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Jakob Frisch GFS Rachmaninoff Klavierkonzert 2 2018/2019

Gliederung

1. Einleitung S. 2

2. Über Rachmaninoff und die Entstehung des Werks S. 3

3. Analyse S. 5

3.1 1. Satz Moderato S. 5


3.2 2. Satz Adagio sostenuto S. 9
3.3 3. Satz Allegro scherzando S. 10

4. Ausblick S. 11

5. Quellenverzeichnis S. 12

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Jakob Frisch GFS Rachmaninoff Klavierkonzert 2 2018/2019

1. Einleitung

Sergej Rachmaninoff war mit Sicherheit einer der bedeutendsten Pianisten, Komponisten
und Dirigenten des 19. und 20. Jahrhunderts. Seinerzeit war er als Dirigent, ebenso aufgrund
seiner pianistischen Fertigkeiten vom Publikum als auch von Kollegen hoch angesehen. So ist
es nicht verwunderlich, dass Rachmaninoff einer der bestbezahltesten Pianisten seiner Zeit
war, obwohl auch ein Großteil seiner Laufbahn als Pianist und Dirigent von finanziellen
Nöten geprägt war. Vor allem seine Jahre in Russland. Allerdings war Rachmaninoff als
Komponist – und ist es heute noch – von der Kritik umstritten, da er doch der romantischen
Harmonik treu blieb und nicht wie viele seiner zeitgenössischen Kollegen der Atonalität
verfielen. So wird Rachmaninoffs Musik von Kritikern oft als überheblich oder schwülstig
dargestellt. Beim Publikum kam seine Musik wahrscheinlich gerade aus diesem Grund so gut
an und war wegen der vielen eingängigen, vermeintlich schwülstigen Melodien sehr beliebt.
Insbesondere die Werke für Klavier und Orchester, die gleichzeitig die wichtigsten Werke
Rachmaninoffs darstellen, erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit, allen voran das 2.
und 3. Klavierkonzert sowie die „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“. Dass
Rachmaninoffs Werke für Klavier und Orchester eine große Herausforderung für den
Pianisten bedeutet, belegt das 3. Klavierkonzert von 1909, das als wohl schwerstes Konzert
überhaupt gilt. Deswegen bezeichnete es der berühmte polnische Pianist Arthur Rubinstein
auch als „Elefantenkonzert“.

Das 2. Klavierkonzert stellt einen Höhepunkt in Rachmaninoffs Biografie dar. Es bedeutete


den Schlusspunkt einer dreijährigen Schaffenskrise und den Durchbruch vom begabten und
talentierten Pianisten zu einem Komponisten von weltweitem Ansehen.1

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2. Über Rachmaninoff und die Entstehung des Werks

Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (russisch Сергей Васильевич Рахманинов, wiss.


Transliteration Sergej Vasil'evič Rachmaninov; er selbst benutzte als Umschrift seines
Namens Rachmaninoff) wurde am 1. April 1873 in Oneg in der Provinz Nowgorod im in eine
Aristokratenfamilie hineingeboren. Nachdem sein Vater, ein ehemaliger Offizier der
russischen Armee fast den gesamten Besitz der Familie verprasst hatte, ließen sich seine
Eltern im Jahr 1882 scheiden. Daraufhin zog der junge
Sergej mit seiner Mutter nach St. Petersburg, wo er von
1883 bis 1885 das Konservatorium besuchte. 1885 bis 1892
studierte er am Moskauer Konservatorium Klavier, unter
anderem bei Alexander Siloti und Anton Arenski. Dort
machte er auch die Bekanntschaft mit Tschaikowski und
wurde enger Freund Skrjabins. Weder Rachmaninoff noch
Skrjabin erkannte jedoch den Kompositionsstil des jeweils
anderen wirklich an. Im selben Jahr seines sehr
erfolgreichen Abschlusses am Konservatorium
komponierte Rachmaninoff eines seiner berühmtesten Stücke, Abb. 1
das Prélude op. 3 Nr. 2 in cis-Moll, das ihn auf einen Schlag weltweit
bekannt machte. Allerdings brachte es ihm kaum Geld ein, während aufgrund fehlender
Copyrights ausländische Verlage Millionen daran verdienten. Durch den Erfolg seiner frühen
Werke motiviert, komponierte Rachmaninoff seine 1. Sinfonie. Jedoch endete die
Uraufführung am 27. März 1897 in einem Debakel. Da der geachtete Dirigent und Komponist
Alexander Glasunow, der die Komposition jedoch nicht schätzte, offensichtlich nicht
ordentlich geprobt hatte und außerdem komplett uninspiriert dirigierte, fiel die Sinfonie bei
der Kritik und beim Publikum gnadenlos durch. Aufgrund des hohen Ansehens Glasunows
jedoch wurde Rachmaninoff von der Kritik ins Auge gefasst und nicht er. So kam es, dass
Rachmaninoff nach besagter katastrophaler Aufführung in Depressionen und eine tiefe
Schaffenskrise verfiel, die drei Jahre lang andauern sollte. Die 1. Sinfonie wurde erst 1945,
nach Rachmaninoffs Tod, wiederaufgeführt – feierte dann aber großen Erfolg.

