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/ Design › Code › Business » Das Magazin der Kreativbranche


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Top 20
Corporate
Design

Gutes Design
Gestaltungsregeln • Top 20: Corporate Design • Virtual Reality • Bewerbungstipps • Cannabis

ist ästhetisch
… Form follows …

Check for Update: /Users/Creative_Professionals/Rulesƒ

Die goldenen Regeln


der Gestaltung
auf dem Prüfstand

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Rulebreaker
● Geben Sie mal das Wort »rule« auf Ihrer Tastatur
ein. Und? Wie fühlt sich das an? Ganz normal? Nun,
Wörter werden nicht nur danach beurteilt, wie sie
aussehen, gehört oder gesprochen werden, sondern
zunehmend auch nach ihrer Tippweise. Begriffe, die
sich überwiegend aus Buchstaben der rechten Seite
der Tastatur zusammensetzen, lösen positivere Emo­
Foto: Kirsten Nijhof

tionen aus als solche aus dem linken Bereich, berich­


ten Kognitionsforscher vom University College Lon­
don – und genau: Das Wort »rule« liegt zu gleichen
Teilen auf der rechten wie auf der linken Hälfte, Re­
geln haben eben ihr Gutes und ihr Schlechtes.
Bereits die Kulturtechnik des Simsens habe unser
Verhältnis zu Wörtern und Zahlen verändert. Zahlen­
folgen wie etwa 54323, mit der man auf alten Handys
»Liebe« buchstabiert, lösen bei der eingebenden Per­
son positive Gefühle aus. So witzelte »SZ«­Kolumnist
Patrick Bernau auch schon: »Plötzlich ist vollkom­
men klar, warum Karstadt am Boden liegt, während
es Kaufhof noch relativ gut geht.«
Was aber, wenn die Technologie noch weiter vo­
ranschreitet? Richtung Sprachsteuerung zum Bei­
spiel. Werden wir dann wieder ganz andere Brands
präferieren? Oder bedeutet das gar komplett das En­
de der Markengestaltung, wie wir sie heute kennen?
Brands kommen schon heute ohne Logos aus, um
wahrgenommen zu werden, sprich: im Google Page
Rank unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Es ist zu­
nehmend die Schnittstelle zwischen Mensch und Ma­
schine, die Marken prägt. So beinhalten zukunfts­
taugliche Styleguides auch längst nicht mehr starre
visuelle Designvorgaben, sondern immer mehr Code­
Snippets. Ja, es liegt im Wesen unserer Profession,
dass wir uns kulturellen, gesellschaftlichen und tech­
nologischen Entwicklungen anpassen.
Spinnen wir den Gedanken also weiter: Was wird
Top 20:
PAGE CD/CI-Ranking aus unseren Gestaltungsgrundsätzen, wenn die Welt
Dieser Ausgabe liegt das noch virtueller wird und noch näher zusammen­
40-seitige Extra mit den rückt? Wie wird es dann wohl um die Rams’sche The­
umsatzstärksten Büros se »Gutes Design ist ästhetisch« bestellt sein? Werden
und Agenturen in den Berei- wir, wie Trendforscherin Li Edelkoort schon mut­
chen Corporate Design, maßt, das durch den IS diskreditierte Schwarz aus
Corporate Identity und
unseren Kleiderschränken verbannen? Und die Ma­
Corporate Publishing bei
xime »Weniger ist mehr« über Bord werfen, um der
vielfältigen visuellen Kultur der Migranten gerecht
zu werden? Und wie wird es sich mit dem Leitsatz
»To break the rules, you have to know them« verhal­
ten, wenn es gar keine Regeln mehr gibt? Wird Typo­
grafie schlicht eine Frage der schnellen Erfassbarkeit?
Oder Siri die neue Helvetica? . . . Höchste Zeit, die gol­
denen Regeln der Gestaltung auf den Prüfstand zu
stellen (siehe Seite 18 ff.) – Rule the Future!

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisherin
( info@page-online.de )
004 page 10.16

Inhalt
TITELThEmEN

SIGNALE
006 Ideen, Projekte und Diskussionen

TITEL
018 Die goldenen Regeln der Gestaltung
auf dem Prüfstand
Gewisse Grundsätze sind für die gestalterische Arbeit
unverzichtbar – doch in einer derart schnell-
lebigen, vom technischen Wandel geprägten Branche
müssen diese Prinzipien immer wieder radikal
hinterfragt werden. Was also ist gutes Design heute?

ThEmEN
030 Weed reloaded
Mit der zu erwartenden Legalisierung des Cannabis-
Konsums tut sich ein umsatzstarkes Geschäfts-
feld auf – mit einem riesigen Bedarf an Gestaltung

038 Fashiontech – Trends & Businessmodelle


An der Schnittstelle von Mode und Technologie
entstehen derzeit spannende Services und Produkte

044 Erlers Thema Warum Wut keine Antwort ist

NEuES
046 Spannendes aus der Typo-, Bild-, Technik-,
und Papierwelt
038
054 Publikationen für Gestalter und Developer

ProjEkTE
058 Guidekick-App fürs de Young Museum
Das Design-Start-up aus San Francisco hat eine
smarte Lösung für die Indoor-Navigation auf Basis
von Apples WiFiSLAM-Technik gefunden

066 Crossmediales VW Magazin


Wie die Strategen und Designer bei C3 das anspruchs-
volle Content-Marketing-Projekt umsetzten

072 Making-of: »The Next Rembrandt«


Wie JWT Amsterdam mittels Big Data das Genie des
niederländischen Malers zu entschlüsseln versuchte

078 Nachwuchs
Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung 086
page 10.16 005

013
WErkZEuG
082 10 Fragen rund um die Printproduktion
Von Proof bis Recycling – Color-Management-Experte
Mario Drechsler beantwortet die wichtigsten Fragen

086 Virtual Reality: High-End- & Low-End-Tools


VR ist über den Experimentierstatus hinaus und wird für
immer mehr Sparten interessant. Wir zeigen, was man
für die Produktion von VR-Inhalten braucht. Los geht’s!

BrANChE
094 Tipps für Bewerbungsgespräche
Bewerber sind heute in einer deutlich besseren
Position, dennoch gibt’s auf dem Weg zum Traumjob
ein paar Regeln zu beachten

Was ist
100 Bank startet eigene Service-Design-Agentur
Mit Unterstützung von Fjord baut die Commerzbank die
Agentur Neugelb auf. Was bedeutet diese Kooperation?

gutes 104 Serie: Versicherungen für Kreative


Rechtsschutzversicherung

Design
108 Szene Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

110 Kalender Termine für Designer & Developer

heute STANDArDS
003 Editorial 106 PAGE digital
112 Impressum/Vorschau/Leserservice

?
114 Sieberts Betrachtungen

SErVICES
097 PAGE Shop 115 PAGE Abo

PAGE SEmINArE
037 »Leitmedium Design« mit Jochen Rädeker in München
064 »Bildrecht« mit Sabine Pallaske und Silke Kirberg
085 »Multisense Design« mit Olaf Hartmann
089 »Mobile as a Service« mit Swipe

018
092 »Projektmanagement« mit Hagen Seidel
107 »Infografik« mit Golden Section Graphics
109 »Design Thinking« mit Edenspiekermann in Berlin
006 page 10.16 › Signale
page 10.16 007

Signale
ideen, projekte und Diskussionen
aus Design, Kommunikation
und Development finden Sie hier
und auf ↗  www.page-online.de  

Bunter lesen
Schlicht und viel Weißraum waren gestern: Im aktuellen Buchdesign
leuchten die Farben und vibrieren die Motive – und das
international. Hier die schönsten Beispiele aus Norwegen, Italien,
den Niederlanden und Großbritannien

● Auf eine Reise in die Abstraktion Gyldendal seine »Metropolen«­Serie potes »Frühstück bei Tiffany« visua­
kann man mit den neuesten Cover­ nennt. Gestaltet wurde sie von Mag­ lisiert er als kurvigen Wolkenkratzer,
designs gehen, die den Buchtitel in ei­ nus Voll Mathiassen, der die Weltstäd­ und auf Oscar Wildes »Bildnis des
ne Leinwand verwandeln – für Bild­ te in satten Farben stilisierte. Auf Ian Dorian Gray« deutet er den Londoner
collagen, stilisierte Landschaften oder McEwans »Unschuldige«, die in Ber­ Big Ben an.
skulpturale Formen. Und das vor al­ lin spielt, setzte der norwegische Star­ Die Mailänder Agentur Leftloft wie­
lem in Klassikerreihen – oder »Kult­ illustrator eine Mauer samt Stachel­ derum redesignte nicht nur den gesam­
büchern«, wie das Osloer Verlagshaus draht, Holly Golightly aus Truman Ca­ ten Auftritt des Verlags Oscar Monda­
dori, sondern zieht den Leser schon
mit der Titelgestaltung in die Bücher
selbst hinein – mittels kunterbunter
Collagen und eines Doppelumschlags
mit Cut­out. Die fehlende obere Buch­
ecke führt direkt zu einer Bilderdop­
pelseite, die, wie bei Thomas Manns
»Buddenbrooks«, die Personen der Ge­
schichte vorstellt.

Schönste Stapelei: illustrator


Magnus Voll Mathiassen
versah die »Metropolen«-Serie
von gyldendal mit satten
Farben und prallen Formen
008 page 10.16 › Signale

Doppelumschlag: Mit
knallbunten Collagen und
ausgesparter ecke zieht Ganz neu ist das Amsterdamer Ver­
leftloft direkt in Thomas lagshaus Bananafish, das sich Büchern
Manns »Buddenbrooks« hinein widmet, die »komischerweise nie über­
setzt« wurden, wie sein Slogan heißt.
Studio Laucke Siebein entwarf dafür
einen tollen Bananenfisch als Logo
sowie eine Reihe von Covern, deren
Komplementärfarben vibrieren und
Zeitlos zeitgemäß: in sei-
ästhetisch die Zeit zitieren, in der die
nen Coverdesigns zitiert
Studio laucke Siebein die
Bücher geschrieben wurden. So ent­
entstehungsjahre der stand für Alfred Jarrys »Doctor Faust­
Bücher, hier die 1910er roll« von 1911 eine hypnotische Spira­
und 1980er Jahre le und für »De plaats« aus den 1980ern
ein Blockdesign.
Dass sie nicht nur Stoffe zum
Schwingen bringen kann, zeigt die fin­
nische Illustratorin Aino­Maija Met­
sola, berühmt für ihre Marimekko­
Textildesigns, mit der Ausstattung ei­
ner Reihe von Klassikern von Virginia
Woolf, die im Oktober bei Vintage Pen­
guin erscheinen. Mit ihren zarten, ver­
spielten Gouachen und in Farben,
durch die der Sommerwind weht, wer­
den die Buchcover zu abstrakten Ge­
mälden, die flirrend die Atmosphäre
der Romane atmen. sd

Von Sommerwind durch-


weht: aino-Maija Metsola
verwandelt die Cover
der Virginia-Woolf-Reihe
in abstrakte Malerei
010 page 10.16 › Signale

Foto: Harley Weir


xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Modekampagne. Für ihre »#StellaCares«­Kampagne gewann Desi­


gnerin Stella McCartney den großen amerikanischen Konzeptkünstler
Ed Ruscha. Zitieren die Fotografien mit ihrer Konzentration auf die Bild­
mitte den Aufbau seiner Gemälde, sind sie zudem mit seinem legendären
Font Boy Scout Utility Modern gestaltet. Überschrieb Ed Ruscha seine
Werke in dieser Schrift mit Bonmots wie »Happy Mess«, so betonen die
aktuellen Motive mit Sprüchen wie »Veg Out« oder »Meat Free«, dass
McCartney weder Leder, Federn noch Pelz verarbeitet. sd

Rasta Love
»Als Designerinnen wollten wir so ein Buch immer
haben«, sagen Zuni Fellehner und Kirsten Fabinski – und
gestalteten es schließlich selbst: »Rasterwelt«, das
mit 86! unterschiedlichen Rastern zum Kritzeln anregt
(Beltz & Gelberg, 12,95 Euro). Eher Entwurfsblock
als Ausmalbuch, zeigt es, wie man mit Grids umgehen
kann, wie Muster, fremde Welten oder wilde Kreaturen
entstehen – aber auch, dass man sich nicht unbedingt
an die Linien halten muss. Ein Porträt des Designbüros
finden Sie unter  www.page-online.de/vonzubinski .  sd
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Kritische Linien
● Visual  Identity. Das ungarische
Bánkitó Fesztivál ist neben seinem Fo­
kus auf Underground­ und Indie­Mu­
sik sowie zeitgenössisches Theater be­
kannt für seine gesellschaftskritische
Ausrichtung. In diesem Jahr stand es
unter dem Motto »Grenzen«. Das von
Réka Neszmélyi (www.rekaneszme
lyi.com ) gestaltete Erscheinungsbild
greift das brisante Thema in Form ei­
nes aufgebrochenen Maschendraht­
zauns auf. Der Stil einfacher Linien­
zeichnungen bestimmt auch das zwei­
te Keyvisual: die Schleie, die in dem
Binnensee Bánk lebt, an dessen Ufern
das Festival stattfindet. Und auch das
Logo setzt auf Linien: Der Buchstabe B erweitert sich zum
Umriss des Sees – auf der Website kommt es ganz dezent ani­
miert zum Einsatz. Bei den Farben beschränkte sich der Desi­
gner auf zartes Rosa für den Hintergrund, ein kräftiges Blau
und Schwarz, mit denen er sämtliche analoge wie digitale Kom­
munikationsmittel gestaltete. Die Zaun­Optik findet sich
auch auf den Merchandise­Produkten wie Stickern, T­Shirts
oder Turnbeuteln wieder. nik
page 10.16 013

Marke, neu gepuzzelt


● Corporate  Design.  Für den Re­
launch der Digitalagentur Mr. Milu aus
Madrid entwickelte Les Sapeurs aus
Valencia ein frisches Corporate De­
sign samt neuer Website. Unter http://
friendlyprojects.com präsentiert sich
Mr. Milu nun sehr spielerisch: In gra­
fische Bausteine zerlegt, kann man die
Elemente des Logos zu einem eige­
nen Bild zusammenpuzzeln. Ein An­
gebot, das die Kunden offensichtlich
gern annehmen: In der Galerie tum­
meln sich bereits zahlreiche kreative
Mutationen. as

Hillary Go!
Wahlkampf-Buttons haben in den USA eine
lange Tradition. Ihr folgt das »Fourty-Five Pin
Project« des Hillary-Clinton-Teams, für das Star-
designer wie Paula Scher oder Michael Beirut
von Pentagram, der schon das Clinton-Logo ent-
warf, Wahlkampfsticker gestalteten. Alle Sticker
unter  https://is.gd/fortyfive_pin_project .  sd

© moovel lab team: „Roads to Rome“


014 page 10.16 › Signale

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

 Analoges Photoshop. Weil sie es leid wa­


ren, sich immer nur im Virtuellen zu bewegen,
transferierten sechs Grafikdesignstudenten
am Londoner Camberwell College of Arts Pho­
toshop zurück in die reale Welt. Für ihr freies
Projekt »Analogue Systems« (https://is.gd/
vimeo_AS) haben sie mit analogen Werkzeu­
gen auf einer realen Arbeitsfläche ausgeschnit­
ten, geklebt und gepinselt. In der Hoffnung,
die Aktion könne als Anregung für künftige
Photoshop­Workshops dienen – statt der stän­
dig gleichen, öden Videotutorials. as

Chameleon Car
einen echten publikumsmagneten schuf die kalifornische
Werbeagentur Zambezi zusammen mit dem londoner
produktionsstudio UniT9 für ein event des Online-auto-
händlers autotrader in Miami. ein mit leD-leuchten
und arduino umfunktionierter Straßenpoller erkannte die
Kleiderfarben der Besucher und projizierte sie mit drei
via Raspberry pi gesteuerten Kameras auf ein auto. eine
unterhaltsame Umsetzung des Veranstaltungsmottos
»DrivenByStyle«. Mehr unter  http://zambezi-la.com/
work/driven-by-style .  ae
page 10.16 015

Moralfrage
Dr. Claudia Gerdes über Sicherheit
im Straßenverkehr

● Als Smombies bezeichnet man heutzutage Men­


schen, die wie Zombies durch die Straßen laufen,
weil sie dauernd aufs Smartphone starren. Langen­
scheidt machte daraus schon 2015 das »Jugendwort
des Jahres« – wieder ein guter PR­Gag des Verlags,
auch wenn der Begriff wohl eher eine Kopfgeburt
medienkritischer Erwachsener war.
Seit »Pokémon Go« grassiert das Smombietum
erst recht millionenfach und bedroht die Verkehrs­
sicherheit. Als Pilotprojekte gibt es in Augsburg und
Köln bereits sogenannte Bompeln (Kunstwort für
Bodenampeln), bierdeckelgroße LED­Leuchten am
We are searching for Excellence.
Boden, die bei Rot aufleuchten und auch der Gene­
ration Head Down vorm Überqueren der Straße auf­
Check out our current vacancies
fallen sollten. Keine gute Idee, fanden viele unserer
Mitbürger. Der Tenor in den Kommentaren zu Medi­
and apply now.
enberichten über die Bompeln für Smombies: Sol­
che Verschwendung von Steuergeldern unterstütze
The way we communicate has cer- sketch, experiment and explore. We
bloß die Dummheit der Handyglotzer. Man solle
der natürlichen Selektion ihren Lauf lassen. tainly evolved through the years, but prototype and test. We fail. And we do
Bis wir eines Tages alle ohnehin nur noch mit VR­ is today’s complex technology actu- it over, and over, and over again… For
Headsets unterwegs sind, müssen also andere Lö­ ally making our lives better? Without better or worse, we make a decision
sungen her. Und das sollte technisch doch gar nicht
thinking about what people really that has an impact and we continue
so schwer sein! Wenig Fans fänden wohl Apps, die
das Smartphone an Kreuzungen automatisch aus­ want, and why, we risk creating ex- to learn. Because we believe that hu-
schalten, wie ein unnachsichtiger Leser auf faz.net periences that only add to the clutter. manizing technology, and designing
vorschlägt. Dann schon eher eine freundlich warnen­ So how do we ensure we build things on an emotional level, allow us to not
de Siri­Stimme oder Alarmtöne aus dem Handy – vor
allem praktisch für Kopfhörerträger. that feel personal, and useful? We only embrace a thoughtful approach
Ein besonders fieser Kommentarschreiber emp­ look at people. What they do, what to how we run our business, it ena-
fiehlt sogar leichte Elektroschocks. Was mit Weara­ they like, how they get around town. bles us to have a positive impact on
bles gar nicht so abwegig wäre: So zeigte ein Team
What they want, and desire most. the world around us.
der Fachgruppe Mensch­Computer­Interaktion der
Universität Hannover bereits, dass sich durch mus­ Once we know who you are, and what
kelstimulierende Klebeelektroden auf den Schenkeln you need, we try to turn that knowl- That’s the power of design
die Bewegungsrichtung von Fußgängern steuern edge into invisible ways to make your thinking, doing, and being.
lässt. Bei ihrer »Cruise Control« hatten die Forscher
life easier. So we brainstorm and That’s Telekom Design.
bisher nur im Sinn, den Usern den ständigen Blick
auf die Smartphone­Navigation zu ersparen. Das lie­
ße sich doch auch als Ampelwarnung umsetzen! Bin
nur gespannt, was für Bezeichnungen mal für Fuß­
gänger erfunden werden, die ähnlich funktionieren
wie selbstfahrende Autos. Goboter? Fußomaten?
Elektrombies? Nun, etwas Zeit haben wir ja noch, um
an der Wortfindung zu arbeiten.
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Improvisierter Soundtrack
● Medieninstallation. Für die Zen­ Über Oculus­Rift­Brillen hatten die
trale der Dolby Laboratories in San Musiker die animierten Grafiken von
Francisco hat das Berliner Digitalstu­ onformative vor Augen und improvi­
dio onformative eine aufwendige syn­ sierten dazu. Auf diese Weise setzte
ästhetische Medieninstallation ent­ das Trio die Visuals in dazu passende
worfen (http://onformative.com/work/ Klänge um. Das auf 52 Kanäle abge­
collide ): Ein Team um Gründer und mischte Konzert verschmilzt nun im
Artdirektor Cedric Kiefer übersetzte Foyer des Soundspezialisten mit den
Motion­Capture­Daten von Tanzper­ abstrakten Bildwelten, die über eine
formances mittels Cinema 4D in ab­ rund 19 Meter lange Videowand flim­
strakte visuelle Welten. Für den Sound­ mern, zu einem beeindruckenden au­
track engagierte man drei Cellisten: diovisuellen Erlebnis. as
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Gorgeous Girls
Statt einzig und allein auf Schönheit setzt Bibliothèque Design aus London
in der Identity für die britische Modelagentur Linden Staub vor allem auf
Einzigartigkeit – und auf ein flexibles Logo. Das zitiert nicht nur die Initialen
des Namens, sondern formiert sich auch auf verschiedene Weise zu einem
stilisierten Gesicht. Zudem überlagern rote oder goldene Flächen die Porträts
der Models und versehen sie mit immer neuen Impulsen. sd

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Was ist
gutes
Design
heute
»Weniger ist mehr«, »Gutes Design ist ästhetisch« oder »Keep
it short and simple« – viele mehr oder weniger explizite Regeln
logo des schwedischen Designpreises Design S aus dem Jahr 2014, gestaltet

bestimmen den Arbeitsalltag von Gestaltern digitaler und ana­


loger Medien. Solche Grundüberlegungen hat der deutsche Pro­
duktdesigner Dieter Rams, Vorbild unzähliger Kreativer welt­
weit, 1995 in zehn Thesen zusammengefasst. »Eine unumstöß­
liche Festschreibung sollen und können diese Thesen nicht sein,
denn die Vorstellungen, was gutes Design ist, entwickeln sich
von BVD, Stockholm (http://bvd.se)

weiter – so wie sich auch Technik und Kultur weiterentwickeln«,


erklärt Dieter Rams. Und recht hat er. Gestaltungsregeln sind
nicht in Stein gemeißelt, man sollte sie immer wieder auf ihre
Gültigkeit hin überprüfen. Und so fragen wir: Was ist gutes
Design heute? ae
020 page 10.16 › TITeL › gutes Design heute

01 Gutes Design ist ästhetisch.


Ist dieses Rams’sche Designprinzip her lieber umbenennen in »Richtig ist das bei »Schatzis« Gefallen oder Missfallen.
noch gültig? neue Schön«. Wenn wir uns als Designer auf die Wirk­
Jochen Rädeker: Nein, es hat keinen Be­ Könnten Sie uns das bitte erläutern? samkeit von Ästhetik verlassen, machen
stand mehr, jedenfalls nicht, wenn die Äs­ Ästhetisches Design ist wirkungsvoll, wird wir uns zum Spielball von Menschen, die
thetik das Design begründet. Unbenom­ aber konterkariert durch die Bewertung damit eigentlich nichts anfangen können
men ist Ästhetik einer der wesentlichen von Design. Wenn die Regel heißt »Gutes und rein auf geschmäcklerischer Ebene ur­
Faktoren für Lebensqualität. Dinge, die äs­ Design muss ästhetisch sein«, fühlen sich teilen. Deshalb müssen wir unser Design
thetisch gestaltet sind oder per se ästhe­ die meisten Leute, die Design einkaufen, begründbar und messbar machen.
tisch sind, wirken besser. Studien bele­ nicht mehr zuständig. Denn die kommen Wie kann man Design messbar
gen, dass man einer schönen Frau lieber oft aus der Betriebswirtschaft, wo sie ge­ machen?
zuhört, dass schönere Menschen glückli­ lernt haben, dass sich nur, was messbar Gutes Design ist Folge logischen Denkens
cher sind, weil sie positiveres Feedback be­ ist, auch managen lässt. Ästhetik ist aber und damit messbar. Arbeiten Sie mit Daten!
kommen. Wir umgeben uns lieber mit schö­ nicht messbar. Folge sind die berühmten Big Data ist zwar für Gestalter meist ein
nen Dingen, das ist so und gilt selbstver­ Küchentischentscheidungen. Der Manager rotes Tuch, aber natürlich ist es messbar,
ständlich auch weiterhin fürs Design. Wenn nimmt die Ent würfe mit nach Hause und wo Leute lieber draufklicken. Warum eine
wir also unser Leben ästhetischer gestal­ fragt: »Schatz, wie gefällt dir das?« Dann, Marke, die kühl wirken soll, nicht rosa an­
ten können, sollten wir das tun, auch als nach sechs Wochen strategischer Arbeit gestrichen sein darf, kann man farbpsycho­
Designer. Es ist aber nicht mehr zwingend und logisch­konzeptioneller Herleitung logisch begründen. Eine Marke, die Har­
ein Gestaltungsprinzip – das würde ich da­ liegt die Entscheidung über Designarbeit monie ausstrahlen soll, braucht runde und
keine zackigen Formen, das lässt sich wahr­
nehmungspsychologisch messen. Wenn
Foto: Susanne Mölle (www.susannemoelle.de)

man Design begründbar, messbar und lo­


gisch macht, ergibt es sich folgerichtig aus
derartigen Überlegungen und ist nicht ein­
fach nur schön. Diese Folgerichtigkeit kann
geschmäcklerische Argumente ganz leicht
aus dem Rennen schlagen. Trotzdem soll­
te Design ästhetisch sein, aber ich würde
damit nicht mehr argumentieren. Ein gu­
ter Designer macht das Design, das für die
Aufgabenstellung, das Problem und die
Lösung das richtige Design ist und nicht
das schönste.
Das heißt, die Ästhetik darf ruhig auf
der Strecke bleiben?
Manche Dinge sind nicht ästhetisch und
wirken gerade deswegen. Der hässliche Stö­
rer »Kauf mich, du Sau« ist für manche Ziel­
gruppe, die ausschließlich nach dem Preis
schaut, effektiver als das schönste Design.
Auch als Designer sind wir mit Suchma­
schinensichtbarkeit konfrontiert. Google
braucht keine Logos, keine Designqualität,
nur Algorithmen und Big Data. Der Erfolg
einer Marke hängt also nicht mehr von Äs­

»Manche Dinge thetik, sondern von der Auffindbarkeit ab.


Hübsch allein reicht also nicht. Nur wenn

sind nicht Sie zuvor Ihre Designentscheidung logisch


und folgerichtig herleiten können, wer­

ästhetisch und den Sie auch die Chance bekommen, das


schönste Design umzusetzen – das ja be­

wirken gerade kanntlich das wirksamste ist.

deswegen« Jochen Rädeker, Gründer und geschäfts-


führender Gesellschafter von Strich-
punkt, Agentur für Corporate Design
und Branding aus Stuttgart
↗ www.strichpunkt-design.de
page 10.16 021

03 Gutes
Design
braucht
Weißraum.
Diese Gestaltungsregel hat nach wie
vor Gültigkeit. Gerade im Design digi­
taler Medien lässt sich seit ein paar Jah­
ren deutlich mehr Weiß­ oder Nega­

»Treibt man die


tivraum erkennen, besonders seitdem
neue Patterns wie Long­Pager, sticky

Reduktion zu weit,
Header oder Burger­Menüs und UX­Ef­
fekte wie Parallax Scrolling dem heiß

sagt das Design


umkämpften Bereich »above the fold«
mehr gestalterische Großzügigkeit er­

nichts mehr aus«


möglicht haben.
Weiß­ oder Negativraum ist Um­
raum, den Gestalter bewusst freilassen,
um Elemente des Layouts zu umspielen.
Durch die Vergrößerung der Leerflä­
chen erhöhen sie die Spannung im Lay­
out und lenken den Blick des Betrachters
stärker auf die Inhalte. Grundsätzlich

02 Gutes Design ist so wenig brauchen alle Elemente einen gewissen


Umraum, um wirken zu können oder

Design wie möglich. überhaupt wahrgenommen zu werden.


Dennoch können Layouts auch mit mi­
nimalem Weißraum funktionieren, al­
Ist das wirklich ein allgemeingültiges ert vor allem, wenn man dem Trend­Mini­ lerdings greifen dann andere Gestal­
Designprinzip? malismus folgt. Man muss die Balance hal­ tungsprinzipien und die Gewichtung
Stuart Tolley: Die Gestaltungsregel »We­ ten zwischen der bewussten Reduktion, di­
niger ist Mehr« ist so aktuell wie nie zuvor. rekter Kommunikation und der Usability.
Wir sind völlig reizüberflutet, ständig wer­ Wozu brauchen wir Designer, wenn
den wir mit Informationen jedweder Art kaum noch Design übrigbleibt?
bombardiert. Minimalismus zielt auf den Als ich verkündete, dass ich ein Buch über
Kern der Idee und kommuniziert sie schnell Minimalismus schreibe, sagten viele mei­
und ohne Schnörkel. Minimalismus ist äu­ ner Freunde: »Das ist doch einfach, stell ein­
ßerst populär geworden, nicht zuletzt dank fach gar nichts ins Buch.« Jeder hat diese
Apple, trotzdem würde ich es nicht als Mo­ Idee, dass minimalistisches Design einfach
deerscheinung abtun. ist, dabei ist es so hart. Ich habe so viel Zeit
Geht die Reduktion oft nicht zu weit? mit der Gestaltung dieses Buches verbracht,
Man muss den User oder Rezipienten fest immer wieder Elemente wie das Naviga­
im Fokus haben. Reduziert man etwas bis tionssystem verworfen und ausgetauscht.
zum Kern der Idee, muss es gelingen, die ei­ Umso besser, wenn es unangestrengt aus­
gentliche Botschaft einfacher und schnel­ sieht. Designer, die minimalistisch arbei­
ler zu kommunizieren. Der Kern kann bei ten, müssen sehr selbstsicher und mutig
Coca­Cola beispielsweise die Welle sein, sein. Wenn eine Arbeit am Ende unange­

»Es gibt
die jeder kennt. Das gilt auch für die digi­ strengt aussieht, heißt das noch lange nicht,
tale User Experience. Gerade bei mobilen dass sie ohne Mühe gestaltet wurde. Vor der

auch einen
Geräten müssen Gestalter mit Platz haus­ Leichtigkeit des Ergebnisses liegen oft ge­
halten und sich überlegen, wie sie bestmög­ nug schwere, kritische Designprozesse.

Horror
lich reduzieren. Wenn der User allerdings
nicht mehr weiß, wie er navigieren soll, Stuart Tolley, Koautor von »Min: The

Vacui«
dann ist das Design durchgefallen. New Simplicity in Graphic Design«
Wo sind die Grenzen? (Thames & Hudson, 2016) und Kreativ-
Treibt man die Reduktion zu weit, sagt das direktor bei Transmission in Brighton
Design nichts mehr aus. Diese Gefahr lau­ ↗ www.transmission.design
022 page 10.16 › TITeL › gutes Design heute

04 Serifenschriften eignen
sich nicht fürs Webdesign.
der Einzelelemente muss eher gleich­ ● Dieser Grundsatz war früher einmal rich­ York Times« mit der Georgia oder die Publi­
förmig sein, zum Beispiel bei tabella­ tig, jetzt ist er überholt. Als die Bildschirm­ shing­Plattform Medium, die die gut lesba­
rischen Darstellungen. auflösungen noch viel geringer waren, ver­ re FF Kievit von Mike Abbink für die Artikel
In der Klassik­ und Printwerbung ist schluckten sie die Serifen. Zudem waren die nutzt. Für unser Produkt, den Wikipedia­
es definitiv einfacher, den einzelnen beiden Systemschriften Georgia und Times Reader Viki, haben wir uns wegen der besse­
Bestandteilen den ihnen gebührenden New Roman nicht optimal für die Lesbar­ ren Lesbarkeit ebenfalls für eine Serifen­
Weißraum mitzugeben. Die Komposi­ keit, vor allem in kleinen Größen. Deshalb schrift entschieden: Ludwig Übeles Marat.
tion der Elemente auf der Fläche bleibt wich man im Netz auf Sans­Serif­Fonts aus. Die Unterscheidung zwischen Print­ und
aufgrund von festen Formaten unver­ Mittlerweile haben auch Smartphones Webschriften ist seit zwei, drei Jahren nicht
änderlich und somit auch das Verhält­ und Tablets Retina­Displays mit viel höhe­ mehr nötig. Inzwischen gelten im Netz die­
nis von Weißraum zu ihnen. In der Ge­ rer Auflösung, die Serifen selbst bei kleinen selben typografischen Gestaltungsregeln
staltung für digitale Medien dagegen Schriftgraden lesbar darstellen. Scrollen wie für Print. »Below the Fold« findet man
ist die Frage nach dem Format eine we­ ist zum Standard geworden, sodass man nun nicht mehr nur charakterlose Textwüs­
sentlich komplexere. Hier muss der größere Typo verwenden kann. In allen ten mit der immer gleichen Systemschrift –
Designer mit einer Vielzahl von Screen­ Browsern lassen sich durch die Web­Font­ jede Marke kann sich durch ihren individu­
größen umgehen. Allerdings hat das Technologie individuelle Schriften einbin­ ellen Corporate Font differenzieren.
Responsive Design neue Möglichkeiten den. Darüber hinaus optimieren viele Type­
im Umgang mit Weißraum eröffnet, designer ihre Fonts fürs digitale Design. Timm Kekeritz, Interaction Designer
indem Layouts nun ins komplette Brow­ Wie gut sich heute Serifenschriften im und Geschäftsführer der Digitalagentur
serfenster »eingespannt« werden kön­ Netz einsetzen lassen, zeigt etwa die »New Raureif in Berlin ↗ http://raureif.net
nen und Weißraum nicht mehr aus­
schließlich dazu dient, streifenförmige
Website­Layouts links und rechts bis
zum Browserrand aufzufüllen. Vielmehr
sind heute raumgreifende und luftige
Arrangements über alle Endgeräte hin­
weg möglich. Die Responsivität birgt
aber auch immer die Gefahr, dass In­
terfaceelemente durch zu wenige Break­
points zu weit auseinandergezogen wer­
den und der User den visuellen Bezug
zwischen ihnen nicht mehr einfach her­
stellen kann.
Die Angst vor der leeren Fläche und
die damit eng verbundene Neigung,
freie Flächen mit Störern, Zier­ oder Zu­
satzelementen aufzufüllen, nennt man
»Horror Vacui«. So wirken etwa asia­
tische Webportale für europäische Au­
gen und Nutzungsgewohnheiten extrem
überladen und kleinteilig. Wobei es
auch aus diesem Kulturkreis Gegenbei­
spiele mit fast meditativ »leerer« Ge­
staltung gibt.
Wie viel Weißraum richtig ist, lässt
sich schwer verallgemeinern. Sein Wert
für die Gestaltung kann jedoch immens
sein, wie die Website der kalifornischen
Finanzberatung Kekselias (www.kekse »Fürs Web gelten
lias.com) zeigt. Machen Sie sich also
stark für Weißraum und verteidigen Sie dieselben typografischen
den kostbaren Platz.
Gestaltungsregeln«
Lukas Bezler, Creative Director
Design bei der Digitalagentur Aperto
in Berlin ↗ www.aperto.com
page 10.16 023

»Es ist bequem. Auch die Regel, keinen Blocksatz


zu verwenden, wenn nicht mindestens fünf

interessant, Wörter in der Zeile sind, hat weiterhin Gül­


tigkeit. Blocksatz erleichtert das Querlesen.

wenn mal Unter 35 Buchstaben pro Zeile ist er jedoch


ungeeignet, weil man sonst nur Trennun­

ein Wort gen hat. Die optimale Anzahl sind 55 bis


60 Buchstaben. Das sind Gesetze, die aus

unlesbar ist. der Lesbarkeitsforschung kommen und


nicht aus der Typografie. An solche Regeln

Das ist ein sollte man sich einfach halten.


Gilt das auch fürs Lesen am

Hingucker« Bildschirm?
Dort ist das Lesen wesentlich schwieriger,
weil man in die Lichtquelle schaut. Da gibt
es fast noch mehr Regeln zu beachten. Bei
Büchern kann man auf langjährige Erfah­
rungswerte in puncto Lesegewohnheiten
zurückgreifen: Das Papier war nicht ganz
weiß, damit der Kontrast nicht zu hart ist
und so weiter. Auf dem Bildschirm lässt sich
das nicht so kontrollieren. Man weiß nicht,
wie groß dieser ist und wie groß sich der
User die Schrift einstellt. Deswegen ist es
hier viel wichtiger, wenigstens die Grund­
regeln einzuhalten.
Welche Regel gilt für die Lesbarkeit?
Alle Schriften, die auf billigem Papier gut
lesbar sind, funktionieren auch digital –
also die guten alten Zeitungsschriften Cen­
tury, Candida, Garamond oder die »Spie­
gel«­Hausschrift Rotation. Sie sind dafür
gemacht, auf schlechtem Untergrund in
05 Gemeine dürfen 6 Punkt Größe gedruckt zu werden, die hal­
ten etwas aus und sind deshalb für Bild­
niemals gesperrt werden. schirme bestens geeignet.
Unterliegen Gestaltungsprinzipien
nicht auch der Mode?
Gibt es wirklich keine Ausnahme Schriftarten« ist so eine. Für eine Buchsei­ Die gerade so angesagten geometrischen
von dieser Regel? te würde ich tatsächlich nie mehr als zwei Schriften eignen sich wegen ihrer zu har­
Erik Spiekermann: Das ist eine gute Re­ Typen verwenden. Bei einem Werbeplakat ten Kontraste nicht fürs Lesen. Ich unter­
gel, weil der Text sonst nicht mehr lesbar schon. Hier muss man Regeln brechen, stelle mal, dass zahlreiche junge Grafiker
ist. Wenn sich der Innenraum der Buchsta­ sonst nimmt es ja keiner wahr. Jedes Me­ die Texte, die sie bearbeiten sollen, nicht
ben und ihr Abstand zueinander nicht mehr dium hat seine eigenen Gesetze. lesen, sondern Buchstaben wie Muster se­
entsprechen – zum Beispiel bei zwei o –, Gibt es übergeordnete Regeln, hen – sie müssen schön gleichmäßig sein,
kann der Leser das Wort nicht mehr erken­ die einzuhalten sind, egal welches es muss perlen, das Muster einen schönen
nen. Das gilt für Lesetexte. In der Werbung Medium? Grauwert haben. Ob Bildschirm oder Buch,
dagegen ist es interessant, wenn mal ein Es gibt Schriften, von denen man weiß, unsere Augen stehen immer noch neben­
Wort unlesbar ist, weil es irritiert – es ist dass sie für bestimmte Bereiche nicht ge­ einander und unsere Arme sind 70 Zenti­
ein Hingucker. Typografische Regeln fan­ eignet sind. So nutzte Apple bis vor einem meter lang, daran hat sich nichts geändert.
gen erst bei einem Lesetext von mehr als Jahr die berüchtigte Neue Helvetica für Auch wenn eine Generation, die mit dem
sieben Zeilen an zu greifen – alles darunter iOS. Jedem war klar, dass sie – so dünn und iPhone groß geworden ist, Helvetica viel­
sind Ausnahmen. eng, wie sie ist – in kleinen Graden auf klei­ leicht besser lesen kann als ich, geht es
Welche Designprinzipien haben heute ne Displays überhaupt nicht funktionieren letzten Endes doch um Qualität. Das Lesen
überhaupt noch Gültigkeit? kann. Die Buchstaben klebten zusammen, ist leichter und angenehmer mit Georgia
Gestaltungsregeln sind immer abhängig sie waren sich zu ähnlich, man konnte ein L oder Corona.
vom Kontext. Ich kenne keine handwerk­ nicht von einem I oder einer 1 unterschei­
liche Regel, die immer durchzuhalten wäre. den. Das war fast physisch: Wenn man Erik Spiekermann, Schriftgestalter
Vieles ist einfacher, wenn man sich an die 120 Kilo wiegt, holt man sich kein T­Shirt und Autor aus Berlin
Grundregeln hält. »Nutze nie mehr als zwei in Small – das sieht scheiße aus und ist un­ ↗ http://spiekermann.com
024 page 10.16 › TITeL › gutes Design heute

06 Gutes Design ist langlebig.


● Dass dieser Grundsatz für das Produkt­ Corporate Design des Kunden und an solch
design stimmt, zeigen uns Designklassiker klassischen Gestaltungsprinzipien orien­
wie die Stühle des dänischen Gestalters tiert, ist man auf der sicheren Seite: Eine
Verner Panton aus den 1960er Jahren oder Website wirkt dann nicht so schnell veraltet.
die Entwürfe von Ray und Charles Eames. Langlebigkeit ist im Corporate Design
Für das Grafik­ oder Webdesign gilt diese oder in der Informationsvermittlung, zum
Leitlinie jedoch nur bedingt. Langlebigkeit Beispiel bei Google Maps, gefragt, denn der
ist weder Ziel noch Aufgabe unserer Arbeit. Nutzer soll die Marke wiedererkennen und
Neulich habe ich mir mal Websites an­ ihr vertrauen. Ansonsten sind die Aufgaben
geschaut, die ich vor zehn Jahren gestaltet im digitalen Design so unterschiedlich
habe. Damals gab es noch kein Responsive und vielfältig, dass man ohnehin im Mo­
Design und wir haben für Viewports von ment lebt. Egal, ob ich nun eine Marketing­
1024 mal 768 Pixeln entwickelt. Diese tech­ Microsite, eine App oder ein aufwendiges
nischen Rahmenbedingungen bestimmten WebGL­Erlebnis mit Computerspieloptik
die Gestaltung. Dagegen sind die Rastersys­ gestalte. Das ist ja auch das Schöne an un­
teme des Schweizer Grafikdesigners Joseph serem Beruf – der schnelle Wechsel erzeugt
Müller­Brockmann von 1961 absolut zeitlos. kreative Spannung.
Sie helfen uns ausgewogen zu gestalten,
weil die Proportionen von Typo und ande­ Karsten Weil, Geschäftsführer Kreation
ren Layoutelementen stimmen – was bis der Digitalagentur Ufomammoot, Berlin
heute gut funktioniert. Wenn man sich am ↗ http://ufomammoot.de

Trifft der Grundsatz »Gutes


Design ist langlebig« in
digitalen Zeiten noch zu?
Preethi Mariappan: Die meisten Leute
glauben, nur deswegen weil wir digital
arbeiten, ändere sich alles fortwährend
und schnell, aber in meinen Augen trifft
dieser Leitsatz auch für digitales Design
zu. Designprinzipien sind immer lang­
lebig: Es geht darum, mithilfe von Tech­
nologien ein möglichst einfaches, sehr
natürliches und menschliches Erlebnis
zu gestalten. Zwar hat sich das visuelle
Design in den letzten 15 bis 20 Jahren
sehr verändert – was zunächst noch sehr
realitätsnah und skeuomorph war, hat
sich über das Flat Design hin zum Ma­
terial Design gewandelt –, aber jeder
dieser Schritte hat sich immer densel­
ben Designprinzipien untergeordnet.
Wir wollen Einfachheit, Ease of Use und
Joy of Use erreichen. Das KISS­Prinzip
(Keep it simple, stupid!) liegt allem zu­
grunde. Das Einzige, was sich ändert,
ist der Ausdruck, also die Art und Weise,

»Im digitalen wie man das visualisiert.


