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Lernfeld 2.

6: Wirtschaft und Gesellschaft

Thomas Ohse

MA

8. März 2011
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Arbeitszeugnisse
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitgeber


verpflichtet, dem Arbeitnehmer auf dessen Verlangen ein
schriftliches Zeugnis auszustellen
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Zwischenzeugnis

Wenn das Arbeitsverhältnis nicht beendet ist, aber ein trif-


tiger Grund vorliegt, kann der Arbeitnehmer ein Zwischen-
zeugnis verlangen, wie etwa beim Wechsel des Vorgesetz-
ten oder bei Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Einfaches Arbeitszeugnis

Das einfache Zeugnis muss nur Angaben zu Ort und Dauer


der Tätigkeit enthalten.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Qualifiziertes Arbeitszeugnis

Auf Wunsch des Beschäftigten sind auch Angaben zur Leis-


tung und zum Verhalten im Arbeitsverhältnis zu machen.
So ein qualifiziertes Arbeitszeugnis kann bei der Bewerbung
eine entscheidende Rolle spielen, weil es Angaben zu Leis-
tungsfähigkeit und Verhalten des Bewerbers enthält. Es ist
oft der einzige Nachweis für die Leistungen im vergangenen
Arbeitsverhältniss.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

§ 109 GewO

Seit dem 1. Januar 2003 ist die maßgebliche Rechtsgrund-


lage für alle Arbeitnehmer § 109 der Gewerbeordnung
(GewO):
(1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeits-
verhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das
Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dau-
er der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Ar-
beitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben
darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeits-
verhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.
(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein.
Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten,
die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren
Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über
den Arbeitnehmer zu treffen.
[...]
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§ 8 BBiG

Auszubildende haben einen Anspruch nach § 8 Berufsbild-


ungsgesetz (BBiG).
(1) Der Ausbildende hat dem Auszubildenden bei Been-
digung des Berufsausbildungsverhältnisses ein Zeugnis
auszustellen. Hat der Ausbildende die Berufsausbildung
nicht selbst durchgeführt, so soll auch der Ausbilder das
Zeugnis unterschreiben.
(2) Das Zeugnis muss Angaben enthalten über Art, Dauer
und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbe-
nen Fertigkeiten und Kenntnisse des Auszubildenden.
Auf Verlangen des Auszubildenden sind auch Anga-
ben über Führung, Leistung und besondere fachliche
Fähigkeiten aufzunehmen.
Die Verjährungsfrist für den Anspruch auf ein Arbeitszeugnis
beträgt 3 Jahre.
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Gebot der wohlwollenden Beurteilung

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshof (BGH) von 1963


muss das qualifizierte Arbeitszeugnis wohlwollend formuliert
sein, um das „berufliche Fortkommen” nicht ungerecht-
fertigt zu erschweren. Der Arbeitgeber ist aber auch zur
Wahrheit verpflichtet. So hat sich im Laufe der Zeit eine
eigenständige ’Zeugnissprache’ entwickelt.
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„Stets zeigte er eine herausragende Einsatzbereitschaft, wo-


bei sein Enthusiasmus und seine optimistische Haltung auch
in schwierigen Arbeitssituationen sehr beflügelnd auf Kolle-
gen und Mitarbeiter wirkten.” Wertung: Arbeitsbereitschaft
Note 1.
„Ihre folgerichtige Denkweise kennzeichnet ihre sichere Ur-
teilsfähigkeit in vertrauten Zusammenhängen.” Wertung:
Arbeitsbefähigung Note 3.
Zum Vergleich: „Im vertrauten Zusammenhang kann sie sich
im Wesentlichen auf ihre Urteilsfähigkeit stützen.” Wertung:
Note 5.
„Auch in akuten Problemlagen zeichnete sie sich stets durch
ein verantwortungsbewusstes und immer zutreffendes Urteil
aus, wobei sie stets die Übersicht behielt.” Wertung: Note 1.
„Er suchte stets nach guten und kostengünstigen Lösungen”
(fand sie aber nicht). „Die Erfolge sprechen für sich” (Ironie!).
Wertung: Arbeitserfolg Note 5, Leerstellentechnik.
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Überschrift
(Arbeitszeugnis/Zwischenzeugnis)
Einleitung
(„Herr/Frau ... trat am ... in unser Unternehmen ein. ...”)
Betrieblicher Werdegang
(Er/Sie wurde zunächst als ... eingesetzt. ...)
Zuletzt ausgeübte Tätigkeit
(Zu seinen/ihren Aufgaben zählte:....)
Leistungsteil
(Beurteilung der Leistung und des Erfolges)
- Leistung I: Arbeitsbereitschaft
(Herr/Frau ... war motiviert/engagiert/... .)
Identifikation, Engangement, Initiative, Dynamik, Pflichtbewusstsein, Zielstrebigkeit, Energie, Fleiß,
Interesse, Einsatzwille.
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- Leistung II: Arbeitsbefähigung/„Können”


(z.B. Er/Sie war sehr belastbar und ausdauernd...)
Ausdauer, Belastbarkeit, Flexibilität, Stressstabilität, Auffassungsgabe, Urteilsvermögen, Konzentration,
Organisationstalent, Kreativität.

