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/ Design › Code › Business » Das Magazin der Kreativbranche
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JOB/
GEHALT
KOMMUNIKATIONS-
DESIGN

TRENDS
Social-Media-Ratgeber
Trends

2016
2016 • Crowdfunding
• Kartograÿ
• Hochschul-Magazine

coloured by MINI Clubman – Pure Burgundy metallic


e-Services • CIs von•Kreativen
Angebotserstellung
• Antirassismuskampagnen
• CSS-Tipps

02.2016 CROWDFUNDING FÜR DESIGNER


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Wetten, dass ...
● Ich wage mal die Prognose: 2114 wird man nörd-
lich von Oslo 1000 Bäume fällen und sie zu 100 Bü-
chern verarbeiten. Möglicherweise werden sie dann
die einzigen gedruckten Schriftstücke sein, denn die
Zukunft des Lesens stellt man sich heute ja eher d-
gital vor. Doch der 2014 angepflanzte Wald ist Teil
des Projekts »Future Library« der Konzeptkünstlerin
Foto: Kirsten Nijhof

Katie Paterson, für das Jahr für Jahr ein namhafter


Autor einen Text beisteuern soll, der ungelesen weg-
geschlossen wird. Nach dem hundertsten Beitrag
darf abgeholzt und gedruckt werden.
Katie Paterson spielt gerne mit der Vermittlung
unvorstellbarer Vorgänge in der Zukunft. So hat sie
auch schon ein nanometergroßes Sandkörnchen in
der Sahara vergraben. Ob wir es jemals wiedersehen
werden? Wer weiß, Sand ist ein knappes Gut. Man
benötigt ihn für Computerchips, die bekanntlich ja
immer kleiner und leistungsfähiger werden, aber
offensichtlich auch immer unentbehrlicher: In Lon-
don wurde bereits ein Mann festgenommen, als er
im Zug Elektrizitätsdiebstahl beging, um sein Smart-
phone aufzuladen. In New York soll sogar ein Mann
während einer Broadway -Show auf die Bühne ge -
Cover rannt sein, um sein Handy an einer Requisitensteck-
Peter Riedel dose anzuschließen.
(http://peterriedel.com) Nun gibt es aber auch Stimmen, die der Digitali-
sierung unserer Welt keine große Zukunft geben.
»Wetten, dass die ›Digital Diet‹, die in den USA be-
reits talk of the town ist, in wenigen Jahren so dazu-
gehört wie Veganismus oder Trennkost oder Well-
nesskuren? Dass es als unhöflich, ja obszön gelten
wird, dauernd auf sein Ding (seinen Bildschirm) zu
starren?«, schreibt Zukunftsforscher Matthias Horx
in seinem Dossier »Was kommt nach dem Internet?«.
Während man auf Hightech-Konferenzen noch im-
mer das Loblied auf disruptive Geschäftsmodelle,
künstliche Intelligenz, vollautomatische Häuser und
das Internet der Dinge anstimmt, singt die Hambur-
ger Band Deichkind bereits »Like mich am Arsch«.
Ob nun der Kampf um die Steckdose oder die di-
gitale Abstinenz die Oberhand gewinnen wird, Katie
Paterson hat vorgesorgt: Damit ihr Projekt nicht am
Fortschritt der Technik scheitert, lagern die Texte zu-
sammen mit einer Druckerpresse ein, die notfalls
wieder in Betrieb genommen werden kann. So ist die
Realisierung der Future Library, auch wenn sie nicht
in unserer Macht liegt, doch vorstellbar. Genauso
wie die Entwicklungen, von denen Sie auf Seite 16 ff.
lesen werden – auf Papier oder Display.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher
(info@page-online.de)

Förderer
004 page 02.16

Inhalt
✖ Ty Po ■ bILd ◆ kr EATIo N
▲ INTEr Ac TIo N ➤ TITELTh EmEN

SIGNALE
006 Ideen, Projekte und Diskussionen

TITEL

064
016 Trends 2016
Was erwartet uns in diesem Jahr? Für Illustration,
UX Design, Typografie, Kommunikation un
digitale Technologie wagen wir – unterstützt von
Branchenexperten – eine Prognose

Th EmEN
032 ◆ Hochschulmagazine
Inspiration pur – konzeptionell wie gestalterisch!
074
040 »Zeichnen als täglicher Lebensbestandteil«
Ein Gespräch mit der an Polyarthritis erkrankten
Designerin und Texterin Sabine Bories

044 ◆ Crowdfunding für Designer


Dank Kickstarter & Co können Kreative eigene Projekte
umsetzen – wenn sie die Crowd für ihre Ideen begeis-
tern. Wir geben Tipps für erfolgreiche Kampagnen

NEu ES
050 Spannendes aus der Typo-, Bild-, Papier-
und Technikwelt
058 Ausprobiert: InDesign CC mit Touch-Interface
060 Publikationen für Gestalter und Developer

Proj Ek TE
064 ▲ ◆ Making-of: Kampagnen-Site mit WebGL
Drei für Sennheiser: Wie Philipp und Keuntje, Sehsucht
und Artificial Rome den High-End-Auftritt entwickelten

070 ✖ Mallory von Tobias Frere-Jones


Der New Yorker Designer ist zurück – mit einer sympa-
thischen Sans Serif, spezielle MicroPlus-Fonts inklusive

074 ▲ ■ Interactive-Storytelling-Microsite
Wie wild aus Wien die Kaffeemarke JOHO’s inszenier

080 Nachwuchs
Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung
page 02.16 005

016

WErkz Eu G
084 ▲ CSS-Tipps
Auf Basis von Cascading Style Sheets können auch Nicht-
programmierer kleinere Webprojekte realisieren.
Wie man dabei typische Stolperfallen umgeht, zeigen
Designer und Developer an konkreten Beispielen

090 ▲ ◆ Video-Live-Streaming
Live-Streaming-Apps wie Periscope oder Snapchat eignen
sich perfekt für authentische Social-Media-Kampagnen

br ANch E
094 ✖ Typefoundry-Profile
Stockholm, Sofia, Den Haag, Berlin – wir stellen vier
unabhängige Typolabels vor, die sich durch ihren klaren
Fokus in einem schwierigen Markt behaupten können

100 Ratgeber: Angebote richtig schreiben


Wie Sie Kunden von Ihrer Leistung überzeugen – und
dabei rechtlich auf der sicheren Seite sind

104 Jobprofile & Gehälter Kommunikationsdesign,


Teil 2: Arbeiten in der Werbeagentur

108 Szene Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

STANd Ard S
003 Editorial
106 PAGE digitalmit dem Portfolio von Niclas Gerull
110 Kalender Termine für Designer & Developer
112 Impressum/Vorschau/Leserservice
114 Sieberts Betrachtungen

044
SErv Ic ES
015 PAGE Shop 079 PAGE Abo

PAGE S EmINAr E
028 »Projektmanagement« mit Hagen Seidel
035 »Leitmedium Design« mit Jochen Rädeker in München
055 »Infografik« mit Golden Section Graphics
057 »Multisense Design« mit Olaf Hartmann
069 »Mobile« mit dem Digitalstudio Swipe
098 »Bildrecht« mit Sabine Pallaske und Silke Kirberg
006 pa g e 02.16 › Signale
pa g e 02.16 007

Signale
ideen, projekte und Diskussionen
aus Design, Kommunikation
und Development finden Sie hier
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Plug-in-spiration
● Generatives  Design. Evolving Layout (EL1) ist
ein InDesign-Plug-in, das ausgehend von einem Lay-
out mittels Algorithmen unterschiedlichste Alterna-
tiven generiert. Das Tool tauscht wahlweise Größe
und Position aller oder auch ausgewählter Elemente
oder ordnet ihnen neue Werte auf Basis eines um-
fangreichen Regelwerks zu. So entstehen in kürzes-
ter Zeit überraschende und inspirierende Designs,
auf die man selbst wahrscheinlich nicht gekommen
wäre. Die Manipulation des Layouts steuert man über
das grafische Interface, das mit seinen vier Schaltfl -
chen an InDesigns »Ausrichten«-Palette erinnert.
Entwickelt hat das Plug-in Denis Klein, der in
Mainz das Grafi designstudio LESS betreibt, zusam-

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Das experimentelle
inDesign-Plug-in
e volving l ayouts
produziert mehrere
Varianten eines
l ayouts, indem es
g röße und Posi-
tion der einzelnen
e lemente verändert

men mit dem Informatiker Bastian Werth. Hervor-


gegangen ist es aus Kleins Masterthesis an der Hoch-
schule Mainz, in der er die Idee und ein erstes Kon-
zept für EL1 entwickelte. »Unser Ziel war und ist es,
ein angewandtes Werkzeug zu entwickeln, das auf
den Prinzipien generativer Gestaltung basiert, aber
deren üblichen ästhetischen Merkmale vermeidet«,
so Denis Klein. EL1 gibt es ausschließlich für InDe-
sign CS6 und CC am Mac. Für eine Single-User-Li-
zenz bezahlt man entweder rund 10 Euro für 24 Mo-
nate oder eine Crowdfunding-Spende von 20 Euro,
mit der man die Weiterentwicklung des Plug-ins
unterstützt. Weitere Beispiele und mehr Infos unter
www.evolvinglayout.com. as
008 pa g e 02.16 › Signale

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Adgame. Zur Einführung des McDonald’s Bacon Clubhouse Burger ent-


wickelten die Agenturen Good Morning und DDB Oslo mit WebGL einen
atomisierten Burger aus 300 000 Partikeln (https://baconclubhouse.no/en).
Wem es gelingt, den in dieser Galaxie versteckten Clubhouse Burger zu finden
der bekommt in der nächsten Filiale einen kostenlos. Das Game ist extrem
sticky, jeder Spieler sucht durchschnittlich 13 Minuten und lernt dabei die
einzelnen Zutaten für den Bacon Clubhouse kennen. ae
pa g e 02.16 009

im april öffnet die Hamburger Kunsthalle


Voll auf Kante erneut ihre Pforten – mit neuem e ingangsportal
und neuer identity von Heine/l enz/Zizka
● Corporate Design. Fast zwei Jahre
lang war ein Großteil der Hamburger
Kunsthalle wegen Modernisierungsar-
beiten geschlossen. Dass die Besucher
dennoch ins Museum strömten, lag
auch an der leuchtend gelben Kampa-
gne »Weiter Offen« von Heine/Lenz/
Zizka. Zur Wiedereröffnung der Kunst-
halle im April legte die Designagentur
jetzt die neue Visual Identity des Tra-
ditionshauses vor: ein dynamisches
Wortlogo, das auf die jeweiligen Aus-
stellungen reagiert, sich wie ein Mag-
net an unterschiedlichsten Plätzen jus-
tiert und die Kunst in den Mittelpunkt
stellt. Dafür individualisierte Heine/
Lenz/Zizka die schlichte serifenlose
ITC Johnston, die auch auf der neu-
en Site (www.kunsthalle-hamburg.de)
angewandt wird. Mehr Informationen
dazu gibt es unter www.page-online.
de/hlz_kunsthalle. sd

Stoned mit Snoop Dogg


Der wohl prominenteste Marihuana-User der
Welt ist Snoop Dogg. Angesichts der fort-
schreitenden Legalisierung der Droge in den
USA ist es da nur konsequent, dass der Super-
star mit Leafs by Snoop eine eigene Serie
von Cannabis-Produkten launcht – inklusive
Schokolade und Fruchtgummi. Das Branding
kommt von Pentagram aus New York.
Die Designer befürworten die Legalisierung
ausdrücklich, ob sie den Inhalt der
Packungen testeten, ist nicht bekannt. cg
010 pa g e 02.16 › Signale

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n wie Niemand
Aus Hannover kommt der Gin Nie-
mand, dessen blumig-frischen Charak-
ter die Agentur QOOP in ein wunderbar
ungewöhnliches Flaschendesign
übersetzte. Dafür flocht sie das n des
Namens zu einem Blütenmuster,
das sich über den roséfarbenen »Fla-
kon« zieht, der an Parfum erinnert. sd
Foto: Daniel Torz, www.torzfotografie.de

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Namensspiel
Der Anfang
● Philharmonie-Identität. Die Form Time-Lapse-Porträts des Fotografen
Nie wieder nerviges Knibbeln! Das von einer Soundwave mag naheliegend er- Marko Rantanen vermitteln das Ge-
Pascal Heiler entworfene Zyp-Zyp scheinen, wenn es um ein Orchester- fühl von Rhythmus und Klang.
wird einfach auf die Klebebandrolle Logo geht. Dennoch besticht die neue Die Soundwave-Optik zieht sich
gesteckt – Durchmesser egal – und Visual Identity für das Helsinki Philhar- durch den ganzen Auftritt und nimmt
erlaubt über seine Wippfunktion ein monic Orchestra durch Individualität sogar Einfluss auf das Layout des Spiel-
leichtes Abtrennen des Streifens und überraschende Details. So besteht plans. Hauptschrift ist die Founders
(rund 24 Euro,  www.zyp-zyp.de )  . Der das Signet aus den Namen sämtlicher Grotesk von Klim Type. Das musika-
blau-rote Tesaabroller kann das auch? 102 Musiker des Ensembles, und auch lische Erscheinungsbild stammt von
Ja, aber längst nicht so schön! ant die Print- und Outdoor-Kampagne der Kreativagentur Bond in Helsinki
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012 pa g e 02.16 › Signale

Möge die Macht mit dir sein


● g emütlich im Sessel fläzend, das Wirtschaftsmagazin »Fortune« lesend –
so entspannt sieht man Darth Vaders Sturmtruppen selten. interessanter als
die Frage, wie es dazu kommen konnte, sind aber die poster im Hintergrund.
Ty Mattson, Designer aus irvine und bekennender »Star Wars«-Fan, gestaltete
neun offiziell lizenzierte poster zur Serie in wunderbar grafischem Stil. Bei einigen
musste ich mehrmals hinschauen, um sie zu kapieren, echten Star-Warsianern
jedoch wird sich der inhalt sofort erschließen. Die poster kann man in zwei verschie-
denen g rößen auf Mattsons Website bestellen (  http://mattsoncreative.com )  . ant
pa g e 02.16 013

Moralfrage
Dr. Claudia Gerdes über
Marken vor Gericht

● Kann der DAV (der dümmste anzunehmende Ver-


braucher) einen Haribo-Goldbären mit dem in Gold-
folie gekleideten »Lindt Teddy« verwechseln? Jahre-
lang haben spitzfind gste Rechtsexperten zu Spit-
zengehältern an dieser Frage getüftelt, denn Haribo
gehören die Wort(!)marken Goldbär, Goldbären und
Gold-Teddy. Erst der Bundesgerichtshof konnte fest-
stellen, dass hier »keine Zeichenähnlichkeit im Be-
deutungsgehalt« bestehe. Was immer das heißen
mag – Haribo muss weiter mit dem Risiko leben,
dass jemand, der Goldbärchen naschen wollte, aus
Versehen zum Schokoteddy greift.
Zwischen Fruchtgummi und Schokolade zu un-
terscheiden, traut man den Verbrauchern gerade
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx noch zu. Aber bei Telekommunikation ist Schluss.
Microsoft Tochter Skype konnte sich in Europa nicht
 3D-Prototyping-Tool. Sieht aus wie aus als Marke eintragen lassen, weil das Pay-TV-Unter-
nehmen Sky was dagegen hatte. Und das Gericht der
einem Retro-Science-Fiction-Film: der von EU gab ihm tatsächlich recht. Offenbar gehört der
ganze Himmel dem britischen TV-Konzern. Okay,
Wissenschaftlern des Hasso-Plattner-Insti- beide haben ein Logo aus serifenlosen Kleinbuch-
staben, aber wer hat das nicht? Dass Sky ein Wort-
tuts entwickelte Protopiper – eine Art Spritz- und Skype ein Wortbildzeichen nutzt, war den Rich-
pistole, die aus Klebeband hohle Röhrchen tern auch ganz egal. Die wolkenförmige Sprechbla-
se erhöhe die Verwechslungsgefahr noch, weil sie an
in gewünschter Dicke und Länge formt, um »sky« denken lasse.
Ich sag dazu nur: Die einzige Verwechslungsge-
damit beliebige Objekte zu bauen. In erster fahr geht von Mutlosigkeit und Einerlei bei Branding
und Design aus. Wer einen prägnanten Auftritt hin-
Linie Prototypen physikalischer Gegenstän- legt, braucht nicht jahrelang vor Gericht um Dinge
de, dreidimensional und in Originalgröße. zanken, die eh kein »normaler« Mensch mehr nach-
vollziehen kann. Wie beim Farbstreit von Sparkasse
Mit der neuen Technik können auch einfache und Santander Bank um Rot oder von Beiersdorf
(Nivea) und Unilever (Dove) um Blau. Die Leserkom-
Mechanismen gebaut werden: Durch Falten mentare zur regelmäßigen medialen Berichterstat-
tung über das Gerangel sind eindeutig. Santander
entstehen etwa Scharniere für Schranktüren und Sparkasse verwechsle er auch ständig, witzelt ei-
oder Schirme. Die Gebilde können dann per ner: »Ich merke es immer erst, wenn es Gebühren
kostet beim Abheben.« Und ein anderer schreibt:
Scan in den Rechner eingelesen werden, um »Der Verbraucher ist nicht halb so dämlich, wie die
Firmen immer behaupten. Diese Klagerei führt zu
ein fi ales Produkt zu kreieren ( http://hpi.de/ Verschwendung von Steuergeldern, Gerichte werden
mit solchem Quatsch blockiert und verdienen tun
baudisch/projects/protopiper.html ).  as nur die Juristen.« Dem ist nichts hinzuzufügen.
014 pa g e 02.16 › Signale

Frühlingsflimmern
● Cover-Gestaltung. Bereits die Mozart-
Einspielungen des griechischen Dirigenten
Teodor Currentzis, berühmt für seinen energe-
tischen, eigensinnigen Stil und für sein Opern-
haus im tiefsten Sibirien, gestaltete Fons
Hickman von m23. Immer in Absprache mit
Currentzis selbst, bei Wein und Zigaretten –
und an Abenden, bei denen die Ideen nur so
sprühen. Die meisten von ihnen sprengen jeden
Rahmen, allen aber ist gemein, die Musik mit
allen Sinnen in die Gestaltung zu übersetzen.
Wie bei der Currentzis’ Neueinspielung von
»Le Sacre du Printemps«, dessen Cover die Op-
Art zitiert, wunderbare Illusionen schafft und
gleich mehrere Ansichten. Nehmen Sie das Heft
in die Hand, bewegen Sie es zur Seite, halten Sie
es weit weg und schauen Sie von ganz Nahem. sd

Seidiger Glanz
● Corporate  Publishing. Für sein Re-
branding erntete der Chemie- und Phar-
mariese Merck unlängst eine Menge Kri-
tik – auch bei uns ( www.page-online.de/
merck_merkt_nichts_mehr ). Dass trotz-
dem hervorragendes Design für den Kon-
zern entstehen kann, beweist die Frankfur-
ter Agentur Sign Kommunikation mit dem
Magazin »Displaying Futures«. Merck
produziert nicht nur mit weltweitem Er-
folg Flüssigkristalle für Displays, sondern
auch Effektpigmente für Papier- und
Kunststoffhe tellung, Druckfarben und
Autoindustrie. Was Designerin Antonia
Henschel mit dem Schimmereffektpapier
des Magazincovers aufgreift, das komplett
ohne Sonderfarben bedruckt wurde. Die
gleichen abstrakten Illustrationen, für die
Henschel Spraylacke mit Metallpigmen-
ten nutzte, finden sich im Heft als Ka-
piteltrenner – wo man sie auch auf matt
gestrichenem Papier immer noch schim-
mern ahnt. cg

l eicht zu unterscheiden:
Die englische Version des
Merck Magazins ist in grau-
blaues Fälzelleinen gebun-
den, die deutsche hat eine
roséfarbene Bindung
pa g e 02.16 015

Nice-to-must-have.

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 Grabstein zum Blättern. Ein so
lustiges Buch über den Tod bringt
wohl nur britischer Humor zustande.
Verfasst hat es der berühmte Charles
Saatchi, Werbepapst und Gründer der
skandalumwitterten Saatchi Gallery.
Witzig sind nicht nur die 52 skurrilen
Anekdoten in »DEAD. A Celebration
Ein Magazin der Verlagsgruppe Ebner Ulm · www.ebnerverlag.de

of Mortality«, erschienen beim kul-


tigen Verlag Booth-Clibborn. Witzig
ist auch das Buchdesign von Sean
Murphy: Mit kompaktem Buchblock PAGE Shop: PAGE Skizzenbuch – Originalität ist der
beste Kopierschutz // typoPAGE – geballte Typografie
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lettern sieht »DEAD« wie ein Grab-


stein aus und kann auch als fröhlich
mahnendes Deko-Objekt dienen. cg
016 pa g e 02.16

TiTel

TRENDS
2016
Wie malen Sie sich das kommende Jahr aus?
Wir haben schon mal Experten gefragt,
wo zum Beispiel Illustratoren derzeit richtig Geld
verdienen können (mit Ausmalbüchern!), was
derzeit in der Typografie angesagt ist oder wohin die
Reise bei UX Design und Virtual Reality geht
pa g e 02.16 017

Unser absoluter
l iebling unter all den
Ausmalbüchern,
die sich derzeit zum
Teil millionenfach
verkaufen: Joji Koya-
mas »e lsewhere.
A Colouring Book«, bei
Penguin erschienen
018 pa g e 02.16 › titel › trends 2016

Wie aus dem Coloring-Trend ein gigantisches,


lukratives Geschäft für Illustratoren und Verlage wird
● Es war schon komisch dieses Jahr auf Kaufhaus veröffentlichte bei Penguin ein
der Buchmesse: Wo man hinschaute, Aus- hochwertiges Ausmalbuch mit Mustern
malbücher für Erwachsene, und die Men- seiner legendären Stoffkollektion. Beson-
schen an diesen Ständen sahen auffallend ders interessant finden wir das bei Pen-
zufrieden aus. Der Grund sind Titel wie guin erschienene Buch »Elsewhere« des in
»Malen für die Seele«, »Das Achtsamkeits- Berlin lebenden Japaners Joji Koyama, der
malbuch« oder »Anti-Stress. Malbuch für mit surreal bis abstrakt anmutenden Moti-
Erwachsene. Mit schwerelosen Motiven den ven aufwartet (http://elsewherecolouring.
Stress vergessen«. tumblr.com). Gleichzeitig bieten Indepen-
Dass die Verleger dieser Bücher so gut dent-Publisher bei Etsy oder über Create-
drauf sind, liegt weniger daran, dass sie ihre Space.com eigene Bücher an. Letztere lau-
Publikationen selbst kolorieren, als daran, fen auf Amazon blendend, man gebe nur
dass sie wie geschnitten Brot weggehen. die Suchbegriffe »CreateSpace Indepen-
Star der Szene ist die Illustratorin Johanna dent Publishing Platform« und »Coloring
Basford, die von ihren zuerst bei Laurence Book« ein. Da wäre allerdings noch Raum
King in London verlegten Büchern »Secret für originellere Titel!
Garden« und »Enchanted Forest« in zwei
Jahren 15 Millionen Exemplare verkaufte. Start-up- und Marketing-Ideen 
In Deutschland gibt es die Titel beim Kne- Und das sind längst noch nicht alle, die am
sebeck Verlag, aber auch Brasilien, die USA, Hype teilhaben wollen. Farbstiftehersteller
Südkorea und vor allem China hat der Hype Crayola offeriert eigene Ausmal-Kits, die
erreicht – nach drei Millionen verkauften Buchhandelskette Barnes & Nobles veran-
Exemplaren in drei Monaten kürte Lau- staltet riesige Ausmal-Events, und auch die
rence King Peking zur »Erwachsenen-Aus- App-Macher haben das Thema entdeckt.
malbuch-Hauptstadt der Welt«. In vielen Klassisch kommen Recolor von Sumoing
Ländern kann man Bücher dieser Art be- aus Helsinki oder Colorfy daher – Letztere
reits im Supermarkt kaufen. auch mit Instagram-Account, in dem man
Ausmal-Packung: Diese Oreo-Sonderedition seine Kunstwerke zeigen kann. Neue We-
Ornamentales, Pflanzen,   ließ sich online personalisieren ge gehen dagegen Entwickler wie Honey-
Vögelchen combinatorics mit Chromaldry: Die (noch
An sich ist das Phänomen nicht neu. Vor verbesserungsfähige!) App wandelt Fotos
drei Jahren schon malten bekannte deut- nieren Pflanzen, Tiere und Mandalas. In aus dem Smartphone-Archiv in Schwarz-
sche Illustratoren ungewöhnliche Motive eine recht ähnliche Kerbe schlägt aktuell weißvorlagen um – wie rechts das Porträt
für uns aus (siehe PAGE 03.13, Seite 76 ff.). ein neues Ausmalbuch der so erfolgreich der Autorin dieser Zeilen.
Doch aus dem Nischentrend wurde eine bei Gruner + Jahr erscheinenden Zeitschrift Eine aufwendige Marketingaktion haben
Lawine. Bereits mit sogenannten Activity- »Flow«. Für seine Sonderpublikation be- sich die US-Werber von The Martin Agen-
Books haben ja Illustratoren – allen voran auft ragte das »Magazin für Achtsamkeit, cy für Oreo ausgedacht. Für die Sonderedi-
Marion Deuchars und Nina Chakrabarti, Positive Psychologie und Selbstgemachtes« tion Colorfilled mit farbig gefüllten Keksen
die übrigens auch bei Laurence King star- die kanadischen Illustratorinnen Carolyn konnte man unter https://shop.oreo.com
teten – bestens verdient. Jetzt stehen seit Gavin und Helen Dardik. zwei von den beliebten Illustratoren Jere-
Monaten ständig zwei oder drei Ausmal- my ville und Timothy Goodman gestalte-
bücher auf Amazons Top-Ten-Liste, fast Frische Ideen sind gefragt te Packungen nach Belieben digital kolo-
immer mit lieblichen Pflanzen- und Tier- Rare Alternativen bieten Städte- und Ar- rieren und sich gedruckt schicken lassen.
motiven oder Mandala-artigen Gebilden. chitekturmotive wie in den Büchern von Auch Packungen mit leeren Vorlagen konn-
Meist sind es britische Produkte, deutsche Zoé de Las Cases oder der Band »Fantastic te man bestellen, dazu gab es Stifte fürs
Titel waren bisher oft Übersetzungen (geht Cities« von Steve McDonald mit detaillier- analoge Kolorieren daheim. Ein Baustein
ratzfatz, es gibt ja kaum Text). ten Vorlagen von Städten aus aller Welt, in- der Strategie des Lebensmittelriesen Mon-
Besonders rasch griff den Trend der Ver- klusive einer Luftansicht von Bremen. Der deléz, seine Kunden ans Online-Shopping
lag Edition Michael Fischer (kurz EMF) aus Verlag Michael O’Mara Books, einer der zu gewöhnen. Was sich mit Ausmalen al-
dem bayrischen Igling auf, der sich als Spe- britischen Coloring-Marktführer, launch- les machen lässt . . . cg
zialist für »kreative Bücher für die moder- te das »Typography Colouring Book« oder
ne Handmade-Generation« versteht und »Outside the Lines« mit Vorlagen von über
Ausmalbücher und kein Ende.  
jüngst das Magazin »Handmade mit Enie« hundert bekannten Kreativen. Andere üben Weitere Beispiele zeigen
zur gleichnamigen sixx-Fernsehsendung sich darin, vorhandenes Material lukrativ wir unter ↗  www.page-online.de/
lancierte. Auch bei den EMF-Titeln domi- zweitzuverwerten: Das Londoner Liberty- ausmalbuecher
pa g e 02.16 019

PAGE Redakteurin   
Claudia Gerdes aka cg   
als Ausmalvorlage,   
erstellt mit der iOS-App  
Chromaldry
020 pa g e 02.16 › titel › trends 2016

Martin Gassner von 
SinnerSchrader  
will den User 2016 
mit Smart UIs 
spielerisch verführen
pa g e 02.16 021

im UX Design sind Microinteractions, Service Design,


Smart Ui und g estalten für alle Devices die heißen Themen
Passende Schriften sowie Schriftschnit-
»Konsequente   te und -größen sind für Interfaces genauso »Menschliche Kontrapunkte 
Nutzerzentrierung« wichtig wie passende Bilder. Aus diesem zum eher sterilen, minimalis ti-
Martin Gassner, Geschäftsführer Kreation bei Grund ist das Arbeiten mit Schriften ein schen Flat Design« 
der Digitalagentur SinnerSchrader in Hamburg sehr schöner und wichtiger Trend. Span- Wolf Brüning, Principal UX Designer bei OTTO
↗  www.sinnerschrader.com
nend sind auch Visual-Storytelling-Inter- und Mitgründer des Blogs produktbezogen
↗  www.produktbezogen.de
Die meisten Trends zeichneten faces wie story.glass (http://story.glass),
sich 2015 bereits ab: konsequen- die es Usern erlauben, ihre Geschichte oh- Flat Design war wichtig, um mit
te Nutzerzentrierung als führen- ne viel Aufwand interessant zu verpacken. dem doch etwas schäbigen Skeuo-
des Prinzip und Reduzierung von Komple- Karten helfen, Informationen zu organi- morphismus aufzuräumen. Beim
xität, wie bei mytaxi, Airbnb oder Operator sieren, sodass die User schneller tief in ih- kompromisslosen Einsatz wurden aber zu
und vielen anderen. Zudem gibt es eine kla- re Interessen eintauchen können. Ich mag oft wichtige Affordances wie visuelle Hie-
re Entscheidung für »Mobile Only« oder zu- es aufgeräumt und übersichtlich. rarchien oder die Erkennbarkeit von In-
mindest »Mobile First« und für radikal ver- teraktionsflächen über Bord geworfen. Die
kürzte, vereinfachte Checkout-Prozesse. Form folgt nicht mehr der Funktion, das
Wir werden smarte Interfaces erleben, »Es wird die Zeit der   Interaktionsdesign wird dem Diktat des
die den User verführen, explizite und im- UX Researcher, der   Stils untergeordnet. Wir UX Designer müs-
plizite Präferenzbildung zu betreiben, um Content-Strategen und   sen aufpassen, dass wir dabei den User
ihn künftig immer zielgerichteter anspre- der Produktmanager«  nicht abhängen. Unsere Tests zeigten, wie
chen zu können. Die umfangreiche Senso- Franz von Vacano, Konzepter bei schlecht »Normalnutzer« mit vermeintli-
rik in Mobilgeräten wird eine immer bes- Colt UX in Hamburg chen Standardinteraktionen wie Tabbed
↗  www.colt-ux.com
sere Kontextualisierung erlauben, um ihm Browsing zurechtkommen. Was ist, wenn
eine auf diesen speziellen Kontext optimier- Dieses Jahr werden wir den Wan- Buttons so aussehen wie Headlines?
te User Experience zu bieten. Die umfang- del vom responsiven zum kon- Aktuell gefällt mir sehr, dass wieder viel
reiche Datenaggregation und Personali- textuellen Design erleben. Zudem mehr mit Hand und Stift gestaltet wird,
sierung minimiert dabei den Aufwand für geht es vom Seitenparadigma zu atoma- seien es illustrative Sketches oder wunder-
den Nutzer, wie bereits bei Google Now rem Design. Es wird mehr Personalisierung bare Hand-Letterings. Diese können zum
oder Netflix zu sehen ist. und unsichtbares Design geben. Im Wett- Beispiel dem minimalistischen, eher steri-
Darüber hinaus zeigt uns Micro-UX die bewerb um den Nutzer gewinnt, wer per- len Flat Design einen angenehm mensch-
Liebe zu kleinen, oft animierten Details sönliche Relevanz schafft und intelligen- lichen Kontrapunkt geben.
und Transitions im Interface. Die große ten Service bietet. Verant wortungsvolles
emotionale Inszenierung, die wir von Desk- Design erlangt mehr Bedeutung – Dezen-
top-Websites kennen, wird dagegen an Re- tralisierung, Transparenz und Kontrolle im »Weg vom Entwurf ganzer 
levanz verlieren, da wir die meiste Internet- Internet bleiben in der Post-Snowden-Ära Seiten, hin zur Konzeption von 
nutzungszeit mit unseren kleinen Smart- zentrale Themen. Mein Lieblingstrend aber Minimalbausteinen« 
phone-Screens verbringen. sind Microinteractions. Sie machen unser Sebastian Lukšić, UX Designer bei
Medium lebendig und entscheiden oft da- der Digitalagentur Razorfish in Berlin
↗ www.razorfish.de
rüber, ob ein User begeistert ist oder ver-
»Smarter, typografischer,  zweifelt. Microinteractions ermöglichen es Gegenüber reinen Flat-UIs erlaubt
aufgeräumter« uns, sehr unmittelbar mit den Nutzern zu uns Material Design, interaktive
Sonja Rossbach, selbstständiger Usability kommunizieren, sie zu lenken, zu ermuti- Elemente viel klarer und ohne vi-
Engineer und UX Konzepter in Flörsheim gen oder zu belohnen. suellen Lärm zu kommunizieren. Das Ein-
↗  www.halberschmidt.com
UX Design wird immer selbstverständ- betten fremder Inhalte und die Nutzung
Das User Interface wird noch in- licher ins Team und seine Prozesse integ- von APIs erlauben zudem neue Formen der
telligenter und wahrscheinlich riert, sodass der UX Designer als eigene Personalisierung, wie bereits beim Musik-
Bedienwege selbst abkürzen, weil Rolle vielleicht überflüssig wird – zumin- video-Portal Vevo zu sehen, in das der User
es einschätzt, was der User möchte – ein dest der klassische UX Designer, der Wire- die eigenen Spotify-Playlists einbindet.
smartes UI. Im Zusammenspiel mit dem frames baut und Spezifi ationen schreibt. Insgesamt wird sich UX Design immer
Internet of Things könnte es beispielswei- Ein großer Teil seiner Arbeit ist durch Stan- weiter vom Entwurf ganzer Seiten und Por-
se die Daten nutzen, die der Nutzer über dardisierung, hochwertige Frameworks und tale hin zur Konzeption von Minimalbau-
sich sammeln lässt, und ihn ins Zentrum Pattern Libraries hinfällig geworden. Zu- steinen entwickeln, die in verschiedensten
dieses Datennetzes stellen. Dann wird der gleich erfordert die Komplexität künftiger Anwendungen zum Einsatz kommen kön-
Dampfgarer nur leichte Kost zubereiten, Services weitere Spezialisierung. Es wird nen. Wir werden uns verstärkt mit komple-
weil der Kuchen am Mittag das Kalorien- die Zeit der UX Researcher, der Content- xen User Journeys über viele Touchpoints
budget gesprengt hat. Strategen, der Produktmanager. hinweg auseinandersetzen müssen. ae
022 pa g e 02.16 › titel › trends 2016

Den einen großen Typo-Trend gibt es nicht, wohl aber


viele kleine, die friedlich koexistieren
wertigen Corporate Fonts wird anhalten. Betriebssysteme hinken hinterher. Für den
Experimente mit  Hier liegt der Fokus inzwischen nicht mehr Leser hieße das: auf allen Geräten der glei-
Responsive Web-Font nur auf visueller Eigenständigkeit, sondern che Lesekomfort.
Shoko Mugikura und Tim Ahrens, Betreiber auch auf einem maximalen Einsatzradius Schließlich glaube ich, dass auch 2016
von Just Another Foundry, Garching vom niedrigauflö enden Device über Web- weitere Klassiker für das Digitalzeitalter
↗  http://justanotherfoundry.com
anwendungen bis zum Großflächenplakat. aufgepäppelt werden und in neuem Glanz
Was die Web-Font-Tech- 2016 wird hoffentlich auch der endgül- erblühen. Im vergangenen Jahr waren das
nik angeht, können wir tige Durchbruch der OpenType-Features die Neue Haas Grotesk und die Eric Gill
hoffen, dass die Browser- kommen. Wenn Android sie bald system- Series. Für das kommende Jahr wünsche
Unterstützung von WOFF2 (einem weiter- weit unterstützt, setzt das vielleicht endlich ich mir mehr solcher Revivals.
entwickelten WOFF mit verbesserter Kom- Apples Safari in Bewegung, dann wäre auch
pression) zunimmt. Nachdem SVG und der letzte Browser bereit für die »neuen«
Roh-TTF bereits vom Tisch sind, könnte typografi chen Möglichkeiten. Retro und 3D
man als Web-Font-Nutzer 2016 schon daran Erik Spiekermann, Typedesigner,
denken, EOT aufzugeben, wenn man Inter- Berlin und San Francisco
↗  http://spiekermann.com
net Explorer 6 bis 8 nicht mehr unbedingt Emojis, Strichstärken varianten 
unterstützen will. Alles in allem gibt es also und Revivals Bestseller und Trends sind nicht
eher Evolution als Revolution. Die aktuel- Jürgen Siebert, Director Marketing dasselbe. Immer noch stehen die
len Experimente zu Responsive Web-Fonts DACH & TYPO bei Monotype, Berlin, Klassiker ganz oben in den Ver-
↗  www.monotype.de/de
wie die auf http://letterror.com/dev/math kaufslisten. Man sollte es nicht glauben,
shapes sind vielversprechend. Nachdem die Oxford Libraries ge- aber es gibt nach wie vor Leute, die weder
Bei den Vertriebsmodellen scheint es ei- rade ein Emoji als »Wort des Jah- Helvetica noch Futura noch Avenir oder
ne Annäherung der Konzepte für Desktop- res« gewählt haben, steht fest: Die Frutiger haben. Hohe Verkaufszahlen lie-
und Web-Fonts zu geben. Nicht nur der kleinen Symbole sind in der Schriftsprache gen aber auch daran, dass Lizenzen für sol-
Web-Font-Dienstleister Fontdeck hat kürz- angekommen. Und bei den Bilderschrift en che Schriften oft die ganze Familie umfas-
lich aufgehört, auch wir haben unseren wird es 2016 wohl auch die größten Inno- sen und für mehr als einen Arbeitsplatz
Web-Font-Mietservice eingestellt und set- vationen geben. Wenn Erwachsene sich die- gelten. Geometrische Grotesk und Slab Se-
zen verstärkt auf Selbst-Hosting, also den ser Zeichen bedienen sollen, müssten zu- rifs sind keine Trends, sondern seit einigen
Erwerb von Fontdateien. Andererseits sind nächst die Qualitätskriterien für Schriften Jahren wieder gefragt.
wir bei den neuen Angeboten von Adobe auf sie angewendet werden: einheitliche Zwei modische Trends gibt es aber, und
und Fontstand mit dabei. Sie stellen auch Formensprache (entweder 3D, flach oder auch nicht erst seit gestern. Da wären zum
Desktop-Fonts zum Mieten oder als Soft- glasig gelutscht et cetera, aber nicht kun- einen Fonts wie Core Circus, die endlich
ware-as-a-Service zur Verfügung. terbunt durcheinander), Erkennbarkeit in die Möglichkeiten der OpenType-Technik
Web-Typografie? Kann sich eigentlich kleinen Größen (keine feinen Details), nutzen, mit verschiedenen Ebenen für Far-
nur noch weg vom derzeit dominierenden schneller Zugriff. Am meisten ist Apple ge- ben, 3D-Effekte oder Muster. Und zum an-
»Foto plus zentrierte Typo, darunter drei fordert; die Metro-Emoticons von Windows deren Retro- und Vintage-Fonts. Namen
Icons«-Layout bewegen. Leider sehen fast wie auch die Android-Emojis sind bereits wie Charcuterie, Local Market oder Micro-
alle Webseiten, die 2015 neu gestaltet wur- harmonischer ausgearbeitet. Die Vielspra- brew deuten die Richtung an: Man sieht
den, genau so aus. Wir hoffen, dass die chigkeit der Emojis ist mit den sechs Haut- förmlich die Hipster-Restaurant-Einrich-
Webdesigner wieder mehr projektspezifi- farben schon gelöst. tung: grobe Tische, alte Industrielampen,
sche Konzepte entwickeln. Im Bereich der Bildschirmdarstellung unverputzte Wände. Viele Schriften haben
von Buchstaben erwarte ich erste Ansätze Versionen mit eingebautem Schmutz. Zu-
für eine automatische Gradation. Im Zei- sätze wie Rough, Rust oder Textures weisen
Mehr Corporate,  tungsdruck werden solche Strichstärken- auf diese angebliche Herkunft hin. Endlich
weniger Script-Fonts varianten eingesetzt, um auf verschiedenen kann die Speisekarte aussehen, als hätte sie
Hannes von Döhren und Christoph Koeberlin, Papieren den gleichen Grauwert zu erzie- sechzig Jahre im staubigen Keller gelegen.
Typedesigner, HvD Fonts, Berlin len: Ist das Papier sehr saugfähig, nimmt Wer Beschriftungen auf alten Maschi-
↗  www.hvdfonts.com
man einen leichteren Schriftgrad … nicht nen, Öldosen und Spielzeugverpackungen
Wir rechnen damit, dass zu verwechseln mit Schriftstilen wie Light nachahmen will, liegt mit Industry Inc,
der große 2015er Trend oder Thin, wo auch die Laufweite variiert. Detroit oder Prismatic richtig. Auch hier
der Handschriften etwas Auf Displays ließen sich solche Gradatio- sind die Namen Programm. Lustig anzu-
zurückgehen wird, dafür hat Apple mit ih- nen theoretisch komplett automatisch steu- sehen sind diese Schriften allemal – auch
rer an die DIN angelehnten San Francisco ern, abhängig von der Schriftgröße und der wenn man am Ende doch FF Meta kauft,
die geometrischen Schriften noch einmal Bildschirmauflö ung. Viele Schriften unter- weil man damit mehr gestalten kann als
neu angeheizt. Auch die Tendenz zu hoch- stützen diese Varianten bereits, allein die nachgemachte Emailleschilder. ant
pa g e 02.16 023
Foto: Dennis l etbetter, San Francisco

