aus einer anderen
Zeitströmung die er zu Höhe führt und in ihrer Einseitigkeit überwindet. Jeder kommt
in einem anderen Gebiet zu Großleistungen sodass die Lyrik, Epik und Dramatik
einer Erneuerung erfahren.
Dichter Klopstock Wieland Lessing
Zeitströmung Barock, Pietismus Rokoko *² Renaissance und
1
* , Empfindsamkeit Aufklärung
Dichtungsform Lyrik Epik Drama und Kritik
1
* … übersteigende protestantische Richtung
*² … übersteigender Barock

Unterschied zwischen Barock und Rokoko:


Der Rokoko ist viel verspielter als der Barock, es gibt keine geraden Linien mehr
sondern, es ist alles geschwungen und abgerundet. Der Rokoko konnte nicht überall
angewendet werden z.B. bei Gebäuden, aber es wurden runde Ketten, runde
Fenster, usw. erstellt.

Bedeutendste Werke:
Klopstock: Messias (22.000 Verse), erschien seit 1748 in mehreren Fassungen
Wieland: "Zwölf moralische Briefe in Versen", "Geschichte des Agathon",
"Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don
Sylvio von Rosalva"

Vereint werden dann diese 3 Richtungen im Klassizismus Goethes und Schillers


Rationalismus des Rokokos, der Aufklärung und den Irrationalismus der
Empfindsamkeit zu harmonischer Synthese ( zw. Geist und Gefühl ) vereinen.

Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1881)


Sohn eines evangelischen Stadtpfarrers, studiert Theologie, gibt aber das Studium
auf, um sich der Literatur zu widmen. Seinen Unterhalt verdient er sich als freier
Schriftsteller, wobei er eigentlich als Rezensent ( Literaturkritik ) tätig war. Er war der
bedeutendste Kritiker des deutschen Dramas.
Nimmt am 7-jährigen Krieg teil, gewinnt Einblick in die Problematik eines
Besatzungsregimes. Dadurch angeregt schreibt er das Lustspiel „Minna von
Barnhelm“.
Lessing wird als Kritiker und Dichter der Wegbereiter der deutschen Klassik und
zugleich ihr erster Vertreter.
Lyrik und Didaktik
Nur als junger Mensch schreibt er Gedichte, denn er selber meint er sei kein Lyriker.
Seine Gedichte sind unselbständige Nachahmungen der Rokokodichtung => Liebes
und Trinklieder.
Später kam dann das Epigramm, es war eine Sammlung von „Sinngedichten“. Ein
Epigramm besteht aus einer Neigung zu schlagender, witziger, Prägung der
Gedanken.
Fabeln:
Um die Zuspitzung eines Gedankens handelt es sich auch in seinem nur zum Teil
selbstständig erfundenen Fabeln. Andere Fabeldichter waren La Fontaine, Lessing
konsentriert sich aber nur auf einen, nämlich den Vater der Fabeln, den Griechischen
Aesop und strebt an eine knappen, schmucklosen, gedanklich scharfen Prosa an.
Der größte Fabeldichter Europas ist La Fontaine. Er schreibt Versfabeln in denen die
Tiercharaktere und die Handlungen breit und ausführlich dargestellt werden.
Altgriechischer Fabeldichte Aesop schreibt knappe Inhaltsangaben für
verlorengegangener Fabeln, Lessing ahmt diese Form nach, kurze Prosafabeln ohne
Nebenschmuck in lehrhafter Manier und verbindet sie am Schluss mit einer Moral.
Abhandlungen über die Fabel, knappe Kürze und Betonung der Moral. Er gibt der
Prosafabel einen hohen pädagogischen Wert.
Kennzeichnung der Tragödie: Protagonist stirbt am Ende (5. Jhdt.)

Dramen:
„Miss Sara Sampson“
Inhalt:
Wüstling Mellefont entführt Sara, die Tochter von Sir William Sampson, weil er die
Zustimmung zu einer Heirat nicht geben will. Marwood (ehemalige Geliebte von
Mellefonts) hat ein uneheliches Kind (Arabella), will Mellefont wieder zurück. Dies
gelingt ihr nicht => Rache => Sie vergiftet Sara und flieht. Mellefont ersticht sich
neben der Leiche Saras, auf deren Wunsch nimmt Sir William das Kind zu sich.
Personengruppierung:
Mellefont steht als Zentralfigur zwischen zwei gleichgroßen Personengruppen.

Sara - Mellefont - Marwood


Vater Arabella

Tragische Liebesspektakel einer verführten bürgerlichen Mädchens. Der Konflikt zwi.


Liebe und Gesellschaft ergibt das Problem. Sara folgt dem Zug ihres Herzens, gerät
dadurch in Widerspruch zur Gesellschaft. Sie stellt die Liebestreue über die
Vorschriften der Gesellschaft.
Literarische Bedeutung:
Das Bürgermilieu stand sich bisher nur in Komödien.
„Miss Sara Sampson“ ist somit das erste bürgerliche Trauerspiel in der deutschen
Literatur. An „Miss Sara“ schließen sich später an:
„Emilia Galotti“
„Die Kindesmörderin“ (Heinrich Leopold Wagner)
„Kabale und Liebe“ (Friedrich Schiller)
die Gretchentragödie im „Faust“ (Wolfgang von Goethe)
„Die Weber“
„Liebelei“ (Arthur Schnitzler)

In „Miss Sara“ werden zum ersten Mal antike Motive in modernes Gewand gekleidet.
Marwood ist eine moderne Medea
Lessings Drama stelle eine deutliche Abkehr von den Franzosen dar, da ihm das
bürgerliche Trauerspiel der Engländer als Vorbild dient.
Neu ist auch der Gebrauch der Prosa im ernsten Drama, für das Gottsched von
Alexandriner vorgeschrieben hat. Das im Drama dargestellte Motiv des Grafen von
Gleichen, das nach Lessing immer wieder behandelt wird, gemeint damit ist das
Motiv des schwachen Mannes zwischen zwei Frauen.

Man nennt das Motiv des Mannes zwischen zwei Frauen deshalb das Motiv des
Grafen von Gleichen, weil in einer alten Sage ein Graf von Gleichen zwischen zwei
Frauen steht, denen er beiden zu Dank verpflichtet ist. Der verheiratete Graf gerät
auf einen Kreuzzug in Gefangenschaft. Nur durch die Heirat mit einer Sarazenin
entgeht er seinem Tod. Zu Hause findet er seine erste Frau vor, die treu auf ihn
gewartet hat. Ausnahmsweise gestattet der Papst, dass er mit beiden Frauen
verheiratet bleibt (Vergleiche auch das Bild von Moritz v. Schwind).

In „Emilia Galotti“ , „Götz von Berlichingen“ , „Kabale und Liebe“ taucht diese Motiv
nach Lessing immer wieder auf. Die Erstaufführung der „miss Sara“ findet unter
großem Beifall statt.

„Minna von Barnheim oder das Soldatenglück“. Ein Lustspiel in 5 Aufzügen.


(Schiller: „Die Räuber“ )
Die Schauplätze des Stückes sind Vorstadtgasthöfe, wo sich ein Stück in den
zweifelhaften Schicksalen der entlassenen Offiziere und Mannschaften nach dem
Siebenjährigen Krieg abspielt.
Inhalt:
Ein Major Tellheim zahlt die Kriegskontribution (Beitrag) von den Ständen eines
sächsischen Kreises aus seinem Privatvermögen. Diese Tat erwirbt ihm die Liebe
eines sächsischen Edelfräuleins Minna. Wegen einer Armverletzung (in dem Krieg)
wird er entlassen und durch eine Verdächtigung schwer in seiner Liebe gekränkt.
Nach dem Kriegsende finden wir ihn in einem Berliner Gasthof. Zuletzt muss er beim
Wird seinen Verlobungsring versetzen (verpfänden). Durch den verpfändeten Ring
erfährt Minna von Tellheims Anwesenheit und seiner ärmlichen Lage. Sie will seine
Gefährtin bleiben und ihn heiraten. Er meint als armer Mann habe er kein Recht ihre
Hand zu halten und zieht sich von ihr zurück. Minna beschließt zu einer List zu
greifen. Sie heiratet als Tarnung den Wirten um den Ring wieder zu bekommen.
Überdies will sie ihm mitteilen, dass sie enterbt worden sein und daher bei Tellheim
Schutz sucht. Es kommt zu einem Umschwung in Tellheim und er will nun nicht mehr
auf Minna verzichten. Ein Bote bringt ein Schreiben des Königs, das dem Majo Ehre
und Vermögen wiedergibt. Es kommt zur Aufdeckung des Spiels und schlussendlich
zur Vereinigung der Liebenden.
Zeitgeschichte und nationale Eigenschaften, übersteigertes Ehrgefühl sind
Aufbauelemente des Stückes.

Das Thema:
Die Lebenswürdigkeit der Sächsinnen überwindet den Starrsinn. Der logische
Verstand und die Schlauheit der Frau erobern den Mann.

Sächsische Gruppe: Preußische Gruppe:


Minna Tellheim
Wirt
Franziska Diener Just
Graf von Bruchsall Wachtmeister Werner

Hilfsfiguren: Dame in Trauer, Feldjäger, Riccaut de la Marliniére

Klar und übersichtlich sind die Personen gruppiert.


Die männliche Preußengruppe wird der weiblichen Sachsengruppe
gegenübergestellt.
Jeder Hauptspieler hat eine dienende und freundschaftlich helfende Figur.
Aufklärung und französischer Klassizismus.
So wird später der Ausgangspunkt für das spätere Drama Schiller und Goethes
gelegt, das durch strenge mathematische Architektonik gekennzeichnet ist.

Die Charaktere:
Ein ganzer Stand, der Soldatenstand, wird auf die Bühne gebracht.

Die literarische Bedeutung:


Minna von Barnhelm ist das erste deutsche Lustspiel, das deutsches, nicht fremdes
Leben auf die Bühne stellt.
Der Stoff ist aus der Zeitgeschichte (nach dem siebenjährigen Krieg) genommen und
die
Handlung ist frei erfunden.
Ausgangspunkte viele Soldatenstücke:
„Der zerbrochene Krug“ (Heinrich v. Kleist), „Weh dem, der lügt“ (Franz Grillparzer),
„Der Biberpelz“ (Gerhart Hauptmann)

„Nathan der Weise“


Inhalt:
Nathan, ein reicher Jude, dessen Frau und sieben Söhne seinerzeit von Christen
niedergemetzelt worden sind, kehrt von einer erfolgreichen Geschäftsreise zurück. Er
erfährt, dass in seiner Abwesenheit sein Tochter Recha bei einem Brand in
Lebensgefahr gewesen und durch einen Tempelherrn gerettet worden ist. Diesen
Templer hat im letzten Kriegszug der Sultan als einzigen Gefangenen nicht hinrichten
lassen. Er hat ihn in einer plötzlichen Gefühlswallung begnadigt, weil er ihn an seinen
verschollenen Bruder erinnert hat. Nathan sucht nun dem edlen Retter seinen Dank
abzustatten. Er schickt Daja, die Gesellschafterin Rechas, zum Templer, um ihn
einzuladen. Diese Einladung lehnt der Tempelherr aber ab.
Auch einen vom Patriarchen von Jerusalem geschickten Klosterbruder weist er brüsk
zurück, als ihn dieser als Spion oder Mörder des Sultans für den französischen Krieg
gewinnen will.
In seiner Geldnot beschließt der Sultan Saladin über Rat seiner Schwester Sittha,
von dem reichen und weise Nathan Gekd zu erpressen. Nathan sucht den Templer
auf. Er gewinnt ihn zum Freund, als er ihm nach langer Diskussion schließlich erklärt:
„Wir haben beide/Uns unser Volk nicht auserlesen. Sind/Wir unser Volk? Was heißt
denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude/Als Mensch?“
Der Tempelherr besucht Recha, die ihm schwesterlicher Zuneigung zugetan ist, in
die sich aber der Templer leidenschaftlich verliebt.
Nathan erzählt dem Sultan die Parabel von den drei Ringen (Buch Seite 82).
Ein Mann hatte einen Ring der von unschätzbarem Wert war und er geheime Kraft
gehabt habe. Er hatte auch drei Söhne. Er ließ noch zwei gleiche Ringe anfertigen.
Nach seinem Tod behauptet jeder der drei Söhne, sein Ring sei der rechte. Doch
dies sei unerweislich geblieben, fast so wie „uns jetzt der rechte Glaube“. Der
Richter, vor den die drei Brüder getreten seien, habe erklärt: „Eure Ringe sind alle
drei nicht echt. Der echte Ring, vermutlich ging verloren. Den Verlust zu bergen, zu
ersetzen, ließ der Vater, die drei für einen machen!“ Da man nicht erwarten könne,
habe der Richter gemeint, dass der echte Ring den Mund öffne, rate er jedem Sohn,
zu beweisen, dass sein Ring der echte sei. Der rechte Ring mache ja vor Gott und
Menschen angenehm. Saladin wünscht sich, von der Weisheit Nathans tief
erschüttert, diesen zum Freund. Nathan wieder bietet ihm nun selbst sein Geld an.
Der Tempelherr sucht Nathan auf und gesteht ihm, dass er Recha liebe und zur Frau
begehre. Als der Templer von Daja erfährt, dass Recha nur eine angenommene
Tochter und eine Christin ist, steigen in ihm böse Gedanken auf.
Der Tempelherr sucht nun den Patriarchen auf, um ihn um Rat zu fragen. Als dieser
auf seine diesbezügliche Frage erklärt, ein Jude, der ein Christenkind als Jüdin
erziehe, werde verbrannt, stellt er, ob solchen Fanatismus erschreckt, seine Frage
nur als „gedacht“ hin. Er gewinnt die Freundschaft des Sultans, der ihm helfen will
Recha zur Frau zu bekommen. Der Patriarch lässt mittlerweile durch den
Klosterbruder nach jenem Juden forschen, der ein Christenkind bei sich aufziehe.
Der Klosterbruder gibt sich Nathan als jener Reitknecht zu erkennen, der hm vor 18
Jahren ein Mädchen überbracht hat. Ein Gebetbuch, dass er noch besitze, enthalte
die Abstammung des Mädchens, das er ihm im Auftrag seines Herrn übergeben
habe.
Der Klosterbruder bringt das Gebetbuch, das nun Klärung schafft. Des Sultans
Bruder hat als Gefangener in Deutschland geheiratet und zwei Kinder gehabt, einen
Knaben und ein Mädchen. Der Knabe ist unter der Obhut seines Oheims in
Deutschland zurückgelassen worden. Das Mädchen wurde durch einen Reitknecht
dem Juden Nathan in Pflege übergeben.
Nathan schildert wie das gefundene Gebetbuch alles aufgeklärt habe: Der
Tempelherr sei Rechas Bruder, beider Vater aber jener verschollene Bruder Saladins.
Sultan Saladin nimmt sie beide an Kindes Statt an. Übrigens hat Nathan die als
Tochter angenommene Recha nicht als Christian, aber auch nicht als Jüdin, sondern
in einer von allen Konfessionen freuen, über die Religionen bestehenden, im Herzen
aller Menschen wohnenden Weltanschauung erzogen, wie sie edle Humanität nahe
lege.

Die Personengruppierung:
Die Personen gliedern sich in drei symmetrisch aufgebaute, einander entsprechende
Gruppen. Jede Gruppe umfasst eine Frau, einen älteren und einen jüngeren Mann:
!!! Alle drei Gruppen sind gleichwertig !!!
Christliche Gruppe: Mohammedanische Jüdische Gruppe:
Gruppe:
Tempelherr (jung) Saladin (jung) Nathan (alt)
Recha Sittah Daja
Patriarch (alt) Derwisch (alt) Klosterbrder (jung)
Die drei Religionen sind durch die Personenkonstellation ineinander verschränkt
(integriert).

Nathan trägt die Züge von Lessings Freund Mendelssohn.

Aufbau und Sprache: Die Linienführung des Dramas ist außerordentlich kunstvoll,
symmetrisch ausgewogen, einfach, klar und leicht überschaubau gestaltet.

1. Akt: Nathan 3. Akt: Recha


2. Akt: Saladin 4. Akt: Tempelherr
5. Akt: gibt dann das Zusammenspiel aller
Die Handlungsführung ist sicher und übersichtlich (Einführung, Einleitung). Wieder
bringt der 3. Akt den Höhepunkt. Besonders kunstvoll wird die Exposition
dargeboten, indem der Reihe nach die drei Kreide der Juden, Mohammedaner und
Christen vorgestellt.
Das Drama ist im Blankvers (reimloser Vers, der aus fünf Jamben besteht)
beschrieben.

Das Thema: Die Anregung zu dem Stück bietet der Streit Lessings mit Pastor Goeze,
wobei es um die Frage nach der wahren Religion und ihrem Wesen geht.

Die Handlung des Dramas soll die Humanitätsidee veranschaulichen. Es ist


gleichgültig, welcher Nation oder Konfession ein Mensch angehört, wenn er nur
wahre Nächstenliebe und echte Menschlichkeit besitzt.
Verbunden mit der Humanitätsidee ist die Toleranzidee. Wahre Menschlichkeit steht
über der Nation und Konfession.
Nicht auf die Form der Frömmigkeit, sondern auf den Gehalt der Frömmigkeit kommt
es an, auf das praktische Arbeiten und Gutsein in der Welt. Lessing nimmt also eine
kosmopolitische Haltung ein.
Dramentypus und literarische Bedeutung: Mit dem Werk „Nathan der Weise“
begründet Lessing das hohe Ideendrama.
Es hat folgende Merkmale:
1. Wesentlich ist der Gehalt, die Idee, der tiefere Sinn, der Symbolwert des
Dramas. Im Mittelpunkt steht eine sittliche Idee, die durch die Handlung
veranschaulicht wird. Die Handlung spiegelt dabei vorzüglich das Innere, das
seelische Erleben der Person wider.
2. Strenger, kunstvoller, symmetrisch ausgewogener Aufbau
3. In Versen abgefasst (Blankvers)
4. Feierliche, gepflegte, poetisch erhöhte, mit allgemeinen Sentenzen
(Lehrspruch) und Bildern geschmückte Sprache.

„Nathan der Weise“ ist das erste hohe Ideendrama der deutschen Literatur. Es stellt
den Höhepunkt der Aufklärung und gleichzeitig deren Überwindung dar, indem es
aus der Enge des moralisierenden Gottscheddramas zu einem von allgemein
menschlicher Ethik getragenen Humanitätsdrama führt. Besonders die Klassik
Goethes und Schillers greift später diesen Typus an.

Lessings Bedeutung als Dramatiker


• Lessing begründet das neuere deutsche Drama. Alles späteren großen
Dramatiker sind ihm verpflichtet: Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller,
Heinrich von Kleist, Franz Grillparzer und Gerhart Hauptmann.
• Als Dramatiker hat Lessing:
1. Musterdramen geschaffen für
a) Vorbild für Soldatenstücke (Heinrich von Kleist: „Der zerbrochene
Krug“; Franz Grillparzer; „Weh dem, der lügt!“; Gerhart Hauptmann:
„Der Biberpelz“
b) Das bürgerliche Trauerspiel mit „Miss Sara Sampson“, „Emilia Galotti“
(Muster für Friedrich Schiller: „Kabale und Liebe“; Johann Wolfgang
Goethe Gretchentragödie im „Faust“.
c) Hohe Ideendrama (wird Ausgangbasis für Friedrich Schiller: „Don
Carlos“; Johann Wolfgang Goethe: „Iphigenie und Tauris“)
2. symmetrischer, übersichtlicher Aufbau, und ebensolche Personengruppierung,
streng motivierte Handlungsführung; geistvoller Dialog; sorgfältige
Personencharakteristik; Verwendung der Prosa und des Blankverses
3. Zeitgeist gestaltet (den Nationalismus in „Minna von Barnhelm“, die
bürgerliche Selbstbesinnung in „Emilia Galotti“, den Humanitäts- und
Toleranzgedanken in dem Ideendrama „Nathan der Weise“; durch diese
eingebaute Aktualität erreicht das Drama Beseelung und Lebendigkeit)
4. das deutsche Drama begründet (besonders mit „Minna von Barnhelm“) und
5. Theatergestalten geschaffen, die zu stehenden, immer wieder nachgeahmten
Bühnenfiguren werden:

Thema 7:
Analysieren Sie die Zeit des Sturm und Drang. Gehen Sie dabei auf
die drei großen Gruppierungen dieser Zeit ein und charakterisieren
Sie deren Hauptvertreter.

Sturm und Drang (1770 – 1785)

Der Sturm und Drang ist eine literarische Revolution, in der sich die um 1770
auftretende Jugend gegen die rationalistische Aufklärungskultur wendet.
Die neue literarische Bewegung fordert Freiheit von Sitten- und Kunstgesetzen, sie
fordert Natur, Genie, Lebensweisheit, Wahrheit, Originalität und nationales Wesen.

Es lassen sich 2 Gruppen von Dichtern unterscheiden:

• Solche, die infolge zu starker Gefühlsbetonung durch Empfindsamkeit und


Weltschmerz gekennzeichnet sind (passive Richtung)
• Solche, die von pathetischer Kraftgenialität strotzen (aktive Richtung)

Der junge Goethe und der junge Schiller gehören beide den Sturm und Drang an
(aktive Richtung)

Anregungen und Vorbilder finden sich im eigenen Land und im Ausland:

1) Schon der Pietismus ist in Deutschland eine mächtige Gegenströmung gegen


die einseitige Verstandesherrschaft der Aufklärung. Klopstock wächst aus dieser
Bewegung. Zu ihm bekannt sich die neue Jugend geradezu leidenschaftlich. Er wird
ihnen zum angebeteten Vorkämpfer.
2) Im Stammland der Aufklärung, in Frankreich, ist dem einseitigen
Rationalismus ein heftiger Gegner entstanden, den Deutschland als führenden
Revolutionär jubelnd begrüßt.

Jean Jacques Rousseau (1712 – 1778)

Hauptwerke:

1)

In “Le contrat social“ (“Gesellschaftsvertrag“) und anderen staats- und


gesellschaftswissenschaftlichen Schriften behandelt er politische und soziale
Fragen, wendet er sich gegen den Absolutismus und bereitet die französische
Revolution vor.

2)

“Emile ou de l’edurcation“ ist ein Erziehungsroman, in dem Rousseau gegen eine


zu weitgehende Entfernung von der Natur für eine naturgemäße Erziehung eintritt.

Rousseau verlangt Rückkehr zur Natur, denn der Mensch sei von Natur aus gut; erst
die Entfernung von der Natur durch die Kultur habe ihn schlecht gemacht.
Die Städte sind für ihn der Abgrund der Menschheit. Dieser Kulturpessimismus
wendet sich gegen den optimistischen Fortschrittsgedanken der Aufklärung.

