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Zuschnitt Zeitschrift über Holz als Werkstoff und Werke in Holz Juni 2019 Nr. 74 | 19.

Jahrgang | Euro 8 | isbn 978-3-902926-32-6 proHolz Austria

zuschnitt 74

Im Innenraum
ist Holz etwas Besonderes. Hier
begegnen wir einem Material
der Vielfalt, Nachhaltigkeit und
Charakterstärke.
Inhalt Seite 3 Themenschwerpunkt
Editorial
Zuschnitt 74.2019 Text Anne Isopp Seite 6 – 7
Seite 4 Holzarten und Holzwerk-
Essay stoffe
Die Wahl des Holzes ist eine Ein Überblick
Frage des Farbklimas Seite 8 – 9
Text Irmgard Frank Fichte. „Man schmeckt’s“
Käserei in Radenthein
Text Albert Kirchengast

Zuschnitt 75.2019 Materialoptimierung – erscheint im September 2019

Können wir mit weniger Material mehr Häuser aus Holz bauen?
Können wir die gleiche technische Leistung im konstruktiven Holzbau
mit geringerem Materialeinsatz erreichen? Material optimieren heißt
auch Ressourcenschonung. Welche Antworten und Lösungen gibt es
im Holzbau bereits? Worüber wird nachgedacht und geforscht?
Diese und viele andere Fragen führen uns zum nächsten Zuschnitt.

Titelbild Impressum Offenlegung nach § 25 Redaktionsteam Fotografien


Turmzimmer im Kaufhaus Medieninhaber und Mediengesetz Anne Isopp (Leitung) Ewout Huibers s. 1, 5, 23
de Bijenkorf in Amsterdam Heraus geber Arbeitsgemeinschaft der Martina Zuzanakova renato maurizio architekten s. 2
proHolz Austria österreichischen Holzwirt- (Assistenz) Christian Brandstätter s. 8, 9
Zuschnitt Arbeitsgemeinschaft der schaft nach Wirtschafts- Kurt Zweifel Mark Niedermann Photography
issn 1608-9642 ös terreichischen Holzwirt- kammergesetz (wkg § 16) redaktion @ zuschnitt.at s. 10
Zuschnitt 74 schaft zur Förderung der Roman Keller s. 11
isbn 978-3-902926-32-6 Anwendung von Holz Ordentliche Mitglieder Lektorat Hertha Hurnaus s. 12, 13
Obmann Richard Stralz Fachverband der Holz - Esther Pirchner, Innsbruck Konrad Neubauer s. 14, 15
www.zuschnitt.at
Geschäftsführer indus trie Österreichs Ralph Feiner s. 16, 17
Zuschnitt erscheint viertel- Georg Binder Bundesgremium des Holz- Gestaltung Fred Howarth s. 18
jährlich, Auflage 12.000 Stk. Projektleitung Zuschnitt und Baustoffhandels Atelier Andrea Gassner, Imagen Subliminal s. 20, 21 li.
Einzelheft euro 8 Kurt Zweifel Feldkirch; Andrea Gassner, Héctor Santos-Díez s. 21 re.
Preis inkl. USt., exkl. Versand A-1030 Wien Fördernde Mitglieder Reinhard Gassner, David Foessel s. 22
Am Heumarkt 12 Präsidentenkonferenz der Marcel Bachmann Norman Radon s. 24, 25 u.
T +43 (0)1 ⁄ 712 04 74 Landwirtschaftskammern Matthias Rhomberg s. 25 o.
info @ proholz.at Österreichs Druck Mark Dion⁄ Rose Art Museum
www.proholz.at Bundesinnung der Zimmer- Grasl FairPrint, Bad Vöslau Special Fund⁄ Photo by Charles
meister, der Tischler und gesetzt in Foundry Journal Mayer s. 28
Copyright 2019 bei proHolz andere Interessenverbände auf GardaPat 13 Kiara
Austria und den AutorInnen der Holzwirtschaft
Die Zeitschrift und alle in Bestellung⁄ Aboverwaltung
ihr enthaltenen Beiträge Editorialboard proHolz Austria
und Abbildungen sind Markus Faißt, Hittisau info @ proholz.at
urheberrechtlich geschützt. Reinhard Gassner, Schlins T +43 (0)1 ⁄ 712 04 74
Jede Ver wendung außerhalb Harald Gründl, Wien shop.proholz.at
der Gren zen des Urheber- Konrad Merz, Dornbirn
rechts ist ohne Zustimmung Dietger Wissounig, Graz
des Herausgebers unzulässig
und strafbar.
Seite 10 Seite 14 – 15 Seite 17 Seite 22 Seite 26 – 27
Kiefer. Spaß an der Bricolage Lärche. Der Lack kommt ab Ein Plädoyer für Nach- Buche. „Holz hat die Fähig- Wald – Holz – Klima
Umbau eines Kirschlagers Evangelische Kirche haltigkeit keit, das Licht zu erwärmen“ „Eine Zeit des Umbruchs“
Text Hubertus Adam Mitterbach Text Harald Gründl Kleinraumwohnung in Paris Österreichische Waldinventur
Seite 11 Text Gabriele Kaiser Seite 18 Text Anne Isopp 2016 ⁄ 18
Stückweise Täfer Seite 15 Eiche. Interpretation des Seite 23 Text Anne Isopp
Zu Besuch im Landesmuseum Handwerkskooperationen Verlorenen „… mit genau dem richtigen Seite 28
Zürich Text Tina Zickler Battersea Arts Centre Ausdruck für dieses Projekt“ Holz(an)stoß
Text Anne Isopp Seite 16 – 17 Text Josepha Landes Künstlerresidenz im Turm Mark Dion

Editorial
Seite 12 – 13 Tanne. Edelrohbau mit Seite 19 Text Karin Triendl Text Stefan Tasch

Inhalt
Birke. „Du siehst, mein Sohn, Werkstattcharakter Forschung Seite 24 – 25
zum Raum wird hier die Zeit“ Digitales Ausstellungshaus Zum Einfluss von Holz auf Esche. „Ein sägerauer Boden
Kindergarten in Südtirol in Lenzburg Haptik, Wärmeempfinden ist eine Bereicherung für die
Text Klaus-Jürgen Bauer Text Paul Knüsel und Raumklima Sinne“

2
3
Text Anne Isopp Gästezimmer in St. Gerold
Seite 20 – 21 Text Julia Ess

zuschnitt 74.2019
Ahorn. „Eine Atmosphäre,
die zum Lesen einlädt“
Öffentliche Bibliothek und
Archiv in Baiona
Text María Belén Bermejo
López

Editorial

Anne Isopp

Innenräumen aus Holz wohnen viele Qualitäten inne. Zur Einstimmung auf Holzspektrum
ein buntes Heft möchten wir drei hervorheben, deren Begriffe uns zu vielen In diesem praxisorientierten Handbuch werden
weiteren Eigenschaften führen. die gängigsten Holzarten porträtiert. Das Holz-
spektrum wurde von proHolz in Zusammenarbeit
Vielfalt Nicht ein Muster, nicht eine Farbe, nicht eine Eigenschaft hat Holz, mit anerkannten Fachspezialisten herausgegeben
sondern viele. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den hier vorgestellten und fasst technologische Kennwerte, botanische
Projekten wider. Darin bekleidet Holz in unterschiedlichster Ausführung Merkmale und kulturgeschichtliche Hinweise
Boden, Wand und Decke. Es zeigt sich mal bodenständig oder industriell, konzentriert zusammen. Für diesen Zuschnitt
mal modern oder zeitlos. Oft ist es beides zugleich. haben wir erneut intensiv im Holz spektrum ge-
lesen und auszugs weise Infos zu den Holzarten
Vorbild Die haptischen, olfaktorischen und räumlichen Qualitäten von Holz übernommen.
im Innenraum sind uns vertraut, sie sind gefragt und oft imitiert. Holz hat
eben Vorbildfunktion. Doch im Gegensatz zu Imitaten und vielen anderen
Materialien fühlt Holz sich warm an und je nach Oberflächenbeschaffenheit
mal rau, mal samtig, mal glatt. Hat es etwas mit den immer besseren Imitaten
zu tun, dass sich ein Trend zu unbehandelten Holzoberflächen abzeichnet?
Oder spiegelt es das zunehmende Bedürfnis der (Stadt-)Menschen nach
Natürlichkeit und Echtheit wider? Der Tastsinn unterstützt uns hier bei der
Wahrnehmung. Die Gefäßgrößen der Hölzer variieren zwischen 0,02 und
0,1 mm. Während das menschliche Auge einen Zelldurchmesser von bis zu
0,1 mm erkennen kann, können die Finger weit mehr differenzieren, sie können
Zellen von bis zu 0,04 mm wahrnehmen, beim Abtasten mit dem Fingernagel
sogar bis zu 0,01 mm. Die Entscheidung, eine Holzoberfläche unbehandelt
zu lassen, zu lasieren oder zu lackieren, hat also großen Einfluss auf die hap-
tische Wahrnehmung.

Veränderung Alle Projekte in diesem Zuschnitt leben von den in Mitteleuropa


heimischen Holzarten. Diesen Hölzerreichtum verdanken wir unserem Wald. Literatur
Doch auch im Wald sind die Veränderungen des Klimawandels zu spüren: Holzspektrum – Ansichten,
Die aktuelle österreichische Waldinventur zeigt, dass der Anteil an Laub- und Beschreibungen und
Vergleichswerte
Mischwäldern weiter zunimmt. Die Holzwirtschaft muss sich also auf geän-
Josef Fellner, Alfred
derte Rohstoffvorräte einstellen. Im Innenausbau sind die Eigenschaften vieler Teischinger, Walter Zschokke
Laubhölzer von jeher gefragt. proHolz Austria (Hg.),
Wien 2006
Zu bestellen unter:
shop.proholz.at
Essay Die Wahl des Holzes ist eine Frage
des Farbklimas

Irmgard Frank

Die wilden Furnierbilder aus meiner Kindheit sind mir noch gut Die Auswahl an Holzarten, furnierten Oberflächen und Oberflä-
in Erinnerung. Die Wohnzimmereinrichtung mit Wurzelwalnuss- chenbehandlungen ist unendlich groß. Die Frage, worauf man
furnier, doppelt gespiegelt verarbeitet, mit Schellackpolitur ver- das Augenmerk lenkt, kann mit der Wahl einer Holzart und Ver-
sehen, war äußerst fantasieanregend. Diese Furnierbilder hätten arbeitung stark geprägt werden. Ein lebendiges Furnierbild kann
sich gut für einen Rorschachtest geeignet. das Augenmerk auf sich ziehen und damit die Bedeutung eines
Walnuss, Eiche, Birkensperrholz, Kirsche oder Buchenfurnier, Raumes signalisieren, wie es Mies van der Rohe im Haus Tugendhat
hell oder dunkel, schlicht oder opulent, naturbelassen oder ober- mit der kreisförmigen raumbildenden Wand für den Essbereich
flächenbehandelt oder überhaupt ein Fake – sprich eine Holz- gemacht hat. Die vertikal furnierte Wand aus dunklem Makassar-
imitation. Holz gilt bei Laien als heimelig, und auch Fachleute holz gibt in dem lichtdurchfluteten Raumgefüge dieser Raumzone
wissen, dass man mit Holz Raumatmosphäre schaffen kann. Das Halt. Es muss jedoch keineswegs eine markante Maserung sein.
führte aber auch dazu, dass Holzimitationen inzwischen nicht Auch eine schlichte Variante, etwa eine helle Eiche horizontal
nur bei Dekorspanplatten und Laminatböden, sondern auch als oder vertikal eingesetzt, trägt zur Raumcharakteristik bei. Die Wahl
pvc-Bodenbelag und selbst als Keramik erhältlich sind. Diese des Holzes ist grundsätzlich auch eine Frage des Farbklimas. Hier
Spielarten kommen nicht mehr nur optisch, sondern auch struk- gilt es, die feinen Nuancen von unterschiedlich hellen und dunk-
turell dem Original verblüffend nahe. Sie haben vielleicht dort len Hölzern zueinander und auch mit den anderen Materialien im
eine Berechtigung, wo das Bedürfnis nach Holz als Sinnbild für Raum abzustimmen. Beispielsweise haben helle Hölzer wie Birke,
eine vertraute, einladende Atmosphäre aus diversen Gründen Ahorn, Weißesche und Weißtanne zwar eine ähnliche Gradation
nicht immer gestillt werden kann, etwa im Krankenhauswesen (Helligkeit), jedoch korrespondieren sie jeweils mit einem spezi-
bei Patientenzimmern. Auch der Wunsch nach einer wertvoll fischen Farbklima, weil sie sich in der Farbtemperatur (Farbton)
wirkenden Oberfläche aus Holz ist keineswegs ein Phänomen unterscheiden. Der goldgelbe, warme Farbton eines Ahorns bewirkt
jüngerer Zeit. So wurden beispielsweise Holztüren aus billigerem oder unterstützt je nach Gewichtung daher auch eine andere
Weichholz, etwa Fichtenholz, mit einer Holzlasur in Maserier- Raumatmosphäre als eine im Farbton kühlere Weißesche.
technik zu edler wirkenden Eichentüren hochgerüstet. Bis ins Wir nehmen Raum nicht nur visuell, sondern auch akustisch, olfak-
frühe 20. Jahrhundert war Holz fast ausschließlich als Vollholz torisch und haptisch wahr. Holz hat die Eigenschaft, alle diese
im Einsatz. Das bedeutete etwa bei Türen, mit Rahmen und Sinne bedienen zu können. Es wäre daher begrüßenswert, würde
Füllungen zu arbeiten, um die unterschiedliche Bewegung des man allen diesen Eigenschaften, vor allem den haptischen von
Holzes in Längs- und Querfaser in den Griff zu bekommen. Holz, wieder mehr Augenmerk schenken. In der Bibliothek des
Auf diese Art und Weise verleugnete eine deckend lackierte Türe Museums für Angewandte Kunst in Wien gibt es Lesetische, deren
oder eine Wandverkleidung nie den Charakter des Materials. Die Oberfläche sich anfühlt wie samtige Haut. Sie wurden vom Künst-
Anforderung an Materialien, die sich möglichst nicht mehr ver- lerpaar Aichwalder und Strobl mit großem Aufwand bearbeitet.
ändern – weder in der Dimension noch optisch – und natürlich Ähnlich wie alte Bauerntische sind diese Tischplatten in mehreren
pflegeleicht sind, hat Verbundwerkstoffe hervorgebracht. Arbeitsgängen mit Seifenlauge gewaschen und geschliffen und
Holz im Innenausbau trifft man vermehrt in zeitgenössischen wieder gewaschen und geschliffen worden und bekamen so einen
Lösungen des konstruktiven Holzbaus an. Raumcharaktere ganz sehr schönen, seidigen Glanz und mit der Zeit eine Patina. Man
aus Holz, als Futteral mit oft erstaunlich guten akustischen greift dieses Holz sehr gerne an, streicht gerne darüber.
Qualitäten ohne jegliche zusätzliche akustische Maßnahmen wie Holz ist etwas Lebendiges und es gibt kein Stück, kein Furnier-
Lochplatten und mit – je nach Oberflächenbehandlung und Holz- bild, das dem anderen gleicht. Es setzt mehr Sorgfalt im Umgang
wahl – mehr oder weniger erkennbarem Eigengeruch sind positiv damit, Wissen über die Möglichkeiten und Meisterschaft in der
konnotiert. Holz mit sichtbarer Holzcharakteristik im urbanen Verarbeitung voraus. Sorgfältig verarbeitete Stücke erhalten ein
Geschosswohnbau ist meist nur für Fußböden im Einsatz. Aus- besonderes Augenmerk, sei es auf das edle Furnierbild, die Ober-
bau- und Einbauelemente, die aus dem Grundmaterial Holz bzw. flächenbehandlung oder auf die Füge- und Verleimtechnik von
Holzwerkstoff bestehen, findet man jedoch in vielen anderen der Vollholzteilen. Holz ist mit einer bestimmten Robustheit ausge-
Öffentlichkeit zugänglichen Bauten, seien es nun Bibliotheken, stattet. Es verzeiht die Verletzungen, die ihm durch die Nutzer
Schulen, Theater- und Konzerthäuser, Hotels, Restaurants oder – zugefügt wurden und werden und erzählt damit eher eine Ge-
heute wieder vermehrt – Bürogebäude. schichte des Gebrauchs, als dass es einen Hinweis auf Zerstörung
und Vergänglichkeit gibt.

