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Abschlusskonzert Klavier

Klasse Sven Birch

Jelena Davitković (PMA)


© Foto privat

Mitwirkende
Sopran | Alexandra Diesterhöft

MO 24.06.2019
12.00 Uhr
Großer Saal ABPU
Eintritt frei

Wir fertigen bei dieser Veranstaltung Fotos an.


Die Fotos werden zur Darstellung unserer Aktivi- Hagenstraße 57 | 4040 Linz
täten auf der Website und auch in Social Media
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JOHANN SEBASTIAN BACH

„Ach wie flüchtig,


ach wie nichtig
ist der Menschen Leben!
Wie ein Nebel bald entstehet
und auch wie der bald vergehet
so ist unser Leben sehet!“

Aus der Kantate „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“ (BWV 26) von J. S. Bach

Von 1717 bis 1723 lebt Bach in Köthen. In dieser Zeitspanne verfasst er seine
wichtigsten Werke für Tasteninstrumenten im Bereich der Pädagogik:
1720- Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach
1722- Das Wohltemperierte Klavier (Teil I)
1722- Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach (erstes Notenbüchlein)
1723- Inventionen und Sinfonien

Das Wohltemperierte Klavier (BWV 846–893) ist eine Sammlung von Präludien
und Fugen für ein Tasteninstrument. Teil I stellte Bach 1722, Teil II 1740/42 fer-
tig. Jeder Teil enthält 24 Satzpaare aus je einem Präludium und einer Fuge in
allen Dur- und Molltonarten, chromatisch aufsteigend angeordnet von C-Dur
bis h-Moll.

In der Zeit, als Bach das Wohltemperierte Klavier komponierte, war die Idee, in
allen Dur und Molltonarten zu spielen, etwas Neues und Herausforderndes. Der
Titel „Das Wohltemperierte Klavier“ verweist auf die wohltemperierte Stimmung,
die das ermöglichte.
Im 1999 Jahr präsentierte der Mathematiker Andreas Sparschuh eine interes-
sante Theorie zu dem Diagramm, das auf der ersten Seite des Manuskripts des
Wohltemperierten Klaviers zu sehen ist.

In seiner Theorie beweist Sparschuh, dass diese Linie keine Dekoration ist, son-
dern dass es ein Schema für die Stimmung präsentiert.
Bach hat viele Präludien aus dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach
bearbeitet und wir finden diese nun in einer anspruchsvolleren Form im
Wohltemperierten Klavier wieder.
Bachs pädagogische Methoden sind schrittweise und gründlich. Er präsentiert
gleichermaßen Kunst, wie Spieltechnik. Durch die Präludien und Fugen des
Wohltemperierten Klaviers werden einem wichtige Kenntnisse von der Harmo-
nie, Kontrapunkt, Artikulation und Polyphonie vermittelt.
Seit 297 Jahre ist das Wohltemperierte Klavier unvermeidlicher Teil der Klavier-
pädagogik.
Mozart, Beethoven, Schumann, Busoni, Schostakowitsch und viele andere setz-
ten sich mit dem Wohltemperierten Klavier auseinander. Das ist ein starker Be-
weis dafür, dass das Wohltemperierte Klavier die Grundlage und das Fundament
für eine qualitativ hochwertige musikalische Ausbildung jedes Pianisten ist.

LUDWIG VAN BEETHOVEN

„Die Musik ist ein Kind – es schwebt!


Es berührt nicht die Erde mit seinen Füßen.
Es ist nicht der Schwere unterworfen.
Es ist fast unkörperlich. Seine Materie ist durchsichtig.
Es ist tönende Luft. Es ist fast die Natur selbst.
Es ist frei.“

Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst- Ferruccio Busoni

Es wurde noch nicht festgestellt, ob Beethoven die Bagatellen mit der Absicht
komponierte, sie in einem Zyklus zusammen zu fassen, aber sicher ist, dass der
op. 119 eine Sammlung von 11 Bagatellen ist, die zwischen den Jahren 1790
und 1820 komponiert wurden.
(Die Opuszahl 119 erhielt die Sammlung erst 1851 von Breitkopf & Härtel)
Op. 119 ist insofern spezifisch, weil die Bagatelle eine Synthese dieser drei
Jahrzehnte sind. Durch diese Synthese können wir sehen, wie Beethoven sich
als Komponist entwickelt.
Die ersten fünf Bagatellen wurden bis 1803 und die letzten sechs bis 1822 fer-
tiggestellt.

