Moviemento & City-Kino

Juni 2015
Nr. 317 – Programmzeitung für Moviemento & City-Kino
www.moviemento.at

Vorspann
Inhalt

Neue Filme im Juni
10 Milliarden –
wie werden wir alle satt?.................. 3
8 Namen für die Liebe............................ 5
Belluscone – Warum die Italiener
Berlusconi lieben................................. 4
Der letzte Sommer der Reichen......... 9
Die Frau in Gold...................................... 3
Die Liebe seines Lebens........................ 5
Gehen am Strand................................... 8
Love & Mercy............................................ 5
Mein Herz Tanzt...................................... 6
Mercedes Sosa –
Die Stimme Lateinamerikas................. 7
Naked Opera............................................ 9
P'tit Quinquin (Teil 2)............................ 6
Rico, Oskar und das Herzgebreche... 9
Schändung.............................................. 8
Stopping –
Wie man die Welt anhält...................... 8
Victoria..................................................... 9
Von jetzt an kein zurück.................... 7
What a wonderful world................... 7
Zweite Chance........................................ 6

voestalpine open space
LINZ • OK PLATZ • 8. JULI – 30. AUGUST
www.moviemento.at

Thema des Monats...................................... 4
Specials..................................................... 10
Die Grünen 50+ OÖ................................... 10
Babykino.................................................... 10
Südwind..................................................... 10
Babykino.................................................... 10
AK-Kultur................................................... 10
Preise:
Programmheft-Jahresabo: EUR 19,–
Kinometerbank: 10 Karten +
Programmheftabo: EUR 70,–
MovieMember: 1 Jahr ermäßigter Eintritt +
Abo: EUR 30,–,
Einzelexemplar-Programmzeitung: EUR 1,50
Bankverbindung: Hypobank, Linz Landstraße,
BLZ: 54000, Kontonummer: 761858, lautend auf
»Moviemento Programmkino gemeinnützige GmbH«
Satz- und Druckfehler vorbehalten.
Hinweis für Kinometerbank Käufer_innen
Per Überweisung bezahlte Kinometerbanken und
MovieMember-Cards liegen an der Moviemento
Kino-Kassa auf und können dort gegen Vorlage der
Zahlungsquittung (=Auftragsbestätigung) zwischen
ca. 17.00 und 21.00 Uhr abgeholt werden. Aus organisatorischen Gründen ist die Abholung im City-Kino
nicht möglich.
Wegen immer häufiger aufretender Zustellprobleme unserer Programmzeitung durch die Post
möchten wir uns entschuldigen. Diese liegen nicht
in unserem Bereich. Gegebenenfalls bekommen
Sie das Programm gerne an der Kassa.

Impressum
Medieninhaber: Verein zur Förderung kommunikativer
Kinokultur, OK Platz 1, 4020 Linz, Tel: 0732/784090.
Obmann: Wilhelm Schwind. DVR: 0562831/180189.
F. d. I. v.: Wolfgang Steininger.
Gestaltung Heft 317: Stefanie Pachlatko, Stefan Messner.
Mitarbeit: Rüdiger Ratzenböck.
Druck: Haider Schönau, Niederndorf 32, 4274 Schönau, Tel: 07261/7232. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Mit der Unterstützung von BMUKK,
LAND OÖ, STADT LINZ und zahlreichen Mitgliedern,
Förder_innen.
Offenlegung gem. Mediengesetz § 25(2): Verein zur
Förderung kommunikativer Kinokultur, Unternehmensgegenstand: Präsentation von Filmkunst.
§ 25(4): Vermittlung von Informationen über Film,
Kino-Kultur und Zeitkultur.

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FilmBrunch

Sonntags im Moviemento & Gelben Krokodil

So 7. Juni
11.15 10 Milliarden
11.15 300 Worte Deutsch
11.30 What a Wonderful World
13.00 Belluscone
13.15 Die Frau in Gold
13.15 Kiss The Cook

Sommerpause bis mitte september

So 14. Juni
11.15 8 Namen für die Liebe
11.15 Stopping
11.30 Mein Herz Tanzt
13.15 Die Frau in Gold
13.15 Love & Mercy
13.30 Kiss the cook

10 Milliarden

10 Milliarden –
wie werden wir
alle satt?
DE 2015, 103 min, Diverse OmU,
R: Valentin Thurn, B: Sebastian Stobbe,
Valentin Thurn, K: Hajo Schomerus,
S: Henk Drees

Premiere: Dienstag, 2. Juni, 20.00,
Moviemento – in Anwesenheit von
Regisseur Valentin Thurn
In Kooperation mit der Biokiste
Doku vom TASTE THE WASTE Regisseur,
der die industrielle, globale und die ökologische, regionale, traditionelle Landwirtschaft gegenüberstellt.
Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf zehn
Milliarden Menschen anwachsen. Doch wo
soll die Nahrung für alle herkommen? Kann
man Fleisch künstlich herstellen? Sind Insekten die neue Proteinquelle? Oder baut
jeder bald seine eigene Nahrung an?
Regisseur, Bestseller-Autor und Food-Fighter Valentin Thurn sucht weltweit nach Lösungen. Auf der Suche nach einer Antwort
auf die Frage, wie wir verhindern können,
dass die Menschheit durch die hemmungslose Ausbeutung knapper Ressourcen die
Grundlage für ihre Ernährung zerstört, erkundet er die wichtigsten Grundlagen der
Lebensmittelproduktion. Er spricht mit
Machern aus den gegnerischen Lagern der
industriellen und der bäuerlichen Landwirtschaft, trifft Biobauern und Nahrungsmittelspekulanten, besucht Laborgärten und
Fleischfabriken. Ohne Anklage, aber mit
Gespür für Verantwortung und Handlungsbedarf macht der Film klar, dass es nicht
weitergehen kann wie bisher.
In welchen globalen Wahnsinn haben wir
uns hineingelebt und -konsumiert? Wie können wir besser, nachhaltiger leben und vor
allem ÜBERleben? Mit seinem letzten Film,
dem Kino-Erfolg TASTE THE WASTE, löste
Valentin Thurn eine intensive gesellschaftliche Debatte aus, indem er zeigte, welche
immensen Mengen an Lebensmitteln ungenutzt auf den Müll wandern. In 10 MILLIARDEN fasst er die derzeit drängendsten
Fragen der Welternährung zusammen. Den
von Massentierhaltung, Monokulturen und
Gen-Fleisch überzeugten Fortschrittsgläubigen der Industrie stehen die biologische
Landwirtschaft, Kleinbauern in den Entwicklungsländern und Selbstversorger-Ge-

Die Frau in Gold

meinschaften gegenüber, die zwar weniger
Masse produzieren, dafür aber schonend mit
den begrenzten Ressourcen umgehen. Als
Mischung aus sorgfältiger Analyse, ausgewogener Darstellung vieler Lösungswege und
Plädoyer für Respekt und Mitgefühl bietet
10 MILLIARDEN eine fundierte Diskussionsgrundlage und wagt vorsichtigen Optimismus: Wir alle haben genug Möglichkeiten,
etwas zu verändern – wenn wir es wollen.
REGIESTATEMENT
Ich koche gerne, liebe guten Wein und das Ritual, gemeinsam mit Familie oder Freunden zu
essen. Aber ein richtiger »Foodie« war ich nie.
Erst der Blick in die Mülltonnen unserer Supermärkte hat mir klargemacht, dass die Art und
Weise, wie unsere Lebensmittel produziert
und verteilt werden, immer größere Probleme
aufwirft. Es war ein Gefühl von Zorn, das mich
dazu trieb, TASTE THE WASTE zu machen. Die
Reaktion des Publikums hat mir klargemacht,
dass auch viele andere Menschen zornig sind
über den zunehmend unachtsamen Umgang
mit unserem Essen.

Mit seinem neuen vielschichtigen Dokumentarfilm 10 Milliarden gelingt es
Valentin Thurn, dem Zuschauer die komplexe
Herausforderung einer globalen Ernährungssicherung eingängig nahe zu bringen.
– programmkino.de

Die Frau in Gold
Woman in Gold
US/GB 2015, 109 min, Englisch OmU,
R: Simon Curtis, B: Alexi Kaye Campbell,
K: Ross Emery, S: Peter Lambert,
D: Helen Mirren, Ryan Reynolds,
Daniel Brühl, Katie Holmes, Tatiana Maslany,
Max Irons

Ab Freitag, 5. Juni
Drama um den Jahre andauernden juristischen Kampf von Maria Altmann, ein von
den Nazis konfisziertes Klimt-Gemälde ihrer jüdischen Familie zurückzubekommen.
Erinnerungen sind unbezahlbar. Niemand
weiß das besser als Maria Altmann, eine ältere Dame, die in Los Angeles ein beschauliches Leben führt. Nur wenige kennen ihre
Vergangenheit und wissen, dass sie einst
unter dramatischen Umständen aus dem
Wien des Dritten Reichs fliehen musste.

