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05.2017
DEUTSCHLAND CH 19,40 CHF
A 11,00 EUR

9,95 EUR L 11,50 EUR

10842
AGENTUR ODER
UNTERNEHMEN –
Agentur oder Unternehmen • VR-Storytelling • Animation im Webdesign • Awards: Dos & Don’ts

GEHALT UND
PERSPEKTIVEN
FUR DESIGNER &
KONZEPTER
WETTBEWERBE
Dos & Don’ts bei
Kreativawards
USER EXPERIENCE
Animation
im Webdesign

VR-TRENDS
Storytelling in
Virtual Reality
# 348 • 32. JAHRGANG

TYPEDESIGN
Making-of: Leicht
lesbare Schrift
+ =
Ihre Idee. Unser Know-how. Das ist Teamwork.
EDITORIAL PAGE 05.17 003

ANZEIGE
BILDER ILLUSTRATIONEN VIDEOS AUDIO

Talent to go
● Die To-go-Ökonomie prägt unseren Alltag. Nicht
erst seit Starbucks. Nein, schon vorher haben wir
unser Kaffeegeschirr zur Arbeit getragen: unser ur-
eigenstes, die Bürotasse, versteht sich. Zugegeben,
nicht tagein, tagaus, nur alle paar Jahre. Weil aber in
Zeiten der digitalen Transformation kein Stein mehr
auf dem anderen bleibt und sich der Jobmarkt im-
Foto: Kirsten Nijhof

mer weiter zugunsten kreativer Arbeitskräfte ver-


schiebt, befindet sich längst auch dieses Inventar auf
Wanderschaft. Fragt sich nur, wohin? In die Agentur?
Dass in Konzernen und bei großen Mittelständ-
lern höhere Gehälter gezahlt werden sollen, hat sich
herumgesprochen. Wer da in der Agentur neben fla-
chen Hierarchien, coolen Kollegen und agilen Ent-
wicklungsprozessen noch immer nichts weiter als
unbezahlte Überstunden und mangelnde Weiter-
bildungschancen bietet, hat das Nachsehen. Der
benimmt sich, mit Verlaub, wie ein Elefant im Por- 70 Mio+ Inhalte im Angebot
zellanladen. Auf der anderen Seite locken die Unter-
nehmen nämlich nicht nur mit attraktiven Arbeits-
bedingungen, sondern längst auch mit spannenden Editor für Social Media kostenlos
neuen Tätigkeitsfeldern und der Aussicht, mit Design
wirklich etwas zu bewegen. Von wegen starre Struk-
turen und monotoner Einheitstrott. Ein Blick in die
Kaffeeküchen genügt: Bunt ist es dort geworden. Rückwärts-Bildsuche
»Hier? Dort?« lautet denn auch unsere Fragestel-
lung ab Seite 18 für Arbeitnehmer und -geber gleicher-
maßen. Werfen Sie mit uns einen Blick in die Agen- Preiswert. Einfach. Schnell. Gut.
turen und Unternehmen von heute und entdecken
Sie die Gestaltungsspielräume, die sich kreativen

www.123rf.de
Köpfen auf beiden Seiten eröffnen. Denn, um noch
ein letztes Mal auf das Bild der guten, alten Bürotasse
zurückzukommen: Wer jetzt nicht mit nonmonetä-
ren Benefits aufwartet, der hat schon heute nur noch
wenige Tassen im Schrank.
0800 88 66 020
Kostenlose Rufnummer D, A & CH
Gabriele Günder, info@123rf.de
Chefredakteurin/Publisher
(info@page-online.de)
Cover-Tasse: Blank Slate, Die Gestalten Verlag



004 page 05.17

Inhalt
TITELThEmEN

SIGNALE
006 Ideen, Projekte und Diskussionen

016 Connect Creative Competence – alles über


unsere Brancheninitiative

TITEL
018 Agentur oder Unternehmen?

018
Agenturen verheizen ihre Mitarbeiter und zahlen dabei
schlecht? Unternehmen bieten gute Gehälter, geregelte
Arbeitszeiten – und Langeweile? Wir prüfen diese und
andere Vorurteile und helfen Kreativen bei der Wahl
des für sie passenden Arbeitgebers

ThEmEN
032 VR-Trends: Storytelling in Virtual Reality
VR ist da! Nun gilt es auch, neue Formen des Erzählens
und die Gestaltung von VR-Experiences zu erlernen

040 Kommunikationsmedien mit Zweitleben


Intelligent und verspielt: Ideen für Informations-
träger mit überraschender Mehrfachfunktion

046 Erlers Thema über Big Data

NEuES
048 Spannendes aus der Bild-, Technik-, Typo-
und Papierwelt
056 Publikationen für Gestalter und Developer

ProjEkTE
062 Making-of: Agentur-Website Mozaik
Ebenso charmant wie technisch State of the Art ist der
neue Auftritt der griechischen Digitalexperten

070 Schrift für leichteres Lesen


Welche Details sind es, die die einzelnen Buchstaben
optimal unterscheidbar machen? Bernd Hülsmann hat
es beim Design der SemikolonPlus herausgefunden

076 Nachwuchs
Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung 104
page 05.17 005

009

WERKZEUG
080 Ratgeber: Datensicherheit
Marco Peters spürt typische Datenlöcher in Agenturen auf

086 Bindetechniken für Printpublikationen


Teurer muss nicht besser sein. Wir stellen die Vor- und
Nachteile der unterschiedlichen Verfahren vor

092 Animation im UX Design


Unterstützend, emotionalisierend, markenbildend:
Motion-Elemente sind für Sites und Apps unverzichtbar

BRanchE
098 Awards: Dos & Don’ts
Nicht für jeden Kreativen lohnt sich die Wettbewerbs-
teilnahme. Aber wenn, dann sollte man es überlegt und
strategisch angehen. Wir geben Tipps für die Einreichung

104 Neue Serie: Designer in Unternehmen


Einige Positionen bieten Gestaltern einzigartige Möglich-
keiten – zum Beispiel Artdirektorin bei ARTE zu sein

108 Szene Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

110 Kalender Termine für Designer und Developer

StandaRdS
003 Editorial
112 Impressum/Vorschau/Leserservice/PAGE digital
114 Sieberts Betrachtungen

SERvicES
083 PAGE Shop 111 Stellenmarkt 115 PAGE Abo

PaGE SEminaRE
038 NEU! »Leitmedium Design« mit Jochen Rädeker
047 NEU! »Infografik« mit InfoGraphics Group in Berlin
060 PAGE SÜPERCÄMP mit Mirko Borsche, Eike König & Co

059
068 »Projektmanagement« mit Hagen Seidel
085 »Design Thinking« mit Edenspiekermann
096 »Bildrecht« mit Sabine Pallaske und Silke Kirberg
006 page 05.17 › Signale

Signale
ideen, projekte und Diskussionen
aus Design, Kommunikation
und Development finden Sie hier
und auf ↗www.page-online.de  
Fotoprojekt. Man nehme eine herrlich verrückte Illustratorin
(Gabrielle Laîla Tittley aka Pony), ein Fotostudio mit Blick fürs Ab-
surde (LM Chabot) und eine vielseitige Set Designerin (Camille
Boyer) et voilà: Aus der Kampagne für Ponys Modekollektion Still
Optimiste wird ein Fotokunstprojekt, das es dem Kreativinkuba-
tor Sid Lee Collective in Montréal wert war, bei sich auszustellen
( http://sidleecollective.com ). Kreativpower vom Feinsten! nik

Martial Arts Einen Spieleklassiker, neu gestaltet von Pentagram-


Designer Angus Hyland und um eine mächtige Waffe
ergänzt, präsentiert der Verlag Laurence King aus
London. Mads Berg illustrierte »Rock Paper Scissors
Bomb« im Stil des italienischen Futurismus. cg
008 page 05.17 › Signale

 Flexible Identity. Keinerlei Vorgaben für Farbe, Schriften oder Bild-
sprache gibt es beim neuen Erscheinungsbild des Vertical Geopolitics Lab 
aus London. Der von Architekt und Urbanist Paul Lauer geleitete Non-
Profit-Thinktank will gewohnte Denkmuster bei der Lösung globaler 
Probleme aufbrechen – da sei eine multistilistische, nur von einem Rah-
men und schrägen Linien definierte visuelle Identität genau richtig, so 
Martin Lorenz vom Hamburger Designstudio TwoPoints.Net.  cg
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Moralfrage
Dr. Claudia Gerdes überlegt, ob sie morgens
immer etwas LSD nehmen soll

● Es gibt ja bekanntlich keinen heißen Trend aus


dem Silicon Valley, der hierzulande nicht dankbarst
aufgegriffen wird. Mir gibt nun die jüngste Idee der
kalifornischen Visionäre zu denken – das Microdo­
sing. Dabei handelt es sich um die Einnahme von
LSD, Psilocybin (der Wirkstoff halluzinogener Pil­
Basic Style ze) oder Meskalin (enthalten im Peyote­Kaktus) in
● Mode-Website. Extrem cool ist die Dosen von einem Zehntel dessen, was man sonst so
neue Balenciaga­Site, die Bureau Mir­ einnimmt, um high zu werden. Soll im Silicon Val­
ko Borsche gestaltet hat. Der minima­ ley langsam zum Frühstücks­Smoothie dazugehö­
listische Grid­Aufbau erinnert an Excel­ ren, wie allerorten zu hören und zu lesen ist.
Tabellen, führt den Besucher intuitiv In einem Artikel in »The Conversation« beschrieb
durch den Shop und zeigt extragroße Barbara Sahakian, Professorin für Neuropsycholo­
Fotos – mobil wie am Desktop lenkt gie in Cambridge, jüngst die Wirkung: Gering do­
nichts von den Entwürfen des Pariser siert bescheren einem die psychedelischen Drogen
Luxushauses ab. Seit Demna Gvasalia statt Halluzinationen gesteigerte Motivation, Kon­
2015 als Balenciaga­Kreativdirektor an­ zentration und Kreativität. Scans des Gehirns haben
heuerte, wirkt die Marke viel mutiger gezeigt, dass dessen unterschiedliche Partien bes­
und jünger als zuvor, Modefans sind ser miteinander kommunizieren. Die kortikale Akti­
begeistert. Höchste Zeit also für eine vität wird aufgelockert und erlaubt es dem Gehirn,
neue digitale Präsenz, die Anfang März freier zu arbeiten. Zudem sind Stress und Ange­
zur Paris Fashion Week online ging: spanntheit wie verflogen, selbst nervige Kollegen
www.balenciaga.com. lr lassen sich besser ertragen . . .
Hört sich zu schön an, um wahr zu sein. Man weiß
doch von Leuten, die nie wieder von ihren Trips run­
terkamen, soll heißen mit üblen Psychosen ende­
ten. Besteht diese Gefahr bei kleinen Dosen nicht?
Neu in Berlin Albert Hofmann, Entdecker des LSD, soll Microdo­
● Event-Branding. Locals und Berlin­ sing im Alter betrieben haben – und starb im Vollbe­
Ankömmlinge zu verbinden, das ist die sitz seiner geistigen Kräfte mit 102 Jahren.
Idee des gemeinsamen Abendessens Also zurück zu Uralt­Sprüchen wie »Am Morgen
bei Common Bowl ( www.facebook. ’nen Joint und der Tag ist Dein Freund. Am Mittag
com/thecommonbowl). Marie Stadel­ ’nen Trip und Du bist wieder fit. Am Abend ’ne Sprit­
mann entwarf für die Dinner­Reihe ze und Dein Tag war spitze«? Schon lustig . . . die
ein Visual, das an den Turm von Babel Hippies nahmen psychedelische Drogen, um sich
anspielt und als Logo sowie auf Plaka­ gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen, heute
ten genutzt wird ( http://marie­marie. nimmt man sie, weil Kreativität teilweise zum ge­
ch ). Als die Designerin aus der fran­ sellschaftlichen Zwang wurde.
zösischsprachigen Schweiz nach Ber­ Google verzeichnet übrigens längst einen merkli­
lin zog, suchte sie einen Job, um ihr chen Anstieg der Anfragen nach »Microdosing«. Kön­
Deutsch zu verbessern. Sie landete in nen Sie ja auch mal googeln. Bezugsquellen dürfte
der Markthalle Neun, wo sie viele Foo­ man so allerdings nicht finden. Das Zeug muss lega­
dies kennenlernte – darunter die Com­ lisiert werden! Als führendes Kreativmagazin wür­
mon­Bowl­Organisatorinnen, für die den wir von PAGE es dann selbstverständlich in un­
sie nun aktiv wurde. cg serem Onlineshop anbieten.
010 page 05.17 › Signale

Borks Tierleben
● Illustriertes Buch. Kein Wunder, dass Felix
Bork für seine Masterarbeit »Oh, ein Tier!« mit
dem Burg Giebichenstein Designpreis ausgezeich-
net wurde. Für seine Texte und Illustrationen,
die zwischen Krakeleien und lyrischen Malerei-
en oszillieren und nicht nur heimische Insekten,
Vögel und Fische zeigen, sondern auch das Inne-
re satter Igel, Vogelkacke oder Tümpel, die alle
schlicht blaugrün wie abstrakte Gemälde wirken.
Es ist ein unbändiger Spaß, sich durch diese Tier-
kunde zu blättern, in der Wissenschaft auf lau-
nige Subjektivität trifft und die jetzt bei Eichborn
erschienen ist (ISBN 978-3-8479-0633-9). Mehr un-
ter www.page-online.de/oheintier. sd

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Print-Kampagne. Nachts auf Party und am


nächsten Tag funktioniert nichts. Ein paar schräge
Morgenausfälle haben sich die Kreativen der Wer-
beagentur Publicis Ecuador für die Plakatkampa-
gne »Wake Up« des Chipsherstellers KunaChia in
Quito ausgedacht. Power-Food Chia Shots bringt
jede Schlafmütze auf Trab. ae
012 page 05.17 › Signale

Wortspiele
Für die jüngste MailChimp-Kampagne verballhornte
die New Yorker Agentur Droga5 den Namen des E-
Mail-Marketing-Services in allerlei Variationen – und
kreierte zu jeder eigene Filmchen oder Websites. So
spielt im Clip zu KaleLimp ein in schlabbrigen Kohl ge-
hüllter Hund die Hauptrolle, die schönsten Nägel kann
man unter NailChamp.com küren und auf dem Tumblr
MaleCrimp.com finden sich Fotos von Männern mit
gekräuselten Haaren. Dies und mehr ist zu sehen un-
ter  https://is.gd/droga5_mailchimp .  cg

Musik formen
● Sound-Gadget. Mit Blocks – dem
Controller Lightpad Block und der iOS-
App Noise – können Laien wie Profis
Musik machen – ohne ein Instrument
zu beherrschen. Mit Tappen, Wischen
und Ziehen lassen sich intuitiv Klän-
ge, Rhythmen und Melodien erzeu-
gen. Die Einführungskampagne von
DesignStudio London setzt das visuel-
le Konzept »Shape Music« um (https://
roli.com/products/blocks ). nik
page 05.17 013
Festival for creativity, design
and communication
forward-festival.com forward-festival.com
forward-festival.com forward-festival.com
forward-festival.com forward-festival.com

VIeNNA 21–22 April


MAK Wien

VIeNNA
21–22 April
MAK Wien

Stefan Sagmeister · Erik Spiekermann


Eike König · FREITAG · Sarah Illenberger

MUNIC 15–16 June


Alte Kongresshalle

MUNICH
15–16 June
Alte Kongresshalle

Snask · Nychos · Droga5 · Google · ARTE


Friedrich Liechtenstein · Dezeen

ZURICH 17-18 June


FREITAG F-actory

17-18 June
FREITAG F-actory @ NOERD ZU
Supersense · Studio Es · Boiler Room
wild · LWZ · Stefan Sagmeister · Eike König
forward-festival.com forward-festival.com
forward-festival.com forward-festival.com
forward-festival.com forward-festival.com

VIeNNA 21–22 April


MAK Wien

VIeNNA
21–22 April
MAK Wien

Stefan Sagmeister · Erik Spiekermann


Eike König · FREITAG · Sarah Illenberger

MUNICH 15–16 June


Alte Kongresshalle

MUNICH
15–16 June
Alte Kongresshalle
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Snask · Nychos · Supersense · Droga5
ARTE · Friedrich Liechtenstein · Dezeen
Empathie-Kit. Da ihr Bruder an Autismus leidet,
weiß die Designerin Heeju Kim, wie wichtig, aber auch ZURICH 17-18 June
FREITAG F-actory

schwierig es ist, die Krankheit zu verstehen. Deshalb hat ZURICH


17-18 June
FREITAG F-actory
sie am Londoner Royal College of Art eine dreiteilige Stefan Sagmeister · Erik Spiekermann
Eike König · FREITAG · Sarah Illenberger
»Empathy Bridge for Autism« entwickelt. Zeigt eine Aug­
Snask · Nychos · Supersense · Droga5
mented­Reality­Anwendung, wie Unschärfen, Flecken ARTE · Friedrich Liechtenstein · Dezeen
oder Doppelungen die Sicht von Autisten belasten, lässt Supersense · Studio Es · Boiler Room
eine Reihe von Lutschern erfahren, wie schwer die Arti­ Dezeen · LWZ · wild · Google · Droga5

kulation für sie sein kann, während eine Tonspur ihre forward-festival.com
forward-festival.com
After more than 110 layouts this
is the final version of our design.
forward-festival.com dismissed.forward-festival.com

Geräuschempfindlichkeit simuliert. sd
Vienna, 21-22 April 2017 – MAK · Munich,
15-16 June 2017 – Alte Kongresshalle ·
Zurich, 17-18 June 2017 – FREITAG
F-actory @ NOERD Design · Zwupp
014 page 05.17 › Signale

Foto: Daisuke Shima

Im Zahlenwald
● Kunstinstallation. 60 000 Zahlen
in 100 Farben auf 2000 Quadratme­
tern, aufgehängt von 300 Helfern: Das
National Art Center in Tokio feierte
Anfang 2017 sein zehnjähriges Beste­
hen mit der Installation »Forest of
Numbers«, entworfen von der Desi­
gnerin und Architektin Emmanuelle
Moureaux, die mit ihrer »100 Colors«­
Serie regelmäßig Farbe im öffentli­
chen Raum verteilt (http://emmanuelle
moureaux.com/100colors ). lr

Delikates Design
Bei Helvetimart in Lausanne gibt’s
regionale Delikatessen aus allen
Schweizer Kantonen. Das Erschei-
nungsbild – gestaltet von Ana-
grama aus Mexiko (!) – ist entspre-
chend gespickt mit Referenzen.
Vom Namen über die Farben aus
den Kantonflaggen bis hin zu For-
men mit Bezügen zu Folklore und
Architektur ist das Feinkost-
geschäft durchgehend gebrandet –
und das ziemlich schick! nik
PAGE 05.17 015

Lost in Computation
Anlässlich des UNESCO-Welttags der
Muttersprache entwickelte der schwe-
dische Interaction Designer Jonas El-
tes (  http://jonaselt.es  ) – derzeit Re-
searcher an der Fabrica in Treviso, Ita-
lien ( w
  ww.fabrica.it )  – die Installation
»Lost in Computation«: Zwei Chat-
bots sollten sich zweisprachig unter-
halten – auf Italienisch und Schwe-
disch. Übersetzt wird mittels Google
Translate, die zugehörige Software
läuft auf zwei Raspberry-Pi-Rechnern.
Das Ergebnis: ein amüsanter Non-
sense-Dialog, nachzuverfolgen unter  
https://is.gd/vimeo_lostin .  as

N 52° 31‘ 6.78 E 13° 21‘ 53.5788

Wenn der

Kopf
auf
Reisen geht …

wanderlust
BERLIN 2017
Internationale Design Konferenz
25. – 27. Mai
typotalks.com/berlin
016 PAGE 05.17 › Connect Creative Competence

Studierende der
HAWK Hildesheim/
Holzminden/
Göttingen besuch-
ten die Agentur
deepblue in Ham-
burg und erfuhren,
wie Interaction
Designer dort
arbeiten

● Neue Technologien führen zu neuen Jobprofilen.


Und neue Jobprofile erfordern neue Skill Sets. Die
Folge sind unscharfe, verwirrende Berufsbezeich-
nungen und nicht klar definierte Ausbildungswege.

connect Entsprechend orientierungslos ist der Kreativnach-


wuchs. Aber auch in Agenturen und Unternehmen
stößt das Silodenken in Zeiten der digitalen Trans-

creative formation häufig an seine Grenzen. Es gilt, hetero-


gene Projektgruppen zu Teams zu formen und neue
Methoden zu erlernen. Wer nachhaltig im Geschäft

competence sein möchte, kommt um die Integration disziplin-


übergreifender Kompetenzen nicht mehr herum.
Integriertes, interdisziplinäres Denken gilt als das
Gebot der Stunde.
EINE
INITIATIVE Die PAGE Connect-Initiative unterstützt De-
VON
sign-, Kommunikations- und Digitalagenturen so-
wie Hochschulen, Unternehmen und Young Talents
dabei, sich (neu) zu orientieren und umfassend zu
Die PAGE-Initiative zur Förderung qualifizieren. Sie macht komplexe Prozesse journa-
listisch fundiert transparent und bietet eine Platt-
neuer Kompetenzen in Agentur, form für den medialen Diskurs. Denn bei der per-
Hochschule und Unternehmen sönlichen Abwägung, welche Ausbildung wirklich
zu einem passt oder ob sich dahinter ganz andere
↗ www.page-online.de/connect Inhalte und spätere Berufsbilder verbergen als ver-

Träger der Connect-Initiative sind Design-, Kommunikations- und Digitalagenturen sowie Hochschulen, Unternehmen und Verbände, kuratiert von PAGE:
PAGE 05.17 017

mutet, helfen Hochschul- und Kreativrankings allein


nicht weiter. Gleiches gilt für die realistische Ein-
schätzung, welche spannenden Perspektiven sich für
kreative Talente in Agenturen auftun.

Creative Competence an Hochschulen


Den besten Einblick in den Studienalltag vermitteln
noch immer diejenigen, die ihn jeden Tag erleben und
gestalten: die Professorinnen und Professoren selbst.
Auf www.page-online.de/connect nennen die Part-
nerprofessoren der PAGE-Initiative drei gute Gründe,
den von ihnen vertretenen Studiengang zu wählen,
und räumen mit Vorurteilen über das jeweils vorge-
stellte Berufsbild auf. Zudem formulieren sie in exklu-
siven Videos, was sie von künftigen Studenten erwar-
ten. Wir starten unsere Hochschul-Videoreihe mit:
Der Connect-Channel:
· Prof. Heribert Birnbach Corporate Design
Online finden Sie
· Prof. Wolfgang Henseler UX Design alle Jobprofile in Wort
· Prof. Daniel Rothaug Service Design und (Bewegt-)Bild
· Prof. Richard Jung Motion Design sowie zum Gratis-
· Prof. Stefan Wölwer Interaction Design Download.
· Prof. Jürgen Schulz Content Marketing ↗ www.page-online.
de/connect

Creative Competence in Agenturen


Den umfassendsten Einblick in die Praxis können
dann aber nur diejenigen bieten, die ihre Kompetenz
im Tagesgeschäft unter Beweis stellen und mit ihren Immer up to date.
Kunden um die besten Lösungen ringen. Wir haben Am besten bestellen
gemeinsam mit ausgewählten Agenturen einzelne Sie auch gleich den
PAGE Newsletter,
Jobprofile in der Praxis unter die Lupe genommen
dann sind Sie immer
und die Berufsbildinhaber in ihren Teams bei ihrer im Bilde, wenn
ganz konkreten interdisziplinären Projektarbeit be- ein neues Jobprofil
gleitet und Interviews mit ihnen geführt. Heraus- bereitsteht.
gekommen sind 36-seitige Jobprofilkompendien, ↗ www.page-online.
die wir an Hochschulen verteilen und für Sie ab sofort de/newsletter
zum kostenlosen Download unter www.page-online.
de/connect/download bereitstellen. Zudem werden
peu à peu Videos von Besuchen in der Agentur fol-
gen. Und zwar zu diesen Berufsbildern:
@
Wenn auch Sie
· Content Strategist PAGE Connect
· Corporate Designer unterstützen
· Interaction Designer möchten, schreiben
· Motion Designer Sie uns: connect@
page-online.de
· Service Designer
· UX Designer
TiTel

Unternehmen oder Agentur?


Die Arbeitsräume gleichen
sich zunehmend an. Hier wie
dort wird auf eine kreative,
offene Atmosphäre gesetzt.
Raten Sie, um welche Arbeit-

Hier?
geber es sich auf diesen
Fotos handelt! Die Auflösung
gibt’s auf Seite 29
page 05.17 019

TiTel

dort?
Agenturen zahlen schlecht und beuten ihre Mitarbeiter aus – also
ab ins Unternehmen? So einfach ist die Sache nicht (mehr). Wir sagen,
was für oder gegen die unterschiedlichen Arbeitgeber spricht
020 page 05.17 › TITeL › agentur oder Unternehmen?

● Ob frisch von der Hochschule oder gestandener nerell sind Kreative in der Agentur heute aber in ei-
Kreativer: Selten hatten Designer, Konzepter und ner stärkeren Position, beobachtet Robert Mende,
Developer so viele Möglichkeiten auf dem Arbeits- Geschäftsführer von Designerdock Hamburg: »Frü-
markt. Unternehmen, Agenturen, Start-ups und Be- her wurden Bewerber abgelehnt, weil man sich über
ratungsfirmen locken mit lukrativen, vielseitigen 100 Euro beim Monatsgehalt nicht einig wurde. So
Jobs, spannenden Projekten, toller Atmosphäre oder etwas passiert heute nicht mehr.« Mut zum Verhan-
flexiblen Arbeitszeiten. Doch was einen wo genau deln gehört also dazu und zahlt sich in Agenturen
erwartet – darüber sind sich viele Bewerber nicht mehr aus als in manchen Unternehmen, wie Chris-
immer wirklich im Klaren. tian Rätsch im Interview erklärt (siehe Seite 24 f.).
Natürlich lassen sich keine Pauschalaussagen tref-
fen, denn Agentur ist nicht gleich Agentur und Un- Arbeitszeiten: flexibel vs. geregelt
ternehmen nicht gleich Unternehmen. Ein kleines So wichtig die Vergütung ist, eine mindestens eben-
Designstudio mit einer Handvoll Mitarbeiter und ei- so große Rolle bei der Entscheidung für oder gegen
ne Netzwerkagentur mit globalem Mutterkonzern einen Arbeitgeber spielen die Projekte, die Team-
trennen Welten – ebenso wie das börsennotierte struktur und die Rahmenbedingungen. So sind die
Großunternehmen und den Mittelständler in der Arbeitszeiten in Agenturen nicht weniger umstrit-
Kleinstadt. Dennoch gibt es einige Charakteristika ten als das Gehalt. Es wird von allen erwartet, dass sie
und Prozesse, die Agentur- und Kundenseite grund- etwa in Pitchphasen länger arbeiten, 9-to-5-Jobs gibt
sätzlich unterscheiden. Wobei man sich nicht auf al- es kaum. Dafür sind die Zeiten oft flexibler als in Un-
ten Vorurteilen ausruhen darf, denn auf beiden Sei- ternehmen. Später anfangen oder länger Mittagspau-
ten ist viel in Bewegung gekommen, wie auch die se machen ist meist kein Problem. In einigen Agen-
Lebensläufe und Erfahrungen der Kreativen in Un- turen gibt es mittlerweile Überstundenregelungen,
ternehmen und Agenturen zeigen, mit denen wir um die Stressphasen auszugleichen. Auch Remote
gesprochen haben (siehe Seite 26 ff.). Work oder Sabbaticals sollen vor Überlastung schüt-
zen. Natürlich hängt es immer von der Größe des
Schnell aufsteigen vs. hoch einsteigen Arbeitgebers ab, was er anbieten kann.
Die Vergütung in Agenturen wird immer wieder heiß Die Tätigkeit in Unternehmen, die nicht von kurz-
diskutiert – und das zu Recht. Im November 2016 ver- fristigem Projektgeschäft abhängig sind, ist wesent-
öffentlichte die Personalvermittlung Designerdock lich besser planbar. Insofern gibt es dort geregeltere
eine Umfrage von Gehalt.de, die das Gefälle zwischen Zeiten und weniger Überstunden. »Da kommt keiner
Werbeagenturen und Unternehmen anderer Bran- um 17 Uhr und verlangt 30 neue Entwürfe bis zum
chen verdeutlichte. Darin hieß es unter anderem, nächsten Morgen«, erklärt Felix Wilke, Visual Desi-
dass ein Designer in einer Agentur jährlich durch- gner bei der Deutschen Telekom in Berlin. »Wir arbei-
schnittlich 33 582 Euro brutto verdiene, in der Auto- ten an längerfristigen strategischen Projekten und
mobilbranche hingegen 49 885 Euro. sind nicht vom Kunden fremdbestimmt.« Das rund
Allerdings ging die Erhebung nicht explizit auf 100-köpfige Team von Telekom Design entwickelt in-
Position oder Tätigkeitsfeld ein – was der Gesamt- teraktive Prototypen und integrierte Hard- und Soft-
verband Kommunikationsagenturen GWA umge- warelösungen für den Konzern. In solchen Unterneh-
hend monierte. Seine Mitgliedsagenturen zahlten men sind auch Teilzeitarbeit und Jobsharing leichter
in den Bereichen Kreation und Beratung im Durch- durchsetzbar – hier hinken Agenturen klar hinterher.
schnitt deutlich über 50 000 Euro. Ein Junior läge
bei 32 182 Euro, ein Werber in leitender Funktion bei Abwechslung vs. Tiefgang
rund 90 000 Euro. Letztlich sind beide Übersichten Was Agenturen für viele so attraktiv macht, sind das
mit Vorsicht zu genießen, da sie jeweils ihrer eigenen Tempo und die Abwechslung. Man arbeitet in kurzen
Agenda folgen. Zudem sind im GWA ausschließlich Zeitabschnitten für viele unterschiedliche Kunden
Agenturen ab einem bestimmten Honorarvolumen und an verschiedenen Projekten. Ständig lernt man
vertreten. Auch die Kommentare auf PAGE Online dazu, und die Ergebnisse sind schnell sichtbar. Aller-
zu diesem Thema zeigen, wie weit solche Zahlen dings sind sie oft genauso schnell wieder weg, zu-
oft von der Realität entfernt sind (siehe www.page- mindest wenn es sich um Microsites oder Kampa-
online.de/gehaelter-werbung). gnen handelt. Corporate- oder Service-Design-Pro-
Unabhängig von dieser Diskussion gilt: Die Ein- jekte sind da schon langlebiger – aber zumindest
stiegsgehälter in Agenturen sind niedriger als in der Letztere finden verstärkt in den Unternehmen selbst
Industrie. Dafür steigt man schneller auf und macht oder bei deren Beratungsfirmen statt als in klassi-
größere Gehaltssprünge. Die klassische Agenturkar- schen Dienstleisteragenturen.
riere verläuft vom Trainee zum Junior über den Senior Ein inspirierendes Umfeld, ständiger Austausch
bis zum Chief – oft mit weiteren Zwischenstufen. Ab im Team, Brainstorming-Sessions – das ist in Unter-
einem gewissen Level gleichen sich die Gehälter je- nehmen anders. »Der Geschäftsinhalt von Agentu-
nen in Unternehmen an. Dort fangen Mitarbeiter mit ren ist Kreativität«, erklärt Robert Mende. »Auf Kun-
höherem Gehalt an und verharren länger auf einer denseite ist es die Entwicklung und der Vertrieb von
Stufe – unterm Strich verdienen sie damit mehr. Ge- Produkten oder Dienstleistungen. Kreativität ist
page 05.17 021

»Kreative wissen
oft nur, was sie
nicht mehr woL-
Len: die arbeits-
bedingungen
in der agentur«
RobeRt Mende
022 page 05.17 › TITeL › agentur oder Unternehmen?

»Viele KreatiVe
haben ein Problem
mit dem mono-
thematischen
arbeiten in Unter-
nehmen«
sebastian Vogt
page 05.17 023

dort häufig nur ein Nebenaspekt.« Gibt es im Un­


ternehmen keine größere Designabteilung, sitzt man
eventuell lediglich mit ein oder zwei Grafikerkolle­ Das beste beiDer Welten?
gen zusammen, viel kreativer oder interdisziplinä­ Inhouse-Designabteilungen und Exklusiv-
rer Austausch kann da nicht stattfinden. agenturen stellen eine neue Mischform dar
Das Weniger an Abwechslung wird durch die in­
tensive Beschäftigung mit einer Marke oder einem ● Und wenn man sich gar nicht zwischen Agentur
Produkt wettgemacht. Im Unternehmen können De­ oder Unternehmen entscheiden muss? Seit einigen
signer tiefer einsteigen, sich eingehender mit einer Jahren entstehen zunehmend Mischformen, die
Problemstellung befassen und am Ende oft ganzheit­ Merkmale beider Tätigkeitsumfelder kombinieren:
lichere Lösungen erarbeiten. »Agenturen sind ange­ Inhouse-Kreativabteilungen sowie sogenannte Exklu-
halten, alle paar Tage ein kreatives Feuerwerk zu zün­ sivagenturen, die speziell für einen Kunden ausge-
den. Unsere Projekte sind meist erheblich langwie­ gründet werden. Dazu gehören etwa Neugelb, Antoni
riger und umfassender«, erklärt Jan Garde, Senior oder Bobby & Carl, ein Jointventure von Thyssen-
Design Manager bei Telekom Design. Die damit ein­ Krupp und thjnk. »Hier wird versucht, die kreative
hergehenden Entscheidungsprozesse können jedoch Umgebung einer Agentur zu erhalten und gleichzei-
auch kraftraubend sein: »Das muss man als Desi­ tig die Exklusivität und das Know-how einer Inhouse-
gner durchstehen und beständig seine Ideen und Abteilung zu gewährleisten. Man tut also das eine,
seine Haltung vertreten«, meint Felix Wilke. ohne das andere zu lassen«, erklärt Robert Mende,
Durch den Einzug von nutzerzentriertem Design Geschäftsführer von Designerdock Hamburg.
in Unternehmen verändert sich das Aufgabengebiet Für Disziplinen wie Social Media oder Produkt-
vieler Gestalter: »Für uns bedeutet das mehr Einfluss, kommunikation ist das »Insourcen« sicherlich von
aber auch eine Abkehr von der handwerklichen Rol­ Vorteil, meint Christian Rätsch, CEO von Saatchi &
le hin zu strategischer Innovation«, so Felix Wilke. Saatchi Deutschland, aber: »Wenn es um große
Auch Sebastian Vogt, der mit seiner Personalbera­ Ideen und Kampagnen geht, haben diese Inhouse-
tungsagentur get&keep für Agenturen, Firmen und Modelle ein Problem: Kreative langweilen sich schnell.
Arbeitnehmer arbeitet, meint: »Auf dem C­Level in Sie brauchen Freiheit und kontinuierlichen Perspek-
Unternehmen gibt es heute interessante Jobs für De­ tivwechsel.« Diese Erfahrung habe er bei seinem
signer. Das ist eine große Chance für Kreative, die Einstieg in die Werbeagentur 2013 selbst gemacht:
hoch hinauswollen.« Solche Positionen verlangen »Anfangs dachte ich, wir sollten die Kreativen immer
aber auch, sich auf die interne Politik einzulassen. Das auf denselben Kunden arbeiten lassen, um größtmög-
gilt besonders für traditionelle Großunternehmen. liche Lerneffekte zu erzielen. Heute weiß ich, dass
sie immer neue Aufgaben brauchen, um den Kopf
Lounge vs. Flur freizukriegen.« Außerdem: »Für solche Ausgliede-
Auch wenn die Welten sich annähern: In Agenturen rungen gelten höchstwahrscheinlich nicht dieselben
geht es etwas lockerer zu. Alle sind per Du, man Spielregeln wie Tarife oder Überstundenregelungen.
kommt im Hoodie ins Büro statt im Anzug, die Hie­ Auch Gehälter und Verträge könnten anders gestal-
rarchien sind flacher, und nicht selten arbeiten alle tet sein als im Unternehmen«, gibt Mende zu beden-
an einem Tisch – inklusive der Geschäftsführer. Sven ken. Das sei aber nur eine Vermutung.
Küster, Managing Director bei Hi­ReS! in Berlin, sitzt Eine andere Mischform stellen Unternehmens-
zum Beispiel nur vier Plätze weiter als Praktikantin beratungen dar, die ihre Kunden in Sachen digitaler
Kristina Aleksic am großen Tisch. »Wir legen viel Wert Transformation beraten und dazu entweder selbst
auf lockere, enge Zusammenarbeit und Nahbarkeit. Designer einstellen oder bestehende Digitalagen-
Bei uns gibt es keine Chefs im Elfenbeinturm, an dem turen übernehmen, wie kürzlich Accenture und Sinner-
die Mitarbeiter zitternd anklopfen«, erklärt Küster. Schrader. Der Vorteil für dort angestellte Designer:
Zur lockeren Atmosphäre tragen auch die Räum­ Sie sind meist näher am Kunden als das in Agen-
lichkeiten bei. Unternehmen sind traditionell etwas turen möglich ist, können Probleme im Kern angehen
steriler und weniger liebevoll eingerichtet als Krea­ und weitreichendere Lösungen erarbeiten – und
tivagenturen. Doch hier tut sich mittlerweile einiges, natürlich gibt’s auch mehr Geld. Dafür müssen
sodass die Büros zum Teil kaum noch zu unterschei­ sie öfter Anzug tragen. nik
den sind. Manche Konzerne behelfen sich mit Labs
(gern in Berlin), in die sie ihre Mitarbeiter zu Krea­ Commerzbank-Agentur Neugelb. Mehr über
tionsworkshops entsenden. Andere statten ihre Bü­ die mit Unterstützung von Fjord gegründete
ros komplett neu aus und eröffnen einen Coworking Service-Design-agentur lesen Sie im Interview
Space, wie jüngst Otto in Hamburg. Auf der 1700 Qua­ ↗ www.page-online.de/neugelb_interview
dratmeter großen Fläche im 8. Stock der Konzernzen­
trale soll vernetztes kreatives Arbeiten stattfinden. PAGE Story »MeConomy«. Wie Kreative selbst
Insgesamt ist Platz für 199 Mitarbeiter, denen eine zu existenzgründern werden, erfahren Sie in
»Arena« mit flexiblen Tischen, kleine Meetingräume page 07.15 ↗ www.page-online.de/pepa1507
und eine Coffee Lounge zur Verfügung stehen. In
024 page 05.17 › TITeL › agentur oder Unternehmen?

dieser Hinsicht muss sich der Konzern hinter


keiner hippen Agentur verstecken.
Was strategische Personalentwicklung mittels
Weiterbildung und Karriereplanung angeht, haben
Unternehmen die Nase vorn. »Agenturen können auf­
grund ihres projektorientierten Geschäftsmodells
keine Fünfjahrespläne aufstellen«, so Personalberater
Sebastian Vogel, »aber sehr wohl permanente Weiter­
bildung etablieren.« Und tatsächlich bieten Agentu­
ren zunehmend interne wie externe Workshops oder
Konferenzbesuche an. Allerdings kommen nur die
Großen wie Serviceplan an die Möglichkeiten von Un­
ternehmen wie der Telekom heran, die in einer inter­
nen Design Academy zum einen ihre Designer fach­
lich weiterbildet und zum anderen das Thema Design
Thinking in die anderen Konzernbereiche hinein­
trägt. Auch Führungskräfte­ oder Selbstmanage­
ment­Coachings sind in der Industrie weiter verbrei­
tet, finden aber bei Agenturen immer mehr Anklang.