- Leistung III: Fachkenntnisse/Weiterbildung


(z.B. Er/Sie verfügt über fundierte Fachkenntnisse....)
Inhalt, Aktualität, Tiefe, Anwendung, Nutzen, Eigeninitiative, Bildungserfolg, Zertifikate.

- Leistung IV: Arbeitsweise/Arbeitsstil


(z.B. Er/Sie führte die Aufgaben selbständig aus...)
Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Planung, Systematik,
Methodik, Sicherheit, Hygiene.

- Leistung V: Arbeitserfolg/Arbeitsergebnisse
(z.B. Er/Sie lieferte eine gute Arbeitsqualität...)
Qualität, Quantität, Verwertbarkeit, Tempo, Intensität, Produktivität, Umsatz, Rendite, Termintreue,
Zielerreichung, Sollerfüllung.

- Leistung VI: Konkrete herausragende Erfolge


(z.B. Insbesondere im Bereich ... erzielte er/sie überdurchschnittliche
Ergebnisse)
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- Leistung VII: Leistungszusammenfassung


(z.B. Alle Aufgaben erledigte er/sie zu unserer vollen Zufriedenheit)

Verhaltensteil (Beurteilung des Sozialverhaltens)


- Verhalten I: Verhalten zu Internen
(z.B. Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war
einwandfrei)
Vorbildlichkeit, Teamfähigkeit, Kooperation, Wertschätzung, Anerkennung, Beliebtheit.

- Verhalten II: Verhalten zu Externen


(z.B. Geschäftspartnern und Kunden gegenüber trat er/sie höflich und
gewandt auf)
Auftreten,Kontaktfähigkeit, Gesprächsverhalten, Verhandlungsstärke, Akquisitionsfähigkeit,
Kundenzufriedenheit.

- Verhalten III: Sonstiges Verhalten/Ergänzungen


(z. B. Er/Sie war vertrauenswürdig...)
Vertrauenswürdigkeit, Integrität, Loyalität, Diskretion, Kompromissbereitschaft, Durchsetzungsfähigkeit,
Überzeugungsvermögen.
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Schlussabsatz
- Beendigungsformel
(z.B. Herr/Frau ... verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch.)

- Dankes-/ Bedauernsformel
(Wir danken ihm/ihr für die guten Leistungen)
- Zukunfts- und Erfolgswünsche
(Wir wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute.)
- Unterschrift des Zeugnisausstellers
mit Angabe von Rang und Kompetenz

- Ausstellungsdatum
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Die Notenskala im Zeugnis

Note Beurteilungssatz
„Sie hatte stets eine ausgezeichnete
Leistungsmotivation.”
1
„Er führte alle Aufgaben stets zu unserer
vollsten Zufriedenheit aus.”
„Sie hatte stets eine hohe Leistungsmotivation.”
2 „Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollen
Zufriedenheit aus.”
„Sie hatte eine gute Arbeitsmotivation.”
3 „Er führte alle Aufgaben zu unserer vollen
Zufriedenheit aus.”
„Sie zeigte auch Motivation und Initiative.”
4 „Er führte alle Aufgaben zu unserer
Zufriedenheit aus.”
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Verschlüsselungstechniken

Um Wertungen der Note 5 mit dem Gebot der wohlwollen-


den Beurteilung zu verbinden, bedienen sich die Zeugnis-
aussteller verschiedener Verschlüsselungstechniken.
Zu den Verschlüsselungstechniken zählen:
1 Die Positivskala:
Die Leistungszusammenfassung mit dem Grad der Zu-
friedenheit wird durch Einschränkungen nach unten
erweitert.
„Im Großen und Ganzen zeigte sie auch Moti-
vation und Initiative.”
„Er hat alle Aufgaben im Allgemeinen zu unse-
rer Zufriedenheit erledigt.”
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Verschlüsselungstechniken

