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Vormärz - Woyzeck

Als Vormärz wird der historische Zeitabschnitt zwischen dem Ende des Wiener Kongresses 1815 bzw. der Julirevolution in Frankreich 1830 und der Märzrevolution von 1848/49 bezeichnet.

Synonym dafür wird auch der Begriff der Restaurationszeit verwendet. Noch unmittelbar vor dem letzten Sieg über Napoleon in der Schlacht von Waterloo vereinbarten die meisten Monarchien und Fürstentümer Europas unter prägendem Einfluss des österreichischen Diplomaten und Staatskanzlers Fürst von Metternich auf dem Wiener Kongress die gemeinsame Politik der Restauration. Deren Ziel war es, nach dem Sieg über Napoleon die alte Ordnung wiederherzustellen.

Liberales Bürgertum und Studenten reagierten anders als die Mehrheit des Volkes auf die politischen Verhältnisse der Restaurationszeit. Während sich auf der einen Seite Wirtschaft, Technik und Industrie rasant weiterentwickelten, blieben das Bürgertum von der Möglichkeit politischer Gestaltung ausgeschlossen. Soziale Not und Unzufriedenheit mit der politischen Unterdrückung stiegen im Lauf der Zeit immer weiter an; es kam vereinzelt zu Aufständen bzw. politischen Aktionen.

Als Junges Deutschland wird eine lose Vereinigung von politisch engagierten Schriftstellern bezeichnet, denen Ludolf Wienbarg den Namen gab: "Dem jungen Deutschland, nicht dem alten widme ich diese Buch."

Die Jungdeutschen und die Vertreter des literarischen Vormärz hatten das gemeinsame Ziel, die Literatur zu erneuern, das Recht auch der Frauen auf Bildung und Selbstständigkeit durchzusetzen. Sie schrieben gegen die Zensur und für die Pressefreiheit, gegen die Willkür der absoluten Herrscher und für das Recht auf Freiheit und Gleichheit der Bürger, gegen die Kleinstaaterei und für eine demokratische Verfassung. Sie traten für eine Trennung von Staat und Amtskirche ein. Den Idealismus der Klassik und Romantik lehnten sie ab. Beide literarischen Richtungen waren ihnen zu realitäts- und lebensfern. Für die Jungdeutschen durfte Literatur nicht elitär sein; sie sollte vielmehr auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam machen. Sie sahen sich selbst als Erben und Fortführer der Aufklärung.

Am 10. Dezember 1835 wurden die gesamten Schriften des Jungen Deutschland durch den deutschen Bundestag verboten, womit zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine gesamte literarische Richtung von der Zensur betroffen war.

Woyzeck ist ein Dramenfragment des deutschen Dramatikers und Dichters Georg Büchner. Büchner begann vermutlich Ende 1836 mit der Niederschrift. Bei seinem frühen Tod, ein Jahr spater blieb das Werk als Fragment zurück.

Der einfache Soldat Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind, die genau wie er am Rande der Gesellschaft leben, zu unterstützen versucht, arbeitet als Laufbursche für seinen Hauptmann. Außerdem lässt er sich von einem skrupellosen Arzt als Versuchsperson auf Erbsendiät setzen, um einen zusätzlichen Verdienst zu erhalten, den er jedoch restlos an Marie (und sein Kind) abgibt. Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck physisch und psychisch aus und demütigen ihn in der Öffentlichkeit. Marie beginnt in dieser Zeit aber eine Affäre mit einem Tambourmajor. Woyzecks aufkeimender Verdacht wird durch ihm nicht freundlich gesinnte Mitmenschen geschürt, bis er Marie und den Major beim Tanz im Wirtshaus ertappt. Er hört Stimmen, die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen. Weil ihm das Geld für eine Pistole nicht ausreicht, kauft er ein Messer und ersticht Marie in einem Wald nahe einem See.

Historisches Vorbild für Woyzeck ist der in Leipzig gebohrene Johann Christian Woyzeck. Er erstach die Witwe Johanna Christiane Woost in einem Hausflur in der Leipziger Sandgasse aus Eifersucht. Woyzeck wurde nach einem langen Verfahren, in dem sich sogar der sächsische Thronfolger mit einem Gutachten für ihn einsetzte, verurteilt und 1824 auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich hingerichtet.