Aber auch das Interaction Design

Design lebt unterliegt doch gestalterischen


Moden, oder?

man im Natürlich wollen wir die grundlegenden


Designprinzipien visuell umsetzen und

Moment« uns als Gestalter ausdrücken. Wobei wir


uns in zehn Jahren vielleicht ganz an­
page 10.16 025

● Bei der Gestaltung für rein digitale Me­ unmodern, wirft der Verbraucher das gan­
dien ist es relativ unerheblich, ob man die ze Produkt auf den Müll, mitsamt den kost­
Produkte in kurzen Zyklen erneuert. Es sind baren Ressourcen. Da wird es schon dra­
nur bunte Pixel und Licht. Verschwendet matischer. Das Design der Hardware muss
wird dabei lediglich die Arbeitszeit des De­ nachhaltig sein. Ein tolles Beispiel für lang­
signers. Gestaltet man beispielsweise den lebiges Design ist das Regalsystem 606
Auftritt für eine Cutting­Edge­Konferenz, von Vitsœ, das Dieter Rams 1960 entworfen
will man kurzfristig Aufmerksamkeit, da­ hat. Seinen zehn Gestaltungsprinzipien
nach ist die Site unwichtig. Das Design darf entsprechend stellt die britische Firma
also irritieren, die neusten Trends nutzen ausschließlich langlebige Möbel her, mit
und übertreiben – Langlebigkeit macht in dem Ziel: Es besser zu machen statt neuer.
dem Kontext keinen Sinn. Diesen Aspekt müssen wir Designer in
Visual Design war gestern skeuomorph, Zukuft mehr bedenken, denn digitale An­
dann »Flat« und nun »Material«. Folgt man wendungen, die früher unter den Glasschei­
den neuesten Moden, bleibt oft der Nutzer ben der Displays lagen, werden mit dem
auf der Strecke, da er zum Beispiel nicht Internet of Things oder Tangible Interfaces
»Langlebig mehr erkennen kann, ob es sich um einen
aktiven Button handelt oder um statischen
zunehmend haptischer und materialori­
entierter. Was Produktdesigner bereits lan­
sind die Design- Text. Die Gestaltungsprinzipien für inter­
aktives Design sind in jedem Fall wichtiger
ge wissen, war bisher im Screendesign ir­
relevant. Nun müssen wir uns zugunsten
prinzipien« und langlebiger als visuelle Trends.
Zapft man natürliche Ressourcen an, in­
der Nachhaltigkeit mit Langlebigkeit be­
schäftigen.
dem man zum Beispiel seltene Erden oder
Coltan und Kobalt aus China in Smart­ Mathias Müller-Prove, freiberuflicher
phones verbaut, bekommt Langlebigkeit User Experience Designer und »Human
ders artikulieren müssen, weil es dann im Design einen anderen Stellenwert. Ist Computer Interaktivist« in Hamburg
keine visuelle Ebene mehr gibt, son­ das Telefon zu trendy und nach kurzer Zeit ↗http://mprove.de
dern wir die meisten Dinge über Sprach­
eingabe erledigen. Doch unter diesem
modeabhängigen Visual Design liegen
noch immer dieselben Designprinzipi­
en, die sich auch weiterhin nicht verän­
»Nachhaltigkeit
dern werden. Da unterscheidet sich das
Digital und Interaction Design nicht wird auch
vom Produktdesign. Das wird deutlich,
wenn man sich das Produkt Mobiltele­ fürs Screen-
fon einmal näher anschaut. Wie war es
ganz am Anfang gestaltet und wie sieht design
es heute aus? Im Laufe der Zeit ist es im­
mer einfacher geworden. Es gilt: Macht relevant«
es so einfach wie möglich, aber so, dass
der User es noch versteht.
Wir sollten also nicht nur nach der
Ästhetik schauen, sondern immer auch
das zugrundeliegende Prinzip hinter­
fragen. Wozu ist das (digitale) Produkt
gut? Und das ist nicht nur mit der Funk­
tion verbunden, sondern mit der Ab­
sicht, die es verfolgt. Der Zweck guten
Designs ist eine gute digitale Experi­
ence, also Einfachheit, damit das Pro­
dukt bequem zu bedienen ist. Gutes De­
sign soll den Nutzer aber auch erfreuen,
damit er es gern benutzt.

Preethi Mariappan, CCO der Agentur


für digitale Transformation Razorfish
GmbH in Berlin ↗ www.razorfish.de
026 page 10.16 › TITeL › gutes Design heute

07 Don’t touch the logo.


Diese Regel ist heute nicht mehr einzuhal­ Negativ fallen nicht nur handwerklich
ten, nicht zuletzt, weil viele Brands ihren schlecht gemachte Signets auf, sondern
Ursprung in der analogen Ära haben und auch solche, die formalästhetisch einer be­
sich auf die Digitalisierung einstellen müs­ stimmten Zeit zuzuordnen sind. Man soll­
sen. Alle Unternehmen stehen vor der He­ te also regelmäßig überprüfen, ob das Logo
rausforderung, die eigene Marke in einer noch allen Anforderungen standhält, so­
stetig wachsenden Anzahl von digitalen wohl in technischer als auch in ästhetischer
Touchpoints sichtbar und wiedererkennbar Hinsicht. Wobei es auch zu evaluieren gilt,
zu machen. Sie müssen heute sehr fluide welche Folgekosten eine Veränderung des
sein und sich an immer neue Devices und Logos und dessen Implementierung nach
Formate anpassen können. sich ziehen würde. Noch viel zu oft entwi­
Ein Beispiel: Eine traditionsreiche Me­ ckeln Designer und Unternehmen manie­
dienmarke wie »The New York Times« hat rierte Logotypes, die dann der Rechtsabtei­
es schwer, sich in Namenslänge in Form ei­ lung vorgelegt werden, um weitere »Eigen­
nes App­Icons zu präsentieren, denn dazu heiten« zu addieren, die die Schutzfähigkeit
muss sich das Logo möglichst formatfül­ erhöhen sollen.
lend innerhalb eines Quadrats unterbrin­ Das Zeichen der Kraftstoffmarke Total
gen lassen. Die Lösung: den Schriftzug auf zeigt deutlich, welche Fehler man besser
das prägnante T zu reduzieren. vermeiden sollte: Die spitz und pieksig an­
Grundsätzlich tut ein Brand gut daran,
sich eine Bildmarke und ein Logo zuzule­
mutenden Einzelformen der Bildmarke in
bunter Farbenpracht treffen auf eine Logo­
08 Form
gen. Idealerweise ist der Name sehr kurz
und prägnant. Noch besser, man kann kom­
type, in der die Details nicht zusammenpas­
sen. Die komische Rundung im ersten T
follows
plett auf ihn verzichten, weil das Bildzei­
chen bekannt ist. Brands, die ihren Ur­
(warum muss es größer sein?) wiederholt
sich im L. Der Fuß des zweiten T findet sich Function.
sprung in der digitalen Ära haben, konn­ am Kopf des L wieder. Und das A? Es wirkt,
ten die veränderten Rahmenbedingungen als wäre jemand aus Versehen draufgetre­ ● Sich auf den ästhetischen Mainstream
von Anfang an berücksichtigen. Ein gutes ten. Das O wiederum gefällt mir sehr gut. zu berufen, liegt nahe und fühlt sich
Beispiel ist die App Evernote. Die Bildmar­ richtig an. Doch vermeintlicher Com­
ke mit dem Elefantenkopf ist eigenständig Olaf Stein, Partner Branding bei Factor mon Sense wird schnell zur hohlen
und extrem gut erinnerbar. in Hamburg ↗ www.factor.partners Phrase. Auch bei »Form follows func­
tion« beschleicht mich oft das Gefühl,
dass aus dem Leitsatz ein Klischee ge­
worden ist. Den eigentlich völlig richti­
gen Anspruch, dass Dinge in ihrer Form
immer auch Ausdruck ihrer Funktion
sein sollten, interpretieren Gestalter lei­
der oft so, dass sie die Form auf nüch­
terne Sachlichkeit reduzieren und die
Abwesenheit jedweden Beiwerks zum
Dogma erklären.

»Eine
Das Missverständnis: Im Ursprung
zielte »Form follows function« nicht auf

Marke
rein funktionale Nacktheit ab, sondern
darauf, eine Form zu finden, die dem

und ihr
Zweck des Objekts gerecht wird. Dass
diese Form uns nicht nur rational über­

Logo
zeugt, sondern auch emotional berührt
und Spaß macht, ist durchaus erlaubt

müssen
und erwünscht – solange die Ästhetik
nicht auf Kosten der Funktionalität geht.

fluide
Aktuelle Beispiele wie Googles Ma­
terial Design beweisen, dass Funktio­

sein«
nalität weiterhin vorbildlich die Form
Foto: Sven Wied

definiert: Dieser Designansatz ist mini­


malistisch, stellt den Nutzer in den Mit­
telpunkt und fokussiert sich ganz auf
die Funktion. Google selbst beschreibt
page 10.16 027

09 Gutes Design ist innovativ.


● Design, richtig verstanden und ange­ aus einer wirklichen Zusammenarbeit her­
wendet, ist grundsätzlich innovativ, da es vorgeht und das Team sich mit sämtlichen
nicht bei der bloßen Formulierung von kre­ bestehenden Unterschieden aufeinander
ativen Ideen stehen bleibt. Vielmehr setzt einlässt.

»Zeit-
gutes Design – und darin liegt ja die Inno­ Am Anfang dieser Prozesse steht neben
vation –, diese Ideen für alle Beteiligten der Idee, auch gründliche Forschung. Die

gemäßer
auch gewinnbringend um. Dazu müssen angelsächsische Prinzip des »Research &
Designer heute moderne Technologie als Development« trifft es gut, da es die Idee

ist: Form
wirkungsvolles Gestaltungsmittel betrach­ kritisch hinterfragt und konsequentes Pro­
ten und nicht als Bedrohung oder Ein­ totyping einschließt. Der innovative De­

follows
schränkung. Der kreative Einsatz von Tech­ signprozess ist nicht linear, sondern er ite­
nologie kann helfen, diese im Idealfall so­ riert, läuft in Phasen parallel und verteilt

impact«
gar weiterzuentwickeln. Dabei kultiviert sich auf die Kompetenzen des Teams.
der permanente Austausch zwischen De­ Vor allem ist innovatives Design aus der
signern, Ingenieuren und Informatikern Forschung heraus begründbar und unter­
einen kreativ­technologischen Feedback­ scheidet sich damit deutlich von gestalte­
Loop. Mit anderen Worten – Innovation! rischer Dekoration. Es bewegt sich nicht
Innovatives Design entsteht hauptsäch­ innerhalb der Freiheiten des künstlerischen
lich in multidisziplinären Teams, sei es im Arbeitens, sondern geht vom Menschen
Material Design als eine Metapher, die Großen in globalen Kreativkonzernen oder aus. Denn für den soll es sein. So gesehen
immer in der Realität geerdet, aber of­ im Kleinen zwischen Freiberuflern und müsste die Gestaltungsregel also heißen:
fen für Magie und Imagination sei. Kunden. Hier entwickelt man die besten Gutes Design sorgt für Innovationen!
Das Ergebnis ist eine hervorragende Arbeiten durch Austausch und Partizipa­
Balance zwischen Funktion und Ästhe­ tion. Denn gerade der gemeinsame gestal­ Stefan Wölwer ist Professor für Inter-
tik, die der ursprünglichen Grundidee terische Prozess ist wesentlicher Bestand­ action Design an der Hochschule für
von »Form follows function« mehr als teil innovativen Designs. Design kann nur angewandte Wissenschaft und Kunst
gerecht wird. Aber auch das Gegenteil dann positiv und innovativ auf unser sozi­ Hildesheim/Holzminden/Göttingen
ist schnell gefunden: Die App Snapchat ales Miteinander einwirken, wenn es selbst ↗ www.hawk-hhg.de/gestaltung
wird von Anwendern, Gestaltern und
UI­/UX­Experten oft verflucht, weil ihr

Foto: Andreas Magdanz


Interface gelernte Prinzipien und Ges­
ten ignoriert. Nichtsdestotrotz nutzen
sie 100 Millionen Menschen täglich
Man merkt also: Mit dem Funktio­
nalitätsbegriff gerät man bei der Bewer­
tung von Design schnell ins Schlingern.
Vielleicht wäre es daher ein sinnvoller
Schritt, nicht mehr nach der puren Funk­
tion einer Form zu fragen, sondern nach
ihrer Wirkung. So würde der Kontext,
in dem wir ein Objekt nutzen, wieder in
den Mittelpunkt rücken.
Genau dies entspricht zugleich einer
Aufgabe, die für Gestalter mehr denn je
von zentraler Bedeutung ist. Sie müssen
ihren Auftraggebern die Frage beantwor­
ten, was sich durch ihre Arbeit tatsäch­
lich erreichen lässt. Auch Design muss
sich am Erfolg und somit an der Wirkung
messen lassen. »Form follows impact« »Der gemeinsame
gestalterische
wäre daher der zeitgemäße Ansatz – und
zugleich näher an der Ursprungsidee als

Prozess ist wesentlich


viele Interpretationen des Grundsatzes
»Form follows function« unserer Zeit.

Lukas Cottrell, Managing Director der


Peter Schmidt Group, Frankfurt am
für Innovation«
Main ↗ www.peter-schmidt-group.de
028 page 10.16 › TITeL › gutes Design heute

10 Die Idee zählt.


Was ist wichtiger – die Idee oder die tragfähige Gestaltungsidee ein, alles, was für ein offenes Europa und für die Inhalte
Ausführung? sich aus der Idee entwickelt, ist schon viel der Telekom. In diesem Fall ging die Ge­
Alexander Schill: Die Idee zählt nach wie zu oft gesehen. Dann ist es Unsinn, daran staltungsidee Hand in Hand mit der in­
vor, denn ohne Idee ist alles nichts. Natür­ weiterzuarbeiten. Der kreative Prozess ist haltlichen Idee. Das ist eigentlich eine Aus­
lich muss ihr eine gute Gestaltung folgen. mühsam. Abends denkt man noch, jetzt hat nahme, sonst ist zuerst die Idee da und an­
Aber eine schlechte Idee, super umgesetzt, man es, aber morgens in die Agentur merkt schließend findet man ein überzeugendes
bleibt immer noch eine schlechte Idee. man, das ist totaler Mist. Dann fängt man Grafikdesign.
Sieht gut aus, erreicht die Menschen aber eben wieder ganz von vorn an. Wie kommen Sie selbst auf
mit einer falschen Botschaft. Haben Sie einen festen kreativen gute Ideen?
Bestätigen Sie den Mythos von der Prozess, der gute Ideen hervorbringt? Einige Kreative haben die besten Ideen un­
genialen Idee? Nein, eher nicht. Ich erinnere mich noch, ter Zeitdruck. Ich brauche Platz, Luft und
Meist hat man leider nicht den genialen Ein­ wie der Kreative für die Telekom­Europa­ Muße, um nachzudenken. Ich muss geges­
fall unter der Dusche, dafür sind die Aufga­ Kampagne zu mir ins Büro kam und sagte: sen und getrunken haben und zufrieden
ben zu komplex und vielfältig. Ein Team ist »Alex, ich hab’s!« Und breitete nur die Ar­ mit meiner Umwelt sein. Dann schaffe ich
wichtig. Manchmal stellt sich zu einer ur­ me aus. Diese Geste der weit ausgebreite­ mir einen Raum, in dem ich mich mit dem
sprünglich guten Idee auch einfach keine ten Armen symbolisieren dieses T, stand Problem beschäftige, mich konzentrieren
kann. Die Idee ist in dem Raum, ich muss
sie nur finden.
Sie sagten mal, in Deutschland seien

»Eine gute wir eher Exekutierer?


Wir verlassen uns zu stark auf unsere Fä­

Idee über- higkeiten in der Ausführung, für die sind


wir ja auch international bekannt – dafür

dauert werden wir bewundert. Gute Ideen sind


eher die Ausnahme. Der Darth­Vader­Spot

länger als von VW war eine tolle Idee. Den hätte man
auch auf wesentlich schlechtere Art umset­

gutes zen können, schwarzweiß, wilder schnei­


den oder mit Wackelkamera, aber er wäre

Design« dadurch kein schlechterer Spot geworden.


Ebenso »Heimkommen« von Edeka. Durch
diese erstklassige und mutige Idee fühlten
sich viele Menschen ertappt – das machte
den Spot so erfolgreich und man wird sich
sicher lange daran erinnern.
Was passiert, wenn die Idee fehlt?
Reduziert sich die Idee auf die reine Pro­
duktinszenierung, wird sie wahnsinnig aus­
tauschbar. Kunden verlassen sich zu sehr
auf ihr Produkt – klar, sie haben es gemacht
und finden es toll. So fing Werbung ja ein­
mal an: Den Kaufreiz für ein neues Pro­
dukt auslösen. Heute ist der Markt aber ge­
sättigt. Die Produkte rücken immer näher
aneinander und im Zweifel kann sich jeder
Hersteller einen erstklassigen Regisseur
leisten, der eine gute Inszenierung hinbe­
kommt – aber nur eine gute Idee hilft bei
der Differenzierung.
Ist die Ausführung unwichtig, wenn
die Idee überzeugt?
Nein, ich weiß eine gute Exekution absolut
zu schätzen. Aber die gute Idee überdauert
die Zeit wesentlich länger als eine gute Ge­
staltung – die Idee macht den Unterschied.

Alexander Schill, CCO von Serviceplan in


Hamburg ↗ www.serviceplan.com/de
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030 page 10.16 › Themen › Rebranding Weed

1
Der von Wax
Studios aus
Brooklyn entwi-
ckelte fiktive
Weed-Brand Haze
soll schon bald
Multimillionen
Dollar schwer sein
und Amazon und
Starbucks
übernehmen
page 10.16 031

THEMEN

Ganz
schön breit Von überflüssigen Klischees befreit, bekommt
Cannabis endlich das Image und Design, das es verdient

● Zu sehen ist vom Geschäftsfeld Cannabis bislang nur Noch aber prägen Kriminalisierung und Klischees
die Spitze des Eisbergs. Der Großteil liegt, wie es sich den Umgang, was sich auch in der gestalterischen Un­
für einen Schwarzmarkt gehört, im Dunkeln, zumindest beholfenheit der mit Marihuana verbundenen Produkte
in Deutschland. Dementsprechend düster wirkt auch widerspiegelt. Das weiß jeder, der einmal Headshops
der öffentliche Umgang, der – abgesehen von ein paar mit Namen wie Flashback oder Gras Grün betreten hat,
Design und Artdirektion: WAX Studios ↗  wax-studios.com; Fotografie: David

Nischen in der Jugend­, Sub­ oder Alternativkultur – vol­ um Pfeifen, Mühlen oder andere Kifferutensilien legal
ler Vorbehalte, Restriktionen und Klischees ist. Wobei zu erwerben. Trotz der dringend gebotenen optischen
die permanente moralische und verfassungsrechtliche Überarbeitung des Sortiments hielt es bislang offenbar
Abwertung dazu führt oder dazu führen soll, Cannabis­ niemand für nötig, in Design zu investieren. Die imagi­
konsumenten im Zweifel eher in die Ecke von Heroin­ nierte Zielgruppe aus dauerbreiten Althippies und kif­
Brandon Geeting; Models: Stefany Lazar, Albert Hicks IV

Junkies und Crystal­Meth­Dealern zu rücken als in die fenden Teenies scheint entweder ästhetisch auffallend
von Weinliebhabern und Cocktailbarbesuchern. anspruchslos oder greift, in Ermanglung an Alternati­
Doch die Tage, wo man bei Marihuana an Dealer, Dro­ ven, einfach zu dem, was der Markt halt hergibt.
gensucht, rotäugige Kiffer und Kriminalität denkt, schei­
nen gezählt. Der Wind hat gedreht und das Image wan­ Kiffende Avantgarde
delt sich bereits. So steht die medizinische Abgabe von Jedem, der in jüngster Zeit aus Colorado oder Oregon
Cannabis in Deutschland laut Deutschem Hanfverband zurückgekehrt ist, wo unter dem Begriff »Recreational
kurz bevor (siehe Interview mit Florian Rister und To­ Use« der reine Genusskonsum erlaubt wurde, kommt
bias Hauk auf Seite 36). Die Legalisierung des reinen die gestalterische Verwahrlosung deutscher Headshops
Genusskonsums ist innerhalb der nächsten zehn Jahre ebenso anachronistisch vor wie der kleinkriminelle Dea­
durchaus denkbar. Mit ihr würde ein gigantischer Markt ler im Park. Wie aus einer fernen Zukunft wirken dage­
mitsamt seiner kreativen und kulturellen Gestaltungs­ gen aufwendig gestaltete marijuana dispensaries wie
potenziale erstmals in ganzem Umfang sichtbar werden. die luxuriöse Silverpeak Apothecary 2 in Aspen, »just
↗  http://tanagramdesign.com, ↗  www.silverpeakapothecary.com 032 page 10.16 › Themen › Rebranding Weed

Weit weg vom Dealer im Park: die von Tanagram Design gestaltete »marijuana dispensary« Silverpeak in Aspen, direkt neben Gucci und Prada zu finden

Schmeißt die hässlichen Pfeifen weg! Der Tetra Shop begeistert nicht nur seine kiffenden Kunden, sondern auch »Wallpaper« oder »New York Times«

↗  www.shop-tetra.com, Monica Khemsurov, Eviana Hartman, Su Wu


page 10.16 033

steps from Gucci, Prada and Ralph Lauren«, so die


selbstbewusste Eigenverortung.
Eine der wenigen Marken, der trotz aller Restriktio­
nen in Deutschland der Einstieg in den zeitgeist­ und de­
signaffinen Markt gelang, ist Pax 5 , »the best vaporizer
in the world«. Von der Gestaltung nah an Apple und in
ihrer Positionierung auf jene abzielend, die trotz Vorlie­
be für Cannabis nicht auf Stil verzichten wollen – unter
ihnen die wachsende Gruppe der Nichtraucher, die nach
einer nikotinfreien Alternative zu dem mit Tabak geroll­
3 ten Joint suchen. Die aufwendige Präsentation des neu­
en Pax 2 fand mit geladenem Publikum in der zum Kunst­
Hotspot geadelten St.­Agnes­Kirche in Kreuzberg statt.
Cannabiskonsumenten verfolgen mit Kopfschütteln
das Aufheben, das um andere Rausch­ und Genussmit­
tel gemacht wird. Man denke nur an die aufwendigen
Markenwelten, die um lokalen Gin oder Cold Brew Cof­
fee herum inszeniert werden. Doch anders als mit kal­
tem Kaffee und heimischem Wacholderschnaps kann
Marley Natural ↗  www.marleynatural.com man sich mit Gras (noch) nicht am Tresen sehen lassen,
weshalb die Plastikbeutelchen meist ungesehen wieder
in Hosen­ und Jackentaschen verschwinden. Dafür, dass
sich das schon bald ändern könnte, spricht, dass die
Trends von morgen fast immer von den Außenseitern
von heute kommen. So war es bei dem muffigen Öko
und dem pickligen Nerd, die nun als Pioniere von Nach­
haltigkeit und der Digitalisierung gelten. Die Chancen,
Gemeinsam mit den Erben Bob Marleys entstand die Marley-Natural-Kollektion.
dass ausgerechnet der als lethargisch und leistungsfaul
Anspruch der Marke ist, der erste weltweit bekannte Weed-Brand zu werden geltende Kiffer der nächste Trendsetter sein wird, ste­
hen ausgezeichnet.

Schon heute ist der Konsum von The Cannabis Gold Rush
Entscheidender als die Figur des Kiffers scheinen für den
Cannabis in aufgeklärten gesellschaftlichen Aufstieg von Cannabis jedoch die
Milieus häufig akzeptierter als der erstaunlichen Gewinne zu sein, die sich mit dem »grü­
nen Gold« erzielen lassen. Um die Dimensionen des
des gesundheitsschädlichen, »Cannabis Gold Rush« zu erahnen, reicht ein Blick in
die Vereinigten Staaten. Schon heute ist der Cannabis­
abhängig machenden Nikotins. markt dort der am schnellsten wachsende Wirtschafts­
zweig. Die Einnahmen, die mit dem Verkauf von Mari­
huana und den damit verbundenen Geschäftsmodellen
gemacht werden, sollen bei 5,4 Milliarden Dollar im
Jahr liegen. Laut Prognosen steigen die Erlöse bis Ende
2016 auf 6,7 Milliarden Dollar jährlich und bis 2020 auf
bis zu 30 Milliarden Dollar. Colorado wird bald der erste
Staat sein, dessen Steuergewinne aus Marihuana die aus
Alkohol übertreffen werden. Allein bei sehr vorsichti­
↗  www.paxvapor.com, ↗  http://bam-berlin.com

gen Schätzungen, so der Deutsche Hanfverband, ist da­


5 von auszugehen, dass bei einer Cannabislegalisierung
allein in Deutschland mindestens 1,4 Milliarden Euro
(vermutlich sogar ein Vielfaches davon) über Steuerein­
nahmen pro Jahr in die Staatskassen fließen werden.
Die satten Gewinne locken Investoren und Entrepre­
neure an, und immer neue Marken verkünden großmäu­
lig »the next Apple« oder »the next Facebook« der soge­
nannten Weedustry zu sein. Wurde der Cannabis­Tech­
Markt bisher von Silicon­Valley­Start­ups bestimmt, wie
HelloMD, das Patienten und medizinisches Marihuana
zusammenbringt, oder Weedmaps, eine App, die alle
Die Vaporizer von Pax sprechen eine designbewusste, zeitgeistige Zielgruppe an wichtigen Weed­Services in der Nähe auflistet, gab
034 page 10.16 › Themen › Rebranding Weed

jetzt auch Microsoft bekannt, bei einer von Marihua­ raucht und bereits im Weißen Haus gekifft hat. Sein im 6
na­Anbietern genutzten Software des Tech­Start­ups letzten Jahr gelaunchter Brand Leafs by Snoop 6 , ge­
Kind Financial miteinzusteigen. Für Troy Dayton, des­ staltet von Pentagram New York, stellt einen Gegenent­
sen Unternehmen The Arcview Group den Weed­Markt wurf zu den Schwarzmarkt­üblichen Plastiktütchen dar.
im großen Stil nach neuen Investitionsmöglichkeiten ab­ Das Hanfblatt wird zwar auch hier als Symbol bemüht,
sucht und dessen Porträt bereits das »Fortune«­Cover allerdings in einer abstrakten, kantigen, stolz golden
zierte, zeigt sich darin der Wandel von Cannabis als »in­ glänzenden Version.

↗  www.leafsbysnoop.com, ↗ www.pentagram.com
teresting cocktail conversation« zu »an unique American­ »It’s like working at the end of Prohibition. We’re de­
dream­kind­of­opportunity« (https://is.gd/face_weed). finitely pro­marijuana legalization, and we welcomed
Ein Celebrity­Investor dieses Marktes ist Peter Thiel, the opportunity to be involved in the evolution of this
der schon bei PayPal, Spotify und Airbnb frühzeitig den issue«, so Emily Oberman, die das Pentagram­Design­
richtigen Riecher bewies. Jetzt soll er 75 Millionen Dol­ team leitete, in der Zeitschrift »The Atlantic« (https://is.


lar in eine Firma investiert haben, die in enger Abspra­ gd/weed_snoop), über das Projekt. Ergänzt wird der
che mit den Erben Bob Marleys eine Hanfproduktrange Auftritt des bisher nur in Colorado erhältlichen Produkts
lanciert hat. Marley Natural 3 tritt mit dem Ziel an, die durch Weisheiten wie »Smoke weed every day« aus dem
erste globale Cannabismarke zu werden. Cedella Marley Munde des Machers. Neben Cannabismischungen mit
lässt wissen: »Mein Vater wäre sehr glücklich, wenn er Bananen­ oder Zitronenkuchengeschmack finden sich
sehen könnte, wie viele Menschen die natürliche Heil­ im Leafs­Sortiment auch Weingummi oder Schokolade
kraft des Krautes schätzen. Wir freuen uns sehr, dass wir mit THC. Aktuelle Marktforschungen zeigen, dass gut
der Welt die Produkte von Marley Natural gerade recht­ 50 Prozent des legalen Weed­Handels inzwischen aus
zeitig zu seinem 71. Geburtstag vorstellen können.« Ein solchen Edibles besteht – Tendenz steigend.
anderer Weed­Entrepreneur, Michael Steinmetz, will aus Einen Einblick in die kreativen Potenziale des lega­
dem von ihm mitgegründeten Lieferservice Flow Kana len Cannabishandels gaben die zwölf Designagenturen,
das »Whole Foods of Weed« machen. Das Branding ist die im April unter dem Motto »High Design: Creating a
authentisch, rau und organisch, die als »Active Pack«, Modern Marijuana Brand« dem Aufruf des US­Design­
»Chill Pack« oder »Inspired Pack« zu erwerbenden Can­ magazins »surface« folgten, eine fiktive Cannabismar­
nabismischungen nachhaltig, lokal und bio. ke zu entwickeln. Wax Studios aus Brooklyn schufen mit

Indie Weed vs. Weedustry


ihrer multinationalen, Multimillionen Dollar schweren
fiktiven Haze Corporation 1 einen zutiefst ironischen
7
Jene, deren frisch entfachte Liebe eher ökonomischem Brand, zu dem dank rascher Expansion Marken wie
Kalkül als der eigenen Geschichte entspringt, werden amazehaze.com (formerly Amazon.com Inc.), Goldman
von der losen Gemeinschaft der Hardcore­, Freizeit­ und Shaze (formerly Goldman Sachs Group Inc.) und Star­
Gelegenheitskiffer misstrauisch beäugt. Denn wenn es haze (formerly Starbucks Corporation) zählen. Hinter
darum geht, den Dingen ihre Seele zu rauben, ist nichts der von dem ebenfalls in Brooklyn ansässigen Design­ ↗  www.shopcatchtilly.com
so verlässlich wie die Jagd nach dem großen Geld. Und studio MGMT Design kreierten Marke Hi Design 8
so reagieren viele derjenigen, für die Cannabis zuerst et­ steht ein Weed­on­Demand­Service, der eine kura­
was mit Haltung zu tun hat, auf seine Transformation zu tierte Auswahl an Bio­Cannabis in Form von Edibles
einem hocheffizienten, globalen Massenprodukt mit der wie THC­Himalaya­Meersalzschokoriegeln oder THC­
Erweiterung des Gegenangebots unter dem Stichwort Hybrid­Kale­Chips nach Hause liefert.
»Artisan Cannabis«. »Artisan cannabis is nothing new.
People have been growing on boutique farms for genera­ Das Pot-Business ist weiblich
tions, limiting their yield in favour of speciality varieties«, Keine Fiktion sind die unschuldig aussehenden, jedoch
so Alex Moore auf der Ideenplattform www.prote.in. mit einer ordentlichen Dosis THC versetzen »Artisanal
Einige dieser Cannabis­Connaisseure eröffnen kura­ Cannabis Macarons« mit dem wunderbaren Namen
tierte Headshops für eine designversierte Klientel. Zu Madame Munchie 9 aus San Francisco. Die mit dem
diesen Läden zählen Catchtilly 7 in Austin und der be­ legendären High Times Cannabis Cup ausgezeichnete
reits in »Vogue«, »Wallpaper« und »New York Times« Marke verbindet französische Patisseriekunst mit un­
gelobte Tetra Shop 4 aus Los Angeles, dessen Inhabe­ ter der Sonne Kaliforniens gereiftem Bio­Marihuana.
rinnen ihrer kiffenden Kundschaft ausgewählte, oft in
Handarbeit hergestellte, nur in limitierten Editionen er­
Die beiden Gründerinnen Ashley und Kim sehen dies
als aktiven Beitrag dazu, Cannabis von seinem sozialen
8
hältliche Rauschaccessoires offerieren. Geschäftsmo­ Stigma zu befreien und zu zeigen, dass es nicht in die
delle wie diese verstehen sich als Teil eines weniger Coffeeshop­Schmuddelecken und die Mundwinkel des
↗  www.mgmtdesign.com

wachstumsorientierten und größenwahnsinnigen Ni­ Dreadlock­Typen gehört. Bei Madame Munchie gibt es
schenmarkts, dessen Umgang mit Marihuana auf Ur­ Macarons in den drei Geschmacksrichtungen Tropical
sprünglichkeit und Erfahrung basiert. Jungle, Citrus oder Green Gold, jeder von ihnen enthält
exakt 20 Milligramm THC. Wem es so gut schmeckt,
Essen statt Rauchen: Vormarsch der Edibles dass er auf der Stelle die ganze Box mit fünf Macarons
Persönliche Cannabisleidenschaft und ausgefuchstes aufisst, darf sich auf die, zumindest für Gelegenheits­
Marken­Know­how verbindet Hip­Hop­Ikone Snoop und Freizeitkiffer üppige Dosis von 100 Milligramm
Dogg, der nach eigenem Bekunden 81 Joints täglich reinem Bio­THC freuen.
page 10.16 035

Im Sortiment von Leafs by Snoop von Kiffer-und Hip-Hop-Ikone Snoop Dogg finden
sich Cannabismischungen mit Zitronenkuchengeschmack, THC-haltige Weingummis und
Schokoladen. Gestaltet hat den Markenauftritt Pentagram New York. Links: Mit
dem kuratierten Headshop Catchtilly in Austin wenden sich Laura Uhlir und Amanda
Farris ausschließlich an Cannabis-Connaisseure

Die Trends von morgen kommen fast


immer von den Außenseitern von heute.
Somit stehen die Chancen, dass der
als lethargisch und leistungsfaul geltende
Kiffer der nächste Trendsetter sein wird,
ausgezeichnet.

