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Institute for Quality and Efficiency in Health Care

Glossar
Glossar IQW iG

Abschlussbericht
Bezeichnung für wissenschaftliche Ausarbeitungen des IQWiG, die auf Basis eines Auftrags des
Gemeinsamen Bundessauschusses oder des Bundesgesundheitsministeriums erarbeitet werden.
Berichte entstehen in einem definierten Prozess und werden frei zugänglich auf der Website
www.iqwig.de veröffentlicht. Berichte erfüllen die Voraussetzungen, um dem G-BA als Grundlage
für Richtlinienentscheidungen zu dienen.

Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein weit verbreiteter Wirkstoff, der schmerzstillend,
entzündungshemmend und fiebersenkend wirkt. Außerdem hemmt ASS die Aneinanderlagerung der
Blutplättchen (Thrombozyten) und wirkt so gerinnungshemmend. Das Schmerzmittel gehört zur
Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR).

Adenom
Ein Adenom ist eine gutartige Wucherung, die sich aus der obersten Zellschicht von Drüsengewebe
(z.B. der Schilddrüse) oder der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes entwickelt. Aus einem
Adenom kann sich Krebs entwickeln.

Agency for Healthcare Research and Quality


Die Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) ist ein Institut für die Bewertung
medizinischer Maßnahmen in den USA und dort dem nationalen Gesundheitsministerium
angegliedert. Das Ziel dieses Instituts ist es, die Qualität, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und
Wirksamkeit der Gesundheitsversorgung in den USA zu verbessern. Fundierte Informationen aus
der Forschung der AHRQ sollen medizinische Entscheidungsprozesse unterstützen. Die AHRQ trug
in der Vergangenheit den Namen AHCPR (Agency for Health Care Policy and Research). Mehr
Informationen finden Sie unter: www.ahrq.gov

AGREE-Instrument
AGREE (Appraisal of Guidelines Research and Evaluation) beinhaltet eine Checkliste zur
Qualitätsbeurteilung von Leitlinien. Das AGREE-Instrument ist ein Werkzeug für Entwickler und
Anwender medizinischer Leitlinien zur Beurteilung deren methodischer Qualität.

Aktinische Keratose
Eine aktinische Keratose (von "aktinos", griechisch: Strahl, "aktinisch": durch Strahlung
hervorgerufen) ist eine vermehrte Hautverhornung. Sie entsteht, wenn sich bestimmte Hautzellen
(die sogenannten Keratinozyten) aufgrund dauerhafter intensiver UV-Strahlung krankhaft
verändern und vermehren. Daher wird sie oft auch solare oder Licht-Keratose genannt,
umgangssprachlich bezeichnet man sie auch als "Sonnenwarzen". Die Haut ist an häufig
sonnenbestrahlten Körperstellen wie Stirn, Glatze, Nase, Wange, Ohr, Arm und Bein oder Rücken
rötlich bis bräunlich gefärbt, erhaben, rau und schuppig. Die Krankheit entwickelt sich sehr
langsam, kann aber nach mehreren Jahren in eine Hautkrebs-Form übergehen, in das sogenannte
Plattenepithel-Karzinom, auch Spinaliom oder Stachelzellkrebs genannt.

Akupunktur
Akupunktur ist eine alternative bzw. komplementäre Therapieform der traditionellen chinesischen
Medizin. Die Ärztin oder der Arzt sticht feine Nadeln in genau definierte Punkte des Körpers. Dies
soll angenommene Blockaden im Körper auflösen oder Organe anregen bzw. beruhigen.

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Albinismus
Albinismus (von "albus", lateinisch: weiß) ist eine angeborene, nicht heilbare
Stoffwechselerkrankung, bei der der Hautfarbstoff Melanin fehlt. Es gibt eine Form des Albinismus,
die allein die Augen betrifft, sowie eine Form, bei der Augen, Haut und Haare keine farbgebenden
Substanzen enthalten. Bei Albinismus sind die Augen gegenüber Sonnenlicht extrem empfindlich,
die Sehschärfe und das räumliche Sehen eingeschränkt. Ist die Haut beteiligt, so ist sie in der Regel
weiß bis blassrosa, nicht bräunungsfähig und neigt zu Sonnenbrand. Menschen mit dieser Form des
Albinismus haben ein erhöhtes Hautkrebsrisiko.

Alexander-Technik
Die Alexander-Technik wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem australischen Schauspieler
Frederick Matthias Alexander begründet und ist eine Methode der Körpertherapie. Sie zielt darauf
ab, Haltung und Bewegungsabläufe zu verbessern. Um dies zu erreichen, sollen ungünstige
Bewegungs- und Verhaltensmuster langsam durch neue Reaktionsmuster ersetzt werden. Ziel ist es,
Muskelverspannungen zu lösen und die Belastungen des Bewegungsapparates zu reduzieren.
Gleichzeitig soll dadurch das psychische Gleichgewicht stabilisiert werden. Die Alexander-Technik
kommt beispielsweise bei der Therapie von Rücken- und Schulterschmerzen sowie im
Stressmanagement zum Einsatz.

Allergie
Bei einer Allergie reagiert der Körper überempfindlich auf eine körperfremde Substanz. Er
produziert Antikörper wie gegen einen Krankheitserreger, obwohl die Substanz keine Gefahr für
den Körper darstellt. Symptome einer Allergie hängen zum Teil vom Auslöser, dem Allergen, ab.
Menschen mit Allergien haben häufig Schnupfen, tränende Augen, Jucken, Hautauschläge, Magen­
Darm-Probleme, Asthma u.a. Typische Auslöser für eine Allergie sind Pollen, Tierhaare, Eiweiße in
bestimmten Nahrungsmitteln, Kot von Hausstaubmilben.

Allergisches Asthma
Asthmatische Beschwerden und Asthmaanfälle, die durch eine Überreaktion des körpereigenen
Immunsystems (Allergie) auf Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Tierhaare, Pollen oder Hausstaub
ausgelöst oder begünstigt werden.

Allogen
Allogen (von "allo", griechisch: anders, fremd, und "gen", griechisch: Herkunft) bedeutet im engeren
Sinne "anderswo entstanden". In der Medizin bezeichnet man eine Übertragung von Zellen, Gewebe
oder Organen eines Menschen auf eine andere Person als allogen - wie etwa bei einer Nieren- oder
Lebertransplantation. Bei einer Lebendspende wird das Organ bei einer Operation entfernt und dem
Empfänger eingepflanzt oder Zellen durch eine spezielle Transfusion übertragen wie beispielsweise
bei der Transplantation fremder Stammzellen. Der Spender kann weiterhin ohne das entfernte
Organ oder Gewebe leben. Im Unterschied dazu werden manche Spenderorgane oder -gewebe erst
nach dem Tod eines Menschen transplantiert - etwa das Herz oder die Hornhaut.

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Altersbedingte Makuladegeneration
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in entwickelten Ländern die häufigste Ursache von
Blindheit von älteren Menschen. Patienten verlieren ihr "zentrales Sehen", werden also gerade da
blind, wo gesunde Augen ihre größte Schärfe aufweisen und Details erkennen. Die Ursache ist eine
Zerstörung des zentralen Teils der Netzhaut. Dieser Bereich der Netzhaut wird "Gelber Fleck" oder
"Makula" genannt. Es gibt zwei Formen der AMD: Kennzeichen der "trockenen" AMD sind kleine
Vernarbungen und Ablagerungen (Drusen). Ursache der "feuchten" AMD sind neue Blutgefäße, die
unterhalb der Netzhaut einwachsen und sie anheben. Ärzte sprechen deshalb auch von
"neovaskulärer AMD". Diese Gefäße können undicht werden, sodass Blut und Flüssigkeit in die
Netzhaut sickern und die Sinneszellen schädigen.

Alveolen
Wenn wir atmen, strömt die Luft durch den Kehlkopf hindurch und weiter in die Luftröhre. Diese
gabelt sich in die zwei Hauptbronchien. Jede der Hauptbronchien verzweigt sich weiter in
Bronchien und Bronchiolen. Am Ende der Bronchien und Bronchiolen befinden sich Anhäufungen
von winzigen, luftgefüllten Bläschen, die Alveolen. Alveolen werden auch als Lungenbläschen
bezeichnet.

Ambulant
Ambulant ist jede Behandlung, für die ein Patient nicht im Krankenhaus übernachten muss. Bei
ambulanten Operationen kann der Patient unmittelbar oder wenige Stunden nach der Operation
wieder nach Hause. Ärzte führen ambulante Behandlungen sowohl in Praxen als auch in Kliniken
durch. Das Gegenteil von ambulant ist stationär.