Rousseau hasst die Städte und preist das Landleben. Durch ihn wird die Vorliebe für
einfache, primitive, ländliche Verhältnisse geweckt und der Sinn für die
Landschaftsschilderung neu belebt. Pflanzen und Tiere betrachtet man nun wieder
mit Liebe und Ehrfurcht, ebenso die Naturvölker und Kinder, Menschen, die sich vom
Naturzustand, vom Urzustand nicht weit entfernt haben, gelten als ein Bild der
Reinheit und Vollkommenheit. Rousseaus Kritik an der rationalistischen Kultur
und seine Lehre von der ursprünglichen Güte und Helligkeit der Natur, vom einzigen
Wert der Unschuld und Einfachheit und Einfalt mythischer Vorzeit, seine
Verteidigung der Emotionalität gegenüber dem Verstand wirken mächtig auf die
jungen Stürmer und Dränger. Die ganze Zeit ist erfüllt von dem lauten Ruf: “Zurück
zur Natur!“

Auch England liefert Vorbilder:

Shakespeare wird das große Vorbild für die neuen Dramatiker.

Edward Young sucht in seinen “Gedanken über die Originalwerke“ eine


Begründung der neuen Lehre vom Genie. Unter “Originalgenie“ versteht Young das
Schöpferische im Menschen, jenen Künstler vor allem, der nicht Nachahmer ist,
sondern aus ursprünglicher Kraft schafft. Keine übernommene Fertigkeit oder
Regel darf die angeborene Schaffenskraft binden und einengen.
 Gegen literarisches Regelwerk: Opitz, Gottsched
In der angeblichen Übersetzung von Gedichten des altkeltischen Sängers Ossian
durch den Schotten James Macpherson – in Wirklichkeit sind dies eigene
Schöpfungen Macphersons, wenngleich unter Einfluss alter Überlieferung – glaubt
man ein wertvolles Zeugnis der ersehnten volkhaften Naturdichtung zu besitzen. Die
düster – schwermütigen Stimmungswerte dieser sentimentalen Heldenpoesie üben
auf die deutsche Lyrik großen Einfluss aus. Ossians Lieder werden auch vertont und
finden in fast alle Bürgerhäuser Eingang.

Johann Gottfried Herder (1744 – 1803)

Einer seiner Lehrer ist Immanuel Kant, der ihn auf Rousseau verweist. In regem
Verkehr steht er auch mit Hamann durch den er mit Shakespeare und Ossian
bekannt wird.
Hauptwerk: “Stimmen der Völker“

3 Gruppen für den Weg zur deutschen Klassik


1) Göttinger Hainbund
2) Rheinische Stürmer und Dränger
3) Schwäbische Gruppe

1. Der Göttinger Hainbund

Es fand sich ein Göttinger Universität ein Kreis junger Akademiker zusammen, die
einen literarischen Freundschaftsbund schließen. Nach dem Ort der ersten Feier und
in Anlehnung an Klopstocks Ode “Der Hügel und der Hain“ nennen sie sich “Hain“.
Sie geben einen Musenalmanach (deutsche Literaturzeitung) heraus, in dem sie
ihre Gedichte veröffentlichten.

Ludwig Hölty (1748 – 1776)

ist lungenkrank und stirbt bereits mit 28 Jahren. In seinen von Todesahnung und
demütiger Gottergebenheit erfüllen schwermütigen Gedichten besingt er die
Freundschaft, den Frühling, harmlose Jugendlust und die Erinnerung an geliebte Tote
in volksliedhaftem Ton. Durchaus noch dem Rokoko verpflichtet, wird Hölty doch
durch immer wieder aufklingendes echtes Erleben ein Wegbereiter in die Zukunft.

Johann Heinrich Voss (1751 – 1826)

schreibt im Banne Jacques Rousseaus mehrere Versidyllen über das naturnahe


einfache Leben eines Dorfschulmeisters (“Der siebzigste Geburtstag“) oder eines
Landpfarrers (“Luise“ ist ein ländliches Idyll und wird der Vorbild für Goethes Epos
“Hermann und Dorothea“). Voss’ Hauptverdienst aber liegt darin, dass er Homer
meisterhaft übersetzte (“Odyssee“, “Illias“)

Gottfried August Bürger (1748 – 1794)


wird der Begründer der deutschen Kunstballade.
In seiner berühmten Ballade “Lenore“ holt sich das Gespenst eines gefallenen
Soldaten in nächtlichem Ritt seine Braut ins Schattenreich. Liedartiger Refrain,
wirksame Klangmalerei, volkstümliche Wort- und Bildkraft kennzeichnen seine
Balladen.
Außerdem macht Bürger durch die geschickte Bearbeitung einer englischen Vorlage
die “Lügengeschichten von Münchhausen“ zu einem bis heute beliebten
Volksbuch.

2. Die rheinischen Stürmer und Dränger

Ein zweites Sturm- und Drang-Zentrum bildet sich in Straßburg am Rhein, wo sich
Studenten der dortigen Universität zu einem Freundschaftsbund zusammenfinden.
Diese rheinischen Stürmer und Dränger sind leidenschaftliche Revolutionäre, die
die neuen Ideen nicht nur in der Dichtung, sondern auch im Leben durchsetzen und
verwirklichen wollen. Sie sind gekennzeichnet durch Empfindsamkeit, Genialität,
Originalität, unbändigen Freiheitsdrang und Begeisterung für Rousseau. Sie stellen
Natur gegen Kultur, Gefühl, Instinkt und Leidenschaft gegen den Verstand,
Nationales gegen Fremdes und Selbstherrlichkeit gegen Regelzwang. Sie nennen
sich selbst Genie oder Kraftkerl.
Dem aktivistischen Temperament dieser aufbrechenden Jugend entspricht am besten
die dramatische Form der Dichtung. So sind daher die bedeutendsten Vertreter nicht
Lyriker (wie bei Hainbündlern) sonder Dramatiker.

Zu ihnen gehören Reinhold Lenz, Heinrich Leopold Wagner, Friedrich Maximilian


Klinger und der junge Goethe.

Reinhold Lenz (1751 – 1792)

ist der unkonventionellste und neben Goethe wohl der begabteste Vertreter dieser
Gruppe. Sein Leben endet in Armut und Wahnsinn.
In seinen Dramen behandelt er Gesellschaftsfragen in krassem Naturalismus. So
schildert das Drama “Die Soldaten“, den Schauplatz häufig wechselnder Form die
Verführung eines bürgerlichen Mädchens durch einen adeligen Offizier und ihren
Abstieg zu einer Landstreicherin, nachdem der skrupellose Verführer aus
Standesrücksichten eine Heirat abgelehnt hat. Innerhalb des bürgerlichen
Trauerspiels wird hiermit die Spielart des Ständedramas begründet, da die soziale
Umwelt als schicksalsgestaltende Macht auftritt.
Den gleichen Konflikt zwischen Liebe und Gesellschaftsordnung behandelt das
Drama “Der Hofmeister“. Ein bürgerlicher Hauslehrer verführt seine adelige
Schülerin, deren Vater eine Heirat verhindert.
Eine moderne Bearbeitung dieses Dramas führt Bert Brecht in seinem “Hofmeister“
(1950) durch.

Heinrich Leopold Wagner (1747 – 1799)

gestaltet in seinem Drama “Die Kindesmörderin“ seine Version des damals


hochaktuellen Themas, das auch für Goethe erster Anlass zu seiner Faustdichtung
wird. Es ist in einem rücksichtslosen Naturalismus geschrieben, wie er sich dann erst
wieder 1880 findet.

Friedrich Maximilian Klinger (1752 – 1831)

überarbeitet in seinen Dramen alle Theaterstücke seiner Zeit.


Sein “Sturm und Drang“ gibt der ganzen Bewegung den Namen.

Der junge Goethe

wird zum anerkannten Führer des Sturmes und Dranges.


In der Zeit von 1770 bis 1771 schließt er an der der Straßburger Universität seine
Rechtsstudien ab und wird dort besonders durch Herder für die Sturm und Drang –
Bewegung gewonnen. Aus der erlebten pathetischen Kraftgenialität des Sturmes und
Dranges erwächst das Schauspiel “Götz von Berlichingen“. Die weltschmerzliche
Empfindsamkeit und der Gefühlskult der neuen Bewegung finden ihre reinste
dichterische Verkörperung in dem Roman “Die Leiden des jungen Werthers“ und in
“Stella“, einem Schauspiel für Liebende.

3. Die schwäbische Gruppe

Auch in Schwaben bildet sich eine zwar kleine, aber umso rührigere
Revolutionsgruppe, die über die Erneuerung der Dichtung hinaus nach politischem
Umsturz strebt.

Christian Schubart (1739 – 1791)

War der erste Parteigänger der jungen Bewegung.


Er schreibt politische Tendenzgedichte, unter denen besonders “Fürstengruft“ und
“Kaplied“ leidenschaftliche Anklagen gegen das entartete und gewalttätige
Fürstentum seiner Zeit erheben. Er wird auch der erste politische Märtyrer unter den
Dichtern des deutschen Bürgertums. Die freimütigen Artikel in seiner Zeitschrift
“Deutsche Chronik“ tragen ihm zehn Jahre Haft auf der Festung Hohenasperg ein.

Der junge Schiller

wird zum anerkannten Führer der schwäbischen Gruppe.


Seine Jugenddramen sind von leidenschaftlichem Freiheitsdrang erfüllt.
“Die Räuber“ tragen den Untertitel “in Tirannos“ (d.h. gegen die Tyrannen!). Von
gleichem Geiste sind seine Dramen “Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ und
“Kabale und Liebe“ getragen.
Der junge Goethe und der junge Schiller gehören zunächst auch der neuen
Bewegung an. Doch für sie bedeutet der “Sturm und Drang“ lediglich eine
jugendliche Entwicklungsstufe, von der sie sich in späteren Jahren distanzieren
sollten.
Thema 8:
Charakterisieren Sie das Leben des jungen Goethe als Stürmer und
Dränger. Analysieren Sie dabei seine Werke „Götz von Berlichen“
und „Die Leiden des jungen Werthers“.

Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832)

Der junge Goethe (1749 – 1775)

wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren.

Hat eine um 1 Jahr jüngere Schwester.

steht als Kind im Bann des ausgehenden Hochbarocks und wendet sich dann der
spielerischen Art des Rokokos zu.

Jugendwerke im Stil des „Hochbarocks“, des „Rokokos“ und des „Sturmes und
Dranges“.

Mütterlicherseits stammt er aus einer Frankfurter Patrizierfamilie. Sein Vater ist


Rechtsgelehrter und hat den Titel eines „kaiserlichen Rates“ erhalten.

Nach dem Willen seines Vaters erhält er Privatunterricht.


Goethe ist sprachbegabt und hat auch zeichnerisches Talent. Er wird auch in
Sportarten (z.B.: Reiten oder Eislaufen) unterrichtet.
Seine spätere Begeisterung für das Theater wird schon früh durch eine
Puppenbühne geweckt.
Goethes erstes großes Jugenderlebnis war der Siebenjährige Krieg.

Am Ende seiner Kindheit steht das Erlebnis der Kaiserkrönung Josephs II. in
Frankfurt. Bei diesem Ereignis lernt er ei Mädchen kennen, das als „Frankfurter
Gretchen“ aufscheint und dessen Name im „Faust“ (1. Teil) weiterlebt.

Danach geht Goethe auf die Universität nach Leipzig. Er soll Rechtswissenschaft
studieren, beschäftigt sich aber vor allen mit Literatur und Kunstgeschichte.

Goethe erkrankt schwer, muss seine Studien unterbrechen und nach Frankfurt
zurückkehren. Nach der Erholung geht Goethe auf Wunsch seines Vaters nach
Straßburg (Doktorat) und macht dort seine Abschlussprüfungen. Während seines
Aufenthaltes in Straßburg schließt er sich den „Stürmern und Drängern“ an.
Schicksalshaft wird sein Kontakt mit Johann Gottfried Herder, der wegen eines
Augenleidens in der Stadt weilt und Goethe für seine Ideen zu begeistern versteht.

Goethe verliebt sich leidenschaftlich in Friederike Brion, verlässt sie jedoch wieder
im Gefühl, sich nicht an sie binden zu können. Aus diesen Tagen blieben die
„Friederiken-Lieder“, in denen Goethe einen ursprünglichen, erlebnishaften Ton
findet, sie zu vergessen.

Er geht auf Wunsch seines Vaters nach Wetzlar an das Reichskammergericht. Dort
verliebt er sich leidenschaftlich in Charlotte Buff. Sie ist ab bereits mit Goethes
Freund, dem Legationsrat Kestner verlobt. Goethe begeistert sie Mütterlichkeit, des
19 jährigen Mädchens, wie sie den Haushalt ihres Vaters führt und die jüngeren
Geschwister betreut. „Lotte“ entscheidet sich für ihren verlobten. Zur Überwindung
seines Liebesleides schreibt Goethe „Die Leiden des jungen Werthers“ (1774).

Anschließend unternimmt Goethe die erste Reise in die Schweiz. Ehe er Frankfurt
verlässt, trifft er mit dem jungen Herzog Karl August von Sachsen-Weimar
zusammen, der ein Verehrer von Goethes Jugendwerken ist und ihn nach Weimar
einlädt.

Herzog Karl August heiratet und lädt Goethe auf seiner Hochzeitsreise in Frankfurt
wieder nach Weimar ein. Goethe sagt zu und trifft Anfang November 1775 in Weimar
ein. Aus diesem Besuch wird ein Bleiben für immer.

Goethes erste Weimarer Jahre (1775 – 1786)

Goethe wird zum Präsidenten der Kammer ernannt, womit er die höchste Stelle nach
dem Fürsten erreicht hat. 1782 wird er von Kaiser Joseph II. geadelt. Goethe
übernimmt jetzt auch Staatspolitische Aufgaben, denen er sich 10 Jahre widmet.
Nach dieser 10 jährigen Arbeit blickt er zurück als: Kriegs- und Finanzminister, als
Leiter der inneren Verwaltung samt Berg- und Forstwesen, als Leiter des
Unterrichtswesens und als außenpolitischer Berater des Herzogs.
Nach dem Willen der Mutter, des Herzogs, soll sich Goethe des jungen, erst 18
jährigen Herzogs auch erzieherisch annehmen.

Goethes endgültige Loslösung vom Sturm und Drang, wird nur zum Teil durch die
Hingabe an seine Tätigkeit und durch sein freiwilliges Erzieheramt beim jähzornigen
und eigenwilligen Herzog Karl August herbeigeführt. Vollendet wird sie mit der
Freundschaft mit Charlotte von Stein.

Dichterische Arbeiten:

“Iphigenie“, “Tasso“ (beides Dramen) und “Wilhelm Meister“ (Roman)

Die italienische Reise (1786 – 1788)

Goethe fährt über Florenz nach Rom, wo ihn die Kultur der Antike umgibt. Er
begeistert sich für das klassische Ebenmaß, die Einfachheit und Anschaulichkeit und
lernt die antike Kunst mit Winckelmanns Augen anzuschauen und empfindet ihre
„edle Einfalt und stille Größe“, als Anerkennung jedes Stilgesetzes, das nicht das
individuelle, sondern das allgemein Menschliche zum Ausdruck bringen will. Als
oberstes Kunstgesetz schwebt ihm eine ausgewogene Harmonie der einzelnen Teile
beim Zusammenfügen zu einem festen Organismus vor. Goethe beschließt alles in
Weimar Geschaffene einer Umarbeitung zu unterziehen, deren äußeres Merkmal die
Anwendung der gebundenen Rede anstelle der Prosa ist. Die Schönheit und der
Reichtum der Natur veranlassen in zu neuen botanischen und geologischen
Studien. Freundschaftlicher Verkehr mit Künstlern fördert die Lust an
Kunstgesprächen und regt eigene Versuche an. Unter Anleitung seiner Freunde
fertigt Goethe etwa 1000 Landschaftszeichnungen an. Der italienische Aufenthalt ist
für ihn eine Zeit des harmonischen Zusammenklanges von Freiheit, Kunst und
Geselligkeit. Italien schenkt ihm Lösung aus innerer Not, Festigung und Klärung
seiner künstlerischen Zweifel und die Erkenntnis zum Dichter berufen zu sein.

Im April 1788 nimmt er von Rom Abschied und kehrt als gefreiter Mann zurück.

Nach der Rückkehr aus Italien (1788 – 1794)

Das Publikum wendet sich von Goethe ab und Schiller zu. Die Hofgesellschaft
beginnt sich darauf hin von dem Dichter zurückzuziehen, sodass er in Vereinsamung
gerät. Auch die französische Revolution von 1789 verschärft Goethes Missstimmung,
da er alles gewaltsame ablehnt. Die Arbeit an seinen Werken geht nur langsam
voran. Wehmütig gedenkt er seinen „Römischen Elegien“. Er „flüchtet“ in
naturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Studien.

Der Bund mit Schiller (1794 – 1805)

Nach einer Sitzung in der Naturforschen Gesellschaft, kommen Goethe und Schiller
erstmals ins Gespräch. Bald entwickelt sich eine innige Freundschaft. Schiller
übersiedelt nach Weimar, und so treffen sie sich jeden Tag zu einem
Gedankenaustausch. Goethe erlebt nun ein neues Aufblühen seiner dichterischen
Kraft.
Das Ergebnis gemeinsamer Arbeit mit Schiller sind Goethes Xenien, und Balladen.
Mit Schillers Anteilnahme verfasst Goethe den Roman „Wilhelm Meisters
Lehrjahre“, das Epos „Hermann und Dorothea“. Schiller drängt ihn auch dazu an
seiner „Faust“ – Arbeit weiterzumachen, was Goethe dann auch tut.

Die Zeit zwischen Goethes Rückkehr aus Italien und Schiller Tod umschließt im
engeren Sinn die „Weimarer Klassik“, dich sich durch die maßvolle und harmonisch
ausgewogene Darstellung des Allgemeinen und Typischen zur Aufgabe setzt.

Schillers früher Tod, 1805, trifft Goethe sehr hart.

Der alte Goethe (1805 – 1832)

Die nächsten Jahre nach Schillers Tod bringen Krieg und Verwirrung über
Deutschland. Im Jahr 1806 geht das heilige römische Reich unter, und Preußen
bricht im Zug der Napoleanischen Kriege zusammen.
Der heraufkommenden Romantik steht Goethe anfangs freundlich, später aber
ablehnend gegenüber. Er erstrebt eine Weltliteratur über die Granzen einer bloßen
Nationalliteratur hinaus, und interessiert sich lebhaft für die moderne Literatur
Europas für: Lord Byron und Walter Scott (Hauptwerk: Ivanhoe). In den letzten
Lebensjahren wird es immer einsamer um Goethe. Fast alle Freunde der früheren
Jahre sterben vor ihm, auch sein eigener Sohn August.
Ansätze zur Naturwissenschaft:

In seiner Jugend hört er Vorlesungen über Medizin, Physik und Chemie. Nach seiner
Ankunft in Weimar ist er vor allem an der Stöchiometrie. Durch seine Beschäftigung
mit einen Bergwerk wird er in die Geologie eingeführt. Er schreibt „Abhandlung
über den Granit“, was ein zu einem Meisterwerk im deutschen Prosa wird.

Beim Studium des menschlichen Skeletts entdeckt er den Zwischenkieferknochen.


Die Anatomen seiner Zeit leugnen das Vorhandensein dieses Knochens beim
Menschen, erkennen ihn bloß den Affen zu, um daraus einen eigentümlichen
Unterschied zwischen Menschen und Affen erklären zu können. Sein Versuch aus
der vergleichenden Knochenlehre, dass der Zwischenknochen der oberen Kinnlade
des Menschen mit den übrigen Tieren gemeinsam sei, ist die erste historische
Abhandlung, die überhaupt in der vergleichenden Anatomie geschrieben wird und
beweist, dass der Knochenbau des Menschen keine Ausnahme innerhalb des
Tierreiches darstellt. Der „Entwurf einer allgemeinen Einleitung in die
vergleichende Anatomie“ ist sein Hauptwerk auf diesem Gebiet. Aus einem
allgemeinen Typus wird da die Gesamtheit der tierischen Formen abgeleitet.

Auf dem Gebiet der Botanik schreibt er die Arbeit „Versuch die Metamorphose der
Pflanzen zu erklären“.

In seinen Arbeiten auf dem Gebiet der Optik stellt er sich gegen die Theorie von
Isaac Newton, der die Farben aus dem weißen Licht abgeleitet hat.

Werke
„Götz von Berlichen mit der eisernen Hand“ - Schauspiel

Anregungen von Herder.

Die Anregungen haben 3 Quellen:

1) Aus seinem Jusstudium und seinem Schuldgefühl gegenüber Friederike Brion.

2) Im Rahmen seines Jusstudiums beschäftigt er sich mit der Rechtsgeschichte des


Spätmittelalters, mit dem Faustrecht sowie alten Chroniken und stößt dabei auf die
Gestalt Götz.

3) Als er wieder in Frankfurt angekommen ist schreibt er dem Straßburger Aktuar Dr.
Daniel Salzmann:

„Ich dramatisiere die Geschichte eines der edelsten Deutschen, rette das Andenken
eines braven Mannes“ (gemeint: Götz)

Die Sprache des in Prosa abgefassten Dramas ist derb – naturalistisch und
volkstümlich mit Anklängen an die Sprache Martin Luthers und an die
Ausdrucksweise von Hans Sachs.
Den Stoff, über den er „Sonne, Mond und Sterne“ vergießt, entnimmt er der 1731
gedruckten Selbstbiografie des fränkischen Ritters Götz von Berlichen.
Dieser historische Götz verliert 1505 durch einen Schuss seine rechte Hand, die er
durch eine eiserne ersetzt und macht viele Fehden, Türken und Franzosenkriege mit.
Seine Selbstbiografie bietet Goethe nur eine bunte Folge einzelner kriegerischer
Abenteuer ohne irgendwelche ursächliche Verknüpfung. Daneben drängt es Goethe,
auch eigene Erlebnisse in dichterische Bilder umzusetzen. So drückt er in Götz seine
jugendlich-revolutionäre Stimmung aus.

