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Aristoteles - Lexikon.

Erklärung
der philosophischen termini technici des Aristoteles

in alphabetischer Reihenfolge.

Von

Dr. Matthias Kappes,


PriTatdozent für Philosophie und Pädagogik an d. k. Akademie zu Münster.

„Vocabula philosophiae propria non aptius explanaveris


quam Aristotele interpretando ; hie enim omnium caput
etfons; hinc scholasticorum opera interposita posterior
aetas vel inscia hausit. Nulluni fere erit nomen a phi-
losophis frequentatum , quin ad Aristotelem redeat."
Trendelenburg.

„Jerjentge rotrb nidjts Bauerfjaftes fdjaffen , ber fidt> nidjt mit


Mrtftotelcä »erftänbtgt unb beffen Erörterungen als Sdjleif«
ftetn fetner eignen Segriffc benufct ljat." Sdjetling.

Paderborn.
Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh.
1894.
Zweigniederlassungen in Münster, Osnabrück u. Mainz.
^füu I/&.SQ

JUN ^) lP:;J
/. r

YjUAjUL- 4.*^^-^—
Seinem hochverehrten Lehrer,

dem Herrn Geheimen Regierangsrat

Professor Dr. Josef Neuhaeuser

in Dankbarkeit

Der Verfasser.
Vorwort.
His ist eine erfreuliche Folge der um die Wende des
18. Jahrhunderts zu neuer Blüte erwachten humanistischen Stu
dien, und des in und an ihnen erstarkten historischen Sinnes,
dafs den Schriften und Lehren des grofsen griechischen Denkers
Aristoteles in unserem Jahrhundert wiederum von Seiten der
Wissenschaft die ihnen gebührende Achtung und Beachtung ge
schenkt wurde. „Während nämlich im vorigen Jahrhunderte
nur einzelne Schriften des grofsen Philosophen einen allgemei
neren Einflufs behaupteten, während selbst ein Mann wie Kant
sich von Mifsverständnis wichtiger Punkte seiner Lehre nicht
frei erhielt, ist seit den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts
das Interesse für seine gesamte Weltanschauung neu erwacht,
und es hat sich dasselbe seitdem fortdauernd in dem Mafse ge
steigert, dafs das Studium des Aristoteles nunmehr in den
Vordergrund der philosophischen Bewegung getreten ist. Weit
über den geschlossenen Kreis einzelner Schulen hinaus wurden
viele bedeutende Männer von durchaus abweichenden Richtungen
gleichniäfsig von dem alten Denker angezogen und dauernd ge
fesselt; ja, nachdem die selbständige spekulative Thätigkeit sich
in viele einander oft schroff entgegentretende Systeme spaltete
und auch die verschiedenen Kulturvölker hier mehr und mehr
auseinander gingen, da bot die aristotelische Philosophie ein Feld,
auf dem sich die Forscher aller Richtungen und aller Nationa
litäten zu gemeinsamer fruchtbringender Thätigkeit vereinigen
konnten. So ist die Wiedererweckung und die Blüte der ari
stotelischen Studien ein charakteristisches Zeichen für die heutige
Philosophie" (Eucken, über die Bedeutung der aristotelischen
Philosophie für d. Gegenwart. Berlin 1872. S. 5 f.). In den
Kappes, Aristoteles-Lexikon. I
2 Vorwort.

dreifsiger Jahren veröffentlichte die k, Akademie der Wissen


schaften in Berlin die für die Aristoteles-Studien epochemachende
kritische Gesamtausgabe der Werke des Philosophen, und seit
dem stieg das Interesse an diesen Schriften mehr und mehr;
allenthalben finden wir die philosophische und philologische Kritik
unermüdlich thätig, uns ihr Verständnis zu erschliefsen und ihre
Bedeutung für die Philosophie überhaupt aufzuzeigen: Gelehrte
wie J. Bekker, Waitz, Schwegler, Brandis, Bonitz,
Prantl, Zeller, Trendelenburg, B. St. Hilaire, Brentano,
Stahr, Vahlen, Überweg, Eucken, Spengel, Susemihl
u. a. legen Zeugnis davon ab. In Übereinstimmung mit diesen
Forschern sind wir von der weittragenden Bedeutung der ari
stotelischen Philosophie für die Gegenwart fest überzeugt und
erachten es als eine ganz hervorragende Aufgabe des Universitäts
lehrers der Philosophie und der Philologie, die ihnen anvertraute
studierende Jugend in die Schriften des gewaltigen Genius ein
zuführen. Freilich ist die Lektüre des Aristoteles sehr schwierig,
und gerade sie wird im Laufe der Zeit bei der jetzigen huma
nistischen Vorbildung unserer Studierenden leider immer schwie
riger werden; aber diese Schwierigkeiten müssen im Interesse
der Sache und der grofsen Vorteile, die der Einzelne sowohl
als auch die gesamte Philosophie daraus zieht, überwunden
werden. Was nun gerade dem jungen Studenten die Lektüre
des Aristoteles so besonders schwierig macht, ja ihn anfangs gar
häufig abstufst, das ist die philosophische Terminologie,
das sind die vielen neuen Ausdrücke und die vielen alten, die
in ganz neuem Sinne gebraucht werden; kurz „die gesamte
Sprache des Aristoteles erregt dem aus der Anschauung grie
chischer Welt zu ihm sich Wendenden ein gewisses Befremden".
Schritt für Schritt wird er auf Termini und Begriffe stofsen,
deren Sinn er nicht versteht, und sich, um weiter zu kommen,
nach einem Kommentar umsehen müssen. Dafs dadurch die
Lektüre ungemein erschwert und das Interesse an der Sache
bedeutend heruntergedrückt wird, ist leicht einzusehen. Dazu
kommt dann noch die Schwierigkeit, in jedem einzelnen Falle
die zur Erklärung nötigen Hilfsmittel, deren Zahl nachgerade
sehr beträchtlich geworden ist, sich beschaffen zu können. Um
nun diesen Übelständen, die einer allgemeineren Verbreitung
Vorwort. o

der aristotelischen Studien sehr hinderlich sind, einigermaßen


zu begegnen, schien es uns ein Bedürfnis, gerade die philoso
phischen termini technici des Aristoteles zu sammeln und
ihre Bedeutung nach dem jetzigen Stande der Forschung zu
erklären, und diesem Bedürfnis soll das vorliegende „Aristoteles-
Lexikon" entgegenkommen. Hermann Bonitz hat durch seinen
verdienstvollen „Index Aristotelicus" die Ausführung dieses Werkes
nach seiner formellen und materiellen Seite durch eine umfassende
und geordnete Angabe der Stellen, in denen die mannigfaltige
Bedeutung der einzelnen Termini bei Aristoteles scharf und be
stimmt hervortritt, bedeutend erleichtert und in kürzerer Zeit
möglich gemacht, als dieses ohne jenes grundlegende Unternehmen
hätte geschehen können. Während jedoch Bonitz in seinem In
dex eine eingehende Interpretation der Termini weder geben
konnte noch wollte, wird dieses Lexikon gerade hierauf das
Hauptgewicht legen und sich in der Angabe der Stellen jedesmal
auf die wichtigsten und prägnantesten beschränken müssen. Es
hat somit in erster Linie den Zweck, in die Begriffswelt des Ari
stoteles einzuführen und dadurch das Verständnis seiner philo
sophischen Schriften zu erleichtern. Daneben auch die Bedeutung
seiner Terminologie im einzelnen für die philosophische Termi
nologie der Folgezeit überhaupt eingehend darzustellen, würde
über den Rahmen unseres Werkes hinausgehen und den Ge
brauch desselben nur erschweren ; doch können wir es nicht
unterlassen, gerade die wichtigeren Termini wie övvafiiq, eviQ-
yeia ete., in ihrer veränderten Gestalt auch in der späteren phi
losophischen Terminologie aufzuzeigen.
Zum Schlusse folgt in einem Anhange ein Verzeichnis der
hauptsächlichsten Erzeugnisse auf dem Gebiete der Aristoteles-
Litteratur, die für die Erklärung der Termini benutzt sind und
zur weiteren Benutzung empfohlen werden; hier sei nur noch
erwähnt, dafs wir die Belegstellen aus Aristoteles in üblicher
Weise citieren nach der oben erwähnten kritischen Gesamtausgabe
der Berliner Akademie der Wissenschaften: Aristotelis opera,
Bd. I und II: Aristoteles Graece ex ree. Imm. Bekkeri, Berol.
1831.
Es freut mich, mit dieser Arbeit dem Herrn Geheimen
Regierungsrat Professor Dr. Kenhaeuser zu Bonn, der mich in

--,
4 Vorwort.

seinen Vorlesungen zu dem Studium des Aristoteles anregte und


mit bleibender Begeisterung für den „grofsen Meister derer, die
da wissen", erfüllte, auch öffentlich meinen Dank abstatten zu
können.
So möge denn dieses Lexikon seinen Zweck erfüllen und
dazu beitragen, das Studium der aristotelischen Schriften zu ver
allgemeinern und zu fördern ; der Philosophie würde daraus ein
unermefslicher Gewinn erwachsen. Die Aristoteles -Forschung
hat noch ein weites Feld ihrer Wirksamkeit vor sich, auf dem
besonders junge philosophische und philologische Köpfe ihre
Kräfte nicht nutzlos vergeuden, sondern fruchtbringend verwerten
können zum Nutzen und Frommen ihrer eigenen Entwickelung
und der gesamten Wissenschaft.
Münster i. W., im Juni 1893.

Matthias Kappes.
A.
dyad-öv, xö, das Gute; als Ziel alles Strebens ist es identisch
mit dem Zwecke: xb ov evexa xal xb xeXoq, und wird
daher definiert als xdyad-öv, ov nävx e<piexai: eth. Nic. I,
1. Anf. Es ist noaxxbv äyad-ov als durch die menschliche
Thätigkeit erreichbares. äyad-bv anXcoq, gut schlechthin,
i. e. dasjenige, welches an sich selbst (avxö od. xad-' avxö)
und durch sich selbst (dt5 avxö) gut ist — bonum simpliciter,
per se; ihm gegenüber steht das äyad-bv xivl, welches
um eines anderen willen (exeoov evexa) und durch ein an
deres (ö1 äXXo) äyad-öv ist — bonum cui, secundum quid,
per accidens. cf. eth. Nic. I, 1, 1094a 18; 4. 1096M3;
top. III, 1, 116b8.
ayvoia, r\, Unkenntnis, Nichtwissen überhaupt: ayvoia
xax anöfpaöiv = dyvoelv xb oXcog firj exeiv exiöxr\firjv ;
durch falschen (Trug-) Schlufs entstandene Tau schung
(anäxrj): ayvoia xaxa öidd-eöiv = äyvoelv x<ö <pavXcoa
exeiv sc. xco <pavhr\v öidd-eöiv exeiv: ana^ Post- 1, 16, ?9b
23; 12, 77" 18. ayvoia eXeyxov s. eXeyxog.
äyxivoia, rj, sicherer Blick, Takt, die Gabe, Mittelglieder einer
Gedankenreihe rasch zu kombinieren : evöxoxia xiq ev äöxe-
mxco x90v<P xov [ieoov: anal. post. I, 34, 89b 10.
aöialQexog unteilbar (individuus), einfach (simplex) =
afieQrjs, änXovg: metam. II, 3, 999a 3; de an. III, 6, 430b 6 ff:
döiaiQexov övväfiei, evxeXexsia, elöei, öxeorföei.
äöidyoQoc, ununterschieden; aöiä<poQov xaxä xb elöog
der Art nach identisch; xä äöiätpoQa die untersten Arten,
die keine Differenz in sich tragen, wodurch sie wieder in
Unterarten geschieden werden könnten: anal. post. II, 13
97b31; top. I, 7, 103a 10; metaph. V, 6, 1016a 18; indif
ferent sich gleich bleibend. anal. post. II, 13, 97b 21.
6 ddiöQioTog — ulod-rfiös

äöioQiöxog (indefinitus) unbestimmt, nicht mit festen Grenzen


umschrieben: noöxaöig döioQiöxog unbestimmtes Urteil,
in dem es nicht angegeben ist, ob das Prädikat dem Sub
jekte universell oder partikulär genommen zukommt: anal.
pr. I, 1, 24a 16. äöioQiöxcoq Xeyeiv unbestimmt über
eine Sache sprechen, d. h. die Sache an der Stelle, wo sie
erwähnt wird, nicht streng logisch untersuchen und bestimmen,
unbestimmt lassen: de gen. et corr. I, 6, 322b 5. s. aöQi-
öxog.
äövvafiia, fj Mangel, Beraubung der övi,afiig, Unvermögen
(öxeQrjöig övväfiecog): metaph. V, 12, 1019a 15. s. övva^iig.
äö vv ax o g unvermögend, unmöglich: metaph. V, 12,
1019b 21 ff. s. övvaxög. Die Ausdrücke: b öiä xov aöv-
växov övXXoyiöfiög , r\ elg xb äövvaxov cutööeigiq, elg xb
dövvaxov cutäyeiv u. ä. beziehen sich auf die indirekte oder
apagogische Beweisform. s. cutööeigig.
äeiörjg formlos; die vXtj ist aeiörjg im eigentlichen Sinne, weil
sie an und für sich ohne jede Form (elöog) ist: de coel. 111,
8, 306b 17.
diöiog immerwährend, dauernd; ungeworden und unver
gänglich (äyevrjxog xal &<pd-aQxog), ewig: ovöla äidiog
die Wesenheit ist ewig. cf. metaph XII, 6; eth. Nic. V, 3,
1139" 24.
aiöiöxrjg immerwährende Dauer, Ewigkeit. de coel. II, 1,
284a 1: ä-iöiöxrjg xov ovQavov.
alö d-ävofiai empfinden, mit den Sinnen wahrnehmen; diese
Thätigkeit bildet das durchgreifendste Merkmal, wodurch sich
das Tier von der Pflanze unterscheidet: sie geht immer auf
das Einzelne, Singulare und Individuelle (xööe xi,
xb xad-' exaöxov) und unterscheidet sich dadurch von eni-
öxaöd-ai, q>Qovelv, voelv, die auf das Allgemeine, das Uni
verselle gerichtet sind. cf. de an. II, 5. alöd-avöfievov
das wahrgenommene Objekt.
alöd-rjxög (sensibilis) sinnlich wahrnehmbar, sinnfällig; r« al-
öd-r\xä die Sinnenweit, im Gegensatze zu xä vorjxä die
Ideenwelt. cf. de an. II, 6: alöd-rjxä xad-' avxä (sensibile
per se), i. e. was an und für sich und als solches wahr
genommen werden kann, zerfallen in alöd-rjxä löia (sensibilia
al'o9-rjf<a — al'o&rjoi? 7

propria), i. e. die den einzelnen Sinnen eigentümlichen Ob


jekte, wie Farbe für das Auge, Schall für das Ohr ete., und
alö&rjxa xoivä (sensibilia communia) i. e. die allen oder
mehreren Sinnen gemeinsamen Objekte, wie Figur, Gröfse,
Bewegung, alö&rjxa xaxä övfißeßrjxöq (sensibilia per acci-
dens), i. e. was nicht als solches, sondern nur nebenbei und
mit einem anderen wahrgenommen wird, z. B. mit der Wahr
nehmung der sinnlichen Qualitäten „süfs" und „weife" wird
auch der Körper selbst (Zucker) wahrgenommen. A
aic&rjfia, xo, SinnesWahrnehmung, die sinnliche Vorstellung
als solche, auch ohne Rücksicht auf die aktuelle Präsenz des
wahrgenommenen Objektes, anal. post. II, 19. 99b 36.
aiö&rjöiq, i\, Sinnesempfindung, sinnliche Wahrneh
mung von präsenten Objekten; sie ist die Thätigkeit der
Aufnahme der sinnlichen Formen ohne den Stoff: xb öex-
xixbv xciiv alö&rjxc5v elödJv ävev xfjq vXrjq. de an. II, 12.
Anf. Als Veränderung (aXXoimöiq) , welche in dem Wahr
nehmenden durch das Wahrgenommene hervorgebracht wird,
wird sie definiert als „eine durch den Leib vermittelte Be
wegung der Seele.": xlvrjöiq xiq öiä xov ömfiaxoq xfjq
if>vx>jq. de somno 1. 454a 9. Sinnesvermögen, Sinn:
nevxe alö&rjöeiq und xoivrj aiö&rjöiq; jene, die fünf
Sinne, sind die Organe für die Wahrnehmung der alö&rjxä
iöia, diese ist das eigentliche Organ für die Wahrnehmung
der alö&rjxä xoivä, für die Vergleichung, Unterscheidung
und Beurteilung der Wahrnehmungen verschiedener Sinne —
innerer Sinn od. Gemeinsinn (sensus interior od. com
munis). Durch diesen inneren Sinn erfafst das sensitive
Princip die Akte der äufseren Sinne und reflektiert dadurch
gewissermafsen über einen Teil seiner Thätigkeit. cf. de an.
II, 5, 6; III, 1, 2. Sinnesorgan — alö&rjxrjQiov : de sensu
3. 440a 19. Zuweilen steht aiö&rjötq auch für das sinn
lich Wahrgenommene, die Objekte der sinnlichen Wahr
nehmung: metaph. I, 1. 981b 14; poet. 15. 1454b 17. Im
weiteren Sinne bedeutet aiö&tjöiq noch: Erkenn tnis, Kennt
nis: exeiv, Xafißdveiv aia&rjöiv. eth. Nic. VI, 12. 1143b
5; phys. IV, 11. 219a 25. Überhaupt ist die aiöfojöic die
erste Stufe des Wissens, welche in ihrer niedrigsten Form
8 aio&rjTrjQwv — alTiov

auch dem niedrigsten Tiere zukommt (cf. metaph 1, 1); sie


geht immer auf das Einzelne, das Besondere und unter
scheidet sich dadurch wesentlich von der euiiöxrjfirj, die
das Allgemeine zum Objekte hat; de an. II, 5. 417b 22.
alö&rjxrjQtov, xö, Sinnesorgan. de an. III, 2. 425b 23. Die
Organe der äufseren Sinne sind iöia alö&rjxrjQia, das Organ
des inneren Sinnes ist xoivbv alö&rjxrjoiov.
alö&rjxixöq fähig zu empfinden, wahrzunehmen; xo alö&rj-
xixöv das empfindende, wahrnehmende Prinzip ipvxrj, aQXrj
alö&rjxixrj). de an. II, 3. 215a 1.
alxelö&ai postulieren, etwas annehmen, wovon der andere
entweder gar keine oder die entgegengesetzte Vorstellung
hat. anal. post. I, 10, 76b 31. alxelö&ai xo ev aQxfi
u. xb eg dQxrjq se. nQoxbifievov (anal. pr. I, 24. 41b 8) od.
seltener alxelv (metaph. III, 4. 1006a 21) einen Satz, der
von vornherein und prinzipiell zu beweisen ist, als feststehend
voraussetzen und seine Annahme fordern — der Beweisfehler
der Voraussetzung dessen, was in Frage steht (petitio prin-
cipii); cf. top. VIII, 13.
leixrjfia, ro, Postulat, ein Satz, dessen Annahme ohne Be
weis gefordert wird, obgleich er der Ansicht eines anderen
widerstrebt. s. vno&eöiq. cf. anal. post. I, 10. 76b 31.
nlx la, rj, s. aixiov.
alxiäö&ai als Grund, Ursache angeben. phys. II, 4. 196a 25.
alxiaxöq (causatus) verursacht, aus der Ursache entstanden:
eg? ov aixiov xo aixiov. phys. II, 3. 195b 7. fifj alxi-
axa aixia Ursachen, die selbst nicht wieder von einer
anderen Ursache bewirkt sind, z. B. die obersten Prinzipien.
anal. post. I, 9. 76a 20.
aixiov, xö, od. alxia, rj, Grund, Ursache, das, was irgendwie
zur Existenz eines andern beiträgt: Realgrund, Ursache
des Seins und Werdens (causa essendi et fiendi) und
Erkenntnisgrund (causa cognoscendi). JJas Wissen und
die Wissenschaft hat es überall mit den aixia zu thun, sie
fragt nach dem Grunde der Sache (öiöxi) und begnügt sich
nicht wie die efineioia mit der Sache (oxi). cf. metaph.
I, 1. Vollendetes Wissen wird dann erreicht sein, wenn
Beal- u. Erkenntnisgrund zusammenfallen, wenn die Sache
aiwv — afia 9

aus den Ursachen, durch welche sie geworden, auch begriffen


wird. anal. post. I, 2, 71b 9. Biese Ursachen werden auf
folgende vier zurückgeführt: f\ vXrj (causa materialis), xo
tiöog (causa formalis), xo bd-ev ^ oiQxV x^j? xivrföecos
(causa agens s. efficiens), tö xeXog (causa finalis). phys.
II, 3. 194b 23 ff. Als letzte und höchste Seinsursachen bilden
sie auch den eigentlichen Gegenstand wissenschaftlicher Er
kenntnis, die höchsten Prinzipien (aQxai) der Metaphysik.
Über das Verhältnis von aixiov u. äpp? s. aQfJl-
alcöv, 6, (aevum) = xb ael eivai lange, unveränderliche, be
harrliche Dauer. cf. de coelo I, 9. 279a 25.
axivr\xoq unbeweglich, unveränderlich. metaph. VI, 1.
1026a 15.
axo Xovd-elv (im logischen Sinne) bezeichnet das Verhältnis
zweier Begriffe, von denen der eine nicht ohne den anderen
gesetzt werden kann, von denen der eine implicite im an
deren enthalten ist; daher folgen, sich ergeben,
enthalten sein (vnäQxeiv), z. B. dxoXovd-elv äXXr\?.oig.
anal. pr. I, 13. 32a 24; ausgesagt werden (xaxtjyoQeT-
öd-ai) zur Bezeichnung der Art und Weise der Beziehung
zwischen Subjekts- und Prädikatsbegriff. cf. anal. pr. I,
27. 43b4ff. In gleichem Sinne wird kxeöd-ai gebraucht.
dxoXovd-tjöiq, r\ , Nachfolge, Folge. rhet. III, 9. 1410a 4;
äxoXovd-r/öeig Aussagen, Prädikate. de interpr. 13.
22a 14.
dxQoq äufserst, oberst, höchst; xo äxQov stehender Ausdruck
für die Termini im Schlufssatze: äxQov fiel^ov oder nqcö-
xov (auch schlechtweg äxQov) Oberbegriff (terminus
maior), eXaxxov oder 'iöxaxov Unterbegriff = xoixov ;
sie bilden nämlich gegenüber dem Mittelbegriffe (fiiöov) die
Extreme (xä axoa). anal. pr. II, 27. 70b 4. cf. ibid. I,
4. 26a 18 ff. xo nQoc, xco fiei^ovi axQco Obersatz (pro-
positio maior), xo nQbg xco eXäxxovi axoco Untersatz
(propositio minor). anal. pr. I, 4. 26b 1, 2.
äXXrjXcov , tg dXX. s. öi dXX. öeixvvöd-ai, r\ öi dXX. öelgii
Zirkelbeweis. anal. pr. II, 5. 57b 18.
äfia zusammen: xaxä xöxov räumlich ungetrennt (phys. V,
10 d(ieQ-r/q — dvaf.oylu
3. 226b 21), xaxa -/qovov zu gleicher Zeit (phys. IV, 10.
218a 25).
dfieQrjq unteilbar, einfach der Quantität nach (phys. VI,
10. 240b 12); einfach dem Begriffe nach; ein Begriff ist
um so einfacher, je weniger Merkmale er in sich schliefst,
je mehr er sich also dem obersten Begriffe Dähert, der im
eigentlichen Sinne einfach ist; daher nennt Aristoteles die
allgem einen Begriffe (xa xad-öXov, universalia) mit Bezug
auf die untergeordneten, weniger allgemeinen afieQrj. anal.
post. II, 19. 100b 2.
äfieöog (immediata) ohne Mittleres, unvermittelt; xä äfieöa
unmittelbar gewisse Sätze, die obersten Beweisprinzi
pien, die ihrerseits unbeweisbar (ävanoöeixxa) unmittelbar
durch den vovq erkannt sind. anal. post. II, 2. 71b 27.
s. fieOog.
äfioQ<pog formlos; aeiöeq xal äfioQ<pov ohne jede Form, form-
u. gestaltlos. de coelo III, 8. 306" 17.
aväyeiv zurückführen, besonders von dem Zurückführen der
Syllogismen auf die einzelnen Figuren. anal. pr. I, 32. 47a 21.
s. xivaXveiv.
avayxalog notwendig; avayxalov änXcoq in sich (per se)
notwendig (innere, logische Notwendigkeit) = xo fir) ev-
öexönevov aXXcoq exeiv; av. Ig vnod-iöecoq notwendig zur
Erreichung eines bestimmten Zweckes (kausale Bedingtheit);
av. xö ßiaiov, xo ßia notwendig durch äufseren ZwaDg
oder Gewalt. cf. metaph. V, 5,
dväyxrj, r), wird in demselben Sinne wie avayxalov gebraucht;
eg dväyxrj q durch Notwendigkeit, im Gegensatze zu öiä
xvxrjv durch Zufall. rhet. I, 10. 1368b 35. fj äväyxr\
anXcoq, eg vuto-d-eöernq = necessitas, aväyxrj rj ßia — coactio.
avaycoyrj, rj, Zurückführung, häufig = aväXvöiq Zurück-
führung eines Gegebenen auf die Bedingungen, unter denen
es entstanden. anal. post. II, 3. 90a37.^
ävaXoyia, rj, mathematische (arithmetische oder geometrische)
Proportion (eth. Nie. V, 6. 1131a 31 ff.); Ähnlichkeit:
dvaXoyia, xax' ävaXoyiav der Ähnlichkeit nach. Niemals
gebraucht Aristoteles avaXoyia in der logischen Bedeutung
der Analogie, des Schlusses der Analogie (naQdöeiyfia).
aväXoyoq — ävofioiofieQrjg 11

av äXoy oq proportional, ähnlich sich verhaltend. poet. 21.