Und statt versus!


Letztlich hängt es vom Typ ab, in welcher Umgebung
man sich wohler fühlt. Aber Ausprobieren schadet
nie – im Gegenteil. »Es ist auf jeden Fall von Vorteil,
durch die Agenturschule gegangen zu sein und bei­
de Seiten zu kennen«, sagt Felix Wilke, der im vierten ● Christian Rätsch ist seit Oktober 2013 CEO der
Jahr bei der Telekom nach wie vor sehr zufrieden ist. Werbeagentur Saatchi & Saatchi Deutschland, da­
Sein Vorgesetzter Jan Garde bestätigt: »Ein vielsei­ vor arbeitete er fast zehn Jahre in verschiedenen
tiger Lebenslauf macht einen auf jeden Fall interes­ Positionen im Marketing der Deutschen Telekom.
santer. Wir haben viele spannende Leute mit Agen­ Als Vorstand im Bereich Nachwuchs des Gesamt­
turhintergrund eingestellt.« verbands Kommunikationsagenturen GWA e. V. be­
Die Grenzen zwischen den Welten sind heute flie­ schäftigt er sich eingehend mit dem Thema Employer
ßender. »Früher gab es in manchen Jobs so gut wie Branding. Wir sprachen mit ihm darüber, worin
keine Chance, von Agenturen in Unternehmen zu sich die Arbeit bei Agenturen und Großunterneh­
wechseln – besonders in der Führungsebene«, sagt men unterscheidet. nik
Sebastian Vogt. »Das hat sich geändert – ein Beispiel
dafür ist Stefanie Wurst, die von Scholz & Friends Der GWA wehrt sich vehement gegen das
als Marketingchefin zu BMW ging. Man ist heute Vorurteil, dass Agenturen schlecht bezahlen
nicht mehr auf eine Seite festgenagelt, und das ist würden. Auf welcher Grundlage?
für alle eine Bereicherung.« Christian Rätsch: Auf Grundlage der Fakten – un­
In der Agenturwelt gehört Fluktuation schon im­ sere Erhebung unter GWA­Agenturen ergab, dass
mer mit zur Kultur, und auch in Konzernen wird es wir ein sauberes, konkurrenzfähiges Gehaltsgefüge
immer seltener, dass jemand sein ganzes Berufsle­ bieten – mit einem durchschnittlichen Bruttojah­
ben lang im Haus bleibt. Hier oder dort? Um eine fun­ reseinkommen von 50 000 Euro. Natürlich gibt es
dierte Entscheidung zu treffen, helfen Perspektiv­ Bereiche, die wesentlich mehr bezahlen, wie Unter­
wechsel in jedem Fall – und die Zeit dafür war nie so nehmensberatungen, Investmentbanken oder An­
gut wie jetzt. nik waltskanzleien. Doch die Zeiten, in denen man von
Ausbeutung in der Kreativbranche sprechen konn­
PAGE Connect. Weitere einblicke in die te, sind vorbei.
arbeitsweisen von agenturen bietet unsere Die Einstiegsgehälter sind allerdings deutlich
Initiative Connect Creative Competence: niedriger.
↗ www.page-online.de/connect Dafür passen sie sich aber sehr viel schneller an. In
Konzernen dauern die Entwicklungszyklen teilwei­
PAGE eDossier »Gehälter & Honorare in der se zwei bis drei Jahre. In Agenturen kann das Gehalt
Kreativbranche« mit Tabellen für Freelancer & zu Anfang im Jahresrhythmus steigen. Die Kurve
angestellte  ↗ www.page-online.de/pDDp1034 beginnt vielleicht niedriger, aber das nivelliert sich
in kürzester Zeit – selbstverständlich der Leistung
PAGE eDossier »Frei oder angestellt in der entsprechend. Generell kann man in unserer Bran­
Kreativbranche« mit entscheidungshilfen & che schneller auf ein hohes Gehaltsniveau springen
Tipps ↗ www.page-online.de/pDDp1017 als in der Industrie.
page 05.17 025 page 05.17 025

»In Agenturen sondern Mitmacher. Geschäftsführer spielen im Ta­


gesgeschäft eine inhaltliche Rolle – das gilt auch für
hAt eIn MIt- mich. Generell sind Agenturen viel abhängiger von
ihren Mitarbeitern. Es gibt hier keine Fabriken oder
ArbeIter Mehr Maschinen, nur Menschen. Das erfordert eine viel

MItsprAche- intensivere Form der Kollaboration.


Warum behandeln Agenturen ihre Mitarbeiter
recht, wAs dIe dann schlecht?
Dieses Vorurteil hält sich leider hartnäckig. Natür­
defInItIon und lich ist es hart, in der Kreativbranche zu arbeiten.

bewertung
Sie ist schnell, steht unter Performancedruck und
ist mit enormen Veränderungen konfrontiert. Aber
seIner stelle das heißt nicht, dass die Leute ausgenutzt und nicht
gefördert werden! Außerdem sind die Zeiten, in de­
Angeht« nen man sich unterordnet, vorbei. Talente sind No­

Christian rätsCh
maden, die weiterziehen, wenn es ihnen nicht mehr
gefällt. Wir sind als Arbeitgeber gefordert, Bedin­
gungen zu schaffen, unter denen sie gerne arbeiten.
Wie haben Sie den Wechsel von einem Dax-
Konzern in eine Kreativagentur erlebt?
Das erste halbe Jahr habe ich mich schwergetan. Ein
Großunternehmen ist prozessual perfekt definiert:
Es ist von Anfang an klar, wer welche Funktion inne­
hat und was diese umfasst. In Agenturen arbeitet man
viel kollaborativer, vieles läuft parallel, nichts ist in
Warum ist das so? Stein gemeißelt. Kommt jemand mit einem Vor­
In Konzernen gibt es vorgefertigte Karrierepfade, schlag zu mir, wie man die Agentur anders und bes­
aus denen auszubrechen fast unmöglich ist. Beson­ ser aufstellen könnte, höre ich ihm zu. In einem
ders bei Tarifbindung werden Stellen anhand von Konzern ist solcher Veränderungswille meist nicht
Klassen bewertet, die abhängig sind vom Impact karriereförderlich beziehungsweise wird überhört.
für das Unternehmen – nicht von der Leistung des Welche Unterschiede gibt es noch?
Individuums. Nur wer in diesem Gefüge eine Stufe Der Umgang mit Risiko: Konzerne meiden es, Agen­
nach oben klettert, bekommt mehr Gehalt. turen gehen es ein. Risiko ist immer mit Verant­
Und in Agenturen? wortung verbunden – und mit Schuldzuweisungen.
Hier hat ein Mitarbeiter viel mehr Mitspracherecht, Deshalb gibt es in Konzernen keine Entscheidungs­
was die Definition und Bewertung seiner Stelle an­ vorlage mit nicht mindestens drei Empfehlungen.
geht. Bringt jemand echten Mehrwert, kann er sehr Niemand will schuld sein, wenn es in die Grütze
viel schneller aufsteigen. Es ist nicht ungewöhnlich, geht. So entstehen keine großen Ideen, sondern Lö­
dass ein Accounter binnen kürzester Zeit Etatdirek­ sungen, die funktionieren und allen gerecht wer­
tor wird, weil er die Möglichkeit bekommt, sich zu den – und entsprechend langweilig sind. Am An­
entfalten. In Konzernen ist dieser Spielraum mei­ fang dachte ich auch: Wir können dem Kunden
ner Erfahrung nach (noch) nicht vorhanden. doch nicht nur eine Idee anbieten! Heute weiß ich,
In Großunternehmen gibt es zudem strenge dass es unser großes Privileg ist, einen klaren
Hierarchien. Standpunkt haben zu dürfen. Das macht stolz und
Ja, zwangsläufig. Jeder weiß, wo er im Organisations­ gibt Selbstvertrauen – und das ist gut für die Mitar­
gefüge steht, an wen er berichtet und wer ihm zuar­ beiter. Sie haben Spaß daran, kompromisslos zu
beitet. Daraus resultieren oft Bewahrungswille und sein, und bringen Leidenschaft für ihre Ideen mit,
Statusgehabe. Dabei tritt das eigentliche Ziel schnell die sie erst intern und dann beim Kunden verteidi­
in den Hintergrund und die Erfüllung des Auftrags gen. Dafür muss man gemacht sein – aber wenn
vom Vorgesetzten wird selbst zur Aufgabe. Außer­ man so ein Typ ist, dann ist die Agentur auf jeden
dem achtet jeder darauf, dass ihm nichts weggenom­ Fall die bessere Spielwiese.
men wird, was die Abgrenzung zwischen den Abtei­ Ein Zurück gibt es für Sie nicht?
lungen bestärkt. Das gibt es in Agenturen nicht. Wir Wenn, dann nur mit der Option, dieses Zurück zu
haben gelernt, dass es egal ist, von wem Ideen und verändern mit den Erkenntnissen, die ich heute ha­
Konzepte kommen. be. Aber ein Zurück nach den alten Konzernspielre­
Hierarchien existieren auch in Agenturen. geln – undenkbar!
Ja, aber die sind viel flacher. In Konzernen gibt es
Manager, die strategische Entscheidungen fällen und das ganze Interview mit christian rätsch
Ja oder Nein sagen zu Fragen, die an sie herangetra­ lesen Sie auf page Online unter ↗ www.
gen werden. In Agenturen haben wir keine Manager, page-online.de/christianraetsch_0517
026 page 05.17 › TITeL › agentur oder Unternehmen?

AGENTUR ODER
UNTERNEHMEN?
Was ist denn nun dran an all den Vorurteilen? Sechs kreative
berichten von ihren erfahrungen

Kristina Aleksic absolviert nach


einem Praktikum im Marketing von
BMW Deutschland gerade eines
bei der Agentur Hi-ReS! in Berlin

Wie bist du zu Hi-ReS! gekommen? Nach meinem Ba­


chelor in Betriebswirtschaft habe ich ein Praktikum bei
BMW gemacht, währenddessen ich hauptsächlich für
die Betreuung, Pflege und Optimierung von BMW.de zu­
ständig war und viel mit Hi­ReS! zusammengearbeitet
habe. Danach wollte ich herausfinden, wie die Prozesse
auf der anderen Seite funktionieren, und bin deshalb seit
Februar Praktikantin im Bereich Beratung und Projekt­
management im Team BMW Deutschland der Agentur.
Was sind die größten Unterschiede? Bei Hi­ReS! ge­
fällt mir sehr gut, dass so viel Wert auf das Miteinander
gelegt wird. Die Hierarchien sind flach, alle duzen sich
und die Wege sind kurz, weil alle zusammen in einem
großen Raum sitzen. In einem Konzern wie BMW sind
die Mitarbeiter auf mehrere Etagen und Standorte ver­
teilt, und die Kommunikation außerhalb des eigenen
Teams ist wesentlich förmlicher. In der Agentur herr­
schen zudem flexiblere Arbeitszeiten. Es ist kein Pro­
blem, mal später anzufangen – vorausgesetzt, man ist
in den Kernzeiten erreichbar und schafft seine Arbeit
für den Tag. Bei BMW sind die Zeiten doch etwas gere­
gelter – vor allem die Mittagspause, denn um 13 Uhr
schließt die Kantine.
Auch die Räumlichkeiten unterscheiden sich deut­
lich. Das Berliner Hi­ReS!­Büro ist sehr modern und ver­

»Bei Hi-ReS! SiND Die


spielt eingerichtet. Bei BMW dominieren lange Gänge
und eine eher sterile Einrichtung. Das Gleiche gilt für
HieRaRcHieN flacH, alle den Dresscode: Bei Hi­ReS! kann jeder kommen, wie er
will – und wenn es in einer Jogginghose ist. Bei BMW
DuzeN SicH uND Die gibt’s den Casual Friday – sonst ist das klassische Busi­
nessoutfit angesagt.
Wege SiND kuRz, Weil Hast du schon eine Präferenz, wo es in Zukunft hinge-

alle zuSammeN iN eiNem hen soll? Ich bin noch in der Orientierungsphase und
möchte mich daher nicht festlegen. Aber die Atmosphäre
gRoSSeN Raum SitzeN« bei Hi­ReS! gefällt mir sehr gut. Man ist einfach gerne
hier und geht auch mal privat mit den Kollegen was trin­
KRISTINA ALEKSIC ken. Als Nächstes mache ich erst mal meinen Master.
page 05.17 027

Gut finde ich auch, dass ich hier ganzheitlich arbeiten


kann, eine Menge verschiedene Personen und Diszi-
plinen kennenlerne, ohne mich auf ein Handwerk zu
beschränken.
Und die Arbeitsbedingungen? Die Zeiten sind abseh-
barer als in der Agentur, allerdings bin ich häufig unter-
wegs, um bei den Kunden vor Ort zu sein. Das Gehalt ist
ähnlich wie in der Industrie, wobei ich meine Entschei-
dung nicht davon abhängig gemacht habe, sondern von
meinen Entwicklungsmöglichkeiten und dem Team. Im
letzten Jahr haben wir das MHP Lab in Berlin eröffnet –
dort arbeiten wir in bestimmten Phasen eines Projekts
mit den Kunden zusammen. Die Umgebung ist offen
und flexibel gestaltet und ermöglicht dadurch den kun-
den- und projektübergreifenden Austausch.

Moritz Papenfuß ist seit zweiein-


halb Jahren als Berater mit Schwer-
punkt Designmanagement und
-strategie bei der Management-
und IT-Beratung MHP tätig, einer
Tochtergesellschaft der Porsche AG
mit Standorten unter anderem in
Berlin, Wolfsburg und Ludwigsburg

Wie kamst du zu MHP? Nach meinem Bachelorstudi-


um in Brand und Interaction Design habe ich bei ver-
schiedenen Agenturen in Hamburg gearbeitet. Danach
habe ich ein Masterstudium Gestaltung mit Schwer-
punkt Designmanagement begonnen und mich in mei-
ner Masterthesis bei Volkswagen mit interdisziplinärer
Teamarbeit und der Bedeutung von Designprozessen
in großen Organisationen befasst. Da ich großes Inte-
resse hatte, übergreifend und projektbasiert an solchen
Themen zu arbeiten, bin ich zu MHP gewechselt.
Was sind deine Aufgaben? In unserer Arbeit verknüp-
fen wir Innovations- und Zukunftsforschung mit Design.
Der Schwerpunkt liegt darauf, bei unseren Kunden De-
signprozesse zu etablieren, um sie auf kommende He-
rausforderungen vorzubereiten. Dazu identifizieren wir
künftige Probleme und stoßen Projekte an, innerhalb
derer wir Lösungen durch Prototypen greifbar machen.
Auf dieser Grundlage können dann Entscheidungen
getroffen werden. Unser Team arbeitet interdisziplinär
und vereint die Kompetenzen von Zukunftsforschern,
Business-Model-Experten, Projektmanagern, Interac- Philipp Nottelmann hat sich nach
tion und Visual Designern sowie Design Researchern. Stationen bei diversen Agenturen
Was gefällt dir an MHP als Arbeitgeber? Das Interes- vor einem Jahr als Freelancer in
sante an einer Unternehmensberatung – im Gegensatz
Hamburg selbstständig gemacht
zum Unternehmen – ist, dass man für unterschiedliche
Kunden und damit an immer neuen Aufgabenstellun- ↗ www.philipp-nottelmann.com
gen arbeiten kann. Als Berater bin ich in mehrere Pro-
jekte gleichzeitig involviert, das schafft Abwechslung Wie ist dein bisheriger Werdegang? Nach meinem
und verhindert Leerlauf, wenn eines gerade in der Ab- Bachelor in Gestaltung habe ich zunächst bei Hi-ReS!
stimmung ist. Außerdem beschäftigt man sich tiefgrei- in Hamburg gearbeitet. Dort konnte ich in viele Bereiche
fend mit Themen und ist nah am Nutzer – das unter- hineinschnuppern und mich weiterentwickeln. Danach
scheidet die Beratung vom klassischen Agenturmodell. wechselte ich zu der noch kleineren Agentur Landon
028 page 05.17 › TITeL › agentur oder Unternehmen?

Wortmann und entwarf hauptsächlich Kreativkon­


zepte. Das war sehr spannend, aber die Agentur löste
sich leider auf. Meine nächste Station war das Postpro­
duktionsstudio Optix, wo ich an meinen Kompetenzen
in Sachen Animation feilen konnte. Danach habe ich
zwei Jahre als Interaction Designer bei deepblue net­
works gearbeitet. Das hat sehr viel Spaß gemacht, aber
das Angebot, für Jung von Matt ein Büro in Peking mit
aufzubauen, konnte ich nicht ausschlagen. Das eine Jahr
dort war eine sehr intensive Erfahrung. Ich habe viel
gearbeitet und das klassische Werbegeschäft noch ein­
mal von der Pike auf gelernt – und dazu noch etwas Marc Clasen ist seit Januar 2017
Mandarin. Wer bei Jung von Matt anfängt, weiß, wo­
rauf er sich einlässt. Die Agentur kommuniziert offen,
Chief Client Officer bei der Werbe-
dass es harte Arbeit ist. Dafür ist der kreative Output agentur Track in Hamburg, davor
enorm, und die Ideen sind fast immer erfolgreich. Nach arbeitete er in verschiedenen Posi-
meiner Rückkehr wollte ich nicht mehr in eine Agentur tionen auf Unternehmensseite
und habe mich selbstständig gemacht. Jetzt profitiere
ich stark von all den Erfahrungen, die ich im Laufe der Wie ist dein bisheriger Werdegang? Nach meiner Aus­
Jahre gesammelt habe. bildung bei der Kommunikationsagentur Schaffhausen
Was hat dir an der Arbeit in Agenturen besonders habe ich acht Jahre Agenturluft geschnuppert und mich
gefallen? Die Geschwindigkeit und Vielseitigkeit. Ich nach einem kurzen Abstecher in ein Start­up dafür ent­
bin eher facettenreicher Generalist als Spezialist auf ei­ schieden, ins Marketing der Sparkasse Holstein zu wech­
nem Gebiet. Deshalb ist es mir wichtig, verschiedene seln, weil ich neue Perspektiven kennenlernen wollte.
Themenfelder zu bearbeiten. Gerade in kleinen Agen­ Hier war alles sehr strukturiert und sämtliche Prozesse
turen ist man nicht nur ein Rädchen, das eine bestimm­ in Arbeitshandbüchern festgeschrieben. Danach habe
te Aufgabe im Getriebe erfüllt, sondern wird je nach ich das internationale Customer Relationship Manage­
Bedarf woanders eingesetzt. Große Netzwerkagenturen ment von Swarovski von der Schweiz aus betreut. Die
ähneln in dieser Hinsicht eher Unternehmen: Dort ar­ Arbeit fühlte sich wieder mehr wie das Agenturleben
beitet man meist in nur einem Bereich und bekommt an, wegen des kreativen Umfelds im Schmuckbereich.
vom Rest wenig mit. Daraufhin ging ich zu Zwilling J. A. Henckels in Solin­
Was ist mit dem Gehalt? Dass die Lehrjahre in der gen und leitete dort das globale Marketing mit dem Fo­
Kreativbranche keine Herrenjahre sind, ist allgemein kus auf E­Commerce und digitale Transformation. In
bekannt. Es dauert ein paar Jahre, bis man die Prakti­ dem familiengeführten Mittelstandsunternehmen zähl­
kums­ und Juniorstellen hinter sich hat und besser ent­ te wiederum Feingefühl und Menschenkenntnis. Seit
lohnt wird. Aber es kommt auch darauf an, gut zu ver­ diesem Jahr bin ich zurück auf Agenturseite als Chief
handeln und den Mut zu haben, zu gehen, wenn es nicht Client Officer bei Track.
genug Geld gibt. Was unterscheidet Agentur und Unternehmen dei-
ner Ansicht nach am meisten? In Unternehmen spielt
interne Politik eine wesentlich größere Rolle. Man muss
wissen, mit wem man über was spricht, wichtige Ent­
scheidungen fallen nicht selten am Mittagstisch. Je grö­
»Je gröSSer ein Unter- ßer ein Unternehmen ist, desto mehr geht es darum,

nehmen iSt, deSto mehr


sich zu profilieren. Ich wollte mich wieder mehr meiner
eigentlichen Profession widmen, mich um Kunden küm­
geht eS darUm, Sich zU mern und weniger um Firmeninterna. In meiner jetzigen
Position hilft es mir enorm, zu wissen, wie Entscheidun­
profilieren. ich wollte gen in unterschiedlichen Arten von Unternehmen ge­
troffen werden. Generell hat es mir immer gut getan,
mich wieder mehr etwas Neues auszuprobieren und mich in neue Sphären
meiner eigentlichen hineinzudenken. Genau davon profitiere ich heute.
Ist die Arbeit auf Agenturseite härter? Natürlich ist
profeSSion widmen, es kein 9­to­5­Job – das weiß jeder, der sich darauf ein­
lässt. Trotzdem legen wir bei Track Wert auf Work­Life­
mich Um KUnden Balance und haben unter anderem eine Überstunden­

Kümmern Und weniger regelung. Denn uns ist bewusst, dass wir Talente nur
ent wickeln und halten können, wenn wir uns am Wett­
Um firmeninterna« bewerb orientieren. Grundsätzlich nähern sich die Ar­
beitswelten einander an – nur haben Agenturen immer
MARC CLASEN noch mit einem Imageproblem zu kämpfen.
Auflösung
seite 18/19: links
Hi-ReS!, rechts Otto
seite 21: oben Saatchi &
Saatchi Germany,
unten MHP Berlin
seite 22: oben Track,
unten Hi-ReS!
seite 29: oben Track,
unten Otto
PhiliPP NottelmaNN
anderswo einGesetzt«
wird nach bedarf
im Getriebe, sondern
nicht nur ein rädchen
aGenturen ist man
»Gerade in KLeinen
029 page 05.17
030 page 05.17 › TITeL › agentur oder Unternehmen?

Benedikt Stemmildt ist seit 2013


als Software Engineer bei Otto in
Hamburg tätig

Wie bist du zu Otto gekommen? Nach der Schule ha­


be ich ein duales Studium in Wirtschaftsinformatik an
der Nordakademie gemacht. Als Unternehmenspartner
hatte ich mir Otto ausgesucht und bin dort nach mei­
nem Abschluss 2013 als Junior Software Engineer über­
nommen worden.
Was ist heute dein Aufgabengebiet? Als Software
Engineer bringe ich mein Team voran, das sich mit So­ Jenny Großmann arbeitete zunächst
cial Media beschäftigt, der Anbindung von Otto.de an als Interaction Designerin in der
Facebook, Twitter und Instagram et cetera. Zuletzt ha­ Agentur und nun seit zwei Jahren
ben wir einen Style Creator für die Website entwickelt,
mit dem der User eigene Looks kreieren kann. Als Nächs­
bei dem Hausgerätehersteller
tes würden wir gern die Interaktion zwischen den Nut­ Gaggenau in München
zern ausbauen, nach dem Vorbild von Multiplayer­Spie­
len. Wir arbeiten interdisziplinär und agil nach Scrum. Wie kamst du zu Gaggenau? Nach meinem Bachelor
Was gefällt dir an Otto? Für mich als Developer ist es in Industrial Design und dem Masterstudium in Gestal­
spannend, dass wir nicht nur die Möglichkeit, sondern tung habe ich als Interaction­Design­Trainee bei der
auch den Auftrag haben, alle möglichen Arten von Tech­ Hamburger Agentur deepblue networks angefangen,
nologien zu testen und anzuwenden. Wir legen gro­ wo ich zwei Jahre blieb. Dort habe ich unheimlich viel
ßen Wert darauf, hochwertige Software zu schreiben. gelernt, was ich heute anwenden kann. Als ich aus per­
Außerdem haben wir viel Freiraum, um eigene Ideen sönlichen Gründen nach München zog, suchte ich einen
einzubringen. Den Vorschlag für ein Social­Media­Team Job mit mehr Bezug zu Produktdesign – und landete re­
haben mein Kollege und ich gepitcht – damals waren lativ schnell bei Gaggenau. Das traf sich sehr gut, weil
wir zu zweit, heute sind wir zu sechst. Auch die Arbeits­ ich auch eine Leidenschaft fürs Kochen habe.
umgebung ist super: Die Büros wurden gerade erst neu Was sind deine Aufgaben? Ich gestalte Bedienkonzep­
eingerichtet, es gibt Cafés auf dem Campus, eine Play­ te und Interfaces für Hausgeräte. Das ist sehr vielseitig,
Station und seit Januar 2017 auch den Coworking Space denn das reicht von einfachen bis zu umfangreichen
Collabor8, in dem jeder flexibel, offen und vernetzt ar­ Lösungen. Unser Team ist interdisziplinär aufgestellt
beiten kann. und umfasst Produktdesigner und ­manager, Ent wick­
ler und Marketingfachleute. Wir arbeiten sehr kollabo­
rativ, jeder kann eigene Ideen einbringen. Mir gefällt,
dass ich eigenverantwortlich bin und Produkte von der
ersten Idee bis zum Verkauf begleiten kann.
Wie beurteilst du die Arbeitsbedingungen? Ein ange­
nehmer Nebenaspekt des Wechsels ist, dass ich wesent­
lich besser verdiene. Das war aber kein Entscheidungs­
kriterium. Als Kreativer sucht man in erster Linie nach
neuen Herausforderungen und nach Umgebungen und
Teams, die zu einem passen. Außerdem sind die Ar­
beitszeiten angenehmer. Ich habe eine 35­Stunden­
Woche, die auch meist eingehalten wird, und die Arbeit
ist besser planbar, weil Produkte oft über Jahre entwi­
ckelt werden. Da es weniger Zwischenstufen gibt, ent­
wickelt sich die Karriere etwas langsamer als in der
Agentur. Positiv sind die vielfältigen Weiterbildungs­
»die Arbeitszeiten sind und Coachingangebote, auch zu Selbstmanagement
oder Führungskompetenz. Dadurch kann man sich ste­
Angenehmer. ich hAbe tig weiterentwickeln.
Du fühlst dich also wohl? Ja sehr! Ich hatte großes
eine 35-stunden-Woche, Glück, so schnell in einem Bereich anzukommen, der
die Auch meist derart gut zu mir passt. Anfangs hatte ich viel Respekt
davor, mich bei einem großen Unternehmen zu bewer­
eingehAlten Wird« ben. Aber die Selbstzweifel waren unbegründet – auch
Konzerne suchen junge Kreative mit neuen Ideen.
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THEMEN

Auf
die Brille
Virtual Reality ist die Technologie der Stunde – doch wie setzt man sie am
besten ein? Wir zeigen überzeugende VR-Szenarien für die Produkt- und
Markenkommunikation oder einfach zum Abtauchen in alternative Welten

● Schnell mal auf einen Sprung hinauf ins All oder jeder Hollywood­Zahnarzt, der etwas auf sich hält,
hinunter auf den Meeresboden? Als Insekt über eine hat mittlerweile eine VR­Brille neben seinem Be­
saftige grüne Wiese flattern oder mit einem Künst­ handlungsstuhl liegen. Die US Navy trainiert mit VR
ler durch New York? Mitten hinein in ein nigeriani­ Fallschirmsprünge, und Schüler können per VR ler­
sches Ebola­Gebiet oder in die schmelzende Antark­ nen, die Straße zu überqueren, oder werden im Bio­
tis? Oder vielleicht doch mal schauen, wie es sich logieunterricht nicht an die Tafel, sondern direkt in
anfühlt, in Einzelhaft zu sitzen oder in der Front den menschlichen Körper geschickt.
Row einer Fashion Show.
Virtual Reality bringt einen überallhin, ob im Einfühlen mit VR
360­Grad­Realfilm oder in synthetisch gebauten Längst haben auch Kunst und Musik das Medium
künstlichen Welten, in denen man, wenn auch noch für sich entdeckt. Seit letztem Jahr tourt eine VR­In­
begrenzt, interagieren kann – und macht dabei vor stallation zu Björks Album »Vulnicura« um die Welt,
keiner Branche halt. Tourismusunternehmen geben in der man in abstrakte Innenwelten der Isländerin
einen VR­Vorgeschmack auf Reiseziele, Architekten abtauchen kann – oder in ihren singenden Mund.
führen durch virtuelle Gebäude, und Audi lässt per Man kann im Dalí Museum in Saint Petersburg, Flo­
Datenbrille Probe fahren, während Psychotherapeu­ Kunstvoll: Im Auftrag rida, durch die »Dreams of Dalí« wandeln, vorbei an
ten Patienten über schmale Stege balancieren las­ des Optikspezialisten Elefanten mit Stelzenbeinen und surrealen Wüsten­
sen, sie virtuellen Spinnen aussetzen oder durch an­ Zeiss ließ die Digitalagen­ gebäuden, oder in Daniel Steegmann Mangranés In­
tur Demodern virtuelle
dere traumatische Situationen leiten. stallation »Phantom«, die das Museum of Modern
Augengalaxien entstehen,
Beeindruckend sind die Ergebnisse bei der Be­ Art New York in Auftrag gab, durch den brasiliani­
während Unicorn Paris
handlung von Brandopfern: Spielt man ihnen auf der zum Launch der Prada­
schen Mata­Atlântica­Regenwald. Das NRW­Forum
VR­Brille Schneelandschaften ein, sind die Schmer­ Düfte La Femme und Düsseldorf hingegen eröffnet als eines der ersten
zen geringer und die Heilungschancen größer. Kin­ L’Homme in surreale Ausstellungshäuser Ende Mai mit Unreal einen per­
derärzte wenden VR bei Verbandswechseln an, und VR­Welten entführte manenten Erweiterungsbau, in dem rein digitale
034 page 05.17 › Themen › VR-Storytelling

Schauen zu sehen sein werden: Auf 250 Quadrat- Empathisch: Wie es sich Ganz bewusst auf den Empathie-Aspekt setzen
metern und in mehreren Parzellen können Besucher anfühlt, langsam sein auch die Filmemacher murphy+alzner, die gerade
sich dort mit VR-Brillen bewegen. Augenlicht zu verlieren, die VR-Dokumentation »Ratten, die Leben retten«
zeigt die preisgekrönte
VR steht auf der Schwelle zum Massenmedium, vorbereiten, um das etwas in Vergessenheit gera-
Experience »Notes On
und ihr Herzstück ist die Immersion, das völlige Ab- Blindness: Into Darkness«
tene Thema Minensuche wieder ins öffentliche Be-
tauchen in andere Welten, die man nicht nur sieht, wusstsein zu bringen. Dazu führen sie den Betrach-
sondern erlebt und in denen Empathie großgeschrie- ter in eines der am stärksten verminten Gebiete der
ben wird. Viel zitiert ist der TED Talk von Chris Milk, Welt, den K5-Gürtel in Kambodscha, wo die NGO
in dem der kreative VR-Pionier Virtual Reality als »ul- Apopo (www.apopo.org/de) mit ausgebildeten afri-
timative Empathie-Maschine« bezeichnet. Milk be- kanischen Riesenratten Sprengkörper aufspürt. Ge-
gann seine Karriere mit Musikvideos für Kanye West zeigt wird das aus Sicht der Ratten, der Minensu-
oder Arcade Fire und gehört heute mit seiner VR- cher, Bewohner, eines Prothesenherstellers und so-
Produktion Here Be Dragons samt VR-App Within gar einer Landmine selbst.
( http://with.in) zu den Innovativsten der Branche. Als synthetische Welt und mit umso mehr Gefühl
Berühmtestes Beispiel für den Empathieeffekt in VR- baute die Londoner Digitalagentur Rushes für die
Anwendungen ist sicher der 360-Grad-Film »Clouds Charity-Organisation Cancer Research UK »The Life
Over Sidra«, den Chris Milk für die UN produzierte Garden«. Mit Gerberas und vielen anderen Blumen,
und der mitten in ein Flüchtlingslager in Jordanien die sich sanft im Wind wiegen, gedenkt die VR-Expe-
führt. Entwickelt für die Entscheidungsträger auf dem rience über 100 000 Unterstützern, die die Organisa-
Weltwirtschaftsforum 2015 in Davos, wurde der Clip tion in ihrem Testament bedachten. Somnambul er-
auch auf zahlreichen Veranstaltungen der UNICEF scheinen die Namen der Verstorbenen in der Blumen-
gezeigt und verdoppelte das Spendenaufkommen. wiese. Immer neue kommen hinzu, und mithilfe von
Oculus Touch soll man künftig auch über die Blumen
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streichen und durch das Blumenmeer gehen können.