Inhalt:

Auf seiner Burg in Jagsthausen lebt der ehrenfeste Ritter Götz. Nachdem die
mittelalterliche Ritterwelt, durch die Einführung des römischen Rechtes endgültig
versinkt, bleibt Götz seinen Ritteridealen treu. Die Ehre verpflichtet ihn zur Treue und
zum Dienst gegenüber seinem Herrn und Kaiser Maximilian I.
Zu Beginn des Dramas finden wir ihn in einer Fehde (Privatkrieg) mit dem Bischof
von Bamberg, auf dessen Seite auch Götzens ehemaliger Jugendfreund Adalbert
von Weislingen steht. Götz nimmt Weislingen gefangen und nimmt ihn zu sich auf
seine Burg. Götz entlässt Weislingen wieder zurück nach Bamberg, wegen der
Verlobung mit Götzens Schwester Maria, damit er seine Angelegenheiten vor der
Hochzeit regeln kann. Jedoch wird Weislingen wortbrüchig und heiratet Adelheid von
Walldorf, und bestimmt sogar, Götzens Burg von Truppen belagern zu lassen. Nur
dem rechtzeitigen Eingreifen seines Schwagers Franz von Sickingen, der
mittlerweile seine Götzens Schwester Maria geheiratet hat, verdankt es Götz, dass er
die Freiheit zurückerhält. Er muss Frieden schwören und sich von nun an ruhig auf
seiner Burg aufhalten. Die Bauern nötigren ihn aber ihr Führer zu sein, und seine
Feinde haben nun einen Grund, Götz ins Verderben zu schicken. Weislingen selbst
erwirkt das Todesurteil für Götz, obwohl sich dieser von den Bauern losgesagt hat, da
sie, entgegen seinem Verbot, rauben und brennen. Im neu aufflammenden Kampf
wird Götz schwer verwundet und gefangen genommen. Mittlerweile beschließt
Adelheid jedoch ihren Weislingen aus dem Weg zu räumen und lässt ihn vergiften.
Das Todesurteil gegen Götz zerfällt. Adelheid wird von einer heiligen Feme (Gericht)
wegen Ehebruchs und Mordes zum Tode verurteilt.
Maria kommt zu spät um die Nachricht von Götzens Begnadigung zu überbringen.
Götz stirbt an seinen Wunden. Freiheit ist sein letztes Wort.

Aufbau:

Zwei ineinander verschlungene Dramen:

1) Das Götzdrama, das dem ritterlichen Ideal der Selbsthilfe verbunden bleibt.
2) Das Weislingendrama, das das Rechtsideal, die überindividuelle Gerichtsbarkeit
der Neuzeit vertritt.

Motive und Charaktere:

Mit der Gestalt Götz entwickelt Goethe das Motiv des Selbsthelfers. Solche
Selbsthelfer gestalten in weiterer Folge Schiller mit Karl Moor und Wilhelm Tell, Die
Räuber, Heinrich Kleist mit Michael Kohlhaas und Otto Ludwig mit dem Erbförster
Ulrich.
Götz wird zum vollkommensten Ausdruck des Kampfes für Freiheit und
Unabhängigkeit gegen Konvention und Regelzwang, für die Rousseausche Natur.
In der Weislingentragödie finden wir das Motiv des Grafen von Gleichen, des
Mannen zwischen zwei Frauen.

Der Erfolg des „Götz von Berlichen“ ist sehr groß. Nach dem Vorbild des Götzdramas
entstehen sehr viele Ritterdramen und Ritterromane, die die Motive des
Goetheschen Dramas immer wieder variieren. Diese durch den „Götz“
hervorgerufene Vorliebe für Ritterstücke hält bis tief in das 19. Jh. hinein an.

Die literarhistorische Bedeutung des „Götz“ besteht in der Überwindung des


französischen Regeldramas.

„Die Leiden des jungen Werthers“ – Briefroman

Aufbau:

Der zweiteilige, nicht umfangreiche Roman enthält im ersten Teil nur Briefe Werthers
an seinen Freund Wilhelm. Erst im zweiten Teil wird die Brieffolge vereinzelt von
Berichten des Herausgebers unterbrochen.
Diese Art der persönlich-subjektiven Schilderung wird „Ich-Erzählperspektive“
genannt. Durch sie erhält zwar der Leser Einblick in die intimste Gefühlswelt des
Schreibers, jedoch wird selten objektiv dargestellt, in welcher Beziehung der
Schreiber zu seinen Mitmenschen steht.

Inhalt:

Werther ist einerseits ein hochbegabter Gefühlsmensch mit viel Liebe zur Poesie,
besonders zu Ossian und Homer, und zur Natur, andererseits aber ohne
Widerstandskraft gegenüber seinen Stimmungen. Er lernt vor der Fahrt zu einem
ländlichen Ball Lotte, die anmutige Tochter des Amtmannes S. kennen. Er fühlt sich
sofort zu dem Mädchen hingezogen. Auch ihr Hinweis während des Balles, dass sie
mit Albert, einem braven Manne, verlobt sei, kann seine wachsende Liebe in der
Folgezeit nicht einbremsen. Während jedoch Lotte entschlossen ist, ihrem Bräutigam
treu zu bleiben, fällt es Werther schwer sich zu beherrschen.
Werther lernt auch Albert kennen. Um nun eine menschliche Tragödie zwischen dem
Brautpaar und sich zu vermeiden, reist er ab, um zu versuchen, durch tätige Arbeit
die Kraft des Verzichtes zu gewinnen.
Werther wird Attaché bei einem Gesandten, doch die kleinliche Engherzigkeit seiner
neuen Umbebung und die ihn demütigende Zurückweisung, die er bei seinem
Werben um ein adeliges Mädchen findet, treiben ihn dazu, seinen Posten
aufzugeben und zu fliehen. Er wird nun Sekretär auf dem ländlichen Gut eines
Grafen. Da ihn auch diese Arbeit nicht befriedigt und er erkennt, dass er fern von
Lotte keine Ruhe finden kann, kehrt er zu dieser zurück, die mittlerweile Albert
geheiratet hat. Er findet, dass Lotte an seiner Seite glücklicher geworden wäre als an
der des trocken-nüchternen Kaufmannes Albert. Eines Tages verliert er alle
Selbstbeherrschung und reißt Lotte leidenschaftlich in seine Arme. Diese weist ihn
jedoch zurück und flieht vor ihm. Da Werther nun erkennt, dass er mit Lotte nicht
leben darf, und da er glaubt, ohne Lotte nicht leben zu können, erschießt er sich in
der Nacht vor Weihnachten des Jahres 1772. Er ist an Lotte, die nicht der Macht der
Leidenschaft, sondern der Konvention folgt, verzweifelt.

Stoff:

Den Stoff liefern weitgehend Goethes persönliche Erlebnisse.

1) So eine unglückliche Liebe zu Charlotte Buff, der Braut und späteren Gattin seines
Freundes Johann Christian Kestner während der Sommermonate des Jahres 1772.

2) Der Selbstmord seines Wetzlaer Freundes Karl Wilhelm Jerusalem, der sich
wegen seiner ausgewogenen Liebe zu einer verheirateten Frau mit der von Kestner
geliehenen Pistole im Herbst 1772 erschießt.

Die Entsagung seiner Liebe zu Miximiliane („Maxe“), die als Tochter der
Romanschriftstellerin Sophie von La Roche seit Jänner 1774 mit dem verwitweten
Frankfurter Kaufmann italienischer Herkunft Peter Anton Brentano verheiratet und
damit Stiefmutter von fünf Kindern ist. Eifersüchtig geworden, verbietet Brentano
dem Hausfreund, mit seiner Gattin zu musizieren und sein Haus zu betreten (vgl.
Goethes Verhältnis zu Charlotte Buff).

3) In der Gestalt des Werther verschmelzen Goethe selbst und der unglückliche
Jerusalem. Für Lotte, die an der Konvention festhält, gelten Charlotte Buff und die
„schwarzen Augen“ der Maximiliane als Vorbild. Albert trägt manche Züge Kestners
und Brentanos. Gestalten und Ereignisse sind zwar dem Leben entnommen, aber
durch die Phantasie frei verbunden und gestaltet.

Gehalt:

Goethe zeichnet im Roman die Selbstzerstörung eines edlen, aber


willensschwachen, empfindungsseligen, innerlich und äußerlich vereinsamten jungen
Menschen, der zu seinem Unglück von einer jungen Frau, die ihm nicht gehören
kann, Erlösung erhofft.

• Der Roman wird in viele Sprachen übersetzt.


• Die Kleider Werthers, nämlich der blaue Frack, die ledergelbe Weste und
Hose sowie die Stiefel mit braunen Stulpen, werden zur Grundlage der
„Werthermode“. „Eau de Werther“ verleiht ihn dazu eine besondere Duftnote.
• In Leipzig wird das Buch wegen Gefährdung der Moral verboten.
• Nachahmungen, Parodien und Bänkelsängerlieder entstehen in großer Zahl.
• Ulrich Plenzdorf bringt 1972 „Die neuen Leiden des jungen W.“ zuerst als
Drama, dann als Roman heraus. Die Helden heißen jedoch nicht Werther und
Lotte, sondern Edgar und Charlie. Endet Werther durch Selbstmord, so kommt
Edgar durch einen Unfall ums Leben.
„Prometheus“ – Ode

Die Ode „Prometheus“ verkörpert den revolutionären Trotz, das Streben nach
unbeschränkter Freiheit und das Unbehagen gegenüber jedwedem Regelzwang in
der Dichtung. Prometheus, der in der griechischen Sage gegen den Willen des Zeus
den Menschen das Feuer bringt, wird durch Goethe zu einem Symbol der Sturm- und
Drangzeit.

Inhalt:

In der Hymne "Prometheus" schreibt Goethe einen Ruf Prometheus’ an die Götter,
der von Spott, Hohn und Vorwürfen geprägt ist.

Gleich von der ersten Zeile an redet Prometheus Zeus mit dem freundschaftlichen,
aber im Falle der Götter verachtungsvollen und rebellischen „Du“ an. In Zeile 3 stellt
er ihn gar auf eine kindliche Stufe und wirft ihm vor, aus Langeweile Zerstörung
anzurichten – genau wie Jungen aus dem selben Grund Disteln die Köpfe
abschlagen. Schon in der ersten Zeile benutzt Prometheus anmaßend den Imperativ
("Bedecke").

Daraufhin in der zweiten Strophe wirft er nicht nur Zeus, sondern allen Göttern vor,
sich „kümmerlich“ (Z. 15) von den Opfern gutgläubiger Kinder und Bettler zu
ernähren und bekennt ebenso beleidigend: „Ich kenne nichts Ärmer’s/Unter der
Sonn’ als euch Götter“ (Z. 13-14). Auch er habe sich verirrt und gutgläubig in der
Hoffnung auf ein offenes Ohr und Hilfe an die Götter gewandt – jedoch nicht die
Götter hätten ihm geholfen, sondern sein eigenes „heilig glühend Herz“ (Z. 34). Somit
stellt sich Prometheus nicht nur mindestens ebenbürtig zu den Göttern dar, Goethe
nimmt auch Bezug zum Geniebegriff der „Sturm und Drang“-Epoche, die unter einem
Genie einen völlig im Einklang mit der Natur stehenden Menschen mit fast göttlichen
Fähigkeiten verstand.

In den darauf folgenden Strophen vier wie fünf setzt Goethe viele rhetorische Fragen
ein, um den vorwurfsvollen Ton Prometheus’ zu verstärken, der nun den Göttern
vorwirft, weder geheilt noch gelindert zu haben und ihnen seine Ehrfurcht verweigert.
Nicht die Götter, sondern die Zeit und das Schicksal hätten ihn „zum Manne
geschmiedet“ (Z.43). Mit der Vorgabe, die Götter nicht zu achten, formt er in der
letzten Strophe gar Menschen nach seinem Bild. Diese Selbstdarstellung und Hybris
wird weiter getragen mit den letzten Worten „wie ich“ und über das ganze Gedicht
hinweg mit unterschiedlich langen Versen und Strophen unterstützt.

All diese Äußerungen und Taten zeigen deutlich, wie Prometheus die Götter
entthronisiert – sie leben untätig und ausnutzend, während er Göttergleiches leistet.

Dieser Inhalt ist typisch für den Sturm und Drang. Der geniale (wobei der Begriff des
Genies in der Zeit des Sturm und Drangs anders definiert wurde als heute),
schöpferische Mensch, sprengt alle Fesseln und Konventionen und erstarkt an
Schicksalsschlägen (weicht ihnen nicht aus).

Thema 9????

Thema10:
Friedrich Schiller (1759-1805, 46 Jahre)

Leben:

Seine Vorfahren stammen aus einem schwäbischen


Bauerngeschlecht(möglicherweise aus Tirol eingewandert).Schillers Vater, Johann
Caspar Schiller, Sohn eines Bäckermeisters, wird Regimentsmedikus in
Württemberg, nimmt am 7 jährigen Krieg Teil, wird Werbeoffizier in Lorch und als
letztes Verwalter der herzoglichen Gärten und Baumschulen des Schlosses Solitude.
Er ist ein Befürworter der Aufklärung. Seine Mutter (geborene Elisabeth Dorothea
Kodweiß), ist eine Gastwirtstochter aus Marbach. Schiller wird als zweites Kind der
Eltern in Marbach geboren.

Nach dem Umzug nach Ludwigsburg, besucht er dort die Lateinschule um sich für
den Predigerberuf vorzubereiten. Auf Befehl des Herzogs Karl Eugen von
Württemberg muss er jedoch auf das Theologiestudium verzichten und in die von ihm
neu gegründete Militärpflanzschule eintreten. Die Herrschaft des Herzogs ist eine der
übelsten von allen deutschen und italienischen Fürsten des 18. Jhdts(F Könige
wollen das nachahmen um ihre prunkvollen Schlösser zu bauen). Der Herzog
verkauft Soldaten als Söldner ins Ausland.

Nach der Militärpflanzschule kommt Schiller auf die Militärakademie, wo er zuerst


Rechtswissenschaften und später Medizin studiert. Er begeistert sich für Klopstock,
Rousseau, Shakespeare, Ossian, Goethe und die Stürmer und Dränger. Im Bann
des Sturm und Dranges und aus Auflehnung gegen die Willkür des Fürsten und aus
übertriebenem Schulzwang entsteht sein erstes Schauspiel „Die Räuber“.

Als er die MilAk beendet hat wird er Regimentsmedikus in Stuttgart. Er veröffentlicht


„Die Räuber“ anonym im Selbstverlag und wohnt der Uraufführung ohne Erlaubnis
bei. Die Wirkung des Stückes ist gewaltig. Aufgrund einer Beschwerde eines
Schweizer Kantons über das Stück verbot der Herzog jede weitere poetische
Betätigung von Schiller. Darum entschließt er sich zur Flucht nach Mannheim.

Trotz des großen Erfolgs der „Räuber“ hat der „Deserteur“ große Probleme
Unterstützung zu finden. Darum gerät er bald in bittere Not. Gerettet wird er von der
Einladung der Mutter eines Schulfreundes, die ihm auf ihrem Gut eine Zuflucht bietet.
Dann wird ihm die Stelle als Theaterdichter in Mannheim angeboten.

Als der Vertrag nach einem Jahr nicht erneuert wird, versucht er, von Schulden
bedrückt, sein Geld als freier Schriftsteller zu verdienen. Zu der wirtschaftlichen Not
kommt noch die aussichtslose Liebe zur Freifrau Charlotte von Kalb. Als
willkommene Hilfe kommt die Einladung von zwei jungen Männern, Ferdinand Huber
und Christian Körner, nach Leipzig.

Bald entwickelt sich eine äußerst innige Freundschaft zwischen Schiller und Körner.
Daher gibt es einen Briefwechsel der beiden bis zum Tod Schillers. Im Haus von
Körner verbringt er die glücklichste Zeit seines Lebens. Ohne Geldsorgen kann er
ausschließlich für die Dichtung leben.
Um seinem Freund nicht mehr zur Last zu fallen, will er sich neben Goethe eine
Existenz in Weimar schaffen. Er wird auch in den herzogischen Hof eingeführt, kann
sich aber nicht in die höfische Etikette finden. Außerdem ist Goethe noch auf seiner
Italienreise. Er beschließt nach Volkstädt bei Rudolstadt zu ziehen.
Bald fühlt er sich zu Charlotte von Lengefeld hingezogen, die dann auch seine Frau
wird. Er beginnt sich vom Sturm und Drang zu lösen und beschäftigt sich mit den
Dichtungen Homers und der griechischen Tragiker, die er auch teilweise ins
Deutsche übersetzt. Schiller wir als zuerst unbesoldeter Geschichtsprofessor an die
Universität von Jena berufen.

In der zeit als Professor entsteht als Hauptwerk „Die Geschichte des Dreißigjährigen
Krieges“. Dich erkrankt er an einer Lungenentzündung an der er fast stirbt, und
wahrscheinlich der Grund für seinen frühen Tod ist. Irrtümlicherweise wird Nachricht
von Schillers Tod verbreitet, die sogar in Dänemark Jens Baggesen erreicht, der ein
sehr großer Verehrer von Schiller ist. Er veranstaltet sogar eine ergreifende
Totenfeier für ihn. Als er den Irrtum bemerkt gewinnt er den Erbprinzen von
Schleswig-Holstein dafür, Schiller für drei Jahre eine jährliche Pension von 1000
Talern zu gewähren. Dadurch wird es ihm möglich sich nach seiner Genesung zu
schonen. Er hört auf sich mit Geschichtsstudien zu befassen und wendet sich der
Philosophie zu. Besonders beschäftigt er sich mit der Kantischen Philosophie.
Diesmal schafft er es mit Goethe Freundschaft zu schließen und im Zuge dessen
kommt es zu seiner reichsten dichterischen Schaffensperiode.

In beiden erwacht von neuem die in wissenschaftlicher Beschäftigung fast


untergegangene Lust an dichterischer Produktion. Für beide erweist sich der
geschlossene Freundschaftsbund fruchtbar. Schiller verbringt seine letzten fünf
Lebensjahre sogar in einem eigenen Haus in Weimar. Er wird aber immer wieder von
Schmerzen und Schwächezuständen überfallen. Als Ehrung für sein dichterisches
Schaffen wird er sogar vom Kaiser in den Adelsstand erhoben. Gemeinsam mit
Goethe versucht Schiller das Weimarer Theater in eine klassizistische Musterbühne
umzuformen. Nach neuerlicher Hinwendung zur Poesie bringen beide gemeinsam
zwei Musenalmanache heraus. Der enthält die gemeinsam geschaffenen Xenien, der
andere im Wetteifer entstandene Balladen. Danach entstehen in schneller Folge
Schillers Meisterdramen: „Maria Stuart“, „Die Jungfrau von Orleans“, „Die Braut von
Messina“ und „Wilhelm Tell“.

Schiller stirbt 46 jährig am 9. Mai 1805.

Die Räuber

Hauptmotiv ist das im Sturm und Drang oft verwendete Thema der feindlichen
Brüder.

Quelle ist die Erzählung „Zur Geschichte des menschlichen Herzens“ von Christian
Schubart.

Das Werk ist in leidenschaftlich-durchglühter Prosa und mit geschraubten und


gesuchten Bildern sowie drastischen Bildern geschrieben.

Inhalt: Graf von Moor hat 2 ungleiche Söhne, Karl und Franz. Karl ist ein edel
veranlagter Idealist, voll Tatendrang, Empfindsamkeit und tiefe des Gefühls. Seine
äußere Erscheinung ist von männlicher Kraft und Schönheit, aber auch unbeherrscht
und leichtsinnig.
Sein Bruder Franz ist klein, hässlich, ein teuflischer Bösewicht wie Shakespeares
Richard III.
Karl studiert in Leipzig, gerät in schlechte Gesellschaft und macht Schulden. Er wird
von reue erfasst und ringt sich dazu durch sich mit dem Vater wieder zu versöhnen
und sich zu bessern. Beide Brüder lieben das selbe Mädchen, Amalia, deren Herz
aber Karl gehört. Franz schafft es, durch gefälschte Briefe den Bruder aus dem
Herzen des Vaters zu verdrängen, der Karl darauf enterbt und verstößt. Damit Franz
das Erbe antreten kann, lässt er den nach einer Ohnmacht für tot gehaltenen Vater
schnell begraben. Aber ein Diener versteckt den scheintoten Grafen in einem
einsamen Turm im Wald und erhält ihn durch kümmerliche Nahrung am Leben. Franz
triumphiert, aber Amalia lässt sich auch durch Gewalt nicht von Karl abbringen und
bleibt ihm treu.
Karl fühlt sich aus der menschlichen Gesellschaft ungerecht verstoßen, deshalb will
er sich selbst und allen anderen von der Gesellschaft verstoßenen zum Recht
verhelfen. Er sammelt Freigeister und gründet eine Räuberbande, die ihn zu ihrem
Hauptmann wählt. Er wir ein „edler“ Räuber der nicht aus Egoismus oder Mordgier
handelt, sondern die Ungleichheiten in der Gesellschaft ausgleichen will. Er stiehlt
bei den Reichen und gibt es den Armen. (kenn ma eh)
Durch Sehnsucht nach Amalia, erscheint er eines Tages vor dem väterlichen
Schloss, das die Räuber plündern und in Brand stecken. Franz erdrosselt sich, von
Todesangst erfüllt. Karl findet den eingesperrten Vater, der aber vor entsetzen stirbt,
als er den Sohn als Räuber sieht. Karl kann Amalia vor den Räubern nur retten, in
dem er sie selbst tötet. Jetzt packt ihn aber auch das entsetzen. Er erkennt seine
Torheit, die darin bestanden hat, Gesetz durch Verbrechen erhalten zu wollen. Er hat
zwar manchmal Böses bestraft, aber dadurch auch das Gute in Trümmer
geschlagen. Daher beugt er sich der göttlichen Gerechtigkeit und übergibt sich selbst
dem Gericht.

Das Stück steht unter dem Einfluss zeitgenössischer Stürmer und Dränger, wie
Klinger oder Goethe.

Wilhelm Tell

Die Anregung, über den Tellstoff zu schreiben, erhält Schiller von Goethe, der seinen
Plan selbst darüber zu schreiben aufgibt.

Den Stoff über die Befreiung der Schweiz aus österr. Herrschaft, behandelt er mehr
in Anlehnung an Shakespeare als an das Antike Drama.

Quellen: Ohne selbst in der Schweiz gewesen zu sein, vermag Schiller aufgrund
seiner Studien, Land und Leute mit dichterischer Wahrheit zu schildern. Seine
Hauptquelle ist die „Helvetische Chronik“.