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Anstatt zu komponieren, konzentrierte er sich auf sein Schaffen als Pianist und Dirigent.
Rachmaninoff wurde erstmals auch außerhalb von Russland aktiv. Seine Depression,
Schreibblockade und seine Alkoholsucht hielten trotz alldem an. So wandte er sich an den
bekannten russischen Psychiater Nikolai Dahl, der selbst Cellist und Bratscher war. Dahl
behandelte wegen seines persönlichen Interesses an der Musik seinen Patienten kostenlos.
Sein tägliches Mantra lautete: „Sie werden Ihr Konzert schreiben. Sie werden es mit großer
Leichtigkeit schreiben und es wird von exzellenter Qualität sein.“ Mit seiner Behandlung
mittels Hypnose und Autosuggestion hatte Dahl schließlich Erfolg und schaffte es, dass
Rachmaninoff nie wieder trank. Die Depressionen kehrten in unregelmäßigen Abständen
zurück. Nun waren Kraft und Wille vorhanden, sodass er 1900 mit der Komposition eines
zweiten Klavierkonzertes begann. Der zweite und dritte Satz wurde bereits am 15. Dezember
in Moskau aufgeführt. Trotz der Beunruhigung seitens des Komponisten ob der Wirkung des
Werkes war es ein Erfolg. Mit der neu gewonnenen Motivation komponierte er den 1. Satz,
der am 4. Mai 1901 vollendet war. Die folgende Zeit war eine überaus schaffensreiche
Phase, in der einige wichtige Werke entstanden sind. Am 9. November 1901 fand schließlich
die Uraufführung des vollständigen Konzerts in Moskau mit Rachmaninoff selbst als Solist
und Silotis als Dirigent statt und feierte große Anerkennung. Nun war die Schaffenskrise des
Komponisten endgültig überwunden. Das 2. Klavierkonzert widmete Rachmaninoff also nicht
ohne Grund Dr. Nikolai Dahl: aufgrund seines Beitrags zur Überwindung der Schaffenskrise
hat der Psychiater große Bedeutung für die Komposition des 2. Klavierkonzerts. 2

Am 28. März 1943 verstarb Rachmaninoff an Krebs in Beverly Hill, USA, kurz vor seinem 70.
Geburtstag.

3. Analyse
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Mit einer Aufführungsdauer von ca. 34 Minuten gehört das zweite Klavierkonzert zu einem
von Rachmaninoffs reifsten Werken. Er hält dabei durchgehend an der spätromantischen
Harmonik und der romantischen lyrischen Ausdrucksweise fest. Nach Rachmaninoff seien
das lyrische Empfinden und der melodische Ausdruck das höchste Ziel eines Komponisten.
Somit bietet das zweite Klavierkonzert großartige lyrische Melodien. Dabei wird der
Orchesterklang von Streichern und Holzbläsern dominiert. Oft wechseln sich düstere Klänge
mit liedhaften Melodien ab. Die Besetzung besteht aus 2 Flöten, 2 Klarinetten, 2 Oboen, 2
Fagotten, 4 Hörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen, einer Tuba, Pauke, Streichern und dem Solo-
Klavier.

