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Kurs 1:

Das Hildebrandslied ist eines der frühen poetischen Texte in deutscher Sprache aus dem 9.
Jahrhundert. Es ist das einzig überlieferte (singur pastrat) Textzeugnis eines Heldenlieds
germanischen Typs in der deutschen Literatur. Es ist das älteste erhaltene germanische
Heldenlied aus der Zeit der Militärdemokratie und des Frühfeudalismus. (Cel mai vechi text
pastrat din epoca democratiei militare si a feudalismului timpuriu) Es ist auf der leeren Seite
(pagini goale) im Kloster (manastirea) Fulda von Mönchen geschrieben. Das Gedicht hat 68
Langversen, es ist um 810 oder 820 aufgeschrieben. Es geht um die Kriegsehre (onoarea de
lupta: Krieg: batalie, Ehre: Onoare) und das Sippengefühl (das Gefühl: sentiment; die Sippe=
familia din acea epoca), die den tragischen Konflikt ergeben. (care genereaza tragicul
conflict).

Der Text erzählt in einer althochdeutschen Sprache (textul povesteste intr-o limba germana
veche) eine Episode über Dietrich von Bern (un episod despre). Hildebrand, der Krieger
(luptatorul), welcher auch im Nibelungenlied als Figur ist,  hat Frau und Kind verlassen (si-a
parasit familia si copilul) und ist als Krieger und Gefolgsmann (insotitor) mit Dietrich in das
Exil gezogen.. Er musste als Krieger seinem Herrn folgen (trebuia ca luptator sa isi urmeze
stapanul). Nun kehrt er nach 30 Jahren heim (Dupa 30 de ani se intoarce). An der Grenze (la
granita), zwischen zwei Heeren (intre 2 osti), stellt sich ihm ein junger Krieger entgegen (i se
opune un luptator). In der Exposition beschreibt der Text die Handlung (in expozitiune se
descrie actiunea): die beiden Krieger treffen sich zwischen zwei Heeren. Gleichzeitig wird
gesagt (in axelasi timp se spune), dass der Text mündlich verbreitet ist (ca textul s-a trimis
oral mai departe), wenn der Autor schreibt: „Ich hörte das Sagen.“ (Am auzit povestitul)

Hildebrand fragt Hadubrand, wer sein Vater ist. So erfährt (afla) Hildebrand, dass dieser
Mann Hadubrand, sein eigener Sohn ist. Er, Hildebrand hatte „sein junges Weib im
Haus/unerwachsen das Kind (necrescut copilul)“ hinterlassen und diese Idee ist eine Kritik
des Sohnes an den Vater. Damit ist das Hildebrandslied ein Beispiel (exemplu) für den
Verfall (Verfall = decaderea) der Ideen der Militärdemokratie und für den Beginn des
Frühfeudalismus.

Hildebrand sagt Hadubrand, dass er sein Vater ist. Er will ihm Geschenke geben. (Hildebrand
ii spune lui Hadubrand ca este tatal sau. Incearca sa ii dea cadouri) (Es sind goldene
Armringe, wie sie zur Zeit der Militärdemokratie für militärische Dienste gegeben wurden –
Sunt bratari de aur cum se dadeau in perioada democratiei militare pentru servicii militare)
Hadubrand will diese Geschenke nicht nehmen. (Hildebrand nu vrea sa accepte aceste
cadouri). Er sagt, er ist ein listiger alter Hunne (ii spune ca este un hun smecher), denn
Seefahrer haben ihm erzählt (caci marinari i-au povestit), dass sein Vater tot sei (ca tatal lui
este mort). Hadubrand glaubt, sein Vater ist tot. Er glaubt, dass der Fremde ihn betrügen will
(betrüge= a insela). Er provoziert den Mann, sagt ironisch „alter Hunne“. Darum beginnt der
KAmpf (de aceea incepe lupta intre cei doi). Hildebrand hat keine Alternative. Er muss mit
seinem Sohn kämpfen. (kämpfen = a se lupta). Er muss seine Ehre verteidigen. (Trebuie sa isi
apare onoarea). Hildebrand sagt Wörter wie Gott. (Hildebrand enumera cuvinte ca
Dumnezeu) Er handelt aber nicht wie ein Christ. (nu actioneaza ca un crestin). Die Ehre als
Krieger ist wichtiger als die Familie, die Sippe (Onoarea de luptator e mai importanta decat
familia, ginta. Die Kriegsehre siegt über die Sippen. (Onoarea de luptator invinge ginta)
Hildebrand kämpft mit seinem Sohn. (Hildebrand se lupta cu fiul sau). Er tötet seinen Sohn.
(EL isi ucide fiul).

Zwischen zwei Heeren stehen nun Vater und Sohn; (Intre doua osti se gasesc tatal si fiul). Es
kommt zum Kampf (Se ajunge la lupta). Hier bricht der Text ab (Aici se oreste brusc textu).
Das Ende erfährt man aus Edda. (Sfarsitul il aflam din Edda). Es ist ein isländisches Buch.
(Este o carte islandeza). Der Vater tötet seinen Sohn. (Tatal isi ucide fiul)

DAS HOHE MITTEIALTER (1170-1230)


