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GGIW-PLENUM / 2.11.06 Siehe Anhang, S.

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Alfred Sohn-Rethel: Die „Geschichte in der Wahrheit“ / Der Begriff der e) Adorno, Th. W., Negative Dialektik, in: GS Bd. 6, Darmstadt, S. 178
Realabstraktion
„Ontisch vermittelt ist nicht bloß das reine ich durchs empirische, das als
Angefügtes Material: Modell der ersten Fassung der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
unverkennbar durchscheint, sondern das transzendentale Prinzip selber, an
1. Die „Geschichte in der Wahrheit“ – Zur materialistischen Kritik der welchem die Philosophie ihr Erstes gegenüber dem Seienden zu besitzen
Denkformen glaubt. Alfred Sohn-Rethel hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, daß in
ihm, der allgemeinen und notwendigen Tätigkeit des Geistes, unabdingbar
a) Sohn-Rethel, A., Geistige und körperliche Arbeit. Einleitung, gesellschaftliche Arbeit sicht birgt.“
Frankfurt/Main 1970, S. 11f
2. Der Begriff der Realabstraktion
„Es müssen an die zwei Jahre gewesen sein, wo ich im Hintergrund meines
Universitätsstudiums Berge von Papier damit beschrieb, daß ich jeden Sohn-Rethel, A., Geistige und körperliche Arbeit. Einleitung, Frankfurt/Main
einzelnen wesentlichen Ausdruck auf den ersten sechzig Seiten des Kapital 1970, S. 38-45
vornahm, ihn auf seine Definitionsmerkmale und vor allem auf seine
metaphorischen Bedeutungen hin untersuchte, auseinandernahm und wieder Siehe Anhang, S. 13-16
zusammensetzte. Und was sich aus dieser Übung ergab, war die
unterschütterliche Gewißheit von der durchschlagenden Wahrheit des
Marxschen Denkens zusammen mit einem unerschütterlichen Zweifel an der
Stimmigkeit der Warenanalyse in dem Zustand, wie sie vorlag. Da steckte
mehr und noch anderes drin, als es Marx gelungen war, mit seiner Analyse
zu durchdringen. Und schließlich, mit einem irrsinnigen
Konzentrationsaufwand, ging es mir auf, daß im Innersten der Formstruktur
der Ware – das Transzendentalsubjekt zu finden sei.“

b) Sohn-Rethel an Adorno (4.11.-12.11.1936), in: Gödde, C. (Hg.), Theodor


W. Adorno und Alfred Sohn-Rethel. Briefwechsel 1936-1969, München
1991, S. 13-30

Siehe Anhang, S. 2-10

c) Adorno an Sohn-Rethel (17.11.1936), in: Gödde, C. (Hg.), Theodor W.


Adorno und Alfred Sohn-Rethel. Briefwechsel 1936-1969, München 1991,
S. 32

Siehe Anhang, S. 11

d) Sohn-Rethel an Adorno (29.4.1937), in: Gödde, C. (Hg.), Theodor W.