Inhalt: Die drei Waldstädte Schwyz, Uri und Unterwalden verbinden sich zur
Vertreibung der gewalttätigen österreichischen Landvögte Geßler und Landenberg.
Auf dem Rütli, einer Wiese am Vierwaldstätter See, kommen die Eidgenossen unter
der Führung von Werner Stauffacher aus Schwyz, Arnold Melchtal aus Unterwalden
und Walter Fürst aus Uri zusammen. Geßlers Übermut empört alle. Er hat den Bau
einer Zwingburg begonnen und verlangt von den Schweizern, dass sie dem Sinnbild
der Fremdherrschaft, einen aufgerichteten Hut, Ehrerbietung erweisen.
Tell, der schon Geßlers Wut heraufbeschworen hat, erfüllt die Forderung nicht.
Deswegen wird er von Geßler gezwungen einen Apfel vom Kopf seines eigenen
Sohnes zu schießen. Als er nach bestandener Probe zugibt, im Falle des Misslingens
den Vogt zu töten, wird er gefangen genommen und verschleppt. Bei der Überfahrt
über den See zur Steuerung kommt ein Sturm. Da das Schiff gefährdet wird nehmen
sie ihm seine Fesseln ab, er flieht und stößt das Schiff in die Wellen zurück. Da sein
Leben bedroht wird und er um seine Familie fürchtet, entschließt er sich Geßler zu
töten. Er geht in die Hohle Gasse bei Küßnacht, wartet auf den heimkehrenden
Geßler und durchbohrt ihn mit seinem letzten Pfeil.
Die Nachricht von Geßlers Tod löst den Aufstand der Eidgenossen aus, die die
Zwingenburg zerstören und ihre Freiheit verkünden. Sogar die Adeligen des Landes,
die teilweise zum Kaiser gehalten haben, treten auf die Seite der Landleute.
Nur der Kaiser selbst wird noch gefürchtet. Aber fast gleichzeitig mit den Ereignissen
am See wird der Kaiser von seinem Neffen aus persönlicher Rache ermordet und die
Eidgenossen sind von dieser Furcht befreit.
Das Drama klingt in einer Schlussszene aus, in der der Kaisermörder bei Tell Schutz
sucht. Dieser versagt die Hilfe zwar nicht, lehnt aber jede Gemeinschaft entschieden
zurück, denn er hat keinen Mord begangen, sondern nur seine Familie, sein eigenes
Leben und die Freiheit seine Landes in Notwehr verteidigt. So fassen es auch die
Eidgenossen auf die zu seiner Hütte eilen und ihm Dank für seine befreiende Tat
aussprechen.

Der Aufbau umfasst drei Handlungsbereiche, die durch den Schauplatz und die
zeitliche Abfolge der Ereignisse zusammengehalten werden. In der Abschlussszene
und im Aufstand werden alle drei vereinigt.

Die Volkshandlung schildert die Unterdrückung durch das Vogtwesen, die


Verschwörung und den Aufstand.

Die Tellhandlung schildert einerseits seine Sorge um die eigene Familie,


andererseits seinen persönlichen Kampf gegen Geßler. Schiller ist auch darin
bemüht, Geßlers Ermordung moralisch zu rechtfertigen.

Die Berta-Rudenz-Handlung gleicht einer romantischen Liebesepisode. (Kommt in


der Zusammenfassung nicht vor, auch nicht am Zettel)

Wertung: „Wilhelm Tell“ wird zum populärsten Drama Schillers und hat in der Zeit der
Befreiungskriege gegen Napoleon eine aufpeitschende Wirkung. Das Werk zeigt
Schiller auf dem Weg zu einem neuen Stil, zu einem volkstümlich-realistischen
Schauspiel.

FRAGE 11: DIE ROMATIK 1798 - 1830

Historische Vorraussetzungen: (Buch S. 163)


Die Romantik war zunächst als Zustimmung zu den Idealen der französischen
Revolution gedacht. Das ändert sich, als Napoleon seine Heere kreuz und quer
durch Europa schickt.
Grundzüge der Romantik:
Sie ist eine Geistesbewegung, die von Deutschland ausgeht.
Sie betrifft alle Länder Europas und beeinflusst Malerei, Musik, Religion, Politik,
einfach alles, sie ist praktisch ein neuer Lebensstil.

Sie strebt nach:


• Unendlichkeit (es soll keine Grenzen mehr geben)
• Traum und Wirklichkeit sollen vermischt werden
• Eine Poesie, die alles beinhalten soll (Wissenschaft, Religion, Dichtung,
lyrisch, episch, dramatisch, musikalisch), Fachwort: progressive
Universalpoesie
• Die Phantasie soll vorherrschen!

Vergleich Klassik – Romantik:


Klassik Romantik
Harmonie zwischen Gefühl und Verstand Zusammenhang zwischen Gefühl und
Verstand und Phantasie
Nur was mit Sinnesorganen erfasst wird, Phantasie und das Unfertige wird benutzt
wird anerkannt
Phantasie, Verworrenheit abgelehnt
Fordert Entsagung, Selbstbeschränkung Drängt nach Leidenschaftlich-Bewegtem,
Maßlosem
Verlangt: Fordert:
• Objektivität • Individualität
• Formgebundenheit • Regellosigkeit
• Abgrenzung zwischen den • Vermischung zwischen den
Dichtungsformen (Epik, Lyrik, Dichtungsformen
Dramatik)
Schätzt das eigene Volkstum, Volkslieder
und die Volksbräuche 
Nationalbewusstsein
(Förderung aller Arten von Volkskunst)

Für die dies interessiert: Ein sehr umfangreicher Vergleich (so genau hammas nicht
mal mim Rudl gmacht) gibt’s im Buch auf Seite 169.

Charakteristische Kennzeichen der Romantik:


• Fernweh:
Wald- und Wanderlyriken entstehen (Eichendorf: „Wem Gott will rechte
Gunst erweisen“)
• Sehnsucht nach dem Traum-, Märchenhaften:
Sammlung von Volksmärchen und Dichtung von Märchen (Gebrüder
Grimm)
• Sehnsucht nach Vergangenheit:
Verherrlichung des Mittelalters
Sammlung von Dichtungen und Sagen aus dem Mittelalter
Wissenschaftliche Geschichts- und Sprachforschung wird entwickelt
• Vorliebe für das Naturgewachsene:
Sammlung von Volksliedern („Des Knaben Wunderhorn“)
• Selbstironie
Idealvorstellung und Reales können nicht miteinander verbunden werden,
Ziele können nicht erreicht werden  Romantiker zerstören und
verspotten ihre Phantasiegebilde

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822)


Sohn eines Justizbeamten, vielseitig begabt und hat viel geleistet
Gute Einbildungskraft: vermischt Phantasie mit Wirklichkeit in seinen Werken.
In den Werken kommen Sachen wie Spaltung des Ich, Hypnose, Schlafwandel und
Doppelgänger vor. Er schildert das Treiben der realen Welt und gleitet dann in die
Phantasie über.
Die Helden in seinen Werken werden oft gegen ihren Willen von Trieben zu Untaten
verführt.

Sein Vermächtnis:
Er war supertoll und wird über die deutschen Grenzen hinaus berühmt.
Er war ein super Karikaturist!
Seine Werke leben weiter in der „Neuen Romantik“ am Ende des 19Jhdts, besonders
bei Gustav Meyrink („Der Golem“).
In verschiedenen Opern werden seine Werke verewigt, eine seeeeehr wichtige:
„Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach

Wichtige Novellensammlung:
1. „Phantasiestücke in Callots Manier“, in der Sammlung ist u.a. das
Kunstmärchen ‚Der goldene Topf’
2. „Nachtstücke“: Gespenstergeschichten
3. „Die Elixiere des Teufels“
4. „Die Lebensansichten des Kater Murr“

Er machte auch musikalische Werke wie Singspiele, Lieder, Chöre, Symphonien.


Seine berühmteste Oper: „Undine“

Weitere Romantiker:
• Russland: Nikolaj Gogol
• Russland: Alexander Puschkin
• Nordamerika: Edgar Allen Poe

FRAGE 12: Das Junge Deutschland 18, 19Jhdt


Das Junge Deutschland:
Der Name kommt aus der Kampfschrift „Ästhetische Feldzüge“, die gegen die
Romantik ist.
Es wird damit eine Gruppe von liberalrevolutionären Schriftstellern bezeichnet, die
ohne sich näher zu kennen gleichen Tendenzen folgen:
• Kampf gegen Absolutismus, Romantik, Konventionen, Feudalismus (=
Rechtssystem mit Lehen und so, feudale = Lehen)
• Eintreten für die Freiheit, die Glaubens- und Redefreiheit, für die Emanzipation
der Frauen und Juden und für eine demokratische Verfassung
Offizielle Vertreter sind unter anderem Gutzkow, Laube und Heinrich Heine. Sie
werden in einem Bundestagsbeschluss zur Gruppe des Jungen Deutschland gezählt
und somit werden ihre Schriften verboten.
Die Jungdeutschen, die nicht nach England oder Paris flüchten konnten, wurden zur
Festungshaft verurteilt (also Gefängnis).

Bedeutende Anregungen kommen aus dem Ausland, zB vom Franzosen Victor Hugo
(„Der Glöckner von Notré Dame“)

Bevorzugte Ausdrucksmittel sind:


• Skizzen (ital.: hastig): kurzer Prosatext (Prosa = nicht gereimt)
• Das Feuilleton (frz: Blättchen): leicht verständliche Nachrichten und Aufsätze
zum Thema Geistes-, Gesellschafts- und Kulturleben
• Das Essay (frz.: Versuch): kurzer Prosatext, der aktuelle Probleme in
künstlerisch hochwertiger Form behandelt (aber subjektiv!)
Die Nachrichten werden in Tageszeitungen gedruckt und versuchen die subjektive
Meinung der Tagespolitik witzig rüberzubringen (siehe den Pammesberger im
Kurier…oder Krone?).

Heinrich Heine (1797 – 1856)


In Düsseldorf geboren, gibt er den Kaufmannsberuf auf und studiert Recht. Er tritt
vom jüdischen Glauben zum Protestantischen über und geht nach Paris um bei einer
Zeitung zu arbeiten. Nach Deutschland kommt er nur mehr zwei Mal. Er erleidet ein
unheilbares Rückenmarkleiden, dass ihn bis zu seinem Tod quält.

Er ist innerlich sehr zerrissen zwischen:


• Der Bejahung seines Judentums und der Anpassung ans Christentum
• Dem Angriff auf die Werke des Spießbürgertums und seine Bindung an sie

Er kann sich selbst häufig nur mehr als Ironie begegnen.

Seine Wertung als Dichter ist bis vor kurzem stark umstritten:
Die Engländer und Franzosen, sowie Kaiserin Elisabeth oder Otto von Bismarck
verehren ihn (bzw verehrten ihn). Andere fanden seine Dichtungen einfach nur
schlecht (Die Nazis zB)

Seine journalistischen Werke:


Nuancenreicher Stil, satirisch, scherzhaft und ernst geschrieben.
Er kritisiert Persönlichkeiten sowie die Zustände seiner Zeit.
Seine journalistischen Werke werden unter anderem in „Reisebilder“ herausgegeben.

Seine Lyrik:
geht von der Romantik aus.
Liegen in 2 Sammelbändern vor: „Buch der Lieder“ und „Romancero“. Sie beinhalten
Natur- und Liebeslieder, politische Zeitgedichte und Balladen.

Charakteristische Merkmale:
Am Ende eine überraschende Wendung, das eine erzeugte Illusion als Irrtum zerstört
und mit Spott begegnet. Mit diesem Zynismus führt er die romantische Ironie in die
Lyrik ein.
Manche seiner Gedichte werden von Schubert, Schumann, Mendelssohn-Bartholdy
und Richard Strauss vertont.

Eine von Heines satirischen Versepen (gereimte Epen) ist „Deutschland. Ein
Wintermärchen“. Es prangert die politische, geistige und künstlerische Entwicklung
von Deutschland an. („Deutschland. Ein Wintermärchen“: siehe Text, den wir
bekommen haben, wenn ihr den nicht habt mir sagen! (Walex) )

Georg Büchner (1813-1837)


Als Sohn eines Arztes studiert er Medizin und Naturwissenschaften. Aus Mitgefühl
wird er Führer der hessischen Arbeiter, denen er zu Recht verhelfen will. Er gründet
die „Gesellschaft der Menschenrechte“ und gibt den sozialistischen „Hessischen
Landboten“ heraus, der als Motto „Friede den Hütten! Krieg den Palästen“ hat.
(„Hessische Landbote“: siehe extra Zettel den wir bekommen haben. Wenn ihn einer
nicht hat, dann mir sagen! (Walex) )
Er flieht vor der Polizei nach Zürich und wird zum Privatdozenten. Im Alter von 24
Jahren stirbt er an einem Nervenfieber (bis dahin wurde er von der Polizei verfolgt).

Sein Vermächtnis:
„Dantons Tod“: Er setzt sich mit dem tragischen Problem eines Revolutionsführers
auseinander
(>> Zwischeninfo: Führer der franz. Revolution: Danton, Marat und Robespierre <<)
Inhalt: Die Masse braucht einen gebildeten Bürgerlichen als Führer. Der wird ihnen
aber immer fremd bleiben, weil er anders gekleidet ist und anders spricht. Dadurch
gerät ein Mensch, der von seiner Gesellschaft geächtet wird in Vereinsamung. Das
hat auch Büchner durchlebt. Genie und Narr sind seiner Meinung nach nur Zufall und
abhängig von den Gesetzten der Materie und der Vergänglichkeit. Alles was passiert
ist von den angeborenen Charakteranlagen, von dem Milieu und von der
Zeitsituation nach naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten abhängig. Keine
höhere Macht mischt sich ein.
Von solchen Gedanken erfüllt wehrt sich Danton nicht, als Robespierre ihn mit der
Guillotine hinrichten lässt.

Das Drama entwirft ein breites Geschichtsbild, das die Tragödie des
Revolutionsführers nur Episodenhaft erscheinen lässt.
Die Männer der Revolution wurden so dargestellt wie sich wirklich waren: energisch,
roh, zynisch, nicht idealisiert.
Keine Einheitliche Handlung, sondern eine Abfolge von locker zusammenhängenden
Einzelbildern.
Ein soziales Drama im naturalistischen Stil ist das Trauerspiel „Woyzeck“. Es besteht
ebenfalls aus lose zusammenhängenden Einzelstücken.
Inhalt: Es beschreibt das Schicksal eines Proletariers. Der von allen verhöhnte
Woyzeck ersticht aus Eifersucht seine Geliebte, die der einzige Halt in seinem Leben
war, die sich aber mit dem Wachtmeister eine Affäre hatte. Er selbst ertränkt sich.

Das Stück ist schmucklos und in schlichter Alltagssprache geschrieben.


Das Trauerspiel wurde von Alan Berg in einer Oper („Wozzek“) aufgeführt

Seine Novelle „Lenz“ ist eine Studie über den Ausbruch der geistigen Umnachtung
des Jugendfreundes von Goethe, Reinhold Lenz.

Büchner übt eine starke Wirkung auf die Dramatiker des Naturalismus und
Expressionismus aus.
Auf dem Entwicklungsweg des deutschsprachigen Dramas vom Sturm und Drang
über Kleist und Grillparzer zu Hauptmann war Büchner ein großer Schritt.

Frage 13)Beschreiben Sie den Lebensweg von Heinrich von Kleist.


Analysieren Sie die literarische Außenseiterposition anhand seiner
Hauptwerke.

Heinrich von Kleist 18 – 19 Jhdt. (1777 – 1811)

Leben:

Geboren in Frankfurt an der Oder in eine Offiziersfamilie.


Übt früh (mit 15 Jahren) aus Familientradition Soldatenberuf aus, nimmt auch an
Feldzug gegen Frankreich teil, scheidet als Leutnant aus Armee aus. Vermutlich
aus ethisch-religiösen Gründen.
Von da ab ist sein Leben ein qualvolles, ruheloses Wandern, da ihm jedwede
berufliche Eingliederung in die Gesellschaft misslingt. Von dem Gedanken
verfolgt, dass die Welt ein blindes Ungefähr, ein blindes Walten des Zufalls und der
Mensch ein bloßer Spielball irrationaler Kräfte sei.
Kleist behauptet, dass mit Hilfe der Wissenschaft einem Gesetz auf den Grund
komme, nach dem die Welt organisiert sei.
Studiert in seiner Geburtsstadt Jura und Philosophie.
Bekleidet vorübergehend in Berlin eine Stelle als diplomatischer Beamter.
Unternimmt eine Reise nach Paris und anschließend in die Schweiz, wo er – für
Rousseau begeistert – ein kleines Bauerngut übernehmen will.

erstes Drama → ohne große Anerkennung; gerät unter dem Verdacht der Spionage
in französischer Gefangenschaft → in Frankreich interniert → nach Freigabe lässt er
sich in Dresden nieder; Unterdrückung des deutschen Volks durch Napoleon löst
bei ihm Protest aus → Als Österreich einen Feldzug gegen Frankreich plant, hofft er
auf Wien

Sein Drama „Die Hermannsschlacht“ ist für eine Aufführung in Wien gedacht
(Anreiz gegen Napoleon).
Kleist knüpft Beziehungen zu Wiener Schriftstellern. Er erhofft sich eine Anstellung
in einem Amt in Wien (trifft 1809 ein).

Die Aufführung wird durch die Besetzung Wiens durch die Franzosen unmöglich.
Kleist flieht nach Berlin. (Kleist sah keine einzige Aufführung seiner Stücke)
Dort endet sein Leben in einem Doppelselbstmord. Er erschießt seine Freundin und
richtet sich selbst.
Literarischer Stellenwert:

Heinrich von Kleist stellt das Bindeglied zwischen Lessing, Schiller und Goethe
dar.
Sein Leben und sein Werk sind durch Streben nach unbedingter Wahrheit und
durch seine glühende Vaterlandsliebe gekennzeichnet.

Durch sein psychologischen Realismus, der ähnlich der späteren Psychoanalyse


eines Sigmund Freud in die unterbewussten seelischen Gebiete vorstößt, ein
Vorläufer der modernen Dramatik des 19. und 20. Jahrhunderts. Innerhalb der
Romantik nimmt er eine Sonderstellung ein.
Er überspringt sozusagen die Zwischenstufen zwischen Aufklärung und
Realismus.
Er ist auch einer der Wegbereiter der Novellen.

Wichtigste Werke und deren Bedeutung:

Der zerbrochene Krug – Lustspiel (gilt als eines der besten deutschen Lustspiele)
Inhalt:
Der niederländische Dorfrichter Adam stellt der Dorfschönen Evchen nach. Er
schwindelte ihr vor, dass ihr Mann Ruprecht um Dienst in die Kolonien gepresst
werden würde, wenn er nicht seinen Einfluss geltend mache. Adam schleicht sich am
Abend in das Schlafgemach Evchens um angeblich die Befreiungsurkunde
auszustellen. Dabei wird er von Ruprecht überrascht. Er rettet sich mit einem Sprung
aus dem Fenster. Dabei geht ein altes ehrwürdiges Hausstück, ein bemalter Krug in
Trümmer.
Evchens Mutter sucht beim Übeltäter Gerechtigkeit. Da nun der Gerichtsrat Walter
zur Inspektion erschienen ist, muss Adam die Untersuchung führen. Er versucht die
Wahrheit zu verschleiern, kann jedoch nicht verhindern, dass die Wahrheit ans Licht
kommt.

Dieses analytisch angelegte Enthüllungsspiel bezeugt Kleists metaphysische


dichterische Grundidee. Was das Lustspiel gestaltet, ist die Idee vom gespaltenen
Ich. Der Angeklagte und der Richter sind eine Person.
(Namen der Figuren haben symbolische Bedeutung → Adam, Eva, Walter =
Gerichtsverwalter)

Das Käthchen von Heilbronn (oder die Feuerprobe) – Historisches


Ritterschauspiel; mittelalterlich – märchenhafte Züge der Romantik

Inhalt:
Käthen, eine Kaiserstochter, wird vom Heilbronner Waffenschmied erzogen und für
dessen Tochter gehalten. Sie verliebt sich in den Grafen Wetter vom Strahl. Er weist
sie stets zurück, bis er von ihrer Hingebung gerührt, erkennt, dass sie füreinander
bestimmt sind. Nachdem nun der Kaiser Käthen als Tochter anerkennt, können sie
und der Graf heiraten.

Ausnahmsweise siegt in diesem Drama nicht die Wirklichkeit.

Die Hermannsschlacht – Drama


Inhalt:
Hermann, der Cheruskerfürst, eint die germanischen Stämme. Alle germanischen
Stämme ziehen geeint gegen die Römer 9 n. Chr. in die Schlacht, die siegreich
endet.

Das Werk ist ein Tendenzstück und ein Schlüsseldrama und zeigt den fanatischen
Franzosen - und Napoleonhass Kleists. Außerdem soll es für ein Bündnis zwischen
Preußen und Österreich werben, um Napoleon endgültig zu besiegen.
Prinz Friedrich von Homburg – Drama
Inhalt:
Der junge Prinz Friedrich von Homburg wird zum Tode verurteilt, weil er durch sein
befehlswidriges und voreiliges Eingreifen einen Sieg gegen die Schweden
herbeiführte, aber auch die absolute Vernichtung des Feindes verhinderte. Nun fasst
ihn die Todesangst. Da legt der Kurfürst von den Großen des Reiches und Natalie,
die Braut des Prinzen, bestürmt, die Entscheidung in dessen eigene Hand: er ist frei,
wenn er sich selbst für unschuldig erklärt. Nun erwacht in Homburg die Erkenntnis,
dass der Mensch ohne Unterordnung unter das Gesetz nicht menschenwürdig lebt.
Zum Mann gereift, nimmt der Prinz das Urteil an um seine Auflehnung gegen
Einordnung in Gehorsam und Pflicht gegenüber der Gemeinschaft zu sühnen.
Dadurch wird er zum wahren Helden, vom Kurfürsten begnadigt und mit seiner
geliebten Natalie vereint.
Der ewige Gegensatz zwischen den Ansprüchen des Individuums und denen des
Staates.

Novellen:
Strenge objektive Erzählung, unpersönliche Sachlichkeit, Formstrenge, fast
dramatische Komposition, knappe Ausdrucksweise, wirklichkeitsnahe
Gegenständlichkeit, seelische Beobachtungsgabe.

Bedeutendste Novelle Michael Kohlhaas beruht auf einer wahren Begebenheit.


Inhalt:
In der Luther – Zeit werden dem Pferdehändler Michael Kohlhaas zu Unrecht zwei
Pferde von einem Adeligen beschlagnahmt. Empört führt er jahrelang erfolglose
Prozesse und schreitet schließlich zur Selbstjustiz. Er nimmt den Kampf gegen Staat
und Gesellschaft auf. Er wird zum Räuberhauptmann und Mörder. Zuletzt findet er
zwar sein Recht, wird allerdings für seine Taten zur Rechenschaft gezogen und
geköpft. ( → „Die Räuber“ von Schiller)
Kleist behandelt hier, wie bereits in „Prinz Friedrich von Homburg“ den
Zusammenstoß von persönlichem Rechtsgefühl mit dem objektiven Recht, den
Zusammenstoß Staat und Individuum.

