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DEUTSCHLAND 9,80 €
Das Magazin der Kreativbranche # 06.2013 www.page-online.de
4 191084 209802 06
Webdesign

Die Agentur der Zukunft Trend: Low Polygon InDesign generativ


Report: So rüsten sich die Großen für Mit wenigen Vielecken Individuelle Publikationen erzeugen
die anstehenden Herausforderungen tolle Bildwelten erschaffen mit dem JavaScript-Tool basil.js
Editorial PAGE 06.13 003

Mit unserer
Websight Bedarfsanalyse

planen
nur vermeintlich äußerlichen Aspekt
auf den Grund: der Oberfläche. Wir
spüren den visuellen Ansprüchen an
attraktive und zugleich funktionale
Websites nach. Wir fragen, ob skeuo-
morphes Interfacedesign, das Geräte-
formen alter Technologien imitiert,
oder minimalistisches Flat Design das
Nutzererlebnis steigert; ob Gestal-
tungsbüros zu besseren Lösungen ge-
langen oder doch technisch orien-
tierte Spezialisten . . .
n Technik. Technik. Technik. Ist es Genau darum haben wir übrigens
Foto: Kirsten Nijhof

nicht skurril, dass wir in Kreativmee- auch – gemeinsam mit unserem Inter-
tings fast nur noch über Technologien action-Design-Fachmagazin WEAVE –
sprechen? Über HTML5, Mobile First eine neue Top List ins Leben gerufen:
und Co? Wir leben in einer digitalen das WEAVE//PAGE Digital Ranking. Wir
Welt, keine Frage, aber unsere Kampa- haben es unter Einbeziehung einer
gnen, Markenauftritte und Websites BVDW-Befragung zur Rolle von digita-
machen wir nicht für Plattformen oder len Kreativawards und Rankings für die
Systeme, wir machen sie für Menschen. Agenturlandschaft entwickelt, es liegt
Und deren Bedürfnisse und Wahrneh- dieser Ausgabe bei. Gewiss, es sind
mungsgewohnheiten haben sich gar überwiegend Arbeiten mit klassischem
nicht so sehr geändert, wie wir gemein- Kampagnencharakter, die in den digi-
hin annehmen mögen. Im Gegenteil, talen Kategorien punkten. Warum also
je alltäglicher die Nutzung der digita- eine Trennung der Top Lists?
len Devices wird, desto mehr verliert Das WEAVE//PAGE Digital Ranking
die Technik an Faszination. gibt nicht nur Aufschluss darüber, wie
Klar, eine digitale Arbeit kann noch sehr die deutschen Agenturen ihre Di-
so herausragend sein, wenn sie tech- gitalkompetenz ausgebaut haben, es
nisch nicht rundläuft, hat sie keine berücksichtigt zudem spezialisierte
Chance. Aber allem voran steht noch Kreativschmieden, die weniger durch
immer die Idee und ihre gestalterische Masse, dafür aber umso mehr durch
Umsetzung. Das grafische User Inter- Klasse überzeugen. Auf dass zusam-
face lehrt uns Dinge zu nutzen – und menfinden möge, was zusammenge-
zu mögen. Augenblicke entscheiden. hört: innovative Technik, nutzerorien-
Ebendeshalb gehen wir in unserer Ti- tierte Gestaltung und – qualitätsbe-
telgeschichte ab Seite 18 auch einem wusste Auftraggeber!

Gabriele Günder,
Premium-Vorsorge
Chefredakteurin/Publisher für Medienmenschen
(info@page-online.de)

Dieser Ausgabe
liegen die
Extras »Digital
Ranking 2013«
sowie »Agentur-
software« bei

Besser In 2013
Presse 4,5 %
004 PAGE 06.13

INHALT
SZENE
006 Was die Branche bewegt
Stadt aus Papier; Museums-CI mit animierter Schrift;
Briefmarkendesign; Ansichtssache: Rayan Abdullah
über das neue Lucky-Strike-Logo; Self-Monitoring-
Reif Jawbone UP™; Victoria Beckhams Online-Shop

012 Branche & Karriere


Vintage-Offices; Leagas Delaneys Tortenaktion

016 Ausbildung
Illustriertes Buch; Experiment: Kreativ durch Licht?

TITEL
018 n Unser Web muss schöner werden!
Klar, ohne exzellente Technik läuft im Web nichts.
Aber heißt das, dass Sites nicht auch überzeugend
gestaltet sein dürfen? Wir zeigen, welche Chancen
und Probleme Trends wie Flat Design, Mobile First,
Single Page, Parallax Scrolling, Interactive Video
oder bildschirmfüllende Bildwelten bringen
072 Making-of: Low-Polygon-Ästhetik

KREATION
030 Freizeitkunst
Sich kreativ austoben – da das selbst Kreativen in
ihrem Beruf nicht immer möglich ist, verfolgen viele
nebenher freie künstlerische Projekte

038 n Die Agentur der Zukunft


Gerade die ganz Großen trifft der Wandel der
Kommunikationsbranche hart. Wie gelingt es ihnen,
Bewegung in ihre Strukturen zu bringen?

046 Second Screen


Das interaktive Fernsehen öffnet die Türen für neue
Anwendungen, TV-Formate und Werbeformen

052 Orientierungssystem für Wiener Parkhaus


Licht, Farbe und Bilder von Erdschichten spielen
eine zentrale Rolle bei diesem Leitsystem

054 Papierwelt
Besondere Notizbücher; Inkjet-Recyclingpapier

TYPO
056 TDC Typeface Design Award 2013
Diesmal präsentieren sich die ausgezeichneten
Schriften musikalisch – und das exklusiv für Sie

062 Typowelt
Supernova; Kalligrafie ornamental; »TypoJournal 4«
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≥ PAGE Online: Ob Stellenangebote, Inspiration,


News, Magazin-Volltextsuche, Publishing-Tipps,
Abo-Angebote oder den PAGE-Shop – das alles finden
Sie unter www.page-online.de

BILD
066 Konzeption von Illustrationen
Wie sieht der konzeptionelle Prozess auf dem Weg
zur Bildidee aus? Und das, wenn nur Stunden
zwischen Briefing und Deadline liegen. Drei Illustra-
toren erzählten uns, wie sie dabei vorgehen

072 n Making-of: Low-Polygon-Ästhetik


Der Hype um die Grafiken aus reduzierten geome-
trischen Formen hält an. Wie werden sie gemacht?

080 Bildwelt
Illustrative 2013; Buch zu den besten Digital Artists

TECHNIK
084 n InDesign generativ
Die JavaScript-Library basil.js ermöglicht es, in
InDesign generativ Plakate oder Buchprojekte zu
gestalten. Wir zeigen, wie dies funktioniert

090 Beschriftungs-Apps
030 Freizeitkunst
Praktisch, wenn man ein Foto unterwegs schon
gleich mit passender Typo versehen kann

092 Report: Coworking Spaces


Mehr als ein Schreibtisch – wir berichten, was man
als Mieter von den Gemeinschaftsbüros erwarten
kann, und stellen verschiedene Space-Konzepte vor

098 Tools & Technik


Adobe Lightroom 5; Lochkamera; Canon-Camcorder

SERVICES & STANDARDS


106 Einblicke: Kreative und ihre Gärten

108 Kalender: Kongresse, Ausstellungen, Awards

110 Publikationen: Buchempfehlungen


für kreative Publisher
Bücher über Dieter Rams und Lotte Reiniger

003 Editorial 014 PAGE Online 113 Impressum/Vorschau


051 PAGE Abo 095 PAGE Studenten-Abo 115 PAGE Shop
104 PAGE Stellenmarkt
114 Fundstücke von Jürgen Siebert

PAGE SEMINARE
064 Infografik-Seminar mit Jan Schwochow
082 »Gutes Design entwickeln« mit Jochen Rädeker
083 »Gutes Design gut verkaufen« mit Jochen Rädeker
097 »Disruptive Creativity« mit Mario Pricken
006 PAGE 06.13

SZENE

Der große Brand von London


wütete von 2. bis 5. Sep-
tember 1666 und zerstörte
vier Fünftel der Stadt.
Matthew Picton visualisierte
dies mit Seiten aus Daniel
Defoes Buch »A Journal of the
Plague Year«. Die Pest
hatte London nur wenige
Monate zuvor heimgesucht
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Verbrannt
In akribischer Kleinarbeit baut
Matthew Picton Städte aus
Papier – und fügt einigen
von ihnen mit dem Lötkolben
Brandwunden zu

n Kulturelle Sehenswürdigkeiten sind


es nicht, die ihn interessieren – es ist viel-
mehr der Raum zwischen den Straßen,
Wänden und Häusern. Deshalb haben die
Gebäude auch keine Dächer. Matthew
Picton studierte an der London School of
Economics Politik und Geschichte. Da wun-
dert es nicht, dass er für seine Papierskulp-
turen Städte mit historischer Bedeutung
auswählt oder solche, deren Erscheinungs-
bild sich durch geschichtliche Ereignisse
oder Naturgewalten signifikant verändert
hat. Wie zum Beispiel London, das 1666
durch ein Feuer zu großen Teilen zerstört
wurde, oder auch Dresden, das durch die
Bombardierung im Zweiten Weltkrieg ein
völlig neues Gesicht bekam. Der 52-Jährige
bildete dies nach, indem er die fertigen
Kunstwerke mit einem Lötkolben bear-
beitete und so eine Art visuellen Kommen-
tar zum Schicksal der Stadt abgab.
Was das verwendete Papier angeht,
verwendet Picton stets gebrauchtes Ma-
terial, vorzugsweise solches, das in einem
Zusammenhang mit der jeweiligen Stadt
steht. Für Dresden etwa eine Partitur von
Richard Wagners »Ring des Nibelungen«,
die er dann hemmungslos mit einem X-
Acto-Messer und einer Schere zerschnip-
pelte und zu einem faszinierenden Stadt-
bild zusammenklebte. Mehrere Monate
kann es dauern, bis eine Arbeit fertig ist,
auch weil Matthew Picton oft an mehreren
Entwürfen gleichzeitig baut – immer mit
einem Stadtplan als Vorlage.
Verschiedene Ansichten von London
aus unterschiedlichen Epochen gibt es
bereits; außerdem Moskau, Venedig, Je-
rusalem, Dublin, Manhattan nach 9/11
und einige mehr – sie alle kann man auf
http://matthewpicton.com betrachten. Ak-
tuell arbeitet der Künstler an Istanbul, Kai-
ro soll demnächst folgen, ebenso Ams-
terdam und Sankt Petersburg. Im Sommer
wird er seine Paper Sculptures in der
Toomey Tourell Gallery in San Francisco
ausstellen. Lieber Matthew Picton, viel-
leicht mögen Sie auch einmal nach Deut-
schland kommen, zum Beispiel nach Dres-
den – es lohnt sich. ant
008 PAGE 06.13 SZENE

Design: edenspiekermann Amsterdam; Fotokampagne: Lars van den Brink, Copy: Ferdinand Beltman
Open Type
Sogar die CI- n Kultur-Erscheinungsbild. Das und Natur begegnen sich dank des of- manuell erzeugt hat und die edenspie-
Schrift des Kröller-Müller Museum, keine 100 Kilo- fenen Museumsbaus mit viel Glas. kermann nun mit Cinema 4D animierte.
Kröller-Müller meter von Amsterdam entfernt, kennt Die Verflechtung von innen und au- Besonders charmant ist das Schatten-
Museums hat man hierzulande meist nur als Auto- ßen, aber auch von zwei- und dreidi- spiel, das die flexibel einsetzbare Tür-
Türen, die sich bahnschild auf dem Weg zum Meer. Zu mensionaler Kunst überführte eden- metapher noch greifbarer wirken lässt.
dank Cinema 4D Unrecht, besitzt es doch die zweitgröß- spiekermann Amsterdam nun in das Die Designer setzten auch die Kampa-
tatsächlich te Van-Gogh-Sammlung weltweit und neue Corporate Design des Museums. gne und das Ausstellungsdesign für
öffnen lassen ist dazu beeindruckend eingebettet in Sein dynamisches Grafik- und Schrift- die neue Präsentation der Van-Gogh-
einen hochkarätigen Skulpturengarten konzept basiert auf der Karbon, deren Sammlung mit dem außergewöhnlich
im Nationalpark De Hoge Veluwe. Kunst plastische Anmutung Kris Sowersby verspielten Grafikkonzept um. wl

Buntes Europa
n Briefmarken-Design. Einen krea- Titus Nemeth oder Bureau Weiss, die und zeitgenössische typografische Ver-
tiven Beitrag gegen die Eurokrise lie- auf den paar Zentimetern sehr unter- satzstücke verbindet sie mit den Far-
ferte die Wiener Tageszeitung »Die schiedlich visualisierten, warum es vie- ben europäischer Nationalflaggen. Der
Presse« in Kooperation mit der Agen- le Gründe gibt, Europa zu lieben. bunte verschachtelte Entwurf ist ein
tur Liquid Frontiers und mit finanziel- Gewinnerin wurde die Marke »Viel- echter Hingucker – und bereits als Son-
ler Unterstützung der Österreichischen falt in der Einheit« der spanisch-öster- dermarke im Umlauf. Von diesem, aber
Post: Sie baten zwanzig Designer, reichischen Gestalterin Elvira Barriga, auch von vielen der anderen Entwürfe
Briefmarken zu entwickeln. Mit dabei die als Kreativdirektorin bei Bruce Mau könnte sich die Deutsche Post eine
waren bekannte Namen wie Lo Breier, Design in Toronto arbeitet. Historische Scheibe abschneiden. ant

Elvira Barrigas
Marke (links)
gewann den
Wettbewerb,
aber auch
die Entwürfe
von 3007
(Mitte) und Sigi
Mayer (rechts)
sorgten für
Begeisterung
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Ansichtssache PAGE gibt’s übrigens


Die Marke Lucky Strike schadet
sich mit ihrem Rebranding, sagt auch in RGB.
Rayan Abdullah von Markenbau

n Eine gut aufgestellte Marke wird zum Allgemeingut ei-


ner Gesellschaft. Daher darf sie nicht der Laune eines neuen
Geschäftsführers oder Marketingleiters folgen und neu ge-
macht werden, solange sie funktioniert. Die Erfindung Ray-
mond Loewys von 1940, also der erste Relaunch von Lucky
Strike, der zu Recht mehrere Designpreise für seine Arbeit
bekommen hat, hinterlässt eine Einheit von Form, Typogra-
fie, Farbe und Hintergrund, die ihresgleichen sucht. Diese
Basiselemente präsentierten sich auf der Verpackung in
bester Form. Mit der Signalwirkung hat Loewy die Zielgrup-
pe enorm erweitert. Seine damalige Arbeit basierte auf sei-
ner großen Erfahrung, aber auf einem für jede Marke spezi-
fisch entwickelten Stil, wofür er dann auch berühmt wurde.
Die Marke Lucky Strike kann sich mit dem Namen des be-
kannten Designers schmücken.
Ein Redesign ist eine normalerweise behutsame und da-
mit nicht sofort ins Auge springende, weil vordergründige
Veränderung. Es muss darum gehen, die bestehende Vorlage
stilsicher zu optimieren und ihr dadurch Feinschliff zu ver-
leihen. Mit dem hier vorgenommenen Redesign wird die
Marke Lucky Strike viel verlieren: Nicht nur die Zielgruppe
wurde durch die langjährige hervorragende Kommunika-
tionsarbeit geprägt, auch bei vielen anderen war die Marke
im Bewusstsein gesetzt und attraktiv. Durch die grundle-
gende Änderung des Logos wird dieser große Wiederer-
kennungseffekt fast zunichte gemacht, und man muss wie-
der bei null anfangen. Dies – so darf man dem Unternehmen
unterstellen – geht wohl mit hausinternen Unsicherheiten
einher, die dessen Identität infrage stellen.
Wenn man das neue Design unter die Lupe nimmt, sieht
man, dass das Logo mit so viel Inhalt durch Schrift belastet
wird, dass es buchstäblich fast platzt. Hier wurde wohl ein
Logo mit einer Zeitung verwechselt. Die Klarheit und Einfach-
heit des bisherigen Designs sind bedauerlicherweise ver-
schwunden. Die Typografie wirkt auf Anhieb beladen, und
die Mischung zwischen serifenloser und serifenbetonter
Schrift ist meiner Meinung nach zu viel. Die inhaltliche In-
formation hat an dieser Stelle nichts zu suchen, dies spiegelt
die typografische Überlastung wider. Für den Markennamen
eine serifenbetonte Schrift zu nutzen finde ich nicht mehr
zeitgemäß. Serifen beinhalten zusätzliche Informationen,
die für das Einprägen der Marke beim Betrachter hinderlich
sind. Das ist schädlich für eine Marke.

Das neue Logo (links)


stammt von der Agentur G2

≥ PAGE Online
Weitere Meinungen dazu
lesen Sie unter www.
page-online.de/lucky-
strike-rebranding
010 PAGE 06.13 SZENE

Designer Yves
Béhar entwarf das
Armband, das
unseren Alltag zur
Statistik macht

Optimiere dein Lebenl!


n Self-Monitoring. Müssen Datenschützer uns vor
uns selbst schützen? Oder verhilft das UP™ von Jawbone
uns zu »einem besseren Leben«, wie der Hersteller voll-
mundig verspricht? Gadgets, die für konstante Selbst-
beobachtung sorgen und die Daten danach in Apps oder
Online-Communitys dokumentieren, gibt es ja bereits
mit dem Nike+ FuelBand und den Fitbit-Trackern. Letzte-
re sorgten auf der ganzen Welt für Lacher, als einige User
unwissentlich im Web auch ihre sexuellen Bewegungs-
aktivitäten öffentlich machten, bevor Fitbit entspre-
chende Sicherungen einrichtete.
Das UP™ geht aber noch deutlich weiter und zeich-
net nicht nur Bewegung, sondern auch Schlaf- und Ess-
gewohnheiten sowie Stimmungslagen auf, gibt darauf-
hin persönliche Empfehlungen und lässt uns online mit Design it like Beckham!
Freunden in edlen Wettstreit ums gesündere Leben tre-
ten. Erstmals wurde es schon 2011 gelauncht, musste n Online-Shop. Extrem luxuriös und tete, besteht aus zwei Bereichen: Wer
aber wegen technischer Probleme und weil es am Hand- gleichzeitig minimalistisch präsentiert anfangs auf »Look« klickt, findet aktuel-
gelenk zu heiß wurde, wieder vom Markt genommen sich Victoria Beckhams erster Vorstoß le Behind-the-scenes-Fotos, Videos von
werden. Jetzt erfolgt der zweite Anlauf: Seit April gibt ins E-Commerce – genau wie die Pro- Modeschauen et cetera. Der Klick auf
es das Band in allen Telekom-, Apple- und Gravis-Läden. dukte ihrer preisgekrönten Fashion- »Shop« führt in einen höchst funktio-
Unsere Kollegin Anna Weilberg macht einen Selbstver- marke. Die kompakte Website, die Tony nalen Einkaufsbereich, der mit schlich-
such – ihre Erfahrungen kann man nachlesen unter King mit seiner New Yorker E-Com- ten Bildern wie denen unten links
www.page-online.de/jawbone-up-test. cg merce-Agentur King & Partners gestal- streng aufs Wesentliche reduziert ist –
aber eben auch alles Wesentliche bie-
tet, was man beim Kauf von preislich
nicht eben minimalistischen Produk-
ten erwartet: Bis zu 1850 Euro kosten
Auch in beispielsweise die gezeigten Kleider
ihrem neuen aus Victorias Ready-to-Wear-Kollektion
Onlineshop »Icon«. Ein mehrsprachiger Kunden-
erweist sich dienst soll dabei aber ein ebenso ex-
Victoria klusives Einkaufsgefühl vermitteln wie
Beckham als reale Konsumtempel.
Meisterin Das Packaging ist ebenfalls edel re-
der ästhe- duziert. Jonny Lu und Isaac Lock aus
tischen London, die auch die Artdirektion der
Reduktion Website übernahmen und schon län-
ger mit Victoria Beckham arbeiten, ge-
stalteten Boxen aus weiß lackiertem
Unterteil und braunem Kartondeckel.
Dort ist bloß klein ein Schriftzug ein-
geprägt: Victoria Beckham. cg
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Ferne im Griff
n Markenauftritt. Ein freundliches
Mittelrot verbindet man bislang weni-
ger mit Reiseveranstaltern als mit Su-
permarktketten wie – genau: REWE.
Gemeinsam mit Interbrand hat die
Handelsgruppe ihrer Touristiksparte in Vertrauens-
einem gut drei Jahre dauernden Pro- erweckend:
zess mit einer neuen Markenstrategie das prägnant
einschließlich Neupositionierung und pragmatische
Überarbeitung des Auftritts auf die Logo für die
Sprünge geholfen. Die Herausforde- REWE-Touristik-
rung lag darin, die Gesamtmarke – mit gruppe DER
Tjaereborg, ITS, Jahn Reisen und weite-
ren Veranstaltern immerhin die zweit- gleich für Sicherheit, Getragenwerden
größte Touristikgruppe Deutschlands – und dafür, Dinge selber anzupacken.
als führenden Reiseanbieter zu profi- Dazu kommt ein »Erlebnispanorama«,
lieren. Zudem sollten die Untermarken das lebendig illustrierte Sehenswür-
mit ihren Stärken positioniert werden. digkeiten der Welt in frischen Farben
Die Lösung ist ein System, in dem zeigt. Es kommt in Printmedien, Web
Dach- und operative Marken getrennt oder den Reisebüros zum Einsatz –
auftreten, aber durch das Logo visuell ganz zeitgemäß auch mal als traumar-
verbunden sind. Im Zentrum steht DER tiger Collagenausschnitt innerhalb der
Touristik mit einem starken Signet. Fotomotive. Als Font wählten die De-
Vielfältig einsetzbares Hauptelement signer die freundliche Prelo. Ein wei-
ist ein Tragegriff, der zusammen mit teres Mal präsentiert sich die REWE
dem Slogan »Träume fest im Griff« für Group als aufgeräumtes, sympathisch
Reisen und Bewegung steht, aber zu- solides Unternehmen. wl

Blow Zack Boom


n Logo-Design. Ein kraftvoll lautma- Agentur und laut«, sagt Blow-Direktor spiriert von ›Alice in Wonderland‹, ha- Das knallt: Der
lerisches Logo, das sich mit seiner Dy- March D’Altilia. »Gemessen an der Brei- ben wir das ›Rabbit Hole of Social Me- neue Auftritt
namik und Einfachheit sofort einprägt, te unserer Recherchen und Entwürfe dia‹ als visuelle Metapher eingeführt«, der australischen
hat die Agentur Blow aus Sydney für ist das Ergebnis recht simpel. Trotzdem erläutert D’Altilia die visuelle Darstel- Bewegtbild-
Boom entwickelt. Der Spezialist für vi- ist die Wortmarke eine ziemliche Axt – lung der narrativen Erzählweisen. Der agentur Boom,
rale Kampagnen, ehemals vid•id, hatte vor allem, weil sie Booms Arbeitspro- lautstarke, an frühe Comicserien erin- entwickelt von
die Kreativen mit einem kompletten zesse widerspiegelt.« nernde Auftritt wirkt auf jeden Fall, Blow, kommt
Markenrelaunch inklusive Naming be- In der Kommunikation fokussiert als hätten die Macher eine Menge Spaß im Retro-Comic-
auftragt. »Die Jungs sind eine Rockstar- sich Boom auf soziale Netzwerke. »In- beim Entwickeln gehabt. wl Stil daher
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BRANCHE & KARRIERE


Vintage-Offices
n Interior Design. Minimalistisch,
glossy und alles nagelneu: So sah es lange
Zeit in Agenturen aus, die auf sich hielten.
Jetzt gehe der Trend zu mehr Individualität
und Authentizität, zudem spiele Nach-
haltigkeit eine Rolle – beobachtet Mai-Britt
Mikolajewicz, die Agenturen und Start-ups
mit Vintage-Möbeln ausstattet. So richtete
die Hamburgerin, die acht Jahre beim
Auktionshaus Lauritz.com arbeitete, jüngst
die neuen Räume der Mobile-Spezia-
listen der Agentur Cellular in der Großen
Elbstraße ein und stattete sie mit sieb-
zig verschiedenen alten Architektenlampen
aus – sympathische Farbkleckse, die für
Einheit in der Vielfalt sorgen. Auch außer-
halb von Hamburg war Mikolajewicz
schon tätig, etwa bei bei einem Start-up-
Investor in Berlin oder bei der Digital-
agentur demodern in Köln. Kontakt findet
man über www.maistyle.de. cg

Business Basics Mehraufwand frühzeitig kommunizieren


Christian Büning, Präsident des Berufsverbands der Deutschen
Kommunikationsdesigner ( www.bdg-designer.de ), beantwortet berufs-

Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de


bezogene Fragen von Gestaltern. Hier stellt er aktuelle Fälle vor

Steffen, 29: Hallo, ich bin selbstständig schritt am Rand klingt, ist für den De-
und arbeite vor allem für drei große signer vielleicht ein längerer Extraweg
Auftraggeber. Nun habe ich für einen mit viel Recherche.
neuen Kunden einen Job übernommen Als Kommunikationsdesigner sind
und folgendes Problem: Das Projekt Sie dafür verantwortlich, die Änderun-
wurde immer größer, dauernd kam gen im Projektverlauf korrekt zu kom-
etwas hinzu. Vor Kurzem habe ich eine munizieren, auch unaufgefordert. Dass
Zwischenrechnung gestellt, die ent- Ihr Auftraggeber verärgert ist, liegt
sprechend höher ausgefallen ist als wohl nicht in erster Linie an der Höhe einen kleinen Teil (maximal 10 Prozent)
mein Angebot. Der Kunde sagt, ich hätte der Rechnung, sondern daran, dass er der Mehrkosten nicht berechnen.
rechtzeitig Bescheid geben müssen, nicht mehr reagieren kann. Hätte er Mein Tipp für die Zukunft: Informie-
dass es teurer wird, und will nicht gewusst, welche Mehrkosten manche ren Sie von sich aus bei allen Abschnit-
bezahlen. Wie gehe ich damit um? Erweiterungen verursachen, hätte er ten eines Projekts darüber, ob Sie noch
vielleicht auf einiges davon verzichtet. innerhalb des Angebots sind. Ihr Auf-
Lieber Steffen, Mein Tipp für dieses Projekt: Erklä- traggeber sollte immer Zeit zum Rea-
zu Ihrer Arbeit als Kommunikationsde- ren Sie im Detail, wo welcher Aufwand gieren haben. Wenn Sie Mehraufwand
signer gehört auch die Kommunikation und welche Mehrkosten entstanden und -kosten sauber kommunizieren,
über das Budget und wie Sie damit um- sind. Haben Sie E-Mails mit Zustimmun- können Sie bei der Abrechnung jeden
gehen. Das haben Sie hier versäumt gen zu neuen Projektteilen? Rechtlich Schritt belegen, haben dadurch weni-
und müssen jetzt die fehlende Kom- könnten Sie alle Forderungen durch- ger Ärger und zufriedenere Kunden.
munikation unter Druck nachholen. Ihr drücken. Ich empfehle aber, lieber in
Auftraggeber hat die Erweiterung des langfristige Beziehungen zu investie- Haben Sie Fragen, die Sie hier beant-
Projekts mit Sicherheit deutlich weni- ren. Da Sie die Kommunikation ver- wortet sehen möchten? Dann
ger stark wahrgenommen als Sie. Was nachlässigt haben, können Sie Ihrem schreiben Sie uns (E-Mail: business
für diesen nach einem kleinen Ausfall- Kunden etwas entgegenkommen und basics@bdg-designer.de)
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Die Buchhaltungs-
App bookamat
BRANCHE & KARRIERE
zeichnet sich +++ Abschied von Scholz & Volkmer. Christian Daul 1
durch ein intui- verlässt die Wiesbadener Digitalagentur, um sich selbst
tives, benutzer- unternehmerisch zu betätigen. Scholz & Volkmer besetzt
freundliches seine Stelle nicht neu, sondern verteilt die Aufgaben in-
Interface aus tern. Im Zuge dessen steigen der Technische Direktor
Peter Reichard und der Unitleiter Christoph Kehren in
Zahlen im Blick die Geschäftsführung auf. +++ Konferenz zum Thema
audiovisuelle Medien. Der Branchenverband Eyes & Ears
n Buchhaltungs-App. Für Selbst- und schlichte Gestaltung. Sämtliche of Europe lädt am 24. Juni zur European Conference for
ständige ist es besonders wichtig, ihre Zahlen werden nochmals in Form von Design, Promotion & Marketing in Köln ein. Zu den Vor-
Finanzen im Griff zu haben. Die Web- Charts visualisiert. tragenden gehören sowohl Profis aus TV, Film, Internet,
App des Wiener Start-ups bookamat Weiter vereinfacht wird das System Mobile, Werbung und Kultur als auch Jungkreative, die ih-
richtet sich speziell an Freelancer und durch Vorlagen für wiederkehrende Bu- re Arbeiten präsentieren. Der Eintritt für Nichtmitglieder
kleine Unternehmen in Deutschland chungen wie Telefonrechnungen und beträgt 650 Euro, Mitglieder zahlen 150 Euro. ≥ www.
und in Österreich. Mit dem zentralen individuell zuweisbare Schlagworte, et- eeof.de +++ Neue Kreativagentur. Michael Barche (rechts)
Formular lassen sich nach Angaben der wa »Dienstreise Kiel«, mit denen man und Ulrich Zünkeler 2 haben Orange Council mit Büros
Entwickler alle Einnahmen und Ausga- die Inhalte filtern kann. Die eingege- in Hamburg, Berlin und Amsterdam gegründet. Mit der
ben in nur 30 Minuten pro Monat er- benen Daten werden per sicherer Ver- flexiblen Struktur eines Kreativverbunds wollen sie die
fassen und für die Steuererklärung auf- bindung übertragen und lassen sich gesamte Breite moderner Kommunikationsdisziplinen
bereiten – so bleibt mehr Zeit für die zusätzlich lokal sichern. Ein Jahreszu- abbilden. Den Schwerpunkt bildet dabei die interne Kom-
eigentliche Arbeit. Besonders wich- gang kostet rund 100 Euro, die Test- munikation. Zu den ersten Kunden gehören Holiday Check
tig war den beiden eine übersichtliche version für 30 Tage ist kostenlos. fb und Natural Superfoods. +++ MfG-Award 2013. Der De-
signwettbewerb des Bundesverbands Druck und Medien
ist eröffnet. Bis zum 16. August können Gestalter, Druck-
spezialisten und ihre Auftraggeber sowie Nachwuchs-
Kalorien gegen die Denkblockade designer und Auszubildende ihre Printarbeiten einrei-
chen. Neu sind die Kategorien »Individualität« für persön-
n Facebook-Aktion. Hier macht das und den Mitarbeitern wieder Kreativi- lich auf den User bezogene Printprodukte und »Debü-
Social Network seinem Namen alle Eh- tät und Motivation zu geben. »We share. tanten«, die gesondert bewertet und mit Förder- und
re: Leagas Delaney schickte zwei Wo- You like« lautet das Motto des neu ein- Sachpreisen ausgezeichnet werden. Kriterium für eine
chen lang – ganz kollegial – immer ei- berufenen Cake Department von Lea- Auszeichnung ist das Zusammenspiel von hoher Design-
ner anderen Agentur zur Mittagszeit gas Delaney. Wer in den Genuss einer qualität und anspruchsvoller Verarbeitung. Die Teilnahme-
eine Torte. Der Gruß mittels »perver- Torte kam, entschied übrigens das Los. gebühren starten bei 150 Euro für Profis, der Nachwuchs
sen, selbst gemachten Kalorienbom- Der Caramel Cheesecake für Kolle Reb- zahlt 25 Euro. ≥ www.mfg-award.de +++ Blurb und
ben«, wie die Hamburger auf ihrer Face- be, die Schokotarte für Scholz & Friends Samsung machen gemeinsame Sache. Nutzer des neuen
book-Seite schreiben, sollte dazu die- und alle weiteren Kreationen lassen Samsung Galaxy S4 können über die vorinstallierte Fo-
nen, durch Unterzuckerung hervorge- sich hier bestaunen: www.facebook. tofunktion »Story Album« weltweit die Bilder ihrer Han-
rufene Denkblockaden zu bekämpfen com/leagasdelaneyhh. aw dykamera automatisch und nahtlos in eigenen Foto-
büchern und Magazinen zusammengestellen und direkt
vom Smartphone aus bei Blurb den Druckauftrag er-
teilen. +++ Neue Personalleitung bei Leagas Delaney
Hamburg. Ab sofort übernimmt Meike Runschke als Head
of Human Ressources die Mitarbeiterbetreuung und das
Recruiting am Hamburger Standort von Leagas Delaney.
Sie folgt auf Mareike Boddin, die die Werbeagentur En-
de 2012 verlassen hat. +++ Neue Bildchefin bei »Du«.
Ute Noll ist neue Bildchefin der Schweizer Kulturzeit-
schrift mit Sitz in Zürich. Sie folgt auf Lars Willumeit, der
künftig als freier Bildredakteur, Berater und Dozent un-
terwegs ist. +++ Calvendo wird international. Die Self-
Publishing-Plattform baut mit einer englischsprachigen
Zur Tortenaktion Site ihren Geschäftsradius aus. Ab sofort bietet sie ihre
verwandelte die Dienste auch Kunden außerhalb Deutschlands an. Calven-
Hamburger do ging im Herbst 2012 an den Start und richtet sich vor
Agentur ihr Logo allem an Fotografen, Grafiker und Künstler, die ihre Bil-
kurzerhand in ein der oder Kalender veröffentlichen und über den Buch-
Konditorschild handel vermarkten wollen. ≥ www.calvendo.de/en nik
014 PAGE 06.13 SZENE

PAGE ONLINE
Portfolio des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein Mitglied der PAGE Community und Highlights aus seinem Portfolio vor

Rabea Hashagen
www.page-online.de/portfolios/rabea-hashagen

n Design bedeutet für Rabea Hashagen, mithilfe Ich bin Brand Director, Freelancer
visueller Ausdrucksmittel Welten zu vereinfachen, Ich biete Print, Online, Motiondesign,
zu zeigen oder zu kreieren – gleichzeitig verbindet Konzeption, Strategie, Beratung
es für sie Leben, Liebe, Hobby, Beruf und Leiden- E-Mail rh@langzeitwirkung.de
schaft. Als freischaffende Designerin visualisiert sie Web www.langzeitwirkung.de
Identitäten für alle Print- und Bewegtbildmedien, Standort Berlin und München
genießt es dabei, ins Detail zu gehen und wünscht
sich Kunden, die das ebenfalls schätzen.