3.1 1. Satz Moderato

Der 1. Satz mit der Anweisung „Moderato“ steht in c-Moll in einem Alla Breve Takt und in
Sonatenhauptsatzform. Er beginnt mit einer ruhigen, achttaktigen Einleitung auf dem
Orgelpunkt f, also dem Grundton der Subdominante, der hier als tiefer Basston als
Fundament dient. Pro Takt wird ein vollgriffiger Akkord gespielt. So ergeben sich acht
Akkorde, die wie dumpfe Glockenschläge klingen, wie sie in Russland üblich waren. Während
die Außenstimmen unverändert bleiben und eine Stützfunktion besitzen, alterieren die
Füllstimmen, sie steigen und fallen chromatisch. Zusammen mit einen crescendo wird so
eine Spannung erzeugt, die sich schließlich nach dem Kernmotiv des Satzes, (g)-as-f-g-c, im ff
in der Tonika c-Moll löst.

Abb. 2 T. 1-8

Das Hauptthema wird nicht wie zu erwarten vom Klavier gespielt, sondern von den
Streichern und der Klarinette. Das Klavier übernimmt lediglich eine Begleitfunktion mit
durchgehenden Arpeggien aus rhythmisch unregelmäßigen Achteln. Das Thema steht in

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langen Notenwerten ((punktierte) Halbe, Viertel) und besteht fast ausschließlich aus
Sekundschritten. Die sonore tiefe Lage und das melodische Streicherunisono führen
zusammen mit der dynamischen Steigerung durch harmonische Füllstimmen der tiefen
Bläser und den breit aufgefächerten Klavierarpeggien zum typisch russischen Klang. Zudem
kehrt die Melodie pendelartig immer wieder zum Grundton c‘ zurück. Nach langwieriger
Wiederholung und Fortspinnung des Themas und dem Höhepunkt d‘‘ in T. 42 übernimmt das
Klavier die Melodie in T. 55, die Arpeggien bleiben jedoch.

Abb. 3

Hauptthema des 1. Satzes

Das Auslaufen des Themas in T.61/62 mündet in einem äußerst pianistischen


Überleitungsteil (Un poco piu mosso), dessen Ende das Wechseltonmotiv des Hauptthemas
c-d-c aufgreift und mit accelerando crescendiert. Ab T. 75 wird in die neue Tonart Es-Dur des
Seitenthemas moduliert, wobei die Bratschen bereits die Schlusswendung des zweiten
Themas vorwegnehmen.

Das überschwängliche, melancholische Seitenthema ab T. 83 steht in der Gestalt einer


klassischen achttaktigen Periode, bestehend aus fünf Takten Vordersatz, drei Takten
Nachsatz und zwei Takten Schlusswendung. Im Gegensatz zum dramatischen und
schwerfälligen Gestus des Hauptthemas steht das Seitenthema jedoch in fröhlichem Dur. Es
besteht überwiegend aus Vierteln und beginnt mit einem umgekehrten Es-Dur Dreiklang. Im
zweiten Takt des Themas wird bereits der Höhepunkt as‘‘ mit einer Synkope erreicht. Auch
das Seitenthema verläuft in gewisser Weise wellenförmig, hauptsächlich in Sekund- und
Terzschritten. Begleitet wird es nur von der linken Hand des Klaviers von einer für
Rachmaninoff typischen Begleitstruktur aus auf- und absteigenden regelmäßigen Achteln,
die an die Arpeggien des Hauptthemas erinnern. Nach einer fast identischen Wiederholung
des Themas (nur die Begleitung ändert sich minimal) endet das Thema in g-Moll. Es wird kurz
vom Cello verarbeitet und nachfolgend vom Klavier teilweise solistisch und virtuos
fortgeführt und noch einmal eine Oktave höher wiederholt. Nach einem kurzen