2 Leerstellentechnik („beredtes Schweigen”):


Auf eine zu erwartende Aussage wird verzichtet, z.B.
„Das Verhalten gegenüber Kollegen war einwandfrei”.
Hier fehlen die Vorgesetzten, gegenüber denen das
Verhalten also wohl weniger gut war.
3 Negation
Während im normalen Sprachgebrauch eine doppelte
Verneinung die Aussage verstärkt (z.B. „nicht unerheb-
lich” = wichtig), bewirkt sie in der Zeugnissprache eine
Abwertung. Gab das Verhalten eines Beurteilten bei-
spielsweise „keinen Anlass zu Beanstandungen”, dann
war es aber auch nicht gerade lobenswert.
4 Passivierung
Aussagen wie „Aufgaben, die ihm übertragen wurden,
führte er zielstrebig aus” verweisen auf mangelnde Ei-
geninitiative.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Verschlüsselungstechniken

5 Ausweichen
Unwichtiges und Selbstverständliches wird gegenüber
den wirklich wichtigen Aussagen hervorgehoben, z.B.
die „vorbildliche Pünktlichkeit” eines Managers.
6 Widersprüche
Wenn bestimmte Zeugnisaussagen im Widerspruch zu-
einander stehen, hebt dies den positiven Eindruck auf.
Wenn einem Mitarbeiter sehr gute Leistungen beschei-
nigt werden, der Zeugnisaussteller ihm aber weder dankt,
noch sein Ausscheiden bedauert, ist das widersprüch-
liche Zeugnis vermutlich Ergebnis einer Nachverhand-
lung, bei der nicht alle wesentlichen Aussagen aufge-
wertet oder ergänzt wurden.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Bundesarbeitsgericht (BAG) Aktenzeichen (Az): 9 AZR 352/04


Die Parteien streiten über die Berichtigung eines Arbeits-
zeugnisses.
Die Klägerin war bei der Beklagten als Finanzbuchhalterin
vom 1. April bis 30. September 2002 beschäftigt. Unter dem
Datum 30. September 2002 erteilte die Beklagte ein Zeugnis,
in dem sie das Verhalten der Klägerin wie folgt beurteilte:
„Ihr persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetz-
ten und Mitarbeitern war stets einwandfrei.”
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Nachdem die Klägerin das Zeugnis unter anderem wegen


der falschen Angabe ihres Geburtsortes mit der Bitte um
Berichtigung zurückgereicht hatte, erteilte ihr die Beklagte
unter dem Datum 25. Oktober 2002 ein neuerliches Zeugnis,
in dem sie den Beanstandungen der Klägerin Rechnung
trug. Zusätzlich änderte sie die Verhaltensbeurteilung und
bescheinigte der Klägerin nunmehr:
„Ihr persönliches Verhalten gegenüber Mitarbeitern
und Vorgesetzten war in der Zeit ihrer Anstellung
einwandfrei.”
Beide Zeugnisse hatte die Leiterin der Buchhaltung unter
Hinweis auf diese Funktion unterschrieben.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Die Klägerin beanstandete die geänderte Verhaltensbeur-


teilung und das Ausstellungsdatum. Die Beklagte erteilte ihr
unter dem Datum 30. September 2002 ein Zeugnis mit der
Formulierung:
„Ihr dienstliches Verhalten gegenüber Mitarbeitern
und Vorgesetzten war einwandfrei.”
Dieses Zeugnis war vom Geschäftsführer der Beklagten un-
terzeichnet.
Mit ihrer im Februar 2003 erhobenen Klage hat die Klägerin
geltend gemacht, die Beklagte habe ihr Verhalten so zu
beschreiben wie in der Ursprungsfassung. Andernfalls wer-
de der Eindruck erweckt, sie habe sich nicht ausnahmslos
einwandfrei verhalten.
Arten Gesetzliche Grundlagen Beispiele Form und Inhalt Zeugnisberichtigungsanspruch

Die Klägerin hat zuletzt beantragt, die Beklagte zu verurtei-


len, der Klägerin ein Zeugnis mit dem Satz zu erteilen:
„Ihr Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorge-
setzten war stets einwandfrei”.
Die Beklagte hat beantragt, die Klage abzuweisen. Die Be-
klagte meint, die Bescheinigung einwandfreien Verhaltens
heiße nichts anderes, als dass es frei von Beanstandungen
sei. Das Wort sei nicht steigerungsfähig; die Aufnahme des
Zusatzes „stets” führe zu einem überflüssigen „Wortgeklin-
gel”.
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Urteil vom 21.06.2005

Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landesar-


beitsgerichts Berlin vom 27. Januar 2004 - 3 Sa 1898/03 - wird
zurückgewiesen.
Die Beklagte hat die Kosten des Revisionsverfahrens zu tra-
gen.
Abkürzungen

BGH Bundesgerichtshof
GewO Gewerbeordnung
BBiG Berufsbildungsgesetz
BAG Bundesarbeitsgericht
Az Aktenzeichen