Diese Epoche ist die höfisch- ritterliche Standesliteratur. (este epoca literaturii cavaleresti de
la curte). Die Literatur beschreibt das Leben der Ritter. Die Ritter sind tapfer, sie kämpfen.
Die Ritter und ihr Leben sind idealisiert. Es ist eine perfekte und ideelle Welt, eine ästhetische
Existenz. Die Frauen sind schön, die Burgen sind reich, die Pferde sind elegant. Es gibt keine
negativen Elemente. Diese Literatur hat mehrere Attribute 1. Der Mut, die Tapferkeit. Er heißt
in der Epoche hohe muot. 2. die schöne Frau und der Ritter 3. die Freude (vreude )nach den
Aventiuren. 4. Das höfische Fest wird gezeigt. Es heißt in der Epoche hochgezite. 5. Die
Treue ist wichtig für die Ritter. Die Wörter heißen in der Epoche Triuwe und manheit.
Triuwe bedeutet Treue zum Ritterdasein, Treue zu sich selbst, Treue für einen Herren und für
eine Frau. 6. Die Frau wird idealisiert. Sie ist reich, sie ist die hohe frouwe 7. Die Ritter
machen viele Rittertaten (fapte de vitejie) Sie heißen in der Epoche arebeit. 8. Sie gehen auf
aventiure hin. Aventiure hat der Ritter zu bestehen, um ere und Ansehen im Herrendienst
oder Minnedienst zu erreichen. (Aventuri are de urmat cavalerul ca sa aiba onoare in slujba
unui barbat si a unei femei) 9. Die Liebe ist in vielen Texten. Sie heißt in der Epoche mine
Diese Welt ist in Harmonie. Es ist die Harmonie zwischen der Welt auf der Erde und der Welt
von Gott. Diese Harmonie ist das Ideal der Epoche. Diese Literatur ist optimistisch. Sie will
die innere Harmonie und sie will die äußere Harmonie. Das Modell für die Literatur ist.
Frankreich. Frankreich ist progressiv und hat ein hoch entwickeltes Feudalsystem. Es ist ein
Ideal für die deutsche Literatur. Die deutsche Literatur nimmt Stoffe (subiecte) und Motive
von der französischen Literatur.
Kurs 2:
Stoffe und Motive der höfischen Dichtung. Der höfische Roman:
Es gibt in der deutschen Literatur 2 große Epen (das Epos- die Epen: epopei), Wolfram von
Eschenbachs Parzival und Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde. Sie basieren auf
Elemente aus der französischen Literatur.
Gottfried von Straßburg, Tristan und Isolde: Er problematisierte das höfische Ritterideal
und das Leben der Ritter. Das Thema ist die Liebe, die Minne. Tristan trifft Isolde.Isolde
muss die Frau von Marke werden, (Tristan o intalneste pe Isolde. Isolde trebuie sa devina
sotia lui Marke). Isolde und Marke sollen einen Liebestrank trinken. (Ei trebuie sa bea o
licoare magica). Aus Versehen trinken TRinstan und Isolde den Liebestrank. (Din greseala
aea licoare magica o bea Tristan si Isolde). Isolde heiratet und wird die Frau von Marke.
(Isolde se casatoreste si devine sotia lui Marke). Weil Tristan und Isolde einen Liebestrank
(licoarea iubirii) trinken, lieben sie sich bis über den Tod. Der Autor ist sehr modern für die
Epoche. Schuld ist König Marke. (Vinovat este regele Marke) Er versteht die wahre Liebe
nicht. (nu intelege iubirea adevarata). Er schickt Tristan und Isolde in eine Grotte in den
Wald (ii trimite pe TRaistan si Isolde intr-o grota in padure). Diese Grotte ist rund, weil das
die Form der Perfektion ist. (Grota este rotunda pentru ca aceasta este forma perfectiunii). Es
gibt keine Ecken (nu exista coluturi), auf dem Boden ist Marmor (pe jos e marmora), die
Fenster sind hoch (geamurile sunt sus), in der Mitte ist ein Bett (la mijloc este un pat). Tristan
und Isolde leben nur von der Liebe (traiesc doar din dragoste), sie sind glücklich (ei sunt
fericiti). Sie können aber nicht alleine im Wald bleiben. (Nu pot ramane singuri in padure).
Sie kehren zurück zu Marke. (Se intorc la Marke). Der Mensch kann nicht isoliert leben (omul
nu poate trai izolat).Gottfried von Straßburg ist sehr modern für seine Zeit. (Autorul Gottfried
von Straßburg este foarte modern pentru epoca sa). Schuldig sind nicht Tristan und Isolde,
weil sie sich lieben. (Vinovati nu sunt Tristan si Isolde, pentru ca se iubesc). Schukdig ist die
Gesellschaft. (Vinovata e societatea). Marke repräsentiert die Gesellschaft. (Marke reprezinta
societatea). Sie versteht die wahre Liebe nicht. (Ea nu intelege iubirea adevarat.) Bei
Gottfried gehört die Spannung von Liebe und Leid existenziell zur wahren Minne. (La
Gottfried tensiunea intre iubire si durere tine de adevarata iubire). Für Tristan und Isolde ist
die Erfüllung ihrer Liebe mit Kummer und Qual, dann mit dem Tod verbunden. (Pentru cei
doi reusita, implinirea in iubires este legata de suferinta si durere, apoi de moarte). Was ihr
Herz will, kollidiert mit der Gesellschaft (Ceea ce vrea inima lor, se loveste/colideaza cu
societatea).
Die Kernmotive der höfischen Epen sind das Artus- und das Gralsmotiv.
Die Artussage geht von dem bretonischen König Artus oder Arthur aus, der zum Vorbild
ritterlichen Verhaltens geworden ist. Chretien de Troyes wertet die sagenhafte Vorlage für die
ritterlich-höfische Epik aus. Artus wird zum symbolhaften Mittelpunkt der ritterlich-höfischen
Welt erhoben. Er ist ein ruhendes Zentrum, während um ihn Tat gedeiht, diese gefordert wird.
Mitglied seiner Tafelrunde zu sein, bedeutet höchste gesellschaftliche Anerkennung. Die
Artuswelt erscheint als eine von den Begriffen des Raumes und der Zeit gelöste Welt. Wer in
die Artuswelt einreitet, begibt sich in die Gefilde einer Märchenwelt. Diese zeitliche und
räumliche Ungebundenheit erhöht die Symbolhaftigkeit der Handlung und erhebt sie damit in
eine höhere Wirklichkeit. Die Atmosphäre, die um Artus, den Mittelpunkt der ritterlich-
höfischen Welt, herrscht, ist die der Freude und Hochstimmung. Schönheit und Minne,
höfische Feste und aventiure ergeben in ihrer glanzvollen Schilderung den würdigen Rahmen,
in dem das Spiegelbild der höfischen Gesellschaft erscheint.
Gralsmotiv: Wolfram von Eschenbach entwickelt die Beziehung Artus-Gral in seinem
Parzival in schöpferischer Weise weiter. Das absolut ritterlich begründete Artusideal wird zu
einer Durchgangsphase für den Gralsritter. Das Gralsrittertum stellt einen idealen Stand, eine
Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die fähig und bereit sind, ethische hohe Aufgaben zu
erfüllen. Die gesamte Darstellung des Gralsbezirkes und die damit verbundene Symbolik
verweist in Bereiche, die nicht ritterliche Ehre, sondern sittliche Bewährung zum Ziel haben.
Wolfram vereint im Gral jene erstrebte mittelalterliche Harmonie, in der Weltenhuld und
Gotteshuld zusammenfließen.