Irmgard Frank
Architektin und Designerin mit Kanzleisitz in Wien. Von 1998 bis 2018 Ordinaria
für Raumkunst und Entwerfen an der Technischen Universität Graz. Forschungs-
schwerpunkte sind raumphänomenologische Überlegungen sowie die Bedeutung
von Licht als Gestaltungselement und immaterielle Komponente der Raumwahr-
nehmung. Sie ist u. a. Autorin und Herausgeberin von „Raumdenken. Thinking
Space“ 2010 und von „Raum_atmosphärische Informationen. Architektur und
Wahrnehmung“ 2015.
In Amsterdam kann man im Turm wohnen, s. S. 23. Themenschwerpunkt Im Innenraum
Holzarten und
Holzwerkstoffe
Ein Überblick

Nadelbäume

Baum- und Holzarten Fichte Tanne Lärche Kiefer


Verteilung im Wald (%)* 60,4 4,4 6,6 6,2

Physikalische Eigenschaften
Brinellhärte, zur Faser (N⁄ mm2) 12 16 19 19

Wärmeleitfähigkeit (W ⁄ mK) 0,11 0,12 k. A. 0,14

Quell- und Schwindverhalten gut gut gut gut

Schwindmaß radial (% ⁄ %) 0,19 0,14 0,14 0,19

Schwindmaß tangential (% ⁄ %) 0,33 0,28 0,3 0,36

Seite 8 Seite 16 Seite 14 Seite 10

Brinellhärte Wärmeleitfähigkeit Schwindmaß


Die Brinellhärte gibt den Widerstand Die Wärmeleitfähigkeit von Holz und Holz ist ein hygroskopischer Werkstoff
an, den Holz oder Holzwerkstoffe dem Holzwerkstoffen wird wesentlich durch und ständig bestrebt, seine Feuchtigkeit
Eindringen eines härteren Körpers ent- den strukturellen Aufbau bestimmt. an das Umgebungsklima, das durch
gegensetzen. Bei großer Beanspruchung, Je höher der Porenanteil des Holzes, Temperatur und relative Luftfeuchtig-
etwa bei Fußböden oder Tischober- desto schlechter die Wärmeleitung. keit charakterisiert wird, anzupassen.
flächen, sind Hölzer mit einer hohen Bri- Änderungen des Raumklimas bewirken
nellhärte eher geeignet als Weichhölzer. daher eine langsame Änderung der
Für Wand- und Deckenverkleidungen, Holzfeuchtigkeit, wodurch Quell- und
die geringen mechanischen Belastun- Schwindbewegungen des Holzes her-
gen ausgesetzt sind, sind auch weiche vorgerufen werden. Je nach Holzart
Holzarten geeignet. variieren das Schwindmaß und die An-
gleichgeschwindigkeit der Holzfeuchte.

Holzwerkstoffe
typische Plattenmaße
und physikalische
Eigenschaften Sperrholz Massivholz Spanplatte osb-Platte Holzfaserplatte
mitteldicht mittelhart porös hart

Länge (cm) 220, 250 400, 500, 505 280, 561 250–500 250– 280 244 170– 260 250

Breite (cm) 125, 150, 185 102,5, 125, 205 207 60,7–250 67,5– 125 122 60– 170 125

Dicke (cm) 1–4 1,9–2,7 0,6–4 0,8–4 1,3, 1,5 0,5– 1,6 0,6–8 0,32– 0,8

Dichte (kg⁄ m 3) 300, 500, 300, 500, 300, 600, 650 400, 600, 400, 600, 250, 400 1000
700, 1.000 700, 1.000 900 800 800

Wärmeleitfähigkeit (W⁄ mK) 0,09–0,24 0,09–0,24 0,1–0,18 0,13 0,1–0,18 0,1–0,18 0,07–0,1 0,22

Holz an Wand, Decke und Boden: Zahlreiche Holz- Oberflächen und Möbel aus Holz sind lange halt-
arten und Holzwerkstoffe stehen uns hierfür zur bar, gut reparierbar bzw. recyclebar. Die Benennung
Verfügung. In Kombination mit verschiedenen und Kurzzeichen unterschiedlicher Holzarten nach
Oberflächenbearbeitungen und -beschichtungen önorm en 13556 und deren Kennwerte sind in
können wir unterschiedlichste Raumwirkungen önorm b 3012 zusammengefasst. Wir haben hier
erzeugen und vielen Nutzungen gerecht werden. die wichtigsten Kennwerte zusammengestellt.

weitere Infos: * Anteil am Gesamtvorrat im Österreichs Wäldern, Österreichische Waldinventur 2016/18


www.dataholz.eu Quellen: Holzspektrum – Ansichten, Beschreibungen und Vergleichswerte, proHolz Austria (Hg.), Wien 2006 (Holzarten);
www.holzforschung.at www.dataholz.eu (Holzwerkstoffe)
Im Innenraum
6
7
Laubbäume

Buche Eiche Esche Ahorn Birke

zuschnitt 74.2019
10,0 2,6 2,2 1,6 0,5

34 34 38 27 23

0,16 0,13– 0,2 0,17 0,16–0,18 k. A.

schlecht gut mittel gut gut

0,2 0,16 0,21 0,1–0,2 0,27

0,41 0,36 0,38 0,22–0,3 0,36

Seite 22 Seite 18 Seite 24 Seite 20 Seite 12

Oberflächenbehandlungen Schnittrichtungen

Das Lackieren, Wachsen oder Ölen von Holzoberflä- Lasuren sind wasserverdünnbare Beschichtungs-
chen stellt in erster Linie einen Schutz gegen Flüs- systeme. Sie sind nur für Decke und Wand geeignet,
sigkeiten und mechanische Einflüsse dar. da sie nicht sehr beständig gegen mechanische Ein-
flüsse sind. Es dürfen nur Innenraumlasuren verwen-
Beizen dienen zur farblichen Gestaltung von Ober-
det werden, also Lasuren, die keine Biozide enthalten.
flächen. Die Holzstruktur bleibt sichtbar. Je nach
Die Reinigung von lasierten Oberflächen sollte tro-
Art der Beize wird die Struktur verstärkt oder egali- Radialschnitt
cken erfolgen, bei starker Verschmutzung kann man
siert. Zum Schutz von gebeizten Oberflächen müs- (Spiegelschnitt⁄ Rift)
sie auch leicht feucht reinigen.
sen diese immer lackiert werden.
Öle und Wachse werden immer häufiger für die Be-
Lackierungen sind je nach Art des Lacks beständig
handlung von Holzoberflächen eingesetzt. Sie erzeu-
gegen unterschiedlichste Einflüsse wie Flüssig-
gen eine matte Oberfläche und sind auch punktuell
keiten und sind daher meist pflegeleicht. Lacke er-
durch Anschleifen und Nachbehandeln renovierbar.
zeugen eine filmbildende Beschichtung und je nach
Zur Reinigung ist je nach Beanspruchung jedoch
Wahl eine matte bis hochglänzende Oberfläche.
eine regelmäßige Pflege (bei starker Beanspru-
Lackierungen verzögern zwar eine Feuchtigkeitsauf-
chung alle zwei bis vier Wochen) mit entsprechen- Tangentialschnitt
nahme, verringern aber auch die „Atmungsaktivi-
den Zusätzen im Wischwasser notwendig. (Fladerschnitt⁄ Halbrift)
tät“ des Holzes. Lackierungen mit entsprechenden
Zusätzen bieten die Möglichkeit, eine Farbverände- Unbehandelte Holzoberflächen können für nicht
rung durch Lichteinfluss zu minimieren. beanspruchte Flächen eingesetzt werden. Dabei
Die Reinigung einer lackierten Oberfläche erfolgt kann die Oberfläche unter anderem gebürstet,
entweder trocken oder mit einem nebelfeuchten, gehobelt, geschliffen werden oder sägerau sein.
flusenfreien Tuch. Bei leichten Verschmutzungen Die Reinigung von unbehandelten Holzoberflächen
reicht es meist aus, die Oberfläche nur mit Wasser soll möglichst nur trocken erfolgen. Alternativ kann
zu reinigen. Nach der Reinigung die Fläche sofort man Fußböden mit unbehandelten Holzoberflächen Querschnitt
mit einem Tuch trockenwischen, um Wasserspuren auch mit Wasser und einer Seifenlauge reinigen. (Hirnschnitt)
zu vermeiden. Mit dieser Art der Oberflächenbehandlung verän-
dert sich das Erscheinungsbild des Bodens, es ent-
stehen eine eigene Patina und eine Farbänderung.

Raumluftqualität

Holz und Holzwerkstoffe emittieren flüchtige organische Verbindungen (voc) in die Innenraumluft. Dabei
handelt es sich um natürlich vorkommende Holzinhaltsstoffe wie Terpene und Aldehyde und um Substanzen
wie Leime, die bei der Verarbeitung eingebracht werden. Die von Experten herausgegebenen innenraum-
luftbezogenen Empfehlungswerte werden bei branchenüblicher Materialauswahl und fachkundiger Ver-
Siehe:
bauung eingehalten, auch auffällige Gerüche sind nicht zu erwarten. Weiters nehmen die zu Beginn erhöhten www.wood2new.org
Emissionen aus Baumaterialien in die Innenraumluft über wenige Wochen stark ab, wohingegen die durch www.holz-und-raumluft.de/
das Nutzerverhalten, etwa beim Putzen, eingebrachten Substanzen zunehmend an Bedeutung gewinnen. forschung
Fichte „Man schmeckt’s“
Käserei in Radenthein

Albert Kirchengast

Farbe Das Holz liefern die Käsegenossenschafter aus dem


weißlich, rahmgelb bis stroh- eigenen Wald. Fichte für die Wände, Lärche für die
gelb, rötlich, sowohl im Splint Böden. So wie es beim traditionellen Bauernhaus in
als auch im Kern (Reifholz),
der Gegend üblich war, von dem auch die Lab’n
bei Lichteinwirkung starke
Neigung zum Vergilben, stammt. Der Vielzweckraum trennt hier allerdings
es entwickelt sich ein gelb- Käserei und Käseladen. Auch die Einbauschränke
licher, brauner Farbton sind aus den Fichten der umgebenden Nockberge
Querschnitt gezimmert, die stärker beanspruchten Bänke
Jahrringgrenzen deutlich und Tische wiederum aus Lärchenbrettern. Am
ausgebildet, der Übergang
von Frühholz zu Spätholz
8. Dezember dann das Bangen: Schneeregen. Feier-
vollzieht sich allmählich. liche Eröffnung im Bergbaustädtchen Radenthein
Sehr feine, nicht zahlreiche mitten in Kärnten. Matsch auf den Schuhen.
Harzkanäle (wesentliches Die Dielen aber liegen da, wie das Sägewerk sie
Unterscheidungsmerkmal geschaffen hat. Hätte man sie wenigstens geölt,
zu Tanne)
flucht die Sorge! Bald schafft die Seifenlauge jene
Radialschnitt
deutlich gestreifte Textur
vergrauende Einheitlichkeit, Monate intensiven
Tangentialschnitt Gebrauchs jene Patina, die sich über die Ein-
markante Flader durch die maligkeit jedes Bretts legt. Eine ganz besondere
scharfe Jahrringabgrenzung Beschichtung. Der Baum bleibt am Leben.
des Spätholzes Rund 200 Besucher kommen täglich in die Schau-
Geruch
käserei. „Besser als erwartet“, kommentiert man
nicht auffallend, im frischen
Zustand leicht harzig
dort heute den Alterungsprozess nicht ohne Augen-
Härte weich zwinkern; auch das Salz im Winter sei „völlig pro-
blemlos“, „gut abwaschbar“ die Fichtenvertäfelung,
Eigenschaften die sanfter nachdunkeln darf als die beanspruchte
Fichtenholz ist leicht (Darr- Lärche. Sogar die jungen Gäste übten Zurückhaltung,
dichte 410 kg⁄ m 3) und weich
hätten noch keine Oberfläche bemalt. Aber das
(Brinellhärte 12 N⁄ mm2).
Die Angleichgeschwindigkeit ist nicht verwunderlich, denn das Holz präsentiert
der Holzfeuchte an das seine Maserung wie ein Ornament. Das erfreut
Umgebungsklima ist eher die Besucher und erfüllt den Raum mit Wärme.
langsam, das Stehvermögen Die Oberflächen der Wände und Decken wurden
gut. Allgemein gilt Fichten- gebürstet – man spürt’s –, die Böden gehobelt.
holz als mäßig schwindend,
Jede Diele ist 18 cm breit und bis zu 5,5 Meter lang. Beim Primärtragwerk greift man ganz pragmatisch
ist leicht zu bearbeiten, gut
zu schälen und zu messern, Kein Brett ging verloren: Das schmale, das blau- auf Leimbinder und Stahlverbindungen zurück.
sofern Anzahl und Größe stichige, allzu astige verschwand in der Diagonal- Ihr Skelett ist im Inneren ablesbar, bildet mit der
der Äste gering sind. Bei der schalung der Wände. Hinter Anstrichen oder Ver täfelung eine Fläche. Abstrakt wirkt das nicht,
Oberflächenbehandlung sind Farbschichten versteckt sich nichts. Dem Spuk, aber auch für Rustikalität ist kein Platz.
keine Probleme bekannt. der Holz nach lang geübtem Brauch zu Kunststoff Wie ist die Kaslab’n? Direkt und unverblümt, voller
wandelt, ist ein freudiges Ende gesetzt. Das Prinzip Lust am Analogen, angetrieben vom Wunsch, im
Verwendung
Bau- und Konstruktionsholz, lautet Körperhaftigkeit und Unmittelbarkeit ganz Tun zu begreifen, aus Prozessen zu lernen – in einer
Bautischlerarbeiten, Innen- nach dem Vorbild der silolosen Heumilch. Landschaft, die durch achtsame Bewirtschaftung
ausbau, Halbfertigwaren, schön wird wie das Haus in ihr. Die Käsemacher
Rahmenbau (Fenster, sagen: „Man schmeckt’s.“ Die Architekten meinen:
Haustüren, Wintergärten), „Das Haus reift.“
Innenwand- und Decken-
bekleidungen

