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test + technik

Vergleichstest Supersportler
Aprilia RSV mille R Triumph Daytona 955 i Yamaha YZF-R1

ZWEI, DREI, VIER


Worüber lässt sich schon so trefflich streiten wie über das geeignetste Motoren-
konzept für einen Sportler? MOTORRAD liefert Argumente für alle Seiten.
20 MOTORRAD
Von test + technik
Jörg Schüller; Fotos: Markus Jahn, mps-Studio (1) XX/2000
D ie Kraft und die Herrlichkeit: Sport-
ler mit dicken Motoren, mit Hub-
räumen um den vollen Liter herum. Nichts
Oder an die seidige Kraft eines mäch-
tigen Drillings, das Maß aller Dinge. Da-
bei ist sowieso gegen die Allmacht eines
Zwei-, Drei-, Vierzylinder, da gibt es
Fürs und Widers in beliebiger Menge.
Entsprechend lässt sich die Wahrheit
reicht an das satte Drehmoment, an die Reihenvierers kein Kraut gewachsen. wunderbar theoretisch, besser aber prak-
schiere Fahrbarkeit eines Twins heran. Oder wie jetzt eigentlich? tisch finden. Zum Beispiel, indem man

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Vier, drei, zwei. Augenfällig, wie unterschiedlich die Wege sind, mit verschiedenen Zylinderzahlen ähnliche Hubräu-
me zu erreichen. Man beachte die Kolbenfläche, die Kurbelwellenbreite und auch die Dimension der Kurbelwangen

Vergleichstest Supersportler Einlassventile, neues Einlassnockenprofil, Wunsch abrufen und regulieren. Beim
entsprechend angepasste Brennraum- Gasanlegen allerdings so abrupt, dass
mit entsprechenden Motorrädern ausfährt und Ansaugkanalformen, dazu geänderte sanfte Lastwechsel kaum gelingen. Das
und dabei die feinnervigen Empfindun- Ansaug- wie Abgaswege und ein über- spiegelt aber den Charakter dieser un-
gen subjektiven Glücks gegen die har- arbeitetes Zünd-/Einspritzkennfeld – es glaublichen Aprilia wider, die jeden Fahr-
ten Fakten objektiver Testarbeit abwägt. sollte sich etwas getan haben. befehl mit digitaler Direktheit umsetzt.
Die nigelnagelneue Aprilia RSV mille R, Hat es auch, denn zumindest das Offenbar ließ sich das bereits
redaktionsintern kurz „der Miller“ genannt, italienische Testmotorrad – die deutsche beim Vorgängermodell referenzverdäch-
bietet sich an. Ebenso die Triumph Day- Version mit ungeregeltem Kat war für tige Lenkverhalten nochmals steigern.
tona 955 i, die ganz gentlemanlike eher diesen Test nicht verfügbar – steht mit Egal der Radius, piepenhagen die Ge-
dem Polospieler als dem Zehnkämpfer ABE-konformen, gemessenen 132 PS bei schwindigkeit: Die Mille R spielt beispiel-
zusagt und bis zum öffentlichen Angasen 9500/min und gewaltigen 112 Nm bei haft die Qualitäten von ausgewogener
der Benelli Tornado allein das Feld der 7000/min bestechend gut im Futter. Dabei Gewichtsverteilung – vollgetankt bringt
Triple-Sportler beackert. Schließlich die ist nicht nur das bislang so typische Ket- sie exakt 104,9 Kilogramm aufs Vorder-
urgewaltige Yamaha YZF-R1, die mit tenpeitschen um 3000/min und 7000/min wie aufs Hinterrad –, der Lage ihrer rotie-
der monströsen Kraft ihres Vierzylinders ausgemerzt, sondern der überarbeitete renden Massen und ihrer Fahrwerksgeo-
Gläubigen wie Skeptikern den Himmel V2 läuft noch vibrationsärmer als sein metrie aus. Die wiederum profitiert von
zeigt. Zwei, drei, vier – wo liegt die Freud, ebenfalls mit zwei Ausgleichswellen den Gegebenheiten des Motors, sprich
wo das Leid? bewehrter Vorgänger. Sie erinnern sich: seinen schlanken Abmessungen, die
Eröffnen wir den Disput mit dem Wegen des Zylinderwinkels von 60 Grad letztlich seine Einbaulage und damit die
V-Twin der Aprilia RSV mille R, die für bleibt der Rotax-Zweier zwar schön kurz, Gestaltung einer gelungenen Peripherie
2001 kräftig überarbeitet an den Start muss indessen tief in die Trickkiste des ermöglichen.
rollt. Tief sind die Ingenieure in die Massenausgleichs greifen. So schafft der schmale Rotax-Zwilling
Winkel des Rotax-Kraftwerks hinein- Die gewaltige Kraft – bei 2500/min Platz für einen engen Knieschluss am
gekrochen, um durch penible Feinarbeit zerren bereits knapp 30 Pferde an der neu geformten Nylontank. Da zudem die
Gutes noch besser zu machen: größere Kette – lässt sich via Gasgriff exakt nach Sitzbank mehr Raum nach hinten bietet,