Ob aus Berlin oder San Francisco:  
Erik Spiekermanns Blick in die Zukunft
bietet vielen Gestaltern Orientierung
024 pa g e 02.16 › titel › trends 2016

Florian Schmitt blickt hoffnungsvoll in eine 
sinnreiche Zukunft der Kreativbranche
pa g e 02.16 025

g rößenwahn? Hype? Was es mit dem Social-Trend


in Werbung und Marketing auf sich hat
● Sei es die Aktion »Rechts gegen Rechts« chen, dass die Welt ein besserer Ort wird. und sich mit dem beschäftigen, was sie inte-
für EXIT, die Kampagne »#likeagirl« von Dafür sind sie schließlich da. Das ist ihre ressiert, und dann mehr tun, als nur dumpf
Procter & Gamble oder Volvo Life Paint: Bei Bestimmung und ihr Selbstzweck. ihre Sales-Pipelines zu befüllen, führt das
allen Kreativwettbewerben standen 2015 Interessant ist aber, dass auch Marken nicht zu weniger Sales, sondern zu mehr.
Kampagnen mit gesellschaftlichem An- zunehmend verstehen, dass ihre Bestim- Aber vielleicht haben nicht nur Marken
spruch weit oben. Handelt es sich dabei mung weit über ein lapidares »We sell or eine Verantwortung, sondern auch wir
um einen kurzfristigen Trend, um die Jurys else« hinausgeht. Weil sich die Menschen Kreative. Wir könnten das Talent, das uns
für sich zu gewinnen? Oder können Agen- und ihre Ansprüche verändert haben. Wir geschenkt wurde, für etwas Sinnvolles
turen und ihre Kunden tatsächlich Lösun- leben nicht mehr in den 1930er Jahren, als nutzen. Um Produkte und Marken zu ver-
gen für soziale Ungerechtigkeiten finden? Tabakkonzerne in Anzeigen Ärzte einsetz- kaufen, klar. Aber wenn wir dabei die Welt
Wir fragten nach bei Kreativen. nik ten, um ihre Zigaretten anpreisen zu lassen, zu einem besseren Ort machen, ja, mein
nur damit »Sales« entstanden. Die Leute Gott, warum denn nicht?
wollen heute mehr über Marken, Produkte,
»Da ich kein Zyniker bin, wage  Wirkweisen wissen. Und haben dank In-
ich zu hoffen, dass der Ursprung  ternet die Möglichkeit dazu. »Mit einer großen Marke im  
in einem tieferen gesell- Die Menschen erwarten heute von Mar- Rücken kann man gute Dinge 
schaftlichen Wandel liegt«  ken mehr als nur ein Produkt, das irgend- bewirken. Darin sehe ich für 
Florian Schmitt, Chief Creative Officer bei der eine Funktion hat. Weil es das gleiche Pro- niemanden einen Nachteil«
internationalen Digitalagentur Syzygy, ist dukt mit der gleichen Funktion schon zehn Florian Grimm ist Kreativchef bei GGH Lowe.
Gründer des Designstudios Hi-ReS! in London,
Mal gibt. Was also wirkt sich auf ihre Kauf- Auf seine Initiative hin rief die Hamburger
das er 2008 an Syzygy verkaufte. Agentur Anfang 2010 die Website mykuh.com
entscheidung aus? Sie wollen wissen, wo-
ins Leben, über die man für 350 Euro eine
Man könnte zynisch sein und sa- für die Marke steht, welche Haltung sie hat, Kuh für eine Familie in Indien kaufen kann.
gen: Das ist ein Trend. Und klar: ob sie sich wirklich für die Menschen in- Zu den bisherigen Kuhspendern gehören
Ein (gut ausgeführtes) Charity- teressiert, ob sie großzügig ist, ob sie et- unter anderem Branchengrößen wie
Thema spricht automatisch Jurys eher an. was Gutes tut, welche Arbeitsbedingun- Jean-Remy von Matt, Amir Kassaei oder
Michael Trautmann.
Aber da ich kein Zyniker bin, wage ich zu gen herrschen, ob sie andere ausbeutet, ob
hoffen, dass es seinen Ursprung in einem sie etwas für unsere Kinder oder ihre Aus- Ich denke, der Social-Trend hält
tieferen gesellschaftlichen Wandel hat, ei- bildung tut, ob sie für Gleichberechtigung an. Zum einen wird die Welt im-
nem größeren Bewusstsein, dass unsere oder dagegen ist. Fragen wie diese beein- mer schlechter und bietet unzäh-
kreativen Kompetenzen, insbesondere im flussen die Kaufentscheidung immer mehr. lige Ansatzpunkte – zum anderen suchen
Digitalen, auch sinnreich auf Themen an- Die Agentur 72andSunny, die für Marken sich Kreative ihre Nischen für ungewöhn-
gewendet werden können, die nicht ein- wie adidas, Axe, Google und Starbucks ar- liche Lösungswege. Die meisten Kunden
fach nur den Konsum anfeuern. Dass wir beitet, sagt: »Brands are becoming better sind ja seit Langem nicht mehr so offen und
gemeinsam mehr Sinn und Bedeutung citizens«. Sie nennt das ganze »Brand Citi- mutig, neue, kreative Wege zu gehen, weil
schaffen können. Aber vielleicht bin ich zenship« und integriert diese Sichtweise in diese oftmals polarisieren und so keinem
auch einfach zu viel Hippie :) . . . jedes ihrer Briefi gs. Es gibt Nielsen-Un- Test standhalten. Kreative stecken oft viel
tersuchungen, die belegen, dass 60 Prozent Energie in Projekte, bei denen man sich fra-
der Menschen lieber Produkte von einer gen kann, ob die Welt sie wirklich braucht.
»Vielleicht sehen wir hier   »guten« Marke kaufen. Es ist ganz normal, dann seine Möglichkei-
nicht nur einen kurzzeitigen  Vielleicht sehen wir hier daher nicht nur ten und Fähigkeiten dafür zu nutzen, et-
Award-Trend, sondern das  einen kurzzeitigen Award-Trend, sondern was Gutes zu tun. Schließlich wollen auch
Ende einer Ära« wirklich das Ende einer Ära, in der Unter- Kreative in den Himmel.
Ralf Heuel ist Geschäftsführer Kreation bei nehmen irgendwelche Produkte verkauf- Unternehmen wissen, dass soziale Ak-
Grabarz & Partner in Hamburg. Die Agentur ten und damit ihre Verantwortung been- tionen helfen, Imagewerte zu verbessern.
gewann mit ihrer gemeinsam mit GGH Lowe
det war. Vielleicht erleben wir gerade den Das ist ein schmaler Grat, denn es darf da-
umgesetzten Kampagne »Rechts gegen Rechts«
für das Neonazi-Aussteigerprogramm EXIT Beginn einer Entwicklung, in der Marken bei natürlich nicht darum gehen, sich an
viele Kreativpreise. von Menschen als Teil ihrer Community einem sozialen Thema zu bereichern, son-
erlebt werden und sie dementsprechende dern darum, auf ein echtes Problem auf-
Zunächst mal würde ich gern un- Ansprüche an sie stellen. Und sie gemäß merksam zu machen beziehungsweise an
terscheiden zwischen Werbung dem Satz »Mit großer Stärke kommt große seiner Lösung mitzuarbeiten. Wenn das
für NGOs und Werbung für klas- Verantwortung« auch in die Pfli ht neh- auf die Marke einzahlt, heiligt der Zweck
sische Marken, die den Aspekt »for a high- men. Dove mit der fantastischen »Initiati- meiner Meinung nach die Mittel. Mit einer
er purpose« in ihre Kommunikation inte- ve für wahre Schönheit« oder Burger King großen Marke im Rücken kann man gute
grieren. NGOs machten schon immer und mit dem großartigen »Proud Whopper« zei- Dinge bewirken. Darin sehe ich für nieman-
werden auch weiter Kampagnen dafür ma- gen: Wenn Marken auf Menschen hören den einen Nachteil.  nik
026 pa g e 02.16 › titel › trends 2016

Virtual Reality steuert in Richtung ernst zu nehmender


anwendungen für die digitale Markenkommunikation
● Totgesagte leben länger! Virtual Reality
ist ein Trend, den 2013 nicht nur die Kre-
ativbranche schwer enttäuscht abschrieb.
2016 steht VR wieder ganz oben auf der
Agenda – diesmal ausgereifter und nicht
nur für Games, sondern für weitaus pro-
fanere Einsatzgebiete gedacht. VR-Brillen
sind endlich marktfähig geworden, und
das zu annehmbaren Preisen, und Face-
book, Google und Microsoft investieren
munter in Virtual-Reality-Studios und -Pro-
jekte, während Apple der Technologie of-
fenbar noch etwas verhalten gegenüber-
steht. Zwar akquirierte das Unternehmen
im März 2015 für 32 Millionen Dollar die
Münchner Softwarefi ma Metaio mit Dut-
zenden von Virtual-Reality-Patenten, bis-
lang allerdings ohne Resultate.
Dennoch: Kommt es so, wie viele Exper-
ten es voraussagen, werden Virtual-Reali-
ty-Brillen und eine neue Generation von
Smartphones schon 2016 die Standards le Kommunikation: von Produktpräsen- Veranstaltungen: »Sicher ist es bald mög-
digitaler Kommunikation verändern. Tim tationen über interaktive Werbung bis hin lich, sich online ein Ticket für ein Tennis-
Sweeney, Chief Executive Officer des US- zu Events lässt der Nutzer sich aktiv ein- Match in Wimbledon zu kaufen und mit
Spieleherstellers Epic Games, erklärt eu- beziehen. »Mittels Virtual Reality könnte der VR-Brille quasi real im Centre Court
phorisch: »Innerhalb der kommenden zehn es zum Beispiel ein echtes Erlebnis wer- zu sitzen, wenn das Spiel mit VR-Kameras
Jahre werden alle anderen Arten von Dis- den, den Neuwagen mit einem Car-Konfi- aufgenommen wird.«
plays und Devices für die Mensch-Maschi- gurator auszuwählen«, sagt Alexander El- Bei demodern zeichnet Virtual-Reality-
ne-Interaktion durch VR und ihre Folge- Meligi, Managing Partner der Hamburger Fan El-Meligi verantwortlich für die Ent-
technologien ersetzt werden.« Dependance der Digitalagentur demodern. wicklung der App loftshift, eine Art inter-
Oculus Rift, das wohl am meisten ge- Und tatsächlich: Mit der Virtual-Reality- aktiver Interior-Design-Katalog. Entstan-
hypte Virtual-Reality-Headset, soll im ers- Brille Audi VR experience will der Automo- den ist die Anwendung für den Hamburger
ten Quartal 2016 endlich auf den Markt bilhersteller 2016 den Vertrieb unterstüt- Designer und Architekten Peter Fehrentz.
kommen – und zwar nicht für anfangs zen. Bei sechzehn Audi-Händlern können Mit Fotos, die die Hamburger 747 Studios
gedachte 1500 Dollar, sondern für rund Kunden bereits jetzt ihren Neuwagen mit mit 3ds Max und V-Ray in 3D renderten,
300 Dollar. Google feierte mit Cardboard, einer VR-Brille konfigurieren. bauten die VR-Spezialisten von demodern
ihrem simplen VR-Viewer aus gefaltetem MINI dagegen nutzt als erste Automo- mit der Game-Engine Unity eine App für
Karton, durchschlagende Erfolge. Micro- bilmarke Virtual Reality fürs Storytelling das Samsung-Betriebssystem Tizen. »Die
soft hatte zwar bereits im Januar 2015 ihre in zwei 360-Grad-Filmen, bei denen sich Samsung-Brille bietet im Zusammenspiel
HoloLens mit einem Mix aus VR und AR die Zuschauer frei im virtuellen Raum um- mit dem Galaxy S6 eine weitaus höhere
(= Mixed Reality) vorgestellt, doch bisher sehen können. Die Clips sind seit Septem- Displayqualität als die Oculus Rift DK2«,
ist kein Releasedatum in Sicht. Gegenwär- ber 2015 auf der Kampagnenwebsite in über erklärt El-Meligi. Mittels loftshift können
tig hat eher Samsung mit Gear VR die Nase 20 Ländern sowie auf YouTube zu sehen. Kunden des Architekten die Inneneinrich-
vorn. Die Brille verfügt über eigene Senso- Für die globale Marketingkampagne plant tung des fotorealistischen 3D-Raums virtu-
ren, die via USB mit dem Galaxy-S6-Smart- MINI weltweit kostenlos 140 000 gebran- ell erkunden und auch selbst gestalten, al-
phone kommunizieren und von dort auch dete Cardboard-Viewer zu verteilen. Mit der so etwa Mobiliar, Lampen, Wandfarbe oder
Strom beziehen. Dadurch überträgt sie die Umsetzung betraute die MINI-Leadagen- Bodenbeläge über das Touchpanel der
Bewegungen des Users besonders schnell tur KKLD* aus Berlin den VR-Spezialisten Gear VR austauschen. Selbst die Lichtstim-
auf die virtuelle Welt. UNIT9 (www.unit9.com/vr), der auch Vin- mung lässt sich verändern, indem der User
cent Morisset bei der Produktion des in- zwischen Tages- und Nachtzeit wählt.
Erlebbare Produkte und  teraktiven WebGL-3D-Games »A Way To
360-Grad-Storytelling Go« (siehe PAGE 10.15, Seite 58 ff.) bera- Content, Content, Content . .. 
Mit Oculus Rift, Samsung Gear VR und all tend zur Seite stand. Besonders spannend Auch für die Informationsvermittlung bie-
den anderen VR-Brillen eröffnet sich ein findet Alexander El-Meligi darüber hinaus tet VR viel Potenzial, indem sie die Rezi-
gänzlich neues Universum für die digita- den Einsatz von VR im Zusammenhang mit pienten tief in die Geschichte hinein-
pa g e 02.16 027

Mit der von demodern und
747 Studios für Samsungs Gear VR 
entwickelten App loftshift lässt
sich das Interior Design des Raums 
(oben links) nach Gusto verändern 
und in 360-Grad-Ansicht betrachten
028 pa g e 02.16 › titel › trends 2016

Der Referent
● Hagen Seidel ist Head of Delivery bei der inter-
national vielfach ausgezeichneten Kreativagentur
für digitales Marketing Razorfish Deutschland mit
Dependancen in Frankfurt am Main, Berlin und
München. e r ist zertifizierter Scrum Master und
verantwortet als Projektmanager nicht nur die
Budgets sowie die Qualität und Profitabilität von
zieht. So geschehen bei dem Virtual-Rea- Projekten, sondern stellt auch die e inhaltung
lity-Projekt »The Displaced« des »New York der Agenturworkflows und Projektmanagement-
Times Magazine«, das die Schicksale drei- Prozesse sicher. Darüber hinaus ist er für die
er Flüchtlingskinder aus Syrien, der Ukrai- Weiterbildung und Zertifizierung des agentur-
ne und dem Südsudan zeigt. Verfügbar ist eigenen Projektmanagement-Teams zuständig.
es als iOS- und als Android-App. Als Chef-
redakteur Jake Silverstein in VR erlebte, Hagen Seidel schöpft aus 15 Jahren Berufserfah-
wie das schwere Flugzeug dicht über sei- rung als Angestellter und Freelancer in Start-up
nen Kopf hinwegdonnerte und der Bauch und Netzwerkagentur. e r begann seine l aufbahn
»The New York Times  
sich öffnete, sodass Dutzende Pakete über als Frontend-Programmierer, bevor er ins tech-
Magazine« setzt ebenso  
Bord rutschten und auf die Erde krach- nische Projektmanagement wechselte und 2008
auf VR via Googles  
ten, war er beeindruckt: »Als wäre es echt. bei Razorfish Scrum einführte. e r managte Pro-
Cartboard-Brille wie 
Der Sound, die Nähe, der Druck.« Diese jekte wie den Multitouch-Table für den Audi City
Autohersteller MINI.  
Erfahrung sollten auch die rund 1,3 Millio- Showroom l ondon und realisierte mit Kunden
Oben die eindringliche 
nen Leser nachempfinden können, daher wie DHl , Allianz, Nintendo und Wilkhahn internet-
Reportage »The Displaced«, 
schickte das Magazin Anfang November in auftritte, Apps und Cross-Channel-Kampagnen.
darunter einer der  
Kooperation mit Google die faltbare VR-
aufwendig produzierten 
Brille Cardboard an all seine Abonnenten.
Kurzfilme für MINIs  
Schon jetzt gibt es außerhalb des Ga-
weltweite Marketing- 
mings zahlreiche beeindruckende VR-An-
kampagne
wendungen, und Alexander El-Meligi ist
„Das Seminar war
überzeugt: »Sobald die VR-Brillen gemein-
wirklich großartig!
sam mit den Smartphones verkauft wer-
Hat mir außerordentlich
den, wie das bei Lenovo bereits der Fall ist,
gut gefallen. Hagen war ein
wird die Verbreitung rasant steigen und
klasse Referent, er lebt den
somit auch die Nachfrage nach weiteren
Inhalt regelrecht.“
spannenden Inhalten.« Er weiß, dass sich
Digitales durch Virtual Reality auf einer
ganz neuen Ebene erleben lässt. Das New
Yorker Forschungsinstitut Superdata sagt
übrigens 70 Millionen verkaufte VR-Brillen
bis Ende 2017 voraus. Also nicht lange über- Dr. Daniel Schulten, Vorstand
legen, ran an die 3D-Software und interes- netzkern AG, Agentur für
sante Apps basteln! ae interaktive Kommunikation
aNZeige

1 pRaXiS
Weitere PAGe Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda: Tag 1

Agil ans Ziel 1 Herausforderung digitales


Projektmanagement
in digitalen projekten hat man mit unter-
schiedlichsten Kunden, Zielen, Nutzern
Modernes und technologien zu tun. Wie kann man

projektmanagement – projekte klassifizieren? Und was bedeutet


es, heute projektmanager zu sein?
Cases, techniken,
Methoden 2 Allgemeingültige Projektphasen
trotz Diversifikation
Was unterscheidet klassisches und agiles
projektmanagement? Welche phasen und
Schritte haben Strategie-, Kreations- oder
technische Umsetzungsprojekte gemein?
Das zweitägige Seminar »Agil ans Ziel«
3 Agiles Projektmanagement
● Unternehmen aller Branchen müssen heute digitale Produkte und Services Welche agilen Methoden gibt es und
bieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch Projekte mit neuen Techno- für welches neue Wertesystem
logien und neuen Konzepten sind oft komplex und schwer einzuschätzen. stehen sie? Stichwort »agiles Manifest«
Zudem liegen nur selten Erfahrungswerte vor. Auftraggeber und Projekt-
beteiligte – inhouse wie extern – sammeln darum während des Entwicklungs- 4 Planen und Schätzen
prozesses fortwährend neue Erkenntnisse. Entsprechend häufig ändern Wie werden anforderungen erfasst
sich die Anforderungen. Und das bei immer unumstößlicheren Deadlines. und geschätzt? Und wie nutze ich das
product Backlog als zentrales tool?
Höchste Zeit also, auch im Projektmanagement neue Wege zu beschreiten und
das Vorhaben agil, sprich: schrittweise in einem sich selbst organisierenden,
interdisziplinären Team in Zyklen anzugehen! Das traditionelle Wasserfall- Die Agenda: Tag 2
modell setzt vorhersehbare Projektverläufen voraus, die agile Methode passt sich
an und legt den Fokus auf umgesetzte Funktionalitäten. Mit agilem Projekt- 1 Rollen und Verantwortlichkeiten
management kann man auf kurzfristige Änderungswünsche des Kunden rasch agiler Coach, team und product Owner –
reagieren und sogar in späten Projektphasen fl xibel auf Change Requests ein- jeder leistet seinen Beitrag zum e rfolg.
gehen. Doch wie genau lässt sich der eigentlich in der Softwareentwicklung behei- Welche Rechte und pflichten gibt es und wie
matete Ansatz für kreative Konzepte nutzen? Wie etabliert man ihn im Team? ändern sich diese im projektverlauf?

Profitieren auch Sie vom immensen Erfahrungsschatz Hagen Seidels! In unserem 2 Meeting-Kultur in agilen Projekten
zweitägigen Seminar zeigt er anhand konkreter Cases, welche Projekte sich planungs-Meeting, Daily Standup, Review-
mit agilen Methoden umsetzen lassen – und welche nicht. Er erläutert, welche Meeting: wie oft, wie lange, wer ist dabei?
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Projektleiter, Projektmitarbeiter t ipps und tricks für die Durchführung
und Auftraggeber auf Augenhöhe zusammenarbeiten können, und er zeigt,
wie man heterogene Teams aus Strategen, Konzeptern, Creative Developern, 3 Reporting und Risikomanagement
Designern, Informationsarchitekten, Artdirektoren, Textern und Testern Welche tools und Helfer gibt es im agilen
zu Winning Teams macht. Er gibt Anregungen und vermittelt Lösungsansätze projektmanagement? Und welche aspekte
sowie Handlungsempfehlungen für alle, die das agile Prinzip durchdringen des klassischen projektmanagements
und in ihrer Agentur oder Firma vorantreiben wollen – kurzum: für alle, die sollte man in der Hinterhand haben?
interdisziplinäre Projekte erfolgreich durchführen wollen.
4 Team Building
Das pa g e Seminar findet am 21./22. April in den Design Offices Was bedeutet »inspect and adopt«
Hamburg Domplatz von jeweils 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die teilnahme als philosophie? Wie implementiert man
kostet 1480 e uro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die g ebühr umfasst die tagungs- sie, damit man als team besser
kosten sowie l unch und Kaffeepausen. Die teilnehmerzahl ist auf 18 personen zusammenarbeitet? plus: g uidelines für
begrenzt! also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar  . Retrospektiven in agilen projekten

pa g e // e bner Verlag g mbH & Co. Kg // info@page-online.de //


telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der Der PAGE Workshop mit Hagen Seidel lässt
Reihenfolge der e ingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. genug Zeit für Fragen und Diskussionen und den
Sie ist sofort nach e rhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der l eserservice-Seite (siehe inhaltsverzeichnis). Austausch der Teilnehmer untereinander.
Business information › BmW Grou P

MINI
reloaded
Die Marke MINI ändert nicht nur Positionierung und Auftritt,
auch der neue MINI Clubman erscheint in neuem Design
BmW Grou P › Business information

● Wer Mini sagt, ruft ein Lebensgefühl in Er xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx und an Vernetzung deut lich zugelegt hat, son -
innerung: Sowohl der automobile als auch der dern auch ein überarbeitetes Markenbild. »Wir
modische Mini waren Markenzeichen des »Swin- »Clevere wollen mehr Menschen zu begeisterten MINI
ging London« der Sixties und beeinflussten
maßgeblich die Musik-, Mode- und Filmszene.
Ideen, Fans machen: mit einem neuen Markenauftritt
und zukünftig auch neuen Angeboten«, sag
Denn die beiden Neuen galten vor allem als ei - emotionales Sebastian Mackensen, Leiter der Marke MINI.
nes – als Verkörperung des modernen Lebens - Design Im Zeitalter der Digitalisierung und mobilen
gefühls: unkonventionell und sexy. und ein hoch- Vernetzung haben sich die Motive, warum man

Das klassische MINI Design, wertiger ein bestimmtes Fahrzeug fährt, gewandelt. Mehr
denn je ist das Auto Teil einer Community, mit
entwickelt mit den Mitteln der Farb- und und in der es kommuniziert. So bietet beispiels-
Gegenwart Material- weise MINI Connected eine Vielzahl an Mög -
Heute, über fünfzig Jahre nachdem der erste mix machen lichkeiten, wie eine Auswahl an Apps und Reise-
classic Mini vom Band rollte, geht MINI – un- planern, um den Fahrer mit seiner Umwelt zu
ter dem Dach der BMW Group – neue Wege.
den neuen vernetzen.
Die legendäre Form sprache des classic Mini MINI Club- Den Zeitgeist aufgegriffen hat MINI auc
wurde gekonnt in die Jetztzeit übertragen. Mit man zu einem mit dem neuen Corporate Design, das von der
Blick auf die ikonischen Designelemente, wie in dieser Agentur KKLD* Berlin entwickelt wurde. Mit
etwa die runden Frontleuchten, den hexago- der Launchkam pagne für den MINI Clubman
nalen Kühlergrill, die Zweifarblackierung oder
Fahrzeug- kam das neue visuelle Erscheinungsbild erst -
die kur zen Überhänge, designt das Team rund klasse mals zum Einsatz. Es ist die Kombination aus
um Anders Warming, Leiter MINI Design, Fahr- bis dato einer emotionalen, klaren Gestaltung und der
zeuge, die heutigen Normen und Anforderun - einzigartigen Konzentration auf das Wesentliche. Neben ei -
gen entsprechen und sich mit gestalterischer nem veränderten, minimalistischeren Logo zeigt
Eigenständigkeit behaupten. Gesamt- sich die Marke nun auch mit neuer Hausschrift
erlebnis« MINI Serif.
Individualität und Authentizität
Anders Warming,
als Markenbild Vertraute Designmerkmale,
Leiter MINI Design,
Mit der Weltpremiere des neuen MINI Clubman München
erwachseneres Auftreten
im vergangenen Jahr präsentierte die Marke nicht Auch im Interieur- und Exterieurdesign ist MINI
allein ein Fahrzeug, das an Wertigkeit, an Größe reifer und alltagstauglicher geworden. Die neu-
en Dimensionen sind im Interieur des neuen
MINI Clubman durch klare Linien und eine er -
wachsenere Raumwirkung erlebbar. Das neu -
este Mitglied der MINI Familie bietet mehr Platz
für Passagiere und Gepäck, ohne dabei aller -
dings das MINI typische, dynamische Fahrer -
lebnis zu verlieren. Statt einer schmalen Club -
door für die Fondpassagiere auf der Beifahrer -
seite bietet der neue Clubman vier vollwertige
Türen. Zudem wurden in die traditionellen Split-
doors quer gestellte Leuchten integriert.
Auch Material, Lichtkonzept und Verarbei -
tung lassen einen Qualitätssprung erkennen und
zeigen, dass der neue MINI Clubman vom MINI
Designteam sorgsam weiterentwickelt wurde.
»Clevere Ideen, emotionales Design sowie ein
Das neue Corporate hochwertiger Farb- und Materialmix machen
Design der Marke ihn zu einem in dieser Fahrzeugklasse bis dato
entwickelte KKLD* Berlin.
einzigartigen Gesamterlebnis«, so Anders War-
Die Launchkampagne
stammt von Crispin Porter +
ming. Zum Marktstart erhielt der Clubman neue
Bogusky, London, und Außenfarben wie Melting Silver metallic und
die Fotos von Kai-Uwe Pure Burgundy metallic, die seinen Gentleman-
Gundlach, Hamburg Charakter unterstreichen.
Mehr davon!
Spielwiese für angehende Gestalter und Inspirationsquelle für
gestandene Designer: Diese Hochschulmagazine sind einen Blick wert!

Innenseiten aus der neuesten


»Nicht Jetzt!«-Ausgabe – das Thema
lautet »Mehr« (siehe Seite 34)
pa g e 02.16 033

THEMEN
034 pa g e 02.16 › Themen › hochschulmagazine

● Einmal ein Magazin von der ersten Idee


über die Gestaltung bis zu Distribution
und Marketing umsetzen – mit allen Tü-
cken und Herausforderungen: Das ist wohl
die beste Schule für angehende Gestalter.
Das gilt nicht nur fürs Editorial Design,
denn eine ordentliche Portion Teamar-
beit, Eigeninitiative und Projektmanage-
ment gehört heute zu fast jedem Job dazu,
den Designabsolventen anstreben. Abge-
sehen davon, dass ein eigenes Magazin je- Unten: Die »Mehr«-
Ausgabe widmet
de Mappe bereichert. Durch abnehmende
sich zum Beispiel foto-
Hochschulbudgets müssen sich die Stu- grafisch der Randgesell-
dierenden auch mehr um die Finanzierung schaft Sankt Paulis –
ihrer Publikationen kümmern und sam- beziehungsweise dem,
meln Erfahrungen in der Sponsoren- und was davon übrig ist
Anzeigenakquise. Viele setzen zudem er-
folgreich auf Crowdfunding. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Gleichzeitig gibt es bei der Produktion
von Hochschulmagazinen so viele Freihei- Einzelstück »nich t Jetzt! #5«
ten wie selten im Beruf – es sei denn, man
Hochschule ha W hambur g, Department Design Auflage 800 Stück
wird Indiemag-Macher. Studierende kön-
Erscheinungsweise alle anderthalb Jahre Preis 18 euro ↗ www.nichtjetzt.com
nen sich hier in Text, Bild und Layout aus-
toben und ohne Rücksicht auf Vorgesetzte
experimentieren. Entsprechend interes-
sant sind die Hefte für gestandene Edito- ● Nach den Themen »Kinder«, »Geld«, Ungewöhnlich ist auch die Titelge-
rial Designer. Hier gibt es zahlreiche An- »Geschmack« und »Teilen« widmet staltung, denn jedes der 800 Exempla-
reize und Inspirationen, die sich in eta- sich »Nicht Jetzt!« aktuell »Mehr«, oh- re hat ein individuelles Cover – sie alle
blierten Magazinen gut machen würden. ne dabei den Konflikt zwischen Mehr wurden einzeln fotografiert und in ei-
Wir stellen hier ein paar spannende Publi- und Weniger auszublenden. So kommt nem Video zusammengefügt (zu sehen
kationen aus der deutschen Hochschul- ein Polygamist ebenso zu Wort wie Ob- auf www.nichtjetzt.com). Einen Werk-
landschaft vor, die Sie zum größten Teil auf dachlose auf Sylt. Auch gestalterisch schau-Part gibt es nicht, stattdessen
der zugehörigen Website oder im Slanted- kombiniert die Redaktion beide Pole: konnten Illustrationsstudenten Arbei-
Shop (www.slanted.de/shop ) bestellen Klare Struktur trifft auf üppige Inhalte – ten zum Motto »Hamburger Stamm-
können. Viel Spaß beim Stöbern! nik und das auf fast einem Meter Heftbrei- tische« einsenden. »Nicht Jetzt!« ent-
te. Denn das Magazin ist zweiteilig: Der steht im Editorial-Design-Kurs von
Leser beginnt in der Mitte und blättert Stefan Stefanescu, wobei die Studie-
Weitere Eindrücke von den hier
auf der linken Seite quasi rückwärts, renden ganz frei agieren können. Fi-
vorgestellten magazinen und
mehr tolle projekte finden Sie rechts gibt es die englische Überset- nanziert wird das Magazin aus Hoch-
unter  www.page-online.de/ zung der Texte (und natürlich: mehr). schulmitteln, Heft verkäufen, Crowd-
hochschulmagazine_0216 Beide Teile haben einer Spiralbindung. funding und Anzeigen.
PAGE 02.14 029
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PRAXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Leitmedium
Design
Fallbeispiele &
Strategien »Leitmedium
Das Erfolgsseminar
Design«
mit Jochen Rädeker –
nach über 25 ausgebuchten
Seminaren jetzt in
München!

Der Referent Das Seminar


● Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts- ● Marken machen rund 50 Prozent des Wertes eines Unternehmens aus.
führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist Sie richtig zu definieren, zu prägen und zu gestalten ist deshalb eine der
Professor für Corporate Identity und Corporate wichtigsten und komplexesten Aufgaben, die ein Kunde zu vergeben hat.
Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied Designer müssen für diese Herausforderung umfassend gewappnet
des Art Directors Club Deutschland, davon drei sein: Sie müssen auf Beratungsebene souverän Prozesse zu Positionierung,
Jahre als Präsidiumssprecher. Seine Designagentur Vision und Mission moderieren können, auf konzeptioneller Ebene die
Strichpunkt steht für hochwertige Marken- und richtige Markenstory entwickeln und auf gestalterischer Ebene überzeugende
Unternehmenskommunikation im Print-, Online- und einzigartige Lösungen finden, die in allen Kommunikationskanälen
und 3D-Bereich, hat mehr als 700 internationale konsistent funktionieren. All das müssen sie am Ende auch noch so präsen-
Preise gewonnen und ist seit Jahren in den Top Ten tieren, dass ihr Kunde die Beratungs- und Designleistungen als objektiv
des PAGE Kreativrankings vertreten. Jochen richtig erleben und bewerten kann und es nicht zu geschmäcklerischen
Rädeker verfügt mit seinen Arbeiten für Unterneh- Entscheidungen am Küchentisch kommt.
men von adidas bis WMF, von Audi über Vorwerk
bis zu Kulturfestivals, Schauspiel und Oper über Jochen Rädeker erläutert im PAGE Workshop »Leitmedium Design«
einen immensen Erfahrungsschatz in Sachen sinnvolle Wege und Verfahren für eine nachvollziehbare Marken-
Konzeption und Umsetzung komplexer Designstra- positionierung. Er belegt anhand konkreter Praxisbeispiele – vom
tegien – von der Imagebroschüre bis zur Werbe- Start-up bis zum Weltkonzern –, wie man mit Marken berührende
kampagne, vom Online- bis zum Messeauftritt. und begeisternde Geschichten entwickeln und visuell erzählen kann.
Schließlich gibt er Tipps für erfolgreiche Pitches und Präsentations-
strategien. Wertvolles Know-how vom Designprofi für Designprofis
Die Agenda in Agentur und Unternehmen!

1 Identifizieren:
Die Markenpositionierung. Das Seminar findet am 15. Aprilin den Design Offices München
Wie komme ich zu einer belastbaren Corporate Highlight Towers – mit beeindruckendem Blick über die Stadt bis
Identity, zum Reason Why einer Marke? Werte- hin zur Zugspitze – von 10:00 bis 18:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet
definition, Vision, Mission und Positionierung. 748 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungs-
kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen
2 Erzählen: Die Markenstory. begrenzt! Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .
Wie erzähle ich als Designer überzeugende,
einzigartige Markengeschichten? Fallbeispiele Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
für erfolgreiche Corporate Stories. Austausch der Teilnehmer untereinander.

3 Gestalten: Multichannel-Design.
Wie funktional muss, wie kreativ darf ein gutes
Corporate Design sein? Online-CD-Manuals
und medienübergreifende Gestaltungskonzepte. PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
4 Überzeugen: Die Präsentation. Aufgrund der auf 20 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in
Tipps und Tricks für zielführende Pitches und der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
Präsentationen. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
036 pa g e 02.16 › Themen › hochschulmagazine

Brust raus! Das »e x«-


Magazin stellt den
Studentinnen in der aktu-
ellen Ausgabe tolle
weibliche Vorbilder vor

Gut gekleidete Puste-


blume trifft auf Henry
David Thoreau: In
»Aus« dreht sich alles
ums Draußensein –
und Mode natürlich

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Bildgewaltig
»aus – Das magazin«
Hochschule hochschule für Künste Bremen
Auflage 1200 Stück Erscheinungsweise One Shot
Preis 14 euro ↗ http://aus-magazin.hfk-bremen.de

● »Aus – Das Magazin« erzählt vom Ausziehen und


Rausgehen, von Mode und Fotografie. Kollektionen
junger Bremer Designer wurden in Szene gesetzt von
jungen Bremer Fotografen – in surrealen Fotostre-
cken ebenso wie in cleanen Lookbook-Shots oder
reportageartigen Schwarzweißfotos. Geschriebenes
gibt es wenig (mal abgesehen von einem Essay von
Annette Geiger, Professorin für Theorie und Ge-
schichte des Designs an der HfK Bremen) und haupt-
sächlich in Form von Zitaten, etwa von Henry David
Thoreau oder Martin Heidegger.
»Aus« entstand als interdisziplinäres Projekt im
Studiengang Integriertes Design, in dessen Rahmen
die Mode entworfen und fotografisch übersetzt wur-
de sowie das Magazin konzipiert, gestaltet und pro-
duziert. Es schließt an die Publikationen »Der schöne
Mann« und »Untragbar« an, weitere sind geplant, al-
lerdings nicht unter gemeinsamem Titel. »Aus – Das
Magazin« finanziert sich durch Förderung der HfK
Bremen sowie den Verkauf im Bahnhofsbuchhandel.
pa g e 02.16 037

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Agentur-Geschäftsführerin. Das breite Spektrum


entspricht dem Konzept von »e x«, das »authenti-
Frauen vor! »e x. he ft 3« sche, kompakte und anschauliche Berufskunde« für
Hochschule hochschule augsburg, Fakultät für Schüler und Studierende sein will. Allerdings stell-
g estaltung Auflage 1500 Stück Erscheinungsweise ten die ersten beiden Ausgaben mehrheitlich Män-
jährlich Preis 7 euro ↗ http://ex.hs-augsburg.de ner vor, weshalb es laut Projektleiterin und Chefre-
dakteurin Professorin Gudrun Müllner Zeit für ein
Frauen-Special war.
● Die dritte »e x«-Ausgabe hat sich einem wichti- Das Magazin entsteht in einem Designprojekt,
gen Anliegen verschrieben: Frauen in der Kreativ- das als Wahlpflichtfach belegt werden kann. Das
branche sichtbarer machen. Neun Absolventinnen Redaktionsteam setzt sich aus Viert- und Sechstse-
der Augsburger Fakultät für Gestaltung erzählen hier mestern im Bachelorstudiengang Kommunikations-
von ihrem Werdegang und Berufsalltag. Darunter design zusammen und erarbeitet Inhalt, Text, Layout
ist eine freischaffende Malerin und Illustratorin ge- und Druckvorstufe. Finanziert wird »e x« durch An-
nauso wie eine angestellte Artdirektorin und eine zeigen, Mittel der Fakultät und Heft verkäufe.