Während dieser 30 Jahre geht Beethoven durch sehr schwierige Zeiten und
durchlebt Krisen. Er verliert sein Gehör, sein Bruder Kaspar Karl stirbt, und er hat
mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen… Das alles zwingt Beethoven dazu,
seine Stärke im Komponieren zu finden.
In dieser Zeit komponierte er eine große Anzahl von Klavierkompositionen: Va-
riationen, Fantasien, Rondos, Bagatellen, 5 Klavierkonzerte und alle 32 Sonaten.

Jede Bagatelle aus Opus 119 ist in ihrem Charakter anders, aber wenn wir den
Opus in seiner Gesamtheit von der ersten bis zu der letzten Bagatelle hören,
verstehen wir, dass Beethoven uns sorgfältig, auf dem endlosen Wege seiner
Vorstellungskraft, führt. Die Stücke sind leicht und phantasievoll, ändern sich
ständig und sind schwer fassbar. Sie sind bereit, mit ihren vornehmen techni-
schen Charakteristiken jeden Pianist herauszufordern. In ihnen wird ein zärtli-
cher und ein kindlicher Teil des Beethovens Wesens gespiegelt. Hören wir sie,
finden wir auch in uns diesen zärtlichen und kindlichen Wesenszug.
Ihre Botschaft ist: Sei Dein eigener, sei frei.

JOHANNES BRAHMS

Ihr habt nun Traurigkeit;


aber ich will euch wiedersehen,
und euer Herz soll sich freuen,
und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

(Johannes 16, 22)

Die Liedkomposition begleitet Brahms von 1851 bis 1896 Jahr und nimmt in
seinem Schaffen einen zentralen Raum ein. Es zieht sich von den Liedzyklen op.
3 bis op. 121 durch sein ganzes schöpferisches Leben.
Insgesamt komponierte Brahms etwa 380 ein-, zwei-, und vierstimmige Gesän-
ge. Unter ihnen finden sich- einschließlich der Volkslieder- etwa 300 Lieder für
1 Singstimme und Klavier, 20 Duette und 60 Quartette.
Brahms sammelt die Literatur seiner Zeit und ist auch ein eifriger Benutzer öf-
fentlicher Bibliotheken. In der Wiener Stadt- und Landesbibliothek sind zwei
Hefte erhalten, in denen sich Brahms insgesamt 172 Gedichte notiert hat, von
denen er später 87 vertonte.
Die Lieder, die in diesem Konzert gespielt werden, sind von folgenden Dichtern:
- Klaus Groth (1819-1899) - O wüßt ich doch den Weg zurück
- Carl von Lemcke (1831-1913) - Es saß ein Salamander
- Otto Friedrich Gruppe (1804-1876) - Schwalbe sag mir an
- Robert Reinick (1805-1852) - O versenk, o versenk dein Leid

Stets beschäftigt sich Brahms lange und ausführlich mit seiner Auswahl der
Texte.
Über die Art und Weise, wie er seine Werke schafft, erläutert Brahms: „Wenn ich
ein Gedicht lese, lese ich ganz langsam und deutlich einmal vor, und dann habe
ich gewöhnlich schon die Melodie dazu.“ -„ Wenn ich den Anfang eines Liedes
er- oder gefunden habe, dann klappe ich meinetwegen das Buch zu, gehe spa-
zieren oder nehme irgend etwas anderes vor und denke mitunter ein halbes
Jahr nicht daran. Es geht aber nichts verloren…“

Op. 63/8
O wüßt ich doch den Weg zurück
Die Sammlung entstand größtenteils im Sommer 1874 in Rüschlikon bei Zürich,
einige Lieder (Nr. 5, Nr. 6 und Nr. 9) bereits im Jahr zuvor.
Im Lied „O wüßt ich doch den Weg zurück“ ist es weniger die Melodie als die
prägnante Achtelfigur des Klaviers in gebrochenen reinen und verminderten
Dreiklängen, die dem Text geschickt folgt.

