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Prof. Dr. Hermann Scheuringer

VO Deutsche Syntax 
WS 2007/08

 
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
[12.10.2007] 

Grundlagen der Syntax/Syntaktische Kategorien 
Subjekt 

Prototypische Merkmale: 
Wer? Was? Fragen (semantisch) 
Das Subjekt ist das, worüber man spricht (pragmatisch) 
Es ist kongruenzauslösend (formal 
 
Ein Problem ist die Frageprobe mit Wer/Was. Das Pronomen „es“ ist oft semantisch leer (z.B. „Es 
regnet“ bei Witterungsverben). Andere nicht‐nominale Elemente können auch als Subjekt fungieren. 
„Er ist Lehrer“ – Prädikativ bzw. Gleichsetzungsnominativ. Nicht jede nominative Phrase muss subjek‐
tivisch sein. 

Prädikat 
Aristoteles: Das Prädikat ist das, was über das Subjekt ausgesagt wird. Der verbale Kern kann einfach 
sein („Er schläft“) oder mit einem Kopulaverb („sein“, „werden“, „bleiben“, etc.). Prädikative auch 
objektbezogen („Er ist ein Idiot“, „Sie nennt ihn einen Idioten“). 
Verblose Konstruktionen kommen in festen Wendungen vor, Zeitungsüberschriften (z.B. „Überfall 
gescheitert“). 

Prototypische Merkmale: 
Das Prädikat ist das Satzglied dem kategoriell nur eine Wortart (Verb) entspricht (formal) 
Ist eine aufs Subjekt bezogene Handlung (semantisch) 
Ist durch Kongruenz auf das Subjekt bezogen (morphologisch) – siehe Dürscheid 
 

Objekt 
Dem Objekt kann prototypisch eine semantische Rolle zugewiesen werden. Ihm kann die Rolle des 
Patiens zugewiesen werden. Bei zwei Objekten wird in direktes und indirektes unterschieden (Pati‐
ens/Rezipient). 

Prototypische Merkmale: 
Das Objekt ist Zielpunkt des verbalen Geschehens (pragmatisch) 
Es trägt die Rolle das Patiens/Rezipienten (semantisch) 
Es ist in Kasus durch das Verb oder Adjektiv bestimmt (formal) 
 
In der präskriptiven Grammatik wird unterschieden in Akkusativ‐, Dativ‐, Genetiv‐ und auch Präposi‐
tionalobjekt. Das Genetivobjekt ist eine alte Form und noch in z.B. „vergiss mein nicht“ enthalten, 

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entwickelte sich zum Akkusativobjekt „vergiss mich nicht“ bis zum Präpositionalobjekt „vergiss auf 
mich nicht“. 
 
Subjekt – Prädikat – Objekt sind die Kernsatzglieder. Die folgenden sind die sog. sekundären Satzglie‐
der. 
 

Adverbiale 
gehört oft aber auch zum Kernbereich. 
Adverbiale bezeichnen Umstände und sind nicht mit den Adverben zu verwechseln. 

Prototypische Merkmale: 
Adverbiale differenzieren sich stark in der grammatischen Beschreibung (?) (semantisch): 
‐ temporal („Mein Freund kommt heute“) 
‐ lokal („Er arbeitet dort“) 
‐ modal („Die Sekretärin schreibt schnell“) 
‐ kausal (im engeren Sinne: „Ich habe ihn wegen …“, konditional: „Mit etwas Fleiß…“, konzes‐
siv: „…, trotz seiner Erkältung“, konsekutiv und final) 
Adverbiale Bestimmungen beziehen sich auf das Verb oder auf einen Satz (syntaktisch) 
Sie drücken die näheren Umstände eines Geschehens aus – Ort, Zeit, Art&Weise, Grund (se‐
mantisch) 
größere Nominalphrasen, ganze Sätze (Adverbialsätze) 

Abgrenzung Adverbiale & Objekt: 
„Paul verkauft die ganze Nacht Zeitungen“ (Adverbiale) – ohne Präposition 
„Paul wartet auf dem Bahnhof auf seine Freundin“ – (Adverbiale und Objekt) mit Präposition 
Eine syntaktische Unterscheidung ist trotz Formengleichheit möglich. 
 

Freier Dativ 
Dativisch markierte Nicht‐Objekte sind sog. „Freie Dative“. Sie haben den Kasus Dativ, der aber nicht 
vom Verb zugewiesen wird, z.B. „Du arbeitest mir zu viel“. „Mir“ ist in diesem Fall nicht essentiell. 

Termini: 
dativus ethicus (ethischer Dativ) 
drückt gefühlsmäßige Anteilnahme aus, z.B. „Du arbeitest mir zu viel“, „Fall mir nicht um“ 
dativus commodi 
Ein Nutznießer/Geschädigter einer Handlung wird ausgedrückt, z.B. „Er hat mir das Auto ge‐
waschen“ 
dativus iudicantis  
Standpunktdativ, z.B. „Die Zeit vergeht mir viel zu schnell“ 

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Pertinenzdativ 
zeigt Besitzverhältnis, z.B. „Ich wasche dem Kind die Haare“ 

Unterscheidung von Dativ & Freien Dativ: 
Beim FD ist der Kasus nicht vom Verb regiert, beim D schon 
FD sind nicht mit einem Objektfragepronomen erfragbar 
FD ist mit einem Dativobjekt kombinierbar, z.B. „Dass du mir niemandem davon erzählst“ 
 
Für manche haben FD auch Objektstatus (das ist von der jeweiligen Grammatik abhängig). 
Der Possessive Dativ häng im Ggs. zum FD vom substantivischen Glied ab, z.B. „Dem Kranken tat der 
Magen weh“. 
Der FD ist oft schwer vom Objekt zu unterscheiden. 
 

Attribut 
Das Attribut wird von der Schulgrammatik nicht als Satzglied, sondern als Satzgliedteil angesehen. 

Prototypische Merkmale: 
Das Attribut ist eine Beifügung zum Substantiv oder Adjektiv 
Es ist nur ein Teil eines Satzgliedes ‐> durch Proben feststellbar 
Es ist in verschiedene syntaktische Kategorien unterteilbar (z.B. Genetivattribut, Attributsatz) 
(formal) 
Jedes Satzglied kann durch ein Attribut erweitert werden, außer das Prädikat. 
 