Auf den ersten Blick


verwirrend, aber – sobald
man sich an die Doppel-
bindung gewöhnt hat –
ein großes Blätter-
vergnügen: »LUKS VIER«
pfeift auf Konventionen

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Aller Anfang »LUKS VIeR «


Hochschule ha W hambur g, Department Design
Auflage 1000 Stück Erscheinungsweise jährlich
Preis 15 euro ↗ www.luksmagazin.de

● Keinen Prof, keinen Schein und auch keine große


Finanzierungshilfe seitens der HAW Hamburg gibt
es beim unabhängigen Illustrationsmagazin »LUKS«.
Mittlerweile erblickt bereits die vierte Ausgabe dank
Crowdfunding, Heft verkäufen und einer kleinen
Unterstützung der Hamburgischen Kulturstiftung
das Licht der Welt. »LUKS« ist ein Herzensprojekt,
das das wechselnde Redaktionsteam vor allem für
sich selbst – und seine Mappen – macht. Die Illus-
trationen stammen von Studierenden der HAW, die
Redaktion wählt die eingereichten Arbeiten aus und
gibt Feedback und Tipps.
Das aktuelle Heft widmet sich dem Thema »An-
fang« – und stellt es gleichsam auf den Kopf. Denn
das Magazin hat weder Anfang noch Ende, sondern
zwei Cover, zwei Leserichtungen und zwei Vorworte.
Das Inhaltsverzeichnis befindet sich in der Mitte.
Die grafische Gestaltung ist sehr zurückgenommen,
um den Illustrationen viel Raum zu geben. Jedes
neue Heft feiert die Redaktion mit einer Release-
Party in kleinen, feinen Hamburger Locations.
038 pa g e 02.16 › Themen

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Gesellschaftsfähig
»Thnktnk #2«
Hochschule Bauhaus-Universität Weimar
Auflage 300 Stück Erscheinungsweise unregel-
mäßig Preis 11 e uro ↗ http://thnktnkmag.com

● »Thnktnk« ist eine inhaltlich wie gestalterisch am-


bitionierte Publikation, die sich selbst als »maga-
zine for progressive design« bezeichnet. Ins Leben
gerufen hat sie Felix Egle im Rahmen seiner Bache-
lorarbeit im Studiengang Visuelle Kommunikation
an der Bauhaus-Universität Weimar. Das Thema der
Startausgabe war »Kommunikationsformen gesell-
schaftlicher Veränderung«, das kürzlich erschiene-
ne zweite »Thnktnk« beschäftigt sich mit »Social
Entrepreneurship«. In den Texten geht es (immer
auf Deutsch und Englisch) um Projekte wie das Fair-
phone oder das experimentelle Designbüro Aeiou
in Berlin. Außerdem zeigt das Magazin Werke ver-
schiedener Künstler.
Die erste Ausgabe wurde von der Bauhaus-Uni-
versität durch Fördergelder sowie eigene Mittel fi-
nanziert, die zweite mithilfe der Verkaufserlöse der
ersten Ausgabe und einer Kickstarter-Kampagne.
Seit diesem Wintersemester nimmt Egle an der HFBK
Hamburg am Graduiertenprogramm Problemori-
entierte Gestaltung ( www.hfbk-hamburg.de/pog )
teil. »Thnktnk« möchte er in diesem Rahmen wei-
terführen, das Thema für die nächste Ausgabe steht
schon fest: »Temporary Housing«.
Von Fairphone bis Little
Sun: »Thnktnk« stellt
Projekte, Designer und
Künstler vor, die
die Welt ein bisschen xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
besser machen
Kreativzoo »Boxhorn #31«
Hochschule Fh aachen,
Fachbereich g estaltung Auflage 500 Stück
Erscheinungsweise halbjährlich Preis 12 e uro
↗ http://boxhorn-magazin.de

● Das 1998 aus einer Diplomarbeit zweier Studen-


tinnen hervorgegangene »Boxhorn« erscheint schon
zum 31. Mal. Unter dem Motto »Zoo« widmet sich
die aktuelle Ausgabe einem breiten Themenspek-
trum: »Von Drogen, Berufsyoutubern, fairen Por-
nos, Kunstfälschern und Marsmissionen«, heißt es
auf dem Cover. Das zehnköpfige Team recherchierte
fotografie te, illustrierte und textete ein Semester
lang. Dass es bei der Produktion eines Magazins auch
mal zugehen kann wie im Zoo, räumt die »Boxhorn«-
Redaktion im Vorwort ein: »Da schmissen die Brüll-
affen Kaffeetassen vom Tisch, eitle Pfaue schlugen
ihr Rad und stolzierten davon und manch einer
pa g e 02.16 039

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Überraschende Perspek-


tiven in Bild und Text:
Starkes Pfund »am – XX« »AM – XX« kombiniert
ungewöhnliche Foto-
Hochschule Staatliche akademie der Bildenden
strecken mit fundierten
Künste Stuttgart Auflage 1500 Stück
Interviews und Essay-
Erscheinungsweise halbjährlich Preis 12 euro Einheftern – und
↗ www.am-xx.de erweitert so den Hori-
zont des Lesers

● »AM« steht für »Akademische Mitteilungen« – ent-


sprechend seriös wirkt die monothematische Publi-
kation, die an der Staatlichen Akademie der Bilden-
den Künste Stuttgart als Projekt der Fachklasse Edito-
rial Design entsteht. Thematisch bewegt sie sich an
der Schnittstelle von Kunst, Philosophie und Design.
Gemeinsam sind allen Ausgaben das Format und ein
Umfang von 90 bis 120 Seiten, ansonsten hat das
meist zweiköpfige Redaktionsteam alle Freiheiten.
Die 20. Ausgabe beschäftigt sich mit dem Thema
»Horizont«, »unerreichbar und doch so nah«. Darin
finden sich Artworks von Künstlern und Designern
wie Niklaus Troxler und JK Keller, ein Interview mit
dem Buchgestalter Joost Groothuis, Illustrationen
von Christoph Niemann, Eindrücke der Flüchtlings- auch die Website www.am-xx.de ist ein echter Hin-
helferin France Barbot sowie eine Fotostrecke von gucker. Die Kunstakademie fördert das Projekt mit
Geert Goiris. Themenmix und höchste Druckqua- 500 Euro pro Ausgabe. Dazu kommen Sponsorengel-
lität lassen das Magazin sehr professionell wirken, der, die das Redaktionsteam eintreibt.

schaute wie ein Erdmännchen aus seinem Erdloch


hinter seinem Rechner hervor.«
Die aktuelle Ausgabe ist die letzte einer Ära: Pro-
fessor Klaus Mohr, der »Boxhorn« von Anfang an
begleitet hat, verlässt die Hochschule. Das bedeutet
aber nicht das Ende: Derzeit arbeitet ein neues Team
an der nächsten Ausgabe. »Boxhorn« entsteht als
Projekt mit einem betreuenden Dozenten und wird
mit Credit Points belohnt. Es finanziert sich durch
Fördergelder der Senatskommission für Lehre und
Studium sowie den Verkauf (auch alter Ausgaben)
und Sonderaktionen wie Partys. nik

»Von bunten Vögeln, die man


Kreative nannte« lautet eine
Überschrift in »Boxhorn #31«,
die das Motiv »Zoo«
übergreifend interpretiert
040 pa g e 02.16 › THe Me N › Interview Sabine Bories

Anatomie ist für


Sabine Bories
ein schmerzliches
Thema
pa g e 02.16 041

„Von da an war
das Zeichnen täglicher
Lebensbestandteil“
● Sabine Bories war als Texterin eine der ersten Mitarbeiterinnen Welche App nutzen Sie?
bei Jung von Matt, startete eine bemerkenswerte Karriere in der Von Anfang an Brushes. Damals war im »SZ«-Magazin ein Bericht
Werbung. Bis eine Polyarthritis sie zunehmend bewegungsunfä- darüber, dass David Hockney teilweise digital arbeitet, und zwar
hig machte. Jetzt lässt sie am iPad ihre Erfahrungen und ihren mit Brushes. Das wollte ich auch versuchen. Und ich bin dabei ge-
Witz in bemerkenswerte Zeichnungen einfli ßen. cg blieben, obwohl ich noch zwei andere Apps ausprobiert habe.
Für den Charme Ihrer Zeichnungen brauchen Sie vermutlich
Was ist so toll am Zeichnen? keine sehr ausgefeilten Features.
Sabine Bories: Ich kann Schöpfer sein, Dinge aus der Fantasie he- Ich versuche, auf dem digitalen Medium dem natürlichen Zeich-
raus darstellen – egal, was mir durch den Kopf geht. Das gelingt nen so nah wie möglich zu kommen, darum brauche ich keine Ef-
natürlich umso besser, je größer das Seh- und Zeichenvermögen fekte. Ich arbeite außerdem mit einer alten Version der App, mit
ist. Aber es funktioniert sogar, wenn man technisch schlecht ist. der man den Weg zur fertigen Illustration als Playback abspielen
Wenn du willst, dass Angie Merkel bei der Nationalelf im Tor steht, kann. Wenn man das schon beim Zeichnen einplant, können da-
kannst du das zeigen. raus regelrechte Animationsfilm hen werden, die ich am Rechner
Man kann also Träume sichtbar machen. bearbeite und schneide. Es ist aber auch lustig, die Entstehung
Träume und Albträume. Darum ist das Zeichnen auch so gut, um von Bildern zurückverfolgen, an denen man ewig gemalt hat: Da
Dinge zu bewältigen. Ich zeichne mich oft in meiner ganzen Schwä- komme ich her, und da bin ich gelandet. Auch das lässt sich kom-
che und Unfähigkeit, aber eben auch so, wie ich gerne wäre – zum pakt schneiden.
Beispiel als Wrestlerin, groß und stark. Wie lange sind Sie schon durch Ihre Krankheit gehandicapt?
Haben Sie schon immer gezeichnet? Die chronische Polyarthritis habe ich seit 1985, dann kam plötzlich
Ich habe in Aachen Objekt- und Grafi design studiert, da war Zeich- 2005 eine Gangstörung dazu. Ich war einige Monate im Kranken-
nen Pfli htfach. Aber ich habe mich nie besonders hervorgetan, haus und wurde mehrfach operiert, kam aber deutlich schlechter
weder durch Können noch Begeisterung. raus, als ich reingegangen war. Es schlägt auch auf
Bis Sie die Tablets entdeckten. die Psyche, wenn man als aktiver Mensch plötzlich
Anfangs habe ich auf dem iPod gezeichnet. Seit drei so unbeweglich ist. Aufs Lesen kann man sich nicht
Jahren entsteht alles am iPad, bis vor einem halben konzentrieren. Eine Psychologin hatte mir geraten,
Jahr nur mit dem Finger. Inzwischen kann ich so Tagebuch zu führen – da habe ich schon immer ne-
»Wo ist eigentlich
schlecht mit der Hand arbeiten, dass ich einen Stift ben dem Text kleine Krickel illustriert. Aber erst als
Batman«. Sabine Bories’
brauche. Dass ist bitter, weil das direkte Zeichnen ipod-Tagebuch stellen ich die App hatte und mein erstes Selbstporträt sah,
eigentlich am schönsten war. Aber die körperlichen wir vor auf ↗  www.page- dachte ich: Ja, das gibt sehr gut wieder, wie ich mich
Veränderungen verändern eben auch das Arbeiten. online.de/wo-ist-batman   heute fühle. Von dem Moment an war das Zeich-
042 pa g e 02.16 › THe Me N › Interview Sabine Bories

nen täglicher Lebensbestandteil. Plötzlich blieb Mix aus dem Urwald: Gelegentlich zeichnen Sie auch für andere.
et was von einem Tag, ich konnte dem Kaputten et- Illustrationen von Sabine Zum Beispiel fertigten Sie jüngst Illustrationen
was Heiles entgegensetzen. Bories für ein Album von für ein Album von DJ Koze an.
DJ Koze, der die fünzigste
Wieso wurden Sie eigentlich Texterin? Stefan ist ein Freund von mir, der weiß, dass ich
Ausgabe der kultigen
Beim Studium hatte uns keiner erzählt, dass in ei- Reihe »DJ-Kicks« bestritt
zeichne. Auf dem Coverfoto ist er vor einem grünen
ner Agentur Artdirektoren und Texter arbeiten. Ich Pflanzenhintergrund zu sehen: Für das Innere der
wusste überhaupt nicht, dass es den Beruf gibt. Mein CD-Hülle habe ich ihn von hinten gezeichnet, so-
späterer Mann hatte in der Agentur von Michael Schirner gearbei- dass man quasi sieht, was er selbst sieht – eine fantastische Pflan-
tet und mir Sachen gezeigt, die ich interessant fand. Als ich bei zen- und Tierwelt.
meiner ersten Bewerbung gefragt wurde, ob ich mich für Art oder Warum veröffentlichen Sie Ihre Bilder nicht im Netz?
Text bewerbe, habe ich ganz spontan »Text« gesagt. Die Reaktion Darüber sollte ich wohl mal nachdenken!
war: »Oh, ein Texter, super!« Bei Jung von Matt habe ich mich dann In Ihren Illustrationen finden sich nicht nur Ihr Mann und
gleich als Texterin beworben. Damals waren wir dort allerdings Ihre Freunde wieder, sondern auch Fremde, die Sie in
erst zu neunt. Alltagssituationen beobachten. Sehen Sie überall mög-
Und Sie hatten keinerlei Texterfahrung bis dahin? liche Motive, wenn Sie unter Menschen sind?
Schon mein Examen war so konzeptionell, dass es beides verband. Das ist eine der tollen Veränderungen, die mit dem Zeichnen kom-
Ich hatte eine Freundin als Schlagersternchen aufgebaut. Natür- men: Man schaut anders, achtet plötzlich darauf, was einer eigent-
lich gab es da ein Cover und Promo-Material, aber ich hatte auch lich für Ohrmuscheln hat, ob rund oder spitz, gewölbt oder platt.
eine Geschichte drumherum erfunden und geschrieben. Sie nehmen Ihre Umgebung aber manchmal auch ganz
2012 erschien bei Atrium in Zürich Ihr Buch »Wo ist eigent- schön aufs Korn.
lich Batman, wenn man ihn mal braucht?«. Sicher, ich halte auch Absurditäten oder lustige Sachen fest, die mir
Eine Art gezeichnetes Tagebuch mit vielen Selbstporträts. auffallen. Kürzlich habe ich zum Beispiel diverse Bilder von Frauen
Darin beeindruckt vor allem der Galgenhumor, mit dem Sie am Stand von Mallorca gezeichnet.
mit Ihrer Situation umgehen. Deren nackte Brüste sehr ulkig die Stimmung der Frauen
Man ist, wie man ist. Mich hat gefreut, dass mir beim Booklaunch widerzuspiegeln scheinen . . .
und der Ausstellung dazu viele, die auch ein chronisches Leiden Ich betrachte so etwas aber eher mit einem liebevollen Blick. Böse
haben, sagten, dass sie sich darin wiederfinden. Anfangs war ich kann höchstens mal etwas werden, was ich im Fernsehen gesehen
ja nicht sicher gewesen, ob es richtig ist, so viel Privates und Inti- habe. Aber die Betreffenden sehen das ja nicht. Noch nicht (lacht).
mes in einem Buch zu zeigen. Aber dann war es toll. Eine Zeit lang habe ich zum Üben immer bei den Bundestagsdebat-
Wobei Sie ja nicht nur persönliche Motive zeichnen. ten gezeichnet, die mittags im Fernsehen laufen. Wenn die Leute da
Absolut nicht. Mit einigen Freunden etwa hatten wir uns zeit- ein paar Minuten am Rednerpult sind, ist das wie Modellstehen.
weilig zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die sich »Army of Sie haben auch die Votivmalereien aufgegriffen, mit denen
Love« nannte. Wir haben Ausstellungen organisiert, für die unter Menschen sich manchmal in Kirchen bedanken, wenn
anderem eine kleine Serie zu den flei chlichen Gelüsten der Deut- Sie einem Autounfall oder einer Krankheit entronnen sind.
schen entstand. Mir gefällt die naive und direkte Art der Votive, sich für sein Schick-
Versehen mit alter deutscher Handschrift. sal zu bedanken. Und ich habe mich mit meinen digitalen Votiven
Die hatte ich mir gerade beigebracht. Irgendetwas zu lernen, tut mal ganz bewusst auf das konzentriert, was ich alles Tolles erlebt
mir immer gut. habe oder wo ich echt Glück hatte.
pa g e 02.16 043

Mit ihrem iPad hält Sabine Bories in einem visuellen Tagebuch


tägliche Erfahrungen und Eindrücke fest

Frauen am Strand auf Mallorca inspirierten sie zu einer Serie über


die Gemütslage von Brüsten

Bilder vom deutschen Speiseplan für eine Ausstellung der


»Army of Love« zum Thema Fleisch
044 pa g e 02.16 › Themen › Crowdfunding für kreative projekte

105.097 $ 25.355 $
The Great Discontent Foldable.Me
Projekt Printausgabe eines Onlinemagazins Projekt Personalisierbare Faltfigur/Konfigurator
Konzept/Design Ryan und Tina Essmaker, New York Design Kejia Zhu/Mint Digital, London
Plattform Kickstarter Plattform Kickstarter
Finanzierungsziel 100.000 $ Finanzierungsziel 2.500 $
Erreicht 105.097 $ Erreicht 25.355 $
Unterstützer 2.272 Unterstützer 919
URL http://is.gd/TGDprint URL http://is.gd/foldable

17.559 £ 24.313 €
Karen Khandu
Projekt Gaming- und Storytelling-App Projekt Design-Thinking-Kartenspiel
Konzept/Design Blast Theory, Brighton, UK Design Seven Thinkers, Madrid
Plattform Kickstarter Plattform Kickstarter
Finanzierungsziel 15.000 £ Finanzierungsziel 20.000 €
Erreicht 17.559 £ Erreicht 24.313 €
Unterstützer 539 Unterstützer 308
URL http://is.gd/karenApp URL http://is.gd/khandu
pa g e 02.16 045

112.159 $ 65.217 £
The Shape of Design Philographics
Projekt Buch, E-Book Projekt Postkartenset, Buch und E-Book
Design Frank Chimero, New York Design Genis Carreras, Barcelona
Plattform Kickstarter Plattform Kickstarter
Finanzierungsziel 27.000 $ Finanzierungsziel 15.000 £
Erreicht 112.159 $ Erreicht 65.217 £
Unterstützer 2109 Unterstützer 1.629
URL http://is.gd/chimero URL http://is.gd/philographics

Wanted: $$$
Crowdfunding eröffnet Kreativen neue Perspektiven für die Umsetzung
eigener Konzepte. PAGE zeigt, welche Projekte gute Chancen haben und wie
man potenzielle Geldgeber überzeugt

● Geniale Idee, aber leider kein Geld? Früher ließen Summe, wechselt kein Cent die Konten. Erfolge gibt es
Designer gerne mal durchscheinen, dass in ihren Schub- bei Kickstarter in rauen Mengen: Seit der Gründung
laden oder externen Festplatten noch wunderbare Din- 2009 haben dort 9,9 Millionen Menschen durch ihren
ge schlummerten, deren Realisierung nur leider zu teuer Beitrag – insgesamt 2,1 Milliarden Dollar – die Verwirk-
sei. Verwirklichen lässt sich dank Crowdfunding aller- lichung von rund 96 000 Ideen möglich gemacht.
dings inzwischen sogar weniger Geniales. Neben abstru- Die auf kreative Projekte spezialisierten Portale sind
sen Einfällen, sonderbaren Erfin ungen und amüsanten eine Art brodelndes Laboratorium, in dem die Initiato-
Spielereien finden dort auch viele spannende Konzepte ren oft zugleich auch Unterstützer anderer Vorhaben
ihre enthusiastischen Unterstützer – von Designbüchern sind. Eine besondere Atmosphäre und Subkultur brei-
über Comics, Fonts und Poster bis hin zu Apps, Filmen tet sich auf diesen Plattformen aus, wo Marktforschung
und Cross-Media-Publishing-Projekten. durch ganz andere Mechanismen ersetzt wird. Die User
Die Spielregel ist simpel: Wird etwa bei Kickstarter unterstützen direkt, was ihren Bedürfnissen und Vor-
das Finanzierungsziel erreicht oder überschritten, fli ßt lieben entspricht, und verleihen der ansonsten recht un-
das Geld an den Initiator (und davon 5 Prozent an Kick- verbindlichen Like-Kultur eine ungewohnte Konkret-
starter), bleibt das Funding unterhalb der angepeilten heit: Ich like das nicht nur, ich zahle auch dafür – Geld
046 pa g e 02.16 › Themen › Crowdfunding für kreative projekte

als verbindlichste Form des Feedbacks. Um verschie-


dene Beitragshöhen zu ermöglichen, entwickeln die Ini-
tiatoren meist ein gestaffeltes Belohnungsmodell, das
Gebern kleinerer, mittlerer, großer oder riesiger Sum-
men jeweils unterschiedliche Anreize bietet.

Authentizität-zählt
Aber wie muss man sein Projekt präsentieren, damit
die Leute ihre Kohle rausrücken? Kickstarter empfi hlt
ein kurzes Video – 80 Prozent der Initiatoren nutzen sol-
che Clips und sind erfolgreicher als jene, die darauf ver-

24.811 €
zichten. Ein Großteil dieser Filmchen ist betont unprä-
tentiös: Die Kreativen stellen sich vor die Kamera, er-
klären in ein paar Minuten ihre jeweiligen Projekte, oft
anhand eines Prototypen, und präsentieren sich dabei
gerne in ihrem lokalen Umfeld, ob Büro oder Viertel.
Skigebiete der Alpen Ein eigenes Videogenre ist hier entstanden, in dem die
Projekt Poster Macher ganz persönlich um Gunst und Geld der User
werben. Behind-the-Scenes-Atmosphäre und Authenti-
Design Lana Bragina und Stefan Spiegel, Hamburg
zität sollen für Glaubwürdigkeit und Vertrauensbildung
Plattform Kickstarter sorgen. Dennoch lohnt es sich, der Authentizität ästheti-
Finanzierungsziel 5000 € sche Qualitäten beizumischen – so lassen sich die paar
Erreicht 24.811 € Filmminuten aufladen und die Überzeugungskraft deut-
lich steigern, wie zum Beispiel die Gründerinnen des
Unterstützer 306
New Yorker Fashionlabels Wooln (siehe Seite 48) oder
URL http://is.gd/ski_map der Comiczeichner Christopher Grady aus Toronto (sie-
he Seite 49) vormachten. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist
natürlich auch, per Social Media möglichst viele User auf
die jeweilige Crowdfunding-Kampagne zu lenken und
sie als Multiplikatoren für weiteren Traffi zu gewinnen.

Crowdfunding-verpflichtet-
Nach erfolgreicher Finanzierung muss der Initiator seine
Unterstützer über den Produktionsprozess und etwaige
Verzögerungen auf dem Laufenden halten. Sonst kann
man im schlimmsten Fall auch ziemlich beschimpft wer-
den. Ein plakatives Beispiel: Der Designer Adam Lewis
Greene sammelte für sein Projekt »Bibliotheca« – vier
Bücher, in denen er die Bibeltexte mit einem eigens
entwickelten Font als literarische Erzählung präsen-
tiert – unglaublich viel Geld in unglaublich kurzer Zeit
(http://is.gd/biblioTheca). Mit einem fast achtminütigen
Video konnte er in 37 Stunden sein Finanzierungsziel

17.631 F
(37 000 Dollar) erreichen, das er am Ende sogar um ein
Vielfaches übertraf (1 440 345 Dollar von 14 884 Unter-
stützern). Als die Umsetzung sich verzögerte, hagelte es
auf der Kickstarter-Seite äußerst harsche Kritik. Unter
den über 1000 Kommentaren versuchte ein User immer-
Zum Paradies hin zu beschwichtigen: »This is Kickstarter not Amazon«.
Projekt Gestaltung und Bleidruck eines Romans Auch wenn dies tatsächlich Kickstarter und nicht
Amazon ist, man darf die Geduld seiner Anhänger auf
von Tim Krohn
keinen Fall überstrapazieren – selbst initiierte Projekte
Initiator Offizin Parnassia Vättis müssen genauso professionell umgesetzt werden wie
Plattform wemakeit herkömmliche Kundenaufträge. Wenn man die Risiken
Finanzierungsziel 6.000 Schweizer Franken kennt, kann man die Chancen für sich nutzen. Denn
wer als Designer eigene Projekte über Crowdfunding
Erreicht 17.631 Schweizer Franken
startet, kann auf diese Weise nicht nur wunderbare Din-
Unterstützer 65 ge verwirklichen, sondern zudem Self-Promotion und
URL http://is.gd/tim_krohn Community-Building betreiben. Also: Geld einsammeln
und loslegen! Jutta Nachtwey (jn)
pa g e 02.16 047

Magnetfelder als
Gestaltungsmittel:
Craig Ward und Linden
Gledhill entwickelten
den ornamentalen Font
Fe₂O₃ Glyphs

Analoge Animation
↗ http://is.gd/fe2O3font

● Eine Type, dessen Formen mithilfe bahnte sich dabei entlang der wech-
einer Substanz entstehen, die die NASA selnden Feldlinien ihren Weg und
in den 1960ern entwickelte? Generativ, nahm am Ende jeweils eine einzigarti-
aber mit analogen Mitteln? Hätten der ge Form an – unwiederholbar wie eine
Designer Craig Ward und der Bioche- Schneeflo ke. Das Duo vektorisierte
miker Linden Gledhill den Plan für ih- die Resultate und machte 36 dieser
ren experimentellen Font Fe₂O₃ Glyphs Zeichen mithilfe von Photopolymer-
zwecks Kreditanfrage einem Bankan- platten für den Hochdruck verfügbar.
gestellten erklären müssen, hätte der Durch das Crowdfundings wollten sie
vermutlich irritiert die Augenbrau- dieses Set auf mehr als 100 Varianten
en hochgezogen und sie anschließend erweitern und auf diese Weise hoch-
freundlich zur Tür begleitet. Nicht aber wertige Drucke in Schwarz und Gold
die Kickstarter-Community. Sie hatte anfertigen.
großes Verständnis für die scheinbar Das Kampagnen-Video (1:12 min)
verrückte Idee: 756 Unterstützer stell- zeigt dem Betrachter beispielsweise,
ten beachtliche 50 330 Dollar bereit – wie die eisenhaltige Farbe dank der ro-
das Finanzierungsziel lag bei lediglich tierenden Magnetfelder zwischen den
10 000 Dollar. Glasplatten herumkriecht und -glei-
In ihrer Kampagne erklären Ward tet, wie sie sich dreht und windet. Die-
und Gledhill die Schöpfungsgeschich- se analoge Animation dürfte die Sup-
te dieser ornamentalen Zeichen: Sie porter ganz besonders in Bann gezo-
vermischten schwarze Farbe mit Fer- gen haben. Als Belohnung für ihren
rofluid, das das Eisenoxid Fe₂O₃ ent- fi anziellen Beitrag erhielten sie den
hält, und platzierten eine kleine Men- OpenType-Zeichensatz mit 138 Gly-
ge davon zwischen zwei Glasplatten. phen und konnten unter verschiede-
Dann setzten sie Letztere vertikalen nen Varianten der Originaldrucke wäh-
und horizontalen Magnetfeldern aus, len. Craig Ward, der in Brooklyn das
die sich drehten und einander in die The Words are Pictures Studio betreibt,
Quere kamen. Die magnetische Farbe war vom Erfolg des Projekts total über-
rascht: »Wir dachten, das sei ein ziem-
liches Nischenprojekt – und plötzlich
hatten wir 50 000 Dollar!« Übrigens
Das Video zeigt eindrucks-
hat er schon die nächste abgefahrene
voll die Bewegungsmus- Idee: Er macht gerade typografi che
ter der magnetischen Farbe Experimente mit Bakterien aus der
entlang der Feldlinien New Yorker U-Bahn.
048 pa g e 02.16 › Themen › Crowdfunding für kreative projekte

Coole Masche
↗ http://is.gd/wooln
● Schicke Strickwaren, handgemacht von New Yor-
ker Großmüttern – dieses Konzept präsentierten
Faustine Badrichani und Margaux Clermontel für
das Label Wooln gerade auf Kickstarter. Wirklich
cool wird diese Geschäftsidee, die auf lokaler Veran-
kerung und sozialer Unterstützung basiert, durch
das Design und die Bildsprache rund um die Marke.
In ihrem Kampagnenvideo (2:06 min) gelingt es den
beiden in New York lebenden Französinnen, Authen-
tizität und Ästhetik perfekt zu vereinen. Zur Vorbe-
reitung hatten sie sich viele andere Crowdfunding-
Clips angeschaut. »Uns wurde dabei klar, dass wir
uns extrem kurz fassen müssen. Alles, was länger als
2 Minuten ist, gucken sich die Leute vielleicht nicht
bis zu Ende an«, erklärt Faustine Badrichani. Ein
Freund fil te die beiden, als sie durch New York lie-
fen und die Großmütter trafen. »Wir hatten insge-
samt drei Stunden Filmmaterial, das Julien Chaillou
dann in zwei Tagen auf zwei Minuten reduzierte.
Wir beschränkten uns auf drei Sequenzen – Bilder
aus New York, Zeichnungen, strickende Großmüt-
ter – und auf vier Sätze.«
Für die Fotos der Kollektion buchten die beiden
für einen Nachmittag die Fotografin Stephanie De-
leau. »Wir haben dazu all unseren hübschen Freunde
eingeladen und hatten ein tolles Shooting!« Wahr-
scheinlich macht genau diese Vertrautheit den Char-
me der Bilder aus. Außerdem fertigte Faustine Bad-
richani, die auch als Künstlerin arbeitet, Illustra-
tionen für die Baumwolltaschen zur Kollektion an
und zeichnete Porträts der Großmütter. »Denn die
meisten wollten sich nicht fotografie en lassen«, er-
klärt sie. So entstand auch die Idee, für die Unter-
stützer ein Porträt in diesem Stil anzubieten – »das
war die erfolgreichste Belohnung«, resümiert sie. Die
Kosten für die Kickstarter-Kampagne blieben dank
der Mitarbeit einiger befreundeter Kreativer unter
500 Dollar – plus ein paar Mützen und Kapuzen-
Coole Strickwaren von New Yorker Grandmas –
Faustine Badrichani und Margaux Clermontel ent-
schals. Ihr bescheiden gesetztes Finanzierungsziel
wickelten das Label Wooln. Im Kampagnenvideo von 4000 Dollar, das auf Unterstützungssummen
sieht man die beiden durch die Stadt schlendern und zwischen 5 und 250 Dollar setzte, konnten sie locker
mit den strickenden Großmüttern sprechen übertreffen: 6958 Dollar.
pa g e 02.16 049

Alltags-Ansichten
↗ http://is.gd/lunarbaboon
● Sein Leben als Vater beschreibt Christopher Grady aus Toronto
in seinen Comics »Lunarbaboon«. Anfangs publizierte er sie nur
im Web, dann nutzte er Kickstarter, um Hefte drucken zu können.
Für die erste Ausgabe konnte er 44 016 kanadische Dollar sam-
meln, nun hat er dort gerade Band 2 präsentiert. Im Kampagnen-
video (1:46 min) taucht der Comic selbst gar nicht auf. Stattdessen
zeigt eine im Wohnzimmer platzierte Kamera mit Selbstironie
und im Schnelldurchlauf, wie sein Alltag so abläuft – das ganz
normale Chaos, in dem sich Frau, Kind, Baby, Wäschekorb, Win-
del und Katze im Bild tummeln. Erst nachdem sich das Chaos
abends schrittweise verzogen hat, setzt sich Grady an den Sofa-
tisch und beginnt zu zeichnen. Ende.
Die Lebensumstände, die der Nährboden seiner Comics sind,
stellt er also in den Vordergrund – und dies schien seinen Fans zu
gefallen. Für Band 2 stellten 1430 Unterstützer 64 162 Dollar zur Ver-
fügung (Finanzierungsziel: 12 000 Dollar). Damit hat er nicht nur
die gewünschte Anschubfi anzierung erzielt, sondern auch vorab
den Verkauf der Hefte angeleiert, deren Auflage er entsprechend
der Unterstützeranzahl regulieren kann. Seine Belohnungsideen
haben bestimmt auch zum Erfolg beigetragen: So werden zum
Beispiel zehn 195-Dollar-Geber als Figur im Comic auftauchen.
Christopher Grady ist selbst ebenfalls als Unterstützer auf Kick-
starter recht aktiv: Er hat bereits 17 Projekte mitfi anziert. jn

Jutta-Nachtwey-wunderte sich bei der Recherche, wofür


die Crowd ihr g eld hergibt: von Stickern zum Festkleben
von h emdkragen und Schlips bis zu künstlicher Befruch-
tung. Viel besser verstehen kann sie das etwa beim Bildle-
xikon Icoon for Refugees ( h
  ttp://is.gd/startnext_ICOOn )  .