Erzählen in VR
VR ist das erste Medium, das »Stellt euch das Geschichtenerzählen im Film wie ein

den Blickwinkel des Autors, kompaktes Atom vor«, sagt Jessica Brillhart, VR-Re-
gisseurin bei Google. »Wenn du auf das Atom schaust,
der einen durch seine Perspek- weißt du, worum es in dem Film geht und wie die
Geschichte endet. Jetzt aber stellt euch vor, dass die-
tive der Geschehnisse führt, ses Atom explodiert und die Farben, das Licht, die
Emotionen und Figuren einfach überall sind. Das ist
verlässt. Statt wie im Kino eine VR.« VR ist das erste Medium, das den Blickwinkel
des Autors, der einen durch seine Perspektive der Ge-
andere Realität anzuschauen, schehnisse führt, verlässt. Statt wie im Kino eine an-
dere Realität anzuschauen, ist der Betrachter mit-
ist der Betrachter mittendrin. tendrin. Sein Blick ist der der Kamera, und während
die virtuelle Welt ihn wie eine Kugel umgibt, steht er
in der Mitte und schaut, wohin immer er will.
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Mit dem 360-Grad-Blick fällt das Framing weg, agieren die Akteure – ganz ohne Schnitte – wie auf ei-
das Festlegen des Bildausschnitts, mit dem Kamera- ner Theaterbühne. Der Rest des Casts muss sich in
mann und Regisseur den Blick bestimmen. An die den Kulissen verstecken, um nicht im Bild zu stehen.
Stelle der klassischen Regie treten die Choreografie
der Aufmerksamkeit des Zuschauers und ein Story- Perfektes VR
telling, das nicht nur narrativ, sondern konzeptionell Die erste Frage an jede VR-Anwendung muss natür-
vorgeht. Denn um sicherzustellen, dass der Betrach- lich deren Sinnhaftigkeit sein. Sich einfach nur in
ter trotz aller Freiheiten die nötigen Informationen 360 Grad umdrehen zu können oder im sich schnell
bekommt, muss man seine eventuellen Blickbewe- abnutzendem Wow-Effekt zu verharren, reicht ein-
gungen imaginieren und lenken – und zwar so sachte fach nicht. Wie sich VR und Inhalt auf beeindru-
wie geschickt, sodass keine Motion Sickness entsteht, ckende Weise bedingen, zeigt die preisgekrönte VR-
eine Übelkeit, die aufkommt, wenn die Bewegung Applikation »Notes On Blindness: Into Darkness«.
des eigenen Körpers nicht exakt mit den visuellen Das Spin-off des gleichnamigen Films, der 2016 auf
Eindrücken übereinstimmt, wenn Raumwechsel zu dem Sundance Film Festival Premiere feierte, beruht
unvermittelt sind oder visuelle Kurven zu schnell ge- auf den Aufzeichnungen des Theologen John M. Hull
nommen werden. Deshalb sind Schnitte rar, und es (1935–2015), der als 45-Jähriger zu erblinden begann
ist fraglich, ob die filmische Bildsprache in VR je- und seine schwindenden visuellen Eindrücke auf
mals Montage nutzen wird. Bisher zumindest sind Musikkassetten sprach. An verschiedenen virtuellen
die Einstellungen eher lang, häufig getrennt durch Orten folgt man seinen Aufzeichnungen.
Schwarzbilder oder Auf- und Abblendungen. Zu ihnen gehört ein Park, der nur aus blau gepunk-
In die virtuelle Umgebung integrierte Points of teten Schemen besteht, in dem Zeitungen rascheln
Interest, zum Beispiel eine Person, die sich langsam und Jogger wie Geister vorbeihuschen. Oder eine
nähert, können die Aufmerksamkeit des Users we- Hütte, in der Regen durchs Gebälk tropft und in der
cken und den Blick fesseln. Geräusche können ihn Hull davon erzählt, dass für Sehende der Himmel wie
lenken, aber auch die Lichtführung, Aktionen am ein Dach ist, das ihnen Schutz bietet, und Blinde nur
Rand des eigenen Blickfelds oder Blicke selbst wie in bei Regen und Sturm wieder ein Gefühl dafür be-
»Clouds Over Sidra«. Darin schauen die Kinder ei- kommen. Der binaurale Ton der Anwendung zieht
nen direkt an oder gebannt in eine andere Richtung, einen tief in die sich auflösende Welt Hulls, dessen
der man dann folgt. Blindheit perfekt mit der eigenen Abgeschlossen-
Gefühlvoll:
heit hinter der VR-Brille korrespondiert.
Proben für die VR-Kamera »The Life Garden«
Auf ganz andere Weise beeindruckt der zwölfmi-
gedenkt verstorbenen
Die Kameraarbeit besteht in VR in der Positionie- Unterstützern der nütige VR-Ableger der Amazon-Serie »Mr. Robot«
rung des Kamera-Rigs, das mit zahlreichen Linsen Charity-Organisation über den Hacker Elliot. Er spielt nicht nur mit dem
in 360 Grad aufzeichnet. Die Inszenierung der VR- Cancer Research UK Clou der Serie, dass man Elliots Perspektive auf die
Experience selbst richtet sich immer auch nach der
potenziellen Reise, auf die der Zuschauer sich mit
seinen Blicken und manchmal auch mit seinem Kör-
per begibt. Sicher sein, wie er sich verhält, kann
VR ist das er-
man jedoch nicht. Um das zumindest rückblickend ste Medium,
zu erkunden, hat der TV-Sender ARTE, der mit eige- das den Blick-
ner VR-App und Produktionen wie »Polar Sea 360°« winkel des
oder »I, Philip« zu den VR-Pionieren gehört, ein
Wärmetool entwickelt, das die Blickrichtungen des Autors ver-
Users anonym ermittelt. lässt, der ei-
Wie man Blicke verblüffend lenken und dabei nen durch sei-
durchaus auch mit visueller Tiefe, mit Kamerafahr- ne Perspekti-
ten und ungewöhnlichen Perspektiven spielen kann,
zeigt Regieveteran Hal Kirkland in dem VR-Musik- ve der Ge-
clip »Kids« für OneRepublic. In ihren Zimmern, die schehnisse
in einer schmalen Gasse in Mexiko-Stadt einander führt.
gegenüberliegen, versuchen zwei Teenies die Auf-
merksamkeit des jeweils anderen zu gewinnen. In ei-
nem einzigen Take, in dem hundert Darsteller mit-
wirken, gedreht, schwebt die Kamera über der Gasse,
spielt mit dem, was unter und über dem Betrachter
liegt – und sorgt für ein umwerfendes Raumgefühl.
Auch wenn nicht in einer einzigen Einstellung ge-
filmt wird, geht es auf einem VR-Set wie bei einer
Theaterprobe zu. Jede Szene muss vorab exakt ge-
plant und geprobt werden. Zeichnet die Kamera auf,
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xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx VR-Produktpräsentation, die es Kunden ausgewähl-


ter IKEA-Einrichtungshäuser ermöglicht, ein virtu-
Die erste Frage an jede VR- elles Wohnzimmer zu gestalten und die Produkte in
einem 3D-Showroom interaktiv zu erleben.
Anwendung muss deren Sinn- Für Zeiss entwickelte die Hamburger Digitalagen-
tur eine sechsminütige Virtual-Reality-Experience,
haftigkeit sein. Sich einfach die in sieben beeindruckenden Augengalaxien die
Intraokularlinsen des Unternehmens vorstellt. Hoch-
nur in 360 Grad umdrehen zu auflösende Makroaufnahmen des menschlichen Au-
ges, das durch übereinanderliegende 3D-Meshes le-
können oder im sich schnell bendig wird, verschmelzen mit Wolkenbildern, Ster-
nen und Meteoriten.
abnutzendem Wow-Effekt Stilisierte Bilder nutzte auch Prada bei der VR-

zu verharren, das reicht nicht. Einführung ihrer Düfte La Femme und L’Homme.
Startet man die zehnminütige VR-Experience »Prada
X Prada«, streift man in vier Kapiteln durch ein Duft-
universum, in dem surreale, rotierende Welten kunst-
voll mit Echtbildern von Markenbotschaftern wie
Welt nicht immer trauen kann, sondern auch mit Mia Goth verschmelzen und man anhand fixierbarer
den Blickrichtungen selbst. Ist Elliot high on drugs, Signets diverse Geheimnisse lüftet.
nimmt er Blickkontakt zum Zuschauer auf, zieht ihn
durch die Wohnung oder lässt ihn zur Decke schwe- Live-Erlebnisse schaffen mit VR
ben. Mit reichlich Thrill versehen, landet man in El- Die Unmittelbarkeit des Erlebnisses ist, was Fax Quin-
liots erstem Date mit Shayla auf dem Riesenrad, tus vom Berliner Designstudio e27 an der 360-Grad-
kommt den beiden im VR-Close-up fast unangenehm Live-Technik interessiert. Im Produktdesign ange-
nahe, und dann wieder verwandelt das Bild sich in siedelt, hat e27 deshalb gerade das Virtual Eye VEYE
ein vibrierend neonfarbenes Szenario, in dem Men- (www.i-mmersive.net) entwickelt, eine kleine und
schen nur noch als tanzende Silhouetten auftauchen. kompakte VR-Kamera, deren Design an die Mikro-
fone der vierziger und fünfziger Jahre angelehnt ist.
VR in der Markenkommunikation Gleichsam simpel, nur mittels Software und Com-
Ironisch: Mit der
Immersion gilt als perfekte Methode für fesselnde puter gesteuert, liefert sie extrem hochaufgelöste
Kampagne »Cowz VR«
für die Fast-Food-
Markenerlebnisse, bei denen man den Konsumen- Bilder in 4K, die sich live auf die VEYE-Plattform
Kette Chick-fil-A macht ten einen ganz neuen Blick auf Produkte werfen lässt streamen lassen. Man könnte VEYE auch für Doku-
McCann New York sich oder ihn einlädt, mit ihnen zu interagieren. Im Herbst mentationen oder im Nachrichtenjournalismus ein-
über den VR-Hype lustig 2016 launchte Demodern für IKEA Deutschland eine setzen, was Fax Quintus gerade in Zeiten der Fake-
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News-Debatten sehr interessant findet, aber auch


für 360-Grad-Live-Experiences, für Konzerte oder in
der Markenkommunikation. Beispiel Fashionindus-
trie: Hier könnten mehrere 360-Grad-Kameras am
Laufsteg für eine riesige Streuwirkung sorgen, wenn
das Label seine Kunden in VR-Showrooms daran
teilnehmen ließe oder gebrandete Cardboards ver-
sendete, um potenziellen Kunden das Event zu Hau-
se zugänglich zu machen. Anschließend könnte
das Unternehmen Kundenpflege betreiben, indem
es kleine Snippets von der Anprobe neuer Modelle
oder Ähnlichem verschickt.
Auch im Mittelstand ist VR bereits angekommen.
Gerade entwickelte Ralf Lobeck, Professor für visu-
elle Kommunikation an der AMD Akademie Mode &
Design Düsseldorf, mit seinen Studierenden eine
komplexe VR-Lösung für ein mittelständisches Köl- Stylish: Die 360- den Zuschauer in seine Welten mitnehmen – ebenso
ner Unternehmen, das aufgrund seiner raumgreifen- Grad-Kamera VEYE wie das immersive Theater, bei dem der Zuschauer
den Produkte Probleme am Point of Sale hatte. Ralf erinnert an die Mikro- Teil der Inszenierung wird, als Gast in Hotelzim-
fone der vierziger
Lobeck hat beobachtet, dass VR in den Anfragen, die mern sitzt oder in Dönerbuden die Handlung voran-
und fünfziger Jahre
an der Akademie eingehen, einen immer selbstver- treibt, indem er Gemüse schnippelt. Spannend fin-
ständlicheren Platz einnimmt. Selbst Produktions- det Kirschner vor allem, dass man VR nutzen kann,
kosten von 100 000 Euro werden akzeptiert, weil man um den User Erfahrungen machen zu lassen, die zu
nicht nur den unbegrenzten virtuellen Showroom machen er sich sonst nicht trauen würde. »Technik
nutzen will, sondern in jeder neuen Saison immer legitimiert viele ungewohnte Verhaltensweisen, weil
nur ein Update der Produkte machen muss. in unserer Gesellschaft die Vereinbarung herrscht,
Lobeck, der gerade an einem Buch über Wahrneh- dass es total sinnvoll ist, sie zu nutzen.«
mung und Virtual Reality arbeitet, ist überzeugt, dass Doch bevor VR-Nutzer sich wie Katzen benehmen
VR die Markenkommunikation grundsätzlich ver- oder wie Wölfe heulen, macht erst mal eine Kuh iro-
ändern wird, weil man dabei ganz nah am Produkt nisch Werbung für den hohen Mehrwert von VR. Als
dran ist und die Brand Experience direkt mitgelie- Reaktion auf den Hype um Virtual Reality und die
fert bekommt, sei es beim Rundumblick in die Zim- Tatsache, dass 42 Prozent der erwachsenen Internet-
mer der Marriott Hotels vor der Buchung oder bei User in den USA noch nie eine VR-Brille gesehen ha-
der Werbung für eine Probefahrt des neuen Audi. VR ben, führt die Fast-Food-Kette Chick-fil-A in einer
ist eine erweiterte Art der Kommunikation für ihn Kampagne von McCann New York die neue Techno-
und für Gestalter ein sehr interessantes Gebiet, denn logie augenzwinkernd vor. Mit ihren Markenbot-
ihre Aufgabe ist es, die Kommunikation konzeptio- schaftern – schwarzweißen Kühen – und mit Chick-
nell zu durchdringen, »um herauszuarbeiten, für fil-A-Logo gebrandeten VR-Cardboards kann der
welche Aufgaben- und Problemstellungen VR bes- Zuschauer aus Kuhperspektive Ballon fahren, sky-
sere Lösungen bietet als andere Medien. Insofern diven und tauchen. »Dieses Medium wird ach so
müssen Gestalter umdenken, wie sie das Produkt- ernst genommen, und es gibt so viel Hype und Ge-
erleben so spannend und multisensual wie möglich töse darum«, sagt McCann-Produzent Murray But-
gestalten, sodass ein Near-Reality-Erlebnis entsteht, ler, »deswegen war es für uns sehr erfrischend, es
das gleichzeitig zum realen Produkt selbst führt.« für etwas völlig Irrelevantes zu nutzen.« sd
Auch für Typografen ist VR ein spannendes Gebiet:
»Ich kenne noch keine überzeugende VR-Arbeit, in
Sabine Danek und Ngawang
der die Möglichkeiten der Typografie ausgereizt wer- Lungtok verbrachten Weih-
den. In ein Buch hineinzugehen, mit dem Text im nachten in Virtual Reality –
Raum zu agieren und so Einfluss auf den Content zu und das im indischen
nehmen, das fände ich sehr spannend«, so Lobeck. Dharamsala, wo man mitten
im Himalaya auf einen
Sternenritt gehen kann.
Immersion beyond VR
»Die VR-Technologie ist zwar neu, das Thema der
PAGE eDossier »VR für alle! So rüsten Agenturen
Immersion aber alt«, sagt Friedrich Kirschner, selbst
auf für Virtual Reality«. Mehr über Kameras,
Regisseur, visueller Künstler, Professor für digita- Brillen, Software und VR-Workflows unter
le Medien im Puppenspiel an der Hochschule für ↗  www.page-online.de/PDDP1051 
Schauspielkunst »Ernst Busch« und immer dort auf
Podien zu finden, wo VR abseits des großen Hypes Hier geht’s zur Linkliste. Alle im Artikel erwähn-
mit unaufgeregtem, kritischem Blick betrachtet ten VR-Projekte finden Sie zum Anschauen auf
wird. Schon das antike griechische Schauspiel wollte ↗  www.page-online.de/vr-storytelling_0517
038 page 02.14 • Projekte • Xxxxxxxxxx
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Der Referent
● Jochen Rädeker, 49, ist einer der erfolg-
reichsten und profiliertesten Designer im
deutschsprachigen Raum. Er ist Mitbegründer
und geschäftsführender Gesellschafter
von Strichpunkt Design in Stuttgart und
Berlin, Professor für Corporate Identity
an der Hochschule Konstanz, war langjäh-
riger Vorstand und Präsident des Art
Directors Club und hat zahlreiche Fachbücher
zum Thema Marke und Unternehmens-
kommunikation verfasst.

Mit 25 Jahren Berufserfahrung vom Einzel-


kämpfer bis an die Spitze einer der größten
deutschen Designagenturen verfügt Jochen
Rädeker über ein umfassendes Branchenwissen
und einen immensen Erfahrungsschatz in
Sachen Konzeption und Umsetzung komplexer
Designstrategien. Seine Agentur Strichpunkt
steht mit Kunden wie adidas, Audi oder dem
Deutschen Fußballbund für hochwertige
Markenentwicklung, Markenkommunikation
und Publishing im Print-, Online- und 3D-
Bereich, hat mehr als 700 internationale Preise
gewonnen und ist seit Jahren in den Top Ten
des PAGE Kreativ-Rankings vertreten – auch
die Hochschule Konstanz findet sich in den
Rankings der Nachwuchsdesigner ganz oben.
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anZeIge
039

pRaXIS

Leitmedium Extended
Design Version
Cases, Strategien, Das Erfolgsseminar
Workshop auf vielfachen Wunsch
jetzt erweitert!

Extended – zwei Tage mit Jochen Rädeker! Die Agenda


● Marken machen rund 50 Prozent des Wertes eines Unternehmens aus. Sie in 1 Identifizieren:
einem immer vielfältigeren Umfeld richtig zu definieren, zu prägen und zu Die Marken-Positionierung.
gestalten ist deshalb eine der wichtigsten und komplexesten Aufgaben, die ein Wie komme ich zu einer belastbaren
Kunde zu vergeben hat. Designer müssen für diese Herausforderung umfassend Corporate Identity, zum Reason Why
gewappnet sein: Sie müssen auf Beratungsebene souverän Prozesse zu Positio- einer Marke? Wertedefinition,
nierung, Vision und Mission moderieren können, auf konzeptioneller Ebene die Vision, Mission und positionierung.
richtige Markenstory entwickeln und auf gestalterischer Ebene überzeugende
und einzigartige Lösungen finden, die in allen Kommunikationskanälen konsis- 2 Verstehen: Der Marken-Workshop.
tent funktionieren. All das müssen sie am Ende auch noch so präsentieren, ein interaktiver Markenworkshop
dass ihr Kunde – ob intern oder extern – die Beratungs- und Designleistungen mit Tools und Techniken für erfolgreiche
als objektiv richtig erleben und bewerten kann und es nicht zu geschmäckle- Markenentwicklung.
rischen Entscheidungen am Küchentisch kommt.
3 Erzählen: Die Marken-Story.
Jochen Rädeker zeigt im PAGE Workshop »Leitmedium Design« sinnvolle Wege Wie erzähle ich als Designer
und Verfahren für eine nachvollziehbare Markenpositionierung auf. Er belegt überzeugende, einzigartige Marken-
anhand konkreter Praxisbeispiele – vom Start-up bis zum Weltkonzern –, wie man geschichten? Fallbeispiele für
mit Marken berührende und begeisternde Geschichten entwickeln und visuell erfolgreiche Corporate Stories.
erzählen kann. Schließlich gibt er Tipps für erfolgreiche Pitches und Präsentations-
strategien und liefert Argumente dafür, dass Investitionen in einen schlüssigen 4 Gestalten: Die Marken-Medien.
Markenauftritt keine Kosten, sondern lohnende Investitionen sind. Wertvolles Wie funktional muss, wie kreativ
Know-how vom Designprofi für Designprofis in Agentur und Unternehmen! darf ein gutes Corporate Design sein,
das auf allen Kanälen überzeugt?
Die zweitägige Variante des beständig aktualisierten und um neueste Cases Medienübergreifende gestaltungs-
ergänzten Seminars bietet noch mehr Raum für Interaktion und Fragen rund konzepte und graphical User Interfaces
um den Arbeitsprozess der Markenentwicklung in der digitalisierten Welt: für zukunftsfähige Marken.
Wie sieht das Design-Manual der Zukunft aus? Wie beeinflussen agile Prozesse
die Markenführung? Wie kommuniziere und kalkuliere ich richtig? 5 Arbeiten: Der Marken-Workflow.
Was sind die größten Stolpersteine im
Verhältnis zum Kunden – und wie
Das Seminar findet statt am 30. Juni/1. Juli im Hotel 25hours, umgehe ich diese? Was ist der richtige
Hamburg-Bahrenfeld, freitags von 10:00 Uhr bis 18:30 Uhr und samstags Workflow für welches projekt?
von 9:00 Uhr bis 17:30 Uhr. Die Teilnahme kostet 1510 euro (zzgl. gesetzlicher Wie kalkuliere ich verständlich?
MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch und Kaffeepausen.
Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen begrenzt! also schnell anmelden unter 6 Überzeugen:
  www.page-online.de/seminar  . Die Marken-Präsentation.
Tipps, Tricks und Techniken für zielfüh-
page // ebner Verlag gmbH & Co Kg // info@page-online.de // rende pitches und präsentationen.
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in Das zweitägige Seminar mit Jochen
der Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung Rädeker bietet genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). den Austausch untereinander.
040 page 05.17 › Themen › mediale metamorphose
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Ver andlun sk nstl r


Dank ihres zwiespältigen Wesens können wandelbare Kommunikationsmedien doppelte Kraft entfalten

Der in New York lebende Illustrator Gong Kantapon


Metheekul entwickelte ein interaktives Poster mit
aufgeklebten Visitenkarten. Indem die Passanten
sie ablösen und mitnehmen, entkleiden sie das
Plakat, bis das nackte Motiv zum Vorschein kommt

● Mehr Power, mehr Wirkung, mehr Leistung bitte!


Angesichts des ständigen Informationsüberflusses
sind Kommunikationsmittel gefragt, die mehr kön­
nen und mehr bringen als der Mainstream. Manch­
mal gelingt es Kreativen, diesen Anspruch zu erfül­
len, indem sie ein Medium überraschend mit einem
anderen verknüpfen und das Potenzial, das sich aus
dem Changieren zwischen beiden Wirkungsweisen
ergibt, in die Kommunikationsstrategie einbinden.
Der in New York lebende Illustrator Gong Kanta­
pon Metheekul beispielsweise gestaltete für die Ei­
genakquise ein Plakat, das partiell mit Visitenkar­
ten zum Ablösen bedeckt ist – darunter kommt
nach und nach das versteckte Motiv zum Vorschein.
Im Prozess dieser Verwandlung entsteht also eine
Art manuell animiertes, interaktives Poster. Die ein­
zelne Visitenkarte sorgt dabei für einen tieferen
Eindruck als sonst, denn sie lässt den Passanten das
eigene Mitwirken an der Enthüllung assoziieren.
Das Beispiel verdeutlicht, wie man Medien mitein­
ander kombinieren und dadurch wechselseitig mit
neuen Funktionen aufladen kann.

Lebensverlängernd
Das Konzept, einem Informationsträger ein Second
Life zu ermöglichen, gibt es schon lange. Speziell im
Verpackungsbereich versuchen Kreative immer wie­
der, der Hülle zu einem Weiterleben zu verhelfen.
Durch den Nachhaltigkeitshype erhielt die Idee,
042 page 05.17 › Themen › mediale metamorphose

den Lebenszyklus der Verpackung zu verlängern,


zusätzlich Rückenwind. ChariTea vertreibt via Web-
site Deckel, mit denen sich die Flaschen in Streu-
er oder Seifenspender umwandeln lassen – sodass
sie länger im Haushalt herumstehen. Korefe, das
Innovationslabor von Kolle Rebbe, entwickelte ein
Putzmittelverpackungskonzept, bei dem die Behäl-
ter statt aus Plastik aus Porzellan gefertigt werden,
sodass sie wiederaufgefüllt oder gar als Blumen-
vasen mit Message weiterleben sollen.
All diesen Hybrid-Ansätzen liegt das Bestreben
zugrunde, zusätzlichen Nutzen, zusätzlichen Sinn,
zusätzliche Identifikationsmöglichkeiten zu erzeu-
gen und die Dauer der Auseinandersetzung mit dem
jeweiligen Informationsträger auszudehnen, damit
sich die Markenbotschaft tiefer ins Bewusstsein
gräbt. Auf den folgenden Seiten präsentieren wir
Ihnen zwiespältige, zwitterhafte, doppelgesichtige
Beispiele, die das erstaunliche Potenzial der Ver wan-
dlungskunst beleuchten. Dabei zeigt sich, dass die
Porzellan statt Plastik:
Koppelung von Printprodukten mit digitalen Tools Korefe schuf ein Konzept
die Metamorphose erheblich intensiviert – auf diese für Putzmittelverpa-
Weise kann eine Pizza-Pappschachtel am Ende gar ckungen, die nach Gebrauch
zum DJ-Soundmixer avancieren (siehe Seite 45). Erst als Blumenvasen mit
aufessen, dann auflegen. jn Message weiterleben sollen

Wunder-Wende-Tüte
● Nur ’ne coole Hülle? Von wegen – auf die inneren
Werte kommt es an! Das schwedische Fashionlabel
Uniforms for the Dedicated hat The Rag_Bag entwi-
ckelt, eine Tüte, die der Kunde nach dem Kauf nut-
zen kann, um im Gegenzug aussortierte Kleidung
zu spenden. Unkomplizierter geht es nicht: Wenn
man seine Sachen aus der Tüte genommen hat, dreht
man sie auf links, sodass die Innen- zur Außensei-
te wird. Diese ist bereits adressiert und mit Porto
versehen, sodass man die mit eigenen Kleidungs-
stücken gefüllte und zugeklebte Tüte direkt in den
nächstgelegenen Briefkasten werfen kann.
Uniforms for the Dedicated will dem Konsumen-
ten ermöglichen, den Lebenszyklus abgelegter Klei-
der zu verlängern und Bedürftigen zu helfen. The
Rag_Bag war zunächst nur als Konzept gedacht, um
Stoff für die »Fast Fashion«-Debatte zu liefern und
Konsumgewohnheiten zu hinterfragen, im Herbst
soll die Tüte aber nun doch auf den Markt kommen
(www.theragbag.se ). Derzeit besteht sie aus recy-
celtem Plastik, es werden aber noch weitere Mate-
rialien getestet. Andere Marken oder Läden sollen
The Rag_Bag in Zukunft ebenfalls nutzen können.
Die Einkaufstüte verwandelt sich damit in ein
Tool, das Spendenbereitschaft fördert und ökolo-
gischen Wandel vorantreibt. Dabei schafft sie zu-
gleich neues Identifikationspotenzial mit der je-
Uniforms for the Dedicated bringt im Herbst The
weiligen Marke, denn der Konsument nimmt sich
Rag_Bag auf den Markt. Diese Einkaufstüte selbst als aktives Mitglied einer nachhaltig ausge-
lässt sich wenden, um darin abgelegte Klamotten richteten Community wahr. Eine wahre Wunder-
unkompliziert zu spenden Wende-Tüte!
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Subversive Mittel
● Jeder kennt sie, die Obama-Poster in Rot, Beige
und Blau mit Begriffen wie »Hope«, »Progress« oder
»Change«, die Shepard Fairey 2008 gestaltete. Trotz
des Rechtsstreits um die Nutzungsrechte des zu-
grunde liegenden Fotos von Mannie Garcia brannte
sich das Poster ins kollektive Gedächtnis ein und
entwickelte sich durch zahlreiche Abwandlungen
zum weltweiten Mem.
Anlässlich der Vereidigung Trumps machte sich
die Amplifier Foundation, die sich als »Art Machine
for Social Change« versteht und das Crowdfunding
für Kooperationen von Künstlern und Graswurzel-
bewegungen organisiert, die anhaltende Dynamik
des Mems zunutze. Sie beauftragte Shepard Fairey,
drei Plakatmotive zu gestalten, die eine Afroameri-
kanerin, eine Latina und eine Muslima zeigen, un-
tertitelt mit »We the People« – die Anfangsworte der
Verfassung der Vereinigten Staaten. Die Serie sollte
einen nationalen Dialog über amerikanische Iden-
tität und Werte eröffnen.
Auf Kickstarter sammelte die Amplifier Founda-
tion Geld für die Veröffentlichung der Motive. Wie
ließen sich diese schnellstmöglich unters Volk brin-
gen? Und wie die Restriktionen für Zeichen und Ban-
ner umgehen, die bei der Inauguration in bestimm-
ten Bereichen Washingtons galten? »We’ve figured
out a hack. It’s called the newspaper!«, schrieb die Or-
ganisation auf Kickstarter. Durch die kollektive Fi-
nanzierung konnte sie ganzseitige Anzeigen in »Wa-
shington Post«, »New York Times« und »USA Today«
schalten. Auch in den restricted areas war es den De-
monstranten nun möglich, die Motive mit sich zu
führen, denn das öffentliche Lesen einer Zeitung
lässt sich nicht verbieten. So wandelte sich die Anzei-
ge zum subversiven Banner, ohne anfechtbar zu sein.
Darüber hinaus diente das Funding dazu, mög-
lichst viele Plakate mit diesen Motiven zu drucken.
Die Kickstarter-Kampagne erhielt im Januar inner-
halb von 8 Tagen 1 365 105 Dollar von 22 840 Unter-
stützern. Und natürlich gibt es die Motive auf http://
theamplifierfoundation.org auch zum Download –
mit der freundlichen Empfehlung: »Print it, paste
it, post it«!

Die Amplifier Foundation


schaltete diese Motive
von Shepard Fairey in den
großen US-Tageszeitungen,
damit sie sich in subversive
Demo-Banner verwandeln
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Für das Stickermosaik-


projekt »Les Francs
Colleurs« lädt das
Künstlerkollektiv 9ème
concept jährlich rund
50 Street Artists ein

Zappelnde Sticker
● Eine Art kollektive Street-Art-Collage rief das fran- und Android, die zehn Artworks zum Leben erweckt
zösische Künstlerkollektiv 9ème concept 2015 unter (https://is.gd/LFC_App ). Sie verwandelt die Sticker
dem Namen »Les Francs Colleurs« ins Leben. Seit- in animierte, teils dreidimensionale Collagen und
dem laden die Initiatoren jährlich rund 50 Kreative regt auf diese Weise dazu an, mit den Artworks zu in-
ein, Sticker in Form eines japanischen Tropfens zu teragieren. Der Stadtraum selbst verändert sich da-
gestalten, die dann flächendeckend in Städten welt- bei, weil sich quasi eine digitale bewegte Membran
weit verklebt werden. Das Format erlaubt es, die Mo- über Hauswände, Garagentore, Laternenpfähle legt,
tive zu immer neuen Mosaiken im Stadtraum zusam- die der User durch seine Interaktion ausschnitthaft
menzusetzen und dabei zugleich »unité«und »diver- sichtbar macht. Die App macht ihre Nutzer zu einer
sité« zu kommunizieren. Community der Eingeweihten, die mehr sieht als die
In Kooperation mit der Agentur MNSTR und dem ahnungslosen Passanten um sie herum. Im Februar
Medienkollektiv Radar entstand zudem die Aug- und März waren die zappelnden Sticker anlässlich des
mented-Reality-App Francs Colleurs x Radar für iOS Animationsfestivals Anima in Brüssel zu bewundern.
Dank der AR-App
Francs Colleurs
x Radar erwachen
die Aufkleber zu
erstaunlichem Leben

Videos. Die Clips zur


Francs-Colleurs-app und
pizza-Hut-Box zeigen wir
unter ↗ www.page-online.
de/metamorphose_0517
page 05.17 045

Fotos: Jules Hidrot


Foto: Roman de Roubaix
Papp-Plattenteller
● »The world’s first playable pizza box DJ
decks« – ein vollmundiges Versprechen,
es funktioniert aber wirklich! Für Pizza Hut
entwickelte die Londoner Agentur Lexis
zusammen mit dem Printed-Electronics-
Spezialisten Novalia Verpackungen, die
sich in DJ-Decks verwandeln lassen. Die
batteriebetriebene Schachtel verbindet
sich via Bluetooth mit dem Smartphone
oder Laptop. Der User benötigt eine DJ-
Software wie Serato DJ oder DJAY Pro,
Mit dieser Pizza-Hut-
wählt zwei Tracks aus und kann sofort mit Verpackung kann man
dem Mixen loslegen. tatsächlich Beats mixen.
Dank leitfähiger Tinte reagiert die Piz- DJ Vectra von Rinse FM
zabox auf Berührung und kann dabei zwi- zeigt im YouTube-Video
schen leichtem Antippen, längerem Drü- ( h
  ttps://is.gd/PlayPizza )  ,
cken und Wischbewegung unterscheiden. wie das funktioniert

Auf diese Weise lassen sich die aufgedruck-


ten Turntables samt Mixer, Crossfader,
Lautstärke- und Geschwindigkeitsregler
sowie Cue- und Sync-Buttons steuern.
Fährt man mit den Fingern über die simu-
lierten Scheiben, lassen sich sogar Scratch-
Effekte erzeugen! Erhältlich waren insge-
samt zehn Boxen, fünf über die sozialen
Kanäle, die anderen über Pizza-Hut-Fili-
alen in den musikgeschichtsträchtigen
Städten London, Manchester, Brighton,
Glasgow und Liverpool. jn

Jutta Nachtwey, freie Journa-


listin zu Design- und Nachhal-
tigkeitsthemen, fragte sich
bei der pimp-up-Recherche:
Müssen Cola-Deckel wirklich
singen? Und wohin schmeißt
man sie am ende? Sondermüll?
046 page 05.17 › erlers Thema

über Big Data


Alle vier Wochen finden in Hamburg die Creative Mornings statt. Nicht Designer stellen sich hier mit spannenden
Beiträgen vor, sondern Menschen, die auf andere Weise kreativ sind. Das Februarmotto war »Big Data«
und zu Gast der Marketing- und Datenexperte Niels Jensen. Was das Thema am Ende doch wieder mit Design
zu tun hat, fasst Johannes Erler zusammen

● Schon irre, wie der Mensch immer wieder de­ schnitt, weil der am einfachsten und lukrativs­
nen hinterherrennt, die von sich behaupten, all­ ten zu melken ist. Big Data ist Mainstream. Das
wissend zu sein – eigentlich ja eine göttliche Gabe, Gegenteil von originell. Der Feind von Kreativi­
die aber auch prima taugt, andere zu beherr­ tät – und damit ein Konzept, mit dem sich viel­
schen oder ihnen zumindest das Geld aus der Ta­ leicht mal eine Wahl oder ein Pitch gewinnen
sche zu ziehen. Und der neue, heiße Ich­weiß­ lässt, das aber schnell an Zugkraft verliert, weil
Foto: Robert Grischek

alles­Scheiß heißt: Big Data. es fürchterlich langweilig und durchschaubar ist.


Einer dieser Big­Data­Apologeten, der Brite Zalando hat längst Probleme, und Trump wird
Alexander Nix, feierte sich jüngst dafür, Donald sie auch bekommen.
Trump zum Präsidenten gemacht zu haben. An­ Das Design sehe ich in diesem Kontext an ei­
geblich wertete Nix’ Firma Cambridge Analytica nem Scheidepunkt. Weil es den einzigartigen,
digitale Psychogramme von über 200 Millionen progressiven Unterschied ausmachen kann – oder
Amerikanern und deren Vorlieben und Ängsten Johannes Erler ist Partner dem Big­Data­Mainstream Zucker gibt, indem es
aus. Aus gefundenen Übereinstimmungen ent­ des Designbüros das Berechnende, Banale aufhübscht. Wir sehen
ErlerSkibbeTönsmann, das
stand eine mehrheitsfähige Menschenmasse, die solche Entwicklungen in allen kreativen Berei­
die Creative Mornings
Trump mit maßgeschneiderten Versprechen kö­ im Hamburger designxport
chen. In der Musik des Formatradios, dem Block­
derte – Populismus auf Big Data. Ob sein krudes veranstaltet, und buster­Superhelden­Kino oder den »Bau Dir Dei­
Wahlprogramm auch seine persönliche Haltung Mitbegründer des Design­ ne eigene Website«­Templates: All dies sind ja
widerspiegelte, war erst mal egal. Kein Wunder, kollektivs Süpergrüp schon Datenderivate, die ganze Industrien spei­
dass Nix sich wie der liebe Gott gerierte. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
sen, aber die Welt zunehmend in einer zucker­
Nur mal angenommen, Donald Trump würde süßen Me­too­Soße versinken lassen.
nach dem Big­Data­Wahlsieg nun auch Big­Data­ Big Data ist Unsere Antworten auf Big Data sind schlaue,
Politik machen und die Social­Media­Ergüsse Mainstream. mutige Ideen und maximale Empathie. Beides
seiner Anhänger bildeten die Grundlage seiner Das Gegenteil wird Big Data nie haben, und beides sollten wir
Dekrete, dann käme dabei wahrscheinlich exakt uns teuer bezahlen lassen. Kreative sind mehr
so ein Irrsinn wie der »Muslim Travel Ban« he­
von originell. Der denn je als Innovatoren gefragt. Und die Zukunft
raus (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Ist Big Feind von kreativer Berufe liegt nicht im Nachäffen – das
Data also eine großartige neue Möglichkeit, die Kreativität. wird Big Data bald schon besser, schneller und
Welt zu erobern, oder im Gegenteil der Triumph billiger können –, sondern im Neuerfinden.
reaktionärer Mittelmäßigkeit? Es kommt auf den Und das nehme ich mit von Niels Jensen: Big
Standpunkt an. Data ist ein funkelnder Scheinriese.
»Datengetriebenes Marketing« nennt Niels
Jensen das Prinzip etwas weniger reißerisch und PS: Wie man sich gegen Big­Data­Manipulation
macht keinen Hehl daraus, dass auch er gerade­ schützen kann? Immer genau hinschauen, wer
zu missionarischen Eifer entwickelte, als er 2006 zu einem spricht! Das müssen wir alle in der neu­
begann, die Daten potenzieller Kunden zur al­ en Welt der Kommunikation noch viel besser ler­
leinigen Vertriebsgrundlage von Produkten zu nen. Im Wahljahr 2017 wird das wichtig sein.
machen. Er erklärt es am Beispiel Zalando: Aus­
schließlich messbare Kundenbedürfnisse waren
die Grundlage für Ein­ und Verkauf, nicht mehr
Werbekampagnen, PR, Design oder so etwas Pro­
fanes wie der richtige Riecher. Der Big­Data­Dreh
ist also: in riesigem Stil messen, was begehrt ist,

und dies dann exakt und opportunistisch bedie­


nen. Zalando und Trump gingen durch die Decke.
Foto: Mitja Schneehage

Aber hält der Hype, was er verspricht? Und kann Creative-Mornings-Videos. Das
Video zum Creative Morning
so Neues entstehen?
mit dem Datenexperten
Kaum. Denn erstens kann Big­Data­Marke­ Niels Jensen zeigen wir
ting nur auf das bauen, was schon da ist, und unter ↗  www.page-online.de/
zweitens sucht Big Data immer nach dem Durch­ creative-mornings-hh
page 02.14aNzeIge
47

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Infografik
Visual Storytelling –
Workflows &
Cases

Die Referenten Das Seminar »Infografik«


● Klaas Neumann und Jakub Chrobok arbeiten ● Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
im Team der Infographics group (Igg, vormals ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet
golden Section graphics gmbH), einer der und TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
renommiertesten Infografikagenturen weltweit. Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren
Seit über zehn Jahren bewegen sie sich im und Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
Bereich der Informationsvermittlung auf allen können vielschichtige Inhalte direkt veranschaulichen. Doch je schneller
plattformen: Jakub Chrobok, zuvor Leiter des und komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss
Visual Lab bei C3, ist jetzt als Creative Director der Kreative bei der Datenaufereitung vorgehen. Mit einer ästhetisch
bei Igg und Dozent an der aID Berlin tätig. faszinierenden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten
Klaas Neumann, Senior art Director bei Igg, war und die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jakub Chrobok
Infografiker und Illustrator bei den gruner + Jahr und Klaas Neumann die eigentliche Herausforderung. Es wird immer
Wirtschaftsmedien (unter anderem bei »Capital« anspruchsvoller, gute und verlässliche Quellen zu finden, um einen Sach-
und »Financial Times Deutschland«). verhalt korrekt und unverfälscht wiederzugeben. Der Grafik- und Kommu-
nikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur reiner Gestalter, er ist
Die Agenda zugleich Journalist und wird gerade durch den gezielten Einsatz von Illustra-
tion zum visuellen Geschichtenerzähler.
1 Das Wesen der Infografik –
Stärken und Schwächen Jakub Chrobok und Klaas Neumann erläutern im PAGE Seminar anhand
Was kann und muss eine Infografik leisten, und von konkreten Praxisbeispielen, wie eine Infografik entsteht – von der
wie setzt man sie sinnvoll ein? Was unterschei- Recherche über die Skizze bis hin zu Reinzeichnung und Animation. Sie
det eine journalistisch geprägte grafik von einer bieten tiefe Einblicke in die Arbeit eines Infografikers und beleuchten
Visualisierung in der Unternehmenskommuni- das Spannungsfeld zwischen reiner Information und guter Gestaltung –
kation? Wie können Illustrationen die Wirkung wertvolles Know-how von Designprofis für Designprofis!
und aussage einer Infografik beeinflussen?

2 Vom Briefing über die Recherche zur Das Seminar findet am 23. Junibei der Infographics group
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien (vormals golden Section graphics) in Berlin von 9:00 bis 17:30 Uhr statt.
Wie müssen die Basisinformationen für ein gutes Die Teilnahme kostet 756 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr
Briefing aufbereitet sein? Wie kommt man an umfasst die Tagungskosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl
die relevanten Daten und damit auf die richtige ist auf 18 personen begrenzt! also schnell anmelden unter  
Idee? Ist weniger mehr oder mehr Information www.page-online.de/seminar  .
hilfreicher? Wie gewinne ich den Kunden für die
Idee? Wie läuft die abstimmung mit ihm? Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
Austausch der Teilnehmer untereinander.
3 Animation, Interaktion, Social Media –
die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation
Wie setze ich Infografiken viral und crossmedial ein? page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Ist eine statische oder eine interaktive, animierte Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar  
grafik besser? Wie gestalte ich den Workflow und aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
habe die unterschiedlichsten Nutzungsarten im Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Blick? Wie kalkuliere ich eine Infografik? Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
Neues
Spannendes aus der Bild-, Typo-,
Papier- und Technikwelt sowie
interessante neue Publikationen
finden Sie auf diesen Seiten
und auf↗  www.page-online.de  

Am Kottbusser Tor
»Meanwhile in Berlin« nennt Laura Breiling dieses Bild
junger Frauen, die ihr in Kreuzberg begegneten und die
sie zu Hause aus der erinnerung zeichnete
page 05.17 049

Bild   Portfolio im Zeitungslook. 