1457b 16.
dvaXoyiC,sö&ai aus Ähnlichem über eine Sache etwas aus
machen. polit. VI, 6. 1320b 20.
avaXv eiv ein Gegebenes auf die Bestandteile, aus denen es
zusammengesetzt ist, oder die Bedingungen, unter denen es
geworden, zurückfuhren (dväyeiv), das Zusammengesetzte
in seine Elemente als seine Ursachen auflösen. cf. anal. pr.
I, 32. Und da nun jede Untersuchung darin besteht, dal-s
die gegebenen, konkreten Gebilde auf ihre prinzipiellen Ele
mente zurückgeführt, die Bestandteile und Bedingungen der
selben aufgesucht werden, so steht avaXveiv neben Cflxelv in
der Bedeutung: untersuchen. Eth. Nic. III, 5. I112b 20.
dvdXvö iq, ij Auflösung eines Gegebenen in seine Bestand
teile, im Gegensatz zur övv&eöiq , Zurückführung auf
seine Bedingungen und Prinzipien (dvaymyrj). Die Analyse
geht vom Besonderen zum Allgemeineren. eth. Nie. III, 5.
1112b 23; sie eignet sich vorzüglich für die wissenschaftliche
Forschung und Untersuchung durch sichere Auffindung und
Feststellung des wissenschaftlichen Materials, daher steht
dväXvöiq auch gleichbedeutend mit evQeöic, ibid. 1112b 19.
dvaXvx ixöq zur Analysis gehörig; en löxrjfirj dvaXvxixrj die
Kunst der wissenschaftlichen Untersuchung oder die Anlei
tung zu derselben, die wissenschaftliche Methodologie (reth.
I, 4. 1359b 10), ähnlich xä dvaXvt ixä das, was sich auf
die wissenschaf>liche Untersuchung bezieht, die Theorie der
selben. Deshalb giebt Aristoteles der Gesamtheit seiner logi
schen Untersuchungen den Namen xd dvaXvxixd als wissen
schaftliche Untersuchung und Zergliederung des Denkens und
der verschiedenen Schlufsweisen.
avaXvx ixcöq analytischer Weise, die Art und Weise der Be
gründung des Beweises, die aus dem Verhältnis des Inhalts
und Umfangs der Begriffe geschieht, im Unterschiede von
Xoyixcöq, der allgemeinen Betrachtung der Begriffe. anal.
post. I, 22. 84a 8.
uvofiotofieQrjq aus ungleichartigen Teilen bestehend, aus ver
schiedenen Stoffen mechanisch zusammengesetzt. s. ojioio-
lieQrjq.
12 avTiötuiQtZo&ui — avtiazQk<pnv

avxiöiaiQelö&ai in sich gegenseitig ausschliefsende Glieder


eingeteilt werden. categ. 13. 14b 34. xä avxiöiyQrjfieva
die entgegengesetzten (disjunkten) Glieder der Division. ai
civx iö i74jQrjfiiv ai ötatpoQai die entgegengesetzten Unter
schiede, wodurch jedes Genus dividiert wird. top. V, 6.
143a 36.
av xi&eöiq, rj, G egensatz im allgemeinsten Sinne, jedes gegen
sätzliche Verhältnis; al dvxi&eöeiq die Arten deB Gegen
satzes. of. metaph. IX, 4. 1055a 38. s. avxixelö&ai.
dvTixaxrjyoQelö&ai bezeichnet das Verhältnis der gegen
seitigen Aussage in allen Sätzen, in denen der Prädikats
begriff sich mit dem Subjektsbegriff vollständig deckt, so
dafs ersterer an die Stelle des letzteren treten kann (reci-
procari): xb xaxrjyoQovfievov dvxixaxrjyoQelö&ai xov nQäy-
fiaxoq. top. 1, 8. 103b 7. xä dvxixaxrjyoQovfieva
das, was, selbst ausgesagt, doch auch an Stelle der Sache,
von der es ausgesagt wird, gesetzt werden kann.
dvxixelöd-ai sich gegensätzlich verhalten (im weitesten Sinne,
der dvxi&eöiq entsprechend); xä dvxi xeifieva die Glieder
eines Gegensatzes: avxirpaxixm q avxix. kontradiktorische
Gegensätze, evavxlmq dvxix. konträre Gegensätze (ex öia-
fletQov dvxixelö&ai, weil sie am weitesten von einander ab
stehen), avxix. xaxä xi\v Xegiv fiovov subkonträre Gegen
sätze. cf. de interpret. 6. 17a 26; 7. 17b 16. categ. 10,13b 27.
anal. pr. II, 15. 63b 23.
dvxineQiöxaöiq, rj, Wechsel des Ortes, der Lage im Raume,
spielt eine grofse Rolle in der Naturlehre: dvxijieQlöxaöiq
nävxa. anal. post. II, 15. 98a 25. meteor. I, 12. 348b 2.
de somno 3. 457b 2.
avxiöx Qetpeiv (convertere) umstellen, Subjekt und Prädikat
im Aussagesatze vertauschen. anal. pr. II, 23. 68b 23; in
transitiv bezeichnet es das Verhältnis zweier Begriffe,
die einander so entsprechen, dafs der eine mit dem an
deren vertauscht werden kann, xolq öQoiq dvxiöXQetpeiv.
anal. pr. I, 2. 25b 1, anal. post. II, 4. 91a 35, .oder das Ver
hältnis zweier Sätze, von denen der eine die einfache Um
kehrung (convertere simpliciter) des anderen ist. anal. pr.
II, 23. 68b 23. Im weiteren Sinne wird es auch von Sätzen
arztoTQo<p*i — ufiovv 13

gebraucht, die sich so verhalten, dafs ihre Umkehrung nur


mit Veränderung der Quantität erfolgen kann (con-
vertere per accidens), anal. pr. I, 2. 25a 8, endlich auch von
Begriffen und Sätzen, von denen der eine negativ, der an
dere positiv ist und umgekehrt (convertere per contraposi-
tionem). anal. pr. I, 29. 45b 6. Diese Mannigfaltigkeit der
Bedeutung hat auch avxeöxQafifiev0q u. sein Adverbium:
avxeöxQafifisvmq dxoXov&elv. de Interpret. 13.22a34.
ävxiöxQotprj , rj (conversio) Umkehrung eines Satzes durch
Vertauschung von Subjekt und Prädikat, anal. pr. I, 3.
25a40; Umsetzung einer Affirmation in die Negation.
anal. pr. I, 18. 38a 3.
avxiöxQotpoq entsprechend, analog (ai'äXoyoq). polit. IV, 6.
1293a 33; rhet. I, 1. 1354a 1.
dvxi<pa(Siq, fj, kontradiktorischer Gegensatz bei Begriffen,
die sich wie Bejahung u. Verneinung verhalten, zwischen
denen daher nichts in der Mitte liegt. metaph. IX, 7.
1057a 34.
ävvno&exoq voraussetzungslos, auf keiner behebigen Annahme
beruhend, nicht von einer früheren Erkenntnis abgeleitet,
z. B. dQxn. metaph. 111, 3. 1005b 14.
av m , xb ävm ov das Übergeordnete, das Frühere (xä
nQöxeQa), z. B. bei Begriffen: xb avm yivoq der allgemeinere
Gattungsbegriff, oder in der Reihenfolge der Ursachen: xa
cohÖxeQov dixia die früheren Ursachen, daher enl xb avm
Uvea aufsteigen nach oben (bei Erforschung der Gründe),
d. h. jedesmal die höheren Gründe suchen. anal. post. I, 5.
74a 7; 9. 76a19. anal. pr. I, 27. 43a 36.
avoivvfioq ohne Namen, Bezeichnung für den Begriff, für den
man keinen Namen hat; so fehlt oft das Wort zur Bezeich
nung der Mitte zwischen den Fehlern der Extreme, z. B.
zwischen gnHöxifioq u. aq>iXoxifioq, und weil die Mitte ihres
Wortes entbehrt, drängen sich beide Extreme in diese leere
Stelle: avmvvfiov ö ovörjq xfjq fieööxtjxoq, mq sQrjfirjq,
eoixev dfi^piaßrjxelv xä äxQa. eth. Nic. IV, 10. 1125b 17.
cf. ibid. II, 7. 1107h 2.
a^iovv eine Prämisse stillschweigend annehmen, voraussetzen,
anal. pr. II, 26. 69b 5; daher
14 dt-ia>(ia — dnodeixiixög

acicojia, xö , Grundsatz für den Beweis, der unbewiesene


Vordersatz eines Schlusses, insofern er eine allgemeine Vor
aussetzung aller Beweisführung ausdrückt, phys. VIII, 8.
252a24; Grundsatz für das Handeln, eth. Nic. IV, 7.
1123b25.
aöQiöxog (infinitus) unbestimmt: ovofia aöQiöxov , Qrjfia aö-
Qiöxov der blofs verneinende Begriff (xb ovx ävd-Qconog).
de interpr. 2. 16a 30. Die vXtj ist aöQiöxoq, bevor sie mit
der Form (eiöog) verbunden ist. metaph. I, 8. 989b 8.
anaycoyrj, fj, (deductio) Zurückführung einer Aufgabe, eines
Problems auf ein anderes, leichter zu lösendes, durch dessen
Lösung das ursprüngliche von selbst gelöst ist. anal. pr. II,
25. 69a 20 ff. fj elg xb aövvaxov anaycoyr\ (demonstratio
indirecta) beweist eine Wahrheit durch die Falschheit und
Unmöglichkeit des Gegenteils (ductio ad impossibile, deductio
ad absurdum). anal. pr. I. 6. 28b 2). s. anoöeigig.
äneiQog unerfahren (Gegens. efuteiQog), unbegrenzt (negac
Grenze), unendlich (infinitus); xb aneiQov, das räumlich
Unbegrenzte, cf. phys. III. 4—8. In seiner weiteren Be
deutung bezeichnet dieser Begriff überhaupt das, was durch
keine Formbestimmnng begrenzt, zu keiner Vollendung ge
langt ist = aöQiöxov, vXtj. phys. III, 6. 207" 7 ff.
anXovg einfach; xä anXä öcöfiaxa od. xä anXä die Elemente.
metaph. I, 3. 984a 6. anXcög wird zu einem Begriffe ge
setzt, um ihn als abstrakten, in seiner Allgemeinheit
und schlechthin gegenüber dem Besonderen zu be
zeichnen: xb ov anXcog das Sein schlechthin, xb dya&bv
anXcög das Gute schlechthin. Daher wird es auch von einer
Betrachtungsweise gebraucht, die sich blofs auf das
Allgemeine bezieht und den besonderen Inhalt unberück
sichtigt läfst: änXdög eniOxaöd-ai, anoöelgai. Gegenüber
einer genaueren Erörterung will es ferner oft nur die
Sache im allgemeinen und unbestimmt besprechen;
daher hat es auch eine tadelnde Nebenbedeutung, wie de
part. anim. 1. 641a 5.
dnoöeixxixog beweiskräftig; nQöx aö ig anoöuxxixij ein
wahrer und gewisser Satz, dessen Subjekt u. Prädikat durch
Einsicht in die inneren Gründe mit Notwendigkeit
unoöeixxoi — dnoprjfia 15
verknüpft werden (apodiktisch), anal. pr. I, 1. 24a 30. s.
övkXoyiöfiöq.
anoöeixxöq beweisbar, was noch zu beweisen ist. anal. post.
I, 22. 84a33.
anoöeigiq, fj, Beweis aus wahren u. notwendigen Prämissen,
top. 1, 1. 100a 27; deduktive Beweismethode im Gegen
satz zur induktiven (hnaymyrj). anal. post. I. 18. 81a 40.
Aristoteles unterscheidet den direkten u. den indirekten
Beweis (öeixvvvai rj öuxxixmq rj Ig vno&iöecoq); jener
deduziert die Wahrheit eines Satzes unmittelbar aus einer
anderen, mit der sie in notwendigem, innerem Nexus steht,
dieser besteht darin, dafs man mittelbar mit anderen vom
Gegner angenommenen Sätzen diesen veranlafst, entweder
die betreffende Wahrheit zuzugestehen oder mit sich selbst
in Widerspruch zu treten ; eine Form dieser dnööeigiq eg
vno&iöemq ist die anööeigtq öia xov aövväxov, der
Beweis durch den Nachweis der Falschheit und Unmöglich
keit des kontradiktorischen Gegensatzes (ductio ad impos-
sibile, deductio ad absurdum), anal. pr. I, 23. 40b 25; 41a23.
Wenn die letztere Form von unseren Logikern auch apa-
gogischer Beweis {andyeiv elq aövvaxov) genannt und
mit dem indirekten Beweise identifiziert wird, so ist doch
wohl zu beachten, dafs Aristoteles die dnayaryrj ursprüng
lich in anderem und weiterem Sinne fafst. s. anaymyrj.
anoQslv im Zweifel, ungewifs sein, schwanken zwischen zwei
Oontradiktorien , wenn keine Gründe die Möglichkeit eines
Contradiktorium ausschliefsen. Dieses dxoQelv ist der Weg
zur Wahrheit und Gewifsheit, und deshalb pflegt Aristoteles
immer, bevor er an die genauere Untersuchung einer Sache
herantritt, das anoQelv vorauszuschicken, d. h. „die verschie
denen Seiten, von denen sich der Gegenstand fassen läfst,
aufzuzählen, die hieraus sich ergebenden Bestimmungen an
einander und an dem, was sonst feststeht, zu prüfen, durch
diese Prüfung S chwierigk eiten zu erzeugen, und in der
Lösung derselben die Grundlagen der wissenschaftlichen Dar
stellung zu gewinnen", metaph. III, 1, Anf. anal. post.
II, 3, Anf.
anöQrjfia, xö , das dialektische Beweisverfahren, welches
16 aTtoQiu — atojxo?

den Gegenstand nach seinen verschiedenen Seiten hin prüft


und die Schwierigkeiten zu lösen sucht. top. VIII, 11.
162a 17.
cuioQia, fj, die Schwierigkeit, die sich bei der Prüfung er-
giebt, Aporie; anoQia Xoyixrj Zweifel, Widerspruch, in den
sich das reflektierende Denken des Verstandes verwickelt.
phys. III, 3. 202a 21. s. dnogelv.
anofpdvai (negare) verneinen, Gegensatz von xaxcupdvai. de
interpr. 6. 17a 31.
anötpavöiq, fj, Aussage, Urteil, in welchem ein Begriff von
einem anderen bejaht [anoqiavölq xivoq xaxä xivoq) oder
verneint {anötpavöiq xivoq anö xivoq) wird. de interpr. 0.
17a 25, 26.
dnotpavxixoq Xöyoq, 6 Redeweise, die Wahrheit oder Falsch
heit ausdrückt, Aussagesatz, Urteil. de interpr. 4. 17a 2.
anötpaöiq, r), von anofpävai: Verneinung (negatio), im Gegen
satze zu xax6spaöiq, categ. 4. 2a 6 ; von dno<paivm : Meinung,
Ausspruch, metaph. XI, 8. 1073a 16.
ajio<paxixäiq Xeyeö&ai verneint werden, Gegensatz zu xaxa-
tpaxixmq Xeyeö&ai. anal. pr. II, 15. 64a 15.
dQxrj, r), Anfang, Prinzip, wovon sich etwas herleitet, über
haupt das Erste in jeder Reihe, insbesondere die ersten
Ursachen, welche aus keinen höheren abzuleiten sind; aQ-
Xal axoöeigemq Prinzipien des Beweises, aQxal xf[q ov-
öiaq Prinzipien der Substanz (principia essendi et cogno-
scendi). — Im allgemeinen ist es daher gleichbedeutend mit
aixiov; genauer ist jedoch aQxv der weitere, aixiov der
engere Begriff: jedes aixiov ist aQXrj, aber nicht ist jede
aQxrj auch aixiov. cf. metaph. V, 1. Wird nun aoffl als
aixiov gefafst, so ist sie immer die prima causa, während
aixiov für sich lediglich die Bedeutung „Ursache" hat. de
coelo I, 7. 324a 27: rj yaQ aQXrj ^Q^öxrj xmv alximv.
axofioq ungeteilt u. unteilbar; xä äxofia die Atome. phys.
VI, 2. 232a 24. Im logischen Sinne sind xä äxofia d i e
Einzel dinge, die Individuen (individua), die sich nicht
mehr der Art nach unterscheiden, oder die untersten
Arten, die nicht wieder in Unterarten zerfallen ; gewöhnlich
steht in letzterer Bedeutung nicht schlechtweg xä axofia,
avxofiaTog — cupaiQeoig 17

sondern äxofia £i'<%, xb xcö eiöei axofiov (de part. anim. I,


4. 644a 29). cf. categ. 2. lb 6; metaph. III, 1. 995b 29.
dxöficoq vnäqxeiv einfach (ohne Vermittelung) zukommen
oder nicht zukommen (von dem Prädikate in Urteilen, die
keine Vermittelung zulassen). cf. anal. post. I, 15 — 17.
avxöfiaxog von selbst, yiveöig avxofiäxr\ spontane Zeugung
(generatio aequivoca), de an. II, 4. 41 5a 28; von selbst sich
bewegend, automatisch, metaph. I, 2. 983a 14: xavxöfiaxa
die Automaten. anb xavxofiäxov von ungefähr, was
einen Naturprozefs und die Entwickelung einer auf einen
Zweck gerichteten Handlung durchkreuzt; es findet sich also
sowohl im Gebiete des blinden bewufstlosen Naturlebens, als
auch in der Sphäre der menschlichen bewnfsten Zweckmäfsig-
keit. s. xvxrj. phys. II, 6. 197b 15.
avxög wird zu einem Begriffe gesetzt, um ihn als allge
meinen ausdrücklich zu bezeichnen gegenüber den unter
ihn fallenden Einzeldingen: avxb xb ayad-öv der Begriff, die
Idee des Guten, das Gute als solches; in derselben Bedeutung
steht bei einem Begriffe auch y avxö. xad- avxö (per se)
wird etwas von einem Gegenstande ausgesagt, was mittelbar
oder unmittelbar in seinem Begriffe enthalten ist; das xad-'
avxb Ausgesagte gilt deshalb von allen unter den Begriff
fallenden Dingen, und alle wesentlichen, allgemeinen Be
stimmungen sind ein xad-' avxö. metaph. V, 9. 101 7b 35.
s. övfißsßyxög. (Über den eigentümlichen Gebrauch des Pro
nomens avxög bei Aristoteles cf. 8 ch wegler, Exkurs III.)
a<paiQelv (abstrahere), im logischen Sinne: abstrahieren, die
Thätigkeit des Verstandes bei der Begriffsbildung, die von
allem Zufälligen und Singulären, was die einzelnen gleich
artigen Wahrnehmungen an sich tragen, absieht und das
Notwendige und Allgemeine in ihnen auffafst; Gegensatz:
nqoöxid-ivei. anal. post. I, 5. 74a 37, 39; metaph. VII, 11.
1036b 3.
a<paiQeöig, t), (abstractio) Abstraktion; Gegensatz : nQööd-eöig.
xb eg a<paiQeöscoq (abstractum) das Abstrakte, was allge
mein ist und frei von allem Singulären und Materiellen, so
besonders die abstrakten Bestimmungen der Mathematik (xa
Ig a<paiQeöecog Xeyöfieva), weil sie die Materie unberücksichtigt
Kappes , Aristotelts-Lexikon. 8
18 dxiÖQiaiog — yevog

lassen. anal. post. I, 13. 81b 3; 27. 87a 34. de an. III, 4.
429b 18. phys. I, 7. 190b 7.
axcoQiöxog untrennbar, ungetrennt; unabtrennbar von einem
materiellen Substrate, daher materiell. metaph. VI, 1.
1026a 14.