Gotischer Baustil: Die Gotik ist eine Epoche der europäischen Architektur und Kunst des
Mittelalters. Sie entstand um 1140 in der Île-de-France (Paris und Umgebung) und dauerte bis
etwa 1500–1550. Vor ihm gab es den romanischen Baustil, nachher die Renaissance. Es gibt
Früh, Hoch und Spätgotik. In der Nachgotik lebte der gotische Baustil auch außerhalb seiner
Epoche bis in die Barockzeit weiter fort und fand in der Neugotik als Spielart des Historismus
neues Interesse. Da der Spitzbogen als ein zentrales Element der Baukunst der Gotik gilt,
wurde der Stil ursprünglich als Spitzbogenstil bezeichnet
Die Gotik war eine Epoche der Verbildlichung der christlichen Ideenwelt und bediente sich
dabei in großem Umfang der Symbolik und Allegorie. Herausragende Kunstschöpfung ist die
gotische Kathedrale, die als Gesamtkunstwerk Architektur, Plastik und (Glas-)Malerei des
Mittelalters vereint. In der Romanik gab es relativ kleine Fensteröffnungen und große
Wandflächen. In der Gotik wurden die Mauerflächen zunehmend aufgelöst und großflächig
durch Glasfenster ersetzt, die von innen wie durchscheinende „Glaswände“ wirkten und zu
einem wesentlichen Gestaltungselement der Kirchenarchitektur wurden. Die Sonnenstrahlen,
das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und das Bauwerk zur gebauten
Metaphysik verwandeln.

Kurs 3: Humanismus und Renaissance

Em allgemeiner Erneuerungswille kennzeichnet die Epoche des Humanismus. Literatur,


bildende Künste und Staatsrecht bzw. Philosophie der Antike wurden von der neuen geistigen
Bewegung als vorbildhaft gesehen. Die Rückbesinnung auf antike Idealität allgemein, als
Wiedergeburt der Antike verstanden, gab der Epoche ihren zweiten Namen, Renaissance.
Dieser Terminus schließt den rein literaturgeschichtlichen Begriff des Humanismus mit ein.
Von Italien nahm die neue Geistes- und Kulturströmung, die das Mittelalter von der Neuzeit
trennen sollte, ihren Ausgang. Den Begriff Renaissance prägte der italienische Maler Vasari.
Er verstand darunter die lange herbeigesehnte Wiedergeburt der artes und bonae literae seines
Vaterlandes zwischen 1300-1547 aufgrund der Neubelebung der Antike nach Jahrhunderten
der Barbarei. Somit verbindet sich mit dem Begriff Renaissance vorzüglich der Gedanke der
Wiederbelebung der Antike. Der Humanismus, der in Italien bereits mit Petrarca und seinem
Freund Giovanni Boccaccio um 1350 einsetzte, erfasste im 15 Jahrhundert ganz Europa.
Die mit dem Humanismus einsetzende Besinnung auf die eigene Vernunft, die Befreiung zu
kritischem Denken, das sich von den kirchlichen Autoritäten und deren Dogmatik löste, führte
in Deutschland zu Entdeckungen auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Der moderne Mensch
will die Welt erobern. Als wichtigste Ergebnisse wären etwa der Nachweis der
Achsendrehung der Erde durch Nikolaus von Cues 1464 zu nennen oder die Konstruktion des
ersten Globus’ durch den Nürnberger Geografen Michael Behalm 1492, die von den
Entdeckungsreisen Vasco da Gamas, Christoph Columbus’, Amerigo Vespuccis und anderer
bestätigt wurde, vor allem durch die erste Weltumsegelung, die Fernändo de Magallanes
1519-1522 gelang, die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern durch Johannes
Gutenberg in Mainz, die ersten Auflehnungen gegen die Kirche als große feudale Institution
durch die Hussiten (Jan Hus 1415 als Ketzer verbrannt) und Martin Luther, die
Bauernaufstände, die im deutschen Bauernkrieg von 1525 gipfelten. Die bedeutendste
naturwissenschaftliche Leistung der Renaissance brachte Nikolaus Kopernikus mit dem
astronomisch-mathematischen Beweis der Kugelgestalt der Erde und des heliozentrischen
Weltbilds, das die ptolemäische Vorstellung von der Erde als Scheibe, inmitten des
Weltozeans gelegen und umkreist von der Sonne und den Planeten ablöste. Die Erkenntnis,
daß die Erde sich um die Sonne bewegte und nicht der Mittelpunkt der Welt war, erschütterte
das Selbstverständnis der Menschen tief, waren doch Erde und Mensch nur Teil der
Schöpfung Gottes und nicht mehr ihr Höhepunkt und Ziel.
Begriffsbestimmung: Die neue Welt- und Lebenssaufassung, die sich auf allen Gebieten des
geistigen Lebens auswirkte und auch die Kunst nachhaltig beeinflusste nennt man
Renaissance oder Wiedergeburt. Der Begriff betont das Erwachen des Individuums durch das
Erlebnis der wieder entdeckten Antike (Schlagwort der Epoche: ad fontes, zurück zu den
Quellen). Betont der Terminus Renaissance das Lebens- und Kunstgefühl, so bezeichnet
Humanismus die wissenschaftlich-literartische Seite dieser Strömung. Durch das Studium der
antiken Literatur glaubten die Humanisten zu den Quellen echten Menschentums
zurückzukehren. Die Strömung bedeutet weltanschaulich eine Abrechnung mit dem
mittelalterlichen Weltbild. Bisher gültige Bindungen des Menschen an Kirche und Staat
lockern sich. Die Besinnung auf den individuellen Wert der menschlichen Persönlichkeit
verläuft in Westeuropa parallel mit dem nationalen Erwachen.
Der Mensch wird das Maß aller Dinge: „Der Mensch ist Gott, zwar nicht absolut, weil er
Mensch ist, er ist der menschliche Gott“. In diesem humanistischen Ausspruch werden die
schöpferischen Fähigkeiten des Menschen unterstrichen, deren Ausbildung jetzt höchstes Ziel
des Individuums ist. Die Bildungaufgabe ist eine hohe Verpflichtung der Humanisten.
Vertreter: Leonardo da Vinci, Erasmus von Rotterdam, Albrecht Dürer, Sebastian Brant,
Thomas Murners Narrenbeschwörung, Ulrich von Hutten Dunkelmännerbriefe, Martin
Luther.
Baustil - Renaissance (ca. 1520-1620)

