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12 DE U T SC H L A N D: 9 , 8 0 € · SC H W E I Z : 19, 2 0 C H F · ÖS T E R R E IC H: 1 0,9 0 € · LU X E M BU RG: 1 1 , 5 0 € · 1 0 8 4 2


MAKING-OF MUSIKVIDEO Wie mit Standard-Tools neue Bildwelten entstanden

06.2012 Ideen und Know-how für Design, Werbung, Medien ≥ www.page-online.de


Weiterbildung & Coaching

AUF GEHT’S!
WEITERBILDUNG
UND COACHING
FÜR KREATIVE UND
DESIGNER

Highlight-Check

ADOBE CS6
InDesign, Photoshop,
Illustrator, Web & Tablet –
für wen das Update
lohnt

Illustratoren-Agenturen Der Bike-Hype Ästhetik des Hässlichen


Spannende Herausforderungen für Visuelle Kommunikation: Wie sich Masche oder Statement?
Bildgestalter und ihre Auftraggeber Fahrradmarken neu inszenieren Die Diskussion um Ugly Design
Editorial PAGE 06.12 003

Powerups
darum pixelgenaue Layouts in Photo-
shop aufzubauen, es gilt, die visuelle
Wirkung für eine Vielzahl von Screens
von vornherein im Blick zu haben. Die
Gestaltungsprozesse ändern sich, die
alten Kategorisierungen lösen sich auf,
neue Disziplinen entstehen. Nicht von
ungefähr werden denn auch neue Stu-
diengänge und Zusatzkurse ins Leben
gerufen, Innovationslabore eröffnet,
Weiterbildungszentren gegründet und
der Dialog mit fachfremden Experten
n Ungefähr 10 Minuten soll die Aus- sowie der Wirtschaft gesucht.
Foto: Kirsten Nijhof

bildung des für sein Lebenswerk mit Derlei Initiativen können Kenntnisse
dem Henri Nannen Preis ausgezeich- vermitteln und Fähigkeiten trainieren,
neten Fotografen Robert Lebeck ge- aber auch Auftakt für eine Verhaltens-
dauert haben. Nämlich genau so lange, änderung sein. Wer die Karriereleiter
wie er benötigte, die Gebrauchsanwei- vom Praktikanten über den Artdirek-
sung seiner Kodak Retina durchzulesen, tor zum Chef der eigenen Agentur er-
schreibt Claus Lutterbeck auf stern.de. klommen hat, weiß genau, wie wichtig
Die einen nennen es Talent, die ande- Soft Skills sind. Denn plötzlich zählen
ren die gute alte Zeit. Klar, auch Bilder nicht mehr nur Kreativität und Tech-
malen lernt man ganz von selbst. Aber nik-Know-how, sondern vielmehr Füh-
damit ist es heute bei Weitem nicht ge- rungsqualitäten sowie Analyse- und
tan. Wie sonst ließe sich wohl folgende Kommunikationsstärke. Weiterbildung
Anzeige auf Stellenmarkt-24.net erklä- ist eben wesentlich mehr als reine Wis-
ren: »Mediengestalter – ausgebildeter sensvermittlung. Weiterbildung ist Em-
Schriftsetzer – sucht Putzstelle oder powerment zu mehr Selbstvertrauen
Gartenarbeit. Kann auch kochen, wa- und Autonomie.
schen, bügeln, aufräumen – nebenbei Und wenn auch Sie mehr wollen
noch Ihre Bücher, Zeitschriften, Bro- und sich berulich verändern möch-
schüren etc. gestalten, layouten, um- ten, dann nehmen Sie sich die Zeit. Le-
brechen und für CTP vorbereiten.« sen Sie unsere Titelgeschichte ab Sei-
Nach der Ausbildung ist vor der Aus- te xx und inden Sie Ihre ganz persönli-
bildung. Kaum ein Tätigkeitsfeld ändert che Qualiizierungsstrategie. Auf dass
sich so rasant wie das der Kommuni- Sie neben dem Entwickeln von lexib-
kations-, Design- und Medienberufe. len Gestaltungskonzepten auch noch
Stichwort »Responsive Webdesign«, ein Privatleben haben und sich zum
um nur ein Beispiel zu nennen: Heute Beispiel einfach mal wieder mit guten
geht es für den Gestalter nicht mehr Freunden zum Kochen treffen.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher
Foto: Katrin Schacke (aus Sophia Muckle: Parcours. Existenz-

PAGE fürs iPad


gründung für Designer, Verlag Hermann Schmidt Mainz)

Ausbildung, Weiterbildung, Studium


in Design, Werbung, Medien

Das 40-seitige Extra aus PAGE 04.12


mit Selbstdarstellungen von
(Fach-)Hochschulen, Akademien
und Privatschulen sowie Schu-
lungs- und Seminaranbietern steht
im App Store unter »PAGE« zum
kostenlosen Download bereit
004 page 06.12

INHALT
SZENE
006 Was die Branche bewegt
Das makaber-eindringliche Kochbuch »Dead Men
Cooking« ; Florian Grimm über die aktuelle
PETA-Kampagne; Hipster-Logos; Briefmarke von
Christoph Niemann; Roboter-Steckset

014 Branche & Karriere


Instaprint; Brennpunkt: Juli Gudehus und ihr
Ehrenpreis für gute Gestaltung; Business Basics;
Designwirtschaftsstudie; Animation Jam

020 Ausbildung
Nachhaltiges Design; Buch zu »Sci Phi«

TITEL
022 n Weiterbildung und Coaching für Kreative
Alles ist möglich! Mit der richtigen Fortbildung
oder der Unterstützung eines Coaches kann
man seine Karriere so gestalten, wie man möchte –
088 Making-of: Musikclip für Five Years Older
na, zumindest fast genau so

KREATION
034 Schaufenstergestaltung
Gerade in Zeiten des Online-Shoppings können
ungewöhnlich gestaltete Laden- und Kaufhaus-
fronten die Passanten in ihren Bann ziehen

042 n Diskussion: Ästhetik des Hässlichen


Eine neue Gestaltergeneration formiert sich unter
dem Label »Pretty Ugly« und ist nicht nur ästhetisch
sehr weit vorn, sondern relektiert auch bewusst
die gesellschaftliche Funktion von Design

050 n Bike-Hype
Designer lieben Fahrräder. Und das bringen sie in
der visuellen Kommunikation rund um Radmarken
und die urbane Bike Culture zum Ausdruck

058 Papierwelt
XXL-Magazin »Upon Paper«; Recycling-Ideen

TYPO
060 TDC2
Neun Typedesigner haben ihre prämierte Schrift
in Form eines Rezepts in Szene gesetzt

068 Meta Science für De Gruyter


Edenspiekermann hat für den Wissenschaftsverlag
ein neues Konzept für die typograische
072 Typoreise: Slowakei und Tschechien
Gestaltung seiner Publikationen entwickelt
page 06.12 005

≥ PAGE Online: Ob Stellenangebote, Inspiration,


News, Magazin-Volltextsuche, publishing-Tipps,
abo-angebote oder den page-Shop – das alles inden
Sie unter www.page-online.de

072 Typoreise: Tschechien und Slowakei


Neben interessanten Akzenten gibt es hier frisches,
typograisch inspiriertes Design zu entdecken

078 Typowelt
Peter Bil’aks Greta Sans; Webtypo-Konferenz

BILD
080 n Illustratoren-Agenturen
Ob 3-D-Installation, Live-Painting oder Animation –
auf Bildgestalter und ihre Auftraggeber
kommen neue, spannende Herausforderungen zu

086 Bildwelt
Porträts aus der Umkleidekabine; Foto-Events

TECHNIK
088 n Making-of: Musikclip für Five Years Older
Für seine hypnotischen Bildwelten reizte Dirk Koy
die Möglichkeiten gängiger Bewegtbildtools aus

092 Tools & Technik


FileMaker Pro 12; Produktfoto-Komplettlösung;
neue Canon-Kameras

094 n Adobe CS6 im Highlight-Check


Was bringen die neuen Versionen von Photoshop,
InDesign, Illustrator, Flex & Co Designern und
Developern fürs Print-, Web- und Tablet-Publishing?

SERVICES & STANDARDS


108 Kalender: Kongresse, Ausstellungen, Awards

110 Publikationen: Buchempfehlungen


für kreative Publisher
Bücher zu DIY-Stoffdesign, zu animierten Info-
graiken und zu Frauen im Graikdesign

003 Editorial
041 PAGE Shop 053 PAGE Mini-Abo 077 PAGE Abo
104 PAGE Stellenmarkt
113 Impressum/Vorschau
114 Fundstücke von Jürgen Siebert

PAGE SEMINARE
048 »Gutes Design entwickeln« mit Jochen Rädeker
049 »Gutes Design gut verkaufen« mit Jochen Rädeker
057 Visual Thinking Lessons mit der Good School
059 PAGE Seminar »Generatives Design«
080 Illustratoren-Agenturen 066 »Designmanagement« mit Christine Hesse
006 PAGE 06.12

SZENE
Ein letztes Mahl
Jung von Matt/Fleet entwickelte zusammen mit dem Designerduo Rocket & Wink ein Kochbuch,
dessen Mahlzeiten hoffentlich nie zubereitet werden

n Es gibt Momente, in denen wer- gesamt 40 Rezepte haben die Mitar- »Dead Men Cooking« hat Jung ten Blick die Schwere zu nehmen, Die Hilfsorganisation Alive kämpft
den wir jäh aus unserem Alltag geris- beiter der deutschen Organisation von Matt/Fleet für Alive entwickelt, zum Durchblättern zu verführen – mit dem Kochbuch »Dead Men
sen. Dieses Buch soll genau so einen Alive bei ihrer Arbeit mit zum Tode um die mittlerweile wenig diskutier- und dabei zugleich ein bedrücken- Cooking« gegen die Todesstrafe
Moment erzeugen: »Dead Men Coo- verurteilten Gefangenen zusammen- te Todesstrafe wieder ins Gespräch des Gefühl zu erzeugen, wenn der
king«. Während in anderen Kochbü- getragen. Darunter finden sich ganz zu bringen und Menschen zum En- Leser realisiert, welche Rezepte er da
chern etwa Jamie Oliver und Tim Mäl- konkrete Wünsche wie etwa eine ve- gagement gegen Hinrichtungen zu gerade liest. Ob das Buch auf den

PAGE 06.12
zer launige Tipps geben, wie Steak getarische Pizza, Cola und Zigaretten motivieren. Das Hamburger Desig- Markt kommt, ist noch nicht sicher.
und Co zubereitet werden, enthält oder das chinesische Gericht Chao nerduo Rocket & Wink hat durch sei- Aber es dürfte den einen oder ande-
»Dead Men Cooking« Mahlzeiten, die Mian, aber auch Hoffnungen wie die ne coolen Illustrationen und die col- ren Kochfan anregen, bei der Zube-
sich Todeskandidaten an ihrem letz- eines Gefangenen aus Arizona: Er lagenartige Gestaltung einen Weg reitung seines Perfect Dinner über

007
ten Tag wünschen würden. Die ins- wünscht sich Live-Saver-Bonbons. gefunden, dem Thema auf den ers- die Todesstrafe nachzudenken. nk
008 PAGE 06.12 SZENE

Schöner essen
Performance-Künst- n Food-Festival. Die Kulinarik ist zum be-
lerin Ayako Suwa liebten Experimentierfeld von Designern und
fliegt mit ihrer Crew Künstlern geworden. Alles nur dekadenter
aus Tokio zum Schnickschnack einer übersättigten Konsum-
Taste Festival ein welt? Die Initiatoren des Taste Festivals, das
von 1. bis 10. Juni im Berliner Direktorenhaus
stattfindet, sehen das anders. Ihnen gehe es
um Bewusstsein, um alltägliche Lebenskunst,
so erklären sie – sicher wichtig angesichts von
Fast-Food- und Lebensmittelwegwerfkultur. Im
Mittelpunkt der Veranstaltung steht eine Aus-
stellung von Designern, Gourmetköchen, Eat-
Art-Künstlern und Food-Stylisten. Dazu kom-
men Koch-Events, Minimärkte, Bars, Präsenta-
tionen, Workshops und Dinners. Avantgardis-
tische Sinnenerlebnisse sind garantiert. cg

Geteilte Kreativität
n Urheberrecht. Die Creative-Commons-Li- Daher hat Creative Commons Anfang April
zenzen haben sich in den vergangenen Jahren einen Entwurf der nächsten Generation 4.0 ih-
zu einer wichtigen Grundlage für die Nutzung rer Lizenzen veröffentlicht (http://wiki.creative
freier Inhalte in jedweder Form entwickelt – commons.org/4.0_Drafts). Anhand der gebräu-
von Texten über Videos und Musik bis hin zur chlichen Lizenz BY-NC-SA (international) kön-
Fotografie. Aktuell bietet die Organisation sie nen nun die Änderungen diskutiert werden. Die
in der dritten Generation an, doch immer noch Lizenz besagt, dass der Urheber des Werkes ge-
gibt es Anpassungsbedarf, um zum einen den nannt werden muss, dass dieses nur unter der
Vorstellungen der Rechteinhaber besser ge- gleichen Lizenz weitergegeben werden darf
recht zu werden und zum anderen die weltwei- und allein eine nicht kommerzielle Nutzung zu-
ten Unterschiede rund um das Urheberrecht gelassen ist. Die Änderungen werden auf ande-
besser zu berücksichtigen. re Creative-Commons-Lizenzen übertragen. dsc
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Lieber dumme Möbel! Ansichtssache


n Ubiquitous Computing. Sorry Leute, aber was das Florian Grimm von Grimm Gallun Holtappels
Berner Museum für Kommunikation als neues Modul der über den regelmäßigen Einsatz
Dauerausstellung »As Time goes Byte« präsentiert, ist bes- nackter Prominenter in der PETA-Werbung
tenfalls eine Lachnummer, wenn nicht eine Horrorvision.
Das Ubiquitous Computing – sprich die Computerisierung
von Alltagsgegenständen, die sich untereinander ver-
netzt schlauer als ihr Benutzer wähnen – ist ja oft frag-
würdig genug, doch wohl nicht aufzuhalten. Wir hoffen
aber stärkstens, dass wir von einem »Wohnzimmer der
Zukunft« verschont bleiben, wie man es im neuen »Tangi-
ble Info Space« ausprobieren kann.
Da gibt es zum Beispiel die »smarte« Liege, die bei
Körperkontakt gleich ein Entspannungsprogramm oder
einen medizinischen Check anbietet und optisch an ein
Sonnenstudio erinnert. Sie leitet ein Gesundheitsprofil an
den interaktiven Tisch weiter, der entsprechende Menüs
vorschlägt. Nicht ganz klar wird, wer das von der digitalen
Gesundheitspolizei empfohlene Essen zubereitet. Der Haus-
haltsroboter ist es jedenfalls nicht. Der soll eigentlich put-
zen, führt aber im »Wohnzimmer der Zukunft« vor, wie er
sich selbst repariert, wenn er defekt ist.
Das goldgerahmte Bild an der Wand entpuppt sich wie- Hingucker: Frau Monroe, äh, Habermann in luftiger Garderobe für PETA
derum als Blick durch eine Überwachungskamera, die –
O-Ton der Pressemitteilung – »die Großmutter der Bewoh- n Mit nackten Promis gegen Pelzprodukte – die Tierschutzorganisation
ner im Auge behält«. Werden unsere PETA gilt als Urheber dieser prägnanten Werbeidee. Dass sich in der
In diesem Kinder eines Tages auf diese Art über- neuen Kampagne die Hamburger Moderatorin Eva Habermann nackt
Wohnzimmer prüfen, ob Oma schön brav ist??? Ge- rekelnd wie Marilyn Monroe präsentiert, schockt zwar nicht mehr, ist
der Zukunft radezu als Geniestreich mutet es da aber deshalb durchaus schlüssig. Das Konzept müsste allerdings neu
dürfen wir nur an, dass das dem Zukunftswohn- aufgeladen werden: In Zeiten von Social Media, in denen interaktive
noch Gesundes zimmer zugrunde liegende, glückli- Kampagnen den Adressaten die Möglichkeit zur Selbst-Präsentation
essen – wie die cherweise noch fiktive System den bieten, lassen sich diese unter anderem humorvoll, emotional und spie-
smarte Liege es Quatschnamen Ubiquax trägt und lerisch in die Werbung einbinden – auch beim Thema »Nackt gegen
nach dem medi- der Schriftzug mit bunten Lettern im Pelz«. Und warum nutzt PETA nicht den Mehrwert ihrer Heritage und
zinischen Check Google-Look gestaltet wurde. Big produziert einen Dokumentarfilm über die langfristige Entwicklung
vorschlägt Brother allerorten. cg ihrer – seinerzeit gewagten – Kommunikation?
Darüber hinaus vermisse ich die Brücke zwischen Bildmotiv und
Inhalt. Dabei ließe sich eine Kombination aus aufmerksamkeitsstarken
Bildern und tiefer Information mit einer konsistenten Verlängerung
ins Netz einfach realisieren, etwa mithilfe eines informativen Videoin-
terviews mit Eva Habermann, vielleicht nach dem Kampagnenshooting
im Bademantel gefilmt. Auch das Aufzeigen der Erfolge von PETA
könnte zum Mitmachen zu motivieren. Menschen nehmen die Missstän-
de in der Welt zunehmend aufmerksam wahr und wollen selbst etwas
dagegen tun. Deshalb wird der Servicecharakter gerade in der Werbung
für Umwelt- und Tierschutzkampagnen wichtiger.
Viele Konsumenten wissen beispielsweise gar nicht, dass den
größten Teil der Pelzindustrie nicht die Mantelproduktion der Luxus-
Eva Habermann: »Make Love. Not fur!« © Michael de Boer für action press

marken ausmacht, sondern die kleinen Pelzapplikationen, wie etwa


Jackenkragen der gängigen Fashionlabels. So könnte man über eine
Service-App nachdenken, die über die Herstellung verschiedener Mo-
dematerialien informiert. Ein vergleichbares Tool gibt es von Green-
peace für die Fischproduktion. Eine konzipierte App könnte die Ziel-
gruppen mit regelmäßigen Aktualisierungen der Inhalte langfristig
erreichen. Reizvoll wäre auch eine App, die mit Augmented Reality und
anderen technischen Möglichkeiten das Grundkonzept »Nackt gegen
Pelz« kreativ ausreizt.
Generell gilt, dass sich Menschen eher zum Einsatz für Natur- und
Tierschutzorganisationen bewegen lassen, wenn dargestellt wird, was
fragil und schützenswert ist – auch wenn ein niedliches Küken nicht
gerade überrascht. Von schockierenden, grausamen Bildern fühlt man
sich eher abgestoßen und will sich instinktiv nicht damit auseinander-
setzen. Insofern liefert der Einsatz nackter Botschafter bei PETA einen
ganz eigenen, aufmerksamkeitsstarken Ansatz.
010 PAGE 06.12 SZENE

London grüßt die Welt


Beim Random n Grafikdesign-Projekt. Das Post-
Project visu- kartenformat eignet sich bestens, um
alisieren Kreative Ideen auf den Punkt zu bringen. Diese
aller Sparten Tatsache nutzt Sarah Hyndman, Artdi-
Begriffe rund um rektorin bei With Relish in London, für
Olympia 2012. ihr »Random Project« (www.random-
Die »Queen« project-2012.co.uk), welches dazu ein-
(rechts) stammt lädt, Postkartenmotive zum Olympia-
vom Künstler Event 2012 in der britischen Hauptstadt
Wilfrid Wood, das zu gestalten. Angesprochen sind Kin-
Motiv »Culture« der und interessierte Laien ebenso wie
(ganz rechts) professionelle Kreative. Auf Anfrage
interpretierte bekommen sie ein zufälliges Stichwort
Initiatorin und rund um Olympia per E-Mail zugesen-

© All rights reserved by Random Project: www.random-project-2012.co.uk


Designerin Sarah det, das es frei zu visualisieren gilt.
Hyndman. Unten: Die Idee hatte Sarah Hyndman 2006
»Champion« ist bei einem ihrer Typografie-Kurse am
ein Entwurf von London College of Communication, als
mind design sie das Postkartenprinzip für die Grafik-
experimente ihrer Studenten etablier-
te. Das Projekt stieß bald auch bei an-
deren Studierenden auf Interesse; die
Ergebnisse wurden öffentlich präsen-
tiert. Zum diesjährigen Olympia modifi-
zierte Hyndman ihr Konzept, das inzwi-
schen per Social Media die Runde um
den Globus macht, für eine kreative All-
gemeinheit. Auf einem Olympia-Event
im August werden die Postkartenent-
würfe in einer Ausstellung zu sehen
sein, zu kaufen gibt es sie nicht. wl

Glanz vergangener Tage


Als man n Marken-Clip. Die Gürtel der aktu- Zu sehen ist der vom Amsterdamer mistischen, glamourös-spießigen Wirt-
noch wusste, ellen Vuitton-Frühjahrskollektion prä- Bewegtbildstudio Minivegas produ- schaftswunderzeit, zu verpassen. Da-
was Stil ist: sentiert ein Filmchen mit einer kurzen zierte Clip mit dem Titel »A Notch On bei schafft sie es immer wieder – auch
Louis Vuitton Detektiv-Story. Die britische Illustrato- Louis Vuitton’s Belt« auf »New, Now«, in dem neuen Animationsfilm »Kenzo-
setzt seine rin Jo Ratcliffe inszeniert sie, mal um die dem Onlinemagazin des Luxuslabels, nique«, der Kenzos Sommerkollektion
aktuelle Gürtel- Hüfte des Detektivs, mal um die gra- das »die Kunst des Reisens in einem überspitzt eklektisch in postmoder-
kollektion im zile Taille von einer Dame geschlungen digitalen Universum« feiert. nem Look einführt –, die Filme mit Hilfe
Fifties-Style in oder dekorativ als dynamische Verbin- Jo Ratcliffe versteht es, Modemar- von leichtfüßigen, humorvollen Grafik-
Szene dungslinien zwischen den Szenen, im ken mit ihren Bildwelten den Glanz spielereien vor plumper Sentimentali-
Stil von Saul Bass’ Grafikanimationen. vergangener Tage, hier etwa der opti- tät zu bewahren. wl
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Hipsterismus
n Logodesign. Dave Spengeler,
angehender Typedesigner aus
der Schweiz, hatte die gängigen
Hipster-Designs satt – überall
Vintage-Typo, Majuskeln, Anker,
Pfeile und das X. Dies habe
nichts im Logodesign zu suchen,
meint er und unterstreicht seinen
Standpunkt mit dem ironischen
Tumblr Hipster Branding. Hier
bekommen die Logos von Coca-Cola,
adidas, McDonald’s und sogar der
NASA ein Hipster-Treatment – und
verlieren dadurch ihre Einzigartig-
keit und Identität. Das anfängliche
Lachen kann einem da schon mal
im Halse stecken bleiben. Sind wir
nicht alle ein bisschen Hipster? nik

M wie mutig
n Corporate Font. Die spanische den, wie viel eigenen Charakter ein
Bierbrauerei Mahou hat ein wirklich solcher Font haben darf. Das Ergebnis
starkes Logo. Als begleitende Schrift unzähliger Skizzen und Stunden am
hätten die meisten Kreativen da wohl Rechner ist eine einzigartige, elegante
eine Helvetica oder eine andere neu- Schrift, die das Logo unterstützt, ohne
tral-unauffällige Type gewählt. Nicht so ihm die Show zu stehlen. Die weicheren
Paul Marshall. Für die Markteinführung Kurven sorgen für einen Ausgleich zu
in England suchte der Senior Designer dem rechteckigen Logo, die eigenwil-
bei Interbrand Madrid nach etwas Ex- ligen Formen vieler Buchstaben für Un-
klusiverem und bat den Londoner Ty- verwechselbarkeit. Vor allem im Versal-
pedesigner Jason Smith, eine maßge- M ist ein deutlicher Bezug zur Wort- Jason Smith
schneiderte und zum Logo passende marke zu erkennen. Einmal mehr eine zeichnete für das
Schrift zu entwickeln. rundum gelungene Schrift der Foundry spanische Bier
Gemeinsam mit Emanuela Conidi Fontsmith, die beweist, dass ein biss- Mahou eine
machte Smith sich daran, herauszufin- chen Mut selten schadet. ant exklusive Schrift

Verborgene Schätze
freundliche, loriotartige Weltsicht: Wenn man ihn an
»Man kann den Deutschen nicht vor- die Wand wirft,
werfen, dass sie beim Thema Umwelt- scheppert’s: Die
schutz und Recycling mangelnde Moti- Sonderbrief-
vation zeigen«, sagt er. »Deshalb über- marke mit Frosch-
legte ich, dass ein oberlehrerhaftes Mo- könig, gestal-
tiv unangebracht ist und dass es Zeit tet von Christoph
wird, ein so wichtiges Thema mal mit Niemann, ist ab
einem Augenzwinkern anzugehen.« 2. Mai im Handel
Auf für ihn typische Art und Weise
erzählt Christoph Niemann auf kleins-
tem Raum eine komplexe Geschichte.
Die Prinzessin kommt ihrem Kuss-Ver-
n Briefmarke. Königstochter küsst sprechen bekanntlich erst nach, als ihr
blechernen Froschkönig – diese hüb- Vater, der König, sie streng auf ihre
sche Metapher für unseren Umgang Pflicht hinweist – da ist eine solche
mit Abfallwertstoffen hat Christoph Briefmarke doch eine angenehmere
Niemann gefunden. Zu sehen ist das Form der Mahnung. Der Zuschlagswert
Motiv auf der neuen Sonderbriefmarke der Sonderbriefmarke in der Höhe
»Abfall ist Rohstoff« aus der Serie »Für von 25 Eurocent fließt in einen Fonds
den Umweltschutz«. Der Berliner Illus- für Umwelt- und Naturschutzprojekte
trator demonstriert mit seinem Ent- von Nichtregierungsorganisationen im
wurf einmal mehr seine menschen- In- und Ausland. wl
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Kopfkino
n Wahrnehmungs-Experiment. Quadrate, Kreise, Drei-
ecke: Können geometrische Formen pornografisch wirken?
Ja – das finden zumindest die Hüter des App Store, die der
iPhone-App Geometric Porn unlängst die Aufnahme ver-
weigerten. Auf der Website http://geometricporn.com ist ein
Video zu sehen, das diverse sexuelle Handlungen, allein mit
Hilfe von farblich und formal radikal reduzierten animier-
ten Vektorgrafiken zeigt.
Macher Luciano Foglia aus London, der seit über zehn
Jahren im Bereich Interaction Design und Animation tätig ist,
demonstriert damit, wie die menschliche Wahrnehmung –
und Fantasie – funktioniert. So sind wir – die Gestaltpsy-
chologie hat es erklärt – etwa mithilfe der Gesetze der Nä-
he, der Ähnlichkeit oder der Kontinuität unglaublich schnell
in der Lage, auch in abstrakten Figuren Ordnungen und be-
kannte Strukturen zu erkennen.
Auf der Site lassen sich auch T-Shirts mit Stills der Ani-
mation bestellen. Wer den Träger pornografischer Aussa-
gen bezichtigt, belegt damit genau genommen nur die Aus-
wüchse seiner eigenen Fan-
Das Spiel mit geometri- tasie. Im Kleingedruckten der
schen Formen überführt Website findet sich die dubi-
den Betrachter seiner ose Auskunft, dass die Shirts
eigenen sexuellen Fanta- und Bilder auch für Kinder ab
sien. Luciano Foglia dem Alter von vier Jahren ge-
demonstriert damit sehr eignet seien. Interessant könn-
eindrücklich die te es vielleicht auch sein zu er-
Prinzipien der Wahrneh- forschen, was diese in den
mungspsychologie Motiven erkennen. wl

Pixel + Puzzle = Puxxle


n Design-Puzzle. Hier ist pixelge- admire« heraus. Wahlweise lassen sich Oberflächen anbringen. Die Puzzle, die
naues Arbeiten gefragt: Das Design- Andy Warhol, Albert Einstein oder Sig- fertig bis zu 70 Zentimeter lang sind,
studio Yoyo aus Barcelona, geführt von mund Freud aus großen Pixeln zusam- kosten zwischen 18 und 45 Euro und
den Schwestern Catarina und Luisa menbasteln und über Klebeflächen auf sind über den Puxxle-Online-Shop er-
Lente, kreierte Puzzle, bei denen sich der Rückseite an Wänden oder anderen hältlich: http://puxxle.yoyo.es. aw
die Motive aus einzelnen Pixeln zusam-
Pixelbilder zum
mensetzen lassen. Mit ihrem »Puxxle«
Zusammenbasteln
wollen die beiden das verpixelte Uni-
für die Wand vom
versum, in dem sie als Grafik- und Web-
Designstudio Yoyo
designer tagtäglich arbeiten, vom Bild-
aus Barcelona
schirm in die reale Welt holen. Zuerst
gestalteten sie Tiermotive wie Kroko-
dil, Pinguin, Hai und Eichhorn; jetzt
brachten sie die Kollektion »People we

Pappkameraden
n Roboter-Steckset. Angesagte Illustratoren wie Jon
Burgerman, Airside, Geneviève Gauckler, Shin Tanaka, David
Shrigley, Hvass & Hannibal oder Roman Klonek haben zu
»Make Your Own Robot« beigetragen (17,95 Pfund, isbn 978-
1-85669-903-7). Die Box ist eine Kooperation des Verlags
Laurence King mit dem Londoner Designbuchshop Magma.
Sie enthält fünfzehn Templates, aus denen sich Roboter
zusammenstecken lassen. Drei Vorlagen sind noch jungfräu-
lich, sodass man selbst kreativ werden kann. Die Steckkar-
ten lassen sich auch einzeln weiterverschenken – in eigens
für jeden Roboter gestalteten Umschlägen. Unter www.
page-online.de/pappkameraden verlosen wir eine Box. cg
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BRANCHE & KARRIERE


Bitte lächeln!
n Kickstarter-Aktion. Die Foto-App
Instagram ist ein internationaler Hit –
das beweist unter anderem die Mil-
liardensumme, die Facebook für das
Start-up hingeblättert hat. So schön
die digitalen Fotos mit den Instagram-
Filtern sind, irgendwie sehnt man sich
doch nach den griffigen Polaroid-Fo-
tos mit dem weißem Rand. Die New
Yorker Digitalagentur Breakfast hat die-
sen Wunsch aufgegriffen und den Fo-
todrucker Instaprint entwickelt. Die zir-
ka 20 mal 20 Zentimeter große Box
druckt alle Instagram-Fotos aus, die mit
einer Location oder einem bestimm-
ten Hashtag versehen sind. Momentan
existieren zehn Prototypen, die schon
auf Events wie Shop-Eröffnungen, La-
dy-Gaga-Konzerten oder der SXSW zum
Instaprint ist eine Fotobox, die Instagram- Einsatz kamen. Ob Instaprint in die
Fotos in Polaroid-Optik ausdruckt Massenproduktion geht, entscheidet
eine Kickstarter-Aktion. Hier lässt sich
ein Gerät für knapp 400 Euro vorbe-
stellen: http://instaprint.me. nik

Business Basics
Christian Büning, Präsident des Berufsverbands der Deutschen
Kommunikationsdesigner (www.bdg-designer.de), beantwortet berufs-

Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de


bezogene Fragen von Gestaltern. Hier stellt er aktuelle Fälle vor

Winne, 32: Ich bin seit etwa sechs Jahren in einer mittleren Dazu gehören nicht nur ein gut trainier-
Agentur angestellt und frage mich manchmal, wie es wohl ter Gestaltungsmuskel und eine schnel-
weitergehen soll. Momentan läuft alles super, mir macht le Auffassungsgabe, sondern vor allem
die Arbeit große Freude, aber ich kenne kaum angestellte kaufmännische Kenntnisse und Erfah-
Designer, die älter als 50 Jahre sind, und mache mir Sorgen, rung im Projektmanagement. Der De-
wie meine Zukunft aussieht. Gibt es da eine gute Strategie? signer, dem man guten Gewissens ein
komplettes Projekt samt Budgetierung
Liebe Winne, anvertrauen kann, ist in einer Agentur
Ihr Eindruck täuscht Sie nicht. Laut un- deutlich weniger entbehrlich als der, ten auch die Agentur für Arbeit oder
seren Umfragen können Sie die Pro- der lediglich Hilfslinien aufziehen kann. die IHK ein passendes Seminar. Ihr Ar-
zentzahl der angestellten Designer, die Projektmanagement und -steuerung beitgeber kann diese Ausgaben voll-
über 50 sind, mit einer Hand problem- sind zudem Disziplinen, in denen Er- ständig als Betriebsausgabe geltend
los zeigen (es sind 3 Prozent, um ge- fahrung wichtiger ist als Trendgespür machen. Dazu gibt es nicht selten För-
nau zu sein). Leider gibt es keine be- und Zeitgeist. Sie werden also mit der derungen vom Staat. Auch wenn es
lastbaren Zahlen, wo diese Designer Zeit immer besser darin und können banal klingt, hilft es für den Anfang,
Haben Sie Fragen, alle geblieben sind. Vermutlich haben nützliche Fähigkeiten vermehren. Bie- den Wirtschaftsteil der Zeitungen zu
die Sie hier beant- nicht wenige ein eigenes Büro eröffnet ten Sie sich doch einfach beim nächs- lesen. Als Gestalter sind Sie immer auf
wortet sehen oder sind zum Partner innerhalb der ten Auftrag für die komplette Betreu- kaufmännisches und organisatorisches
möchten? Dann Agentur geworden und damit nicht ung an, wenn Sie bisher noch kein Pro- Wissen angewiesen – egal, ob als An-
schreiben Sie uns mehr angestellt. jektmanagement übernommen haben. gestellter oder als Freiberuler. Je bes-
(E-Mail: business Es gibt jedoch Qualitäten, die einen Oder fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ser Sie sich dort auskennen, desto län-
basics@bdg- Designer langfristig attraktiv werden ob dieser Sie mit einer Fortbildung un- ger werden Ihre Leistungen nachge-
designer.de) lassen – nicht nur im Agenturbetrieb. terstützt. Je nach Wohnort veranstal- fragt. Damit können Sie rechnen.
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jj

Brennpunkt
Juli Gudehus über den von ihr geplanten, nicht
unumstrittenen Ehrenpreis für gute Gestaltung

n Vor sechs Jahren sorgte die Berli- den mir die Dimensionen dieses Vor- +++ »Spiegel« mit Artdirektor. Uwe C. Beyer wird
ner Gestalterin Juli Gudehus für Auf- habens erst richtig klar. Und ich stau- spätestens zum 1. Oktober Artdirektor bei dem Ham-
sehen mit ihrer Kritik am Designpreis ne, wie der Ehrenpreis in kürzester burger Nachrichtenmagazin. In der neu geschaffenen
der Bundesrepublik Deutschland (sie- Zeit bereits derartigen Zuspruch in- Funktion soll er Bildsprache und Design weiterent-
he PAGE 08.06, Seite 15). Jetzt plant sie det – und tatkräftige Unterstützung. wickeln, so »Spiegel«-Chefredakteur Georg Mascolo.
einen Gegenentwurf: den Ehrenpreis, Ich habe zwar den Stein ins Rollen ge- Beyer war unter anderem Gründungsmitglied der
der im nächsten Frühjahr erstmals ver- bracht und bin darum die Frontfrau, »Woche« sowie Layoutchef bei »stern«, RTL, »ZEIT-
geben werden soll. Die wichtigsten Un- aber ich bin schon jetzt nicht mehr al- magazin« und »Spiegel«. Seit 1998 ist er Inhaber der
terschiede zu den gängigen Designaus- lein. Das Ganze steht und fällt mit den Hamburger Agentur Büro Freihafen. +++ ADC Festi-
zeichnungen: Der Ehrenpreis ist kein Personen, die daran beteiligt sind. Mei- val 2012. Vom 9. bis 13. Mai indet in Frankfurt am
Wettbewerb, er ist offen für sämtliche ne wichtigste Aufgabe besteht derzeit Main das ADC Festival statt. Das Motto in diesem
Gestaltungsdisziplinen und die Teilnah- darin, nicht nur die besten Mitstreiter, Jahr: »Ideen sind das Geld von morgen. Kreative als
me ist kostenlos. Scouts schlagen he- sondern auch die spannendsten, sym- Vorboten einer neuen Ökonomie«. Das Festival um-
rausragende Arbeiten vor, von Juli Gu- pathischsten, integersten Leute für fasst Jurysitzungen, einen zweitägigen Kongress, die
dehus ausgewählte Gutachter und Ju- die Jury und für die Runde der Gutach- ADC-Ausstellung, die Vergabe des Nachwuchspreises
roren vergeben die Auszeichnungen. ter zu gewinnen. am 11. Mai und die Award Show am 12. Mai. Tickets
Der Ehrenpreis soll Tugenden würdigen Wer soll das alles bezahlen? für Kongress und Ausstellung gibt es für rund 125 Eu-
wie Unabhängigkeit, Verantwortungs- Momentan investieren alle Beteiligten ro. ≥ www.adc.de +++ MfG-Award 2012. Der Bun-
bewusstsein, Neugier und Humor. In ihre unbezahlte Arbeitszeit. Und das desverband Druck und Medien hat das Einreichungs-
disziplinunabhängigen Kategorien sol- nicht zu knapp. Ohne Geld kann es al- konzept für seinen Designwettbewerb grundlegend
len zum Beispiel Arbeiten ausgezeich- lerdings, auch als Non-Proit-Organisa- überarbeitet. Statt nach Medientypen richtet es sich
net werden, »die sich mit einem be- tion, auf Dauer nicht gehen. Darum ist künftig an folgenden offenen Kategorien aus: Rafi-
sonders unliebsamen oder delikaten schon jetzt jede Spende höchst will- nesse, Umweltbewusstsein, Vereinfachung und Emo-
Thema befassen«. kommen. Sobald Jury und Gutachter- tion. Einsendeschluss ist der 31. Juli. ≥ www.mfg-
Während Juli Gudehus von vielen runde stehen und die eigentliche Web- award.de +++ Mut zur Wut 2012. Der internationale
bekannten Gestaltern Unterstützung site funktionsfähig ist, können potente Plakatwettbewerb bietet Designern, Agenturen und
bekommt, gibt es auch kritische Stim- Sponsoren gewonnen und Fördermit- Studenten erneut die Möglichkeit, ihre kritischen,
men. So sagt etwa Jochen Rädeker, tel beantragt werden. Ich bin auf je- sozialen oder persönlichen Plakatentwürfe einzurei-
Geschäftsführer von Strichpunkt und den Fall gespannt, ob es uns gelingt zu chen. Die Gewinnerarbeiten werden von einer inter-
ADC-Präsidiumssprecher: »Juli Gudehus vermitteln, dass auch Design eine spon- nationalen Jury ausgewählt und einen Monat lang in
ist fraglos eine ehrenhafte Gestalterin soringbedürftige, förderungswürdige Heidelberg und Mannheim im öffentlichen Raum
mit vielen guten Ideen. Ihre neueste Kulturleistung ist. ausgestellt. Einsendeschluss ist der 31. Mai. ≥ http://
gehört nicht dazu: Denn Ehrungen Es gibt bereits Dutzende Designpreise. mutzurwut.de/2012 +++ Ars Electronica 2012. Vom
sind in der Designbranche alles ande- Was wollen Sie mit dem Ehrenpreis 30. August bis 3. September indet in Linz das Festi-
re als Mangelware. Wohl keine andere erreichen? val für Kunst, Technologie und Gesellschaft statt. Un-
Branche zeichnet sich lieber aus als Design ist im Unterschied zu Theater ter dem Motto »The Big Picture« steht die Frage nach
wir eitlen Kreativen, und in keinem an- oder Kunst sehr alltäglich. Fast alles, zukunftsfähigen Weltbildern im Mittelpunkt. Das voll-
deren Bereich gibt es mehr Ehrungen, was uns umgibt, ist gestaltet. Um De- ständige Programm wird Ende Juli bekannt gege-
die vor allem dem inanziellen oder sign zu erleben, muss man nirgendwo ben. ≥ www.aec.at/thebigpicture/de +++ Hi-ReS! in
ideellen Wohl ihres Veranstalters die- hingehen, es steht auf keinem Podest. Berlin. Die ehemaligen Razorish-Geschäftsführer
nen. Dass sich Juli Gudehus als ›Ge- Darum nehmen es vermutlich die we- Sven Küster und Mathias Sinn haben Anfang April
schäftsführerin des Ehrenpreises‹ vor- nigsten bewusst wahr. Was Laien als den Berliner Standort der Digitalagentur eröffnet.
stellt, lässt da nichts Gutes ahnen. Un- Design auffällt, ist ja nur ein winziger Hi-ReS gehört zur Syzygy-Gruppe, Hauptsitz ist Lon-
serer Branche täte statt noch eines Ausschnitt des gesamten Schaffens. don. Seit 2011 gibt es auch Büros in New York und
Preises viel eher eine Konzentration Der Ehrenpreis soll die Wahrnehmung Hamburg. +++ Kolle Rebbe baut Artbuying um. Alice
auf einige wenige, seriös und umfas- entsprechend schärfen. Wie beim Bun- Feja leitet seit 1. April das Artbuying der Hambur-
send jurierte Wettbewerbe gut.« Auch desverdienstkreuz wird darum jeder ger Werbeagentur. Sie ist seit über zehn Jahren bei
die Ernennung der Jury durch eine Bürger Arbeiten nominieren können, Kolle Rebbe tätig und bekommt Verstärkung von
Person sieht Jochen Rädeker kritisch. die er für preiswürdig hält. Ich will er- Katja Sluyter, seit 1. März Senior Art Buyerin, und Ka-
Wir sprachen mit Juli Gudehus über reichen, dass vor allem solche Gestal- ren Blome, die zum 1. Juli als Senior Art Buyerin dazu-
den Stand der Dinge. nik ter geehrt und gefördert werden, die stößt. +++ Jung von Matt in China. Till Wagner, Nuno
dazu beitragen, unsere Welt zu ver- Wu und Jimmy Liang haben die Geschäftsführung
Wie weit sind Sie mit der Planung? bessern, uns Ärger ersparen, uns auf- von Jung von Matt/Tonghui in Peking übernommen.
Juli Gudehus: Im Moment arbeite ich muntern, uns helfen. Ich will erreichen, Bislang wurden die Asiengeschäfte der Agentur von
das Konzept aus. Ich führe Gespräche dass sie Preisgelder erhalten, die ih- Deutschland aus geführt. Momentan beschäftigt die
mit klugen und erfahrenen Leuten, de- nen erlauben, unabhängig von Zeit- chinesische Dependance 17 Mitarbeiter und betreut
ren Kritik und Rat das Ganze stärken druck und Erwerbszwang mehr solcher Kunden wie Mercedes-Benz China oder den Handy-
und präzisieren. Im Zuge dessen wer- Arbeiten zu erschaffen. hersteller Oppo. nik
016 PAGE 06.12 SZENE