Belluscone

Jahrzehnte später erfährt sie, dass sie die
rechtmäßige Erbin mehrerer Gemälde Gustav Klimts – eines der bedeutendsten Maler Österreichs – ist, da sich diese einst im
Besitz ihrer Familie befanden und von den
Nazis geraubt wurden. Das berühmteste
dieser Kunstwerke ist das Porträt ihrer Tante Adele Bloch-Bauer, weltbekannt als »Die
Frau in Gold«. Doch der Staat Österreich,
in dessen Besitz sich die Bilder befinden,
zeigt sich auf Marias Anfrage hin wenig kooperativ, ihre Rechte ohne Weiteres anzuerkennen. Und auch Maria selbst zögert,
denn sie glaubt nicht mehr daran, dass die
Kunstwerke jemals zu ihrem rechtmäßigen
Eigentümer – ihrer Familie – zurückkehren werden. Doch dann beschließt sie, sich
den Schatten der Vergangenheit zu stellen,
das Unmögliche zu versuchen und ihr Erbe
zurückzufordern. Gemeinsam mit dem unerfahrenen, aber engagierten Anwalt Randy Schoenberg nimmt sie ihren Kampf um
Gerechtigkeit auf. Es beginnt eine Odyssee,
die sie bis zum Obersten Gerichtshof der
Vereinigten Staaten führt. Eine Reise, die ihr
Leben für immer verändern wird…
In einer Zeit, in der die breite Öffentlichkeit
über die Restitution von Raubkunst diskutiert, zeigt die wahre Geschichte von DIE
FRAU IN GOLD, welche bewegenden Schicksale sich an dieses juristische Tauziehen
knüpfen. Oscar-Preisträgerin Helen Mirren
(DIE QUEEN) brilliert in der Rolle einer mutigen Frau, die sich im Alter noch einmal
den Dämonen der Vergangenheit stellt und
den vielleicht größten Kampf ihres Lebens
ausficht. Ihr zur Seite steht Ryan Reynolds,
der als junger, wenig erfahrener Anwalt seine Hartnäckigkeit unter Beweis stellt. Beide
werden unterstützt von einem Star-Ensemble, allen voran Daniel Brühl in der Rolle des
österreichischen Journalisten und Verlegers
Hubertus Czernin und Justus von Dohnányi
als Marias österreichischer Prozessgegner
Dreimann. Inszeniert wurde diese emotionale und berührende Geschichte von Regisseur
Simon Curtis, der bereits mit MY WEEK WITH
MARILYN bewiesen hat, wie sich aus wahren
Ereignissen großes Kino gestalten lässt.

Vor allem in den eindringlichen Rückblenden aus Maria Altmanns Kindheit am
Ende des Fin de Siècle, der bejubelten NSMachtübernahme bis hin zu ihrer dramatischen Flucht, zeigt Simon Curtis klassisch
exzellentes Erzählkino mit hochemotionalen Momenten. Sein erhellendes Justizdrama bewahrt vor Vergessen und Verdrängen.
– programmkino.de
3

Thema des Monats
»Populist is a jeder« – Erhellendes über Berlusconi und Haider
von Ulrike Steiner

»Es ist alles sehr kompliziert« – möchte man
einen Stehsatz aus der österreichischen Innenpolitik zitieren, wenn es um die Durchleuchtung der Systeme Berlusconi in Italien
und Haider in Österreich geht. Vor allem aber
ist es faszinierend, welche Parallelen sich geradezu aufdrängen, wenn man die beiden Filme BELLUSCONE – WARUM DIE ITALIENER
BERLUSCONI LIEBEN von Franco Maresco
und FANG DEN HAIDER der belgischen, in
Österreich lebenden Regisseurin Nathalie
Borgers im Doppelpack betrachtet.

»Was soll ohne Silvio
nur aus uns werden?«
Ein Berlusconi-Fan nach dem
Rückzug des Cavaliere 2011
Wenn zwei sizilianische Schnulzen-Matadore ihrem Idol den Song »Ich würde Berlusconi gerne kennenlernen« widmen, ist das
ebenso skurril wie der trachtige Kärntner
Männerchor, der »Da Summa is uma« intoniert und ihr Jörg dabei als Solist vor der
Almhüttn auftritt.
»Man muss die Leute beim Feiern einfangen« war eine der Maximen der Haiderschen Party-Politik, und nicht viel anders
läuft es bei den Straßenfesten in Palermo,
wo die Neomelodiker ihre Schnulzen und
ihre Hymne auf »Belluscone« anstimmen
und dazwischen herzliche Grüße an die
»Gäste des Staates« (sprich inhaftierte Mafia-Mitglieder) bestellen.

»Der Haider war das
beste Pferd.«
Kriemhild Trattnig, blaues Urgestein aus Kärnten
Und wenn sich der italienische Cavaliere mit
freundlicher Unterstützung aus Sizilien ein
Privat-TV-Imperium aufgebaut hat, um die
Meinung im Lande praktischerweise gleich
selbst zu machen, so war es im »Fürstentum Kärnten« eine kleine Bank, die zum
Motor des Systems Haider gepimpt wurde
– den es inzwischen lautstark zerrissen hat.
»Populist is a jeder«, sagt in Borgers‘ Film
ein Interview-Partner auf dem Wiener Viktor-Adler-Markt.
4

Belluscone –
Warum die Italiener
Berlusconi lieben
Belluscone. Una storia siciliana
IT 2014, 95 min, Italienisch OmU,
R: Franco Maresco, B: Franco Maresco,
Claudia Uzzo, K: Luca Bigazzi, Tommaso
Lusena, Irma Vecchio, S: Franco Maresco
Venedig 2014: Orizonti Preis

Ab Freitag, 5. Juni
Der deutsche Titel, der Franco Marescos
Film vorangestellt wurde, generalisiert
nicht ganz zulässig von einer »sizilianischen
Geschichte« hin zu »den Italienern«. Eine
durchaus nachvollziehbare Illustration des
Dilemmas: Manches an dieser Arbeit, die
zwischen Fakten und Fiktion changiert, ist
ohne Insider-Wissen zur italienischen Innenpolitik für den Betrachter von außen
nicht leicht erkennbar. Die Geschichte, die
nach dem Zwiebel-Prinzip aufgebaut ist,
fordert Konzentration.
Zunächst kommt der Filmkritiker Tatti Sanguineti als Erzähler ins Bild. Er sei auf der
Suche nach Franco Maresco, der mitten
in der Arbeit an seinem Film »Belluscone«
verschwunden sei, was ihn nun zu einer
Spurensuche in Palermo veranlasse. Dieses Suspense-Element erzeugt Spannung
und führt mitten hinein in das schier undurchdringliche Dickicht, das rund um die
Wurzeln des politischen Aufstiegs von Silvio
Berlusconi wuchert.
Das Film-Projekt Marescos gleicht einem Hindernislauf. Begonnen hat es der Regisseur,
um Licht ins Dunkel der Verbindungen Berlusconis zur sizilianischen Mafia zu bringen.
Während der Recherchen in Palermo kommt
2011 der Paukenschlag: Berlusconi legt sein
Amt als Ministerpräsident nieder – damit
scheint sich das Interesse am Thema erledigt
zu haben. »Was soll ohne Silvio nur aus uns
werden?«, fragt sich bang und stellvertretend
für viele einer der Berlusconi-Fans.
Doch für Franco Maresco tut sich ein neuer Ansatz auf. In Palermo stößt er auf den
einstigen Sänger und nunmehrigen Impresario Ciccio Mira. Der wendige und windige
Schlaumeier veranstaltet in Palermo Straßenfeste mit den sogenannten Neomelodikern. Zwei dieser Schlagerbarden haben
sogar einen Huldigungs-Song für Berlusconi
geschrieben. Maresco gibt vor, das Lied als
Filmmusik verwenden zu wollen – was sich

später als Hemmnis erweisen wird. Kurz
und gut, Ciccio erlaubt in seiner eitlen Beredsamkeit tiefe Einblicke in das gesellschaftspolitische Kleinklima Palermos und
dessen Strahlkraft weit Richtung Norden
bis Rom und Mailand. Leider wird Ciccio
Mira wegen seiner Verbindungen zum organisierten Verbrechen verhaftet und kann
nicht weiter als Quelle dienen.
Maresco findet andere wie den Ex-Politiker
Marcello Dell’Utri, der über seinen Freund
Silvio Berlusconi viel zu erzählen wüsste –
leider streikt bei der Filmaufzeichnung an
markanter Stelle die Tonaufzeichnung – es
wird nichts aus der Enthüllung. Schon wieder
Sabotage oder eine Inszenierung Marescos?
Was Fakt und was Fiktion ist, lässt sich nicht
trennen. Was der Film »Belluscone« aber
sehr unterhaltsam transportiert, ist die Erzählung von der Entstehung des Privatfernsehens in Italien als einem Joint-Venture
zwischen Berlusconi und der Mafia. Maresco präsentiert munter eine Reihe von Indizien, die in der Zusammenschau ein schlüssiges Bild ergeben. Der »Kronzeuge« freilich
ist ein mit weißer Maske auftretender Mafioso – also wieder ein Element, das letztlich
zur Verwirrung beiträgt.
Zwischendurch kommen »Stimmen aus
dem Volk« zu Wort, die die gesamte Bandbreite abdecken: Da sind die einen, die das
»M-Wort« nicht einmal zu kennen vorgeben,
bis hin zu den anderen, die sich ganz offen
zur Mafia bekennen und für die umgekehrt
»Carabiniere« ein Schimpfwort ist. Sizilien
ist eben anders, nicht?