In der Renaissance wurden weiterhin gotische Elemente genutzt, die durch gestalterische
Mittel, eine Abgrenzung vom gotischen Baustil mit sich bringen. So gibt es mehr die
Hallenkirche und die Saalkirche, als bis dahin die Basilika. Die Renaissance löste das
Aufwärtsstreben der Gotik durch die Betonung der Waagerechten ab. Ein Streben nach
Klarheit, Schönheit und Ausgewogenheit ist durch harmonische Proportionierung von
Baukörpern und Bauteilen zu erkennen. Die wichtigsten Stilelemente der Renaissance waren
Säulen und klassische Kapitelle, harmonische Proportionen bei den Bauwerken,
Arkardenhöfe, grobe Quader in den Sockeln der Gebäude.

Die Reformation
Als Luther 1517 mit seinem Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg’zur
öffentlichen Diskussion über die päpstliche Ablasspraxis aufforderte, waren die
kämpferischen Kräfte zu einer Auseinandersetzung mobilisiert, so dass es zu einer raschen
Verbreitung der Lehren dieses Kirchenkritikesr kam. Luther wurde auf dem Augsburger
Reichstag zum Widerruf seiner Thesen aufgefordert, floh von dort. Es kam zum Bruch mit der
katholischen Kirche, da Luther insbesondere den Primat des Papstes, die Bedeutung der
kirchlichen Tradition und die Unfehlbarkeit der Konzile leugnete.
Der bedeutendste Reformator, der das geistliche, aber auch das politische und kulturelle
Leben Deutschlands beeinflusste, war Martin Luther (1483-1546). Luther übersetzte auf der
Wartburg in nur elf Wochen das Neue Testament, das 1522 im September gedruckt vorlag.
Bis ans Ende seines Lebens befasste er sich intensiv mit der Frage nach der richtigen
Übersetzungsmethode. Als Humanist beherrschte er das Lateinische und seine Strukturen;
Luther wich vom Wortlaut des Urtextes ab, um den Sinn eindeutig zu treffen: „Jch hab mich
des geflissen um dolmetzschen / das ich rein und klar teutsch geben möchte. Und ist uns wol
offt begegnet / das wir virrtzehen tage / drey / vier wochen haben ein einiges [einziges] wort
gesucht und gefragt/ habens dennoch zu weilen nicht funden … den man mus nicht die
buchstaben inn der latelnischen sprachen fragen / wie man sol Deusch reden / … / sondern /
man mus die mutter im hause / die kinder auff der gassen / den gemeinen man auf dem marckt
drum fragen / und den selbigen auff das maul sehen / wie sie reden / und darnach dolmetschen
/ so verstehen sie es den / und mercken das man Deutsch mit in redet.“
Immer wieder bringt Luther zum Ausdruck, wie wichtig ihm der einfache Mann auf der
Straße ist, den er erreichen will. Seine berühmte Formulierung, daß man „dem Volk aufs
Maul schauen solle“, besagt, daß er dem gesprochenen Wort den absoluten Vorzug vor einer
vielleicht kunstvolleren, aber nicht deutschen Ausdrucksweise gab. Als „Esel und
Buchstabilisten“ nannte er all die Gelehrten, die nur buchstabengetreu übersetzen konnten,
anstatt die Eigenständigkeit des Deutschen zu respektieren. Den Sinn zu treffen und die
Schönheit des Originals zu vermitteln, war Luthers Ziel. Luther orientierte sich bei seiner
Bibelübersetzung an der renommierten sächsischen Kanzleisprache, die ihrerseits auf der
Prager des Johann von Neumarkt fußte. Die Entwicklung des Hochdeutschen ist ohne Luthers
Arbeiten undenkbar.
1525 entluden sich die sozialen Spannungen im Bauernstand, der in großem Maß mit
Abgaben von Landadel und Kirche belastet war, im sogenannten Großen Bauernkrieg, der
Schwaben, Franken und Thüringen erfasste. Dabei beriefen sich die Bauern auf das
Naturrecht der Gleichheit aller Menschen und auf Luthers Schrift Von der Freiheit eines
Christenmenschen die allerdings nicht auf Demokratisierung abzielte, sondern nur die
Gleichheit aller Christen vor Gott meinte. Luther hat zwar zum großen Teil die Forderungen
der Bauern anerkannt, wollte aber nicht die ständische Ordnung aufheben.

Der Roman der Renaissance: Das Narrenschiff


Sebastian Brant verfolgte in dem Buch Das Narrenschiff (1494) didaktische Ziele. Dem
Publikum wollte er die humanistische Bildung beibringen, es zur Ordnung erziehen. Die
Sorge um den Sittenverfall, um das Versagen des Kirche, die Auflösung der festen
Standesgrenzen ließ Brant ein düsteres Bild der Gegenwart zeichnen;
Weltuntergangsstimmung brachte er in sein zeitkritisches Gemälde und ist ein Sittenprediger
mittelalterlichen Stils. Sünde versteht er aber nicht als das Handeln und Leben gegen die
Kirche, sondern gegen die vernünftige Einsicht, die allein zu Gott führt. So hält er fest an der
mittelalterlichen Auffassung von der Welt als Jammertal mit wenig Freuden. Er propagiert die
Vernunft als wichtigstes Instrument des Menschen.
In den einleitenden Versen seines Buchs fordert Brant den Leser auf, sich im „Narrenspiegel“
zu betrachten und zu erkennen: Weisheit und Narrheit sind die Leitworte dieser Passage und
zeigne die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Sein und Schein. Die
Scheinwelt mit ihren Illusionen, Vergeblichkeiten des Menschen zu entlarven, ist der Sinn
dieses Narrenspiegels. Das Erkennen der eigenen Narrheit sieht Brant als wesentliche
Voraussetzung an, zur Weisheit zu gelangen. Es scheint, als ob die Narrheit eine Bedingung
der irdischen Existenz sei, der der Mensch nicht entrinnen kann. Der Autor will Weisheit
lehren, er glaubt an die Erziehbarkeit des Menschen. Diese Ambivalenz von pessimistischer
Weltsicht und dem Glauben an eine bessere Zukunft ist ein Markenzeichen des Buchs.
Kleine Schwächen werden neben grobe Verbrechen gestellt; alle Stände, Jung und Alt,
Männer, Frauen und Kinder, Berufsgruppen aller Art kommen an die Reihe.
Zusammengehalten wird der „Lasterkatalog“ durch das Motiv der Narrenreise, der lustigen
Schiffahrt „gen Narragonien“, zu der der Titelholzschnitt einlädt. Den Beginn des
Narrenreigens übernimmt der Büchernarr, der Pseudogelehrte, der sich mit einer großen
Bibliothek umgibt, um im Schein der Wissenschaften glänzen zu können. Der Stolz des
Humanisten spricht daraus, dem Bücher als Voraussetzung zu wahrer Menschenbildung sind.
Ein vollständiges Abbild der törichten Welt hat Brant in seinem Roman angestrebt: „Von
vielem Schwätzen“, »Von der Hoffnung auf Erbschaft“, „Keinen Spaß verstehen“ oder
„Falschheit und Beschiss“ lauten die Titel; von unfolgsamen Kranken, Gotteslästerern,
wüsten Grobianen, Hitzköpfen, von Bauern, die adlig sein wollen, von Geldfälschern bis zu
falschen Pfaffen reicht der Narrenbogen; Bettler, Jäger und Schützen, Spieler, Reiter und
Schreiber, Kaufleute und Handwerker, Köche und Kellermeister lässt der Autor Revue
erscheinen; Der heutige Leser gewinnt ein literarisches Soziogramm des ausgehenden 15.
Jahrhunderts. Basis des Beispielkatalogs menschlicher Narrheit sind die 7 Hauptsünden des
Mittelalters – Hochmut, Geiz, Völlerei, Wollust, Zorn, Neid und Trägheit -, die bei Brant in
einzelnen Kapiteln behandelt werden.
Sünde ist nicht mehr die unausweichliche Folge der Erbsünde wie im Mittelalter, sondern hat
ihren Ursprung im einzelnen Menschen, kann von ihm jederzeit abgelegt werden – wenn er
nur wollte. Aber auch wenn nicht mehr der Wertekanon der Kirche wichtig ist, sondern nach
humanistischer Auffassung dem Individuum die Verantwortung für ein moralisch-
vernünftiges Leben übertragen ist, hat Brant doch keinen Zweifel gelassen, daß alle Narrheit
im sündigen Wesen des Menschen begründet liegt, und daß die chaotischen Zeiten als Strafe
Gottes für das sündige Verhalten der Zeitgenossen anzusehen sind. Mittelalterliches
Sündenbewusstsein und humanistisches Menschenverständnis verbinden sich dabei.
Außer dem im Mittelalter bekannten Bild der Schifffahrt für die Lebensreise hat Sebastian
Brant in seinem Buch die beliebte Allegorie des Glücksrads eingesetzt, das blind gute wie
schlechte Gaben unter die Menschen verstreut. Mit der Allegorie des Glücksrads verknüpft
Brant ein drittes populäres Motiv, das des Totentanzes. Hatte die Glücksgöttin ungerecht
Armut und Reichtum verteilt, so ist der Tod absolut gerecht.
Sebastian Brant hat die Figur des Narren, der in der Moralsatire, in den Schwänken und
geistlichen Spielen des Spätmittelalters für Späße eingesetzt wurde, literaturfähig gemacht.
Mit diesem Werk löste Brant im 16. Jahrhundert eine Flut an Narrenliteratur aus.
Das Erstarken des Zunftbürgertums im 15 Jh. innerhalb der stärker werdenden Städte war die
Voraussetzung dafür, dass die Handwerker als neue Bildungsschicht in die Literatur traten.
Eine besondere Form stadtbürgerlicher Dichtung wurde der Meistersang, der sich aus der
höfischen Spruchdichtung entwickelt hatte. „Meister“ nannten sich zunächst einige
bürgerliche Berufsdichter am Ende des 13. Jahrhunderts, um sich als gelehrte Poeten,
unterrichtet in den 7 Künsten, von den ungebildeten fahrenden Sängern abzugrenzen. Ihre
Gedichte waren in Strophen geschrieben.
Im 15. Jahrhundert übernahmen die in den Städten gegründeten Singschulen, in denen nun
nicht akademisch gebildeten Handwerkern die Regeln des Vers- und Strophenbaus und die
Töne (Melodien) berühmter Vorbilder gelehrt wurden, die Pflege dieser speziellen Form von
Spruchdichtung. Die Hierarchie war die der Schüler, Schulfreunde, Singer, Dichter und
Meister. Meister konnte nur der werden, wer eine neue Melodie oder Strophenform entdeckte.
Jedes Aufsteigen war wie bei den Meisterprüfungen mit einer Prüfung verbunden. Das
Wettsingen fand zuerst in der Kirche, dann im Rathaus statt. Wichtige Singschulen gab es in
Ausgsburg und Nürnberg. Diese Singschulen leiteten sich von zwölf alten Meistern ab, die
Gott inspiriert habe: Walther von der Vogelweide, Konrad von Würzburg, Frauenlob gehörten
dazu Sie gaben eigene Meistertitel, wenn die strengen formalen Prinzipien der Dichtung und
des Vortrags erfüllt wurden und der Kandidat einen eigenen Ton vorgeführt hatte. Sie
glaubten, dass die Kunst wie ein Handwerk erlernbar ist. Wer sich an feste Regeln und
Vorschriften hielt, konnte die Meisterschaft lernen. So pflegten die Angehörigen des
Stadtbürgertums eine Dichtung, welche äußerlich die Tradition des Meistersangs aufnahm,
innerlich aber der Lebensanschauung des Zunftbürgertums entsprach. Die Form wurde
wichtiger als der Inhalt, Qualität erwies sich allein in der Regelrichtigkeit. Der berühmteste
und sprachbegabteste Meistersinger, mit dem sich auch heute noch die Vorstellungen vom
Meistersang verbinden, ist Hans Sachs (1494-1576).
Der Meister dieser kurzen, zugleich moralisch-belehrenden und unterhaltenden Spiele, die
auch als Fastnachtspiele bekannt waren, war Hans Sachs. Die Komik seiner Stücke, die er als
Gerichts-, Arzt-, Werber- und Ehespiele entwarf, später auch als Bearbeitungen von
Schwänken, Legenden beruht, erwächst aus dem Widerspruch zwischen moralischer Norm
und falschem menschlichen Verhalten, kurz: aus der Satire. Sein eigentliches Talent entfaltete
sich in den Fastnachtsspielen. In den Fastnachtspielen gelang es Hans Sachs, die starre
stadtbürgerliche Moral aufzugeben zugunsten praktischer Lebensklugheit, die er in oft
überraschende Schlusspointe verpackte. (Zb. Der fahrende Schüler ins Paradeis)

Kurs 4: Das Barock

Die absolutistische Monarchie in Frankreich unter Ludwig XIV forderte eine prunkvolle Elite.
Es ist die Blütezeit der Kultur mit Racine, Corneille, Moliere, La Bruyere, Pascal, La
Fontaine. Neben Frankreich beherrschten England, Spanien und die Niederlande das
politische und kulturelle Geschehen, während das 17. Jahrhundert für Deutschland ein
gesellschaftlicher, politischer und kultureller Tiefpunkt darstellte.
Die konfessionellen Gegensätze verschärften sich in Deutschland um die Mitte des 16.
Jahrhunderts. So begann 1546, im Todesjahr Luthers, das Zeitalter der Religionskriege, das in
Deutschland erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete. Die durchaus aggressive Kraft
beider Konfessionen (Katholiken und Protestanten) und der seit Jahrhunderten geführte
Kampf zwischen Kaiser und Fürsten um die Macht im Reich mündeten on den
Dreißigjährigen Krieg, in welchem es um die Religionsfrage ging. Wenn man an die Leiden
der Bevölkerung denkt, kann behauptet werden, dass in der Religionsfrage dieser Krieg nichts
bewirkt hat. Die damals fixierte Spaltung Deutschlands in einen protestantischen Norden und
einen katholischen Süden blieb bis heute erhalten – nicht einmal die riesigen
Flüchtlingsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie verändert.
Territoriale Absolutismus kennzeichnete die deutschen Länder, es existierten ungefähr 3oo
Einzelstaaten, deren Fürsten alle den Versailler Hofs Ludwigs XIV nachahmten.
Die Schaulust der Renaissance verbindet sich mit dem Repräsentationsbedürfnis des Barock,
und so inszenierte man das Leben an den Höfen in gigantischen Festen, deren Pracht alles
überstieg, was das christliche Abendland bis dahin erlebt hatte. Handwerker aller Art,
Ingenieure und Architekten waren Monate beschäftigt. Der ganze Hof wurde kostümiert,
Schlösser wurde eigens gebaut, Parkanlagen neu gestaltet. Alle Künste – Malerei und Plastik,
Musik und Dichtung – wirkten zusammen, bis in strahlenden Gloriole der Herrscher selbst,
dessen Hochzeit oder Geburtstag gefeiert wurde, als Höhepunkt erschien.