Geteiltes Wissen
n Agentur-Publikation. Ajaz
Ahmed, Gründer der internationalen
Digitalagentur AKQA, und Stefan
Olander, Vice President of Digital Sport
bei Nike, arbeiten seit über zwölf
Jahren zusammen. In dieser Zeit haben
sie die fortschreitende Digitalisierung
und den Wandel der Medien mit Apps
wie Nike+ für sich zu nutzen gewusst.
Jetzt legen sie in einem Buch gemein-
sam ihre Philosophie dar und plau-
dern aus dem Nähkästchen. Der Titel:
»Velocity« – zu Deutsch: lineare
Geschwindigkeit. Angelegt ist es als
Konversation zwischen den beiden.
Das Herzstück bilden sieben Regeln für
die digitalisierte und sich schnell
verändernde Welt. Am 9. Mai stellen
Zufriedene Bayern die Autoren das Buch offiziell auf
der Next Berlin 12 vor, ab 3. Mai ist es im
Die Krieger n Designwirtschafts-Studie. Die Gestaltet hat die Studie natürlich Buchhandel erhältlich (16,99 Euro,
des Lichts gute Nachricht vorweg: Mehr als 75 Pro- eine bayerische Agentur, nämlich Die isbn 978-0091947569). Ein Interview mit
gestalteten zent aller bayerischen Designer sind Krieger des Lichts aus Nürnberg (die Ajaz Ahmed zu dem Projekt finden Sie
die Studie zufrieden oder sogar sehr zufrieden aber auch längst ein Büro in Berlin ha- auf www.page-online.de/velocity. nik
»Design- mit ihrem Beruf. Statistische Daten wie ben). Das Konzept beruht auf den
wirtschaft diese präsentiert die vom Bayerischen komplementären Werten, für die Ba-
in Bayern« Staatsministerium für Wirtschaft erst- yern aus Sicht der Designer steht: einer-
mals erstellte Studie »Designwirtschaft seits Sicherheit und Tradition, anderer-
in Bayern«, die auf 1147 ausgefüllten seits Innovation, Forschung und Mo-
Online-Fragebögen beruht. Kommuni- dernität. Ersteres zeigt der schwarz-
kationsdesigner machen den Großteil weiße Hauptteil der Broschüre, der alle
der Befragten aus, von denen 28 Pro- Zahlen und Fakten enthält. Dazu kom-
zent angeben, »wenig oder gar nicht men fünf Einhefter auf farbigem Pa-
ausgelastet« zu sein – wobei fast alle pier mit eher visionären Texten von
2010 einen Anstieg der Aufträge ver- Designern und Theoretikern – und weil
buchten. Die Weiterbildungssituation für Visionen auch mal Regelbrüche nö-
stuft übrigens ein Drittel als verbesse- tig sind, indet man hier automatisch
rungswürdig ein, die meisten von ih- linkskursiv gestellten Text. Erhältlich ist
nen wollen sich auf rechtlichem Ge- die Studie in digitaler und gedruckter
biet schlauer machen. Form unter www.bayern-design.de. cg

Bewegtes Hamburg
n Animations-event. Der seit 2003 ni – dem Tag nach der Preisverleihung sich an Unternehmensständen und
verliehene Hamburg Animation Award im Schmidts Tivoli – sogar eine neue Freelancer-Points oder mit Fünf-Minu-
legt an Beliebtheit und Bedeutung zu. Tagesveranstaltung: In der Hamburger ten-Präsentationen auf der Jam Stage
Letztes Jahr wurde der internationale Handelskammer kommt die Anima- vor. Bis zum 15. Mai können sich hierfür
Nachwuchswettbewerb, der jedes Mal tions- und Visual-Effects-Branche zu noch Interessenten anmelden. Mehr
mit einem anderen Partnerland koope- einer Messe und Vorträgen zusammen. Informationen gibt es unter www.ani
riert, um den Innovative Design Award Player aus Animation, Film, Postpro- mation-jam.com und www.hamburg-
erweitert. Dieses Jahr gibt es am 13. Ju- duktion, Werbung und Games stellen animation-award.de. cg

Gewinner des Innovative Design Award 2011 war »The Backwater Gospel«, eine Studentenarbeit aus dem dänischen The Animation Workshop
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PAGE ONLINE
Portfolio des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein Mitglied aus der PAGE Community und Highlights aus seinem Portfolio vor

3deluxe motion
www.page-online.de/community/portfolios/3deluxe_motion

n 3deluxe motion lässt Dinge in Bewegung gera- Ich bin Designer, Festangestellter
ten und schafft virtuelle Welten, die faszinieren: Im Ich biete Motiondesign, 3-D, Film/Video
Vorspann für das 3sat-Wirtschaftsmagazin »makro« E-Mail motion@3deluxe.de
verknüpft Sascha Koeth kunstvoll-lüchtig Metro- Web www.3deluxe.de/
polen, lässt für das Schweizer Fernsehen einen or- Standort Hamburg
ganisch visualisierten Lichtluss strömen und für
das Wiesbadener exground ilmfest wunderbar ge-
heimnisvolle Wesen in die Lüfte aufsteigen.

E-Mag: KrEation | tyPo | BiLD | tECHniK | SZEnE | gaLEriE


© Martzi Hegedüs

People Are Fragile Frustro Typeface Marimekko-Illustrationen


Kreation. Hot Tomali Communications in Typo. Eigentlich wollte der ungarische Stu- Bild. Berühmt sind Soie Hannibal und Nan
Vancouver entwarf eine aufrüttelnde Gue- dent Martzi Hegedüs nur ein wenig am Com- Na Hvass für ihre Artdirektion und ihre Illus-
rilla-Kampagne für mehr Straßensicher- puter herumspielen. Daraus entstand Frus- trationen. Jetzt sind ihre Entwürfe auch auf
heit: »Ich muss mich beeilen, ich muss zu ei- tro Typeface, ein Alphabet sinnestäuschen- Baumwollsatin zu sehen: Für die innische
nem Meeting . . .« schrieben die Kreativen der Buchstaben, die auf eine Art ineinander Modemarke Marimekko, eine der anerkann-
auf den Bürgersteig. Der Rest des Satzes verschränkt sind, wie es eigentlich unmöglich ten Adressen für skandinavisches Design,
verliert sich zerrissen auf der Fahrbahn . . . ist. Illusionist Escher hätte es gefreut! entwickelten sie das Muster Kaiaka.
≥ www.page-online.de/people-fragile ≥ www.page-online.de/frustro ≥ www.page-online.de/marimekko
PAGE 06.12 019

≥ www.page-online.de PAGEmag

Vom Opener über die Sendungsgraiken bis zum Interior des Studios hat 3deluxe motion alles für »Einstein«, die Wissenschaftssendung
des Schweizer Fernsehens, gestaltet Der Imageilm und die Website für das Unternehmen Marketing Partner thematisieren die
komplexen Abläufe der Markenbildung Atmosphärischer Opener für das exground ilmfest in Wiesbaden Die Opening Titles für das
Showreel visualisieren, dass die Gestaltung sich in die unterschiedlichsten Richtungen entwickeln kann

PagE nEWSLEttEr

Arabic Graffiti Geschichte via QR-Code Immer up to date


Szene. Bis 24. Juni indet man legale Wand- Technik. Raus aus dem Museum und n Bestellen Sie jetzt den kostenlosen
kunst in Frankfurt am Main: Grafiti-Artists rein in die Stadt: Um Geschichte lebendig PAGE Newsletter und bleiben Sie auf
aus Ägypten, Tunesien und Deutschland zei- zu vermitteln, hat Stade an Baudenkmä- dem Laufenden rund um kreatives Me-
gen ihre Werke in einer öffentlichen Street lern QR-Codes angebracht. Scannt man diendesign, Publishing und Trends. So
Art Gallery. Besonders interessant: die Ar- diese mit dem Smartphone, erhält man erfahren Sie auch als Erste, wenn wir
beiten, die Grafiti zitieren, die während der Informationen zur Historie. Das ist ein- ein neues PAGE Seminar veranstalten
Revolution in Kairo entstanden. zigartig in Norddeutschland. oder eine Sonderedition herausgeben.
≥ www.page-online.de/arabic-graffiti ≥ www.page-online.de/qr-stade ≥ www.page-online.de/newsletter
020 PAGE 06.12 SZENE

AUSBILDUNG
Wider das Vergessen
n Gedächtnis-App. Nicht nur auf den les Gedächtnis funktioniert. Die Mind­
diesjährigen Kongressen werden die guide­App unterteilt sich in die Berei­
Themen Nachhaltigkeit, Social Design che »Mind« und »Guide«. Unter »Mind«
und die Rolle des Gestalters in der kann der Patient wichtige Daten und
heutigen Welt heftig debattiert. Auch Erinnerungen abrufen, die chronolo­
an den Hochschulen wird diesbezüg­ gisch geordnet sind und von den Ange­
lich geforscht und werden Projekte an­ hörigen mit aktuellen Informationen er­
gestoßen. Ein Beispiel dafür ist die App gänzt werden können. »Diese Erinne­
Mindguide, die im Corporate­Design­ rungen haben einen therapeutischen
Kurs von Richard Jung an der Hoch­ Nutzen«, sagt Valerie Veltman. »Die
schule Niederrhein entstanden ist. Das Auseinandersetzung mit Ereignissen
Studententeam um Valerie Veltmann, aus der Vergangenheit kann den Ver­
Simon Overgoor, Konstantin Weimann lauf der Krankheit verlangsamen.« Der
und Justine Ohlhöft hat sich mit der Bereich »Guide« ist für den Alltag des
Alzheimer­Erkrankung beschäftigt und Alzheimer­Erkrankten gedacht. Hier
überlegt, wie Designer Menschen, die wird er an die Einnahme seiner Medi­
unter Demenz leiden, helfen können. kamente erinnert und kann eine Navi­
Ihr Konzept ist eine interaktive Ap­ gationshilfe und Gesichtserkennungs­
plikation, die wie ein zweites, digita­ funktion abrufen. Die Daten sind in der
Cloud gespeichert und lassen sich von
Die Mindguide-App dient Alzheimer- verschiedenen digitalen Geräten be­
Erkrankten als digitales Gedächtnis quem abrufen. nk

n Richard Jung, Mitglied des ADC, ist der Regel sein Geld damit, ein fertiges formale Weise. Radikales Umdenken
Professor für Kommunikationsdesign Produkt zu gestalten, oder er hilft da­ ist hier angesagt.
und Corporate Identity an der Hoch­ bei, es zu verkaufen. Je mehr und je Was muss sich im Designprozess
schule Niederrhein. Wir sprachen mit kurzlebiger also etwas produziert wird, ändern?
ihm über Ecodesign und die Verant­ desto mehr Aufträge bekommt er. In­ Es gibt diverse Beispiele für energieef­
wortung von Designern. zwischen sind die Prozesse aber ver­ iziente, umweltschonende, langlebi­
netzter, weniger linear und die Markt­ ge Gestaltung, aber mir ist keine wirk­
Nachhaltigkeitsstrategien im Design anforderungen wesentlich komplexer. lich nachhaltige Industrieproduktion
und durch Design bewirkt werden In dieser neuen Welt könnte ein Desig­ bekannt. Am Ende des Tages erblickt
auf diversen Kongressen diskutiert. ner als kreativer Vermittler zwischen immer ein Produkt die Welt, das Res­
Inwiefern hat sich die Einstellung Mensch, Umwelt, Technik, Gesellschaft sourcen verbraucht und die Umwelt
von Gestaltern zu diesem Thema und Markt agieren. Wie gesagt: könn­ verschmutzt. Es ist ein Dilemma, aus
geändert? te. Denn dafür muss sich das Selbst­ dem nur radikales, ganzheitliches Um­
Richard Jung: Was sich geändert hat, verständnis, vor allem aber auch das denken ein wirklich nachhaltiger Aus­
ist die weitverbreitete hedonistische, öffentliche Berufsbild eines Designers weg ist. Dafür gibt es einen Ansatz:
postmoderne Denke vergangener De­ grundsätzlich ändern. Ressourcen sind Allgemeingüter, auch
signergenerationen. Und das ist auch Inwiefern? Allmende genannt. Bei Allgemeingü­
gut so. Dadurch bekommt der Beruf Designer sollten viel mehr über den tern besteht die Gefahr einer ökologi­
wieder den Stellenwert – die Beto­ Tellerrand ihrer Disziplinen hinaus­ schen und ökonomischen destruktiven
nung liegt bewusst auf »Wert« – im In­ schauen. Die Komplexität der Gestal­ Übernutzung. Das Problem ist in der
novations­ und Produktionsprozess, tungsaufgaben nimmt immer mehr zu. Wirtschaftswissenschaft unter dem Na­
den er verdient. Nicht zuletzt durch die sozialen und men »Tragik der Allmende« bekannt.
Kann man Design und Ökologie ökologischen Aspekte der Arbeit. Das Es gibt aber viele Beispiele, wie Nutzer
überhaupt vereinbaren? zwingt zur Teamfähigkeit. Kommuni­ stabile Regeln für eine nachhaltige Be­
Solange ein Designer als letztes Glied kationsdesigner könnten hierbei, wie wirtschaftung inden können und da­
eines linearen Produktionsprozesses der Name schon sagt, die Kommunika­ mit beweisen, dass die »Tragik der All­
begriffen wird, im Grunde nicht. In her­ tion im gemeinschaftlichen Prozess mende« nicht sein muss. Diese Prozesse
kömmlichen Prozessen verdient er in gestalten, und das nicht nur auf eine sind meist aus der Not heraus entstan­
den. Sie können aber auch gestaltet
werden. Das wäre für mich das Ideal­
»Radikales Umdenken ist angesagt!« bild für wahres Eco­Design und damit
ein Idealbild eines Eco­Designers.
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Lustspiel +++ Neue Professorin an der Merz Akademie. Als


Professorin für Ästhetische Theorie hat Dr. Maria
n Corporate Design. Versuche, ein gleich auf Erotik und Sex schließen. Muhle die studienübergreifende Theorieausbil­
Bordell für Frauen aufzubauen, gab es Den Balken verarbeitet die Gestalterin dung an der Merz Akademie in Stuttgart übernom­
bereits, aber kein wirklich überzeu­ bereits im Logo, um das Wort »Ficken« men. Sie lehrte von 2008 bis 2012 als wissenschaftli­
gendes: »Es wurde meist als exotische bis auf das F zu verdecken. Er taucht che Mitarbeiterin in der Professur Geschichte & Theo­
Nebensparte in Männerbordellen be­ auch im Wartesaal des Bordells in Form rie Künstlicher Welten an der Bauhaus­Universität Wei­
trieben, ohne auf Frauen zugeschnit­ einer Videowand auf, die Pornoszenen mar und vertrat im Wintersemester 2010/11 die Junior­
ten zu sein. Diese legen zum Beispiel zeigt und in Proportionen und Raste­ professur für Medientechnik und Medienphilosophie
erhöhten Wert auf Hygiene, Niveau und rung der Balkenform entspricht. Als an der Ruhr­Universität Bochum. 2008 gründete sie
Ästhetik«, sagt Britta Wagner. Um ein weiteres Element hat Britta Wagner den August Verlag Berlin. +++ Transmedia/Games
solches Angebot zu etablieren, müss­ die schlüpfrigen Wortspiele von Sexil­ Artist. Im neuen vierjährigen Studiengang der Film­
te man es eher als Ort positionieren, men als Text übernommen und damit akademie Baden­Württemberg in Ludwigsburg ler­
an dem Sex als Lifestyle gelebt wird Wände, Merchandisingartikel sowie die nen Studenten die visuelle Gestaltung bei Game­De­
und als solcher gekauft werden kann. Kondomverpackungen bedruckt. Die velopments und Transmedia­Produktionen. Dabei ste­
Von diesem Ansatz ausgehend hat die anrüchigen Wörter sind dabei jeweils hen Themen wie 2­D­ und 3­D­Animation in Games
Kommunikationsdesignerin eine Cor­ geschwärzt. Neben Schwarz setzt sie sowie die Arbeit mit Echtzeit­3­D­Software auf dem
porate Identity für ein Frauenpuff ent­ Weiß und einen Lila­Ton als Corporate­ Plan. Interessierte können sich bis 15. Mai für diesen
wickelt, das sie in ihrer Diplomarbeit an Farben ein. Während Weiß für Hygiene und weitere Ausbildungsgänge des zwei­ oder vier­
der Folkwang­Universität der Künste steht, deutet Lila weibliche Lust an. jährigen Studienschwerpunkts Interaktive Medien
Essen vorstellt. Als Claim für ihren Frauenpuff wählte an der Filmakademie bewerben. ≥http://interaktive-
Zentrales Gestaltungselement ist die Designerin »kommen und gehen«. medien.animationsinstitut.de +++ Personalie. Ralf
der Zensurbalken. Er suggeriert Dis­ Zu sehen ist die Arbeit unter www. Lobeck ist ab sofort Professor für Visuelle Kommuni­
kretion und Anonymität, lässt aber zu­ page-online.de/Lustspiel. kation an der AMD Akademie Mode & Design am
Standort Düsseldorf in den Studiengängen Mode­
Design sowie Mode­ und Design­Management. Zu­
Philosophie trifft Science-Fiction dem leitet er sein Büro Lobeck mit Schwerpunkt Ty­
pograie. ≥ www.amdnet.de +++ Ideenwettbewerb
n Buchgestaltung. Inwiefern der Scii-Blockbuster »Matrix« eine Lektion in UniGestalten 2012 entschieden. Als beste Idee für die
Sachen Erkenntnistheorie bereithält und warum sich anhand von »Terminator« die Universität von morgen prämierte die Jury die Arbeit
Leib-Seele-Problematik diskutieren lässt, zeigt Mario-Ignazio Cigna in seiner Bache- »student.stories – Informieren und Integrieren mit
lorarbeit »Sci Phi«, die er im Fach Kommunikationsdesign an der Hochschule für Podcasts« von Roman Linzenkircher und Johannes
Gestaltung Mannheim vorgelegt hat. Inhaltlich konzentriert er sich auf »Matrix«, Bayer, Studenten des Fachs Medien und Kommuni­
»Terminator« und »Alien«. Die eher wissenschaftlichen Texte kontrastiert er mit kation der Universität Augsburg. Ihr Konzept sieht vor,
Schwarzweißfotos, die groteske »Sci Phi«-Szenarien zeigen, und digitalen Illus- Studierende aller Nationalitäten in Projektgruppen
trationen sowie Collagen, die die philosophischen Fragestellungen der Filme auf zusammenzubringen und gemeinsam multilinguale
der Bildebene aufgreifen. Die Arbeit gibt es unter www.hellomario.de zu sehen. nk Podcasts rund um die Universität und das studentische
Leben zu produzieren. Die Website zu dem Projekt
kann unter www.studentstories.de abgerufen werden.
Die weiteren Preisträger inden sich auf www.unige
stalten.de. +++ Some Conference. Am 1. Juni indet
die zweite Some Conference zum Thema »Remix«
statt. Ausgerichtet wird sie von den Editorial­Design­
Studenten von Burg Giebichenstein Kunsthochschu­
le Halle unter der Leitung von Sven Voelker. Über das
Programm informiert die Site http://somemag.com.
+++ Ausstellung »SonderfART«. Die Münchner
Galerie Filser & Gräf zeigt vom 10. bis 27. Mai Arbeiten
von 24 Studenten und Absolventen von Burg Giebi­
chenstein Kunsthochschule Halle und der Hochschu­
le für Graik und Buchkunst Leipzig. Die Auswahl um­
fasst Projekte aus Malerei, Skulptur, Fotograie, Video
und Installation. ≥www.filserundgraef.de +++ Aus
den Hochschulen. Mehr News, Termine und Projek­
te aus den Hochschulen inden Sie unter www.page-
online.de/aus-den-hochschulen. Haben Sie interessan­
te Arbeiten oder News, schicken Sie bitte eine E­Mail
an info@page­online, Stichwort »Ausbildung«. nk
022 PAGE 06.12

TITEL
PAGE 06.12 023

Richtig aufgestellt
Ob Führungskraft, Agenturmitarbeiter oder Freelancer –
in der Kreativbranche stehen die Themen Weiter-
bildung und persönliche Entwicklung hoch im Kurs. Wir
stellen interessante Angebote und Strategien vor

n Stillstand war gestern, Weiterbildung ist en vogue. ≥ PAGE Online


Egal, ob technische Skills oder persönliche Kompetenzen – Alle Links zu
Kommunikationsdesigner buchen Coaches, besuchen Se­ diesem Artikel
minare und Workshops oder entscheiden sich für ein be­ inden Sie unter
rufsbegleitendes Studium. Eine Fortbildung ist nicht nur www.page­
wichtig für den Lebenslauf, sie zwingt auch, die lieb gewon­ online.de/weiter
nennen Routinen zu verlassen und sich sowohl mit neuen bildung2012
Themen als auch neuen Menschen auseinanderzusetzen.
Das motiviert für den Arbeitsalltag und regt darüber hi­
naus zu frischen Ideen an.
Wer sich fortbilden möchte, steht vor einigen Heraus­
forderungen. Erst muss er überlegen, welche Kenntnisse
oder Fähigkeiten er vertiefen möchte, welches Format pas­
send ist und wie er die – oftmals recht teure – Veranstal­
tung inanziert. In vielen Fällen beteiligt sich der Arbeitge­
ber an den Kosten für die Weiterbildung. Darüber hinaus
lassen sich staatliche Fördermöglichkeiten beantragen. Wir
stellen Workshop­ und Seminarangebote vor, die Kreativen
helfen, ihr Proil zeitgemäß zu erweitern (siehe Seite 30 ff.,
und geben einen Überblick über Finanzierungsmöglich­
keiten (siehe Seite 31).
Neben der fachlichen hat die persönliche Weiterentwick­
lung im Beruf stark an Bedeutung gewonnen. Dazu zählen
nicht nur Soft Skills wie Team­ und Konliktfähigkeit, son­
dern zunehmend auch Führungskompetenz, Selbstdeini­
tion und Karriereplanung. Hier kommt das Coaching ins
Spiel – ein Buzzword, das auch im Kreativenalltag immer
häuiger zu hören ist. Wir klären, wann sich ein solches Trai­
ning für Agenturmitarbeiter oder Freelancer lohnt, welche
Arten es gibt, wie es abläuft und wie man den richtigen
Coach indet (siehe Seite 24 ff.). nk/nik
024 PAGE 06.12 TITEL Weiterbildung und Coaching

Sparringspartner gesucht
Manchmal kommt man allein einfach nicht weiter. Coachings helfen
Kreativen bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung

n Das eigene Designbüro wächst viel


schneller als gedacht. Aus einer Hand­
voll Kunden ist plötzlich eine zweistel­
lige Anzahl geworden, das Geschäft
brummt. Was zunächst gut klingt, wirft
auch Fragen auf: Wie groß soll das Büro
werden? Muss ich Mitarbeiter einstel­
len, eine andere Unternehmensform
wählen? Oder will ich doch lieber klein
bleiben? Wie verhalte ich mich als Chef,
welche Aufgaben kann ich an wen de­
legieren? Bei diesen individuellen Fra­
gen kann ein Coaching weiterhelfen.
Ob beruliche Neuorientierung oder
betriebswirtschaftliches Wissen – hin
und wieder ist es ratsam, sich nicht nur
auf sich selbst zu verlassen und sich
kompetente Unterstützung zu suchen.
»Ein Coach bietet keine fertigen Lö­
sungen an, sondern Hilfe zur Selbsthil­
fe«, erläutert Thorsten Harms, der seit
über zehn Jahren Designer coacht und
bei der Existenzgründung berät. Aktive
Mitarbeit des Klienten, Kritikfähigkeit
und die Anerkennung eigener Schwä­
chen sind Bedingungen für ein erfolg­
reiches Coaching. Der Coach hilft mit
Fragetechniken und anderen Metho­
den bei der Selbstrelexion und eigen­
ständigen Problemlösung. Er tritt als
Sparringspartner auf, der auch mal pro­
voziert, sowie als Spiegel, der ein ehrli­
ches und offenes Feedback gibt – das
man von Kollegen, Mitarbeitern oder
Freunden nicht unbedingt bekommt.
Im Rahmen eines Coachings kann
man innehalten und bewusst über sich
selbst und seine beruliche Entwick­
lung nachdenken. Mit Psychotherapie
hat das nichts zu tun, wohl aber mit
Selbsterkenntnis. Das Coaching bietet
einen Schutzraum und vollkommene
Diskretion – und damit eine Atmosphä­
re für neue Gedanken und Lösungsan­
sätze. »Der Coach tritt dabei häuig als
Motivator auf, der die inneren Ressour­
cen seines Klienten aufdeckt und ak­
tiviert«, erklärt Anne Brit Maier aus
Hamburg, die ihre Karrierecoachings
für Klienten aus Werbeagenturen und
Kommunikationsberufen unter ande­
rem über Designerdock anbietet.
Alle erwähnten Coaches haben
sich auf die Kreativwirtschaft Am Anfang jedes Coachings steht ein
spezialisiert. Kurzproile und Kontakt­ Kennenlerngespräch, das meist kosten­
adressen inden Sie auf Seite 29 los ist. Hier erläutert der Klient seine
PAGE 06.12 025

»Vor allem haben wir uns


Zeit genommen, um in Ruhe –
ohne Handy, Mails und
Meetings – über uns, unsere
Probleme und Erwartungen und der
Coach seine Vorgehensweise. »Im ers­
ten Treffen werden Sympathien ausge­
Visionen und Ziele zu sprechen«
lotet, man guckt, ob die Chemie stimmt.
Das ist neben der fachlichen Kompe­
tenz des Coaches die Basis für eine ver­
trauensvolle und erfolgreiche Zusam­
menarbeit«, so Gianna Possehl, Grün­
derin von basic° business coaching &
consulting in Hamburg. Der Ratsuchen­
de muss Vertrauen zum Coach fassen
und überlegen, ob er ihm zutraut, zur
Lösung des Problems beizutragen. n Anlässlich des Wechsels in die Geschäftsführung von Serviceplan Campaign
In dem nächsten Schritt deinieren Hamburg ließen sich Bettina Prange, Christoph Nann und Maik Kähler 2011 von
Coach und Klient die konkreten Ziele Gianna Possehl coachen. In ihrer neuen Position als Personalleiterin baut Prange
des Coachings und schätzen einen ein Weiterentwicklungsprogramm für die Führungskräfte der Werbeagentur auf.
Zeitrahmen ab, der vertraglich festge­
halten wird. Außerdem hat der Klient
die Möglichkeit, Spielregeln aufzustel­ Was war das Ziel bei Ihrem Coaching? gien entwickelt und Aufgaben verteilt,
len, beispielsweise Themen oder Me­ Bettina Prange: Das Ziel war, eine um unsere Stärken optimal zu nutzen.
thoden auszuschließen, die er nicht neue operative Beratungs­ und Krea­ Seit Mai bietet Serviceplan ihren Mit-
besprechen oder anwenden möchte. tivführung aus Christoph, Maik und arbeitern Coaching an. Warum?
Am Ende indet immer ein Abschluss­ mir zu etablieren. Geprägt durch unse­ Der Arbeitsmarkt beindet sich in ei­
gespräch statt, um das Ergebnis zu re eigene beruliche Entwicklung woll­ nem enormen Wandel. Hochqualiizier­
evaluieren – auch wenn der Klient das ten wir unseren Mitarbeiter das Best­ te Mitarbeiter sind schwer zu bekom­
Coaching abbrechen sollte. mögliche bieten, um sie langfristig zu men. Wir Agenturen müssen reagieren
Ein Coaching dauert durchschnitt­ fordern, zu fördern und nachhaltig ent­ und unseren Mitarbeitern mehr bieten
lich zehn Sitzungen à zwei Stunden. wickeln zu können. als einen Laptop und einen Arbeits­
Die Treffen inden meist wöchentlich Welche Themen haben Sie bearbeitet? platz in entspannter Umgebung. The­
oder vierzehntägig statt. Kleinere The­ Zunächst die persönliche Philosophie, men wie Teilzeitarbeit, Elternzeit, Work­
men lassen sich auch in zwei bis drei Werte, Selbsteinschätzung und Stand­ Life­Balance und vor allem die (Kar­
Sitzungen bearbeiten. Zudem gibt es ortbestimmung des Einzelnen sowie riere­) Entwicklung jedes Einzelnen
Speedcoachings, beispielsweise zur das Verständnis von Führung. Dazu ka­ werden immer wichtiger.
Vorbereitung eines Jahresgesprächs men Führungstools und Techniken so­ Wie sieht das Angebot genau aus?
oder von Gehaltsverhandlungen. Vie­ wie Teamentwicklung und Selfmanage­ Es handelt sich um ein Führungskräf­
le Coaches bieten auch kurzfristige ment, Kommunikations­ und Wahrneh­ te­Programm für unsere Mitarbeiter
Pitch­ oder Präsentationstrainings an, mungstraining – eine Mischung aus aus Beratung und Kreation. Im ersten
mit denen sie Teams vorm Kundenter­ Theorie und Praxis. Vor allem haben Schritt erfolgt ein Basisseminar, um die
min it machen. Den Ort kann der Klient wir uns Zeit genommen, um in Ruhe – wichtigsten Grundkenntnisse zu ver­
meistens selbst wählen, etwa das ei­ ohne Handy, Mails und Meetings – mitteln wie etwa Führungsverständ­
gene Studio, die Räume des Coaches über uns, unsere Visionen und Ziele nis, Selbstorganisation, konstruktives
oder ein Seminarraum in einem Hotel. zu sprechen. Feedback und Gesprächsführung. An­
Das Honorar bewegt sich zwischen 150 Was hat das Coaching bewirkt? schließend werden unsere High Po­
und 350 Euro pro Zeitstunde, Agentur­ Ein einheitliches Verständnis von Füh­ tentials hinsichtlich Mitarbeiterförde­
seminare werden meistens nach Tages­ rung und eine gemeinsame Unterneh­ rung, Teamentwicklung, Gruppendy­
sätzen berechnet. mensvision. Vor allem haben wir viel namik et cetera vertieft ausgebildet.
über uns selbst erfahren und wie wir Nach welchen Kriterien wählen Sie die
Vorrangige Methode beim Coaching in Beziehung zu den anderen stehen. Coaches aus?
ist der Dialog. Mithilfe von systemi­ Maik Kähler und Christoph Nann arbei­ Nach ihrer Erfahrung, Schwerpunkten
schen Gesprächstechniken oder Mode­ ten seit zwölf Jahren zusammen, ich in der Ausbildung und Kenntnis der
ration leitet der Coach seine Klienten komme aus der Unternehmensbera­ Werbebranche. Letztlich ist es auch ei­
an. Dazu kommen psychologische oder tung. Diese unterschiedlichen Historien ne Typ­Frage. Man muss sich fragen:
kommunikative Interventionen, zum und Erfahrungen haben wir auf den Stimmt die Chemie? Auch Empfehlun­
Beispiel der sogenannte Antreiber­Test bestmöglichen Nenner gebracht, Syner­ gen spielen eine große Rolle. nik
zur Deinition persönlicher Motivato­
ren, der Karriere­Anker zur Stand­
026 PAGE 06.12 TITEL Weiterbildung und Coaching

ortbestimmung oder Übungen wie


»Es gibt viele, die sich Kreativ- aktives Zuhören und konstruktives
Feedback. »Projektive Techniken und
coach nennen, aber nicht aus der imaginative Rollenspiele tragen dazu
bei, dass sich die Gedanken freier be­
wegen. Das ist ein ähnliches Vorgehen
Perspektive eines Kreativen wie bei der Kreation«, erklärt Heike
Kötting, Karrierecoach aus Oberursel,
denken können. Daher mein Rat: die früher selbst in Agenturen, unter
anderem in der Strategie von Young &
Rubicam, tätig war.
Ruhig mehrere ausprobieren!« Hauptthemen für Coachings sind
der Ausbau von Führungskompeten­
zen und Teamentwicklung. Wird etwa
ein Kreativdirektor in einer Agentur
dank seiner guten Arbeit zum Ge­
schäftsführer ernannt, ändert sich sein
Tätigkeitsfeld grundlegend. Er muss
lernen, zu delegieren und seine Mitar­
beiter, die gerade noch ebenbürtige
Kollegen waren, anzuleiten. Hier kann
eine unbeteiligte Person helfen, The­
n Boris Bandyopadhyay ist auf der Suche nach Investoren für seine Geschäfts­ men zu sortieren und das eigene Ver­
idee Alvari: ein nachhaltiges Designsystem, bei dem Kunden Möbel und Archi­ ständnis von guter Führung zu deinie­
tekturelemente auf einer Onlineplattform entwerfen können, die dann lokal ren und umzusetzen.
hergestellt werden. Er holte sich Gründungscoach Thorsten Harms zur Seite.
Auch das Zusammenspiel mehrerer
Geschäftsführer kann Bestandteil ei­
Warum haben Sie einen Coach gesucht? sen hatte. Das hat mir gezeigt, dass nes Coachings werden. So absolvier­
Boris Bandyopadhyay: Als Designer man auch immer einen zweiten Weg ten Christoph Nann, Maik Kähler und
brauchte ich jemanden, der zwischen probieren sollte. Ich habe im Coaching Bettina Prange 2011 anlässlich ihres
mir und den Geldgebern, die ich für das Vertrauen gewonnen, meine Idee Wechsels in die Geschäftsführung von
die Gründung von Alvari ansprechen in einem solchen Kontext vorzustellen. Serviceplan Campaign Hamburg ein
musste, vermitteln kann. Ich war auf Inwiefern? Coaching bei Gianna Possehl. »Es galt,
der Suche nach jemanden, der mir Ich hatte noch nie einen Finanzplan drei verschiedene Charaktere mit indi­
diese betriebswirtschaftliche Welt aus mit Liquiditäts­ und Rentabilitätspla­ vidueller berulicher Historie auf den
Tabellen und Zahlen erklärt. nung erstellt. Erst mithilfe von Thorsten bestmöglichen Nenner zu bringen und
Wie haben Sie Ihren Coach Thorsten Harms habe ich gelernt, selbstständig ein gemeinsames Verständnis von Füh­
Harms gefunden? ein solches Konzept zu entwickeln. Wir rung zu schaffen«, so Bettina Prange.
Zunächst habe ich ein Gründerzen­ sind das Papier zusammen durchge­ Dafür analysierte Gianna Possehl zu­
trum für Kreative besucht. Trotz des gangen und ich konnte alles erfragen. sammen mit den dreien deren persön­
Namens hatten die aber wenig Ah­ Gerade haben wir die Bewerbung für liche Werte und Selbsteinschätzungen,
nung von der Branche. Als ich dann Existo eingereicht. trainierte mit ihnen Führungstools und
das Coachingprogramm des IDZ Ber­ Gab es für Sie einen Aha-Moment? Kommunikationstechniken. Die Erfah­
lin gesehen habe, bin ich die Liste der Nachdem ich beinahe 50 Seiten Busi­ rung war so positiv, dass Bettina Pran­
Coaches durchgegangen und habe nessplan geschrieben habe, fragte ich ge, seit 1. Mai Personalleiterin am Ham­
Thorsten Harms kontaktiert. Er ist mich, was das Ganze eigentlich soll. burger Serviceplan­Standort, Coaching
Gründungscoach und hat sich auf De­ Die Zahlen müssen zwar plausibel sein, zum festen Angebot für die Mitarbeiter
signer spezialisiert. aber alle wissen doch, dass es ledig­ der Agentur ausbaut (siehe Seite 25).
Und wie sah das Coaching aus? lich Prognosen sind. Thorsten Harms Michael Trautmann, geschäftsfüh­
Ich hatte einige Vorurteile gegenüber erklärte mir, dass Investoren wissen render Gesellschafter von kempertraut­
Coaching und Beratung. Was mich al­ wollen, ob man betriebswirtschaftlich mann in Hamburg, ist ebenfalls vom
lerdings positiv überrascht hat: Statt denken kann und in der Lage ist, ein Coaching­Konzept überzeugt: »Für vie­
selbst viel zu erklären, hat mir Thorsten Unternehmenskonzept über die Jahre le Führungskräfte scheint es ein Ein­
Harms durch seine Fragen mögliche zu strukturieren. geständnis von Schwäche zu sein, sich
Richtungen aufgezeigt. Dabei stand Was raten Sie denjenigen, die einen auf ein Coaching einzulassen. Für mich
die Suche nach den Förderungsmög­ Coach für sich suchen? persönlich hat er sich sehr gelohnt.
lichkeiten immer im Mittelpunkt. Ich würde mich immer für jemanden Mein Coach hat mir meine aktuelle Si­
Haben Sie ein Förderungsprogramm entscheiden, der zu mir passt, und tuation aufgezeigt, mir ein besseres
gefunden? diesbezüglich auch nicht aufgeben. Es Gefühl für meine Stärken und Schwä­
Interessanterweise hat mich Thorsten gibt viele, die sich Kreativcoach nen­ chen gegeben und mit geholfen, mei­
Harms darin bestärkt, mich für das nen, aber nicht aus unserer Perspekti­ ne berulichen und privaten Ziele zu
Existo­Programm zu bewerben, das ve denken können. Mein Rat: Ruhig formulieren und zu verfolgen.« Gianna
ich selbst schon für mich ausgeschlos­ mehrere ausprobieren! nk Possehl coachte Trautmann sowie wei­
tere Führungskräfte der Agentur für
rund eineinhalb Jahre.
PAGE 06.12 027

Teamcoachings inden nicht nur auf


Chefebene statt. Sie können auch hel­
fen, wenn Wechsel in der Geschäfts­
führung oder der Unternehmensstrate­
gie anstehen, wenn es Konlikte in ei­
ner Gruppe oder organisatorische Pro­
bleme gibt. Behandelt werden dann
Punkte wie die Zusammenarbeit un­
tereinander, Motivation, Identiikation
oder Kommunikation. Shaida Wiese,
Karrierecoach aus Hamburg, bezieht
dabei die Teamleiter mit ein und be­
reitet die jeweiligen Maßnahmen mit
ihnen vor. Thorsten Harms bevorzugt
dagegen Gruppencoachings ohne Vor­
gesetzte: »Nur dann können die Teil­
nehmer frei reden.« Oder er fasst meh­
rere Teamleiter in einer Gruppe zusam­
men und bearbeitet mit ihnen Fragen
wie Mitarbeiterführung und das Dele­
gieren von Aufgaben. Ein Vorteil sei
dabei, dass sich die Teilnehmer auch
untereinander austauschen können.