Fang den Haider
AT/DE 2015, OdF, 90 min,
R: Nathalie Borgers, K: Helmut Wimmer,
M: Thierry Zaboitzeff

Bereits im Programm
Ein Lichtermeer für Jörg, damit beginnt Nathalie Borgers ihre Reise auf der Suche nach
dem Phänomen Haider. An der Unfallstelle
brennen zum Jahrestag 4000 Grablichter,
gespendet von einem anonym bleiben wollenden »Freund aus Deutschland«. Das andere Lichtermeer, jenes von 1993 auf dem
Wiener Heldenplatz nach dem FPÖ-Ausländervolksbegehren, das auch sehr eng mit
Jörg Haider zu tun hatte, wird später im Film
ebenfalls vorkommen, da hat Nathalie Bor-

Love & Mercy

gers schon viele Stationen hinter sich. Nicht
nur in Kärnten, das sich stets den Schutz
von oben erfleht (»Du liaba Herrgott, sei so
guat, behüat das Karntnerland!«) und das
zu ebener Erde gern einem aufgesessen ist,
der dem kleinen Bundesland große Geltung
zu verleihen schien.
Nathalie Borgers hat nicht nur rationale Zugänge zum Phänomen Haider gesucht. So
lässt sie beispielsweise von der Astrologin
Elizabeth Teissier ein (anonymisiertes) Horoskop Jörg Haiders erstellen, und so bäckt
Haiders Schwester Ursula Haubner einen
posthumen Apfelstrudel.
Aus dem überreichlich vorhandenen TVMaterial zu Jörg Haider filtert Borgers ebenso aufschlussreiche wie komische Momente. Auch viele der Weggefährten und einige
der politischen Kontrahenten kommen zu
Wort. Entzogen haben sich den Recherchen
lediglich Ehefrau Claudia Haider und »Lebensmensch« Stefan Petzner, der sich –
ansonsten nicht kamerascheu – stets wegduckt, wenn Frau Borgers mit Kameramann
Helmut Wimmer auftaucht.
Wissen wir am Schluss mehr über das System Haider? Nathalie Borgers‘ unaufgeregt
reflexive Arbeit erhebt keinen ultimativen
Erklärungsanspruch – der wohl auch kaum
einzulösen wäre. Aber ihrem abschließenden ironischen »Danke, Jörg!« im Licht des
Hypo-Alpe-Adria-Debakels kann man sich
als Steuerzahler jedenfalls reinen Herzens
anschließen.

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Love & Mercy
US 2014, 120 min, Englisch OmU,
R: William Pohlad, B: Oren Moverman,
Michael Alan Lerner, K: Robert Yeoman,
S: Dino Jonsäter, D: John Cusack,
Paul Dano, Elizabeth Banks, Paul Giamatti,
Jake Abel, Kenny Wormald

Ab Freitag, 12. Juni
Kompromissloses Porträt über den kometenhaften Aufstieg und Fall von Brian
Wilson, dem kreativen Kopf der »Beach
Boys«, untermalt mit den wegweisenden
Songs der Pop-Legende.
Beach-Boys-Anführer Brian Wilson ist
Mitte der Sechzigerjahre auf dem Zenit
seiner Schaffenskraft angekommen. Mit
»Pet Sounds« definiert er die Popmusik

8 Namen für die Liebe

Die Liebe Seines Lebens

neu, und nun setzt er an, mit »Smile« sein
Meisterwerk zu schaffen. Doch im Innern
nagen die Stimmen in seinem Kopf, Druck
von der Plattenfirma, dem Rest der Band
und seinem tyrannischen Vater treiben ihn
in die Psychose. 20 Jahre später ist Wilson
ein Wrack, und doch verliebt sich die Autoverkäuferin Melinda in ihn und beginnt mit
seiner Rettung. Ebenso unkonventionelles
wie nachhaltig effektives Biopic über eines
der großen Genies der Popmusik, der an
der eigenen Genialität zerbrach und erst
Jahrzehnte später gerettet werden konnte.
Nach einem Drehbuch von Oren Moverman
inszenierte Bill Pohlad die Lebensgeschichte mit zwei Schauspielern, die sich nicht
übermäßig ähnlich sehen: Paul Dano und
John Cusack sind wunderbar als Wilson,
der Film trägt mit Gespür für Raum und Zeit
und atmosphärischer Dichte das Seine zum
Gelingen bei. Den Rest übernimmt die gottgleiche Musik.

Natürlich ein Baske. Während Rafa mit den
Tücken seiner ihm aufgedrängten neuen
Identität vollauf beschäftigt ist, rückt der
Hochzeitstermin immer näher. Und ganz so
ernst hatte der andalusische Don Juan das
Ganze eigentlich nicht gemeint.
Kulturell sind Andalusier und Basken sich in
etwa so nahe wie die Bayern und die Hanseaten – mit noch ein paar ideologischen
Gräben mehr dazwischen. Was die beiden
spanischen Volksgruppen jedoch eint, ist
eine tiefe Heimatverbundenheit. Ein wunderbarer Stoff, um daraus ein ShakespeareDrama oder aber eine leichtfüßige romantische Culture-Clash-Komödie zu spinnen.
Befindlichkeiten und Vorurteile werden dabei mit einer großen Portion Herzenswärme
und Situationskomik aufs Korn genommen.

8 Namen für
die Liebe

The Railway Man

Ocho Apellidos Vascos
ES 2014, 98 min, Spanisch OmU,
R: Emilio Martínez-Lázaro,
B: Borja Cobeaga, Diego San José,
K: Kalo Berridi, S: Ángel Hernández Zoido,
D: Dani Rovira, Clara Lago, Karra Elejalde,
Carmen Machi, Alberto López,
Alfonso Sánchez
Goya 2015: Beste Nebendarst. – Carmen
Machi, Karra Elejalde; Bester Nachwuchsdarsteller – Dani Rovira
Ab Freitag, 12. Juni
Spanischer Komödienhit, der mit deftigem
Humor regionale Vorurteile, Befindlichkeiten und Heimatverbundenheit unter die
Lupe nimmt.
Rafa, Andalusier bis in die gegelten Haarspitzen, hat bisher noch jede herumgekriegt. Als die Baskin Amaia, die ihren geplatzten Junggesellinnenabschied in einer
Flamenco-Bar in Sevilla feiert, sich seinen
Verführungskünsten widersetzt, ist Rafas
Jagdinstinkt geweckt. Wild entschlossen,
sie zu erobern, reist er ihr ins Baskenland
hinterher. Doch die Angebetete erweist sich
zunächst als harter Brocken. Erst als Amaias Vater auftaucht, kommt Rafa wieder ins
Spiel, und zwar als angeblicher Verlobter.

Die Liebe seines
Lebens
AU/GB 2013, 116 min, Englisch OmU,
R: Jonathan Teplitzky,
B: Frank Cottrell Boyce, Andy Paterson,
nach der Buchvorlage von Eric Lomax,
K: Garry Phillips, S: Martin Connor,
D: Colin Firth, Nicole Kidman, Sam Reid,
Jeremy Irvine, Stellan Skarsgård,
Hiroyuki Sanada,
Ab Freitag, 26. Juni
Colin Firth und Nicole Kidman brillieren in
einer wahren und bewegenden Geschichte
über eine große Schuld und die heilsame
Kraft der Vergebung.
Eric Lomax ist kein Mann der vielen Worte.
Züge und Bahnstrecken interessieren ihn
mehr als Menschen, und auch das Lachen
gehört nicht zu seinen Stärken. Das ändert
sich, als er die ebenso schöne wie warmherzige Krankenschwester Patti kennen lernt.
Die beiden verlieben sich, und zum ersten
Mal seit vielen Jahren hält das Glück Einzug
in Erics Leben. Zwar spürt Patti, dass ihm
etwas auf der Seele lastet, aber sie wagt
nicht, Eric damit zu konfrontieren. Doch
auch nach der Hochzeit kann Eric sich nicht
öffnen. Er wird von Alpträumen geplagt und
verschließt sich ausgerechnet vor der Liebe
seines Lebens. Erst Erics alter Freund Finlay
erzählt Patti, was ihren Mann quält: Es sind
die düsteren Erinnerungen an den Zweiten
Weltkrieg, als die beiden britischen Solda5

Mein Herz tanzt

ten in japanische Gefangenschaft gerieten
und als Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen beim Bau der Eisenbahn
von Birma nach Thailand mitwirken mussten. Patti nimmt sich vor, Eric ein für alle Mal
zu erlösen. Doch als Eric erfährt, dass sein
einstiger Peiniger Nagase noch am Leben
ist, bricht er voller Hass und Rachegefühle
auf. Patti muss sich fragen, ob ihre Liebe
wirklich stark genug ist...