Themen: Memento mori – carpe diem


Die deutsche Barockdichtung geht aus der Spannung zwischen deprimierender Wirklichkeit
und verinnerlichter Religiosität hervor, so dass die Überzeugung von der Nichtigkeit des
Irdischen im Vanitas-Gedanken ihren Ausdruck findet. Überzeugt von der Eitelkeit und
Sinnlosigkeit des Lebens, wird das christliche Motto : Memento mori! (Gedenke des Todes !)
wiederbelebt; viele Barockdichter gestalten Lebensmüdigkeit, Weltabkehr und Weltflucht in
ihrem Werk. Dasselbe Gefühl der Unbeständigkeit und Unsicherheit des Lebens gibt dem
Menschen des Barock die Überzeugung, dass diese chaotische Zeit nur durch einen intensiven
Genuss der wenigen Freuden des Diesseits überwunden wird. Der Wahlspruch Carpe diem!
(Freue dich des Tages!) tritt neben das Memento mori! Auch der überbetonte Prunk an den
Fürstenhöfen stellt nicht nur das Repräsentationsbedürfnis der feudalen Herrscher nach
französischem Vorbild zur Schau, sondern drückt gleichzeitig auch das Spannungsverhältnis
zwischen Weltflucht und Weltsucht aus.
Das mahnende Bewusstsein des memento mori (Bedenke, dass du sterben mußt), in dem das
Motiv der vanitas, der Eitelkeit der vergänglichen Welt, anklingt, und das Ideal des
christlichen Stoizismus, jener aus dem Glauben gewonnenen Ruhe, die einen über die
Wechselfälle des Lebens erhaben sein lässt, sind wichtige Sujets. Dass diese Themen
behandelt wurden, entsprach der Religiosität des barocken Menschen, die gerade aus der
äußeren Bedrohung verständlich wird. Ein anderes Generalthema war jene positive Antwort
auf den Vergänglichkeitsgedanken, wie sie in der Formulierung carpe diem (nutze die Zeit)
deutlich wird: morgen ist es vielleicht schon zu spät. Diesem Lebensgefühl –wurde vor allem
in Liebesgedichten (meist im Schäfergewand), in Tanz- und Trinkliedern Ausdruck verliehen.
Der überragende Dichter des deutschen Barock war Andreas Gryphius (1616-1664). Sein
Gedicht „Es ist eitel“ vermittelt die Einsicht, dass alles menschliche Streben vergeblich ist,
weil auf Erden nichts Bestand hat. Die realen Bilder haben einen tieferen Sinn: Das spielende
Schäferkind auf der Wiese führt vor Augen, dass auch die natürliche Idylle, die auf dem
Boden der zerfallenden Städte entstehen wird, nur scheinhaft ist. Auch die Werke der Natur,
welche sich im prächtigen Blühen erhalten will, selbst Erz und Marmor, eigentlich Urbilder
des Dauerhaften, sind vergänglich, nicht ewig. Am Ende der Vierzeiler steht wieder, wie zu
Anfang, eine abstrakte, diesmal metaphorische Aussage: „ Jetzt lacht das Glück uns an, bald
donnern die Beschwerden“ ein überraschendes Gegensatzpaar: dem ruhigen Bild des
lachenden Glücks wird ein Gegenbild voller Dynamik zugeordnet. Das Stilmittel der
Antithetik führt Gryphius durch und zerstört jede Illusion von Dauerhaftigkeit des Irdischen.
Wenn alle Werke des Menschen und der Natur vergänglich sind, wie sollte der Mensch
Bestand haben, er der bedeutungslose Mensch? Das ist natürlich eine rein rhetorische Frage,
mitbeantwortet in der zusammenfassenden Aussage, alles, was uns kostbar erscheint, sei
nichtig. Ausgerechnet die schlichte Wiesenblume, die man nicht wiederfinden kann, bildet
das letzte Glied der Bilderkette. Der Barock liebte den rhetorischen Kunstgriff, einen
abstrakten Begriff wie Nichtigkei mit einem möglichst konkreten Bild zu kontrastieren.
Hinter dieser Klage steckt die Aufforderung: Sucht euer Heil nicht im Irdischen, sondern bei
Gott, der allein Ewigkeit und Bestand hat.
Das Thema der vanitas (Eitelkeit) haben fast alle Barockdichter aufgegriffen. Zb. Christian
Hoffmann von Hoffmannswaldau: “Die Welt“ „Was ist die Welt und ihr berühmtes
Glänzen? /Was ist die Welt und ihre ganze Pracht? / Ein schnöder Schein in kurzgefaßten
Grenzen, /Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht. /
Vergänglichkeit und Dauer: Paul Fleming „Gedanken über der Zeit“: Mit philosophisch-
dialektischer schärfe reflektiert er die verschiedenen Bedeutungen von Zeit und die
Gebundenheit des Menschen: Zeit als Lebensspanne, als Epoche, als Punkt, als Kreislauf, Zeit
schließlich als Ewigkeit, als Bild für Gott. Das Publikum musste die verschiedenen
Zeitbegriffe selbst enträtseln: „Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit; / So wißt ihr
Menschen nicht, von und in was ihr seid. /Dies wißt ihr, daß ihr seid in einer Zeit geboren
/Und daß ihr werdet auch in einer Zeit verloren. /Mit dem Bewusstsein um die vergängliche
Zeit verbindet sich die Sehnsucht nach dem Dauerhaften: dies ist das zentrale Thema der
barocken Dichtung.
Der christliche Glaube war ein so wesentlicher Bestandteil des barocken Lebensgefühls, dass
eine scharfe Grenze zwischen weltlicher und geistlicher Lyrik kaum zu ziehen ist. Zb Gedicht
„Über die Geburt Jesu“: Nacht, mehr denn lichte Nacht! Nacht, lichter als der Tag! /Nacht,
heller als die Sonn, in der das Licht geboren, /Das Gott, der Licht in Licht wohnhaftig, ihm
erkoren! /O Nacht, die alle Nacht und Tage trotzen mag!“ Die große Emphase dieser vielen
Ausrufe und Wiederholungen entspricht der ungeheuren Bedeutung des Themas: der Geburt
Christi, die alle Widersprüche auf Erden auflöst, indem sie die Nacht, Ausdruck für Angst und
Sünde der Menschen, in Freude und Licht verwandelt. Die Heilige Nacht war die einzige, in
der sich Zeit und Ewigkeit berührten, in der den Menschen Hoffnung auf Dauer geschenkt
wurde. Diesen Augenblick darzustellen, bedurfte es mehr als einfacher Worte.
Der Glaube an Gott gab Gryphius den inneren Halt im Leben. Wer an Gott glaubt, hat teil an
dessen Beständigkeit und kann das Schicksal ertragen.
Carpe Diem: Galante Poesie – Schäferdichtung
Obwohl der Barock es liebte, die Welt in ihrem Kontrast darzustellen, soll man nicht glauben,
der Mensch hätte damals in ständiger Zerrissenheit zwischen Weltflucht und Weltlust,
Sinnenfreude und Askese gelebt. Er begriff die Summe aller Rollen in dem großen
Welttheater des Lebens weit besser als wir etwa heute. Beides, die Freude und der Schmerz
gehörten zum Leben. So wundert es nicht, daß neben Versen voll tiefem religiösem Glauben
ein galantes Liebesgedicht stehen konnte; es bedeutete lediglich einen Wechsel der
Perspektive. Zb Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau Albanie „Albanie / soll denn dein
warmer Schoß /So öd und wüst / und unbebauet liegen? /Im Paradies, da ging man nackt und
bloß /Und durfte frei die Liebes-Acker pflügen / Welch Menschen-Satz macht uns dies neue
Weh? /Albanie.“ Carpe diem hieß die Ergänzung zum vanitas-Thema. Wegen der
Vergänglichkeit des Lebens lohnt es sich nicht, in Resignation zu leben. Der Mensch soll die
Freuden bewusst erleben, er soll die zur Verfügung stehenden Tage sichtlich genießen. Für
diesen Teil des theatrum mundi, des großen „Welttheaters“ war das Genre der
Schäferdichtung geeignet. Arkadien, das Land der Hirten und Schäfer, war dem gebildeten
Publikum seit dem italienischen Renaissancedichter Torquato Tasso (1544-1595) als Paradies
der freien Liebe bekannt. Mit dem Namen »Albanie« bereits verlagert Hoffmannswaldau das
Gedicht in die Welt der Schäfer. Alle Bilder und Vergleiche sind der arkadischen Natur
entnommen; bis hin zum knieend dargebrachten Opfer an die Venus, der Metapher für die
Liebe, führt der Dichter das Spiel auf zwei Ebenen – der Natur und der Erotik – konsequent
durch.