Albert Kirchengast
Ähnliche Hölzer
ist Architekturtheoretiker und Publizist. Er arbeitet am Kunst-
Tanne
historischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) und
unterrichtet an der tu Wien und der fh Kärnten; Bücher zum
Thema: „Landschaft und Lebenssinn“, „Franz Riepl baut auf
5m dem Land. Eine Ästhetik des Selbstverständlichen“.
Im Innenraum
9
8
zuschnitt 74.2019
Dach
Dachdeckung
Lattung 40 mm
Konterlattung 80 mm
Nageldichtband
Diffusionsoffenes Schalungsband
Vollschalung 23 mm
Sparren 280 mm,
dazwischen Steinwolle, zweilagig
Dampfbremse, verklebt
Streuschalung aus Fichte,
sägerau 23 mm
Querlattung aus Fichte 50 x 30 mm
Schiffboden aus Fichte,
Nut und Feder, gebürstet 19 mm

Wand
Lärchenschalung, sägerau 23 mm
Querlattung aus Fichte 50 x 30 mm
Hinterlüftung aus Fichte 50 x 30 mm
Winddichtung, verklebt
Diagonalschalung aus Fichte, sägerau
Holzrahmenbau aus Fichte 60 x 200 mm,
dazwischen Steinwolle, einlagig
Dampfbremse, verklebt
Diagonalschalung aus Fichte,
sägerau 23 mm
Lattung aus Fichte 50 x 30 mm
Schiffboden aus Fichte,
Nut und Feder, gebürstet 19 mm

Boden
Schiffboden aus Lärche,
Nut und Feder 25 mm
Polsterhölzer aus Fichte 50 x 70 mm,
dazwischen Heizestrich 70 mm
pae-Folie, einlagig
osb-Platte, Nut und Feder 22 mm
Trittschalldämmung 20 mm
gebundene Schüttung
Stahlbetondecke

Standort Mirnockstraße 19, Radenthein⁄ AT


Bauherr Kaslab’n Nockberge, Radenthein⁄ AT, www.kaslabn.at
Planung Hohengasser Wirnsberger Architekten, Spittal an der Drau⁄ AT, www.hwarchitekten.at
Statik Alfred Lagger, Millstatt⁄ AT
Holzbau Holzbau Tschabitscher GmbH, Steinfeld⁄ AT, www.drautalhaus.at
Innenausbau Tischlerei Warum, Radenthein⁄ AT, www.tischlerei-warum.com
Fertigstellung 2016

Boden Massivholzdielen aus Lärche, gehobelt, unbehandelt, Reinigung mit Wasser und Seife
Wand ⁄ Decke Massivholzbretter aus Fichte, gebürstet, unbehandelt
Möbel Dreischichtplatten aus Fichte, unbehandelt, Massivholz aus Fichte, unbehandelt,
Massivholz aus Lärche, unbehandelt (Tische)
Kiefer Spaß an der Bricolage
Umbau eines Kirschlagers

Hubertus Adam

Farbe Auf der Suche nach Wohn- und Atelierräumen


hellgelber Splint, der von stießen Architektin Lilitt Bollinger und ihr Partner
einem gelbrötlichen bis röt- Daniel Buchner – Mitinhaber von Buchner Bründler
lichbraunen Kern abgelöst
Architekten in Basel – vor einigen Jahren auf den
wird und im Licht stark
nachdunkelt Gebäudekomplex einer leer stehenden Schnaps-
Querschnitt brennerei in Nuglar-St. Pantaleon am Rande des
deutlich erkennbare Jahrringe; Schweizer Jura. Der Baubestand zeigte sich hetero-
der Übergang von Früh- zu gen: Das Lager war ein Betonbau mit zwei Unter-
Spätholz ist allmählich bis geschossen. Nicht nur aus Kostengründen, sondern Büro- und Privatbereiche visuell voneinander ab. Über
abrupt; Harzkanäle sind
deutlich erkennbar (größer
auch aus prinzipiellen Überlegungen erfolgte die eine Wendeltreppe vor der Fassade gelangt man auf
als bei Fichte und Lärche) Entscheidung, den Rohbaucharakter mit seinem Mix das Dach und in das neu hinzugefügte, innen mit
Radialschnitt an Materialien nach Möglichkeit zu belassen und schwarz gestrichenem Holz ausgekleidete Studiolo
lebhaft gestreift eine vergleichbare Direktheit auch bei den Ein- und von Daniel Buchner. Wenn man die Arbeiten der
Tangentialschnitt Umbauten zum Prinzip zu machen. Die Betonstruk- sonst separat tätigen Bewohner kennt, so lässt sich
dekorativ gefladert, die
tur des Lagers, dessen Erdgeschoss nun als Werk- unschwer feststellen, dass es sich hier um eine wirk-
Harzkanäle erscheinen als
feine Linien
statt und Garage dient, blieb erhalten und wurde liche Gemeinschaftsarbeit handelt. Die Liebe zum
Geruch lediglich mit Durchbrüchen in Wänden und Decke Detail und der Spaß an der Bricolage kennzeichnen
leicht aromatisch, harzig versehen. Über eine kreisförmige Öffnung gelangt beide Haltungen. Bestehender Rohbau und Hinzu-
Härte man in das Studio von Lilitt Bollinger. Hier wie im fügungen verbinden sich auf das Überzeugendste,
weich bis mittelhart benachbarten Wohnbereich blieb die hölzerne Dach- und auch wenn hier überhaupt nicht versucht worden
und Deckenstruktur erhalten. Grün gestrichene ist, Alt und Neu ästhetisch zu harmonisieren und
Eigenschaften
Regale und Fensterrahmen prägen die Straßenseite, anzugleichen, so weiß man nicht an allen Stellen,
Das Holz der Weißkiefer ist
mittelschwer (Darrdichte die räumliche Strukturierung erfolgt durch mit See- womit man es gerade zu tun hat.
510 kg⁄ m 3), etwas schwerer kieferplatten beplankte Raumteiler, deren Pfosten
ist das Schwarzkiefernholz bis zur Decke reichen, oben aber unverkleidet sind. Hubertus Adam
(560 kg⁄ m 3). Das weiche bis So entstehen unterschiedliche Zonen, grenzen sich ist freier Architekturkritiker, Architekturhistoriker und Kurator.
mittelharte Holz der Weiß-
kiefer weist eine Brinellhärte
von 19 N⁄ mm2 auf, während
das Holz der Schwarzkiefer
mit 25 N⁄ mm2 bereits als
mittelhart gilt. Beide Hölzer
zeichnet eine hohe Angleich-
geschwindigkeit der Holz-
feuchte an das Umgebungs-
klima aus. Kiefernholz ist
leicht zu trocknen und zu
bearbeiten, sieht man vom
Verkleben der Werkzeuge
bei besonders harzigen Qua-
litäten ab. Nach dem Ent-
fetten ist es gut zu polieren
und zu beizen.

Verwendung
Bau- und Konstruktionsholz,
als Tischlerholz für Bautisch-
lerarbeiten, Innenausbau und
Möbelbau. Wegen des sich Materialmix im
mit der Zeit verstärkenden Wohnbereich,
Farbunterschieds zwischen schwarz lasierte
Splint- und Kernholz sowie Dreischichtplatten
wegen der zahlreichen einge- im Arbeitszimmer.
wachsenen Äste wird es bei
Inneneinrichtungen verwen-
Standort Bifangstrasse 5, Nuglar⁄ CH
det, um eine rustikale Note
Bauherr Privat
zu erzielen.
Planung lilitt bollinger studio, Nuglar⁄ CH, www.lilittbollinger.ch;
Buchner Bründler Architekten, Basel⁄ CH, www.bbarc.ch Wand Sperrholzplatten aus Seekiefer, unbehandelt
Ähnliche Hölzer Statik Jürg Merz, Maisprach⁄ CH, www.merz-ingenieur.ch Decke Fichte, unbehandelt (Bestand)
Lärche, Weymouth-Kiefer, Innenausbau Hürzeler Holzbau ag, Magden⁄ CH, www.huerzeler-holz.ch Möbel Fichte, unbehandelt, Eiche, unbehandelt (Küche und Möbelgriffe)
Zirbe Fertigstellung 2018 Wand ⁄ Decke (Arbeitszimmer) Dreischichtplatte aus Fichte, schwarz lasiert
Stückweise Täfer
Zu Besuch im Landesmuseum Zürich

Im Innenraum
Anne Isopp

Gleich neben dem Zürcher Hauptbahnhof liegt das Landesmuseum

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Zürich. Hier gibt es wunderbare historische Zimmer aus Holz zu
sehen. Diese Täferzimmer zeugen von der Kunstfertigkeit und

zuschnitt 74.2019
dem Holz- und Hölzerreichtum des 15. bis 17. Jahrhunderts in der
Schweiz. Die Sanierung des Westflügels, der Herberge dieser
historischen Zimmer, ist fast abgeschlossen. Die offizielle Eröff-
nung ist für Herbst 2019 geplant. Wir baten Mona Farag, Partne-
rin im Architekturbüro Christ & Gantenbein und Projektleiterin
der Sanierungen, um einen ersten Einblick.

Zuschnitt: Wann haben Sie die historischen Zimmer das erste Alle Täfelungen der Zimmer wurden ja komplett ausgebaut,
Mal gesehen und was war Ihr erster Eindruck? zwischengelagert und später wieder originalgetreu eingebaut.
Farag: Das war 2002, als Christ & Gantenbein den Wettbewerb für Das waren pro Zimmer an die 350 Einzelteile. Haben Sie durch
die Sanierung und die Erweiterung des Landesmuseums gewon- den Aus- und Einbau etwas dazugelernt?
nen haben und ich mit den Bestandsaufnahmen begonnen habe. Unser Know-how war hier nicht sehr gefordert, weil die Arbeiten
Der erste Eindruck war toll. Diese Zimmer erzählen so viel aus von Restauratoren ausgeführt wurden. Sie wussten, was zu tun
vergangenen Zeiten in ihrer Vielfalt und Detaildichte. ist. Unser Schwerpunkt war die Integration der neuen technischen
Infrastruktur von der Haustechnik bis zur Sicherung gegen Erd-
Hatten Sie bei der Sanierung der historischen Zimmer überhaupt beben, ohne dass nachher etwas davon sichtbar ist. Das war eine
eine Gestaltungsmöglichkeit? große Herausforderung. Die Vorgabe des Denkmalschutzes und
Eigentlich nicht. Wir durften nichts verändern, und das ist auch des Museums an uns war, weder die Bekleidung noch deren
richtig so. Wir durften nicht ein einziges Loch bohren. Das Ein- Unterkonstruktion zu verändern, weil auch diese historisch ist.
zige, das wir sichtbar hinzugefügt haben, war die Beleuchtung. Das ist uns gelungen, aber wir mussten für jeden Raum eine
Wir haben überlegt, die vorhandenen Astlöcher für unsere individuelle Lösung ent wickeln.
Durchführungen zu verwenden, haben sie sogar mit dem Geo-
meter aufgemessen, aber sie haben dann von der Geometrie her
Die Schweizer Architekten Christ & Gantenbein gewannen 2002 den zweistufi-
am Ende doch nicht exakt genug gepasst. Dort, wo wir eine
gen internationalen Wettbewerb zur Erweiterung und Sanierung des Landes-
Bohrung für die Beleuchtung machen mussten, wurde die Origi- museums. Der Erweiterungsbau und die Sanierungen sind bis auf den Ostflügel
naltäfelung abgenommen, archiviert und durch ein neues Holz- bereits abgeschlossen. Mona Farag ist Projektleiterin der Baumaßnahmen im
element ersetzt. Landesmuseum Zürich und Partnerin im Büro Christ & Gantenbein.
www.nationalmuseum.ch, www.christgantenbein.com

Historische Zimmer
Die sogenannten Period Rooms sind original
historische Raumarchitekturen, die im späten
19. Jahrhundert zu begehrten Sammlerobjekten
wurden. Gerade die Täferzimmer, die für den
Alpenraum typisch sind und sich relativ leicht
ausbauen ließen, wurden zunehmend nach-
gefragt. Dies führte in der Schweiz zu einem
zunehmenden Bewusstsein für das eigene
Kulturgut und zu ersten Be mühungen, dieses
zu bewahren, was schließlich in den Bau des
Landesmuseum Zürich mündete. Der West-
flügel des von Gustav Gull errichteten Natio-
nalmuseums beherbergt die historischen
Zimmer – wie z. B. diese Stube von 1585, die
aus einem Palast aus Chiavenna (IT) stammt –
sowie zahlreiche Wand- und Deckentäfer, die
geschickt in die räumliche Gesamtkonzeption
eingepasst sind.
Birke „Du siehst, mein Sohn, zum Raum
wird hier die Zeit“
Kindergarten in Südtirol

Farbe
Splint und Kern elfenbein-
gelb bis graurötlich
Querschnitt
Jahrringgrenzen nur schwach
markiert
Radialschnitt
schlichte Textur
Tangentialschnitt
schwach gefladert, fallweise
Markflecken
Geruch
nicht auffallend 5m
Härte
mittelhart