Mein Herz tanzt

Zweite Chance

P'tit Quinquin

erwacht, man ist damit konfrontiert, sich
zu fragen, wer man ist, woran man glaubt
und wo man sich selbst in der Zukunft sieht.
Fragen, auf die es keine einfache Antwort
gibt und mit denen man auch kein leichtes Leben hat. Eyad ist Palästinenser, aber
auch Israeli, er ist Muslim, aber auch Jude.
Er wuchs in einer typisch arabischen Stadt
auf und verbrachte dennoch seine Jugend
an einer jüdisch-israelischen Elite-Schule in
Jerusalem – ob befreit oder besetzt, hängt
davon ab, wer man ist, oder welche Identität
man hat. Eyad ist ständig auf der Flucht –
vor sich selbst und vor den Erwartungen, die
man an ihn stellt.

ZWEITE CHANCE ist packend und regt
zugleich zum Nachdenken an, so wie es die
Fans von Susanne Bier zu Recht erwarten
können. Allerdings hat sie selbst für ihre
Verhältnisse zwei, drei irrwitzige Twists
zu viel eingebaut. Kritiker können ihr mal
wieder den Hang zu überkonstruierten Geschichten vorwerfen. Aber auf diese Weise
kann eine moralische Abhandlung im Kino
Fragen aufwerfen, die das echte Leben nicht
in dieser Eindeutigkeit stellt. Und so sollte
der Zuschauer dem Film nach so manchem
logischen Bruch eine »zweite Chance« geben, sie zahlt sich in diesem Fall tatsächlich
aus. – sueddeutsche.de

Zweite Chance
En Chance til

P'tit Quinquin
(Teil 2)

DK 2014, 2014, 104 min, Dänisch OmU,
R: Susanne Bier, B: Anders Thomas Jensen,
K: Michael Snyman,
S: Pernille B. Christensen,
D: Nikolaj Coster-Waldau, Maria Bonnevie,
Ulrich Thomsen, Nikolaj Lie Kaas

FR 2014, 100 min, Französisch OmU,
R: Bruno Dumont, K: G. Deffontaines,
D: Alane Delhaye, Lucy Caron, Bernard
Pruvost, Philippe Jore, Corentin Carpentier,
Julien Bodard

Dancing Arabs
IL/DE/FR 2015, 105 min,
Hebräisch/Arabisch OmU, R: Eran Riklis,
B: Sayed Kashua, K: Michael Wiesweg,
S: Richard Marizy, D: Tawfeek Barhum,
Yaël Abecassis, Michael Mushonov,
Ali Suliman, Danielle Kitzis, Razi Gabareen

Ab Freitag, 19. Juni
Zwischen Coming-of-Age-Story und Drama über den israelisch-palästinensischen
Konflikt bewegt sich Eran Riklis' eindringliches Plädoyer für friedliche Koexistenz.
Eyad besucht als einziger Palästinenser eine
Eliteschule in Jerusalem. Trotz Ausgrenzung
möchte er dazugehören. Mit einem anderen
Außenseiter, dem israelischen Rollstuhlfahrer Yonatan, schließt er Freundschaft. Die
erste Liebe zu einer jüdischen Mitschülerin
macht das Leben noch komplizierter. Zwischen zwei unterschiedlichen Leben und
Kulturen hin und her gerissen, muss er am
Ende eine schwerwiegende Entscheidung
für die Zukunft fällen.
Basierend auf dem halb-autobiografischen
Roman des Haaretz-Kolumnisten Sayed Kashua entwirft der israelische Regisseur Eran
Riklis das Schicksal eines jungen Palästinensers, der zwischen den Identitäten »tanzt«,
auf der Flucht vor sich selbst und den Erwartungen anderer keine Heimat findet.
REGIESTATEMENT
Das Leben im Nahen Osten ist eine Frage
der Identität. Jeder von uns blickt auf eine
lange Geschichte zurück: Besitzansprüche
auf das Land, geistige und religiöse Bindungen, Momente von Gnade, Hoffnung und
Hass, die die Menschen und Nationen hier
viel zu lange gespaltet haben. Ob man in Tel
Aviv, Damaskus, Jerusalem, Kairo oder Tira
– der Geburtsstadt unseres Helden Eyad –
6

Ab Freitag, 19. Juni
Susanne Bier untersucht in ihrem wuchtigen, prominent besetzten Sozialdrama
die Frage, ob man ein Verbrechen begehen
darf, um (vermeintlich) Gutes zu tun.
Andreas und Simon sind Polizei-Kollegen
und beste Freunde. Neben allen Gemeinsamkeiten führen sie Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Andreas
hat sich mit seiner Frau und ihrem neugeborenen Sohn in einem schönen Haus am
Meer niedergelassen. Simon ist frisch geschieden und verbringt seine Freizeit meist
betrunken in Strip-Clubs. Alles ändert sich
schlagartig, als sie bei einem Einsatz auf ein
Junkie-Paar treffen. Zuerst sieht es nach reiner Routine aus, aber dann findet Andreas
deren verwahrlostes Baby im Badezimmer.
Die Welt des sonst so gefassten Andreas
wird im Kern erschüttert. Langsam verliert
er den Glauben an Recht und Gerechtigkeit.
Ausgerechnet Simon findet sich auf einmal
in der Rolle wieder, seinen Freund daran zu
erinnern, was richtig und was falsch ist…
Susanne Bier zählt zu den renommiertesten
Regisseurinnen Dänemarks. Den bisherigen
Höhepunkt ihres Schaffens erlebte sie 2011,
als ihr Drama IN EINER BESSEREN WELT
(2010) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Ab Freitag, 5. Juni
Französische Provinzkrimiserie rund um
den Lausebengel Quinquin.
Irgendwo im Norden Frankreichs, in der gottverlassenen Provinz, gibt es eine Reihe von
absurden Mordfällen. Und während der herbeigerufene Kommissar an der Aufklärung
arbeitet, pfuscht ihm der Rotzbub Quinquin gewaltig in die Chose. Das muss man
gesehen haben, sonst glaubt man’s nicht.
Reines, entfesseltes Kino. Der Titel stammt
übrigens von einem Chanson aus dem 19.
Jahrhundert, einem Ch’ti-Klassiker, der als
Wiegenlied daherkommt, aber durchaus beunruhigende Untertöne aufweist.
AUS EINEM INTERVIEW MIT REGISSEUR
BRUNO DUMONT
P'TIT QUINQUIN markiert nicht nur Ihre
deutliche Hinwendung zur skurrilen Komödie, sondern auch zur archaischen,
episodischen Erzählstruktur. Auch, um die
Komödie »ernster zu nehmen«?
Es ist ein Irrtum, zu glauben, etwas wäre
nicht tiefgründig, nur weil es witzig ist. Der
Episodenfilm erlaubt es, der Geschichte
den Charakter eines großen Romans zu verleihen, das schätze ich sehr. In der Komödie
ist alles sehr expressionistisch, und dafür
bin ich dankbar, aber die Komödie ist nicht

Mercedes Sosa

eigenständig, sondern sie begründet sich
immer im Konflikt, wie er der menschlichen
Natur nun mal eigen ist. Deswegen kann
man bestimmt auch sagen, in all meinen Filmen lauert die Komödie versteckt hinter der
Tragödie. So betrachte ich P'TIT QUINQUIN
als eine natürliche Entwicklung, die in gewisser Weise eine Konsequenz meiner bisherigen Arbeit ist. Aber es fühlt sich tatsächlich
auch wie eine Selbstparodie an.
StadtkinoZeitung #529 – Alexandra Zawia

Mercedes Sosa –
Die Stimme Lateinamerikas
Mercedes Sosa – la voz de Latinoamérica
AR 2013, 98 min, Spanisch OmU,
R/B: Rodrigo H. Vila, K: Hans Bonato,
Mariano Cúneo, Ariel Gonzalez,
S: Luciano Origlio
Film & Konzert: Freitag, 12. Juni,
18.30, Moviemento – Live-Musik von
Jorge Villalón
Das Porträt einer großen Musikerin und ein
Kapitel lateinamerikanischer Politik: Vilas
Film lässt Mercedes Sosas musikalisches
Genie, ihre vielschichtige Persönlichkeit
und ihre Rolle im Widerstand gegen die Diktatur in Argentinien wieder aufleben. Sie
gab einem Kontinent eine Stimme, als diktatorische Regime das Volk stumm halten
wollten. Mercedes Sosa begründete 1963
zusammen mit anderen jungen argentinischen Künstlern das Manifest des »Nuevo
Cancionero«, des »Neuen Liedermachers«,
das Teil der politischen Bewegung gegen die
Diktaturen in Lateinamerika wurde. In den
folgenden Jahren entwickelte sich die junge
Folkloresängerin aus armen Verhältnissen
zur weltbekannten »Stimme Lateinamerikas«, daneben war sie alleinerziehend und
politisch exiliert. Vilas Film setzt mit Hilfe
von Sosas Sohn und anhand von Interviews,
Konzertmitschnitten und Archivmaterial
einer großen Musikerin und einem Kapitel
lateinamerikanischer Politik ein Denkmal.