Auch Selbstständige und solche, die


es werden wollen, können von einem
Coaching proitieren. Will sich jemand
berulich weiterentwickeln, weiß aber
noch nicht in welche Richtung, kann
ein Coach helfen, indem er die richti­
gen Fragen stellt. »Coaching hat viel mit
Zielindung zu tun«, so Thorsten Harms.
Für Graik­Designer gilt es, sich im gro­
ßen Pool der Freelancer zu proilieren.
Harms gibt zu den Themen Selbstver­
ständnis und Wirkung von Designern
auch Workshops am Internationalen
Design Zentrum in Berlin. »Im Gegen­
satz zum Coaching, wo ich mich selbst
zurücknehme und meinen Klienten re­
den lasse, gebe ich bei der Beratung
konkrete Tipps, etwa zu Rechtsformen
und Businessplänen«, so Harms. »Klar
trennen lassen sich die Bereiche nicht,
ein Coach sollte beides beherrschen.«
Eine Mischform bietet auch .garage
an, ein Zusammenschluss von Coaches
mit Hauptsitz in Hamburg, der Existenz­
gründer in unternehmerischen und i­
nanziellen Belangen berät. In einem
zwölfwöchigen Programm können sich
Kreative berufsbegleitend Know­how
zur Selbstständigkeit aneignen. Kern­
themen sind Akquise, Zeitmanagement
und Geld. Vermittelt wird dies durch
Workshops, individuelles Coaching und
Fachberatung. Dazu kommt das Net­
working mit anderen Teilnehmern und
die Option, an einem Mikrokreditpro­
gramm teilzunehmen. Ein ähnliches An­
gebot gibt es vom IDZ (siehe Seite 30).
Für allgemeine Themen bieten sich
auch offene Seminare oder Vorträge
an, etwa zu Zeitmanagement oder Rhe­
torik. Hier kommen jedoch verschie­
dene beruliche Hintergründe, Ent­
028 PAGE 06.12 TITEL Weiterbildung und Coaching

wicklungsstufen und Ziele zusam­


»Ein Unternehmen men. »Offene Trainings funktionieren
nach dem Gießkannenprinzip und pro­
trägt die Verantwortung pagieren eine Lösung für alle. Sie än­
dern meist nichts am Verhalten der Teil­
nehmer«, sagt Heike Kötting. »Ein Coa­
dafür, dass sich seine ching wirkt wesentlich nachhaltiger.«
Statt ihre Mitarbeiter zu offenen Se­
Mitarbeiter entwickeln minaren zu schicken, können Agentu­
ren sich für einen internen Workshop
entscheiden, der auf ihre Belange zu­
und wachsen können« geschnitten ist. »Hier kann ich auf die
speziische Unternehmenskultur ein­
gehen und Lösungen für bestimmte
Probleme anbieten, die ich in einem
Vorgespräch deiniere«, erklärt Shaida
Wiese, die zum Beispiel interne Krea­
tivworkshops anbietet.

Im Coaching ließen immer auch per­


sönliche Angelegenheiten mit ein. »Oft
lassen sich beruliche und private The­
n Bei der Mediaagentur Aegis Media Deutschland mit Hauptstandort men nicht trennen«, so Anne Brit Maier.
in Wiesbaden sind Weiterbildung und ­entwicklung mit kreativem Umso wichtiger ist es, dass der Klient
Anspruch fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Susanne Haselhorst, seinem Coach vertrauen kann. Die stei­
Teamleiterin Human Ressources, erklärt das Konzept. gende Anzahl an Coaches – derzeit gibt
es rund 8000 in Deutschland – und das
Fehlen einer ofiziellen Zertiizierung
Was ist die Aegis Media Academy? Zum anderen engagieren wir renom­ erschweren die Auswahl. Am besten
Susanne Haselhorst: Hierbei han­ mierte Coaches von außen – zum Bei­ ist es, Empfehlungen einzuholen und
delt es sich um das interne Trainings­ spiel für wichtige Ereignisse wie Pitch­ sich die Referenzen genau anzusehen.
programm für unsere Mitarbeiter. Es vorbereitungen oder spezielle Stra­ Viele Coaches haben Schwerpunkte in
ist fest in unserer Organisation ver­ tegie­Workshops. ihrer Ausbildung, etwa als Moderator
ankert und wird seit zirka zehn Jah­ Wann bekommen Mitarbeiter ein oder Change­Manager. Hilfreich ist es
ren kontinuierlich ausgebaut. Selbst Training? zudem, wenn sie Branchenkenntnis
in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten Ausgangspunkt sind strukturierte Leis­ mitbringen, ihnen also die Agenturwelt
steht die Weiterentwicklung unserer tungs­ und Entwicklungsgespräche, oder Freelancerexistenz bekannt sind.
Mitarbeiter unverändert im strategi­ die zweimal im Jahr zwischen Mitar­ In größeren Agenturen kann auch
schen Fokus mit einem entsprechend beiter und Vorgesetzten stattinden die Personalabteilung bei der Auswahl
hohen Gesamtbudget. und als Ergebnis einen individuellen eines Coaches helfen. Immer mehr Ar­
Worin besteht das Angebot? Entwicklungsplan beinhalten. Jeder beitgeber entdecken entsprechende
Pro Jahr bieten wir rund 150 unter­ Mitarbeiter geht die Verplichtung ein, Angebote als Möglichkeit, ihre Attrak­
schiedliche Trainings an und bilden pro Jahr an mindestens zwei Maßnah­ tivität zu steigern. Denn Coaching wird
unsere Mitarbeiter in den für sie fach­ men on the job teilzunehmen und er­ zunehmend als Ausdruck von Wert­
lich relevanten Bereichen weiter. Das hält darüber hinaus fünf Tage für sei­ schätzung und als Chance zur beruf­
Angebot ist generell unterteilt in Fach­ ne persönliche Weiterbildung über das lichen Weiterbildung verstanden. »Für
kompetenzen wie Digital­Media­Trai­ Academy­Angebot. Mitarbeiter mit Führungsverantwor­
nings und Projektmanagement, Bera­ Wie ist das Feedback der Mitarbeiter? tung und solche, die welche überneh­
terkompetenzen wie beispielsweise Training und Weiterbildung sind zu­ men wollen, ist ein Coaching ein klares
Strategie und Taktik der Verhandlungs­ nehmend entscheidende Faktoren für Signal: Bei kempertrautmann kann und
führung, Leadership­Kompetenzen wie die Mitarbeiter und die Bindung an darf ich mich entwickeln und erhalte
Teamführung und Leistungsbeurtei­ ein Unternehmen. Die Academy spielt hierbei professionelle Unterstützung.
lung sowie unsere Unternehmenswer­ insofern eine entscheidende Rolle in Davon proitiert der Einzelne ebenso
te oder Trainee­Kompetenzen. Unsere der internen und externen Positionie­ wie die Agentur und schlussendlich die
Führungskräfte durchlaufen darüber rung und im Recruiting­Prozess. In un­ Kunden«, erklärt Michael Trautmann.
hinaus ein 15­monatiges Training, das serer Branche mit stark umkämpften Noch ist Coaching in Agenturen
sich aus unterschiedlichen Modulen Talenten ist eine lernende Organisa­ nicht so selbstverständlich wie in an­
zusammensetzt. tion mit einer maßgeschneiderten deren Unternehmen. Doch sowohl das
Wer sind die Trainer? Academy ein wichtiger Beitrag für die Interesse als auch der offene Umgang
Zum einen arbeiten wir mit internen Zufriedenheit der Mitarbeiter. Wir se­ mit dem Thema nehmen zu. Zu Recht,
Trainern, die in ihrem Fachbereich hen uns in der Verantwortung, dass wie Heike Kötting meint: »Im Coaching
bestens ausgebildet sind und ihr Wis­ sich unsere Mitarbeiter kontinuierlich steckt viel Potenzial. Man kann mit ge­
sen und ihre Erfahrung hervorragend entwickeln und an Herausforderungen ringem Aufwand viel bewirken. Ab und
in der Academy einbringen können. wachsen können. nik zu stehen sich Menschen einfach selbst
im Weg. Da hilft eine neutrale Person,
die wohlwollend korrigiert.« nik/nk
PAGE 06.12 029

Business-Coaches
Die kreative Agentur- und Freelancerwelt tickt anders als
andere Branchen. Deshalb ist es wichtig, dass ein Coach
sich da auskennt. Hier eine Auswahl von Trainern, die sich
auf die Design- und Werbebranche spezialisiert haben

Thorsten Harms, Berlin training und Gründercoaching bietet


Der Berliner Coach und Berater hat sie Speedcoachings an, etwa zur Vor­
sich auf die Kreativwirtschaft spezia­ bereitung auf ein Vorstellungsgespräch,
lisiert und berät bereits seit mehr als sowie die Moderation von Gesprächs­
zehn Jahren vornehmlich Selbstständi­ runden oder Konliktsituationen. Anne
ge und Unternehmen zu Themen wie Brit Maier arbeitete unter anderem
Existenzgründung, Karriereplanung, in­ als strategische Planerin für Saatchi &
terkulturelle Kommunikation und Rhe­ Saatchi und Lowe and Partners.
torik. Thorsten Harms hat Kulturwis­ ≥ www.strategien­kontor.de
senschaften und Betriebswirtschaft
an der Humboldt­Universität zu Berlin
studiert und eine Ausbildung zum sys­ Gianna Possehl, Hamburg
temischen Trainer und Coach an der Die Beraterin und Trainerin bietet seit
Freien Universität Berlin absolviert. 1997 systemisches Business­Coaching
Am Internationalen Design Zentrum, für Fach­ und Führungskräfte an. Davor
im Betahaus und bei Artwert Berlin arbeitete sie unter anderem bei Uni­
bietet Thorstens Harms Workshops zu versal Music als PR­Leiterin und Senior
Themen wie Preisverhandlung, Exis­ Product Manager. Zu ihren Kunden ge­
tenzgründung und Teamführung (sie­ hören Google, Xing, kempertrautmann,
he Seite 31) an. Jung von Matt, Serviceplan, Aegis und
≥ www.thorsten­harms.de OTTO. Außerdem hat sie bereits Fach­
bücher zum Thema Durchsetzungsstär­
ke veröffentlicht.
Heike Kötting, Oberursel ≥ www.xing.com/proile/
Heike Kötting bietet Karriereberatung Gianna_Possehl
und Coaching für Fach­ und Führungs­
kräfte, die sich in berulichen Verän­
derungsprozessen beinden. Sie sam­ Indra Sarkar, Berlin
melte selbst Management­ und Füh­ Die studierte Betriebswirtin bietet in
rungserfahrung als Markenberaterin Zusammenarbeit mit Designerdock
bei BBDO und Young & Rubicam. Köt­ Coachings und Workshops insbeson­
ting ist Mitglied im Deutschen Verband dere im Bereich Business an. So hilft
für Coaching und Training. sie zum Beispiel bei Existenzgründung
≥ www.koetting­coaching.de und Karriereplanung. In ihren Compa­
ny Coachings berät sie Unternehmen
und Organisationen hinsichtlich Social
Cordula Nussbaum, München Media und Web 2.0 oder plant mit ih­
Zu den prominentesten Coaches ge­ nen Maßnahmen für die Personalent­
hört die Expertin für kreativ­chaoti­ wicklung. Indra Sarkar hat unter ande­
sches Selbstmanagement. Sie vermit­ rem für MetaDesign als Project Direc­
telt ihr Wissen nicht nur im Coaching tor gearbeitet.
und in Seminaren, sondern auch mit­ ≥ www.sarkar.de
tels Publikationen sowie E­Learning­
Programmen. Ihr Anspruch ist es, ähn­
lich strukturierten Menschen zu hel­ Shaida Wiese, Hamburg
fen, ihr Zeitmanagement ihrer Persön­ Shaida Wiese bietet Training, Bera­
lichkeit gemäß zu optimieren. tung, Moderation und Coaching in Ein­
≥ www.kreative­chaoten.com zel­ und Gruppenterminen an. Auch
Kreativworkshops und Pitchbegleitung
sind Teil ihres Portfolios. Wiese arbei­
Anne Brit Maier, Hamburg tete zuvor als Kundenberaterin unter
Die Markenstrategin hat sich als Busi­ anderem bei Springer & Jacoby.
nesscoach auf die Kommunikations­ ≥ www.xing.com/proile/
branche spezialisiert. Neben Karriere­ Shaida_Wiese
030 PAGE 06.12 TITEL Weiterbildung und Coaching

Auf zu neuen Ufern


Die Seminarbank zu drücken, ist gut für die Karriere und macht Spaß.
PAGE stellt ausgewählte Seminare und Workshops vor

n Das Interesse an Weiterbildung ist und finanzieller Spielraum einmal ge- Schwieriger sieht es mit Fortbildun-
im Markt angekommen. Seminarver- setzt, ist es leichter, eine Wahl zwischen gen aus, die technisches Know-how und
anstalter stocken ihr Angebot auf, Aka- Seminar, Workshop oder berufsbeglei- praktische Skills vermitteln. Hier muss
demien und Universitäten bauen ihre tenden Studiengang zu treffen. man das Angebot diverser Bildungs-
Fortbildungsmöglichkeiten aus, und Bei Gestaltern hoch im Kurs sind träger, die sich nicht auf Design spezi-
die E-Learning-Institute launchen ein nach wie vor Weiterbildungen zu den alisiert haben, in die Recherche einbe-
neues Programm nach dem anderen. klassischen Business-Themen wie Exis- ziehen. Wie bei jedem Kurs sollte hier
So schön eine große Auswahl auch ist, tenzgründung und Kalkulation. Wer hier genau geprüft werden, ob der Lehrplan
wer die Wahl hat, hat die Qual. Es lohnt sein Wissen vertiefen will, findet leicht durchdacht wirkt und welche Kompe-
sich also, für die Suche etwas Zeit ein- ein auf Kreative zugeschnittenes Ange- tenz der Dozent mitbringt. Wer sicher
zuplanen und vorab einige Fragen zu bot bei den einschlägigen Verbänden, gehen will, kann nach Seminarkoope-
klären: Was will ich vertiefen? Soft Skills ob Allianz deutscher Designer, Berufs- rationen mit den Herstellern suchen
wie Preisverhandlungen und Präsenta- verband der Deutschen Kommunika- oder einen Anbieter wählen, der auf
tionen? Oder Hard Skills wie Program- tionsdesigner oder Art Directors Club Softwareworkshops spezialisiert ist.
me und Techniken? Wie viel Zeit kann, für Deutschland. Auch bei ortsansäs- Generell gilt: Augen auf! Vermehrt
darf und will ich investieren? Steht mir sigen (Fach-)Hochschulen und Institu- bieten auch bekannte Kreative wie die
Bildungsurlaub zu? In zwölf Bundes- ten lohnt es sich nachzufragen. Gleiches »Nea Machina«-Autoren Thomas und
ländern sind alle zwei Jahre zehn Tage gilt für Business-Netzwerke wie Desig- Martin Poschauko, Studio onformative
Bildungsurlaub erlaubt, wenn der Ar- nerdock, Kreativzentren wie das IDZ oder Interactive-Spezialist Jens Franke
beitnehmer vollbeschäftigt ist und der Berlin und Fachmedien wie PAGE. Das Seminare und Inhouse-Workshops an.
Kurs berufsnah weiterbildet. Eine wich- Angebot dieser Veranstalter umfasst Im Folgenden haben wir eine Auswahl
tige Rolle spielt natürlich die Finanzie- auch Seminare, bei denen Team- und an Weiterbildungsangeboten zusam-
rung. Arbeitgeber unterstützen ihre Be- Kommunikationsfähigkeiten geschult mengestellt, die demnächst starten.
schäftigten zum Teil, Staat und Bundes- sowie aktuelle Themen wie Social Me- Diese Liste soll einen Überblick über
länder bieten Förderungen an – teils als dia und Nachhaltigkeit diskutiert wer- mögliche Themen und interessante
Zuschuss, teils als Kredit (siehe unten). den. Bei Letzteren reagieren vor allem Seminaranbieter geben und anregen,
Sind Zeitrahmen, Themenschwerpunkt Verbände schnell (siehe Seite 31). selbst in die Suche einzusteigen. nk

Erfolgreicher im Business Existenzgründung,


Tagesgeschäft, Wirtschaftswissen
n Chef-Sein steht auf keinem Semes- anderem Thorsten Harms (siehe Sei-
terplan. Um mit seinem frisch gegrün- te 29). Die Kosten betragen insgesamt
deten Büro auch wirtschaftlich erfolg- rund 714 Euro für Mitglieder von IDZ
reich zu sein, gehört ein gewisses Maß und Rat für Formgebung, für alle an-
an Unternehmertum dazu. Damit der deren circa 1310 Euro.
Einstieg leichter fällt, lohnt es sich, ≥ www.idz.de
eines der zahlreichen Existenzgrün-
dungsseminare zu besuchen. Dort ler- »Business Know-how für
nen nicht nur Jungunternehmer, wie kreative Köpfe«, Hamburg
man erfolgreich mit Kunden verhan- Mit diesem Programm will das Ham-
delt, seine Preise festsetzt und Prä- burger Gründerzentrum .garage Krea-
sentationen optimiert, auch Berufser- tive auf ihrem Weg in die Selbststän-
fahrene können hier noch einmal ihre digkeit unterstützen. Dazu gehören
Kenntnisse auffrischen. Akquise- und Vertriebstraining sowie
Seminare zu kaufmännischen Grund-
»Design & Company«, Berlin lagen. Darauf aufbauend gibt es Coa-
Das IDZ Berlin bietet mit der Work- ching und Fachberatung zu Themen
shop-Reihe »Design & Company« ei- wie etwa Portfolio, Selbstdarstellung
nen Rundumschlag in Sachen Busi- und Urheberrechte. Das Netzwerk ist
ness, Recht, Finanzen und Marketing. nicht nur in Hamburg präsent, sondern
Eine feste Gruppe von 15 Teilnehmern auch in Braunschweig, Dortmund, Es-
trifft sich zu sechs zweitägigen Modu- sen und Helmstedt.
len. Jedes widmet sich einem Themen- ≥ http://wasistgarage.de/hamburg_
feld. Zu den Referenten gehört unter kreativ_garage_beta
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»Gründung und Finanzen in »Ideenschatz, Ideenschutz – Wer bezahlt?


der Kreativwirtschaft«, Berlin über den Schutz von Design«
In dem zweitägigen Workshop berei­ Die AGD führt Tagesseminare zu Urhe­ n Wer sich fortbilden möchte, muss etwas Geld in
tet Thorsten Harms die Teilnehmer auf ber­ und Nutzungsrecht durch. Die die Hand nehmen. Neben den Kursgebühren kön­
die freiberuliche Tätigkeit vor. Dabei Teilnehmer erfahren hier, wie sie – nen etwa auch Reisekosten, Prüfungsgebühren oder
geht es um Fragen wie »Was macht ei­ angefangen von der Recherche bis zur Geld für die Anschaffung von Büchern et cetera an­
ne Unternehmerpersönlichkeit aus?« Präsentation – Verletzungen des Nut­ fallen. Um Weiterbildungen zu fördern, haben Bund
und »Wie erstelle ich einen Business­ zungsrechts vermeiden und gleichzei­ und Länder in den vergangenen Jahren diverse För­
plan?«, aber auch um steuerliche As­ tig ihre Ideen schützen. Der nächste derprogramme aufgesetzt und alte reformiert: von
pekte und die soziale Absicherung. Seminartermin steht noch nicht fest. Bildungsprämie und ­scheck über Aufstiegs­ und
Der Kurs startet am 31. Juni. ≥ www.agd.de Weiterbildungsstipendium bis hin zu Meister­BAföG
≥ www.artwert.de/fortbildung­ sowie KfW­Bildungskredit. Zielgruppe dieser Program­
seminare.html »Kunde droht mit Auftrag – me sind vor allem Arbeitsuchende, Jüngere, Ältere,
Kundenkommunikation für Bezieher von kleinen und mittleren Einkommen so­
»Gekauft wie gesehen – die Designer«, München wie Aufstiegsorientierte.
Präsentation gestalterischer Bei dem eintägigen AGD­Seminar sol­ Je nach Programm werden die Kosten partiell
Leistungen«, Hamburg len folgende Fragen geklärt werden: oder ganz übernommen. In der Regel muss der Teil­
Die Allianz deutscher Designer (AGD) Wie geht man mit dem Kunden um? nehmer aber einen Teil an den Kosten selbst tragen.
lädt zum zweitägigen Präsentation­ Welches Vokabular verwendet man in Viele Seminaranbieter weisen darauf hin, welche
seminar ein. Neben Körpersprache, welcher Position, und wie plegt man Förderung es für den Kurs gibt. Doch sollte man sich
Stimm­ und Atemtechniken für Präsen­ die Beziehung zu seinen Kunden? Der bei der entsprechenden Beratungsstelle des Minis­
tationen will Designer und Dozent An­ nächste Termin ist der 5. Juni; die Teil­ teriums für Bildung und Forschung noch einmal ver­
dreas Maxbauer Gestaltern auch die nahmegebühr beträgt rund 260 Euro gewissern; dort muss man auch später die Unterstüt­
Kundensicht vermitteln. Der Kurs in­ für Mitglieder in iDD­Verbänden, sonst zung beantragen. Und nicht zu vergessen: Fortbil­
det am 12. und 13. Oktober statt. Die etwa 550 Euro. dungen wie auch Coaching lassen sich oft zusätzlich
Gebühr für Mitglieder der iDD­Verbän­ ≥ www.agd.de von der Steuer absetzen.
de beträgt rund 400 sonst 880 Euro.
≥ www.agd.de PAGE Praxis
»Gutes Design gut Bildungsprämie. Berulich qualiizierende Fortbil­
»Exzellent Gespräche verkaufen«, Hamburg dungen fördert der Staat mit der Bildungsprämie,
führen«, Berlin In diesem PAGE­Seminar mit Strich­ die zwei Finanzierungsmöglichkeiten umfasst: den
Der Gesamtverband Kommunikations­ punkt­Geschäftsführer Jochen Rädeker Prämiengutschein und das Weiterbildungssparen.
agenturen veranstaltet ein zweitägiges geht es um Kalkulation, Präsentation Beim Prämiengutschein wird die Hälfte der Kurskosten
Seminar über Kundenkommunikation. und Wettbewerbe. Die Teilnehmer ler­ (maximal 500 Euro) übernommen. Beantragen kön­
Hier sollen Führungskräfte und Mitar­ nen, wie sie verhandeln, pitchen, Prei­ nen ihn Arbeitnehmer und Selbstständige mit einem
beiter lernen, wie sie in Gesprächen mit se für Designleistungen kalkulieren und zu versteuernden Jahreseinkommen bis 25 600 Euro.
Auftraggebern erfolgreich Ideen ver­ in welchen Fällen eine Wettbewerbs­ Das Weiterbildungssparen ist ein Modell für Erwerbs­
mitteln, verhandeln und Diskussionen einreichung sinnvoll ist. Das nächste tätige, die mit dem Vermögensbildungsgesetz Gut­
lenken. Das Seminar indet am 21. und Seminar indet am 6. Oktober statt; die haben ansparen. Sie können daraus vorzeitig Geld
22. Juni statt und kostet rund 1370 Euro. Teilnahmegebühr beträgt circa 770 Eu­ entnehmen; die Arbeitnehmersparzulage geht da­
≥ www.gwa.de/job­karriere/ ro (siehe Seite 49). bei nicht verloren.
gwa­seminare ≥ www.page­online.de/seminar ≥ www.bildungspraemie.info

Meister-BAföG. Diese Förderung kann beantragen,


Erfolgreicher im Team wer eine Berufsausbildung wie beispielsweise zum
Mediengestalter abgeschlossen hat und einen Voll­
Kommunikation, Führung, Selbstmanagement oder Teilzeitkurs mit mindestens 400 Unterrichts­
stunden belegen will. Dabei werden Lehrgangs­ und
n Egal, ob Teamleiter oder ­mitglied – mal sieben Personen teilnehmen. Die Prüfungsgebühren bis zu einer Grenze von 10 226 Eu­
der Erfolg eines Projekts hängt ganz Kosten für das Seminar belaufen sich ro bezuschusst. Der Staat übernimmt 30,5 Prozent
wesentlich davon ab, wie die einzel­ auf rund 25 Euro. der Kosten; der Rest lässt sich über ein zinsgünstiges
nen bei der Zusammenarbeit harmo­ ≥ www.sarkar.de; Darlehen inanzieren.
nieren, sich bestenfalls gegenseitig be­ ≥ www.designerdock.de ≥ www.meister­bafoeg.info
lügeln und dabei ihre individuellen
Aufgaben in der vorgegebenen Zeit er­ »Anti-Stress-Wut & Ärger- Aufstiegsstipendium. Berufserfahrene, die erstmals
ledigen. In Workshops lassen sich Zeit­ Strategien«, Berlin ein berufsbegleitendes oder Vollzeitstudium aufneh­
management, Teamfähigkeit und Füh­ Das Berliner Institut für Akademische men, können ein Aufstiegsstipendium beantragen.
rungsstil optimieren. Weiterbildung hat ein breit gefächer­ Voraussetzung sind eine Abschlussnote der Berufs­
tes Angebot an Weiterbildungskursen, ausbildung von mindestens 1,9 und eine mindestens
»Der Kapitän verlässt als ... – das zwar nicht speziell auf Gestalter zweijährige Berufserfahrung. Im Vollzeitstudium er­
wie führen Sie«, Berlin zugeschnitten, aber durchaus interes­ halten Studierende 670 Euro monatlich plus 80 Euro
In einem dreistündigen »Mini­Work­ sant ist. Hier steht unter anderem ein Büchergeld. Eltern können zusätzlich eine Betreu­
shop« vertieft Kreativcoach Indra Sarkar Kurs zu »Anti­Stress­Wut & Ärger­Stra­ ungspauschale beantragen. Wer berufsbegleitend
am 13. Juni das Thema Führungsstil. tegien« auf dem Programm. Die Kos­ studiert, erhält jährlich 1700 Euro.
An diesem von Designerdock angebo­ ten für diejenigen, die nicht an der ≥ www.aufstieg­ durch­bildung.info
tenen Coaching­Abend können maxi­ Hochschule für Technik und Wirt­
032 PAGE 06.12 TITEL Weiterbildung und Coaching

schaft studieren, liegen bei unge­ Ears­Mitglieder zahlen circa 297 Euro nächste Kurs indet am 26. und 27. No­
fähr 290 Euro. Der nächste Workshop für den Kurs, für Nichtmitglieder kos­ vember statt. Die Teilnahmegebühr be­
wird am 22. Mai stattinden. tet er rund 1190 Euro. trägt rund 1800 Euro.
≥ http://weiterbildung.htw­berlin.de ≥ www.eeofe.de ≥ www.kreative­chaoten.com

Konliktmanagement, Zeitmanagement, München »Mehr Zeit durch Ordnung«,


München Cordula Nussbaum, auf die Kreativ­ Koblenz
Die Eyes & Ears Academy veranstaltet branche spezialisierter Coach (siehe Die Allianz deutscher Designer bietet
einen Workshop zum Thema Konlikt­ PAGE 01.11, Seite 28), bietet offene Se­ ein eintägiges Zeitmanagement­Semi­
management für Kreative. Wie man minare zum Thema Selbst­ und Zeit­ nar an. Es hilft Kreativen, ihren Arbeits­
mit Streitpunkten in Teams umgeht, management an. Sie analysiert »Zeit­ alltag besser zu organisieren. Das Se­
Konlikte löst beziehungsweise auch diebe« und zeigt auf, wie man der minar indet am 16. Juni statt und kos­
verhindern kann, sollen die Teilnehmer »Dringlichkeitsfalle« entkommen kann, tet circa 285 Euro für AGD­Mitglieder
an zwei Tagen lernen. Die Anmeldung um zu einem besseren Umgang mit und rund 550 Euro für Externe.
ist bis zum 18. Mai möglich. Eyes­ & sich und seiner Zeit zu gelangen. Der ≥ www.agd.de

Erfolgreicher gestalten
Design Thinking, Software-Skills, Nachhaltigkeit
n Die Anforderungen an Designer än­ arbeiterführung. Damit die Teilnehmer ferenten wie Carsten Buck, Cradle­
dern sich ebenso rasant wie heiß dis­ den Master lexibel absolvieren kön­ to­Cradle­zertiizierter Designer, und
kutierte Branchenthemen und Gestal­ nen, setzt er sich aus drei Modultypen Michael Volkmer, Geschäftsführer von
tungstechniken. Jedem Hype hinterher­ zusammen: Präsenz­, Wochenend­ und Scholz & Volkmer, reden darüber, wie
zurennen, macht keinen Sinn, wenn Projektmodule, die auch einzeln be­ Unternehmen und Agenturen nach­
aber eine Technik oder ein Thema ge­ legt werden können. Die Gebühr liegt haltiges Handeln glaubwürdig kom­
schäftsrelevant werden oder das eige­ bei rund 21 420 Euro. Die Bewerbungs­ munizieren können und welche Pro­
ne Proil gut ergänzen, kann eine Fort­ runde startet Anfang Juni. zesse im Vorfeld zu überdenken sind.
bildung hilfreich sein. Aktuell sind Semi­ ≥ http://ldk­campus.de Das Seminar indet am 11. und 12. Juni
nare zu 3­D­Software, Digital Design statt und kostet rund 1490 Euro.
und Designmanagement angesagt. PAGE Praxis »Design- ≥ www.adc.de
management«, Hamburg
»Executive Education«, Christine Hesse, Mitinhaberin von Hes­ PAGE Praxis
Potsdam se Design, gibt einen PAGE­Workshop »Visual Thinking«, Hamburg
Unter dem Titel »Executive Education« zum Thema Design Thinking. Die Teil­ PAGE und Good School veranstalten
bietet das Hasso­Plattner­Institut ein­ nehmer lernen, wie sie durch Design gemeinsam einen Workshop zum The­
bis dreitägige Methodenworkshops in Unternehmensaufgaben neue Richtun­ ma Visual Thinking. Eine Gruppe von
Design Thinking für Führungskräfte an. gen geben können und die Corporate 18 Teilnehmern lernt, wie sie komple­
Der nächste dreitägige Open Course in Culture weiterentwickeln. Der nächste xe Inhalte graisch festhalten können.
Englisch startet Ende Mai, Mitte Sep­ Termin ist der 10. September; der Kurs Den Kurs leitet Visualisierungsexpertin
tember folgt einer in deutscher Spra­ kostet circa 770 Euro (siehe Seite 66 f.). Anna Lena Schiller, die auch als Coach
che. Ziel ist es, das Konzept des Design ≥ www.page­online.de/seminar arbeitet. Nächster Termin ist der 27. Au­
Thinking praktisch zu vermitteln, so­ gust; die Seminargebühr liegt bei circa
dass die Teilnehmer diese Methode in Online Marketing Manage- 1090 Euro (siehe Seite 57).
ihre Arbeit integrieren können. Die Kos­ ment, Hamburg ≥ www.page­online.de/seminar;
ten belaufen sich auf rund 3270 Euro Die Hamburg Media School hat den be­ ≥ www.good­school.de
für den englischsprachigen Kurs, circa rufsbegleitenden Studiengang Online
2980 Euro für den deutschsprachigen. Marketing Management neu im Pro­ MasterClass ArtDirection,
≥ www.hpi.uni­potsdam.de/ gramm. Die Teilnehmer lernen in zehn München
studium/executive_education.html Modulen die Online­Marketingkanäle, Die renommierte MasterClass ArtDi­
­maßnahmen und ­technologien ken­ rection soll Texter und Graiker auf die
»Leadership in Digitaler nen, vertiefen Themen wie Recht oder Arbeit in Agenturen vorbereiten und
Kommunikation«, Berlin Projektmanagement. Geleitet werden beim Start ihrer Karriere unterstützen.
Das Zentralinstitut für Weiterbildung an die freitags und samstags stattinden­ Eine Gruppe lernt, worauf es im Berufs­
der Universität der Künste Berlin bietet den Seminare von Philipp Westermeyer, alltag ankommt. Zu den Lehrenden
zusammen mit dem Institut für Medien der unter anderem adyard.de, ein Netz­ gehören Kreative aus Agenturen, De­
und Kommunikationsmanagement der werk für performanceorientierte On­ signer, Fotografen und Kundenbera­
Universität St. Gallen den Master »Lea­ line­Kampagnen entwickelt hat. Die ter. Die MCAD indet berufsbegleitend
dership in Digitaler Kommunikation«. Teilnahme kostet rund 6780 Euro. statt und dauert zwei Monate. Es gibt
Dozenten wie UdK­Professorin Kora ≥ www.hamburgmediaschool.com Abend­ und Wochenendtermine. Das
Kimpel und Uli Mayer­Johanssen, Grün­ nächste Seminar startet im Oktober. Die
derin von MetaDesignplus, vermitteln Green Marketing, Berlin Gebühr beträgt etwa 1490 Euro. Vo­
Wissen und Gestaltungstechniken in di­ Der ADC bietet ein Seminar für Füh­ raussetzung für die Teilnahme ist die
gitaler Kommunikation, Innovations­ rungskräfte zur kreativen strategischen Beschäftigung in einer Agentur.
techniken, aber auch Strategien zur Mit Nachhaltigkeitskommunikation an. Re­ ≥ www.masterclass­artdirection.de
PAGE 06.12 033

Social-Media-Webinar Unity-Workshop, Karlsruhe »Visualisierung in Cinema 4D


Die Social Media Akademie bietet We­ Die Hochschule der Gestaltung Karls­ für Profis«, Köln
binare für Anfänger und Fortgeschrit­ ruhe bietet ein Seminar zur plattform­ Train & Education hat sich auf Fortbil­
tene in Sachen Web 2.0 an. Der Basis­ übergreifenden Game­Engine Unity an. dung in technischen Programmen spe­
lehrgang Social Media vermittelt in acht Die Teilnehmer lernen die Entwick­ zialisiert: von Programmierung mit Java
interaktiven Onlinevorlesungen Grund­ lungsumgebung kennen und erfahren, über 3ds Max bis hin zu AutoCad. Unter
lagen im Umgang mit Twitter, Blogs und wie sie damit interaktive Kunstwerke anderem bietet hier »Digital Produc­
Netzwerken. Andere Seminare inden und virtuelle Echtzeitumgebungen er­ tion« ein zweitägiges Seminar zur Ar­
zu Corporate Social Media oder Com­ stellen können – egal, ob für Mac oder beit mit der 3D­Software Cinema 4D an.
munity Management statt. Die Teilnah­ Windows­Rechner, iOS oder Android, Man lernt die Arbeitsschritte der 3D­
me an den Webinaren ist jederzeit mög­ Wii oder PlayStation 3. Es gibt einen Produktion kennen, angefangen mit
lich und kostet rund 530 Euro. Weitere Anfänger­ und einen Fortgeschritte­ Modelling bis zu richtigen Rendering­
Social­Media­Workshops inden sie in nenkurs. Start ist der 19. Oktober. Einstellungen. Der Kurs läuft am 23. und
PAGE 04.12, Seite 52. ≥ http://postdigital. 24. Mai und kostet rund 1770 Euro.
≥ www.socialmediaakademie.de hfg­karlsruhe.de/gamelab ≥ www.seminare­koeln.trainand
education.de
Gamedesign 101, Köln »HTML5 Canvas«
Das Cologne Game Lab bietet lexi­ Die Akademie bietet ein Seminar zur »Erfolgsfaktor App-Design«,
bel buchbare Kompaktworkshops zum Webgestaltung mit HTML5 an. In dem München
Thema Gamedesign an. Je nach Inte­ Online­Workshop soll anhand von Pra­ Einen ersten Einblick in die App­Ge­
resse können unterschiedliche Modu­ xisbeispielen, Vorlagen und Übungen staltung können Teilnehmer des Se­
le wie »Anatomie von Computerspie­ ein Einstieg in Canvas ermöglicht wer­ minars »Erfolgsfaktor App­Design« an
len«, »Design Thinking & Games« oder den. Die Teilnehmer sollen lernen, wie der Akademie des Deutschen Buch­
auch »Digital Prototyping « gebucht sie damit Webgraiken und Animatio­ handels gewinnen. Sie erhalten einen
werden. Feste Termine für die Work­ nen erstellen können. Grundkenntnis­ Überblick über die Betriebssysteme
shops gibt es nicht. Die zwei­ bis fünf­ se im Bereich Programmierung sind von Apple, Google und Windows sowie
tägigen Schulungen werden nur für Voraussetzung. Der dreiwöchige Kurs deren Gestaltungsregeln für Apps. Der
Gruppen angeboten und erst auf An­ wird regelmäßig angeboten und nimmt Kurs indet am 20. Juni statt und eig­
frage veranstaltet. pro Woche circa 11 Stunden Zeit in An­ net sich für Einsteiger und Auftragge­
≥ http://colognegamelab.de/ spruch und kostet circa 350 Euro. ber. Die Gebühr liegt bei circa 700 Euro.
weiterbilden_gamedesign101.php ≥ www.akademie.de ≥ www.buchakademie.de
034 PAGE 06.12

KREATION
PAGE 06.12 035

Hermès hält Einzug ins KaDeWe:


Dem Anlass angemessen baute
Illustratorin Sarah Illenberger
eine Parade aus Papier. In zehn
Fenstern präsentieren karneval-
artige Wagen Hermès-Ikonen.
Das berühmte Seidentuch etwa
wird zum Segel eines Schiffs

Welten hinter Glas


Wenn alle online shoppen, ist das Schaufenster doch egal. Falsch!
Wir zeigen Beispiele für überraschende und kreative Gestaltungen, die
den Schaufensterbummel wieder zum Erlebnis machen

n Eine Scherenschnitt-Installation, Mit dem Projekt lenken die Initia­


die den Ort eines vermeintlichen Ver­ toren das Augenmerk auf die hierzu­
brechens zeigt und die Kunden Teil der lande oftmals stiefmütterlich behan­
Kulisse werden lässt, Schokodesserts delte Schaufenstergestaltung. Ketten
aus Kleidungsstücken, kinetische Fahr­ mit einheitlichen Designkonzepten sor­
radskulpturen: Das sind einige der Er­ gen dafür, dass Einkaufsmeilen über­
gebnisse des Projekts »Alles muss raus« all gleich aussehen. »Deutschland war
an der Berliner Universität der Künste, noch nie Vorreiter für Schaufensterge­
angestoßen und konzipiert von Illus­ staltung«, sagt Sarah Illenberger. »Sie
tratorin Sarah Illenberger und Profes­ ist nicht so in der Einkaufskultur ver­
sor Axel Kufus. Industriedesignstuden­ ankert wie in Frankreich, England oder
War es Mord? Mit einer mys- ten entwickelten innerhalb des Work­ den USA.« Das Wachstum des E­Com­
teriösen Scherenschnitt- shops außergewöhnliche Schaufenster merce habe ebenfalls einen Anteil an
Installation im Schaufenster für gewöhnliche Berliner Einzelhänd­ der Vernachlässigung. »Statt ins Schau­
der Krimibuchhandlung ler. Darunter eine Krimibuchhandlung, fensterdesign zu investieren, bauen
Hammett zieht UdK-Studentin ein Secondhandshop und ein Fahrrad­ die Händler lieber ihre Webshops aus«,
Maria Schwermer die Pas- laden, deren Fenster mit den oben ge­ glaubt Illenberger.
santen geschickt hinein ins nannten Designs einfallsreich und lie­ Die Idee zu dem UdK­Projekt kam
kriminologische Geschehen bevoll aufgepeppt wurden. der Illustratorin durch ihre Arbeit
036 PAGE 06.12 KREATION Schaufenstergestaltung

»Pralinés Lindt
Chocoladen« steht
noch in verfallenen
Lettern über dem
Laden, drinnen gibt es
aber Secondhand-
mode. Die Verbindung
von Alt und Neu
schafft Studentin
Hanna Halstenberg,
indem sie die Klei-
dungsstücke im Fens-
ter wie Pralinen formt
und auf einer gro-
ßen Etagere anrichtet
für Hermès. Das Luxuslabel hatte
anlässlich seiner KaDeWe­Shop­Eröff­
nung im September 2011 zehn Schau­
fenster des Berliner Kaufhauses gemie­
Statt langweiliger tet und Illenberger mit der Dekoration
Fahrrad-Arrange- beauftragt. Die Illustratorin entschied
ments baute Studen- sich für eine Installation aus Papier –
tin Franziska Müller eine Gestaltungsform, für die sie be­
Skulpturen aus Einzel- reits bekannt ist. Sechs Wochen zierte
teilen, die sich eine Parade die Fenster, in denen karne­
tags und nachts wie valeske Wagen klassische Hermès­Pro­
ein Perpetuum dukte zur Schau stellten. Die einfalls­
mobile drehen. Das reiche und liebevolle Handarbeit setz­
FahrradBüro in te sich gegen die üblichen Kleiderstän­
Berlin-Schöneberg derkombinationen ab und sorgte für
wurde so zum Aufsehen auf dem Kurfürstendamm.
echten Hingucker
Zum ersten Kontakt zwischen einer
Marke und dem potenziellen Käufer
kommt es am Schaufenster. »Es funk­
tioniert als Fernzeichen. Gewinnt es
die Aufmerksamkeit der Passanten und
bringt sie dazu näherzutreten, ist der
erste Schritt in Richtung Kauimpuls
getan«, erklärt Thomas Paul Klein, Key
Account Director bei der Stuttgarter
Brand­Retail­Agentur Liganova. Eine
kreative Idee allein reicht dafür nicht.
Liganova geht analytisch vor und rich­
tet ihr Design nach der Zielgruppe aus.
»Natürlich nehmen wir die Idee ernst.
Aber wenn sie allein im Vordergrund
steht und man nicht weiß, ob man mit
den gewählten Mitteln die Zielgruppe
anspricht, kann der Schuss nach hin­
ten losgehen«, erklärt Klein.
Die Designstrategie muss nicht nur
dem Unternehmen und dem Produkt
angepasst werden, sondern meist auch
Sabrina Transiskus saisonale Kampagnen aus der klassi­
baute für den Pariser schen Werbung aufgreifen. Zudem soll­
Flagship-Store des te sie lokale Faktoren miteinbeziehen,
Luxuslabels Ports etwa die regionale Einkaufskultur, die
1961 einen Urwald Perspektive der Laufkundschaft oder
aus weißem Papier. das Personal, das die Installationen in
Das Fenster mit der der Regel selbst aufbaut. Die Schau­
iligranen Installa- fenster von Flagship­Stores dienen da­
tion macht neugie- bei als Showcases, die aufwendiger ge­
rig, ohne das Pro- staltet werden als jene der kleineren
dukt in den Vorder- Dependancen. Doch das Konzept muss
grund zu stellen überall funktionieren. »Bei uns sind ne­
PAGE 06.12 037

ben den Designern auch Visual Mer­ tet man sogar, dass sie gewisse Gren­
chandiser und Marketingfachleute am zen überschreiten und sich positionie­
Werk, um gemeinsam umsetzbare und ren. Dabei wird – anders als sonst üb­
schöne Designs zu konzipieren – vom lich – der Erfolg nicht nur am Abver­
kleinsten bis zum größten Fenster«, er­ kauf gemessen«, so Thomas Paul Klein.
klärt Klein. Neben den individuellen An­
forderungen der Kunden spielen auch Immer wichtiger wird die Integration
Trends eine Rolle. »Setzten die Läden von Technik in die Schaufenstergestal­
vor einigen Jahren noch vermehrt auf tung. Innovative Technik allein reicht
verspielte Fenster, die Geschichten er­ aber nicht: So sorgen zum Beispiel in­
zählten, geht der Trend heute wieder teraktive Screens, auf denen Passanten
hin zum cleanen Design, gerne gespickt sich per Gestensteuerung durch Kol­
mit absurden Elementen«, meint Klein. lektionen und Produktreihen klicken