Eigenschaften
Birkenholz ist schwer
(Darrdichte 640 kg⁄ m 3) und
mit einer Brinellhärte von
23 N⁄ mm2 mittelhart. Es ist Klaus-Jürgen Bauer
ein besonders zähes, elasti-
sches Holz. Jede Bearbeitung Mitten im Dorf Niederolang in Südtirol steht ein Bescheidenes, Einheitliches, auch dann, wenn wie
wie Hobeln, Fräsen, Drech-
Kindergarten von feld72. Er ist von außen ein Haus hier verschiedene Holzsorten nebeneinander verar-
seln, Schnitzen, Messern und
Schälen ist sauber durchführ-
aus Stein, hard shell, im Inneren aber ein Haus aus beitet wurden: Birke, Birkensperrholz, Weißtanne.
bar. Birkenhölzer lassen sich Holz, soft shell. Die massive Mauer der äußeren Man merkt schon als kleines Kind, dass das gut
überdies gut biegen. Ledig- Hülle ist eine Antwort auf die städtebauliche Situa- funktioniert, weil es eben um Verwandtschaften
lich eine Verleimung wird tion, ein permanenter Dialog mit dem, was in der geht. Die hölzernen Gruppenräume sind für die
durch die dichte Oberfläche Ortsmitte von Niederolang schon da ist: die Pfarr- Kinder von Niederolang eine Art Basislager. Ort des
etwas erschwert. Länger an-
kirche, die Friedhofskapelle, die Grundschule. Der täglichen Ankommens, des Spielens, Essens, Schla-
haltende Feuchteeinwirkung
führt zu unerwünschten Ver- Freiraum für die Kinder ist optisch und funktionell fens. Es gibt innerhalb der Gruppen kleine Rück-
färbungen. von der Straße durch eine umlaufende Mauer ge- zugsbereiche, große Fensternischen oder begehbare
trennt, die das Wertvollste schützt, was wir haben: Möbel. Es sind Räume, die einfach und zurück-
Verwendung unsere Kinder. Im Inneren, wo die Kinder geschützt haltend gestaltet sind. Individuelle Veränderungen –
Sperrholz, Span- und Faser- sind und sich frei bewegen können, herrscht Holz zum Beispiel entlang der Jahreszeiten – sind immer
platten, Parketthölzer.
als Material vor. Schutz und Geborgenheit von möglich. Vor allem aber sind die Gruppenräume der
Im Möbelbau wird das Holz
nicht selten in verschiedens- außen, eine edle Schatulle im Inneren. Man könnte Ort, von dem aus die täglichen Erkundungen, die
ten Farbtönen verwendet, auch sagen: Der Schlichtheit der äußeren Form Abenteuer, die Lernschritte in die Welt hinaus statt-
da es sich leicht einfärben steht ein reiches, auch im Wortsinn archetypisches finden, eine Welt, die hier, im Kindergarten von
lässt. Birke mit welligem Innenleben gegenüber. Ein Kindergarten als hortus Niederolang, eine geschützte, ummauerte ist. Nach
Faserverlauf ist für Edelfur- conclusus, zeitlos, sicher, schön und aufregend. den Abenteuern draußen sind die vertrauten hölzer-
niere gesucht.
Was aber erzählt eine hölzerne Schatulle einem nen Räume wiederum geschätzte Rückzugsorte.
Ähnliche Hölzer Kind? Man kann fühlen, dass das Holz lebt. In diesen hölzernen Schatullen lernen Kinder unbe-
Ahorn, Linde Es knistert, riecht und fühlt sich gut an. Es hat wusst, welche Eigenschaften Räume haben können,
eine wunderbare Transformation erlebt, vom Wald – und werden diese nie wieder vergessen. Ein Holz-
dem dunklen Tann der Märchen – hin zur hell gehäuse ist daher immer auch ein Lernraum, weil
klingenden Stube. Das Holz hat etwas Schlichtes, dem Holz als patinierfähigem Material Zeitqualitä-
ten gleichsam eingeschrieben sind. Vermutlich
sprach der alte, weise Lehrer Gurnemanz in einem
hölzernen Saal zum thumben Toren Parsifal die
Worte: „Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier
die Zeit.“

Klaus-Jürgen Bauer
geboren 1963 in Wien. Architekturstudium in Wien in der
Meisterklasse Holzbauer. Er ist Architekt mit eigenem Büro in
Eisenstadt, Kurator sowie Mitglied des Fachbeirats der big Art
und des p.e.n. Er hält Vorträge im In- und Ausland und pflegt
eine umfassende Publikationstätigkeit.
Im Innenraum
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zuschnitt 74.2019

Standort Olang⁄ IT
Bauherr Gemeinde Olang, Olang⁄ IT, www.gemeinde.olang.bz.it
Planung feld72, Wien⁄ AT, www.feld72.at
Statik Ingenieurteam Bergmeister, Neustift-Vahrn⁄ IT, www.bergmeister.it
Holzbau Holzelan GmbH, Olang⁄ IT, www.holzelan.it Boden Massivholzparkett aus Birke, seidenmatt lackiert
Innenausbau Patzleiner Innenausbau, Innichen⁄ IT, www.patzleiner.com Wand ⁄ Maßmöbel Sperrholzplatten aus Birke, seidenmatt lackiert
Fertigstellung 2016 Decke Akustikdecke aus Weißtanne, unbehandelt
Lärche Der Lack kommt ab
Evangelische Kirche Mitterbach

Gabriele Kaiser

Farbe Die älteste evangelische Kirche Niederösterreichs,


Splintholz blass rötlichgelb, ein kleines Bethaus in Mitterbach am Erlaufsee,
Kern hellbraun bis rotbraun ist mit der Geschichte der Waldbewirtschaftung
Querschnitt
im Ötschergebiet eng verknüpft. Holzknechte aus
Jahrringe deutlich, Übergang
von Früh- zu Spätholz abrupt, der Dachsteinregion – mit Wäldern in Steilhanglage
feine Harzkanäle vertraut – wurden Mitte des 18. Jahrhunderts vom
Radialschnitt Zisterzienserstift Lilienfeld angeworben, um in den
deutlich gestreifte Textur unwegsamen Forsten des Stifts Holz für Wien zu
Tangentialschnitt schlägern. Ihren Glauben mussten die „Geheim-
markante dekorative Flader-
zeichnung
protestanten“ weiterhin im Verborgenen ausüben,
Geruch bis sich im Zuge des Toleranzpatents durch Kaiser
nicht auffallend, frisch leicht Joseph II. (1781) evangelische Gemeinden auch
aromatisch offiziell etablieren konnten. Das 1785 von den
Härte Holzknechten errichtete Bethaus in Mitterbach
mittelhart
war wie alle „Toleranzkirchen“ dieser Zeit äußerlich
Eigenschaften
unscheinbar, durfte weder Turm noch Rundfenster
Lärchenholz besitzt sehr gute aufweisen, der Eingang musste von der Haupt-
Festigkeitseigenschaften, straße abgewandt liegen. Erst Mitte des 19. Jahr-
sie sind jedoch, abhängig hunderts wurde die schlichte Saalkirche um einen
vom Standort, stark streuend, Glockenturm ergänzt. Die Niederösterreichische
entsprechend auch die Dichte
Landesausstellung 2015 nahm die Pfarrgemeinde
(400 bis 820 kg⁄ m 3), die im
Mittel bei 550 kg⁄ m 3 liegt.
Mitterbach zum Anlass, die längst anstehende
Das Holz gilt als mittelhart Gesamtsanierung des Kirchen-Innenraums in An-
(Brinellhärte 19 N⁄ mm2) mit griff zu nehmen. Ernst Beneder und Anja Fischer –
einem guten Stehvermögen. zunächst mit einer Studie zur Bautradition evan-
Lärchenholz ist gut zu trock- gelischer Bethäuser beauftragt – fanden in Mitter-
nen und zu bearbeiten, bei
bach einen bedrückenden Sakralraum vor: mit
der Oberflächenbehandlung
ist manchmal eine Vorbe- feuchtem Mauerwerk und schlechten Lichtverhält-
handlung mit harzlösenden nissen, behäbiger Lamperie an den Seitenwänden
Mitteln erforderlich. Auf- und Filzteppichen auf dem Boden. Die Architekten,
grund des harten Astholzes die in allen ihren Neugestaltungen eine sachliche wurden zur Vermeidung sichtstörender Pfeiler mit
und bei unregelmäßigem Herangehensweise schätzen, führten den Bestand schlanken Stahlzugstangen von Brettschichtholz-
Faserverlauf besteht die
an seine konzeptionellen Ursprünge zurück. Um trägern im Dachraum abgehängt und mit durchbro-
Gefahr des Splitterns und
Ausreißens. Vorbohren wird den Bethauscharakter wieder klar zum Vorschein chenen Brüstungsgittern aus Lärchenholz versehen.
empfohlen, weil das Holz zu bringen, wurde die 1970 vorgezogene Mittel- Diese händisch sorgfältig nachgearbeitete Fräs-
leicht spaltet. empore rückgebaut und um zwei (nach evangeli- arbeit ruft die Namen der ersten evangelischen
scher Bautradition unterschiedlich lange) Seiten- Bekenner von 1782 dauerhaft in Erinnerung und
Verwendung emporen ergänzt. Dadurch erhält die Orgel stärkt die Gemeinde in ihrer historischen Identität.
Fenster, Türen, Fußböden,
gebührende Präsenz und der Kirchenraum wieder Dass neben der Rückkehr zur Ursprünglichkeit die
Verkleidungen, im Möbel-
bereich mehr Tageslicht. Die brückenartigen Seitenemporen Verwendung von regionalen und ökologischen

Ähnliche Hölzer
Kiefer, Douglasie

Standort Kirchengasse 9, Mitterbach am Erlaufsee⁄ AT


Bauherr Evangelische Pfarrgemeinde Mitterbach, Mitterbach am Erlaufsee⁄ AT
Planung Ernst Beneder, Anja Fischer, Wien⁄ AT, www.benederfischer.at
Statik Reinhard Schneider, Wien⁄ AT
Holzbau Holzbau Dallago & Zefferer, Mariazell⁄ AT, www.dallago-zefferer.at
Innenausbau Bernhard Schnabl, Wildalpen⁄ AT, www.meisterstrasse.com/de/
tischlerei-schnabl
Restaurator Peter Ledolter, Enzenreith⁄ AT, www.atelier-peter-ledolter.at
Fertigstellung 2016

Boden Massivholzdielen aus Lärche, geölt mit Leinöl


Galerien Leimholzbinder und Dreischichtplatte aus Lärche, geölt mit Leinöl
Decken Freilegung der originalen handbehauenen Balken, Auffrischung (Empore),
Lackentfernung und Behandlung mit Büffelbeize (Kassettendecke)
Türen Lackentfernung, Behandlung mit Büffelbeize
Bänke Lackentfernung, geölt mit Leinöl
Handwerkskooperationen

Im Innenraum
Tina Zickler

Schon vor knapp dreißig Jahren schlossen sich in Österreich und


anderen Ländern Europas die ersten Handwerker zusammen,
um in verschiedenen Formen zu kooperieren. Das ist ein wichtiger
Ansatz, weil viele Handwerksbetriebe Ein-Personen-Unternehmen

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sind und es neben ihrer Arbeit kaum schaffen, für sich zu werben
und sich adäquat auf dem Markt zu positionieren.

zuschnitt 74.2019
Speziell im Bereich Holz gibt es interessante Kooperationen, die
sehr erfolgreich agieren. „Gemeinsamkeit macht stark“, ist das
Motto der Lavanttaler Tischlergemeinschaft in Kärnten. Die sechs
eigenständigen Tischlereien kooperieren nicht nur in Sachen
Marketing, sondern organisieren zusammen auch den Einkauf und
nutzen gemeinsam ein cnc-Zentrum, um technisch anspruchsvolle
Kundenwünsche erfüllen zu können. Um die Aus- und Weiterbil-
dung zu bündeln, hat die Lavanttaler Tischlergemeinschaft 2009
zudem eine Lehrlingsakademie ins Leben gerufen.
Seit 1999 existiert auch in Tirol ein starker Verband von Holz-
baubetrieben: htt15 – Holzbau Team Tirol. Inzwischen gehören
15 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern zu
dieser Kooperative, die sich als Forum für Qualitätssicherung,
Fortbildung und Meinungsaustausch versteht. Ziel ist es, Kunden
bei der Realisierung von Bauvorhaben optimal zu unterstützen.
Die projektbezogene Zusammenarbeit der Betriebe ermöglicht
auch die Realisierung großer Bauvorhaben. Um die Mitarbeiter
konsequent auf dem neuesten Stand der Technik zu halten,
wurde dafür das Geschäftsfeld Technik und Qualität eingerichtet,
wovon auch die Kunden profitieren.
Auch in der Holzbauregion Bregenzerwald hat die Handwerkskul-
tur eine reiche, jahrhundertealte Tradition. Bereits 1991 initiierten
junge Handwerker, Gestalter und Architekten den Wettbewerb
Handwerk + Form in Andelsbuch und gründeten 1999 den Verein
Werkraum Bregenzerwald. Heute sind rund 90 Meisterbetriebe
im Werkraum zusammengeschlossen, um das Bregenzerwälder
Handwerk strategisch zu positionieren, über die Region hinaus
Baustoffen ein wesentlicher Bestandteil des Sanie- sichtbar zu machen und einen internationalen Austausch anzure-
rungskonzepts war, zeigt sich auch an allen ergän- gen. Die Mitglieder sind mittelständische, in der Regel familien-
zenden Maßnahmen. Über eine Bodendämmung geführte Handwerksbetriebe – darunter viele, deren Geschichte
aus Blähton wurde ein neuer Dielen-Massivholz- etliche Generationen umfasst. Aufgabe dieser Plattform ist es,
boden aus heimischer Lärche verlegt, die Erhöhung nach außen mit Ausstellungen, Wettbewerben und Vorträgen
zum Altarraum konnte dadurch auf eine Stufe ver- und nach innen mit Entwicklungsarbeit und Nachwuchspflege
ringert werden. Die Holzoberflächen der Kassetten- zu wirken. 2016 startete der Werkraum Bregenzerwald gemein-
decke, der Kanzel und der Sitzbänke, die zuvor un- sam mit den Bezauer Wirtschaftsschulen ein neues Pilotprojekt:
ter dicken Lackschichten verborgen waren, wurden die Werkraumschule. Am Ende der fünfjährigen Ausbildung
auf ihren ursprünglichen Charakter zurückgeführt. erwerben die Absolventen den Lehr- und Handelsschulabschluss
Die warmtonigen gewachsten Oberflächen der inklusive der Unternehmerprüfung.
alten Hölzer und die helleren Flächen von Dielen-
boden und Hufeisen-Empore bilden nun mit den
Tina Zickler
lichten Wand- und Deckenputzen (Sumpfkalkputz
ist Diplom-Kommunikationswirtin, sie kuratierte u. a. die Ausstellung handwerk.
mit Leimfarben) ein nuancenreiches, „geklärtes“ Tradiertes Können in der digitalen Welt, die 2016 ⁄ 17 im mak – Museum für
Ganzes. Angewandte Kunst in Wien zu sehen war.