B.
ßovXeöd-ai wollen, verlangen, streben (auch von der natür
lichen Tendenz, dem Naturtriebe). metaph. XII. 10.
1076a 3.
ßovXevöiq, rj, praktische Überlegung (zur Erreichung eines
bestimmten praktischen Zweckes), im Gegensatze zu ^rjxrjöiq
(theoretische Spekulation). eth. Nic. III, 5. 1112b 22.
ßovXevxixoq fähig zu überlegen; fj ßovXevxixrj (sc. qppo-
vrjöiq) die praktische Überlegung, eth. Nic. VI, 8. 1141b 27,
33. r\ ßovXevxixr) <pavxaöla die Vorstellung, die sich
an die Thätigkeit der Überlegung anschliefst, die Phantasie
als das Vermittelnde zwischen dem Theoretischen und Prak
tischen; de an. III, 11. 434a 7. s. <pavxaöia u. Xoyiöxixög.
ßovXrjöiq, fj, Streben = oQegig, im engeren Sinne: vernünf
tiges Streben. de an. III, 10. 433a 23.

r.
yeveöiq, fj, Werden, Entstehen, Entwickelung , der Übergang
vom Nichtsein ins Sein; rj anXcoq änXrj Werden schlecht
hin, rj xiq xivog bestimmtes Werden. phys. V, 1. 225a 14.
yevväv genetisch erklären, ableiten, z. B. ol d-eöXoyoi ol
ix vvxxbq yevvcövxog, metaph. XII, 6. 1071b 27; er
zeugen, gebären: xä yevvr\öavxa die Muttertiere. hist.
anim. V, 1. 539b 13.
yivoq, xö, hat immer die allgemeine Bedeutung des TJm-
fassens eines Gebietes von Gleichartigem, daher die fort
laufende Erzeugung eines Gleichartigen , Abstammung,
Stamm, Geschlecht; im logischen Sinne bedeutet es die
Gattung oder den Gattungsbegriff im Gegensatze zu der Art
(elöoq) oder dem Artbegriffe und bildet das Hauptmoment
yvüfirj — öiaytoyrj 19
der Definition. cf. top. I, 5. 102a 31. Insofern das eiöoq
auch yivoq sein kann, die Art Gattungsbegriff für ihre Unter
arten ist, werden beide oft mit einander verwechselt; aber
niemals wird der unterste Artbegriff yevoq genannt, weil
yevoq immer ein Allgemeines, ein Generelles bezeichnet.
yvcÖfirj, r), Einsicht, eine Tugend des Verstandes, welche in
jedem einzelnen Falle das Rechte zu treffen weifs. eth. Nie.
VI, 11. 1143a20.
yvcÖDifioq erkennbar, deutlich, klar, verständlich: yvmQifiov
anXcöq, xaxa xbv Xöyov, <pvöei, nQbq xr)v <pvöiv
das an sich Erkennbare, Deutliche, i. e. das dem Konkreten
zu Grunde liegende Allgemeine; yvcÖoifiov fjfilv, nobq
rjfiäq, xaxa trjv aiö&rjöiv, i. e. das Unmittelbare, Kon
krete, sinnlich Gegebene, das Einzelne. anal. post. I, 2.
71b33ff. s. nQoxeQov.

öeixxixöq fähig zu beweisen, zum Beweisen geeignet: 6 övX-


Xoytöfibq öeixxixöc, öeixxixrj anööeigiq geht immer auf den
direkten Beweis (s. anoöeigiq), daher öeixxixcöq övXXo-
yiC,eö&ai direkt beweisend schliefsen, d. h. zu oberst aus
Definitionen und Axiomen, aus wahren und aus einem jeden
unmittelbar gewissen Prinzipien. anal. pr. I, 23. 40b 27.
öexxixoq fähig aufzunehmen; xo öexxixdv das empfängliche
Substrat. de an. II, 2. 414a 10.
öevxeQoq (s. nQäixoq), r) öevteQa tpiXoöotpla die Physik, im
Gegensatz zur nQ<6xrj tpiXoöo<pia, Metaphysik. Jede Wissen
schaft hat einen allgemeinen, grundlegenden, prinzipiellen
(nQdöxoq) und einen angewandten, konkreten, dem Stofflichen
zugewandten Teil (öevxeooq) : fj öevxeoa fia&rjfiaxixrj die an
gewandte Mathematik. ovöla öevxeoa s. ovöla.
öiaymyrj, i), bezeichnet im allgemeinen eine solche Thätig-
keit, die ihren Zweck in sich selbst hat und deshalb not
wendig, wie jede in sich vollendete Thätigkeit, mit Lust
verbunden ist, im engeren Sinne den eines freien, gereiften
Mannes würdigen Gebrauch der Mufse (öxoXr)) — öia
ymyrj eXev&eQtoq , daher vorzugsweise das spekulative
20 öiä&eoi? — öiavoeToSai

Denken, der Zustand der rein interesselosen &emQia. In


diesem Sinne ist das dauernde Leben der Gottheit das
beste (öiaymyrj aQIöxrj), weil es die Aktualität des reinen
Denkens ist. metaph. XII, 7. Daher bezieht sich die öia-
ymyrj auch auf die edleren Lebensgenüsse, auf das Schöne
als Selbstzweck, im Gegensatze zu den Lebensbedürfnissen,
die Mittel zum Zweck sind. metaph. I, 1. 981b 17. 982b 22.
cf. polit. VIII, 5. 1339" 5.
öiaO-söiq, fj, (dispositio) die Anordnung der Teile, Verhalten,
Zustand überhaupt (meist ein vorübergehender, veränder
licher ZuBtand). cf. metaph. V, 19. s. fe'gig.
öiaiQelv teilen, dividieren, i. e. den Gattungsbegriff in seine
Artbegriffe zerlegen (bei der Divisio), daher auch ausein
andersetzen: öiaiQexeov neQL xivoq; endlich bedeutet es
soviel wie anotpävai: verneinen, das Subjekt vom Prä
dikate trennen. xb öiyQrjfievov (disiunctum) das Nicht-
zusammenstimmende, was in sich getrennt ist. metaph. IX,
10. 1051b3.
öiaiQeöiq, rj, (divisio) Teilung, Trennung, Verneinung, Unter
scheidung, Division. anal. pr. I, 31. 46a31.
öiaxelö&ai sich in irgend einer Lage, in irgend einem Zu
stande befinden, sich verhalten. metaph. V, 20. 1022b 11.
SiaXexxixöq dialektisch; rj öiaXexxixrj (sc. fie&oöoq) die
dialektische Beweismethode, die Dialektik, welche nicht von
absolut wahren und unmittelbar gewissen Prämissen ausgeht,
sondern ihre Prinzipien aus dem allgemeinen Bewufstsein, der
allgemeinen Ansicht, aus der Ansicht der Weisesten über die
Sache (eg evööB/mv) entnimmt. top. I, 1. 100a 18. nQöxaötc
öiaXexnxrj ein Satz, der der allgemeinen Ansicht entspricht,
der zwar keine Gewifsheit, aber eine mehr oder minder grofse
Wahrscheinlichkeit hat. anal. pr. I, 1. 24a 22. s. övXXo-
yiöfiöq. öiaXexxixäq auf demWege dialektischen Schliefsens,
top. I, 14. 105b31, zuweilen mit der Nebenbedeutung „so
phistisch", wie de an. I, 1. 403a 2.
öiavoelö &ai nachdenken, denken (im allgemeinsten Sinne), die
Thätigkeit des Geistes, die sich an dem durch die Phantasie
vorgestellten Material bethätigt und sich besonders im Urteilen
öiävorjTixög — öiwpoQä 21

offenbart , worin ihm zuerst Wahrheit oder Falschheit zum


Bewufstsein kommt. de an. III, 3. 427b 13. s. voetv.
Siavorjxixöq fähig zu denken; xo öiavor\xixöv das Denk
vermögen. de an. II, 3. 414a32. fid-9-rjöig öiavorjxixrj
der blinden Erfahrung, die die Gründe nicht kennt, ent
gegengesetzte Kenntnis, eniöxr\fir\ öiavorjxixrj die nach
Gründen forschende Erkenntnis, im Gegensatz zu der
blofsen Empirie oder handwerkmäfsigen Fertigkeit,
welche sich um die Gründe nicht kümmert; in demselben
Sinne werden aQexal öiavorjxixai u. rjd-ixal einander
gegenübergestellt. eth. Nic. II, 1. 1103a 14.
öiävoia, fj, das Denken überhaupt, alles rationale Thun des
Geistes, speziell die urteilende Thätigkeit, vermöge deren der
Geist trennt und verbindet, bejaht und verneint, die abstra
hierende und reflektierende Thätigkeit des Verstandes. me-
taph. VI, 1. 1025b 6. s. vovg.
öianoQelv die Aporien durchgehen, um die positiven wissen
schaftlichen Bestimmungen vorzubereiten. metaph. III, 1,
Anf. s. anoQia u. änoQelv, womit es zuweilen auch gleich
bedeutend erscheint.
öiaqd-qovv in die Teile zerlegen, gliedern, top. VIII, 1.
156a 19, 20; diese Thätigkeit ist eine prinzipielle Forderung
des Aristoteles, der sich überall nicht mit dem Allgemeinen
begnügt, sondern dasselbe auch im einzelnen zum Ausdruck
zu bringen sucht.
öiäQd-Qcoöiq, rj, Gliederung. de part. anim. II, 17. 660a 22,32.
öiäöxrjfia, xö, Zwischenraum, Abstand, im logischen Sinne
werden die „Beziehungen zwischen den äufsersten Begriffs
momenten (äxQa) und dem Mittelbegriff', welche in den
Vordersätzen (nQoxäöeig) angegeben werden , also d i e
Vordersätze selbst öiaöxrjfiaxa genannt. anal. pr. I, 4.
26" 21. cf. ibid. I, 25. 42b 1- -26.
SicupoQci, V, (differentia) drückt die eigentümliche Bestimmtheit,
das eigentümliche Sein eines Dinges gegenüber einem anderen
aus: Unterschied, das unterscheidende Merkmal; durch die
öia<poQai unterscheiden sich die Dinge von einander. öia-
<p0Qa elöonoiöq (differentia specifica) ist das Merkmal,
welches innerhalb einer bestimmten Gattung {yivoq) eine
.»2 äö^a — övvaxöv

bestimmte Art (elöoq) begrenzt; sie macht daher mit der


Gattung die Art aus. top. VI, 6. 143b 8.
ööga, v, Ansicht, Meinung; xoival ödt-ai die allgemeinen
Voraussetzungen, allgemeinen Ansichten und Anschauungen
über eine Sache, xä evöoga, welche als Grundlage des dialekti
schen Beweises dienen. metaph. III, 2. 996b 28. s. vnokrjipiq.
övvafiiq, rj, Möglichkeit, Potentialität, Potenz (potentia);
alles, was zu etwas anderem werden kann, dieses andere aber
noch nicht ist, ist nur der Möglichkeit nach (övväfiei)
dieses andere, es ist in Potenz zu diesem anderen, z. B.
das Samenkorn ist övvdfiei Kornähre, der Marmor ist övväfiei
Statue u. s. w. de gen. et corr. I, 3. 317b 23. xb övvdfiei
s. xaxä övvafiiv öv das potentielle Sein, das Sein der
Möglichkeit nach. So bedeutet övvafiiq die objektive
Möglichkeit, sie bezieht sich auf die inneren Bedingungen,
die gegeben sein müssen, damit überhaupt eine Ent Wicke
lung möglich wird, daher auch Keim, Anlage; wo des
halb die Övvafiiq fehlt, ist keine Entwickelung möglich.
Eine etwas andere Bedeutung hat övvafiiq als Kraft (vis),
Vermögen (facultas), sei es eine vernünftige oder vernunft
lose Kraft, ein Vermögen zu wirken (ö. tioirjxixrj) oder zu
leiden (d. na&rjxixrj) ; in diesem Sinne ist es das Prinzip,
welches in einem anderen eine Veränderung oder eine Be
wegung hervorruft (dQXrj xivrjöemq rj fiexaßoXfjq rj ev exeQcp
y bxeQov). cf. metaph. IX, 1 — 6; V, 12. Im Anschlufs an
die letztere Bedeutung steht övvafiiq auch für den Stoff,
dem eine Kraft innewohnt. de part. an. I, 18. 646a 14 ff.
de sensu 5. 444a 1. Die Ausdrücke der späteren Philosophie,
wie potenziell, virtuell, potentia, virtute, virtua-
liter, virtuel, vir tuellement gehen alle auf die aristo
telische övvafiiq zurück, s. eveQyeta u. vfaj.
övvaö&ai fähig sein, können, bezeichnet das Können, Ver
mögen, die Möglichkeit im objektiven Sinne, das Vor
handensein des inneren Grundes, der inneren Anlage, der
övvafiiq. metaph. XIV, 2. 1088b 19. s. evöeXeö»ai.
övvaxöv ist das Mögliche, wenn nämlich ein innerer Grund,
die innere Anlage, die Kraft (övvafiiq) vorhanden. metaph.
IX, 3. 1047a 24. s. evÖeXofieVov.
etäivai — elöoq 23

E.
elöevat = hniöxaö&ai wissen aus Gründen, im Gegensatze
zu „meinen", „glauben" : to elöevai eöxiv el ex xmv exäaxov
aQxmv elöäfiev. anal. post. I, 9. 76a 28. cf. metaph. I, 3.
983a 25.
elöonoiöq artbildend. s. öiaq>oQä.
elöoq, to, (forma) Form, bildet im Gegensatze zur vXrj das
immanente Wesen der Substanz, das bestimmte Sosein,
welches in Verbindung mit der bestimmungslosen Materie
eine Substanz (ovöia) konstituiert; in diesem Sinne wurde
die Form in der Scholastik forma substantialis (pvöia
ovöimörjq) genannt, im Gegensatze zu den qualitativen und
quantitativen Formen, die nur als Accidentien an einer Sub
stanz auftreten (formae accidentales). Die Materie (vXtj),
die, an und für sich bestimmungs- und formlos, nicht ein für
sich allein fafsbares und existenzfähiges Einzelding (xoöe) ist,
wird durch die Form zu einem bestimmten Dasein, zu einem
xööe xi vollendet; die Möglichkeit dazu liegt in dem Wesen
der Form begründet, die für sich ein Etwas, ein bestimmtes
Dieses, ein in sich geschlossenes und vollendetes Ganzes ist.
metaph. VII, 4. 1030a 3; 17. 1041b 7. Wenn nun so die
Form das Wesen der Substanz ist, so wird sie in dem Be
griffe, der uns ja das Wesen eines Dinges darstellt, ab
strakt erfafst; daher heifst die Form auch rj ovöia xaxä
xbv Xöyov s. ö Xöyoq das begriffliche Sein, das begriff
liche Wesen. metaph. VII, 10. 1035b 13—16. Dieser Be
griff, der die Form darstellt, ist aber unmöglich der Gattungs
begriff, sondern ein Art begriff, weil erst in diesem sich
das vollendete Ganze, das ganze Wesen der Einzelsubstanz
darstellt; daher bedeutet eiöoq im Gegensatz zu yivoq auch
die Art (eiörj mq yivovq eiörj), und es giebt so viel wesent
lich verschiedene Formen, als es Arten der Substanzen giebt.
metaph. VII, 4. 1030a 15. Während aber der Artbegriff die
ganze Substanz umfafst, bezeichnet die Form nur das reine
Wesen der Substanz ohne Materie, ohne das Substrat; nur
in einem Falle ist also der Artbegriff vollständig identisch
24 ehai

mit dem Begriffe der Form, wenn es nämlich Substanzen


giebt, die stofflos und weiter nichts sind als die subsistierenden
Formen selbst. metaph. VII, 12. 1037b 14; 7. 1032b 14 u. a.
Wenn so auch die Form unter einem allgemeinen Begriffe
gefafst wird, so ist doch immer zu beachten, dafs sie selbst
ihrem Wesen nach nicht ein Allgemeines (xad-oXov) ist, son
dern das der Einzelsubstanz immanente, in ihr objektiv wirk
liche Wesen, das Prinzip, welches in Verbindung mit der vXr\
diese zu einer für sich seienden Einzelsubstanz macht. me
taph. VII, 13. 1038b 10. Aus dem Gesagten erklärt sich
leicht, inwiefern die Form auch als ovöia, xb elvai, xb xl
ijv eivai bezeichnet werden kann. Ihrer inneren, objektiven
Natur nach und konkret ist die Form eveQyeia u. evxe-
Xixeia, im Gegensatze zur övvafiig. s. eveQyeia u. evxe-
Xexeia.
eivai, xo, Sein im Sinne von Dasein (to eivai anXdög) und
Sosein (to eivai xi). anal. post. II, 1. 89b 33; 2. 90a 2 ff.
Jenes ist ein durchaus einfaches, für sich selbständiges Prä
dikat, dieses zerfällt in eine Mehrheit verschiedener Arten
und umfafst alles, was es aufser der bestimmungslosen
Materie giebt, alles Leben, alle qualitativen und quantita
tiven Bestimmungen, alle Thätigkeiten, alle Verhältnisse; es
ist daher so vielfach, als es Kategorien giebt, und die Ka
tegorien sind eben die allgemeinsten Arten, in denen das
Sosein sich kundgiebt. metaph. V, 7. 1017a 22; VII, 1.
Diese zwei Bedeutungen des Seins sind konkret vereinigt in
der ovöia (s. oiöla). xo ov meist das Soseiende, was in
bestimmter Weise ist; das Daseiende ohne Sosein ist ro
flr) ov.
xl eöxi u. xi r\v elvai fragen nach dem Wesen eines
Dinges. xl eöxi hat eine allgemeinere, weitere und unbe
stimmtere Bedeutung; es kann sowohl den Stoff (metaph.
VII, 3. 1043b27), als das stofflose Wesen (de an. I, 1.
403a 30), als, und zwar am gewöhnlichsten, die Ver
einigung von beiden (övvoXov £g tlöovq xai vXrjq), also die
konkrete Form des Begriffes (metaph. VII, 2. 1043a 21)
bezeichnen, daher to xi eöxi das Was, das allgemeine
Wesen = to elvai c. dat. possessivo: xb elvai dvd-oaincp,
i'xaaTog — ixTi9svai 25

xo evl elvai. Beide Bezeichnungen: xl köxi u. xb eivai


erscheinen kombiniert in xl eöxi xo ävd-Qconco elvai, worin
aber für das Präsens eöxi gewöhnlich das Imperfektum r^v
gesetzt wird, und so erhalten wir den Terminus: xl ijv (xo)
avd-Qcixcp eivai, allgemein xl i\v elvai c. dat. Diese Frage
geht immer nur auf das stofflose Wesen (pvöia ävev
i:kr\q) und entspricht demnach der abstrakten Form des
Begriffes, daher xo xl tjv elvai c. dat. = elöog die ge
samte Wesenheit. xl tjv eivai ist somit eine Art des xl
köxi. Der Dativus, nicht der Genetivus steht, „um das
Sein gleichsam als empfangenes, mitgeteiltes vom Individuum
des Empfängers gleichsam unabhängiges darzustellen"; das
Imperfektum rjv „bedeutet das begriffliche (ideale) und
beziehungsweise auch zeitliche Vorhersein der Idee (oder
des reinen Urbildes) vor ihrer empirischen, stofflichen Ver
wirklichung. Das xl tjv elvai eines Dinges ist das, was dieses
Ding in der Idee, kurz als elöoq ävev vXtjg war, ehe es
der Materie sich einbildete oder eingebildet wurde: denn
die Form, die nicht wird, sondern zeitlos ist, war vor dem
konkreten Einzelding, das in der Zeit wird." s. nqöxsqov
gwöei. cf. Sch wegler, Exkurs I. x 6 xl r\v eivai nqcöxov
die erste u. absolute Form, das reine Wesen xax sxoxr\v,
die schlechthin unkörperliche Substanz = d-eög.
exaöxoq, xad-' exaöxov (adjektivisch) einzeln; xä xad-'
exaöxa das Einzelne, die Einzeldinge, das Einzelsein. anal.
post. I, 2. 72a 35.
exd-eöiq, ^Darstellung, Auseinandersetzung: exd-eöig xcov
oqcov, anal. pr. I, 34. 48a25; Erläuterung (eines Satzes
durch Beispiele): exd-eöei änoöelt-ai, anal. pr. I, 6. 28b 14;
Heraussetzung eines Begriffes, um ihn auf sich zu stellen,
daher Hyp ostasierung, Objektivierung der allge
meinen Begriffe = ^coQiöfiog. metaph. XIV, 3. 1090a 17.
s. exxid-evai.
exxid-evai, meist med. exxld-eöd-ai, etwas heraussetzen, um
es für sich zu betrachten, de sophist. elench. 22. 179a3;
auseinandersetzen, erklären, anal. pr. I, 34. 48a 1; einen
allgemeinen Begriff heraussetzen, um ihm eine be
sondere Substanz, eine für sich seiende Realität zu gebon,
26 eleyxog — e'vexa

= xpooi^eiv (cf. d. Platonische Ideenlehre). metaph. XIII,


9. 1086b 10.
ekeyxog, b, (refutatio) Widerlegung einer Behauptung oder
eines Beweises, Gegenbeweis, anal. pr. II, 20, 66b 11.
eXeyxpi öo<piöxixoi sophistische Widerlegungsbeschlüsse,
Trugschlüsse der Sophisten bei dem Versuch der Wider
legung einer Annahme. cf. de sophist. elench. äyvoia
eXeyxov (ignoratio elenchi) Unkenntnis, Übersehen des Streit
punktes beim Gegenbeweis. ibid. 6. 168a 18 ff.
efuteiQla, fj, Erfahrung, die zweite Stufe des Wissens, welche
sich dui-ch Vermittelung der fiv^fir\ aus wiederholten, gleich
artigen Wahrnehmungen (alöd-rjöeig) entwickelt. metaph. I,
1. 981a 1.
kvavxlog entgegengesetzt; xb evavxiov das konträre Gegen
teil; evavxlai nooxäöeiq konträr entgegengesetzte Urteile.
de interpr. 7. 17b 4, 20.
evöexeöd-ai möglich sein, bezeichnet die objektive Mög
lichkeit von seiten der äufseren Bedingungen und von
ihrer negativen Seite: Vorhandensein äufserer Bedingungen
und Nichtvorhandensein von Hindernissen, daher evöe-
xexai es geht an, es verträgt sich mit den Umständen, es
ist nicht unmöglich, und xb evöexouevov das Mögliche.
cf. övvaöd-ai u. metaph. XIV, 2. 1088b 19. Waitz, I, p. 376,
unterscheidet xb övvaxov als das physisch Mögliche von
xb evöexöfievov als dem logisch Möglichen, Problematischen;
wir halten diese Bestimmung mit Überweg, p. 211 hinsicht
lich des övvaxov für richtig, hinsichtlich des evöexöfievov
für ungenau.
evöogot; hervorragend, berühmt; vorherrschend, daher xä ev-
öoga die gewöhnlichen Vorstellungen und Ansichten (r«
öoxovvxa näöiv r\ xolq nXeiöxoiq rj xolq öo<polq). top. I,
1. 100b 21. evöogot övXXoy löfioi, hvö6S,coq övXXoyl^e-
öd-ai, wo die Prämissen 'ivöoga sind. (Gegens. naQäöogoq,
aöogos.)
evexa, xb ov evexa der Zweck (xb xeXoq), um dessen willen
alles ist und geschieht; er ist ein doppelter: xb ov evexä
xivi „der subjektive Zweck findet sich da, wo ein Er
reichender ein Erreichtes dann noch weiter benutzt", xb ov
eveQyeia — ivTeXe%sia 27