9
↗  http://madamemunchie.com

Bei dem fiktiven Weed-on-Demand-Service Hi Design von Die mit einer großzügigen Dosis THC versetzten »Artisanal Cannabis Macarons« von
MGMT gibt’s etwa THC-Himalaya-Meersalzschokoriegel Madame Munchie sind aktuell wohl die schönste Antwort auf den Fressflash, die es gibt
036 page 10.16 › Themen › Rebranding Weed

»Es gib einen Dass wie bei Madame Munchie, Catchtilly oder
Tetra Shop zahlreiche der Neugründungen im Weed­
enormen Bedarf – Business von Frauen stammen, ist eine weitere Beson­
auch an Gestaltung« derheit der Cannabisökonomie. Schätzungen zufolge
werden bis zu 40 Prozent der Unternehmen von »Female
● Der Deutsche Hanfverband (www.hanfverband.de) setzt Pot Entrepreneurs« geführt. In den letzten Jahren sind
sich für die Legalisierung von Cannabis ein. Mit Tobias Hauk mit Women of Weed Council oder Women Grow zudem
und Florian Rister sprachen wir über das erwachte Interesse eigene Netzwerke aus dem Boden geschossen. »Legal
und den zu erwartenden wirtschaftlichen Boom. Judith Mair marijuana could be the first billion­dollar industry not
dominated by men«, sagte Women­Grow­Mitbegrün­
Hat sich eure Arbeit verändert? derin Candice Owens 2015 gegenüber dem Nachrich­
Tobias Hauk und Florian Rister: Seit zwei, drei Jahren er­ tenmagazin »Newsweek« (https://is.gd/NW_Owens).
halten wir sehr viele Anfragen – vor allem seitens der Politik.
Die Legalisierung wird in nächster Zeit ein Bereich sein, in Weed als neues Super Food
dem politisch viel passieren wird – wirtschaftlich natürlich Der Blick in die USA zeigt, dass Cannabis in naher Zu­
auch. Wir haben immer mehr Anrufer, die einen lukrativen kunft viel von dem Schmutzigen, Verrauchten, Unge­
Markt wittern und von uns wissen wollen, wie sie sich in sunden, Rauschgiftartigen verlieren wird, das lange Zeit
den einkaufen können. Das hat viel mit der Entwicklung in sein Image bestimmt hat. Schon heute ist der Konsum
den USA zu tun. Dort sieht man, dass mit der Legalisierung von Cannabis in aufgeklärten Milieus häufig akzep­
die Welt nicht untergeht beziehungsweise dass die posi­ tierter als der des gesundheitsschädlichen, abhängig
tiven Auswirkungen die negativen bei Weitem übertreffen. machenden Nikotins. Ein Grund dafür ist sicher, dass
Was sind das für positive Auswirkungen? es sich besser mit aktuellen Trends und Lebensstilen
Die bessere Sichtbarkeit und Kontrollbarkeit des Marktes, verbinden lässt als die »böse Zigarette«. Anders als der
die Verminderung von Kriminalität, die Schaffung von Ar­ Tabakindustrie könnte es der neuen Weedustry gelin­
beitsplätzen, die Entwicklung von neuen Ideen und Ge­ gen, die kaufkräftige Zielgruppe der Ernährungs­ und
schäftsmodellen, mehr Wachstum, mehr Steuereinnahmen. Gesundheitsfixierten für sich zu gewinnen. Zum Bei­
Wie seht ihr die Entwicklung in Deutschland? spiel durch eine Positionierung als lokales, biologisches
Wir gehen davon aus, dass es 2017 Cannabis auf Rezept ge­ Superfood, bei dem sich der Wunsch nach Genuss mit
ben wird. Der aktuelle Beschluss lautet, dass es dann bei dem Gesundheitsdenken verbindet. So macht es bei­
medizinischer Indikation legal verschrieben werden kann spielsweise Om Edibles (eine Cannabismarke, mit der
und die Krankenkasse die Kosten erstattet. Das wäre inter­ Schauspielerin und Pot­Entrepreneurin Whoopi Gold­
national einmalig und hätte wirklich Pioniercharakter. berg kooperiert), deren Claim lautet: »Treating canna­
Wird Kiffen in Deutschland also bald legal? bis as superfood since 2008«.
Die Legalisierung zu medizinischem Gebrauch ist meist der Schon heute mischen die Ersten Cannabisblüten
Anfang, das zeigen die Erfahrungen anderer Länder. Wir mit Quinoa­Samen und Goji­Beeren in ihre Salate, Müs­
schätzen, dass es noch gut 5 bis 10 Jahre dauern wird. In den lis und Smoothies, bevor sie zum Weed­Yoga oder Can­
USA wurden auch deshalb so schnell Fortschritte erzielt, weil nabis­Wellness einchecken. Wer auf den Health­Hype
die Befürworter dort sehr einflussreich sind. Da gibt es vie­ nichts gibt, kann THC in Schokoriegeln, Energydrinks
le Prominente, die sich als Kiffer outen. Das ist in Deutsch­ und Kaugummi zu sich nehmen, entsprechende Ap­
land ganz anders. petitmacher für sein Haustier bei Canna­Pet bestellen,
Warum? nach neuen beruflichen Herausforderungen bei THC
Das vorherrschende Bild ist von den Coffeeshops in Hol­ Jobs suchen oder einen neuen Partner bei der Dating­
land geprägt und tendiert stark in Richtung Schmuddelecke. App HighThere! finden. Judith Mair
In einen Coffeeshop zu gehen, hat was Peinliches, wobei man
nicht gesehen werden will. Kiffen tut man lieber heimlich.
Judith Mair, popkulturexpertin aus Berlin,
Was ist anders in den US-Bundesstaaten, in denen freut sich auf den riesigen gestaltungs-
Cannabis legal ist? bedarf, den die Legalisierung mit sich
In Colorado gibt es wunderschöne Läden, in denen man bringen wird, und glaubt fest daran, dass
Cannabis legal kaufen kann. Nicht der typische Hippie­Hip­ eine Konversation über anbaugebiete,
Hop­Reggae­Dreadlocks­Mix. Alles ist sehr hell, transpa­ Kreuzungen und hanglagen bei Cannabis
schon bald genau so normal sein wird
rent, einladend, und ich kann mir genau die Sorte, die Do­ wie heute bei Wein. ↗www.hello-hello.de
sierung und die Marke aussuchen, die mich anspricht.
Die Legalisierung als ein Lichtschalter? Auf einmal ist
Rebranding Weed. Die Links zu den im artikel
alles hell erleuchtet, was bislang im Dunklen lag?
erwähnten marken, produkten und Services
Zumindest verschwinden die Ratten, die üblen Gestalten, finden Sie unter  www.page-online.de/weed_1016
die schlechte Ware, eben alles, was aus triftigem Grund bis­
her im Verborgenen stattfinden musste. Zugleich wird der
PAGE eDossier »Packaging Design in der
Markt erstmalig in seinen Ausmaßen sichtbar. Da wird einen Food-Branche«. neuartige, naturnahe Lebens-
Riesenbedarf auf uns zukommen, auch an Gestaltung. mittel verlangen auch eine frische gestaltung
↗  www.page-online.de/pDDp1066
page 02.14 025
anZeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter  www.page-online.de/seminar  

Leitmedium
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Fallbeispiele &
Strategien »Leitmedium
Das erfolgsseminar
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mit Jochen Rädeker –
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Der Referent Das Seminar


● Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts- ● Marken machen rund 50 Prozent des Wertes eines Unternehmens aus.
führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist Sie richtig zu definieren, zu prägen und zu gestalten, ist deshalb eine der
Professor für Corporate Identity und Corporate wichtigsten und komplexesten Aufgaben, die ein Kunde zu vergeben hat.
Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied Designer müssen für diese Herausforderung umfassend gewappnet
des Art Directors Club Deutschland, davon drei sein: Sie müssen auf Beratungsebene souverän Prozesse zu Positionierung,
Jahre als Präsidiumssprecher. Seine Designagentur Vision und Mission moderieren können, auf konzeptioneller Ebene die
Strichpunkt steht für hochwertige Marken- und richtige Markenstory entwickeln und auf gestalterischer Ebene überzeugende
Unternehmenskommunikation im Print-, Online- und einzigartige Lösungen finden, die in allen Kommunikationskanälen
und 3D-Bereich, hat mehr als 700 internationale konsistent funktionieren. All das müssen sie am Ende auch noch so präsen­
Preise gewonnen und ist seit Jahren in den Top Ten tieren, dass ihr Kunde die Beratungs­ und Designleistungen als objektiv
des page Kreativrankings vertreten. Jochen richtig erleben und bewerten kann und es nicht zu geschmäcklerischen
Rädeker verfügt mit seinen arbeiten für Unterneh- Entscheidungen am Küchentisch kommt.
men von adidas bis WMF, von audi über Vorwerk
bis zu Kulturfestivals, Schauspiel und Oper über Jochen Rädeker erläutert im PAGE Workshop »Leitmedium Design«
einen immensen erfahrungsschatz in Sachen sinnvolle Wege und Verfahren für eine nachvollziehbare Marken­
Konzeption und Umsetzung komplexer Designstra- positionierung. Er belegt anhand konkreter Praxisbeispiele – vom
tegien – von der Imagebroschüre bis zur Werbe- Start­up bis zum Weltkonzern –, wie man mit Marken berührende
kampagne, vom Online- bis zum Messeauftritt. und begeisternde Geschichten entwickeln und visuell erzählen kann.
Schließlich gibt er Tipps für erfolgreiche Pitches und Präsentations­
strategien. Wertvolles Know­how vom Designprofi für Designprofis
Die Agenda in Agentur und Unternehmen!

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Die Markenpositionierung. Das Seminar findet am 23. September in München in den
Wie komme ich zu einer belastbaren Corporate Design Offices Highlight Towers, mit faszinierendem Blick über die Stadt
Identity, zum Reason Why einer Marke? Werte- bis hin zur Zugspitze, von 10:00 bis 18:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet
definition, Vision, Mission und positionierung. 748 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungs-
kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 personen
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Wie erzähle ich als Designer überzeugende,
einzigartige Markengeschichten? Fallbeispiele Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
für erfolgreiche Corporate Stories. Austausch der Teilnehmer untereinander.

3 Gestalten: Multichannel-Design.
Wie funktional muss, wie kreativ darf ein gutes
Corporate Design sein? Online-CD-Manuals
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Tipps und Tricks für zielführende pitches und der Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung
an. Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
präsentationen. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
038 page 10.16 › Themen › Technologie & Fashion

Mithilfe der 360 Fash


Tech Kits von 360-
Fashion Network ent-
wickeln Studenten
am Beijing Institute
of Fashion Technology
eigene Wearables

Mit dem LED-Kit


entwarf das chinesische
Label Libet eine
Handtaschenkollektion
Mit dem Robotic-
Dress-Kit designte
Michael Starost
ein Kleid, das durch
eine animierte
Konstruktion wie
im Wind zu flattern
scheint. Unten
rechts: Die Maker-
Kits gibt es in elf
Varianten, etwa
mit Bewegungs-
Das Abendkleid
sensoren, Solar-
von RFactory (?)
und Bluetooth-
lässt seine in den
Modulen
Tüll eingearbei-
teten LED-Bänder
blinken, wenn die
Trägerin geht.
Umgesetzt wurde
das Kleid mit dem
360Fash Tech Kit
page 10.16 039

Science
● Die Digitalisierung hat in jüngster Zeit interes­
sante Verschränkungen von Mode und Technologie
her vorgebracht. In diesem Feld tummeln sich jede
Menge Start­ups mit Ideen für innovative Services

Fashion
und Produkte, aber auch Modedesigner, die ihre
Kreationen technisch anreichern. Wie vielfältig und
ambitioniert diese Fashiontech­Konzepte und ­Ex­
perimente sind, haben nicht zuletzt der Fashion
Hack Day im Rahmen der re:publica TEN (http://
fashionhackday.com) oder die eher businessorien­
tierte #Fashiontech­Berlin­Konferenz (www.fash
iontech.berlin) im Sommer gezeigt.

An der Schnittstelle von Mode und Techno- Sharen statt shoppen


Eines dieser neuen Start­ups ist combyne aus Mün­
logie entstehen derzeit Projekte, die die chen (www.combyne.com). Mit der gleichnamigen,
Fashion- und E-Commerce-Welt durch Anfang des Jahres gelaunchten App können User in­
dividuelle Outfits zusammenstellen. Diese wählen
außergewöhnliche Neukombinationen von sie aus einem kuratierten Fashionkatalog aus, der
Produkten und Services bereichern auf dem Angebot von Online­Retailern wie Zalando,
Topshop oder Urban Outfitters basiert. Alle Artikel
sind also kaufbar, doch das Interessante ist, dass bei
den überwiegend 20­ bis 30­jährigen Usern der App
das Kombinieren und Teilen von Looks, also die Nut­
zung des Services im Vordergrund steht. »Die Expe­
rience und das Teilen der Experience ist wichtiger
als das Kaufen oder Besitzen von Sachen«, erklärt
Dr. Philipp Seybold, Co­Founder von combyne. »Frü­
her waren die Marken stark, die heutige Generation
definiert sich selbst als Marke. Dabei spielt die Mög­
lichkeit, viel auszuprobieren und Freunde zu fragen,
eine wesentliche Rolle.« Im Prinzip bilde die App al­
so das echte Leben ab.
In der nächsten Version soll sich daher auch eige­
ne Kleidung sowie die von Freunden integrieren
lassen. Dazu muss der User nur die Mode oder die
Accessoires fotografieren. Über Filter und weitere
Funktionen lassen sich die Fotos dann in Qualität
und Format an den Bildstil des Katalogs anpassen.
Im Backend arbeitet die von combyne entwickelte
»Supra Relationing«­Technologie, die die Fashion­
fotos »smart« macht. Dabei ermitteln Algorithmen,
wie sich die Produkte zueinander verhalten müssen –
also ob sie in der Auswahl davor, dahinter oder da­
runter angeordnet werden. Das Interface unterstützt
mit seinem »Multilayering Swiping«­Konzept das
flexible Kombinieren der Outfits. Das Start­up zählt
unter anderem den Internetkonzern Google zu sei­
nen Partnern, der es auch technisch unterstützt.

Bildanalyse in Echtzeit
Fotos: Hanep Creative Studio (Kleider);
Marc van Woudenberg (Handtasche)

Ein reines B2B­Tool ist hingegen die Bilderkennungs­


software picalike (www.picalike.com). Sie identifi­
Das Abendkleid
ziert Gegenstände – speziell Kleidungsstücke – in
von Rfactory lässt
Echtzeit und kategorisiert diese. Genauer: Sie ist in
seine in den Tüll
eingearbeiteten
der Lage, Geschmacksvorlieben von Usern zu erken­
LED-Bänder nen. So kann das System feststellen, ob ein gesuch­
blinken, wenn die tes Kleid zum Beispiel für eine Feierlichkeit oder in
Trägerin geht der Freizeit getragen werden soll oder welche Farbe
und welchen Schnitt der Suchende bevorzugt.
040 page 10.16 › Themen › Technologie & Fashion

Das Start-up picalike


bietet eine gleich-
namige Bilderken-
nungssoftware,
die Kleider in Echt-
zeit identifiziert
und kategorisiert

Mit der App


combyne können
User Kleidungs-
stücke großer
Marken zu Outfits
kombinieren –
das Teilen steht dabei
im Vordergrund

Komplementärprodukte präsentiert, die dem Stil


des Suchenden entsprechen«, erklärt Sebastian Kiel­
mann, Managing Director von picalike in Hamburg.
Was aber hat Bilderkennung mit Fashion zu tun?
»Gerade im E­Commerce mit Mode – Ähnliches gilt
für Möbel – lässt sich wesentlich mehr Information
aus den Bildern extrahieren«, erklärt Sebastian Kiel­
mann. Damit umgehe man das Problem, dass Pro­
duktbeschreibungen stets vom jeweiligen Autor, von
der Zielgruppe und der genutzten Sprache abhingen.
»Unsere Idee war, das Bild als Medium zu nehmen,
um ein Produkt zu beschreiben. Denn so sind wir
sprach­ und vokabularunabhängig.« Das Research­
Fast-Forward-Imaging Anhand dieser Kriterien lernt die Software den und Development­getriebene Start­up ist seit sechs
und Berlinproof Geschmack des Besuchers kennen, ohne dass die­ Jahren am Markt und arbeitet vor allem mit Shops
haben mit ihrem On Air- ser seine Wünsche explizit angeben muss. ab 1000 Produkten. Zu seinen Kunden zählen etwa
Store einen Virtual-
Implementiert ein Onlineshopbetreiber picalike, Otto, Esprit, Globetrotter oder bonprix.
Commerce-Service für
Retailer entwickelt
kann die Anwendung also abhängig vom bisherigen Auch Wide Eyes Technologies nutzt eine eigens
Suchverhalten des Nutzers weitere Empfehlungen entwickelte Bilderkennungstechnologie für ihre vi­
steuern. Auf diese Weise soll die Lösung helfen, die suelle Suchmaschine ( www.wide­eyes.it ). Der An­
Abbruchquote zu reduzieren und die Conversion zu satz: Zwei rote Kleider können sich ähneln, sind aber
steigern. »Im Fall eines ausverkauften Produkts wird nicht identisch. Verzierungen, Kragentypen, Klei­
dem Besucher gleich eine Alternative angezeigt, da­ derlängen, Muster, Styles und Silhouetten – all das
mit er die Seite nicht verlässt. Zudem erhöht es das kann variieren, und das Tool ist imstande, diese Un­
User Engagement, wenn man visuell ähnliche oder terschiede wahrzunehmen. Bei der Entwicklung ar­
page 10.16 041

beiteten die Developer – wie auch picalike und com­ dem ehemaligen Model Anina Net gegründete Firma
byne – mit maschinellem Lernen, einem Gebiet der 360Fashion Network in Peking Baukästen für ex­
Programmierung, das sich mit Mustererkennung perimentelle Fashiontech­Projekte an. Die 360Fash
und KI befasst. Für die Bilderkennung nutzt das Tech Kits gibt es in elf Ausführungen mit un­
Start­up künstliche neurale Netzwerke sowie intel­ terschiedlichen Schwerpunkten, von Motion und
ligente Algorithmen. Gesture über Robotic bis hin zu LED und Solar
Die von Wide Eyes Technologies entwickelte (www.360fash.com). Mit ihnen können Designer
Suchmaschine lässt sich via API von Retailern oder Wearables gestalten, ohne selbst programmieren zu
E­Commerce­Shops integrieren, zum Beispiel als müssen. Die Maker­Kits enthalten je nach Ausstat­
Browsererweiterung, um ähnliche Produkte zu su­ tung eine Software zum Visual Programming sowie
chen. Es gibt aber auch andere Einsatzgebiete, so Intel­Chips und Arduino­Mikrocontroller. So finden
Luis Manent, Co­Founder von Wide Eyes Technolo­ sich zum Beispiel im LED Bag Kit LED­Leuchten,
gies: »Manche nutzen unseren Service, um herauszu­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Bluetooth­Module und ein Tool, um einfache Licht­
finden, was gerade in der Mode passiert. Über das muster zu generieren, die sich dann per Smart­
Dashboard lassen sich Tausende von Bildern analysie­ »Dass es phone via Bluetooth steuern lassen. Gedacht sind
ren, um bestimmte Trends auszumachen oder Kauf­ die Sets für kleinere Kollektionen. Anina Net sieht
absichten zu ermitteln.« In den nächsten Monaten
noch keine sie vor allem als Möglichkeit für Studierende und
wird Wide Eyes Technologies einen Service laun­ Maschinen Designer, Ideen und Prototypen umzusetzen und
chen, der alle Kleidungsstücke in einem Foto erken­ gibt, die das Produkt schnell zur Marktreife zu bringen – der
nen und zu jedem ähnliche Produkte ausgeben soll. sowohl kritische Punkt bei den meisten Entwicklungen.
Und die 360Fash Tech Kits werden auch schon
Virtual Commerce Kleidung als eifrig genutzt: So entwarf der polnische Designer
Auf die automatische Produktion hochwertiger auch die Michael Starost ein Kleid mit dem Robotic­Dress­
360­Grad­Freisteller hat sich das Berliner Start­up Elektronik Kit, das durch seine animierte Konstruktion wie
Fast Forward Imaging spezialisiert ( www.fastfor dafür im Wind zu flattern scheint. Das chinesische Label
ward­imaging.com ). Seine Produkfotos lassen sich Rfactory entwarf damit ein Abendkleid. Die in den
dann flexibel in unterschiedlichste Kontexte einbin­ herstellen Tüll eingearbeiteten LED­Bänder blinken in For­
den – ein Service, der vorrangig auf den E­Com­ können, ist mationen auf, sobald sich die Trägerin bewegt und
merce­Bereich abzielt. Doch Gründerin Anna Rojahn derzeit die geht. »Wearables, smarte Textilien und das Internet
ist schon einen entscheidenden Schritt weiter – ihr
neustes Projekt ist Virtual Commerce. Darunter ver­
größte der Dinge sind ein wachsender Markt. Und diesen
wird die Marke mit den besten und schönsten tech­
steht sie die Erweiterung des E­Commerce durch Herausfor- nischen Lösungen erobern«, meint Anina Net. Sie
VR­Technologien. »Virtual Commerce hat das Poten­ derung im empfiehlt Modedesignern, entsprechend frühzeitig
zial, den klassischen E­Commerce mittel­ bis lang­ Fashiontech- mit dem Experimentieren anzufangen, um sich auf
fristig abzulösen«, meint Rojahn. Zusammen mit
der Kreativagentur Berlinproof hat sie schon einen
Bereich« diesem Markt zu etablieren.

entsprechenden Service für Retailer gestartet: On Lina Wassong, Meditativ-medizinische Tech-Textilie


Air­Store genannt (www.on­air.store). Fashiontech- Das 360 Fash Tech Kit hat Lilien Stenglein nicht ge­
Sie bieten ihren Kunden an, ein virtuelles Double Designerin in Berlin braucht. Ihre erste, exklusiv aus Silber gefertigte In­
ihres Stores zu erstellen – auch als Erweiterung eines ↗ www.lina force­Yoga­Kollektion konnte sie als Designer in Re­
schon bestehenden Onlineshops. Die Präsentation wassong.com sidency bei der Berliner Fashiontech­Marke Elektro­
des Angebots funktioniere auch über die Navigation Couture umsetzen (http://elektrocouture.com/port
durch die virtuellen Räume auf einem Tablet. Für die folio/inforce­yoga). Die bereits beim Onlineshop
volle Erfahrung ist ein VR­Headset aber natürlich Asos erhältlich Sportlinie entstand aus Stengleins
sinnvoll: Damit kann User ganz in die neuen 3D­ Interesse an Yoga und Meditation: Unter einem
Shopping­Welten eintauchen und in Marken­Flag­ mittels Lasercut erstellten Mesh ist eine Textilie ein­
ship­Stores weltweit einkaufen. »Man könnte aber gearbeitet, deren Fäden von nahezu reinem Silber
auch eine Kollektion von Laufschuhen zum Beispiel ummantelt sind. Ein Material, das ursprünglich aus
in eine Waldlichtung transportieren und den Kun­ der Medizin kommt und sehr hautfreundlich und
den den Schuh dort erleben lassen«, erklärt Anna entzündungshemmend ist. So kommt es etwa bei
Rojahn. Auf diese Weise habe man die Möglichkeit, Babystramplern zum Einsatz, wenn die Kinder an
Geschichten um das Produkt viel immersiver zu er­ Neurodermitis leiden.
zählen. Sie ist überzeugt: »Die User werden sich sehr Die Berliner Designern erklärt: »Silber bringt meh­
schnell an das wesentlich emotionalere Erleben in rere Eigenschaften mit, die ideal für diese Kollektion
einem reichhaltigeren VR­Kontext gewöhnen.« waren: Es reflektiert die Körpertemperatur zurück
an den Körper. Das unterstützt die Chakren dabei,
Maker-Kits für marktreife Prototypen sich zu öffnen.« Es fühlt sich ein bisschen so an, als
Andere Start­ups nehmen nicht die User und Fa­ würde einem jemand seine warme Hand auflegen.
shion­Retailer mit neuartigen Dienstleistungen ins An der Unterseite der Shirtarme sind zudem Mate­
Visier, sondern die Designer. So bietet etwa die von rialien eingearbeitet, die geruchsneutralisierend
042 page 10.16 › Themen › Technologie & Fashion

Nicht zu übersehen ist wirken, und in den Taschen kommt ein weiterer
der Jellyfish Dress Stoff auf Silberbasis zum Einsatz, der Elektrosmog
von Lina Wassong mit vom Körper abhalten soll. Das Thema Fashiontech
hauchzarten, leuch-
hat Lilien Stenglein erst vor anderthalb Jahren für
tenden LED-Bändern.
Unten: Sensoren in
sich entdeckt, auf der ersten #Fashiontech­Berlin­
Wassongs Monitor Konferenz, und sie hat es lange noch nicht ausge­
Dress messen den Herz- reizt: »Smarte Textilien und Technologien wie Laser­
schlag und lassen den cut und ­druck erlauben es uns Designern, über das
LED-Kranz lila pulsieren bloße Tragen hinaus wesentlich mehr Möglichkei­
ten in die Kleider hineinzulegen.«

Geflügelte Wearable-Kreation
Couture mit subtil eingearbeiteter Elektronik ent­
wirft die Designerin Lina Wassong, ebenfalls aus
Berlin (www.linawassong.com). Ihr Ambience Skirt
ist ein gerade geschnittener Minirock mit dezenten
Mini­LEDs, die, verbunden mit einem Mikrocon­
troller, wie Glühwürmchen leuchten. Mit dem Jelly­
fish Dress hat sie eine hauchzarte Kreation aus leuch­
tenden LED­Bändern geschaffen. Und dann gibt es
noch ein Kleid mit Flügeln am Rücken, die auf die
Trägerin reagieren: Über einen Ohrring wird deren
Puls gemessen und an den Mikrocontroller am Rü­
cken weitergegeben. Die Flügel bewegen sich dann
so, wie der Puls schlägt.
Lina Wassong arbeitet viel mit dem Arduino­Mi­
krocontroller, da er klein und einfach einzusetzen
ist. Sie schätzt auch die große Online­Community,
die sich gegenseitig unterstützt. Was die technische
Seite ihrer Arbeit angeht, wünscht sich die Fashion­
tech­Designerin, dass die Elektronik leichter und
flexibler wird, um sie besser in die Kleidungsstücke
integrieren zu können. Im Moment muss sie die
Technik, beispielsweise die Controller und Batteri­
en, noch in den Taschen verstecken, »aber auf Dauer
möchte man die nicht mit sich herumtragen«, so
Wassong. Die größten Hürden im Fashiontech­Be­
reich sieht sie derzeit noch in den fehlenden Voraus­
setzungen für eine Massenproduktion. »Es gibt bis­
lang keine Maschinen, die sowohl Kleidung als auch
die Elektronik dafür herstellen können. Im Moment
ist das alles noch Handarbeit.« Wir hoffen, dass sich
das auf absehbare Zeit ändert und beide Welten noch
mehr zusammenwachsen. Verena Dauerer

Das Flügelkleid von Lina


Verena Dauerer, freie Technik-
Wassong reagiert auf
Redakteurin in Berlin, würde gern
seine Trägerin: Über einen
auch einmal so eine LeD-Kreation
Ohrring wird deren Puls
tragen. hätte aber Bedenken,
gemessen und an einen das gute Stück gleich zu ruinieren.
Mikrocontroller am ↗www.designjournalisten.de
Rücken weitergegeben,
sodass sich die Flügel
entsprechend bewegen Fashiontech. Die Links zu allen projekten
sowie weitere Bilder finden Sie unter
Foto: Cristopher Santos

↗www.page-online.de/fashiontech_1016
Ihre Yoga-Inforce-Kollek-
tion hat Lilien Stenglein
aus einem Lasercut-Mesh PAGE Story »Shopzines«. neue Software für
und einem zu 99 Prozent magazine mit Kauffunktion und Social-
aus reinem Silber bestehen- Commerce-apps stellen wir in page 08.16 vor
den Stoff gefertigt ↗  www.page-online.de/pepa1608
Sponsored Content by QNAP Systems Inc.

Für Projekte mit


Höchstleistung
Lange Übertragungszeiten durch 4K-Workflows? Nicht mit QNAPs
hochperformanten NAS-Modellen und Thunderbolt-2-Technologie!

● Design hat im kreativen Arbeitsumfeld einen ho- lässt sich auch vom Mac aus über den Thunderbolt-2-
hen Stellenwert. Gleichzeitig verlangt jedes Projekt Port und parallel, etwa vom Windows-PC, über die
nach einer hochperformanten Speicherlösung, die 10-GbE-Schnittstelle auf das NAS zugreifen.
große Datenmengen dauerhaft sichert und einen Auch dank der drei HDMI-Anschlüsse, darunter
ortsunabhängigen Zugriff erlaubt. Der NAS-Experte ein HDMI-2.0-Port, lassen sich 4K-Videos problem-
QNAP bietet mit seinen Thunderbolt-2-NAS-Model- los und blitzschnell übertragen, bearbeiten und auf
len passende Systeme für Kreative im Homeoffice so- einem 4K-Bildschirm wiedergeben. Da die Beliebt-
wie in Agenturen und Produktionsstudios: Die TVS- heit solch hochaufgelöster Inhalte rasant zunimmt,
x82T-Reihe wird jedem 4K- oder 3D-Workflow von bieten die Thunderbolt-2-Modelle von QNAP Film-
Fotografen, Filmproduzenten und Designern gerecht. studios, Videoeditoren und Postproduktionen eine
Für die Postproduktion von Musikvideos, Werbe- optimale Unterstützung bei 4K-Workflows.
oder Imagefilmen müssen sich Inhalte in 4K oder
Ultra High Definition ruckelfrei auf Mac oder Win- Zwei Thunderbolt-2-Anschlüsse für
dows-PC abspielen lassen. Speziell der 4K-Work- eine Übertragungsrate von 20 Gb/s
flow bringt lange Übertragungszeiten mit sich, ver- Mit zwei separaten Thunderbolt-2-Ports ermögli-
langt aber zugleich sichere Datenspeicherung und chen es QNAPs NAS-Systeme Kreativen, von zwei
Highspeed-Freigabe. Zudem sind Kreative darauf Arbeitsplätzen aus gleichzeitig an einem Projekt zu
angewiesen, etwa bei Kundenpräsentationen, flexi- arbeiten – ohne Leistungseinbußen. Dazu verbinden
bel auf ihre Daten zugreifen zu können. sie das Thunderbolt-2-NAS mit zwei Thunderbolt-2-
fähigen Macs oder Windows PCs. Mac-OS-X-Nutzer
Sicherung hochaufgelöster Daten mit profitieren darüber hinaus von der Kompatibilität
QNAPs TVS-x82T-Serie mit Apples Time Machine. Damit lassen sich mühe-
Zuverlässige und zukunftssichere Back-up-Systeme los regelmäßige Back-ups auf dem Thunderbolt-2-
wie QNAPs TVS-x82T-Modelle mit zwölf, acht oder NAS erstellen. Alternativ ist es möglich, das NAS
sechs Festplatteneinschüben sind hier gefragt. Der über einen zweiten Thunderbolt-2-Port auch an bis
NAS-Experte hat seine Lösungen gezielt für kleine zu sechs NAS-Erweiterungsgehäuse anzuschließen.
und mittlere Unternehmen konzipiert: Intel-Mehr- Damit erreichen Nutzer eine Speicherkapazität von
kernprozessoren der sechsten Generation, doppel- bis zu 560 Terabyte. QNAPs Thunderbolt-
2-NAS-TVS-x82T-
te Datensicherung im RAID-Verbund sowie AES- Mit QNAPs TVS-x82T-Serie sind anspruchsvolle
Serie unterstützt
256-Bit-Verschlüsselung machen die TVS-x82T-Serie Design- und Bewegtbildprojekte nicht nur gut gesi- Kreative bei
zu einer ebenso sicheren wie langfristigen Investi- chert, sondern auch in Höchstgeschwindigkeit ver- 4K-Workflows mit
tion. Das QNAP-Betriebssystem QTS 4.2 ist modern fügbar – und kreative Köpfe damit frei für Neues! schnellen Über-
und intuitiv bedienbar gestaltet. Personen mit Zu- QNAP Systems Inc. ↗www.qnap.de tragungsraten
gangsberechtigung öffnen auf dem NAS liegende Da-
teien ortsunabhängig. Diese synchronisieren sich
automatisch mit Macs und Windows-PCs sowie mit
mobilen iOS- und Android-Devices.

Thunderbolt-2-NAS von QNAP: doppelt


in Höchstgeschwindigkeit arbeiten
Als weltweit erste Thunderbolt-2-NAS-Systeme erzie-
len die QNAP-Modelle Transferraten von 20 Gigabit
pro Sekunde. Durch die integrierte 10-GbE-LAN-Kar-
te profitieren Kreative bei der Dateifreigabe zwischen
mehreren Geräten von der gleichzeitigen Nutzung
von 20 und 10 Gigabit Netzwerkbandbreite. Dabei
044 page 10.16 › erlers Thema

über Liebe
Alle vier Wochen finden in Hamburg die Creative Mornings statt. Nicht Gestalter stellen sich hier mit
spannenden Beiträgen vor, sondern Menschen, die auf andere Weise kreativ sind. Das Julimotto
war »Love« und zu Gast der Viva-con-Agua-Mitbegründer und »Konzeptionsaktivist« Michael Fritz.
Was das am Ende doch wieder mit Design zu tun hat, fasst Johannes Erler zusammen

● »Wut« ist das Wort des Jahres. »Amerikas an­ Ich liebe die Farbkombination Pantone 359 C
steckende Wut«, titelt »Die ZEIT«. »Wähler zwi­ und Pantone 1485 C, und ich liebe es, das Papier
schen Frust und Wut – Der Nährboden der AfD«, Circlematt White, 70 Gramm, zwischen den Fin­
schreibt SPON. »Im Rausch der Wut – wer war gern zu reiben.
der Amokläufer David S.?«, fragt die »Berliner Ich liebe (Playlist, random moment) »E.V.P.«
Morgenpost«. Wut hat unfassbar viel Energie. von Blood Orange, »Lucretia MacEvil« von Blood,
Wut reißt Grenzen nieder und macht das Unmög­ Sweat & Tears, »Ventilator« von den Orsons,
Foto: Enver Hirsch

liche möglich. Wut ist die grausame, destruktive »Sex&Drugs&Rock&Roll« von Ian Dury, und ich
Waffe der Stunde. Und geht man in die sozialen liebe noch eine Million anderer Lieder, weil Mu­
Netzwerke, sind es längst nicht mehr nur die an­ sik das Größte ist.
deren, die wütend sind. Wut ist überall. Ich liebe das Pianosolo von Samuel Yirga in
Michael Fritz ist Konzeptionsaktivist und Cluesos »Aand Nen«, einem weiteren Projekt von
Johannes Erler ist Partner
Gründungsmitglied von Viva con Agua, einem des Designbüros
Viva con Agua, und Prince’ Gitarre im Hall­of­
höchst erfolgreichen Netzwerk von Menschen ErlerSkibbeTönsmann, das Fame­Video von George Harrisons »While My
und Organisationen, die sich für den weltweiten die Creative Mornings Guitar Gently Weeps«. Scheiße, wie sehr habe ich
menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trink­ im Hamburger designxport Prince und Bowie geliebt! Und wie sehr habe ich
wasser einsetzen. Das Wort »Liebe« verwendet veranstaltet, und Mitbe­ geheult, als ich eines Morgens, als Bowie gegan­
Fritz in seinem Vortrag genau ein Mal. Doch wer gründer des Designkollektivs gen war, vor meinem Büro stand mit »Where Are
Süpergrüp
wissen will, wie man Wut, Angst und anderen Ne­ We Now« auf den Ohren und begriff, was er sang.
gativismen begegnet, schaue sich bitte diesen Vor­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Ich liebe SÜPERGRÜP und 1000ZEICHEN
trag an, der bis zur letzten Sekunde vollgepackt (watch out with patience!). Und im Speziellen
ist mit Tatendrang, Vertrauen, Zuversicht, Intel­ Deine Spende liebe ich jetzt gerade Mario Lombardo, weil der
ligenz, fantastischen Ideen – und mit Liebe. für Viva auch immer alles liebt.
»Bei Viva con Agua geht es sehr viel darum, con Agua: Ich liebe eiskaltes Staropramen und heiße ma­
einfach mal eine andere Perspektive einzuneh­ IBAN DE58 rokkanische Minze. Ich liebe den HSV, meine
men«, sagt Michael Fritz. »Ich glaube, das nennt 2005 0550 Fahrräder, Tüschow, eine Zigarette im richtigen
sich Empathie oder so.« Moment und Schokoeis mit Sahne und Hasel­
Dem ist nichts hinzuzufügen. Und statt also
1268 1351 81, nusskrokant.
der Wut nachzugrübeln, berausche ich mich lie­ BIC HASP Ich liebe meine Frau, meine Söhne, meine Fa­
ber an der treibenden Kraft der Liebe. Mit einer DEHHXXX milie und unseren Hund. Ich liebe meine Freun­
sehr unvollständigen Liste der Dinge, an denen de. Ja, und ich liebe mein Leben. Es ist ein zufälli­
in diesem Moment mein Herz hängt. ges Privileg, in dieser Zeit an diesem Ort zu leben
Ich liebe den Blick aus dem Fenster meines und frei zu sein, das ist mir sehr bewusst.
Büros in die sommerlichen Gärten Harvestehu­ »Engagiert euch. Es ist eure Welt!«, sagt Mi­
des. Ich liebe das Eichhörnchen in den Wipfeln chael Fritz am Ende seines Vortrags.
der Fichte direkt vor diesem Fenster, das so nah PS: »There’s nothing you can do that can’t be
ist, dass ich es fast berühren könnte. done!« (The Beatles, »All you need is love«)
Ich liebe meinen Job und ich liebe alle, die mir
sinnvolle Arbeit geben, auch wenn ich es ihnen
Foto: Stefan Grönefeld für Viva con Agua

noch nie direkt gesagt habe. Ich liebe diesen Geis­


teszustand, wenn die Ideen kommen. Ich liebe es,
wenn ein guter Satz gelingt, und ich liebe den Mo­

ment, in dem ich nach der Lektüre eines Buches


oder Artikels begreife, dass ich etwas gelernt habe.
Ich liebe das große R der Akzidenz Grotesk Creative-Mornings-Videos.
Das Video zum Creative
Bold und das kleine p der Gill Sans Italic.
Morning mit Michael Fritz von
Seit Jahren liebe ich jeden gut gesetzten Text Viva con agua sehen Sie hier:
aus der Dolly Regular in 9,5 Punkt und neuerdings ↗ www.page-online.de/
liebe ich auch die Real Bold, vor allem in 12 Punkt. creative-mornings-hh
046 page 10.16 › Neues

1
Kontrastreich
Zu seiner eleganten
Sans Serif Siena
hat Jason Smith ein
schönes gedrucktes
Musterheft gestaltet
(bestellbar über info@
fontsmith.com ) 

NeueS
In the Army now
Von historischen

2 Militärbeschriftungen
inspiriert ist die
FM Sans: Neben Light,
Regular, Bold
sowie Condensed
gibt es auch eine
Condensed Stencil
page 10.16 047

Typo   Luxus-Type.  Im  zarten 


1

Alter  von  18  Jahren  zeich­


nete  Jason  Smith  –  zu  jener  Zeit  noch  College­
Student – die  ersten  Buchstaben  der  Siena,  die 
dann in der Versenkung verschwanden. Bis jetzt. 
Aus den Skizzen von damals entstand nun eine 
elegante  Serifenlose  mit  viel  Kontrast,  die  ihre 
Wurzeln in klassischen römischen Buchstaben­
formen hat. Mit sieben Stärken plus der passen­
der Italics eignet sie sich fürs Branding ebenso wie fürs Packaging Design. 
Für rund 200 Pfund gibt es sie bei Fontsmith. ↗ www.fontsmith.com
2   Corporate Font fürs Militär. Um sich als interessanter Arbeitgeber 

zu positionieren, ließ sich die schwedische Armee von DDB Stockholm 
ein neues Corporate Design schneidern. Wichtiger Bestandteil: der von 
Göran Söderströms Foundry Letters from Sweden entwickelte Corporate 
Font FM Sans, der das Schriftensammelsurium der Försvarsmakten ver­
einheitlicht. Und damit das Ganze schön militärisch aussieht, gibt’s auch 
einen Stencil­Schnitt. ↗ www.lettersfromsweden.com; www.ddb.de

 Multikulti-Buchstaben
Typo aus zwei unterschiedlichen Schriftsystemen in 
einem Designprojekt – in globalisierten Zeiten keine 
Seltenheit.  Der  Verlag  Viction:ary  widmet  diesem 
Phänomen jetzt ein Buch: »Type Hybrid« (256 Seiten, 
29,95 Euro, ISBN 978­988­13203­9­1) zeigt 120 Logos, 
die beispielsweise lateinische und japanische Zei ­ 
chen mischen, und außerdem rund 100 typografi­
sche »Hybrid«­Projekte aus der visuellen Kom mu­
ni  ka tion. Darunter Artworks aus Corporate Design, 
Branding, Eventgestaltung oder Packaging. Ob diese 
Multikulti­Typo  nun  wirklich  ein  neuer  Trend  ist 
oder einfach nur eine Spielart, Typografie dekorativ 
zu nutzen, sei dahingestellt, inspirierend ist »Type 
Hybrid« aber allemal.   ant
↗ www.victionary.com
Auf den Iwate-Kura-
Beer-Dosen finden
Das PAGE DTP-Typometer 2.0 mit allen typo- lateinische und japanische
grafischen Maßskalen erhalten Sie exklusiv im Zeichen zusammen
page Shop ↗ www.page-online.de/typometer  
048 page 10.16 › NeUeS

Bild   Automatische Bilderkennung.  Auf  Basis  ihrer 


neu en, KI-basierten Bilderkennung erleichtert Shutter-
stock Bildanbietern das Verschlagworten ihrer Motive: Die Contribu-
tor-App für iOS schlägt ab sofort auch selbst Keywords vor. Praktisch 
gerade bei den Minitastaturen auf dem Smartphone. ↗ https://is.gd/
ContributorApp    Fotos zu »Kunst« machen. Die neue Hype-App 
Prisma, die im Sturm die App-Charts eroberte, verwandelt Fotos mit di-
versen Filtern in Kunstwerke à la Mondrian, Hokusai und Co. Bald soll 
das auch mit Videos funktionieren. Doch Achtung! Die Bilder werden auf 
dem Server von Prisma Labs bearbeitet, wobei sich die Moskauer Firma 
weitgehende Nutzungsrechte einräumt. ↗ http://prisma-ai.com

 Illus für Webentwickler
Mit einem Erklärfilm, in dem das Berliner Webentwicklungsstu-
dio bleech seine Arbeitsweise potenziellen Kunden schmackhaft 
macht, fing alles an. Erdacht und animiert hat das Video die Design-
agentur Goldener Westen, die Bildwelten stammen vom Berliner 
Illustrator Daniel Ramirez Perez. Die Visuals fanden so viel An-
klang, dass sie nun Teil des Looks von bleech werden. Sie sollen 
nicht nur die Website beleben, die gerade einen Relaunch erfährt. 
Auch das Büro wurde ausgemalt – vom Künstlerkollektiv Old Yel-
low, das eigene Motive mit denen von Daniel Perez Ramirez remix-
te. Der Illustrator macht übrigens gerade international Karriere 
und wird seit Kurzem von der renommierten Londoner Agentur 
Pocko vertreten. 
↗ www.danielramirezperez.com;
Illustrationen von Daniel
www.pocko.com Ramirez Perez in einem
Erklärfilm und einem
Wandbild von Old Yellow

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050 page 10.16 › NeUeS › Bild

 Ab der Gürtellinie 10 deutschsprachige
Eigentlich ist Stacey Baker Bildredak- Illustratoren, denen man auf
teurin bei der »New York Times«. Aber 
in der 40th Street West zwischen 7th 
Instagram folgen sollte
und 8th Avenue gleich in der Nähe ih- Anders als britische und US-Illustratoren, die
res Arbeitsplatzes fotografiert sie oft  teils große Follower-Scharen verzeichnen,
selbst,  und  zwar  die  Beine  von  New  nutzen ihre hiesigen Kollegen das Potenzial von
Yorkerinnen. Diese stehen immer so  Instagram noch eher zaghaft. Hier einige
vor einer Wand, dass ihre Hacken op- spannende Accounts!
tisch mit dem Ende des Bürgersteigs 
ab schließen. Nach dem Erfolg von Ba- @nadineredlich: Eine der witzigsten Il-
kers  Tumblr-Blog  http://citilegs.com   lustratorinnen, die wir kennen – egal, ob 
erscheint  nun  bei  Kehrer  das  wun- es Auftragsarbeiten sind oder sie sich über 
derbare Buch »NY Legs« (192 Seiten,  sich selbst lustig macht.
19,90 Euro, ISBN 978-3-86828-698-4). 
Gestaltet hat es Matt Willey, Artdirek- @jonimajer:  Wir  lieben  die  feinen,  oft 
tor des »New York Times Magazine«  trick reich  surrealen  Schwarzweißzeich-
und 2014 von der britischen Fachzeit- nungen, die die Illustratorin aus Saarbrü-
schrift  »Creative  Review«  zum  Desi- cken täglich postet.
gner of the Year gekürt. 
↗ www.kehrerverlag.com @annakatharinajansen:  Mit  charmant 
reduzierten Motiven macht Anna Katha-
»NY Legs«, rina Jansen gute Laune. Liegt wohl an der 
fotografiert von Nordseeluft, denn sie lebt am Meer.
Stacey Baker
@z_e_b_u: Leuchtend bunte Illustratio-
nen,  Siebdrucke und Wandgemälde ha-
ben das Berliner Duo Zebu international 
bekannt gemacht.