Gabriele Kaiser Eine Auswahl aus Österreich


freie Architekturpublizistin und Kuratorin; 2010 – 2016 Leiterin Meisterstraße Austria, www.meisterstrasse.com
des architekturforum oberösterreich (afo); seit 2009 Lehrauf- htt15 – Holzbau Team Tirol, www.htt15.at
trag an der Kunstuniversität Linz; lebt und arbeitet in Wien. Lavanttaler Tischlergemeinschaft, www.tischlergemeinschaft.at
Werkraum Bregenzerwald, www.werkraum.at
Kornberg Design Tischler, www.die-kornberg-designtischler.at
Tischler Vulkanland Steiermark, www.tischler-vulkanland.at
Die Aufmöbler, www.aufmoebler.at
Tanne Edelrohbau mit Werkstattcharakter
Digitales Ausstellungshaus in Lenzburg

Farbe
Splint- und Kernholz sind
gleichfarbig (Reifholz):
weißgelblich, oft mit grauem
Schimmer bis grauviolettem
Farbton
Querschnitt
deutlich ausgebildete
Jahrring grenzen, keine Harz-
kanäle
Radialschnitt
gestreifte Textur
Tangentialschnitt
Fladerzeichnung 5m
Geruch
frisches Holz oft säuerlich,
insbesondere beim
pathologischen Nasskern
Härte
weich

Eigenschaften
Tannenholz ist gemäß ein-
schlägigen Normen gleich
schwer wie Fichtenholz
(Darrdichte 410 kg⁄ m 3).
Ähnliches gilt auch für die
Festigkeitseigenschaften.
Es besitzt ein gutes Steh- Paul Knüsel
vermögen, schwindet mäßig
und gilt als besonders gut
Über ein halbes Jahrhundert suchte das Stapfer-
spaltbar. Alle Oberflächen-
behandlungsverfahren sind haus ein Zuhause. Jetzt endlich hat die Aargauer
gut anwendbar. Tanne lässt Kulturinstitution eine feste Bleibe gefunden. Direkt
sich gut trocknen, dabei gegenüber dem Bahnhof Lenzburg, in 20 Minuten
sollte es wegen des mög- von Zürich erreichbar, steht eine schwarz glänzende Die Räume der beiden Ausstellungsetagen wirken
lichen Nasskerns nicht mit Kiste, mit einem Gerüst zur Linken, in dem aktuell hingegen introvertierter. Die modular einteilbaren
Fichte gemischt werden.
eine überlebensgroße Holzpuppe hängt. Es ist Innenräume sind, wie die Außenhaut, schwarzblau
Die Neigung zum Splittern
kann beim Bearbeiten Pinocchio, der bekannteste aller Schwindler, der eingefärbt. Die Oberflächen sind ebenso homogen
scharfer Profile zu Proble- zur Ausstellung über Fake News begrüßt. Auch das mit schmalen Brettern ausgekleidet.
men führen. Stapferhaus wirkt außen rätselhaft und will wenig Die Riemenböden sind aus Weißtanne. Im obersten
über den wahren Inhalt verraten. Mit Ausnahme der Verwaltungsgeschoss wirkt die Atmosphäre wiede-
Verwendung Eingangsfront geben sich alle Fassaden verschlossen. rum wohnlich, obwohl Materialien, Strukturen und
Bauholz, Konstruktionsvoll-
Hinter der Schalung aus schwarzblau imprägnierten Oberflächen fast die gleichen sind wie unten. Aber
holz, Massivholzplatten,
Fenster, Türen, Treppen, Fuß- Fichtenbrettern verbirgt sich ein reiner Holzbau, hier ist Tageslicht willkommen und die Wände und
böden, Wand- und Decken- der auf einem massiven Untergeschoss steht. Deckenrippen sind diesmal aus hellem Holz. Der
verkleidungen, Möbel Einladend gestaltet ist insbesondere das Foyer im gestalterisch dominierende Werkstattcharakter in
Erdgeschoss. Diese über 4 Meter hohe, großzügige den Galerien ergibt auch funktional Sinn: Nageln,
Ähnliche Hölzer Eingangshalle beherbergt den Ausstellungsshop, Bohren und Befahren mit Gabelstaplern sind auf
Fichte
die Kasse und ein Café. Den Boden bedeckt helle den widerstandsfähigen Holzoberflächen ausdrück-
Eiche, die Wände aus Dreischichtplatten sind dunkel lich erlaubt.
gefärbt ebenso wie die Decke. Deren Erscheinung
wird von mächtigen Holzrippen dominiert. Dabei
Paul Knüsel
handelt es sich um Brettschichtträger, die den offenen
diplomierter Umweltnaturwissenschaftler eth, Wissenschafts-
Raum mit einer Länge von 16 Metern überspannen. und Fachjournalist, seit über zehn Jahren freie publizistische und
Auch die technischen Installationen dazwischen sind journalistische Tätigkeit mit Themenschwerpunkt „Nachhalti-
sichtbar und betonen den Edelrohbaucharakter. ges Bauen“
Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit

Harald Gründl

Im Innenraum
Ein Raum, dessen Boden, Wände und Decke aus Holz sind. Ist es ein Raum für arme
oder reiche Menschen? Ist es eine Stube in der Abgeschiedenheit am Berghang oder
die holzvertäfelte Führungsetage in einem Wolkenkratzer einer Großstadt? Ist es ein
profaner oder säkularer Raum? Verbindet der Raum die Menschen mit seiner Wärme
oder werden hier Status, Überlegenheit und Reichtum zur Schau gestellt?

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Holz ist ein archaisches Material – Holz ist ein hochtechnologisches Material. Es verbin-
det uns mit der Vergangenheit und der Zukunft. Der Massenkonsum des 20. und 21. Jahr-

zuschnitt 74.2019
hunderts, der auf der Ausbeutung von nicht erneuerbaren Ressourcen basiert, muss
angesichts der Bedrohung unserer Lebensgrundlagen in eine Bioökonomie und Kreis-
laufwirtschaft transformiert werden. Holz wird dabei eine besondere Rolle zukommen.
Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern stellt die Grundbedingung jeder zukunfts-
fähigen Verwendung von Holz dar. Informiertheit über die Herkunft ist wichtig für alle
Anwendungsfälle. Bei industriellen Holzwerkstoffen belegen bewusst agierende Firmen
mit Ökobilanzen, Zertifizierungen wie „Cradle to Cradle“ oder dem österreichischen
Umweltzeichen ihre Anstrengungen, Schadstoffe zu vermeiden. Während sich für das
industrielle Massenprodukt eine Zertifizierung eignet, ist im kleinen, lokalen Maßstab
das Vertrauen in die bewusste Beschaffung durch die Tischlerei gefragt. Nachhaltigkeit
setzt einen fairen Preis für den Werkstoff voraus, dessen jahrzehntelange Pflege und
umsichtige Aufpflanzung Voraussetzung für die weitere Wertschöpfung ist. Grund-
voraussetzung für eine nachhaltige, langlebige Gestaltung von Innenausbauten sind
die folgenden Prinzipien.

Schönes Altern Das Altern in „Würde“ ist nicht nur für Menschen eine verloren gehende
Kategorie. Nach einiger Zeit verändert sich das ursprüngliche Erscheinungsbild der Ober-
flächen durch Benutzung und Sonneneinstrahlung. Diese Spuren von Zeit und Gebrauch
können dem Holz Vertrautheit und Geschichte einschreiben, die uns emotional an den
Raum binden. Stellen, die unsere Hand berührt hat, Abnutzungsspuren von Möbeln
am Boden offenbaren die Nutzungsrituale im Raum. Damit das Holz schön altern kann,
braucht es eine materialgerechte Verarbeitung. Schön altern heißt nicht, den Ausliefe-
rungszustand zu konservieren. Holz lebt, es entstehen Sprünge oder Verwerfungen.
Kratzer schreiben sich in die Oberfläche ebenso ein wie zu gut gemeinte Putzaktionen.

Reparierbarkeit Das Ersatzteillager für Holzprodukte ist der Wald. Dass Stuben über
Hunderte Jahre ihre Funktion und Anmut behielten, ist diesem Grundprinzip geschuldet.
Standort Bahnhofstrasse 49, Lenzburg⁄ CH Im Geigenbau ist das gut getrocknete Holz Ausgangspunkt und Reparaturmaterial.
Bauherr Stiftung Stapferhaus, Lenzburg⁄ CH, Das zerstörungsfreie Abnehmen von Oberflächenveredelung wie Lack ist ebenfalls eine
www.stapferhaus.ch
Planung pool Architekten, Zürich⁄ CH,
Grundlage der Langlebigkeit. Das Abschleifen, wie wir es bei lackierten Massivholzböden
www.poolarch.ch kennen, ist eine eher brachiale Art des „Reparierens“. Alte Oberflächenveredelung
Statik Makiol Wiederkehr, Beinwil am See⁄ CH, braucht das Abtragen von Material nicht. Staunen macht, wenn Rotweinflecken auf
www.holzbauing.ch
rohem Holz nach kurzer Zeit durch Sonneneinstrahlung verschwunden sind. Holz repa-
Holzbau und Innenausbau Zaugg ag, Rohrbach⁄ CH,
www.zaugg-rohrbach.ch riert sich selbst.
Fertigstellung 2018
Werthaltigkeit Es ist schwierig, Ratschläge zum Thema Zeitlosigkeit zu geben. Was jeden-
Boden Massivholzböden aus Tanne, grauschwarz lasiert
(Ausstellungsbereich), und aus Eiche, dunkel geölt
falls eine lange Nutzung ermöglicht, ist eine nutzungsoffene Gestaltung, sowohl in der
(im Eingangsbereich, Veranstaltungsräume) Architektur als auch im Innenausbau. Ein Büro wird Wohnung oder Hotelzimmer oder
Wand Dreischichtplatten aus Fichte⁄ Tanne, umgekehrt. Der hochwertige Ausbau kann bleiben. Handwerk, insbesondere Kunsthand-
grauschwarz lasiert
werk, schützt die Werke vor achtloser Entsorgung. Eine maßgeschneiderte Gestaltung
Decke Brettsperrholz, grauschwarz lasiert
Stützen und Träger Brettschichtholz, grauschwarz
passt dem Raum auch nach Jahrzehnten gut. Die Wertigkeit von massivem Holz schützt
lasiert so manches Objekt vor dem Abbau oder legt zumindest den Umbau nahe. Gestaltung,
Wände im Dachgeschoss Dreischichtplatte aus die materialgerecht ausgeführt ist, wie die Konstruktion einer Fläche aus Rahmen und
Fichte⁄ Tanne, weiß lasiert
Füllung, wird nicht altern. Sie ist auch in hundert Jahren richtig, während die furnierte
Pressspanplatte schon längst thermisch verwertet wurde. Was etwas kostet, ist etwas
wert. Das setzt allerdings Planung und Gestaltung voraus, die generationenübergreifend
gedacht sein will.

Harald Gründl ist Designer, Designtheoretiker und Kurator. Er ist Partner bei eoos Design und leitet
das idrv – Institute of Design Research Vienna. Er erforscht nachhaltige Designstrategien im Bereich
Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie und setzt sie auch in der Designpraxis mit internationalen Firmen
im Bereich Produkt-, Möbel- und Social Design um. www.idrv.org
Eiche

Farbe
Splint weiß bis hellgrau,
Kern hellbraun,
manchmal leicht rötlich
Querschnitt
ringporig mit Flammen-
zeichnung im Spätholz;
Holzstrahlen breit und
deutlich
Radialschnitt
Holzstrahlen als große
Spiegel auftretend,
nadelrissig
Tangentialschnitt
Fladertextur, nadelrissig
Geruch
im frischen Zustand starker
Gerbstoffgeruch, später nur
noch schwach bemerkbar
Härte
hart

Eigenschaften
Eichenholz ist relativ schwer,
die Dichte beträgt darr-
trocken 670 kg⁄ m 3, und hart
(Brinellhärte 34 N⁄ mm2).
Das Holz ist im Allgemeinen
gut zu sägen, hobeln, bohren
Interpretation des Verlorenen einem Stahltragwerk, das dem früheren Dachstuhl
nachempfunden ist. Das Muster der Kassetten ist an-
und fräsen, wobei auf gute Battersea Arts Centre
Absaugung zu achten ist. gelehnt an die im Brand vernichtete Gipsdecke, ohne
Eichenstaub löst bei manchen diese zu kopieren. Eine leicht rosé-pigmentierte Beize
Personen allergische Reak- Josepha Landes
bindet die Decke optisch an die Wände des Saals.
tionen aus. Probleme, die Diese beließen die Architekten so, wie das Feuer sie
bei der Trocknung auftreten Das Battersea Arts Centre (bac) im Südwesten Lon-
gezeichnet hatte: rußige Putzoberflächen, gebrochene
können, sind Risse, starke dons ist ein Haus, das eigentlich aus zwei Häusern
Formänderungen bis hin zum Gipskanten und freigelegte Ziegelmauern.
besteht. Als Rathaus und Theater zugleich war es 1893
Zellkollaps sowie dunkel- Neben atmosphärischen Vorzügen ermöglicht die
nach Plänen von Edward William Mountford errich-
braune Verfärbungen. durchlässige Decke theatertechnische Flexibilität.
Wegen des Gerbsäuregehalts tet worden. Zum Lavender Hill hin prunkt das Rat-
Lautsprecher, Beleuchtung und Schallregulierung
können bei Berührung feuch- haus mit einer in Sandstein und Ziegel gearbeiteten
lassen sich von den darüberliegenden Technikbrü-
ten Eichenholzes mit Eisen Fassade. Der zweite, in den Hang eingegrabene
cken gezielt steuern. Über die Oberseite der Decken-
dunkelblaue bis schwarze Gebäudeteil besteht hauptsächlich aus einem Thea-
Reaktionsflecken entstehen. öffnungen können, wenn die Vorführung es fordert,
tersaal, der etwa so hoch ist wie vier Etagen des
Unter Beachtung des graue Vliese gespannt werden.
Rathauses und den eine mächtige, halbovale Holz-
Gerbsäuregehalts bereiten Nicht nur die Decke musste nach dem Brand erneu-
übliche Oberflächenbe- decke überspannt. 2014 war er in einem Feuer bis
ert werden, auch der Boden des Zuschauerraums.
handlungsverfahren keine auf die Umfassungsmauern ausgebrannt.
Dies nahmen die Architekten zum Anlass, die Ver-
Schwierigkeiten, beim Die Architekten von Haworth Tompkins entwickelten
Lackieren sollten Porenfüller
legerichtung zu ändern, um eine Tunnelwirkung zu
in enger Zusammenarbeit mit den Betreibern des
verwendet werden. vermeiden. Die Ausstattung des Bodens war eine
bac, diversen Fachplanern und Handwerkern eine
Herausforderung: Leitungsführungen mussten in nur
eigenständige, gleichwohl sensible Interpretation
Verwendung 5 cm Hohlraum Platz finden.
wertvollstes heimisches des Verlorenen. Der hölzerne Baldachin setzt sich
Nutzholz für Möbelbau, zusammen aus fünf Typen von quadratischen, etwa
Josepha Landes
Innenausbau sowie für 1,8 mal 1,8 Meter großen Paneelen, die jeweils aus studierte Architektur in Dresden, Straßburg und San Diego.
Fenster und Türen, Treppen, drei hintereinandergereihten Schichten Birke-Pappel- Sie arbeitete in Architekturbüros in Leipzig und Hamburg.
Geländer
Werkstoffplatten gefräst wurden. Sie hängen an Seit 2018 ist sie Mitglied der Bauwelt-Redaktion.

Ähnliche Hölzer
Edelkastanie Standort Lavender Hill, London⁄ UK
Bauherr Battersea Arts Centre, London⁄ UK, www.bac.org.uk
Planung Haworth Tompkins, London⁄ UK, www.haworthtompkins.com
Innenausbau Joinery Fixing and Finishing Ltd, London⁄ UK, Boden Massivholzparkett aus Eiche, geölt
www.joineryfixingandfinishing.com Decken Sperrholzplatten aus Birkenholz mit Pappelkern, gebeizt
Fertigstellung 2018 Türen Eichenholz, unbehandelt
Forschung Zum Einfluss von Holz auf Haptik,
Wärmeempfinden und Raumklima

Im Innenraum
Anne Isopp

Die Verwendung von Holz in Innenräumen beschäftigt auch

19
18
Holzforscher im In- und Ausland. Wir stellen hier zwei
Forschungsprojekte vor: Untersuchungen zu Haptik und

zuschnitt 74.2019
Wärmeempfinden der Holzforschung Austria und zum Einfluss
von Holz auf das Raumklima der Technischen Hochschule
Dänemark.