Der unaufdringlichen Inszenierung gelingt eine Balance zwischen spannendem
Abriss der Musik- und Zeitgeschichte und
bewegend-persönlicher Biografie.
– Filmdienst

Von jetzt an kein zurück

Von jetzt an
kein Zurück
DE/AT 2014, 108 min, OdF,
R/B: Christian Frosch, K: Frank Amann,
S: Karin Hammer, Daniel Scheimberg,
D: Victoria Schulz, Anton Spieker,
Erni Mangold, Ursula Ofner, Ben Becker,
Thorsten Merten
Ab Freitag, 19. Juni
Dramatische Liebesgeschichte über ein
junges Paar in den Sechzigerjahren, das
auseinandergerissen und in Erziehungsanstalten untergebracht wird.
Deutschland 1968: Ruby und Martin sind
jung, haben große Träume und lieben sich.
Ruby will Sängerin werden, Martin Schriftsteller. Sehr zum Unmut ihrer Eltern, deren Werte im Nachkriegsdeutschland von
eiserner Disziplin und streng katholischen
Erziehungsvorstellungen geprägt sind. Noch
bevor das Paar in Berlin untertauchen kann,
wird Ruby ins Heim der »Barmherzigen
Schwestern« und Martin in die Erziehungsanstalt der Diakonie in Freistatt eingewiesen.
Nun sind sie jahrelang auf sich allein gestellt
– bis sie sich eines Tages wieder begegnen.
Der eindringliche und einfühlsam erzählte
Film von Christian Frosch verknüpft eine
dramatische Liebesgeschichte mit dem
hochaktuellen Thema Heimerziehung in
Deutschland, das erst in jüngster Zeit zum
Fokus deutscher Vergangenheitsbewältigung wurde. Erschreckend authentisch erzählt er den Heimalltag, in dem Kinder und
Jugendliche durch körperliche und seelische
Gewalt gebrochen wurden. Für ihre schauspielerische Leistung wurde Victoria Schulz
beim Filmfest Oldenburg ausgezeichnet.
REGIESTATEMENT
Papier ist geduldig. Es gab nicht wenige
Momente, in denen ich den Drehbuchautor,
also mich selbst, verfluchte. Szenen mit 100
Statisten, viele Schauplätze und das Ganze im historischen Ambiente sind für einen
Low-Budget-Film eine schwere Zumutung.
Zusätzlich noch ein Ensemble von 30 tragenden Rollen, was ein mehrmonatiges extrem intensives Casting bedingte.
Schon beim ersten Casting von Victoria
Schulz bekam Ruby ein Gesicht. Es gab keine Zweifel. Als Anton Spieker zum Casting
kam, war ich zuerst skeptisch, Anton entsprach nicht nur äußerlich in keiner Weise
meinem inneren Bild von Martin. Der Autor

What a Wonderful world

hatte Martin als dunkelhaarig und schlaksig
beschrieben. Doch Antons Talent und die
Energie, mit der er sich die Rolle aneignete,
brachten das ursprüngliche Bild zum Verschwinden, bis kein anderer mehr als Anton
für die Rolle vorstellbar war.

What a Wonderful
World
Ce Lume Minunata
MD 2014, 73 min, Diverse OmU,
R/B: Anatol Durbala, K: Ivan Grincenco,
D: Igor Babiac, Igor Caras-Romanov
Crossing Europe 2015: Audience Award
Ab Freitag, 5. Juni
Beklemmende Aufarbeitung des schwierigen Wegs Moldawiens zur Demokratie.
Unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Parlamentswahlen kam es in April 2009 in der moldawischen Hauptstadt
Chisinau zu Protesten gegen die regierende
Kommunistische Partei, deren erneuten
Sieg die Demonstranten auf massive Wahlfälschung zurückführten. Dabei wurden
auch öffentliche Gebäude gestürmt und geplündert, worauf die Exekutive mit äußerster Brutalität reagierte.
Von den Spannungen, die sich schon lange
davor in seinem Heimatland aufbauten, hat
Petru wenig mitbekommen. Denn der junge Mann absolviert sein Studium in Boston
und kommt zu einem Familienbesuch nach
Moldawien zurück. Noch am gleichen Abend
entschließt sich Petru einen ComputerMonitor, den er einem Freund geborgt hat,
abzuholen und nach Hause zu tragen. Von
den spontanen Kundgebungen, die im Laufe
dieses Tages stattgefunden haben, weiß er
nichts – eine verhängnisvolle Informationslücke. Denn Petru wird für einen plündernden
Demonstranten gehalten und wie andere Aktivisten von der Straße weg verhaftet und in
eine abgelegene Polizeistation gebracht. Seine Versuche, den Irrtum aufzuklären werden
nicht einmal ignoriert, der junge Mann findet
sich in ein alptraumhaften Szenario wider,
dessen kafkaeske Züge sich schon bald in
blanken Terror verwandeln.
Anatol Durbala, ein in seiner Heimat sehr
populärer Schauspieler, der in einer regelmäßigen TV-Sendung auf satirische Weise
Missstände des politischen Systems aufs
Korn zu nehmen pflegt, hat mit seinem Re7

Gehen am strand

giedebüt What a Wonderful World ein
dunkles Kapitel der »Twitter-Revolution« in
der Republik Moldau beleuchtet, dass erstaunlicherweise nur sehr bedingt Eingang
in die internationale Berichterstattung gefunden hat. What a Wonderful World
ist ein wütender Aufschrei gegen jene Kräfte, die sich nach außen hin demokratisch
gesinnt geben, doch in Wahrheit immer
noch jener Ordnung nachhängen, die jede
abweichende Meinung schlichtweg mit brutaler Härte zu unterdrücken pflegt. Mit äußerst geringem Budget produziert, bezieht
Durbalas Inszenierung jene semi-dokumentarische Direktheit, die die Eskalationen in
all ihrer Brutalität beinahe spürbar macht.
Zum Kulminationspunkt entwickelt das Verhör, dem Petru durch einen Polizeioffizier
unterzogen wird. Reduziert auf zwei Personen, wird in mit kammerspielartiger Dichte
das Aufeinanderprallen zweier konträrer
Welten verdeutlicht: der Vertreter des Ancien Régime trifft auf einen Repräsentanten
jener jungen, weltoffenen Generation, deren
Ideen zur Bedrohung für das alte System
geworden sind. Igor Caras-Romanov spielt
dabei die Rolle des Offiziers, der sich im
Lauf des Verhörs in einen unkontrollierbaren Wutrausch steigert – die Tatsache, dass
jemand in Boston, Massachusetts studiert,
reicht dabei schon aus, um als Verräter abgestempelt zu werden – mit einer verstörender Intensität, die man selten gesehen hat.
What a Wonderful World wurde beim
diesjährigen Crossing Europe Festival mit
dem ray-Publikumspreis ausgezeichnet und
wird im Juni im Moviemento Linz gezeigt.
ray Filmmagazin 06/15 – Jörg Schiffauer

Gehen am Strand
AT 2013, 95 min, OdF,
R/B/S: Caspar Pfaundler, K: Peter Roehsler,
D: Elisabeth Umlauft, Harry Lampl,
Claudia Martini, Karl Fischer

Ab Freitag, 19. Juni
Dieses Drama erzählt von der schmerzhaften Bewusstwerdung einer weit klaffenden
Leerstelle: dem fehlenden Selbstverständnis, einfach sein zu dürfen.
Anja kommt nicht von der Stelle. Diplomarbeit und Privatleben laufen gleichermaßen ins Leere; hinter ihrer Antriebslosigkeit
lauert eine existenzielle Krise. Als sich ihre
8

Stopping

Familie zum Begräbnis der Großmutter in
Holland versammelt, flüchtet sie ans Meer.
Beim Gehen am Strand erlebt sie ihre Einsamkeit intensiv wie nie zuvor: Eine Bewegung zu sich selbst beginnt.
REGIESTATEMENT
Anja, die Hauptperson in GEHEN AM
STRAND, spürt einen großen inneren Widerstand, das zu tun, was von ihr erwartet
wird. Genau in diesem Widerstand liegt
eine Chance, sich selbst zu entdecken, das
Selbst, das durch Anpassung an fremde
Bedürfnisse verschüttet wurde. Wie eine
Person im Untergrund meldet sich diese
»innere Person« mit der Forderung, sein zu
dürfen und angenommen zu werden, ohne
etwas dafür leisten zu müssen. Der Film hat
mir geholfen, diese »innere Person« in mir
selbst wahrzunehmen.