Ungewöhnlich ist der neue On-
line-Auftritt  des  Hamburger  Illustrators  Bastian 
Preussger. Webentwickler Oliver Moritz (  https://
amapparat.de  ) programmierte für ihn Module in 
drei verschiedenen Größen, die der Zeichner mit 
Inhalt  befüllt.  »Ich  entschied  mich  für  den  Zei-
tungs look, da ich gern mit Typografie arbeite«, so 
Preuss ger. »Außerdem glaube ich, dass sich et wai-
ge Kunden Illustrationen immer besser in Kom-
bi nation mit Text vorstellen können.« Was wohl 
auch daran liegt, dass Preussger eigentlich Kommunikationsdesign stu-
dierte . . . ↗ http://bastianpreussger.com  1   Drei Berlinerinnen. Un-
ter dem Hashtag #current affairs zeigt Laura Breiling derzeit auf ihrer  
Website Illustrationen mit aktuellem Bezug – seien es Bilder, die für die 
»ZEIT« oder das Politmagazin »Cicero« entstanden, seien es freie Ar-
beiten wie links: Alltag in Berlin jenseits aller politischer Diskussionen. 
↗ www.laurabreiling.de

 Start-up für Illustrationen
Der hochwertigen Illustration hat sich die slowakische 
Stockbildagentur Minty verschrieben. Rund 200 Illus-
tratoren sind dort bisher vertreten – es sollen deutlich 
mehr werden. Wer mitmachen will, muss einem erfah-
renen  Kuratorenteam  zusagen,  denn  Minty  ist  eine 
Grün dung der etablierten Repräsentanz Owl Agency aus 
Bratislava. Tatsächlich lassen sich auch die Illustrato-
ren des Stock-Archivs für Auftragsarbeiten buchen. Ihr 
Material wird exklusiv vertrieben, die Zeichner bieten 
es also nicht bei anderen Plattformen an. Das Bild rechts 
stammt übrigens von Brown Bear Illustration.
Die dpa Deutsche Presse-Agentur fand Minty so inte-
ressant, dass sie das Start-up im Rahmen des next me-
dia accelerator fördert, einem von diversen Partnern mit 
der Stadt Hamburg eingerichteten Beratungs- und Trai-
ningsprogramm  für  junge  Unternehmen.  Illustratio-
nen von Minty gibt es nun auch hierzulande exklusiv 
PAGE Seminar »Bildrecht«. In unserem Seminar erfahren
bei dpa-Tochter picture alliance.   cg Sie alles, was Bildnutzer und Bildurheber in Zeiten
↗ https://mintystock.com;  von Facebook & Co wissen müssen. Jetzt buchen unter
www.picture-alliance.com/minty ↗  www.page-online.de/seminar-bildrecht
050 page 05.17 › NeUeS

Technik   Sony-Beamer mit Touch. Wie jeder 


Pro jek t  or wirft der Xperia Touch Bilder 
auf Tisch oder Wand, erlaubt aber zugleich die Touchbedienung der In­
halte. Mithilfe von Sensoren erfasst er die Position der Finger auf der an­
geleuchteten Oberfläche. Dabei kann die Bilddiagonale bis zu 23 Zoll be­
tragen – will man größer projizieren, muss man die Inhalte mittels Ges­
ten vor der Leinwand steuern. Der Sony Xperia Touch lässt sich direkt auf 
den Tisch oder an die Wand stellen – die 
op tische  Verzerrung  wird  ausgeglichen. 
Das  für  knapp  1500  Euro  erhältliche  Ge­  
rät läuft mit Android, sodass es sich auch 
für Spiele und alle anderen Apps eignet, 
die  sonst  auf  Smartphones  oder  Tablets 
laufen. ↗  www.sonymobile.com/de

 4K-Projektion   Quark XPress 2017 mit Bildbearbeitung
Für  die  hochwertige  Projektion  von  Der  einstige  Platzhirsch  Quark  ent­  portionale  Zeilenabstände  oder  ein 
4K­Inhalten sind BenQs W11000 und  wickelt sein Layouttool kontinuierlich  verbesserter Import aus Word, und bei 
X12000 gedacht. Die Projektoren un­ weiter: So bietet die aktuelle Version  der schon länger existierenden HTML5­
terscheiden sich nur in Bezug auf das  nun eine nichtdestruktive Bildbearbei­ Ausgabe lassen sich auch responsive 
Leuchtmittel und die damit darstellba­ tung, erweiterte mehrfarbige Verläufe  Designs exportieren.
ren Farbräume: Der BenQ W11000 ar­ sowie ein Formatübertragungs­Werk­ Quark  XPress  2017  läuft  ab  Win­
beitet mit einer klassischen Quecksil­ zeug für Objekte. XPress verfügt zwar  dows  7 und  Mac  OS  X  10.10  (jeweils  
ber lam  pe und deckt Rec. 709 ab. Zu­ über einige typografische Funktionen,  64 Bit). Derzeit gibt es die 2016er Voll­
dem ist er THX­zertifiziert. Der BenQ  die InDesign nicht hat, mit Textkon­ version für knapp 1200 Euro, das Up­
X12000 setzt auf die ColorSpark­HLD­ tu ren und ­schattierungen schließt es  grade ist bei Käufen ab dem 1. März 
LED­Technologie und kann zusätzlich  aber erst jetzt zu der Adobe­Software  inklusive (sonst etwa 220 Euro).  ml
DCI­P3 wiedergeben. auf. Dazu kommen Feinhei ten wie pro­ ↗www.quark.com
Die Beamer lösen 3840 mal 2160 Pi­
Zu den
xel  bei  einem  Kontrast  von  50 000 : 1  Neuerun-
auf, erlauben Lens­Shift (vertikal und  gen gehört
horizontal) und haben einen 1,5­fach­ eine nicht-
Zoom. Die Lampe des W11000 ist für  destruktive
3000 Stunden (Normalmodus) spezi­ Bildbe-
fiziert, die des X12000 für 20 000 Stun­ arbeitung

den – entsprechend kostet dieser etwa 
8800 Euro, der W11000 rund 5500 Euro. 
↗ www.benq.de

BenQs
X12000
arbeitet
mit LED-
Technik
page 05.17 051

Praxistest Wacom Intuos Pro L Paper Edition


xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx im Büro die Bluetooth- oder USB-Ver- Abschalten der Touch-Funktion. Wa-
TyP Grafiktablett mit Touchfunktion und bindung wieder da, lassen sich die auf com liefert einen neuen Stifthalter mit,
Papieroption dem A4-Blatt angefertigten Artworks in dessen Fuß Ersatzspitzen und das
GröSSe 430 mal 287 mal 8 Millimeter übertragen. 200 Seiten fasst der inter- Austauschwerkzeug aufbewahrt wer-
(Zeichenfläche 311 mal 216 Millimeter); ne Speicher. den. Zudem lässt sich die Oberfläche
Papier bis DIN A4 So weit die Theorie. In der Praxis hat des Tablets wechseln: Texture Over-
STiFTe Wacom Pro Pen 2 und Fintetip Pen
das Konzept einige Lücken. Zum einen lays mit glatterer oder rauerer Struk-
(Kugelschreiber und weitere Stifte optional
für je etwa 110 Euro)
gibt es zum Zeichnen auf Papier bisher tur sind erhältlich.
PreiS rund 600 Euro (ohne Papieroption nur diesen einen – harten und schma- Die Verbindung zum Rechner via
knapp 530 Euro) len – Fineliner sowie optional einen Bluetooth lässt sich übrigens einfach
UrL ↗ http://wacom.eu/de Kugelschreiber. Zum anderen lassen herstellen – wenn man sich das Anlei-
sich die Vektoren nur als Outline ex- tungsvideo angeschaut hat (erst Ein-
portieren. Im Grunde könnte man also schaltknopf, dann länger die Home-
● Das Intuos (Pro) ist seit Jahren eine genauso gut mit seinem Lieblingsstift Taste des Touch-Rings drücken und
Art Brot-und-Butter-Tablett für Krea- auf seinem Lieblingsblock arbeiten anschließend in den Systemeinstel-
tive, das sie vor allem beim Zeichnen und die Illustration nach der Rück- lungen des Betriebssystems koppeln).
am Computer unterstützt. Viel gibt es kehr ins Büro auf den Scanner legen. Im Unterschied zur USB-Anbindung
da eigentlich nicht mehr zu verbessern, Einziger Unterschied: Das Intuos Pro gibt es allerdings einen leichten zeit-
dennoch hat Wacom eine neue Ver- Paper Edition kann per Knopfdruck lichen Versatz. Vielleicht gewöhnt sich
sion aufgelegt und einiges verändert. Ebenen anlegen und die einzelnen der ein oder andere daran. Wir hoffen,
Neben der Standard Edition gibt es das Striche bleiben getrennte Outlines. dass Wacom das Problem mit einem
Intuos Pro nun auch in einer Ausfüh- Update beseitigen kann.
rung zum Illustrieren auf Papier – und Exzellenter Pro Pen 2 und
diese haben wir uns zusammen mit weitere Verbesserungen Fazit: Das Intuos Pro ist in erster Linie
dem Hamburger Illustrator Jens Bro- Aber auch ohne Papier ist das neue In- durch den Pro Pen 2 noch besser ge-
semann genauer angeschaut. tuos Pro ein Gewinn, was hauptsäch- worden. Profis werden die präziseren
Das Intuos Pro Paper Edition um- lich am neuen Pro Pen 2 liegt, der nun Striche zu schätzen wissen. Auch dass
fasst alle Funktionen der Standardver- 8192 Druckstufen unterscheidet. Die Wacom Bluetooth nun integriert hat,
sion, verfügt aber über einen Halter für feinere Auflösung bemerkt man zuerst ist schön – wenn nur der leichte zeit-
Papier und einen zweiten Stift, einen kaum. Doch wenn man wieder auf ein liche Versatz nicht wäre. Den meisten
Fineliner. Zeichnet man mit dem Finte- altes Intuos mit älterem Stift zurück- Kreativen dürfte das papierlose Intuos
tip Pen auf Papier, werden die Striche greift, wird der Unterschied deutlich – Pro ausreichen. Und falls sie es sich
parallel digitalisiert, und der Entwurf zurück will man dann nicht mehr. Das später anders überlegen: Die Halte-
lässt sich dann in Wacoms Inkspace- Grafiktablett selbst hat die gleiche rung für das Papier und die Stifte las-
App, aber auch in jedem anderen Tool Steuerung (acht Express-Keys plus sen sich nachkaufen. Jens Brosemanns
ausarbeiten. Noch schöner: Das Intuos Touch-Wheel) wie der Vorgänger. Es Resümee lautet: »Die Paper Edition des
Pro arbeitet auch autark. Sofern man ist bei gleicher Zeichenfläche etwas sonst tollen Intuos Pro wird für mei-
Papier nutzt, kann man sich in ein Café dünner und kompakter geworden und nen Workflow erst dann interessant,
setzen und dort scribbeln. Ist später verfügt über eine Hardwaretaste zum wenn es weitere Stifte gibt.« ml

Der mitgelieferte
Illustration: Jens Brosemann (www.brosemann.de)

Fineliner (links)
ist eher hart und
nur für einfache
Scribbles geeignet.
Rechts daneben:
der neue Pro Pen 2
052 page 05.17 › Neues

Typo   Besser schnell lesen. Unzählige Male am Tag 


werfen wir einen kurzen Blick auf Touchscreens, 
Smartwatches, Fitnesstracker oder Autodisplays. Gut, wenn diese lesbar 
gestaltet sind. Das MIT AgeLab gründete jetzt zusammen mit dem Schrif­
tenkonzern Monotype das Clear Information Presentation Con sortium, 
kurz Clear­IP. Verschiedene Forschungsprojekte sollen empiri sche Da­
ten zu Fragen der Lesbarkeit gewinnen, die Typografen, Gestalter und 
Entwickler von User Interfaces bei ihren Designentscheidungen unter­
stützen. ↗  http://agelab.mit.edu/legibility/research

Ringside Regular

  Superfamilie Ringside. Mit stolzen 172 Fonts ist Ringside die um­
fangreichs te Schriftfamilie, die die New Yorker Foundry Hoefler & Co. 
je gemacht hat. Die Sans Serif besteht aus 96 Schnitten für Print, dazu 
kommen 60 ScreenSmart Fonts für Web und Mobile sowie 16 Fonts für 
Office­Anwendungen. Mit einem Preis von mehr als 1000 Dollar ist Ring­
side kein Schnäppchen, aber eine Schrift, an der man sehr lange Freude 
hat. ↗  www.typography.com

1  Tanzende Typo 2  Schreibmaschinen-Feeling
Freunden bewegter Buchstaben bietet die Foundry  Von Nils Thomsen, der zusammen mit Jakob Runge aus München 
Animography animierte Schriften an. Die After­Ef­ die Foundry TypeMates betreibt, kommt die Schriftfamilie Com­
fects­Dateien  (ab  Version  CS5)  lassen  sich  skalie­   spot. Entstanden ist der dezent gerundete, »typewriter flavoured« 
ren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Von  Font ursprünglich für den Hard­ und Softwareanbieter CPN Co op e­
schlich ten Serifenlosen über Script­Fonts bis zu wil­  ration Network und die Comspot GmbH, Apple Reseller in Ham­
den Display­Typen ist alles dabei. Verschiedene Tu­ burg. Nun baute der Hamburger Typedesigner ihn für die Veröffent­
torials – zu den einzelnen Schriften, zu Basistech­ lichung zu einer Familie mit neun Schnitten aus: von der sehr leich ­
niken oder dem Workflow – erklären den Umgang  ten Hairline über die textsichere Regular bis zur ultrafetten Black.
mit den animierten Fonts, von denen sich bislang  Der Einfluss der Schreibmaschinenschriften zeigt sich bei f und t 
36 auf der Animography­Website finden. Sie kosten  mit ihren breiten horizontalen Balken oder dem engeren m und w 
zwischen 10 und 40 Euro, einige sind sogar kos ten­ mit verkürztem Mittelstück. Die leicht gerundeten Ecken der Com­
los. Wer nichts Passendes findet, hat außerdem die  spot werden mit zunehmender Fontstärke immer markan ter, sodass 
Mög lich keit  sich  einen  animierten  Custom­Font  sich elegante leichte, aber auch sympathisch klobige Headlines set­
zeichnen zu lassen. Hinter Animography steckt das  zen lassen. Für einen eher spielerischen Ansatz eignen sich die 30 
Grafik­ und Motiondesignstudio Calango aus Ams­ lie bevoll gezeichneten Icons, die von Schrauben über Säge bis Ham­
terdam – und die hatten sichtbar Freude beim Grün­ mer  alles  für  den  Heimwerker  beinhalten.  Com spot  kostet  gut 
den dieser Foundry! 200 Eu ro, vor dem Kauf kann man alle Schnitte kostenlos testen. ant
↗ www.animography.net ↗ www.typemates.com
PAGE 05.17 053

Alles tanzt
1 Bei der Foundry
Animography ist
nichts statisch,
sondern alles in
Bewegung

2
Nicht nur für den
Heimwerker
Die netten Icons
machen Comspot
ebenso sympathisch
wie ihre von Schreib-
maschinentypen
inspirierten Buchstaben

Das PAGE DTP-Typometer 2.0 mit allen typo-


grafischen Maßskalen erhalten Sie exklusiv im
PAGE Shop ↗ www.page-online.de/typometer  
054 page 05.17 › NeUeS

Papier Pappwatch. So nennt


das Berliner Label I like Pa­
per seine Armbanduhren aus dem reißfesten, wasser­
abweisenden synthetischen Material Tyvek. Die Mo­
tive entstehen in Zusammenarbeit mit 35 Künstlern
und Designern aus aller Welt. Unter www.i­like­paper.
com/create kann man aber auch individuelle Uhren
mit eigenen Designs gestalten. Die Pappwatch gibt es
in drei Größen für jeweils rund 15 Euro, außerdem
sind bei I like Paper Notizbücher, Smartphonehüllen,
Geldbörsen et cetera erhältlich – alles aus Tyvek.
↗  www.i-like-paper.com Letterpress online. Über den Onlineshop
von diedruckerei.de lassen sich ab sofort Letterpress­Visitenkarten be­
stellen. Kunden können zwischen drei Papierarten in je zwei Gramma­
turen wählen. Für dieses Angebot kooperiert diedruckerei.de mit dem
Essener Studio Letterjazz von Sven Winterstein und Ute Kasper – um die
Qualität brauchen wir uns also keine Sorgen zu machen. Fünfzig Visiten­
karten gibt es ab rund 180 Euro. ↗  www.diedruckerei.de

Esspapier
Ihr Name ist beinahe so lang wie der liche schwedische Alkoholunterneh­
von Pippi Langstrumpf: Agnes Cecilia men Systembolaget.
Fideli Siri Charlotte Sundqvist. Vor Auch ihr jüngstes Projekt entstand
allem mit ihren dreidimensionalen für eine urschwedische Institution: die
Papierkunstwerken bezaubert die in Supermarktkette ICA, die es in jedem
Stockholm lebende Illustratorin und größeren Dorf gibt, und das schon
Grafikdesignerin ein großes Publikum, seit 100 Jahren. Zu eben diesem Jubi­
zu ihren Kunden gehören Luxusmar­ läum gönnte man sich eine von Fideli
ken wie Louis Vuitton, zahlreiche Ma­ Sundqvist gestaltete Kampagne, die
gazine, diverse Versicherungen, das das ganze Jahr 2017, immer am 25. ei­
Kaufhaus Åhlens und sogar das staat­ nes Monats in Zeitungen, im Web und
in den Läden selbst zu sehen ist. Aber
Jeder Schwede kennt ICA.
warum am Fünfundzwanzigsten? Weil
Deshalb funktioniert die sympa- es an diesem Tag frisches Geld, näm­
thische Kampagne von Fideli lich das Gehalt, gibt. ant
Foto: Magnus Cramer

Sundqvist auch ohne Worte ↗  http://fidelisundqvist.com

Die PAGE Schneidematte mit Millimeterraster, Tastaturkürzeln und


wichtigen papierformaten erhalten Sie im page Shop. Jetzt bestellen
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056 page 05.17 › NeUeS

Publikationen
1  »Unter dem Radar«. Sie heißen »Päng« (woraus auch mal »Pänggg«
werden kann), »Törn« (und damit ist definitiv nicht der Segeltörn ge-
meint, wie ein Gnom mit Wasserpfeife auf dem Cover verrät), »Germa-
nia« (der Titel ist blanker Sarkasmus) oder »popopo« für
»pop politik pornografie«: Die heutige Zeit kommt einem
schon recht bieder vor, wenn man in diese Sammlung
von Undergroundpublikationen der Sixties und Seven-
ties schaut. Ob Pamphlete, Zines, Bücher, Comics oder
Jan-Frederik Bandel,
Veranstaltungsankündigungen – überall machten sich
Annette Gilbert, damals junge Designdilettanten mit Witz und/oder Wut
Tania Prill: Unter dem
Radar. Underground- ans Werk, oft von Hand schreibend und malend oder mit
und Selbstpublikatio-
nen 1965–1975. Leipzig ausgeklügelten Layouts an der Schreibmaschine. Tania
(Spector Books) 2017,
368 Seiten. 32 euro. Prill sorgte fürs raffinierte Design des Buchs, die klugen
ISBN 978-3-95905-
032-6 Texte kommen von Jan-Frederik Bandel.

 »Design for Screen«. Bücher über Webdesign – 2  »Visionen  gestalten«. Designer als Weltver-

also wirklich »nur« Frontend-Gestaltung – sind besserer? Gar nicht so abwegig, denn gerade die-
äußerst rar. Mit einfachsten Mitteln stößt diese sem Berufsstand stehen viele Möglichkeiten offen,
Publikation so in eine Lücke. Der Herausgeber hat sich in gesellschaftliche Prozesse und die Lösung
zahllose Beispiele für ansprechende Websites ge- vieler drängender aktueller Probleme einzubringen.
sammelt und diese nach den vier Schwerpunkten Die von der Stadt München als Pilotprojekt ins Le-
Farbkonzept, Raster und Layout, Umgang mit Text ben gerufene Platform (www.platform-muenchen.
und Typografie sowie Design mit Icons zusam- de), bei der Gestalter und Kulturmanager zusam-
mengestellt. Hört sich simpel an, kann aber durch- menarbeiten, bietet dafür in diesem Buch jede Men-
aus hilfreich sein. Besonders gelungen ist das Lay- ge Anregungen. Zum einen enthält es Interviews
out-Kapitel, das außerdem mit abstrakten Mini- mit inspirierenden Vordenkern, zum anderen prak-
schemata aufwartet, die den Aufbau der Sites sehr tische Beispiele für smarte Projekte unterschied-
schön anschaulich machen. Mehr Informationen lichster Art – von Umweltschutz über Ernährung
hätten wir uns im Typo-Kapitel gewünscht, wo die (siehe Bild rechts), Urbanismus bis Flüchtlingshil-
Angaben über die verwendeten Schriften leider fe. In der Anfang Juni erscheinenden PAGE 07.17
oft ziemlich rudimentär sind. Trotzdem ein inspi- werden wir uns übrigens auch ausführlich mit en-
rierender Überblick. gagiertem Design befassen.

Wang Shaoqiang (Ed.): Design for Elisabeth Hartung: Visionen


Screen. Graphic Design Solutions gestalten. Neue interdisziplinäre
for Great User Experiences. Denkweisen und Praktiken in Design,
Barcelona (promopress) 2017, Kunst und Architektur. Stuttgart
240 Seiten. 45 euro. (av edition) 2017, 248 Seiten.
ISBN 978-84-16504-56-5 34 euro. ISBN 978-3-89986-263-8
page 05.17 057

Revoluzzer-Publishing
Der bärtige Jüngling oben ist übrigens Henryk M. Broder,
der auch heute noch mit Erfolg provoziert

Mini-Ökosystem
Die niederländische

2 Food-Designerin
Chloé Rutzerveld
erstellt im 3D-Druck
eine Nährstruktur,
in der aus Samen
und aus Sporen
Sprossen und Pilze
heranwachsen
058 page 05.17 › NeUeS › publikationen

Was wir fragen wollten


Antje Herzog, Illustratorin, Sankt Augustin
↗ www.antjeherzog.de

3 Sie haben eine Graphic Novel über den

Philosophen Immanuel Kant und seinen


Diener Martin Lampe geschrieben. Was
hat uns Kant heute noch zu sagen?
Antje Herzog: Seine Ideen über den Weltfrieden
finden sich immer noch in der Charta der Verein­
ten Nationen. Und seinen Ausspruch »Sapere
aude!« (»Habe Mut, dich deines eigenen Verstan­
des zu bedienen!«) möchte ich unter jeden Satz
von Trump schreiben . . .

Sie rücken aber eher den Menschen als den


Philosophen in den Mittelpunkt.
Es gibt auch viel amüsanten Gossip über ihn. Ich
konnte kaum glauben, dass ein Genie mensch­
lich so liebenswürdig dilettantisch sein kann.

Wie war Ihr gestalterisches Konzept? 3


Kants Worte habe ich in der damaligen Kurrent­
Handschrift geschrieben. Beim Diener Lampe,
einem alten Soldaten, passt eine handgeletterte
Fraktur, die ein wenig statisch und ruppig wirkt.
Für die wissenschaftlichen Texte habe ich eine
Walbaum nachgezeichnet und bei Erklärungen Antje Herzog: Lampe
meine eigene Handschrift genommen. Um all die und sein Meister
Männer in Perücken voneinander zu unterschei­ Immanuel Kant.
den, habe ich für Kant Gelb eingeführt – für mich Frankfurt am Main
die Farbe der Philosophie. (Büchergilde) 2017,
152 Seiten. 26 euro.
Welches Werk Kants würden Sie
ISBN 978-3-86406-068-7
Einsteigern empfehlen?
Die Schrift »Zum ewigen Frieden«, in der er eine
globale Friedensordnung entwirft. Das ist auch
der Text, den die Vereinten Nationen aufgegrif­
fen haben. Kant schreibt dort übrigens auch zum
Thema Flüchtlinge, dass man »Fremdlingen« Das ganze Interview
mit antje Herzog und
nicht feindlich begegnen solle.
mehr Bilder gibt es unter
↗ www.page-online.de/
Seinen Diener Lampe hat er nach
kant_0517
vierzig Jahren gekündigt. War sein
eigenes Verhalten da moralisch?
Man weiß nicht, was der Grund war. Kant war
ein äußerst gutmütiger und treuer Mensch. Er
hat Lampe lange Zeit trotz dessen Alkoholsucht
gehalten. Dann muss etwas vorgefallen sein, über
das er nie sprechen konnte, und ab da verzichte­
te er auf jeden Kontakt mit Lampe. Aber er hat
ihm eine Rente gegeben, obwohl er dazu nicht
verpflichtet war.
page 05.17 059

Publishing-News
Verdeckte Chris Anderson: TED Talks. Die Kunst der öf-
Bilder fentlichen Rede. Das offizielle Handbuch. Frank-
Ungewöhnlich furt am Main (S. Fischer Verlag) 2017, 288 Sei-
gestaltet: Marion ten. 16,99 euro. 978-3-596-03484-0. Der Kopf und
Klieschs Unter-
Organisator der beliebten TED Talks weiß, wie pa-
suchung über neue
ckende Reden sein müssen.
Formen der Zensur –
4 Marion Kliesch: Ästhetik der Zensur. Salen-
und ihre Gegner
stein, Schweiz (niggli Verlag) 2017, 184 Seiten.
14,90 euro. 978-3-7212-0967-9. Um visuelle Zen-
Etwas muss sur aller Art – etwa in den sozialen Medien – geht es
passieren! in diesem Büchlein, dessen Gestaltung selbst mit der
Das von Intégral Ästhetik der Zensur spielt. Dafür gab es den Wil-
Ruedi Baur helm Braun-Feldweg Förderpreis für designkritische
weiterentwickelte Texte 2016 und den Förderpreis für junge Buchgestal-
Isotype-Pikto-
tung der Stiftung Buchkunst.
grammsystem
5 Ruedi and Vera Baur, civic city, Attac (Eds.):
4 kam in einem
hochpolitischen Our World to Change! Zürich (Lars Müller publi-
infografischen shers) 2017, 256 Seiten. 18 euro. 978-3-03778-
Buch zum Einsatz 529-4. Der renommierte Designer Ruedi Baur und
die Designtheoretikerin Vera Baur stellen mit Daten
der globalisierungskritischen Organisation Attac in
Infografiken die Probleme dieser Welt dar – und
schlagen Lösungen vor.
Maureen Furniss: Animation: The Global Histo-
ry. London/New York (Thames & Hudson) 2017,
464 Seiten. 35 pfund. 978-0-500-252178. Was
draufsteht, ist hier auch drin: ein weltumspannen-
der Rückblick auf die Geschichte der Animation –
von Weltkriegspropaganda bis zu Videospielen, von
Japan über Polen bis Disney und Pixar.
Alison Black, Paul Luna, Ole Lund, Sue Walker
(Eds.): Information Design. Research and Prac-
tice. abingdon (Routledge) 2017, 750 Seiten.
5 50 pfund. 978-0-415-78632-4. Vielseitiger und
umfangreicher Aufsatzband über Geschichte, Theo-
rie, Prinzipien und Praxis des Informationsdesigns,
der sich auch vielen aktuellen Fragestellungen von
Designern widmet.
William Turner, Steve Leonard: JavaScript for
Spiel mit Sound Artists. Learn to Code with the Web
Formen Audio API. Oxford (Focal press) 2017, 233 Seiten.
Anklänge an die 31,99 pfund. 978-1-13-896153-1. Handbuch für die
russische Avant- Erstellung anspruchsvoller Soundanwendungen.
garde: das Erschei- 6 Wang Shaoqiang (Ed.): Shapes. Geometric
nungsbild von
Forms in Graphic Design. Barcelona (promo-
Anna Mikhaylova
für das Drama press) 2017, 240 Seiten. 45 euro. 978-84-16504-
Theater Strela 54-1. Back to the basics! Denn mit einfachen geo-
metrischen Formen wie Kreis, Drei- und Rechteck
lässt sich eine unendliche Vielfalt von Designs erzeu-
gen, wie dieser Überblicksband zeigt. cg

6 Publikationen. Weitere Buchempfehlungen


für Kreative in Design und Development lesen
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PAGE eDossiers. Unsere eDossiers zu Themen


rund um den kreativen Berufsalltag gibt es
unter ↗  http://shop.page-online.de/downloads  
SÜPERGRÜP /
Mirko Ü. Borsche /
MaGazine Malen /
Seine Karriere als international gefeierter
Designstar begann Mirko Borsche als
Graffitisprayer in abgelegenen Münchner
Drei Tage intensive Vororten / Diese liebe zu schnellen Bildern
Workshops / mit großen ideen pflegt Borsche bis heute –
weil es ihm hilft, jenseits des Computers den
Mit Deutschlands besten Kopf freizukriegen / Wie das geht, zeigt er mit
viel Farbe und großen Pinseln in seinem
Gestaltern / PaGe-SÜPeRCÄMP-Workshop /

erik Ü. Spiekermann / Sarah Ü. illenberger /


DiGiTal hanDGeMaChT / lanDaRT /
zu den zahlreichen Tätigkeiten, die erik Design, Objekt und Fotografie fügt
Spiekermann im laufe seiner großen Sarah illenberger zu einer einzigartigen Form
Karriere ausübte, gehört auch die des der illustration zusammen, die in vielen
Druckers / heute ist er das wieder – internationalen Magazinen zu bestaunen ist /
und entwickelt mit seiner Druckwerkstatt in ihrem PaGe-SÜPeRCÄMP-Workshop
p98a neue Techniken, die Buchdruck und geht es raus in die natur auf der Suche
digitale Designs zusammenführen / nach hölzern, Steinen, Gräsern und Blumen /
in einer Keynote spricht Spiekermann über Daraus entstehen installationen,
die lust am handgemachten / die auf Polaroids festgehalten werden /

Fotos: Dennis letbetter, San Francisco; Stephanie Füssenich; Cat Garcia; Fritz Beck; enver hirsch

eike Ü. König / Johannes Ü. erler /


MiT RieSenBuChSTaBen DRuCKen / 1000 zeiChen /
Kaum jemand steht so sehr Spätestens seit seiner Monografie
für die virtuose Verbindung von Grafik über erik Spiekermann ist Johannes erler
und handarbeit wie eike König / Seine nicht nur als Designer bekannt,
gemalten und gebastelten artworks sind sondern auch als autor – und hat sich so
genau so bekannt wie seine globalen ein neues Spektrum an ausdrucksmöglich-
Workshops, die oft zu happenings werden / keiten erschlossen / im PaGe SÜPeRCÄMP
zum PaGe SÜPeRCÄMP bringt König seine zeigt erler mit dem literaturprojekt
Riesenbuchstaben mit, mit denen er die Welt 1000 zeiChen, wie gut das geht:
humorvoll und ironisch kommentiert / mit wenigen Worten ganz viel zu sagen /

HÄNDJOB /
SÜPERCÄMP /
PREMIERE /
Das PAGE SÜPERCÄMP mit SÜPERGRÜP,
dem Designkollektiv von Mirko Borsche, Das PAGE SÜPERCÄMP
Johannes Erler, Lars Harmsen, findet statt am
15./16./17.
Sarah Illenberger, Eike König, September im Camp
Reinsehlen in der
Mario Lombardo und Erik Spiekermann / Lüneburger Heide bei
Hamburg / Es beginnt
am Freitag um 17 Uhr
Unter dem Motto »HÄNDJOB« werden und endet am
Sonntag um 15 Uhr /
wir ein Wochenende lang experimentieren,
Die Teilnahmegebühr
malen, sammeln, texten, drucken, von 2480 Euro
basteln, denken, spielen, reden, (zzgl. gesetzl. MwSt.)
umfasst Tagungs-
essen, trinken und viel draußen sein / kosten, Verpflegung,
Materialien, zwei Über-
Der Computer bleibt zu Hause / nachtungen und einen
Shuttleservice Fr+So
um jeweils 15 Uhr
Das PAGE SÜPERCÄMP baut vom+zum Hamburger
Hauptbahnhof / Der
selbst errichtete Barrieren ab und Workshop ist auf
40 Personen limitiert /
öffnet den Kopf für neue Denk-, Arbeits-
und Herangehensweisen. Raus aus
dem Alltag / Raus aus der Routine /
Rein ins PAGE SÜPERCÄMP /
Aufgrund der auf 40 Personen pro Veranstal-
tung begrenzten Teilnehmerzahl werden die

spruchnahme einzelner Leistungen berechtigt


nicht zur Minderung der Teilnahmegebühr /
Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge
der Zahlungen berücksichtigt / Die Teilnahme-
gebühr fällt mit der Anmeldung an / Sie ist

gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu


sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich

derrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite


(siehe Inhaltsverzeichnis) / Die Nichtinan-
überweisen / Bitte beachten Sie unsere Wi-

Am besten gleich anmelden unter


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Die Anmeldefrist endet am 30. Juni /

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15.–17.9.2017
PROJEKTE
PAGE 05.17 063

Animation
in Blau
Der Launch oder Relaunch der
eigenen Website ist stets ein
PROJEKT Relaunch der eigenen Agenturwebsite
AGENTUR Mozaik, Athen ↗  www.mozaik.com

schwieriger Kompromiss aus wenig KREATIVTEAM Mirto Nasiopoulou (Head of Design),


Mary Theodorou (Kreativdirektor), Sarah
Zeit und Cutting-Edge-Anforde- Sainidou und Giotina Basalekou (Senior Designer),
Kalia Apostolidou (Junior Designer) sowie Stephania
rungen an Technologie und Design. Mihalopoulou (Copywriter)
TECHNIK HTML5, JavaScript, jQuery, Ajax, pjax, Canvas,
Die griechische Digitalagentur Unity, After Effects
ZEITRAUM Sommer 2015 bis Dezember 2016
Mozaik räumte mit ihrem neuen xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Auftritt gleich einige Preise ab
● Seit zehn Jahren mischt die Athener Digitalagen-
tur Mozaik munter mit in der griechischen Krea-
tivwirtschaft und hat sich dort einen festen Platz er-
obert. Auch auf internationalen Awardseiten wie
Awwwards oder FWA räumt sie inzwischen Preise
ab. Zeit also, auf der eigenen Website Neues zu wa-
gen, wie Mozaik-Geschäftsführer Iason Milionis
fand. Zumal die bisherige Zurschaustellung der Kom-
petenzen nicht nur in die Jahre gekommen und äu-
ßerst nüchtern war, sondern sich auch der Arbeits-
schwerpunkt der Agentur verlagert hatte. »Wir hatten
seit fast vier Jahren die gleiche Website und wollten
nun etwas wirklich Inspirierendes schaffen – für un-
sere Kunden und vor allem für uns selbst«, so Milio-
Nachdem die Rebranding- nis. Hochmodern sollte die neue Präsenz sein, um
strategie verabschiedet
das Wesen, das Potenzial und den anhaltenden Er-
war, traf sich das Projekt-
folg der Agentur zu kommunizieren.
team rund um Head of
Design und Projektleiter
Innerhalb Griechenlands ist Mozaik bekannt für
Mirto Nasiopoulo, um 360-Grad-Projekte, die sowohl den Markenaufbau
erste Designvorschläge als auch klassische integrierte Kampagnen, Websites
zu diskutieren sowie Social-Media- und E-Commerce-Auftritte
064 PAGE 05.17 › PROJEKTE › Mozaik-Website

Hier steht eine


Bildunterschrift-
Hier steht eine
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Hier steht eine
Bildunterschrift-

Die ersten Wireframes


an der Tafel haben
die Mitarbeiter nicht
überzeugt. Danach
war klar: Die neue
Website kann nur auf
Basis einer klaren
Rebrandingstrategie
entstehen

umfassen. Deshalb bestehen die Teams zumeist


aus einem Texter, einem Strategen, einem Designer,
einem Entwickler, einem Account Manager und dem
Projektleiter. Den ganzheitlichen Ansatz, den Iason
Milionis und seine Mitstreiter für ihre Kunden pfle-
gen, verfolgten sie auch im eigenen Website-Projekt.

Erkundungsphase fürs Rebranding


Und doch sind Selbstvermarktungsprojekte für Agen-
turen stets eine harte Nuss. Sie haben nicht die glei-
che Priorität wie Kundenjobs – im Gegenteil, sie sind
ein Kostenfaktor. Da die Arbeit an bezahlten Kunden-
aufträgen mindestens 80 Prozent der in der Agentur
verfügbaren Zeit erforderte, verwarf Iason Milionis
den Gedanken an vordefinierte Meilensteine und er-
klärte die Agenturwebsite zum Projekt ohne Zeitplan.
Ab Sommer 2015 entwickelten die Designer daher
in jedem sich öffnenden Zeitfenster erste Entwürfe.
Doch die vereinzelten Moodboards und Wire-
frames hinterließen bei den Mitarbeitern eher Fra-
gezeichen – das wahre Wesen der Agentur und die
Unternehmenskultur trafen sie nicht. Ein systema-
tisches Rebranding war unerlässlich. Also kreisten
die beiden Mozaik-Gründer Karolos Anastasopoulos
und Audrey Zucker gemeinsam mit dem sechsköp-
figen geschäftsführenden Team die Rebranding-Idee
ein. »Dazu gingen wir auf eine philosophische Rei-
se, um die Begriffe ›Kreativität‹ und ›Evolution‹ in
dem digitalen Chaos zu verorten, in dem wir arbei-
ten und leben«, erklärt Iason Milionis. »Wir fanden
heraus, dass die Liebe zum Handwerk und zur Ge-
staltung unsere Antriebskräfte sind. Sie führen uns
Das tiefblaue Backgroundvideo auf dem Startscreen setzte die Athener Motion- zu guten Ergebnissen.«
Design-Agentur Trout auf Grundlage des von Mozaik geschaffenen Skripts und Schnell kristallisierten sich die Begriffe »Vibra-
Storyboards in Unity und After Effects um tion« und »Synergie« als Eckpfeiler heraus. Erstere ist
PAGE 05.17 065

für Mozaik gleichbedeutend mit Energie. »Von einem


vibrierenden Organismus geht große Kreativität aus.
»Synergie« wiederum steht für die gemeinsame Ar-
beit in der Agentur selbst sowie mit Kunden und Part-
nern«, so Iason Milionis. »Wir sind – wie schon unser
Name deutlich macht – ein Mosaik aus Menschen
mit verschiedenen Kompetenzen, verschiedenen
Hintergründen und verschiedenen Nationalitäten,
die zusammenarbeiten wie ein lebendiger Organis-
mus. Wir sind lebendige Synergie.« Entsprechend
lautet der neue Agenturclaim »Vibrant Synergy«.