Crowdfunding: Infos & Tipps


↗ www.kickstarter.com/spotlight Auf der Spotlight-Seite
der Plattform erzählen Initiatoren die Geschichte ihres Pro-
jekts nach der erfolgreichen Finanzierung bis zur Umsetzung.
↗ www.indiegogo.com Die Crowdfunding-Plattform ermög-
licht flexibles Funding – man erhält also das zugesicherte
Geld, auch wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird.
↗ www.kisskissbankbank.com/de/pages/help Unter »Wie
funktioniert das?« gibt KissKissBankBank unter anderem
Tipps, wie man das Finanzierungsziel richtig errechnet.
↗ www.wemakeit.ch Das Interface der Plattform zeigt erst
mal die laufenden Projekte an. Will man erfolgreiche Kon-
zepte erkunden, kann man dies unter »Alle Filter« einstellen.
↗ www.startnext.com Neben kreativen Projekten liegt der
Fokus der Plattform auf nachhaltigen und sozialunternehme-
rischen Projekten.
↗ www.crowdfunding-berlin.com Auf dem Überblicks-
Portal für Crowdfunding und -investing in Berlin finden
sich Links zu Portalen, allgemeine Informationen und ein
Magazin mit Interviews, News und Analysen.
In »Lunarbaboon« erkundet Christopher Grady das Leben ↗ http://is.gd/blast_guide Blast Theory aus Brighton berich-
eines Vaters Anfang dreißig. Darunter: Im Kampagnenvideo tet detailliert, wie sie per Crowdfunding eine App realisierte.
beschreibt er seinen Alltag als Nährboden des Comics
050 page 12.15

Neues
Spannendes aus der Typo-,papier-,
Bild- und Technikwelt sowie
interessante neue publikationen
finden Sie auf diesen Seiten
und auf ↗ www.page-online.de  

1
Cool wie Berlin
Auf  http://godfrey.ludwigtype.de 
kann man Ludwig Übeles
neue Godfrey in Aktion erleben
page 02.16 051

Typo 1 Serifenlose Godfrey.Mit ihren gleichmäßigen


Proportionen macht die neue Schrift von Ludwig
Übele einen technischen, konstruierten Eindruck. Bei den kompakten
Kleinbuchstaben fallen vor allem die Unterlängen bei f, j und y sowie die
länglichen Punkte bei i und j auf. Godfrey besteht aus 14 Schnitten, deckt
alle wichtigen Sprachen mit lateinischen Buchstaben ab und enthält eine
Reihe praktischer OpenType-Features. Die gesamte Familie kostet knapp
270 Euro. Auf der Webseite kann man kostenlose Demofonts herunter-
laden. ↗ www.ludwigtype.de TDC zum Blättern.Das vor Kurzem
Abbildung rechts: Die Manuskripte wurden mit freundlicher Genehmigung des Albert-e instein-Archivs der Hebräischen u niversität in Jerusalem verwendet © Bettmann/Corbis

erschienene Buch »Typography 36« (Verlag Hermann Schmidt, 59 Euro,


ISBN 978-3-87439-876-3) zeigt die Siegerarbeiten des vom New Yorker
Type Directors Club veranstalteten Wettbewerbs. Mit dabei sind auch
die 22 aus gezeichneten Schriften des Typedesig -Contests. ↗  www.
typografie.de 2 Wien in Rund. Anfang 2015 erschien Ekke Wolfs seri-
fenlose Wien Pro. Jetzt gibt es auch eine gerundete Variante, ebenfalls
mit zwei unterschiedlich schrägen Kursi - 2

ven, Kapitälchen, griechischem Alphabet,


diversen Ziffernmodi sowie einer Handvoll
hübscher Ligaturen. Kostenpunkt: rund
300 Euro. ↗ www.myfonts.com

Schreiben wie Albert Einstein


Der Frankfurter Typograf Harald Geis- private und rund 50 Euro für die ge -
ler, der schon mit dem Sigmund Freud werbliche Nutzung) ist bereits erhält-
Font für einiges Aufsehen sorgte (siehe lich. Die finale Version mit sämtlichen
PAGE 11.14, Seite 76 ff.), gestaltete zu- Buch stabenvariationen erscheint in
sammen mit der Astrophysikerin Eliza- den nächsten Wochen. Wer den Font
beth Waterhouse einen digitalen Font jetzt kauft, bekommt natürlich auch
aus der Handschrift Albert Einsteins. alle zukünftigen Updates. ant
Dieser hinterließ zahlreiche hand- ↗https://haraldgeisler.com/
schriftliche Aufzeichnungen – eine einstein Zum Glück
Auswahl dieser Manuskripte des Al - muss man die
Relativitäts-
bert-Einstein-Archivs an der Hebrä i-
Das PAGE DTP-Typometer 2.0 theorie nicht
schen Universität in Jerusalem bildete verstehen, um den
mit allen typografischen Maß-
die Grundlage für das Typedesign. skalen erhalten Sie exklusiv im Albert e instein Font
Eine vorläufige Version des Albert page Shop ↗ www.page-online. nutzen zu können
Einstein Fonts (knapp 20 Euro für die de/typometer  
052 page 02.16 › Ne Ue S

Bild Perfektionist. »LDPE« steht für 
»Low Density Polyethylen« – und 
fast synthetisch muten die menschenleeren Räume 
auf den Fotos von Julian Faulhaber an, die im gleich-
namigen Bildband zu sehen sind. Meist sind es gera-
de erst fertiggestellte  Gebäude vor der ersten Benut-
zung, unwirklich makellos in Szene gesetzt. Ebenso 
hochwertig und perfektionistisch ist das bei Trademark Publishing er-
schienene Buch gestaltet. ↗ www.trademarkpublishing.de    Junge
Illustratorin. Verstehen Sie Berliner Schnau-
ze? Für ihre Abschlussarbeit an der Bauhaus-
Universität  Weimar  setzte  Sarah  Marschall 
ty pische Berliner Ausdrücke in Form von Bil-
derrätsel um. Jetzt als Buch unter dem Namen 
»Ber lin, Berlin, wat macht es?« bei dem auf Il-
lustration  spe zialisierten Berliner Jaja-Verlag  
zu haben. ↗ www.jajaverlag.com  

Nur das Beste


Erfinde  sich mauritius images, die 1929 ge-
gründete und damit traditionsreichste Bild-
agentur Deutschlands, gerade neu? Nachdem 
Stefan Ploghaus Anfang 2015 die Firma aus 
Mittenwald übernahm, wartet sie jetzt mit 
der bemerkenswerten Kollektion »Choice« 
auf.  Dafür  hat  man  den  gesamten  Bildbe-
stand von 30 Millionen Bildern gesichtet und 
die besten, ungewöhnlichsten Motive aus-
gewählt – weniger als 1 Prozent bestand die 
strenge Auslese.
Foto: mauritius images/Westend61

»Erfrischend anders und bedingungslos 
echt«, nennt der neue Inhaber die Kollektion. 
»Wir  haben es hier mit erwachsener, zeitge-
mäßer Fotografi  zu tun, die anspricht und 
funktioniert.« Stimmt, können wir dazu nur 
sagen. Ein Button  führt gleich auf der Start-
seite  zu  »Choice«,  wo  man  anschließend 
wie gewohnt Suchbegriff  eingibt oder eine 
neue, konzeptionelle Suche über emotiona- Eines der außergewöhnlichen Bilder,
le Begriff  nutzt.  mit denen die neue Choice-Kollektion
↗ www.mauritius-images.com von mauritius images aufwartet
054 page 02.16 › Ne Ue S › Bild

Unendliche Räume von


Hvass&Hannibal, Skurriles von
Flemming Dupont

Illustration aus Dänemark


Welche Illustratoren kennen Sie eigentlich aus unse rem 
nörd li chen Nachbarland? Womöglich das geniale Duo 
Hvass&Hannibal, bestehend aus Sofi  Hannibal und Nan 
Na Hvass. Die beiden Gestalterinnen kennen sich seit 
der Kindheit und haben inzwischen für so ziemlich je-
den großen Editorial­ und Markenkunden zwischen Ko-
penhagen und Tokio gearbeitet. Aber Dänemark hat viel 
mehr junge Talente zu bieten, wie der Band »Contem-
porary Danish Illustration« beweist.
Zum Beispiel herausragende Zeichner wie Mia Mottel-
son, Mikkel Sommer und Signe Parkins, die auch inhalt-
lich etwas zu sagen haben. Oder eher grafisc  orien tier te 
Illustratoren wie Louise Rosenkrands alias Miss Lo tion 
oder Benny Box, das Illustrations­ und Anima tions stu dio 
der Brüder Rune und Esben Fisker. Dies und mehr zeigt 
der  Überblicksband,  den  die  Kopenhagener  Design-
agen tur Waaitt (kurz für »We are all in this together«) zu-
sammenstellte. Erschienen ist er bei Arvinius + Orfeus, 
Schwedens renommier testem Designbuchverlag.
↗ www.arvinius.se; www.danishillustration.dk

Weitere Bildagentur-News
1 Paketpreis oder Einzelnutzung? Mit 14 Millionen  Outdoor total. Das Red Bull Media House verfügt in 
Motiven von über hundert unabhängigen Profifotogra puncto  Extremsport,  Abenteuer,  Natur,   Wildlife  und 
fen sowie mehr als hundert Agenturen und Spezialarchi- Land schaft über eines der wohl spektakulärsten Video-
ven wartet die Plattform Fotofinde  auf. Jetzt gestalte ten  archive der Welt, einschließlich hochwertiger Luft-, Zeit-
die Berliner nicht nur ihre Website visuell ansprechen- raffe ­ und Zeitlupenaufnahmen. Tausende dieser HD­  2
der und optimierten den Weg zum gesuchten Bild. Zwei  und 4K-Clips sind ab 2016 lizenzfrei über Shutterstock 
Millionen Royalty-Free-Bilder lassen sich fortan auch  zu haben – die Agentur ist exklusiver Distributor der 
entweder zum Royalty-Free-Paketpreis oder als Rights- Kollektion. ↗ www.shutterstock.com cg
Managed-Einzelnutzung erwerben. Ein Kalkulations-
Tool  ermittelt schon in der Preview, was jeweils güns-
tiger ist. ↗ www.fotofinder.com

2 Exklusive Lizenzen. Plainpicture, Spezialist für un-

konventionelle, authentische Fotografie  hat ebenfalls 
Website-Look und Bildrecherche überarbeitet. Kaufen 
Plainpicture-
kann man dort nun auch ohne Registrierung. Gleich- Motiv auf dem
zei tig  führen  die  Hamburger  das  neue  Lizenzmodell 
Rights Simplifie  (RS) ein, das die jeweiligen Vorteile 
1 Cover eines
französischen
von Royalty Free und Royalty Managed vereinen soll.  Romans
Lizenzen  für  RS-Motive  gibt  es  exklusiv,  unabhängig 
von  Medium,  Platzierung,  Größe  und  Auflage   Bloß 
Zeitraum  und  Verbreitung  bestimmen  das  Honorar,  PAGE Seminar »Bildrecht«.In unserem neuen Seminar erfahren Sie alles,
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PAGE 02.14ANZEIGE
059

PRAXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Infografik
Visual Storytelling –
Workflows &
Cases

Die Referenten Das Seminar »Infografik«


● Klaas Neumann und Jakub Chrobok arbeiten ● Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
im Team der Golden Section Graphics GmbH, ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet
einer der renommiertesten Infografikagenturen und TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
weltweit. Seit über zehn Jahren bewegen sie Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren
sich im Bereich der Informationsvermittlung auf und Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
allen Plattformen: Jakub Chrobok, zuvor Leiter können vielschichtige Inhalte direkt veranschaulichen. Doch je schneller
des Visual Lab bei C3, ist jetzt als Creative Direc- und komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss
tor bei Golden Section Graphics und Dozent der Kreative bei der Datenaufbereitung vorgehen. Mit einer ästhetisch
an der AID Berlin tätig. Klaas Neumann, Senior faszinierenden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten
Artdirector bei Golden Section Graphics, war und die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jakub Chrobok
Infografiker und Illustrator bei den Gruner + Jahr und Klaas Neumann die eigentliche Herausforderung. Es wird immer
Wirtschaftsmedien (unter anderem bei »Financial anspruchsvoller, gute und verlässliche Quellen zu finden, um einen Sach-
Times Deutschland« und »Capital«). verhalt korrekt und unverfälscht wiederzugeben. Der Grafik- und Kommu-
nikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur reiner Gestalter, er ist
Die Agenda zugleich Journalist und wird gerade durch den gezielten Einsatz von Illustra-
tion zum visuellen Geschichtenerzähler.
1 Das Wesen der Infografik –
Stärken und Schwächen Jakub Chrobok und Klaas Neumann erläutern im PAGE Seminar anhand
Was kann und muss eine Infografik leisten, und von konkreten Praxisbeispielen, wie eine Infografik entsteht – von der
wie setzt man sie sinnvoll ein? Was unterschei- Recherche über die Skizze bis hin zu Reinzeichnung und Animation. Sie
det eine journalistisch geprägte Grafik von einer bieten tiefe Einblicke in die Arbeit eines Infografikers und beleuchten
Visualisierung in der Unternehmenskommuni- das Spannungsfeld zwischen reiner Information und guter Gestaltung –
kation? Wie können Illustrationen die Wirkung wertvolles Know-how von Designprofis für Designprofis!
und Aussage einer Infografik beeinflussen?

2 Vom Briefing über die Recherche zur Das Seminar findet am 15. April
im Hotel 25hours, Hamburg-
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 748 Euro
Wie müssen die Basisinformationen für ein gutes (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten,
Briefing aufbereitet sein? Wie kommt man an Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt!
die relevanten Daten und damit auf die richtige Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . 
Idee? Ist weniger mehr oder mehr Information
hilfreicher? Wie gewinne ich den Kunden für die Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
Idee? Wie läuft die Abstimmung mit ihm? Austausch der Teilnehmer untereinander.

3 Animation, Interaktion, Social Media –


die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation
Wie setze ich Infografiken viral und crossmedial ein? PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // info@page-online.de //
Ist eine statische oder eine interaktive, animierte Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
Grafik besser? Wie gestalte ich den Workflow und Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der
habe die unterschiedlichsten Nutzungsarten im Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an.
Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
Blick? Wie kalkuliere ich eine Infografik? Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
056 page 02.16 › Ne Ue S

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kostet knapp 3 Euro. Ab 100 Stück kann 
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Multisense
Design
Markenkommunikation
mit der Kraft
aller Sinne

Der Referent Das Seminar »Multisense Design«


● Olaf Hartmann, Geschäftsführer des Multisense ● In einer überkommunizierten, konsumkritischen und werbemüden Welt
Instituts, ist einer der führenden Experten für birgt die multisensorische Gestaltung von Produkten, Werbebotschaften und
multisensorisches Marketing. Der Bestsellerautor, Verkaufsprozessen eine große Chance zur Differenzierung. Denn das Gros
Berater und gefragte Keynote-Speaker schöpft aller Informationen verarbeiten wir an der bewussten Wahrnehmung vorbei
in seiner lebendigen Moderation aus mehr als mit dem unterbewussten, impliziten System unseres Gehirns. Deshalb ist
20 Jahren Marketingerfahrung. Seine Agentur multisensorisches Marketing auch kein Hype – es ist ein Erfolgsmodell. Aber
Touchmore hat zahlreiche Kommunikations- Vorsicht! Die Annahme, mit kreativ veredelten Printprodukten automatisch
und Designpreise gewonnen. auch Wertschätzung und Wirksamkeit steigern zu können, ist ebenso ein Mär
wie die Gleichung »Millionen Klicks = Millionen Umsätze«.
Die Agenda
Erkennen Sie die Power of Multisense! In unserem Seminar zeigt Ihnen Olaf
1 Update: Neuromarketing und Hartmann anhand konkreter Beispiele und neuster Erkenntnisse aus Neuro-
Verhaltenspsychologie wissenschaft, Verhaltensökonomie, Psychologie und Sensorikforschung, wie
– Die Macht des Unbewussten sich die Kraft multisensorischer Kommunikation entfaltet. Er erklärt, wie Sie
– Wie implizite Ziele die Wahrnehmung lenken zielgerichtet und kongruent mittels multisensorischer Verstärkung die gesamte
– Warum Ziele die Quelle der Emotionen sind Costumer Journey hindurch mehr Aufmerksamkeit, Erinnerung, Glaubwürdig-
– Wie das Gehirn (Kauf-)Entscheidungen fällt keit, Wertschätzung und Kaufbereitschaft erzeugen können. Das Wissen um
das Aktivierungspotenzial der einzelnen Sinne bereichert alle Gestaltungs-
2 Basics: Multisensorisches Marketing disziplinen: Kommunikations- und Packaging Design ebenso wie UX, Service
– Das Primat sinnlicher Wahrnehmung und Interaction Design. Bewusst eingesetzt, steigert es den Erfolg im Dialog-
– Vom sensorischen Reiz zur Bildung von Codes marketing, in der Werbung und am Point of Sale. Aber auch in den digitalen
– Multisensorische Verstärkung, Irradiations- Medien können wir dieses Wissen gezielt nutzen – schon Bild- und Textsprache
und Priming-Effekt können mental simulieren und virtuell haptische Erlebnisse stimulieren.
– Das Prozessmodell des multisensorischen
Marketings (Mensch · Marke · Codes · Touchpoints) Das Seminar richtet sich somit an Designer, Marketingverantwortliche
– Das ARIVA-Wirkmodell sensorischer Optimie- und Brandingstrategen – kurzum an alle, die nicht Effekthascherei betreiben,
rung (Attention · Recall · Integrity · Value · Action) sondern das Budget gewinnbringend einsetzen, wirksam kommunizie-
ren und Marken nachhaltig stark machen wollen. – Profitieren auch Sie von
3 Multisensorik in der Praxis: Olaf Hartmanns fundiertem Know-how aus der Praxis für die Praxis.
Fallbeispiele, Workshop & Training
Best Cases aus den Bereichen Packaging, Das Seminar findet am 8. April
in den Design Offices Hamburg
Ad Specials, Kommunikation, E-Commerce, Domplatz von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 748 Euro
Produktdesign und Corporate Design (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch
– Das ARIVA-Modell in der Anwendung und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt!
– Irradiations- und Priming-Effekt bewusst nutzen Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .  
– Mit Embodiment und »Tu«-Effekt die
Erinnerung verstärken PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // info@page-online.de //
– Durch Haptik Glaubwürdigkeit, Wertschätzung Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
und Kaufbereitschaft erhöhen Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der
– Kreativsession anhand einer Aufgabenstellung Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an.
Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
aus der Praxis der Teilnehmer Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
058 page 02.16 › Ne Ue S

Technik   Power-Box. Sonnet hat ein Thunder-


bolt-Dock vorgestellt, das das MacBook 
Pro oder Air mit weiteren Schnittstellen und mehr Mas senspeicher ausrüs-
 tet. In dem rustikal gestalteten Gehäuse befinde  sich ein optisches Lauf-
werk, Festplatten und neben Thunderbolt 2 weite re Ports. Das Echo 15 + 
Thunderbolt 2 Dock ist in drei Versionen erhältlich: mit DVD-Bren ner, mit 
kombiniertem DVD-Brenner und Blu-ray-Player und mit Blu-ray-Brenner. 
Ein Laufwerksschacht ist leer und lässt sich mit einer 3,5-Zoll-Fest platte 
oder zwei 2,5-Zoll-Laufwerken (Fest plat ten oder SSDs) bestücken. Audio-
buchsen,  ein  FireWire­  und  ein  Giga bit-
Ether net-,  zwei  eSata­  und  vier  USB-3.0-
Ports stehen an exter nen Schnitt stellen zur 
Verfügung.  Der  zweite  Thunderbolt-Port 
unterstützt 4K-Monitore. In der Konfigura
tion mit DVD-Brenner kostet das Echo 15+ 
rund 680 Euro, mit einem Blu-ray-Brenner 
circa 800 Euro. ↗  www.sonnettech.de

Ausprobiert: InDesign mit Touch-Funktionalität


Die  von  Adobe  auf  der  MAX  ange- Stift bedienung zur Verfügung. Schrift schau  oder  die  Fotos-App)  sowie ein 
kündigten Neuerungen der Creative- größen lassen sich per Schieberegler  iMac mit 5K-Schirm beziehungsweise 
Cloud-Programme werden jetzt nach  am Textobjekt ändern, mehrere Aus- ein Mac Pro ab 2013. Um die 10-Bit-Aus-
und nach umgesetzt. Wie angekündigt  richthilfen erleichtern präzises Arbei- gabe zu aktivieren, muss man in den 
verfügt InDesign CC nun über einen  ten.  Produzieren  wird  man  auf  dem  Photoshop-Einstellungen »30-Bit­ Dis-
Tab let-Modus  –  allerdings  mangels  Tab let wohl eher nicht, fürs Scribbeln  play« wählen.
Touch -Funktionalität von Mac OS aus- und  Ideensammeln  eignet  sich  der  Die Entwicklungsumgebung Flash 
schließlich unter Windows. Wir haben  neue InDesign-Modus aber durchaus.  Professional wird Adobe Anfang 2016 
das  Layout tool  am  Microsoft-Tablet  Neu ist ebenfalls die 10-Bit-Farbun- in Animate CC umbenennen und trägt 
Sur face Pro ausprobiert. Die automati- terstützung von Photoshop am Mac.  damit der Tatsache Rechnung, dass das 
sche Um schal tung funktioniert: Zieht  Was unter Windows bereits seit 2009  Flash-Format  immer  weniger  einge-
man die magnetisch haftend  Surface- (ab Windows 7) funktioniert, hat Apple  setzt wird und die Entwicklungsumge-
Tastatur ab, wechselt InDesign au to- still und heim lich mit Mac OS X 10.11  bung längst auch andere Ausgabefor-
ma tisch  zur  Touch -Oberfläch   um.  (El  Capitan)  nachgereicht.  Erst  jetzt  mate  unterstützt.  In  der  demnächst 
Hier sind Buttons und Paletten so an- konnte  Adobe  ihre  Programme  ent- neu erscheinenden Fassung sollen die-
gepasst, dass sie per Touch  (oder Stift   spre chend anpas sen. Wichtige Voraus- se – anders als bis jetzt – gleichwertig 
bedient werden können. Mit dem Zei- setzung für die Dar stel lung von Mil- zum Flash-Export zur Verfügung ste-
chen-Werkzeug lassen sich Objekte wie  liar den Farben am Monitor (und damit  hen. Neben weiteren kleineren Verbes-
Bildkäs ten  zeichnen  –  ein  hingekrit- zu Verläufen ohne Abris se) ist neben  serungen wird dann auch die 4K-Video-
zeltes Kreuz genügt. Auch sonst stehen  dem aktuellen Sys tem auch eine aktu- ausgabe möglich sein.
viele  Hilfsmittel  für  die  Touch ­  oder  elle Pho toshop-Version (alternativ Vor- ↗www.adobe.com/de
page 02.16 059

Kurz vorgestellt
1 Durchsatz für Kreativdruck. OKI stellt mit 
CMYK + Weiß
1 Der LED-Grafikdrucker
Pro9542dn von OKI kann Weiß
der neuen Pro­Serie drei LED­Printer für grafi ­
sche Anwendungen vor. Sie verarbeiten Medien 
unterdrucken und ist für bis DIN A3+ und einer Dicke von 360 Gramm. 
hohen Durchsatz konzipiert Wirklich  neu  ist  allerdings  ausschließlich  der 
Pro9542dn, der neben CMYK Weiß als Spotfarbe 
zum Unterdrucken auft ragen kann. Das erhöht 
gerade bei dunk len Medien die Farbbrillanz. Die 
beiden anderen Mo delle hatte OKI schon unter 
2 anderem Namen im Programm. Die Drucker ar­
beiten mit einer Aufl ösung von 1200 mal 1200 dpi, 
beherrschen den Duplexdruck bis zu 320 Gramm 
Farbstimmig und können in Farbe circa 28 Seiten pro Minute 
Mit dem Color Manager ausgeben. So mit eignen sie sich besonders für 
erleichtert Wacom
Druckdienst leister oder Agenturen mit Bedarf an 
die Farbkalibrierung der
Cintiq-Grafiktabletts
Kleinstaufl agendruck. Der OKI Pro9542dn kos­
tet ungefähr 25 000 Euro, der OKI Pro9431dn oh­
ne das zusätzliche Weiß hat einen Preis von circa 
10 000 Eu ro. ↗ www.oki.de
2 Farbkorrektur für Grafiktabletts. Wacom 
hat mit dem Color Manager eine Lösung zur Ka­
librierung der eigenen Grafi ktabletts mit Display 
vorgestellt. Das in Zusammenarbeit mit X­Rite 
entwickelte Soft ­ und Hardwarepaket erlaubt es, 
beispielsweise das Cintiq 27QHD exakt zu kali­
Auge fürs
brieren. Wie bei anderen Lösungen auch wird das 
3 Dunkle
Der Canon-
Colorimeter auf das Display gesetzt, vergleicht 
Camcorder XA35 die Ist­ mit den Soll­Werten und schreibt die Kor­
soll das mobile rekturen in Profi le. Im Prinzip lassen sich die Wa­
Filmen bei wenig com­Tablets auch mit anderen Produkten für die 
Licht ermöglichen Displaykalibrierung unter Windows oder Mac OS 
einstellen. Jedoch nicht so einfach wie mit dem 
Wacom Color Manager. Kostenpunkt: ungefähr 
230 Euro. ↗ www.wacom.de
3 Low-Light-Filmen. Canon kündigt mit dem 
XA30 und XA35 zwei neue Camcorder für das Fil­
men mit freier Hand an. Neben ihren kompak ten 
Abmessungen sollen sie Low­Light­Fähig kei ten 
mitbringen. Dazu hat Canon einen HD­CMOS­
Pro­Sensor entwickelt, der rauschfreie Auf nah­
men bei wenig Licht und einen großen Dy na mik­
umfang ermöglichen soll. Die beiden Cam cor­
der decken mit ihrem Zoomobjektiv Brennweiten 
von 26,8 bis 576 Millimetern ab und nehmen HD 
mit bis zu 50 Bildern pro Sekunde auf. Gespeichert 
wird auf SD­Karten. Der XA35 bietet im Unter­
schied zum XA30 eine HD­/SD­SDI­Schnittstelle 
und eignet sich mit der Echtzeitübertragung der 
Daten  auch  für  Live­Bericht erstattung.  Preise 
und die Verfügbarkeit standen bei Redaktions­
schluss noch nicht fest. ↗ www.canon.de
Swift jetzt Open Source.  Wie angekündigt 
hat Apple die Programmiersprache Swift  in Open 
Source überführt. Der Quellcode ist ab sofort auf 
GitHub verfügbar. Unterstützt wird die Entwick­
lung von allen Apple­Plattformen: iOS, Mac OS, 
Layouten auf dem Sofa: die neue Touch-Oberfläche von InDesign watchOS und tvOS.  ↗ www.swift.org; http://
auf dem Surface Pro von Microsoft github.com/apple/swift ml
060 pa g e 02.16 › Ne Ue S

Publikationen
1  »Wheel & Deal«. Über 100 000 Kilometer ist der Schweizer Gestalter
Tobias Gutmann schon mit seinem transportablen, ganz und gar analo-
gen Face-o-mat gereist und hat auf Events in aller Welt lustig-simple Por-
träts von Menschen gezeichnet. So eine auf Koffergröße zusammen-
klappbare Arbeitsumgebung ist schon praktisch! Was sich Kreative und
Tüftler sonst noch in den letzten Jahren zum Thema Mobilität ausgedacht
haben, zeigt dieses Buch. Natürlich sind auch einige der
derzeit so angesagten Food Trucks dabei. Doch es geht
grundsätzlicher um neue Visionen unserer Art zu arbei-
ten, zu wohnen, zu verkaufen, Marken zu präsentieren
oder Ausstellungen zu gestalten. Das urbane Nomaden-
Working Title & Co: tum ist auch konzeptionell sehr beweglich – ob als Design-
Wheel & Deal.
Berkeley (g ingko agentur mit der Motorrad-Rikscha in Peking unterwegs
press) 2015,
316 Seiten. 39,90 e uro. oder im futuristischen High-Tech-Wohnwagen auf der Su-
ISBN 978-1-58423-
593-4 che nach neuen Horizonten.

»Die Hipster«. Ist etwa unter den Lesern von 2  »Designing  for  Touch«. Immer

PAGE der eine oder andere Hipster? Schwer zu sa- mehr User bedienen immer größere
gen, denn anders als bei anderen Jugendkulturen mobile Bildschirme mit dem Finger,
bezeichnet sich der Hipster nicht als solcher – er und mit dem iPad Pro werden es nicht
glaubt ja, Individualist zu sein. Fest steht, dass er weniger. Höchste Zeit, beim Webde-
in der Kreativszene sein Haupthabitat hat. Philipp sign die alte Fixierung auf die punktge-
Ikrath, Leiter von jugendkulturforschung.de und naue Mausnavigation aufzugeben. Wie
Consultant der Trendagentur tfactory, legt eine das funktionieren kann, beschreibt
aufschlussreiche Studie der Spezies vor. Richtig hier der UX-Guru und international
spannend (und teils sehr lustig) wird es ab dem gefragte Speaker Josh Clark. Schon die
vierten Kapitel, das aufzeigt, wie Feuilleton und Frage, wie Handhelds überhaupt gehal-
Internet den Hipster immer wieder zur Witz-, ja ten werden, kann zu konträren Schlüs-
Hassfigur machen. Danach geht es zur weitaus sen führen – siehe die Bilder rechts.
komplizierteren Innenperspektive. Bekanntlich Wie groß müssen Klickbereiche min-
liebt der Hipster die Ironie und ist keineswegs so destens sein? Wie reduziert man die
einfach gestrickt, wie das Stereotyp es will. Ein Zahl der Klicks, die zum Ziel führen? 2
smartes und unterhaltsames Buch! Warum sind Gesten besser als Buttons?
Clark sieht die Zukunft nämlich in der
Philipp Ikrath: Die Hipster. Navigation durch Gesten, weil diese Josh Clark: Designing
Trendsetter und Neo-Spießer. zu Refl xen werden. Doch wie sie dem for Touch. New York
Wien (promedia Verlag) 2015, User beibringen? Mehr Videospiele (a Book apart) 2015,
208 Seiten. 17,90 e uro. spielen, so Clark. Videogamedesigner 18 Dollar. 169 Seiten.
ISBN 978-3-85371-394-5 seien Pros darin, den Nutzern neue In- ISBN 978-1-937557-28-7
terfaces nahezubringen.
pa g e 02.16 061

Alles mobil
Oben vertikale Bar von
Bureau A für Tadioto
in Hanoi, Mitte Face-o-
mat von Tobias
Gutmann, unten Shop-
design von llot llov
für Baerck Berlin und
Designmobil der
Amsterdamer Agentur
Lava in Peking
062 pa g e 02.16 › Ne Ue S

Was wir fragen wollten


Felix Damerius, Kreativdirektor bei
Peter Schmidt Group, Frankfurt am Main
↗ w
  ww.peter-schmidt-group.de

3 Für sein Buch »101 Great Minds« hat

Uli Reese von der Audio-Branding-Agentur


iV2 mit bekannten Kreativen wie David
Droga, Chuck Porter, André Kemper oder
Amir Kassaei über Musik und Sound in
der Werbung gesprochen. Aus den Inter-
views entstand ein spektakuläres Buch – 3
wie kam es dazu?
Felix Damerius: Uli Reese hatte bei seiner Re-
cherche unter anderem auch meinen Vorgänger
Gregor Ade interviewt und ihn für Thema und
Buchidee begeistert. Für mich war es dann ein De-
signleckerbissen zum Einstieg. Sound spielt im
Branding ja eine viel wichtigere Rolle als wahrge-
nommen wird. Während Marken immer darauf
achten, wie sie aussehen, sprechen sie ständig
mit unterschiedlichen Stimmen – was eigentlich
sehr befremdlich ist.

Ein Thema, das sich visuell aber schwer


umzusetzen lässt.
Wir haben ein plakatives Cover gestaltet, bei dem
die Musik in ein Ohr auf der Vorderseite und ei-
nes auf der Rückseite hineingeht und in gehirn-
artigen Strukturen verarbeitet wird. Ein von Gelb
zu Rot changierender Farbverlauf, der sich durchs
ganze Buch zieht, visualisiert diesen Prozess. So
lädt der Band als Coffee-table Book in den Agen-
turen zum Hineinlesen ein. Unterstreichungen
in den Texten helfen, schnell Anknüpfungspunk-
te zu finden

Warum diese Farbgebung?


Es ist das Neon-Spektrum mit den auffälligsten
Farbtönen. Die Pigmente lassen sich allerdings
nicht leicht verarbeiten, erst nach vielen Tests
hatten wir das richtige Mischungsverhältnis.

Wie funktionierte die Produktion?


Am Ende ähnlich wie bei einem CMS im Webde-
sign. Wir haben auf dem Farbverlauf von Gelb zu
Rot basierende Templates erstellt, in die das Team
von Uli Reese anschließend Text und Bilder ein-
Uli Reese: 101 Great Minds on
gefüllt hat. Man sieht: Ein Buch unterscheidet
Music, Brands and Behaviour.
sich gar nicht so sehr von einer Website. Übrigens
Königsstein (Brandsongs) 2015,
gibt es auch eine preiswerte digitale Version von
440 Seiten. 99,90 e uro.
»101 Great Minds«, damit auch Studenten hinein-
ISBN 978-3-9817600-0-2
lesen können.
pa g e 02.16 063

Publishing-News
4 Ethan Marcotte: Responsive Design: Patterns 
and Principles. New York (a Book apart) 2015,
160 Seiten. 18 Dollar. 978-1-937557-33-1. Karen 
McGrane: Going Responsive. 149 Seiten. 18 Dol-
lar. 978-1-937557-30-0. Zwei weitere praxisbezoge-
ne Büchlein aus dem New Yorker Verlag für Webde-
signer, für je 9 Dollar auch als E-Books verfügbar.
4 Jonathan  Openshaw:  Postdigital  Artisans: 

Craftsmanship  with  a  New  Aesthetic  in  Fa-


shion, Art, Design and Architecture. amsterdam
(Frame publishers) 2015, 296 Seiten. 39 euro.
978-94-91727-61-0. Wie reagiert die Kunst- und
Design-Avantgarde auf die digitale Revolution? Die
einen analog, wie Maiko Takeda, die Björk zu Bühnen-
outfit und Covermotiv fürs Album »Vulnicura« ver-
half. Andere nutzen Algorithmen, 3D-Druck oder
Video-Mapping. Zeigt alles dieser Bildband.
Sandu  Publishing  (Ed.):  Yum  Yum!  Creative 
Food & Drink Branding Design. Berkeley (gingk o
3D-Infografik press) 2015, 240 Seiten. 39,90 euro. 978-1-58423-
Albinopferd ohne Beine
590-3. Überall isst hier das Auge mit.
plus Profit- oder
5 Paz Diman, Luca Bendandi. Skullture: Skulls in 
Fortschrittspfeil plus
Trampolin: Katja Contemporary Visual Culture. Berkeley (ging ko
Novistkovas macht press) 2015, 216 Seiten. 39,90 euro. 978-1-58423-
aus Diagrammen 613-9. Totenköpfe kommen auch in tausend Jahren
Kunstinstallationen nicht aus der Mode . . .
Salon für Kunstbuch: NO-ISBN. on self-publi-
shing. Köln (Verlag der Buchhandlung Walther
König) 2015, 506 Seiten, 25 euro. 978-3-86335-
818-1. Wir zitieren: »Reich illustriertes Buch über
Bücher, die aus der Reihe fallen und sich dem inter-
nationalen System des Warenaustauschs entziehen«.
Dazu gibt’s Aufsätze und Manifeste, ein Register von
1800 Publikationen ohne ISBN sowie eine Liste der
Kunstbuch- und Fanzine-Messen.
5 Konrad Lischka: Das Netz verschwindet. Das 
offene Internet, seine Gegner und wir. München
(Hanser Box), 22 Seiten, epUB-F ormat. 2,99 eu-
ro. 978-3-446-25156-4. Alle zwei Wochen gibt der
Hanser Verlag ein E-Bookchen in der Reihe »Hanser
Box« heraus – ein Mix aus Erzählungen, Reportagen
und Sachbuchtexten. Diesmal fragt Konrad Lischka,
was aus der Vielfalt des Webs wird, wenn die Leute
nur noch auf Facebook bleiben.
Aus  für  Metrolit? Einer unserer Lieblingsver-
Totenkopfkult lage stellt aus wirtschaftlichen Gründen die Produk-
3D-Druck-Skulptur des
tion ein. Der 2013 im Aufbau-Haus gegründete Me-
Kölner Designers
trolit Verlag bot toll gestaltete Popliteratur und Gra-
Hannes Hummel, »Cat
Girls Don‘t Cry« von
phic Novels an. Alle Bücher bleiben lieferbar, eine
Julie Filipenko aus Tel Neupositionierung des Verlags wird anvisiert. cg
Aviv, Perlenkreation
von Jim Skull aus Paris
Publikationen. Weitere Buchempfehlungen
für Kreative in Design und Development lesen
Sie auf  ↗ www.page-online.de/buecher  

PAGE eDossiers. Unsere eDossiers zu Themen


rund um den kreativen Berufsalltag gibt es
unter  ↗ http://shop.page-online.de/downloads  
Pr o j e k t e

Planet der
Mit einer immersiven Kampagnenwebsite in WebGL bescherten Philipp und
Keuntje, Artificial Rome und Sehsucht Sennheisers High-End-Kopfhörer Orpheus
einen bombastischen Auft itt – alles im Dienste der Markenbekanntheit

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
PROJEKT Crossplatform-k ampagne für den
High-e nd-k opfhörer o rpheus ↗  www.sennheiser-
reshapingexcellence.com/de
KUNDE Sennheiser electronic GmbH & Co. k G,
Wedemark ↗  http://de-de.sennheiser.com
AGENTUREN Philipp und k euntje, Hamburg
↗  www.philippundkeuntje.de
Artificial r ome, Berlin ↗  www.artificialrome.com
Sehsucht, Berlin ↗  https://sehsucht.de
TECHNIK Axure, Adobe Creative Suite, Coffee-
Script, Grunt, Node.js, t hree.js, Unity, WebGL
ZEITRAUM Dezember 2014 bis November 2015
pa g e 02.16 065

Sounds
Schwebende Monolithen,
bereit einen k lang frei-
zugeben, den man mittels
k licken formt wie ein
Bildhauer seine Skulptur.
Mit diesen opulenten
Bildern führt ein filmi-
sches Intro den User in die
Geschichte ein
066 pa g e 02.16 › pro jekte › k ampagnen-Site für Sennheiser

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx ● Acht Elektronenröhren sitzen auf dem marmor-


nen Gehäuse des High-End-Verstärkers. Langsam
»WebGL ist fahren die Bedienelemente an der Frontseite heraus,
noch nicht während die Glasröhren sich ihrer Betriebstempe-
vollends ratur nähern und rötlich zu glühen beginnen, bis eine
ausgereift Lade auf der Oberseite aufk appt und das eigentliche
Objekt der Begierde freigibt: den elektrostatischen,
und verlangt offenen, nach Aussagen von Sennheiser weltbesten
der Hardware Kopfh rer mit dem verheißungsvollen Namen Or-
einiges ab. pheus. 50 000 Euro kostet das Set. Rund 250 Exempla-
Mit diesem re davon will der niedersächsische Spezialist für Au-
dioequipment pro Jahr herstellen.
Projekt sind »Das ist ein sehr außergewöhnliches Produkt«,
wir an die konstatiert Mike John Otto, Executive Creative Di-
Grenzen des rector und Head of Digital der Hamburger Werbe-
Möglichen agentur Philipp und Keuntje. Nachdem die Hansea-
ten Sennheiser Anfang 2014 als Kunden gewonnen
gegangen« hatten, erhielten er und sein Team im Dezember des
Mike John Otto, Jahres den Auftrag, für den »teuersten und besten
Philipp und Keuntje Kopfh rer der Welt eine Kampagne aufzusetzen«, so
Otto. Diese sollte – unter dem Motto »Reshaping
Excellence« – so außergewöhnlich sein wie das mit
o ben: Seit dem Launch des zweiten k ampagnen-
parts kann der User zwischen zwei Aktionen wählen:
ihr beworbene Produkt.
Unter »r eshaping e xcellence« lässt sich eine k lang- In Bezug auf Zeit, Budget und die Anzahl der Kanä-
skulptur bauen oder in der r ubrik »o rpheus« das le ist es Sennheisers bisher größte Kampagne gewor-
High-e nd-Gerät erkunden. Die frisch gemeißelte den. Rund ein Jahr verging vom ersten Briefi g bis
k langskulptur kann er noch mal anhören und dann zum Launch, circa eine Million User beteiligten sich
direkt zum o rpheus-Monument schweben lassen, in den ersten sechs Wochen an der Aktion, dazu er-
wo sie als kleiner blauer Punkt sichtbar bleibt
hielt die Website mehrere einschlägige Web-Awards
und wurde mit einem pompösen Live-Event in der
Londoner Westminster Hall gelauncht. Die Idee: Alle
Website-Besucher bauen gemeinsam an einer mo-
numentalen Klangskulptur. Dafür klicken sie auf
virtuelle Felsbrocken, um sie zu kleinen, »eigenen«
In der zweiten Phase der Teilen eines großen Ganzen zu formen. Jeder digi-
k ampagne stand der
tale Meißelschlag erzeugt einen charakteristischen
k opfhörer im Mittel-
Klang, und jede neue Soundskulptur nimmt ihren
punkt. Zu den einzelnen
e lementen des Sound-
Platz ein in dem übergroßen marmornen Fundament
systems navigiert man des Orpheus. Zudem zeigt die Anwendung dem User
über ein Menü am die Position »seiner« kleinen Skulptur an, damit er
rechten Seitenrand ihren Sound abspielen und auf Facebook teilen kann.
pa g e 02.16 067

Keine Vision ohne Markenanalyse klärt Mike John Otto – in diesem Fall inspiriert vom
»Als wir Sennheiser als Kunden übernahmen, haben selbst erarbeiteten Arbeitstitel »The God of Sound«.
wir anfangs auf Basis von Sennheiser-eigenen Da- Ein großer Teil der späteren Bildsprache findet sich
ten und Research einer Marktforschungsagentur bereits hier. Und Sennheiser zog mit. Die Idee, dass
eine Standortbestimmung vorgenommen«, erzählt viele User gemeinsam Orpheus erschaffen sollten,
Mike John Otto. »Wir haben uns gefragt: Wer sind die entstand. »Da dieser Kopfh rer nicht für jeden er-
Mitbewerber? Ist es Bose? Oder eher beats by dr. dre?« schwinglich ist, wollten wir einen virtuellen Orpheus
Schnell war klar: Sennheiser spricht mit ihrer Klang- entstehen lassen«, meint Otto. »Unser Kampagnen-
kompetenz und diversen High-End-Kopfh rern im ansatz war inspiriert von PlayStation-Spielen, bei
Sortiment eher den Audioexperten an und hat mit denen ein filmi cher Prolog als Teaser in die Story
dem Modell Momentum aber auch einen beats-Kon- einführt und dann nahtlos in einen interaktiven
kurrenten im Programm. Ein Produkt wie Orpheus Part übergeht. Nach sechs Wochen sollte sich dann
allerdings ist konkurrenzlos. Part zwei anschließen, in dem man das Produkt in
Sennheisers neuralgischer Punkt sei, so Otto, dass 360-Grad-Perspektive erkunden kann.«
man zwar gut verkaufe, aber als Marke nicht wirk- Weitere visuelle Anregung in Sachen Look-and-
lich präsent sei. »Seit Anfang 2014 haben wir fünf feel fand Mike John Otto in »The Dawn Wall«, ei-
Kampagnen für verschiedene Sennheiser-Produkte ner interaktiven Datenvisualisierung der »New York
entwickelt. Diese sollten in erster Linie die Marken- Times« ( http://is.gd/nytimes_elcapitan ). Vor allem
bekanntheit stärken.« Sie berücksichtigten zwar Cor- wie dort WebGL für ungewöhnliche Kamerafahrten Unten: Die ersten Proto-
porate-Design-Elemente wie die Sennheiser-Typo eingesetzt wurde, faszinierte ihn. Ein Museumsbe- typen in WebGL erinner-
oder die Brandfarben, waren aber sehr unterschied- such in der Hamburger Kunsthalle machte dann das ten noch an den Games-
Look der 1990er j ahre.
lich aufgesetzt. »Ab 2016 werden wir mit Sennheiser Bild komplett: Wie in Caspar David Friedrichs Ge-
Ganz unten: Das
gemeinsam auf dieser Basis den Markenauftritt wei- mälden sollte es aussehen – mit elaborierten, wie Storyboard entstand
ter schärfen und eine einheitliche Linie für künftige gemalt anmutenden Texturen statt düsterer, glatter gemeinsam mit den
Kampagnen entwickeln.« CGI-Optik. Gemeinsam entschied man sich für ein Motion-Design-Spezia-
Mit ihrem unkonventionellen und außergewöhn- stärker ausgeprägtes interaktives Storytelling – listen von Sehsucht
lichen Storytelling erschließe sich die Orpheus-Web-
site nicht allen Usern sofort und in Gänze, räumt
Otto ein. »Sie polarisiert – und das soll sie auch. Das
ist eben so bei ungewöhnlichen Projekten.« Auf lan-
ge Sicht allerdings, da ist er sich sicher, stärken sol-
che Projekte die Wahrnehmung der Marke – mit Ab-
strahleffekten auf das gesamte Sortiment aus dem
Hause Sennheiser, auch im jüngst erkämpften Life-
style-Segment. Es untermauere, sagt Mike John Otto,
den Pioniergeist der Marke und die Audiokompe-
tenz des Unternehmens.

Die Visual Idea für den »God of Sound«


»Zum Start eines Projekts erstellen wir immer zu-
nächst einen Moodfilm, um die Idee zu konkretisie-
ren und den Kunden emotional anzusprechen«, er-

BOARD ORPHEUS

22 23 24
In einer Schnittfolge sehen wir, wie das … bis letztendlich fast alles aufgefüllt ist In einem Close-up fügt sich der letzte Monolith
Plateau weiterwächst … ein, der das Plateau vollendet.
068 pa g e 02.16 › pro jekte › k ampagnen-Site für Sennheiser

etwas, das im kommerziellen Einsatz einer Pro- Event in London an, ohne am Abend vorher das fi-
duktinszenierung selten bis nie zu finden ist. Bei nale Ergebnis online gesehen zu haben«, erinnert
Sennheiser zeigte man sich begeistert und gab das sich Otto. Bis spät in die Nacht arbeitete Artific al
»Go« für den Umsetzungsprozess. Rome an der Finalisierung.
Bis hierhin gab es lediglich die Bildwelt, aber noch
keinen Plot. Die interaktive Story sowie Konzept, Happy Birthday Sennheiser!
Design und User Flow der Website erarbeitete Philipp Für den Londoner Launch von »Reshaping Excellen-
und Keuntje nun zusammen mit der Digitalagentur ce« wurde mächtig aufgefahren, denn das Live-Event
Artific al Rome. Mit dem Produktfilm beauftragten fungierte auch als Geburtstagsparty zum 70. Firmen-
die Hamburger die Berliner Motion-Design-Spezia- jubiläum mit Orpheus als strahlendem Protagonis-
listen des Animationsstudios Sehsucht unter Lei- Mike j ohn o tto, e xecutive ten. Die britische Sängerin und Komponistin Imogen
tung von Kreativdirektor Mate Steinforth. Während Creative Director, Philipp Heap performte live ihren eigens für die Kampagne
Artificial Rome einen WebGL-Dummy entwarf, also und k euntje in Hamburg komponierten Soundtrack. Allerdings bedeuteten
eine noch sehr rohe Version der Website ohne ausge- die Feierlichkeiten keinesfalls den Schlussakkord,
arbeitete Designelemente, arbeiteten alle drei Agen- denn nach sechs Wochen schloss sich die Produkt-
turen gemeinsam am Look des Films. Zusätzlich präsentationsphase an. Außerdem musste Artifi-
versorgte Sehsucht das Artific al-Rome-Team um cial Rome die Website auch nach dem Launch wei-
Kreativdirektor Patrick de Jong mit den nötigen Bild- ter optimieren.
dateien zur Erstellung der Texturen in WebGL, um Als größte Herausforderung entpuppte sich am
den opulenten Look des Films für den interaktiven Ende die Performance. Aus dem Event in London
Part übernehmen zu können. folgte die Erkenntnis, dass die Anwendung für zahl-
reiche Geräte immer noch zu rechenintensiv ist. Es
Durststrecke Prototyping folgten erneute Lasttests auf verschiedenen Devices,
So ganz ohne Design wirken technische Prototypen Mate Steinfort,
schließlich erstellten Philipp und Keuntje und Arti-
schnell abschreckend. »Die ersten Dummys waren k reativdirektor bei fic al Rome eine Weiche, die je nach Leistungsfähig-
nur dazu da, um die technische Machbarkeit abzuwä- Sehsucht in Berlin keit des angeschlossenen Rechners eine High-End-,
gen. Entsprechend rough und experimentell sahen Low-End- oder Mobile-Version ausspielt. Und auch
sie aus«, berichtet Mike John Otto. Der erste Prototyp aus dem laufenden Betrieb gewinnt Philipp und
in WebGL verlangte ein hohes Maß an Vorstellungs- Keuntje nach wie vor Erkenntnisse, um die Usabili-
kraft. Von der Begeisterung der ersten Präsentation ty der Seite zu optimieren und Interface-Elemente
war in diesem Moment nicht mehr viel zu spüren. zu verändern.
»Bei Sennheiser fühlte man sich an Computerspiele »Es geht ja nicht darum, ein paar Buttons durch
aus den frühen Neunzigern erinnert«, erzählt Otto. die Gegend zu schieben«, sagt Mike John Otto. »Die-
Solche Durststrecken übersteht man nicht ohne ein se Details sind wichtig, weil sie großen Einfluss auf
solides Vertrauensverhältnis. »Natürlich hätte der die User Journey haben. Wir haben getrackt, wo die
Kunde hier auch sagen können: ›Ich habe ein komi- User die Seite verlassen haben und wo wir optimie-
sches Gefühl, ich weiß nicht, ob wir diesen Weg ge- ren müssen.« Hat sich der Aufwand gelohnt? Bei ei-
Patrick de j ong, Geschäfts-
hen sollten.‹ Man hat uns wahnsinnig vertraut«, so ner Million Usern, einem zufriedenen Kunden und
führer k reation bei
Otto, »und dafür sind wir alle belohnt worden.« Artificial r ome in Berlin
vielfach positiver Resonanz kann man davon aus-
Bis zwei Wochen vor dem Launch währte der gehen. »Aber wenn man mich jetzt fragt, ob wir in
schmerzhafte Work-in-Progress-Charakter des Pro- Zukunft verstärkt WebGL-Projekte aufsetzen«, so
jekts. Natürlich lag es auch an WebGL, denn die Kon- Mike John Otto, »sage ich ganz vorsichtig ›vielleicht‹.
kretisierung der Prototypen bedeutete für Artifi al Wir sind so ziemlich an die Grenzen des Möglichen
Rome viel Aufwand und fortwährende Optimierung: gegangen. Diese Technik ist derzeit nicht vollends
texturieren, Kamerafahrten erstellen und testen, ausgereift – sie verlangt den Grafik arten einiges
Frameraten optimieren, Lasttests fahren et cetera. ab. Es ist spannend, nach Flash jetzt eine native
Parallel begannen Philipp und Keuntje und Artific al Sprache nutzen zu können. Allerdings ist WebGL
Rome mit der Entwicklung des User Interfaces. Auch aktuell noch kein Massenprodukt und wird sicher
dafür galt es einiges zu klären: Wie erschließt sich nicht die ›Waffe‹ für jedes interaktive Storytelling-
dem User der Aufbau? Wie vermittelt man die ver- Format sein.« as
schiedenen Phasen der Kampagne: Teaser und Ent- torsten Sperling,
hüllung des Orpheus? Wie den User führen? Und technical Director bei
WebGL-Projekt »Way to Go«. Über k onzept und
überhaupt: Wie viel grafi ches User Interface kann Artificial r ome in Berlin
e ntwicklung des hinreißenden WebGL-Browser-
man ihm neben dem Erstellen der Klangskulptur games von AAto AA in Montréal lesen Sie in
noch zumuten? PAGe 10.15 ↗  www.page-online.de/Pe PA1510
»Es war eine intensive Findungsphase, keiner von
uns hatte vorher ein solches Projekt umgesetzt«, be- »WebGL: Making-ofs und Workshops«. Mehr
richtet Mike John Otto. In vielen Iterationsschlei- interessante Projekte mit WebGL finden
fen näherten die Teams sich dem Ergebnis. Bis zum Sie in unserem PAGe eDossier zum t hema
letzten Moment. »Ich trat den Weg zum Launch- ↗  www.page-online.de/PDDP1052
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Zielgruppen bieten. In unserem Seminar Profitieren auch Sie von fünf Jahren Swipe, einem der avanciertesten Digital-
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oder Umstieg haben muss. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
070 pa g e 02.16 › pro jekte › Mallory

»Natürlich muss
eine Schrift ihre
eigene Stimme haben.
Genauso wichtig
ist es heute aber, dass
sie auch als Begleiter
neben anderen
Schriften
funktioniert«
Nach der Trennung von Jonathan Hoefler war es lange still um
Tobias Frere-Jones. Jetzt ist er zurück. Mit eigenem Studio und einer neuen Schrift:
Mallory, seiner vielleicht persönlichsten Type
pa g e 02.16 071

Korrekturen macht Tobias


Frere-Jones gerne auf Papier.
Ansonsten gestaltet er direkt
am Rechner. Im Zitat links
haben wir alle acht Stärken
der Mallory verwendet,
in dem auf der nächsten Seite
die Kursiven. Der Fließtext
ist in Mallory Book gesetzt
072 pa g e 02.16 › pro jekte › Mallory

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx inzwischen aber, dass sie auch als Be- Dekaden überdauern. Deshalb müs-
PROJEKT Gestaltung der gleiter, also neben anderen Schriften, sen seine Entwürfe attraktiv und nütz-
Schriftfamilie Mallory funktioniert. Kaum ein Design kommt lich sein. Ein Grund, warum Mallory
DESIGNER Tobias Frere-Jones, New York heute mit einer einzigen Type aus.« nicht nur über ausgefallene Buchsta-
↗  www.frerejones.com Auch früher hat er schon Schriften ben wie ein Versal-ß verfügt, sondern
TOOLS RoboFont (inklusive einiger extra
gestaltet, die gut zusammenpassen, auch verschiedene Sprachen unter-
geschriebener Python-Skripte),
Archer und Surveyor beispielsweise. stützt: Vietnamesisch, einige afrika-
MetricsMachine, Prepolator, Superpolator
und FontLab
Aber noch nie war er mit diesem Ge- nische sowie Sprachen nordamerika-
ZEITRAUM Februar 2014 bis Dezember 2015 danken an einen Entwurf herangegan- nischer Ureinwohner. Kyrillisch, Grie-
gen. »Ich habe die Mallory neben Ga- chisch und sogar Devanagari sollen
ramonds und Caslons gestellt, neben folgen. »Am liebsten hätte ich alles
●»Ich hab mich selbst als eine Art Bodonis und Clarendons und alles auf einmal fertig gemacht, aber es war
Template genommen und mich ge- funktionierte gut.« Woran das liegt, mir wichtiger, die Schrift jetzt erst ein-
fragt, wie eine Schrift aussähe, wenn kann nicht mal er selbst genau festma- mal in die Welt zu bringen.«
sie den gleichen Hintergrund hätte chen. Sind es die geometrischen For- Ein anderes Problem, mit dem der
wie ich«, erzählt Tobias Frere-Jones men oder die Art und Weise, wie die 45-jährige sonst häufig zu kämpfen
und zeigt dabei sein schüchternes Lä- Versalien mal weiter, mal schmaler hat, gab es hier übrigens nicht. »Der
cheln. Zwei Kulturen prägen den in auftreten. Oder ist es die Offenheit schwierigste Part beim Gestalten ei-
New York lebenden Typedesigner: die der Kleinbuchstaben? Irgendetwas ner Schrift ist es, ihr einen Namen zu
britische seiner Mutter und die US- davon oder alles zusammen macht geben.« Zu diesem Satz, den Frere-
amerikanische seines Vaters. In der Mallory so sympathisch und einla- Jones vor vielen Jahren einmal sagte,
Mallory offenbart sich dieser Mix in dend für andere Designs. steht er noch heute. »Bei der Mallory
den geometrischen Formen der Versa- allerdings war es leicht. Da sie ohne-
lien – hier lieferten die Briten Edward Zwei Persönlichkeiten, hin viel von meiner Persönlichkeit hat,
Johnston und Eric Gill Inspiration – und eine Stimme habe ich ihr einfach einen meiner bei-
den organischeren Formen der Klein- Lange hat sich Tobias Frere-Jones da- den Mittelnamen gegeben.« Der prak-
buchstaben, für die der Amerikaner mit gequält, die richtige Stimme für die tische Nebeneffekt: Der Name Mal-
William A. Dwiggins und seine Schrift Schrift zu finden. Mallory ist auf der ei- lory enthält gleich ein paar repräsen-
Metro Pate standen. nen Seite ernst und gediegen, auf der tative Buchstaben wie das große M
Vielleicht liegt es an diesem Zu- anderen Seite dynamisch und freund- oder das kleine a.
sammenführen unterschiedlicher Tra- lich. Diese beiden Persönlichkeiten so
ditionslinien, dass sich Mallory so gut zu vereinen, dass sie sich nicht stören, Varianten mit optischer
mit anderen Fonts verträgt. »Natür- sondern ergänzen, war die größte Hür- Größe
lich muss eine Schrift ihre eigene Stim- de im Gestaltungsprozess. »Es gab Eine Besonderheit bietet die Mallory:
me haben«, ist Tobias Frere-Jones tausend Möglichkeiten, die Buchsta- Neben den sechzehn normalen Schnit-
überzeugt. »Genauso wichtig ist es ben zusammenzusetzen, aber nur eine ten, verfügt sie über fünf Fonts mit op-
einzige hatte genau die Stimme und tischen Größen. Diese Optical Sizes
Persönlichkeit, die ich haben wollte.« sind auf die Anwendung in einer be-
Nachdem diese gefunden war, ging stimmten Schriftgröße abgestimmt,

»Ich hab mich es schnell voran. Ausgehend von der


Book zeichnete Frere-Jones acht Stär-
damit der Text optimal lesbar ist. Die
Mallory MicroPlus, wie Tobias Frere-

gefragt, wie
ken, von Thin bis Ultra, plus die passen- Jones diese Fonts nennt, gibt es in
den Italics. Die große Bandbreite an Light, Book, Medium, Bold und Black.
Fonts war dem Perfektionisten wich- Sie sind optimiert für gedruckten Text

eine Schrift tig, um Mallory für möglichst viele Ein-


satzgebiete fit zu machen. Konzipiert
in 5 Punkt. Im Vergleich zu den norma-
len Mallory-Schnitten haben sie eine

aussehen würde, ist sie fürs Editorial und Corporate De-


sign sowie Werbung. »Bis jetzt gab es
größere x-Höhe sowie verhältnismä-
ßig größere Small Caps und Mediä-

wenn sie
aber bei all meinen Schriften auch im- valziffern. Außerdem ist die Laufweite
mer Überraschungen, Anwendungen, großzügiger angelegt. Die scharfen
an die ich zuerst überhaupt nicht ge- Ecken von A, M, N, V, W, v und w sind

den gleichen dacht hatte. Ich freue mich also schon


jetzt, Mallory vielleicht auch im Pa-
etwas stumpfer, die engen Formen bei
B, E, F, L, P, R und S weiter. Die Öffnun-

Hintergrund ckaging, in Filmtiteln oder auf Web-


seiten zu sehen.«
gen, vor allem bei C, G, a, e, 3 und 5, sind
offener und Satzzeichen wie Punkt

hätte wie ich«


und Komma etwas größer.
Eine Type mit Bestand Und da kleine Printgrößen und Bild-
Tobias Frere-Jones will keine Mode- schirmdarstellungen ähnliche Anfor-
Tobias Frere-Jones, Typedesigner und Gründer schriften schaffen, sondern solche, derungen an Lesbarkeit stellen, ist Mi-
der Foundry Frere-Jones Type, New York die Bestand haben und auch ein paar croPlus auch für Webschriftgrößen
pa g e 02.16 073

von 12 und 13 Pixeln ideal. »Früher wa- An der Gestaltung


ren die analoge und die digitale Welt des a tüftelte Tobias
Frere-Jones lange
zwei getrennte Universen, die nicht
herum, dafür gehört
miteinander reden konnten«, so Frere-
es jetzt zu seinen
Jones. »Heute bewegen sich Designer Lieblingsbuchstaben
selbstverständlich in beiden Welten.
Und so ist es logisch, Schriften zu ge-
stalten, die in beiden Umgebungen
hervorragend funktionieren.«
Natürlich liegen alle Schnitte der
Mallory auch als Web-Fonts vor. Bei
dem dafür notwendigen manuellen
Hinting – nach Frere-Jones’ Bekunden
eine verdammt langweilige Angele-
genheit – bekommt er Unterstützung
aus Deutschland, und zwar von Moni-
ka Bartels’ Fontwerk aus Ahrensfelde
bei Berlin (  www.fontwerk.de  ).

Kein Blick zurück


Vom ersten Entwurf
Rund zwei Jahre ist es her, dass die von bis zur fertigen
vielen als Traumehe bezeichnete Part- Schrift hat sich bei
nerschaft zwischen Jonathan Hoefler den Gemeinen
und Tobias Frere-Jones auseinander- einiges getan: Sie
ging (  www.page-online.de/hft_split  ). verloren an Geo-

Es folgte eine gerichtliche Auseinan- metrie zugunsten


mehr organi-
dersetzung und ein Hickhack um die
scher Formen
Rechte an den Schriften. Das alles hat
Tobias Frere-Jones viel Kraft und Ner-
ven gekostet – von der menschlichen

2489
Enttäuschung abgesehen. Im Herbst
2014 endete der Rechtsstreit mit ei-
Sehr zufrieden ist
nem Vergleich, über dessen Einzelhei- Frere-Jones auch mit
ten Frere-Jones nicht sprechen darf den Zahlen. Sie haben
und vor allem auch nicht will. »Dieser ihren Platz zwischen
Teil meines Lebens ist abgeschlossen, den Versalien und
ich sehe nur noch nach vorne.« den Gemeinen gefun-

Anfang 2015 eröffnete er sein eige- den und arbeiten mit


beiden gut zusammen
nes Studio Frere-Jones Type, unter-
stützt wird er von seiner Frau Christine
Bateup und den beiden Designern Gra-
ham Bradley und Tim Ripper. Seitdem
Die MicroPlus-Fonts
arbeitete er an verschiedenen Kun- sind für sehr kleinen
denprojekten und an der Mallory, der Text, etwa in 5 Punkt,
ersten Retailschrift des jungen Unter- aber auch für Web-
nehmens. »Ich habe 2015 alles neu auf- schriftgrößen von
gesetzt, bei null angefangen. Das war 12 oder 13 Pixeln opti-

viel Arbeit, aber auch eine Chance he- miert. Die x-Höhe
ist größer, das Spa-
rauszufinden, was für Schriften ich
cing großzügiger,
künftig machen will, was in meinen
die Buchstabenfor-
Augen eigentlich eine gute Schrift men offener
ausmacht und so weiter«, grinst er
nicht mehr ganz so schüchtern. »Es ist
großartig, dahin zurückzukehren, wo Links die MicroPlus-
Fonts, rechts die
ich hingehöre.« Finden wir auch! ant Hil ium es evel ipit laciis digni omnimus Hil ium es evel ipit laciis digni omnimus aperita
aperita que vel imporae. Pudaero que vel imporae. Pudaero maiorernatur re nam
normale Mallory,
maiorernatur re nam ene et aborest ene et aborest iatquae volupta turenim jeweils in 5 Punkt.
Kaufen kann man Mallory direkt iatquae volupta turenim excestiore, excestiore, consed ut es dis eum quodi aliquati
consed ut es dis eum quodi aliquati nat qui nat qui conseque voluptatis dipiet fugias pa quis
Erstere brauchen
bei Frere-Jones Type. Die kom- conseque voluptatis dipiet fugias pa quis et laboribus di tem. Beriost lacea nonsere zwar mehr Platz,
plette Familie kostet 500 Dollar. et laboribus di tem. Beriost lacea nonsere comnis corro con cust aut dolorib usandiam
sind aber deutlich
comnis corro con cust aut dolorib
 ↗ www.frerejones.com   usandiam besser lesbar
074 pa g e 02.16 › pro jekte › jo Ho ’s-Microsite

Kaffeefa
»JOHO’s – Folge der Kaffeebohne«: Die Interactive-Storytelling-Microsite
der Grazer Kaffeerösterei J. Hornig entführt den User ins brasilianische
Hochland, stimmungsvoll und mit schönen Vor-Ort-Aufnahmen. Eben was
für Genießer – konzipiert und umgesetzt von wild aus Wien
pa g e 02.16 075

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx nem  traditionsreichen  Veredelungs-


PROJEKT Konzeption, Filmaufnahmen und
pro zess seinen vollen Duft zu entfalten. 
Entwicklung für die Microsite der neuen Mit der Wiener Digitalagentur wild 
Kaffeemarke JOHO’s ↗  http://johos.at war man ohnehin freundschaftlich ver-
KUNDE J. Hornig GmbH, Graz bandelt und die Zusammenarbeit also 
↗  www.jhornig.at schnell abgemachte Sache. »Es war wie 
AGENTUR wild, Wien ↗  http://wild.as ein Geschenk!«, erinnert sich Thomas 
TECHNIK AngularJS, HTML5, InVision,
Lichtblau,  Artdirektor  und  einer  der 
JavaScript, WebGL
ZEITRAUM Mai bis August 2015
vier Partner von wild. »Weil die Vertrau-
ensbasis da war, hatten wir komplett 
freie Hand – von der Konzeption über 
● Mmmh. . . Wenn morgens der Duft  die Wahl der Partner für die Content-
frisch  gebrühten  Kaffees  durch  die  produktion bis zu Design und Umset-
Woh nung wabert, schlurfen auch die  zung.« Lichtblau lacht: »Natürlich woll-
größten Morgenmuffel schnell in die  ten wir zeigen, was möglich ist, wenn 
Küche. Knapp 150 Liter trinken Deut- man uns einfach mal machen lässt.«
sche  pro  Jahr  davon.  Kaffee  ist  das  Nachdem  das  Konzept  der  Reise 
meist konsumierte Getränk und seine  stand,  trat  Lichtblau  in  Kontakt  mit 
Veredelung Kult, nicht nur in Deutsch- Ismael Andrades, dem Kaffeebauern in 
land: Kleiner Brauner, Einspänner, Ka- Minas Gerais im Südosten Brasiliens. 
puziner – Österreichs Caféhäuser be- Auch er war von der Idee begeistert. 
sitzen eine lange Kaffeetradition. Und  Mit te Mai 2015 flog das kleine Team um 
auch  dort  achten  die  Kaffeetrinker  Thomas Lichtblau und Johannes Hor-
nicht nur auf die Güte der Bohne, son- nig zur Kaffeeernte. Bewaffnet mit ei-
dern wünschen sich einen fairen Han- ner DSLR-Kamera, dokumentierte Re-
del für die Kaffeebauern in Übersee. gis seur und Kameramann Roman Kö-
nigshofer die große Fahrt. Zudem hielt 
Neues Produkt, Fotografi   Marion  Lut ten ber ger,  die 
neue Microsite auch schon für das New Yorker Design-
Die Idee, direkten Kontakt zum Kaf- studio  Sagmeister  &  Walsh  gearbei tet 
fee bauern aufzubauen und damit die  hat, Ein drücke von Land und Leuten 
Qua lität des Produkts zu steigern, hat- fest, um zu zeigen, wie die Men schen 
te auch der Kaffeeröster J. Hornig aus  tatsächlich in Brasilien leben. 
Graz. 2014 beschloss das seit 1912 fa-
miliengeführte Unternehmen die neue  Interactive Storytelling aus
Produktlinie JOHO’s zu launchen und  dem Hochland
den hochwertigen, direkt gehandelten  Parallel arbeiteten Technical Director 

hrt
Kaffee über eine neue Microsite zu ver- Thomas  Strobl,  Artdirektor  Matthias 
markten. Die Idee: Die Besucher soll- Mentasti und UI Designer Manuel Ha-
ten auf ihr miterleben, wie der Kaffee  ring  schon  am  Interface  Design  der 
angebaut und verarbeitet wird, wie er  Microsite. Für das Konzept verwende te 
vom brasilianischen Hochland bis nach  wild vor allem Moodboards und hand-
Österreich gelangt, um dort nach ei- gezeichnete Wireframes, und Crea tive 
Technologist Max Hermetter erstellte 
erste interaktive Prototypen in InVision 
Thomas Lichtblau (zweiter von links), (  w ww.invisionapp.com  ). 
Artdirektor und Partner der Wiener Herausgekommen ist eine wunder-
Digitalagentur wild, mit dem JOHO’s- bar gestaltete Interactive-Storytelling-
Projektteam: Manuel Haring (Design), Website mit selbst aus lö senden, bild-
Thomas Ragger (Partner und Technical
schirmfüllenden Videofilme  und ­in-
Director) mit Agenturhund Hendrik
terviews. Hochauflö ende großzügi ge 
Lamar sowie Melissa Graf (Producer),
Thomas Strobl (Partner und Technical
Fil me  und  Fotos  entführen  den  Be-
Director), Max Hermetter (Creative trach ter in die brasilianische Kaffee-
Technologist) und Matthias Mentasti, plantage. Über Slider taucht man ein 
ebenfalls Partner und Artdirektor in die Prozesse der Kaffeebearbei-
076 pa g e 02.16

Ziel der Digitalagentur war


es, dem Besucher der Micro-
site das Ursprungsland des
Kaffees der Marke JOHO’s zu
zeigen. Man soll miterleben
können, wie dieser angebaut
und verarbeitet wird und
welche Reise er vom brasilia-
nischen Hochland bis nach
Graz hinter sich bringt, bis er
sein Aroma entfalten kann
pa g e 02.16 077

Interaktive Reise
tung, wie das Trocknen, erste Ver-
arbei tungs schritte  und  die  Vor-Ort-
Verkos tung. Als kleine Spielerei zeigt 
ein WebGL-Globus den Standort der 
Kaffeeplantage.  Über  eine  interakti­  
ve  Time line  hinter  dem  Hamburger- 
mit AngularJS
Menü kann der User direkt hinein in 
die einzelnen Kapitel der interaktiven  Senior Creative Technologist Thomas Strobl
Story springen. 
Am  wichtigsten  waren  der  Agen ­ 
über die Entwicklung der JOHO‘s-Microsite
tur  schnelle  Ladezeiten,  hochwerti-
ger Con tent sowie schöne und perfor- ● Schon in der Vorbesprechung des  ent wickelten  wir  mit  unseren  Desi-
mante Transitions und Animationen.  JOHO’s-Projekts entschieden wir uns  gnern eine Layoutmechanik aus diver-
»Wir haben alle Features nach dem Kri- für AngularJS als Framework, weil wir  sen Kachelgrößen und Modulen (siehe 
terium ausgewählt, wie man die Mas- bei anderen großen Projekten mit mo- Seite  78).  Das  Scribble  diente  als  Ba­  
se  an  Material  möglichst  spannend  dularer Codestruktur gute Erfahrun- sis, um den Content in das Da ten aus-
und  interaktiv  präsentieren  kann«,  gen gemacht hatten. So schrieben wir  tauschformat  JSON  (  w ww.json.org  ) 
be richtet  Thomas  Lichtblau.  Dabei  auch  beim  JOHO’s-Projekt  für  jedes  zu bringen. Der Vorteil: In AngularJS 
galt es auch Abstriche zu machen, an- interaktive Frontend-Element einzel- kann man ganz reibungslos mit JSON 
sons ten wäre die Website in die Knie  ne  Code-Module.  Unsere  Entwickler  arbeiten, da sich die Daten  struktur un-
gegangen. »Wir haben versucht, dies  kommen alle gut mit Angular zurecht,  mittelbar  in  das  Ap pli ka tions  mo dell 
durch  unser  Explore-Bonus-Chapter  bei Zeitdruck hätten wir also parallel  von Angular übernehmen lässt. Dies 
über  die  Favelas  von  São  Paulo  am   an mehreren Modulen arbeiten kön- liegt an der An gular-Variablen $scope: 
Ende der Seite etwas auszugleichen«,  nen. Doch stellte sich dank der intui- Über sie lassen sich sämtliche dynami-
schmunzelt Lichtblau.  tiven Anwendung der AngularJS-Direc- schen Daten in die HTML-Templates 
tives bald heraus, dass ein Entwickler  der Website integrieren. 
Anti-Langeweile-Tests mit locker reichen würde. Direktiven sind 
Wiener Würstchen gekapselte Code-Module, die nur ih- Layout-Mechanik mit
»Im besten Fall hat der Betrachter das  ren  eigenen  JavaScript­  und  HTML- AngularJS entwickeln
Gefühl, selbst Teil der Reise zu sein«,  Template-Code verwalten.

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fasst Lichtblau das Projektziel zusam- Bei  wild  arbeiten  wir  iterativ.  Für  Auch  unsere  Layout-Engine 
men.  Keinesfalls  aber  sollte  der  im- JOHO’s war der Workflo  in drei Pha- er stellten wir mit AngularJS. 
men se Umfang der Seite Langeweile  sen gegliedert. Zuerst baute ein Ent- Der Vorteil: AngularJS kann je-
erzeugen. Während der Entwicklung  wickler ein komplett funktionales Ge- de  Webseite  einzeln  laden  und  ge ne-
mit HTML5, JavaScript, AngularJS und  rüst der Seite. Danach perfektionier- rie ren. Springt der User also zwischen 
WebGL (siehe Seite 77 f.) testeten die  ten  wir  in  mehreren  Durchläufen  die  verschiedenen Website-Bereichen hin 
Developer  immer  wieder  auf  unter- Inter aktionen, Animationen und Tran- und her, muss diese immer lediglich 
schied lichen  Apple­  und  Windows- sitions gemeinsam mit dem Design- den  aktuell  angeschauten  Inhalt  la­  
Rechnern sowie auf Smartphones und  team. Und in der dritten Phase opti- den – der integrierte AngularJS-Router 
Tablets für iOS und Android. »Die ha- mier ten  wir  noch  einmal  die  Perfor- macht’s möglich. 
ben wir alle nach unseren Lieblings- mance und alle Assets und reduzier ten  Darüber  hinaus  bietet  AngularJS 
würstlständen  in  Wien  benannt,  da- die Ladezeiten auf ein Minimum. den Vorzug, dass es auch in einem fort-
mit wir sie schnell auseinanderhalten  Bei  der  Entwicklung  der  JOHO’s- geschrittenen  Entwicklungssta dium 
können«,  erzählt  Thomas  Lichtblau.  Website waren die größten Herausfor- noch möglich ist, einzelne Seiten um-
Das Testing war ziemlich aufwendig,  derungen, den Content in eine Daten- zubauen und optimieren zu lassen. Wie 
daher will wild ein eigenes Device Lab  struktur zu bringen und diese Daten- erwähnt, arbeitet AngularJS mit Direk-
aufbauen, um Testprozesse, soweit es  struktur  in  ein  modulares  Layout  zu  tiven, die nur den für ihr Modul relevan-
geht, zu automatisieren.  implementieren. Zudem galt es dafür  ten JavaScript-Code und das entspre-
»Es  war  ein  spannendes  Projekt,  einzelne Direktiven zu entwickeln, die  chende HTML-Template enthalten, das 
auch  wenn  wir  lange  an  den  Details  es uns ermöglichten, die Module ent- man  durch  eine  JSON-Datenstruktur 
getüftelt haben«, finde  Thomas Licht- sprechend zu animieren und interak- schnell  und  unkompliziert  befüllen 
blau,  der  sich  selbst  als  Nerd  sieht,  tiv zu gestalten. Hier sind unsere Pro- kann. Das macht Direktiven übersicht-
wenn es um Design und seine perfek- blemlösungen: lich und leicht erweiterbar. Auch Ein-
te Umsetzung geht. »Wir machen un- stellungen wie »Kachelgrößen schnell 
gern  Kompromisse  und  wollen  auf   Content ins JSON- ändern«,  »Bildmaterial  durch  Video-
jedes  unserer  Projekte  stolz  sein«,  Format überführen module tauschen« oder Ähnliches sind 
schließt er und zippt seinen brasilia- auf diese Weise möglich. Wir probier-

1
nischen Espresso, von dem er seit der  Um  die  ungemeinen  Mengen  ten  damit  ganz  einfach  so  lange  he-
Reise nach Brasilien nicht genug be- an Bild­ und Videocontent in ei- rum, bis wir die perfekte Balance ge-
kommen kann.    ae ne  Datenstruktur  zu  bringen,  funden hatten.
078 pa g e 02.16 › pro jekte › jo Ho ’s-Microsite

Dynamische Layout-Mechanik Schnelles Development mit AngularJS und Yeoman


Die Developer mussten lediglich eine limitierte Um sich die Arbeit für das JOHO’s-Projekt zu erleichtern, verwendete
Anzahl von Modulen entwickeln, die an Thomas Strobl den Yeoman-Generator for Gulp Boilerplate ( w   ww.npmjs.
verschiedenen Stellen der Website zum com/package/generator-gulp-boilerplate )  . Das JavaScript-Plug-in
Einsatz kommen und sich nur durch die gulp-browserify ( w
  ww.npmjs.com/package/gulp-browserify )  sorgt zudem
dahinterliegenden Inhalte unterscheiden dafür, dass der Browser die Ansicht bei jedem Speichern aktualisiert

Schneller arbeiten mit fernen, erhält man dank Angular im  des Preloads eine Kategorisierung der 


Direktiven Lifecycle der Direktive auch die Mög- Bandbreite durch. User mit langsa mer 
lichkeit, alle arbeitsspeicherintensiven  Internetverbindung erhalten qualita-

3
Mithilfe  der  $http.get-Funk- JavaScript-Objekte  rechtzeitig  aufzu- tiv  etwas  schlechtere,  aber  schneller 
tion liest AngularJS die JSON- lösen. Wir entwickelten Direktiven für  ladende Bild­ und Video-Assets. Weil 
Datei ein und weist sie durch  Interviews, Slider, Image Viewer, Vi- wir jedoch niemandem  die hochauf-
eine Zuweisung zur $scope-Variable di- deo kacheln, Text, Bildkacheln et cete- lösenden Bilder vorenthalten wollten, 
rekt dem internen Datenmodell zu. In  ra, bis wir die komplette Funktionali- gibt es für jedes Bild auf der Seite eine 
ihm enthält jeder JSON-Node eine type- tät der Seite abgedeckt hatten. Vergrößerungsfunktion, die das Bild 
Eigenschaft (zum Beispiel video, au- Nun konnten wir damit beginnen,  in der besten Qualität anzeigt. 
dio oder gallery), wird innerhalb eines  Anpassungen  vorzunehmen,  Blöcke  Für die Animationen wie beispiels-
switch-Statements in die jeweilige Di- zu verschieben oder aus Bildkacheln  weise den Preloader, die Rollover Sta-
rektive  umgewandelt  und  auf  diese  Videokacheln zu machen, bis wir eine  tes sowie die Transitions und Textani-
Wei se funktional gemacht. Ist die Da- optimale Balance erreicht hatten. Ab  mationen am Anfang eines Kapitels, 
tenstruktur für alle Direktiven einheit- dem Zeitpunkt war es jederzeit mög- verwendeten  wir  die  Animations-Li-
lich, kann man sehr schnell ein Bild  lich, ein weiteres Kapitel, wie beispiels- brary  GreenSock  (  https://greensock.
durch eine Video-URL tauschen, den  weise das Bonus-Chapter am Ende der  com  ), die wir aufgrund der besseren 
type ändern und bekommt über die Di- Website, hinzuzufügen. Nachdem wir  Steuerungsmöglichkeiten gegenüber 
rektive die gesamte Funktionalität un- alle  Direktiven  bereits  geschrieben  CSS-Animationen  immer  vorziehen. 
seres Custom-Videoplayers mit ange- und  das  Datenformat  definie t  hat- GreenSock ermöglicht komplexe und 
hängt. Wir verwendeten einen HTML5- ten, war das eine Arbeit von nicht mal  sehr  performante  Animationen  mit 
Videoplayer, der nicht die Standard-UI- zehn Minuten. sämtlichen DOM-Elementen. Vor al-
Komponenten enthält, sondern Web- lem  bei  SVG-Dateien,  die  wir  bei 
site-Elemente  wie  Progress  Bar  und  Ladezeiten optimieren JOHO’s vermehrt einsetzten, hilft die 
Play-Button in unserem Design und die  Animations-Bibliothek, denn mit den 

4
Untertitel statt im Standard-Font in der  Um eine positive User Expe- in  ihr  enthaltenen  CSS  Transforms 
Neutraface darstellt. rience zu ermöglichen, muss- behebt sie sämtliche Cross-Browser-
Möchte  man  beispielsweise  eine  ten wir die Ladezeiten so kurz  Probleme. Man kann also seiner Krea-
Bil dergalerie einfügen, verwaltet man  wie  möglich  halten.  Angesichts  der  tivität freien Lauf lassen.
den vollständigen JavaScript-Code wie  Da teigrößen  der  zahlreichen  Videos  AngularJS war eine gute Wahl. Die 
Eventhandler,  Animationen  und  un- und  opu lenten  Bilder  war  dies  eine  User müssen zwar etwas mehr Lade-
ter Umständen ein jQuery-Plug-in in- echte Herausforderung. Wir verwen- zeit in Kauf nehmen, aber die Entwick-
nerhalb  der  Direktive.  Hat  man  den  deten für alle grafi chen Elemente ska- lerseite gewinnt durch  die  schnellere 
Code für die Direktive fertig, lädt man  lierbare Vektorgrafi en. SVG-Dateien  Implementierung. Es war nicht ganz 
nur noch ein JSON-Array in AngularJS,  haben eine sehr kurze Ladezeit, erlau- einfach, den umfangreichen Content 
weist es der Direktive zu – und wie ma- ben aber dennoch komplexe Anima- in eine interessante Form zu bringen. 
gisch generiert AngularJS die Bilder- tionen.  Während  des  Videostreams  Durch die Entwicklung einer limitier-
ga lerie.  Will  man  die  Bildergalerie- wer den die Bilder und Videos für die je- ten Anzahl an Modulen, die über die 
Direktive  wieder  aus  dem  DOM  ent- weils nächs te Seite intern vorgeladen.  gesamte  Seite  hinweg  immer  wieder 
Zusätzlich half uns die Transition, zwi- genutzt wer den, aber dank wechseln-
schen den Seiten ein bis zwei Sekun- der Inhalte keine Langeweile erzeugen, 
Thomas Strobl, Senior Creative den Ladezeit zu gewinnen, die für den  haben wir eine Lösung gefunden, mit 
technologist bei wild in Wien, liebt die
User kaum spürbar sind.  der wir und hoffentlich auch alle Besu-
e ntwicklung mit angularj S, weil
es so schnell geht und er im Nu wieder
Um auch Benutzern mit langsamer  cher  der  JOHO’s-Site  glücklich  sind. 
Zeit für einen frischen k affee hat. Verbindung  den  Spaß  an  der  Seite  Wir wünschen Ihnen einen spannen-
↗  http://thomas-strobl.com nicht zu nehmen, führen wir während  den Brasilien-Trip! Thomas Strobl (ae)
2015 to go
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2013 …


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080 pa g e 02.16 › pro jekte

Nachwuchs
Spannende Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

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Bei diesem Kata-


log muss der
Betrachter selbst
Hand anlegen
pa g e 02.16 081

» Staatlich anerkannte, mehrfach ausgezeichnete


Aufstiegsqualifizierung beim Marktführer
Kunstvolles » 18 Monate berufsbegleitend

Stickeralbum www.medienfachwirt.com

● Hochschule für bildende Künste


Hamburg. Bereits zum achten Mal
zeichneten der Spezialversicherer His- Sie sind Journalist?
cox und die HFBK Hamburg im No-
vember 2015 Kunststudenten mit dem Profi tieren Sie von
hervorragendem Service,
Hiscox Kunstpreis (http://is.gd/HFBK_ Fachinformationen,
Preis) aus. Zur begleitenden Gruppen- Machten die Not qualifizierter Beratung,
ausstellung im Kunsthaus Hamburg zur Tugend: Leon Presseausweis,
gestalteten Edward Greiner und Leon Lechner (links) und wirksamem Engagement,
Edward Greiner Medienversorgung und
Lechner, beide Studenten aus der Gra- zahlreichen weiteren
fik-Klasse, einen Katalog zum Selber- Leistungen.
kleben. Damit meisterten sie die Her- Die Journalistenverbände
informieren Sie gerne:
ausforderung, einen Katalog zur Er-
öffnung der Schau zu produzieren, der Journalistenzentrum info@journalistenverbaende.de
Bilder aus eben dieser beinhaltet, ob- Deutschland Tel. 040 / 8 99 77 99 www.journalistenverbaende.de
wohl deren Aufbau erst einen Tag vor
Eröffnung stattfand.
Einfarbig schwarze Abbildungen
und Texte zeigen Umfeld und Historie
der jeweiligen künstlerischen Arbeit,
die Vita und weitere Werke des Künst-
Studenten aufgepasst!
lers. Auf den farbigen Aufklebern, die
Für euch gibt’s 6 cm
Fotos: Edward Greiner (Katalog), Max Prediger (Porträt)

es zum Buch dazugibt, sind die Arbei-


ten in der Ausstellung zu sehen. Die-
ser Umgang mit Information sowie die
umsonst!
Verarbeitung beziehen sich auf die klas-
sische Kataloggestaltung, wie sie bis
in die 1980er Jahre praktiziert wurde.
Typografie und Layout brechen wiede-
rum damit und interpretieren gestal-
terische Konventionen neu. Den Be-
trachter zwingt diese Darstellung auf
nette Art, sich eingehender mit den
Namen der Künstler und ihren Wer-
ken zu beschäftigen.