GEHEN AM STRAND beschreibt seine
stille Heldin und ihren Zustand sehr präzise... man sieht Wien – und sieht es noch
einmal neu – Der Standard

Stopping – Wie man
die Welt anhält
DE 2015, 90 min, OdF, R: Bernhard Koch,
B: Bernhard Koch & Nils Landmark,
K: Hubert Märkl, S: Nils Landmark
Ab Freitag, 12. Juni
Wege zur Meditation. Ein Film über Meditation, ihre Formen und Praxis. Vier Menschen ziehen aus, um das weite Feld der
Meditation zu erobern.
Hektik, Stress, Leistungsdruck und permanenter Einsatz: vier Menschen zwischen Berlin und London, die im Alltag stark gefordert
sind, suchen die Stille und Ruhe der Meditation, um in ihrem Leben besser gewappnet
zu sein. Im Rückzug auf sich selbst, in der
Fokussierung auf das Elementare wollen sie
die Kraft für Veränderungen finden.
Der Film begleitet sie zu ihren Kursen: Friedrich, ein Anästhesiearzt, fährt ins Allgäu
und erlernt im Buddha-Haus VipassanaMeditation, eine Praxis, die sich vor allem
auf den Atem konzentriert. In London nimmt
Dorothea, eine Lektorin in einem wissenschaftlichen Verlag, an einem achtwöchigen
MBSR-Kurs teil – eine Achtsamkeitsmeditation zur Reduktion von Stress. Uta, Mutter

Schändung

dreier Kinder, möchte gelassener mit ihren
Kindern umgehen. Die anthroposophische
Meditation öffnet ihr die Augen für das Lebendige in unserem Alltag. Nico, ein Theologe, sieht das Ganze eher sportlich. Bei einem
Kurs im Kloster Schönböken nördlich von
Lübeck übt er Zazen, dreimal täglich 90 Minuten lang. Seit Jahrtausenden praktizieren
Menschen der unterschiedlichsten Religionen Meditation – um in der Stille zu sitzen,
zur Beruhigung und Sammlung des Geistes
und um Erleuchtung zu erlangen. Mittlerweile sind die positiven Auswirkungen der
Meditation wissenschaftlich nachgewiesen:
Bluthochdruck und Stress werden reduziert,
Cholesterin und die Herzfrequenz gesenkt,
Depressionen und Burnout vorgebeugt. Die
Rückbesinnung auf sich selbst wird als therapeutische Maßnahme befürwortet.

Schändung
Fasandraeberne
DK/DE/SE, 2014, 120 min, Dänsich OmU,
R: Mikkel Nørgaard, K: Eric Kress,
D: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares,
Pilou Asbæk, David Dencik, Danica Curcic,
Johanne Louise Schmidt

Ab Freitag, 19. Juni
Jussi Adler Olsen, Mikkel Nørgaard, Nikolaj
Lie Kaas und Fares Fares zum Zweiten –
diesmal wird in einem 20 Jahre zurückliegenden Doppelsexualmord ermittelt.
1994 werden zwei Geschwister brutal ermordet in einem Sommerhaus an der Küste aufgefunden. Der Verdacht fällt auf eine
Gruppe Schüler aus einem nahe gelegenen
Eliteinternat, die für ihre Gewaltorgien bekannt sind. Doch dann gesteht ein anderer
die Tat, und der Fall wird zu den Akten gelegt. Bis Carl Mørck 20 Jahre später von einem scheinbar verwirrten Mann auf offener
Straße angesprochen wird. Er gibt sich als
Vater der Opfer aus – und wird am nächsten Tag tot aufgefunden. Irgendetwas an
der Sache stimmt nicht, und so begibt sich
Mørck mit seinem Assistenten Assad auf
die Spur der Morde. In den Archiven stoßen
sie auf den panischen Notruf einer jungen
Frau, die mit dem Verbrechen in Verbindung
zu stehen scheint: Kimmie. Sie könnte der
Schlüssel zur Lösung sein, ist seit der Tat
aber spurlos verschwunden. Und schon
befinden sich Carl und Assad inmitten einer

Victoria

Der letzte sommer der reichen

atemlosen Jagd nach ihr, die sie nicht nur in
die Abgründe der Gesellschaft führt, sondern auch in deren höchsten Kreise. Denn
Kimmies Enthüllungen wären eine große
Gefahr für eine Reihe einflussreicher Männer – und die tun alles dafür, dass sie für
immer schweigt …

Der letzte Sommer
der Reichen

Victoria

Ab Freitag, 26. Juni
Die Hauptfigur ist eine Frau, die alles hat,
sich jeden Kick leisten kann und vor einem
Mordauftrag nicht zurückschreckt, um
endlich unabhängig zu sein.
Hanna von Stezewitz ist jung, attraktiv und
Mitglied der High Society von Wien. Die erfolgreiche Konzernchefin zieht mit ihrem
Geld rücksichtslos die Fäden in Politik und
Wirtschaft und nimmt sich – im DominatrixOutfit –, was ihr gefällt. Ihre emotionalen
Bedürfnisse befriedigt sie in nächtlichen
Eskapaden im Bordell, Alkohol und Drogen
sind ihr Lebenselixier. Immer härter, immer
schneller, lautet die Devise, nur nicht langweilig werden. Doch ihrem Großvater, dem
bettlägerigen konservativen Patriarchen
des Familienunternehmens, gefällt ihre
freizügige Lebensweise nicht. »Niemand
wird dich vor deinen Lastern und Perversionen schützen«, droht er der Enkelin mit
Enterbung. Diese heuert einen Killer an, um
sich von ihrer Last ein für alle Mal zu entledigen. Als Hanna in der Krankenpflegerin ihres
Großvaters, der Nonne Sarah, unverhofft
ihre Seelenpartnerin findet, scheint ihre
Sehnsucht nach dem persönlichen Glück
endlich in Erfüllung zu gehen. Doch dann
erreicht sie ein anonymer Anruf …

DE 2015, 140 min, OdF,
R: Sebastian Schipper, B: S. Schipper,
Olivia Neergard-Holm, Eike Schulz,
K: Sturla Brandth Grøvlen, D: Laia Costa,
Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit,
Max Mauff, André Hennicke
Berlinale 2015: Silberner Bär – Herausragende Künstlerische Leistung (Kamera)

Ab Freitag, 26. Juni
Intensive Reise ans Ende einer Berliner
Nacht als One-Take, in der ein spanisches
Mädchen sich verliebt und das Abenteuer
seines Lebens erlebt.
Eine Stunde noch, dann neigt sich auch diese Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Vor
einem Club lernt Victoria, eine junge Frau aus
Madrid, vier Berliner Jungs kennen – Sonne,
Boxer, Blinker und Fuß. Der Funke zwischen
ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit
füreinander haben die beiden nicht. Sonne
und seine Kumpels haben noch etwas vor.
Um eine Schuld zu begleichen, haben sie
sich auf eine krumme Sache eingelassen.
Als einer von ihnen unerwartet ausfällt, soll
Victoria als Fahrerin einspringen. Was für
sie wie ein großes Abenteuer beginnt, entwickelt sich zunächst zu einem verrückten
euphorischen Tanz – und dann schnell zum
Albtraum. Während der Tag langsam anbricht, geht es für Victoria und Sonne auf
einmal um alles oder nichts...
Wenn Sebastian Schipper Regie führt,
kommen stets ebenso ungewöhnliche wie
unmittelbare Filme heraus, die mitten ins
Herz treffen und den Kopf arbeiten lassen.
VICTORIA geht noch einen Schritt weiter.
Hinter der atemlosen Handlung verbirgt
sich ein Filmprojekt, wie man es im Kino
noch nicht erlebt hat: eine Reise ans Ende
der Nacht in Realzeit, atemlos, authentisch,
romantisch. Ein Film über eine Jugend, die
mehr will. Über eine verrückte Liebe auf den
ersten Blick. Über den wilden Herzschlag einer Großstadt.