Erste Wireframes schaffen Klarheit


Davon ausgehend schuf die Designabteilung nun
erste Gestaltungsentwürfe und legte Anfang 2016
einige Illustrator-Wireframes vor. Danach ging das
Team rund um Designchef Mirto Nasiopoulou zu
Photoshop-Dateien über. »Uns war wichtig, im Lay-
outprozess gleich mit der richtigen Ästhetik zu ar-
beiten«, erzählt Mirto Nasiopoulou. In rund zehn
Wochen generierte das sechsköpfige Team fünf un- Zum ersten Mal
präsentiert die
terschiedliche Entwürfe, bevor das endgültige De-
Website auch alle
sign der neuen Website stand. Für jede Sektion pro- 60 Mitarbeiter
duzierten die Designer anschließend drei alternative der Agentur. Sie
Templates und entwickelten gemeinsam mit den zeigen sich in einem
Developern Ideen für die auf der Site verwendeten interaktiven Mosaik
Animationen und Transitions. mit spaßigen
Erst als diese grundlegende Arbeit getan war, be- GIF-Animationen

gann das Developerteam im August HTML-Dateien


zu erstellen und am Backend zu arbeiten. »Während
der folgenden Korrekturphase revidierten wir eini-
ge unserer Bedenken hinsichtlich CSS-Animationen
und User-Experience-Features«, sagt Mirto Nasio-
poulou. Die geringen Ladezeiten überzeugte ihn
ebenso die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten.
Einige der anfänglichen Animationsideen ließen sich
allerdings nicht in allen Browsern darstellen. »Als wir
uns an die Umsetzung der Ideen machten, waren je-
doch so viele neue CSS-Features am Markt, dass wir
beschlossen, alle Animationen noch mal zu aktuali-
sieren«, so der Designchef.

Klang, Welle, Bewegung


Inspiration für die visuelle Interpretation des Agen-
turclaims »Vibrant Synergy« fand das Designteam
im Konzept der Kymatik, einem Verfahren, mit dem
sich Klänge visualisieren lassen. Diese beweglichen
»Klangmuster« entstehen beispielsweise, wenn Pu-
derpartikel auf einer Membran durch Töne in Schwin-
gung versetzt werden. Die entstehende Vibration
fördert Muster zutage, die Energie sichtbar machen.
Ganz besonders deutlich zeigt sich diese Idee im
tiefblauen Backgroundvideo auf dem Startscreen der
Mozaik-Website, das die Athener Motion-Design-
Agentur Trout ( www.trout.gr ) in Unity und After
Effects umsetzte.
Die Farbe Blau dominiert die neue Website – da-
zu zarte Linien, die kräftige Schrift Campton Bold,
die etwas feinere Letter Gothic Std sowie Parallaxen-
effekte und rostrote SVG-Animationen, die die
066 PAGE 05.17
04.17 › PROJEKTE
PROJEKTE ›› Mozaik-Website
Tele2

kymatische Grundidee wiederaufgreifen und da-


mit das Leitmotto »Vibrant Synergy« unterstreichen:
schwimmende Partikel, die mit dem User interagie-
ren und jeweils eigene Muster für die Agenturberei-
che »Strategy & Insight«, »Creative & Production«
und »Distribution & Performance« bilden.
Die durch ihre Zartheit ins Auge fallenden Par-
tikelanimationen im Bereich »Service« entwickelte
das Developerteam rund um Webentwickler Dimi-
tris Baltas mit dem HTML5-Element Canvas ( www.
w3schools.com/html/html5_canvas.asp). Mit dem
HTML5-Standard löste er auch das Problem der La-
Das Formular für
dezeiten, denn dank Canvas-Element lassen sich
die Bewerbung mit
Auslassungen für
mittels JavaScript Grafiken im laufenden Betrieb
Name und E-Mail ist zeichnen (siehe »Tempo-Tricks« rechts).
ganz auf der Höhe
der Zeit gestaltet Teambereich als Mosaik
Mit dem neuen Design geht auch ein neues Selbstver-
ständnis der Agentur einher. Erstmals präsentierte
Mozaik öffentlich, wer hinter der erfolgreichen Ar-
beit der vergangenen Jahre steht. Alle 60 Mitarbeiter
zeigen sich in einem interaktiven Mosaik mit spaßi-
gen GIF-Animationen. »Wir hatten noch nie zuvor
unsere Gesichter der Öffentlichkeit ausgesetzt«, so
Milionis, der beschloss, das Synergiekonzept auch
für die visuelle Form zu nutzen. Er organisierte ein Fo-
toshooting mit dem Fotografen Dimitris Skigopou-
los ( www.skigophotography.com ), um alle 60 »Mo-
zaikers« in der Agentur abzulichten. Vorgaben oder
Regeln gab es nicht, jeder konnte selbst eine Pose
für sein persönliches GIF wählen.
Von der neuen responsiven und schnellen Web-
site sind alle begeistert. Kritik äußert der Geschäfts-
führer lediglich am eigenen Projektmanagement:
»Das nächste Mal würde ich nur mit festem Zeitplan
arbeiten. Wenn es um die eigene Identität, die ei-
gene Website und das eigene Branding geht, sollte
man fokussiert und ohne Unterbrechungen arbei-
ten – wie bei jedem anderen Projekt.« Das konti-
nuierliche Updating der Website mit neuen Ideen,
Funktionalitäten und Case Studies ist nun ein fester
Punkt auf der Agenda. Die Begeisterung für die
Icons auf im Mosaik
neue Website teilen auch andere: Gleich nach dem
angeordneten
Launch im November 2016 wurde www.mozaik.
Flip-Card-Anima-
tionen illustrieren
com bei den CSS Design Awards als »Site of the
die in der Agentur Day« ausgezeichnet (www.cssdesignawards.com ),
vertretene bei Awwwards erhielt sie eine »Honorable Men-
Fachexpertise tion« (www.awwwards.com), und die Ermis Awards
(www.ermisawards.gr) vergaben einen Silver Award
in der Kategorie Digital Self-Promotion. ae

Drei Techniktricks. Die Codeschnipsel für die


Canvas-Animationen, das asynchrone Laden
und den Hintergrund-Videoplayer finden Sie
Das Rebranding unter ↗  www.page-online.de/mozaik0517
fasste Mozaiks
Markenwerte
Synergie und Vibra- PAGE eDossier »CSS Tipps & Tricks für Designer«.
tion im Slogan Interessante Workarounds fürs effiziente
»Vibrant Synergy« Arbeiten mit Cascading Style Sheets gibt’s auf
zusammen ↗  www.page-online.de/PDDP1110
PAGE 05.17 067

Aus einem mit dem


HTML5-Element Canvas
entwickelten Partikel-
universum setzen sich,
angeregt durch die
Mausbewegungen des
Users, die Symbole
der drei Hauptabtei-
lungen der Agentur
Mozaik zusammen

Tempo-Tricks
Trotz ausgeklügelter Animationen und Transitions lädt die
neue Mozaik-Website ausgesprochen schnell. Webentwickler
Dimitris Baltas erläutert die Workarounds

● Ladegeschwindigkeit ist, neben reinem Code, das com/html/html5_canvas.asp ) gelang es uns, unser
wichtigste Kriterium, um im Google-Ranking nach Kernprinzip »Vibrant Synergy« in eine spielerisch
oben zu rutschen – das gilt spätestens seit Einfüh- animierte Szene zu übertragen. Durch Mausbewe-
rung des Projekts Accelerated Mobile Pages zur Mo- gungen setzt der User schwimmende Partikel in Be-
bile-Optimierung von Websites im Februar 2016. Im wegung, die sich dann zu den Icons der wichtigsten
Folgenden erkläre ich Ihnen, wie wir diese Anforde- Agenturabteilungen zusammensetzen.
rungen mit Webstandards eingelöst haben. Nach vielen Stunden Coding – mehr als erwartet,
um ehrlich zu sein – mit HTML5 und dem Canvas-
Asynchrones Laden der Seite Element hatten wir ein ruckelfreies Partikeluniver-
Die Präsentation unserer Projekte ist der wichtigste sum, in dem die gewünschten Icons sich zusammen-
Abschnitt der Website, denn sie sind unser Aushän- finden konnten. Die Erschaffung von Partikelani-
geschild und dokumentieren unser Know-how so- mationen, die durch Nutzerinteraktion ausgelöst
wie unsere kreative Vielfalt. Alle Projekte sollten auf werden, mussten wir erst einmal erforschen. Zu die-
derselben Seite in einer Liste sichtbar und sofort ab- sem Zweck machten wir uns daran, unterschiedliche
rufbar sein. Um Ladezeiten zuverlässig zu vermeiden, Canvas-Techniken und Frameworks zu testen,
entschieden wir uns für das asynchrone Laden mit-
tels Ajax (Asynchronous JavaScript and XML).
Darüber hinaus entwickelten wir eine Übergangs-
animation, um von der langen Projektliste auf die
einzelnen Seiten zu gelangen. Dafür nutzten wir das
jQuery-Plug-in pjax ( https://github.com/defunkt/
jquery-pjax), das schnelles Surfen ermöglicht. Dies
haben wir ausschließlich mit CSS-Animationen ge-
schafft, indem wir Klassen bei den Events pjax:send,
pjax:complete und pjax:success hinzufügten oder ent-
fernten. Das Ergebnis ist ein sauberer, einfacher Um die Ladezeiten mög-
und schneller Code und eine wirklich einzigartige lichst kurz zu halten,
entschied sich Mozaik für
User Experience.
asynchrones Laden mit-

Canvas-JavaScript-Animationen tels Ajax. Eine Übergangs-


animation erleichtert dem
Besonders stolz sind wir auf die Startseite und den User den Wechsel von
Servicebereich mit den Partikelanimationen. Mithil- der Projektliste zu den
fe des HTML5-Elements Canvas ( www.w3schools. Einzelprojektseiten
068 PAGE 05.17 › PROJEKTE › Mozaik-Website

bis wir eine Kombination fanden, die uns zum Die Agentur-
erwünschten Ergebnis führte. marke sollte
Der technische Blick hinter die Kulissen offenbart, sich auch in
den Steuer-
was wirklich passiert ist: Canvas lädt eine weiße, mo-
elementen des
nochrome Bilddatei für jedes Symbol. Das Skript
Videoplayers
durchläuft alle vier Pixel des Bildes und sucht die widerspiegeln,
Der Referent
weißen Pixel. Canvas verfolgt jeden weißen Pixel und also entwi-
legt einen Partikel auf die entsprechende Position. ckelte Mozaik ● Hagen Seidel ist Head of Delivery bei der inter-
einen eigenen national vielfach ausgezeichneten Kreativagentur
Hintergrund-Videoplayer Player für digitales Marketing Razorfish Deutschland mit
Die Startseite der neuen Mozaik-Website füllt ein Dependancen in Frankfurt am Main, Berlin und
Hero-Video, für das wir eigens einen nutzerdefinier- München. Er ist zertifizierter Scrum Master und
ten Videoplayer entwickelt haben. Es gibt zwar viele verantwortet als Projektmanager nicht nur die
Hintergrundvideo-Plug-ins, doch wir bevorzugten Budgets sowie die Qualität und Profitabilität von
ein eigenes Design der Videosteuerelemente. Außer- Projekten, sondern stellt auch die Einhaltung
dem wollten wir jeden Schritt der User Experience der Agenturworkflows und Projektmanagement-
selbst steuern. Wir wollten kontrollieren können, Prozesse sicher. Darüber hinaus ist er für die
wann das Video pausiert, wie die Stummschaltung Weiterbildung und Zertifizierung des agentur-
aussieht und wie der Player sich beim Scrollen verhält. eigenen Projektmanagement-Teams zuständig.
Wichtig war uns zudem, unsere sorgsam mini-
mierten JavaScript-Dateien nicht mit unnötigem Hagen Seidel schöpft aus 15 Jahren Berufserfah-
Code zu überfrachten und damit die Performance des rung als Angestellter und Freelancer in Start-up
Players sowie der gesamten Anwendung möglicher- und Netzwerkagentur. Er begann seine Laufbahn
weise zu verlangsamen. Also experimentierten wir als Frontend-Programmierer, bevor er ins tech-
mit unterschiedlichen Frameworks wie Video.js nische Projektmanagement wechselte und 2008
(http://videojs.com), anpassbaren JavaScript-Playern bei Razorfish Scrum einführte. Er managte Pro-
wie plyr ( http://plyr.had.co.nz ) und Popcorn.js jekte wie den Multitouch-Table für den Audi City
( https://github.com/mozilla/popcorn-js ) sowie be- Showroom London und realisierte mit Kunden
kannteren Videoplayer-APIs wie YouTube und Vimeo. wie DHL, Allianz, Nintendo und Wilkhahn Internet-
Doch keine der Lösungen konnte unsere Anforde- auftritte, Apps und Cross-Channel-Kampagnen.
rungen an das Design erfüllen.
Mit unserer Eigenentwicklung wollten wir jedoch
weder einen Verlust der Performance noch der Vi-
deoqualität riskieren. Also beschlossen wir am Ende,
mit zwei Lösungen zu arbeiten. Für das Markenvi-
„Das Seminar war
deo auf der Startseite nutzen wir die Vimeo Player API
wirklich großartig!
und damit die Vorteile von Vimeos Videostreaming-
Hat mir außerordentlich
Funktionen. Im Projektbereich, in den kürzere Vide-
gut gefallen. Hagen war ein
os in niedrigerer Qualität integriert sind, setzen wir
klasse Referent, er lebt den
unseren selbst entwickelten Videoplayer ein. Doch
Inhalt regelrecht.“
beide Videoplayer-Oberflächen zeigen dasselbe spe-
zifische Mozaik-Design. Dimitris Baltas (ae)

Dimitris Baltas, Webentwickler bei


der Digitalagentur Mozaik in Athen,
trickst gern mit CSS. Alles, was er
Dr. Daniel Schulten, Vorstand
nicht unbedingt braucht, fliegt raus. netzkern AG, Agentur für
↗  www.mozaik.com Interaktive Kommunikation
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1 PRAXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda: Tag 1

Agil ans Ziel 1 Herausforderung digitales


Projektmanagement
In digitalen Projekten hat man mit unter-
schiedlichsten Kunden, Zielen, Nutzern
Modernes und Technologien zu tun. Wie kann man

Projektmanagement – Projekte klassifizieren? Und was bedeutet


es, heute Projektmanager zu sein?
Cases, Techniken,
Methoden 2 Allgemeingültige Projektphasen
trotz Diversifikation
Was unterscheidet klassisches und agiles
Projektmanagement? Welche Phasen und
Schritte haben Strategie-, Kreations- oder
technische Umsetzungsprojekte gemein?
Das zweitägige Seminar »Agil ans Ziel«
3 Agiles Projektmanagement
● Unternehmen aller Branchen müssen heute digitale Produkte und Services Welche agilen Methoden gibt es und
bieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch Projekte mit neuen Techno- für welches neue Wertesystem
logien und neuen Konzepten sind oft komplex und schwer einzuschätzen. stehen sie? Stichwort »Agiles Manifest«
Zudem liegen nur selten Erfahrungswerte vor. Auftraggeber und Projekt-
beteiligte – inhouse wie extern – sammeln darum während des Entwicklungs- 4 Planen und Schätzen
prozesses fortwährend neue Erkenntnisse. Entsprechend häufig ändern Wie werden Anforderungen erfasst
sich die Anforderungen. Und das bei immer unumstößlicheren Deadlines. und geschätzt? Und wie nutze ich das
Product Backlog als zentrales Tool?
Höchste Zeit also, auch im Projektmanagement neue Wege zu beschreiten und
das Vorhaben agil, sprich: schrittweise in einem sich selbst organisierenden,
interdisziplinären Team in Zyklen anzugehen! Das traditionelle Wasserfall- Die Agenda: Tag 2
modell setzt vorhersehbare Projektverläufen voraus, die agile Methode passt sich
an und legt den Fokus auf umgesetzte Funktionalitäten. Mit agilem Projekt- 1 Rollen und Verantwortlichkeiten
management kann man auf kurzfristige Änderungswünsche des Kunden rasch Agiler Coach, Team und Product Owner –
reagieren und sogar in späten Projektphasen flexibel auf Change Requests ein- jeder leistet seinen Beitrag zum Erfolg.
gehen. Doch wie genau lässt sich der eigentlich in der Softwareentwicklung behei- Welche Rechte und Pflichten gibt es und wie
matete Ansatz für kreative Konzepte nutzen? Wie etabliert man ihn im Team? ändern sich diese im Projektverlauf?

Profitieren auch Sie vom immensen Erfahrungsschatz Hagen Seidels! In unserem 2 Meeting-Kultur in agilen Projekten
zweitägigen Seminar zeigt er anhand konkreter Cases, welche Projekte sich Planungs-Meeting, Daily Standup, Review-
mit agilen Methoden umsetzen lassen – und welche nicht. Er erläutert, welche Meeting: wie oft, wie lange, wer ist dabei?
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Projektleiter, Projektmitarbeiter Tipps und Tricks für die Durchführung
und Auftraggeber auf Augenhöhe zusammenarbeiten können, und er zeigt,
wie man heterogene Teams aus Strategen, Konzeptern, Creative Developern, 3 Reporting und Risikomanagement
Designern, Informationsarchitekten, Artdirektoren, Textern und Testern Welche Tools und Helfer gibt es im agilen
zu Winning Teams macht. Er gibt Anregungen und vermittelt Lösungsansätze Projektmanagement? Und welche Aspekte
sowie Handlungsempfehlungen für alle, die das agile Prinzip durchdringen des klassischen Projektmanagements
und in ihrer Agentur oder Firma vorantreiben wollen – kurzum: für alle, die sollte man in der Hinterhand haben?
interdisziplinäre Projekte erfolgreich durchführen wollen.
4 Team Building
Das PAGE Seminar findet am 11./12. Mai 2017 in den Design Was bedeutet »Inspect and Adopt«
Offices Hamburg Domplatz von jeweils 9:00 bis 17:00 Uhr statt. Die Teilnahme als Philosophie? Wie implementiert man
kostet 1480 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungs- sie, damit man als Team besser
kosten sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen zusammenarbeitet? Plus: Guidelines für
begrenzt! Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . Retrospektiven in agilen Projekten

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Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Der PAGE Workshop mit Hagen Seidel lässt
Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. genug Zeit für Fragen und Diskussionen und den
Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). Austausch der Teilnehmer untereinander.
page 05.17 071

Kann eine Schrift dazu beitragen, Menschen


das Lesenlernen zu erleichtern? Ja, meint
der Designer Bernd Hülsmann und entwickelte
gleich eine entsprechende Fontfamilie

Projekt Gestaltung der Schriftfamilie Semikolon


Designer Bernd Hülsmann, Warendorf ↗  www.designwerkh.de
tools Bleistift, Papier, Adobe Illustrator, TypeTool von FontLab
Zeitraum 2009/10, Überarbeitung von Dezember 2015 bis Juni 2016
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

● Flüchtlinge, die noch nie Berührung mit dem lateini­


schen Schriftsystem hatten, Kinder, die lesen lernen, aber
auch die vielen Analphabeten in Deutschland. Sie alle
freuen sich, wenn man den schwierigen Prozess des Le­
senlernens mit einer passenden Schrift für sie etwas
leichter gestaltet. Etwa 7,5 Millionen deutsche Erwach­
sene können keine einfachen Texte lesen oder schreiben
und zählen somit zu den funktionalen Analphabeten.
Diese Gruppe von Menschen hatte Bernd Hülsmann
im Sinn, als er 2009 beschloss, für seine Diplomarbeit
im Studiengang Kommunikationsdesign der FH Müns­
ter eine Schriftfamilie für den Einsatz in der Erwachse­
nenbildung zu entwickeln – und zwar eine, die durch
geschickt gewählte Buchstabenformen das Lesen er­
leichtert und dabei ernsthaft aussieht. Denn die ver­
Am Anfang war spielten Fonts oder gar die Comic Sans, die häufiger in
das n. Sein Bogen
Lerntexten für Kinder genutzt werden, empfindet nicht
und Stamm gibt
die Dynamik der
nur Bernd Hülsmann für Erwachsene als Zumutung.
gesamten Schrift vor Zunächst besuchte der Designer den Bundesverband
für Alphabetisierung und Grundbildung e. V. und infor­
mierte sich über die Bedürfnisse der Zielgruppe. Er
072 page 05.17 › projekte › Schrift für leichteres Lesen

Zu große Ähnlichkeiten ähnliche Lettern wie r und h, immer mit dem Fokus
oder Zeichen, die wie gespie­
darauf, ähnliche Zeichen etwas unähnlicher zu ma­
gelt wirken, erschweren die
eindeutige Identifizierung. chen. »Der Bogenschwung des n ist auch im u ent­
Die Kleinbuchstaben r und n halten, aber ohne den Schaft an der unteren rechten
drohen im Text zu einem Ecke«, erklärt Bernd Hülsmann. »Um zu vermeiden,
m zusammenzufließen. Bei dass r und n zusammenlaufen und wie ein m ausse­
h und n kann es durch
hen – was bei der Helvetica leicht passieren kann –,
den niedrigen Stamm zu
Verwechslungen kommen.
hat das r in der SemikolonPlus einen schrägen An­
Probleme bereitet Lernen­ satz oben an der Ecke und der Einschnitt ist etwas tie­
den auch das kleine a in fer.« Das kleine l grenzt sich mit Bogen am Fuß und
der zweistöckigen Variante abgeschrägtem Stamm deutlich vom großen I ab,
aus demselben Grund hat das J eine Unterlänge.
In geometrischen Serifenlosen oft spiegelgleiche
Buchstaben wie b, d, p und q unterscheiden sich bei
SemikolonPlus. Auch die Ziffern und Interpunktio­
nen sind in besonderer Weise gestaltet. »Meist ent­
wickelt sich das Komma aus dem Punkt«, so Hüls­
mann. »Bei der Helvetica etwa ist der Punkt eher qua­
dratisch, und das Komma nimmt die quadratische
erfuhr beispielsweise, dass Menschen ohne viel Form auf. Bei der Thesis ist er rund, diese runde Form
Lesevorerfahrung die offeneren, einfacheren For­ nach unten verlängert bildet dann das Komma.«
men einer Serifenlosen bevorzugen – auch wenn Bei der SemikolonPlus dagegen kontrastieren Punkt
Antiqua­Schriften im Allgemeinen als besser les­ und Komma. Ersterer ist rund, das Komma hat einen
bar gelten, weil die Serifen bei der Zeilenbildung eckigen Schwung. Entsprechend sind Punkte auf den
helfen. Doch erwachsene Leseanfänger gehen buch­ Umlauten eher rund, die Akzente dagegen eckig.
stabierend vor, lesen also nicht in Wortbildern, so­ Lange hielt sich der Typedesigner bei dem klei­
dass eine gute Unterscheidbarkeit der Buchstaben nen a auf. Immer wieder schwankte er zwischen der
besonders wichtig ist. »Umso erstaunlicher war es, simplen und der doppelstöckigen Form. Schließlich
dass die Lehrmaterialien des Bundesverbands selbst entschied er sich für die einfachere, weil sie leichter
in einer Art Futura oder einer Helvetica­ähnlichen zu schreiben und daher auch visuell besser erfass­
Druckschrift gesetzt waren – nicht gerade ideal«, Die einstöckige Version des bar ist. Da Lesetexte von Kleinbuchstaben bestimmt
a ist leichter zu erfassen.
sagt Bernd Hülsmann. »Meine Idee, eine spezielle werden, sind diese stärker ausgeprägt als die Ver­
Einkerbungen an den Einläu­
Schrift zu entwickeln, fand der Vorstand gut und ver­ fen sorgen dafür, dass das salien. Aber auch diese haben die insgesamt offe­
sprach, sie einzusetzen.« Zeichen an den Schnittpunk­ nen Formen und die leichte Rechtsneigung, die den
ten nicht zu dunkel wird. Lesefluss in der Zeile betont.
Details machen den Unterschied Außerdem helfen sie, das a

Nun begann der Designer einzelne Buchstaben zu vom o zu unterscheiden. Individualität kontra Gemeinsamkeit
Oben die erste Version des
zeichnen, zuallererst das n, mit dessen Bogen und einfachen a, die aufgrund
Die größte Herausforderung bei der Gestaltung der
Stamm er bereits die Dynamik für die neue Schrift, der größeren Ähnlichkeit SemikolonPlus lag darin, trotz individueller Glyphen
die er SemikolonPlus taufte, vorgab. Es folgten form­ zum o verworfen wurde ein einheitliches Schriftbild zu erzeugen. Gelegent­
lich musste Bernd Hülsmann einen Schritt zurück­
gehen und etwas Eigenheit aus den Zeichen heraus­
nehmen. Wie zum Beispiel beim m, das zunächst kei­
nen Anstrich oben links hatte, um es deutlich von r
und n zu unterscheiden. Die Form fiel aber zu sehr
aus dem Rahmen und so kam der Anstrich wieder
dran. Die Dynamik der Bögen, die ja in zahlreichen
Buchstaben wie n, m, h, u auftauchen, sorgen für
den Zusammenhalt, während die Unterschiedlich­
keit in den Details auftritt. »Um hier das richtige
Maß zu finden, half nur eines: immer wieder Texte
ausdrucken und prüfen, verbessern, optimieren«,
erzählt Bernd Hülsmann.
Dass es ein aufwendiges Projekt werden würde,
wusste der Designer von vornherein. »Gerade zum
Ende hin kam ich gewaltig in Schweiß, schließlich
hatte ich nur ein Semester Zeit.« Der Zeitrahmen
page 05.17 073

Buchstaben wie b, d, p und


q verwechseln Leseanfänger
gern – vor allem wenn ihre
Formen einfach gespiegelt
sind. In der SemikolonPlus
fungiert der glatte Fuß des b
als Unterscheidungsmerkmal
zum d, das zudem einen schräg
angeschnittenen Stamm hat

Zunächst ähnelte das m


dem u (ohne Anstrich oben
links), um es von n und r
abzuheben. In Tests zeigte
sich aber, dass es mit
Anstrich besser zu erfassen
ist. Zur deutlichen Unter-
scheidung setzte Bernd
Hülsmann den Bogen des r
wesentlich tiefer an und
gestaltete ihn auch steiler

Durch die schräg gestell-


te Beinform setzt sich
das M besser von der
Umgebung gerader Lini-
en ab und unterscheidet
sich auch deutlich vom N
074 page 05.17 › projekte › Leichteres Lesen

Wie beim a unter-


stützt der einfache
Zeichenaufbau
des g Leseanfän-
ger dabei, das
Zeichen zu iden- Der Querstrich des G ragt
tifizieren. Die ausreichend weit nach innen,
eckigen Einläufe um die Verwechslungsmöglich-
am Stamm vergrö- keit mit dem C zu verringern.
ßern die Punze Auf die Fußeinkerbung verzich-
und hellen damit tete Bernd Hülsmann und fügte
das Zeichen auf. stattdessen – analog zu
Der offene Bogen anderen Buchstaben – einen
verstärkt diese glatten Eckanschluss an
Wirkung

Futura
Druckschrift

J Ili
TheSans

Das leicht verlängerte J


tritt in der SemikolonPlus
sowohl am Wortanfang
als auch innerhalb eines
Wortes deutlicher hervor
als ein J ohne Unterlänge

Die frappierende Ähnlichkeit


von großem I und kleinem l sorgt
bei vielen serifenlosen Schrif-
ten (hier Arial) für Irritationen.
Ein Bogen am Fuß des l – der
zudem das eckige Gestaltungs-
merkmal aufnimmt – sorgt
bei der SemikolonPlus für bes-

ßB
sere Lesbarkeit. Außerdem
überragt der schräge Stamm
leicht die Versalhöhe

Das ß nimmt die Form der frühen


Lang-s auf und unterscheidet
sich damit klar vom B, anders
als hier bei der Helvetica
PAGE 05.17 075

war auch deswegen sportlich, weil der 38-Jährige Anders als etwa bei der
parallel zur SemikolonPlus die SemikolonClassic ent- Helvetica sind die Druckschrift
Ziffern offen und hell
wickelte, die mit einem doppelstöckigem a und g
gestaltet. 6 und 9
etwas anspruchsvoller zu lesen ist und sich dank ih- sind nicht gespiegelt.
rer größeren Neutralität quasi universal einsetzen Auch 3 und 8 unter-
lässt. »Es ist schon eine eigene Schrift, auch wenn scheiden sich deutlich:
es oft nur Kleinigkeiten wie die Form der Punzen, die Die 3 setzt sich aus
Bögen zusammen, die 8
Strichenden oder Bogeneinläufe sind, die sie von
hat eine Schleifenform
der SemikolonPlus unterscheidet.«

Bitte öfter einsetzen!


Nach Fertigstellung der Schrift und Abschluss seines Keine Frage, die
Studiums ließen ein Vollzeitjob als Webdesigner in SemikolonPlus ist deut- SemikolonPlus
einem Unternehmen und zwei Kinder Bernd Hüls- lich besser lesbar als
serifenlose Klassiker
mann keine Zeit mehr für Typoexperimente. Vor zwei
wie Futura, Helvetica,
Jahren aber bewogen ihn die vom Bundesbildungs- Gill Sans oder die aus
ministerium ausgerufene Dekade für Alphabetisie- Helvetica- respektive
rung ( https://is.gd/bmbfAlpha) sowie die ankom- Arial-Formen auf-
menden Flüchtlinge dazu, die Semikolon-Familie gebaute Druckschrift
wieder hervorzuholen. Gemeinsam mit der Hambur-
ger Foundry URW++ überarbeitete er einzelne Zei-
chen, optimierte das Hinting und machte sie so auch
fit fürs Web. Demnächst folgen soll noch eine Kursi-
ve für die SemikolonPlus und anschließend für die Rund trifft eckig: Während
SemikolonClassic. sich das Komma norma-
lerweise aus dem Punkt
Teuer ist die Schrift nicht, die Desktop-Lizenz für
entwickelt, kontrastieren
SemikolonPlus in Regular und Bold kostet gut 50 Eu- die beiden in der Semi-
ro, zusammen mit den beiden Schnitten der Semi- kolonPlus. Der Punkt ist
kolonClassic sind es etwa 100 Euro ( https://is.gd/ rund, das Komma hat
URWsemikolon ). Es wäre wünschenswert, dass Bil- einen eckigen Schwung
dungseinrichtungen, Verbände oder auch private
Initiativen in ihren Drucksachen die SemikolonPlus
einsetzen. Der Bundesverband Alphabetisierung und
Grundbildung e. V. hielt Wort: Er nutzt sie seit 2011
medienübergreifend für Lesehefte, Informations-
und Lehrmaterialien in der Erwachsenenbildung. Ich
persönlich finde übrigens, auch die Schulbuchverla-
ge könnten sich die Semikolon mal ansehen. Meinen
Söhnen wäre mit ihr das Lesenlernen sicher leichter Rotis Sans Serif Helvetica TheSans

gefallen als mit der Futura-ähnlichen Grotesk, die


Bei der Gestaltung
ihnen zugemutet wurde. ant der Semikolon-
Familie war Bernd
Wie Kreative Geflüchteten helfen. Weitere Hülsmann das
Projekte vom WhatsApp-Deutschkurs Buch »Anatomie
bis zum »First Aid«-Iconset finden Sie unter der Buchstaben.
↗ www.page-online.de/kreative-helfen Designing Type«
von Karen Cheng,
2008 im Verlag
PAGE Story »Retina mit MicroPlus-Fonts«. Um Hermann Schmidt
optimale Lesbarkeit in allen Medien ging es erschienen,
Tobias Frere-Jones beim Entwurf der Retina – eine große Hilfe
über Konzeption und Umsetzung berichten wir in
PAGE 02.17 ↗ www.page-online.de/PEPA1702
076 page 05.17 › projekte

Nachwuchs
Spannende Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

Mit der Natur


● FH Vorarlberg. Outdoorsportbeklei­
dung wird längst nicht mehr ausschließ­
lich zum Mountainbiking oder Klettern
getragen, sie ist eher zum persönlichen
Statement geworden. Doch wie steht es
um die Nachhaltigkeit einer Branche, die
sich auf die Nähe zur Natur beruft? Dieses
Thema beleuchtete Chris Matt in seiner
Bachelorarbeit »Mehr als nur ein Grün­
schnabel – Konzeption, Strategie und Ge­
staltung einer nachhaltigen Outdoormar­
ke« im Studiengang InterMedia ( https://
is.gd/V_InterMedia ).
Dafür untersuchte Chris Matt die As­
pekte Mode, Outdoor, Konsum und Me­
diendesign im Hinblick auf ökologische
und soziale Sustainability­Fragen und be­
rücksichtigte dabei auch Einblicke aus
Interviews mit einigen Branchenvertre­
tern. Auf dieser Grundlage gestaltete er
die fiktive nachhaltige Marke Reincarna­
ted. Sowohl den Theorieteil als auch das
Brand Book produzierte er als Bücher aus
Recyclingmaterialien, zusammengehal­
ten in einem Einband, den er aus einsti­
gen Rucksackbestandteilen fertigte. Der
leidenschaftliche Outdoorsportler be­
schreibt seine Arbeit als Selbstexperiment,
einen gesellschaftlichen Beitrag in Form
nachhaltiger Gestaltung zu leisten und
zudem als Designer Verantwortung zu
übernehmen. nik

Chris Matts Bachelor-


arbeit besteht aus zwei Diplomarbeiten, Abschlussprojekte
Büchern, der Thesis und Werkschauen. Mehr unter
»White Glacier« und dem ↗  www.page-online.de/werkschauen  
Reincarnated-Brand- und ↗  www.page-online.de/aus-
Book »Black Rock« den-hochschulen  
PAGE 05.17 077

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und Kommunikation www.jgs-stuttgart.de

Logo zum Annähen und ein Case aus recycelten


Rucksäcken: Das Thema Nachhaltigkeit war
auch bei der Umsetzung Programm

Studenten aufgepasst!
Für euch gibt’s 6 cm
umsonst!