„O wüßt ich doch den Weg zurück,


Den lieben Weg zum Kinderland!
O warum sucht‘ ich nach dem Glück
Und ließ der Mutter Hand?“

Die Bedeutung dieser Wörter verweisen auf den Trost, den Brahms immer sucht,
was in vielen seiner Werke bemerkbar macht, wie z. B. im fünften Satz seines
Requiems:

Ich will euch trösten,


wie einen seine Mutter tröstet.

(Jesaja 66, 1)

Op. 107
Nr. 2 Salamander
Nr. 3 Das Mädchen spricht
Liebeslied in Nr. 1 und Nr. 5 bildet die Klammer für zwei heiter-humoristische
Liebesfreund-Vertonungen (Nr. 2 und Nr. 3) sowie für einen sehnsüchtigen Blick
auf vergangene Liebe (Nr.4).
Lemckes Salamander (Nr. 2), das aufgrund seiner knappen lakonischen Pointie-
rung schnell große Beliebtheit erlangte, soll ausdrücklich „Mit Laune“ vorgetra-
gen werden. Kaum weniger beliebt geworden ist die Vertonung von Otto Grup-
pens Das Mädchen spricht (Nr. 3). Die charakteristische Begleitung mit dem
Widerpart von zwei verschiedenen rhythmischen Figuren, die mit anmutigen
Melismen verzierte Melodie wie auch die überraschende Rückung von E-Dur
nach C-Dur nach dem dritten Vers verleihen dem einfachen Strophenlied ein
ganz eigenes Profil.
Op. 3/1
Liebestreu
Die Sechs Gesänge op 3 (für Tenor oder Sopran und Klavier) stehen am Beginn
des gewaltigen Kunstlied-Werkes von Brahms. Sie entstanden 1852-1853 in
Hamburg und Göttingen und erschienen 1853 (Breitkopf & Härtel)
Das schlichte, aber einprägsame Dreiton-Motiv des Beginns (Sekund plus Terz
aufwärts), das später durch Intervall-Drehungen und Umkehrungen variiert wird,
erscheint in Singstimme und Klavierbass gleichsam omnipräsent. Die Rückkehr
zu es-Moll am Ende, die der letzten nach Es-Dur gewendeten Antwort des Mäd-
chens folgt, hat offenbar semantische Bedeutung: Die Warnungen der Mutter,
denen die Tochter mit ihrem Treuebekenntnis begegnet, dürften sich als triftig
erweisen.

FRANZ LISZT

„True it is that I love Nature only, but for this very reason I do not by any means
love myself exclusively, even in my self-love, and other men are comprised in
that Nature which I love the more on account of them. A despotic emotion at-
taches me to all lovable impressions; my heart, full of itself, of humanity and of
the primeval harmony of beings, has never known personal or fiery passions. I
love myself, but as within Nature, as in the order that she wills, as associated
with the man whom she wills, as associated with the man whom she begets,
and in consonance with the totality of things. In truth, unto this present at least,
nothing which exists possesses my affection fully; an inexpressible emptiness
is the unfailing characteristic of my thirsting soul. But all that which I love might
be, earth in its fulness might exist after my own heart, without anything being
transformed in Nature or in man himself, excepting the transient contingencies
of the social order.“