Kleist vereint in seinem Werk Realistisches und Romantisch – Märchenhaftes, Tragik


und Humor. Er ist ein Wegbereiter der erst nach seinem Tod heraufkommenden
neuen Zeit, der des poetischen Realismus.
Weitere Novelle: Das Bettelweib von Locarno. Typisches Beispiel für Kleists
Novellen: Jede Person sieht die Welt von seinem Standpunkt aus und somit anders
als eine andere Person. Eben solches Problem „behandelt“ diese Novelle mit der
Problematik der Sprache. Hierbei hat eine unbedachte Bemerkung die
ungeheuerlichsten Auswirkungen.
Inhalt:
Am Fuße der Alpen, nahe Locarno (oberes Italien), befand sich ein altes Schloss
eines Marchesen1. Die Hausfrau dieses Schlosses nahm eine alte bettelnde Frau auf
und bettete diese auf Stroh. Als der Marchese von der Jagd zurückkam, befahl er
dieser alten Frau aus dem Winkel, in dem sie lag, aufzustehen und sich hinter den
Ofen zu ‚verfügen’. Sie stand auf und fiel samt ihrer Krücken auf dem glatten Boden
aus und verletzte sich auf gefährliche Weise den Rücken. Doch mit Müh und Not
schaffte sie es noch hinter den Ofen, wo sie unter Stöhnen und Ächzen zu Boden
sank und verstarb.
Mehrere Jahre später kam der Marchese durch Krieg und ‚Misswachs’ in bedenkliche
Vermögensumstände. Ein Ritter wollte das schöne Schloss kaufen, was dem
Marchesen entgegenkam. Er sollte in einem schönen leer stehenden Zimmer
untergebracht werden. Doch in der Nacht kam der Ritter zu ihnen runter und
behauptete es Spuke in diesem Zimmer. Er hätte gehört wie etwas von Stroh
aufstand, mit vernehmlichen Schritten, langsam und gebrechlich, quer durch das
Zimmer ging und hinter dem Ofen, unter Stöhnen und Ächzen, niedersank. Doch er
hatte nichts gesehen. Am nächsten Morgen reiste der Ritter ab. Dieser Vorfall
schreckte potentielle Käufer ab und das Gerücht ging um, es spuke immer zur
Mitternachtsstunde in diesem Zimmer. Der Marchese beschließt dem auf dem Grund
zu gehen und verbringt, ohne ein Auge zu schließen, die Nacht in dem Zimmer. Auch
er vernahm die Geräusche, erzählte es seiner Gemahlin, der Marquise², die ihn bat
dies noch einmal zu erforschen, bevor er es verlautbaren ließ. Schließlich besetzte
das Paar mit ihrem Hund das Zimmer kurz vor Mitternacht. Zwei Lichter auf dem
Tisch und mit Degen und Pistole bewaffnet warteten sie die Zeit ab.
Punkt Mitternacht waren die Geräusche wieder zu hören. Darauf hin bellte und
knurrte der Hund, der Marchese säbelt mit seinem Degen durch die Luft während die
Marquise erschrocken das Zimmer und anschließend das Schloss verlässt. Müde
seines Lebens steckte der Marchese das Zimmer in Brand. Alle Versuche ihn aus
dem Zimmer zu holen waren vergebens. Seine Gebeine liegen in dem Teil des
Zimmer, in dem das Bettelweib lag, bevor er ihr befohl sich hinter den Ofen zu
bewegen.
1
Markgraf
²Markgräfin

14) Analysieren Sie die Wesenszüge des poetischen Realismus.


Erklären Sie den Begriff und beschreiben Sie die Kennzeichen
dieser Strömung.
Charakterisieren Sie diese Zeit anhand der Dichter C. F. Meyer und
Wilhelm Raabe.

Begriffserläuterung:

Der poetische Realismus bezeichnet die Zeit jener Dichter, in deren Werke
weltoffene Wirklichkeitsdarstellung mit bleibenden Kulturwerten des Idealismus
verbindet.
Poetisch wird er deshalb genannt weil er trotz des Strebens nach
Wirklichkeitsdarstellung nicht auf das Auswahlprinzip des Stils verzichten will.

Charakteristische Kennzeichen:

Die Werke sind eine Soseinsdichtung und keine Sollseins-.


Die Menschen werden so geschildert wie sie sind und nicht wie sie sein sollen.

Der poetische Realismus ist eine bürgerliche Wirklichkeitsdichtung, denn es werden


nicht mehr nur Personen aus den obersten Kreisen zu Helden der Handlung gewählt,
sondern man bevorzugt die mittleren Gesellschaftsschichten (Bürger).
z.B. Gelehrte, Handwerker, Kaufleute, Angestellte
Sie zeigen einen Sinn
• für das einfach Wahre,
• für Volk und Heimat,
• für ein eng umgrenztes fleißiges Leben,
• für das Diesseitige, Fortschrittliche und Wissenschaftliche sowie
• für Pflichten des einzelnen gegenüber der Gemeinschaft.

Es wird eine lebensbejahende, optimistische Wirklichkeitsdichtung geschaffen.


Dadurch unterscheidet sich der Poetische Realismus sowohl von der Klassik als
auch vom Naturalismus.

Er betont das Gesunde, Sonnenseitige im Leben, aber geht auch dem Hässlichen
und Krankhaften nicht aus dem Weg. Das Individuelle, Charakteristische und
Lebensnahe wird in den Vordergrund gestellt.

Eine Sonderstellung nimmt die aufkommende Mundartdichtung ein die eine Art frühe
Heimatkunst darstellt.

Conrad Ferdinand Mayer (1825-1898):

Leben:
Geboren und aufgewachsen in Zürich in einer wohlhabenden Patrizier Familie.
Tritt erst mit 39 Jahren als Dichter hervor.
Nach dem frühen Tod seines Vaters und durch den Selbstmord seiner Mutter belastet
wird er stets von Gemütsstörungen bedroht, die Aufenthalte in Nervenheilanstalten
nötig machen.
Durch Privatstudien erwirbt er sich reiches Wissen.
Heiratet eine Züricher Patriziertochter und stirbt mit 73 Jahren in geistiger
Umnachtung (Wahnsinn).

Wesenzüge:
Conrad Ferdinand Meyer versenkt sich tief in alle vier Kulturkreise.
Er ist zweisprachig aufgewachsen und scheint nach längerem Aufenthalt in der
französischen Schweiz und Paris ein französisch schreibender Dichter zu werden.
Der deutsch-französische Krieg gewinnt ihn jedoch für die deutsche Dichtung.
Seine eindruckvollsten Erlebnisse hat er in Italien wo ihn die „Die Kultur der
Renaissance in Italien“, 1860 begeistert. (auch Goethe vl. Verweis)
Werke:
Sein lyrischer Sammelband „Gedichte“(1882) kennzeichnet das Streben nach
Anschaulichkeit, bildhafter Wirkung, strenger Objektivität und Distanzierung, nach
Verknappung der Sprache auf das Wesentliche. Will die seelischen Vorgänge aus
der allein dargebotenen äußeren Erscheinung, aus den genau wiedergegebenen
Sinneseindrücken, aus der geschilderten Mimik und Gestik erraten und aufleuchten
lassen.
Dieses Streben nach anschaulichen Sinnbildern für Geistiges macht ihn zu einem
Wegbereiter des Späteren Symbolismus.

Große dramatische Wucht und atemlose Pathetik weisen die Gesichtsballaden


Meyers auf.
Wie z.B. „Die Füße im Feuer“ deren Stoff den Hugenottenkriegen entnommen ist.
Text siehe Buch Seite 34-36.

Hintergrund:
Hugenotten Verfolgung:
Die Hugenotten sind französische Protestanten, die sich durch ein einfaches Leben
und einen starken Glauben kennzeichnen. Sie wurden von den katholischen Königen
immer wieder grausam verfolgt (Höhepunkt: Bartholomäusnacht 1572), bis sie in die
protestantischen Länder Europas auswanderten.

Inhalt:
Ein Kurier des Königs von Frankreich sucht vor einem Unwetter in einem Schloss
Zuflucht, wo man ihn als Gast aufnimmt, speist und ihm eine Schlafkammer zuweist.
Die Stimmung ist eigentümlich, und nach und nach bemerkt er zu seinem immer
größeren Grauen, dass er damit in die Gewalt einer der von seinem katholischen
König blutig verfolgten Hugenottenfamilien geraten ist, und er selbst vor einigen
Jahren anlässlich eines Pogroms in diesem Haus eine Frau zu Tode gefoltert hat. Er
ahnt, erkannt worden zu sein. Das ganze damalige Bild, als Episode längst abgetan,
muss er sich nachtsüber zu seinem Entsetzen in Todesangst immer lebendiger
vergegenwärtigen: die Füße im Feuer. Damit tut Meyer dar, dass diesen Täter sein
Verbrechen nun nie wieder verlassen wird. Mit knappsten Mitteln wird hingegen
gezeigt, wie schwer seine Verschonung den Gastgebern fällt. Im Abritt erdreistet der
Verbrecher sich noch, es anzusprechen: Man habe wohl daran getan, einen Mann
des Königs zu verschonen. Im Schlusssatz bekommt er die Quintessenz der Religion
der Verfolgten zu hören: Mein ist die Rache, redet Gott.

Analyse:
Weder der Hugenottische Ehemann haben einen Namen. Es handelt sich also nicht
um historische Persönlichkeiten.
Die Ballade von ihrer äußeren Form her zeigt sich in unterschiedlich langen
Erzählblöcken, deren Verszeilen aus je sechs Jamben bestehen, die alle stumpf und
hart enden und keine Reimbildungen aufweisen. Es gibt keinen Erzähler, da die
Fakten für sich sprechen. Lediglich die Hauptpersonen, der Kurier und der
Edelmann, treffen im Dialog auf einander. Die Vorgeschichte wird weitgehend im
inneren Monolog oder in erlebter Rede vermittelt. Bei dieser Ballade handelt es sich
um - in deutscher Versdichtung, selbst im Drama seltene - jambische Trimeter,
zwölfsilbige, auftaktige Verse, deren regelmäßige Alternation nur gelegentlich am
Verseingang und ganz selten im Versinnern vom natürlichen Satzrhythmus
verschoben wird.

„Huttens letzte Tage“(1871)


In diesem Verszyklus gibt er in zweizeiligen, gereimten Strophen und in einer herben
Sprache Betrachtungen und Erinnerungen des geächteten Ulrich von Hutten
(Reformator).

Nachdem er ausschließlich als Lyriker hervorgetreten ist entstehen ab 1870 mit


hoher Formkunst geschriebene historische Novellen.
Als Stoffgebiet bevorzugt er die Zeit der Renaissance und Reformation.
Die Gestalten der Erzählungen sind teils leidenschaftliche, selbstherrliche
Tatmenschen, teils ihm wesensverwandte, innerlich gebrochene Figuren. Es geht
ihm weniger um die Darstellung historischen Geschehens als vielmehr um das sich
darin darstellende Allgemein-Menschliche.
Mit seiner Vorlieb für dramatisch aufgebaute Szenen und das knappe, zutreffende
Wort erreichte er in seinen Novellen monumentale Wirkungen.

„Das Amulett“(1873)
Inhalt :
Der Held der Novelle, Hans von Schadau, ein strenger Calvinist, erinnert sich in
seinem Alter, durch verschiedene Umstände bewogen, an seinen Freund Wilhelm
Boccard, an die vielen Erlebnisse, die ihm zur Zeit der Hugenottenkämpfe in Paris
widerfahren sind. Er ist dadurch das Amulett seines Freundes, der selbst aber getötet
worden ist, vor dem sicheren Tod bewahrt und kommt mit seiner Frau aus dem
Wüten der Bartholomäusnacht glücklich in die Schweiz zurück. Dieses Katholisch
Amulett war der Mutter Gottes von Einsiedeln geweiht.

„Der Schuss von der Kanzel“(1878)


Inhalt:
Der General Rudolf Wertmüller wird zum Ehestifter zwischen seiner Nichte Rahel
und einem schüchternen Theologiekandidaten, indem er seinen Bruder, der
Geistlicher und zugleich ein großer Jagd- und Waffenliebhaber ist, dazu bringt, dass
er eines Sonntagmorgens mitten in der Predigt auf der Kanzel einen Schuss vor der
entsetzten Gemeinde abgibt. Die durch diesen Zwischenfall erledigte Pfarrei erhält
der Kandidat, und der bisherige Pfarrer wird zum Verwalter von Schloss Jagd des
Generals.

„Der Heilige“(1879)
Inhalt:
Hans, der Bogner, auch der Engländer genannt, erzählt am Tag des heiligen Thomas
von Canterbury dem Züricher Domherrn Burkhard, von diesem aufgefordert, die von
ihm am Hof König Heinrich II. miterlebten Schicksale Thomas Beckets, der zunächst
der weltfrohe Kanzler des englischen Königs gewesen ist und schließlich Märtyrer
und Heiliger geworden ist. Er stellt die Rache an dem König für das ihm zugefügte
Unrecht Gott anheim, der Heirich nach der Ermordung demütig werden lässt.

Im 20.Jahrhundert erscheint Thomas Becket als Held in dem erfolgreichen Drama


von T.S.Elliot („Murder in the Cathedral“, 1955). Glaub nicht wichtig aber war
Unterstrichen.
Wilhelm Raabe(1831-1910)
(kommt vielleicht nicht aber 2mal durchlesen
schadet nicht)
Geboren als Sohn eines Justizamtmannes, soll er Buchhändler werden, lebt aber
schließlich als freier Schriftsteller in Braunschweig. Wo er 1910 als Ehrenbürger der
Stadt stirbt.

Charakteristik:

Aus Raabes Werken sprechen romantische, realistische, idealistische und


pessimistische Ansichten.

Als Romantiker:
Zeigt Vorliebe für Ruinen und alte Mühlen. Die Breite seiner Werke, in denen häufige
Einschübe an Zwischenredenden den Gang der Handlung unterbrechen stört so das
Verständnis.

Der Realist:
in ihm drückt sich in einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung von Menschen und
Dingen aus.
Er ist davon überzeugt dass die zwar stets dem Untergang geweihten, aber doch
vorhandenen sittlichen ideale das wahre Glück schaffen, während die in ihrer
Dummheit sich dem Bösen ausliefernden Menschen nur Enttäuschung und seelische
Leere, ewige Unzufriedenheit und Unglück in der Welt finden.

„Die Leute aus dem Walde“(1863)

Raabe prägt den Lebensgrundsatz die Vereinigung von gesundem Realismus und
Idealismus.
Er übt an seiner Zeit Kritik indem er zeigt das Materialismus zur Zerstörung des
geistigen Menschen führt.

Der Pessimismus
Schopenhauer beeinflusst Raabes Weltanschauung stark
In seinen werken verbindet er aber oft die pessimistische Handlung seiner Helden
mit lebensbejahendem Humor.
Er wählte seine Helden aus Armen Verhältnissen und stellt sie reichen gegenüber.

Romane:

„Die Chronik der Sperlinggasse“(1856)


Erzählt in Tagebuchform die Schicksale von mehreren Personen in einer kleinen
Berliner Gasse.

In seinem Hauptwerk, einer Romantrilogie ohne Namen, fehlt der handlungsmäßige


Zusammenhang. Verbunden sind die drei durch die Darstellung von Menschen, die
im Lebenskampf unterliegen oder abseits gedrängt werden.

„Der Hungerpastor“(1864)
Er schildert die Entwicklung 2er armer Knaben. Der Schuhmachersohn Hans
Unwirsch hat den „guten Hunger“ nach einem Leben in Licht, Wahrheit und Liebe, in
Reinheit. Der Trödlersohn Moses Freudenstein hat hingegen Hunger nach Reichtum,
Macht und Genuss. Dem Idealisten wird mit seinem eben so armen Fränzchen die
„Die Hungerpfarre “ eines Fischerdorfes und das innere Glück stiller Zufriedenheit zu
Teil. Der Materialist geht schließlich jämmerlich zugrunde.

15)Charakterisieren Sie den Naturalismus am Beispiel von Gerhard


Hauptmann.
Beschreiben Sie die Wesenszüge seiner Dichtung und analysieren
Sie seine Hauptwerke.
Schildern Sie die politischen Einflüsse auf die Entwicklung dieser
Strömung.

Naturalismus (1885-1910)

Wesenszüge:
Die Kunst dieser Epoche wurde geprägt durch einen Stilpluralismus.
Kennzeichnend für diesen ist das mehrere Stilformen, wie Naturalismus,
Impressionismus, Symbolismus, Ästhetizionismus, Neuklassik, und Heimatkunst,
parallel nebeneinander wirken und nicht nacheinander entstehen, sondern in ein In-
und Miteinander verschlingen.
Parallel zur Dichtung kann man die gleichen Entwicklungen in den Bereichen der
Lebensform, der Philosophie, der bildenden Künste und der Musik feststellen.

Politische Einflüsse auf die Entwicklung:


Massenbewegungen haben ihre Ursachen im starken Anwachsen der Bevölkerung
und in der Industrialisierung. Sie basiert auf den Fortschritten in den
Naturwissenschaften und der Technik hat aber Landflucht und Verstädterung
ausgelöst.

Arbeiter, Juden und Frauen verfolgen Emanzipationsbestrebungen. Sie bedrohen


führende Stellungen des Bürgertums.
Die Frau erkämpft sich den Zutritt zu öffentlichen Bildungsstätten (Universitäten).
Die Juden erringen Gleichberechtigung.
Das Proletariat ringt mit christlichen und marxistischen Programmen um soziale
Gerechtigkeit.

Die Philosophie (1885-1910)


Positivismus und Materialismus wirken weiter. In ihrem Rahmen entsteht die
Vererbungslehre (Mandl, Erbsen). Sie beeinflusst den Naturalismus.
Erst zur Jahrhundertwende treten neue philosophische Strömungen auf.

Anfänge der Existenzphilosophie:


Aus der Leere, in die das Seelenleben verfällt, erwächst die neue
Existenzphilosophie. Diese will Menschen als ein Wesen zeigen, das aus der
Sicherheit in die Unsicherheit und aus dem Geborgensein in das Nicht-Geborgensein
geworfen und dadurch zur Besinnung zu seinem eigenen Sein gezwungen wird.
Die Existenz ist im Menschen das was übrig bleibt, wenn er alles, woran sein Herz
hängt, verliert(Otto Friedrich Bellenow 1969)
Vater der Existenzphilosophie ist der dänische Theologe und Philosoph:

Sören Kierkegaard(1813-1855):
Er glaubt an einen ewigen Gott, wenn es auch nicht mehr des kirchentreuen
Christentums ist.
Er entwertet alle bisherigen Werte, wie den Glauben an den Geist, die Vernunft, den
Menschen, die Menschheit, die Wahrheit.

Die Herrenmoral:
Friedrich Nietzsche (1844-1900):
Er stammt aus einer evangelischen Pastorenfamilie, studiert Philologie (Latein,
Altgriechisch) und erhält als 24jähriger eine Professur in Basel. Wegen eines
schweren Augenleidens und häufiger Kopfschmerzen muss er das Lehreramt
aufgeben. Er gerät in den Bannkreis der Schopenhauerschen Philosophie, nimmt
jedoch eine kritische Stellung dazu ein.
Seine Bedeutung liegt darin, dass er in einer meisterhaften Sprache alle bisherigen
Werte umwertet und damit ein neues Wertsystem der „Herrenmoral“ entwickelt, in
dessen Mittelpunkt er den „Übermenschen“ stellt.

Grundgedanken seiner Philosophie hat er in den Werken:


„Also sprach Zarathustra“(1884)
„Jenseits von Gut und Böse“(1886)
„Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwertung aller Werte“(1888)
Aus diesen Werken sprechen Nietzsches neue Wertvorstellungen.

Das Idealbild des Übermenschen wird für ihn der höchste Typus des
Zukunftmenschen.
In „Also sprach Zarathustra“ wird er als willensstark, unbeugsam, gütig, ohne
Vorurteile, fern von egoistischen Lebenswünschen charakterisiert. Er bestimmt
allerdings von sich aus, was gut und böse ist.

Die Armen und Kranken nennt Nietzsche die Vielzuvielen, die Fabriksware der Natur.
Diese Herrenmoral gewinnt viele Anhänger sodass man das Mitleid mit dem
Proletariat aufgibt und eine unsoziale Haltung bezieht.
Im Christentum sieht er eine zur Religion gewordene Verneinung des Willens zum
Leben.
(„Christentum ist Opium fürs Volk“, „Gott ist tot“)

Sein Antifeminismus spricht aus der Einstellung: „Du gehst zu Frauen? Vergiss die
Peitsche nicht!“

Als Lyriker verfasste er zwar nur wenige Gedichte. Sie zählen aber zu den
wertvollsten der modernen Dichtung.

Einflüsse der Psychoanalyse:


Sigmund Freud(1865-1939):
Er wirkt als Professor für Neuropathologie in Wien und stirbt als jüdischer Emigrant in
London.

Für ihn ist die Psychoanalyse eine Methode zur Heilung von Neurose und Hysterie.
Sein Verfahren beruht darauf das Vorstellungen aus dem Bewusstsein verdrängt
werden und vom Unbewusstsein her die seelisch- geistige Einheit des Ichs
bedrohen. Gemeinsam mit im Unterbewusstsein verkapselten Kindheitserlebnissen
können sie Traumen und Komplexe erzeugen.
Die Psychoanalyse versucht durch Aussprache des Patienten diese Erlebnisse zu
erheben und dadurch den Patienten zu heilen.

Veröffentlicht hat er seine Lehre in einer Reihe von Werken wie z.B. „Die
Traumdeutung“(1910).

Gerhart Hauptmann(1862-1946)
Wird als Enkel eines Webers (wichtig für seine Werke) in Schlesien geboren. Studiert
Naturwissenschaften, wendet sich aber dann aber der Dichtung zu. Schon seine
ersten Dramen erregen großes Aufsehen und verschaffen ihm literarische
Anerkennung. Er wird führender Dichter Deutschlands und gewinnt den
Nobelpreis(1912). Er unternimmt eine Amerikareise und häufige Europareisen und
stirbt dann im alter von 84 in Deutschland.

Wesenzüge seiner Dichtung:


Er erlebt alle Probleme seiner Zeit, sucht sie dichterisch zu bewältigen und macht
auch alle Stilwandlungen mit.
Drei Wesenszüge kennzeichnen sein Werk tiefes Mitleid, sein Hang zu Grübelei und
das Bildungserlebnis des abendländischen Menschen.
Er versucht Askese und Sinnesfreude harmonisch zu vereinigen und empfängt
Impulse von Zola, Ibsen, Shakespeare und Goethe.
Sein Menschenbild ist pessimistisch. Die das Leben bestimmenden Mächte
erscheinen unendlich mal stärker als der Mensch. Von Schuld und Sühne kann keine
Rede sein. Bösewichte finden sich in Hauptmanns Werk nicht mehr.
Er will alle menschlichen Haltungen verstehen.Er verurteilt niemanden. Sein Werk ist
durch die Vorliebe für krankhafte Erscheinungen gekennzeichnet. Immer wieder
finden sich folgende Themenkreise: die zerstörende Macht des Alkoholismus, der
„passive“ Held (er erleidet sein Schicksal und meistert es nicht), der Neurotiker (der
labile Charakter) und das vergebliche Ringen des einzelnen um die Befreiung aus
dem Milieu.