Kurs 5: AUFKLÄRUNG UND EMPFINDSAMKEIT (1720-1785)


Die geistigen Grundlagen: Zum Schlagwort der Epoche wurde eine Lichtmetapher:
Aufklärung. Die Renaissance hatte begeistert geglaubt, mit dem Licht der wiederentdeckten
Antike die Finsternis des Mittelalters zu vertreiben, nun wiederholte sich dieses Bewusstsein
einer geistigen Befreiung durch das Licht der Vernunft. Das Ziel der Bewegung war, den
Menschen von jeder geistlichen und weltlichen Bevormundung zu befreien und die Welt nach
den Gesetzen der Vernunft einzurichten. Der Mensch sollte zum selbstständigen Gebrauch
seines Verstandes erzogen und die Bedeutung seiner natürlichen Kräfte und Fähigkeiten
aufgeklärt werden. Immanuel Kant formulierte den Wahlspruch der Aufklärung: „Sapere
aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ und definierte die Aufklärung
als den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. :
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu
bedienen. Selbsrverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache der selben nicht am
Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne
Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes
zu bedienen! Ist also der Wahlspruch“ Die Dichter und Denker vertraten die Interessen der
bürgerlichen Klasse und waren zu Wortführern aller anderen vom Feudalabsolutismus
unterdrückten Schichten geworden. Der Glaube an die Vernunft des Menschen hatte einen
Optimismus in der Lebenshaltung hervorgebracht, der im Gegensatz zum bisherigen Denken
und Handeln stand. Die Auffassung, dass alle Menschen vernünftig und gut sind, hatte als
Folge, dass man der Belehrung eine große Aufmerksamkeit schenkte, der Erziehung.
Seit die Reformationskriege die konfessionelle Spaltung festgeschrieben hatten, war der
Autoritätsverlust der Kirche nicht mehr aufzuhalten, wurde (nach ersten Ansätzen in
Renaissance und Humanismus) endgültig die Vernunft zum Maßstab des Denkens und
Handelns, die kritisch alle Traditionen, auch die kirchlichen Glaubenssätze hinterfragte. Die
damit verbundene tief greifende Säkularisierung mündete schließlich in jenen Rationalismus,
der das 18. Jahrhundert prägte und am Ende sogar zeitweilig zum Religionsersatz wurde, als
Robespierre im Juni 1794 in Paris den Kult der Vernunft, des „höchsten Wesens“, ins Leben
rief.
Die deutsche Aufklärung ging vom protestantischen Norden aus; sie war eine durch und durch
bürgerliche Epoche; ihre Träger waren als Beamte materiell an die Fürstenstaaten gebunden
und insofern im Grundsatz loyal. Nur auf dem Sektor von Kunst und Wissenschaft gab es ein
relatives Maß an Freiheit von staatlicher Bevormundung und Zensur. Erst gegen Ende des
18.Jahrhunderts sollte es mit dem Sturm und Drang auch revolutionäre Kritik am
absolutistischen Obrigkeitsstaat geben. Die Hauptthemen der deutschen Aufklärung waren:
Humanität, religiöse Toleranz, der Versuch einer Neuordnung aller zwischenmenschlichen
Beziehungen in Staat und Gesellschaft und damit verbunden die Idee eines Weltbürgertums,
das sich über die nationalen Fesseln des freien Gedankens erhebt.