Apposition 
Die Apposition ist ein Substantiv od. eine Substantivgruppe, die referenziell übereinstimmt und im 
selben Kasus ist. Z.B. „Meine Lehrerin, eine sehr nette Frau“ (weitere Apposition), „Herr Mayer“ (en‐
gere Apposition). 
 
 
[19.10.2007] ausgefallen 
[26.10.2007] Feiertag 
[02.11.2007] Vorlesungsfrei 
 
[09.11.2007] 
 

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Proben (syntaktische Tests) / Satzgliedstellung 
 
Konstituenten gehören zusammen und können ersetzt werden (Saussure). Durch Segmentierung 
kommt man zu Paradigmen: 

Der Junge  weint oft 

Die | Frau  weint | oft 

Das | Kind  schreit | oft 

 
Distributionalismus 
Auch bei Unkenntnis einer Sprache müssten diese Klassen erkennbar sein.  
Konstituententests durch Proben (Konstituenten ≠ Satzglieder): 
Permutation (Verschiebeprobe) 
Wörter, die zusammen umgestellt werden können, stellen einen Konstituenten dar. Der Satz 
muss dabei grammatisch bleiben. 
z.B. „Helfen kann ich dir nicht, aber ich kann folgendes für dich tun.“ 
„Ich kann dir nicht helfen, aber…“ 
„Nicht helfen kann ich dir, aber …“ 
„Dir kann ich nicht helfen, aber… „ 
 
Die Permutation ist nicht für die Satzgliedbestimmung tauglich, aber für die Satzgliedstellung. 
Ein Satzglied kann unterbrochen sein (=diskontinuierlich), z.B. „Käfer krabbelten schwarze 
herum“ statt „Schwarze Käfer krabbelten herum“, was einen Nutzen hat: Wortstellungs‐, 
Umstellungsregularitäten und Ambiguitäten können aufgelöst werden: 
z.B. „Er beobachtet das Mädchen mit dem Fernglas“ 
„Das Mädchen mit dem Fernglas beobachtet er“ 
„Mit dem Fernglas beobachtet er das Mädchen“ 
Substitution (Ersatzprobe) 
Es wird überprüft, welche Teilketten ausgetauscht werden können, ohne dass der Satz un‐
grammatisch wird. Sind Wortketten im Satz durch ein Pronomen ersetzbar, spricht man von 
einem Konstituenten. 
z.B. „Der Mann trifft einen Freund“ – „Er trifft ihn“ 
Das Verb kann nicht ersetzt werden, aber komplexe Verbalphrasen können durch ein einfa‐
ches Verb ersetzt werden. 
Substitution durch Frageprobe: 
mit Fragewörtern (Wer? Wo? etc.). z.B. „Der kleine Junge liest“ – „Wer liest?“ 
Bestimmung der Zugehörigkeit einer Flexion: 
z.B. „Die Mutter sieht die Tochter“ (feminin) – Flexionsendung: Ø 
könnte rein formal Nominativ oder Akkusativ sein 
„Die Mutter sieht den Jungen“ (maskulin) – Flexionsendung: ‐n 
Mutter = Nominativ; den Jungen = Akkusativ 

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‐> Ersatzprobe femininum durch masculinum. 
Unechtes oder echtes reflexives Verb: 
„Ich wasche mich“ – „Ich wasche dich“ 
„Ich schäme mich“ – aber nicht: *„Ich schäme dich“ 
Eliminierung (Weglassprobe) 
Der Satz wird auf ein „strukturelles Minimum“ reduziert, solange er grammatisch bleibt. 
z.B. „Maria singt gerne in der Badewanne“ 
„Maria singt gerne“ 
„Maria singt“ 
Das Weglassbare bildet eine Konstituente. 
Reduktion: 
Das Weggelassene ist rekonstruierbar (Ellipse). z.B. „Den einen interessiert Linguistik, den 
anderen langweilt (Linguistik)“. Man weiß, dass „Linguistik“ weggelassen wurde. 
Tilgung: 
Bei der Tilgung ist das Weggelassene nicht rekonstruierbar. 
Die Eliminierung dient auch dazu, um die Valenz von Verben zu erkennen: 
„schlafen“  =  einwertig   (1 Aktant) 
„tragen“  =  zweiwertig   (2 Aktanten) 
„geben“  =  dreiwertig   (3 Aktanten) 
„regnen“  =  nullwertig  (bei Witterungsverben) 
Oberflächlich gesehen gibt es obligatorische und fakultative Aktanten. 
 

Stellungsregularitäten 
oder: Satzgliedstellung, Topologie (auch kontrastiv) 
 
Das Deutsche ist relativ wortstellungsliberal. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Flexions‐
zustand und Topologie. Das Englische hat wenige Flexionsendungen und ist somit „wortstellungsri‐
gid“. 
 
Faktoren, die die Satzgliedstellung bestimmen: 
Strukturtyp: 
‐ Kernsatz (‐‐‐ V ‐‐‐) 
‐ Stirnsatz (V ‐‐‐‐‐‐)  in Frage‐ und Befehlssätzen 
‐ Spannsatz (‐‐‐‐‐‐V)  in Nebensätzen 
Rahmen(konstruktion)/Klammer: 
hat das Deutsche exzessiv zur Verfügung. Klammern sind Konstruktionen, wo etwas geteilt 
werden kann. 
Prädikativer Rahmen:  
reiner, einfacher Aussagesatz. Das Finitum ist Ausgangspol. Der Zielpol kann das Infinitum 
sein, z.B.   „Er kann kommen“ 
Verbzusatz   „Er hält sie auf“ 
Prädikativ   „Er ist bald Lehrer“ 

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Funktionsverbgefüge   „Zur Aufführung gelangen“ 
Negation 
Innerhalb der rahmenschließenden Elemente lässt sich eine Hierarchie feststellen. Was se‐
mantisch verbnah ist, ist topologisch verbfern. 
Spannsatzrahmen: semantische ist topologische Verbnähe. 
 