Besonders spannend sind Schaufens­


ter, in denen das Produkt zugunsten
der Gestaltungsidee in den Hinter­
grund tritt. Der Grad der Abstraktion
ist dabei vom Mut der Unternehmen
abhängig. Den indet man eher bei
Haute Couture und Luxusmarken, die
mit ihren Fenstern auf Flair statt auf
Abverkauf setzen. So ließ das Desig­
nerlabel Ports 1961 die Fenster seines
Pariser Shops von der deutschen Pa­
pierkünstlerin Sabrina Transiskus de­
korieren, die eine Urwaldszenerie aus
weißem Papier schuf, die aus Koffern
hervorquillt. Die Kleidung der Manne­ Farbexplosionen in
quins erschien dabei nebensächlich. der Fußgänger-
Um frischen Wind ins Schaufenster­ zone: Für Nespresso
design zu bringen, werden externe kooperierte
Gestalter und Künstler hinzugezogen. Liganova mit dem
So entwickelte Liganova zum Beispiel indischen Mode-
Anfang 2011 gemeinsam mit dem in­ schöpfer Manish
dischen Modedesigner Manish Arora Arora, der in einem
ein kunstvolles Window­ und Instore­ kunstvollen Win-
Konzept für Nespresso, das eine Ge­ dow- und Instore-
schichte aus »Tausendundeine Nacht« Konzept Geschich-
erzählte. Handgearbeitete Artworks ten aus »Tausend-
ließen die Kunden visuell in die Welt undeiner Nacht«
der Kaffeearomen eintauchen, bunte erzählt. Handgear-
Figuren verkörperten die unterschied­ beitete Artworks
lichen Nespresso­Sorten. Das Konzept abstrahieren
wurde auf verschiedene Metropolen von dem eigentli-
individuell angewendet – so fand sich chen Produkt
in Paris der Eiffelturm, in London der und schaffen neue
Big Ben und in San Francisco die Golden Zugänge zum
Gate Bridge in den Nespresso­Fenstern. Thema Kaffee
Das quietschbunte Design stellte das
Produkt nur abstrahiert dar, anstelle
von Kaffeegenuss drückte es vielmehr
einen Lebensstil aus und passte damit
zur Markenstrategie von Nespresso.
Noch direkter war die Kunstkoope­
ration mit Houxo Que im Sommer 2010
in London: Für Topshop stellte Liga­
nova den japanischen Künstler gleich
selbst ins Schaufenster. Dort hielt die­
ser ein Live­Painting ab und machte das
Fenster so zum Happening. Sein Kunst­
werk diente in den folgenden Wochen
als farbenfroher Hintergrund für die
Sommerkollektion. »Unternehmen ge­
stehen Künstlern oft mehr Freiraum zu
als Designagenturen. Von ihnen erwar­
038 PAGE 06.12 KREATION Schaufenstergestaltung

Noch vor dem


Erscheinen der
Kinect setzte
Liganova für Diesel
ein gestengesteu-
ertes Schaufenster
um. Passanten
konnten dank Motion
Tracking virtuelle
Gegenstände auf
einem Screen bewe-
gen, das Wetter
beeinlussen und da-
mit die Innenein-
richtung zerstören –
angelehnt an das
Kampagnenmotto
»Destroyed Denim«

Für Topshop stellte können, eher für Langeweile als für sche Weise mit ihren Kunden in Kon­
Liganova den Begeisterung. Das kann man schließ­ takt und lockte sie in die Geschäfte.
japanischen Künst- lich auch im Internet haben. »Technik Künftig könnte neben Gestensteu­
ler Houxo Que ins muss den Kunden faszinieren oder ein­ erung auch Social Media eine Rolle im
Schaufenster. Mit beziehen«, erläutert Thomas Paul Klein Schaufensterdesign spielen. Studenten
einem Live-Painting von Liganova. Es gehe darum, eine Ba­ der Digital­Design­School Hyper Island
vor Publikum lance zu inden zwischen der klassi­ in Stockholm entwarfen im Rahmen
machte er das Ganze schen Inszenierung und der Integration eines Kurses für Advanced Interface
zu einem Happe- von Neuen Medien. Als Beispiel nennt Design Anfang 2011 ein Schaufenster­
ning. Sein Gemälde er die Gestaltung der Diesel­Flagship­ konzept für den Streetwear­Herstel­
diente danach als Stores im Sommer 2009: Gemäß dem ler WeSC, das Kunden unmittelbar an
Hintergrund für die Kampagnenthema »Destroyed Denim« der Gestaltung beteiligt. Die Idee be­
Sommerkollektion konnten Passanten mittels Motion­Tra­ steht darin, dass User online Protago­
cking in Echtzeit das Wetter im Schau­ nisten und Hintergründe zusammen­
fenster steuern, virtuelle Gegenstän­ stellen sowie eine Stadt auswählen
de auf einem Screen bewegen und so können, in der ihr Szenario abgespielt
die Inneneinrichtung zerstören. Die wird. Im echten Leben lösen Passan­
von Liganova konzipierte Installation ten das Display im Vorbeigehen aus
sorgte dafür, dass sich Trauben von und können damit interagieren, in­
Menschen vor den Fenstern sammel­ dem sie die Figuren mit ihren Gesten
ten und dabei wild mit den Armen fuch­ steuern. Der Urheber des jeweiligen
telten. So trat Diesel auf eine spieleri­ Szenarios ist in einer Fensterecke
040 PAGE 06.12 KREATION Schaufenstergestaltung

vermerkt. Umgesetzt wurde das


Konzept zwar lediglich in Form eines
Prototyps, die Idee deutet allerdings
in eine Richtung, die Schaufensterge­
staltung in Zukunft nehmen könnte.

Fern von technischen Kinkerlitzchen


und ganz dem Leitspruch »Je größer,
desto besser« verplichtet sind jene
Schaufensterdesigns, die New Yorker
Kaufhäuser zur Weihnachtszeit auffah­
ren. Überbordende Displays, wilde As­
semblagen und visuelle Geschichten
schmücken zur Wintersaison die gro­
ßen Läden in der 5th Avenue. Beson­
ders bekannt für ihre Schaufenster sind
Barneys, Macy’s oder Bergdorf Good­
man. Letzteres hat sogar ein Buch über
seine Window­Designs herausgebracht.
Oft haben die Kaufhäuser einen Head
of Visual Merchandising, mit dem sie
über Jahre zusammenarbeiten und der
das Auftreten der Geschäfte entschei­
dend prägt – so beispielsweise David
Die Fenster des New Yorker Hoey bei Bergdorf Goodman oder Paul
Nobelkaufhauses Saks Olszewski bei Macy’s. Sie beginnen mit
wurden an Weihnachten 2011 der Planung für die Weihnachts­Fens­
zum »Land of the Bubble- ter meist ein Jahr im Voraus.
makers«. Pentagram entwarf An Weihnachten 2011 spielte Tech­
überdimensionale, dem nik dabei jedoch so gut wie keine Rolle,
mechanischen Erindertum die Läden setzten auf Handgemach­
der Viktorianischen Ära tes. Die Schaufenster von Saks Fifth
nachempfundene Apparate Avenue etwa griffen das Kampagnen­
zur Seifenblasenproduktion, motiv Schneelocken und Seifenbla­
die Schaufensterpuppen sen auf. Die zuständige Designagen­
in Designerroben bedienten tur Pentagram erdachte dazu ein Mär­
chen, bei dem das Kaufhaus in zwei
Ebenen unterteilt ist: die unterirdische
Welt der Bubble­Makers und die der
Schneemacher­Yetis, die auf dem Ge­
bäudedach wohnen. Ein kleines Mäd­
chen indet beim Weihnachtsbummel
mit den Eltern die Tür zu beiden Wel­
ten. Die Schaufensterdekoration setz­
te diese Geschichte um, indem sie die
Mannequins Maschinen zur Seifenbla­
senproduktion betreiben ließ. Diese
waren dem Steampunk nachempfun­
den, dem mechanischen Erindertum
der Viktorianischen Ära und den fan­
tastischen Maschinen des Illustrators
und Bühnenbildners Heath Robinson.
Abgerundet wurde das Konzept von ei­
nem Kinderbuch von Pentagram­Part­
ner Naresh Ramchandani.
Für die Visual Merchandiser ist die
liebevolle Schaufenstergestaltung zu
Weihnachten ein Geschenk der Ge­
schäfte an New York. Der Verkauf von
Produkten spielt bei dieser Tradition
nur eine untergeordnete Rolle. Diese
Denkweise ist deutschen Kaufhäusern
Fünf Studenten der schwedischen Digital-Design-School Hyper Island entwickelten ein Schau- bislang leider fremd. Aber vielleicht
fensterkonzept, bei dem Online-User aus aller Welt mitreden können: Sie wählen Hintergrund überdenken zumindest einige Berliner
und Protagonist aus sowie den Ausstrahlungsort ihres Designs. Vor Ort lösen Passanten Einzelhändler in Zukunft ihre Schau­
den interaktiven Film im Vorbeigehen aus und können ihn mit ihren Bewegungen steuern fenstergestaltung. nik
042 PAGE 06.12 KREATION Ästhetik des Hässlichen

Die Fotograin
Brea Souders
experimentiert
mit gesättig-
ten und leuch-
tenden Far-
ben, mit Abstrak-
tion und Per-
spektive. Dabei
liebt sie es,
ungewöhnliche
Strukturen zu
kombinieren. Sie
gehört zu den
in »Pretty Ugly«
vorgestell-
ten Kreativen

Das Andere des Schönen


Ist »Pretty Ugly« nur eine neue Spielart der Ästhetik des Hässlichen? Oder welche Gründe
haben gerade junge Designer, die gängigen Vorstellungen des Schönen zu unterlaufen?
PAGE 06.12 043

Schön oder hässlich spielt für den New-Media-Künstler Kim Asendorf


keine Rolle. Er ist auf der Suche nach einer Ästhetik, die unserer
digitalen Zeit entspricht. Rechts: Hübsch hässlich sind Frank Höhnes
Illustrationen mit ihrem wunderbar eigenwilligen Humor

n Kann Design noch schocken? Oder das »New Ugly« von Anfang an inten- tizität, kontextbezogenes Design, trans- ≥ PAGE Online
hat Mike Meiré mit dem Redesign der siv verfolgt. In Gang gebracht wurde parente Designprozesse, lexible visu- Eine Auswahl
Zeitschrift »032« zum letzten Mal die diese 2007 von Patrick Burgoyne, Re- elle Identitäten und um selbstironi- weiterer Bilder
Designwelt provoziert, als er die Hel- dakteur von »Creative Review«, und schen Umgang mit Designgeschichte.« sowie ein
vetica dehnte und auf diese Weise die Michael Bierut, Partner von Pentagram Um diese These zu untermauern, Interview mit
»New Ugly«-Bewegung in Gang setz- New York und Designkritiker (Design stellen die Autoren in »Pretty Ugly« jun- Brea Souders
te? Fakt ist, selbst die einst als hässlich Observer), die sich dabei neben dem ge Graik- und Produktdesigner, Illus- inden Sie unter
deklarierten Gestaltungskonzepte, wie »032«-Redesign auch auf das von Wolff tratoren und Fotografen vor, die mit www.page-
sie etwa im Punk der 1970er oder der Olins gestaltete Logo für die Olympi- den Kategorien des Schönen und des online.de/ugly
Default-Bewegung der späten 1990er schen Spiele 2012 bezogen. Hässlichen jonglieren, um sie schließ-
Jahre als Revolte gegen ihre Vorgän- Das Ergebnis der fünfjährigen Be- lich hinter sich zu lassen und eine an-
ger zelebriert wurden, sind längst vom schäftigung mit »New Ugly«, seinen De- dere Ästhetik zu entwickeln. »Diese
Mainstream geschluckt worden. Egal, signern und deren Nachahmern ist das Generation widersetzt sich den eta-
ob Mirko Borsche auf dem Cover von Buch »Pretty Ugly«, das Lupi Asensio blierten Kriterien, was gutes Design ist,
»Horst« rohe Männlichkeit mit weißem und Martin Lorenz gerade im Berliner um neue Gebiete zu erforschen«, sagt
Schlüpfer und Loch im Socken zele- Gestalten Verlag veröffentlicht haben Lupi Asensio. »Sie machen nicht Feh-
briert oder lang geschmähte Neonfar- (224 Seiten, 35 Euro, isbn 978-3-89955- ler, weil sie es nicht besser wissen. Im
ben einen neuen Hype erfahren – wir 423-6). Ihre These: Aus »New Ugly« wur- Gegenteil: Sie sind hochgradig gebil-
scheinen in einer Zeit zu leben, in der de »Pretty Ugly«. »Nahm das Design det und setzen ihr Wissen ein, um die
alles schon gesehen, alles schon ge- des ›New Ugly‹ noch Bezug aufs Ugly Standards infragezustellen.« Zu den
macht wurde und selbst das Hässliche der Achtziger und der Neunziger und vorgestellten Kreativen gehören zum
zur bloßen Masche verkommen ist. En- plegte stilistische Referenzen etwa Beispiel die amerikanische Fotograin
det damit die Rebellion im Design? zum New Wave, kann man ›Pretty Ug- Brea Souders oder das belgische Gra-
Eine Antwort auf diese Frage kön- ly‹ als neuen, selbstständigen Stil ver- ikdesignduo Cox & Grusenmeyer, die
nen selbst Lupi Asensio und Martin stehen«, sagt der ehemalige Hort-De- mixen, kopieren und mit Materialien
Lorenz nicht geben, auch wenn sie am signer Martin Lorenz. „Die Konzepte und Techniken experimentieren. Sie
Anfang ihrer Recherchen stand. Die ›Hässlich‹ und ›Schön‹ sind nebensäch- sowie weitere Kreative haben wir
beiden Gründer des Designbüros Two- lich geworden. Es geht nicht um ästhe- nach ihrem Verständnis des Hässlichen
Points.Net haben die Diskussion um tische Rebellion, sondern um Authen- und des Schönen befragt. nk
044 PAGE 06.12 KREATION Ästhetik des Hässlichen

»Das Leben ist einfach nicht perfekt, und das macht es so schön«
Hübsch ist Frank Was berührt Sie so, dass Sie es als schön empinden?
Höhnes Sache Wenn Menschen Menschen sind und dazu stehen. Ich habe
nicht: weder in eine große Liebe zur Arbeiterklasse. Ich bin selbst so aufge-
seinen Arbeiten wachsen. Sei dir selbst treu, sei offen zu allen, hölich zu Kas-
zur Ausstellung sierern. Sag aber auch: »Halt die Fresse!«, wenn sie dir es
»Arbeit nervt« nicht gleichtun.
(oben links) noch Muss Illustration eine der Kategorien »Schön« oder
bei freien Art- »Hässlich« bedienen?
works wie »in my In der Illustration ist es mir wichtig, dass ich keine verwa-
meantime« (dane- schene Wattewelt vorgelegt bekomme. Ich bin jetzt älter
ben) oder auch als 16 Jahre und brauche keine süßen Vektorelefanten. Die-
beim Puppen- se geschmäcklerische Scheinwelt löst nichts in mir aus. Ich
häkeln für seine mag es eher, wenn es schiefgeht – gescheiterte Ansätze, ehr-
Tochter (rechts) liche Launen im Strich. Übertragbare Emotionen. Wenn man
keinen Bock hat, sollte man das auch in der Illustration se-
n Frank Höhne sagt von sich selbst, dass er am liebsten cha- hen. Wenn man sieht, dass der Zeichner keinen Bock hat und
rakterstarke Hässlichkeiten zeichnet. Das Hässliche ist für ihn auch genauso zeichnet, wie er gerade keinen Bock hat, dann
nicht negativ besetzt. Im Gegenteil: Er sieht darin das wah- macht die Illustration Bock, weil sie ehrlich ist. Ich arbeite
re Schöne. Der Berliner hat an der Kunsthochschule Berlin- so, wie es meine Lust mir vorschreibt, denn nur dann emp-
Weißensee studiert und entwirft heute Illustrationen für inde ich mich selbst und das Ergebnis als ehrlich und dem-
Magazine wie »NEON« und »Chrismon«. entsprechend gelungen. Das Leben ist einfach nicht perfekt,
≥ www.frankhoehne.de und das macht es so schön.
Inwiefern?
»Pretty« oder »Ugly«? Welche Kategorie bevorzugen Sie? All die herrlichen Laster, die Niederlagen und Herausfor-
Frank Höhne: Das Hässliche. Es ist real, authentisch, einzig- derungen und besonders das Sich-selbst-und-sein-Sein-in-
artig, mutig, emotional, lebendig und vor allem und in jeder dieser-verkorksten-Welt-nicht-zu-ernst-Nehmen. Das will
Hinsicht ehrlich. Schönheit dagegen meint immer, Perfek- ich mit meinen Illustrationen verdeutlichen.
tion zu verkörpern. Damit wird eine Welt vorgegaukelt, die Gibt es etwas, das hässlich und faszinierend zugleich ist?
gar nicht existiert. Das Hässliche ist nach meinem Empin- Dinge wie RTL II: Obwohl ich abartig inde, was ich sehe, bin
den die wahre Schönheit, weil es die greifbare Wirklichkeit, ich nicht in der Lage, wegzuschalten, ich freue mich sogar
die man auch nachvollziehen kann, bebildert. Das ist ästhe- auf bestimmte Formate. Hauptsächlich, weil ich ein Freund
tisch, wenn es mich berührt. Herkömmliche, austauschbare des Absurden bin. Je sinnentleerter und redundanter, um-
Schönheit nach Gerüst dagegen berührt mich nicht. so faszinierender.
PAGE 06.12 045

»Unsere Arbeiten enthalten viele Spuren ihres Entstehungs-


prozesses. Wir polieren unser Kreationen nicht auf, sondern begreifen
den Prozess als integralen Teil des Designs«
n Die beiden Graik-Designerinnen Ines Cox und Lauren
Grusenmeyer verstehen ihre Arbeiten nicht als hässlich. Sie
empinden sie vielmehr als schön, weil sie den Prozess ihrer
Entstehung freilegen und damit ehrlich sind. Das Duo traf
sich beim Studium an der Hochschule Sint-Lucas Beeldende
Kunst in Gent. Seither arbeiten sie zusammen unter dem
Namen Cox & Grusenmeyer.
≥ www.cox-grusenmeyer.com

»Pretty« oder »Ugly« – welche Kategorie bedient Ihr Design?


Ines Cox und Lauren Grusenmeyer: Wir mögen diese Ter-
mini nicht. Schönes Design geht für uns aus einer Notwen-
digkeit hervor und ist so ein natürlich entstandenes visuelles
Ergebnis einer Idee. Wenn wir Elemente einsetzen, die als
wenig ästhetisch gelten, dann weil sie diese Idee besonders
gut übersetzen können. Schließlich geht uns im Graikde-
sign nicht darum, ob es ein Objekt hübsch oder hässlich de-
koriert, sondern ob es eine Idee gut kommuniziert.
In dem Buch »Pretty Ugly« inden sich auch Ihre Arbeiten. Beispiel etwas manuell herstellen, was wir mechanisch pro- Die Sprache und
Verstehen Sie sich als Teil der »New Ugly«-Bewegung? duzieren könnten, relektieren wir, wie Design ursprünglich das Prozess-
Nein, aber wir verstehen, warum wir dort vorgestellt wer- entstanden ist. Das Offenlegen des Worklows schafft Raum hafte sind zwei
den. Unsere Arbeiten enthalten viele Spuren ihres Entste- für kritische und humorvolle Einblicke in die manipulative zentrale The-
hungsprozesses. Wir polieren unsere Kreationen nicht auf, Kraft des Graikdesigns. Für uns ist es ein Weg, die visuelle men von Cox &
sondern begreifen den Prozess als integralen Teil des De- Welt zu betrachten, die übersättigt ist mit ihren glossy und Grusenmeyer.
signs. Die Methode beeinlusst das Resultat. picture-perfect Bildwelten. Vielleicht gehen wir mit unserem Mal legen sie
Wie ist das zu verstehen? Design einen Schritt zurück und versuchen neue Paradig- in humorvoller
Ein Teil unserer Arbeit besteht darin, die Designmethoden men zu deinieren. Man könnte es »Ugly Design« nennen, Weise offen,
zu entlarven. Indem wir den Prozess offenlegen, also zum aber wir sehen den Fokus und seinen Wert eher in der Ein- worum es in
fachheit und Ehrlichkeit der rohen Materialien. einer Anzeige
Wie gehen Sie dann an den Designprozess heran? geht (links), oder
Unser Ansatz ist spielerisch. Spielen ist ein Akt ohne vorde- kritisieren den
iniertes Ziel. Vielleicht ist unser Ziel, nicht zu viele Ziele zu Einsatz von Mar-
haben, weil uns das erlaubt, zu experimentieren. Spielen ketingtechni-
ist eine Aktivität, bei der die Grenzen von Zeit und Raum ken für politische
durch Regeln deiniert werden, die die Teilnehmer freiwillig Zwecke, so
akzeptieren. Diese Regeln beeinlussen das Ergebnis. Dabei geschehen bei
ist der Akt des Einfach-Machens wichtiger, als ein Ziel zu er- der Perfor-
reichen. Und Spielen trägt das Ziel in sich. Es wird von einem mance »The
Gefühl der Begeisterung begleitet und als eine Art Ausbre- Citizen Speech«
chen aus dem normalen Leben wahrgenommen. (oben)
Welche Themen diskutieren Sie am liebsten?
Graikdesign ist für uns ein weites Feld. In unserer Gesell-
schaft ist alles gestaltet. Design ist dadurch ein sehr mäch-
tiges Werkzeug. Eine Präsidentschaftskampagne besteht
nicht nur aus Logos und Banner, auch die Sprache, Kleidung
und die Gesten des Kandidaten sind durchdesignt. Unsere
Themen sind entsprechend weitreichend. Wir inden alltäg-
liche Banalitäten wie dumme Liebesgeschichten und Sen-
sations-Tratsch genauso interessant wie internationale Po-
litik. Dabei interessiert uns die Art und Weise, wie diese
Themen angegangen werden, welche Taktiken und Strate-
gien Menschen einsetzen, um bestimmte Inhalte zu kom-
munizieren. Wir nähern uns diesen Themen vom Stand-
punkt eines Designers aus und untersuchen, wie Sprache
in dem jeweiligen Kontext eingesetzt wird.
046 PAGE 06.12 KREATION Ästhetik des Hässlichen

»Es geht nicht darum, hässlich zu sein, sondern darum,


Sehgewohnheiten zu brechen. Es ist gleichzeitig zu
einfach und zu langweilig, schöne Sachen zu betrachten«
Egal, ob eine Pixel- n Kim Asendorf ist als Conceptual Media Artist auf der Su- tig zu einfach und zu langweilig, schöne Sachen zu betrach-
generator-App che nach einer neuen Ästhetik. Dafür experimentiert er mit ten. Wenn das Auge etwas Ungewohntes entdeckt, wird es
(oben) oder Bilder generativem Design, GIF- und Glitch-Konzepten. Der ge- doch erst interessant. Die Digitalisierung der Kommunika-
einer Bergtour lernte Elektroniker hat an der Technischen Universität Bre- tion, Computer, Apps und das Internet haben einen neuen
(unten), die nur men und an Hochschule für Gestaltung Kassel studiert und Stil geschaffen, der mit den technischen Gegebenheiten
virtuell statt- bereits diverse Netzkunstprojekte veröffentlicht. solcher Netzwerke korrespondiert.
gefunden hat – in ≥ http://kimasendorf.com Wie würden Sie diesen Stil beschreiben?
seinen Bild- Es ist ein nativer Stil, der sich von allein, ohne das Zutun von
welten entwickelt Ugly Design – Masche oder relevante Designrichtung? sogenannten Professionellen entwickelt hat. Was als »Ugly
Netzkünstler Kim Asendorf: Ugly Design ist nur eine Bezeichnung von Design« bezeichnet wird, hätte in den 1990er Jahren kaum
Kim Asendorf vielen, die alle das Gleiche meinen, wobei andere Varianten jemand verstanden, einfach weil der gesamte Multimedia-
eine eigene vielleicht sogar viel treffender sind. Die Leute sprechen von Apparat, der einen fundamentalen Bestandteil dieses Stils
digitale Ästhetik »Antidesign«, »Digital Riot« oder ganz groß gerade von darstellt, damals noch nicht verbreitet genug war. Inzwi-
»New Aesthetic«. Es geht nicht darum, hässlich zu sein, son- schen kann man schon von einer Szene sprechen, in der es
dern darum, Sehgewohnheiten zu brechen. Es ist gleichzei- darum geht, neue, sehr von Technik und Daten geprägte
Bildsprachen zu entdecken. Diese sind momentan noch eher
in der Kunst anzusiedeln, speziell in der Netzkunst, dem
Creative Coding, der Computerkunst generell, die auch mit
Design verknüpft ist, weil jedem Netzwerk oder jedem digi-
talen System ein Design zugrunde liegt.
Schön oder hässlich – muss Design heutzutage eine dieser
Kategorien noch bedienen?
Design ist ganz klar der Kategorie des Schönen zuzuord-
nen. Das ist zumindest der Stand der Dinge. Design soll den
Geschmack von möglichst vielen Konsumenten treffen und
unterliegt marktwirtschaftlichen Regeln. Moderne Gestal-
tung probiert, schön und elegant zu sein, sie muss Pro-
dukte verkaufen. Ugly Design ist noch freier, da es bisher
praktisch keine ökonomische Relevanz hat. Eine kommerzi-
elle Ausschlachtung ist dennoch gewiss. Die Frage ist, wel-
che Branche oder Marke sich zuerst traut, von dem schön-
langweiligen Pfad abzuweichen.
Würden Sie dann sagen, dass Sie das Hässliche als ästhe-
tisches Konzept verfolgen?
PAGE 06.12 047

Eine erste Arbeit des Designtrios


Nnfenren um Kim Asendorf ist
»Ob schön oder hässlich, das
unter http://noog.nnfenren.com
zu sehen. »Noog« stellt eine
hängt von den Adressaten
Kollektion digitaler Sammelob-
jekte dar, die dazu anregen
ab. Ich würde sagen, dass alles
soll, die Wertigkeiten von virtu-
ellen Objekten zu diskutieren beide Seiten in sich trägt«
Ich bin auf der Suche nach neuen n David Delander wurde auf dem Schlachtfeld von Water-
Ästhetiken, visuellen Strukturen, loo geboren, wie er sagt. Das Schöne der Landschaft und die
die in der Zeit vor der Digitalisie- grausame Geschichte des Ortes inden sich auch in seinen
rung nur schwer vorstellbar wa- Graik- und Webdesigns wieder. Er hat am Institut Saint-Luc
ren. Dass Menschen das als »Ugly Bruxelles Graikdesign studiert und arbeitet heute in Brüs-
Design« beschreiben, werte ich als sel für Bands wie New Diplomat oder Reno.
Erfolg. »Ugly« steht dafür, dass wir ≥ www.strangehalos.com
etwas ganz Neues haben und dass
es viele Fachleute gibt, die es noch Was empinden Sie als hässlich?
nicht verstehen. Machen wir uns David Delander: Etwas, das dich abschreckt oder sofort
nichts vor, so läuft es immer mit anspricht. Beides ist interessant.
neuen Trends oder neuen Ästhe- . . . und was als schön?
tiken. Anfangs werden sie von den Genau dasselbe.
Verfechtern der etablierten Stile Muss Design schön sein?
angegriffen. Je größer der Angriff, Es sollte vor allem eine Empindung vermitteln. Ob schön
desto gefährlicher ist die neue Ästhetik. Wenn man sich oder hässlich, das hängt von den Adressaten ab. Ich würde
heute umhört, speziell unter den »Konsumenten«, dann er- sagen, dass alles beide Seiten in sich trägt. Etwas kann für
fährt man schnell, dass viele die ewige Schönheit, das Aal- mich schön sein, für jemanden anderen aber nicht. Und
glatte satthaben. Es ist nicht mehr zu toppen, schöner geht manchmal kann etwas so hässlich sein, dass es zu einem
nicht. Daher rührt wahrscheinlich der Begriff »Ugly Design«, wunderschönen Stück Kunst wird.
es ist ein Gegenangriff der Werbeirmen, die etwas kom- Kann Hässlichkeit zur kommerziellen Masche verkommen
men sehen, was sie nicht verstehen. oder bleibt es immer eine Form der Rebellion?
Glauben Sie, dass die New Aesthetics künftig für die Warum sollte Ugly Design nicht zur Masche verkommen
kommerzielle Kommunikation relvant werden? können? Ich glaube, es gibt etliche Beispiele dafür. Der kom-
Ja, deswegen habe ich zusammen mit Martin Böttger und merzielle Stil ist stets ein lüchtiger, schwammiger Trend,
Joel Baumann das Büro Nnfenren gegründet, das sich ganz der mich nicht interessiert. Ich versuche, prinzipiell keinem
den New Aesthetics verschrieben hat. Wir sind auf der Su- Trend oder Stil zu folgen. Das ist hart, denn einerseits ver-
che nach Marken, die unser Ästhetik-Konzept nutzen wol- sucht man offen gegenüber dem zu sein, was um einen he-
len. Der Markt ist bereits da, die Internetkultur ist im Vor- rum passiert, zum anderen wird man gegen seinen Willen
marsch, und die Wirtschaft ist jetzt am Zuge, das zu erken- von Anzeigen, Bildern und Sachen beeinlusst und kann die-
nen. Die New Aesthetics läuten ein neues visuelles Zeitalter sen nur schwer aus dem Weg gehen.
ein, in dem der Konsument nach mehr Komplexität und Was ist denn Ihr Ziel, wenn Sie gestalten?
Überraschungen sucht oder diese sogar erwartet. Ich verstehe meine Arbeit als eine Art der Poesie. Ich lasse
Gibt es für Sie eine Grenze des guten Geschmacks? einfach meine Gefühle sprechen.
Geschmack kennt keine Grenzen, und das, was im Allge- Lassen Sie sich von etwas inspirieren – vielleicht von etwas
meinen als geschmackvoll gilt, empinde ich eher als lang- Schönem oder Hässlichem?
weilig. Design wird hässlich, wenn es den Kontext verfehlt Das weiß ich nicht genau. Ich lasse mich vom Leben, von Träu-
oder schon so ausgelutscht ist, weil wir es ständig wieder men, Gefühlen wie Frustration und vielem mehr inspirieren.
vor die Nase geworfen kriegen. Das Faszinierende ist, dass
dieses Diktat der Schönheit so langsam die öffentliche Ak-
zeptanz verliert und als Schauspiel des Betrugs entlarvt wird.
Ugly Design ist ehrlicher, tiefgründiger und nicht so ober-
lächlich. Ich denke, es operiert auf einer neuen emotiona-
len Ebene, die viele Leute erst noch entdecken müssen.
Gibt es Designer der New Aesthetics, die Sie besonders
interessant inden?
Es gibt viele Designern und Künstler, die die New Aesthetics
sehr gut verkörpern oder umsetzen. Ganz vorne sehe ich
zum Beispiel Emilio Gomariz (http://emiliogomariz.net), der
Design studiert hat, aber als Netzkünstler betrachtet wer- Ein großes Thema
den muss. Zudem inde ich Andrey Yazev (http://the389.com) David Delanders
und JK Keller (http://jk-keller.com) interessant, deren Arbei- ist Waterloo, der
ten an Design grenzen, aber nicht der kommerziellen Funk- Ort, an dem er
tionalität unterliegen. Ich wünsche mir, dass, wenn dieser Stil geboren wurde
populär wird, die Künstler der Szene proitieren und invol- und wo Napo-
viert werden und es kein schlechter Abklatsch wird, initiiert leon seine letzte
und ausgeführt von großen Agenturen und Medienirmen. Schlacht verlor
050 PAGE 06.12 KREATION Radkultur

Zwischen Jules
Verne und Kurt
Schwitters:
Nina Reisinger
vertreibt in
ihrem Onlineshop
Blowup Press
Poster, T-Shirts
und Taschen
mit Radillustra-
tionen, deren
wunderschöne,
ein bisschen
sentimentale
Motive sie mit
dem Risographen
selbst druckt

≥ PAGE Online
Jede Menge Links
zu Fahrradmarken
und -shops mit
designafiner
Kommunikation,
Bike-Blogs
und -Magazinen
inden Sie unter
www.page-online.
de/bike-hype

Bike-Hype
Hochästhetisch, individuell und sophisticated: Das Fahrrad ist zum Kultobjekt geworden. Das
spiegelt sich auch in der visuellen Kommunikation rund um die Radkultur wider
PAGE 06.12 051

n Wer sich einen schnellen Überblick Großstadtcow-


über die urbane Radfahrerszene ver­ boys: Der Ber-
schaffen möchte, der möge sich das liner Fahrradher-
neue Musikvideo zum Song »Mother­ steller 8bar
fucking Bike« auf YouTube anschauen. baut nicht nur
Eine Handvoll Jungs heizt zum Rap der tolle Räder,
Band Sons of Science durch die Groß­ sondern insze-
stadt: ein aggressiver Bürohengst mit niert sie auch
schrägem Kopfschutz; der nette Kum­ gekonnt in ruhi-
pel von nebenan, gemütlich durch die gem Industrie-
Straßen cruisend; ein überschallschnel­ umfeld oder
ler Biker in stromlinienförmig anlie­ mittels Guerilla-
gender Kluft; ein schnäuzertragender Aktionen im
Großstadtdandy auf seinem Fixie. Gut öffentlichen Raum
beobachtet und nur ein wenig über­
spitzt dargestellt, wird hier auf und mit
dem Rad getanzt, Autofahrer werden
gemobbt, egozentrische Biker verkei­
len ihre wertvollen Räder hochkant in
Aufzügen oder parken sie während
ihres Arbeitstags liebevoll in den Räu­
men ihrer Kreativagentur.
Längst nicht mehr nur praktisches
Fortbewegungsmittel oder Funsport­
artikel, ist das Rad besonders im ur­
banen Raum zum Lifestyleprodukt,
Statussymbol und Kommunikations­
objekt geworden. Ob robustes Moun­
tainbike, leichtes Rennrad oder ele­
gantes Fixie, ob klappriges Altherren­
fahrrad, gemütliches Hollandrad oder
Unikat Marke Eigenbau – Radfahrer
demonstrieren eine Haltung. Als sym­
pathischer David neben dem Goliath
Auto sorgt die Unabhängigkeit von
Staus und dem störanfälligen öffentli­
chen Nahverkehr, von Spritpreisen und
irgendwie auch von Straßenverkehrs­
regeln für ein Stück Freiheit im durch­
organisierten Alltag.
052 PAGE 06.12 KREATION Radkultur

Ähnlich wie der Stuhl mit seiner


designhistorischen Bedeutung, der bei
maximaler Funktionstüchtigkeit immer
auch Ausdruck von Lebensart, Status
und Geschmack des Be­Sitzers ist und
daneben übergeordnete soziokulturel­
le Entwicklungen dokumentiert, bietet
das Rad eine der spannendsten und
größten Herausforderungen für Ge­
stalter. Nicht von ungefähr kommt die
Faszination Kreativer fürs Rad und die
der Radler für Kreation: Designverlage
wie Gestalten oder Gingko Press veröf­
fentlichen Bücher über Radkultur oder
Fahrradbau, Magazine wie »The Ride«
und »boneshaker magazine« aus Eng­
land oder das tschechische »Pedal Pro­
ject« kombinieren Radkultur mit Design,
Die Zeitschriften Kunst und Illustration.
»boneshaker Modedesigner Paul Smith ist be­
magazine« (oben) kennender Biker, Matteo Cossu, Autor
und »The Ride« von Radliteratur, ist zugleich Gestalter,
(Mitte) verknüp- Kreativdirektor Thomas Yang aus Sin­
fen Radkultur, gapur vertreibt in seiner Freizeit selbst
Design und Kunst gestaltete Fahrradplakate in seinem
Onlineshop 100Copies. Umgekehrt ent­
steht die visuelle Kommunikation der
Radmarken häuig inhouse, bei alter­
nativen Labels ebenso wie bei Tradi­
tionsmarken wie dem Radzubehörher­
steller Brooks. Freude am Tüfteln, In­
teresse an gesellschaftlichen Themen,
die Verplichtung zu maximaler Funk­
tionalität und Ästhetik sowie Spaß an
einem Schuss Alltagsrebellion verbin­
det die Bike­Begeisterten.
Als stilvoller und semantisch stark
aufgeladener Dekogegenstand ziert

Force Effect aus


Halle vertreibt
angesagte, hoch-
wertige Fahrrad-
teile und Zubehör.
Die leicht melan-
cholische, ruhige,
Bildsprache, hier
im Lookbook und
auf Postkar-
ten, passt gut
054 PAGE 06.12 KREATION Radkultur

Die aufmüpige das Fahrrad inzwischen Schaufens­ Megatrends – das demonstrieren Bike­ sundheitsaspekte zum Radeln, son­
Seite der Briten: ter von Luxusmöbelläden und Mode­ Blogs, ­Zeitschriften und ­Bücher eben­ dern die reine Fahrtzeit. Dennoch steht
Zur inhouse strecken in Lifestyle­Magazinen. Fahr­ so wie die visuelle Kommunikation an­ Geschwindigkeit meist nur im Extrem­
gestalteten Anzei- radboutiquen wie Stilrad in München, gesagter Fahrradmarken. sportbereich im Fokus der Markenkom­
ge der Traditions- Zürich und Berlin oder Magazine wie munikation, etwa mit kantiger, kursiver
marke Brooks gibt »fahrstil« als eine Art »brand eins« für Tempo. Besonders in Großstädten ge­ Typo und dynamischer Bildsprache. In
es auf YouTube Radinteressierte feiern das Bike als Ob­ hört das Rad zu den schnellsten Fort­ den Imageilmen der Lifestyle­Brands
ein sympathi- jekt der Alltagskultur. Denn das Gefährt bewegungsmitteln. Laut Studien moti­ sieht man endlose Rennrad­ oder Sin­
sches Making-of vereint in seiner radikalen Funktionali­ vieren die meisten Menschen nicht gle­Speed­Touren ganz ohne Schnitte.
tät gleich eine ganze Reihe aktueller zum Bespiel Umweltschutz­ oder Ge­ Hier geht es weniger um das Fahrtem­
po als um Flexibilität, freies Vorankom­
men ohne Störung. Thema ist eher Ent­
schleunigung – eine Fortbewegung,
die den Menschen trotz Geschwindig­
keit seine Umwelt mit Temperatur, Wet­
ter, Gerüchen intensiv erleben lässt.