evexd xivog „der objektive Zweck"; bei ihm „bildet die


Erreichung des Erstrebten den Abschlufs der Bewegung".
cf. de an. II, 4. 415b 15; phys. II, 2. 194a 36. xb eö^«-
xov ov evexa der letzte, der Endzweck. Insofern nun der
Zweck, um dessen willen alles thätig ist, die Erhaltung
des Wesens (eiöog) ist, fällt das ov evexa mit dem eiöog
zusammen, und insofern das ayad-öv das Ziel alles Strebens
ist, wird es mit xb dyad-öv identifiziert.
svioyeia, r\, der Gegensatz von övvafiig: "Wirklichkeit im
Gegensatz zur blofsen Potenz und dem Werden, Wirksam
keit und Bethätigung im Gegensatz zu einem ruhenden
Dasein — xb ev eQyco elvai. Die scholastische Philosophie
übersetzt diesen Ausdruck treffend mit actus, actualitas,
daher actuel, actuellement. Während die Materie iyXrj)
für sich blofse Potenz (övvafiig) ist, ist die Form (elöog) ihrer
inneren objektiven Natur nach Energie u. Entelechie, d. h.
in sich vollendete Wirklichkeit, ihr eignes Ziel in sich tra
gende Bethätigung und Wirksamkeit. cf. metaph. IX, 6.
1048a 30 — 35 u. a. s. övvafiig; über das Verhältnis von
eveQyeia u. ivxeXexeia s. evxeXexeia.
evd-vfirjfia, xo, ist bei Aristoteles ein Wahrscheinlichkeits-
schlufs, nicht das Enthymem (abgekürzter Schlufs) der
neueren Logik: Ivd-vfirjfia fiev ovv eOxi övXXoyiCfibg eg
elxöxcov ij örjfieicov. anal. pr. II, 27. 70a 10; im Vergleich
mit dem wissenschaftlichen Syllogismus ist es eine blofs vor
läufige oder blos subjektiv überzeugende Überlegung oder
Erwägung (evüvfielöd-ai), daher eine unvollkommene Schlufs-
form.
evöxaöiq, rj, Instanz, i. e. ein Satz, der einen Einwand gegen
einen anderen begründet — noöxaöig nQoxäöei Ivavxla.
anal. pr. II, 26. 69a 37.
svxeXexeia, rj, im wesentlichen identisch mit eveqyeia , beide
unterscheiden sich nur durch eine gewisse Färbung der ihnen
zu Grunde liegenden Anschauung; eveQyeia bedeutet mehr
die Wirksamkeit, die Verwirklichung, kvxeXeyjeia (xb evxe-
Veg exeiv) mehr den durch Erreichung des Zieles hervor
gebrachten Zustand der Vollendung, das Resultat der Wirk
samkeit und Thätigkeit. „eveoyeia magis ipsum rei actum,
28 ivvnäQxeiv — inäyeiv
evxeXexeio. statum ex actu exortum significat : iveQyeia in
ipsa adhuc actione versatur, kvxeXixeia contra ex actione
in statu quodam acquievit, ut evxeXexemx aliquanto ulterius
processerit quam eveQyeia. Ita actio differt ab eo, quod
agendo effeceris." Trendelenburg, de an. p. 243. Beide
Ausdrücke werden jedoch von Aristoteles oft ohne Unterschied
der Bedeutung gebraucht. cf. de an. II, 1. 412a 27 u. me-
taph. VIII, 3. 1043a 35.
kvvnäQxeiv enthalten sein, immanent sein; xä sWnaQxovxa
die immanenten Bestandteile, t« nqcöxov evvnaQxovxa die
letzten Bestandteile. Im logischen Sinne wird es von dem
Inhalte des Begriffes gebraucht; evvnäqxeiv ev xcö xl
eöxi, kvvnäQxeiv ev x<5 Xöyco x<5 xl eöxi Xiyovxi. anal.
post. I, 4. 73a 35, 36.
egig, fj, Haben oder Besitzen; Verhalten, Verhältnis zwischen
einem Habenden und Gehabten. metaph. V, 20. 1022b 4.
Meist jedoch bedeutet es eine Qualität, welche die Thätigkeit
der Substanz erhöht oder vermindert, einen Zustand, der
durch wiederholte Thätigkeit gesteigert und in bestimmter
Richtung ausgebildet ist, kurz das, was die scholastische
Philosophie mit habitus wiedergegeben hat (categ. 8. 8b 27);
es ist ein bestimmtes, festes, dauerndes Verhalten. Zu öiä-
d-eöiq verhält sich l'gtg wie Disposition zu Habitus; jene
ist wandelbar, veränderlich (Wärme, Abkühlung), dieser fest
und bleibend (Wissenschaft, Tugend).
egcoxeQixöq nach aufsen hin gerichtet; egcoxeQixoq Xoyog
eine Erörterung, die nicht tiefer in ihren Gegenstand ein
dringt, sondern zunächst die Ansichten anderer beurteilt
(phys. IV, 10, Anf.); egcoxEQixcoxeQa öxsipig eine Er
örterung, welche nicht zu der eben vorliegenden Unter
suchung gehört (polit. I, 5. 1254a 33); egcoxeqixoI Xöyoi
eine bestimmte Klasse von Schriften, Werke populären
Inhaltes, im Gegensatze zu den streng wissenschaftlichen
Schriften (polit. VII, 1. 1323a 22).
sxdyeiv herbeibringen (einzelne Fälle, aus denen ein all
gemeiner Satz oder Begriff abstrahiert wird) oder hinführen
(einen zu Belehrenden zu diesen Fällen), daher durch In
duktion erschließen. top. 1, 18. 108b 11; VIII, 1. 156a 4.
inuytoyrj — y 29

enaymyrj, rj, das Herbeibringen einzelner Fälle, um daraus


etwas Allgemeines zu erschliefsen, die Induktion. top. I,
12. 105a13. eg enaymyijq, öia xfjq enaymyTJq induktiv;
Inaymyr) öia yiävxmv vollständige Induktion.
snaxxixcöq auf induktivem Wege. phys. IV, 3. 210b 8.
sneö&ai (im logischen Sinne) = axoXov&eiv = vnÜQxeiv ent
halten sein, daher ausgesagt werden. de interpret. 13.
22a 39, * 30 ff.
eniöxrjfirj, fj, die dritte Stufe des Wissens, die Wissenschaft,
welche sich dadurch von der Erfahrung unterscheidet, dafs
diese nur das ort, jene auch das öiöxi, diese nur die
Sache, jene auch den Grund der Sache weifs; sie ist die
Wissenschaft im eigentlichen Sinne, das durch Beweis ver
mittelte, d. h. aus schon bekannten Prinzipien abgeleitete
Wissen. anal. post. I, 2. 71a 21. fj nQcÖxrj hmöxrjfirj
= fj nQcÖTrj tpiXoöotpla die Metaphysik. metaph. XI, 4.
1061b 30.
hniXeiQelv (im logischen Sinne) zu beweisen suchen (auf Grund
von evöoga oder durch Prüfung und Lösung der anoQiai),
daher
entxei-Qjjfia, xö , Prüfungsschlufs (aggressio), eine Form des
dialektischen Beweisverfahrens, nicht das Epicherem der
neueren Logik. top. VIII, 11. 162a 16.
I'öxarog äufserster, letzter (räumlich, zeitlich und der logi
schen Ordnung nach), daher xb eöxaxov, xä eöXaxa
die äufsersten, untersten, letzten Arten. metaph. XI, 1.
1059b 26. eöxaxoq oQoq s. oQoq.

z.
C,rjtelv suchen, forschen (streng wissenschaftlich), daher
C,rjxrjöiq, fj, die wissenschaftliche Forschung, die theoretische
Überlegung und Spekulation, im Gegensatze zu ööga u. ßov-
Xevöiq. eth. Nic. VI, 10. 1142b 14; III, 5. 1112b 22.

H.
y wird sehr häufig mit Wiederholung des Begriffes zu einem
Begriffe gesetzt, um ihn in seiner Allgemeinheit und seiner
30 &eoXoy!a — S-eaiQetv

eigentlichen Bedeutung als solchen hervorzuheben: xö ov


y ov das Sein als solches, im Gegensatz zu einem bestimmten
Sein, xb aneioov # aneiQov etc.

0.
fteoXoyia, f), Theologie als Wissenschaft von dem absoluten
Sein, daher
d-eoXoyixr) <piXoöco<pia = nqcoxtj <piXoöo<pia Metaphysik, weil
das absolute Sein das Hauptproblem der Metaph. VI, 1.
1026a 19.
d-eoXöyoq, 6, derjenige, der über die letzten metaphysischen
Gründe des Universums philosophiert (Gegens. qwöio-
Xoyog); vorzugsweise jedoch werden nur diejenigen als d-eo-
Xoyoi bezeichnet, die in poetischer oder mythischer
Form philosophiert haben. metaph. III, 4. 1000a 9.
d-eöiq, fj, (im logischen Sinne) Voraussetzung, auf welcher
die Beweisführung ruht, der unbewiesene Vordersatz eines
Schlusses, der nicht durch sich gewifs und notwendig ist
und deshalb nicht von allen angenommen werden mufs, unter
scheidet sich daher von agicofia. anal. post. I, 2. 72a 15.
Allgemeiner bezeichnet d-döig jede Behauptung, jeden auf
gestellten Satz, insofern er nicht an sich gewifs ist, top. I,
11. 104b 19 — 28, daher auch jeder zu beweisende Satz
von uns Thesis genannt wird. Enthält die d-e'ötg eine Aus
sage über Sein oder Nichtsein eines Gegenstandes schlechthin,
so ist sie vnöd-eöiq, erklärt sie dagegen das Wesen einer
Sache, so ist sie öoiöfiog. anal. post. I, 2. 72a 18; 10.
76" 35.
d-ecooelv (speculari) beschauen, betrachten, bezeichnet die
höchste Form wissenschaftlicher Thätigkeit, die eigentliche
metaphysische Spekulation; es deckt sich unser Aus
druck spekulieren (im philosophischen Sinne) vollständig
mit dem aristotelischen üecoqeIv. cf. metaph. VI, 1. 1025b 18.
de an. II, 1. 412a 11, wo {hecoQelv von emöxrßrj geschieden
wird: „d-ecooelv ist das Höhere gegen die emöxrjfir\, insofern
diese die Fähigkeit und Möglichkeit zu tieferen wissenschaft
lichen Betrachtungen enthält, dagegen d-ecooelv als Zweck der
&ewQrjTixög — xä&aQoig 31

selbstthätigen Vernunft die tiefere Spekulation des höheren


geistigen Lebens ist." „d-ecoQelv enim non tarn significat
contemplando scicntiam expetere, quam petitam, qualem te-
neas, exercere." metaph. IX, 8. 1050a 10.
d-ecoQrjxixög spekulativ, theoretisch; eniöxrjfir\ d-ecoQrjxixrj
wird der eniöxrjfir\ nQaxxixrj u. noitjxlxtj gegenübergestellt,
wie das d-ecoQelv dem nqäxxeiv u. noielv. metaph. VI, 1.
1025" 25—1026a 23.
d-ecoQia, r\, die denkende Betrachtung, die tiefere wissenschaft
liche Spekulation. s. d-ecoQelv.
d-Qenxixog ernährend; xb d-Qenxixöv das vegetative Prinzip
{d-Qenxixrj ipvxr\). de an. II, 2. 413b 7 u. ö.

I.
iöiog (proprius) eigentümlich, im Gegensatze zu xoivöq) xä
iöia die eigentümlichen Eigenschaften, welche den Dingen
einer gewissen Art ausschliefslich zukommen, so 1. die eigen
tümlichen Merkmale, welche die Definition angiebt, das ur
sprünglich Eigentümliche — iöia anXcäq (propria con-
stitutiva), 2. diejenigen eigentümlichen Merkmale, welche mit
jenen notwendig verknüpft sind, das abgeleitet Eigentümliche
— löia xaxa övfißeßrjxoq (propria consecutiva). top. V,
1. 128M6.
iOa>g vielleicht (zweifelnd), bezeichnet die (subjektive) Ungewifs-
heit oder den problematischen Charakter des Urteils (= optat.
c. av), die Möglichkeit im subjektiven Sinne, im Gegen
satze zu evöexeöd-ai u. övvaöd-ai. rhetor. II, 13. 1389b 18.
Oft steht es auch bei unzweifelhaft richtigen und erweis
lichen Behauptungen, sowohl zum Ausdrucke bescheidenen
Urteilens als auch im halb ironischen Sinne: „wohl".
metaph. I, 5. 987a 26.

K.
xäd-aQöig, rj, Reinigung durch Ausscheidung, reinigende
Ausscheidung, de gen. an. IV, 5. 774al; unter der xd-
fraQöig als Wirkung der Kunst (poet. 6. 1449b 28) verstehen
wir mit Zeller (p. 777) die Befreiung des Gemütes von einer
32 xa&öXov — xaTrjyoQla

dasselbe beherrschenden leidenschaftlichen Erregung oder


einem auf ihm lastenden Drucke, nicht eine Läuterung in der
Seele verbleibender, sondern eine Entfernung ungesunder
Affekte."
xad-öXov (xa& öXov) allgemein (universalis); einem Subjekts
begriffe kommt alles xad-öXov zu, was ihm nach dem
ganzen Umfange (xaxä navxöq) oder an sich (xad-' avxo)
oder, insofern es ein solches (y avxo) ist, also mit Notwendig
keit zukommt. anal. post. I, 4. 73b 26. Daher ist xad-öXov
ein Allgemeines, welches mehreren Dingen nicht blofs zu
fälligerweise, sondern vermöge ihrer Natur (ne<pvxe) gemein
schaftlich zukommt. de interpret. 7. 17a 39. Das xad-öXov
ist also ein xoivöv , aber nicht jedes xoivöv ein xad-öXov.
xö xad-6Xov ist daher überall das Allgemeine, welches
in dem Besonderen zum Dasein kommt und in demselben
das Wesentliche bildet, der Inhalt des allgemeinen Be
griffes. nQöxaöig xad-öXov allgemeiner Satz, allge-
gemeines Urteil. anal. pr. I, 1. 24a 17.
xaxagxxvai (affirmare) bejahen, Gegensatz von ajKxpdvai. me-
taph. IV, 6. 1011b 20.
xaxä<paöig, rj, (affirmatio) Bejahung, Gegensatz von anöqxxGig.
categ. 4. 2a 5.
xaxcupanxog bejahend; xaxa<paxixcoq Xeyeöd-ai bejaht werden,
Gegensatz von cmoqxxxixcoq Xdyeöd-ai. anal. pr. II, 15.
64* 15.
xaxrjyoQeTv ständiger Terminus für die Aussage im Urteil:
aussagen, p radizieren (prädicare), daher xö xaxrjyoQov-
fievov das Ausgesagte, das Prädikat, to xoivfj xaxrjyo-
qovfievov die gemeinsame Aussage, das gemeinsame Prä
dikat.
xaxrjyöQrjfia, xö, (praedicatum) Prädikat, auch identisch mit
xixxtjyoQia. phys. III, 1. 201a 1.
xaxr\yoQia, rj, Aussage, Prädikat: xä yevrj xriöv xaxrjyoQicöv
oder al xaxr\yoQiai die Arten der Aussagen oder die Prä
dikate. de interpr. 11. 21a 29. xaxrjyoQiai im eigentlichen
und technischen Sinne bezeichnen nun nicht die Prädikate
überhaupt, sondern die Prädikate gewisser Sätze, nämlich
derjenigen Sätze, in denen das Subjekt xb ov ist, also
xaTrjyopixöq — xsio9-<0 33

Aussagen über das Seiende, daher xaxtjyooiai xov


6 vx oq Arten und Formverschiedenheiten der Aussagen über
das Seiende. metaph. VIII, 1. 1045b 28. Dieser Begriff
„Art und Formverschiedenheit" wird noch durch ein zu
xaxrjyoQia oder xaxrjyoQiai hinzutretendes ö;^Ma oder yevoq
ausgedrückt, z. B. öxrjfiaxa xfjq xaxrjyoQlaq xcöv ovxmv
(metaph. IV, 28. 1024b 9), die Hauptgattungen und Grund
formen der Aussage über das Seiende. In dieser Beziehung
stellen die xaxrjyoQiai die verschiedenen Bedeutungen des
ov dar, sie sind die obersten Begriffe, die höchsten Gattungs
begriffe des Seins, die Kategorien (praedicamenta). Sie
werden vollständig aufgezählt categ. 4. lb 25 ; top. I, 9.
103b 20: ovöia (xi hcxi) Substanz, n oööv Quantität, noiov
Qualität, nQöq xl Relation, nov Wo -Ort (Raum), noxe
Wann-Zeit, xelö&at Lage, exeiv Haben, sich Verhalten,
noieZv Thun, näöxeiv Leiden. metaph. XIV, 2. 1089b 23
werden sie in 3 Hauptklassen unterschieden: ovöiai, nä&rj
(Qualitäten), noöq xi.
xaxrjyoQixöq (im logischen Sinne) bejahend; nooxaöiq
xaxrffoQixrj bejahendes Urteil. anal. pr. I, 2. 25a 7. Es ist
zu bemerken, dafs Aristoteles unter dem kategorischen Urteil
immer das bejahende versteht; die Bezeichnung „kategori
sches Urteil" im Sinne des einfach bejahenden und verneinen
den Urteils im Gegensatze zu dem hypothetischen und dis
junktiven Urteil ist späteren Ursprungs.
xaxm, xo xäxm das Untergeordnete (z. B. von Begriffen,
die minder allgemein sind), das Spätere (in der Reihe —
xä vöxeQa das Folgende). anal. pr. II, 17. 65b 23. metaph.
II, 2. 994a 19. s. Svm.
xelö&ai liegen, zu Grunde liegen, daher xo xelfievov
oder xä xsifitva (xä xe&ivxa, &eöiq) das, was bewiesen
werden soll (propositum ad demonstrandum), anal. pr. I, 24.
41b 8, oder das, was als Grundlage, als ausgemacht, als
feststehend für einen Beweis benutzt wird. metaph. IX, 4.
1047b 10. anal. pr. I, 21. 39b 24.
xeiö&m angenommen (bei der indirekten Beweisführung).
anal. pr. I, 15. 34b 23.
Kappes, Aristoteles-Lexikon. 3
34 xivrjaig — xoivog

xivrjöiq, tj, Bewegung; sie ist jy xov övvaxov, rj övvaxöv,


ivxeXexeia, d. h. die Entelechie des der Potenz nach Seienden,
insofern und in Bezug worauf es potenziell ist. phys. III,
1. 201a 10. Die Bewegung ist der Übergang von der
Potenz zum Akt, in ihr und durch sie wird die Potenz
aktualisiert, gewinnt ihre Verwirklichung und Vollendung. Das
Erz z. B., welches von dem Künstler zur Statue verarbeitet
werden soll, ist als solches selbstredend noch nicht Statue,
aber es ist in Potenz zur Statue, ist also Statue övvafiei,
nicht eveoyela. Diese sveoyeia bringt erst die Thätigkeit
des Künstlers, und diese Thätigkeit ist Bewegung; so lange
diese Thätigkeit dauert, so lange währt auch die Bewegung,
weil eben noch Potenzielles vorhanden. Die Bewegung ist
also weder Dynamis noch Energie, sondern Dynamis und
Energie zugleich, beide sind unbedingt erforderlich ; die Dy
namis existiert bei dem ganzen Verlaufe der Bewegung und
schwindet erst dann, wenn durch die Energie das Ziel, die
Vollendung, die Entelechie vollständig erreicht ist. Da so
die Bewegung das Vermittelnde ist, wodurch alles aus der
Möglichkeit zur Wirklichkeit strebt," da ihr Wesen darin
besteht, die Dynamis zur vollen Energie zu führen, so reicht
sie so weit, als das Verhältnis der Dynamis zur Energie.
Aus dem Gesagten erhellt, inwiefern die Bewegung eveq-
yeia axeXrjq (unvollendete Energie) genannt werden kann;
in der vollendeten Energie ist nämlich der Zweck der Be
wegung bereits erreicht, in der Bewegung selbst ist er noch
im Werden begriffen. phys. III, 2. 201b 31 f. cf. ibid. III,
1. 201a27— 29. s. fiexaßoXf}. cf. Kappes, xivrjöig.
xivrjxixog fähig zu bewegen, daher r\ aQxTj xivrjxixrj das be
wegende Prinzip. metaph. IX, 8. 1049b 7.
xivrjxog fähig, bewegt zu werden, der Bewegung unterworfen,
veränderlich. metaph. VI, 1. 1026a 8.
xoivog (communis) gemeinsam, gemeinschaftlich, (im logischen
Sinne) allgemein (universalis): xo xoivöv das Allgemeine =
xo xaHXov. metaph. VII, 16. 1040b 23, 25, 26. Streng
genommen ist jedoch xoivöv der weitere, xad-öXov der engere
Begriff. s. xad-öXov.
xvxXw — Xoyixöq 35

xvxXco, xb xvxXco xal kg dXXrjXcov öelxvvöd- ai einen


Zirkelbeweis fuhren. anal. pr. II, 5. 57b 18.

A.
Xafißäveiv unbewiesen annehmen (cog vnod-eöiv Xafißdveiv)
= alxelöd-ai, vnoxid-eöd-ai. anal. pr. I, 31. 46b 19, 32.
Gegenüber xid-ivai heifst es : etwas annehmen , was der
Andere einräumt. anal. pr. II, 14. Daneben hat es häufig
die Bedeutung: auffassen, untersuchen, bestimmen, ein
sehen, z. B. Xrjmiov (anal. pr. I, 6. 28b 28) es ist zu unter
suchen, Xrj<pd-evxcov öh xovxcov (anal. post. II, 14.
98a 4) nachdem dieses so bestimmt ist.
Xeyeöd-ai xaxä xivog u. XiyeOd-ai änö xivog verhalten sich
wie Xqoöxld-eöd-ai und öiaiQslöd-ai; jenes bedeutet die Ver
bindung von Subjekt und Prädikat in der Aussage, die Be
jahung, dieses die Trennung des Prädikates vom Subjekte,
die Verneinung. cf. anal. pr. II, 15. 64a 14. Zu bemerken
ist ferner die Unterscheidung von Xiyeöd-ai xaxä xi und
Xiyeö&ai nQog xi; jenes bezeichnet ein engeres, innigeres,
dieses ein weiteres, laxeres Verhältnis. Dasjenige, was
xax' aXXo Xiyexai, begreift den vollen Inhalt, das ganze
Wesen dieses anderen in sich, ist also synonym mit diesem
anderen-, dasjenige, was nQog aXXo Xeyexai, steht mit diesem
anderen in einer minder wesentlichen und notwendigen Be
ziehung, metaph. IV, 2. 1003b12; VII, 4. 1030b 3.
Xrjfifia, xö, (im logischen Sinne) Vordersatz (eines Schlusses);
xä Xrjfifiaxa xov övXXoyiöfiov die Prämissen des Syllogismus.
top. VIII, 1. 156b 21.
Xoyixög wird von Aristoteles selten in dem Sinne, den wir mit
„logisch" verbinden, gebraucht, sondern Xoyixöv ist zunächst
alles, was ix Xöycov, aus Begriffen oder ex abstracto dedu
ziert ist, Begriffliches, im Gegensatze zu dem, was aus
empirischer Forschung, aus Beobachtung der Natur
phänomene geschöpft ist, daher das Xoyixmg öxonelv oder
Cflxelv dem fpvOtxcog öxonelv oder der <pvöixrj öxiipig gegen
übergestellt wird; das Xoyixcog Cflxelv, die Forschung in
Begriffen, ist die Methode des Plato und der Platoniker.
36 Xoyiaxixög — Xöyog
metaph. XII, 1. 1069a 28. Eine änööeigig Xoyixrj ist somit
eine Deduktion aus Begriffen. metaph. XIV, 1. 1087b 21.
In den logischen Schriften hat Xoyixöq die Bedeutung von
öiaXexxixöq; ein Xoyixoq övXXoyiöfiög (anal. post. II,
8. 93a 15) z. B. ist eine Deduktion aus Wahrscheinlichkeits
gründen, vom Standpunkte des gewöhnlichen Vorstellens, der
gewöhnlichen Voraussetzungen (eg evöögcov, cf. top. VIII,
12. 162b 27), und unterscheidet sich insofern wesentlich von
der eigentlichen ünööeigiq, die ihren Gegenstand aus seinen
letzten wissenschaftlichen Gründen entwickelt und erörtert.
In diesem Sinne steht Xoyixmq dem avaXvxixcöq gegen
über. anal. post. I, 22. 84a 8. „Sofern aber das, was aus
Begriffen oder allgemeinen Gründen abgeleitet wird, in der
Regel auf das Einzelne und Konkrete nicht genau und er
schöpfend zutrifft, sich auch häufig nur auf die gewöhnlichen
Annahmen der Menschen und die Voraussetzungen des ge
sunden Menschenverstandes stützt, ist dem Aristoteles das
Xoyixcöq öxonelv gleichbedeutend mit allgemeinem oder ab
straktem Baisonnement überhaupt, und insofern ihm das all
gemeine Baisonnement, das abstrakte Argumentieren als
ungenügende Erkenntnisquelle erscheint gegenüber von der
Erkenntnis der Dinge aus ihren eigentümlichen, besonderen
Prinzipien, hat bei ihm das Xoyixcäq öxonelv nicht selten
eine ungünstige Nebenbedeutung": Xeyco öe Xoyixijv
xtjv anööeigiv öiä xovxo, oxi b<Sco xad-öXov fiäXXov, noqqco-
xeqco xcöv olxeicov eöxlv aQ^cöv „weil die blofs logische Be
trachtung, je mehr sie auf das Allgemeine gehe, um so ferner
von dem Eigentümlichen sei". de gen. anim. II, 8. 747b 28.
Xoyiöxixog denkend, überlegend; xö Xoyiöxixov das den
kende Prinzip, die Denkkraft im allgemeinen (de an. III,
9. 432b 26), meist jedoch das Vermögen der praktischen
Überlegung, die praktische Vernunft. eth. VI, 2. 1139a
12 ff. de an. III, 10. 433a 12.
Xöyog, 6, bezeichnet (abgesehen von den gewöhnlichen Be
deutungen) zunächst den Begriff, und insofern einerseits
in dem Inhalte des Begriffes das Wesen der Substanz er-
fafst wird, andererseits der Begriff mit dem Zwecke zusammen
fällt, so findet sich 6 Xöyoq verbunden und gleich
(is&oöog — fJ-iQoq 37

gesetzt mit ovöia, xb xl ijv elvai, elöog, evioyeia, evxeXixua,


fioQg)rj, xiXog, ov evexa, den Prinzipiell, die auch al hv xco
Xöycp aQxal genannt werden, und tritt so als Formal
prinzip der Materie entgegen. cf. metaph. VII, 10. 1035a 26;
VI, 1. 1025b 29. de an. II, 2. 414a 27. metaph. III, 1.
996a 1 u. ö. Weiterhin bedeutet 6 Xöyog die Vernunft,
die theoretische und insbesondere die praktische
Vernunft (Xöyog d-ecoQr\xixög u. nQaxxixög), das Vermögen,
durch Überlegung und diskursives Denken das Handeln zu
bestimmen. polit. VII, 14. 1333a25, daher 6 öQd-bg Xöyog
die richtige Vernunft, die Vernunft, welche das
Richtige trifft. eth. Nic. VI, 13. 1144b 23. cf. Heinze,
p. 74 ff.