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Zwischensatz (T. 121-124) folgt ein Abschnitt mit einem Wechselspiel zwischen Klavier und
Oboe/Klarinette (T.126-132), der als Paradebeispiel eines polyphonen Kontrapunktes
betrachtet werden kann. Ab T. 133 folgt eine lyrische Themenwiederholung über einem
Klangteppich des Orchesters, die als Ruhepunkt dient. Der folgende Abschnitt „Un poco piu
mosso“ bildet eine zweiteilige Überleitung zum Orchesterritornell. Der erste Teil ist geprägt
von auf- und absteigenden, virtuosen Achtel- und Sechzehntelfiguren. Der Einwurf der
Blechbläser, der nach G-Dur moduliert, leitet den zweiten Teil ein. Dieser ähnelt
augenscheinlich sehr dem ersten Abschnitt, besteht aber zu großen Teilen aus
Sekundwechselnoten. Nach einer Überleitung mit kurzem absteigendem Melodiefragment
im Klavier und den Kernmotiv in den Kontrabässen folgt das Orchesterritornell „Moto
precedente“, das gleichzeitig zur Durchführung „piu vivo“ hinleitet. Dieses kleine
Zwischenspiel beinhaltet viele Einwürfe des Kernmotivs und verschafft dem Pianisten eine
kleine Verschnaufpause. Rachmaninoff verbindet außerdem sehr geschickt das
Wechseltonmotiv aus dem Hauptthema in Horn, Klarinette und Bratsche mit dem Kernmotiv
in den tiefen Streichern.

Die Durchführung lässt sich zunächst in fünf Teile gliedern. Über die gesamte Durchführung
ist geprägt von einem stetigen Ansteigen von Dynamik und Tempo. Durch die vielen
Sequenzierungen entsteht eine große Energie, die den Zuhörer geradezu überkommt. Im
ersten Teil tritt erneut das Kopfmotiv auf. Im zweiten Teil ab T. 193 findet eine rhythmische
Verschärfung im Klavier von Achteln auf Achteltriolen statt. Im dritten Teil ab T. 209 werden
Melodiefragmente augmentiert und sequenziert. Die Oberstimme des Klaviers tritt zudem
chromatisch auf. Der Ausdruck wird im vierten Teil ab T. 217 noch intensiver durch die
vollgriffigen Akkorde im Klavier, während die variierte Melodie des Seitenthemas in den
Streichern und den Klarinetten sequenziert gesteigert wird. Der fünfte Teil bildet den
absoluten Höhepunkt der Durchführung. Mit dem vollen Orchestereinsatz ist die maximale
Spannung erreicht. Die Spannung staut sich einige Zeit über polyrhythmische Strukturen
zwischen Klavier und Orchester und einen fulminanten Aufgang mit dem Kernmotiv in den
Trompeten, bevor sie sich mit dem Beginn der Reprise entlädt. In der Durchführung zeigt
Rachmaninoff also sein Können bezüglich motivisch-thematischer Arbeit.

In der Reprise kommt erneut das Hauptthema zum Vorschein. Es wirkt jedoch kämpferischer
als in der Exposition. Darüber spielt das Klavier die bereits bekannte Abwandlung des
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Kernmotivs mit für Rachmaninoff typischem Rhythmus. In T. 261 übernimmt das Klavier
wieder den zweiten Teil der Melodie, der ursprünglich von den Celli gespielt wurde. Diese
Zweiteilung des Themas wurde in der Exposition jedoch von den Arpeggien verschleiert.
Daraufhin wird das Thema erweitert und moduliert und scheint sich ewig fortzuspinnen. Das
Ende der Melodie fällt chromatisch ab und endet in einem unerwarteten Trugschluss As-Dur.
Es folgt eine Passage mit sehr ruhiger und in sich gekehrter Stimmung mit dem Seitenthema
in den Hörnern, die durch die augmentierten Notenwerte hervorgerufen wird. Anschließend
wir das Kernmotiv mehrfach sowohl im Klavier in doppelt augmentierter Variante als auch im
Orchester wiederholt. Die Beruhigung wird auch von der Abwandlung des Seitenthemas im
Cello weitergeführt, bis nach komplexen „5 gegen 3“ Rhythmen im Klavier und einem
Auslaufen der Melodik mit fast schwebender Wirkung die Coda erreicht ist.

In der Coda wird erneut die Anfangstonart c-Moll aufgegriffen, zudem hat sie wieder einen
aufwühlenden Charakter und ist sehr pianistisch mit vielen Sechzehnteln. Der letzte Aufgang
im Klavier hat aufgrund der Polyrhythmik einen äußerst virtuosen Effekt auf den Zuhörer.
Schließlich wird der Satz durch das Wechseltonmotiv mit einem harten Effekt abgeschlossen.

