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Otto O.

Kurbjuweit

ANLAGEN-PLANUNG
für vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb

Grundlagen, Konzepte, Entwürfe, Praxisbeispiele


Holz-Schleiferei I EG GS

Sieber
Kohlen- und
Baustoffe

±0
Holz-Schleiferei II Ladestraße
- 2,5 - 21 (ehem. Bw)

0,5 1,0 2,0 m


A
- 10

Paradies
- 19 - 10
-5
+6
+ 10
- 15

+ 10
Königsgrube
- 7,5

0

,Z

¯ 0

0

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'
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MIBA-Autor Rüdiger Eschmann ist einer der wenigen echten
Modellbahn-Planungsprofis. Er verfügt über langjährige Er-
fahrungen bei Konzeption, Planung und Umsetzung von Anla-
genentwürfen. Alle Pläne, die er in dieser MIBA-Planungshilfe
vorstellt, sind tatsächlich in Form von Modellbahn-Anlagen
realisiert worden – aus der Praxis für die Praxis. Stets bilden
seine Entwürfe die Grundlage für ebenso betriebsintensive
wie schön gestaltete Modelleisenbahnen. Überdies liefert der
Planungsspezialist zu jeder Anlage auch die exakten Gleis-
verläufe „unter Tage“. Die detailreichen und sorgfältig be-
schrifteten Anlagenentwürfe lassen die exakten Gleisverläufe
bis hin zu den einzelnen Gleisstücken erkennen, was einen
bequemen Nachbau erleichtert. Besonderer Wert wurde bei
allen Plänen auf die Realisierbarkeit von Radien und Stei-
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EIN WORT ZUVOR

D as entscheidende Erlebnis, das mich ge-


prägt hat, fand statt als ich sieben oder
acht Jahre alt war. Ich war mit meiner Mutter
Peripherie des Gartens entlang führte und da-
mit große Kreise beschrieb, zog ich meinen
Zug geradlinig quer durch den Garten bis zum
den ganzen Tag lang mit dem Zug unterwegs gegenüberliegenden Zaun. Dort kuppelte ich
gewesen. Bei einbrechender Dunkelheit ka- die Lok ab und zog sie ans andere Ende des
men wir an unserem Wohnort an, besser ge- Zuges, kuppelte sie dort an, und fuhr den gan-
sagt an dessen Bahnhof. Das war die Endsta- zen Weg zurück. Die weitere modellbahneri-
tion einer kurzen Stichstrecke in Thüringen. sche Laufbahn jenes Freundes ist mir nicht
Wir waren zum Umfallen müde. bekannt, vielleicht fährt er immer noch im
Dennoch war ich, nachdem wir ausgestie- Kreis. Wie so viele andere auch …
gen waren, nicht von der Stelle zu kriegen. Ich Bei mir ging das nicht. Ich hatte als Sieben-
musste erst noch einem Schauspiel beiwoh- jähriger dieses bewusste Wahrnehmen des
nen: Dem Schauspiel, wie die kleine Tender- Eisenbahnbetriebes erlebt. Seither ist es im-
lokomotive (ich vermute, es war eine 64 oder mer mein Bestreben gewesen, auch auf der
86) vom Zug abkuppelte, vorzog, dann mit Modellbahn Betrieb zu machen, so vorbildent-
kräftigem Auspuffschlag hinter dem Zug vor- sprechend, wie es unter den jeweiligen Vor-
aussetzungen möglich ist. Und des-
halb habe ich diese Broschüre ver-

Von Minimax
fasst. In ihr versuche ich zu zeigen,
wie man Anlagen so plant, dass auf
ihnen Betrieb ablaufen kann, der
dem des Vorbildes nahe kommt.

zu Midimax Ein Bekannter hat mich einmal


einen Modellbahn-Ideologen ge-
nannt, weil ich einen Aspekt der
Modellbahnerei so überbe tone.
Meinetwegen, sei’s drum. Um für
beidonnerte, an dessen anderem Ende wieder meine Auffassung zu werben, habe ich mir al-
auftauchte und sich schließlich nach dem Stel- lerhand einfallen lassen. Das fängt bei der
len der letzten Weiche vor ihren Zug setzte. Kreation neuer Begriffe an, wie etwa das Prin-
Erst dann war ich bereit, nach Hause mitzuge- zip der absoluten Nähe (PAN) und geht so weit,
hen. Dieses Schauspiel namens Umsetzen hat dass ich tatsächlich in einem Kapitel (Voll-
sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Der bach) zeige, wie man aus einem gewöhnlichen
Leser wird in diversen Kapiteln bemerken, wie Feld-Wald-und-Wiesen-Oval eine Betriebsan-
sehr das Umsetzen mein modellbahnerisches lage entwickeln kann.
Denken bestimmt. Dennoch stammt die ursprüngliche Idee zu
Etwa ein Jahr nach dem geschilderten Ereig- dieser MIBA-Planungshilfe nicht von mir. Vor
nis zog eine Familie mit einem Jungen in mei- einigen Jahren brachte mein Freund Herbert
nem Alter ins Dorf. Ich weiß nicht mehr, wie er Fackeldey die Broschüre „MINIMAX-Anlagen“
hieß, aber dass er eine Holzeisenbahn besaß, heraus. Untertitel: Maximaler Betrieb auf mi-
erinnere ich sehr wohl. Mehrere Lokomotiven nimaler Anlagengröße. Die von mir vorgestell-
mit „Kohlenwagen“, also Schlepptender, und ten Anlagen – teils reine Vorschläge, teils aber
eine ganze Reihe von Güter- und Personenwa- auch tatsächlich gebaute – sind alle deutlich
gen; ich vermute mal etwa in der Größe von größer als die seinerzeit von Herbert Fackel-
Spur I oder II. Wir bildeten daraus lange Züge dey gezeigten. Aber groß sind sie deshalb noch
und fuhren damit durch den Garten; ohne Glei- lange nicht. Zwischen 2,2 m2 und dem Zehn-
se, einfach gebückt an den Lokomotiven zie- fachen davon bewegen sich die Anlagenmaße.
hend. Von daher könnte man auch von MIDIMAX-
Aber wir gingen unterschiedlich vor: Wäh- Anlagen sprechen. Da ist bestimmt für jeden
rend mein neuer Freund seinen Zug an der etwas dabei. Otto O. Kurbjuweit

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 3
Otto O. Kurbjuweit, Jahrgang 1940, bekam mit zwölf Jahren seine
erste „elektrische Eisenbahn“ (Märklin H0) und baute mit 18 an
seiner ersten Schmalspur-Anlage, der „Mittel-Harz-Bahn“ (H0m).
Nach dem Studium wurde er Gymnasiallehrer. Eine LGB-Periode mit
point-to-point-Gartenbahn schloss sich an; 1979 Gründung des
Fremo (Freundeskreis Europäischer Modellbahner) und 1980
Initiierung des ersten deutschen Modulsystems (FREMOdul). 1993
begann der Bau der ersten „Braunlage-Andreasberger-Eisenbahn“
(BAE I) in Baugröße 0m. 1994 Bau der BAE II in Bremen; 2004 Um-
zug von Bremen nach Hamm, seither Bau der BAE III gemeinsam
mit einem knappen Dutzend Freunden. Otto O. Kurbjuweit ist Ver-
fasser zahlreicher Bücher und Broschüren.

Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek


verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte
bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.dbb.de abrufbar.

ISBN 978-3-89610-287-4

©2012 by VGB Verlagsgruppe Bahn GmbH


MIBA-Verlag, Fürstenfeldbruck

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, Reproduktion und Vervielfältigung – auch auszugsweise und


mithilfe elektronischer Datenträger – nur mit vorheriger schriftlicher
Genehmigung des Verlages.

Der Einsatz der in dieser Publikation beschriebenen Werkzeuge und


Materialien erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen. Die geschilderten
Vorgehensweisen und alle Ratschläge sind praxiserprobt. Dennoch ist eine
Haftung des Autors und des Verlages und seiner Beauftragten für
Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

Redaktion: Lutz Kuhl, Martin Knaden, David Häfner

Repro: Akkolade-Verlag-Service Hagen GmbH

Gesamtherstellung: WAZ-Druck, Duisburg

4 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
INHALT

Ein Wort zuvor


Von Minimax zu Midimax 3
Neue Anregungen und kein Ende …
Noch ein Buch mit Anlagenplänen? 6
Klare Motive sorgen für langanhaltende Freude
Warum wollen wir eine Anlage bauen? 8
& Bestens situiert
Was macht eine gute Anlage aus? 12
Viele Modellanlagen werden mit Designfehlern gebaut. Da-
38 bei ließe sich mit einfachen Änderungen viel erreichen.
Des Deutschen liebstes Anlagenkonzept
Und was machen wir jetzt damit? 16
Nicht nur eine Frage der Definition …
Kann eine Modellbahnanlage Kunst sein? 20
Ein Thema mit Variationen
Vollbach – die Weihnachtsanlage 22
Vom Oval zur linearen Anlage
Machen wir’s den Großen nach 34
Einige Grundlagen zur Anlagenplanung
Die Ausnutzung des vorhandenen Raums 38
Ein realisierter Kindheitstraum in H0
Die Friedenfelser Lokalbahn 44
Betrieb mit virtuellen Bahnhöfen
Aus einem perfekt getarnten Fiddleyard kommt dieser Güter- Die Briloner Waldbahn 52
44 zug. Fiddleyards eignen sich als Verbindung in die weite Welt.
Berninabahn-Ableger mit Ideen aus dem Sauerland
GS
In die Berge nach Minas da Fier 58
EG
2
Point-to-point in 0e auf 2,65 m
Die Steyrische Pyritbahn 63
Kohlen- und
Baustoffe Vorbildlicher Betrieb auf der Siebertalbahn
Von der Königsgrube zum Paradies 72
Autostellplatz dreidimensional umgenutzt
Holz-Schleiferei II Ladestraße
(ehem. Bw) Doppelbödig in der Garage 82
Eine Stichbahn am Westrand des Thüringer Waldes
Sieber Die Luttergrundbahn 88
Spitzkehrenparadies Deutschland

Umsetzen ist das Salz in der Modellbahnbetriebssuppe. Zu-


Kopfmachen und weiterfahren 96
72 mal, wenn es wie in Sieber eine Spitzkehre erfordert. Die sichtbare Schwester der Wendel
Designtrumpf Spiralen 100
Dritte Etage
„Zackige“ Super-Spiralanlage
Obere Ebene
Zwengen
Mit IC und HFy auf die Kleine Scheidegg 108
Am Wisser Bach entlang nach Norden
Verborgenes Wissen im Bergischen Land 112
Eine vertikale Weiche, die „klappt“
Kleine
Scheidegg Anderthalb Etagen im Regal 122
Na, gehts noch? – TT-Betrieb auf 0,7 x 1,8 m
Darf es noch etwas kleiner sein? 124
Anlagenzugewinn in der dritten Dimension
Sehr Gutes noch besser machen 126
Anhang
Modellbahnbetrieb macht zu zweit nicht doppelt so viel Spaß, Anglizismen sind Bullshit! 130
108 sondern zehnmal. Gut, wenn das vorher berücksichtigt wurde. Was ist Prototype freelancing? 130
Vorbildgerechte Anlagen-Planung 5
Sicherlich werde auch ich es nicht
schaffen, einen Modellbahner, der nur
seinen herumrauschenden Zügen
nachschauen will, dazu zu bringen,
stattdessen nach Fahrplan zu fahren
und mit allen Mitteln der Kunst die Be-
triebsabläufe des Vorbildes nachzustel-
len. Die klugen Coaches und Lebensbe-
rater, die heute allenthalben verkün-
den, wie wir unser Leben verbessern
können, sagen frei heraus, dass man in
einem Menschen nur das lebendig ma-
chen kann, was schon in ihm angelegt
ist. Und genau deshalb möchte ich nie-
manden „rumkriegen“. Vielmehr wer-
de ich mich ganz darauf konzentrieren,
die Modellbahner, die sich nach sinn-
erfüllter und befriedigender Beschäfti-
gung mit ihrer Modelleisenbahnanlage
sehnen, mit Tipps und Tricks, mit Infor-
mationen und Gedankenanstößen zu
versorgen, die sie der Erfüllung dieses
Wunsches näher bringen.
Neue Anregungen und kein Ende … Apropos Sehnen. Hermann Hesse hat
einmal gesagt: „Das Amt des Dichters

Noch ein Buch mit ist nicht das Zeigen der Wege, sondern
das Wecken der Sehnsucht.“ Nun bin
ich ja weiß Gott kein Dichter und darf
mir daher meine eigene Variante dieses

Anlagenplänen? Mottos bilden, die da heißt: Ich möchte


sowohl die Sehnsucht wecken nach ei-
ner auf Dauer erfüllenden Beschäfti-

D eutschland ist anscheinend das


Wunderland der Anlagenplanungs-
bücher. Weder in Großbritannien noch
sichbar und dem Leser beim ersten
Durchblättern aufgefallen sein: Es gibt
hier im Verhältnis zum Umfang relativ
gung mit einer Anlage, aber ich sehe es
auch als meine Aufgabe an, Wege dahin
zu entwickeln und aufzuzeigen.
in den USA, den klassischen weit ent- wenige Pläne. Und sie sind im Allge- Generell habe ich den Eindruck, dass
wickelten Modellbahnländern, existiert meinen weniger „schön“ als in anderen es relativ viele Modellbahner gibt, die
auch nur annähernd eine derartige Büchern dieses Genres. Dafür gibt es im Prinzip dem Betriebsgedanken po-
Flut an Büchern mit Gleisplänen wie deutlich mehr Text. sitiv gegenüber stehen, aber doch ei-
hierzulande. Man könnte sagen, dass nen gewissen Horror vor all diesem
wir eine hoch entwickelte Planungskul- Auf den Spuren der Altmeister Vorbildwissen spüren, das man angeb-
tur haben, in der sich eine wachsende – jedenfalls fast lich haben muss: Erstellen von Buch-
Schar von Designern in grafisch immer und Bildfahrplänen, Zugbildungsvor-
aufwändigeren und „schöneren“ Ent- Wenn trotz der vielen Anlagengleis- schriften, Fahrdienstvorschriften und
würfen und Renderings ergeht. Ande- planbücher relativ wenige reale Umset- und und …
rerseits gibt es gerade in den USA – da zungen erfolgen, so muss das Gründe Deswegen möchte ich versuchen, an-
kenne ich die Szene einigermaßen gut haben. Ich denke da beispielsweise an hand der vorgestellten Anlagenpläne
– wesentlich mehr Publikationen mit die phantastischen Bücher meines al- kleinschrittig darzustellen, wie man auf
gebauten Anlagen. Speziell auch mit ten Weggefährten Ivo Cordes oder an ihnen ohne all das große Vorbildwis-
solchen, die Bestand haben und regel- den von mir hochverehrten, leider allzu sen, ohne eine perfekte Organisation,
mäßig betrieben werden. Ich spreche früh verstorbenen Michael Meinhold. ohne Regelwerke und Systematiken Be-
wohlgemerkt von privaten, fest instal- So unterschiedlich der Stil dieser bei- trieb machen kann. Was ich mir nicht
lierten Heimanlagen. Also weder von den Koryphäen ist, können doch die immer werde verkneifen können, sind
Modularrangements, noch von kom- meisten ihrer Pläne ohne Zweifel das ein paar Anspielungen auf wohlfeile
merziellen Schauanlagen. Gütesiegel „betriebsorientiert“ erhal- Formulierungen, die in einschlägigen
Schenkt man den Verlegern Glauben, ten. Und dennoch ist der Nachah- Broschüren stets wiederkehren, die
ist der Durst nach Anlagenplänen wei- mungseffekt bescheiden. Im Grunde aber nicht wirklich hilfreich sind. Bei-
terhin ungestillt. Insofern macht es also versuche ich in die gleiche Kerbe zu spielweise, dass ein Anlagenplan „viele
Sinn, auch dieses Werk auf den Markt schlagen, wie die beiden genannten Rangiermöglichkeiten“ aufweise.
zu bringen. Immerhin hat es den An- Altmeister. Aber ich will es nochmal an- Stattdessen versuche ich ganz kon-
spruch, nicht nur einfach „noch eins“ ders probieren, eben mit meinen eige- kret darzustellen, wie man auf einer
zu sein, sondern soll ein paar neue Ak- nen Mitteln. Und mit meinen Ideen. bestimmten Anlage sinnvoll rangiert
zente setzen. Das wird schon äußerlich Ob’s hilft? und möchte zeigen, dass das auch auf

6 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
ganz kleinen Systemen möglich ist. So- lare sich überproportional entwickelt nicht so sehr mit der Umsetzung kon-
gar auf einer Platte mit wenig mehr als hat und das klassische Anlagenbauen kreter Vorbildsituationen ins Modell.
einem Oval. dadurch zu stark in den Hintergrund Ich hänge da mehr dem Prinzip an, das
Als ich zu Beginn schrieb, dass meine gedrängt worden ist. Und das ist sehr, die Amerikaner „prototype freelancing“
Pläne nicht so hübsch ausstaffiert wä- sehr schade, es ist im höchsten Grade nennen. Was man genau darunter ver-
ren wie andere, bedeutete das auch, bedauerlich. Modulsysteme sind her- steht, wird im Anhang noch eingehend
dass sie nicht auf den handelsüblichen vorragend dazu geeignet, um zu ausge- erklärt.
Stückgleissystemen basieren. Meines dehnten linearen Systemen zu kom- Summa summarum ist dies also kein
Erachtens nützt ein Plan, der exakt an- men, deren Komplexität schon die Buch zum genüsslichen Blättern, mit
gibt, wie man ihn mit Marklin-C-Gleis Netzstruktur der großen Eisenbahn er- dem wir unverbindlich und zweckfrei
(oder Roco-Elite, was auch immer) um- kennen lässt und auf denen daher ein ein paar nette Stunden verbringen kön-
setzen kann, nur einer Minderheit von sehr vorbildnaher Betrieb organisiert nen. Vielmehr ist es ein Arbeitsbuch,
potentiellen Interessenten. werden kann. Das war ja auch der ei- das den Leser immer wieder heraus-
Hinzu kommt, dass kaum jemand ge- gentliche Grund dafür, dass ich mich fordert, ihn hoffentlich aber immer
nau die Raummaße zur Verfügung hat, seinerzeit dafür so stark gemacht habe. wieder auch dem Ziel, eine Anlage zu
auf denen der gedruckte Entwurf ba- besitzen und auf ihr vorbildentspre-
siert. Ist die real vorhandene Fläche Die Schaffung eines chenden Betrieb zu machen, näher
auch nur wenige Zentimeter kürzer Gesamtkunstwerkes bringt. Ganz so, wie Don Mitchell es
oder schmäler, sind alle Stücklisten einst im „Layout Design Journal“ 3/89
hinfällig, dann passt nichts mehr. Wei- Es bleibt dabei aber ein ganz anderer ausdrückte:
terhin gehe ich davon aus, dass ein vor- Aspekt der Modellbahnerei im wahrs- „Good layout design results from a lot
geschlagener Gleisplan nur im Prinzip ten Wortsinn auf der (modularen) Stre- of hard work based on equally hard
der Richtige ist. Sicher wird der poten- cke: Das Ersinnen, Konzipieren, Planen study of what has been published – all
tielle Nachbauer ihn hier und da und und Designen von Anlagen, die unter the Armstrong books, all the NMRA
dort an seine speziellen Vorstellungen, Aufbietung aller Geisteskräfte und al- data, all the design and layout articles
Vorlieben und Gegebenheiten anpas- len kreativen Potentials einen gegebe- published in the last 30 or so years. As
sen wollen. Und der Hammer ganz zum nen Raum in allen drei Dimensionen unappealing as that may sound, I have
Schluss: Kreativer Anlagenbau erfolgt optimal nutzen. Dabei schaffen sie in no other „easy“ solution.“*
nach meiner Auffassung weitestgehend ästhetisch überzeugender Weise ein
mit Flexgleis; das ist preisgünstiger, kohärentes Setting. Kurzum, es geht *„Gutes Anlagendesign ist das Ergeb-
eleganter und individueller. um die Einbettung des Betriebsgesche- nis von harter Arbeit, die auf dem Stu-
Ach ja, ehe ich es vergesse: Es gibt hens in ein landschaftlich und wirt- dium all dessen basiert, was dazu ver-
noch einen Aspekt, der für meine Denk- schaftlich wiedererkennbares Bühnen- öffentlicht worden ist – all die Arm-
weise und damit auch für dieses Buch bild, ein Gesamtkunstwerk. Daher ver- strong-Bücher, alle NMRA-Datenblätter,
typisch ist. Wie auch an anderer Stelle suche ich, diesem Aspekt in meinem alle Design- und Anlagenplanungsarti-
erwähnt, bin ich nicht ganz unschuldig Buch besonderen Raum zu geben. kel, die in den letzten 30 Jahren veröf-
am Aufkommen des modularen Modell- Ein letztes Wort zu den „Vorbildern“. fentlicht worden sind. So unschmack-
bahnwesens in Deutschland. Heute bin Anders als etwa Michael Meinhold oder haft das klingen mag, ich sehe keine
ich eher der Meinung, dass das Modu- in Teilen auch Ivo Cordes habe ich es andere „leichte“ Lösung.“

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 7
Klare Motive sorgen für langanhaltende Freude Es machte mir Spaß, aus dem Schat-
tenbahnhof einen der dort abgestellten

Warum wollen wir


sechs Züge auf die Hauptstrecke zu
schicken und ihn bei der Fahrt zu be-
obachten. Die Planung mit den vielfäl-
tigen Rangiermöglichkeiten im Kurort-

eine Anlage bauen? Bahnhof erwies sich als weitgehend


überflüssig. Natürlich fuhr ich ab und
an einen Zug in den Kurort. Doch statt,
wie ursprünglich vorgesehen, dort die
Fast jede Modelleisenbahn ist interessant zu bauen. Das Ge- Lok dann ans andere Zugende zu set-
zen oder im Betriebswerk abzustellen,
heimnis des Erfolges ist, eine zu bauen, die Bestand hat, weil sie um mit einer anderen Maschine die
gut geplant war – das schrieb Tony Koester in seinem Editorial Rückreise anzutreten, griff ich auf
zu Model Railroad Planing 1995. Dem ist nichts hinzuzufügen – Triebwagen oder auf Wendezüge zu-
rück ...
doch welche Motive bringen jemanden dazu, eine Modellbahn zu Güterzüge drehten ohnehin nur auf
bauen? der Hauptstrecke ihre Runden. Vom
Zusammenstellen von Nahgüterzügen,

I ch denke, wer dieses Heft erworben


hat, trägt sich auch tatsächlich mit
der Absicht, eine Modellbahnanlage zu
Akt größerer Tragweite seiner wirkli-
chen Bedürfnisse und Motivationen be-
wusst zu werden.
die die Eisengießerei bedient hätten,
keine Spur. Bei meinem Spiel wurde
mir schnell klar, dass ich die Anlage of-
bauen. Es mag seltsam klingen, aber so Nun aber endlich zur Modellbahn- fensichtlich an meinem tatsächlichen
selbstverständlich ist das nicht. anlage. Mit ihr kann man sich genauso Bedarf vorbeigeplant hatte. Über meine
Schließlich haben viele Menschen, die vertun, wie auf jedem anderen Gebiet. eigenen Motive bin ich mir heute, sie-
sich Modellbahner nennen, gar keine In einer alten MIBA schrieb ein gewis- ben Jahre nach Baubeginn, nicht mehr
– warum auch immer. Und diejenigen, ser K.R. unter der Überschrift „Die Un- ganz im Klaren.“
welche die feste Absicht haben eine zu vollendete“ über seine Anlage: „Aus Fehlern wird man klug“, sagt
bauen, sind sich längst nicht immer „Wie wohl bei vielen Modelleisen- das Sprichwort. Äußerst praktisch
über ihre Motivationen und Ziele im bahnern kommt das Spiel mit der ferti- wäre es, wenn das automatisch von-
Klaren. gen Modellbahn, so sie überhaupt je statten ginge. In Wirklichkeit ist es so,
Manche bauen sich ein Haus ohne dieses Attribut verdienen sollte, zu dass man erst einmal bereit sein muss,
Keller. Dafür aber mit einem riesigen kurz. Bei mir war das jedenfalls so. sich auf dieses Klugwerden einzulas-
repräsentativen Wohnzimmer, obwohl Erstens wurde die Anlage nie wirklich sen. Den ersten und wichtigsten Schritt,
sie gar nicht den dazu passenden Le- fertiggestellt, zweitens habe ich von nämlich den gemachten Fehler zu er-
bensstil führen. Ähnliche Fehler kann den zahlreichen Rangiermöglichkeiten kennen, hat MIBA-Autor K.R. schon
man beim Kauf eines Autos machen nie Gebrauch gemacht. Ich ließ die getan, indem er sagt, dass er offen-
oder beim Buchen einer Urlaubsreise. Züge meist einfach kreisen. Jawohl: sichtlich an seinen wirklichen Bedürf-
Immer zahlt es sich aus, sich vor einem kreisen! nissen vorbei geplant habe. Dann kann
er sich jetzt daran machen, diese her-
auszufinden.
Wenn er nun also festgestellt hat, dass
er keine Lust hat, im Kopfbahnhof des
Kurortes die Lok ans andere Zugende
umzusetzen, wenn er die Güterzüge lie-
ber kreisen lässt, als einzelne Wagen da-
raus bei der Eisengießerei zuzustellen,
also zu rangieren, dann ist doch im
Grunde alles in Butter. Denn genau das
geht doch ganz offensichtlich mit der An-
lage, die er beschreibt. Er müsste doch
eigentlich ganz zufrieden sein. Aber ir-
gendwie klingt sein Fazit eher mürrisch
und unzufrieden, eher nach Irrtum und
Fehlschlag.
Frei interpretiert beschleicht ihn ver-
mutlich ein „Das-kann-doch-nicht-al-

„So, das Steuerungsprogramm für den Schat-


tenbahnhof ist fertig. Jetzt könnten wir doch
allmählich die Gleise verlegen und mit der
Planung für die oberirdische Anlage anfan-
gen, oder?“

8 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
les-gewesen-sein“-Gefühl. Begleitet ist Für den Verfasser ist
dieses Gefühl vielleicht noch von dem die Sache klar – er
Eindruck, das bisschen Im-Kreis-Fah- möchte auch bei der
ren und Mit-dem-Triebwagen-pendeln Modellbahn haupt-
hätte den ganzen Bau- und Gestal- sächlich Lokführer
tungsaufwand nicht gelohnt. Also, da sein, so wie damals
würde ich ihm gerne beipflichten. Nun vor über dreißig Jah-
habe ich das Schicksal von K.R. nicht ren bei der Dampf-
weiter verfolgt und weiß daher nicht, Kleinbahn Mühlen-
ob er eventuell die Anlage kassiert und stroth.
eine neue gebaut hat. Eine, die nur aus
einer langen zweigleisigen Ringstrecke
mit Schattenbahnhof besteht, auf de-
nen er all seine Züge zu seiner Freude
„kreisen, jawohl, kreisen“ lassen kann
und sonst nichts.
So einfach scheint das also nicht zu
sein, mit den eigenen Motiven. Tief im
Innern von K.R. wohnt möglicherweise sein Freund oder gar er und ein ganzer keine Anlage wollen. Sie wollen Model-
der Wunsch, mit seinen Zügen mehr zu Freundeskreis? In neunzig Prozent der le besitzen und in Vitrinen stellen. Man-
tun als sie kreisen oder halbautoma- Fälle wird wohl das erste Szenario ein- che stellen die eine oder andere Lok
tisch pendeln zu lassen. Sonst hätte er treten. Es ist immer wieder frappie- noch auf einen sogenannten Rollen-
ja die Rangiermöglichkeiten und das rend, dass Modellbahner ohne jegli- prüfstand. Welche Rolle da geprüft
Lokwechsel-Bw am Kopfbahnhof nicht chen Mitstreiter eine Anlage planen wird, bleibt unklar. Aber immerhin
eingeplant und eingebaut. Oder aber er und teilweise auch bis zu einem gewis- wird auf solche Weise bewiesen, dass
hat seinerzeit in der MIBA, ihrem Teil- sen Grade bauen, deren Betriebsab- die Lok einen Antrieb hat. Diese Leute
zeitableger Bahn&Modell oder einer wicklung mindestens ein halbes Dut- sind aber gar nicht meine Kunden und
anderen Fachzeitschrift gelesen, dass zend versierter Betriebsmodellbahner ich lasse sie gern in Ruhe. Lieber wid-
es in ist, zu rangieren, dass man nicht erfordern würde. Das erinnert ein we- me ich mich den K.R.s im Lande, von
nur einfach so herum fährt. Das trotzi- nig an Napoleon, der meinte, gleichzei- denen es vermutlich viele Tausend gibt.
ge „Jawohl, kreisen!“ weist in diese tig in Italien und Spanien, in Preußen Ebenso klar wie die Vitrinenfreunde
Richtung. und in Russland Krieg führen und am finde ich die, die genau wissen, dass sie
Macht man sich daran, eine Anlage Ende siegen zu können. ihre Züge von einem bestimmten
zu planen, sollte einem zunächst der Nun, er hat, wenn auch spät, leidvoll Standpunkt aus immer wieder vorbei-
eigene innere Ansatz klar werden. Bin erfahren, dass das nicht geht. Eine fahren sehen wollen, ganz wie im rich-
ich Eisenbahnfan, der den Zügen am ähnliche Erfahrung wird wohl auch ei- tigen Leben. Sie bleiben auch im Modell
Bahndamm und auf Brücken auflauert nen solchen Modellbahner heimsu- Eisenbahnfreunde. Keine Diskussion.
und sich an ihrem Vorbeirauschen er- chen. Denn es geht genausowenig, als Kommen wir zu den Klein-Grubes.
götzt? Einzelkämpfer den Durchgangsgüter- Sie sind die Modelleisenbahner im ei-
Möchte ich Klein-Grube* sein und die zug, den Eilzug, den ICE und den Vor- gentlichen Sinne, denn sie wollen nicht
ganze Bahn dirigieren, von noch höhe- ortzug zu fahren und gleichzeitig mit Loks, nicht Züge, sie wollen eine ganze
rer Warte aus als der Oberzugleitung? dem Nahgüterzug unterwegs Güterwa- Bahn lenken, die Deutsche Modell-
Wohnt in mir noch immer der Wunsch, gen zu rangieren. Bahn AG. Sie wollen alle Fäden in der
Lokführer zu werden, den Regler in der Zwar kann der Mensch erwiesener- Hand haben. Alles hört auf ihr Kom-
Hand zu haben und Volldampf zu ge- maßen mehrere Dinge gleichzeitig tun. mando. Diese Befehle werden von ei-
ben? Oder wäre ich gern Fahrdienstlei- Beispeilsweise fernsehen und Bier trin- nem zentralen Kommandostand aus
ter an einem großen Gleisbildstellwerk, ken, frühstücken und Zeitung lesen gegeben oder auf dem Rechner pro-
von dem aus ich zehn Züge in der Stun- oder telefonieren und am Bildschirm grammiert. Anschließend läuft der gan-
de durch meinen Bahnhof lotse? Das Tetris spielen. Ganz anders sähe es aus, ze vielfältige Betrieb automatisch ab.
sind keine rhetorischen Fragen, son- auf einem Ohr mit der Steuerberaterin Wenn sie von der Arbeit nach Hause
dern wichtige Kriterien. Sie müssen zu telefonieren und auf dem anderen kommen, läuft immer noch alles rund.
berücksichtigt werden, wenn die Anla- mit einem Kunden – zwei absolut Hierzu passend fällt mir eine frühere
ge für den Erbauer ein Erfolg und eine gleichartige und gleich wichtige Tätig- EuroModell-Ausstellung in Bremen ein,
dauernde Quelle von Freude sein soll. keiten. Daher kann man wohl, wäh- eine der allerersten. Dort hatte eine
Aber noch Weiteres gilt es zu beden- rend man als Quasi-Lokführer einen stattliche Gruppe von Modellbahnern
ken: Wer wird mit der fertigen (be- Zug über die Strecke dirigiert, an sei- eine riesige LGB-Anlage aufgebaut. Wie
triebsfähigen) Anlage fahren? Der Er- nem Bierchen nippen. Sinnvollerweise es sich für einen richtigen LGB-Club
bauer allein als einsamer Wolf, er und versucht man aber nicht gleichzeitig, gehört, waren auf ihr so ziemlich alle
eine Rangierabteilung präzise über Fahrzeuge dieser Firma vertreten. Der
dem Entkuppler anhalten zu lassen. Betrieb, besser gesagt Fahrbetrieb –
*Dr. Rüdiger Grube war Vorstandsvorsit- Zurück zu den Motiven des Anlagen- circa ein Dutzend Züge zugleich – lief
zender der Deutschen Bahn AG, als die- baus. Am einfachsten haben es die Mo- vollautomatisch ab. Das Dutzend Anla-
ses Kapitel geschrieben wurde dellbahner, die genau wissen, dass sie genbesitzer stand nun müßig herum,

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 9
würdigte die Anlage keines Blickes und kurz darauf den rettenden Einfall, der einer Anlage ein paar nette Gags die
langweilte sich ersichtlich zu Tode … ihn davor bewahrt, mit dem fertigen Blicke auf sich ziehen und so vielleicht
Entschuldigung für den Exkurs, aber Teil etwas anfangen zu müssen. Nach die Aufmerksamkeit des ansonsten
nach den Klein-Grubes müssen noch zwischenzeitlich fleißiger Lektüre di- achtlos vorüberziehenden Besuchers
die Möchtegern-Lokführer erwähnt verser Fachzeitschriften hat er viel auf eisenbahnrelevante Dinge lenken.
werden. Darüber weiß ich am besten dazu gelernt. Es entsteht nun eine viel Insbesondere gilt das für Anlagen, die
Bescheid, denn zu der Gruppe zähle ich bessere Idee von einer ganz anderen für Publikumsmessen konzipiert sind.
mich selbst. Das „Möchte-Gern“ ging Anlage, der richtigen Anlage. Er weiß Aber diese Gags sollten in einem ver-
bei mir soweit, dass ich als ca. Fünf- jetzt: Die alte ist einfach Mist. Da kein nünftigen Verhältnis zu dem stehen,
unddreißigjähriger bei einer Museums- neuer Platz zur Verfügung steht, muss was Eisenbahn ausmacht.
bahn eine Ausbildung zum Lokheizer die halbfertige leider weichen. Diesen Kirmes-, Feuerwehr-, Ritterburgen-
und Dampflokführer absolviert habe. Gag reißen nicht wenige Modellbahner und Was-weiß-ich-Modellbau haben
Das musste ich einfach haben. Als ich mehrmals hintereinander, und gar sich genauso wie Flug- und Schiffsmo-
dann wieder bei der Modellbahn ange- mancher Leser wird sich wiedererken- dellbau zu eigenständigen Sparten ent-
kommen war, wollte ich genau das: nen. wickelt. Und warum soll man nicht ein
Lokführer sein, mit dem Regler in der wenig mischen, wenn man nicht nur
Hand immer da sein, wo meine Lok ist. Motivation und Irrtümer Modelleisenbahner, sondern beispiels-
Leider kann man in einer Modelllok weise auch noch Modell-Feuerwehr-
nicht auf dem Führerstand stehen, Es gibt viele Irrtümer bezüglich der mann ist? Es geht ums Maß. Soll es sich
nicht mal im Maßstab 1:22,5. Daher Motivation, eine Anlage zu bauen. Der um eine Modelleisenbahn-Anlage han-
gilt für mich das Prinzip der absoluten größte von allen ist der, lediglich zu deln, dürfen die anderen Themen die
Nähe (PAN) zu der Lok, die ich gerade meinen, man sei Modelleisenbahner. In Eisenbahn nicht majorisieren, die Glei-
fahre. Haben Sie’s gemerkt: Lok war in Wirklichkeit geht es einem aber um se und Züge nicht zur bloßen Kulisse
der Einzahl. Ich konnte schon in 1:1 ganz andere Dinge und die Bahn ist degradieren.
immer nur eine Lok fahren, nicht an- nur verbindendes Element. Oder wie
ders im Modell. soll man es anders sehen, wenn auf ei- Zielsetzungen
Wie sehr man sich mit einer Anlage ner Anlage zwar Straßenverkehrsun-
langweilen kann, habe ich am Beispiel fälle, brennende Häuser, Tiefbaustellen, Wie wir wissen, hat das Modellbahn-
der Gruppenanlage auf der EuroModell Klöster mit Prozessionen, Kirchen mit hobby in dem nicht von diesem Bazillus
geschildert. Mein Thema sind aber we- Hochzeitsgeläut, Schwimmbäder mit befallenen Teil der Öffentlichkeit kein
niger die Ausstellungsanlagen, sondern üppigen FKK-Damen, Wäldchen mit besonders hohes Ansehen. Das hat teil-
die so genannten Heimanlagen. Hier versteckt agierenden Pärchen, gut ge- weise auch historische Gründe. Die
scheint es nicht nur bei K.R. ein Prob- füllte Fußballstadien und eine Kirmes „elektrische Eisenbahn“ war schon vor
lem zu geben. Sobald sie einigermaßen mit Riesenrad und Achterbahn zu se- sechzig Jahren der große Wunsch-
fertig sind, bringen sie nicht den ur- hen sind, wo jedoch keine Gießerei mit traum aller richtigen Jungen, als die
sprünglich erhofften Lustgewinn. Eine Kohle, Roheisen, Schrott und Form- zahlreichen Hobbies und Freizeitbe-
Ahnung davon beschleicht den Erbau- sand versorgt wird, kein Sägewerk schäftigungen, die heute zur Wahl ste-
er schon um die Halbzeit und er hat Stammholz bekommt und Schnittholz hen, noch nicht erfunden waren.
versendet, in kei- Üblicherweise war die Eisenbahn ein
nem Steinbruch Weihnachtsgeschenk, das um den
Stein und bei kei- Christbaum herum im Wohnzimmer
ner landwirt- auf dem Teppich aufgebaut wurde.
schaftlichen Ge- Spätestens Mitte Januar mussten die
nossenschaft Ge- verlegten „Schienen“ zusammen mit
treide verladen dem Weihnachtsbaum weichen. Die
wird? Eben all die ganze Eisenbahn wurde sorgfältig ein-
Geschäfte, die gepackt und auf den Dachboden ge-
eine Eisenbahn schafft, um erst elf Monate später wie-
am Leben erhal- der hervorgekramt zu werden. Davon
ten. handelt ein ganzes Kapitel weiter hin-
Es ist sicher ten.
nichts dagegen zu Während heute Computer, Motorrä-
sagen, wenn auf der, Tischtennisplatten, in bestimmten
Kreisen auch Pferde, Segelboote oder
Oldtimer-Automobile rund ums Jahr
zur Gestaltung der Freizeit zur Verfü-
„Soso, der Müller ist gung stehen und dies auch als ganz
Modelleisenbahner, normal angesehen wird, hat sich im
sagen Sie? Na, dann Bewusstsein der Öffentlichkeit die Auf-
wundere ich mich fassung erhalten, die „elektrische Ei-
über gar nichts mehr! senbahn“ sei eine saisonale Angelegen-
Das sagt doch alles, heit und etwas für zehn bis sechzehn-
oder?“ jährige Jungen.

10 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Image und der milde Blick
„Neulich im Kreis von Altersgenossen
kam das Gespräch auf die bevorzugten
Freizeitbeschäftigungen. Der eine
spielte Golf, der andere frisierte sein
Auto, ein dritter bekundete, er habe gar
keine Zeit für Hobbies, und der vierte
schließlich berichtete, er wolle sich im
Frühjahr ein kleines Segelboot kaufen.
Als ich dann gestand, meine Liebhabe-
rei sei meine Modelleisenbahn, trat in
die Augen der anderen ein seltsam mil-
der Blick. Ich kannte diesen Blick be-
reits. Er drückte aus: Schau an, der
Spinner, der will sicher immer noch Lo-
komotivführer werden. Und er hieß:
naja, ganz nett, aber Kinderspielzeug!
Golf, Auto, Segelboot, das bedeutet
auch Bestätigung und signalisiert den Auf der H0-Anlage von Hans-Jörg Windberg fährt eine Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge.
Nachbarn, dass ihr es zu etwas ge- Aber nur solche, die in der von ihm gewählten Lokalität und Epoche, nämlich bei der Lübeck-
bracht habt. Meine Eisenbahn aber be- Büchener Eisenbahn kurz nach der Übernahme durch die DR, verkehrten. Auch die Bauten auf
lächelt ihr, sie ist in euren Augen Kin- seiner Anlage haben ausnahmslos ihr Vorbild bei der LBE und in deren Umfeld. Das ist die er-
derspielzeug. Euch interessiert höchs- wachsene Form, das Modellbahnhobby auszuüben. Foto: EJ
tens, was die vielen Loks zusammen
gekostet haben.“ Das schrieb Burkardt wäre, dann hätte er vermutlich geant- „Der Besitz hoher Lebensziele, die
Kiegeland bereits 1970 in seinem Buch wortet: „Ich würde mir alle Loks und als Mittelpunkt der persönlichen Exis-
„Modelleisenbahn“. Wagen von Märklin (oder LGB etc.) kau- tenz betrachtet werden, hebt den Men-
Ja, ein erwachsener Mann, der sich fen und jede Menge Modellhäuser schen über das Tier hinaus, den Er-
das ganze Jahr mit der Modelleisen- dazu.“ Die wenigsten, die als Kind so wachsenen über das Kind und in vielen
bahn beschäftigt und dies sein Hobby gedacht haben, sind Millionäre gewor- Fällen die gesunde Persönlichkeit über
nennt wie andere das Segeln oder Fil- den. Aber viele von ihnen, die Modell- den Kranken.“ (Gordon W. Allport: Wer-
men, gilt als etwas versponnen und in- bahner geworden oder geblieben sind, den der Persönlichkeit).
fantil: Er spielt mit der elektrischen handeln noch immer nach diesem Prin- Obwohl Geld dabei durchaus hilf-
Eisenbahn, da sieht man das Kind im zip. So viel wie möglich kaufen, von reich sein kann, ist es keine Gewähr
Manne. Es ist ein interessantes Phäno- allem etwas, und alles muss auf die An- dafür, dass wirklich etwas Reifes dabei
men, dass die Beschäftigung mit der lage. Wen wundert es, dass solche An- herauskommt. Der Jugendliche spart,
Modelleisenbahn als Kinderei abgetan lagen kindlich wirken und beim unvor- bis er sich für hundertzwanzig Euro
wird. Im Gegenzug spricht aber nie- eingenommenen Besucher das bekann- seine Traumlok kaufen kann. Der Er-
mand von Infantilismus, wenn gestan- te milde Lächeln hervorrufen, das wachsene gibt für die Maschine seiner
dene Manager in einem unbeobachte- Nachsicht mit dem Kind im Manne aus- Träume den fünffachen Betrag und ist
ten Moment schnell mal zwischendurch drückt. allein dadurch kein bisschen weiter.
ein Ballerspiel auf den Bildschirm ho- Modellloks sind wie Beton: Es kommt
len. Somit drängt sich die Frage auf, Modellbahn als Hobby für drauf an, was man damit macht.
warum gerade dieses Hobby? Erwachsene Im Gegensatz zum vorerwähnten
Da mag zum einem das kollektive un- K.R. hat Hans-Jörg Windberg auf sei-
eingestandene Schuldbewusstsein der Im EJ-Sonderheft „Super-Anlagen“ ner LBE-Anlage keine „Rangiermög-
erwachsenen Ballerspieler eine Rolle 1/2004 „Aus der Stadt ans Meer“ lichkeiten“ eingerichtet, sondern die
spielen, das dadurch entlastet wird, schrieb Hans-Jörg Windberg auf Seite Ladestellen, Anschlussgleise und Gü-
dass eine wesentlich lächerlichere 79: „Auch bei der Einhaltung derartiger terbahnhöfe, die das Vorbild in dem
Gruppe ausgemacht wird. Andererseits Regeln zeigt es sich wieder einmal, dass dargestellten Ausschnitt auch hatte.
darf auch einmal die Frage erlaubt das Fahren nach Fahrplan und auch die Und die, wenn er mit seinen Freunden
sein, ob da in der Art, wie das Modell- damit verbundenen Recherchen eine Betrieb macht, bedient werden. Die be-
bahnhobby oft ausgeübt wird, nicht wirkliche Bereicherung des Hobbys sein dient werden müssen!
doch etwas sehr Kindhaftes sichtbar können … erst dann zeigt sich der Un- Seit über drei Jahrzehnten ist Hans-
wird. Und auch auf die Gefahr hin, dass terschied zwischen Modellbau und Jörg Windberg dem Thema Lübeck-
meine Leser mit Schottersteinen nach -bahn und vor allem zwischen Kinder- Büchener Eisenbahn treu geblieben,
mir werfen, muss ich diese Frage zu spiel und Erwachsenenhobby.“ Genau! auch wenn er wieder einmal umziehen
einem gewissen Teil leider mit ja beant- Nach meiner Meinung sollte sich die Art, und die Anlage deswegen demontieren
worten. wie ein Erwachsener das Modellbahn- musste. Anschließend hat er sie jedoch
Fragte man vor zwanzig Jahren einen hobby ausübt, deutlich, sehr deutlich größer, besser und schöner wieder auf-
fünfzehnjährigen Modelleisenbahner, von der abheben, in der ein Kind oder gebaut. Er wusste halt wirklich, was er
was er tun würde, wenn er Millionär ein Jugendlicher sich damit beschäftigt. wollte.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 11
Bestens situiert schriften nicht mehr zum geheimen
Insiderwissen. Selbst die Modellbahn-
hersteller sortieren ihre Modelle nach

Was macht eine gute Epochen I, II, III und so weiter. Dieses
Schema muss natürlich alle paar Jahre
erweitert werden, weil das Gesicht der

Anlage aus? Eisenbahn sich schnell wandelt und die


„Eisenbahn von heute“ längst nicht
mehr das ist, was vor einigen Jahren
die „Eisenbahn von heute“ war.
Um überhaupt eine gewisse Atmosphäre auf der Anlage entste- Manchen Modellbahnern sind die
hen lassen zu können, muss sich der Erbauer zuvor über mehre- Epochen zu eng gefasst, um alle ihre
Lieblingsfahrzeuge kritikgeschützt ein-
re Aspekte im Klaren sein. Welche das im Einzelnen sind, zeigt
zusetzen, so dass dann Anlagen gern
der folgende Artikel. mit „Epoche III-V“ beschrieben wer-
den. Eine Überlegung wert ist aber
auch das hierzulande weniger bekann-

D ie Frage, was gut und was schlecht


ist, kann schlussendlich nur sub-
jektiv beantwortet werden. Dennoch
deutschsprachigen Modellbahnzeit-
schriften habe ich mich in der Tat
schon des Öfteren gefragt: Wo und
te Einschränken auf ein Zeitfenster in-
nerhalb einer Epoche. Man geht also
den umgekehrten Weg und begrenzt
kann man sich um Objektivität bemü- wann spielt das eigentlich? Und insbe- die dargestellte Zeit beispielsweise auf
hen, indem man sich darüber infor- sondere: Von wo nach wo fahren hier fünf Jahre. Aber auch noch genaueres
miert, was andere, möglichst kompe- die Züge? Festlegen auf ein Jahr oder sogar einen
tente Menschen dazu gesagt und ge- Dass es keinen Sinn macht, eine An- Monat kann Sinn machen.
schrieben haben. Und natürlich durch lage zu bauen, auf der ein Ende die Al- Wirtschaftsstruktur
das Erwerben eigener Erfahrungen mit pen darstellen soll, das andere den Auch wenn man sich angenommener-
dem entsprechenden Thema, hier also Hamburger Hafen, hat sich ja schon weise geografisch auf das Mittelgebirge
mit dem Bau von Modellbahnanlagen. hinlänglich herumgesprochen. Außer festgelegt hat, müssen weitere Feinhei-
Wer noch keine Anlage gebaut und – vielleicht im Hamburger Hafen selbst, ten bedacht werden. Soll etwa eine in-
nicht zu vergessen – betrieben hat, aber da geht es ja letztlich weniger um dustrialisierte Gegend im sächsischen
wird in seiner Kompetenz, über gut den Modellbahn-Betrieb, sondern eher Erzgebirge oder doch eine menschen-
oder nicht gut zu urteilen, zumindest um das Amüsieren des Publikums. leere Region im Harz mit etwas Forst-
eingeschränkt sein. Eine Anlage soll gleich einem Bild, wirtschaft und ein wenig Tourismus
Mein jahrzehntelanger theoretischer einem Buch oder einem Menschen ein- dargestellt werden? Grundsätzlich er-
und praktischer Ausbildungsprozess malig sein, ein Unikat, erinnerbar, wie- gibt sich hier das Problem eine Varian-
zum Thema Anlagenbau hat mich zu dererkennbar, typisch. Sie soll Identität te zu wählen, die sowohl der persönli-
der Auffassung gebracht, dass folgende und Charakter haben. Sie soll eine chen Präferenz entspricht, als auch mit
Kriterien eine gute Anlage auszeich- „Persönlichkeit“ sein. den vorhandenen Mitteln im gegebe-
nen: Die wichtigsten Kriterien für die nen Raum umsetzbar ist.
Identität einer Modellbahn-Anlage Die Eisen- und Stahlerzeugung im
r *EFOUJUÅU sind: Ruhrgebiet ist beispielsweise das
r "VGHBCFVOE'VOLUJPO – Geographische Situierung durchgehende Thema der großen Aus-
r #FUSJFCMJDIF,PO[FQUJPO – Zeitfenster stellungsanlage in Oberhausen. Für
r 3FBMJTNVTVOE(MBVCXÛSEJHLFJU – Wirtschaftsstruktur den Hausgebrauch ist das natürlich
r "UNPTQIÅSF – Namen und Bezeichnungen weniger geeignet, hier würden die klei-
nen Drahthütten und Schmiedehäm-
Im Vorgriff auf spätere Kapitel, in de- Geographische Situierung mer des Sauer- und Siegerlandes bes-
nen ich auf diese Punkte mit der ihnen Eine geographische Situierung ist ab- ser passen. Wer es lieber ländlich-sitt-
zukommenden Ausführlichkeit einge- solut unerlässlich und muss auf den lich mag, kann eine bäuerlich betonte
he, hier eine Art sneak preview: ersten Blick erkennbar sein. Beliebt Gegend darstellen, deren Produkte von
sind vor allem Hochgebirge, Mittelge- mehreren Anschlussgleisen der Raiff-
Identität birge, Heide oder Küstenregion. Von eisen-Genossenschaft oder der Baywa
ihnen sollte nur eines gewählt werden, aus versandt werden.
Eine typische deutsche Modellbahn- allenfalls zwei. Bedingung ist aber, dass Namen und Bezeichnungen
anlage stellt irgendwas irgendwann sie auch in der Realität aneinander Es ist eine gewisse Tradition hierzulan-
irgendwo dar. Auf ihr fahren irgend- grenzen. Letzlich sind das aber noch de, die Bahnhöfe der eigenen Anlage
welche Züge nirgendwohin. sehr grobe Einordnungen, die weiter nach Familienmitgliedern zu benennen
Nein, diese Feststellung stammt nicht verfeinert werden können. Mehr darü- oder ihnen launige und witzige Namen
von mir. Und ich bin mir auch nicht si- ber später an geeigneter Stelle. zu geben. Es ist ja vielleicht ganz sinn-
cher, ob ich sie in dieser Form unter- Das passende Zeitfenster voll, die vom Hobby des Ehemanns
schreiben würde. Dazu kenne ich ein- Das Thema Modellbahn-Epochen ge- nicht so arg begeisterte Gattin dadurch
fach zu wenige Anlagen. Aber beim hört dank des unermüdlichen Trom- zu besänftigen, dass man den Haupt-
Studium von Anlagenberichten in den melns einer unserer großen Fachzeit- bahnhof ihr zu Ehren „Kunigun-

12 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
denthal“ nennt. Dabei könnte es dann Ein Beispiel für „pro-
aber auch sein Bewenden haben. totype freelancing“.
Für andere mag es von Sinn für Hu- Alles was schwarz
mor zeugen, die dargestellten Bahnhö- ist, ist oder war in
fe Kleinkleckersdorf, Hintertupfingen der Realität vorhan-
oder Nasenboringen zu nennen. Für den. Alles was rot
mich ist es eher ein Zeichen dafür, dass ist, ist erstunken und
der Anlage eine definierbare und spür- erlogen – oder bes-
bare Identität fehlt. Seinen Kleinstadt- ser gesagt, hinzu er-
bahnhof „Bonn“ zu nennen, weil das so funden und sorgfäl-
auf der Bausatzpackung stand, lässt tig begründet.
eher Zweifel an einer ordentlichen geo-
grafischen Situierung aufkommen.
Wenn hingegen die Stationen auf ei-
ner Modellbahn Hinterzarten, Hirsch-
sprung und Schluchsee heißen oder nahe kommen. Da bietet sich die mehr- Spielt die Anlage hingegen in einem
Tabarz, Rennsteig und Oberhof, dann fach in diesem Buch erwähnte Methode dichter besiedelten Landstrich mit
möchte ich den Banausen sehen, der des prototype freelancing an, das heißt, reichhaltiger Kleinindustrie, wird es
nicht sofort schaltet, dass das Ganze im die Erfindung einer Bahn(strecke) nach täglich mehrere (Nah- und Eil-) Güter-
Schwarzwald respektive im Thüringer Vorbildkriterien und Einbettung in das züge geben, die all die kleinen Gleis-
Wald spielt. Entsprechende typische reale Bahnnetz. Bei mehreren Anlagen- anschließer bedienen. Darüber hinaus
Namen zu erfinden, wenn man die ge- vorschlägen wird genauer darauf ein- werden häufige Personenzugfahrten
nannten Stationen selbst nicht darstel- gegangen und im Inhaltsverzeichnis dafür sorgen, dass die Menschen eben-
len will oder kann, ist eine spannende findet man den Hinweis auf einen Info- so zur Arbeit und wieder nach Hause
Übung. Da wirken Vorderzarten, Reh- Kasten dazu. kommen, wie zur Erledigung von Ein-
sprung und Schluchtsee ebenso identi- käufen und Formalitäten in die nächste
tätsstiftend, ohne auf bestimmte Bahn- Aufgabe und Funktion größere Stadt.
hofsgleispläne und Empfangsgebäude
festgelegt zu sein. Eisenbahnen oder Eisenbahnstrecken Betriebliche Konzeption
Und die Namensgebung macht bei sind nicht dazu erbaut worden, damit
den Bahnhöfen nicht halt. Jeder Berg, man den vorbeifahrenden Zügen nach- „Eine Konzeption ist eine umfassende
jedes Tunnelportal, jede Brücke, jeder schauen kann. Sie haben vielmehr Zusammenstellung von Informationen
Bach und jeder Wald - alles hat in der Funktionen zu erfüllen, nämlich Trans- und Begründungszusammenhängen
Realität Namen und sollte auch auf An- portaufgaben. Egal, ob Massengüter, für ein größeres Vorhaben oder um-
lagen einen haben. Vor allen Dingen Stückgut, Post und Gepäck, oder Men- fangreiche Planungen. Eine Konzeption
jedoch sollte die Anlage als Ganzes ei- schen zur Arbeit oder zu einem Erho- ist in Tiefe und Breite der Vorüber-
nen haben. Wenn eine Modelleisen- lungsziel zu befördern sind, immer ist legungen und der theoretischen Aus-
bahn schon als „Meine Anlage“ oder etwas von A nach B oder C zu transpor- einandersetzung mit dem Planungs-
„Mannis N-Bahn“ vorgestellt wird, tieren. projekt oder Thema sehr viel umfas-
dann kann man fast sicher sein, dass es Wenn eine Modelleisenbahn das Mo- sender und detaillierter als ein Konzept.
sich nicht nur um ein namenloses, son- dell einer Eisenbahn sein soll, dann In der Regel werden Konzeptionen
dern auch um ein identitäts- und ge- muss sie nicht nur ihr Aussehen abbil- schriftlich niedergelegt.“
sichtsloses Trumm handeln wird. Ganz den, sondern auch ihre Funktion zu- Soweit das Internet-Lexikon Wikipe-
nett anzuschauen vielleicht, aber letzt- mindest simulieren. dia zum Begriff Konzeption. Daraus ist
lich banal. Es ist keineswegs so, dass die Aufga- schon zu erahnen, dass eine betrieb-
Noch einmal die Hauptkriterien für be der Eisenbahn prinzipiell überall die liche Konzeption für eine Modellbahn-
den Punkt Identitat: Geographische Si- gleiche ist. Nichts wäre falscher als anlage ein anspruchsvolles Unterfan-
tuierung, Wirtschaftsstruktur, Namen dies. Das ergibt sich schon aus dem im gen sein muss. Und das ist sie in der
und Bezeichnungen. Diese drei sind Abschnitt Geographische Situierung Tat. Sie ist Dreh- und Angelpunkt für
natürlich am ehesten verwirklicht, Gesagtem: In einer dünn besiedelten das überzeugende Funktionieren der
wenn eine konkrete Vorbildsituation, Waldgegend wird hauptsächlich Holz Modellbahn.
besser noch eine konkrete Bahnstrecke abgefahren. Entweder zu fernen Mö- Zu den Hauptparametern der Kon-
nachgestellt wird. Da fällt mir vor allen belfabriken oder auch zu Sägewerken, zeption gehört zu allererst die betrieb-
anderen die Anlage von Hans-Jörg die an der gleichen Strecke liegen. Gibt liche Einbindung des dargestellten
Windberg* ein, die schon im Kapitel es zusätzlich nennenswerten Touris- Stücks Eisenbahn in das Gesamtsystem
„Warum wollen wir eine Anlage bau- mus, so sind auch dementsprechende des Bahnnetzes. An welche Strecken ist
en?“ erwähnt und mit einem Bild vor- Reisezüge vorzusehen, eventuell teil- die nachgebildete angebunden? Da die-
gestellt wurde. Sie stellt den Hauptteil weise mit Kurswagen aus den Bal- se Anbindung in der Regel in einem
der Lübeck-Büchener Eisenbahn kurz lungsgebieten. Ohne Tourismus kommt Bahnhof stattfindet, der sich nicht im
nach der „Verreichlichung“ dar. Wow! die Gegend vielleicht ganz ohne Perso- sichtbaren Teil der Anlage befindet,
Diesen Königsweg werden wenige nenzüge aus, die wenigen Reisenden
gehen können oder wollen (der Verfas- werden in gemischten Zügen mit beför- * EJ-Sonderheft Super-Anlagen 1/2004
ser auch nicht), aber man kann ihm dert. „Aus der Stadt ans Meer“

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 13
N3
TEI
ND
OR
F

Der Bahnhof Holzheim auf der„Holzheimerbahn“ von Hugo Schwilch (s. Anlagengleisplan im lichen Modellbahners leicht ein Quer-
Kapitel „Designtrumpf Spirale“) spiegelt in durchdachter Weise sowohl die Wirtschaftsstruk- schnitt durch die Produktion deutscher
tur der von der Bahn bedienten Gegend als auch die Aufgabe und Funktion der betreffenden Lokfabriken, jeweils eine jeder Gattung.
Bahnlinie wider: Güterschuppen mit Laderampe und Freiverladegleis sowie je ein Anschluss- Hinzu kommt, dass manche Loks so
gleis zum Sägewerk und zur Käserei. früh und andere so spät gebaut wur-
den, dass sie nie zur gleichen Zeit im
Einsatz sein konnten. Er möchte sie
sondern meist unter Tage, im Schatten, gar nicht so betont werden muss, ein- doch aber alle einmal fahren sehen,
darf das angenommenerweise ein grö- fach weil in diesem Punkt bei den Mo- dieser typische Modellbahner. Es liegt
ßerer Knotenbahnhof der realen Eisen- dellbahnern das intensivste Wissen auf der Hand, dass es ein realistisches
bahn sein. Wir brauchen ihn ja nicht besteht. betriebliches Konzept, das diesem
nachzugestalten. Zwei Stumpfgleise Welcher Modellbahner wüsste nicht, Wunsch Rechnung trägt, nicht geben
reichen, um Altenbeken oder Mühldorf dass die Deutsche Bundesbahn, als sie kann. Die waghalsigen Begründungs-
(Obb.) zu repräsentieren. noch vorwiegend mit Dampf fuhr, auf konstrukte, die erfunden werden, um
Das allseits beliebte Standardthema der elektrifizierten Mittenwaldbahn lo- dieser Falle zu entkommen, will ich
„Zweigleisige Hauptbahn mit abzwei- gischerweise keine 01er oder 03er sta- hier nicht diskutieren. Aber sie bringen
gender eingleisiger Stichbahn“ ist ein tioniert hatte, sondern beispielsweise mich zum nächsten Punkt:
Konzept. Mehr nicht. Erst die weiterge- E 44. Auf der Rollbahn Hamburg–Bre-
henden Festlegungen über das Woher, men–Ruhrgebiet jedoch 01er, 41er und Realismus und Glaubwürdigkeit
Wohin und Wozu der Hauptstrecke und für Güterzüge 44er als die am besten
die präzise Definition der Betriebsstel- geeigneten Maschinen einsetzte und Man kann gewiss davon ausgehen,
len und Güterkunden an der Stichbahn keine 96er–Mallettenderloks und auch dass jeder Modellbahner, der sich an-
können daraus eine Konzeption wer- keine 24er, so nett die kleinen Schlepp- schickt, eine Anlage zu bauen, den
den lassen. tenderlokomotiven auch aussahen. Wunsch hegt, sie möge realistisch wir-
Gehen Güterwagen, Kurswagen oder Damit ist ein großes Problem schon ken. In der Regel ist er auch der Auffas-
ganze Züge von der Haupt- auf die Ne- angedeutet: Modellbahner haben ande- sung, dass das, was er da erbaut, rea-
benstrecke (und umgekehrt) über? Und re Lieblingsmaschinen und andere Ein- listisch sei. Es meint ja auch jeder, er
falls ja, wie wird das gehandhabt? Han- satzkriterien als die richtigen Eisen- spreche deutlich. Und doch wird jeder
delt es sich um eine Flachlandstrecke bahner. Letztere lieben die Vielfalt mal nicht verstanden, weil das Gegen-
oder eine mit starken Steigungen, die überhaupt nicht. über es eben nicht
Vorspann- oder Nachschiebebetrieb er- Sie haben es gern, als deutlich emp-
Wenn eine Modelleisenbahn das Mo-
forderlich machen? Ist sie elektrifiziert wenn möglichst funden hat.
dell einer Eisenbahn sein soll, dann
oder nicht? Bei den diversen Anlagen- viele Maschinen Wenn Realis-
muss sie nicht nur ihr Aussehen abbil-
vorschlägen in diesem Buch werden der gleichen Bau- mus also etwas
den, sondern auch ihre Funktionen zu-
solche Konzeptionen entwickelt und art im Bw stehen. derart Subjektives
mindest simulieren.
begründet. Loks, die zuver- ist, wie wollen wir
lässig und genüg- dann fordern,
Fahrzeugeinsatz sam sind, gut Dampf machen und die dass eine Anlage realistisch sei? Und
alle vom Einsatzplan geforderten Leis- wann ist das dann der Fall? „In der
Das ist ein Lieblingsthema sowohl der tungen erbringen. Kunst bezeichnet das Wort Realismus
durchschnittlichen Modellbahner als Fast jeder Modelleisenbahner hinge- einen wirklichkeitsnahen Darstellungs-
auch der meisten Autoren, die ein Ka- gen, auch der, der diesen Namen wirk- stil.“ (Wikipedia) Volkstümlich ausge-
pitel oder einen Absatz zum Thema Be- lich verdient, ist irgendwie auch Fahr- drückt: Es muss echt aussehen. Nehmen
trieb in ihren Artikel aufnehmen. Oft ist zeugsammler. Er findet ach so viele Ty- wir uns doch jenen Hollywood-Regis-
es sogar alles, was sie zum Thema Be- pen hinreißend und kann sehr zur seur zum Vorbild, der sagte: Es muss
trieb sagen. Dabei ist der Fahrzeugein- Freude der Modellbahnhersteller nicht nicht echt sein, es muss echt wirken.
satz nur ein kleiner Unterpunkt. Einer, widerstehen, sie zu erwerben. So findet Dabei hat es der Modellbahn-Anla-
der eigentlich nach meiner Auffassung sich dann im Bestand des durchschnitt- genbauer ungleich schwerer als etwa