M.
fied-oöoq, rj, der Weg, die Art der Untersuchung, die Me
thode, die wissenschaftliche Behandlung. de an. I,
1. 402a 14. Da nun die Art und Weise der wissenschaft
lichen Behandlung, die Form einer jeden Wissenschaft ab
hängig ist von ihrem Inhalt, so gewinnt flid-oöog auch die
Bedeutung von Wissenschaft überhaupt. phys. 1, 1.184a 11.
Der Sache nach findet sich bei Aristoteles, jedoch ohne aus
drückliche Erwähnung, eine streng wissenschaftliche (ebro-
öeixxixr\) und eine dialektische (öiaXexxixr\) Methode; jene
entwickelt durch Analyse die Merkmale der Sache (avalv-
xixcüg, dnoöeixxtxcög, nQayfiaxixcög), diese aus dem allge
meinen Bewufstsein über die Sache; jene ist also mehr
objektive, diese mehr subjektive Behandlungsweise. Die
dialektische Entwickelung hat ihre Stelle, wo es sich um
die erste Aufstellung eines noch unbekannten Begriffes handelt,
und ist oft eine notwendige Vorbereitung zur streng wissen
schaftlichen Entwickelung, sei es um diese zu finden oder
sie dem Verständnis zugänglich zu machen. cf. top. I, 2.
101a 30 ff.
fiiQog xö, ev fieQei, xaxä fieqog (particularis) teilweise, par
tikulär, im Gegensatz zu xad-öXov. anal. pr. I, 1. 24a 18:
nQöxaöiq, Xöyog ev fieqei s. xaxa fieoog partikuläres
38 fitoov — voelv

Urteil, in welchem das Prädikat nicht vom ganzen Um


fange des Subjekts, sondern nur von einem Teil ausge
sagt oder getrennt wird. Im Gegensatze zu xo xa&öXov
steht xo xaxä fieQoq oft als Wechselbegriff von xo xa&'
exaöxov und bedeutet das Einzelne, das Individuelle,
das Besondere (phys. I, 5. 189a 8), so auch al hniöxrj-
fiai ev fiioet XeyofiF.vai die besonderen Wissenschaften,
t« eiörj ev fieQei Xeyöfieva die bestimmten Daseins
formen gegenüber dem allgemeinen und unbestimmten Sein.
metaph. I, 8. 989b 12.
fieöov, xo, der Mittelbegriff (fiiaoq oQoq, terminus medius).
anal. pr. I, 4. 25b 35. s. oQoe.
fiex afioXrj, rj, Veränderung, fällt unter den allgemeinen Be
griff der xivrjöiq. Wenn Aristoteles „auch das Werden und
Vergehen für keine Bewegung gelten lassen will und des
halb sagt, es sei zwar jede Bewegung eine Veränderung,
aber nicht jede Veränderung eine Bewegung (phys. V, 1.
225a 20), so ist doch auch dieses nur ein relativer Unter
schied, welcher sich in dem allgemeinen Begriff der Be
wegung aufhebt"; deshalb werden auch im dritten Buche
der Physik, wo die Bewegung im allgemeinen im Sinne
des Anderswerden und der Veränderung überhaupt ent
wickelt ist, beide Termini ohne Unterschied der Bedeutung
gebraucht.
fioQ<prj, rj, Figur, äufsere Gestalt und Form; daneben be
zeichnet es häufig die innere, ein Ding konstituierende
Form und ist insofern identisch mit elöoi;. metaph. VIII,
6. 1045" 18.

N.
voelv denken im allgemeinsten Sinne, verschieden von alö&ä-
veö&ai, bezeichnet die intellektuelle Thätigkeit überhaupt,
wodurch sich der Mensch von dem Tiere unterscheidet. cf.
de an. III, 3. 427b 9 ff. Daher tritt v orjxö q häufig als
Gegensatz von alö&rjxöq auf, wie xä votjxä die Ideenwelt,
die Welt des Denkens, des Allgemeinen gegenüber xä alö&rjxd
(de an. III, 8. 431b22), vXrj vorjxrj gegenüber vXrj al-
ö&rjtrj (metaph. VIII, 6. 1045a 34), ovöia vorjxrj gegen
vörjoig — o6e 39
über ovöia alöd-rjxr\ (metaph. VIII, 3. 1043b 30) u. ö. Im
engeren Sinne bedeutet voetv die eigentliche Thätigkeit des
vovq, das unmittelbare Denken, welches sich auf die
unbeweisbaren Voraussetzungen alles Wissens bezieht, und
unterscheidet sich daher von eniöxaöd-ai, öiavoelöd-ai. s.
vovg.
vörjöiq, r\, das aktuelle Denken (metaph. XII, 9. 1074b 22),
bezeichnet wie vot.lv meistens die intellektuelle Thätigkeit
überhaupt, häufig jedoch auch speziell diejenige Thätigkeit der
Intelligenz, deren Objekt das Mathematische ist, das
rechnende Denken der Mathematik, die mathematische Denk
operation. metaph. IX, 9. 1051a 30.
v0rjxixög denkfähig, denkend; xo votjxixöv das denkende
Prinzip (Gegensatz zu xo alöd-rjxixöv) , die Denkkraft, das
Denkvermögen. de an. I, 1. 402b 16.
vovq, 6, die Denkkraft im allgemeinen, de an. III, 4. 429a 23;
näher jedoch ist er „das Denkvermögen, sofern es sich
auf das Unsinnliche bezieht, und insbesondere das Ver
mögen, dasjenige, was nicht Gegenstand des vermittelten
Wissens sein kann, in unmittelbarer Erkenntnis zu er
fassen," kurz, die intellektuelle Anschauung der Vernunft,
die unmittelbar auf die Prinzipien gerichtet ist, das Vermögen
der Intuition auf theoretischem und praktischem Gebiete
(vovq d-ecoQrjxixöq u. nQaxxixöq). Objekte der Erkenntnis
durch den vovq sind also vor allem die letzten Prinzipien
des Beweises, die obersten Prinzipien des Denkens und des
Handelns. anal. post. II, 19. 100b 12. eth. Nic. VI, 6.
1140b 31. 1141a 7. s. emöxrjfiri u. öo<pia.

o.
oöe tritt zu einem Begriff, um denselben zu individualisieren,
konkret zu machen: 6 ävüoconoq oöe dieser Mensch, der
bestimmte, konkrete Mensch; xööe dieses bestimmte =
xa& exaöxov, im Gegensatze zu änXcög. metaph. IX, 7.
1049a 24. Daher steht xoöe, xööe xi, xo xööe xi häufig
im Sinne der ovöia als Einzelsubstanz oder des elöoe
40 81^ oQyavixog
als der Form, die die Materie zu einem bestimmten
Sein konstituiert. categ. 5. 3b 10. metaph. IX, 7. 1049a 35.
oXog ganz-, xb öXov das Ganze, die Ganzheit, wird gebraucht
von einem solchen, das durch veränderte Lagerung seiner
Teile, durch Umgestaltung der Form auch qualitativ ein
anderes wird. s. näv.
6 [io io fi e QTjq aus gleichartigen Teilen bestehend, d. h. aus
solchen Teilen, welche mit dem Ganzen gleiche Benennung
haben; „sie entstehen aus der gegenseitigen Durchdringung
der entgegengesetzten Eigenschaften des Elementarischen,
wie z. B. Fleisch, Knochen u. dergl., indem das Warme kalt
und das Kalte warm wird und in ein Mittleres zusammen
geht (de gen. et corr. II, 7, Ende). Jeder Teil des Fleisches
ist Fleisch, und es ist eben die Mischung dann gleichartig,
wenn sich etwas gegenseitig so durchdrungen hat, dafs die
zusammengebrachten Teile nicht mehr selbständig für sich
bestehen, sondern ein Mittleres aus sich bilden, in welchem
jeder Teil ein Gemischtes ist, wie ein Teil des Wassers
Wasser ist". cf. de gen. et corr. I, 10. 328a 10.
oficovvfiog (aequivocus) gleichnamig, was nur nominell, nicht
reell gleich ist: bficovvfia Xiyexai, <bv ovofia fiövov xoi-
vbv b öe xaxa xovvofia Xöyog xfjg ovöiag exeQog. categ. 1 ;
la 1. s. övvcövvfiog. Daher wird die spontane Zeugung (ge-
neratio spontanea) als die mit blofser Namensgleichheit ohne
Übereinstimmung des Wesens (bfioovvfimg — aequivoce) so
genannte „Zeugung" auch generatio aequivoca genannt.
oQyavixög = fir\xavixög werkzeuglich, als Werkzeug dienend,
um eine Bewegung oder eine Thätigkeit hervorzubringen, im
weiteren Sinne (wie xb 6Qyavov) alles, was zur Erreichung
irgend eines Zweckes gebraucht wird. de part. an. I, 5.
645b 14. Die Bedeutung „organisch" im eigentlichen Sinne,
wie es jetzt allgemein üblich ist, erhält es de an. II, 1.412" 28
durch den Zusatz <pvOixöv: „Da die oQyavixd, auch sonst
soviel als fir\xavixä, zunächst die Werkzeuge der Maschine
bezeichnen, so mufste durch den Zusatz öcöfia fpvöixbv
oQyavixöv die Vorstellung der auch bei der zweckmäfsigsten
Maschine noch von aufsen kommenden Bewegung aufgehoben
und das Prinzip der Bewegung nach innen verlegt werden.
oQegig — oQog 41
Erst dadurch entstand der Begriff dessen, was jetzt kurzweg
organisch heifst". s. <pvöixöv. cf. Eucken, Grundbegriffe.
p. 156 ff.
oQegiq, fj, Streben im allgemeinsten Sinne: Naturtrieb und
vernünftiges Begehren, de an. II, 3. 414b 2.
oQi^eöd-ai (definire) definieren: 6 oQi^öfievog Seixvvöiv t) xl
eöxiv rj xl ötjfiaivei xovvofia. anal. post. II, 7. 92b 26.
Die Bestimmung, xl örjfialvei xovvofia, die Namenerklärung,
wird von Aristoteles auch Xöyog ovofiaxoäörjq genannt.
anal. post. II, 10. 93b 31. Die Realdefinition (xl eöxiv)
wird von Aristotelikern als öQog nQayfiaxojörjq (realis)
oder oQog ovöicoörjg (essentialis) bezeichnet.
oQtöfiög, 6, (definitio) Begriffs-, Wesens-Bestiramung (ovöiag xig
yvcoQiöfiog), Definition. metaph.VI, 4. 1029b 19: iv cp aoa
fir\ eviöxai Xöycp avxö, Xiyovxi avxö, ovxog 6 Xöyog xov xl
fjv elvai exäöxcp, d. h. „in welcher Aussage also das Objekt
(seinem Namen nach) nicht enthalten ist, während doch die
selbe Aussage es (der Sache nach) bezeichnet, dieses ist die
Aussage des Wesens (oder die Definition) für ein Jegliches".
top. I. 8. 103b 15: ö oQiöfiöq ex yivovq xal öiacpoQcöv
iöxlv, d. h. die Definition besteht aus dem Gattungsbegriff
und den unterscheidenden Merkmalen. top. VI, 5. 143* 15
wird für die Definition die Forderung gestellt, fiij vneq-
ßaiveiv xu yivrj, d. h. definitio fiat per genus proxi-
mum.
ooog, b, (terminus) Bestimmung, Umgrenzung; wie in der
Mathematik die Linien die Grenzen der Flächen, so bilden
im Urteile eine derartige Umgrenzung des Satzes Subjekt
und Prädikat, und daher werden diese zunächst oqoi ge
nannt: oqov öe xaXä, elg ov öiaXvexai fj nQöxaöiq, olov
xö xe xaxrjyoqoVfievov xal xo xad-' ov xaxtjyoQelxai. anal,
pr. I, 1. 24b 16. Weiterhin sind dann oqoi die wesent
lichen Bestimmungen, welche sich aus dem Begriffe eines
Gegenstandes ergeben und den Gegenstand in sich begrenzen
und bestimmen, daher wird oQog auch identisch mit Xöyog
(Begriff) gebraucht. Die Ausdrücke nQcöxoq, fiiöog und
eöxaxog Öqoq bezeichnen Begriffe, die im Verhältnis der
Unterordnung stehen ; der töyraxoq oqoq ist hinsichtlich seines
42 oTi — ovaia

Umfanges in dem höheren (fiiöog oder nQcöxog) ganz ein


begriffen oder von demselben umtäfst {kv oXco elvai xco
fiiöcp — xco nocäxcp). anal. pr. I, 1 und 4. Im Schlüsse
bedeutet entsprechend 6 nocoxoq bQog (fiti^cov oQoq) den
terminus maior (Oberbegriff), fieöoq oooq den terminus me-
dius (Mittelbegriff), 6 eöxaxoq oQoq (eXäxxcov booq) den
terminus minor (Unterbegriff). cf. axoov. Da nun so der
öooq den Begriff, die Begriffsbestimmung ausdrückt, so steht
er oft der Sache nach gleichbedeutend mit oQiöfiöq.
oxi, xb 6x i (das Dafs) die Thatsache der Erscheinung, gegen
über to öioxi (das Warum), der hervorbringende Grund
der Erscheinung. Die Wissenschaft sucht überall das öiöxi,
und begnügt sich nicht mit dem ort. anal. pr. II, 2. 53b 9
metaph. I, 1. 981a 29.
ovöia, r\, Substanz (substantia); sie ist das wahrhaft Seiende,
dem allein das Sein (to eivai) im eigentlichen Sinne zukommt.
metaph. VII, 1. 1028a 31. Alles, was sonst noch Seiendes
genannt wird, wie Thätigkeit, Zeit- und Ortsverhältnis, Qua
lität, Quantität, hat kein Sein für sich, sondern nur insofern
es in einer Substanz ist, ihr inhäriert oder von ihr prädi-
ziert wird. phys. I, 2. 185a 23. Die Substanz selbst wird
nicht von einem anderen als ihrem Subjekte prädiziert, sie
kann nicht in einem anderen inhärieren, sondern sie ist selbst
Subjekt von allem übrigen, das von ihr prädiziert wird
oder ihr inhäriert. categ. 5. 2a II. metaph. VII, 3. 1029a 8.
Das charakteristische Merkmal der Substanz besteht
also darin, dafs sie ein xööe xi, ein individuell für
sich seiendes Eins ist, ein Einzelding mit einem be
stimmten, in sich abgeschlossenen, für sich fafsbaren Wesen.
categ. 5. 4a 10. Die ovöla im Sinne der Substanz als des
wahrhaft Seienden ist daher kurz die Einzelsubstanz, d. h.
das individuell für sich seiende Einzelding (to x«ö-' exaöxov).
categ. 4. lb 27. Substanzen sind so die einzelnen für sich
seienden Individuen der sinnlichen Welt, die Elemente
und die aus ihnen zusammengesetzten unorganischen Körper
etc. de coel. III, 1. 298a 29. Die Einzelsubstanz, das In
dividuum ist die ovöla hq<6xt\ (substantia prima) und
als solche die ovöia tj xvQicoxaxä xe xal nocöxajq xal
ovaia 43

fiäXiöxa JLeyofievrj, „Substanz im ursprünglichsten


Sinne". Im Verhältnis zu den Einzelsubstanzen als nQmxai
ovöiai werden die Arten und Gattungen (eiörj xal yivrjj)
ovöiai öevxioai (substantiae secundae) „Substanzen im
abgeleiteten Sinne" genannt (categ. 5. 2a 14), sofern sie das
gemeinsame Wesen gewisser Substanzen darstellen, und von
diesen zweiten Substanzen verdienen die Arten den Namen
„Substanz" in höherem Grade, weil sie der Einzelsubstanz
am nächsten stehen. categ. 5. 2b 7. Fafst man jedoch den
Begriff „Substanz" in dem' strengsten Sinne, so kommt er
den Gattungen und Arten überhaupt nicht zu, da sie ja von
dem Einzelwesen ausgesagt werden (categ. 5. 2a 19 ff.). cf.
ibid. 5. 3b 10. Substanz im eigentlichen und vorzüglichsten
Sinne ist also nur das Einzelwesen. Jedes sinnliche Einzel
wesen ist aber eine ovaia övvD-exoq (raetaph. VIII, 3.
1043a 30), es besteht nämlich seinem Sein nach aus zwei
wesentlichen Prinzipien, aus Materie (vhj) und Form (elöoq),
und da diese die Substanz im eigentlichen Sinne konstituieren,
da ohne sie auch die Einzelsubstanz als solche überhaupt
nicht existiert, so werden beide, sowohl die Materie als
die Form, als ovöiai bezeichnet, jene ist ovöia mq vXrj,
mq vnoxeifievrj (substantia materialis), diese ovöia xaxa xo
eiöoq (substantia formalis). In der Metaphysik wird d i e
Form im Gegensatz zu der ovöia im Sinne der Einzel
substanz sogar häufig auch nQmxrj ovöia genannt, weil sie
als das allein Wesenhafte der Substanz, als das Sosein der
Substanz, dieser dem Begriffe nach vorausgeht. cf. metaph.
VII, 7. 1032b2; 11. 1037" 3. Aristoteles sagt, „bei allem
Ursprünglichen und Fürsiehbestehenden sei das begriffliche
Wesen von dem Ding, welchem es zukommt, nicht verschieden,
so dafs demnach in ihm die Substanz des Dings liegt"; und
als das schlechthin Wirkliche läfst er nur die schlechthin
stofflose Form, den reinen Geist, gelten. Folgendes Schema
möge den Umfang der ovöia veranschaulichen:
44 naQ-rjfxa — näd-og

ovö ia
1. Substanz im Sinne 2. Das begriffliche 3. Das Ganze oder
von Substrat oder Wesen (tj xaxä Xö- das Seiende (xb ovv-
materielle Grundlage yov avala, xb xi ijv oXov, xb s| d/xtpolv
der Existenz (xb vno- sivai, eidoi, fiOQ<pri, — ens).
xelfisvov, vXrj — sub- — essentia).
jectum).
a) Einzelding (xööe b)Gesamtheit der zu
xi — individuum). einer Gattung oder
Art gehörenden Ob
jekte (yevog , eläog
— genus, species).