Unterscheidung zwischen Nachtrag und Ausklammerung. 
Nachtrag: „Der Schnee wird immer mehr, es hört nicht auf zu schneien.“ 
Ausklammerung: „Peter ist heute fleißig gewesen beim Training.“ Normalerweise „Peter ist 
heute beim Training fleißig gewesen“. Die Gründe dafür sind kommunikativer Art, z.B. wenn 
das Klammerfeld zu groß ist oder wenn der Zielpol zu schwach ist, oder aus Kontakttendenz 
zum Nebensatz, oder aus Gründen des Hervorhebens. 
 
Häufig bei präpositionalen Gruppen, bei gleichartig koordinierten Satzgliedern und bei Ne‐
bensätzen. 
Valenzbindung: 
Valenzbedingte Glieder stehen nach nicht‐valenzbedingten also nach dem Finitum. 
„Er hat mit der Säge in der Werkstatt das Brett zugeschnitten“ 
„Er hat in der Werkstatt mit der Säge das Brett zugeschnitten“ 
Satzgliedwert: 
Wenn keine Markierung da ist, nehmen wir an, dass zuerst das Subjekt, dann das Objekt 
steht: 
„Jetzt ruft Peter Jürgen“, „Sport ist sein Hobby“ 
Das Dativobjekt wird meist vor das Akkusativobjekt gestellt: 
„Der Lehrer zeigt dem Schüler das Bild“ 
Das Akkusativ wird meist vor das Genetivobjekt gestellt: 
„Der Richter klagt den Verbrecher des Mordes an“ 
Rhythmus: 
Die Normalpositionierung folgt vom Kürzeren zum Längeren. 
„Er arbeitet fleißig und mit großer Gewissenhaftigkeit. 
Mitteilungs‐ und Determinierungswert: 
Mitteilungswert: 
Prinzip des wachsenden Mitteilungswertes. Zumessung von Gewichtungen: was weiter hin‐
ten steht ist wichtiger. 
„Die Mutter schenkte dem Buben die Schokolade“ 
„Die Mutter schenkte die Schokolade dem Buben“ 
 
Determinierungswert: 
determiniert sind der bestimmte Artikel und das Demonstrativpronomen. Den höchsten De‐
terminierungswert hat das Personalpronomen. 
Je höher der Determinierungswert, desto kleiner ist der Mitteilungswert. 
 
 
[16.11.2007] 

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Satzdefinitionen & ‐ einteilung 
 
Def.: „Der Satz ist die grammatische Einheit aus Subjekt und Prädikat“, oder „das was vor dem Punkt 
steht“ oder „ … (? Duden‐Definition)“, oder „Sätze sind sprachliche Einheiten, die relativ selbstständig 
und abgeschlossen sind (Dürscheid)“. 
 

Formale Einteilung 
Einfache und komplexe Sätze: Die Unterscheidung ist umstritten. Wenn eine Satzreihe (Parataxe) 
vorliegt dann spricht man von Hauptsatz und Hauptsatz (HS), bei einem Satzgefüge (Hypotaxe) von 
HS & Nebensatz (NS). 
Parataxe: 
Parataxen bestehen aus zwei Satzteilen, die durch ein Element verbunden sind oder auch 
nicht. Asyndetisch, wenn durch keine Konjunktion verbunden, syndetisch wenn durch koor‐
dinierende Konjunktion verbunden. 
Man unterscheidet zwischen einfacher Konjunktion („und“, „oder“, „aber“, „denn“, etc.) und 
komplexer Konjunktion („entweder … oder“, „sowohl … als auch“). 
Eine Parenthese ist ein Satzeinschub, z.B. „Er geht – und das tut er gerne – in die Schule“ 
Hypotaxe: 
Eine Hypotaxe besteht aus HS und einen oder mehreren NS. Der sog. „Matrixsatz“ subordi‐
niert (aber nicht immer), z.B. „Er erwartet, dass du kommst“ – ist nicht untergeordnet. 
Eine subordinierende Konjunktion ist z.B. „obwohl“. Ein NS kann aber auch durch ein Prono‐
men oder Interrogativpronomen eingeleitet werden, z.B. „wo“, „wie“. Man unterscheidet 
zwischen eingeleitetem und nicht‐eingeleitetem NS. 
Je nach Stellung der NS tritt ein verbaler Bestand (infinite Formen) auf. 
‐ Vordersatz 
‐ Nachsatz 
‐ Zwischensatz 
Nach Grad der Einbettung: 
‐ NS 1. Grades 
‐ NS 2. Grades, usw. 
Es wird außerdem zwischen Schachtel‐ und Treppensätzen unterschieden. 
Es gibt keine syntaktische, jedoch eine kommunikative Grenze der Subordination. 
 

Syntaktische Einteilung 
Gliedsätze & Gliedteilsätze; Gliedteil = Attribut 
 
Subjektsätze: 
„Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ 
Objektsätze: 
„Er sagt, dass er keine zeit hat“ 

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Adverbialsätze: 
„Er tanzte, bis er nicht mehr konnte“ 
Prädikativsätze: 
„Er ist geworden, was er immer werden wollte“ 
 
Gliedteilsätze (Attributsätze): 
Es ist ein Korrelat (=Platzhalter) einzusetzen, d.h. Leerstellen, die für etwas stehen. 
z.B. „Was du gesagt hast (=Gliedsatz), das verstehe ich nicht“ 
Wenn der Attributsatz mit einem Relativpronomen eingeleitet wird, dann spricht man von 
einem Relativsatz.  
Eingeschränkter Relativsatz (restriktiv) 
Uneingeschränkter Relativsatz (nicht restriktiv) 
Weiterführender NS: 
Relativsatzmuster als Unterordnung, was semantisch auf der gleichen Ebene steht. 
z.B. „Er hat das Geld verloren, was mir große Sorgen macht“ 
‐> Es besteht eine formale aber keine semantische „Nebensätzlichkeit“. 
Adverbialsätze: 
Die Adverbialsätze stellen eine größere Klasse der NS dar. Es wird unterschieden in: 
‐ Kausalsätze (Ursachen, Gründe) 
‐ Temporalsätze (Zeitpunkt) 
‐ Konditionalsätze (Bedingung) 
‐ Finalsätze (Zweck) 
‐ Konsekutivsätze (z.B. „so dass“) 
‐ Konzessivsätze (Einschränkung, Einräumung, z.B. „obwohl“) 
‐ Adverbialsätze (z.B. „während“) 
‐ Modalsätze (Art und Weise) 
‐ Lokalsätze (Ort) 
 

Satzartenmodell 
= Eine endliche (kleine) Menge an Satzarten oder –typen im Deutschen. 
 