14 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
ein Maler. Er begrenzt den Bildaus- dem sie die Maße des zur Verfügung haben deine Züge hinten und vorn eine
schnitt auf das, was er abbilden will stehenden Platzes eintragen sollen und Lok?“, dann ist die Botschaft irgendwie
und kann. Der Modellbahner will je- das, was sie thematisch darin ansie- nicht angekommen. Offensichtlich ist
doch immer ein Vielfaches von dem deln möchten. Die Diskrepanzen sind der Bedarf für eine Nachschiebeloko-
abbilden, was in seinen Bildausschnitt, schier unglaublich. Und die Haupttätig- motive nicht glaubwürdig dargestellt –
also den zur Verfügung stehenden keit der alten Forenhasen besteht da- möglicherweise, weil sich der Erbauer
Raum, hineinpasst. Dadurch hat er au- rin, den Neulingen nach und nach all nicht getraut hat, eine überzeugende
tomatisch das Problem der Glaubwür- diese unmöglich unterzubringenden Steigung zu bauen.
digkeit. Dinge auszureden, allen voran das Bw
Wir wissen, dass wir keine Eisen- mit Großdrehscheibe und zwölfständi- Die Atmosphäre zählt
bahnstrecke maßstäblich nachbauen gem Ringlokschuppen. Allein um das
können, auch nicht in 1:220. Im H0- darzustellen würde der Platz nicht rei- Genau genommen gehört der Punkt At-
Maßstab empfinden wir eine Fahrstre- chen. Darüber hinaus bietet der ange- mosphäre nicht zum Thema Anlagen-
cke zwischen zwei Bahnhöfen von 6 m dachte Bahnhof keine auch nur halb- planung, da sich solch ephemere Phä-
Länge als beeindruckend lang, das sind wegs nachvollziehbare Begründung für nomene wie Flair, Ambiente oder Stim-
jedoch umgerechnet nur wenig mehr ein solches Groß-Bw. Viele Neulinge mung nicht am grünen Tisch planen
als 500 m. Wir wollen aber den Ein- sind schon bass erstaunt, wenn man lassen. Diverse Städteplaner haben das
druck erwecken, als beführen unsere ihnen sagt, dass ein einziges Weichen- leidvoll erfahren müssen. Erst wenn
Züge zwischen den genannten zwei vorfeld des gewünschten „Hauptbahn- die Gleise verlegt und geschottert, die
Bahnhöfen tatsächlich eine lange Stre- hofes“ nicht auf die Anlage passen wür- Hochbauten errichtet und die Bäume
cke. Wenn uns das gelingt, dann sind de, sofern man es mit realistischen gepflanzt sind, die Erdoberfläche ihre
wir dem Ziel, unsere Anlage möge rea- Weichenwinkeln zeichnet. Vom voll- Grundfarbe erhalten hat und die Gras-
listisch und glaubwürdig wirken, einen ständigen Bahnhof ganz zu schweigen. halme dank elektrostatischer Tricks
Schritt näher. Hat ein Modellbahner aber beispiels- senkrecht gen Himmel ragen, dann
Der größte Feind der Glaubwürdig- weise eine Anlage gebaut, die einen kann man anfangen, so etwas wie Flair
keit ist das „Zu viel wollen“ vieler Mo- Nachschiebebetrieb à la Schiefe Ebene zu erzeugen. Besser gesagt, man kann
dellbahner. In zahlreichen Planungsfo- bei Neuenmarkt-Wirsberg darstellen es versuchen. Denn verlässliche Rezep-
ren im Internet werden Neulinge aufge- soll, und ein Modellbahnkollege, der te, wie Flair oder Stimmung erzeugt
fordert, ein Formular auszufüllen, in die Anlage besichtigt, fragt: „Warum werden, gibt es nicht. Aber in einem
bin ich mir ziemlich sicher: Wenn all
Wolfgang Bohlayers H0e-Anlage „Engen–Tengen–Blumenfeld-Bahn „spielt“ zwischen dem die in diesem Kapitel genannten Krite-
Ostrand des Schwarzwaldes und dem Bodensee. Landschaft, Gebäude, Details, Gleisanschluss- rien auch nur annähernd erfüllt sind,
kunden – das alles passt in die Landschaft dort und sorgt für Glaubwürdigkeit, Realismus und stellt sich eine gewisse Atmosphäre be-
Atmosphäre. reits von selbst ein.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 15
Des Deutschen liebstes Anlagenkonzept Witzigerweise steht im Vorwort solcher
Bücher meist eine Warnung davor, zu
viel zu wollen. Oft folgt eine Empfeh-

Und was machen wir lung, die Anlagen nicht zu überfrachten


und solche Grundsätze wie „Lieber ein
Gleis weniger“ oder „Konzentrieren Sie

jetzt damit? sich auf ein Thema“. Ich kann mich all-
dem ohne Zögern anschließen. Und
genau aus diesem Grund werden Sie in
dieser Broschüre auch keinen Gleis-
plan mit zweigleisiger Hauptstrecke
Was soll auf der Anlage stattfinden? Diese Frage lässt sich und eingleisiger Nebenbahn auf 3,5 x
eigentlich schnell beantworten – Betrieb natürlich! Dazu gibt es 2 m finden – höchstens als abschre-
ckendes Beispiel …
eine Vielzahl der unterschiedlichsten Konzepte, das Spektrum
Eine Frage zwischendurch: Haben
reicht gewissermaßen vom kindlichen Wunschtraum zur „ganz- Sie sich schon mal Gedanken darüber
heitlichen“ Modellbahn; hier einige grundsätzliche Überlegungen. gemacht, wie Sie so eine Anlage als
Einzelkämpfer betreiben wollen? Wür-

I m Kapitel „Was macht eine gute An-


lage aus?“ habe ich schon des deut-
schen Modellbahners Lieblingsthema
die entsprechende Arbeitskraft vorhan-
den ist. In diesem Zusammenhang fällt
mir da gerade die Anlage im Heimat-
den Sie auf der Hauptstrecke zwei Züge
gegenläufig im Kreise düsen lassen,
während auf der Nebenbahn abwech-
„Zweigleisige Hauptstrecke mit ab- museum Geislingen ein, die ein Modell selnd ein Güter- und ein Personenzug
zweigender eingleisiger Stichbahn“ er- der berühmten Geislinger Steige im fährt, von Ihnen höchstpersönlich ge-
wähnt. Dabei würde man im Falle von Maßstab 1:250 darstellt (mit Gleisen steuert? Vielleicht kommen Sie mit dem
Platzmangel eher auf die Stichbahn, als und Zügen in der Baugröße Z). Schlap- Personenzug im Abzweigbahnhof just
auf die Hauptstrecke verzichten. Das pe 28 m ist das Gebilde lang. Der ein- in dem Augenblick an, wenn der
liegt eigentlich in der Natur der Sache, zelne Modellbahner, der seinen Ange- Schnellzug nach kurzem automati-
denn Deutschland ist nun einmal das hörigen in zähem Kampf eine Fläche schen Halt gerade wieder davonge-
Land der zweigleisigen Hauptstrecken, von vielleicht 3,50 x 2 m (meist eher braust ist. Dann können Sie ja eine su-
von denen allenthalben eine schier un- weniger …) abgetrotzt hat, sollte des- perrealistische Lautsprecherdurchsage
endliche Zahl eingleisiger Nebenstre- halb wohl vernünftigerweise die Finger machen: „Der Schnellzug nach Berlin
cken, oft als Stichbahnen ausgeführt, davon lassen. Hbf konnte leider nicht warten. Wir bit-
abzweigten. Jeder, der nur ab und an Dass es dennoch geht, will sagen, ten um Ihr Verständnis.“
mit der Bahn fährt, kann dieses Prinzip dass man dieses Konzept auch auf der Oder darf es doch schon etwas mehr
noch heute studieren. genannten Minimalfläche umsetzen hightech sein – und aus dem Schatten-
Es ist sicher auch eine lohnende He- kann, ist jedoch ebenfalls bewiesen. Zig bahnhof werden programmgesteuert
rausforderung für einen Modellbahn- Gleispläne in den landläufigen Anla- Personen-, Eil-, Schnell-, Nahgüter-
club, dieses Konzept im Modell zu ver- genplanungsbüchern und zahlreiche und Durchgangsgüterzüge über die
wirklichen – sofern natürlich ausrei- Vorstellungen solcher „Quetschkonzep- zweigleisige Strecke gehetzt? Wie kom-
chend Raum zur Verfügung steht und te“ in der Fachpresse zeugen davon. men dann aber die von Ihrem Nahgü-
terzug auf der Nebenstrecke eingesam-
melten Wagen weiter in die große wei-
te Welt?
Der meistens beschrittene Weg, um
diese Probleme zu umgehen, ist der,
sich derartige Gedanken überhaupt
!”MANNSBURG nicht zu machen. Die Anlage wird ein-
fach gebaut. Ist sie dann in etwa fertig,
wird festgestellt, dass man sich vertan
hat. So ging es beispielsweise dem in
einem früheren Kapitel schon erwähn-
ten und zitierten MIBA-Leser K.R. So-
fern meine Informationen stimmen,
%RINGEN haben die wenigsten Modellbahner

7EYER
Viele Bahnhöfe, lange Strecken – so stellt
man sich oft eine Anlage mit interessantem
Betrieb vor. Doch wie betreibt man als einsa-
mer Wolf eine solche Anlage? Im Kapitel
3CHATTINGEN „Machen wir‘s den Großen nach“ werden
wir diesem Plan mit weiteren Fragezeichen
erneut begegnen …

16 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
eine Vorstellung davon, was sie mit der jeden günstigen Luftstrom geschickt Sie bauen Module, treffen sich in riesi-
Anlage anfangen wollen, die zu bauen auszunutzen und vielleicht auch noch gen Hallen und bauen gewaltige Arran-
sie sich anschicken. Das wird schon in ein paar Kunststückchen zu machen. gements mit komplizierten Strecken-
der Planungsphase deutlich. Da wird Der Sinn des Bastelprodukts ist klar netzen auf, um dann den oben genann-
gern von „vielfältigen Fahrmöglichkei- vorgegeben. ten Betrieb abzuwickeln. Daran bin ich
ten“ und von „zahlreichen Rangier- Anders bei der Modelleisenbahn. Da sogar zum Teil selbst schuld, habe ich
möglichkeiten“ gesprochen. Das liest gibt es zahlreiche Fraktionen. Auf einer doch selber vor einem Vierteljahrhun-
sich wie in einem alpinen Ortsprospekt, Homepage fand ich folgendes Bekennt- dert den Fremo ins Leben gerufen und
wo mit „zahlreichen Wandermöglich- nis: „Auf diesen Seiten kann man den die Entwicklung von Modulsystemen
keiten“ geworben wird. Der Prospekt- Bau einer kleinen H0-Modellbahnanla- initiiert. Allerdings sollte der Modulbe-
gestalter muss sich jedoch keine Ge- ge verfolgen … Getreu dem Motto ‚Der trieb in meiner Vorstellung nur eine
danken darüber machen, wie der so Weg ist das Ziel‘ kommt es mir mehr Übergangsphase sein, solange man kei-
Gelockte auf die Berge kommt. Der Mo- darauf an, Freude am Basteln zu ha- nen Platz für eine Anlage hat. Die Sache
dellbahner hingegen muss selbst darü- ben, und wenn die Anlage doch mal ist also nicht ganz so gelaufen, wie ich
ber nachdenken, was mit all diesen fertig ist, werde ich bestimmt nicht lan- es mir gedacht hatte. Aber eines kann
geschaffenen Möglichkeiten konkret ge damit warten, mit der nächsten zu ich sagen: Wer studieren will, wie erst-
geschehen soll und wie das alles mit beginnen.“ klassiger Modellbahnbetrieb à la DB
Leben gefüllt werden kann. Aber genau Hier haben wir es also eindeutig gemacht wird, der besuche einmal ein
das findet sehr selten statt. nicht mit einem Modell-Eisenbahner, Fremo-Treffen.
sondern mit ei- Mit dieser Bro-
Eine erste kurze Fahrt – im Kopf nem Modell-Anla-
Alle Teilgebiete der Modellbahnerei
schüre möchte ich
genbauer zu tun. nun all die unter-
sind gut, wichtig und richtig, aber der
In einem seinerzeit sehr erfolgreichen Das ist auch so in schiedlichen Frak-
Bau und Betrieb einer Anlage, einer
Modellbahn-Lehrbuch schrieb der Au- Ordnung. In die- tionen wieder zu-
Modell-Eisenbahn, macht die Essenz
tor, nachdem er sich länglich über den sem freien Lande sammenführen.
dieses Hobbys aus.
Bau einer Anlage ausgelassen hatte: darf ja jeder nach Und zwar unter
„Was kann unsere Gleisanlage bieten? seiner Façon selig dem Dach einer
Wie läuft der Betrieb ab? Ein kurzer werden. Der Glückliche braucht auch Idee, die der Gründer des Model Rail-
Personen- oder Güterzug oder Trieb- kein Anlagenplanungsbuch, denn beim roader Al Kalmbach bereits sechs Jahre
wagen steht auf Gleis 1 unseres Bahn- Abbruch der Anlage kurz nach Fertig- vor meiner Geburt postulierte (s. gelber
hofes zur Abfahrt zum hochgelegenen stellung ist es recht egal, welchen Gleis- Kasten). In der Esoterik spricht man von
Bergdorf bereit. ... plan sie hatte. „ganzheitlich“, wenn alle Aspekte des
Unsere Demonstrationsanlage ist nun Eins allerdings darf festgestellt wer- Menschen, also Körper, Seele und Geist,
fertig. ... es kann losgehen. ... Vielleicht den: Wenn ich etwas nur herstelle, um entwickelt werden. Ich möchte es daher
fahren wir von Mittelstadt nach Ober- es anschließend zu vernichten statt es auch ganzheitliches Ausüben des Mo-
dorf oder es werden Rangierfahrten zu benutzen, dann wird mit Sicherheit dellbahnhobbys nennen, wenn der Bau
durchgeführt. Welche Aufgabe unsere nicht meine ganze Liebe, mein ganzer von Modellen, der Bau von Anlagen mit
Modelleisenbahn dann des Weiteren Sachverstand, mein ganzes Wohlwollen Gleisen, Gebäuden und Landschaft
übernimmt, wird sich im späteren Spiel- in dieses Projekt gehen. Warum sollte durch das Betreiben des Ganzen in der
betrieb noch zeigen. Viel Spaß!“ ich vor Baubeginn viel Mühe darauf Art, wie es eine richtige Eisenbahn tut,
Na dann viel Spaß, kann ich auch nur verwenden, zu erlernen, welches die abgerundet und mit Sinn erfüllt wird.
sagen. Solch einen konzeptionellen Of- wichtigsten, die fortschrittlichsten
fenbarungseid konnte man noch vor Prinzipien des Anlagenbaus sind? Wa- Wie geht nun eigentlich
nicht allzu langer Zeit gedruckt und ge- rum sollte ich mir Gedanken über eine Betrieb?
bunden kaufen. Unglaublich. Und nie- betriebliche Konzeption machen, wenn
mand scheint es bemerkt zu haben. ich gar nichts betreiben will? Die Überschrift dieses Kapitels ist aus
Das ist frappierend, denn niemand Dann gibt es die Fraktion der Fahr- einem Modellbahnforum im Internet
baut ein Haus, ein Boot, ein Möbelstück zeugselbstbauer, die monatelang, entlehnt. In jenem Unterforum habe ich
oder ein Modellsegelflugzeug, ohne zu manchmal jahrelang an einer Lokomo- allerdings nicht gepostet, sondern nur
wissen, was er mit dem fertigen Pro- tive bauen, bis das perfekte Modell fer- mitgelesen. Dabei habe ich aber schnell
dukt tun will. Aber diese Vergleiche tig ist. „Wissen Sie was“, sagte einmal den Eindruck gewonnen, dass alle, die
hinken allesamt. In dem Haus will man einer der hochkarätigsten Lokbauer zu dort etwas zum Thema sagten, offen-
wohnen, mit dem Boot segeln, wohin mir, „ich will einfach nur mein Modell bar selbst noch keine eigenen Erfah-
auch immer, und das Segelflugzeug flie- fahren sehen und mich daran ergötzen, rungen mit Modellbahnbetrieb ge-
gen lassen, einfach so oder bei Wettbe- wie es läuft. Stundenlang. Sonst nichts.“ macht hatten. So las sich das Ganze
werben. Es gibt jeweils nur einen be- Das ist genauso legitim. Der Mann ist eher wie ein Sammelsurium von Zita-
stimmten Verwendungszweck. eben Modellbauer. ten aus Vorbildvorschriften, Theorien
Bei einer Modellbahnanlage liegen Dann gibt es eine weitere Fraktion, und Phantasien. Quintessenz: Kein
die Dinge ungleich komplizierter, weil für die vorbildentsprechender Betrieb Mensch weiß nichts Genaues nicht.
es schlicht und ergreifend unendlich mit Bild- und Buchfahrplan und allen Wenn ich Anlagenberichte in der Mo-
viele Möglichkeiten gibt. Beim Segel- Schikanen der wirkliche Sinn von Mo- dellbahnpresse lese, schaue ich auch
flugzeug geht es ausschließlich darum, dellbahn ist. Aber diese Leute haben immer, ob etwas darüber geschrieben
es möglichst lange in der Luft zu halten, keine Anlagen und wollen auch keine. wird, wie der Betrieb aussieht, der auf

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 17
den Anlagen stattfindet. Denn das finde Wenn wir nicht Fahrbetrieb machen Der Leser möge selbst entscheiden! Ka-
ich noch wichtiger als Angaben über wollen, sondern Betrieb, geht es also rikatur oder nicht, dass es eine realisti-
das Gleissystem, die verwendeten Lok- darum, das im Modell nachzustellen, sche Darstellung des modernen Bahn-
soundchips und Weichenantriebe. So- was beim Vorbild passiert, oder es zu- betriebes ist, dürfte zweifelsfrei sein.
fern es ihn gibt, enthält der Absatz über mindest zu suggerieren. Da Deutsch- Und dieser Betrieb kann mit einfachs-
den Betrieb in der Regel Angaben, wel- land schon immer das Land der zwei- ten Mitteln automatisiert werden, der
che Zugarten auf der Anlage gefahren gleisigen Hauptstrecken war und es Modellbahner kann sich ganz seinen
werden. Im Übrigen sind das meist fast immer noch ist, hat es eine gewisse Kartoffelchips und seinem Bier wid-
alle. Besonders werden jedoch die ein- Logik, wenn der durchschnittliche Mo- men. Ich vermute aber mal, dass die
gesetzten Lokomotiven genannt. Das dellbahner genau das auf seiner Anlage Leser, denen das als ultima ratio vor-
scheint überhaupt das Wichtigste zu darstellen möchte, frei nach dem Motto schwebt, bis hierher nicht durchgehal-
sein. „What you see is what you want“. Da- ten und diese Broschüre längst wieder
Nun ist der Fahrzeugeinsatz zwei- rüber habe ich mich eingangs schon bei Ebay eingestellt haben …
felsfrei ein Bestandteil des Bahnbetrie- ausgelassen.
bes, aber er ist nicht der Betrieb. Der Jetzt will ich mich mal selber aushe- Absolut vorbildentsprechend,
Betrieb der Eisenbahn besteht aus Zug- beln und einen Vorschlag zur Güte ma- aber doch nicht unbedingt
fahrten nach Fahrplan sowie aus Ran- chen, wie man auf geringstem Platz
gierfahrten zum Bilden und Auflösen eine zweigleisige Strecke bauen und nachahmenswert …
der Züge inklusive Fahrten vom und darauf einen absolut vorbildentspre- Jetzt mache ich mal einen Sprung und
zum Bahnbetriebswerk sowie zur Be- chenden Betrieb darstellen kann. In der lasse meinen genialen Entwurf auch
dienung von Anschlüssen. Es muss also kleinen Prinzipskizze unten auf dieser einen machen, einen Entwicklungs-
einen Fahrplan geben, der regelt, wann Seite haben wir eine schmale Anlage, sprung: Mehr Länge, mehr Breite, dar-
welche Züge von wo nach wo fahren. die in ein Regalfach passt. Die Länge auf die realistische Nachbildung eines
Für die Triebfahrzeuge und Reisezug- lasse ich offen, sie hängt natürlich von bekannten Bahnhofes, ich sage mal
wagen sind Umläufe zu erstellen, damit der Baugröße ab. Wichtig ist, dass et- Bacharach an der linken Rheinstrecke.
stets das richtige Fahrzeug am richti- was weniger als ein Drittel der Gesamt- Und durch diesen Bahnhof fahren na-
gen Ort ist, wo es benötigt wird. Beim länge als sichtbare zweigleisige elektri- türlich nicht nur Einheitszüge, sondern
Güterverkehr muss es ein System für fizierte Strecke ausgebaut und ausge- genau der bunte Mix von ICs, Regional-
die Wagengestellung für Versender und staltet ist. Die beiden Drittel an den expressen und Nahverkehrszügen, die
den Transport zu den Empfängern ge- Enden sind Schattenbahnhöfe hinter im Laufe eines Tages den Vorbildbahn-
ben. Schlussendlich wegnehmbaren hof passieren beziehungsweise dort
ist noch der Perso- Der Betrieb der Eisenbahn besteht aus Buchrücken- halten. Es sind eine Menge. Einen ent-
naleinsatz zu organi- Zugfahrten nach Fahrplan sowie aus imitationen. sprechenden Schattenbahnhof oder
sieren. Rangierfahrten zum Bilden und Auflö- Es könnte Fiddleyard vorausgesetzt, ist das aber
Jeder dieser Punk- sen der Züge inklusive Fahrten vom sich hier zum durchaus machbar. Mehr als das. Es ist
te muss auch bei ei- und zum Bahnbetriebswerk sowie zur Beispiel um schon gemacht worden. Ich habe diese
ner Modellbahnanla- Bedienung von Anschlüssen. eine ICE-Stre- N-Anlage bei einer Ausstellung selber
ge mehr oder weni- cke handeln. in Betrieb gesehen. Vier britische Mo-
ger detailliert geregelt sein, sofern es Dann braucht es eine oder besser zwei dellbahner hielten das Ganze stunden-
einen Betrieb im Wortsinn geben soll. ICE-Einheiten, die in den Schatten- lang in Gang, und es funktionierte bes-
Alles andere wäre „Fahrbetrieb“; ein bahnhöfen stehen und auf Kommando tens. Beeindruckend.
Wort, das sich in den Sprachgebrauch losdüsen. Im sichtbaren Bereich treffen So, alle die jetzt begeistert ausgeru-
eingeschlichen hat, obwohl es bei einer sie sich mit jeweils 280 km/h, Feder- fen haben: „Das will ich auch!“ können
Eisenbahn genau genommen ein weißer weichen sorgen dafür, dass die Züge jetzt auch aussteigen. Sie brauchen kei-
Schimmel ist. Fahrbetrieb ist für mich immer rechts fahren. Natürlich geht ne weiteren Tipps. Schon gar nicht von
das plan- und ziellose Herumfahren von das auch weniger rasant mit S-Bahnen mir. Ich habe mir diesen superrealisti-
Zügen, so wie ich es zum Beispiel auf der oder „Flirts“; verzichtet man auf Fahr- schen Betrieb nämlich eine geraume
kleinen Modellbahnanlage im Haupt- leitungen, eignen sich auch die „Talen- Weile angeschaut und festgestellt, dass
bahnhof von Münster erlebe – wenn ich te“. die vier britischen Freunde mit höchs-
dort einen Euro in einen Schlitz einwer- Ist das jetzt ein absolut genialer Ein- ter Konzentration bei der Sache waren
fe, kann ich eine Weile zuschauen, wie fall, mit dem ich selber meine ganze und dass ihnen nach einiger Zeit deut-
einige Trix-Express-Züge mit Höchst- Argumentation ad absurdum geführt liche Schweißperlen auf der Stirn stan-
tempo ihre Runden drehen. habe oder doch eher eine Karikatur? den. Mit anderen Worten: Sie waren im
Stress. Ich hatte dann abends nach
Ausstellungsschluss Gelegenheit, mit
ihnen zu reden und sie zu fragen, was
sie antreiben würde, diesen Stressbe-
II SICHTBARE3TRECKE trieb durchzuhalten. Antwort: Das
staunende Publikum mit seinen „Ahs“
Auf dieser superrealistischen Anlage der Epoche VI treffen sich im sichtbaren Bereich alle und „Ohs“.
paar Minuten zwei ICEs. Dass es immer wieder die gleichen sind, merkt man ja nicht. Wem das Diese Anlage wurde ausschließlich
zu hastig ist, kann auch zwei S-Bahn-Züge pendeln lassen. Oder zwei Talente. Ist genauso rea- auf Ausstellungen betrieben – das sollte
listisch. uns nachdenklich machen. Wenn wir

18 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
eine Anlage für unseren heimischen Keine durchrauschenden Züge, sondern beschaulicher Betrieb auf einer kleinen Endstation:
Keller konzipieren, müssen wir beden- Nach Ankunft des Zuges wird umgesetzt, ein wenig rangiert, dann fährt die Lok ins BW. IIm-
ken, dass wir weder gelangweilt her- Anlage „Trinité“ von Hans Louvet.
umstehen wollen wie die LGB-Bahner
bei der einen Ausstellung noch in ei- Anlage, nachdem sie sie über 25 (in Deshalb kann ich endlich mit meinen
nem Dauerstress stehen wollen, wie die Worten: fünfundzwanzig) Jahre lang Empfehlungen kommen: Besser ein-
Briten auf der anderen. verbessert, erweitert und vor allen Din- gleisig als zweigleisig, besser Epoche
Auf unserer eigenen Anlage wollen gen betrieben hatten. Ja, betrieben. III oder IV als VI, besser Nebenstrecke
wir zu tun haben, sinnvoll zu tun ha- Beide haben mit einem Team von als Hauptbahn, besser viele Gleisan-
ben, spannend und interessant soll es Freunden auf beiden Anlagen intensi- schließer als ein großes Bw. Die Frauen
sein, aber nicht stressig. Weiterhin ven vorbildgemäßen Betrieb gemacht, sagen immer, alles, was Spaß macht,
müssen wir bedenken, dass wir die An- und das im Durchschnitt jeden Monat macht entweder dick, ist ungesund
lage oft (oder gar immer) allein betrei- einmal. oder verboten. So geht es uns Modell-
ben werden. Deshalb ist es sinnvoll, Tony Koester ist dem aufmerksamen bahnern auch. Alles, was oben auf un-
sich einen Vorbildbetrieb auszuwählen, Leser übrigens schon einmal begegnet, serer Wunschliste steht, soll gestrichen
der diese Bedingungen weitestgehend auf Seite 8. Hier noch einmal das dortige werden, weil es für eine betriebsorien-
erfüllt. Zitat: „Fast jede Modelleisenbahn ist in- tierte Modellbahn angeblich nicht opti-
Zwei von mir hochangesehene ame- teressant zu bauen. Das Geheimnis des mal ist und weil es auf den uns zur
rikanische Modellbahner, Allan McClel- Erfolges ist, eine zu bauen, die Bestand Verfügung stehenden vier Quadratme-
land und Tony Koester, haben vor eini- hat, weil sie gut geplant war.“ Die Frage tern nicht unterzubringen ist. Tut mir
gen Jahren ihre wunderschönen, gro- in der Kapitelüberschrift „Und was ma- leid, ist einfach so …
ßen Anlagen abgebrochen und eine chen wir jetzt damit?“ kann so oder so Bestimmt predigt er Wasser und
neue angefangen. b e a n t w o r t e t trinkt heimlich Wein, wird jetzt man-
Warum erwähne ich Fast jede Modelleisenbahn ist interes-
werden. cher Leser denken. Aber dem ist wiede-
das? Das ist doch sant zu bauen. Das Geheimnis des Er-
Die einfachs- rum nicht so. Meine eigene Anlage ist
schließlich das Nor- folges ist, eine zu bauen, die Bestand
te und klarste gewiss nicht klein, aber sie entspricht
male, oder? So ma- hat, weil sie gut geplant war.
A n t w o r t i s t : in allen Punkten den oben genannten
chen es doch (fast) „Wir benutzen Anforderungen an eine betriebsorien-
alle Modellbahner. sie.“ Das müs- tierte Modellbahn. Deshalb weiß ich
Im Prinzip ja, sagt Radio Eriwan, sen nicht immer 25 Jahre sein – die wer- auch, wovon ich rede. Vor allen Dingen
aber es gibt einen kleinen feinen Unter- de ich mit meiner Anlage wohl auch weiß ich, wie spannend – ohne zu
schied. Allan McClelland und Tony nicht mehr erreichen – aber eine Reihe stressen – der Betrieb auf einer der-
Koester verschrotteten ihre jeweilige von Jahren sollte es schon sein. artigen Anlage ist!

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 19
Nicht nur eine Frage der Definition …

Kann eine Modellbahn-


anlage Kunst sein?

Die Dame, die hier das Felsmassiv nach dem Vorbild der Harzer Wollsackverwit-
terung auf der Anlage des Verfassers einfärbt, ist zwar eine „richtige“ Künstle-
rin. Aber kann eine Modellbahnanlage allein dadurch ein Kunstwerk werden?

Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens, schrieb zeichnete er auch die Kunstfertigkeit
und „die Dinge der menschlichen Kul-
einmal Jean Paul. Das könnte im Prinzip auch für eine Modell-
tur, die zweckmäßig sind und gerade
bahn gelten; in diesem Sinn ein kurzer Essay über Banalität und durch ihre Zweckmäßigkeit eine über
Kreativität, über Wollen, Ringen und Können. die Funktion herausgehende Schönheit
entwickeln.“3 In Bergbaumuseen erfah-

B eim Wort Kunst denken wir zu-


nächst an das, was wir im Kunst-
unterricht behandelt oder hergestellt
Design-Shop. Wer sich die Frage stellt,
ob eine Anlage Kunst sein kann, kommt
nicht daran vorbei, sich mit dem Kunst-
ren wir noch heute, dass ein Wasserrad
zum Antrieb von Haspeln oder Pumpen
„Kunstrad“ genannt wurde und eine
haben: Aquarell- und Temperabilder, begriff auseinander zu setzen. „Um als mechanische Einrichtung, die die Ein-
Kohlezeichnungen, Plastiken aus Draht Kunst zu gelten, müssen die Schöpfun- fahrt des Bergmanns in die Tiefe er-
oder Ton, eventuell auch Ölgemälde. gen ein überdurchschnittliches Maß an leichterte und beschleunigte, als Fahr-
Die Herstellung von Gebrauchsgegen- Ästhetik und Originalität mitbringen“, kunst.
ständen wie Vasen, Schalen oder Sitz- schreibt beispielsweise der Hamburger Erst Anfang des 20. Jahrhunderts
möbel erlernten wir – falls überhaupt Professor C. Tiedemann1. „Das indivi- verengte sich der Kunstbegriff bezüg-
– im Werkunterricht. Das hat uns, von duelle Unikat soll Resonanz und Identi- lich bildender Kunst auf Malerei, Bild-
uns selbst wahrscheinlich unbemerkt, fikation beim Betrachter ... auslösen“, hauerei, Grafik und Architektur. Im
zu der Auffassung gebracht, dass Din- fordert die Arbeitsgemeinschaft Hand- Laufe des Jahrhunderts wiederum er-
ge, die man benutzen kann, nicht Kunst werk Kunst Design Münster2. weiterte er sich infolge des Aufkom-
sein können. Dem entspricht auch die Der Kunstbegriff ist einem steten mens neuer Medien und umfasst seit-
Auffassung, Kunst sei das „zwecklos Wandel unterworfen. Im Altertum und her auch Fotografie, Computergrafik
Schöne“. im Mittelalter umfasste der Begriff und Installationen. Seitdem es eine
Dennoch begegnen uns Gebrauchs- „ars“ (Mehrzahl „artes“) auch alle Kunstszene und eine Kunstkritik gibt,
gegenstände, die den Anspruch haben, handwerklichen Tätigkeiten, bei denen urteilen diese darüber, ob etwas Kunst
künstlerisch gestaltet zu sein. Dann be- Können verlangt wird. Von Können lei- ist oder nicht. Aber auch sie unterlie-
finden wir uns vielleicht auf einem tet sich der deutsche Begriff Kunst ja gen einem Werte- und Auffassungs-
Kunsthandwerkermarkt oder in einem auch ab. Noch im 19. Jahrhundert be- wandel.

20 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Schauen wir auf ein interessantes sitzt und „ein überdurchschnittliches denn hin?“ lässt erkennen, dass Holz
Projekt, das die Brücke zu unserem Me- Maß an Ästhetik und Originalität mit- als Hauptfracht der Bahn wahrgenom-
tier schlagen kann: Die fiktive Minia- bringen“5 muss. Er muss Geschmack men worden ist und damit eine wichti-
turwelt der Künstler Bätz und Kiedorf haben, aber auch eine gehörige Portion ge Aussage der Anlage: Dies ist eine
„Rococo en miniature“ im Schloss Hei- Arroganz. Er muss nicht um Anerken- Bahn im Waldgebirge, wo Holz ein ent-
decksburg/Thüringen hat den Sprung nung der Kunstszene buhlen, die ihm scheidender Wirtschaftsfaktor ist.
in die anerkannte Welt der Kunst ge- gleichgültig sein kann. Selbstverständlich erhofft sich der
schafft.3 Die in ungewöhnlicher Präzi- Jeder Künstler lebt von der möglichst Künstler auch Anerkennung für seine
sion geschaffene Miniaturwelt des Ro- positiven Resonanz des Betrachters. gestalterische Leistung, die, wenn nicht
kokos im Maßstab 1:50 erzählt die Ge- Wenn seine alte Mutter beim Anblick perfekt, so doch überdurchschnittlich
schichten der fiktiven Königreiche seines Werkes in ein „Ach wie süß!“ sein, sprich aus der Masse der Tänn-
Dyonien und Telarien. Umfangreiche ausbricht oder der Nachbar mit „Toll! chen-und-Männchen-Anlagen heraus-
Dokumentationen, Karten, Pläne und Das hat aber ’ne Kleinigkeit gekostet, ragen sollte. Bemerkungen wie „Ich
Skizzen sind Teil dieses Projektes, ganz wie?“ reagiert, dann macht das eigent- habe noch nie einen solch tiefen dunk-
so wie es in diesem Buch auch bei der lich nichts. Wenn jedoch ein Mann vom len Wald im Modell gesehen“ sind uns
Mehrzahl der Anlagenvorschläge der Fach, dem er auf Augenhöhe begegnen da genehmer als die Feststellung, das
Fall ist. einzige Reh sei
Was das vorge- „allerliebst“ …
nannte Projekt Eine Modell-
über das Niveau bahn-Anlage
d er n i e dl i c h en kann sehr wohl
kleinen Puppen- ein Kunstwerk
stuben hinaus- sein und der Er-
hebt, ist – neben bauer demnach
den Dimensionen ein Künstler. Eine
und der Komple- Voraussetzung ist,
xität – sicherlich dass der Erschaf-
das stimmige Ge- fende nicht dilet-
samtkonzept und tiert, sondern sich
die Einbindung so viele Kenntnis-
der filigranen se über sein Sujet
handwerklichen und so viele zum
Arbeit in dieses Thema gehören-
originelle und den Fertigkeiten
durchdachte Sze- wie möglich an-
nario. Das sind eignet und da-
Dinge, mit denen Die Gestaltung von Form und Farbe, sofern es sich nicht um Gegenstände des täglichen nach planvoll zu
auch ein Anlagen- Gebrauchs handelt, wird gemeinhin der Kunst zugerechnet. Kann das auch bei Modellbahn- Werke geht.
bauer punkten Anlagen gelten? Wenn die Gestaltung der Landschaftsoberfläche mit dem Ziel, Identität und We n n e r a l s
kann. Stimmung zu erzeugen, keine Kunst ist, was ist sie dann? Konsequenz einer
Dennoch ist es längeren Willens-
nicht zu erwarten, dass irgendeines Ta- möchte, das Gleiche sagt, ist es ein Fi- bildung festgelegt hat, was er darstellen
ges eine Modellbahnanlage von der ge- asko. Entweder hat er einen eher tum- will, begibt er sich in einen Prozess der
nannten Kunstszene als Kunst einge- ben Kollegen eingeladen, oder aber – Formgebung. Dieser kann als Entwurf
stuft werden wird. Das ist aber auch und das wäre der künstlerische Offen- auf dem Reißbrett oder Bildschirm be-
gar nicht nötig, denn „Kunst ist das barungseid – sein Werk drückt nichts ginnen und sich als zähes Ringen fort-
Ergebnis menschlicher Kreativität, eine Besonderes aus. setzen, um die Form des zu schaffen-
schöpferische Leistung. Dies lässt sich Was soll und kann ein Modellbahn- den Kunstwerkes zu optimieren und zu
schwer dingfest machen, da jeder anlagen-Künstler erreichen? Welche raffinieren und nach dessen Schönheit
Künstler seine eigenen Vorstellungen und wessen Anerkennung? Es wäre zu streben. Durch dieses Design ge-
von Kunst und seine eigene Herange- wünschenswert, nicht nur vom Eisen- nannte Bemühen wird es ihm gelingen,
hensweise an kreativ-künstlerisches bahn- und Modellbahnfachmann eine ein Werk zu kreieren, das sowohl schön
Handeln hat.“ 4 Es geht also darum, kompetente Resonanz zu erhalten, son- als auch aussagekräftig ist und damit
dass der Erbauer einer Anlage sich sel- dern auch von Nichtfachleuten, freilich sowohl gefällt als auch überzeugt.
ber als Künstler begreift und die Ab- auf einer anderen Ebene. Wenn jemand
sicht und den Willen hat, eine schöp- nach kurzem Betrachten der Anlage 1 www.sport.uni-hamburg.de/infodoc/di-
ferische Leistung als Produkt seiner fragt: „Gab es denn damals schon den gitalepublikationen/tiedemann/kunstde-
Kreativität zu erbringen. Seine Heran- Lanz-Bulldog?“, dann ist einiges er- finition.html
gehensweise bestimmt er ohnehin sel- reicht, denn der Mensch hat die Festle- 2 www.handwerk-kunst-design.de
ber, wie jeder andere Künstler auch. gung der Anlage in die Zeit vor dem 3 www.kunst-für-alle.de
Aber gerade hier gilt, dass der Künstler Zweiten Weltkrieg auf Anhieb erkannt, 4 fksfl.de/berichte/elstercon_flyer_2006.
etwas können muss, dass er „zur Per- nur durch Augenschein. Eine Bemer- pdf
fektion entwickelte Fertigkeiten“4 be- kung wie „Wo geht das ganze Holz 5 www.linkheim.de

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 21
Ein Thema mit Variationen Wenn besagter Papa an seinem Pkw
eine Anhängerkupplung hat, kann er
auch einen Anhänger mieten und die

Vollbach – die Platte im Ganzen heimschaffen. Voraus-


gesetzt, er hat jemanden zum Anfassen
und daheim genug Platz, das Ding hin-

Weihnachtsanlage zustellen. Wie auch immer, bei meinen


künftigen Ausführungen und Überle-
gungen werde ich immer von diesem
Standardmaß von 1,22 x 2,44 m ausge-
Schritt für Schritt geht es vom ersten bescheidenen Gleisoval aus hen. Für H0 ist dies ein ideales Maß für
der Startpackung zu einer „richtigen“ Modellbahnanlage, auf der eine Kleinanlage, bei TT oder N darf es
auch etwas weniger sein.
sogar vorbildgerechter Betrieb stattfinden kann. Dazu ist noch Ach, wir haben gar nicht darüber ge-
nicht einmal allzuviel Aufwand erforderlich – und als Grundlage sprochen, wie dick die Sperrholzplatte
denn sein soll. Da gibt es diverse Lager.
dient die Standard-Sperrholzplatte aus dem Baumarkt.
Die einen meinen, viel hilft viel und si-

E s passiert vielleicht nicht mehr so


oft wie früher, aber es passiert
schon noch: Wie im Kasten unten be-
terzug mit drei Wagen, am Heiligen
Abend unterm Tannenbaum seine Run-
den ziehen.Wenn das Interesse den Jah-
cher ist sicher. Meiner Meinung nach
reichen acht Millimeter, dafür sollte
man lieber etwas höhere Kanthölzer
schrieben, kommt zu Weihnachten eine reswechsel überlebt, ist im Januar Zeit, für den Rahmen nehmen, den man zur
Modelleisenbahn ins Haus. Notfalls wird die Bahn auf eine Platte zu montieren Versteifung darunter schraubt. Aber
dem dreijährigen Filius eine geschenkt, und mit etwas grünem Streumaterial das ist ja hier nicht unser Thema.
weil Papa sich nicht zu bekennen traut, eine Landschaft anzudeuten. Also geht Steht die wie auch immer gut ver-
dass er selber (wieder) eine will. Meist der Papa in einen Baumarkt und ver- steifte Platte endlich auf zwei Böcken
ist es eine Anfangspackung mit einem langt eine Sperrholzplatte (hoffentlich oder vier Beinen, kann das Gleismate-
Oval und einem Paar Weichen. Dann sagt er nicht Spanplatte, dann ist der rial aus der Anfangspackung darauf
kann der Zug, heute meist ein ICE, bei Hexenschuss nebst einigen weiteren ausgelegt werden. Auf jeden Fall sollte
ein wenig Glück auch schon mal ein Gü- Problemen vorprogrammiert). Eine gan- aber die Höhe nicht zu gering sein, da-
ze Platte, 1,22 x 2,44 m groß, sei am mit unser Kreuz geschont wird; min-
günstigten, wird ihm der Verkäufer destens einen Meter über dem Fußbo-
beim Holzzuschnitt raten. den, besser 1,20 m haben sich als
Das uns krumm erscheinende Maß günstig erwiesen. Danach kann auf den
erklärt sich dadurch, dass diese Platten Gleisen „herumgedüst“ werden, gewis-
in Fern-Südost in erster Linie für den sermaßen eine Kreisbahn auf höherem
amerikanischen Markt hergestellt wer- Niveau.
den – da sind das genau 4 x 8 Fuß. Aber auch dieses höhere Niveau wird
Wenn es ein kulanter Baumarkt ist, wird auf die Dauer nicht an der Erkenntnis
So könnte der Gleisplan der Anlage unterm er sie unserem Beispielpapa auch ohne vorbei helfen, dass das reine „im-Kreis-
Tannenbaum typischerweise aussehen, hier Aufpreis so durchschneiden, dass er sie herum-Fahren“ letztendlich eine ziem-
bereits auf die 1,22 x 2,44 m einer Standard- händeln und transportieren kann, also lich reiz- und trostlose Angelegenheit
Sperrholzplatte gebracht. je nach Pkw halbieren oder dritteln. ist. Andererseits ist unsere Standard-

E s gibt gewiss eine Reihe von Möglichkeiten, zu definieren, wann


jemand ein Modellbahner ist. Ich biete heute einmal diese: Für ei-
nen Modellbahner endet die Saison der elektrischen Eisenbahn, anders
als für den Durchschnittsbürger, nicht am Dreikönigstag – er beschäf-
tigt sich das ganze Jahr mit diesem Hobby. Dennoch bleibt es ein Fak-
tum, dass in großen Teilen der Bevölkerung die Ansicht weiterlebt, dass
die elektrische Eisenbahn ihren Platz unterm Weihnachtsbaum hat und
wieder in die Kartons gepackt gehört, wenn der Baum abgetakelt wird.
Dagegen werden wir nicht viel ausrichten können, haben die elektro-
nischen Spielmöglichkeiten diese Tendenz doch eher verschärft.
Aber so ganz kampflos und mit gesenktem Haupt möchte ich das Ter-
rain nun doch nicht räumen. Ich habe nämlich den nicht ganz unbegrün-
deten Verdacht, dass diesem vorterminierten Wegpacken der Modell-
eisenbahn nach der ersten Januarwoche in der Regel nur deswegen
kein entschiedener Widerstand ihrer Benutzer entgegengebracht wird,
weil das Herumjockeln auf dem bescheidenen Weihnachtsoval ihnen
bereits vor der Silvesternacht schon keinen richtigen Spaß mehr ge-
macht hatte …

22 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
I
Kohlenhandel
Ladestraße
EG

Riefenstein

Vollbach
EG
GS

&

Sperrholzplatte nicht größer als sie ist Die Tannenbaumanlage war unser Ausgangspunkt, gewissermaßen unsere Variante 0. Jetzt
und kaum für eine elaborierte point-to- machen wir daraus eine Anlage mit zwei funktionalen Bahnhöfen; eine andeutungsweise op-
point-Anlage geeignet. Aber zwei Bahn- tische Trennung durch eine Baumreihe bewirkt schon gleich die Illusion von Entfernung – und
höfe, zwischen denen ein Zug verkeh- wir haben das Gefühl, dass unsere Züge irgendwohin fahren und dabei etwas transportieren.
ren kann, sollte die Anlage wenigstens
haben. Deshalb schicken wir unseren Vollbach I: Fünf neue Weichen gibt das Gefühl, es mit einer konkreten
oben genannten Papa (den wir künftig Eisenbahn zu tun zu haben. Vollbach
und etwas Flexgleis
einfach den Modellbahner nennen wol- ist mit seinen fünf Weichen natürlich
len) noch einmal zum Händler und las- Die Weichen werden nun nicht dazu der Hauptbahnhof dieser Anlage, oder
sen ihn ein paar Weichen und einige missbraucht, einen zweiten Rundkurs besser gesagt der wichtigste Bahnhof,
Meter Flexgleis kaufen. Ja, richtig gele- zu eröffnen und auch nicht über die denn von einem echten Hauptbahnhof
sen: Flexgleis. Wie, unser blutiger An- Anlage verteilt, sondern in zwei Bahn- hat er rein gar nichts. Und Riefenstein
fänger soll Flexgleis kaufen und verle- höfen, Vollbach und Riefenstein, kon- mit immerhin zwei Weichen ist auch
gen? Doch, doch – das ist sozusagen zentriert. Natürlich kann jeder die ein richtiger Bahnhof, in dem es etwas
das Initiationsritual zur Aufnahme in Bahnhöfe auch anders nennen, aber zu tun gibt.
die Welt der ernsthaften Modellbahner. benennen sollte er sie. Das ist, wie Natürlich kann man auch auf dieser
Je eher, desto besser, am besten gleich schon an anderer Stelle in dieser Bro- Anlage einen Zug wie unterm Tannen-
zu Anfang. schüre diskutiert, identitätsstiftend und baum munter seine Kreise ziehen las-

Meine besondere Sensibilität für dieses Thema rührt daher, dass ich als Ovale. Aber selbst wenn ein Zug abwechselnd auf dem einen oder
Zwölfjähriger eine Märklin-H0-Bahn geschenkt bekam, deren Strecke dem anderen Oval herumdüsen kann, wird die Faszination kaum bis
tatsächlich nur aus zwölf gebogenen Gleisstücken bestand – also ein zum 6. Januar reichen.
Blechschienenkreis von 76 cm Durchmesser. Diesen Schienenkreis hat- Seitdem ich mich als Erwachsener mit der Modelleisenbahn be-
te mein wohlmeinender Stiefvater in spe auch noch auf einem rund schäftige, treibt mich der Gedanke um, wie die Faszination, die die
fünf Zentimeter hohen, massiv aus Gips gegossenen Bahndamm fest typische weihnachtliche Modelleisenbahn zunächst hat, über das
verschraubt, sodass ich nicht einmal die Möglichkeit hatte, aus den Ende der Feiertage hinaus bewahrt und wie daraus letztlich ein
zwölf gebogenen Gleisstücken eine S-Kurve zu bilden. Nicht einmal kreatives Hobby werden kann. Natürlich weiß ich, dass nicht wenige
das! Möglicherweise wurde so schon das Saatkorn gelegt, das jetzt in derart Beschenkte die elektrische Eisenbahn zwar zunächst wieder
Form dieser Broschüre zur Reife gelangt. Ich weiß jedenfalls, dass ich vergessen, das Hobby dann jedoch Jahre später neu entdecken – sei
noch am Heiligen Abend den Spaß an der Modelleisenbahn, die ich mir es durch den Besuch einer Messe, durch ein suggestiv gestaltetes
doch so sehnlichst gewünscht hatte, verlor. Schaufenster oder durch ein zufällig erspähtes MIBA-Heft in der
Andere Jungen mögen etwas mehr Glück gehabt haben als ich; viel- Bahnhofsbuchhandlung.
leicht haben sie auch eine der besseren Anfangspackungen bekommen, Doch vielleicht müsste diese lange Lücke gar nicht entstehen, wenn
die mehrere gerade Gleisstücke und möglicherweise sogar Weichen es Anleitungen gäbe, wie man aus dem Oval unterm Weihnachts-
enthielt. Aber selbst hier suggerieren die beigegebenen Abbildungen baum recht schnell eine Anlage bauen kann, die, Stück für Stück
meist nur, dass man aus all dem Gleismaterial entweder ein Oval mit intelligent erweitert, die Faszination nicht nur hält, sondern wach-
Ausweichgleis bauen konnte oder vielleicht zwei ineinanderliegende sen lässt. Mit diesem Kapitel versuche ich das. OOK

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 23
aus der er gekommen ist. Bei reinen
Hauptelement des Betriebes: Das Umsetzen Triebwagenzügen geht das natürlich
immer, bringt aber kaum Betriebs-
effekt; eine Lok umzusetzen bringt da
GS
Gs EG
EG
Vollbach wesentlich mehr „Äktschn“.
Im Bahnhof Riefenstein kann leider
nicht umgesetzt werden, dazu fehlt die
zweite Anbindung des Nebengleises.
Aber auch so ist der Bahnhof span-
Der Güterzug ist in Vollbach eingetroffen. Von hier soll der Zug zurückfahren, also muss nend; denn beide Enden des Neben-
die Lok ans andere Zugende. gleises haben besondere Funktionen.
Das rechte Ende – der Stummel, auf
GS dem ein Güterwagen abgestellt werden
EG
kann – ist beispielsweise der Anschluss
eines Baustoff- und Kohlenhändlers,
das linke, längere Ende dient dagegen
als Freiladegleis mit der Ladestraße.
Infolge der fehlenden Weiche und
GS
Umsetzmöglichkeit kann die Ladestra-
EG ße nur von Zügen bedient werden, die
im Uhrzeigersinn fahren, der Kohlen-
handel nur von solchen, die in der Ge-
genrichtung verkehren. Der Güter-
schuppen in Vollbach hingegen kann
immer bedient werden, da man ja um-
Die Lok kuppelt ab und zieht vor bis über die letzte Weiche. Dann fährt sie durch Gleis
setzen kann.
3 an ihrem Zug vorbei bis über die letzte Weiche am anderen Bahnhofsende. Anschlie-
ßend kann sie zurückdrücken und an ihren Zug ankuppeln. Fertig. An diesem Vorgang
Diese Möglichkeiten sollten Vater und
scheiden sich die Geister – wer sich auf dieses „Getue“ einlässt und es als belebend
Sohn (oder wen auch immer …) eine
empfindet, hat das Zeug zum Betriebsmodellbahner …
Weile bei Laune halten. Dann, wenn
diese Weile vorbei ist, gibt es zwei Mög-
GS
lichkeiten: Entweder finden die beiden
EG eine Modellbahn doch nicht so pri-
ckelnd und wenden sich wieder ihren
Bildschirmen zu – oder sie wollen
mehr. Eine zweite Lok, mehr Güterwa-
gen und vor allen Dingen mehr Gleise
zum Rangieren.
sen, so lange, bis man sich sattgesehen Richtige Bahnhöfe mit richtigen Gehen wir einmal optimistischerwei-
hat. Aber es ist dem aufmerksamen Le- se vom letzteren Fall aus. Dann – vor-
Betriebsmöglichkeiten
ser sicher nicht entgangen, dass das ausgesetzt, es sind einige Güterwagen
Oval seine geometrische Korrektheit Der Bahnhof Vollbach hat drei durch- vorhanden – kann man anfangen, ein
wie in der Variante 0 verloren hat. Die gehende Gleise, sodass auch umgesetzt wenig mit dem Rangieren zu experi-
Kurven rechts und links sind fast wie werden kann, wenn sich zwei Züge mentieren. Aber jetzt sollte man sich
„freihand“ gezeichnet und mit einem gleichzeitig im Bahnhof befinden, die von Anfang an vor dem „SPUK“-Modus
gewissen Schwung in die rechte obere einander kreuzen oder überholen. Der hüten – dem „Spontanitäts- und Könn-
und die linke untere Ecke gewandert. Begriff „Umsetzen“ hat bei Eisenbah- te-Modus“ nach dem Muster: „Ach, ich
So bleibt auch drumherum noch Platz nern zwei Bedeutungen. Die eine Be- könnte doch jetzt mal den letzten Wa-
für ein wenig Landschaftsgestaltung. deutung von „Umsetzen“ ist, einen bei- gen in Riefenstein an die Ladestraße
Die Bäume in der Innenkurve rechts spielsweise in Gleis 1 eingefahrenen stellen.“ Klar, das geht zwar auch, aber
würden Sie, lieber Leser, vermutlich Zug komplett in ein anderes Gleis zu ein Modellbahnbetrieb mit Sinn ent-
nicht setzen. Dann ist der Zug nämlich fahren, also etwa nach Gleis 2 „umzu- steht so nicht. Im richtigen Leben kann
nicht mehr so gut zu sehen, stimmts? setzen“. Die zweite und wichtigere: die ein Zugpersonal niemals entscheiden,
Aber gerade deswegen habe ich sie Lok vom Zug abkuppeln, auf einem Pa- welcher Wagen wohin zu bringen und
dort platziert. Wenn wir unseren Zug rallelgleis den eigenen Zug umfahren welcher von wo abzuholen ist. Dies
einmal für einige Sekunden aus dem und am anderen Ende wieder ankup- wird von „höherer Warte“ vorgegeben!
Blick verlieren, geht nichts verloren, peln. In der Zeichnung oben ist das Dies sollten wir zumindest simulieren,
gewonnen wird hingegen die Illusion, bildlich dargestellt. damit unser Betrieb einen Hauch von
er sei woandershin weggefahren. Was So ist es beispielsweise möglich, je- Realität bekommt.
ja richtige Züge, wie man hört, auch weils nach einer bestimmten Anzahl Im Anfangsstadium reicht es, wenn
tun. Aber tun Sie mir einen Gefallen von Runden, die Drehrichtung eines diese Festlegungen zwar von uns
und stülpen sie dort nicht einen dieser Zuges in Vollbach zu ändern. Die Lok selbst, aber in zeitlicher Distanz erfol-
käuflichen gebogenen Tunnel über das setzt um und der Zug verlässt den gen, also bevor wir überhaupt mit un-
Gleis … Bahnhof anschließend in die Richtung, serem Zug losgefahren sind. Der Güter-

24 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Den Wagen E kann der gegen den Uhrzei-
gersinn verkehrende Güterzug nicht mit-
A B C
nehmen, aber den Wagen D gegen den E
D

Wagen A austauschen, das geht. Kohlenhandel


Ladestraße

EG Riefenstein

Der in Riefenstein umgebildete Güterzug


trifft nun in Vollbach ein, wo der Wagen C EG Vollbach
GS
an den Güterschuppen soll. Zwischenzeit-
C
lich kann der Schienenbus in Richtung
B
Riefenstein weiterfahren. D

zug fährt beispielsweise mit den Wagen Wer jetzt Blut geleckt hat, wird sich schöpft sind, wollen wir versuchen, mit
A, B und C gegen den Uhrzeigersinn nun wünschen, die kleine Anlage doch nicht allzuviel Aufwand und Investition
von Vollbach ab und wird nach der noch etwas betriebsfreundlicher aus- zu mehr betrieblichem Pep zu kom-
dritten Runde in Riefenstein den Wa- zustatten. Ohne sie zu vergrößern na- men. Wichtigste Neuerung betrifft Rie-
gen A, der gleich hinter der Lok läuft, türlich, denn mehr Platz als es gibt, fenstein; der Bahnhof hat jetzt eine
beim Kohlenhandel absetzen und den gibts eben nicht … Umsetzmöglichkeit und ein weiteres
dort stehenden Wagen D aufnehmen. längeres Stumpfgleis bekommen. Nur
Nach zwei weiteren Runden wird in Vollbach II: Jetzt geht es in die zwei Weichen mehr – und schon ist es
Vollbach gehalten und der Wagen E an weite Welt hinaus ein „richtiger“ Bahnhof geworden, in
den Güterschuppen gesetzt. Das wird dem auch gekreuzt und umgesetzt wer-
festgelegt, ohne vorher zu schauen, ob Beim ursprünglichen Oval waren die den kann. In Vollbach sind die Erweite-
das einfach geht oder kompliziert ist. Gleise einfach auf die Sperrholzplatte rungen bescheidener; hier ist ein klei-
Doch das soll vorbildentsprechendes geschraubt oder geklebt. So fängt es in ner Gleisstummel für das Lagerhaus
Rangieren sein? Noch nicht wirklich, der Regel meistens an. Geschraubt eines Bahnkunden hinzugekommen. Es
dazu ist die Anlage etwas klein. Im wäre besser, solange man noch vorhat, könnte auch ein Freiladegleis sein,
Prinzip stimmt es aber schon – wieviel größere Änderungen vorzunehmen. dann braucht man kein Gebäude.
da zu tun ist und welche Rangierbewe- Davon gehen wir in diesem Fall einmal Es gibt da jedoch noch eine kleine
gungen für diese beiden simplen Aufga- aus. Nachdem die Reize der ersten Va- Neuerung, die gar nicht so sehr ins
ben nötig sind, kann man mit ein paar riante von Vollbach weitgehend er- Auge fällt (und auch gar nicht fallen
auf dem Teppich zusammengesteckten
Gleisstücken oder notfalls mit Papier- Nur vier Weichen mehr als in der ersten Variante, aber sehr viel mehr betriebliche Möglichkei-
schnipseln auf einem gezeichneten An- ten. Jetzt haben wir zwei richtige ausgewachsene Bahnhöfe. Nun können hier auch zwei Spie-
lagengleisplan ausprobieren. Es wartet ler zugleich erfahren, wie spannend Modellbahnbetrieb sein kann. Dies geht auch auf einer
eine Überraschung auf den Leser! so kleinen Anlage.