IL
näd-rjfia, xö, steht mit xö näd-og gleichbedeutend, s. näd-og.
nad-rjxixö g leidend, Gegensatz zu noir\xixög. 6 vovg na-
d-rjxixög die leidende, potentielle Vernunft, die alles
wird, die das Sein der Dinge in sich aufnehmen und inso
fern alles werden kann — intellectus patiens s. pos-
sibilis. de an. III, 5, Anf. nad-r^x ix a\ noiöxrjxeg
„affizierliche Qualitäten", d. h. solche, die in den Sinnen einen
nad-oq , einen Affekt erzeugen, wie süfs, bitter. categ. 8.
9a 29. In der Rhetorik und Poetik wird nad-rjxixog von
rjd-ixög unterschieden, z. B. Xigig nad-rjxixr\ affekt
volle Rede gegenüber der rjd-ixrj, der ruhigen, sanften
Sprache, die kein näd-og zeigt, daher auch nad-rjxixcog
Xeyeiv; xQaycoöia nad-rjxixtf eine Tragödie, deren Um
schwung durch ein näd-og erfolgt, mit bewegterem und affekt
vollerem Charakter, während die xQaycoöia rjd-ixtj des
näd-og entbehrt und deshalb einen sanfteren, ruhigeren und
gemesseneren Gang nimmt. rhet. III, 7. I408a 10. poet.
24. 145 9b 9. s. näd-og.
ndd-og, xö, Affektion, bezeichnet in weiterer Bedeutung jede
Eigenschaft oder Qualität, welche an einer Substanz das
Veränderliche ist, in Bezug auf welche die Substanz eine
Veränderung erleiden kann: näd-r\ xrjg tpv/fjg ist alles,
was in und an der Seele vorgeht (Vorstellungen, Begriffe
etc.), de an. I, 1. 402a 9; näd-tj xrjg vXr\g Eigenschaften der
Materie, phys. VII, 2. 245a 20 ; näd-r\ öcofiaxixd etc. Weiterhin
nuQäöeiyfta — jtaQenea&ai 45

sind die bereits wirklich eintretenden Thätigkeiten und


Qualitätsänderungen näd-rj, in welchem Sinne eqyov mit
näd-og, noielv mit näöxeiv oft synonym gebraucht wird. cf.
de coel. III, 1. 298a 32. de an. I, 5. 409b 15; 1. 403b 12.
In dieser Beziehung sagt Freudenthal mit Recht: „näd-og
wird von Aristoteles in einem so weiten Sinne gebraucht,
dafs der Grundbegriff des Leidens, Bestimmtwerdens fast
ganz verloren geht". Endlich werden im engeren Sinne
ndd-rj genannt die schädlichen Qualitätsänderungen und Be
wegungen, besonders die schmerzhaft-schädlichen, grofse Un
glücksfälle und Schmerzen, daher in Bezug auf die Bewegungen
der Seele näd-rj Gemütserregungen, Affekte bedeuten;
öcofiaxixä näd-rj sind dann dieser Bedeutung analog die
jenigen seelischen Affekte, die vom Körper ausgehen. eth.
Nic. X, 2. 1173» 9. cf. metaph. V, 21. 1022" 15.
naQäöeiyfia, xo, (exemplum) der Analogieschlufs, er
schliefst von dem Teil auf den Teil, von Ähnlichem auf Ähn
liches. rhet. I, 2. 1357b 25—30. Aristoteles zerlegt den
Analogieschlufs in einen Schlufs auf das Allgemeine, eine
unvollständige Induktion, und einen daran angeknüpften Syl
logismus. cf. anal. pr. II, 24. Daneben bedeutet naQäöeiyfia
auch vorbildliche Idee (exemplar) und erscheint mit xo
eiöoq verbunden (phys. II, 3. 194b 26), daher auch die Pla
tonischen Ideen naQaöeiyfiaxa genannt werden. metaph. I,
9. 991a 21. Endlich wird es in der Bedeutung „Beispiel"
gebraucht, daher
naQaöstyfiaxixäg Xeyeiv Beispiele anfuhren. metaph. II,
3. 995a 7.
naQakoyl^eöd-ai (intrans.) einen Fehlschlufs machen; (trans.)
durch einen Fehlschlufs täuschen.
naQaXoyiöfiöq, 6, Fehlschlufs, i. e. ein unrichtiger Schlufs,
dessen Fehler auf Irrtum beruht, im Gegensatz zu öo-
<piöfia. Man unterscheidet naQaXoyiöfiol xaoa xr\v Xi$iv
und egco xijq Xigecoq; jene haben in der Sprache ihren Grund,
diese in der Sache, den Dingen. cf. de soph. elench. 4.
naQsneöd-ai (im logischen Sinne) = eneöd-ai enthalten sein;
xo naQenöfievov, xo ael naosnöfievov die wesentliche
Eigenschaft. top. IV, 6. 128a 38.
46 näq — nQayfiatela

n äq wird im Gegensatz zu oXoq gebraucht von einem gegen


die Lage seiner Teile gleichgiltigen Quantitativen; näv und
nävxa bezeichnet immer die zusammenfassende Einheit
Unterschiedener, Getrennter. näq verhält sich daher zu
oXoq wie Summe zu Ganzheit. cf. metaph. V, 26. 1024a 2.
neQieXeiv (im logischen Sinne) von dem Umfange der Begriffe:
umfassen. metaph. V, 26. 1023b 30.
nrjQmfia, xö, Zurückbleiben eines Wesens hinter seiner eigenen
Stufe, hinter seiner Spezies. „Die Natur strebt in ihrem
Bildungsprozesse nach der unteilbaren Einheit; sie kann aber
diese nicht immer erreichen, sondern wird durch das Mate
rielle gezwungen, sich auf eine niedere Stufe zu beschränken;
dies Stehenbleiben auf einer niederen Stufe nennt Aristoteles
nrjQmaiq oder nrjQmfia". Alle nrjQ<öfiaxa sind deshalb dxeXfj.
de an. II, 4. 415a 27.
noirjöiq, rj, künstlerisches Schaffen, bezeichnet im Unter
schiede von nQägiq jede künstlerische Thätigkeit, jede ob
jektive Hervorbringung und Gestaltung eines Anderen, ganz
allgemein jedes Bewirken. s. nQägiq.
noirjxixoq fähig hervorzubringen, bewirkend, xö noirjxixov
der hervorbringende Grund, die Ursächlichkeit; eni-
öxrjfiai noirjxixal Künste.
noiöv, xö, (quäle) Qualität, eine der Kategorien, daher
noioxrjq, fj, (qualitas) Qualität. categ. 8. 8b 25.
noööv, xö, (quantum) Quantität, eine der Kategorien (categ. 6.),
daher
noööxrjq, rj, (quantitas) Quantität. metaph. VI, 1. 1028* 19.
jioxe, xö, (quando) bezeichnet die Kategorie der Zeit ganz
allgemein, sowohl das Jetzt, wie das vergangene und das
zukünftige Einst, zunächst aber immer den Zeitpunkt.
categ. 4. 2a2. phys. IV, 13. 222a 25 -b7.
nov, xö, (ubi) bezeichnet die Kategorie des Raumes, den
Ort. categ. 4. 2a 1.
nQayfiaxeia, fj, wissenschaftliche Untersuchung und
Erörterung überhaupt, jede streng methodische Be
handlung einer Sache; speziell wird es häufig von philo
sophischen Untersuchungen gebraucht und bezeichnet ein
abgeschlossenes philosophisches System (rj IlXdxmvoq
nQaynaxevea9ai — ttqÖTeqog 47
nQayfiaxeia) oder Teile eines philosophischen Systems: r\
<pvöixrj nQayfiaxeia, fj neqI xä fjd-rj nQayfiaxeia, fj nQay-
fiaxeia fj meqi xr)v (»rjxoQixrjv.
nQayfiaxeveöd-ai sich beschäftigen, sich bemühen, de gen.
an. III, 10. 759a36; eine methodische, streng wissen
schaftliche Untersuchung anstellen. de an. I, 1.
402a18. metaph. 111, 2. 997b 21. anal. post. II, 13. 96b 15.
Zu der letzten Stelle cf. Waitz: „nQayfiaxeveöd-ai dicitur,
qui cognitionem aliquam ad artem et praecepta revocare studet."
jrpägi?, fj, Handeln, Handlung, bezeichnet jede Thätigkeit,
die ihr Ziel und ihren Zweck in sich selbst hat. Von noirjöig
unterscheidet sie sich durch ihren Ursprung und Zweck;
der Ursprung liegt bei der nolrjöiq im künstlerischen Ver
mögen, bei der nQägig im Willen, der Zweck bei jener aufser
ihr selbst in dem zu erzeugenden Werke, bei dieser in der
Thätigkeit des Handelnden als solcher. cf. eth. Nic. VI, 4.
1140a 2; 5. 1140" 4, 6.
% q ö g xl, xo , bedeutet die Kategorie der Relation. cf.
categ. 7.
nQööd-eöiq, fj, das Hinzusetzen, im logischen Sinne von der
Verbindung des Subjekts mit dem Prädikate oder des Acci-
denz mit seiner Substanz oder von der näheren Bestim
mung eines Begriffes durch ein neues Merkmal,
Determination; Gegensatz: dgxziQeöig. xä kx nQoöd-e-
öecog das durch nähere, konkretere Bestimmung Gewonnene,
das durch Determination Entstandene. anal. post. I, 27.
87a34-36. metaph. XIII, 2. 1077b 10.
nQöxaöiq, fj, Urteil, tj xad-öZov (allgemeines) rj kv fie\ni
(partikuläres) »/ aöiöQiöxoq (unbestimmtes). anal. pr. I, 1.
24a 16. Am häufigsten wird es von den Urteilen gebraucht,
die als Vordersätze in einem Schlüsse auftreten, daher Prä
misse. anal. pr. I, 25. 42a32; anal. post. I, 12. 77a37.
XQoxeiveiv s. nQoxeiveöd-ai eine Prämisse aufstellen. top.
VIII, 1. 155b 34, 38.
nQÖxeQog früher, was einem wie immer bestimmten Anfange
in irgend welcher Beziehung näher steht, sei es xaxa xo-
nov (räumlich) oder xaxa xqovov (zeitlich) — hinsichtlich
der Vergangenheit das Entferntere, hinsichtlich der Zukunft
48 TlQOTEQOq

das Nähere — oder xaxa övvafiiv (der Potenz nach, poten


ziell) oder xax eveQyeiav a. evxeXexeiav (der Wirklichkeit
nach, aktuell) oder xaxa xägiv (der Ordnung nach) oder
yvcÖöei (in Bezug auf die Erkenntnis) oder xaxä xbv
Xöyov (dem Begriffe nach) oder xaxä xr)v alöd-rjöiv (der
sinnlichen Auffassung nach) u. a. Wichtig und bedeutsam
für die Erkenntnistheorie ist die aristotelische Unterscheidung
des nQöxeQov <pvöei und nqoxeqov nobq f/fiäg s.
ijfilv; jenes ist das Allgemeine, welches an sich das
Frühere und Erkennbarere ist, dieses das Einzelne und Be
sondere, welches den Sinnen näher liegt und daher für
uns ein Früheres und Bekannteres ist. anal. post. I, 2.
71b33; cf. metaph. V, 11. 1018b 32: xaxä fiev yao xbv
Xöyov xa xad-öXov noöxtoa, xaxa öe xr\v alöd-rjöiv xä
xad-' exaöxa, wo das xaxa xbv Xöyov dem nqöxeqov <pvöei,
das xaxa xr(v aiöd-rjöiv dem nQöxeQov fjfiiv entspricht. Es
ist ein richtiger und wichtiger methodischer Grundsatz des
Aristoteles, der seine ganze Philosophie charakterisiert, dafs
das Erkennen von dem nqöxeqov nQbq fjfiäg zu dem noöxe-
qov <pvo~u, also von der Erscheinung zu den Prinzipien, von
dem Sinnlichen zu dem Intelligiblen fortschreite. — Auf die
Anschauung des Aristoteles, wonach das Allgemeine das
Frühere (nqöxeqov), das Besondere das Spätere (vöxeQor)
genannt wird, gehen die philosophischen Ausdrücke a priori
und a posteriori zurück. Bis ins 17. Jahrhundert verstand
man in Anlehnung an den griechischen Philosophen unter
Erkenntnis a priori die Erkenntnis aus den inneren Gründen
und Ursachen, die ja an sich und ihrer Natur nach früher
sind als die Sache selbst, unter Erkenntnis a posteriori die Er
kenntnis aus den Folgen und Wirkungen, die ihrer Natur nach
später sind, als die Ursachen und Gründe, aber uns bekannter
(tjfitv yvojQificoxeqov). Mit Leibnitz aber begann eine Um
wandlung der Bedeutung der Begriffe, die durch Kant zum
Siege geführt wurde; das a priori bezeichnet nach K an ti
scher Fassung das dem Geiste ursprünglich Angehörige, das
aus dem Subjekte als solchem Herstammende, das a posteriori
ist das mittels der Erfahrung Erworbene. cf. Eucken, Grund
begriffe. p. 69 ff.
jtQioTog — aoipia 49

nQcöxog erster, höchster, vorzüglichster (primus); xb nQcöxov


= aQxrf: % xe aQxr\ nQcoxov xal xb nQcoxov dQxtj (top.
IV, 1. 121b 9). xä kvvnaQxovxa xQ<öxa die ersten im
manenten Prinzipien, aus denen jedes Ding besteht, (metaph.
III, 3. 998a23.) fj nqojxtj <piXoöo<pla, ij nqcÖxtj eni-
öxrjfir\ die Wissenschaft, die die TtQcoxa, die Prinzipien
untersucht, die deshalb auch die vorzüglichste ist. Das
Adverbium nQcoxcog „im ersten, höchsten, eigent
lichen und vorzüglichsten Sinne" wird sehr häufig ge
braucht: xä xQcoxcog Xeyöfieva %v, xb nQcoxcog ov , ovöia
nQcöxcog Xeyofievrj u. a. ovöia nQcoxrj und vXrj nQoäxr\
s. unter ovöia und vXrj. In Bezug auf ein anderes ist dann
nQcoxov dasjenige, was diesem anderen zunächst ist (proxi-
mum), was unvermittelt an oder in diesem liegt, daher
der logische Terminus nQcoxco, nQaixojg vnäoxeiv xivi
einer Sache unmittelbar, an sich und zunächst zukommen.
anal. post. I, 19. 81b31; anal. pr. II, 21. 66" 20.
jtxcööiq, r\, die Biegungs- und Ableitungsendung im
weitesten Sinne, meist der in den Endungen verschiedene
Ausdruck entsprechender Substantiva, Adjektiva und Adverbia
(categ. 1. la 14. top. I, 15. 106" 29 ff.), doch werden auch
die vom Präsens abgeleiteten Formen des Verbums (de inter-
pret. 3. 16b 16) und die Genera des Nomens (de soph. elench.
14. 173b 27) nxcoöeiq genannt. cf. Trendelenburg, Kategorien
lehre, p. 27 ff.

2.
örjfielov, xö , äufseres Merkmal, woraus etwas bewiesen
oder erschlossen wird; die ständige Formel bei Anführung
von solchen Merkmalen ist: örjfielov öt . . . yäQ ... de
interpret. 1. 16a 25 u. ö. Der Schlufs geht von dem Ein
zelnen auf das Allgemeine. s. xexfiqQiov.
öo<pia, rj, die höchste Form des Wissens, die besteht in der
sicheren Erkenntnis sowohl der Prinzipien selbst als auch
dessen, was aus den Prinzipien als solchen abgeleitet ist;
sie ist daher die Einheit von vovg und iniöxr\firj. eth. Nic.
VI, 7. 1141a16: fj öo<pia vovg xal kmöxrjfir\. Sie ist das
Kappe 9, Aristoteles-Lexikon. 4
50 ooipiofia — azsgriaif

Wissen im eigentlichen Sinne und hat zu ihrem Objekte im


Unterschiede von allen anderen Wissenschaften die höch
sten Gründe und Prinzipien, die allen anderen Wissen
schaften übergeordnet sind; mit dieser öo<pia ist also die
nQcoxr\ <piXoöo<pia oder Metaphysik schlechthin identisch,
cf. metaph. I, 1 u. 2.
öö<piöfia, xö, Trugschlufs, (im Unterschiede von naQaXo-
yiöfiog) der falsche Schlufs, bei dem die Absicht zu täu
schen obwaltet. top. VIII, 11. 162a 16.
öo<pög, 6, im weiteren Sinne der höher gebildete Künstler,
im engeren Sinne derjenige, der sich auf die letzten
Gründe versteht, der die öo<pia besitzt. cf. metaph. I,
1 und 2.
öxeqr\0i$, fj, (privatio) Beraubung, Privation; ihr Begriff tritt
zunächst klar hervor in metaph. X, 4. 1055a 33 ff. , wo sie
mit der dvxlfpaöig und der evavxiöxrjg verglichen wird.
Während die dvxi<paöig die logische Verneinung ausdrückt,
bezeichnet die öxeQrjöig die reale Verneinung, d. h. die
Beraubung bewegt sich nur innerhalb desjenigen Gebietes,
das seiner Natur nach den verneinten Begriff aufnehmen kann,
die Verneinung ist eben in der Beraubung an ein bestimmtes
Substrat gebunden, das überhaupt und an und für sich für
die mangelnde Qualität empfänglich ist — kv x<p öexxixco.
Die öxeQrjöig ist daher im eigentlichen Sinne der Mangel
dessen, was der Natur nach sein könnte oder sollte. Diese
Bedeutung erscheint besonders da, wo die öxeQrjöig als
metaphysisches Prinzip gefafst wird. Das Werden be
steht nach Aristoteles in einem Wechsel der Formen; das
Beharrende in diesem Wechsel ist die Materie (vXtj), das
Substrat (vnoxeifievov), welches die Form aufnimmt oder in
die Form übergeht. In Bezug auf diese Form, in die sie
übergeht, befindet sich nun die Materie im Zustande der
öxeQrjöiq, d. h. die Materie hat die Form noch nicht in
sich, aber sie ist ihrer Natur nach fähig, sie in sich aufzu
nehmen. Die öxiQrjöig ist also in der Materie der Mangel
derjenigen Form, die werden soll. Die i'Xtj nqcoxtj befindet
sich im Zustande absoluter öxeQrjöig, sie ist ohne alle
und jede Form, hat aber die Fähigkeit, alle Formen in sich
axoixitov — avXXoyiafiög 51

aufzunehmen und ihnen zum Substrate zu dienen. Aus dieser


öxeQrjöig heraus geschieht alles Werden, und in diesem Sinne
tritt sie im Werden wie ein drittes Prinzip neben der Form
aus der Materie heraus. s. vXrj. cf. phys. I, 6 — 9. metaph.
V, 22; XII, 4—5. Trendelenburg, Kategorienlehre.
öxoixeIov , xö , Element, bezeichnet im allgemeinen alle
Bestandteile, die Bestandteile des Begriffs, der Beweisführung,
die Bestandteile der Dinge, die Form und Materie, die Prin
zipien des Intelligiblen, gewöhnlich steht es jedoch für die
letzten stofflichen Bestandteile der Körper, für die elemen
taren Grundbestandteile des Stofflichen. cf. metaph. V, 3.
övyxelöd-ai zusammengesetzt sein, bestehen aus etwas: xö
ex xcöv öxoixeicov övyxeifievov. metaph. XII, 4. 1070b 6.
Im logischen Sinne bedeutet es dementsprechend: verbunden
sein, zusammengehören oder zusammenstimmen, daher
xö övyxelfievov das Zusammenstimmende, im Gegensatze
zu xö öi%Qr\fievov ; so verhalten sich besonders Subjekt
und Prädikat als övyxelfieva im bejahenden, als öiyQrjfieva
im verneinenden Urteile. metaph. IX, 10. 105 lb 4.
övXXoyiöfiög, 6, Schlufsverfahren, Schlufs, Syllogismus, eine
Gedankenverbindung, in welcher aus gewissen Annahmen und
Voraussetzungen ein Anderes mit Notwendigkeit sich ergiebt.
anal. pr. I. 24b 18. Aristoteles unterscheidet zunächst zwei
Schlufsformen: 6 öiä xov fiiöov övXXoyiöfiög Schlufs
vom Allgemeinen auf das Besondere vermittels des Mittel
begriffes und 6 dt« xrjg enaycoyrjg s. eg enaycoyrJg övX-
Xoyiöfiog Schlufs vom Besonderen auf das Allgemeine; jener
ist der Syllogismus im eigentlichen und engeren Sinne, die de
duktive Beweismethode, dieser die induktive, die Induktion.
cf. anal. pr. II, 23. 68b 13 ff. In Bezug auf die Beweiskraft
wird geschieden zwischen öv XXoyiCfiög anoöeixxixög
(streng wissenschaftlicher Syllogismus) und övXXoyiöfiög
öiaXexx ixög (dialektischer Syllogismus). Jener geht aus von
absolut wahren und unmittelbar gewissen Prämissen (Ig aXr\-
d-cov xal nQüxcov), welche aus dem Begriffe der Sache selbst
(Ig olxelcov Xöycov) genommen sind, cf. anal. post. I, 2. 72a 5;
dieser nimmt seine Prinzipien aus dem allgemeinen Bewufst-
sein, der allgemeinen Ansicht über die Sache, aus der An-
4"
52 avfxßaivav
sicht der Einsichtigeren (Ig evöögmv), cf. top. I, 1. 100b 20.
Jener ergiebt daher eine absolut wahre und gewisse Er
kenntnis, dieser eine mehr oder minder grofse Wahrschein
lichkeit.
övfißaiveiv (aeeidere) eintreten, eintreffen, sich ereignen (im
allgemeinsten Sinne), daher övfißaivei accidit, xa övfi-
ßaivovxa die Ereignisse, die Thatsachen, die Ergebnisse.
de gener. an. I, 18. 725b 4. Auf die Beweisführung über
tragen, bezeichnet es das Eintreten abgeleiteter W ahrheiten,
die aus gegebenenVordersätzen mit Notwendigkeit folgen
(consequi); in diesem Sinne wird es mit Vorliebe gebraucht
bei widerlegenden Beweisführungen, wenn aus der These des
Gegners eine Konsequenz gezogen wird , durch welche sich
dieselbe unmittelbar selbst widerlegt, häufig in der Formel :
axonov, aövvaxov övfißaiveiv. övfißeßrjxöqföövfißal-
vei xivi) ist daher zunächst ganz allgemein id quod aceidit,
das Accidenz, das, was bei irgend etwas sich ereignet,
was sich an etwas findet, einem Ding inhäriert und von ihm
ausgesagt werden kann, kurz, die Eigenschaft eines
Dinges. Es steht so im Gegensatze zur ovöia, der Sub
stanz, deren Wesen es ist, dafs sie nicht in einem anderen
ist, dafs sie also nicht von einem anderen als seinem Sub
jekte prädiziert werden kann. Dieses övfißeßrjxöq kann nun
dem Dinge zufällig sein oder mit Notwendigkeit daraus
folgen, also wesentlich sein; jene Bedeutung der unwesent
lichen zufälligen Eigenschaft prävaliert bei Aristoteles.
„övfißeßrjxöq nennt man dasjenige, was sich zwar an etwas
findet und mit Wahrheit von ihm ausgesagt werden kann,
aber weder notwendig noch in den meisten Fällen sich findet."
metaph. V, 30. 1025a 14. övfißeßrjxoq ist „dasjenige, was
ein und demselben Dinge zukommen und auch nicht zu
kommen kann." top. I, 5. 102b 6. Es bezeichnet somit die
accidentelle Eigenschaft, das accidentelle, zufällige
Sein, im Gegensatze zu dem wesentlichen und notwendigen
Sein: xo yäQ övfißeßrjxoq ov övfißeßrjxöxi övfißeßrj
xöq das Accidentelle kann nicht accidentelle Eigenschaft
eines Accidentellen sein. metaph. IV, 4. 1007b 3. In diesem
Sinne steht auch der Terminus: xaxa övfißeßrjxöq (per
ovftneQalveo&ai — ovfihT<ofia 53