AT 2015, 92 min, OdF, R/B: Peter Kern,
K: Peter Roehsler, S: Marcus Gotzmann,
D: Amira Casar, Nicole Gerdon, Winfried
Glatzeder, Susanna Hohlrieder

Naked Opera
LU/DE 2013, 85 min, Diverse OmU,
R: Angela Christlieb, B: Patricia Fürst,
K: Jerzy Palacz, S: Pia Dumont

Ab Freitag, 12. Juni
Das ebenso konfrontative wie intime Porträt einer tragisch-faszinierenden Person,
deren Leben ganz im Zeichen von Mozarts
»Don Giovanni« steht.
NAKED OPERA erzählt die Geschichte eines Mannes mit vielen Gesichtern. Marc ist
talentiert, intelligent, eloquent und wohlhabend, aber seit Kindheitstagen leidet er an

Naked Opera

einer unheilbaren Krankheit. Auf den Spuren Don Giovannis, ist er stets auf der Suche
nach der perfekten Inszenierung seines Lebens und seiner Lieblingsoper. Er entkommt
jedes Wochenende aufs Neue seinem geregelten, bürgerlichen Alltag, indem er auf der
Jagd nach der ultimativen Aufführung von
»Don Giovanni« die Welt bereist. Marc umgibt sich mit jungen hübschen Männern, residiert in den schönsten Hotels der Welt und
genießt die Freuden des Lebens.
Regisseurin Angela Christlieb begibt sich
mit Marc auf eine Reise von Luxemburg bis
nach Venedig, auf der sich Marc in einen
jungen Pornodarsteller verliebt. Mit Naked
Opera gelingt ihr ein ebenso konfrontatives
wie intimes Porträt einer tragisch-faszinierenden Person. NAKED OPERA ist visuell
beeindruckend – ein Film, der zugleich in
einen brillanten Geist und in ein hedonistisches Universum eintaucht.

Rico, Oskar und
das Herzgebreche
DE 2015, 97 min, OdF,
R: Wolfgang Groos, B: Martin Gypkens,
K: Stefan Biebl, S: Marco Pav D'Auria,
D: Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline
Herfurth, Ronald Zehrfeld,
Moritz Bleibtreu, Katharina Thalbach
Ab Freitag, 12. Juni
Komisch und kriminalistisch, lehrreich –
auch der zweite Film nach Andreas Steinhöfels Buchreihe macht Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß.
Der tiefbegabte, furchtlose Rico und der clevere, aber etwas übervorsichtige Oskar sind
inzwischen dicke Freunde. Auf ihren Streifzügen durch Berlin sind sie immer wieder
für neue Abenteuer zu haben. Diesmal ist
leider Ricos Mutter betroffen. Die hat sich
beim Bingo in illegale Machenschaften verstricken lassen. Jetzt ist nicht nur die Polizei, sondern auch der fiese Boris hinter ihr
her. Klar, dass die Jungs alles versuchen, um
Mama aus der Bredouille zu helfen.
Nach Neele Leana Vollmar, die den ersten
Teil der preisgekrönten Kinderbuchreihe
höchst charmant und erfolgreich für die
Leinwand adaptierte, übernimmt nun Wolfgang Groos. Entstanden ist ein unorthodoxen Krimi für Kids, der viel feinen Humor
und ein auch bisschen Spannung besitzt.
9

Specials
The Memory of Justice
DE/GB/US 1975, 278 min, OmU,
R: Marcel Ophüls
Mittwoch, 17. Juni, 18.00, Moviemento
– Eintritt frei
Eine monumentale Erzählung über die
Nürnberger Prozesse von Marcel Ophüls,
einem der bedeutendsten Dokumentaristen des 20. Jahrhunderts.
Die Fragen, die den Film durchziehen, sind
einfach und komplex: Wie ist es möglich,
das Verhalten einer Nation oder eines Individuums zu beurteilen? Ist das Urteil einer
siegreichen Nation über eine besiegte notwendigerweise heuchlerisch? Und hat Amerikas Grausamkeit in Vietnam nicht seine
bei den Nürnberger Prozessen erworbene
moralische Integrität beschädigt? Dem
Regisseur geht es um die Konkretisierung
von Begriffen und Perspektiven. Marcel
Ophüls, der in diesem Jahr mit der Berlinale
Kamera ausgezeichnet wurde, ist einer der
bedeutendsten Dokumentaristen des 20.
Jahrhunderts. Er ist ein Meister des zielstrebigen Umwegs: Er macht das Einfache komplex und das Komplexe einfach – oft in fast
schmerzhafter Gleichzeitigkeit. THE MEMORY OF JUSTICE wurde 1978 im Rahmen
der Berlinale präsentiert und galt danach
lange als verschollen. Der Film wurde vom
Academy Film Archive in Zusammenarbeit
mit Paramount Pictures und der Film Foundation sorgfältig restauriert. Das Vorhaben
konnte mit Unterstützung der Material
World Charitable Foundation, der Righteous
Persons Foundation und der Film Foundation realisiert werden.
Eine Veranstaltung in Kooperation von
Stadtkino Wien, Wiener Festwochen, Österreichischem Filmmuseum, Film Foundation
und mit freundlicher Unterstützung durch
die RD Foundation Vienna.

Ennio Morricone
Do 18. – Di 23. Juni, City-Kino
Beide Filme im Kombi-Ticket 14,In Kooperation mit dem Festival Neue Musik
im Brucknerhaus

Für eine Handvoll Dollar
DE/ES/IT 1964, 96 min, OmU,
R: Sergio Leone

Do 18. 6., 20.30 / So 21. 6., 20.30 /
Mo 22. 6., 18.00 / Ticket 8,50
Die Initiation des Italo-Western und Clint
Eastwoods glorreiche Geburt als LeinwandStar: Ein Fremder ohne Namen, lakonisch,
stoisch, unantastbar. Ein »stone face« mit
10

zielgenauem Blick und Zigarillo zwischen
den Zähnen. Der klassische Western-Held ist
tot, der einstige Moralkodex in Gewalt aufgegangen. Leones Western-Figuren sind dreckig, verschlagen, raffgierig, nur Eastwood
erscheint als neutrale, aber unberechenbare
Instanz. Als mysteriöser Pistolero reitet er
in eine »gottlose« Stadt, spielt zwei rivalisierende Familienclans gegeneinander aus und
zieht am Ende um einen Schatz reicher wieder von dannen.

Spiel mir das Lied vom Tod
IT 1968, 165 min, OmU, R: Sergio Leone

So 21. 6. 17.00 / Mo 22. 6., 20.00 / Di 23.
6., 20.00 / Ticket 9,50 (Überlänge)
Ein Mundharmonikaspieler mischt sich in
den Kampf zwischen einem Eisenbahnunternehmen, Killern, Siedlern und undurchsichtigen Freunden beim Bau der Eisenbahnlinie in Richtung Pazifik und rächt sich
für den lange zurückliegenden Mord an seinem Vater. – Leone total!
Zwei Jahre nach Eastwood drehte Sergio
Leone zu Füßen des Monument Valley, inmitten angestammten John-Ford-Landes,
diese weithin als Quintessenz des Italowestern gefeierte Hommage an den American
Dream. Das im wahrsten Sinne des Wortes
zeitlose Meisterwerk, in dem schon mal zehn
Minuten lang kein Wort gesprochen wird,
strotzt nur so vor stilistischen Innovationen
und verdankt seiner Kameraarbeit bzw. dem
Jahrhundertsoundtrack von Ennio Morricone mindestens ebensoviel Wirkung wie dem
Spiel seiner exzellenten Besetzung.

Südwind
Film & Konzert

»Mercedes Sosa« &
Live-Konzert mit Jorge Villalón
Freitag, 12. Juni, 18.30, Moviemento
Der Film MERCEDES SOSA - DIE STIMME
LATEINAMERIKAS von Rodrigo H. Vila würdigt am 12. Juni im Rahmen von Südwind im
Kino das Lebenswerk der begnadeten Sängerin, die heuer im Juli achtzig geworden
wäre. Sie kämpfte ein Leben lang gegen Diktatur, Armut und Neoliberalismus. Mit ihren
politischen Texten wurde sie zur Ikone und
zur Stimme des Volkes gegen Lateinamerikas Diktaturen.
In der Pause laden wir zu einem Gläschen
südamerikanischen Rotwein aus dem Weltladen ein, der uns nahtlos zum Live-Konzert
führt. Jorge Villalón hat sein Leben ebenfalls dem gesellschaftspolitisch inspirierten
Liedgut Lateinamerikas verschrieben, seit
seinem Engagement im Chile Allendes. Seine
Lieder lassen diesen Kinoabend ausklingen.
Kombi-Ticket: Film-Wein-Konzert: 15/13 €
www.suedwind-agentur.at/ooe

babykino

jeden ersten Mittwoch im Monat – City-Kino
Am Mittwoch, 3. Juni zeigen wir
300 Worte Deutsch (9.30) /
Kiss the Cook (10.00)
Ein Kinoangebot speziell für Eltern mit Babys und Kleinkindern. Sehen Sie aktuelle
Filmhighlights bei freiem Eintritt in speziellen Vorführungen, bei denen Sie Ihr Kleinkind getrost in den Kinosaal mitnehmen
können. Eintritt frei – für Eltern mit Babys!