Nachhaltigkeit. Radfahren ist ohne


Zweifel ökologisch sinnvoll – die gute
CO2­Bilanz der Nutzer und die Langle­
Bertelli feiert ihre bigkeit der Produkte machen es jeder
hochwertigen Radmarke leicht, sich Corporate Re­
Produkte auf sponsibility auf die Fahnen zu schrei­
ihrer schlichten, ben. 8bar aus Berlin nutzte diesen
leicht nostalgi- Mehrwert beim letztjährigen DMY­
schen Website Event in einer etwas widerspenstigen
in schön gedeck- Guerillaaktion: Der Claim »Design Won’t
ten Farben Save The Nature – Cycling Does«, als
Stencil auf die Straßen gesprüht und
auf packpapierfarbene Flyer gedruckt,
machte die designhungrigen Festival­
besucher auf die trotzdem ausneh­
mend gut gestalteten 8bar­Produkte
aufmerksam. Für T­Shirts und Fahrrad­
teile kommen bei 8bar schlichte, wer­
tige Metalldosen zum Einsatz, die sich
PAGE 06.12 055

als Aufbewahrungsbehälter weiterver­ komplett handillustrierte Messestand


wenden lassen. Dank der technischen des Magdeburger Labels Schindelhau­
Rafinesse des Gefährts und seiner er Bikes zeigen den zunehmenden Mut
zeitgemäßen Ästhetik, auch in der Mar­ zu eigenständiger Kommunikation, die
kenkommunikation, laufen Radfahrer über die herkömmliche Sportler­, Fami­
heute nicht Gefahr, als fortschrittsre­ lienauslug­ oder Street­Art­Ästhetik
sistente Ökos betrachtet zu werden. hinausgeht. Außergewöhnliche Web­
sites stehen für die selbstbestimmte
Gesundheit, Sport, Wellness. Rad­ Haltung der Macher, beispielsweise die
fahren ist gesund für Herz und Kreis­ der Berliner Fahrradbauer von True
lauf, pro Stunde werden bei durch­ Unique, die aus alten Teilen neue Rä­
schnittlicher Geschwindigkeit unge­ der konstruieren.
fähr 400 Kilokalorien verbraucht. Ein
Argument, das Lifestyle­Radmarken je­ Design. Die konsequent reduzierte Äs­
doch kaum in den Vordergrund stel­ thetik der maximal funktionalen Fahr­
len. Selbst Mountainbike­ und Renn­ radkonstruktion wirkt inmitten un­
radhersteller setzen in ihrer Kommuni­ serer überladenen Produktwelt sehr
kation stärker auf den Adrenalinkick erholsam. Ein extremer Auswuchs ist
als auf den Gesundheitsfaktor. Vermut­ das Singlespeed oder Fixed Gear Bike
lich reicht es, dass dieses eher rationa­ (kurz Fixie), ohne Gangschaltung und
le Produktversprechen ausgiebig vom oft auch ohne Bremse, als ein von
Gesundheitswesen propagiert wird. allem Überlüssigen befreites Objekt. In der Zielgeraden: Das Poster „Aim for Glory“ hat Designer
In den zunehmend designafinen Er­ Thomas Yang für seinen Onlineshop 100Copies gestaltet
Heritage. Das Stahlross hat eine lange scheinungsbildern vieler junger Rad­
Tradition. Seine Geschichte ist auch ei­ marken zeigt sich ebenfalls die Ten­
ne Geschichte der Beschleunigung der denz zu radikaler Schlichtheit – etwa
menschlichen Fortbewegung. Fanta­ mit aufs Objekt ixierten Websites und
sievolle Poster, Taschen und T­Shirts im Logos mit abstrahierte Rädern in allen
Retrostil für Radfans stellt die Berliner denkbaren Varianten.
Designerin und Illustratorin Nina Reisin­ Derzeit gefragt, vor allem im Life­
ger in ihrem Onlineshop Blowup Press stylebereich, ist eine ruhige, schwarz­
vor. Mit dem Risographen gedruckt, er­ weiße oder zweifarbige Fotosprache,
innern die Illustrationen an viktoriani­ die Räder spröde­melancholisch in rau­
sche Stiche oder dadaistische Collagen. en Landschaften oder vor Betonarchi­
Traditionsmarken wie der britische tektur inszeniert. Das Produkt steht
Radzubehörhersteller Brooks setzen im Vordergrund, denn in seiner äs­
mit klassischer, editorialartiger Serifen­ thetischen und technischen Perfekti­
typograie und in ihrer Bildsprache, et­ on spricht es für sich selbst. Auf den
wa mit gedeckten Farben, ebenfalls Punkt bringt das downtownfrombe­ Die putzigen Zeichnungen auf dem Schindelhauer-Messe-
auf Vintage. Die Motive feiern klassi­ hind, ein Fotoblog, auf dem aus­ stand stammen von Illustrator Alexander Hanke
sche Mode und zitieren britische Tra­
ditionen wie Jagd­ und Reitsport. Dabei
sorgen moderne Fahrräder, humorvol­
le Motive und eine Portion Rebellen­
tum der in Szene gesetzten Radfahrer
dafür, dass die Brooks­Kommunikation
nie altbacken wirkt.

Individualisierung. Die Patina eines


Drahtesels macht diesen wertvoll, er­
zählen Beulen und Kratzer doch per­
sönliche Geschichten. Und immer häu­
iger sieht man nach Käuferwünschen
maßgeschneiderte Rad­Unikate, die
jedes Exemplar unverwechselbar ma­
chen. Bücher wie Matteo Cossus »One
Gear. Converting and Maintaining Sin­
gle Speed & Fixed Gear Bicycles« (Ging­
ko Press, 2012, 224 Seiten, 29,95 Euro,
isbn 978-1-58423-418-0) demonstrie­
ren mit lifestyligen Fotos und Illustra­
tionen hübsch bebildert, wie sich Rä­
der selbst bauen, modiizieren und re­
parieren lassen.
Die poppig­schräge Werbung der
australischen Firma Knog oder der
056 PAGE 06.12 KREATION Radkultur

Ein nostalgischer schließlich Fahrradfahrer in Rücken­ Chic« (Prestel 2012, 288 Seiten, 19,95 Eu­ hinter benutzerfreundlichen Interfa­
Blick in die ansicht abgelichtet sind. ro, isbn 978-3-7913-4680-9) zur Schau ces versteckt – für jedermann nach­
Zukunft: Die Kam- Auch das Zubehör wird wichtiger: gestellt, während Horst A. Friedrichs vollziehbar. Auch in der visuellen Kom­
pagne für die Da gibt es vom Mädchen­Bikelabel Can­ auf seinen Modefotograien in »Cycle munikation werden in Einzelteile zer­
technisch ausge- dy Cranks Kettenblätter mit pinken Style« (Prestel 2012, 176 Seiten, 24,95 legte Fahrräder, Ketten, Reifen und
feilten Fahrrad- Sternchen und von Velo Re Gürtel aus Euro, isbn 978-3-7913-4662-5) die neu­ Rahmen gern als graische Ornamente
lichter von Knog, Fahrradschläuchen. Urbane Bike­Mode en Fahrrad­Dandies präsentiert. verwendet. Der Antrieb entstammt
illustriert von für den Alltag wird auf dem Blog nicht der Steckdose, sondern der ei­
Karan Singh, ist Copenhagencyclechic von Mikael Col­ Transparenz & Authentizität. Nicht genen Muskelkraft – das kommuni­
visuell von den ville­Andersen und ab Mai in dem dazu zuletzt ist Fahrradtechnik – weder ziert ohne Umschweife der Claim von
Utopien der erscheinenden Fotobildband »Cycle in blitzend weißen Gerätehüllen noch 8bar: »My legs are my gears.«
späten sechziger
Jahre und der Mit all seinen Stärken kommt das
optimistisch-lau- Fahrrad in Zeiten gesellschaftlicher
ten Postmo- Unsicherheit, ökonomischer und öko­
derne inspiriert logischer Herausforderungen gerade
recht. Seit 2005 hat der Radverkehr in
der Stadt jährlich um etwa 7 Prozent
zugenommen. In deutschen Haushal­
ten stehen laut »greenpeace maga­
zin« 70 Millionen Räder, 15 Prozent der
Candy Cranks mit
Deutschen nutzen das Fahrrad, 41
dem Corporate
mehrmals die Woche, 38 Prozent fah­
Design vom Glas-
ren damit zur Arbeit. Die wachsenden
gower Studio
Gruppe der Radfahrer in den Innen­
Effektive Design
städten zu leiten, wird schwieriger. Zu­
gibt sich cool
dem steigt die Zahl der Unfälle, denn
und schlicht: Das
anders als etwa in der Vorzeige­Fahr­
Logo zeigt ein
radstadt Kopenhagen ist der Verkehr
abstrahiertes Rad,
hierzulande nicht auf Verkehrsteilneh­
bei Produkten
mer mit Drahteseln ausgelegt. Damit
des Labels wird
der Radkult wirklich zur Alltagskultur
auf Weiß,
wird, könnten wir Gestalter uns also
Schwarz und
nun um das weniger attraktive Thema
Pink gesetzt
Verkehrssicherheit, etwa mit Leitsyste­
men für radfahrerfreundliche Stadt­
strukturen und Imagekampagnen für
die Verständigung zwischen Auto­ und
Radfahrer kümmern. wl
058 PAGE 06.12 KREATION

PAPIERWELT

zweimal jährlich erscheinen und kos­ ganze Häuser – erstaunlich, was sich
Upon Paper Project tet 49,80 Euro. Thema der nächsten aus Tetrapaks, Klorollen, Pappkartons
Das großformatige n Der Papierhersteller Hahnemühle Ausgabe ist »Color«. und Versandtaschen alles herstellen
Hahnemühle- unterhält seit jeher eine enge Verbin­ Parallel zum Auftakt der Magazin­ lässt. Und das Beste daran: Viele der
Magazin »Upon dung zu Künstlern, Designern und Fo­ reihe ist bis zum 26. Mai im Upon Paper Sachen kriegen Kinder auch allein hin.
Paper« stellt tografen. Dazu passt das Projekt »Upon Space in Berlin­Mitte die Ausstellung ≥ www.haupt.ch
nicht nur interes- Paper«, das auf den drei Säulen Print­ »Planet L.A.« mit Arbeiten von Ralf
sante Künstler magazin, Ausstellungsraum und Web­ Ziervogel, Rinus Van de Velde, Robert
vor, sondern wird site basiert. In dem von Helder Suffen­ McNally, Dries Van Noten, Veronika
Scheufelen-Magazin
durch seine hoch- plan und seinem Berliner Büro 20First Kellndorfer und anderen Künstlern zu n In Kooperation mit der Sanshine
wertige Produktion realisierten großformatigen Magazin sehen. Die Schau nimmt das Magazin­ Communications GmbH veröffentlicht
selbst zum wird Papier zur künstlerischen Bühne. thema auf und inszeniert es im Raum. die Papierfabrik Scheufelen die zwei­
Kunstobjekt In der ersten Ausgabe geht es um Eine Website mit redaktionellen Bei­ te Ausgabe ihres Magazins »Phoenix«.
Los Angeles. Autoren und Künstler, un­ trägen und Social­Media­Elementen er­ Dort inden sich unter anderem Infor­
ter ihnen der kalifornische Multime­ gänzt Ausstellung und Magazin. mationen rund um das Scheufelen­
≥ PAGE Online dia­Artist Doug Aitken oder der Beach­ ≥ http://uponpaper.com; Kreativportal, ein Interview mit dem
Ein Interview mit Boys­Experte Jon Stebbins, erzählen www.hahnemühle.com Drucker und Verleger Gerhard Steidl so­
dem Designer von ihrer Stadt und ihren Projekten. wie eine Präsentation des Wandkalen­
Helder Suffenplan Produziert wurde das 49 mal 69 Zenti­ ders »Perfection«. Auf der Scheufelen­
über die Gestaltung meter große Magazin im Hightechver­
Aus Alt wird Neu Website kann man das Magazin online
von »Upon Paper« fahren des frequenzmodulierten Ras­ n »Wir haben kein Material im Haus.« lesen oder die Printversion bestellen.
lesen Sie unter ters auf 170 Gramm starkem Bilder­ Diese Ausrede, um nicht mit seinen ≥ www.scheufelen.com
www.page-online. druckpapier – und wird damit selbst Kindern basteln zu müssen, zieht ab
de/upon_paper zum Designobjekt. »Upon Paper« soll sofort nicht mehr. Denn Claudia Scholl
stellt in ihrem Bildband »Pappenheim«
Steigende Papierpreise
(Haupt Verlag, 24,90 Euro, isbn 978-3- n Fortlaufend steigende Kosten für
258-60038-3) reichlich Ideen vor, wie Energie, Rohstoffe, Chemikalien und
sich aus Karton, Pappe und Papier Re­ Hilfsstoffe veranlassen einige Papier­
cyclingprodukte fürs Kinderzimmer ge­ großhändler, ihre Preise zu erhöhen.
nerieren lassen. Mit vielen Fotos und Antalis gab bekannt, dass das gesamte
Illustrationen erklärt die Berliner Gra­ Sortiment ungestrichener Produkte ab
ik­Designerin, die auch Workshops für sofort zwischen 6 und 8 Prozent teurer
In »Pappenheim« Kinder und Eltern zum Thema Gestal­ wird. Die gleiche Preissteigerung gilt
inden sich jede ten mit Recyclingmaterialien leitet, wie für ungestrichene graische Erzeugnis­
Menge Ideen, um aus daraus nützliche, schöne und witzige se von Papier Union. ant
Papierabfall neue Gegenstände werden. Ob Müllabfuhr, ≥ www.antalis.de;
Sachen zu basteln Puppenkleider, Kuckucksuhren oder www.papierunion.de
060 PAGE 06.12

TYPO

Mr. Porter
Underware, Den Haag, Niederlande
n Keinesfalls zu verwechseln mit US-Rapper Mr. Porter ist der Net-A-
Porter-Ableger Mr Porter. Underware aus Den Haag sollte für das Män-
ner-Shopping-Portal einen Corporate Font entwickeln und entschied sich
für Mr Porters Handschrift. »Wir versuchten, ihn möglichst menschlich zu
machen, indem er sich ständig anders präsentiert und wir einige Unzuläng-
lichkeiten einbauten«, berichtet Underware-Designer Bas Jacobs. Für
diese kleinen Unperfektheiten brauchte es einen sehr intelligenten Font
mit vielen Glyphen, die immer wieder anders kombiniert werden. »Mr Por-
ter reist sehr viel durch die Welt. Inzwischen spricht er über 200 Sprachen.
Vielleicht würde er noch menschlicher wirken, wenn wir in schwierigen
Sprachen wie Finnisch oder Ungarisch ein paar Rechtschreibfehler einge-
baut hätten.« So aber ist Mr Porter eine Art Superman, der sich nicht
mit banalen Rezepten abgeben kann, aber mit Kaviar und Champagner.
≥ www.underware.nl
PAGE 06.12 061

Champagner
und Cevapcici
Dreizehn Schriften wurden dieses Jahr
beim TDC2 ausgezeichnet, neun davon stellen
wir Ihnen hier vor

n Rein statistisch gesehen ist Kroatien der Hauptgewin­


ner: Lediglich eine Schrift wurde von dort nach New York ge­
schickt – und dann auch gleich prämiert. Es handelt sich da­
bei um das Schriftsystem Balkan von Marija Juza und Nikola
Djurek, das aus lateinischen und kyrillischen Skripten be­
steht – ein Mix, der typisch ist für die Staaten des ehemaligen
Jugoslawiens. Obwohl Balkan ein Font im herkömmlichen
Sinne ist, bietet er zugleich ein kleines Programm, das latei­
nische Buchstaben aus Kroatien in kyrillische aus Serbien
umwandelt und umgekehrt und so zur Völkerverständigung
beiträgt (auf Vimeo kann man sich unter dem Stichwort
»Balkan tiposistem« ein Video dazu anschauen).
Etwas ungünstiger fällt das Verhältnis bei den Amerika­
nern aus, 71 Schriften sandten sie ein, 3 wurden prämiert.
Harriet, von Jackson Cavanaugh entworfen, ist eine wun­
derbar klassische Serie von zwölf Display­ und acht Text­
schnitten auf den Spuren von Baskerville und Century. Au­
Balkan ßerdem Vibro, die Max Phillips Vorliebe für Streifen wider­
spiegelt, und der fette, runde Displayfont Smidgen von
Nikola Djurek und Marija Juza, Zabok, Kroatien House­Industries­Designer Ken Barber. Überhaupt legten
n Ein Beitrag zur Völkerverständigung ist das Schriftsystem Balkan. TDC2­Chairman Maxim Zhukov und seine Altherrenjury, be­
Da in Bosnien, Serbien, Herzegowina und Montenegro ein Mix aus stehend aus Roger Black, Matthew Carter, Paul Shaw und
lateinischen und kyrillischen Zeichen an der Tagesordnung ist, beherrscht Erik Spiekermann, die Messlatte sehr hoch. Nur 13 der 173 ein­
Balkan beide Scripte. Ein dazugehöriges spielerisches Programm macht gereichten Typen befanden sie für preiswürdig. Darunter ein
zudem aus kroatisch-lateinischen Buchstaben serbisch-kyrillische oder deutscher Beitrag, der eigentlich gar keiner ist. Denn die aus­
andersherum. »Unser Font soll entmystiizieren, entpolitisieren und gezeichnete Mr. K Informal stammt von Julia Sysmäläinen,
sprachliche Unstimmigkeiten beilegen – im Sinne von Toleranz, Bildung die zwar bei der Agentur Edenspiekermann in Berlin arbei­
und vor allem von Kommunikation«, sagt Nikola Djurek, der in Kroatien tet und ihre Schrift über FontShop verkauft, aber nach wie
und Italien studierte und an der Royal Academy of Art in Den Haag den vor einen innischen Pass besitzt.
Type-and-Media-Masterkurs absolvierte. 2005 gründete er die Foundry In diesem Jahr haben wir neun der ausgezeichneten
Typonine in Zabok, über die er seine Schriften anbietet. Auch Balkan wird Typedesigner gebeten, ein Rezept zu suchen, das zu ihrer
dort in Kürze für knapp 50 Euro erhältlich sein. Über die Ländergrenzen Schrift passt, und dieses dann mit ihrer Type in Szene zu set­
hinweg ist auch Djureks Rezept bekannt: scharf gewürztes Cevapcici. zen. Was dabei herauskam, sehen Sie hier und auf den fol­
≥ www.typonine.com genden Seiten – Prost und guten Appetit! ant
062 PAGE 06.12 TYPO TDC²

Sutturah Vibro
Octavio Pardo, Pamplona, Spanien Max Phillips, New York, New York
n Was als typograisches Experiment zur Erforschung neuer Textmuster n Viele Einlüsse kommen in der Vibro zusammen: die Arbeiten der briti-
begann, endete in Octavio Pardos erster kommerzieller Schrift. Sutturah schen Op-Art-Künstlerin Bridget Riley, die Motorhauben dieselgetriebe-
ist ein Displayfont für Plakate und Editorial Design, der detaillierte und ner Rangierloks, Lance Wymans Logo für die Olympischen Spiele 1968 in
konstruierte Formen mit handschriftlichen Elementen kombiniert und Mexiko, Milton Glasers Schrift Babyteeth und Max Phillips’ Vorliebe für
viele Einlüsse aufweist: von Fraktur- bis hin zu superfetten, kontrastrei- Streifen. Das Prinzip der Vibro basiert auf farbigen Linien, die für eine Art
chen Holzschriften. Octavio Pardo, der seinen MA Typeface Design an der optische Vibration sorgen. Im Sinne der Stromlinienförmigkeit elimi-
University of Reading machte, stattete Sutturah mit Ligaturen und Alter- nierte der Typedesigner alle Ecken. Kaufen kann man die Type für rund
nativbuchstaben aus, zurzeit arbeitet er auch an der kyrillischen Version, 30 Dollar bei MyFonts. Dass Max Phillips, der die Foundry Signal Type
die im Frühjahr 2012 erscheinen soll – wie die lateinische bei Rosetta Type betreibt, auch ganz seriöse Schriften gestalten kann, hat er schon mit der
Foundry. Dort ist die Schrift für knapp 40 Euro erhältlich. Ein einzelnes FF Spinoza bewiesen. Die elegante Serifenschrift wurde 2011 bei den
Wort in Satturah sage mehr als tausend Bilder, steht auf der Site. In der Tat ISTD Awards und den Communication Arts Competitions prämiert. Etwas
ist sie wunderbar in typograischen Illustrationen vorstellbar. Fett und irre wird man beim längeren Betrachten der Vibro schon – der ein oder
cremig ist Satturah – wie man sich nach dem Trüffelgenuss fühlen wird. andere Tequila Sunrise rückt die verrutschten Streifen wieder gerade.
≥ www.rosettatype.com ≥ http://signalfoundry.com/
PAGE 06.12 063

La República Harriet
César Puertas, Bogotá, Kolumbien Jackson Cavanaugh, Chicago, Illinois
n Seit dem Typo-Event Tipos Latinos 2010 ist das Bewusstsein für Typo- n Ein Vollzeit- und Vollbluttypograf ist Jackson Cavanaugh. In seinem
graie in Lateinamerika rasant gewachsen. »Davor«, sagt César Puertas, Büro in Chicago fummelt und feilt er montags bis freitags von zehn bis
»wussten viele Verleger nicht einmal, dass Leute existieren, die Schriften sechs an Buchstaben – es sei denn, es läuft ein Hockeyspiel oder das
entwerfen. Jetzt werden häuiger Corporate Fonts in Auftrag gegeben.« Wetter ist zu schön. Neben Corporate Fonts hat er auch vier eigene Schrif-
So auch von der kolumbianischen Zeitung »La República«, für die Puertas ten entwickelt, die er über seine Foundry Okay Type anbietet. Eine davon
die gleichnamige Schrift gestaltete. »Sie brauchte eine lesbarere, gut ist die Harriet Series, die von Klassikern wie Baskerville oder Century
durchdachte und etwas dunklere Type, die cool und jung, gleichzeitig beeinlusst ist. Die Antiquafamilie besteht aus zwölf Displayschnitten –
aber glaubwürdig und zuverlässig auftritt.« Die Schnitte der Familie, Thin, Light, Regular, Medium, Bold und Black plus Italics – sowie acht
die ab Oktober für alle zu kaufen sein werden, haben alle die gleiche Textschnitten: Light, Regular, Medium und Bold, ebenfalls plus Italics.
Breite, dazu gibt es eine Condensed für Headlines und eine Kursive. So gibt es unzählige Einsatzmöglichkeiten für die elegante Type, vor
Die Striche sind möglichst simpel gehalten und Ink Traps optimieren ihr allem in Zeitungen und Zeitschriften, aber auch im Corporate Design. Ein
Aussehen bei schlechter Druckqualität. Akkurat und freundlich ist die Einzelschnitt kostet rund 50 Dollar, die Familie circa 450 Dollar. Vielfältig
Type, genau wie Natilla, der cremige Pudding aus der spanischen Küche. einsetzbar ist auch der Gemüsefond, für den Cavanaugh das Rezept liefert.
≥ www.myfonts.com/foundry/Cesar_Puertas/ ≥ www.okaytype.com
064 PAGE 06.12 TYPO TDC²

Mister K Informal
Julia Sysmäläinen, Berlin
n Aus ihrer unheilbaren Suchtbeziehung zu Franz Kafkas Werk entstand
Mister K, die auf dessen Handschrift basiert. Die Mister K Informal
entstammt einem von Kafkas Quartheften, das keine Rohentwürfe,
sondern saubere, sehr gut lesbare Abschriften enthält. »Anders als
einige andere Familienmitglieder bleibt die Informal in jeder Situation
freundlich und berechenbar. Auch bodenständige Auftraggeber wer-
den zufrieden mit ihr sein«, ist Julia Sysmäläinen überzeugt. Mit über
2500 Glyphen hat die Mister K Informal den größten Zeichenumfang
aller Varianten, für rund 50 Euro kann man sie bei FontShop kaufen. Den
Bezug zum russischen Kuchen im Rezept hatte nicht Franz Kafka, sondern
Julia Sysmäläinen selbst. „Meine russischen Verwandten haben ihn bei
Besuchen oft gebacken. Und vor Kurzem bekam ich ihn in einem tschechi-
schen Speisewagen angeboten – sofort war die Verbindung zu Kafka da.
≥ www.ffmisterk.com
PAGE 06.12 065

Chiavari Rekja
Hélène Zünd, New York, New York Anton Studer, Zürich
n Etwas fehlt hier doch. Richtig, die Haarstriche. In ihrer Displayschrift n Muss die Kursive immer nach der Aufrechten entwickelt werden? Nein,
Chiavari spielt die in New York lebende Schweizerin Hélène Zünd beschloss Anton Studer und begann, die kursiven Buchstaben mit der
mit dem Verschwinden der feinen Striche. Dadurch wird aus der Type Feder zu zeichnen. Beim anschließenden Gestalten der Regular behielt er
eine elegante Stencilschrift, die vor allem in großen Größen, in Head- die Dynamik der Kursiven bei. So entstanden die vier Schnitte der Schrift,
lines oder auch in Leitsystemen interessant aussieht. Zum Einsatz kam die rund 300 Schweizer Franken kostet und sich auch in kleinen Größen sehr
Chiavari auch bereits – in der Broschüre »Yard, Risk and Business«, gut lesen lässt. Und warum gibt ein Schweizer Gestalter seiner Schrift einen
in der die Designerin zusammen mit Francesca Bozzo die Verzweilung isländischen Namen? »Eine Publikation des isländischen Schriftgestalters
der Finanzwelt visualisiert. Die geometrischen Serifen und die im Gunnlaugur Briem erläutert sehr schön den Aufbau einer Kursiven und hat
rechten Winkel angesetzten dünneren Striche geben Chiavari ein leicht meine Italics beeinlusst«, erzählt Anton Studer. »Plötzlich stand der Begriff
radikales, aber gleichzeitig auch sehr modernes Aussehen. Und da ›rekja‹ im Raum, was auf Isländisch ›folgen‹, ›verfolgen‹ bedeutet. Passend
die spitz zulaufenden Grundstriche an Spargelstangen erinnern, passt für eine Brotschrift, bei der es um das Lesen und nicht um die Schrift selbst
das Rezept wunderbar. Also schnell nachkochen, bevor die Spargel- geht.« Dazu hat der Klang, passend zur Schrift, gewisse Ecken und Kanten,
saison schon wieder vorbei ist. ist aber eigentlich sehr weich – wie die Konsistenz des Schokoladenkuchens.
≥ www.helenezund.ch ≥ www.nouvellenoire.ch
068 PAGE 06.12 TYPO Meta Science

Innenleben
Für die Publikationen des Wissenschaftsverlags De Gruyter
entwickelte Edenspiekermann ein neues typografisches Konzept –
und baute dabei die Meta zur Meta Science aus

n Endlose Bleiwüsten und nur we-


nig Raum für aufregende typograische
Gestaltung – viele Designbüros wür-
den bei der Aufgabe, die Innentypo-
graie wissenschaftlicher Publikationen
zu gestalten, wohl eher »Oh je« als
»Juchhu« rufen, nicht so Edenspieker-
mann aus Berlin. Erik Spiekermann
selbst, der nach eigenem Bekunden
lieber Fahrpläne als Werbeplakate ge-
staltet, und das Team um Designdirek-
torin Eva Schekkor und Projektmana-
gerin Katrin Wenke gingen mit viel Elan
und Begeisterung daran, dem Innenle-
ben der Bücher von De Gruyter ein neu-
es typograisches Gesicht zu geben.
Ungefähr ein Jahr zuvor hatte die
Frankfurter Agentur hauser lacour das
Erscheinungsbild des Traditionsverlags
überarbeitet, der seit mehr als 260 Jah-
ren Standardwerke für alle Bereiche
der Geistes- und Naturwissenschaften
publiziert und jährlich rund 800 neue
Titel und etwa 500 wissenschaftliche
Zeitschriften und digitale Medien he-
rausgibt. Die Designer wählten Tobias
Frere-Jones’ Gotham als Headlineschrift
und die Times für Fließtexte. »Das Cor-
porate Design arbeitet mit den Kont-
rasten zwischen den beiden Schriften.
Die Entscheidung für die Times war vor
allem pragmatischer Natur. Da De Gruy-
ter mit internationalen Autoren ar-
PAGE 06.12 069

Die Innentypografie der De-Gruyter-


Publikationen lebt von Kontrasten:
Zwischen Sans und Serif, Fett
und Fein, Groß und Klein. Der aus
der Wort-Bild-Marke entlehnte
De-Gruyter-Balken verbindet und
gliedert die Textelemente

Zum Unicode-Block IPA gehören‚


das Zeichen oben und die Beckerbre-
zel unten. IPA ist das internationale
phonetische Alphabet, mit dem etwa
Linguisten die Laute der mensch-
lichen Sprache darstellen. Es wurde
1886 auf der Grundlage der lateini-
schen Schrift entwickelt. Im Unicode-
Block Phonetic Extensions – dazu
gehören das Zeichen oben links und
das liegende ü – finden sich
zusätzliche Lautschriftzeichen
070 PAGE 06.12 TYPO Meta Science

Die phonetischen beitet, die zum Teil gleich in ein Con- rif zum einen das von Kontrasten ge- spiekermann. »Zum einen die Komple-
Zeichen, die tent-Management-System schreiben, prägte Erscheinungsbild bestens visu- xität der Publikationen: Jeder der ver-
De-Gruyter-Pro- musste die Schrift weltweit verbreitet alisieren lässt und die Type zum ande- schiedenen wissenschaftlichen Berei-
jektleiterin Katja sein«, erläutert Laurent Lacour. ren genug Möglichkeiten für Unter- che hat andere Bedürfnisse, was die
Brockmann für scheidungen und Hierarchien bietet. Schrift, die Buchstruktur und die Text-
uns sehr nett in Doch wie kommt es, dass hauser la- hierarchien angeht. Darüber hinaus
Szene setzte, ent- cour ein neues Verlagserscheinungs- Für das Team von Edenspiekermann galt es natürlich, die technischen An-
standen extra für bild entwickelt, dann allerdings Eden- stand zu Anfang vor allem Recherche forderungen hinsichtlich der verwen-
die Meta Science spiekermann mit der Gestaltung der an. Es sichtete und analysierte das gan- deten Satzprogramme zu berücksich-
Innentypograie der Bücher und Zeit- ze Verlagsprogramm: Wie viele Buch- tigen sowie den Worklow von De Gruy-
schriften beauftragt wird? De-Gruy- und Zeitschriftenreihen gibt es? Wie ter.« Zum zweiten das typograische
ter-Geschäftsführer Sven Fund erläu- unterscheiden sich diese? Wie viele Konzept an sich: Mit äußerst reduzier-
tert: »Edenspiekermann hat in diesem Schriftgrößen benötigt man? Wie viele ten Möglichkeiten – Schrift und minima-
Bereich bereits eine ganze Menge Er- Texthierarchien sind zu berücksichti- len Gestaltungselementen – ein Design
fahrung, und für unsere anspruchsvol- gen? Wie viele unterschiedliche Inhalts- für die Innenseiten zu entwickeln, das
len Publikationen brauchten wir Exper- verzeichnisse und Indexe inden Ver- einen hohen Wiedererkennungswert
ten. Für mich sind Cover und Innenteil wendung? Wie lässt sich die Produktion hat, für sämtliche wissenschaftlichen
zwei getrennte Bereiche. Entsprechend für Autoren und Hersteller optimieren? Bereiche und Publikationsformen so-
können auch verschiedene Agenturen »Wir standen vor zwei großen He- wie für alle Sprachen funktioniert und
daran arbeiten.« rausforderungen«, erinnert sich Eva vom Stil her in den Bereich der Wissen-
Laurent Lacour kann das nicht ganz Schekorr, Designdirektorin bei Eden- schaftsliteratur passt.
nachvollziehen: »Für mich ist diese
Vorgehensweise vor allem uneffektiv.
Für uns wäre es kein Problem gewe-
sen, die Materie zu verstehen und vom
Layout bis zum CMS umzusetzen. Zu-
dem hat De Gruyter bei fragwürdigem
Mehrwert jetzt eine komplette Um-
stellung vor sich: Die Meta muss als
Hausschrift eingeführt und der span-
nende Kontrast zwischen Gotham und
Times neu ausbalanciert werden. Auch
ist es eine aufwendige Sache, die Meta
jedem Autor zur Verfügung zu stellen.«
Da Edenspiekermann Gotham und
Times für die Komplexität der Innen-
seiten nicht geeignet fand, sondern
die Meta favorisierte, kam es zu der
ungewöhnlichen Situation, dass die
De-Gruyter-Cover in der Gotham, zum
Teil kombiniert mit der Times gesetzt
sind, während die Innenseiten die Me-
ta verwenden. Nur böse Menschen
würden hinter der Favorisierung der
Meta wirtschaftliche Interessen von
Erik Spiekermann und FontShop ver-
muten. Alle anderen akzeptieren die
Begründung, dass sich mit der gut
ausgebauten Meta Sans und Meta Se-
PAGE 06.12 071

Hergeleitet aus der Wort-Bild-Mar-


ke gibt jetzt die Mischung aus Sans
und Serif, Groß und Klein, Schwarz
und Weiß, Fett und Fein den Innensei-
ten der De-Gruyter-Publikationen ihr
Gesicht. Weiteres prägendes Gestal-
tungselement ist der De-Gruyter-Bal-
ken, ebenfalls von der Wort-Bild-Marke
Die Typedesigner
übernommen. Er verbindet und glie-
Anja Meiners,
dert die Textelemente. Größe und Po-
Botjo Nikoltchev
sition des Balkens sind für die unter-
und Ralph du
schiedlichen Texte optimiert, so dass
Carrois sorgen
die optische Einheitlichkeit im jewei-
dafür, dass die
ligen Kontext sichergestellt ist.
Meta Science
rechtzeitig fertig-
Wissenschaftliche Publikationen be-
gestellt wird
nötigen eine Vielzahl von Sonderzei-
chen, die auch historische Sprachen stellen. Auch Andreas Eigendorf, der Belegung der Ziffern angeht, eine Ex-
abdecken müssen. Da stieß selbst die für die gesamte Produktion und die klusivschrift ist sie allerdings nicht,
Meta an ihre Grenzen. Natürlich hätte Skripte zur Generierung der vielen sondern wird in Kürze über den Font-
man nun diverse Spezialfonts hinzu- kombinierten Zeichen verantwortlich Shop zu kaufen sein.
nehmen können, aber Ziel war es ja war, hatte gut zu tun. Wenn Verlag und Autoren die im
gerade, die große Anzahl der bisher Acht Schnitte – Meta Sans und Me- umfangreichen Styleguide bis ins letz-
eingesetzten Schriften zu reduzieren – ta Serif jeweils in Book, Italic, Bold und te Detail festgelegten typograischen
und damit auch den Aufwand beim Bold Italic – sind nun fast fertig, mit je- Vorgaben befolgen, werden die De-
Satz und die Fehlerquote hinsichtlich weils 2852 Zeichen, von denen knapp Gruyter-Publikationen in Zukunft auch
der Verwendung der richtigen Typen. 2000 neu hinzugekommen sind. Le- auf den Innenseiten sofort als solche
So iel die Entscheidung, die Meta zur diglich die mathematischen und che- zu erkennen sein. Sven Fund sagt ja
Meta Science auszubauen – mit der mischen Zeichen fehlen und müssen von sich, kein Gestaltungsstalinist zu
Unterstützung von Carrois Type De- aus der Lucida Math ergänzt werden. sein und mit den unterschiedlichen
sign, die gerade mit der Erweiterung »Es war einfach eine Frage der Zeit Schriften auf Cover und Innenseiten
der Meta für Griechisch und Kyrillisch und des Budgets, zunächst auf diese gut leben zu können. Allerdings könn-
fertig waren. Bei Redaktionsschluss Zeichen zu verzichten«, erklärt Ralph te ich mir vorstellen, dass sich die Me-
schufteten die Typedesigner Ralph du du Carrois, »eventuell holen wir das zu ta nach und nach weiter ausbreitet
Carrois, Anja Meiners und Botjo Ni- einem späteren Zeitpunkt nach.« Die und mit der Zeit auch das ein oder an-
koltchev noch immer wie verrückt, um Meta Science ist zwar speziell auf die dere Cover erobert. Im Sinne einer
die Meta Science in dem engen Zeit- Bedürfnisse De Gruyters zugeschnit- konsistenten Typograie vielleicht kei-
rahmen von drei Monaten fertigzu- ten, beispielsweise was die Unicode- ne schlechte Strategie. ant

Die von hauser


lacour gestalteten
Cover verwenden
Gotham und Times.
Auch hier sorgt der
Kontrast zwischen
den Schriften, also
zwischen Sans und
Serif, für Charakter.
Wie aus einem
Guss wirken Cover
und Innenseiten
trotzdem nicht
072 PAGE 06.12 TYPO Tschechien und Slowakei

Markante Akzente
Prag, Brno, Bratislava – und dann? Unsere typograischen Landkarte von
Europa ergänzt Klaus-Peter Staudinger um einen weiteren, wichtigen Teil

≥ PAGE Online n Aus eins mach zwei: 1989 setzte die


Unter www. samtene Revolution dem politischen
page-online.de/ Gebilde »Tschechoslowakei« ein Ende.
czechness Aus dem Zusammenbruch des kommu-
inden Sie wei- nistischen Systems gingen die Republi-
tere Arbeiten ken Tschechien und Slowakei als zwei
sowie Links von unabhängige Staaten hervor. Das nord-
tschechischen westliche Tschechien mit der Haupt-
und slowaki- stadt Prag hat als traditionelle Kultur-
schen Designern und Studienmetropole heute eine sehr
vitale Designszene, und Brno in der
südöstlichen Provinz ist durch seine De-
signbiennale international ein Begriff.
Weniger bekannt sind dagegen die
Slowakei und ihre Hauptstadt Bratis-
lava. Zwar stammt die Emigre-Gründe-
rin Zuzana Licko von dort, emigrierte
jedoch bereits 1968 in die USA. Für die

Radek Sidun
machte seinen
Abschluss an
der Prager Akade-
mie für Kunst,
Architektur und
Design VŠUP mit
einem Projekt
über diakritische
Zeichen in den
Schriftsprachen
der Welt. Mitt-
lerweile nutzt er
seine Expertise
auch als Berater
von Typedesignern
und -foundries
(www.diacritics.eu)
PAGE 06.12 073

Zwei Arbeiten aus Petr


Babáks Prager Studio
laboratoř: Gemeinsam
mit Lukáš Kijonka
gestaltete er das Buch
zum tschechischen
Biennalebeitrag in Vene-
dig 2011: »The Sleeping
City« von Dominik Lang.
Unten: Gemeinsam
mit Jan Matoušek ent-
stand das radikal-
expressive Poster für
das Dokumentarilm-
projekt »24«, kuratiert
von Kamila Zlatušková

jüngere Generation steht Peter Bil’ak,


der nach diversen Auslandsstationen
in Den Haag geblieben ist, aber gute
Kontakte in die Heimat unterhält. Dank
seiner Förderung regen sich dort zarte
(typo-)graische Triebe.
Mit den Tschechen gemeinsam ha-
ben die Slowaken die Sprache, die sich
nur geringfügig in Aussprache und Vo-
kabular unterscheidet. Während etwa
die Bulgaren sich der kyrillischen Schrift
bedienen, haben sich die Besonderhei-
ten des westslawischen Idioms in einer
für uns ungewöhnlichen Häufung dia-
kritischer Zeichen niedergeschlagen,
mit denen das Alphabet für die Um-
schreibung tauglich gemacht wurde.
Im Schriftbild sind die beiden Spra-
chen durch die Buchstaben mit dem
Hatschek ř, ěˇ oder dem Krouzek ů un-
terscheidbar, die es nur im Tschechi-
schen gibt. Umgekehrt kennt nur das
Slowakische die Buchstaben ä, l’, ŕ, ĺ
und ô. Die Konsonantenkombinatio-
nen dz und dž sowie die Diphthonge
074 PAGE 06.12 TYPO Tschechien und Slowakei

ia, ie, iu kommen im Tschechischen


nur selten oder gar nicht vor. Natürlich
führen die zahlreichen Akzente zu ei-
ner entsprechenden Optik, die bei der
Gestaltung von Schriften berücksich-
tigt werden muss – was den Typede-
Anežka Hrubá Cigle- signern der Region vorzüglich gelingt.
rová schuf einen
originellen Auftritt Überhaupt ist man stolz auf eine ge-
für den Prager Zoo, wisse czechness, die international mit
der noch auf seine der erfolgreichen Schrift Maiola der Pra-
Realisierung wartet. gerin Veronika Burian eingeführt wur-
Dessen Hauptak- de. Sie betont zwar: »Ich glaube nicht
teure sind die »ano- wirklich daran, dass sich im Schriftde-
nymisierten« und sign nationale Werte von vorneherein
dadurch gebrandeten manifestieren müssen. Ein Gestalter ist
Zootiere sicherlich beeinlusst von einer Umge-
bung und kann das zum Ausdruck brin-
gen, indem er etwa die Alltagstypogra-
ie seines Landes aufnimmt. Aber ich
glaube nicht, dass eine Schrift automa-
tisch nationale Aspekte besetzt.« Doch
räumt sie ein, dass Maiola durchaus Ei-
genheiten der tschechischen Schrift-
sprache enthält.
Die Vorbilder Burians wie auch ihrer
Kollegen in Tschechien und der Slowa-
kei gehen auf eine eigene Tradition zu-
rück. Stärker als anderswo umweht die
Typograie bis in die Neuzeit ein Hauch
von Fraktur. Die einzigartige Entwick-
lung wurde mit dem Reformator Jan
Hus eingeleitet, dem die tschechische
Schriftsprache ihre typischen Akzente
verdankt. Mit dem 1873 geborenen Gra-
iker und Illustrator Vojtěch Preissig,
der 1944 im KZ Dachau starb, und dem
Schrift- und Buchgestalter Oldřich Men-
hart (1897–1962) sind zwei Persönlich-
keiten der Moderne zu nennen, die die
Während ihres Studiums graische Gestaltung und Typograie
in Den Haag gestaltete entscheidend vorangebracht haben.
Ciglerová Logo und Web- Vojtěch Preissig war in seinen Ent-
site für Robota, einen würfen, wie etwa der herausragenden
Prager Modeladen mit Antikva Old Style, stark dem Jugendstil
angeschlossener Galerie. und Expressionismus verhaftet. »Da
Die eigens dafür ent- er der Erste war, der sich auf neuen We-
wickelte Schrift spiegelt gen mit Schriftgestaltung beschäftig-
den Grundriss wider te, gilt sein Design als tschechisch und
entsprechend auch andere Schriften,
die von ihm beeinlusst sind«, erklärt
Veronika Burian. Der bis in die 1950er
Jahre wirkende Oldřich Menhart ver-
arbeitete das Erbe moderater. In der
nur noch angedeuteten Kantigkeit der
Manuscript oder Figural zeigt sich den-
noch die speziische czechness.