 Aus dem Roman „Obermann (der Brief IV)“ von Étienne Pivert de Senancour

Die Années de pèlerinage (übersetzt Pilgerjahre) sind eine Sammlung von 26


Charakterstücken für Klavier solo in drei Bänden (Suisse, Italie und Troisième
année).
Als leidenschaftlicher Kunstkenner komponiert Liszt diese Werke, inspiriert
durch die Werke von Schiller, Byrons, Senancour, Petrarca, Dante und Raffaels.
Première année: Suisse (übersetzt: Das erste Jahr: Schweiz) – die Stücke des
ersten Bandes wurden zwischen 1848 und 1854 komponiert und schon im dar-
auffolgenden nächsten Jahr 1855 veröffentlicht.
Années de pèlerinage beginnt Liszt mit den Worten von Schiller an: „Einer für
Alle- Alle für Einen“.
Ganz am Anfang des Werkes verweist er auf den „Hintergrund“ seiner Arbeit.
Liszt ist ein Dichter in seinen Kompositionen. Ein Dichter der Liebe zu Mensch,
Natur und Kunst.
Musik ist für ihn die Allegorie des Lichts, die den Weg weist, der den Mensch zur
ständigen Ausweitung seiner eigenen Grenzen führt. Er erforscht die Tiefen
seines Wesens mit dem Klang.
Mit den Fragen aus dem Roman „Obermann“ von Senancour: „Que veux-je?
Que suis-je? Que demander à la nature? (Was will ich? Wer bin ich? Was die
Natur zu fragen?“ führt Liszt in Vallée d‘Obermann (Das Obermann-Tal) ein.
Diese Komposition kann als autobiografisch bezeichnet werden. Liszt verarbei-
tet in ihr sein Suchen, seine Hoffnungen, und sein Verschwinden.
Durch geschickte, häufige und kühne Änderungen des technischen Materials
sowie des dynamischen Spektrums gelangt er direkt ins Herz der Zuhörer. Er
verkörpert seine Musik, offenbart sich und lässt kein Geheimnis verborgen. Vom
melancholischen und irdischen Lento am Beginn der Komposition, führt er uns
zum Recitativo, in dem er die Kraft findet, sich aus diesem Zustand zu erheben.
Im Recitativo gibt es den Kampf zwischen der Erde und dem Himmel, dem Men-
schen und seinen Ängsten. Das Gewitter wird mit dem Eingang im Lento nach
dem Recitativo mit Farben der Hoffnung beendet. Das ist eine Hoffnung, die er
seit den Anfängen der Komposition anstrebt und die ihn weiter führen wird.
Liszt malt die Fortsetzung des Kampfes in den folgenden Takten bis zum Ende
der Komposition aus.
Am Anfang der Komposition ist das Motiv „der Frage“ noch anwesend, aber die-
ses Mal zögert Liszt nicht in seiner Suche. Er weiß, dass die Frage nach der eige-
nen Existenz, die Hauptnotwendigkeit jedes denkenden Menschen ist und dass
nur er für sich selbst eine Antwort auf diese Frage finden kann. Daher endet Das
Obermann-Tal mit dem gleichen Motiv und Thema, die am Anfang waren.

…es ist mir oft derselbe Traum vorgekommen in dem nun vergangenen Leben,
der mir bald in dieser, bald in jener Gestalt erscheinend immer dasselbe sagte:
O Sokrates, sprach er, mach und treibe Musik.
Und ich dachte sonst immer, nur zu dem, was ich schon tat,
ermuntere er mich und treibe mich noch mehr an, wie man die Laufenden an-
zutreiben pflegt,
so ermuntere mich auch der Traum zu dem, was ich schon tat,
Musik zu machen,
weil nämlich die Philosophie die vortrefflichste Musik ist und ich diese doch trieb.“

Aus „Phaidon“ von Platon


PROGRAMM

1. Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge C-Dur BWV 846


(1685-1750) Präludium und Fuge c-Moll BWV 847
Präludium und Fuge D-Dur BWV 850

2. Ludwig van Beethoven Bagatellen Op. 119


(1770-1827) 1. Allegretto
2. Andante con moto
3. A l’Allemande
4. Andante cantabile
5. Risoluto
6. Andante- Allegretto
7. Allegro, ma non troppo
8. Moderato cantabile
9. Vivace moderato
10. Allegramente
11. Andante ma non troppo

3. Johannes Brahms 1. Op. 63/8 Oh wüßt ich doch den Weg zurück
(1833- 1897) 2. Op. 107/2 Salamander
3. Op. 107/3 Das Mädchen spricht
4. Op. 3/1 Liebestreu

4. Franz Liszt Vallée d’Obermann


(1811- 1886)

Sopran Alexandra Diesterhöft

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