Chris Matt
arbeitet heute bei
der Münchner
PAGE zum Studententarif gibt’s unter
Kreativagentur
www.page-online.de/shop/studenten-abo
Pascher+Heinz, die
einen klaren Fokus
auf Sport legt
078 page 05.17 › projekte › Nachwuchs

Fast wie Leonardo


● Universität  Duisburg-Essen. In einem freien
Projekt – der Entwicklung der Zeichen-App Myvin-
chy – verknüpfte Julian Praest Skills aus zwei Studien-
gängen: dem bereits abgeschlossenen Kommunika-
tionsdesignstudium an der Folkwang Universität der
Künste und seinem jetzigen Wirtschaftsinformatik-
studium (https://is.gd/E_WInform), mit dem er sich
auf Programmierung spezialisiert. Das iOS-Tool hilft
beim Illustrieren, indem es Vorlagen (Grafiken, Fo-
tos et cetera) in skalier-, dreh- und spiegelbare Um-
risszeichnungen konvertiert. Hält der User die
iPhone- oder iPad-Kamera über das Blatt, legen
sich die Konturen schablonenartig – wie auf einem
Prämiert mit dem Nach-
wuchspreis der Visual
Transparentpapier – als zusätzliche Ebene über das
Effects Society (von Kamerabild auf dem Bildschirm.
links): die Diplomanden In der Konzeptionsphase sammel-
Francesco Faranna te Julian Praest zunächst Input von
(Effects Producer), Designern und Künstlern. Nach ers-
Martin Lapp (Regie), ten Designs in Sketch ging es zügig an
Nicole Rothermel
die Programmierung der nativen App
(Technical Director)
mittels Xcode. Diese stellte er in meh-
und Johannes Franz Eine App,
(Lead Technical Director)
reren Testings auf die Probe und opti- die Einsteigern
sowie der Student mierte dann iterativ. Das zweite we- präzises Zeich-
Thomas Sali (VFX Set sentliche Feature führte er nach dem nen erleichtert,
Supervisor/Art Director) Launch auf Basis des Feedbacks ein: hätte sich Julian
ein flexibles Zeichenraster, das sich Praest zu Beginn
über die Bildvorlage auf dem iPhone seines Kommu-
Effektgewitter legt, um das Abzeichnen zu erleich- nikationsdesign-
studiums selbst
● Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigs- tern. Seit vergangenem November ist gewünscht –
burg. Es kracht, knallt und raucht ganz gewaltig im Myvinchi kostenlos im App Store ver- nun hat er sie
Kurzfilm »BreakingPoint«, den Studierende des Ani- fügbar und bringt es aktuell bereits entwickelt
mationsinstituts ( www.animationsinstitut.de) ge- auf einige tausend Nutzer ( http://my
meinsam mit Kommilitonen des Studienschwer- vinchy.com). as
punkts Werbefilm (https://is.gd/LB_werbefilm) rea-
lisierten. Rund 20 Monate schraubte das Team an
dem 105-Sekunden-Spektakel, in dem sich eine Frau
ihren Weg durch eine im wörtlichen Sinne »aus den
Fugen geratene Welt« bahnen muss, um ihr Kind
gesund auf die Welt zu bringen.
Die große Herausforderung stellte dabei die Inte-
gration von Realfilm und visuellen Effekten dar. Re-
gisseur Martin Lapp entwickelte daher schon das
Storyboard mit roughen Animationen in Cinema 4D.
Danach berechnete er in einer Previsualization die
einzelnen Einstellungen. Gedreht wurde unter ande-
rem in den Bavaria Studios und in Ludwigsburg. In der
achtmonatigen Postproduktionsphase erstellte das
Team mit der Animationssoftware Maya unzählige
Computergrafikelemente und animierte Umgebun-
gen, baute mit Houdini FX Effekte und integrierte den
virtuellen Output mit der Compositingsoftware Nuke
in das Live-Material. Insgesamt entstanden 12 Tera-
byte an Daten – und ein Ergebnis, das mehrere Award-
Jurys beeindruckte. Sehenswert ist nicht nur der Kurz-
film selbst ( https://is.gd/BreakingPoint ), sondern
auch das Making-of (https://is.gd/Makingof) dazu. as
080 page 05.17 › Werkzeug › Datensicherheit

WerKzeug

Lbvaxkg
Lbx bakx
Wtmxg!*
Datensicherheit ist nicht sexy – aber notwendig.
Marco Peters von Solutionbar über häufige
Datenlöcher in Kreativagenturen – und was man
dagegen tun kann
page 05.17 081

● Kreativität und Datensicherheit – das sind zwei installierte Festplattenverschlüsselung FileVault in


Begriffe, die nicht besonders oft miteinander asso- den Sicherheitseinstellungen aktivieren. Dafür be-
ziiert werden. Kreativität, das ist Ideen-Pingpong nötigt man weder Technik-Know-how, noch muss
ohne Einschränkungen, den Gedanken freien Lauf man die teils komplizierten Verschlüsselungstech-
lassen, herumspinnen und Neues erschaffen. Daten- niken verstehen. Nur eines sollte auf keinen Fall pas-
sicherheit hingegen klingt so ziemlich nach dem Ge- sieren: Wird das Log-in-Kennwort vergessen, gibt
genteil. Wenn hier von Kreativagenturen die Rede ist, es keine Möglichkeit, die Festplatte jemals wieder
sind keinesfalls nur die großen Netzwerkagenturen zu entschlüsseln. Auch der Ausbau der Festplatte,
gemeint. Das »Rückgrat der Agenturbranche« ist die der Target-Modus, ein Admin-Kennwort oder Ähn-
Mittelschicht – und gerade diese kann durch hohe liches können hier nicht mehr helfen – verschlüsselt
Schadenersatzzahlungen im Falle eines Datenver- ist verschlüsselt.
lusts in erhebliche finanzielle Schieflage geraten.
Dennoch hat das Thema Datensicherheit in den 2. Tatort E-Mail
letzten Jahren kaum einen Kreativen hinter dem Der überaus hilfsbereite Taxifahrer hat den Laptop
Ofen hervorgelockt. Doch langsam wenden die Auf- zu seinem Besitzer zurückgebracht. Glück gehabt!
traggeber das Blatt – denn diese prüfen Agenturen Jetzt muss dieser die Präsentation vom Vormittag an
mittels Audit. Bei diesem Verfahren wird begutach- den Kunden senden. Dazu schreibt er eine E-Mail
tet, ob Prozesse und Datensicherheit in der Kreativ- und fügt die Präsentation mit den vertraulichen In-
agentur den Anforderungen der »Industrienorm« xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx formationen als Anhang an. Ein Moment der Un-
entsprechen. Früher reichte eine Unterschrift im Ver- achtsamkeit, ein Vertipper – und schon ist die E-Mail
trag. Heute, in Zeiten zunehmender Cyberkrimina- Der Verlust an einen anderen Kontakt rausgegangen. Alle sen-
lität, lassen Auftraggeber die Einhaltung ihrer ge- von Kunden- siblen Daten, innovativen Ideen und Projektdetails
stellten Anforderungen von externen IT-Dienstleis- daten stellt liegen nun bei einer projektfremden Person. Wenn
tern überprüfen. man den Empfänger nicht zufällig sehr gut kennt
Spätestens jetzt müssen auch die Kreativen einse- einen Verstoß und den Fauxpas im Nachhinein durch einen Anruf
hen, dass an professionellen IT-Strukturen kein Weg gegen das und anschließendes Löschen gerade biegen kann,
mehr vorbeiführt. Viele glauben, dass das Thema Bundes- hat man ein Problem.
Informationssicherheit bei ihnen schon »irgendwie datenschutz- Zudem ist ein Vertipper in Eile nicht der einzige
passt«. Doch ich wette, dass die meisten Agenturen Fallstrick. Bei der E-Mail-Kommunikation kann ei-
mindestens drei der folgenden sieben Datenlöcher gesetz dar. ne Menge schiefgehen: E-Mails werden automatisch
dringend stopfen müssten. Die passenden Tipps – weitergeleitet, weil der Empfänger im Urlaub ist, die
deren Umsetzung übrigens nicht viel kostet – lie- Autofill-Funktion des E-Mail-Programms setzt einen
fern wir Ihnen jeweils direkt dazu. falschen Empfänger ein, ein Adressbucheintrag wur-
de fehlerhaft angelegt und so weiter. Auch die eige-
1. Tatort Festplatte ne Unkonzentriertheit kann grobe Fehler verursa-
Der Präsentationstermin beim Kunden war erfolg- chen, etwa wenn man in einer internen Mail, in der
reich, und der Projektmanager nimmt ein Taxi zur es um einen Kunden geht, den Kunden versehent-
nächsten Besprechung. Erst dort bemerkt er, dass er lich selbst als Empfänger angibt.
seinen Laptop im Wagen vergessen hat. Der Super- Die Lösung: Die einfachste Möglichkeit ist, E-Mail-
gau! Nicht nur die Hardware ist weg, auch alle sen- Anhänge zu verschlüsseln. Dazu speichert man die
siblen Daten könnten in fremde Hände gelangen. Datei als PDF und wählt währenddessen die Option
Jemand mit bösen Absichten könnte jederzeit exter- »Verschlüsseln«. Landet eine E-Mail mit einem derart
ne Festplatten an den Rechner hängen und gezielt gesicherten Anhang dann bei einem falschen Emp-
Daten klauen. Der Log-in beim Rechnerstart schützt fänger, kann dieser überhaupt nichts damit anfan-
davor nicht. Bei den eigenen Daten ist das nur ärger- Die Headline »Sichern Sie
gen. Wichtig ist hierbei natürlich, dass das Passwort
lich. Bei Kundendaten drohen für die Nichteinhal- Ihre Daten!« haben wir zur Datei niemals in derselben E-Mail mitgesendet
tung von Geheimhaltungserklärungen, sogenann- mit der Cäsar-Chiffre werden darf. Dann wäre die ganze Aktion hinfällig.
ten Non-Disclosure Agreements (NDA), nicht selten verschlüsselt. Dabei wer- Am besten, man schickt das zugehörige Passwort
hohe Vertragsstrafen. Davon abgesehen stellt der den die Buchstaben des über einen anderen Kanal, etwa per SMS.
Verlust von Kundendaten einen Verstoß gegen das lateinischen Alphabets

Bundesdatenschutzgesetz dar. um eine beliebig festzu- 3. Tatort Drucker


legende Anzahl von Posi-
Die Lösung: Alle Festplatten lassen sich mit Soft- Den Laptop im Taxi liegen gelassen, den falschen E-
tionen zyklisch nach rechts
warelösungen verschlüsseln. Bei Apple-Computern oder links verschoben
Mail-Empfänger gewählt – wirklich kein guter Tag.
ist eine Festplattenverschlüsselung im Betriebssys- (hier 19 Stellen nach rechts). Doch am Arbeitsplatz lauern weitere Sicherheits-
tem integriert. Das funktioniert hier mit einem Klick Alle anderen Zeichen fallen. Diesmal geht es um die Budget- und Ressour-
und dem Log-in-Kennwort: Man muss nur die vor- bleiben unverändert. cenplanung eines Projekts. Während die sensib-
082 page 05.17 › Werkzeug › Datensicherheit

len Daten an den Agenturdrucker gesendet wer­ sollte sich die Sperre nach kurzer Zeit ohne Nutzung
den, kommt ein wichtiger Anruf – und schon sind von selbst aktivieren.
die Ausdrucke vergessen. Diese liegen jetzt für jeden Wer noch sicherer sein möchte, kann alle instal­
Mitarbeiter frei zugänglich in der Papierausgabe lierten Apps auf Zugriffsrechte überprüfen. Denn vie­
des Druckers. Nicht auszudenken, was passieren le Apps können zum Beispiel standardmäßig auf die
kann, wenn die Planung in falsche Hände gerät. Kontakte zugreifen. Wer weiß schon genau, was die
Vorsicht geboten ist zudem beim Scannen von Betreiber mit diesen Daten machen dürfen? Deshalb
Originaldokumenten. Große Drucker speichern ge­ sollte man Apps nur aus offiziellen Stores herunter­
scannte Formulare auf der internen Festplatte. Das laden, wo sie vorher auf Sicherheit geprüft werden.
bedeutet: Zuletzt gedruckte Dokumente könnten er­
neut ausgedruckt werden. Wird der Drucker also wei­ 5. Tatort Server
tergegeben (zum Beispiel bei einer Firmenübernah­ In vielen Agenturen können die meisten Mitarbei­
me) oder zurück an die Leasingfirma geliefert, sind ter ohne Probleme auf den Server zugreifen und ha­
die zuletzt gedruckten Aufträge weiterhin abrufbar – ben so eventuell Einblick in Projekte, an denen sie
Gleiches kann für Fotokopien gelten. nicht arbeiten oder die sogar geheim sind. Selbst bei
Eine weitere ebenso unsichere Funktion bei Dru­ eingeschränkter Serverfreigabe lassen sich einzel­
ckern: gescannte Dokumente direkt als E­Mail ver­ ne Daten abrufen (etwa unverschlüsselt abgelegte
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
senden. Da wird der Drucker zum E­Mail­Client, der Bilddateien), wenn einem projektfremden Mitarbei­
alle Scans unverschlüsselt versendet und oft auch Für das ter etwa versehentlich die Freigabe erteilt wurde.
zentral speichert. Ist diese Funktion aktiviert, kön­ Die Lösung: Generell reicht eine Zugriffssteuerung
nen Hacker das ausnutzen. Filesharing für eine Serverfreigabe »Projekt XY« allein nicht aus.
Die Lösung: Bei Druckaufträgen sollte man in den über die Kommt es hier zu Rechteproblemen, erhält ein Mit­
Druckeinstellungen immer die Option »geschützte Cloud gilt arbeiter nicht nur Zugriff, sondern kann sogar alle
Ausgabe« wählen. Das führt dazu, dass nicht nur die genau wie Dateien öffnen und verändern, sofern diese nicht mit
Datei erst dann ausgedruckt wird, wenn der betref­ einem Passwort gespeichert sind. Jede sensible Da­
fende Mitarbeiter seine PIN am Drucker eingegeben beim E-Mail- tei muss also immer – egal, wo sie gespeichert ist –
hat, auch die Druckdatei wird nicht im Drucker ge­ Verkehr: mit einem Passwortschutz versehen sein.
speichert. Die Einstellung für »geschützte Ausgabe« Was unver- Bei Word, Excel oder PowerPoint ist das kein Pro­
findet sich in der Regel in den druckerspezifischen
Einstellungen, wo beispielsweise auch das Papier­
schlüsselt blem. Schwierig wird es, wenn Designer mit InDe­
sign, Photoshop et cetera arbeiten und dabei mit sen­
format eingestellt wird. versendet siblen Informationen umgehen. Diese Dateien las­
Beim Scannen sollten die Funktionen »Scan2Mail« wird, kann sen sich nicht mit einem Passwort schützen. Hier
und »Scan2Folder« niemals für vertrauliche Doku­ in falsche gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nutzt ei­
mente verwendet werden. Viel besser ist hier ein Do­
kumentenscanner, den man via USB an den Rech­
Hände nen Extraserver nur für das Projekt – oder einen ge­
schützten Container, der auf dem eigenen Server
ner anschließen kann. Des Weiteren sollte man stets gelangen. liegt. Auf diesen können dann nur am Projekt betei­
auf eine aktuelle Druckersoftware achten, um Sicher­ ligte Mitarbeiter per Passwort zugreifen.
heitslücken auszuschließen.
6. Tatort Cloud
4. Tatort Smartphone Die Zeit rennt, denn der Abgabetermin für ein Pro­
Im Agenturalltag passiert es immer wieder: Man ver­ jekt nähert sich dramatisch. Es hat ewig gedauert,
legt sein Smartphone oder lässt es im Konferenzraum den zur Aufgabe gehörenden Imagefilm zu rendern,
liegen, weil schon bald das nächste Meeting beginnt. jetzt muss dieser auch noch in die Cloud geladen wer­
Oder man vergisst das gute Stück nach einem Ter­ den. Die Uhr tickt. Für das Filesharing über die Cloud
min. Wer das Handy findet, drückt dann meist intu­ werden oft Anbieter wie Dropbox oder WeTransfer
itiv die Power­Taste. Ist kein Sperrcode aktiviert, lässt genutzt. Doch Stopp! Genau wie beim E­Mail­Ver­
sich über den Posteingang schnell herausfinden, kehr gilt hier: Was unverschlüsselt versendet wird,
wem das Smartphone gehört. kann in falsche Hände gelangen. Und das war’s dann!
Findet ein Kollege das Smartphone, ist das halb so Die Lösung: Cloudbasierte Datenaustauschprogram­
schlimm. Ist es ein Agenturkunde, wird auch er den me können bedenkenlos genutzt werden, sofern die
Besitzer des Smartphones ausfindig machen wollen. Dateien passwortgeschützt sind und das zugehö­
Ungünstig, wenn dann interne E­Mails – vielleicht rige Kennwort separat verschickt wird. Für Agen­
sogar zum laufenden Projekt – sichtbar werden. Al­ turen mit Großkunden ist es allerdings durchaus
so: Sperre aktivieren! Doch Achtung: Das eigene Ge­ sinnvoll, auf Software für das Speichern von Daten
burtsdatum bietet keinen ausreichenden Schutz. auf dem eigenen Server zurückzugreifen – zum Bei­
Die Lösung: Nur sichere PINs und Codesperren auf spiel ownCloud. Hier werden außerdem zwei Fliegen
sämtlichen beruflich genutzten Geräten bieten ech­ mit einer Klappe geschlagen: Zum einen sind Ser­
ten Schutz vor fremden Zugriffen. Der Code sollte vices wie Dropbox oder WeTransfer in den Daten­
möglichst sinnfrei sein und nicht mit dem Besitzer schutzrichtlinien von Kunden häufig nicht erlaubt
in Verbindung gebracht werden können. Außerdem beziehungsweise die Anbieter sogar in der Fire­
Nice-to-must-have.
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084 page 05.17 › Werkzeug › Datensicherheit

wall des Kunden gesperrt. Sicherer ist der eigene dern. Mitarbeiter brauchen deshalb klare Linien, an
Ser ver plus Freigabeerteilung. Selbstverständlich die es sich zu halten gilt – etwa Richtlinien, Vorga-
muss auch bei der Freigabeerteilung auf entspre- ben und dazu passende Schulungen, die ihnen das
chende Sicherheitsvorkehrungen (siehe »Tatort E- nötige Know-how vermitteln.
Mail«) geachtet werden. Regelmäßige Sicherheitsschulungen im Mitar-
Zum anderen punkten Dienste wie ownCloud in beiterkreis, die immer wieder die Achtsamkeit er-
Sachen Schnelligkeit: Wenn das Datenaustausch- höhen, haben sich bewährt. Vieles kann man nicht
system auf dem eigenen Server liegt, entfallen lange oft genug sagen. Ab einer gewissen Agenturgröße
Uploadzeiten und Abgabetermine lassen sich deut- empfiehlt es sich, einen Mitarbeiter zu benennen,
lich entspannter einhalten. Der Kunde lädt sich dann der eine Fortbildung zum »Informationssicherheits-
einfach die entsprechenden Dateien vom Agentur- beauftragten« macht und sich dann zentral um das
server herunter. Thema kümmert, regelmäßig Tipps gibt und Schu-
lungen für Mitarbeiter anbietet. Steht ein Audit an,
7. Tatort Zettelwirtschaft sollte zusätzlich Expertenhilfe in Anspruch genom-
Endlich Wochenende, das letzte Meeting ist vorbei, men werden. Hier geht die Überprüfung noch ei-
alle wollen schnell nach Hause. Im Konferenzraum nen Schritt weiter, und ein Fachmann nimmt alle
stehen aber immer noch die Arbeitsmaterialien zum xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx technischen Sicherheitsvorkehrungen genauestens
aktuellen Projekt: Moodboards, Aufsteller mit Logo- unter die Lupe.
entwürfen und Post-it-Strategieschritte an der Wand. Wenn Was noch nicht oft vorkommt – aber in Zukunft
Da liegt nun also das neue Logo für den Kunden niemand zunehmen wird – ist, dass ein Kunde einen Auftrag
im gläsernen Meetingraum wie auf dem Präsentier- nur an eine Kreativagentur vergibt, sofern diese ein
teller – das ganze Wochenende. Betriebsfremde Per-
aufräumt, ISO-27001-zertifiziertes Information Security Ma-
sonen, die Zugang zum Gebäude haben, können oh- sehen auch nagement System (ISMS) nachweisen kann. Das be-
ne Weiteres alles in Ruhe anschauen. Am Montag projekt- trifft vor allem Kreativagenturen, die beispielsweise
sind wieder einige Kundentermine in der Agentur fremde für Kunden aus dem Automotive-Bereich arbeiten.
angesetzt, der erste schon um 8:30 Uhr – wenn nie- Da diese Forderung aber noch nicht so häufig ge-
mand aufräumt, sehen auch projektfremde Kunden Kunden die stellt wird, haben wir uns bei Solutionbar die Lösung
die Entwürfe. Noch schlimmer: Diesen wird schnell Entwürfe. des »Mini-ISMS« ausgedacht. Wie bei der Einfüh-
klar, wie hier mit Geheimhaltung umgegangen wird. Diesen wird rung eines »richtigen« ISMS geht es hierbei um die
Die Lösung: In Kreativagenturen ist nichts sinnvol-
schnell klar, Erstellung von Richtlinien, um Sicherheitsschulun-
ler als eine Clean-Desk-Policy. Alle Mitarbeiter müs- gen und um Prozesse zur kontinuierlichen Verbes-
sen dafür Sorge tragen, dass die Schreibtische leer wie hier mit serung der Sicherheitsmaßnahmen. Das Mini-ISMS
und die Arbeitsmaterialien unter Verschluss gehal- Geheim- hat bei vielen Audits, die wir begleitet haben, kom-
ten werden. Was online ein Passwortschutz leistet, haltung plett ausgereicht – mit dem Vorteil, dass die Kosten
passiert offline über abgeschlossene Schränke oder
Räume. »Datenmüll« wie Ausdrucke, die nicht mehr
umgegangen bei nur etwa der Hälfte eines zertifizierten ISMS lie-
gen. Sollte irgendwann dann eine richtige ISO-Zer-
gebraucht werden, kommen erst in den Schredder wird. tifizierung erforderlich sein, kann auf das Mini-ISMS
und dann in Sicherheitscontainer. aufgebaut werden. Marco Peters (nik)

Fazit: Die Mitarbeiter sind das


größte Risiko Marco Peters bringt gerne Ordnung
in chaotische Strukturen – früher als
Für das Stopfen von Sicherheitslücken in Kreativ- Head of IT in einer der größten kreativ-
Foto: Solutionbar

agenturen braucht es keinen Fachmann. Oftmals agenturen Deutschlands, heute


sind es kleine Dinge, die wider besseres Wissen im als gründer und geschäftsführender
gesellschafter in seinem unter-
Alltag vernachlässigt werden – wie etwa die Code-
nehmen Solutionbar in München.
sperre im Smartphone. Jede Agentur sollte deshalb ↗ www.solutionbar.de
das Thema Informationssicherheit ganz oben auf
ihre Agenda setzen. Mit ein paar Handgriffen ist viel
Versicherungen für Kreative. rechtsschutz?
getan, und man riskiert weder Datenklau noch ho-
Berufshaftpflicht? In unserer Serie erklären
he Vertragsstrafen. wir, welche Versicherungen unverzichtbar sind
Bei allen Sicherheitsfaktoren gilt: Den meisten ↗  www.page-online.de/versicherungen
Mitarbeitern fehlt das Bewusstsein für das Thema
Datensicherheit. Sie öffnen E-Mail-Anhänge von un-
PAGE eDossier »Krisenmanagement für
bekannten Absendern (Stichwort: Schadsoftware), Gestalter«. Job versemmelt? Daten weg? Idee
rufen sensible Daten über Tische hinweg durch den geklaut? ↗ www.page-online.de/pDDp1010
Raum und gehen sorglos mit Passwörtern um. Die-
se werden gern in Kalendern oder Adressbüchern
PAGE Seminar »Bildrecht«. Hier erfahren Sie
notiert, am Telefon buchstabiert – und nicht selten alles Wesentliche, um als Bildnutzer und als Bild-
verwenden Mitarbeiter für alle Anwendungen (auch urheber rechtlich auf der sicheren Seite zu sein
für die privaten) dasselbe Passwort, das sie nie än- ↗ www.page-online.de/seminar-bildrecht
page 02.14 57
anzeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Design
Thinking
Insights & Hands-on-
Workshop
2017
Die Referentin Das Seminar mit Edenspiekermann
● Pia Betton, Partnerin bei Edenspiekermann, ● Der Markt ist übersättigt mit digitalen Anwendungen, aber nur einige
blickt auf 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen wenige sind erfolgreich. Wen wundert’s, die Nutzerroutinen ändern
Brand Development, Corporate Design, Design sich stetig und damit auch die Anforderungen an Inhalte und Formate,
Thinking, Design Research, Innovation und sprich: an den eigentlichen Service. Die strukturierte Innovations-
Communication zurück. Ihre berufliche Laufbahn methode Design Thinking setzt hier an und verfolgt den Ansatz, Produk-
führte sie ins Management von Unternehmen te und Services aus Sicht des Nutzers zu gestalten. Diese Herangehens-
wie MetaDesign, Institute of Electronic Business weise hat Technologieführer wie Apple und Google groß gemacht.
und heute Edenspiekermann. Ihr Portfolio
internationaler Kunden reicht von Firmen wie Im PAGE Workshop »Design Thinking« gewährt Ihnen Pia Betton,
Bang & Olufsen, Carlsberg, E.ON und LEGO Partnerin bei Edenspiekermann, tiefe Einblicke in Kundenpro-
bis zu öffentlichen Institutionen wie Deutsche jekte, die durch genau diese Methode erfolgreich geworden sind.
Bahn und Danish Investment Fund. Sie erproben den gleichen Prozess, den Edenspiekermann
genutzt hat, um beispielsweise das Redesign von ZEIT Online
Die Agenda sowie ZEITmagazin Online zu gestalten.

1 Intro. Wie genau sieht ein Kick-off-Workshop Mittels Design Thinking entwickeln Sie Ideen für neue relevante Expe-
bei edenspiekermann aus, in dem mit Design- riences und setzen diese als Prototypen um. Sie erlernen in praktischer
Thinking-Methoden gemeinsam mit dem Kunden Anwendung wirksame und pragmatische Innovationsmethoden,
der grundstein eines projekts erarbeitet wird? die Sie später selbstständig in Ihren eigenen Arbeitsalltag einbringen
Welche Hürden gibt es in einem Design-Thinking- können. Das umfasst nutzerorientierte und mediengerechte Denk-
prozess? pia Betton gibt einblick in konkrete Cases. weisen, aber auch konkrete Mittel, um Ideen schnell und ohne großen
Ressourcenaufwand kommunizier- und überprüfbar zu machen.
2 Nutzerbedürfnisse. Die Teilnehmer lernen,
die wahren Bedürfnisse zu erfragen und auf Das Seminar stärkt das Bewusstsein für die besonderen Anforderungen,
Basis dieser Insights personas zu erstellen, die die durch digitale Services entstehen. Vor allem zeigt es aber, dass es
die grundlage für den weiteren prozess bilden. keinen Grund für Berührungsängste gibt. Wertvolles Know-how von
Designprofis für Designprofis in Agentur, Start-up und Unternehmen!
3 Produktideen. Die relevanten Bedürfnisse
werden von den irrelevanten differenziert, um
neue userzentrierte experiences zu generieren. Das Seminar findet am 7. April 2017 bei edenspiekermann
ein von edenspiekermann entwickeltes Spiel in Berlin von 9:00 bis 18:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 756 euro
unterstützt den Ideenfindungsprozess. (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten,
Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 personen
4 Prototyping. Die Teilnehmer setzen ihre begrenzt! also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.  
ansätze auf den eigenen Smartphones um, sodass
sie am ende einen funktionierenden prototyp
in Händen halten, präsentieren und testen können. page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
5 Retrospektive. Die Teilnehmer erarbeiten,
aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
wie sie das erlernte Wissen am besten in Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
ihren gestaltungsprozess integrieren können. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
086 PAGE 05.17 › WERKZEUG › Interdisziplinäre Teams

Diese nützliche und


erhellende Übersicht über
Falz- und Bindearten
stammt aus dem Buch
»Vom Blatt zum Blättern«
von Franziska Morlok und
Miriam Waszelewski

Vereint!
Klammergeheftet, spiralgebunden oder doch lieber eine Fadenheftung? Gestalter
page 05.17 087

sollten wissen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Techniken haben
088 page 05.17 › Werkzeug › Bindetechniken

● Bilder verschwinden im Bund, die Heftklammern xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Dabei kann man schon mit kleinen Mitteln viel
lösen sich, die Seiten im Buch schlagen Wellen. Är­ erreichen. Der niederländische Designer Rob van
gerlich. Und unnötig, denn all diese Dinge passieren, »Wenn man Hoesel etwa wählte für den Katalog zum Graphic
weil man sich in der Konzeptionsphase zu wenig Ge­ heute ein Design Festival Breda mit der klebegebundenen
danken über die spätere Bindung oder Heftung eines gedrucktes Freirückenbroschur eine günstige Variante. Das
Buchs, einer Broschüre oder eines Katalogs gemacht
hat. Zu oft wird dies als etwas Nachgelagertes gese­
Buch produ­ Cover aber ist schräg gefalzt, bekommt so Räum­
lichkeit und einen tollen Effekt. »Mit einer guten
hen, das die Druckerei irgendwie erledigt – und nicht ziert, ist Konzeption lässt sich mit jeder Bindetechnik etwas
als Teil des Gestaltungsprozesses. das eine Interessantes realisieren«, meint Miriam Waszelew­
»Wenn man heute zum Beispiel ein gedrucktes bewusste ski. »Hat man eine günstige klammergeheftete Bro­
Buch produziert, ist das eine bewusste Entscheidung, schur, kann man vielleicht am Cover etwas verkür­
weil es eben auch andere, digitale Möglichkeiten gä­
Entschei­ zen und die Publikation so objekthafter gestalten.«
be. Deshalb sollte man es nicht nur als Informations­ dung, weil es
träger, sondern als Objekt denken. Dafür ist es un­ eben auch Um die Bindung herum
erlässlich, über die Herstellung Bescheid zu wissen«, andere, digi­ Egal, ob geheftet, geklebt oder genäht – häufig kommt
ist Franziska Morlok überzeugt. Zusammen mit um die gebundenen Blätter ein Umschlag: entweder
Miriam Waszelewski hat die Designerin das Buch
tale Möglich­ eine feste Buchdecke, also ein Hardcover, oder ein
»Vom Blatt zum Blättern« für den Verlag Hermann keiten gäbe. flexibler Einband, den man auch Broschur nennt.
Schmidt konzipiert, geschrieben und gestaltet (sie­ Deshalb Eine der gängigsten Lösungen ist die klassische Bro­
he Buchtipp unten). sollte man es schur, bei der man den Buchblock mit einem flexi­
blen Umschlag verklebt. Eine englische Broschur
Mit wenig viel erreichen nicht nur dagegen besteht aus einem inneren Umschlag aus
Neben Inhalt und Zielgruppe, Format und verwen­ als Informa­ Karton und einem äußeren, bedruckten Schutzum­
detem Papier gilt es von Anfang an zu bedenken, tionsträger, schlag, der lose umgelegte oder angeklebte Ein­
wie die gedruckten Seiten zusammengefügt werden sondern als schlagklappen hat. Eine besonders edle Variante ist
sollen. Dabei ist es sinnvoll, den Drucker oder Buch­ die Schweizer Broschur, bei der der Buchblock am
binder gleich einzubeziehen, denn verschiedene Ide­ Objekt Rücken mit einem Gewebestreifen eingefasst ist.
en wirken sich auch entsprechend auf das Budget denken« Der äußere Kartonumschlag klebt nicht am Rücken
aus. »Im Alltag rücken die Kosten oder bestimmte Franziska Morlok und des Buchblocks, sondern mit einem schmalen Strei­
Anforderungen an die Funktionalität oft so sehr in Miriam Waszelewski, fen an der letzten Seite. Diese Variante gehört zu den
den Vordergrund, dass man über die Bindetechnik Designerinnen Lay­Flat­Broschuren.
oder die Ausstattung gar nicht mehr diskutiert – ge­ und Buchautorinnen, Für diese Broschuren gilt ebenso wie für die vor­
stalterisches Potenzial, das ungenutzt bleibt«, sagt Berlin gestellten Bindearten (siehe Seite 90 f.): Es gibt eine
Miriam Waszelewski. Vielzahl unterschiedlicher Varianten und Möglich­
keiten, über die man sich bei der Herstellung vorab
genau informieren sollte. Im Normalfall beauftragt
die Druckerei den Buchbinder oder sie hat sogar ei­
Buchtipp nen im Haus. Für spezielle Wünsche und Ideen las­
sen sich aber natürlich auch Spezialisten hinzuzie­
»Vom Blatt zum Blättern« hen (siehe www.page­online.de/bindung_0517). Be­
● Nicht an angehende Buchbinder, sondern vor man sich entscheidet, sollte man zudem beden­
explizit an Gestalter richtet sich das soeben ken, dass sich das Druckverfahren möglicherweise
vom TDC New York prämierte Handbuch von auf die Bindung auswirkt. So können zum Beispiel
Franziska Morlok und Miriam Waszelewski. beim Digitaldruck mit Trockentoner dessen Wachs­
420 Seiten voll mit Informationen, Inspiratio-
nen, Tipps von Buchbindern und Hinweisen zu
möglichen Fehlerquellen. Die ersten 20 Seiten
Vorne ist hinten
sind als Flatbook (ein)gebunden und zeigen
Das Wendenotiz-
gleich, was es mit dieser Technik auf sich hat.
buch mit Falttasche
Das in Schwarz, Weiß und Korall gehaltene produzierte brandbook
Buch ist auch gestalterisch ein Highlight und aus Frankfurt ( w
  ww.
beweist mit Noppen und Prägungen auf dem brandbook.de )  für das
Cover, wie wichtig Haptik ist. Beim Lesen wird Londoner Lifestyle-
klar: Print ist nicht tot, sondern quicklebendig. Magazin »Monocle«. Es
besteht aus zwei
am Rücken verbundenen
Franziska Morlok, Miriam Waszelewski: Vom
Büchern. In der Doku-
Blatt zum Blättern. Falzen, Heften, Binden für mentenmappe finden
Gestalter. Mainz (Hermann Schmidt) 2016, kleine Zettel und Visiten-
420 Seiten. 50 Euro. ISBN 978-3-87439-877-0 karten Platz, die sonst
gerne mal verschwinden.
page 04.17 089
Foto: Suzanne Jongmans

und Silikonanteile den Leim einer Klebebindung Ecken knicken Ansonsten hat sie zwar keine Lieblingsbindung,
derart verändern, dass er nicht mehr gut hält. Lacke Mit wenig Aufwand viel jedoch einen Wunsch: »Ich würde gerne mal ein
können ebenfalls Einfluss auf den Kleber haben. erreicht hat Rob van Buch ohne enges Budget realisieren. Ich bin sicher
Hoesel (www.robvan nicht an Materialschlachten interessiert, aber es
Rustikale Buchdecken hoesel.nl) beim Katalog wäre schön, wenn man bezüglich der Bindung nicht
zum Graphic Design
Selbstverständlich unterliegen auch Bindetechniken immer denken müsste: Ach, das lässt sich eh nicht
Festival Breda. Mit der
Trends. So sah man lange Zeit sehr viele Fadenheftun­ realisieren.« ant
klebegebundenen
gen mit offenem Rücken oder Publikationen mit ver­ Freirückenbroschur
kürzten Seiten. »Freie Buchrücken sind immer noch wählte er eine günstige Buchbindereien, die vor keiner Idee zurück-
stark verbreitet«, meint Martin Mosch, der mit seinem Variante, das schräg schrecken. eine auswahl leidenschaftlicher
Berliner Büro hawemannundmosch selbst Bücher ge­ gefalzte Cover sorgt für Druckdienstleister und Hersteller finden Sie
staltet und in den letzten beiden Jahren in der Jury des einen tollen Effekt. unter ↗  www.page-online.de/bindung_0517
Wettbewerbs Die schönsten deutschen Bücher saß.
»Ebenso häufig sind aber auch geschlossene Rü­
cken, die gerade statt abgerundet sind – oft mit ex­
trem dicken Buchdecken, nicht selten aus grauem Keine bösen Überraschungen
Karton, nur mit Schrift bedruckt«, berichtet Mosch.
»Solche rustikalen Bücher mit Werkstattcharakter,
bei der Printproduktion
die meist sehr wuchtig daherkommen, sind momen­ Drei Tipps von Franziska Morlok und
tan beliebt.« Seine Mitjurorin Katrin Schacke, Ge­ Miriam Waszelewski

1
stalterin aus Offenbach, sind die ausgefallenen Aus­
stattungsmaterialien aufgefallen: edle Papiere und Das optimale Format wählen. Bevor Sie das
Papierkombinationen, Einbände aus Leinen, Filz, Format final festlegen, sollten Sie unbedingt
Lederfaser­ und Kunststoffen, selbst Kork. herausfinden, wie es auf den Druckbogen
Franziska Morlok, die nicht nur Bücher schreibt, passt und wie viel Verschnitt entsteht. Wenn
sondern als Mitbegründerin des Designbüros Rimi­ wir uns nicht sicher sind, schreiben wir in unserer Anfrage an
ni in Berlin ( http://rimini­berlin.de) auch gestaltet, die Druckerei: »Bitte teilen Sie uns mit, ob es Formatopti-
mag lieber sehr dünne als extrem dicke Buchdeckel. mierungen gibt!« Gerade bei einem kleinen Budget kann sich
das lohnen, und man läuft nicht Gefahr, dass das Projekt

2
wegen ein paar Millimetern mehr wesentlich teurer wird.
Die Laufrichtung berücksichtigen. Ist die
Laufrichtung des Papiers falsch, kann sich unter
Umständen die ganze Publikation wellen.
Richtig schlimm ist es bei einer Klebebindung,
weil der Kleber in die falsche Richtung in die Papierfasern
eindringt und sich das Ganze noch mehr wellt. Aber auch
bei anderen Techniken sieht es nicht schön aus und ist auch

3
schwer zu binden.
Einen Dummy bauen. Gerade wer etwas
Spezielles plant, sollte unbedingt ein Muster
anfertigen lassen. Nur so kann man sehen,
ob die Idee funktioniert und ob Kunde, Agentur
und Druckerei tatsächlich das Gleiche verstanden haben.
090 page 05.17 › Werkzeug › Bindetechniken

Welche Bindung für


welches Projekt
Schnell und günstig
Klammerheftung. Man benötigt lediglich Draht­
klammern, die die ineinandergesteckten Druck­
bogen im Rücken zusammenhalten. Da das Verfahren
nicht nur kostengünstig, sondern auch schnell ist,
eignet es sich für große Auflagen. Besonders hoch­
wertig kommt diese Bindung nicht daher, dem
kann man mit dem Einsatz unterschiedlicher Papiere
oder farbiger Klammern entgegenwirken. Die Dicke
des zu heftenden Blocks ist begrenzt, wobei die
maximale Seitenzahl natürlich von der Grammatur
des Papiers abhängt.
Geeignet für: Zeitschriften, Kataloge, Broschüren,
Notizhefte aller Art

Klebebindung. Einzelne Blätter oder gefalzte Bogen


werden mit Klebstoff verleimt. Bei der Einzelblatt­
klebung lassen sich gut verschiedene Papiersorten
und ­grammaturen kombinieren. Diese Verfahren
kommt oft bei großen Auflagen zum Einsatz, flach
aufschlagen lassen sich die Publikationen nicht.
Je nach Kleber ist die Bindung unterschiedlich lange
haltbar, mit der Fadenheftung kann sie allerdings
nicht konkurrieren.
Geeignet für: eher kurzlebige Produkte wie
Schrauben, Nieten, Ösen
Taschenbücher, Zeitschriften, Broschüren
Für alles, was man auffächern
soll, wie zum Beispiel Papier-
musterbücher, ist es sinnvoll, Bindesysteme. Wir alle kennen es vom College­
die Seiten nur mit einer Schrau- block: Eine Drahtspirale hält die einzelnen
Gummi statt Kleber
be oder Niete zu versehen. Seiten zusammen. Bindesysteme wie diese sind
Manchmal reicht ein
günstig und schnell. Wer keine Drahtspiralen
Gummiband, um die Seiten
zusammenzuhalten. Das mag, kann Plastikkämme (gibt es auch aus recy­
Lookbook für die Stylistin celtem Kunststoff ), Ringe oder Schrauben verwen­
Irina Graewe hat den. Halten Klemmschiene oder Gummiband
I Like Birds gestaltet. den Block zusammen, lassen sich nachträglich
Seiten austauschen.
Geeignet für: Blöcke, Kalender, Lehr­
materialien, Papiermuster, Speisekarten,
auch für Kleinstauflagen

Langlebiger, hochwertiger, aber auch


zeitaufwendiger
Lay-Flat-Bindung. Hier verklebt man die Blätter
vollflächig miteinander, sodass sie sich ganz
plan aufschlagen lassen und nichts im Bund verloren
geht. Franziska Morlok und Miriam Waszelewski
empfehlen als maximale Stärke 6 Zentimeter, höhere
Blöcke ließen sich maschinell nicht mehr verar­
beiten. Von großer Bedeutung ist zudem das Papier:
»Ungestrichene Sorten eignen sich wegen ihres
hohen Papierfaseranteils besonders gut«, so Wasze­
lewski. »Die Grammatur sollte bei mindestens
170 Gramm liegen, da es sich beim vollflächigen
page 05.17 091

Formatvielfalt
Bei den Printmedien zur
Outsider-Art-Ausstellung
»Ich liebe dich wie Apfel-
muß« setzte das Hambur-
ger Designstudio I Like
Birds ( w
  ww.ilikebirds.de ) 
auf Fadenheftung
und verschiedene Papier-
formate. Der Katalog ist
ein echter Hingucker,
der beim German Design
Award 2016 Gold gewann.