Anamnese
Gespräch zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient zur Klärung der medizinischen Vorgeschichte
und der von der Patientin oder dem Patienten wahrgenommenen Krankheitszeichen. Die
Informationen aus der Anamnese sind der erste Schritt auf dem Weg zu einer Diagnose und dienen
als Entscheidungsgrundlage für weitere Untersuchungen.

Anaphylaxie
Eine Anaphylaxie (von "ana", griechisch: auf und "phylaxia", griechisch: Schutz) ist eine allergische
Überreaktion des Immunsystems auf einen bestimmten Stoff, auf den der Körper in der
Vergangenheit überempfindlich geworden ist. Dabei bildet der Körper bestimmte Antikörper, diese
sind danach in großer Zahl vorhanden. Kommt es zum erneuten Kontakt mit dem
allergieauslösenden Stoff, werden eine Reihe von Botenstoffen in Gewebe und Blut gebildet.
Mögliche Folgen sind leichte Hautveränderungen wie Juckreiz, Gesichtsrötung oder Quaddeln.

Auch Übelkeit, Erbrechen, Seh- und Konzentrationsstörungen können auf eine beginnende
Anaphylaxie deuten. Ernst zu nehmender sind Atemprobleme durch enggestellte Bronchien oder
Gewebeschwellungen im Bereich des Kehlkopfes. Beim anaphylaktischen Schock kommt es durch
die allergische Reaktion zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch. Häufige Auslöser
sind beispielsweise Medikamente, Nahrungsmittel oder Insektengifte.

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Angina Pectoris
Der Begriff "Angina Pectoris" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "enge Brust". Eine Angina
Pectoris entsteht meistens, weil ein oder mehrere Herzkranzgefäße verengt sind und der von diesen
Blutgefäßen versorgte Teil des Herzmuskels dadurch nicht mehr ausreichend mit Blut und
Sauerstoff versorgt wird. Dies kann zu plötzlich auftretenden starken Schmerzen in der Herzgegend
führen, beispielsweise bei körperlicher Anstrengung oder Stress. Die Schmerzen können auch in
den linken Arm, den Unterkiefer, den Oberbauch oder den Rücken ausstrahlen. Sie dauern häufig
nur wenige Minuten an. Seltener bleibt der Schmerz für längere Zeit bestehen oder tritt schon im
Ruhezustand auf. Dann stirbt durch den anhaltenden Sauerstoffmangel meist Herzgewebe ab und
es besteht unter anderem die Gefahr, dass es zu einem Herzinfarkt kommt.

Angst (Unterschied zu Furcht)


Angst ist ein beklemmendes Gefühl, das durch eine unbestimmte Bedrohung entsteht. Wer nicht
weiß, was im Laufe einer Krankheit oder einer Operation auf ihn zukommt, entwickelt Angst vor
dem Unbekannten und malt sich die schlimmsten Dinge aus. Die Angst wird zur Furcht, sobald die
Bedrohung konkreter wird, wenn man sie beim Namen nennen kann, wenn einzelne Risiken
abschätzbar werden. Angst gilt landläufig auch als gesteigerte Form der Furcht.

Anhörung, Erörterung, Stellungnahme


Bei bestimmten Zwischenschritten während der Erstellung eines Berichts durch das IQWiG erfolgt
eine Anhörung, die interessierten Personen oder Institutionen die Möglichkeit gibt, schriftlich
Stellung zu nehmen. Bleiben Punkte einer Stellungnahme unklar, kann zusätzlich eine mündliche
Erörterung stattfinden. Eine Anhörung findet nach der Publikation einer vorläufigen Version des
Berichtsplans und eines Vorberichts statt.

Anämie
Anämie ist die Fachbezeichnung für Blutarmut. Von Blutarmut spricht man, wenn das Blut eines
Menschen deutlich weniger rote Blutkörperchen oder roten Blutfarbstoff enthält, als es
normalerweise der Fall ist. Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff von der Lunge zu den
Körperzellen, daher wird der Körper bei einer Anämie weniger gut mit Sauerstoff versorgt. Dies
kann verschiedene Symptome auslösen, zum Beispiel Müdigkeit, schnellere Atmung oder einen
beschleunigten Puls. Die Haut und Schleimhäute erscheinen blass. Eine Anämie kann verschiedene
Ursachen haben, zum Beispiel einen Eisenmangel, bestimmte Bluterkrankungen oder einen
Blutverlust, etwa infolge einer akuten Verletzung oder eines chronischen Magengeschwürs. Auch im
Verlauf einer Krebserkrankung kommt es häufig zu einer Blutarmut.

Anästhesie
Anästhesie ist der medizinische Fachbegriff für Betäubung. Spezialisierte Fachärzte werden als
Anästhesisten oder auch als Narkoseärzte bezeichnet. Anästhesisten sind dafür verantwortlich, dass
Patienten während und nach einer Operation so wenig Schmerzen wie möglich spüren. Zu diesem
Zweck können Anästhesisten entweder eine Vollnarkose, eine Ausschaltung aller bewussten
Empfindungen, oder eine Teilnarkose, eine Ausschaltung der Schmerzempfindung nur für
bestimmte Körperteile, anwenden.

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Anästhesist
Anästhesisten werden auch als Narkoseärzte bezeichnet. Anästhesisten sind dafür verantwortlich,
dass Patienten während und nach einer Operation so wenig Schmerzen wie möglich spüren. Zu
diesem Zweck können Anästhesisten entweder eine Vollnarkose, eine Ausschaltung aller bewussten
Empfindungen, oder eine Teilnarkose, eine Ausschaltung der Schmerzempfindung nur für
bestimmte Körperteile, anwenden. Neben der Überwachung der Lebensfunktionen während einer
Operation gehört auch die Betreuung nach jeder Operation sowie die Intensivmedizin, also die
medizinische Behandlung von Patienten, die Unterstützung der lebenswichtigen Körperfunktionen
benötigen, zu den wichtigen Aufgaben der Anästhesisten. Daneben spielen Anästhesisten eine
wichtige Rolle bei der Schmerztherapie von Menschen mit chronischen Schmerzen.

Antibabypille
Die Antibabypille, umgangssprachlich kurz "Pille" genannt, ist ein Hormonpräparat, das von Frauen
zur Verhütung einer Schwangerschaft eingesetzt wird. Es gibt Präparate, die die beiden weiblichen
Hormone Östrogen und Gestagen enthalten, und Produkte mit Gestagen allein. Regelmäßig
eingenommen verhindert die Antibabypille in der Regel, dass im Eierstock ein Ei heranreift und
springt. Außerdem hält sie den Schleimpfropf des Muttermundes dick, so dass beim
Geschlechtsverkehr Spermien nur schwer in die Gebärmutter eindringen können. Da die Hormone
zudem den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut hemmen, kann sich selbst in dem
unwahrscheinlichen Fall einer Befruchtung kein Ei in der Gebärmutter einnisten.

Antibiotika
Antibiotika sind medizinische Wirkstoffe, die gegen Infektionen durch Bakterien und einige wenige
Pilze eingesetzt werden. Antibiotika helfen nicht gegen Krankheiten, die durch Viren ausgelöst
werden. Bekannte Antibiotika-Gruppen sind Peniciline, Tetrazykline und Chloramphenicole.

Anticholinergika
Anticholinergika sind Medikamente, die beispielsweise bei Asthma bronchiale oder Harninkontinenz
eingesetzt werden. Sie hemmen die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Acetylcholin, der im
Nervensystem Nervenimpulse weiterleitet. Dadurch bewirken Anticholinergika unter anderem, dass
sich der Magen, die Blase sowie die Bronchien entspannen. Andererseits erhöhen sie unter anderem
Herzfrequenz, Blutdruck und Augeninnendruck.

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Antidepressiva
Antidepressiva sind Arzneimittel, mit denen eine Depression behandelt wird. Sie heben die
Stimmung, wirken aber unterschiedlich auf den Antrieb, die Motivation und die Lust, etwas zu
unternehmen. Manche Antidepressiva steigern den Antrieb, manche dämpfen ihn eher, und andere
verändern ihn nicht. Eine Therapie mit Antidepressiva dauert in der Regel viele Monate; die
Wirkung setzt erst nach Tagen oder Wochen ein. Es gibt verschiedene Wirkstoffklassen.