II

EG

Riefenstein

Vollbach
EG
GS

Lagerhaus &

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 25
soll!). Sie ist einigermaßen kaschiert – wie möglich aus der Anlage herauszu- Der Güterzug aus Nordheim fährt
es handelt sich um das Stumpfgleis halten – außer wenn ab und zu eine nun also in Riefenstein in Gleis 2 ein,
rechts unten in der Ecke, verborgen kleine Entgleisung, ein unbeabsichtig- denn auf Gleis 1 wartet seit einiger Zeit
hinter hohen Bäumen. Da kann ein tes Entkuppeln oder die störrische Wei- die aus Vollbach gekommene Schienen-
kurzer Zug, etwa eine V 100 mit ein gerung einer Lok, wieder anzufahren, busgarnitur mit angehängtem Stück-
paar Güterwagen, bei Spielanfang auf die fünffingrige Nachhilfe erforderlich gutwagen. Später, wenn wir uns mehr
der Lauer liegen und auf Abruf aus dem machen. über den Betrieb beim Vorbild infor-
Versteck hervorkommen; eben so, als Im Fiddleyard ist das ganz anders. miert haben werden, werden wir den
käme er von ganz woanders aus der Was im sichtbaren Teil der Anlage als Güterzug nicht einfach einfahren las-
großen weiten Welt der Eisenbahn her, unfeiner Notbehelf gilt, ist hier Metho- sen, sondern ihn erst einmal vor dem
zumindest vom nächsten Bahnknoten. de. Hier ist alles möglich: Wir dürfen Signal Ne 1 (Trapeztafel) halten lassen.
In dieses Versteck fährt er auch bei die Lok vom Gleis heben und ans ande- Aber das ist etwas für Kenner und wird
Spielende wieder zurück in einem späteren Kapitel
und ist damit sozusagen ausführlich erläutert.
„off-line“. Jetzt fahren wir einfach
Mit diesem in die Ecke ge- auf Sicht ein. Nachdem die
quetscht und hinter Bäumen Weichen gestellt sind, kann
versteckten Gleisstummel der Schienenbus den Ab-
hat auf dieser kleinen Anla- fahrauftrag erhalten und
ge etwas Einzug gehalten, macht sich von dannen. Und
was sich eigentlich nur we- wohin fährt der nun? Das
sentlich größere Anlagen haben wir vorher entschie-
leisten können – ein „Fidd- den, als wir den „Fahrplan“
leyard“. Wir könnten ihn aufstellten. Entweder geht es
auch Schattenbahnhof nen- Die in Variante II gesetzte Baumreihe erzeugt die Illusion von Entfer- direkt nach Nordheim, oder
nen, ein Wort, das in der Mo- nung. Nach Höherlegung der Straße in Variante III wird dies noch er macht noch eine Ehren-
dellbahnszene besser be- deutlicher. runde über Vollbach, bevor
kannt ist. Was ihn von einem er im Fiddleyard verschwin-
gewöhnlichen Schattenbahnhof unter- re Ende des Zuges setzen, einzelne Wa- det. Auf jeden Fall ist er am Ende weg-
scheidet, ist vor allem die Tatsache, gen aus dem Zug nehmen und durch gefahren, ein ganz wichtiger Punkt.
dass er gar nicht im Schatten liegt andere ersetzen, die Reihung der Wa- So, und was wird nun aus unserem
(wenn wir mal vom Schattenwurf der gen verändern, was auch immer. Güterzug? Muss er kreisen bis ans
hohen Bäume absehen), sondern ganz Das kleine Stumpfgleis, das wir hier Ende aller Tage? Mitnichten, sein Ziel
normal auf der Anlagenplatte. Na ja, hochtrabend Fiddleyard genannt ha- heißt Vollbach, was sonst? Dort verteilt
und er hat nur ein einziges Gleis. Aber ben, ist nur knapp siebzig Zentimeter er seine Wagen an die vorbestimmten
das ist schnell verlegt und kann sofort lang. Betrieblich und in unserer Vor- Plätze. Anschließend wird aus den be-
in den Betrieb einbezogen werden, stellung ist es aber viel länger, stellt es reits in Vollbach stehenden Wagen der
während hingegen der Bau eines rich- doch den nächsten Knotenbahnhof in- Gegenzug gebildet. Dieser fährt über
tigen Schattenbahnhofes unter der An- klusive der Strecke dorthin dar … Riefenstein zurück nach Nordheim.
lage inklusive Zufahrten je nach Größe Aber da steht doch schon der Schie-
und vorhandener Freizeit ein Jahr oder Ganz neue Möglichkeiten nenbus! Na und – schon vergessen,
mehr dauern kann. Außerdem ist die dass es ein Fiddleyard ist? Also wird
Anlage während dieser Zeit eine Total- So, jetzt geht es los. In diesem „Knoten- der große Fünffingerkran angeworfen
baustelle, auf der nichts läuft. bahnhof“ bilden wir (mit den Fingern) und der Schienenbus neben das Gleis
Das Wort „yard“ bezeichnet im Eng- den Zug. Auch hier hüte man sich vor gestellt. Ich könnte jetzt noch einige
lischen den Rangierbahnhof; und ähn- dem SPUK-Effekt und legt am besten Absätze lang schwärmen, welche be-
lich wie beim fiedeln wird dort fleißig vorher fest, was da an Wagen in den Zug trieblichen Varianten mit dieser Gleis-
hin- und hergefahren. Etwas freier soll. Dann warten wir die Zeit ab, die er konfiguration II möglich sind. Aber ich
könnte man auch „Gleisanlage zum für die imaginäre Streckenfahrt brau- traue es dem Leser zu, diese jetzt selber
fummeln“ oder etwas neutraler mit chen würde und starten den Zug just in herauszufinden und wende mich kurz
„mit den Händen d e m M o m e n t , dem Thema Gestaltung zu.
eingreifen“ über- wenn er die Stel-
Der Hauptnachteil aller flächigen Anlagen,
setzen. Denn das le mit der Ab- Zwischendurch ein wenig
dass man stets alles zugleich sieht, kann
ist der Clou: Im zweigweiche zu Gestaltung
nur durch „Trennendes“ gemildert werden.
Gegensatz zu unserem be-
dem den Blicken scheidenen Oval Da wurde im Vergleich zur Variante I
und dem direkten Zugriff entzogenen erreicht. Schon durchfährt der Güterzug auch etwas unternommen: Die Stati-
Schattenbahnhof können wir hier ein- die Linkskurve und erreicht kurz darauf onsgebäude von Vollbach und Riefen-
greifen wie wir wollen. Aus irgendei- den Bahnhof Riefenstein. Nur halt nicht stein haben nun je eine eigene Zu-
nem irrationalen Grund herrscht unter wie bisher, aus Vollbach kommend, son- fahrtsstraße. Diese beiden Straßen sind
Modellbahnern allgemein eine still- dern aus, aus … ach ja, der Fiddleyard jedoch durch eine dichte Baumreihe
schweigende, nie ausgesprochene hat noch keinen Namen. Nennen wir voneinander getrennt, sodass man
Übereinkunft, unsere Finger so weit ihn einfach einmal Nordheim. kaum von einer Seite zur anderen

26 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
III Riefenstein

EG

priv. Lagerhaus
Vollbach EG
GS

Lagerhaus &

schauen kann. Es ist ein simpler Trick Die beiden betrieblichen Neuheiten sind rot markiert. Weniger auffällig ist eine andere Verän-
zur Schaffung einer bescheidenen Illu- derung gegenüber Version II: Die Straße nach Vollbach ist jetzt höher gelegt und führt nicht
sion von Entfernung. Das setzt aller- mehr mittels eines Bahnüberganges, sondern mit einer Überführung über die Bahn. Dadurch
dings voraus, dass die Anlage zumin- ist auch die optische Trennung der beiden Bahnhofsbereiche weiter verbessert, die Illusion
dest beim Betrieb so aufgestellt werden von Entfernung stärker.
kann, dass sie von beiden Längsseiten
zugänglich ist. Nun schauen wir ein- schlüsse bedient – sei es zur Ab- oder führung kann ja schon vor der Haarna-
mal, wie lange es mit dieser Konfigura- Zufuhr von Waggons – in der Regel delkurve rechts beginnen, sodass die
tion Spaß macht. In Kürze legen wir mindestens zweimal um ihren Zug he- Straße direkt vor dem Riefensteiner
noch ein paar Kohlen mehr auf … rum fahren muss. Nein, das ist nicht Bahnhofsgebäude schon ihre höchste
lästig, Leute, das ist „Äktschn“! Lage hat. In Richtung Vollbach kann
Vollbach III: Die Illusion von Außerdem kann ich wieder ein paar der Höhenunterschied mit einem sanf-
Entfernung Worte zum Thema Gestaltung sagen. ten Hang ausgeglichen werden, auf der
Sie spielt – daraus mache ich keinen Riefensteiner Seite mit einem Steilhang
Werfen wir einen kurzen prüfenden Hehl – in diesem Artikel trotz allem nur oder einer Mauer. Die bei der Überfüh-
Blick auf den Gleisplan von Vollbach III. eine sekundäre Rolle. In Variation II rung beziehungsweise, wenn wir von
Wieder neue Weichen? Ja, aber nur hatte bereits jedes Empfangsgebäude der Bahntrasse ausgehen, Unterfüh-
eine doppelte Kreuzungsweiche, die eine eigene Zufahrtsstraße erhalten; rung angedeuteten Höhenlinien sollen
Riefenstein ein weiteres Stumpfgleis eine dichte Baumreihe sollte dafür sor- zeigen, dass diese Stelle einiges Gestal-
einbringt, an dem sich ein Kunde an- gen, dass man von Vollbach aus nicht tungspotential hat, ohne dass die Fä-
siedeln kann. Was für einer, lasse ich das EG von Riefenstein sehen kann und higkeiten eines Anfängers gleich über-
einmal offen; er sollte jedenfalls regel- umgekehrt. fordert werden.
mäßig Ware per Bahn beziehen und Nun ist diese Anlage nicht nur auf ei- Insgesamt gesehen, vor allen Dingen
auch versenden. Durch die DKW wird ner Platte, sie ist auch wirklich platt. jedoch in betrieblicher Hinsicht, war
eine Rechtsweiche frei, die wir nach Daher wird eine simple Sichttrennung der Versionssprung von II nach III noch
Vollbach transferieren und dort dazu immer etwas rudimentär bleiben. Hier nicht die große Nummer, eher eine Art
benutzen, um am rechten Bahnhofs- ist deshalb wieder eine gute Gelegen- Zwischenstufe. Man könnte auch sa-
kopf das Anschlussgleis zu einem La- heit, zwei Fliegen mit einem Schlag zu gen, die Ruhe vor dem großen Sturm.
gerhaus zu legen. erwischen. Wir verbessern die Sicht- Denn in Version IV bleibt kein Stein auf
Da brauche ich jetzt auch nicht lange trennung durch Höherlegung der Zu- dem anderen, da wird alles aufge-
vorzurechnen, welche zusätzlichen fahrtsstraße von Vollbach und führen mischt …
Rangiermöglichkeiten, pardon, Ran- diese mit einer Überführung über die
gieraufgaben hier geschaffen worden Bahnstrecke. Dadurch rutschen auch Vollbach IV: Trennkulisse und
sind, die uns künftig auf Trab halten die Bäume etwas nach oben und ma- richtiger „fiddle yard“
werden. Na, vielleicht doch ein Wort chen es schwieriger, über sie hinweg zu
dazu: Ab jetzt gibt es in Vollbach Gleis- schauen. Wenn man sich den Gleisplan auf der
anschlüsse in beide Richtungen. Das Nun ist unsere Anlage auch nicht nächsten Seite anschaut, fallen sofort
heißt im Klartext, dass die Lokomotive mehr so schrecklich platt. Die Steigung zwei Dinge auf. Da ist zum einen der
eines Güterzuges, der alle diese An- der Zufahrtsstraße in Richtung Über- dicke grüne Strich, der quer durch die

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 27
IV Riefenstein

EG

Werk

Vollbach EG
GS

Lagerhaus &

Eine doppelseitige Trennkulisse (dicke grüne Linie) untergliedert die Anlage nun nicht nur in
zwei, sondern gleich drei Bereiche: den Bereich Vollbach, den Bereich Riefenstein und den
neutral grau unterlegten Bereich Fiddleyard. Welche Stationen dieser darstellt und was er al-
les kann, wird im Text ausführlich erläutert.

chen Fotohintergrund beklebt ist. Dank Ein multifunktionaler


der Kulisse werden die beiden Bahnhö-
Fiddleyard
fe nun endgültig zu getrennten Welten.
Der Lokführer in dem einen Bahnhof Die kleine Zeichnung links zeigt uns die
bekommt überhaupt nicht mehr mit, auf den ersten Blick chaotisch wirken-
was der Kollege im anderen Bahnhof de Gleisanhäufung in diesem neutralen
macht. Bereich genauer. Um die Bedeutung
Wie hoch eine solche Kulisse wird, ist der einzelnen Gleise zu verstehen, be-
eine Geschmacksfrage. Man kann sie trachten wir das Ganze funktional. Be-
relativ niedrig halten, sodass zwar der ginnen wir in Vollbach. Verlässt man
Blick in den jeweils anderen Bahnhof den Bahnhof nach rechts, geht es gleich
Eine „Nahaufnahme“ des Fiddleyards. Im verwehrt ist, die Lokführer sich aber hinter der letzten Weiche in einen Tun-
Sägewerksanschluss stehen zwei leere O-Wa- immer noch gegenseitig sehen und mit- nel, der kurz vor der Hintergrundkulis-
gen; das Entscheidende ist hier jedoch die einander reden können. Man kann die se beginnt. Im Tunnel liegt gleich vorn
Zugkreuzung. Das geht, obwohl der Güterzug Kulisse jedoch auch so hoch machen, eine Weiche, die das Gleis in zwei
mit seinen fünf Wagen länger ist als die Kreu- dass dieser Sichtkontakt nicht mehr Durchfahrgleise aufspaltet. Unmittel-
zungsgleise. Der Gegenzug, hier der Schienen- möglich ist. Am besten einfach auspro- bar vor dem Ende des Fiddle-Bereichs,
bus mit Stückgutwagen, ist es nicht – und dar- bieren, was gefällt. bevor die Strecke bei Riefenstein wie-
auf kommt es an. Man muss halt dafür sorgen, Durch die Aufspaltung der Kulisse im der in die gestaltete Welt zurückkehrt,
dass der kurze Zug zuerst einfährt. rechten Bereich in zwei Teilkulissen ist liegt die Weiche, die beide Gleise wie-
nun ein dritter Raum entstanden, der der zusammenführt. Damit bietet der
Landschaft geht und sich rechts und weder zu Riefenstein noch zu Vollbach Fiddleyard die Möglichkeit, dass Züge
links aufspaltet, zum anderen die neu- gehört und auch von beiden Stationen hier kreuzen können, vorausgesetzt,
trale Fläche rechts, die nicht im Land- aus nicht eingesehen werden kann. Das einer davon ist kurz genug. Das Umset-
schaftsgrün gehalten ist. Auf die Dauer ist jetzt ein richtiger ausgewachsener zen einer Lok geht natürlich ebenfalls.
ist die Sichttrennung mit ein paar Bäu- Fiddleyard, der nicht zum gestalteten Dieser Fiddleyard ist also multifunk-
men und einer hochgesetzten Straße Teil der Anlage gehört. Das etwas unge- tional. Er kann viel mehr, als es zu-
doch nicht sonderlich befriedigend. wöhnliche Gleisbild mit zwei durchge- nächst den Anschein hat. Im einfachs-
Hier bringt eine echte Trennkulisse henden und drei stumpfen Gleisen mag ten Fall wird er einfach durchfahren,
deutlich mehr; es handelt sich dabei auf den ersten Blick verworren oder wie es die Schienenbusgarnitur mit
um eine Hintergrundkulisse, die von zumindest zufällig wirken. Weit gefehlt. dem angehängten Expressgutwagen
beiden Seiten sichtbar ist und daher Zufällig ist hier gar nichts, ganz im Ge- auf dem Gleisplan gerade macht. In
auch von beiden Seiten mit einem Wol- genteil. Schauen wir uns das einmal diesem Fall ist der Fiddleyard einfach
kenhimmel bemalt oder einem käufli- gemeinsam an. nur Strecke. Um die „Fahrzeit“ zwi-

28 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
schen Vollbach und Riefenstein zu stre- tet, dass beispielsweise ein Güterzug in Hat man nun eine Reihe von O-Wa-
cken, darf der Zug in diesem Teil gele- Vollbach zwei leere O-Wagen in das gen, wovon die eine Hälfte leer und die
gentlich einige Minuten pausieren, un- rechts vor der Kulisse (hier noch nicht andere mit Schnittholz beladen ist,
terdessen kann in den Bahnhöfen näher benannte) Werk hinein schiebt, kann man diese Wagen gegenläufig
rangiert werden. die auf diese Weise im Fiddleyard lan- verkehren lassen, wobei dann im
Zum regulären Umsetzen ist der den. Dort können sie mit Ladungsein- Fiddleyard jeweils die leeren Wagen
Fiddle allerdings zu klein, da müsste sätzen versehen werden und später als gegen volle getauscht werden (indem
die Lok zweimal in den sichtbaren Be- beladene Wagen wieder aus dem Werk wie oben erwähnt einfach die Ladungs-
reich fahren – ganz schlecht. Daher gezogen werden. Entsprechendes gilt einsätze ausgetauscht werden). So lau-
kann hier wieder der große Fünffinger- für das von Riefenstein kommende fen die mit Schnittholz beladenen Wa-
kran zum Einsatz kommen (zur Erin- Stumpfgleis. gen stets gegen den Uhrzeigersinn, die
nerung – im Fiddleyard ist nicht nur leeren O-Wagen im Uhrzeigersinn. Die
erlaubt, was gefällt, sondern alles…). Warenlogistik hinter den Illusion, dass die kleine Bahn wirklich
Aber wir haben auf jeden Fall wie Kulissen etwas transportiert, ist fast perfekt.
schon erwähnt die Möglichkeit, zwei Wäre die Anlage eine Idee größer,
Züge kreuzen oder einander überholen Das ist schon mal ein simpler und guter könnte man die beiden Gleisstummel
zu lassen. Weiterhin existent ist das ur- Weg, um Wagenladungsverkehr zu si- zu einem oder besser zwei durchge-
sprüngliche Stumpfgleis rechts unten, mulieren. Aber es ist noch etwas viel henden Gleisen verbinden. Dann ginge
das ja zunächst die einzige Abstellmög- Trickreicheres möglich: Man kann zwi- der Wagenumlauf noch glatter. So aber
lichkeit darstellte. schen den bei- bleiben wir bescheiden und tauschen
Jetzt dient es als Ab- Wenn offene Wagen in der einen Rich- d e n We r k e n die Wagengruppen von Hand miteinan-
stell- oder Bereitstel- tung leer und in der anderen beladen eine logistische der aus.
lungsgleis. Ein zwei- sind, entsteht die Illusion, dass die Ve r b i n d u n g
tes, kürzeres Stumpf- kleine Bahn wirklich etwas transpor- herstellen, in- Point-to-point von Heiligenbeek
gleis rechts oben hat tiert. dem man die nach Nordheim
den gleichen Zweck. eine Fabrik et-
Je nach Geschmack können Wagen was beziehen lässt, was die andere Doch damit sind die Möglichkeiten ei-
auch einfach aus dem Gleis genommen liefert. Da beide auf dieser Anlage recht nes Fiddleyards noch längst nicht aus-
und auf der Platte abgestellt werden. klein sind, scheiden solche Bezüge wie geschöpft. Er kann zum Beispiel auch
Ganz anders die beiden Stumpfgleise zwischen Kohlenzeche und Kraftwerk die beiden Bahnhöfe darstellen, die auf
innerhalb des Kreuzungsgleisbogens. aus. Aber auch im bescheideneren der jeweils abgelegenen Seite von Voll-
Die kommen, wie man sieht, durch die Rahmen ist etwas möglich; beispiels- bach und Riefenstein liegen. Sie haben
Kulisse, einer von Vollbach, der andere weise könnte das Werk in Riefenstein sich nicht verlesen; es sind beide, ob-
von Riefenstein. Sie führen beide je- Schnittholz herstellen, das die Möbelfa- wohl sie eigentlich weit auseinander
weils durch ein Fabriktor. Das bedeu- brik in Vollbach benötigt. liegen müssten.

So etwa
darf man sich
das mit der Trennku-
lisse vorstellen. Sie macht
aus Vollbach eine eigene Welt.
Der Bahnhof Riefenstein liegt auf der
anderen Seite „hinter den sieben Bergen“.
Der Weg dorthin führt durch die Unterführung links
oder den Tunnel ganz rechts. Durch das Werkstor rechts im
Bild kommt man in den Fiddleyard; durch den ewähnten Tunnel
übrigens auch, das wissen wir aus dem Anlagenplan der Version IV …

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 29
Wir können den Namen Nordheim
des Einzelstumpfgleises in dieser Funk-
tion beibehalten; den anderen Knoten-
bahnhof habe ich hier Heiligenbeek
genannt. Dann steht bei Betriebsbeginn
ein fertig zusammengestellter Zug in
Nordheim. Er fährt gegen den Uhrzei-
gersinn nach Riefenstein aus, rangiert
dort, fährt weiter nach Vollbach, ran-
giert dort ebenfalls, um schließlich wei-
ter nach Heiligenbeek zu fahren, wo er
aufgelöst wird. Dass er dann wieder an
der gleichen Stelle steht, geht nur uns
etwas an. Oh wie gut, dass niemand
weiß, dass das Gleis nun Nordheim
heißt … Damit ist nun endgültig erwie-
sen, dass man auch auf einer kleinen
Ovalanlage richtigen point-to-point-
Betrieb machen kann. Man muss es
nur wollen, nun ja, und halt ein paar
Tricks kennen …

Die Einbindung in die große


weite Welt
Nachdem wir nun eine Ahnung davon
bekommen haben, was so ein multi-
funktionaler Fiddleyard alles kann,
können wir einmal beispielhaft die auf 7ERK
der Anlage dargestellte Strecke virtuell
in das Bahnnetz einfügen – ganz so wie
ein Ausschnitt aus einer amtlichen DB- Der Kollege transferiert gerade mit dem Fünffingerkran die Bretter-Ladungseinsätze von den
Karte, wie sie früher den Kursbüchern beiden rechten O-Wagen in die beiden linken. Anschließend können die Lokomotiven in Rie-
beigegeben war. Das ist es im Prinzip fenstein wieder mit Brettern beladene Wagen aus dem Sägewerk ziehen und in Vollbach leere
auch, mit ein paar dichterischen Frei- O-Wagen aus der Möbelfabrik.
heiten, die ich mir genommen habe.
Statt der realen Ortsnamen habe ich
nur die in diesem Artikel entwickelten
eingesetzt. Die Strecke Heiligenbeek–
Nordheim über Vollbach und Riefen-
stein verbindet demnach zwei von Ber-
lin ausgehende divergierende Haupt-
bahnen. Heiligenbeek und Nordheim
sind in unserer 4-mal-8-Realität zwar IV
nur der gleiche Fiddleyard, das tut dem
vorgesehenen Betriebsablauf jedoch
keinen Abbruch.
So eine Platzierung unserer ausge-
dachten Welt ins reale Eisenbahnuni-
versum hinein ist immer anzuraten,
wenn man ein realistisches Betriebs-
&
konzept entwickeln will. Das ist ganz
ähnlich wie beim Schreiben eines Ro-
mans; die eigentliche Handlung ist
zwar fiktiv, aber das ganze Drumherum
muss möglichst realistisch sein, um zu
überzeugen. Bekanntermaßen haben
viele Leser es gern, wenn sie die Schau-
plätze wiedererkennen. Aus diesem
Grund wäre es auch keine schlechte Wenn das Zimmer nicht groß genug ist, um die Anlage frei im Raum aufzustellen, wäre eine
Idee, die beiden Knotenbahnhöfe, die Position mit der linken Schmalseite an der Wand günstig. In diesem Fall sind die beiden Bahn-
der Fiddleyard darstellen soll, gerade höfe Vollbach und Riefenstein direkt zugänglich; auch der multifunktionale Fiddleyard kann
nicht mit Phantasienamen zu versehen, gut bedient werden.

30 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Nordheim
Vollbach
Heiligen-
beek Stude Riefenstein

Es geht auch noch weiter – unsere Strecke


hat hier in Form einer zusätzlichen Zwischen-
station namens Stude Zuwachs bekommen.

Fiddleyard. Der heißt in diesem Augen-

V blick weder Heiligenbeek noch Nord-


heim, sondern Stude. Diese Station
habe ich nachträglich in mein fiktives
Streckenschema eingezeichnet. Stude
liegt ziemlich genau in der Mitte der
Strecke, weshalb hier auch häufiger
Zugkreuzungen stattfinden.
Um diese neuen Möglichkeiten aus-
zunutzen, könnte der Betriebsablauf
nun so aussehen: der Zug kommt – ge-
gen den Uhrzeigersinn fahrend – aus
Heiligenbeek (Fiddleyard), ignoriert
Riefenstein, d.h. er fährt dort einfach
durch. Er hält in Vollbach und rangiert
eventuell. Bei der Weiterfahrt gelangt
der Zug wieder in den Fiddleyard, und
zwar in eins der durchgehenden Gleise.
Er befindet sich nun erklärtermaßen in
Stude und kann hier eine Kreuzung ab-
warten. Anschließend geht es weiter
gegen den Uhrzeigersinn. Jetzt kommt
der Zug wirklich nach Riefenstein und
hält hier, verrichtet gegebenenfalls sei-
ne Rangiergeschäfte. Bei der Weiter-
fahrt wird diesmal die Station Vollbach
ignoriert und dort einfach durchgebret-
& tert und erst wieder im Fiddleyard ge-
halten, der nun Nordheim heißt. Hier
endet dann die Reise. Konnten Sie mir
Hier ist die Anlage doch noch mit der rechten Schmalseite an die Wand gerückt. Nun kann das folgen?
Aufstellbrett für die „ZAK-Schnittstelle“ wie ein Regalbrett an der Wand befestigt werden.
Die maximale Zuglänge bestimmt hier den Minimalabstand zur hinteren Wand. Wenn es da Zwischenbilanz: Wo stehen wir?
eng wird, gibt es eine andere Lösung, die auf der nächsten Seite gezeigt wird.
So, jetzt ist es allmählich an der Zeit,
sondern mit solchen, die es tatsächlich inne zu halten, tief durchzuatmen und
n. Berlin

an den betreffenden Strecken gibt. In eine Art Kassensturz zu machen. Wer


in
erl

einem anderen Kapitel werden wir es bis hier durchgehalten und mitgelesen
n. B

so machen. hat, ohne dieses ganze Gefiddle, all die


Annahmen, Einbildungen und dichteri-
Nordheim
Vollbach Und noch eine Schaufel schen Freiheiten für einen absoluten
Kohle mehr … Schmarren zu erklären, der ist auf dem
Heiligen- Wege zum Betriebsmodellbahner. Der
beek Riefenstein
Wenn wir die Möglichkeiten, die der muss irgendwo Blut geleckt haben. Er
Fiddleyard bietet, noch weiter ausrei- wird vermutlich auch weiterhin im
zen wollen, können wir ihn zusätzlich Boot oder besser im Waggon bleiben.
noch als Zwischenstation zwischen Eins steht fest: Wer nicht nur von Be-
Vollbach und Riefenstein fungieren las- trieb reden, sondern wirklich Betrieb
So könnte es beim Vorbild aussehen – die sen. Das geht ganz einfach: Auf dem machen will, muss das nicht auf den
Strecke von Heiligenbeek nach Nordheim, an Wege von Heiligenbeek über Vollbach Sankt Nimmerleinstag verschieben, an
der auch Vollbach und Riefenstein liegen, als nach Nordheim ignoriert der Zug bei dem dermaleinst die große Traumanla-
hinzu erfundene Spange zwischen zwei radial seiner Fahrt durch das Oval die Station ge Realität geworden ist. Er kann sich
von Berlin ausgehenden Hauptstrecken Riefenstein und fährt direkt in den bereits auf dieser Kleinanlage in der

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 31
Riefenstein

Vollbach

Alternativ zur Version V kann bei mangelnder Raumtiefe die Andockstation auch parallel zur falls einmal etwas daneben gegangen
Anlagenkante montiert werden. Das ZAK-Aufbewahrungsregal wird man dann auch entspre- ist.
chend etwas weniger tief bauen und stattdessen lieber „hochstapeln“. Die Idee, die Anlage so aufzustellen
kam jedoch daher, dass man in dieser
Version IV austoben und die ersten be- mobiler Kasten, in den ein Zug hinein- Position mit dem Regler in der Hand
trieblichen Abläufe meistern. fahren kann. Dort steht er wie auf Schie- einem Zug von Vollbach nach Riefen-
Wer sich jetzt noch unsicher ist, ob nen und kann gefahrlos durch die Ge- stein folgen kann, echtes „walk-
der Modellbahnbetrieb in dieser Form gend geschwenkt werden, etwa zum around“ also. Aber darum geht es hier
das Richtige für ihn ist – und wieviel nächstgelegenen Regal oder von diesem nur in zweiter Linie.
davon – kann hier vorsichtig experi- auf die Anlage. Wichtiger ist das Regal an der hinte-
mentieren, Erfahrung sammeln und Wenn man am Anlagenrand eine ren Wand des Eisenbahnzimmers, in
auf den Geschmack kommen. Oder halt Schnittstelle oder – um einen moderne- dem nebeneinander drei ZAKs im Fach
nicht. Dann aber ist nichts verloren, ren Ausdruck zu gebrauchen – eine An- liegen. Eine vierte liegt schon in der An-
denn das ursprüngliche Oval, auf dem dockstation einrichtet, kann hier eine dockstation, der darauf stehende Zug
man seinen Zügen stundenlang beim solche ZAK ohne großes Gefummel an- kann sogleich auf die Anlage fahren. Ha-
Kreisen, jawohl Kreisen, zuschauen gesetzt werden und der Zug von dort ben Sie es gemerkt? Die Auswahl der
kann, ist immer noch da, und zumin- direkt auf die Anlage fahren. Eine sol- Züge, die auf die Anlage fahren können,
dest manche Kids werden dafür dank- che Andockstelle bekommt nun unsere ist nicht mehr durch die mehr als be-
bar sein. Vollbach-Anlage; mal sehen,was das so grenzte Kapazität des Fiddleyards ein-
bewirkt. geschränkt. Im Regal können nicht nur
Mehr geht nicht? Einen hätte Schauen wir noch einmal den Anla- mehrere ZAKs nebeneinander, sondern
ich noch – Vollbach V … genplan auf der vorhergehenden Seite selbstverständlich auch übereinander
an. Die Anlage steht dort zur Abwechs- vorrätig gehalten werden. Das ist so
Nun sei das, was diese 4-mal-8-Anlage lung mit der rechten Schmalseite an richtig etwas für die Sorte Modellbah-
hergeben kann, ausgereizt, meinen Sie? der Wand. Das ist insofern vertretbar, ner, die kein Modell ungekauft stehen
Gemach, einen Trumpf habe ich näm- als die Platte ja nur 1,22 m breit ist. Mit lassen können …
lich noch im Ärmel, einen alten MIBA- 60 cm setzt man gemeinhin die Ein-
Trumpf namens „ZAK“. Ganz alte Hasen reichtiefe an – die Entfernung, die ein Wieviel brauchen wir?
werden sich erinnern: ZAK stand da- normal großer Modelbahner vom Anla-
mals für „Zug-Aufbewahrungs-Kasset- genrand aus mit ausgestrecktem Arm Doch Halt! Für einen vorbildorientier-
te“. Damit ist nun aber keine statische überwinden kann. So bleibt hier also ten Betrieb, den wir hier gemeinsam
Vitrine gemeint, in der sündhaft teure im Fiddleyard keine Stelle, die nicht anstreben, braucht es solche Riesen-
Modelle jahrelang ihr verschleißfreies von der einen oder der anderen Anla- auswahl nicht. So, wie wir die Strecke
Dasein fristen, sondern ein handlicher genseite aus erreicht werden könnte, Heiligenbeek–Nordheim in die Eisen-

32 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
bahnkarte eingezeichnet haben, haben ber merkt, dass der geschilderte Aus- kann der Zug in die ZAK zurückdrü-
wir uns bereits konzeptionell auf einen nahmeverkehr nichts weiter als ein cken, die dann wieder ins Regal gestellt
beschaulichen Nebenbahnbetrieb fest- Abspulen von Garnituren ist und man wird. Fertig!
gelegt. An Reisezügen pendeln da allen- dann doch wieder relativ passiv bleibt. Züge, die auf der Anlage gegen den
falls zwei Garnituren, etwa eine V 100 Und dann stellt er möglicherweise fest, Uhrzeigersinn fahren sollen, werden
mit Donnerbüchsen und ein VT/VB/VS dass der „Normalbetrieb“ auf unserer mit der ZAK rückwärts auf die Anlage
98, dazu das tägliche Nahgüterpaar, Strecke ungleich interessanter und gebracht und stoßen zunächst in das
das vielleicht mit einer 86er oder einer kurzweiliger ist. Diesem normalen All- Stummelgleis rechts unten, den Ur-
50er mit Kabinentender bespannt tagsbetrieb auf der Variante V wollen Fiddleyard, zurück. Von dort können
wird. wir nun ein wenig unsere Aufmerksam- sie wie gewohnt ihre Rundreise antre-
„Wie, so wenig?“, höre ich schon keit schenken. Auf dem Anlagenplan S. ten. Da haben wir also letztendlich im-
manchen Leser enttäuscht seufzen. 31 sind drei Spieler zu sehen, vorneh- mer noch eine Ovalanlage, von der wir
Also gut, geben wir noch ein „Hecken- mer gesagt Fahrpersonale, die am Be- immer glaubten, dass man darauf nie
eilzugpärchen“ hinzu, das ein- oder trieb auf dieser Anlage teilnehmen. Der und nimmer einen vorbildorientierten
zweimal am Tag mit einem bunten Sor- am oberen Anlagenrand rangiert mit Betrieb abwickeln kann. Nun erleben
timent drittklassiger Vierachser in Ost- einem Nahgüterzug in Riefenstein. Er wir, wie drei gestandene Modellbahner
West-Richtung südlich von Berlin ver- hat gerade einen leeren O-Wagen in hier richtigen Betrieb nach der reinen
kehrt und die beiden auf die Hauptstadt dem Werk abgesetzt, das wir bereits Lehre ablaufen lassen …
zulaufenden Magistralen in Nordheim weiter oben als Produzent von Schnitt- Und das Schöne daran ist, dass dies
und Heiligenbeek lediglich schneidet. holz, also als Sägewerk, definiert ha- trotz aller Betriebstauglichkeit auch
Immer noch nicht genug? Dann ben. Spieler Nr. 2 unten rangiert mit der immer noch eine wunderbare Vorführ-
kommt jetzt das letzte Auf- beziehungs- V 60 in Vollbach und bedient unter an- anlage für unsere Modellsammlung ist.
weise Angebot. Wir nehmen dazu einen derem den Anschluss der Möbelfabrik. Statt der üblichen statischen Vitrine hat
besonderen Ausnahmefall an. Eine der Spieler Nr. 3 schließlich macht das, der Modellbahner nun ein seiner
beiden Magistralen ist vorübergehend worauf ich die ganze Zeit hinaus will: Sammlung entsprechend großes Regal
wegen eines „Haufens“ (so nennen die Er hat eine ZAK aus dem Regal genom- mit zahllosen ZAKs in mehreren Eta-
Eisenbahner gern einen Entgleisungs- men und setzt sie an der Andockstation gen und kann diese, wenn ihm danach
unfall) gesperrt. Während die Nahver- an. Es ist der bereits erwähnte Bum- ist, auf die Anlage bringen und kreisen
kehrszüge einfach ausfallen oder durch melzug mit einer V 100 vorn und ein lassen. Selbst jeden Tag eine andere
Busse ersetzt werden, werden die paar B3yg-Pärchen. Dieser Zug kann Epoche ist möglich. Am nächsten Wo-
Fernzüge über „unsere“ bescheidene nun den Fiddleyard wie eine normale chendende, wenn seine Freunde kom-
Strecke auf die jeweils andere Magis- Strecke durchfahren und kommt so- men, werden wieder die ZAKs mit den
trale umgeleitet. Da ist dann richtig gleich, im Uhrzeigersinn fahrend, nach für den Fahrplanbetrieb passenden Zü-
Ramba-Zamba in Vollbach und in Rie- Vollbach – vorausgesetzt, er erhält Ein- gen aus dem Regal genommen. Was
fenstein, wenn etwa unsere Schienen- fahrt, denn hier ist ja noch die V 60 am wollen wir mehr?
busgarnitur auf die Seite muss, um den Rangieren. Nach erfolgter Kreuzung
mit einer 01 bespannten D-Zug über- zuckelt der Umbauwagenzug weiter Kann man mehr wollen?
holen zu lassen. Und wieder ist mir so, Richtung Riefenstein, wo ebenfalls zu
als hörte ich einen Leser gerade mur- kreuzen ist, denn hier befindet sich ja Ich könnte mir gut vorstellen, dass
meln: „Also bei mir ist dann immer der noch der Güterzug, der eventuell auch man, nachdem alle betrieblichen Mög-
Tag mit der Streckensperrung“ … noch rangiert oder gerade damit fertig lichkeiten dieser Anlage durchgespielt
ist. und ausgereizt sind, doch etwas mehr
Normal ist spannend genug Und nun? Jetzt müsste die V 100 mit will. Nach der Lektüre bestimmter Ka-
ihrer Fuhre eigentlich zurück ins Regal. pitel dieser Broschüre könnte dann aus
Meine Hoffnung ist, dass einer oder gar Und wie geht das? Ganz leicht. Der Zug dem Oval eine Spirale werden und
mancher, der auf solche Weise dem fährt ganz normal in den Fiddleyard dann – ja schauen wir einmal, was
Konzept dieser Anlage freundlich ge- und zieht in den Gleisstummel rechts dann. Auf jeden Fall bleibt es dabei
stimmt werden konnte, eines Tages sel- unten in der Ecke vor. Anschließend spannend …

So einfach kann eine „ZAK“ hergestellt wer-


den. Auf einem soliden Sperrholzbrett wer-
den zwei Aluprofile so aufgeschraubt, dass
der Abstand zwischen ihnen der Spurweite
entspricht. Ein dünneres Brett mit Eingriff
wird am hinteren Ende als Begrenzung ange-
schraubt, vorne kann ein zusätzlicher Trage-
griff montiert werden. Statt der ange-
schraubten Kabel für die Fahrstromversor-
gung kann auch ein festes Steckersystem
installiert werden. Im Kapitel „Friedenfelser
Lokalbahn“ auf Seite 44 werden solche ZAKs
an einer fertigen Anlage gezeigt.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 33
Vom Oval zur linearen Anlage das in der Tat „viele Fahrmöglichkei-
ten“ bietet, wie es seinerzeit so schön
hieß, jedoch kein sinnvolles Vorwärts-

Machen wir‘s den kommen des Zuges gestattet.

Das Prinzip der absoluten Nähe

Großen nach Die kreis- oder ovalförmige Konfigura-


tion hat sich von Anbeginn der Modell-
bahnerei so in den Köpfen festgesetzt,
Es muss nicht immer eine Anlagenplatte sein, und ein geschlos- dass man lange Zeit überhaupt nicht
sener Schienenkreis schon gar nicht. Will man einen realisti- auf die Idee kam, eine lineare Konfigu-
ration zu bauen. Wie fest das saß, wur-
schen Eisenbahnbetrieb nachspielen, ist eine „lineare“ Anlagen-
de mir bewusst, als ich im Garten mei-
form schon deutlich besser geeignet – hier einige prinzipielle ne U-förmige LGB-Anlage baute und
Überlegungen zu diesem Thema. ein älterer Zaungast, der mir immer
wieder mal zusah, eines Tages streng

M it der Weihnachtsanlage Vollbach


bin ich der weisen Erkenntnis ge-
folgt, dass man die Menschen da abho-
habe schon berichtet, wie schnell ich
mich damit langweilte …
Dennoch ist und bleibt das Oval die
anmerkte: „Das wird nicht funktionie-
ren.“ „Und wieso nicht?“ „Weil es kein
Stromkreis ist.“
len soll, wo sie sind. Und die meisten Grundform, gewissermaßen die Ur- Dabei kann man mit der gleichen An-
Menschen sind am Beginn ihrer mo- großmutter aller Gleispläne. Und wenn zahl Weichen auf der gleichen Fläche
dellbahnerischen Karriere halt unterm wir sagen „im Kreis fahren“, meinen auch eine Anlage mit zwei Bahnhöfen
Weihnachtsbaum mit einem Schienen- wir eigentlich im Oval. Die ersten Wei- à vier Weichen, die durch eine Strecke
oval. Falls es mir gelungen sein sollte, chen, die zugekauft wurden, dienten verbunden sind, bauen; das ist auf der
überzeugend darzustellen, dass und entweder dazu, ein bis zwei Abstellglei- Zeichnung ganz unten deutlich zu se-
wie aus einem solchen Christbaumoval se zu bauen (in der Zeichnung unten hen. Diese Anordnung hat allerdings
eine richtige Betriebsmodellbahn ent- grau als Option eingezeichnet), häufi- zwei gewichtige Nachteile. Die „Stre-
stehen kann, dann sollte es mich freu- ger aber dazu, ein zweites Oval um das cke“ ist kurz, sehr kurz sogar. Und:
en. Das war aber auch das einzige Mal erste herum anzulegen und mit diesem Man kann den Zug nicht einfach fahren
und soll nicht wieder vorkommen. Ver- zu verbinden, wie es daneben zu sehen lassen. An jedem Ende muss zumindest
sprochen. Ab jetzt sagen wir dem Oval ist. Auf diese Weise musste der Zug angehalten und gewendet werden – für
den Kampf an. nicht immer den gleichen Weg neh- viele selbst noch heute eine schreckli-
men; er hatte nun schon zwei Fahr- che Vorstellung …
Am Anfang war das Oval möglichkeiten. Bei genauem Hinsehen hat die An-
Da eine Vergrößerung der Anlagen- ordnung jedoch deutliche Vorteile.
Aber eigentlich war es noch viel schlim- fläche in der Regel nicht zur Diskussion Wenn man die Strecke durch ein Blick-
mer, denn am Anfang war der Kreis. stand, wurde die Anlage nach innen hindernis optisch unterteilt, entsteht
Die erste elektrische Eisenbahn, die ich erweitert. Weitere Fahrmöglichkeiten der Eindruck, dass der Zug, den man
zu Gesicht bekam, war ein Spur-0- wurden geschaffen, was zu den ver- abfahren lässt, irgendwohin fährt. Zu-
Kreis mit etwa 60 cm Durchmesser, auf wunderlichsten Konfigurationen führ- mindest fährt er weg. Dieses Blickhin-
dem eine Uhrwerk-Schlepptenderlok te. Der rechte Gleisplan zeigt ein sol- dernis kann eine Straßenüberführung
mit zwei Personenwagen ihre Runden ches Beispiel, er stammt aus einem al- sein, ein dichter Waldstreifen oder gar
drehte; immerhin waren die Türen der ten Anlagenbuch. Mit acht Weichen ein Berg, der per Tunnel oder besser
Wagen zu öffnen. Da war ich fünf Jahre wurde hier ein „Geschlinge“ angelegt, einem Durchstich durchfahren wird.
alt, die Bahn gehörte einem Freund.
Damals ahnte ich noch nicht, dass mei- Vom reinen Oval geht es über das Oval mit mehreren „Fahrmöglichkeiten“ zur traditionellen
ne erste „Anlage“ sieben Jahre später Plattenanlage. Die Zeichnung unten zeigt dann mit der gleichen Weichenzahl wie diese eine
ebenfalls ein Kreis sein würde. Ich lineare „point-to-point“-Anlage, auf der Züge richtig irgendwohin fahren können.

34 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Folgt der „Spieler“ dann seinem Zug, Immer noch die gleiche Anzahl von Weichen wie bei den Anlagenplänen auf der linken Seite,
kann er ihn auch direkt unter seinen hier konnten sie aber dank dem Fiddleyard an einem Anlagenende in einem Bahnhof vereint
Augen vor dem Prellbock zum Stehen werden.
bringen.
Mehrere Grundsätze einer zeitgemä- nichts; auf Anlagen mit Rangiermög- Der Plan der flächigen Anlage ist kei-
ßen Anlagenkonzeption sind hier be- lichkeiten wird noch lange nicht ran- nesfalls, wie man vermuten könnte, ein
reits im Ansatz verwirklicht – ein line- giert. Das improvisierte Rangieren böswilliger oder ironischer Gag von
arer Gleisplan, „point-to-point“-Be- nach der Devise „Ach, ich könnte ja mir, den ich mir ausgedacht habe, um
trieb, das „Prinzip der absoluten Nähe“ mal den Kühlwagen auf diesen Gleis- irgendjemanden zu verhohnepiepeln!
(PAN) und die Illusion von Entfernung. stummel stellen – oder doch lieber an Es handelt sich um einen leicht modifi-
Praktisch ist es, die Gleise jeweils bis die Rampe?“ ödet an und unterbleibt zierten Anlagenvorschlag aus einem
zum Anlagenende durchzuziehen und erfahrungsgemäß schnell! In diesem älteren Gleisplanbuch eines sehr re-
durch abnehmbare Prellböcke abzu- Fall liegt eindeutig ein „K.R.-Anlagen- nommierten Modellbahnherstellers.
schließen. So kann, wenn fallweise Management-Planungs-Fehler“ Einen Kommentar zum Wert dieses
mehr Platz zur Verfügung steht, die An- (KRAMPF) vor … Entwurfes spare ich mir. Ich habe die
lage insgesamt verlängert und ein drit- Bei einer richtigen Anlagenkonzepti- Weichenzahl leicht verändert, sodass
ter Bahnhof aufgebaut werden. Außer- on – und das ist mehr als ein Konzept beide Pläne je zwölf „Weicheneinhei-
dem lassen sich auf diese Weise auch – wird jedem Gleis eine klar definierte ten“, in diesem Fall zehn Weichen und
schnell weitere Module oder Segmente Funktion zugewiesen. In einer Liste eine Doppelkreuzungsweiche, haben;
ansetzen, die nach Betriebsende wie- wird festgehalten, welche Kunden mit das sind doppelt soviel wie in den klei-
der weggestaut werden. dem jeweiligen Gleis bedient werden, nen Plänen auf der linken Seite.
Betriebsintensiver ist die Variante in was sie beziehen oder verfrachten und Während sich die Zahl der „Fahr-
der Zeichnung oben, die wieder die wie oft, und welche Wagen zu diesem möglichkeiten“ beim Schlingenplan
gleiche Fläche und die gleiche Wei- Zweck zuzustellen sind. So werden aus stark vergrößert hat, ist sie beim linea-
chenzahl aufweist. Hier ist der rechte Rangiermöglichkeiten Rangieraufga- ren Plan gleich geblieben. Hier kann
Bahnhof durch einen Fiddleyard er- ben, die zu erledigen sind. Im Kapitel man dafür nur ein Stück weiter fahren,
setzt, bei dem eine kleine Schiebebüh- über die Briloner Waldbahn wird dies darauf kommt es schlussendlich an.
ne die Weichen überflüssig macht. Die- später noch beispielhaft und detailliert Ein Zug kann hier nicht nur von A nach
se vier Weichen können dem linken beschrieben. B fahren, sondern von A über B nach C.
Bahnhof zugeschlagen werden, der mit Das ist fast schon wie im richtigen Le-
nun acht Weichen schon allerlei „Ran- Fast wie im richtigen Leben ben, wie bei den großen Eisenbahnen,
giermöglichkeiten“ bietet. Dieses Wort denen wir ja nacheifern wollen.
Rangiermöglichkeiten – das sei an die- Doch wieder zurück zu den Schling- Jetzt lohnt es schon, bei der Erstel-
ser Stelle noch einmal gesagt – ist ei- schlang- und den linearen Anlagen. lung von Transportaufgaben nicht nur
gentlich genau wie sein Bruder „Fahr- Wenn wir angenommenerweise plötz- Versand- und Bezugsrelationen zwi-
möglichkeiten“ ein Unwort, eine leere lich 50 % mehr Platz haben, können wir schen Fiddleyard und A oder B vorzu-
Worthülse, hinter der sich häufig nur eine entsprechend größere flächige An- sehen, sondern auch solche zwischen B
verbirgt, dass man sich zum Betrieb lage mit vielen, vermutlich noch mehr und C untereinander (auch wenn diese
noch keine Gedanken gemacht hat! „Fahrmöglichkeiten“ bauen. Sinnvoller stets in der Minderzahl bleiben wer-
ist es jedoch, an unsere point-to-point- den). Die Schlingenanlage unten bietet
Rangiermöglichkeiten Anlage einen weiteren Bahnhof mit ein natürlich auch einiges an „Rangier-
wenig Strecke anzufügen. Die kleinen möglichkeiten“. Aber warum sollte
Erinnern wir uns an den schon zitier- Zeichnungen unten verdeutlichen dies;
ten K.R., der resigniert festgestellt hat, sie sind zwar gegenüber den bisherigen
dass er all die „vielen Rangiermöglich- Plänen verkleinert, damit das „lange
keiten“, die er plante und mühevoll ein- Handtuch“ auf die Seite passt, jedoch
baute, gar nicht nutzt. Rangiermöglich- untereinander im selben Maßstab und
keiten sind für sich allein noch gar somit vergleichbar.

50% mehr Platz, 50% mehr Weichen und zwei Möglichkeiten, dies zu nutzen. Die „Spaghetti-
schüssel“ stammt aus dem Gleisplanbuch eines renommierten Modellbahnherstellers; auch
hier hat die schmale Anlage im Prinzip die gleiche Grundfläche und weist die gleiche Anzahl
von Weichen auf.

A
C B

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 35
man die vier Gleisanschlüsse bedie- reduziert. So wird deutlich gemacht, hat, bieten aber keine brauchbare Vor-
nen? Nach der Ach-ich-könnte-ja-mal- was ich meine. Die Prinzipskizze dar- lage für eine Anlagenkonzeption – es
Methode macht es, wie schon erwähnt, unter zeigt die Anordnung der Strecken sei denn, man hat einen turnhallengro-
weder Sinn noch Spaß. und Bahnhöfe; damit wird klar, welche ßen Saal und beschränkt sich auf die
Die lineare Anlage wird sinnvoller- Fahrmöglichkeiten (da ist es wieder, Baugröße Z …
weise in Segmenten gebaut, ein Seg- das böse Wort) hier bestehen und dass Aber keine Regel ohne Ausnahme:
ment pro Betriebsstelle. Das hat den Züge hier im Grund genommen nir- Die Gebrüder Reid aus den USA haben
Vorteil, dass bei Änderungen – hoffent- gendwohin fahren können. Irgendwie die N-Anlage „Cumberland Valley Sys-
lich Zunahme – der Platzverhältnisse schaut es zwar nach einem Strecken- tem“ gebaut. Sie hat die Strecken zwi-
weitere Segmente dazwischengereiht netz aus, allein es fehlt der Zweck. schen Hagerstown (Maryland) und
werden können. Das müssen nicht ein- Shippensburg (Pennsylvania) zum Vor-
mal Bahnhöfe sein. Ein Segment mit „Linear“ kommt von Linie … bild. Ganz in amerikanischer Tradition
einem Gleisanschluss an freier Strecke konkurrierten dort früher zwei Bahn-
kann betrieblich spannende Sperrfahr- Die Zeichnungen zeigten bisher lineare gesellschaften, die „Western Maryland“
ten generieren. Es darf aber auch ein- Konzepte in gestreckter Form. Das und die „Pennsylvania RR“, mit paral-
fach ein Stück Strecke mit „nichts als muss keineswegs so sein. Eine Kurve lelen und sich sogar kreuzenden Stre-
Gegend“ sein. ist ja auch eine Linie – und deshalb darf cken zwischen diesen beiden Städten.
eine Anlage auch „Knicke“, Bögen und Genau das haben die beiden Brüder
Eisenbahnnetz missverstanden Gleisspiralen aufweisen, ohne deshalb nachgebaut. Es ist eine ziemlich große
das Prädikat „linear“ zu verlieren. Auf N-Anlage, trotz der teils recht gewun-
Wenn man erklären will, was „linear“ der Seite rechts sind zwei Beispiele von denen Streckenführung ist sie rein line-
bedeutet, geht das vielleicht am ein- Anordnungen, die vom Prinzip her li- ar, auch wenn sich die beiden Konkur-
fachsten, indem man zeigt, was es nicht near sind. Solange nicht wieder irgend- renzstrecken häufiger kreuzen als beim
ist. Die Zeichnung unten zeigt einen welche Bypässe oder Kehrschleifen Vorbild. Zur Durchführung des kompli-
Anlagenplan aus einem schon etwas eingebaut werden, geht es immer von zierten Fahrplans sind mindestens fünf
betagten Büchlein, der seinerzeit wohl A über B nach C. Personen erforderlich …
der typische Wunschtraum des durch- Natürlich kann man beim Vorbild Die bekanntesten Linearanlagen
schnittlichen Modellbahners war. Im von Hamm nach München über Köln hierzulande sind wohl die Modulkonfi-
Original ist der Plan auch hübsch mit oder über Kassel fahren, und bei bei- gurationen des Fremo; auf der Seite
vielerlei Gebäuden, Vegetation und an- den Möglichkeiten gibt es wiederum rechts ist beispielsweise der prinzipiel-
deren Details ausgestattet, aber ich diverse Varianten. Solche Netzbildun- le Aufbau des H0-Modularrangements
habe ihn einmal auf die Gleisanlagen gen, die die reale Eisenbahn durchaus der Fremo-Jahrestagung 1989 zu se-
hen. Inzwischen sind die Arrangements
oft um ein Vielfaches größer und kom-
plexer, aber linear sind sie trotz gele-
gentlich verwirrender Konfigurationen
allemal, „point-to-point“ ebenfalls. Na-
Aßmannsburg türlich sind Module eine feine Sache,
die Kunst, die wir hier entwickeln wol-
len, ist jedoch, lineare Konzepte mit
mehreren Stationen als stationäre
Heimanlage zu planen.
Eringen

Der Geist ist willig, aber …


Eigentlich sieht ja jeder ein, dass eine
lineare „point-to-point“-Anlage das
Weyer einzig korrekte Abbild einer richtigen
Eisenbahn ist. Selbst die Bahnen, die
Kreisbahnen hießen, fuhren von point-
Schattingen
to-point (von der Perleberger Kreis-
bahn einmal abgesehen …). Aber das
ins Modell umzusetzen fällt offensicht-
Aus der Feder von lich schwer. Der bekannte Modellbah-
Altmeister Günther ner Bernd Schmid schreibt in seinem
Weyer Fromm stammt die- Buch „Die elektrische Eisenbahn“:
Aßmansburg
ser Anlagenplan, der Die richtige Eisenbahn fährt nicht im
hier nur ein wenig Kreis. ... Das Vorbild legt eine Verbin-
gedreht und gespie- dung zwischen zwei Bahnhöfen mit zu-
Schattingen
gelt worden ist. Die gehörigen Orten nahe. Gerade zu zweit
Eringen kleine Zeichnung ließe sich bei einer so orientierten Mo-
zeigt den prinzipiel- dellbahn interessanter Betrieb abwi-
len Streckenverlauf. ckeln.

36 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Das klingt schon recht gut, doch dann
fährt er fort: Ja, hier haben wir unseren
ersten Kompromiss. Wir planen ein
Oval, weil nur so die meisten Kriterien
beim Modellbahnbau leicht erläutert
werden können. ... Ein bisschen Auto-
matik ist dabei, damit der Spieler sich
auch mal zurücklehnen und dem Lauf
der Züge zuschauen kann. ...
Bingo! Nun weiß ich es also auch,
dass man nur mit einem Oval alle mo- Diese beiden Zeichnungen zeigen typi-
dellbahnrelevanten Themen richtig be- sche Segmentanlagen. Auch dies sind
handeln kann und brauche mich nicht lineare Anlagen, denn bei Gleisbögen
mehr zu wundern, dass lineare Anla- und -spiralen handelt es sich eben auch
gen so schwer zu vermitteln sind. um Linien.
Dabei hat Bernd Schmid den Clou
des Ganzen total erkannt. Gerade auf
einer linearen „point-to-point“-Anlage
lässt sich hervorragend Betrieb mit
zwei (oder mehr) Personen machen.
Na, wem sagt er das? Aber diesen Ge-
danken verfolgt er nicht weiter und
steht damit voll im Mainstream, dem er
wohl auch verpflichtet ist. Abgesehen
von Clubanlagen und Modularrange-
ments, so die öffentliche Modellbahn-
meinung, ist das Betreiben von Modell-
bahnanlagen alleinige Sache des Er-
bauers. Dieses tief verwurzelte
Vorurteil möchte ich gerne entkräften.
Dazu brauche ich nicht theoretische
Prinzipien zu verkünden, ich kann ein-
fach auf meine eigene Modellbahnpra-
xis zurückgreifen. Seit meiner Garten-
bahnanlage „Tilsburg-Asendorfer Ei-
senbahn“, auf der wir schon vor über
dreißig Jahren zu zweit Fahrplanbe-
trieb durchgeführt haben, plane und
baue ich meine Anlagen für den Betrieb
mit mehr als einer Person (und betrei-
be sie auch so), bei der zweiten Version
meiner „Braunlage-Andreasberger Ei- So sah der prinzipielle Modulaufabau bei der Fremo-Jah-
senbahn“ in Bremen, die ich leider we- restagung 1989 aus. Bei genauerem Hinsehen herrscht hier
gen eines Umzugs abreißen musste, nur scheinbar Chaos. In Wahrheit ist es ein richtiges, klar
haben wir zu dritt, zu viert und zu fünft strukturiertes Bahnnetz, wie die Zeichnung unten zeigt.
Betrieb gemacht. Da kam dann wirk-
lich das Gefühl auf, in einem Bahnbe-
trieb tätig zu sein. Die „Briloner Waldbahn“ ist außer- spiel der „Briloner Waldbahn“ weitere
dem klein, noch kleiner als die Voll- der bereits dargelegten Prinzipien um-
Flächig, aber linear bach-Anlage. Dafür hat sie eine beson- gesetzt werden, speziell die Aussagen
dere Stellung, denn sie ist tatsächlich darüber, was eine gute Anlage aus-
Im Kapitel über die „Briloner Wald- gebaut worden. Daher sind dort alle macht – nämlich die vier Punkte Iden-
bahn“ gehen wir zwar noch einmal zur Ausführungen über den Betrieb tität, Aufgabe und Funktion, betriebli-
flächigen Anlage zurück (dort wird praxis erprobt und nicht nur graue che Konzeption sowie Realismus und
auch erklärt, warum sie so ist). Aber sie Theorie. Gleichzeitig sollen am Bei- Glaubwürdigkeit.
hat, wie meine anderen Entwürfe auch,
ein lineares Konzept – alles andere
kommt bei mir einfach nicht mehr in
die Tüte. Ich finde es auch besonders
wichtig, gerade bei kleinen Anlagen zu
zeigen, dass lineare Konzepte a) mach-
bar und b) im Betrieb spannend und
befriedigend sind.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 37
Einige Grundlagen zur Anlagenplanung gebäude und den Gleisplan von Eise-
nach oder Kreiensen – dennoch sind
beide bereit, sich mit etwas weniger

Die Ausnutzung des Stattlichem zu bescheiden.


Auch negative Wünsche gehören
hierhin, also das, was man gern ver-

vorhandenen Raums
meiden möchte – etwa Steigungen über
3 %, gebogene Bahnhofseinfahrten und
dergleichen. Alle drei Arten von Vorga-
ben sollten präzise aufgelistet werden
Will man ernsthaft eine Anlage bauen, kann nicht so ohne weite- (wirklich schriftlich oder auf dem
Rechner), bevor der erste Strich eines
res ins Blaue hinein geplant werden. Hier einige grundsätzliche Anlagenplans gezeichnet wird.
Überlegungen, wie der zur Verfügung stehende Raum am besten
ausgenutzt werden kann. Anlagengrundformen

W elche Maßstäbe, Spurweiten und


Baugrößen bei der Modelleisen-
bahn gebräuchlich sind, was man unter
In Bezug auf eine Modellbahnanlage
möchte ich sogar eine Viergliederung
machen:
Damit kann man einige Buchseiten fül-
len, vielleicht sogar ganze Bücher. Ich
will mich aber auf zwei Alternativen
Zweileiter- und Mittelleiter-Systemen • Zwänge = zwingende äußere Vorga- beschränken – flächige und offene An-
versteht und welche Vor- und Nachteile ben, auf die man keinen Einfluss hat, lagen. Die ersten Anlagen, die ich ge-
dieses oder jenes Digitalsystem hat, wer- • Obligationen = unabdingbare Wün- baut habe, waren flächig, ich kannte
de ich in dieser Broschüre nicht be- sche des Modellbahners (muss sein, schließlich nichts anderes. Meine erste
schreiben. Erstens steht es schon in vie- muss ich haben), eigene Anlage, die den Namen ver-
len anderen Büchern, zweitens gehe ich • Favoriten = verhandelbare Wünsche dient, war ein Oval aus Fleisch-
davon aus, dass meine Leser schon aller- (das hätte ich schon gerne, wenn es mann-H0-Gleisen auf einer rund 1,20
lei Modellbahnmaterial eines bestimm- geht …), x 2,40 m großen Sperrholzplatte, da
ten Systems in einer bestimmten Baugrö- • Fakultativa = kann, wenn noch Platz war ich sechzehn Jahre alt. An den ge-
ße gesammelt und sich damit bereits vorhanden ist. nauen Gleisplan erinnere ich mich
festgelegt haben. Ich erlaube mir also, Zu den unabänderlichen Vorgaben ge- nicht, es gab aber einen Bahnhof mit
einiges an Wissen und an Vorbildung vo- hören natürlich alle Maße des zur Ver- zwei durchgehenden Gleisen und ei-
rauszusetzen, vertraue aber darauf, dass fügung stehenden Raumes inklusive nem Stumpfgleis. Die Landschaftsge-
Bereitschaft und Willen vorhanden sind, der Höhe, dazu nicht entfernbare staltung, welch großes Wort, bestand
sich auf Neues einzulassen und das vor- Fremdkörper wie Heizungskessel, aus flächendeckend aufgestreuten grü-
handene Wissen zu erweitern. Wasserboiler, Heizkörper, die Lage der nen und braunen Sägespänen sowie
Türen und Fenster, Stromzähler, Gas- einer Straße aus Karton. Schwamm
Sachliche Voraussetzungen und Wasseruhren (Zugänglichkeit) und drüber.
derlei Dinge mehr. Als Student baute ich zwei kleine An-
Wenn ein Architekt ein Haus entwerfen Typische Obligationen wären dage- lagen gegen Bezahlung. Die eine war
soll, muss er vom Auftraggeber einige gen, wenn jemand meint, zweigleisige eine Trix-Express-Anlage, an die ich
Vorgaben erhalten. Da wären die Grö- Strecken und Schnellzüge zu brauchen, mich auch kaum noch erinnere, außer
ße, die zu bebauende Fläche, die ge- um glücklich zu werden, dass ich vorhan-
wünschte Wohnfläche, die Anzahl der während ein anderer Z O F F dene Dämmplat-
Stockwerke und die Form des Daches, ein Fan von Tunneln, ten als Trassenbret-
um nur einiges zu nennen. Der Bauherr Vi a d u k t e n u n d ter verwenden musste,
wird auch noch eine finanzielle Ober- Felspartien ist. was Riesenprobleme
grenze angeben. Für den Dritten machte.
Bei genauem Hinsehen kann man die macht eine An- Die andere war eine Mär-
Vorgaben in zwei Gruppen unterteilen. lage nur Sinn, wenn all die vielen an klin-H0-Anlage, die ich für den Sohn
Das sind zunächst die zwingenden Vor- langen Fernsehabenden aus Bausätzen meines Zimmervermieters baute. Da gab
gaben, die unveränderbar sind. Dazu zusammengeklebten Häuser unterge- es schon zwei Bahnhöfe, jeder mit Aus-
zählen beispielsweise die Grundstücks- bracht werden können. Auch das Be- weichgleis und einem oder zwei Stumpf-
größe sowie die Einschränkungen und stehen auf einer größeren Baugröße, gleisen. Die Strecke war eine zweietagige
Vorschriften des amtlichen Bebauungs- etwa 0 oder 1, gehört zu dieser Art von Acht, wie sie heute auf vielen Fertig-
planes, nicht zu vergessen das zur Ver- Vorgaben. anlagen zu finden ist. Nun ja, jeder hat
fügung stehende Kapital. Jetzt kommen Jetzt kommen noch die Favoriten mal klein angefangen – ich schäme mich
noch die Wunschvorstellungen des hinzu. Der „Zweigleiser“ hätte gern Ra- meiner Anfänge nicht, meine Lehrzeit als
Bauherrn hinzu. Sie sind nicht immer dien ab 1 m aufwärts, notfalls gingen Anlagenplaner und -bauer hatte da ja
realisierbar und widersprechen aber auch noch 80 cm. Der Viaduktfan gerade erst begonnen.
manchmal auch den zwingenden Vor- würde am liebsten das Landwasservia- Noch während meines Studiums
gaben. Sie lassen sich aber auch än- dukt der Rhätischen Bahn, exakt maß- baute ich samstags und sonntags zu-
dern, etwa durch den überzeugenden stäblich natürlich, auf seiner Anlage hause im Keller an einer H0m-Anlage.
fachlichen Rat des Architekten. haben, ein anderer liebt das Empfangs- Die war als L geplant; ein etwa quadra-

38 MIBA-Praxis • Anlagenplanung
Ich kannte ja nüscht anderes. „Jugendsünde“
nenne ich heute diese Anlage, die ich für den
Sohn meines Zimmervermieters gebaut habe.
Ich könnte Seiten füllen, indem ich darüber
schreibe, was daran alles falsch war.

tisches Anlagenstück in der Ecke des L


mit einer spiralförmig ansteigenden
Strecke und zwei Bahnhöfen an den
Schenkeln des L. Sie wurde zwar nicht
fertig, weil die Familiengründung „da-
zwischen kam“, aber es war immerhin
mein Einstieg in die offene Anlagen- gab, eine flächige Anlage zu bauen. Ei- Wie groß ist deine Platte?
form. ner dieser Gründe war, dass ich seiner-
Dieser blieb ich im Prinzip treu, so- zeit mit der Jugendgruppe eines Mo- Obwohl heutzutage in den Fachmaga-
wohl bei meiner „Tilsburg-Asendorfer dellbahnclubs eine kleine mobile Anla- zinen reihenweise Anlage mit offenen
Eisenbahn“, einer LGB-Gartenbahn, ge bauen sollte, an der die Jugendlichen Formen gezeigt werden, hat sich in den
deren Streckenverlauf U-förmig war, alle Techniken und Tricks lernen konn- Köpfen die geschlossene, meist recht-
als auch bei der H0-Dachbodenanlage ten, die man für den Anlagenbau eckige Form immer noch als Standard
„Felsentalbahn“ mit ebenfalls U-förmi- braucht – das war die schon erwähnte erhalten. „Wie groß ist denn deine Plat-
gem Grundriss. Ich sagte „im Prinzip „Briloner Waldbahn“, die später noch te?“ ist immer noch, man mag es kaum
treu“, weil es immer wieder Gründe ausführlich vorgestellt werden soll. glauben, die typische Reaktion, wenn
man erzählt, dass man eine Modell-
bahn habe.
Als mir in späteren Jahren ein Miets-
hauskeller von 2,70 x 4,70 m zur Ver-
fügung stand und ich überlegte, ob und
was für eine Anlage ich da bauen könn-
te, wurde mir klar, dass hier die Frage
flächig oder offen exemplarisch unter-
sucht werden konnte. Logischerweise
(oder auch nicht) studierte ich zunächst
die flächige Lösung. Davon ausgehend,
dass ich von mindestens drei Seiten an
die Anlage herantreten können musste
und zu dem Zweck mindestens 80 cm
an jeder Seite freizuhalten waren, kam
ich auf eine Größe von 3,10 x 1,90 m.
Nun gibt es die aus der Erfahrung ent-
standene Faustregel, dass man kaum
weiter als 60-65 cm weit in eine Anlage
GS
Sägewerk EG hinein reichen kann, ohne etwas zu be-
schädigen. Da bliebe bei der genannten
Fläche jedoch ein großer toter Raum,
der kaum zu erreichen ist. So kann man
Sonnenberg eine Anlage nicht gestalten und noch
Schattenbahnhof weniger warten, es sei denn, man baut
Braunlage
3,3 % eine Wartungsluke ein.Das ist in der Re-
gel ein herausnehmbares Landschaft-
stück, groß genug, dass man mit dem
Oberkörper hindurch kommt. Solche
2,5 %

In einem kleinen bis mittelgroßen Raum wie


Königskrug in diesem Mietshauskeller bringt eine Rings-
EG
GS herum-an-der-Wand-entlang-Anlage eine
bessere Raumausnutzung und deutlich länge-
1m C re Strecken als eine Kompaktanlage. Die Tür
liegt hier hinter dem Bahnhof Königskrug.

MIBA-Praxis • Anlagenplanung 39
Hp Molkerei

Die Anlage „Lokalbahn Wilstedt“ von Wil-


fried Link; sie nimmt einen Raum von 5,40 x
4,10 m ein. Eine reine „Ringsherum-an-der-
Wand-entlang-Anlage“ (RAWE) wie diese
nutzt den zur Verfügung stehenden Raum
zwar nur sehr schlecht aus. Das hat den Vor-
teil, dass das Modellbahnzimmer auch noch
zum Hafensegment anderweitig genutzt werden kann. Steht es
allein für die Anlage zur Verfügung, schreit es
aber förmlich nach einer Anlagenzunge in
Raummitte! Daher wurde hier der Anschluss
zu dem Hafensegment vorgesehen, das tem- Bf. Wilstedt
porär angesetzt werden kann.