Haptik von Holzoberflächen Einfluss von Holz aufs Raumklima


Ohne Berührung ist es oft sehr schwierig, zwischen Holz und Holz verändert die Luftfeuchtigkeit in einem Raum und damit
Holzimitaten zu unterscheiden. Deshalb hat die Holzforschung auch die Oberflächentemperatur.
Austria im Zuge eines Forschungsprojekts versucht herauszufin- Temperatur und Feuchtigkeit sind zentrale Merkmale von Innen-
den, wie die Materialität und die Beschaffenheit von Oberflächen räumen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese durch
das subjektive taktile und haptische Empfinden beeinflussen. die Wahl des Oberflächenmaterials beeinflusst werden. Holz
Hierzu hat sie Testpersonen verschiedene Oberflächen mit ge- kann Feuchtigkeitsschwankungen in der Raumluft verringern,
schlossen Augen beurteilen lassen sowie die Abkühlung von da es eine feuchtigkeitspuffernde Wirkung hat. Holz nimmt die
einem Probekörper im Kontakt mit unterschiedlichen Material- Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt diese, wenn
proben gemessen. die Luftfeuchtigkeit sinkt, wieder an die Umwelt ab. Dabei kann
Besonders bei kühlen Materialtemperaturen zeigte sich der Vor- Holz dreimal so viel Feuchtigkeit puffern wie Beton und Ziegel,
teil von Holz gegenüber Imitaten und Nicht-Holz-Materialien, zweimal so viel wie Gips. Alle Oberflächenbehandlungen und
wobei Holzarten mit geringer Dichte tendenziell wärmer empfun- Holzmodifikationen sowie die Wahl der Schnittfläche (quer oder
den wurden als Holzarten mit höherer Dichte. Die Beschaffenheit senkrecht zur Faserrichtung) beeinflussen die Wechselwirkung
der Holzoberflächen, ob lackiert, geölt oder unbeschichtet, zwischen Holz und Raumklima.
wirkte sich kaum auf das Empfinden der Temperatur aus, sehr Im Zusammenhang mit der Adsorption kommt es zu einer Freiset-
wohl aber auf das haptische Empfinden der Oberfläche. zung von Wärme, die die Oberflächentemperatur von Holz erhöht.
Es zeigte sich, dass die geschätzten haptischen Eigenschaften Umgekehrt wird bei der Desorption Wärme benötigt. Diese Pro-
von Holz am stärksten bei unbehandelten oder geölten Oberflä- zesse in Kombination mit anderen thermischen Eigenschaften
chen zutage treten. Holz ist ein guter Isolator, hat eine niedrigere von Holz führen zum Konzept der hygrothermalen Masse, die das
Wärmeleitfähigkeit und fühlt sich beim Kontakt trotz kalter Raum- Potenzial hat, die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern.
und Materialtemperaturen angenehm an. Kalte Materialien mit Diese Attribute will man in Zukunft zur Energieeinsparung und
hoher Wärmeleitfähigkeit hingegen entziehen dem Körperteil zur Reduktion der Lüftungsraten nutzen.
im Bereich der Kontaktfläche die Wärme, und das wird häufig als
unangenehm empfunden.

Siehe: www.wood2new.org , www.holzforschung.at

Feuchtigkeitsaufnahme in Abhängigkeit von der Oberflächenbehandlung


Der Feuchtepufferwert (MBV) beschreibt die Fähigkeit von Holz zum Puffern
von Feuchtigkeit: Er gibt die Massenänderung pro freiliegender Fläche pro
Hand aufs Holz Änderung der relative Luftfeuchtigkeit (RH) an.
Wie viel Wärme entziehen die Materialien der Hand und wie fühlt sich die
Ober fläche an? Gemessen wurde die Abkühlung bei einer Raumtemperatur
von 18 °C nach 20 Sekunden.

warm Polystyrol
Lärche unbeschichtet unbehandelte unbehandelte diffusionsoffene nicht diffusions-
angenehm Eiche unbeschichtet Oberfläche Oberfläche Beschichtung offene Beschichtung
Laminat (Querschnitt) (Radialschnitt)
Betonestrich
kalt Steinzeugfliese MBV (g ⁄ m2 %RH) und seine Bewertung
Stahl
2 – 3,5 1–2 0,2 – 0,5 0 – 0,2
exzellent gut beschränkt vernachlässigbar
25° 28° 31° 34° 37°C Temperatur Probekörper

Quellen: Tactile Perceptions of Wood-Based Materials, Michael Truskaller, Holzforschung Austria, 2017.
Moisture Buffering of Building Materials, Carsten Rode et al., Department of Civil Engineering, Technical University of Denmark, 2005.
Ahorn „Eine Atmosphäre, die zum Lesen einlädt“
Öffentliche Bibliothek und Archiv in Baiona

Farbe
Splint und Kernholz bei
Bergahorn hellweißlich,
bei Spitzahorn rötlichweiß
Querschnitt
zerstreutporig, die Jahr-
ringgrenzen sind fein,
aber deutlich erkennbar
Radialschnitt
feine, glänzende Spiegel,
zart gestreifte Textur,
oft geriegelt
Tangentialschnitt
feine Fladerzeichnung
Geruch
nicht auffallend
Härte
hart

Eigenschaften
Mit 590 kg⁄ m 3 ist der Berg-
ahorn etwas leichter als
der Spitzahorn, der eine
Darrdichte von 620 kg⁄ m 3
aufweist. Die Brinellhärte
beträgt 27 bzw. 29 N⁄ mm2.
Ahornholz ist schwer spalt-
bar, seine Bearbeitung
problemlos. Alle Ahornhölzer
sind gut messer- und schäl-
bar und die Biegefähigkeit
ist bei geradfaserigem
Wuchs allgemein gut. Beson-
ders Bergahorn eignet sich
zum Fräsen, Drechseln,
Bohren und Schnitzen. Sein
Holz lässt sich gut beizen
und allen sonstigen Oberflä-
chenbehandlungsverfahren
unterziehen.

Verwendung
Ahornholz eignet sich
für dekorative Furniere, María Belén Bermejo López Den Ideenwettbewerb zum Projekt konnte das
Schälfurniere (Sperrholz),
Madrider Büro Murado & Elvira Architects mit
für Möbel, Fußböden
(Parkett, Dielen) und Die kleine Stadt Baiona nahe der portugiesischen einem Entwurf für sich entscheiden, der die Außen-
Treppenstufen. Grenze im spanischen Galicien ist ein Ort mit jahr- konstruktion des Gebäudes in ihren Grundele-
hundertelanger Geschichte. Schon im Mittelalter menten erhielt und im Inneren mit einer zweiten
Ähnliche Hölzer erlangte sie als Handelshafen große Bedeutung, Haut aus Ahornholz überrascht. Den Architekten
Birke, Linde und hier legte im Jahr 1493 auch die erste Karavelle gelang ein Dialog zwischen der Tradition des Gra-
der Kolumbus-Expedition nach der Entdeckung nits, dem von jeher gebräuchlichen Grundmaterial
Amerikas an. der galicischen Architektur, und der Modernität
Im höchsten Teil des Ortes befindet sich neben der des Holzes, ein Dialog, der das Gebäude verjüngt,
ehemaligen Stiftskirche Santa María das alte Kran- ohne ihm seine Geschichte zu nehmen.
kenhaus Sancti Spiritus aus dem 17. Jahrhundert. Das Holz verleiht den Innenräumen, insbesondere
Ursprünglich ein Hospital für Arme und Pilger auf dem Lesesaal, „Wärme, Licht, Harmonie, Komfort
dem portugiesischen Weg nach Santiago de und eine Atmosphäre, die zum Lesen einlädt“,
Compostela, wurde es seit den 1970er-Jahren als schwärmt Ana Simóns, die bis 2017 Stadträtin für
Kulturhaus genützt. 2018 wurde das zweistöckige Städtebau in Baiona war.
Gebäude mit Garten und Innenhof umfassend Architekt Juan Elvira sagt, die Entscheidung für
restauriert und zur städtischen Bibliothek mit histo- Holz sei gefallen, weil es mit dem Stein gut zusam-
rischem Archiv umfunktioniert. menspielt und es erlaubt, mit einem Material alle
Im Innenraum
20
21
zuschnitt 74.2019
5m

Teile der umhüllenden Struktur im Innenraum wie geworden. Nicht nur die Benutzer der Bibliothek,
Böden und Oberflächen umzusetzen. Zudem kann sondern auch Touristen, die Baiona das ganze Jahr
es auf der Baustelle leicht bearbeitet werden. Die über besuchen, finden den Weg hierher.
Sperrholzplatten wurden vor Ort zugeschnitten und
an den Raum angepasst, eine fast handwerkliche
María Belén Bermejo López
Maßarbeit. „Die gesamte Holzkonstruktion ist
ist als promovierte Juristin auf Kulturrecht und den Schutz des
Möbel und Architektur zugleich“, sagt Juan Elvira. historischen Erbes spezialisiert. Derzeit leitet sie als Kultur-
„Wir wollten das Gefühl eines Raumes erzeugen wie und Musikmanagerin die Firma Sirgo Torcendo. Parallel dazu
auf Antonello da Messinas Bild des hl. Hieronymus arbeitet sie regelmäßig als Lehrbeauftragte an der Universität
im Gehäuse.“ Innsbruck.
Ahornholz wählte Elvira wegen der warmen Farbe,
aber auch wegen der regelmäßigen Maserung,
die einheitliche Übergänge zwischen den Decken-
Standort Valverde 4, Baiona⁄ ES
platten gewährleistet. Die Fenster sind in Eukalyp- Bauherr Stadt Baiona, Baiona⁄ ES, www.baiona.org
tusholz ausgeführt, ein stabiles Material, dem Planung Murado & Elvira Architects, Madrid⁄ ES, www.muradoelvira.com
Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen des Statik Ezequiel Fernandez Guinda, A Coruña⁄ ES
Holzbau Carpinteria Infisa, León⁄ ES, www.carpinteriainfisa.es;
nordspanischen Klimas nur wenig anhaben können. Boden, Wand, Decke, Einbaumöbel
Orega Coviasec S. L., Ourense⁄ ES, www.orega.es
Das restaurierte Gebäude ist seit seiner Eröffnung Innenausbau Carpinteria Infisa, León⁄ ES, www.carpinteriainfisa.es
Sperrholz aus Ahorn, matt lackiert

zu einem wichtigen Anziehungspunkt der Stadt Fertigstellung 2018 Video www.vimeo.com/317275795


Buche „Holz hat die Fähigkeit, das Licht
zu erwärmen“
Kleinraumwohnung in Paris

Anne Isopp

Farbe Je kleiner eine Wohnung ist, desto wichtiger sind Möbel selbst und ließ sie maßanfertigen – nur so
Kern und Splint rötlichweiß, Raumaufteilung und Innenausbau. Dort wo Bauteile war es ihm möglich, diese in den Raumplan zu
gedämpft rötlich bis rotbraun Doppelfunktionen übernehmen können, wo Stau- integrieren und platzsparenden Stauraum zu schaf-
Querschnitt
raum in Wände, Treppen oder Ähnliches integriert fen. Treppe und Möbel sind aus Buchenholz und
Jahrringgrenzen deutlich
erkennbar und am Schnitt- werden kann, entsteht zusätzliche freie Nutzfläche. der Boden aus Bambusholz. Auf die Frage, warum
punkt mit den markanten Nach diesem Prinzip baute der junge Architekt er Holz und insbesondere Buchenholz verwendet
Holzstrahlen oft eingekerbt, Willy Durieu vom Atelier Wilda eine ehemalige habe, sagt Durieu: „Die Wahrnehmung dieses
Poren mit bloßem Auge Malerwerkstätte in Paris für eine befreundete Raums ist eng mit dem der Lichtquantität verbun-
nicht sichtbar, zerstreutporig Familie um. Um die großzügige und lichte Raum- den. Darum ist der Innenausbau weiß. Ich wollte
Radialschnitt
leicht gestreift mit groß-
atmosphäre der Werkstätte zu erhalten, schuf er aber keinen sterilen weißen, sondern einen
flächigem Spiegel einen großen, zweigeschossigen Wohnküchenbe- warmen, angenehmen Raum schaffen. Böden und
Tangentialschnitt reich und trennte vom Hauptraum lediglich ein Möbel sind aus Holz, da Holz die Fähigkeit hat,
neben dem Flader eine kleines Schlafzimmer und ein Badezimmer ab. das Licht zu erwärmen. Ich wählte Buchenholz aus,
charakteristische feine Darüber entstand ein zusätzlicher Aufenthaltsraum, weil es ein helles, fast weißes Holz ist, auch die
braune Strichelung durch
der über eine schmale Treppe zu erklimmen ist. Maserung ist grafisch hübsch. Das Holz konnten
die Holzstrahlen
Geruch
Neben der Raumaufteilung legte Durieu viel wir uns leisten, weil die Ausstattung des Raums
nicht auffallend Augenmerk auf den Innenausbau. Er entwarf alle ansonsten ziemlich einfach gehalten ist.“
Härte
hart

Eigenschaften Die Buche ist


ein schweres (Darrdichte
680 kg⁄ m 3) und hartes Holz
(Brinellhärte 34 N⁄ mm2),
das leider sehr hohe Schwind-
werte aufweist. Die geringe
Formstabilität bei wechseln-
der Feuchte muss vor allem
bei größeren Querschnitten
berücksichtigt werden. Das
Holz ist leicht und sauber zu
bearbeiten und dank seiner
gleichmäßigen Struktur be-
sonders gut zu fräsen, drech-
seln und schnitzen. Nach
entsprechender Vorbehand-
lung durch Dämpfen ist das
Holz sehr gut messer- und
schälbar. Gedämpftes Holz
lässt sich zudem sehr gut
biegen. Die dichte, homo-
gene Oberfläche erfordert
bei der Behandlung eine
ausreichende Fließfähigkeit
der verwendeten Mittel.
Buchenholz lässt sich sehr
gut beizen und kann damit
an nahezu jeden Farbton
angepasst werden.