Grundsätzlich beeinflussen alle Substanzen die Informationsübermittlung an den Nervenzellen: Sie


versuchen den Mangel an bestimmten chemischen Botenstoffen, den Neurotransmittern, zu
beheben. Wichtige Wirkstoffklassen sind die trizyklischen Antidepressiva und die "SSRI", die
Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Trizyklische Antidepressiva sind eine ältere Klasse
von Antidepressiva, die ihren Namen der dreifachen Ringstruktur ihres chemischen Grundgerüstes
verdanken. Sie werden auch Trizyklika genannt. Trizyklische Antidepressiva wirken auf
verschiedene Botenstoffe an den Nervenenden. Sie haben zahlreiche Nebenwirkungen. Trizyklika
waren viele Jahre die wichtigsten Medikamente gegen Depression, sie werden heute wegen ihrer
Nebenwirkungen aber seltener eingesetzt.

"SSRI" sind eine neuere Klasse von Antidepressiva. Sie wirken - wie der Name Selektive-Serotonin-
Wiederaufnahme-Hemmer bereits sagt - gezielt auf den chemischen Botenstoff Serotonin. Das hat
den Vorteil, dass chemische Abläufe, an denen andere Botenstoffe beteiligt sind, nicht beeinflusst
werden und so weniger Nebenwirkungen entstehen. Andere Klassen von Antidepressiva wirken
gezielt auf andere chemische Botenstoffe.

Antigene
Als Antigene (von "anti", griechisch: gegen und "gennan", griechisch: erzeugen) werden Stoffe
bezeichnet, die der Körper als fremd erkennt und gegen die er beim Kontakt sogenannte Antikörper
bildet. Typische Antigene sind Eiweiße auf der Zelloberfläche von Bakterien, Pilzen und Viren. Auch
Bestandteile von Oberflächen eigentlich harmloser Stoffe der Umwelt wie etwa Pollen oder
Hausstaubmilben können als Antigene wirken und eine allergische Reaktion auslösen.

Antihypertensiva
Antihypertensiva ist der Fachbegriff für Medikamente gegen Bluthochdruck. Die gängigen
Antihypertensiva sind Diuretika, ACE-Hemmer, Kalzium-Antagonisten, AT1-Rezeptor-Antagonisten
und Betablocker bzw. Kombinationspräparate. Allen diesen Medikamenten ist gemeinsam, dass sie
einen erhöhten Blutdruck senken können, allerdings wirken sie auf unterschiedliche Weise.

Antikoagulanzien
Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer) sind Medikamente, die bewirken, dass das Blut langsamer
gerinnt. Ihre Anwendung soll die Bildung von Blutgerinnseln verhindern. Gerinnungshemmer
werden häufig angewendet, wenn ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Blutgerinnseln und
damit auch für den Verschluss eines Blutgefäßes besteht, zum Beispiel nach Operationen, bei
eingeschränkter Beweglichkeit oder bei bestimmten Herzrhythmusstörungen.

Antioxidantien
Antioxidantien sind Substanzen, die Körperzellen vor Schäden schützen sollen, die durch bestimmte
aggressive Atome oder Moleküle, sogenannte freie Radikale, entstehen. Antioxidantien machen sie
unschädlich, indem sie sich mit ihnen verbinden. Die bekanntesten Antioxidantien sind Vitamine.

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Antiphlogistika
Antiphlogistika sind Wirkstoffe, die eine Entzündung hemmen. Dazu zählen körpereigene
Substanzen wie das Kortison, aber auch künstliche Wirkstoffe wie die Acetylsalicylsäure (ASS) oder
Ibuprofen, die darüber hinaus Schmerzen lindern und Fieber senken.

Antiseptisch
"Antiseptisch" bedeutet "Krankheitserreger abtötend". Mit dem griechischen Wort "Antisepsis"
(wörtlich: gegen Fäulnis) bezeichnet man alle Maßnahmen, die die Zahl infektiöser Keime
verringern und damit eine Infektion abwehren oder bekämpfen sollen. Zur Desinfektion werden vor
allem chemische Mittel eingesetzt (Desinfektionsmittel oder Antiseptika).

Anxiolytika
Anxiolytika ist der Oberbegriff für Medikamente, die Angstzustände lindern. Sie werden
auch Tranquilizer genannt.

Apgar-Wert
Auch Apgar-Schema oder Apgar-Index genannt. Virginia Apgar, eine Anästhesistin, hat erstmals
1953 ein Punkteschema vorgestellt, mit dem lebenswichtige Körperfunktionen eines Neugeborenen
in den ersten Minuten nach der Geburt beurteilt werden können. Für Atmung, Puls,
Muskelspannung, Hautfarbe und Reflexe werden jeweils null, ein oder zwei Punkte vergeben. Der
Maximalwert, den ein Kind erreichen kann, beträgt also zehn Punkte. Eine niedrige Punktzahl
deutet darauf hin, dass ein Kind besondere medizinische Hilfe braucht.

Apnoe
Als Apnoe (von "apnoia", griechisch: Nicht-Atmung) wird das Aussetzen der Atmung bezeichnet. Der
Atemstillstand kann wenige Sekunden oder bis zu mehreren Minuten dauern und führt zu einem
Sauerstoffmangel im Blut. Mögliche Ursachen sind blockierte Atemwege etwa durch das Einatmen
eines Fremdkörpers oder dadurch, dass im Schlaf die Muskulatur im Rachen erschlafft und in sich
zusammenfällt. Mehrere unbemerkte Atemstillstände in der Nacht sind ein typisches Zeichen der
sogenannten Schlafapnoe (gesprochen: Schlafapnö). Auch Vergiftungen mit Schlafmitteln, Alkohol
oder Kohlendioxid können bestimmte Nervenzellen, das sogenannte Atemzentrum im Gehirn
beeinflussen und die Steuerung der Atmung stören.

Apoplex
Ein Schlaganfall (auch Gehirnschlag oder Apoplex - griechisch: „niederschlagen“), ist eine akute
Erkrankung, bei der das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Ursache ist in
den meisten Fällen ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel, das Gefäße des Gehirns verschließt.
Seltener kann auch eine Gehirnblutung zu einem Schlaganfall führen. Je nachdem, welche
Gehirnregion betroffen ist, kann es zu Lähmungen einer Körperhälfte oder Teilen davon, Ausfällen
der Gesichtsnerven, Sehstörungen, Gleichgewichtsproblemen und massiven Sprachstörungen
kommen. Ein Schlaganfall ist ein Notfall: Die betroffenen Regionen des Gehirns müssen
schnellstmöglich wieder mit Sauerstoff versorgt werden, um zu vermeiden, dass weiteres
Gehirngewebe abstirbt. Das Risiko für einen Schlaganfall ist bei älteren Menschen, Menschen mit
hohem Blutdruck oder chronischen Gefäßverkalkungen erhöht.

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Asthma bronchiale
Asthma (Asthma bronchiale) ist eine dauerhaft bestehende (chronische) Erkrankung mit oft
anfallsartig auftretenden Beschwerden wie Husten und Atemnot. Bei Menschen mit Asthma sind die
Atemwege übermäßig empfindlich. Asthma entsteht oft im Zusammenhang mit einer Überreaktion
auf fremde Stoffe oder physikalische Reize, häufig im Zusammenhang mit einer Allergie.

Astigmatismus
Astigmatismus, auch Hornhautverkrümmung oder Stabsichtigkeit genannt, bezeichnet eine
Fehlsichtigkeit aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Verkrümmung der Hornhaut des
Auges. Mit gesunden Augen nehmen wir zum Beispiel eine punktförmige Lichtquelle als scharfes,
ebenfalls punktförmiges Abbild wahr. Wenn die Hornhaut aber verkrümmt ist, sehen wir den Punkt
verzerrt als Strich oder Stab.

Astrozytom
Ein Astrozytom (von "astron", griechisch: Stern und "cytos", griechisch: Zelle) ist ein Hirntumor, der
von sternförmigen Zellen des Stützgewebes im Gehirn ausgeht. Astrozytome gehören zur Gruppe
der Gliome.

Atopie
Unter einer Atopie (von "atopia", griechisch: Ortlosigkeit) versteht man die Neigung zu einer
verstärkten allergischen Reaktion auf normalerweise harmlose Substanzen oder Reize aus der
Umwelt. Die Beschwerden treten oft an Stellen auf, die mit der allergieauslösenden Substanz selbst
nicht in Kontakt gekommen sind. Neben dem allergischen Heuschnupfen und dem allergischen
Asthma gehört auch die Neurodermitis zu den möglichen Ausprägungen einer Atopie. Die
Neurodermitis wird daher oft auch als "atopisches Ekzem" oder "atopische Dermatitis" bezeichnet.