Unser PAGE eDossier »Design-


studium« mit t ipps zu ei gnungs-
prüfung und Bewerbungsmappe
gibt es zum Download unter 
↗ www.page-online.de/pDDp1021  

Diplomarbeiten, Abschluss-
projekte & Werkschauen. Mehr PAGE zum Studententarif gibt’s unter
zum Nachwuchs auf  ↗ www. www.page-online.de/shp/studenten-abo
page-online.de/werkschauen  
und  ↗ www.page-online.de/
aus-den-hochschulen  
082 pa g e 02.16 › pro jekte

Datenhungrig
● HAW Hamburg. Theoretisch wis- Informationen bevölkern das Spiel-
sen alle, dass wir »kostenlose« Services feld. Neben den Datenbits befinden
im Internet mit unseren Daten bezah- sich darauf auch weiße Energiebits,
len. Aber wie fühlt es sich an, wenn die- die es aufzusammeln gilt, damit man
ser Vorgang – auf spielerische Weise – überhaupt auf dem Feld bleiben kann.
räumlich erfahrbar wird? Dieses Erleb- Erschwerend kommen Mauern hinzu,
nis ist das Ziel von »Manege«, einer die ihre Länge verändern und somit
Mischung aus Game und Installation, dafür sorgen, dass permanent Bewe-
ent wickelt von Dominik Krebs und gung herrscht.
Kris Lüdemann, Masterstudenten im Zur Technik: Das Spielfeld befinde
Studiengang Kommunikationsdesign sich auf einem Projektionstisch, der
mit Schwerpunkt Interaction Design mit Rechner, iBeacon zur Standortbe-
( http://is.gd/HH_design ). stimmung der Smartphones und ei-
Bei ihrer interaktiven Installation nem Kurzdistanzbeamer ausgestattet
wird das Smartphone zum Game-Con- ist. Smartphone und Tisch kommu-
troller. Auf eine freie Ecke des Spiel- nizieren über die eigens entwickelte
felds gelegt, verbindet es sich mit dem Manege-App und WebSocket (www.
Projektionstisch, sodass sich die Spiel- manegeapp.com ). Für die Visualisie-
figur aufs Feld »wischen« und dort rung auf der gläsernen Tischfläche
steuern lässt. Mit einem Klick aufs Dis- nutzten die beiden Studierenden die
play beschleunigt der Spieler seine Game-Engine Unity und Processing.
Figur, lässt dafür aber jedes Mal ein Dominik Krebs und Kris Lüdemann
Datenbit zurück. Dieses enthält kleine arbeiten seit Ende 2014 an dem Pro-
Datensätze aus Facebook – mit dem jekt, das die Grundlage ihrer Master-
Dominik Krebs (links) und Kris Lüdemann mit ihrem
man sich zuvor verbinden muss –, zum arbeit bildet. Demnächst stehen die
»Manege«-Tisch. Unten: Ziel des Spiels ist es, Datenbits Beispiel »Spieler X hat 345 Freunde auf Verbesserung der User Experience so-
der anderen Spieler aufzudecken und Energiesteine Facebook«. Je sorgloser die Spielenden wie der Ausbau der spielerischen Kom-
zu sammeln. Das Smartphone dient als Game-Controller mit ihren Daten umgehen, desto mehr ponente an.

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Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.


Eine Stunde in den Kopf eines anderen Kommunikations-
designers schlüpfen: Das ermöglicht der Podcast form-
funk (http://formfunk-podcast.de). Matthias Gieselmann
interviewt mal mehr, mal weniger bekannte Gestalter aus
allen möglichen Disziplinen und spricht mit ihnen über
ihre Arbeit, ihre Haltung und ihr Leben. Mit dabei sind
etwa Frank Berzbach, Autor von »Die Kunst, ein kreatives
Leben zu führen«, Julia Kahl von Slanted Publishers oder
Erik Spiekermann. Die Unterhaltungen sind kurzweilig,
persönlich und immer bereichernd. Formfunk entstand
Bei der tollen formfunk-Website
im Rahmen von Matthias Gieselmanns Diplomarbeit im
ist es fast zu schade, Matthias Studiengang Kommunikationsdesign, die er Anfang 2016
Gieselmanns Podcast über iTunes
oder eine App zu hören! Der abschließen wird. Zu den zehn bestehenden Folgen, die
Macher selbst hält sich allerdings
lieber bedeckt
weiterhin zu hören sind, kommen deshalb erst mal keine
neuen dazu. Sollte sich ein Investor finden, macht Gie-
selmann aber gern weiter! nik
Jetzt staatliche Zuschüsse sichern!
• Zertifizierter Bildungsträger nach ISO 9001:2008
• Arbeitsförderung durch die Agentur für Arbeit (AZAV)

Professionelle Online-Weiterbildungen
Grafikdesign (staatl. zugel.) / Webdesign (staatl. zugel.) / 3D-Design (staatl. zugel.) / Grafiksoftware (staatl. zugel.)
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084 pa g e 02.16

Werkzeug

Cascading
Style Stories
Am Beispiel CSS zeigt sich einmal mehr, wie überholt das Silodenken im Web-
design heute ist. Eigentlich hatten wir Experten aus den verschiedenen Sparten
nach typischen Stolpersteinen bei der Entwicklung mit CSS gefragt. Heraus-
kamen nicht nur nützliche Tipps und Tricks, sondern auch ein Appell an klassische
Designer, sich mit der Materie zu befassen. Gerne auch aktiv am eigenen Dummy,
um wirklich zu erfahren, was Web- und Mobile-Developer umtreibt. Also keine
Angst vor CSS! Schauen Sie doch mal, womit sich Ihre Kollegen rumschlagen!
pa g e 02.16 085

Mit Fingerübungen zum eigenen Shop


Für Gestalter ist CSS ein vorzügliches Werkzeug, um zu lernen,
wie Entwickler denken und arbeiten. Philipp York Martin,
freier Artdirektor in Hamburg und Berlin, wagte sich an die
Materie und bastelte einen eigenen Onlineshop

Philipp York Martin ist ● Vorurteile, wenig Kommunikation und mangeln- Width=device-width bewirkt dabei, dass der Viewport,
freiberuflicher Artdirektor des Verständnis erschweren die Zusammenarbeit also der sichtbare Bereich im Browser, die Breite des
in Hamburg und von Gestaltern und Developern. Als Designer soll- betreffenden Geräts annimmt, und initial-scale=1 ge-
Berlin und Mitgründer
te man ruhig auch mal ein Frontend entwickeln, um währleistet, dass Ihr Layout im Maßstab 1:1 korrekt
des Onlineshops für
danach ef zienter fürs Web zu gestalten. Ich habe mir dargestellt wird. Ein Thema, mit dem sich auch Ge-
nachhaltige Produkte
Heute ist Morgen (  http:// dafür ein WordPress-Theme und das E-Commerce- stalter auseinandersetzen können, um ein besseres
heuteistmorgen.de  ). Toolkit WooCommerce (www.woothemes.com/woo Verständnis für Medienabfragen zu entwickeln.
↗  http://yorkmartin.de commerce ) vorgenommen, um meinen Onlineshop
(http://heuteistmorgen.de) zu entwickeln – und eine Schluss mit der Pixeldenke!
Menge dabei gelernt: Schon indem man die tech- Auch der Abschied vom starren Denken in Pixeln fällt
nischen Rahmenbedingungen wie HTML-Struktu- Designern oft schwer. Bei der CSS-Umsetzung kann
ren, die vom Backend (wie WordPress) vorgegeben das zum Problem werden. Vor allem bei Responsive
sind, oder ein bestimmtes Raster respektive Grid, Designs sind Größenangaben in Prozent sowie die
akzeptiert, kann man viel Frust bei der Umsetzung Maßeinheiten em und rem die bessere Alternative
vermeiden. Hier sind noch ein paar Tipps aus meiner zu Pixelangaben – man muss sie nur verstehen, und
Abenteuerreise mit »Heute ist Morgen«: das geht am einfachsten mit einem Beispiel:

Media Queries richtig einsetzen HTML


<div class="parent">
Wenn man sich wie ich wundert, warum das flexible
<div class="child1"></div>
Layout und die Media Queries nicht so richtig wol-
<div class="child2"></div>
len (siehe die Smartphone-Screens unten), dann
</div>
kann es am fehlenden Viewport-Meta-Tag im Head
der HTML-Datei liegen:
CSS
<meta name="viewport" content="width=device-width, html{font-size:100%;}
initial-scale=1">. .parent{font-size:50%;}
.child1{width:10em; height:10em;}
.child2{width:10rem; height:10rem;}

Child1 wird nur halb so groß dargestellt wie child2,


weil rem sich am Wert des Root-Elements (HTML)
orientiert und em am übergeordneten Element (in
diesem Fall .parent). Ändert man die Prozentwerte,
ändert sich alles proportional mit.
Zur Orientierung kann man auch in Pixel umrech-
nen: Bei font-size:100%; entspricht ein em beziehungs-
weise rem standardmäßig 16px. Mit der Kalkulation
von em und rem können Sie sich zum Beispiel auf
der Website des neuseeländischen Elmastudios ver-
traut machen (http://is.gd/elmacss ).

Verständnis produziert
bessere Resultate
Beschäftigt man sich als Designer mit den Mechanis-
men der Webtechnologien, wird man sie irgend-
Wenn fexible Layouts und Media Queries nicht
so richtig wollen, kann es am fehlenden Viewport-
wann automatisch berücksichtigen. Um neues Den-
Meta-Tag im Head der HTML-Datei liegen, der ken zu ermöglichen, müssen Gestalter und Entwick-
dafür sorgt, dass der sichtbare Bereich im Browser ler sich für die Bereiche des anderen öffnen. Einfach
die Breite des betreffenden g eräts annimmt mal ausprorobieren! Philipp York Martin (ae)
086 pa g e 02.16 › werkzeug › CSS-Tipps

Ordnung schaffen mit CSS-Specifities


CSS-Projekte entwickelt man in vielen separaten
Dateien. Sven Wolfermann erklärt, wie man mit der
Spezifität Ordnung in die CSS-Anweisungen und
-Deklarationen sowie deren Vererbungsregeln bringt

Sven Wolfermann ist freier ● Wie der Name Cascading Style Sheets schon ver- ablaufenden, CSS-immanenten Prozess, der den fol-
Webdeveloper in Berlin
rät, ist die Kaskade ein essenzieller Bestandteil von genden Bestimmungen folgt:
mit Fokus auf moderner
CSS. Allerdings ist das Kaskadieren eine Eigenart von A steht für style-Attribute direkt im HTML-Quelltext.
Frontend-e ntwicklung
und macht lieber Flexbox
CSS, die Anwender oft verwirrt. Wann eine Anwei- B bezeichnet alle id-Selektoren (auch Fragment
als zoom: 1 sung oder Deklaration angewandt wird und wann Identifier genannt).
↗  www.maddesigns.de ein anderer Stil zum Einsatz kommt, ist ein definie - C ist der Buchstabe für Attribut- oder Klassen-
ter Prozess. Einmal aufgestellte CSS-Anweisungen selektoren oder Pseudoklassen (wie :hover).
und -Deklarationen können über mehrere Stylesheets D steht für Elementselektoren oder Pseudo-
einer Website hinweg vererbt werden. elemente (wie ::before).
Die CSS-Anweisungen, die für ein Element gelten, Jeder Selektor erhält zur Gewichtung einen Punkt,
können aus verschiedenen Ressourcen stammen. wie bei einer Strichliste. Der Browser crawlt durch den
Der CSS-Wasserfall legt dann genau fest, welche An- gesamten CSS-Code der Website. Das folgende Lis-
weisungen für die Darstellung des Elements wirksam ting zeigt die Spezifität und damit die intern ablau-
werden. Die Priorisierung ist nach der folgenden fende Priorisierung der Darstellungsweise.
Rangfolge geordnet:
1. User-Stylesheets mit !important-Anweisung * /* A=0, B=0, C=0, D=0, Spezifität 0 0 0 0 */
2. Autoren-Stylesheets oder Website-Stylesheets p /* A=0, B=0, C=0, D=1, Spezifität 0 0 0 1 */
mit !important-Anweisung ul li /* A=0, B=0, C=0, D=2, Spezifität 0 0 0 2 */
3. User-Stylesheets ohne !important-Anweisung a::before /* A=0, B=0, C=0, D=2, Spezifität 0 0 0 2 */

4. Autoren-Stylesheets oder Website-Stylesheets .class /* A=0, B=0, C=1, D=0, Spezifität 0 0 1 0 */

ohne !important-Anweisung p:first-child /* A=0, B=0, C=1, D=1, Spezifität 0 0 1 1 */

5. Browser-Stylesheets ul.nav [title] /* A=0, B=0, C=2, D=1, Spezifität 0 0 2 1 */

Allerdings beginnen mit den Browser-Stylesheets #header /* A=0, B=1, C=0, D=0, Spezifität 0 1 0 0 */

bereits die Schwierigkeiten: Jeder Browser hat seine #footer p /* A=0, B=1, C=0, D=1, Spezifität 0 1 0 1 */

eigenen Default-Angaben für Schriftfamilien, -grö- style="" /* A=1, B=0, C=0, D=0, Spezifität 1 0 0 0 */

ßen und -farben, aber auch für die Abstände der


Webseiten-Elemente untereinander et cetera. Ob- Die Zähler der Spezifität sind voneinander unabhän-
wohl die Darstellungsstandards der Browser heute gig, das heißt, ein hoher Wert des Zählers D wirkt
recht einheitlich sind, binden eine Menge Webdesi- sich beispielsweise nicht auf die Relevanz von Zäh-
gner immer noch sogenannte Reset-Stylesheets in ler C aus. Eine Spezifität von 0–0–0–15 wäre also nie-
ihre Websites ein, um die browserspezifi chen Aus- driger als eine Spezifität von 0–0–1–5.
gangswerte auf Null zu setzen. Das ist nicht immer
hilfreich. Empfehlenswert ist eher die Verwendung Eine niedrige Spezifität schützt
der Reset-Alternative »normalize.css«, die die Unter- vor CSS-Problemen
schiede der Browser-Defaults fast gänzlich aufh bt
( http://necolas.github.io/normalize.css ). Auch wenn der Browser automatisch durchzählt,
sollte man die Spezifität seines CSS-Codes stets so
Specifity: Browser entscheiden niedrig wie möglich halten, um den Code wartbar zu
mittels Punktesystem halten. Muss man gestalterische Änderungen an ei-
nem Projekt vornehmen und im Vorfeld hat der Ent-
Der Faktor, mit dem der Browser ermittelt, welche wickler zu spezifi ch gestylt, lassen sich Änderun-
Anweisung er bei mehrfacher Zuweisung von Stilen gen nur schwer durchführen, ohne die Spezifität zu
letztlich umsetzt, heißt im CSS-Jargon Spezifität. erhöhen – was so weit gehen kann, dass nur noch
Und so geht’s: In CSS erhält jede Deklaration eine die Anweisung !important hilft, und das sollte absolut
interne Zahlenreihe bestehend aus vier Ziffern. Sie nicht das Ziel sein. Grundregel ist immer, die Spe-
bildet die Gewichtung der Regeln ab, die bei der Kas- zifität so niedrig wie möglich zu halten! Also etwa
kadierung berücksichtigt werden sollen. Möglich id-Selektoren vermeiden! Und Achtung: Bei Anwei-
machen dies die Selektortypen A, B, C und D, über die sungen mit gleicher Spezifität innerhalb eines Style-
CSS die Gewichtung der darzustellenden Inhalte sheets verwendet CSS immer die zuletzt auftreten-
ordnet. Dabei handelt es sich um einen automatisch de Anweisung. Sven Wolfermann (ae)
pa g e 02.16 087

CSS3 mit Modernizr aufpeppen


Um alle Browser – auch die älteren – fit zu machen für korrekte
CSS-Interpretationen, nutzt Annika Brinkmann das Java-
Script-Toolkit Modernizr. Den Workflow erklärt Sie am Beispiel
einer App-Webansicht mit diversen Screengrößen

Annika Brinkmann, Mobile ● CSS hat einen Nachteil: Es wird pausenlos weiter-
Screen Designer und
entwickelt. Darum interpretieren sämtliche Browser
Trainerin in Berlin, ist über-
es ein bisschen anders. Zum Glück ignorieren sie
zeugt, dass immer die
scheinbar einfachsten Din-
Anweisungen, die sie nicht verstehen. Es gibt aller-
ge am schwersten zu dings auch den Fall, dass Anweisungen nur teilwei-
realisieren sind. Ihr Credo: se korrekt interpretiert werden. Ich zeige Ihnen, wie
»Lassen wir uns die Sie mithilfe des Skripts Modernizr ( https://moder
g renzen der g estaltung nizr.com ) und der darin enthaltenen CSS Feature
nicht von den g renzen der Detection erreichen, dass viele Browser die Inhalte
Technik diktieren!«
korrekt darstellen. Im folgenden Beispiel werde ich
↗  www.mobile-
knowledge.de
einen mit einem Border-Image erzeugten iPhone-
Rahmen für die bildliche Präsentation einer mobi-
len Website entwickeln, ähnlich wie auf meiner
Website www.mobile-knowledge.de – natürlich be-
rücksichtige ich dabei die unterschiedlichen Grö-
ßen der Devices.
So sieht die iPhone-Präsentation aus, wenn die

Smartphone-Form mit Image-Border funktioniert und korrekt eingestellt


ist (oben). Ausgangsbasis ist eine Vektorgrafik,
Border-Image erstellen deren r ahmenkanten später je nach Screengröße

1
in die Höhe gestreckt werden (unten)
Die Webtechnologie CSS hat zahlreiche Dar-
stellungstechniken in die Webwelt geholt. Ne-
ben Farbverläufen und abgerundeten Ecken
ist vor allem die Technik des Border-Image zu nen-
nen. Diese funktioniert ähnlich wie ein Bilderrah-
mensystem, bei dem die Ecken feststehen, die Sei-
tenhöhe sich jedoch der Screenhöhe anpasst. Dazu
besteht bei Border-Images die Möglichkeit, festzu-
legen, ob das Muster der Rahmenkanten wiederholt
(repeat), dabei an den verfügbaren Platz angepasst
(repeat round) oder skaliert (repeat stretch) wird. Ziel 1

des Beispiels ist es, den Screenshot einer beliebi-


gen mobilen Webseite in unterschiedlich hohen
iPhone-Screens darzustellen. von den Browsern Chrome, Opera und Chrome für
Für den iPhone-Rahmen habe ich eine Vektorgra- Android richtig interpretiert werden. Die Syntax im
fik erstellt, deren Darstellungsgröße zu 100 Prozent CSS-Dokument ist zunächst einfach:
dem Original entsprecht 1 . Für die horizontalen
Rahmenkanten des iPhone-Bildes gibt es einen -moz-border-image-source: url(zusatz/border-image.png);
-webkit-border-image-source: url(zusatz/border-image.png);
schmalen Bereich, der später in die richtige Höhe
-o-border-image-source: url(zusatz/border-image.png);
gestreckt wird. Weil wir den mittleren Bereich des
border-image-source: url(zusatz/border-image.png);
Bildes nicht nutzen, ist es egal, ob er gefüllt ist oder
ausgespart wird. Die roten Linien zeigen an, wo CSS
das Bild in die einzelnen Bereiche unterteilen soll. Die Präfi e -moz-, -webkit- und -o- stellen sicher, dass
auch ältere Browser, die Border-Images schon zu Zei-
SVG- und PNG-Dateien richtig ten unterstützten, als die dazugehörige Syntax noch
zuordnen nicht of ziell veröffentlicht war, das Border-Image
anzeigen können. -moz- spricht den Mozilla-Brow-

2
Die Vektorgrafik des iPhone-Rahmens spei- ser Firefox an, -webkit- verschiedene Browser, die
chere ich als PNG-Datei für »normal« auf- die WebKit-Engine als Grundlage haben, und -o- ist
lösende Bildschirme, da SVG-Dateien nur das Präfix von Opera.
088 pa g e 02.16 › werkzeug › CSS-Tipps

Mithilfe der Website http://caniuse.com habe ich


die CSS-Eigenschaft text-emphasis styling gefunden.
Sie wird nur von jenen Browsern interpretiert, die
SVG-Dateien in Border-Images unterstützen: Safari/
iOS Safari, Chrome und Opera (ohne Opera Mini).
Die Notes zu dem Eintrag haben mir außerdem ver-
raten, welchen CSS-Code die jeweiligen Browser in-
terpretieren. Diesen habe ich als Grundlage für eine
CSS Feature Detection verwendet:

@supports (-webkit-text-emphasis-position: over) {


.border-image {
border-image-source: url(zusatz/border-image.svg);
-webkit-border-image-source: url(zusatz/
2 3 border-image.svg);
-o-border-image-source: url(zusatz/border-image.svg);
}
}
Damit die Browser erfahren, wo die einzelnen
Bereiche der Grafik voneinander getrennt werden
sollen, werden diese in Pixelwerten, jedoch ohne Da auch Safari das SVG-File nicht korrekt anzeigt 3 ,
Maßangaben vom jeweiligen Rand aus notiert. So- habe ich die Anweisung für die Klasse .image-border
bald Sie versuchen, an dieser Stelle eine Maßein- mit einer eigenen WebKit-Syntax überschrieben. Um
heit wie zum Beispiel em zu setzen, interpretieren zu verhindern, dass Chrome diese ebenfalls liest und
die Browser diese Angabe nicht mehr und stellen falsch interpretiert, verpackte ich sie in eine Feature
die Grafik falsch dar. Detection, die in Verbindung mit dem -webkit-Präfix
nur Safari kennt: CSS-Eigenschaft Regions. Sie ist die
border-image-slice: 75 25 80 25; Bezeichnung dafür, dass Text in verschiedene Text-
rahmen fli ßt, ähnlich wie in Adobe InDesign.
Um zu verhindern, dass hochauflö ende Displays
das Border-Image verpixelt darstellen, verwende ich @supports (-webkit-flow-into: my-flow) {
für sie eine SVG-Datei. Allerdings stellen Internet .borderimage .image-border {
Explorer, Edge, Firefox und Safari SVG-Dateien im border-image-source: -webkit-image-set(url(zusatz/
border-image.png) 1x, url(zusatz/border-image@2x.png) 2x);
Border-Image nicht richtig dar, obwohl sie grund-
}
sätzlich sowohl SVG-Dateien als auch Border-Ima-
}
ges unterstützen 2 . Die üblichen Methoden, also
mit Modernizr oder der CSS Feature Detection ab-
zufragen, ob ein Browser SVG und Border-Images Der Vorteil dieser Syntax: Man kann ein hochauf-
unterstützt, greifen an dieser speziellen Stelle nicht. lösendes Bild für Retina-Displays korrekt im Safari-
Ich musste also ein wenig tricksen, um sicherzustel- Browser hinterlegen. In anderen Browsern, die SVG-
len, dass die betreffenden Browser den Link auf das Dateien nicht unterstützen, ist leider keine hoch-
PNG, das sie interpretieren können, nicht mit dem auflö ende Darstellung möglich. Es hilft auch nicht,
Link auf das SVG, das sie nicht oder falsch verarbei- wenn man die Werte der border-image-width halbiert –
ten würden, überschreiben. ein Vorschlag, den man hier und da im Web finde .
Diese Angabe wirkt sich lediglich auf den Firefox-
4 Browser aus, der sie benötigt, um das Border-Image
überhaupt anzeigen zu können:

border-image-width: 75px 25px 80px 25px;

Fallback einrichten:
Border-Radius

3
Bei unserem Motiv – einem Smartphone
mit abgerundeten Ecken – können wir eine
unterschiedliche Rahmenstärke mit abge-
rundeten Ecken anzeigen lassen, wenn der Browser
das Border-Image nicht unterstützt. Damit diese
Darstellung auch dann greift, wenn der Browser
Modernizr nicht ausführt, setzen wir CSS für diesen
Fall als Default an den Anfang des Dokuments:
pa g e 02.16 089

.image-border {
Typische CSS-Fehler
border-image-source: none; ● e in fehlendes Semikolon oder eine falsche Maßeinheit. Man meint, alles
border-top: solid 75px #000; richtig gemacht zu haben, und dann setzt CSS die Angaben nicht um.
border-right: solid 25px #000; Friedhelm Senck, Webdesigner aus Ludwigshafen, listet typische Fehler,
border-bottom: solid 80px #000; die garantiert schon jedem Webdesigner unterlaufen sind.
border-left: solid 25px #000;
padding: 0px;
-webkit-border-radius: 30px; 1 Farbwerte werden nicht angezeigt
Stolperstein: Die Schriftfarbe wurde mit einem bestimmten
Farbwert wie color: ff0000; definiert, und dennoch bleibt sie schwarz statt
-moz-border-radius: 30px;
-o-border-radius: 30px; rot. Abhilfe: e s fehlt die erforderliche r aute. r ichtig wäre color: #ff0000;.

2
border-radius: 30px; Einzelne CSS-Angaben werden nicht angezeigt
} Stolperstein: Trotz Definition werden CSS-Angaben wie Schrift- und
.borderimage .image-border { Hintergrundfarbe nicht umgesetzt. Abhilfe: Neben dem Farbwert für
border-top: none; color: #ff0000 fehlt das Semikolon, das Sie nach jeder CSS-Angabe setzen
border-right: none; müssen. Lediglich beim jeweils letzten e lement darf es fehlen. Auch der
border-bottom: none; Doppelpunkt hinter dem Farbwert background-color: #d8d8d8: ist falsch.
border-left: none; Stattdessen muss ein Semikolon dorthin. Also background-color: #d8d8d8;
border-radius: none;
border-image-slice: 75 25 80 25; Falsch Richtig
border-image-width: 75px 25px 80px 25px; #content { #content {
box-sizing: content-box; color: #ff0000 color: #ff0000;
padding: 75px 20px 80px 22px; background-color: #d8d8d8: background-color: #d8d8d8;
} font-size: 1em; font-size: 1em;
} }

Ältere Geräte zeigen den Border-Radius leider nicht


an. Stattdessen stellen sie die Ecken rechtwinklig
dar. Dafür müssen wir jedoch keinen weiteren Code 3 CSS setzt Schriftgrößen, Breiten- und Höhenangaben nicht um
In diesem Fall fehlt meist die Angabe der Maßeinheit.
anlegen, das können wir der geräteeigenen Degra-
dation überlassen. Falsch Richtig
Nun funktioniert das Image-Border und wird kor- #content { #content {
rekt dargestellt, nämlich mit abgerundeten Ecken width: 300; width: 300px;
ohne Mikrofon und Home-Button (siehe die beiden height: 150; height: 150px;
iPhone-Rahmen auf Seite 87). Wichtig ist, den Kun- font-size: 1; font-size: 1em;
den darüber zu informieren, dass die abgerundeten } }
Ecken auf einigen Geräten doch rechtwinklig dar-
gestellt werden könnten 4 .
4 Trotz Maßeinheit zeigt CSS Größenangaben nicht an
Manchmal liegt es nur an Flüchtigkeitsfehlern. z wischen dem Wert

Grenzen von Modernizr und und der e inheit darf kein Leerzeichen stehen.

Feature Detection akzeptieren


Falsch Richtig

4
Es ist mir nicht gelungen, eine Border um font-size: 3 em; font-size: 3em;
die Bilder im Opera Mini darstellen zu las-
sen, ohne dass plötzlich auf anderen Brow-
sern ein Abstand zwischen dem Border-Image und
dem Hintergrundbild sichtbar wurde. Um hier wei-
5 Linkformatierungen werden nicht korrekt angezeigt
Der CSS-Standard erfordert die e inhaltung einer bestimmten
r eihenfolge bei der Linkformatierung. Diese kann man sich mit der
terzukommen, hätte der Opera Mini CSS Feature
e selsbrücke Love hates merken. Die rot markierten Buchstaben geben die
Queries aka CSS Feature Detection unterstützen müs-
r eihenfolge vor: link, visited, hover, active.
sen (siehe Can I use, http://is.gd/caniusefeatureque
ries ). Außerdem wäre es hilfreich, wenn Modernizr
Falsch Richtig
eine einfache Abfrage nach der Unterstützung von
a:link {color: red;} a:link {color: red;}
border anbieten würde. In dem Fall hätte ich mir so
a:hover {color: green;} a:visited {color: magenta;}
helfen können, dass ich die Höhe und Breite meines
a:visited {color: magenta;} a:hover {color: green;}
Containers erweitert hätte und das Bild über back-
a:active {color: yellow;} a:active {color: yellow;}
ground-position: middle center; neu ausgerichtet hätte.
Selbst eine User-Agent-Erkennung hat an dieser
Stelle nicht weitergeholfen. Entsprechend wird der Weitere nützliche Tipps rund um CSS verrät Friedhelm Senck auf seiner
Opera Mini nun einfach die Screenshots in den ver- Website  www.ohne-css.gehts-gar.net . Auch CSS-e xperte e ric A. Meyer
schiedenen Höhen darstellen, jedoch komplett oh- ( h
  ttp://meyerweb.com/eric/css )  hat viele Tipps & Tricks auf Lager.
ne Rand. Annika Brinkmann (ae)
090 pa g e 02.16 › werkzeug › Video-Live-Streaming

Dream &
Stream Live-Streaming-Apps wie Snapshat oder Periscope eröffnen
neue Wege für authentische Social-Media-Kampagnen.
Wir zeigen, wie dies funktioniert, und stellen die Tools vor
pa g e 02.16 091

● Ohne Echtzeit hat’s nicht stattge- nur für einen Tag abrufbar oder wer- Turkish Airlines streamte mittels Periscope
funden: Seit die Upload-Bandbreite ins den erst gar nicht aufgezeichnet. als erste Fluggesellschaft live aus dem Flieger
Internet für mobile Devices gestiegen Dass man mit diesen Apps auch ori- und produzierte so gebrandeten Content.
Linke Seite: In der Snapchat-Kampagne für den
ist, werden Apps, die das Live-Strea- ginelle Social-Media-Kampagnen star-
Actionfilm »Maze Runner 2« führten User
men vom Smartphone erlauben, im- ten kann, bewiesen in den letzten Mo- zwei Darsteller durch einen Irrgarten – eine
mer populärer. Dabei war Lifecasting naten gleich diverse Marken. Mit den der Challenges: Schutzwesten malen
oder Lifelogging, also das Streamen Streaming-Projekten lässt sich mehr
des eigenen Lebens ins Web, in der In- Reichweite und eine hohe Nutzerbetei-
ternet-Community bereits früh ganz ligung erzielen, zudem dienen In-App- Überraschungsauftritte so berühmter
schön populär. Von 1996 bis etwa 2003 Käufe und integrierte Werbespots den Models wie Cara Delevingne oder Na-
besuchten Millionen User täglich die App-Anbietern als Erlösmodelle. So omi Campbell inklusive.
Website JenniCam, auf der die Ameri- veranstaltete US-Agentur VaynerMedia
kanerin Jennifer Ringley ihre Wohnung ( http://vaynermedia.com ) zum Kino- Live aus dem Flugzeug
per Webcam Tag und Nacht öffentlich start des Actionfilms »Maze Runner 2« Eine gelungene Kampagne entwickel-
zugänglich machte. eine Kampagne auf Snapchat, in der te Turkish Airlines 2015 mit ihrem ers-
Mobile Live-Streaming-Apps wie die User zwei Darsteller mit verschie- ten gebrandeten Periscope-Flugzeug-
Meerkat ( http://meerkatapp.co ) oder denen Challenges aus dem Maze, dem Livestream. Die Idee, einen Linienfl g
Periscope (www.periscope.tv) zeigen Irrgarten, herausführen mussten. von den Startvorbereitungen in Istan-
inzwischen, wie einfach der Stream Die Modemarke Burberry bei- bul bis zur Landung in New York zu be-
vom eigenen Smartphone User welt- spielsweise ließ mittels Snapchat und gleiten und dabei die User hinter die
weit erreichen und begeistern – oder Periscope User an einer Fashionshow Kulissen blicken zu lassen, stammt aus
langweilen – kann. Dabei geht es auch teilhaben und den kompletten Lon- der Abteilung Interactive Marketing
um den Reiz zeitbasierter Aktionen: don in Los Angeles Event ( https://us. and Communication von Turkish Air-
Die Nachrichten von Snapchat et wa burberry.com/london-in-los-angeles) lines. Nicht nur der Flieger wurde au-
und die Livestreams von Meerkat sind mittels Video begleiten – Backstage- ßen und innen gefil t und live ge-
092 pa g e 02.16 › werkzeug › Video-Live-Streaming

streamt, sondern auch die Crew in


Alltagskleidung im Auslandsquartier
und beim Ausflug zum Times Square.
Als Interaktionsanlass bekamen die
Zuschauer Fragen zum Fliegen gestellt
und wurden belohnt. Das Streamen
lief auch an Bord problemlos: Die Crew
übertrug das Video einfach über das
Wi-Fi-Netz der Maschine. Die transpa-
rente Aktion bescherte der Fluggesell-
schaft beachtliche 292 779 Likes und
stolze 5118 neue Follower.
»Wir wollten Dinge zeigen, die man
sich immer fragt, aber die man in der
Öffentlichkeit noch nie gesehen hat.
Et wa wie ein Pilot Prozesse ausführt,
welche Phasen es dabei gibt oder wie
das Teambriefi g abläuft – eben etwas
für Flug-Afici nados«, erklärt Dr. Ali
Genc, Senior Vice President Media Re-
lations bei Turkish Airlines. Das Kon-
zept musste allerdings einige Autori-
Für Mountain Dew entschieden die User,
wie eine mit Snapchat erzählte Geschichte
sierungsprozesse in puncto Sicher-
sich weiterentwickeln sollte. Unten: Bei heitsstandards durchlaufen, bevor es
Burberrys London in Los Angeles Event realisiert werden durfte. Live-Aufnah-
durften die Snapchat-User einen Blick hinter men, zum Beispiel aus dem Cockpit,
den Catwalk der Modenschau werfen waren während des Flugs nicht erlaubt.
Ali Genc betrachtet Live-Streaming
als spannende Möglichkeit für weitere,
vor allem transparente Kampagnen:
»Es gibt keine Interventionen, keine
Editierungsmöglichkeiten, um Szenen
herauszuschneiden oder mit besseren
zu ersetzen, und auch keine Hinter-
grundmusik, um die Zuschauer zu be-
einflussen. Wir haben nur einen rea-
len Flugprozess vorgestellt.« An der
App Periscope schätzt Genc die Mög-
lichkeit der unmittelbaren Markenan-
sprache und des direkten User-Feed-
backs, denn die Crew konnte dank Pe-
riscope in Echtzeit auf Wünsche und
Fragen der Nutzer reagieren.

Usergetriebenes Storytelling
Nicht nur Livestreams lassen sich fürs
Branded Storytelling nutzen. Auch In-
stant-Botschaften eignen sich, um die
User mit eigenen Geschichten einzu-
binden. Das geht etwa mit Snapchat.
Mit der mobilen App lassen sich Fotos
mit Text und Illustrationen an andere
User versenden, wobei sich die Nach-
richten nach einem Tag selbst vernich-
ten. Ein gutes Beispiel, wie Kampag-
nen mit Snapchat glücken können, ist
das Mountain-Dew-Projekt von Vayner-
Media im Vorfeld und während des
Super Bowl 2015. Zusätzlich zum TV-
Spot »It All Starts with a Kick«, der
pa g e 02.16 093

­
zum Launch neuer Geschmacksrich- Mobile Apps für Livestreams und
tungen des Softdrinks Mtn Dew Kick-
start angesetzt war, sollte das userge-
Instant-Nachrichten
triebene Storytelling über Snapchat nen Streams monatlich eine beacht-
Periscope
geschehen, um besonders die Ziel- liche Community. Auch hat sie ein
Herzchen für die Nachwelt
gruppe der Millennials zu erreichen. klares Erlösmodell: Sie bietet Broad-
Sara Giles, Account Director bei Die Live-Streaming-App des castern einen Anteil der Einnahmen
VaynerMedia, erzählt von der Umset- Nachrichtendienstes Twitter abhängig davon, wie viele Follower sie
zung der Idee eines usergetriebenen kam im Jahr 2015 nicht als er- haben, wie viel sie mit ihrem Publi-
Storytellings: »Es gibt keine bessere ste ihrer Art auf den Markt, war aber kum interagieren und wie viel die User
Möglichkeit, um das Super-Bowl-Wo- sofort angesagt. Broadcaster können bezahlen, um Aufmerksamkeit von
chenende mit der Planung einer Su- nicht nur den Link zu ihrem Stream ihnen zu bekommen: Beispielsweise
per-Bowl-Party anzugehen«, so Giles. mit all ihren Twitter-Followern teilen können sie Kommentare farblich für
»Mountain Dew lieferte dafür den ›In- und so automatisch verbreiten. User den Broadcaster hervorheben oder
fluencern‹ den Stoff. Die Mountain- lieben vor allem die Funktionen zur ihm digitale Geschenke kaufen – von
Dew-Fans übernahmen dann die Re- Interaktion. Zum Beispiel können sie virtuellen Blumen bis zu Thumbs, wo-
gie, was in der Snapchat-Story passie- den Stream nicht nur mit Text, son- durch er schneller zum Trendthema
ren sollte. Dies geschah mittels eines dern auch mit Herzchen kommentie- wird. YouNow gibt an, von den Erlö-
Call-to-Action-Screenshots. Die Akti- ren. Die Broadcaster erhalten Live- sen bereits 1 Million Dollar an die Top-
on des Screenshots war ein nativer Teil Benachrichtigungen, wenn sich ein 500-Livestreamer ausbezahlt zu haben.
der Plattform und erlaubte ein tiefe- neuer User einschaltet. Als Unterschei- Sind die Streams aufgezeichnet, kann
res Involvement der Community – die dungsmerkmal gegenüber anderen sie der User auch hinterher ansehen,
Fans haben die Story nicht nur ange- Live-Streaming-Apps kann man nach aber nur von der YouNow-Website aus,
sehen, sondern auch selbst kreiert.« Beenden des Streams die Aufzeich- nicht von der Smartphone-App.
Da die Agentur die Ergebnisse des nung ansehen – komplett mit sämt- Ab iOS 8.0 und Android 4.0.3.
User-Storytellings nicht vorhersagen lichen Herzchen, Kommentaren und ↗  www.younow.com
konnte, versuchte sie sich auf jedes User-Benachrichtigungen.
denkbare Szenario einzustellen. »Nicht Ab iOS 7.1 und Android 4.4.
Snapchat
bei allen Plot-Entwicklungen war so ↗  www.periscope.tv
Instant-Collagen für 24 Stunden
deutlich abzusehen, zu welchem Aus-
gang der Handlung die Fans tendie- Nicht nur das farblich ähn-
Meerkat
ren würden – manchmal änderte sich liche Logo weckt Erinnerun-
Videos für den Moment
das noch in letzter Minute. Deshalb gen an die Meerkat-App –
musste unser Team immer auf dem Die Live-Streaming-App bie- auch die Konzepte ähneln sich: Snap-
Sprung sein, um die Regieanweisun- tet die gleichen Features für chat ist bestimmt zum Versenden von
gen, die sich durchgesetzt hatten, zu die Interaktion mit den Usern Instant-Collagen aus Illustrationen,
filmen«, sagt Sara Giles. wie Periscope, die Streams sind al- Fotos, Texten und Videos, die sich
Früh neue Apps zu besetzen, ist für lerdings zunächst ausschließlich für 24 Stunden nach ihrer Aussendung
Mountain Dew weder Herausforde- den Moment: Vom Livestream gibt selbst vernichten – zumindest auf dem
rung noch Risiko. »Wir gehen immer es auf der Meerkat-Website oder -App Smartphone des Users. Sind Sender
sehr früh auf eine neue Plattform, da- keine Aufzeichnung zum Ansehen für und Empfänger gleichzeitig online,
mit die Marke schon verschiedene alle User. Jedoch kann der Broadcaster können sie sich statt Nachrichten so-
Funktionalitäten ausprobieren kann, den Stream speichern und den Link fort Live-Videos zusenden. Eine Fülle
bevor die Plattform Massenpopula- dazu mit Freunden teilen. Auch kann an originellen Filtern macht die App
rität erreicht«, so Sara Giles. Es lohnt er einen Broadcast so timen, dass er zum Bestseller für Kids: Neben selbst
sich also, sich mit neuen Apps und erst später für andere User verfügbar erstellten Fotocollagen lassen sich
Plattformen zu beschäftigen – und zu ist. Follower erhalten dann auch eine Slow-Motion-, Fast-Forward-, Verzer-
experimentieren. Verena Dauerer Benachrichtigung über den nächsten rungs- und Verfremdungsfi ter über
Livestream. jedes von der Gesichtserkennungs-
Verena Dauerer, freie
Ab iOS 8.0 und Android 4.3. funktion der App erkannte Gesicht
Technik-r edakteurin in ↗  http://meerkatapp.co legen. Marken oder Firmen können
Berlin, würde gern mal selber ihre Inhalte gegen Bezahlung beson-
einen Flug auf periscope ders hervorheben oder Zehn-Sekun-
begleiten und in der Luft
YouNow
den-Ads einblenden. Laut »Financial
online sein. ↗  www. r evenue-Modell mit virtuellen
Times« ist die App auf dem besten We-
designjournalisten.de   g eschenken
ge, damit jährlich 100 Millionen Dol-
Diese Live-Streaming-App ist lar Gewinn zu erzielen.
Streaming-Kampagnen ansehen schon länger auf dem Markt Ab iOS 7.0 und Android 4.0
auf ↗  www.page-online.de/ und hat mit über 100 Millio- ↗  www.snapchat.com
videolivestreaming_0216
BRANCHE

Direkt vor dem Büro


von Letters from
Sweden beginnt der
Wald. Gelegentlich
begeben sich Göran
Söderström
(rechts) und Erik
Moberg dort
auf Formensuche
Foto: Marcus Palmqvist
pa g e 02.16 095

Leidenschaftlich
Letters from Sweden,
Stockholm
↗ www.lettersfromsweden.se
● Als ich Göran Söderström das erste Mal traf, war
er angestellter Grafiker in einer Stockholmer De-
signagentur. Eher selten gab es dort typografische
Jobs, aber wenn, dann landeten sie in der Regel bei
ihm. Später am Abend, nach ein paar Bier, fand ich
heraus, wofür er wirklich brannte: Schrift in all ihren
Facetten. Anderthalb Jahre später, im November 2011,
gründete Göran Söderström seine Foundry Letters
from Sweden. Der erste Retailfont Siri war nach sei-
ner im Februar geborenen Tochter benannt. Seinen
festen Job behielt er vorerst, etwas Sicherheit für die
kleine Familie war ihm wichtig.
Im Februar 2014 aber kündigte er – an diese Tage
erinnert er sich ganz genau: »Es war eine verrückte
Zeit, alles passierte auf einmal: Ich hatte kaum gekün-
digt, da wurde mein Sohn Ivar geboren. Nie werde ich
den Moment im Krankenhaus vergessen, Ivar auf
meiner Brust, 15 Minuten alt, als ich die Nachricht be-
kam, dass mein Freund Peter Bruhn gestorben war.«
Eine Koinzidenz, die ihn heute noch sehr bewegt.
Die anfängliche Nervosität, die Familie nun aus-

Freie
schließlich mit dem Zeichnen von Schriften zu ernäh-
ren, legte sich bald, das Geschäft brummte. »Ich war
ja kein kompletter Neuling und hatte mir in den Jah-
ren vorher schon viele Kontakte aufgebaut«, versucht
er seinen Erfolg zu erklären. Nicht ein einziges Mal
war er gezwungen, Akquise zu betreiben, im Gegen-
teil: gelegentlich musste er Jobs absagen. »Das war

Typen
ein Segen. So konnte ich mich auf die Gestaltung
konzentrieren und darauf, die Website aktuell zu hal-
ten und die Social-Media-Kanäle zu bespielen.«

Schwerpunkt Custom Fonts


Es folgten acht Retail-Font-Familien, von denen die
serifenlose, charakterstarke Trim der absolute Best-
seller ist sowie zahlreiche Custom Fonts zum Beispiel
für den Sender Tele2, die Zeitung »Expressen«, Vol-
vo, das Modehaus Acne Studios oder den Medien-
konzern MTG. Auf einen persönlichen Stil oder spe-
Allen Monopolisierungs- ziellen Designansatz verschwendet Göran Söder-
tendenzen im Schriften- ström keine Gedanken: »Ich lebe in einer Symbiose
mit der Schrift, die ich gerade zeichne, manchmal sa-
markt zum Trotz: Es gen die Buchstaben, was ich tun soll, und dann folge
ich einfach.« Dieses absolute Fehlen von Eitelkeit,
gibt noch unabhängige gepaart mit seiner direkten Art und viel Humor, ma-
Foundrys mit dem chen es dem 41-Jährigen leicht, mit Kunden und an-
deren Kreativen zusammenzuarbeiten.
gewissen Etwas – vier Im Moment liegt das Verhältnis von Retail- zu Cus-
stellen wir hier vor tom Fonts etwa bei 30 zu 70. Der Designer hätte gerne
etwas mehr Zeit, die vielen Typen weiterzuentwi-
ckeln, die sich in unterschiedlichsten Entwurfsstadi-
en befinden. »Auf der anderen Seite ist es großartig,
mit verschiedenen Designern und Artdirektoren an
Kundenjobs zu arbeiten. Ich mag den Speed in
096

Die eckige Trim ist


der Bestseller
von Letters from
Sweden, die
Postervariante
integriert teil-
weise die diakriti-
schen Zeichen in
die Buchstaben

solchen Projekten, die klaren Deadlines und die Svet Simov aus
Tatsache, dass jemand sehnsüchtig darauf wartet, Bulgarien freut sich,
dass die Schrift fertig wird.« dass das Internet
Im Sommer 2014 bezog Letters from Sweden ein viele Grenzen über-
wunden hat. Heute
neues Büro in Björkhagen, einem Stadtteil im Süden
spielt es keine Rolle,
Stockholms. Zeitgleich bekam Göran Söderström ob man als Typedesi-
Unterstützung: Erik Moberg, ein junger Typedesi- gner in Berlin oder
gner, der seine Ansichten zu Qualität und Authenti- Sofia zu Hause ist. Die
zität teilt. »Es ist cool, ab und an mit Erik gemeinsam große Schriftfamilie
an Projekten zu arbeiten, trotzdem will ich Letters Intro ist Svet Simovs
from Sweden klein und fokussiert halten. Wenn ich Liebling. Kein Wunder,
er ist ein Fan klas-
mich vergrößern wollte, würde ich eher jemand für
sischer Serifenloser
die Administration dazuholen – manchmal habe
ich das Gefühl, ein großer Teil meiner Arbeit besteht
im Beantworten von E-Mails!«
Der Erfolg von Letters of Sweden ist umso bemer-
Vorherbestimmt
kenswerter, als Göran Söderström keine formale De- Fontfabric, Sofia
sign- oder Typoausbildung hat, er ist Autodidakt. ↗ www.fontfabric.com
»Ich glaube, der Erfolg kommt, wenn man etwas, das
man wirklich, wirklich liebt, wieder und wieder tut – ● Zufälle gibt es nicht. Da ist sich Svet Simov sicher.
und eine Menge Zeit darauf verwendet.« Schön, dass Der gläubige Typedesigner aus Bulgariens Haupt-
er sich nicht für eine Karriere als Musiker entschie- stadt bedankt sich bei Gott, dass dieser ihm recht-
den hat, wie es auch mal zur Diskussion stand. zeitig die Augen geöffnet habe. So sei er in der Lage
gewesen, sein gottgegebenes Talent zu erkennen.
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Ich persönlich würde ja eher sagen, dass der Erfolg

»Ich mag den Speed in


von Fontfabric auf Svet Simovs eisernem Willen, gro-
ßem Können und einem Hang zum Workaholismus

Kundenprojekten, die
beruht. Aber wie auch immer. Seit er Ende 2008 die
Foundry gründete, gehören seine Fonts immer

klaren Deadlines und die


wieder zu den MyFonts-Bestsellern. Vor allem das
Schriftsystem Nexa ist bis heute ein Riesenerfolg.

Tatsache, dass jemand sehn-


Neben der serifenlosen Nexa gibt es noch die Varian-
ten Slab, Serif und Rust.

süchtig darauf wartet,


Fontfabric, das klingt nach einem großen Distri-
butor mit zahlreichen Mitarbeitern. Weit gefehlt,

dass die Schrift fertig wird«


die Foundry ist weitestgehend eine One-Man-Show.
Anfangs fanden sich im Portfolio überwiegend kla-
re, geometrische Schriften, schließlich ist der 31-Jäh-
Göran Söderström, Gründer von Letters from Sweden, Stockholm rige ein großer Bewunderer klassischer Schriften
aus den 1960er und 1970er Jahren. Inzwischen bie-
pa g e 02.16 097

Peter Bil’ak und


Kristyan Sarkis tref-
fen sich mindestens
einmal die Woche –
in Den Haag oder
Amsterdam. Erste
Schrift von TPTQ
ist die Greta Arabic,
mit 39 Fonts in
vier Breiten und
zehn Stärken

tet er aber auch viele andere Typen an. Display- so-


wie jede Menge Script-Fonts – auch bei Fontfabric
gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. »Ich ha-
be mich bewusst für ein breiteres Spektrum ent-
schieden«, erzählt der Vater einer kleinen Tochter,
die auch schon fleißig Buchstaben zeichnet. »Nach
und nach nahmen wir außerdem Schriften anderer
Typedesigner ins Programm, die alle ihre eigene Far-
be zum Regenbogen beisteuern.«
Wenn Svet Simov von »wir« spricht, dann meint
er damit hauptsächlich Radomir Tinkov, der ihn ins-
besondere bei der Gestaltung des schön gestalteten
Newsletters und der aufwendigen Schriftmuster un-
terstützt. Unter den momentan 116 Schriften, die
Zweisprachig
Fontfabric anbietet – 52 von Svet Simov selbst –, fin- TpTQ arabic, Den Haag
den sich jede Menge hochwertige Free-Fonts. So lie- ↗ https://tptq-arabic.com
gen eine Reihe der kostenlosen Fontfabric-Fonts
auch in Kyrillisch vor, haben außerdem alle notwe- ● Arabisch ist höchst kompliziert. Das weiß Typo-
nigen Akzente für Tschechisch, Polnisch oder Bul- theque-Gründer Peter Bil’ak aus Den Haag, seit er
garisch. Natürlich ist Svet Simov ein großzügiger vor zehn Jahren eine arabische Version seiner Fedra
Mensch, er hat allerdings auch beobachtet, dass die entwickelte. Fürs nächste Projekt holte er sich Unter-
Popularität der freien Fonts zu einem Anstieg der stützung vom libanesischen Typedesigner Kristyan
Verkäufe führt. Sarkis. Fürs über- und übernächste auch, und so be-
Svet Simovs Lieblingsschrift ist dann doch wieder schlossen die beiden im November 2015, die Foun-
eine Geometrische: Intro, eine große Familie, zu der dry TPTQ Arabic zu gründen. Mit ihr wollen sie hoch-
es inzwischen eine Condensed- und eine Rust-Vari- wertige arabische Schriften sowie Systeme für bilin-
ante gibt. Auch hier sind einige Fonts kostenlos zu guale Typografie entwickeln. »Die arabische Kultur
haben, ein weiterer Ausbau ist nicht ausgeschlossen. und Schrift haben eine ungemein vielfältige kalligra-
Zunächst aber steht ein Riesenprojekt an: Die kom- fische Geschichte, die mit Technologie gar nicht so
plett neue Gestaltung der Webseite mit noch mehr einfach zu handeln ist«, findet Peter Bil’ak.
trendigen und traditionellen Schriften. In seinem Büro in Amsterdam arbeitet Kristyan
Sarkis täglich an der Gestaltung arabischer Fonts.
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Dabei unterstützt ihn der Iraner Bahman Eslami. Er

»Ich bin geradezu versessen


hilft vor allem bei der Produktion und Programmie-
rung. Bil’ak selbst übernimmt die Artdirektion. Das

auf klassische Schriften mit


erste Projekt von TPTQ Arabic ist die Greta Arabic –
ein umfassendes Schriftsystem aus 39 Fonts in vier

einem geometrischen Funda-


Breiten und zehn Stärken. Vier neue Schriften sind
bereits in Arbeit, darunter die Stencil-Schrift Mersam

ment. Schon in der Schule


und die kalligrafische Quandus. Neben dem Verkauf
von Schriften und der Entwicklung von Custom Fonts

waren Zeichnen und Geome-


legt TPTQ Arabic einen Schwerpunkt auf Vorträge
und Workshops, die das Verständnis für arabische
Typografie fördern wollen. Der Foundry-Name ist
trie meine besten Fächer« übrigens gar nicht so kryptisch, wie er klingt: Im
Arabischen werden ausschließlich Konsonanten ge-
Svet Simov, Gründer von Fontfabric, Sofia schrieben, »TPTQ« würde ein Araber demnach für
»Typotheque« schreiben.
098 pa g e 02.16 › BRaNCHe › Typefoundry-profile aNze Ige

Melle Diete verbindet Typo-


grafie und Illustration. Ihre Die Referentinnen
Typo-Skills kommen ihr bei
Projekten aller Art zugute.
Im letzten Jahr hat sie
viele freie Arbeiten gestaltet.
Darunter diverse Motive,
die eine positive Botschaft
kommunizieren

eine Schriftentwicklung braucht, be-


kam sie während ihrer Arbeit als Me-
diengestalterin und ihrem anschlie-
ßenden Studium der Visuellen Kom-
munikation an der Fachhochschule
Potsdam, besonders aber durch ihre
langjährige Tätigkeit bei LucasFonts,
dem Berliner Studio von Luc(as) de
Groot. »Von ihm habe ich unheimlich
viel gelernt, er hat mich mit den Lehren
von Gerrit Noordzij und Rosemary Sas- ● Sabine Pallaske, Mitbegründerin und Geschäfts-
soon bekannt gemacht«, erzählt Melle führerin von F1online, hat Kommunikationsdesign
Diete. »Er half mir, mein Auge zu schu- mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule
len und Buchstabenformen nach der Darmstadt studiert und war lange Zeit selbstständig
holländischen Art zu analysieren. Und als Fotografin tätig. Ihre Sachkompetenz bringt
natürlich habe ich jede Menge Font- sie unter anderem beim Bundesverband professionel-
Illustrativ technik gelernt.« Momentan ist sie mit ler Bildanbieter (BVPA) aktiv ein, bei der Mittelstands-
dem Ausbau des Script-Fonts Fidelia gemeinschaft Foto-Marketing (MFM), die sich der
Melle Diete, zu einer Superfamilie beschäftigt und Ermittlung von Bildhonoraren widmet, sowie bei diver-
Typedesignerin und überarbeitet zudem die Slab Serif Gin- sen Foren, die sich mit Urheber- und Lizenzrecht

Illustratorin, Berlin gar; auch eine Gingar Sans soll es dem- und Contentnutzung auseinandersetzen. Ihr ist es
nächst geben. ein Anliegen, das Chaos im Bild- und Lizenzrecht
↗ www.mellediete.com Egal, ob Typedesign, Lettering oder für Anbieter wie Nutzer durchschaubar zu machen.
Illustration – die Beschaffenheit der
● Typografi , Illustration und Lette- Kurve ist Melle Diete immer wichtig.
ring sind für Melle Diete untrennbar Auch das ein Erbe von Luc(as) de Groot,
verbunden – es sind ihre Gestaltungs- bei dessen Schriften die Kurven stets
mittel, mit denen sie Projekte realisiert, perfekt sitzen. »Meine Artworks ha-
Ideen und Hintergründe veranschau- ben oft eine schwarze Kontur als Kon-
licht. Als klassische Foundry würde trast. Wegen der schwarzen Tinte im
man das Studio der Berlinerin sicher Typedesign und weil ich auch in Font-
nicht bezeichnen, immer wieder aber Lab im Schwarzweißmodus arbeite«,
gehen aus ihren Illustrationsprojekten erzählt sie. Später kommt dann aber
komplette Schriften hervor, die sie an- doch Farbe dazu – schließlich ist der
schließend über MyFonts zum Kauf an- Alltag in Berlin, den die 36-Jährige –
bietet. Sieben sind es inzwischen. zwecks Inspiration – am liebsten mit
Die notwendigen Kenntnisse und dem Skizzenbuch in der Hand beob-
das Durchhaltevermögen, die man für achtet, ja auch ziemlich bunt. ant
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

»Illustration und Typografie ● Rechtsanwältin Silke Kirberg ist Inhaberin der auf
Urheber- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei

gehen eine Verbindung ein, Kirberg in Hamburg. Kernbereich ihrer Tätigkeit ist
das Bildrecht. Sie berät und vertritt überwiegend

sie können sich gegenseitig Unternehmen und Freiberufler aus der Medienbran-
che, insbesondere Bildagenturen und Fotografen.

auf- oder abwerten« Daneben vertritt sie auch Privatpersonen bei Verlet-
zungen ihres Persönlichkeitsrechts in Wort und
Bild. Durch ihre langjährige Praxis ist ihr das Bild-
Melle Diete, Typedesignerin und Illustratorin, Berlin
geschäft bestens vertraut. Silke Kirberg ist
Mitglied des Experten-Netzwerks BVPAexperts.
aNze Ige

1 pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda

Bildrecht! 1 Grundzüge des Urheberrechts


Was ist urheberrechtlich geschützt, und wer
hat wann die Nutzungsrechte inne?

Was Bildnutzer und 2 Schranken des Urheberrechts und

Bildurheber in z eiten Nebenrechte

von Facebook & Co


Welche Rechte Dritter bestehen unter
welchen Bedingungen, und wer muss
wissen müssen sich wann genehmigen lassen, ob die Bilder
veröffentlicht werden können?
A. Model Release: das Recht am eigenen Bild,
Klärung mit e inzelpersonen oder Model-
agenturen (Kunsturhebergesetz, g rund-
gesetz, e MRK)
Das Seminar »Bildrecht!« B. property Release: Was ist panorama-
freiheit, und wo braucht es die g enehmigung
● Die gutgläubige Nutzung von Bildern im Kommunikations-, Grafi - und des g rundstückseigentümers?
Mediendesign kann gut und gerne Nachforderungen in empfindli her Höhe C. Markenrecht: Imageübertragung oder
mit sich bringen. Und in Anspruch genommen wird immer der zuerst, der Beiwerk? augen auf bei Styling und Requisite –
ein Bild der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Gut also, wenn alle Betei- hier herrscht großer abstimmungsbedarf.
ligten – Artdirektoren, Art-Buyer, Bildredakteure, Social-Media-Manager,
Editorial Designer, Grafi er, Bildgestalter und Website-Betreiber – verstehen, 3 Nutzungs- und Verwertungs-
was genau sich hinter dem Begriff »Bildrecht« sowie hinter den einzelnen vereinbarungen
Lizenzmodellen verbirgt. Property und Model Release, Marken-, Eigentums- Wer räumt wem wann was ein – und wie?
und Persönlichkeitsrecht sowie das Recht am eigenen Bild bergen mehr Welche Rechte habe ich als Designer, Filme-
Fallstricke, als man gemeinhin annehmen mag. Und das sind nur einige der macher, Fotograf auf der einen Seite und
Aspekte, die selbst bei der Nutzung von sogenanntem lizenzfreiem welche als Nutzer auf der anderen Seite?
Bildmaterial berücksichtigt sein wollen. Auch die AGB haben es in sich. A. Stock: RM/RF/Microstock/Creative
Commons/Flickr & Co
Im PAGE Seminar »Bildrecht« erklären Sabine Pallaske und Silke Kirberg an B. Individualvertrag (Designer, Texter,
anschaulichen Beispielen aus der Praxis nicht nur, was Illustratoren und Fotograf, Illustrator, Filmemacher)
Fotografen sowie Agenturen und Unternehmen bei der Auftragsvergabe und C. Miturheberschaft (extrem wichtig,
Verwertung von Bildern beachten müssen, sondern auch, wie man sich beispielsweise bei postproduktion oder
in den bildorientierten Social Networks wie Instagram und Pinterest verhält. Styling und Food-Fotografie)
Die Referentinnen räumen in klarer, verständlicher Sprache auf mit
Halbwahrheiten und irreführenden Ratschlägen, sodass Sie ein fundiertes 4 Urheberrecht und Social Media
Rechtswissen für Ihren Arbeitsalltag erlangen, mit dem sich 90 Prozent A. g rundsätzliches
der Abmahnungen vermeiden lassen. Zudem erhalten Sie geldwerte Tipps B. Quellenangabe
für die Vertragsgestaltung und Nutzungsrechtsklärung und können die C. Wie schütze ich mich gegen Missbrauch?
Pausen nutzen, um über konkrete Fälle aus Ihrem Kreativalltag zu sprechen. (Branding und andere Methoden)
D. Welche Lizenzregelungen gelten bei den
Das pag e Seminar findet am 29. April
in den Design Offices Hamburg verschiedenen Bildagenturen?
Domplatz von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahmegebühr von 748 e uro
(zzgl. gesetzlicher MwSt.) ist gut investiertes g eld. Denn die Teilnahme bewahrt 5 Die Tücken im Detail
Sie vor manch einer Bildrechtsverletzung, die Sie teuer zu stehen kommen A. ag B – was ist das eigentlich?
könnte, und hilft Ihnen im Falle, dass Sie selbst der Urheber sind, Ihre Rechte zu B. angebote korrekt formulieren
wahren und angemessene Honorare durchzusetzen. Die g ebühr umfasst die C. Rechteumfang richtig beschreiben
Tagungskosten sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 per-
sonen begrenzt! also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  . 6 Wer haftet?
Die Rechtekette und die Konsequenzen
für Nutzer, Besteller und Urheber bei
Rechtsverletzungen
pa g e // e bner Verlag g mbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in Der PAGE Workshop mit Sabine Pallaske und
der Reihenfolge der e ingänge der z ahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung Silke Kirberg lässt genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach e rhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). Diskussionen und den Austausch untereinander.
100 PAGE 02.16 › BRANCHE › Angebote schreiben
PAGE 02.16 101

● Wer meint, ein Angebot sei nur eine mehr oder Wer meint, er könne auf die Ausformulierung sei-
weniger unverbindliche Offerte, der irrt. Denn damit nes Angebots und eine detaillierte Kalkulation ver-
legt man bereits die entscheidenden Parameter sei- zichten, und dem potenziellen Kunden lieber ein
nes Vertrags mit dem Kunden fest. Nimmt dieser das Pauschalangebot zum Festpreis unterbreitet – sei es
Angebot an, tritt ein verbindlicher Vertrag in Kra† . aus Bequemlichkeit oder weil das Projekt überschau-
»Einen Vertrag zu schließen ist auch formlos mög- bar erscheint –, geht ein unnötiges Risiko ein, warnt
lich, beispielsweise durch mündliche Vereinbarun- Designberaterin Friederike Sobiech. Denn das rech-
gen. Es ist aber immer ratsam, diesen Vertrag schri† - ne sich für den Kreativen ausschließlich bei einem
lich niederzulegen«, erklärt Jens O. Brelle, Fachan- »gängigen Arbeitsaufwand«. Was aber wenn der Kun-
walt für Urheber- und Medienrecht. »In den meisten de wesentlich mehr Entwürfe und Korrekturschlei-
Fällen, in denen es zu einem Dissens über die Mo- fen fordert als erwartet? »Dann sind Sie dennoch an
dalitäten eines Au† rags kommt, fehlt eine präzise Ihre eigene Kalkulation und Angebotsformulierung
schri† liche Vereinbarung«, sagt Brelle, der in sei- gebunden«, erklärt sie. Es lohnt sich also grundsätz-
ner Hamburger Kanzlei vorwiegend Unternehmen lich immer, ein detailliertes Angebot zu schreiben,
aus der Kreativwirtscha† in den Bereichen Vertrags-, denn es scha¢ Rechtssicherheit, Verbindlichkeit,
Urheber-, Geschmacksmuster- und Markenrecht be- Transparenz und Vergleichbarkeit gegenüber an-
treut (www.art-lawyer.de ). deren Mitbewerbern.
In einem solchen schri† lichen Angebot legt der
Kreative fest, was er leisten wird und bis wann, wie
hoch die Vergütung für seine Arbeit ist und welche
Nutzungsrechte er dem Au† raggeber einräumt. Um Den Projekt-
auf der sicheren Seite zu sein, sollte er sich das An-
gebot vom Kunden stets schri† lich bestätigen lassen,
beispielsweise indem er es unterschrieben zurück-
umfang klären
schickt, -mailt oder -faxt. Außerdem empÿ ehlt es
sich, alle Punkte so umfassend und genau wie mög- Preis und Liefertermin sind die Parameter eines An-
lich zu formulieren, damit dieser das Angebot oh- gebots, die den Kunden in der Regel am meisten in-
ne Nachbesserungen annehmen kann. Tut er das, teressieren. Um hier realistische Aussagen treffen
kommt der Vertrag als sogenannte übereinstimmen- zu können, gilt es im ersten Schritt den Umfang des
de Willenserklärung zustande. Projekts zu deÿ nieren. Die beste Vorbereitung da-
für ist ein persönliches Gespräch mit dem Kunden,
um zu ermitteln, was dieser explizit wünscht – und

Vorlagen leisten welche Anforderungen womöglich implizit damit


verbunden sind. In einem solchem Gespräch lassen
sich alle relevanten Informationen für die Projekt-
Hilfestellung beschreibung einholen:
Wie sieht der zeitliche und ÿ nanzielle Rahmen
für das Projekt aus? Lässt sich vorhandenes Material
Bei der Formulierung eines Angebots können die verwenden? Soll der neue Au† ritt eine Weiterent-
Musterverträge des Gesamtverbands Kommunika- wicklung des vorhandenen sein? Oder fängt man
tionsagenturen (GWA, http://is.gd/gwa_recht ) oder bei null an? Existiert ein Styleguide? Oder soll wo-
der Vergütungstarifvertrag der Allianz deutscher möglich einer erstellt werden? Muss der Designer
Designer (AGD, www.vtv-online.de ) Orientierung auch die Abwicklung mit der Druckerei übernehmen
bieten. Letzterer gibt dem Kreativen zudem eine de- und welche anderen Zusatzleistungen werden erwar-
taillierte Berechnungsweise seiner Leistungen an die tet? Und, und, und. Der so ermittelte Projektrahmen
Hand und erläutert diese an vielen Beispielen. Aber sollte in Form einer sachlichen Au† ragsbeschrei-
diese Vorlagen sind kein Universalinstrument: Da sie bung auch im Angebot stehen.
von den Verbänden herausgegeben werden, orien- Darüber hinaus ist es wichtig, festzulegen, wie
tieren sich die Vergütungen mehr am Interesse des viele Entwürfe und wie viele Änderungsrunden es
Urhebers, weniger an dem des Verwerters. »Bei Ar- zum vereinbarten Preis geben soll. »›Drei Korrektur-
beiten für mittlere oder große etablierte Unterneh- runden‹ ist eine sinnvolle Größe, die der Au† ragge-
men sind diese Verträge angemessen«, so Jens O. ber leicht nachvollziehen kann. Ebenso wie ›Entwurf
Brelle. »Für Start-ups oder kleine Firmen muss man in bis zu zwei Varianten‹ oder ›vier Meetings‹«, rät
die Konditionen in der Regel anpassen.« Friederike Sobich. Sind zur Klärung dieser Fragen
102 PAGE 02.16 › BRANCHE › Angebote schreiben

mehrere vorbereitende Gespräche notwendig, gen auf dem Rechtsweg durchsetzen muss (sie-
kann man auch für die Angebotserstellung selbst he PAGE «2.«4, Seite ««6 f.), lässt sich das Risiko mi-
ein Honorar verlangen. nimieren, indem man sich seine Arbeit in Etappen
bezahlen lässt. Eine Aufstellung, bei der die Zahlun-
gen mit den erbrachten Leistungen korrespondie-
ren, könnte zum Beispiel folgendermaßen ausse-
Termine, Ter- hen: Au† ragserteilung («0 Prozent), Abnahme des
Entwurfs (30 Prozent), Bereitstellung des Testsys-
mine, Termine tems (40 Prozent) und Live-Schaltung (20 Prozent).

Ein detailliert defi


deÿ nierter Leistungsumfang gibt ei-
nen Überblick über die anstehenden Arbeiten, auf
dessen Basis sich eine realistische Timeline für das
Nutzungsrechte
Projekt entwickeln lässt. Je umfangreicher oder kom-
plexer es ist, desto wichtiger sind Meilensteine, wie
richtig nutzen
etwa: ein erstes Modell in zwei Wochen, einen funk-
tionalen Prototyp in einem Monat, die ÿ nale Site in Als Urheber eines Designs sind Gestalter durch das
zwei Monaten. Diesen Ablauf zu visualisieren, kann deutsche Urheberrecht geschützt und können des-
hilfreich sein, zum Beispiel in einem sogenannten halb Nutzungsrechte vergeben – und zwar »aus-
Gantt-Diagramm – ein Instrument aus dem Projekt- schließlich« oder nur »einfach«. Weitere Parameter
management –, das die Abfolge der Aktivitäten in sind das geograÿ sche Gebiet (regional, national,
Form von Balken auf einer Zeitachse darstellt. international), die Dauer der Verwendung sowie der
Sind Termine im Angebot genannt, sind sie auch Umfang (Au¨ agenhöhe et cetera). Bei digitalen Pro-
Vertragsbestandteil und damit verbindlich einzuhal- dukten begrenzt man die Nutzung zeitlich und räum-
ten. Nicht nur deswegen sollte man beim Verfassen lich, bei Printprodukten die Stückzahlen. Für die Kal-
der Timeline unbedingt erwähnen, dass einige der kulation empÿ ehlt der AGD etwa die Berechnung
Meilensteine vom Mitwirken des Kunden abhängen. mit Nutzungsrechtsfaktoren zwischen 0,5 für die mi-
Hier empÿ ehlt es sich, ihn in die P¨ icht zu nehmen, nimale und 6,0 für die maximale Nutzung. Ferner
indem man zum Beispiel den Liefertermin an die empÿ ehlt es sich festzulegen, dass die Nutzungs-
Abnahme bindet. rechte erst dann als eingeräumt gelten, wenn die ver-
einbarte Vergütung vollständig gezahlt ist. Nur dann
kann man die Nutzung auch untersagen, sollte die

Zahlen, bitte! fällige Zahlung des Kunden ausbleiben.