Bemerkenswert ist, dass das Drama verschiedene Mordmotive Woyzecks anbietet, die je nach Ausgabe und Abfolge der Szenen unterschiedlich gewichtet werden. Das offensichtlichste Mordmotiv ist die Eifersucht auf den Tambourmajor, da Marie mit ihm ein Verhältnis hat, obwohl Woyzeck sich für sie und das gemeinsame Kind gleichsam aufopfert. Woyzeck ist dem Major in physischer und gesellschaftlicher Hinsicht unterlegen und lenkt seine Wut deswegen auf seine Lebensgefährtin.

Die psychische Störungsind ein weiteres Mordmotiv. Woyzeck hört immer wieder Stimmen,

welche ein Symptom für Demenz sind. Hervorgerufen oder zumindest in starkem Maße unterstützt wird seine Krankheit durch den Vertrag mit dem Arzt. Anstatt Woyzeck heilen zu wollen, ermahnt er ihn im Gegenteil, seine extrem einseitige Ernährung (Erbsen-Diät) beizubehalten, um so die Mangelerscheinungen zu verschlimmern. Somit erscheint der Mord zum Teil als Folge der Fehlernährung verbunden mit der psychischen Instabilität Woyzecks, die sich schon seit Beginn des Dramas im Vordergrund gebracht wird. Dazu sind es die Stimmen die Woyzeck befehlen, die treulose Marie umzubringen.

Woyzeck wird wahrend des ganzen Werkes von der Gesellschaft, vor allem in Person des Hauptmanns, des Doktors und des Tambourmajors ausgenutzt beziehungsweise gedemütigt. Der Mord an Marie kann auch als Protest gegen bestehende Verhältnisse gesen werden, als Ausbruch seiner Wut gegen die hoheren Klassen, denen er nichts anhaben kann.

Im Gegensatz zu dem klassischen Drama, in dem die Hauptpersonen in langen, perfekten Satzgefügen sprechen, ist in Woyzeck die Umgangssprache vorherrschend.

Durch bewusst eingebaute grammatikalische Fehler, Satzabbrüche und Ausrufe vermittelt Büchner Authentizität. Gleichzeitig dient die Form der Umgangssprache als Spannung steigerndes Mittel. Sie wird verwendet, um Inhalt zu vermitteln. So versinnbildlicht das aneinander Vorbeireden der Menschen die Einsamkeit Woyzecks und vor allem seine zerfallende Beziehung zu Marie. Darüber hinaus gelingt es Büchner, durch das Niveau der Sprache den gesellschaftlichen Rang des Sprechers zu zeigen. Der Doktor spricht Hochdeutsch, während die Sprache Woyzecks und Maries, die den untersten Gesellschaftsschichten angehören, mit Fehlern gespickt ist.

Auch die Namen der Personen hat eine wichtige Rolle. Die sechs Personen, die den niedrigsten Gesellschaftsschichten entstammen, Woyzeck, sein Freund Andres, Marie, das Mädchen Käthe, Maries Nachbarin Margreth und der Idiot Karl werden vom Autor mit ihren Namen bezeichnet und erscheinen auch sonst als Charaktere. Die übrigen Rollen werden lediglich mit ihren gesellschaftlichen Funktionen bezeichnet, ohne jemals einen Namen zu haben. Es gibt den „Tambourmajor“, den „Hauptmann“, den „Doktor“, aber auch den „Juden“, die „Großmutter“ oder den „Budenbesitzer“. Diese Rollen sind nur eine Art Schema, das man als typisch für Personen dieser Art ansehen würde. Es handelt sich also um eine Mischung aus Charakteren und Typen.

Da all die Unterschiede zwischen den sozialen Klassen aber auch das Mord- oder das

Einfersuchtsmotiv speziffisch fur der Litteratur des Vormarz sind wird klar dass Woyzeck ein typisches Werk dieser Epoche ist.