Atrophie
Rückgang der Größe oder Masse von Körpergewebe oder eines Körperteils, oft aufgrund von
Unterbelastung, zum Beispiel durch krankheitsbedingten Bewegungsmangel (Muskelschwund nach
Bettlägerigkeit).

Auffrischimpfung
Eine Impfung regt die körpereigene Produktion von Antikörpern gegen ein bestimmtes Virus oder
Bakterium an. Dies soll geimpfte Personen widerstandsfähiger machen, wenn sie den lebenden
Erregern ausgesetzt sind. Allerdings lässt die impfbedingte Abwehrbereitschaft bei vielen
Impfungen nach einigen Jahren nach. Dann ist eine erneute Impfung - eine sogenannte
Auffrischimpfung - erforderlich, damit der Impfschutz aktiv bleibt.

Augeninnendruck
Zwischen Hornhaut und Linse des Auges befindet sich eine Flüssigkeit, das sogenannte
Kammerwasser. Dieses sorgt für einen gleichmäßigen Druck im Augeninneren und für die
Versorgung von Linse und Hornhaut mit Nährstoffen. Ist der Augeninnendruck zu hoch, kann der
Sehnerv geschädigt werden.

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Austreibungsphase
Die Geburt wird in drei Phasen unterteilt. Mit dem Einsetzen regelmäßiger Wehen beginnt die so
genannte Eröffnungsphase. In dieser Phase weitet sich der Gebärmutterhals und der Muttermund
(Cervix) öffnet sich. Wenn er vollständig geöffnet ist, beginnt dann die sogenannte
Austreibungsphase, in der sich das Kind bis zur Geburt langsam durch den Geburtskanal schiebt. In
der Nachgeburtsphase löst sich durch weitere Wehen der Mutterkuchen ("Plazenta") aus der
Gebärmutter.

Autogenes Training
Das autogene Training (von "auto", griechisch: selbst und "gen", lateinisch: erzeugen) ist eine
Technik, die zu körperlicher und seelischer Entspannung durch eine Art "Selbst-Hypnose" führen
soll. Wer sich mit dieser Methode entspannt, nimmt zunächst eine bequeme sitzende oder liegende
Haltung ein. Danach versucht man durch kurze Formeln, die man sich im Geiste vorsagt,
verschiedene Körperstellen wahrzunehmen und ein intensives Gefühl von Schwere, Wärme, Kühle
und Ruhe hervorzurufen. Solche Formeln sind etwa "Meine Arme sind schwer.", "Mein Herz schlägt
langsam und gleichmäßig." oder "Ich bin ganz ruhig, gelöst und entspannt.".

Autoimmunreaktion
Von einer Autoimmunreaktion spricht man, wenn das Abwehrsystem des Körpers eigene Zellen oder
eigenes Gewebe für fremd hält und angreift. Eine solche Reaktion kann sich gegen einzelne Zellen,
aber auch gegen ganze Organe richten. Es wird vermutet, dass Autoimmunreaktionen verschiedene
Erkrankungen auslösen, etwa rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Typ-1-Diabetes. Beim
Typ-1-Diabetes geht man beispielsweise davon aus, dass das Immunsystem die Insulin herstellenden
Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift und sie im Laufe einiger Jahre zerstört.

Autolog
Autolog (von „auto“, griechisch: selbst und von „log“, griechisch: Verhältnis) bedeutet im engeren
Sinne „übereinstimmend, dazugehörig“. In der Medizin bezeichnet man eine Übertragung von
körpereigenen Zellen oder körpereigenem Gewebe als autolog - wie etwa bei einer
Eigenbluttransfusionen nach einer Operation oder bei der Transplantation eigener Haut nach
Verbrennungen. Alternativ wird auch die Bezeichnung autogene Transplantation (von „auto“,
griechisch: selbst und „gen“, griechisch: Herkunft) benutzt.

Bakterien
Bakterien sind einzellige Mikroorganismen, die im Gegensatz zu Viren eigenständig existieren
können. Ein Virus kann sich dagegen nur vermehren, wenn er in eine Zelle eingedrungen ist. Die
meisten Bakterien sind für den Menschen ungefährlich, einige sogar nützlich. Darmbakterien
unterstützen die Darmfunktion; gelangen Darmbakterien aber in den Harnwegsbereich, können sie
eine Entzündung verursachen. Gegen bakterielle Erkrankungen setzen Ärzte Antibiotika ein, die
Bakterien im Wachstum hemmen oder abtöten. Es gibt auch Impfungen gegen bakterielle
Erkrankungen wie Diphtherie, Tetanus oder Keuchhusten.

Basisinsulin
Ein Basisinsulin ist meistens ein langwirksames Insulin. Es soll den "basalen", das heißt den
Insulingrundbedarf des Körpers abdecken. Es wird täglich ein- oder zweimal gespritzt.

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Beckenbodenmuskulatur
Die Beckenbodenmuskulatur schließt zusammen mit einer Bindegewebsplatte das Becken ab. Sie
bildet zugleich den Boden der Bauchhöhle. Die Beckenbodenmuskulatur unterstützt die Harnröhre
und die Schließmuskeln der Blase und des Afters. Bei Blasenschwäche kann es sinnvoll sein, diese
Muskelgruppe durch ein spezielles Training zu stärken.

Belastungsasthma
Körperliche Anstrengung, die die Atmung beschleunigt, kann bei Menschen mit Asthma die
typischen Beschwerden wie Husten und Atemnot auslösen. Treten Asthmasymptome oder -anfälle
vor allem unter körperlicher Belastung auf, spricht man von "Belastungs-" oder
"Anstrengungsasthma".

Benzodiazepine
Benzodiazepine sind eine große Gruppe von auf die Psyche wirkenden Medikamenten, die
beruhigend, Angst mindernd und krampflösend wirken. Sie werden als Schlaf- und
Beruhigungsmittel eingesetzt. Die Wirkungsdauer reicht von einigen Stunden bis zu einigen Tagen.
Einer ihrer großen Nachteile ist, dass sie schon nach vergleichsweise kurzer Anwendungszeit
süchtig machen können.

Beobachtungsstudie
In Beobachtungsstudien greifen Wissenschaftler im Unterschied zu experimentellen Studien nicht in
die Anwendung von medizinischen Maßnahmen ein. In Beobachtungsstudien werden auf der einen
Seite Eigenschaften und Verhalten (Exposition) der Teilnehmer registriert und auf der anderen
Seite gesundheitlich bedeutende Ereignisse erhoben.

Beobachtungsstudien dienen häufig zur Erfassung und Beschreibung von natürlichen


Krankheitsverläufen und zur Beschreibung von Assoziationen zwischen Expositionsfaktoren und
bestimmten Ereignissen. In der Regel unterscheiden sich Personen, die eine bestimmte Eigenheit
aufweisen aber auch in anderen Eigenschaften vom Rest einer Teilnehmergruppe, so dass die
Bedeutung einzelner Faktoren nicht sicher abgegrenzt werden kann. Beobachtungsstudien sind
deshalb anfällig für Verzerrungen wie Confounding und Selektionsbias, und können in der Regel
keine Ursache-Folge-Wirkung (Kausalität) belegen.

Berichtsplan (vorläufige Version)


Zwischenschritt in der Erstellung eines IQWiG-Berichts. Im Berichtsplan werden vorab die
Eckpunkte festgelegt, wie zum Beispiel der Nutzen verschiedener medizinischer Maßnahmen
bewertet werden soll. Dazu wird festgelegt, welche Gruppe von Patienten untersucht werden soll;
welche medizinischen Maßnahmen miteinander verglichen und welche Behandlungsergebnisse zur
Bewertung herangezogen werden sollen. Außerdem wird festgelegt, wie Studien gesucht,
ausgewählt und ausgewertet werden sollen. Das IQWiG veröffentlicht zuerst einen vorläufigen
Berichtsplan. Der wird dann nach einer schriftlichen Anhörung soweit notwendig überarbeitet und
dann als „Berichtsplan" publiziert.

Überlebenszeitanalyse
Verfahren zur Auswertung von Daten, die die Zeit bis zum Eintritt eines Ereignisses beschreiben,
zum Beispiel bis zum Tod oder nächsten Krankheitsschub.