Die Vergütung fällt indes entscheidend niedriger
aus, wenn die Nutzungsrechte nicht schri† lich ÿ -
Die große Herausforderung bei der Formulierung xiert werden. Denn wenn Zweifel daran bestehen,
des Angebots besteht darin, einerseits eine angemes- ob oder in welchem Umfang Nutzungsrechte einge-
sene Vergütung zu veranschlagen, andererseits den räumt wurden, beispielsweise weil nur ein mündli-
Kunden zu gewinnen. Gerade bei umfangreicheren cher Vertrag geschlossen wurde, kommt die soge-
Projekten sollte daher klar werden, wie sich das Ho- nannte Zweckübertragungstheorie (§ 3« Abs. 5 UrhG;
norar zusammensetzt – das scha¢ Transparenz und http://is.gd/par3«) zur Anwendung, die mehr im Sin-
stärkt die Zahlungsmoral. Beim Au¨ isten der einzel- ne des Verwerters ausgelegt wird und ihm großzü-
nen Positionen (etwa Brieÿ ng, Konzeption, Illus- gige Nutzungsrechte zuspricht: Hat er beispielswei-
trationen, Screendesign) sollte man sich allerdings se eine Website beau† ragt, erhält er das Recht, die
nicht in Details verheddern: »Verzichten Sie auf die Gestaltung ohne Aufpreis weltweit und zeitlich un-
Nennung von Preisen für einzelne Arbeitsschritte, beschränkt zu nutzen.
das führt vielfach zu leidigen Debatten – mit dem Der Kunde liefert Text- und Bildmaterial, dass in
Ziel, Ihr Honorar zu drücken«, erklärt Designer An- seiner Broschüre oder Website Verwendung ÿ nden
dreas Maxbauer, Referent für Mitgliederberatung soll? Ein Passus im Angebot, dass er die Nutzungs-
und Weiterbildung bei der AGD. Und noch einen wei- rechte selbst geklärt hat, scha¢ Klarheit bezüglich
teren Faktor hat er klar als Diskussionsauslöser aus- der Zuständigkeiten – falls diese nicht bereits in den
gemacht: »Glatte Preise wirken für einige Kunden Allgemeinen Geschä† sbedingungen geregelt sind.
wie gewürfelt und laden dadurch besonders o† zur Ebenso gehören alle weiteren vertragsrechtlich rele-
Verhandlung ein.« vanten, regelmäßig wiederkehrenden Modalitäten
Wer nicht mit der gesetzlichen Zahlungsfrist von zu Nutzungs- und Urheberrechten, Vergütung oder
30 Tagen einverstanden ist, kann ein eigenes Zah- Fremdleistungen als vorformulierte Vertragsklauseln
lungsziel deÿ nieren (»zahlbar innerhalb von «4 Ta- in die AGB. Diese gelten allerdings nur, wenn sie
gen ohne Abzug«). Damit man nicht nach Ende ei- wirksam vereinbart werden. Es reicht nicht, lapidar
nes Mammut-Projekts seine gesamten Forderun- auf sie hinzuweisen (»Es gelten unsere AGB«). Ent-
PAGE 02.16 103

weder fügt man sie dem Angebot bei oder benennt,


wo sie einzusehen sind (»Es gelten unsere AGB, je-
derzeit einsehbar unter www.designerabc.de/agb«).
Checkliste:
Wasserdichte Angebote
Wenn der Ein klares, überzeugendes Angebot
Kunde mehr will enthält folgende Informationen:

»Trotz ausführlichen Briefi


Brieÿ ngs, detaillierter Leis- Projektbeschreibung
tungsbeschreibung und realistischen Timings läu†
in fast jedem Projekt etwas anders als geplant«, meint • Beschreiben Sie das grundlegende Ziel des Projekts.
Friederike Sobiech. Häuÿ ger Knackpunkt sind wie- • Deÿ nieren Sie den Umfang des Projekts sowie die wesent-
derholte Anpassungen. So können aus vereinbarten lichen Umsetzungsschritte.
drei Korrekturschleifen mit dem Kunden schon mal • Legen Sie Anzahl von Meetings und Korrekturrunden fest.
«4 werden. Kein Kreativer muss diese aber zum sel- • Weisen Sie darauf hin, welche Leistungen nicht Teil des
ben Preis leisten – wenn er im Angebot den Leis- Angebots sind, zum Beispiel Texte, Illustrationen oder
tungsumfang entsprechend deÿ niert hat. »Auch ist Hosting.
es sinnvoll, die Nachbestellungen des Kunden hör- Tipp: Formulieren Sie die Projektbeschreibung lösungsorien-
bar – oder besser noch: nachlesbar – als solche ent- tiert, indem Sie den Nutzen für den Kunden herausstellen.
gegenzunehmen«, so Sobiech, etwa folgenderma-
ßen: »Für eine weitere Variante in Grün rechnen Sie
bitte mit einer Woche Lieferzeit und X Euro für die Zeitaufwand
zusätzliche Arbeit.« Manche Kunden werden es sich • Verwenden Sie Meilensteine für Ihre Terminplanung.
überlegen, was es ihnen wirklich wert ist, dasselbe • Setzen Sie Ihre Termine in Relation zu Feedback und
in Grün zu sehen. Freigaben des Kunden (»«4 Arbeitstage nach Abnahme«).
Zusätzliche Leistungen verursachen zusätzliche
Kosten, aber manch Kreativer scheut Nachforderun- Tipp: Schätzen Sie die Termine realistisch und mit angemes-
gen – aus Sorge, es sich mit dem Kunden zu verder- senem Puffer.
ben. »Vielleicht passt dann die weichere Variante:
Kalkulieren Sie beim Angebot nicht zu knapp«, rät Projektkosten
Sobiech. So kann man zum Beispiel einen halben Tag
ungeplante Arbeit – gut verteilt auf alle Posten – hi- • Ordnen Sie die Projektkosten übersichtlich einzelnen
neinrechnen, um Lu† für die zusätzliche Korrektur- Positionen zu, damit der Kunde erkennt, wofür er Sie
runde oder eine kleine Variation des Verpackungs- bezahlt.
entwurfs zu gewinnen. »So können Sie Ihre Rückmel- • Deÿ nieren Sie das Zahlungsziel.
dung mit einer roten Schleife versehen: ›Das krieg ich Tipp: Bei der Berechnung Ihres Honorars helfen Muster-
für Sie bis kommenden Dienstag in meinen Kalen- verträge der Branchenverbände AGD oder GWA.
der. Das war zwar nicht im Au† rag enthalten, passt Tipp: Vereinbaren Sie bei aufwendigeren Arbeiten auch für
aber für dieses Mal gerade noch.‹« die Zahlung Meilensteine.
Wenn man all die genannten Punkte beim Formu-
lieren eines Angebots beachtet, kann es selbstver-
ständlich immer noch zu Diskussionen, Einwänden
Nutzungsrechte
oder sogar Auseinandersetzungen mit dem Kunden • Deÿ nieren Sie genau, welche Nutzungsrechte Sie dem
kommen. »Für diesen Fall haben Sie dann allerdings Kunden übertragen.
bestens vorgesorgt«, so Jens O. Brelle. as • Vergewissern Sie sich, dass der Kunden für Bild- und
Textmaterial, das er zur Verfügung stellt seinerseits die
Rechte geklärt hat.
PAGE eDossier »Auftragsakquise« mit Tipps
und Strategien für Freelancer und Agenturen Tipp: Aus den Nutzungsrechten leitet sich Ihr Honorar
´˜w̃ww.page-online.de/PDPD0004
ab. Wenn Sie auf die schri† liche Übertragung verzichten,
verschenken Sie daher bares Geld.
PAGE eDossier »Kunde & Kreativer« mit Fall-
beispielen und detaillierter Briefing-Checkliste
´˜w̃ww.page-online.de/PDDP1040 Wichtige Hinweise
• Verweisen Sie auf Ihre AGB oder fügen Sie diese bei.
Berufspraxis-Kolumne. Tipps zu Nutzungs- • Geben Sie an, wie lange Ihr Angebot gültig ist.
rechten, AGB oder Rechnungsstellung finden
Sie auf ´˜w̃ww.page-online.de/agd-kolumne
104 page 02.16 › branche

Serie: Jobprofile

Kommunikationsdesign, Teil 2
Kommunikationsdesignern stehen nach ihrer Ausbildung viele Richtungen
offen. Während es im ersten Teil um die Tätigkeit in einer Designagentur ging,
beleuchten wir nun die Arbeit in einer Werbeagentur

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Berufs Bezeichnung Kommunikationsdesigner,


Grafikdesigner, Designer
Aus Bildung Kommunikationsdesignstudium oder
Ausbildung zum Mediengestalter
Verdienst (Brutto) Einstiegsgehalt von etwa 26 000 Euro
im Jahr bis zu 85 000 Euro Jahresgehalt als Kreativdirektor

m
artin Strobel hat sich bewusst für
ein Studium an der FH Vorarlberg
im österreichischen Dornbirn ent-
schieden. Denn dort gibt es den
Studiengang InterMedia ( www.
fhv.at/studium/gestaltung/inte
media-b ), der vergleichbar mit ei-
nem deutschen Kommunikationsdesignstudium ist,
aber eine Menge verschiedene Disziplinen abdeckt.
Dort konnte er von Typografie und Plakatgestaltung
über Bewegtbild bis zum Screendesign alles auspro-
bieren. Nach seinem Bachelor wollte Martin Strobel
eine Richtung vertiefen, deshalb schloss er ein Mas- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Ja, allerdings würde ich noch einen gewissen Ehrgeiz
terstudium mit Schwerpunkt Branding und Com- und Zielstrebigkeit hinzufügen, um immer das best-
munication, ebenfalls an der FH Vorarlberg, an. Nach »Das Faszi- mögliche Ergebnis zu errreichen. Tatsächlich habe
diesen zwei Jahren wusste er: Seine Stärken liegen nierende ich mir diese Eigenschaften im Studium angeeignet.
in der Mar ken- und Kampagnenentwicklung. Seit ist zugleich Mein Professor hat uns während des Semesters oft
Januar 2014 arbeitet er bei Kolle Rebbe in Hamburg
(www.kolle-rebbe.de). Wir sprachen mit Martin Stro-
die Heraus- sehr kritisches Feedback gegeben, was einen im ers-
ten Moment entmutigte. Aber am Ende des Semes-
bel über Zielstrebigkeit, das weiße Blatt und den forderung: ters hatte man dann ein tolles Ergebnis vor sich lie-
Super Bowl. ant Dass man gen. Er wollte immer die letzten Prozente aus einem
fast jedes Mal herausholen, damit das Projekt noch besser wird.
Wie kommt man von Österreich an dieelbe? Was gehört zuihrem Job?
Martin Strobel: Für meine Masterarbeit »Die gute
wieder bei Ich arbeite hauptsächlich an umfangreichen Kam -
Idee« habe ich einige Kreative aus unterschiedlichen null anfängt pagnen für Netflix. Das ist sehr vielseitig, weil ve -
Bereichen interviewt, unter anderem Stefan Kolle. und dann schiedene Disziplinen gefragt sind. Zunächst geht es
Als ich ihm ein Belegexemplar schickte, sagte er, falls am Ende ein darum, eine Idee für die Kampagne zu finden. Dann
ich einen Job benötige, sollte ich mal in Hamburg überlegen wir, in welchen Medien sie wie gespielt
vorbeikommen. Also bin ich vorbeigekommen und
riesiges, werden soll. Anschließend geht es an die Umsetzung
geblieben. Zunächst als Grafiker, seit einiger Zeit sichtbares für die einzelnen Kanäle. Zum Beispiel gestalte ich
als Artdirektor. Ergebnis hat« Plakate und Onlinebanner, bin aber auch bei der Ent-
Mursal n asr, unsered esignerin vom letzten wicklung der Trailer dabei. Am Anfang waren meine
Martin Strobel,
Mal, nannte als Voraussetzungen für den Job Tätigkeiten mehr ausführend, inzwischen habe ich
Artdirektor bei Kolle
in einer d esignagentur Abstraktions-,einfüh- deutlich mehr Verantwortung. Ich muss mich etwa
Rebbe, Hamburg
lungs- und d urchhaltevermögen, dazus tress- für den Trailer mit dem Schnitt abstimmen oder mit
resistenz, f antasie sowie dief ähigkeit, ideen, dem Programmierer die Animation festlegen.
die man im Kopf hat, umzusetzen.g ilt das s ie müssen also von verschiedenend isziplinen
auch für die Arbeit in einer Werbeagentur? ein bisschen Ahnung haben.
page 02.16 105

Gute Kenntnisse in den klassischen Programmen meinem Textpartner Alexander Michaelsen. »Smart
Photoshop, InDesign oder Illustrator sollte man na - Draft« ist eine Zapfanlage, die Freibier ausgibt, al
türlich haben, aber das lernt man ja im Studium. Da- lerdings im Gegenzug den Akku des Smartphones
rüber hinaus ist es hilfreich, in die verschiedenen Dis- entlädt (www.martin-strobel.com/smartdraft.htm ).
ziplinen hineingeschnuppert zu haben. Und dann Der Gedanke dahinter: Anstatt sich an den Theken
lernt man im Agenturalltag jeden Tag Neues dazu. der Hotelbars miteinander zu unterhalten, starren
ist es üblich, sich hauptsächlich um einen viele Gäste lieber in ihr Smartphone. Also Freibier
Kunden zu kümmern? statt Akku. Von der Idee bis hin zur finalen Umse -
Ich arbeite auch für andere Kunden, aber Netflix hat zung kam alles von uns beiden. Konzeption, Pro-
momentan so einen Speed und so eine Workload, duktdesign und Technik der Zapfanlage, bis zum
das hält uns alle ganz schön unter Strom. Dreh vor Ort.
Bevorzugen s ie als Medium Print oder Online? u nd an was für einem Projekt würdens ie
Im Studium stand Print im Vordergrund, das ist also gerne mal arbeiten?
meine alte Liebe. Für Netflix arbeite ich in beiden Me- An einem TV-Spot für den Super Bowl. Nicht weil ich
dien, und es macht beides sehr viel Spaß. Auf jeden ein Riesenfan von American Football bin, sondern
Fall ist Print eine gute Basis für Online. weil die Spots, die dort gezeigt werden, ein tolles Ni-
Worin liegt dief aszination ihres Jobs? veau haben – die machen richtig Spaß.
Das Faszinierende ist zugleich die große Herausfor-
derung. Dass man fast jedes Mal wieder bei null an- PAGE Serie »Jobprofile«zu berufsbildern
fängt, von einem weißen Blatt ausgeht, und dann am in den unterschiedlichen Feldern der Kreativ-
Ende ein riesiges, sichtbares Ergebnis hat. branche ↗  www.page-online.de/jobprofile
Ängstigt s ie das weiße Blatt Papier auch mal?
Klar, einen ganz kurzen Moment. Aber wenn man PAGE eDossier »Designstudium«mit wertvol-
anschließend anfängt, über die Aufgabe nachzuden- len Tipps zubewerbungsmappe und e ignungs-
ken, kommen die Ideen, und man sitzt ja auch nicht prüfung ↗  www.page-online.de/pDDp1021
alleine davor.
Könnten s ie sich vorstellen, auch noch mal in
PAGE Story »Ausbildung in der Kreativbranche«.
einem anderen Bereich zu arbeiten?
In page 08.15 lesen Sie, auf welche Fähigkeiten
Aktuell habe ich Lust auf das, was ich mache, und da und Qualitäten es in den Designdisziplinen künftig
bin ich noch lange nicht am Ende angekommen. Ir- ankommt ↗  www.page-online.de/pepa 1508
gendwann in der Zukunft könnten auch andere kr-
ative Bereiche interessant sein. Eine Option wäre auf
jeden Fall, eines Tages als Dozent mein Wissen an
Studenten weiterzugeben. Ausbildung zum Kommunikationsdesigner
Werbung hat ja immer noch ein schillerndes
image. Was ist dran? ● g rundsätzlich kann man sich für ein Kommunikationsdesignstudium
Zunächst mal ist es einfach ein Job wie jeder andere. an einer (Fach-)h ochschule oder eineausbildung zum Mediendesigner
Man geht in die Agentur, verdient sein Geld und muss entscheiden. Die Wahl derh ochschule sollte nicht nur nach ihrer geo
gra-
für den Kunden arbeiten. Auf der anderen Seite ist fischen Lage erfolgen, sondern auch nach ihren inhaltlichen Schwer -
es natürlich großartig, wenn man sich für tolle Kun
- punkten. Manche ausbildungsstätten haben einen eher künstlerischen
Fokus, bei anderen ist dase rlernen von programmierkenntnissen Teil
den coole Sachen ausdenken, im Kopf ein bisschen
des c urriculums. Für diebewerbung in einer Werbeagentur reicht in der
herumspinnen kann. Und am Ende kommt dann et -
r egel ein bachelorabschluss – und natürlich eine tolle Mappe.h och-
was heraus, über das bestenfalls jemand draußen
schulen, die ihren Schwerpunkt eher imbereich Werbung haben, sind
auf der Straße oder auf der Couch zu Hause sagt:
unter anderem:
»Wow, das ist cool.«
s ind das die besten Augenblicke, wenns ie Miami Ad s chool europe, h amburg. Die staatlich anerkannteprivat-
die fertigen Kampagnen auf ders traße im schule bietet zweijährigeausbildungen für artdirektoren, Werbetexter
und g rafikdesigner an. Studierende können sich nach dembundes-
f ernsehen oder im Web sehen?
ausbildungsförderungsgesetz unterstützen lassen.ausbildungskosten:
Es sind schon schöne Momente, wenn ich auf dem
rund 21 000 e uro ↗  www.miamiadschool.de/de
Weg zur U-Bahn-Station die Plakate oder zu Hause
beim Fernsehgucken den Trailer sehe, an dem ich f achhochschule d üsseldorf. bachelor- und Masterstudiengang
kurz vorher noch gearbeitet habe. Mindestens ge - Kommunikationsdesign ↗  http://is.gd/designfh_d
nauso schön ist es, wenn ich beim Ausdenken einer f achhochschule Mainz. bachelorstudiengang Kommunikationsdesign,
Kampagnenidee eine Erleuchtung habe. Masterstudiengang g utenberg-Intermedia ↗  http://is.gd/designfh_mz
Was war bislangihr spannendstes Projekt? d esign f actory international, c ollege of c ommunication Arts and
Da muss ich zwei nennen. Zum einen die »Better Call interactive Media, h amburg. Dreijährige praxisnaheausbildung
Saul«-Kampagne. Das war mein erster großer Job zum Kommunikationsdesigner. Studierende können sich nach
für Netflix, der sehr viel positives Feedback im S - dem bundesausbildungsförderungsgesetz unterstützen lassen.
cial Web bekommen hat. Das andere Projekt – »Smart Kosten: circa 15 000e uro ↗  www.design-factory.de
Draft« für 25hours hotels – entstand gemeinsam mit
106 page 02.16 › BRaNCHe

PAGE digital
Was auf den digitalen Kanälen passiert www.page-online.de pagemag

Illustriertes Wissen
Bild. Eigentlich sollte die Kampagne »Wir Wollen
Wissen« der Hamburger Agentur Karl Anders ein ge-
plantes Bildungshaus in Wolfsburg bewerben. Aber
die illustrierten Motive von Stefan Mosebach, be-
kannt für seine Arbeiten für »brand eins«, kamen so
gut an, dass auch andere Institutionen sie nutzen
und sie nun die gesamte Stadt überziehen.
↗ www.page-online.de/wissen_0216

Der Sound der Eisberge


Technik. Zur UN-Klimakonferenz in Paris haben
»Ice berg Songs« Aufmerksamkeit für den Klimawan-
del geschaff en. Im antarktischen Weddellmeer nah-
men Forscher die Geräusche auf, die entstehen, wenn
Eisberge schmelzen. Für die Website Icebergsongs.
com verarbeiteten verschiedene Musiker diese Klän-
ge und Buzzin Monkey hat sie visualisiert.
↗ www.page-online.de/icebergsongs_0216

Jubiläums-Typografie
Typo. Zum Geburtstag wünschte sich das Studio Au-
to bahn etwas Besonderes: jeweils einen Buchsta ben
des Alphabets von den Typedesignern, mit denen sie
in den letzten zehn Jahren zusammengearbeitet ha-
ben. Das V übernahm Tomi Vollauschek von FL@33
in London, der aus dem klassischen Autobahnschild
gleich alle 26 Lettern kreierte.
↗ www.page-online.de/autobahn_0216

Blühendes Corporate Design


Kreation. Das Café Promenade in Graz liegt am
Stadt park, das Grün der Umgebung, die prächtigen
Pfl anzen und jede Menge Fantasie verband seite zwei
aus Wien daher zu einem überbordenden Erschei-
nungsbild: Rosen, Echsen und Giraff en schlängeln
sich durch die Schrift , und Sprüche wie »Auf den ers-
ten Kuss« fordern zum Genuss auf.
↗ www.page-online.de/promenade_0216

PAGE Newsletter.Bestellen Sie den kosten- PAGE Shop.Ob page Book, Schneidematte,
losen Newsletter und bleiben Sie stets Typometer oder einzelheft – einfach und bequem
up to date: ↗ 
   www.page-online.de/newsletter  bestellen auf ↗
    http://shop.page-online.de  
page 02.16 107

Portfolio
des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein
Mitglied der PAGE Community und
Highlights aus seinem Portfolio vor

Für The Space Spectrum


gestaltete Niclas Gerull
ein Mandala (oben),
das auch Bezug auf das
erste, psychedelische
Cover der Band (links)
nimmt. Um schlechten
Fußballstickern ein Ende
zu machen, entstanden
die Mods (unten), die
Trikots des HSV zitieren

Niclas Gerull
↗ www.page-online.de/portfolio/
niclas-gerull

● Klare Kommunikation bedeutet für Niclas


Gerull, die Welt verständlicher und offener
zu machen, und dabei hat der Grafikdesigner
durchaus Musik im Blut. Nicht nur, dass er Co-
ver für Bands wie das Krautrock-Kollektiv The
Space Spectrum entwirft – Schallplattenhören
ist seine größte Inspiration. Aber auch andere
Künste interessieren ihn. Er gestaltete gerade
den Lowbrow-Art-Katalog »Don’t Wake Dad-
dy X« und entwickelte ein Corporate Design
für ein fiktives Theater

Ich bin Designer


Schwerpunkte Editorial Design, Corporate
Publishing, Corporate Design, Branding
E-Mail kontakt@niclasgerull.de
Web www.niclasgerull.de
Standort Hamburg

Einzelhefte digital. Sie haben eineausgabe eDossiers. Best-of-Kompilationen aus page PAGE App.
verpasst? Direkt herunterladen unter   und Wea Ve finden Sie zum Download unter  page gibt’s auch
↗  http://shop.page-online.de/einzelhefte   ↗  http://shop.page-online.de/downloads   im app Store
108 page 02.16 › branche

Szene
Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt BDG Business Basics
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Positionieren Sie
sich richtig
BDG-Vizepräsident Christian Büning
klärt aktuelle Fragen aus
dem Berufsalltag von Kreativen
↗www.bdg-designer.de

● Es ist dumm, aber nicht zu ändern. Die


meisten Designaufträge werden vergeben,
wenn wir Designer nicht dabei sind. Irgend-
jemand möchte visuell kommunizieren und
fragt, wer dafür denn der Beste sei. Alle gehen
kurz in sich und bringen dann Namen ins
Spiel. Vielleicht auch Ihren, je nachdem, wie
gut Sie sich positioniert haben. Aber wie kom-
Illustrationen von Mai
men Sie am besten und zum richtigen Zeit -
Loan Nguyen Duy punkt in diese Köpfe? Der beste Weg dahin ist
begleiten beim Sprung ins der, nicht für etwas Allgemeines zu stehen,
Haifischbecken sondern für etwas Spezifisches, wie Usability
oder Identität. Man erinnert sich zwar nur in
Bezug auf diese Themen an Sie, aber dann als
Ratgeber zum Berufseinstieg. Das Studienende Erstes. Es ist besser, in irgendeiner Disziplin
als Erster mitzulaufen als in allen im Mittel -
naht und Sie wollen sich in einer Agentur bewerben? feld der Aufmerksamkeit. Wenn Sie immer
nur der Designer sind, der auch noch gefragt
Dann sind Sie ein Fall für »Von der Badewanne ins werden könnte, dann haben Sie eine Positio-
Haifischbecken. Ein Survival Guide für junge Desi nierungsunschärfe. 

gner« (Rheinwerk, 24,90 Euro, ISBN 978 -3-8362- Mein Tipp: Machen Sie den Küchentest! Ru-
3034-6). Autor und Gestalter Jan Hochbruck kennt fen Sie in die Küche, wegen welcher Fähigkei-
ten Sie gebucht werden sollten. Müssen Sie
die Agenturwelt schon deutlich länger, einschließ- beim Rufen Luft holen? Wenn ja, dann ist I -
re Außenwahrnehmung zu schwammig. Eine
lich all ihrer Tücken. In unterhaltsamem Plau der- Positionierung ist kein Zauberwerk, sondern
ton, wie ein guter Freund abends beim Bier, gibt er das Ergebnis dieser drei Fragen: Was können
Sie am besten? Was machen Sie am liebsten?
diese Erfahrungen nun in einem Buch weiter – ange- Wem könnte das nutzen? Aus der Schnitt-
fangen bei der Entscheidung zwischen den Berufs- menge ergibt sich Ihre stärkste Seite. Und an
diese soll man sich erinnern, also sollten Sie
zielen Designer oder Artdirektor über eine umfassen- diese Seite nach ganz vorne stellen und kom-
Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de

munizieren. Sprechen Sie über Ihre Spezia-


de Beschreibung der Aufgaben, die den Newcomer lisierung und auch über angrenzende The -
in einer Agentur erwarten, bis hin zur längerfristi- men. Auf diese Weise findet man Sie besser.
Viel Erfolg!
gen Karriereplanung. Wobei man natürlich nicht
alles so machen muss, wie Hochbruck es sagt. Man Haben auch Sie Fragen? Dann schreiben
Sie uns: businessbasics@bdg-designer.de
befolgt ja auch nicht alle Ratschläge von Freunden,
etwas lernen kann man von ihnen aber allemal. cg Business Basics auf PAGE Online.
ausgewählte beiträge lesen Sie
unter  ↗    www.page-online.de/bdg  
page 02.16 109

eIQ

Wie sich Designer


und Auftraggeber
verstehen, verraten
Gespräche in diesem
hübschen Büchlein

Beziehungsgeschichten
● Wie Designer arbeiten. Nur selten Tino Erben, der 1970 das immer noch
kommen Kunden zu Wort, wenn die aktuelle Leitsystem für die Wiener U-
Entstehung von Designprojekten be- Bahn gestaltete.
schrieben wird. Zu selten! Schließlich Bei so viel Österreich darf Stefan
beginnt die Arbeit jedes Kommunika- Sag meister nicht fehlen, den Damm
tionsprofi s mit der gelungenen Kom im Kaff eehaus traf. Auch er muss sich
munikation mit dem Auft raggeber. Der Korrekturen gefallen lassen, wie beim PAGE eDossiers – Best-of-
junge Wiener Gestalter Marc Damm Rebranding des Jewish Museum in Kompilationen aus PAGE und
hat sich von Designern und ihren Kun- Man hattan: »Da gab es eine große Än- WEAVE im Originallayout: PDFs
den in ausführlichen Gesprächen er- derung vonseiten des Kunden, von einfach und jederzeit down-
zäh len lassen, wie denn ihre Zusam- der ich jetzt sage, dass sie gut war. Die loaden in unserem Online-Shop
men ar beit lief – sei es beim Bran ding neue Version ist eindeutig besser.« All shop.page-online.de/downloads
des Wiener Rezept-plus-Zutaten-Shops dies und mehr nachzulesen im Buch
Fein koch von Fabienne Feltus oder »Gestaltet im Auft rag von . . .« (Birk
bei einem Ma gazin über die Zukunft häuser Verlag, 332 Seiten, 39,95 Euro,
der Mobilität von Studio Drahtzieher. ISBN 978-3-0356-0607-2). Übrigens mit
Dazu kommen Beiträge wie ein »Kur- verschiedenen Papieren und Forma-
zes Lexikon der Designbeziehung« von ten für Text- und Bildstrecken sehr fein
Erwin K. Bauer oder ein Gespräch mit gestaltet vom Autor selbst. cg
110 page 02.16

Kalender
Termine für Designer & Developer ↗ www.page-online.de/events

22.02.-23.02. Bis 01.02.


FITC Amsterdam 2016 Best of Swiss Web 2016
Um neuste Entwicklungen Eingereicht werden
in Design und Development können Webprojekte
geht’s bei dem Event für in zwölf Kategorien

Christoph Knecht, Kachelfries, 2013–15 (Detail): Installationsansicht/installation view MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto/photo: Axel Schneider © Christoph Knecht
Digital Creatives Pakhuis ↗www.bestof
de Zwijger, Amsterdam swissweb.ch
↗http://fitc.ca/event/
am16 Bis 08.02.
World Illustration
01.03.—04.03. Awards 2016
interaction 16 Illustrationswettbewerb
Konferenz der Interaction ↗www.theaoi.com/
Design Association mit awards
vielen Workshops Helsinki
↗http://interaction16. Bis 15.02.
ixda.org MuVi-Preis 2016
Gesucht ist das beste
11.03.—15.03. deutschsprachige
2016 SXSW Interactive Musikvideo
Festival ↗www.kurzfilmtage.de
Trendsetzendes Technolo-
giefestival Austin, Texas Bis 29.02./17.04.
↗www.sxsw.com/ Joseph Binder
interactive Award 2016
Internationaler Wett-
bewerb für Grafik
Wettbewerbe design & Illustration
↗https://jba.submit.to
Kreativawards
Bis 04.03.
1 Eine Übersicht aktueller
Einreichtermine finden Sie Prix Ars Electronica
auch auf unserer Website 2016
↗www.page-online.de/ Wichtigster und höchst-
wettbewerbe dotierter Preis für
computergenerierte Kunst
Detail aus einem Kachelfries von Christoph Knecht, das derzeit in Frankfurt zu sehen ist Bis 08.01. ↗www.aec.at/prix/de
TDC LXII
Der TDC New York sucht
Kongresse 28.01.–29.01. Wie jedes Jahr mit inte- herausragendes Kommu-
Ausstellungen
Messen
Agentur-Barcamp 2016 ressanten internationalen nikations- und Typedesign Festivals
für Inhaber, Manager, Sprechern – diesmal sind ↗https://type-
Spezialisten und Quer- Gavin Strange, Designer competition.tdc.org
denker Explora Museum, bei Aardman Animations, 20.01.–10.04.
18.01.–22.01. Frankfurt am Main Sarah Illenberger oder Bis 12.01./09.02. Christoph Niemann.
Berlin Fashion Week ↗www.agentur- Hungry Castle aus Barce- ADC Wettbewerb 2016 Unterm Strich
2016 barcamp.de lona mit dabei Alte Kreativaward für Arbeiten In seinen Illustrationen
↗www.fashion-week- Kongresshalle, München aus allen Bereichen und Covern etwa für
berlin.com 30.01.–31.01. ↗www.toca-me.com der Kommunikation den »New Yorker« bringt
Plat(t)form 2016 ↗www.adc der Gestalter das aktuelle
18.01.–24.01. Portfolio-Viewing für 25.02.–27.02. wettbewerb.de Weltgeschehen auf den
imm cologne 2016 Nachwuchsfotografen QVED 2016 – Editorial Punkt, ebenso intelligent
Möbel- und Designmesse Fotomuseum Winterthur Design Conference 2016 Bis 20.01. sind seine von Alltäg-
Messe Köln ↗www.fotomuseum.ch Auf dem Programm stehen new media award 2016 lichem inspirierten, spiele-
↗www.imm-cologne.de Vorträge von »IL«-Artdirek- Contest für die besten rischen Arbeiten
20.02.–28.02. tor Francesco Franchi, digita len Kampagnen Museum für Kunst und
19.01. Munich Creative Gail Bilcher, Designdirek- des Jahres 2015 Gewerbe Hamburg
Social Design – Alter Business Week 2016 torin beim »New York ↗www.newmedia ↗www.mkg-hamburg.de
Hut oder neue Aufgabe Event für Gestalter und Times Magazine«, und award.de
Vortrag von Professor Nico- Auftraggeber mit vielen vielen anderen Gestaltern Bis 31.01.
las Beucker, Hochschule Konferenzen, Ausstellungen und Magazinmachern. Bis 25.01. Philippe Apeloig –
Niederrhein, in der Reihe und Preisverleihungen Erstmals gibt es auch die 100 beste Plakate 15 Using Type
»Transformation Design«, ↗www.mcbw.de halbtägige QVIG-Konfe- Plakatdesignwettbewerb Der französische Grafik
Beginn 17:30 Uhr renz zum Thema Infografik für Deutschland, Öster- designer ist bekannt
Hochschule für Bildende 20.02. im Editorial Design Alte reich und die Schweiz für seine reduzierten typo-
Künste Braunschweig TOCA ME design Kongresshalle, München ↗http://100-beste- grafischen Plakate,
↗www.hbk-bs.de conference 2016 ↗www.qved.de plakate.de Logotypes und Arbeiten
page 02.16 111

2
Auf den ganz eigenen,
schwebenden Bildstil
Sarah Moons setzten
Modelabels wie Dior
oder Issey Miyake
in ihren Kampagnen

für Kulturinstitutionen. Arbeiten nehmen sie auch


Die Ausstellung gibt Einflüsse der angewandten
Einblick in sein Werk Gestaltung auf
Stedelijk Museum MMK3, Museum für
Amsterdam Moderne Kunst,
↗www.stedelijk.nl Frankfurt am Main
↗http://mmk-
28.01.–31.01. frankfurt.de
43e Festival Internatio-
nal de la Bande Dessinée 2 Bis 21.02.
Europäisches Comicfestival Sarah Moon – Now
Angouleme, Frankreich and Then
↗www.bdangouleme.com Zum ersten Mal zeigt eine
Ausstellung das Gesamt-
Bis 31.01. werk der Fotografin, die
Anton Corbijn. selbst zunächst Model –
Retrospektive als Modefotografin inter
Neben seinen expressiven, national Karriere machte,
rauen Porträts von Musi- aber auch künstlerisch-
Von unten: Nurit Bar-Shai, Objectivity [tentative]: The Soundscapes, 2012 © Nurit Bar-Shai; Sarah Moon: Fashion 9, Yohji Yamamoto, 1996 © Sarah Moon

kern wie Tom Waits, Björk experimentelle Bilder


oder Nick Cave sind in und Filme geschaffen ha
der Schau frühe Arbeiten, Deichtorhallen Hamburg
persönliche Projekte und ↗www.deichtorhallen.de
konzeptuelle Serien des
Fotografen und Regisseurs 3 Bis 28.02.
(»A Most Wanted Man«) Exo-Evolution
zu sehen c/o Berlin Die Ausstellung erkundet Bis 28.02.
↗www.co-berlin.org »die Verschränkung Das Bauhaus Social und Open Design Grcic oder Opendesk. Ein
von Kunst und Wissen- #allesistdesign oder Design Thinking de- Part ist der Bauhaus-
03.02.–07.02. schaft und die künst Die groß angelegte Schau monstrieren. Dazu bringt Kommunikation gewidmet
transmediale/ lerische Anwendung will die Modernität des Kuratorin Jolanthe Kugler Vitra Design Museum,
conversationpiece neuer Technologien« Bauhaus-Konzepts und klassische Entwürfe in Dia- Weil am Rhein au
Festival für Medienkunst & ZKM, Karlsruhe sein Fortwirken in aktuel- log mit Arbeiten etwa von ↗www.design-
digitale Kultur HKW Berlin ↗http://zkm.de len Diskussionen um Olaf Nicolai, Konstantin museum.de
↗http://transmediale.de

Bis 07.02.
Jugendstil. Die große
Utopie
Die Sonderausstellung be-
gleitet die Neupräsentation
der Sammlung Jugendstil
im Museum für Kunst
und Gewerbe, Hamburg
↗www.mkg-hamburg.de

Bis 14.02.
The World of Charles
and Ray Eames
Dem wohl stilprägendsten
Designerpaar des
20. Jahrhunderts ist diese
3
Ausstellung gewidmet
Art Gallery, Barbican
Centre, London
↗www.barbican.org.uk

1 Bis 14.02.
open handed.
Benjamin Hirte und
Christoph Knecht
Zwei spannende junge
Künstler, Stipendiaten der
Jürgen Ponto-Stiftung,
lassen sich in dieser
Schau entdecken. In ihren
anspielungsreichen Kunst trifft auf Wissenschaft: Die Schönheit von Mikroorganismen bringt Nurit Bar-Shai in dieser Arbeit hervor
‰‰−PAGE ›−.‰„

Vorschau Kontakt
PAGE 03.16 erscheint am 3. Februar

Skill Sets für Kreative Redaktion PAGE


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Textchefin Astrid Umbreit (au)
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Krawinkel (Art direk tion), Myriam Jantoss (Text redaktion),
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Maiken Richter (Text-/Schlussredaktion), Sabine Danek (sd,
Redaktion Online); Redaktions assistenz: Sinja Kik
Autoren dieser Ausgabe Christian Büning,
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Verbreitung von Werbeträgern e.–V. (IVW)
114 page 02.16 › Sieberts Betrachtungen

Schaffen wir das?


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

Gunst des Moments. »Internetkom - buchen kann, haben jüngst die Ner -
mentare werden viel gelesen und oft ven verloren. Als Hitlist 2013 erschien,
verbreitet, wenn sie eine Zuspitzung so bekamen die drei Gründer aufmun -
formulieren, dass sie den Geschmack ternden Rückenwind. Sie wurden von
der Netzmasse treffen.« Dies sei die Experten gelobt, und die User verga -
einzige Triebfeder. Es gebe kein Wahr ben 5 Sterne in den Stores. Doch leider
oder Falsch, keine Recherche, kein Ab- kehrten nur 5 Prozent wieder zur App
wägen, es zähle allein der Augenblick zurück. Die Investoren schlugen vor,
der Rezeption. Auf populistische Poli- die Nutzerbasis mit Facebook Ads zu
tik bezogen, heißt das: Kommunika- vergrößern. Doch der Hitlist-Chefstra-
tion ohne jede Verantwortung für Ver- tege Tarun Mitra trat auf die Brem-
gangenheit, Zukunft und die Folgen se: Wenn du ohne Kundenbindung in
Wie kommen wir aus den dunklen Wachs tum investierst, leihst du dir
Zeiten des Meinungsaustauschs wie - User, anstatt sie zu gewinnen.
der heraus? Jedenfalls nicht dadurch, Also wurde Version 2.0 von Hitlist
Foto: Norman Posselt

dass sich besonnene Menschen zu - komplett umgeschrieben. Das Echo


rückziehen. Leider verstärken die Me- der Erst-User war vernichtend. Das
dien das negative Image des Netzes, frustrierte die Entwickler. Doch als sie
indem sie lustvoll die Dumpfbacken das Nutzerverhalten näher betrachte-
Kommentare aus Facebook zitieren, ten, waren sie überrascht: 42 Pro zent
Besonnenheit gegen Stimmungsmache – ernste aber die klugen Worte übersehen, weil konsultierten die App mit einem Mal
Worte von unserem Kolumnisten Jürgen Siebert
die Suchmaschinen nur den populisti- regelmäßig. Und seither lohnt es sich
schen Müll nach oben spülen. auch, in die Vergrößerung der Nutzer-
Eigentlich gibt es keinen Grund da- basis zu investieren. Unter der Head-
● Was ist los mit den Debatten im für, dass sich die klugen Köpfe im Land line »Don’t Listen to Your Users« pu-
Netz? Kann man Facebook-Kommen- immer noch mehrheitlich über Print- blizierten die Hitlist-Gründer ih re Er-
tare überhaupt ernst nehmen? Finden medien, Fernsehen und Radio zu Wort kenntnisse auf der Plattform Medium
in Blogs eigentlich noch konstruktive melden. Das Netz erlaubt es, schnell (http://is.gd/dont_listen). »Der User
Streitgespräche statt? Warum schimpft zu reagieren, und dass man als Autor hat immer recht ... doch viel wichtiger
Til Schweiger: »Verpisst euch von mei- unmittelbar ei ne Diskussion auslöst, als das, was er sagt, ist, was er macht.
ner Seite«? Wieso empören sich Hun- hat seinen Reiz. Doch man muss die Natürlich interessiert uns die Kunden -
derte von Vegetariern über einen Dirk Nerven haben für solche Auseinander- meinung, aber das Tun wiegt schwe -
Nowitzki, der im Bank-Werbespot eine setzungen. Profis können das, Que - rer .. .« Big Data statt großer Worte. 
Scheibe Putenwurst verspeist? Ist das einsteiger (wie Til Schweiger und der Übersetzt in die Welt der Politik,
Internet völlig übergeschnappt? Rest von uns) verlieren rasch die Ner- heißt das: Egal, was die Wähler in Mei-
Es geht um mehr als das Internet. ven, weil sie nicht trainiert sind, weil nungsumfragen äußern, am Ende ist
Die Stimmungsmache in den sozialen es eine Schweinear beit ist, den Trol - entscheidend, wem sie ihre Stimme ge-
Netzen ist zu einem erfolgreichen Mo- len Kontra zu geben. ben. Lässt sich die aufgeheizte Stim -
dell für den realpolitischen Diskurs der Auch die Entwickler der App Hitlist, mung – im Netz und in Europa – allei-
Gegenwart geworden. Der Troll hat mit der man Billigreisen finden und ne durch das Auseinanderdriften von
nun den Cyberspace verlassen, um am xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Wort und Tat erklären? Marine Le Pen
Red nerpult unter »Usernamen« wie und der Front National konnten bei den
Pegida, Viktor Orbán oder Donald Vielleicht müssen wir Regionalwahlen in Frankreich gerade
Trump zu polarisieren. Die US-Twit - noch einmal neu lernen, noch gestoppt werden. Doch die Ge -
terin Rachel Goldberg (@mamasnark) mit Meinungsfreiheit walt gegen Flüchtlinge ver bietet ein
beschreibt das »Phänomen Trump« (im Netz) umzugehen, vorschnelles Ja als Antwort auf diese
mit 140 Zeichen: »Im Prinzip ist Trump Frage. Vielleicht müssen wir einfach
einfach nur eine Mensch gewordene
Stimmungsmachern noch mal neu lernen, mit Mei nungs-
Kommentarspalte, die fürs Präsiden- entgegenzutreten und freiheit (im Netz) umzu gehen, Stim -
tenamt kandidiert.« Debatten konstruktiv mungsmachern entgegenzutreten und
Für Sascha Lobo liegt die Über - zu Ende zu führen. Debatten konstruktiv zu Ende zu füh-
macht der Troll-Kommentierer in der ren. Schaffen wir das
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