accidens) zufälliger Weise, beziehungsweise; was xaxa


övfißeßrjxös von einem Dinge ausgesagt wird, kommt diesem
Dinge nicht an sich (xad-' «uro) und wesentlich zu, sondern
nur unter gewissen Umständen und Beziehungen; einem
Gegenstande kommt daher alles xaxä övfißeßrjxög zu, was
nicht aus seinem Begriffe folgt, und alles xaxa övfißeßrjxög
Ausgesagte eignet nur einzelnen unter diesen Begriff fallenden
Dingen. Von diesem Sprachgebrauch, der im allgemeinen
der herrschende i6t, weicht Aristoteles (im Anschlufs an die
Bedeutung des övfißaiveiv in der Beweisführung) öfter ab
und nennt auch diejenige Eigenschaft eines Gegenstandes
övfißeßr\xög, die aus seinem Begriffe mit Notwendigkeit folgt,
das konsekutiv wesentliche Merkmal (attributum).
metaph. V, 30. 1025a 30. Zur Unterscheidung setzt er dann
zuweilen xad-' avxo u. ä. hinzu. anal. post. I, 22. 83b 19.
cf. Trendelenburg, de an. p. 157 ff.
övfineQaiveöd-ai (im logischen Sinne) durch Zusammenfügung
der niQaxa, d. h. des Ober- und Unterbegriffes in den
Prämissen, schliefsend aussagen. anal. pr. II, 19.
66* 38.
övfineQaöfia, xö, der Schlufssatz, der aus den Prämissen
durch richtiges Schliefsen folgt, die Verbindung des Ober-
und Unterbegriffes im Schlufssatze. anal. pr. I, 9. 30a 24;
II, 6. 58* 16.
övfistXoxjj, ij, Verflechtung, Verbindung, sei es der Merk
male zu einem Begriff oder der Wörter im Satze, besonders
des Subjekts mit dem Prädikate, daher xa avev övfinXo-
xrjq, xa xaxä firjö'efiiav öv^xXoxr)v Xeyöfieva (categ.
2. la 16; 4. lb 25) die einzelnen Vorstellungen und Worte,
die unverbundenen Elemente, in die der Satz oder das Urteil
sich bei der Zerlegung auflöst.
öv^ixxcofia, xö, (von övfineCelv) zufällige Eigenschaft, Zu
fälligkeit; alles das, was dem Zweck äufserlich bleibt,
nennt Aristoteles övfutxcofla. „Omnia quae natura Hunt,
consilii alicuius causa sunt aut iis accident, quae consilio con-
stituta sunt, ita quidem, ut quodammodo semper cum con
silio conjungantur. övfinxcofiaxa magis ad casum facta,
quam ad consilium". Trend elenburg, de an. p. 459. cf.
54 avvexeia — avaxoixot
metaph. XIV, 6. 1093b 15. phys. II, 7. 198b 27. de an.
III, 12. 434a 30.
övvexeia, r\, Kontinuität; s. övvexr\g.
övvexrjq (continuus) zusammenhängend, kontinuierlich; öv-
vexeg nennt Aristoteles jene Gröfse, deren Teile durch eine
gemeinsame Grenze verbunden und durch innige gegen
seitige Berührung zu einem einheitlichen Ganzen geeint sind.
cf. phys. V, 3. 227a10ff. metaph. XI, 12. 1069a 5 ff.; V,
26. 1023b 32. Gegensatz: öKDQiöfievov (diskret).
övvd-eöiq, fj, im weitesten Sinne als Gattungsbegriff für jede
Verbindung und Zusammenfügung, im logischen Sinne:
Verbindung von Subjekt und Prädikat im bejahenden Urteile;
Gegensatz: öiaiQeöig. de an. III, 6. 430a 27, b 2. de in-
terpret. 1. 16a 12.
öWxid-evai zusammensetzen, zusammenfügen, im logischen
Sinne: das Prädikat mit dem Subjekte verbinden, bejahen;
Gegensatz: öiaiQelv. metaph. IV, 7. 1012a 4.
övveövvfiog (univocus) synonym: „övvcovvfia sind diejenigen
Bezeichnungen, bei denen sowohl der Name gemeinsam, als
auch der dem Namen entsprechende Begriff der Wesenheit
derselbe ist", m. a. W.: Die Bezeichnungen für die Arten
ein und derselben Gattung oder für die Gattungen und Arten,
soweit sie unter einem gemeinsamen Namen zu-
sammengefafst werden können, sind synonym. s. bfi(6-
vvfiog. cf. categ. I, 1. Trendelenburg, elementa. p. 126 f.
— Bemerkenswert ist die Lehre des Aristoteles, es sei eine
wesentliche Eigenschaft jeder Substanz, dafs sie in einer
empfänglichen Materie eine gleichartige Form hervor
bringe — Gesetz der Synonymie: exäöxrj ex övvcovvfiov
yivexai r\ ovöia .... ävd-Qconoq yäQ avd-Qconov yevvä.
metaph. XII, 3. 1070a 4 ff. cf. de an. II, 4. 415a 26 ff.
övöxoixia, fj, das Zusammenstehen in ein und derselben Be
griffsreihe, allgemein die Reihe von unter sich verwandten
Begriffen. top. II, 9. 114a 26 ff. Überhaupt drückt övöxoixict
in den Gegensätzen der Begriffe das Zusammenstehende und
Gleichartige, das Zusammengehörige nach Art und Gattung aus.
övöxoixog zu ein und derselben Begriffsreihe gehörig (quae
sunt xaxa öxolxov)-, daher sind övöxoixa zunächst alle Be
airjfia — xexixrjQiov 55

griffe, die unter denselben Gattungsbegriff fallen, ob sie nun


unter einander koordiniert oder subordiniert sind, dann über
haupt alle irgendwie unter sich verwandten Begriffe. anal.
post. I, 15. 79b 10. cf. Waitz, ad 79b 6. In den zusammen
gehörigen nxcoöeig bezeichnet övOxoi%a „die Verwandtschaft
des durchgehenden Wurzelbegriffs". cf. Trendelenburg,
Kategorienlehre. p. 28.
öxrjya, xo, (figura) sinnliche Form und Gestalt: xo öxrjfia
xrjg löiag die künstlerische Form des Bildes im Gegen
satze gegen den Stoff (metaph. VII, 3. 1029a4); ev fivd-ov
öxrjfiaxi die äufsere Form der religiösen Sage im Gegen
satze zu dem Inhalte (metaph. XII, 8. 1074b 1). „öxrjfia
bezieht sich auf das Äufserliche und bezeichnet die allge
meinen Umrisse eines Gegenstandes, wobei das Individuelle
und Konkrete des Inhaltes unberücksichtigt bleibt." Es dient
daher besonders zur Bezeichnung der mathematischen
Figur, wobei vorzugsweise auf die Art und Weise der
Ausdehnung Rücksicht genommen wird. metaph. V, 14.
1020a35. Hierher gehören auch folgende Ausdrücke: elg
öxr\fia avaXoyiag (Gestalt einer Proportion) «yetj.' (eth. Nic.
V, 8. 1133a34), ö^^jUßT« xov övXXoyiö fiov Schlufs-
figuren, die durch die Stellung des Mittelbegriffes bestimmt
werden (anal. pr. I, 4, 5.), öxVfla xVg Xe§ecog Gestalt der
Rede, die äufsere Form derselben, besonders wie sie sich
darstellt in der Quantität der auf einander folgenden Silben,
worin sich der Rhythmus offenbart (rhetor. III, 8. 1408b 21),
oder in dem grammatischen Ausdruck des Geschlechtes, des
Aktivs und Passivs, des Transitivs und Intransitivs (de soph.
elench. 4. 166b 10), xb öxrjfia xrjg nQoörjyoQiag die
grammatische Gestalt der Benennung (categ. 5. 3b 13), to
öxrfliaxa xrjg xaxr\yoQiag s. xcöv xaxrjyoQicov die
Gestalten der Aussage (metaph. VI, 2. 1026a36; IX, 10.
1051a35). cf. Biese, I, p. 77. Anm. 1. Trendelen
burg, Kategorienlehre. p. 7 f.

xexfirJQiov, xo, das Merkmal, Kennzeichen, (im Gegensatze


zu örjfielov) das notwendige Merkmal {ävayxalov ßrjfielov),
56 TiXog — r/ff

welches aus der Natur der Sache folgt und deshalb volle
Beweiskraft hat; durch das xexfirjQiov schliefst man vom
Allgemeinen auf das Besondere. cf. rhetor. I, 2. 1357b 14.
Formeln bei Einführung derartiger Merkmale sind: xexfirj-
qiov öe' ... yaQ . . ., zexfirjQiov xov elvai' . . , yaQ . . .,
xovxov öe xexfirJQiow . . . yaQ . . . s. ör\fieiov.
xiXog, xö, (finis) Endursache, Zweck = xo ob evexa (causa
finalis), eines der vier höchsten Seinsprinzipien. cf. phys.
II, 3. Die Zweckursache ist in Wahrheit identisch mit dem
eiöog (causa formalis), weil alle Zweckthätigkeit und alles
Werden die Verwirklichung einer bestimmten Form zum Ziele
hat; diese Form ist überall auch der Endzweck. cf. phys.
II, 7. 198a 24. metaph. VIII, 4. 1044b 1 u. ö.
xixvrj, rj, (ars) Kunst und Wissenschaft; xfrfyr\ und emöxrjfirj
werden oft synonym gebraucht im Gegensatze zur sfineiQia.
„Die xexvrj entsteht dann, wenn sich aus vielen durch die
Erfahrung gegebenen Gedanken eine allgemeine Annahme
über das Ähnliche bildet." „Die Erfahrung ist Erkenntnis
des Einzelnen, die Kunst Erkenntnis des Allgemeinen." „Die
Erfahrenen kennen nur das Dafs, aber nicht das Warum;
die Künstler aber kennen das Warum und die Ursache." cf.
metaph. I, 1. Im engeren Sinne wird die xiyyr\ von der
kmöxrjfir\ geschieden, insofern jene sich auf das Thun und
auf die Hervorbringung eines Werkes, diese auf das
Sein bezieht. anal. post. II, 19. 100a 8. cf. eth. Nic. VI,
3 u. 4.
xid-ivai (ponere) voraussetzen, sei es, dafs der Andere es
zugesteht oder nicht (anal. pr. I, 1. 24b 19), dann überhaupt:
aufstellen, behaupten (top. II, 7. 113a 28), xa xed-ivxa
= xa xelfieva die Prämissen. s. Xafißdveiv.
xlq (pron. indef.) tritt, wie oöe, zu einem Begriffe, um denselben
zu individualisieren, und bezeichnet das individuelle, kon
krete Einzel sein: 6 Ttc ävd-oconog = 6 xad-' exaöxov
avd-Qconog ; häufig sind die Verbindungen: xööe xi ein be
stimmtes Dieses, prägnanter oneq xööe xi was an sich
selbst ein xööe xi ist, bneo kxelvö xi, oneq avxö xi,
bneQ ov xi. xo. xivä = xä xad-' exaöxa die Einzeldinge.
anal. post. I, 24. 85a 34.
xv/m 57

xönoq, 6, (locus) Ort, Stelle, Raum: 6 löioq xönog der jedem


einzelnen Körper eigne Ort (o nooäxoq xönoq, ev cb eöxlv
exaöxov), der Raum, den jeder einzelne Körper einnimmt,
6 xoivoq x öjtog der gemeinsame Raum, in dem alle Körper
sich befinden. Der Raum wird definiert als „die Grenze des
umschließenden Körpers gegen den umschlossenen" {xo neoag
xov neQiixpvxoq öoifiaxoq, oder genauer : xo xov neoiexovxoq
Tteoag dxivrjxov nqcöxov). „Uer Ort jedes einzelnen Körpers
wird daher von der (inneren) Grenze des ihn umfassenden
gebildet, der Raum im ganzen von der Grenze der Welt."
cf. phys. IV, 1-5. de coel. IV, 3. 310b 7. Im dialek
tischen und rhetorischen Sinne sind ol xönoi (loci)
die allgemeinen Gesichtspunkte, von denen aus eine
Sache betrachtet werden kann, und auf welche,man bei der
Untersuchung derselben die Aufmerksamkeit besonders zu
richten hat; daher heifsen die Bücher, in denen die dialek
tischen Schlüsse auf Grund jener xönoi ausführlich behandelt
werden, xonixä. cf. rhetor. I, 2. 1358a10ff.
xoönog, b, (modus) die Art und Weise, Form: xqonoi övX-
Xoyiöfiov (raodi syllogistici) Formen des Syllogismus. anal.
pr. I, 28. 45a 4.
xvnog, 6, Form, Gestalt, Typus, Umrifs: xvnco elnelv,
xvncp öiooit^eiv, vnoyoäipeiv in wenigen allgemeinen
Zügen, im Umrifs darstellen (de an. II, 1. 413a 9), coq xvnco
Xaßelv, <bq xvncp neQiXaßtlv (eth. Nic. I, 1. 1094a 25) u. ö.
Aristoteles pflegt vor einer eingehenden, streng wissenschaft
lichen Untersuchung eines Gegenstandes eine allgemeine
Vorstellung, eine Skizze von demselben zu geben. s. vuto-
xvnovv.
xvxr\, r\, Zufall, im weiteren Sinne identisch mit xo avxö-
fiaxov, im engeren Sinne jedoch beschränkt sich die xv^r\
auf vernünftig wollende Wesen, auf das Gebiet des mensch
lichen zweckmäfsigen Thuns (neol xä nQaxxä), wo Glück
(evxvxict) und Unglück («rv^/a) möglich ist. cf. phys. II,
4—6.
58 vXrj

Y.
vXrj, fj, (materia) die Materie, der Stoff, das Substrat,
welches den in der Sinnenwelt entstehenden und vergehenden
Formen zu Grunde liegt und in allem Wechsel be
harrt. Aristoteles gelangt zu diesem Begriffe durch die
Betrachtung des Werdens in der sinnlichen Welt;
das Werden besteht nämlich in dem Wechsel der Formen,
darin, dafs ein Objekt aus einer Form (Qualität) in eine andere,
ihr entgegengesetzte übergeht. Nun kann aber eine Form
nicht selbst in die ihr entgegengesetzte übergehen, weil die
entgegengesetzten Formen sich ausschliefsen. Daher mufs
zur Erklärung des Werdens noch ein den entgegengesetzten
Formen »zu Grunde Liegendes (vnoxelfievov) angenommen
werden, welches nacheinander verschiedene Formen anzu
nehmen oder aus einer Form in die andere, dieser entgegen
gesetzte überzugehen vermag, das aber in diesem Wechsel
selbst stets dasselbe bleibt; es ist die vXrj. cf. phys. I,
6 — 10. Als ein solches sich stets gleichbleibendes Substrat
verhalten sich zunächst die einzelnen körperlichen Dinge.
Die nächsten Substrate der sinnlichen Dinge selbst sind
die Elemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer). Allein
diese elementaren Körper sind selbst Substanzen von einer
bestimmten Form, von denen jede ihrerseits wieder mit Auf
gabe ihrer eigenen Form in eine andere übergeht. Dieses
Übergehen eines jeden dieser Körper in die Form eines
anderen ist nur möglich, wenn auch den Elementen ein ge
meinsames Substrat zu Grunde liegt, welches ohne jede Form,
ohne Qualität ist und fähig, alle Formen in sich aufzunehmen.
Dieses Substrat, welches zugleich das letzte Substrat aller
körperlichen Substanzen bildet, ist die vXrj jiQojtrj (materia
prima). Dieser reinen Materie, die aber nie als solche aktuell
existiert, steht die vXrj löXäxrj (materia secunda) — vXrj
iöioq s. olxeia — gegenüber als die Materie oder der Stoff,
welcher bereits in einer bestimmten Form existierend, sich
unmittelbar mit einer anderen bestimmten Form verbindet;
so ist die vXrj lö^«r?y der Bildsäule das Erz oder der Stein.
metaph.VIII, 6. 1045b 18. Der Ausdruck jiQcÖxtj vXrj kommt
vnÜQXEiv — vnö9-eaig 59

übrigens sowohl für den schlechthin ersten (oXcog nQcäxrj)


als für den relativ ersten Stoff (nQog avxo nocoxrj iXtj)
vor. metaph. V, 4. 1015a 7. Die vXtj mq(6xtj im eigent
lichen Sinne wird nun negativ näher bestimmt in metaph.
VII, 3. 1029a 20: Xiyco tf vXtjv, // xad-' avxfjv firjxe xl
firJxe jtoöov firjxe aXXo fi?jöev Zeyexai olg coQMSxai xo ov.
Die vXr\ ist an und für sich ihrer Natur nach ohne jede
Form (deiöhg xal äfioQ<pov), ohne alle Quantität, ohne Qualität,
ohne eigne Kraft und Wirksamkeit; sie befindet sich im Zu
stande absoluter öxeorjöig. Positiv definiert Aristoteles die
Materie in phys. I, 9. 192a31: Xiyco yaQ vXtjv xo nQcöxov
vnoxeifievov exäöxcp, Ig ov yivexai xi evvnäoxovxog fir\
xaxä övfißeßrjxog. Die Materie ist das erste Substrat aller
Dinge, aus welchem als einem immanenten und bleibenden
Bestandteil jedes bestimmte substantielle Sein hervorgeht.
Das Wesen der Materie ist daher die Potenzialität (övvafiiq);
sie ist zwar an sich ohne jede Form, hat aber die Fähigkeit
in sich, alle Formen in sich aufzunehmen und ihnen zum
Substrate zu dienen; sie ist, so zu sagen, die allgemeine
Mutter, die der Möglichkeit nach (ßvvdfiei) alles in
sich trägt. Weil sie so an sich ohne alle Form ist, ist
sie ein fir\ ov, nicht in dem Sinne, dafs ihr kein Dasein,
sondern in dem Sinne, dafs ihr kein Sosein zukommt.
Trotzdem aber ist sie ein reales Pri nzip, gewissermafsen
eine oiOia {rj vXrj ovöia ncoq), weil sie in Verbindung mit
der Form die ovöia konstituiert. cf. phys. I, 9. — Die
Lehre von Materie und Form beherrscht, wie das Verhältnis
von övvafiig und kveQyeia, die ganze aristotelische Philoso
phie und ist auch der Grundpfeiler der scholastischen
Philosophie und Theologie geworden.
vnaQxeiv bezeichnet die faktische Existenz, das reale, objek
tive Sein: thatsächlich zukommen (inesse in rei natura);
da nun dasjenige, was objektiv einem Dinge zukommt, auch
von diesem Dinge als seinem Subjekte ausgesagt werden
kann, so steht vnÜqxeiv xivi auch gleichbedeutend mit xa-
xrjyoQelöd-ai xaxä xivog. cf. Steinthal, p. 198.
vnöd-eöiq, r\, die unsichere Voraussetzung, d. h. ein Satz,
worin eines der beiden Glieder des kontradiktorischen Gegen
60 vnoxelo&ai

satzes als wahr angenommen wird, ohne dafs doch die Wahr
heit desselben, wie beim Axiom, unmittelbar einleuchtet. Die
Hypothese im aristotelischen Sinne ist also ein angenommener
und zugestandener Satz, der jedoch weder erwiesen noch
unmittelbar gewifs ist, und von dem daher dahingestellt wird,
ob er eine etwa noch zu erweisende Wahrheit oder eine
gleichsam vertragsweise als wahr angenommene (öiä övvd-rj-
xr\q cofioXoyrjfievov) Unwahrheit sei. cf. anal. pr. I, 44. 50a 16.
övXXoyiöfiol e§ iwtod-eöecog Voraussetzungsschlüsse,
welche von einer unbewiesenen Voraussetzung ausgehen ; sie
bilden den Gegensatz zu den öeixxixol övXXoyiöfioi, die aus
sicheren Prämissen schliefsen (anal. pr. I, 44). Aristoteles
hat also unter seinem Begriffe der Schlüsse gg vnod-eöeooq
die hypothetischen Schlüsse im späteren Sinne wenigstens
formell nicht mitbefafst. cf. Überweg, p. 401. Waitz, I,
ad 40b 25. avayxalov eg vnod-iöeco<s unter einer Vor
aussetzung notwendig, für welches also ein anderes die Ur
sache der Notwendigkeit ist {avayxalov xovxcov övxcov),
notwendig zur Erreichung eines bestimmten Zweckes. anal,
pr. I, 10. 30b 32.
vnoxeiöd-ai zu Grunde liegen, daher xo vnoxeifievov das
zu Grunde Liegende, das Substrat, das Subjekt (sub-
stratum, subjectum): a) die vXrj, insofern sie allen Formen
zu Grunde liegt und sie aufnehmen kann (metaph. V, 28.
1024b 9), b) die Substanz, die selbständig für sich be
stehend Trägerin der verschiedenen Eigenschaften sein kann
(metaph. VII, 3. 1029a 1), daher xä ev vnoxeifievco das
jenige genannt wird, was nur in einem Anderen, in einer
Substanz Bestand hat, das Accidentelle (ev vKoxeifievco
eivai), c) das logische Subjekt als Träger der Prädikate,
von dem die Prädikate ausgesagt werden (xad- vnoxei-
fievov Xeyeöd-ai, phys. 1, 2. 185a 32). Das aristotelische
vnoxeifievov ist als subjectum, Subjekt, subjektiv im
Gegensatze zu objectum, Objekt, objektiv in die phi
losophische Terminologie der Folgezeit übergegangen und hat
sich in seiner ursprünglichen Bedeutung unverändert bis zum
Beginne der neueren Philosophie erhalten. „Subjectum et
objectum si verba philosophis trita accuratius intellegere
inoXaußäveiv — vnöXrjrpis 61
velis, ad ipsum Aristotelem redeunt. 'Ynoxeifievov enim
apud eum duo maxime significat, tum in enunciatione rem
de qua altera dicitur (subjectum apud grammaticos) tum in
rerum natura substantiam actionibus quasi substratam. Utra-
que vi vnoxeifievov a Latinis subjectum translatum est.
Objectum fere Graecorum avxixelfievov est, quamquam
hoc, quia latius patet, a Latinis, ut a Boethio, oppositum
verti solet. Ita subjectum media aetate substantiam pollet
substratam neque aliter apud Cartesium et Spinozam. Inde
„esse subjectivum" contrario plane modo atque nunc apud
Germanos apud Guillelmum Occam (see. XIV) id dicitur,
quod tamquam res in natura est extra mentis species posita
neque a sola cogitatione efficta ; „esse" contra „objectivum"
exponitur „ipsum cognosci adeoque esse quoddam fictum".
Apud Germanos, Kantio potissimum et Fichtio auctoribus,
horum verborum usus plane inversus est. Quum „subjectum"
is dicatur qui cognoscit, „objectum" contra res est, quatenus
cogitando quidem subiicitur, suam tamen tue tu r naturam a
cognoscentis opinionibus liberam. Inde fit, ut „subjectivum"
id dicatur, quod in varia cognoscentis condicione, „objecti
vum" quod in constanti rei ipsius natura est positum". Tren
delenburg, elementa. p. 54. Anm. 2. cf. Eucken, Grund
begriffe, p. 1 ff.
vxoXafißäveiv sich eine Meinung, eine Ansicht bilden, ein
Urteil über eine Sache aufstellen, etwas auffassen und als
wahr hinstellen; es ist „der allgemeinste Ausdruck für die
jenige Thätigkeit des Denkens, in welcher der Geist sich
zuerst des Unterschiedes von Wahrheit und Irrtum bewufst
wird". Seine Bedeutung tritt so recht klar hervor, wenn
man es mit öiavoelö&ai vergleicht, womit es de an. III, 4.
429a 23 als eine Thätigkeit des vovq zusammengestellt wird:
„vnoXafißäveiv, si eius usum contuleris, eo pertinet, ut quid
res re vera sit, statuatur; öiavoelv, ut, quid possit esse
quidve oporteat, perpendatur. Aiavoelv mera mentis ad
verum inveniendum actio, vnoXafißäveiv veri inventi
decretum. Illud antecedere debet, ut hoc consequi possit".
cf. Trendelenburg, de an p. 387.
vnöXrjipiq, rj, die allgemeine Auffassungsweise, nach welcher
62 vTtoTVTCovv — cpavTaaia

man schlechthin etwas bejaht oder verneint, die allgemeine


Ansicht, welche sich von einem Gegenstande bildet; sie kann
sein a)eine blofs subjektive Ansicht (ßöga), auch eine
willkürlich gefafste oder mindestens unvermittelte und un
gerechtfertigte Ansicht, b) eine objektiv wissenschaft
liche Erkenntnis (eniöxrjtirj) oder eine richtige Ein
sicht in Bezug auf das Handeln (<pQövrjöic). cf. de an.
III, 3. 427» 25.
VMoxvnovv s. vnoxvnovöftai (s. xxmcp elnelv) im Umrifs
darstellen, um eine allgemeine Vorstellung vor der streng
wissenschaftlichen Untersuchung zu geben. eth. Nic. I, 7.
1098a 21. metaph. VII, 2. 10281' 31.
vöxeQog später, cf. nQöxeQog.

