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13. Reibung und Schmierstoffe

13.1 Reibung

Unter Reibung versteht man den Wiederstand, der in den Paarungsflächen zweier Körper auftritt und eine gegenseitige Bewegung durch Gleiten, Rollen oder Abwälzen beeinträchtigt oder unmöglich macht. In DIN 50281 (Reibung in Lagerungen) wird definiert:

1.

Grundbegriffe

Die Reibung wirkt der Relativbewegung sich berührender Körper entgegen. Die in der Kontaktfläche wirkende Reibung wird als äußere Reibung bezeichnet, um sie von der inneren Reibung zu unterscheiden, die bei der Relativbewegung von Volumenelementen innerhalb von festen, flüssigen oder gasförmigen Körpern auftritt.

Bewegungsreibung (dynamische Reibung) ist die Reibung zwischen zueinander bewegten Körpern, bei denen die angreifende Kraft oder das angreifende Moment nicht ausreicht, eine Relativbewegung hervorzurufen.

Anlaufreibung ist die Reibung zu Beginn der Bewegung.

Auslaufreibung ist die Reibung gegen Ende der Bewegung, d.h. bei gegen Null gehender Geschwindigkeit.

2. Reibungsarten

Gleitreibung ist die Bewegungsreibung zwischen Körpern, deren Geschwindigkeiten in den Berührungsflächen nach Betrag und/oder Richtung unterschiedlich ist.

Rollreibung ist die idealisierte Bewegungsreibung zwischen sich punkt- oder linienförmig berührende Körpern, deren Geschwindigkeiten im gemeinsamen Kontaktbereich nach Betrag und Richtung gleich sind und bei der mindestens ein Körper eine Drehbewegung um eine momentane, im Kontaktbereich liegende Drehachse vollführt. Die Punkte der beiden Körper, die sich im Bewegungslauf nacheinander berühren, bestimmen auf diesen gleiche Bogenlängen.

Wälzreibung ist eine Rollreibung, der eine Gleitkomponente (Schlupf) überlagert ist. Die Punkte der beiden Körper, die sich beim Bewegungslauf nacheinander berühren, bestimmen auf diesen ungleich Bogenlängen.

3. Reibungszustände

Festkörperreibung ist die Reibung beim unmittelbaren Kontakt der Reibpartner (Abbildung 1 a). Ein Sonderfall dieser Reibung wird als Grenzreibung bezeichnet, bei der die Oberflächen der Reibpartner mit einem molekularen, von einem Schmierstoff stammenden Film bedeckt sind.

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Abbildung 1 Reibungszustände a) Trockenreibung ohne Trennschicht, b) Flüssigkeitsreibung (Schwimmreibung) mit

Abbildung 1 Reibungszustände a) Trockenreibung ohne Trennschicht, b) Flüssigkeitsreibung (Schwimmreibung) mit Trennschicht c)Mischreibung (teilweise Trockenreibung, teilweise Flüssigkeitsreibung) 1-sich bewegter Körper, 2-stillstehender Körper, 3-Zwischenschicht, 4- Bewegung, 5-Belastung [1]

Flüssigkeitsreibung (auch Schwimmreibung genannt) ist die Reibung in dem die Reibpartner komplett von einem flüssigen Film getrennt sind (Abbildung 1 b). Wenn der zum Tragen notwendige Druck allein durch die Bewegung der Körper hervorgerufen wird, nennt man ihn hydrodynamisch, entsteht er durch fremdangetriebene Pumpen, hydrostatisch. Die Reibung entsteht durch die Viskosität (Zähigkeit) der tragenden Flüssigkeitsschicht.

Mischreibung ist die Reibung, bei der an den Paarungsflächen teilweise Festkörperreibung und teilweise Flüssigkeitsreibung auftritt (Abbildung 1 c)

13.2 Schmierstoffe (Übersicht)

Reibung tritt in den Lagern von Achsen und Wellen, an den Flanken von Bewegungsschrauben, Zahn- und Kettenrädern u. dgl. auf. Um das Gleiten der Paarungsflächen zu erleichtern und um den Verschleiß zu vermindern oder sogar zu verhindern, werden Schmierstoffe verwendet. Diesen sollen die Gleitstellen benetzen, an den Werkstoffen haften, die Unebenheiten der Paarungsflächen voneinander trennen, selbst geringe innere Reibung haben, die Werkstoffe nicht angreifen und diese vor Korrosion schützen, womöglich noch kühlen, Druck übertragen, abdichten und die Schmierstellen vor Schmutz und Wasserzutritt bewahren. Als Schmierstoffe kommen in Frage:

1.

Flüssige Schmierstoffe. Im allgemein erfüllen Öle am besten die Anforderungen, zumal sich mit ihnen eine hydrodynamische Schmierung erreichen lässt. Für Kunststoff- oder Gummilager kommen auch Wasser oder Wasser-Öl-Emulsionen in Betracht.

2.

Schmierfette. Sie sind salbenartige Stoffe, bei denen in einem Metallseifengerüst oder in Verdickungsstoffen Öle eingearbeitet sind.

3.