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E-MAG: KREATION | TYPO | BILD | TECHNIK | SZENE | GALERIE

Techno-Identity von Hort Schrift aus dem Jenseits Fotograf Daniel Stier
Kreation. Schönstes Schwarzweiß und Typo. Trotz weltweiter Proteste und zweifel- Bild. Er fotografiert Toast mit derselben Ver-
bunte Kreise: Für das erste gemeinsame hafter Beweise wurde Troy Davis am 21. Sep- schmitztheit wie Celebritys, hat dabei stets
Album von Tech-House-Pionier Marc Rom- tember 2011 in einem Gefängnis in Georgia einen Blick für das Skurrile und mittlerweile
boy und Techno-Produzent Ken Ishii hat hingerichtet. Seine Handschrift stellt Service- auch Museumsehren erlangt. Daniel Stier zog
Hort aus Berlin die Artdirektion übernom- plan Campaign derzeit in das Zentrum einer 1994 von Dortmund nach London und arbei-
men. Wir fragten nach, wie die Bildsprache Online-Kampagne, die sich für die Abschaf- tet für Kunden in aller Welt. Jetzt vertritt ihn
und die spielerischen Hüllen entstanden. fung der Todesstrafe einsetzt. die Hamburger Agentur Waldmann Solar.
≥ www.page-online.de/romboy-ishii ≥ www.page-online.de/troy-davis ≥ www.page-online.de/daniel-stier
PAGE 06.13 015

≥ www.page-online.de PAGEmag

1 Als Freundschaftsdienst entwickelte Rabea Hashagen das Erscheinungsbild für den Musiker Capellastreet. 2 Einfach, effektiv und in

Collagetechnik hat sie das Erscheinungsbild für das Theater Werkmünchen umgesetzt. 3 Für das Theaterplakat »Wir sind nicht das
Ende« verbrannte sie Fotoabzüge, beklebte sie mit Tesa-Film und scannte sie erneut. 4 Wettbewerbsbeitrag für ein einheitliches, flexibel
einsetzbares Berlin-Logo, das allen frei zur Verfügung gestellt werden sollte . . . Leider hat sich Berlin anders entschieden

PAGE NEWSLETTER
Foto (Galerie): @ Apparat + Stereo und Marc Trautmann für Air Berlin

Facebook-Interview Inspiration pur Immer up to date


Szene. Das Social Network hat seinen News- Galerie. Gesammelt, geordnet und in n Bestellen Sie jetzt den kostenlosen
feed redesignt und auch die Facebook-App einer Box zusammengefasst: In zahlrei- PAGE Newsletter und bleiben Sie auf
an den Look der Desktop-Version angepasst. chen Bildergalerien zeigt PAGE Online dem Laufenden rund um kreatives Me-
Wir sprachen mit Julie Zhou, Director of Design Kampagnen, Making-ofs, Portfolios, Stu- diendesign, Publishing und Trends. So
von Facebook, über das zweifache Redesign dioeinblicke und exklusive Reportage- erfahren Sie auch als Erste, wenn wir
und dessen Vorbilder, über den Arbeitspro- fotos von Events wie Pictoplasma, TYPO ein neues PAGE Seminar veranstalten
zess und den sogenannten War Room. Berlin oder re:publica. oder eine Sonderedition herausgeben.
≥ www.page-online.de/facebook-interview ≥ www.page-online.de/galerie ≥ www.page-online.de/newsletter
016 PAGE 06.13 SZENE Ausbildung

AUSBILDUNG

Stoned durch Licht:


Der Neurostimulator
Lucia N°03 ruft
nicht nur interes-
sante Farb- und
Formenwelten vor
dem inneren Auge
hervor, sondern auch
Tiefenentspannung
bei völliger geistiger
Klarheit. Rechts
eine Interpretation
des Zustands
von Ralph Buchner

Lichtreisen
n Wahrnehmungsforschung. »Am Koffein, unruhig, unausgeglichen, nach- Nach der theoretischen Auseinan-
Anfang danach immer aufgewühlt, die denklich. Man muss sich erst wieder dersetzung mit Wahrnehmung und
Augen flackern, das Hirn fühlt sich ir- ordnen, aber es bewegt etwas«, so do- Bewusstsein wagten die Studenten
gendwie geschwollen an. Wirkung wie kumentiert Designstudentin Caroline Selbstversuche – und berichteten von
Hagenau den Effekt des Neurostimu- extremen Eindrücken während der Be-
lators Lucia N°03. »Allmählich immer strahlung, von Farben, für die es keine
positivere Wirkung, kurz danach ab- Namen gibt, schwebenden Wesen oder
wesend, muss allein sein (. . .) nach in- einem Blick ins Universum. Die Folge:
nen Ruhe und Frieden (. . .) Auch Endor- Ein völliger entspannter und zugleich
phinschub und Energie.« Ohne Drogen, hellwacher Geisteszustand. »Eine sol-
nur mithilfe von Lucia untersuchte eine che Lichtreise kann so prägend sein
Gruppe von Kommunikations-, Indus- wie jede spannende Reise«, sagt Ralph
trie- und Fotodesignstudenten an der Buchner. Einige Teilnehmer brachen
Hochschule für angewandte Wissen- die Anwendung aufgrund von Herzra-
schaften München unter Leitung von sen und der Wahrnehmungsintensität
Professor Ralph Buchner die Auswir- ab. Die meisten waren jedoch nach
kungen psychedelischer Erlebnisse auf der Sitzung enorm produktiv, zeichne-
die Kreativität. Durch die Kombination ten oder fotografierten stundenlang
von Stroboskoplicht in unterschied- und lösten sich dabei von alten Denk-
lichen Frequenzen und Konstantlicht mustern. Caroline Hagenaus Illustra-
regt das an eine Stehleuchte erinnern- tionen zum Beispiel, naiv anmutende,
de Gerät bei geschlossenen Augen das Gustav-Klimt-artige Porträts, entwickel-
Gehirn an und ermöglicht so hypnago- ten sich unter dem Einfluss des Neuro-
ge und ähnliche Zustände wie auf LSD. stimulators zu kantigen, haptisch-in-
tensiven Bildern. Interessant wäre es
zu erforschen, welche Wirkung das
Designstudentin Caroline Hagenau Gerät auf strategische Designdiszipli-
entwickelte ihren Illustrationsstil nen wie zum Beispiel Markenkommu-
mit der Lichtreisemaschine weiter nikation hat. wl
PAGE 06.13 017

Bunter Therapiebegleiter
n Illustriertes Buch. Kleine Figuren, die herum-
tollen, sich hinter Bäumen verkriechen oder plötz-
lich auflösen: Auf den ersten Blick hat Amelie Bartelsen
in ihrer Abschlussarbeit im Studiengang Illustrations-
design an der Bildkunst Akademie Hamburg eine lustige
Kinderwelt erschaffen. Auf den zweiten Blick zeigt
sich der ernste Hintergrund: Das Buch »Das Leben ist
kein Naturschutzgebiet« befasst sich in einer Mischung
aus Sachbuch und Belletristik mit dem Thema Psycho-
sen. Der Text und die begleitenden Illustrationen
sollen spielerisch zwischen Betroffenen, Angehörigen,
Ärzten und Pflegern vermitteln. Die Zeichnungen,
die getrennt vom Text auf Postkarten festgehalten sind,
muten wie ein Reisebericht an. Jede der 23 Karten
wird durch ein Foto aus dem Klinikumfeld ergänzt, das
einen Kontrapunkt zu der fiktiven Erzählung bildet.
Die Idee zu dem etwas anderen Therapiebegleiter ent-
stand aus ihrer eigenen Psychoseerfahrung. »Es war mir
wichtig zu zeigen, dass eine Psychose neben allem Leid
auch Nährboden für eine produktive Auseinander-
setzung mit der Krise sein kann«, sagt Amelie Bartelsen.
Das Buch gibt’s für 48 Euro bei Gudberg in Hamburg
oder per Bestellung über birnental@gmail.com. nik

Algorithmische Schönheiten
n Generative Gestaltung. Bereits von der Darstellungsmethode entsteht an ihnen entlang oder Triangulation.
2012 beschäftigte sich Diana Lange die jeweilige Ästhetik durch die Ag- Bei Letzterer fügte Diana Lange den
mit der Gestaltung in Processing: Da- gregation von Punkten, ihre Verbin- Porträts eine Zufallsmaske hinzu, die
mals fasste sie naturinspirierte Gra- dung mit Linien, Einlinienzeichnung die Gesichter etwas verzerrt. fb
fiken, die im Rahmen eines Projekts im
Masterstudiengang Gestaltung an der
Hochschule für angewandte Wissen-
schaft und Kunst Hildesheim/Holzmin-
den/Göttingen entstanden, in einem
Buch zusammen (siehe PAGE 07.12, Sei-
te 20). Im Rahmen ihrer Masterthesis
»Zwischen den Stühlen. Grenzgänge
zwischen Kunst, Design und Informa-
tik« präsentiert sie nun eine Reihe von
Porträts, die den generativen Gestal-
tungsprozess selbst in den Vorder-
grund rücken.
Anfangs hatte die Designerin keine
bestimmte Ästhetik im Sinn, sondern
experimentierte mit den Möglichkei-
ten von Processing. Sie arbeitete mit
einem abstrakten Partikelsystem, das
sie jedoch bald mit Fotos von Freun-
den und Familienmitgliedern kombi-
nierte und so visuelle Anklänge zu
Handzeichnungen erzielte. Ihr Proces-
sing-Code ordnet den Fotos Punkte
zu: je dunkler die Bildbereiche, desto Sowohl die von Diana Lange in Processing geschriebenen Code-Snippets als auch die
mehr werden dort platziert. Abhängig Programmierumgebung selbst sind auf der Plattform OpenProcessing frei verfügbar
018 PAGE 06.13

TITEL

Praktisch modular und typografisch


unverwechselbar: Karl Anders hat alles
richtig gemacht
PAGE 06.13 019

Unser Web muss


schöner werden
Im Webdesign heißt es gründlich umdenken. Die visuellen Ansprüche der
User an das neue Leitmedium steigen, gleichzeitig wirft die Vielfalt der Devices
technisch alles durcheinander. Alte Rezepte funktionieren nicht mehr

n Zwischen hippen Designs, wie sie ≥ PAGE Online


die einschlägigen Online-Showcases à Alle Links zum
la FWA oder Awwwards zeigen, und Artikel finden Sie
der alltäglichen Arbeit im Auftrag von unter www.page-
Kunden klafft eine tiefe, tiefe Lücke – online.de/
und die scheint in Deutschland oft noch schoeneres_web
etwas tiefer zu sein als etwa in Groß-
britannien oder Skandinavien. Woran
liegt’s und was sind die aktuellen An-
sprüche an zeitgemäßes, attraktives
und funktionales Webdesign? Welche
Probleme und zugleich Chancen brin-
gen Trends wie Mobile First, Flat De-
sign, bildschirmfüllende Bildwelten, In-
teractive Video, Webfonts, Single-Page-
Sites oder Parallax Scrolling? Wir haben
provokative Thesen aufgestellt, dazu
dann Statements führender Webdesi-
gner eingeholt und spannende Fall-
beispiele gesammelt. cg

Richard Penna zeigt Arbeiten seines


Studios Nioute mit Webfonts, die
schon einen Vorgeschmack auf das
jeweilige Projekt geben
020 PAGE 06.13 TITEL Webdesign

Die New Yorker Agentur


Hello Monday nutzt auf
der neuen Diesel-Site nur
flache Bedienelemente

Anbietern, der Trend geht immer mehr


zu Kleinstagenturen. Aber Expertise ist
Viele Webdesign- im deutschen Markt durchaus vorhan-
dienstleister den. Ich könnte mir vorstellen, dass Un-
ternehmen häufig schon einen techni-
können besser schen Dienstleister haben und das
Webdesign dazukaufen. Aber alles, was
programmieren sich im Frontend abspielt, muss in einer
als gestalten. Hand bleiben. Sonst entstehen Soll-
bruchstellen, wenn ein Design an ei-
nen technischen Dienstleister überge-
ben wird und dann Entscheidungen
zwischen Kunde und Dienstleister ge-
n Liegt es an der Firmenstruktur und troffen werden, die Auswirkungen aufs
Personalpolitik oder an der Ausbil- Design haben.
dungssituation, dass viele Digitalagen- Alexander El-Meligi,
turen – besonders in Deutschland – Geschäftsführer demodern:
eher technisch als gestalterisch aus- Viele Digitalagenturen wer-
gerichtet sind? Bekommt der Kunde den nicht von Kreativen oder Designern
bessere Websites von Agenturen, die geführt, sondern von Betriebswirten,
eigentlich keine Interactive-Spezialis- Ingenieuren oder Informatikern. Da-
ten sind, weil sie mehr Design-Know- durch ist der Anspruch an das Design
how haben? verständlicherweise nicht derart aus-
Roman Hilmer, Geschäfts- geprägt, da eventuell technische Ziele
führer Kreation Fork: höher priorisiert werden. Aber gerade
Wir glauben an gutes Design. durch die steigenden Nutzerzahlen
Vielleicht glauben andere nicht an gu- und die massive Verbreitung von Apps
tes Design. Oder, wie es beim Thema et cetera setzen die Konsumenten in-
Glauben häufiger vorkommt, sie glau- zwischen neben den rein technischen
ben an ein anderes gutes Design. In Funktionen eine visuell anspruchsvol-
manchen Gesprächen haben wir den le und sinnvolle Gestaltung voraus.
Eindruck, dass gutes Design in Deut-
schland verpönt ist. Wir erleben im-
mer wieder, dass davon ausgegangen
wird, dass gutes Design nur Designer
selbst sowie die gehobenen Schichten
anspricht und dass man die breite Mas- Wie flach darf/
se nur mit prolligem [sic] Design errei-
chen könne. Vielleicht verhalten sich
soll eine Website
darum einige Agenturen zu pragma- sein?
tisch und legen mehr Wert auf Pro-
grammierung als auf Design. Auch bei
Bewerbungen von Webdesignern fällt
auf, dass viele sehr pragmatisch, viel-
leicht etwas zu pragmatisch vorgehen.
Sie greifen sich die zeitgeistigen Stan-
dards und trendigen Effekte und legen
los, ohne länger über die eigentliche n Der Lederlook von iCal ist ja angeb-
Designaufgabe nachzudenken. lich von den Nähten an den Sitzen in
Yeliz Üney, Business Steve Jobs’ Privatflugzeug inspiriert.
Director Hi-ReS!: Ich habe solche Imitate von Materiali-
Ich glaube nicht, dass gestal- en wie Leder, Alu oder Glas schon im-
terisches Know-how fehlt. Natürlich mer verabscheut und mit einem Hel-
gibt es eine enorme Bandbreite von ferlein aus dem Netz den Kalender so-
PAGE 06.13 021

fort »entskeuomorphisiert«. Doch es So lassen wir uns


gibt Hoffnung: Nach dem Abgang von Skeuomorphismus
iOS-Chef Scott Forstall will Jonathan gefallen: Website
Ive – anders als Jobs und Forstall kein von Fl@33 für die
Fan des Pseudo-Analog-Looks – neue Ausstellung »No
Wege gehen. Die Frage reicht aller- one lives here« des
dings tiefer als eine Aqua-Oberfläche: Londoner Royal
Fallen Verläufe, abgeflachte Kanten Collage of Art. Der
oder Schatteneffekte auch schon in die Screenshot zeigt
Kategorie des derzeit viel geschmäh- nur einen Teil der
ten Skeuomorphismus? Fläche, die man am
Selbst wenn das Londoner Design Monitor stückchen-
Museum es zu einem der Designs of weise erkundet
the Year kürte, muss man das Windows-
8-Patchwork nicht lieben. Doch flache,
modulare Layouts werden wir künftig
allein deshalb öfter sehen, weil immer
mehr Sites dem Motto »Mobile First«
folgen. Farbflächen kommen mit weni-
ger Kilobyte aus als skeuomorphe Bild-
dateien und sortieren sich im responsi-
ven Webdesign mühelos neu. Beispiele
sind – logischerweise im sogenannten
Modern UI – die aktuelle Website von
Microsoft oder die neue McDonald’s-
Seite, umgesetzt von Razorfish. Für
Ham- und Cheeseburger interessiert chen? Googles neuer Look (beispiels-
man sich eben hauptsächlich, wenn weise bei der Google-Maps-App) ist
man unterwegs ist. ein gelungener Mittelweg: flach, aber Wir wollen
Thomas Junk, Geschäfts- mit Texturen und Schatten als visuelle wieder was
führer demodern und 2013 Referenzpunkte.
Mitglied der ADC-Digitaljury: Nicht so gelungene Fallbeispiele: Der erleben!
Eine oft durch das Zitat des Bekannten Mobile-First-Ansatz ist perfekt, um sich
als Skeuomorphismus ins Interfacede- aufs Wesentliche zu konzentrieren,
sign gebrachte Haptik und Vertraut- schießt manchmal aber übers Ziel hi-
heit senkte die Hürde, sich mit einem naus: Nach dem Relaunch sieht http://
neuen Medium auseinanderzusetzen. thenextweb.com auf einem 27-Zoll-Mo-
Wir sind jetzt aber an einem Punkt an- nitor aus, als sei sie für Senioren oder
gekommen, wo das Gros der Bevölke- Sehbehinderte gestaltet. Andererseits
rung täglich im Kontakt mit digitalen begegnen einem derzeit öfter Sites, die n Selbstverständlich reicht es nicht
Schnittstellen steht. Da darf das Inter- eher den Look von Modern UI als des- immer, wenn Websites nur flach und
face wieder »es selbst sein«. sen Funktionalität nutzen. So die neue praktisch sind. Manchmal wollen die
Matt Harrop, Kreativ- WWF-Site, die flach und scheinbar mo- User auch in spannende Erlebnisräume
direktor Fork: dular daherkommt, dies auf mobilen eintauchen. Aber wie gehen Rich Media
Das Revival von minimalisti- Devices aber nicht responsiv umsetzt. und Immersion ohne Flash? Interac-
schem flachem Design scheint eher ei- Beim neuen Stadtportal Heidenheim. tive Video oder das für die Darstellung
ne Revolte gegen Apples Pseudorea- de funktioniert das zwar auf iPhone animierter interaktiver 3-D-Welten ohne
lismus zu sein als ein passender visu- und Co, aber es kachelt nur auf der Plug-in nutzbare WebGL werden das
eller Stil für eine neue Technologie. Es Startseite, danach werden die Kacheln in Zukunft mit Sicherheit immer häu-
ist eine nette Abwechslung und hat ei- zum funktionslosen Headermuster. Ein figer möglich machen. Doch der Weg
nige schöne Anwendungen hervorge- ähnliches Phänomen wie beim Trend dorthin ist technisch nach wie vor holp-
bracht, kann aber auch zu weit gehen zu großen Bildern, die sich auch oft nur rig. Wir fürchten, dass es nicht deut-
und die Usability behindern. Soll ich auf der Startseite finden. Dann geht’s sche Designer sein werden, die hier
klicken? Soll ich wischen? Soll ich pin- kleinteilig weiter wie eh und je . . . die Vorreiter abgeben . . .
022 PAGE 06.13 TITEL Webdesign

Aufwendiger als ein yourwaytooz.com oder die überwie-


Werbefilm: die Site gende Zahl der Google-Lab-Projekte
www.inshootables.fr, wie Mr. doob et cetera. Aber wenn es
die die neue Fähig- nicht nur Parallax Scrolling in HTML5
keit von Lumia-Smart- sein soll, sondern wirklich eine einzig-
phones kommuni- artige und beeindruckende Inszenie-
ziert, Gruppenfotos rung, nimmt die Cross-Platform-Opti-
erst zu schießen, mierung noch sehr viel Zeit und Bud-
wenn alle stillhalten get in Anspruch. Mit Flash erreicht man
auf Desktops immer noch die beste
Performance und Reichweite. Eine für
alternative Devices optimierte Anwen-
dung ist sowieso meist wünschenswert.
Man sollte also früh und transparent
mit dem Kunden über Vor- und Nach-
teile der jeweiligen Lösung sprechen,
um das ideale Konzept zu entwickeln.
Wer kann Interactive Video? Egal, wel-
che Techniken auf Dauer Flash für opu-
lente Animationen ablösen, die Arbeit
von Digitalagenturen wird das nicht
fundamental ändern. Bei Video sieht
das anders aus – auf Dauer ist bild-
schirmfüllende Qualität auf Werbefilm-
niveau gefragt, von Regie über Aus-
stattung bis zur Technik. Plus zusätz-
liches Know-how, denn das Video soll
ja interaktiv sein. Ein Job für hochkarä-
tige, disziplinenübergreifend arbeiten-
de Spezialisten. Wie die der französi-
schen Agentur Fighting Fish, die mit
Wunderman Paris die links gezeigte
Website für Nokia realisierte.

Große Bilder,
Matt Harrop, Kreativ- den, wenn es passt. Aber auf emotio-
viele Bilder . . .
direktor Fork: nalem Wege lässt sich eine damit gute Bilder?
Nirgends kommt der Kunde unvergleichliche Motivation und akti-
in so engen aktiven Kontakt mit der ve Nähe zur Marke erzeugen. Marken
Marke wie im Internet. Das ist eine gro- sind mehr als ihre Produkte, sie sollten
ße Chance und gleichzeitig eine große aufhören zu rationalisieren, tief in ih-
Gefahr, denn jede falsche Bewegung ren Markenkern eintauchen, um laut
kann ihn für immer verscheuchen. Vor und stolz die Werte zu kommunizie-
allem in Deutschland meiden viele Mar- ren, für die sie stehen.
ken deshalb jedes Risiko und bieten Alexander El-Meligi, n Einer der aktuellen Trends hin zu
brave, faktenbasierte Rationalisierun- Geschäftsführer demodern: attraktiverem Webdesign heißt große
gen der Vorzüge ihrer Produkte. Ratio- Dass man auch ohne Flash Bilder. Doch damit – und der steigen-
nalität spricht einen bestimmten Typ schöne Erlebnisräume eröffnen kann, den Auflösung von Desktop- und Mo-
Kunden an und sollte eingesetzt wer- zeigen aktuelle Seiten wie www.find bile-Displays – wachsen die Anforde-
PAGE 06.13 023

rungen an die Qualität der Fotos. Billig- Lust darauf, sich


bilder von Plattformen, die einst nur von einem
entstanden, um den Hunger des Webs Profifotografen zu
nach Lo-Fi-Fotos zu befriedigen, rei- Hause porträ-
chen da nicht mehr. Sind bei Digital- tieren zu lassen?
agenturen bald Shootings mit bekann- Die Kampagne
ten Fotografen ebenso Standard wie http://coffeesurfing.
in der Printwerbung? Werden dort Art- illy.com macht
buyer arbeiten, um das nötige Know- es möglich
how einzubringen?
Thomas Junk, Geschäfts-
führer demodern:
Die Wirkung zählt: Mit wach-
sendem Selbstbewusstsein und stei-
gender Anforderung an beeindrucken-
de Inhalte werden Digitalagenturen
immer öfter zum Koordinator der ei-
gentlichen Inhaltsproduktion.
Andreas Henkel, Projekt-
buero .HenkelHiedl:
Nehmen wir die Zahnarztpra-
xis Kniha & Gahlert. Die machen, was
Tausende andere Zahnärzte auch ma-
chen. Was an ihrer Arbeit gegebenen-
falls besser ist, ist im Detail zu komplex, Fallbeispiel herzo.adidas-group.com: lands entstanden ( http://100tage.jens
um es mal schnell zu vermitteln. Die Herzo was? Potenzielle Mitarbeiter aus franke.com ). Dazu kommen Videoin-
Summe dieser Details lautet: Ästhetik. dem Ausland nach Herzogenaurach terviews mit adidas-Mitarbeitern aus
Und für die Vermittlung genau dieser zu locken, ist nicht leicht . . . Thorsten aller Welt in Herzogenaurach. Dabei ar-
Botschaft sind Fotos sehr guter Foto- Konrad kreierte deshalb für adidas ei- beitete Konrad mit dem in Berlin le-
grafen unerlässlich. ne Recruiting-Site, die durchweg auf benden israelischen Filmemacher Shai
Fallbeispiel coffeesurfing.illy.com: bildschirmfüllenden Fotos und Videos Levy zusammen – und einem amtli-
Welche kreativen Möglichkeiten höhe- beruht. Jens Franke stand ihm konzep- chen Team, zu dem auch ein zweiter
re Ansprüche an die Fotografie im Web tionell sowie als Entwickler zur Seite Kameramann sowie ein Ton- und Ka-
eröffnen, zeigen Projekte wie das von und lieferte zudem attraktive Fotos, die meraassistent gehörten. Bilder und Vi-
Gabriele Galimberti für die Kaffeemar- auf seiner dreimonatigen Sabbatical- deos sind auf eine Karte gepinnt, so-
ke illy. Der italienische Fotograf, der Fußreise durch den Süden Deutsch- dass sich die Site wie ein Reiseführer
sonst für »Newsweek«, »La Repubblica«
oder »Vanity Fair« arbeitet, hatte gera-
de einen 18-monatigen Couchsurfing-
Trip um die Welt beendet, als er wie-
der losgeschickt wurde – diesmal zum
Coffee Surfing. Dabei besucht und fo-
tografiert er Menschen, die ihm bei
einem Kaffee ihre persönliche Glücks-
geschichte erzählen. Eine Idee des De- Seit dem Launch
signstudios Dolcestilnuovo aus Mode- von http://kniha
na, das aus Fotos und Geschichten eine gahlert.de mit Fotos
Website mit Splitscreen-Scrolling-Effek- von Thomas
ten bastelte. Die Site startete im Febru- Straub bekommt
ar diesen Jahres – und lädt Interessen- HenkelHiedl
ten zum Mitmachen ein. Seither ist Anrufe von Zahn-
Galimberti in europäischen Metropo- arztpraxen, die
len unterwegs und trinkt dort mit frem- auch so eine Seite
den Leuten Kaffee. und vor allem
solche Fotos wollen
024 PAGE 06.13 TITEL Webdesign

senchance, aber auch eine Herausfor-


derung für Webdesigner, die bisher
bloß das Handling einer Handvoll
Schriften gewohnt waren. Ebenso wie
beim Thema (Bewegt-)Bild gilt: Sofern
entsprechendes Wissen inhouse nicht
verfügbar ist, müssen Digitalagenturen
Spezialisten heranziehen, wenn sie Ar-
beiten auf höchstem Niveau abliefern
wollen. Nehmen wir die auf Seite 18 ge-
zeigte, wunderbare neue Site der Ham-
burger Corporate-Design- und Werbe-
agentur Karl Anders, die offenbar das
Die Recruiting-Site nutzen lässt, aber zusätzlich auch Glück hat, einige Typocracks in ihren
http://herzo.adidas- ganz schlicht wie eine PowerPoint- Reihen zu haben . . .
group.com von Präsentation mit den Pfeiltasten auf Lars Kreyenhagen,
Thorsten Konrad der Tastatur. Managing Partner Karl
und Jens Franke Außerdem: Neben dem Trend zu XL- Anders:
lockt mit großen Fotos gibt es den zu vielen Bildern, oft Die Fließtextschrift Aperçu Regular
Bildern nach im Pinterest-Style wie bei der neuen von The Entente aus London und die
Herzogenaurach H&M-Marke & Other Stories oder als Aperçu Bold für Auszeichnungen sind
Foto-Videoclip-Mosaik wie bei der Film- unsere Hausschriften, die wir auch in
Website www.sideeffectsmayvary.com. Print nutzen. Die Headlinetype Karl_
Hier sind Bilder zweckmäßig, transpor- Eins ist eine Eigenkreation von Ann
tieren Informationen oder Atmosphä- Eckert, die bei uns als Designerin arbei-
re. Wenig Sinn macht Bebilderung um tet. Als sie uns die Schrift irgendwann
der Bebilderung willen, etwa bei der zeigte, war sie noch nicht ganz fertig.
Tech-News-Seite ReadWrite. Am Fließ- Aber dann haben wir uns bei unserem
band immer wieder Visuals für die glei- Redesign auf die Schrift eingeschos-
chen abstrakten Technik- oder Bran- sen – ein Grund für Ann, sie zu finali-
chenthemen finden zu müssen, kann sieren. Beim Webfont hat noch Marko
einfach nicht gut gehen. Grewe, der ebenfalls bei uns als Desi-
gner arbeitet und zufällig das Schrif-
tenlabel Avoid Red Arrows betreibt,
mit Hand angelegt.
Thomas Junk, Geschäfts-
führer demodern:
Endlich wird das Für Headlines und Anleser
Puristisch: der neue sind Webfonts gerechtfertigt, aller-
Onlineshop von
Web typografisch dings sind viele Druckschriften nicht
Ojala Werke für die wachgeküsst! geeignet, am Bildschirm längere Texte
Königliche zu vermitteln. Mit dem Einzug der Re-
Porzellan-Manufak- tina-Displays wird es aber definitiv ei-
tur Berlin. Infos ne Rückbesinnung auf die klassischen
und Preise werden Gestaltungsregeln des Printdesigns ge-
auf https:// ben, und hoffentlich werden Duktus
kpm-berlin.com und Erscheinung der klassischen Schrif-
nur bei Mouse-over ten an die neuen Einsatzgebiete ange-
sichtbar – wie im n Erst jetzt, wo die ganze Schriften- passt. Momentan ist immer noch är-
realen Showroom, vielfalt nicht mehr nur als Bild, son- gerlich, dass manche Schriften lizenz-
der sich ohne dern in flexibler, fließender Form zur technisch einfach nicht verfügbar sind
Preisschilder aufs Verfügung steht, ist Typografie wahr- (wie die Gotham von Frere-Jones). Die
sinnliche Erle- haft digital und spielt als Gestaltungs- Fonts sollte man auf jeden Fall auf
ben der Produkte element eine ganz neue Rolle. Eine Rie- Cross-Browser-Kompatibilität überprü-
konzentriert
PAGE 06.13 025

fen; denn selbst große Unternehmen Dem Bilder-


bieten Schriften an, die merkliche Un- Overflow setzt
terschiede zwischen Firefox und Safa- Ojala Werke
ri aufweisen. eine Agenturweb-
Ole Schäfer, primetype.com: site entgegen,
Oft werden eins zu eins ganz die ohne Webfonts
normale Schriften genom- so nicht möglich
men, statt sie von einem Typedesigner gewesen wäre –
für den im Vergleich zu Print niedrig- mit der Brandon
auflösenden Monitor zurichten zu las- von Hannes von
sen. Die Buchstaben brauchen mehr Döhren aus
Luft und deutlich mehr Kontrast zwi- Berlin, die 2011
schen den Strichstärken. Ich empfehle beim TDC2 aus-
immer, kräftige Schriften und nicht zu gezeichnet wurde
geringe Punktgrößen zu wählen. Für
Apps lohnt es sich auch, Fonts zu über-
arbeiten. Meist wird aber nur geguckt,
was billig ist und am besten gar nichts
kostet. Dazu kommen uneinheitliche
Lizenzen. Man muss immer die EULAs,
die End User Licensing Agreements,
lesen oder nachfragen, bevor man
einem Kunden eine Schrift vorschlägt,
um sicherzugehen, dass lizenzrechtlich
alles abgedeckt ist.

Mehr Weißraum,
aber bitte nicht
immer weiß!

n Mit hellem Hintergrund und schi- Für das neue Portal


cken Webfonts ein Art edle Printoptik Baden-Württem-
zu erzeugen ist derzeit schwer ange- berg.de übernahm
sagt. Beispiele sind der neue Luxus- ressourcenmangel
kosmetikshop www.planet-prestige.de die Garamond
(mit Flagship-Store in der Oranienbur- als Corporate Type
ger Straße), www.bree.de von super- für Headlines und
Real aus Hamburg oder die avantgar- Zitate. Dazu kommt
distische www.owloptics.com. Doch ge- die Fließtextschrift
rade im Edel-E-Commerce hat sich Gudea und die
dieser Look – zu dessen Vorläufern Corporate-Design-
www.net-a-porter.com zählt – derart konforme Eier-
epidemisch verbreitet, dass manche schalenfarbe als
Hintergrund
026 PAGE 06.13 TITEL Webdesign

Blumensträuße im Abo: bei


Blumeno.de mit klassizistischer
Typo, Bloomy Days etwas
weniger luftig und mit hinter-
legten Headlines – Letztere
hat auch die funktionalistischer
gestaltete Miflora.de

Auftritte einander verblüffend äh- verschiedene Ebenen sich unterschied-


neln. Wie die Sites der Abo-Blumen- lich schnell bewegen. Es gibt äußerst
Anbieter Bloomy Days aus Berlin, Mi- gelungene Anwendungen wie die zum
flora aus München und Blumeno.de DVD-Start gelaunchte Making-of-Site
aus Mülheim an der Ruhr. zum Film »Life of Pi«. Die sich gegen-
Nur zur Erinnerung: Weißraum kann einander verschiebenden Ebenen ha-
auch schwarz sein (sieht immer edel ben hier eine Funktion, zeigen sie doch
aus, siehe www.dieselblackgold.com ), mit beweglichen Vorher-Nachher-Dar-
monochrom farbig, mit Verläufen oder stellungen, wie einzelne Szenen ent-
sogar gemustert – Hauptsache, die In- standen sind. Oft aber lassen sich die
halte werden schön reduziert und da- Designer selbst zu sehr von den Effek-
mit übersichtlich präsentiert. Beim Re- ten berauschen, die sie kreieren. Nir-
launch des Onlinemagazins »Swide« gendwo sonst schwirren Typo und Bil-
von Dolce&Gabbana versah Hi-ReS! der derart verwirrend kreuz und quer
London jede Rubrik mit einer anderen über den Bildschirm wie da, wo von
Hintergrundfarbe. Besonders beliebt »amazing scrolling effects« die Rede
sind gerade auch mit einem Punktras- ist. Ganz abgesehen davon, dass sich
ter zurückgenommene Hintergrund- die kunstvollen Verschachtelungen zu-
bilder wie bei www.love-odol.de oder meist mindestens so schlecht aktuali-
www.ufomammoot.de. sieren lassen wie die guten alten Flash-
Zaubereien. Nur ein Hype ohne große
Zukunft also?
Thomas Junk, Geschäfts-
führer demodern:
Für die wachsende Zahl von
Scrollen bis der Touch-Interface-Usern und Mausrad-
scrollern ist es wesentlich einfacher
Arzt kommt? und intellektuell nachvollziehbarer, In-
halte in der eigenen Geschwindigkeit
aufzunehmen, als durch anstrengen-
des Blättern und Nachladen den Per-
zeptionsfluss immer wieder zu un-
terbrechen. Diesen Scrollvorgang mit
»Effekten« zu belegen, soll mal mehr,
mal weniger sinnvoll der Vermittlung
der Inhalte dienen und durch überra-
n In Sachen Scrollen hat sich enorm schende Wendungen den Konsumen-
viel getan in den letzten Jahren, sei es ten am Ball halten. Für die überwie-
durch CSS-Effekte, sei es durch die gende Zahl der Scrollingeffekte reicht
über Touchpads und -displays gelern- allerdings leider die Performance der
ten neuen Interaktionsformen. Auch mobilen Endgeräte häufig (noch) nicht
Social-Media-Sites wie Twitter oder aus, sodass die Annahme, eine HTML5-
Tumblr haben mit ihrem Infinite Scrol- Seite würde auf jedem Gerät die glei-
ling auf andere Seiten abgefärbt – che Erfahrung gewährleisten, ad ab-
zweifellos sehr praktisch, nur die Ver- surdum geführt wird.
linkung einzelner Themen stellt hier Matt Harrop, Kreativ-
öfters ein Problem dar. Wunderbar sind direktor Fork:
auch Neuerungen wie Sticky Naviga- Uns wundert die Formulie-
tions oder Fixed Headers, die beim rung »nur ein Hype«, denn unsere Bran-
Scrollen einfach mitkommen und so che basiert auf Hypes! Alle zwei drei
immer verfügbar sind. Tage stoßen wir auf etwas, das ver-
Schwieriger sieht es beim Parallax spricht, »die Welt zu verändern«, und
Scrolling aus, bei dem – manche kennen unsere Aufgabe ist es, am Ball zu sein,
es aus Jugendtagen von jump ’n’ runs – Dinge auszuprobieren . . . kurzum, den
PAGE 06.13 027

Hype mit offenen Armen zu begrü- Ohne verschwur-


ßen. Die Erfahrung zeigt dann, welcher belte Ebenen
Stil für welches Projekt geeignet ist. verbindet die Site
Aber der Hype stößt erst mal zahlrei- von Ahoy Studios
che Experimente an. eine fixe Navigation
Trent Walton, http://trent sowie vertikales
walton.com/2013/01/20/paral und horizontales
lax-scrolling-on-the-web: Scrollen in
Vertikales Scrollen zu nutzen, um hori- einem schlichten
zontale Bewegung auszulösen, kann und damit nach-
sich widersprüchlich und unnatürlich vollziehbaren Kreuz
anfühlen. Ähnliche Effekte, wie das
Scrollen zu verlangsamen oder es zu
nutzen, um Objekte zu laden oder zu
animieren, kann schwerfällig und des-
orientierend wirken. Es gibt sicher Aus-
nahmen, aber man kann wohl nicht
immer sagen, dass eine Site den User
mit solchen Effekten stärker involviert.
Ich selbst bin weniger involviert, wenn
das Scrollverhalten nicht, wie man es
erwartet, funktioniert oder mir gänz-
lich aus der Hand gleitet. Es ist wie im
Auto: Sogar subtil veränderte Reaktio-
nen bei der Steuerung verunsichern
den Fahrer und lenken ihn von dem ab,
was auf ihn zukommt.

Dass Parallax-
Scrolling-Sites für
Making-ofs von
Filmen wie gemacht
sind, veranschau-
licht http://journey.
lifeofpimovie.com
028 PAGE 06.13 TITEL Webdesign

Single-Page-Site mit doppeltem


Boden: Bei dem von Roanne
Adams für das Modemagazin
»Lula« gestalteten Auftritt
liegen hinter Aussparungen
Fotos und Videos

welten vorzustellen ( www.eden-made. ten gegeneinander antreten – am Ende


de ), für Kampagnen-Microsites ( www. kann der Spieler die Version liken, die
trifft-jeden.de ) und natürlich für Desi- ihm besser gefiel. Bis jetzt hat HTML5
gnerportfolios – letztgenannte Anwen- mehr Likes, doch das salomonische Fa-
dung ist in diesen Tagen am häufigs- zit von Waste lautet: »Beides sind nur
ten anzutreffen . Werkzeuge, und wir lieben ALLE unsere
Der Schuss kann aber auch nach Werkzeuge! Bei der Technik parteisch
hinten losgehen. Etwa zu beobachten zu sein, führt nirgendwo hin.«
bei http://aform.lu, der Website eines Stimmt! Und wir fügen hinzu: Ebenso
Fitness-Coachs, wo die Bilder eben kei- wenig zielführend ist es, bei Gestal-
ne lineare Entwicklung zeigen und der tungstrends parteiisch zu sein. Bei je-
Sinn der verwirrend herein- und he- der Aufgabe müssen die richtige Tech-
rausfliegenden Zahlen sich erst am En- nik und die richtige Gestaltung zum
de offenbart, wenn man vermutlich Einsatz kommen – in Zusammenarbeit
bereits längst ausgestiegen ist. Mit per- der jeweiligen Spezialisten auf ihrem
fektem Storytelling hingegen ist www. Gebiet, bis hin zu Typo, Foto und Film.
flashvhtml.com umgesetzt. Dort lässt Auf dass Deutschland seinen Rück-
die Agentur Waste aus London Flash stand in Sachen kreatives, anspruchs-
und HTML5 mit zwei eigens dafür pro- volles, mutiges, einfallsreiches Web-
grammierten »Waste Invaders«-Varian- design endlich aufholt. cg

Single Page
reicht doch!

n Vom Thema Scrolling naturgemäß Single-Page-Story-


kaum zu trennen ist der Trend zum telling: Waste aus
Single-Page-Design. Wobei viele Sites, London lädt auf
die auf den ersten Blick so daherkom- www.flashvhtml.
men, gar keine sind, sondern letztlich com zu einem
doch irgendwo wieder Links zu Unter- Wettkampf zwi-
seiten beinhalten. Statt wie bisher eine schen Flash
Website wie ein Buch oder ein Kartei- und HTML5 ein
kartensystem aufzubauen, wird sie bei
Single-Page-Sites quasi als eine große
dynamische Leinwand verstanden. An-
gesagt sind derzeit Lösungen, die nur
eine Scrollrichtung vorsehen, in der
sie eine – hoffentlich durchdachte – li-
neare Narration entwickeln.
Fallbeispiele: Single-Page-Lösungen
sind perfekt für Erklärwebsites ( http://
everylastdrop.co.uk ) oder sonst wie
Infografisches ( http://mailchimp.com/
2012 ), um kleine exklusive Produkt-
ZeigeWasDesignKann.de
030 PAGE 06.13

KREATION

FOTOGRAFIE/AKTIONSKUNST
Andre Price, 40, Hamburg
www.surfingtrooper.tumblr.com
Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Ich bin Creative Director Art bei Grabarz & Partner.
Was machen Sie Kreatives in Ihrer Freizeit?
Der »Trooper« ist keine Kunst, sondern eine Mis-
sion. Sie besteht darin, sich aus dem Imperium
zu lösen und ein Jahr lang den Planeten Erde zu
erkunden und zu besurfen. Have you seen him?
Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit und andersrum?
Freie Projekte zeigen mir, dass sich Kreativität
immer einen Weg sucht.
PAGE 06.13 031

≥ PAGE Online
Weitere Freizeitkünstler
und ihre Arbeiten finden
Sie auf www.page-
online.de/freizeit-kreative.
Falls Sie selbst Arbeiten
zeigen wollen, schreiben
Sie uns gerne an
info@page-online.de

n Manchmal kommt es einem so vor,


als würde man nur noch Pixel schub-
sen und von einem Meeting zum nächs-
ten hechten. Damit die Kreativität im
Alltag nicht auf der Strecke bleibt, su-
chen viele Gestalter – ob Festange-
stellte oder Freelancer – in ihrer Frei-
zeit nach einem Ventil für ihre kreative
Energie. Ob Zeichnen, Fotografieren,
Musikmachen, Bücherschreiben – die
Beschäftigungen von Kreativen sind
vielfältig und haben mal mehr, mal we-
niger mit dem Brotjob zu tun. Inspirie-
rend sind sie aber in jedem Fall. Und so
ist das freie Sichausleben und Auspro-
bieren nicht nur notwendig fürs See-
lenheil, sondern hat auch konkrete Aus-
wirkungen auf den Beruf. Ein Illustrator,
der nebenbei mit Malerei und Comic
experimentiert, kann seine Erfahrun-
gen auch für den nächsten Kunden nut-
zen. Manchmal findet das Hobby sogar
eine konkrete Umsetzung in einer Kam-
pagne – wie das Beispiel »The Trash-
cam Project« zeigt (siehe Seite 32).
Eine Möglichkeit, seine freien Ar-
beiten der Öffentlichkeit zu zeigen, bie-
tet die Online-Community XH Collective
(www.cargocollective.com/xhcollective).
XH steht für extra hour – also jene Über-
stunden, die Gestalter in ihre eigenen
kreativen Projekte investieren. Die rund
80 Mitglieder des Kollektivs stammen
größtenteils aus Hamburg und Berlin,
aber auch Kreative aus Spanien, Brasi-
lien und den USA haben sich ange-
schlossen. Neben der Online-Präsenta-

Freestyle tion der Artworks organisierten die


XH-Betreiber im vergangenen Jahr eine
Ausstellung und eine Pop-up-Galerie
in Hamburg. »XH Collective bringt Kunst
Viele Gestalter suchen in ihrer Freizeit den kreativen Ausgleich und Ideen in die Öffentlichkeit, die an-
zum Alltagsjob. Wir stellen einige von ihnen vor sonsten in Kellern und auf Festplatten
verstauben«, erklärt Mitgründer Timm
Paulick, der tagsüber als Texter bei
VCCP in Berlin arbeitet und sich an-
schließend um den Ausbau des XH-
Netzwerks kümmert. »Es ist wie eine
Insel der Selbstverwirklichung, auf der
man Kraft für den Alltag tankt.« nik
032 PAGE 06.13 KREATION Freizeitkunst

ANALOGE FOTOGRAFIE
Mirko Derpmann, 41, Berlin
Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Ich bin bei Scholz & Friends Berlin Cre-
ative Director Text und seit Anfang des
Jahres Mitglied der Geschäftsleitung
bei Scholz & Friends Agenda.
Was machen Sie Kreatives in
Ihrer Freizeit?
Ich mache Fotos, meist analog und mit
Verfahren, die schon ausgestorben sind
oder in den letzten Zügen liegen.
Warum sind Sie in Ihrer
Freizeit kreativ?
Man langweilt sich ja doch gelegentlich.
2
Vor drei oder vier Jahren habe ich aus
diesem Grund mit einem Freund eine
1
Lochkamera aus einem Schuhkarton
gebaut – mit Fotopapier, Entwickler
und Fixierer. Das erste Bild war weder
besonders spannend noch bemerkens-
wert: Es zeigte nur einen Hinterhof 1 .
Aber wenn man immer nur mit seinem
Handy knipst oder mit der Digitalka-
mera, in der 10 000 Patente und Algo-
rithmen zusammenwirken, dann ist es
schon eine Art Wunder, dass man oh-
ne den ganzen Kram ein klar erkenn-
bares Hinterhofbild produzieren kann.
So nahm die Sache ihren Lauf. Wir ha-
ben dann viel im Internet herumgele-
sen, ausprobiert und uns immer mehr
reingefuchst. Man muss ja erst heraus-
finden, was passiert, wenn ein Bild
entsteht, um es ohne die Elektronik zu
schaffen. Gerade sind wir dabei Glas-
platten selber zu beschichten.
Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit
und andersherum?
Wenn man in einer Werbeagentur ar-
beitet, kann es nicht schaden zu wis-
sen, wie Fotoapparate funktionieren.
Insofern haben Hobby und Arbeit ge-
legentlich miteinander zu tun. In mei-
Mirko Derpmann
nem Fall ist die Beziehung noch enger:
auf einer selbst
Gemeinsam mit Christof Blaschke und
beschichteten Platte
dem Fotografen Matthias Hewing ha-
mit einem etwa
be ich vor einem Jahr eine Mülltonne
100 Jahre alten Objektiv
der Hamburger Stadtreinigung zu ei-
ner riesigen Lochkamera umgebaut
und gemeinsam mit den Müllmännern
Hamburg fotografiert 2 ( www.flickr.
com/photos/thetrashcamproject ). Da-
mit haben wir einen silbernen Löwen
in Cannes und viele andere Preise ge-
wonnen. Außerdem haben wir viel
über riesige Lochkameras gelernt. Man
kann also sagen, dass sich Hobby und
Beruf in diesem Fall gegenseitig be-
fruchtet haben.
PAGE 06.13 033

COMIC Auftrag beschränkt. Darum nutze ich


meine Freizeit, um mich kreativ zu ver-
Stephan Lorse, 28, Hamburg
wirklichen und weiterzuentwickeln. Die
www.stephanlorse.eu
Kreativität in der Werbung ist nun mal
Womit verdienen Sie Ihr Geld? sehr zielgerichtet, meist arbeitet man
Ich bin angestellt als Grafiker und Illus- streng nach CI. Vor allem was Illustratio-
trator bei Kolle Rebbe. nen angeht, sind viele Entscheider häu-
Was machen Sie Kreatives in Ihrer fig noch sehr vorsichtig.
Freizeit? Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit und
Hauptsächlich zeichne ich Comics. Zwi- andersherum?
schendurch ist auch mal Zeit für eine Im Job profitiere ich sehr von meiner
Studie oder eine Illustration zu Themen, privaten Arbeit, da ich neue Methoden
die mir durch den Kopf gehen. Ich glau- und Techniken, die ich mir aneigne, ein-
be, dass ich stilistisch sehr wandelbar fließen lassen kann. In die andere Rich-
bin, weil ich oft Neues ausprobiere. tung ist das aber eher weniger der
Warum sind Sie in Ihrer Freizeit kreativ? Fall. Ich tobe mich in meiner Freizeit ja
In meinem Beruf bin ich Dienstleister gerade deshalb aus, weil mir das im
und immer sehr durch den konkreten Job manchmal fehlt.