Aussagesatz/Deklarativsatz: 
‐ Die Stellung des finiten Verbs ist an 2. Stelle (formal) 
‐ Intonation gegen Satzende fallend (formal) 
‐ Interpunktion: Punkt als Satzschlusszeichen (formal) 
‐ Modus: Indikativ oder Konjunktiv 2 (formal) 
‐ Partikeln: „halt“ (syntaktisch) 
Fragesatz/Interrogativsatz: 
‐ Entscheidungs‐ und Ergänzungsfrage, Alternativfrage 
‐ Modus: Indikativ oder Konjunktiv 2 
‐ Intonation am Satzende steigend 
‐ Interpunktion: Fragezeichen am Satzende 
‐ Partikeln: „denn“, „eigentlich“ 
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‐ Stellung des finiten Verbs: bei Entscheidungsfragen an erster Stelle, bei Ergänzungsfragen 
nicht. 
Aufforderungssatz/Imperativsatz: 
‐ Stellung des finiten Verbs an erster Stelle 
‐ Modus: Imperativ 
‐ Interpunktion: Rufzeichen am Ende des Satzes 
‐ Partikeln: „doch“, „bitte“ 
‐ Adhortativ: Forderung an die 1. Pers. Pl. (z.B. „Lasst uns gehen“) 
‐ Das Subjekt fehlt in der Regel 
Wunschsatz/Optativsatz: 
‐ real (Erfüllbarkeit) und irreal (Unerfüllbarkeit) 
‐ real: Verb im Konj. 2 Präteritum; irreal: Verb im Konj. 2 PQP 
‐ Intonation: fallend 
‐ Interpunktion: Punkt oder Rufzeichen 
‐ Partikeln: „nur“, „bloß“ 
Ausrufesatz/Exklamativsatz: 
‐ z.B. „Was du nicht sagst!“ 
‐ Intonation: fallend 
‐ Interpunktion: Rufzeichen 
‐ Partikeln: „aber“, „ja“ 
 

Strukturtypen 
ältere Terminologie: Stirn‐, Kern‐ und Spannsätze 
neuere Terminologie: Verberst‐, Verbzweit‐, Verbendsätze 
 
Die Verbstellungstypen korrespondieren mit anderen Einteilungskriterien: 
Der Verberstsatz ist bevorzugt ein Aufforderungssatz oder ein irrealer Wunschsatz, kann 
auch eine Ergänzungsfrage sein 
Verbzweitsätze sind Aussagesätze 
Verbendsätze bei Nebensätzen, Ausrufesätzen und Wunschsätzen 
 
Es gibt Sprachen, die keine feste Verbstellung haben. Das Deutsche ist eine SVO‐Sprache, andere 
können aber auch VSO und SOV sein. Das Dt. ist eine „Split‐language“. 
 
 
 
[23.11.2007] 

10  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
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Valenzgrammatik 
 
Den Namen „Valenz“ prägte Lucien Tesnière in seiner Arbeit zur strukturellen Syntax („Eléments de 
syntaxe structurale“). Das Verb bindet andere Elemente an sich wie ein Atom und besitzt ebenso eine 
Wertigkeit (Valenz). 
 

monovalent  intransitiv  arbeiten  ich arbeite 

diavalent  transitiv  verhindern  ich verhindere etwas 

trivalent  transitiv  geben  ich gebe jemandem etwas 

avalent    regnen  es regnet  (Witterungsverben) 

 
Das Bauprinzip der Valenz wird mittels Dependenzgrammatik beschrieben. In einer Dependenzstruk‐
tur wird der syntaktische Aufbau von Sätzen als ein Gefüge von Abhängigkeiten dargestellt. Es wird 
nach der Beziehung bzw. Abhängigkeit zwischen den Satzgliedern gefragt. 
Im Deutschen führt zuerst Brinkmann den Begriff der Valenz ein. Für ihn besteht der Satzkern aus 
Subjekt und Prädikat. Das Verb steht bei ihm nicht im Mittelpunkt. Von Johannes Erben stammt der 
Begriff der „Wertigkeit“. 
Unterscheidung logische, semantische und syntaktische Valenz (Helbig/Schenkel): 
Logische Valenz: 
 Sachverhalte der Wirklichkeit sind durch Prädikate mit mehreren Leerstellen formulierbar. 
Semantische Valenz: 
Verben fordern bestimmte Kontextpartner 
Syntaktische Valenz: 
obligatorische oder fakultative Besetzung von Leerstellen 
 
Bei der Funktionalen Grammatik (Jung) stehen nicht Aufbau und Logik, sondern der kommunikative 
Nutzen im Vordergrund. Auch wenn das Verb strukturell den Satz bestimmt, existiert eine Hierarchie 
(der Kasus). Der Nominativ steht hier an oberster Stelle (Subjektnominativ). Das Verb kongruiert nur 
mit diesem Subjektnominativ. 
 
Valenz kann man auch auf andere Wortarten übertragen, z.B. Partizipien „die gelegten Eier“. Auch 
bei Adjektiven, z.B. „das interessante Buch“ (einwertig), „der seiner Sorgen ledige Mann“ (zweiwer‐
tig). Auch bei Substantiven, z.B. „Besuch“ – „Der Besuch seines Freundes“. Es gibt sogar ein Valenz‐
wörterbuch deutscher Substantive. 

11  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
In Verbvalenzwörterbüchern wird zwischen obligatorischen und fakultativen Aktanten unterschie‐
den. Die sog. freien Angaben sind für grammatische und semantisch korrekte Sätze nicht notwendig. 
z.B. „Er starb gestern“ – rein syntaktisch ist das „gestern“ entbehrlich, semantisch jedoch nicht. 
In der Tiefenstruktur gibt es nur eine Art von Aktant. Diese entstehen durch sog. „Transformationen“. 
z.B. „Ich esse“ – bedingt semantisch immer ein Objekt, in der Tiefenstruktur aber nicht (?). Es ist eine 
alltägliche Ellipse. 
In der Tiefenstruktur ist nur zwischen Valenz und freien Angaben zu unterscheiden. Am Anfang steht 
die einfache Aussage, die mit anderen einfachen Aussagen verkettet wird. 
 