Das dramatische Werk


Umfasst Naturalistische Zustandsdramen aus dem modernen Leben, symbolische
Märchendramen, neuromantische Dramen aus der Legende, Geschichte und Sage
und schließlich neuklassizistische Altersdramen.

Naturalistische Dramen:
„Die Weber“(1892)
Das soziale Drama ist die Gipfelleistung des deutschen Naturalismus.
Der Held dieses Volksdramas ist die Masse hungernder Proletarier.
Es wird die Entstehung, Ausbruch und die Niederwerfung des Hungeraufstandes der
schlesischen Weber von 1844 dargestellt.
Das Werk wirkt als Anklage gegen die Ausbeutung der Arbeiter.

„Florian Geyer“(1896)
In der Tragödie, in der ebenfalls eine soziale Massenbewegung dargestellt wird,
versucht Hauptmann den Naturalistischen Stil auf das Geschichtsdrama(Schiller:
Jungfrau von Orleans, Don Carlos, Willhelm Tell, Wallenstein) anzuwenden. Er plant
ursprünglich eine Trilogie der Bauernkriege.
Inhalt:
Nach der Schlacht von Weinsberg sind die Bauern obenauf. Manche Ritter gehen
über. Bald gibt es jedoch Zeichen von Zwietracht zwischen den Bauern und Rittern.
Florian Geyer wäre der geeignete Führer der Bauernbewegung, doch wird die
Führung von einem Kriegsrat übernommen. Der Unfriede nimmt zu, und als Geyer
abwesend ist, stürmen die Bauern entgegen ihrem Versprechen das Würzburger
Schloss. Geyer wird von dem Kriegsrat, nachdem die Hälfte seiner Schar gefallen ist,
nach Rothenburg geschickt. Man will ihn loshaben. Götz von Berlichingen verrät die
Bauern, und Florian Geyer fällt durch einen Schuss aus dem Hinterhalt.

Ähnlich wie in Goethes(Verweis) Schauspiel „Götz von Berlichingen“ wird das


Scheitern eines Führers der Bauernaufstände dargestellt.

Klassizistisch- antikisierende Dramen


Hauptmanns Atriden Tetralogie über das Schicksal der Atriden:
„Iphigenie in Aulis“(1943), „Agamemnons Tod“(1934), „Elektra“(1944) und
„Iphigenie in Delphie“ (1941)
Das dramatische Schwergewicht ist ins Seelische verlegt, wobei im Gegensatz zu
Goethe die Dichtung mit Mitteln der modernen Psychologie darstellt, wie stark der
Mensch von Trieben bedroht wird, die in seinem Unterbewusstsein schlummern.
Deutlich steht diese Tetralogie unter dem Zeichen des 2. Weltkriegs.

Epische Werke:
Es enthält mehr persönliche Erlebnisse und ist durch die neuromantische Neigung
des Untergründigen, Magischen und Phantastischen gekennzeichnet.

„Bahnwärter Thiel“(1888)
Erscheint in der Zeitschrift „die Gesellschaft“. In strenger Objektivität und genauer
Milieuschilderung wird da das tragische Schicksal eines einfachen Mannes
geschildert.
Inhalt:
Nach dem Tod seiner zarten Frau heiratet Bahnwärter Thiel eine vitale Frau, die ihn
bald durch ihre Herrschsucht und ihr zänkisches Wesen völlig unterjocht. Als er aber
sieht, wie sie das Kind aus erster Ehe misshandelt und Schuld daran hat, dass der
kleine Tobias unter die Räder eines Zuges gerät und stirbt, tötet er sie. Er selbst wird
wahnsinnig.

„Atlantis“(1912)
Schildert in der Form eines Romans einen Schiffuntergang während einer
Amerikareise, der als Symbol für das durch seine unglückliche Liebe zu einer
Tänzerin zerbrechende Leben eines junges Arztes steht. Der Roman erschein noch
vor der Titanic Katastrophe im April 1912 und wird später als eine unheimliche
Prophezeiung dieses großen Unglückes verstanden.

Die Erzählung „Der Ketzer von Soana“ (1918)


Schildert die Wandlung eines bisher frommen, streng asketisch lebenden Priester
durch seine Liebe zu einem naturverbundenen, wild aufwachsenden Hirtenmädchen
zu einem naturnahen, den Sinnesgenuß bejahenden Menschen.
Der Roman „Phantom. Aufzeichnungen eines ehemaligen Sträflings“ (1912)
Bringt den Abstieg eines Beamten zum Mörder, wobei die echte epische
Erzählhaltung meisterhaft gelungen ist.

Thema 16: Kennzeichnen sie die Wesenszüge des Impressionismus


und Symbolismus mit besonderer Berücksichtigung des Dichters
Hofmannsthal. Gehen sie dabei auch auf die Ursachen und die
Zielsetzung dieser Strömung ein.

Impressionismus:19.Jhd

Wesenszüge:

Ursachen:
• Zwar noch immer vom Streben nach Wahrheit erfüllt, man beginnt allerdings
zu zweifeln ob mit der naturalistischen Methode ein wahres Abbild der
Wirklichkeit erreicht werden kann.
• Weitere Faktoren zur Ablösung vom Naturalismus:

• Überbetonung des hässlichen (beim Naturalismus)

• Erschütterung des naturwissenschaftlichen Materialismus durch die


Entdeckung der Entelechie1) und der Finalität 2)

• Wirkung der Philosophie Nietzsches und der Psychoanalyse Freuds

• Übersetzertätigkeit Einströmung neuer Stilformen

Zielsetzung:
• Nicht mehr naturgetreu Außenwelt schildern sondern Eindruck der im
Betrachter erzeugt wird.
• Der Stimmungsgehalt soll dargestellt werden
• Außending ist nur Anreiz für Empfindungen und seelische Erregungen
Weckt Vorliebe für Seelenzergliederung

1)
jene Kraft die im Organismus liegt und dessen Vollendung bewirkt
2)
Zweckbestimmtheit
Bsp. Für „Symbolismus mit besonderer Berücksichtigung des Dichters
Hofmannsthal.“

Hugo von Hoffmannsthal

• Bedeutendster Dichter
• Stammt aus „jungem Wien“
• Volle Überwindung des Naturalismus
• Welt der Schönheit ersetzt Hässliche und Niedrige
• Subjektive Suche nach dem Sinn des Lebens ersetzt objektive Passivität
• Statt sprach des Alltags, bilderreiche, musikalische Sprache

Leben:
Geboren im 19.Jhd also Sohn einens Wohlhabenden Rechtsanwaltes
Veröffentlicht schon mit 17 Gedichte und kl. Dramen.
Studiert Rechtswissenschaften, widmet sich dann aber der romanischen Phil.
Lebt nach Studium als Freier Schriftsteller

Auf seinem Weg als Dichte fasst er österreichsches Geisteserbe und die großen
Traditionen des Abendlandes zusammen: griechisch- römische und christlich-
mittelalterliche
3 Entwicklungsstunfen:

1. Entwicklungsstufe:

Erschüttert vom Zusammenbruch der Wissenschaftsgläubigkeit seiner Zeit flieht


er in einen müden, dekadenten Ästhetizismus1), in einen passiven
Impressionismus und Symbolismus.
Sehnsucht nach Schönheit und Harmonie

Gedichte und kl. Lyrische Dramen (entstehen auf dieser Entwicklungsstufe)

Gedichte:
• Bild und Sprachkraft
• Hohe Musikalität
• !!!Schwer Sagbares (=Gefühle) wird mit Hilfe von Symbolen
ausgedrückt!!!
• Klagen über Vergänglichkeit und Einsamkeit & Rätselhaftigkeit des
menschlichen Daseins (Sinn des Lebens)

Lyrische Versdramen:
Sind kurze Einakter, die jeweilig die aus dem bloß skizzenhaft angedeuteten
und legendenhaft entrückten Geschehen entstandene wehmütige Stimmung
schildern.
• Bsp. + Ursachen für Dargestellte Stimmung
o „Frau am Fenster“
 Sehnsucht nach dem Geliebten
o „Das Bergwerk zur Falun“- Versspiel
 Heimkehr eines Seemannes
o Bestes Jugenddrama: „Der Tor und der Tod“
 Es kündigt sich Ausbruch einer Entwicklungskrise an  neue
Auffassung des Lebens
 Inhalt:
Ein junger Edelmann ruft Lebensmüde den Tod herbei.
Allerdings sträubt sich dann der Edelmann gegen den Tod
und erkennt dass er noch gar nicht wirklich gelebt hat. Der
Tot zeigt ihm den Reichtum des Lebens an dem der Jüngling
achtlos vorübergegangen ist, an der aus dem Grad
erstandenen Mutter, an der verlassenen Geliebten und an
dem Toten Freund. Nun, da Claudio das Leben gesehn hat,
sieht er dem Tod ins Antlitz und stirbt.

2. Entwicklungsstufe:

1)
Ästhetizismus: dichterisch kultivierte Lebensform, die sich in Opposition zur urbanen Geschäftigkeit und ohne
Rücksicht auf politische, moralische, soziale oder religiöse Normierung ganz der genusshaften Betrachtung des
Wirklichen verschrieb.
Erkennt dass ein im Leben unbeteiligtes Danebenstehen ein Irrweg ist. Fragen
um die sittliche Freiheit , um Schicksal, Schuld und Sühne bedrängen ihn. Diese
Neuen Erfahrungen und suche nach dem Sinn des Lebens führen ihn zur
altgriechischen Tragödie. Bemüht sich um dessen erneuerung, allerdings im
Gegensatz zur Antike als musikalische Komödie.
Weggefährte: Richard Strauss

Werke:
• Griechendramen (=moderne Umdichtungen der Tragödien von Sophokles)
o Elektra
o König Ödipus
• Libretti für die von Strauss vertonten Opern:
o Der Rosenkavalier- Komödie
o Die Frau ohne Schatten
3. Entwicklungsstufe:
Versucht zu Zeigen dass die ewig gültigen Wahrheiten des Christentums, das
Streben nach festen sittlichen Geboten befriedigen können.

Werke:
„Jedermann“:- Mysterienspiel
• Zählt zu den wirksamsten Deutschen Bühnenstücken der Gegenwart
• Findet heute noch bei den Salzburger Festspielen großen Beifall
o Gegründet von: Leopold von Adrian, Hofmannsthal & Max Reinhardt
• Inhalt:
o Während eines großen Gastmahls tritt plötzlich der Tod vor den
reichen Jedermann. Die eben noch schmeichelnden Freunde
fliehen und lassen den Gastgeber allein. Nur seine guten Werke und
sein Glaube, in allegorischen Figuren verkörpert, treten ihm zur
Seite und helfen ihm gegen den Teufel.

„Das Salzburger große Welttheater“- Mysterienspiel


• Stoff: Entlehnt vom Drama des Spaniers Caledron
• Hoffmann setzt Überlieferung des österreichischen Barocktheaters fort.

„Der Schwierige“- Komödie


• Nach romanischen Vorbildern geschaffenes Lustspiel
• Verkörperung des Altösterreichischen Zauderers
• Inhalt:
Adlige Wiener Gesellschaft der Zwischenkriegszeit, der im Krieg
menschenscheu gewordene Graf Bühl hats nicht leicht.
Unendliche Güte und kindliche Zartheit machen ihn zu einem
„Schwierigen“ im Leben.
Gefühle sind für ihn kostbar und schwer auszudrücken.
Von dem Tiefen Unglauben an das Verstehen zwischen Menschen
befret ihn Helene Altenwyl. Verloben sich. Wirrwarr der Ehejäger und
Ehesitter behindern ihre Vereingung, löst sich allerdings auf.

Thema 17: Charakterisieren Sie die beiden Dichter Thomas und


Heinrich Mann. Gehen sie dabei auch auf deren Stilmerkmale ein.
Analysieren Sie die wichtigsten Werke dieser beiden Künstler.

Heinrich & Thomas Mann


Ende 19 bis Mitte 20. Jhd

Thomas Mann
Leben:
Sohn eines Großkaufmannes . Hört Vorlesungen über Geschichte, Volkswirtschaft und
Literatur, um später Journalist zu werden. Wird freier Schriftsteller und verlässt (1933) das
nationalsozialistische Deutschland (ab nach Amerika). Kommt 1952 (die Jahreszahl ist
Untertrischen). Er erhält viele Ehrungen, 1929 sogar den Nobelpreis.

Charakteristische an Manns Dichtung:


• Geistige Haltung:
o Bestimmt von: Nietzsche, Wagner, Schopenhauer, Goethe
• Grundton seiner Dichtung:
o Tiefer Pessimismus und lösende Ironie.
o Das menschliche Leben erscheint ihm nicht von einem ordnenden Gott
sondern von bösen dunklen Dämonen beherrscht, die immer wieder
zerstörend in das Schicksal des einzelnen Menschen eingreifen. Der Künstler
wird als ein entarteter Bürger verstanden, der mit seiner verfeinerten
Sensibilität das Leben nicht meistern kann.
o Empfindet bürgerliche Ordnung durchaus fragwürdig das sie nur im Stande ist
eine lebensunfähige, rettungslosem Verfall zustrebende Zivilistion
aufzubauen.
• Zeitanalysen in einem äußerst gepflegten Stil.
o Vorliebe für lange, aber logisch klar konstruierte Sätze
o Nutzt dieselben Wortverbindungen immer wieder auf die gleichen Personen
(und Situationen) erzielt dadurch eine den Leitmotiven in Wagners Oper
ähnliche Wirkung.(=LEITMOTIVTECHNIK).
o Ist ausschließlich Erzähler

Romane:
• „Buddenbrooks“
Gehalt:
Verfall und Niedergang einer Lübecker Großkaufsfamilie durch vier
Generationen. Ihr Materieller Wohlstand verringert sich. Die ursprünglich
Lebenssüchtigen Familienmitglieder verfeinern und kultivieren sich. Die
künstlerische Lebensneigung raubt ihnen die Lebenstüchtigkeit und führt zum
Zusammenbruch des Kaufmannshauses.

Inhalt:
Sohn (=2.Generation) des Kaufmannes (Johannes
Buddenbrook=1.Generation) ist ein Mann ohne Weitblick und die
Persönlichkeit seines Vaters und lebt in getreuer Mittelmäßigkeit. Dessen
Sohn, Thomas (=3.Generation), wird zum Chef des Hause. Im Innersten
bereits ohne Sicherheit; körperlich zart, ein Schöngeist, aber in Haltung und
Tat ein „Dekadent“ und kann den Niedergang der Firma nicht mehr aufhalten.
Dessen einziger Sohn Hanno(=4.Generation), körperlich noch zarter als der
Vater und ist der Letzte seines Geschlechts. Er ist weltmüde und flüchtet in
den Traum bzw. in die Kunst. Hat alles was das fin de siècle (=Ende des
Jahrhunderts) von einem Ästheten erwartet. Tod rafft den 16jährigen dahin
(hat leichtes Spiel).

Wertung:
o Verhindert dass der Phantasie viel Raum eingeräumt wird.
o Geradezu wissenschaftliche Schilderung des Alltags.

• „Der Zauberberg“- Gesprächsroman


Inhalt:
Castorp 7Jahre in einem Sanatorium für Lungenkranke.
Gerät in eine international Gesellschaft in der Zeitprobleme Lebhaft diskutiert
werden.
Gehalt:
Dieser Gesprächsroman entrollt ein breites Kulturbild des alten Europa, in
dem die gesellschaftlichen Zustände und geistigen Probleme der Zeit vor dem
ersten Weltkrieg vorgeführt werden. Die Lungenheilstätte gilt als Symbol der
Zeit und als Kampfstätte zwischen Gesundheit und Krankheit.
• „Joseph und seine Brüder“
o Besteht aus vier Bänden
o Ist ein nach sorgfälligsten Studien geschaffener historischer Roman. (Bsp. Sir
Walter Scott.)
o Ist auch ein Menschheitsroman Darstellung des menschlichen Lebens
durch ein historisches Beispiel. Macht klar dass sich die menschheit in ihrem
Wesen stets gleich bleibt.

• „Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn,


erzählt von seinem Freund“ ( Parallele zu Goethes Faust.)
o Erzählt Schicksal eines Deutschen Musikers
o Lebt in den ersten vier Jahrzehnten des 20.Jhd.
o Hinterlässt bei seinem Tod in der Kantate „Doktor Fausti Weheklag“.
o Dem Dichter dient unter anderem ein Teil der Biographie Friedrich Nietzsches
also Unterlage des Lebenslaufs seines Helden.
o In seinem Leben wiederholt sich das Teufelsbündnis Fausts als Symbol der
Dunklen Dämonen.
o Dichter gibt Analyse und Deutung des deutschen Menschen

• „Der Erwählte“
o Erzählt im Ironischen Chronikton den Stoff desGregorius von Hartmann von
Aue.
o Erzähler ist ein irischer Mönch

Inhalt:
Gregorius gezeugt von einem Geschwisterpaar, wird nach seiner Geburt aufs
Meer ausgesetzt und wächst auf einer normannischen Insel heran, wo ein
Frommer Abt seiner annimmt.
Mit 17 erfährt er die Art seiner Herkunft und verlässt die Insel. Er kommt in das
Land seiner Mutter welches sich in Kriegsnot befindet, und besiegt den Fürsten
im Zweikamps  Frieden. Wird als Landesherzog Gatte der eigenen Mutter.
Als er dies entdeckt, tut er Buße, Gott erhöht ihn auf päpstlichen Stuhl.

• „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“- Schelmenrom. (->Barocktyp.)


o Unvollendet und letzter Roman des Dichters.
o Ist eine Art moderner Schelmenroman des bürgerlichen Zeitalters.

Inhalt:
In ihm schildert Mann Krulls Lebensweg vom Liftboy über den Kellner zum
Liebhaber und Verführer der Frauen verschiedenster Art bis ins Gefängnis.
Wo er den ersten Teil seiner Memoiren schreibt.

• Viele Novellen
o „Der kleine Herr Friedmann“
o „Tonio Kröger“
o „Der Tod in Venedig“
o Behandeln die Verhinderung des Künstlers in vollem Sinn Mensch zu sein,
und die Verbannung in schmerzlich empfundene Vereinsamung.
Wertung der Dichterpersönlichkeit:
o In der Gesamtheit des Werkes Thomas Manns sind Glanz und Verfall der letzten
Epoche der großbürgerlichen Kultur festgehalten.
o Führer des deutschen Gewissens und eines Welt-Humanismus gegen Adolf Hitler
o In einer Rede das Bürgertum zur vorurteilsfreien Bekennung der deutschen
Sozialdemokratie aufgerufen.

Heinrich Mann
Älterer Bruder von Thomas Mann, entwickelt sich vom Symbolisten zum
Gesellschaftskritiker.

Werke

o Er ist ein erbarmungsloser Zeitkritiker mit grotesk verzerrten hasserfüllten Satiren.


o „Professor Unrat“
o Schildert den durch eine Tingeltangel- Sängerin herbeigeführten Untergang
eines spießbürgerlichen Schultyrannen, und ist auch eine Satire auf den
Berliner Literaturbetrieb, und auf die Geldaristokratie der Gründerzeit
o „Der Untertan. Roman des Deutschen Bürgertums“
o Enthält eine kompromisslose Satire auf den Untertanengeist und geißelt
charakterloses Machtstreben das die Konkurrenz zugrunde richtet.
o Als Gegenstück zur Kaiserreichtrilogie entstehen historische Romane
o „Die Jugend des Königs Henri Quatre“
o „Die Vollendung des Königs Henri Quarte“
Diesem Roman liegen historische Studien zu Grunde
Inhalt:
In ihnen wird im Stil der Neuen Sachlichkeit dein breit ausgeführtes Gesichtsbild
Frankreichs im 16.Jhd entworfen. König Heinrich IV. wird dabei als ein sozialpolitisch
vorbildlicher Staatsmann geschildert, der von tiefem Verständnis für menschliche
Gebrechlichkeit und von praktisch- nüchterner Vernunft getragen ist und jedwedem,
besonders aber den religiösen Fanatismus bekämpft.
o Schrieb eine Autobiographie

Wertung der Dichterpersönlichkeit:


o Erhält Nationalpreis für Kunst und Literatur der DDR.
o Wird zum Präsidenten der Deutschen Akademie für Künste gewählt.
o Stirbt vorher in den USA

Thema 18: Hesse (1877-1962)

Beginnt Theologie zu studieren -> gibt diese auf -> beginnt zu Wandern
1912 übersiedelt in die Schweiz
1919 Freierschriftsteller
1946 Nobelpreis

Merkmale seiner Dichtung


Im Mittelpunkt – Sehnsucht; Zusammenbruch aller absoluten Werte; neue
Sinndeutung des Lebens.
Asketische Ablehnung der natürlichen Triebe - Gefühlskalten Lebensfremden
Naturferne.
Allerdings spürt er auch Gefahr und Bedrohung
Lösung für seinen Zwiespalt findet er nicht
Er bietet keine „fertigen“ Weltanschauungen.
Schilder Menschen die immer unterwegs sind(Unruhe); Suche nach eigener
Selbstfindung
Geistige Hilfe: Novalis(Romantik - Schwarzer Roman „Hymne an die Nacht“),
indische chinesische Weltvereinigungslehre, Goetheschen Humanitätslehre,
Psychoanalyse Freuds.

Als Lyriker
IN seiner Frühzeit verharrt er im passiven Impressionismus, er versucht
Jugenderinnerungen innerer Stimmen und Erlebnisse dichterisch zu verarbeiten.
Stark von der Romantik und von Goethe beeinflusst.
Viele seiner Gedichte wurden vertont „Romantische Lieder“, „Musik der Einsamen“
Lyrische Stimmungsromane
„Peter Camenzind“
Entwicklungsroman mit starken autobiographischen Zügen.
In ihm begleitet der Dichter einen jungen Schweizer Taugenichts auf dem weg vom
Dorf in die Stadt. Enttäuscht vom Stadtleben geheilt vom Wunsch, Dichter zu
werden, lässt er ihn wieder ins Dorf zurückkehren und das Leben eines tüchtigen
Gastwirtes leben.

Höhepunkt der lyrischen Stimmungskunst des frühen Hesse bedeutet der heitere
Vagabundenroman „Knulp“

Ausbruch des Ersten Weltkrieges erschüttert ihn zutiefst.


Welt der Gefühle und Stimmungen befriedigt ihn nun nicht mehr
In psychoanalytischen und symbolhaft gestalteten Roman -> Sinndeutung des
Lebens

„Demian“

Entwicklungsroman bringt eine psychoanalytische der Schuldverstrickung eines


jungen Mannes nach dem Zusammenbruch seiner hellen Kinderwelt. -> Siddharta

Inhalt:
Emil Sinclair ist ein gut erzogener Junge aus einem bürgerlichen Haus. Lebt in einer
Scheinwelt. Zum einen ist da die frohe heile Welt, ungerechte Welt draußen vor der
Tür. Die Geschichten erzählen von verbotenen Dingen die sie getan hätten und nur
um mitzuhalten oder eigentlich mehr um dem Kromer nicht aufzufallen und ihn zu
verärgern, erzählte er, er hätte bei einem bestimmten Grundstück einen ganzen Sack
Äpfel geklaut. Daraufhin ließ Kromer ihn das beschwören um dann zu behaupten, er
kenne den Besitzer und der hätte zwei Mark Belohnung ausgesetzt für den, der
wüsste wer es gewesen ist. Er wolle aber nichts verraten, wenn Sinclair ihm die zwei
Mark gebe. An soviel Geld konnte er unmöglich kommen. Doch dann erscheint
Demian, ein etwas seltsamer, weiser Junge, und hilft ihm aus dieser Zwickmühle
heraus.

„Der Steppenwolf“
Der Held Harry Haller ist die Verkörperung des umhergetriebenen von seinem
unbekannten Selbst gejagten Menschen. (= Herrmann Hesse) Es gelingt ihm das
Tier in sich selbst zu stellen. Sinnlichkeit in unvergeistigter Art steht disziplinierter
Geistigkeit wie sie Siddharta verkörpert gegenüber. Gegensätze schließen sich nicht
– Polarität bleibt offen.

In seinen Alterswerken bejaht Hesse beide Naturen im Menschen. Es kommt dabei


zu wieder aufgreifen der romantisch-idealistischen Linie allerdings auf einer höheren
Ebene.

„Das Glasperlenspiel“
Nicht in einer mönchischen Absonderung von der rauen Außenwelt verharren
sondern müssen das geistige innerhalb des praktischen Lebens vertreten.

Josef Knecht steigt im Orden von Kastalien zum Glasperlenspielmeister auf. Er


verwirklicht sich, indem er seine persönlichen Belange zurücknimmt und zunächst
dem Orden dient und später – auf einer höheren Entwicklungsstufe – dem Land bzw.
einer Familie oder deren Sohn.

Sein letztes Werk, zwei Bände Essays,


bringt eine recht persönliche Begegnung mit dem Dichter. In ihnen öffnet er die Türen
vom Haus und Garten und lässt uns teilhaben an seinem Leben und dem seiner
Familie. Hesse öffnet auch sein Herz: als unermüdlicher Briefschreiber an eine große
Gemeinde Ratsuchender. In einem Brief steht der Satz, der viel von dem Menschen
Hesse sagt: “Ich habe einen Auftrag, ich muss andere Suchenden die Welt verstehen
und bestehen helfen, und sei es auch nur, in dem ich ihnen den Trost gebe, dass sie
nicht alleine seien,“

Wertung von Hesse Dichtung


Herrmann Hesse, der für Thomas Mann „der deutsche aller deutschen Dichter“ und
für Gottfried Benn „ein durchschnittlicher Entwicklungs-, Ehe- und
Innerlichkeitsromancier“ ist. Deutet sich selbst auf folgende Bekenntnis: „Meine
Dichtungen sind alle ohne Absichten, ohne Tendenzen entstanden. Wenn ich aber
nachträglich nach einem gemeinsamen Sinn suche, so finde ich allerdings einen
solchen: vom Carnenzind und Knulp bis zum Steppenwolf und Josef Knecht können
sie alle eine Verteidigung (zuweilen auch als Notenschreiber der Persönlichkeit des
Individuums gedeutet werden.“
Das Glasperlenspiel
Inhalt:
Ähnlich wie in der pädagogischen Provinz in Johann Wolfgang Goethes Roman
"Wilhelm Meister" sammelt sich im Jahr 2400 in der "kastalischen provinz", einem
geistigen Ordensstaat, fern dem Getriebe der lärmenden Tageswelt, ein kreis
asketisch der höchsten
Zucht des Geistes dem Glasperlenspiel, zugewandter Menschen. Ein Meister darin
ist Josef Knecht, dessen Lebensweg der zweibändigen Roman vorführt. Auf der
Höhe seines Ruhmes zweifelt er an der Lebensechtheit der bloß ichbezogenen
Provinz. Es verlangt
ihn danach, sich unter erdfestenm daseinsfreudigen Menschen in einem tathaften
Leben zu bewähren. Er verläßt die von Erstarrung bedrohter Welt reiner Geistigkeit
und wird Erzieher des schwierigen Sohnes eines Jugendfreundes, Aber schon am
ersten Tag versinkt
er in dem eisigen Wasser eines Bergsees, als er seinem Zögling im Wettschwimmen
folgt. Sein Tod führt den jungen Menschen zu tieferer Lebensauffassung. Der frühe
Tod des Helden bedeutet wohl eher eine Resignation als eine letzte Antwort auf die
Frage
nach dem Lebensziel."

Gehalt:
Chronist stellt die Verbindung mit unserer Zeot durch die Erinnerung an die
furchtbaren Kriege her. Die geistige Führerschicht beschickt nur mehr mit Feuilletons
die Zeitung. Das Glasperlenspiel ist "eine Art hochentwickelter Geheimsprache", die
Inhalte
und Resultate aller geistigen Disziplinen darzustellen vermag. Die Tatsächlichen
Spielvorgänge bleiben unklaren (da Dichte war meiner Meinung nach zu faul). Der
Leser hat das Gefühl als ob Hesse eine Weltsprache des Geistes und des Geistigen
geben will.
Thema 19 Kennzeichnen Sie die Strömung des
Expressionismusses am Beispiel von Franz Kafka. Analysieren sie
die Zielsetzungen, Ursachen und die Entwicklung dieser Dichtung.
Gehen Sie auch auf die Merkmale der expressionistischen Dichtung
ein.

EXPRESSIONISMUS (1910 – 1925)

Expressionismus (lat. expressio = dt. Ausdruck) bedeutet soviel wie Ausdruckskunst.

Zielsetzungen

Das Gegenteil vom Expressionismus ist der Impressionismus, der sinnlich


wahrnehmbare Eindrücke subjektiv wiederzugeben versucht.

An die Stelle von Objektivität, Sachlichkeit, Analyse und Zergliederung tritt die
Ekstase, mystische Erregtheit, innere Schau und Vision.
Der Dichter will Prophet sein und es herrscht eine idealistisch-subjektive
Sollseinsdichtung.
Der Expressionismus ist nicht nur eine Frage der künstlerischen Form, sondern
zugleich auch der Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, das alle Kulturbereiche
erfasst.

Ursachen

Mit dem Ende des Jahrhunderts wird Europa von einer düsteren Krisenstimmung
erfasst.

Der italienische Dichter Marinetti legt in seinem „ Manifest der futuristischen Literatur
“ die theoretischen Prinzipien des Expressionismus dar.

Entwicklung
Junge Dichter stellen sich in Empörung gegen ihre Zeit. In Zeitschriften (z.B. wird das
Manifest Marinettis abgedruckt) oder Aufrufen, Flugblättern verkünden sie neue
Ziele, die von ihrem Glauben an ein heraufkommendes Menschentum bestimmt sind.

Der stürmische Aufbruch wird zunächst vom Ersten Weltkrieg gehemmt. Der sich nun
gegen den Krieg wendende revolutionäre Expressionismus führt zu einer politisch-
sozialen Dichtung und mündet (ca. nach dem Krieg) in den Dadaismus und
Surrealismus.

Merkmale

Die Stoffe sind vor allem aus der Vor- und Nachweltkriegszeit (auch während des
Krieges) entnommen.
Der Expressionismus führt den Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft und
Weltanschauung.
Alles Individuelle wird abgestreift und das Allgemeine und Dauerhafte versucht man
im Wort zu fassen. Somit tragen die Personen oft keine Namen, sondern
Bezeichnungen wie „Mann“ , „Weib“.
Die expressionistische Dichtung ist Ideendichtung, nicht Erlebnis- oder
Stimmungsdichtung.

Sprachliche Merkmale:
Eine neue Sprache ist notwendig, die imstande ist, die innere Vision auszudrücken.
Der impressionistische Nominalstil(d.h. die Vorliebe für aneinander gereihte
Substantiva) wird durch den Verbalstil verdrängt, um die Sprache dynamisch zu
machen.

Merkmale der Dichtungsgattungen


In dieser Lyrik überwiegt die Reflexion (Nachdenken) in langen Monologen. Sie
umfasst alles von der schwermütig verkündenden Klage bis zur extatischen
Jubelhymne.
Das expressionistische Drama ist ein symbolhaftes, ausdruckstarkes Ideendrama,
das in die lockere Folge von rasch aufeinander folgenden Einzelbildern, die wie im
Film auf- und abgeblendet werden, zerfällt. Es ist reich an rein mimischen Szenen
und Monologe aufweist, die im Naturalismus als unwirklich verpönt sind. Der neue
Darstellungsstil erfordert eine Annäherung an Oper, Film und Varieté.

Franz Kafka (19.- 20. Jhdt.)

Ist ein Autor der nur teilweise aus dem Expressionismus herausbegriffen werden
kann.

Leben:
In Prag geboren, studiert Jus, wird Versicherungsangestellter und stirbt an
Lungentuberkulose.
Nach seinem Tod werden die noch ungedruckten Manuskripte von seinem Freund
Max Brod veröffentlicht, da Kafka schon eine internationale Berühmtheit erlangt hat.
Nach dem 2. WK stellt er den wichtigsten Wegbereiter für den aufgekommenen
Existenzialismus und Surrealismus.

Charakteristik des Dichters:

Franz Kafka zählt zur sog. Prager Schule, weiters gehören noch dazu: Meyling,
Kubin.

Kafka glaubt an keine Transzendenz der Menschen, jedoch spürt er ihre


Abhängigkeit von unsichtbaren Mächten, was Unruhe und Daseinsangst erzeugt.
Es werden in der Welt immer wieder plötzlich Vernichtungskräfte wirksam und der
einzelne Mensch fühlt sich mitschuldig. Auch wenn er sich keiner bestimmten Schuld
bewusst ist und nicht weiß vor wem er sich zu rechtfertigen habe.
Das Gewissen erscheint als eine Macht. Der Weg aber zur klaren Erkenntnis des
Gewissens, ist jedem Menschen versperrt.

Dichterisch kommt diese menschliche Unsicherheit dadurch zum Ausdruck, dass in


Kafkas Romanen und Erzählungen mitten in einer sachlich und glaubwürdig
dargestellten Realität unwirkliche, phantastische Gestalten und Szenen eingebaut
erscheinen. Immer wieder verwandelt sich die vorgestellte Wirklichkeit in einen
Angsttraum.

Werke:

Die Verwandlung

Der Handlungsreisende erwacht eines Morgens als riesige Küchenschabe, in die er


sich verwandelt hat, auf. Er findet sich mit dem ab, jedoch erregt er den Ekel und die
Abscheu selbst der Eltern und der Schwester und geht an dieser Lieblosigkeit
zugrunde.

Der Prozess

Der Bankprokurist Joseph wird eines Tages angeklagt, er weiß aber weder warum,
noch wann und von wem ihm der Prozess gemacht wird. Trotz all seiner
Bemühungen vermag er nicht, zu seinen Richtern vorzudringen. Sein Onkel führt ihn
zu einem Anwalt, der zwar viel vom geheimen Gericht erzählt und lange an einer
Eingabe arbeitet, die aber nie fertig wird, Schließlich wird das Urteil vollstreckt. An
seinem 31. Geburtstag wird Joseph von zwei schwarz gekleideten Herren geholt, die
seine Henker sind. Er wird in einen Steinbruch vor der Stadt geführt und mit einem
Messer erstochen wird.

Fazit:
Der Mensch hängt von überpersönlichen Gewalten ab, die vergebens zu erkennen
versucht. Der Roman wird von Gottfried von Einem als Oper vertont.
Das Schloss

Der ins Land gerufene Landmesser versucht zur regierenden Verwaltung im Schloss
vorzudringen, weil man ihm mitgeteilt hat, dass er nicht gebraucht wird. Erst kurz vor
seinem Tod erfährt er, dass er im Land bleiben darf, er erfährt aber nie wozu und in
welcher Eigenschaft.
Der verborgene Gott, der „Graf“ des Schlosses, bleibt dem Menschen für immer
unerreichbar.

Thema 20???

Thema 21) Analysieren Sie das Dokumentartheater am Beispiel von


Peter Weiss und Rolf Hochhuth.

Das dokumentarische Theater:


Darin dient dokumentarisches Material (Akten, Briefe, Memoiren, Reden) zur
montageartigen Darstellung von politischen Themen der jüngsten Vergangenheit
oder der Gegenwart.
„Dantons Tod“ von Georg Büchner und „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl
Kraus sind die Vorläufer dieser dramatischen Gattung. Weitere Beispiele für das
dokumentarische Theater sind : „Die Ermittlung“ von Peter Weiss und „Die Plebeyer
proben den Aufstand“ von Günther Grass

Rolf Hochhuth
hat mit seinem Schauspiel „Der Stellvertreter“, mit Papst Pius XII als Hauptperson,
seinen größten Erfolg. Es darin um das Problem moralischer Entscheidungen
während des dritten Reiches.
In „Soldaten. Nekrolog auf Genf“ (Tragödie) steht Winston Churchill im Mittelpunkt.
„Tod eines Jägers“ (pausenloser Monolog) hat den Freitod von Ernest Hemingway
zum Thema.
Er hatte auch epische Werke: „Eine Liebe in Deutschland“ , „Tell 38“.
Diese Werke weisen die Technik der Montage auf!

In seinem kritischen Essay – Band (wissenschaftlicher Aufsatz) „Räuber Rede“


wendet er sich gegen die Trennung von Kunst und Politik.
Die Essay – Sammlung „Täter und Denker – Profile aus Literatur und Geschichte“
reicht von Caesar bis Ernst jünger, Bismarck, Churchill, Jaspers bis Mozart.

Peter Weiss
lebt in Schweden und wird Schriftsteller, Maler und Grafiker.
„Die Versicherung“ zeigt einen Polizeipräsidenten, der, in einer Zeit voller
Unsicherheit, auf einer Abendgesellschaft eine Versicherung gegen jede
Schwierigkeit abschließen will und bringt Bilder von Totentänzen bürgerlicher Kultur.

Sensationeller Erfolg durch: „Die Verfolgung und Ermordung von Jean Paul
Marat“ (dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter
Anleitung des Herrn Sade). Es spielt in einem Irrenhaus und hat Symbolkraft.
„Die Ermittlung“ ist ein Oratorium in 11 Gesängen. Es bringt eine szenische
Dokumentation des Auschwitz – Prozesses.

In „Hölderlein“ wird uns der Dichter der Klassik als sensibler Revolutionär gezeigt,
der psychisch zerbricht, als die Revolution scheitert. Am Ende seines Lebens sieht er
in Karl Marx den Vollstrecker seiner Visionen.

Dieter Forte
Schrieb „Martin Luther & Thomas Münzer oder die Entführung der Buchhaltung“.
Darin geht es um das Verhältnis des Reformators zu Macht und zur Revolution
(Eigentlicher Sieger: Bankier Fugger).
Weitere Werke: „Jean Henri Dunant“ (Begründer des Roten Kreuzes), „Kaspar
Hausers Tod“ (einer der größten ungelösten Kriminalfälle – MYTHOS!)

Kaspar Hauser:

Kaspar Hauser wurde völlig verwahrlost am Pfingstmontag 1828 in Nürnberg


aufgefunden. Obwohl er bereits 16 Jahre alt war, konnte er nur einen Satz sprechen.
Außerdem fühlte er sich vom Tageslicht geblendet. Später - nachdem er sprechen
gelernt hatte - berichtete er, dass er 10 Jahre einsam in einem dunklen Gefängnis
zugebracht hatte. In einem Brief, den Kaspar bei sich trug und der an einen
Rittmeister gerichtet war, stand der Satz "ich mache meinen Namen nicht kuntbar,
denn ich könnte gestraft werden". Die Gründe für Hausers Kerkerjahre sind bis heute
unbekannt. Eine mögliche Version lautet, dass Kaspar Hauser ein Sohn adeliger
Herkunft war, den man in den Kerker steckte, weil er die Thronfolgepläne mächtiger
Fürsten durchkreuzte.

Kaspar Hauser nahm zunächst nur Wasser und Brot zu sich und lehnte andere
Speisen ab. Er hatte auch keine Scheu vor gespielten Attacken, weil er offenbar nie
die Bedeutung einer Bedrohung gelernt hatte. Ohne Scheu griff er in eine
Kerzenflamme, weil er nicht wusste, dass dies schmerzhaft war. Hauser zeigte weder
religiösen Glauben noch eine Gottesvorstellung. Mediziner und Theologen
beobachteten Hauser und schickten ihn an Höfe und in Salons des In- und Auslands,
wo er als wunderlicher Wilder bestaunt wurde. Ab 1829 wurden mehrere Attentate
auf Hauser verübt, die er überlebte. 1833 wurde er bei einem Mordanschlag so
schwer verletzt, dass er kurz darauf starb. Der Kriminalfall Kaspar Hauser konnte nie
geklärt werden.

Berühmteste Verfilmung von Regisseur Werner Herzog, sie heißt:


„Jeden für sich und Gott gegen alle“, Protagonist Bruno S. (hatte ein ähnliches/das
gleiche Schicksal wie Kaspar Hauser!)

Tankred Dorst
Brach das Studium der Germanistik, der Theaterwissenschaft und der
Kunstgeschichte an der Uni München ab. Danach ist er zuerst Verlagslektor und lebt
als freier Schriftsteller in München.
Die Form seiner Stücke ist vielfältig. Beeinflusst von Giraudoux, Ionesco und Beckett
verfasst er zuerst romantisch – fantastische und groteske Einakter.
In „Toller, Szenen aus einer deutschen Revolution“ (historisch – literarische Montage
aus Zeitdokumenten, Kommentaren, Songs und kabarettistischen Intermezzi) ist der
Protagonist ein Schriftsteller, der Politik mit Theater verwechselt.
Weitere Werke:
Szenische Bearbeitung von Falladas „Kleiner Mann, was nun?“
„Merlin oder das wüste land“ (mit Gestalten der Artussage) bringt mit den Mitteln des
epischen Theaters die Parabel von der Verwüstung der Welt im Namen einer Idee.

„Ich, Feuerbach“ = gescheiterte Schauspielerexistenz


„Heinrich oder die Schmerzen der Fantasie“ (basiert auf Erzählungen)

„Die Reise nach Settin“ (zeitgeschichtlicher Rückblick). Dabei wird von einer
faschistischen Jugend erzählt, die sich von der Idee des Krieges als faszinierendes
Spiel um Leben und Tod begeistern lässt. Der 2. Teil dieses Stückes bringt eine
Party, die im Luftschutzkeller endet.

22) Kennzeichnen Sie das Schweizer Drama am Beispiel von Max


Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Analysieren Sie das Leben dieser
beiden Künstler und gehen Sie genau auf deren Hauptwerke ein.

Max Frisch
Wurde in Zürich geboren, zunächst als Journalist tätig, später Architekt. Seine
Leidenschaft war das Malen.
Er setzt sich mit dem modernen Existenzialismus und der Schizophrenie unserer Zeit
auseinander.

Hauptthema seiner Dichtung: Die Flucht des Menschen vor der Wirklichkeit, die man
nicht sehen will, vor der eigenen Stimme in eine Welt leerer Geschäftigkeit, in das
Spießertum eines satten Bürgerlebens.
In dieser Dichtung werden die Menschen von einem anonymen „ES“ jenseits ihrer
Selbst getrieben, sie werden zu Marionetten eines unbekannten Spielers, dem sie
nicht entrinnen können. Aber sie sind vom Verlangen nach Wahrheit, echter
Sittlichkeit und Freiheitsverlangen erfüllt. Aber es scheitert stets an ihrer Bindung an
Fremdes und Unbekanntes, an Schicksal und Zufall.
Diese Abgründe und Hintergründe will der Dichter aufdecken, um so den Weg zu
einem neuen Menschenbild freizumachen.

In seinen Dramen verwendet Frisch alle technischen Möglichkeiten, die das moderne
Theater Europas ausgebildet hat: Zeit – und Raumdurchbrechung, ein Ineinander
von Wirklichem, schizophrene Figurenspaltungen (wie bei E.T.A Hoffmann).
Für eingebaute Kommentare nimmt er den Chor. Er verwendet auch die direkte
Anrede an das Publikum (wie Brecht & Peter Handke).
Er will die Zuschauer dazu bringen, dass sie „nicht mehr ohne Antwort leben können,
ohne ihre Antwort, ihre eigene, die sie nur mit dem Leben selber geben können.

Frisch ist vom Willen zur Weltveränderung getragen, seine Stücke bringen
Gesellschafts – und Kulturkritik.
Brecht ist im Technischen sein Lehrmeister. Frisch erhofft sich den Aufstieg eines
neuen Menschen, während Brecht (war Kommunist) glaubt, eine nach der
marxistischen Ideologie veränderte Gesellschaft könne den Menschen ändern.
Er erwartet von der Änderung des Menschen von dessen Selbstbestimmung auf
echte Humanität eine Besserung der Gesellschaft.

Kurz gesagt:
Max Frisch ist davon überzeugt, dass der Mensch die Welt verändern kann und sich
somit auch die Gesellschaft ändern kann.

Seine Werke:
Der Mensch kann eingreifen und abwenden, wenn er Vernunft walten lässt und auf
die Stimme des Gewissens hört. Wenn er das nicht tut, kann er sich nicht auf die
Macht des Schicksals ausreden.
Frischs Stücke geben sich als Komödien, die als bittere Satire enden und
beschämende Wahrheiten übermitteln. Sie haben den Charakter von Parabeln.

„Don Juan oder die Liebe zur Gemoetrie“:


Die Frauen verfolgen Don Juan, nicht umgekehrt. Er sehn sich nach völliger Hingabe
an das Rein – Geistige. Er möchte sich von den Frauen freimachen und sich in ein
Kloster zurückziehen.
Seine Fluchtversuche scheitern und er landet im Ehestand.
(parodistische Verdrehung der Don Juan Gestalt)

„Biedermann und die Brandstifter – ein Lehrstück ohne Lehre“


Als Hörspiel geschrieben, für die Bühne umgearbeitet. Es stellt in dem Helden und
seiner Frau jenen Menschentyp auf die Bühne, der nicht wahrhaben will, dass
Brandstifter aller Art am Werk sind.