Die Grünen 50+
Planquadrat
Film & Diskussion:
Freitag, 12. Juni, 18.00, Moviemento –
Eintritt frei!
In den 1970er Jahren entstand im vierten Bezirk der Gartenhof Planquadrat - zahlreiche
Innenhöfe wurden damals zusammengelegt,
die AnrainerInnen übernahmen die Verantwortung für Entwicklung und Betreuung des
so entstandenen Gartens. Dieser einmalige
Prozess der Bürgerbeteiligung wurde von
den JournalistInnen Elisabeth Guggenberger
und Helmut Voitl angestoßen und begleitet
– und in einer Reihe von Sendungen im ORF
Hauptabendprogramm dokumentiert. Heute
ist der Garten des Planquadrats im 4. Bezirk
von Wien ist ein frei zugänglicher Park. Im
Anschluss holen an den Film holen wir uns
im Gespräch mit den InitiatorInnen, Helmut
Voitl und Elisabeth Guggenberger, Anregungen für eine etwas andere Nutzung brach liegender Grünflächen in Stadt und Land!
Begrüßung durch Doris Eisenriegler (Obfrau der Grünen 50+ OÖ)

AK-Kultur
Belluscone –
Warum die Italiener
Berlusconi lieben
Freitag, 12. Juni, 21.00, Moviemento
AK-Kultur & Moviemento haben für Filmfreund_innen eine Kooperation vereinbart.
Inhalt dieser Zusammenarbeit ist, dass einmal monatlich gemeinsam ein Film vorgeschlagen wird, für den AK-Mitglieder mit der
Leistungskarte oder der AK-plus-Card einen
ermäßigten Eintrittspreis von 6 Euro zahlen.
Für die jeweiligen Filme mit sozialem oder politischem Hintergrund werden Einführungsreferate angeboten. Das Einführungsreferat
für den Juni-Film Belluscone hält der
Linzer Filmwissenschafter Markus Vorauer.

Klassik
im Kino
Juni/Juli

LA BOHÈME
Live aus dem Royal Opera House, London
Mi 10. Juni, 20.15, City-Kino
Oper in vier Akten / Giacomo Puccini
ca. 170 min / Dirigent: Dan Ettinger
Inszenierung: John Copley
Mit: Anna Netrebko, Joseph Calleja, Lucas Meachem

GUILLAUME TELL
Live aus dem Royal Opera House, London
So 5. Juli, 15.45, City-Kino
Oper in vier Akten / Gioachino Rossini
ca. 240 min / Dirigent: Antonio Pappano
Inszenierung: Damiano Michieletto
Mit: Gerald Finley, John Osborn, Malin Byström

NEUE
MUSIK
16.-21.6.2015
Wenn Ennio Morricone sein
Lied vom Tod, ein Orchester
Star Wars und ein Streichquartett über fünf Stunden
lang spielt, steckt wahrscheinlich Peter Ruzicka
dahinter. Zu Gast hat er den
berühmten Helmut Lachenmann. Zusammen ergibt das
ein Festival voller ungewöhnlicher Mixturen.
Einer für alle!
Mit dem Festivalpass um € 75,–
(Jugendkarte: € 40,–)
zum Festival Neue Musik 2015

Festi
va
PASS l

Karten und Info: +43 (0) 732 77 52 30, www.brucknerhaus.at

11

Moviemento & City-Kino
Juni 2015

die spielzeiten und - orte entnehmen sie bitte
unserem wochenprogramm, unserer homepage sowie der tagespresse

FilmBrunch

Filmstarts

Sonntags im Moviemento &
Gelben Krokodil

aB Fr 5. Juni

aB Fr 19. Juni

10 MIllIarden – wIe werden
wIr alle satt? omu

GeHen aM strand odf

Belluscone –
waruM dIe ItalIener
BerlusconI lIeBen omu

Dancing Arabs
il/de/fr 2015, 105 min, r: eran riklis
laufzeit: mindestens 3 wochen

de 2015, 103 min, r: valentin thurn
laufzeit: mindestens 3 wochen

it 2015, 95 min, r: franco Maresco
laufzeit: mindestens 2 wochen

dIe Frau In Gold

omu

Woman in Gold
us/Gb 2015, 109 min, r: simon curtis
laufzeit: mindestens 4 wochen

P‘tIt QuInQuIn (teIl 2) omu
fr 2014, 100 min, r: bruno dumont
laufzeit: mindestens 2 wochen

wHat a
wonderFul world omu

Ce Lume Minunata
Md 2014, 73 min, r: anatol durbala
laufzeit: mindestens 2 wochen

aB Fr 12. Juni

8 naMen Für dIe lIeBe

omu

ocho Apellidos vascos
es 2014, 98 min, r: emilio Martínez-lázaro
laufzeit: mindestens 3 wochen

love & Mercy

omu

us 2014, 120 min, r: william pohlad
laufzeit: mindestens 4 wochen

Mercedes sosa, dIe stIMMe
lateInaMerIkas omu

Mercedes Sosa – la voz de Latinoamérica
ar 2013, 98 min, r: rodrigo h. vila
laufzeit: mindestens 3 wochen

naked oPera omu

lu/de 2013, 85 min, r: angela christlieb
laufzeit: mindestens 1 woche

stoPPInG –
wIe Man dIe welt anHält odf

de 2015, 90 min, r: bernhard koch
laufzeit: mindestens 2 wochen

at 2013, 95 min, r: caspar pfaundler
laufzeit: mindestens 2 wochen

MeIn HerZ tanZt omu

scHändunG omu

Fasandraeberne
dk/de/se 2014, 120 min,
r: Mikkel nørgaard
laufzeit: mindestens 2 wochen

so 7. Juni
11.15
10 miLLiardeN
11.15
300 Worte deutScH
11.30
WHat a WoNderfuL WorLd
13.00 beLLuScoNe
13.15
die frau iN goLd
13.15
KiSS tHe cooK

so 14. Juni
11.15
8 NameN für die Liebe
11.15
StoppiNg
11.30
meiN Herz taNzt
13.15
die frau iN goLd
13.15
Love & mercy
13.30
KiSS tHe cooK
SommerpauSe biS mitte September

von jetZt an
keIn Zurück odf

de/at 2014, 108 min, r: christian frosch
laufzeit: mindestens 2 wochen

es gibt zwei brunch-termine:
1. termin 10.00 – 11.15 uhr,
2. termin 11.45 – 13.00 uhr

ZweIte cHance omu

tischreservierung im Gelben krokodil
dringend empfohlen: 0732/784182

en Chance til
dk 2014, 104 min, r: susanne bier
laufzeit: mindestens 3 wochen

Babykino
im City-Kino

aB Fr 26. Juni

Mi 3. Juni
9.30 300 Worte deutScH
10.00 KiSS tHe cooK

der letZte soMMer
der reIcHen odf
at 2015, 92 min, r: peter kern
laufzeit: mindestens 2 wochen

kinderkino

dIe lIeBe seInes leBens omu
the Railway Man
au/Gb 2013, 116 min, r: jonathan teplitzky
laufzeit: mindestens 3 wochen

vIctorIa odf

im City-Kino

aB Fr 12. Juni
rico, oSKar uNd daS HerzgebrecHe

klassik im kino
im City-Kino

de 2015, 140 min, r: sebastian schipper
laufzeit: mindestens 2 wochen

Mi 10. Juni, 20.15
La boHÈme
live oper aus dem royal opera house, london

Filmgespräche

specials

mit Markus Vorauer

D1 2. Juni, 20.00, MoViEMEnTo
premiere: 10 miLLiardeN

Fr 12. Juni, 21.00, MoViEMEnTo
beLLuScoNe

Mi 17. Juni, 18.00, MoViEMEnTo
tHe memory of JuStice

mit der arbeiterkammer

Fr 19. Juni, 21.00, MoViEMEnTo
meiN Herz taNzt

so 18. - Di 23. Juni, CiTY-Kino
eNNio morricoNe

mit der volkshochschule

Moviemento OK Platz 1, 4020 linz, 0732/78 40 90
City-Kino Graben 30, 4020 linz, 0732/77 60 81

www.moviemento.at

Österreichische Post AG/Sponsoring.Post - Verlagspostamt: 4020 Linz, Donau - GZ 02Z031032 S

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