Verwendung
Möbel- und Innenausbau,
für Furniere und Sperrholz
(besonders auch als Form- Standort Paris⁄ FR
sperrholz), Treppen und Bauherr privat
Parkett (Stab-, Fertig- und Planung Atelier Wilda, Arradon⁄ FR, www.wilda.fr
Mosaikparkett) Statik ABI Structure, Vannes⁄ FR, www.abi-structure.fr
Innenausbau ProARt
Fertigstellung 2017

Boden Mehrschichtparkett aus Bambus, geölt


Treppe ⁄ Möbel Buche, geölt,
5m osb-Platten, weiß lackiert
„… mit genau dem richtigen Ausdruck
für dieses Projekt“
Künstlerresidenz im Turm

Im Innenraum
22
23
zuschnitt 74.2019
Karin Triendl

De Bijenkorf ist wohl das älteste und exklusivste Kaufhaus in Turm auf verschiedenen Ebenen erlebbar macht. Sorgfältig
Holland. Das monumentale Gebäude im Zentrum von Amsterdam komponierte Raumschachteln aus Brettsperrholz bieten Schlaf-,
hat einen kleinen Turm auf seinem Dach. Niemand weiß, wofür Wohn- und Arbeitsbereiche. Über einfache Holzleitern kann
dieser Turm gebaut wurde und niemand hat ihn je verwendet. man das begehbare Möbel erkunden. Jede Ebene erschließt neue
Erst im Jahr 2015 wurde das Büro i29 interior architects aus Raumperspektiven und bietet unterschiedliche Ausblicke. Die
Amsterdam eingeladen, den Turm in einen Ort der Kreativität geometrische Komposition wird durch zarte weiße Holzleisten
und der Inspiration zu verwandeln. De Bijenkorf wollte regel- an den Außenkanten betont. Alle Bauteile bestehen aus matt
mäßig Künstler, Schriftsteller, Designer und Architekten dorthin lackierten Brettsperrholzplatten aus Kiefer. „Es ist ein erschwing-
einladen, um dann die im Rahmen des Artist-in-Residence-Pro- liches Baumaterial mit genau dem richtigen Ausdruck für dieses
gramms entstandenen Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsen- Projekt“, sagt Jeroen Dellensen von i29 interior architects.
tieren. Die jungen Designer schufen einen Raum, der angelehnt Die lebendige Holzoberfläche mit der Maserung und den dunk-
an Alice im Wunderland mit zwei unterschiedlichen Welten und len Asteinschlüssen war den Architekten dabei sehr willkommen,
deren Maßstäblichkeiten spielt. da sie einen größtmöglichen Kontrast zwischen den beiden Mate-
Auf der einen Seite des sehr hohen Innenraums befindet sich rialwelten schaffen wollten. Bei der Gestaltung des restlichen
ein überdimensionaler begehbarer Schrank aus Holz, der den Raums beschränkten sie sich auf eine homogene weiße Farbge-
bung der Wände und die ebenfalls in Weiß gehaltenen ausge-
suchten Möbel und Accessoires. Zusammen mit den großen
Turmfenstern und der alten Wendeltreppe erweckt der Raum
Standort Amsterdam⁄ NL
Assoziationen zu Märchen aus fernen Zeiten.
Bauherr de Bijenkorf, Amsterdam⁄ NL, www.debijenkorf.nl
Planung i29 interior architects, Duivendrecht⁄ NL, www.i29.nl
Innenausbau Fiction Factory, Amsterdam⁄ NL, www.fictionfactory.nl Karin Triendl
Fertigstellung 2015 Architektin, seit 2007 Bürogemeinschaft mit Patrick Fessler,
schreibt als freie Autorin über aktuelle Stadt(Räume) und Architekturen
Wand, Boden, Decke Brettsperrholz aus Kiefer, transparent lasiert www.triendlundfessler.at
Esche „Ein sägerauer Boden ist
eine Bereicherung für die Sinne“
Gästezimmer in St. Gerold

Farbe Das Materialkonzept des Innenausbaus ist sehr


Splint und Kern gleich - schlicht und zurückhaltend auf wenige Materialien
farbig hellgelb, fakultativ und Farben reduziert. Holz als natürliches, regio-
brauner Kern
nales Material mit seinen hervorragenden raum-
Querschnitt
breiter Frühholzporenkreis atmosphärischen Eigenschaften gelangt vielfältig
kennzeichnet deutlich die zum Einsatz. Eindrucksvolle, 9 Meter lange, weitge-
Jahrringgrenze hend astfreie Fichtendielen dienen als Boden der
Radialschnitt Geroldstube. Das Holz dafür stammt aus einem
zart gestreift, nadelrissig Waldstück, das die eth Zürich als Lehr- und For-
Tangentialschnitt
Fladerzeichnung, nadelrissig
schungswald genutzt hatte. Fichtenlamellen bilden
Geruch in den Speiseräumen eine schlichte Akustikdecke
nicht auffallend mit integrierter Beleuchtung und Lüftung. Alle wei-
Härte teren Böden, Decken, Wandverkleidungen und Mö-
hart Julia Ess bel sind aus Eschenholz, das zu 60 Prozent aus dem
eigenen Propsteiwald stammt. Besonders bei der
Eigenschaften
Mit einer Darrdichte von
Die zum Benediktinerkloster Einsiedeln gehörende Ausgestaltung der neuen Gästezimmer spielt das in
670 kg⁄ m 3 gehört Eschenholz Propstei St. Gerold im Großen Walsertal in Vorarl- Rift bis Halbrift geschnittene Holz eine zentrale
zu den eher schweren und berg kann auf eine fast tausendjährige Geschichte Rolle und findet großflächig Verwendung. Vor
harten Hölzern (Brinellhärte zurückblicken. Die historische Bausubstanz der An- allem in den Dachzimmern wird man fast vollstän-
38 N⁄ mm2). Es ist ein zähes lage wurde in unterschiedlichen Epochen und dig vom Eschenholz mit seiner ruhigen Oberflächen-
und elastisches Holz. Die
Stilen mehrfach erweitert und umgebaut, zuletzt in struktur umschlossen – heimelig und geborgen
Bearbeitung erfordert nur
mäßigen Kraftaufwand. Zu
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seit meh- fühlt sich das an. Vor dem Hintergrund des hellen,
beachten sind jedoch die reren Jahrzehnten ist die Propstei ein beliebter Ort feinen Eschenholzes bilden die dunkleren und ast-
Härteunterschiede zwischen der Einkehr und eine offene Begegnungsstätte mit reicheren Balken der historischen Dachkonstruktion
Früh- und Spätholz, was be- Bildungs- und Kulturzentrum, Herberge und Bio- im „Giebelzimmer“ einen attraktiven Kontrast. Die
sonders bei breitringigem Landwirtschaft. All diese Angebote bilden das be- Holzböden in der Gastronomie und den Herbergs-
Holz mit großem Spätholzan-
triebswirtschaftliche Fundament der Propstei. Um zimmern sind allesamt sägerau und unbehandelt.
teil wichtig wird. Das Holz ist
gedämpft gut biegbar sowie den Betrieb der über Jahrhunderte gewachsenen Die Entscheidung dafür fiel nach ausgiebigen und
gut zu messern und zu schä- Anlage zu sichern, wurden umfassende Sanierungs- kontroversen Diskussionen sowie Besichtigungen
len. Unter Lichteinfluss wird maßnahmen notwendig. In mehreren Etappen wird mehrerer Projekte im Bregenzerwald. Gespräche
weißes Eschenholz gelblich. die Anlage nun nach Plänen von Hermann Kauf- mit Nutzern und Reinigungskräften beseitigten
Um eine verdunkelnde Schat- mann Architekten durch zeitgemäße wie zeitlose anfängliche Zweifel. Auf einem sägerauen Probe-
tenwirkung zu vermeiden, ist
architektonische Eingriffe mit großem Respekt vor boden wurden zudem Saucen-, Öl- und Weinflecken
bei grobporigen Hölzern zur
Oberflächenbehandlung eine dem baulichen Erbe einfühlsam und unaufdringlich bewusst verursacht und über mehrere Wochen
Porenfüllung ratsam. saniert. Schlichtheit und klare Linien kennzeichnen beobachtet, wie die Gerbstoffe im Holz diese
die bereits vollendeten Sanierungsschritte. Die ho- herausarbeiteten. Schließlich brauchen unbehan-
Verwendung he Wertigkeit sowohl bei der Materialwahl als auch delte Böden etwas Zeit, um eine natürliche Patina
besonders geeignet für bei der baulichen wie handwerklichen Umsetzung zu entwickeln, die jedoch mit den Jahren immer
dekorative Furniere,
schafft eine langlebige und dadurch nachhaltige schöner wird. Propst Kolumban Reichlin unterstreicht
Fußböden (Parkettriemen,
Fertigparkett), Treppen- Architektur. die sinnlichen Qualitäten: „Ob alt oder neu – ein
stufen, Bugholzmöbel Im Zentrum der im Herbst 2015 abgeschlossenen sägerauer Boden ist aufgrund seiner Natürlichkeit
ersten Etappe stand die Erneuerung und Zentrali- unersetzlich und eine Bereicherung für die Sinne.
sierung der Gastronomie. Gäste werden nun in der Jede Nassreinigung mit der Maschine ist gleich-
ehemaligen Remise und dem einstigen Stallgebäu- sam eine Offenbarung, wenn anschließend jeweils
de (heute Geroldstube) bewirtet. Die im Frühjahr frischer Holzgeruch den Raum neu erfüllt.“
2017 fertiggestellte zweite Sanierungsetappe fokus-
sierte auf die Adaptierung des Herbergstrakts an
heutige Bedürfnisse. Dabei wurden neun bestehen- Julia Ess
de Gästezimmer saniert und sechs neue Einzel- und geboren 1984 in Feldkirch, Studium der Architektur in Wien
und Venedig, lebt in Berlin; freie Mitarbeiterin des vai Vorarl-
Doppelzimmer im Dachgeschoss errichtet. Im Be-
berger Architektur Instituts im Bereich der Architekturdoku-
reich des ehemaligen Klosterkellers wurden zudem mentation und aktuell wissenschaftliche Mitarbeiterin im
neue Seminar-, Gruppen- und Aufenthaltsräume ge- dfg-Graduiertenkolleg Kulturelle und technische Werte histo-
schaffen. rischer Bauten der btu Cottbus-Senftenberg.
Im Innenraum
25
24
zuschnitt 74.2019
5m

Decke – Unterkonstruktion
Unterkonstruktion⁄ Installationen
Täferverschalung aus Esche 20 mm

Innenwand zum Flur


Täferverschalung aus Esche 20 mm
Unterkonstruktion 25 mm Standort St. Gerold⁄ AT
Gipskartonfaserplatte 12,5 mm Bauherr Kloster Einsiedeln, Einsiedeln⁄ CH, www.kloster-einsiedeln.ch
Metallständerwand 50 mm, Planung Hermann Kaufmann + Partner, Schwarzach⁄ AT, www.hkarchitekten.at
dazwischen Wärmedämmfilz Statik M+G Ingenieure, Feldkirch⁄ AT, www.m-g.at; merz kley partner, Dornbirn⁄ AT, www.mkp-ing.com
Gipskartonfaserplatte 12,5 mm Holzbau Kaspar Greber Holz- und Wohnbau GmbH, Bezau⁄ AT, www.kaspargreber.at
Luftraum 12,5 mm Innenausbau (Giebelzimmer) Burtscher Böden GmbH, Nüziders⁄ AT, www.burtscherboeden.at (Boden),
Metallständerwand 75 mm, René Bechtold, Weiler⁄ AT, www.rene-bechtold.at (Wände), Gottlieb Kaufmann Massivholz Tischlerei, Blons⁄ AT,
dazwischen Wärmedämmfilz www.kaufmann-massivholz.at (Möbel)
Gipskartonfaserplatte 12,5 mm Fertigstellung 2017
Gipskartonfaserplatte 12,5 mm
Boden, Wand, Decke Esche, Massivholz, sägerau
Unterkonstruktion 25 mm
Täferverschalung aus Esche 20 mm

Boden
Riemenboden aus Esche 27 mm
Streublindboden aus Fichte 20 mm
Lattung 51 mm,
dazwischen Mineralwolle
Distanzfüße 100 mm,
dazwischen Mineralwolle
Holz-Beton-Verbunddecke 260 mm
Federbügel-Abhängung 10 mm
mit Mineralwolle 50 mm
Gipskartondecke 15 mm
Wald – Holz – Klima „Eine Zeit des Umbruchs“

In dieser Rubrik steht der Wald im Mittelpunkt, der Wald als Rohstofflieferant
und seine Wechselwirkungen mit dem Klima und der stofflichen Nutzung von
Holz. Diesmal stellen wir Ihnen Ergebnisse aus der aktuellen Zwischenbilanz der
Österreichischen Waldinventur vor. Gemeinsam mit Klemens Schadauer vom In-
stitut für Waldinventur, Peter Schwarzbauer, Analyst holzbasierter Märkte, und
dem Holztechnologen Alfred Teischinger diskutieren wir über die Ergebnisse
und deren Auswirkungen auf Wald, Forst- und Holzwirtschaft.