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Überlegenheitsstudie
Klinische Studie, die auf den Nachweis zielt, dass eine medizinische Maßnahme einer anderen
überlegen ist.

Übersicht, nicht systematische


Gutachten, das nicht auf den Methoden basiert, wie sie bei systematischen Übersichten eingesetzt
werden. Die Folge ist zum Beispiel eine subjektive Teilauswahl der Studien.

Beta-2-Mimetika
Beta-2-Mimetika sind Medikamente, die eine Erweiterung der Atemwege bewirken, indem sie die
verkrampfte Atemwegsmuskulatur entspannen. Es gibt kurz- und langwirksame Beta-2-Mimetika.
Erstere werden als Bedarfs- oder Notfallmedikamente gegen akute Asthmabeschwerden eingesetzt,
letztere als Dauermedikation zur langfristigen Asthmakontrolle.

Betablocker
Betablocker, genauer gesagt Betarezeptorenblocker, sind Medikamente, die beispielsweise bei
einem erhöhten Blutdruck oder zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt werden. Sie blockieren die
körpereigenen Beta-Rezeptoren, die für die Aktivierung des Sympathikus zuständig sind. Der
Sympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems, das unsere unbewussten Körpervorgänge
steuert. Ein aktivierter Sympathikus bewirkt unter anderem, dass die Blutgefäße sich verengen, das
Herz schneller schlägt und somit der Blutdruck steigt. Betablocker verhindern diesen Mechanismus.

Beta-Carotin
Betacarotin (auch ß-Carotin) ist ein Farbstoff in Gemüse und Obst, der z.B. die Möhre (Karotte)
orange-gelb färbt. Es ist die chemische Vorstufe des Vitamin A und wird deshalb auch als
Provitamin A bezeichnet. Die Lebensmittelindustrie nutzt Betacarotin als Lebensmittelfarbstoff.
Außerdem wird es als Nahrungsergänzungsmittel in Multivitaminpräparaten angeboten.

Betreuungsverfügung
In einer Betreuungsverfügung legt man fest, wer wichtige rechtliche Angelegenheiten regeln soll,
wenn man dazu selbst nicht mehr in der Lage sein sollte. Man kann eine Person vorschlagen, die
zum Betreuer oder zur Betreuerin bestellt werden soll. Oder auch Personen benennen, die diese
Funktion eben nicht übernehmen sollen. Ein Betreuer oder eine Betreuerin wird nur vom Gericht
bestellt, wenn dies unbedingt notwendig ist. Vorher wird geprüft, ob Familienangehörige, Freunde
oder soziale Dienste diese Aufgaben übernehmen können.

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Bias
„Bias“ stammt aus dem Englischen, es gibt kein exakt deckungsgleiches deutsches Wort. Bezogen
auf Studien wird Bias oft als „systematischer Fehler“ oder „Verzerrung“ übersetzt. Gemeint ist eine
Tendenz, Ergebnisse zu produzieren, die systematisch in eine bestimmte Richtung von den wahren
Werten abweichen. Das Ziel wissenschaftlicher Studien ist es, den wahren Unterschied zwischen
zwei (Behandlungs- oder Diagnose-) Alternativen zu schätzen und deshalb den Einfluss anderer
Faktoren auszuschließen.

„Bias“ ist vorhanden, wenn das nicht gelingt, und es sichtbare oder unsichtbare Einflüsse gibt, die
einen Unterschied systematisch vergrößern, verkleinern oder möglicherweise sogar umkehren, so
dass der gemessene Unterschied nicht mehr alleine durch die Alternativen, sondern durch andere
Faktoren bedingt ist. Bias kann so stark sein, dass er einen Nutzen vortäuscht, wo in Wahrheit
sogar ein Schaden vorliegt. Studienergebnisse können durch eine Vielzahl von Einflüssen verzerrt
sein (siehe Biasarten). Ohne einen angemessenen Schutz vor Bias haben Studienergebnisse deshalb
keine ausreichende Ergebnissicherheit.

Der Schutz vor Bias ist das zentrale Qualitätsmerkmal klinischer Studien, von der die
Ergebnissicherheit abhängt. Studien sollen so geplant, durchgeführt und ausgewertet werden, dass
ein Bias minimiert wird.

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Biasarten
Attrition Bias = systematischer Unterschied durch Studienabbrecher. Teilnehmer, die eine Studie
abbrechen, tun das oft aufgrund von Nebenwirkungen, Unzufriedenheit oder schlechter Resultate.
Wenn diese Teilnehmer aus der Auswertung herausgenommen werden, führt das unter Umständen
zu einer Überschätzung einer medizinischen Maßnahme. Gegenmaßnahme: Intention-to-treat-
Auswertung, bei der auch Studienabbrecher mit berücksichtigt werden.

Detection Bias/Informationsbias = systematischer Unterschied, weil in Gruppen


unterschiedliche Verfahren zur Feststellung der Endpunkte verwendet werden. Beispiel: Zur
Feststellung, ob nach einer Chemotherapie noch ein Tumor vorhanden ist, können
Computertomographie, Sonographie oder auch nur eine klinische Untersuchung verwendet werden,
die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Gegenmaßnahme: In den Studiengruppen müssen
dieselben Untersuchungsverfahren eingesetzt werden. Um dies in der Praxis zu erreichen ist die
beste Möglichkeit eine verblindete Erhebung der Zielgrößen.

Performance Bias = systematischer Unterschied zum Beispiel, weil eine Gruppe von Patienten in
einer Studie eine zusätzliche Behandlung erhält, die nicht im Rahmen der Studie untersucht wird;
Angaben zur Begleittherapie sollten deshalb immer vorhanden sein, um einen eventuellen
Unterschied in den Vergleichsgruppen beurteilen zu können. Gegenmaßnahme: Verblindung, um
Unterschiede in begleitenden Maßnahmen zwischen den zu vergleichenden Gruppen zu vermeiden.

Publication Bias = systematischer Unterschied durch die Tatsache, dass Studien, die einen
negativen oder keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen der Interventions- und der
Kontrollgruppe finden, seltener und später publiziert werden, als Studien mit positiven und
signifikanten Resultaten. Ein systematischer Review oder eine Meta-Analyse, die sich ausschließlich
auf publizierte Studien stützt, läuft Gefahr, den Effekt der untersuchten Intervention zu
überschätzen. Gegenmaßnahme: Suche und Einschluss von bislang unpublizierten Studien.

Selektionsbias = systematischer Unterschied aufgrund ungleicher Zusammensetzung der


Vergleichsgruppen, wenn also zum Beispiel eine Gruppe älter oder schwerer erkrankt ist als die
andere. Gegenmaßnahme: Zufällige (randomisierte) und verdeckte Zuteilung der Teilnehmer zu den
Gruppen.

Lead-Time-Bias = systematischer Unterschied bei der Beurteilung von Methoden zur


Früherkennung von Krankheiten durch reine Vorverlegung einer Diagnose im Vergleich zu
Patienten, bei denen die Krankheit erst nach dem Auftreten klinischer Symptome festgestellt wird.
Lässt den zeitlichen Abstand zwischen Diagnose und Verschlechterung/Tod auch bei Maßnahmen
als verlängert erscheinen, die keine Auswirkungen auf den Zeitpunkt des Todes haben.
Gegenmaßnahme: Kontrollierte Studien, in denen alle Teilnehmer ab einem einheitlich festgelegten
Zeitpunkt beobachtet werden, und nicht erst ab einer Diagnose.

Length-Bias = systematischer Unterschied bei der Beurteilung von Methoden der Früherkennung
von Krankheiten durch bevorzugte Diagnose von Erkrankungen, die einen langsameren, weniger
aggressiven Verlauf haben. Lässt einen Nutzen einer Früherkennung dann als gegeben erscheinen,
wenn Erkrankungen nicht mitbetrachtet werden, die von einer Früherkennungsuntersuchung nicht
miterfasst werden. Gegenmaßnahme: Kontrollierte Studien, in denen alle Teilnehmer ab einem
einheitlich festgelegten Zeitpunkt beobachtet werden, und nicht erst ab einer Diagnose.

Biofeedback
Biofeedback ist ein Entspannungsverfahren aus der Verhaltenstherapie. Dabei werden zum Beispiel
Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Hirnströme und Muskelspannung über Sensoren gemessen
und mittels eines Computers hör- und sichtbar gemacht. Im nächsten Schritt soll man lernen, über
eine Rückkopplung (Feedback), in der Regel durch Entspannung, diese Werte zu beeinflussen und
zu verändern.