Im Verhältnis zu seiner Größe bringt


Tschechien erstaunlich viele talentier-
te, zum Teil international erfolgreiche
Typedesigner hervor. Zu ihnen gehört
František Štorm, der in Prag die wich-
tige Storm Type Foundry betreibt. Er
begann mit Revivals historischer Vorbil-
der und wagte sich formal immer wei-
PAGE 06.12 075

ter – wobei gute Lesbarkeit stets eine


Hauptrolle spielt. Neben seinen Schrif-
ten, die inzwischen ein breites Spek-
trum abdecken, geht er seiner expres-
siven Neigung – nach einem Exkurs als
Sänger einer Metal-Band – gegenwär-
tig in manuellen Drucktechniken oder
der Landschaftsfotograie nach.
Sein wohl bedeutendster Schüler,
Tomáš Brousil, hat seit 2003 mit der
Suitcase Type Foundry ebenfalls eine Ebenfalls als Schöpfer einer Superfa- Eine feste Größe ist auch Filip Blažek, Das Lettering
beachtliche Fontbibliothek aufgebaut. mily, der preisgekrönten paneuropäi- der mit seinem Büro designiq haupt- »Magifešn«
Der gebürtige Slowake ist ausgebilde- schen Textschrift Skolar, hat David Bře- sächlich für Theater und andere kultu- von Jírí Toman,
ter Flugzeugingenieur, studierte dann zina auf sich aufmerksam gemacht (sie- relle Einrichtungen arbeitet. Typogra- für einen Ver-
Architektur und Design in Prag, bevor he Interview auf Seite 76). Der in Brno ie, virtuos eingesetzt, steht bei ihm im- trieb handgemach-
er sich ganz der Schrift widmete. Von und Reading ausgebildete Informati- mer ganz obenan, auch wenn er selbst ter Mode-Acces-
seinem Lehrer übernommen hat er die ker und Schriftgestalter rief zudem die keine Schriften entwirft. Typisch tsche- soires steht in der
Leitung des typosemestr, des 2005 von TypeTalks ins Leben, die im Wechsel chisch ist für ihn »der Sinn fürs Detail kalligraischen
Štorm gegründeten Type Design and in Tschechien und Polen stattinden. sowie eine gute Portion Humor«. Ob- Traditionslinie
Typography International Studio an der Březina gründete 2008 zusammen mit wohl einige Gestalter gute Kontakte ins des Tschechischen
Prager Kunstakademie. Deutlich weni- Veronika Burian und José Scaglione Ausland hätten, »bildet für sehr viele
ger als dieser an historischer Buchtypo- Rosetta Type Foundry, die sich dem an- Tschechen, Kreative eingeschlossen,
graie orientiert, indet Brousil seine spruchsvollen Feld der Multiscript Ty- die Sprache immer noch eine große
Vorbilder auch – nicht ganz unumstrit- pography widmet. Gerade ist der De- Barriere. Mit Ausnahme der Plattform
ten – bei Schriftschöpfungen aus der signer für Recherchen zu einer Guja- Typo.cz sowie der Brno-Biennale ha-
kommunistischen Ära. Mit der Tabac hat rati-Schrift in Indien unterwegs. ben selbst Institutionen kaum regulä-
er eine beeindruckende Großfamilie ge- Petr Babák betreut mit seinem Pra- ren Kontakt zu internationalen Desig-
schaffen, die wirklich alle Register der ger Designstudio laboratoř Projekte aus nern«, bedauert Blažek.
Magazintypograie zieht und insgesamt Kunst und Literatur, die er typograisch
96 Einzelschnitte umfasst. inspiriert in Szene setzt (siehe Seite 73). Nichtsdestotrotz wird gerade der eu-
ropaweite Austausch für die jüngere
Generation immer selbstverständlicher. Mit dem Poster zum
Ondrej Jób zum Beispiel ist nach sei- Thema Migration
nem Studium in der Heimat, in Däne- repräsentierte Filip
mark und in Den Haag nach Bratislava Blažek die Tsche-
zurückgekehrt, wo er 2009 sein Studio chische Republik bei
Urtd gründete, mit dem er vor allem im einer Ausstellung
Kulturbereich arbeitet, aber auch eige- des Hellenic Migra-
ne Schriften zeitgemäßen Zuschnitts tion Policy Insti-
veröffentlicht (siehe Seite 76). Ján Fili- tute in Athen.
pek, sein Kommilitone im Den Haager Unten: Dem Buch
Type-&-Media-Masterkurs, betreibt in zur Geschichte
Bratislava die erfrischende Typefoun- der tschechischen
dry DizajnDesign, die Newcomern wie Nationalhymne
Slávka Pauliková und Michal Tornyai gab sein Studio
eine Chance bietet. designiq ein unge-
Aus der Prager Typograieklasse von wöhnliches und
Tomáš Brousil kommen ebenfalls viel- aufwendig produ-
versprechende Talente. Vojtěch Říha ziertes Glascover
076 PAGE 06.12 TYPO Tschechien und Slowakei

»Eine Zeit lang ging es etwa hat einige originelle Entwürfe


in petto. Gerade in seinen Fonts mit
wild zu, es wird aber stark kalligraischem Duktus offenbart
sich eine gute Portion czechness. Und
besser. Man sieht von Anežka Hrubá Ciglerová macht außer-
Jahr zu Jahr mehr eigen- gewöhnlich iligranes Design, für das
sie wie mit der Robota (siehe Seite 74)
ständige Arbeiten« gern auch mal eine Schrift entwickelt.

David Březina (www.davi.cz) lebt in Brno In der Elbstadt Ústí nad Labem, wo er
und betreibt mit Veronika Burian und an der Designfakultät der Jan Evange-
José Scaglione Rosetta Type Foundry lista Purkyně Universität studiert hat,
betreibt Jírí Toman das noch junge La-
Gibt es so etwas wie einen tschechi- touristisch als in Prag – was wiederum bel Sudetype – abgeleitet vom Namen
schen Designstil? mehr persönliche Atmosphäre und Zu- des Gebirgszugs Sudeten. Universell
David Březina: Nein, ich denke nicht, gang zur Natur bietet. modern und dynamisch ist die Hand-
zumindest nicht »tschechisch« im ei- Was macht tschechische Typograie aus? voll im Kollektiv gestalteter Fonts, wo-
gentlichen Sinne. Allgemein ist die Aus- Das entscheidende Problem sind nach von mit Dumpling im Frühjahr der ers-
bildungssituation bei uns weit hinter wie vor die Akzente. Das geht so weit, te veröffentlicht wird. Viel deutlicher
Ländern wie Großbritannien, Holland dass Designer wie etwa Radek Sidun zeigt sich das tschechische Element in
oder Skandinavien zurück. Daher ging fast ausschließlich diakritische Zeichen Tomans Letterings (siehe Seite 75).
es eine Weile wild zu, es wird aber bes- für unterschiedliche Schriftenhersteller Von solchen lokalen Anklängen weit
ser. Man sieht von Jahr zu Jahr mehr entwirft. Ein großes Manko bei uns ist entfernt zu sein scheint der aufstre-
eigenständige Arbeiten. Was es häuig die Schrift im öffentlichen Raum – die bende Editorial Designer Radek Sidun.
gibt, sind ein paar nostalgische Remi- meist ziemlich schrecklich ist. Und die Für die letzte Ausgabe des Do-It-Your-
niszenzen an frühere Zeiten, vor allem Tatsache, dass die Leute kaum Schrif- self-Magazins »Komfort«, das er regel-
an die kommunistische Ära, als Kon- ten selbst kaufen. Wenn man aber be- mäßig layoutet, kreierte er zum Bei-
trast zur Gegenwart. denkt, wie wenige Menschen, also auch spiel eine modern gerundete Schrift
Wie empinden Sie die Beziehungen zu Typedesigner oder Typografen, hier le- mit retrograden Formen. Doch in sei-
den Nachbarn? Zur Slowakei oder ben, leisten wir in der internationalen ner Abschlussarbeit an der Akademie
auch zu Deutschland und Österreich? Schriftenszene einen ziemlich hohen für Kunst, Architektur und Design in
Die Slowakei ist uns vermutlich recht Beitrag. Darauf bin ich stolz! Wir ha- Prag hat sich Radek Sidun intensiv mit
ähnlich, wir haben sehr engen Kontakt. ben zwar keine so lange Tradition wie den diakritischen Zeichen alphabeti-
Deutsche und Österreicher tendieren Frankreich, England oder Holland, aber scher Schriftsprachen beschäftigt (sie-
dazu, uns zu unterschätzen. Zu Un- wir produzieren immerhin seit gut he Seite 72). Dieses Wissen stellt er
recht, denn bei uns entstehen viele in- hundert Jahren originäre Schriften. jetzt anderen Fontentwicklern zur Ver-
teressante Projekte. Die Polen sehen Großer Dank gebührt dem visionären fügung – sowohl als Berater wie auch
uns häuig als Vorbild. Sie mögen uns! Vojtěch Preissig für den Entwurf sei- als Gestalter. Dass die czechness ver-
Ich verstehe immer noch nicht ganz, ner Antikva, die eine Inspirationsquel- loren gehen könnte – das braucht man
warum eigentlich . . . le für viele Generationen im In- und also auch bei der jungen Gestalterge-
Ist das böhmische und mährische Erbe, Ausland wurde. neration nicht zu befürchten.
etwa aus der Zeit der K.-u.-k.-Monarchie, Wie sehen Sie die Rolle Tschechiens auf
noch von Bedeutung? dem internationalen Designparkett? Ondrej Jób
Für die Gegenwart kann ich das nicht Ich kann nicht darüber urteilen. Die schuf für die
erkennen. Es scheint so, dass wir uns Menschen in Tschechien schauen nicht Spiele-App
schwertun mit Kontinuität. Zudem ha- so sehr nach draußen. Es hat mehr mit 3bot die
ben wir immer noch ein Problem da- historischen Entwicklungen zu tun als iligrane
mit, die Ära des Kommunismus hinter mit einer natürlichen Selbstzentriert- Interface-
uns zu lassen. Doch gibt es mittlerwei- heit. Die besten unserer Designer sind Typograie
le einige wichtige Publikationen, die aber so gut wie die in anderen Ecken mit maß-
die Arbeiten unserer Modernisten – der Welt. Wir haben gute Schriftgestal- geschneider-
Ladislav Sutnar, Karel Teige, Vojtěch ter – Weltklasse! Und die bringen loka- tem Font
Preissig und anderer – wieder zugäng- le Besonderheiten des Tschechischen
lich gemacht haben. Ich persönlich se- in das zeitgenössische Typedesign ein.
he mich als Tscheche, der glücklich da- So ist auch der Ansatz unserer global
rüber ist, in Brno zu leben. Es ist dort agierenden Rosetta Type Foundry von
zwar provinzieller, aber auch weniger Haus aus ein internationaler.

Typo-Preziose von
David Březina: Das
Logo für www.global
politics.cz mit der
virtuosen Ligatur
basiert auf František
Štorms Baskerville
078 page 06.12 TYPO

TYPOWELT

Das Schriftsystem Greta Sans, von Peter Bil’ak


konzipiert und mithilfe von Nikola Djurek
umgesetzt, besteht aus achtzig Schnitten. Mit
der großen Auswahl an Fetten und Breiten
und der auffälligen Italic ist sie für vielfältige
Designaufgaben gerüstet. Neben einer
ganzen Reihe von OpenType-Features enthält
sie tausende von Symbolen, von denen
die meisten auch in zehn Fetten vorliegen
page 06.12 079

≥ Weitere interessante artikel rund um Typograie inden Sie unter


www.page-online.de/emag/typo und Links zu Typefoundries et cetera
unter www.page-online.de/typo-links

herauszubringen – allerdings frühes­


Schriftsystem Greta Sans tens im nächsten Jahr.«
n Mit großen Schriftfamilien hat Peter Kaufen kann man Greta Sans ab so­
Bil’ak enorme Erfahrung. So besteht fort bei Bil’aks Foundry Typotheque,
seine Fedra inzwischen aus 116 Fonts ein Einzelschnitt kostet etwa 90 Euro,
und unterstützt 170 Sprachen. Aller­ ein Paket mit zwanzig Fonts ungefähr
dings war sie nicht von Anfang in der­ 720 Euro und die komplette Familie
artigen Dimensionen gedacht, sondern 1750 Euro. Der Designer, der ja auch als
begann als relativ kleine Sans­Familie, Autor arbeitet, hat sich viele Gedan­
die sich dann nach und nach vergrößer­ ken über die Gestaltung eines Schrift­
te. Der Gedanke, ein typograisches Sys­ systems im Allgemeinen und der Greta
tem zu schaffen, bei dem es weniger Sans im Besonderen gemacht. Den da­
um die Gestaltung einzelner, individu­ raus entstandenen Text und viele Ab­
eller Schriften geht, sondern mehr um bildungen inden Sie auf PAGE Online.
Buchstaben, die in Beziehung zuei­ ≥ www.page-online.de/gretasans;
nander stehen, fasziniert Bil’ak schon www.typotheque.com
seit seiner Studentenzeit. Mit der Gre­
ta Sans setzte er ihn jetzt in die Tat um.
Von der Entwurfsphase an arbeite­
Konferenz zu Webtypo
te der in Den Haag lebende Designer n Die Designagentur Clearleft aus
gleichzeitig an vielen verschiedenen Brighton veranstaltet am 15. Juni in
Stilen, um zu sehen, wie unterschied­ dem britischen Badeort die Konferenz
liche Buchstabenformen auf extremes Ampersand, in der es um das Thema Geradlinig ist
Zusammenquetschen und Auseinan­ Webtypograie geht. Bekannte Schrift­
Emtypes Ciutadella die Ciutadella
derziehen reagieren. Erst nachdem ein gestalter wie Luc(as) de Groot, Jason n Einfach und direkt ist die geome­ von Emtype
Zeichen den Test bestanden hatte, wur­ Smith, Veronika Burian, José Scaglio­ trische Ciutadella, die Eduardo Manso aus Barcelona
de es aufgenommen. »Es liegt in der ne, Yves Peters und Erik Spiekermann aus Barcelona ursprünglich für das
Natur eines derartigen Systems, eine werden darüber diskutieren, wie sich Designstudio Maio Eskenazi gestaltet
bestimmte Richtung zu diktieren. Die die beiden Welten Web und Typede­ hat. Jetzt bietet er die zehn Schnitte
Rolle des Designers besteht darin, zu sign zusammenbringen lassen. Die Teil­ umfassende Sans­Familie – Light, Regu­
erkennen, wenn die ursprüngliche De­ nahmegebühr beträgt rund 125 Pfund. lar, Medium, Semibold und Bold plus
signidee innerhalb des Systems verlo­ ≥ http://2012.ampersandconf.com/ Italics – über seine Foundry Emtype an.
ren geht und dann Ausnahmen zu ge­ Für Displayanwendungen konzipiert,
stalten, beispielsweise bei den i­Punk­ funktioniert Ciutadella auch gut in mit­
ten, die bei den leichteren Schnitten
Arabische Shilia tellangen Texten. Die OpenType­Schrift
nicht mehr rund, sondern rechteckig n Mamoun Sakkal legte seinen ara­ enthält Alternativbuchstaben, etwa ein
sein mussten, um nicht zu klein zu wer­ bischen Font Shilia so an, dass er opti­ zweistöckiges a, Ligaturen und Ziffern­
den«, sagt Peter Bil’ak. mal mit lateinischen Groteskschriften formate. Ein Einzelschnitt kostet knapp
Das Resultat ist ein Schriftsystem mit harmoniert. Er liegt in acht Stärken von 40, die ganze Familie rund 230 Euro.
vier Breiten: Compressed, Condensed, Ultra Light bis Black vor, die jeweils kor­ ≥ www.emtype.net
Normal und Extended. Die Anzahl der respondierenden Condensed­Schnitte
Schnitte variiert: In der Compressed­ sind in Vorbereitung. Mit insgesamt
Version sind es neun – von Hairline bis 1600 Glyphen gehört Shilia momen­
Mr Eaves Narrow
Heavy – bei Condensed und Normal tan zu den umfangreichsten verfüg­ n Vor einiger Zeit bekam die Emigre­
kommt noch eine Black hinzu, in der baren arabischen Schriften. Wie sämt­ Erfolgsschrift Mrs Eaves einen Ehe­
Extended­Variante darüber hinaus der liche arabischen Typen von Linotype mann: den serifenlosen Mr Eaves, der
Font Super. Das Ganze als Aufrechte bietet auch sie ein passendes latei­ auch in XL mit größerer x­Höhe vorliegt.
und Kursive macht insgesamt 80 Schnit­ nisches Alphabet – Adrian Frutigers Neu ist die um 20 Prozent enger laufen­
te. Damit steht dem Anwender ein um­ Univers Next –, das in Laufweite und de Mr Eaves XL Sans Narrow. Wem Mr
fangreicher Werkzeugkasten für sämt­ Größe zu ihr kompatibel ist. Wörter Eaves Sans zu humanistisch ist, kann
liche möglichen Designherausforde­ wie beispielsweise »Allah« werden sich für die Mr Eaves Modern entschei­
rungen zur Verfügung. »Die spannends­ durch traditionelle Ligaturen ersetzt den, die einfachere, geometrischere
te Phase wird jedoch noch kommen«, und für zahlreiche Buchstaben liegen Formen hat und nun ebenfalls als Nar­
meint Peter Bil’ak. »Außerhalb des la­ Varianten mit extra großen Schwün­ row vorliegt. Sans Narrow und Modern
teinischen Schriftsystems gibt es ein gen vor. Das Shilia Arabic Basic Family Narrow gibt es mit Italics, Small Caps
Projekt dieser Größenordnung noch Pack mit acht Schriften ist zu einem und Alternativbuchstaben, zusammen
nicht. Wir planen außerdem, Greta Preis von rund 1400 Euro erhältlich. kosten sie knapp 500 Dollar. ant
Sans auch für andere Schriftsysteme ≥ www.linotype.com ≥ www.emigre.com
080 PAGE 06.12

BILD

Diese Eier sind von: Brigitte Williams, Clara Lacy, David Walker, Rob & Nick Carter, George Butler, Physical Pixels, Julian Brown, Quentin Jones, Rachel Waldron, Steven Wilson, Benjamin Shine, Natasha Law
Entdeckungsreise
Die gute alte Illustratorenagentur ist auch nicht mehr das, was sie mal war –
denn auf sie warten spannende neue Aufgaben

Bei der vorösterlichen Aktion »The Big Egg Hunt« stellte Fabergé in ganz London riesige Eier auf. Auch die Illustratorenagentur Breed London kam
mit mehreren Beiträgen zum Einsatz – darunter das schwarz-goldene Exemplar ganz unten von Steven Wilson sowie das gelbe von Natasha Law
PAGE 06.12 081

n Wer hätte gedacht, dass sich Illust- und den Code des jeweiligen Eis per ren eines Mädchens auf ein goldgelbes Beeindruckender
ratorenrepräsentanten eines Tages mit SMS verschickte, spendete damit Geld Ei gemalt hatte. Dieses sowie das als Fotorealismus
dem Diebstahl zweier Eier beschäfti- für Hilfsorganisationen und nahm an britischer roter Briefkasten gestaltete des Berliner
gen würden, wie er jüngst in England der Verlosung eines 100 000 Pfund teu- Ei des Designers Benjamin Shine wur- Artdirektors,
Schlagzeilen machte? Das kam so. Bei ren, diamantbesetzten Fabergé-Eis teil. den gestohlen, woraufhin eine große Designers und
einer Wohltätigkeitsaktion des welt- Unter www.thebigegghunt.co.uk ließen Suchaktion von Polizei, BBC und sozia- Illustrators
berühmten Juweliers Fabergé wurden sich die Künstler-Eier zudem zum gu- len Netzwerken startete – letztlich mit Jindrich Novotny,
von 21. Februar bis 3. April zweihun- ten Zweck ersteigern. Erfolg, die Eier tauchten wieder auf. betreut von
dert von Künstlern, Designern und Il- Auch fünf Illustratoren der Agentur 2agenten
lustratoren gestaltete, 2,5 Fuß große Breed London waren beteiligt, darun- Ganz so spannend geht es im Leben
Eier überall in London aufgestellt. Wer ter Natasha Law, Schwester des Schau- von Illustratoren und Illustratorenagen-
beim »Big Egg Hunt« fündig wurde spielers Jude Law, die die zarten Kontu- ten natürlich nicht ständig zu, doch
082 PAGE 06.12 BILD Illustratorenagenturen

Das Studio Serial


Cut aus Madrid
wird wie viele
innovative,
medienübergrei-
fende Visual
Artists von der
spanischen
Agentur Mush-
room vertreten.
Unten: Der
schottische
Designer, Illus-
trator und
3-D-Lettering-
Spezialist Steven
Bonner lässt sich
hierzulande
seit Kurzem bei
kombinatrot-
weiss buchen.
Extrem feinzise-
liert arbeitet
die Schwedin
Lina Bodén,
repräsentiert von
Agent Molly

ihre Arbeiten entstehen immer häu- www.baffitos.co.uk lässt sich die Bilder- Die neue Generation von Illustratoren-
iger nicht nur im stillen Kämmerlein geschichte nachlesen. agenturen kümmert sich also längst
und werden auch nicht mehr nur dort • Live-Painting-fähige Illustratoren sind nicht mehr nur darum, Printartikel,
von den Betrachtern konsumiert. Ein gefragt. Der ebenfalls von Dutch Uncle Bücher und hier und da mal eine An-
paar bemerkenswerte Projekte aus repräsentierte Japaner Dragon76 trat zeige zu bebildern, sondern stellt sich
der jüngsten Zeit: vor Kurzem etwa bei der Eröffnung weit umfassenderen Herausforderun-
• Für die britische Branding-Agentur eines 55DSL-Flagship-Stores in Shore- gen. In diesem Sinne hat sich hierzu-
SB Studio malte der von Dutch Uncle ditch in Aktion. lande beispielsweise die Agentur von
aus London vertretene Joel Holland das • Si Scott, von Breed vertreten, arbei- Anja Wiroth entwickelt, die als Foto-
erste Restaurant der Bafito-Kette aus. tete erneut mit Modedesigner Jean grafenrepräsentanz mit Hauptsitz in
Die Illustrationen erzählen die (nicht Pierre Braganza zusammen und konn- Berlin startete, sich inzwischen aber
ganz wahre) Lovestory von Frank und te seine Illustrationen bei der London Anja Wiroth Media Agency nennt, kurz
Alessia, nach deren Rezepten bei Baf- Fashion Week über den Laufsteg wan- AWMA. Claudio Soranno aus dem Düs-
ito Pizza gebacken wird. Auch unter deln sehen. seldorfer AWMA-Ofice hat eine inte-
PAGE 06.12 083

ressante Riege von über zwanzig Illus-


tratoren aufgebaut, mit denen auch un-
gewöhnliche Aufgaben zu lösen sind.
Darunter fallen zum Beispiel Julian
Rentzschs Illustrationen für die von Ex-
polab konzipierte, 10 Meter breite und
2250 Kilo schwere Pop-up-Installation
für die Präsentation des MINI auf der
IAA. Oder Bilder für Projektionen, mit
denen bei einem Swatch-Event in Ve-
nedig Häuser und Plätze bespielt wur-
den. Die Visuals hierfür lieferte Damien
Vignaux is elroy, ein in Berlin lebender
Franzose, der auch als Motiondesigner,
DJ und VJ aktiv ist und Erfahrungen für
solche Veranstaltungen mitbringt.

Dreidimensionalität spielt ohnehin ei-


ne immer größere Rolle für Illustrato-
ren und ihre Agenten, sei sie digital er-
stellt, analog gebastelt oder als Kom-
bination aus beidem. Studios wie Serial
Cut aus Madrid, der britische 3-D-Illus-
trator Chris Labrooy oder Le Creative
Sweatshop sowie Zim & Zou aus Frank-
reich sind mit rafinierten Bildern die- Best-of Illustratorenagenturen
ser Art bei Werbeagenturen sehr ge-
fragt – parallel zu den sehr beliebten 2agenten. Nach wie vor eine Top- Agent Molly. Die 2002 von Molly Karl-
handgemalten oder gekritzelten Illus. Adresse – auch seit Andrea Wendt berg und Sara Sinnby in Stockholm ge-
»Manche Kunden freuen sich über und Jörn Schwarz im neuen Ofice in gründete Fotografen- und Illustrato-
Kuli- oder Tuschezeichnungen, andere der Bergstraße 20 keine Galerieräume renagentur mit Schwerpunkt Werbung
wollen einen cleanen 3-D-Look. Für Il- mehr für ihre netten Ausstellungen und Mode bietet ebenfalls nur beste
lustratoren ist es natürlich am besten, haben. Mit der Betreuung von über skandinavische Qualität– siehe die Co-
ein möglichst breites Spektrum zu ha- dreißig erstklassigen Illustratoren sind ver-Illu von Lina Bodén links.
ben«, rät Claudio Soranno. Sowohl Blei- die Berliner allerdings ohnehin bes- ≥ www.agentmolly.com
stift- als auch 3-D-Illustrationen könne tens ausgelastet. Seit man auf der Web-
etwa der von AWMA vertretene 105 Pa- site nicht nur nach Namen, sondern
riis liefern, der eigentlich Enis Maksu- auch nach Kategorien wie zum Bei-
tovski heißt und bis letztes Jahr Artdi- spiel Porträt, Food, Verpackung (wie
rektor und Designer bei der Anima- oben von Tina Berning ), Werbung et
tions- und Interactive-Agentur Parasol cetera suchen kann, ist ein Besuch
Island in Düsseldorf war. »So ein Proil dort noch lohnender.
macht es mir als Agent natürlich leich- ≥ www.2agenten.com
ter, Jobs zu besorgen.«
Man müsse zwar als Illustrator nicht Agency Rush. Vom Seebad Brighton
unbedingt ins Thema Animation oder aus mischen Helen Rush und Nicki Field
gar 3-D-Animation einsteigen, wie es von Agency Rush mit 25 Illustratoren
AWMA-Wunderkind Magomed (siehe die internationale Kreativszene auf –
PAGE 02.10, Seite 70 ff.) derzeit tut, so einmal im Jahr zusammen mit Studio
Soranno. Doch auch wenn etwa die ei- Output und MadeStudio aus London
gentliche Animation oft von Spezialis- auch als Organisatoren des Design-
ten übernommen werde, müssten Illus- festivals Glug Brighton. Rechts Illustra-
tratoren heute ihre Zeichnung so anle- tionen von Crush für eine Kampag-
gen, dass man damit direkt in verschie- ne von Tropicana-Fruchtsaft in der
denen Medien weiterarbeiten kann. New Yorker U-Bahn.
Sprich, es wird viel verlangt von den ≥ www.agencyrush.com;
Illustratoren. Hoffen wir, dass die Wert- www.glugevents.com
schätzung der Kunden ihrer Arbeit ge-
genüber entsprechend wächst, denn Agent Bauer. Die renommierte Foto-
da hinken wir in Deutschland anderen grafenrepräsentanz, die 1997 in Stock-
Kreativnationen noch hinterher. Auf holm startete, vertritt auch ein Dut-
der nächsten Doppelseite haben wir zend der besten skandinavischen Illus-
einen Überblick über Repräsentanzen tratoren, darunter Maja Sten, Fellow
zusammengestellt, bei denen Sie die Designers oder Hvass and Hannibal
besten Künstler inden, um viele frische aus Kopenhagen.
Illustrationsprojekte zu starten. cg ≥ www.agentbauer.com
084 PAGE 06.12 BILD Illustratorenagenturen

AWMA. Jenseits der Artbuyer-Szene ist carolineseidler.com. Bis 2004 leite- spielsweise Ronald Kurniawan aus
noch gar nicht so bekannt, dass die Re- te Caroline Seidler das Artbuying der Los Angeles – die Illu oben setzte MC
präsentanz von Anja Wiroth mit Büros preisgekrönten österreichischen Wer- Saatchi aus Hong Kong für einen Luft-
in Berlin und Düsseldorf sich zu einer beagentur Demner, Merlicek & Berg- reiniger von Sharp ein.
der zeitgemäßesten deutschen Illustra- mann. Sie weiß also, was Werber wol- ≥ www.debutart.com
torenagenturen entwickelt hat. Neben len, und vertritt mit ihrer Wiener Reprä-
internationaler Prominenz wie Lorenzo sentanz neben Fotografen auch 23 zum Dutch Uncle. Trotz des niederlän-
Petrantoni aus Mailand oder Chuck An- Teil sehr erfolgreiche Illustratoren wie disch anmutenden Namens ist diese
derson aus Chicago sind viele deutsche Blagovesta Bakardjieva, Gina Müller sympathische junge Agentur in Lon-
Artists dabei, etwa Magomed, Via Gra- oder André Sánchez. don beheimatet und unterhält Büros
ik, Elisabeth Moch, Max Gadatsch, Rudi ≥ www.carolineseidler.com in New York und Tokio. Mit von der
Skukalek, 105 Pariis , Julian Rentzsch, Partie sind herausragende britische,
Superblak! oder Bianca Heinrichs. Début Art. Gibt’s schon seit 1985 in japanische und US-Illustratoren, aber
≥ www.anjawiroth.com London, seither kamen Büros in New auch Jörn Kaspuhl aus Hamburg, der
York, Paris und Edinburgh dazu. Dabei Argentinier Christian Montenegro, der
Bellevue. Erklärte Printliebhaber sind hat sich die Agentur jung gehalten und Italiener Alessandro Gottardo alias
die Kreativen aus dem Umfeld der vertritt über 140 Artists, ohne dass un- Shout oder der in London lebende Is-
Berliner Bongoût-Galerie, die sich zu ter der Quantität die Qualität leiden raeli Noma Bar – unten eine Cover-
dieser künstlergeführten Agentur mit würde: Jede Menge internationale Top- illu für »Wallpaper«.
dem Motto »avantgarde illustration Illustratoren sind hier zu inden, bei- ≥ www.dutchuncle.co.uk
for the printed matter« zusammen-
taten. Darunter Jakob Hinrichs, Katia
Fouquet, Carolin Löbbert, Gosia Ma-
chon, Helge Reumann, Jan Stöwe
oder die Bongoût-Macher Christian
Gfeller und Anna Hellsgard, die unter
dem Namen Re:surgo! arbeiten.
≥ www.bellevue-illustration.com

Breed. Vierzehn herausragende Illus-


tratoren vertritt die Agentur mit Sitz
in London und New York – fünf davon
waren bei Fabergés »The Big Egg Hunt«
dabei (siehe Seite 80).
≥ www.breedlondon.com
PAGE 06.12 085

Egger Grey. Die erst letztes Jahr in Ber- Kinky Illustrators. Statt Hochkünst-
lin gegründete Repräsentanz ist wer- lerischem indet man hier durchweg
beorientiert – mit Artists wie Stepha- Markttaugliches. Danilo Piech, der die
nie Wiehle , dem aus der Street Art Agentur 2003 in Berlin gründete, hat
kommenden Matthias Gephart, der zu- dabei vor allem Werbejobs inklusive
letzt die Grünen-Kampagne in Berlin Storyboards vor Augen.
illustrierte, oder Zsolt Vidak aus Buda- ≥ www.kinky-illustrators.com
pest, 2010 von »Lürzer’s Archiv« zu den
»200 Best Illustrators Worldwide« ge- kombinatrotweiss. Die Frankfurter Re-
rechnet. Eine Partneragentur aus São präsentanz für Fotograie, Illustration &
Paulo sorgt für einen heißen Draht in Postproduktion ist immer dicht am
die brasilianische Illustratorenszene. Zeitgeschmack. Das gilt auch für ihre
≥ www.eggergrey.de 18 Illustratoren, darunter zahlreiche
Beauty- und Fashion-Spezialisten. In-
Die Illustratoren. Die alteingesesse- teressant sind auch Nils Kasiske, Daria
ne Hamburger Repräsentanz hat Web- Rychkova, Matthias Seifarth oder Ste-
site und Erscheinungsbild moderni- ven Bonner (siehe Bild Seite 82).
siert, statt Gründerin Corinna Hein ≥ www.kombinatrotweiss.com
rückt das Team in den Vordergrund.
Nach wie vor kooperieren die Hanse- Mushroom. Die spanische Repräsen-
aten mit Illustration Ltd. aus den USA, tanz hat sich einem crossmedialen Illus-
mit über 80 Jahren wohl die älteste Il- trationsbegriff verschrieben und ver-
lustratorenagentur der Welt. Die Web- tritt einige der angesagtesten Studios
sites der beiden sind verschieden, grei- für Print-, Motiondesign- und Interac-
fen aber aufs gleiche Bildmaterial zu- tive-Projekte – darunter Serial Cut (sie-
rück – darunter die Roboter-Illu des he ebenfalls Seite 82), Plenty, Marta
Briten Chris King . Cerdà, David Despau oder Alex Trochut.
≥ www.illustratoren.de Viele Aufträge internationaler Werbe-
agenturen sind das Ergebnis.
jelly. Es gehe um die Idee, nicht um ≥ www.mushroom.es
die Medien, in denen sie ausgeführt
werde: Wohl keine andere Agentur hat Pocko. Eine der international umtrie-
sich so ausdrücklich einem medien- bigsten britischen Repräsentanzen, die
übergreifenden Illustrationsverständ- sich auch selbst als Kreativagentur ver-
nis verplichtet wie jelly aus London. steht. Zum Aufgebot gehören neben
Nur noch 30 Prozent ihrer Aufträge bekannten Illustratoren auch Fotogra-
sind Printillus, alles andere TV-, Inter- fen oder Motiondesigner wie Hippie-
active-, aber auch Mixed-Media-Pro- House aus Argentinien. Den Walkman
jekte und Live-Painting. Bild: Beitrag bastelten Zim & Zou .
von Sawdust für die Granimator-App. ≥ www.pocko.com
≥ www.jellylondon.com
UpperOrange. Noch eine deutsche Fo-
Jutta Fricke Illustrators. Altgedien- tografenagentur, die eine spannende
te Repräsentanz aus Münster, die mit Riege von Illustratoren und 3-D-Desig-
Illustratoren wie etwa Anja Stiehler, nern aufgestellt hat. UpperOrange-In-
Michael Zander, Thomas Kuhlenbeck haber Jochen Hagelskamp zeigt auch
oder Kathrin Franck nach wie vor hier Geschmack und vertritt Künstler
renommierte Kunden bedient, aktuell wie Cabine, Chrisse, Herr Mueller, Ini ,
etwa »ZEIT«, »Capital«, »Cicero«, »NZZ« Lisa Schweizer, Sonja Danowski, Maiko
oder Grabarz & Partner. Gubler, WON ABC und Zeitguised. cg
≥ www.jutta-fricke.de ≥ www.upperorange.com
086 page 06.12 BILD

BILDWELT
Porträts aus der
Umkleidekabine
n Eine ungewöhnliche Fashion-Pro-
motion dachte sich Guided Collective
aus London zum Launch der aktuellen
Kampagne des Modelabels Ted Baker
aus. In den Shops der Kette im ganzen
Land gab es Instagram-»Fotokabinen«,
in denen die Kunden sich bei der An-
probe der neuen Modelle fotograieren
lassen konnten. Die Aufnahmen gin-
gen sofort in die Firmenzentrale nach
London in »Ted’s Drawing Room«, wo
elf britische Topillustratoren die inspi-
rierendsten Bilder auf der Stelle zeich-
nerisch umsetzten.
Die Porträtierten erhielten die Illus-
tration dann signiert und gerahmt, plus
Videoaufnahmen von der Entstehung
der jeweiligen Zeichnung. Live-Bilder
aus dem »Drawing Room« liefen wäh-
rend der Aktion landesweit in den Lä-
den. Alle Bilder sind auf der Facebook-
Seite von Ted Baker zu sehen.
≥ www.facebook.com/TedBaker

Wieder da
n Sie war einer der Pioniere bei der
Distribution lizenzfreier Fotos im Netz,
aber zuletzt verschwand Image Direkt
von der Bildfäche. Wie neu geboren er-
steht die Plattform jetzt unter dem
Dach der renommierten Frankfurter
Bildagentur F1online wieder auf. Eine
von Florian Rinderle ansprechend ge-
staltete Website, gutes Material trotz
rund zwei Millionen Motiven, sehr ak-
zeptable Preise, einfache Bezahlung
ohne Credits, Endless Scrolling ohne
nerviges Seitengeblättere und Zugang
zu Lightbox, Warenkorb und Bestellung
auch als Gast: Mit so vielen Pluspunk-
ten dürfte sich Image Direkt auf dem
heiß umkämpften Bildermarkt bald
wieder etablieren.
≥ www.imagedirekt.de

Events überall
n Wie immer beginnt im Mai die Ver-
anstaltungssaison. So startete jüngst
in Frankfurt die große neue Trienna-

Bilder aus »Ted’s Drawing Room«


von Damien Weighill, Viet Tran,
Dale Edwin Murray und Miss Led
page 06.12 087

≥ Mehr zum Thema Fotograie und Illustration unter www.page-online.de/emag/bild

le RAY Fotograieprojekte Frankfurt/


RheinMain, die sich in den kommen-
den Monaten unter dem Motto »Ma-
king History« der Macht der zeitgenös-
sischen Fotograie widmet. Am 25. und
26. Mai lädt C/O Berlin zum zweiten
Mal zu den Book Days ein, wo sich Self-
publisher, aber auch renommierte Fo-
tobuchverlage präsentieren. In Wien
bietet vom 29. Mai bis 5. Juni das festi-
val for fashion & photography wieder
an zahlreichen Locations ein buntes fender Foto-Designer (BFF) ist eine Photobook« von Frits Gierstberg und Hommage an die
Programm. Von 12. bis 13. Juni gibt’s in Hommage an diese entschwindende Rik Suermondt, erschienen bei NAi aussterbende
Hannover das viel beachtete Lumix fes- Technik (404 Seiten, 60 Euro, isbn 978- Publishers in Rotterdam und nicht zu- Spezies der
tival für jungen fotojournalismus, und 3-933989-46-8). letzt deshalb mit Spannung erwartet, Fotopapiere:
wie es aktuell aussieht, wird nach Die Agentur Strichpunkt aus Stutt- weil man gerade aus den Niederlanden das aktuelle
einem hoffentlich vorübergehenden gart verpasste dem Annual ein Cover, besonders interessante Kooperation- BFF-Jahrbuch
Schwächeanfall in Leipzig von 23. Juni das sich ähnlich wie eine alte Fotopa- en von Fotografen mit herausragen-
bis 1. Juli beim F/Stop Festival unter pierschachtel aufklappen lässt – in drei den Graik-Designern kennt.
neuer Leitung wieder herausragende Designvarianten, die je an dem klassi- Tatsächlich macht »The Dutch Pho-
künstlerisch-dokumentarische Foto- schen Erscheinungsbild der krisenge- tobook«, das nach 1945 erschienene
graie zu sehen sein. beutelten Marken Kodak, Agfa und Il- Publikationen vorstellt, da selbst keine
≥ www.ray2012.de; www.co- ford angelehnt sind. Das reicht bis zu Ausnahme. Der renommierte Designer
berlin.info; www.12festival.at; verspielten Details wie einem schein- Joost Grootens arbeitete auf unge-
www.fotofestival-hannover.de; bar als Verfallsdatum aufgestempelten wöhnliche, aber dabei äußerst funktio-
www.f-stop-leipzig.de 2012 und so fort. Strichpunkt gestaltete nale Weise mit Coverminiaturen: gleich
schon die Vorgänger des Jahrbuchs . vorn auf appetitanregende Weise im
≥ www.bff.de Inhaltsverzeichnis und am Ende des
Designzitate Buchs in Index, Fotografen- und Desi-
n Fotopapier, das sei den Digital Na- Niederländische gnerverzeichnis sowie in Infograiken
tives an dieser Stelle erklärt, war ein- über Erscheinungsdatum, Format und
mal nicht Druckerpapier für Digital-
Fotobücher Aulage der vorgestellten Bücher. Der
fotos, sondern das Material, auf das n Es ist ein schöner Trend, dass der- Band erscheint anlässlich einer Aus-
man in der Dunkelkammer Aufnahmen zeit nach und nach in verschiedenen stellung, die bis 20. Mai im Nederlands
von analogen Filmen zauberte. Das Ländern Rückblicke auf ihre Fotobände Fotomuseum in Rotterdam läuft. cg
Jahrbuch 2012 des Bunds Freischaf- erscheinen. Der Neueste ist »The Dutch ≥ www.naipublishers.nl
Doppelseite über
den Band »Play.
A Photographic
Record«, in dem
Carel von Hees
2001 Rotterdamer
Subkulturen
dokumentierte
088 page 06.12

TECHNIK
page 06.12 089

Dirk Koys Musikvideo wird im Juni


beim Animationsilmfestival in
Annecy zu sehen sein. Unterstützt
wurde das freie Projekt
vom Rockförderverein Basel