„Ich wartete im Hausflur auf ihn“ 
„Ich wartete auf ihn“    „Ich war im Hausflur“ 
 
Bei diesem Beispiel handelt es sich m eine Reduktion eines tiefenstrukturellen Satzes, was wissen‐
schaftlich jedoch nicht nachgewiesen werden kann. Transformationen können erlernt werden. Nur 
die freien Angaben reduzieren den tiefenstrukturellen Satz. 
z.B. „Er wohnt in Dresden (Aktant) und starb in Dresden (freie Angabe)“ 
Die Verknüpfbarkeit der freien Angaben wird durch semantische Restriktionen eingeschränkt. Distri‐
bution = oberflächliche Verteilung. 
 
Die Unterscheidung zwischen fakultativen Aktanten und freien Angaben ist für die Satzgliedstellung 
wichtig. 
Bsp. freier Dativ: 
„Ich bringe ihm das Buch“ (Aktant) 
„Ich trage ihm das Buch“ (freier Dativ /Angabe) 
Bsp. Akkusativobjekt: 
„Er isst das Brot“ (Aktant) 
„Er isst den ganzen Tag“ (freie Angabe) 
Bsp. Präpositionalobjekt & Adverbialbestimmungen: 
„Sie wartete auf ihn“ (Aktant) 
„Sie wartete im Hausflur“ (freie Angabe) 
Oberflächliche, semantische Kriterien: 
Das Verb regiert die Präpositionen in „Sie wartete auf ihn“ („auf“ hat keine Semantik), „Sie 
wartete auf dem Berg“ („auf“ hat Semantik). 
 
Rein elliptische Sätze können nicht zur Bestimmung von Valenz herangezogen werden. Das ausgelas‐
sene Glied ist „invariant“. 
Valenzwörterbücher machen semantische Unterscheidungen, auch wenn die Unterschiede nicht so 
groß sind. Siehe Semem, Kernsememe, Kontextsememe. 
 

12  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
Das Substantiv und Adjektiv im Prädikativ gelten als Aktanten, was bedingt wird durch das Verb 
„sein“. 
Durch die Passivtransformation wandelt sich bei passivfähigen Verben eine obligatorische in eine 
fakultative Valenz. 
Logische Valenz: Aussagestrukturen 
Semantische Valenz: semantische Verbindung – Kontextsememe 
 
Der Begriff „Grammatikalität“ ist individuell aufzufassen, z.B. sind im Dialekt Sachen richtig, die in der 
Hochsprache falsch sind. „Die nackten Stühle horchen sonderbar“ 
 
[30.11.2007] 

Funktionsverbgefüge 
Man kritisierte, dass Funktionsverbgefüge (FVG) unnütz sind, war später aber der Ansicht, dass sie 
die Sprache erweitern bzw. Lücken füllen. Es gibt mehrere Termini für das FVG. Helbig  beschäftigte 
sich ausgiebig mit den Typen der FVG und auch mit der Valenz der FVG. 

Eigenschaften 
Das FVG ist eine semantische Einheit aus zwei Teilen: Verb & Substantiv. Das Verb ist in seiner Se‐
mantik reduziert, z.B. „zur Aufführung bringen“ vs. „ein Glas Wasser bringen“. Die Bedeutung liegt 
hauptsächlich im Substantiv. Das FV ist jedoch nicht bedeutungsleer, es bringt Teilbedeutungen, Nu‐
ancierungen ein, z.B. Aktionsarten (inchoativ, durativ, iterativ, perfektiv, etc.). Aktionsarten können 
auch mit Präfixen durch Vollverben ausgedrückt werden, z.B. „einschlafen“ (inchoativ). Die Substitu‐
ierbarkeit ist rein topologisch, nicht semantisch. 

• Phraseologismen weisen Ähnlichkeiten zum FVG auf, z.B. „ins Wort fallen“ od. „ins Gras bei‐
ßen“. 
• „bringen“ ist ein typisches FV. Die Substantive können nicht anaphorisiert werden (mit Pro‐
formen). 
z.B. „Er gab dem Kind Antwort“ aber nicht *“Er gab sie dem Kind“ 
• Meistens treten die Substantive im FVG mit Nullartikel auf. 
z.B. „Die Technik findet Anwendung“ und nicht *“Die Technik findet die Anwendung“ 
• Es sind keine Pluralformen möglich 
z.B. „zur Sprache bringen“ aber nicht *“Zu den Sprachen bringen“ 
• Es ist außerdem keine Passivierung möglich 
• Das Substantiv ist obligatorisch, kann also nicht weggelassen werden 
• Wird ein Vollverb ein Funktionsverb, ändert sich die Valenz 
z.B. bringen: „Ich bringe dir ein Glas Wasser“ (dreiwertig) ‐> „Zur Aufführung bringen“ (zwei‐
wertig) 
• Es lassen sich nicht alle FVG durch Vollverben ersetzen. 
z.B. „zur Ansicht bringen“ ≠ „ansehen“; „in Verzug geraten“ ≠ „verziehen“ 
In diesem Fall stopfen die FVG Lücken im lexikalischen System. 

13  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
Für diese eben genannten Restriktionen gibt es natürlich Ausnahmen, z.B. ist der Plural manchmal 
möglich („eine Frage stellen“ ‐> „Fragen stellen“) und FVG sind manchmal mit Attribut möglich („et‐
was nimmt einen guten Verlauf“). 
Es treten auch orthografische Probleme auf, z.B. ob Zusammenschreibung oder nicht. 