ILLUSTRATION ne ganz eigene Sprache. Mein erstes


Buch »100 things to do after you are
Gustavo Nardini, 30, São Paulo
dead« war eine großartige Erfahrung.
Womit verdienen Sie Ihr Geld? Durch die rund 100 Illustrationen, die
Ich bin Senior Creative/Art Director bei ich ohne Photoshop et cetera gemacht
Saatchi & Saatchi in São Paulo. habe, konnte ich meine Illustrations-
Was machen Sie Kreatives in fähigkeiten stark verbessern.
Ihrer Freizeit? Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit und
Ich versuche mich selbst in verschie- andersherum?
denen Bereichen und Kanälen auszu- Generell ist meine freie Kreation das
drücken: Fotografie, Collagen und Illus- Gleiche wie meine kreative Arbeit in
tration. Jeder dieser Bereiche hat sei- der Agentur. Sie haben nur einen un-
terschiedlichen Schwerpunkt und en-
den somit unterschiedlich. In der Agen-
tur gibt es einen Adressaten, den wir
von dem Produkt, der Promotion oder
was auch immer wir bewerben, über-
zeugen beziehungsweise darauf auf-
merksam machen müssen. In meiner
Kunst kann ich albern werden und
muss mich um niemanden kümmern –
einen Betrachter abholen oder Ähn-
liches. Entweder versteht er meine Art,
mich künstlerisch auszudrücken, oder
eben nicht. Letztlich ist also die Kunst
die freiere von den beiden, aber beide
kommen aus mir und sind ein Teil von
mir selbst, ob ich will oder nicht. Wenn
meine freie Kunst nicht ankommt,
kann ich nichts auf den Kunden oder
den Konsumenten schieben. Es ist
meine eigene Schuld.
034 PAGE 06.13 KREATION Freizeitkunst

außen vor bleibt, weil sich alles auf ei-


nen Blick, eine Stimmung oder einen
Gedanken fokussiert. Die Wärme sol-
cher Momente versuche ich festzuhal-
ten. Dass später nicht nur ich, sondern
auch andere Menschen diese beson-
deren Augenblicke in den Fotografien
entdecken können und damit das Ge-
fühl und die Erinnerung daran bewahrt
bleiben – das ist für mich eine sehr be-
ruhigende Vorstellung. Ich arbeite an
dieser Serie seit über sechs Jahren.
Warum sind Sie in Ihrer
Freizeit kreativ?
Weil ich etwas schaffen möchte, das
für mich über den Tag hinaus eine Re-
levanz hat.
Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit
FOTOGRAFIE und andersherum?
Die Fotografie hat mich als Quereinstei-
Daniel Kuhlmann, 32, Stuttgart
ger überhaupt erst in die Designbran-
www.danielkuhlmann.net
che gebracht. Darum lote ich die for-
Womit verdienen Sie Ihr Geld? malen Grenzen zwischen beiden Dis-
Ich bin Key-Account-Manager bei Strich- ziplinen für mich permanent aufs Neue
punkt. aus. In meinem aktuellen Projekt arbei-
Was machen Sie Kreatives in te ich mit Farbe, einer Linhof im 6-mal-
Ihrer Freizeit? 12-Zentimeter-Format und an einem
Meine Fotografien aus dieser Serie sind ganz besonderen Schauplatz: in Rom.
Schnappschüsse von flüchtigen, aber Denn Rom ist, wenn man genau hin-
dennoch sehr intimen Momenten. Es sieht, eine lebendige und nicht nur
sind Augenblicke, in denen die Welt zeitlose Stadt.

SLAM POETRY da in absehbarer Zeit der Stoff ausgeht.


Manchmal lacht das Publikum. Ich bilde
Karsten Lampe, 28 Jahre, Berlin
mir dann gerne ein, sie lachen, weil sie
Womit verdienen Sie Ihr Geld? den Text lustig finden und nicht mich.
Ich bin Junior Konzepter bei Scholz & Warum sind Sie in Ihrer Freizeit kreativ?
Volkmer. Ich habe versucht, in meiner Freizeit
Was machen Sie Kreatives in Ihrer destruktiv zu sein, aber da musste ich
Freizeit? hinterher immer so viel aufräumen.
Ich bin Slam Poet. Poetry Slam bedeu- Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit
tet, Menschen stellen sich einander und andersherum?
mit ihren Texten im Wettbewerb und Kampagnen zu entwickeln oder auf ei-
am Ende kriegt einer Ruhm, Ehre und ner Bühne zu stehen, fühlt sich manch-
eine Flasche Whiskey. Wer den Schnaps mal sehr ähnlich an. Es geht immer da-
öffnen darf – denn getrunken wird er rum, innerhalb kürzester Zeit Aufmerk-
eh gemeinsam –, entscheidet am En- samkeit zu erzeugen und dann inhalt-
de das Publikum mit seinem Applaus. lich zu überzeugen. Das klappt aber
Auf Slams hört man alles Mögliche: nur, wenn ich überraschend bin, mich
Oden, Sonette, Comedy-Nummern. Al- formal von anderen abhebe und dabei
les ist erlaubt und alles bereichert den trotzdem meine Geschichte verständ-
Abend. Ich selbst würde gerne behaup- lich erzähle. Die Herangehensweise ist
ten, mit meinen rebellischen Kampf- insofern gleich. Allerdings habe ich
schriften gegen das Schlechte in der noch nie etwas über meine Arbeit ge-
Welt anzutexten, aber für aufrichtigen, schrieben und habe das auch nicht vor.
den Magen zersetzenden Literaten- Ich kann es gar nicht leiden, wenn
zorn bin ich einfach zu behütet auf- Menschen mir von nichts anderem als
gewachsen. Es reicht eher zu kleinen von ihrer Arbeit erzählen können. Die
Geschichtchen persönlichen Unmuts. traurige Wahrheit ist, dass es mich nur
Über meinen Abwasch, das Glück und selten interessiert, was du an deinen
vor allem über all das dumme Zeug, das Schreibtisch tust, und ich gehe auch
Menschen so über den Tag verteilt von davon aus, dass es sich andersherum
sich geben. Ich glaube nicht, dass mir genauso verhält.
036 PAGE 06.13 KREATION Freizeitkunst

ILLUSTRATION
Hobson Chant, Kreativteam aus
Amsterdam, zusammen 76 Jahre alt
Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Als Creative Directors und Partner bei
WE ARE Pi in Amsterdam. Wir erschaf-
fen Markenerlebnisse und Kommuni-
kationskonzepte für TED und LEGO.
Was machen Sie Kreatives in
Ihrer Freizeit?
Ideen, Illustrationen, Doodles.
Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit und
andersherum?
Bei WE ARE Pi ergänzen sich unsere
freien Arbeiten und das Tagesgeschäft
auf optimal Weise und gehen Hand in
Hand. Das freut uns und ist nicht gera-
de alltäglich.

FOTOGRAFIE
Alexander Binder, 36, Stuttgart
www.alexanderbinder.de
Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Ich bin strategischer Planer bei Jung
von Matt/Neckar.
Was machen Sie Kreatives in
Ihrer Freizeit?
Mystisch-symbolhafte Fotografie mit
melancholischem Unterton.
Warum sind Sie in Ihrer Freizeit kreativ?
Mir geht es darum, ein bisschen düste-
re Romantik in unseren Alltag zurück-
zubringen.
Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit
und andersherum?
Ich trenne beide Welten strikt vonei-
nander. So kann ich mich gezielt auf je-
des Thema konzentrieren und dessen
Eigenständigkeit bewahren. 
PAGE 06.13 037

MUSIK
Jennifer Sanusi, 32, Hamburg
Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Ich bin Chefassistentin der Geschäfts-
führung bei Jung von Matt.
Was machen Sie Kreatives in Ihrer
Freizeit?
Meine Kunst ist die Musik: Ich bin Sän-
gerin in der Band Red Candy. Darum
dreht sich alles: vom Gesangsunterricht
über Proben, Studioaufnahmen, Song-
writing bis zu Auftritten. Da wird ge-
rockt, denn das ist meine Musik.
Warum sind Sie in Ihrer Freizeit kreativ?
Kreativität ist mein Motor und Musik
die Sprache, in der ich mich kreativ am
besten ausdrücken kann. Gleichzeitig
ist es ein wunderbares Ventil für mei-
ne Gefühle und Emotionen.
Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit und
andersherum?
Beides hat mit Kreativität zu tun – auch
wenn es augenscheinlich nicht so er-
scheint. Disziplin und Genauigkeit sind
beim Musikmachen genau so wichtig
wie Spaß und Freude bei der Arbeit.

ILLUSTRATION
Daniela Garreton, 29, San Sebastián
www.danigarreton.com
Womit verdienen Sie Ihr Geld?
Als freie Grafikdesignerin. Seit einem
Jahr ist es glücklicherweise so, dass ich
fast Vollzeit als Illustratorin arbeiten
kann. So ist aus meiner Kunst ein rich-
tiger Beruf geworden. Freie Projekte
ohne Auftrag mache ich aber weiter-
hin. Ohne diese kreative Freiheit könn-
te ich nicht sein.
Was machen Sie Kreatives in Befruchtet Ihre Kunst Ihre Arbeit und
Ihrer Freizeit? andersherum?
In meinen freien Illustrationen zeige Was man in seiner Freizeit macht, zeigt
ich – sehr nostalgisch angehaucht –, die wahre kreative Persönlichkeit und
wie verrückt und besonders die Meere kehrt das Innerste nach Außen. Alles,
sind. Ich beschäftige mich mit der mys- was an Inspiration und Gedanken in
teriösen Welt der Ozeane, denn ich lie- einem schlummert, kann man ans Licht
be das Wasser. befördern und alles Tun verändern.
038 PAGE 06.13 KREATION Die Agentur der Zukunft
PAGE 06.13 039

Stairway to Heaven
Wie stellen sich die großen Branchenplayer für die Zukunft auf? Wir haben traditionsreiche
Design- und Werbeagenturen gefragt, was sie tun, um innovationsfähig zu bleiben

n Hellwach und voller Elan erscheint Kai Röffen zum Ge- sich doch gemeinsame Muster und Ziele heraus. Das ist vor Scholz & Friends
spräch und lässt uns wissen: Er fastet. Der Geschäftsführer allem die neue Nähe zum Kunden und zu den Mitarbeitern. Berlin hat neue
von thjnk düsseldorf bietet uns einen Schluck seines roten Das virtuelle Büro scheint eine erstaunlich gestrige Idee zu Räume am Hacke-
Gemüsedrinks an und fachsimpelt eine Weile mit Dr. Rüdiger sein und Homeoffice eher die Ausnahme. Kollaborative Ar- schen Markt
Götz, Geschäftsführer von KW43 Branddesign, Division der beitsmethoden setzen sich durch. Der persönliche Kontakt, bezogen. »So ein
Netzwerkagentur Grey, über die Vorzüge des Entschlackens. das Feinstoffliche der Kommunikation werden sehr ernst neues Haus ist
Sich von altem Ballast befreien, Energie zurückgewinnen, genommen und Organisationsstrukturen um diese herum wie ein neues Klei-
sich neu justieren – das bewegt derzeit die gesamte Agen- konstruiert: Kunden arbeiten mittlerweile tageweise in den dungsstück;
turwelt. So sehr, dass sich gleich mehrere Branchengrößen Agenturen und Agenturmitarbeiter beim Kunden. wir mussten es erst
weigern, PAGE Einblick in ihre bewegten Agenturstrukturen Mit rund 50 Mitarbeitern zählt edenspiekermann nicht einmal eintragen
zu gewähren. Effizienz- und Kostendruck sind seit der Wirt- zu den ganz großen Markenagenturen, aber zu denen mit und es uns gemütlich
schaftskrise gestiegen, aber auch die Komplexität von Kom- einer langen Geschichte der Veränderung. Gegenwärtig ist machen«, sagt
munikationsprodukten. Unternehmen stückeln ihre Etats das gesamte Unternehmen im ehemaligen Berliner Tages- Geschäftsführerin
und verteilen sie auf mehrere Agenturen. Man unkt wieder spiegel-Gebäude vom agilen Arbeiten geprägt, das viele Stefanie Wurst dazu
mal über das Ende der Netzwerkagenturen. Und Amir Kassei Disziplinen effizient zusammenbringt und in kleinen Schrit-
schimpft über die lausigen Sitten in der Branche. ten Veränderungen sichtbar macht (mehr dazu auf Seite 45).
Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: Kai Röffen Den unterschiedlichen Ansprüchen von Spezialisten und
und Rüdiger Götz berichten von einem zunehmend profes- Generalisten unter einem Dach gerecht zu werden gehört
sionellen Agenturscreening, das den Aufwand durch Pitches zu den großen Herausforderungen. Während edenspieker-
reduziere. Dabei helfen Pitchberater ebenso wie die Vertraut- mann ihre spezialisierten Kreativen individuell im strate-
heit mit der Agenturarbeit seitens der Auftraggeber. Diese gischen Denken schult, experimentieren andere Agentu-
verfügen über eine wachsende Design- und Medienkompe- ren mit ihren Abteilungsstrukturen.
tenz, was eine Kooperation auf Augenhöhe möglich macht. Scholz & Friends zum Beispiel kehrte von den probewei-
Dass mit der großen Krise der Lack der Branche abgeblättert se eingeführten »orchestrierten Familien«, die nicht mehr
ist, empfinden die Protagonisten tendenziell als positiv. »Das nach Disziplinen organisiert waren, sondern in einer Ein-
Popzeitalter der Kreativen ist definitiv vorbei«, sagt Kai Röf- heit alle Disziplinen für den Kunden abbildeten, zu diszipli-
fen. Man erhofft sich eine therapeutische Wirkung in Bezug nenbezogenen Units zurück (mehr dazu auf Seite 44). Die
auf Größenwahn, Ichbezogenheit und die »manchester- projektbasierten Teams waren langsamer und brachten
kapitalistischen Zustände«, wie es Rüdiger Götz formuliert »mehr verwässerte, unscharfe Ideen« hervor, wie Stefanie
(unser Gespräch mit den beiden finden Sie ab Seite 40). Wurst, Geschäftsführerin von Scholz & Friends Berlin und
Vorstand der Scholz & Friends Group, berichtet: »Die Schnel-
Dass besonders große Agenturen ihr Profil schärfen, be- len haben sich an das Tempo der Langsamen angepasst
weglicher werden und ihre Strukturen flexibel managen und nicht umgekehrt. Wenn man Disziplinen mischt, leidet
müssen, ist schon lange offensichtlich. So unterschiedlich außerdem die spezifische Kompetenz. Im gemischten Team
die Schwerpunkte der von uns befragten Design-, Kommu- kann sich etwa ein Digitalspezialist nicht mehr mit seinen
nikations- und Werbeagenturen auch sind, es kristallisieren Fachkollegen austauschen und befruchten.« Die Peter
040 PAGE 06.13 KREATION Die Agentur der Zukunft

Schmidt Group wiederum macht das Gegenteil und in-


tegriert die Disziplinen, etwa die Digital-Unit, in projektba-
sierte Einheiten – mit der Erfahrung, auf diese Weise tie-
fere und ganzheitlichere Markenerlebnisse schaffen zu
können (mehr dazu auf Seite 44).

Mit einer transmedialen Kommunikation wird also nicht


nur das Moderieren zwischen den Denk- und Arbeitsweisen,
sondern auch zwischen den Disziplinen und Medien kom-
plexer; der Stellenwert derjenigen, die im Agenturreigen den
Überblick behalten – Strategen, Berater, Konzeptioner –
wächst. Edenspiekermann will der Komplexität jedoch be-
wusst ohne solche Schnittstellenjobs Herr werden: Dass die
Designer in diesen Zusatzkompetenzen geschult werden,
passt gut zum wendigen, transparenten Arbeiten der Berli-
ner, die den Kunden auf Augenhöhe einbeziehen.
Viele Agenturen schärfen derzeit ihre Profile, indem sie
ihre Kernkompetenzen neu strukturieren und formulieren.
Ziel ist es, den immer selbstständigeren und agenturerfah-
reneren Auftraggebern Klarheit zu bieten. Darüber hinaus
entstehen Dienstleistungen rund um die ursprüngliche Leis-
tung, die dabei helfen, ein Design- oder Kommunikationspro-
dukt für die tägliche Anwendung und langfristig funktions-
fähig zu machen: Bei edenspiekermann sind das Service
Design und Change Management, bei Peter Schmidt hinge-
gen der Bereich Brand Implementation.
Die zunehmend strategische Herangehensweise ermög-
licht es Brandingagenturen, vernachlässigte Kommunika-
tionskanäle und andere Lücken im Markenerlebnis oder Un-
zufriedenheit in der Belegschaft aufzuspüren. Mit den Werk-
zeugen der visuellen Kommunikation, dem Hinterfragen und
Sichtbarmachen menschlicher Bedürfnisse, lassen sich Ver-
änderungen in die Realität überführen. Nicht die Grundlagen
kreativer Produkte haben sich verändert, sondern die Frage,
wie Dienstleistungen den Platz in der Kommunikation fin-
»Das Pop-Zeitalter der K
den, an dem sie am besten wirken können. In Düsseldorf trafen wir Rüdiger Götz von KW43 Branddesign u
Die optimale Agenturgröße und -struktur gibt es mit Si-
cherheit nicht. Das Managen von Disziplinen und Innova-
tionsprozessen ist in großen Strukturen aufwendiger, aber n Ein Designer und ein Werber, die in
auch kleine Agenturen arbeiten zunehmend in Form freier den großen Agenturstrukturen genau-
Netzwerke, die organisiert werden wollen. Eine der wesent- so zu Hause sind wie in kleinen, inha-
lichen Herausforderungen für die Zukunft ist es, diese Pro- bergeführten Büros: Kai Röffen ist als
zesse selbst als Gestaltungsaufgabe zu verstehen. »Prozess- Geschäftsführer von thjnk Düsseldorf
exzellenz wird künftig mehr Bedeutung erhalten – Kreativi- Chef von 30 Mitarbeitern, während
tät ist nichts wert, wenn sie nicht implementiert werden Dr. Rüdiger Götz, Managing Director
kann«, erklärt Rüdiger Götz. Creation bei Grey, deren Designunit
KW43 Branddesign leitet. Dort sind
Feueralarm bei Scholz & Friends. Kein Grund zur Panik: ebenfalls 30 Mitarbeitern tätig. wl
technische Probleme. Mit Geschäftsführerin Stefanie Wurst
durchquere ich das Riesengebäude und trete in den Haupt- Warum Düsseldorf – und nicht
stadt-Vorfrühling, wo sich nach und nach die Belegschaft Hamburg oder Berlin?
einfindet und mit matschigen Schneebällen bewirft. Stefa- Kai Röffen: Ich war in Frankfurt, Berlin,
nie Wurst sieht den Wandel im Agenturwesen gelassen. Klug Hamburg – und nun Düsseldorf, das am
orchestrieren, effizienter arbeiten, digital denken, flexible meisten unterschätzt wird. Die Stadt
Arbeitsstrukturen anbieten, so lautet die Devise – alles nur hat Probleme, Leute mit den Hambur-
eine Frage der Organisation. ger Ambitionen und der Berliner Ver-
Die Prognosen, welche Inhalte die Kreativwelt in der rücktheit zu binden. Aber mit seiner
nächsten Zukunft beschäftigen werden, überraschen kaum: Kultur- und Subkultur-Szene ist es ein
digitale Markenführung, Corporate Social Responsibility, Standort für den zweiten Blick.
Content Marketing. Und dazu ganz übergreifend der Wunsch, Wo würden Sie aus heutiger Sicht Ihren
die Kommunikations- und Konsumwelt zu entrümpeln und Agenturstandort eröffnen?
mit relevanten Produkten zu verbessern. Die Prinzipien der Götz: Ich würde zwischen Düsseldorf
Kommunikation selbst, sagt Stefanie Wurst, bleiben ja die und Hamburg schwanken. Hamburg,
Gleichen: weil sich die Wahrnehmung und die Bedürfnisse weil es dort viele Talente gibt. Ich pro-
des Menschen nicht ändern. wl phezeie dem Ruhrgebiet jedoch eine
PAGE 06.13 041

Rüdiger Götz (links)


und Kai Röffen
(Mitte) mit PAGE-
Redakteurin
Wiebke Lang

r Kreativen ist definitiv vorbei«


und Kai Röffen von thjnk zum Gespräch über den Wandel der Branche und die Aufgaben für die Zukunft

spannende Zukunft – es ist viel attrak- ternehmen dran sind, desto präziser wir einen Kunden ohne Pitch gewon-
tiver, als die Leute hier es sich selber erkennen wir Probleme und Chancen. nen, der zunächst diese Reise durch
bewusst machen. Wenn es nicht einen Götz: Das kann ich bestätigen. Wenn die Agenturen unternommen hat, um
gewissen Mangel an guten Designkrea- wir ein Erscheinungsbild für ein kleine anschließend mit zwei Favoriten Mund-
tiven gäbe, wäre es ein perfekter Stand- Firma in München entwerfen, ist es zu-Mund-Beatmung zu machen. Wir
ort, auch aufgrund der zentralen Lage fast schon zu teuer, zwei Mitarbeiter haben uns mehrfach bei ihm und bei
in Europa. Der Markt hier ist gut und vorbeizuschicken. Aber wie will man uns getroffen, das Team vorgestellt, in
bietet noch ausreichend Raum für wei- ein Design entwickeln, ohne das Team großer Runde diskutiert. Zuletzt lern-
tere kreative Strukturen. gesehen zu haben? Wir erleben immer te ich den Unternehmer selbst kennen.
Röffen: New York. Nee, ich würde mich wieder, dass Unternehmen das echte Ich musste zu keinem Zeitpunkt mit
sofort wieder für Düsseldorf entschei- Kennenlernen nicht als grundlegenden dem üblichen Arbeitsprozess überzeu-
den. Mir hat sich die Frage gestellt, als Teil der Leistung verstehen, die auch gen, am Ende besiegelte nur ein Hand-
ich vor zweieinhalb Jahren gegründet bezahlt werden muss. Dabei greifen schlag die Zusammenarbeit. Das erlebe
habe. Hier gibt es so viel Business, inter- wir als Corporate Designer massiv in ich immer häufiger. Dass sich das Scree-
nationale Konzerne und Mittelständler, die Genetik des Systems ein. Zusätz- nen der Agenturen professionalisiert,
die vor Ort betreut werden wollen. lich beobachte ich bei meinen Mitar- hat aber auch mit der Entstehung der
Wie hat sich das Verhältnis zwischen beitern, dass der physische Kontakt mit Agentur- und Pitchberatungen zu tun.
Agentur und Kunden verändert? dem Kunden ihre Professionalität, Mo- Wie erklären Sie sich den Wandel in der
Röffen: Bedingt durch die Krise ver- tivation und ihr Verantwortungsbe- Agenturauswahl?
langen Kunden viel mehr von uns. Sie wusstsein steigert. Hierbei geht es um Götz: Eine neue Generation der Mar-
sparen, lagern Leistungen aus, wollen grundmenschliche Abläufe, persön- ketingverantwortlichen wächst heran,
viel mehr geführt werden, beziehen liche Beziehungen. die Marketing als weniger glamourös
uns stärker in Prozesse ein, fordern Röffen: Bei uns wollen Auftraggeber ansieht. Der ökonomische Druck lässt
sehr viel mehr Kontakt – sie trauen uns immer öfter persönlich vorbeikommen, die Unternehmen schlechtes Agentur-
aber auch mehr zu. Unsere Arbeit be- um uns schon vorm Pitch kennenzu- management stärker wahrnehmen.
steht verstärkt aus Dirigieren. Dabei lernen – das ist in den letzten fünf Mo- Dabei wird sichtbar, wie wichtig die
hilft Nähe: Je näher wir an einem Un- naten viermal passiert. Kürzlich haben zwischenmenschlichen, feinstoffli-
042 PAGE 06.13 KREATION Die Agentur der Zukunft

bucht. Unsere Kunden verlangen eine Was fehlt Ihnen heute zu einer
klar profilierte Kernkompetenz. Die Fä- zukunftsfähigen Agentur?
higkeit, die eigene Arbeit mit anderen Röffen: Der Spaß in den Agenturen
Disziplinen zu verbinden, setzen Auf- ist verloren gegangen. Das Lebendige,
traggeber als Selbstverständlichkeit vo- Offene, die Freiheit. Die Branche wirkt
raus. Kunden und Agenturen unter- so geschunden! Im Moment scheint al-
schätzen aber häufig den Aufwand von les ein Problem zu sein.
wirklich integrierter Kommunikation. Götz: Aber das Hecheln resultiert
Die Prozesshaftigkeit, die Prozessex- doch aus einer Lebensdynamik, die ei-
zellenz wird künftig noch mehr Be- ne permanente Erhöhung der Ge-
chen Aspekte sind. Das erste Mal deutung erhalten, denn Kreativität ist schwindigkeit vorsieht.
habe ich diesen Wandel bewusst bei nichts wert, wenn sie nicht implemen- Röffen: Also mir macht das Spaß.
meiner ehemaligen Agentur Simon & tiert werden kann. Götz: Ein Berufseinsteiger wird doch
Goetz festgestellt, im Pitch um den Röffen: Wir müssen eine neue Kultur von 0 auf 150 gezwungen. Wir brau-
globalen Dialogetat für einen Automo- für die komplexer werdenden Kom- chen proaktive, weltgewandte Men-
bilhersteller. Da gab es im Marketing munikationsprodukte entwickeln. Wer schen, die Spaß an der Vielfalt haben,
eine richtige Liste aller schlechten Er- übernimmt welche Rolle? Wie gehen die aber auch Exzellenztiefe bieten.
fahrungen: Hier wurde definiert, wie wir miteinander um? Wir spielen das- Viele Designer wollen aber nicht zum
oft man sich physisch sieht. Betreuen- selbe Fußballspiel, nur nicht mehr mit Kunden, sondern in Ruhe gelassen
de Geschäftsführer und Teammitglie- 11, sondern mit 22 Personen. Dabei werden. Die Agentur der Zukunft
der wurden in dem Vertrag nament- muss sich auch ökonomisch nieder- muss viel mehr Mühe in eine professi-
lich ausgewiesen, und bei einem Wech- schlagen, dass wir Generalisten eben- onelle Talentmanagementkultur inve-
sel des Führungspersonals nahm das so wie Spezialisten einen Rahmen bie- stieren. Die wurde in der Kreativbran-
Unternehmen sich das Recht auf Ver- ten. Aber das wird nicht passieren, che meistens mit Bauchgefühl ge-
tragskündigung heraus. Es wollte nicht solange alle in eigenständigen GmbHs handhabt, und wenn’s nicht klappte,
für ein intransparentes und anony- arbeiten. Wir kooperieren mit kleinen war das eben nur ein Kavaliersdelikt.
mes System bezahlen, war nicht be- Partneragenturen, die sensationelle di- Wirkt die Branche so spaßbefreit,
eindruckt von einer Agentur und woll- gitale Produkte entwickeln. Aber wenn weil alle verunsichert sind?
te keine Stars haben. wir sie auffordern, zu einem Pitch mit- Röffen: Die Branche bekommt zu
Röffen: Das Popzeitalter der Kreati- zukommen, lohnt sich der Aufwand Recht keine guten Leute mehr – wir
ven ist definitiv vorbei. Personen waren für sie kaum. Während das bei großen müssen ein Umfeld für Begeisterung
immer die Treiber in der Kreativwirt- Playern selbstverständlich ist, weil klar schaffen. Das geht aber nicht, wenn
schaft – wenn Key Player aus Agentu- ist, wer zahlt. Wer welchen Anteil an wir mit zwei Leuten produzieren, wo-
ren abwanderten, zogen Kunden oft der kreativen Leistung hat, müsste am für früher drei Leute gebraucht wur-
mit. Aber heute geht es viel mehr um Ende des Tages egal sein. Mein Ideal ist den. Leuteschleifen funktioniert nicht
Vertrauen. also: nur ein Kostencenter. mehr. Wir müssen innovative Arbeits-
Früher unterschied man Werbe- und Welche Jobprofile werden dabei weisen finden, um kreativ sein zu kön-
CI-Agenturen – jetzt heißen fast künftig wichtiger? nen, und das zudem als Teil unserer
alle Kommunikationsagentur. Was Röffen: Wir sollten den Bereich Traf- Arbeit verstehen.
bedeutet das für die Praxis? fic vollständig neu definieren. Große Götz: Man kann bei der jüngeren Ge-
Götz: Ich weiß nicht, ob sich das wirk- Agenturen benötigen Trafficer, die Pro- neration meiner Studenten und Mit-
lich auflöst. Wir werden als Design-, zesse und Strukturen gestalten und arbeiter eine gewisse Resignation er-
nicht als Kommunikationsagentur ge- steuern. Also einen Mitarbeiter, der sich kennen – sie haben das Gefühl, viel zu
fragt: Welche Personen, Skills und Pro- geben und dafür wenig zurückzube-
zesse brauchen wir, um für eine spezi- kommen.
fische Aufgabenstellung zu Innovation Röffen: Das Berufsbild hat in der Au-
zu gelangen? ßenwirkung keinen Sex mehr – ganz
Das machen vor allem Designagenturen zu Unrecht.
doch schon, etwa mit Design Thinking Götz: Das Gute ist, dass die Kreativ-
und im Design Management. wirtschaft dadurch mehr solche Leute
Röffen: Oft kommt das Neue aus dem anzieht, die intrinsisch motiviert und
Design. Die Kommunikation denkt zu nicht nur an einem schicken Berufs-
klassisch. Wir verfallen in alte Besitz- Lifestyle interessiert sind. Aber das
stände, lassen zu wenig los. Darum be- manchesterkapitalistische Bild von Ar-
neide ich euch Designer manchmal: Ihr beit ist von gestern – insofern ist eine
habt die Möglichkeit, das große Ganze Nachwuchsflaute ein guter Weckruf
zu hinterfragen. für die Branche.

»Das manchesterkapitalistische Bild von


Arbeit ist von gestern – insofern ist eine Nachwuchs-
flaute ein guter Weckruf für die Branche«
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044 PAGE 06.13 KREATION Die Agentur der Zukunft

Zukunftsstrategien Zukunftsstrategien
Scholz & Friends Berlin Peter Schmidt Group
Stefanie Wurst, Vorstand der Scholz & Gregor Ade, Managing Partner bei
Friends Group und Geschäftsführerin Peter Schmidt Group
von Scholz & Friends Berlin
Schlank aufstellen.
Digitale Innovation dirigieren. Die Krise 2008/09 hat die Honorarsitu-
Ob es sich um klassische Handelsmar- ation eklatant verändert: In der Mar-
ken wie Saturn handelt, die online ge- kenkommunikation wurden die Bud-
hen, oder um Plattformen wie trivago, gets zusammengekürzt, während die
die es nur online gibt – unsere Aufgabe Agenturkosten gleichblieben. Langfris-
als Agentur ist es, für unsere Kunden tige Kunden werden seltener, viele ver-
die Deutungshoheit und Steuerung geben ihre Etats gestückelt und nach
von Marken zu behalten. Deshalb gibt Disziplinen getrennt. Wir müssen uns
es in all unseren Units digital denken- also schlanker aufstellen. Wir hatten
de Menschen und zudem eine Einheit schon immer eine schlanke Struktur,
von Online-Spezialisten, die sich vor al- gerade in der Verwaltung. In der Krise
lem mit Strategie und Analytics be- haben wir etwa im Einkauf gespart und
schäftigt. Wir gliedern die Belegschaft auf das Netzwerk zurückgegriffen.
in Units, unter anderem für PR, Wer-
bung und Digital. Das ist wie in einem Netzwerk nutzen.
Dorf: Alle arbeiten in ihren fachspezi- Für uns ist der schnelle, unkomplizierte
fischen »Familien« und treffen sich auf Kontakt zu Disziplinen, die im eigenen
dem »Marktplatz«, um sich auszutau- Haus nicht vertreten sind, ein Vorteil.
schen. Wenn man Disziplinen mischt, Stabilität ist auch für die Zusammen-
leidet unserer Erfahrung nach die spe- die Agentur hinein zu tragen und un- arbeit hilfreich – ein Netzwerkpartner
zifische Kompetenz. In einem gemisch- erfahrene Leute ohne genaues Brie- ist dann eben doch kein Externer. Auch
ten Team kann sich etwa ein Digital- fing arbeiten zu lassen. Das frühzeiti- kleine Agenturen müssen ja mit ande-
spezialist nicht mehr mit seinen Fach- ge Festlegen der Leitidee ist der größ- ren Agenturen oder Freelancern ko-
kollegen austauschen und befruchten. te Effizienzhebel. Aus diesem Grund operieren. Die haben dann nur wenig
ist es so wichtig, sich schon zu Anfang Zeit oder sind nicht im Thema. Natür-
Neue Anforderungen integrieren. mit erfahrenen Leuten zusammenzu- lich gilt: In einer straffen Organisations-
Neben Corporate Social Responsibility setzen und so lange zu arbeiten, bis es und Kostenstruktur muss man stand-
wird das Thema Content Marketing in eine klare Leitidee gibt, die anschlie- halten. Und die Barrieren zwischen Ein-
unserem Orchester immer wichtiger. ßend in der Agentur weiterentwickelt zelagenturen und Disziplinen müssen
Hier geht es nun darum, Informationen werden kann. weiter ausgeräumt werden.
leicht verständlich aufzubereiten. Da-
zu brauchen wir journalistisch denken- Flexible Arbeitszeitmodelle Kreation und Konzeption stärker
de Kreative und Designer, die das For- ermöglichen. verknüpfen.
mulieren und Visualisieren komplexer Die »ZEIT« hat mit ihrem Titel »Faul Wir müssen als Markenagentur kommu-
Information beherrschen. Generell ge- und schlau« kürzlich das Phänomen nikativer auftreten, uns mehr der klas-
winnen Employer Branding und an- der »Generation Y« auf den Punkt ge- sischen Kommunikation widmen. Ein-
spruchsvolle Kommunikation im B2B- bracht. Das ist die neue, anspruchs- prägsame Markenerlebnisse verlangen
Bereich an Bedeutung. In Deutschland volle Mitarbeitergeneration, die Work- die Verknüpfung von Kreation und Kon-
gibt es viele Weltmarktführer wie STIHL Life-Balance schon im Bewerbungs- zeption. Damit die Kreation ihr Profil
Motorsägen oder Würth Befestigungs- gespräch fordert. Wir müssen damit behält, braucht es aber nicht nur Ge-
technik, die im Zuge der Globalisierung leben, dass die Tendenz zur Selbstauf- neralisten, sondern auch hoch spezia-
und des Margendrucks das Thema Mar- opferung in Agenturen ausstirbt. Wich- lisierte Schriftgestalter. Es ist wichtig,
ke für sich entdecken. Zudem erken- tig ist, dass die Leute mit anpacken, diese Spezialisten nicht zu verlieren!
nen Regierung, Verbände und Institu- wenn Not am Mann ist, und dass kei- Sich auch die leisten zu können, ist ein
tionen ihren steigenden Kommunika- ner seine Kollegen im Stich lässt. Die- Vorteil großer Agenturen.
tionsbedarf – Beispiel Energiewende. se menschliche Qualität erwarten wir
schon. Ich schätze, dass bereits 20 Pro-
Für Effizienz sorgen. zent unserer Mitarbeiter ein flexibles
Wir haben es mit immer komplexeren Arbeitszeitmodell nutzen. Dieser An-
Kampagnen zu tun, die nur mit höhe- teil wird weiter zunehmen. Das sind
rem Aufwand produziert werden kön- Menschen beiderlei Geschlechts, jün-
nen. Gleichzeitig nimmt der Effizienz- gere Mitarbeiter, die sich nebenbei um
und Kostendruck seitens der Unter- ein Herzensprojekt kümmern, ebenso
nehmen zu. Das Einzige, was hilft, ist wie Führungskräfte, die Familie oder
der ständige Versuch, schnell und ziel- Hochschuljobs haben. Das ist zwar ein
genau zu Ergebnissen und Entschei- wenig aufwendiger in der Planung,
dungen zu kommen. Der größte Effizi- aber irgendwie funktioniert es letztlich
enzkiller ist, die eigene Unsicherheit in doch immer . . .
PAGE 06.13 045

Zukunftsstrategien welcher Stelle für ihn zuständig ist, ten mit einer anderen Geisteshaltung
auch wenn er in einer Woche parallel und mit agilen Prozessen wie Scrum. In
edenspiekermann Berlin an verschiedenen Projekten arbeitet. den wöchentlichen Meetings spricht
Pia Betton und Robert Stolle, Partner Allerdings haben wir der Cloudstruk- der Kunde mit dem ganzen Team – ei-
bei edenspiekermann Berlin tur anfangs zu viel Bedeutung beige- ne viel authentischere Form der Kom-
messen, und die Mitarbeiter identifi- munikation. Dabei ist es sehr wichtig,
Selbstbesinnung. zierten sich statt mit den Projekten zu dass die Producer ihre Rolle leben, sich
2009 hatten wir eine wirklich schwere sehr mit ihrer Cloud. Das führte zu klar verantwortlich fühlen, Entschei-
Krise. Absurderweise haben wir bis da- Konkurrenz zwischen den Gruppen. In dungen treffen und dabei Sicherheit
hin quasi keine Akquise gemacht. Da- diesem Jahr steuern wir dagegen, in- vermitteln. Im Gegensatz zu anderen
mals schauten wir uns bewusst um in dem wir den Fokus verändert haben: Agenturen sind unsere Meetings ziel-
der Welt und fragten uns: Was inter- Jetzt messen wir qualitativ und wirt- gerichtet und schlank. Wenn es Konflik-
essiert uns? Welche Aufgaben würden schaftlich in den Projekten, und die te gibt, werden die schnell geklärt. Bei
wir gern bewältigen? Unterbeschäftigt, Clouds haben ganz klar einen Personal- uns kann auch jeder so viel Verantwor-
wie wir waren, setzten wir uns in Teams fokus. Jeden Montag findet ein Cloud- tung übernehmen, wie er will; erfah-
zusammen und recherchierten zu The- Meeting für den internen Austausch rungsgemäß übernehmen Menschen
men wie Outdoor, Essen, Fahrradfah- statt – ansonsten treffen sich die ohnehin nicht mehr, als sie können.
ren. Daraus entstanden Präsentatio- Cloud-Teams nicht.
nen, mit denen wir uns bei potenziellen Innovation verankern.
Auftraggebern vorstellten. Eine inte- Interdisziplinarität leben. Co-Creation-Workshops haben ihre
ressante Zeit, in der wir den Grundstein Der Designprozess hat sich deutlich Grenzen. Wenn du Menschen fragst,
für viele neue Strukturen gelegt haben. verändert: Heute sitzen Auftraggeber was sie wollen, wissen sie das selbst
an einem Tag in der Woche hier in der oft nicht. Ist man zu verliebt in die kol-
Kernkompetenzen schärfen. Agentur und führen in agilen Prozes- laborativen Methoden, kommt häufig
Vor Kurzem haben wir vier Schwer- sen einen engen Dialog mit dem ge- nur der kleinste gemeinsame Nenner
punkte definiert: 1. digitale Produkte samten Team. Wir brauchen Menschen, heraus, weil niemand mehr sagt: Ich
und Services, also die Konzeption, Ge- die mitdenken können. Bei uns kön- habe zwar zwanzig Leute interviewt,
staltung und Entwicklung digitaler Me- nen die meisten Interaction Designer aber ich habe eine tolle Idee, die völlig
dien; 2. Brand Development, das steht coden, und umgekehrt haben die meis- anders funktioniert. Irgendwann gilt es,
für eine ganzheitliche Markenentwick- ten Developer ein Auge für Design. sich vom Research zu distanzieren –
lung; 3. Service Design als systemati- Die Grafikdesigner lernen Design-Re- dann muss die gute Idee da sein. Im
sche Anwendung von Design Research search-Methoden kennen, um sie als Moment gibt es so viele Creative Labs
mit Blick auf das Nutzererlebnis quer Mittel bei der Service- und Marken- und andere Formen von Innovations-
über alle Medien hinweg; 4. Enabling
Change, weil wir erkannt haben, dass
unsere Gestaltungsarbeit immer Ver-
änderung in den Unternehmen bedeu-
tet. Dabei setzen wir unsere Kom-
petenz ein, Dinge sichtbar, verständlich
und kommunizierbar zu machen.