<pavxacla, fj , heifst a) Aussehen, Erscheinung für den


Sinn, besonders für das Auge, entsprechend der Passivform
<pavxätpfiai (erscheinen, sich zeigen), b) Schein, Trugbild,
wenn die Erscheinung nicht mit der Wirklichkeit überein
stimmt, c) im psychologischen Sinne: Vorstellung,
Einbildnng, wenn nämlich die Erscheinung nicht von einem
äufseren, sinnlich präsenten Dinge ausgeht, sondern das Bild
eines Objektes in uns ist, das wir früher wahrgenommen
haben; in diesem Sinne wird <pavxaöia eben sowohl von der
Thätigkeit der Seele, welche vorstellt, dem Vorstellungs
vermögen (imaginatio) — die Phantasie im eigentlichen
Sinne (de an. III, 3) — als von dem Produkte dieser Thätig
keit, dem Vorstellungsbilde (imago) gebraucht. de an.
III, 2. 425b 25. metaph. I, 1. 980a 26. Im Gegensatze zu
der Vorstellungsthätigkeit als der <pavxaöia im eigentlichen
Sinne sieht Aristoteles die ursprünglichen Bedeutungen der
<pavxaöia („sinnliche Erscheinung", blofser „Schein"), für
metaphorisch gebraucht (xaxä fiexagtoQäv Xeyofieva)
an. de an. III, 3. 428a 2. <pavxaOia Xoyiöxixrj s. ßov-
Xevxixr' ist die Vorstellung, insofern sie sich an die Thätig
keit des Überlegens oder Schliefsens, welche vom Denken
<pävtaafia — <piXoao<pia 63

ausgeht, anlehnt; wird eine solche Thätigkeit nicht zugleich


ausgeübt und ist, wie bei den Tieren, ein blofs sinnliches
Bild vorhanden, dem eine Bewegung ohne vorgängige Über
legung folgt, so ist dies die <pavxaöia alö&rjxixrj; jene
kommt nur den Menschen zu, weil sie allein einer Über
legung fähig sind, diese auch den Tieren. cf. de an. III,
10. 433b 29 ff. Über den Begriff der tpavxaöla überhaupt
cf. Freudenthal.
fpävxaöfia, xö, (phantasma) die Erscheinung, das sinnliche
Einzelbild, wie es durch die Sinne vermittelt und von der
Phantasie festgehalten wird; die tpavxäöfiaxa sind das Ma
terial, woran das Denken sich bethätigt. cf. de an. III, 7.
431a 15, 17: ovöinoxe voel ävev tpavTäöfMxxoq fj tyvxrj
— das „nihil intellegimus sine phantasmate" der Schola
stiker.
tpikoöoq>ia, fj, im weiteren Sinne (metaph. VI, 1), wofür
selten (metaph. IV, 3. 1005b 1) öwfla vorkommt, ist die
Wissenschaft überhaupt, jede tiefere wissenschaftliche
Forschung (eniöxrjfirj), und in diesem Sinne teilt Aristoteles
die ganze Philosophie ein in
1. &ecoQrjxixrj, 2. nQaxxixrj, 3. noirjxixjj.
a) gwöixfj, a) rj&ixrj,
b) fia&rjfiaxixrj, b) olxovofiixrj,
c) &eoXoyixrj. c) noXixixrj.
{nQ<ÖTrj <piXooo<pia).
Im engeren Sinne steht fj tpiXoöoyia vorzugsweise als
die Wissenschaft des Philosophen (fj tov <piXoöötpov
eniöxrjfirj, metaph. IV, 3. 1005a 21) und heifst dann gewöhn
lich fj nQcÖxrj tpiXoöo<pia (metaph. VI, 1. 1026a 24) oder
csotpia (metaph. 1, 1); es ist diejenige Doktrin, die wir heute
Metaphysik zu nennen pflegen, nämlich die Wissenschaft
vom Seienden als solchem (eniöxrjfirj tov ovxoq rj 6v), die
Wissenschaft, welche die letzten und höchsten Prinzipien
alles Seienden zum Gegenstande hat (metaph. I, 2. 982b 9).
Im Gegensatz zu der nQcÖxrj <piXoöotpia heifsen die Spezial-
doktrinen entöxfjfiai ev fieoei Xeyöfievai (metaph. IV,
1. 1003a 22). Der Pluralis <piXoöo<plai bedeutet a) phi
losophische Doktrinen (metaph. VI, 1. 1026a 18. cf. eth.
64 <pQOvtjaiq — cpvoiq

Nie. I, 4. 1096b 31), b) philosophische Richtungen oder


Systeme, Weisen des Philosophierens (metaph. I, 6. 987a 29:
fiexa öe xaq elQrjfievaq tpiXoöo<piaq fj ÜXäxmvoq ene-
yivexo nQayfiaxeia). cf. Überweg, Geschichte d. Philos. p. 3 f.
tpQövtjöiq, fj, praktische Überlegung, praktische Klugheit
und Einsicht. eth. Nic. VI, 5. 1140b 5.
tpvöixöq natürlich, von Natur (s. tpvöiq); eine wesentliche
Bestimmung des qmöixöv ist, dafs es den Grund der
Bewegung in sich selbst hat, und dadurch unterscheidet
es sich von einem Kunsterzeugnis. cf. metaph. XI, 7. Diese
Bestimmung tritt bedeutsam hervor in der Definition der
Seele als hvxeXexeia fj nQcÖxrj öcÖfiaxoq tpvöixov oQyanxov
(de an. II, 1. 412b 5); durch den Zusatz „<pvöixov" wird
nämlich der Grund der Bewegung der Körpermaschine, das
Prinzip der ganzen Thätigkeit derselben nach innen verlegt
und die Vorstellung der auch bei der zweckmäfsigsten Ma
schine noch von aufsen kommenden Bewegung aufgehoben.
cf. oQyavixöq. Die Wissenschaft nun, welche sich auf das
tpvöixöv bezieht, das <pvöixöv zum Objekte hat, ist f) tpv-
öixrj (se. 6niöxrjfirj) die Naturphilosophie, eine Disziplin der
theoretischen Philosophie (metaph. VI, 1. 1026a 13; XI, 7.);
derjenige, der die Natur zum Gegenstande seiner wissen
schaftlichen Untersuchung macht, ist 6 g>vöixöq der Natur-
philosoph (de an. I, 1. 403a 28); ol <pvöixol sind vorzugs
weise die jonischen Naturphilosophen. tpvötx<äq öxonelv
bedeutet entsprechend: nach Weise des Physikers betrachten
und forschen (auf Grund der Naturbeobachtung) ; es bezeichnet
den empirischen Standpunkt der Betrachtung im Gegensatze
zu dem Xoyixcöq öxonelv. de gen. et corr. I, 2. 316a 11.
cf. koyixöq.
tpvöiq, fj, (natura) die Natur, einerseits als die Gesamtheit
aller Naturdinge, andererseits, und zwar vorzugsweise, als
das innere Wesen, der innere substantiale Grund
für die Bewegung und Ruhe aller Naturdinge, das
den Naturdingen immanente Prinzip der Bewegung. cf. phys.
II, 1. „Da wir nun aber wieder in einem jeden Naturdinge
die beiden substantialen Prinzipien Form und Materie ver
einigt zu denken haben, so kann offenbar in einem zweifachen
xQovoq — x(0QiaT0? 65

Sinne von der Physis als dem inneren Grund der Bewegung
geredet werden: im Sinne der Form (rj xaxa xr)v fioo-
fprjv s. xb elöog q>vöig) und im Sinne der Materie (rj
xaxä xr)v vXr\v <pvöig), und die Dinge selbst, welche <pvöii;
haben oder <pvöei sind, können mithin entweder nach ihrer
stofflichen Ursache oder nach ihrer Formal- und Zweck-
ursache als Naturdinge aufgefafst und untersucht werden.
Sowie indes Form und Materie an der Verwirklichung des
Dinges nicht in gleicher Weise beteiligt sind, vielmehr nur
die Form es ist, die Sein und Bestimmtheit verleiht, so ist
auch die Physis, um derentwillen der Naturforscher die Dinge
betrachtet, nur diejenige, welche mit Recht diesen Namen
trägt, die Form: rj aoa fioo<pr\ <pvöig. Aber die Form
unterscheidet sich nicht vom Begriffe, und der Begriff fällt
zusammen mit dem Zwecke. Darum mufste notwendig für
Aristoteles die Physis, sobald sie dem Begriffe gleichgesetzt
wurde, auch die Bedeutung des Zweckes annehmen:
inn r <pv<fiq öixxr) fj fitv d>g vXr\ r) ö' oog fioQ<pr\ , xeXog
tf avxrj . . . avxrj av elrj fj alxla fj ov evexa (phys. II,
8. 199a 30). Und in dieser Betrachtung bildet sie den
Grundbegriff der teleologischenNaturbetrachtung,
während umgekehrt sich auf die Physis im Sinne der Ma
terie die rein physikalische oder materialistische Naturerklärung
stützt: ev yäo xy vly xo avayxalov, xo ö' ov tvexa iv xät
Xoyco (phys. II, 9. 200a 14)." s. Hardy, S. 196 f.

X.
xQövog, b, die Zeit; sie wird definiert als „das Mafs und die
Zahl der Bewegung in Beziehung auf das Früher und Später"
— aoid-fiög xivrjöecoq xaxa xo ttqoxeqov xal vöxeqov. phys.
IV, 11. 219b 1. de coel. I, 9. 279a 14. cf. phys. IV, 10- 14.
-£U){>LC,eiv trennen, scheiden, sondern, besonders (wie kxxid-ivat)
den allgemeinen Begriff von dem besonderen als
eine für sich seiende Realität trennen, daher
xcOQiöxöq abgetrennt, getrennt, selbständig für sich existierend,
abtrennbar von einem Substrate, besonders von einem
materiellen, daher immateriell: -xpooiöxas noielv xäq löiaq
Kappes, Aristoteles-Lexikon. 5
66 V"OT
(von der Platonischen Ideenlehre), cf. metaph. VII, 16.
1040b28; XIII, 9. 1086a 33. Ein solches koQhstöv ist
z. B. das Einzelwesen, das Individuum (xmQiöxov ovöla,
XmQiötöv xöncp) als selbständiges Einzelding; die Form ist
als ein individuell bestimmtes Etwas (xööe xi ov) dem Begriffe
nach abtrennbar und selbständig (Xöym xoÖQiöxov). metaph.
VIII, 1. 1042* 29. Schlechthin abtrennbar (^topiördf änk<öq)
ist, was an und für sich ohne jedes Substrat für sich existiert,
so das Seiende im eigentlichen und absoluten Sinne, wie es
Gegenstand der Metaphysik ist; es ist xmQiötov xal dxi-
vrjftov xal alötov ohne materielles Substrat rein für sich exi
stierend und als solches unwandelbar und ewig. metaph. VI,
4. 1026a 16.

ipvxrj, V, (anima) Lebensprinzip, Seele (de an. II, 2.


414a 12); Bie wird definiert als „die erste Entelechie
eines physischen Körpers, der der Potenz nach Leben hat"
(de an. II, 1. 412a 27). Zum Verständnis der nQcäxrj evxe-
Xixeia ist zu bemerken, dafs sie sich zur öevxiQa verhält,
wie die emöxrffirj zum &emQeIv. „Beide nämlich nicht blofse
Anlagen, sondern Erfüllungen; aber das Wissen kann als
ruhender Besitz vorhanden sein, das &e<ßQelv ist seine Be
tätigung; so ist auch die Seele nicht (gleich dem göttlichen
vovq) immer in voller Bethätigung ihres Wesens begriffen,
aber sie ist stets vorhanden als die entwickelte Kraft, die
dieser Bethätigung fähig ist." Als Entelechie des Leibes ist
die Seele zugleich dessen Form (forma corporis), Bewegungs-
prinzip und Zweck. Die Pflanzenseele ist xb &Qenxixöv,
das Tier hat aufserdem xö alö&rjxixöv, und der Menschen
seele eignet dazu noch xö vorjxixov, wodurch sie über
allen anderen Seelen erhaben ist. cf. de an., libri tres.
Litteratur -Verzeichnis,
worin sowohl diejenigen Werke angegeben werden, die bei der Erklärung
der philosophischen termini techniei benutzt und citiert sind, als auch die
jenigen, die für ein eingehenderes Aristoteles - Studium speziell empfohlen
werden können.
I. Kritische Gesamtausgabe der aristotelischenWerke:
Aristotelis opera edidit academia regia Borussica:
vol. I u. II: Aristoteles Graece ex reo. Imm. Bekkeri, Berol. 1881.
vol. IH: Aristoteles Latine interpretibus variis, ibid. 1831.
vol. IV: Scholia in Aristotelem collegit Christ. Aug. Brand is, ibid.
1836.
vol. V: Aristotelis, qui ferebantur, librorum fragmenta collegit Valent.
Rose, Scholiorum in Aristot. supplementum. Index Aristote-
licus. ed. Herrn. Bonitz, ibid. 1870.
NB. Man pflegt jetzt nach dieser Gesamtausgabe zu citieren,
z. B. bedeutet metaph. V, 1. 1013a10: Metaphysik, Buch V, Kapitel 1,
nach der Bekkerschen Ausgabe Seite 1013, erste Kolumne, Zeile 10; categ.
6. 4* 25 = Kategorien, Kapitel 6, nach der Bekkerschen Ausgabe Seite 4,
zweite Kolumne, Zeile 25.
II. Die wichtigsten Hilfsmittel zum Verständnis des aristo
telischen Textes sind die alten griechischen Kommentare, welche
ebenfalls auf Veranlassung der Berliner Akademie der Wissenschaften heraus
gegeben werden; wir erwähnen die hervorragendsten:
Commentaria in Aristotelem Graeca edita consilio et auoto-
ritate academiae litterarum regiae Borussiae :
vol. I: Alexandri Aphrodisiensis in Aristotelis metaphysica com
mentaria ed. Michael Hayduck. Berol. 1891.
vol. H1: Alexandri in Aristotelis analyticorum priorum librum I
commentarium ed. Maximilianus Wallies. Berol. 1883.
vol. HJ: Alexandri Aphrodisiensis in Aristotelis topicorum libros
octo commentaria ed. Maximilianus Wallies. Berol. 1891.
vol. IV1: Porphyrii Isagoge et in Categorias commentarium ed.
Ad. Busse. Berol. 1887.
vol. IV9: Dexippi in Aristotelis categorias commentaria ed. Ad. Busse.
Berol. 1888.
vol. IX: Simplicii in Aristotelis physicornm libros quattuor
priores commentaria ed. Hermannus Diels. Berol. 1882.

/*"*
68 Litteratur-Verzeichnis.

vol. XI : S i m p 1 i c i i in libros Aristotelis de a n i m a commentaria ed.


Michael Hayduck. Berol. 1882.
vol. XVI: Joannis Philoponi in Aristotelis physicorum libros tros
priores commentaria ed. Hieronymus Vitelli. Berol. 1887.
vol. XVII: Joannis Philoponi in Aristotelis physicorum libros
quinque posteriores commentaria ed. Hieronymus Vitelli. Be
rol. 1888.
vol. XVIII: Stephani de interpretatione in librum Aristotelis com-
mentarium ed. Michael Hayduck. Berol. 1883.
vol. XIX1: Aspasii in ethica Nicomachea quae suporsunt commen
taria ed. Gustavus Heylbut. Berol. 1889.
vol. XIX2: Heliodori in ethica Nicomachea paraphrasis. ed. (just.
Heylbut. Berol. 1889.
vol. XX: Eustratii et Michaelis et anonyma in ethica Nicoma
chea commentaria ed. Gust. Heylbut. Berol. 1892.
vol. XXIH*: Anonymi in Aristotelis sophisticos elenchos paraphra
sis. ed. Michael Hayduck. Berol. 1884.
HI. Kritische Einzelausgaben der aristotelischen Werke
mit und ohne Kommentar:
Aristotelis Organon ed. Theod. Waitz. p. I, Lips. 1844; p. II, Lips.
1846 (Text und Kommentar).
Die Metaphysik des Aristoteles. Grundtext, Übersetzung und Kom
mentar nebst erläuternden Abhandlungen von Alb. Schwegler.
4 Bde, Tübingen 1847—48.
Aristotelis metaphysica ed. Herm. Bonitz. 2Tle (Text u. Kommentar),
Bonn 1848—49.
Aristotelis metaphysica ed. Guil. Christ. Lips. 1886 (Textausgabe).
Aristoteles' Acht Bücher Physik. Griech. und deutsch und mit sach
erklärenden Anmerkungen , hrsgeg. von Karl. P r a n 1 1. Leipzig
1854.
Vier Bücher über das Hiramelsgebäude und zwei Bücher über Ent
stehen und Vergehen. Griech. und deutsch und mit sach
erklärenden Anmerkungen, hrsgeg. von Karl Prantl. Leipzig 1857.
Aristotelis physica ree. Carol. Prantl. Lips. 1879 (Textausgabo).
Aristotelis de coelo et de generatione et corruptione ree. Carol.
Prantl. Lips. 1881 (Textausgabe).
Aristotelis quae feruntur decoloribus, de audibilibus, physiognomica
ree. Carol. Prantl. Lips. 1881 (Textausgabe).
Aristoteles' vier Bücher über die Teile der Tiere. Griech. u. deutsch
und mit sacherklärenden Anmerkungen, hrsgeg. von A. v. Frantzius.
Leipzig 1853.
Aristoteles über dieZeugung undEntwickelung derTiere. Griech.
und deutsch und mit sacherklärenden Anmerkungen, herausgegeben
von H. Aubert und Fr. Wim m er. Leipzig 1860.
Litteratur -Verzeichnis. 69

Histoire des animaux d'Aristote, traduite en fran^ais et accompagnee


de notes perpetuelles par J. Barthelemy Saint-Hilaire. 3 vis.
Paris 1883.
Aristotelis de anima libri tres ed. Frid. Ad. Trendelenburg. 2. Aufl.
Berol. 1877 (Text und Kommentar).
Aristotelis de anima libri III. rec. Guil. B i e h 1. Lips. 1884 (Toxt-
ausgabe).
Aristotelis ethica Nicom achea edidit et commentario continuo instruxit
G. Bamsauer. Adiecta est Franc. Susemihlii ad oditorem epistola
critica. Lips. 1878.
Aristotelis ethica Nicomacbea rec. Franc. Susemihl. Lips. 1887
(Textausgabo).
Aristoteles' Politik. Griech. und deutsch und mit sacherklärenden An
merkungen, hrsgeg. von Franz Susemihl.
I: Text und Übersetzung. Leipzig 1879.
II: Inhaltsübersicht und Anmerkungen. Leipzig 1879.
Aristotelis Politica tortium ed. Franc. Susemihl. Lips. 1882 (Text
ausgabo).
Aristotelis ars rhotorica. Cum nova codicis A° et vestustae translationis
collatione ed. Ad. Boemer. Lips. 1885 (Textausgabe).
Aristoteles über die Dichtkunst. Griech. und doutsch und mit sach
erklärenden Anmerkungen, hrsgeg. von Franz Susemihl. Leipzig.
1865.
Aristotelis de arte poetica liber. Itorum recensuit et adnotatione cri
tica auxit Joannes Vahlen. Berol. 1874.
Aristotelis de arte poetica liber. rec. Guil. Christ (Textausgabe).
IV. Eingehendere Gesamtdarstellungen der aristoteli
schen Philosophie:
Bieso Franz, Die Philosophie des Aristoteles in ihrem inneren Zusammen
hange mit besonderer Berücksichtigung des philosophischen Sprach
gebrauches.
Bd. I, Berlin 1835.
Bd. n, Berlin 1842.
Zeller Eduard, Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Ent-
wickelung. Teil n, Abteilung 2: Aristoteles und die alten Peri-
patetiker. 3. Aufl. Leipzig 1879.
V. Spezialwerke und Schriften allgemeineren Inhaltes:
Bäumker Clem., Des Aristoteles Lehre von den äufseren und inneren
Sinnesvermögen. Leipzig 1877.
Bio hl Wilh. , Über den Begriff vovg bei Aristoteles. Gymn.-Progr. Linz
1864.
Brentano Franz, Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden nach
, Die
Aristoteles.
Psychologie
Frefb.
des i.Aristoteles,
Br. 1862. insbesondere seine Lehre vom vov(
70 Litteratur-Verzeichnis

noirjTixög, nebst einer Abhandlung über das Wirken des aristote


lischen Gottes. Mainz 1867.
Engel 6., Über die Bedeutung der vXrj bei Aristoteles. Rhoin. Mus. N.
F. Vn, 410.
Eucken Eud., Geschichte und Kritik der Grundbegriffe der Gegenwart.
Leipzig 1878.
, Geschichte der philosophischen Terminologie. Im Umrifs dargestellt.
Leipzig 1879.
Freudenthal J., Über den Begriff des Wortes »pavxaala bei Aristoteles.
Göttingen 1863.
Hardy E., Der Begriff der Physis in der griechischen Philosophie. Berlin
1884.
v. Hertling G., Materie und Form und die Definition der Seele bei Ari
stoteles. Ein kritischer Beitrag zur Geschichte der Philosophie.
Bonn 1871.
Kampe Fricdr. Ferd., Die Erkenntnistheorie des Aristoteles. Leipzig 1870.
Kappes Matthias, Die aristotelische Lehre über Begriff und Ursache der
xivrjaig. Eine naturphilosophische Studie. Bonn 1887.
Meyer Jürgen Bona, Aristot. Tierkunde. Ein Beitrag zur Geschichte der
Zoologie, Physiologie und alten Philosophie. Berlin 1855.
Nouhaeuser Jos., Aristoteles' Lehre von dem sinnlichen Erkenntnis
vermögen und seinen Organen. Leipzig 1878.
Prantl Karl, Geschichte der Logik im Abendlande. Bd. I, Leipzig 1855.
Steinthal EL, Geschichte der Sprachwissenschaft bei den Griechen und
Römern mit besonderer Rücksicht auf die Logik. Berlin 1863.
Trendelenburg Ad., Historische Beiträge zur Philosophie. Bd. I: Ge
schichte der Kategorienlehre. Berlin 1846.
, Elementa logices Aristoteleae. In usum scholarum ex Aristotele ex-
cerpsit, convertit, illustravit. ed. IX. Berol. 1892.
Überweg Friedr., Grundrifs der Geschichte der Philosophie. Teil I: Das
Altertum. 7. Aufl., hrsgeg. von Heinze. Berlin 1886.
, System der Logik und Geschichte der logischen Lehren. 5. Aufl.,
hrsgeg. von Jürgen Bona Meyer. Bonn 1882.
Im übrigen verweisen wir auf die ausführliche Litteraturangabe des
Grundrisses von Überweg, sowie auf die
Bibliotheca scriptorum classicorum von W. Engelmann. Bd.I: Scripto-
res Graeci (sub „Aristoteles"). 8. Aufl., umfassend die Littoratur
von 1700 — 1878, neu bearbeitet von Preufs. Leipzig 1880.
Berichtigungen und Zusätze.
S. 5, Z. 8 v. u. : metaph. III, 3.
Z. 1 v. u.: ferent, sich gleich bleibend.
S. 6, Z. 22 v. o.: eth. Nic. VI.
Z. 3 v. u.: sensibilia.
S. 8, Z. 15 v. o.: metaph. IV.
S. 9, zu alaiv: Aristoteles unterscheidet alalv als die Ewigkeit,
das zeitlose Sein des Unveränderli chen von der endlosen Zeit, in
welcher sich das Veränderliche bewegt.
S. 10, Z. 11 : immediatus.
S. 11, Z. 17: Allgemeineren, cf. eth.
Z. 24: rhet.
S. 13, Z. 17: metaph. X. Z. 21: metaph. IV.
S. 16, Z. 18: metaph. Xu.
S. 26, Z. 13 v. u.: Überwog, Logik.
S. 30, Z. 6 v. o.: tpiXoaoipla.