Bf. Huxfeld

zur Werkstatt
1m

Luken so zu gestalten, dass man die der Raumgröße. Schon viel besser, Man sieht auf einen Blick, dass der fah-
Ränder nachher nicht wahrnimmt, ist nicht wahr? rende Zug sich nicht wirklich von sei-
jedoch ein nicht ganz einfaches Unter- Ich hatte dabei allerdings vorgese- nem Ausgangspunkt entfernt, sondern
fangen. Dass zudem der konkrete War- hen, die Anlage auch vor der Tür (die ihn umkreist und immer wieder an ihm
tungsvorgang durch eine solche Öffnung sich glücklicherweise nach außen öff- vorbei kommt. Das erstickt jede Illusion
kein Vergnügen darstellt, weiß jeder net) durchzuziehen. Ein herausnehm- von Entfernung im Keim!
Modellbahner, der es einmal versucht bares Segment hatte ich allerdings Bei der Rundum-Anlage kann man je
hat. Daher sollte man möglichst anstre- nicht eingeplant, sodass ich nur ge- nach Position dagegen stets nur einen
ben, solche Wartungsluken zu vermei- bückt unter der der Bahnhöfe oder
den. Anlage hindurch in Wegen des Problems der Zugänglich- einen der Stre-
Ohne Luke müsste eine 1,90 m tiefe den Innenraum ge- keit und der Eingreiftiefe kann mit ckenabschnitte se-
Anlage also von allen vier Seiten zu- langen konnte. Da- einer flächigen Anlage in kleinen und hen. Man dreht
gänglich sein. Würde ich bei meinem mals war ich um mittleren Räumen nur ein geringer sich langsam um
Beispiel hinter der Anlage einen mini- einiges jünger und Prozentsatz der zur Verfügung ste- die eigene Achse,
malen Wartungsgang von 80 cm Breite elastischer, heute henden Fläche ausgenutzt werden. um dem fahren-
frei lassen, bliebe mir in dem schönen würde ich mich den Zug mit den
4,70 x 2,70 m großen Raum eine gera- der Mühe unterziehen, einen „hi-tech“- Blicken zu folgen und hat – bewusst
de mal 3,10 x 1,10 m „große“ Anlage. Klappmechanismus zu konstruieren … oder unbewusst – den Eindruck, dass
Von den vorhandenen 12,7 m2 hätte er tatsächlich irgendwohin fährt, dass
ich also lediglich 3,4 m2, also knapp Alles zugleich im Blick seine Fahrt ein Ziel und damit einen
27 %, als Anlagenfläche nutzen können Sinn hat.
– ein ausgesprochen mieser Wert. Damit ist einiges über die Vorzüge der Bei dieser Anlage ist der Innenraum
Ganz anders sah die Sache aus, als offenen gegenüber der flächigen Anla- von knapp 5 m2 gerade ausreichend,
ich in dem gleichen Raum die Anlage ge gesagt, aber längst nicht alles. Ein um zwei Mitspieler agieren zu lassen,
als schmalen Streifen rings herum an großer Nachteil flächiger Anlagen ist, ohne dass sie einander auf die Füße
der Wand entlang entwarf. In diesem dass man alles zugleich sieht: den treten. Der Abstand von durchschnitt-
Fall hatte die Anlage immerhin eine Bahnhof (oder die Bahnhöfe) und alle lich 1,4 m zwischen den beiden Bahn-
Fläche von 7,8 m2, das sind gut 61 % nicht verdeckten Streckenabschnitte. höfen ist luxuriös, aber weniger macht

40 .*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH
in diesem Fall keinen Sinn. Würden die Das Anlagenstück
Anlagenstreifen wieder mehr Tiefe „Torfhafen“, auf das
kommen, hätten wir wieder Probleme im Gleisplan nur ein
mit der Erreichbarkeit einiger Anlagen- Pfeil hinweist, ist
teile – was wir bei der flächigen Anlage hier temporär aufge-
kennengelernt haben, sollte ja mög- baut in der Raum-
lichst vermieden werden. mitte zu sehen. Das
ermöglicht nicht nur
Immer an der Wand entlang besonderen Betrieb
bei besonderen An-
in größeren Räumen
lässen, sondern auch
Mit wachsender Raumgröße verändern immer wieder eine
sich nicht nur generell die Möglichkei- andere Nutzung des
ten der Anlagengestaltung, sondern Innenraumes inner-
insbesondere auch die der Raumaus- halb der Anlage.
nutzung. Letztere übrigens zunächst
ins Negative – so erstaunlich das klin- Die Zeichnung be-
gen mag. Da wir die Tiefe der Anlagen- weist: In den Raum
streifen, wie wir gesehen haben, nicht der Lokalbahn Wil-
so ohne Weiteres vergrößern können, stedt hätte auch
wächst mit zunehmender Länge und eine Anlagenzunge
Breite des Raumes zwar die Länge der mit Kehrkurve ge-
Strecken zwischen den Bahnhöfen passt. Im Text wird
(was ja immer zu begrüßen ist!), gleich- beschrieben, wie
zeitig wächst jedoch auch der leere In- man rechnerisch er-
nenraum überproportional. mitteln kann, ob das
Die „Lokalbahn Wilstedt“ meines möglich ist.
Freundes Wilfried Link ist in einem Grafik: HFy/OOK

.*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH 41
den außen herumführenden Anlagen-
streifen breit genug ist, um eine Kehr-
kurve aufzunehmen, nicht zu verwech-
seln mit einer Kehrschleife. Kehrschlei-
fen sind die Lieblinge traditioneller
Modelleisenbahner. Beim Vorbild kom-
men sie eigentlich nur bei Straßenbah-
nen vor, bei Versuchsstrecken, tja, und
seit einigen Jahren in Stiege bei den
Kehren oder Kehrkurven (rechts im Bild) sind typisch für Eisenbahnen, zumindest für Gebirgs- Harzer Schmalspurbahnen. Ich würde
bahnen, wie auch auf der Karte der Albulabahn (s. S. 96) zu sehen ist. Dagegen sind echte gerne wissen, mit welcher Summe die
Kehrschleifen (links) eigentlich nur bei Straßenbahnen zu finden. Eine Ausnahme macht hier Modellbahnverbände dieses Artefakt
allerdings die Kehrschleife im Bahnhof von Stiege im Harz. gesponsert haben, damit endlich ein
„Da, siehste!“-Vorbild für die vielen
5,40 x 4,10 m großen Kellerraum un- oder anderen dieser Freunde, ebenfalls Kehrschleifen auf Modellbahnanlagen
tergebracht, rund 22 m2 also. Der In- um gemeinsam Betrieb zu machen. gebaut wurde …
nenraum ist jedoch rund 16 m2 groß, Dann holt er seinen „Torfhafen“, so Das ändert aber nichts daran, dass
das sind knapp 73 % der Raumgröße. heißt dieses Anlagenteil, aus einem Re- eine Kehrschleife dem Wesen der Ei-
Also bleiben ganze 27 % der Fläche für gal unter der Anlage hervor und baut senbahn fremd ist. Kehrkurven kennt
die Anlage – der gleiche Wert, den ich es an der angegebenen Stelle an. Jetzt der Autofahrer von den Serpentinen
bereits bei der kleinen Flächenanlage ragt es mitten in den Raum, ohne die der alpinen Passstraßen, der Eisen-
als mies bezeichnet habe. Der Unter- Zugänglichkeit irgendeiner Stelle der bahnfreund natürlich von Bergbahnen
schied liegt darin, dass man mit dem Anlage zu behindern. wie etwa die Kehren der Albulabahn
Innenraum der kleinen Anlage nichts Wenn man keine Lounge braucht, oberhalb Bergün (siehe auch die Karte
weiter anfangen konnte, als halt von weil anderswo genügend Platz zum auf S. 96). Einer Kehrschleife entspricht
dort aus die Anlage zu betreiben. Bei Treffen und Sitzen ist, kann man so ein hingegen der Wendehammer am Ende
Wilfried Link sieht das ganz anders halbinselförmig in den Raum ragendes von Sackgassen. Da unser Hobby aber
aus. Sein Anlagenkeller ist wie ein klei- Teil auch fest einplanen und einbauen. lieber nicht in einer Sackgasse enden
nes Wohnzimmer eingerichtet – die Man spricht dann von einer Anlagen- soll, ziehen wir die Kehrkurve der
Amerikaner würden es lounge nennen zunge. Wilfried Link benutzt seine Kehrschleife vor.
– mit Teppichboden und feinen Schrän- (wegnehmbare) Anlagenzunge, um für Für die Anlagenplanung sind die
ken unter der Anlage. So kann der seine zweite Strecke einen Endbahnhof Kehrkurven insbesondere bei der Kon-
Raum auch als gemütlicher Treffpunkt zu haben. Die Station Wilstedt wird struktion von steckenverlängernden
zum Schauen von Eisenbahnvideos ge- dann zum Spitzkehrenbahnhof, eine Zungen von Bedeutung. Anlagenzun-
nutzt werden. Spezialität, die wir in weiteren Kapiteln gen mit Kehr- oder Hufeisenkurven ha-
Wird der zur Verfügung stehende noch ausführlich behandeln werden. ben gegenüber solchen mit stumpfen
Raum allerdings noch größer, verän- Gleisanlagen den Vorteil, dass ihre Län-
dert sich die Sachlage noch einmal – Zungen und Kehrschleifen ge doppelt zählt. Jeder Dezimeter zu-
und wir müssen die Verteilung von An- sätzliche Länge der Zunge bringt zwei
lagen- und übriger Raumfläche wieder Eine fest eingebaute Anlagenzunge Dezimeter mehr an Streckenlänge.
ganz anders betrachten. Schlussend- kann aber auch ganz anders genutzt Ich wollte gerne wissen, ob bei der
lich wollen wir ja eigentlich, wenn wir werden, nämlich zur deutlichen Verlän- „Lokalbahn Wilstedt“ anstelle des weg-
ehrlich sind, so viel Anlage wie mög- gerung der Strecke zwischen zwei nehmbaren Hafenmoduls auch eine
lich. Daher müssen wir uns überlegen, Bahnhöfen. Dazu ist es jedoch erfor- feste Zunge mit Kehre hineingepasst
wie wir uns den zusätzlichen Innen- derlich, dass der freie Raum zwischen hätte. Unter Übernahme des dort ange-
raum kreativ zu Nutze machen können.
Wilfried Link hat uns da den Weg ge-
wiesen. Bei genauerem Anschauen sei-
nes Anlagenplanes sehen wir links ein
am Anlagenrand abgeschnittenes Stre-
ckengleis mit einem Pfeil „zum Hafen-
modul “.

Temporäre Raumausnutzung
Bei diesem Hafenbahnhof handelt es
sich um ein 3,2 x 0,55 m großes An-
lagenteilstück, das Wilfried zu Treffen &

mit Freunden mitnimmt, bei denen sie


gemeinsam große Arrangements auf- Links ein häufig zu beobachtender Designfehler: Durch das Überkreuzen der Strecken an der
bauen und darauf Fahrplanbetrieb ma- Zungenwurzel verliert man den Zug am Ende des Ganges und muss um das Zungenende her-
chen. Ab und zu bekommt Wilfried umhetzen, um ihm weiter folgen zu können. In der rechten Abbildung kommt das Prinzip der
aber auch selbst Besuch von dem einen absoluten Nähe (PAN) ungestört zum Tragen.

42 .*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH
wandten Mindestradius von 80 cm ver-
suchte ich, eine solche Zunge in den 1m
vorhandenen Plan hinein zu zeichnen.
Dabei legte ich mir rote Sperrmarken
von 60 cm Länge auf die Zeichenfläche,
damit nirgends die Mindestgangbreite
unterschritten würde. Das Ergebnis: Es

R min
geht tatsächlich.
Ja, es geht also, aber messerscharf.
Lohnt sich der Aufwand? Ich habe mir GB min
AT min GB min AT min
die Mühe gemacht, auf dem ausge- min min
druckten Plan mit dem Entfernungs- R +Si
messer die Länge der Strecke zu ermit-
teln (mehr zu diesem Verfahren ist auf
Seite 85 zu finden). Die Strecke von ei-
nem Endbahnhof zum anderen (jeweils
von Bahnhofsmitte bis Bahnhofsmitte)
beträgt im Originalplan ohne Zunge im-
merhin schon 11 m, beim erweiterten
Plan mit Zunge und Kehrkurve sind es
20,5 m. Wenn das nicht lohnend ist!
Wer genau hinschaut, wird bemer-
ken, dass ich die zweite Strecke, die
zum Anschluss Hafenmodul führte,
nicht weiter gezeichnet habe. Dort, wo
sie in meiner Zeichnung endet, könnte GB min
sich zum Beispiel ein Steinbruch befin-
den. Das gäbe schöne lange Bedie-
nungsfahrten. Es gibt aber noch eine GB min
viel bessere Idee dazu. Die wird hier Kamin
aber noch nicht verraten – mehr dazu
aber im Kapitel „Etwas Gutes besser
machen“ bei einem neuen Anlagenvor-
schlag.
Beim Vergleich von „ringsherum-an
der-Wand-entlang“ gegen eine flächige
Anlage war schon die Rede davon, dass
bei ersterer immer nur ein Teil der An- GB min
lage im Blick ist und man den Eindruck
AT min
hat, der Zug führe tatsächlich weg und
irgendwohin. Das kommt bei einer An-
lagenzunge noch deutlicher zur Gel-
tung. Wird die Landschaft dort gebirgig Die Minimalvoraussetzungen für das Anlegen einer Zunge oder „Halbinsel“ sind hier kom-
oder mit einer dichten Bewaldung ge- plett ersichtlich. An der Zungenwurzel wird weniger Breite benötigt als an ihrem Ende.
staltet, verhindert sie den Blick von ei-
nem Bediengang in den anderen. Wenn Zeichnen anfängt, herausfinden. Drei auch gut für Räume, deren volle „Recht-
man an einer Stelle stehen bleibt, sieht Maße muss man wissen oder festset- eckigkeit“ durch Einbauten wie etwa
man den Zug um das Zungenende her- zen. Dazu gehört die minimale Gang- einen Kamin gestört ist.
um entschwinden – und wenn man die- breite „GBmin“ (in der Regel 0,60 m), Zum Schluss noch ein kleiner Tipp:
se zu Fuß umrundet, betritt man eine der anzuwendende Mindestradius Wenn Sie eine Zunge mit Kehrkurve
neue Welt, eine andere Gegend, in der „Rmin“ (bei zweigleisigen Strecken planen, sollten Sie darauf achten, dass
man seinen Zug wieder sieht. Die Illu- muss der äußere um den Gleisabstand sich die Strecken möglichst nicht über-
sion der Entfernung ist nahezu perfekt. größer sein als der Mindestradius) und kreuzen oder, wenn das nicht vermeid-
die minimale Anlagentiefe „ATmin“. bar ist, gleich zweimal, wie aus der
Kurze Strecken strecken Wenn es knapp wird, obwohl man kleinen Skizze auf der linken Seite her-
schon den kleinsten möglichen Radius vorgeht. Andernfalls hebeln Sie „walk-
Ich hoffe, Ihnen Zungenanlagen verwendet hat, hilft nur, die Mindestan- around“ und das „Prinzip der absolu-
schmackhaft gemacht zu haben. Wenn lagentiefe noch weiter zu vermindern. ten Nähe“ aus. Dem Thema Zungen
es irgend geht, sollten Sie diese Mög- Es ist ja meist nur eine sehr kurze Stel- werden Sie im weiteren Verlauf dieses
lichkeiten bei der Planung Ihrer nächs- le dort, wo die Zunge am breitesten ist. Buches mehrfach begegnen, zum Bei-
ten Anlage berücksichtigen. Aber ob Da die errechnete Mindestraumbrei- spiel im Kapitel über die „Garagen-
eine Zunge überhaupt passt, kann man te nur an der breitesten Stelle der Zun- anlage“ oder dem über den Anlagen-
schon a priori, bevor man mit dem ge benötigt wird, eignen diese sich vorschlag „Wissertalbahn“.

.*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH 43
die stillgelegte Feldbahn von Reuth bei
Ein realisierter Kindheitstraum in H0 Erbendorf nach Friedenfels. Den Ge-
danken, tatsächlich eine Feldbahnanla-

Die Friedenfelser ge – eventuell in der Baugröße 0 – zu


bauen, verwarf Robert Meissner schnell
wieder, denn er hatte eine viel bessere

Lokalbahn Idee.
Obwohl er das Wort „prototype free-
lancing“ noch nie gehört hatte, machte
er genau das: Er setzte die vertrauten
Robert Meissner aus der Oberpfalz widmete eine ehemalige Feldbahn Elemente der Lieblingsbahn seiner
Kindheit (und anderer bayerischer Ne-
seiner Heimat zu einer „richtigen“ Lokalbahn um. Dazu verwendete er
benstrecken) auf die Trasse der ehema-
auch Elemente anderer stillgelegter Strecken dieser Gegend. Das Ganze ligen Feldbahn um – und erfand auf
realisierte er in einer völlig auf Betrieb ausgerichteten „point-to-point“- diese Weise die „Friedenfelser Lokal-
bahn“.
Anlage in der Baugröße H0.
Gleisplan und Gebäude des Bahnhofs
Floß dienten ihm mit einigen Anpas-

A ls Kind hatte Robert Meissner das


Glück, den Fahrdienstleiter von
Floß an der heute stillgelegten Strecke
Kindheitsträume und
Realisierungsmöglichkeiten
sungen als Vorbild für den Kreuzungs-
bahnhof Thumsenreuth. Die Gebäude
von Vohenstrauß fanden dagegen auf
von Neustadt (Waldnaab) nach Eslarn Sein Ideal wäre es gewesen, diese der Anlage in der Endstation Frieden-
zu kennen. Er durfte sich im Stellwerk Traumstrecke seiner Kindheit einmal fels ihren Platz. Manch anderes Detail
aufhalten und dabei auch einmal die als H0-Anlage so getreu wie möglich konnte hier und dort an der Strecke
eine oder andere Weiche stellen, das nachzugestalten. Er war aber Realist platziert werden.
Einfahrsignal ziehen und – krönender genug, um einschätzen zu können, dass
Höhepunkt der jungen Eisenbahner- dies seine räumlichen und finanziellen Wenig Platz bewirkt Umdenken
karriere – einige Male auf dem Führer- Möglichkeiten weit übersteigen würde.
stand einer V 100 von Floß aus nach Also weiter träumen? Auf der Suche Aber man wird nicht als Purist gebo-
Vohenstrauß und Neustadt mitfahren. nach einer „Ersatztrasse“ stieß er auf ren. Lassen wir daher Robert Meissner

44
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MBOVO
OVOH
OV
VVOOH
Die Friedenfelser Feldbahn führte von einem
Granitwerk zum Bahnhof Reuth bei Erben-
dorf an der Hauptstrecke von Regensburg
nach Hof. Die vergrößerte Darstellung im
Kasten rechts verdeckt die Grenze zu Tsche-
chien. Der Bahnhof Reuth sollte auf der Anla-
ge vom Fiddleyard dargestellt werden.

Linke Seite: Bayerische Lokalbahn zur Reichs-


bahnzeit. Eine 98.10 ex bay GtL 4/5 auf dem
Weg nach Friedenfels (Oberpfalz). Der Kühl-
wagen ist gewiss für die dortige Schloss-
brauerei bestimmt.

selber erzählen, wie alles kam: „Ur-


sprünglich stand im größeren Kinder-
zimmer unseres Hauses eine elaborier-
te H0-Anlage, eine Hauptbahn mit
Gleiswendel und üppigen Schatten-
bahnhöfen. Unser Sohn wurde größer
und als er in die Schule kam, sollte er
sein eigenes Zimmer bekommen, die
Anlage in sein bisheriges kleines Zim-
mer umziehen.
Und da begannen meine Planungs-
probleme, da ich die Anlage mit der
Gleiswendel einfach nicht unterbringen
konnte. Module mit reinem Neben-
bahnbetrieb wären eine Alternative
gewesen, aber das konnte ich mir da-
mals noch nicht vorstellen. Vielmehr
wollte ich alles, was ich hatte, mit Ge-
walt in den Raum hineinpressen.“

OOK ist an allem Schuld … Unten: Nachdem die Würfel für die „Friedenfelser Lokalbahn“ gefallen waren, entwarf Robert
Meissner einen ersten Plan (linke Variante) für eine Anlage in dem kleineren Kinderzimmer
„Wie es der Zufall wollte, stieß ich dann und stellte ihn im Anlagendesign-Forum vor. Es gab viel Zustimmung, aber man war der An-
im Internet auf das seinerzeitige e- sicht, dass der vorhandene Raum nicht optimal ausgenutzt wurde. Der Verfasser postete da-
book von OOK und das zugehörige An- her einen Vorschlag (rechte Variante), wie mehr Anlage in den Raum zu bekommen wäre. Der
lagendesign-Forum und begann alles rollbare Fiddleyard besaß jetzt einen geknickten Grundriss und konnte zusammen mit einem
neu zu überdenken. Das Thema Haupt- weiteren Bogenmodul aus dem Weg gerollt werden.

CM
3CHLOSSBRAUEREI

&9
&9
CM

&9
&9 &9
3CHRANK

3CHRANK

C
&ENSTER C
&ENSTER

.*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH 45
Gerade kommt der Nahgüterzug an der Endstation Friedenfels an, wo eine spitze Kreuzung Anlagendesign-Heft landen. Ich bin
mit dem Personenzug nach Reuth bei Erbendorf stattfindet. Sorgfältig ausgewählte Triebfahr- begeistert.“
zeuge und die bayerischen Lokalbahnwagen geben zusammen mit den landschaftstypischen Tja, nun ist das Paradebeispiel –
Hochbauten der ganzen Szene Identität und Lokalkolorit. denn um nichts Geringeres handelt es
sich hier – tatsächlich in diesem Werk
bahn war plötzlich nicht mehr interes- vorschlag, der mich begeisterte – ich gelandet, auch wenn es nicht das Wort
sant, auch nicht mehr die Schatten- wollte mich sofort an den Bau der An- Design im Titel führt. Was ist es denn,
bahnhofmonster und großen Platten. lage machen!“ Soweit Robert Meissner. was mich an dieser – inzwischen tat-
Neben dem e-book haben diverse Pläne sächlich gebauten – Anlage so begeis-
auf der Seite von „Onkel Tom“ (http:// Erstens kommt es anders und tert?
lokalbahn-reminiszenzen.de/), OOK’s zweitens als man denkt … Erinnern wir uns an die Kriterien,
BAE I und II, die 0e-Anlage von Micha- die im Kapitel „Was macht eine gute
el Sterna und einige andere viel Ein- Kaum waren die ersten Sägeschnitte Anlage aus?“ genannt waren: Identität,
fluss auf mich gehabt. für die neue Anlage getan, das war Aufgabe und Funktion, betriebliche
Einige Dutzend Forumpostings spä- Ende 2009, ergab sich plötzlich, dass Konzeption, Realismus und Glaubwür-
ter stand die alte Hauptbahnkonzep- ein schöner Kellerraum im Hause, der digkeit sowie Atmosphäre. Ich glaube
tion mit Gleiswendel überhaupt nicht bisher anderweitig genutzt wurde, frei nicht, dass ich das jetzt Punkt für Punkt
mehr zur Debatte. Die ehemalige Feld- wurde. Der war zwar noch ein paar beweisen muss. Es ist einfach so, dass
bahn nach Friedenfels, nur 20 km von Zentimeter kleiner, hatte aber zwei Vor- hier alles stimmt.
meinem Wohnort entfernt, fiel mir ge- teile: Zum einen hatten Tür und Fens- Die Friedenfelser Lokalbahn ist eine
rade rechtzeitig wieder ein. Die Idee, ter eine viel modellbahnfreundlichere eingleisige lineare point-to-point-Stre-
diese zu „normalisieren“, also als nor- Position, zum anderen besaß er überall cke. Sie führt von einem Fiddleyard,
malspurige Lokalbahn ins Modell um- die volle Raumhöhe, während das klei- der die Verbindung zur realen Eisen-
zusetzen, kam mir in einer schlaflosen ne Kinderzimmer eine Dachschräge bahnwelt darstellt, über einen größe-
Nacht. mit einem nur 1,14 m hohen Kniestock ren Zwischenbahnhof und einen Halte-
Am folgenden Abend postete ich ei- aufwies. Also: freie Hand dem Tüch- punkt mit Anschlussstelle zu einem
nen allerersten Anlagenvorschlag, bei tigen! Endbahnhof.
dem einige Stücke der alten Anlage Robert entwarf blitzschnell einen Alle Bahnhöfe auf der Anlage weisen
wiederverwendet werden konnten. Da adaptierten Anlagenplan für den neuen zahlreiche Anschlussgleise und sonstige
in dem Zimmer der Zugang zum Raum und eröffnete im Anlagendesign- Güterkunden auf, die entweder tatsäch-
Schrank und zum gegenüber der Tür Forum einen neuen Strang mit dem lich in diesem Teil der Oberpfalz existie-
liegenden Fenster erhalten bleiben Titel „Wenn einem Gutes widerfährt“. ren oder aber hier Sinn machen. Ihre
musste, kam ich auf die Idee, den Dort zeigt er den Entwurf für die neue Bedienung sorgt für regen Güterverkehr
Fiddleyard auf ein Gestell mit Rollen zu Friedenfelder Lokalbahn. und viel Rangiererei. Die Hochbauten
stellen und bei Nichtgebrauch zur Seite Ich antwortete ihm dazu am 27.12 an den Stationen sind landschaftstypi-
zu schieben. 2009: „Hier widerfährt uns sogar ex- schen Originalen nachgebildet.
Im Anlagenforum war man mit mei- trem Gutes, geradezu Beispielhaftes. Typisch für die Oberpfalz ist das
ner Idee sehr einverstanden, fand aber, Robert hat ein Paradebeispiel von An- sanfte hügelige Relief mit reichlich Na-
dass ich den vorhandenen Raum nicht lagendesign in planerischer, betrieb- delwald und dazwischen liegenden
wirklich optimal ausnutzte. OOK licher und gestalterischer Hinsicht ein- Weideflächen und kleinen Äckern. Ge-
höchstpersönlich lieferte einen Gegen- gestellt. Das könnte mal als Beispiel im nau durch eine solche Landschaft führt

46 .*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH
Robert Meissners Anlage nimmt einen Raum von 4,10 m Länge und führt, sondern auch die deutliche Illusion von Entfernung durch eine
3,65 m Breite ein. Es ist gewissermaßen ein Anlagenplan der reinen optische Trennung der diversen Szenen ermöglicht. Unterirdische
Lehre – eine klare lineare Konzeption mit walk-around-Effekt vom Abstellbahnhöfe mit schwer zugänglichen Weichenverbindungen gibt
Fiddleyard zum Endbahnhof. Bemerkenswert ist vor allem die ge- es hier auch nicht; stattdessen wurde ein überaus platzsparender
schickte Ausnutzung des vorhandenen Raumes durch eine Anlagen- Fiddleyard für den Einsatz von Zugaufbewahrungskassetten vorge-
zunge, die nicht nur zu langen Fahrstrecken zwischen den Stationen sehen. Zeichnung: R. Meissner

.*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH 47
Wenn man genau hinschaut, erkennt
man, dass der Güterzug gerade durch
die perfekt getarnte Kulisse aus dem
Fiddleyard „Reuth bei Erbendorf“
kommt. Das Einfahrsignal von Thum-
senreuth zeigt schon Hp 2, aber die-
sen Bahnhof kann man vor hier aus
dank Wald und Trennkulisse nicht se-
hen, er liegt eben ganz „woan-
ders“…
Unten: Rangiergeschäft in Thumsen-
reuth. Die Lok des Nahgüterzuges hat
den mit Stammholz beladenen R-Wa-
gen aus dem Rampengleis gezogen,
ist mit diesem gegen den bereitge-
stellten leeren R-Wagen gefahren,
kehrte mit beiden wieder in das Ram-
pengleis zurück, wo der Leerwagen
soeben zur Beladung bereit gestellt
worden ist, und zieht nun mit dem
beladenen Wagen wieder aus dem
Gleis, um ihn ihrem Zug beizustellen.
Dann kann es unter der Straßenüber-
führung hindurch, die den Zug für ei-
nige Sekunden den Blicken entziehen
wird, weitergehen nach Friedenfels –
ein weiterer Beitrag zur Schaffung
der Illusion von Entfernung.

48 .*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH
die Friedenfelder Lokalbahn. Robert Um so auf die Trennkulisse zu schauen, muss man auf einen Stuhl steigen. Aus gewöhnlicher
Meissner hat eine eigene Nadelbaum- Modellbahnerperspektive erfüllt sie ihre trennende Funktion vollkommen und leistet un-
fabrikation aufgemacht, um den gro- schätzbare Dienste zur Schaffung der gewünschten Illusion von Entfernung. Foto: R. Meissner
ßen Bedarf für seine Anlage decken zu
können. Wie die Fotos belegen, konnte
er hier aus dem Vollen schöpfen …

Anschluss an die Hauptbahn


Regensburg–Hof
Wie die Karte zeigt, zweigt die Frieden-
felser Lokalbahn in Reuth bei Erben-
dorf von der zweigleisigen Hauptbahn
ab. Robert Meissner war listig genug,
diesen Bahnhof mit fünfundzwanzig
Weichen nicht nachzubauen – das hät-
te auch den Raum allein beansprucht
– sondern ihn stattdessen durch einen
Fiddleyard mit bescheidenen Ausma-
ßen repräsentieren zu lassen.
Im schon mehrfach erwähnten MAD-
Forum bekam Robert auch den Tipp
mit den Wechselkassetten, die schon im
Kapitel „Vollbach“ eine bedeutende

Bei der Ausfahrt aus Thumsenreuth ist der


Zug unter der Straßenüberführung hindurch
„abgetaucht“ und durchfährt anschließend
diesen Einschnitt, vor dem aus Betrachter-
richtung auch noch eine Baumgruppe den
Blick behindert. Solche Stellen, an denen der
fahrende Zug einen Moment lang dem Blick
des Verfolgers entzogen ist, tragen wesent-
lich zur Illusion von Entfernung bei.

.*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH 49
Im Fiddleyard, der den Bahnhof Reuth bei Erbenbach repräsentiert, gibt es keine Weichen und man an der Stelle stehen, sieht man
keine festen Gleise. Die Züge und abgestellten Wagen stehen hier in Kassetten, die – ganz den Zug in wenigen Sekunden am
low-tech-mäßig – händisch eingesetzt werden. Einfahrsignal von Thumsenreuth vor-
bei um die große Kurve entschwin-
Rolle gespielt haben. Diese Idee setzte Das Besondere ergibt sich vor allem den. Weg ist er. Dann muss man um
er so stringent um, dass es in seinem aus der Einbettung der Modellbahn- die Anlagenzunge herumgehen und
Fiddleyard gar keine Weichen gibt. Das anlage in den Raum, der fließende kommt nun in die Welt jenseits der
spart Geld, Arbeit und vor allen Dingen Übergang von realer Landschaft zur Trennkulisse mit einer völlig anderen
Länge, die der sichtbaren Strecke zugu- Hintergrundkulisse, das Einschmiegen Szenerie.
te kommt. Und Strecke gibt es reichlich, der Strecke in die Form des Raumes. Bei der Ausfahrt aus Thumsenreuth
da auf weitere Bahnhöfe verzichtet Ein besonderer Punkt ist außerdem geht es mit einem Innenbogen weiter,
wurde, sodass die Züge wirklich eine noch die Anlagenzunge mit ihrer per- sodass der Zug dort nicht hinter einer
Zeitlang unterwegs sind. fekt gemachten Trennkulisse. Bergnase oder etwas Ähnlichem ver-
In vielen Abschnitten dieser Broschü- schwinden kann. Die trennende Aufga-
Design und Illusionen re ist die Rede davon, wie die Illusion be übernimmt diesmal eine Straßen-
von Entfernung geschaffen wird. Auch brücke sowie ein sich anschließender
Da das Wort Design nun schon einmal dafür ist diese Anlage ein Paradebei- Einschnitt und eine Baumgruppe.
gefallen ist, will ich hier einige Punkte spiel – und die gerade erwähnte Trenn- Die Friedenfelder Lokalbahn ist unter
benennen, die unter diesen Aspekt fal- kulisse ein wichtiges Element. Was tut einem bestimmten Blickwinkel eine
len. Was also kann Design im Zusam- nun eine Trennkulisse? Sie trennt, aber kleine Anlage. Durch den konsequenten
menhang mit Modellbahnanlagen be- hallo! Und genau das soll sie auch. Sie Verzicht auf Mehrfachführung der Stre-
deuten? Wo gehen wir über das reine soll unseren Blick auf eine Szene be- cke durch eine Szene beträgt die Entfer-
Planen von Anlagen hinaus? grenzen und auf eine andere verhin- nung vom Fiddleyard bis zum End-
Die Schlüsselbegriffe bei der Defini- dern. Erinnern wir uns an das beim bahnhof (jeweils von Stationsmitte zu
tion von Design sind Schönheit, künst- Thema „Flächige Anlagen“ Gesagte? Stationsmitte gemessen) ganze 15 m.
lerische Art und Weise, Zweckbestim- Deren größter Nachteil ist, dass man Das schaffen die bekannten „Spaghetti-
mung, Ziel, Effekt, bewusstes Gestalten. alles zugleich sieht, was selbst den ge- schüsseln“ auf einem Viertel der Fläche.
Wenn wir Robert Meissners Friedenfel- ringsten Hauch von Ferne und Weite Sollen sie doch! Nie werden sie es
ser Lokalbahn anschauen, sehen wir zunichte macht. schaffen, diesen Eindruck von Entfer-
zunächst einmal eine eingleisige Stre- Wenn man an Robert Meissners An- nung und Weite zu erzeugen, der auf
cke, die vom Fiddleyard zum Endbahn- lage vor dem Wäldchen steht, durch Robert Meissners Friedenfelser Lokal-
hof führt. Das ist bei unzähligen Anla- das der Zug aus dem Fiddleyard bahn-Anlage herrscht.
gen so; was ist hier also das Besonde- kommt, hat man den Eindruck, er Hier folgt der Lokführer seinem Zug
re? käme von ganz woanders her. Bleibt aus nächster Nähe (PAN-Prinzip) und

50 .*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH
muss dabei selbst mehr als zehn Meter
zurücklegen. Dabei kommt er auf diese Der eigentliche
Weise stets in neue Szenerien, neue Zugspeicher be-
„Gegenden“. findet sich unter
dem Fiddleyard.
Zugspeicher ohne Schatten Dort lagern die
Kassetten mit
Bei Robert Meissners vorherigen Anla- den diversen Zü-
ge gab es – dem Zeitgeist folgend – ge- gen. Diejenigen,
waltige Zugspeicher auf zwei Ebenen die laut Fahrplan
unter der Anlage, echte Schattenbahn- an der Reihe sind,
höfe also, in denen wesentlich mehr werden händisch
Weichen als im sichtbaren Bereich ver- aus dem Regal
baut waren. So rechte Freude hatte er genommen und
mit diesen schwer zu wartenden Mons- im Fiddleyard an-
tern nie gehabt. Der Ausfall einer Wei- gesetzt. Eine ein-
che führte in der Regel zur Stilllegung fache, preiswerte
eines Gleises, da die Reparatur viel zu und vor allem
schwierig war. platzsparende
Bei der Friedenfelser Lokalbahn Lösung.
sparte er sich nicht nur den Bau sol-
cher unterirdischen Gebilde, sondern
auch den der zugehörigen Wendeln,
über die die Züge in unsichtbarer, aber
nicht zu überhörender Rödelei an die
Oberfläche aufstiegen. Roberts Bekeh-
rung war sehr konsequent. Er holte
seinen Zugspeicher nicht nur ans Licht,
sondern verzichtete dort ganz auf Wei-
chen.

Low-tech vom Feinsten


Die Zugkassetten (ZAK) bestehen ledig-
lich aus zwei Aluwinkeln, die im Ab-
stand der Spurweite auf ein stabiles
Sperrholzbrett passender Länge und
Breite aufgeschraubt werden. Fertig.
Kann jeder. Im „Vollbach“-Kapitel wird Die Kassette wird an den von der Anlage
die Konstruktion einer solchen ZAK ge- kommenden Gleisstutzen gesetzt. Die
zeigt. Die Fahrspannungsversorgung Federkontakte liefern die Fahrspannung.
kann auch ohne großen Aufwand mit Durch das Schließen des Kontaktes auf
Krokodilklemmen erfolgen. Robert der einen Seite wird auch der Gleisstut-
Meissner hat es jedoch ein wenig lis- zen mit Fahrspannung versorgt. So kann
tiger gemacht. Er schiebt seine ZAK kein Zug über das Gleisende hinaus fah-
zwischen zwei Kontaktfedern gegen ren, wenn keine Kassette eingelegt ist.
den Gleisstummel. Dadurch bekommt
nicht nur die Kassette Strom, sondern Bei der Einfahrt in die hinten angesetzte
durch das Schließen eines Kontaktes Lokkassette schiebt die Lok das Holzstück
auch der Gleisstutzen selbst. So ist aus- mit den Kontakten fort und bleibt stehen.
geschlossen, dass ein Zug über das
Gleisende hinaus fährt, wenn keine
Kassette vorhanden ist. wenn ein Personenzug von Friedenfels sette bis hinten durch und setzt die Lok
nach Reuth bei Erbendorf gefahren ist, vorne wieder dran. Er setzt also regel-
Züge wenden im ZAK kann er nicht mit gedrehter Lok und recht um, wenn auch nicht über Schie-
umgekehrten Wagenreihung zurück nen und Weichen. Das Ergebnis ist das
Wie wendet man den in den Fiddleyard kommen, das wäre absolut unlogisch gleiche: nämlich das richtige. Güter-
eingefahrenen Zug? Nun, man kann die und nicht vorbildgerecht. züge werden dagegen natürlich nicht
Kassette hochnehmen, um 180° drehen Und genau deshalb dreht Robert gewendet. Sie werden herausgenom-
und wieder einsetzen. Gut? Nein, nicht Meissner seine Züge nicht, er lässt die men und durch einen anderen Güter-
gut. Das wäre das gleiche Ergebnis wie Lok auf eine kurze zusätzliche Lok- zug ersetzt. Lediglich die Lok und ihr
bei einer Wendeschleife – der Zug käme kassette fahren, nimmt die Kassette Begleitwagen kommen dann wieder
„gestürzt“ wieder auf die Anlage. Aber samt Lok heraus, schiebt die Zugkas- vorne dran.

.*#"1SBYJTt"OMBHFOQMBOVOH 51
Betrieb mit virtuellen Bahnhöfen

Die Briloner Waldbahn

Ursprünglich entstand dieser Anlagenentwurf als Jugendprojekt


eines Modellbahnvereins. Auf einer Fläche von gerade einmal
Z ahllose Modelleisenbahner haben
heute eine eigene Homepage, auf
der sie ihre Modelleisenbahn vorstellen.
2,2 qm zeigt diese H0-Kleinanlage ein „lineares“ Konzept mit Die Seite heißt dann meist so wie die
Punkt-zu-Punkt-Betrieb – und die Einbindung in die große weite jeweilige Anlage: „Mannis kleine Keller-
anlage“ oder „Wolfgangs wunderbare
Eisenbahnwelt ist ebenfalls vorhanden. Märklin-Anlage“ oder ... ach, sie haben
schon verstanden, nicht wahr? Ich mag
es, wenn eine Anlage einen Namen hat
Fabrik – einen, der Assoziationen an eine be-
Bf. Oberbremecke stimmte Bahnlinie oder Gegend weckt.
Ladestraße Wenn man beim Vorbild Anleihen auf-
nimmt, könnten da die Namen von Pri-
vatbahnen Modell stehen: Ruhr-Lippe-
Eisenbahn, Tegernseebahn oder Hal-
berstadt-Blankenburger Eisenbahn
oder bekannte Spitznamen von Bahnen
oder Strecken: Gotthardbahn,
Sauschwänzlebahn oder Selketalbahn.
Das gibt der Anlage von vornherein
eine ganz bestimmte Identität.
Bei der in diesem Kapitel beschriebe-
nen Anlage lagen die Dinge anders. Sie
Lager
entstand vor rund 25 Jahren in einem
Modellbahnverein, der bei den bau-
Bf. Bontkirchen lichen Vorbereitungen für eine große
Clubanlage war. Dieser Verein hatte ein
Kopf- u. Seitenrampe C halbes Dutzend jugendlicher Mitglie-
der, die aber nicht mauern oder Fußbo-
„Point-to-point“ auf 2,2 qm geht nicht? Geht sehr wohl, sogar in H0, wenn man enge Radien denbeläge verlegen wollten (und konn-
und starke Steigungen, hier bis 40 ‰, in Kauf nimmt. Unter Bontkirchen gibt es sogar so et- ten), sondern die einzig und allein we-
was wie einen Schattenbahnhof. gen der Modelleisenbahn kamen.

52 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Linke Seite: Ein altes, nicht mehr druckbares genbau ist die Kunst der Kompromisse 40 ‰ Steigung in die Höhe windende
Schwarzweißfoto musste als Vorlage für die- – und lieber eine Anlage mit zu steilen Strecke mit einem Kopfbahnhof an je-
se Grafik herhalten, um einen Eindruck von Weichen als gar keine, zumal auf dieser dem Ende, dazwischen im verdeckten
dieser Anlage zu vermitteln, die von den Ju- Juniorenanlage ohnehin nur der Ein- Bereich eine Ausweiche, die für die be-
gendlichen des MEC Nienburg unter der Lei- satz kurzer Lokomotiven und zweiach- triebliche Konzeption eine tragende
tung des Autors tatsächlich gebaut wurde. siger Wagen geplant war. Später waren Rolle spielen wird. Für die Stirnrunzler
Hier bleibt der Blick über den Bahnhof Bont- dann aber auch relative lange B4yg- gleich vorab: Mit den Zuglängen, die in
kirchen am dahinterliegenden bewaldeten Wagen im Einsatz, welche anstandslos den Bahnhöfen umfahren werden
Hügel hängen, sodass der andere tieferlie- liefen. konnten, gab es auf dieser Steilstrecke
gende Kopfbahnhof gefühlt etliche Kilometer Das zunächst zusammengesteckte U keine Traktionsprobleme!
„hinter den sieben Bergen“ liegt. mit einem Bahnhof auf jedem Schenkel
wurde sofort wieder verworfen, weil es Anlage mit optischer Trennung
Ihnen sollte etwas geboten werden, zwischen ihnen so gut wie keine Stre-
um sie bei der Stange zu halten. Daher cke gab. Genau die wollten die Junio- Es soll hier nicht über den Bau der An-
bot ich mich an, mit ihnen eine kleine, ren aber unbedingt, schon als kleinen lage berichtet werden, über die Gleis-
kompakte und mobile H0-Anlage zu Ersatz für den ihnen ausgeredeten verlegung und das Schottern, auch
bauen, so mobil, dass sie immer schnell Rundum-Kurs. Was am Ende heraus nicht über die Methoden der Gelände-
weggeräumt werden konnte, wenn sie kam, ist auf dem Gleisplan auf S. 52 zu gestaltung. Nur ein wichtiger gestalte-
den Bauhandwerkern in die Quere sehen: eine spiralförmig sich mit bis zu rischer Gesichtspunkt soll erwähnt
kam. Im Club hieß die Anlage stets „Ju-
Die oberirdischen Strecken
niorenanlage“, erst später erhielt sie
sind hier grau gezeichnet-
den Namen „Briloner Waldbahn“.
dargestellt, die unterirdi-
Da die Anlage kaum etwas kosten
schen, im „Schatten“ lie-
durfte, wurde eine Grundplatte aus
genden, in schwarz.
vorhandenen Beständen gewählt; dies
Der Schattenbahnhof unter
erklärt auch das eigenartige Maß von
Bontkirchen stellt zwei un-
1,20 x 1,80 m. Aus 3 x 5 cm starken
terschiedliche Bahnhöfe
gehobelten Kanthölzern, die ebenfalls
dar: Bremeckental und
in den Clubvorräten gefunden wurden,
Schwartmecketal.
entstand die Unterkonstruktion der
Platte; das Ganze stand auf zwei Werk-
stattböcken, wenn daran gearbeitet
wurde. Wenn nicht, kam das Ding
hochkant an eine Wand, notfalls in den
Abstellraum. Der Schnitt durch die Anlage etwa in der Mitte der Längsachse zeigt es deutlich – bei genü-
Die Jugendlichen hätten natürlich gend hoher Aufstellung (etwa 120-130 cm über dem Fußboden) können zwei normal große
ohne mit der Wimper zu zucken sofort Mitspieler nur den Bahnhof sehen, an dem sie gerade tätig sind, den jeweils anderen nicht.
ein Gleisoval auf die Platte geschraubt; Das ist auch gut so, dem rechten Modellbahner bietet sich in etwa der Anblick, den die Zeich-
sie kannten ja nichts anderes. Es ge- nung auf der vorhergehenden Seite zeigt.
lang mir aber, sie mit Engelszungen
davon zu überzeugen, dass eine „point-
to-point“-Anlage für einen modernen
MEC, der auf sich hält, angemessener
wäre …

Die Kunst der Kompromisse


Die reale Planung des Gleisplans fand
im Maßstab 1:1 direkt auf der Platte
mit Stück- und Flexgleisen von Roco
statt; alles war von Clubmitgliedern
zum Recyclen gespendet. Schnell stellte
sich heraus, dass mit den 12°50’-Wei-
chen von Roco bei dem geringen Platz
keine brauchbaren Umsetzlängen zu-
stande kommen würden. Da sprang ein
Clubmitglied in die Bresche und spen-
dete ein Bündel Lima-Weichen mit
24°-Abzweigwinkel, die er eigentlich
gerade auf dem Flohmarkt verkaufen
wollte. Natürlich sind 24°-Weichen
nicht ganz das, was einem richtigen C
Modellbahner vorschwebt. Aber Anla-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 53
werden: Um eine optische Trennung zwei Kopfbahnhöfen zu bauen – zumal der Zeit, bis er wieder auftaucht, drei,
der beiden doch sehr nah beieinander sie aufgrund des vorhandenen Fahr- vier andere Bahnhöfe bedient, sodass
liegenden Endbahnhöfe zu bewirken, zeugmaterials eine Bundesbahnstrecke die Strecke zwischen den beiden End-
wurde die freie Fläche zwischen dem sein musste? Keinen, zumindest nicht bahnhöfen wesentlich länger erscheint.
mittleren Streckenabschnitt und dem solange, wie keine Verbindung zur rest- Diese Idee ist ja nun wirklich nicht
oberen Bahnhof nicht mit Bahnanlagen lichen Bundesbahn besteht oder we- neu, eher schon ein Klassiker. Züge im
oder einer Ortschaft gefüllt, sondern nigstens durch einen Trick suggeriert verdeckten Streckenbereich zwecks
mit „Jejend“, wie der Berliner sagen wird. „Fahrzeitverlängerung“ halten lassen,
würde. Beides ist möglich. Der untere Bahn- das machte man schon lange bevor das
Dazu wurde das Gelände zu einem hof (im Gleisplan oben) endet stumpf Wort Modellbahnbetrieb erfunden wur-
bescheidenen Berg, besser gesagt Hü- und rechtwinklig an der linken Anla- de. Wir wollen hier noch einen Schritt
gel, etwas höher als die H0-Fahrzeuge, genschmalseite. Hier kann man sich weiter gehen und erlauben uns, in ei-
hochgezogen und anschließend aufge- unschwer vorstellen, dass eine Modul- nem zwar verdeckten, aber vom Anla-
forstet. Bei ausreichend hoher Position schnittstelle, beispielsweise nach Fre- genrand her zugänglichen Strecken-
der Anlage (der obere Bahnhof liegt mo-Norm, eingerichtet werden kann. stück die Zusammensetzung von Güter-
rund 130 cm hoch) war der jeweils an- Auf diese Weise lassen sich künftig zu zügen zu ändern. Darauf komme ich
dere Bahnhof praktisch nicht einseh- bauende Module oder solche von noch im Detail zurück.
bar. Diese optische Trennung ist ein Freunden fallweise andocken.
wichtiger Faktor, um die Illusion der Der Phantasie freien Lauf lassen
nicht vorhandenen Entfernung zu er- Aus den Augen, aus dem Sinn
zeugen. Ein Überblick über die ganze Wir können auch unserer Phantasie
Anlage gäbe dieser Illusion keine Chan- Die Juniorenanlage sollte aber zu- freien Lauf lassen und uns vorstellen,
ce und muss daher unterbunden wer- nächst „autonom“ bleiben. Daher blieb dass es sich bei einem der Bahnhöfe im
den. Wer auf dieser Anlage im unteren nur die Suggerierung oder Simulation verdeckten Bereich um einen Abzweig-
Bahnhof mit einem Zug losfährt, kann eines Überganges zu anderen Strecken. bahnhof handelt und unser Zug dort
das Ende seiner Reise noch nicht sehen An dieser Stelle kommt nun die ver- auf eine andere Strecke übergeht. Dann
und hat so den Eindruck, wirklich weg- deckte Ausweiche ins Spiel. Ein Zug, taucht er in der Form, wie er ver-
zufahren – eben ganz woanders hin. der in den verdeckten Bereich der Stre- schwunden ist, gar nicht wieder auf,
cke einfährt, ist zwar aus den Augen, allenfalls einige Zeit später als Gegen-
Inselbahn oder was? aber wir entlassen ihn nicht aus dem zug.
Sinn. Deswegen können wir uns auch Noch besser ist das Konzept, den
Es gibt so gut wie keine Eisenbahn, die Gedanken darüber machen, was er imaginären Abzweig gleich hinter die
ein in sich abgeschlossenes System wohl alles macht, wenn wir ihn nicht Einfahrt in den verdeckten Bereich zu
ohne Bezug zu anderen Bahnen oder sehen. Wir können ihn einfach anhal- verlegen. Dadurch wird der Bahnhof A
Strecken bildet. Jede Regelspurstrecke, ten lassen und uns einbilden, dass er in betrieblich zu einer Spitzkehre wie
auch die kleinste Nebenbahn, zweigt
von einer bedeutenderen Strecke ab.
Jede Schmalspurbahn, sofern sie nicht
ohnehin mit Bahnen gleicher Spurwei-
te ein Netz bildet, besitzt eine Umlade-
anlage, wo Güter von und zur Regel-
spur umgeschlagen werden können,
oder sie hat gar die Möglichkeit, Regel-
spurwagen auf Rollböcke zu setzen und
weiter zu befördern.
Die meisten Feldbahnen kippen ihr
Transportgut von einer Sturzbühne in
darunterstehende Regelspurwagen.
Und selbst die ostfriesischen Inselbah-
nen sind betrieblich keine, schlagen sie
doch ihr Ladegut von und zum Schiff
um, das die Verbindung zum Festland
herstellt. Ausnahmen sind höchstens
einige reine Werksbahnen, die entwe- Bei der oberen Grafik (a) haben wir eine reine point-to-point-Strecke von A über B nach C.
der Material und Halbzeuge innerhalb Bahnhof B ist verdeckt, aber zugänglich und ermöglicht Aufenthalte zur Verlängerung der
des Betriebes bewegen oder aber einen Fahrzeit sowie Veränderungen der Zugkomposition.
Rohstoff, beispielsweise Kalk, vom Bei der mittleren Grafik (b) wird, ohne dass baulich etwas zu ändern wäre, angenommen, dass
Steinbruch ins Werk schaffen, während der Bahnhof B ein Abzweigbahnhof ist, was es ermöglicht, Züge imaginär auf die andere Stre-
das Fertigprodukt auf der Straße abge- cke übergehen zu lassen. Das heißt, die kommen in C nicht an.
fahren wird. In der unteren Grafik (c) schließlich wird der Bahnhof A zur Spitzkehre, indem angenommen
Welchen Sinn kann es also machen, wird, dass sich sogleich hinter der Einfahrt in den verdeckten Bereichen eine Streckentren-
auf einer so kleinen Anlage von knapp nung befindet. Dieses Konzept lässt besonders vorbildgerechte Betriebsabläufe zu, wie im
2,2 qm eine superkurze Strecke mit Text näher erläutert wird.

54 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Ein Ausschnitt aus den, d.h., alle Wagen werden vom Gleis
der DB-Kursbuchkar- genommen. Wohin damit?
te von 1966. Brilon Es lässt sich jetzt nicht vermeiden, an
Wald war damals ein dieser Stelle ein paar Worte zum The-
wichtiger Knoten- ma Güterwagen-Umlauf und Rangieren
bahnhof im Sauer- einzuflechten. Selbstverständlich wer-
land. Südöstlich die- den nicht willkürlich irgendwelche Wa-
ser Station fanden gen aus dem Zug genommen und belie-
die Anlagenplaner bige andere eingesetzt. Damit das Spiel
die Landschaft mit realistisch ist und auch eine Herausfor-
starkem Relief, die derung darstellt (Schach fordert ja
eine zusätzliche stei- ebenfalls den Grips des Spielers her-
le Strecke rechtferti- aus…), muss alles nach einem ausge-
gen würde. klügelten System stattfinden. Das setzt
voraus, dass in der verdeckten Gleisan-
lage genau zwischen den Wagen unter-
schieden werden kann, die in B, D oder
F ankommen oder von dort abgehen.
Um das zu organisieren, empfiehlt es
etwa der bekannte Bahnhof Lauscha Beispiel oben genannte Zug ein Güter- sich, unter die Anlage ein kleines (ab-
im Thüringer Wald. Ein Zug fährt in C zug ist. Wenn der nun von C kommend nehmbares) Regal zu hängen mit defi-
ab und wird in B gemäß obiger Schil- in B eingelaufen ist, steht er nicht ein- nierten und entsprechend beschrifte-
derung längere Zeit angehalten, um fach herum, denn wir können seine ten Plätzen für jeden der imaginären
mehrere Zwischenstationen vorzutäu- Zusammensetzung ändern. B stellt ja Bahnhöfe.
schen. Nachdem er schlussendlich in A mehrere Stationen dar, und alle Wagen,
eingefahren ist, „wendet“ er, das heißt, die für diese Stationen bestimmt sind, Die Einbindung in die „große
die Lokomotive setzt ans andere Zug- werden von Hand – ja, nur keine Be- weite Welt“
ende um und schon kann es, zumindest rührungsängste! – aus dem Zug ge-
wenn es ein Per- nommen und in Bisher habe ich nur vom unteren und
sonenzug ist, wei- Eine verdeckte, aber von außen zu- dem verdeckten oberen sowie vom verdeckten Bahnhof
tergehen. Natür- gängliche Ausweiche sollte man in je- Bereich abgestellt gesprochen, ebenso von den „eingebil-
lich kommt unser der Anlage vorsehen. Deren betriebli- (ohne Gleis, ein- deten“ Stationen B, D, E, F (Honni soit
Zug zwangsläufig che Potenziale sind unendlich. fach auf die Bo- qui mal y pense …). Wie auch an ande-
wieder in die ver- denplatte). An- rer Stelle beschrieben, wird durch die
deckte Ausweiche, aber gemäß unserer schließend setzen wir andere Wagen, Vergabe sinnvoller Namen aber viel
Annahme hat er gleich hinter der Ein- die von den imaginären Stationen mit- eher das Gefühl vermittelt, nicht ein-
fahrt in den Tunnel eine andere Route genommen werden sollen, in den Zug fach mit einer Anlage, sondern mit der
genommen und ist nun nach D, E, F ein. Eisenbahn im Modell beschäftigt zu
und so weiter unterwegs. Mit dieser neuen Zusammensetzung sein. Das wird noch dadurch verstärkt,
Derlei betriebliche Raffinessen, die kommt der Güterzug aus dem Tunnel dass man die auf der Anlage dargestell-
für eine Kleinanlage eminent wichtig, heraus und trifft schon bald wieder in ten Stationen in das reale Eisenbahn-
ja geradezu lebenswichtig sind, haben A ein. Dort werden ebenfalls Wagen netz einbindet.
zur Voraussetzung, dass es einen ver- ausgesetzt und andere in den Zug ein- Eine Anlage wie die „Briloner Wald-
deckten Streckenteil gibt. Dieser muss gestellt, die für D, E, F oder weitere Sta- bahn“ kann recht freizügig in die deut-
jedoch leicht zugänglich sein und Ein- tionen bestimmt sind. Jetzt aber bitte- sche Eisenbahnlandschaft integriert
griffe erlauben. Bei der Juniorenanlage schön nicht per Hand, denn A ist ein werden, nur nicht ins Flachland, denn
war das von vorneherein so vorgese- ausgestalteter Bahnhof. Hier wird rich- da gibt es keine 40-‰-Steigungen und
hen und wurde auch beim Bau so aus- tig nach allen Re- Felswände. Wir
geführt. Infolge der starken Steigung geln der Kunst Nur keine Berührungsängste! Im ver- hatten uns da-
(40 ‰) zwischen der verdeckten Aus- rangiert – und das deckten Bereich ändert man die Zug- mals für das Sau-
weiche und dem oberen Bahnhof war kann dauern. zusammenstellung einfach mit bruta- erland entschie-
die lichte Höhe in der unterirdischen Zu den erwähn- lem händischen Eingriff. den und eine von
Anlage ausreichend bemessen, sodass ten Regeln der der Strecke War-
dort eingegriffen und Änderungen an Kunst gehört, dass die Lok nach dem burg–Bestwig in Brilon Wald in Rich-
der Zugkomposition vorgenommen letzten Rangiermanöver an der richti- tung Osten abzweigende Nebenbahn
werden konnten – es handelte sich also gen Seite des Zuges steht, also nicht am hinzu erfunden.
eigentlich um eine Art „Fiddleyard“. Gleisende vor dem Prellbock. Jetzt geht Südöstlich von Brilon befindet sich
die Fahrt weiter, wieder in den Tunnel ein kaum besiedeltes Waldgebiet mit
Salzige Güterzüge hinein, wo die imaginäre Weiche in un- starkem Relief. Es ist kein Wunder, dass
serem Kopf inzwischen umgestellt wor- dort nie eine Eisenbahn gebaut wurde.
Das Salz in der Suppe des Modellbahn- den ist. Nach Eintreffen in der unterir- Sie hätte mit relativ starken Steigungen
betriebs sind die Güterzüge. Nehmen dischen Anlage ist der Güterzug an und engen Kurven trassiert werden
wir daher jetzt einmal an, dass der im seinem Ziel und kann aufgelöst wer- müssen, was sich für das zu erwarten-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 55
In den von der Strecke 198b umschlossenen
Bogen wurde nun die hinzuerfundene Stre-
cke nach Bontkirchen eingezeichnet – „free
lance“ eben.

de Aufkommen an Reisenden und


Frachten nicht gerechnet hätte – aber
da passt unsere steigungsreiche Stre-
cke mit Spitzkehre hervorragend. Aller-
dings mussten ein paar Örtlichkeiten
erfunden werden, damit sich die steile
Fahrt ins Gebirge lohnt. Das fiktive Vor-
bild unserer Juniorenanlage könnte
dann so aussehen, wie es auf der Karte Dem Kenner sagen schon die wildgekurvten Höhenlinien (die aus Originalkarten entnommen
rechts dargestellt wird. wurden), dass das hier östlich von Brilon Wald eine Vorbildsituation für eine Anlage mit hefti-
Nun hatten wir damals, als die kleine gen Steigungen ist. Ein Bahnanschluss für das (tatsächlich existierende) Bontkirchen, wenn es
Anlage geplant wurde, die Konzeption ihn denn gegeben hätte, hätte ohne Zahnstange kaum anders als hier eingezeichnet realisiert
längst nicht so detailliert ausgefeilt wie werden können.
wir es heute machen würden, um alles
stimmig erscheinen zu lassen. Dennoch
lag beispielsweise dem Güterverkehr
eine Aufstellung der ortsansässigen
Verfrachter zugrunde. Sie war erkenn-
bar darauf abgestellt, auch reine „on-
line-Beziehungen“ möglich zu machen,
bei denen sich Versender und Empfän-
ger beide an der Strecke befinden. So
sollte das „fiddeln“ im verdeckten
Bahnhof begrenzt werden.

Fahrplanbetrieb
Wie es sich gehört, war für die „Brilo-
ner Waldbahn“ selbstverständlich auch
ein Fahrplan erstellt worden. Schließ-
lich darf in Deutschland laut Gesetz
kein Zug verkehren, ohne dass vorher
für ihn ein solcher aufgestellt worden
ist. Dieser Fahrplan sah indes anders
aus, als Fahrpläne im Kursbuch ausse-
hen. Es war ein graphischer Fahrplan,
auch Bildfahrplan genannt, aus dem
synoptisch ersichtlich ist, welche Züge
sich wann wo befinden. Hier nur soviel:
Er enthielt keine Zeiten, denn der Be-
trieb wurde ohne Uhr durchgeführt, Solch eine Auflistung aller denkbaren Frachtkunden an der Strecke hilft ungemein, den Güter-
nach der für einfache Verhältnisse üb- verkehr auf der Anlage zu organisieren. Auffallend ist, dass am häufigsten das Freiladegleis
lichen Devise: Nicht „der P 101 fährt als Standort angegeben ist – es ist halt für alle Bahnkunden da, die keinen eigenen Gleisan-
um 11.30 Uhr“, sondern wenn der P schluss haben. Aus diesem Grund können wir uns aber auch allerlei Bahnkunden ausdenken,
101 abfährt, ist es 11.30 Uhr. ohne sie darstellen zu müssen. Die Liste ist als Anregung zu verstehen, für die eigene Konzep-
Die generelle Beschreibung, wie man tion feiner ausgearbeitete Listen zu erstellen. Insbesondere fehlen hier noch die Frachten, die
einen sinnvollen Fahrplan aufstellt und zu Empfängern „außerhalb“ der Anlage gehen oder von dort kommen.

56 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
wie man ihn darstellt, kann nicht Aufga-
be dieses Anlagenplanungsheftes sein.
Dennoch sei auf ein besonderes Prob-
lem hingewiesen, das mit dem „Ge-
burtsfehler“ dieser Anlage zu tun hat:
Der rosa umrandete Kasten im graphi-
schen Fahrplan rechts zeigt eine Zug-
kreuzung in Oberbremecke. Der ocker- Das Prinzip Spitzkehre ist hier an die „Briloner Waldbahn“ angepasst. Der Kasten in der Mitte
farbige Streifen weist auf das Problem stellt den Fiddleyard mit seiner Doppelfunktion dar.
hin: Die Strecke Schwartmecketal –
Oberbremecke ist auf der Anlage ein
Abschnitt der Strecke Oberbremecke–
Bremeckental. Somit dürfen in diesem
Bereich nicht zwei Züge gleichzeitig un-
terwegs sein, denn es würde sonst einen
Zusammenstoß geben. Rechts daneben
ist die Zugkreuzung korrekt, nämlich so
entzerrt dargestellt, dass in den ocker-
farbigen Bereichen keine gegenläufigen
Züge gleichzeitig unterwegs sind.

Fazit
Diese winzige Anlage ist für einen Be- Anders als beim Bildfahrplan der Siebertalbahnanlage (siehe Seite 74) geht hier die Zeit waa-
trieb mit zwei Personen prädestiniert. gerecht und die Stationen liegen untereinander. Die „Briloner Waldbahn“ mit ihrer speziellen
Zwei Spieler, äh Betriebsbedienstete, Konzeption birgt auch spezielle Fehlermöglichkeiten bei der Erstellung eines Bildfahrplans. Im
können je einen Zug per Handregler rosa gerandeten Kasten etwa ist eine Zugkreuzung in Oberbremecke dargestellt, die so nicht
steuern, können ihm, wenn die Anlage funktionieren kann. Warum, wird ausführlich im Text erklärt.
freistehend aufgebaut ist, bis zur Zwi-
schenstation folgen, wo mit dem Ge- der Zug tatsächlich irgendwohin fährt, mit zwei getrennt abgehenden Stre-
genzug gekreuzt wird, umrunden dann einem Ziel entgegen strebt, und nicht cken hätte, schaue sich einmal die
mit dem Zug noch einmal die Anlage nur herumkurvt. Ein sehr befriedigen- Zeichnung unten an – auf dieser H0e-
und kommen schließlich am anderen des Gefühl. Anlage ist dies umgesetzt. Bei etwas
Endbahnhof an. Allein dieses physische Wer an der Spitzkehrenidee Gefallen mehr Platz in Länge und Breite wäre
Marschieren erzeugt das Gefühl, dass gefunden hat, aber gern eine „richtige“ das auch in Regelspur möglich …
Der „Geburtsfehler“ der „Briloner Waldbahn“, nämlich die Darstellung beider von der Spitz-
kehre ausgehenden Strecken in einer, wurde hier mit allerlei Finten ausgetrickst. Dennoch
wäre es wünschenswert, beide Strecken wirklich getrennt aus der Spitzkehre herauszuführen.
Das würde aber eine mindestens 20 % größere Anlagenfläche erfordern. Baut man das Ganze
als H0e-Anlage, geht es dank kleinerer Radien viel besser, wie hier auf der Anlage Wiegratz-
hofen–Oberwiesenberg.

y
C

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 57
Berninabahn-Ableger mit Ideen aus dem Sauerland

In die Berge nach Minas da Fier


Als gäbe es nicht schon genug Eisenbahnverkehr in der
Schweiz wird in diesem Kapitel noch ein wenig hinzuer-
funden. Denn Güterverkehr auf der Berninabahn wäre
doch sicher noch das i-Tüpfelchen
im Bergbahnbetrieb, oder?

V on der Berninabahn gibt es in


H0m, 0m und 2m (G) Fahrzeuge in
guter Auswahl. Außerdem eignet sie
um Anlagen zu konzipieren, die dem
Erbauer im heimischen Eisenbahnkel-
ler auf Dauer Spannung und Faszina-
drei Krokodile in voller Fahrt zusam-
menstießen.

sich wegen ihres ausgesprochenen tion versprechen. Von der Val Tisch zur Val Minor
Kleinbahncharakters viel besser zur Wer kein passendes Vorbild findet,
Nachgestaltung im Modell auf be- erfindet es. Diese von den Amerikanern Die Val Tisch steigt relativ steil an. Hat
schränktem Raum als die Stammnetz- „prototype freelancing“ genannte Me- man die bescheidene Alp Tisch er-
strecken der Rhätischen Bahn. Diesem thode werde ich noch gesondert erläu- reicht, ist man schon knapp 2000 m
Vorteil steht aus der Perspektive unse- tern (s. S. 130). Auf jeden Fall ist damit hoch. Dann wird es noch steiler und bei
rer Betriebsthematik ein gewichtiger nicht gemeint, zu einer Kraut- und ca. 2400 m trifft man auf der nördli-
Nachteil entgegen – das Fehlen eines Rüben-Fahrzeugsammlung ein spin- chen Talseite auf ein Seelein, für das
Binnengüterverkehrs. Alle Stationen nertes Überthema zusammenzuwurs- die Karten keinen Namen verzeichnen,
zwischen Pontresina und Poschiavo teln. Hier geht es darum, aus solider dicht daneben jedoch eine Stelle mit
haben rein touristische Bedeutung und Vorbildkenntnis heraus eine Bahn mit „Minas da Fier“ benennen. Dieses Wort
kein eigenes Güteraufkommen. einer spezifischen Thematik und Auf- (auszusprechen Minas da Fjärr) ist rä-
So könnte man eine Berninabahn- gabe zu erfinden, die mit ebenso spezi- toromanisch und bedeutet Eisenerz-
Anlage ohne Weiteres mit einem fischen Fahrzeugen betrieben wird. mine. Und in der Tat: In der Literatur
Fiddleyard an jedem Ende bauen und Die entscheidende Idee kam mir vor zur Geschichte des Albulatals fand ich
durchgehende Personenzüge, teils mit einigen Jahren während einer Wande- einen Hinweis, dass da oben in zwei
angehängten Holz- oder Kesselwagen, rung in einem meiner zahlreichen Perioden – die letzte bis 1848 – Eisen-
unbehelligt hin und her fahren lassen. Schweiz-Urlaube. Von Bergün aus war erz geschürft und in Belleluna bei Fili-
Das würde dem Publikum auf den gro- ich die einsame Val Tisch hinauf gegan- sur verhüttet wurde. Ein Hochofenrest
ßen Messen und Ausstellungen wohl gen. Unten wird sie von der Albulabahn ist dort noch zu besichtigen.
gefallen, entspricht es doch exakt der auf dem danach benannten Tisch-Via- Natürlich hat es in der Val Tisch nie
allgemeinen Vorstellung von Modell- dukts überquert, das zu trauriger Be- eine Eisenbahn gegeben. Dazu endete
bahn. Wir sind hier jedoch angetreten, rühmtheit gelangte, als 1927 auf ihm der Bergbau viel zu früh und außerdem

58 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Linke Seite: Der Zug 474 von Alp Grüm nach
St. Moritz, der in der Sommersaison als Ver-
stärker eingesetzt wird, wird in der Regel mit
den wieder in original Bernina-gelb gespritz-
ten historischen ABe 4/4 von 1908 geführt.
Kurz vor dem Erreichen der Station Bernina
Lagalb überquert er den aus der Val Minor
kommenden Bach. Hinter dem Strommast
der Piz Minor, an dessen Hängen die Minas
da Fier angesiedelt sind. Infolge der Weitwin-
kelaufnahme wirken die Berge weniger steil
als sie sind.

wäre der Höhenunterschied von der


Albulabahn bis zu den Eisenminen von
ca. 850 m auf die kurze Entfernung
kaum zu überwinden gewesen. Deswe-
gen habe ich mich auch nicht erkühnt,
diese Bahn als Vorlage für eine Anlage
zu erfinden. Das wäre dann doch zu
unglaubwürdig geworden.
Einige Tage später war ich wieder in C
den Bündner Bergen unterwegs, dies-
mal im Berninagebiet. Ich war an der "ERNINABAHN DITO 4UNNEL
Station Bernina Lagalb aus der Berni- -INASDA&IER "AHN ,UFTSEILBAHN
-D& NICHTAUSGEFàHRT "ERNINA0ASSSTRA”E
nabahn ausgestiegen und in das östli-
che Seitental namens Val Minor hinein Auf rund 2100 m Seehöhe liegt die Station Bernina-Lagalb der Berninabahn. Hier mündet von
gegangen, an dessen Ende ein paar Osten das zwischen Piz Alv und Piz Lagalb gelegene Seitental Val Minor in das Bernina-Haupt-
einsame Seen als Wanderers Beloh- tal. Zur realen Berninabahn hat der Verfasser die abzweigende Minenbahn zu den Minas da
nung lockten. Fier hinzuerfunden.

Eine zündende Idee Überprüfung stand hält und nicht ein- sche, mit einer ebenso langen Seilbahn
fach zusammengelogen ist. Begeben oder mit einer Verlängerung der Bahn.
Während rechts die Nordhänge des Piz wir uns zurück in das zweite Jahrzehnt Die verlockend preisgünstige Rutschen-
Lagalb noch über weite Strecken mit des zwanzigsten Jahrhunderts. Der lösung wurde nach dem Studium ein-
Schnee bedeckt waren, prangten links Ausbruch des Ersten Weltkriegs schnitt schlägiger Fachliteratur schnell ver-
die steilen Südhänge unter dem Piz Alv die Schweiz von den Eisenerzlieferun- worfen. Dafür war der Hang um einige
und dem Piz Minor in frischem Grün. gen aus Deutschland ab. Es wurden Grad nicht steil genug. Da würde das
Eigentlich sah es hier so ähnlich aus, nationale Lösungen gesucht und man Erz im Sommer nur mühsam zum Rut-
wie bei den Minas da Fier im Albula- erinnerte sich unter anderem der alten schen zu bringen sein und im Winter
seitental – und da zündete es bei mir … Eisenminen in der Val Minor. Neue Un- gar nicht.
Genau! Hierher an diese Stelle könn- tersuchungen ergaben abbauwürdige Es sollten die Baukosten für eine Seil-
te ich die Minas da Fier virtuell ver- Vorkommen. Zunächst war zu prüfen, bahn und für eine Verlängerung der
schieben, da lägen sie ziemlich genau ob im Gegensatz zur Val Tisch hier eine Schmalspurbahn kalkuliert und ver-
auf der gleichen Höhe wie an ihrem Bahn mit vernünftigen Parametern glichen werden. Bis das so weit war,
Originalplatz, nur viel leichter mit einer trassierbar wäre, insbesondere also musste zunächst überhaupt erst einmal
normalen Bahn zu erschließen, denn mit einer technisch machbaren Stei- eine Trassierungsmöglichkeit gefunden
die Höhendistanz zur Berninabahn gung. werden. Der Hang war so steil, dass
überschritt kaum die 300 m. Zweigt man bei der auf ziemlich ge- der Höhenunterschied nur durch eine
Zurück in der Ferienwohnung suchte nau 2100 m liegenden Station Bernina große Längenentwicklung zu überwin-
ich in den Bergführerbüchern Informa- Lagalb ab und möchte nach drei Kilo- den war. Die Erbauer der Berninabahn
tionen über die Val Minor. Und was las metern auf 2310 m Höhe herauskom- hatten auch gleich eine Lösung parat,
ich da: Es gibt dort, ziemlich genau an men, dann muss man mit 70 ‰ steigen. mit der sie Erfahrung hatten. Sie woll-
der von mir „erfundenen“ Stelle, Zeu- Bingo! Genau die Steigung der Berni- ten einen Spiraltunnel in den Piz Minor
gen alten Bergbaus. Allerdings war es nabahn. Damit wäre man schon einmal bohren, der die Höhendistanz mit
Silber, was hier geschürft wurde. Egal, an der richtigen Stelle im Tal, aber durchgehend 70 ‰ Steigung überwin-
bei mir war es Eisenerz, soviel freelan- noch nicht hoch genug, denn die Eisen- den würde. Als der ungefähre Preis ge-
cing darf sein ... minen liegen sechzig Meter über dieser nannt wurde, war diese Lösung ohne
Stelle im Steilhang des Piz Minor. weitere Diskussion vom Tisch. Und
Eine Minenbahn wird erfunden Jetzt gab es theoretisch drei Möglich- nun?
keiten, das Erz von der Mine in die Wie der Zufall es wollte, war in die
Jetzt hieß es, eine „wasserdichte“ Story Bahn zu bekommen. Entweder über planende Ingenieurfirma erst vor Kur-
zu erfinden. Eine, die auch kritischer eine etwa dreihundert Meter lange Rut- zem ein junger Deutscher aus dem Sau-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 59
:UG
LËNGEN
CAKM
LLE
N3TEINHE
N-EDEBACH

:UG
LËNGEN
C

Sauerländische Idee für die Alpen. Bei Küstelbach musste die 750-mm-spurige Kleinbahn eine
Höhenstufe überwinden, die mit herkömmlichen Trassierungselementen nicht zu bewältigen
war. So kam es zur Anlage von zwei nur einen Kilometer auseinanderliegenden Spitzkehren.
Man verzichtete auf Umsetzgleise und schob die Züge zwischen den beiden Spitzkehren. Kreu-
zungsmöglichkeiten wurden durch entsprechend lange Gleisstummel geschaffen, in die zwei
Züge hintereinander einfahren konnten. Simpler geht‘s nimmer. Kleinbahn halt.

erland eingestellt worden, der eine Lö- Ein einziges Mal habe ich auf einer
sung aus seiner Heimat ins Spiel brach- Modellbahnausstellung ein Stück Ber-
te: ninabahn mit der korrekten 70-‰-Stei-
Bei der 750-mm-spurigen Kleinbahn gung gesehen. Das war eine H0m-Dar-
Steinhelle–Medebach hatte man sich stellung der Spirale von Brusio. Und
zur Überwindung einer Höhenstufe darauf fuhren zwei der üblichen Berni- Sieht man von der Fuorcla Minor (2435m)
nicht anders zu helfen gewusst, als natriebwagen in Doppeltraktion mit talabwärts, erblickt man zwischen den drei
zwei nahe beieinander gelegene Spitz- sechs Bernina-Express-Wagen am Ha- Seen im Vordergrund und dem gewaltigen
kehren einzuschalten, zwischen denen ken. Also genau wie beim Vorbild. Es Klotz des Piz Alv auf der rechten Talseite die
der Zug geschoben werden musste. funktionierte und war wunderbar ein- Steilhänge des Piz Minor, in denen angenom-
Dort ging es zwar um wesentlich gerin- drücklich. Da kam rüber, was die Ber- menerweise die Spitzkehren der Minas da
gere Höhendistanzen, dafür aber auch ninabahn wirklich ausmacht. Aus die- Fier-Bahn trassiert sein sollen. Alten Bergbau
nur um halb so große Steigungen wie sem Grunde habe ich auch die beiden hat es dort tatsächlich gegeben, aber auf Sil-
hier in den Schweizer Bergen. Anlagenentwürfe für die Minas da Fier- ber, nicht auf Eisenerz.
Nachdem dieser ungewöhnliche Vor- Bahn mit 70 ‰ Maximalsteigung ge- Foto: OOK
schlag zunächst als absolut unmöglich zeichnet. Lediglich die mittlere Ebene
und uneisenbahnig in Bausch und Bo- der großen Lösung ist mit 50 ‰ tras- sichtsbehörde nicht zugelassen – hin-
gen verworfen worden war, obsiegte er siert. Der Grund wird noch erläutert. auf zur Mine befördert.
am Ende doch. Das war gerade für eine
Minenbahn ohne öffentlichen Perso- Eisenerz zwischen Einweck- Jetzt aber hinauf!
nenverkehr eine preisgünstige und gläsern und Weinflaschen
praktische Lösung. Und die wurde Mit der kräftigen Lok an der Spitze geht
dann auch ausgeführt. Soweit die er- Schauen wir uns diese große Lösung es auf durchgehend 70 ‰ hinauf nach
fundene Vorbildsituation. Immerhin auf S. 61 einmal im Detail an. Da ist Surlejs, einer kleinen Terrasse bei den
eine spannende Vorlage für eine außer- zunächst der als Schiebebühne ausge- drei Seen in der oberen Val Minor. Hier
gewöhnliche Modelleisenbahnanlage. staltete Fiddleyard. Er befindet sich im muss in der Regel die Kreuzung mit ei-
benachbarten Kellerraum auf einem nem von oben kommenden vollen Zug
Wagnis 70 ‰ der zahlreichen Regalböden des Vor- abgewartet werden. Vorher setzt die
ratsregals. Das Loch durch die Wand Lok aber um und geht an das neue
Die reale Berninabahn fährt tagein tag- haben wir mittels eines Kranzes von bergseitige Ende des Zuges.
aus, sommers wie winters mit langen Bohrlöchern mit einem nicht zu dicken Sobald der Gegenzug eingelaufen ist,
schweren Zügen auf 70 ‰ zum Berni- Mauerdurchbruchbohrer geschaffen, fährt unser Zug zur zweiten Spitzkehre
napass hinauf und auf der anderen Sei- indem wir das innerhalb des Lochkran- Plaun Verd los. Das heißt übrigens Grü-
te wieder hinunter. Ohne Haftreifen zes befindliche Teil mit Meißel und ne Ebene, der Name des Sattels zwi-
übrigens. Womit bewiesen wäre, dass Fäustel herausgetrieben haben. Nein, schen dem Piz Alv und dem Piz Minor.
es geht. Beim Vorbild. Aber im Modell? ich theoretisiere nicht. Bei meinen An- Wobei Ebene relativ zu sehen ist, es ist
Die realen Steigungen der Vorbildbah- lagenbauten habe ich einige solche Lö- dort nur etwas ebener als in der Umge-
nen nachzubilden scheuen sich die Mo- cher durch Trennwände geschlagen. gend.
dellbahner allenthalben. So wurde zum Ich weiß, dass es möglich ist. In der zweiten Spitzkehre gibt es kei-
Beispiel die an sich hervorragende Der Fiddleyard stellt die Fortsetzung ne Umsetzmöglichkeit, und es braucht
Darstellung der Albulalinie in H0m im der Strecke bis zum Anschluss an die auch keine. Von hier aus werden die
Museum Bergün mit 25 statt 35 ‰ aus- Berninabahn bei der Station Lagalb leeren Wagen zur Verladeanlage der
geführt. Der laienhafte touristische Be- dar. Dort stehen die von der Bernina- Mine geschoben und direkt in den La-
sucher merkt das gar nicht. Aber der bahn herangeschafften leeren Erzwa- debunker gedrückt. Da es dort eben-
Fachmann, der versierte Eisenbahn- gen und werden in kleinen Gruppen falls nur ein einziges Gleis gibt, darf das
freund, sieht sofort, dass etwas nicht von drei oder vier Wagen – mehr ist Bahnpersonal eine Kaffeepause einle-
stimmt. wegen der Steilstrecke von der Auf- gen, bis der Zug beladen ist.

60 Vorbildgerechte Anlagen-Planung

0LAUN6ERD 

-INASDA&IER

 



-INASDA&IER
  
¼
 


3URLEJS
¼

Zweimal Minas da Fier. Der größere Entwurf geht von der in der Karte dargestellten Situa-
tion mit zwei Spitzkehren aus. Eine Luke in der rechten oberen Ecke ermöglicht den Zu-
gang zur Bergwerks-Verladeanlage, um die leeren Wagen mit Ladungen (oder Ladungs-
imitaten) zu versehen. Der Fiddleyard befindet sich im benachbarten Kellerraum auf einem 3URLEJS
Regalbogen zwischen Einweckgläsern und Weinflaschen. Wenn der Platz nicht reicht, geht
es auch in einem kleineren Raum mit nur einer Spitzkehre.

Anschließend kommt der gefähr- Loks der talfahrenden Züge umsetzen. Bahn ausgestattet ist. Da wäre ja auch
lichste Teil des Unternehmens: Die Bei der Bergfahrt wird ab Surlejs ge- zunächst zu entscheiden, ob sie wie die
schwer beladenen Wagen sicher zu Tal schoben. Berninabahn elektrifiziert sein soll
bringen. Auf dem 70 ‰ steilen Stück Dass der zweite Richtungswechsel oder aber immer noch treu und brav
bis Plaun Verd befindet sich die Lok an fehlt, hat aber noch weitere Konse- mit Dampf fährt. Diese Entscheidung
der Talseite des Zuges. Das ist so vorge- quenzen. Die Mine muss nun ans linke kann ganz und gar dem eventuellen Er-
schrieben, damit sie die Wagen bei Ende der Anlage wandern. Und daraus bauer der Anlage überlassen werden,
eventuellem Bremsversagen aufhalten ziehen wir sogleich einen Vorteil und was soll ich mich da einmischen. Und
kann. ordnen das Bergwerk direkt über dem für den Erztransport finden sich im
Und jetzt verstehen wir auch, warum Fiddleyard an. Das bedeutet, dass 40 Park der Rhätischen Bahn diverse ge-
das Stück zwischen den beiden Spitz- cm höher ein zweites Loch durch die eignete Wagen, die es großteils auch als
kehren nur 50 ‰ hat. Hier befindet Kellerwand gebohrt werden muss. Sei’s Modell gibt. Darüber hinaus wäre
sich nämlich die Lok am bergseitigen drum. Selbstbau möglich, könnte man doch
Ende des beladenen Zuges, und da sind Nun kann man, wie bei der großen leicht zu einer erfundenen Bahn auch
höchstens 50 ‰ erlaubt. Lösung, ein einziges Gleis in den – hier stimmige Wagen hinzu erfinden.
Nach dem Wenden in Surlejs befindet nur als Halbrelief ausgebildeten – Lade-
sich die Lok automatisch – ohne Um- bunker führen. Es ist aber auch denk- Abschließende Überlegungen
setzen – am richtigen, nämlich dem bar, im Nachbarkeller auf dem nächst-
talseitigen Ende des Zuges, so wie es höheren Regalboden eine zweigleisige Ich könnte mir vorstellen, dass gar
bei 70 ‰ vorgeschrieben ist. Es muss Anlage zu bauen, dann könnten hier mancher von der Idee einer solchen
also nur bei bergfahrenden Zügen um- spitze Kreuzungen zwischen leeren und Hochgebirgs-Minenbahn fasziniert ist,
gesetzt werden. beladenen Zügen stattfinden. Oder aber, aber vor den 70 ‰ zurückschreckt. Na
wenn es nur einen Spieler gibt, könnten und? Dann kann er die Anlage genauso
Es geht auch bescheidener die Leerwagen abgestellt und bereits gut auch mit 50 ‰ bauen. Das ergäbe
beladene aufgenommen werden, ein immer noch eine überzeugende Hö-
Werfen wir nun einen Blick auf die klei- Rangiervorgang mehr. hendistanz zwischen Anfangs- und
ne Lösung, die in den großen Entwurf Endpunkt der Bahn. Weniger sollten es
hineingezeichnet ist. Es gibt nur eine Die Fahrzeuge wohl aber besser nicht sein, wenn der
Spitzkehre, nämlich die von Surlejs mit Betrachter ohne weitere Erklärung be-
der Umsetzmöglichkeit. Anders als bei Noch nichts gesagt wurde darüber, mit greifen soll, warum das Ganze so au-
der großen Anlage müssen hier nur die welchen Fahrzeugen die Minas da Fier- ßergewöhnlich trassiert ist.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 61
MIBA-ANLAGEN

Modellbahn
in Perfektion
In dieser Ausgabe von MIBA-Anlagen stellt die MIBA-Redaktion drei
weitere gestalterisch und betrieblich herausragende Anlagen in den
Baugrößen H0, H0m und Z vor.
Robert Fischer lässt auf seiner großen H0-Anlage die beliebte Epo-
che III wieder aufleben. Doch nicht nur D-Züge rauschen hier über
Paradestrecken, auch der Nebenbahnverkehr bietet genug Raum für
Beschaulichkeit und abwechslungsreichen Betrieb – und das bei
herausragender Detailgestaltung. Die Albulabahn hat es Tom Wäfler
angetan. Er entführt uns in die grandiose Schweizer Bergwelt mit
ihren modernen Zügen, Orten wie Thusis, Filisur, Muot, Preda und
vielen Sehenswürdigkeiten rechts und links der Strecke. Filigranität
ist das Zauberwort bei der Anlage von Rainer Tielke.
Er nahm sich das Bahnbetriebswerk Hamburg-Altona vor und
baute es auf einer Fläche von nur 5,0 x 1,5 m nach – und zwar
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MIBA-Anlagen 12 MIBA-Anlagen 13 MIBA-Anlagen 14 MIBA-Anlagen 15


Drei weitere sehenswerte Anla- In kompromissloser Authentizität Drei ausgesucht schöne Anlagen Gezeigt werden drei gestalte-
gen in exzellenten Fotos: sehen Sie in diesem Heft die wurden zu einer bildgewaltigen risch und betrieblich herausra-
t,FJMCBIOIPGBVGLPNQBLUFS H0-Anlage: Bahnhof Weilburg Sonderausgabe zusammenge- gende Anlagen: eine technisch
Fläche mit überzeugender Land- an der Lahntalbahn mit echten stellt: eine reizvolle Nebenbahn perfekte H0-Anlage in romanti-
TDIBGUTHFTUBMUVOHt'àOG#BIO ,MFJOPEFOt/FCFOCBIOIPGJO im Mittelgebirge im Maßstab scher Landschaft, eine an sächsi-
höfe in Friesland in Baugröße der Fränkischen Schweiz mit 1:87, eine detaillierte N-Anlage schen Vorbildern orientierte H0/
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Die Steyrische Pyritbahn

Minas da Fier auf Österreichisch – so könnte man diese Gebirgs- Soeben erreicht der Leerzug der Pyritbahn
nach anstrengender Fahrt auf der 55-‰-Stei-
bahn auf einen Nenner bringen. Wichtigste Betriebsstelle ist ein
gung einen Neigungswechsel, nach dem es
Verladebunker für Pyrit, jenem gläzenden EisenII-disulfid, das kurze Zeit etwas weniger steil bergan geht.
auch als Katzen- oder Narrengold bekannt ist. Gar nicht när- Hier befindet sich auf freier Strecke ein kur-
zes Holzladegleis, wo regelmäßig Grubenholz
risch ist die mutwillig höher gelegte Fläche des Verladebunkers, verladen wird. Die steilen Kalkwände der
denn so ergeben sich zusätzliche Rangierfahrten auf dem Be- Aflenzer Staritzen geben der Szene das typi-
triebsgelände, die jegliche Langeweile vermeiden. sche Gepräge.

Von Gußwerk nach Süden


W eil es so schön war, gleich noch
eine Bergwerksbahn. Das Be-
triebskonzept ist dem der Minas da
wieder von der Einstellung bedroht. Bis
Ende Mai 1988 war die Mariazeller-
bahn noch 7 km länger und führte wei- Die Steyrische Pyritbahn ist so eine
Fier-Bahn sehr ähnlich, aber der Cha- ter zu einem Ort mit dem unromanti- Kandidatin. Etwas westlicher als die
rakter der Anlage ist doch völlig an- schen Namen Gußwerk. projektierte Verbindung zur Thörler-
ders. Das liegt unter anderem daran, Von dort aus sollte die Strecke noch- bahn führte sie – wenn ich das so sagen
dass wir jetzt in Österreich sind, genau- mal weiter nach Süden über den 1250 darf – von Gußwerk ein Stück die Salza
er gesagt in den Aflenzer Staritzen. Zu- m hohen Seebergsattel und dann hi- aufwärts und bog dann nach Süden ab
gegebenermaßen mag das außerhalb nunter nach Turnau führen, womit eine in die Aflenzer Staritzen hinein, in das
der Donaurepublik kein geläufiger Verbindung zur ebenfalls 760-mm-spu- enge Tal des Brunngrabens. Das von
Landschaftsname sein, aber dafür gibt rigen Thörlerbahn geschaffen worden schroffen Kalkfelsen gerahmte Tal
es ja schließlich Karten. Und eine ent- wäre. Doch daraus ist nie etwas gewor- steigt ungefähr um 100 m auf einen Ki-
sprechende befindet sich auch in die- den. Diese nie gebaute Verbindungs- lometer, was satte 10 % macht. Zu viel
sem Kapitel. bahn übers Hochschwabgebirge wäre für eine gewöhnliche Eisenbahn. Des-
Aber vielleicht haben Sie schon von aber eine tolle Vorlage für eine span- halb musste unsere Grubenbahn mit
der Mariazellerbahn gehört. Das ist nende Modelleisenbahn. Vielleicht allerlei Längenentwicklungen trassiert
eine sehr schöne, 84 km lange elektri- macht das ja noch mal einer. werden, um die gesetzte Grenze von
fizierte Schmalspurbahn mit 760 mm Und wie meine Leser mittlerweile 55 ‰ Steigung nicht zu überschreiten.
Spurweite. Sie führt von der nieder- wissen, eignen sich Bahnen, die es nie Die Ausfahrungen der engen Seiten-
österreichischen Landeshauptstadt St. gegeben hat, besonders gut zum „Nach- täler wiederum führten zu den Haar-
Pölten nach dem in der Obersteiermark bau“. Wichtig ist nur, dass wir sie so nadelkurven mit 40 m Radius.
gelegenen Wallfahrtsort Mariazell. Die überzeugend erfinden, dass alles Nebenbei bemerkt: Die Pyritbahn
Bahn ist heute sehr modern, hat aber glaubwürdig ist. Wohlan denn, auf ein wies abweichend von der Mariazeller-
stets sehr zu kämpfen und ist immer Neues. bahn eine Spurweite von 700 mm auf.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 63
Heute ist von der Bahn nichts mehr zu sehen. In einem Industriebahnarchiv fand ich dieses Bild mit der Beschriftung „Johannstollen“. Dass
Auf der ehemaligen Trasse führt eine Forst- es der Johannstollen an der Pyritbahn ist, scheint wahrscheinlich, aber nicht sicher, da mehre-
straße entlang, sogar durch die Tunnel. re Bergwerke in der Donaumonarchie so hießen.

Warum? Keine Ahnung. Ein österrei-


chischer Eisenbahnfreund, mit dem ich
sprach, vermutete, dass die ursprüng-
liche Rollmaterialausstattung ein se-
cond-hand-Kauf war. Da war es dann
preisgünstiger, die Spurweite der Glei-
se anzupassen, als die der Fahrzeuge.
Wenn es denn stimmt …

Deutlich mehr als ein Vorschlag


Wie der aufmerksame Leser schon
 beim Betrachten des Aufmacherbildes


vermutet haben wird, handelt es sich in


diesem Falle nicht um einen gewöhn-
lichen Anlagenvorschlag, sondern um


Der mittlere Längsspant ist mit der Untersei-


te nach oben eingespannt. Die Querspanten
können nun in die entsprechenden Schlitze
eingesteckt und verleimt werden. Zum Anbau
Zwei Seitentäler des Brunngrabens muss die 700-mm-spurige Grubenbahn ausfahren, um ge- der äußeren Längs- und Querspanten wird
nügend Länge für die Überwindung der Höhendistanz bis zum Johannstollen im dritten Sei- das Gerippe richtig herum auf den Boden ge-
tental zu gewinnen. stellt.

64 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
eine Anlage, die tatsächlich gebaut
worden ist. Dabei war es Ziel, ein Ex-
ponat herzustellen, das auf den zahlrei-
chen Modellbahnausstellungen mit
dem Schwerpunktthema Schmalspur
gezeigt werden könnte.
Nun ist 1,20 x 2,20 m für eine Anlage
ein eher kleines Maß. Aber für den
Transport in einem Stück war das
schon die absolute Obergrenze und nur
bei besonderer Leichtkonstruktion zu
tolerieren und zu handhaben.
Aber wie baut man leicht? Mit leich-
ten Materialien. Also auf jeden Fall
nicht mit Spanplatten. Tischlerplatte
vielleicht oder Sperrholz? Eher letzte-
res, denn Sperrholz gibt es in geringe-
ren Stärken. Für die Pyritbahnanlage
wurde 6 mm „starkes“ Pappelsperrholz
gewählt, nur Balsa wäre leichter, aber
für unseren Zweck nicht stabil genug.
Wer jetzt schon den Kopf schüttelt
und vor sich hin brummt: „Das kann
nicht gehen, niemals nicht!“, dem sei
schon vorab verraten, dass diese
Leichtanlage, die vom Verfasser allein

Das ist absoluter Leichtbau: Keine Grundplat-


te, kein Rahmen, nur Längs- und Querspanten
aus 6-mm-Pappelsperrholz – federleicht.

Die Abbildung rechts zeigt die beiden fehlen-


den Längsspanten. Der obere ist der Mittel-
spant, dessen drei Schlitze zum Aufstecken
auf die drei inneren Querspanten dienen.

Kein Anlagenvorschlag, sondern der Gleisplan der vom Verfasser und Herbert Fackeldey gebauten 0e-Anlage nach dem Vorbild der Steyrischen
Pyritbahn. Auf nur 1,20 x 2,20 m gelang es, einen respektablen Grubenbahnhof mit Ladebunker anzulegen und auch einen markanten Eindruck
von den Felswänden am Brunngraben zu vermitteln.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 65
Trotz durchgehender Saugluftbremse ist bei der Talfahrt die Mitfahrt eines Bremsers auf dem Wagenzug vorgeschrieben.

getragen werden konnte, ein Dutzend


Transporte zu Ausstellungen inklusive
Auf- und Abbau ohne größere Schäden
überstanden hat. Das Prinzip „Viel hilft
viel“ gilt eben nicht immer.
Auf der vorherigen Seite vermitteln
die Zeichnungen einen Eindruck, wie
eine Spantenkonstruktion zusammen- Das wäre ein klarer, zweckmäßiger Gleisplan für den Grubenbahnhof gewesen: eine Umsetz-
gebaut wird. Wichtig ist es, alle Verbin- anlage, ein paar Abstellstummel und eine Zufahrt zum Ladebunker. Aber er war den Planern
dungen mit eingeleimten Vierkantleis- und Erbauern der Pyritbahnanlage zu langweilig.
ten 1 x 1 cm zu verstärken. Richtig steif
und verwindungsfest wird das Kon-
strukt schließlich durch den Einbau der
kurvigen Trassenbretter und der Plat-
ten für Fiddleyard sowie Grubenbahn-
hof, denn diese erfüllen statisch den
Zweck von Diagonalverstrebungen.

Vom Konzept zum Gleisplan Beim Vorbild hätte man diese Lösung vermieden, aber im Modell bringt es „Äktschn“: Durch
die erhöhte Anordnung des Ladebunkers kann er nur über eine Sägefahrt angefahren werden.
Wie im richtigen Leben sollte auf der Als weitere – willkommene – Betriebserschwernis ist das Ziehgleis so kurz, dass die Lok nur
Anlage das im Johannstollen geförder- mit lediglich zwei Erzwagen hineinpasst. Das gibt dann reizvolle Rangiermanöver, wie sie auf
te Pyriterz nach Gußwerk transportiert Seite 68 dargestellt sind.
und dort von einer Sturzbühne in die
Waggons der Mariazellerbahn gekippt stellung: In H0e wäre die Anlage nur 62 Anlage eine ausreichende Höhen-
werden. Der oblag es dann, das Erz der x 115 cm „groß“. Im Prinzip konnte nur distanz zwischen Fiddleyard und Gru-
anschließenden Verhüttung zuzufüh- der Grubenbahnhof sowie ein kurzes benbahnhof erreichen. Dazu musste
ren. Stückchen Strecke mittendrin nachge- diese Maximalsteigung jedoch auch
Auch wenn die Grubenbahn am staltet werden. Somit muss alles ande- durchgehend auf der ganzen Strecke
Brunngraben nur gerade mal 5 km re inklusive dem unteren Endbahnhof angewandt werden. Die einzige Aus-
lang war, so kann selbst das nicht ein- Gußwerk durch den Fiddleyard reprä- nahme bildet die Weiche des Holzlade-
mal annähernd auf einer so winzigen sentiert werden. gleises. Hier ist die Steigung auf einem
Anlage dargestellt werden. Nicht zu Mit der Vorbild-Steigung von 55 ‰ kurzen Abschnitt auf „lediglich“ 25 ‰
vergessen: Es ist 0e. Zur besseren Vor- ließ sich auch trotz der Kleinheit der ermäßigt.

66 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Der Ladebunker des Johannstollens ist ein großer, wenig schöner Zweckbau, hinter dessen hölzernen Wänden das Erz aus den Fülltrichtern in
die Waggons rumpelt. Aber nur virtuell. In Wahrheit ist das Halbreliefgebäude hinten offen, und das „Erz“ wird in passenden Ladungsimitatio-
nen händisch in die Waggons gelegt. Da das Bunkergebäude etwas höher liegt als das Planum des Grubenbahnhofs, müssen die Waggons noch
in einer kurzen Sägefahrt auf dessen Niveau gebracht werden.

Gleisbau
Ein Blick auf den Gleisplan zeigt, dass
enge Radien (min. 40 cm) und relativ
steile Weichen verwendet wurden. Es
wurden ausnahmslos Peco-0e-Hand-
weichen und Flexgleise der gleichen
Firma verlegt. Dabei handelt es sich
um Code-100-Material mit 2,5 mm
Schienenhöhe, umgerechnet 11,25 cm
beim Vorbild. Das entspricht in etwa
einer Schiene mit 24 kg Metergewicht,
wie sie häufig bei Bahnen dieser Art
verwendet wurde.

Nicht vergessen: Es ist Oe. In HOe wäre


die Anlage nur 62 x 115 cm „groß“ –
oder besser gesagt klein …

Während das Gleis auf der freien


Strecke einen hellen Kalksteinschotter
als Bettung erhielt, wurde die gesamte
Gleisanlage des Grubenbahnhofs bis
Schienenoberkante verfüllt, um den
vielen dort Beschäftigten stolperfreie
Wege zu ermöglichen. Zum Stellen der
Weichen wurden Unterflur-Schubstan-

Hier kommt der leere Erzzug aus dem letzten


Einschnitt heraus beim Johannstollen an.
Links das im Text erwähnte (zu) kurze Zieh-
gleis für die Sägefahrt zum Ladebunker, das
für reichlich Rangierbetrieb auf der Anlage
sorgt.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 67
Rangiermöglichkeiten gut –
Rangiernotwendigkeit besser

Abb. a: Der von Gußwerk kommende Leerzug


läuft mit seinen vier Wagen in Gleis 1 des
Grubenbahnhofs des Johannstollens ein. Die
Lok kuppelt ab und lässt den Wagenzug beid-
seitig grenzzeichenfrei stehen und zieht dann
vor über Weiche 5. Anschließend fährt sie
durch Gleis 2 um ihren Zug herum bis über
Weiche 1 (Abb. b)
W6
Abb. c/d: Vorsichtig setzt sich die Lok an den
Zug und drückt ihn dann so weit vor, dass die
Weiche 3 wieder frei ist. Nun wird der Vier-
wagenzug geteilt, Weiche 3 umgestellt und
W2 die Lok zieht mit den ersten zwei Wagen vor
nach Gleis 3. Die Länge des Gleisstummels
reicht gerade für die Lok und zwei Wagen
aus.

Abb. e: Nun drückt die Lok die beiden leeren


Wagen in den Ladebunker. Das Gleis darin ist
ebenfalls sehr kurz und kann nur zwei Wagen
fassen. Das Lokpersonal wartet den Ladevor-
gang ab und zieht dann die Wagen wieder hi-
naus nach Gleis 3.

Abb. f: Die beladenen Wagen werden zurück


nach Gleis 1 gedrückt, wo noch die beiden
anderen Leerwagen stehen. Das ist auch der
Grund, warum die beladenen Wagen dort
nicht bleiben können. Die Lok behält sie am
Haken und zieht nach Umlegen der Weiche 3
über Weiche 1 vor ins Streckengleis.

Abb. g: Nach dem Umlegen der Weiche 1


können die beiden beladenen Wagen in das
Gleis 2 geschoben und dort abgestellt wer-
den. Der mitfahrende Bremser muss sie or-
dentlich festbremsen, damit nichts passieren
kann.

Abb. h: Wieder heißt es vorziehen über Wei-


che 1 ins Streckengleis, dann zurück nach
Gleis 1, um die beiden Leerwagen anzukup-
peln.
W6
Abb. i: Jetzt ist Halbzeit. Nun passiert mit der
zweiten Wagengruppe das Gleiche wie mit
der ersten in Abb.d. Sie werden nach Gleis 3
vorgezogen, um hernach in den Ladebunker
gedrückt zu werden. Sobald diese dann
glücklich beladen wieder in Gleis 1 stehen,
W6
müssen noch die beiden anderen Wagen aus
Gleis 2 beigestellt werden.

Und dann, ja dann ist erst einmal Verschnauf-


pause, bevor die nervenzerrende Talfahrt mit
der schweren Fuhre losgeht.

68 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
&IDD
&IDDLE9ARD

Ein kurzes Übergangsstück mit Tunnelpor-


tal und Normschnittstelle (Pfeil) ermög-
licht die Eingliederung der an sich autar-
ken Anlage in ein Modulsystem, etwa am
Ende einer Zweigstrecke. Durch den als
Kreuzungsbahnhof fungierenden Fiddle-
yard könnte dann eine relativ hohe Zug-
dichte entstehen.

gen installiert, die von der Anlagen-


rückseite her bedient werden konnten
und mittels eines angelenkten Um-
schalters auch die Herzstückpolarität
mit versorgten.

Leer rauf, voll runter


Der originale Ladebunker des Johann-
stollens war ein imposantes und inter-
essantes Bauwerk, dessen Nachbau im
Modell gewiss eine tolle Herausforde-
rung wäre. Sofern es denn eine Bau-
zeichnung gäbe. Er kam aber für die
Pyritbahnanlage ohnehin nicht in Fra-
ge, weil hier im Gegensatz zum Origi-
nalschauplatz das Beladen der Erz-
waggons nicht im Freien, sondern den
Blicken des Publikums entzogen statt-
finden sollte. Daher wurde der Bunker
als hinten offenes Halbreliefgebäude
ausgeführt. Somit konnten innerhalb
des Bunkergebäudes – für das Ausstel-
lungspublikum unsichtbar – Ladungs-
einsätze in die Erzwaggons eingesetzt
werden. Am Ende der Reise wurden sie
unten im Fiddleyard wieder heraus ge-
nommen. Auf diese Weise fuhren stets
leere Züge bergauf und volle bergab. So
konnte jeder sehen – und auch die Be-
diener selber hatten den Eindruck –
dass die Bahn wirklich etwas transpor-
tierte.
Über die Gleisanlagen des Gruben-
bahnhofs ist nichts bekannt, weshalb
die Anlagenbauer diesbezüglich freie
Hand hatten. Und das nutzten sie auch
weidlich aus. Ob das nun zu ihren
Gunsten oder Ungunsten war, liegt wie
so oft im Auge des jeweiligen Betrach-
ters.

Das in der obigen Zeichnung vorgeschlagene


Übergangsstück zu einem Modulsystem, vom
Verfasser real umgesetzt. Die Lok überfährt
gerade die Normschnittstelle.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 69
Um die vier Wagen eines Erzzuges sicht nie genehmigt. Daraus resultierte zugetragen hat, auf der die Pyritbahn-
(das war wegen der heftigen Steigung „zwangsläufig“ die im Gleisplan darun- anlage gezeigt wurde. Da stand ein
die maximale Zuglänge) einfach so ter sichtbare Lösung, die die Bedienung Herr im besten Mannesalter eine Weile
nach dem Umsetzen in den Ladebun- des Bunkers nur über eine Sägefahrt vor der Anlage und schaute dem Trei-
ker schieben zu können, wäre ein möglich machte. Bei dem knappen zur ben im Grubenbahnhof des Johann-
Gleisplan wie der obere auf Seite 66 Verfügung stehenden Platz führte das stollens zu. Sein Blick war kritisch-
passend und praktisch gewesen. Aber zu einem so kurzen Ziehgleis, das nur missbilligend.
auf dieser Anlage sollte richtige „Äkt- mit jeweils zwei Waggons gesägt wer- Schließlich sprach er mich an: „Wird
schen“ stattfinden. Und die hatte aus den konnte. Im Klartext: Pro ankom- das nicht schnell langweilig?“, fragte er.
deutlich mehr zu bestehen, als dem al- menden Leerzug musste zweimal zum Nachdem ich meine Verblüffung über-
leinigen Hin- und Herfahren der Erzzü- Ladebunker gezickzackt werden, bis wunden hatte, fragte ich zurück: „Sie
ge. endlich der voll beladene Erzzug ab- wollen mir jetzt sicher sagen, dass das
fahrbereit im Grubenbahnhof stand. Herumfahren im Kreis spannender ist,
Warum einfach, wenn’s auch Tja, so ist Eisenbahnbetrieb im rich- oder?“ Und was sagte er darauf?
kompliziert geht tigen Leben. Und so soll er idealerweise Nichts. Er schnaubte kurz und trollte
auch im Modell laufen. Erinnern Sie sich.
Die Anlagenbauer setzten den Lade- sich noch an den „SPUK“-Modus, den Noch dazu drehte sich bisher alles
bunker absichtlich ein deutliches Stück wir im „Vollbach“-Kapitel kennen ge- ausschließlich um den Güterverkehr.
höher, als das Planum des Gruben- lernt haben? Nichts davon bei dieser So haben wir noch gar nicht vom nicht-
bahnhofes und machten dadurch eine Anlage. Hier wird rangiert, weil es not- öffentlichem Personenverkehr auf der
direkte Einfahrt in den Bunker entspre- wendig ist und so rangiert, wie es sein Pyritbahn gesprochen. Denn natürlich
chend des angesprochenen Plans un- muss. Dadurch hat man das Gefühl, bei fahren die Bergleute aus Gußwerk mit
möglich. Das wäre viel zu steil gewe- einer richtigen Bahn tätig zu sein, die der Grubenbahn zur Arbeit. Außerdem
sen, sowas hätte die Grubenbahnauf- wirklich etwas bewegt. Ein tolles Ge- muss Grubenholz herangeschafft wer-
fühl übrigens. Wer es noch nicht kennt, den. Und Kohle sowie Schmierstoffe für
Im Frühjahr häufig ein reißender Tobel, kann sollte es unbedingt ausprobieren. die Fördermaschine. Und, und, und.
der Brunngraben im Spätsommer zu einem In diesem Zusammenhang eine klei- Also mir ist mit der Anlage und der auf
Rinnsal verkommen, dem man seine Wildheit ne Anekdote, die sich auf einer der ihr möglichen „Äktschen“ niemals
nicht mehr ansieht. zahlreichen Modellbahnausstellungen langweilig geworden.

70 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
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lichen Gleis- und Betriebssystemen (Märklin, Zweilei-
ter-Gleichstrom) sowie in verschiedenen Maßstäben
(H0 und N) ausgeführt, weisen alle jene unverwech-
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Vorbildlicher Betrieb auf der Siebertalbahn

Von der Königsgrube


zum Paradies

Die Siebertalbahn im Harz bietet mit ihrer Spitzkehre eine des Auftraggebers gehörte nicht nur
besondere betriebliche Situation und damit ein hervorragendes ein Stück sichtbare zweigleisige Stre-
cke, sondern auch ein Bw mit Dreh-
Vorbild für den rangierfreudigen Modellbahner. Um möglichst scheibe und eine „Altstadt“. Und natür-
lange Freude an einer solchen Anlage zu haben, sollte der kom- lich lange sichtbare Fahrstrecken und
viele, viele Rangiermöglichkeiten. Nun,
plette Betrieb im Voraus bedacht und geplant werden. Anhand
Drehscheibe, zweigleisige Strecke und
eines Bildfahrplanes wird in diesem Kapitel unter anderem auch Altstadt – was auch immer das sein
klar, warum kein Schüler zu spät zur Schule kommt. sollte – konnten dem Anlagenbauer in
spe gleich zu Beginn zugunsten eines

E s ist natürlich verhältnismäßig ein-


fach, einen „vernünftigen“ Gleis-
plan zu entwerfen und den dafür benö-
schließend listet er auf, was ihm alles
so vorschwebt, was in diesen wenigen
Quadratmetern realisiert werden soll.
klaren Konzeptes mit gefälliger, eini-
germaßen realistischer Landschafts-
einbettung ausgeredet werden.
tigten Raum um ihn herum zu zeich- Es ist – wie so oft – mindestens das Zwar hatte der Bekannte nicht den
nen. Nicht selten werden dann im Doppelte von dem, was sinnvoll unter- Wunsch geäußert, die Anlage möge
Laufe des Zeichnens schon mal hier gebracht werden kann. nach einer Vorbildstrecke gestaltet
oder dort zehn Zentimeter an den ur- Der Gleisplan der Siebertalbahn ist werden, aber ich fand eine, die gut
sprünglichen Entwurf angestrickt, weil so entstanden. Die Kellermaße sind 2,5 passte: Die sogenannte Siebertalbahn
sich so dieser oder jener Bogen elegan- x 4,7 m und keinen Millimeter mehr. im Südharz, die ich schon lange mal
ter durchziehen lässt oder dieses oder Dann gibt es an der einen Schmalseite verwursten wollte. Ich versuchte mich
jenes Gleis eine brauchbare Länge er- eine nach innen aufschlagende Tür, die bei der Planung möglichst gut an die
hält. freizuhalten war. Auf der gegenüberlie- Gegebenheiten dieser Vorlage anzuleh-
Ganz anders sieht die Sache aus, genden Schmalseite befand sich ein nen. Bevor wir zum Anlagenplan kom-
wenn ein Bekannter kommt und sagt: Kellerfenster, vor dem die Anlagentiefe men, daher kurz ein paar Informatio-
„Dies sind die Maße des Kellerraumes, keinesfalls einen Meter überschreiten nen über das Vorbild.
der mir für die Modellbahn zur Verfü- sollte, um das Fenster, wenn auch un- Herzberg am Harz liegt an der zwei-
gung steht. Kannst du mir dafür mal bequem, noch öffnen zu können. gleisigen Strecke (Ottbergen–) Nort-
einen Gleisplan zeichnen?“ Und an- Zu den ursprünglichen Wünschen heim–Nordhausen, von der hier die

72 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Links: Der VT 135 der Siebertalbahn hat bei
der Übernahme der SB durch die DB seine
Privatbahnfarbgebung behalten. Hier hält er
kurz vor dem Gasthaus „Zum Paradies“, des-
sen Wirt auch als Agent der Bahn tätig ist
und Güter abfertigt sowie Fahrkarten ver-
kauft. Da solche Fotos aus der Zeit des Bahn-
betriebs nicht auffindbar sind, muss diese
Collage mit einer alten Ansichtskarte, die
noch vor dem Bahnbau entstanden ist, illust-
rieren, wie es vermutlich damals an der Sta-
tion Paradies ausgesehen hat.

eingleisige Strecke nach Osterode und


Seesen abzweigt. Die Preußische
Staatsbahn hatte von Herzberg aus
eine kurze Stichstrecke zur Bedienung
der Industriebetriebe (Papierfabriken)
am Anfang des Siebertales am Nord-
ostrand des Ortes angelegt.
Wieso man die Strecke nicht gleich
bis Sieber weiterbaute, ist heute nicht
mehr herauszufinden. Das holte
schließlich eine Tochtergesellschaft des Die eigentliche Siebertalbahn (in der Karte fett eingezeichnet) war ursprünglich eine Privat-
Lenz-Konzerns im Jahr 1912 nach, die bahn, die in Siebertal an eine Stichstrecke der DB anschloss. In den Fünfzigerjahren wurde sie
eine kurze regelspurige Stichbahn zur von der DB übernommen, die sie zum Teil mit dem originalen Privatbahnmaterial weiter be-
Erschließung des aufstrebenden Luft- trieb. Die Spitzkehre in Sieber war beim Vorbild eine Erschwernis, für die Modellbahn bringt
kurortes Sieber baute. Damit kam auf sie betrieblichen Pep.
die Siebertalstrecke erstmals auch Per-
sonenverkehr. Betrieb auf knappem Platz, kommen kamen zu den Privatbahnfahrzeugen,
Etwa 1925 wurden Vermutungen be- aber leider in der Realität nicht so oft die eine Zeit lang – in den Originalfar-
stätigt, dass sich die Baryterz-Vorkom- vor, wie man es gern hätte. ben Rot und Crème – weiter verwendet
men des Krummen Luttertales nördlich wurden, gewöhnliche DB-Triebfahr-
von Bad Lauterberg nach Norden fort- VT 135 und eine 92 ex OHE zeuge bis nach Sieber und zur Königs-
setzten und im Siebertal oberhalb von grube. Diese Übergangszeit wurde
Sieber in abbauwürdiger Mächtigkeit Verweilen wir aber noch einen kurzen auch als Zeitfenster für die Anlage ge-
weniger als 50 m unter der Erdoberflä- Moment beim großen Vorbild. In den wählt.
che ausstrichen. Die sogenannte Kö- Fünfzigerjahren wurde die Siebertal- So konnte man noch bis Anfang der
nigsgrube wurde abgeteuft. Was lag bahn von der DB übernommen. Damit Siebzigerjahre neben einer DB 94 eine
also näher, als die Siebertalbahn die
wenigen Kilometer bis zur neuen Gru-
be zu verlängern?

Zweimal zu kurz gedacht (und


gemacht)
Jetzt rächte es sich, dass man den End-
bahnhof Sieber der Einfachheit halber
an den Südwestrand der Bebauung
gelegt hatte, sodass eine gradlinige Ver-
längerung nicht möglich war. Zumin-
dest, wenn man nicht in der Dorfstraße
entlang fahren wollte. Das schied aber
von vorneherein aus. Die Grubenan-
schlussbahn musste nach Südwesten
aus dem Bahnhof geführt werden, um
sich dann mit einer Haarnadelkurve
um 180° in die gewünschte Richtung zu
wenden. Für den Grubenverkehr wur-
de Sieber zur Spitzkehre. Von den ehemaligen Bahnbauten in Sieber ist fast nichts erhalten. Wo einst dieses stattliche
Als Anlagenplaner kann man sich Empfangsgebäude stand, befindet sich heute ein Schrebergarten.
darüber nur die Hände reiben, denn Blickrichtung ist Norden. Das stumpfe Ende des Bahnhofes befand sich rechts, nach Herzberg
Spitzkehren ermöglichen relativ viel und zur Königsgrube ging es nach links.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 73
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Der Güterschuppen hat den Abriss des Empfangsgebäudes überdauert und wurde neuen pri-
vaten Nutzungen zugeführt. Stark verändert steht er heute noch am alten Platz am südlichen
Ortsausgang von Sieber.
'
92 ex Siebertalbahn beobachten, die ur- ren der Selbstständigkeit verkaufte die
sprünglich auf der Osthannoverschen Siebertalbahn das Bw-Gelände an eine
¯ Eisenbahn im Einsatz gewesen war. Holzschleiferei und errichtete einen
Der VT 135 kehrte nebst VB, den die neuen, jetzt eingleisigen Lokschuppen
¯ SB von der DR gekauft hatten, in den am Nordende des Bahnhofes. Die Bahn
0
Bestand der Staatsbahn zurück. Eben- hätte andernfalls die abseits ohne
so eine dunkelrot gespritzte Donner- Bahnanschluss gelegene Schleiferei als
0 büchse, die bis zu ihrem Ende rot blieb. Kunden verloren.
¯ Dem Ursprung als Privatbahn ver-
0 dankte die Siebertalbahn die Existenz Modellbahnmäßiger Betrieb
¯ des Bws mit zweiständigem Lokschup-
pen, das es bei einer originalen Reichs- Der auf dieser Strecke stattfindende
'
bahn-Stichstrecke vermutlich nicht Betrieb war wie von einem Modell-
0
gegeben hätte. Noch in den letzten Jah- bahner ausgedacht und lief typischer-

Die Ruine der ehemaligen Schleiferei I etwas unterhalb des Ortes steht als einziges Zeugnis
der ehemaligen Kleinbahnherrlichkeit immerhin noch da und dämmert dem Einsturz entge-
gen. Das Ladegleis verlief rechts entlang der Längsfront des Gebäudekomplexes. Der Nach-
bau, eventuell mit selektiver Kompression, dürfte nicht allzu schwer sein, wenn man sich an
0 '
den Größen kommerziell gelaserter Fenster orientiert, und würde der Anlage Lokalkolorit und
Identität verleihen.

0

0

Der Bildfahrplan ist genau nach dem des Vor-


bildes entwickelt. Die Güterzüge sind mit
braunen, die Triebwagenkurse mit schwarzen
Linien dargestellt; etwas stärkere Strichstär-
ke bedeutet „mit Beiwagen“.

74 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
weise so ab: Kurz nach fünf Uhr in der
Früh fährt der VT, der mitsamt Perso- W3 W2 W1
nal in Herzberg übernachtet hat, mit
seinem Beiwagen behängt als P 01 hi- Holz
nauf nach Sieber. Dort lässt er seinen lade
glei
s
Beiwagen stehen, fährt um diesen her-
Paradies
um und weiter zur Königsgrube. Diese
Tour steht nicht im Kursbuch, sie ist ein
reiner Werkkurs für die Frühschicht W3 W2 W1
der Bergleute. Obwohl es häufig bre-
chend voll im Triebwagen ist, kann der
Beiwagen nicht mit, denn bei der Gru-
be gibt es keine Umsetzmöglichkeit.
Und im Personenverkehr sind weder
geschobene Fahrten noch Fahrten mit
Tfz am bergseitigen Ende zugelassen. W3 W2 W1

Mal mit, mal ohne


Der Triebwagen kehrt sodann Lz, also
als betriebliche Leerfahrt, nach Sieber
zurück, um anschließend – wieder ver-
stärkt um den Beiwagen – den Schüler- W3 W2 W1
kurs nach Herzberg zu fahren. Pünkt-
lich um acht Uhr beginnt dort der Un-
terricht am Gymnasium. Inzwischen ist
auch die Dampflok, die im Schuppen in
Sieber übernachtet hat, einsatzbereit.
Sie bringt die vier oder fünf Ed-Wagen,
die am Vorabend leer von Herzberg W3 W2 W1
gekommen sind, hinauf zur Königsgru-
be. Da dort, wie schon erwähnt, keine
Umsetzmöglichkeit besteht, wird das
Ganze als geschobene Rangierfahrt
durchgeführt. In diesem Falle als Ü 103
(s. Bildfahrplan Seite 74).
Das Gleis unter dem Füllbunker ist
mit vier Wagen besetzt, die inzwischen Der Nahgüterzug Ng 208 ist in der Station Paradies eingetroffen. Ein einziger Wagen ist aus
befüllt worden sind. Die geschobene dem Holzladegleis bei der Station abzuholen und nach Herzberg mitzunehmen. Verbunden mit
Rangierabteilung kuppelt an die bela- einer Überholung (Phase 2) ist das jedoch ein spannendes Procedere: Die Lok muss zweimal
denen Wagen an, zieht mit ihnen vor umlaufen, weil das Anschlussgleis „verkehrt herum“ liegt. Aber genau das macht die Würze
und setzt sie auf dem zweiten Gleis ab. des Modellbahnbetriebs aus.
Anschließend können die Leerwagen
unter den Fülltrichter gestellt werden.
Mit den vollen Wagen geht es nun als
Ü 106 hinunter nach Sieber. Laut Buch-
fahrplan muss vor der Einfahrt an der
Trapeztafel gehalten werden, denn der
Triebwagen kommt als P 05 auch schon
wieder aus Herzberg zurück. Über die
vorschriftsmäßige Abwicklung dieser
Kreuzung wird später noch zu reden
sein.
Nach erfolgter Einfahrt macht sich
die Dampflok daran, aus den von der

Diese alte Ansichtskarte aus der Zeit vor dem


Bahnbau lässt erahnen, dass sich im Erdge-
schoss des hinteren Teils des späteren Gast-
hauses „Zum Paradies“ ursprünglich eine Sä-
gemühle befand. Nur die Balkonvorbauten
an der Straßenseite wirken wohnlich und
gastorientiert.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 75
Grube mitgebrachten Wagen sowie haben würde beziehungsweise hatte. terzuglok in Sieber rangiert und ist mit
zwei oder drei mit Holz beladenen Das liegt daran, dass wir auf kurzem leeren Wagen als Ü 111 zur Königsgru-
Rungenwagen, den Nahgüterzug nach Raum längere Strecken darstellen müs- be gefahren. Ihre Rückkunft als Ü 112
Herzberg, den G 208, zu bilden – eine sen, was nur durch Übereinanderfalten liegt in etwa zeitgleich mit der Ankunft
hübsche kleine Rangiererei. Eventuell möglich ist. Sei’s drum. des P 13, weswegen der Ü 112 vor der
steht beim Kohlen-/Baustoffhändler Trapeztafel warten muss, bis der Trieb-
noch ein leerer E- oder G-Wagen, der In Herzberg Anschluss an die wagen mit dem Horn das Signal „Her-
auch noch mit hinunter muss. Etwas weite Welt (bis Oberhausen) kommen“ gibt. Das kann manchmal
aufwändiger wird das Procedere, wenn etwas dauern, denn der Triebwagen
die Schleifereien Waggons mit Holz- In Herzberg braucht die Dampflok kuppelt sofort nach Ankunft den Bei-
schliff beladen haben, speziell bei der lediglich die mitgebrachten Wagen ins wagen ab und setzt nach Gleis 2 um.
am Ortsausgang auf der anderen Seite Übergabegleis zu drücken und die dort Wenn dann alle Weichen für den Fahr-
der Straße gelegenen Schleiferei. von der DB für die Siebertalbahn be- weg der Übergabe richtig liegen, kann
reitgestellten Wagen an den Haken zu der Fahrdienstleiter dem Triebwagen-
Paradiesisches Rangieren nehmen. Und schon kann die Rückfahrt führer den Auftrag erteilen, die Über-
ins Paradies und weiter als G 209 be- gabe mit dem erwähnten Hornsignal
Beim Bhf Paradies – noch heute zeugt ginnen. hereinzurufen.
eine Gaststätte dieses Namens von der Der Triebwagen hat mehr Zeit. Er Sobald die Übergabe eingelaufen ist,
hübschen Bezeichnung der Stelle – verbummelt gut drei Stunden in Herz- kann der Triebwagen sich solo mit den
muss ein weiterer mit Holz beladener berg, da die Abfahrt auf den Schul- Bergleuten auf den Weg zur Königs-
Wagen eingestellt werden. Der Güter- schluss von Mittelschule und Ernst- grube machen. Mit der abgelösten
zug fährt vorschriftsmäßig nach Gleis 2 Moritz-Arndt-Gymnasium abgestimmt Frühschicht kommt er sogleich wieder
ein (s. Grafik S. 75). Damit er hinten ist. So bleibt auch bequem Zeit, den zurück und läuft nach kurzem Aufent-
grenzzeichenfrei steht, halt als P 14 weiter
muss die Lok sogar auf Typisch Nebenbahn: Statt eines Haupt- nach Herzberg, wo die
der zum Holzladegleis signals steht ein Kennzeichen K 15 (Tra- meisten Bergleute
führenden Weiche hal- peztafel) vor der Bahnhofseinfahrt, da- wohnen. In der Regel
ten. Bevor das Rangier- vor ein Fernsprechkasten, damit der nimmt er den Beiwa-
geschäft begonnen wer- Triebfahrzeugführer bei Unklarheiten gen mit, falls die Be-
den darf, ist jedoch die mit dem Fahrdienstleiter Kontakt auf- triebsleitung nicht ent-
Überholung durch den nehmen kann. Auch für Modellbahnen scheidet, dass dieser
Triebwagen abzuwar- eine kostensparende und betriebsberei- erst später mit dem
ten, der als P 10 wieder chernde Alternative. Das Bild stammt P  20 nach Herzberg
nach Herzberg fährt. Er allerdings nicht von der Siebertalbahn, zurückgeführt werden
wird dann gut besetzt sondern von der Kleinbahn Bremen– soll.
sein, denn nach Herz- Thedinghausen. Das Dampflokperso-
berg fährt man zum nal kann jetzt eine
Einkaufen, zum Facharzt oder zum Ge- Beiwagen in aller Ruhe wieder anzu- wohlverdiente Siesta machen, denn der
richt, das sich interessanterweise in hängen. Der ist in diesem Kurs ( P 13) G 218 nach Herzberg ist erst kurz vor
einem Welfenschloss befindet. auch nötig, denn im Zug sind außer 16 Uhr fällig. Aber gelegentlich sind so
Erst wenn dieser Zug den Bahnhof den Schülern auch die Bergleute der viele Leerwagen für die Barytabfuhr
Paradies wieder verlassen hat, kann Spätschicht, die um 14.30 Uhr beginnt. gekommen, dass eine weitere Tour
die Lok des Güterzuges umlaufen und Eine Zeit lang verkehrte dieser Kurs (Ü  115/116) zur Königsgrube fällig
anschließend mit ihrem ganzen Zug in samstags eine halbe Stunde früher, um wird.
das Stumpfgleis zum Holzladeplatz zu- einen Kurswagen vom E 3651 Ober- Der G 218 kreuzt in Paradies mit
rückdrücken. Nach dem Ankuppeln des hausen–Walkenried übernehmen zu dem von Herzberg zurückkehrenden
Holzwagens geht es mit der vollstän- können. Das war ein AB der Serie E 30, P 17. Falls er einen leeren Rungenwa-
digen Fuhre wieder zurück nach Gleis der sonntags mit dem Kurs 8.53 ab Sie- gen für das Holzladegleis hat, ist der
2. Anschließend läuft die Lok ein zwei- ber wieder zurückgeführt und in Herz- relativ schnell dort platziert, denn in
tes Mal um – so ist das nun mal bei der berg an den E 3660 weiter nach Ober- dieser Fahrtrichtung liegt das Gleis
Eisenbahn – und setzt sich vor ihren hausen übergeben wurde. Genau ge- „richtig herum“. Die Lok braucht ihren
Zug. Und sofort geht es weiter Richtung nommen spielte sich diese Szenerie vor Zug also nicht extra zu umlaufen.
Siebertal und Herzberg. Aber das kann der eigentlich auf der Anlage darge- Wenn’s doch immer so einfach wär!
im Modell nicht nachgestellt werden, stellten Zeit ab, aber wir könnten ja ein
denn diese beiden Bahnhöfe werden wenig mogeln und den Kurswagen täg- Holz in den Wald fahren
durch den unter Sieber liegenden lich mitführen, was dem Personenver-
Schattenbahnhof dargestellt. Hinter kehr ein wenig Pep verleihen würde. Kurz nach 18.00 Uhr hat die Güterzug-
Paradies verschwindet die Strecke im lok erneut einige leere Ed-Wagen für
Tunnel. Der war beim Vorbild nicht „Trööööt!“– Hornsignale rufen die Königsgrube von der Übergabe in
vorhanden, bei der Anlage jedoch nicht „Herein!“ Herzberg abgeholt. Je nach Tag sind
zu vermeiden. Generell ist es ein Prob- auch leere Rungenwagen für den Holz-
lem, dass Anlagen oft mehr Tunnel auf- Während der P 13 die kürzeste Fahr- transport dabei sowie der eine oder
weisen, als es ein adäquates Vorbild zeit nach Sieber anstrebt, hat die Gü- andere Wagen für den Kohlen- und

76 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
GS
Holz-Schleiferei I EG
Sieber
Kohlen- und
Baustoffe

±0
Holz-Schleiferei II
Ladestraße
- 2,5 - 21 (ehem. Bw)

0,5 1,0 2,0 m


A
- 10

Paradies
-5 - 19 - 10
+6
- 15 + 10

+ 10 Königsgrube
- 7,5

Mit einem Mindestradius von 45 cm und einer Maximalsteigung von 25 ‰ lässt sich die Siebertalbahn recht ordentlich in dem knapp 12 m²
(2,5 x 4,7 m) großen Kellerraum realisieren. Während die Lage des Bahnhofes Sieber ziemlich korrekt wiedergegeben werden kann, müssen
die beiden Strecken weitgehend parallel laufen, statt wie beim Vorbild zu divergieren. Mangels Vorbildgleisplan ist der Gleisplan von Sieber
erfunden, in der Realität dürften es wohl noch ein paar Gleise mehr gewesen sein. Die Einführung des Anschlusses der Schleiferei I ist etwas
für mutige Gleis- und Weichenselbstbauer, andernfalls muss eine konventionellere Lösung gewählt werden.

Baustoffhändler in Sieber und/oder für zug nach 21 Uhr von Herzberg nach schülerkurs“, nach Sieber eingereiht
die Schleifereien. Im Durchschnitt ge- Sieber laufen zu lassen, um von Abend- werden. Hierzu wird er am Güter-
sellt sich einmal die Woche ein mit Gru- veranstaltungen, die man mit dem P 20 schuppen aufgestellt. Die eine Stunde
benholz beladener E-Wagen dazu. Es gut erreichen kann, wieder heim zu bis zur Rückkehr des Triebwagens von
mag verwundern, dass hier Holz in den kommen. Dem wurde auch mit dem der Königsgrube reicht normalerweise
Wald gefahren wird, aber die Eichen- Einlegen des P 21 entsprochen, der für das Be- und Entladen des Stückgut-
stempel kommen aus Rumänien, weil sehr schnell den Spitznamen „Lumpen- wagens nicht aus, sodass er planmäßig
sie inklusive sammler“ bekam. mit dem P 20 um 18.35 Uhr wieder
Fracht viel billiger „Zahlreiche Rangiermöglichkeiten“ Die Kundschaft runter fährt.
sind, als solche vorzusehen, reicht nicht. Es muss ge- hätte diesen Zug Sind jedoch in Paradies größere
aus dem Harz, in nau festgelegt werden, was an jedem gern sogar noch Mengen Stückgut aus und/oder einzu-
dem es kaum Ei- Anschluss, an jeder Ladestelle passie- ein wenig später laden, als bei den planmäßigen Halten
chen gibt. Der ren soll. gehabt, aber dem des Triebwagens zu schaffen wäre,
G  219 trifft in Pa- konnte die Bahn- wird der Kurswagen einem der Güter-
radies erneut den Triebwagen, der nun verwaltung nicht entsprechen. Schließ- züge mitgegeben.
P 20 heißt. Reine Routinesache. Sobald lich muss der Triebwagen kurz nach 22
er in Sieber angekommen ist und nach- Uhr die Bergleute der Spätschicht von Betrieb schon bei der Planung
dem noch einige Rangierbewegungen der Grube abholen und sie als P 22 durchdenken
erledigt sind, kann die Lok ins Bw. Das nach Herzberg schaffen.
Personal übergibt sie dem Nachtheizer Bisher gänzlich unerwähnt ist der Organisation und Abwicklung des Be-
und kann nach Hause. Stückgutkurswagen Northeim–Herz- triebs auf einer Modellbahnanlage wer-
Früher fuhr der Triebwagen gleich berg–Sieber und zurück. Dem Aus- den in Anlagenplanungsbüchern ge-
um halb acht wieder nach Sieber, weil sehen nach ein gewöhnlicher G-Wagen, meinhin nur am Rande gestreift. Es ist
angenommen wurde, dass viele Men- unterscheidet er sich aber durch das aber nicht zu übersehen, dass Planung
schen um diese Zeit von ihren Einkäu- Vorhandensein einer Heizleitung. Da- und Betrieb eng miteinander verzahnt
fen und Amtsbesuchen wieder nach mit kann er auch im Winter bei der Tal- sind. Und zwar so eng, dass es zum
Hause wollen. Dieser Kurs war jedoch fahrt am Kopf des Zuges eingestellt Konzeptionsentwurf gehört, das Was
meist so schwach besetzt, dass er dem werden. Er wird jedoch nicht immer und Wie des Betriebes genau zu durch-
Rotstift zum Opfer fiel. mit dem gleichen Zug befördert. Plan- denken und zu planen. Das Vorsehen
Hingegen wurde dem Drängen der mäßig soll er montags bis freitags dem der so genannten „zahlreichen Ran-
Bevölkerung nachgegeben, einen Spät- P 13 um 13.20 Uhr, das ist der „Fahr- giermöglichkeiten“ reicht da bei Wei-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 77
tem nicht aus. Aus diesem Grunde wur-
de hier einmal bis ins Detail ausgeführt,
wie die Aufgaben des darzustellenden
Stücks Eisenbahn exakt aufgelistet und
in Fahrplanbetrieb umgesetzt werden
können, nein, werden müssen. Nur so
kann der Betrieb auf der Anlage den Die lineare Abwicklung der Modell-Siebertalbahn sähe so aus: Der als Fiddleyard betriebene
Erbauer auf Dauer erfreuen und befrie- Schattenbahnhof stellt zunächst einmal die nicht im sichtbaren Teil realisierbaren Stationen
digen. Siebertal und Herzberg dar, im weiteren Sinne jedoch den ganzen Rest der deutschen Eisen-
bahnen.
Stichstrecke – ein Trumpf sticht
das Konzept „branchline from fiddle Die Planung der Anlage im
Eine kurze Stichstrecke auf der Anlage yard to terminal“, wobei die dargestell-
Detail
darzustellen, gilt im Allgemeinen nicht ten Streckenlängen zwischen den bei-
als des Modellbahners Wunschtraum. den Endpunkten von einigen Metern Ein relativ schmaler Raum mit der Ein-
Deshalb sieht man immer wieder zwei- bis hinunter zu wenigen Zentimetern gangstür in der Mitte einer der kürze-
gleisige ineinander verschachtelte variieren. ren Wände ruft geradezu nach einer
Kringel, auf welchen sich sämtliche Auch meiner Meinung nach eignen U-förmigen Anlage, die Amerikaner
Zuggattungen auf kleinstem Raum in sich kurze Stichstrecken hervorragend sprechen auch von „walk-in-design“,
die Hacken fahren und die meiste Zeit als Vorbild für eine realistische und be- weil man quasi in die Anlage hinein-
unsichtbar auf Schattenstrecken her- triebsorientierte Anlage. Und das vor gehen kann, ohne unter irgendetwas
umdröhnen. Ich gehe einfach mal da- allem in den Fällen, in welchen man nur hindurchkrabbeln zu müssen. Ist man
von aus, dass derjenige, der bis hierher wenig Platz zur Verfügung hat. Schließ- über fünfzig, weiß man solche An-
mitgelesen hat, schon selbst gemerkt lich hat uns das Vorbild hier nämlich nehmlichkeiten zu schätzen. Und den-
hat, dass das soeben Geschilderte nicht schon vorgemacht, wie auf wenig Raum noch ist man dann fast ringsum von
unbedingt eine vorbildentsprechende ordentlich Betrieb stattfinden kann. Und Anlage umgeben, herrlich!
und realistische Angelegenheit sein ich denke damit bewiesen zu haben, Eine Spitzkehre – wem sage ich das
kann und daher offen für das ist, was dass gerade die Siebertalbahn ein idea- – ist ein Kopfbahnhof, von dem zwei
ich hier in den Vordergrund rücken les Vorbild ist – auch und gerade wegen Strecken ausgehen und in dem Züge
möchte. der Spitzkehre in Sieber. von der einen auf die andere Strecke
In Großbritannien genießt das Kon- Ich möchte aber hier noch ein wenig übergehen. In einem solchen Bahnhof
zept einer Stichstrecke seit jeher ausge- genauer auf die Details eingehen und finden natürlich haufenweise Umsetz-
sprochen großes Ansehen. Schätzungs- erklären, warum ich es exakt so und manöver statt, weil bei allen ankom-
weise zwei Drittel aller Anlagen haben nicht anders gezeichnet habe. menden Zügen, solo fahrende Trieb-


 



Querschnitt durch die kritische Stelle mit den


drei parallelen Trassen bei der gestrichelten
Linie A im Anlagenplan Seite 77. Die Ebe- Der VT 135 ist mit Stückgutwagen von Herzberg kommend in Sieber eingefahren. Nach kur-
ne ±0 ist das Niveau des Bahnhofes Sieber. zem Halt wird er vorziehen und den Stückgutwagen in das Güterschuppengleis drücken.
Der Betrachter wird kaum alle drei Trassen Stückgutkurswagen sind auch im Modell gut geeignet, den Personenzugverkehr mit ein paar
zugleich sehen. Rangierbewegungen etwas aufzupeppen.

78 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Von den Bahngebäuden gibt es keine Zeichnungsunterlagen,
wohl aber von den bergbaulichen Anlagen. Der Ladebunker
der Königsgrube ist natürlich für Modellbahner, namentlich
Betriebsmodellbahner, ein gefundenes Fressen. Juckt es nicht
in den Fingern?

wagen ausgenommen, das Triebfahr-


zeug ans andere Ende muss.
Wendezüge gab es im Übrigen zur
Zeit der Siebertalbahn noch nicht. Hier
scheiden sich nun wirklich die Geister.
Wer Umsetzen per se lästig findet, soll-
te spätestens jetzt aussteigen. Wer aber
wie ich, Umsetzen tausendmal interes-
santer findet, als den kreisenden Zügen
hinterher zu schauen, ist hier richtig.
Übrigens ist das in Sieber halb so wild,
denn die Züge auf der oberen Strecke,
der Grubenanschlussbahn, werden
bergwärts geschoben, da entfällt in
vielen Fällen das Umsetzen.
Den originalen Gleisplan von Sieber
konnte ich bei meinen Recherchen lei-
der nicht ausfindig machen, was mir
die Freiheit gibt, ihn zu erfinden und
passend zum vorhandenen Raum zu
zeichnen. Vermutlich hatte der Origi-
nalplan einige Gleise mehr, aber die
hätten sowieso nicht mehr auf die An-
lage gepasst. Manchmal ist es besser,
etwas nicht zu wissen.
Das Auseinanderstreben der beiden
von Sieber ausgehenden Strecken ließ
sich leider auf den 11,75 m2 nicht ent-
sprechend darstellen. In der Folge müs-
sen die beiden Strecken auf der Anlage Maßstab 1:87
zumindest ein Stück parallel laufen, 1:1 für H0
was aber zu verschmerzen ist. An der
Basis des Us laufen demnach drei Tras-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 79
Das kann der Leser auch: Der Verfasser hat
einfach mal Ausdrucke der Zeichnung des La-
debunkers gemacht und daraus ein einfaches
Papiermodell zusammengeklebt. Das ist eine
gute Möglichkeit auszuprobieren, wie ein be-
stimmtes Bauwerk auf der Anlage wirken
würde.
In diesem Falle wird durch das Dreidimensio-
nale klar, wie der Barackenanbau in der Luft
hängt. In der Realität waren es aber einige
Stützen mehr, die ihn trugen.

Besonders wichtig war es mir, die


Frachtkunden der Bahn auf die Anlage
zu bringen, allen voran die beiden
Schleifereien. Sie lagen in der Realität
etwas weiter talabwärts und wurden
zur besseren Integration in die Anlage
sowie im Plan eingezeichnet verscho-
ben. Die lange Rangierfahrt über die
Straße zur Schleiferei I dürfte ein be-
trieblicher Leckerbissen sein. Der Koh-
lenhandel ist ein absolutes Muss für
eine solche Anlage, wo es ums Rangie-
ren geht. Alle anderen Kunden werden
an der Ladestraße bedient.

Und was ist mit Doppelaus-


fahrt?
Eingangs sprach ich von den typischen
Wunschträumen meines „Auftrag-
gebers“. Einen weiteren typischen Mo-
dellbahnertraum hatte er zwar nicht,
viele andere aber haben ihn: die Dop-
pelausfahrt. Klar sieht das toll aus,
wenn zwei Züge gleichzeitig Kopf an
Kopf aus dem Bahnhof herausfahren.
Wenn das beispielsweise in Alexisbad
an der Selktetalbahn im Harz zelebriert
wird, stehen die Eisenbahnfreunde (ich
sen parallel, die gestalterisch schwie- geht es nicht anders. Somit muss es auch) dort zu Hunderten, um zu foto-
rigste Stelle der Anlage. Ein schöner vielmehr darum gehen, diese ungewoll- grafieren, zu filmen und zu genießen.
Grundsatz lautet, dass eine Strecke te Parallelität zu kaschieren. Ist die An- Um diesen Effekt auf der Anlage zu
möglichst nicht ein zweites Mal durch lage in der zum Erbauer und Betreiber ermöglichen, müsste man den Einfahr-
die gleiche Szene führen soll – wenn es optimalen Höhe errichtet worden, wird bereich von Sieber etwas aufwändiger
sich nicht gerade um die Albulabahn er die ungewollte Parallelität jedoch planen (s. Abbildung links).
handelt. Aber grau ist alle Theorie, hier kaum wahrnehmen. Wer das unbedingt möchte, kann es
auch hier realisieren. Ich würde jedoch
davon abraten. Warum? Weil ich ein
Spielverderber bin? Nee, ganz im Ge-
genteil, weil ich intensiveres Spiel will.

Weniger ist (manchmal) mehr


Zunächst sei angemerkt, dass das Vor-
bild bei einer Stichbahn mit relativ
schwachem Verkehr vermutlich nicht
solch eine teure Weichenmassierung
einbauen würde. Kleine Bahnen waren
schon immer knapp bei Kasse – und
So etwa kann der Einfahrbereich von Sieber gestaltet werden, um gleichzeitige Ein- und Aus- der Lenz-Konzern war gar wegen sei-
fahrten (Doppelausfahrt!) zu ermöglichen. ner an Geiz grenzenden Sparsamkeit

80 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
berüchtigt. Aber auch wenn man dieses
Argument in den Wind schlägt, bleibt,
dass das sukzessive Ein- und Ausfah-
ren der hier kreuzenden Züge viel
spannender ist. Warum? Weil es genau
entsprechend den vereinfachten Fahr-
dienstvorschriften für Nebenbahnen
abgewickelt werden kann (bzw. muss).
Schauen wir noch einmal auf den auf
Seite 74 dargestellten Bildfahrplan,
und zwar gleich ganz oben auf den
P 05, der kurz vor acht Uhr in Herzberg
abgefahren ist. Er trifft ungefähr zeit-
gleich mit der von der Grube zurück-
kommenden Übergabegefahrt Ü 106 in
Sieber ein. Und da die beiden Züge
nicht gleichzeitig einfahren können, ist
im Buchfahrplan festgelegt, welcher
Zug als erster einfährt. Auf diese Weise
wird ein Drängeln vermieden. Im Bild-
fahrplan kann man die Reihenfolge
erkennen: Der P 05 hat Vorrang.
Natürlich kann es sich ergeben,
ziemlich leicht sogar, dass der Perso-
nenzug verspätet in Herzberg abfährt Gruben-Fiddleyard
und später als die Übergabe eintrifft
oder gleichzeitig mit ihr. Was dann?

Tröööööt – tröt – tröööööt


Alles geregelt. Es bleibt grundsätzlich
bei der im Fahrplan vorgesehenen Rei-
henfolge. Die Übergabe muss dann Auch wenn der originale Ladebunker der Königsgrube ein tolles Modell abgibt, wäre für die
eben vor der Trapeztafel ausharren, bis Anlage ein Bunkergebäude besser geeignet, in das die zu beladenden Wagen hineingedrückt
der Personenzug nun endlich doch ein- werden können.
gefahren ist. Hat der Lokführer der Hier ist mal wieder ein Loch in die Kellerwand geschlagen – auf dem Bildschirm geht das ganz
Übergabe gesehen, dass der andere leicht – und im Nachbarraum kann man die leeren Wagen mit Ladungen versehen.
Zug drin ist, gibt er noch einmal einen
Achtungspfiff ab. Nun wird er hoffent-
lich bald Antwort in Form des Signals gieren auf die Strecke ausgezogen wer- meiner blühenden Phantasie. In der
Hr 3, lang–kurz–lang, das der Trieb- den, ohne mit dem dort wartenden Zug schnöden Realität sind die Schienen
fahrzeugführer des Personenzuges auf in Tuchfühlung zu kommen. nie weiter als bis zum DB-Endpunkt
Geheiß seines Zugführers mit der Pfeife Und auch hier muss vorher geregelt Siebertal gekommen, wo sie heute
beziehungsweise hier mit dem Horn sein, welcher Zug als erster einfährt noch, teils von Erdreich bedeckt, vor
abgibt, erhalten. Und diesen Auftrag und dann den anderen hereinpfeift. sich hinrosten. Schade eigentlich, nicht
kann und darf der Zugführer erst ge- Idealerweise wird das sogar im Buch- wahr? Aber es hätte doch so gewesen
ben, wenn er den Fahrweg für die Ein- fahrplan festgehalten. sein können, oder?
fahrt des zweiten Zuges ordnungsge- So geht halt prototype freelancing,
mäß hergestellt hat. Will sagen, dass er Vorbildlich ohne Vorbild das schon erwähnt wurde: Eine Vor-
höchstpersönlich die entsprechenden bildstrecke so erfinden und begründen,
Weichen umgelegt hat. So, damit hoffe ich, dem geneigten Le- dass sie tatsächlich so existiert haben
Im Modell kann und sollte das genau ser den spannenden Betrieb auf dieser könnte.
so ablaufen, wobei es der Modellzug- wunderschönen Strecke im Harz nahe Aber einen Trost gibt es: Die Königs-
führer doch ein wenig leichter hat, als gebracht und ihn zudem überzeugt zu grube hat es in der Tat gegeben. Nur ist
der vorbildliche. Er kann von einer haben, dass es riesigen Spaß bedeuten das dort geförderte Baryt nicht per
Stelle aus alle Weichen legen, während kann, es dem großen Vorbild gleich zu- Bahn, sondern stets per Lkw nach Bad
sein 1:1-Kollege schon mal ein Stück tun. Lauterberg abgefahren worden. Und
rennen muss. Allerdings muss ich jetzt hinter vor- weil es sie gegeben hat, existieren in
Bei Zugkreuzungen in Paradies geht gehaltener Hand ein kleines Geständ- den bergbaulichen Archiven auch
das ebenso vonstatten. Hier stehen vor nis ablegen: So vorbildlich dieser Be- Zeichnungen. Unter anderem die des
beiden Einfahrweichen der Station die trieb wäre, ein wirkliches Vorbild hätte schönen Ladebunkers, der sich auf der
berühmten Trapeztafeln, und zwar in er nicht. Denn diese ganze schöne Sie- Modellbahn gewiss auch mit einem
gehörigem Abstand. So kann beim Ran- bertalbahn ist leider nur ein Produkt Gleisanschluss prima machen würde.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 81
Benndorf Asenburg

Coblenz Diefenberg

H2
H1
Autostellplatz dreidimensional umgenutzt vater in dieser Phase sein Modellbahn-
Hobby auch ziemlich gut weggepackt
hat. „Das kann doch jetzt nicht Thema

Doppelbödig in sein“, ist die vorherrschende Meinung.


„Wenn wir mal einen Sohn haben wer-
den, ist es früh genug, die Eisenbahn-

der Garage kartons vom Dachboden zu holen.“


Und dann kommt der Tag, an wel-
chem der junge Vater sein altes Hobby
wieder entdeckt und nun gerne eine
Nicht immer steht für das Hobby ein entsprechender Raum im Anlage bauen würde. Aber wohin da-
mit? Alle Zimmer sind verplant und
Haus zur Verfügung. Warum also nicht einmal andere Wege
belegt inklusive der Mansarden im aus-
gehen und das liebe Auto ausquartieren? Wie man die Räum- gebauten Dachgeschoss. Nur ein winzi-
lichkeiten einer Garage möglichst raffiniert nutzen kann, zeigt ger unisolierter Speicher ist übrig
geblieben, und der hat nicht einmal
der folgende Anlagenentwurf. Stehhöhe.

W enn ich so die Neubaugebiete in


meinem Umfeld ansehe, stelle
ich betrübt fest, dass inzwischen im-
nen, denn oftmals schaue ich mir sol-
che Neubauten genauer an und stelle
überrascht fest, dass es so eng mit dem
Tja, und einen Keller gibt es halt
auch nicht. So stehen eigenheimbesit-
zende Modellbahner häufig kaum bes-
mer mehr Einfamilien- und Doppel- Geld doch nicht her gehen kann. Da ser da, als Wohnungsmieter. Eigentlich
häuser ohne Keller gebaut werden. Der wird allerlei teurer Schnickschnack ist es eine Katastrophe. Aber nicht ver-
Grund ist klar: So ein Kelleraushub und eingebaut, die Dächer mit zahlreichen zagen, es gibt eine Lösung: die Garage.
der Bau des Kellers selbst gehen ins Vor- und Rücksprüngen und Gauben Eine Garage ist bei Weitem nicht so
Geld. Das ist wiederum knapp, wenn komplizierter und teurer gemacht als abwegig wie ein Keller. Einfamilien-
man als junge Familie ein Eigenheim nötig. Sieht aber eben schick aus. Das häuser haben eine (manchmal sogar
anstrebt. Sollte man zumindest mei- Problem ist, dass der junge Familien- zwei), entweder direkt am Haus oder in

82 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Linke Seite: Viele Modellbahner scheuen vor
dem Gedanken zwei Anlagenebenen überein- Schiebebühne
ander zu bauen zurück, weil sie befürchten,
dass sie keine der Ebenen richtig betrachten
und bedienen können. Mit der hier beschrie-

H1
benen Konzeption, die beiden Ebenen von Wendel 2,5-fach
unterschiedlichen Seiten zu bedienen, wird Steigung 4 % oder
dieses Problem elegant gelöst. 3,5-fach bei 3 %

einem Garagenblock. Und Letzteres


trifft häufig sogar für Mietskasernen zu.
„Na und“, höre ich hier und da grum-
meln, „eine Garage haben wir, klar.
Aber da ist das Auto drin. Dafür haben zur oberen
wir sie ja schließlich.“ Ebene
Wenn man einmal schaut, wie viele
Tausende von Autos problem- und
klaglos Sommer wie Winter ihre Näch-
te im Freien verbringen, dann fragt
man sich aber, wieso ausgerechnet die
Autos der Modelleisenbahner in einer
Garage stehen müssen. Ich sage nur
eines: Wir leben nicht in Indien. Bei
uns darf man heilige Kühe schlachten.
Also raus mit dem Pkw aus der Gara-

(
H2
ge, Wärmedämmung eingebaut, eine
normale Tür reingeschnitten und fertig
(
ist der Modellbahnkeller zu ebener
Erde.

H1
Aus diesem Grunde habe ich einmal
einen Anlagenplan für ein typisches EG
Garagenmaß entworfen. Wer einen
Keller oder anderen Raum mit ähnli-
chen Maßen hat, darf den Plan selbst-
GS
verständlich auch dort verwirklichen.

Modellbahner auf das Podest Coblenz


stellen
Meine Beispielgarage hat die lichten
Maße 5,60 x 2,85 m und ist 2,25 m
hoch. Das sind keine ausgedachten
Zahlen, das sind reale Maße aus einem
Prospekt für Fertiggaragen. In diesen
16 m2 respektive 36 m3 habe ich ein-
mal ein Konzept verwirklicht, das mir
schon lange im Kopf herumschwirrte:
eine doppelstöckige Anlage zur maxi-
malen Ausnutzung des Raumvolumens.
Da ich bei meinen beiden letzten Anla-
gen praktische und vor allem sehr po-
sitive Erfahrungen mit der Konstruk-
tion von Podesten machen konnte,
wollte ich herausfinden, welche ge-
winnbringenden Effekte sie in einer
solchen Garage haben könnten.
Garagentor verschlossen und abgedichtet/isoliert
Das Hauptproblem einer Doppel-
stockanlage (und der Hauptgrund, wes-
halb es so wenige gibt) ist, dass höchs- Auf der unteren Ebene haben wir rechts den wie ein Fiddleyard nutzbaren Zugspeicher, der
tens eine der beiden Ebenen auf opti- die große weite Eisenbahnwelt außerhalb der Garage darstellt. Wenn man dort seinen Zug
maler Betrachtungshöhe für den gestartet hat, kann man ihn von dem kleinen Stüfchen aus ein Stück weit fahren sehen, folgt
Modellbahner liegen kann. Da die bei- ihm aber nicht, sondern geht um die Anlagenzunge herum und sieht ihn wenig später in den
den Ebenen mindestens einen Abstand Spitzkehrenbahnhof Coblenz einlaufen.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 83
von 40 cm (licht!) haben müssen, bes- zu recken oder zu ducken. Die senk-
ser mehr, ist die untere in der Regel zu rechten hellgrünen Balken deuten die
niedrig und die obere zu hoch. Es gibt Hintergrundkulissen an. Bei dieser An-
aber eine tolle Möglichkeit, um dieses lage sorgen sie nicht nur für eine an-
Problem auszutricksen. Erstmals pub- sprechende Optik, sondern sie gehören
liziert hat das vor Jahrzehnten der in auch zur tragenden (beziehungsweise
Amerika berühmte Anlagenplaner hängenden) Konstruktion. Darüber hi-
John Armstrong, der leider vor einigen naus verwehren sie den Einblick von
Jahren verstorben ist. der jeweils falschen Seite.
An den beiden äußeren Anlagenflü-
Von verschiedenen Seiten be- geln an den Längswänden geht das na-
trachten türlich nicht, dennoch gibt es auch hier
je zwei Ebenen. Folglich muss das Be-
Armstrong hatte die Idee, beide überei- trachtungsproblem an diesen Stellen
nander liegende Ebenen einer Anlage anders gelöst werden.
nicht von der gleichen Seite, sondern
von verschiedenen Seiten aus zu be- Wichtig: der Zugspeicher in
trachten und zu bedienen. Passend zur Durch einige Sehschlitze kann man auch vom
optimaler Position
Höhe der Ebenen ließe sich nach Arm- rechten Gang aus das Geschehen im Bahnhof
strongs Gedanken auch der Fußboden Coblenz aus der Vogelschau betrachten. An der rechten Wand befindet sich auf
entsprechend angleichen, womit sich der unteren Ebene (s. Gleisplan S. 83)
für die betreffende Ebene eine jeweils fen. Der Beispielmodellbahner ist hier- der Zugspeicher Diefenburg. Ich benut-
optimale Höhe ergäbe. Und genau das auf doppelt abgebildet. Ein erstes Mal, ze lieber diesen Oberbegriff als das üb-
habe ich in meinem Garagenanlagen- wie er von links auf die untere Ebene liche Wort Schattenbahnhof. Schließ-
Entwurf zumindest bei der mittigen der Anlagenzunge sieht, und ein zwei- lich liegt diese Betriebsstelle nicht im
Anlagenzunge verwirklicht, hier geht tes Mal, wie er von rechts auf die obere Schatten, sondern ist frei sichtbar und
das nämlich am besten. Ebene blickt. Da der Fußboden im zugänglich. Die Amerikaner nennen
Um das zu verstehen, ist es gut, rechten Gang mittels eines Podestes das „open staging“ und die Briten sa-
gleich zu Beginn einen Blick auf die um gut 30 cm höher gelegt worden ist, gen bekanntlich „fiddle yard“, wenn
Schnittzeichnung auf Seite 82 zu wer- kann er das problemlos tun ohne sich man dort Züge nicht nur parkt, son-

84 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
dern auch bildet und/oder verändert.
Und genau so ein Open-staging-fiddle-
Dingsbums haben wir hier.
LS
Am stumpfen Ende des Zugspeichers
habe ich eine Schiebebühne einge-
zeichnet. Selbstverständlich wären
Wendel 2,5-fach
auch Weichen möglich, wodurch der
Steigung 4% oder
ganze Speicher jedoch um die Länge
3,5-fach bei 3%
der Weichenstraße nach rechts (in der
Grafik nach unten) rücken würde. Das
bringt jedoch einen bedeutsamen
Nachteil mit sich.
In der Ausführung mit der Schiebe-
bühne am Ende befindet sich der Zug-
speicher fast zur Gänze in dem Bereich,
in welchem das Podest noch nicht be- zur unteren
gonnen hat und der Modellbahner auf Ebene
dem originalen Garagenfußboden
steht. Von diesem Bereich aus kann er
den Bahnhof problemlos einsehen und
ihn wie einen Fiddleyard bedienen,
ohne sich allzu krumm zu machen.
Wenn er aber den auf der oberen EG
Ebene liegenden Bahnhof Asenburg be-
dienen will, geht er die drei kleinen

(
Stufen hinauf auf das Podest und hat
das Gleisfeld in passender Höhe vor GS
Asenburg
(
sich. Nur wenn er an den hintersten Kh
Teil von Asenburg gelangen will, muss
er auf ein Trittstüfchen steigen, das zu

EG

GS

Werk Benndorf

Wenn man Anlagenpläne nicht mit einem


CAD-Programm zeichnet, das die Linien-
längen angibt, kann man die Streckenlängen
auf dem ausgedruckten Plan mit einem Land-
karten-Entfernungsmesser ermitteln.

Linke Seite: So in etwa soll die Ecke wirken,


in die der violette Pfeil in der Skizze auf Sei-
te 83 weist. Der Reisezug kommt aus dem
Schattenbahnhof Diefenberg und läuft nun in
die Spitzkehre Coblenz ein. Da er „über
Kreuz“ einfährt, zeigt das andere Einfahrsig-
nal Hp 0. Die Trennkulisse verwehrt den Blick
in den anderen Gang und die dortige Szene- Im Gegensatz zur unteren Ebene (vgl. Abbildung Seite 83) ist hier die Trennkulisse an der An-
rie. Die obere Etage kann von diesem Stand- lagenzunge links, sodass der Bahnhof Benndorf vom Podest im rechten Gang aus auf optima-
punkt aus nicht eingesehen werden, nur vom ler Höhe bedient werden kann. Zwischen Benndorf und der Wendel beträgt die Durchgangs-
anderen Gang aus. Und das ist auch so ge- höhe gut 170 cm. Der links eingezeichnete Industrieanschluss ist optional: betrieblich äußerst
wollt. bereichernd, aber gestalterisch problematisch.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 85
Dieses Streckenschema ähnelt doch sehr dem der Luttergrundbahn (s. S. 88). Deswegen kann Was muss, das muss
auch das meiste dort über den Betrieb Gesagte, hier angewendet werden.
Diese Wendel ist unverzichtbar, sofern
diesem Zweck unter dem Fiddleyard rechten Gang, liegt Coblenz allerdings wir im nächsten Bahnhof, das ist Benn-
steht und an die jeweils passende Stel- hinter der Trennkulisse. So ein Pech dorf, in der richtigen Höhe ankommen
le gerückt werden kann. Alternativ sind aber auch! möchten und die Strecke bis dahin kei-
auch fest angebrachte abklappbare Diesen misslichen Effekt können wir ne Zahnradbahn sein soll. Während der
Stufen denkbar. auf zweierlei Weise austricksen. Ent- Zug in der Wendel herumrödelt, haben
An der linken Längswand sind die weder wir folgen dem Zug von Diefen- wir ausreichend Zeit, leicht geduckt un-
beiden Ebenen etwas tiefer gesetzt (in berg aus nicht, sondern verbleiben im ter der Brücke hindurch in den rechten
der Abbildung auf S. 82 gut zu erken- Bereich des Treppchens am Anfang des Gang zu wechseln und der Fuhre am
nen), was auch die Betrachtung der Podests und schauen ihm nur sehn- Ende des Tunnels aufzulauern.
oberen Ebene vom Normalfußboden süchtig hinterher, wie er sich durch die Nun zelebrieren wir die Einfahrt in
aus ermöglicht. Sie hat eine geringere ferne Landschaft schlängelt und den Benndorf – wobei wir gemächlichen
Tiefe, damit sie den Blick auf die untere Blicken entschwindet. Dann brauchen Schrittes wieder die drei Stufen zum
Ebene nicht verdeckt. Auf ihr befindet wir nur einen einzigen Schritt zu ma- Podest hinauf steigen – und bringen
sich an dieser Stelle jedoch nur freie chen bis zum Kopfende des Bahnhofes den Zug passgenau zum Halten, sodass
Strecke. Hier gibt es nichts zu bedie- Coblenz und sehen unseren Zug leib- die Lok exakt neben dem Wasserkran
nen, nur zu schauen, wie der Zug durch haftig dort einlaufen. zum Stehen kommt. Schließlich sind
die Landschaft fährt. Nun ist der Trick Konnten wir jedoch dem Reiz nicht wi- nach der langen Bergfahrt die Wasser-
mit den zwei Ebenen kein Zweck, son- derstehen und sind unserem Zuge von kästen so gut wie leer. Nach kurzem
dern ein Mittel. Genauer gesagt das Diefenberg aus bis ans Ende des Ganges Halt beziehungsweise der Ankunft ei-
Mittel, um auf verhältnismäßig engem (in der Garage, nicht in Indien!) gefolgt, nes eventuellen Gegenzuges geht die
Raum zu einer möglichst langen Stre- erlauben uns einige in passender Höhe Fahrt nochmals weiter durch die große
cke mit möglichst vielen Betriebsstellen eingebrachte Sehschlitze in der Trennku- Kehre am Gangende bis zum Endbahn-
zu kommen. Schauen wir uns diese lisse dennoch einen Blick auf den in Co- hof Asenburg.
Strecke einmal an. blenz einlaufenden Zug (s. Abbildung S. Na, das war doch eine ordentliche
84 oben). So können wir ihn auch von Tour, oder? Ich wollte es genau wissen
Zugverfolgung in der Garage dort aus mit dem Handregler an der rich- und habe nachgemessen und gerech-
per PAN und per Peep-Show tigen Stelle zum Halten bringen. net: Von Diefenberg bis Coblenz (je-
Coblenz ist ein Spitzkehrenbahnhof. weils Bahnhofsmitte bis Bahnhofsmitte
Wir starten mit einem beliebigen Zug Und wenn unser Zug angenommener- gemessen) sind es 7,9 m, von Coblenz
in Diefenberg. Gleich am Ende des Zug- maßen ein Reisezug ist, braucht er bis Benndorf 12,5 m plus zwei Vollkrei-
speichers fährt er durch eine Kulisse in nicht zu rangieren. Lediglich die Lok se in der Wendel à 3,8 m, insgesamt
den gestalteten Teil der Anlage (s. Ab- muss ans andere Ende umsetzen, wie also knapp 20  m. Die Strecke von
bildung S. 83, dort rechts unten mit das so ist bei Spitzkehren. Benndorf bis Asenburg schlägt noch
grüner Umrandung). Wir könnten dem Schon kann die Reise weitergehen. einmal mit 7,9 m zu Buche, alles zu-
Zug jetzt folgen (PAN), aber das lohnt Jetzt gibt es aber nichts, was uns an sammen also nicht ganz 36 m. Bei ei-
nicht wirklich, denn schon nach zwei- der direkten Begleitung unseres Zuges ner Fläche von 16 m2 kein schlechter
einhalb Metern wird er in der Kehre (PAN) hindert. Nach der großen Kehre Wert, wie ich finde.
vor dem Garagentor in einen Tunnel geht es in mäßiger Schlängelung an der Nochmal zurück zum Design dieser
einfahren – und weg ist er. Gleich im linken Garagenaußenwand entlang, bis Anlage. Ihr Haupt-Clou ist unzweifel-
Anschluss läuft der Zug in Coblenz ein. der Zug durch einen Tunnel in die Wen- haft die doppelstöckige Zunge in der
Von unserem Standpunkt aus, dem del entschwindet. Mitte mit den beiden übereinander lie-
genden Bahnhöfen Coblenz und Benn-
dorf. Die Tatsache, dass sie von ver-
schiedenen Seiten zu betrachten sind,
war ja kein simpler Gag, nur um es mal
anders zu machen als die anderen.
Vielmehr konnte so der beabsichtigte

Zwei denkbare Vorbildstrecken für die Gara-


genanlage, die ein (links) im Schwarzwald,
die andere im Thüringer Wald. In dieser Ge-
gend liegt auch die virtuelle Luttergrund-
bahn, die im nächsten Kapitel beschrieben
wird. Deren Stationen werden aus dieser
Karte verständlich.

86 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Effekt erreicht werden, dass dank Po- der sichtbaren Strecke von Benndorf Zum Abschluss noch ein kurzer Hin-
dest im rechten Gang jeder Bahnhof in bis zur Einfahrt in die Gleiswendel ge- weis zum „Werk“ im Plan der oberen
der optimalen Höhe über dem Fußbo- wonnen werden. Sollten übrigens 4 % Ebene links (siehe auch die große Abbil-
den positioniert werden konnte. Es gibt zu steil erscheinen, könnte man der dung auf Seite 85): Bei einer Dreifach-
aber noch einen weiteren Vorteil: Bei Wendel eine weitere Umdrehung spen- wendel könnte dieser Industriean-
normalen Doppelstockanlagen ist es dieren. Dann kommt sie mit 3 % aus. schluss gleich aus der obersten Wendel-
sehr misslich (aber oft nicht zu vermei- Aber bei den relativ bescheidenen ebene ausgefädelt werden und hätte
den), dass zwei Bahnhöfe genau über- Zuglängen, die diese Anlage erlaubt, dann noch genügend Höhendistanz zur
einander liegen. Wenn dann gerade in sind 4 % mit den meisten H0-Lokomo- darunter liegenden Strecke. Betrieblich
beiden Bahnhöfen Zugkreuzungen tiven problemlos zu schaffen. Auch würden die Bedienungsfahrten eine
stattfinden, wollen bis zu vier Spieler spart man sich auf diese Weise die län- Menge Abwechslung bringen, allerdings
an der gleichen Stelle stehen. Haben sie gere Wartezeit vor dem Tunnelportal. auf Kosten der freien Gestaltungsmög-
dann noch keine Funk-Handregler, Betrachtet man noch einmal die Ab- lichkeiten an der unteren Strecke. Hier
sondern solche am Kabel, werden diese bildungen mit den Querschnitten auf gilt die persönliche Präferenz.
Strippen bald zu einem chinesischen den Seiten 82 und 84, wird man feststel-
Wuhlingstek verknotet sein. Bei dem len, dass der lichte Raum über dem Und der Betrieb?
hier gezeigten Konzept ist dieses Prob- Bahnhof Benndorf niedriger ist, als der
lem entschärft. über Coblenz. Das kann man natürlich Den Betrieb male ich dieses Mal nicht
durch ein leichtes Absenken von Benn- aus. Die Streckenkonfiguration ähnelt
Hochprozentiges dorf ausgleichen. Dabei ist allerdings zu sehr derjenigen der Luttergrundbahn
bedenken, dass dadurch auch die Duck- im nächsten Kapitel – und alles, was
Die Wendel habe ich mit zwei Vollkrei- passage unter der Verbindung vom dort über Fahrplanbildung und Be-
sen angesetzt, was insgesamt zweiein- Bahnhof Benndorf zur Wendel niedriger triebsabläufe gesagt wird, kann hier
halb Umdrehungen einträgt. Bei einer wird. So wie gezeichnet beträgt dort die mit Anpassungen auch angewandt
Steigung von 4 % beträgt der Höhenge- lichte Durchgangshöhe 172 cm. Ein Mo- werden. Und wie den Karten auf der
winn rund 38 cm. Die fehlenden 14 bis dellbahner mit 180 cm Größe muss sich vorherigen Seite zu entnehmen ist:
15  cm an der nötigen Höhendistanz also nur leicht ducken. Wer aber kürzer Zwei geeignete Vorbildstrecken, also
zwischen den Bahnhofsflächen von Co- gebaut ist, mag auch Benndorf etwas Stichbahnen mit Spitzkehre, habe ich
blenz und Benndorf müssen schon auf niedriger positionieren. auch herausgesucht. Also, wer baut’s?

MIBA-SPEZIAL
Die Spezialisten
Güter auf der Modellbahn sind ein Dauerthema. Dabei stehen Güterwagen
ebenso im Fokus wie Ladungen, Ladestellen und Anschlussgleise, Güterbahn-
höfe und der Rangierbetrieb. Spannend wird es, wenn Güterwagen ihrem
Verwendungszweck entsprechend zu verteilen sind. Rohstoffe und Energie-
träger wie Kohle und Öl sind anzuliefern, Halbzeuge und fertige Produkte
abzuholen.
Wofür werden welche Güterwagen benötigt? Wie werden sie be- oder ent-
laden? Welche Szenerien lassen sich mit Funktionsmodellen beleben? Wie
sehen echte „Betriebsspuren“ aus, die durch vorbildgerechten Güterver-
kehr verursacht werden? Dies sind nur einige der Fragen, auf die es in
dieser Spezial-Ausgabe der MIBA-Redaktion Antworten gibt.

MIBA-Spezial 93: Güter auf die Bahn!


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Vorbildgerechte Anlagen-Planung 87
Hauptbahnhof

Haltepunkt

Endbahnhof Links: So sah der Gleisplanentwurf aus, den ein gewisser Gisbert
in einem Modellbahnforum zur Diskussion stellte. Daneben der
auf Wunsch des Autors nachgereichte Raumplan.

fand, dass ein U am ehesten den Raum


Eine Stichbahn am Westrand des Thüringer Waldes ausnutzen und zugleich generelle Er-
reichbarkeit bieten würde. Ein U also

Die Luttergrundbahn mit Eingang an der linken ausgeknab-


berten Spitze.
Gisberts „Hauptbahnhof“ gefiel mir
noch am ehesten im Originalentwurf.
Im Internet gibt es neben viel Unsinnigem auch viel Interessan- Der erinnerte mich sehr an den von
tes zu entdecken: In einem Modellbahnforum stellte ein User mir entworfenen Bahnhof Bontkirchen
(s. Kapitel „Briloner Waldbahn“). Wie
seinen Anlagenentwurf zur Diskussion. Auf dieser Grundlage
jener hat er steile Weichenwinkel, aber
entstand ein Anlagenplan, der den ursprünglichen noch um viele wie soll man sonst auf so kleiner Fläche
weitere Betriebsmöglichkeiten bereicherte. einen brauchbaren Bahnhof hinkrie-
gen? Ich verpasste dem ehemaligen

W er viel unterwegs ist, kann be-


kanntlich viel erleben. Das gilt
auch, wenn man in einem Modellbahn-
wogen haben, diese merkwürdige
zehneckige Anlagenform zu wählen?
Ich postete eine Antwort und bat um
Hauptbahnhof den Namen Brotteruhla,
das ist eine Verquickung von zwei Orts-
namen aus dem Thüringer Wald.
forum unterwegs ist, speziell in einem einen Raumplan. Der kam dann auch
Anlagenplanungsforum. Da tauchte ei- postwendend. Und ich war noch ver- Schon wieder eine Spitzkehre!
nes schönen Tages der oben gezeigte dutzter, als beim ersten Anblick des
Anlagenentwurf auf, mit der üblichen Anlagenentwurfes. Irgendwie schien Ja, irgendwie scheint es Spitzkehren zu
Bitte um Optimierungsvorschläge. Wie- das nicht zusammenzupassen. regnen. Aber hier drängte sich diese
der so ein Dingens ohne Namen, nicht Offenbar waren zwischenzeitlich Mö- Lösung wirklich auf. Der untere Schen-
mal die Bahnhöfe hatten welche. Und bel gerückt worden, zumindest auf dem kel des Us ist derart schmal und läuft
was für ein „Hauptbahnhof“! Mit derart Bildschirm, denn die im Prinzip drei- auch noch spitz zu, da muss man
hingequetschten Bahnsteigen. Ich woll- eckige Fläche korrespondierte nur im zwangsläufig an der gleichen Seite aus
te schon weiter klicken, weil der Ent- oberen Breitenmaß mit dem Original- dem Bahnhof herausfahren, an der
wurf doch arg bizarr und spielzeughaft plan. Aber gerade dieses Dreieck, dem man rein gekommen ist. Liebenstein-
aussah. Im letzten Augenblick erkannte sogar noch links oben eine Ecke ausge- bach, so heißt der Bahnhof bei mir, ist
ich aber noch, dass sich hinter den knabbert war, reizte mich, forderte wieder so eine Verquickung von zwei
wundersamen Kringeln doch tatsäch- meine Kreativität heraus. Da sollte Ortsnamen, ebenfalls aus den Tiefen
lich ein point-to-point-Plan verbarg. doch irgendetwas Gescheites möglich des Thüringer Waldes. Wenn Lieben-
Das war der Moment, in welchem ich sein. steinbach also nicht schon das Ende
ein gewisses Kribbeln in den Fingern Eine flächige Anlage mit diesen Aus- der Reise bedeuten soll – und das wäre
spürte, die gerne etwas zeichnen woll- maßen schied von vornherein aus. Da nun doch arg wenig – dann kommen
ten. Aber was mochte den Planeinrei- würden große Bereiche außerhalb der wir hier um eine Spitzkehre nicht
cher, Gisbert nannte er sich, wohl be- maximalen Eingreiftiefe bleiben. Ich drumrum.

88 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
Brotteruhla ±0

-22
Bad Salzingen
Schattenbhf/Fiddleyard
unter Brotteruhla

Liebensteinbach

-6
Wendel 2,5
Umdrehungen

Um die zur Verfügung stehende Fläche optimal auszunutzen und doch


überall Eingreiftiefe zu gewährleisten, bot sich die Bildung eines zusam-
menlaufenden U förmlich an. Und wenn man mehr will als die kurze
U-förmige Verbindung zwischen den beiden dargestellten Bahnhöfen,
dann kann es eigentlich – wieder einmal – nur per Spitzkehre weiter-
gehen. Die Pfeile zeigen die Richtung der Steigungen an.

Und wohin kann es bei der Verlänge- sechs Zentimeter tiefer liegen als Brot- zweieinhalb Umdrehungen also
rung der Strecke gehen? Hinunter in teruhla. Und dann? 550 cm. Und da das Gefälle anschlie-
die Schattenwelt natürlich, denn oben Ich bin zwar eigentlich kein großer ßend noch fortgesetzt werden kann,
ist schon alles voll. Unter Brotteruhla Freund von Wendeln. Auf ihnen sind kommen wir tatsächlich bei -22 cm in
kann gut ein Zugspeicher gebaut wer- Züge relativ lange unterwegs, ohne Bad Salzingen an, vielleicht sogar noch
den, den ich Bad Salzingen genannt. dass man sich an ihrem Anblick erfreu- ein wenig tiefer. Dann kann man im
habe. Am besten legt man ihn so an, en kann. Sie produzieren dann nichts Fiddleyard auch „fiddlen“.
dass man eingreifen und die Zugzu- als Lärm. Ich würde Wendeln also ver-
sammensetzungen ändern kann, als meiden, wo es irgend geht. Hier geht es Betrieb? Ja, Betrieb, und wie!
Fiddleyard also. Der sollte aber min- aber beim besten Willen nicht, wenn
destens zwanzig Zentimeter unterhalb ich bis Bad Salzingen noch sechzehn Wenn wir uns nun anschicken, über die
von Brotteruhla liegen, sonst wird es Zentimeter tiefer kommen will. Es hilft betrieblichen Möglichkeiten dieser klei-
nichts mit dem „Fiddlen“. alles nichts, hier muss eine Wendel hin. nen Anlage nachzudenken, fällt uns
Die reine Fahrstrecke zwischen Brot- Bei gut 70  cm Kreisdurchmesser zuerst eine Betriebspflicht auf: das Um-
teruhla und Liebensteinbach ist aber (mehr liegt leider nicht drin), bringt setzen in Liebensteinbach. Dieser
nur gut zwei Meter lang, wie soll man eine Umdrehung ca. 220 cm Länge, bei Bahnhof ist nicht so eine easy-Spitz-
da die angestrebte Höhendistanz zu-
sammen bekommen? Bei einer noch Quasi das Grundkonzept einer betriebsintensiven Kleinanlage: Fiddleyard-Spitzkehre-End-
gut vertretbaren Maximalsteigung von bahnhof. Da kann sich ein Modellbahner gut austoben, aber erst mit zwei Spielern kommt das
3,5  % kann Liebensteinbach schon System so richtig auf Touren.

,IEBENSTEINBACH
"ROTTERUHLA
"AD3ALZINGEN

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 89
Ich weiß, kleine Bws sind äußerst be-
liebt, aber betrieblich eher redundant.
Ein Kunde, der regelmäßig Wagenla-
dungen erhält oder versendet, bringt
,IEBENSTEINBACH uns mehr.

A Liebensteinbacher Variationen
Im Anlagenplan auf S. 89 oben ist im
Spitzkehrenbahnhof Liebensteinbach
eine gestrichelte Verbindungskurve von
Gleis 2 zur Strecke nach Bad Salzingen
B eingezeichnet. Gestrichelt deshalb, weil
sie mit gewöhnlichem Gleismaterial
kaum zu verwirklichen sein dürfte.
Dazu ein offenes Wort unter uns Pasto-
Dass dieser Anlagenvorschlag rentöchtern:
Hand und Fuß hat, dessen bin ich mir ohnehin sicher. In den meisten Anlagenbüchern wer-
Das mit dem Fuß wird jedenfalls in dieser Abbildung mit den zwei Varianten von Liebenstein- den die Gleispläne mit Stückgleisen ei-
bach bewiesen. Die betrieblichen Erweiterungen sind in beiden Varianten gleich, in der Vari- nes der geläufigen Gleissysteme ge-
ante b ist der „Weichenverhau“ etwas weniger kompliziert. zeichnet, sei es nun RocoLine, Peco,
Märklin-C-Gleis oder was auch immer.
kehre wie Surlejs bei der Minas da schung von Wernshausen, Immelborn Ich habe darauf nicht nur ganz be-
Fier-Bahn oder Sieber bei der Sieber- und – der Name suggeriert es schon – wusst, sondern auch aus Prinzip ver-
talbahn, wo nur manchmal umgesetzt Bad Salzungen. Die drei eingezeichne- zichtet. Erstens würde so ein Vorschlag
werden musste. Hier immer! Hier wer- ten Stumpfgleise wären die Minimal- niemandem nützen, der auf ein ande-
den im Laufe eines Fahrplantages ausstattung, es darf aber auch gern res Gleissystem festgelegt ist. Und
mehrfach Züge kreuzen, und stets müs- etwas mehr sein. zweitens bin ich der Ansicht, dass der-
sen beide beim Kopfmachen auch die Dann die als Spitzkehre ausgeführte jenige, der ein richtiger Modellbahner
Lokomotive ans andere Ende bekom- Mittelstation Liebensteinbach. Spitz- ist oder werden möchte, zumindest den
men – sofern wir uns nicht mit Wende- kehren sind für den Thüringer Wald kreativen Umgang mit Flexgleis be-
zügen an dieser Aufgabe vorbeischum- nun gar nichts Ungewöhnliches, ich herrschen oder erlernen sollte. Der ur-
meln. sage nur Lauscha. Ein Blick in einen sprünglich von Gisbert eingereichte
Nun stellt sich nämlich wirklich die historischen Eisenbahnatlas bringt ei- Gleisplan (s. S. 88 links) schreit gerade-
prinzipielle Gretchenfrage: Bist du ein nige weitere zu Tage. Verläuft die erste zu danach.
Umsetzer oder nicht? Wenn jemand Streckenhälfte bis hierher noch weitge- Der generelle Gleisselbstbau, wie er
gar kein Freund dieses elaboraten, für hend im Untergrund, liegt die zweite zum Beispiel in den USA unter angese-
die Eisenbahn so urtypischen Vorgan- bis zum Endbahnhof ganz im Freien henen H0-Modellbahnern üblich ist,
ges ist, sollte er vielleicht doch besser und darf mit typischen bewaldeten macht hierzulande wenig Sinn. Das
ein anderes Anlagenkonzept wählen. Bergen des Thüringer Waldes umgeben Hightech-Gleis unserer Bahnen ließe
Hier wird er nicht glücklich, der richti- werden. selbstgenageltes Gleis schlicht falsch
ge Umsetzer wird es hier umso mehr. Anders als bei der Siebertalbahn, bei aussehen. Die ehrenwerten Kollegen
Über die Vorgänge in Liebenstein- der die obere Strecke eher ein betrieb- von H0pur, die zeigen, dass es doch
bach wird – inklusive einiger Varian- licher Wurmfortsatz ohne Umsetzmög- geht, haben – soweit ich weiß – noch
tenvorschläge – noch ausführlich zu lichkeit am Ende war, hat diese Strecke keine Anlage mit 50 laufenden Gleis-
reden sein. Aber schauen wir uns zu- mit Brotteruhla einen ausgewachsenen metern und 25 Weichen gebaut. Mei-
nächst einmal das System als Ganzes Endbahnhof. Hier muss wiederum um- den sollte man meines Erachtens Gleis-
an, so wie es als stilisiertes Anlagen- gesetzt werden und allerlei Rangierauf- systeme, die mit nichts anderem kom-
schema auf S. 89 unten dargestellt ist. gaben harren der Ankunft eines Nah- patibel sind. Das gilt in der Regel für
Im Grundsatz nichts Neues, ganz ähn- güterzuges. Welche Funktion den ein- alle Systeme mit Gleisbettung.
lich wie das System Siebertalbahn (s. zelnen Stummelgleisen zugewiesen Bei Systemen ohne Bettung kann
S.  72): Fiddleyard-Spitzkehre-End- und welche Bahnkunden dort angesie- man normalerweise Elemente, insbe-
bahnhof. Das ist sozusagen das Grund- delt werden, kann nach individueller sondere Weichen diverser Systeme, in
konzept einer Kleinanlage, auf der für Präferenz entschieden werden. Des- gewissem Rahmen mischen. Grenzen
einen oder auch für zwei Spieler inten- halb ist im Plan auch nichts Konkretes sind hier Differenzen der Schienenpro-
siver Betrieb stattfinden soll. eingezeichnet worden. Aber ich denke, file und zum Teil auch der Schwellen-
ein ordentliches Sägewerk mit hoher dicke. Das kann ein geschickter Bastler
Betriebskonzept im Einzelnen Bretterproduktion würde sich im Thü- jedoch überbrücken.
ringer Wald sicher gut machen. Zurück nach Liebensteinbach. Damit
Der Fiddleyard stellt hier bei der Lut- Der eingezeichnete kleine Lokschup- die Spitzkehre optimal funktioniert, ist
tergrundbahn den an der Hauptstrecke pen ist ebenfalls optional und kann es wünschenswert, von beiden Stre-
Eisenach-Meiningen gelegenen An- auch an eine andere Stelle platziert ckenästen nach Gleis  1 und nach
schlussbahnhof dar, eine virtuelle Mi- werden, gegebenenfalls auch entfallen. Gleis 2 einfahren und von dort ausfah-

90 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
ren zu können. Das führt dann bei den In der Abbildung auf S. 90 habe ich
beengten Verhältnissen zu der hosen- deshalb zwei Vorschläge gezeichnet,
trägerartigen Gleisverbindung mit ei- wie man diesen Bahnhof noch ein we-
ner gebogenen Kreuzung, die es so nig aufpeppen könnte. Aber da wird
nicht zu kaufen gibt. das Problem individueller Weichenver-
Bei Weichen und Kreuzungen ohne legung noch markanter. Im Vorschlag a
Bettung kann man den Schwellenrost ist eine doppelte Kreuzungsweiche mit
teilweise aufschneiden und das Teil recht steilem Weichenwinkel sowie
dann bis zu einem gewissen Grad ver- eine weitere Kreuzung hinzu gekom-
biegen. Wer es sich selbst nicht zutraut, men. Ein gefundenes Fressen für den Sofern man Doppelausfahrten anstrebt, emp-
kann andere Modellbahner ausfindig kreativen Gleisbauer, aber vermutlich fiehlt es sich, das auch im Bildfahrplan so
machen, die es können – oder Rückgriff für die meisten zu kompliziert. Der Vor- vorzusehen. Abweichend zum Bildfahrplan
auf professionelle Weichenbauer neh- schlag b versucht, die gleichen betrieb- sähe die Kreuzung zwischen dem P 103 und
men, von denen es einige gibt. lichen Möglichkeiten mit etwas weni- dem P 104 dann so aus, wie hier eingezeich-
Damit nicht genug. So wie im Anla- ger kompliziertem Gleisbild zu errei- net.
genplan S. 89 oben gezeichnet, hat Lie- chen.
bensteinbach außer den beiden zum Musste man in Vorschlag a das Frei- Praktischerweise sollte die Lok des zu-
Kreuzen notwendigen Bahnsteigglei- ladegleis als Ziehgleis benutzen, um erst eingefahrenen Zuges schon umge-
sen nur noch das lange stumpfe Gleis 3, den Anschluss neben der Brotteruhla- setzt haben, bevor der zweite einfährt.
das zum Beispiel als Freiladegleis eti- her Strecke zu bedienen, ist es im Vor- Der setzt dann um, wenn der erste
kettiert werden kann. Insofern gibt es schlag b genau umgekehrt. Hier zieht schon wieder fort ist.
hier arg wenig zu rangieren. man zum genannten Anschluss hinaus Ist einer der beiden kreuzenden Züge
und drückt dann nach Gleis 3 zurück. der Nahgüterzug, muss man sich das
Procedere sehr genau überlegen. An-
Es wird ernst: Fahrplanbetrieb dernfalls könnten sie sich gegenseitig
„erwürgen“. Prinzipiell sollte der Nah-
Für die Luttergrundbahn einen Fahr- güterzug als zweiter ankommen. Dann
plan zu erstellen, sollte bei allem Ernst hat er nach Abfahrt des anderen Zuges
ein Vergnügen sein. Mein Vorschlag freies Feld und kann den gesamten
wäre, zwei Varianten zu erstellen. Zum Bahnhof nach Lust und Laune bezie-
Beispiel einen Sonntagsfahrplan für hungsweise nach Bedarf nutzen.
den einzelnen Spieler, der mit ein paar Vermutlich dauert das Rangierge-
Personenzügen, die an drei Stellen schäft so lange, bis der nächste Perso-
Kopf machen müssen, eine Weile aus- nenzug fällig ist. Folglich wäre es gut,
gelastet sein dürfte, und einen Werk- wenn der Nahgüterzug bis dahin ab-
tagsplan für zwei betriebsversessene fahrbereit steht. Falls das nicht zu
Modellbahner. schaffen war, dann, ja dann ist guter
Hier empfiehlt es sich vielleicht, den Rat teuer. Irgendwie muss ja in dem
grafischen Fahrplan der Siebertalbahn kleinen Bahnhof nun der Personenzug
(s. S. 74) noch einmal anzuschauen und umsetzen und der Güterzug muss den
als Basis zu nehmen. Im Unterschied dafür benötigten Platz schaffen. Das
zum Siebertalbahnfahrplan sollten hier heißt, er muss die Gleise 1 und 2 kom-
bei der Luttergrundbahn jedoch die plett räumen. Notfalls muss er geteilt
beiden Streckenäste in etwa gleich und einzelne Wagengruppen müssen
stark frequentiert sein, denn im Prinzip an verschiedenen Stellen geparkt wer-
bedienen alle Züge die ganze Strecke. den, etwa auf dem Verlängerungsstum-
mel von Gleis 1 sowie auf Gleis 3.
Ramba-Zamba in Liebenstein-
bach Was ist mit Doppelausfahrt?
Spannend wird es beim konkreten Be- Die Frage musste ja kommen. Wenn
trieb immer dann, wenn die Züge sich schon so ein Hosenträger wie in der
in Liebensteinbach treffen. Durch die Abbildung auf S. 90 gezeichnet exis-
Asymmetrie des Systems – der untere tiert, dann hat man doch – wenigstens
Streckenabschnitt ist durch die Wendel einmal am Tag – einen Anspruch auf
wesentlich länger – wird der von Bad eine Doppelausfahrt, oder? Dazu gibt
Salzingen kommende Zug in der Regel es zwei Möglichkeiten. Entweder ist ei-
So könnte etwa ein Bildfahrplan für die Lut- später eintreffen, als der von oben ner von zwei kreuzenden Personenzü-
tergrundbahn aussehen. Viereinhalb Perso- kommende. Und das ist auch gut so. gen ein Wendezug oder Triebwagen.
nenzugpaare am Vormittag plus ein Nahgü- Zwar könnten sie, wenn die Gleisver- Wenn sie dann über Kreuz eingefahren
terzugpaar, das ist schon ein recht dichter bindungen so wie in der Abbildung auf sind – das ist Voraussetzung – können
Fahrplan. Dabei sind in Liebensteinbach fünf S. 90 gezeichnet liegen, gleichzeitig ein- sie parallel ausfahren: Wow! Der ande-
Kreuzungen abzuwickeln. fahren, aber sinnvoll wäre das nicht. re Fall wäre, wenn der weiter oben be-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 91
Zugspeicher müssen nicht im Schatten liegen.
Ein offener, frei zugänglicher Zugspeicher in einem
Nebenraum ist einem Schattenbahnhof betrieblich haushoch
überlegen. Hier hat der Modellbahner von seinem Hausrecht Ge-
brauch gemacht und ein Loch in die Wand gestemmt, durch die es in
sein Arbeitszimmer geht. Das hat betrieblich große Auswirkungen.

schriebene Nahgüterzug fertig gereiht und der Raum links nebenan wäre
auf Gleis 3 (inklusive der Verlängerung mein Arbeitszimmer. An der oberen
als Anschlussgleis) abfahrbereit steht Wand steht mein Bücherregal. Das ist
und nach dem Umsetzen des kreuzen- zwar gut gefüllt, aber wenn ich an einer
den Personenzuges nach Gleis 2 um- anderen Wand noch ein weiteres Regal
setzt. Dann könnte, vorausgesetzt es ist errichte, was ohnehin bald fällig sein
ein talfahrender Güterzug, mal wieder würde, dann könnte doch …
eine Doppelausfahrt zelebriert werden. Eben, dann könnte ich bei diesem
Wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ersten Regal ein Fach frei räumen und
ein Schienenweg. darauf einen Fiddleyard installieren.
Etwa so ähnlich wie der der Minas da
Darf es ein bisschen mehr sein? Fier-Bahn im benachbarten Keller-
raum. Ja, da wäre wieder ein Loch in
Eigentlich kann man mit den betriebli- die Wand zu bohren, aber darüber
chen Möglichkeiten, welche die Lutter- habe ich mich ja schon ausgelassen (s.
grundbahn auf der kleinen zur Verfü- S. 60).
gung stehenden Fläche bietet, recht Und was wäre gewonnen? Dass der
Loch durch die Wand geht nicht? Der Verfas- zufrieden sein, oder? Fiddleyard Bad Salzingen zwei Meter
ser gehört nicht zu den Leuten, die nur ande- Aber ich wäre kein richtiger Modell- weiter rückt? Dafür die ganze Arbeit
ren gute Ratschläge geben. Hier einer der bahner, wenn ich nicht immer auf dem und den Staub? Vermutlich hat der ge-
beiden Tunneldurchbrüche seiner Anlage. Na- Quivive wäre, zu schauen, ob ich nicht neigte Leser schon eine Ahnung, was
türlich ausgerechnet durch die dickste Wand irgendwie noch etwas mehr aus der ich im Schilde führe. Genau: Wenn die
des Hauses, die aber glücklicherweise nicht Anlage herauskitzeln könnte. Ich stelle Wendel zwei weitere Windungen er-
aus Beton war. mir also vor, dies wäre meine Anlage hielte, würde sich die Höhendifferenz

"AD3ALZINGEN !LTENSTEIN ,IEBENSTEINBACH "ROTTERUHLA

Das neue verlängerte System Luttergrundbahn. Prozentual ist die Verlängerung eher gering, aber nun gibt es zwischen dem Fiddleyard und
dem Endbahnhof zwei Kreuzungsbahnhöfe. Das wird weitreichende betriebliche Konsequenzen haben.

92 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
zwischen dem Fiddleyard und dem da- Wenn an die Strecke
rüber liegenden Bahnhof um weitere angebaut wird, muss
13 cm vergrößern, dann also ca. 35 cm auch an den Bild-
betragen. fahrplan angebaut
werden (vgl. Abbil-
35 cm, nicht schlecht dung S. 91). Im We-
sentlichen wurden
35 cm Höhendifferenz würden es er- alle Züge aus dem
lauben, unter Brotteruhla statt eines ersten Fahrplan bei-
Fiddleyards einen richtigen ausgestal- behalten und nur
teten Bahnhof zu installieren. Der von und bis in den
könnte dann zum Beispiel Altenstein Fiddleyard verlän-
heißen. Kenner der Gegend werden gert. Das hat zu zwei
wissen, dass das der Name eines dort neuen Kreuzungen in
gelegenen Schlosses ist. Ich erlaube Altenstein geführt.
mir, ihn ein wenig zu verschieben, und
zwar hin zu einem weiteren virtuellen
Ort am Westrand des Thüringer Wal-
des. Und Bad Salzingen liegt nun im
Bücherregal im Arbeitszimmer neben-
an. Geht doch.
Solange die Anlage bis zu diesem
Entschluss noch nicht gebaut ist, bietet
es sich an, die gesamte Anlage in der
Höhe neu zu positionieren. Anders als
bei der Garagenanlage haben wir ja
nun zwei Bahnhöfe übereinander lie-
gen, die von der gleichen Seite zu be-
dienen sind. Welches da die optimalen
Höhen sind, sollte auf jeden Fall an-
hand eines Regals mit verstellbaren
Böden ausprobiert werden. Einfach auf
beiden Regalböden ein paar Gleise lose
verlegen und auf ihnen ein bisschen
herumrangieren. Dann sind die Regal-
bretter so lange in der Höhe zu verset-
zen, bis die optimalen Höhen gefunden
sind. Ich würde Brotteruhla auf 140 cm
über Fußboden setzen, was geringfügig
höher als Fremo-Modulhöhe bedeutet. nen. Na und, könnte man sagen, wenn mend auf die Sekunde pünktlich in Lie-
Altenstein käme demgemäß auf 105 cm es doch weiterhin nur zwei Spieler, also bensteinbach einläuft, aber von dem
und Liebensteinbach auf 134 cm. Aber auch nur zwei Züge gibt, die gleichzeitig Ng 206, der dort schon vor einiger Zeit
letztlich muss dies jeder auf seine indi- unterwegs sind. Was kann das dann eingetroffen sein sollte, weit und breit
viduelle Körpergröße abstimmen. bringen? Antwort: eine Menge. nichts zu sehen ist? Nun ja, bei der
Der Bildfahrplan in der Abbildung richtigen Eisenbahn gäbe es in Lieben-
Betriebliche Auswirkungen auf S. 93 oben rechts, der nur als Vor- steinbach einen Fahrdienstleiter, der
schlag zu sehen ist, gibt schon eine Ah- von Altenstein längst über die Verspä-
Dass diese Doppelbödigkeit gestalteri- nung vom Variantenreichtum der Vor- tung des Ng 206 informiert wäre und
sche Möglichkeiten eröffnet beziehungs- gänge, die sich auf dieser Anlage ab- auch wüsste, wann er denn tatsächlich
weise erzwingt, ist klar, aber hier nicht spielen können. Beispielsweise könnte kommen wird. Aber diesen Fahrdienst-
unser Thema. Uns interessiert, welche der Fahrplan mehr verdichtet werden. leiter gibt es nun mal nicht bei unserer
Auswirkungen die Verlängerung des Erst recht, wenn ein dritter Mitspieler Luttergrund-Anlage.
Systems um einen Bahnhof haben hinzukommt. Spätestens dann wird
könnte. Eines ist schon jetzt klar: Das das Problem der Zugsicherung virulent. Es muss nicht echt sein, es muss
System wird noch asymmetrischer, da Es läuft ja nicht immer alles nach Plan, echt wirken
die Entfernung vom Spitzkehrenbahn- im richtigen Leben nicht und auf der
hof zum Endpunkt Brotteruhla gleich Modellbahn auch nicht. Insbesondere Die wichtigste und naheliegendste Fra-
bleibt und die schon bisher größere zum die Rangierzeiten der Güterzüge sind ge, ob der Güterzug denn schon unter-
Fiddleyard sich noch einmal verlängert. vage Schätzungen, da kann es leicht wegs zu unserer Kreuzung ist, würde
Andererseits wird diese längere Strecke Überraschungen geben – und schon ist auf jeden Fall akustisch beantwortet.
nun durch eine weitere Station unter- der schöne Fahrplan Makulatur. Wäre das nämlich der Fall, würden wir
brochen. Und zwar durch eine, in der Was soll man zum Beispiel machen, ihn in den Sperrholzschlingen der
auch Zugkreuzungen stattfinden kön- wenn der P 105 von Brotteruhla kom- Wendel rumoren hören. Wenn nicht,

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 93
An der Anlage des Verfassers hat jede Betriebsstelle ihr eige-
nes Telefon, das meist in die Unterkonstruktion integriert ist.
Richtige alte Bahntelefone mit Kurbelinduktor wären stilech-
ter, sind aber kaum in ausreichender Anzahl zu beschaffen.

„Liebensteinbach. Hallo Altenstein“


„Altenstein“
„Der P 105 wartet hier auf die Kreuzung
mit dem Ng 206. Ist der schon abgelas-
sen?“
„Nein, der braucht noch ca. 15 Minuten,
bis er mit Rangieren fertig ist.“

„Schlage Kreuzungsverlegung nach Al-


tenstein vor.“
„Einverstanden. Kreuzungsverlegung:
P 105 kreuzt Ng 206 in Altenstein.
Ende.“

94 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
könnte man sich einfach umdrehen in ders verlaufen, denn bei einer Strecke eines steht fest: Modellbahnbetrieb
Richtung Altenstein und den Kollegen, ohne Signale müsste zumindest noch macht zu zweit nicht doppelt so viel
der dort noch am Rangieren ist, fragen, festgelegt werden, welcher Zug vor der Spaß wie allein, sondern mindestens
wie lange er denn noch so zu brauchen Trapeztafel zu halten hat. zehnmal. Und ich weiß, wovon ich
gedenkt. Sehr einfache Methode, sehr Aber egal, so ist es für die Modell- rede.
effektiv, aber äußerst unvorbildmäßig. bahnanlage praktikabel und vermittelt Erinnern Sie sich noch an das defä-
Da geht jedes Eisenbahn-Feeling den dieses gewisse eisenbahnige Feeling. tistische Fazit von K.R. im Grundlagen-
Lutterbach runter. Weiter vorn in die- Ganz dem Vorbild entsprechend ist je- Kapitel „Warum wollen wir eine Anlage
sem Buch steht irgendwo der Satz: Es denfalls, dass wir für das sichere Ver- bauen?“. Er hatte sich so viel Mühe mit
muss nicht echt sein, es muss echt wir- kehren der Züge gesorgt haben und dem Bau seiner Anlage gegeben, aber
ken. Wir könnten einen Moment lang dafür, dass der Reisezug so pünktlich statt sinnvollen Betrieb zu machen und
so tun, als seien wir der Fahrdienst- wie möglich fährt. zu rangieren, ließ er seine Züge „meist
leiter von Liebensteinbach und in Al- Noch ein kleiner Nachsatz zum The- einfach kreisen. Jawohl: kreisen!“
tenstein anrufen. Gut gesagt, aber es ma Telefon. Heutzutage ist es ja einfach Ich bin mir ziemlich sicher, dass es
gibt kein Telefon an der Anlage. Da alle und vielerorts Gang und Gäbe, mehrere zu dieser Katastrophe nicht gekommen
Bahnhöfe real kaum mehr als wäre, hätte K.R. von Anfang an,
2 m voneinander entfernt sind, also schon bei der Planung der
wäre das doch auch unsinnig, Anlage, den Betrieb mit zwei
oder? Personen im Auge gehabt. Und
Nein, wäre es nicht. Das wäre ich kann es nur wärmstens emp-
eine sehr lohnende Investition. fehlen, auch wenn man noch
Die Telefone bräuchten nicht niemanden kennt, der mitma-
einmal richtig zu funktionieren, chen würde, alles darauf abzu-
nur vorhanden sein. Je ein stellen, dass nachher (mindes-
Wandapparat (alte Wählschei- tens) zwei Personen am Betrieb
bentelefone aus der Bucht) in beteiligt sind. Dieses Ziel muss
Liebensteinbach, am Fiddleyard auf jeden Fall schon bei der Er-
und in Brotteruhla am Anlagen- stellung der Konzeption der An-
rand montiert würde reichen. lage im Hinterkopf sein.
Letzteres fungiert gleichzeitig als Wer hat sich nicht schon mal
Telefon von Altenstein. So ist si- gefragt, ob es wirklich nötig und
chergestellt, dass von jedem sinnvoll ist, dass alle Parkwäch-
Bahnhof mit dem jeweiligen ter, Straßenkehrer und Hallen-
Nachbarbahnhof telefoniert badkassiererinnen durch Auto-
werden kann. Oder so getan als maten ersetzt werden. Nun, da-
ob. rauf haben wir keinen Einfluss,
Das erwähnte Eisenbahn-Fee- aber ob wir einen potentiellen
ling entsteht nämlich nicht durch Mitspieler durch ein Computer-
die Weiterleitung der Stimme programm ersetzen oder ihn
durch die beiden Drähte, son- real suchen, das liegt schon in
dern schon durch das Abneh- Der Verfasser macht beim Betrieb auf seiner eigenen Anlage unserer Macht. Oft habe ich den
men des Telefonhörers und des eine Fahranfrage beim Zugleiter. Im Gegensatz zu dem im Eindruck, dass die Beschäfti-
Hineinsprechens. Text Gesagten ist die Fernsprechanlage funktional. Das ist gung mit dem Computer das ei-
So wie auf S.  94 im oberen auch nötig, denn der Zugleiter sitzt ein Stockwerk höher in gentliche Hobby ist und die Mo-
Kasten könnte das dienstliche seinem Büro. delleisenbahn nur ein Anwen-
Gespräch laufen. Und nun wird dungsbeispiel. In solchen Fällen
es spannend. Jetzt ist nämlich zu ent- drahtlose Telefone an einem Anschluss brauche ich nicht weiter zu argumen-
scheiden, ob der P 105 so lange in Lie- zu haben, mit denen man auch unter- tieren. Wenn Ihr Hobby aber wirklich
bensteinbach herumstehen soll, bis der einander telefonieren kann. Wenn da- die Modelleisenbahn ist, dann würde es
Güterzug endlich kommt – was ja noch von drei (oder mehr) vorhanden sind, auch Sinn machen, sie so zu betreiben,
dauern kann. Oder aber soll er weiter- kann man sie auch während der Be- wie eine richtige Eisenbahn. Oder wür-
fahren und den Güterzug in Altenstein triebssessions für die Anlage benutzen. den Sie den Computer anrufen und fra-
treffen. Das würde dem eh schon ver- gen, wie lange der Ng  206 noch
späteten Güterzug vermutlich eine wei- Betriebsspaß mal zehn braucht?
tere Verspätung einhandeln, aber den Am Beispiel der Luttergrundanlage
P  105 einigermaßen pünktlich nach Eine typische Formulierung in Kon- und einiger anderer, die ich hier vorge-
Altenstein und weiter nach Bad Salzin- taktanzeigen in den Programmzeit- stellt habe, hoffe ich gezeigt zu haben,
gen bringen. Und das hat Priorität. schriften lautet: „Suche Partner für al- wie Modellbahnbetrieb auf relativ klei-
Deswegen geht das Dienstgespräch les, was zu zweit mehr Spaß macht.“ nen Anlagen „geht“. Will sagen, wie er
vermutlich weiter und könnte sich in Ich vermute mal, dass da eher keine mit geringem Aufwand und wenig Vor-
etwa wie auf S. 94 im unteren Kasten Modelleisenbahner gesucht werden, aussetzungen sinngebend und vorbild-
dargestellt entwickeln. Beim Vorbild aber vielleicht tauchen ja solche Anzei- entsprechend durchgeführt werden
würde das Procedere geringfügig an- gen eines Tages in der MIBA auf. Denn kann.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 95
Spitzkehrenparadies Deutschland

Kopfmachen
und weiter
fahren
Warum und wozu eine Spitzkehre? Diese Frage
werden sich wahrscheinlich schon viele Modell-
bahner gestellt haben. Ganz einfach: Weil es
sie im Vorbild zahlreich gab und sie zudem sehr
abwechslungsreichen Betrieb bedeuten.

F rüher dachte man bei dem Begriff


Spitzkehre meist an irgendwelche
halsbrecherischen Andenbahnen in
daher in die glei-
che Richtung ver-
lassen, wie die
Südamerika. Ganz Eingeweihte hatten nach Schmalkal-
noch von der Spitzkehre Bast-Michael- d e n . I n M I BA C
stein im Harz gehört. Das war es aber 8/2004 gab es
auch schon. hierzu schon ein- Zwei Lösungen für im Grundsatz ähnliche Probleme: Die obere Karte
Ein Blick auf die Grafik auf der ge- mal einen Anla- zeigt die Höhengewinnung der Albulabahn oberhalb Bergün mittels
genüberliegenden Seite mit nicht weni- genvorschlag. zweier Kehren, die aber nicht „spitz“ sind. Vielmehr sind sie als Kehr-
ger als anderthalb Dutzend Spitzkeh- Ähnlich war die kurven, teilweise im Tunnel, ausgeführt. Die untere Karte hingegen
ren lässt schon ahnen, dass diese Spe- Situation in Voer- zeigt die Überwindung der Höhenstufe bei Küstelberg der Kleinbahn
zies so selten nicht ist oder gewesen de bei Hagen/ Steinhelle-Medebach im Sauerland mittels zweier Spitzkehren. Sie
sein kann. Dabei sind das längst nicht Westfalen. Hier fand eine „Nachahmung“ bei der „Minas da Fier“-Bahn, die im Kapi-
alle, die es in Deutschland gegeben hat. war ein Bahnbau tel gleichen Namens vorgestellt wird.
Da fehlen noch so markante Bahnhöfe von Hagen-Haspe
wie Sonthofen, Brohl BEG, Bad Dürk- nach Voerde ge-
heim und einige andere. Da aber stets plant und ausge-
behauptet wird, das Vorbild vermeide führt worden.
Spitzkehren, wo immer es geht, so fragt Erst nach Fertig-
man sich, warum es dennoch so viele stellung und Inbe-
sind. triebnahme kam
der Wunsch auf,
Drei Sorten Spitzkehren die Strecke bis
Breckerfeld zu
Für das Anlegen einer Spitzkehre gibt verlängern. Wäre
es drei Hauptgründe: das von vorne-
a) abseitige Lage eines Bahnhofes, herein beabsich-
b) starker Höhenunterschied bei be- tigt gewesen, hätte man die Bahn ge- Eine prächtige Vorlage für die im Ka-
engtem Raum und wiss anders trassiert und den Bahnhof pitel „Siebertalbahn“ gezeigte Lösung
c) Veränderung der ursprünglichen Voerde besser gelegt. So aber blieb kei- stellt die Situation von Braunlage dar
Planung. ne weitere Möglichkeit, als die Brecker- (s. Abb. S. 98). Beim ursprünglichen
Nicht immer lässt sich im Nachhinein felder Verlängerung einen knappen Bahnbau war es am günstigsten, die
erkennen, welches der jeweilige Grund Kilometer vor Voerde auf freier Strecke Strecke bei Erreichen des Ortsrandes
war, häufig waren es a und b zugleich. auszufädeln. Züge von Hagen nach enden zu lassen. Das rächte sich, als
Klarer ist die Sache bei c, wie zum Bei- Breckerfeld mussten bis Voerde fahren dann doch eine Weiterführung ins Auge
spiel im Fall von Kleinschmalkalden. und dort Kopf machen. gefasst wurde; bei der Siebertalbahn
Bis hierhin hatte die Staatsbahn die Das ist übrigens eine gute Vorlage für
Bahnlinie gebaut. Der Wunsch des modellbahnerische Lösungen, bei de- Rechts: Eine Auswahl aus der Spitzkehren-
Landkreises, die Strecke bis Brotterode nen die Trennung der beiden aus der Vielfalt in Mitteleuropa. Die Bandbreite geht
zu verlängern, kam erst nachträglich Spitzkehre herausführenden Strecken von der Minimallösung bis zur elaboraten
und somit zu spät, um einen Durch- nicht dargestellt werden kann, wie Maximalform mit Hosenträgern und mehre-
gangsbahnhof anzulegen. Die weiter- etwa beim Anlagenvorschlag „Briloner ren DKWs. Da sollte für jede Situation und je-
führende Strecke musste den Bahnhof Waldbahn“ (s. Inhaltsverzeichnis). den Geschmack etwas dabei sein.

96 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
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Vorbildgerechte Anlagen-Planung 97
genau so, wie bei der meterspurigen
Südharzeisenbahn.
Es können auch Bahnhöfe nachträg-
lich zu Spitzkehren werden, indem der
gerade weiterführende Streckenteil
stillgelegt wird, so etwa Unna-Königs-
born. Hier wurde die Strecke Dort-
mund-Welver gekappt und der Ast
nach Welver stillgelegt. Heute fährt hier
eine S-Bahn, die von Unna kommend in
Unna-Königsborn spitz kehrt und wei-
ter nach Dortmund fährt.
In einer ganz anderen Liga spielen
die großen Kopfbahnhöfe, ob sie nun
Leipzig, München oder Frankfurt
Hauptbahnhof heißen. Bei deren Anla-
ge war man davon ausgegangen, dass
sie für den größten Teil aller Reisenden
Anfangs- oder Zielbahnhof sein wür-
den, der kleine Rest sollte halt umstei-
gen. Langläufe wie sie heute üblich
sind, waren zur damaligen Zeit außer-
halb jeglicher Vorstellungen.

Spitzkehren Lust und Frust


Eine der grundsätzlichen Fragen in
den Foren ist, ob der Anlagenplaner
einen Kopfbahnhof/Endbahnhof möch-
te oder nicht. Und da gehen die Mei-
nungen weit auseinander. Nach meiner
Schätzung sind es weit mehr als die
Häfte, die so ein Artefakt grundsätzlich
ablehnen. Ein Kopfbahnhof stört den
freien Lauf der Züge eben empfindlich.
Nun wird kaum einem Leser, der bis
hierher gekommen ist, entgangen sein,
dass es in diesem Buch auffällig viele
Pläne mit Spitzkehren gibt. Dabei war
das gar nicht von Anfang so geplant; es
hat sich so ergeben. Mir selbst ist erst
beim Schreiben und Zusammenstellen
Nein, das hat kein Modellbahner entwor- aufgefallen, wie bedeutsam Spitzkeh-
fen! Der Bahnhof Braunlage der meterspu- ren in der Anlagenplanung sind, sofern
rigen Südharzbahn (1963 stillgel.) war nicht man auf intensiven Betrieb hinaus will.
als Spitzkehre geplant. Erst als die Idee auf- Und darauf deutet ja schon der Unter-
kam, am Wurmberg einen bahneigenen titel dieses Buches hin.
Steinbruch anzulegen um mit dem Schotter Eine Spitzkehre ist ein Endbahnhof
viel Geld zu verdienen, entstand das Prob- und ein Durchgangsbahnhof in einem,
lem, wie man durch den nördlich des Bahn- ein Superbahnhof also. Hier summie-
hofs gelegenen Kurort kommen sollte. Eine ren sich demzufolge auch die betriebli-
Spitzkehre sowie eine weitere Kehre im chen Aktivitäten beider Bahnhofsarten.
180°-Bogen lösten schließlich das Problem. Im Endbahnhof ankommende Züge
werden entweder aufgelöst, abgestellt
und/oder gereinigt und gewartet. In
der Regel verweilen sie eine Zeit, bevor
sie die Rückfahrt antreten. Reisezüge
werden manchmal um einen oder meh-
rere Wagen verstärkt oder geschwächt.
Und dann gibt es die durchfahrenden
Züge, die hier „nur“ Kopf machen und
– eventuell nach Abwarten einer Kreu-
zung – weiterfahren. Je nach Epoche

98 Vorbildgerechte Anlagen-Planung
(und Betriebssinn des Anlageneigners) kehren, kann das den Betrieb in die-
können das Wendezüge sein oder sol- sem Bahnhof unerhört aufpeppen.
che, deren Lokomotive ans andere Und nachdem ich hier dauernd für
Ende umsetzen muss oder die eine alles, was zu mehr Betrieb führt, die
neue Lokomotive bekommen. Trommel gerührt habe, will ich jetzt
Alles andere, was einen Bahnhof doch mal ein wenig am Führerbrems-
sonst noch ausmacht, wie das Bedie- ventil ziehen und davor warnen, sich
nen von Güterschuppen und Freilade- Die spartanische um nicht zu sagen Billiglö- zu viel vorzunehmen. Wie ich schon in
gleis sowie der Gleisanschließer, gibt es sung führt beide ankommenden Strecken zu- einem Kapitel weiter vorn schrieb, ist
in diesem Superbahnhof natürlich nächst über eine gemeinsame Weiche zusam- es wichtig, sich zu überlegen, mit wie-
auch. men, während bei der Luxusvariante Ein- vielen Menschen die Anlage betrieben
oder Ausfahrt gleichzeitig erfolgen können. werden soll. Und wenn das – wie meist
Spartanische- und Luxuslösungen – der planende Modellbahner allein ist,
Ein normaler Abzweigbahnhof. Auch der kann dann heißt es ganz genau durchzuden-
Allen Spitzkehren gemein ist, dass je- als Spitzkehre funktionieren, wenn man Züge ken, wie er den Betrieb bewältigen will.
der Zug bei der Ausfahrt wohl im Prin- im Fahrplan hat, die von a nach c fahren. Mit den heutigen Digitalsystemen ist
zip in die gleiche Richtung fährt, aus es ja kinderleicht, mehrere Loks zu-
der er gekommen ist; aber eben nur im gleich zu steuern. Wirklich? Herumfah-
Prinzip. Auf den kleinen feinen Unter- ren ja, null problemo. Aber eine Kreu-
schied kommt es an. Wer von a gekom- zung in einem Spitzkehrenbahnhof in-
men ist, fährt nach b weiter und umge- eine zweite Spitzkehre schon nach ei- klusive Umsetzen ordnungsgemäß
kehrt (s. Abb. S. 99 oben). nem Kilometer folgte, ließ man die durchzuführen, ist schon ein kompli-
Gleich welcher Zug in welches Gleis Züge auf diesem Kilometer einfach zierter Akt, der die ganze Konzentrati-
einfährt, spätestens bei der Ausfahrt rückwärts fahren, als geschobene Züge on braucht. Deshalb rate ich davon ab,
kreuzen sich die Fahrwege der beiden also. Das Ganze vollzog sich natürlich größere Bahnhöfe zu konzipieren, die
weiterfahrenden Züge. Bei der sparsa- im Schritttempo. Denn, wie heißt es so drei oder vier Zugfahrten zugleich ver-
men Lösung in Abb. S. 99 oben (basie- schön: Gott schuf die Zeit; von Eile hat kraften können. Die Bahnhöfe können
rend auf Fürstenhagen, Abb. a S. 97) er nichts gesagt. Damals galt das noch. das, keine Frage. Aber kann es der Mo-
können Ein- und Ausfahrt nur nachei- dellbahner?
nander erfolgen. Bei schwach belegten Heimliche Spitzkehren Zum Schluss ein kleiner Tipp aus
Strecken reicht das auch aus, bei dich- dem Nähkästchen: Es heißt ja immer
ter belegten ist mehr Flexibilität not- Dass Spitzkehren außerordentlich be- (und nicht nur in diesem Werk), dass
wendig, was einen erhöhten Aufwand triebsbelebend sind, sollte inzwischen eine Strecke möglichst nicht zweimal
an Weichen bedeutet, wie etwa den klar sein. Das kann man sich auch durch die gleiche Szene geführt werden
Hosenträger in Abb. S. 99 oben (basie- dann zu Nutze machen, wenn man gar soll, weil das der Illusion von Entfer-
rend auf Gomaringen Abb. i S. 97). keinen Spitzkehren-Bahnhof hat. Wie nung abträglich ist. Stimmt im Prinzip,
Da sich die Ankunft zweier Züge das gehen soll? Ganz einfach: Man be- sagt Radio Eriwan. Bei Spitzkehren gilt
schlechter synchronisieren lässt als die treibt einen Abzweigbahnhof – den hat das jedoch ausdrücklich nicht. Hier
Abfahrt, fahren in der Regel die an- ja so ziemlich jeder – als Spitzkehren- darf der Zug nach dem Kopfmachen
kommenden Züge über die Kreuzung bahnhof. gerne noch eine Weile parallel zu sei-
ein. Mit dieser Methode können sie an- Selbst wenn nur einzelne Züge im ner alten Trasse fahren. Weil es in der
schließend gleichzeitig parallel ausfah- Laufe des Tages in dieser Relation ver- Realität auch so ist.
ren. Da sich das im Modell auch gut
macht, sehr gut sogar, werden die Hey’sche Glasfabrik
meisten Anlagenplaner wohl diese Lö- Spitzkehren erlau- Obernkirchen
sung à la Gomaringen anstreben. ben starke Höhenge-
Wenn Zugkreuzungen nicht notwen- winnung auf beeng-
dig sind, etwa im Anschluss der tem Raum, wenn für
Heye’schen Glasfabrik (s. Abb. rechts), Längenentwicklung
kommt eine Spitzkehre mit einer einzi- und Kehrkurven kein
gen Weiche aus. Dass man mit dieser Platz ist. Nicht weni-
superspartanischen Variante auch ger als dreimal

kreuzen kann, hat die Kleinbahn Stein- musste eine Überga-
helle-Medebach bewiesen (s. Abb. 96 befahrt vom Bahn-
unten). Dort hat man einfach die Zieh- hof der Rinteln-
gleise hinter der Weiche so lang gebaut, Stadthagener Eisen-
dass zwei Züge hintereinander einfah- bahn spitz kehren,
ren können. Das funktioniert jedoch im bevor sie die Be-
Prinzip nur mit Wendezügen, da ein triebsgleise der 
Umsetzen hier nicht möglich ist. Nun, Heye‘schen Glasfab-
die schmalspurige Kleinbahn im Sauer- rik in Obernkirchen
land hatte damals vor fünfzig Jahren (Niedersachsen) er-
noch keine Wendezüge. Oder doch: Da reichte.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 99
Nichts ist einfacher, als aus einem Oval (A) eine Spirale (C) zu machen: an einer Stelle aufschneiden (B), dann die Trasse so in die Steigung le-
gen, dass sie an der Schnittstelle eine Etage höher ankommt. Neuen Endbahnhof anfügen, fertig. Unten: Die in Abbildung C entwickelte Spira-
le ist genau genommen nur eine halbe. Erst wenn die Strecke ringsherum doppelt geführt ist, kann man von einer Voll-Spirale sprechen.

Die sichtbare Schwester der Wendel stimmten Raum mehr Streckenlänge


abzugewinnen. Das funktioniert zwar

Designtrumpf Spirale
auch durch allerlei Geschlinge wie
Hundeknochen und ähnlichen Konfigu-
rationen, aber die reine Spirale erlaubt
es eher, die lineare Kontinuität der
Strecke sichtbar und spürbar zu ma-
Eine Wendel hat bekanntermaßen den Nachteil, dass man den chen. Sie bewirkt oder verstärkt viel-
Zug nicht sieht, sondern nur lärmen hört. Dennoch kann auf sie mehr den Eindruck, dass der Zug nicht
nur „herum“ fährt, sondern einem Ziel
zur Überwindung von Höhendifferenzen oft nicht verzichtet zustrebt.
werden. Wie eine klassische Wendel so genutzt werden kann, Das Prinzip der Spirale und ihre mo-
dass sie zum Designtrumpf gerät, zeigen die folgenden Seiten. dellbahndesignerische Bedeutung wird
am deutlichsten erkennbar, wenn man
sie aus einem gewöhnlichen Oval ablei-

D ie so genannte Wendel, mit der


sich Züge wie in einem Gewinde
von einer Ebene in eine andere
lineare Streckenentwicklung spiralför-
mig verläuft. Während die dadurch ent-
stehende zusätzliche Fahrweglänge bei
tet. Das Oval A in obiger Abbildung hat
zwei Durchgangsbahnhöfe, die Strecke
zwischen ihnen beträgt jeweils einen
„schrauben“, ist natürlich im Prinzip der Wendel eher unerwünschter Ne- Halbkreis, ist also nicht nennenswert.
auch eine Spirale. Sie mag als Design- beneffekt ist (der nicht sichtbare Zug Zwei Züge können gegenläufig im Kreis
trumpf angesehen werden, dennoch erzeugt nur Lärm), so ist dies bei der herum fahren und einander in den Sta-
bleibt sie hier zunächst außen vor. Hier echten Spirale einer der beiden Haupt- tionen begegnen, ein sinnvoller Betrieb
geht es um Anlagen, deren prinzipiell zwecke: Es geht darum, einem be- ist hingegen nicht möglich.

Die im Kapitel „Die Steyrische Pyritbahn“ beschriebene Anlage (un-


ten) stellt nur eine Halb-Spirale dar. Die Anlage „Briloner Waldbahn“
(rechts) verfügt immerhin über eine Dreiviertelspirale.

100 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Zweimal die gleiche Anlagenkonzeption als Halbspirale, einmal als kompakte = innere Spirale und einmal als RAWE- oder äußere Spi-
rale. RAWE bedeutet = Ringsherum an der Wand entlang. Ein bedeutendes Mehr an Anlage und vor allem an Fahrstrecke wird allerdings
mit einer ungünstigeren Position des Mobiliars erkauft. Wer jedoch seinen Unterbau gleich als offenen Schrank erstellt, braucht für
Bücher und die Schachteln seiner Modelle etc. kein hohes Regal mehr. Für die Duckpassage ist es natürlich eine Voraussetzung, dass
die Zimmertür nach außen zu öffnen ist. Angesichts der vielen Vorteile lohnt es sich sogar, die Türzarge notfalls umsetzen zu lassen.

Schneidet man das Oval an einer gleiche Richtung. Es sei denn, man ent- gung nötig ist, um eine ordentliche Hö-
Stelle auf, sodass eine der Stationen ein wickelt einen der Endbahnhöfe zur hendistanz zwischen den übereinander
Endbahnhof wird und legt diesen „eine Spitzkehre weiter. Eine Voll-Spirale eig- liegenden Endbahnhöfen zu erreichen.
Etage“ höher, so kann das andere Stre- net sich nur unter ganz speziellen Vor- Und die ist dringend nötig, wenn man
ckenende darunter verlängert und dort aussetzungen als Kern einer größeren im Fiddleyard etwas an den Zügen än-
ein zweiter Endbahnhof angelegt wer- Anlage. Die Lage der Endbahnhöfe im dern können will.
den. Je kleiner die Anlage, desto steiler Winkel zueinander ist dafür eher un- Dennoch will ich den Hauptnachteil
muss die Strecke von einem Ende zum günstig. der RAWE-Lösung nicht herunterspie-
anderen steigen. Nun ist Betrieb von Weiterhin sind zwei Haupttypen von len: Während die Aufstellung einer klei-
einem Endbahnhof zum anderen mit Spiralanlagen zu unterscheiden, und nen flächigen Anlage (innere Spirale) in
einem Kreuzungsbahnhof in der Mitte zwar die kompakten (oder inneren) der Regel die Möblierung des restlichen
möglich. Fast schon wie eine richtige Spiralen und die peripheren (oder äu- Raumes weitgehend unbehelligt lässt,
Eisenbahn. Die Fahrentfernung von ßeren) Spiralen, auch RAWE-Spiralen ist das bei der äußeren Spirale eher
Endbahnhof zu Endbahnhof ist we- genannt. umgekehrt, weil es keine freien Wände
sentlich größer als im Oval. mehr gibt. Die Abbildung oben zeigt,
Was ich jetzt Spirale genannt habe, Kein Vorteil ohne Nachteile wie man dennoch den Raum innerhalb
ist eigentlich bei genauer Betrachtung der Spirale für nicht-modellbahneri-
allenfalls eine Halb-Spirale. Wird die Auf Seite 19 im Kapitel „Anlagenpla- sche Zwecke nutzen kann. Wenn das
Strecke noch weiter herumgewickelt, nung – Theorie und Praxis“ habe ich als Beispiel eingezeichnete hohe Bü-
kann man sie zur Dreiviertelspirale er- bereits die grundsätzlichen Vorteile der cherregal die Sicht von einem Bahnhof
weitern, was schon wieder mehr Fahr- offenen Anlagenform gegenüber der zum anderen verhindert – umso bes-
länge bewirkt. Aber erst der nächste flächigen dargelegt. Bei Spiralanlagen ser!
Schritt führt zur Voll-Spirale, und zwar ist das nicht anders. Auch hier setzt die
dann, sobald die Strecke wirklich rings- maximale Eingreiftiefe enge Grenzen. Und wo geht’s rein?
herum an allen vier Seiten der Anlage Bei der inneren Spirale kann der Mo-
doppelt geführt ist. Das lässt sich in der dellbahner – zumindest teilweise – um Das Hauptproblem einer peripheren
Regel aber erst ab einer gewissen An- die Anlage herum gehen, je nachdem, Spirale ist jedoch, wie man in den In-
lagengröße realisieren, weil sonst ent- ob sie frei im Raum steht oder mit einer nenraum hinein kommt. Das gilt übri-
lang der Schmalseite kein überzeugen- oder zwei Seiten an der Wand. Bei der gens für jede RAWE-Konzeption. Ent-
der Endbahnhof zustande kommt. äußeren oder peripheren Spirale geht weder muss man eine Duckpassage
die Anlage um den Modellbahner her- einrichten, oder aber – bei zunehmen-
„Kern“-Probleme um. Die Strecke ist in letzterem Fall – dem Alter empfehlenswert – ein Anla-
bei gleicher Raumgröße – wesentlich genstück vor der Eingangstür abklapp-
Falls die Spiralanlage als Kern einer länger und der Modellbahner sieht im- bar bzw. herausnehmbar konstruieren.
größeren Anlage geplant ist, muss be- mer nur die Szene, in der sich sein Zug In jedem Fall muss die Tür aber nach
dacht werden, dass die weiterführen- gerade befindet. außen aufschlagen, sonst geht beides
den Strecken bei der Halb-Spirale in Die längere Strecke hat aber auch nicht. Und wenn sie es nicht tut? Dann
entgegengesetzte Richtungen führen, den nicht zu unterschätzenden Vorteil, bringt man sie dazu. Jeder Schreiner
bei der Dreiviertel-Spirale jedoch in die dass eine wesentlich geringere Stei- ist in der Lage, die Zarge einer Zim-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 101


Das macht ein Rü-
cken auf die Dauer
nicht ohne Murren
mit. Deswegen
sollte entweder
das Brückenstück
abklappbar sein,
oder aber man
montiert zwei
Handläufe in der
Duckpassage. Die-
se ermöglichen
dann ein Abstützen
und bewirken da-
mit eine Entlastung
des Rückens. Ab ei-
nem gewissen Al-
ter lernt man solch
einfache Annehm-
lichkeiten durchaus
zu schätzen.

Unten: Auch das ist eine Spiralanlage. Über vier Ebenen verfügt die Oben: Eine der beiden Duckpassagen in der Anlage des Autors. Sie
N-Anlage „Seldwyla“ von Felix Geerink (Schweiz). Er hat das Spiral- dient zur Unterquerung der großen Anlagenzunge sowie als Zugang
prinzip mit der Nutzung von Gleiswendeln kombiniert und damit auf zum Werkstättenbereich. Die lichte Höhe beträgt 142 cm. Man beach-
kleinstem Raum eine Anlage mit langer Fahrstrecke geschaffen. te die beiden Handläufe, auf die man sich gebückt abstützen kann.

102 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


C

Halb-, Dreiviertel-, Vollspirale? Ach was, als Doppelspirale mit vollen 720° hat Hugo Schwilch in der Schweiz seine „Holzheimerbahn“ entwor-
fen. Was auf den ersten Blick wie wildes Geschlinge aussieht, ist eine konsequent lineare point-to-point-Strecke von einem Schattenbahnhof/
Fiddleyard zu einem Endbahnhof, dazwischen viel Strecke, um dem fahrenden Zug genüsslich nachschauen zu können. Hugo Schwilch war ei-
ner der ersten Modellbahner, die ihre Anlage nach Fahrplan betrieben und einen vorbildentsprechenden Güterwagenumlauf durchführten.

mertür auszubauen und andersherum


wieder einzubauen ohne die Substanz  
des Hauses zu ändern oder zu beschä-
 
digen. Das mag so viel kosten wie eine
Lokomotive, bringt aber eine artge- 
rechtere Haltung für viele Loks ein.

Halb-, Dreiviertel- oder Voll- 


spirale – geht noch mehr?
Ist jetzt alles zum Designtrumpf Spirale
gesagt? Keineswegs. Ganz im Gegen-
teil. Die beiden Anlagen „Die Steyrische
Pyritbahn“ und die „Briloner Wald-
bahn“ nutzen wohl dieses Prinzip, je-  
doch in der simpelsten Form. Da liegt ¼ 
mehr drin. 
Spiralanlagen müssen nicht immer  M
auf den ersten Blick erkennbar und
durchschaubar sein. Das mächtige Po- Ein interessanter Sonderfall ist die Doppelspirale des EMFS (Eisenbahn- und Modellbahn-
tential, das im Spiral-Prinzip steckt, hat freunde Siebengebirge). Sie ist nämlich keine eigenständige Anlage, sondern ein Modul, das
zum Beispiel der Schweizer Modellbah- die Funktion hat, die beiden H0e-Modulsysteme des Vereins, deren eines 1 m hoch ist, das an-
ner Felix Geerink erkannt und daraus dere 1,20 m, zu verbinden. Der kürzlich verstorbene Vorsitzende des EMFS Wolfgang Schmitz,
bei seiner N-Anlage „Seldwyla“ maxi- hat sich mit dieser Clou-Lösung ein Denkmal gesetzt.
malen Nutzen gezogen, indem er es mit
der Nutzung von Wendeln kombinierte. Das EMFS-Spiralmo-
Unorthodox auch die Führung der dul ist eine gute Stu-
Trasse auf der Ebene -1, die unter den- die, wie man das
jenigen der Ebenen 0 hindurch ge- Problem der Spiral-
schlungen ist und mit Schuld daran ist, anlagen, nämlich die
dass man die Spirale nicht sogleich er- optisch überzeugen-
kennt. de Trennung der
Ein interessantes Beispiel ist auch räumlich eng beiein-
die „Holzheimerbahn“, das Kernstück ander liegenden
von Hugo Schwilchs (inzwischen grö- Trassen, gestalte-
ßeren) H0-Anlage. Dieser Altmeister risch bewältigt.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 103


Teil der Abstellgleise lag verdeckt unter
dem gestalteten Anlagenbereich Lau-
bacher Wald, ohne dass man dort hätte
eingreifen können. Weil aber der Ab-
stellbereich eine größere Tiefe hatte als
der gestaltete Bereich darüber, konnte
man im vorderen Teil Zugbildungsauf-
gaben erfüllen – ganz wie im klassi-
schen Fiddleyard.
Von dort aus ging die Fahrt in wei-
tem Bogen durch einen bewaldeten Ab-
schnitt (Mittelgebirge!) mit stetiger
Steigung in den Bahnhof Laubach, der
in der Ebene lag. Ab Laubach führte die
Trasse in Steigung weiter zum Lauba-
cher Wald, der durchgehend in einer
Neigung lag, weshalb besondere Vor-
schriften beim Rangieren zu beachten
Der eingereichte Entwurf einer H0e-Anlage des Modellbahnbetriebs wusste schon waren. Jenseits der Verladestelle „Lau-
für einen 4,50 x 2,45 m großen Kellerraum vor 40 Jahren, worauf er bei der Pla- bacher Wald“ führte die Trasse zur
sah schon mal recht betriebsverdächtig aus nung hinaus wollte: auf lange Fahrstre- Terrasse, wo freilich nur bei schönem
und reizte daher den Verfasser, ihn weiter zu cken und auf einen sinnvollen, vorbild- Wetter ein weiterer Fiddleyard den
entwickeln. Der ideale Ausgangspunkt für analogen Fahrplanbetrieb. Auf seiner Rest der großen weiten Welt darstellte.
eine periphere Spirale. Website kann man anhand diverser Eine klassische Spiralanlage also.
Bilder studieren, wie er das Problem Innere Spiralen eignen sich übrigens
Aus einem U eine Spirale zu machen, ist nicht der dicht beieinander liegenden Tras- nicht für Anlagen, die im Flachland an-
so schwer. Hier braucht es nur den Mut, den sen gestalterisch gelöst hat. gesiedelt sind. Ein mittelgebirgiges Um-
Eingang beim Betrieb mit einem klappbaren Ein gerade unter MIBA-Lesern sehr feld ist das Mindeste, was zur Begrün-
Anlagenstück zu verschließen. Und das müss- bekanntes Beispiel für eine Anlage dung der sich überkreuzenden Trassen
te nicht einmal gestaltet sein, ist es doch nach dem Prinzip der äußeren Spirale vonnöten ist. Da war Hugo Schilch fein
schon die unmittelbare Zufahrt zum Schat- ist die „Vogelsberger Westbahn“, die raus. Er wohnt neben den Gleisen der
tenbahnhof. Noch mehr Mut verlangt der Michael Meinhold und seine sieben Rhätischen Bahn zwischen 2000 m ho-
Entschluss, die ebenen Strecken alle in Mitstreiter 1998 zum 50jährigen Jubi- hen Bergen. In dieses alpine Umfeld
3 %-Steigung zu legen und diese auch durch läum der MIBA bauten. Die Fahrt be- setzte er auch seine Anlage (s. S. 103
den Haltepunkt in der Streckenmitte durch- gann in „Hungen“, einer Mischung aus Grafik oben), auch wenn er die SBB an-
zuziehen. Schattenbahnhof und Fiddleyard: Ein statt der RhB als Vorbild gewählt hat.

104 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Als letztes Beispiel für kompakte Spi-
ralen sei noch das spezielle H0e-Modul
der Eisenbahn- und Modellbahnfreun- Sieht aus wie eine Spitzkehre, ist aber „nur“
de Siebengebirge (EMFS) genannt und die Brockenbahn mit dem in der Waagerech-
gezeigt. Konzipiert, um die beiden un- ten liegenden Rückdrückgleis am Goethe-
terschiedlich hohen Modulsysteme des weg. Foto: Slg. Steimecke
Vereins zu verbinden, könnte es sehr
gut auch der Kern einer kleinen, feinen
Heimanlage sein. Bei einer stationären
Anlage könnten die beiden rechts und
links angrenzenden Teile die aufwendi-
ge Gestaltung fortführen und eine land-
schaftlich überzeugende Gesamtanlage
hervorbringen. Oder man klappt das
Spiralteil aus einem Wandschrank und
fügt rechts und links zwei temporäre
Bahnhofsmodule an, die anderswo ver-
staut sind. Fertig ist die optisch anspre-
chende Betriebsanlage. nem Ende einen Übergang zur Normal- höfen. Das bedeutete insbesondere,
spur. Beim vorgelegten Entwurf gab es dass sie auch beim Haltepunkt in Stre-
Jetzt wird’s peripher weder das eine noch das andere. Also ckenmitte durchgezogen werden muss-
überlegte ich, wie ich dieser netten, te. Welche Auswirkungen und Folgen
Den Unterschied zwischen inneren kleinen Schmalspurbahn einen An- das hat, werde ich später noch erklä-
(kompakten) und äußeren = peripheren schlussbahnhof zur Normalspur ver- ren.
Anlagen hatte ich schon eingangs er- passen könnte. Der neue, im Schatten liegende End-
läutert. Nachdem ich nun einige Bei- Ich rechnete einmal durch, welche bahnhof stellt die fiktive Verbindung
spiele für kompakte Spiralen gezeigt Steigung nötig wäre, um bei der gege- zur Regelspur dar. Statt des von mir
habe, komme ich zu denen, die außen benen Anlagengröße eine ordentliche gewählten Namens Andreastal kann
herum an der Wand entlang verlaufen. Höhendistanz zu erwirtschaften, damit auch der einer realen Station genom-
Das erste Beispiel, das sich anbietet, ist unter dem einen Endbahnhof ein men werden, der wir eine in der Reali-
die „Scharzbergbahn“, die ihren Aus- Schattenbahnhof angelegt werden tät nicht vorhandene schmalspurige
gangspunkt (wieder einmal) in einem könnte. Ich stellte fest, dass eine durch- Anschlussbahn verpassen. Die in den
Forumsbeitrag hat. Ein Mitglied reichte gehende Steigung von 3 % (1:33) rei- Plan eingezeichnete Gleiskonfiguration
den auf S. 104 oben zu sehenden Gleis- chen würde, um 26 cm höher anzu- ist freibleibend. Es darf mehr oder we-
planentwurf für eine H0e-Anlage ein kommen, als man losgefahren ist. niger sein, ganz nach den Vorstellun-
und bat um Optimierungsvorschläge. Selbst wenn man noch ein paar Zenti- gen des Anlageneigners. Gleiches gilt
So etwas kommt ja häufi- für die beiden Bahnhöfe
ger vor, aber nicht jeder Ent- Lauterfeld und Scharzberg,
wurf reizt dazu, sich mit deren Namen durch Ver-
ihm zu beschäftigen. Dieser mengung von solchen des
aber gefiel mir gleich ziem-
lich gut. Und meine Leser  . südwestlichen Harzrandes
entstanden.
werden schon eine Idee ha- An die Stelle der Klein-
ben, woran das lag: Ein kla- stadthäuser des Originalpla-
rer point-to-point-Entwurf, nes, die hübsch aussehen,
bei dem der Lokführer sei- aber betrieblich nichts brin-
nem Zug nach dem „Prinzip So sieht der Gleisplan der Anschlussstelle Knaupsholz an der Brocken- gen, habe ich das Gleisfeld
der absoluten Nähe“ (PAN) bahn aus. Während die Strecke mit einer stetigen Steigung von 33 ‰ von Lauterfeld möglichst
folgen kann und stets nur vorbeizieht, liegen die beiden Stumpfgleise in der Waagerechten. Die- weit nach hinten geschoben,
den Ausschnitt sieht, in dem se spiralenfreundliche Konfiguration stand bei der Gestaltung der Sta- um vorn mehr rangierinten-
er gerade fährt. So soll es tion Heinrich-Heine-Weg im Anlagenplan der Scharzbergbahn Pate. sive Gleise unterbringen zu
nach Möglichkeit sein. können.
Nun ist es bei einer Schmalspurbahn meter für die Dicke der oberen Etage
durchaus denkbar, dass sie völlig iso- abrechnet, bleiben immer noch gut Das Harzer Rückdrückgleis am
liert ohne Anschluss an irgendwelche 20 cm lichte Höhe. Genug, um in den Heinrich-Heine-Weg
anderen Bahnen in der Gegend steht. Schattenbahnhof eingreifen und ihn
Aber das Normale ist es auch hier teilweise als Fiddleyard nutzen zu kön- Kenner der Harzer Schmalspurbahn
nicht, es sei denn, wir haben im wahr- nen. Bedingung war jedoch, dass die wissen, dass es an der Brockenbahn
sten Wortsinn eine Inselbahn. Dann genannte Steigung nicht nur zwischen einen Betriebshaltepunkt Goetheweg
wäre einer der Endpunkte als Hafen- Schattenbahnhof und dem ersten gibt, der nicht im Fahrplan verzeichnet
bahnhof auszugestalten. Gar nicht mal Bahnhof im sichtbaren Bereich zur An- ist. Vor dem Krieg war das ein offiziel-
schlecht. In der Regel aber haben wendung kam, sondern auch lückenlos ler Haltepunkt, um den vom Torfhaus
Schmalspurbahnen wenigstens an ei- zwischen den beiden gestalteten Bahn- kommenden Wanderern einen Zustieg

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 105


zur Brockenbahn zu ermöglichen.
Rangieren in Heinrich-Heine-Weg: I. Zugkreuzung Schon damals stellte sich heraus, dass
zwischen Schierke und Brocken unbe-
dingt noch eine Kreuzungsstation be-
nötigt wurde, um bei starkem Andrang
die Zugdichte erhöhen zu können. Da
die Strecke jedoch zwischen den ge-
nannten Stationen unablässig mit 33 ‰
Ein bergauf, also Richtung Scharzberg fahrender Zug soll in Heinrich-Heine-Weg kreuzen.
(1:30) steigt, war es nicht möglich, ein
Dem Gegenzug ist Halt vor Trapeztafel vorgeschrieben.
normales Kreuzungsgleis anzulegen,
da hierfür eine Maximalneigung von
1:400 vorgeschrieben ist.
Die Lösung war, das Kreuzungsgleis
nur einseitig an die in der Steigung lie-
gende Strecke anzuschließen und es
Der Zug hält oberhalb der Weiche, die vom Zugführer auf Abzweig umgestellt wird.
dann waagerecht verlaufen zu lassen.
Dann drückt der Zug zurück in das Rückdrückgleis. Dem Gegenzug wird nun mit der
Seither muss bei Kreuzungen am Goe-
Dampffeife das Signal „Herkommen“ (lang-kurz-lang) gegeben.
theweg der zuerst ankommende Zug in
das waagerechte Gleis fahren. Ist es ein
bergwärts fahrender Zug, muss er zu-
nächst an der Weiche vorbei fahren,
halten und dann in das Gleis zurück
drücken. Daher der Name Rückdrück-
Nun nimmt der talfahrende Zug Fahrt auf. Im Gegensatz zum Goetheweg und zu
gleis. Der zweite Zug rattert dann ohne
Knaupsholz wird er in Heinrich-Heine-Weg aber halten.
Halt vorbei. Ist der talfahrende Zug zu-
erst da, kann er gleich in das Stumpf-
II. Absetzen von Wagen
gleis einfahren und drückt nach der
Vorbeifahrt des Gegenzuges zurück auf
das Streckengleis.
Dieses Procedere sollte auch auf der
Modellbahn für interessante „Äktschn“
Laut Fahrdienstvorschrift darf das Ladegleis nur von bergauf fahrenden Zügen bedient sorgen. Um die Sache noch spannender
werden. Der Zug hat am Schluss zwei Wagen, die hier auf das Ladegleis sollen. zu machen, habe ich ein weiteres Lade-
gleis eingezeichnet, das ebenfalls in der
Waagerechten liegt oder zum Ende hin
auch ganz geringfügig fallen darf. Wie
da rangiert werden muss, wenn ein
Wagen gestellt oder abgeholt werden
Der Zug hält oberhalb der Weiche, die dann auf den Anschluss gestellt wird. muss, steht links im Kasten.
Der Zug wird zurückgedrückt und die beiden letzten Wagen abgekuppelt. Das war jetzt ein Exkurs, der aber
innerhalb des Spiralenthemas Sinn
macht, weil mit einem solchen Rück-
drückgleis die Streckensteigung nicht
unterbrochen werden muss. Das kann
gelegentlich, wenn es knapp wird, die
Während der verkürzte Zug weiterfährt, machen sich die örtlichen Arbeiter daran, die Spirale überhaupt erst ermöglichen.
beiden abgestellten Wagen mit Haspel und Seil in das Ladegleis zu verfahren. In einem ähnlich großen Raum wie in
diesem Beispiel befand sich übrigens
die erste Version der BAE-Anlage des
Verfassers. Im Kapitel Anlagenplanung
wurde sie kurz vorgestellt. Das war
ebenfalls eine Schmalspurbahn, aber
im Maßstab 1:45. Deshalb sollte auch
eine gewöhnliche H0-Regelspuranlage
in Form einer peripheren Spirale auf
dieser Fläche möglich sein.

So sieht es in Knaupsholz aus, aber die Pers-


pektive täuscht: Das rechte Gleis liegt in der
Waagerechten, das Streckengleis links steigt
mit 33 ‰. In der Bildmitte eine Umlenkrolle
für das Seil der Haspelanlage zum Verfahren
der Waggons.

106 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


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Ausschneiden oder kopieren und im Briefumschlag schicken an: Aktionsnummer:


MZV direkt GmbH & Co.KG, Postfach 10 41 39, 40032 Düsseldorf PL2012S
Der Bahnhof Kleine Scheidegg von Ivo Cordes
gesehen. Zwischen den Gleisen der meterspurigen
Jungfraubahn im Vordergrund und denen der 800-
mm-spurigen Wengernalpbahn dahinter besteht logi-
scherweise keine Gleisverbindung. Von der linken Seite
kommt die Strecke aus Lauterbrunnen, rechts verschwindet
die Strecke nach Grindelwald hinter den Hotelbauten.

„Zackige“ Super-Spiralanlage lege Herbert Fackeldey (Autor des Bu-


ches „MINIMAX-Anlagen“) eine spiral-
förmige Zahnradbahnanlage mit „nur“

Mit IC und HFy auf 180 ‰ entworfen hat: Die im Berner


Oberland angesiedelte „Leiserbrunnen-
Zwengen-Bahn“ (LZB).

die Kleine Scheidegg Im Unterschied zu den anderen vor-


gestellten Spiralanlagen hat er in der
untersten Ebene keinen schattigen
Fiddleyard vorgesehen, sondern mit
Ganz im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Anlagenentwür- seinen steilen Zähnen so viel Höhen-
fen muss bei dieser Anlage nicht zwingend umgesetzt werden. distanz herausgeschunden, nämlich
Die Züge fahren aber auch nicht im Kreis. sage und schreibe 50 cm, dass er zwei
ordentlich gestaltete Anlagenebenen

D ass HFy keine Zuggattung der


Schweizerischen Bundesbahnen
ist, muss ich niemandem erzählen;
wünschten Höhendistanzen zwischen
den Ebenen zu erreichen. Beim Betrieb
sieht die Sache völlig anders aus, da die
übereinander vorsehen konnte.
Hier handelt es sich sowohl beim Mo-
dell als auch beim angedachten Vorbild
aber IC in diesem Falle auch nicht. Es Zugkraft der Triebfahrzeuge rasch tatsächlich um eine Inselbahn. Auf-
handelt sich nämlich um die Kürzel von Grenzen setzt. Es sei denn ... grund ihrer esoterischen Spurweite
Ivo Cordes und Herbert Fackeldey, de- von 800 mm kann sie keinerlei Gleis-
ren modellbahnplanerisches und gra- Steile Zähne verbindung mit einer anderen Bahn
fisches Wirken an anderer Stelle die haben, sondern nur Umsteige- und
Grundlage für diesen synergetischen Es sei denn, wir bauen eine Zahnrad- Umladebetrieb. So ist denn auch ein
Anlagenvorschlag „Leiserbrunnen- bahn. Während beim Vorbild die Gren- 0m-Gleis hinter dem überdachten
Zwengen-Bahn (LZB)“ ist. ze des Machbaren bei Reibungsbahnen Bahnsteig von Leiserbrunnen die einzi-
Aus den diversen Beispielen im Kapi- so um die 60 bis 70 ‰ liegt, erreichen ge lose Verknüpfung mit der restlichen
tel „Designtrumpf Spirale“ ist schon Zahnradbahnen gern 110  ‰ oder Eisenbahnwelt.
klar geworden, dass die Steigung bei mehr, in Einzelfällen gar 250 ‰. Erfah- Von Leiserbrunnen bis zur Bachbrü-
der Planung von Spiralanlagen eine ge- rungsgemäß ist es gut, im Modell stets cke verläuft die Trasse noch fast waa-
wichtige Rolle spielt. Prinzipiell könnte etwas hinter den Minimal- und Maxi- gerecht, doch direkt im Anschluss geht
man sagen: je steiler, desto besser. Je- malwerten des Vorbildes zurück zu es in die Maximalneigung von 180 ‰,
denfalls für die Planung, um die ge- bleiben, weshalb mein Freund und Kol- die bis kurz vor der Einfahrweiche von

108 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Zwengen

Obere Etage

Kleine
Scheidegg

In einem nur 2 x 3 m „großen“ Kabuff hat HFy seinen Anlagenentwurf „Leiserbrunnen-Zwengen-Bahn“ in Baugröße 0e realisiert. Dank Stei-
gungen bis zu 180 ‰ besteht zwischen den beiden Etagen trotz relativ kurzer Strecken eine Höhendistanz von 50 cm.

Leiserbrunnen

Untere
Etage

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 109


Dritte Etage

Obere Ebene
Zwengen

Kleine
Scheidegg

HFys Anlagenvorschlag konsequent weiter gedacht: Statt in Form eines Fiddleyards wird die lezahl darf man nicht Auto fahren. Und
Station Kleine Scheidegg auf einer dritten Etage ausgestaltet realisiert. Beim Gleisplan stand ab einer anderen – wesentlich höheren
ein Entwurf Ivo Cordes’ aus Hp1-Modellbahn 3/85 Pate, von dem auch die Titelgrafik auf – Promillezahl, dürfen Lokomotiven ih-
S. 108 stammt. Die Gleisanlagen der Jungfraubahn sind dabei weggelassen worden. Die Stre- ren Zug nicht bergauf ziehen, sondern
cke nach Grindelwald endet in der Lawinenverbauung, in der ein Zug verschwinden kann; müssen ihn schieben.
auch eine Art Schattenbahnhof. Bei dieser Bahn ist das so, weswegen
die Lokomotiven immer an der Talseite
Zwengen ohne Veränderung konstant Mehr soll hier nicht dazu gesagt wer- des Zuges laufen. Ergo nix mit Umset-
durchgehalten wird. den, schließlich ist dies ein Planungs- zen, juchhu! Man kann also seine Züge
Der Bahnhof Zwengen liegt selbst- werk und keine Fahrzeugumbaufibel. schlicht hin und her fahren lassen. Ein-
verständlich in der Ebene, doch dann Aber wer sich die einschlägige Litera- fach so wie Wendezüge, was sie letzten
folgt wieder eine kurze aber rasante tur über Schweizer Zahnradbahnen Endes irgendwie auch sind. Wird das
Steigung bis zum Fiddleyard Kleine etwas genauer anschaut, wird schnell nicht auf Dauer ein wenig langweilig?
Scheidegg. Hier endet HFys Anlagen- ein Vorbild finden, dessen Modell sich Das ist natürlich Ansichtssache – meine
vorschlag nach zwei Umdrehungen. glaubhaft aus der Fleischmann-Lok kennen Sie bereits. Aber es gibt ja noch
zaubern lässt. den Güterverkehr.
Eine 0e-Zahnradbahn? Mit Triebwagen sieht es da deutlich Die Kleine Scheidegg liegt weit ab
schlechter aus, weshalb auch in HFys von der Zivilisation im Schatten der
Woher nehmen und nicht stehlen? Pa- Gleisplangrafiken ausschließlich lokbe- Viertausender. Hierhin führt keine
pier ist bekanntlich geduldig, und so spannte Züge zu sehen sind. Straße, nur die Eisenbahn. Und des-
mancher Gleisplaner zeichnet da schon halb muss sie nicht nur die Touristen
mal was dahin, ohne einen Gedanken Endlich mal eine Anlage ohne nach oben schaffen, sondern auch al-
daran zu verschwenden, wie das denn ständiges Umsetzen les, was selbige dort droben verbrau-
realisiert werden soll. Herbert Fackel- chen oder kaufen wollen: Getränke mit
dey hat aber darüber nachgedacht. Es Meine Leser wissen es ja längst, dass und ohne Promille, Nahrungsmittel jeg-
gibt ja in H0 bekanntermaßen eine ich das Umsetzen für das Salz in der licher Art, Heizöl und Baumaterial.
Zahnradbahn von Fleischmann. Nicht Modellbahnbetriebssuppe halte. Des- Baumaterial? Ja, denn etwas zu Bauen
sehr üppig in der Modellvielfalt, aber wegen verstecke ich mich bei der Prä- gibt es da oben immer. Wieviel Güter-
immerhin. Und als Opfer zum Metz- sentation dieser Anlage, auf der man verkehr man auf einer derartigen Anla-
gern, wie HFy das Zerschnippeln von das nicht zwingend braucht, auch hin- ge nachstellt, bleibt dem Einzelnen
Fahrzeugen nennt, eignet sich die klei- ter zwei anerkannten Gleisplanungs- überlassen, der solch einen verwege-
ne Zahnradlokomotive bestens. Koryphäen. Ab einer gewissen Promil- nen Plan realisiert.

110 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Mehretagige Anlagen bringen das Problem
der Höhenoptimierung der einzelnen Etagen.
Links die von HFy in seinem zweietagigen
Vorschlag angesetzten Höhen, rechts alterna-
tiv die für den dreietagigen. Hier ist auf je-
den Fall ein Podest nötig, sonst ist die obere
Etage nicht bedienbar.

seite eine Durchschlupfhöhe von ca.


 135 cm. Hier gelten die Empfehlungen,
die ich schon im Kapitel „Designtrumpf
Spirale“ auf den Abbildungen S. 102
unten und S. 103 oben gegeben habe,
 nämlich beidseitige Stützgriffe zur Ent-
 lastung des Rückens.
Es gibt aber eine noch bessere Lö-
sung. Eine ordentliche Raumhöhe vor-
ausgesetzt (mind. 2,50  m), kann die
komplette Anlage mit allen Etagen um
 bis zu 20 cm höher gesetzt werden. Der
 gesamte Innenraum erhält anschlie-
ßend ein Podest von 20 cm Höhe, die
relativen Höhen der Etagen zum Fuß-
boden bleiben damit unverändert. Aber
die lichte Höhe beim Durchschlupf be-
trägt nun 155 cm – ein wesentlich rü-
 ckenfreundlicherer Wert.

Er kann’s nicht lassen


Zum Schluss die Anmerkung, die meine
Wie hoch fahren sie denn? Sicherheitseinrichtungen wie beispiels- treuen Stammleser von mir erwarten:
weise Haltegriffe oder Ähnliches not- Man kann die Anlage natürlich auch
HFy hat bei seinem Anlagenvorschlag wendig. mit zivileren Steigungen von sagen wir
zwei Etagen vorgesehen. Die Bahnhöfe 125 ‰ bauen, speziell wenn der Raum
liegen auf 90 und 140 cm über Fußbo- Wo geht’s denn rein? nur 50 cm länger ist. Das ergäbe eine
den. Und wie bedient man die? Die lin- „normale“ Zahnradbahn, wie etwa die
ke Hälfte der oben zu sehenden Abbil- Gute Frage. Wie kommt man in den In- Furka-Oberalp- oder die Brünig-Bahn,
dung macht dazu einen Vorschlag. Das nenraum der Anlage? In HFys Entwurf auf welchen Loks immer ziehen und
heißt, die untere Etage bedient man am gibt es in der Mitte der linken Schmal- am Ende umsetzen. Ich mein ja nur …
besten von einem Rolldrehsessel aus.
Schwieriger wird es im erweiterten Ja, Güterverkehr gibt es auch, wie man sieht. In Lauterbrunnen wird ein Niederbordwagen
Vorschlag mit der Station Kleine Schei- händisch rangiert. Und die Kupplung scheint bei einer Modellbahn abgeschaut. Kesselwagen
degg auf einer dritten Ebene. Dazu besitzt die Wengernalpbahn nicht, das Heizöl wird in kranbaren Kesseln mittels Tiefladewa-
macht die rechte Hälfte der obigen Ab- gen befördert. Foto: Herbert Fackeldey 1990
bildung einen Vorschlag. Die beiden
unteren Etagen sind gegenüber dem
Originalvorschlag 10 cm tiefer gesetzt
und die Höhendistanz von der zweiten
zur dritten Etage auf 40 cm reduziert.
So kann ein normal großer Modell-
bahner von einem 35 cm hohen Podest
aus die oberste Etage ordentlich bedie-
nen. An der Stelle darf sich aber nichts
Bedienungsrelevantes auf der unters-
ten Etage befinden, da Zugang zu Dreh-
sessel und Podest einander ausschlie-
ßen.
35 cm Höhe sind für ein Podest eine
Menge Holz, ganz wörtlich. Die optima-
le Podesthöhe (der Verfasser hat einige
an seiner Anlage) liegt bei 20 bis 25 cm.
Die hier notwendigen 35 cm machen

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 111


Am Wisser Bach entlang nach Norden „Hi Druse, ehrliche Meinung? Voll
langweilig. Also nicht für mich, aber für

Verborgenes Wissen
dich. Stell dir doch mal vor, die Anlage
ist fertig. Wo ist der Spielspaß? Jedes
Gleisoval mit zwei Abstellgleisen bringt
mehr Abwechslung. Also entweder bist

im Bergischen Land du jemand, der Züge fahren lassen


möchte, dann aber fehlt der Schluß
zum (verdeckten) Kreis. Oder du
machst gerne Rangierbetrieb, dann ist
In den meisten Modellbahnforen geht es gemäß dem Motto „Wat das die falsche Anlage für dich. Außer
in Morsbach eine Lok umsetzen ist da
dem enen sin Uhl is dem annern sin Nachtigall“ zu. Manchmal
nichts.Planung nach Vorbild in allen
gibt es aber echte Perlen zu entdecken – so der vielversprechen- Ehren, aber bitte nicht übertreiben. Ich
de Entwurf der Wissertalbahn, der hier betrieblich optimiert und garantiere dir, dass nach einer Stunde
fahren auf dieser Anlage (falls du sie je
dabei deutlich näher an das Vorbild herangeführt wird.
baust) die Langeweile einzieht. Egal, ob

I n den zahlreichen Internet-Modell-


bahnforen, die sich mit Anlagenpla-
nung befassen, stellen Neulinge in der
Die eingezeichneten Bahnhofsnamen
sagten mir nichts, aber „Morsbach“
schien wohl als Spitzkehre gedacht zu
wenig Gleis und tolle Landschaft das
Bild bestimmen. Sorry, aber du hast ge-
fragt ...“
Regel Anlagenideen ein, die – wie sagt sein – Super! Ich musste lächeln. Meine Kritik,
man doch so rücksichtsvoll – hohes Op- Einen kleinen Lapsus machte ich wenn man das überhaupt so nennen
timierungspotential haben. Sie wollen aus: Da die Strecke sich an der Zungen- kann, kam ein paar Tage später und
viel zu viel auf viel zu wenig Raum. Das wurzel überkreuzte, war ein PAN-mä- sah um ein paar Nuancen anders aus.
Übliche halt. ßiges Verfolgen des Zuges nicht mög- Hier ein paar Auszüge aus meinem
Doch dann war da eines Tages ein lich (vgl. dazu die Ausführung über Antwort-Posting:
neuer Strang von einem Modellbahner Anlagenzungen im Kapitel „Anlagen- „Der Anlagenentwurf Wissertalbahn
mit dem Nick „Druse“, der als Start den bau in Theorie und Praxis – Ausnut- von Druse zeichnet sich durch eine
auf der nächsten Seite gezeigten Plan zung des Raumes“). Das schrieb ich stark an ein konkretes Vorbild ange-
für sein ca. 3,75 x 4 m großes Modell- dann auch als einzigen Kritikpunkt in lehnte Konzeption aus mit dem betrieb-
bahnzimmer als rohe Skizze einstellte. meine ansonsten von Lob überquellen- lichen Highlight Spitzkehre. Darüber
„Wissertalbahn“ nannte er sein Pro- de Antwort. hinaus lassen die lineare Streckenfüh-
jekt, was bei mir schon mal einen Sym- Nun haben nicht alle die gleiche rung einmal an der Wand herum plus
pathieschub auslöste. Na, das war ja Sichtweise, sonst gäbe es in einem Fo- Anlagenzunge und das klare walk-
mal ganz was Anderes als das Übliche: rum auch nichts zu diskutieren. So gab around-Konzept einen Planer vermu-
point-to-point, mit einer richtigen Zun- es zu Druses Entwurf für die Wissertal- ten, der sich extrem schlau gelesen hat
ge und mit diversen Pfeilen, die Fort- bahn dieses heute noch im Internet (oder ein Naturtalent ist). Hinzu kommt
setzungen im Untergrund andeuteten. nachzulesende Posting: eine sichtbare Ausrichtung auf einen

Das Güteraufkommen im Wagenladungsverkehr nach und ab Mors-


bach war bis zur Einstellung überraschend hoch. Holz und Holzpro-
dukte bis hin zu den hier sichtbaren Bauwagen spielten dabei eine
große Rolle. Am 3.8.1977 fotografierte Axel Johanßen die 211 231
des Bw Dieringhausen vor dem Ü 66803 in Morsbach.