Vorteile 
• Erweiterung des Wortschatzes 
• Hinzufügung der Aktionsart, die im Dt. durch das Vollverb/Flexiv ausgedrückt werden kann. 
• FVG können allgemeinere Bedeutungen ausdrücken, z.B. „Wir stiften Verwirrung“ ist allge‐
meiner als „wir verwirren“ 
 
[07.12.2007] 

Relativsatz / Weiterführender Nebensatz / Indirekter Fragesatz 
Relativsatz 
Der Relativsatz ist die häufigste Art der eingeleiteten Nebensätze. Überschneidung mit der Indirekten 
Frage:  
„Was er tut ist ungewiss“ ‐> Relativsatz 
„Ich frage mich, was er tut“ ‐> Indirekte Frage 
Relativsätze sind teilweise nicht deutlich abzugrenzen. Überschneidung relativ/interrogativ. „relativ“ 
ist die syntaktische Funktion. Überwiegt bei der Einleitung mit dem W‐Wort der relative Sinn, handelt 
es sich um einen Relativsatz, überwiegt der interrogative Sinn, um einen indirekten Fragesatz. 
Beim Relativsatz handelt es sich um eine syntaktische Verknüpfung. Er setzt ein identisches Element 
in beiden Sätzen voraus (referenzidentisch). 
z.B. „Er kauft das Buch, das er sich gewünscht hat“  
Der indirekte Fragesatz ist meistens auf eine direkte Frage zurückzuführen. 
z.B. „Er fragt sie, wann sie kommt“ < „Er fragt sie: ‚Wann kommst du?‘“ 
Achtung: ein Relativsatz ≠ ein Attributsatz. Attributsätze sind jedoch oft Relativ‐ oder Konjunktional‐
sätze. 

Weiterführender Nebensatz 
Weiterführende Nebensätze (WNS) sehen aus wie Relativsätze. 
Der WS ist inhaltlich koordinativ mit dem Hauptsatz verbunden und formal untergeordnet. 
„Hans ist gekommen, was mich gefreut hat“ 
‐> das „was“ bezieht sich auf den ganzen Hauptsatz, nicht nur auf „Hans“. 
Weitere Termini für den WNS: Satzattribut, Satzapposition. 

Typen der WNS 

• Freie Relativsätze: 
führen den Inhalt des übergeordneten Hauptsatzes weiter 

14  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
• Eingeleitete Relativsätze: 
mit „was“ (ein Sachverhalt wird kommentiert) od. „wobei“, „worüber“ 
• Redesituierende Nebensätze: 
Einordnung des Geschehens in den übergeordneten Hauptsatz. z.B. „Er arbeitet, wie es 
scheint“ (=breiteres, allgemeineres Kommentieren) 
• Nebensatz mit anderen W‐Wörtern:  
„weshalb“ 
• NS mit „als“: 
Die wichtigere Aussage liegt im NS, z.B. „Er war kaum weggefahren, als das Telegramm an‐
kam“ 
• „während“: 
„Er wurde Baumeister, während der andere Elektroniker wurde“ 

Kriterien 

• Es handelt sich immer um inhaltlich lockere Anführungen zum Hauptsatz. 
• WNS sind immer „Nachsätze“, während Relativsätze auch „Vordersätze“ sein können. 
• WNS sind nicht in ein Satzglied oder Satzgliedteil transformierbar, jedoch in einen Hauptsatz, 
deswegen „quasi‐koordinative Verknüpfung“ mit Prowörtern. 
• WNS haben kein Bezugswort im übergeordneten Satz. 
 
Manchmal können WNS doch in ein Satzglied od. Satzgliedteil transformiert werden. 
z.B. „Er machte einen Versuch, der restlos scheiterte“ ‐> „Er machte einen später restlos scheitern‐
den Versuch“.  
Dass WNS in einen Hauptsatz transformierbar sind, trifft jedoch immer zu. 
Formal haben WNS die Form eines Relativsatzes, indirekten Fragesatzes oder Konditionalsatzes. In‐
haltlich drücken sie eine Modalität aus, sind temporal vorwiegend nachzeitig. 

Indirekter Fragesatz 
Der IFS soll auf eine direkte Frage zurückgeführt werden können. Beim Relativsatz ist das nicht mög‐
lich. Das Einleitungswort für den IFS ist das Interrogativpronomen, aber auch „ob“.  Das Verb des 
Hauptsatzes muss bei „ob“ jedoch verneint sein, z.B. „Ich weiß nicht, ob er kommt“ (Unsicherheit als 
semantisches Merkmal). 

Unterschiedliche Interpretationen zum IFS: 

• Der IFS wird auf eine direkte Frage zurückgeführt, ein Verb des Fragens enthaltend, z.B. „Der 
Lehrer fragt, wann Susi die Hausübung bringt“ – semantische Kategorie 
• Der IFS wird durch Fragepronomen eingeleitet, die aber keine Frage, sondern Unsicherheit 
ausdrücken – pseudo semantische Kategorie 
• IFS sind alle Nebensätze, die durch Interrogativpronomen eingeleitet sind, unabhängig da‐
von, ob es sich um eine Frage handelt oder Ungewissheit ausgedrückt wird. – Formale Kate‐
gorie 
 
 

15  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
[14.12.2007] 

Infinitiv‐ und Partizipialkonstruktionen 
Infinitiv‐ und Partizipialkonstruktionen sind syntaktische Gebilde zwischen Satzglied und Nebensatz. 
Merkmale, die Konstruktionen mit Nebensätzen teilen: 

• die, im übergeordneten Satz (Matrixsatz/ Hauptsatz) eingebetteten Infinitive bzw.  Partizipia‐
le sind beliebig zu erweitern bzw. mit Gliedsatz erweiterbar 
z.B. „Er hoffte in Dresden seinen Freund zu treffen, den er seit langer Zeit nicht gesehen hat“ 
(Infinitivkonstruktion) 
„Er hoffte, dass er in Dresden seinen Freund trifft, den er …“ (Gliedsatz) 
• erscheint in Konstruktionen ein Reflexivpronomen, so wird es nicht vom Subjekt des Matrix‐
satzes eliminiert/determiniert (?) sondern steht für sich 
Merkmale, die Konstruktionen von Nebensätzen unterscheiden: 