Flexible Strukturen schaffen.


Wir haben lange mit unserer Organisa-
tionsstruktur gekämpft und lernen im-
mer noch dazu. Die Herausforderung
liegt darin, wechselnde Projektteams
zusammenstellen zu können und zu-
gleich die Kontinuität in der Führung
zu bieten, die Menschen brauchen.
Letztes Jahr haben wir die Cloudstruk-
tur eingeführt, eine moderne Version
der Matrixstruktur, mit vier Clouds für
die Personal- und Unternehmensfüh- entwicklung nutzen zu können. Und Outsourcing, weil man erkannt hat, wie
rung, geleitet von je einem Partner. Da- unsere Kreativdirektoren müssen auch schwierig es ist, in den eigenen Struk-
neben gibt es die Projektstruktur, die Change denken können. turen Innovation voranzutreiben. Wir
die Producer als Project Owner leiten. brauchen prozess- und vorurteilsfreie
Manchmal ist das ein Kreativer, mal ein Direkt kommunizieren. Zonen, in denen wir unabhängig den-
Account-Manager, nicht unbedingt se- Wir verzichten auf Strategen und ähn- ken können. Aber die Mitarbeiter im ≥ PAGE Online
nior, der für Qualität, Wirtschaftlichkeit liche Schnittstellenjobs. Derartige Zu- Unternehmen müssen den Wandel Die vollständigen
und Kundenzufriedenheit sorgt. Feh- satzpositionen schaffen Unklarheit. Die selber vorantreiben und als ständigen Interviews mit den
len einem Designer die betriebswirt- Kreativen, die in engem Kontakt mit Prozess verstehen. Die neue Heraus- Agenturgeschäfts-
schaftlichen Kenntnisse, wird ihm ein dem Auftraggeber stehen, können die forderung besteht im Change Manage- führern lesen Sie
Projektmanager zur Seite gestellt – Projekte am besten führen. In früheren ment. Veränderungen werden in Zu- unter www.page-
aber der Designer trägt die Verantwor- Modellen gab es den Kontakter als Fil- kunft agiler und kleinteiliger, aber dau- online.de/
tung. Jeder Mitarbeiter weiß, wer an ter zum Auftraggeber. Aber wir arbei- erhaft vonstatten gehen. agenturwandel
046 PAGE 06.13 KREATION Second Screen

Moccu setzt den


Second-Screen-
Auftritt von »Wetten
dass. . ?« für Browser,
iPad und Smartphone
um. Die Zuschauer
können sich so an den
Wetten beteiligen
und über die Show
austauschen

Mehrsehprogramme
Der Second Screen kommt in Bewegung. Agenturen, Sender und Start-ups erkennen das Potenzial
des interaktiven Fernsehens und öffnen die Türen für neue TV-Formate und Werbeformen

n Das interaktive Fernsehen kommt Parallel zum Programm steigen die Wi- gramm horizontal abbilden und mit de-
durch die Hintertür. Oder besser: Es kipedia-Zugriffe auf passende Artikel, nen sich der User in einzelne Sendun-
schleicht sich über das Sofa ein. Denn wie eine Analyse des Hamburger Blog- gen einloggen kann. Zum anderen ge-
während viele Marketingstrategen in gers Martin Rycak zeigt (siehe www. hen die Sender selbst mit eigenen Apps
der Industrie seit vielen Jahren von der martinrycak.de ) Der soziale Aspekt – und Angeboten an den Start, zumeist
Hochzeit von TV und Internet träumen vornehmlich die Diskussion über das, vertikal und zugeschnitten auf be-
und weiterhin Smart-TV-Geräte verkau- was gerade läuft – findet auf Face- stimmte Formate. Besonders aktiv sind
fen wollen, haben die Zuschauer sich book oder mehr noch auf Twitter statt. die Öffentlich-Rechtlichen, die mit dem
die Interaktivität längst über Smart- Und den Erfolg eines TV-Spots kann interaktiven Format Tatort+ oder den
phones, Notebooks und Tablets selbst man dann anhand der beinahe zeit- Apps zu »Wetten, dass. . .?« vor allem
geschaffen: Auf ihren Second Screens gleich durchgeführten Google- oder die Zuschauerbindung im Sinn haben.
holen sie Informationen zu laufenden Amazon-Suchen erfassen. Aber auch die Privatsender sind aktiv:
Sendungen ein, tauschen sich live auf Das große kreative, soziale und öko- ProSiebenSat.1 testet derzeit mit Sat.1
Social-Media-Plattformen aus oder re- nomische Potenzial, das der interak- Connect ein formatübergreifendes in-
cherchieren nach Produkten, die gera- tive Second Screen eröffnet, versuchen teraktives Second-Screen-Angebot.
de auf dem First Screen, dem TV-Gerät, verschiedene Akteure bereits seit ei-
angepriesen werden. niger Zeit für sich zu erschließen. Zum In den Sendeanstalten beobachtet
Der Trend zum Second Screen ist einen sind da GetGlue oder Miso aus man die Entwicklung mit Interesse und
dabei ein Selbstläufer, der Plattformen den USA, die Start-ups Couchfunk oder Sorge zugleich – wobei bei ARD und
nutzt, die zunächst mit dem klassi- Zapitano in Deutschland mit ihren ZDF das Interesse überwiegt: »Wir kön-
schen Fernsehen wenig zu tun haben: Plattformen, die das gesamte TV-Pro- nen mit interaktiven Angeboten die
PAGE 06.13 047

Beim Krimi
»Die letzte Spur«
konnten die
Zuschauer sich
als Ermittler
betätigen. Moccu
produzierte die
zugehörige Anwen-
dung für das ZDF.
Zur besseren Über-
sicht ließen sich
die Verdächtigen
auf einem White-
board anordnen

Zusammen mit
Couchfunk bereitete
Kolle Rebbe für OTTO
ein Gewinnspiel vor,
das mit dem TV-Spot
synchronisiert war.
Die Nutzer wurden
über die Couchfunk-
App auf das Gewinn-
spiel hingewiesen.
Ein Counter zählte
die Zeit bis zum
TV-Spot runter

Aufmerksamkeit der Zuschauer binden Die aktuelle Kampa-


und vertiefen«, sagt Guido Bülow, Dis- gne für den Toyota
tributionsmanager beim SWR in Mainz. Auris verbindet die
Hier wurde bereits im Frühjahr 2012 TV-Spots über
mit Tatort+ ein erster Versuch unter- Shazam mit einer
nommen, das Publikum an der Täter- Microsite: Der
suche teilhaben zu lassen. Im Mai 2013 Spot wies auf die
startet eine weitere interaktive »Tat- Möglichkeit hin,
ort«-Folge. Die Zuschauer können dann sich via Shazam
im Netz vorermitteln, aber sich auch weiter verlinken zu
parallel zur Ausstrahlung via App aus- lassen. Auf der Tag-
tauschen, die Position der Protagonis- Result-Seite von
ten bei Verfolgungsjagden in Stuttgart Shazam gibt es Infor-
»live« nachverfolgen und sich als De- mationen zum
tektiv betätigen. »Das Ziel ist nicht so Auris bis hin zur
sehr die Erhöhung der Einschaltquote«, Vereinbarung
erklärt Bülow, »sondern den ›Tatort‹ zu einer Probefahrt
verlängern und die Marke zu stärken.«
Auch das ZDF sammelt Erfahrun-
gen mit dem Second Screen, unter an-
derem mit der interaktiven Begleitung
von »Wetten, dass. . ?« seit Herbst 2012.
Realisiert hat dies die Berliner Agen-
tur Moccu. Neben einer Browseranwen-
dung hat sie zunächst eine App für
Tablets, dann für Smartphones ent-
wickelt, die gut angenommen wurde.
»Bei der Konzeption muss man berück-
sichtigen, dass der Second Screen be-
reits ohne uns stattfindet«, sagt
048 PAGE 06.13 KREATION Second Screen

Bezahlt fernsehen: Jens Schmidt, Kreativdirektor von


Über das Punkte- Moccu. »Die Zuschauer tauschen sich
system von wywy bei Twitter oder Facebook über die
erhalten Zuschauer Sendung aus. Man muss sie einbinden,
Prämien fürs aber auch einen Mehrwert bieten.«
Einloggen in Form Bei »Wetten, dass. . ?« sind das Back-
von Gutscheinen stage-Inhalte, eine Live-Abstimmung
über die Wetten und die Möglichkeit
zur Teilnahme am Gewinnspiel. Tweets
aus Twitter werden gesammelt und in
der Anwendung zusammen mit den
Kommentaren gezeigt, die direkt über
die »Wetten, dass. . ?«-App kommen.
»Bei der Entwicklung der Angebo-
te muss man bedenken, dass die Nut-
zer ihre Aufmerksamkeit auf zwei
Screens verteilen«, sagt Schmidt. »Des-
halb sind die Interaktionsszenarien
einfach. Außerdem hilft es, wenn man
Wywy loggt die die Interaktionen zeitlich abstimmt:
Nutzer über die Die Zuschauer agieren eher auf dem
Audioerkennung Second Screen, wenn auf dem First
automatisch Screen gerade nichts Aufregendes pas-
ein und kann auch siert.« Entsprechend nimmt bei »Wet-
direkt zu passen- ten, dass. . ?« die Online-Redaktion die
den Produkten füh- Synchronisation, also die Einsteuerung
ren. Hier ein erster der innovativen Inhalte für den Second
Versuch mit der Screen passend zum Geschehen auf
TV-Serie »90210« dem First Screen, manuell vor. Eine Au-
und einem Online- tomatisierung wäre bei einer Show, bei
shop, der die in der der man vorher nicht weiß, wie stark
Folge getragene sie die Sendezeit überzieht, kaum mög-
Kleidung verkauft lich. Bei anderen Sendeformen können
jedoch automatisiert Inhalte für den
Second Screen getriggert werden –
und das sogar ohne Zutun des Senders.

Für die Werbebranche ist der Second


Screen eine ideale Gelegenheit, die
Kommunikation mit den Konsumenten
zielgerichtet zu erweitern. Die Düssel-
dorfer Agentur Newcast setzt für ihre
aktuelle Kampagne zum Toyota Auris
auf eine Kopplung von TV-Spot und
Shazam. Die App ist für nahezu alle
mobilen Plattformen verfügbar und
Programmzeitschrift
nutzt ihre Musikerkennungsengine seit
meets Social TV:
einigen Monaten auch zur Identifika-
Couchfunk bietet
tion von TV-Inhalten. Läuft der Auris-
einen einfachen
Spot, erkennt Shazam – sofern die App
Einstieg mit einer
aktiv ist – dies automatisch und liefert
interaktiven
auf seiner Tag-Result-Seite eine Über-
Programmzeit-
sicht der digitalen Zusatzfeatures, über
schrift, die gekop-
die der Nutzer nicht nur zusätzliche
pelt ist mit einer
Informationen über das Auto einho-
Bewertungs- und
len, sondern auch gleich eine Probe-
Kommentar-
fahrt vereinbaren kann. Die Suche nach
funktion für den
dem lokalen Händler muss er dann
Austausch mit
nicht mehr durchführen, da seine Po-
anderen Zuschauern
sition ja über das GPS des Smart-
phones bekannt ist.
»Wir können Shazam wie einen er-
weiterten QR-Code einsetzen und so
die Customer Journey, von der ersten
Awareness bis zur Probefahrt, stark
PAGE 06.13 049

abkürzen«, ist Waldemar Lutz über- nicht in Sendungen einloggen und Second-Screen-Dienste
zeugt, Grouphead Conception bei New- kann dennoch Tweets verfolgen oder
cast. »Wir setzen auf die App, weil sie auch TV-Empfehlungen an Freunde n Die meistgenutzte Anwendung bei laufendem TV-
eine enorme Reichweite von 9,5 Millio- versenden. Außerdem funktioniert es Gerät ist immer noch Twitter. Aber zahlreiche neue
nen Nutzern aufweist und eine beson- wie eine Art konfigurierbare TV-Zeit- Dienste versuchen, mit speziell angepassten Apps und
ders einfache Usability hat.« Sie benö- schrift, die aktuelle Sendungen listet Oberflächen zur universellen Second-Screen-Anwen-
tigt wenige Sekunden, um einen Spot oder Tipps zum Tagesprogramm für dung zu werden. Um von den hohen Nutzerzahlen
zu identifizieren. Verzögerungen erge- verschiedene Sparten gibt. Kürzlich hat bei Twitter zu profitieren, integrieren fast alle die pas-
ben sich dadurch, dass der User die Couchfunk mit der Hamburger Werbe- senden Tweets in ihre eigenen Diskussionsforen. Den
App dazu erst starten muss. »Der Spot agentur Kolle Rebbe eine Kampagne Mehrwert für die Nutzer liefern die Second-Screen-
sollte daher eine Länge von 30 Sekun- mit Gewinnspiel für OTTO umgesetzt. Anbieter in verschiedenen Bereichen und sorgen für
den an aufwärts haben«, meint Lutz. Im Unterschied zu Toyota und Shazam Komfort mit Audioerkennung, einer interaktiven Pro-
Den nötigen Wechsel in die App hält werden die Inhalte nicht über den Spot grammzeitschrift oder einer Schauspielerdatenbank.
er für kein allzu großes Problem – getriggert, sondern Couchfunk berei-
und der Erfolg der Kampagne scheint tet die User mit Hinweisen in der App Couchfunk
ihm recht zu geben. Auch die Tatsache, und einem Countdown auf das sich Couchfunk verbindet einen intelligenten
dass andere Unternehmen mittlerwei- anschließende Gewinnspiel vor. »Man Programmführer mit der Möglichkeit,
le ebenfalls auf Shazam setzen, spricht muss behutsam vorgehen und den sich über das aktuelle TV-Programm auszutauschen.
für den Erfolg des Konzepts. Nutzern ein Angebot machen«, erklärt Ähnlich wie bei Twitter kann man anderen Couch-
Langfristig dürfte Shazam noch Frank Bahrt, Mitgründer von Couch- funk-Usern folgen und deren Vorlieben und Kommen-
wichtiger werden: Denn in den USA hat funk. »Es macht keinen Sinn, ein Pop- tare hervorheben. Couchfunk läuft auf iPhone und
Shazam Entertainment ihr Geschäfts- up hochfliegen zu lassen und sie zu iPad, unter Android und als Web-App im Browser.
modell schon auf den Second Screen überfallen.« Bei Couchfunk konnten
ausgerichtet und begleitet das dortige die User die im OTTO-Spot präsentier- GetGlue
Fernsehprogramm mit Zusatzinforma- ten Produkte gewinnen. Für Kolle Reb- Mit Launch 2008 ist GetGlue der älteste
tionen zu den Shows und Events und be war die Kooperation ein Experiment, Second-Screen-Dienst in den USA und
bietet eine Plattform für den Austausch das für sie zufriedenstellend gelaufen hat nach eigenen Angaben 3 Millionen Nutzer. Die
der User untereinander. Damit läuft ist. »Mit 10 000 Klicks im Gewinnspiel App gliedert sich in einen Programmführer und
die Anwendung in vielen US-Haushal- und 7000 Teilnehmern war das für ei- einen Social-TV-Bereich. Sie läuft auf iPad und
ten bereits parallel zum Fernsehkon- nen ersten Durchlauf recht gut«, meint iPhone sowie im Browser.
sum – der nächste Schritt zum Bestel- Henning Stamm, Leiter Interaktive Me-
len eines Produkts ist damit nur wenige dien bei Kolle Rebbe in Hamburg. Shazam
Fingertipps entfernt. Ob sich Shazam Ein gänzlich anderes Konzept ver- Als Musikerkennungs-App gestartet, hat
allerdings als Second-Screen-App auf folgen die Macher des frisch gestar- Shazam seine Audioerkennungstechno-
breiter Front durchsetzen kann, muss teten wywy: Nutzer können mit Check- logie auf TV-Sendungen ausgeweitet. In den USA
sich zeigen. Denn in den USA sind Get- ins Punkte sammeln und in Gutscheine bildet es bereits eine Vielzahl vor allem der Shows
Glue und Miso mit Informationen zum für Amazon oder andere Onlineshops und sportlichen Großevents ab und bietet eine
Programm und als Social-TV-Plattform umwandeln. Damit dieses »bezahlte Plattform für die Kommunikation der Nutzer. In Deut-
etabliert und in Deutschland TunedIn, Fernsehen« funktioniert, hat wywy ei- schland kann Shazam derzeit nur gezielt Werbe-
Couchfunk oder jetzt neu auch Zapi- nen Audiosync ähnlich wie Shazam, spots erkennen. Es lässt sich auf dem iPhone und
tano und wywy. mit dem man sich komfortabel in den iPad, unter Android, Blackberry und Windows
Sendungen einloggt. »Das ist bequem Phone nutzen.
All diese Second-Screen-Dienste agie- für den Nutzer«, erklärt Dr. Andreas
ren unabhängig von den Sendern und Schröter, Gründer und Geschäftsfüh- Tweek
kämpfen darum, zur Standardanwen- rer von wywy. »Aber wichtiger noch: Keine Second-Screen-App, sondern eine
dung für den Second Screen zu wer- Mithilfe des Audiosync können wir veri- interaktive Programmzeitschrift für
den. Denn eines ist klar: Wer es schafft, fizieren, ob der Nutzer auch tatsäch- iPhone und iPod, deren Inhalt sich aus Empfehlun-
auf dem Sofa dauerpräsent zu sein, lich das Programm schaut, in das er gen von (Facebook-)Freunden zusammensetzt.
kann vom großen First-Screen-Werbe- sich eingeloggt hat.« Und: Man kann
kuchen ein gutes Stück abbekommen. Produkte passend zur Sendung in der wywy
Und besser noch: Mit innovativen Kon- App präsentieren, auch am Werbeblock Second-Screen-App mit automatischem
zepten lassen sich neue Werbeformen vorbei. Wer sich also zum Beispiel die Audio-Log-in und einem Bonussystem.
generieren. Die Strategien der Second- Neuauflage der TV-Serie »90210« an- Über Check-ins und Bewertungen kann der User
Screen-Anbieter auf dem Weg zur Lea- schaut, wird bei aktivem wywy auto- Punkte sammeln und in Prämien umwandeln. Wywy
ding App unterscheiden sich deutlich, matisch eingeloggt und kann sich nicht gibt es für iPhone und Android-Smartphones.
auch wenn fast alle auf die Einbindung nur am Chat beteiligen, sondern be-
von Twitter und teilweise von Face- kommt darüber hinaus die »Outfits Zapitano
book setzen. Nur so lässt sich ausrei- zur Sendung« präsentiert und kann sie Das Angebot setzt auf eine große Schau-
chend Kommunikation über das aktu- auch direkt bestellen. Hierfür koope- spielerdatenbank und weitere vertiefende
elle Programm abbilden. Umgekehrt riert wywy mit dem auf Mode aus Informationen zum TV-Programm. Die Nutzer
können User ihre Kommentare in der TV-Sendungen spezialisierten Online- tauschen sich über Sendungen und Stars aus und
App auch für die Social-Media-Platt- shop stagefisher. können diese bewerten. Zapitano ist als Weban-
formen freigeben. Für die privaten Sender ist das Um- wendung gestartet, mittlerweile aber auch als App
Couchfunk setzt auf einen niedrig- gehen des Werbeblocks natürlich eine für iPhone, iPad und Android-Geräte verfügbar.
schwelligen Zugang: Man muss sich Herausforderung: »Nicht jeder ist
050 PAGE 06.13 KREATION Second Screen

»Zeit der Helden« begeistert, wenn eine funktionie-


ist eine experimen- rende Blackbox, wie sie die aktuelle
telle Realtime- Form der TV-Werbung darstellt, aufge-
Serie von SWR und brochen wird«, meint Schröter. »Aber
arte, die eine auch bei den Sendern denken viele
Woche lang zwei Leute nach vorne und wissen, dass man
fiktionale Fami- sich mit interaktiven Werbeformen be-
lien begleitete. Die schäftigen muss.«
Second-Screen-
Anwendung Die Zukunft der interaktiven Werbung
ermöglichte schon ist noch ungewiss: Weder steht fest,
eine Woche vor welcher der Second-Screen-Anbieter
dem Start den Ein- ausreichend Nutzer an sich binden
stieg in die wird, um für die Werbewirtschaft inte-
Lebenswelten der ressant zu sein, noch, ob nicht die Sen-
Charaktere der selbst zunehmend das Heft in die
Hand nehmen werden, um nicht Teile
ihres Werbeerlöses zu verlieren. Völlig
offen ist auch die Technologie, auf die
sich interaktive TV-Werbeformen und
Social TV stützen werden. Ob der Se-
cond Screen lediglich ein temporä-
res Phänomen bleibt oder sich länger-
fristig halten kann, hängt zudem nicht
ausschließlich von der technischen
Entwicklung, sondern auch von den
Seh- und Kommunikationsgewohnhei-
ten des Publikums ab.
Trotz des großen Erfolgs der OTTO-
Kampagne sieht Stefan Kolle, Kreativ-
geschäftsführer von Kolle Rebbe, den
Trend zum Second Screen auch kritisch:
»Der permanente Blick auf den iPhone-
Bildschirm, ob zu Hause oder in Kon-
ferenzen, fördert nicht gerade die Kon-
zentration auf eine Sache«, stellt er fest.
Er bringt damit ein Unbehagen zum
Ausdruck, dass ihn nicht nur persön-
lich, sondern auch als Kreativen be-
schäftigt: »Um dies werblich auszudrü-
cken: Die Awareness im Werbeblock
geht zurück, wenn Leute parallel mit
einem anderen Bildschirm interagie-
ren.« Ganz besonders, weil man selbst
alles Mögliche tut, um die anvisierte
Zielgruppe dazu zu bringen, sich mit
dem interaktiven Angebot, das auf
dem Second Screen präsentiert wird,
auseinanderzusetzen.
»Man muss die Zuschauer mit etwas
ködern, das so stark ist, dass sie für
den Rest des Werbeblocks oder sogar
drüber hinaus ihre Aufmerksamkeit
auf das eigene Produkt und auf den
Second Screen richten«, meint Stefan
Kolle. Das Gewinnspiel, bei dem es ne-
ben anderen Preisen ein iPad zu gewin-
nen gab, scheint ein ausreichend star-
Neustarter ker Trigger zu sein. Das aber ist ziemlich
Zapitano setzt ungünstig für alle Spots, die direkt im
auf Stars und Anschluss auf dem First Screen durch-
die Bewertung der laufen. Es sieht so aus, als würde der
Sendungen und Second Screen die gewohnten Sche-
Schauspieler durch mata aller Akteure gründlich durch-
die Nutzer einanderwürfeln. ml
Inklusive CD für den CD.
Oder den AD. Oder den Junior AD…

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052 PAGE 06.13 KREATION Orientierungssystem

Den Kern erreicht


Sich gut zurechtfinden und dabei noch wohlfühlen – das ist ab
sofort in einem Wiener Parkhaus möglich

n Zum Fürchten sind Tiefgaragen häufig, zum Freuen Sechs Erdschich-


selten. Eindeutig in die letzte Kategorie fällt die des Busi- ten, sechs Etagen:
ness Park Vienna, der Nana architektur und Typejockeys aus Ein klares Farb-
Wien ein ganz besonderes Aussehen verliehen. Sechs Ebe- konzept sorgt für
nen umfasst das Parkhaus. Erklärtes Ziel der Kreativen war Durchblick. Am
es, die Etagen deutlich zu unterscheiden, um so Autos und zentralen Trep-
Fußgänger so klar wie möglich zu leiten. Die Lösung ist ein- penhaus kom-
fach und trotzdem ungewöhnlich: Jede Ebene ist einer Erd- men die Bild-
schicht zugeordnet. Die Einfahrt heißt »Die Erdoberfläche«, welten der Erd-
das Parkdeck darüber »Das Sonnendeck«. Unter der Ober- oberflächen
fläche kommt zunächst »Die Mineralschicht«, dann »Die großflächig zum
raue Kruste«, »Der schützende Mantel« und schließlich die Einsatz und
unterste Ebene: »Dem Kern so nah«. Jede dieser Etagen heben diesen
präsentiert sich in einer eigenen Farbe – nicht nur im nahe- Orientierungs-
liegenden Grau und Braun, sondern auch in leuchtendem punkt beson-
Gelb, Grün, Blau und Lila. Dazu kommen stimmungsvolle ders hervor
Bilder der jeweiligen Erdschicht. Am zentralen Treppenhaus,
das zum Shopping-Bereich des Business Parks führt, kom-
men die Bildwelten großflächig zum Einsatz und heben
diesen Orientierungspunkt besonders hervor.
Nun soll ein Parkhaus ja nicht nur schön, sondern vor
allem funktional sein. Dafür sorgt auch das Leitsystem in
der klaren Supria Sans des Berliner Typedesigners Hannes
Zurechtfinden
von Döhren. Die Informationen finden sich an den Wänden,
leicht gemacht:
auf dem Boden und ziehen sich auch schon mal um die
dank der Schrift,
Ecken herum – stets so, wie es für die Benutzer am sinn-
den Pfeilen und
vollsten ist. »Gelegentlich mussten wir die Supria Sans ein
Piktogrammen
bisschen filetieren, damit sie als Schablonenschrift, zum
an den Wänden,
Beispiel auf dem Boden, funktioniert – natürlich mit Zu-
auf dem Boden –
stimmung von Hannes«, erzählt Anna Fahrmaier von Type-
und auch schon
jockeys. Die sympathischen, verständlichen Piktogramme
mal um Ecken
zeichneten die Wiener Designer passend zur Schrift.
herum
Eine wichtige Rolle spielt in dem Gestaltungskonzept
auch das Licht, das nicht nur die Fahrbahn, sondern beson-
ders den Weg am Rand für die Fußgänger beleuchtet, die
sich so deutlich sichtbar und sicher durch die Garage bewe-
gen können. Schließlich trennen die beiden Grautöne des
Bodenbelags die dunklen Parkplätze von der hellen Fahr-
bahn. Glücklich waren die Kreativen darüber, dass ihre Ent-
würfe fast eins zu eins umgesetzt wurden: »Als wir das ers- Zur Abstimmung
te Mal durch das fertige Parkhaus gingen, fühlte es sich fast mit dem Kunden
so an, als würden wir durch unsere Renderingslaufen«, er- dienten Rende-
zählen Anna Fahrmaier und Anna Kovacs, Geschäftsführe- rings wie dieses
rin von Nana architektur. Orientierung fällt leicht im Wiener (großes Bild
Business Park. Nur aufgepasst, dass man nicht vor Verzü- rechts), die dann
ckung über die schönen Bilder und freundlichen Piktogram- fast 1 : 1 umge-
me versehentlich gegen die Wand fährt. ant setzt wurden
Foto (rechts): Alexander Haiden
PAGE 06.13
053
054 PAGE 06.13 KREATION

PAPIERWELT

1Handgemachte 2Mr. Letterpress trifft leisten. Zum Sortiment gehören gestri-


chene und ungestrichene Papiere in
Notizbücher Ms. Cotton verschiedenen Weißen und Gramma-
Bei Konglomerat n Stella Richter studiert in Hamburg n Eine nette Mailingidee ließ sich die turen. Cocoon Jet Silk beispielsweise
gibt es schöne Kommunikationsdesign und hat be- Büttenpapierfabrik Gmund einfallen: ist oberflächenbehandelt, seidenmatt
Notizbücher und reits ihr eigenes Label: Konglomerat Mr. Letterpress, ein Urahne von Johan- gestrichen und bietet eine hohe Wei-
vieles andere, heißt es und beschäftigt sich mit Bran- nes Gutenberg, verliebt sich in Ms. Cot- ße. Das ungestrichene Cocoon Jet Pro
was das Herz ding, Packaging, Illustration, Papier und ton, eine feine Dame aus Gmund am zeichnet sich auch durch einen sehr
von Papierlieb- Print. In ihrem Onlineshop verkauft sie Tegernsee. In der ersten von drei Aus- hohen Weißegrad aus. Alle Papiere des
habern höher- handgemachte Notizbücher, die sie aus sendungen zeigen handgemalte und Sortiments enthalten zu 100 Prozent
schlagen lässt alten Büchern fertigt – vorzugsweise im Buchdruck produzierte Zeichnun- entfärbte Fasern, die aus einem chlor-
Exemplaren mit schönen Veredelun- gen, wie die beiden zum ersten Mal freien Aufbereitungsprozess stammen.
gen und Illustrationen. Darüber hinaus aufeinandertreffen. Im nächsten Mai- ≥ www.arjowigginsgraphic.com
bietet Stella Richter alte Schreibwaren ling erhalten die Empfänger Muster in
und wunderbare botanische Tafeln an. 110, 300, 600 und 900 Gramm, damit
Künftig will sie auch handbedruckte sie den Buchdruck oder andere Verfah-
Gefaltete Botschaften
Geschenkpapiere und außergewöhn- ren auf dem weichen Baumwollpapier n Nach seinem Buch »Von der Fläche
Baumwollpapier liche Stiftboxen in ihre Kollektion auf- ausprobieren können. In der dritten zur Form«, das zeigt, wie aus einem
und Letterpress nehmen. Ihr Vorhaben ist es, Konglo- Aussendung schließlich zeigen Druck- Stück Papier Formen entstehen, legt
sind eine gute merat als einen Ort für Schreibwütige, muster von Armani, Volkswagen und Paul Jackson jetzt nach. Im Haupt Ver-
Kombination – das Kreative, Papierliebhaber und Nostal- Audi, wie eindrucksvoll die Verbindung lag erschien soeben sein neustes Werk
beweist Gmund giker zu etablieren. von Baumwollpapier und Letterpress mit dem Titel »Vom Faltobjekt zum Wer-
mit einem Mailing ≥ www.konglomeratdesign.de sein kann. Rund 1000 Druckereien, Kre- beträger. Schneide- und Falttechniken
ativagenturen und Markenhersteller im Papierdesign« (128 Seiten. 29,90 Eu-
in Asien, USA, Australien und Europa ro, isbn 978-3-258-60070-3). Der Autor,
erhalten das Mailing. Wer noch nicht seit 1982 als Faltkünstler und -lehrer
dabei ist, kann sich auch direkt an tätig, stellt darin rund 40 Papierkon-
Gmund wenden. struktionen vor, mit denen man von
≥ www.gmund.com Kunden besser wahrgenommen wird.
Die Projekte reichen vom Flexicube
Recyclingpapier über Umschläge, CD-Hüllen, Puzzles
und Knobeleien bis zum Faltbuch. Bei-
für Inkjet nahe alle Objekte sind interaktiv: Sie
n Arjo Wiggins stellt ein Sortiment von lassen sich öffnen, schließen, zusam-
recycelten Papieren für Tintenstrahl- menfalten, von innen nach außen stül-
Digitaldrucksysteme vor. Die Cocoon- pen, in der Form verändern oder zu-
Jet- und Cyclus-Jet-Produkte sollen eine sammenbauen. Auf jeden Fall liefert
Kombination von hoher Ausgabequa- die Publikation jede Menge Ideen für
lität bei voller Verarbeitungsgeschwin- das nächste Kreativmeeting. ant
2 digkeit und verbesserter Farbtiefe bei ≥ www.origami-artist.com;
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056 page 06.13

TYPO

»Sister Winter« in Vinter


Frode Bo Helland, Oslo
n Die Worte »Designed in Norway« lassen unwillkürlich kühle, cleane
Bilder im Kopf entstehen. Kein Wunder, da das Land den Großteil des
Jahres von schneebedeckten Bergen und eisblauen Fjorden umgeben
ist. »Ich liebe den norwegischen Winter. Er ist so extrem, reicht von
völliger Stille bis zu heftigsten Blizzards«, sagt Frode Bo Helland, der
seine jüngste Schrift daher einfach Vinter nannte und für sie Sufjan
Stevens »Sister Winter« aussuchte. Die serifenlose Displaytype – mehr
Linie als Form – besticht durch ihren klassischen Rhythmus und ihre
geometrisch-humanistische Struktur. Kreis, Drei- und Viereck laden zu
Artwork: Susann Pönisch

spielerischen Kompositionen, Überschneidungen und Dekonstruk-


tionen ein. Auch die Kursive folgt diesem Ansatz: Sie ist gedreht statt
schräg gestellt. Für rund 100 Euro ist Vinter bei Monokrom erhältlich,
der gemeinsamen Foundry von Frode Bo Helland und Sindre Bremnes.
≥ www.monokrom.no
page 06.13 057

Vielstimmig
Vierzehn Schriften wurden beim TDC Typeface
Design 2013 ausgezeichnet, neun davon stellen
sich für PAGE musikalisch vor

n Ist das Design original? Ist es nützlich?« Anhand dieser


zwei Fragen stellte Jurymitglied Stephen Coles die knapp 200
beim TDC Typeface Design eingereichten Schriften auf den
Prüfstand. »Allerdings gibt es echte Originalität im Typede­
sign kaum noch, die Grauzone ist groß«, sagt der Schriftge­
stalter und Betreiber des Blogs Typographica. »Nehmen Sie
etwa meine Judge’s Choice, die JAF Bernini Sans: Das Design
ist nicht neu, aber die Familie so verdammt nützlich, dass sie
genau das ist, was eine Schrift zuerst sein soll: ein Werkzeug.«
Feste Kriterien, nach denen die Juroren die eingereichten
Fonts beurteilen, gibt es bei dem Contest nicht. Der New
Yorker Type Directors Club vertraut auf deren Fähigkeit, ex­
zellente Schriftgestaltung herauszufiltern. Neben Coles und
Chairman Graham Clifford gehörten dieses Jahr David Ber­
low von Font Bureau, J. Abbott Miller von Pentagram New
York und Margaret Calvert, Gestalterin der britischen Stra­
ßenschilder, der Jury an – alle bestens geeignet für diese
Aufgabe. Doch war es auch für sie nicht ganz einfach, die Per­
len zu finden. »Fast alle Einsendungen waren gut gezeichnet
und kompetent produziert, aber nur wenige konnten uns
begeistern«, berichtet Stephen Coles. »Immer wieder hörten
wir uns den gleichen Satz sagen: ›Nette Ausführung, aber wo
ist das Konzept?‹ Die vierzehn Schriften, die wir prämierten,
überzeugten uns dadurch, dass sie eine Bestimmung haben.«
Die vierzehn Gewinner kommen aus neun Ländern, gleich
vier Awards gingen nach Deutschland, je zwei in die USA und
Kanada und je einer nach England, Brasilien, Argentinien,
»They All Laughed« in JAF Bernini Sans Israel, Australien und Norwegen. Wobei diese Zuordnung
ziemlicher Humbug ist. Tom Grace etwa stammt aus Boston
Tim Ahrens, Berlin und machte seinen MA Typeface Design an der University of
n Ein Songtext, der genau zu seiner Bernini Sans passt, fiel Tim Ahrens Reading. Da er aber momentan in Heidelberg lebt, wurde der
nicht ein. Schließlich sei sie eine universelle Schrift. »Ich bin aber ein Award für seine Iskra Deutschland zugeschlagen. Ähnlich
großer Fan von Ella Fitzgerald und finde, gute Schriften sind oft so, wie bei Travis Kochel aus Portland, Oregon: Sein Diagrammfont
sie singt. Diese Kombination aus Würde und verführerischem Charme, FF Chartwell (siehe PAGE 08.12, Seite 54 ff.) erscheint in der
gleichzeitig ein bisschen sexy, aber ernst zu nehmen. Perfekt in der Aus- FontFont­Bibliothek und zählt damit ebenfalls für Deutsch­
führung, aber ohne spürbare Anstrengung. Mit der Bernini Sans land. Die Agmena dagegen, entworfen von dem gebürtigen
habe ich versucht, ein Äquivalent in der Welt der Schrift zu gestalten.« Serben Jovica Veljović, der seit 1992 in Hamburg lebt, schlägt
Das Duett mit Louis Armstrong bot sich an, weil jeder Schnitt der für die USA zu Buche, weil Monotype sie verkauft. Ferran
Bernini-Familie zwei Fonts enthält: die männliche Bernino Sans und die Milan Oliveras schließlich kommt aus Barcelona, arbeitet
feminine Bernina Sans, eine etwas verspieltere Version mit runden aber bei Dalton Maag in London und bescherte so den Eng­
Punkten und zweistöckigem g. Insgesamt umfasst die knapp 400 Euro ländern eine Auszeichnung. Typedesign ist heute eben ein in­
teure Familie 25 Schnitte, also 50 Fonts. Durch die feine Gewichtsab- ternationales Business. Um die prämierten Fonts in der An­
stimmung und ihre offenen Formen sowie die große Auswahl an Fetten wendung zu zeigen, haben wir die Gewinner gebeten, ihre
und Breiten ist Bernini Sans für Text und Display gleichermaßen geeignet. Schrift mit einem passenden Song in Szene zu setzen, neun
≥ www.justanotherfoundry.com sind unsere Einladung gefolgt – sehen Sie selbst. ant
Artwork: Christian Schäfler 058 page 06.13 TYPO TDC Typeface Design 2013

