Edwin Gräupl

DER RITTERORDEN VOM HEILIGEN GRAB UND SEINE RITEN

2012

VORWORT

Vorwort

Der päpstliche Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem nimmt neue Mitglieder in feierlicher Form in seine Gemeinschaft auf. Dies geschieht im Rahmen der katholischen Liturgie nach einem Ritus, der kirchlich geplant, geordnet und vorgegeben ist. Diese Feier enthält Elemente und Leitgedanken einer Tradition, die sich seit dem vierzehnten Jahrhundert nachweisen lässt. Für die Textzitate zur Liturgie habe ich das Zeremoniale des Ritterordens verwendet. Das Bild der Golgothakapelle stammt aus Wikipedia, alle anderen Abbildungen kommen aus meinem Archiv.

Diese kleine Zusammenstellung soll von der feierlichen Investitur einen ersten Eindruck vermitteln oder auch Erinnerungen wachrufen. Edwin Gräupl, 2012

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Kapitel 1

VIGIL
Während die künftigen Ritter einst vor dem Ritterschlag die Nacht im Gebet verbrachten, so versammeln sich heute die Kandidatinnen und Kandidaten vor der Investitur zur abendlichen Vigil. Im nebenstehenden Bild erinnert die Kreuzreliquie des Stiftes Heiligenkreuz während einer Vigil die Damen und Ritter an den Kern ihres Glaubens.

ABSCHNITT 1

Versprechen
Es ist üblich, dass die Kandidatinnen und Kandidaten im Rahmen der Vigil vor dem Altar dem Statthalter eine Erklärung übergeben, in der sie sich zu den Pflichten einer Dame oder eines Ritters bekennen. Darin findet man: „Ich verspreche • mein Leben nach sittlichen und religiösen Grundsätzen auszurichten, damit ich durch mein Tun und meine Tugend stets der mir gewährten Ehre würdig sei • mich in Worten und Taten der Mitgliedschaft im Orden würdig zu erweisen • die Weisungen der Ordensleitung nach besten Wissen und Gewissen zu befolgen und die Ordenssatzung zu beachten • meinen Beitrag zu leisten zu den Bedürfnissen und Initiativen des Ordens und zu den Hilfeleistungen für die Werke im Heiligen Land.“

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Kapitel 2

RITTERWEIHE
Die Aufnahme in den Ritterorden wird in der feierlichen Form einer sakramentalen Weihe vollzogen, die in den künftigen Damen und Rittern den Glauben stärken soll. Dies geschieht in Rom in besonders feierlicher Weise in der Mutter aller Kirchen, der Lateranbasilica.

ABSCHNITT 2

Ritterschlag
Im Rahmen einer heiligen Messe wird nach der Predigt die Investitur vorgenommen. Der Kern der Handlung: Großprior (während er das Schwert vertikal hält): Kraft meiner Vollmacht erwähle und ernenne ich sie zum Ritter des Heiligen Grabes unseres Herrn Jesus Christus. (Er berührt die Schulter mit dem Schwert) Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Ritter: Amen. Großprior (während er die Dekoration um den Hals des Kandidaten legt): Empfangen sie das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Es soll sie beschützen, und wiederholen sie häufig: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

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ABSCHNITT 3

Aufnahme der Damen
Die Aufnahme der Damen geschieht (ohne Ritterschlag) in analoger Weise, der Text ist etwas verändert: Goßprior: Kraft meiner Vollmacht erwähle und ernenne ich sie zu einer Dame des Heiligen Grabes und übergebe ihnen dieses Kreuz als Zeichen des Schutzes unseres Herrn im Leben und als Unterpfand der ewigen Herrlichkeit.

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ABSCHNITT 4

Aufnahme der Priester
Bei der Investitur der Priester erhalten diese zusätzlich zum Ordenskreuz die Mozetta des Ritterordens. Großprior: Empfangen sie diese Mozzetta, die mit dem Kreuz unseres Herrn Jesus Christus geschmückt ist, das uns Heil bringt. Möge es für sie eine Ermahnung sein, getreulich den Glauben zu bekennen und ein tugendhaftes Leben zu führen. Es möge ihnen helfen, für die Ausbreitung des Reiches Christi zu wirken.

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Kapitel 3

DAS DIPLOM
Die Ernennungsurkunden sind heute Diplome, die sowohl vom Kardinal-Großmeister als auch vom Assessor des päpstlichen Staatssekretariats unterschrieben und beurkundet werden. Der Wortlaut hat im Laufe der Jahrhunderte einige Veränderungen erfahren, ist im Wesentlichen aber gleich geblieben.

ABSCHNITT 5

Die Bulle zur Investitur
Der edle Ritterorden vom Heiligen Grab, der schon in alten Zeiten zum Schutz und zur Ehre des Grabes des göttlichen Erlösers in Jerusalem gegründet wurde, war stets Gegenstand des besonderen Wohlwollens des römischen Pontifex, wie sich in vielen Zeugnissen deutlich zeigt. Papst Pius IX und seine Nachfolger wollten den Orden den Erfordernissen der Zeit anpassen und legten fest, dass er als Auszeichnung sowohl Klerikern als auch Laien verliehen werden kann, die dies durch ihr Werk in der irdischen Heimat unseres Herrn Jesus wohl verdient haben oder bereit sind, ihre Dienste anzubieten. Sie legten auch fest, dass die Insignien des Ordens auch an jene frommen Damen verliehen werden können, die durch ihre Barmherzigkeit und Großzügigkeit hervorragen. Papst Leo XIII bestätigte dies mit weiteren Bestimmungen. Unter Berücksichtigung dieses vorher Gesagten und in Wahrnehmung der uns vom Papst als Großmeister verliehenen Vollmacht, die Urkunden für Kleriker und Laien, die zum Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem zugelassen

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werden, zu unterzeichnen, zu erwählen und zu ernennen, erklären wir: Wir verleihen, den hier anwesenden Rittern und Damen des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem das Recht, die ritterlichen Insignien entsprechend dem Rang ihrer Würde zu tragen, mit allen Privilegien, Gnaden und Vorrechten, die jetzt bestehen und in Zukunft den Mitgliedern, die die gleiche Würde im Orden wie sie haben, gewährt werden. Zur Bestätigung des Gesagten haben wir dieses Diplom ausstellen lassen, eigenhändig unterzeichnet, mit dem Siegel unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus bekräftigt und ordnen an, es ihnen auszufolgen Gegeben zu Rom, am Sitz des Ordens, Datum Der Kardinalgroßmeister

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Kapitel 4

GEBET
Damen und Ritter werden bei der Investitur dazu ermuntert im Rahmen ihres Gebetslebens immer wieder zu beten: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

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