• an der Oberflächenstruktur kein finites Verb 
• das Subjekt wird eliminiert/determiniert (?) 
• das finite Verb wird in eine infinite Form umgewandelt 
z.B. „Er hoffte, dass er die Dissertation bald abschließen kann“ 
‐> „Er hoffte die Dissertation bald abschließen zu können“ 
Das was der Infinitiv ersetzt, hat Satzgliedwert. 
„um zu“, „ohne zu“ und „anstatt zu“ führen zu Wortklassenbestimmung. Sie sind mit Bedeutung ver‐
sehen und fungieren anders als „zu“. Sie haben keine Zugehörigkeit zu Präpositionen, keine Kasus‐
forderung. Reduzierung der zweigliedrigen Konjunktionen. ohne zu = ohne, dass; anstatt zu = anstatt, 
dass. 
„zu“  ist unflektiert, hat keinen Satzgliedwert und hat mit allen Klassen etwas gemeinsam (fordert 
keinen Kasus, ist immer auf das Verb bezogen). Es trägt keine erkennbare Bedeutung und wird den 
Partikeln zugeordnet. 
Nach Helbig gibt es zwei Infinitivklassen 

• valenzbedingt: 
um Leerstellen im Matrixsatz aufzufüllen 
z.B. „Wir freuen uns ihn zu sehen“ (Verb) 
„Ihn zu sehen ist erfreulich“ (Adjektiv) 
„Wir haben die Freude ihn zu sehen“ (Substantiv) 
• nicht‐valenzbedingt: 
zweiteilige Verbindungen/ freie Angaben/ können nicht aus Leerstellen erschlossen, gefor‐
dert, bedingt werden 
z.B. „Er geht in das Bad, anstatt zu arbeiten“ 
 

16  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
Partizipialgruppen 
Partizipialgruppen sind nie valenzbedingt, sie sind eine freie, syntaktisch beliebig hinzufügbare Grup‐
pe. 
Unterscheidung attributive und nicht‐attributive Partizipialgruppen: 

• attributive Partizipialkonstruktionen: 
kein eigenes Stellungsglied, nehmen die erste Stelle im Hauptsatz nicht alleine ein. Sie lassen 
sich paraphrasieren. 
z.B. „Eine ärztliche Behandlung aufbauend auf eine genaue Diagnose hätte den Patienten ge‐
rettet“ 
• nicht‐attributive Partizipialkonstruktionen: 
sind wie Satzglieder und können die erste Stelle vor dem Verb einnehmen. Lassen sich nicht 
paraphrasieren. 
z.B. „Aufbauend auf genauer Diagnose hätte die ärztliche Behandlung den Patienten geret‐
tet“ 
Der Kontakt mit dem Substantiv weist auf attributive Partizipialkonstruktionen hin, der Kontakt mit 
dem Verb auf nicht attributive Partizipialkonstruktionen. 
Attributive Partizipialkonstruktionen lassen sich auch ohne Bedeutungsveränderung in typische Att‐
ribute verändern. 
 
 
[11.01.2008] 

Passiv: Entwicklungsgeschichte / Formen 
Fügungen mit „werden“ & Partizip II gehören zum Passiv, auch „sein“ + Partizip II. Auch Passivbildun‐
gen mit „bleiben“, „gehören“, „kriegen/bekommen“, „erhalten“, „haben“. 

Geschichte 
Der Bezugspunkt für das Passiv ist die lateinische Schulgrammatik. Das werden‐Passiv hat sich im 
Deutschen durchgesetzt, „sein“‐ und Partizip‐II‐Formen gelten als regional. Das Englische als Bezugs‐
punkt kam dazu: ein Passiv des engen Kanons mit „sein“ (to be). 
Das Passiv ist nicht nur mit morphologischen Kriterien zu ermitteln. Der Großteil der indogermani‐
schen Sprachen hat mehr als ein Passiv. Das Deutsche ist eigentlich eine Akkusativsprache, die passi‐
viert wird. Kompensation des Agens. Germanische Sprachen haben das Passiv als agensabgewandte 
Struktur. Oft ist es jedoch erwünscht, etwas über den Agens auszusagen.  
Gründe für den Passiv sind also nicht nur für den Einsatz als Alternativstruktur, sondern auch die 
Nichtbenennung des Agens und die Möglichkeit involitive Handlungen trotzdem als Geschehen aus‐
zuweisen. Die eigene Person wird ausgespart.  
z.B. „Die Vase ist hinuntergefallen“ vs. „Ich ließ die Vase fallen“ 

17  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
Das Passiv ist immer mit aktivischem Hintergrund. Passivische Strukturen sind markiert, meistens 
sekundär, meistens ableitbar und in ihrer Bildungsweise durchschaubar und erkennbar. 
Früher war das sein‐Passiv die unmarkierte Form. Erst im späten Mhd. wurde das sein‐ zum werden‐
Passiv ‐> Umschichtungsprozess. Das Englische hatte früher ebenfalls ein werden‐ und sein‐Passiv 
(altengl. „weordhan“ und „wesan“). Im 15. Jhdt. ist im Englischen die „weordhan“ Form ausgestor‐
ben. Wäre die Entwicklung des Deutschen parallel verlaufen, hätten wir heute ein sein‐Passiv. 
Das engl. „be“ Passiv, z.B. „The glass is broken“, ist die einzige Form, wobei man nicht zwischen Vor‐
gangs‐ und Zustandspassiv unterscheiden kann. „get“ und „become“ sind hier Hilfsverben zur Füllung 
einer Systemlücke. 
Das Gotische (4. Jhdt.) hatte auch zwei Passivformen („wairthan“ & „wisan“), die ursprünglich Akti‐
onsarten waren, nämlich werden ingressiv und sein kursiv. Später entwickelten sie sich zu „werdan“ 
und „wesan/sin“. Die zahlenmäßige Verteilung ist hier anders: 2/3 bis ¾ der verwendeten Passivfor‐
men sind sein‐Formen. 
Das Futur des Lateinischen wurde im Ahd. durch das Präsens wiedergegeben. Aktiv und Passiv im 16. 
Jhdt.: „werden“ ist zukunftsorientiert. Der Grund für die Wahl des werden‐Passivs ist jedoch kein 
temporaler, sondern ein Handlungsaspekt. 
Die Gebrauchsweise ist früher in den Phraseologismen stecken geblieben,  
z.B. „Die Straße ist beleuchtet“ war früher noch aktionsartenbedingt (kursiv) 
In den germanischen Sprachen überwiegen die sein‐Formen. Das Tempus des Verbs wurde historisch 
gesehen immer wichtiger. Das alte werden/sein‐System wurde umgeprägt im Mhd. auf temporal. 
Das Präfix „ge‐„ war eine vollzogene Handlung. Die Aktionsarten gingen in dieser Hinsicht jedoch 
nicht ganz verloren, die Form von „werden“ ist jedoch nicht mehr ingressiv. In der Übergangszeit gibt 
es Belege für Formen mit „sein“ wo heute „werden“ benutzt wird. Bei Luther wird vorrangig schon 
„werden“ benutzt. Die Bildungen „Sei gegrüßt“ und „ … ist sehr gesucht“ sind versteinerte Reste der 
früheren Ausdrucksweisen. 