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Bipolare Störung
Eine bipolare Störung ist eine ernsthafte Erkrankung, bei der die Stimmung zwischen zwei
entgegengesetzten Polen schwankt. Die Stimmungswechsel gehen weit über das normale Maß
hinaus: In extremen „Hochphasen" sind Menschen mit einer bipolaren Störung überschwänglich
und euphorisch, extrem aktiv, aber auch reizbar, sprunghaft und unruhig (Manie). Diese
Hochphasen wechseln sich mit extremen Tiefphasen ab, in denen Betroffene sich niedergeschlagen
und wertlos fühlen. Aktivitäten fallen dann schwer, die Menschen schlafen oft schlecht und neigen
zum Grübeln (Depression). Schwere Depressionen sind häufig mit Gedanken an eine Selbsttötung
verbunden. Die bipolare Störung wird aufgrund dieser Phasen auch manisch-depressive Erkrankung
genannt. Es gibt aber auch Mischformen, bei denen depressive und manische Symptome nicht
nacheinander, sondern gleichzeitig auftreten.

Blase
Die Blase wird auch Harnblase genannt. Sie ist das Organ, in dem sich der Harn oder Urin sammelt,
bevor er den Körper über die Harnröhre verlässt. Aus den Nieren gelangt der Harn über die
Harnleiter in die Blase. Die Blase eines Erwachsenen nimmt zwischen 0,5 bis zu einem Liter Urin
auf. Der Drang, "auf die Toilette zu müssen", entsteht in der Regel aber schon bei geringeren
Mengen. Die Blase passt sich dank der sie umspannenden Muskulatur an die Urinmenge an.
Zurückgehalten wird der Urin durch Schließmuskeln. Wenn wir Wasser lassen, zieht die
Blasenmuskulatur die Blase zusammen, die Schließmuskeln entspannen sich und öffnen die Blase.

Von einer Blase spricht man auch in anderem Zusammenhang: Bei Verletzungen, Verbrennungen
oder starker Beanspruchung der Haut kann sich zwischen den einzelnen Hautschichten Flüssigkeit
ansammeln. Meistens geschieht dies zwischen der obersten Hautschicht (Epidermis) und der
darunter gelegenen Lederhaut (Corium). Durch die Flüssigkeitsansammlung wird die Epidermis
angehoben und eine Blase entsteht.

Blaseninfektion
Die Blaseninfektion ist eine Infektion der Harnblase, aus der sich eine Harnblasenentzündung
entwickeln kann. Sie wird in den allermeisten Fällen durch Bakterien ausgelöst und deshalb mit
Antibiotika behandelt. Die Bakterien stammen meist aus dem eigenen Darm. Typische Beschwerden
einer Blasenentzündung sind Schmerzen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen oder Probleme
beim Wasserlassen. Frauen sind häufiger von Blaseninfektionen betroffen, weil ihre Harnröhre
kürzer ist als bei Männern, Krankheitserreger können dadurch leichter bis zur Blase vordringen.

Blasenkatheter
Ein Blasenkatheter (von griechisch „katheter": Sonde) hat die Funktion, Harn aus der Blase nach
außen zu transportieren. Dazu wird in der Regel ein Kunststoffschlauch mit einem Aufnahmebeutel
am äußeren Ende entweder durch die Harnröhre in die Harnblase eingeführt oder oberhalb des
Schambeins direkt durch die Bauchdecke in die Harnblase eingebracht. Ein Blasenkatheter wird
beispielsweise eingesetzt, wenn das Wasserlassen auf natürlichem Wege nicht möglich ist.

Blasenkontrolle
Blasenkontrolle bezeichnet die Fähigkeit, selbst den Moment zu entscheiden, wann die Blase
entleert wird. Dabei geht es z.B. um die Kontrolle der Schließmuskeln, welche die Blasenentleerung
verhindern oder ermöglichen. Ein Kind entwickelt die Blasenkontrolle in den ersten Lebensjahren.
Die Blasenkontrolle lässt sich durch gezielte Übungen auch trainieren.

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Blister
Blister bezeichnen eine Verpackung von Tabletten. Dieser englische Begriff bedeutet auf Deutsch
"Blase". In einer Blisterpackung werden die Medikamente in Vertiefungen einer Kunststofffolie
platziert und mit Aluminium verschlossen.

Blutgerinnung
Die Blutgerinnung in unserem Körper dient dazu, Blutungen zu stillen. Die Blutgerinnung ist ein
komplizierter Vorgang, der in mehreren Phasen abläuft: Ist ein Blutgefäß verletzt, lagern sich
zunächst die Blutplättchen (Thrombozyten) an die verletzte Stelle der Gefäßwand. Die Plättchen
ballen sich dabei fest zusammen. Dies nennt man Aggregation. Später gelangen bestimmte Eiweiße
aus der Leber, die so genannten Gerinnungsfaktoren, zum verletzten Gefäß. Durch eine
komplizierte Reaktionskette bewirken die Gerinnungsfaktoren die weitere Zusammenlagerung der
Blutplättchen und die Reparatur der Wunde: Die Wundränder ziehen sich zusammen und
Bindegewebszellen bilden neues Gewebe.

Blutkörperchen
Blutzellen (mikroskopisch kleine Strukturen im Blut), die entweder Sauerstoff durch den Körper
transportieren (rote Blutkörperchen) oder Krankheitserreger erkennen und bekämpfen (weiße
Blutkörperchen).

Blutplasma
Unter Blutplasma (von „plasma“, griechisch: Gebilde) versteht man den flüssigen Anteil des Blutes
ohne die Blutkörperchen. Es besteht aus Wasser und aus den darin gelösten Stoffen. Dazu gehören
Eiweiße, Salze wie Natrium, Kalium oder Calcium, Hormone, Glucose, Fette, Vitamine und
Abbauprodukte des Stoffwechsels wie beispielsweise Harnstoff oder Milchsäure.

Blutsenkungsgeschwindigkeit
BSG ist die Abkürzung für Blutsenkungsgeschwindigkeit - manchmal spricht man auch von
Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BKS ) oder Blutsenkungsreaktion (BSR ) - und bezieht
sich auf die Labormethode, mit der man das Blut untersucht: In einem speziellen langen Röhrchen
sinken die festen Bestandteile des Blutes langsam auf den Boden des Röhrchens. Nach einer Stunde
liest man ab, wie weit die Blutkörperchen abgesunken sind. Sind im Blut vermehrt bestimmte
Eiweiße vorhanden, die die Blutkörperchen aneinander haften lassen, sinken die festen Bestandteile
schneller, die BSG ist erhöht. Das kann bei Entzündungen der Fall sein, aber auch bei Tumoren
oder bei einer aus anderen Gründen veränderten Zusammensetzung der Bluteiweiße.

Blutstammzellen
Die vorwiegend im Knochenmark vorhandenen Blutstammzellen sind dafür zuständig, neue
Blutzellen zu bilden. Dazu teilt sich eine Blutstammzelle in zwei neue Zellen: eine weitere
Blutstammzelle und eine andere Zelle, die sich über verschiedene Stufen zu einem roten oder
weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen ausbildet. So sorgen diese Stammzellen dafür, dass der
Bedarf an Blutzellen im Körper immer gedeckt ist. Blutstammzellen können nur Blutzellen bilden,
keine anderen Zellen oder Gewebe.

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Blutstammzelltransplantation
Bei einer Blutstammzelltransplantation, oft auch kurz Stammzelltransplantation (SZT) genannt,
werden Blutstammzellen übertragen - entweder zwischen zwei verschiedenen Menschen oder es
werden eigene Stammzellen entnommen und beispielsweise nach einer hochdosierten
Chemotherapie wieder zurückübertragen. Die Blutstammzellen können aus dem Knochenmark
entnommen werden. Weit häufiger werden sie aber heutzutage aus dem Blut „herausgefiltert". Bei
der Transplantation werden die Zellen dann - ähnlich wie bei einer Bluttransfusion - über einen
speziellen Tropf über eine Vene in den Körper zurückgegeben. Eine SZT wird angewandt, um
Blutstammzellen zu ersetzen, die geschädigt sind oder nicht richtig funktionieren - etwa bei
seltenen angeborenen Erkrankungen der Blutzellen oder im Rahmen einer Krebstherapie, wenn die
Blutstammzellen durch eine sehr hochdosierte Chemotherapie und / oder Bestrahlung zerstört
wurden.