»Aber bitte mit Sahne« in Jocham »Within Me« in Iskra


Hubert Jocham, Lautrach Tom Grace, Heidelberg
n Ein Unbekannter ist Hubert Jocham beim TDC nicht. Bereits viermal n Raffiniert und verspielt sind Musik und Text von »Within Me« der
bekamen Schriften von ihm die begehrte Auszeichnung. In diesem Jahr Jazzsängerin Gretchen Parlato. Der Rhythmus des Stücks ist fest
konnte er die Jury mit einem Font überzeugen, der eigentlich sein Logo und zugleich leicht, damit passt es prima zur serifenlosen Iskra, mit
ist. »Seit ich ein neues Zeichen habe, fragen mich die Leute nach der der Tom Grace die Grenzen zwischen dekorativ und nützlich über-
Schrift, auf der es basiert«, erzählt der Gestalter. »Aber es gab keine winden will. Um das zu erreichen, stattete der aus Boston stammende
ganze Schrift, nur die Wortmarke ›Hubert Jocham‹, und ich glaubte auch Designer sie mit 14 Schnitten von Ultra Thin bis Ultra Bold plus
nicht, dass sie als kompletter Zeichensatz funktionieren würde.« Trotz- Kursive aus. Die Type hat einen sehr geringen Kontrast und erinnert
dem begann er schließlich mit der Entwicklung eines Fonts. Nach vielen gelegentlich an Pinselschriften. »Mein Ziel war vor allem, Iskra
Zweifeln und jeder Menge Versionen war die Jocham schließlich fertig, angenehm lesbar zu machen, aber trotzdem einen gewissen Glanz
in Regular mit passender Kursive für jeweils knapp 40 Euro. »Ich habe zu erhalten«, sagt Tom Grace, der seit einiger Zeit in Heidelberg
auch andere Schnitte ausprobiert, aber sie waren alle nicht wirklich lebt. »Sie eignet sich für Fließtexte, genauso gut aber auch für Branding
überzeugend. Deshalb entschied ich mich dafür, es bei Regular und Italic und Werbung.« Iskra erscheint bei TypeTogether, der Foundry von
zu belassen.« Der Scriptfont ist auch in längeren Texten gut zu lesen und Veronika Burian und José Scaglione, und liegt zusätzlich für Kyrillisch
wirkt so richtig schön rund und fluffig – fast wie ein Stück Sahnetorte. vor. Ein Einzelschnitt für beide Schriftsysteme kostet etwa 80 Euro.
≥ www.huberjocham.de ≥ www.type-together.com; www.virgotype.com
page 06.13 059

»25 Minutes To Go« in Blanco »Nightingale« in Karol


Dave Foster, Sydney Daniel Sabino, São Paulo
n Rau und robust ist die Blanco, ebenso wie der Song »25 Minutes to n Speziell für den Buchsatz entwarf Daniel Sabino die Karol, die aus
go«, der berühmt wurde, als Johnny Cash ihn 1968 im kalifornischen den Schnitten Regular, Semibold, Bold und Black jeweils mit Kursiver
Folsom State Prison sang. Blanco ist Dave Fosters erste Schrift, entstan- besteht. Ihre von der Renaissance inspirierten Proportionen sorgen für
den 2012 als Abschlussarbeit des Masterkurses Type and Media an einen angenehmen Lesefluss. Ebenso die voreingestellten Oldstyle-
der Royal Academy of Art in Den Haag. Gemacht ist sie für lange Texte Ziffern. Aber auch in Displaygrößen macht die Antiqua eine gute Figur,
in kleinen Größen. Ihr Charakter erinnert an Schriften wie Fleischmann, wie der abgebildete Liedtext des brasilianischen Musikers Gilberto
Caslon oder Plantin. Ein solches Workhorse zu gestalten ist norma- Gil zeigt. Vorbilder fand Daniel Sabino in den Arbeiten kalligrafisch orien-
lerweise nichts für Anfänger, davon ließ Dave Foster sich aber nicht tierter Schriftkünstler wie Bram de Does, Oldrich Menhart oder Rudolf
beeindrucken. Dass er von Erik van Blokland, Peter Verheul, Paul van Koch. Historische Referenzen hin oder her, technisch ist die Fontfamilie
der Laan, Peter Bil’ak und Christoph Noordzij viel gelernt hat, beweist auf dem neusten Stand. Jeder Schnitt enthält über 600 Glyphen, die sich
nicht nur die TDC-Auszeichnung. Auch bei der Morisawa Type Design per OpenType-Funktion einsetzen lassen. Begonnen hat der Designer
Competition wurde die Type prämiert. Einige Zeit will der Australier die Arbeit an Karol bereits 2011, im Rahmen eines Projekts im Kurs
noch in den Niederlanden bleiben, die Blanco für den Verkauf »Advanced Typography« an der Universitat Autònoma de Barcelona.
fertigstellen und in die ein oder andere Foundry hineinschnuppern. Kaufen kann man sie für etwa 60 Euro pro Schnitt bei Type-Ø-Tones.
≥ http://work.davethedesigner.net ≥ www.type-o-tones.com; www.blackletra.com
060 page 06.13 TYPO TDC Typeface Design 2013

»Amo dejarte así« in Erotica


Maximiliano Sproviero, Buenos Aires
n Das argentinische Klima scheint die Entstehung üppiger Schnörkel-
schriften zu begünstigen. Denken wir nur an die vielen schönen
Exemplare von Alejandro Paul. Und nun die Erotica des erst 25-Jährigen
Maximiliano Sproviero. »Know the forms well before you attempt
to make them« – diesen Rat des Kalligrafen E. A. Lupfer beherzigte
Sproviero und ließ seine Erotica den Regeln der historischen Roundhand
und Engrosser’s Script folgen, um sie dann ins Extreme fortzuführen.
Das Ergebnis sind Buchstaben, die oft eher gezeichnet als geschrieben
aussehen, mit sehr viel Persönlichkeit und ebenso viel Gefühl – wie
Gustavo Ceratis Lied »Amo dejarte así«. Diverse Ligaturen und Alter-
nativen zu jeder Glyphe sollen keine Wünsche offenlassen. Ganz fertig
ist der Designer mit der Erotica nicht, doch will er sie im Laufe des
Jahres zum Verkauf anbieten können. Bis dahin müssen wir uns mit
seinen anderen Scripts begnügen, die alle über MyFonts erhältlich sind.
≥ www.liantypes.com.ar
page 06.13 061

»Thank You« in Tegaki »Somebody That I Used To Know« in Agmena


Neil Summerour, Jefferson, Georgia Jovica Veljović, Hamburg
n Er ist ein rühriger Mensch: Typedesigner, Lettering Artist, n Ein direktes historisches Vorbild hat die Agmena nicht. Ihr Design
Professor für Graphic Design an der University of Georgia, Gründer spielt mit Proportionen, Formen und Zwischenräumen; am ehesten
der Fontlabels Positype und TypeTrust – und Japanfan. Logisch, erinnert sie an eine Renaissance-Antiqua. Der Songtext, ein Stück des
dass sich Neil Summerour auch mit der japanischen Schrift beschäf- belgisch-australischen Singer-Songwriters und Schlagzeugers Gotye,
tigt und ein kühnes Experiment wagte, nämlich den Beweis anzu- beweist, dass die klaren, offenen Formen auch in kleinen Graden sehr
treten, dass eine japanische Spencerian möglich ist. So entwickelte gut lesbar sind – was nicht nur für Print, sondern auch für den Bild-
der Designer Tegaki, eine japanische Schrift im Stil der amerika- schirm gilt. Schon immer wollte Jovica Veljović, der an der Hamburger
nischen Spencerian Scripts, die im frühen 19. Jahrhundert aufkamen. Hochschule für Angewandte Wissenschaften Design und Typografie lehrt,
Er tauschte Pinsel gegen Stahlfeder und verhalf den asiatischer eine reine Buchtype entwerfen, bei der sich der Editorial Designer selbst
Zeichenformen zu neuem Leben mit Schwüngen, Schnörkeln, viel nicht mehr um Kerning und Zurichtung kümmern muss. Mit der Agmena,
persönlichem Ausdruck und dank OpenType auch mit Ligaturen die es in Book, Regular, Semibold und Bold plus Kursive gibt, gelang es
und Alternativzeichen. Tegaki wirkt durchaus modern und visualisiert Veljović, die Buchstaben im Text zum Perlen zu bringen‚ ohne aufdring-
so wunderbar den Titel »Thank You« des japanischen Trios Funky lich zu sein‚ leise und doch souverän und charaktervoll. Sie kostet circa
Monkey Babys. Kaufen kann man die Schrift bislang leider nicht. 70 Euro pro Schnitt und ist auch für Kyrillisch und Griechisch erhältlich.
≥ http://neilsummerour.com ≥ www.linotype.com
062 PAGE 06.13 TYPO

TYPOWELT

tionalen Attribute reduziert, dabei kön-


1 Scriptfamilie Supernova nen sie durchaus als lesbare Textschrift
2 Ornamentale Kalligrafie
Scriptfont nicht n Gewöhnlich kommen Scriptfonts daherkommen«, so Martina Flor. n Kalligrafie interessiert Mareike Ort-
nur, aber auch vor allem im Displaybereich zum Ein- Für rund 90 Euro pro Schnitt oder meier schon lange. So setzte sie sich
für den Mengen- satz. Martina Flors neue Familie Super- 280 Euro für alle sechs kann man Su- bereits in ihrer Diplomarbeit »Rhyth-
satz: Supernova nova jedoch taugt auch für den Men- pernova bei Typotheque kaufen. In mus und Reihung« an der Hochschule
von Martina Flor gensatz. Die gebürtige Argentinierin, den Kommentaren dort schreibt Ro- Augsburg damit auseinander. Doch ist
die lange in Barcelona und Den Haag derick Robertson, er würde die Schrift es weniger die klassische Kunst des
lebte, bevor sie sich in Berlin niederließ, am liebsten auf allen Rechnern in der Schönschreibens, die sie fasziniert, son-
stattete Supernova mit fünf Schnitten Schule, in der er unterrichtet, installie- dern ein experimenteller Umgang da-
von Light bis Black aus, plus einen Pos- ren – in der Hoffnung, das würde sei- mit. Mittlerweile betreibt Ortmeier das
ter-Font mit jeder Menge Schwung- ne Studenten motivieren, selbst leser- Designbüro 2Dsein in Magdeburg.
buchstaben und Ornamenten. »Script- licher von Hand zu schreiben. In ihren Arbeiten zeigt die Gestal-
fonts werden fast immer auf ihre emo- ≥ www.typotheque.com terin Interpretationsmöglichkeiten von
PAGE 06.13 063

≥ Weitere interessante Artikel rund um Typografie finden Sie unter www.page-online.de/


emag/typo und Links zu Typefoundrys et cetera unter www.page-online.de/typo-links

von den Designhochschulen fehlt nicht.


Für 9,90 Euro plus Versandkosten kann
man das »TypoJournal« bestellen.
≥ www.fonts.info;
www.typografie.info

Sterne sehen
n Amerikanische Plakate aus der Zeit
der Holzlettern im 19. Jahrhundert sind
oft mit Sternen verziert. Viele Schrift-
hersteller wie zum Beispiel Morgans &
Wilcox, Tubbs Mfg Co. und natürlich
Hamilton Wood Type hatten eigene Va-
2 rianten des fünfzackigen Sternmotivs
in ihren Katalogen. P22 und das Hamil-
ton Wood Type Museum bieten jetzt
einen Sternfont an: rund 100 Glyphen,
einzelne Sterne, aber auch Versatz-
stücke, mit denen sich Rahmen und
Banderolen gestalten lassen. Für un-
gefähr 25 Dollar kann man HWT Star
Der lila Hase ist nur ein Beispiel Ornaments bei P22 erwerben.
für die ornamentale Kalligrafie ≥ www.p22.com/ihof/
von Mareike Ortmeier starornaments.html

Kalligrafie – auf Leinwand, Büttenpa-


3 Serifenlose Prell
pier, aber auch in digitaler Form. Von n Die Idee von Norbert Prell war es,
ihr stammt auch eine modernisierte eine Schrift zu gestalten, die zugleich
Form der römischen Unziale, aus der ein Selbstporträt ist. So zeichnete er
sie kalligrafische Ornamente entwi- die Buchstaben seiner Prell sowohl
ckelt. Sie gibt Kurse zu dem Thema, frech und ein bisschen kokett als auch
fertigt aber auch Produkte mit orna- konservativ und bedächtig. Das Ergeb-
mentalen Kalligrafien, darunter iPhone- nis ist eine klare humanistische Seri-
Hüllen, Kühlschrankmagnete, Wand- fenlose mit klassischen Proportionen
uhren oder den lila Hase, der auch nach und charakteristischen Kurven, die für
Ostern Freude macht. Kaufen man die- einen hohen Wiedererkennungswert
se auf www.zazzle.de/2dsein. sorgen. Die fünf Schnitte Thin, Light,
≥ www.2dsein.de Regular, Medium und Bold plus Ita-
lics sowie unterschiedliche Alternativ-
buchstaben sorgen für vielfältige Ein-
»TypoJournal 4« satzmöglichkeiten.
n Die vierte Ausgabe des von Ralf Prell ist die erste Schrift des unga-
Herrmann und Jörg Roßbach heraus- rischen Designers, der an der Univer-
gegebenen Magazins dreht sich ums sity of Fine Arts in Budapest Grafikde-
»Schriftschaffen im deutschsprachigen sign studierte und sich 2010 als Eras-
Raum«. Von Gutenbergs Druck mit be- mus-Student an der Hochschule für
weglichen Bleilettern bis zu den jun- Angewandte Wissenschaften Hamburg
gen talentierten Typedesignern der in Typedesign und Kalligrafie vertiefte.
Gegenwart – Deutschland, Österreich Sie erscheint für ungefähr 55 Euro pro
und die Schweiz haben im Bereich der Schnitt im Gestalten Verlag; die Fami-
Druck- und Schriftkunst schon immer lie kostet rund 440 Euro. ant
eine wesentliche Rolle gespielt. Herr- ≥ http://fonts.gestalten.com
mann selbst und verschiedene Auto-
ren stellen Schriftgestalter und -her-
steller, Museen, Druckereien sowie ty- Klassische Proportionen,
pografische Organisationen vor – und künstlerische Kurven:
auch eine Auswahl aktueller Arbeiten Prell von Norbert Prell 3
*
PRAXIS

InfoGrafik
Visual Storytelling – Workflows & Cases
16. SEPTEMBER

Die Agenda Das Seminar


zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 14.06.2013 berechnen wir 50 Prozent, ab 19.07.2013 100 Prozent
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll

1. Das Wesen der Infografik – n Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
Stärken und Schwächen ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet und
der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.

Wo sind die Grenzen zur Illustration, zur reinen TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
Visualisierung und zur Kunst? Was kann und Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren und
muss eine Infografik leisten, und wie setzt man Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
diese sinnvoll ein? Was unterscheidet eine können vielschichtige Inhalte rasch veranschaulichen. Doch je schneller und
journalistisch geprägte Grafik von einer Visuali- komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss der
sierung in der Unternehmenskommunikation? Kreative mit der Datenaufbereitung umgehen. Mit einer ästhetisch faszinie-
Was sind die Gefahren und das Potenzial einer renden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten und
PR-Grafik? Inwieweit können sich Corporate die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jan Schwochow die
Infographics an eine bestehende CI anpassen? eigentliche Herausforderung. Es wird immer schwieriger, gute und verlässliche
Quellen zu finden, um einen Sachverhalt korrekt und unverfälscht wiederzuge-
2. Vom Briefing über die Recherche zur ben. Der Grafik- und Kommunikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien reiner Gestalter, er ist zugleich Journalist und visueller Geschichtenerzähler.
Wie müssen die Basisinformationen für ein
gutes Briefing aufbereitet sein? Wie kommt Jan Schwochow erläutert im PAGE Seminar anhand konkreter Praxisbeispiele,
man an die relevanten Daten und damit auf wie eine Infografik entsteht – von der Recherche über die Skizze bis zur Rein-
die richtige Idee? Ist weniger mehr oder zeichnung und Animation. Er bietet tiefe Einblicke in die Arbeit eines Info-
mehr Information hilfreicher? Wie gewinne grafikers und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen reiner Information und
ich den Kunden für die Idee? Wie läuft guter Gestaltung – wertvolles Know-how vom Designprofi für Designprofis!
die Abstimmung mit dem Auftraggeber?
Das Seminar »Infografik« findet am 16. September 2013 im Hotel 25hours,
3. Animation, Interaktion, Multichannel – Hamburg Bahrenfeld, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro
die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr* umfasst die Tagungskosten,
Wie setze ich Infografiken crossmedial ein? Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt!
Ist eine statische oder eine interaktive, Also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar
animierte Grafik besser? Wie gestalte ich
den Workflow, um schon in der Ent-
wicklungsphase den unterschiedlichsten Der Referent
Nutzungsarten Rechnung zu tragen: als
App, Poster, Magazinseite oder PowerPoint- n Jan Schwochow (44), Gründer und Geschäftsführer der Golden Section Graphics
Template. Wie kalkuliere ich eine Infografik? GmbH, gilt als einer der renommiertesten Infografiker weltweit und ist als erster
Wie verhandle ich die Nutzungsrechte? Infografiker Mitglied der ADC-Jury. Jan Schwochow und sein Team haben zahlreiche
nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, unter anderem bei den
Das PAGE Seminar mit Jan Schwochow lässt Malofiej Awards und den European Design Awards sowie beim ADC. Der Diplom-
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und Designer blickt auf über 20 Jahre Erfahrung als Infografiker, Designer und Journalist
den Austausch der Teilnehmer untereinander. zurück. So war er unter anderem Ressortleiter und Artdirektor der Infografik-Abteilung
beim »stern« und als Artdirektor für Infografiken in der Entwicklungsgrafik des Verlags
PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG Milchstraße tätig. Zuletzt baute Jan Schwochow bei der Agentur KircherBurkhardt in
E-Mail: info@page-online.de Berlin eine Infografik-Abteilung auf, bevor er 2007 sein eigenes Unternehmen,
Telefon: +49 40 85183400 die Golden Section Graphics GmbH mit derzeit bis zu 15 Mitarbeitern gründete.
www.page-online.de/seminar Jan Schwochow ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins »In Graphics«.
066 PAGE 06.13

BILD

Vom Nobelvorort zum


Ghetto – per Wort-
spielerei. Dass Oliver
Sperls an Street Art
erinnernde Technik gut
zum Thema »Umge-
kehrte Gentrifizierung«
passt, demonstriert
das gute Gespür der
»taz«-Bildredaktion.
Ebenfalls für die »taz«
entstand der Entwurf
mit dem Tagger, der sich
ins Gesicht sprüht
(ganz rechts) – ein sehr
plastisches Bild für
die destruktive Kraft
einer Jugendgang
PAGE 06.13 067

Bilderdenken
So entscheidend er ist – meist läuft der konzeptionelle Prozess in der Illustration
leise, schnell und unprätentiös ab. Wir fragten Zeichner nach den Strategien, mit denen
sie die Vorstellungen des Kunden in eine Bildidee umsetzen

≥ PAGE Online n Eine Nacht zwischen Briefing und ver Sperl etwa so aus: Seine Auftrag- Sperl schreibt in Stichworten mit und
Weitere Tipps zu Deadline – das ist der Idealfall«, sagt geber, zum Beispiel die Bildredaktion lässt bereits am Telefon erste Ideen
Konzeption und Oliver Sperl, freier Illustrator und Kom- der »taz«, briefen ihn für seinen rauen, sprudeln, überträgt sie anschließend
Workflow verraten munikationsdesigner aus Berlin. »Ich an Street Art erinnernden Stil – am meist in Vorentwürfe und bespricht
Illustratoren unter brauche das Gefühl, ein Open End für besten schon mit einem fertigen Arti- sie mit dem Kunden.
www.page-online. den Notfall zu haben. So kann ich, kel. Dann verlässt Sperl sein Kreuzber- »Viele Einfälle entstehen spontan
de/konzeption_ wenn eine Idee nicht so schnell kommt, ger Büro, um diesen in der entspann- aus meinem Wissensfundus heraus«,
illustration auch mal eine Nacht durcharbeiten.« ten Atmosphäre eines Cafés zu lesen sagt der Illustrator. Klassische Kreati-
Als visuelle Denker machen Illustrato- und dabei Skizzen an den Rand zu vitätstechniken nutzt er eher intuitiv,
ren auch selbst wenig Worte um den scribbeln. Gibt es noch keinen Text, er- jongliert mit Wörtern und visuellen Me-
Konzeptionsprozess. Der sieht bei Oli- klärt ihm der Redakteur den Inhalt. taphern, mit Überraschung und Gegen-
sätzen. Kürzlich illustrierte er für die
»taz« einen Artikel über den früheren
Bonner Nobelstadtteil Bad Godesberg,
der sich seit dem Wegzug der Regie-
rungsbeamten in einen Problembezirk
verwandelt. Gekonnt spielte Sperl mit
den Erwartungen des Betrachters, in-
dem er den gediegen anmutenden
Ortszusatz »Bad« als tattooartigen
Schriftzug auf dem Körper eines Unter-
schichten-Teenies platzierte, sodass
man ihn eher als englisches bad liest.
»Zunächst bilde ich mir eine eigene
Meinung, eine Art Kommentar zum
Artikel«, erklärt Oliver Sperl, »wobei
eine gute Illustration immer auch un-
abhängig vom Text funktionieren soll-
te.« Indem er Bekanntes in ungewohn-
te Zusammenhänge setzt, löst er auch
mal physische Irritation aus: Zu einer
Geschichte über eine Jugendgang, die
ihre Umwelt und sich untereinander
terrorisiert, zeichnete er einen Sprayer,
der statt auf Wände sich selbst ins Ge-
sicht sprüht. Ist die Idee mit dem
068 PAGE 06.13 BILD Konzeption von Illustrationen

Auftraggeber abgestimmt, setzt er


die Skizzen mit Ölfettkreide um. An-
schließend kratzt er mit dem Teppich-
messer Strukturen hinein und bear-
beitet das Bild bei Bedarf digital. Das
Verhältnis zwischen Konzept, manuel-
ler Umsetzung und digitaler Nachbear-
beitung schätzt der Berliner Illustrator
auf 10 zu 40 zu 50 Prozent.

Hinter der Leichtigkeit der Illustratio-


nen von Thomas Fuchs verbirgt sich
ein verdichteter Kreationsprozess, zu
dem auch psychologisches Geschick
gehört. »Ein Briefing gibt vor allem
Auskunft darüber, was ein Kunde
nicht will«, konstatiert der Berliner Il-
lustrator. »Da Auftraggeber oft unfer-
tige Ideen liefern, muss ich zwischen
den Zeilen lesen können.« Ein Beispiel:
Als Bildmotiv zum Thema Social Tra-
ding schlug ein Redakteur vor, den er-
folgreichsten Trader der Online-Com-
munity als großes Männchen mit ei-
nem Sack voll Geld darzustellen, dem
viele kleine Männchen hinterherlau-
fen. Der Illustrator begann schon im
Gespräch, die Idee vorsichtig zu mo-
dellieren. Er nahm den Begriff des »In-
vestment-Gurus« auf, den der Redak-
teur selbst hatte fallen lassen, hakte
hier ein – und setzte dann schließlich

In einer Bildserie zum Manage-


mentthema »Radikal führen« spielt
Thomas Fuchs das altbekannte
Symbol des Smileys durch und setzt
es in ungewohnte Kontexte,
sodass das Grinsegesicht gar nicht
mehr so positiv wirkt
PAGE 06.13 069

Martin Müller alias Herr Müller testet


Tesa: Das Porträt für DJ Iron Curtis ist
der Scan einer Klebeband-Maske, den
der Illustrator digital bearbeitet hat.
Das abstrakte und zugleich treffende
Bild bewegt sich zwischen analoger
und digital-technoider Anmutung

einen Guru mit seinen ergebenen An- len die lächelnden Mundwinkel des für ein Schweizer Wirtschaftsmagazin.
hängern in Szene. stark strapazierten Zeichens zugleich Darin mischen sich die Anzeichen von
»Ich versuche, jedes Thema so zu die Teufelshörnchen des Chefs dar, Altwerden und Gebrechlichkeit – drit-
verstehen, dass ich es einem Fünfjäh- mal dient das kreisrunde Gesicht als te Zähne, Rollator, faltige Hände – mit
rigen erklären kann«, meint Thomas Oberfläche einer Trommel, die die den Insignien einer dynamisch-effizi-
Fuchs. Dazu bricht er die Thesen eines Mitarbeiter einer Galeere antreibt. Im enten Arbeitswelt wie Notebooks und
Textes auf dessen zwei bis drei essen- Durchschnitt nimmt die Ideenfindung Smartphones. Darüber hinaus irritiert
zielle herunter. »Und wenn es keine bei Fuchs eine halbe Stunde ein, die die Ästhetik zwischen naiver Kinder-
Headline gibt, schreibe ich mir selber Umsetzung etwa drei Stunden – eine buchoptik und rauer Haptik. So viel
eine.« Der folgende Transfer von der ähnliche Relation wie bei Oliver Sperl. Reibung darstellen zu können, sei noch
Kernaussage eines Textes zum visu- Technik ist für den Kreativen, der sei- die Ausnahme in der Magazinillustra-
ellen Motiv passiert bei dem erfah- ne Konzepte als Vektorzeichnung oder tion, meint der Zeichner. Seine Tech-
renen Zeichner fast automatisch. Da- in Acrylfarbe umsetzt, Teil des Kon- nik baut er ständig aus. »Iron Curtis
bei gilt es, »ein fieserer Kritiker der ei- zepts. »Acryl wirkt haptischer, wärmer, brauchte als DJ ein Porträtbild für Pres-
genen Arbeit zu sein als jeder Kunde«, charmanter, digitale Illustrationen las- seanlässe, aber er wollte kein Foto«,
so Fuchs. »Zuerst versuche ich das Of- sen sich sehr gut für minimalistische berichtet Müller. »Er fragte mich nach
fensichtliche zu denken – um es dann Zeichen einsetzen«, so Thomas Fuchs. etwas Düsterem, aber es sollte auch
um ein paar Grad weiterzudrehen.« »Je simpler die Idee, desto einfacher keine Fotokopie sein. So kam ich da-
Das heißt: eine Idee erst einmal durch- lässt sie sich darstellen.« rauf, sein Gesicht mit Tesafilm abzu-
deklinieren, um dann neue Wendun- kleben und die Maske zu scannen.«
gen zu finden und diese zuletzt auf In dem Maße, in dem experimentelle Daraus entstand ein technoider Gitter-
das Wesentliche zu reduzieren. Illustrationstechniken im Editorial De- netz-Look, der bestens zur Musik passt.
Oft setzt Fuchs mit Klischees und sign immer mehr Zuspruch finden, »Das Klebebandthema ist für mich
bekannten Symbolen an, um sie dann wird das Spiel mit der Technik selbst noch nicht ganz ausgeschöpft«, so der
zu verfremden. Eine Illustrationsserie zum konzeptionellen Element. Der Ber- Illustrator. »Ich halte es für sinnvoll, die
in einer Wirtschaftszeitschrift, die ei- liner Designer und Illustrator Martin eigenen Obsessionen zu verfolgen. Nur
nen Artikel über radikale Führungs- Müller alias Herr Müller ist von den beim Experimentieren entwickelt man
methoden für zukunftsfähige Unter- Möglichkeiten fasziniert, die analoge sich weiter.«
nehmen bebildern sollte, spielt zum Collagen aus Papierfetzen und Klebe- Oft entstehen Müllers Bildmotive
Beispiel das Smiley durch – als Symbol band bieten. In diesem Stil setzt er un- über lose Assoziationsketten. Beim Le-
für einen freundlichen Führungsstil, terschiedlichste Aufträge um, etwa ei- sen bleibt er häufig an einem einzigen
der durch Härte ergänzt wird. Mal stel- ne Bildstrecke über Arbeiten im Alter Begriff aus dem Artikel, dem Brie-
070 PAGE 06.13 BILD Konzeption von Illustrationen

»Steinaxt«. Zu abgedroschen, fand er


und verwandelte das Motiv in einen
schamanistischen Zauberstab, der mit
On- und Off-Schalter und herauszu-
ckenden Blitzen auch ein Instrument
aus der Zukunft sein könnte und von
einer fellbesetzten Schallplatte um-
kreist wird. »Den Betrachter zu for-
dern und verwirren macht die meis-
ten Illustrationen wesentlich interes-
santer«, so Müller.
Als letztes Glied in der Kette krea-
tiver Arbeitsprozesse müssen Illustra-
toren schnell und zuverlässig den Spa-
gat zwischen künstlerischer Interpre-
tation und pragmatischer Dienstleis-
tung hinbekommen (siehe Interview
rechts). »Manchmal ist es sinnvoll, ei-
nen Job von vornherein abzusagen«,
sagt Martin Müller. Einmal bekam er
Kontraste schafft Herr Müller durch Objekte wie Notebook fing oder seinen Recherchen hän- von einem Männermagazin einen Text
und Smartphone versus dritte Zähne und Rollator. Die gen, den er dann zu einer Bildidee voller Geschlechterklischees, den er für
sechs Motive für einen Artikel über Arbeiten im Alter setzte ausarbeitet. Er legt Wert darauf, nicht einen ersten Artikelentwurf hielt. »Ich
der Berliner Illustrator in etwa einer Woche um – im didaktisch zu werden: »Zeige nicht das, gab mir Mühe, mit meinen Bildkon-
kommunikativen Pingpong mit dem Wirtschaftsredakteur was offensichtlich ist, sondern das, zepten dem Herrenwitz-Niveau zu ent-
was du gleich daneben findest. Oder kommen. Doch die Redakteurin konn-
das Offensichtliche in einer ungewohn- te damit nichts anfangen – sie verstand
ten Technik.« Als er eine Illustration gar nicht, warum ihre Stereotypen auf
für das Printmaterial zum Techno-Al- mich sexistisch wirkten.« Der Text ent-
bum »Party Catani« anfertigen sollte, puppte sich dann als finaler Artikel.
brachte ihm DJ Patric Catani eine Art Das Beispiel mag speziell sein, doch es
»Mad Max«-Verschnitt als Inspiration zeigt: Starke Illustrationskonzepte im
mit. Der Illustrator versuchte, die Mu- Editorial Design bieten die Möglich-
sik mit der Achtziger-Jahre-Ästhetik keit, Standpunkte hervorzuheben. Und
des Films, Science-Fiction und Stein- dies verlangt Redaktionen und Illus-
zeit, zu verbinden. Bei der Recherche tratoren den Mut zu einer eigenen
stieß er immer wieder auf den Begriff Haltung ab. wl
PAGE 06.13 071

»Illustratoren sind der kleinste Fisch


in der Nahrungskette – dabei gibt es
große kreative Talente«
Bitte nennen Sie ein Beispiel. oder ein Zufallstreffer ist. Ob eine Zeichnung
Der Titel »Ewige Liebe«, den wir kurz vor dann gut wird oder nicht, erkenne ich inzwi-
Weihnachten 2011 brachten. Ein küssendes schen am ersten Scribble.
Paar geht eigentlich gar nicht für den »Spie- Wie kann ein Illustrator bei der Kooperation
gel« als Nachrichtenmagazin mit Gesellschafts- mit dem »Spiegel« punkten?
reflexion. Und an die ewige Liebe glauben Mit handwerklichem Können, Tempo und Pro-
unsere Leser sowieso nicht. Die Distanzierung fessionalität. Das heißt: hohes handwerkliches
sollte also auch optisch deutlich werden. Des- Niveau, absolute Zuverlässigkeit und Pragma-
halb wählten wir einen Comic-Titel im Retro- tismus – erst lange über einen Auftrag disku-
Stil, umgesetzt von Comic-Großmeister Lou tieren zu müssen, ist bei unserem Zeitdruck
Brooks. Die ironische Distanz liefern die zum nicht gerade hilfreich. Stimmt das alles, sind
Anti-Schwur gekreuzten Finger des Mannes wir extrem treue Auftraggeber.
n Stefan Kiefer, Senior Graphic Designer hinter dem Rücken der Frau und das Comic- Mal ehrlich: Arbeiten Sie lieber mit Illustra-
beim Spiegel Verlag, arbeitete 15 Jahre als Il- Pop-up »Endlich erforscht!«. toren, die Ihre Vorgaben einfach ausführen,
lustrator und freier Artdirektor. Seit 1996 ist Kann man den Erfolg eines Covers planen? oder mit Künstlern, die Ideen einbringen?
er in der »Spiegel«-Titelredaktion, von 2000 Ob ein Titel gut ankommt, vermittelt das Ich brauche beides – das eine als Pflicht, das
bis 2013 war er Ressortleiter. Wir sprachen Bauchgefühl, aber ob er sich gut verkauft, andere als Kür. Aber konzeptionsstarke und
über die Zusammenarbeit mit Illustratoren. kann niemand vorher wissen – auch kein Chef- zugleich schnelle Illustratoren wie Christoph
redakteur. Sehr erfolgreich, auch in der media- Niemann, Rafal Olbinski, Michael Pleesz oder
Beeinflusst Ihre Ausbildung als Illustrator Ihre len Wahrnehmung, war zum Beispiel das Ti- Edel Rodriguez sind eher die Ausnahme.
Arbeit beim »Spiegel«? telbild »Die Scheinheiligen«, in der es um den Was sollten Illustratoren bei der Kommunika-
Stefan Kiefer: Absolut. Als Auftraggeber Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche tion mit Kunden beachten?
muss ich optimale Bedingungen für alle Be- ging. Das Titelmotiv zeigt einen Priester, der Fühlst du dich zeitlich oder handwerklich
teiligten schaffen, und das kann ich beson- sich in den Talar fasst – allerdings statt auf überfordert: Hab den Mut, abzusagen! Mach
ders gut, wenn ich beide Seiten des Flusses Brusthöhe, wie man es von Napoleon kennt, dich lieber rar, als mittelmäßige Ergebnisse
kenne. Ich weiß, wie eng Deadlines sein dür- in den Schritt. Ein provokantes Blatt mit ent- abzuliefern. Das merkt sich jeder Artdirektor.
fen und wann die Grenze erreicht ist, ab der sprechenden Reaktionen – bis hin zu Abo- Wie hat sich der Umgang mit Illustration im
kreatives Arbeiten schwierig wird. Illustra- Kündigungen. Sein Profil hat der »Spiegel« Editorial Design geändert, seit Sie selbst als
toren sind der kleinste Fisch in der kreativen damit sicher geschärft. Zeichner tätig waren?
Nahrungskette, noch hinter den Grafikern Haben Sie sich schon mal »ver«-konzipiert? Man sieht heute viel seltener großflächig il-
und Fotografen. Was ungerecht ist, denn es Schwierig war der Finanzkrisen-Titel »Geld re- lustrierte Werbeplakate oder Magazindoppel-
gibt große Talente unter ihnen. Ganz selbst- giert die Welt«, der die Wall Street als Mario- seiten. Leider ist man auch beim »Spiegel« zag-
verständlich wird vorausgesetzt, dass Illus- nettentheater darstellt. Die Idee überzeugt hafter geworden: Als einziges deutsches Nach-
tratoren über Nacht oder am Wochenende mich heute noch, aber der Titel hat sich leider richtenmagazin, das in der Titelbildgestaltung
arbeiten. Der »Spiegel«, mit selten mehr als nicht so gut verkauft. Zum einen, weil die Ver- traditionell auf Illustration setzte, verlegt man
zwei, drei Tagen Produktionszeit, ist als Auf- käufe zwei Wochen vor Weihnachten fast im- sich jetzt auch mehr auf Fotografie. Aber ins-
traggeber eher berüchtigt – aber die redak- mer in den Keller gehen und das Thema viel- gesamt wächst das Bewusstsein für das Po-
tionellen Abläufe machen das unumgänglich. leicht nicht der Reißer war, zum anderen, weil tenzial von Illustration wieder.
Außerdem haben wir immer sehr konkrete das Bild zu kleinteilig war – man hätte es pla- Wo liegen die Grenzen vom Illustration im
Anforderungen, denn die klare Aussage ist kativer abbilden, näher rangehen müssen. Da- Editorial Design?
wahnsinnig wichtig für den »Spiegel«-Titel, für war der Aufwand dann doch ziemlich groß. Natürlich gibt es Themen, da verbietet sich Il-
weil das Blatt politisch Stellung nimmt. Nach welchen Kriterien wählen Sie den Illus- lustration, etwa bei Naturkatastrophen oder
Wie entsteht ein gutes Bildkonzept? trator für ein Cover aus? dem medialen Jahrhundertereignis 9/11. Zu
Die besten Coverideen sind oft diejenigen, Generell wichtig ist für den »Spiegel« ein eher Letzterem gab es mit 1,4 Millionen Exemplaren
die sofort im Raum stehen, wenn wir im Team realistischer Stil. Dann kommt es darauf an – den meistverkauften »Spiegel«-Titel aller Zei-
anfangen, über ein neues Thema nachzu- bei Porträts vor allem –, absolut treffend in ten, obwohl wir, anders als die meisten Maga-
denken. Für das Konzept zu den »Bush-Krie- der Ähnlichkeit zu sein. Auch Illustratoren wie zine, kein Foto der gigantischen Explosion be-
gern« zum Beispiel, einem sehr erfolgreichen Andrea Ventura oder Hanoch Piven, die expres- nutzt haben. Wir hielten uns mit einem qualita-
Cover, haben wir in der Titelredaktion nur ge- sionistisch und reduziert arbeiten, haben das tiv schlechten Amateurbild bewusst zurück,
fühlte acht Minuten gebraucht. Es stellt George drauf. Mit vielen guten Illustratoren können aber an Dramatik war unser Motiv nicht zu
W. Bush und fünf seiner Gefolgsleute als Hol- wir aber leider nicht zusammenarbeiten, weil überbieten: Es zeigte den Moment vor dem
lywood-Superhelden, Rambo und Co dar. Ti- ihr abstrakter Stil hierzulande eher nicht ver- Einschlag des zweiten Flugzeugs. Der Rest lief
telzeile und -motiv müssen sich ergänzen. Ty- standen wird. Suche ich neue Illustratoren, im Kopfkino des Betrachters weiter. Generell
po und selbst die Schriftgröße spielen eine recherchiere ich erst mal ihre Portfolios – und sollte man aktuelle Geschehnisse fotografisch
wichtige Rolle. Wenn ein Thema Gehalt und zwar in die Tiefe, denn nach den ersten drei, abbilden – erst aus der Distanz, ausgeruht
eine gute These hat, findet man in der Regel vier Arbeiten auf einer Website kann man noch und reflektiert lassen sie sich als gesellschaft-
auch zügig eine Bildidee. nicht beurteilen, ob die Qualität Standard liche Themen zeichnerisch interpretieren.
072 page 06.13 BILD Low-polygon-Ästhetik

Für seinen inter-


aktiven Film »The
Carp and the Sea-
gull« nutzte Evan
Boehm WebGL und
three.js (  http://
thecarpandthe
seagull.thecreators
project.com  )

Seine minimalis-
tischen Polygon-
welten baut Tim Rey-
nolds in Cinema 4D
und verfeinert sie
dann mit Photoshop
(ganz rechts)

Als Promotion für


das »The Carp and the
Seagull«-Projekt
im »VICE«-Magazin
entstand eine Anzeige.
Dafür erzeugte Evan
Boehm aus Cinema-4D-
Daten dieses Motiv
PAGE 06.13 073

Reiz des Eckigen


Mit wenigen Polygonen erbaute Bildwelten faszinieren durch ihre eigenwillige Ästhetik. PAGE zeigt,
wie sich diese illustrativ, mit 3-D-Software oder gecodet mit WebGL und three.js umsetzen lässt
074 PAGE 06.13 BILD Low-Polygon-Ästhetik

Step by Step: Kevin Harald Campean über die Umsetzung seiner Low-Poly-Illu in Illu
n Hartnäckig hält sich der im letzten
Jahr aufgekommene Low-Poly-Trend –
als Gegenbewegung zu einer etablier-
ten 3-D-Ästhetik, die mit glatten Ober-
flächen und schön geformten Details
möglichst perfekt wirken will. Bei Low-
Poly-Illustrationen wird Dreidimensio-
nalität mit wenigen Polygonen ange-
deutet. Das ist vergleichbar mit einem
3-D-Modell, das nicht gerendert und
entsprechend nicht geglättet wurde. Kevin Harald Campean (www.
Die reduzierten Formen haben eine behance.net/HaraldKevin)
eckige, rohe Anmutung – sind aber in macht gerade seine Designab-
langer Detailarbeit entstanden. Promi- schluss in Budapest. Sein Plakat
nenter Vertreter dieses visuellen Stils »Wolf in sheep skin« visuali-
ist der in Amsterdam lebende britische siert das Thema Cyberbullying
Grafikdesigner Jonathan Puckey. Mit
Jürg Lehni entwickelte er bereits 2008
das Illustrator-Plug-in Scriptographer,
das Bilder automatisch in grobe Poly-
gonraster umwandelt.
Für Low-Poly-Bildwelten braucht es
nicht zwangsläufig eine 3-D-Software –
ähnliche Effekte lassen sich auch mit
Illustrator und Photoshop hervorbrin-
gen, wie Kevin Harald Campean, De-
signstudent aus Budapest, am Beispiel
seines Plakats »Wolf in sheep skin« zeigt
(siehe rechts). Digital Artist Tim Rey-
nolds kreiert seine atmosphärischen
Low-Poly-Bilder hingegen hauptsäch-
lich mit Cinema 4D. Der frühere Aus-
stellungsdesigner entwickelte vor et-
wa anderthalb Jahren seinen Stil und
erschafft seither geheimnisvolle Land-
schaften oder minimalistische Tierpor-
träts als kleine Polygonszenen: »Meine
Inspiration ist die Natur, die ich eckig
neuinterpretiere«, erklärt Tim Reynolds
(www.turnislefthome.com).
Für ein freies Werk benötigt Rey-
nolds heute etwa zwei Stunden, an ei-
ner kommerziellen Arbeit wie »Road-
ways Night« (siehe Seite 73) sitzt er um
Konturen definieren
die sieben, acht Stunden. Ausgangs-
punkt ist meist ein einfaches geome-
trisches Objekt, etwa eine Kugel. Er be-
1  Als Erstes zeichnete ich mit dem Stift-Werkzeug in Illustrator die Umrisslinien für die halben
Tierköpfe. Auf diese Weise lassen sich später durch Spiegelung perfekt symmetrische
Gesichter erzeugen. Beim Zeichnen dienten mir Fotos als Vorlage. Ich verglich mehrere Bilder
ginnt damit, in Cinema 4D Knotenpunk- von Wölfen und Schafen und näherte mich so den Kurven für meine beiden Köpfe an. Zunächst
te zu generieren und sie spielerisch zu nutzte ich nur zwei Farben, um die Umrisse von Wolf und Schaf gut unterscheiden zu können.
verschieben. Den Vorgang des Hinzufü-
gens, Kopierens und Verfremdens wie-
derholt er immer wieder – mit offenem Gesichter ausarbeiten
Ausgang. Entscheidend ist für ihn der
freie, experimentelle Prozess. Dabei gilt
und spiegeln
es immer wieder, Wege zu finden, wie
sich bestimmte Bildelemente technisch
umsetzen lassen. »Bei ›Roadways Night‹
2  Nun machte ich mich daran, die
Gesichter der Tiere zu ergän-
zen. Dabei begann ich mit den Linien
etwa ging es darum, die organisch ge- von den Ankerpunkten im Zentrum
schwungenen Straßen durch die Ge- des Gesichts aus. So nahmen die Augen
birgskette zu ziehen. Dafür suchte ich und Schnauzen langsam Kontur an.
nach einer Lösung im Web. Schließlich Wichtig ist, dass alle geometrischen For-
kam ich auf eine Möglichkeit, nämlich men für sich stehen, die Linien aber
die Straßen in 3-D zu bauen, sie über die miteinander verbunden sind. Anschlie-
Landschaft zu legen und dann entlang ßend spiegelte ich die Kopfhälften
der Bergumrisslinien auszuschnei- und erhielt so jeweils ein ganzes Gesicht.
PAGE 06.13 075

Illustrator und Photoshop

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Farben und Körperumriss definieren

3  Mit dem Eyedropper-Werkzeug entnahm ich Farb-


proben aus Tierfotos und kolorierte damit die
Formen – jede separat. Dann zeichnete ich, wieder mit
den Stift-Werkzeug in Illustrator, den Umriss des Wolf-
schafs, ebenfalls beginnend bei den Ankerpunkten der
Kontur. Um die düstere Atmosphäre zu erzeugen, legte ich
eine neue Ebene an und darauf einen dunklen Hintergrund.