Adorno und Alfred Sohn-Rethel. Briefwechsel 1936-1969, München 1991,
S. 47-54
turwŸchsige Gemeinwesens. Füden methodologischen Fehler, Untersuchung; auch wie sich hieraus die Entstehung und innere
der mir dabei leider unterlaufen ist und auf den eine ~Berichtigung- Verfassung des rationalen Denkens erkläre läß Füdiese Aus-
a m Schlu der Arbeit Bezug nimmt, darf ich Sie vielleicht gleich- beutungsbeziehung der Menschen zu den Menschen als Quell der
falls auf den Brief an Horkheimer verweisen. Es wird meine näch Verdinglichung und der normativen Zwangsformen des Denkens
ste Sorge sein, ihm abzuhelfen. Die nochmalige Umarbeitung des den Ausdruck synthetisch- zu gebrauchen, hat wie mir scheint
Textes war mir jetzt aus Zeitgründeganz unmöglichImmerhin einen Sinn. Es ist derselbe, der in der Unterscheidungvon ~natürli
dŸrft selbst mit diesem Fehler die Konstruktion des ausbeutungs- c h e m ~und ~synthetischem~ Kautschuk steckt, sofern mit ~synthe-
freien Gemeinwesens einen Gewinn bedeuten, der sich vor allem tisch~der menschlich-praktische Ursprung des Resultats bezeich-
im sechsten Abschnitt, *DieAusbeutung als Ursprung der Verding-
lichungu, auswirkt. Vielleicht fmdet es auch Ihre Zustimmung, daÃ
-
net wird. StoßeSie sich bitte nicht zu sehr an der äquivoke
Bedeutung des Worts ~Naturuin diesen SätzenDa der Natur-
in diesem Abschnitt der Begriff der Synthesis, statt unter Anleh- stand der Menschen - ihr Leben als die species Tier, die sich selbst
nungan Kant, vom -synthetischen Kautschuk* aus eingefŸhr wor- ihre Lebensmittel produziert (Marx) - sich ändertliegt an den
den ist. Nicht als Kontrebande, sondern auf Grund folgender Auf- Menschen, nicht an der Natur. Denn mit der Ausbeutung entsteht
fassung. durch die zwischen-menschliche Brechung und Vermittlung des
Es ist meine Meinung, daÂdie eigentümlicheFormen von Denk- materiellen Lebens der Schein fŸ die Menschen, da sie andren
notwendigkeit, die in der Mathematik und Logik den Urteilen den ~ W e s e n seien
s ~ als die *bloßNatur*, entsteht mit andren Worten
Charakter der Apodizitägeben, genetisch nicht aus der Erfahrung der Fetischismus. DaÂin diesem der Bedeutungswert ~Natur*ver-
der Arbeit und des Verzehrs stammen, nicht also aus dem mensch- fdscht ist, leugne ich nicht, sondern sage und begründich viel-
lichen Verhältnizur Natur (konzedieren Sie mir bitte den Aus- mehr; ebenso da die Entfremdungsfrage nach der -Nature dem
druck in dieser praktischen Bedeutung fŸ den Augenblick). Sie Menschen durch die Kritik seines gesellschaftlichen Seins, richti-
stammen vielmehr aus bestimmten Beziehungen der Menschen ger der Ausbeutung, zurückzugebeist. (Indem ich dies schreibe,
untereinander, Beziehungen, in denen diese es mit sich selbst zu bedaure ich, daÂich erst in diesem Augenblick darauf komme, das
tun haben. Ich halte das Argument Kants fŸ richtig, da solche rationale Denken von der Seite der Denknotwendigkeit und die
Denknotwendigkeit, wie sie den mathematischen Urteilen inne- Logik als Zwangsform der theoretischen ratio anzusehen. Vieles
wohnt, nicht aus der Natur abgelesen sein kann, weder im rezepti- wärmir dadurch in der neuen Darstellung leichter geworden, -
ven noch im produktiven Verhältnizu ihr. Das besagt noch nicht, leichter und klarer im Sinne Ihres Vorschlages, den Systemzwang
da ihre Wurzeln -a priori in uns liegen*. Sie stammen aus der des Idealismus als Ausdruck des Schuldzusammenhanges der Aus-
Ausbeutung. Diese ist die Beziehung, in der die Menschen es mit beutung zu bezeichnen. Wie Sie sehen, lössich mir die jetzige
Menschen zu tun haben, jedoch f Å ¸ den Verzehr (der einen) und Fassung, kaum daÂsie fertig ist, in ihrer Textur abermals auf.) -
wegen der Arbeit (der andren). Das *Verhältnizur Natur* besteht Aber ich will von nun an in diesem Brief vermeiden, ins Sachliche
auch in der Ausbeutung selbstverständlicfort - sonst würdedie
einzugehen, weil ich leider in der Zeit sehr beschränkbin und das
Menschen sterben -, aber vermittelt und gebrochen durch das Aus- gleiche auch fŸ Sie vermute.
beutungsverhäitnivon Menschen zu Menschen. Wie durch diese
Um daher im Bericht fortzufahren, möcht ich Sie auf die stark
Brechung die dingliche Identitäder Arbeitsprodukte entsteht und
verändertAbleitung der Subjektivitäaus dem Gelde im siebten
sich als Verdinglichung der gesellschaftlichen Beziehungen der
Abschnitt des Manuscripts hinweisen, die mir erheblich stringenter
Menschen und Entfremdung ihres Verhäitnissezur Natur, d.h.
als die frühererscheinen will. Der apodiktische Beweis ist freilich
auch zu sich selbst, entwickelt, ist der Hauptgegenstand meiner auch das nicht. Aber dieser Beweis kann überhaupnicht in der
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