112 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Die kleine Skizze zeigt „Druses“ originalen
vielversprechenden Entwurf: Zungenanlage,
linear, point-to-point, mit konkretem Vorbild.
Wow! So etwas ist in den Planungsforen eher
selten zu sehen. Wer das Thema Anlagenzun-
ge im Kapitel „Anlagenplanung – Ausnut-
zung des Raumes“ gelesen hat, erkennt na-
türlich auch den Hauptplanungsfehler sofort.

interessanten und realistischen Güter-


verkehr durch die Einplanung einer
Reihe von Gleisanschließern, die hohes
Frachtaufkommen verheißen.“
Diese „Kritik“ fiel offensichtlich auf
fruchtbaren Boden, denn schon zwei
Tage später kam „Druse“ mit einem Nach den ersten Kommentaren, unter anderem auch vom Autor dieser Zeilen, reichte „Druse“
weiter entwickelten Plan, der mich voll- diesen „aufgepeppten“ Anlagenplan nach, jetzt komplett nach PAN und zudem mit spannen-
ends begeisterte und dem anderen den Gleisanschlüssen, die einen interessanten Güterverkehr ermöglichen. Nur die Fortführung
Kommentator anscheinend die Spra- nach Waldbröhl wirkt unausgegoren. Die Rhein-Sieg-Strecke, an der Wissen liegt, ist eingleisig
che verschlug. Der neue Plan war abso- statt zweigleisig dargestellt.
lut „PAN-fähig“ und versprach trotz
seiner noch rohen Form intensiven Be- – und niemand wird beweisen können, zen – und ich brauchte ein paar Tage,
trieb. dass dies oder das so nicht stimmt! bis mein Alternativplan einigermaßen
Meine Leitidee war, dass auf jeden vorzeigbar war und in das Forum ein-
Erst schlau machen – dann Fall der Bahnhof Morsbach deutlicher gestellt werden konnte.
schlau reden … als Spitzkehre ausgebildet und die bei- Dazu schrieb ich folgenden Kom-
den Verbindungen von Waldbröhl in mentar: „Die Rhein-Sieg-Strecke ist
Von einer Wissertalbahn hatte ich bis Richtung Bielstein–Osberghausen funk- eine zweigleisige Hauptbahn mit hoher
dato noch nichts gehört, aber natürlich tional abgebildet werden sollten. Zugdichte, speziell im Güterverkehr.
machte ich mich schnell schlau und Diesen heftigen Verkehr durch den dar-
schaute mir das Tal des Wisser Bachs Ein gutes Ding besser machen gestellten Anschlussbahnhof Wissen
nördlich der Sieg genauer an – auf der rollen zu lassen, würde einen gewalti-
Karte zumindest. Den unteren Ab- Nachdem ich mich also mit Vorbildinfor- gen Schattenbahnhof sowie eine her-
schnitt der Wissertalbahn bis Mors- mationen versorgt hatte, traute ich mich vorragend funktionierende Automatik
bach fand ich allerdings nicht. Später nach Rücksprache mit „Druse“, meinen erfordern. Und dennoch würde man
erfuhr ich von „Druse“, warum nicht: Gegenentwurf – na, sagen wir beschei- trotz des enormen Aufwandes die Züge
Er war kurz vor Kriegsende bei einem dener Optimierungsvorschlag – im Fo- jeweils nur wenige Sekunden zu sehen
Bombenangriff völlig zerstört und an- rum als alternatives Konzept vorzustel- bekommen.
schließend nur zu einem kleinen Teil len, das dem Vorbild noch näher kommt, Druse hat die Rhein-Sieg-Strecke
wieder aufgebaut worden. nicht mehr Raum beansprucht als der eingleisig geplant, was natürlich, wenn
So eine längst verschwundene Stre- ursprüngliche Entwurf, längere Fahr- man schon ein vorbildorientiertes Kon-
cke ist ein gefundenes Fressen als Vor- strecken aufweist und von einer Person zept verfolgt, nicht so überzeugt. Wie-
lage für eine Modelleisenbahn. Kaum zu bedienen (wie es bei „Druse“ in der wohl ich prinzipiell eingleisigen Stre-
jemand weiß noch etwas über die Regel der Fall sein wird) und zu bewäl- cken das Wort rede, muss ich hier sa-
Bahn, es gibt wenig Unterlagen – und tigen ist. Die Tatsache, dass der Bahnhof gen, dass er sich damit eine noch
das macht frei. Sogar im höchsten Morsbach eine Spitzkehre ist, habe ich höhere Hürde für die Darstellung des
Grad, denn es erlaubt, Bahnhöfe und in den Mittelpunkt des Geschehens ge- Betriebes auf dieser Strecke geschaffen
Strecke so zu gestalten, wie man es rückt. Aber so einfach wie hier hinge- hat. Könnte dieser bei zwei Gleisen
mag und es der Platz zu Hause erlaubt schrieben war das gar nicht umzuset- noch einigermaßen automatisch lau-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 113


fen, bei Eingleisigkeit wäre durch das Privatbahn, die über Nümbrecht eben- engen Raum ist es doch ganz schön
ständige Kreuzen von Zügen in Wissen falls nach Bielstein führt und dort in die schwierig, die diversen Höhen mit-
die Hölle los und das Behandeln und Wiehltalbahn mündet. Weiterhin gab es einander zu verbinden.
Abfertigen der Wissertalbahnzüge noch eine Schmalspurbahn, die hier
kaum noch zu händeln.“ aber außen vor bleibt. Diese Einbin- Von Wissen nach Waldbröhl –
„Druse“ hatte im Kommentar zu sei- dung wollte ich auch in die Anlage ein- auf 3,75 x 4 m
nem Entwurf geschrieben, dass er planen, was doch einen elaborierteren
Waldbröhl beim besten Willen nicht Bahnhof Waldbröhl erforderte. Also: Fast die gesamte Wissertalbahn, zu-
mehr unterbringen konnte. In den bei- wohin damit? mindest ab Volpershausen, ist nun auf
den Zeichnungen auf der vorherigen der Anlage dargestellt, wenn auch nicht
Seite ist das zu erkennen. Aber gerade Auch verborgenes Wissen nützt alle Unterwegsbahnhöfe integriert wer-
wenn man sich mit der Strecke beschäf- den konnten. Das dürfte allerdings be-
tigt hat, mag man es gar nicht akzeptie- Der größte Bahnhof in „Druses“ Ent- trieblich kaum negative Konsequenzen
ren, dass von Morsbach aus kein Zug wurf war Wissen. Einen solchen real haben, weil es sich zumeist um wei-
nach Norden fahren kann. Ich suchte existierenden großen Bahnhof an einer chenlose Haltepunkte handelt. Die aus
daher nach einer Lösung, wie ich Wald- zweigleisigen Strecke auf der Anlage dem Schattenbahnhof Wissen kom-
bröhl auf die Anlage bringen könnte, darzustellen, halte ich für ein sehr ge- menden Züge tauchen kurz vor der
ohne das Ganze zu überfrachten. wagtes Unterfangen, wenn man nicht Einfahrweiche von Volpershausen auf
In der Vorbildkarte sieht man, dass unerhört viel Platz hat. So ein Bahnhof und können nun nach dem Prinzip der
es sich bei Waldbröhl nicht um einen gehört meines Erachtens in den Unter- absoluten Nähe (PAN) bis Morsbach
Kopfbahnhof handelt. Von dort gehen grund, in den Schatten. Genau: Wissen von ihrem Lokführer begleitet werden.
Strecken in drei Richtungen ab – außer wurde in meinem Entwurf Schatten- Dem tut auch das kurze Verschwinden
der nach Morsbach noch eine DB-Stre- bahnhof, an seine Stelle kam ober- im Spiraltunnel zwischen Volpershau-
cke über Wiehl nach Bielstein und Os- irdisch nun Waldbröhl. Alles paletti? Na sen und Morsbach keinen Abtrag.
berghausen (Wiehltalbahn) sowie eine ja, so einfach war das nicht. Auf dem Nachdem die Züge in Morsbach Kopf
gemacht haben, geht es weiter Rich-
tung Waldbröhl, und da ist das PAN
leider nicht verwirklichbar gewesen.
Die Züge sind zwar, von dem kurzen
Tunnel vor dem Fenster abgesehen,
ständig zu sehen, aber doch von der
ganzen Landschaft der Anlagenzunge
verdeckt, um die der Triebfahrzeugfüh-
rer herumgehen muss, um seinen Zug
dann kurz vor Waldbröhl wieder zu
treffen. Nicht die allerbeste Lösung,
hier aber wohl die unter den gegebe-
nen Umständen optimale. Ein kleiner
betrieblicher Tipp am Rande: Anstatt
um die Zunge herumzuhetzen, um
rechtzeitig wieder beim Zug zu sein,
könnte der Triebfahrzeugführer den
Zug auch, sobald er ihn nicht mehr se-
hen kann, stoppen und erst dann wei-
ter fahren lassen, wenn er das Ende
des rechten Ganges erreicht hat. Diese
Zeit wird der Fahrzeit zugeschlagen
beziehungsweise den virtuellen Aufent-
halten in Kömpel und Hermesdorf;
auch nicht schlecht, oder?
Soviel also zu meinem auf der nächs-
ten Seite gezeigten Entwurf. Bevor ich
zu meinem Gegenvorschlag komme,
möchte ich noch ein wenig die Vorbild-
strecke untersuchen.

Wissen ist Macht


Ursprünglich als durchgehende Nord-Süd-Verbindung geplant, hatte die Wissertalbahn stets
nur sehr lokale und regionale Bedeutung – außer 1923, als während der Ruhrbesetzung Um- „Druse“ reagierte zwar mit Begeiste-
leitungsgüterzüge über die Strecke geleitet wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges zer- rung auf meinen Gleisplan, aber er pos-
stört, wurde die Strecke von Norden her nur bis Volpershausen wieder aufgebaut. Der Perso- tete nur noch zweimal und verschwand
nenverkehr nach Volpershausen wurde 1954 eingestellt, der restliche bis Morsbach 1960; der dann aus dem Forum. Und ich vergaß
letzte Güterzug fuhr im September 1994. die Wissertalbahn; aus den Augen, aus

114 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Der alternative Ent-
wurf des Verfassers
¼ versuchte, die ganze

Wissertalbahn von

Wissen über die
Spitzkehre Morsbach
bis nach Waldbröhl
und deren Anschluss-
strecken in Richtung
Bielstein und Os-
 berghausen abzubil-
den. An der Stelle,

wo sich im Original-
entwurf der Bahnhof
Wissen befand, liegt
nun Waldbröhl. Wis-
sen wurde an dieser
Stelle in den Unter-
grund verbannt –
 und so erklärt sich

auch die Überschrift
dieses Kapitels …

dem Sinn. Doch dann passierte etwas Original-Gleispläne so weitgehend wie Bogen liegender Bahnhof – so wie
Interessantes. In einem Gespräch unter möglich umzusetzen. Wenn ich nun also Waldbröhl im alten Plan (beziehungs-
Modellbahnerfreunden fiel das Wort auch Wisserhof mit einarbeiten würde, weise Wissen in Druses Entwurf).
Wissertalbahn, und ich erzählte die Fo- dann würde es eigentlich reichen, die Waldbröhl – das wurde mir jetzt erst
rumsgeschichte von „Druse“ und sei- Strecke wirklich klar – gehörte oh-
nen Anlagenplänen. nur bis Hermes- Einen real existierenden großen Ab- nehin in den
„Du“, sagte mein Freund H., „da dorf darzustellen, zweigbahnhof an einer zweigleisigen Schatten, hat das
habe ich was.“ Er hatte untertrieben. nicht bis Wald- Strecke auf der Anlage darzustellen, Vorbild doch sie-
Es stellte sich heraus, dass er eine gan- bröhl oder gar da- ist ein sehr gewagtes Unterfangen, ben Gleise plus
ze Bibliothek über Eisenbahnen im rüber hinaus. In wenn man nicht unerhört viel Platz diverse Stumpf-
Bergischen Land besaß – und in meh- einem der Bücher hat. So ein Bahnhof gehört eher in den gleise. Wo sollten
reren Büchern fand sich etwas über die meines Freundes Untergrund. die hin bei dieser
Wissertalbahn. Die Fotoausbeute war fand ich einen Ori- kleinen Anlage?
allerdings eher gering, so arg viel ginalgleisplan von Morsbach, und der Morsbach ließ sich geduldig ein we-
scheint an der Strecke nicht fotogra- schrie geradezu nach Umsetzung im nig weiter verbiegen, bis es an die Stel-
fiert worden zu sein. Aber es gab Fahr- Modell. Das Morsbach in meinem ersten le passte, die einst mein „Waldbröhl-
pläne, ein Streckenschema und diverse Plan, so zeigte sich jetzt, war arg unter- Verschnitt“ eingenommen hatte. Von
Bahnhofsgleispläne, darunter den von belichtet. Also ran! dort geht es einmal um die ganze Anla-
Morsbach. Wow! ge über Volpershausen und Wisserhof
Und jetzt? Ich hatte meine Bahnhofs- Auf ein Neues, jetzt aber richtig! nach Wissen, das nun unter Morsbach
pläne ganz nach Gutdünken gezeichnet, geklemmt ist. Ja, geklemmt, denn die
denn nichts Genaues wusste ich nicht. Wenn ich den Gleisplan von Morsbach Höhendistanz beträgt nur 12 cm. Ge-
Jetzt aber hatte ich plötzlich alle Gleis- einigermaßen korrekt einbauen wollte, nauer gesagt, betrug – denn das konnte
pläne von Wissen bis Hermesdorf! Die musste dafür ein anderer Platz gefun- so nicht bleiben, da man so nicht „fidd-
Zahnrädchen in meinem Kopf surrten den werden, als in meinem ersten Ent- len“, also an den gespeicherten Zügen
und surrten – und so beschloss ich zu- wurf, der noch stark auf Druses Origi- etwas ändern kann. Deshalb schaltete
mindest den Versuch zu wagen, beim nalplan basierte. Aber schon kam die ich „südlich“ von Volpershausen noch
Zeichnen eines neuen Anlagenplans die zündende Idee: Morsbach ist ein im eine Wendel ein, wodurch der Schat-

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 115


Typisch für die letzten Betriebsjahre von Morsbach: Der als Sonderfahrt von Hermesdorf ge-
kommene einmotorige Schienenbus mit seinem kurzen Anhänger (795 414 und 995 409, bei-
de damals im Besitz der Eisenbahnfreunde „Flügelrad Oberberg e.V.“) macht hier Kopf wie in
schönsten Spitzkehrenzeiten. Er wird dann aber dahin zurückfahren, wo er hergekommen ist,
denn die eigentliche Wissertalbahn südlich von Morsbach existiert nicht mehr. Auch wenn die
Schienen rostig sind, scheint der Güterverkehr zu florieren … Foto: Axel Johanßen

tenbahnhof Wissen nun auf -24 cm un- von der Baugröße – das Minimum. Das
ter Morsbach landete. Das war schon Erreichen dieser Höhendistanz machte
viel besser; die Fahrstrecke von Wissen eine entsprechende Längenentwick-
nach Morsbach (gemessen von Bahn- lung der Strecke erforderlich.
hofsmitte bis Bahnhofsmitte) beträgt Bei der Strecke nach Wissen konnte
jetzt immerhin 20,4 m. ich das mit der Wendel zwischen Vol-
pershausen und Wisserhof erreichen.
So nah am Vorbild wie möglich Einen zweiten Platz für eine Wendel
gibt es auf der Anlage nicht, also muss-
Die Strecke nach Hermesdorf steigt von te die Hermesdorfer Strecke anders
der Bahnhofsausfahrt Morsbach aus absteigen, nämlich in einer langen
über mehrere hundert Meter stramm Schlaufe, die allerdings genau da kehrt-
mit einer Steigung von 1:40 an. Das macht, wo schon die Wendel liegt. Nur
hätte ich auf der Anlage gerne auch so eine ganz penible Feintarierung der
gemacht. Es scheiterte daran, dass die- Höhen machte diese Lösung möglich,
se Strecke anschließend in den Unter- ohne dass sich die beiden Strecken ins
grund muss, um dann im Schatten- Gehege kommen. Die kleine Zeichnung
bahnhof Hermesdorf/Waldbröhl so tief auf Seite 118 unten verdeutlicht das.
wie möglich zu enden. Schattenbahn- Der Schattenbahnhof Wissen liegt
höfe, in denen Züge nicht nur geparkt, nun genau unter Morsbach, der Schat-
Ein wunderbarer Fund: das komplette Gleis- sondern auch in der Zusammensetzung tenbahnhof Waldbröhl/Hermesdorf un-
schema der Wissertalbahn. Aber dadurch war verändert werden sollen, brauchen ter den beiden parallelen Zulaufstre-
der schöne erste Anlagenentwurf Makulatur. schließlich eine vernünftige lichte cken nach Morsbach vor dem Keller-
Auch dass der Bahnhof Wissen besser „virtu- Höhe, um mit der Hand noch bequem fenster. Die Bahnhofsgleispläne der
ell“ in den Untergrund gehört, legt diese eingreifen zu können. Zwanzig Zenti- Zwischenstationen entsprechen jetzt
Grafik ebenfalls nahe. meter sind da eigentlich – unabhängig weitestgehend dem Vorbild; das gegen-

116 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


über dem Streckenplan zusätzliche Der Bahnhof Morsbach – ein Spitzkehrenbahnhof der Luxusklasse mit Hosenträger und meh-
Stumpfgleis in Volpershausen wurde reren Kreuzungsweichen. Er wurde ganz offensichtlich für einen intensiven Verkehr mit häu-
aufgrund einer Information in der Lite- figen Zugkreuzungen geplant, der jedoch nur einmal ganz kurz stattfand, als 1923 bei der
ratur angefügt; dort wurde nämlich das Ruhrbesetzung zahlreiche Umleitungsgüterzüge über die Strecke geführt wurden.
Anschlussgleis eines Erzbergwerkes
mit einer Sturzbühne erwähnt. auf dieser Seite oben zeigt, dass nur einer Zugkreuzung die Lok des zuerst
recht wenig abgespeckt werden muss- eingefahrenen Zuges umgesetzt haben
Was heißt hier Bergisch? te. Die Funktionalität des Spitzkehren- muss, bevor der zweite Zug einfahren
bahnhofes ist weitgehend erhalten ge- darf – dessen Lok kann erst nach Ab-
Das Wissertal liegt im Bergischen Land. blieben. Was im Modell aus Platzgrün- fahrt des ersten Zuges umsetzen.
Auch wenn dieser Landschaftsname den fehlt, ist das vierte Gleis, an dem So weit, so schlecht. Wirklich? Ich
auf die Grafen von Berg zurückgehen sich Lagerplätze befanden und das of- finde, dass solche kleinen Einschrän-
soll, kann man ihn auch wörtlich neh- fensichtlich an der öffentlichen Lade- kungen durchaus die (Betriebs-)Suppe
men, denn es handelt sich um ein typi- straße lag. Diese Funktion muss nun würzen. Bahnhofsgleispläne, in denen
sches Mittelgebirge. Das ausgeprägte Gleis 3 übernehmen, was allerdings alles zugleich geht, sind wie ein Schach-
Relief zwang die Bahnbauer seinerzeit bedeutet, dass es als Lokumlaufgleis in spiel, in dem die Türme auch diagonal
zum Bau von zwei recht großen Via- der Regel nicht zur Verfügung steht. laufen dürfen! So sehr man sich das in
dukten und zwei Tunneln. Das Argu- Das hat wiederum zur Folge, dass bei einer ganz bestimmten brenzligen Situ-
ment, Nebenbahnen müssten ohne auf-
wändige Kunstbauten und Weichen-
konfigurationen angelegt werden, gilt
bei der Wissertalbahn nicht. Das kann
man bei der Gestaltung der Anlage aus-
nutzen, die auf dem endgültigen Anla-
genentwurf nicht mehr Tunnel hat als
das Vorbild. Ein Viadukt wurde am un-
teren Ende des Wendeltunnels einge-
zeichnet, ein zweites könnte auf dem
abklappbaren Teil platziert werden.

Im Zentrum des Geschehens –


die Spitzkehre Morsbach
Der Vergleich des Gleisplans von Mors-
bach im definitiven Anlagenvorschlag
(s. S. 118 oben) mit dem Originalplan

Wo sich heute diese hochgezogene Rampe


als Verlängerung der Bahnsteigkante von
Gleis 1 befindet, lag früher das Stumpfgleis
des Güterschuppens, dessen Anbindung aus
dem Bahnhofsgleisplan in der Zeichnung
oben ersichtlich ist. Foto: OOK

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 117


¼



Und so sieht dann der endgültige Anlagenentwurf aus. Die eigentliche Wissertalbahn Wissen–Morsbach konnte komplett auf der Anlage reali-
siert werden, allerdings ohne die weichenlosen Haltepunkte, die weiterführende Strecke in Richtung Hermesdorf (Wiehltalbahn) ebenfalls. Ein
Vergleich mit dem Bahnhofsgleisplan zeigt, dass Morsbach hier jedoch etwas abgespeckt und vereinfacht werden musste. Der Bahnhof konnte
aber in seiner typischen Form erhalten werden; auch die Betriebsabläufe des Vorbilds lassen sich alle nachspielen.

ation wünschen mag, werden dadurch


 Herausforderung und Spielspannung
gesenkt.
Morsbach bleibt auch in der hier im
Anlagenvorschlag realisierten Form
ein Spitzkehrenbahnhof der Luxusklas-
 se. Der Hosenträger mit den zwei dop-
pelten Kreuzungsweichen erlaubt die

Um den zweifachen Abstieg in die Schatten-


bahnhöfe Wissen und Hermesdorf/Waldbröhl
zu realisieren, musste eine millimetergenaue
Feintarierung der Höhen im Bereich der Wen-
del vorgenommen werden. Die Steigungen lie-
gen bei 30 bis 35 ‰.

118 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Bahnhofsgleispläne, in denen alles zu-
gleich geht, sind wie ein Schachspiel,
in dem die Türme auch diagonal laufen
dürfen. So sehr man sich das in einer
ganz bestimmten brenzligen Situation
wünschen mag, wird dadurch die Her-
ausforderung und die Spielspannung
gesenkt.

Ein- und Ausfahrt von/nach beiden


Strecken von/nach allen Gleisen – ein
großer Komfort allemal.
Am 28.3.1985 setzte die SPD Bergneustadt einen Sonderzug nach Waldbröhl als Zubringer
zum dortigen Viehmarkt ein; dies sollte gleichzeitig eine Werbung für die Wiederaufnahme Ein Blick auf den Fahrplan:
des Betriebs auf der Wiehltalbahn sein. In einer Anschlussfahrt kam 211 272 des Bw Dierig-
Gemütliche Ungereimtheiten
hausen mit ihrem Sonderzug dann auch bis Morsbach. Foto: Axel Johanßen
Anders als beim „prototype freelan-
cing“, wo der Modellbahner ein Fahr-
plangefüge frei erfinden kann (wie wir
es beispielsweise im Kapitel über die
Luttergrundbahn gesehen haben),
heißt es bei der Nachstellung einer
Strecke, die es gibt oder gab, auch ei-
nen Blick in die Vorbildfahrpläne zu
werfen – sofern man ihrer habhaft
wird. Im Falle Wissertalbahn fiel mir
der Winterfahrplan Wissen–Waldbröhl
der Fahrplanperiode 1929/30 in die
Hände. Ein interessantes Zeitzeugnis,
Die beiden Schemazeichnungen zeigen den Gleisplan des Bahnhofs Morsbach im Original und mein erster Eindruck war der eines fei-
in der Form, wie er im Anlagenvorschlag Wissertalbahn realisiert worden ist. Trotz einiger ab- nen gemütlichen Fahrplänchens für
gespeckter Gleise sind die wesentlichen Betriebsabläufe weiterhin möglich. einen einzelnen Modellbahner. Ich sehe
nur eine einzige Zugkreuzung, selbst
Die Straßenseite des Empfangsgebäudes ist auch heute noch weitgehend intakt und unverän- die könnte man – wenn man es denn
dert; die Aufnahme entstand im Mai 2012. Nur das ursprüngliche Schieferdach ist heute mit will – durch eine geringfügige Verschie-
konventionellen Dachziegeln gedeckt. Foto: OOK bung des Zuges 1239 eliminieren.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 119




8


Der Winterfahrplan 1929/30 mit vier (werktags fünf) Zugpaaren, die für die 22 km rund
eine Stunde brauchten. Einige Fußnoten scheinen nicht ganz zur Tabelle zu passen, nur
g und h finden sich in den Zugspalten wieder …

Halbe Züge, gibt‘s die? ganz anderen Verkehrsaufkommen


ausgegangen sind. In der Tat sollte die 
Was nun aber heftig ins Auge springt, Wissertalbahn einmal Teilstück einer
ist der „halbe“ Zug Nr. 9145 W, Wissen längeren Transversalverbindung vom 8
ab 13.22 Uhr. Wie ist das möglich? Der Ruhrgebiet nach Siegen/Betzdorf wer-
kann doch nicht einfach in Morsbach den. Daraus ist nichts geworden, wa-
vom Erdboden verschluckt werden. rum auch immer. Nur einmal war das
Nun, allein die Zugnummer sagt uns, für kurze Zeit anders, als nämlich 1923 
dass dies kein Zug wie die meisten an- die Franzosen wegen ungenügender
deren ist, die passt nur mit dem Zug Reparationszahlungen große Teile des
9134 W, Waldbröhl ab 5.45 Uhr zusam- Ruhrgebiets besetzten. Da waren die
men. Und dieses nette Pärchen ist auch Hauptverbindungsbahnen zerschnitten 
sonst anders: früh morgens eine halbe und viele Züge mussten umgeleitet
Stunde Aufenthalt in Morsbach, bei der werden – zum Beispiel über die Wisser-
Rückfahrt auffällig verlängerte Halte in talbahn. Ein Fahrplan jener Zeit liegt
Wisserhof und Volpershausen. Einzig mir leider nicht vor, aber es muss in 
mögliche Schlussfolgerung: Das ist ein Morsbach hoch hergegangen sein. Da
gemischter Zug, der unterwegs ran- wird der Hosenträger gute Dienste ge-
giert, ein GmP also, ein Güterzug mit leistet haben.
Personenbeförderung, auch wenn die 
Zugnummer keine entsprechenden Machen wir es dem Vorbild nach
Buchstaben hat.
Aber wieso „versickert“ dieser Zug Ein einzelner Modellbahner tut sicher
bei der Rücktour in Morsbach? Dafür gut daran, sich an den Fahrplan von 
gibt es meines Erachtens nur eine Er- 1929/30 zu halten. Den kann er ganz
klärung: Ab dort verkehrt er nicht mehr stressfrei abwickeln. Ob es dann aller-
als gemischter Zug, sondern als reiner dings lohnt, in Morsbach den Hosenträ-
Güterzug. Allerdings nicht nach Wald- ger zu installieren, sei dahingestellt.
bröhl, wie mir ein Fahrplanhistoriker Die Anlage ist aber von der Konzeption So sieht der Fahrplan der Wissertalbahn von
verriet, der sich im Bergischen sehr gut her für den Betrieb mit zwei Fahrper- 1929/30 in der grafischen Darstellung aus.
auskennt. Statt dessen machte der Zug sonalen (eventuell plus einem zusätzli- Der farbige gestrichelte Teil des Zuges 9145
in Hermesdorf Kopf und fuhr weiter chen Fahrdienstleiter in Morsbach) W stellt die rekonstruierte Weiterführung als
nach Dieringhausen. Im grafischen nicht nur geeignet, sondern geradezu Güterzug dar. Man erkennt, dass dies eine
Fahrplan ist das mit der rotbraun ge- prädestiniert. Dann sollte man aber die Strecke mit einem Verkehr ist, den ein einzel-
strichelten Linie dargestellt. Der Perso- Zugfrequenz in etwa verdoppeln, so ner Modellbahner ganz gut bewältigen kön-
nenwagen blieb in Morsbach stehen, wie es gewesen wäre, wenn die Bahn nen sollte.
und wurde dem nachfolgenden Perso- so gelaufen wäre wie geplant und ge-
nenzug 1265 mitgegeben, damit er am wollt. Das ergäbe fünf bis sechs Kreu- bröhl) mit zumindest einem ganz
nächsten Morgen wieder in Waldbröhl zungen in Morsbach. Holla, das wäre durchlaufenden Zugpaar. Ein „durch-
verfügbar war. ein Betriebsvergnügen! reisendes“ Eilgüterzugpaar würde
Aber ein Hosenträger trotz toter Bei dieser durchaus realistischen An- ebenso Sinn machen; es würde ledig-
Hose? Da drängt sich die Frage auf, nahme würde sich auch das Spektrum lich in Morsbach beim Kopfmachen
warum der Bahnhof Morsbach den Ho- an Zuggattungen erweitern. Zumindest Wagen aussetzen oder aufnehmen.
senträger und die zusätzlichen Wei- ein Eilzugpaar Siegen–Wissen–Mors-
chenverbindungen hat, wenn hier der- bach–Gummersbach–Wuppertal mit Betrieblicher Joker – hinter
art wenig los ist. Nicht eine einzige Vierachsern der 30er-Bauart würde vorgehaltener Hand verraten
Zugkreuzung zeigt der Fahrplan von sich hier gut machen. Schließlich gab
1929/30! Die Antwort ist wohl, dass die es nach dem Krieg die Fahrplantabelle Für die Liebhaber opulenter Ganz-
Planer und Erbauer der Bahn von einer 240m (Wuppertal–Remscheid-Lennep güterzüge habe ich auch noch einen
ganz anderen Bedeutung und einem –Dieringhausen–Hermesdorf–Wald- Trumpf im Ärmel: In Anlehnung an den

120 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Die Zeichnung zeigt die Gleisseite des EG
Morsbach vor Errichtung des Stellwerkan-
baus im Maßstab 1:120 (1:1 für TT, für H0 mit
138 % kopieren). Zeichnung: OOK

erwähnten Sonderbetrieb während der


Ruhrbesatzung könnten auf der Wis-
sertalbahnanlage lange Kohlenzüge
beladen in Richtung Süden (Wissen)
und leer in der Gegenrichtung laufen.
Dazu würde es sogar Sinn machen, die
beiden Schattenbahnhöfe Wissen und
Hermesdorf mit einem durchgehenden
Gleis (besser zwei) zu verbinden. Die-
sen Vorschlag spreche ich nur leise hin-
ter vorgehaltener Hand aus, denn das
könnte so manchen nur halbwegs be-
kehrten „Kreisfahrer“ rückfällig wer-
den lassen und auf die Idee bringen,
alle Schattenbahnhofsgleise durchzu-
binden. Ich kann niemanden daran
hindern – aber es würde die Konzep-
tion dieser Anlage massakrieren und
der verspielten Herumfahrerei Tür und
Tor öffnen …
Dennoch halte ich die beiden in der
kleinen Zeichnung unten gezeigten Ver-
bindungsgleise für sinnvoll, aber eben
nur für dieses Ganzgüterzugpaar. Ein
leerer und ein voller Kohlenzug stehen
dann hier bei Betriebsbeginn im Unter-
grund bereit. Wenn der Fahrplan gut
gemacht ist, kreuzen sich diese Züge in
Morsbach, wo sie beide Kopf machen
müssen. Das dürfte dann jedes Mal der
Höhepunkt der Betriebssession sein.
Und die Moral von der Geschicht? Ein
Modellbahner könnte der Wissertal-
bahn die Bedeutung verschaffen, die ihr
in der realen Welt versagt geblieben ist.
Wem es jetzt in den Fingern kribbelt,
möge bald einmal ins Tal des Wisser
Baches aufbrechen und bei einem Lo-
kaltermin hinter Bäumen und Büschen
versteckt liegende Tunnelportale, Brü-
cken und Viadukte entdecken. Die Glei-
se vor dem schönen Empfangsgebäude
in Morsbach sind auch noch unter dich-
tem Unkraut zu finden. Auf gehts!

Wenn man die Schattenbahnhöfe Wissen und Hermesdorf/Waldbröhl durch zwei weitere Glei-
se verbindet, können durchlaufende Ganzgüterzüge gegenläufig über die Anlage verkehren,
zum Beispiel Kohlenzüge Ruhr–Siegen gegen den Uhrzeigersinn, die entsprechenden Leerzüge
andersherum.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 121


Eine vertikale Weiche, die „klappt“ 9565157-0-4) einen wesentlich simple-
ren „low tech“-Klappmechanismus, mit

Anderthalb Etagen
dessen Hilfe er an einer Stelle im Ver-
borgenen einen Wagenzug (ohne Lok)
um etwa 30 cm absenken kann. Ich
habe mir daraufhin einmal genau an-

im Regal geschaut, ob man dieses System so


weiterentwickeln kann, dass es auch
für richtige Züge genutzt werden kann.
Außerdem dachte ich an die Möglich-
Wenn nur wenig Platz zur Verfügung steht, ist ein normales keit, den Zug auch ohne Niveauwechsel
auf der gleichen Ebene weiterfahren zu
Regal eine gute Möglichkeit, um die Anlage ins Wohnumfeld zu
lassen. Damit hätten wir eine vertikale
integrieren. Dabei kann man auch noch ein Stück weitergehen – Weiche.
und eine zweite Ebene ersetzt die fehlende Länge.
Streckenabzweig mit vertikaler
A nlagen im Regal sind eine feine Sa-
che. Bei der typischen Tiefe von 30
bis 40 cm, die handelsübliche Regale
Supersimpler Klapperatismus
Die Aufgabe, Züge von einer Ebene auf
Weiche
Eine richtige vertikale Weiche hat der
aus allen möglichen und unmöglichen eine andere zu transferieren, hat sich schon an anderer Stelle erwähnte John
Möbelhäusern aufweisen, lässt sich zu- schon mancher Modellbahner gestellt. Armstrong bereits vor vierzig Jahren
mindest in den Maßstäben kleiner als 0 Dabei sind die tollsten Techniken er- erdacht. Er schlug vor, ein etwa 1 m
schon etwas recht Ordentliches aufbau- sonnen worden – von der Verwendung langes Trassenstück so biegsam zu ma-
en. Leider sind die meisten Regale eines Garagentorantriebs bis zum Ein- chen, dass das eine Ende ein paar Zen-
platzbedingt doch eher kurz, was wie- bau von angetriebenen Gewindestan- timeter nach oben oder unten bewegt
derum der Längenausdehnung der An- gen. Für technisch versierte Anlagen- werden kann, während das andere fest
lage sehr im Wege steht. Jetzt einfach bauer ist das eher eine hübsche Her- gelagert bleibt. Auf diese Weise wird
das Regal verlängern? Geht meist nicht. ausforderung als ein echtes Problem. der Zug auf die obere oder die untere
Aber einen zweiten Regalboden hinzu Der britische Modellbahner Nick Ebene geleitet. Ob das je in die Praxis
nehmen, das ginge schon eher. Aber Welsh beschreibt in seinem Buch „Fes- umgesetzt worden ist, entzieht sich
wie soll der Zug in diesem Fall von dem tiniog Odyssey“ (RCL-Publikations, meiner Kenntnis. Der Vorteil im Ver-
einen Regalboden auf den anderen Cambrian Forge, Garndolbenmaen, gleich zum hier beschriebenen System
kommen? Gwynedd, LL51 9RX, GB, ISBN 978-0- wäre der, dass die Züge die „Weiche“

122 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


1
2

Anlagen in einem Regal sind ein bekannter und beliebter Ausweg für extrem platzbeschränk-
te Modellbahner. Gemäß der Devise „Auf einen Schelm anderthalb“ könnte man die Anlage in
zwei Etagen des Regals bauen. Der Etagenwechsel funktioniert mit einem Zughebewerk. Die
Zeichnung oben zeigt, wie es geht – völlig antriebslos mit simpelster, leicht zu bauender Me-
chanik auf der Basis einfacher Kistenscharniere aus dem Baumarkt. Dieser Vorgang geht ruck-
zuck: Klappstück 1 hoch, Klappstück 2 runter. Fertig.

einfach durchfahren könnten, während sind in Hülle und Fülle veröffentlicht. nen Fiddleyard oder einen normalen
sie bei dem Klappmechanismus zum Im Grunde kann es sich ja nur um eine Bahnhof. Im letzteren Falle hätten wir
Heben oder Senken angehalten werden Aneinanderreihung von mehr oder we- abermals, wie schon so häufig in die-
müssen. Der Vorteil unseres Systems niger elaborierten Bahnhofsgleisplä- sem Buch, eine Spitzkehre. „Nicht
gegenüber der Armstrongschen Idee ist nen handeln, denn Regalanlagen sind schon wieder!“, höre ich meine Leser
aber, dass ein wesentlich größerer Hö- ja in der Tiefe begrenzt und damit im rufen. Dann bietet sich eben ein wie
henversatz auf relativ kurze Entfer- Grunde „eindimensional“. auch immer gearteter Zugspeicher an,
nung erreicht werden kann – und dar- beispielsweise eine Sektordrehscheibe
um geht es hier ja primär. Vorsicht Spitzkehrenrisiko! oder eine Schublade. Dieser Zugspei-
Gegenüber den technisch aufwendi- cher kann dann einen Trennungsbahn-
gen Methoden wie Spindelantrieben Jetzt kommt es drauf an, was wir an hof simulieren, von dem Strecken in
und auch gegenüber gewöhnlichen dem Ende mit nur einer Ebene (in der drei Richtungen abgehen: zwei reale
Wendeln hat diese Lösung den Vorteil, Zeichnung oben links) installieren – ei- nach rechts, eine virtuelle nach links.
dass der ganze Vorgang nur wenige Se-
Gewöhnliche Kistenscharniere aus dem Bau-
kunden benötigt. Heben und Senken in
markt spielen die zentrale Rolle im „Klappe-
Echtzeit sozusagen.
ratismus“ aus der Zeichnung oben.

Wie, kein Gleisplan? Unten: So dachte sich John Armstrong seine


„vertical switch“. Ihr Vorteil: Der Zug kann
Zu einem Anlagenvorschlag gehört ei- einfach durchfahren; Nachteile: maximal er-
gentlich ein Gleisplan. Dieses unge- reichbare Höhendistanz im Bereich von 5 cm.
schriebene Gesetz missachte ich jetzt Auch der Längenausgleich des beweglichen
einmal. Gleispläne für Regalanlagen Gleisstücks ist schwierig zu meistern.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 123


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Na, gehts noch? – TT-Betrieb auf 0,7 x 1,8 m mand Ideen habe, wie er auf dem vor-
handenen Platz noch mehr Betriebs-
möglichkeiten herauskitzeln könne.

Darf es noch etwas Denn Betrieb machen wollte er auf je-


den Fall, richtig rangieren und so.
Nun, eine alte Modellbahnerweisheit
sagt: Kleine Anlagen sind nicht größer.

kleiner sein? Somit lautet die Frage: Wie kann man


auf dieser winzigen Fläche ordent-
lichen Betrieb machen, sodass er eine
Dass sich auf relativ kleinen Anlagen mit relativ geringen Gleis- Weile fesselt? Ich habe ein wenig über
den Plan nachgedacht und geplant.
anlagen relativ viel Betrieb machen lässt, könnte nach den
Oberstes Gebot: Anstricken gilt nicht.
bisherigen Kapiteln bekannt sein. Nun wird es noch ein Stück Es bleibt bei den 70 x 180 cm der Plat-
kleiner, und zwar sowohl was den Platz als auch die Nenngröße te und basta.
betrifft. Anlass für diesen – nur flächenmäßig – minimalistischen
Ideen statt Platz
Plan war mal wieder eine Bitte nach weiteren Betriebsmöglich-
keiten auf einem Anlagenentwurf. Der Kopfbahnhof, dem ich den Namen
Schierkenberg verpasst habe, ist ge-

I n einem Modellbahnforum, in dem


ich selber mal eine Zeit lang als Mo-
derator wirkte, stellte eines Tages ein
Millimeter größer sein. Er hatte auf ei-
ner Seite einen kleinen Bahnhof einge-
zeichnet und auf der anderen einen
blieben wie in Ferdis Plan. Den fand ich
angesichts des minimalen Platzes rich-
tig gut. Das Empfangsgebäude habe ich
Mann namens Ferdi einen Anlagenplan viergleisigen Fiddleyard. Verbunden an das Ende des Gleises verschoben, so
ein, wie er sich seine TT-Anlage vor- waren die beiden mit einer großen wie in Süddeutschland üblich. Da müs-
stelle. Er habe eine Platte von 70 x Kurve. Mehr lag halt nicht drin. Nun sen dann die Reisenden nicht über das
180 cm, und die Anlage dürfe keinen wollte er vom Forum wissen, ob je- Güterschuppengleis stolpern.

Rechts der Originalplan, den Ferdi im Gleis-


planungsforum einreichte: Ein Bahnhof und
ein Fiddleyard auf einer 0,7 x 1,8m „großen“
Platte, was soll man da noch machen?

Oben: Ein Gleis weniger ist meine ganze Än-


derung an Fredis Entwurf – soweit es die
Gleisanlage betrifft. Wichtiger ist die neue
Holzwollefabrik und die Trennkulisse.

124 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Im Querschnitt bei A-A erkennt
man die Funktion der Trennkulisse
als Zugregal. Zur Aufnahme mehre-
rer Züge muss die Kulisse selbst-
verständlich aus stabilem Material
gefertigt sein, an dem sich die
Konsolen sicher befestigen lassen.

3CHIEBEBàHNE
! !

Rechts ein Bild des Herstellers Trainsafe. Dessen Vitrinen-System eignet


sich ausgezeichnet für den hier vorgestellten Tipp. Die Vitrinen gibt es in
unterschiedlichen Längen und für praktisch alle Spurweiten. Sie lassen sich
mit speziellen Trägern an einer Wandschiene befestigen. Innerhalb der stabilen
Röhre sind Metallprofile eingelassen, die den Zügen Strom zuführen. Endkappen
gewährleisten, dass die Züge auch bei längerer Betriebspause staubgeschützt sind.

Die wesentlichen Änderungen liegen wand. Und auf den Böden dieses Re- ein G-Wagen (Freiladegleis) und zwei
im hinteren Bereich der Anlage, wo der gals kann man Wechselkassetten abstel- beladene O-Wagen (Holzwollefabrik).
Fiddleyard liegt. Den fand Ferdi ur- len oder auch einzelne Güterwagen, die Die Zielgleise sind nicht leer, denn auf
sprünglich zu klein, was mich jedoch je nach Bedarf eingetauscht werden. ihnen stehen abholbereite Wagen. Nur
nicht daran hinderte, ihn noch weiter Am hinteren Ende des Fiddleyards der Wagen am Freiladegleis (dunklere
abzuspecken. Als mir die entscheiden- befindet sich eine Schiebebühne, die Tönung) muss stehen bleiben.
de Idee kam, musste ich mich erst ein- ein Verschieben von Fahrzeugen von Der Personenzug startet als erster
mal vergewissern, ob die Anlage beim einer Kassette in die andere erlaubt, und macht in Schierkenberg Kopf.
Betrieb von mindestens drei Seiten zu- aber auch ein Verschieben aus oder in Dann geht der Ng auf die Reise, spitze
gänglich sein würde, sonst ginge mein die Fabrik. Wem das technisch zu auf- Kreuzung in Schierkenberg. Wenn der
Plan nicht auf. Nachdem Ferdi dies be- wändig ist, kann das durchaus mit dem Pz weg ist, kann der Ng anfangen zu
jaht hatte, brachte ich meinen Entwurf, Fünffingerkran machen. Der ist bei rangieren. Das will ich jetzt nicht aus-
nein nicht zu Papier, sondern auf den einer so kleinen Anlage eh nicht außer malen, das möge ein jeder für sich
Bildschirm. Das Ergebnis ist auf der Dienst zu setzen. selbst tun. Sobald der Ng wieder ab-
gegenüberliegenden Seite oben zu se- Vorn rechts am rechten Ende von fahrbereit ist, müssen sich die oben
hen. Schierkenberg gibt es ein gestricheltes aufgezählten Wagen an den genannten
Von den vier Fiddleyard-Gleisen Gleis, das, wenn die Aufstellung der Plätzen befinden, die hellen Wagen
habe ich das zweite von vorn kassiert Platte es erlaubt, zu einem weiteren aber im Zuge. Der dunklere Wagen an
und an der Stelle einen grünen Strich Anschluss für Wechselkassetten führen der Ladestraße steht immer noch an
gezogen. Das bedeutet: Hier kommt könnte. Dann wäre Schierkenberg eine seinem Platz, d.h. der Neuankömmling
eine Kulisse hin, hinter der die beiden Spitzkehre. Diese Option spiele ich hier muss hinter ihm am Ende des Gleises
hinteren Gleise verschwinden. aber nicht durch. stehen.
Das vorderste Gleis des bisherigen Wenn der Ng abfahrbereit auf Gleis 2
Fiddleyards liegt nun jedoch im sicht- Der Betrieb steht, kann schon der nächste Pz kom-
baren Bereich vor der Kulisse. Es ist men, wieder spitze Kreuzung. „Schon“
nämlich jetzt ein Anschlussgleis, das Betrieb, welch erhabenes Wort für die ist gut. Da ist eine Menge Zeit vergan-
vom Bahnhof Schierkenberg aus mit wenigen Bewegungsmöglichkeiten auf gen. Schließlich musste neben all der
länglichen Übergabefahrten bedient dieser Winzanlage! Schauen wir mal, Vor- und Zurückjuckelei der Anschluss
wird. Welche Fabrik man dort ansie- was jetzt auf der veränderten Anlage der Holzwollefabrik zweimal bedient
delt, ist zweitrangig und Geschmacks- (ohne den gestrichelten Anschluss) werden. Zuerst wurden die leeren Wa-
sache. Ich habe sie als Holzwollefabrik möglich ist. gen abgeholt, dann die mit Holz bela-
deklariert. Die verbliebenen zwei Glei- Bei Betriebsbeginn befinden sich im denen zugestellt. Wer Lust hat, kann ja
se des Fiddleyards enden schon 10 cm Fiddleyard, der wie immer die große mal alle Rangierbewegungen auf ein
hinter der Weiche, dann geht es in weite Eisenbahnwelt darstellt, zwei Blatt Papier mit Schnipseln für die Wa-
Wechselkassetten weiter. Und auch die Kassetten, nämlich eine mit einem Per- gen durchspielen. Ich schätze mal, dass
gehen nicht bis ans Anlagenende. Wozu sonenzug und die andere mit einem das Ganze bis hierher ca. 45 Minuten
auch, länger als die Züge, die Schier- Nahgüterzug. In diesem befinden sich gedauert hat. Dann raucht erstmal der
kenberg aufnehmen kann, brauchen folgende Wagen (Ziel in Klammern): ein Kopf und eine Kaffeepause ist ange-
sie sowieso nicht zu sein. Die Rückseite Stückgutwagen (Güterschuppen), ein sagt. Jetzt mal ehrlich: Kann man das
der Hintergrundkulisse dient als Regal- G-Wagen und ein O-Wagen (Brauerei), Betrieb nennen?

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 125


A uf Seite 42 im Kapitel über die An-
lagenzungen habe ich nachgewie-
sen, dass in Wilfried Links Anlagenkel-
So sah der Vorschlag im Kapitel über die Anla- ler mit seiner „Lokalbahn Wilstedt“
genzungen aus, mit dem die Hauptstrecke der statt der (wegnehmbaren) stumpfen
LBW-Anlage von Wilfried Link fast verdoppelt Zunge auch eine feste Zunge mit Kehr-
wurde. kurve Platz gefunden hätte.
Durch die große Hufeisenkurve auf
der Zunge hatte sich die Streckenlänge
zwischen den beiden Endbahnhöfen
von 11 auf 20,5 m fast verdoppelt. Si-
cher kein zu verachtendes Ergebnis.
Was dort offen blieb war, wie die zwei-
te Strecke, die ursprünglich zur Modul-
schnittstelle geführt hatte, weiter ge-
führt werden könnte. Das will ich hier
nun ausführen.

Vorschlag A: Ein Schatten-Fidd-


leyard unter Huxfeld
Wilfried Link hatte keine Überkreu-
zung der beiden von Wilstedt ausge-
henden Strecken vorgesehen und da-
Anlagenzugewinn in der dritten Dimension her zwar die vordere Strecke leicht
fallen, die hintere jedoch nicht steigen

Sehr Gutes noch


lassen.
Wenn die Hauptstrecke jedoch ab Wils-
tedt kontinuierlich mit mindestens
25 ‰ steigt und die Nebenstrecke mit

besser machen dem gleichen Wert fällt, dann kann


letztere an der Zungenwurzel bequem
unter der Hauptstrecke hindurch ge-
Auch nahezu perfekte Anlagen können mit ein wenig Tüftelei führt und unter dem Endbahnhof Hux-
feld ein fast identischer Schattenbahn-
noch deutlich an Betriebsmöglichkeiten hinzugewinnen. Dabei hof angelegt werden, den ich proviso-
kann man – wie so oft – verschiedene Möglichkeiten durchgehen. risch Achimstal nenne. Damit ergibt

Nur wenige Augenblicke nachdem der Schlepptriebwagen mit seinem Zug in Wilstedt ange- Vorschlag A: Die zweite Strecke, die ohnehin
kommen ist, werden die Wagen abgekuppelt und der Triebfahrzeugführer beginnt mit dem im Gefälle liegt, wird an der Zungenwurzel
Umsetzen ans andere Zugende. Kurze Zeit später, eventuell nach Ankunft des Gegenzuges, unter der Hauptstrecke hindurch unter den
wird der Triebwagen seine Fahrt zum anderen Endbahnhof fortsetzen. (Zwar wirkt diese aus Endbahnhof Huxfeld geführt. Der Gleisplan
zwei Bildern zusammengesetzte Montage so, als stünden die Wagen nicht ganz grenzzeichen- des Schatten-Fiddles kann mit dem des darü-
frei, aber im „echten Leben“ passt das selbstverständlich …) Fotos: Wilfried Link † ber liegenden Bahnhofes fast identisch sein.

126 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


sich eine herrlich lange Fahrstrecke Vorschlag B bringt in
von Achimstal über Wilstedt bis nach die Zunge eine zwei-
Huxfeld. te Ebene und einen
In Wilstedt muss nicht nur wie auf neuen Endbahnhof.
S. 126 unten links zu sehen Kopf ge- Die grüne Linie ist
macht werden, hier werden auch häu- eine Trennkulisse,
figer planmäßige Kreuzungen stattfin- die den Blick in die
den. Denn diese Anlage wäre hervorra- untere Ebene be-
gend für den Betrieb mit zwei Personen grenzt. Der Deutlich-
geeignet. Dass die beiden Endbahnhöfe keit halber sind die
direkt übereinander liegen, ist gerade blauen Gleise der
beim Zweimannbetrieb gewiss nicht unteren Ebene über
optimal, aber kaum zu vermeiden – die braunen der obe-
und auch keine Katastrophe. Damit ren Ebene gelegt.
sich hier die beiden „Zugfahrer“ nicht
allzu sehr ins Gehege kommen, kann geschäkelt werden könnte. Wenn man hof oder Fiddleyard, zumindest ein
der Fahrplan den Zug nach Achimstal das vor dem Bau der Zunge einplant, weggetarnter Zugspeicher und damit
als ersten in Wilstedt abfahren lassen, kann die Unterkonstruktion dies schon der Anschluss an die große weite Welt.
den nach Huxfeld etwas später. Da letz- berücksichtigen. Am Beginn der Zun- Es ist eine Inselbahn, in sich gewiss
terer auch noch die doppelte Fahrstre- genwurzel tritt die Trasse in einen Tun- schön und interessant, aber eben von
cke bis zum Ziel zurückzulegen hat und nel ein und durchläuft unsichtbar die begrenztem betrieblichen Wert. Daher
eventuell noch an einem Haltepunkt Zungenwurzel. Das zweite Tunnelpor- favorisiere ich Vorschlag B nicht, sie
auf der Zunge pausieren muss, dürfte tal befindet sich schon auf der unteren bringt mich aber zum Vorschlag C.
der Zug in Achimstal schon gewendet Ebene der Zunge. Hier kommt die Tras-
und reformatiert sein, wenn der andere se wieder ans Licht, zumindest an das Vorschlag C: Das eine tun, ohne
in Huxfeld eintrifft. Keine ideale Lö- schummerige Licht des Untergeschos- das andere zu lassen
sung, aber eine pragmatische. ses. Damit beim Befahren des Bahnho-
fes Clüversheide nicht die gesamte Un- Man könnte auch „und“ statt „entwe-
Vorschlag B: Neuer Endbahnhof terkonstruktion im Blick liegt, sollte ihn der oder“ sagen. Warum also nicht Vor-
eine Trennkulisse auf den gestalteten schlag A mit Vorschlag B kombinieren
auf der Zunge in Ebene zwei
Bereich unmittelbar an den Gleisen be- und den Platz in diesem Anlagenraum
Selbstverständlich bietet sich auch die grenzen. so richtig ausnutzen? Ziel sind ja
Zunge an, eine zweite Ebene zu instal- Der Vorteil dieser Variante: Beide von schließlich maximale Betriebsmöglich-
lieren, am besten unterhalb der Haupt- Wilstedt ausgehende Strecken haben keiten auf dem zur Verfügung stehen-
ebene. Die Skizze oben zeigt, wie ein nun „richtige“ gestaltete Endbahnhöfe. den Raum.
neuer Endbahnhof – ich nenne ihn mal Es gibt aber einen Pferdefuß. Dem Kon- Der Zugspeicher Achimstal wird nun
Clüversheide – unter die Hufeisenkurve zept fehlt ein „off“, ein Schattenbahn- nicht mehr direkt angefahren, sondern

Mit diesem Bild hat W. Link meine Ideen bereits vorweg-


genommen. Denn der lange Güterzug, der gerade die
Steigung nach Wilstedt erklimmt, kann unmöglich aus
dem Torfhafen-Modul gekommen sein. Der Triebzug nach
Huxfeld hat Wilstedt schon verlassen, sodass dem Ran-
gieren des Güterzuges nichts im Wege stehen wird.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 127


Die Kombination von Maximale Raumaussnutzung
Vorschlag A mit dem
Schattenbahnhof Maximale Raumausnutzung war von
Achimstal unter Beginn an unser Bestreben, aber jetzt
(dem hier nicht dar- ziehe ich noch einen allerletzten
gestellten) Huxfeld Trumpf aus dem Ärmel. Mit exakt
und Vorschlag B mit 60 cm, dem vorher festgelegtem Mini-
dem zweiten End- malmaß, ist der Durchgang zwischen
bahnhof Clüvershei- Achimstal und der Kehre der Anlagen-
de in der unteren zunge recht schmal. Das Maß sollte in
Ebene der Zunge er- der Tat nie unterschritten werden,
gibt ein betrieblich aber: Wenn man den engen Schlauch
interessantes Bahn- länger macht, wird er dadurch nicht
netz, wo zwischen enger. Von der oberen zur unteren Ab-
dem Schattenbahn- bildung ist daher Achimstal ein wenig
hof und dem ande- schräg nach rechts gewachsen. Wer
ren Endbahnhof genau hinsieht, erkennt auch das zwei-
zweimal Kopf ge- te Wachstum: Die rechtwinklige In-
macht werden muss. nenecke im Winkel des Bahnhofes ist
nun durch zwei 45°-Winkel ersetzt. Der
Raumgewinn ist gering, aber jetzt kann
ein viertes Gleis durchgeführt werden.
über Clüversheide, das nun auch Spitz- Sie stellt den logischen Endpunkt der Überhaupt hat sich der Zugspeicher
kehre geworden ist. Nach dem Kopf- hier beschriebenen Entwicklung dar. sehr verändert. Die von Huxfeld über-
machen dort geht es zurück, und in der Von Clüversheide geht es jetzt noch nommene Segmentdrehscheibe ist ent-
Zungenwurzel verzweigt sich die Stre- weiter bergab. In der Zungenwurzel fallen und durch Weichen ersetzt wor-
cke in Richtung Achimstal. Jetzt dürfte liegt die Trasse (rot gestrichelte Li- den. Jetzt kann hier richtig rangiert
die Reise von Achimstal nach Huxfeld nie) schon eine Etage tiefer als die werden.
schon so richtig lange dauern. Aber Einfahrt nach Clüversheide (blau ge-
höre ich Geraune: „Nicht schon wieder strichelte Linie). Wilstedt und Huxfeld renoviert
ne Spitzkehre?“ Dadurch liegt Achimstal nun noch
Stimmt, ich glaube auch, dass das ein Stück tiefer unterhalb von Hux- Bisher ist nur über die Entwicklung der
des Guten zu viel wäre. Aber es geht feld. Umso besser für einen aktiven von Wilstedt ausgehenden Strecken ge-
auch anders. Die Abbildung unten zeigt Zugspeicher, in dem auch „gefiddlet“ redet worden, die von Wilfried Link
eine Variante ohne zweite Spitzkehre. werden soll. gebauten Bahnhöfe standen dabei au-
ßerhalb der Diskussion.
Den „ultimativen“ Anlagenplan gibt es nicht, aber dies hier stellt zumindest in der aufgezeig- Das soll jetzt nachgeholt werden.
ten Entwicklung der Anlage „Lokalbahn Wilstedt“ einen gedanklichen Schlusspunkt dar. Jetzt Wilstedt war nicht als Spitzkehren-
ist der zur Verfügung stehende Raum maximal ausgenutzt und maximal sind auch die betrieb- bahnhof gedacht und sein Gleisplan
lichen Möglichkeiten. Clüverswerder ist nun Durchgangsbahnhof, die Fahrstrecke von End- eignet sich daher auch kaum für diese
punkt zu Endpunkt ist auf knapp 39 m gewachsen. Funktion. Ein Zug, der von Huxfeld
kommt und in Gleis 1 am Hausbahn-
steig einfährt, kann zwar Kopf machen,
aber nicht in Richtung Clüversheide
ausfahren. Dazu müsste er erst auf die
Ebene 0 Strecke ausziehen und dann nach
Gleis  2 zurücksetzen. Das ist gewiss
Clüversheide Ebene -1 eine interessante Rangierbewegung,
aber das Kreuzen von Zügen in der
Spitzkehre ist praktisch unmöglich.

DKW und Hosenträger


Damit Wilstedt ein richtiger funktiona-
ler Spitzkehren- und Kreuzungsbahn-
hof sein kann, habe ich ihm eine neue
Weichenverbindung von Gleis 1 auf die
Achimstal untere Strecke verpasst (Seite 129).
Ebene -2 Wegen der Minimalradien im Strecken-
bereich kann diese neue Verbindung
nur innerhalb des Bahnhofes geschaf-
Wilstedt fen werden. Somit sind wir beim op-
tisch und betrieblich attraktiven aber

128 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Bf. Wilstedt

Bf
.H
ux
Kohlenhandel fe
ld
Der Gleisplan von Wilstedt ist durch Hosenträger und DKW zum richtigen Spitzkehren-Kreuzungsbahnhof auf-
gebrezelt worden. In Huxfeld konnte durch die keilförmige Verlängerung am linken Ende die Segmentdrehscheibe
durch einige Weichen ersetzt werden. Sämtliche Rangierbewegungen werden dadurch deutlich flüssiger und effektiver.

Gerade setzt sich der von der Cn2t-Lok HOYA gezogene Zug im Bahnhof Huxfeld in Bewegung. Auf der Originalanlage hatte er elfeinhalb Me-
ter Fahrstrecke vor sich, bevor er am anderen Endpunkt Wilstedt ankam. Im hier entwickelten Alternativplan mit Kehrkurvenzunge ist es schon
der doppelte Weg, und dann muss noch Kopf gemacht und bis zum Schattenbahnhof Achimstal weitergefahren werden.

konstruktiv und schaltungstechnisch belassen können. Ich fand jedoch, dass lung der Weichenverbindungen erlaubt
schwierigen Hosenträger. Und damit das Bedienen der zwei Stumpfgleise jetzt die rangierintensive Bedienung
die Anbindung der Ladestraße nicht zu über die Segmentdrehscheibe eine we- von Güterschuppen, Ladestraße, Koh-
weit nach hinten rutscht, habe ich dem nig praktische Notlösung ist. lenhandel und zwei weiteren, nicht nä-
Hosenträger gleich noch eine doppelte Die schon im Abschnitt „Maximale her definierten Abstellgleisen. Insge-
Kreuzungsweiche spendiert, eine Lu- Raumausnutzung“ beschriebene keil- samt ein prächtiger, rangierintensiver
xuslösung, die aber für solche Bahnhö- förmige Verlängerung des Bahnhofs Bahnhof in einer schönen Anlage mit
fe nicht unüblich ist (s. Kapitel Spitz- Achimstal kommt natürlich auch dem langen Fahrstrecken und zwei Kreu-
kehren). Huxfeld hätte man als End- darüber liegenden Huxfeld zugute. zungsmöglichkeiten. Traumhafte Fahr-
bahnhof in der ursprünglichen Form Eine wesentlich elegantere Entwick- pläne lassen sich hier verwirklichen.

Vorbildgerechte Anlagen-Planung 129


Anglizismen sind Bullshit!
Nervt es Sie auch, wenn unsere schö- Fiddleyard, mal groß mal klein, mal Selective compression. Da bin ich
ne deutsche Sprache immer mehr mit mal ohne Bindestrich. Was das mal gut. In dieser Broschüre benutze
von englischen Ausdrücken durch- ist, wissen die meisten Leser schon, ich an einer Stelle den Begriff selek-
setzt wird? Oder finden Sie es gut, als die anderen bekommen es in den tive Kompression. Da bin ich richtig
Bahn-Card-Reisender sich am Ser- einzelnen Kapitel gründlich erklärt. stolz drauf!
vice-Point nach dem Anschluss-Inter- Warum benutzen wir kein deutsches Open staging. Das ist fast ein Fiddle-
city zu erkundigen, nach kurzem Auf- Wort? Ach, ich kenne einige Überset- yard, nur wird darin nicht „gefidd-
enthalt in der First Class Lounge auf zungsversuche. Von Geigenhof bis let“. Im Grunde also ein sichtbarer
dem Bahnsteig am Touch Point eine Fummelbahnhof reichen die, alles Schattenbahnhof, der nicht im Schat-
Last Minute-Reservierung zu buchen sehr witzig, aber wenig informativ. ten liegt.
und dann im Zug einen Hotspot für Walk-around. Gemeint ist, dass der Walk-in design. Wenn man in eine
Ihr Notebook zu suchen? Ich jeden- Lokführer seinem Zuge folgen kann, nicht flächige Anlage zwischen die
falls nicht. weil die Anlage entsprechend geplant einzelnen Flügel, Zungen oder sons-
Tja, und dann schreibe ich dieses und gebaut ist und weil er einen tige Teile treten kann, ohne unter ir-
Werk und haue meinen armen Le- Handregler hat. Natürlich könnten gend etwas hindurch tauchen zu
sern die englischsprachigen Ausdrü- wir „geh-herum“ sagen. Wirklich? müssen.
cke gleich reihenweise um die Oh- Prototype freelancing. Oh, das ist Duck under heißen die Stellen, an
ren. Nicht, dass ich jetzt ein schlech- einer der ganz großen und wichtigen welchen man untertauchen muss.
tes Gewissen hätte, aber dass ich Begriffe in diesem Buch und wird im Aber da bin ich mal wieder gut. In
meinen Lesern eine Erklärung Kasten unten noch ausführlich er- meinem Werk heißen solche Durch-
schuldig bin, spüre ich wohl. Oder klärt. Wenn Sie eine griffige deutsche lässe Duckpassage. Onkel Donald
sagen wir besser: Erklärungen und Übersetzung haben, lassen Sie es lässt grüßen. Zum Glück hat es ja mit
Erläuterungen. mich wissen. „Duck and Cover“ nichts zu tun …

Was ist Prototype freelancing?


Amerikanische Modellbahner unter- genau so hätte sein können. Das ist alle an der Strecke liegenden Bahn-
scheiden im Prinzip drei Heran- am leichtesten, wenn man eine Stre- höfe in ihrer Gleisentwicklung eben-
gehensweisen beim Bau einer Anla- cke „nachbaut“, die wohl geplant falls erfinden zu dürfen.
ge: a) prototype modeling, b) freelan- war, aber nie ausgeführt worden ist. Als Variante wäre auch denkbar,
cing und eben c) prototype Oder man zeichnet eine Variante zu diese Strecke zusätzlich zu der über
freelancing. Die ersten beiden sind einer bestehenden Bahnstrecke in Murnau zu denken. Dann würde sich
schnell erklärt. a): Man baut eine re- die Landkarte ein, indem man bei- zumindest der Fernverkehr auf beide
ale Bahn, eine reale Situation oder spielsweise annimmt, die Strecke Strecken aufteilen und man könnte in
zumindest einen realen Bahnhof so München – Mittenwald sei ab Tutzing Grenzen frei bestimmen, was und
genau wie möglich nach und lässt nicht über Murnau und Garmisch ge- wieviel über die erfundene Strecke
dort auch die Fahrzeuge und Züge führt worden, sondern als Verlänge- laufen soll.
verkehren, die beim gewählten Vor- rung der Bahn nach Kochel am See, Wenn man dann noch die zu
bild verkehrten. b): Erlaubt ist, was von dort in etwa parallel zur B  11 durchfahrenden Orte heimsucht und
gefällt. Das muss nicht weiter kom- über die Steilstufe zwischen Kochel- studiert und ihre typischen Gebäude
mentiert werden. Aber nun c): proto- und Walchensee direkt nach Mitten- nachbaut, sollte die Anlage etwas
type freelancing. What’s that? wald. Garmisch wäre dann nur an sehr Ordentliches und Überzeugen-
Man baut eine fiktive Bahn, eine der österreichischen Außerfernbahn des werden, das jeder Kritik stand-
fiktive Situation oder zumindest ei- gelegen. hält – oder selbige ins Leere gehen
nen fiktiven Bahnhof so genau wie Damit so etwas stimmig wird, heißt lässt. Denn wer wollte beweisen, dass
möglich nach und lässt dort auch die es, präzise mit dem Messtischblatt irgendetwas anders gewesen ist?
Fahrzeuge und Züge verkehren, die arbeiten und die Strecke entlang der Prototype freelancing ist also ein
beim gewählten Vorbild verkehrten. Höhenlinien trassieren, dass sie so Anglizismus, aber kein Wischiwaschi,
Ist das nicht das Gleiche wie „Erlaubt auch tatsächlich hätte gebaut und be- sondern eine hohe Kunst, die vom
ist, was gefällt“? trieben werden können. Das ist eine Modellbahner technisches Wissen,
Mitnichten. Hier geht es darum, sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die Forschungsbereitschaft und vor al-
das „Vorbild“ so zu erfinden, dass es aber als Lohn die Freiheit bereit hält, lem Fleiß verlangt.

130 Vorbildgerechte Anlagen-Planung


Von der IDEE
zur TRAUMANLAGE
Wer eine Modelleisenbahn-Anlage bauen will, der braucht
einen Plan. Dieses Buch zeigt mit ausgewählten Beispie-
len aus dem reichen Anlagenporträt-Fundus der Zeit-
schrift MODELLEISENBAHNER, wie mit und nach höchst
unterschiedlichen Gleisplänen tatsächlich Anlagenträu-
me realisiert wurden. Daher wird großer Wert auch auf
die Fotodokumentation der so entstandenen Anlagen,
vom Mini-Diorama bis hin zum großen Ausstellungsex-
ponat, gelegt. Eine Fülle von praxisnahen Anregungen
macht dieses Buch zu einem äußerst wertvollen Beglei-
ter, für Anfänger ebenso wie den gewiefte Praktiker. Der
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zum Lokführer bei der Dampfkleinbahn Mühlenstroth weiß er,
wie der Hase, respektive der Bahnbetrieb läuft: Jede Zugbe-
wegung hat ihr Ziel und ihre Aufgaben, kein Zug kreist einfach
nur so in der Gegend herum. Dies sollte man schon bei der
Planung seiner Modellbahnanlage berücksichtigen. Denn auch
hier kommt es nicht auf besonders viele Fahrmöglichkeiten
an, sondern auf sinnvollen Betrieb, der sich an realitätsnahen
Aufgaben des Güter- und Reisezugverkehrs orientiert. Und so
präsentiert „OOK“, wie er sich einprägsam abkürzt, Modellbahn-
entwürfe von besonderer Raffinesse. Dabei kommen insbeson-
dere die Herleitungen – vom ersten einfachen Entwurf bis zur
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