Verkleben sonst wellen könnte.« Gestrichene Variante langlebig, zeitaufwendig und recht teuer.
Sorten sind nicht zu empfehlen, denn es kann Geeignet für: hochwertige Notizhefte, Schreib-
passieren, dass nur der Strich auf der Oberfläche blöcke und Broschüren
am jeweils anderen Bogen klebt und sich das
Papier darunter später ablöst. Lay-Flat-Bindungen Ohne alles
sind vergleichsweise teuer, dafür aber lange Falzen. Eigentlich ist Falzen ein Arbeitsschritt in der
haltbar. Inzwischen gibt es Papiere, die bereits Buchbindung, bei dem man die Druckbogen auf
mit einer Klebefläche versehen sind und sich ein kleineres Format bringt, bevor man sie verklebt,
von der Druckerei direkt als Lay-Flat-Bindung heftet oder vernäht. Die gefalzten Bogen können
Dreigeteilt
verarbeiten lassen. aber auch das Endprodukt sein. Fenster-, Wickel-,
1200 Seiten hat der Band
Geeignet für: Fotobücher, Kinderbücher, Altar-, Kreuzbruch- oder Leporellofalz – was das
»JamesJenniferGeorgina«,
Bildbände Richtige ist, hängt vom gewünschten Ergebnis ab. der unter anderem 210
Geeignet für: Zeitungen, Flyer, Leporellos ant der 1136 Postkarten enthält,
Fadenheftung. Ein Faden im Rücken hält die die Jennifer Butler ihrer
Bogen zusammen. Dabei werden diese zunächst zu Tochter Georgina schickte.
PAGE Story »Drucken auf Naturpapier«.
einzelnen Heften und dann zu einem Buchblock Dass sich der von der
In page 05.15 finden Sie Tipps und Tricks zur
vernäht. Mit Farbe und Material der Fäden lässt sich niederländischen Buch-
Weiterverarbeitung ungestrichener papiere
designerin Irma Boom
die Gestaltung variieren. Fadenheftung dauert ↗  www.page-online.de/pepa1505
( w
  ww.irmaboom.nl ) 
nicht nur länger als eine Klebebindung, sie ist auch gestaltete Wälzer trotz-
teurer, dafür aber deutlich haltbarer. Daher kommt PAGE eDossier »Umweltfreundlich drucken«. dem gut aufschlagen
sie meist für langlebige Printerzeugnisse zum Ein- Den Ratgeber für nachhaltige printerzeugnisse lässt, liegt an dem
satz. Aber nicht nur. Fadengebundene Notizbücher gibt es auf ↗  www.page-online.de/pDDp1117 dreigeteilten Rücken.
zum Beispiel sehen sehr hochwertig aus. Ob der
Rücken offen bleibt oder man ihn in eine feste oder
flexible Buchdecke einbindet, ist Geschmacks-
sache. Die erste Variante hat ein besseres Aufschlag-
verhalten, ist aber nicht ganz so stabil.
Geeignet für: Hardcoverbücher, hochwertige
Notizbücher und Broschüren

Seitliche Fadenheftung. Hier näht man nicht im


Rücken, sondern an der Seite, was deutlich
wertiger aussieht als eine vergleichbare Klammer-
heftung. Da man einen gewissen Abstand zum
Rand einhalten muss, ist das Aufschlagverhalten
nicht wirklich gut und auch der Umfang begrenzt.
Wie die anderen Fadenheftungen ist die seitliche
092 page 05.17 › Werkzeug › animation im uX Design

Da ist
Bewegung
drin Animationen sind keine Spielerei – wir zeigen Ihnen, wie Sie
animierte Objekte clever entwickeln und so einsetzen, dass sie
die User Experience unterstützen, emotionalisieren und den Fokus auf
die wirklich wichtigen Inhalte lenken

● Animationen – richtig eingesetzt, erfüllen sie Zweck und Stil verbinden und sich nahtlos in die
ein ganzes Bündel an Aufgaben: Sie signalisieren Erfahrung des Users einfügen.
das Feedback auf User-Interaktionen, überbrü- So wie klassisches Branddesign der Marke
cken Ladezeiten, geben Orientierung, lenken die über Inhalte, Typografie und Farbigkeit eine be-
Aufmerksamkeit des Nutzers in die gewünschte stimmte Tonalität und Stimmung verleiht, müs-
Richtung, verbessern die Verständlichkeit, erklä- sen auch klassisches Web- und Mobile Design
ren Features, drücken Emotionen aus und ver- bei der Gestaltung von Animationen einen mar-
leihen der Marke Persönlichkeit. kengerechten Weg finden. Eine Möglichkeit, so
»Die Persönlichkeit der Marke zu kennen und Val Head, könnte ein sogenanntes Motion Audit
zu wissen, wie sie sich in Bewegung ausdrücken xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx sein, das alle vorhandenen Animationen katalo-
kann, ist der Schlüssel, um mit Animationen ein gisiert und die Basis für neue Formen bildet. Oder
einzigartiges Erlebnis über viele Plattformen und
»Animationen man übersetzt die Persönlichkeitsmerkmale der
Medien hinweg zu schaffen«, betont Val Head. Die sind der Leim, Marke direkt in Animationen. Auf jeden Fall soll-
Web- und User-Interface-Designerin aus Pitts- der die User ten Animationen nicht Selbstzweck oder nettes
burgh, Pennsylvania, hat sich auf Motion-Style- Experience visuelles Beiwerk sein, sondern immer einen be-
guides und Animation-Training spezialisiert und stimmten Zweck verfolgen und sich nahtlos in
veröffentlichte 2016 »Designing Interface Anima- zusammen- den Rest des Designs integrieren, um die Nutzer-
tion – Meaningful Motion for User Experience« hält« erfahrung zu verbessern.
(Brooklyn, Rosenfeld Media 2016, 39,00 Dollar, Pelle Martin, Creative
ISBN 978-1933820323). Das Buch richtet sich an Einsatzgebiete für Animationen
Director und Gründer
Webdesigner, User-Experience-Profis und Front- von Spring/Summer in Neben Tutorial-Animationen, animierten GIFs
end-Entwickler und ist ein echter Crashkurs in Kopenhagen oder aufwendigen 2D- und 3D-Animationen,
Theorie und Praxis des Motion Designs, denn es ↗ http://spring die – etwa als Hero- oder Backgroundvideo – ein
zeigt eindrücklich und gut nachvollziehbar, wie summer.dk Eigenleben unabhängig vom Zweck der digita-
man Webanimationen erstellen muss, damit sie len Anwendung entwickeln können, sind für die
User Experience im Web- und App Design insbe-
sondere drei Animationstypen relevant:
1. Page Transitions bilden das Grundgerüst je-
des digitalen Interfaces und spielen insbeson-
dere im Mobile Design eine große Rolle, um den
User beim Wechsel zwischen Unterseiten zu füh-
ren. Damit der Nutzer die Orientierung auf dem
kleinen Display nicht verliert, stellen Designer
die Inhalte der Unterseiten nicht einfach durch
hartes Neuladen dar, sondern blenden sie weich
mittels Animation ein. Wechselt man beispiels-
weise in der Facebook-App vom News Feed zu
den Notifications, bewegt sich der aktuelle Con-
tent links aus dem Bild hinaus und der neue Con-
tent von rechts herein. Animationen helfen dem
User, den an sich unsichtbaren digitalen Raum
außerhalb des Viewports zu imaginieren, so-
dass er quasi die virtuelle Karte des Interfaces
und der Informationsarchitektur vor dem inne-
ren Auge hat. Auf diese Weise fühlt sich die App
an wie aus einem Guss.
Dank aktueller Webtechnologien wie der Face-
book-User-Interface- und JavaScript-Bibliothek
React (https://facebook.github.io/react), die auch
Instagram, WhatsApp, Yahoo und Airbnb ein-
setzen, wird sich dieser Trend mittelfristig auch
im Web- und App Design widerspiegeln. Ziel von
React ist es, dass Entwickler kein oder wenig
HTML und dafür nur noch JavaScript selbst schrei-
ben müssen. Der JavaScript-Code generiert dann
den HTML-Code. Ein Beispiel: Früher luden Web-
sites wie beispielsweise Trivago die komplette
Seite nach Eingabe der Suchanfrage neu, um die
Suchergebnisse anzuzeigen. Dank React läuft es
nun viel eleganter: Statt der kompletten Seite
wird nur der Bereich neu geladen, der die ver- Wellenanimation als Grundmotiv
schiedenen Hotels anzeigt. Spring/Summer für die Danish Shipownersʻ Association
2. Microinteractions haben ebenfalls eine gro-
● Navigating Responsibly entstand als informative Website für die Danish
ße Bedeutung für Website-User. Ein gutes Bei- Shipowners Association ( w   ww.shipowners.dk )  . Dies hätte auch eine ziemlich
spiel ist Twitters »Gefällt mir«-Interaktion. Klickt langweilige mittels Text und Bildern erzählte Geschichte werden können. Statt-
man auf das graue Herz unter einem Tweet, ent- dessen gelang es, die Site mit Animationen reizvoller zu gestalten. Die Startseite
lädt sich dieses in einem Schwall aus buntem zeigt zu Beginn eine animierte Welle, aus der sich die Hauptnavigation entwickelt.
Konfetti, bevor es endgültig rot wird. Diese klei- Die Welle zieht sich als Grundmotiv durch die gesamte Website.
ne Animation ist nicht nur eine visuelle Reaktion ↗  www.navigatingresponsibly.dk
auf die Interaktion des Nutzers, sondern unter-
streicht auch die emotionale Bedeutung eines
Klicks auf »Gefällt mir«. Im Ergebnis also hau-
chen Microinteractions dem digitalen Produkt
Leben ein und machen Interaktionen emotional
nachvollziehbar.
3. Dekorative Animationen und Emojis erfüllen
ihren Zweck, wenn man eine Website emotional
aufladen oder die Nutzer in einem komplexen
Navigationsprozess unterstützen möchte. Ein Animation trifft Technikgeschichte
schönes Beispiel ist die mobile Dropbox-App: IBM Design für IBM
Hier erzählen die Designer mithilfe animierter
Illustrationen eine Geschichte, die den Onboar- Ein Beispiel für die gelungene Übertragung der Markenidentität in eine simple
ding-Prozess wie in einem Tutorial unterstützt. Animation ist das IBM-Video »Magnetic Tape Unit«, in dem die Ladeanimation
Zwar ist diese Animation für den Nutzer nicht die rhythmischen Rotationen früher Bandspulen wieder aufnimmt.
zwingend notwendig, doch im kritischen Mo- ↗  https://vimeo.com/131559925
094 page 05.17 › Werkzeug › animation im uX Design

ment der Registrierung für einen Dienst schafft als bei den Präsentationsprogrammen hat man
sie ein positives Gefühl und kann so die Conver- jedoch eine große Bandbreite an Parametern
gence sichern. zur Verfügung, wie beispielsweise Easing oder
Timing. Nur Mitya erlaubt den Export von HT-
Ein Schuss Disney hilft immer ML Code, Flinto und Principle veranschaulichen
All diese Animationsarten wollen von Designern Prototypen in der iOS App.
gestaltet werden. Dazu braucht es vor allem ein Im Aufwind befindet sich momentan auch
Grundverständnis für Animationsprinzipien. Be- wieder das klassische Animationsprogramm Af-
reits in den 1930er Jahren entwickelten die Walt- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx ter Effects von Adobe. Eigentlich ein Tool, um
Disney-Animationsdesigner Frank Thomas und Animationen für Videos zu erstellen, war After
Ollie Johnston zwölf Prinzipien der Animation, »User wollen Effects für Web- und App-Animationen lediglich
die ihre Gültigkeit bis heute bewahrt haben. etwas bedingt geeignet, denn komplizierte Animatio-
Auch wenn Interface-Animationen in einem nen ließen sich nur mit großem Programmier-
anderen Medium arbeiten, zeigen Disneys Prinzi- erleben« aufwand realisieren. Als Designer musste man
pien dennoch sehr effizient, wie man Animatio- Matthias Mentasti, also bei der Animationsgestaltung ein erhebli-
nen gestaltet, die die reale Welt widerspiegeln Creative Director ches Maß an Empathie für den Developer mit-
und effektiv kommunizieren. Das wichtigste Prin- und Co-Founder von bringen. Doch dank Plug-ins wie dem von der
zip ist »Squash and Stretch«, weil es animierten wild in Wien Airbnb-Designabteilung entwickelten Lottie
Objekten wie beispielsweise einem Ball durch ↗ www.wild.as ( http://airbnb.design/lottie), Marcus Eckerts
das Verleihen physikalischer Eigenschaften wie Squall (www.marcuseckert.com/squall) oder
Gewicht und Flexibilität Leben einhaucht. Über- Facebooks Keyframes (https://is.gd/facebookin
trieben kann eine Streckung oder Quetschung cubatorgithub) lassen sich Animationen nun di-
einen komischen Effekt haben. rekt in Code umwandeln, was nicht nur alle After-
»Anticipation« beschreibt die Vorbereitung auf Effects-affinen Designer, sondern ganz beson-
ein bevorstehendes Ereignis: Bereitet sich ein ders die Entwickler freut.
Character beispielsweise auf einen Sprung vor, Für Designer, die keine Angst vor Code haben
muss er erst einmal in die Knie gehen. »Staging« oder gerade dabei sind, sich in diese Welt ein-
lenkt den Blick der Nutzer in eine bestimmte Rich- zuarbeiten, ist die Prototypingsoftware Framer
tung. »Slow in and Slow out« simuliert die Be- ( https://framer.com) eine echte Alternative. Mit
und Entschleunigung eines Körpers zu Beginn dem grafischen Editor kann man schnell realisti-
und Ende einer Bewegung. Eine Animation wirkt sche Animationen ausprobieren, während das
wesentlich realistischer, wenn sie mehr Zeich- Programm die Animationsparameter direkt in
nungen also Frames per Second in der Nähe von Code umsetzt, den man dann an die Entwickler
Anfang und Ende einer Handlung hat. Theore- weitergeben kann. Dank des grafischen Inter-
tische Grundlagen zum Thema kann man bei faces lassen sich Animationen einfach verän-
Wikipedia (https://is.gd/12principleswikipedia) dern, und Framer schreibt im Hintergrund brav
nachlesen. Zudem zeigen die Videos auf https:// den JavaScript-Code mit. Weiterer Vorteil: Die
vimeo.com/93206523, http://the12principles.tum große Framer-Community steht einem bei Fragen
blr.com und https://is.gd/12principlesalanbecker und Problemen rund um die Programmierung
youtube Disneys zwölf Prinzipien sehr anschau- mit Feedback zur Seite.
lich in Bewegung .
Vorsicht vor Überfluss
Kleine Tools, große Tools Animationen können sowohl positive als auch
Hat man diese grundlegenden Prinzipien erst ein- negative Auswirkungen auf den Zugang zum In-
mal verinnerlicht, erprobt man diese am besten xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx terface haben. Sind sie geschickt eingesetzt, re-
hands-on. Dank der vielen schlanken Prototy- duzieren sie, ganz nach der Devise »Don’t make
ping-Tools, die in den vergangenen Jahren auf den »Animationen me think«, die kognitive Last und helfen den
Markt kamen, ist dies auch für Designer ohne machen Usern, Zustandsänderungen leichter zu verfol-
Programmierkenntnisse einfacher denn je. Wire- das Web gen und zu verstehen.
framing-Werkzeuge wie Principle ( http://princi Diese eigentlich positiven Aspekte machen
pleformac.com), Flinto (www.flinto.com) oder
endlich sich Designer mitunter aber etwas zu übereifrig
mitya ( http://mitya.com ) unterstützen bei der lebendig« zunutze. »Manche Agenturen neigen dazu, Seiten
Exploration und eignen sich hervorragend, um Jens-Michael Blümel, überzuanimieren, weil sie damit Awards gewin-
Page Transitions, Microinteractions und Emojis Creative Director nen wollen«, meint Matthias Mentasti, Creative
und Co zu gestalten. Vom Prinzip her funktionie- bei Sh|ft TWT Director und Co-Founder des Digital Branding
ren sie wie die Präsentationsprogramme Key- Strategy Consultants Studios wild in Wien. So würden Award-Web-
note oder PowerPoint. Der Designer erstellt ver- in Düsseldorf sites wie Awwwards oder The Favorite Website
schiedene Stadien einer Seite oder eines Elements ↗ www.shift- animierte Seiten eher vorschlagen als nicht ani-
und überlässt es dann dem Programm, diese zu strategy.de mierte. Auch Mike John Otto, Geschäftsführer
einer flüssigen Animation zu verbinden. Anders und Executive Creative Director Digital bei
page 05.17 095

Animation schafft Markenidentität


Wild für Bang & Olufsen

● Create von Bang & Olufsen ist ein Quasi-Start-up 
im Unternehmen, das Sound entwickelt und  
damit experimentiert und spielt. Diese Experimen-
tierfreude spiegelt sich auch auf der Website  
wider. Bei der Konzeption stand die soundunter-
stützte Navigation im Fokus der Seite. User  
können horizontal durch die verschiedenen Projekte 
scrollen oder swipen und erzeugen dabei spiele-  
risch Sound. Wollen die Besucher mehr Informationen 
zu einem der Lautsprecherprojekte, wird keine  
neue Seite geladen; vielmehr zoomt oder swipt man 
hinein. Animationen spielen hier also eine große 
Rolle, um dem User die Funktion von Create inner-  
halb von Bang & Olufsen spielerisch zu vermitteln. 
Page Transitions geben dem User das Gefühl,  
die Navigation nie zu verlassen und dass er schnell 
weitere Informationen erlangen kann.
↗ http://create.bang-olufsen.com

Kaufprozess reanimieren
Sh|ft TWT Strategy Consultants für
ROSE Bikes

● Der internationale Onlineshop des Premiumrad-
herstellers ROSE Bikes in Bocholt erhält im Juni ein 
neues Design- und Animationskonzept. Anima tionen 
sollen das Design dabei unterstützen, die Wertigkeit 
der Fahrräder lebendi ger darzustellen und den Kauf - 
prozess zu verbessern. Sh|ft Strategy Consultants 
unterschied dafür zwei Animations arten: Solche, die 
selbstständig ablaufen, und solche, die man als User 
durch Interaktionen auslöst. Selbst ständige Anima - 
tionen finden sich im Aufbau von Inhaltselementen 
und lassen während des Scrollens die Inhalte lebendig 
werden: Auf den redak tionellen Seiten faden Texte 
und Bilder individuell ein und erzeugen beim User ein 
Gefühl sportlicher Dynamik. Interaktive Animationen 
kommen vor allem im Bike-Konfigurator zum Einsatz 
und helfen, die komplexe Anwendung spielerisch zu 
entdecken. Dabei blendet der Konfigurator Informa-
tionen ein und aus oder verschiebt sie in ihrem 
Kontext, um neue Zusammen hänge zu schaffen.
↗  www.rosebikes.de
096 page 05.17 › Werkzeug › animation im uX Design anzeIge

»Anticipation«, »Timing«
und »Solid Drawings« Die Referentinnen
sind nur drei von Disneys
zwölf Principles of
Animation. Der New
Yorker Motion Artist
und Animation Director
Vincenzo Lodigiani
hat sie sehr schön
nachvollziehbar und
zeitlos umgesetzt
↗  https://is.gd/
12principles

● Sabine Pallaske, Mitbegründerin und bis 2016


Geschäftsführerin von F1online, ist Coach in Sachen
Philipp und Keuntje in Hamburg, ist von zu viel Bild- und Urheberrechte mit bildgerecht.de. Sie hat
Bling-Bling auf Websites genervt: »Eine Website ist Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie
überanimiert, wenn die Form, also die Animation als an der Hochschule Darmstadt studiert und war lange
Stilelement, vom Inhalt ablenkt oder den User über- Zeit selbstständig als Fotografin tätig. Ihre Sach-
fordert.« Weiter gibt er zu bedenken, dass man auf kompetenz bringt sie unter anderem beim Bundesver-
Animationen eher verzichten sollte, wenn sie die band professioneller Bildanbieter (BVPA) aktiv ein,
Seite so performancelastig machen, dass der User die bei der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing
Journey lieber früher als später abbrechen würde. (MFM), die sich der Ermittlung von Bildhonoraren
Jürgen-Rahlff Lindner, Creative Director bei DDB widmet, sowie bei diversen Foren. Ihr ist es ein
Tribal in Hamburg, schüttelt manchmal nur den Anliegen, das Chaos im Bild- und Lizenzrecht für
Kopf: »Eine Animation ist überflüssig, wenn sie nicht Anbieter wie Nutzer durchschaubar zu machen.
auf das User-Erlebnis abgestimmt ist und exzessiv
ohne relevanten Grund eingesetzt wird.«
Wie viel Animation nötig ist, hängt immer vom
Kontext der Site oder App ab. Auf keinen Fall darf sie
den User daran hindern, zum Ziel zu kommen. Und
auch wenn Designer Animationen zurzeit in erster
Linie zur Unterstützung der User Experience einset-
zen, um Ladezeiten zu überbrücken oder gewisse
Punkte hervorzuheben – Spaß, vielleicht sogar ein
bisschen so wie in der Welt der Walt Disney Studios,
sollten sie schon machen. Dennis Hatwieger/ae

Dennis Hatwieger studierte im Fachbe-


reich Interaction Design an der Hoch-
schule Magdeburg-Stendal und präsen-
tiert nun stolz seine Masterarbeit
»Dokumentation von dynamischen und
interaktiven elementen in Interfaces«.
● Rechtsanwältin Silke Kirberg ist Inhaberin der auf
↗  http://dennishatwieger.de
Urheber- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei
Kirberg in Hamburg. Kernbereich ihrer Tätigkeit ist
Im PAGE eDossier »Microinteractions: Animatio- das Bildrecht. Sie berät und vertritt überwiegend
nen & Transitions« finden Sie Best practices für
Unternehmen und Freiberufler aus der Medienbran-
Web & Mobile, CSS3-Coding-Tipps sowie Tools,
Libraries und generatoren fürs prototyping & che, insbesondere Bildagenturen und Fotografen.
Wireframing ↗  www.page-online.de/pDDp1091 Daneben vertritt sie auch Privatpersonen bei Verlet-
zungen ihres Persönlichkeitsrechts in Wort und
Beispiele in Bewegung. Die erwähnten animatio- Bild. Durch ihre langjährige Praxis ist ihr das Bild-
nen können Sie sich auf page Online anschauen geschäft bestens vertraut. Silke Kirberg ist
unter ↗  www.page-online.de/animationen_0517 Mitglied des Experten-Netzwerks BVPAexperts.
Anzeige

1 PRAXiS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda

Bildrecht! 1 Grundzüge des Urheberrechts


Was ist urheberrechtlich geschützt, und wer
hat wann die nutzungsrechte inne?

Was Bildnutzer und 2 Schranken des Urheberrechts und

Bildurheber in zeiten Nebenrechte

von Facebook & Co


Welche Rechte Dritter bestehen unter
welchen Bedingungen, und wer muss
wissen müssen sich wann genehmigen lassen, ob die Bilder
veröffentlicht werden können?
A. Model Release: das Recht am eigenen Bild,
Klärung mit einzelpersonen oder Model-
agenturen (Kunsturhebergesetz, grund-
gesetz, eMRK)
Das Seminar »Bildrecht!« B. Property Release: Was ist Panorama-
freiheit, und wo braucht es die genehmigung
● Die gutgläubige Nutzung von Bildern im Kommunikations-, Grafik- und des grundstückseigentümers?
Mediendesign kann gut und gerne Nachforderungen in empfindlicher Höhe C. Markenrecht: imageübertragung oder
mit sich bringen. Und in Anspruch genommen wird immer der zuerst, der Beiwerk? Augen auf bei Styling und Requisite –
ein Bild der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Gut also, wenn alle Betei- hier herrscht großer Abstimmungsbedarf.
ligten – Artdirektoren, Art-Buyer, Bildredakteure, Social-Media-Manager,
Editorial Designer, Grafiker, Bildgestalter und Website-Betreiber – verstehen, 3 Nutzungs- und Verwertungs-
was genau sich hinter dem Begriff »Bildrecht« sowie hinter den einzelnen vereinbarungen
Lizenzmodellen verbirgt. Property und Model Release, Marken-, Eigentums- Wer räumt wem wann was ein – und wie?
und Persönlichkeitsrecht sowie das Recht am eigenen Bild bergen mehr Welche Rechte habe ich als Designer, Filme-
Fallstricke, als man gemeinhin annehmen mag. Und das sind nur einige der macher, Fotograf auf der einen Seite und
Aspekte, die selbst bei der Nutzung von sogenanntem lizenzfreiem welche als nutzer auf der anderen Seite?
Bildmaterial berücksichtigt sein wollen. Auch die AGB haben es in sich. A. Stock: RM/RF/Microstock/Creative
Commons/Flickr & Co
Im PAGE Seminar »Bildrecht« erklären Sabine Pallaske und Silke Kirberg an B. individualvertrag (Designer, Texter,
anschaulichen Beispielen aus der Praxis nicht nur, was Illustratoren und Fotograf, illustrator, Filmemacher)
Fotografen sowie Agenturen und Unternehmen bei der Auftragsvergabe und C. Miturheberschaft (extrem wichtig,
Verwertung von Bildern beachten müssen, sondern auch, wie man sich beispielsweise bei Postproduktion oder
in den bildorientierten Social Networks wie Instagram und Pinterest verhält. Styling und Food-Fotografie)
Die Referentinnen räumen in klarer, verständlicher Sprache auf mit
Halbwahrheiten und irreführenden Ratschlägen, sodass Sie ein fundiertes 4 Urheberrecht und Social Media
Rechtswissen für Ihren Arbeitsalltag erlangen, mit dem sich 90 Prozent A. grundsätzliches
der Abmahnungen vermeiden lassen. Zudem erhalten Sie geldwerte Tipps B. Quellenangabe
für die Vertragsgestaltung und Nutzungsrechtsklärung und können die C. Wie schütze ich mich gegen Missbrauch?
Pausen nutzen, um über konkrete Fälle aus Ihrem Kreativalltag zu sprechen. (Branding und andere Methoden)
D. Welche Lizenzregelungen gelten bei den
Das PAge Seminar findet am 5. Mai 2017im Hotel 25hours, verschiedenen Bildagenturen?
Hamburg-Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahmegebühr von
756 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) ist gut investiertes geld. Denn die Teil- 5 Die Tücken im Detail
nahme bewahrt Sie vor manch einer Bildrechtsverletzung, die Sie teuer zu stehen A. AgB – was ist das eigentlich?
kommen könnte, und hilft ihnen im Falle, dass Sie selbst der Urheber sind, ihre B. Angebote korrekt formulieren
Rechte zu wahren und angemessene Honorare durchzusetzen. Die gebühr umfasst C. Rechteumfang richtig beschreiben
die Tagungskosten sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf
18 Personen begrenzt! Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar .  6 Wer haftet?
Die Rechtekette und die Konsequenzen
für nutzer, Besteller und Urheber bei
Rechtsverletzungen
PAge // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in Der PAGE Workshop mit Sabine Pallaske und
der Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung Silke Kirberg lässt genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe inhaltsverzeichnis). Diskussionen und den Austausch untereinander.
Branche
page 05.17 099

Holt sie
euch!
Gleichermaßen geliebt und gehasst, spielen Wettbewerbe für
die Kundenakquise, die Mitarbeitermotivation und das Recruiting
eine große Rolle. Wir geben Tipps für die Einreichung

● In diesem Jahr feiert das Bureau Mirko Borsche Begehrte Trophäen: ebenso die 100 Besten Plakate sowie die Ausschrei-
sein zehnjähriges Jubiläum. Zehn Jahre, in denen die die ADC-Nägel, bungen des internationalen Plakatfestivals in Chau-
Münchner Kreativen nicht ein einziges Mal an Wett- die Bleistifte des
mont und der Biennale für Grafikdesign, Golden Bee
D&AD und der Stern
bewerben teilgenommen haben. »Um mit den am- (eine Übersicht über die Kosten der verschiedenen
der European
bitionierten Awardsammlern mithalten zu können Design Awards
Wettbewerbe finden Sie auf Seite 102). »Ein Award
und in einem Kreativranking aufzutauchen, muss lebt von guten Einreichungen, damit erwirbt er sei-
man einiges investieren – Geld und Zeit. Das kann nen Stellenwert«, meint Sven Lindhorst-Emme. »Ich
sich ein kleines Büro, wie wir es sind, nicht leisten«, finde es nicht erstrebenswert, an Wettbewerben wie
sagt Mirko Borsche. Dem Designer kommt das gan- dem Red Dot oder dem iF Design Award teilzuneh-
ze Wettbewerbssystem ohnehin etwas veraltet und men. Mit ihren recht hohen Gebühren, zu denen
behäbig vor. »Social Media und Blogs sind mittler- dann im Fall einer Auszeichnung noch Unsummen
weile unsere wichtigsten Akquisetools für Mitarbei- für die Veröffentlichung kommen, sind sie nicht re-
ter und Kunden. Auch die ständige Pflege unserer präsentativ für unsere Branche.«
Website spielt eine große Rolle, hier geht es weniger
um eine herausragende Einzelleistung, sondern um Schulterklopfer fürs Team
das kreative Gesamtbild eines Studios.« Für 2013 hatte die Designagentur EIGA das Ziel, sich
Der Berliner Buch- und Plakatgestalter Sven Lind- im PAGE Ranking zu platzieren. Das gelang, und
horst-Emme beschränkt sein Engagement auf eini- auch 2015 und 2016 waren die Hamburger vertreten.
ge wenige Wettbewerbe, ganz darauf verzichten mag Elisabeth Plass, Mitinhaberin von EIGA, weiß nun:
er nicht. Meist entscheidet er sich für vier bis sechs »Man wird auf jeden Fall bekannter. Auch auf der
Awards – abhängig von deren Ausrichtung und den Website machen sich die Auszeichnungen gut, zei-
anfallenden Kosten. Als Grenze hat er sich eine Teil- gen sie potenziellen Kunden doch: Die können was.«
nahmegebühr von 100 Euro (oder Dollar) pro Con- Allerdings findet sie ebenfalls, dass man dafür sehr
test gesetzt. Der TDC Communication Design passt viel Geld in die Hand nehmen muss. »Und die ersten
gut zu seinen Arbeiten und der Größe seines Büros, zehn Plätze machen dann doch meist die großen
100 page 05.17 › BRaNCHe › awards: Dos & Don’ts

Agenturen unter sich aus. Da können wir einfach


nicht mithalten, sonst müssten wir mit unserem
Zehn-Mann-Büro unverhältnismäßig investieren«,
11 Tipps für den Award-Erfolg so Elisabeth Plass. Die Teilnahme an Wettbewerben
von Katja Garff, Gründerin der Strategie- sei ein Schulterklopfer fürs Team, damit es sieht:
beratung makers & breakers in Hamburg Das, was wir tun, ist gut und wird auch anerkannt.
↗ www.makersandbreakers.de Ein großzügiges Belohnungssystem verfolgt die
Serviceplan Gruppe. Das erfolgreichste Kreativteam

1 Ohne Strategie geht nichts. Betrachten Sie die Teilnahme


an Wettbewerben wie einen Business-Case, sonst ver-
schlingt sie unnötig personalressourcen und geld. awards sind
des Jahres darf zum Cannes Lions Festival fahren, das
zweitplatzierte zur Creative Week nach New York und
die Dritten zum Eurobest Festival. Das ist sehr wichtig
Teil des Marketingbudgets. für die Motivation, so die Erfahrung von Diane Schulz.

2 Das eigene Profil festlegen. Wie wollen Sie wahrgenom-


men werden? erst wenn das geklärt ist, lassen sich die
awards, die Kategorien und die arbeiten ausfindig machen, die
Sie leitet das Award- und Innovationsmanagement bei
Serviceplan und kümmert sich um die fünfzig Wett-
bewerbe, an denen die Agentur jährlich teilnimmt.
potenzial haben. »Das sind primär große internationale Awards, zu

3 Ziele definieren. Wollen Sie in einem Ranking auftauchen?


Ihre Mitarbeiter belohnen? Oder dem Markt zeigen, dass
Sie sich weiterentwickelt haben? Ihre strategisch erarbeiteten
denen wir Arbeiten aus der gesamten Ser viceplan
Gruppe einreichen«, erklärt Diane Schulz. »Dann gibt
es noch diverse nationale und regionale Wettbewer-
Ziele bestimmen die auswahl der Wettbewerbe. be, das organisieren die jeweiligen Agenturen aber ei-

4 Die richtige Kategorie finden. Was ist das Besondere an Ih-


rem projekt? awardkategorien sind ein Dschungel und erfor-
dern eine sehr genaue auseinandersetzung mit ihrer Beschrei-
genständig.« Ihr Team hat sechs weitere Mitarbei-
ter, die sich um die Einsendungen selbst kümmern
und zudem die weltweit über 30 Serviceplan-Stand-
bung. Manche Veranstalter, wie zum Beispiel der aDC, bauen orte hinsichtlich ihrer Awardstrategien beraten.
momentan ihre Beratung aus. Nehmen Sie diese auf jeden Fall
in anspruch! Der Kategorien-Wahnsinn

5 Wettbewerbsmentalität stärken. Man muss mit Überzeu-


gung in die Manege treten und auch gewinnen wollen. Instal-
lieren Sie interne Competitions, schreiben Sie preise aus, und
In den letzten Jahren ist die Anzahl der Sparten bei
den Wettbewerben enorm gestiegen. Kein Wunder,
ist es doch eine gute Einnahmequelle, die Teilnahme-
schicken Sie die gewinner zu den Kreativfestivals. gebühr berechnet sich in der Regel nach der Menge

6 Engagieren Sie sich in Jurys. es gibt keine bessere Möglich-


keit, die Qualität und die Vergleichbarkeit von Kampagnen
zu beurteilen und die gesetze von awards zu lernen. Warten Sie
der Kategorien, in die man etwas einreicht. Das kann,
vor allem bei großen Awards, die Ergebnisse ganz
schön verwässern. Nicht selten rühmt sich eine Agen-
nicht, bis man auf Sie zukommt – bewerben Sie sich aktiv um ei- tur vieler Auszeichnungen, ohne zu er wähnen, dass
nen Juryplatz. die Hälfte davon nur auf eine einzige Arbeit entfiel.

7 Kommen Sie in Casefilmen schnell zum Punkt. Der Juror muss


den Insight in den ersten Sekunden verstehen, ebenso den
folgenden Lösungsansatz. gelingt dies nicht, wird er sich mit
»Das Studium der Kategorien ist eine Wissen-
schaft für sich«, sagt Diane Schulz. »Vor allem die
Cannes Lions sind extrem, dort gibt es mittlerweile
der exekution nicht mehr wirklich auseinandersetzen. Denken fast 350 verschiedene. Und die Veranstalter machen
Sie bei internationalen Jurys daran, dass die Inhalte auch für sie das sehr geschickt, man findet sehr viele passende.«
direkt verständlich sein müssen – deutsche Claims also besser Eine Kampagne sieht sie sich deshalb ganz genau
ins englische übersetzen. an, um zu entscheiden, ob man sie am besten als

8 Sprechen Sie das gemeinsame Jurybewusstsein an. Je


schneller Sie es schaffen, alle in der Jury zu erreichen, des-
to größer sind die gewinnchancen. aus diesem grund funktio-
Ganzes einreicht oder ob es einen Schwerpunkt gibt,
zum Beispiel die Illustration, die besonders gute
Chancen hat, prämiert zu werden. Eine Aufgabe,
nieren emotionen und politische Korrektheit so großartig – Ju- die neben viel Erfahrung auch einen ausgeprägten
roren sind auch nur Menschen. Blick fürs Detail verlangt.