Anne Isopp

Die Zwischenbilanz der Waldinventur Teischinger In der Landwirtschaft haben Schwarzbauer Da zeigt sich die zentrale
zeigt, dass sich die Zusammensetzung der wir jährlich etwa 5 Prozent Produktionszu- Rolle der Säge im Zusammenhang mit
Baumarten weiter verändert. Vor allem der wachs durch Züchtung. In der Forstwirt- Rohholzflüssen in Österreich. Sie ist einer-
Anteil der Fichte geht zurück. Was heißt schaft ist das vielleicht genauso möglich. seits der größte Abnehmer der Forstwirt-
das für die zukünftige Verfügbarkeit und Mit Selektionszüchtung sind wir aber noch schaft, andererseits ein wichtiger Produ-
Verwendung von Holz? nicht in der Gentechnik. zent von Schnittholz und Nebenprodukten,
die in die stoffliche und energetische
Schadauer Die Frage ist, in welchen Zeit- Schadauer Das sind 5 Prozent vom Zu-
Nutzung gehen.
räumen wir denken. In den nächsten paar wachs. Das ist sehr träge. In der Landwirt-
Jahren wird es keine großen Effekte geben. schaft arbeitet man von Jahr zu Jahr, wir
Noch einmal zurück zur Fichte: Sie haben
Aber in zwanzig bis dreißig Jahren wird aber müssen in Hundert-Jahr-Zeiträumen
vorhin gesagt, dass man auch über andere
dieser Umstand seine Auswirkungen haben. denken. Das Holz steht im Wald und kann
Baumarten nachdenken muss. Aber kann
Wir haben es mit einer stetigen Verände- genutzt werden. Aber langfristig sind wir
man die Fichten züchten, sodass man eine
rung im Vorrat und einer Verschiebung in der Forstwirtschaft dringendst aufge-
trockenresistentere Baumart bekommt?
von Nadel- zu Laubholz zu tun. Deshalb fordert, uns etwas im Hinblick auf die
muss man längerfristig über andere, auch Waldverjüngung zu überlegen. Großräu- Teischinger Da sind wir vielleicht bereits
fremdländische Baumarten nachdenken. mig auf die Fichte zu setzen, ist falsch. zu spät dran. Das Problem ist, dass sich
Dennoch ist die Flächenproduktivität bei die Holzindustrie derzeit keine Gedanken
Teischinger Österreich produziert jährlich
der Fichte viel größer als bei Laubholz. machen muss, weil sie die nächsten zwan-
etwa 2,3 Millionen Kubikmeter Holz für
zig Jahre noch genügend Holz hat. Doch
Produkte für den konstruktiven Holzbau. Teischinger Nicht nur die Flächenproduk-
der Forst muss bereits heute die Entschei-
Nur um dieses Marktsegment abzudecken, tivität, sondern auch der Anteil an säge-
dung treffen, welche Baumarten er in
werden 5 Millionen Kubikmeter Schnitt- fähigem Rundholz. Aus einer Fichte
Zukunft im Wald haben will. Ich als Holz-
holz benötigt. Dafür braucht die Säge- bekommt man viel mehr Sägebloche als
technologe kann nur raten: Versucht die
industrie jährlich 10 Millionen Festmeter aus einer Buche.
Jagd in den Griff zu kriegen, dann kann
Rundholz.
man auf Tannen setzen. Tanne und Dou-
Mit dem Rückgang der Fichte verliert der
Schwarzbauer Das geht sich derweil men- glasie sind für mich die zwei Alternativen
Wald also an Produktivität. Was heißt das
genmäßig noch aus, allerdings nur für aus holztechnologischer Sicht.
für die österreichische Forst- und Holzwirt-
dieses Marktsegment. Im Durchschnitt
schaft? Schwarzbauer Die Fichte wird es nach
der letzten zehn Jahre betrug das jährliche
wie vor geben, aber halt nicht flächen-
Sägerundholzaufkommen aus Österreich Teischinger Den Industriebetrieben für
deckend. Ein weiterer Rückgang ist auf
circa 10 Millionen Festmeter. die Weiterverarbeitung von Holz ist das
jeden Fall zu erwarten, man sollte aber
vielleicht egal. Das bereits getrocknete
Teischinger Ja, aber nicht mehr in allen nicht vergessen, dass in den letzten Jahr-
Schnittholz aus dem Ausland zu holen,
Qualitäten, daher wird auch aus den zehnten trotz Flächenrückgang eine
ist beispielsweise per Bahn kein Problem.
Nachbarländern importiert. Der Eigen- Zunahme des Vorrats erfolgt ist. Es wird
Zudem werden die Industriebetriebe
bedarf der Sägeindustrie ist gestiegen. schon noch einige Jahrzehnte dauern,
immer internationaler.
Aus reinen Sägewerken sind erst Leimbin- bis die Fichte „ausgeht“.
derwerke entstanden, später sind eigene Schwarzbauer Derzeit ist Österreich welt-
Brettsperrholzproduktionen hinzugekom- weit nach China einer der größten, in Was wäre eigentlich, wenn wir den Wald
men. Das heißt, das Holz geht vom Säge- manchen Jahren der größte Importeur von ganz der Natur überlassen?
werk direkt in die eigene Weiterverarbei- stofflich genutztem Rohholz. Es könnte
Teischinger Dann wachsen wir mit Buche
tung. Das hat es vor zwanzig Jahren in sich im Rohholzimport etwas verändern.
zu und mit Hainbuche.
diesem Ausmaß noch nicht gegeben.
Teischinger Holz besteht ja zu 30 Prozent
Schadauer Die Tanne gibt es dann kaum
Schwarzbauer Der Holzeinschlag der aus Wasser. Wird Rohholz importiert,
mehr. Die holt sich das Wild heraus. Die
letzten zehn Jahre ist beim Nadelholz zu transportiert man auch das Wasser. Wenn
Buchen werden wachsen. Ein bisschen
80 Prozent in die stoffliche Nutzung gegan- ich aber im Ausland schon trockenes
Fichte wird auch immer dabei sein.
gen und zu 20 Prozent in die energetische Schnittholz herstelle, bekomme ich eine
Verwertung, während beim Laubholz nur enorme Verdichtung im Material. Dann
Der Trend geht auch jetzt schon hin zu
30 Prozent stofflich genutzt wurden und aber hat die weiterverarbeitende Industrie
Laub- und Mischwäldern. Ist es nicht
70 Prozent in die energetische Verwertung keine hundertprozentige Verwertung
aufwendiger, diese Mischwälder zu be-
gingen. Das heißt, je mehr Laubholz wir des Rundholzes mehr und keine Säge-
wirtschaften und das Holz zu ernten als
haben, desto schwieriger wird es für die nebenprodukte. Die Zellstoffindustrie
Monokulturen?
Holzwirtschaft. wäre davon sehr betroffen.
Österreichische Waldinventur 2016 ⁄ 18

Wald – Holz – Klima


3,99 4,02
4,0 3,96
3,92
3,9 3,86 3,88

3,8 3,75
3,69
3,7

27
26
3,6
3,5
44 % 44,8 % 46 % 46,2 % 46,8 % 47,2 % 47,6 % 47,9 %
Schwarzbauer Das Herausholen ist weni-

zuschnitt 74.2019
3,4
ger kompliziert als das Sortieren. Das Holz
so zu sortieren, dass man eine sinnvolle 1971 1981 1986 1990 1996 2002 2010
Menge pro Liefereinheit, das heißt auch pro
nachgefragten Qualitäten bekommt, ist Waldfläche in Mio ha
Waldanteil in Österreich in %
eher die Schwierigkeit. Auf dem Markt zeigt
sich der schon länger bestehende Trend zu Die Waldfläche nimmt zu
mehr Laubholz nicht – im Gegenteil: Wäh- Die Waldfläche ist erstmals größer als 4 Millionen Hektar. Mit 47,9 % ist damit fast die Hälfte der österrei-
rend in den letzten Jahren der Einschlag chischen Staatsfläche Wald. Die Gründe für die Zunahme sind verschiedenartig und reichen von einem
von Nadelsägerundholz deutlich gestiegen Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Flächen in tieferen Lagen bis hin zu Almen, die nicht mehr be-
wirtschaftet werden.
ist, ist jener von Laubsägerundholz deut-
lich zurückgegangen. Die Verarbeitung ist
eindeutig auf Nadelholz ausgerichtet.
Teischinger Wir reden ja heute schon über Holznutzung auf hohem Niveau Baumartenverteilung im Wandel
Industrie 4.0, autonomes Fahren und so Derzeit liegt die Holznutzung bei 88 Prozent des Die Entwicklung zu mehr Laub- und Mischwälder
weiter. Also wird es auch für die Holzsor- jährlichen Zuwachses. In diesem hohen Nutzungs- hält an: Die Nadelholzbäume, vor allem die Fichte,
anteil spiegelt sich der gestiegene Bedarf an verlieren kontinuierlich an Fläche. Bei den Laubhöl-
tierung ganz neue Logistiksysteme geben.
Holz für stoffliche und energetisch Nutzung und zern hat vor allem der Anteil der Buche zugenommen.
Für mich als Holztechnologe ist es eine die hohen Schadholzmengen durch Stürme und
herrliche Zeit. Es ist eine Zeit der Umbrüche. Borkenkäfer der letzten Jahre wider. Diesen
hohen Bedarf konnte man auch decken, indem
Findet wirklich gerade ein Umbruch statt? man in den letzten Jahren die Holznutzung aus
Wäldern von Kleinwaldbesitzern forcierte.
Schadauer Ja, auf jeden Fall. Die Käfer- In Deutschland liegt der Nutzungsanteil bei Nadelholz
gesamt
Kalamitäten der letzten beiden Jahre wa- 63 Prozent und in der Schweiz bei 86 Prozent.
Eine hundertprozentige Nutzung ist nicht 61,4 %
ren eine Besonderheit, weil sie ohne vor- 2.000.000
möglich und wäre auch nicht nachhaltig, weil
hergehende Sturmschäden aufgetreten
in dieser Berechnung auch Naturschutzgebiete
sind. Das hat es davor nie so gegeben. Bis enthalten sind sowie Flächen, die nicht wirt-
dahin gab es die durch Käfer hervorgeru- schaftlich sinnvoll genutzt werden können,
fenen Schäden immer nur im Jahr nach zum Beispiel steile Hanglagen.
einem Sturmschaden, wenn man das Holz Fichte
49,2 %
nicht rechtzeitig aufarbeiten konnte. Das 1.500.000
war ein klassischer Zusammenhang, und
der ist jetzt auf einmal völlig durchbro-
chen worden. Es gab kein Sturmereignis 35
im Wald- und Mühlviertel und dennoch
aufgrund des Klimawandels und der damit
30
verbundenen Trockenheit enorme Schäden
durch Borkenkäfer. 1.000.000
85,2 % 88 %
25 Laubholz
Teischinger Ich glaube auch, einen gene- gesamt
rellen Wandel in der Verfügbarkeit und 25,5 %
dem Umgang mit Ressourcen erkennen zu 20 71 % 60 %
können. Und dieser Wandel sollte sich
auch in der Architektur und Holznutzung 15
500.000
abzeichnen.
10 Buche
10,2 %
Klemens Schadauer ist Leiter des Instituts für Wald-
inventur am Bundesforschungszentrum für Wald 5
Peter Schwarzbauer ist Analyst holzbasierter Märkte
und Professor an der boku Wien sowie Key-Resear-
0 0 ha
cher des Teams „Marktanalyse und Innovationsfor-
schung“ im Kompetenzzentrum Holz (Wood K plus) 1992 ⁄96 2000 ⁄02 2007 ⁄09 2016 ⁄ 18 1992 ⁄96 2000 ⁄02 2007 ⁄09 2016 ⁄ 18
Alfred Teischinger ist Holztechnologe und Professor Zuwachs in Mio Vorratsfestmeter (Vfm) Nadelholz in ha und Anteil an Ertragswaldfläche in %
an der boku Wien Nutzung in Mio Vfm und Nutzungsanteil in % Laubholz in ha und Anteil an Ertragswaldfläche in %
Holz(an)stoß Mark Dion

Mark Dion, geboren 1961 in


New Bedford, Massachusetts,
lebt und arbeitet in
New York

Einzelausstellungen
(Auswahl)
2019 The Life of a Dead Tree,
moca – Museum of
Contemporary Art, Toronto
To Watch, to Cut, to Capture,
to Kill, to Collect, Galerie
Nagel Draxler, Köln
2018 Cabinet of Wonder, Gathering
Place, Tulsa⁄ US
Gesammelte Sammler. Die
materielle Kultur der Feldfor-
schung, Naturkundemuseum,
Berlin
2017 ⁄ 18 The Tar Museum, nhm –
Naturhistorisches Museum,
Wien
2017 American Politics – Dirty
Tricks, Galerie Georg Kargl, Dauerinstallation „The Undisciplined Collector“ von 2015 im Rose Art Museum
Wien
2016 ⁄ 17 The Wondrous Museum of
Stefan Tasch
Nature, Kunstmuseum,
St. Gallen
2016 The Library for the Birds of In seinen Installationen, Zeichnungen und Fotos generell gelesen werden. Dion trug aus verschie-
New York and Other Marvels, setzt sich der us-amerikanische Künstler Mark Dion denen Sammlungen der Brandeis University, zu der
Tanya Bonakdar Gallery, seit den 1980er Jahren mit der Natur und ihrer das Rose Art Museum gehört, Dinge zusammen
New York Repräsentation durch den Menschen auseinander. und transferierte sie in ein Setting, das Chaos und
2015 ⁄ 16 Against the Current,
Die Bedrohung der Umwelt und der Artenvielfalt Ordnung gleichermaßen veranschaulicht. Zeitlich
Ormston House, Limerick⁄ IE
infolge der Industrialisierung sowie die Politik der ist der zur Gänze in Holz ausgekleidete Raum in
Gruppenausstellungen musealen Repräsentation stehen dabei immer wieder den 1960er Jahren zu verorten. Dion nahm das
(Auswahl) im Zentrum seiner künstlerischen Auseinander- Gründungsjahr des Museums 1961 zum Anlass, eine
2019 Tierischer Aufstand. 200 Jahre setzung. Formal und inhaltlich spielt der historische Art Zeitkapsel zu konstruieren, in der nicht nur die
Bremer Stadtmusikanten in Zeitraum zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert – unterschiedlichen Holzarten des Mobiliars und der
Kunst, Kitsch und Gesellschaft,
Kunsthalle Bremen, Bremen
die Zeit der historischen Wunderkammern, jener verwendeten Furniere, sondern auch die darin aus-
Ding⁄ Unding. Die Entgrenzung Sammlungskonzepte aus der Frühphase der Museums- gestellten Gegenstände eine Art Sediment bilden
des Künstler*innenbuchs, geschichte, in denen verschiedenste Objekte von und eine komplexe zeitliche Zusammenführung er-
Graphische Sammlung überall her gemeinsam präsentiert wurden – möglichen. Objekte aus unterschiedlichen Epochen,
eth Zürich, Zürich eine ebenso wichtige Rolle für Dion wie die frühen wie Skulpturen aus byzantinischer Zeit, Gemälde
2018 ⁄ 19 Nature’s Nation: American
naturkundlichen Museen des 19. Jahrhunderts mit und Drucke aus dem 17. Jahrhundert oder chinesi-
Art and Environment, Prince-
ton University Art Museum,
ihrem wissenschaftlichen Anspruch und den dafür sche Schnupftabakflaschen, zeigen die unterschied-
Princeton⁄ US entwickelten Ordnungs- und Sammlungssystemen. lichen Sammlungsaufträge, aber letztlich auch die
2017 ⁄ 18 Naturgeschichten. Spuren Dion hinterfragt und kommentiert dabei kritisch persönliche Handschrift aller Kuratoren und Muse-
des Politischen, mumok, Wien und zugleich ironisch die Kriterien und Werte des umsdirektoren. Dabei kommen skurrile Vorlieben
Diorama. Erfindung einer Museums. Die Taxonomie, also die Unterteilung zutage, die Dion recht zu geben scheinen, dass
Illusion, Schirn Kunsthalle
der natürlichen Welt in Klassen und Unterklassen, Museen keineswegs Orte der Objektivität sind.
Frankfurt, Frankfurt
Cupboard Love, Gewerbe-
ist ein vom Menschen entwickeltes Ordnungssys- Dion vermeidet didaktische Maßnahmen wie Wand-
museum, Winterthur tem, das nach Dions Ansicht keine ganzheitliche texte, um dem Besucher freie Assoziationen zu er-
2016 Don’t Look Back: The 1990s Widerspiegelung der Natur darstellen kann. möglichen. Er befreit ihn von der Rolle des passiven
at moca, The Geffen Das hier abgebildete Werk „The Undisciplined Informationsempfängers und schickt ihn als
Contemporary at moca, Los Collector“, das Dion als Auftragsarbeit und Dauer- Wanderer und Forscher auf eine kulturelle Reise.
Angeles
installation für das Rose Art Museum in Waltham,
Come As You Are: Art of the
1990s, Blanton Museum of Massachusetts, konzipierte, kann als ironische Stefan Tasch
Art, University of Texas, Anspielung auf die bereits erwähnten Ordnungs- Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh,
Austin systeme und den Sammlungsauftrag von Museen Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien