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FE basierte Simulation des Beanspruchungsverhaltens von Parabelfedern

bei quasi-statischen Fahrmanövern

G. Savaidis1, M. Malikoutsakis1, K. Knuts2


1
Aristoteles Universität Thessaloniki/Griechenland
2
Frauental Automotive Components/Österreich

1. Einführung
Parabelfedern stellen bei der Führung von Starrachsen eine aus technischer Sicht sehr effiziente
Lösung dar. Ihre Aufgabe liegt in der Integration von Achsführung und Achsfederung in einem
Bauteil. Diese zusammengesetzte Aufgabe bringt eine Reihe von technisch anspruchsvollen
Problemstellungen mit sich. Die beiden wesentlichen sind die Gewährleistung einer einwandfreien
Achsführung sowie einer ausreichenden Lebensdauer im Betrieb. Rechnerische Verfahren, die
bereits in der Entwurfsphase eingesetzt werden können, bieten eine wertvolle Hilfe, um das Design
zuverlässig zu optimieren und die Entwicklungszeiten, Erprobungszeiten und –kosten, wesentlich zu
verkürzen.

Der vorliegende Beitrag fokussiert auf die Anwendung der Methode der Finiten Elemente (FEM) bei
der Beanspruchungsauslegung von Parabelfedern. Dies erfolgt hier am Beispiel einer asymme-
trischen 3-Blatt-Parabelfeder für Vorderachsen von schweren Lastkraftwagen (Lkw), die
mehraxialen Belastungen aus Vertikallasten und quasi-statischen Fahrmanövern wie z.B. Bremsen
ausgesetzt wird. Bild 1 zeigt den Einbau der untersuchten 3-Blatt-Parabelfeder in einem Doppel-
Vorderachssystem eines schweren Lkw neuerer Generation.

Bild 1. Einbaukonfiguration der untersuchten 3-Blatt-Parabelfeder im Lkw

Das Ziel der Untersuchung ist es, die Leistungsfähigkeit der FEM bei Parabelfedern mit kompli-
zierter Geometrie (Asymmetrie, Blattstufen) bei außerordentlichen Belastungssituationen mit ausge-
prägter Federkinematik und hohen Verformungen zu zeigen. Hierfür wurde das Beanspruchungs-
verhalten der in Bild 1 dargestellten 3-Blatt-Parabelfeder rechnerisch (FEM) und experimentell an
einem mehraxialen Prüfstand unter realitätsnahen Einbaubedingungen untersucht. Um Einflüsse

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aus Toleranzen des Serienfertigungsprozesses auszuschließen, wurde die genaue Geometrie einer
Serienfeder mittels Scanner ermittelt und daraus das FE-Modell erstellt.

2. Lastkonfigurationen und FE Modell


Es wurden zwei Lastkonfigurationen untersucht, die von besonderer Bedeutung in der Praxis sind:
- Vertikales Einfedern
- Vollbremsen.
Während der Lastfall „vertikales Einfedern“ vorwiegend aufgrund seiner großen Häufigkeit Bedeu-
tung erlangt hat, tritt beim Lastfall „Vollbremsen“ ein komplexes Verformungsverhalten verbunden
mit sehr großen Verformungswerten auf, die von der Blattfeder ertragen werden müssen. Es ist
daraus klar, dass für die Festigkeitsauslegung der Blattfeder der Lastfall „Vollbremsen“ eine
besondere Herausforderung darstellt. Beide Lastfälle haben einen hohen Stellenwert in der Praxis
und werden daher in die experimentelle Betriebsfestigkeitserprobung für die Serienfreigabe von
Mehrblattfedern für Vorderachsen stark eingebunden [1, 2].

Bild 2 zeigt den zweiaxialen Blattfeder-Prüfstand, mit dem beide Lastkonfigurationen (Vertikal-
belastungen in (Ersatz)Achsmitte und Längsbelastungen am (Ersatz)Radaufstandpunkt) aufge-
bracht werden. In der dargestellten Aufnahme wird der Lastfall Bremsen, d.h. zusammengesetzte
Vertikal- und Längsbelastung, gezeigt.

Bild 2. FE-Modell der untersuchten Dreiblattfeder im Lastkraftwagen

Das am Fahrzeugrahmen befestigte Hauptblatt (Blatt 1) und ein Stützblatt (Blatt 3) der untersuchten
3-Blatt-Parabelfeder wurden mit mehreren Dehnungsmessstreifen (DMS) versehen, um ihr Bean-
spruchungsverhalten unter Lasteinbringung zu ermitteln. Da der hochfeste Federstahl bei den hier
aufgebrachten Belastungen vorwiegend elastisch beansprucht wird, können die gemessenen
Verformungen mit Hilfe des Hook’schen Gesetzes mit guter Genauigkeit in Spannungen umge-
rechnet werden.

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Bild 3 zeigt das FE-System, mit dem das Beanspruchungsverhalten der untersuchten 3-Blatt-
Parabelfeder unter den in Bild 2 dargestellten Prüfstandsbedingungen simuliert wurde.

Bild 3. FE-System zur Simulation der Prüfstandsbelastungen

Die Einspannung der Blätter miteinander im ebenen Bereich wurde so simuliert, dass alle relativen
Freiheitsgrade zwischen den Blättern verhindert werden. Die relative Verschiebung der Blätter
zueinander in den Endbereichen erfolgt reibungsfrei in vordefinierten Kontaktflächen. Beide Augen
dürfen lediglich Rotationen ausführen. Das gleiche gilt auch für die Rahmenbefestigung des
Balkenelementes (Schwinge), die das Hinterauge mit dem Fahrzeugrahmen verbindet. Die am
Fahrzeugrahmen befestigten Elastomerfedern (in Bildern 1 und 2 wird nur eine Elastomerfeder pro
Blattfeder gezeigt), werden mit Federelementen simuliert, die ihre jeweiligen Feder-Weg-
Charakteristiken aufweisen.

3. Ergebnisse
Die gemessenen Hauptbeanspruchungen werden jenen aus der FE-Simulation in den Bildern 4(a)
(Blatt 1) und 4(b) (Blatt 3) für unterschiedliche Lastkonfigurationen gegenübergestellt. Die Mess-
werte werden mit Symbolen, die FE-Ergebnisse mit Linien dargestellt. Alle Beanspruchungswerte
werden in bezogener Darstellung, normiert auf die jeweilige Hauptspannung bei vertikaler Nennlast,
dargestellt. Federlänge 0 entspricht der Herzbolzenmitte. Die negativen Vorzeichen in den Dia-
grammen weisen auf den Hinterarm (horizontale Achse) bzw. auf Druckhauptspannungen (vertikale
Achse) hin.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Beanspruchungsverlauf über der Federlänge qualitativ und
quantitativ mit guter Genauigkeit bei allen untersuchten Lastkonfigurationen beschrieben wird. Dies
gilt insbesondere für die Lastkonfiguration „Vollbremsung“, bei der sowohl die Maximalbeanspru-
chungen in der Nähe der Materialfestigkeit als auch die Beanspruchungsspitzen und -umkehrungen
in den Stufenbereichen zuverlässig erfasst werden.

3
3.0
2.8 Blatt 1 - Zugseite
Vertikal - Nennlast
2.6 Vertikal - Maximallast
2.4 Vollbremsung

2.2
2.0
σ1 / σnom [MPa]

1.8
1.6
1.4
1.2
1.0
0.8
0.6
0.4
0.2
0.0
-800 -600 -400 -200 0 200 400 600 800 1000
(a)
Hinterarm Federlänge [mm] Vorderarm
-800 -600 -400 -200 0 200 400 600 800 1000
0.0
-0.2
-0.4
-0.6
-0.8
σ3 / σnom [MPa]

-1.0
-1.2
-1.4
-1.6
-1.8
-2.0
Blatt 3 -Druckseite
-2.2 Vertikal - Nennlast
Vertikal - Maximallast
-2.4 Vollbremsung
-2.6
(b)

Bild 4. Gegenüberstellung von gemessenen und gerechneten bezogenen Hauptspannungen an


(a) Blatt 1 und (b) Blatt 3 bei diversen Lastkonfigurationen.

4. Literatur
[1]. V. Grubisic, G. Fischer. Automotive Wheels, Method and Procedure for Optimal Design
and Testing, SAE Technical Paper Series 830135, Michigan 1983.
[2]. P. Lange, R. Denzin, G. Savaidis. LKW-Parabelfedern - Last-, Beanspruchungsermittlung
und Betriebsfestigkeitserprobung, Materials Testing, 45 (3), 70-77, 2003.