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Vergleichstest Supersportler das fast immer mehr kann, als die Situati- Gerade unter Sportsmännern lässt sich
on erfordert. Und ein Präzisionswerkzeug, bekanntlich über Geschmack streiten,
können jetzt auch Großgewachsene Knie das für perfekte Funktion einen kundigen weshalb knurrendes Kopfschütteln nach
sowie Ellbogen einklappen und hinter Fahrer bevorzugt und jeden Patzer miss- den folgenden Fragen erlaubt ist. War
die hohe Kuppel geduckt fast perfekten billigt. Bremsen? Die neuen, besonders die Ur-Daytona im gold-schwarzen Ge-
Windschutz genießen. Und angesichts steifen Brembos mit ihren fadingresisten- wand und mit ovalem Schalldämpfer
der Leistung ganz erstaunliche Ge- ten vier Einzelbelägen pro Sattel beißen nicht irgendwie hübscher? Harmonieren
schwindigkeiten erreichen. Erstaunlich gnadenlos zu. Deshalb bloß nicht gedan- die aktuellen Schreifarben wirklich mit
übrigens auch das Beschleunigungs- kenlos hinlangen, sondern mit kühler Be- den klassischen Formen? Und ist der run-
potenzial, weil die extrem leichten Räder rechnung alles fordern und alles bekom- de Edelstahldämpfer dieser Insel-Queen
– allein die hintere Felge spart 1,7 Kilo- men – so ist sie, die neue „R“, ein kompro- nicht schlicht unwürdig?
gramm oder anschauliche 26 Prozent missloser Sporttwin par excellence. Da sind und bleiben die akustischen
Gewicht gegenüber der „Normal-Mille“ – Da macht die Triumph Daytona schon Lebensäußerungen der Engländerin un-
hier ebenso wenig Widerstand entgegen- von Haus aus mehr Zugeständnisse. strittiger, denn ihr Akzent ist so aufre-
setzen wie gegen Lenkbewegungen. Was sie auf der Landstraße zur perfek- gend, dass es einem die Haare aufstellt.
Stichwort Kreiselkräfte. ten Begleiterin des Herrenfahrers macht. Geschmeidig, rollend und ein kleines
Mit der Genauigkeit eines Lasers Sich von der Masse abheben und dabei bisschen wie die spitzen Krallen einer
zeichnet die „R“ Ideallinien auf den As- Sportlichkeit mit gepflegter Noblesse ver- Raubkatze auf einer polierten Glasplatte.
phalt. Ein Motorrad mit enormen Talenten, knüpfen – kurz: die feine englische Art. Zu abstrakt? Selber mal hören kann nicht

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A P R I L I A R S V M I L L E R
Mille R – no compromise. Eng gruppieren sich die Komponenten um den aufwendigen V-Twin
(1). Einfach schön und aufgeräumt unter dem Tank, eine Augenweide, dieser Drosselklappen-
körper (2). Die neuen Bremszangen mit Einzelbelägen beißen gnadenlos und fadingfrei in die
Scheiben (3). Auch von unten schlank: der Mille-Twin mit gewaltigen Auspuffkrümmern (4)