Pastöse Anteigungen. Sie sind eine Mischung aus pulverförmigen Festschmierstoffen mit Ölen oder Fetten und dienen als Dünnfilmschmierung bei Einlaufschwierigkeiten.

4.

Festschmierstoffe. Das sind feste Stoffe in Pulver- oder Schuppenform, z.B. Graphit oder Molibdändisulfid, die an den Gleitflächen gut haften und diese gleitfähigen machen. Meistens werden sie in Verbindung mit Ölen, Fetten oder Kunststoffen verwendet.

5.

Gleitfähige Kunststoffe. Dafür kommen Polyamid PA, Polyacetal POM, Polytetrafluoräthylen PTFE und Fluorethylen-Propylen PFEP im Betracht, die für Gleitschienen, Lager, Wellendichtungen und Zahnräder verwendet werden. Es lassen sich auch Festschmierstoffe (siehe 4) in Kunststoffe Einbetten (inkorporieren), um sie gleitfähiger zu machen, beispielweise in Kunststoff-Lagerschalen.

6.

Trockenschmierfilme. Das sind Festschmierstoffe in Form von Filmen (TSF) als Dauerschmierung, die ein Verschmutzen des zu verarbeiteten Gutes wie Nahrungsmittel oder Textilen ausschließen.

7.

Gase. Mitunter dient auch Luft zur Schmierung kleiner, sehr schnell laufender Maschinen.

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13.3 Schmieröle

Öle sind die wichtigsten Schmiermittel für Lager. Meistens werden die relativ billigen Mineralöle gegenüber den synthetischen Ölen bevorzugt. Mit DIN 51502 ist die Bezeichnung der Schmieröle und deren Kennzeichnung genormt, z.B.: Normalschmieröle AN, bitumenhaltige Schmieröle B, Umlaufschmieröle C, Gleitbahnöle CG, Druckluftöle D, Luftfilteröle F, Kältemaschinenöle K, Korrosionsschutzöle R, Luftverdichteröle und andere.

Jede Flüssigkeit fließt mehr oder weniger zäh und setzt Bewegungen innere Reibung entgegen. Wenn zwei Flächen unter Ölschmierung aufeinander gleiten, dann werden auch die einzelnen Ölschichten gegeneinander unter Reibung verschoben. Je grösser die Reibung ist, umso zäher ist die Flüssigkeit. Diese Zähigkeit nennt man Viskosität.

die Flüssigkeit. Diese Zähigkeit nennt man Viskosität . Abbildung 2 [1] Eine unter Gleitreibung stehende

Abbildung 2 [1]

Eine unter Gleitreibung stehende Flüssigkeit, wie die tragende Zwischenschicht (der Schmierfilm) bei hydrodynamischer Schmierung, kann man sich in einzelne, sehr dünne Schichten wie in einem Stoß Spielkarten aufgelöst denken (Abbildung 2). Bei gegenseitigem Verschieben in Längsrichtung wirkt zwischen den einzelnen Schichten eine Schubspannung τ, deren Betrag von der Zähigkeit und von dem Geschwindigkeitsunterschied der einzelnen Schichten abhängt.

In Newtonischen Flüssigkeiten wie in Ölen ist die Schubspannung τ dem Geschwindigkeitsgefälle v/h und der Dynamischen Viskosität direkt proportional. Bezeichnet man die dynamische Viskosität mit η, so beträgt die Schubspannung τ=η v/h. Daraus folgt η = τ v/h mit Pa s als Einheit.

Außerdem kennt man die kinematische Viskosität ν als das Verhältnis der dynamischen Viskosität η zur Dichte ρ der Flüssigkeit, d.h. v= η/ρ mit m 2 /s als Einheit (oder Centistokes (cSt)).

Alle flüssigen Schmierstoffe werden mit steigender Temperatur dünnflüssiger, das heißt ihre Viskosität nimmt ab. Deshalb muss die Viskosität immer im Zusammenhang mit der Temperatur angegeben werden, z.b. ν 80 =33 mm 2 /s bei 80°C. Nach DIN 51519 sind die Schmieröle auf Mineralölbasis international in Viskositätsklassen aufgeteilt, und zwar ISO VG2, 3, 5, 7, 10, 15, 22, 32, 46, 68, 100, 150, 220, 320, 460, 680, 1000 und 1500. Die Zahl gibt jeweils die kinematische Viskosität in mm 2 /s bei 40°C an. Hierbei ist eine Toleranz von ±10% zugelassen. Bei höheren Temperaturen ist die Viskosität entsprechend kleiner.

Im Konstruktionsbereich ist es wichtig eine Analytische Abhängigkeit der Viskosität im Zusammenhang mit der Temperatur. Für Schmieröle stehen mehrere Gleichungen zur Verfügung, wie zum Beispiel die Reynolds Gleichung, die die Einfachste ist: η= η 0 e -β(T-T 0 ) wo η 0 die Viskosität bei die Referenztemperatur T 0 ist.

Schrifttum

1. Decker, K.H., Maschinenelemente, Gestaltung und Berechnung, 14., erweiterte Auflage, Carl Hanser Verlag München Wien, 1998

2. Pascovici, M.D., Cicone, T., Elemente de Tribologie, Editura Bren, 2001

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