3.2 2. Satz Adagio sostenuto

Der 2. Satz ist in einer dreiteiligen Liedform A-B-A‘ angelegt. Nach einer langsamen, äußerst
raffinierten Modulation von c-Moll nach E-Dur im Orchester zu Beginn des Satzes, spielt das

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Klavier eine sehr ruhige Begleitung in Achteltriolen, mit der Rachmaninoff den Zuhörer
geschickt täuscht. Durch eine Betonungsverschiebung scheint es, als spiele der Pianist nicht
vier Achteltriolengruppen, sondern drei. So wird der Anschein erweckt, es sei ein ¾ Takt und
kein 4/4 Takt. Da die Soloflöte in jedoch eindeutig im 4/4 Takt spielt, ergibt sich eine
polyrhythmische Überlagerung von „3 gegen 4“. Das Hauptthema ist wohl eine der
schönsten Melodien, die je komponiert wurden.

Abb. 4

Begleitfigur des Klaviers,


die Rachmaninoff seiner
Romanze A-Dur zu 6
Händen aus dem Jahr
1891 entnommen hat

Der Seitensatz beginnt in


T. 47. Die oktavierte
Melodie im Klavier hat
dabei Anklänge an das Seitensatzthema des 1. Satzes. Auch im 2. Satz wird der Höhepunkt
durch fortwährende Steigerung der Melodie hinausgezögert. Die aufgestaute Spannung
entlädt sich in einem virtuosen Lauf aus Quinten und Sexten. Auch im scherzohaften B-Teil
lassen sich arpeggierte Akkorde finden, die an die Glockenschläge der Introduktion des 1.
Satzes erinnern. Im A‘-Teil wird die Melodie nun von den Streichern übernommen. Gegen
Ende des Satzes sinkt die Melodie immer weiter, während das Klavier mit glockenartigen
Akkorden und Sechzehnteln begleitet. Der letzte Aufgang im Klavier nimmt erneut Bezug
zum Seitensatzthema des 1. Satzes. Dies stellt ein weiteres Beispiel für satzübergreifende
motivisch-thematische Arbeit Rachmaninoffs dar.

3.3 3. Satz Allegro scherzando


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Der dritte Satz beginnt mit einem dreiteiligen Prolog. Im ersten Teil erklingen in den Violinen
Varianten des Kernmotivs und das Motiv in seiner Ganzheit. Somit wird klar, dass
Rachmaninoff dieses Keimmotiv, das in allen drei Sätzen vorkommt, aus dem dritten Satz
entnommen hat, da zweiter und dritter Satz bekanntlich vor dem ersten Satz komponiert
wurden. So zeigt sich wieder die satzübergreifende motivisch-thematische Arbeit, die dem
Konzert eine ungewöhnliche Geschlossenheit verleiht. Der dritte Satz beginnt wieder in der
Tonart des vorherigen Satzes, nämlich E-Dur und leitet in T. 7 zur Satztonart c-Moll über. Der
zweite Teil des Prologs besteht aus einer virtuosen Klavierkadenz, der dritte Teil aus einem
Wechsel zwischen Klavier und Holzbläsern, außerdem ist an dessen Ende das Kernmotiv zu
finden. Nach dem Prolog wird das 1. Thema vom Klavier vorgetragen. Das Thema besticht
durch seinen tänzerischen Charakter, die Wechseltöne erinnern an das Hauptthema des
Kopfsatzes. Nach mehrmaliger Wiederholung folgt das Seitensatzthema in T. 106. Neben
dem Hauptthema des 2. Satzes trug dieses Thema ganz besonders zur Popularität des
Konzerts bei. Auch diese Melodie hat einen äußerst melancholischen Charakter. Nach der
Vorstellung des Themas vom Orchester wird es vom Klavier wiederholt und fortgesponnen.
Darauf folgt die Überleitung zur Durchführung, in der die Streicher die Wechselnoten des
Hauptsatzthemas aufgreifen.