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Vergleichstest Supersportler nis ist recht zahm – gefühlsmäßig etwas schickt lediglich ein sehr feines Kribbeln
zäh. Aber wer braucht schon solche Dre- höherer Ordnung in Lenker und Fuß-
schaden, eine damit verbundene Probe- herei auf kurvenreichen Entdeckungsfahr- rasten, das jedoch, ganz dem vornehmen
fahren ebenso wenig. ten, der liebsten Spielwiese der Triumph? Charakter entsprechend, nie wirklich
Bereits beim Aufsitzen macht die 955 i Dort, im Winkelwerk, besticht sie durch stört. Dafür hat sie einen leichten Touch
ihre Mission klar: ein Motorrad für Fahrak- ihre sanften Lastwechsel, entsprechend von Grobschlächtigkeit, besonders ihr
tivisten, dennoch um Potenzen bequemer harmonisch lassen sich Hundskurven mächtiges Triebwerk. Ein ordentlicher
als etwa die konsequent auf Sport aus- oder sonst wie geartete Disharmonien per Brocken, dieser rundliche Klotz um die
gelegte Mille. Und Bequemlichkeit ist auf Gasgriff meistern. Lastwechselrucken gibt drei Zylinder.
der Landstraße, wo nicht jede Kurve es einfach nicht. Basta. Dafür einen Diese „Metallmasse“ drückt der Day-
attackiert und nicht zwangsläufig ständig in Anbetracht der Leistungscharakteristik tona stets einen Stempel auf. Superbe-
am Limit gefahren wird, nicht nur erlaubt, ziemlich langen ersten Gang in einem hende lenkt sie ein, wobei ihr der motor-
sondern sogar erwünscht. mehr als knorrigen Getriebe. Im echten bedingt hohe Schwerpunkt ebenso hilft
Da passt der kultivierte Motor trefflich Sportbetrieb lassen sich die Gänge kaum wie die auf handlich getrimmte Lenkgeo-
dazu. Satte Kraft von unten heraus gehört noch einlegen, der Hebelarm des direkt metrie und die spitze Kontur des vorderen
zu seinen eindeutigen Stärken, obenher- auf die Schaltwelle wirkenden Schalt- Bridgestone BT 56. Eher behäbig bewäl-
um, so ab 9000/min, wird der englische hebels dürfte ein bisschen länger sein. tigt sie Schräglagenwechsel, wo genau
Drilling – seine 65 Millimeter Hub sind kein In puncto Vibrationen hält sich die der hohe Schwerpunkt zunächst wieder
Pappenstiel, das Hub-Bohrungs-Verhält- ausgleichsbewellte 955 i ladylike zurück, in die Senkrechte gewuchtet werden will.

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T R I U M P H D A Y T O N A 9 5 5 I
Das Rassepferd für den Herrenreiter. Umgeben von schönen Anbauteilen, dominiert der
mächtige Reihendreizylinder das Triumph-Chassis in British-Steel-Manier (1). Der 955 i-Motor
atmet durch recht schmale Ansaugkanäle (2). Zu schwach: die Druckstufendämpfung, hinten
wie vorn (3). Das Krümmergewürm setzt nur noch selten auf (4)

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Vergleichstest Supersportler Spaß am Umgang mit der Daytona indes Motorisch zieht die R1 alle Register,
kaum verderben können. Sie ist eben schneidet ab etwa 3000/min die Leis-
Anders als ihre diesbezüglich versier- keine echte Sportlerin, mit Sicherheit tungskurve ihrer Konkurrentinnen, um
teren Kollegen von Aprilia hatten die aber ein echtes Genussbike. dann ab 5000/min unaufhaltsam davon
Briten keine allzu glückliche Hand bei Da hat die Yamaha YZF-R1 (wobei und zudem in höhere Drehzahlregionen
der Fahrwerksabstimmung. Vorn wie hin- die Suzuki GSX-R 1000 mächtig droht . . .) zu stürmen. Kein Thema, der Reihen-
ten mangelt es an Druckstufendämpfung, schon andere Ansprüche: nämlich der vierer der Yamaha ist der Bulle in diesem
was vordergründig komfortabel erscheint, stärkste und leichteste, der extremste Big- Vergleich, kennt neben unbändiger Kraft
unterm Strich aber heftige Federbe- Bike-Sportler zu sein. Auch sie hadert mit nur sanfte Vibrationen. Zudem baut er
wegungen verursacht und so die Fahr- ihrer Serienbereifung. Die Dunlop D 207 beispiellos kompakt mit seinen beiden
stabilität stört. Beim harten Griff in die in N- und Q-Spezifikation mögen Fahr- über- statt hintereinander angeordneten
vorbildlich dosierbare, bissige vordere stabilität bieten und der urigen Kraft Getriebewellen, wobei sich das Getriebe
Bremse etwa schlägt die Gabel ziemlich des Yamaha-Viechs ordentliche Haltbarkeit im aktuellen Jahrgang zwar noch immer
haltlos durch, auch fehlt es hinten dämp- entgegensetzen. Für ein Sportmotorrad knorrig, aber akzeptabel und präzise
fungsbedingt an Grip. Zudem verwässert agieren sie aber ziemlich unsportlich, mit schalten lässt.
der hintere 190er-BT 56 – mit dem die recht dürftigen Gripreserven und vor allem Eine unangenehme Eigenschaft be-
Triumph trotz heftiger Kritik noch immer schlechter Rückmeldung. Umbereifen hilft, zieht das Kraftwerk weniger aus der Zahl
bestückt ist – durch heftiges Aufstellen zum Beispiel auf die Pirelli Supercorsa der seiner Zylinder oder seiner Kurbelwellen-
die Linientreue. Ungereimtheiten, die den Aprilia. kröpfung als vielmehr aus der Art seiner

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Y A M A H A Y Z F - R 1
Für den ganzen Kerl. Die Lagerung der Getriebewellen übereinander macht den 1000er-
Reihenvierer beispiellos kompakt (1). Der Fünfventiler atmet durch mächtige Schlünde (2).
Suchbild: Was fehlt hier? Genau, der Tank. Und vor allem der Lenkungsdämpfer (3). Breiter
Motor, breiter Krümmerfächer (4)

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SUPERSPORTLER: GEMESSEN UND BEWERTET
Messungen Punktewertung Straße

i
955
R
ille

i
tona

955
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ZF-R

R
SV m

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Day

tona
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YZF
Day
RSV
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Yam
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Triu

aha
Fahrleistungen1

mph
ima
Leistungsdiagramm2

lia

Yam
Höchstgeschwindigkeit

Apri
Max

Triu
Solo km/h 274 254 272 ANTRIEB Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 20 19 16 19
Beschleunigung Solo
Beschleunigung 20 19 15 20
0–100 km/h sek 3,0 3,0 3,2
Durchzug 20 20 17 20
0–140 km/h sek 4,7 5,0 4,4
0–200 km/h sek 8,8 10,7 8,2 Motor
Leistungsentfaltung 20 18 16 20
Durchzug Solo
Startverhalten 10 9 8 8
60–100 km/h sek 3,8 4,8 4,2
Abgasreinigung 10 0* 0 3
100–140 km/h sek 4,0 4,3 3,7
140–180 km/h sek 4,2 5,7 3,9 Kraftübertragung
Lastwechselverhalten 20 14 20 17
Tachometerabweichung
Schaltbarkeit 20 18 10 16
Anzeige/effektiv 50/100/Vmax km/h 50/100/279 54/108/265 54/106/297
Getriebeabstufung 15 14 13 15
Motorleistung

Kraftstoffverbrauch Summe 155 131 115 138


Kraftstoffart Super Super Normal
FAHRWERK Fahrverhalten
bei 100/160 km/h Liter/100 km 4,0/5,6 3,7/6,1 4,4/6,9
kW PS Geradeauslaufstabilität 20 19 17 15
Landstraße Liter/100 km 7,3 6,4 6,9
Stabilität in Kurven 20 20 14 18
Theoretische Reichweite Lenkpräzision 20 20 17 16
Landstraße km 246 281 261 Handlichkeit 20 20 17 15
Fahrwerksabstimmung 20 20 12 16
Messbedingungen: Temperatur 10 Grad, leichter Wind; Messort: BAB; 2Leistung an der Kupplung. Messung auf dem Bosch-
1

Rollenprüfstand FLA 203. DIN-Messung, maximal mögliche Abweichung ± 5 Prozent. Fahrwerksabstimmung Sport 20 19 10 16
Schräglagenfreiheit 20 20 18 19
Aufstellneigung 20 18 15 17

Bremsen
Fahrwerkseinstellungen Bremswirkung 20 20 19 16
Bremsdosierung 20 19 19 17
i
955

Summe 200 195 158 165


R
ille

tona

1
ZF-R

ALLTAGSTAUGLICHKEIT
SV m

Day

Sitzkomfort Fahrer 20 13 17 15
ha Y
lia R

mph

Sitzkomfort Sozius (5) –** (3) (2)


a
Yam
Apri

Triu

Windschutz 15 14 11 9
Gabel
Licht 20 13 16 16
Federbasis 12 U (ganz zu) 2 R (2 R) 8 R (8 R)
Wartungsfreundlichkeit 15 10 9 9
Zugstufe 18 K (15 K) 2 U (1 U) 5 K (4 K)
Theoretische Reichweite 15 7 9 8
Druckstufe 5 K (4 K) 1/2 U (0 U) 3 K (1 K)
Zuladung 10 8 7 8
Federbein Ausstattung 10 8 5 6
Federbasis 8G 6G Position 3 Summe 105 73 74 71
Niveau hinten -2 mm am Federb.
WIRTSCHAFTLICHKEIT
Zugstufe 25 K (24 K) 2 1/4 U (1 3/4 U) 8 K (5 K)
Anschaffungspreis 20 7 13 12
Druckstufe 3 K (0 K) 1/2 U (0 U) 5 K (0 K)
Garantie 15 10 10 10
Einstellungen für komfortablen Landstraßenbetrieb,
Klammerwerte für sportlichen Landstraßenbetrieb Es spricht der Hinterrad- Verbrauch 20 13 16 12
Fahrergewicht zwischen 70 und 90 Kilogramm; Abkürzungen:
K = Klicks offen, U = Umdrehungen offen, std. = Standard-
ler: „Erst trocken üben, Inspektionskosten 15 7 15 10
einstellung, R = Ringe sichtbar, G = Gewindegänge sichtbar mit guter Unterwäsche!“ Summe 70 37 54 44

GESAMTSUMME 530 436 401 418

*italienisches Modell ohne Katalysator; **keine Wertung, Einsitzer

30 MOTORRAD test + technik XX/2000


TECHNISCHE DATEN
Aprilia RSV mille R
Motor messer 43 mm, verstellbare Federbasis, Zug-
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-60-Grad-V- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus
Motor, zwei Ausgleichswellen, je zwei obenliegen- Aluprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, ver-
de, über Zahnräder und Kette getriebene Nocken- stellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämp-
wellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, fung, Doppelscheibenbremse vorn, Vierkolbensät-
Trockensumpfschmierung, elektronische Saugrohr- tel, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, Ø 320
einspritzung, Ø 51 mm, Motormanagement, Dop- mm, Scheibenbremse hinten, Zweikolbensattel,
pelzündung, ungeregelter Katalysator1, E-Starter. schwimmend gelagerte Bremsscheibe, Ø 220 mm.
Bohrung x Hub 97 x 67,5 mm Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17
Hubraum 998 cm3 Fahrwerksdaten
Nennleistung Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 99 mm, Rad-
96 kW (130 PS) bei 9500/min stand 1415 mm, Federweg v/h 120/135 mm.
Max. Drehmoment
Maße und Gewichte
101 Nm (10,3 kpm) bei 7300/min
Sitzhöhe* 830 mm, Gewicht vollgetankt* 210 kg,
Kraftübertragung Zuladung* 191 kg, Tankinhalt/Reserve 18/4 Liter.
Hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupp- Garantie zwei Jahre ohne
lung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette. Kilometerbegrenzung
Fahrwerk Farben Mattschwarz, Gelb
Brückenrahmen aus Aluprofilen, geschraubtes Grundpreis inkl. MwSt.
Rahmenheck, Upside-down-Gabel, Gleitrohrdurch- und Nebenkosten 31 999 Mark

Triumph Daytona 955 i


Motor Einarmschwinge aus Aluguss, Zentralfederbein mit
Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und
eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettenge- Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse
triebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, vorn, Vierkolbensättel, schwimmend gelagerte
Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, elektronische Bremsscheiben, Ø 320 mm, Scheibenbremse hin-
Saugrohreinspritzung, Ø 41 mm, Motormanage- ten, Doppelkolbensattel, Ø 220 mm.
ment, keine Abgasreinigung, E-Starter. Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17
Bohrung x Hub 79 x 65 mm
Fahrwerksdaten
Hubraum 956 cm3
Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 86 mm, Rad-
Nennleistung
stand 1440 mm, Federweg v/h 120/140 mm.
94 kW (128 PS) bei 9900/min
Max. Drehmoment Maße und Gewichte
100 Nm (10,2 kpm) bei 7500/min Sitzhöhe* 820 mm, Gewicht vollgetankt* 224 kg,
Kraftübertragung Zuladung* 186 kg, Tankinhalt/Reserve 18/3 Liter.
Mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupp- Garantie zwei Jahre ohne
lung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette. Kilometerbegrenzung
Fahrwerk Farben Silber, Blau, Gelb
Brückenrahmen aus Alu-Rohren, Motor mittragend, Leistungsvariante 72 kW (98 PS)
Telegabel, Standrohrdurchmesser 45 mm, verstell- Grundpreis inkl. MwSt.
bare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, und Nebenkosten 23 460 Mark

Yamaha YZF-R1
Motor dämpfung, Zweiarmschwinge mit Oberzügen aus
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmo- Aluprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, ver-
tor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nocken- stellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämp-
wellen, fünf Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, fung, Doppelscheibenbremse vorn, Vierkolbensät-
Nasssumpfschmierung, Mikuni-Gleichdruckverga- tel, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, Ø 298
ser, Ø 40 mm, digitale Transistorzündung, Sekun- mm, Scheibenbremse hinten, Zweikolbensattel, Ø
därluftsystem (AIS), E-Starter. 245 mm.
Bohrung x Hub 74 x 58 mm Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17
Hubraum 998 cm3 Fahrwerksdaten
Nennleistung Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 92 mm, Rad-
110 kW (150 PS) bei 10 000/min stand 1395 mm, Federweg v/h 135/130 mm.
Max. Drehmoment Maße und Gewichte
108 Nm (11 kpm) bei 8500/min Sitzhöhe* 820 mm, Gewicht vollgetankt* 204 kg,
Kraftübertragung Zuladung* 191 kg, Tankinhalt/Reserve 18/5,5 Liter.
Mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupp- Garantie zwei Jahre ohne
lung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette. Kilometerbegrenzung
Fahrwerk Farben Rot/Weiß, Blau/Weiß
Brückenrahmen aus Aluprofilen, Motor mittragend, Leistungsvariante 72 kW (98 PS)
Upside-down-Gabel, Gleitrohrdurchmesser 41 mm, Grundpreis inkl. MwSt.
verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufen- und Nebenkosten 24 500 Mark
*MOTORRAD-Messungen 1 italienisches Modell ohne Katalysator im Test

Vergleichstest Supersportler tung, der Unterdruck baut sich auf, ent- Daytona und der Aprilia RSV mille R
sprechend verzögert öffnen die Schieber, wesentlich besser, weil befehlsgemäß.
Gemischaufbereitung: Bei supersport- die Hand öffnet derweil ungeduldig Der gleiche Vorgang sorgt aber im nor-
licher Fahrweise zeigen sich die Gleich- weiter, plötzlich ist mehr Leistung da malen Leben für ein sanftes Ansprechver-
druckvergaser von ihrer tückischen Seite. als gewünscht. Und das kann im Falle halten des kraftstrotzenden Reihenvierers,
Zum Beispiel beim hurtigen Beschleuni- der Yamaha YZF-R1 schnell zu viel sein. der auch bei moderater Drehzahl prächtig
gen am Kurvenausgang. Die Gashand Da funktioniert die motormanagementge- im Futter steht. Lässig und sehr satt gleitet
öffnet die Drosselklappen, fordert Leis- steuerte Nahrungsaufnahme der Triumph die 204 Kilogramm leichte R1 über den

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FAZIT
1. Platz 2. Platz 3. Platz
Aprilia RSV mille R Yamaha YZF-R1 Triumph Daytona 955 i
Darum V-Twin: Kein anderes Motorenkonzept ver- Deshalb Reihenvierzylinder: kultiviert, kompakt, Deshalb Reihendreizylinder: schmaler als ein Rei-
einigt so viel Hightech mit so vielen konstruktiven ausgereift und einfach bärenstark. Der R1-Motor henvierer, weniger kompliziert als ein V2. Die
Freiheiten drum herum. Entsprechend geriet die nutzt den Vorteil der großen Ventilflächen, die Triumph brilliert zudem mit einzigartigem Sound
neue Mille R: schmal und aerodynamisch güns- ihm die vielen Zylinder einräumen. Entsprechend und samtener Geschmeidigkeit. Dazu gibt’s üppige
tig, ausgewogen und prima ausbalanciert, dabei drückt er bullig ans Hinterrad, und Leistung stinkt Kraft schon aus niedrigen Drehzahlen, gepaart mit
gespickt mit feinsten Zutaten und verpackt in bekanntlich nicht. Dafür baut der Quattro zwangs- referenzverdächtig sanften Lastwechseln. Wirklich
eine moderne, überaus rassige Hülle. Die kleinen läufig breit, fängt sich durch die ebenso breiten ein Charakterbike, das weniger den Sportler als
Schwächen des Vorjahres sind gnadenlos aus- rotierenden Innereien reichlich Trägheit ein, was den Sportsmann anspricht und auch ansprechen
gemerzt, und entsprechend gnadenlos sportlich ist die Yamaha etwas ungelenk macht. Und das Len- soll. Nicht ganz gelungen sind das Getriebe und die
die „R“ – definitiv nix für Softies. kerschlagen, das Lenkerschlagen. Fahrwerksabstimmung.

Vergleichstest Supersportler und mit heilloser Bösartigkeit Lenker- derköpfen nebst doppeltem Nockentrieb,
schlagen verursacht. Die Aprilia hat einen andererseits natürlich wegen ihrer erlese-
Asphalt, bewegt sich jedoch unerwartet Lenkungsdämpfer, die Triumph braucht nen Ausstattung – die normale Mille wäre
behäbig. Etwas unpräzise verlangt die keinen – aber die YZF-R1, die hat ihn preislich vergleichbarer, stand aber für
Leichtgewichts-Königin stets nach hohen bitter nötig, auch in ihrem dritten Jahr. diesen Test nicht zur Verfügung.
Lenkkräften und entsprechendem Kör- Nicht zuletzt wegen der Bulligkeit ihres Was macht jetzt den besten Antrieb
pereinsatz. Dies könnte ein Tribut an Antriebs. aus? Der Mille-Twin: agil, kräftig, voll Cha-
den schweren Kurbeltrieb sein. Immerhin Der ist mit fünf Ventilen pro Zylinder rakter, dabei schmal und konstruktiv auf-
rotieren so an die zehn Kilogramm um und mehreren Drehebenen nicht gerade wendig. Ein Sportlerherz für Kompromiss-
die fast halbmeterlange Kurbelwelle, die einfach aufgebaut, was sich im Preis der lose. Der Daytona-Triple: geschmeidig,
sich, ganz physikkonform, gegen Aus- R1 von derweil 24 500 Mark nieder- bärig, ein bisschen behäbig, aber günstig
lenkungen aus ihrer Drehachse sträubt, schlägt. Die Triumph ist etwas günstiger, im Unterhalt und voller Persönlichkeit. Ein
erst recht bei hoher Drehzahl. Was den die Inspektionskosten sind bei beiden Sahnestück für den Genussmenschen.
Motor und damit das ganze Motorrad in relativ gering – zwei Reihenmotoren Der R1-Quattro: ein Kraftprotz, mächtig,
die Breite treibt. ähnlichen Hubraums in zwei zumindest ziemlich perfekt, etwas breit und ein ganz
In einem anderen Punkt zeigt sich die prinzipiell ähnlichen Motorrädern. Die klein bisschen seelenlos. Der perfekte
Leichtigkeit der Yamaha dann dramatisch: Aprilia kostet in beiderlei Hinsicht deutlich Treibsatz für die pragmatische Sports-
wenn beim Beschleunigen das Vorderrad mehr. Einerseits wegen ihres aufwendi- kanone. Zwei, drei, vier – die Wahl habt
abhebt, in leichtem Schräglauf auftitscht gen Aufbaus mit zum Beispiel zwei Zylin- immer noch ihr. 왎

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