Body-Mass-Index
Der BMI ist ein Maß zur Beurteilung des Körpergewichts. Er beschreibt das Verhältnis des
Körpergewichts zur Körpergröße und wird nach folgender Formel berechnet: BMI = Körpergewicht
(kg) / Körpergröße (m)2. Wenn Sie also 1,70 m groß sind und 60 kg wiegen, rechnen Sie wie folgt:
60 : (1,70 x 1,70) = 20,76, das heißt, Sie haben einen BMI von rund 21. Menschen mit einem BMI
von 18,5 bis 24,9 gelten als normalgewichtig. Ein BMI unter 18,5 deutet auf Untergewicht und
einBMI von 25 bis 29,9 auf ein Übergewicht hin. Ab einem BMI von 30 spricht man von
Fettleibigkeit (Adipositas).

Der BMI sagt allerdings nur etwas über das gesamte Körpergewicht aus und macht keine Angaben
zum Körperfett. Zwei Menschen können den gleichen BMI , aber eine unterschiedliche Menge an
Körperfett haben. Ein Bodybuilder mit viel Muskeln und wenig Körperfett kann also den gleichen
BMI haben wie ein Mensch mit wenig Muskeln und viel Fett. Dennoch deutet ein BMI ab 30 in der
Regel auf einen erhöhten Fettanteil im Körper hin.

Bodyplethysmographie
Bei einer Bodyplethysmographie (Ganzkörper-Plethysmographie) sitzt die Patientin oder der Patient
in einer luftdichten Glaskammer, die an eine Telefonzelle erinnert. Mit dieser Untersuchung können
Druckunterschiede und bei der Atmung bewegte Luftmengen gemessen werden. Dies kann
Hinweise auf mögliche Ursachen von Atembeschwerden geben.

Bowen s Krankheit
Die Bowen's Krankheit, benannt nach ihrem Entdecker, dem Hautarzt John T. Bowen, ist die
Bezeichnung für eine frühe Form eines Hautkrebses. Diese frühe Form ist auf die oberste Schicht
der Haut - genannt Epidermis - beschränkt und wird deshalb auch intraepidermales Carcinoma in
situ genannt (von „intra", lateinisch: innerhalb, „epi", griechisch: über und „derma", griechisch:
Haut). Die Hautveränderungen wachsen im Gegensatz zu anderen Hautkrebs-Formen sehr langsam.
Unbehandelt kann der Morbus Bowen meist erst nach Jahren in ein sogenanntes Plattenepithel­
Karzinom, auch Spinaliom oder Stachelzellkrebs genannt, übergehen.

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Bradykinin
Bradykinin ist ein körpereigenes Gewebshormon mit vielfältiger Wirkung. Seine Ausschüttung führt
zu einer Erweiterung der Blutgefäße und damit zu einer Senkung des Blutdrucks. Das Hormon ist
auch an der Steuerung von Entzündungsvorgängen beteiligt: Es erhöht die Durchlässigkeit von
Gefäßen, wodurch Flüssigkeit und Abwehrzellen aus dem Blut in das Gewebe austreten können.
Zusätzlich steigert es die Schmerzempfindlichkeit an verletzten oder entzündeten Körperstellen.
Außerdem zieht sich die glatte Muskulatur des Darms, der Bronchien und der Gebärmutter
zusammen, wenn Bradykinin in erhöhter Menge im Gewebe freigesetzt wird.

Bronchien
Wenn wir Luft einatmen, gelangt diese über die Luftröhre in die Lunge. Dort wird sie durch ein
verzweigtes Netz aus immer feineren Atemwegen (Bronchien) bis zu den Lungenbläschen geführt.
In den Lungenbläschen findet der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid statt.

Bronchitis
Bei einer Bronchitis sind die Atemwege, die sogenannten Bronchien, entzündet. Dies äußert sich
gewöhnlich dadurch, dass über einen längeren Zeitraum fast täglich gehustet und Auswurf
produziert wird. Eine Bronchitis kann akut, also vorübergehend, oder chronisch, also dauerhaft,
sein.

Brustzentrum
Ein Brustzentrum ist ein spezialisiertes Tumorzentrum. Es ist eine Abteilung einer Klinik oder
mehrere Fachabteilungen verschiedener Einrichtungen, die sich schwerpunktmäßig mit der
Behandlung von Brustkrebs befassen. Hier arbeiten Expertinnen und Experten mehrerer
Fachrichtungen eng vernetzt zusammen.

Bruxismus
Bruxismus ist der zahnmedizinische Fachbegriff für Zähneknirschen: ein unbewusstes, in der Regel
nächtliches Zusammenpressen und manchmal auch Aufeinanderreiben der Zähne. Dauerhaftes
Zähneknirschen schädigt die Zähne, den Zahnhalteapparat und belastet das Kiefergelenk sowie die
Kiefermuskulatur. Es kann außerdem zu Kopf- und Kieferschmerzen führen. Oft sind mit dem
Zähneknirschen auch Geräusche verbunden, die die Partnerin oder den Partner möglicherweise
beim Schlafen stören. Schlafstörungen, Alkohol, Koffein, Rauchen, bestimmte Medikamente sowie
Stress oder Angst können Zähneknirschen fördern. Auch Fehlstellungen der Zähne und ein zu
hoher, nicht gut angepasster Zahnersatz können bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Bypass
Ein Bypass (von „bypass“, englisch: Überbrückung, Umleitung) ist eine künstlich angelegte
Umgehung einer Engstelle, beispielsweise in einem Blutgefäß. Diese Methode findet unter anderem
bei verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen oder Beinarterien Anwendung. Durch den
Bypass entsteht eine neue Verbindung zwischen Anfang und Ende der Engstelle, so dass ein
ausreichender Blutfluss wiederhergestellt wird. Für die Umgehung werden entweder körpereigene
Venen oder Arterien verwendet, oder man setzt Bypässe aus Kunstgewebe ein. Diese bestehen
beispielsweise aus Goretex oder Teflon.

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Chemischer Botenstoff
Ein chemischer Botenstoff ist eine Substanz im Körper, die gebraucht wird, um Informationen
zwischen Zellen weiterzugeben und zu verbreiten. Bekannte chemische Botenstoffe im
menschlichen Körper sind Hormone und Neurotransmitter. Hormone werden an einem Ort des
Körpers hergestellt, sie werden über das Blut durch den Körper transportiert und wirken nur an den
für sie vorgesehenen Stellen. Jedes Hormon hat spezielle Effekte, z.B. einen erweiternden Einfluss
auf die Blutgefäße oder einen stärkenden, festigenden Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut.

Typische Hormone sind Adrenalin, Insulin oder das Östrogen.Neurotransmitter arbeiten an den
Andockstellen der Nervenzelle, dort wo eine Nervenzelle ihren Befehl an die nächste weitergibt.
Typische Neurotransmitter sind Glutamat, Acetylcholin, Noradrenalin und Serotonin. Viele
Medikamentenklassen wirken, weil sie die Wirkung chemischer Botenstoffe imitieren oder
blockieren. Chemische Botenstoffe werden auch als Medikamente eingesetzt.

Chemotherapie
Unter einer Chemotherapie wird meistens die medikamentöse Behandlung von Krebserkrankungen
verstanden. Bei einer Chemotherapie werden dem Körper in der Regel über eine Infusion bestimmte
Medikamente zugeführt. Es gibt aber auch Präparate, die als Tablette eingenommen werden. Die
Wirkstoffe werden über den Blutkreislauf transportiert und können so im ganzen Körper wirken. Die
Medikamente sollen verhindern, dass die Krebszellen sich weiterhin unkontrolliert teilen und
vermehren. Bei bestimmten Tumoren werden sie manchmal zusätzlich örtlich angewendet. Auch die
Therapie von Entzündungen, zum Beispiel mit Antibiotika, wird gelegentlich als Chemotherapie
bezeichnet.