Sachte explosionen
Dass sich mit gängigen Bewegtbildtools ungewohnte, atmo-
sphärisch dichte Bildwelten erzeugen lassen, demonstriert
Dirk Koy von Equipo mit seinem Musikvideo für Five Years Older

n Dirk Koy ist kein Mann der großen gen, je nach Blickwinkel des Betrach­
Worte, doch er weiß ziemlich genau, ters, etwas völlig anderes. In seinem
was er will und wie er dorthin kommt. Film lässt Koy eine Kamera an einer
Ebenso wie sein erstes Musikvideo für Reihe von Landschaftsfotos vorbeiglei­
die schweizerisch­kanadische Elektro­ ten, die, in Fragmente zerschnitten,
pop­Band Five Years Older (vergleiche statisch im Raum platziert sind. Durch
PAGE 06.11, Seite 38) lebt auch der diese Technik scheinen die Bilder von
neue Clip zu dem Song »I Should Have selbst in Stücke zu zerbrechen und sich
Known Better« von der graischen Ab­ neu zusammenzufügen. Vollständig er­
straktion subjektiver Gefühlswelten. kennbar sind die Motive jeweils nur ei­
Bemerkenswert ist, dass die Arbeiten nen Moment lang – nämlich dann,
des Basler Gestalters als technische wenn die Kamera frontal auf die Einzel­
Bewegtbildtüfteleien faszinieren – je­ teile eines Fotos hält.
doch ohne dass dies zulasten eines Begleitet wird dieses Bewegtbild­
konsequenten Konzepts geht. puzzle vom sachte pulsierenden Flug
Das Stück, gesungen von dem be­ zweier abstrakter organischer Objek­
freundeten Designerkollegen David te, die an Schmetterlinge erinnern. Ge­
Schwarz, handelt von der Begegnung legentlich tauchen Worte aus dem Song
zweier Menschen, ihren gemeinsam in Typofetzen auf, und zwischen den
erlebten Momenten und davon, wie Fotos wird kurz ein Filmschnipsel mit
sie sich wieder verlieren. Schnell ent­ David Schwarz in Aktion eingeblen­
stand die Idee, dies abstrakt in Form det. Generell interessiert Koy, wie sich
von Erinnerungsfotos zu visualisieren, die speziischen Programmästhetiken
die sich in puzzleartige Fragmente aufbrechen lassen – und tatsächlich
aulösen und wieder zu neuen Moti­ kann man von der lach wirkenden Fo­
ven zusammensetzen. tocollagenoptik des Clips nur schwer
Bei der Gestaltung des Videos hat auf Cinema 4D schließen. Dass die In­
sich Dirk Koy unter anderem von dem sekten wiederum sichtbar einem 3­D­
Schweizer Künstler Markus Raetz in­ Programm entstammen, sorgt für ei­
spirieren lassen. Dessen Skulpturen zei­ nen irritierenden Kontrast.
Ein wiederkehrendes Thema des
Liedes, der Lauf des Rheins von der
Quelle bis zur Mündung, visualisiert der
Designer mit zwei Metaphern: Zum ei­
nen mit der Fotoabfolge, die mit üp­
pigen Naturpanoramen beginnt und
mit melancholischen Stadtansichten
endet. Zum anderen greift er das Flie­
ßen mit einer entschleunigt­nahtlosen
Kamerafahrt ganz ohne Schnitte auf.
So erzielt das Musikvideo, als immer
wieder bedächtig im Raum explodie­
rendes Erinnerungspuzzle, eine hyp­
notische Wirkung, die den Betrachter
in die Gefühlspole zwischen Annähe­
rung und Entfernung, Realität und
Fantasie hineinzieht. wl
090 page 06.12 TECHNIK Making-of: Five-Years-Older-Musikclip

Dirk Koy über die produktion des Musikvideos mit Illustrator, photoshop, Flash, after effects und Cinema 4D

Bild- und Typo-


texturen erstellen
Zunächst wählte ich aus meinem
1 privaten Bilderfundus etwa dreißig
Fotos von meinen Urlaubsreisen der
letzten sechs Jahre aus: Zermatt, Kreta,
Schwarzwald, Paris, Basel. Ich bear-
beitete sie in Photoshop, schnitt sie in
puzzleartige Teile auseinander und
platzierte sie auf verschiedene Ebenen.
Um die programmeigene Ästhetik von
Cinema 4D auszuloten und mit dessen
Möglichkeiten einen eigenen Stil zu
entwickeln, wollte ich die typische Optik
clean modellierter Körper durch eine
eher zweidimensional wirkende Foto-
ästhetik ersetzen. Dazu importierte
ich die Fotoschnipsel als Textur in Cine-
ma 4D auf eigens angelegte Flächen.
In Illustrator konstruierte ich eine schmale,
kantige Schrift und ließ damit Schlag-
worte aus den Lyrics zwischen den Bild-
fragmenten einließen. Diese Typo und
Filmausschnitte, welche die Band in
kurzen Momentaufnahmen live zeigen,
behandelte ich ebenso wie die Fotos
als Textur, zerschnitt sie und bearbeitete
sie in separaten Gruppen.
Dirk Koy ist Mitgründer
des Basler Gestaltungs-
büros Equipo (www.
equipo.ch), das Kommu-
nikationsdesign über
alle Medienformate hin-
weg entwickelt. Er Bilderpuzzle im Raum
lehrt im Bereich Time- platzieren
Based Media an der
Im nächsten Schritt verschob ich in
Hochschule für Gestal-
tung und Kunst in Basel
2 Cinema 4D die Fragmente jedes
Fotos, der Typo und Filmelemente unter-
schiedlich tief im Raum. Für die etwa
dreißig Fotos legte ich je eine eigene
Gruppe an und renderte sie einzeln
heraus, um sie später individuell bear-
beiten zu können. Die Szenen ver-
knüpfte ich anschließend, indem ich
eine weitere Kamera einsetzte, die
den Raum um die auf einer Ebene neben-
einander platzierten Bilder abfährt.
Damit erzielte ich den Effekt, dass sich
die Splitter dynamisch zum vollstän-
digen Bild anzunähern, wieder zu entfer-
nen und sich zu neuen Motiven zu ver-
binden scheinen. Und nur so lange, wie die
Kamerafahrt frontal vor einem Bild hält,
zeigt sich das Motiv als Ganzes. Diese für
den Betrachter unsichtbare Struktur
im Hintergrund führt dazu, dass die Bewe-
gungen chaotisch wirken und gleich-
zeitig einer Ordnung zu folgen scheinen.
page 06.12 091

Insekt konstruieren
Um der graisch-kantigen Bildsprache als Kontrast ein
3 warmes, lebendiges Element entgegenzusetzen,
entwickelte ich ein organisches Objekt in Origami-Optik.
Letztlich wurde es eine Art Insekt, das – erst allein,
später dann zu zweit und zum Schluss wieder allein – durch
den Film schwebt und damit zu einer Art rotem Faden
wird. Die Insektenlügel animierte ich in Flash, importierte
sie als Textur in Cinema 4D, vervielfältigte sie acht-, neun-
mal und ließ sie dann zeitlich versetzt abspielen. Weil eine
programmierte Animation zu glatt und monoton wirkt, passte
ich die Flügelelemente in Flash manuell dem Sound an.

Sound einbinden
Die Musik bezog ich frühzeitig ein
4 und notierte Keyframes, wo im
Song etwa Stimmungs-, Themen-, Rhyth-
mus- oder Instrumentalwechsel
stattinden. So stellte sich beispiels-
weise die Frage: Wie lange soll ein
Foto in seiner vollständigen Version zu
sehen sein, wann inden Motivwechsel
statt? Um ein Gefühl dafür zu entwi-
ckeln, animierte ich testweise kurze
Fotoszenen in Cinema 4D und ent-
schied mich für eine Länge von zwei
bis drei Frames. Da das Programm
animierte Texturen wie die Insekten-
lügel in der Editoransicht nicht
bewegt anzeigt, lässt sich erst nach
dem Rendering beurteilen, ob
Sound und Bild zusammenpassen.

Postproduktion
Aufgrund der enormen Datenmen-
5 ge lagerte ich das ganze Projekt
auf zwei, drei Dateien aus. Beim Render-
ing aller Elemente wurde deutlich, an
welchen Stellen die einzelnen Gruppen –
Bilder, Typo und Insekten – visuell nicht
ganz zueinanderpassten. So bearbeitete
ich Tonwerte, Helligkeit, Schärfe und
Schatten in After Effects nach und glich
die Szenen mit Masken für abgedun-
kelte Ränder oder Unschärfen aneinan-
der an. Erst das inale Rendering
zeigte dann wirklich, dass die unter-
schiedlichen Bildelemente sich optimal
ergänzten. Ebenfalls in After Effects
stimmte ich die Bildelemente mit dem
Sound endgültig aufeinander ab.
092 PAGE 06.12 TECHNIK

TOOLS & TECHNIK


Software FileMaker Pro 12
+++ Neue Fogra-Standarddruckbedingung. Der Bun­ n FileMaker hat ihr Datenbanksystem einfach per Drag­and­Drop in die Da­
desverband Druck und Medien, die European Color auf die Versionsnummer 12 gehoben. tenbank ziehen. Bei den Tabellen und
Initiative und die Fogra Forschungsgesellschaft Druck Die gesamte Produktlinie, angefangen Diagrammen gibt es nun einige neue
haben eine neue Standarddruckbedingung für den bei der Client­Software über die Server­ zusätzliche Typen. Die wichtigste Neu­
Headset­Rollenoffsetdruck (Fogra 48) entwickelt. Zwei Lösungen bis hin zu den Apps FileMa­ erung ist aber die verbesserte Integra­
Charakterisierungsdatensätze (Fogra 49, Fogra 50) ker Go 12 für iPhone oder iPad, wird tion und Unterstützung für FileMaker
stehen für die Anwendung bei veredelten Drucken zum ersten Mal in einem einheitlichen Go. Darüber hinaus gibt es für Go neue
zur Verfügung. Die entsprechenden ECI­Proile liegen Versionsstand veröffentlicht. an iOS angepasste Vorlagen. Die Prei­
vor. ≥ www.eci.org +++ API für Getty Images. Getty Zu den Neuheiten gehört die Fähig­ se beginnen bei rund 420 Euro für File
Images hat mit Connect by Getty Images einen Con­ keit, mit Dateien jeder Art umgehen Maker Pro 12 in Deutschland. Die ent­
tent­Distribution­Service für ihre größeren Kunden zu können. Inhalte in vielen verschie­ sprechenden Apps sind kostenlos. dsc
vorgestellt. Er bietet diesen die Möglichkeit, die wich­ denen Medienformaten lassen sich so ≥ www.filemaker.de
tigen Bedienungsfunktionen der Datenbank sowie
die Inhalte und Metadaten von Getty Images über ei­
ne von der Bildagentur entwickelte und dokumen­
tierte API direkt in ihre Redaktionswerkzeuge, Pro­
dukte und Leistungen einzubinden. ≥ https://api.
gettyimages.com/ +++ Esko Suite 12. Der auf die
Verpackungsproduktion spezialisierte Softwarean­
bieter Esko nutzt sein jüngstes Release, um Suite 12
stärker mit allen enthaltenen Komponenten in der
Cloud zu verankern. Herzstück des Konzepts ist Web
Center 12, das Esko zu einer Verpackungsmanage­
mentlösung weiterentwickelt hat. Die Software er­
laubt es, den Kunden stärker in den Prozess der Ver­
packungsgestaltung und ­produktion einzubeziehen.
Seine Designwünsche lassen sich automatisch um­
setzen. Dazu lassen sich mithilfe von Verbindungsli­
nien und sogenannten Knoten Aufgaben zu komple­
xen Worklows verbinden. Ein weiteres Goodie sind
automatisch generierte Visualisierungen der ferti­
gen Verpackungen, dabei kann man obendrein einen Mobile Geräte spielen für FileMaker-Datenbanken eine immer wichtigere Rolle
ganzen Laden virtuell bestücken. ≥ www.esko.com
+++ Google Chrome OS. Chrome OS wird einem ge­
wöhnlichen Betriebssystem immer ähnlicher. Googles Produktfoto-Komplettlösung
vornehmlich auf Netbooks eingesetzte Lösung dien­
te bislang hauptsächlich dazu, den Browser zu star­ n Der französische Hersteller Sysnext Die neue Version X2 umfasst zwei
ten, aus dem der Anwender dann alle weiteren An­ hat die zweite Aulage von Packshot voreingestellte Fotoprogramme mit
wendungen öffnete. Nun bekommt Chrome OS eine Creator vorgestellt, die es Designern abgestimmter Beleuchtung: Mit dem
rudimentäre Desktop­Oberläche. Aura, so ihre Be­ ermöglicht, auch ohne großes foto­ einen lassen sich Fotos, 360­Grad­Auf­
zeichnung, ist in erster Linie ein Fenstermanager und graisches Vorwissen hochwertige Pro­ nahmen und 3­D­Modelle in Webqua­
bringt eine Taskleiste im Windows­Stil mit sowie eine duktfotos für den Druck oder fürs In­ lität erzeugen, mit dem anderen Bilder
Art Launchpad wie Mac OS X 10.7. Die Programme ternet zu schießen. Die Komplettlö­ für den hochwertigen Druck. Möglich
laufen zwar weiter als Browser­Tabs, doch lassen sie sung besteht aus einer Software und sind des Weiteren automatisierte Work­
sich nun unmittelbar vom Desktop starten. ≥ www. einem geschlossenen Gehäuse, in dem lows, bei denen eine 360­Grad­Auf­
chromium.org/chromium-os +++ Gnome 3.4 für Linux. sich das Produkt auf einer Bühne plat­ nahme direkt in Flash oder HTML5 ex­
Gnome 3.4 ist ein größeres Update für eine der wich­ zieren lässt und unter genau deinier­ portiert und auf einen Webserver hoch­
tigsten Linux­Benutzeroberlächen. Über 40 000 Än­ ten Bedingungen beleuchtet wird. Der geladen wird. Weiterhin sind zudem
derungen gegenüber der Vorgängerversion listet das PackshotCreator X2 ist mit einer Stand­ parallele Aufnahmen mit zwei Kame­
Open­Source­Projekt auf. Der Schwerpunkt lag da­ läche von 61 mal 61 Zentimetern recht ras oder das gleichzeitige Erzeugen
bei auf einer lüssigeren Performance bei Bildlauf geräumig – aber zugleich auch beinahe unterschiedlicher Ausgabeformate in
und Fensterhandling sowie auf umfangreichen op­ 48 Kilogramm schwer. Die Steuerung einem Durchgang, ohne dafür die Kon­
tischen Verbesserungen. Neu hinzugekommen ist ei­ der Drehbühne, der Beleuchtung und iguration umbauen zu müssen, mög­
ne Taskleiste mit dem Namen Dash, auf der sich häuig der (nicht im Set enthaltenen) Kame­ lich. PackshotCreator X2 ist ab sofort
genutzte Anwendungen zum Schnellstart ablegen ras übernimmt die Software auf ei­ im Handel erhältlich. dsc
lassen. ≥ www.gnome.org/ dsc nem Windows­Rechner. ≥ http://de.packshot-creator.com
PAGE 06.12 093

Hardware
+++ Superschnelle Speichermedien. Samsung hat
eine neue Generation von microSDHC­Speicherkarten
vorgestellt, die deutlich schneller sein werden als ihre
Vorgänger. Sie sollen über die Ultra­HighSpeed(UHS)­
I­Schnittstelle bis zu 80 Megabyte pro Sekunde über­
tragen und wären damit fast viermal so schnell wie
Mit der EOS-1D C die gegenwärtig leistungsstärksten UHS­I­Medien.
baut Canon Haupteinsatzgebiet sind Mobilgeräte. Die Karten gibt
ihre Serie von es mit 16 Gigabyte Kapazität. ≥ www.samsung.com/
digitalen GreenMemory +++ Mobile Audio-Workstation. Der
Spiegelrelex- KDJ­One des japanischen Herstellers CyberStep ist
kameras für eine vollwertige Audio­Workstation im Miniformat.
die Filmbranche In dem nur 12,6 mal 15 Zentimeter großen Gehäuse
weiter aus steckt ein 64­stimmiger Synthesizer mit zwei Oszilla­
toren, vier Modulatoren und sieben Filtern. Daten
übermittelt es per WLAN oder USB. Herzstück ist ein
Atom­E640­Prozessor mit 1.0 Gigahertz. Der Sound­
Canon goes Video Künstler steuert das Gerät über Knöpfe sowie über
einen 5­Zoll­Touchscreen. ≥ www.kdj-one.com +++
n Canon kündigte auf der Broadcast­ Kamera aus der Serie gab es auf der Google-Glasses-Projekt. Für Science­Fiction­Fans
Messe NAB in Las Vegas an, ihr jüngst Messe nur eine Ankündigung: Die Ca­ sind Google Glasses nichts Neues. Das Head­up­Dis­
vorgestelltes Angebot an digitalen non EOS C500 soll ebenfalls 4k­Video play wird wie eine Brille getragen. Kameras an der Vor­
Spiegelrelexkameras für die Film­ und im unkomprimierten Raw­Format auf­ derseite erfassen die Umgebung, während das Bril­
Videobranche auszubauen. Nächstes zeichnen. Weiterhin zeigte der japani­ lenglas als Projektionsläche für Informationen aus
Modell der neuen Cinema­Serie wird sche Hersteller auf der NAB Prototypen der Umgebung dient. Die Steuerung erfolgt anhand
die EOS­1D C sein. Die Kamera zeich­ zweier neuer Objektive, welche die 4k­ von Sprachbefehlen über ein Mikrofon. Google stellte
net Video mit einer maximalen Aulö­ Videoaulösung mit 4096 mal 2160 Pi­ das Projekt Anfang April in Form einer Konzeptstu­
sung von 4k, also 4096 mal 2160 Pixeln, xeln unterstützen und besonders klein, die vor, um auf diesem Weg Anregungen für die Wei­
und einer 4:2:2­Farbabtastung auf. In leicht und kompakt sein sollen. Diese terentwicklung zu erhalten. ≥ http://is.gd/oN0eem
den Handel kommt die EOS­1D C aller­ wird es sowohl mit EF­ als auch mit +++ Panasonic-Systemkamera Lumix GF5. Pana­
dings erst im Oktober, auch der Preis PF­Bajonett geben. dsc sonic hat den Nachfolger der Lumix GF3 vorgestellt.
steht noch nicht fest. Für eine weitere ≥ www.canon.de Die neue GF5 ist eine spiegellose Systemkamera mit
einer Aulösung von 12,1 Megapixeln. Das Micro­Four
Thirds­Modell verfügt über einen neuen Sensor und
einen überarbeiteten Bildprozessor und erreicht da­
mit eine schnellere Signalverarbeitung und eine hö­
here Empindlichkeit (bis ISO 12 800) bei verminder­
tem Rauschen. Über die Touch­AF­Funktion kann der
Fotograf wie auf dem iPhone mit dem Finger den Fo­
kuspunkt auf dem Display festlegen und auch dort
direkt auslösen. ≥ www.panasonic.de +++ Zwei Pu-
blikationen rund ums E-Book-Publishing. Markt­
vielfalt ist schön, hat aber für E­Book­Macher ihre Tü­
cken. Licht ins Wirrwarr bringt »Erfolgreiches Publi­
zieren für iPad, iPhone u. a.« aus dem amac­buch
Verlag. Das 564 Seiten starke Handbuch gibt es für
39,95 Euro gedruckt, für 11,99 Euro als ePUB­ oder
PDF­Version. Warum jede Ausgabe ihre eigene ISBN
hat, erklärt die Publikation ebenso wie die techni­
sche Erstellung von E­Books in InDesign, XPress, Word
oder Pages. Der E­Publishing­Lösung iBooks Author
von Apple hat amac­buch sogar eine eigene Publika­
tion gewidmet: »iBooks Author. Erstellen und Publi­
zieren von Multi­Touch­Büchern für alle« (264 Seiten,
19,95 Euro); als E­Book­Version kostet sie 7,99 Euro.
≥ http://amac.de cg/dsc
094 PAGE 06.12 TECHNIK Adobe CS6

Highlight-Check Adobe CS6


Nicht nur ein neues Release, sondern auch gleich ein neues Vertriebsmodell –die
Creative Cloud – stellte Adobe Ende April vor. Was bringt CS6 Designern und Entwicklern
fürs Print-, Web- und Tablet-Publishing? Wir zeigen Licht- und Schattenseiten

Adobe Creative n Kein anderer Softwarehersteller grammen der Suite. Für Designer und schließlich Mehrwertsteuer monatlich
Suite 6 deckt die Kreativbranche so breit ab Entwickler von Tablet-Anwendungen erhält der Kunde im Jahresabo Zugang
System: Mac OS X wie Adobe. Ob Zeichner oder Fotograf, ist das Update damit sicher ein Muss. zu der Plattform, von der er dann die
ab 10.6.8, Win- Gestalter oder Visual-Effects-Spezialist, Andere werden wohl länger überlegen, gewünschten Anwendungen herunter-
dows XP SP3, Interactive-Entwickler oder Cutter, al- ob das kostenplichtige Update lohnt. laden und auf zwei Systemen installie-
Windows 7 SP1 le arbeiten mit den Produkten des Un- ren darf. Zum Start der Creative Cloud
Verfügbarkeit: ternehmens aus dem kalifornischen Diesem Entscheidungsprozess durch entsprechen die verfügbaren Anwen-
ab Mai 2012 San José. Ein neues Release der Crea- eine neue Update-Politik nachzuhel- dungen jenen der Master Suite CS6:
Details zu den tive Suite erregt da entsprechend Auf- fen, hat Adobe bereits im Ende letzten InDesign, Photoshop, Illustrator, Fire-
Upgradebedin- merksamkeit. Zu Recht? Jahres angekündigt (siehe PAGE 02.12, works, Dreamweaver, Flash, After Ef-
gungen und Wir haben Experten für die unter- Seite 15): Künftig wird ein Upgrade nur fects, Premiere, Audition, Speedgrade,
Preisen unter schiedlichen Bereiche gebeten, ihre noch von der Vorgängerversion mög- Prelude und InCopy, doch sollen in Zu-
www.adobe.de Hauptanwendungen zu testen und auf lich sein, wobei aktuell sowohl CS5 als kunft weitere Anwendungen das An-
den folgenden Seiten ihre persönlichen auch CS5.5 Update-berechtigt sind. gebot abrunden wie Photoshop Light-
Highlights vorzustellen. Das Fazit klang Daneben wird Adobe zum CS6-Start in room, Edge Preview, Muse 1.0 und die
bei allen recht ähnlich: Die Creative ein neues Vertriebsmodell einsteigen: sechs Touch-Apps für die iOS-Platt-
Suite 6 ist ein solides Update, soweit die Adobe Creative Cloud. Der Name form (siehe PAGE 02.12, Seite 96 f.).
sich das von den getesteten Betaver- führt etwas in die Irre, denn hier geht
sionen sagen lässt. Mit nützlichen Neu- es nur am Rande um das, was man ge- Einige Goodies kommen noch dazu:
heiten, aber ohne ein Feature, das die meinhin unter Cloud-Computing ver- Eine Synchronisierungsfunktion sorgt
Kreativwelt auf den Kopf stellen würde. steht, also Anwendungen, die im Brow- dafür, dass man etwa auf dem iPad
Grundlegend wartet CS6 mit mehr ser laufen, und kollaboratives Arbei- mit einer der Touch-Apps einen Ent-
Geschwindigkeit auf, zum Teil mit neu- ten an Dokumenten. wurf zeichnen oder ein Konzept entwi-
en, dunkleren Benutzeroberlächen so- Die Creative Cloud ist vielmehr der ckeln kann und das Resultat dann über
wie einer besseren Unterstützung von Einstieg in ein Abonnement-Modell für die Cloud automatisch mit dem Desk-
HTML5 und CSS3 in mehreren Pro- Adobe-Software. Für rund 60 Euro ein- top-Rechner abgeglichen wird. Insge-

Production Premium CS6


n Die Suite für die Film- und Video-
branche ist wohl das Programmpaket,
bei dem sich ein Upgrade am meisten
lohnt, denn es bringt gleich zwei neue
Werkzeuge mit: Prelude und Speed-
grade. Insbesondere Letzteres ist ein
richtiges Highlight. Adobe hat es mit
dem Erwerb des deutschen Herstellers
Iridas im vergangenen Sommer über-
nommen. Bei SpeedGrade handelt es
sich um ein sehr hochwertiges, profes-

Premiere Pro CS6


ist noch einmal
deutlich schneller
geworden
PAGE 06.12 095

Kommentar
Was bringt CS6 für die Entwicklung von
Web- und Mobile-Anwendungen?
Interactive-Spezialist Sascha Wolter
erklärt seine Sicht auf das Upgrade

samt 20 Gigabyte Speicherplatz steht die die ungebundenen Kunden erst n Die Betaversion von Adobe CS6 liefert auf mei-
in der Cloud zur Verfügung. Ein inte- mit dem nächsten kostenplichtigen nem Windows-8-Rechner für meinen Geschmack be-
ressantes Feature ist, dass ein Viewer Update bekommen. reits gute Dienste. Eine Reihe neuer Zutaten sollen
beim Browserzugriff auf dort abge- Ob das reicht, um die Kunden zum sowohl Einsteiger als auch alte Kunden ansprechen.
legte Photoshop-, Illustrator- und In- Wechsel auf das Abo-Modell für die Doch, um es gleich vorwegzunehmen, es gibt nicht
Design-Dokumente eine Vorschau er- Plege ihrer Creative Suite zu ermun- nur Verbesserungen: Die eine oder andere Funktion
laubt. Auch Kommentare sind möglich. tern? In der Betaphase war nur der ist ersetzt worden, und einige Programme sind kom-
Nützlich ist auch die in der Creative Zugriff auf eine Vorversion der Creative plett verschwunden. Angesichts Adobes Abkehr von
Cloud enthaltene Ein-Platz-Lizenz der Cloud möglich, die noch nicht viel aus- der Flash-Plattform (http://is.gd/IANGKl) war ich be-
Digital Publishing Suite. In Verbindung sagte. Der Download der Anwendun- sonders gespannt darauf, was die überarbeitete Suite
mit InDesign sollen sich damit unkom- gen aus der Cloud wird sicher funktio- für Web- und App-Professionals bringt.
pliziert Apps für das iPad generieren nieren, auch wenn Adobe im Moment Flex Builder entpuppt sich bei genauerem Hinse-
lassen. Weiterhin umfasst das Ange- noch nach einer geeigneten Lösung hen als die ohnehin schon verfügbare Version 4.6
bot die Webfonts von Adobe Typekit sucht, Abonnenten die Touch-Apps im (http://is.gd/BP5dDZ) und das zugehörige Design-
sowie eine Lizenz für den Webhosting- Apple App Store gratis zur Verfügung werkzeug Flash Catalyst fehlt. Die Neuerungen bei
Dienst Business Catalyst. Darüber hi- zu stellen. Denkbar wäre ein Gutschein- Flash Professional beziehen sich zum überwiegen-
naus hat Adobe angekündigt, über modell. Wie hilfreich all die anderen den Teil auf Punkte, die sich eher an Game-Entwick-
die Creative Cloud eine Community Features sind, wie gut sie funktionie- ler denn an Webdesigner wenden: 3-D, Native Ex-
aufbauen zu wollen, Online-Trainings ren und wie zügig Adobe den Zugriff tensions und Sprite Sheets. Wer mit Flash und AIR
anzubieten und Support-Anfragen zu auf neue Funktionen gewährt, wird sich Spiele erstellen möchte – neben Video der strate-
lösen. Und noch etwas packt Adobe zeigen. Wer nur mit einzelnen Adobe- gische Fokus bei Flash (http://is.gd/EBaBBQ) – und
mit in das Paket, um den Nutzern die Anwendungen arbeitet, soll diese üb- sich mit dem neuen Lizenzmodell und den damit
Plattform schmackhaft zu machen: rigens auch einzeln abonnieren kön- verbundenen kostenplichtigen Premium Features
Über die Creative Cloud sollen die nen. Nun beginnt jedenfalls das große anfreunden kann (http://is.gd/fS5yCO), für den recht-
Abonnenten frühzeitig Zugriff auf neu Rechenspiel, was günstiger ist: Creative fertigen genau diese durchaus netten Neuerun-
entwickelte Major Features erhalten, Cloud oder einzelne Updates. dsc gen ein Update.
Dreamweaver wird seinem Ruf als allumfassen-
des Webdeveloper-Werkzeug auch in CS6 gerecht.
Viele populäre Themen sind berücksichtigt, darun-
ter Responsive Webdesign mit Fluid-Grid-Layouts.
Nett sind die neuen respektive überarbeiteten Fea-
tures für mobile Web-Apps mit jQuery Mobile und
sionelles Color-Grading-Tool, das früher analysiert die zweidimensionalen Be- PhoneGap. Die PhoneGap-Integration ist eine Über-
für einen fünfstelligen Euro-Betrag ver- wegungen des Films, um dreidimen- arbeitung der vorherigen Version: Jetzt läuft der
kauft wurde. Die Funktion von OnLoca- sionale Objekte optimal zu platzieren. Build-Prozess komfortabel online und nicht mehr
tion, das in CS6 nicht mehr auftaucht, In Premiere Pro hat Adobe noch ein- ofline auf Basis lokaler SDKs. Ob das wirklich ein
übernimmt jetzt Prelude. Die neu ent- mal für mehr Geschwindigkeit gesorgt Vorteil ist, hängt ganz von den Anforderungen des
wickelte Software gestattet das Im- und die Integration mit den anderen jeweiligen Anwenders ab.
portieren von unbearbeitetem Foo- CS6-Anwendungen verbessert. Darü- Alles in allem hat Adobe im Web- und Interactive-
tage, das Sortieren und Auszeichnen ber hinaus gibt es ein neues Tool zur Bereich die Speisekarte zwar überarbeitet, aber neue
mit Metadaten sowie das Anlegen ei- Korrektur einer unruhigen Kamera- Highlights inden sich nur wenige. Sicherlich ist für
ner Rohschnittliste, die sich als XML- führung. Im direkten Vergleich mit Fi- den einen oder anderen ein nettes Gericht darunter,
Datei exportieren lässt. nal Cut Pro X liegt Adobe damit beim doch meist sind nur ein paar neue Gewürze hinzuge-
Auch die etablierten Anwendun- Color Grading und bei den visuellen kommen. Ob das alleine ein Update oder alternativ
gen hat Adobe weiter aufpoliert. Af- Effekten vorn. Das Apple-Tool ist zwar das Abonnement der Creative Cloud (http://is.gd/
ter Effects bringt mit 3D Camera Tra- insgesamt immer noch innovativer xevvK2) rechtfertigt? Dennoch, die Creative Suite ist
cker ein leistungsfähiges Werkzeug für beim Handling von Clips, doch Premie- und bleibt der De-facto-Standard.
die Integration von 3-D-Objekten. Es re holt weiter auf. dsc
096 PAGE 06.12 TECHNIK Adobe CS6

Photoshop CS6
Kein atemberaubendes Feature, aber eine Vielzahl kleinerer Neuheiten
machen Photoshop CS6 zu einem interessanten Update. Da ist die
Mercury-Engine, die das Arbeiten mit großen Dateien und vor allem im
Umgang mit Filtern deutlich beschleunigt, oder das automatische Sichern der
Arbeit im Hintergrund, das jetzt nicht mehr zu einer Arbeitspause zwingt. Neu ist
auch die schwarze Farbe der Arbeitsoberläche als Standard. Markus Linden

3-D-Funktionalität
n Der Extended-Version vorbehalten
sind das Bearbeiten und die Integra-
tion von 3-D-Objekten in Fotos – bei-
des wurde erheblich verbessert. 3-D-
Elemente lassen sich direkt auf ein
Flächengitter setzen, das erscheint, so-
bald man ein Objekt als neue Ebene
importiert. Was in CS5 noch ziemlich
viel Ausprobieren erfordert, geht mit
der neuen Version jetzt wesentlich
schneller von der Hand. Das lässt sich
sogar mit Text umsetzen: Man kann
ihn im »Schrift«-Menü direkt in ein drei-
dimensionales Objekt umwandeln, ex-
trudieren und ebenso leicht perspekti-
visch anpassen, drehen, skalieren und
das Licht setzen wie bei allen anderen
3-D-Elementen.
3-D-Objekte
lassen sich als
Ebenen laden. Inhaltssensitives Ver-
So stehen direkt schieben von Bildinhalten
n Inhaltsbewahrendes Verändern und
ein Flächengitter
und das pas-
halbautomatische Retusche gibt es be-
sende Licht zur
reits seit Photoshop CS4. Jetzt kom-
Verfügung. Auch
men zwei weitere Technologien dazu:
Text lässt sich in
»Content Aware Patch« (siehe Seite 97)
ein 3-D-Element
und »Content Aware Move«, also das
umwandeln
inhaltssensitive Verschieben von Bil-
dinhalten. Letzteres sorgt für den grö-
ßeren Aha-Effekt: Denn mit diesem
Werkzeug lassen sich beliebige Bildin-
halte grob markieren und innerhalb
des Motivs an eine neue Stelle bewe-
gen. Im Test funktionierte das auch
vor regelmäßig strukturierten Hinter-
gründen nicht immer perfekt. Aber
immerhin beschränken sich die später
erforderlichen Retuschearbeiten auf
ein Minimum.
Als Auswahl-Werkzeug steht stan-
dardmäßig ein Lasso zur Verfügung.
Es lassen sich allerdings ebenso vor-
weg Auswahlen, zum Beispiel mit dem
Rechteckauswahl-Tool, erstellen und
ebenso verschieben. Letzteres ist vor
allem mit dem Modus »Extend« sinn-
voll, der als Alternative zu »Bewegen«
Das neue Werkzeug »Content Aware Move« ermöglicht das Verschieben von zur Verfügung steht; sie erlaubt näm-
Objekten. Im zweiten Screenshot sind am Übergang zwischen Meer und Himmel lich, Objekte oder Hintergründe ein-
Unsauberkeiten zu erkennen, die eine manuelle Nachbearbeitung erfordern fach und effektiv zu vergrößern.
098 PAGE 06.12 TECHNIK Adobe CS6

Cleveres Löschen
n Das Ausbessern-Werkzeug funktio- Das Zentrum
niert prinzipiell wie bereits in Photo- des Effekts
shop CS5, ist also in erster Linie für die markiert der User
rasche Eliminierung störender Objekte mit der Maus.
vor dem Hintergrund zu gebrauchen. Über Linien kann
Neu ist in CS6 die »Content Aware«- er die Ausdeh-
Option. Damit wählt man zwar weiter- nung des Verlaufs
hin die Quelle für den neuen Inhalt deinieren,
von Hand aus, nutzt aber die Struktur ebenso die Stärke
der direkten Umgebung. Auf diese und Drehung
Weise kommt man mit wenig Quellma-
terial aus, um das störende Objekt ef-
fektiv zu entfernen.
Tilt-Shift-Effekt
n Photoshop bietet jetzt einen Filter bige Richtungen. Sie können also auch
für den beliebten, schon etwas über- schräg im Bild verlaufen. Und besser
strapazierten Tilt-Shift-Effekt. Mit ihm noch: Man kann mehrere Schärfever-
lässt sich selektiv und fast völlig frei läufe nacheinander im Bild platzieren –
setzbar der Schärfeverlauf einer Fach- ein Effekt, der rein fotograisch nicht
kamera beziehungsweise der Tilt-Shift- umsetzbar wäre. Die Stärke des Filters
Optik einer Spiegelrelexkamera simu- lässt sich direkt im Bild oder über die
lieren. Dieser Effekt wird auch oft als Palette regeln. Hier stellt man auch
Miniaturisierung bezeichnet, da dabei weitere Parameter wie das Ausreißen
der knappe Schärfeverlauf einer Ma- der Farben oder Lichter im Bokeh, dem
kroaufnahme auf normale Straßen- Unschärfebereich, ein. Die Option »High
szenen übertragen wird. Quality« ist nach den Erfahrungen im
In Photoshop CS6 wendet man den Test sehr zu empfehlen, auch wenn
Filter auf eine beliebige Stelle im Foto Photoshop ein paar Sekunden länger
an und bestimmt über anfassbare Li- rechnet. Im Standardmodus wirkt der
nien die Schärfeebene in zwei belie- Schärfeverlauf zu künstlich.

Weitwinkelkorrektur
n Weitwinkelaufnahmen leiden – ab- zieht mit der Maus die betroffenen Li-
hängig von der Güte des verwendeten nien nach. Photoshop erkennt nun die
Objektivs – oft unter einer tonnenför- Krümmung und korrigiert die Bildbe-
migen Verzerrung der Linien, die nicht reiche effektiv. Man muss diesen Vor-
durch den Bildmittelpunkt laufen. Au- gang an mehreren Linien in verschie-
ßerdem stehen sie je nach Perspekti- denen Bereichen des Bildes durchfüh-
ve mehr oder weniger schräg im Bild, ren, um das Weitwinkelfoto komplett
auch wenn sie eigentlich senkrecht zu korrigieren. Das Tool funktioniert
sind. Der neue »Wide Angle Correc- überraschend gut. Adobe hat dem Fil-
tion«-Filter nimmt sich des Problems ter sogar einen eigenen Shortcut spen-
auf interessante Weise an: Der Nutzer diert: Befehl-Shift-A.

Die neue »Content Aware«-Option beim Ausbessern- Der User fährt die Linien mit der Maus nach, die
Tool vereinfacht die Eliminierung störender Objekte – Krümmung ermittelt Photoshop CS6 selbst
man benötigt deutlich weniger Quellmaterial und korrigiert die Verzerrung vollautomatisch
PAGE 06.12 099

Textgestaltung
n Das Text-Werkzeug wurde weiter
verbessert und bekommt jetzt einen
eigenen Eintrag in der Menüleiste, der
in der englischen Betaversion »Type«
heißt, was im Deutschen dann wohl zu
»Schrift« oder »Text« wird. Der Punkt speichert Photoshop mit den Dateien Zeichen- und Ab-
fasst die bisherigen Textgestaltungs- (nur bei PSD und nicht im Kompatibili- satzvorlagen sind
möglichkeiten zusammen. Neu dabei tätsmodus), sodass sie sich über PSD- in einer Palette
sind Stylesheets, also Vorlagen sowohl Dateien speichern und wiederverwen- organisiert. Per
für Zeichen als auch für Absätze. Das den lassen. Ein direkter Austausch wie Doppelklick öffnet
macht den Umgang mit (längerem) Text bei den Farb-Paletten oder ein Import sich das Fenster
deutlich komfortabler. Die Stylesheets aus InDesign ist nicht vorgesehen. mit den Parametern

Illustrator CS6
Das Upgrade teilt mit anderen CS6-Anwendungen die neue native 64-Bit-Unterstützung und die grund-
legend überarbeitete Benutzeroberläche. Unterm Strich bringt Illustrator CS6 weniger Neuigkeiten
als bei den vorangegangenen Versionen. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem laut Adobe am häuigsten
nachgefragten Feature: Performance. In der Bearbeitung von Dateien mit vielen Objekten oder Effekten ist der
Geschwindigkeitszuwachs deutlich spürbar. FreeHand-Dokumente öffnet Illustrator CS6 übrigens nicht mehr, wer
das noch braucht, sollte eine ältere Version installiert lassen. Monika Gause

Vektorisieren Vom Einzelteil zum Muster Verläufe auf Konturen


n Eine weitere interessante Neuerung n Der Weg von den Ausgangsobjek- n Wer bei Verläufen auf Konturen nur
ist der neu programmierte Vektorisie- ten des Musters bis zum Rapport ist in an Neonrahmen oder -schriften denkt,
rer. Er liefert nun bereits mit den Stan- der neuen Version fast ein Kinderspiel verpasst das Potenzial dieser Funktion.
dardeinstellungen bessere Ergebnisse geworden. Durch das Setzen einiger Konturverläufe lassen sich nun mit den
bei alltäglichen Vektorisierungen. Da- Einstellungen im »Pattern Options«- variablen Konturstärken des Breiten-
rüber hinaus kann er eine wesentlich Bedienfeld oder intuitiv mit dem Pat- Werkzeugs, mit Kalligraie- und Bors-
höhere Anzahl als die vorher mögli- tern-Tile-Werkzeug auf der Zeichenlä- tenpinseln oder mit Strichelungen kom-
chen 256 Farben in einem Bild ausge- che ist es möglich, die Wiederholung zu binieren. Oder dank mehrerer Kontu-
ben und eingeschlossene Bereiche ge- deinieren und mit einem Mausklick ren auf einem Pfad mit allen zugleich.
stapelt umsetzen, sodass keine dop- das Musterfeld zu generieren. Diese Verläufe lassen sich mit drei Methoden
pelten Pfade mehr entstehen. Neuerung kommt naturgemäß vor al- auf der Kontur ausrichten, interessant
lem Anwendern in der Modebranche für Illustrationszwecke sind die Ausrich-
und der Kartograie zugute – Muster tung entlang des Pfads und quer zum
lassen sich jedoch nicht nur dort pro- Pfad, die bisher eher umständlich mit
duktiv einsetzen. Pinseln nachgebaut werden mussten.