Genau wie im 1. Satz erfolgt in der Durchführung ab T.172 eine stetige


Tempobeschleunigung und das Hauptthema wird mehrfach wiederholt. Der scherzohafte
Charakter geht in einen drängenderen Gestus über. Die Durchführung endet in einem kurzen
Fugato mit dem ersten Thema. Die Violinen spielen das Thema im Dux, welches zwei Takte
später vom Klavier real im Comes beantwortet wird. Die Durchführung endet in einem
dynamischen Orchestertutti.

Die Reprise wird eingeleitet durch das Zwischenthema aus der Exposition und greift
nochmals das erste und zweite Thema auf. Nach einer Coda und einer Stretto, wo das
Hauptthema noch einmal durch alle Stimmen wandert, endet das Konzert im fortefortissimo
in C-Dur, nachdem das gesamte Orchester den majestätischen Höhepunkt erklingen lässt. 3

4. Ausblick

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So große Begeisterung seitens des Publikums wie das 2. Klavierkonzert und das Prélude in
cis-Moll bekamen, konnte kein anderes Werk Rachmaninoffs erlangen. Trotz der ebenso
eingängigen und überschwänglichen Melodien des 3. Klavierkonzerts in d-Moll von 1909, das
als eines der schwersten Klavierwerke überhaupt gilt, gelang es diesem nicht, aus dem
Schatten des 2. Konzerts zu gelangen. Insgesamt schrieb Rachmaninoff vier Klavierkonzerte,
Nr. 1 in f-Moll und Nr. 4 in g-Moll und die Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier
und Orchester. Des Weiteren komponierte er drei Sinfonien, mehrere Tondichtungen,
verschiedenste Kammermusiken, viele Werke für Klavier solo, unter anderem vier- oder
sechshändig, Opern, Chorwerke und Lieder.

Rachmaninoff selbst spielte viele Tonaufnahmen ein, auch wenn er als Perfektionist
fürchtete, dass die finalen Aufzeichnungen möglicherweise Unvollkommenes festhalten
könnten. Außerdem war er der letzte Vertreter einer langen Tradition. Rachmaninoff war
einer der Letzten, der die Doppelfunktion aus Komponist und ebenso bedeutendem
Virtuosen inne hatte. In seinem Fall sogar eine Dreifachfunktion: Komponist, Pianist,
Dirigent. Sein Können ist heute auf 10 CDs original überliefert. Er selbst hatte aber einen
eher nüchtern-sachlichen Interpretationsstil, wohingegen der heutige Stil romantisierter
gehandhabt wird. Zu seiner Zeit interpretierte Rachmaninoff also seine und fremde Werke
fast modern.

Die Melodien aus dem 2. Klavierkonzert sind so besonders, dass sie sogar Eingang in die
Popmusik fanden. Ein Motiv aus dem 2. Satz wurde beispielsweise von Eric Carmen in
seinem Song All By Myself verwendet. Auch in Billy Joels Honesty lassen sich Fragmente des
Themas wiederfinden.

Nicht ohne Grund wurde der großartige Komponist, Pianist und Dirigent, der sein
Heimatland Russland 1917 endgültig verließ und in Deutschland, der Schweiz und den USA
sesshaft wurde, auf einer modernen russischen Münze aus Gold verewigt. Außerdem ist ein
Gletscher in der Antarktis nach ihm benannt.4

5. Quellenverzeichnis
1.

http://www.radioswissclassic.ch/de/musikdatenbank/musiker/2347653356aa0b963559cd4ec48bf82d375ec9/
biograph
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https://www.grin.com/document/138348

2.
https://klheitmann.com/2008/02/09/1901-sergej-rachmaninow-1873-1943-klavierkonzert-nr2/

3.
https://www.grin.com/document/138348

4.
http://www.radioswissclassic.ch/de/musikdatenbank/musiker/2347653356aa0b963559cd4ec48bf82d375ec9/
biography

Verzeichnis der Bilder

Abb. 1
https://www.imdb.com/name/nm0006245/

Abb. 2 http://forum.pianoworld.com/ubbthreads.php/topics/2108148/Opening%20chords%20of
%20Rachmaninoff.html

Abb. 3
http://www.wikiwand.com/en/Piano_Concerto_No._2_(Rachmaninoff)

Abb. 4
http://www.flyinginkpot.com/2001/03/rachmaninov-the-second-piano-concerto-an-inktroduction-inkpot-2/

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