Sättigung vornehmen und


Texturen anlegen

4  Zuletzt lud ich die Vektorgrafiken in Photoshop und opti-


mierte die Farben per Sättigungs- und Gradationskurven-
Tool. Ich legte eine »schmutzige« Textur mit der Füllmethode
»Überlagern« über das Bild. Damit maskierte ich die Bereiche,
die ich farblich verbessern wollte. Ich erzeugte drei Ebenen
mit unterschiedlichen Farben und fügte ihnen eine Maske
hinzu. Mit dem Pinsel-Werkzeug vermischte ich die Farben
aus den drei Ebenen und erhielt so die für den Hintergrund.
076 PAGE 06.13 BILD Low-Polygon-Ästhetik

Making-of: Evan Boehm über die Entwicklung der Polygonästhetik von »The Carp an
den. Das ähnelt sehr dem Pathfinder-
Werkzeug in Illustrator. In 3-D-Program-
men heißt dies ›Boolean Operation‹.«

Neben grafischen Lösungen und 3-D-


Modelling gibt es das programmier-
technische Vorgehen mit WebGL, bei
dem die Polygone allesamt gecodet
werden. Ein Beispiel hierfür ist der in- Evan Boehm,
teraktive Film »The Carp and the Sea- Technology Art
gull«, bei dem die Low-Poly-Ästhetik Director bei
komplett mithilfe des JavaScript-API Nexus Interactive
und der JavaScript-3-D-Library three.js Arts in London
entstand (siehe rechts). Das Synthi-
Sounddesign gibt der digitalen Adap-
tion der alten japanischen Fabel einen
übersinnlichen Touch. Konzept und
Umsetzung stammen von Evan Boehm,
Technology Art Director bei Nexus In-
teractive Arts in London.
Ursprünglich wollte Evan Boehm
»The Carp and the Seagull« komplett als
Film mit 3-D-Modellen als Handlungs-
trägern erstellen – die Animation sollte
Erste Version mit C++ erstellen
rein über die Kamera und die Verzer-
rung der Oberflächen erfolgen. »Das
Wichtigste war für mich die Polygonäs-
1  Eine erste Version von »The Carp and the Seagull« entwickelte ich in der
Programmiersprache C++ während eines Hackathons im New Yorker Eye-
beam Art + Technology Center. Bei den schwierigeren Modulen, etwa dem Meer,
thetik. Auch als ich statt der traditionel- bekam ich Unterstützung von den Entwicklern dort. Zurück in London, wollte
len Filmstruktur eine interaktive Web- ich meine Idee weitertreiben, die Polygonästhetik als erzählerisches Mittel auszu-
seite entwickelte, waren sie das konzep- loten. Mein Plan war, die Fabel als 7 bis 8 Minuten langen 3-D-Film umzusetzen.
tuelle Element, das ich tiefer ausloten
wollte«, erklärt Evan Boehm. Von An-
fang an waren für ihn die Ästhetik und
die Art der Umsetzung ein zentraler
Bestandteil – auch der Geschichte. »Es
geht mir nicht nur um die visuelle Struk-
tur einer Story, sondern auch darum,
was die Werkzeuge, mit denen wir die
Figuren erschaffen, über diese aussa-
gen. Was sagt die Wahl der Rendertools
über eine Figur aus? Was bedeutet die
Anzahl der Polygone und ihre Anord-
nung für einen Charakter?«
Von der Umsetzung mit WebGL und
three.js berichtet Evan Boehm: »Web-
GL ist derzeit die einzig realistische Lö-
sung, um 3-D fürs Web zu rendern, und
three.js ein großartiges Framework.«
Als WebGL herauskam, beschäftigte er
sich erst einmal zwei Monate damit.
Da er wenig Programmiererfahrung
hatte, war er heilfroh über die gute
Dokumentation und die Online-Com-
munity, die ihm bei Fragen immer sehr
schnell half. Bevor es an die schwieri-
geren Stellen ging, gelang es ihm aber,
finanzielle Unterstützung aufzutreiben,
Statische 3-D-Szenen in Cinema 4D entwickeln
da Intel und »VICE« den Film für ihre
Plattform The Creators Project gewin-
nen wollten. Somit konnte er auf zwei
2  Für die Animation verwendete ich Cinema 4D, allerdings nicht auf her-
kömmliche Weise. Stattdessen hatte ich vor, etwa vierzig individuelle
Szenen statisch anzulegen. Die Bewegung sollte dann zum einen durch den
Programmierer zurückgreifen, die das Lauf und das Umkreisen der Kamera entstehen, zum anderen durch Verzer-
Projekt technisch finalisierten. Soeben rung. Der Sprung zwischen einer 3-D-Szene und ihrer verzerrten Darstellung
wurde es – wenig überraschend – bei erweckt die Illusion einer Bewegung. So erzeugte ich zwei 3-D-Ansichten
den 17. Webby Awards in der Kategorie des Fischers: eines, wie er sich nach vorne lehnt, um etwas aus dem Wasser zu
»Online Film & Video« nominiert. vd holen, ein zweites, in dem er sich nach hinten lehnt, um es herauszuziehen.
PAGE 06.13 077

p and the Seagull« (http://is.gd/carp_seagull) mit Cinema 4D, WebGL und three.js

Storyboard für WebGL-Umsetzung zeichnen

4  Nachdem ich bereits ein Jahr nebenher an dem Projekt


gearbeitet hatte, war ich immer noch erst bei 25 Prozent
der Animation. Ich begann WebGL zu lernen, weil mir klar
geworden war, dass sich damit meine Ideen viel besser umsetzen
ließen: Der User kann die Kamera kontrollieren und ich ver-
schiedene Perspektiven auf die Charaktere hinzufügen. Ich gene-
rierte in WebGL zunächst nur eine Szene von dem Mann im
Verzerrungen generieren Boot. Dazu entwickelte ich interaktive Erzählelemente, für die ich

3  Um mit den Positionen der Figur im Raum zu experimen-


tieren, generierte ich zunächst in Cinema 4D mehrere
Ansichten des Fischers in unterschiedlichen Körperhaltungen,
aber Zeichnungen und ein Storyboard benötigte. Beides fertigte
Storyboard-Artist Gabriel Loques für mich an – und zwar für jedes
Kapitel der Geschichte. Auch die beiden Programmierer benö-
die ich zu einem einzigen 3-D-Modell zusammensetzte. Über tigten Visualisierungen, um zu wissen, was sie tun sollten: welche
die Kamerafahrten schaffte ich dann wie vorgesehen eine Aktionen und welche Charaktere in die Szenen gehörten.
Anmutung von Bewegung. Wichtig war dabei, dass die Poly- Zusammen mit dem Storyboard erstellten wir zudem Diagramme
gone immer sichtbar waren. Gerendert und eingefärbt wären für jedes Element des interaktiven Films: eines für den Mann
sie unsichtbar gewesen und somit kein Stilmerkmal mehr. In im Boot und seine Handlungen abhängig von der Interaktion des
jeder Szene veränderte ich die Anzahl der Polygone der Figur, Users. Genauso fertigten wir Diagramme für das Meer, die
um mit ihnen auch etwas über den Charakter auszusagen. Geistererscheinung, für jeden Fisch im Wasser et cetera an.

3-D-Animatics
generieren

5  Als Nächstes galt es


die Größen der
Modelle im Raum festzu-
legen. Daher generierte
ich einige Beispielszenen
sehr grob in Cinema 4D,
um die Dimensionen in 3-D
ausloten zu können.
078 PAGE 06.13 BILD Low-Polygon-Ästhetik

> Making-of: Evan Boehm über die Entwicklung der Polygonästhetik in Cinema 4D, WebGL und three.js

Charaktere modellieren

6  Nun machte ich mich zusammen mit den


3-D-Artists Michele Svaeren und Wayne
Kresil an das 3-D-Modelling der Figuren in
3ds Max. Das war ein zentraler Schritt, da die
Polygonästhetik als experimentelles erzähle-
risches Mittel diente. So beginnt der Film
mit nur sehr wenigen Polygonen, und je weiter
die Story fortschreitet, desto mehr kom-
men dazu. Ebenso wichtig ist der Einsatz des
narrativen Raums: Je nachdem, wie der
User die Welt hin und her dreht und die 3-D-
Objekte aus verschiedenen Perspektiven
betrachtet, erschließen sich ihm unterschied-
liche Aspekte der Geschichte. Die Animation
der 3-D-Modelle übernahm Antoine Bourruel.

Programmierung in
WebGL und three.js

7  WebGL ermöglicht ein grafisches


Interface für JavaScript. Das bedeutet,
wir codeten erst jede Funktion von
Hand. Die Programmoberfläche zeigte die
Funktion dann als Slider an, mit dem
ich einzelne Elemente bequem verändern
konnte. So kreierten wir mit WebGL und
der JavaScript-3-D-Library three.js eine Test-
szene mit allen Funktionen, um etwa das
Wasser zu verzerren, das Gewand des Geists
zu bewegen, die Position des Mannes im
Boot zu verändern oder die Stärke einzustellen,
mit der das Boot im Wasser schaukelt. Diese
Elemente konnten wir sowohl per Code als
auch über WebGL realisieren – aber nicht die
Figuren. Für diese konvertierten wir die zuvor
gebauten 3-D-Modelle in Textdateien, bei
denen jeder Knotenpunkt ausgegeben wird.
Dadurch konnte JavaScript die Textdatei
auslesen und in WebGL konvertieren und so
die Punkte und Polygone darstellen. Bei
vielen Aktionen im Film haben wir mit Java-
Script experimentiert, wie es am besten aus-
sieht. Dabei mussten wir darauf achten, dass
im Browser alles noch schnell genug läuft.

Figuren im Animation
Viewer ausrichten

8  Anstatt alle Charaktere und Elemente


auf die Hauptbühne zu bringen, hatten
wir einen separaten Animation Viewer
gebaut. Dieser erlaubte es uns, die Anima-
tionen der Modelle einzeln zu betrachten.
Alles in allem – von den Storyboards über
die Umsetzung in 3-D und das Programmie-
ren in WebGL – brauchten wir acht Wochen,
bis »The Carp and the Seagull« ( http://
is.gd/carp_seagull ) online gehen konnte.
ADC HOW
DS S
AWAR + OW
R SH
A F TE A R T Y
P I
16. MKIDAS MVT.
L IT Z
M IT B

DAS ADC FESTIVAL MIT KONGRESS UND AUSSTELLUNG VOM 16. BIS 18. MAI ADC.DE
080 PAGE 06.13 BILD

BILDWELT

1 Illustrative verschoben 2 Beste Digitalkünstler


Danae Diaz ist n Weil die Räume der Alten Münze durch filigrane Papierskulpturen be- n Die Idee, erstmals ein Jahrbuch über
beim Young Berlin nun doch nicht zur Verfügung kannt wurde. Ebenfalls dabei: Die seit CGI-Artists mit dem Schwerpunkt Print-
Illustrators Award stehen, wird das Illustratoren-Festival 2008 in Berlin lebende Spanierin Da- werbung herauszubringen, entstand
nominiert – hier nicht wie geplant im Juni, sondern von nae Diaz. Wir zeigen hier eine Arbeit, noch zu Lebzeiten von Walter Lürzer.
eine Arbeit für das 13. bis 15. September stattfinden. Die die mit Daniel Brandt vom Berliner Plat- Jetzt präsentiert Lürzer’s Archive den
Plattenlabel The Arbeiten von 190 Artists aus 21 Ländern tenlabel The Gym entstand. Der Körper 416 Seiten starken Wälzer »200 Best Di-
Gym. Artdirektion: sind dann im Direktorenhaus – dem stammt von einem Plakat, das Brandt gital Artists Worldwide 2013/2014«, der
Daniel Brandt Hauptquartier der Illustrative – und in auf dem Flohmarkt fand, Diaz malt da- aus mehr als 1200 Einsendungen zu
der Villa Elisabeth zu sehen, darunter zu immer wieder andere Köpfe. dem Thema hervorging (34,50 Euro,
die dreißig Nominierungen zum Young Mit einer eigenen Ausstellung ist Po- isbn 978-3-902393-18-0).
Illustrators Award. Zu diesem erlese- len diesmal Gastland, das herausragen- Deutschland ist – gefolgt von USA
nen, altersmäßig aber unbegrenzten de Artists wie Lis Kula, Ola Niepsuj oder und Großbritannien – mit 35 Digital Ar-
Kreis gehören aus Deutschland David Daniel Horowitz aufzuweisen hat. Eini- tists am stärksten vertreten. Neben be-
von Bassewitz, Anne Mair und Oskar ge stellen wir in einem größeren Artikel kannten Namen wie Günther Philipp,
Rink, die unter Pseudonym arbeiten- in der nächsten PAGE vor. Autospezialist Steffen Schrägle, Image-
de Tochter des Malers Arno Rink, die ≥ www.illustrative.de refinery, Mierswa-Kluska, elektronische
Aus Asien kom-
men besonders
opulente digitale
Kreationen wie
hier von Simon
Ong und David Lok
aus Malaysia für
Ogilvy & Mather

2
PAGE 06.13 081

≥ Mehr zum Thema Fotografie und Illustration unter


www.page-online.de/emag/bild

schönheit oder recom gibt es auch nung beim red dot award: communi- Neues in Kürze
Neues zu entdecken. So ist Benjamin cation design brachte.
Wiesse aus Nürnberg dabei, der letztes Kein Grund, um nicht fortan alles
Jahr den erstmals vergebenen photo- anders zu machen: Ab sofort erscheint Relaunch bei Strandperle
kina Best of CGI Award gewann. Ham- das Jahrbuch zweimal jährlich in Ge- Die Hamburger Firma Strandperle, die sich nicht bloß
burg bleibt CGI-Hochburg, mit tollen stalt eines Magazins. Die erste Num- als Archiv, sondern auch als Dienstleister rund um
Studios wie sevengreen und POP. Post- mer kommt im XXL-Format von 31 mal Bildrecherche, Kalkulation, Lizenzierung oder Rech-
production. Die opulentesten, fantas- 47 Zentimetern daher, wobei die Rie- teklärung versteht, feierte jüngst mit einer großen
tischsten Motive kommen allerdings sendoppelseiten praktischerweise nur Party ihren zehnten Geburtstag – und präsentierte
nicht aus Deutschland, so beispiels- durch ein Gummi zusammengehalten nicht nur neue Räume im Kontorhausviertel, sondern
weise die Arbeiten von Salamagica werden und sich jederzeit herausneh- auch eine neue Website. Diese führt den Kunden
aus Chile, Waldemar França aus Brasi- men lassen (29 Euro, isbn 978-3-933989- schneller zum gesuchten Bild, erklärt aber auch die
lien oder dem unglaublichen Surachai 48-2). Diese und die nächste Ausgabe vielen Serviceleistungen rund um die Stockfotografie.
Puthikulangkura aus Thailand. kommen weiterhin noch aus dem Hau- Auch die Verwaltung der gekauften Motive ist ein-
≥ www.luerzersarchive.com se Strichpunkt, danach sollen dann facher und übersichtlicher geworden.
wechselnde Gestalter und Gestaltun- ≥ www.strandperle.biz
3BFF-Magazin statt gen zum Einsatz kommen. Beim extra-
großen Format soll es aber bleiben – 4 Social-Media-Lizenz
Jahrbuch sicher zur Freude der Fotografen. cg Facebook und Co werden immer öfter auch kommer-
n Genau 45 Jahre lang war das BFF- ≥ www.bff.de ziell genutzt. Um da in Sachen Bildrechte klare Ver-
Jahrbuch eine Instanz in Deutschland. hältnisse zu schaffen, führt die Agentur ClipDealer ei-
Bekanntlich präsentiert es nicht nur gens eine Social-Media-Lizenz ein. Fotos und Vektor-
die besten Bilder von Mitgliedern des grafiken kosten etwa 1,50 Euro, Videos 3 Euro.
Bunds Freischaffender Foto-Designer ≥ www.clipdealer.com
e. V., sondern auch die Gewinner des
BFF-Förderpreises für Nachwuchsta- Wieder gewachsen
lente. Die letzten vier Jahre gestaltete Pond5 setzt ihren Expansionskurs fort und über-
Strichpunkt die Jahrbücher – 2012 etwa nimmt die Prager Stockbildagentur Pixmac mit Web-
in drei Varianten im Look von Foto- sites in siebzehn Sprachen. Diese eröffnen einerseits
schachteln der klassischen Analogmar- neue Vertriebswege für das Pond5-Material, das ne-
ken Kodak, Agfa und Ilford, was wie- 3 ben mehreren Millionen Stockvideoclips, Musiktracks,
der einmal der Agentur eine Auszeich- Soundeffekten, After-Effects-Vorlagen, 3-D-Model-
len auch Fotos und Illustrationen umfasst. Die Bilder
Das Titelfoto
der 6000 pixmac-Kontributoren bereichern wiede-
des neuen
rum das Angebot von Pond5.
BFF-Magazins
≥ www.pond5.com; www.pixmac.de
schoß Jacques
Schumacher,
Schutzrecht auch für Bilder
darunter Port-
Der BVPA kritisiert massiv das jüngst verabschiedete
folioseite von
Gesetz zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger,
Bernd Opitz
weil es »die visuellen Teile« von Presseartikeln nicht
»angemessen berücksichtigt«. Zu den Textschnipseln
bekämen Suchmaschinen und News-Aggregatoren
quasi frei Haus ganze Bilder geliefert, ohne dass die
Verlage eine Lizenz für das Weiterreichen besäßen.
Mit den Urheberrechten der Bildanbieter lasse sich
dies nicht vereinbaren.
≥ www.bvpa.org

Kugelpanoramen bei laif


Von Schloss Sanssouci über die Amazon-Hallen bis
zum Times Square: Die Kölner Agentur laif will ihr An-
gebot an interaktiven Bildern ausbauen und beginnt
mit 360-Grad-Panoramen von Jürgen Schrader. Mehr
über dessen Arbeit ist unter www.360cities.net zu er-
fahren, bei laif finden sich seine Bilder mit den Such-
worten »360« und »Schrader«.
≥ www.laif.de
1 Das Erfolgsseminar
»Leitmedium Design« reloaded
Mit neuen Fallbeispielen – als Eintages-
oder Zweitagesseminar buchbar!

PRAXIS

GUTES DESIGN
ENTWICKELN
Fallbeispiele & Strategien

Das Seminar 1 Der Referent Das Seminar 1


n Dass Design ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, steht außer Frage: n Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts-
CD/CI-Agenturen verzeichnen eine Auftragslage wie schon lange nicht führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist
mehr; klassische Werbeagenturen bauen ihre Design-Units aus; auch kleine Professor für Corporate Identity und Corporate
und mittlere Unternehmen entdecken die Notwendigkeit, sich durch einen Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied des
professionell gestalteten, ganzheitlichen Auftritt – über alle Medien hinweg – Art Directors Club Deutschland, davon drei Jahre
den nachhaltigen Erfolg im internationalen Wettbewerb zu sichern. Auf als Präsidiumssprecher. Er ist Mitglied im D&AD
Designer kommen dabei neue Herausforderungen zu: Immer mehr werden London und im Type Directors Club New York.
sie auch zu Beratern für strategische Unternehmenskommunikation. Die Seine Designagentur Strichpunkt steht für hoch-
Entwicklung und Umsetzung eines Markenauftritts ist deshalb kein leichtes wertige Marken- und Unternehmenskommuni-
Unterfangen: Es ist ein langfristiger Prozess, der von Gestalter und Auftrag- kation im Print-, Online- und 3-D-Bereich, hat mehr
geber nicht nur gegenseitiges Vertrauen und Kooperationsvermögen erfordert, als 600 internationale Preise gewonnen und ist
sondern vom Designer auch die Kunst, Beratung, Konzeption und Umsetzung
zielgerichtet zu verzahnen.
Die Agenda
Jochen Rädeker erläutert im PAGE Seminar »Leitmedium Design« anhand eines
prototypischen, gemeinsamen Marken-Workshops und konkreter Praxisbei- 1. Vom Leitbild zur Bildwelt
spiele, wie Sie einen komplexen Gestaltungsprozess angehen, mit dem Kunden Was Corporate Identity von Corporate
eine umfassende Branding-Strategie entwickeln und – weit über Styleguides Design unterscheidet – und warum
hinaus – die gesamte Unternehmenskommunikation harmonisieren. Wertvolles das eine für das andere so wichtig ist.
Know-how vom Designprofi für Designprofis in Agentur und Unternehmen!
2. Vom Briefing zur Strategie
Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 13. September 2013 im Hotel Wie entwickelt man mit dem Kunden
Gastwerk, Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro das optimale Briefing? Wie definiere
(zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch ich eine Kommunikationsstrategie?
und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt! Also Der Marken-Workshop als zentraler
schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar. Startpunkt in ein erfolgreiches Projekt.

Am Folgetag findet Jochen Rädekers Anschluss-Seminar zum Thema Kalkulieren, 3. Von der Strategie zur kreativen Idee
Präsentieren, Verkaufen statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie Wie funktional muss, wie kreativ
bauen nicht direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur darf ein gutes Corporate Design sein?
1166 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 Euro und sparen 130 Euro. Möglichkeiten und Grenzen des
Kreativprozesses.

PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // E-Mail: info@page-online.de // 4. Vom Leitmedium zur Medienneutralität
Telefon: +49 40 85183400 // www.page-online.de/seminar Wie werden aus einer großartigen
Idee großartige Medien?
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihen- Wege und Umwege zu einem
folge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. Sie ist sofort nach konsistenten Markenauftritt.
Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung
seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprü-
che bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 05. 06. 2013 berechnen Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt
wir 50 Prozent, ab 10. 07. 2013 100 Prozent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teil-
nehmers nicht einzelne Tage storniert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich.
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und
Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel. den Austausch der Teilnehmer untereinander.
13./14.
SEPTEMBER
Nur noch
wenige Plätze frei!
»Leitmedium Design 2«
2 Das Erfolgsseminar
»Leitmedium Design« reloaded
Mit neuen Fallbeispielen – als Eintages-
oder Zweitagesseminar buchbar!

am 15. Juni, Hotel 25hours,


Hamburg-Bahrenfeld PRAXIS
Nur als Eintagesseminar
buchbar!

GUTES DESIGN
GUT VERKAUFEN
Kalkulation & Präsentation

Das Seminar 2
seit Jahren in den Top Ten des PAGE Kreativ- n Designer wollen nur eins: Top-Arbeit abliefern – über alle Medien hinweg.
rankings vertreten. Jochen Rädeker verfügt Denn das bringt dem Kunden Wettbewerbsvorteile und dem Gestalter
mit seinen Arbeiten für Unternehmen von Geld, Ruhm und Ehre. Doch vor der allgemeinen Freude steht harte Arbeit:
adidas bis WMF, von Beiersdorf über Vorwerk Wie wird ein Designkonzept kalkuliert? Wie werden Angebote vom
bis zu Kulturfestivals, Schauspiel und Oper Designer richtig formuliert und vom Kunden richtig bewertet? Wie laufen
über einen immensen Erfahrungsschatz in Verhandlungen für beide Seiten sinnvoll ab? Ist der Job da und die
Sachen Konzeption und Umsetzung komplexer Idee steht *, kommt die nächste Hürde: Wie kann ich bei internen und
Designstrategien – von der Imagebroschüre externen Präsentationen überzeugen?
bis zur Werbekampagne, vom Online- bis zum
Messeauftritt. Er ist Autor zahlreicher Bücher Jochen Rädeker erläutert anhand der zehn wichtigsten Erfolgsfaktoren
zum Thema Unternehmenskommunikation. (und Problemfelder) für ein gutes Projekt den optimalen Workflow zwischen
Kreativen und Auftraggebern. Am Beispiel konkreter Kalkulationen aus
unterschiedlichen Aufgabenfeldern von Print bis Online und vom kleinen
Die Agenda Projekt bis zum umfassenden Corporate Design zeigt er den Aufbau
eines überzeugenden Angebots und diskutiert mit den Teilnehmern, wie
1. Kunden stören. Kreative nerven Designleistungen fair bepreist, überzeugend verkauft und sinnvoll abge-
Vom Pitch bis zur Agenturauswahl, vom rechnet werden können. Das Seminar schließt mit ausführlichen Praxistipps
Briefing bis zum Timing, vom Angebot für erfolgreiche Präsentationen von Designern bei Kunden wie auch bei
bis zur Autorenkorrektur: Workflow, Stol- Meetings innerhalb von Unternehmen.
perfallen, Tipps und Taktik für den gegen-
seitigen Umgang der Projektpartner.
Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 14. September 2013 im Hotel
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Pitch und Präsentation: 40 Tipps für Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihen-
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084 PAGE 06.13

TECHNIK

Sein Projekt »#oneSecond«


realisierte Philipp Adrian
mit der JavaScript-Library
basil.js in InDesign
(mehr dazu auf Seite 88)
PAGE 06.13 085

n Generative Gestaltung reizt viele


Kreative. Kein Wunder: Im Wechselspiel
von komplexen Daten, deren grafischer
Umsetzung und Programmierung ent-
stehen faszinierende neue Bildwelten.
Damit einher geht ein grundlegender
Paradigmenwechsel, denn beim code-
basierten Gestalten wird der Designer
zum Entwickler seiner eigenen digita-
len Werkzeuge. Allerdings haben viele
davor Scheu oder es fehlt ihnen an
Programmierfähigkeiten, um umfang-
reiche Projekte umzusetzen.
Genau da setzt die Programmierum-
gebung Processing an, die sich an Ge-
stalter, Künstler und Anwender richtet,
die sonst wenig mit Code zu tun haben.
Oder auch das populäre Illustrator-
Plug-in Scriptographer des Designers
Jürg Lehni, das das API des Programms
nutzte, um mittels JavaScript Vektor-
grafiken zu generieren. Mit der Veröf-
fentlichung von CS6 hat Lehni die Ar-
beit an Scriptographer eingestellt, führt
es jedoch in ähnlicher Form als Open-
Source-Projekt Paper.js weiter. Nach
dem Vorbild von Processing und in An-
lehnung an Scriptographer entwickel-
te ein Team aus Designern und Develo-
pern an der Hochschule für Gestaltung
und Kunst in Basel nun das Tool basil.js.
Die JavaScript-Library macht es mög-
licht, in InDesign komplexe Dokumente
wie Bücher oder Datenvisualisierungen
generativ zu gestalten.
Den Anstoß zur Entwicklung von
basil.js gab ein von Ludwig Zeller initi-
ierter Workshop im Mai 2012: Der Do-
zent am Institut für Visuelle Kommuni-
kation der HGK Basel hatte den Inter-
action Designer Benedikt Groß einge-
laden, über seine Erfahrungen mit ge-
nerativer Buchgestaltung in InDesign
zu sprechen. »Die Scripting-Möglichkei-
ten, die das Programm bietet, sind

Grenzverschiebungen
Die JavaScript-Library basil.js ermöglicht es, auch ohne umfassende Programmierkenntnisse
in InDesign Plakate, Datenvisualisierungen und sogar komplexe Buchprojekte generativ
umzusetzen. PAGE berichtet über die Entwicklung des Tools und zeigt seine Funktionsweise
sowie erste, spannende Ergebnisse
086 PAGE 06.13 TECHNIK InDesign generativ

Scriptographer inspirierte das


basil.js-Team. Während das Illustrator-
Plug-in aber mit einer eigenen Java-
Script-Engine Vektorgrafiken zeichnet,
erstellt basil.js mit der InDesign-
Engine Layouts und Zeichenelemente

Landsbek Befehle für die wichtigsten


InDesign-Elemente wie etwa »layer()«,
»page()« und »guideX()« ein sowie für
die Bemaßung in mm und pt. Der Pro-
totyp unterstützte bereits alle Textbe-
arbeitungsmöglichkeiten von InDesign.
Ludwig Zeller und Benedikt Groß
erarbeiteten zudem ein eingängiges
Benennungsschema für die basil.js-
Funktionen nach dem Vorbild Proces-
sing. Wo es kein Äquivalent gab, ver-
suchten sie, neue Befehle mit einem
mächtig, aber auch mächtig kom- den Dokument zugreifen und diese ähnlichen Coding-Style zu finden. In
pliziert«, sagt Ludwig Zeller. Da deren verändern. So lassen sich praktisch al- diesem Fall wählten sie klare und mög-
Anwendung für Designer ohne weit- le Möglichkeiten von InDesign automa- lichst kurze englische Bezeichnungen.
reichende Programmiererfahrung zu tisieren. Ausgegeben werden norma- Doch sollten auch ein paar Ideen aus
kompliziert ist, schlug Groß vor, eine le, Undo-fähige InDesign-Elemente, die JavaScript einfließen, zum Beispiel die
JavaScript-Library zu schreiben, mit der der Gestalter im Unterschied zur Ar- multimodale Verwendbarkeit der glei-
sich die Bedienung des API vereinfa- beit mit Processing per Mausklick wei- chen Funktionen, um einen Wert zu set-
chen lässt – eine Art Werkzeugkasten, terbearbeiten kann. Das ermöglicht ge- zen, wenn ein Parameter übergeben
mit dem die Studenten arbeiten könn- nerative Layouts, algorithmische Farb- wird, beziehungsweise den aktuellen
ten. Ludwig Zeller erkannte das Po- paletten oder die Verarbeitung von Wert auszulesen, wenn dieser nicht
tenzial der Idee und Professor Michael großen Datenmengen, die aus exter- mitangegeben wird. Nach frei Mona-
Renner, Leiter des Instituts für Visuelle nen Quellen stammen. ten Arbeit übergaben Groß und Lands-
Kommunikation, ermöglichte eine An- bek den Prototyp an Ludwig Zeller und
schubfinanzierung des Vorhabens. Das Entwicklung des Prototyps Ted Davis, die ihn weiter ausbauten,
war der Startschuss für basil.js. eine Projekt-Website einrichteten und
Die ersten Funktionen entwickelte Be- Tutorials dazu schrieben.
Konzeption von basil.js nedikt Groß zusammen mit dem Java-
Script-Entwickler Stefan Landsbek aus Weiterentwicklung
Im Juni 2012 konnten Ludwig Zeller und Stuttgart. Das Ergebnis war ein Proto-
Benedikt Groß mit der Entwicklung von typ mit einem im Vergleich zum In-
anhand des Feedbacks
basil.js beginnen. Der Konzeption ging Design-API stark reduzierten Funkti- Nach dem ersten Workshop im Som-
eine eingehende Analyse der InDesign- onsumfang. Steuern ließ er sich über mer setzten die Dozenten Ludwig Zel-
Engine voraus. Die beiden fragten sich, einen Texteditor; die in diesen einge- ler und Ted Davis basil.js seit Herbst
welche Funktionen für Designer wert- gebenen und ausgeführten basil.js- 2012 auch in mehreren Workshops und
voll sind, welche sie verstecken oder Skripts interagieren mit dem geöffne- Seminaren am Institut für Visuelle Kom-
ausklammern wollten und an welcher ten InDesign-Dokument. munikation ein. Die Studenten übten
Stelle sie die Möglichkeiten auf inter- Da Processing den Entwicklern als den Umgang mit der JavaScript-Library
essante Weise erweitern könnten. »In- Vorbild diente, lassen sich in basil.js an konkreten Projekten. Dazu erhiel-
Designs Programmierreferenz hat Hun- auch viele Befehle aus dieser Program- ten sie jede Woche eine überarbeitete
derte von Klassen und Tausende von mierumgebung ausführen. Grafische Betaversion und konnten durch ihr
Funktionen«, erklärt Zeller. »Wir sind Funktionen wie »rect()« oder »ellip- Feedback direkt Einfluss auf die wei-
sie alle durchgegangen, haben die für se()«, mit denen der Nutzer Grund- tere Entwicklung des Frameworks neh-
Designer relevanten Funktionen extra- formen oder -farben einstellt, über- men. Zeller und Davis korrigierten Bugs,
hiert und dann ihre Code-Schreibwei- nahmen sie 1:1. Dabei entstehen aber ergänzten aber auch neue Funktionen,
se umformuliert.« Objekte, die der Anwender manuell in die die Studierenden für ihre Projekt-
Diese Funktionen gibt der Anwen- InDesign weiterbearbeiten kann. Auch ideen brauchten, zum Beispiel für die
der in den Editor des in der Creative die Mathematikfunktionen integrier- statistische Analyse von Texten.
Suite enthaltenen ExtendScript Toolkit ten die beiden weitestgehend. Andere In den Veranstaltungen entstanden
ein (siehe Quickstart auf Seite 89). Ba- Features sind dagegen eher InDesign- erste, zum Teil umfangreiche Projekte.
sil.js übersetzt die Befehle in die Scrip- spezifisch. Durch Multi-Getter-Funktio- So experimentierte Gaëlle Renaudin
ting-Sprache von InDesign und führt nen wie »words()«, »lines()« oder »cha- mit durch Scripting generierten typo-
sie aus. Dabei entsteht ein normales racters()« kann man zum Beispiel Lis- grafischen Modifikationen (siehe Sei-
InDesign-Dokument mit Text, Bildern ten von allen Wörtern, Zeichen oder te 88), Philipp Adrian katalogisierte und
und Grafiken, das sich problemlos be- Zeilen einer Seite erstellen und deren visualisierte alle innerhalb einer Sekun-
arbeiten lässt. Der Nutzer kann zudem Aussehen modifizieren. Darüber hin- de auf Twitter erzeugten Daten (Sei-
auf die Elemente in einem bestehen- aus führten Benedikt Groß und Stefan te 88), und Bettina Schneebeli wies je-
PAGE 06.13 087

dem Wort eines Essays per Skript auto- Das basil.js-Team


matisch eine auf Amazon.com gefunde- von links: Ted
ne Produkt-Abbildung zu (siehe unten). Davis, Benedikt
Auf Grundlage des Feedbacks erstellte Groß, Stefan
das Team Mitte Dezember eine Closed- Landsbek und
Beta-Version, zu deren Erprobung es Ludwig Zeller
eine Reihe von Designern einlud.

Veröffentlichung von v1.0


Zeller, Groß und Davis setzten die aus
dem Feedback resultierenden Korrek-
turen und Ergänzungen am Code um,
erweiterten den Kern des Frameworks
um zusätzliche Funktionen und um
JavaScript-Libraries Dritter. Außerdem
unterstützten sie Frank Weiprecht und
Jörg Koch von der be:screen GmbH bei
der Steigerung der Verarbeitungsge-
schwindigkeit von basil.js. Für die Zu-
kunft erwägen die Designer, einen Pre- Kriterium für die Veröffentlichung un- zur Kontrolle als auch Elemente der
compiler hinzuzufügen, um die Perfor- ter einer Open-Source-Lizenz. Closed- Überraschung«, erklärt Ludwig Zeller.
mance weiterhin zu beschleunigen und Source-Tools wie Adobes Creative Suite Die kreative Produktion mit teilweise
die Handhabung zunehmend zu ver- seien vielseitig und intuitiv zu bedie- unerwartetem Ausgang stellt für das
einfachen. Die erste öffentliche Version nen, weshalb sie sich unter Gestaltern Team ein Quell der Inspiration dar.
ist seit dem 28. Februar kostenlos auf etabliert hätten. Doch die Nutzer lau- »Der Philosoph Ludwig Wittgenstein
der Projektwebsite verfügbar. Dort fen dadurch Gefahr, die immer gleiche schrieb 1921: ›Die Grenzen meiner Spra-
kann man des Weiteren Codebeispiele Ästhetik zu wiederholen, so die Ent- che bedeuten die Grenzen meiner
und Tutorials abrufen. wickler. Außerdem sei es kaum mög- Welt.‹ Wenn wir die Grundlagen der
Basil.js steht unter der offenen MIT lich, gestalterische Verfahren entspre- Software, die wir nutzen, nicht verste-
License, sodass es über GitHub von chend der individuellen Bedürfnisse hen, haben wir als Gestalter ein Pro-
anderen Entwicklern ergänzt werden zu erweitern. »Das komplexe Verhal- blem«, meint Benedikt Groß. »Denn
kann. Die kreative Erweiterung der ten eines selbstausführenden forma- dann sind die Grenzen unseres Ver-
Programmgrenzen und Designmetho- len Systems wie einer Programmier- ständnisses zwangsläufig auch die
den war für das Team ein wichtiges sprache bietet sowohl Möglichkeiten Grenzen unserer Ästhetik.« fb

Ersetzen von Text durch Abbildungen aus dem Internet


n Bettina Schneebelis Buchprojekt
»Ending the Depression through Ama-
zon« übersetzt einen Essay von Ber-
nard London aus dem Jahr 1932 in die
heutige Warenwelt. Dieser schlug vor,
zur Lösung der Wirtschaftskrise ein
System »geplanter Obsoleszenz« ein-
zuführen, das die Bürger verpflichtet,
ihre Güter nach einer bestimmten Zeit-
spanne zu entsorgen, um die Produk-
tion anzukurbeln. Durch Einbindung ei-
nes basil.js-Skripts ersetzte die Gestal-
terin alle Worte des Textes – »shoes«,
»homes« oder »machines« ebenso wie
»the« oder »and« – durch entsprechen-
de Produktabbildungen von Amazon.
com. Dies führt zu einer Anhäufung
von Produkten aller couleur, die da-
durch einen symbolischen Wertverlust
erleiden und somit auf das von Lon-
don geforderte Umdenken im Umgang
mit Waren hinweisen und gleichzeitig
Kritik an der gegenwärtigen Wegwerf- Bettina Schneebeli demonstriert die Austauschbarkeit von Produkten, indem sie jedes Wort eines
gesellschaft üben. Essays per Script durch eine dazu auf Amazon.com gefundene Abbildung ersetzen ließ
088 PAGE 06.13 TECHNIK InDesign generativ

Typografische Varianten mittels Programmiercode


n Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit
»The Martian Chronicles« im Fachbe-
reich Visuelle Kommunikation an der
Hochschule für Gestaltung und Kunst
Basel untersuchte Gaëlle Renaudin
Möglichkeiten der typografischen Vari-
antenbildung durch Programmiercode.
Mithilfe von basil.js-Skripts integrierte
sie zufällige Parameter in Ray Brad-
burys »Mars-Chroniken« aus dem Jahr
1950. So versuchte die Designerin, ei-
ne direkte Verbindung zwischen Pro-
grammierung und der Dramaturgie des
Romans herbeizuführen. Ziel war es,
die Stimmung des Science-Fiction-Klas-
sikers sowohl auf Ebene des Layouts
als auch der Materialität des Buches
wiederzugeben. Daher druckte Renau-
din auch den Text in weißer Farbe auf
schwarzes Papier, wo die Handlung auf
dem Mars stattfindet, und im Gegen-
satz dazu schwarz auf weiß, wo sie auf
der Erde spielt, um die Reise zwischen Gaëlle Renaudin nutzte basil.js für typografische Modifikationen, um auf diese Weise die
den zwei Planeten zu spiegeln. Stimmung in Ray Bradburys »Mars-Chroniken« abzubilden

Automatisierte Auswertung und Visualisierung externer Daten


n Philipp Adrian konservierte die in
einer Sekunde auf Twitter erzeugten
Daten und visualisierte sie mithilfe von
basil.js in vier Bänden. Auf spielerische
Weise katalogisierte der Gestalter mit
»#oneSecond« Tweets von 5522 Men-
schen in 42 Sprachen auf über 4500 Sei-
ten – unter anderem nach Sprache,
Zeitzone, Avatar-Typ und dem Datum
der Anmeldung bei Twitter. Für die Aus-
wertung nutzte er 14 Fonts mit über
100 000 verschiedenen Zeichen, um
zum Beispiel die Anzahl der Follower,
der gefolgten Accounts oder eigener
Tweets darzustellen. Adrian betrach-
tet das Internet als öffentlichen Raum
mit einer eigenen, codebasierten und
dadurch internationalen Sprache, in
dem Informationen in der Schnellig-
keit von Sekunden ausgetauscht wer-
den und so der kulturelle Austausch
über Ländergrenzen hinweg gefördert
wird. Mit seiner Momentaufnahme will
er den Fokus von einem persönlichen
hin zu einem globalen Modell des In-
ternets verschieben.

Mit »#oneSecond« visualisierte Philipp


Adrian alle innerhalb einer Sekunde
von Twitter prozessierten Daten. Dazu
schrieb er basil.js-Skripte, die zum
Beispiel die Anzahl der Follower und
Tweets aller aktiven Nutzer analy-
sieren und gestalterisch auswerten
PAGE 06.13 089

Quickstart basil.js
n Die JavaScript-Library lässt sich unkompliziert installieren, um
Basil.js installieren
dann die ersten Schritte in Richtung generativer Gestaltung in
InDesign zu machen. Basil.js unterstützt Adobe CS ab Version 5.
Für unsere Minitutorial nutzen wir InDesign CS6 unter OSX 10.8.3
1  Erstellen Sie zunächst in Ihrem »Dokumente«-Folder einen
Ordner namens »basiljs«. Laden Sie dann unter http://basiljs.
ch/downloads das basil.js-Bundle herunter, und verschieben Sie
sowie basil.js v1.0. Falls Sie ein anderes Betriebssystem oder ei- den in der ZIP-Datei enthaltenen Folder »bundle« nach »basiljs«.
ne aktuellere Version der Adobe Creative Suite verwenden, kön- Erstellen Sie einen zweiten Ordner mit der Bezeichnung »User«,
nen die Bezeichnungen etwas abweichen. in dem Sie später Ihre eigenen Skripts speichern.

Basil.js mit InDesign verknüpfen Skriptbeispiele ansehen

2  Öffnen Sie InDesign und aktivieren Sie das Scripts-Panel unter »Fenster/
Hilfsprogramme/Skripte«. In der InDesign-Palette sehen Sie die Ordner
»Benutzer« und »Anwendung« für Skripts. Bei einem Rechtsklick auf »Benutzer«
3  Sehen Sie sich den Ordner in der
InDesign-Palette genauer an.
Dieser enthält neben der Library basil.js
erscheint das Kontextmenü, in dem Sie »Im Finder anzeigen« auswählen. Nun auch einen Ordner mit Beispielen,
öffnet sich ein Finder-Fenster mit dem entsprechenden Ordner. Ziehen Sie den mit denen Sie verschiedene Funktionen
in Schritt 1 erstellten Ordner »basiljs« mit gedrückter Alt- und Befehlstaste in von basil.js nachvollziehen können.
diesen. Nun ist die basil.js-Library mit InDesigns Script-Panel verknüpft, und Sie Per Doppelklick lassen sich sie sich direkt
können nun in InDesign auf alle Inhalte zugreifen. aus InDesign starten.

Erster Test mit »Hello World«

4  Öffnen Sie das ExtendScript Toolkit der


Creative Suite, und öffnen Sie im
Editor ein neues Dokument. Speichern Sie
es als »helloworld.jsx« im Ordner »User«.
Geben Sie den Code aus dem Screenshot in
das neue Dokument ein, und starten Sie
das Skript, indem Sie auf den »Play«-Button
in der Menüleiste des ExtendScript-Editors
klicken. Et voilá: Die Nachricht »Hello
World!« erscheint in einem Textfeld des
geöffneten InDesign-Dokuments
und lässt sich dort weiterbearbeiten.

Variationen durchspielen

5  Durch Veränderungen des Codes,


etwa wie hier im Beispiel durch
Definition der Schriftart und -größe,
und Hinzufügen weiterer Funktionen
können Sie das gerade erstellte
InDesign-Element beliebig verändern.

Weitere Beispiele, Tutorials sowie


mehrere umfangreiche Cheat-Sheets
stehen unter http://basiljs.ch bereit
090 PAGE 06.13 TECHNIK Beschriftungs-Apps

Schnell ins Bild gesetzt


Apps zum Beschriften digitaler Fotos schießen wie Pilze aus dem Boden. Ob man die Bilder zur schnellen
Kundenabstimmung betexten, das eigene Gedächtnis unterstützen oder einem Motiv eine neue Ästhetik geben
will, Kreative wollen ordentliche Schriften und eine gute Handhabung. Wir stellen fünf brauchbare Apps vor

Photo-Lettering Professionelle Schriften


Das Prinzip ist bei allen Apps te an Stilen ab. Wem das nicht reicht, der
das Gleiche: Entweder foto- kann für je 89 Cent aus den vielen ande-
grafiert man ein Motiv oder ren Fonts der Typedesigner aus Dela-
wählt eines aus seinem Archiv aus und ware wählen, darunter Chalet, Neutra-
beschriftet dieses. Ein großer Unter- face oder die zweifarbige Caslon. Für
schied liegt allerdings in den zur Ver- alle, die häufiger Fotos betexten wol-
fügung stehenden Fonts. Photo-Let- len, eine lohnende Investition. Der er-
tering, das House Industries soeben zeugte Text lässt sich mit diversen Ef-
veröffentlicht hat, hält zwar nur drei fekten wie Sepia- oder Schwarzweißfär-
kostenlose Schriften bereit – Plinc bung versehen und schließlich im Foto-
Swiss, Bubble Gum und House Slant –, archiv auf dem iPhone speichern, per
diese sind aber professionell und de- E-Mail oder MMS weiterleiten. Zudem
cken schon eine recht große Bandbrei- bietet House Industries an, das Bild als
Postkarte zu drucken und so richtig
Plinc Swiss, Bubble Gum und House schön analog-altmodisch zu versenden.
Slant sind in Photo-Lettering Die kostenlose englischsprachige App
kostenlos, für jede weitere Schrift erfordert iOS ab 6.0 und ist optimiert
bezahlt man 89 Cent für iPhone 5.
Bilder: Sonja Knecht/edenspiekermann

easyTitler Zahlreiche Features, öde Schriften


Einfach ist diese App wirklich, eine Farbe aus dem Foto auf. Verschie-
sodass man das Tutorial, das dene Effekte stehen ebenfalls zur Ver-
sich unter »About« findet, ei- fügung. So lässt sich die Deckkraft des
gentlich gar nicht braucht. Auch sonst Textes modifizieren oder das Ganze
erlaubt easyTitler eine ganze Menge: als invertiertes Bild darstellen. Veröf-
den Text mit den Fingern zu vergrö- fentlichen kann man sein fertiges Art-
ßern, zu verkleinern, zu verschieben work per E-Mail, Facebook, Twitter und
oder zu drehen. Mittels Tippen auf die Flickr. Großer Nachteil der von Ubinow
entsprechenden Symbole lässt sich aus London entwickelten App sind
sogar der Buchstaben- und Zeilenab- aber die angebotenen Schriften: ent-
stand verändern. weder langweilige Systemtypen oder
Selbstverständlich kann der Anwen- nicht wirklich überzeugende Free-
der auch die Textfarbe wählen. Entwe- fonts – sehr schade.
Viele gute Gestaltungsmöglichkeiten bietet easyTitler, der nutzt er dafür die vorgegebene Die auch in Deutsch erhältliche App er-
aber leider nur sehr mittelmäßige Fonts Palette, oder er greift mit der Pipette fordert iOS ab 4.0 und kostet 0,89 Euro.
PAGE 06.13 091

Font-astic Wenig Funktionen für zu viel Geld


Das von melon.lab entwickel-
te Font-astic bietet 22 Schrif-
ten, überwiegend Freefonts.
Darunter interessante Exemplare, zum
Beispiel die ganz leichte Mill oder die
zackige Brivido, aber auch Klassiker
wie Baskerville, Futura, Gill Sans und
einen Schnitt der Zapfino. Etwas ge-
wöhnungsbedürftig ist, dass man den
Schriftzug über das Menü oder sehr
mühsam mit den Fingern vergrößern
muss und nur in 90-Grad-Schritten dre-
hen kann. Immerhin lässt er sich nicht
nur einfärben, sondern auch schattie-
ren. Trotzdem: Für 1,79 Euro hätte ich
etwas mehr erwartet. Der Nutzer kann
das Bild im Fotoarchiv speichern oder
direkt auf Facebook hochladen. Das
kürzlich erschienene Update auf 1.2 un-

Bilder: Die Typonauten


terstützt auch den Instagram-Export.
Wer erst mal schauen möchte, ob er mit
Font-astic gut bedient ist, kann sich kos-
tenlos die Lite-Version herunterladen.
Die englischsprachige App erfordert
iOS ab 6.0 und ist optimiert für iPhone 5.
Kostenpunkt: 1,79 Euro Bei Font-astic gibt es überwiegend Freefonts, darunter aber ganz nette Typen wie Mill

Piction App Gute Schriften, kaum Features


Die rund zwanzig zur Aus- Schriftfarbe gibt es nur Schwarz oder
wahl stehenden Fonts stam- Weiß, drehen kann man den Text auch
men von Typefoundrys wie nicht und Effekte sind ebenfalls nicht
Bild: glückssachen & bürogemeinschaft

The Lost Type Co-op, Fontfabric, Ten- vorhanden. Die App von Ancient Wis-
sion Type oder Ten Dollar Fonts und dom Production ist also vor allem etwas
sind allesamt prima. Umso betrübli- für Puristen, die wirklich nur schnell ein
cher, dass die Funktionen von Piction Foto betexten wollen, um dieses dann
App äußerst minimalistisch sind. Als per E-Mail zu verschicken oder in sozia-
le Netzwerke zu stellen.
Piction App bietet interes- Die kostenlose englischsprachige App
sante Schriften, aber spartanische erfordert iOS ab 6.0 und ist optimiert
Gestaltungsfunktionen für iPhone 5.

Phonto Eigene Schriften verwenden


Die von Yusuke Horie entwi- oder Twitter auf die Allgemeinheit los-
ckelte Anwendung bietet ei- lässt. Auch einen direkten Link zu In-
nen Riesenvorteil: Man kann stagram gibt es. Bei all diesen Möglich-
die auf seinem Rechner installierten keiten kann man in Kauf nehmen, dass
Schriften nutzen. Wie das geht, ist unter am oberen Rand ein nerviges Werbe-
»Font«, »How to install Fonts« beschrie- banner vor sich hinflimmert. ant
ben und funktioniert einwandfrei. Au- Die 0,89 Euro teure App gibt es in
ßerdem lässt sich natürlich auch auf Englisch und Japanisch. Sie erfordert
die rund 200 vorinstallierten Schriften iOS 5.0 oder neuer und ist optimiert für
zugreifen. Gestaltungsoptionen gibt es iPhone 5, steht aber auch für Android
Bild: Alexander Tibus

viele. So kann man eigene Farbpalet- zur Verfügung.


ten oder auch Muster anlegen. Phonto
bietet auch eine Preview-Funktion, um Großes Plus von Phonto: Man
das fertige Bild noch mal anzuschauen, kann eigene Schriften verwenden,
bevor man es über E-Mail, Facebook hier Baskerville Italic
092 PAGE 06.13 TECHNIK Coworking Spaces

Das betahaus in Berlin-Kreuzberg beherbergt auf rund 2500 Quadratmetern bis zu 200 Coworker. Neben dem Open Space gibt es auch Konferenz-
räume, eine Etage speziell für Start-ups sowie eine Werkstatt für Maker und DIY-Fans

n Ein Bioinformatiker, der einer Grafikdesignerin die Zu-

Das Prinzip sammensetzung des menschlichen Genoms erklärt, ein


Start-up-Gründer, der von den neuesten 3-D-Druckverfah-
ren berichtet, und eine Mutter auf der Suche nach ihrer be-
ruflichen Zukunft – bunte Mischungen wie diese sind nichts

Gemeinschaft Außergewöhnliches beim Gemeinschaftsfrühstück im Ham-


burger betahaus. Einmal pro Woche können sich die Co-
worker hier beim betabreakfast kennenlernen und austau-
schen. Künftig soll es auch kurze Pitchrunden geben, in de-
Temporärer Laptopstellplatz, Geburtshelfer für nen sie ihre Geschäfts- oder Projektideen vorstellen und
Kollaboration und Gemeinschaftsprojekte das Feedback der anderen einholen können.
Gemeinschaft und Austausch spielen eine zentrale Rol-
oder gar Arbeitsform der Zukunft? PAGE untersucht, le im Coworking-Konzept. Die betahäuser mit Ursprung in
was hinter dem Coworking-Hype steckt Berlin haben dabei Vorbildcharakter für viele andere Betrei-
ber und sorgten 2009 dafür, dass der Begriff »Coworking«
in Deutschland populär wurde. Seither hat sich einiges getan.
PAGE 06.13 093

Laut einer Erhebung des Coworking-Magazins »Deskmag« Auftragslage noch unklar und unbeständig ist. Zu diesen
(www.deskmag.com) gibt es in Deutschland 230 Coworking praktischen Vorteilen kommen die Werte, die Coworking-
Spaces. Damit belegen wir den zweiten Platz hinter den Gemeinschaften weltweit prägen: Prinzipien wie Kollabo-
USA mit 781 und vor Spanien mit 199 Angeboten. Insge- ration, Offenheit und Nachhaltigkeit. Coworker teilen nicht
samt hat »Deskmag« weltweit circa 2500 Gemeinschafts- nur Raum, Küche, Drucker, Strom- und Internetkosten, son-
büros mit etwa 110 000 Mietern gezählt. In den vergange- dern auch Informationen und Know-how.
nen zwölf Monaten haben durchschnittlich 4,5 neue Spaces Wie weit die Kollaboration geht, variiert. Sie kann von
pro Werktag eröffnet. gemeinsamen Projekten bis hin zur Start-up-Gründung rei-
Die Gründe für diese Explosion liegen vor allem in der chen. Wichtiger sind für viele Coworker aber die spontanen
steigenden Anzahl von Freiberuflern. »Besonders in südeu- Interaktionen und das Lernen voneinander. Mal eben den
ropäischen Ländern wie Italien oder Spanien ist die Selbst- Webentwickler gegenüber fragen, ob ein Konzept technisch
ständigkeit oft die einzige Chance für junge Menschen Geld realistisch ist, oder den Anwalt am Nachbartisch über einen
zu verdienen. Das spielt dem Coworking in die Hände«, er- Vertrag schauen lassen – solche zwanglosen und unverbind-
klärt Ruben Schmidtmann, CEO des betahaus Hamburg. lichen Nachfragen sowie die gegenseitige Hilfsbereitschaft
Und statt allein im Homeoffice zu arbeiten, entscheiden sind es, die Coworking Spaces auszeichnen. Oft werden
sich immer mehr Freelancer für Coworking Spaces. Das er- Aufträge untereinander erteilt oder Tauschgeschäfte ge-
möglicht ihnen zum einen die räumliche Trennung von Ar- macht. Besonders Webdeveloper und IT-Experten finden
beit und Privatleben, zum anderen einen Ausweg aus der hier häufig neue Auftraggeber. »Wir haben Programmierer,
Isolation des Einzelkämpfers. »Coworking steht in gewisser die allein von den Aufträgen leben können, die sie im beta-
Weise für die Kehrseite der Digitalisierung«, sagt Janet Mer- haus akquirieren«, sagt Ruben Schmidtmann.
kel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsabtei- Das Ausmaß an Austausch und Kommunikation unter
lung Kulturelle Quellen von Neuheit am Wissenschaftszen- den Coworkern hängt zum großen Teil auch von den Be-
trum Berlin. »Es verdeutlicht den Wunsch der digitalen No- treibern ab. »Es gibt zwei Typen: solche, die allein den Raum
maden nach sozialer und räumlicher Nähe.« und die Infrastruktur stellen, und solche, die sehr engagiert
sind und die Vernetzung untereinander aktiv vorantreiben«,
so Janet Merkels Erfahrung. Das fängt schon mit der Begrü-
Coworker teilen nicht nur Küche, Strom- ßung der Neuankömmlinge an: Werden sie den anderen
und Internetkosten, sondern vorgestellt? Gibt es ein Verzeichnis, in dem alle Mieter samt
auch Informationen und Know-how Tätigkeitsfeld aufgelistet sind? Darüber hinaus gibt es häufig
Aktionen wie gemeinsames Frühstücken, Mittagessen oder
Gegenüber gängigen Bürogemeinschaften haben Cowor- Biertrinken sowie Events und Workshops.
king Spaces den Vorteil, dass das Mietverhältnis wesentlich Das betahaus Hamburg bietet zum Beispiel einen Work-
flexibler ist. Statt sich langfristig zu binden, können Kreati- shop zu Verhandlungstraining an und veranstaltet ein Bar-
ve sich hier tage-, wochen- oder monatsweise einmieten – camp zu Fortschritt und Wachstum. Im Berliner betahaus
und müssen sich um nichts weiter kümmern. Dies ist be- können Mitglieder eine kostenlose Rechtsberatung oder ei-
sonders zu Beginn der Selbstständigkeit sinnvoll, wenn die nen Personal Coach in Anspruch nehmen. Während die

Das Hamburger
betahaus resi-
diert seit 2010 in
der Sternschanze.
In diesem Jahr
will es in eine
größere Location
umziehen. Wo
die liegt, ist aber
noch geheim
094 PAGE 06.13 TECHNIK Coworking Spaces

Ausgewähltes
Interior Design
und viel Liebe
zum Detail ma-
chen Places in der
Innenstadt Ham-
burgs beson-
ders für Kreative
interessant.
Der Fokus liegt
hier auf persön-
licher Arbeits-
atmosphäre mit
Möglichkeit
zum Rückzug

betahaus-Betreiber großen Wert auf Community legen reiche und Cafés schaffen zusätzliche Möglichkeiten für Aus-
und ihre Mitglieder zur Kommunikation anhalten, bietet zum tausch. Fast immer bieten die Coworking Spaces Konferenz-
Beispiel Places in Hamburg vor allem eine stilvolle Büroum- räume für Kundenmeetings, die sich stunden- oder tageweise
gebung (siehe oben), entwickelt von den Interior Designern mieten lassen, oder auch kleine Einzelbüros für konzentrier-
Achim Schulz und Heino Weber und ihrem Studio punct.ob- teres Arbeiten und Telefonzellen für ungestörte Gespräche.
ject. Doch auch wenn der Schwerpunkt hier nicht auf Ge- Denn ein Nachteil der meist offenen Raumgestaltung ist
meinschaftlichkeit liegt, findet Austausch zwischen den der Geräuschpegel. So gaben in einer »Deskmag«-Umfrage
Mietern statt – vor allem nachmittags im zugehörigen Café. von Anfang 2012 25 Prozent der Teilnehmer an, dass der Lärm
sie ablenkt. Die Studie ergab allerdings auch, dass dies sel-
ten ein Grund sei, dem Coworking Space den Rücken zu
Arbeiten im Coworking Space steigert die Produk- kehren. Die meisten behelfen sich mit Kopfhörern – oder
tivität und vergrößert das berufliche Netzwerk sagen einfach Bescheid, wenn sie sich zu sehr gestört fühlen.
Viele Spaces legen Wert auf spielerische Gestaltungs-
Für die Interaktion untereinander spielt aber auch die Raum- elemente. »Wir probieren ständig Neues aus: seien es Steh-
gestaltung eine wichtige Rolle. Meist sitzen mehrere Mieter in schreibtische, Tischanordnungen oder Farbkonzepte«, sagt
Open Spaces ohne Abtrennungen zusammen, Lounge-Be- Ruben Schmidtmann. Damit ist das betahaus Hamburg nicht
PAGE 06.13 095

allein. »Coworking Spaces sollten sich in einer konstanten


Studenten
Betaphase befinden und auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer
eingehen«, so Oliver Marlow vom Londoner Designstudio
Tilt nach einem Workshop auf der Coworking Europe Confe-
aufgepasst:
rence im Dezember 2011. Mitspracherecht bei der Gestal-
tung gebe den Mietern ein Gefühl von Zugehörigkeit und för-
Für euch gibt’s
dere die Verbundenheit mit dem Space, meint Marlow.
Arbeiten im Coworking Space kann sich in vielerlei Hin-
sicht auszahlen. Einer Erhebung von »Deskmag« zufolge
6 cm umsonst !
steigert es die Produktivität und vergrößert sowohl das be-
rufliche als auch private Netzwerk. Die Psychologiestuden-
tinnen Julia Andorfer und Cornelia Gerdentisch von der
Universität Wien untersuchen derzeit den Einfluss von Co-
working auf die Einstellung zur Arbeit. Sie gehen davon aus,
dass Coworker langfristig engagierter arbeiten als zu Hau-
se, da sie soziale Unterstützung bekommen, die sich posi-
tiv auf persönliche Ressourcen wie Selbstbewusstsein und
Selbstmanagement auswirkt. »Wir wollen mit unserer Stu-
die zeigen, dass Coworking einen Mehrwert für die heutige
Arbeitswelt hat und eine wertvolle Ergänzung zu gängigen
Modellen ist«, so Andorfer.
Für Start-ups sind Coworking Spaces ein hervorragen-
der Nährboden. Viele verstehen sich als Inkubatoren – wenn
auch eher in ideeller als in finanzieller Hinsicht. Im Google
Campus in London zum Beispiel sitzen hauptsächlich Grün-
der, denen Mentoren von Google, erfolgreiche Unterneh-
mer und Anwälte beratend zur Seite stehen. »Wir bieten ei-
ne Basis für Gründung und Wachstum von Start-ups, auch
wenn wir uns nicht finanziell daran beteiligen«, erklärt
Ruben Schmidtmann. So haben die Gründer von Protonet,
einer smarten Serverlösung, ihre Geschäfte im Hamburger
betahaus aufgenommen und sind erst vor Kurzem in grö-
ßere Räumlichkeiten umgezogen. Das betahaus Berlin hat
sogar eine eigene Etage für Start-ups eingerichtet, die
Raum für Teammeetings und vertrauliche Gespräche bie-
tet. Darüber hinaus haben die Betreiber ein Stipendium
mit Förderprogramm auf die Beine gestellt.

Für Unternehmen sind Coworking Spaces als Orte


interessant, an denen Innovationen entstehen

Auch etablierte Unternehmen zeigen vermehrt Interesse


an der neuartigen Arbeitsumgebung. So können sich Mit-
arbeiter von OTTO jederzeit im betahaus Hamburg einmie- PAGE Studentenabo: Schüler und Studenten lesen günstiger!
ten. »Wir erhoffen uns dadurch mehr Kreativität, Innovations- Sie erhalten das PAGE Abo Plus zum Studententarif, damit
kraft und Ideenvielfalt für unsere Mitarbeiter. Sie erhalten Sie bereits in der Ausbildung mit starken Konzepten und hand-
eine branchenübergreifende Perspektive, sehen spannen- werklichem Können überzeugen können!
Jetzt bestellen: shop.page-online.de/6cm
de Entwicklungstrends und vermeiden die sogenannte Be-
triebsblindheit«, sagt Nicola Heinrich, Leiterin Personalmar-
keting & Ausbildung bei OTTO. Zudem brächten die Flexibi-
lität und die mobile Arbeitsumgebung dem Konzern einen
Imagegewinn als Arbeitgeber. Im Gegenzug sind die OTTO-
Mitarbeiter auch eine Bereicherung für die anderen Mieter:
»Sie bringen die Sichtweisen und Erfahrungswerte eines
global agierenden Großkonzerns mit ein«, so Heinrich.
TUI machte mit der Arbeit im betahaus so gute Erfahrun-
gen, dass das Unternehmen mit Modul57 einen eigenen
Coworking Space in Hannover eröffnete (siehe Seite 96).
»Die räumliche Trennung und der Abstand zur täglichen
Arbeit haben sehr positive Auswirkungen auf die Projekt-
arbeit«, sagt Fabian Heuer, Consultant Project Excellence
bei TUI. Modul57 ist offen für alle, wobei für TUI besonders
Freelancer und Firmen aus dem Bereich Neue Medien inte-
ressant sind. Der Austausch erfolgt auch hier spontan.
096 PAGE 06.13 TECHNIK Coworking Spaces

Im Modul57, dem
von TUI gestar-
teten Coworking
Space in Hanno-
ver, fand dieses
Jahr die offizielle
CeBIT-Presse-
konferenz statt.
Die Veranstalter
sahen darin die
passende Um-
gebung für das
zentrale Thema
»Shareconomy«

Auf Konferenzen kommen Betreiber aus verschiedenen Län-


dern zusammen, knüpfen Netzwerke und diskutieren über
die Zukunft von Coworking. So entstand das Konzept des
Coworking-Visums, mit dem man bei teilnehmenden Spaces
weltweit einen Platz buchen kann. Aber auch ohne ein sol-
ches Visum bieten Gemeinschaftsbüros überall auf der Welt
gute Arbeitsbedingungen für Kreative. Zusätzlich zum Ar-
beitsplatz finden sie dort schnell Anschluss und fühlen sich
idealerweise gleich ein bisschen wie Zuhause.

Reich wird man mit der Gründung eines


Coworking Space nicht, aber rund 70 Prozent
sind nach zwei Jahren profitabel

Wer jetzt Lust auf Coworking bekommen hat, aber kein ge-
eignetes Angebot in der Nähe findet, kann selbst zum Be-
Für Unternehmen sind die Spaces besonders als Orte in- treiber werden. Dazu sollte er vorab das Potenzial für eine
teressant, an denen Innovationen entstehen. »Durch das Gründung in seiner Stadt prüfen. Das kann zum Beispiel über
Zusammentreffen verschiedener Wissens-, Arbeits- und temporäre Coworking-Events passieren, den sogenannten
Praxiskulturen ergeben sich häufig zufällige Gespräche, die Jellies. Bei »Deskmag« finden künftige Space-Betreiber Infor-
man so nicht hätte planen können. Diese gelten als einer mationen und Tipps von der Finanzierung über Raumgestal-
der Haupttreiber für Innovation«, erläutert Janet Merkel. tung bis hin zu Community Building. Das betahaus bietet
Dieses Innovationsmodell ist für sie einer der spannends- zudem eine Art Franchising an: Überzeugt ein lokales Team
Coworking Spaces ten Aspekte von Coworking, in dem noch viel Potenzial lie- die Berliner, unterstützen sie das Projekt mit ihrem Namen,
in Deutschland ge. Auch die wachsende Zahl von Selbstständigen werde beraten und beteiligen sich an der Finanzierung.
findet man über der Arbeitsform weiteren Aufschwung geben. Insofern Reich wird man damit aber nicht. »Coworking Spaces
www.coworking. sind Coworking Spaces durchaus ein Modell für die Zukunft sind nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, sondern
de, weltweit über der Arbeit. Aber eben nur eines von vielen. »Die Art der Tä- auf Gemeinschaft«, sagt Ruben Schmidtmann. Für eine Grün-
www.deskwanted. tigkeiten, die man dort ausüben kann, ist begrenzt«, meint dung sind laut »Deskmag« durchschnittlich 46 500 Euro nötig.
com. Deren Aus- Merkel. Daher finden sich in den Gemeinschaftsbüros vor Die meisten investieren eigenes Kapital und subventionieren
richtung lässt sich allem Personen aus den Creative Industries, die besonders das Projekt zumindest am Anfang mit Einnahmen aus ihrem
meist schon an der mobil sind und von überall arbeiten können. Zweitjob. Rund 70 Prozent der befragten Spaces waren nach
Selbstbeschrei- Neben den interdisziplinär angelegten Coworking Spaces zwei Jahren profitabel. Die Zahlungsbereitschaft der Mie-
bung auf der Home- gibt es auch spezialisiertere Konzepte wie den Nadelwald in ter hat eine deutliche Obergrenze – schließlich ist ein zu-
page erkennen. Berlin, einen »Co-Sewing Space« mit Nähmaschinen am Platz. sätzlicher Arbeitsplatz zum Homeoffice für viele Freiberuf-
Viele Spaces bieten Andere bieten Ateliers für Fotografen oder Werkstätten für ler ein Luxus. »Viel Geld fließt zurück in die Weiterentwick-
auch einen Probe- die DIY- und Maker-Szene. Sobald physische Objekte gefertigt lung und Verbesserung der Spaces«, erklärt Schmidtmann.
tag zum Schnup- werden, stellt ein Shop eine sinnvolle Erweiterung dar. Span- Als Betreiber muss man also entsprechend überzeugt sein
perpreis an nend ist zudem die internationale Vernetzung der Spaces. vom Prinzip Coworking. nik
PRAXIS

Disruptive Creativity
Die Alchemie kreativen Denkens

Die Agenda Das Seminar


zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 14.06.2013 berechnen wir 50 Prozent, ab 19.07.2013 100 Prozent
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll

Von der Geißel des Briefings zu n Produkte und ihre Botschaften zu optimieren, um sie letztlich doch nur aus-
inspirierenden Zielen. tauschbar zu machen, das war einmal. Produkten eine Aura zu verleihen, das
der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.

Ziel: Die richtigen Fragen stellen, die essen- ist heute: Was den Verbraucher gefühlsmäßig nicht anspricht, das grenzt er aus.
ziellen Ziele punktgenau erfassen, das Was sein Interesse nicht weckt, kann er auch nicht wahrnehmen, geschweige
Problem durchdringen und in eine inspirieren- denn begehren. Aber aufmerksamkeitsstarkes Kommunikationsdesign erzeu-
de Quelle für wirklich Neues verwandeln. gen wir nur, wenn wir gegen Regeln verstoßen, von der Norm abweichen,
sprich: wenn wir auf Wiederholung angelegte Erwartungen durchkreuzen.
Stumpf gewordene Werbemittel
neu aufladen. Wie also entkommen wir bereits tausendfach gedachten Ideen, bloßen Me-too-
Ziel: Der Sprung in bisher unberührte Lösungen oder dem Risiko, sich unter Zeit- und Erfolgsdruck lediglich selbst
Ideenfelder, anstatt im Pool der üblichen zu kopieren? »Disruptive Creativity« ist das Sprungbrett zur übernächsten, nicht
Standardideen zu fischen. Radikal neue nur zur nächsten Idee. Während dieses Trainings erproben Sie mithilfe unge-
Ideen für stumpf gewordene Werbemittel wöhnlicher Methoden vielfältige Wege zu mutigen und radikal neuen Lösungen.
wie etwa Broschüren, POS-Material,
Online-Games, Messen oder Banner. Mario Pricken gibt Antwort auf die Frage, wie stumpf gewordene Tools aus
Design, Werbung und Marketing innovativ aufgeladen oder grundlegend neu
Ein Spielfeld für radikal neue gedacht werden können. Dabei geht es auch um die Chance, eine dauerhafte
Kommunikationsideen schaffen. Creative Culture anstatt permanenter Beschränkungen im Alltag Ihres Teams
Ziel: Innovative Werbeformate entwickeln, zu etablieren. Zu wie viel Disruptive Creativity sind Sie fähig? Finden Sie
indem man lieb gewonnene Denkroutinen, mit Mario Pricken heraus, welche ungewöhnlichen Ideen in Ihnen stecken.
Normen oder einschränkende Regeln spiele-
risch durchbricht. Welche überraschend Das eineinhalbtägige Seminar »Disruptive Creativity – Die Alchemie kreativen
neuen Werbeformen könnte es 2015 geben? Denkens« mit Mario Pricken findet statt am 20./21. September 2013
im Hotel Gastwerk, Hamburg. Am Freitag beginnt es um 13 Uhr und endet um
Kreativtechniken für eine 17:30 Uhr, am Samstag dauert es von 9 Uhr bis 17 Uhr. Die Teilnahme kostet
neue Creative Culture. 1390 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Teilnahmegebühr umfasst die Tagungs-
Ziel: Verblüffende Kreativmethoden sollen kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen
in Teams eine dauerhafte Creative Culture begrenzt! Also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.
etablieren. Ein klarer Kreativprozess zeigt,
wie man Routine und Frust verhindert und
gleichzeitig Zeit und Ressourcen spart.

Der Referent
n Mario Pricken ist einer der gefragtesten Profis der Creative Industries, wenn es
um neue Kreativitätstechniken, Denkstrategien und effektives Ideenmanagement
geht. Seit Jahren wird er von namhaften Werbeagenturen, Designfirmen, Fernseh-
stationen und internationalen Marketingabteilungen als Consultant oder Kreativi-
PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG tätstrainer engagiert. »Adweek«, »AdAsia« oder die »Financial Times« sind nur drei
E-Mail: info@page-online.de jener Medien, die seine Methoden als überzeugenden neuen Weg zur Professiona-
Telefon: +49 40 85183400 lisierung der Kreativbranche sehen. Dass sich sein Buch »kribbeln im Kopf« über
www.page-online.de/seminar 100 000 Mal verkauft hat, spricht für sich.
098 PAGE 06.13 TECHNIK

TOOLS & TECHNIK

Adobe Lightroom 5 als Public Beta


n Knapp ein Jahr nach dem offiziel- und sich so unabhängig von den Origi-
len Start von Lightroom 4 präsentiert nal-Fotos zu machen. Denn diese kön-
Adobe bereits eine Public Beta von nen im Netzwerk oder auf einer exter-
Lightroom 5. Damit erhöht der Herstel- nen Festplatte liegen, während man
ler das Tempo bei der Aktualisierung die Bilder unterwegs auf seinem Note-
seines Fotoworkflowtools. Die Neue- book bearbeitet. Sobald Lightroom 5
rungen fallen entsprechend moderat wieder auf die Original-Bilddaten zu-
aus: Neu ist das Aufrichten-Werkzeug, greifen kann, überträgt es automatisch
das Linien innerhalb des Bildes selbst- die an den Previews durchgeführten
ständig erkennt und so perspektivi- Bearbeitungsschritte.
sche Verzerrungen, aber auch optische Die anderen Verbesserungen be-
Verzeichnung automatisch ausgleicht. treffen Details bei der Buch- und Dia-
Insbesondere Architekturaufnahmen show-Funktion. Die Public Beta läuft
und Stadtansichten profitieren von unter Mac OS und Windows – und das
dieser Funktion. In der neuen Version zeitlich begrenzt bis Ende Juni. Adobe
arbeitet das Ausbessern-Werkzeug wie wollte noch keinen Termin für das Er-
ein Pinsel – vorher konnte man nur scheinen der finalen Version nennen,
kreisrund stempeln. dieser dürfte jedoch vor Ablauf der Lightrooms neues Aufrichten-Tool erkennt selbsttätig
Interessant ist die Möglichkeit, so- Betaversion liegen. Linien in Fotos und stellt sie gerade. Auf Wunsch werden
genannte Smart Previews zu erstellen ≥ http://labs.adobe.com die Bilder auch automatisch passend beschnitten

Luxus-Lochkamera
n Zurück zu den Anfängen, aber mit möglichst viel Komfort: Mit der Harman Titan kann man relativ
unkompliziert großformatige Analogaufnahmen anfertigen. Es gibt die Lochkamera in den Größen
4 mal 5 Zoll und 8 mal 10 Zoll für klassischen Planfilm. Mit einem Stativgewinde, einer Wasserwaage und
einem Zubehörschuh stellt die Titan die Luxusvariante einer Lochkamera dar. Geliefert werden
beide Versionen mit Weitwinkel-Lochblenden (72 und 150 Millimeter), die austauschbar sind. Während
Papier und Film für den ersten Start mitgeliefert werden, muss man eine Planfilmkassette geson-
dert beziehen. Beide Titan-Varianten sind im Fotofachhandel erhältlich und kosten etwa 240 Euro
(4 mal 5 Zoll) und circa 420 Euro (8 mal 10 Zoll). Für Planfilmkassetten sollte man rund 50 Euro für
die kleine und 300 Euro für die große einrechnen. Den Vertrieb in Deutschland übernimmt Le Bon Image.
≥ www.bon-image.com
PAGE 06.13 099

1 2

Hard- und Software


Der XA25 deckt mit +++ Mac Pro schneller machen. Sapphire hat eine Mac-
seinem Zoom Edition ihrer Grafikkarte Radeon HD 7950 speziell für den
einen Brennweiten- derzeit nicht mehr neu erhältlichen Mac Pro vorgestellt.
bereich von 27 bis Der Hersteller verspricht eine Steigerung der Grafikper-
576 Millimetern ab formance von bis zu 300 Prozent. Die Karte ist ab sofort
erhältlich und kostet circa 460 Euro. ≥ www.sapphiere
tech.com +++ Windows mit Flash. Entgegen ersten
Ankündigungen unterstützen jetzt doch Windows 8
Profi-Camcorder von Canon und Windows RT per Default die Flash-Technologie von
Adobe. ≥ http//:blogs.msdn.com +++ DesignPad aktu-
n Mit drei neuen HD-Camcordern er- nen Bildraten bis zu 1080/50p auf. Sie alisiert. 1 Quarks iPad-App zum Festhalten von Layout-
weitert Canon ihr Portfolio für ambitio- sind jeweils mit zwei SD-Karten-Slots und Designideen gibt es in Version 1.5.0. Sie verfügt jetzt
nierte Videofilmer. Der XA 20 und der ausgestattet, sodass sich die Aufnah- über eine Undo-Funktion und soll es erlauben, Rahmen
XA25 sind Teil der professionellen X-Se- men parallel in unterschiedlichen For- zu manipulieren und Bilder präziser zu platzieren. Au-
rie, der Legria HF G30 ist eher für den maten speichern lassen. Das ist von ßerdem kann man Schattenfarben definieren und Text-
semiprofessionellen Markt konzipiert. Vorteil, um eine hochwertige Variante umrandungen anlegen. Die App ist kostenlos, wer Fea-
Die drei nutzen dieselbe Sensor- und für die finale Fassung und eine hand- tures zum Teilen der Designs und weitere Exportformate
Prozessortechnik: einen neuartigen 1:2, liche für die erste Sichtung zu erhal- benötigt, zahlt 8,99 Euro. +++ Nik-Plug-ins billiger. Die
84-CMOS-Sensor, der nach Angaben ten. Während alle drei Modelle über Nik-Plug-ins für Photoshop, Aperture und Lightroom sind
von Canon eine sehr gute Low-Light- WLAN, HDMI, USB, Mikrofon- und Kopf- jetzt deutlich günstiger zu haben. Google hat als neuer
Performance bieten soll. Das optimier- höreranschlüsse verfügen, hat allein Besitzer der intuitiven Bildbearbeitungstechnologie den
te Bildstabilisatorsystem soll vor allem der XA25 einen HD-SDI-Ausgang. Die Verkaufspreis für das Bundle mit allen Plug-ins, beste-
bei Aufnahmen im Gehen Schwanken drei Camcorder sollen ab Juni verfüg- hend aus Viveza, HDR Efex Pro, Color und Silver Efex sowie
und Verwackler besser kompensieren. bar sein und kosten zwischen 1500 Eu- Sharpener Pro, von vorher 500 Dollar auf rund 150 Dol-
Die drei Kameras zeichnen im MP4- ro (Legria HF G30) und 2500 Euro (XA25). lar gesenkt. ≥ www.niksoftware.com +++ Browser-
oder AVCHD-Format mit verschiede- ≥ www.canon.de Testplattform überarbeitet. Microsoft hat modern.IE,
die Testplattform für Internet Explorer, ins Deutsche über-
tragen, überarbeitet und um weitere virtuelle Maschinen
ergänzt. ≥ www.modern.ie/de-de +++ Kurzdistanz-
Projektoren. 2 Für kleine Seminarräume sind die neuen
Der AOC my- Beamer mit Lasertechnologie von LG interessant. Sie
Multi-Play können bei einem Projektionsabstand von 52 Zentime-
kann mehrere tern eine Bilddiagonale von etwa 80 Zoll darstellen. Die
Signalquellen Haltbarkeit der Lichtquelle gibt LG mit über 20 000 Stun-
parallel den an. Die beiden ersten Modelle, der SA560 und der
darstellen SA565, kosten etwa 1700 und 1900 Euro. ≥ www.lge.com
+++ Neues PDF/X- und Color-Management-Handbuch.
Cleverprinting hat ihre Broschüre zum Umgang mit PDF
und Farbmanagement überarbeitet. Besonderes Augen-
merk liegt dabei auf der Zusammenarbeit zwischen Ge-
Ultrawide-Displays stalter und Druckdienstleister. Auch dieses Handbuch
ist kostenlos als PDF-Datei downloadbar; die gedruckte
n Gleich zwei neue Bildschirme im Der myMulti-Play kann mehrere Sig- Variante kostet knapp 20 Euro. ≥ www.cleverprinting.de
21:9-Format sind erschienen: der my- nalquellen simultan darstellen und ver- +++ Thunderbolt-Dock von CaDigit. Auch CalDigit kün-
Multi-Play von AOC und der Crystal- fügt zudem über eine MHL-Anschluss, digt ein Dock für die fast nur von Apple verbaute Univer-
Clear 298P4QJEB von Philips, der unter sodass Android-Geräte via Kabel ihr salschnittstelle an. Zum Preis von etwa 200 Dollar soll es
der Submarke MMD vertrieben wird. Bild auf dem Monitor ausgeben kön- USB 3.0, HDMI, LAN und eine weitere Thunderbolt-
Das überbreite Format kann in vielen nen. Zum Lieferumfang gehört auch ei- Schnittstelle zur Verfügung stellen. Der Erscheinungster-
Fällen zwei Monitore ersetzen und ist ne Software zur besseren Unterteilung min stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. ≥ www.
darüber hinaus für die Produktion be- der Bildschirmfläche beim Rechnerbe- caldigit.com +++ Profi-Monitor von Lenovo. Ein 30-Zoll-
wegter und unbewegter Panoramafor- trieb. Der Philips-Monitor ist in einer IPS-Panel mit 2560 mal 1600 Bildpunkten, eine Farbtiefe
mate ideal. Beide Modelle setzen auf Professional-Variante erhältlich, die Mi- von 10 Bit pro Kanal und eine 99-prozentige Abdeckung
IPS-Panels, die bis in die Ecken hinein krofon und Webcam ergänzt. Auch er des Adobe-RGB-Farbraums zeichnen den ThinkVision
für eine blickwinkelstabile Farbwieder- zeigt mehrere Videoquellen zugleich LT3053p aus. Der für Grafikarbeiten konzipierte Monitor
gabe sorgen sollen. Auch die Auflösung an. Kostenpunkt: jeweils rund 500 Euro. ist mit einer Lichtschutzhaube ausgestattet. Im US-Shop
ist gleich hoch und beträgt 2560 mal ≥ www.aoc-europe.com; ist er für etwa 1600 Dollar gelistet, in Deutschland soll er
1080 Bildpunkte. www.mmd-p.com laut Lenovo bald erhältlich sein. ≥ www.lenovo.com ml
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EINBLICKE
Frühling lässt sein blaues Band ... Auch Kreative zieht es jetzt in ihre Gärten – vier gewähren hier Einblick

fällt die Sonne bis auf den


Boden. Um auch die Nord-
seite mit Licht zu versorgen,
hoben wir das Niveau des
Gartens auf der unterbelich-
teten Seite um bis zu 2,5 Me-
ter an. Ganze 1000 qm Mut-
tererde schafften wir dafür
mit Schubkarren in den zwei-
ten Hinterhof. . . Das brachte
uns näher zum Himmel.
Zu meinem Gärtnerstolz gehören
die 20 Bäume, darunter Quittenbäume,
die im Herbst quietschorangen Gelee
spendieren. Der große Pflaumbaum
rückt drei Pflaumen raus, wenn’s hoch
kommt, dafür blüht er prächtig! Das
Gemüse kommt aus den benachbarten
Bioläden – unser Schattengarten ist
nicht gerade ein Ertrag-Reich!
Wer sich in unseren Hof verirrt,
glaubt häufig kaum, dass wir hier tat-
Hauptstadtoase sächlich mitten in der Stadt sind. Das
n Es fing alles mit den Kindern an. Vor- plexes in Berlin-Mitte renoviert und liegt vielleicht mit an den »Baumhaus«
her hat mich das Thema Garten nicht einzugsbereit. Jetzt leben 4 Familien in genannten, sonnenbesegelten Holz-
die Feuerbohne interessiert. Mit unse- dem Areal, 7 Kinder bevölkern den Gar- türmen, die Klettergerüst, Wochenend-
rer ersten Tochter verwandelte sich der ten, fast 20 Designer die angrenzenden haus, Frühstückslounge, Kaminzimmer
3-Quadratmeter-Balkon in Charlotten- Büros von Moniteurs und xplicit bln. und Raclette-Hütte sind. Hoffentlich
burg in einen Instantgarten mit Dut- 2000 stand hier kein Grashalm, heu- kommt bald die Sonne! Dann können
zenden verschiedener Töpfe. Plötzlich te überragen die Birken den Dachfirst sich xplicits und Moniteurs wieder zum
sollte alles um uns herum wachsen. Als der Remisen. Die hohen Brandschutz- Mittag an den Biertischen treffen.
die Kleene 3 Jahre alt war, war dann wände der umstehenden Gebäude Alexander Branczyk, Geschäftsführer
unsere Remise im Hof eines Altbaukom- sind das Problem hier – erst im März von xplicit bln

türlich im Internet gesucht –


Außer Reichweite und tatsächlich auch gefun-
n Dass das Thema »Kreative und ihre den. Ein Garten mit Häus-
Gärten« in PAGE Platz findet, zeigt eine chen, der vier Jahre lang am
tiefe Sehnsucht der meisten in unse- Schwarzen Brett des Rat-
rer Branche – in erster Linie nach Un- hauses der Gemeinde zum
erreichbarkeit. Mein Garten liegt im Verkauf angeboten wurde
Norden von Berlin – dort, wo ihn keiner und erst mithilfe eines inno-
finden kann. Er hat – auf den Quadrat- vativen Immobilienmaklers
meter genau – 4000 Quadratmeter. zu ImmobilienScout24 kam.
Unser Garten ist wild, ungezwungen Gartenarbeit und gestalterische Ar-
und ursprünglich. Bei uns darf wach- beit haben eine ganz große Gemein-
sen, was wachsen will und keinen be- samkeit: Von der Idee bis zum Ergeb-
sonders großen Wert auf Pflege legt. nis, das man voller Stolz bestaunen
Denn dafür haben wir keine Zeit. Unser kann, vergehen Wochen, wenn nicht
Garten soll uns pflegen, uns Freude ge- sogar Monate. Der wichtigste Unter-
ben und Ruhe spenden. schied: Beim Garten redet einem der
Als Städter haben wir schon immer Kunde nicht rein.
von einem Refugium auf dem Land ge- Bert Peulecke, Geschäftsführer von
träumt. Als Städter haben wir es na- thjnk berlin
PAGE 06.13 107

Gestaltete Wildnis
n Letztes Jahr haben wir auf dem Bal- heiten, ein Grillplatz – eben ein Rück-
kon von Scholz & Volkmer in alten, mit zugsort auf dem Agenturgelände. Au-
Textil ausgekleideten Weinkisten einen ßerdem bekommen die Kleinen aus
Gewürz- und Blumengarten angelegt. dem benachbarten Kindergarten ein
Wer gerade vorbeikam, goss mal die eigenes Beet. Spannend wird es zu
Pflanzen oder zupfte das Unkraut. Die überprüfen, ob klimaneutrales Gärt-
Kräuter verwendeten wir für die ge- nern möglich ist, denn wir wollen das
meinsamen Mittagessen. Dann hörten Projekt in den Klimareport unserer
wir von dem Forschungs- Agentur einfließen lassen.
projekt »Urban Gardening Mein persönlicher Bezug zum Gar-
2.0« anlässlich des Wissen- ten ist auch durch meine Kindheit ge-
schaftsjahres 2012 ( http:// prägt, in der ich schon viel im Garten
urbangardening2.de ) zu der geholfen habe. Ich liebe Gärten wie
Gestaltung eines nachhalti- den verwunschenen Philosophenpfad
gen Firmengartens, initiiert in Kyoto, in denen es in allen Ecken
vom Leibniz-Zentrum für etwas zu entdecken gibt – mit einer
Agrarlandschaftsforschung gewissen Leichtigkeit und leicht mor-
und der Humboldt-Univer- bide anmutendem Charme, einer Art
sität zu Berlin. absichtlichem Chaos. Ein Unterschied
Wir entwickelten ein Gartenkonzept zur alltäglichen Arbeit eines Designers
für den Campus des alten Klinikkom- ist, dass sich ein Garten viel weniger
plexes, in dem Scholz & Volkmer ihren kontrollieren lässt – das ist ja auch das
Sitz hat, bewarben uns um die Förde- Schöne daran.
rung – und gewannen den Hauptpreis. Nanna Beyer, Manager Creating
Geplant sind Blumen- und Gemüsegar- Shared Value bei Scholz & Volkmer,
ten, viele verschiedene Sitzgelegen- Wiesbaden

Eigene Zeit
n Unser Garten ist beinahe nennen soll, wäre das der Garten von
3000 Quadratmeter groß Karl Foerster in Potsdam. Die Anlage
und liegt am Südrand der eines Gartens hat sehr viel mit Gestal-
Uckermark – in einem klei- tung zu tun - man schafft ja Bilder und
nen Dorf direkt neben ei- Räume mit Pflanzen. Das Schöne und
nem wunderbaren, uralten gleichzeitig enorm Schwierige dabei ist,
Buchenwald, der kürzlich dass das Ganze lebt und sich ständig
zum Weltnaturerbe erho- wandelt. Ohne Erfahrung stößt man da
ben wurde. Nach Berlin sind es von hier schnell an Grenzen.
aus etwa 70 Kilometer und eine gute Was das Gärtnern betrifft, bin ich
Stunde Autofahrt. Als meine Familie familiär vorbelastet. Der Wunsch nach
und ich das Grundstück vor 4 Jahren einem eigenen Garten kam aber erst
samt einem ziemlich heruntergekom- in meinen Dreißigern auf, die Erfüllung
menen Häuschen gekauft haben, war hat noch mal eine gute Dekade gedau-
der Garten vollkommen verwildert. ert . . . Für mich bedeutet Gartenarbeit
Bisher haben wir keinen richtigen die perfekte Entspannung, weil ich da-
Gartenplan gemacht. Das soll sich lang- bei alles andere komplett vergessen
sam entwickeln – ein schöner Garten kann. Ich bin dann wirklich »geerdet«.
braucht Zeit. Wir bauen hier alles Mög- Und die Veränderungen der Natur im
liche an: Gemüse, Kräuter, Beeren, Lauf des Jahres und die Entwicklung
Obst, Blumen, Sträucher, Bäume. Ich des Gartens von Jahr zu Jahr zu beo-
mag das entspannte Neben- und Mit- bachten – ein Vergnügen!
einander, ein rein formaler Garten lang- Mathias Remmele, freier Kurator,
weilt mich. Ich lese viel über Pflanzen Design- und Architekturjournalist,
und Gärten. Wenn ich ein Vorbild be- Berlin
108 PAGE 06.13

KALENDER
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European Newspaper berlin/de
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Konferenz zu Zeitungs- 23.05.–24.05. red dot award: commu-
design und -konzeption KarmaKonsum nication design 2013
Rathaus Wien Konferenz Designer, Agenturen und
≥ www.newspaper- Kongress und Green- Auftraggeber können
congress.eu Camp zum Thema Nach- Arbeiten in Kategorien
haltigkeit IHK Frankfurt von »Posters« bis hin zu
08.05. ≥ www.karmakonsum. »Social Media« einreichen
The Natural With de/konferenz ≥ http://red-dot.de
The Artificial
Ab 19 Uhr sprechen Cohen 27.05.–29.05. Bis 31.05.
van Balen und mischer’- beyond tellerrand Hamburg Animation
traxler über »Panoramen Konferenz & Workshops Award 2013
des technologischen zu Webdesign Düsseldorf Internationaler
Re-Designs von Natur und ≥ http://2013.beyond Nachwuchspreis für
dem Einsatz von natür- tellerrand.com Animationsdesign

Von unten: © Franco Clivio; Foto: Hans Hansen Ausschnitt aus dem Plakatsonderdruck zur Ausstellung »No Name Design«; Songzio, Modenschau Fall/Winter 2010, Foto: Songzio
lichen Prozessen in der ≥ www.hamburg-
Gestaltung«. Am 14. Mai 06.06.–07.06. animation-award.de
wird die Veranstaltung Designsymposium
mit Vorträgen von Stefan Bei der Frage »Was ist Bis 31.05.
Schwabe und Susana nachhaltige Kommunika- Fantoche 2013:
Soares und fortgesetzt tion?« liegt der Fokus auf Call for Entries
Designtransfer, UdK Berlin Informationsgestaltung Das Schweizer Anima-
≥ www.designtransfer. Fachhochschule Die koreanische Designszene ist in Frankfurt zu Gast tionsfilmfestival
udk-berlin.de Vorarlberg, Dornbirn sucht »gewagte Ideen,
≥ www.fhv.at Hema und edenspieker- 15.06. neue Bilder und über-
15.05.–17.05. mann zu den Sprechern Leitmedium Design 2: raschende Geschichten«
Google I/O 2013 11.06.–12.06. Fachhochschule Mainz Gutes Design ≥ www.fantoche.ch
Entwicklerkonferenz Umweltkonferenz ≥ www.cxi- gut verkaufen
San Francisco Thema: Nachhaltigkeit konferenz.org PAGE-Seminar mit Jochen Bis 19.06.
≥ https://developers. in der Medienproduktion Rädeker (siehe Seite 83) red dot award: design
google.com/events/io Messe Düsseldorf 14.06. Hotel 25hours, Hamburg concept 2013
≥ www.umwelt Leitmedium Design 1: ≥ www.page-online.de/ Neu sind unter anderem
15.05.–16.05. konferenz.com Gutes Design entwickeln seminar die Kategorien »Service«
Digital Marketing & PAGE-Seminar mit Jochen und »Interaktion«
Media Summit 12.06. Rädeker (siehe Seite 82) 28.06. ≥ http://red-dot.de
Event zu Social-Media- cxi_13 Hotel 25hours, Hamburg Ampersand 2013
Marketing Hamburg Bei der CI-Konferenz zäh- ≥ www.page-online.de/ Webtypografie- Bis 30.06.
≥ www.d2m-summit.de len unter anderem Stan seminar Konferenz Brighton 17. animago Award 2013
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≥ http://2013.amper Arbeiten im Bereich 3-D,
1 sandconf.com Animation, Effekte und
Gamedesign einreichen
≥ www.animago.com
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Sie eine Übersicht für junge Kreative
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≥ www.app-art- ferenzen und Festivals
award.org ≥ www.designmonat.at
Franco Clivios moderne Wunderkammer zeigt das Gewerbemuseum Winterthur
PAGE 06.13 109

≥ Weitere Termine unter www.page-online.de/events. Dort können Sie uns auch Ihre Veranstaltungstermine mitteilen

3
05.05.–06.10.
1 No Name Design.
Die Wunderkammer
von Franco Clivio
Über 900, meist kleine
Gebrauchsobjekte hat
der Designer Franco
Clivio, Dozent an der
Hochschule für Gestaltung
Zürich, gesammelt. Ihn
fasziniert weniger die Harun Farocki erkundet in seinen experimentellen Filmen und Installationen narrative Spielregeln
gute Form als vielmehr
eine gestalterische 01.06.–24.11. großer Beliebtheit. Zu und dokumentierte das Bis 25.08.
Qualität, die auf der La Biennale di Venezia sehen sind Papierobjekte Leben der Baumwoll- 4 Korea Power. Design
Besonderheit von Funk- Internationale von 90 internationalen bauern Rautenstrauch- und Identität
tion, Material und Kons- Kunstausstellung Künstlern wie Pipilotti Joest-Museum, Köln Nach Ende des Korea-
truktion beruht Gewerbe- ≥ www.labiennale.org Rist oder Paul McCarthy ≥ www.museenkoeln.de kriegs 1953 hat Südkorea
museum Winterthur Kunsthaus Kaufbeuren eine rasante Modernisie-
≥ www.gewerbe 05.06.–09.06. ≥ www.kunsthaus- Bis 04.08. rung nach westlichem
museum.ch DMY 13 kaufbeuren.de Move on Asia. Video- Vorbild erlebt. Heute
Designfestival Berlin kunst in Asien 2002–2012 rückt für koreanische
Bis 15.05. ≥ http://dmy-berlin. Bis 28.07. Neben Werken anerkann- Designer die Suche nach
Concept Art, Preproduc- com/de Albert Watson: ter Künstler sind Arbeiten Identität in den Vorder-
tion und Design in der 14 Days in Benin der jüngsten Generation grund Museum für Ange-
Unterhaltungsindustrie 06.06.–08.06. Der weltbekannte Foto- zu sehen ZKM | Medien- wandte Kunst Frankfurt
Mit 30 Kunstwerken von OFFF Barcelona graf bereiste 2011 das museum, Karlsruhe ≥ www.museum
15 internationalen Digital Festival der digitalen westafrikanische Land ≥ www.zkm.de angewandtekunst.de
Artists gibt die Schau Ein- Kreativ-Avantgarde
blick in die Enstehungs- Disseny Hub Barcelona
prozesse von Film- und ≥ www.offf.ws/bcn2013/
Gameproduktionen
Design Center Stuttgart Bis 09.06.
≥ www.design-center.de 3 Harun Farocki:
Spiel und Spielregeln
16.05.–18.05. Gezeigt werden Installa-
Von unten: Lars Fiske (www.fiske.no) aus »Merz i Molde« (2007); Foto: »Fressen oder Fliegen« © Harun Farocki & Antje Ehmann 2008

ADC Festival 2013 tionen und Filme des


Neben Awards Show und Medienkünstlers
Party gibt es eine Ausstel- Edith-Russ-Haus für
lung, einen Nachwuchs- Medienkunst, Oldenburg
tag und einen Kongress ≥ www.edith-russ-haus.
zum Thema »The Power de/
of Digital Ideas« Ober-
hafenquartier, Hamburg 07.06. – 08.09.
≥ www.adc.de Call for Type
Präsentation der Ergeb-
16.05.–15.09. nisse des gleichnamigen
Böse Dinge. Eine Wettbewerbs. Dazu gibt
Enzyklopädie des es Vorträge und eine
Ungeschmacks Tauschmesse für Fonts
Die Ausstellung des Gutenberg-Museum Mainz
Berliner Museums der ≥ www.call-for-type.de/
Dinge ist zu Gast im
Museum für Kunst und 10.06.–15.06.
Gewerbe Hamburg Annecy 2013
≥ www.mkg-hamburg.de Animationsfestival
≥ www.annecy.org/
22.05.–26.05.
backup_festival 2013 16.06.–22.06.
Kurzfilmfestival Weimar Cannes Lions Internatio-
≥ www.backup- nal Festival of Creativity
festival.de Palais des Festivals
≥ www.canneslions.com
29.05.–02.06.
2 Comicfestival Bis 23.06.
München From Page to Space –
Ausstellungen, Zeichen- Vom Blatt zum Raum
kurse und Comicbörse Falten, reißen, knüllen,
an über 15 Standorten kleben, tackern – das
≥ www.comicfestival- Medium Papier erfreut 2
muenchen.de sich auch in der Kunst
Lars Fiske präsentiert beim Comicfestival München Seiten aus seinem Schwitters-Comic
110 PAGE 06.13

PUBLIKATIONEN

Matthew Cusick nutzt Kartenmaterial


wie ein Maler die Farbpalette –
Claire Brewster macht daraus filigrane
Scherenschnitte

plan, bei dem man sich verläuft, aber


doch immer wieder zum Ausgangs-
punkt zurückfindet; Pflanzenzeichnun-
gen, bei denen die Wurzeln als Karten
von Flussverläufen dargestellt wer-
den und die so die innige Verbindung
von Vegetation und Wasser ins Be-
wusstsein rufen.
Was auffällt: London haben Desig-
ner und Illustratoren schon in allen er-
denklichen grafischen Formen kartiert.
Mehr solcher ungewöhnlicher Stadt-
pläne wünschen wir uns auch für Ber-
lin, Hamburg, Köln et cetera. Finden
bestimmt bei Einheimischen ebenso
n »Geo Graphic«. Wofür Landkarten und kommerziellen Projekten macht. viel Anklang wie bei Touristen.
nicht alles gut sein können! Dieser Band Ein paar Beispiele: ins Corporate De- > Index Book: Geo Graphic.
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von Anwendungen, wobei er keinerlei gebundene Karten; aus bunten Klamot- (Index Book) 2013, 192 Seiten.
Unterschiede zwischen künstlerischen ten drapierte Kontinente; ein Stadt- 20 Euro. isbn 978-84-15308-35-5

n »Kawaii«. Weltweit grassiert der mos bis hin zu den Kigurumi-Charac-


Ach-wie-niedlich-Virus – und bringt bei ter-Kostümen, in denen Japaner nicht
entsprechenden Beiträgen auch auf nur Shopping-Malls, sondern auch ger-
PAGE Online immer hohe Klickraten. ne mal Underground-Clubs besuchen.
Wir wollen nicht den Japanern die gan- Übrigens: Auch die LOLCats haben Vor-
ze Schuld am globalen verniedlichen- läufer in Japan. Sie heißen nameneko
den Designerkitsch zuschreiben, doch und treten seit den achtziger Jahren
im Land der Kirschblüten verbreitete in menschlichen Outfits auf. Aktuelle
sich der dort kawaii genannte Virus Artists wie beispielsweise Chikuwade-
zuerst und am massivsten. mil, Yosuke Ueno oder Yunko Mizuno
Lifestyle-Journalistin Manami Oka- hingegen zeigen, dass hinter der nied-
zaki und Fotograf Geoff Johnson un- lichen Oberfläche auch das Grausen
tersuchen das Phänomen in allen sei- hausen kann . . .
nen Facetten – angefangen bei Vorrei- > Manami Okazaki, Geoff Johnson:
tern wie Eico Hanamura, die seit 1959 Kawaii. Japan’s Culture of Cute.
Mädchen-Mangas zeichnet, über den München (Prestel) 2013, 224 Seiten. Süß, oder? Coverillustration von
seit 1974 ausufernden Hello-Kitty-Kos- 24,95 Euro. isbn 978-3-7913-4727-1 Eico Hanamura aus dem Jahr 1966
PAGE 06.13 111

n »Lotte Reiniger«. Mit der DVD-Rei-


he »Die Geschichte des deutschen Ani-
mationsfilms« hat absolut Medien aus
Berlin schon Beachtliches für die Auf-
arbeitung der deutschen Trickfilmhi-
storie getan. Jetzt erschien in einer
ARTE Edition ein Film über Scheren-
schnittkünstlerin Lotte Reiniger, die mit
»Abenteuer des Prinzen Achmed« den
ersten abendfüllenden Animationsfilm
auf die Leinwand brachte. Vier Jahre
arbeitete sie daran – mit ihrem Mann
Carl Koch, der mit der Entwicklung des
Multiplan-Tricktischs den Inszenierun-
gen räumliche Tiefe gab.
Die Dokumentation erzählt auch
von Reinigers Inspiration durch das asi-
atische Schattentheater oder ihren Bei-
trägen zu Spielfilmen von Jean Renoir
und Luchino Visconti. Am faszinierends-
Lotte Reinigers ten sind aber die Aufnahmen, wo man
»Abenteuer des sie bei der Arbeit sieht – und über die
Prinzen Achmed« geradezu märchenhafte Agilität ihrer
lief erstmals 1926 Hände staunt.
> Susanne Marschall, Rada Bieber-
stein, Kurt Schneider: Lotte Reiniger –
Tanz der Schatten. Berlin (ARTE
Edition bei absolut Medien) 2013,
60 Minuten und Extra (DVD).
14,90 Euro. isbn 978-3-8488-3002-2

n »Dieter Rams«. Liegt es an einer schen Nutzer und Gegenstand, die


Zitronenpresse, dass heutige Apple- Rams wegweisend neu definierte. Die
Geräte so schick aussehen? Bekanntlich perfekte Verbindung von Funktionali-
ist Chefdesigner Jonathan Ive ein gro- tät und Schönheit macht sein Werk für
ßer Fan des Ex-Braun-Chefdesigners alle interessant, die an solchen Schnitt-
Dieter Rams. Dessen Arbeit begegne- stellen arbeiten, auch Print- oder Web-
te ihm erstmals in Gestalt der Braun designer. Die Biografie wartet mit vie-
MPZ2 citromatic, die seine Eltern kauf- len exklusiv für diese Publikation ent-
ten, als er noch ein Kind war, und die standenen Bildern auf: Florian Böhm,
nachhaltigen Eindruck auf ihn machte. der ja schon ein Buch über Konstantin
Nun brauchen Sie bei Ihren Apple- Grcic vorlegte, fotografierte sowohl
Geräten nicht irgendeine Ähnlichkeit im Braun-Archiv als auch bei Dieter
zu einer Zitronenpresse zu suchen. Es Rams daheim. cg
geht vielmehr um die Beziehung zwi- > Sophie Lovell: Dieter Rams: So wenig
Design wie möglich. Phaidon und Edel
Begehrtes Sammelobjekt: (London und Hamburg) 2013, 400 Sei-
Tischradio RT 20, hier im Braun-Archiv ten. 79,95 Euro. isbn 978-3-8419-0190-3
112 PAGE 06.13 Publikationen

978-3-86936-476-6. Nach ihrer witzigen Attacke auf den Individuali-


tätswahn in »Die Einmaligen« kümmern sich die beiden Markenexper-
ten um ihr eigentliches Fachgebiet. Mehr unter www.buero-fuer-marken
entwicklung.de. 3 Linda O’Keeffe: Stripes. Design Between the
Lines. London (Thames & Hudson) 2013, 244 Seiten. 29,95 Pfund.
9780500516690. Von Op-Art über Designerstuhl bis Krawatte: Stylistin
und Interior-Design-Expertin Linda O’Keefe lädt zur Reise durch eine
gestreifte Welt ein. Pierre Hansch, Christian Rentschler: Emotion@
Web. Emotionale Websites durch Bewegtbild und Sound-Design.
Heidelberg/Berlin (Springer) 2013, 273 Seiten. 36,99 Euro. 978-3-642-
13992-5. Das Buch selbst kommt komplett unemotional daher, taugt
allerdings als technischer Ratgeber und Nachschlagewerk. Ludovic
Houplain: Logobook. Köln (Taschen) 2013, 776 Seiten. 39,99 Euro. 978-
3-8365-3413-0. Ludovic Houplain vom Pariser Designstudio H5 präsen-
tiert in dem Wälzer alphabetisch geordnet die 7000 Logos, die er für
1 den Kurzfilm »Logorama« sammelte. Stephen Woods: Building Touch
Interfaces with HTML5: Develop and Design. Speed up your site
and create amazing user experiences. Berkeley, CA (New Riders) 2013,
Neuerscheinungen – kurz vorgestellt 256 Seiten. 39,99 Dollar. 978-0-321-88765-8. Mehr Informationen unter
www.peachpit.com/touchinterfacedd. Michael Erlhoff: Theorie des
1 Rick Poynor: No More Rules. Graphic Design and Postmodernism. Designs. Paderborn (Wilhelm Fink) 2013, 225 Seiten. 34,90 Euro. 978-3-
London (Laurence King) 2013, 192 Seiten. 12,95 Euro. 978-1-78067-103-1. 7705-5285-6. Vielseitige Essays des Kölner Professors, nach dem Mot-
Brite Rick Poynor ist einer der schlauesten Köpfe unter den Designau- to: »Da alles gestaltet ist, ist eben
toren – Grund genug, dieses Buch von 2003 über den gestalterischen auch alles Thema einer Theorie des
Umbruch der achtziger und neunziger Jahre neu zu veröffentlichen. Designs.« Marijpol: Eremit. Ber-
2 Chiara Armellini: Löwe oder Gürteltier? Schau genau hin, dann lin (avant-verlag) 2013, 216 Seiten.
sag ich’s dir. München (Knesebeck) 2013, 62 Seiten. 19,95 Euro. 978-3- 19,95 Euro. 978-3-939080-71-8. Der
86873-573-4. Wunderbares Bilderbuch für die visuelle Früherziehung ab neueste Comic der Künstlerin aus
vier Jahren. Arnd Zschiesche, Oliver Errichiello: Marke ohne Mythos. Hamburg um einen zwiegespalte-
Das erste ehrliche Markenbuch oder warum so viele Menschen ei- nen Einsiedler ist visuell und in-
nen MINI brauchen. Offenbach (Gabal) 2013, 256 Seiten. 29,90 Euro. haltlich ungewöhnlich. cg
3

Schriftsteller soll testamentarisch verfügt haben, dass seine Bücher


Was lesen Sie? nicht illustriert werden dürfen. Ich wüsste zu gerne, wer das war.
Vielleicht weiß es einer unserer Leser – falls ja, bitte melden! Wie sieht
Yvonne Kuschel, für Sie eine gelungene Illustration aus?
Illustratorin und Autorin, Leipzig Statt eins zu eins zu illustrieren, ist es immer am spannendsten, eine
www.yvonnekuschel.info zweite Ebene zu finden. Was aber häufig nicht gewollt ist – meist soll
recht deutlich illustriert werden.
Sie machen auch selbst Bücher, wie 2012 den »Beschissatlas« mit
Sie setzen Ihre Lektüren offenbar gern in Skizzenbüchern um. Auf Autorin Ute Scheub mit Zahlen und Fakten zum Thema Ungerechtig-
Ihrem Blog http://i-feel-pretty.posterous.com sind solche Bilderge- keiten. Haben Sie neue Projekte?
schichten zu sehen, etwa zu Tolstois »Kreutzersonate« oder Anne Ein Buch namens »Busenwunder«, in dem ich von mir gezeichneten
Webers aktuellem Roman »Luft und Liebe«. Damen Geschichten auf den Leib schrieb, manche erotisch. Als ich
Yvonne Kuschel: Zeitweilig habe ich morgens immer MDR-Radio- keinen Verleger fand, wollte ich daraus eine App machen. Sie wurde
lesungen gehört und gezeichnet. Für mich eine Art Meditation. An- im App Store aber als pornografisch zurückgewiesen. Dabei war das
geblich soll die Konzentration um 25 Prozent steigen, wenn man beim nur zum Schmunzeln, sogar Kinder konnten es angucken. Da ich mich
Zuhören etwas kritzelt. über die Ablehnung und vor allem die Begründung geärgert habe,
Sie nennen diese Arbeiten »gezeichnete Hörstücke« oder »Literatur in dachte ich, bei Blumen kann man nichts falsch machen. So entstand
Kurzform«. Momentan liegt es ja im Trend, jedes noch so große Werk die illustrierte App »Blumenraten mit Frau Kuschel«, die es nun für
der Weltliteratur zu einer Graphic Novel zu verarbeiten. iPhone und iPad gibt.
Ich habe schon drei solche Aufträge abgelehnt, weil ich es problema- Die wirklich reizend ist – und lehrreich.
tisch finde, literarische Vorlagen zu Bilderbüchern herunterzurech- Ja, denn wenn man die Blume erraten hat, gelangt man zu Wikipedia,
nen. Der Leser muss Raum für eigene Fantasien haben. Ein berühmter wo man mehr erfährt.
PAGE 06.13 113

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Chefredakteurin/Publisher Telefon: +49 2225 7085-535
Dipl.-Des. Gabriele Günder, V.i.S.d.P. Telefax: +49 2225 7085-550
Watchlist: Deutsche Kreative
Textchefin Das PAGE-Jahresabo kostet 95,30 Euro
Astrid Umbreit (CH: 181,80 Franken, A: 108,50 Euro). In den 1980ern war es Neville Brody, in den 1990ern David Carson,
Das PAGE-Plus-Abo, also 12 Ausgaben und
Redaktion die PAGE-Jahrgangs-CD, kostet 106,40 Euro
der zum Leitbild für viele Designer avancierte. Und wer hat das
Franziska Beyer (fb), Nina Kirst (nik); (CH: 201 Franken, A: 119,60 Euro). Das Abo Zeug, in nächster Zeit die deutsche Kreativbranche wesentlich zu
Anna Weilberg (aw, Redaktion Online) kann immer 6 Wochen vor Ablauf des prägen? PAGE präsentiert zehn deutsche Gestalter, die wir
Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant), Bezugsjahres schriftlich gekündigt werden.
Dr. Claudia Gerdes (cg), Wiebke Lang (wl), Schüler und Studenten erhalten gegen Vor-
unbedingt im Auge behalten sollten
Rebecca von Hoff (Grafik), Christine lage eines gültigen Ausweises oder einer
Krawinkel (Artdirektion); Maiken Richter, gültigen Immatrikulationsbescheinigung

Ola Niepsuj, www.aleksandraniepsuj.blogspot.com


Jan Roidner (Text-/Schlussredaktion); 20 Prozent Rabatt. Mitglieder der Allianz

und Daniel Horowitz, www.daniel-horowitz.com


Sabine Danek (sd, Redaktion Online) deutscher Designer (AGD), des Bundes
Deutscher Grafik-Designer (BDG) und des
Autoren dieser Ausgabe designerinnen forum e. V. erhalten ebenso
Christian Büning, Verena Dauerer (vd), 20 Prozent Rabatt.
Markus Linden (ml), Jürgen Siebert

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Ist Karton einfach dickeres Papier oder eher eine eigene Gattung?
Mitglied der Informationsgemeinschaft zur Feststellung PAGE erklärt Unterschiede und Gemeinsamkeiten und zeigt anhand
der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) von Fallbeispielen, wann welches Material sinnvoll ist

≥ www.page-online.de ≥ www.twitter.com/pagemag Cannes-Favoriten


≥ www.facebook.com/pagemag ≥ iTunes App Store Welche Arbeiten haben in diesem Jahr Aussichten auf einen Löwen?
Wir fragen Jurymitglieder nach ihren Favoriten
114 PAGE 06.13 Fundstücke von Jürgen Siebert

Wie Fernsehen heute funktioniert


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

n Auch in den USA gehören Telefon zierten Zerstückelung selbst gut ge- zen die Menschen diese Möglichkeiten?
und Fernseher noch zur technischen machter Reportagen oder Filme. Wer Weil sie auf das zeitversetzte Anschau-
Grundausstattung eines Hotelzimmers. schaut sich solchen Mist noch an? Mit en angewiesen sind, weil sie sich der
Seitdem es Smartphones gibt, nutze Sicherheit viel weniger, als Einschalt- Werbung entziehen möchten und weil
ich beides nicht mehr auf Reisen. Viel quoten-Ermittler (Nielsen), TV-Sender ihre Mobilgeräte bessere Bildschirme
wichtiger für mich sind heutzutage ei- und Werbeindustrie sich gegenseitig haben als jedes Hotel und jeder Flieger.
ne Steckdose, ein schnelles und kos- in die Tasche lügen.  Viele TV-Networks trauen schon
tenloses Wi-Fi-Netz und eine Docking- Das Verrückte an der Ermittlung der lange nicht mehr den Nielsen-Quoten.
Station mit leistungsstarken Boxen, um Einschaltquoten: Noch immer wird sie Als die 4. Staffel von »Community« im
Diese und weitere meine eigene Musik oder Internetradio in den USA mit Set-Top-Boxen auf TV- Februar bei NBC startete, soll sie eine
Fundstücke von zu hören oder einen Film bei guter Ton- Geräten gemessen. Allerdings schaut Quote von 4 Millionen erreicht haben,
Jürgen Siebert fin- qualität zu sehen.  heute kaum noch jemand auf diese Art etwa ein Viertel von »Two and a Half
den Sie unter Das Einschalten das Hotelfernse- fern. Vor allem tun es die anspruchs- Men« und früher ein Grund, die Serie
www.page-online. hers bestätigt, warum diese Art des vollen Zuschauer nicht mehr. Sie las- sofort einzustellen. Auf Twitter wurde
de/fundstuecke Fernsehens ein nutzloses, heiß gelau- sen sich TV-Inhalte über Hulu, Netflix, »Community« (6 Millionen Follower) in
fenes Dinosaurier-Medium geworden Apple TV, Amazon Prime oder Roku der Nacht nach der Ausstrahlung je-
ist. Das fängt mit der Bildqualität an, auf Smartphones und Tablets servie- doch Trending Topic weltweit. Fernse-
erstreckt sich über die Menge der Ka- ren, die alle nicht in die Ermittlung der hen funktioniert heute anders.
näle und endet mit der werbefinan- Einschaltquote einfließen. Warum nut- Wenn eine Episode ausgestrahlt
wurde, ist sie noch lange nicht zu Ende
gesehen. Am nächsten Tag schauen
sie sich Zehntausende auf ihren Rech-
nern an. Oder sie laden sie über iTunes,
wo TV-Folgen kurz nach der Ausstrah-
lung für 2,99 US-Dollar zu kaufen sind.
Zum Hotelzim-
Dann twittern die Zuschauer weiter
mer von heute
darüber, was neue Fans generiert. Sie
gehören eine
tragen Kommentare in Blogs ein und
Steckdose und
diskutieren auf Facebook über den ak-
freies Wi-Fi.
tuellen Cliffhanger. Keine dieser Akti-
Mit im Gepäck
vitäten wird irgendwo auf der Welt von
sollte dann noch
Quotenmetern erfasst. 
eine Docking-
Diese Mechanismen sind der Grund
Station mit guten
dafür, dass es momentan in den USA
Boxen sein
hervorragende Serien gibt, die ihre
Kosten locker einspielen, beispielswei-
se »Mad Men« oder »Homeland«. Im
vergangenen Jahr gewannen mehr
Kabelsender einen Emmy als die klas-
sischen Sender. Weil sich das Fernse-
hen mehr und mehr vom TV-Gerät ab-
koppelt, gibt es keinen Unterschied
mehr zwischen Kabel- und Antennen-
TV. Qualität ist das einzige Kriterium,
das zählt. Ein Sieg für die Zuschauer
und ein Knieschuss für die Zyniker des
Privatfernsehens, die auch bei uns im
Land immer noch die These vertreten:
Der Zuschauer ist doof, also machen
wir doofes Fernsehen.