Adobe hat den Vektorisierer grundle- Das Muster-Werkzeug in Illustrator CS6 Das Konturen-Werkzeug ist
gend überarbeitet. Er ist nun leistungs- macht es deutlich einfacher, aus einem beim Umgang mit Verläufen viel
fähiger und einfacher zu bedienen Element, ein Muster zu generieren komfortabler geworden
100 PAGE 06.12 TECHNIK Adobe CS6

InDesign CS6
Adobe hat die Hausaufgaben gemacht. Mit InDesign CS6 sind ein paar wirklich sinnvolle Funktionen hinzuge-
kommen: zum einen die verknüpften Textrahmen, mit denen sich ein mehrfach verwendeter, identischer
Text in einem Arbeitsgang korrigieren lässt, zum anderen die Umwandlung eines Layout in viele andere Varian-
ten – praktisch nicht nur fürs Tablet-Publishing. Auch Layoutanpassungen auf Basis von Hilfslinien, Abständen oder
Seitenmitten zählen zu den nützlichen Neuerungen. Praktisch ist endlich die Umsetzung von PDF-Formularfeldern direkt
in InDesign. Etwas Übung braucht der Content-Dropper, der, einmal verstanden, die Arbeit erleichtern kann! Heike Koch

Mehrere Layoutvarianten mit PDF-Formulare in


verlinkten Bild- und Textrahmen InDesign erstellen
n Adobe hat sich mit InDesign CS6 auf Anpassung – oder er überträgt das n Eine neue Funktion macht einem
die verschiedenen Ausgabegeräte ein- bestehende Layout 1 : 1 auf das neue alten Umweg ein Ende: Bisher musste
gestellt. Hoch- und Querformat in ein alternative Layout und passte es dann man ein Formular in InDesign layouten,
Mit InDesign CS6 und demselben Dokument sind fürs manuell an. Textabschnitte bleiben da- es dann als PDF-Datei speichern, um es
lassen sich un- Tablet extrem wichtig. Aber auch im bei verknüpft und Absatz- und Zeichen- dann in Acrobat zu importieren und
kompliziert ver- Printbereich inden alternative Designs formate werden in getrennte Format- die Formularfelder einzufügen. Wurde
knüpfte Alter- verstärkt Verwendung. Ist ein Layout gruppen kopiert. Diese lassen sich dann eine Änderung im Originaldokument
nativlayouts fertig, kann der Graiker nun die Seite ganz einfach separat und layoutab- notwendig, begann das Spiel wieder
erstellen. Die in ein alternatives Layoutformat über- hängig anpassen. von vorn. CS6 erlaubt es nun, direkt in
Eigenschaften tragen. Dafür gibt es den Befehl »Al- Alternative Layouts machen erst in einem InDesign-Dokument Formular-
lassen sich über ternatives Layout erstellen« im Menü dem Moment Sinn, in dem der erste felder zu erstellen und das Ergebnis
ein Dialog- der Seiten-Palette. Der Anwender hat Entwurf bereits durch die ersten wich- als PDF-Formular auszugeben.
feld steuern dabei verschiedene Möglichkeiten der tigen Bearbeitungsphasen gegangen Schritt 1 ist nach wie vor das Layout.
ist. Ab diesem Punkt ist das Ergebnis In Schritt 2 wählt der Designer in In-
so brauchbar, das sich mit ein paar Design unter »Schaltlächen und For-
kleinen korrigierenden Handgriffen die mulare« die Art des Formularfelds (wie
zweite Alternative schnell verwenden in Acrobat), vergibt den Namen und
lässt. Für den Feinschliff lässt man sich wählt aus den Optionen aus. Schritt 3 ist
über »Fenster/Fenster anordnen/Neu- der PDF-Export. Wird daraufhin eine
es Fenster für ›Dokumentname‹« bei- Text- oder Layoutänderung fällig, lässt
de Alternativen parallel anzeigen. Bei sich das schnell in InDesign erledigen
der Ausgabe, zum Beispiel im Druck- und eine neue PDF-Datei exportieren.
dialog oder beim PDF-Export, stehen Schaltlächen und Formularfunktionen
dann die entsprechenden, geeigneten lassen sich mit dem Objektstatus ver-
Varianten zur Auswahl. binden, den es schon in InDesign gibt.

Jenseits von Copy & Paste


n Mehrere Elemente kopieren und knüpften Rahmen werden entspre-
dabei sogar Textrahmen zu verlinken, chend aktualisiert.
das geht nun mit dem Inhaltsaufnah- Die Optionen am unteren Rand des
me-Werkzeug. Es indet sich in der Inhaltsaufnahme-Tools erleichtern das
Werkzeugleiste, die mit dem Buchsta- Arbeiten. Man kann Formate zuweisen
ben B aktiviert wird. Besonders sinn- und Inhalte einzeln oder mehrfach plat-
voll ist das Tool, wenn der Designer zieren. Ebenso besteht die Möglichkeit,
gleich mehrere in die Zwischenablage nach dem Einfügen des Elements die
kopierte und unter Umständen sogar Zwischenablage zu leeren oder eben in
mehrfach platzierte Graiken und Tex- dem Tool zu behalten, um es später
te verlinken möchte. Texte müssen nochmals zu benutzen. Der aufgenom-
dann nur noch einmal einer Korrek- mene Inhalt bleibt so lange erhalten,
tur unterzogen werden, sämtliche ver- wie das Quelldokument geöffnet ist.

InDesigns neues
Inhaltsaufnah-
me-Werkzeug
erlaubt deutlich
anspruchsvolle-
re Aktionen
beim Kopieren In InDesign CS6 lassen sich nun endlich
und Einfügen Formularfelder direkt gestalten
108 page 06.12

KALENDER
Messen • Kongresse • Seminare Messen • Kongresse • Seminare

Von unten: Andy Warhol, Joe Dallesandro, 1971, Foto: Leo Weisse, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main © 2012 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Artists Rights Society (ARS), New York; Cosima von Bonin: Total Produce
Berlin :republica 12 Berlin ADC Management Dialog – Green Marketing
2. bis 4. Mai Konferenz zu Blogs, Social Media und Fragen der 11. bis 12. Juni Seminar zu strategischer Nachhaltigkeits-
digitalen Gesellschaft kommunikation (siehe Seite 32)
Station-Berlin ≥ www.adc.de

(Morality), 2010 Base: varios fabrics, stufing, wood, fuorescent lights Octupus: varios fabrics, stufing Base: 25 x 230 x 250 cm, Octopus: 220 x 220 x 60 cm, Privato, 2010 Iron, paint 30 x 110 cm, Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
≥ http://re-publica.de/12
Brighton Ampersand 2012
Düsseldorf drupa 15. Juni Konferenz zu Webtypograie (siehe Seite 79)
3. bis 16. Mai »one world – one drupa« lautet das Motto der ≥ http://2012.ampersandconf.com
internationalen Print-Media-Messe
Cannes Cannes Lions International Festival of Creativity
5. bis 6. Mai Creative Weekend im drupacube 17. bis 23. Juni Festival der internationalen Kreativbranche
Vorträge zu Entwicklungen im Editorial Design, unter Palais des Festivals
anderem mit Mario Lombardo, Horst Moser und Lars ≥ www.canneslions.com
Harmsen, und zur Zukunft des Digital Imaging sowie
Eröffnung der 58. TDC-Show Messe Düsseldorf Hamburg Hands-on-Training Generatives Design
≥ www.drupa.de 29. Juni PAGE-Seminar zu Processing (siehe Seite 59)
Gastwerk Hotel Hamburg
Stuttgart FMX 2012 ≥ www.page-online.de/seminar
8. bis 12. Mai Konferenz rund um Animation, Effekte, Games
und Interactive Media Haus der Wirtschaft Hamburg Visual Thinking Lessons
≥ www.fmx.de 27. August Workshop von PAGE & Good School (siehe Seite 57)
Good School
Berlin NEXT Berlin 2012 ≥ www.page-online.de/seminar
8. bis 9. Mai Konferenz für die digitale Industrie
Station-Berlin Hamburg Designmanagement mit Christine Hesse
≥ http://nextberlin.eu/next-100 10. Sepetmber PAGE-Seminar zu Design Thinking, Strategien, Fall-
beispielen (siehe Seite 66 f.) Gastwerk Hotel Hamburg
Frakfurt/Main Zukunftskongress 2012 ≥ www.page-online.de/seminar
8. Mai Thema ist das Hervorbringen von Innovation
Panorama Saal, Messe Frankfurt Hamburg Leitmedium Design 1: Gutes Design entwickeln
≥ www.zukunftsinstitut.de 5. Oktober PAGE-Seminar mit Jochen Rädeker (siehe Seite 48)
Gastwerk Hotel Hamburg
Frankfurt/Main ADC Festival 2012 ≥ www.page-online.de/seminar
9. bis 13. Mai »Ideen sind das Geld von morgen« lautet das
Motto des Kreativfestivals mit Ausstellung, Hamburg Leitmedium Design 2: Gutes Design gut verkaufen
Preisverleihung und Kongress (siehe Seite 15) 6. Oktober PAGE-Seminar mit Jochen Rädeker (siehe Seite 49)
Messe Frankfurt Gastwerk Hotel Hamburg
≥ www.adc.de ≥ www.page-online.de/seminar

Berlin re:campaign 2012 Festivals • ausstellungen


11. bis 12. Mai Konferenz für die »besten Kampagnen im Netz«
Kalkscheune München Stroke Urban Art Fair
≥ http://recampaign.de 3. bis 6. Mai Dreißig Teilnehmer präsentieren Malerei, Streetart,
Grafiti, Illustration und Fotograie Praterinsel
New York City 2012 Clio Awards ≥ www.urbanartfair.org
15. Mai Die Gewinner des US-Kreativ-Awards werden geehrt
American Museum of Natural History Stuttgart 19. Internationales Trickilm Festival ’12
≥ www.clioawards.com 8. bis 13. Mai Mit rund 1000 Animationsilmen. Zudem geben
renommierte Studios Einblick in ihre Produktionen
Berlin TYPO Berlin 2012 ≥ www.itfs.de
17. bis 19. Mai »Nachhaltigkeit« ist auch das Thema der internatio-
nalen Designkonferenz Haus der Kulturen der Welt Köln Cosima von Bonin’s Cut! Cut! Cut!
≥ http://typotalks.com/berlin/de Bis 13. Mai Ihre überdimensionalen Plüsch-und Stoffskulpturen
setzen unserer Getriebenheit ein Reich der Laziness
München Zehn Vorträge: »Respekt und Übermut« und Müdigkeit entgegen. Die Kölner Ausstellung
22. Mai Professor Michael B. Hardt spricht über »Eine Frage bildet den Abschluss eines Work in Progress, das
19:30 Uhr der Ethik. Von hirnlosen Heuschrecken zu denkenden sich über vier Stationen und einen Zeitraum von
Designern« Gasteig, Black Box zwei Jahren entwickelt hat Museum Ludwig
≥ www.tgm-online.de ≥ www.museum-ludwig.de

Frankfurt/Main 6. Karma-Konsum Frankfurt/Main Warhol: Headlines


31. Mai bis 1. Juni Fachtagung und GreenCamp zu nachhaltigem Bis 13. Mai Das Zugleich von Faszination und analytischer Durch-
Konsum und Wirtschaften IHK Frankfurt dringung der Mechanismen medialer Inszenierung
≥ www.karmakonsum.de/konferenz/ macht die Besonderheit von Andy Warhols Werk aus.
Zu sehen sind Arbeiten aus vier Jahrzehnten. Bei
Hamburg goodgoods 2012 Prestl ist dazu ein Katalog mit vertiefenden Essays,
1. bis 3. Juni Messe für nachhaltigen Konsum unter anderem von Molly Donovan, erschienen
Hamburg Messe Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
≥ www.hhmesse.de/goodgoods-2012 ≥ www.mmk-frankfurt.de
page 06.12 109

≥ Weitere Termine unter www.page-online.de/events. Dort können Sie uns auch Ihre Veranstaltungstermine mitteilen

Festivals • ausstellungen Wettbewerbe


Manchester FutureEverything Die Kreativ-Awards 2012
Von unten: Winsor McCay, aus »Little Nemo in Slumberland« (Detail), veröffentlicht in »The New Yorker Herald«, 22.9.1907; E+U Hiestand, ABM-Plastiktragtasche, 1960er Jahre, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: Umberto Romito,

16. bis 19. Mai Festival und Konferenz zu den neuesten Entwick- Die wichtigsten Design- und Kreativcontests mit Ein-
lungen in Kunst, Musik und Technologie sendeterminen und Anforderungen inden Sie unter
≥ http://futureeverything.org ≥ www.page-online.de/wettbewerbe2012

Barcelona OFFF Barcelona 2012 Bis 8. Mai ADC Young Guns


17. bis 19. Mai Festival für Design, Technik, Kunst und Kultur, zu den Der New Yorker Art Directors Club sucht die
featured artists zählen diesmal Jonathan Harris, besten Nachwuchskreativen der Welt
TwoPoints.Net (siehe Seite 42 ff.) oder Lucy McRae ≥ www.adcyoungguns.org
Disseny Hub Barcelona
≥ www.offf.ws/2012 Bis 11. Mai Communication Arts Design Competition
Ob Plakat, Corporate Identity, Self-Promotion,
Berlin C/O Berlin Book Days Integrated Branding oder Signage – Designer sind
25. bis 26. Mai 20 Verlage und Künstler präsentieren neueste aufgerufen, ihre Arbeiten einzureichen
Publikationen zum Thema Fotograie ≥ www.commarts.com/competitions/design
C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues
≥ www.co-berlin.info Bis 11. Mai AppArtAward 2012
Diesmal gibt es einen künstlerischen Innovations-
München Store Front – The Disappearing Face of New York preis sowie einen Sonderpreis Game Art und einen
Bis 26. Mai Das Fotografenehepaar James und Karla Murray Sonderpreis Cloud Art – jeder mit 10 000 Euro dotiert
hat seit Ende der 90er Jahre das Verschwinden ≥ www.app-art-award.org
kleiner Geschäfte in New York City dokumentiert –
und damit eine Hommage nicht nur an das Bis 18. Mai Joseph Binder Award 2012
Schaufenster, sondern auch eine untergehende In diesem Jahr indet der österreichische Design-
urbane Alltagskultur geschaffen wettbewerb wieder mit dem Schwerpunkt Graik-
Fotogalerie im Blauen Haus design und Illustration statt. Gestalter und Studenten
≥ www.fotogalerie-im-blauen-haus.de aus aller Welt können mit ihren zwischen Anfang
2010 und Mai 2012 realisierten Arbeiten teilnehmen
Chaumont 23rd International Poster and Graphic Design ≥ www.designaustria.at
26. Mai bis Festival of Chaumont
10. Juni Das Festival wird sich unter anderem auch der Bis 25. Mai red dot award: communication design 2012
neuen Liebe zur Buchproduktion widmen Neu hinzugekommen sind die Kategorien »Mobile &
≥ www.cig-chaumont.com Apps« und »Social Media«. Wie immer können
Designer, Agenturen und ihre Auftraggeber heraus-
Wien 12 festival for fashion & photography ragendes Kommunikationsdesign einreichen
29. Mai bis Ausstellungen, Shows und Preisverleihungen rund ≥ http://red-dot.de/cd
5. Juni um Mode und Modefotograie (siehe Seite 86 f.)
≥ www.12festival.at/de Bis 25. Mai red dot: junior award 2012
Nachwuchsdesigner senden ihre Arbeiten – egal, ob
Zürich 100 Jahre Schweizer Graik es sich um eine Abschlussarbeit oder einen Erstauftrag
Bis 3. Juni Selten hat man Gelegenheit, so viel exzellentes Kom- handelt – in denselben 21 Kategorien ein wie die Prois
munikationsdesign an einem Ort zu sehen. Dabei ≥ http://red-dot.de/cd/junior-award?lang=de
vertritt die Ausstellung die These, dass es nicht ein
bestimmter Stil ist, sondern eine besondere Haltung, Bis 31. Mai Marianne.von.Willemer.2012 –
Preis für digitale Medien
© ZHdK; © James und Karla Murray, www.fotogalerie-im-blauen-haus.de; LoSiento: Type 4D

die Schweizer Graik kennzeichnet (siehe PAGE 03.12,


Seite 8) Museum für Gestaltung Bewerben können sich Künstlerinnen, die für ihre
≥ www.museum-gestaltung.ch Arbeiten digitale Medien nutzen oder explizit
auf diese Bezug nehmen – ob Computeranimation,
Annecy Annecy 2012 generative Graik, digitale Musik oder Webprojekte
4. bis 9. Juni Internationales Animationsilmfestival ≥ www.linz.at/frauen/57564.asp
≥ www.annecy.org
Bis 31. Mai PrintStars 2012
Hannover Winsor McCay (1869–1934). Comics, Filme, Träume Der Innovationspreis der Druckindustrie gliedert sich
Bis 3. Juni Dem Schöpfer von »Little Nemo in Slumberland« in die Bereiche »Druckprodukte« und »Marketing«
und »Dream of the Rarebit Fiend« ist erstmals eine ≥ www.innovationspreis2012.de
Retrospektive gewidmet, die den amerikanischen
Comic-Künstler zudem als Trickilmpionier zeigt. Bis 31. Mai Best New 18/1 Award
Anschließend wird die Ausstellung beim Comic- Agenturen und Unternehmen sind eingeladen, eigens
Salon in Erlangen (7. bis 10. Juni) zu sehen sein für den Wettbewerb ein neues Plakatmotiv zu ent-
Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & werfen, das ein Produkt oder eine Dienstleistung
Zeichenkunst bewirbt, für das oder die noch nie oder seit 10 Jahren
≥ www.karikatur-museum.de nicht mehr Außenwerbung gemacht wurde
≥ www.bestnew18-1.de
Berlin DMY International Design Festival Berlin 2012
6. bis 10. Juni Plattform für zeitgenössisches Design – diesmal wer- Bis 15. Juni London International Awards 2012
den auch die beim Designpreis der Bundesrepublik Wettbewerb für herausragende Werbung – die
Deutschland prämierten Arbeiten zu sehen sein Kategorien reichen von »Design« und »Digital«
FlughafenTempelhof über »Integrated Campaign« bis hin zu »The NEW«
≥ http://dmy-berlin.com ≥ www.liaawards.com
110 PAGE 06.12 Publikationen

PUBLIKATIONEN

Entwürfe von Jesse deutschsprachige Leserschaft aufbe-


Breytenbach aus reitet hat. Von der Stoffmustertheorie
Kapstadt: links Sieb-, führt sie übers Erstellen von Rapports
oben Stempeldruck mit Photoshop, Illustrator oder sucht-
erzeugende Onlinetools wie beispiels-
weise www.bighugelabs.com/mosaic.
php bis zur Wahl von Stoffen, Tinten
und Färbemitteln für diverse Hand-
n »Stoffe entwerfen und bedrucken«. berichtet, verkauft ihre Kreationen im drucktechniken. Wer sich nicht selbst
Haben Sie Lust auf Do-it-yourself-Tex- eigenen Etsy-Store oder über den Her- die Finger beklecksen will, kann On-
tilien? Ob man eigenhändig mit Stem- steller Robert Kaufman. Dessen Stoffe demand-Textildruckdienste wie www.
pel-, Schablonen- oder Siebdruck tätig sind auch hierzulande in einschlägigen stoffn.de nutzen. Wunderbar, um sich
werden oder die neuen Möglichkeiten Shops wie fräulein herz, Volksfaden kreativ auszutoben.
des Digitaldrucks nutzen will – dieses oder Frau Tulpe zu haben. > Laurie Wisbrun: Stoffe entwerfen
Buch ist die perfekte Einführung. Die Ihren umfangreichen Erfahrungs- und bedrucken. Techniken, Anlei-
Amerikanerin Laurie Wisbrun, die un- schatz fasste Laurie Wisbrun in dieser tungen, Design. Bern (Haupt Verlag)
ter www.lauriewis.blogspot.de über ih- Publikation zusammen, die der Krea- 2012, 208 Seiten. 39,90 Euro.
re vielseitigen Stoffdesignaktivitäten tivverlag Haupt in der Schweiz für die isbn 978-3-258-60046-8

n »Informotion«. Animierte Infogra-


iken sind immer häuiger zu sehen –
ob in TV-Sendungen à la »Galileo«, Wer-
beilmen zur Erklärung komplexer Pro-
dukte oder viralen Videos, die die glo-
bale Webgemeinde zum Umdenken in
sozialen, politischen oder Umwelt-
schutzthemen anregen wollen. Wobei
mit »animiert« im Falle dieses Buchs
eben nicht »interaktiv«, sondern »linear
erzählt« gemeint ist. Innovativen Er-
klärvideos haben wir übrigens vor
Für die Kampagne Kurzem in PAGE 04.12 einen ausführ-
»Eat Real. Eat Local« lichen Artikel gewidmet. Basics des Filmemachens – sprich um wünschen. Trotzdem eine empfehlens-
von Hellmann’s Tim Finke und Sebastian Manger Storyboards, den Umgang mit Form werte Einführung in ein Thema, zu
fuhren Crush und gehen die Sache grundsätzlich an. Im und Farbe, Schnitt, Vertonung et cete- dem es bisher kaum Fachliteratur gab.
Ogilvy & Mather ersten Teil ihres Buchs stellen sie eine ra. Ein wenig ist hier noch der Ursprung > Tim Finke, Sebastian Manger,
Toronto Fakten auf Menge Filmchen vor, die sich mit ei- des Buches als Abschlussarbeit an der Stefan Fichtel: Informotion. Animated
nem Log-in-Code teilweise inklusive Fachhochschule Potsdam zu spüren. Infographics. Berlin (Gestalten) 2012,
Making-of auch online anschauen las- Man würde sich streckenweise weniger 208 Seiten. 49,90 Euro.
sen. Im zweiten Teil gehts dann an die Theorie und mehr professionelle Praxis isbn 978-3-89955-415-1
PAGE 06.12 111

Das Buch von viction:ary aus Hong- telle Arbeiten oder Kunstobjekte, die
kong beginnt mit Hamburger Bekann- schlicht als Bildwelten inspirieren. Was
ten: einem Vorwort von Katrin Oeding, schon beim Design des in einer Schoko-
Ex-Chein des Kolle-Rebbe-Designab- und einer Vanillevariante vorliegenden
legers Korefe. Aus deren Deli Garage Buchs beginnt: Es kommt in Gestalt ei-
stammt auch die erste Arbeit in dem ner angeknabberten Waffel daher.
Überblicksband, der dann ein Feuer- > viction:ary: Eat Me. Appetite for
Das geprägte werk kulinarischer Ideen aus aller Welt Design. Hongkong (viction:ary) 2012,
Cover von »Eat abfackelt. Schicke Erscheinungsbilder 256 Seiten. 40 Dollar.
me« erinnert sind ebenso darunter wie experimen- isbn 978-988-19438-5-9
an eine Waffel,
in die man
gleich hinein-
beißen möchte

Drüben scheint n »Eat Me«. Ob Sie Foodfotograf sind,


sich der Inhalt – Verpackungen entwerfen, das Brand-
Skulpturen von ing für eine der neumodischen Imbiss-
Rebecca Myers buden entwickeln, die derzeit überall
und Tim Berg – aus dem Boden schießen, oder selbst
der Buchform unter die Gastronomen gehen wollen –
anzupassen . . . hier inden Sie Anregungen, was auch
immer Sie gestalterisch mit Essen und
Trinken zu tun haben.

n »Frauen und Graik-Design 1890- sind Irmgard Sörensen-Popitz, Bau- Meer kann hier Inspirationen und Ge-
2012«. Wer ist der weibliche Stefan haus-Schülerin und um 1930 Artdirek- dankenanstöße liefern – mit Essays
Sagmeister? Gibt es eine Graik-Design- torin der stylishen Illustrierten »die und Interviews von/mit Designerinnen
erin, die sich ähnlich egozentriert ver- neue linie«, Schriftkünstlerin Anna Si- wie Paula Scher, Irma Boom, Tina Roth
wirklicht, Person und Arbeit so öffent- mons oder Werbegraikerin Martel Eisenberg aka Swiss Miss, Iris Utikal
lichkeitswirksam inszeniert? An guten Schwichtenberg, die den Bahlsen- oder Julia Hoffmann sowie einem Ge-
Designerinnen mangelt es ja keines- Schriftzug entwarf. stalterinnenlexikon, das Einblicke in
wegs, wie dieses auf mehrjähriger For- Das Problem bei Gestalterinnen die Lebensläufe kreativer Frauen von
schung an der Bergischen Universität war und ist die mangelnde öffentliche heute und damals gibt. cg
Wuppertal basierende Buch zeigt. Es Sichtbarkeit. Da haben wir Frauen de- > Gerda Breuer und Julia Meer (Hrsg.):
stellt zudem auch viele exzellente Ge- initiv Nachholbedarf. Der textreiche, Frauen und Graik-Design 1890–2012.
stalterinnen aus der ersten Hälfte des aber verhältnismäßig bildarme Sam- Berlin (Jovis) 2012, 608 Seiten. 42 Euro.
20. Jahrhunderts vor. Unter diesen melband von Gerda Breuer und Julia isbn 978-3-86859-153-8
Eigenwerbung von
Dore Mönkemeyer-
Corty, die sich
Corty nannte, von
1924. Daneben
Plakat fürs Kaufhaus
La Rinascente von
Pegge Hopper (1962)
112 PAGE 06.12 Publikationen

satz der Kinect-Steuerung auf der Ardui-


no-Plattform weiterbilden. Jeff Kramer,
Nicolas Burrus, Daniel Herrera C., Florian
Echtler, Matt Parker: Hacking the Ki-
nect. New York (Apress) 2012, 268 Seiten.
39,99 Dollar. 978-1-4302-3867-6. Diese Pub-
likation spricht Interactive Designer und
Artists ebenso an wie Hobby-Frickler oder
Technik-Geeks, die mit ihren Kindern Spaß
haben wollen – aber auch hier werden
grundlegende Programmierkenntnisse
vorausgesetzt. Alle Bücher von Apress lie-
gen zudem als preiswertere E-Books vor.
Alessio Cocchi: Palindrome. Bologna
(Damiani Editore) 2012, 88 Seiten. 30 Euro.
978-88-6208-217-4. Der Mailänder Mode-
und Still-Life-Fotograf Alessio Cocchi, der
für Kunden wie Gucci oder Valentino ar-
beitete, hat hier seine ätherischsten Bilder
zusammengestellt. Hiroshi Unno (Ed.):
George Barbier: Master of Art Deco: Fa-
shion, Illustration and Graphic Design.
New York (Rizzoli USA) 2012, 256 Seiten.
35 Dollar. 978-4-7562-4144-3. George Bar-
bier (1882–1932) ist wohl einer der bekann-
testen französischen Illustratoren des Art
Neuerscheinungen – kurz vorgestellt déco. Der Band zeigt Mode-, Zeitschrif-
ten- und Buchillustrationen sowie seine
Martin Lindstrom: Brandwashed. Was du kaufst, bestimmen die Arbeiten fürs Theater. Alvin Buenaventura: The Art of Daniel Clo-
anderen. Frankfurt (Campus) 2012, 352 Seiten. 24,99 Euro. 978-3-593- wes. Modern Cartoonist. New York (Abrams ComicArts) 2012, 224 Sei-
39619-4. In die Fußstapfen von Vance Packards Klassiker »Die gehei- ten. 40 Dollar. 9781419702082. Der Autor von Kultcomics wie »Eight-
men Verführer« von 1957 tritt das neue Buch von Markenberater Mar- ball« oder »Ghost World«, dessen Zeichnungen in der New York Times
tin Lindstrom über die iesesten Tricks der Werber . . . Mit »Buyology« oder auf dem Cover des »New Yor-
schrieb Lindstrom schon einen in 25 Sprachen übersetzten Bestseller. ker« veröffentlicht werden, arbei-
Mehr unter www.martinlindstrom.com. Ulrich Wegenast, Dittmar tete selbst intensiv an der Neuer-
Lumpp (Hrsg.): Best of Animation 6. Berlin (absolut Medien) 2012, scheinung mit. Paul Smith A–Z.
DVD. 14,90 Euro. 978-3-89848-393-3. Parallel zum Internationalen Trick- Aufgezeichnet von Olivier Wi-
ilm Festival, das vom 8. bis 13. Mai in Stuttgart stattindet, erscheint cker. München (Knesebeck) 2012,
eine DVD mit den Highlights vom letzten Jahr, darunter »Nullarbor«, 192 Seiten. 29,95 Euro. 978-3-86873-
»The boy who wanted to be a lion«, »Der Wechselbalg«, »Tatamp« 453-9. Anhand von Fotograien,
oder »Birdboy«. Enrique Ramos Melgar, Ciriaco Castro Diez: Arduino Skizzen und Notizen gibt der welt-
and Kinect Projects. Design, Build, Blow Their Minds. New York berühmte britische Designer Ein-
(Apress) 2012, 416 Seiten. 39,99 Dollar. 978-1-4302-4167-6. Anhand von blicke in seinen kreativen Alltag
zehn kreativen Projekten können sich Gadget-Hacker hier für den Ein- und seine Inspirationen. cg

Zach Lieberman oder Theodore Watson. Und ich scanne mehrmals


Was lesen Sie? am Tag die »Süddeutsche«. Man landet oft bei den alten Medien-
häusern, weil die den besten Journalismus haben. Über Instapaper
Rainer Kohlberger, Berlin lese ich dann längere Texte, etwa zu soziologischen oder politi-
www.kohlberger.net schen Themen wie die Finanz- und Kapitalismuskrise.
Und wann hatten Sie das letzte Mal ein Buch in der Hand?
Hm, den Kindle gibt’s ja auch noch . . . Für Bücher ist er besser als
das iPad, weil er so ruhig ist und nicht wie der Screen, an dem man
Man kennt Sie als Gestalter preisgekrönter Apps. Wie sieht Ihre eh den ganzen Tag sitzt. Die Qualität kommt dem Papier sehr nahe.
Lektüre aus? Und noch gibt es fürs iPad bloß Zeitschriften, aber keine schönen
Rainer Kohlberger: Fast komplett elektronisch. Über Twitter graischen Bücher, wie man sie bisher im Regal hat. Vielleicht braucht
kommen morgens Links zu Blogs und Tageszeitungen, die ich ent- man in Zukunft solche Bildbände auch gar nicht, weil man alles auf
weder gleich lese oder abends über Instapaper. Blogs indet. Nur Bilder ohne richtige Textebene abzudrucken, in-
Wem folgen Sie bei Twitter? teressiert mich jedenfalls nicht mehr.
Künstlern, Designern, Freunden oder Journalisten wie Florian Klenk, Wie es aussieht, müssen Ihretwegen keine Bäume sterben. Was ist
Politikchef des Magazins »Falter«. Auch viele User von openFrame- Ihr aktuelles Projekt? Wieder eine App?
works, das ich oft für meine Apps verwende, berichten per Twitter Zuletzt war es eine Videoinstallation für das sound:frame Festival
über Projekte, Konferenzen und verlinken Codes oder Bilder, etwa im Wiener MAK. Aber eine App kommt sicher auch bald wieder.
page 06.12 113

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Chefredakteurin/Publisher * 0,14 Euro/Minute bei Anruf aus dem page 07.12 erscheint am 6. Juni 2012
Dipl.-Des. Gabriele Günder, V.i.S.d.P. Festnetz der Deutschen Telekom,
Mobilfunk maximal 0,42 Euro/Minute.
Textchein
Astrid Umbreit
E-Mail: abo.page@guell.de Gutes Design – Böses Design
Das PAGE-Jahresabo kostet 95,30 Euro
Redaktion (CH: 181,80 Franken, A: 108,50 Euro). Gutes Design ist längst mehr als schöne Gestaltung. Immer mehr
Das PAGE-Plus-Abo, also 12 Ausgaben und
Nina Kirst (nik), Nantjen Küsel (nk);
die PAGE-Jahrgangs-CD, kostet 106,40 Euro
Kreative machen sich Gedanken um ökologische und ethische
Anna Weilberg (aw, Redaktion Online)
Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant), (CH: 201 Franken, A: 119,60 Euro). Das Abo Aspekte, um Usability und Service. Und was ist mit der wirtschaft-
Dr. Claudia Gerdes (cg), Wiebke Lang (wl), kann immer 6 Wochen vor Ablauf des lichen Seite? Ist es »böse«, wenn man für Kunden arbeitet,
Daniel Schilling (dsc); Rebecca von Hoff Bezugsjahres schriftlich gekündigt werden.
Schüler und Studenten erhalten gegen Vor-
hinter deren Produkten man nicht steht, um seine Mitarbeiter
(Graik), Christine Krawinkel (Artdirektion);
Myriam Jantoss (Text-/Schlussredaktion), lage eines gültigen Ausweises oder einer auch weiterhin angemessen bezahlen zu können?
Sibylle Kumm (Schlussredaktion), gültigen Immatrikulationsbescheinigung PAGE fragt, worin die Verantwortung des Designers besteht
Maiken Richter (Text-/Schlussredaktion), 20 Prozent Rabatt. Mitglieder der Allianz
Jan Roidner (Text-/Schlussredaktion); deutscher Designer (AGD), des Bundes
Sabine Danek (sd, Redaktion Online) Deutscher Graik-Designer (BDG) und des
designerinnen forum e. V. erhalten ebenso
Autoren dieser Ausgabe 20 Prozent Rabatt. Stylisten
Christian Büning, Monika Gause,
Florian Grimm, Heike Koch, Es gibt wohl keinen
Markus Linden, Jürgen Siebert, PAGE Mediaberatung Berufsstand, der
Klaus-Peter Staudinger, Sascha Wolter
Anzeigenleiter: Alexander Herz so vielseitig kreativ
E-Mail: alexander.herz@page-online.de
Cover
Telefon: +49 40 85183-480, Fax: -489 ist wie der der
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ISSN 0935-6274. Vertrieb: VU Verlagsunion KG, Postfach 5707, 65047 Wiesbaden, Telefon
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Recht zur Herstellung elektronischer Versionen und zur Einspeicherung in Datenbanken
sowie das Recht zu deren Vervielfältigung und Verbreitung online oder ofline ohne Holografie
zusätzliche Vergütung. Alle in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheber-
rechtlich geschützt. Der Rechtsschutz gilt auch gegenüber Datenbanken und ähnlichen Ein virtueller Manga-Popstar gibt Live-Konzerte, Kate Moss schwebt
Einrichtungen. Kein Teil dieser Zeitschrift darf außerhalb der engen Grenzen über den Laufsteg, Mariah Carey tritt an fünf Orten gleichzeitig
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114 PAGE 06.12 Fundstücke von Jürgen Siebert

San Francisco, Farooq und die Verlagswelt


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

n Das US-E-Book-Fundstücke-Portal bierte den Service noch am selben Tag schirm und wenige Sekunden später
indings interviewte Anfang April den auf dem Weg zum Flughafen aus. in meinem E­Mail­Postfach.
Internetexperten Clay Shirky zur Zu­ Die Erfolgsgeschichte von Uber ba­ Zurück in Berlin probierte ich das
kunft des Verlagswesens. Wie gewohnt siert auf mobiler sozialer Kommunika­ deutsche Gegenmodell myTaxi aus.
stellt dieser kurz und klar fest: »Das tion. Die App vermittelt private Kfz­ Wie schon der Name nahelegt, ist der
Verlegen verändert sich nicht, es ver­ Personenbeförderungen als Alterna­ Service hierzulande an gesetzliche Vo­
schwindet. Bislang bezeichnete der tive zu einer – meist mangelhaften – raussetzungen gebunden, zum Bei­
Begriff einen Kader von Geschäftsleu­ Taxiversorgung. In San Francisco sind spiel einen »Führerschein zur Fahrgast­
ten, die den unglaublich schwierigen, rund 200 Partner mit ihren Wagen an­ beförderung«. Ohne die Taxi­Innung
Diese und weitere umständlichen und teuren Vorgang des geschlossen, überwiegend Teilzeitkräf­ läuft hier gar nichts.
Fundstücke von Publizierens auf sich nehmen. Doch Pu­ te, Studenten oder Fahrer, die sich pri­ Das bestätigt mir auch Dirk Kaya,
Jürgen Siebert in- blizieren ist heute kein Job mehr, son­ vat etwas dazuverdienen möchten. mein erster myTaxi­Fahrer, der dem
den Sie unter dern eine Taste. Da gibt es einen Knopf, Sie benötigen dafür lediglich ein ad­ Dienst seit zwei Wochen angeschlos­
www.page-online. der ›Publish‹ heißt, und wenn du den äquates Auto sowie ein Apple­ oder sen ist. Auch er wurde mir, nach einem
de/fundstuecke herunterdrückst, ist es passiert.« Android­Smartphone. Fingertipp auf die »Bestellen«­Taste,
Clay Shirky spielt auf ein Phänomen Kunden laden sich die kostenlose mit Namen angekündigt und erschien
an, das nicht nur die Verleger, sondern App, in der sie sich registrieren und ih­ fünf Minuten später vor der Haustür.
auch die Musikindustrie, die Software­ re Kreditkartendaten hinterlegen. Zum MyTaxi haben sich die Hamburger Sven
hersteller, Filmverleiher, Zeitungen und Antritt einer Fahrt dient die grüne »Set Külper und Niclaus Mewes nach einer
Zeitschriften betrifft, also Einrichtun­ Pickup Location«­Taste. Uber ermittelt Kneipentour in München ausgedacht,
gen, die zwischen Urheber und Konsu­ den Standort, indet den nächsten als ihnen eine halbe Stunde lang kein
ment vermitteln. Ihre Rolle wird sich in freien Wagen und vermeldet binnen Taxi begegnete. Sie entwickelten ihre
den nächsten Jahren dramatisch ver­ Sekunden die Abholung, die meist in­ App mit GPS­Ortung, auch hier wer­
ändern . . . oder sie müssen aufgeben. nerhalb von fünf Minuten erfolgt. Da­ den Fahrer und Bewertung angezeigt
Zum einen weil die User ihre »Ware« bei wird keine anonyme Wagennum­ und die Anfahrt lässt sich über den
direkt beim Urheber beziehen, zum mer angekündigt, sondern der Name Bildschirm verfolgen.
Beispiel über Websites, Facebook oder des Fahrers mit Foto dazu erscheint Über 7000 der 180 000 deutschen
Twitter. Zum anderen werden Emp­ ein »Call Driver«­Button. Taxifahrer nutzen die Software bereits.
fänger zu Sendern, weil die Technik al­ Nach fünf Minuten also bog Farooq Dafür zahlen sie rund 1 Euro pro ver­
les für sie so einfach macht, das Foto­ von der Mason in die O’Farrell Street mittelte Fahrt. Dirk Kaya verrät mir,
graieren, das Schreiben, das Veröf­ ein, mit einem GMC und dem Kennzei­ dass die Funkzentralen »in heller Auf­
fentlichen . . . chen 1ZZX734. Für Fahrten zu Flughä­ regung« seien wegen der App und per
Diesen Wandel, also das direkte fen gelten an allen Uber­Standorten E­Mail Stimmung dagegen machten.
Kommunizieren zwischen Anbieter und feste Tarife, die höher liegen als für ei­ Das helfe ihm aber nicht weiter, denn er
Kunde, konnte ich bei einer Reise nach ne gewöhnliche Taxifahrt. Ein Grund müsse mit der Zeit gehen. »Ohne myTa­
San Francisco am eigenen Leib erfah­ hierfür ist, dass bereits Trinkgeld ent­ xi komme ich an bestimmte Fahrten
ren. Taxifahren macht dort keine Freu­ halten ist. Ein anderer dürfte sein, dass nicht heran, das kann ich mir nicht leis­
de, weil es zu wenig Wagen gibt. Die sich Uber gar nicht erst mit den Ta­ ten.« Auch die Telekom und die Daim­
New Yorker Designerin Tina Roth Eisen­ xivereinigungen anlegen möchte und ler­Tochter car2go glauben an die Zu­
berg (aka swissmiss) verabschiedete zu Recht davon ausgeht, dass Fluggäs­ kunft des Hamburger Start­ups und in­
sich auf Twitter so von der Stadt: »Hey ten der Komfort ein paar Dollar mehr vestierten 2011 ganze 10 Millionen Euro
San Francisco, I will totally miss your wert ist. Am Ende der Fahrt musste ich in den deutschen Taxi­App­Marktführer.
good coffee and healthy snacks. But weder Geldbörse noch Kreditkarte zü­ Inzwischen sind auch deutsche Taxi­
man, can you stock up on cabs?« Erik cken. Farooq brauchte auch keine Quit­ zentralen aufgewacht und haben eige­
Spiekermann antwortete darauf: »You tung schreiben, denn diese erscheint ne Apps entwickelt, die freilich nur in
need to get the Uber app!« Ich pro­ automatisch auf meinem iPhone­Bild­ ihrer Stadt und mit den eigenen Wagen
funktionieren. Dies wird den Erfolg
Mit Apps wie des überregionalen myTaxi­Angebots
Uber oder myTaxi kaum aufhalten, denn nichts hassen
wird die Taxi- Smartphone­User mehr als verschie­
fahrt zum Spiel: dene Apps für die gleiche Aufgabe. Die
Fahrer rufen, Taxi­Unternehmen stehen damit vor
Anfahrt beobach- einem ähnlichen Problem wie die Buch­
ten, Fahrt verfol- verlage oder die Plattenindustrie: Bran­
gen und spei- chenfremde haben früh eine übergrei­
chern, bezahlen fende Lösung gefunden, die sich durch­
und Quittung setzt und proprietären Angeboten ein
mailen lassen Schattendasein beschert.