9 Unbedingt vermeiden: Wahllosigkeit, Eile, Kleinteiligkeit.


Wir Deutschen neigen dazu, die Kampagnen in ihrer gan-
zen Reichweite und Umfänglichkeit zu erklären – interessant
Für kleinere Agenturen ist es schon aus finanziel-
ler Sicht unerlässlich, gründlich zu überlegen, welche
Kategorie passt. »Schauen Sie, welche Arbeiten in der
und zukunftsweisend sind jedoch oft nur Spitzen. also: Keep it von Ihnen angepeilten Sparte im Vorjahr eingereicht
short, simple and relevant! wurden und welche gewonnen haben«, rät Katja

10 Auszeichnungen nutzen. Zum Beispiel zur Selfpromo-


tion, die bei kleineren agenturen oft stiefmütterlich be-
handelt wird. Über die awards kann man mit bestehenden und
Garff. Mit ihrer Agentur makers & breakers in Ham-
burg erarbeitet sie New-Business- und Marketing-
strategien für Unternehmen und Kreative. Dazu ge-
Foto: Martina Borsche

potenziellen Kunden ins gespräch kommen. hört auch Awardberatung – ein Thema, für das sie

11 Feiern Sie! Und zwar mit dem gesamten Team. Das mo-
tiviert und spornt an. gerade junge Talente legen Wert
auf Wertschätzung und celebration.
nach zwanzig Jahren Erfahrung als Festivalrepräsen-
tantin der Cannes Lions bestens geeignet ist. Ȇber-
legen Sie, was das Besondere an Ihrem Projekt ist. Ist
es Craft, wurde ein Medium komplett neu genutzt
page 05.17 101

„Viele unserer Auftraggeber


haben kein Interesse an Awards.
Sie gehen davon aus, dass
wir als Dienstleister jeden Auf-
trag bestmöglich lösen, und
messen uns an der Resonanz
seitens ihrer Kunden“
Mirko Borsche, Designer und Ardirektor, München
↗ http://bureauborsche.com
102 page 05.17 › BRaNCHe › awards: Dos & Don’ts

oder ist es der schlaue data-driven insight ?« Ei­


ne gute Strategie kann es auch sein, zu recherchie­
Das kosten Wettbewerbe ren, welche neuen Kategorien es in einem Wettbe­
werb gibt, und nach Möglichkeit, dort eine Arbeit
100 Beste Plakate. Teilnahme: 50 bis 200 euro, abhängig von einzureichen. Vielleicht gibt es hier noch nicht so
der anzahl der plakate pro einreicher. Studierende und Mitglieder viele Einsendungen, und die Juroren wollen sicher
des 100 Beste plakate e. V. erhalten einen Rabatt von 50 pro- gerne Preise vergeben.
zent. Bei gewinn: 50 euro pro plakat als Beteiligung an Druck-
und ausstellungskosten. Casefilme sind die Norm
↗ http://100-beste-plakate.de Was die Form der Einreichung angeht, darf es für
Annual Multimedia. Teilnahme: kostenlos. Bei gewinn: 1850 euro. Printprojekte und Verpackungen gerne das Original
Werden mehrere Beiträge prämiert, reduziert sich der preis für sein, bei Plakaten sowieso. In allen anderen Katego­
jede weitere auszeichnung auf 1090 euro. Für Studierende sind rien sind Casefilme die Regel. Für Elisabeth Plass
die Teilnahme und die präsentation im Jahrbuch kostenlos. kein Problem: »Bei der Arbeit an einem Projekt ma­
↗ www.annual-multimedia.de chen wir in der Regel auch direkt einen Casefilm, da
ADC Wettbewerb. Teilnahme: 190 bis 1090 euro, abhängig von wir ihn als Dokumentation auf unserer Website ein­
der Kategorie und der anzahl der einzelteile, aus denen eine ein- setzen.« Als ADC­Jurorin weiß sie, dass es bei den
reichung besteht. ein Corporate Design kostet beispielsweise Clips darauf ankommt, den Umfang einer Idee kurz
310 euro. Keine weiteren Kosten. und schnell zu erläutern. »Für die Darstellung eines
↗ www.adc.de Corporate Designs muss eine halbe bis eine Minute
Cannes Lions. Teilnahme: 475 bis 1615 euro, je nach Kategorie und reichen. Bei einer Kampagne ist das anders, da muss
Zeitpunkt der einreichung. Keine weiteren Kosten. man möglicherweise mehr erzählen.« Katja Garff
↗ www.canneslions.com empfiehlt ebenfalls, den Casefilm vor vornherein
Corporate Design Preis. Teilnahme: 280 bis 450 euro, je nach Zeit- mitzudenken und beim Fotoshooting oder Dreh
punkt der einreichung. Bei auszeichnung: 1100 euro. gleich Material dafür mitzuproduzieren. Später alles
↗ www.corporate-design-preis.de nachzustellen sei nicht nur doppelte Mühe, es wirke
D&AD Awards. Teilnahme: ab 85 pfund pro einsendung, je nach oft auch nicht authentisch. Wie bei den Kategorien
Zeitpunkt der einreichung. Keine weiteren Kosten. hilft auch hier Recherche: Wer sich viele Einreichungs­
↗ www.dandad filme anschaut, weiß irgendwann, was dabei zählt.
Gute Gestaltung. Teilnahme: zwischen 295 und 395 euro, je nach Lohnt sich der ganze Aufwand mit den Awards
Zeitpunkt der einreichung. Studenten 75 euro. Bei auszeichnung: überhaupt? Absolut, findet Katja Garff. »Selbst wenn
1150 euro (für Studenten kostenlos). man nicht sofort gewinnt, schult man das kreative
↗ www.gutegestaltung-ddc.de Potenzial in der eigenen Agentur. Die Teams lernen,
Die schönsten deutschen Bücher. Teilnahme: 50 euro pro Buch. sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, das Beson­
Bei auszeichnung: 100 euro pro Buch. dere früh zu erkennen und sich die Konkurrenzar­
↗ www.stiftung-buchkunst.de beiten genau anzuschauen.« Den häufig gehörten
European Design Award. Teilnahme: 140 euro pro einsendung, ab Satz »Unsere Kunden legen keinen Wert auf Aus­
fünf arbeiten jeweils 112 euro; für Studenten 40 euro. Keine wei- zeichnungen« sollte man übrigens nur vorschieben,
teren Kosten. wenn man den Auftraggeber auch wirklich gefragt
↗ https://europeandesign.org hat. Katja Garff jedenfalls kennt keinen einzigen
Golden Bee, Moskauer Biennale für Grafikdesign. Teilnahme und Marketingleiter, der nicht gerne seine Erfolge, vor
prämierung kostenlos. allem intern, präsentieren möchte.
↗ www.goldenbee.org Will eine Agentur ihre Wettbewerbsteilnahmen
iF Design Award. Teilnahme: 300 euro pro Beitrag. Bei auszeich- ausbauen, hat aber nicht die nötigen personellen Res­
nung: 2700 euro für packagings, 1600 euro für arbeiten in der Ka- sourcen, kann sie einen freien Award Manager en­
tegorie Communication Design. gagieren. Bislang sind diese rar gesät, der Bedarf ist
↗ www.ifdesign.de aber da – und damit ein vielseitiges neues Berufsbild.
LIA. Teilnahme: 350 bis 1000 Dollar. Keine weiteren Kosten. Vielleicht also sehen wir künftig in internationalen
↗ www.liaawards.com Awards mehr Arbeiten von Agenturen, die sich kei­
Red Dot Award: Communication Design. Teilnahme: 195 bis zu ne eigene Awardabteilung leisten können. ant
315 euro, je nach Zeitpunkt der einreichung; beim Red Dot: Juni-
or award 20 prozent ermäßigung. Bei auszeichnung: 1645 bis
Kreativ-Awards. aktuelle einreichfristen
2325 euro; beim Red Dot: Junior award 40 prozent ermäßigung. zu diesen und anderen Wettbewerben
↗ http://de.red-dot.org für Designer und Developer finden Sie unter
TDC Communication Design. Teilnahme: 45 bis 120 Dollar, abhän- ↗www.page-online.de/wettbewerbe
gig von der anzahl der arbeiten und dem Zeitpunkt der einrei-
chung. Bei prämierung: 100 bis 150 Dollar für Veröffentlichung
PAGE Kreativranking 2017. Die besten agen-
im Buch. turen und Designstudios sowie die von uns aus-
↗ www.tdc.org gewerteten awards finden Sie in page 03.17
↗www.page-online.de/pepa1703
PAGE 05.17 103

„Keine Tschakka-Musik
eIQ
und lauter Superlative“
Michael Volkmer, Inhaber und Geschäftsführer von Scholz & Volkmer
in Wiesbaden, empfiehlt, alle Effekthascherei zu vermeiden

Casefilme haben sich in den Kategorien Digital


und Social Media eingebürgert. Gerade bei kom-
plexen Projekten sind sie ein probates Mittel,
wenn es gelingt, die einzelnen Facetten über-
sichtlich zu präsentieren. Mir stehen aber die
Haare zu Berge, wenn eine Einsendung voller Su-
perlative oder mit schrecklichen Klängen unter-
legt ist, das geht schon auf Kosten der Beurteilung.
Manche Filme sind von Studenten gemacht: ohne Synchron-
sprecher und ohne extra Musik. Das muss kein Nachteil sein, im
Gegenteil. Ich freue mich, wenn jemand mit einfachen Mitteln
die Dinge auf den Punkt bringt. Und bitte nicht länger als 90 Se-
kunden! Der Casefilm soll ja nur einer ersten, schnellen Beurtei-
lung dienen. Kommt ein Projekt in die engere Auswahl, schaut
man sich sowieso die Website et cetera an.
Noch ein Tipp: Bauen Sie den Casefilm dramaturgisch nicht
wie einen Spielfilm auf. Wenn ich – wie in der ADC-Jury – in zwei
Tagen über 100 dieser Einsendungen anschaue, möchte ich das
Problem, die Idee und die Lösung gleich am Anfang und so ein-
fach wie möglich erklärt bekommen.
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

„Never bore your audience“


Deneke von Weltzien, Kreativdirektor bei Philipp und Keuntje in
Hamburg, freut sich über Ideen, die ihn neidisch machen, weil er
sie selbst gern gehabt hätte

Eine Arbeit gewinnt leichter die Aufmerksamkeit


der Juroren, wenn sie ihnen bekannt ist und im
Netz vielleicht auch schon etwas gefeiert wur-
de. Das ist zwar ein billiger Trick, aber unser
Gehirn funktioniert nun mal so. Natürlich muss
sie auch gut präsentiert sein. Die »Wahl der Waf-
fen« für Awards – besonders bei Digital und Social
Media – ist der Casefilm, weil man hier Komplexität didaktisch
sinnvoll gliedern kann. Sogar bei Printprojekten kann er gelegent-
lich nützlich sein, wenn die Idee direkte Auswirkung auf das Um- PAGE eDossiers – Best-of-
feld hat und man das dokumentieren möchte. Wie beim Heineken- Kompilationen aus PAGE und
Plakat, aus dem Bier fließt. Was die Länge angeht, gilt das alte WEAVE im Originallayout: PDFs
Hollywood-Gesetz: »Never bore your audience!« Und Jurymit- einfach und jederzeit down-
glieder sind das herausforderndste Publikum der Welt. Die Dau- loaden in unserem Online-Shop
menregel ist zwischen ein und zwei Minuten. shop.page-online.de/downloads
Schön, dass jede Jurysitzung wie ein Besuch im Spielzeugladen
ist: Jahr für Jahr gibt es immer etwas Neues, das mich überrascht.
Beim letzten ADC Wettbewerb waren das zum Beispiel die Illust-
rationen für die »Hamburger Abendblatt«-Kampagne von Oliver
Voss. Auch immer großartig und inspirierend, weil frisch, sind
die Abschlussarbeiten der Studierenden. Und alles von Blink-
Regisseur Dougal Wilson.
104 page 05.17 › Branche › Serie: Designer in Unternehmen

The
Happy
Few Wie ist es, als Gestalter für spannende Unter-
nehmen wie ARTE, WeTransfer oder das
»GOOD«-Magazin zu arbeiten? Wir haben
nachgefragt

● Auf ihrer Visitenkarte steht Art- oder Kreativdi-


rektor, Design Director, Head of Design oder sogar
Vice President of Design . . . Anders als bei ADs und
CDs aus der Werbung, die mal für die eine, mal für
die andere Marke arbeiten, sind Inhouse-Gestalter
nur mit einem einzigen Unternehmen verbandelt.
Je designaffiner es ist, desto wichtiger sind diese
kreativen Köpfe. In einer kleinen Serie in dieser und
den nächsten Ausgaben stellen wir drei von ihnen
vor. Sie selbst erzählen von ihrem Werdegang, ihrem
beruflichen Selbstverständnis und ihren spannends-
ten Projekten. Den Anfang macht Cécile Chavepayre,
charmante Artdirektorin bei ARTE. cg
page 05.17 105

Cécile Chavepayre
im Lastenaufzug
bei ARTE
106 page 05.17 › Branche › Serie: Designer in Unternehmen

„Ich liebe es, die grafische Strenge von


Print für das Fernsehen oder die digitalen
Medien in Bewegung zu versetzen“
Cécile Chavepayre, Artdirektorin bei ARTE, Straßburg
page 05.17 107

● Eine klassische Laufbahn als Kreativdirektorin


(falls es so etwas überhaupt gibt) habe ich nicht. Ich
habe erst französische Literatur studiert und war
sogar eine Zeit lang Französischlehrerin. Eine wun­
derbare Erfahrung, denn man ist ganz allein quasi
ein Medium, das Wissen vermittelt. Aber ich liebe
es, mich weiterzuentwickeln, und weil mich das The­
ma Identität schon immer interessierte, bin ich in
die Medien abgezweigt: Ich war 13 Jahre lang Free­
lance­Konzepterin und ­Realisatorin der Programm­
promotion diverser TV­Stationen, darunter der öf­ Seit Ende März on air:
fentlich­rechtlichen Bildungssender France 5. Paral­ Im neuen ARTE-Design
lel hielt ich regelmäßig für Canal France Internatio­ wirkt das Logo immer
nal bei öffentlich­rechtlichen Sendern in Ländern auf wie ein Magnet – ob
Fische zu ihm schwim-
dem Weg zur Demokratie – beispielsweise Namibia
men, sich ein ganzer
oder Thailand – Workshops darüber, warum eine
Zuschauerraum darauf
Markenidentität so wichtig ist. ausrichtet oder ob es
In all den Jahren hatte ich eine Menge gelernt, aber Typo-Elemente ansaugt.
weil das niemand merkte, habe ich dann noch an der Man muss das in Bewe-
CELSA Paris­Sorbonne, einer Hochschule für Kom­ gung sehen, also ab jetzt
munikations­ und Informationswissenschaften, ei­ öfter ARTE gucken!
nen Executive MBA erworben. Danach wusste ich
erst mal nicht, was ich tun sollte, aber – oh Freude! –
da bot mir ARTE die Artdirektion an.
Ich bin also keine Grafikerin, zeichne hundsmi­
serabel und habe keine Ahnung von Technik. Aber
ich kann gut Metaphern entschlüsseln und interes­
siere mich für das, was außerhalb der Medien statt­
findet. Ab und zu gehe ich ins Theater oder schaue
modernen Tanz an, etwa Aufführungen von Thomas
Ostermeier, Wim Vandekeybus oder Lucinda Childs.
Alles fließt direkt oder indirekt in die Arbeit ein. auf der einfachen und starken Idee, dass ARTE in
Und je älter ich werde, desto mehr vertraue ich dem Europa wie ein Magnet für Kultur wirkt. So behan­
seltsamen Ding, das man Instinkt nennt. delten sie das Logo als Magneten (immer noch oran­
Für ARTE arbeite ich seit Mai 2012 und bin direkt ge, keine Angst, aber ein orangefarbener Magnet).
dem Programmdirektor unterstellt. Ich kümmere Wobei das Konzept eine smarte Balance zwischen
mich um das Bild­ und Tondesign on air und off air, Energie und Poesie hält. Ob Typo oder Bildinhalte –
das heißt um Programm­Promotion, in der Straß­ alles bewegt sich grundsätzlich auf das Logo zu,
burger Zentrale produzierte Vor­ und Abspänne, um was die Soundebene noch unterstützt.
Studiodekor und Programmankündigungen sowie Ich lebe nach wie vor in Paris, komme zwei bis
um alle digitalen Produkte (Web und App) in beiden vier Tage in der Woche nach Straßburg. Wie bei die­
Ländern. Ich werfe auch einen Blick auf die Print­ sem Sender alle für die Verbindung von zwei Kul­
kommunikation, ebenfalls sowohl in Frankreich als turen arbeiten, das ist weltweit einzigartig. Dahin­
auch in Deutschland. ter steckt die Idee, dass Kultur ein essenzieller Fak­
Eine Designabteilung in dem Sinn gibt es nicht, tor von Freiheit ist.
es ist die Produktionsabteilung, die auf meinen Rat
hin interne und externe Grafiker einsetzt. Letztere xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
sind bei kleineren Projekten mit Vorliebe Printgestal­
ter, denn diese haben häufig eine grafische Strenge, ARTE
die ich gerne für das Fernsehen oder die digitalen völkerverbindender Kulturkanal
Medien in Bewegung versetze. Großartig ist etwa
die Grafikdesignerin Sylvia Tournerie! Wir haben Seit 1992 läuft der Sender, der von ARTE Deutschland in Ba-
den-Baden und ARTE France in Issy-les-Moulineaux bei Pa-
das Erscheinungsbild für die Reihe »Summer of
ris beliefert wird. Die Zentrale ARTE G.E.I.E. hat ihren Sitz in
Scandals« realisiert, die von dem wunderbaren Iggy Straßburg. Das Erscheinungsbild des Senders wurde schon
Pop moderiert wurde. vielfach preisgekrönt. Das letzte Redesign gab es 2011, unter
Die spannendste Aufgabe ist im Moment das Re­ Leitung der damaligen Artdirektorin Ulli Krieg. Beteiligt war
design des On­Air­Auftritts und der Eigenwerbung unter anderem Joost Korngold, der das Logo als dynami-
von ARTE. Nachdem wir von sieben europäischen sche 3D-Skulptur inszenierte. Wir hatten damals berichtet
Agenturen Vorschläge eingeholt hatten, ging der Auf­ ( w
  ww.page-online.de/arte3D )  .

trag an The Partners in London. Ihr Konzept beruht


108 page 05.17 › branche

Szene
Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt BDG Business Basics
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Wer kommuniziert,
der wird!
Christian Büning, Vizepräsident des
BDG und des Deutschen Designtags,
klärt aktuelle Fragen aus
dem Berufsalltag von Kreativen
↗www.bdg-designer.de

● Kaum eine andere Fähigkeit erlebt eine so


starke Nachfrage wie die der Kommunikation.
Egal, ob es um sozialen Zusammenhalt, Di­
gitalisierung oder um unfallfreie Markenfüh­
rung geht – wer kommuniziert, der wird.
Designer sind dabei die geborenen Kommu­
nikatoren. Sie können die Perspektive von Ab­
sender, Empfänger und sogar die der Face­
book­Spaßvögel einnehmen. Wir sind die Un­
terhändler auf allen Seiten, die sich ins Zeug
Werber-Duft. Kreative haben es nicht leicht: werfen, damit alle das Richtige verstehen.
Wir sind der MacGyver unter den Berufen,
Massenweise Überstunden, dafür wenig Gehalt denn Kommunikationsdesigner können das
und erst recht keine Anerkennung. Hassan S. Ali alles nicht nur verbal, sondern auch visuell.
Übrigens sind erstaunlich viele erfolgrei­
und Johnross Post aus Chicago wollen das än­ che Kommunikationsdesigner nicht über das
dern – und zwar mit einem Parfüm. Validation Visuelle, sondern über das Verbale in den Be­
ruf gekommen. Ich ertappe mich daher bei der
hebt die Stimmung und sorgt dafür, dass sich Frage, ob eine Ausbildung, die das Visuelle so
deutlich nach vorne stellt, die richtigen Leute
überarbeitete und gering geschätzte Kreative bes­ anlockt und ob diese anhand einer Mappen­
ser fühlen. Das Ganze startete als Witz und ent­ prüfung tatsächlich ausfindig gemacht wer­
den können. Ich vermute, dass man gute Kom­
wickelte sich zu einem echten Produkt. Ali, Krea­ munikatoren nicht auf dem Papier findet,
sondern im Gespräch. 
tivdirektor bei der Satire­Site The Onion, und Post, Mein Tipp? Heute habe ich keinen Tipp,
Senior Art Director bei FCB Chicago, mixten den sondern einen Dank. Ich bin sehr glücklich,
dass ich die Entwicklung unseres Berufs in den
Unisex­Duft gemeinsam mit einem Aromathe­ letzten sechs Jahren auf dieser Seite begleiten
konnte. Ich danke den Kollegen vom BDG für
rapieexperten und entwarfen eine Identity samt gutes Sparring, PAGE für Freiräume und An­
Launchkampagne. Als Kampagnenmodels setz­ sporn und den vielen Designern, die mir ihre
Sicht der Dinge mitgeteilt haben. Lasst uns
ten Hassan S. Ali und Johnross Post ihre überar­ weiter kommunizieren. Denn wer kommuni­
Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de

beiteten Freunde ein. Auf www.NeedValidation. ziert, der wird! Herzlich, Christian Büning

com kann man sich für rund 25 Dollar ein 30­Mil­


liliter­Fläschchen bestellen – allerdings zunächst
ausschließlich in den USA. Hoffentlich nehmen
sich die beiden bald auch der überarbeiteten
Kreativen im Rest der Welt an! nik Business Basics auf PAGE Online.
ausgewählte beiträge lesen Sie
unter  ↗ www.page-online.de/bdg
page 05.17 109

sondern dass sie an unser Modell glau-


ben und uns persönlich unterstützen
wollen. Auch die Partnerunternehmen,
mit denen wir die Projekte erarbeiten,
zahlen einen jährlichen Betrag.
Wer sind die Lehrer? 
Um den akademischen Anforderungen
an eine Hochschule gerecht zu werden,
Thomas Bachem werden wir mit vier bis sieben Profes-
gründete schon suren starten. Bei der Auswahl achten
diverse Firmen,
wir in erster Linie darauf, dass die Be-
darunter seven-
load, Fliplife,
werber wirklich Lust aufs Lehren und
Lebenslauf.com auf neue didaktische Ansätze haben.
oder Scaling Wir sehen ihre Rolle eher als Mento-
Technologies ren, Lernbegleiter und Organisatoren
denn als klassische Wissensvermitt-
ler. Unsere rein englischsprachigen Se-
minare und Vorlesungen sollen ver-
»Bestehende Informatik- oder Design- mehrt durch Dozenten erfolgen, die
studiengänge bereiten nicht auf die direkt aus der Internetwirtschaft oder Das komplette
von Start-ups kommen. Derzeit sind Interview
Anforderungen in der Digitalbranche vor« wir gezielt auf der Suche nach Studien- lesen Sie auf
↗ www.page-
gangsleitern und Professoren bezie-
online.de/
● Was studiert man, wenn man in die Euer Konzept weicht vom klassi-  hungsweise Personen, die die formel- Interview-CODe
Internet- und Start-up-Branche will? schen Studium ab. Was sind die  len akademischen Voraussetzungen
Wenn Informatik zu theoretisch und Hauptunterschiede?  dafür erfüllen.
BWL zu wenig technisch ist? Thomas Zum einen die inhaltliche Ausrichtung: Gleichzeitig seid ihr auf Promo-
Bachem, Developer und Seriengrün- Unsere Studiengänge gibt es einzeln Tour, um Studierende zu  
der, will die Lücke füllen, die seiner nur sehr selten in Deutschland und in gewinnen. Wie ist das Interesse? 
Ansicht nach im deutschen Bildungs- Kombination gar nicht. Unser Fokus Starten wollen wir im Oktober mit
markt herrscht und an der CODE Uni- liegt auf dem Internet, nicht auf der circa 50 Studierenden. In den ersten
versity die Tech-Talente und -Gründer klassischen IT. Das sind zwei unter- Wochen haben wir bisher mehr als
von morgen ausbilden. Wir sprachen schiedliche Welten, die oft in einen 250 Bewerbungen erhalten, davon
mit ihm über seine Beweggründe. nik Topf geworfen werden. Zum anderen kommen rund ein Drittel von interna-
das didaktische Konzept, in dem Stu- tionalen Bewerbern.
Du bist erfolgreicher Start-up- dierende konsequent kompetenzori-
Gründer und Softwareentwickler.  entiert und projektbasiert lernen. Sie
Weshalb rufst du jetzt eine Hoch -  werden interdisziplinär an Projekten
schule ins Leben? arbeiten, aus jedem Studienschwer-
CODE University, Berlin
Thomas Bachem: Das Programmie- punkt wird mindestens ein Kommili- Die Hochschule wird die drei Bachelorstudien­
ren habe ich mir als Jugendlicher selbst tone im Team sein. Auch unsere Ver- gänge Software Engineering, Interaction
beigebracht und bin seither leiden- ankerung in der Internet- und Start- Design und Product Management anbieten.
schaftlicher Entwickler. Als ich studie- up-Branche unterscheidet uns – das Das erste Semester dient der Orientierung,
ren wollte, hat mich Informatik abge- zeigt schon der CODE Campus in der erst danach müssen die Studierenden ihren
schreckt – viel zu theoretisch und ma- Factory in Berlin. Hier schnuppern die Schwerpunkt in einem der drei Felder setzen.
thematisch. Stattdessen habe ich BWL Studierenden gleich Start-up-Luft. Das Besondere: Das Studium ist rein projekt­
an der Cologne Business School stu- Wie finanziert ihr euch? basiert, wobei die Studierenden interdiszipli­
diert, damals noch eine kleine private Die Studienfinanzierung stemmen wir när gemeinsam an mit Partnerunternehmen
Hochschule. Als ich später als Unter- zusammen mit der Genossenschaft wie Trivago, XING und Otto entwickelten Auf­
nehmer Entwickler und Designer ein- Chancen eG (https://chancen-eg.de ). gaben arbeiten. Der Campus befindet sich im
stellen musste, war ich oft frustriert, Zusätzlich habe ich über mein per- Herzen der Berliner Start­up­Szene, in einem
weil das Informatik- oder Designstu- sönliches Netzwerk mehrere Dutzend Gebäude der Factory. Derzeit kümmert sich
dium sie nicht auf die Anforderungen private Investoren gewonnen – unter das CODE­Team um die staatliche Anerkennung
im Job vorbereitet hat. Wieso gab es anderem BigPoint-Gründer Heiko Hu- der Hochschule, sucht Lehrkräfte, klappert
keine Ausbildungsstätten für die Kom- bertz, Trivago-Gründer Rolf Schröm- Schülermessen ab und bietet im Rahmen seiner
petenzen, die alle händeringend benö- gens und Florian Heinemann, Co- Initiative Code + Design viertägige Camps für
tigten? Diese Frage hat immer in mir Gründer und Geschäftsführer des In- interessierte Jugendliche in verschiedenen deut­
rumort und so habe ich mich Anfang kubators Project A. Für die Geldgeber schen Städten an (  https://code.design/camps )  .
2016 entschieden, die Lösung selbst ist nicht die direkte Übernahme un- ↗ https://code.university/en
in die Hand zu nehmen. serer Absolventen ausschlaggebend,
110 page 05.17 › BRaNCHe

Kalender
Termine für Designer & Developer ↗ www.page-online.de/events

Thema: Smart Services


nhow Hotel Berlin

Von oben links im Uhrzeigersinn: Tobias Zielony: Lee + Chunk, 2000, aus der Serie »Car Park«, C-Print, 41,6 x 62,4 cm, Courtesy KOW, Berlin © Tobias Zielony; Valentina Kulagina, To the Defence of the USSR, Poster, 1930,
↗http://2017.ia
konferenz.org

08.05.–10.05.
re:publica und Media
Convention 2017
Station Berlin
↗https://re-publica.com

15.05.–17.05.
beyond tellerrand
Konferenz für Interaction
Designer Düsseldorf
↗https://beyondteller
rand.com

25.05.–27.05.
TYPO Berlin 2017
Die internationale Design-
konferenz hat das Motto
»wanderlust« Haus der
Kulturen der Welt, Berlin
↗www.typotalks.com/
berlin/de

1 03.06.–04.06.
UXcamp Europe
Barcamp Berlin
2 ↗www.uxcamp
europe.org

10.06.
FutureWorld
Konferenz zum »rise of
robots, artificial intelli-
gence and smart machines«
OCAD University, Toronto

Ne boltai! Collection; Wolfgang Tillmans: Juan Pablo & Karl, Chingaza 2012 © Wolfgang Tillmans
↗ http://fitc.ca/event/
futureworld

Ausstellungen
Festivals
02.05.–07.05.
24. Internationales
Trickfilmfestival
Stuttgart 17
Das Animationsfestival
erweitert seine »Game-
Zone«, die auch neuste
Verbindungen mit VR und
AR vorstellt Stuttgart
↗www.itfs.de

03.05.–06.05.
1 Tobias Zielony, der Jugendliche auf einzig- spotlight 2017
artige Weise fotografiert, ist in der Ausstellung Kongresse für Animation, Effekte, Festival für Bewegtbild-
VR, Games und Trans- kommunikation Stuttgart
»Warten« vertreten 2 Statt zu hoffen, dass Messen media Haus der ↗www.spotlight-
endlich etwas passiert, ein erfüllter Augenblick.
Wirtschaft, Stuttgart festival.de
Arbeiten von Wolfgang Tillmans sind derzeit 02.05.–05.05. ↗ www.fmx.de
in London zu sehen 3 Eine heroische Welt, ganz FMX 2017 Bis 07.05.
gewiss ohne Müßiggang: Wie Kreative sich »Beyond the Screen« ist 05.05.–06.05. Willy Fleckhaus. Design –
das postrevolutionäre Moskau vorstellten das Motto der Konferenz IA Konferenz Revolte – Regenbogen
page 05.17 111

An der Universität der Künste Berlin (UdK) ist an der Fakultät Ge-
staltung – Institut für transmediale Gestaltung – folgende Stelle
zu besetzen:

Wie »Deutschlands erster 1  Bis 18.06.


Art Director« seinen Stil ent- Warten. Zwischen
Künstlerische/r Mitarbeiter/in
wickelte: von den Anfängen Macht und Möglichkeit – Entgeltgruppe 13 TV-L Berliner Hochschulen – mit der Hälfte der
regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit, zur Weiterqualifikation für
über »twen« und Suhrkamp Ein tolles Thema, zu dem maximal 6 Jahre
bis zum »FAZ«-Magazin. Auf- die Ausstellungsmacher Studiengang: Visuelle Kommunikation
regend! Museum für Kunst Arbeiten von 23 internatio- Lehrgebiet: Grafikdesign/Kommunikationsdesign (Prof. Hickmann)
und Gewerbe, Hamburg nalen Künstlern zusam-
Besetzbar: 1. Oktober 2017 Kennziffer: 2/429/17
↗ www.mkg- mengetragen haben, da-
hamburg.de runter Elmgreen & Dragset,
Bruce Nauman, Tobias Aufgabengebiet: Lehre im o. g. Lehrgebiet; Betreuung von stu-
08.05.–21.05. Rehberger, Paul Graham dentischen Projektarbeiten; gestalterische, organisatorische und
ADC Festival 2017 Hamburger Kunsthalle technisch-mediale Unterstützung; Öffentlichkeitsarbeit und pub-
»Disrupting Deutsch- ↗www.warten- lizistische Tätigkeiten; Verfassen von schriftlichen Konzepten
land – Creativity beats kunsthalle.de und Recherche für die Vorlesungsvorbereitung; Mitarbeit in der
Technology?!« ist diesmal akademischen Selbstverwaltung.
das Motto des Kreativen-
festivals Hamburg Wettbewerbe Ihre schriftliche Bewerbung richten Sie bitte mit aussagefähigen
↗ www.adc.de/festival Bewerbungsunterlagen und Arbeitsproben sowie einer Beschrei-
Einreichtermine bung des Weiterqualifikationsvorhabens mit Arbeits- und Zeit-
3  Bis 04.06. finden Sie auch online: plan unter Angabe der Kennziffer bis zum 26. April 2017 auf
imagine moscow: ↗www.page-online.de/ dem Postweg an die Universität der Künste Berlin
architecture, propa- wettbewerbe – ZSD 1 –, Postfach 12 05 44, 10595 Berlin.
ganda, revolution
Die Bewerbungsunterlagen können aus Kosten-
Wie visionäre Architekten Bis 24.04. gründen nur mit beigefügtem und ausreichend
und Künstler in den 20er Hamburg
frankiertem Rückumschlag zurückgesandt werden.
und 30er Jahren sich die Animation Award
künfige sowjetische Metro- ↗www.hamburg- Weitere Informationen unter www.udk-berlin.de/universitaet/stellenausschreibungen
pole vorstellten the Design animation-award.de
Museum, London
↗www.designmuseum. Bis 31.05.
org animago Award 2017
↗www.animago.com
2  Bis 11.06.
Wolfgang Tillmans: 2017 Bis 09.06.
Soziale und politische LIA Awards
Themen durchziehen das ↗www.liaawards.com
Werk des Fotografen, das
Bis 09.06.

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andere Medien umfasst Red Dot Award: Commu-
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Chefredakteurin/Publisher Gabriele Günder, V.i.S.d.P.
Textchefin Astrid Umbreit (au)
Redaktion Miriam Harringer (mh, Redaktion Online),
Nina Kirst (nik; Branche, verantwortlich), Laura Reinke (lr),
Arne Schätzle (as). Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant),
Angelika Eckert (ae), Dr. Claudia Gerdes (cg), Rebecca
von Hoff (Grafik), Christine Krawinkel (ck, Artdirektion),
Myriam Jantoss (Textredaktion), Maiken Richter (Text-/
Schlussredaktion), Sabine Danek (sd, Redaktion Online);
Redaktionsassistenz: Sinja Kik
Foto: Tim Bowditch, project supported by the Wellcome Trust

Autoren dieser Ausgabe Dimitris Baltas, Christian Büning,


Johannes Erler, Dennis Hatwieger, Markus Linden (ml), Jutta
Nachtwey (jn), Marco Peters, Jürgen Siebert
Titel Blank Slate, Die Gestalten Verlag
Schriften ff Quadraat und ff Mark, erhältlich
bei www.fontshop.com und www.fontfont.com;
Ingeborg, erhältlich bei www.typejockeys.at
Digitale Druckvorlagenherstellung
Alphabeta GmbH, Hamburg

Vertrieb Sema Torun (Ltg.); Objektmanagerin: Katja Wühler

Mitglied der Informationsgemeinschaft zur Fest-


stellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW)

Speculative Design Impressum


Ob zur Zukunft der Mobilität, der Kommunikation, des Gesundheits- Chefredakteurin Geschäftsführung
Gabriele Günder, V.i.S.d.P. Gerrit Klein, Martin Metzger
systems oder der kreativen Arbeit – bei diesem experimentellen Ebner Verlag GmbH & Co KG (Stellvertreter), Florian Ebner;
Borselstraße 28, 22765 Hamburg Umsatzsteuer-Identifikations-
Designforschungsansatz entwerfen Gestalter und Developer alternative Telefon: +49 40 85183-400 nummer gemäß § 27 a UStG:
Szenarien mit zum Teil gesellschaftspolitischem Zündstoff Telefax: -449 DE 147041097
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114 page 05.17 › Sieberts Betrachtungen

Wahrheit gestalten
Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

wollen die Fakten so aufgeschrieben glauben, dass 1500 davon mehrfach


sein, dass sich unmittelbar erschließt, verheiratet sein sollen: »Ich kenne kei­
was daran neu und wichtig ist. nen einzigen Polygamisten. Wo sind
Wie einfach ist es dagegen, ein Mer­ die alle?« Mehrere Tage lang fragte der
kel­Selfie aus dem Netz zu fischen und Reporter in Moscheen, im Rathaus,
zu behaupten, die neben der Kanzlerin bei der Arbeitsagentur, beim Jugend­
abgebildete Person wäre ein gesuchter amt, bei Integrationsvereinen und in
Terrorist. Natürlich geht eine solche Shisha­Bars herum. Schließlich traf
Lüge ab wie Zunder, wenn sie erst auf er den zitierten »Familienhelfer« Abed
den Bildschirmen ungehaltener Wut­ Halim Chaaban. »Die Journalisten, mit
bürger erscheint. Auch die klassischen denen ich gesprochen habe, lügen,
Medien sind mit schuld an dieser oder sie haben mich missverstanden«,
Transformation, weil sie jahrelang mit sagt dieser. Er habe vor Jahren einmal
Clickbaits die niederen Instinkte ihrer einem Reporter erzählt, dass 30 Pro­
Leser trainiert haben, anstatt deren zent der arabischen Ehen mit einer
Foto: Norman Posselt

Kommentare auf ihren Seiten ordent­ Scheidung endeten. »Von Polygamie


lich zu moderieren. war nie die Rede.«
Etwas Besseres als Fake News und Welchen Beitrag die Gestaltung von
Donald Trump hätte der kriselnden Nachrichten für deren Seriosität leis­
Presse nicht passieren können. Auf ein­ tet, das diskutierte ich Mitte März auf
Unser Kolumnist Jürgen Siebert freut sich auf mal sind journalistische Werte gefragt, der Bühne der Editorial­Design­Kon­
eine 180-Grad-Wende der Medien die fast in Vergessenheit geraten wa­ ferenz EDCH in München mit den
ren: Recherche, Gegenlesen, Fakten­ Artdirektoren von »stern«, »Frankfur­
check, die Leser einbinden und Nach­ ter Allgemeine Woche«, »ZEIT« und
● Erfundene Nachrichten gibt es, seit richten professionell gestalten. Wie »Welt am Sonntag«. Technisch gebe es
die Menschen schreiben können. Vor Recherche geht, hat »ZEIT«­Reporter zwar eine Wafengleichheit zwischen
20 Jahren hießen sie »Hoaxes«, vor Mohamed Amjahid jüngst vorgemacht. den seriösen Medien und den Fake­
40 Jahren »Enten«, davor »Märchen« – Seit 2012 kursiert in der deutschen Pres­ News­Schleudern, nicht aber bei der
heute eben »Fake News«. Das Ge­ se die Information, dass »nach Schät­ gestalterischen Umsetzung.
schäftsmodell der Yellow Press basiert zungen eines libanesischen Familien­ Infografiken zum Beispiel genießen
mehrheitlich auf frei erfundenen Ge­ helfers« 30 Prozent aller arabischstäm­ hohe Glaubwürdigkeit, weil man die
schichten. Und es war durchaus akzep­ migen Männer in Berlin mit zwei Frau­ zugrunde liegenden Fakten erst mal
tiert, solange es sich um die Welt der en verheiratet seien. Mohamed Amja­ verstehen muss, bevor sie visualisiert
Königshäuser drehte. Doch seit politi­ hid hatte Zweifel an der Zahl und die werden. Illustrationen sind Agentur­
sche Entscheidungen von Fake News verrückte Idee, ihrem Ursprung nach­ fotos oft überlegen, weil ihnen ein Brie­
beeinflusst werden, herrscht Aufre­ zugehen . . . was der Wahrheit diente fing der Redaktion vorausgeht. Auch
gung. Warum aber sind manipulierte und eine spannende Reportage ergab.  die Typografie spielt eine Rolle: Klas­
Nachrichten erst jetzt ein Thema? Ganz Mohamed Amjahid selbst lebt in siker aus vertrauenswürdigen Kanälen
einfach: Weil das Monopol der Medi­ Neukölln, ist einer von etwa 4900 ara­ (Zeitung, Buch, Leitsystem) überzeu­
en gebrochen ist. Die sozialen Netze bischen Männern dort und kann nicht gen eher als Systemschriften à la Arial
haben die Berichterstattung demokra­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
oder Verdana. Im Übrigen gilt: Mei­
tisiert. Eigentlich eine gute Sache. Al­ nung deutlich von Fakten unterschei­
lerdings ist die Waage des Vertrauens »Make News den, Irrtümer richtigstellen und nichts

Great Again!«
nicht mehr im Gleichgewicht. Fake Essenzielles ausblenden.
News sind ein Kollateralschaden der »Make News Great Again!« lautete
Mediendemokratisierung.
Eine Meldung ist schneller erfun­
Alle wissen, das Fazit des Podiums. Alle wissen, wie
es geht, wir müssen es nur tun. Mein
den als recherchiert. Um eine echte wie es geht, abschließender Tipp: Bezieht das Netz
News zu verfassen, muss man mit of­
fenen Augen durch die Welt gehen, mit
wir müssen es mit ein in eure redaktionelle Reform!
Hier wurde in den letzten Jahren viel
Menschen sprechen, sie verstehen und nur tun. Porzellan zerschlagen. Ich freue mich
das Gesagte einordnen. Anschließend auf eine 180­Grad­Wende.
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