2 Landstreicher nisten sich im Bürgerhaus des Haarwasserfabrikanten Gottlieb


Biedermann ein (in der Stadt Seldwyla). Er glaubt nicht an Gefahren. Schließlich
legen die Landstreicher ein Feuer, welches die ganze Stadt zerstört. Biedermann
geht dabei zugrunde. In einem Nachspiel wird gezeigt, dass die Menschen aus
schweren Schicksalsschlägen nichts lernen.  „Zwar tötet das Feuer viel, ach, aber
nicht alle und änderte nichts“. Die Katastrophe wird vergessen und die Stadt wird,
schöner als vorher, neu aufgebaut.

„Andorra“
Predigtartiges Toleranzstück. Es geht um die Judenverfolgung. Das stück meint mit
Andorra jene Länder, die den fliehenden Juden im Krieg kein Asyl gewähren. Frisch
versucht zu beweisen, dass der sittliche Verfall eines politischen Regimes nicht auf
eine Nation beschränkt bleibt, sondern sich auf die ganze Menschheit auswirkt.
Das zentrale Problem bildet das „Sich – Selbst – Annehmen – Müssen“ des
Menschen.

Er schreibt auch epische Werke (3 Bildungsromane), in denen es um die


Selbstfindung des Menschen geht.

„Homo faber. Ein Bericht“


Walter Faber, Angestellter der UNESCO, berichtet in Ichform über die letzten 4
Monate seines Lebens. Er schildert das Scheitern eines „aufgeklärten“ Menschen,
sich von allen Bindungen an Transzendentes und Überindividuelles freizumachen.

„Stiller“
Künstler Stiller will nicht mehr Stiller sein. In die Schweiz zurückgekehrt, gibt er sich
als ein gewisser White aus. Seine Bekannten erkennen ihn und bringen ihn dazu,
das zu sein, was er war und nicht, was er gern gewesen wäre. Die Befreiung
misslingt, er wird wieder in sein früheres leben hinab gezogen. Er wird zur
Anerkennung seiner vergangenen taten gezwungen.

„Mein Name sei Gantenbein“


Gantenbein meint: Nur wenn man blind ist, kann man echten Kontakt finden. Er spielt
nach einem Autounfall den Blinden mit Blindenbrille und Blindenstock. Mit den
sehenden Augen hinter der Brille kontrolliert er seine Umwelt, ihre Lügen,
Verstellungen und Schamlosigkeiten. Diese Verhalten seiner Mitmenschen schreckt
ihn davon ab, Kontakte zu suchen. Er ist auf sich selbst angewiesen und macht
verschiedene Ich – Entwürfe, ohne aber sein eigenes Ich zu entdecken. Er bleibt
isoliert und ohne Kontakt mit anderen und ohne Wissen über sein eigenes Ich.
Friedrich Dürrenmatt
Ist Sohn eines protestantischen Pfarrers, studiert Philosophie, Theologie, arbeitet
aber dann als Grafiker und Zeichner. Lebt nach dem österreichischen Staatspreis für
Literatur als freier Schriftsteller am Neuenburger See.
In seinen Komödien bietet er Satire und Kritik der heutigen Gesellschaft. Die
Groteske ist für ihn die beste Spielform des Theaters. Er will die Menschen
wachrütteln, damit sie vor der drohenden Wirklichkeit nicht die Augen verschließen.
Er erkennt, dass es von ihm abhängt, ob die Menschheit der Brutalität hinfällt, oder
zu einer christlichen und humanitären Kultur zurückfindet.
Im Mittelpunkt seiner Dramen stehen nicht einzelne Menschen, sondern die Welt, die
aus den Fugen geraten ist. (Welttheater wie im Mittelalter)

Seine Kunstmittel stammen aus der grotesk – parodierenden Komödie eines


Aristophanes, eines Nestroy und auch aus Hugo v. Hofmannsthals „Jedermann“

Werke:
„Die Physiker“
Spielt in einem Irrenhaus mit 3 Physikern als Insassen. 2 Physiker sind als Spione
drinnen (Newton, Einstein), der 3. ist ein echter Physiker (Möbius). Er ist hinter das
Geheimnis der Schwerkraft gekommen und will es aber nicht Preis geben, wegen
den Folgen für die Menschheit. Jeder der 3 tötet eine Krankenschwester, als sie
ihnen zu nahe kam und kurz vor der Aufdeckung des „Spiels“ waren.
Später gaben Newton und Einstein zu, dass sie für Geheimdienste arbeiten. Möbius
hat gesagt, dass er die Manuskripte verbrannt hätte, weil die Menschheit nicht bereit
gewesen wäre für seine Entwicklung. Doch die Oberschwester Mathilda v. Zahnd hat
die Manuskripte kopiert und ein Imperium errichtet (sie wusste die ganze Zeit von der
wahren Identität der Physiker) und hatte das Irrenhaus in ein Gefängnis umgestaltet.

„Der besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie“


Eine sehr reiche Amerikanerin (gleich einer alten Schicksalsgöttin) besucht, die von
ihr wirtschaftlich zugrunde gerichtete Heimatstadt in der Schweiz. Sie wird mit
fürstlichen Ehren empfangen.
Sie fordert Gerechtigkeit und will den Tod ihres ehemaligen Geliebten ILL, der sie als
junges Mädchen verführt, sie verlassen und seine Schuld verleugnet hat. Sie bietet
Geld für die Ermordung. Jeder (Arzt, Polizist, Pfarrer, Bürgermeister, Lehrer) fällt von
der Humanität ab und sind bereit für Geld, die Menschlichkeit zu verkaufen. Sie
verurteilen und töten ihren Mitmenschen. Die alte Dame reist befriedigt ab und die
Bürger schwingen den Scheck, den sie hinterlassen hat.

Das Stück ist mehr als eine bloße Satire auf die Käuflichkeit der Welt. Die Abkehr der
modernen Gesellschaft vom lebendigen Christentum wird erschüttern aufgedeckt.

Epik - Hörspiele
Neben seinen Dramen schrieb er auch Kriminalromane, wie „Der Richter und sein
Henker“ oder „Der Verdacht“

Thema 23: Analysieren Sie die Zeit- und Gesellschaftsromane am


Beispiel von Heinrich Böll und Günther Grass. Charakterisieren Sie
diese mit Hilfe deren Hauptwerke.

Heinrich Böll:

Sohn eines Tischlers und Bildhauers


erlernt den Buchhandel
studiert nach dem zweiten Weltkrieg Germanistik in Köln, wo er dann bis zu
seinem Tod als freier Schriftsteller lebt
1972 erhält er den Nobelpreis

Böll glaubt an die Unzerstörbarkeit der Menschen und an die Bindung des Menschen
an Gott. In seinem erzählenden Werken zeigt er die Rettung der Menschheit. Seiner
Meinung nach ist der Fehler des heutigen Menschen, dass er die Schuld an seinem
eigenen Leid auf äußere Zustände (Armut, Wohnungselend, etc.) schiebt und nicht
erkennt, dass dies durch seine Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit verursacht wird.
Durch seine Romane und Erzählungen, in denen er Kritik an der Haltung der
Menschen in Kriegs- und Nachkriegszeiten übt, gelingt im die sprachliche und
gedankliche Bewältigung der Kriegserlebnisse.

Seine Meinung äußert er unter anderem in einen seiner 25 Kurzgeschichten


„Wanderer, kommst du nach Spa ....“ (1950).
Inhalt:
Diese Geschichte zeigt die Not eines Landsers (Infanteriesoldat), Heimkehrers,
Kriegsbeschädigten und ähnlich von Not und Sorge geschlagener Menschen, welche
durch Lieblosigkeit und Teilnahmslosigkeit in Verlassenheit und Vereinsamung
gestürzt werden.

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ berichtet von einer Heldin, die sich in
einen radikalen Rechtsverbrecher verliebt, der von der Polizei als dieser gesucht
wird. Dadurch gerät sie in den Mittelpunkt der Zeitungen (Medien), dessen Hetze sie
jedoch nicht gewachsen ist und erschießt letztendlich einen korrupten Journalisten.

Günther Grass:
Lyriker, Zeichner, Bildhauer
Erreicht mit dem Roman „Die Blechtrommel“ (1959) internationalen Erfolg
1979 Verfilmung durch Walter Schlöndorff

„Die Blechtrommel“
Inhalt:
Der Blechtrommler Oskar Mazareth ist der Sohn eines Kolonialhändlers. Durch den
absichtlich herbeigeführten Sturz über eine Kellerstiege fehlt er auf die
Entwicklungsstufe eines 3-jährigen zurück. Seine Intelligenz weiß er geschickt zu
verbergen. Das Kinderblechtrommel schlagende Zwergwesen wird dann in eine Heil-
und Pflegeanstalt untergebracht, wo er auf belustigende Art und Weise seine
zwischen 1933 und 1948 liegende Lebensepoche schildert.

Ein zweiter Roman „Hundejahre“ (1963) spielt in Danzing, Berlin und


Westdeutschland und beginnt mit dem Geburtsjahr (1917) der beiden
Hauptpersonen.

Inhalt:
Bei den beiden Hauptpersonen handelt es sich um den protestantisch getauften
Halbjuden Eduard Amsel und seinen Blutsfreund Walter Matern. Von dem
Lebensschicksal der beiden Freunde berichtet ein Erzähler.
Die Kindheit hatten die beiden gemeinsam verbracht, doch die NS-Zeit brachte die
beiden auseinander. Jeder erlebt sein eigenes, besonderes Schicksal. Nach der
Kriegszeit treffen sich beide wieder.
Das Bild der Zeit während der nationalsozialistischen Herrschaft ist hier echter
gezeichnet als in seinem anderen Romanen.

Zwischen den beiden Romane schrieb Günther Grass die Novelle „Katz und Maus“
(1961). Diese Novelle schildert die Jugendentwicklung im zweiten Weltkrieg. Der
Erzähler wird als Mitläufer verkörpert.

In „Die Rättin“ (1986) analysiert eine weibliche Ratte Vergangenheit, Gegenwart


und Zukunft, wobei aktuelle Zeitbezüge, wie Umweltverschmutzung, Waldsterben
und Aufrüstung nicht fehlen und die Angst vor dem Ende deutlich wird. Auch
Gestalten aus älteren Werken bevölkern diese Romandichtung.

Hier noch eine Beschreibung des Gesellschaftsroman:

Der Gesellschaftsroman ist ein Genre des Romans, bei dem das gesellschaftliche
Leben des Menschen und seine Wechselwirkung mit Natur und Gesellschaft
geschildert wird.
Vom historischen Roman unterscheidet sich der Gesellschaftsroman durch die
Darstellung zeitgenössischer Zustände und Entwicklungsprozesse. Anders als der
Bildungsroman und der biographische Roman, wird der Entwicklung der
Geschehnisse weniger Raum eingeräumt. Vielmehr ist es so, daß den Teilelementen,
unabhängig von ihrer Funktion und objektiven Wertigkeit, mehr Beachtung
zugestanden wird. Der Gesellschaftsroman setzt in seinem Ursprung in sich
differenzierte Gesellschaft voraus oder gründet sich auf epochale
Umstrukturierungen.
Thema 24
Journalistische Textsorten
I. Tatsachenbetonte Stilformen:

a) Die Nachricht/ Die Meldung

Im ersten Absatz werden die 6 W- Fragen beantwortet:

WER hat WAS WO WIE WANN und WARUM getan?

Hard News: informiert unpersönlich- sachlich über die 6W’s


Bedeutung der Nachricht (zB.: politische Information) steht
im Vordergrund
Soft News: persönlicher, farbiger und gefühlsbetonter formuliert

b) Der Bericht

 Es handelt sich um ein Bündel von Nachrichten( Informationen),


die dann zu einem Bericht verarbeitet werden.
 Der Bericht ist gegliedert wie die Nachricht.
 An der Spitze  Vorspann (knappe Zusammenfassung des
Wichtigsten)
o ist graphisch hervorgehoben

Funktion des Vorspanns:

• Den Leser in die Nachricht einführen


• Die wichtigsten Informationen zusammenfassen
• Anreize zum Weiterlesen bieten

Sprachliche Besonderheiten des Berichts:

• Abwechslungsreicher Wortschatz
• Kurze Sätze
• Hauptsachen gehören in Hauptsätze
• Neuer Gedanke- neuer Absatz
• Verben machen den Stil lebendig
• Zitate erhöhen Anschaulichkeit

c) Die Reportage:

• Tatsachenbetonter, persönlicher Erlebnisbericht


• Wechsel zwischen persönlichem Erlebnis und Information
• Ist nicht an die Beantwortung der „6W’s“ gebunden
• Ist Information und Unterhaltung zugleich, soll Leser das Gefühl
geben am Schauplatz „dabeigewesen“ zu sein
• Reportage (ca 100 Zeilen) ist länger als die Nachricht
• Muss Interesse des Lesers durch Titel und originellem Einstieg
wecken
• Pointierender Schluss  soll bleibenden Eindruck hinterlassen

II. Meinungsbetonte Stilformen:

a) Der Kommentar:

• Gibt Erläuterungen und Erklärungen zu bestimmten Nachrichten


• Nimmt eine Wertung vor
• Gibt Leser Orientierungshilfen und Denkanstöße
• Kann Leser- Blatt- Bindung stärken
• 50 Spaltenzeilen  Beschränkung auf das Wesentliche in Inhalt
und Formulierung

Aufbau des Kommentars: dreiteilig

Einstieg:
• kurze Sachverhaltsdarstellung
• origineller Einstieg

Argumentation:
• logische Argumentationskette
• keine Gedankensprünge
• Gegenargumente widerlegen
• Überleitung zur Schlussfolgerung
• Schlussfolgerung:
• klar und eindeutig
• soll Leser zum Nachdenken anregen

Kommentarähnliche Formen:
• Leitartikel
• Kurzkommentar
• Glosse
• Analyse
• Kolumne
• Rezesion

Der Leitartikel:
ist die klassische Form des Kommentars, welcher meistens vom
Chefredakteur verfasst wird

Die Glosse:
verfeinerte Form des Kommentars  satirischer
zynischer
spöttischer
aggressiver

Unterhaltungswert  Pointen gut herausgearbeitet


Wortspiele
Übertreibungen

• schildert nicht die Wirklichkeit


• stellt mit karikierenden Mitteln und Wortwitz das Widersinnige einer
Situation dar
• 20 Spaltenzeilen

Die Analyse:
• liefert zu komplexen Themen Orientierungshilfen
• Fülle an Information soll geordnet und aufbereitet werden
• beleuchtet mögliche Auswirkungen bestimmter Ereignisse

Die Kolumne:
• subjektivste aller meinungsbetonten Darstellungsformen bewusst
polemisch, teils aggressiv angelegt
• erscheint regelmäßig mit Bild des Kolumnisten in der Zeitung 
verstärkt die Leser- Blatt- Bindung

Die Rezension:
• steht inhaltlich zwischen Bericht und Kommentar, soll Eindruck vom
Kulturbetrieb vermitteln
• Bewertung künstlerischer Darbietungen
• kulturelle Orientierungshilfe

III. Phantasiebetonte Stilformen:

Das Feuilleton:
• Im deutschsprachigen Ausland: Beitrag im Kulturteil der Zeitung
• In Österreich: befasst sich mit Nebensächlichkeiten und Zufälligkeiten
des Tages in sehr subjektiver und persönlicher Betrachtung
• oft eine eigene Beilage an besonderen Tagen (Wochenende)
• unpolitisch

weitere phantasiebetonte Formen: alle Arten von Unterhaltung

Das Interview:
• findet in allen Ressorts Anwendung
• wichtige Methode des Recherchierens

2 Hauptformen:

Meinungsinterview:
Haltung und Meinungen von Experten, Augenzeugen, Betroffenen und
Passanten zu aktuellen Themen.
Diese Form wird verwendet um kritische und unbequeme Fragen zu stellen
oder die Meinung des „Mannes von der Straße“ einzuholen.

Persönlichkeitsinterview:
zeichnet das Bild eines im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Menschen

Eingeholte Interviews können auch als Meldung oder Kommentar präsentiert


werden.
Wörtliche Zitate aus dem Interview sollten aus Gründen der Glaubwürdigkeit
übernommen werden.

Der Leserbrief:
• Sonderstellung innerhalb der Zeitung
• an keine bestimmte Form gebunden
Richtlinien:
es sollte im Einstieg auf Gegenstand und Anlass des Leserbriefes
hingewiesen werden
• kurz und prägnant
• falls zu weitschweifend oder langatmig  Gefahr, dass Text gekürzt
und inhaltlich entstellt wird

bei persönlicher Betroffenheit  sachliche Form; Beschimpfungen und
persönliche Angriffe vermeiden  reduziert
die Chance der Veröffentlichung und könnte
auch rechtliche Folgen haben
T hema 25 : Histor is che Entw ic klung der Ze itung

Vorläufer in der Antike und im Mittelalter:


Frühe öffentliche Aussagen wie z.B.: Gesetzestexte besitzen nur das Merkmal der Publizität.
In der Antike gab es keine Zeitungen (Einzig ähnliches: „acta diurna“ oder „acta urbis“, die an
öffentlichen Plätzen Roms angeschlagen wurden).
Den geschichtlichen Kern der Zeitung bildet der Privatbrief. Im Mittelalter entwickelten
Fürsten, Kirchen, Universitäten und Handel einen zunehmenden Briefverkehr, zum Teil mit
bezahlten Korrespondenten. Durch Zweiteilung der Briefe wurden dem privaten Teil
politische, wissenschaftliche bzw. geschäftliche Nachrichten angehängt. Die Grenzen
zwischen privaten und zur weiteren Verbreitung bestimmten Nachrichten waren fließend. Ein
Beispiel bilden die nicht öffentlichen „Fuggerzeitungen“, eine interne Zusammenstellung von
Nachrichten, die im Augsburger Handelshaus einliefen. Geschriebene Zeitungen hatten ihre
Hochblüte in der ersten Hälfte des 16. Jhdts, durch gedruckte Nachrichtenblätter. Sie
behaupteten sich neben gedruckten Zeitungen noch Jahrhunderte lang, durch
Spezialisierung auf Leistungen, in denen das alte Medium dem neuen überlegen ist (Sie
konnten sich z.B. besser der Kontrolle der Zensur entziehen).

Vorläufer der Zeitung im heutigen Sinn, Moritaten:

Zu den Vorläufern der heutigen Zeitung gehören einzelne gedruckte Blätter und Flugschriften
so wie Publikationen anlässlich Verkaufsmessen. Sie enthielten internationale und
überregionale Informationen, weil lokale Nachrichten zu stark unter Zensur standen.
Außerdem gab es die in der Tradition der Volksballade stehenden Moritaten (abgeleitet von
„Mordat“ bzw. „moritas“ = Moralpredigt). Bänkelsänger verbreiteten Neuigkeiten wie
Verbrechen oder Naturkatastrophen auf Jahrmärkten, Kirtagen und Hochzeiten. Sie werden
auch als Zeitungslieder bezeichnet. Um die Genehmigung zur Verbreitung von der Obrigkeit
zu bekommen mussten sie mit einer moralischen Nutzanwendung versehen werden.

Chronologischer Überblick zur Geschichte des Zeitungswesens

Die Geschichte des Zeitungswesens wird in sechs Abschnitte eingeteilt:

1) Frühgeschichte der Zeitung bis zur ersten „Zeitungsgeschichte“ von


Kaspar Stiehler 1695:

Die ersten Zeitungen im heutigen Sinn (erschienen wöchentlich) waren:

Die Straßburger „Relation“


und
der „Aviso“ in Wolffenbüttel

Die erste Tageszeitung war die „Einkommende Zeitung“ 1660 in Leipzig.


1680 erreichte das „Frankfurter Journal“ schon eine Auflage von 1500 Exemplaren.
1703 erschien die erste Ausgabe der „Wiener Zeitung“.
Die Zeitungen dieser Zeit enthielten ungeordnete Zusammenstellungen aktueller
Nachrichten, z.B.: über militärische Ereignisse, Schicksalsschläge oder Unglücksfälle.
2) Politische Auseinandersetzung um Meinungs- und Pressefreiheit im 18.
Jhdt und Unterteilung in verschiedene Zeitungstypen bis zur Verbreitung
der Anzeigenfinanzierung ab 1800:

Die Zeitung war die Grundlage zur Entwicklung des Bürgertums und er bürgerlichen
Öffentlichkeit. Durch die Ideen der Aufklärung entwickelte sich die private Presse zum
Sprachrohr gegen den privilegierten Adel sowie gegen die Kirche und gegen die
Intelligenzblätter ( intellegere= Einsicht nehmen) und gegen die Generalanzeiger der
Fürsten.

3) Die Zeitungen in der 1. Hälfte des 19. Jhdts:

1665 kamen die ersten Zeitungsanzeigen auf, und ab 1780 hielten sich Anzeigenteil und
Textteil schon die Waage. 1835 wurde die erste Zeitungsagentur, die Agentur Havas,
gegründet.

Für die Entwicklung des Zeitungswesens war die Revolution von 1848 von wesentlicher
Bedeutung.
In dieser Zeit erschien auch die erste Ausgabe der „Presse“. „Die Presse“ bekannte sich
zwar auch zu den Idealen der Märzrevolution, zur Demokratie, sowie zu Freiheit und
Fortschritt, allerdings vermied sie es entsprechend ihrem Motto „Gleiches Recht für alle“, im
Stile der anderen Blätter Forderungen zu stellen.

4) Die gesellschaftliche Dominanz des Mediums Zeitung:

Statt Druckern gab es jetzt hauptamtliche Journalisten mit ausgeprägtem politischem


Bewusstsein.
Die Partei- und Meinungspressen herrschte vor.
Erste Pressekonzerne bildeten sich.
Um 1910 las ca. 1/3 der europäischen Bevölkerung Zeitung.
Die Verbesserung beim Verkehr und der Nachrichtenübermittlung trugen zur Dominanz der
Zeitung bei.

In der Zwischenkriegszeit gab es in Österreich, neben weiter bestehenden Zeitungen wie


„Die Presse“ oder „Wiener Zeitung“ viele zum Teil kurzlebige Zeitungen.

Am Schicksal der „Presse“ soll die Situation der österreichischen Tageszeitungen nach dem
Anschluss an das 3. Reich gezeigt werden:

Zunächst wurde sie unter kommissarische Leitung gestellt, danach wurde überlegt ihr eine
Ausnahmestellung wie der „Frankfurter Zeitung“ zu gewähren. Da aber Hitler aus seiner
Jugendzeit eine Abneigung dagegen hegte, wurde sie letztendlich 1939 kurz vor Ausbruch
des 2. Weltkriegs eingestellt.

5) Die Zeitspanne zunehmender Konzentration und Bedeutungs- bzw.


Nutzungsänderung mit dem aufkommen der elektronischen Medien.

6) Die neuen Formen von Zeitung wie der „persönlichen“ Zeitung, die man
sich zukünftig am Bildschirm nach eigenen Präferenzen aus den Angeboten
einiger weniger multimedialer Konzerne selbst zusammenstellen können wird