@stefan_mosebach:  Haarige  Monster 


und  Characters  aller  Art  sind  eines  der 
Spe zialgebiete des auch bei vielen Werbe-
kunden beliebten Zeichners.

@thomaswellmann: Eine gute Adresse 
für  alle  Freunde  eines  lustigen  Comic-
Stils, der auch internationale Auftragge-
ber anlockt.

@laura_breiling: Meldungen aus dem Pa-
ralleluniversum von Laura Breiling, in dem 
Zimmerpflanzen und zahme Nagetiere ei-
 Fotos mit Leben ne unübersehbare Rolle spielen.
Mal flattern nur die Haare, mal fährt ein  Aus einem Tablet fliegen in
Auto durch ein ansonsten stilles Bild: De- diesem Cinemagraph von Ulla @cynthiakittler:  Einen  unverwechsel-
zente Bewegungseffekte, die nicht stören,  Kühnle analoge Dokumente baren,  etwas  herben  Stil  pflegt  Cynthia 
aber  doch  die  Aufmerksamkeit  auf  sich  Kittler,  deren  Buchillustrationen  wir  in 
ziehen, machen den Reiz von Cinemagraphs aus. Die junge Berli- PAGE 07.16, Seite 26 f., vorstellten. 
ner  Agentur  gallereplay,  gegründet  von  Grafikdesignerin  Lydia 
Dietsch und Filmemacher Marco Woldt, bietet die »lebenden« Fo- @nanna_prieler:  Mit  ihrem  Hands-on-
tos als lizenzfreies Stockmaterial an. Über 500 Cinemagraphs von  An satz, der auch mal Bilder von leckerem 
50 Künstlern aus aller Welt sind schon im Archiv zu finden, die  selbst gemachtem Essen einschließt, hat 
Kontributoren erhalten 40 Prozent des Verkaufspreises. Die Datei- die Wiener Zeichnerin bereits über 16 000 
en werden als Full-HD-MP4, WebM und GIF ausgeliefert. Auch  Abonnenten gewonnen.
Auftragsarbeiten sind möglich. Kunden wie etwa TUI oder Ogilvy & 
Mather bestellen individuelle Cinemagraphs, um damit unter an- @ana__albero: Einblicke ins bunte Leben 
derem Social-Media-Kanäle zu bestücken.   cg und Arbeiten der in Berlin lebenden spa-
↗ www.gallereplay.com nischen Illustratorin.
page 10.16 051

Technik   CMYK in 3D. Rova4D soll er heißen: 


ein neuer, bezahlbarer 3D-Drucker, der 
dreidimensionalen  Vollfarbdruck  durch  die  Mischung  von  Grundfar-
ben erzeugt. Im Unterschied zu den üblichen Verfahren schmilzt er die 
farbigen Filamente in einer Düse – was nahezu beliebige Farbmischun-
gen erlaubt. Anders als beim klassischen Druck benötigt er dafür fünf 
Farben:  neben  CMYK  auch  Weiß  –  das  ja 
sonst das Papier liefert. Für das Produkt von 
ORD Solutions läuft noch eine Kickstarter-
Kampagne, das Finanzierungsziel ist aber be-
reits überschritten. Unterstützer zahlen für 
das Gerät rund 4500 Kanadische Dollar (cir-
ca 3000 Euro). Der Rova4D ist nicht der erste 
3D-Drucker der Kanadier, sie haben schon 
andere Projekte dieser Art über Kickstarter 
lanciert. ↗  www.ordsolutions.com

 Smart Signage
BenQ  präsentiert  zwei  neue  Displays  besteht darin, dass sie über ein spezi-
für Di gital-Signage-Anwendungen. So - ell angepasstes Android-Betriebssys-
wohl der ST650K mit einer Diagonale  tem verfügen und sich mithilfe der mit-
von 65 Zoll als auch der 43 Zoll große  gelieferten App mit Inhalten bestücken 
ST430K  bieten  eine  UHD-Auflösung  las sen. Deren Verwaltung ist übers In-
von 3840 mal 2160 Pixeln. Die Geräte  ternet möglich. Der BenQ ST650K kos -
 4K-Beamer von Canon für Messen, Point of Sale und an dere  tet knapp 2400 Euro und der ST430K 
Für High-End-Bildqualität bei der Projektion  Werbeflächen  erweitern  die  Smart- ungefähr 1200 Euro. 
ist  der  kompakte  XEED  4K501ST  von  Canon  Serie des Herstellers. Ihre Smartness  ↗  www.benq.de
konzipiert. Der Beamer, der mit seinen maximal 
4096 mal 2400 Pixeln sogar die Digital-Cinema-
UHD-Auflösung übertrifft, erreicht eine Hel-
ligkeit von 5000 ANSI-Lumen. Die hohe Auflö-
 Tablet-Bildbearbeitung
sung wird über zwei HDMI-2.0-Schnittstellen  Corels  PaintShop  Pro  ist  jetzt  in  der  Live  Screen  Capture  integriert.  Neu 
übertragen, die 4K mit 60 Hertz ermöglichen.  Version X9 erschienen und unterstützt  sind auch die Stapelverarbeitung so-
Der integrierte HDCP-2.2-Standard unterstützt  die Windows-Real-Time-Stylus-Tech- wie ein Werkzeug zum einfachen Er-
die nötigen Verschlüsselungsverfahren für die  nologie. Damit eignet sich die Grafik-  stellen von Farbverläufen. PaintShop 
Wiedergabe  von  kommerziellen  4K-Medien.  und Bildbearbeitungssoftware für die  Pro X9 kostet in der Ultimate-Variante 
Übrigens  ist  der  Canon  XEED  4K501ST  kein  Arbeit mit drucksensitiven Stiften, wie  (mit  den  hier  vorgestellten  Funktio-
Beamer zum Herumtragen, sondern benötigt  sie zum Beispiel das Microsoft-Tablet  nen) circa 90 Euro und in einer leicht 
eine Festinstallation. Und auch der Preis zielt  Surface Pro verwendet. abgespeckten  Version  rund  70  Euro. 
auf  einen  professionellen  permanenten  Ein- Für  die  Aufnahme  und  Kommen- PaintShop Pro X9 steht nur für Win-
bau ab: Etwa 55 000 Euro kostet das gute Stück. tierung von Screenshots sowie Screen- dows zur Verfügung.  ml
↗  www.canon.de casts hat der Hersteller sein Tool Corel  ↗  www.paintshoppro.com
052 page 10.16 › NeUeS

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in Hamburg die Marke Römerturm neu. Als Kreativ-
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nun daran gemacht, das Erscheinungsbild des Fein-
papierspezialisten ins digitale Zeitalter zu überfüh-
ren. Mehr Klarheit, viel Weißraum und Dreidimen-
sionalität, die die Haptik von Papier betonen, stehen 
Die Schrift Flama, im  Vordergrund  des  neuen  Römerturm-Auftritts. 
Dreidimensionalität Da zu trägt die moderne Schrift Flama ebenso bei wie 
und neue Farben
die mit Petrol kombinierten Grautöne, die das bis-
kennzeichnen das
neue Römerturm
herige Moosgrün ablösen. Das Logo unterlegten die 
Erscheinungsbild Düsseldorfer  Kreativen  farblich  und  verzichteten 
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054 page 10.16 › NeUeS

Publikationen
1  »Cuxhavens schönste Seiten«. Cannes, Rio, Malediven? Nein, Cux­
haven – heißt es immer noch für zahlreiche Besucher des Nordseebads,
das in der Tourismuswerbung zumindest in der Vergangenheit mit gla­
mouröseren Zielen durchaus mithalten konnte. Wegweisende Werbegra­
fiker wie Heinz Fehling, Illustratoren wie Johann Richard
Peters oder Fotografen wie Alfred Ehrhardt machten mit
Badeprospekten, Anzeigen, Kurzeitungen und Reklame­
plakaten Cuxhaven zum Traumziel vieler Deutscher. Ha­
gen Zielke, selbst dort aufgewachsen, besitzt eine riesige
Hagen Zielke: Cuxha­
Sammlung verschiedenster Drucksachen, die er zu einem
vens schönste Seiten:
Tourismuswerbung
ausführlichen historischen Abriss zusammenstellte. Wo­
in der 200­jährigen bei man auch die jeweils beteiligen Gestalter kennenlernt,
Geschichte des See­
bades. Wiefelstede die sogar Werbesprüche wie »Cuxhavener Heilschlick
(Oceanum Verlag)
2016, 144 Seiten. macht gesund!« schick in Szene setzten. Mehr dazu un­
19,90 euro. ISBN 978-
3-86927-408-9 ter ↗ www.page-online.de/cuxhaven

2  »Exhibition Art«. Der Titel dieses gelungenen 3  »Archigrafie«.  Ob Museum, Ladengebäude,

Buchs ist womöglich ein wenig missverständlich, Moschee, Hallenbad oder Biogasanlage – Schrift
denn es geht hier nicht um »Ausstellungskunst«, am Bau ist heutzutage fast schon eine Selbstver­
sondern vielmehr um Ausstellungsdesign. Und ständlichkeit, und zwar längst nicht mehr nur in
zwar sowohl um die gestalterische Aufbereitung Form klassischer Beschilderung. Wenn zum Bei­
von Ausstellungen selbst als auch um die vielen spiel der Erweiterungsbau des Wallraf­Richartz­
Designprodukte, die drumherum entstehen: Ein­ Museums in Köln irgendwann mal fertig ist, wird
ladungen, Plakate, oft komplette Erscheinungsbil­ er auf Pfeilern in Form der Buchstaben des Namens
der sowie Begleitpublikationen aller Art, für die der Wallraf Richartz stehen, gestaltet vom Basler Desi­
Begriff Katalog häufig zu lau wäre – etwa weil sie gner und Typografen Ludovic Balland. Dieser un­
als experimentelle Zeitungen oder Buchkunstob­ gewöhnliche Band führt in die vielfältigen Formen
jekte daherkommen. Vielseitige Projekte von über des Zusammenspiels von Architektur und Schrift
siebzig internationalen Studios sind in dem Band ein, von einem kurzen Rückblick auf Bauhaus und
zu sehen, aber auch sensationelle Abschlussaus­ Postmoderne hin zu 28 ausführlich beschriebenen
stellungen von Designhochschulen. Hier darf man aktuellen Beispielen. Ein kurzes, aber aussagekräf­
sich gerne inspirieren lassen, denn die Qualitäts­ tiges Kapitel über die verschiedenen Beschriftungs­
latte hängt ganz schön hoch . . . techniken rundet die gelungene Publikation ab.

Wang Shaoqiang: Exhibition Art. Agnés Laube, Michael Widrig:


Graphics and Space Design. Archigrafie. Schrift am Bau.
Barcelona (promopress) 2016, Basel (Birkhäuser) 2016,
240 Seiten. 45 euro. 168 Seiten. 49,95 euro.
ISBN 978-84-16504-49-7 ISBN 978-3-0356-0567-9
page 10.16 055

Viele Perspektiven
Verschiedene Wege durch eine
Abschlussaustellung am California
College of the Arts

Auf nach Cuxhaven!


So schön und romantisch sah
Cuxhaven auf Plakaten wie diesem
von 1957 aus – signiert von P. Jens

Schrift als Säule


Bisher nur ein Entwurf:
der Neubau des Wallraf-
Richartz-Museums mit
Typo von Ludovic Balland
056 page 10.16 › NeUeS › publikationen

Comics und
Graphic Novels
Die besten Neuerscheinungen aus inhaltlicher
und gestalterischer Sicht
4 Sebastian Rether: Foc/Feuer. Frankfurt (edi-

tion Büchergilde) 2016, 386 Seiten. 24,95 euro.


978-3-86406-067-0. Eine Ausnahmeerscheinung
4
im Genre Graphic Novel ist dieses Buch des Ham­
burger Illustrators Sebastian Rether, das Erzählun­
gen seines Großvaters aus dem Zweiten Weltkrieg
verarbeitet. Die Schrecken und die Banalitäten des
Kriegsalltags auf einer Odyssee durch ganz Europa 5
hat Rether mit filigransten Strichzeichnungen fest­
gehalten. Die Darstellung lässt manches offen, ent­
sprechend der lückenhaften Erinnerung des Groß­
vaters. Alles präsentiert in einem edel gestalte­
ten Buch im festen Einband mit ungewöhnlichem
Strukturpapier. 6
5 Anna Haifisch: The Artist. Berlin (Reprodukt)
2016, 64 Seiten. 14 euro. 978-3-95640-032-2. Man
hat’s nicht leicht als Künstler, wie die Comics von
Anna Haifisch zeigen, die seit 2015 jede Woche auf
Vice.com zu sehen sind. Nun gibt’s die tragikomi­
schen, jeweils dreiseitigen Geschichten aus dem
Kunstbetrieb als Buch und auf Deutsch. Die Publika­
tion erscheint im Rahmen einer neuen, von den re­
nommierten deutschen Comic Artists Sascha Hom­
mer und Aisha Franz kuratierten Reihe, die jungen
Zeichnern die Veröffentlichung experimenteller Ar­
beiten erlauben soll.
6 Nadine  Redlich:  Paniktotem.  Kassel (Roto-
7
polpress) 2016, 96 Seiten. 16 euro. 978-3-940304-
56-8. Der Titel lässt es schon ahnen: Es geht um
Ängste, Depressionen, Stress und so weiter – von
der Düsseldorfer Zeichnerin aber immer mit viel
Humor aufbereitet.
7 Herr Seele (Illustration), Kamagurka (Text): 

Cowboy Henk. Zürich (edition Moderne) 2016,


122 Seiten. 29 euro. 978-3-03731-156-1. Flandern
und die Niederlande sind Ehrengast der Frankfurter
Buchmesse 2016, natürlich erscheinen da auch eini­
ge flämische Comics. Darunter ist zum Beispiel ein
Band mit Highlights aus der seit 1981 beliebten Se­
rie um den unberechenbaren Henk, der mal als Fri­
seur, Journalist, Maler oder Mamakind auftritt und
vermutlich bisexuell ist.
Tommi  Musturi:  Sozusagen  Samuel. Berlin
(Reprodukt) 2016, 160 Seiten. 25 euro. 978-3-
95640-107-7. Der gefeierte finnische Comic­Künst­
ler legt eine Fortsetzung der wortlosen, philoso­
phisch­psychedelischen Reisen des weißen Knub­
belwesens Samuel vor, das sich wie immer in einer
knallbunten Welt bewegt.
René Rogge: Pyramids. Kassel (Rotopolpress)
2016, 32 Seiten. 9 euro. 978-3-940304-54-4. Eine
etwas andere Version vom Bau der Pyramiden von
Gizeh, von einem jungen Kasseler Illustrator lako­
nisch erzählt.
page 10.16 057

Publishing-News
8 Wang  Shaoqiang:  Logo  Decode.  From  Logo 

Design  to  Branding.  Barcelona (promopress)


2016, 240 Seiten. 45 euro. 978-84-16504-16-9.
Zahlreiche Beispiele zeigen, wie Logos und daraus
wiederum Erscheinungsbilder entstehen. Zu jedem
Projekt füllten die Designer einen kleinen Fragebo­
8 gen über Briefing, Inspirationen und Lösung aus.
9 Jens Müller (Ed.): Best German Posters. Eine 

Geschichte der deutschen Plakatwettbewerbe/ 
A History of German Poster Competitions. Düs-
seldorf (Optik Books) 2016, 128 Seiten. 28 euro.
9 978-3-00-053060-9. Der jüngste Band aus der
designhistorischen A5­Reihe zeigt 250 Plakate aus
den wichtigsten deutschen Wettbewerben von 1949
bis 2000. Mehr Infos unter www.a5design.de.
10 Hans  Günter  Schmitz:  Postwertzeichende-

Logo- sign – von Kafka bis Loriot. Zürich (niggli) 2016,


Baukasten 160 Seiten. 39,90 euro. 978-3-7212-0954-9. Der
Für Möbelhersteller Autor ist Professor für Kommunikationsdesign und
NUVO aus Durban einer der Auserwählten, die diverse deutsche Brief­
entwickelte Felix
marken gestalten durften. Wovon er in einem Buch
Kraus ein variables
erzählt, das auch nicht realisierte Konzepte und Va­
Erscheinungsbild
rianten vorstellt. Mehr unter www.hgschmitz.de.
Steven Heller, Gail Anderson: The Typography 
Idea Book: Inspiration from 50 Masters. London
(Laurence King) 2016, 128 Seiten. 12,95 pfund.
9781780678498. Anhand von 50 exemplarischen
Arbeiten von Großmeistern typografischer Gestal­
Gartenschau
tung zeigt das Grundlagenbüchlein, was man – jen­
G. W. Hörnig machte
für dieses Plakat von
seits von purem Textsatz – mit Schrift etwa auf Pla­
1953 ein Blatt zum katen, Buch­ oder Magazincovern Aufsehenerregen­
Ausstellungsgelände des anstellen kann.
Peter  Claver  Fine:  Sustainable  Graphic  De-
sign. Principles and Practices. London (Blooms-
bury academic) 2016, 256 Seiten. 24,99 pfund.
9780857850638. Wie stehen Kommunikationsde­
signer zu unserer überbordenden Konsumgesell­
10 schaft? Die Publikation aus der Bloomsbury­Lehr­
buchreihe behandelt viele Facetten dieses komple­
xen Themas mit Projekten aus Praxis und Lehre.
11 Sandu Publishing: Alchemy. The Art and Craft 

of  Illustration.  Berkeley (gingko press) 2016,


H. G. Schmitz’ 240 Seiten. 39,90 euro. 978-1-58423-605-4. Bil­
Briefmarken der kann man nur fotografieren oder zeichnen? Nein,
Europamarke von
man kann sie auch aus Draht formen, aus Stoff dra­
1986 zum Thema
Wasserreinhaltung,
11 pieren, sie häkeln, sticken oder nähen, kneten, in
daneben ein Motiv Papier schneiden oder aus anderen Materialien Sze­
zum 100. Geburtstag nen bauen, die man anschließend fotografiert. Der
Franz Kafkas 1983 Band zeigt Beispiele sowohl von Künstlern als auch
von Illustratoren. cg

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Projekt App für das de Young Museum in San Francisco


DesignstuDio Guidekick, Berkeley, kalifornien
↗www.guidekick.co
kunDe de Young Museum, San Francisco
↗https://deyoung.famsf.org
tools InDesign, Illustrator, Photoshop, Flinto, Maya,
Unity, objective-C, Xcode, Ruby on Rails, AngularJS,
Amazon Web Services
Zeitraum April 2015 bis heute
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

● Alles begann am Machu Picchu. Als Josh Holland, Die zündende Idee
Aaron Rivera und Mark Paddon im Oktober 2012 das kam am Machu
Picchu: den Guide-
legendäre Andenplateau erklommen, auf die Ruinen
kick-Gründern (von
der einstigen Inka-Stadt blickten und zu gerne ge-
links) Josh Holland,
wusst hätten, wie es dort wohl im 15. Jahrhundert Aaron Rivera und
aussah, als das Leben in 2360 Metern Höhe blühte. Mark Paddon.
Natürlich hätten sie in einem Reiseführer blättern Hector Zhu (Zweiter
können, die richtige Seite suchen und schließlich die von links) ist ein
Nase ins Buch stecken, anstatt den Blick auf die spek- guter Freund aus
takuläre Aussicht zu genießen. Da sie das jedoch viel ihrer Studienzeit

zu umständlich fanden, entstand die Idee zu einem


digitalen »Sidekick«, einer App für das Smartphone,
die wie ein schlauer Kumpel funktioniert und einen
die Welt neu erleben lässt.
Es dauerte gerade mal ein Jahr, bis die Mittzwan-
ziger, die an der Cal Poly State University in San Luis
Obispo Informatik und Kommunikationsdesign stu-
diert hatten, ihre erste iOS-App launchten. Diese
begleitet einen durch das legendäre Hearst Castle in
den kalifornischen Santa Lucia Mountains, wo in
den 1930er Jahren Giraffen durch die Parkanlagen
trabten und Hollywood-Stars wie Cary Grant rau-
schende Feste feierten. Bewegt man sich über das
schlossähnliche Anwesen, liefert die App per GPS
Location Tracking an den jeweiligen Orten histo-
rische Ansichten, Videos, alte Fotografien und jede
Menge Geschichten.
Bereits kurz nach ihrem Erscheinen wurde die
Hearst-Castle-App auf iTunes zur »Best New App«
gekürt. »Wir wollen die Historie nicht nur zeigen,
sondern die User in sie hineinziehen«, sagt Designer
Josh Holland – auch in die Sutro Baths San Fran-
page 10.16 059

My Way
Das kalifornische Designstudio guidekick  
revolutioniert die Welt des kulturellen erlebens –  
mit ebenso klug konzipierten wie technisch  
avancierten apps, die ausstellungsbesucher auch  
indoor durchs Museum navigieren
060 page 10.16 › projekte 

ciscos, einem einstigen Salzwasser-Schwimbad


aus Eisen und Glas aus dem 19. Jahrhundert, das 1967
abbrannte und das die drei in einer App wiederauf-
erstehen lassen. Genauso wie die Ereignisse auf der
Gefängnisinsel Alcatraz in einer weiteren App.
Das alles entwickeln die drei in dem legendären
Fishhouse, das einem sofort ins Auge springt, wenn
man in die beschauliche Matthews Street in Berkeley
einbiegt: ein Bau in Form eines Süßwasser-Bärtier-
chens mit Betonkiemenfront und einer von Perlmutt-
muscheln durchsetzten Fassade. Der Architekt und
Liebhaber glitzernder mongolischer Uniformen, Eu-
gene Tssui, entwarf ihn 1995 für seine Eltern, die gro-
ße Angst vor Erdbeben hatten. Schließlich ist das Bär-
tierchen eines der robustesten Lebewesen der Welt.
Nach dem Tod von Tssuis Eltern und über Freun-
de von Freunden sind die Guidekick-Gründer hier
eingezogen und leben und arbeiten unter einem
Dach. Surren im Erdgeschoss und unter einem gro-
ßen Oculusfenster die Computer, werden Bespre-
chungen in der kreisrunden Sitzecke abgehalten, um
die sich schneckenhausförmig ein Aufgang hoch-
windet, der zu ihren Zimmern führt (siehe auch un-
seren »Blick ins Studio« auf www.page-online.de/
guidekick ). Mittlerweile ist Guidekick in San Fran-
cisco so bekannt wie ihr Haus. Denn im letzten Jahr
landeten sie ihren bisher größten Coup.

Wie finde ich meinen Weg durchs


Museum?
Gary Castro, IT-Direktor des im Golden Gate Park
gelegenen de Young Museum, war auf die Arbeit des
Start-ups aufmerksam geworden und bat es, eine
App für die auf die Kunst Amerikas, Ozeaniens und
Afrikas spezialisierte Institution zu entwickeln. Im
Jahr 2005 hatte diese mit einem spektakulären Bau
von Herzog & de Meuron neu eröffnet. Organisch
geformt, mit vier Eingängen und einem in sich ge-
drehten Turm, einer Kupferfassade, durch die Licht
wie durch einen Laubbaum fällt, und mit einer un-
gewöhnlich offenen Raumstruktur soll der Besucher
auf unbekannte Wege geführt werden. Zu viele aller-
dings gerieten dabei auf Abwege. Auch weil die Ar-
chitekten sich aus ästhetischen Gründen gegen ein
Leitsystem entschieden und Beschriftungen auf ein
Minimum reduzierten. Gedruckte Flyer mit den Eta-
genplänen halfen ebenfalls nicht weiter, denn um
sie lesen zu können, musste man wissen, wo man
sich gerade befand.
Entstehen sollte deshalb eine App, die die Navi-
gation im Gebäude vereinfacht und das Entdecken
von Kunstwerken fördert. Darüber hinaus ist das
Sammeln von Daten ein wichtiger Aspekt: Informa- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
tionen über Wege, Verweildauern und das Abfragen
von Fakten zu den einzelnen Werken sollen für die »Wie wollen die Historie nicht nur zeigen,
Konzeption von Ausstellungen ebenso genutzt wer- sondern die User in sie hineinziehen«
den wie für Marketing und Kommunikation. Da die
1,1 Millionen Besucher, die das Museum im Jahr Josh Holland, Mitbegründer von Guidekick,
2014/15 hatte, durchschnittlich 45 bis 55 Jahre alt, Berkeley, Kalifornien ↗ www.guidekick.co
weiblich und gut ausgebildet sind, stellte sich die
page 10.16 061

große Frage, wie man ein jüngeres Publikum ge-


winnt, das später selbst zu Förderern des Museums
wird. Und die Antwort darauf hieß: mit digitalen In-
halten, die spannend und mitreißend präsentiert
werden. Bereits 2014 hatte die Studie »A Closer Look
at Arts Engagement in California« der James Irvine
Foundation festgestellt ( https://is.gd/arts_engage ),
dass 40 Prozent der Kalifornier Kunst über mobile
Devices konsumieren. Datenerhebungen, die das
de Young in Auftrag gegeben hatte, zeigten zudem,
dass 75 Prozent der Besucher im Vorfeld erst einmal
auf die Museumswebsite gehen. Fast ein Drittel nutzt
dafür Smartphones und Tablets (54 Prozent von ih-
nen das iPhone und 27 Prozent das iPad).

Indoor-Positionsbestimmung
als Key Feature
Um eine Museums-App zu entwickeln, die so intelli-
gent wie verblüffend ist, dass sie mit ihren Interak-
tionsmöglichkeiten auch die Millennials packt, wur-
de die Indoor-Positionsbestimmung zum Key Fea-
ture. Denn nur so kann die App den Standpunkt des
Besuchers nutzen, um zu seinem persönlichen Guide Links oben: Josh Holland, Mark Paddon,
Chad Williams, Aaron Rivera und
zu werden, ihn durchs Museum zu führen, Kunstwer-
Alexa Beaman im legendären Fish House
ke in seiner Nähe hervorzuheben und kuratierte Tou- in Berkeley, dem Sitz von Guidekick.
ren anzubieten. Arbeitete Guidekick bei ihren vorhe- oben: Ihre erste App führt die Besucher
rigen Apps mit GPS, musste es nun einen Weg finden, durch das spektakuläre Hearst Castle
der innerhalb des Gebäudes funktioniert – und zwar am Highway 1 in kalifornien, zu dessen
ohne Hardware dort zu installieren. So etwas gab es Besonderheiten die Swimmingpools
bisher noch nicht – und auch Guidekick hatte erst kei- gehören, die antike tempel zitieren

ne Lösung parat, schob das Indoor Tracking daher


zunächst beiseite und konzentrierte sich darauf, an
der User Experience und am Mapping zu arbeiten.
062 page 10.16 › projekte › app fürs de Young Museum

einspielung der ton-


aufnahmen für die
de-Young-App (oben).
Gleich vier einlässe
hat das im Golden Gate
Park gelegene kunst-
museum – die App
führt den Besucher im-
mer zu dem für ihn
günstigsten eingang
page 10.16 063

Während die Designer sich bei der Gestaltung der Von der Übersicht zu
App von Handskizzen über Low-Fi-Mockups in In- detaillierten Informa-
Design und Prototyping mit Flinto vorarbeiteten und tionen: Die Guidekick-
App »zerlegt« das de
sie für die weitere Entwicklung schließlich in Illus-
Young Museum in ein-
trator oder Photoshop hochluden, nutzten sie für das zelne etagen, navigiert
Mapping eine ganze Kombination von Tools. Aus die Besucher mit ver-
Grundrissen, Fotos und CAD-Daten bauten sie in schiedenen touren durch
Maya eine 3D-Version des Gebäudes und exportier- die Sammlung oder
ten das Ergebnis zuletzt nach Unity. Um die Positio- benachrichtigt sie über
nierung des Users im Innenraum exakt auf der App Highlights in ihrer Nähe
und informiert tieferge-
abbilden zu können, musste die Karte absolut aku-
hend zu den exponaten
rat sein. Dafür entwickelte Guidekick eine eigene
Software, die es ihnen erlaubt, die Geoinformatio-
nen über eine Cloud ganz einfach zu bearbeiten und
upzudaten. Der User findet sich in einem 3D-Mo-
dell des Gebäudes wieder, das aus drei Etagen be- in Gruppen angeordnet. Das ist wesentlich über-
steht. Berührt man eine von ihnen, kann man sich sichtlicher und bietet dennoch die Möglichkeit, di-
in sie hineinzoomen. rekt mit der App zu interagieren.
Nachdem das Mapping abgeschlossen war, ge-
Von 2D zu 3D switchen staltete Guidekick Marker für die 33 spannendsten
In allen Phasen der Entwicklung fanden in Zusam- und wichtigsten Werke der Sammlung, die Teil ver-
menarbeit mit dem Museum Usertests statt. Schnell schiedener Touren sein können, aber auch beim in-
stellte sich heraus, dass das Feature, von einer 2D- dividuellen Navigieren durch das Museum auftau-
Karte jederzeit in eine 3D-Darstellung wechseln zu chen. Besucher können Tourthemen wie »Contem-
können, bei den Nutzern sehr gut ankam. Der Grund porary American« oder »Africa, Oceania, and the
dafür: Beim Zurücklegen einer Strecke von A nach B Americas« wählen, gleich zu Beginn werden sie da-
findet man sich auf einer zweidimensionalen Karte rüber informiert, wie viele Werke der Rundgang ent-
wesentlich schneller zurecht. Um jedoch einen Raum hält und wie lange er dauert. Oder sie können sich
zu begreifen, in dem man sich gerade aufhält, oder frei bewegen und eine »Alert«-Funktion aktivieren,
um zu verstehen, wo zum Beispiel die Treppen sind, die sie unterrichtet, wenn sie ein Schlüsselwerk der
eignet sich 3D aufgrund der Plastizität viel besser. Sammlung passieren.
War die App in einer früheren Version mit einem
Tutorial versehen, das die Anwendungen und die Aufregende Audiospur
verschiedenen Informationsebenen erklärte, stellte Weniger als 1 Prozent der Museumsbesucher buchen
sich schnell heraus, dass dieses Feature gerade junge überhaupt eine Tour, geführt oder via Audioguide,
Besucher gar nicht nutzen, da sie viel visueller aus- und die Erhebung von 2014 hatte als Hauptmotiva-
gerichtet sind. Da Guidekick das Interface aber kei- tion für einen de-Young-Besuch den Wunsch, Neues
nesfalls überladen wollte, testete das Team, die In- zu entdecken und begeistert zu werden ermittelt.
fos auf dem Grundriss selbst anzuordnen. Damit Aus diesem Grund versah Guidekick die App mit
sich die markierten Orte dabei nicht überlagerten, einem besonderen Audiofeature: Die Kuratoren des
veränderte es die Informationsmenge abhängig da- Museums stehen direkt vor ihren Lieblingswerken
von, wie stark man heranzoomt. Das erwies sich je- und reden über sie – ohne Vorgaben, ohne Notizen,
doch als zu kompliziert für die Benutzer, deshalb ganz frei und mit all der Leidenschaft, die sie mit der
vereinfachte Guidekick das Prinzip ein wenig: Jetzt jeweiligen Arbeit verbindet. So entstand eine Audio-
sind alle Informationen durchgängig zu sehen, aber spur, die weder belehrt, noch einem das Gefühl
064 page 10.16 › projekte › app fürs de Young Museum anzeige

gibt, mit einer Führung durch das Museum zu gehen,


sondern mit einem kundigen Freund, der begeistert Die Referentinnen
von seinen Lieblingswerken erzählt.
Gleichzeitig ist auch die Audiospur darauf ausgerich-
tet, die Betrachtung des Kunstwerks keinesfalls zu stö-
ren. Man braucht weder aufs Telefon zu schauen noch
die passende Zahl suchen, mit der Bilder für Audiofüh-
rungen meist versehen sind, stattdessen lässt sich ein-
fach nur der Anblick der Kunst genießen: Dank einer
Kombination der Bewegungs- und der Entfernungssen-
soren des Smartphones, die die Nähe zum Kopf auslo-
ten, beginnt die Tonspur, sobald man das Gerät zum
Ohr bewegt und stoppt auch nicht, wenn man von ei-
nem Ohr zum anderen wechselt. Gleichzeitig ist dieses
Feature energieeffizient, da es – unhörbar – alle Milli-
sekunde aussetzt. Wer eine Apple Watch nutzt, kann
sich dafür Kopfhörer ausleihen.

Indoor Location Tracking mit Apples


WiFiSLAM-Technologie ● Sabine Pallaske, Mitbegründerin und Geschäfts-
Welche Publikumsmagnete gibt es im Museum? Wo führerin von F1online, hat kommunikationsdesign
halten die Besucher sich besonders lange auf ? Das de mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule
Young hat bereits erste Daten anonym erhoben, im Ge- Darmstadt studiert und war lange Zeit selbstständig
gensatz zu herkömmlichen Umfragen nicht nur Stich- als Fotografin tätig. Ihre Sachkompetenz bringt
proben, sondern es kann auf wesentlich mehr Informa- sie unter anderem beim Bundesverband professionel-
tionen zurückgreifen. 10 700 User haben die App in den ler Bildanbieter (BVPA) aktiv ein, bei der Mittelstands-
ersten beiden Monaten heruntergeladen, 8433 davon gemeinschaft Foto-Marketing (MFM), die sich der
haben sie bei mindestens zwei Besuchen genutzt. 614 ermittlung von Bildhonoraren widmet, sowie bei diver-
waren »Super User«, die ihre Zustimmung zum Loca- sen Foren, die sich mit Urheber- und Lizenzrecht
tion Tracking gaben und die App mehr als 30 Minuten sowie Contentnutzung auseinandersetzen. Ihr ist es
lang durchgehend in Betrieb hatten. Auf diese Weise ein Anliegen, das Chaos im Bild- und Lizenzrecht
ließen sich populäre Strecken ausmachen sowie »tote für Anbieter wie Nutzer durchschaubar zu machen.
Ecken« identifizieren und feststellen, welche Touren
die interessantesten sind.
Aber wie werden die Besucher denn nun ohne GPS
durchs Museum geführt? Guidekick nutzte dafür Apples
WiFiSLAM(Simultaneous Localization And Mapping)-
Technologie. Dabei werden für die Innenraumnaviga-
tion Wi-Fi-Signale genutzt – ein Verfahren, das bisher
hauptsächlich in der Robotik zum Einsatz kommt. Die
de-Young-App ist die erste Museums-Anwendung, die
von dieser Technologie Gebrauch macht. Indem die
IDs und die unterschiedlichen Stärken der den User
umgebenden Wi-Fi-Signale gescannt und gemappt wer-
den, lässt sich dessen exakte Position bestimmen und
anzeigen, ohne dass zusätzliche Hardware installiert
werden musste, die in Architektur und Ausstellungs-
situation eingreift.
Als »lebenden Organismus« beschreibt Guidekick-
CEO Mark Paddon die App, die demnächst auch für An- ● Rechtsanwältin Silke kirberg ist Inhaberin der auf
droid erscheinen soll, zudem Videos bieten wird und Urheber- und Medienrecht spezialisierten kanzlei
Audioguides speziell für Kinder. Die Computer im Fish- kirberg in Hamburg. kernbereich ihrer tätigkeit ist
house surren also auf Hochtouren. Auch weil Guide- das Bildrecht. Sie berät und vertritt überwiegend
kick sich vor Anfragen gar nicht retten kann und gerade Unternehmen und Freiberufler aus der Medienbran-
an weiteren Apps für führende amerikanische Museen che, insbesondere Bildagenturen und Fotografen.
arbeitet. sd Daneben vertritt sie auch Privatpersonen bei Verlet-
zungen ihres Persönlichkeitsrechts in Wort und
PAGE Story »Prototyping im Interactive Design«.  Bild. Durch ihre langjährige Praxis ist ihr das Bild-
Welcher prototyp sich für welche aufgabe eignet,  geschäft bestens vertraut. Silke kirberg ist
lesen Sie hier ↗  www.page-online.de/pepa1607 Mitglied des experten-Netzwerks BVPAexperts.
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Welche rechte Dritter bestehen unter 
welchen Bedingungen, und wer muss 
wissen müssen sich wann genehmigen lassen, ob die Bilder 
veröffentlicht werden können?
a. Model release: das recht am eigenen 
Bild, klärung mit einzelpersonen oder Model- 
agenturen (kunsturhebergesetz, grund- 
gesetz, eMrk)
Das seminar »Bildrecht!« B. property release: Was ist panorama-
freiheit, und wo braucht es die genehmigung 
● Die gutgläubige Nutzung von Bildern im Kommunikations-, Grafik- und des grundstückseigentümers?
Mediendesign kann gut und gerne Nachforderungen in empfindlicher Höhe C. Markenrecht: imageübertragung oder 
mit sich bringen. Und in Anspruch genommen wird immer der zuerst, der Beiwerk? augen auf bei Styling und requisite –
ein Bild der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Gut also, wenn alle Betei- hier herrscht großer abstimmungsbedarf.
ligten – Artdirektoren, Art-Buyer, Bildredakteure, Social-Media-Manager,
Editorial Designer, Grafiker, Bildgestalter und Website-Betreiber – verstehen, 3 nutzungs- und Verwertungs-
was genau sich hinter dem Begriff »Bildrecht« sowie hinter den einzelnen vereinbarungen
Lizenzmodellen verbirgt. Property und Model Release, Marken-, Eigentums- Wer räumt wem wann was ein – und wie?
und Persönlichkeitsrecht sowie das Recht am eigenen Bild bergen mehr Welche rechte habe ich als Designer, Filme- 
Fallstricke, als man gemeinhin annehmen mag. Und das sind nur einige der macher, Fotograf auf der einen Seite und 
Aspekte, die selbst bei der Nutzung von sogenanntem lizenzfreiem welche als nutzer auf der anderen Seite?
Bildmaterial berücksichtigt sein wollen. Auch die AGB haben es in sich. a. Stock: rM/rF/Microstock/Creative 
Commons/Flickr & Co
Im PAGE Seminar »Bildrecht« erklären Sabine Pallaske und Silke Kirberg an B. individualvertrag (Designer, texter, 
anschaulichen Beispielen aus der Praxis nicht nur, was Illustratoren und Fotograf, illustrator, Filmemacher)
Fotografen sowie Agenturen und Unternehmen bei der Auftragsvergabe und C. Miturheberschaft (extrem wichtig,
Verwertung von Bildern beachten müssen, sondern auch, wie man sich beispielsweise bei postproduktion oder 
in den bildorientierten Social Networks wie Instagram und Pinterest verhält. Styling und Food-Fotografie)
Die Referentinnen räumen in klarer, verständlicher Sprache auf mit
Halbwahrheiten und irreführenden Ratschlägen, sodass Sie ein fundiertes 4 urheberrecht und social media
Rechtswissen für Ihren Arbeitsalltag erlangen, mit dem sich 90 Prozent a. grundsätzliches
der Abmahnungen vermeiden lassen. Zudem erhalten Sie geldwerte Tipps B. Quellenangabe
für die Vertragsgestaltung und Nutzungsrechtsklärung und können die C. Wie schütze ich mich gegen Missbrauch? 
Pausen nutzen, um über konkrete Fälle aus Ihrem Kreativalltag zu sprechen. (Branding und andere Methoden)
D. Welche Lizenzregelungen gelten bei den 
Das page Seminar findet am  30. september im Hotel 25hours,  verschiedenen Bildagenturen?
Hamburg-Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die teilnahmegebühr von 
748 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) ist gut investiertes geld. Denn die teil -  5 Die tücken im Detail
nahme bewahrt Sie vor manch einer Bildrechtsverletzung, die Sie teuer zu stehen  a. agB – was ist das eigentlich?
kommen könnte, und hilft ihnen im Falle, dass Sie selbst der Urheber sind, ihre  B. angebote korrekt formulieren
rechte zu wahren und angemessene Honorare durchzusetzen. Die gebühr um -  C. rechteumfang richtig beschreiben
fasst die tagungskosten sowie Lunch und kaffeepausen. Die teilnehmerzahl ist auf 
18 per sonen begrenzt! also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar .  6 Wer haftet?
  Die rechtekette und die konsequenzen 
für nutzer, Besteller und Urheber bei 
rechtsverletzungen
page // ebner Verlag gmbH & Co. kg // info@page-online.de //
telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten teilnehmerzahl werden die anmeldungen in  Der PAGE Workshop mit Sabine Pallaske und
der reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung   Silke Kirberg lässt genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach erhalt der rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen. 
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe inhaltsverzeichnis). Diskussionen und den Austausch untereinander.
page 10.16 067

Crossmedial
Auf die Inhalte des
Volkswagen Magazins
können die Konzern­
verantwortlichen in allen
Märkten für ihre regio­
nalen Publikationen
zugreifen. Zu lesen sind
die Geschichten online
(linke Seite) und in
gedruckter Form

VW
Crossroads
Automagazine waren stets ein Sonderfall im Corporate Publishing –
das soll auch in Zeiten von Digital First so bleiben. Die Content-
Marketing-Agentur C3 Creative Code and Content zeigt das am Beispiel des
crossmedialen Volkswagen Magazins
068 page 10.16 › projekte › Volkswagen Magazin

PROJEKT Content­Strategie und crossmediales


Kundenmagazin für Volkswagen
KUNDE Volkswagen, Wolfsburg ↗  www.volkswagen.de
AGENTUR C3 Creative Code and Content, Berlin,
Hamburg, München ↗  www.c3.co
METHODEN & TOOLS Medienrecherche, Google Analytics,
Digital Workspace, CMS auf Basis von Magnolia
LAUFZEIT November 2012 bis heute

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

● »Das Auto.« Der ebenso selbstbewusste wie präg­


nante Claim von Volkswagen gehört zu den wohl be­
kanntesten Werbeaussagen der letzten Dekade. Von
2007 bis 2015 verwendeten die Wolfsburger ihn in
ihrer Kommunikation, um ihre Marke auf den Punkt
zu bringen: innovativ, werthaltig, verantwortungs­
voll. »Dass auch eine internationale Publikation die­
sen Claim aufgreift, war von vornherein klar«, erin­
nert sich Content­Stratege Jochen Förster. Seit 2012
betreut und entwickelt er das crossmediale Kunden­
magazin für den Automobilkonzern. 2015 entschied
Volkswagen, den Claim »Das Auto« auszutauschen –
die Marke setzt künftig mehr auf mobile Dienstleis­
tungen als »nur« auf Automodelle. Aus »Das Auto.
Magazin« wurde »Volkswagen Magazin«.

Das Ziel: Content, der international


funktioniert
Der Reihe nach: Den Etat für das Magazin gewannen
Förster und sein Team 2012 in einem Pitch. Damals
firmierte C3 noch als KircherBurkhardt, aber schon
vor der Fusion mit BurdaCreative und der damit ein­
hergehenden Umbenennung verstand sich die Agen­
tur mehr als Content­Marketing­Spezialist denn als
reiner Corporate Publisher. Die Marketingverant­
wortlichen bei Volkswagen traten mit dem Anspruch
an, ein Magazin herauszugeben, das ihr Marken­
image stärkt und beim Publikum in allen Märkten
und auf allen Kanälen ankommt. Die Publikation war
als crossmediale Plattform konzipiert und sollte nach
und nach die nationalen Magazine ersetzen, die bis­
her überall einzeln erschienen. »Erklärtes Ziel von
Volkswagen war es, relevanten Content zu ent wi­
ckeln, der länder­ und kanalübergreifend funktio­
niert und aus dem sich alle Märkte bedienen kön­
nen«, erklärt Jochen Förster. »In je mehr Ländern die
zentral produzierten Inhalte erscheinen, umso bes­
ser. Daran werden wir gemessen.«
Mit »wir« meint Förster seine Businessdirektorin
Anna Laura Sylvester, mit der er, ganz C3­üblich, eine
Doppelspitze für den Kunden bildet, und ein Team
aus Redakteuren, Artdirektoren, Projektmanagern
sowie Mitarbeitern aus den Abteilungen Infografik

Human Touch
In den Texten und der Gestaltung setzen die Macher
des Magazins auf echte Menschen und mitreißende
Themen. Die Inhalte sollen auch Leser ansprechen, die
sich nicht in erster Linie für Autos interessieren
page 10.16 069

und Video sowie der Bildredaktion. Gemeinsam er­ Vom Scribble zur Story
stellte die Truppe zunächst ein Content­Profil für Mehrere Skizzen und Entwürfe entstanden
Volkswagen. Dazu gehörten die Definition von Kom­ während der Produktion einer Geschichte zum
munikationszielen, Formaten, Themen und Tona­ Thema »Frauen und Einparken« im C3 Visual
Lab. Die finalen Grafiken waren im Heft sowie
litäten ebenso wie die Analyse der Zielgruppen.
im Online­Magazin zu sehen
Letztere sei dabei die größte Herausforderung ge­
wesen, erinnert sich Förster. »Wie im Markennamen
schon mitschwingt: Volkswagen spricht grundsätz­
lich alle Menschen an.«
Klar war also: Die inhaltliche Ausrichtung muss
vielfältig sein, die Storys sollen auch ein Publikum
erreichen, das sich nicht in erster Linie für Autos
interessiert. Um Kontinuität in der Ansprache zu ge­
währleisten, legten Volkswagen und C3 gemeinsam
narrative Qualitätsstandards fest. Sie wollten nach
präzisen journalistischen Kriterien arbeiten. »In un­
seren Content­Strategien versuchen wir, so selten
wie möglich unmittelbar Produkte zu bewerben und
so oft wie möglich über fesselnde Inhalte Marken­
profile zu schärfen«, erklärt Förster.
Nach solcherlei Maßgaben entwickelte das Team
in enger Kooperation mit dem Kunden geeignete
Themenfelder, Rubriken und Formate: Nutzwert­
storys – etwa Tipps für längere Autofahrten mit Kin­
dern oder Yoga­Übungen auf der Raststätte. Repor­
tagen von globalem Interesse – zum Beispiel über
die Fußball­WM für zwölfjährige Jungs. Aber auch
Stücke, die Autos originell inszenieren – etwa den
Touran mittels einer Verfolgungsjagd durch Berlin
nach Art von Erich Kästners »Emil und die Detek­
tive« oder den Golf GTE mittels einer Spritztour
entlang der Côte d’Azur mit Rallyecrack Andreas
Mikkelsen. Sein Job als Content­Stratege sei es,
sagt Förster, »immer wieder frische Blickwinkel zu
suchen und Ideen zu entwickeln, um über die Story
zum Produkt zu finden.«
070 page 10.16 › projekte › Volkswagen Magazin

Jochen Förster schmeißt als Content­Stratege und Chefredakteur das Volkswagen


Magazin bei C3. Dabei arbeitet er eng mit Businessdirektorin Anna Laura Sylvester (rechts)
zusammen, die ihm schräg gegenübersitzt

Reportagen ja, Tests nein


Dabei organisiert sich C3 ähnlich wie Editorial­Re­
daktionen. Die Mitarbeiter recherchieren in den Me­
dien und auf Kongressen, tauschen sich per E­Mail,
Telefon und im Büro aus und halten Konferenzen ab.
Dokumentiert wurden die Konzepte für den Heft­
aufbau und die Tonalität in einem maßgeschnei­
derten Digital Workspace, der auch heute noch für
Volkwagen im Einsatz ist.
Eine wichtige Recherchequelle für die Inhalte
sind zum einen die Publikationen der einzelnen
Märkte. So berichtete Volkswagen Südafrika in einem
kleinen Artikel über Ranger, die sich, ausgestattet
mit einem VW Amarok, gegen das Schlachten von
Nashörnern einsetzen. C3 schickte später einen Re­
porter und einen Fotografen dorthin und produzierte
ein großes Stück, das genau zu der angestrebten To­
nalität des Magazins passte: echt, mit einem mensch­
lichen Touch und von hoher sozialer Relevanz. »Cor­
porate Social Responsibility ist ein Bereich, der sich
wunderbar in die Content­Strategie von Unterneh­
Die Senior­Artdirektorinnen Katrin Gruber (links) und Andrea Rohner vor ihrer Entwurfs­ men integrieren lässt«, sagt Jochen Förster. Manch­
wand. Sie kümmern sich um das Look­and­feel des crossmedialen Volkswagen Magazins mal sei es schwierig, abzuwägen, welche Themen
für die Leser in wirklich allen Märkten interessant
sind. Im aktuellen Heft steht zum Beispiel ein Stück
über den VfL Wolfsburg: fürs deutsche Publikum si­
cher spannender als für viele Chinesen oder Brasilia­
ner, aber infolge der Champions­League­Teilnahme
des VfL in der vergangenen Saison auch internatio­
nal durchaus attraktiv.
Was dagegen nicht funktioniere, seien reine Au­
totests. »So beliebt dieses Format in Fachmagazinen
auch ist – wenn der Absender zugleich Hersteller des
Testobjekts ist, sind Testergebnisse wenig glaubwür­
dig«, sagt Förster. Eine Einsicht, die banal klingt, für
den einen oder anderen Content­Redakteur aber be­
stimmt einen Lernprozess darstellt. »Content Mar­
keting ist kein Journalismus, sondern Werbung mit
journalistischen Techniken. Man stellt Storytelling
in den Dienst einer Marke«, betont Förster.
Auch an die Designer stellt das Projekt besondere
Ansprüche. In enger Zusammenarbeit mit der Re­
daktion entwickeln die zuständigen Senior­Artdirek­
torinnen Katrin Gruber (Print) und Andrea Rohner
Das Content­Team organisiert sich ähnlich wie eine Editorial­Redaktion, inklusive (Digital) Layouts, die die jeweiligen Stärken ihrer
Redaktionskonferenzen. Links auf dem Tresen: C3­Managing­Director Lukas Kircher Kanäle zur Geltung bringen. Print setzt einen zeit­
page 10.16 071

loseren Coffeetable­Akzent, während die digitalen Kunden Volkwagen. Mehrmals im Monat ist Förster
Versionen der Storys dem Scroll­Prinzip folgen, im in Wolfsburg, um contentstrategische Projekte vor
Zweifel aktueller sein können und vor allem Videos Ort voranzutreiben, Themen zu besprechen oder
sowie Interactive­ und Social­Elemente hervorheben. Storys zu recherchieren.
»Anders als in einer reinen Designagentur ist bei
uns ein besonderes Gespür für Inhalte und Storytel­ Ohne Timelines geht es nicht
ling unerlässlich«, sagt Katrin Gruber. Schon zu Re­ Die definierten Aufgaben, Zuständigkeiten und Fris­
cherchebeginn jeder Geschichte besprechen die be­ ten dokumentiert das Team detailgenau im Digital
teiligten Gewerke Redaktion, Layout, Bild und Video Workspace. »Präzise Organigramme und Zeitschie­
mögliche Optionen, um Formate und Kanäle, Kom­ nen sind im Content Marketing entscheidend«, er­
munikationsziel und Zielgruppeninteresse optimal klärt Förster. Denn der ersten Abgabe eines Texts
zu verzahnen. »Form und Inhalt sind bei C3 untrenn­ folgen noch zahlreiche Schleifen in Lektorat und
bar«, ergänzt Andrea Rohner. »Wir versuchen stets, Übersetzung, die Freigabeprozesse sind zudem in
den inhaltlichen Spirit mit layouterischen Mitteln großen Unternehmen zeit­ und arbeitsintensiv. Das
sicht­ und spürbar zu machen.« Es gehe heute be­ Content­Management­System ist in der Agentur
sonders darum, einen smarten Mix aus Editorial und verortet, der Kunde bekommt PDFs zur Freigabe.
Advertising Design zu kreieren, der vor allem das xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Basierend auf der Software Magnolia passt die IT­
Menschliche der Inhalte in den Vordergrund stellt. Abteilung von C3 das System kontinuierlich an die
»Klassisches Werbedesign wirkt für heutige Web­ »Content Kundenbedürfnisse an.
designer im Content Marketing zu steril. Unsere Marketing Zur modernen Content­Strategie gehören natür­
Storys brauchen Aura, sie müssen leben, so erreichen lich weit mehr Touchpoints als ein gedrucktes Heft
wir maximale Glaubwürdigkeit für unsere Kunden«,
ist kein und ein Online­Magazin. »Stetig im Blick zu haben,
so Andrea Rohner. Journalismus, welche Inhalte welche Zielgruppen faszinieren und
sondern mit welchen Ideen, Formaten und Kanälen man
Ein wichtiger Shift: Digital First
Werbung höchste Wirksamkeit erzielt – das ist im Kern die
Neben der Recherche spielen Analytics eine wich­ Aufgabe eines Content­Strategen«, fasst Förster zu­
tige Rolle in der Arbeit eines Content­Strategen. Um mit journalis­ sammen. Über ihre Tochteragentur Rethink produ­
herauszufinden, was wen zu welchem Zeitpunkt inte­ tischen ziert C3 auch Content für die Social­Media­Kanäle
ressiert, werten Förster und sein Team die Zugriffe Techniken. von Volkswagen. Entsprechend kanaladäquat muss
auf digitale Inhalte regelmäßig aus. Zudem tum­ Man stellt das Redaktionsteam seine Inhalte auswählen und
meln sie sich in Foren und Facebook­Gruppen, ver­ aufbereiten. So produziert es zu jeder Geschichte di­
folgen Diskussionen und lesen Kommentare. »Ge­ Storytelling verse Teaser für den Einsatz auf Facebook, Instagram
schichten, die von Social­Media­Themen inspiriert in den et cetera, die auf die Storys im Magazin verweisen.
sind, haben in den vergangenen Jahren definitiv an Dienst einer Die Bilder, Texte und offenen InDesign­Dateien, die
Bedeutung gewonnen«, meint Förster. Zusätzlich
zur Zusammenarbeit mit klassischen freien Auto­
Marke« daraus entstehen, werden in eine Marketing­Data­
base geladen, auf die die Verantwortlichen in allen
ren und Fotografen werden dadurch auch Multipli­ Jochen Förster, Märkten zugreifen, sodass sie ihren Content quasi
katoren wie Blogger immer wichtiger. Content-Stratege bei baukastenartig zusammenstellen können.
Dass Förster als Content­Stratege selbst verhält­ C3 in Berlin
↗ www.c3.co Kommunikation in Grautönen
nismäßig oft als Autor im Einsatz ist, liegt daran,
dass er beim Volkswagen Magazin auch die Position Nicht zuletzt aus diesem Grund legt Content­Stra­
des Chefredakteurs innehat. Als solcher ist er dafür tege Jochen Förster großen Wert darauf, dass jeder
verantwortlich, dass das Qualitätslevel stimmt – und Baustein seiner Inhalte den höchsten Ansprüchen
zwar auf sämtlichen Kanälen. Momentan befasst er modernen Storytellings genügt: nützlich, originell
sich besonders mit dem Thema E­Mobility. »Hier ste­ und eingängig. »Wir lieben markante Headlines,
hen wir gerade an der Schwelle zu einer neuen Ära. vertraute Keywords und klar gegliederte Storys«, so
Die großen Player der Autobranche nehmen derzeit das Credo bei C3. Vor allem müssen die Protago­
sehr schnell Fahrt in Richtung digitales E­Mobili­ nisten echt und nahbar sein.
tätszeitalter auf«, berichtet Förster. Dies eröffne »Anders als im klassischen Werbeclip haben die
reizvolle neue Spielräume für Content­Strategien – Menschen, über die wir schreiben, Vor­ und Nach­
etwa durch neue Zielgruppen, die neue Ansprachen namen. Sie sind konkrete Charaktere mit echten Bio­
und Kanäle, andere Themen und Taktungen erfor­ grafien«, so Förster. Überdies seien Transparenz und
dern. »Die Zukunft der Autobranche liegt vermehrt der richtige Umgang mit Grautönen im Content Mar­
in der mobilen Dienstleistung, weniger im Auto­ keting besonders wichtig. »Mit Kunden wie Volks­
kauf selbst«, meint Förster. wagen sind wir uns darin einig, dass die Glaubwür­
Operativ bedeutet seine Doppelrolle, dass er sich digkeit einer Marke mit ihrer eigenen Transparenz
täglich mit seinem Redaktionsteam abspricht, The­ steht und fällt«, so Förster. So zu tun, als würde man
men vorantreibt und Workflows justiert. Aktuell be­ immer alles richtig machen, wirke wenig mensch­
treuen acht Text­, Bild­ und Videoredakteure sowie lich – »abgesehen davon sind blütenweiße Westen
vier Layouter und fünf Projektmanager von C3 den ja auch erzählerisch eher langweilig.« jbr
072 page 10.16 › projekte

PROJEKT Entwicklung eines 3D­gedruckten Rembrandt­


Gemäldes als Teil einer Markenkampagne für die ING Bank
↗ www.nextrembrandt.com
KUNDE ING Bank ↗ www.ing.com
AGENTUR J. Walter Thompson Amsterdam
↗ http://jwt.amsterdam
TECHNIK C++, Python, OpenCV, dlib C++ Library,
Microsoft Azure
ZEITRAUM Oktober 2014 bis April 2016

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

● Rembrandt Harmenszoon van Rijn hätte herzhaft Mitten in Amsterdam


gelacht, wenn er dieses Bild gesehen hätte. Davon ist präsentierte die ING Bank
Bas Korsten, Kreativdirektor bei J. Walter Thompson »The Next Rembrandt«
in einer Citylight­Vitrine,
Amsterdam, überzeugt. Nicht die Qualität des Ge­
stellte eine kleine Sitzbank
mäldes hätte den großen niederländischen Maler
davor und zwei Wächter
amüsiert, sondern die Tatsache, dass ein Team von rechts und links daneben.
zwanzig hochqualifizierten Leuten anderthalb Jahre So konnten Passanten das
lang daran gearbeitet hatte. Gemälde mit echtem
Im Oktober 2014 wandte sich die ING Bank, die Museumsflair betrachten
seit sieben Jahren JWT­Kunde ist, an die Agentur.
Der Finanzkonzern wollte sein Engagement für die
niederländische Kunst und Kultur kommunizieren
sowie seine Überzeugung, dass Technologie beides
befeuern kann. »Wir suchten also nach technischen
Innovationen, die wir für eine Kampagne nutzen
konnten«, erzählt Bas Korsten. »Erst landeten wir
bei e­David, einem malenden Roboter, den die Uni­
versität Konstanz entwickelt hat.« Dessen »Werke«
überzeugten die Kreativen aber nicht, sodass sie die
Idee rasch wieder verwarfen.
Dann erschien Bas Korsten das Gesicht Jesu, aller­

Der Rem
dings nicht im religiösen Sinne: »Ich las von drei
Archäologen, die in Jerusalem uralte Schädel ge­
funden und daraus das Gesicht Jesu rekonstruiert
hatten.« Wenn es möglich war, aus historischem
Material etwas Vergangenes auferstehen zu lassen,
müsste das doch auch mit alten Meistern gehen . ..
Die Idee zu »The Next Rembrandt« war geboren.
Warum ausgerechnet Rembrandt? »Wir wollten
einen niederländischen Maler, und Rembrandt war Aus Unmengen von Daten schuf J. Walter
zum einen der innovativste seiner Zeit, zum ande­
ren ist sein Werk sehr gut dokumentiert. Das war Dabei war die größte Herausforderung keine
page 10.16 073

brandt-Code
Thompson Amsterdam einen Rembrandt aus dem Rechner.
technische, sondern die, die Motivation des Teams hoch zu halten
074 page 10.16 › projekte › »the Next rembrandt«

1 2

1 Im Original ist das Gemälde viel eindrucksvoller

als auf diesem Foto. Verschiedene Museen


haben bereits Interesse angemeldet, das Werk
zu zeigen. 2 Nach rund anderthalb Jahren
war es so weit: Der Rembrandt aus dem Rechner
wurde in einer Ausstellungshalle in Amsterdam
feierlich enthüllt. 3 346 Gemälde des nieder­
ländischen Meisters analysierten die Kreativen
hinsichtlich des Geschlechts, Alters und der
Blickrichtung der dargestellten Personen, um das
typische Rembrandt­Porträt zu definieren.

wichtig, weil wir so viele Informationen wie mög­


3
lich brauchten, um dem Computer beizubringen,
wie Rembrandt zu denken und zu malen.«

Für Rembrandt begeistern


Die ING Bank war zunächst nur mäßig angetan von
dem Einfall: Zu groß schien ihr das Projekt, zu unge­
wiss der Ausgang. Schließlich aber ließ sie sich von
Bas Korstens Enthusiasmus anstecken und gab grü­
nes Licht. Ebenfalls skeptisch war Emmanuel Flores,
Innovation Director der JWT­Digitalabteilung. Als
ihm Bas Korsten in seiner, wie er selbst sagt, »opti­
mistisch­naiven Einstellung« von der Idee erzählte,
war Flores’ Antwort ein Kopfschütteln. »Ich komme
aus dem Interaction Design, das heißt, ich bin nicht
wie die Kreativen ideengetrieben, sondern lösungs­
orientiert. Und da hatte ich meine Zweifel, ob sich
dieses Projekt realisieren lassen würde.«
Bas Korsten aber überzeugte auch ihn, und sie be­
gannen, die Idee in der JWT­Entwicklungsabteilung
zu testen. Schnell wurde klar: Allein war dieses Big­
Data­Projekt nicht zu stemmen, kompetente Partner
mussten her. Diese fand die Agentur im Museum Het
Rembrandthuis, das den Kreativen und Developern
bei allen künstlerischen und kunsthistorischen Fra­
gen und bei der Recherche zur Seite stand, in Micro­
soft – die Firma stellte ihren Cloud­Service Azure für
das Speichern der zu erwartenden Datenmengen zur
Verfügung – sowie in der Delft University of Techno­
logy, die ihnen bei der technischen Umsetzung, etwa
bei den 3D­Scans, half. So bestand das Rembrandt­
Team schließlich aus etwa 20 Personen.
page 10.16 075

Die Daten geben die Richtung vor


Als Erstes wurden 346 Rembrandt­Gemälde mittels
hochauflösender 3D­Scanner analysiert. Basierend
auf diesen Daten untersuchte ein Algorithmus die
Bilder bis ins letzte Detail hinsichtlich des Alters,
des Geschlechts und der Blickrichtung der darge­
stellten Personen. Daraus errechnete ein anderer
Algorithmus das typische Rembrandt­Porträt: ein
kaukasischer Mann, der nach rechts schaut, zwi­
schen 30 und 40 Jahre alt, mit Bart, dunkler Kleidung,
weißer Halskrause und Hut.
Nachdem das Motiv feststand, ging es darum,
herauszufinden, wie ein typisches Rembrandt­Auge
oder ­Ohr aussieht. »Wir speisten fast 170 000 Frag­
mente aus seinen Gemälden in den Rechner ein
und schrieben Algorithmus um Algorithmus, um die
Charakteristika zu extrahieren, die einen Rembrandt
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
zu einem Rembrandt machen. So war der Computer
»99 Prozent der Menschen sind keine imstande, aus der Summe aller Daten etwas Neues zu
produzieren«, berichtet Emmanuel Flores.
Rembrandt-Experten und würden unser Als Nächstes konzentrierte sich das Team auf die
Proportionen. Ein Gesichtserkennungsalgorithmus
Gemälde, in einem Museum hängend, identifizierte und klassifizierte die Geometrie, die
auf jeden Fall als echt ansehen« Rembrandt beim Malen menschlicher Porträts an­
wandte: den Abstand der Augen zueinander, zur
Bas Korsten, Kreativdirektor bei J. Walter Thompson Amsterdam Nase, zum Mund und so weiter. Künstlerische As­
pekte, zum Beispiel, dass die Augen wichtiger sind
als die Ohren, spielten dabei keinerlei Rolle, allein
die Daten bestimmten die Festlegung der Parame­
4
ter. »Wir ließen uns von ihnen leiten. Wenn wir uns
fragten, wie soll das Licht in den Augen aussehen,
durchsuchten wir den Datenstrom, um die Antwort
zu bekommen«, so Flores. Wie viele Algorithmen er
und sein Team insgesamt schreiben mussten, weiß
er nicht mehr. Doch um bei der riesigen Daten­
menge nicht den Überblick zu verlieren, konzipierte
er eigens eine Richtlinie, wie die Daten klassifiziert
und abgelegt werden mussten, damit alle Beteilig­
ten jederzeit Zugriff darauf hatten.
Irgendwann hatte das Team die Rechner mit ge­
nügend Daten gefüttert, die Künstliche Intelligenz
konnte einen digitalen Rembrandt generieren, der
nun auch physisch realisiert werden sollte. Ein Ge­
mälde ist aber kein zwei­, sondern ein dreidimen­

4 Wie sahen in Rembrandts

Gemälden die Augen aus?


Auch das berechnete der Com­
puter bis ins letzte Detail.
076 page 10.16 › projekte › »the Next rembrandt«

sionales Werk, das erst durch die Pinselstriche


und die Struktur der Leinwand lebendig wird. Fach­
leute der TU Delft analysierten die Dicke der Farb­
schichten in Rembrands Bildern und entwickelten
eine Height Map, die vorgab, welche Höhe »The Next
Rembrandt« an welcher Stelle haben sollte. Schließ­
lich druckte Océ ihn in 13 Durchgängen und einer
Auflösung von 148 Millionen Pixeln mit UV­Tinte
auf eine Kunststoffunterlage. Das Ganze sieht aus
wie Öl auf Leinwand, die Pinselstriche kann man
nicht nur sehen, sondern auch fühlen.

Die Kunst der Motivation oder der


6 schönste Augenblick
Anderthalb Jahre sind eine lange Zeit. Immer wieder
gab es Momente, in denen der ein oder andere aus
dem Team das Handtuch werfen wollte. »Besonders
Anfang des Jahres, als die Workload explodierte und
wir jedes Wochenende arbeiteten, also quasi kein
Privatleben mehr hatten«, erzählt Emmanuel Flores.
»Aber es gehört zu Bas’ besonderen Fähigkeiten,
dass er uns nicht aufgeben ließ, uns immer wieder
neu motivierte.« Bas Korsten selbst ist froh, anfangs
nicht genau gewusst zu haben, was auf das Team zu­
kommen würde. »Dieses sehr komplexe Puzzle zu­
sammenzufügen und die Ungewissheit hinsichtlich
des Ergebnisses auszuhalten machte uns zu schaf­
fen: Die Motivation war der schwierigste Part.«

5 Ebenso sorgfältig wie die Augen wurden alle

anderen Details analysiert. Fast 170 000 Frag­


mente bekam der Rechner als Futter. 6 Ein
Gesichtserkennungsalgorithmus vermaß die
Proportionen der Porträtierten, beispielsweise
den Abstand der Augen zueinander. 7 Eine
Height Map erfasste die Dicke der Farbschichten
in Rembrandts Gemälden und gab genau vor,
welche Höhe das 3D­gedruckte Bild an welcher
Stelle haben sollte. 8 Océ druckte den digitalen
Rembrandt in 13 Durchgängen und einer Auf­
lösung von 148 Millionen Pixeln mit UV­Tinte auf
eine Kunststoffunterlage. 9 Das Ergebnis
sieht aus wie gemalt – und wirkt auch so, selbst
die Pinselstriche lassen sich erfühlen.

8 9
page 10.16 077

Anderthalb Jahre lang drehte sich bei ihnen alles nur


um den digitalen Rembrandt: Rechts JWT­Designer
Vinesh Gayadin, darunter Innovation Director Emmanuel
Flores und Jesse Houweling, Digital Director bei
JWT, im Gespräch mit Professor Joris Dik von der TU Delft.
Ganz unten: 2 Grand Lions und 14 Lions waren die
Belohnung für harte Arbeit (von links): Johan van der
Zanden (Head of Communications bei ING), Jesse Houweling,
Chloe Gottlieb (Jury President Cyber), Bas Korsten
(Executive Creative Director bei JWT), Kasia Haupt
Canning (Senior Creative Copy bei JWT), Guney
Soykan (Senior Creative Art bei JWT), Emmanuel Flores
und Jessica Hartley (PR Director bei JWT)

All das war vergessen, als »The Next Rembrandt«


am 5. April in Amsterdam enthüllt wurde. Für alle
ein schöner Augenblick. Emmanuel Flores behauptet
allerdings, für ihn wäre der beste Moment gekom­
men, als Bas Korsten aufhörte, ihn zu fragen, wann
sie denn fertig sein würden. Etwas später erzählt
der bescheidene, immer sachliche Entwickler noch,
dass ihn sein Vater, den Tränen nahe, anrief, weil er
einen Bericht über das Projekt im mexikanischen
Fernsehen gesehen habe. Und es klingt, als wäre
doch eher dies sein schönster Moment gewesen.
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Lichtpunkt auf der Nase
Die Reaktionen auf dieses spektakuläre Projekt
waren überwiegend positiv, nur einige Kunsthisto­
»Ich komme aus dem Interaction
riker äußerten sich kritisch. Dem Porträt fehle es an Design, das heißt, ich bin nicht wie die
Leben und auch an dem Lichtpunkt auf der Nasen­
spitze, der die Bilder des Barockkünstlers so meis­
Kreativen ideengetrieben, sondern
terhaft mache. »Ein echter Rembrandt­Experte merkt lösungsorientiert. Und da hatte ich
schnell, dass das kein Original ist«, gibt Bas Korsten
zu. »Auf der anderen Seite: 99 Prozent der Men­ meine Zweifel, ob sich dieses Projekt
schen sind keine Rembrandt­Experten und würden realisieren lassen würde«
unser Gemälde, in einem Museum hängend, auf
jeden Fall als echt ansehen.« Emmanuel Flores, Innovation Director bei J. Walter Thompson Amsterdam
Aber darum geht es ja gar nicht. Das Ziel war, eine
Debatte über die Möglichkeiten und Grenzen neuer
Technologien und Künstlicher Intelligenz für krea­
tives Arbeiten in Gang zu bringen – Das ist gelun­
gen. Die ING Bank, die während des Projekts ange­
nehm zurückhaltend auftrat, nutzte das Gemälde
kurze Zeit für eine Außeninstallation und profitierte
ansonsten von der öffentlichen Diskussion. 1,8 Milli­
arden Media Impressions, da wird für ING einiges
an Aufmerksamkeit hängen geblieben sein.
Ein klitzekleines bisschen wurmt es Bas Korsten
schon, dass einige Kunstkritiker so hart mit dem
Rembrandt aus dem Rechner ins Gericht gehen.
Doch letztlich kann er sich ein Ei drauf pellen. Bei
den Cannes Lions räumte »The Next Rembrandt«
16 Lions ab, davon 2 Grand Lions. Das zahlt sich für
J. Walter Thompson wahrscheinlich mehr aus als
das Lob von Kunsthistorikern. ant

PAGE eDossier »3D: Druck und Scanning«.


Unseren kompakten ratgeber finden
Sie unter ↗ www.page-online.de/pDDp1011
078 page 10.16 › projekte

Nachwuchs
Spannende Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

Wir leben in einer Zeit,


in der es schon alles gab.
Was bedeutet das für
Gestalter? Diese Frage
stellen sich wohl alle
Designstudenten früher
oder später
page 10.16 079

Es lebe die Kopie! » Staatlich anerkannte, mehrfach ausgezeichnete


Aufstiegsqualifizierung beim Marktführer
● HAW  Hamburg. Ist Originalität » 18 Monate berufsbegleitend
nur eine Illusion? Gerade Kommuni­ www.medienfachwirt.com
kationsdesigner sind schließlich auf
die Wiedererkennbarkeit von Symbo­
len und Klassifizierungssystemen an­
gewiesen, damit ihre Ideen und Bot­ Sie sind Journalist?
schaften verstanden werden. Bedeutet Nach der Arbeit an
das im Umkehrschluss, dass wir wahr­ seinem Buch hält es Profi tieren Sie von
haft originelle Ideen gar nicht verste­ Phillip Peters wie hervorragendem Service,
der Londoner Grafik- Fachinformationen,
hen würden? Und was bedeutet das qualifi zierter Beratung,
designer Adrian
für Gestalter? Shaughnessy: »We
Presseausweis,
Mit diesen Fragen setzt sich die Pu­ wirksamem Engagement,
are all copyists – and Medienversorgung und
blikation »I Am The Original Now« we should be glad« zahlreichen weiteren
auseinander, die Bachelorarbeit von Leistungen.
Phillip Peters im Fachbereich Kommu­ Die Journalistenverbände
nikationsdesign (https://is.gd/HAW_ informieren Sie gerne:

Design). Darin befasst er sich genauer Journalistenzentrum info@journalistenverbaende.de


mit der Beziehung zwischen Original Deutschland Tel. 040 / 8 99 77 99 www.journalistenverbaende.de
und Kopie. Inhaltliche Grundlage ist
das Buch »In Praise of Copying« von
Marcus Boon, Englischprofessor an
der York University in Toronto. Dazu TECHNISCHE
HOCHSCHULE
kommen selbst verfasste Texte und ei­ DEGGENDORF

gens erstellte 3D­Illustrationen. Für


Renderings entschied sich Peters, da
vor allem der 3D­Druck die Grenzen
zwischen Original und Kopie weiter
verschwimmen lasse. Die grafische Zertifikat Usability engineer
Gestaltung macht Anleihen bei der
bearbeitung selbst gewählter themen, die für sie und ihr
klaren Ästhetik des niederländischen Unternehmen wichtig sind
Grafikdesigns. Das Buch gibt es leider Vorlesungen am Wochenende
nicht zu kaufen, aber wer nett fragt, Persönliche Betreuung während der gesamten Zertifikatsdauer

kann über http://phillippeters.de Kon­ In 9 Monaten zum Hochschulzertifikat

takt aufnehmen und eine digitale Ver­ WeiterbilDUngsZentrUM der tHD


www.th-deg.de/weiterbildung tel. 0991/3615-727 weiterbildung@th-deg.de
sion bekommen. nik

Studenten
aufgepasst!
Unser PAGE eDossier »Design- Für euch gibt’s
studium« mit tipps zu eignungs-
prüfung und Bewerbungsmappe
6 cm umsonst!
gibt es zum Download unter  PAGE zum Studententarif
↗  www.page-online.de/pDDp1021   gibt’s unter www.page-online.
de/shop/studenten-abo

Diplomarbeiten, Abschluss-
projekte & Werkschauen. Mehr
zum Nachwuchs auf ↗  www.
page-online.de/werkschauen  
sowie ↗  www.page-online.de/
aus-den-hochschulen  
080 page 09.16 › projekte › Nachwuchs

Adiletten und
Bier im schicken
#flatlay, nasse
Füße in #from-
whereistand-
Perspektive:
Die Fotoserie
»notwinsta-
gram« parodiert
Instagram-
Klischees

Sich selbst der


beste Freund:
Für das #friends-
Motiv stand
Daniel Reuber
selbst Modell –
in dreifacher
Ausführung

Erzählen für alle Sinne


● FH  Vorarlberg. Dank technischer Entwick­ Die interaktive
lung und Digitalisierung sind heute ganz neue Reportage über

und interaktive Erzählformen möglich. Doch wie die »Kilometer- Mein Essen, mein
fresser« bietet
kombiniert man Text, Foto, Video, Grafik und
Fotos, Videos, Outfit, meine Freunde
Audio am besten, um ein stimmiges Erzählerleb­ Audiodateien
nis zu schaffen? Bernhard Poscher beschäftigte und Infografiken ● Hochschule Macromedia in Köln.
sich in seiner Bachelorarbeit »Digitales Storytel­ Kunstvoll drapierte Buddha Bowls, der
ling. Dramaturgie und Anatomie eines Genres Blick aus dem Flugzeugfenster, Kaf­
in der Betaphase« im Studiengang Intermedia fee mit Herzschaum: Ganz ehrlich,
(http://is.gd/intermedia) mit neuen Darstellungs­ diese Klischee­Instagram­Bilder kann
formen, die Narration mit der Multimedialität doch keiner mehr sehen. Deshalb
und Hypertextualität des Internets verknüpfen. macht der Gegenentwurf von Daniel
Im Praxisteil setzte er mit dem Storytelling­ Reuber auch so einen großen Spaß.
Tool Pageflow eine intermediale Reportage über Hier gibt’s als #foodporn Currywurst
zwei Ultra­Trail­Runner um, die sich »Kilome­ und verkohlte Pommes. Reubers Foto­
terfresser« nennen. Sämtliche Medienformate – serie »not winstagram« ist der prakti­
sowohl technisch als auch inhaltlich von höchs­ Die Herausforde- sche Teil seiner Bachelorarbeit im Stu­
ter Qualität – sind gut aufeinander abgestimmt rung bestand laut diengang Medien­ und Kommunika­
und ergeben ein schlüssiges, interessantes und Bernhard Poscher tionsdesign, komplettiert durch den
vor allem in der
unterhaltsames Ganzes (siehe https://is.gd/kilo Theorieteil »Von Halbwahrheiten und
Intermedialität:
meterfresser ). So schön das Ergebnis auch ist – Man müsse zu
Hobbyfotografen. Visuelle Kommuni­
mit einer rund sechswöchigen Produktionszeit einem gewissen kation von Identitäten im Social Web«.
ist es für die meisten (Medien­)Unternehmen Grad Medien- Mehr über das Projekt unter https://
wohl etwas zu aufwendig. nik allrounder sein is.gd/NOTWInstagram. nik
082 page 10.16 › WeRKZeUg › FaQ printproduktion

Werkzeug

Schwarze
Kunst
Überdrucken oder aussparen? RGB oder CMYK? Bei der Printproduktion
gibt es einiges zu beachten. Litho-, Druck- und Color-Management-Experte
Mario Drechsler beantwortet zehn wichtige Fragen
page 10.16 083

1 3
papiere, die heute im Bilderdruck verwen-
det werden, ebenso wie die Offsetpapiere
im ungestrichenen Bereich enthalten aber
überwiegend optische Aufheller und wir-
ken daher kühler. Ein ISO-Coated-v2-Proof
wird dadurch ein wenig gelblich anmu-
ten. PSO Coated v3 hingegen berücksich-
Stichwort Recycling – Was muss ich als tigt diesen Trend zu aufgehellten Papieren,
sodass es prinzipiell schon sinnvoll ist, da-
gibt es da bessere oder Designer über mit zu arbeiten (Download unter www.eci.
schlechtere Color Management org/de/downloads ).
Druckverfahren? wissen? Natürlich müssen dann auch alle Betei-
ligten die PSO-Coated-v3-Profile nutzen.
Im Digitaldruck sind kleine Auflagen und Basiskenntnisse gehören eindeutig dazu. Arbeitet der Kreative mit ihnen, sollte er die
Individualisierung möglich, er erlaubt flexi- Früher hatte man eine Litho und eine Re- Druckerei darüber informieren. Übrigens
bles und kostengünstiges Arbeiten. Sehr oft pro, die sich auch ums Color Management kann er von dieser ruhig fordern, auf den
kommen dabei HP-Indigo-Systeme zum kümmerten. Diese Stationen gibt es im heu- neuen Standard umzustellen. Auch wenn
Einsatz. Die entstehenden Printprodukte tigen Workflow kaum noch, die Arbeit fällt das mit größerem Aufwand und Kosten ver-
sind aber äußerst schlecht zu recyceln, da aber nach wie vor an und jemand muss sie bunden ist, da sie die internen Workflows
sich im dafür nötigen Deinkingprozess die gewissenhaft übernehmen. Zum Beispiel und die Messtechnik entsprechend anpas-
Druckfarben kaum vom Papier trennen las- klären, welches Druckverfahren sich für das sen muss. Aber schließlich kommen neue
sen. Es bleiben zu viele Farbpartikel im Pa- Projekt eignet, wie hoch der Gesamtfarbauf- Standards nicht wöchentlich, die letzte Än-
pierbrei. Bereits eine geringe Menge dieser trag sein darf, was im Druck mit den Bil- derung war 2007.

5
Druckerzeugnisse schadet beim Recycling dern passiert. Wer seinem eigenen Know-
der übrigen Ladung Altpapier. In Recycling- how nicht traut, sollte sich vergewissern,
sorten niedriger Qualität sind aus diesem dass der nächste Dienstleister im Produk-
Grund oft richtige Farbsprengsel erkenn- tionsprozess Bescheid weiß: Wenn ich
bar. Ähnliches gilt für UV-Farben und -La- RGB-Daten abliefere, muss ich also sicher-
cke beim konventionellen Offsetdruck.Was stellen, dass die Druckerei mit ihnen fach-
im digitalen Trockentonerverfahren herge- gerecht umgehen kann. Sonst kommt am
stellt wird, lässt sich hingegen meist ganz Ende etwas heraus, mit dem keiner glück-
gut recyceln, das gilt auch für RotaJET-Sys- lich ist. Color-Management-Basics würde
teme, die auf Inkjetbasis arbeiten. Weitere ich daher jedem Kreativen empfehlen. Es
Informationen zu diesem Thema finden gibt Workshops, in denen man sich die Wie farbverbindlich
sich auf www.ingede.de , der Website von Grundlagen aneignen kann. Am besten ist
lässt sich auf Design-
Ingede, der Internationalen Forschungsge- natürlich, sich jemanden für eine Schulung
meinschaft Deinking-Technik. ins Haus zu holen, der das Ganze an agen- papieren produzieren?

2 4
tureigenen Projekten erklärt. Auch ein Standard hat seine Grenzen. Bei
speziellen Sorten, auf die kein Druckstan-
dard wirklich gut passt, sollte ich den Kun-
den darauf hinweisen, dass der Standard-
proof nicht zwingend etwas mit dem spä-
teren Druckergebnis zu tun haben wird.
Schön wäre es, wenn die Papierhersteller
kenntlich machen würden, dass eine Sor-
te keinem Standardprofil entspricht. Oder
gleich ein passendes ICC-Profil anbieten.
Welche Veredelungen Bei ungestrichenen Papieren kommt das
lassen sich im Digitaldruck Ist das neue Druckprofil natürlicher häufiger vor, bei gestrichenen
eher selten. Ein Sonderfall ist das bei Krea-
erzeugen? PSO Coated v3 besser
tiven beliebte heaven 42 von Scheufelen.
Nahezu alle. Man kann Folien verwenden, als das alte ISO Coated Dessen Oberfläche zeigt einen sehr eigenen
partiell mit Weiß oder auch Metall bedru- v2? Welches sollte Charakter. Die Farbe verändert sich vom
cken. Partiell aufgebrachter Relieflack sieht ich wann einsetzen? nassen Zustand an der Maschine zum tro-
fast aus wie eine kleine Prägung. Echte Prä- ckenen nicht unerheblich. Diese starke
gungen gibt es im Digitaldruck aber nicht. Der neue Standard für Bilderdruck ist PSO Farbdrift macht die verbindliche Simula-
Allerdings sollte man immer im Kopf be- Coated v3, er berücksichtigt neue techni- tion im Vorfeld schwierig. Also was kann
halten, dass all diese Veredelungen nicht sche und praktische Erkenntnisse. ISO Coa- man tun? Mit zertifizierter Messtechnik und
wirklich umweltfreundlich sind, spätestens ted v2 basiert zum Beispiel noch auf einem speziellen Color-Management-Tools kann
beim Deinking machen sie Probleme. sehr gelblichen Papierweiß. Die Auflagen- ein Profi das Papier per Proof simulie-
084 page 10.16 › WeRKZeUg › FaQ printproduktion

ren. Wer auf Nummer sicher gehen will, ich die Daten für den Druck konvertie- In InDesign kann man mit den »Überdru-
kann die Druckerei einen Andruck machen ren – zum Beispiel in ISO Coated v2, das cken«-, »Überfüllen«- und »Unterfüllen«-
lassen. Als Gestalter sollte ich beim Her- die Druckerei dann vielleicht noch in PSO Optionen ein manuelles Trapping vorneh-
steller stets die Information einholen, wel- Uncoated umwandelt. Darunter leidet die men. Ich würde das dem Druckdienstleister
cher Standard für das gewählte Papier ge- Qualität. Am besten ist es, die Anzahl der überlassen, der dafür spezielle Software be-
eignet ist. Konvertierungsschritte so gering wie mög- sitzt. Ohnehin sind die Maschinen heute so

6
lich zu halten. passgenau, dass man selten von Hand kor-
Genau hier setzt das von DTP-Operator rigieren muss. Situationen von früher, als
Matthias Grießel und mir aufgesetzte On- der Drucker draußen zum Rauchen war
linetool Mycolorserver.de an. Kreative kön- und nicht mitbekam, dass der Passer nicht
nen ihre RGB-Daten direkt hochladen, und stimmte, gibt es heute kaum. Das machen
der Colorserver wandelt sie mit einer De- moderne Maschinen häufig automatisch.

10
vice-Link-Konvertierung – die qualitativ
wesentlich hochwertiger ist als eine norma-
le Photoshop-Konvertierung mit dem Stan-
dardprofil – automatisch in CMYK für die
Sind Digitalproofs in Druckerei um. Wer das ausprobieren möch-
te: Derzeit gibt es eine vierwöchige kos-
jedem Fall nötig?
tenlose Testphase.

8
Die Frage heißt ja eigentlich: Spart man am
Geld oder erspart man sich Unsicherheit?
Für mich ist es schwer verständlich, dass
Aufträge ohne Referenz in die Druckerei Wann stelle ich schwarzen
gehen, die dann einfach losproduziert. Ich Text auf Überdrucken,
schätze, dass bei 70 Prozent der Aufträge,
die heute in Akzidenz-Offsetdruckereien
wann spare ich ihn aus?
eingehen, also solchen, die vor allem klei- Bei kleinen Schriftgrößen (Fließtext) ist
nere Druckaufträge abwickeln, kein Digi- Überdrucken meist die beste Wahl. Bei
talproof vorliegt – da wandert dann auch größer gesetzten Texten kann es aber beim
viel in die Tonne. Die günstige Alternative Neon- und Metallicfarben Überdrucken passieren, dass sie im Über-
zum Proof ist ein kalibrierbarer, gut einge- gang von Papierweiß und Bild deutlich ab-
messener Monitor. Ich würde aber immer
weisen eine andere dunkeln und einen Farbstich bekommen
den Proof wählen, so riskiert man keinen Pigmentierung als regu- (schwarzer Text auf grünem Fond). Je hel-
Ärger mit dem Kunden. Wenn ich als Gestal- läre Druckfarben auf. ler der Hintergrund, desto unproblemati-
ter den Digitalproof freigebe, bin ich auf Soll ich überdrucken oder scher das Überdrucken. Bei ganz großen
der sicheren Seite. Textelementen, die schon eher grafische
besser aussparen?

7
Flächen darstellen, ist es von Vorteil ein
Neonfarben zeigen ihre maximale Leucht- »farbiges« 4c-Schwarz zu verwenden und
kraft nur, wenn sie auf Weiß gedruckt sind. dieses dann auszusparen.
Hat der Untergrund eine andere Farbe,
muss ich aussparen, um die Leuchtkraft zu
Läuft alles perfekt, ist die
erhalten. Für Metallicfarben gilt im Prinzip arbeit des printexperten
dasselbe – mit Ausnahme von Gold. Hier Mario Drechsler nicht zu erken-
kann man auch auf 100 Prozent Gelb dru- nen. es ist Ironie und Schick-
cken, die zweite Schicht Farbe gibt dem sal zugleich, dass die prozess-
Gold noch mal einen richtigen Kick. stufen Bildbearbeitung,

9
Litho und Farbmanagement nur auffallen,
Mit welchen Druckdaten wenn sie nicht gut gemacht wurden.
arbeite ich am besten?
RGB, CMYK oder einem PAGE Story »Umweltfreundlich
Mix aus beidem? drucken«. Wie Sie schöne und
ökologisch unbedenkliche print-
produkte herstellen können,
Eines ist klar: Top-Druckergebnisse gibt es
lesen Sie in page 07.16 ↗www.
nur mit Top-Druckdaten. Wer die Creative- page-online.de/pepa1607
Cloud-Programme nutzt, kann im RGB-
Modus mit wesentlich mehr Filtern und
PAGE Story »Gestalten und
Effekten arbeiten als in CMYK. Ich würde Trapping verhindert Drucken mit Schwarz«. Tipps
sagen, die Photoshop-Performance liegt im
Blitzer – muss ich das von und inspirierende Beispiele
CMYK-Modus nur noch bei 50 Prozent. finden Sie in page 06.16 ↗www.
Wenn ich also in RGB arbeiten will, muss Hand einstellen? page-online.de/pepa1606
page 02.14 025
anZeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Multisense
Design
Markenkommunikation
mit der Kraft
aller Sinne

Der Referent Das Seminar »Multisense Design«


● Olaf Hartmann, geschäftsführer des Multisense ● In einer überkommunizierten, konsumkritischen und werbemüden Welt
Instituts, ist einer der führenden experten für birgt die multisensorische Gestaltung von Produkten, Werbebotschaften und
multisensorisches Marketing. Der Bestsellerautor, Verkaufsprozessen eine große Chance zur Differenzierung. Denn das Gros
Berater und gefragte Keynote-Speaker schöpft aller Informationen verarbeiten wir an der bewussten Wahrnehmung vorbei
in seiner lebendigen Moderation aus mehr als mit dem unterbewussten, impliziten System unseres Gehirns. Deshalb ist
20 Jahren Marketingerfahrung. Seine agentur multisensorisches Marketing auch kein Hype – es ist ein Erfolgsmodell. Aber
Touchmore hat zahlreiche Kommunikations- Vorsicht! Die Annahme, mit kreativ veredelten Printprodukten automatisch
und Designpreise gewonnen. auch Wertschätzung und Wirksamkeit steigern zu können, ist ebenso eine Mär
wie die Gleichung »Millionen Klicks = Millionen Umsätze«.
Die Agenda
Erkennen Sie die Power of Multisense! In unserem Seminar zeigt Ihnen Olaf
1 Update: Neuromarketing und Hartmann anhand konkreter Beispiele und neuster Erkenntnisse aus Neuro­
Verhaltenspsychologie wissenschaft, Verhaltensökonomie, Psychologie und Sensorikforschung, wie
– Die Macht des Unbewussten sich die Kraft multisensorischer Kommunikation entfaltet. Er erklärt, wie Sie
– Wie implizite Ziele die Wahrnehmung lenken zielgerichtet und kongruent mittels multisensorischer Verstärkung die gesamte
– Warum Ziele die Quelle der emotionen sind Costumer Journey hindurch mehr Aufmerksamkeit, Erinnerung, Glaubwürdig­
– Wie das gehirn (Kauf-)entscheidungen fällt keit, Wertschätzung und Kaufbereitschaft erzeugen können. Das Wissen um
das Aktivierungspotenzial der einzelnen Sinne bereichert alle Gestaltungs­
2 Basics: Multisensorisches Marketing disziplinen: Kommunikations­ und Packaging Design ebenso wie UX, Service
– Das primat sinnlicher Wahrnehmung und Interaction Design. Bewusst eingesetzt, steigert es den Erfolg im Dialog­
– Vom sensorischen Reiz zur Bildung von Codes marketing, in der Werbung und am Point of Sale. Aber auch in den digitalen
– Multisensorische Verstärkung, Irradiations- Medien können wir dieses Wissen gezielt nutzen – schon Bild­ und Textsprache
und priming-effekt können mental simulieren und virtuell haptische Erlebnisse stimulieren.
– Das prozessmodell des multisensorischen
Marketings (Mensch · Marke · Codes · Touchpoints) Das Seminar richtet sich somit an Designer, Marketingverantwortliche
– Das aRIVa-Wirkmodell sensorischer Optimie- und Brandingstrategen – kurzum an alle, die nicht Effekthascherei betreiben,
rung (attention · Recall · Integrity · Value · action) sondern das Budget gewinnbringend einsetzen, wirksam kommunizie­
ren und Marken nachhaltig stark machen wollen. – Profitieren auch Sie von
3 Multisensorik in der Praxis: Olaf Hartmanns fundiertem Know­how aus der Praxis für die Praxis.
Fallbeispiele, Workshop & Training
Best Practice Cases aus den Bereichen Packaging, Das Seminar findet am 7. Oktober im Hotel 25hours, Hamburg-
Ad Specials, Kommunikation, E-Commerce, Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 748 euro
Produktdesign und Corporate Design (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch
– Das aRIVa-Modell in der anwendung und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen begrenzt!
– Irradiations- und priming-effekt bewusst nutzen also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .  
– Mit embodiment und »Tu«-effekt die
erinnerung verstärken page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
– Durch Haptik glaubwürdigkeit, Wertschätzung Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
und Kaufbereitschaft erhöhen aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
– Kreativsession anhand einer aufgabenstellung Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
aus der praxis der Teilnehmer Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
086 page 10.16 › WeRKZeUg › Virtual Reality
page 10.16 087

VR für
alle!
Virtual Reality ist das Buzzword des Jahres. Es geht um
überzeugende, immersive Markenerlebnisse, die Kunden begeistern.
Doch kann jede Agentur VR produzieren? Welche Tools und
welches Know-how braucht man?

● Was in Sachen virtueller Realität der letzte Schrei Für den 360-Grad-Film zeit relevanten VR­Devices ausprobieren. Also wan­
ist, scheint jeder genau zu wissen, doch die Begriffs­ »Genickbruch« bauten dern eine Oculus Rift CV1, eine HTC Vive und eine
definition gibt bereits Rätsel auf. Die Must­see­Top­ die Teilnehmer des VRathon Samsung Gear VR samt passendem Smartphone in
an der HBK Braunschweig
lists sind bunt durchmischt – von 3D­Filmen und den Warenkorb. Investment: etwa 2300 Euro (siehe
einen Dummy, der die
stereoskopischen Bildern über 360­Grad­Videos »Diese VR­Brillen sind derzeit relevant«, Seite 90).
Immersion erhöht und den
bis zu interaktiven Applikationen und Games. Aus Unfall zwischen Fahrrad-
Eine günstige Alternative sind Papp­VR­Brillen à la
Sicht des Nutzers ließe sich Virtual Reality als digital fahrer und Auto unmittel- Google Cardboard (https://is.gd/vrgoogle). Trotz
generierte immersive und interaktive Experience bar erlebbar macht Abstrichen in puncto Performance und Optik eig­
beschreiben. Will heißen: Ein 360­Grad­Video ohne nen sich diese gut für Messen und Events – allein
dezidierte Interaktion ist keine VR­Anwendung – schon durch ihre hohe Verbreitung von rund 16 Mil­
ganz gleich, ob der Nutzer es durch eine VR­Brille lionen Stück weltweit (Stand: Juli 2016; https://is.gd/
betrachtet oder nicht. onetoonevrbrillenstatistik).
Viel wichtiger als die wissenschaftliche Definition Für die Software sind die Onlineshops von Oculus
ist die Frage nach der Zielsetzung der Anwendung. (www.oculus.com) oder Steam (http://store.steam
Hat der Einsatz einen Nutzen und eine Relevanz powered.com) erste Anlaufpunkte. Bei dem Riesen­
für den User? Diese Frage sollten die Verant wortli­ angebot bekommt man schnell einen Eindruck, wel­
chen in Agenturen und Unternehmen selbstkritisch che Konzepte für das eigene Projekt funktionieren
beantworten. Falls ja, eröffnet sich eine aufregende könnten. Wie wird die Story aufgebaut? Wie navigiert
Welt neuer Möglichkeiten – und ob die im Konzept man? Welche Medien werden verwendet? Welches
nun Augmented Reality, Mixed Reality oder kurz Konzept für Grafik, Animation und User Interface
VR heißt, spielt keine entscheidende Rolle mehr. kommt zum Einsatz? Der VR­IKEA­Küchenkonfigu­
Die Strategie und die Kreation für den Nutzer – rator für die HTC Vive hält etwa kleine Gimmicks
und damit auch für den Auftraggeber – herauszu­ bereit: Der User kann sich Köttbullar in die Pfanne
arbeiten, genau an dieser Stelle beginnt die Aufgabe hauen, die in der virtuellen Welt zum Glück nicht
und die Chance für Agenturen. anbrennen. In der Küche kann man sich per Knopf­
druck herumbeamen.
Mit Gadgets experimentieren In vielen VR­Anwendungen gibt es keine Interak­
Also los und Brillen sowie VR­Kameras shoppen! tion, die virtuelle Umgebung lässt sich einfach nur
Sollte noch nicht geklärt sein, ob die Reise eher in betrachten. In Googles 3D­Painting­App Tilt Brush
Richtung mobile Endnutzer, digitaler Retail oder (www.tiltbrush.com) malt der User dagegen virtu­
Event­Installationen geht, sollten Sie die drei der­ elle Bilder in die Luft oder gestaltet den Raum um
088 page 10.16 › WeRKZeUg › Virtual Reality

sich herum. Welcher Ansatz der richtige ist, hängt


von der Zielsetzung des Projekts ab. Oft muss man
Kameras von Low bis High End für die perfekte Lösung viel ausprobieren.

Samsung Gear 360 GoPro Omni Jedes Team ist VR-ready


Die Linsen auf Vorder- und Rückseite Mit diesem Kameraset stößt GoPro in
decken horizontal und vertikal den VR-Markt vor. Omni besteht aus
Um VR­Inhalte zu produzieren, braucht es erst ein­
jeweils einen Bereich von 180 Grad sechs GoPro-Hero-4-Black-Kameras, mal keine neuen, unbekannten Workflows. Hat ein
ab. Im Ergebnis erhält man eine einer passenden Halterung, Stitching- Team bereits digitale Inhalte produziert, so dürften
360-Grad-Aufnahme. Videos haben Software des französischen Herstellers die wichtigsten Spieler bereits vorhanden sein: Stra­
eine Auflösung von 3840 mal Kolor (Autopano Video Pro und Auto- tegen, Storyteller, Softwareentwickler sowie Desi­
1920 Pixeln, Fotos bis 30 Megapixel. pano Giga,  www.kolor.com  ) plus gner für User Experience, Motion, 3D, Grafik und
Gekoppelt wird die Kamera mit Zubehör wie einer Fernbedienung, sechs
Audio. Bei den einzelnen Disziplinen ändert sich im
dem Samsung-Galaxy-Smartphone MicroSD-Karten-Lesern und sechs
Prinzip nichts Grundlegendes.
über Bluetooth. Preis: rund 360 Euro. USB-Anschlüssen. Außerdem gibt es
↗  https://is.gd/samsunggear mit GoPro VR eine eigene Video-
Also alles ganz einfach? Equipment kaufen und
plattform. Nachteil: Nach der Video- VR als Service auf der Agentur­Homepage anbie­
aufnahme muss man die Daten der ten? Nicht so schnell – evaluieren Sie genau, was das
sechs MicroSD-Karten auf einen eigene Team sinnvoll leisten kann. Sind die genann­
Rechner kopieren und den Stitching- ten Disziplinen vorhanden und eingespielt, sollten
Vorgang manuell starten. Kosten- Sie experimentieren, was das Zeug hält – aber bitte
punkt: rund 5400 Euro.
nicht im Kundenauftrag. Wer kopflos VR­Projekte
↗ https://is.gd/goproomni
umsetzt, einfach um dabei zu sein, verpasst der Tech­
nologie einen Dämpfer.
Auch kleinere Agenturen oder Teams können na­
türlich einen wichtigen Beitrag zu VR­Projekten leis­
ten. Liegt der eigene Schwerpunkt beispielsweise
auf Storytelling und Konzeption, werden die Produk­
tion der Medien oder die Softwareentwicklung wie
bisher extern erledigt. Jedes Team ist »VR­ready« –
Panono jedes Gewerk findet in VR seinen Wirkungsbereich.
Die ballförmige Kamera wird in die Luft
geworfen, damit sie in 36 Richtungen Authoringsoftware ist oft auch schon da
Einzelbilder in 108 Megapixel Auflösung Lytro Immerge Beim Authoring erschaffen kreative Developer erst
knipst. Die Bilder speichert sie im inter- Diese recht schwere professionelle die eigentliche Experience, und die Fäden aus 3D, 2D,
nen Kameraspeicher. Via WLAN erhält 360-Grad-Lichtfeldkamera ist in
Motion, Sound und Text laufen zusammen. Entspre­
man eine Direktvorschau auf dem fünf Segmente unterteilt und erfor-
mobilen Endgerät oder lädt die Bilder
chend groß ist die Auswahl an verfügbaren Tools.
dert ein Stativ oder einen Dolly.
herunter. Beim Upload in die Panono Auch hier ist bis auf wenige Ausnahmen selten gänz­
Der Kameramann ist dank mobiler
Cloud werden die Aufnahmen inner- Steuerung nicht im Bild. Lichtfeld-
lich neue Software nötig. Grundsätzlich aber kommt
halb weniger Minuten automatisch zu kameras erfassen neben den üblichen vieles aus der Adobe­Produktpalette zum Einsatz.
einer Rundumsicht zusammengerech-
zwei Bilddimensionen auch die Insbesondere im Bereich 2D und Motion Design
net (Stitching). Preis: rund 1500 Euro. sind Tools wie After Effects oder Nuke Standard.
Richtung einfallender Lichtstrahlen.
↗ www.panono.com
Damit zeichnen sie Farb-, Hellig- Freewares wie zum Beispiel Gimp ( www.gimp.org)
keits- und Tiefendaten auf. Vorteil: bieten sich an, wenn die »großen« Tools noch nicht
Nach der Aufnahme kann man vorhanden sind und man erst einmal ausprobieren
die Schärfeebene im Objektraum möchte. Wichtig ist im Prinzip nur, dass die erzeug­
verschieben. Zur Lytro Immerge ten Assets in Formaten vorliegen, mit denen die
gehört ein Server zum Speichern – eine
Game­Engines, auf denen die VR­Anwendung lau­
einfache Speicherkarte reicht für die
fen soll, gut umgehen können.
Datenmengen nicht aus. Die mitgelie-
3D­Modelle sind die Basis von VR­Anwendun­
ferte Software ist mit Compositing-
Programmen wie Nuke, Final Cut Pro
gen. Freeware wie Blender (www.blender.org) kommt
oder Avid Media Composer
hier ebenso zum Einsatz wie renommierte 3D­Mo­
kompatibel, auch eine deling­ und Rendering­Programme wie etwa Maya
Software für die Wie- und Autodesk 3ds Max (www.autodesk.de/products)
dergabe der Licht- oder Cinema 4D von Maxon (https://is.gd/maxon
feldaufnahmen auf cinema4d). Die teuren Softwarepakete haben einige
VR-Brille ist mit an Vorteile: Durch die größere Userbasis und die damit
Bord. Voraussichtli- verbundene umfangreichere Dokumentation fin­
cher Preis: einige Hun- det man mehr Informationen zu komplexen Proble­
derttausend US-Dollar. men. Das zahlt sich gerade bei VR­Projekten aus,
↗  www.lytro.com
weil es bisher wenige Routinen gibt. Auch der Sup­
port ist natürlich besser.
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Die
PAGE ✗ Swipe
Academy

Mobile as
a Service
Workflow, Tools,
Hacks

Über Swipe Das Seminar »Mobile as a Service«


● Das in Hamburg ansässige, international tätige ● Briefings à la »Wir brauchen eine App« gehören der Vergangenheit an:
Digitalstudio Swipe ist eines der renommiertes- Mobile ist keine Insellösung, sondern ist eingebettet in ein Ökosystem
ten Deutschlands. Es entwickelt Markenerlebnis- verschiedenster Maßnahmen. Eine ganz neue Komplexität will gemeistert
se für mobile Devices und erforscht dabei inno- sein. Einerseits sollen mehr und mehr Inhalte zur Verfügung stehen, anderer-
vative Wege, die sich Marken durch die direkte seits haben die Nutzer immer weniger Aufmerksamkeit und erwarten
Nähe zu ihren Zielgruppen bieten. Zu seinen komfortable Interfaces, wie von Apple, Google, Facebook & Co etabliert.
Kunden zählen etwa »The Red Bulletin«, »brand
eins«, »Spiegel« und BMW. In unserem Seminar Gleichzeitig stellt neben der steigenden Zahl der Technologien, Devices
erleben Sie Sven Schmiede, Co-Gründer und und Stakeholder auch die zunehmend standortübergreifende Entwicklung
Geschäftsführer von Swipe, sowie Alexander neue Anforderungen an Organisation und Effizienz. Designer benötigen
Meinhardt, der als Head of Design die visuelle über die Basics in UX und Code hinaus ein immer breiteres Know-how in
Ausprägung des Studios verantwortet. Sachen Service Design, Strategie, Marketing und Technik. Im besten Fall
sind sie so flexibel, responsiv und fluid wie die Anwendungen selbst.

Die Agenda Wie also können wir Komplexität vereinfachen und Prozesse schlank halten?
Wie konzipiert man dynamische modulare Systeme (ohne den Inhalt zu
A Mobile as a Service kennen)? Wie erklären wir Design und verdeutlichen den Nutzen moderner
Markttrends, Herausforderungen und UX? Wie behält man im Service-Zeitalter ein hohes gestalterisches Niveau?
Erfahrungswerte Wie gestaltet man die Schnittstelle zwischen Design und Development?
Wie bilden wir uns fortwährend weiter und bleiben auf der Höhe der Zeit?
B Der Swipe-Workflow – vom Briefing bis
zum fertigen Produkt Profitieren auch Sie von dem immensen Erfahrungsschatz eines der avancier-
• Strategie: Analyse der Aufgabe testen Digitalstudios Deutschlands. Swipe-Chef Sven Schmiede und Head
• Prozesse: Wer macht was und wann? of Design Alexander Meinhardt gewähren offenherzig Einblick in ihren Arbeits-
• Kreation: Anspruch, Methodik, Leidenschaft alltag. Sie lassen Sie teilhaben an ihren Erfahrungen und zeigen die bewährten
Workflows ihres interdisziplinären Teams auf. Der Workshop wendet sich an
C Hands-on: Prototyping Print- und Webdesigner, Konzepter, Programmierer in Agentur und Unter-
• Wie arbeitet Swipe? Einblicke in den Proto- nehmen – kurzum an alle Auftraggeber und Auftragnehmer nutzerzentierter
typing-Dschungel und die verschiedenen digitaler Markenerlebnisse.
Tools anhand von konkreten Beispielen
• Tools & Hacks: Wie arbeiten die Gewerke Das eintägige Seminar mit Swipe findet am 30. September
nahtlos zusammen und mit welchen Hacks in den Design Offices Hamburg Domplatz von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die
überwindet man Hindernisse Teilnahmegebühr von 748 Euro (zzgl. gesetzl. MwSt.) umfasst Tagungskosten,
Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen limitiert.
D The Art of Selling Design Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . 
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E Learnings für Gestalter Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in
»Everyday I’m Hustlin’« oder warum man der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
keine Angst vorm Umstieg haben muss Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
090 page 10.16 › WeRKZeUg › Virtual Reality

Game-Engine: Kern jeder VR-Experience


Diese VR-Brillen sind derzeit relevant Am Ende zählt, ob die gewählte Software zur Spiele-
Engine passt und ob sich möglichst viele Funktionen
Samsung Gear VR HTC Vive übertragen oder nachbilden lassen, denn nicht jedes
Ein wichtiger Schritt zur höheren Die stärkste Immersion verspricht der­
Verbreitung von Sets aus Smartphone zeit die HTC Vive. Mit ihr kann sich der
exportierbare oder von der Engine lesbare 3D-Datei-
und VR­Brille kam von Samsung. User in einem bis 5 mal 5 Meter großen format unterstützt jede Art von Animation, Material
Die Vorbestellerpakete für die Smart­ Raum bewegen und mit zwei Control­ oder Texturing. Die Game-Engine Unity (https://
phones Galaxy S7 oder Galaxy S7 Edge lern die Welt steuern. Allerdings muss unity3d.com) kann etwa nativ Photoshop- und Cine-
enthielten die Gear VR als kostenlose man dazu zwei wacklige und unhand­ ma-4D-Dateien lesen, sodass man nicht nach jeder
Beigabe und boten damit das optimale liche Sensoren aufstellen. So eignet sich Bearbeitung einer Textur einen Export durchführen
Mobile­VR­Device. Nachteil: Die Gear die HTC Vive weder für Outdoor­Events
muss. Die Stammdaten liegen zentral im Unity-Pro-
VR ist nur mit Samsung­Smartphones noch im Retailbereich oder in kleinen
jekt, was viele Arbeitsschritte und damit Zeit spart.
kompatibel. Am Head­Mounted Räumen. Der Inhalt wird von einem
Display (HMD) der Brille befindet Standard­Gaming­PC abgespielt, was
Sound verstärkt jede visuelle Experience. In VR
sich ein Controller für die Touch­Steue­ die Softwareentwicklung vereinfacht. kommt noch die räumliche Anordnung von Ge-
rung. Wichtig: Softwareentwickler Kostenpunkt: rund 900 Euro. räuschquellen oder Sprechern hinzu. Dies sollte
müssen auf gute Performance achten, ↗  www.htcvive.com/de man beim Konzept und beim Sounddesign berück-
denn bei schnellen Bewegungen kommt sichtigen. Hier ist man in der Auswahl seiner Tools
das Head Tracking der Gear VR sonst völlig frei, denn fast alle gängigen Game-Engines
nicht hinterher. Regulärer Preis: circa
unterstützen Audioformate wie WAV, Ogg und MP3.
100 Euro inklusive zahlreicher VR­Spiele.
↗  https://is.gd/samsunggearvr
Ursprünglich fürs Game-Development entwi-
ckelt, eignen sich Game-Engines genauso gut für
interaktive Produktvisualisierungen oder digitale
Kunst. Sie können Geometrien, Animationen, Filme,
Bilder und Interfaces in Szene setzen und auf
VR-Brillen anzeigen. Die beiden bekanntesten und
am häufigsten verwendeten Vertreter sind Unity so-
Zeiss VR One wie Unreal Engine von Epic Games (www.unreal
Die VR One unterstützt Smartphones
engine.com). Beide Engines sind plattformüber-
verschiedener Hersteller mit einer
Oculus Rift Bildschirmdiagonale zwischen 4,7 und greifend konzipiert und eignen sich für alle gän-
Die Oculus Rift CV1 entwickelt sich gigen VR-Sets. Eine Alternative zu den traditionel-
5,2 Zoll. Halteschalen gibt es für
gerade aus dem Oculus Rift Develop­
Apple iPhone6/6s, Sony Xperia und len Spiele-Engines, bei denen der User immer einen
ment Kit 2 heraus und bekommt
Samsung Galaxy S6. Weitere Schub­ Player downloaden muss, ist die 3D-Grafik-Pro-
ständig Updates. Bald sollen bessere
ladenmodelle für das LG G3 und grammierschnittstelle WebGL. Als HTML-Webstan-
Controller und ein feineres Tracking­
das LG Google Nexus sind in Planung.
system verfügbar sein. Bisher aber hat dard auf Basis von OpenGL und JavaScript läuft sie
Die Zeiss VR One kostet rund 130 Euro.
man nur ein etwas reduziertes Head­ ohne Download in jedem aktuellen Browser.
↗  https://vr­one.eu
tracking (circa 1 mal 1 Meter), einen Prinzipiell gilt auch hier: Nur womit man sich
Xbox Controller und so etwas wie eine blind auskennt, kann man auch effektiv arbeiten.
Fernbedienung (Oculus Remote) – Wer eher mit Autodesk-Produkten und der Program-
alles verbunden mit der dazugehörigen
miersprache C++ vertraut ist, wird wahrscheinlich
Software auf einem Gaming­PC.
Die Stärke der Oculus Rift ist die hoch­
bei Unreal Engine landen, während Unity schon
wertige Umsetzung des HMD. Des­ immer etwas mehr im Indie-Games-Sektor behei-
wegen eignet sich das Set sehr gut matet war, sehr gut mit Außenseitersoftware zu-
im Retailbereich. Die Bedienung rechtkommt und auf die objektorientierte Pro-
und das Publishing der Anwendung HoloLens grammiersprache C# in Verbindung mit Microsofts
gestalten sich einfach. Kosten­ Microsofts Augmented­Reality­Brille Softwareplattform .Net baut. Allerdings unterschei-
punkt: rund 600 Euro. HoloLens reichert die Realität mit
den sich beide Engines mittlerweile kaum noch in
↗  www3.oculus.com/ Computergrafik an. Bei dieser Mixed
den gebotenen Features und der erreichbaren Qua-
en­us/rift Reality werden holografische 3D­Inhalte
kontextuell in die physische Welt lität der damit erzeugten Experiences.
projiziert. Der User kann dabei sowohl
mit der realen Welt als auch mit
Graben Sie tief!
dem digitalen Content interagieren. Wie Mr. Robot in der US-Thrillerserie um einen jun-
Die HoloLens bietet Microsoft zum gen Programmierer in seinem Monolog über Reali-
Preis von ungefähr 3000 Dollar an,
tät und Illusion sagt: »You’d have to dig pretty deep,
verkauft wird sie bisher
kiddo, before you can find anything real.« Dieses
jedoch nur an Entwickler
mit Adresse in den USA
tiefe Schürfen nach neuen Ideen und sinnvollen An-
oder in Kanada. wendungen ist etwas Schönes! VR bietet praktisch
↗  www.microsoft.com/ jedem die Chance, eine neue technologische Flug-
microsoft­hololens/en­us höhe und visuelle Brillanz zu erreichen, um völlig
neue Erlebnisse und Eindrücke zu kreieren. Und
page 10.16 091

VRathons an der
HBK Braunschweig
In intensiven 36-Stunden-Workshops ent-
Annika Heller und
Farina Hamann
wickeln Michael Jonas, Professor für visuelle
entwickelten mit dem
Projekt »Ana Kalypto«
Kommunikation, und seine Studenten
eine 3D-Sicht der einfache, aber effiziente VR-Workflows
sieben Weltwunder

auch die Range von Anwendungen ist groß: Sie


reicht von bildstarken Cases wie »Nike Neymar 1 Experience-Typ klären
und früh testen
Option, den 360­Grad­Film zu loopen
und neu zu zentrieren – kostenlose
Effect« (https://is.gd/niketheneymarjreffect), der ein VR ist immer noch Neuland, man muss Player wie der VRTV Video Player von
90­Sekunden­Erlebnis auf dem Platz mit dem brasi­ die User ans Handling heranführen. Chai Software (https://is.gd/vrtvvideo
lianischen Fußballer Neymar offeriert, über reine Gute Experiences müssen schnell ver­ player) für Android und Homido Cen­
Games bis hin zu offenen Anwendungen wie Goo­ standen und schnell abgeschlossen ter (www.homido.com/de) für iOS
gles Tilt Brush und Konfiguratoren für die verschie­ sein. Auch wenn die Projekte sich spä­ und Android machen es möglich. Am
densten Produkte. In der Summe ist die Bandbreite ter technisch vielleicht leicht portieren einfachsten jedoch lädt man das Video
bereits jetzt nahezu unüberschaubar. lassen, sollte man schon in der Ideen­ auf YouTube hoch und schaut es sich
Recherchiert man aber tiefer, zeigt sich schnell, phase zwischen einer »seated«, also sit­ mit der YouTube­App (Android und
dass es deutliche Unterschiede in Sachen Interak­ zenden Experience, und einer »room­ iOS) in einem Cardboard an.
tion, audiovisueller Brillanz und echtem 3D gibt. scale« Experience, bei der man sich im
Die notwendige Qualität von Konzept, Workflow
und Ergebnis erreicht man nur mit erfahrenen Digi­
Raum bewegt, unterscheiden. Die As­
sets brauchen noch keine besonders 3 Prototyping in
360 Grad
talteams, die multidisziplinär und über viele Projekte hohe Qualität. Mit Brille auf dem Kopf Die Theta S eignet sich auch gut fürs
hinweg in engem Austausch zusammenarbeiten. und Controllern in den Händen merkt Prototyping. Stellt man die 13 Zentime­
Selbst für sie bedeutet VR häufig Learning by Doing. man sofort, ob sich etwas real anfühlt. ter hohe Kamera aufrecht hin, »schwe­
Man braucht viel Zeit für Recherche und Prototy­ ben« die Linsen 11 Zentimeter über der
ping sowie angemessene Budgets für die sich stän­
dig entwickelnde Hard­ und Software im Bereich 2 Günstig 360-Grad-Filme
produzieren
Standfläche. Das Filmset baut man ein­
fach aus Pappe und Post­its im Maß­
VR. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht nur in effi­ Die 360­Grad­Kamera Ricoh Theta S stab 1 : 15. Auf diese Weise hat man ei­
zienten und passenden Tools, sondern vor allem im (https://theta360.com/de) kostet nur ne prima Vorschau für eine Augenhö­
Dreiklang von klarem Use Case, Prototyping und etwa 350 Euro und zeigt eine brauchba­ he von 1,65 Metern, was einer Körper­
ausführlichem iterativem Testing. Na dann mal los, re Leistung. Die Videoauflösung reicht größe von 1,75 Metern entspricht. Weil
experimentieren Sie und bauen Sie sich Ihre eigene für Google Cardboard aus. Die Theta S die aktuelle Kamera­App Fotos und
virtuelle Realität! Tim Krause-Murroni (ae) ist kompakt, robust und sehr simpel Filme direkt im Cardboard­Modus
in der Handhabung: Sie stitcht das darstellt, kann man die ungewohnte
360­Grad­Bild selbstständig, bietet ein Rundumsicht schnell und iterativ ein­
Tim Krause-Murroni, Digital stabiles eigenes WLAN, und die zuge­ schätzen sowie Timings erproben.
Strategist bei Demodern in hörige Player­App funktioniert auf iOS
Hamburg, ist sich sicher: »Wäre
VR ein Western, gäbe es pioniere,
goldgräber und pferdediebe.
und auf Android (siehe »Kameras von
Low bis High End«, Seite 88). Zum 4 Modeling leicht
gemacht
Das Schöne ist: Jeder kann im Film Gucken von 360­Grad­Videos auf dem Im Hochschulumfeld arbeiten wir zu­
mitspielen, und jeder darf sich Smartphone kommen immer neue meist mit 3D­Animationssoftware wie
seine Rolle selbst aussuchen.« Apps in die Stores. Wichtig ist die Cinema 4D, Autodesk 3ds Max und
092 page 10.16 › WeRKZeUg › Virtual Reality

sorgen dafür, dass sich die Position


und Ausrichtung der virtuellen Kame­
ra nach der jeweiligen Blickrichtung
des Users durch die VR­Brille richten.
Vom Öffnen eines neuen Projekts bis
zum Betrachten eines 3D­Models in
VR sind es in Unity mittlerweile keine
60 Sekunden Arbeit – egal, ob für sea­
ted oder room­scale VR.

6 VR-Projekt für jede


Plattform portieren
Mac OS, Windows, Linux, iOS oder An­
droid – egal, welche Zielplattform, im
Workflow änderte sich in Unity nichts.
Innerhalb weniger Minuten konnten
wir ein Projekt von der HTC Vive auf
Michael Jonas testet das VR-Experiment
»VR Elephant« in Unity. Dabei bewegt
die Google Cardboard portieren. Um Der Referent
man sich mit einem virtuellem Rüssel im ein Experiment für die HTC Vive zu ent­
Setting einer Geburtstagsparty wickeln, luden wir das Plug­in Steam­ ● Hagen Seidel ist Head of Delivery bei der inter-
VR von Valve herunter (https://is.gd/ national vielfach ausgezeichneten Kreativagentur
valvesteamvr), importierten es in Unity für digitales Marketing Razorfish Deutschland mit
der Open­Source­Software Blender. und setzten das Script Prefabs\Camera Dependancen in Frankfurt am Main, Berlin und
Das rund 180 Euro teure Cinema 4D ist Rig (https://is.gd/prefabscamerarig) in München. Er ist zertifizierter Scrum Master und
am leichtesten zu bedienen und ein­ die Szene. Um im Nachhinein eine mo­ verantwortet als Projektmanager nicht nur die
steigerfreundlich. Der Modeling­Work­ bile Version zu erstellen, ersetzten wir Budgets sowie die Qualität und Profitabilität von
flow ist klar strukturiert, und die Soft­ das Script einfach durch das Plug­in Projekten, sondern stellt auch die Einhaltung
ware lässt sich leicht in die verschiede­ für die Google Cardboard und expor­ der Agenturworkflows und Projektmanagement-
nen Engines einbinden. Kombiniert tierten das Projekt aus Unity als An­ Prozesse sicher. Darüber hinaus ist er für die
man Cinema 4D mit der Game­Engine droid­App im Dateiformat APK. Weiterbildung und Zertifizierung des agentur-
Unity, lassen sich 3D­Dateien direkt eigenen Projektmanagement-Teams zuständig.
in Unity öffnen. So erspart man sich
kunstvolle, am Ende doch nicht expor­ 7 Motion Sickness
vermeiden Hagen Seidel schöpft aus 15 Jahren Berufserfah-
tierbare Farbkonzepte. Durch die Unterschiede zwischen der rung als Angestellter und Freelancer in Start-up
Shader erstellt man am besten in sichtbaren Bewegung und der fühl­ und Netzwerkagentur. Er begann seine Laufbahn
der 3D­Engine und nicht im 3D­Pro­ baren unbewegten Position des eige­ als Frontend-Programmierer, bevor er ins tech-
gramm. Der Grund: Die Spiele­Engine nen Körpers kann einem schon mal nische Projektmanagement wechselte und 2008
ist oftmals empfindlicher in der Abbil­ übel werden. Deshalb ist das Interak­ bei Razorfish Scrum einführte. Er managte Pro-
dung eines 3D­Meshes als die Ren­ tionskonzept besonders wichtig. Aus jekte wie den Multitouch-Table für den Audi City
derer der 3D­Programme. Man sollte diesem Grunde nutzten wir in unserer Showroom London und realisierte mit Kunden
also 3D­Meshes erst dann exportieren, interaktiven Installation »Ana Kalypto« wie DHL, Allianz, Nintendo und Wilkhahn Internet-
wenn sie den Mesh­Check des 3D­Pro­ (https://vimeo.com/176658259) reale auftritte, Apps und Cross-Channel-Kampagnen.
gramms (hier Cinema 4D) passiert ha­ Wände als Eingabemedium. Mit einem
ben. Tipp: Als FBX­Datei gelangen die Zusatzdraht in der HTC­Vive­Brille,
Inhalte am problemlosesten von einer Alufolie und einem MakeyMakey­
anderen Modeling­Software zu Unity. Board (www.makeymakey.com), das
ohne aufwendige Programmierung

5 Mit Unity in 60 Sekunden „Das Seminar war


auskommt, ließ sich die Lösung zügig
zum VR-Projekt realisieren und fühlte sich natürlich
wirklich großartig!
Hat mir außerordentlich
Die Game­Engine Unity bietet in VR und intuitiv an. Für die Animation
gut gefallen. Hagen war ein
eine grafisch gute Qualität und gilt im der Kameraposition heißt das: Die
klasse Referent, er lebt den
Mobile VR als Marktführer. Da sie platt­ Bewegungen müssen kontinuierlich
Inhalt regelrecht.“
formunabhängig ist, konnten wir im und sehr sanft sein oder bekannten
Workshop lange offen lassen, ob wir realen Szenen ähneln – so als bewegte
für Oculus Rift, HTC Vive oder Google man sich unter Wasser.
Cardboard entwickeln. Alle drei Anbie­ Professor Michael Jonas und
ter haben für Unity einfach zu bedie­ die Designstudenten Max
nende SDKs, um die VR­Szenerie durch Braun, Farina Hamann, Annika Dr. Daniel Schulten, Vorstand
einfaches Drag­and­drop für die jewei­ Heller, Alexander Lehmann, netzkern AG, Agentur für
lige Brille anzupassen. Unity­Plug­ins Martha Lohse und Fedor Thiel Interaktive Kommunikation
page 10.16
aNZeIge
093

1 pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda: Tag 1

Agil ans Ziel 1 Herausforderung digitales


Projektmanagement
In digitalen projekten hat man mit unter-
schiedlichsten Kunden, Zielen, Nutzern
Modernes und Technologien zu tun. Wie kann man

projektmanagement – projekte klassifizieren? Und was bedeutet


es, heute projektmanager zu sein?
Cases, Techniken,
Methoden 2 Allgemeingültige Projektphasen
trotz Diversifikation
Was unterscheidet klassisches und agiles
projektmanagement? Welche phasen und
Schritte haben Strategie-, Kreations- oder
technische Umsetzungsprojekte gemein?
Das zweitägige Seminar »Agil ans Ziel«
3 Agiles Projektmanagement
● Unternehmen aller Branchen müssen heute digitale Produkte und Services Welche agilen Methoden gibt es und
bieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch Projekte mit neuen Techno­ für welches neue Wertesystem
logien und neuen Konzepten sind oft komplex und schwer einzuschätzen. stehen sie? Stichwort »agiles Manifest«
Zudem liegen nur selten Erfahrungswerte vor. Auftraggeber und Projekt­
beteiligte – inhouse wie extern – sammeln darum während des Entwicklungs­ 4 Planen und Schätzen
prozesses fortwährend neue Erkenntnisse. Entsprechend häufig ändern Wie werden anforderungen erfasst
sich die Anforderungen. Und das bei immer unumstößlicheren Deadlines. und geschätzt? Und wie nutze ich das
product Backlog als zentrales Tool?
Höchste Zeit also, auch im Projektmanagement neue Wege zu beschreiten und
das Vorhaben agil, sprich: schrittweise in einem sich selbst organisierenden,
interdisziplinären Team in Zyklen anzugehen! Das traditionelle Wasserfall­ Die Agenda: Tag 2
modell setzt vorhersehbare Projektverläufen voraus, die agile Methode passt sich
an und legt den Fokus auf umgesetzte Funktionalitäten. Mit agilem Projekt­ 1 Rollen und Verantwortlichkeiten
management kann man auf kurzfristige Änderungswünsche des Kunden rasch agiler Coach, Team und product Owner –
reagieren und sogar in späten Projektphasen flexibel auf Change Requests ein­ jeder leistet seinen Beitrag zum erfolg.
gehen. Doch wie genau lässt sich der eigentlich in der Softwareentwicklung behei­ Welche Rechte und pflichten gibt es und wie
matete Ansatz für kreative Konzepte nutzen? Wie etabliert man ihn im Team? ändern sich diese im projektverlauf?

Profitieren auch Sie vom immensen Erfahrungsschatz Hagen Seidels! In unserem 2 Meeting-Kultur in agilen Projekten
zweitägigen Seminar zeigt er anhand konkreter Cases, welche Projekte sich planungs-Meeting, Daily Standup, Review-
mit agilen Methoden umsetzen lassen – und welche nicht. Er erläutert, welche Meeting: wie oft, wie lange, wer ist dabei?
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Projektleiter, Projektmitarbeiter Tipps und Tricks für die Durchführung
und Auftraggeber auf Augenhöhe zusammenarbeiten können, und er zeigt,
wie man heterogene Teams aus Strategen, Konzeptern, Creative Developern, 3 Reporting und Risikomanagement
Designern, Informationsarchitekten, Artdirektoren, Textern und Testern Welche Tools und Helfer gibt es im agilen
zu Winning Teams macht. Er gibt Anregungen und vermittelt Lösungsansätze projektmanagement? Und welche aspekte
sowie Handlungsempfehlungen für alle, die das agile Prinzip durchdringen des klassischen projektmanagements
und in ihrer Agentur oder Firma vorantreiben wollen – kurzum: für alle, die sollte man in der Hinterhand haben?
interdisziplinäre Projekte erfolgreich durchführen wollen.
4 Team Building
Das page Seminar findet am 13./14. Oktober in den Design Offices Was bedeutet »Inspect and adopt«
Hamburg Domplatz von jeweils 9:00 bis 17:00 Uhr statt. Die Teilnahme als philosophie? Wie implementiert man
kostet 1480 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungs- sie, damit man als Team besser
kosten sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen zusammenarbeitet? plus: guidelines für
begrenzt! also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . Retrospektiven in agilen projekten

page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //


Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der Der PAGE Workshop mit Hagen Seidel lässt
Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. genug Zeit für Fragen und Diskussionen und den
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). Austausch der Teilnehmer untereinander.
094 page 10.16 › BRaNCHe › Bewerbungsgespräche

Zum Speed Recruiting bringen


Kreative am besten ein Mini-
portfolio mit, zum Beispiel auf
dem iPad oder dem Laptop
page 10.16 095

BRANCHE

„Bewerber
sind keine
Bittsteller!“
Foto auf dieser und auf Seite 98: Getty Images fürs ADC Festival

Die erste Hürde ist genommen, das Bewerbungsgespräch steht an.


Wir geben Tipps, wie sich Kreative aufs erste Kennenlernen
vorbereiten können, und sagen, was es bei Speed-Recruting-Events
zu beachten gilt
096 page 10.16 › BRaNCHe › Bewerbungsgespräche

● Juhu! Die Einladung zum Vorstellungs­ meint Designerin Julia Walter. Als sie zum side projects erzählen. »Es zeugt von Lei­
gespräch ist da. Offensichtlich hat meine Vorstellungsgespräch bei ihrem jetzigen denschaft, wenn jemand in seiner Freizeit
Mappe gefallen, das Designstudio kann sich Arbeitgeber, Studio Oeding in Hamburg, Snowboards gestaltet, tanzt oder eine eige­
vorstellen, mich in sein Team zu holen. Ei­ kam, huschte sie zufällig zusammen mit ne Band in den Charts hat«, sagt Annkatrin
ne wichtige Hürde gibt es aber noch: Ich dem Postboten durch die Tür – das sei auch Jensen. Und Kristina Wulf, Human Resour­
muss die Personalverantwortlichen erst ein guter Eisbrecher gewesen, erinnert sie ces Manager bei Kolle Rebbe, meint: »Uns
auch live davon überzeugen, dass ich der sich heute. liegt an langfristigen Arbeitsverhältnissen,
oder die Richtige für den Job bin. Gerade Oft muss man den ersten Satz aber auch deshalb möchten wir die Bewerber, die sich
bei jungen Kreativen, die noch am Anfang gar nicht selbst sagen, sondern lediglich bei uns vorstellen, so kennenlernen, wie sie
ihrer Karriere stehen, kann der Gedanke die Bälle derjenigen auffangen, die einen wirklich sind, und achten auch auf ihre In­
an den ersten Termin beim möglichen Ar­ hereinführen. Bei Heimat in Berlin ist der teressen neben der Werbung.«
beitgeber ein mulmiges Gefühl auslösen. Anlass für einen lockeren Start in ein Ge­
Da macht es Mut, sich vor Augen zu füh­ spräch zum Beispiel der Blick vom Empfang Leidenschaft beweisen
ren, dass bei einem Bewerbungsgespräch im siebten Stock über ganz Berlin, bei Kolle Trotzdem: Leidenschaft für die Kreation
nicht nur der Kandidat der Agentur gefallen, Rebbe die Lage der Agentur mitten in Ham­ erwarten alle Arbeitgeber von ihren Mitar­
sondern es auch umgekehrt passen muss. burgs Speicherstadt, und in Katrin Oedings beitern. Wer zum Vorstellungsgespräch ein­
»Bewerber sind keine Bittsteller«, betont Designstudio das ungewöhnliche Interieur geladen wird, muss beweisen können, dass
Nils Kreyenhagen, Geschäftsführer von Design. »Bei uns hat niemand schlechtere er Lust auf den Job hat und motiviert ist. Ju­
Markenpersonal in Hamburg (siehe Inter­ Karten, nur weil er etwas zurückhaltender lia Walter punktete damit, dass sie sich mit
view auf Seite 99). Und Sylvia Heß, Head of Studio Oeding und dessen Projekten vorher
PR bei Leo Burnett in Frankfurt am Main, xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx intensiv auseinandergesetzt hatte. Katrin
beruhigt: »Ein Bewerbungsgespräch ist kein Oeding und sie führten ein spannendes
Verhör. Wir legen großen Wert auf eine ent­ »Uns gefällt es, Gespräch, in dem es nicht nur darum ging,
spannte Atmosphäre und stellen stets das wenn jemand einen Formalitäten auszutauschen. »Die Bewer­
Menschliche in den Vordergrund. Schließ­ bung in einer Designagentur ist ein aufre­
lich möchten wir die Leute, mit denen wir in gewissen Wahn- gender und nicht immer ein geradliniger
Zukunft möglicherweise eine Menge Zeit sinn mitbringt – ein Prozess – genauso wie die Kreation selbst«,
verbringen werden, genau kennenlernen.« bisschen verrückt ist« so Katrin Oeding. »Außergewöhnliche Kre­
ationen werden von außergewöhnlichen
Sich gut vorbereiten Annkatrin Jensen, Menschen entworfen! Das einzig Formelle
Human Resources Manager
Das heißt natürlich nicht, dass man den ist die Reihenfolge von Bewerbung, Ge­
bei Heimat in Berlin
Termin auf die leichte Schulter nehmen spräch, Einstellung oder Absage.«
sollte. Vorbereitung ist das A und O, da sind Das eigene Portfolio ist ebenfalls ein gu­
sich Personaler und Geschäftsführer einig. tes Instrument, um zu zeigen, wie kreativ
Von Junioren erwarten sie, dass sie sich die ist«, sagt Annkatrin Jensen, die zusammen man ist. »Auch wenn man sich bereits mit
Homepage anschauen und in etwa wissen, mit Melanie Hoffstädt fürs Recruiting bei Arbeitsproben beworben hat, sollte man
wie die Agentur aufgestellt ist, welche Kun­ Heimat verantwortlich ist. seine Mappe noch einmal zum Gespräch
den sie betreut und welche Themen für sie mitbringen, damit wir uns ein Bild davon
wichtig sind. Seniors tun zudem gut daran, Zeigen, wer man ist machen können, welchen Anteil die Per­
die Berichte und Diskussionen in den Fach­ Es mag banal klingen, aber am besten ist son an der jeweiligen Arbeit hat«, betont
medien zu verfolgen und über Etatgewinne, es, man selbst zu bleiben. Das gilt fürs Foto Kristina Wulf. Und Katrin Oeding sagt:
Personalien und News informiert zu sein. im Lebenslauf ebenso wie fürs Outfit und »Der erste Impuls in einer Bewerbung ist für
Wenn man weiß, wer beim Gespräch da­ erst recht fürs Gespräch (siehe auch unsere mich ein spannendes Portfolio, in dem ich
bei sein wird, kann man sich über diese Per­ Tipps unten). Im Optimalfall hat man in der erkenne, dass jemand ›out of the box‹ denkt.
sonen zudem über XING und andere Busi­ Recherche schon herausgefunden, zu wel­ In der persönlichen Begegnung ist es wich­
nessplattformen ein Bild machen. Je nach cher Agentur man vom Typ passen könnte – tig, auch noch weitere Projekte zu sehen.«
Position und Agenturgröße trifft man auf dann kann man auch beim Treffen auftre­ Bei Leo Burnett kommen freie Arbeiten gut
unterschiedliche Ansprechpartner: in klei­ ten, wie man ist. Den Verantwortlichen bei an. »Sie zeigen uns, wie sehr jemand für ei­
neren Designstudios in der Regel auf den Heimat zum Beispiel gefällt, wenn jemand ne Sache brennt«, sagt Sylvia Heß.
Inhaber oder Geschäftsführer selbst, in grö­ »einen gewissen Wahnsinn mitbringt, ein Insgesamt gilt: Zeige nur Kreationen, an
ßeren Agenturen wird man meist von je­ bisschen verrückt ist«, so Annkatrin Jensen. denen du maßgeblich beteiligt warst, dann
mandem aus der Personalabteilung zusam­ Kolle Rebbe gilt als bodenständig und legt kannst du auch authentisch über ihre Ent­
men mit einem Unitleiter, Etat­ oder Krea­ Wert auf ein respekt volles, strukturiertes stehung berichten und so bei deinen zu­
tivdirektor empfangen. Für höhere Positio­ Auftreten, und Katrin Oeding schätzt es, künftigen Chefs punkten. »Vor meiner Be­
nen kommt die Geschäftsführung dazu. wenn Bewerber ihren eigenen Stil sowohl werbung bei Kolle Rebbe habe ich meine
in der Kreation als im persönlichen Auftritt Mappe noch einmal sorgfältig aufbereitet
Bälle aufnehmen mitbringen, neugierig sind sowie ein Ge­ und aktualisiert. Das hat auch mir selbst
Wie gelingt nun der Auftakt in ein gutes spür für den Zeitgeist und Trends besitzen. geholfen, zu sehen, wo ich stehe und was
Gespräch? »Ich finde es passend, sich erst Einige Agenturen mögen es auch, wenn ich kann«, erinnert sich Bente Barth, die
einmal für die Einladung zu bedanken«, Bewerber von ihren privaten Interessen oder Anfang des Jahres als Junior Art Direc­
page 10.16 097

5 Fragen,
die Bewerber ins
Grübeln bringen –
und die Antworten
darauf
1 Du oder Sie? Kreative duzen sich. Aber
liege ich damit auch im Bewerbungs-
gespräch richtig? Hat sich diese Frage nicht
schon im Vorfeld anhand von E-Mails und
Telefonaten geklärt, sollte man erst einmal
bei der Höflichkeitsform bleiben. Wer sich
damit unwohl fühlt, fragt nach.

2 Sneaker oder Lackschuhe? Auch der Dress-


code ist in der Kreativbranche lockerer
als in einer Bank, im Anzug muss man nicht zum
Nice-to-must-have.
Bewerbungsgespräch. Jeans, Turnschuhe und
schlichten Pulli finden Personaler bei Kreativen
»völlig in Ordnung«. Hauptsache, man fühlt
sich wohl und verstellt sich nicht.

3 Selbst zahlen oder nicht? Ein Arbeitgeber,


der einen Kandidaten zum Bewerbungs-
gespräch einlädt, verpflichtet sich, dessen Reise-
kosten zu übernehmen – es sei denn, er weist
ihn im Vorfeld ausdrücklich auf das Gegenteil hin.
Charmanter als im Nachhinein auf die Erstat-
tung zu pochen, ist jedoch, schon bei der Termin-
koordination nach der Firmen-Policy zu fragen
und danach zu entscheiden, ob und auf welche
Art man anreist.

4 Schweigen oder antworten? Private Fragen,


zum Beispiel nach einer Schwangerschaft
oder zur Familienplanung, sind in einem Bewer-
bungsgespräch rechtlich nicht zulässig. Bekommt
man sie trotzdem gestellt und möchte diesbe-
züglich lieber nichts preisgeben, heißt es cool blei-
ben und sagen, dass man darauf nicht antworten
Ein Magazin der Verlagsgruppe Ebner Ulm · www.ebnerverlag.de

möchte. Meist reicht das. Wenn nicht, kann


man auf das Allgemeine Gleichbehandlungs-
gesetz hinweisen.

5 Abwarten und Tee trinken? Das erste


Feedback nach einem Bewerbungs-
gespräch kann zwischen sofort und nie statt- PAGE Shop: PAGE Skizzenbuch – Originalität ist der
finden – leider. Kandidaten dürfen deshalb beste Kopierschutz // typoPAGE – geballte Typografie
ruhig selbstbewusst sein und um eine Rückmel- auf 196 Seiten // Schneidematte – stabil & stilvoll
dung binnen 14 Tagen bitten. Wer mehrere Bewer- // DTP-Typometer 2.0 – mit US- und DIN-Formaten.
bungen parallel laufen hat, spielt am besten Jetzt bestellen: shop.page-online.de/produkte
mit offenen Karten, das macht ihn im Zweifel
nur interessanter. Außerdem hilft es, sich über
XING und LinkedIn mit seinen Ansprechpartnern
zu vernetzen. So ist man nach dem Treffen nicht
»aus den Augen, aus dem Sinn«. jbr
098 page 10.16 › BRaNCHe › Bewerbungsgespräche

Beim Speed Recruiting am ADC


Nachwuchstag im Hamburger Millerntor-
Stadion konnten sich Interessierte
bei Agenturen wie Leo Burnett, Kolle
Rebbe und Interone vorstellen

Beim Speed Recruiting punkten


● Speed Recruitings gibt Kreativen auf der können Designer durch ihre Teilnahme den ting, um weitere Agenturen kennenzuler­
Suche nach einem Job oder Praktikum die Grundstein für eine spätere Anstellung le­ nen, und setzte dort auf einen lockeren per­
Möglichkeit, sich an einem Tag mehreren gen. An Ort und Stelle eingestellt wird man sönlichen Einstieg in das Gespräch. »Wenn
möglichen Arbeitgebern vorzustellen – und natürlich nicht, diese Events sind aber eine ich mich vorgestellt und mit einem Lächeln
zwar nacheinander jeweils wenige Minuten gute Gelegenheit, um die Kommunikation gesagt habe, dass ich schon 30 bin und das
lang. Entsprechende Formate finden zum ins Rollen zu bringen und sich bei den Per­ nicht so toll finde, haben die meisten erst
Beispiel am Nachwuchstag des ADC Festi­ sonalern bekannt zu machen. mal gelacht. Das war gut für die Atmosphä­
vals statt. Auch das Berliner Kommunika­ Was man dafür tun muss? Auffallen! Syl­ re«, erzählt sie. Um Inhalte zu zeigen, hat­
tionsforum bietet regelmäßig Speed Recrui­ via Heß erinnert sich mit Freude an einen te die Texterschmiede­Studentin ein Mini­
tings an (http://stellmichein.de), genauso Kreativen, der als Agent auftrat, sein Port­ portfolio ihrer Arbeiten auf dem iPad zu­
wie der GWA ( www.gwa.de/Talente/Nach folio in einem Geldkoffer hatte und seine sammengestellt – DIN­A3­Mappen sind für
wuchs/addayadnight) und einige IHKs. De­ Kontaktdaten auf eine Geldnote gedruckt. die schnelle Präsentation an einem kleinen
ren Veranstaltungen sind vor allem für Schü­ Aber auch wer weniger gerne im Rampen­ Tisch zu umständlich. Dazu gehörte auch
ler interessant, die sich für eine Ausbildung licht steht, kann die Bühne nutzen. Mandy eine handgemalte, selbst gestaltete Visiten­
zum Kommunikationskaufmann oder Me­ Börsch, Director Human Ressources bei karte mit dem Titel ›Chief Executive Prak­
diengestalter interessieren. Während es den Interone, gefiel am ADC Nachwuchstag bei­ tikantin‹. Intensive Bewerbungsgespräche
Agenturen darum geht, sich in den Köp­ spielsweise ein Portfolio in Form eines Dau­ kann Speed Recruiting zwar nicht ersetzen,
fen der Talente zu verankern – Speed Re­ menkinos. Ihre derzeitige Praktikantin Ma­ aber es kann jungen Kreativen auf Jobsuche
cruiting als HR­Marketingmaßnahme –, riam Bande nutzte das ADC Speed Recrui­ helfen, ihre Möglichkeiten auszutesten. jbr

PAGE Story »Bewerbungsmappen: Dos & Don’ts«. PAGE Story »Skill Set für Kreative«. Worauf es über die rein
Worauf personalentscheider und Kreativdirektoren fachliche Kompetenz ankommt und wie man diese
bei der präsentation der arbeiten Wert legen, lesen Fähigkeiten am besten trainiert, erfahren Sie in page 03.16
Sie in page 09.15 ↗ www.page-online.de/pepa1509 ↗ www.page-online.de/pepa1603
page 10.16 099

tor in der Speicherstadt angeheuert hat. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx


Ihr Tipp für Bewerber: »Konkrete Inhalte
ansprechen, Fragen zu Kunden, zum Team Interview mit NILS KREYENHAGEN
und zu möglichen anstehenden Aufgaben
stellen. Das macht deutlich, dass man ech­ men verlassen. Es gehört zur Etikette,
tes Interesse an dem Job hat.« dass der, der eingeladen hat, eine gute
Gesprächsatmosphäre schafft und dem
Klarheit schaffen Bewerber die Aufregung nimmt. Eine
Generell fährt man gut, wenn man das Ge­ unverbindliche Anmerkung zum Wet­
spräch aktiv gestaltet und Fragen stellt – ter oder eine Frage zur Anreise hilft oft
auch die nach Gehalt und Arbeitszeiten ge­ schon, um das Eis zu brechen. Natür­
hören in einen Bewerbungstermin. »Je kla­ lich nur, wenn ich als Bewerber darauf
rer die Fakten – zum Beispiel, dass jemand eingehe und den Ball auch annehme.
aufgrund von Kinderbetreuung bestimm­
te Zeiten einhalten muss –, desto besser«, Kommt es denn in Bewerbungs-
meint Mandy Börsch, Director Human Res­ gesprächen generell besser an,
sources bei Interone in Hamburg und Mün­ defensiv auf die Fragen zu ant-
chen. Sie weist aber darauf hin, dass The­ ● Nils Kreyenhagen ist Geschäftsfüh­ worten? Oder darf ich auch mit
men wie das Gehalt oder Sonderleistungen rer des Recruiting­Spezialisten Mar­ eigenen Themen vorpreschen?
das Gespräch nicht gleich eröffnen sollten. kenpersonal in Hamburg, der Kom­ Selbstbewusstsein per se ist gut! Trotz­
Hier empfiehlt sie dem Bewerber ohnehin munikationsexperten an Werbe­, PR­ dem würde ich abwägen und nicht all­
eine Haltung zwischen Bescheidenheit und und Digitalagenturen, Designstudios zu offensiv sein. Der erste Eindruck
Selbstbewusstsein. Forderungen wie ›Ich sowie Marketingabteilungen von Un­ bleibt hängen, da gibt es danach kein
komme nur, wenn ihr mir das und das bie­ ternehmen vermittelt. Hier erklärt er, Zurück mehr.
tet‹, gar am Anfang eines Kennenlernens in auf was es im Bewerbungsgespräch an­
den Raum geworfen, kämen nicht gut an. kommt. jbr Mit welchen Themen hinterlässt
»Meine Gehaltsvorstellungen habe ich man einen guten Eindruck?
bisher immer gegen Ende angesprochen«, Die Kreativbranche hat sich von Mit Inhalten, die konkret den Job be­
sagt Rasmus Bruning, der sich zu Anfang einem Arbeitgeber- zu einem treffen, um den es geht. Wer sich zum
des Jahres initiativ bei der Hamburger De­ Arbeitnehmermarkt gewandelt, Beispiel für eine Stelle als Webdesigner
signagentur Karl Anders bewarb. Sein Vor­ das hört man immer wieder. vorstellt, könnte fragen, mit welchen
stellungsgespräch dauerte zwei Stunden Was ist dran? Tools in der Agentur üblicherweise ge­
und mündete erst in eine projektbezogene Nils Kreyenhagen: Das stimmt. In Be­ arbeitet wird. Außerdem kommt es gut
Beschäftigung als Freelancer und schließ­ werbungsgesprächen geht es immer an, wenn man über die Arbeiten in der
lich in eine Festanstellung als Artdirektor. seltener um ein einseitiges Sichvorstel­ Mappe auch live mit Begeisterung spre­
»Das war ein angenehmer Weg, noch bes­ len des Kandidaten, sondern ums ge­ chen kann.
ser herauszufinden, ob wir zueinanderpas­ genseitige Kennenlernen. Auch wenn
sen«, so Bruning. gerade Werbeagenturen oft noch eine Was sind dagegen absolute No-
Manchmal steht nach dem ersten Ge­ gewisse Arroganz an den Tag legen, Gos in Bewerbungsgesprächen?
spräch auch noch ein zweites Treffen an, darf man als Bewerber durchaus selbst­ Auf keinen Fall schlecht über den Job
in der Regel hört der Kandidat binnen 14 Ta­ bewusst in einen solchen Termin ge­ reden, aus dem man kommt! Da gehen
gen von der Agentur, oft auch früher. Wer hen. Schließlich will man sein Gegen­ bei Personalern die Alarmglocken an,
mehrere Bewerbungen gleichzeitig laufen über nicht nur von sich selbst überzeu­ sie wollen keine Bewerber, die später
hat, sollte das offen ansprechen. Wenn zwi­ gen, sondern auch herausfinden, ob auch einmal schlecht über ihre Agentur
schenzeitlich Fragen auftauchen, darf man der mögliche Arbeitgeber wirklich zu sprechen werden.
ruhig anrufen oder eine Mail schreiben. einem passt.
»Das nervt nicht, sondern zeugt von Interes­ Was ist mit Fragen zu Gehalt,
se«, so Sylvia Heß und macht damit noch Hand aufs Herz: Als Bewerber, Arbeitszeiten und Benefits
einmal deutlich: Wer sich in der Kreativ­ der in eine Agentur kommt, wie betrieblicher Altersvorsorge
branche auf einen Job bewirbt, sollte mit befinde ich mich doch immer erst et cetera?
einer gewissen Portion Selbstbewusstsein einmal in der schwächeren Zu früh angesprochen, lassen sie den
an die Sache herangehen. Schließlich sind Position. Ich kenne die Umgebung Kandidaten eher unsicher wirken, ge­
Chefs und Personaler auch nur Menschen nicht, bin aufgeregt und oft gen Ende des Treffens sollte man diese
und Agenturen keine Löwengruben. jbr weniger berufserfahren als die Dinge aber unbedingt auf dem Tisch
Personalverantwortlichen, bringen. Auch, ob man eine Führung
die mich empfangen. Wie über- durch die Agentur bekommt, kann man
winde ich die ersten Hürden? gerne fragen, das zeugt von Neugier
Die Stiefel, die Julia Bröder trug,
als sie sich vor sieben Jahren bei Zu Beginn darf man sich hier ruhig auf und Interesse. Noch einmal: Bewerber
page als Redakteurin vorstellte, den Anstand der Hausherren oder ­da­ sind keine Bittsteller!
mag sie heute immer noch.
100 page 10.16 › BRaNCHe › Neugelb

Optimistisch
gestimmte Neugelb-
Geschäftsführer:
Hannes Kober (links)
und Holger Grünwald.
Ganz rechts: Tobias
Kruse, Business
Design Director bei
Fjord in Berlin

»Neugelb
funktioniert
als freies
Radikal«
Mit Unterstützung von Fjord hat die Commerzbank eine eigene
Agentur für Service Design gegründet. Ist das ein zukunftsweisendes Modell?
Oder macht man sich damit als Agentur überflüssig?
page 10.16 101

tise und Informationstechnik intern in einem durch-


gängigen Prozess zusammenzufassen, an dessen En-
de brauchbare Produkte stehen.
Ist Neugelb eine Abteilung innerhalb des
Unternehmens oder eine eigenständige
Agentur?
Grünwald: Organisatorisch gesehen sind wir zwar
eine 100-prozentige Tochter, aber wir arbeiten autark.
Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken dazu ge-
macht, wie viel Nähe und Distanz ein solches Kon-
strukt braucht. Schließlich haben wir entschieden,
dass es keinen sogenannten Kontrahierungszwang
gibt. Das heißt, keine Abteilung der Bank ist dazu
verpflichtet, mit uns zusammenzuarbeiten, wenn sie
uns nicht für den idealen Dienstleister hält. Das Glei-
che gilt für uns als Service-Design-Agentur: Prinzi-
piell dürfen wir auch für Drittkunden arbeiten – na-
türlich nicht für andere Kreditinstitute.
Hannes Kober: Wir sind eine Art Biotop und keine
interne Abteilung. Das ist zum einen wichtig, um das
richtige Personal zu finden, das im Service Design
zu Hause ist. Zum anderen braucht es einen gewis-
Foto: André Wunstorf

sen Wettbewerb mit externen Dienstleistern, um die


besten Lösungen anzubieten. Deshalb haben wir
Neugelb als freies Radikal konzipiert.
Tobias Kruse: In den Gesprächen, die wir von Fjord
mit der Commerzbank geführt haben, schwang im-
mer mit, dass sie die Außensicht stärker hineinho-
len wollte. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass
Banken wieder näher an die Menschen und deren
Bedürfnisse heranrücken müssen, um Produkte und
● Die Digitalagentur Fjord prognostizierte in ih- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Angebote zu entwickeln, die ihre Kunden wirklich
ren Trends 2016 ( http://trends.fjordnet.com), dass wollen und brauchen.
Unternehmen zunehmend in Innovation Labs und »Als Tochter Ist das nicht ein bisschen paradox, die externe
Designabteilungen investieren würden. Jetzt unter- innerhalb Sicht nach innen holen zu wollen?
stützte sie ihren Kunden Commerzbank bei der einer Unter- Kruse: Nein, es geht darum, Methoden zu erlernen,
Gründung einer eigenen Service-Design-Agentur mit deren Hilfe man die Kundensicht kontinuier-
mit Büros in Berlin und Frankfurt am Main. Neugelb
nehmens- lich berücksichtigt. Zudem müssen wir das Denken
(www.neugelb.com) – der Name ist eine Anlehnung gruppe hat und die Interdisziplinarität des Design Thinking in
an die Commerzbank-Farbe und gleichzeitig Aus- man auto- die Organisation hineintragen. Das ist ein wesent-
druck für die Suche nach Neuem – ging Mitte Februar matisch eine licher Teil der Digitalisierungsstrategie.
2016 an den Start und treibt bei der Bank die Entwick- Grünwald: Ein wichtiger Unterschied zu rein exter-
lung digitaler Produkte mithilfe von Design Thin-
größere nen Partnern liegt darin, dass wir nicht ausschließ-
king und Human-Centered-Design voran. Wir spra- Vertrauens- lich projektbasiert für die Commerzbank arbeiten.
chen mit den Neugelb-Geschäftsführern Holger position. Wir versorgen die Fachteams mit den nötigen Mit-
Grünwald und Hannes Kober sowie Tobias Kruse, Eine externe teln und Methoden, damit sie eigenständig weiter-
Business Design Director bei Fjord, über den Aufau arbeiten können. Das Know-how wird also in den
und die Einbindung von Designteams – und wie viel Agentur gesamten Konzern hineingetragen. In Frankfurt ha-
Nähe und Distanz zwischen Agentur und Unterneh- muss viel ben wir in ersten Workshops damit begonnen und
men dabei notwendig sind. nik mehr sehr gute Erfahrungen gemacht.
Überzeu- Wie gehen Sie dabei genau vor?
Warum hat die Commerzbank Neugelb Grünwald: Mit viel Fingerspitzengefühl, denn man
gegründet? gungsarbeit muss die Leute an der richtigen Stelle abholen. Es
Holger Grünwald: Die Entscheidung ist im Rahmen leisten« bringt nichts, wenn man zu große Distanz zu den all-
der Digitalisierungsstrategie der Commerzbank ge- Hannes Kober, täglichen Themen der Teilnehmer hat. Dann nehmen
fallen. Bislang hatte sie bei Analyse, Kreation und Geschäftsführer von diese das Ganze als einmaligen Exkurs wahr. Des-
Prozessentwicklung mit unterschiedlichen externen Neugelb, Berlin und halb holen wir konkrete Projektanfragen, Aufgaben
Dienstleistern zusammengearbeitet. Somit lag die- Frankfurt am Main und Problemstellungen vorab ein und stellen Mög-
ses Know-how außer Haus. Unser Ziel war es, strate- ↗www.neugelb.com lichkeiten vor, mit denen man in die Lösungsfindung
gisches Innovationsmanagement, Kreationsexper- gehen kann. Das baut Distanz ab und verhindert,
102 page 10.16 › BRaNCHe › Neugelb

So ganz anders
als in einer Bank
sieht es im
Innovation Lab
von Neugelb in
Frankfurt aus

dass sich die Fachabteilung mit konkreten Pro- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Grünwald: Ein Großteil sind Interaction und Visual
blemen und ein Designstudio gegenüberstehen, das Designer mit relativ klassischem Hintergrund, wie
theoretisch und abstrakt erzählt, wie das Arbeiten »Wir wollen einem Kommunikationsdesignstudium. Es sind aber
der Zukunft aussieht. Wir füllen keinen Kinosaal und das Denken auch Betriebswirte dabei mit Erfahrungen in digita-
erklären, wie Service Design funktioniert.
und die ler Produktentwicklung sowie Leute aus der Start-
Kober: Unseren Ansatz vermittelt man am besten up-Szene. Entsprechend dem T-Shape-Modell sind
dadurch, dass man macht – und die Leute mitma- Interdiszipli- alle in der Lage, übergreifende UX-Konzepte ent-
chen lässt. Wir leiten an, aber die Lösungen erarbei- narität des weder selbst zu entwickeln oder aber zu verstehen
ten die Kollegen selbst. Sie sind schließlich die Ex- Design und weiterzuentwickeln. Dazu haben alle ihre eige-
perten auf ihrem Gebiet.
Grünwald: Die Workshops finden überwiegend in
Thinking in nen Schwerpunkte wie User Interface Design, Pro-
totyping oder Konzeption. Woher die Leute kom-
unserem Innovation Lab in Frankfurt statt, manch- die Organi- men, ist aber letztlich nicht so wichtig – viel wich-
mal auch in den Abteilungen selbst. Das Lab ist zehn sation hinein- tiger ist der Charakter: Sie müssen vernetzt denken
Gehminuten vom Commerzbank-Haupthaus ent- tragen. Das und die direkte Zusammenarbeit mit dem Kunden
fernt und sieht ganz anders aus: ein altes Backstein-
haus, offene Räume, Whiteboards et cetera. Das Am-
ist ein we- schätzen. Bei uns gibt es keinen dazwischengeschal-
teten Projektmanager. Sie müssen sich artikulieren
biente lädt dazu ein, anders an Dinge heranzugehen. sentlicher Teil und für ihre Ideen einstehen können. Sie müssen
Welche Themen haben Sie bisher bearbeitet? der Digitali- den Willen haben, nicht nur Kommunikationsmit-
Grünwald: Alles Mögliche querbeet. Eines unserer sierungsstra- tel zu gestalten, sondern sinnvolle Produkte und
großen Themen ist die Multikanalstrategie der Com- Services – Dinge verändern zu wollen, ist eine ganz
merzbank, auch Cross-Channel-Banking genannt.
tegie der entscheidende Eigenschaft.
Dabei geht es darum, dass man unabhängig vom Commerz- Kober: Als Designer übernimmt man bei Neugelb
Touchpoint – sei es in der Filiale, von zu Hause oder bank« eine völlig neue Rolle. Statt als Angestellter bei einem
unterwegs – eine einheitliche User Experience hat. Dienstleister irgendwann nach dem Briefingprozess
Tobias Kruse,
Dieses Großprojekt tangiert sämtliche Fachbereiche Business Design
relativ spät in der Wertschöpfungskette zum Einsatz
vom Girokonto bis zur Wertpapieranlageberatung. Director bei zu kommen, gestaltet man hier sehr viel früher mit,
Und unsere Arbeit trägt bereits erste Früchte! Waren Fjord in Berlin ist schon in die Projektplanung eingebunden.
früher Excel-Listen grundsätzlicher Bestandteil von ↗www.fjordnet.com Wie tritt Neugelb als Arbeitgeber auf –
Briefings, kommt es heute schon vor, dass wir abfo- eigenständig oder als Commerzbank?
tografierte Papierzettel mit gemalten Männchen und Grünwald: Wir erklären natürlich, dass wir zur Com-
Bedürfnisclustern bekommen. Das ermutigt uns. merzbank gehören und weisen auf unsere Koopera-
Wie viele Mitarbeiter hat Neugelb? tion mit Fjord hin. Wir sind (noch) ein kleines Team
Grünwald: Aktuell sind wir knapp zehn feste Mitar- mit großen Zielen – und mit zwei starken Marken
beiter, dazu bekommen wir Unterstützung von Fjord, im Hintergrund.
wann immer wir sie brauchen. Bis Ende 2017 sollen Inwieweit war Fjord in den Aufbau
es rund 35 Festangestellte sein. Das ist groß genug, von Neugelb involviert und was ist die
um für alle relevanten Fachbereiche Expertenteams jetzige Rolle?
zur Verfügung stellen zu können. Kruse: Wir waren von Anfang an mit dabei und ha-
Und aus welchen Disziplinen kommen ben die Commerzbank beraten, wie sie Service-
Ihre Mitarbeiter? Design-Know-how am besten integriert. Eine eigen-
page 10.16 103

Kober: Ich habe vorher auf Agenturseite gearbeitet


und die Erfahrung gemacht, dass es vor allem Ver-
trauen braucht, wenn agile Service-Design-Prozesse
etabliert werden sollen. Und wenn man als Tochter
innerhalb einer Unternehmensgruppe agiert, hat
man automatisch eine größere Vertrauensposition.
Als externe Agentur muss man viel mehr Überzeu-
gungsarbeit leisten.
Wird Neugelb projektweise bezahlt?
Grünwald: Rein organisatorisch funktioniert das
Honorarmodell natürlich etwas anders, aber wir
rechnen einzelne Angebotspakete ab, genau wie ex-
terne Dienstleister. Das hat auch den Vorteil, dass
wir abgesteckte Projektpläne haben und die Zusam-
menarbeit zeitlich begrenzt ist. Als interne Abtei-
lung verliert man sich schnell in Endlosschleifen.
Grünwald: Das jetzige Modell ist aber nicht in Stein
gemeißelt. Wir tarieren noch aus, wie viel Nähe und
Distanz es braucht, um die nötigen Freiräume für
wirkungsvolle Arbeit zu schaffen und den »Change
ständige Einheit wie Neugelb erschien uns am sinn- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx from within« voranzutreiben. Vieles funktioniert
vollsten. Deren Aufau haben wir begleitet und ge- schon sehr gut, aber wir scheuen uns nicht nachzu-
meinsam definiert, was die Agentur genau anbietet, »Wir tarieren justieren, wenn etwas nicht die gewünschten Ergeb-
welche Bereiche sie abdeckt und was ihre Mission noch aus, nisse bringt. Neugelb funktioniert mehr wie ein Start-
ist. Das war auch wichtig für die interne Kommuni-
kation. Zudem haben wir geholfen, die Marke und
wie viel up als wie eine Tochter einer großen Bank.
Glauben Sie, dass die Entwicklung generell hin
die Unternehmenskultur zu entwickeln, wobei wir Nähe und zu internen Designagenturen geht?
viel von unserer Fjord-Kultur eingebracht haben – Distanz Grünwald: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen.
etwa bei Organisationsstrukturen, Prozessen oder es braucht, Und das Thema betrifft nicht nur den Finanzsektor,
Talentmanagement. Wann immer es gefragt ist, un-
terstützen wir bei der konkreten Projektumsetzung.
um die sondern alle Branchen. Dabei geht es immer um das
Ausloten von Nähe und Distanz: Wie weit hole ich
Dann arbeiten wir gemeinsam in gemischten Teams. nötigen mir die Kompetenz ins Haus? An welchem Punkt
Es ist also noch genug zu tun und Fjord hat sich Freiräume verliere ich die Nähe zum Kunden, weil ich nur noch
nicht selbst überflüssig gemacht? für wirkungs- durch die Unternehmensbrille gucke? Ich glaube,
Kruse: Nein. Uns geht es darum, gemeinsam mit der dass wir mit unserem Modell Schule machen können.
Commerzbank das Thema digitale Transformation
volle Arbeit Natürlich ist es auch eine Frage der Unternehmens-
und den Kulturwandel hin zu mehr Kundennähe vo- zu schaffen größe, ab wann sich eine solche Service- und Trans-
ranzutreiben. Wir glauben, dass wir das mit einem und den formationsinitiative lohnt. Nach unseren bisherigen
Konstrukt wie Neugelb besser leisten können, als ›Change Erfahrungen kann ich nur sagen, dass es für uns der
wenn wir als außenstehende Agentur beraten. Das richtige Weg ist. Und das wird sich der ein oder an-
ist – zumindest in Deutschland – noch ein neues Mo-
from within‹ dere Konzern sicherlich genau anschauen.
dell. In den USA ist es weiter verbreitet, dass Unter- voran- Kruse: Wir merken ganz eindeutig an den Anfragen
nehmen wie Banken eigene Designteams aufauen, zutreiben« an Fjord, dass das Interesse auch in anderen Bran-
dauerhafte Partnerschaften mit Designagenturen chen besteht.
Holger Grünwald,
eingehen oder diese aufkaufen. Das Wissen und das Grünwald: Natürlich betrifft es besonders solche
Geschäfts-
Hoheitsgebiet, das Kunden ungern aus der Hand führer von Branchen, bei denen das Kundenerlebnis zu einem
geben, bleiben so im Unternehmen. Daher fürchten Neugelb großen Teil an digitalen Touchpoints stattfindet. Es
wir keine Kannibalisierung unseres Geschäftsmo- ↗www.neugelb.com braucht aber Mut, tatsächlich eine eigene Einheit da-
dells als Agentur. für aufzubauen. Und wer hier Herzblut investiert, si-
Grünwald: Im Grunde ist das die ultimative Kunden- chert sich einen wichtigen Wettbewerbsvorsprung.
unterstützung. Es geht ja nicht darum, eine neue
Agentur als Profitcenter aufzubauen, sondern Neu-
PAGE Seminar »Design Thinking«. pia Betton
gelb entstand aus dem Bedürfnis der Commerzbank von edenspiekermann führt in die Design-
heraus, sich langfristig organisatorisch und struk- Thinking-Methodik und -praxis ein ↗ www.
turell neu aufzustellen und ein neues Kompetenz- page-online.de/seminar-designthinking
feld zu erschließen. Insofern ist es eine beeindru-
ckende Initiative von Fjord. Wir funktionieren als ein
PAGE Story »Innovation Labs«. Mehr über
Team, sitzen zusammen in den Sprint-Planungen die arbeit und Funktion von Labs und freien
und überlegen uns Teamkonstellationen für die kom- Units in agenturen lesen Sie in page 06.16
menden Wochen und Monate. ↗ www.page-online.de/pepa1606
104 page 10.16 › BRaNCHe › Versicherungen

Versicherungen für Kreative:

Die Rechtsschutzversicherung
Versicherungen gibt es viele. Welche für selbstständige Designer unverzichtbar,
welche ratsam und welche überflüssig sind, erklären wir in dieser Serie

D
esigner arbeiten immer noch xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx der Versicherer viele Probleme mit seinen Kun-
oftmals ohne rechtlich belast- den hat – man sollte ihn meiden. Die Leis-
bare Projektdokumentation. Der Wer als Designer tungsangebote der Versicherer unterschei-
Umgang mit dem Kunden und nachvollziehbar den sich zudem erheblich, insbesondere in
untereinander ist eher informell, sodass sie mit seinen Auftrag- dem, was sie ein- beziehungsweise ausschlie-
das Verhältnis nicht mit Papierkram belasten gebern kom- ßen. Schauen Sie also genau hin! In manchen
möchten. Gerät man jedoch in Streit, sind Paketen sind für Designer unnötige Risiken
mündliche Vereinbarungen rasch vergessen.
muniziert, also mitversichert, zum Beispiel der private Miet-
Ein Wort steht gegen das andere, und Anwälte schriftlich festhält, rechtsschutz. Indem man sich hier auf das
werden ins Feld geführt. Juristische Ausei- was vereinbart Notwendige beschränkt, lässt sich die Prämie
nandersetzungen können teuer werden, und oder was geändert reduzieren. Eine weitere Stellschraube ist die
genau deshalb gibt es die Rechtsschutzversi- wurde, investiert Höhe des Eigenanteils, den der Designer im
cherung. Sie übernimmt die Gerichtskosten, Schadensfall zu tragen hat. Sie variiert eben-
in die Vermeidung
die Anwaltsgebühren sowie die Kosten der falls von Anbieter zu Anbieter beziehungs-
anderen Partei, sollte man vor Gericht ver- von Streit. weise von Vertrag zu Vertrag.
lieren. Ausgenommen ist allerdings eine vor- Fast alle Versicherer bieten als Vorbeu-
beugende Rechtsberatung im Vorfeld. gung von Rechtsstreitigkeiten eine Anwalts-
Im Prinzip lässt sich eine Rechtsschutz- hotline für ihre Kunden an. Hier können sie
versicherung für alle möglichen Risiken vom sich eine erste Einschätzung holen, bevor sie
Ordnungsgeld bis zum Steuerrechtsschutz ab- ihren Anwalt konsultieren. Meist hilft diese
schließen, für Kreative geht es aber vorran- erste Einschätzung, um die eigenen Erfolgs-
gig um Schadensersatzfragen: Sie entwer- aussichten abzuwägen. Das entlastet nicht
fen urheberrechtlich geschützte Werke. Diese nur die Gerichte, sondern spart auch Zeit und
Rechte können verletzt werden. Sie können Geld. Übrigens: Wer gerade in der Karenzzeit
aber auch selbst die Rechte Dritter verletzen. eines neuen Vertrags ist oder aus Prinzip keine
Über den damit verbundenen Schaden wird Rechtsschutzversicherung abschließen will,
dann unter Umständen vor Gericht gestrit- findet eine solche anwaltliche Rechtsbera-
ten. Es kann natürlich auch passieren, dass tung auch in seinem Berufsverband. 
der Designer seinen Auftraggeber durch Feh-
ler bei der Arbeit oder geplatzte Terminzu- Streit vermeiden
sagen schädigt. Ebenfalls ein Anlass für eine Auch wenn die Rechtsschutzversicherung eine
juristische Auseinandersetzung. recht simple Versicherung ist, empfehle ich:
Wichtig: Wer eine Rechtsschutzversiche- Vorbeugen ist besser als heilen. Wer als Desi-
rung abschließt, wenn der Streitfall bereits gner nachvollziehbar mit seinen Auftragge-
eingetreten ist, hat keinen Schutz. Fast alle Christian Büning ist Inhaber von bern kommuniziert, also schriftlich festhält,
Versicherer haben nach Vertragsabschluss eine Büro Büning für Informationsge­ was vereinbart oder was geändert wurde, in-
Karenzzeit von drei bis sechs Monaten. In die- staltung und des Werkstoff vestiert in die Vermeidung von Streit. Jede
Verlags in Münster. Im Berufs­
ser Zeit bezahlt man zwar die Prämie, kann gerichtliche Auseinandersetzung bindet Zeit,
verband BDg setzt er
aber noch keine Leistungen in Anspruch neh- sich für professionalisierung, Geld und Nerven, die besser in neue Design-
men. Das gilt nicht nur für schon akute Streit- Fairness und Designer ein. projekte fließen könnten.
fälle, sondern auch für deren Beginn – liegt ↗  www.buero­buening.de Rechtliche Auseinandersetzungen durch
dieser zeitlich vor Unterzeichnung des Ver- eine klar dokumentierte und transparente
trags, bieten die meisten Versicherer keinen Kommunikation zu vermeiden ist die erste
Schutz. Es lohnt sich also, eine Rechtsschutz- Sicherungslinie für Kreative. Die zweite ist
versicherung beizeiten abzuschließen.  eine Rechtsschutzversicherung, welche die
erheblichen finanziellen Risiken eines Rechts-
Beschränkung aufs Notwendige Berufshaftplicht für Kreative.
streits abfängt. So abgesichert können Desi-
Den ersten Teil unserer
Auch bei der Wahl einer Rechtsschutzver- Versicherungsserie lesen Sie gner sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren
sicherung lohnt der Blick auf die Klagequote unter ↗ www.page­online.de/ und das machen, was sie gut können: Pro-
des Anbieters. Ist diese hoch, heißt das, dass berufshaftpflicht bleme lösen.  Christian Büning
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Best-of Mut zur Wut 2016


Kreation. Von der Banane Trump über die AfD für
Kurzsichtige zu Fluten aus Plastik: Der Plakatwett-
bewerb Mut zur Wut feiert alljährlich die freie Mei-
nungsäußerung. Trotz Zensur in einigen Heimatlän-
dern der Gestalter wurden 2016 mehr als 2000 Pla-
kate aus 58 Ländern eingereicht. Wir zeigen die
30 Gewinnerarbeiten.
↗  www.page-online.de/mutzurwut_1016

Benetton ganz »normal«


Bild. Es gab Zeiten, in denen Benetton weltweit
Schlagzeilen machte – als Fotograf Oliviero Toscani,
statt schlicht für Pullover zu werben, die Anzeigen
für Themen wie Rassismus, Aids, Todesstrafe oder
Bosnienkrieg nutzte. Mit Fotos von Theo Wenner
setzt das Modelabel jetzt auf Menschen »wie du und
ich«. Revolutionär oder langweilig?
↗  www.page-online.de/wenner_1016

Grundregeln guter Werbung


Branche & Karriere. Colin Lamberton hat bereits
in einigen Kreativagenturen gearbeitet – darunter
Chiat\Day und St. Luke’s in London, Grey und Ar-
nold in Amsterdam. Seit Oktober 2014 ist er Execu-
tive Creative Director der neuen Agentur Fallon Pra-
gue. Wir sprachen mit ihm über das junge Prag und
darüber, was in der Werbung schiefläuft.
↗  www.page-online.de/lamberton_1016

Jobs für Kreative


PAGE Stellenmarkt. Kreative Köpfe finden auf unse-
rer Stellenplattform spannende Herausforderungen
sowie attraktive Arbeitgeber und Auftraggeber. Agen-
turen, Unternehmen, Designstudios und Start-ups
können fähige Talente entdecken: vom Praktikanten
über den Junior Artdirektor zum Design Manager,
vom Coding Designer bis zum Creative Technologist.
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107

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Infografik
Visual Storytelling –
Workflows &
Cases

Die Referenten Das Seminar »Infografik«


● Klaas Neumann und Jakub Chrobok arbeiten ● Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
im Team der golden Section graphics gmbH, ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet
einer der renommiertesten Infografikagenturen und TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
weltweit. Seit über zehn Jahren bewegen sie Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren
sich im Bereich der Informationsvermittlung auf und Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
allen plattformen: Jakub Chrobok, zuvor Leiter können vielschichtige Inhalte direkt veranschaulichen. Doch je schneller
des Visual Lab bei C3, ist jetzt als Creative Direc- und komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss
tor bei golden Section graphics und Dozent der Kreative bei der Datenaufereitung vorgehen. Mit einer ästhetisch
an der aID Berlin tätig. Klaas Neumann, Senior faszinierenden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten
artdirector bei golden Section graphics, war und die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jakub Chrobok
Infografiker und Illustrator bei den gruner + Jahr und Klaas Neumann die eigentliche Herausforderung. Es wird immer
Wirtschaftsmedien (unter anderem bei »Financial anspruchsvoller, gute und verlässliche Quellen zu finden, um einen Sach-
Times Deutschland« und »Capital«). verhalt korrekt und unverfälscht wiederzugeben. Der Grafik- und Kommu-
nikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur reiner Gestalter, er ist
Die Agenda zugleich Journalist und wird gerade durch den gezielten Einsatz von Illustra-
tion zum visuellen Geschichtenerzähler.
1 Das Wesen der Infografik –
Stärken und Schwächen Jakub Chrobok und Klaas Neumann erläutern im PAGE Seminar anhand
Was kann und muss eine Infografik leisten, und von konkreten Praxisbeispielen, wie eine Infografik entsteht – von der
wie setzt man sie sinnvoll ein? Was unterschei- Recherche über die Skizze bis hin zu Reinzeichnung und Animation. Sie
det eine journalistisch geprägte grafik von einer bieten tiefe Einblicke in die Arbeit eines Infografikers und beleuchten
Visualisierung in der Unternehmenskommuni- das Spannungsfeld zwischen reiner Information und guter Gestaltung –
kation? Wie können Illustrationen die Wirkung wertvolles Know-how von Designprofis für Designprofis!
und aussage einer Infografik beeinflussen?

2 Vom Briefing über die Recherche zur Das Seminar findet am 4. November im Hotel 25hours,
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien Hamburg-Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet
Wie müssen die Basisinformationen für ein gutes 748 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungs-
Briefing aufbereitet sein? Wie kommt man an kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen
die relevanten Daten und damit auf die richtige begrenzt! also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .
Idee? Ist weniger mehr oder mehr Information
hilfreicher? Wie gewinne ich den Kunden für die Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
Idee? Wie läuft die abstimmung mit ihm? Austausch der Teilnehmer untereinander.

3 Animation, Interaktion, Social Media –


die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation
Wie setze ich Infografiken viral und crossmedial ein? page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Ist eine statische oder eine interaktive, animierte Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar  
grafik besser? Wie gestalte ich den Workflow und aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
habe die unterschiedlichsten Nutzungsarten im Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Blick? Wie kalkuliere ich eine Infografik? Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
108 page 10.16 › branche

Szene
Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt BDG Business Basics
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Fokussiertes
Arbeiten
BDG-Vizepräsident Christian
Büning klärt aktuelle Fragen aus
dem Berufsalltag von Kreativen
↗www.bdg-designer.de

● Designer arbeiten vor dem Rechner mit


Blick auf Telefon, Kaffeemaschine und einen
Post-it-Kranz, der den Bildschirm einrahmt.
Wer allerdings ausschließlich auf Termine
und Spationierung achtet, übersieht schnell,
was er selbst braucht – die Folge sind Erschöp-
fung, üble Laune und schlechte Arbeit. Und
das im schönsten Beruf der Welt. Mit ein paar
Tricks kann man sich jedoch selbst besser ver-
Fotos: Martina Hemm

sorgen und Inseln der Fokussierung schaffen.


Fokussierung blendet Möglichkeiten aus
und bringt Ruhe in die Gedanken. Das führt
zu besseren Ergebnissen, die sogar in kürzerer
Zeit entstehen. Mit Programmen wie Freedom
kann die Internetverbindung für eine festge-
Start with a Shirt. Ihr erstes Produkt legte Zeitspanne gekappt werden. In dieser
können keine Mails aufpoppen, der Browser
stellt die Süpergrüp nun vor: ein T-Shirt als ist blind und Facebook weit weg. Wer regel-
mäßige Offlinezeiten einbaut, kann sein Ge-
Statement zur Lage der Welt. Gegen läh- hirn langsam beruhigen und dadurch fokus-
sierter arbeiten.
mende Angst und destruktive Wut mobili-
Mein Tipp: Wer zwischendurch den Fokus lo-
siert das siebenköpfige Designkollektiv (sie- ckert, bleibt insgesamt länger konzentriert.
Wenn der Drucker so weit wie möglich vom
he PAGE 06.16, Seite 104 ff.) die utopische Schreibtisch entfernt steht, gibt das nicht nur
mehr Bewegung, sondern kleine Fokuspau-
und konkrete Kraft der Liebe – im Geiste sen, die insgesamt die Kondition erhöhen.
Ganz ohne schnelle Abwechslung kommt ein
John Lennons. Das aus fair gehandelter Bio- Designergehirn allerdings nicht durch den
Tag. Geben Sie in zwei, drei kurzen Pausen
baumwolle gefertigten Shirt gibt’s in diver- am Tag diesem Bedürfnis nach und dem Af-

sen Größen und je zwei Varianten für Frau- fen Zucker. So begrenzt sich die Zerstreuung
und schafft Raum für Fokus, Ruhe und gute
Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de

en und Männer, 5 Euro vom Verkaufspreis Arbeit. Viel Erfolg!

(knapp 40 Euro inklusive Versand) gehen


dabei an die Initiative Viva con Agua (siehe Haben Sie ebenfalls eine Frage? Dann
schreiben Sie uns gern eine E-Mail
Seite 44). Bestellung und weitere Informa- an businessbasics@bdg-designer.de

tionen unter www.suepergruep.com . au Business Basics auf PAGE Online.


ausgewählte beiträge lesen Sie
unter  ↗ www.page-online.de/bdg
page 02.14 109
anzeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Design
Thinking
Insights & Hands-on-
Workshop

Die Referentin Das Seminar mit Edenspiekermann


● Pia Betton, Partnerin bei Edenspiekermann, ● Der Markt ist übersättigt mit digitalen Anwendungen, aber nur einige
blickt auf 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen wenige sind erfolgreich. Wen wundert’s, die Nutzerroutinen ändern
Brand Development, Corporate Design, Design sich stetig und damit auch die Anforderungen an Inhalte und Formate,
Thinking, Design Research, Innovation und sprich: an den eigentlichen Service. Die strukturierte Innovations-
Communication zurück. Ihre berufliche Laufbahn methode Design Thinking setzt hier an und verfolgt den Ansatz, Produk-
führte sie ins Management von Unternehmen te und Services aus Sicht des Nutzers zu gestalten. Diese Herangehens-
wie MetaDesign, Institute of Electronic Business weise hat Technologieführer wie Apple und Google groß gemacht.
und heute Edenspiekermann. Ihr Portfolio
internationaler Kunden reicht von Firmen wie Im PAGE Workshop »Design Thinking« gewährt Ihnen Pia Betton,
Bang & Olufsen, Carlsberg, E.ON und LEGO Partnerin bei Edenspiekermann, tiefe Einblicke in Kundenpro-
bis zu öffentlichen Institutionen wie Deutsche jekte, die durch genau diese Methode erfolgreich geworden sind.
Bahn und Danish Investment Fund. Sie erproben den gleichen Prozess, den Edenspiekermann
genutzt hat, um beispielsweise das Redesign von ZEIT Online
Die Agenda sowie ZEITmagazin Online zu gestalten.

1 Intro. Wie genau sieht ein Kick-off-Workshop Mittels Design Thinking entwickeln Sie Ideen für neue relevante Expe-
bei edenspiekermann aus, in dem mit Design- riences und setzen diese als Prototypen um. Sie erlernen in praktischer
Thinking-Methoden gemeinsam mit dem Kunden Anwendung wirksame und pragmatische Innovationsmethoden,
der grundstein eines projekts erarbeitet wird? die Sie später selbstständig in Ihren eigenen Arbeitsalltag einbringen
Welche Hürden gibt es in einem Design-Thinking- können. Das umfasst nutzerorientierte und mediengerechte Denk-
prozess? pia Betton gibt einblick in konkrete Cases. weisen, aber auch konkrete Mittel, um Ideen schnell und ohne großen
Ressourcenaufwand kommunizier- und überprüfbar zu machen.
2 Nutzerbedürfnisse. Die Teilnehmer lernen,
die wahren Bedürfnisse zu erfragen und auf Das Seminar stärkt das Bewusstsein für die besonderen Anforderungen,
Basis dieser Insights personas zu erstellen, die die durch digitale Services entstehen. Vor allem zeigt es aber, dass es
die grundlage für den weiteren prozess bilden. keinen Grund für Berührungsängste gibt. Wertvolles Know-how von
Designprofis für Designprofis in Agentur, Start-up und Unternehmen!
3 Produktideen. Die relevanten Bedürfnisse
werden von den irrelevanten differenziert, um
neue userzentrierte experiences zu generieren. Das Seminar findet am 18. November bei edenspiekermann
ein von edenspiekermann entwickeltes Spiel in Berlin von 9:00 bis 18:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 748 euro
unterstützt den Ideenfindungsprozess. (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten,
Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 personen
4 Prototyping. Die Teilnehmer setzen ihre begrenzt! also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.  
ansätze auf den eigenen Smartphones um, sodass
sie am ende einen funktionierenden prototyp
in Händen halten, präsentieren und testen können. page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
5 Retrospektive. Die Teilnehmer erarbeiten,
aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
wie sie das erlernte Wissen am besten in Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
ihren gestaltungsprozess integrieren können. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
110 page 10.16 › branche

Kalender
Termine für Designer & Developer   ↗ www.page-online.de/events

Kongresse 22.09.–24.09.
EuroIA
Messen

Von oben: Juergen Teller: Joan Didion, Céline Campaign Spring Summer 2015, New York 2014 (Uncropped) © Juergen Teller; Lukas Gansterer: »Nordic by Nature«, erschienen in »Sleek Nr. 47«, nominiert für einen
In Workshops und Talks
nähert sich die Konferenz
09.09. für Informationsarchi-
MOBX 2016 tektur und UX den
Konferenz zum Thema »Connected Things
Mobile UX Berlin Amongst Us« Amsterdam
↗http://2016.mobx ↗www.euroia.org

1 con.com
29.09.
13.09.–17.09. ADC Design Experience
ATypI Warsaw 2016 Unter dem Motto »Think
60. Jahreskonferenz der Design. Change the World«
Association Typographique diskutieren etwa Mirko
Internationale zum Borsche, Jochen Rädeker
Thema »Convergence« oder Benedikt Groß,
Warschau wie Design Triebfeder für
↗www.atypi.org Veränderung sein kann
Württembergischer
14.09.–15.09. Kunstverein, Stuttgart
dmexco 2016 ↗www.adc.de
Konferenz und Messe
für Digital Marketing 19.10.–23.10.
koelnmesse Frankfurter Buchmesse
↗http://dmexco.de Zu Gast sind Flandern
und die Niederlande
20.09.–22.09. ↗www.buchmesse.de
CODE_n | new.
New Festival
Innovationsfestival für Ausstellungen
Wirtschaft, Wissenschaft
und Kreativbranche Festivals
ZKM Karlsruhe
↗www.newnew 08.09.–12.09.
festival.com Ars Electronica
Festival 2016
20.09.–25.09. Das Festival für Kunst,
photokina 2016 Technologie und Gesell-
Messe für die Foto-, Video- schaft setzt den Fokus auf
Juergen Teller ist nicht nur ein großer Selbstdarsteller, sondern auch ein
und Imaging-Branche Projekte von Künstlern,
wunderbarer Porträtfotograf. Für Céline fotografierte er Joan Didion koelnmesse Wissenschaftlern, Desi-
↗www.photokina.de gnern und Technologists,
»die mit ihrer hybriden
21.09.–23.09. Arbeitsweise die Grenzen
Farbe im Kopf – Von zwischen Kunst und Wis-
LeadAward in der Kategorie »Mood- und Modefotografie des Jahres«

der Wahrnehmung zur senschaft aufheben und


Kunst dadurch neue Perspektiven
Interdisziplinäre Konfe- eröffnen«. Und so lautet
renz mit Workshops und das Motto auch »Radical
Ausstellungen. Das Thema Atoms – and the alchemists
Farbe wird aus Sicht von of our time« Linz
Neurobiologie und Wahr- ↗www.aec.at
nehmung, Natur und
Lebenswelt, Kunst und 10.09.–24.09.
Kultur sowie Medien und Toni! Festival der Künste
Technik beleuchtet und des Designs
Universität Tübingen Event der Zürcher Hoch-
↗http://farbe-im-kopf.de schule der Künste
Toni-Areal, Zürich
22.09.–23.09. ↗www.zhdk.ch/
Next 16 tonifestival
»It’s me, your digital ego«
 10.09.–26.02.17
2 ist das Motto der Digital-
Business-Konferenz
3
You Say You Want a
Lukas Gansterers Arbeit für »Sleek« ist für einen LeadAward Schmidts Tivoli, Hamburg Revolution? Records
»Mood- und Modefotografie des Jahres« nominiert ↗http://nextconf.eu and Rebels 1966–1970
page 10.16 111

Die Schau lässt die Gegen- diesmal, so die Jury, oft


kultur der 60er Jahre leben- schwarzweiß gehaltene
Von oben: The Acid Test poster designed by Wes Wilson, printed by contact printing co. Artist: Courtesy of Steward Brand (1966); Fiona Tan: Rise and Fall, 2009, Still, Courtesy the artist and Frith Street Gallery,

dig werden V&A, London Fotoreportagen aus den


↗http://vam.ac.uk/ Krisengebieten weltweit
revolution sowie intime, nahe Bilder
von Menschen, aber auch
Bis 11.09. künstlerische Arbeiten in
Fantoche Zeitungen und Magazinen
14. Internationales Festival Haus der Photographie,
für den Animationsfilm Hamburg
Baden, Schweiz ↗www.deichtorhallen.de
↗www.fantoche.ch/de
5  Bis 11.12.
4  17.09.–15.01.17 Willy Fleckhaus. Design,
Fiona Tan. Geografie Revolte, Regenbogen
der Zeit Er »verschmolz die Ratio
Die indonesische Fotogra- Schweizer Grafik mit der
fin und Videokünstlerin
chinesisch-australischer
Fantasie des amerikani-
schen Editorial Designs«,
3
Herkunft, die sich selbst heißt es in der Ankün-
als »professionelle Fremde« digung. Wir freuen uns
bezeichnet, ist eine der über diese Ausstellung!
interessantesten Künstle- Museum für Angewandte
rinnen der Gegenwart Kunst Köln
Museum für Moderne ↗www.makk.de
Kunst Frankfurt
↗http://mmk-
frankfurt.de Wettbewerbe
17.09.–27.09. Kreativawards
London Design Festival Aktuelle Einreichungster-
↗www.londondesign mine finden Sie auch hier
festival.com ↗www.page-online.de/
wettbewerbe
21.09.–24.09.
Bis 29.09.
Reeperbahn Festival
4
London; twen, Nr. 2, 1969, Fotografie: Charlotte March, Grafik: Willy Fleckhaus, © Foto: Hans Döring

Event der Musik- und eurobest Awards


Digitalbranche Hamburg Kreativwettbewerb
↗www.reeperbahn ↗www.eurobest.com
festival.com/de
Bis 30.09.
1  Bis 25.09. Epica Awards
Juergen Teller. Enjoy Internationaler
Your Life! Kreativwettbewerb
Juergen Teller – enfant ↗www.epica-
terrible unter den deut- awards.com
schen Fotografen – wäre
nicht Juergen Teller, wenn Bis 30.09.
er die Würdigung durch DDC Wettbewerb /
eine große Ausstellung in Gute Gestaltung 17
der Bundeskunsthalle Einer der wichtigsten
nicht mit dem ihm eigenen deutschen Designpreise
anarchischen Witz ↗www.ddc.de
unterlaufen würde Bonn
↗www.bundeskunst Bis 30.09.
halle.de Swiss Cultural
Challenge
29.09.–02.10. Förderpreis für junge
Comicfestival Hamburg Kreative aus Design, Kunst
↗https://is.gd/comicshh und Medien/Musik
↗www.sechallenge.ch/
2  Bis 30.10. cultural
VisualLeader 2016
Präsentation der für den Bis 07.10.  5
Medienpreis LeadAwards Das Jahr der Werbung
nominierten Arbeiten. Preis für kreative Werbung
Schwerpunkte bilden ↗www.jdw.de au
112 PAGE 10.16

Vorschau Kontakt
PAGE 11.16 erscheint am 5. Oktober

PAGE wird 30 – 30 Gestalter Redaktion PAGE


unter 30 gratulieren Wir freuen uns über Ihr Feedback und
Vor genau 30 Jahren ging PAGE an den Start und Themenvorschläge an  info@page-online.de
begleitet seither die rasante Medienrevolution
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von den ersten Anfängen des Desktop-Publishings Borselstraße 28, 22765 Hamburg
hin zum Internet of Anything. Auch in unserer Telefon: +49 40 85183-400; Fax: -449
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Jubiläumsausgabe schauen wir nach vorn und ↗  www.page-online.de ↗  www.twitter.com/pagemag
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Chefredakteurin/Publisher Gabriele Günder, V.i.S.d.P.
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Textchefin Astrid Umbreit (au)

Keine Zeit! Redaktion Miriam Harringer (mh, Redaktion Online),


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Freie Mitarbeit: Julia Bröder (jbr), Antje Dohmann (ant),
Permanenter Angelika Eckert (ae), Dr. Claudia Gerdes (cg), Rebecca
Zeitmangel von Hoff (Grafik), Christine Krawinkel (ck, Artdirektion),
Myriam Jantoss (Textredaktion), Maiken Richter (Text-/
bestimmt unseren
Schlussredaktion), Sabine Danek (sd, Redaktion Online);
Fast-Forward- Redaktionsassistenz: Sinja Kik
Alltag. Ein echtes Autoren dieser Ausgabe Christian Büning, Verena Dauerer,
Problem für Marken – Mario Drechsler, Johannes Erler, Tim Krause-Murroni, Markus
es sei denn, sie Linden (ml), Judith Mair, Jürgen Siebert

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PAGE 10.16 113

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tlich gekündigt werden. Schüler und Studenten erhalten das Zur Wahrung der Widerrufsfrist reicht es aus, dass Sie die Ausland 10,68 €
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Warenbezeichnungen und dergleichen in dieser Zeitschrift berechtigt nicht
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werden dürfen; oft handelt es sich um gesetzlich geschützte eingetragene Unterschrift des Verbrauchers
Warenzeichen, auch wenn sie nicht als solche gekennzeichnet sind. (nur bei Mitteilung auf Papier):

Mitglied der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der


Datum:
Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW)
114 page 10.16 › Sieberts Betrachtungen

Alles wird schlechter gut


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

Dorf durch eine Naturkatastrophe dem dadurch motivierter seien und umwelt­
Erdboden gleichgemacht wurde, er­ freundlicher handelten.
reichte diese Nachricht die Menschen Die Werbung weiß schon lange,
im 20 Kilometer entfernten Nachbar­ dass sich schlechte Nachrichten nicht
ort – wenn überhaupt – erst nach Ta­ gut verkaufen. In den 1960er Jahren
gen. Heute geschehen solche Unglü­ spielte sie selbst noch mit der Angst:
cke auf der anderen Seite der Weltku­ Frauen wurde ein schlechtes Gewissen
gel, und Millionen Menschen in aller eingeredet, wenn sie keinen Weich­
Welt sind live dabei. spüler benutzten; Kinder sollten sich
Foto: Norman Posselt; Maske: Shutterstock

Auch der »Spiegel« leistet mit seiner vor dem Zahnarzt fürchten, weil er
wöchentlichen Infografik »Früher war bohrt, wenn man die falsche Zahn­
alles schlechter« einen Beitrag zum creme verwendet; Männern drohte
Perspektivwechsel, indem er uns mit die Gefahr, zum Choleriker zu werden
einem Damals­Heute­Vergleich den (»Warum denn gleich in die Luft ge­
Trend zum Guten vor Augen führt. So hen . . .«), wenn sie keine Beruhigungs­
lernten wir in Ausgabe 32, dass 1976 der zigarette rauchten.
jährliche Pro­Kopf­Verbrauch an Ziga­ Doch Angst ist ein gefährliches Ge­
retten in Westdeutschland bei 2103 lag, fühl, weil sie den Verstand außer Ge­
heute dagegen bei 986. Oder dass die fecht setzt. Die Politik macht nichts­
blutigste Phase des westeuropäischen destotrotz unbeirrt Gebrauch davon
Unser Kolumnist Jürgen Siebert über den Wunsch Terrors die 1970er und 1980er Jahre und steigert die Wahlverdrossenheit
nach konstruktiver Berichterstattung waren, als bis zu 400 Menschen pro der Bürger. Jüngstes Beispiel: Die Som­
Jahr ihre Leben ließen (Ausgabe 26). merlochdebatte über die Ganzkörper­
Ich betrachte diese Kolumne auch als verschleierung. Was gibt es da eigent­
● Mitte des Jahres zogen die Ersten in ein erstes Eingeständnis, dass zyni­ lich zu regeln? Sind Burkas ein Sicher­
den sozialen Netzen bereits ihr Resü­ sche Schwarzweißmalerei alleine kei­ heitsrisiko? Geht es wirklich um die
mee zum Jahr 2016: Bowie, Prince, Eco, ne Abonnenten mehr hält. Gleichberechtigung der muslimischen
Ali, Spencer tot . . . Attentate in Istan­ »Konstruktiver Journalismus« heißt Frau? Und: Gehört die Pandabärmas­
bul, Brüssel, Nizza, München . . . das die Strömung, auch über das Gute in ke nicht auch in diese Diskussion?
schlimmste Jahr ever.  der Welt zu berichten. Die Onlineplatt­ Nein, es geht um die Angst vor dem
Dieser Wahrnehmung stellt sich En­ form De Correspondent in den Nieder­ Fremden. Denn noch fremder als ein
de Juli der US­amerikanische Erfinder, landen zählt sich dazu, ebenso die Po­ Mensch mit ungewöhnlicher Hautfar­
Zukunftsforscher und Google­Mana­ sitive News in Großbritannien sowie be ist ein Mensch, der sein Gesicht ver­
ger Ray Kurzweil auf der Bühne der die Rubrik »The Optimist« der »Wa­ birgt. Und es geht darum zu zeigen,
Postback­Konferenz in Seattle entge­ shington Post«. »Wir wollen weg vom wer der Herr im eigenen Land ist, wer
gen: »Die Welt ist nicht schlechter Schwarzweißdenken«, sagt die Jour­ über Leitkultur entscheidet und über
geworden, wir sind nur besser infor­ nalistin Maren Urner, Gründerin der angemessene Kleidung. Die Debatte
miert.« Wenn vor hundert Jahren ein Nachrichtenplattform Perspective Dai­ ist rechte Rattenfängerei. Und sie ist
ly. Der Sensationsjournalismus führe durchschaubar.
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zu einer Spirale der Depression, Läh­ Daher mein gefühlter Eindruck über
mung und Passivität. den Grad der Aufklärung: Er nimmt zu.
Mein gefühlter Die Wissenschaft gibt der Bewe­ Die Menschen wenden sich mehr und
Eindruck über den gung recht. ZEIT Online zitiert meh­ mehr ab von Politik und Medien, die
Grad der Aufklärung: rere Studien, die zu dem Ergebnis kom­ Angst schüren. Und viele Journalis­
men, dass negative Geschichten die Le­ ten haben erkannt, dass es sich nicht
Er nimmt zu. Die ser verängstigen, ja paralysieren. Das lohnt, die Verdrossenheitsspirale wei­
Menschen wenden bewiesen unter anderem zwei Artikel ter zu schüren. 
sich mehr und zu Umweltschäden: Der eine berichte­ Ja, Angst lähmt unseren Verstand.
mehr ab von Politik te über die Verschmutzung der Meere, Aber es liegt an uns selbst, ihn wie­
der andere über eine erfolgreiche Säu­ der einzuschalten, um die Ursache der
und Medien, die berungskampagne. Nach der Lektü­ Angst zu erkunden. Und ob sie wirklich
Angst schüren. re des lösungsorientierten Textes sag­ berechtigt ist. Oder nur als Waffe ein­
ten die Studienteilnehmer, dass sie gesetzt wird.
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