Passivperiphrasen 
• unpersönliches Passiv: 
„Dem ist geholfen“, „Dem wird geholfen“ 
• bleiben, stehen, liegen Passiv: 
regionale Unterschiede, z.B. „bleiben“ eher umgangssprachlich, „kommen“ eher südwestlich 
angesiedelt. 
• „bekommen“, „kriegen“, „erhalten“: 
hängt mit Zwei‐ oder Dreiwertigkeit der Verben zusammen 
• „haben“: 
z.B. „Die Weichen haben … eingebaut“ 
• „gehören“ 
 
[18.01.2008] 
 

18  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
Funktionale Satzperspektive / Thema‐Rhema‐Gliederung 
In der Funktionalen Satzperspektive gilt der Satz als Teil des Textes.  
Das Prinzip der Zweiteilung in Thema und Rhema gilt auch bei kürzeren Sätzen, z.B. „Mama komm“, 
„Hansi Saft trinken“, „Das Schauspiel dauerte sehr lange“.  
Wie sind Sätze unter kommunikativen Gesichtspunkten eingeteilt? Es wird an etwas angeschlossen, 
das Hörer und Sprecher bekannt ist. Sätze sind Teile eines Diskurses. 
Hermann Paul: Begriff „Seele“. Subjekt und Prädikat sind leicht zu erkennen, aber was ist die „See‐
le“? z.B. die Betonung in Sätzen oder die Wortstellung. 
Die zwei Elemente sind der Funktion nach differenziert. Die Situation ist wichtig und immer vorhan‐
den, man muss sie in der Satzanalyse berücksichtigen. Bekanntes = thematisch, Neues = rhematisch. 
Karo  fährt morgen nach Berlin 
Thema  Rhema 
Thematische Glieder können auch in rhematische eingebettet sein. 
Die ersten Ansätze der funktionalen Satzperspektive finden sich bei Paul, aber auch bei Gabelentz 
(psycholinguistischer Ansatz, der später durch den strukturalistischen abgelöst wurde). 
Dichotomien: bekannt‐nicht bekannt (kognitiv); neu – nicht neu (kontextuell) 
Thematisches kann als bekannt und allgemein akzeptiert gesehen werden. Das Thema nimmt meist 
Spitzenstellung ein, als Anknüpfungspunkt. Im Laufe des Textes entstehen immer neue Themen, die 
wiederum an Rhemen anknüpfen. Es gibt keine themalosen Sätze. 
Thema: wozu, versammelt Bezeichnungen, ist variabler 
Rhema: dazu, drückt geschlossene Bedeutung aus, ist invariabler 
Die Anordnung der Elemente ist am deutlichsten im Nebensatz zu sehen. Sie sind oft mit einem Mo‐
dalisator, z.B. „wahrscheinlich“, „leider“, etc. verbunden oder dadurch getrennt. 
 
…, dass das Wetter in der Normandie  wahrscheinlich  morgen besser wird 
Thema  Modalisator  Rhema 
 
Präsupposition (=Vorannehmung) = Thema 
Assertion (=Behauptung) = Rhema 
Nicht alle Glieder sind Thema/Rhema relevant. 
Im Deutschen ist die Wortstellung „quasi‐frei“ im Gegensatz zum rigiden Englisch. Die Serialisierung 
nach kommunikativen Gesichtspunkten eignet sich am besten um Thema/Rhema darzustellen.   
Die Terminologie von Boost Karl baut auf der Vorfeld‐Hauptfeld‐Nachfeld‐Terminologie auf. Er 
spricht von einem Spannungsbogen. 
z.B. „Geregnet hat es in Österreich seit drei Tagen nicht“ 
‐> Spannungsbogen 

19  Achtung: keine Garantie auf Vollständigkeit oder Korrektheit   
VO Deutsche Syntax; WS 07/08; Prof. Dr. Scheuringer 
 
Grundreihenfolge 
Die Grundreihenfolge wird von zwei grammatischen Instanzen geregelt: 
1. sprachtypologisch: 
z.B. „Otto gibt dem Bruder das Buch“ (Normalfall Dativ‐Akkusativ) 
nicht: „Otto gibt das Buch dem Bruder“ (Akkusativ‐Dativ) 
2. Satztypdifferenzierend: 
Die Zweitstellung gilt als unmarkiert. 
Grundreihenfolge der Ergänzungen: Subjekt, Dativobjekt, Akkusativobjekt, Genetivobjekt 
Grundreihenfolge der Angaben: temporal, kausal, lokal, modal, instrumental 
 
Otto  gestern  aus Jux  auf der Terasse  eifrig  mit dem Hämmerchen  das Spar‐
hat  schwein 
beklopft 
  temporal  kausal  lokal  modal instrumental   
 
Bei Substantiven ist der Artikel oder Nullartikel oder ein Pronomen als Indikator für „bekannt“. Alles 
ist im Text zuerst einmal neu und es kann sein, dass Bekanntes nicht neu  ist (siehe Dichotomie). Es 
gibt einen Überlappungsbereich aus Thema/Rhema. 
Kürzere Elemente stehen vor längeren Elementen. Demonstrativa vor Pronomina vor anderen. 
Mitteilungswert: 
für die Bestimmung des Mitteilungswertes hat man ein Instrument entwickelt: CD (communicative 
dynamic) oder KD (Kommunikative Dynamik) 
‐>psycholinguistische Grundfunktion. 
Rhematische Glieder tendieren zum Satzende, haben gleichen Mitteilungswert, weil sie alle neu sind, 
ihre Serialisierung ist rein syntaktischer Art. 
Speziell bei gesprochener Sprache ist die Intention wichtig. Der Satzakzent kennzeichnet das eigentli‐
che Rhema. 
 
 
 
 
 

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