Chiropraktiker
Chiropraktikerinnen und -praktiker behandeln Beschwerden und Störungen chiropraktisch, d.h. sie
arbeiten nicht mit Medikamenten, sondern vor allem mit den Händen. Deshalb heißt diese
Behandlungsform auch Manuelle Medizin. Um ein Leiden zu lindern, aber auch um die Ursache
festzustellen, knetet, massiert, dehnt und drückt die Chiropraktikerin oder der Chiropraktiker
ausgesuchte Stellen des Körpers, v.a. an der Wirbelsäule und den Gelenken, mit Händen und
Fingern, um blockierte oder fehlgestellte Gelenke zu justieren. So versucht sie oder er,
Beschwerden wie Taubheitsgefühle und Kribbeln, aber auch Seh- und Hörstörungen, Ohrgeräusche
oder Schlafstörungen zu lindern. Die Bezeichnung "Chirotherapeut" ist auf Ärztinnen und Ärzte mit
einer chirotherapeutischen Zusatzausbildung beschränkt. Chiropraktiker dürfen sich Heilpraktiker
mit Zusatzausbildung nennen. Heilpraktikerinnen und -praktiker zählen nicht zu den ausgebildeten
Ärztinnen und Ärzten.

Cholesterinspiegel
Der Cholesterinspiegel ist ein Maß für die Konzentration von Cholesterin im Blut. Er wird auch als
„Blutfettwert" bezeichnet, obwohl Cholesterin selbst kein Fett ist. Das Fett befindet sich in den
Transportmolekülen, mit denen Cholesterin durch das Blut schwimmt. Je nach Typ der
Transportmoleküle unterscheiden Ärztinnen und Ärzte HDL-, LDL- und VLDL-Cholesterin. Der
Gesamtcholesterinwert, gemessen in Milligramm pro Deziliter (mg/dl), setzt sich aus den
Einzelwerten dieser drei Typen zusammen.

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Chromatograph
Ein Chromatograph (von „chroma", altgriechisch: Farbe und „grafein", griechisch: zeichnen,
beschreiben) ist ein Gerät, das verwendet wird, um Stoffgemische zu trennen. Bei der
Chromatographie fließen Flüssigkeiten oder Gase, die verschiedene Stoffe enthalten, über einen
festen Teil des Gerätes, das die einzelnen Stoffe unterschiedlich stark bindet und somit voneinander
trennt. Nach der Trennung können die einzelnen Bestandteile eingefärbt werden, um sie zu
unterscheiden. Praktische Anwendung findet das Verfahren in zwei Bereichen: Zum einen in der
Mengenbestimmung von Stoffen, beispielsweise in der Labormedizin, wenn gemessen werden soll,
wie viel einer bestimmten Substanz im Blut enthalten ist. Zum anderen um einzelne Stoffe aus
Flüssigkeiten zu entfernen, wie beispielsweise Laktose aus Milch.

Chronische Venenschwäche
Bei einer chronischen Venenschwäche schließen die Klappen in den Venen der Beine nicht mehr
vollständig. Das hat zur Folge, dass das Blut in den Beinen, das entgegen der Schwerkraft zum
Herzen hochgepumpt werden muss, immer wieder zurückfließt und sich in den Beinen staut. Die
Venen erweitern sich, es entstehen Krampfadern. Die Venenklappen verhindern dieses
Zurückfließen normalerweise. Die Beine betroffener Personen ermüden leicht und fühlen sich
schwer an, weil sie schlecht durchblutet werden. Langes Stehen fällt diesen Betroffenen schwer.
Durch eine chronische Venenschwäche steigt das Risiko für Gefäßverschlüsse, offene Wunden und
andere Beschwerden.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung


COPD ist die medizinische Abkürzung für den englischen Begriff "chronic obstructive pulmonary
disease ". Auf Deutsch bedeutet dies "chronisch obstruktive Lungenerkrankung". Bei einer COPD
sind die Atemwege dauerhaft verengt und die Lunge ist geschädigt. Eine COPD ist kein Asthma -
man kann daher beide Erkrankungen gleichzeitig haben.

Cluster-randomisierte Studie
Studie, in der nicht einzelne Patienten zufällig auf Gruppen aufgeteilt werden, sondern in denen
Einheiten (englisch cluster, Gruppen, Haufen) wie Arztpraxen oder Krankenhäuser randomisiert
werden. Cluster-randomisierte Studien werden gewählt, wenn es problematisch ist, verschiedene
Patienten in einer Praxis oder Klinik sehr unterschiedlich zu behandeln. Zur Analyse von cluster-
randomisierten Studien müssen spezielle hierfür geeignete statistische Verfahren angewendet
werden.

Cochlea
Die Hörschnecke (Cochlea) ist das eigentliche Hörorgan. Sie befindet sich im Innenohr und wandelt
Schallwellen in elektrische Signale um. Diese werden über die Nerven zum Gehirn weitergeleitet.

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Cochrane Collaboration
Die Cochrane Collaboration ist ein internationaler Zusammenschluss von Wissenschaftlermnen und
Wissenschaftlern, die sich zusammengetan haben, um in einzelnen Teams ("Cochrane Review
Groups") zu medizinischen Fragen sogenannte systematische Übersichten (Reviews) zu erstellen,
mit deren Hilfe wissenschaftlich begründete Aussagen über die Wirksamkeit medizinischer
Therapien möglich werden. Zu diesem Zweck haben die Mitglieder der Cochrane Collaboration
Methoden entwickelt, um systematisch und umfassend die verfügbaren Informationen über
klinische Studien und die Wirksamkeit medizinischer Maßnahmen zu sammeln.

Das Ziel der Cochrane Collaboration ist es, Ärztinnen, Ärzten, Patientinnen und Patienten
wissenschaftlich fundierte Hilfen für informierte Entscheidungen zur medizinischen Versorgung zu
geben und somit medizinische Entscheidungen insgesamt zu verbessern. Die deutsche
Internetadresse der Cochrane Collaboration, auf der sich die Organisation selbst vorstellt, lautet
www.cochrane.de.

Colitis ulcerosa
Colitis ulcerosa ist eine von zwei ähnlichen Formen einer chronischen Schleimhautentzündung des
Darms (neben Morbus Crohn). Betroffen ist der Dickdarm. Beschwerdefreie Phasen wechseln sich
mit Zeiten ab, in denen Schmerzen im linken Unterbauch, Durchfall und Gewichtsverlust so stark
sein können, dass die Betroffenen in dieser Zeit nicht ihrer Arbeit nachgehen können oder sogar ins
Krankhaus müssen.

Computertomografie
Eine Computertomografie oder kurz CT (von „tome", griechisch: Schnitt und „graphein": schreiben)
ist eine spezielle Röntgenuntersuchung. Bei dieser Untersuchung wird man liegend durch ein
ringförmiges CT -Gerät geschoben. Dabei rotiert eine Röntgenquelle im CT -Gerät um die
ausgewählte Körperregion und es wird aus unterschiedlichen Richtungen deren Dichte gemessen.
Ein Computer setzt die so gesammelten Daten zusammen. So erhält man ein mehrdimensionales
Schnittbild der jeweiligen Körperregion. Eine CT -Aufnahme geht wie jede andere
Röntgenuntersuchung mit einer Strahlenbelastung einher.

Confounder
Als Confounder (Störgröße) wird ein Faktor bezeichnet, der sowohl mit einer Intervention (oder
Exposition), als auch mit dem beobachteten Ergebnis einer Studie assoziiert ist. Auch im Deutschen
wird oft der englische Begriff verwendet. Wenn zum Beispiel die Personen in einer Gruppe, in der
Therapie A eingesetzt wird, jünger sind als die der Gruppe, in der Therapie B eingesetzt wird, ist
schwer zu entscheiden, inwieweit Vorteile der Gruppe A nun auf die Therapie oder das jüngere Alter
zurückzuführen sind. Alter ist dann ein Confounder. Gegenmaßnahme: Randomisierung soll solche
Ungleichheiten minimieren; bekannte und in der Studie erhobene Confounder können durch
Anwendung geeigneter statistischer Verfahren berücksichtigt werden (Adjustierung).

CONSORT-Statement (Consolidated Standards of Reporting Trials)


Das CONSORT-Statement (Consolidated Standards of Reporting Trials) beschreibt, welche
Informationen standardmäßig in Publikationen über Ergebnisse aus randomisierter kontrollierten
Studien enthalten sein sollten. CONSORT schließt eine Checkliste und ein Flussdiagramm ein, dem
sich der Umgang mit allen Teilnehmern der Studie entnehmen lässt. Absicht ist es, sicherzustellen,
dass die Publikation einer Studie die für die Bewertung der Ergebnissicherheit wichtigen Angaben
enthält. Ähnliche Standards sind auch für systematische Übersichten und Meta-Analysen
(QUOROM), Beobachtungsstudien (MOOSE) und Diagnosestudien (STARD) veröffentlicht.

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Controller
Asthmamedikamente, die helfen, die Erkrankung auf Dauer zu kontrollieren und Asthmaanfällen
vorzubeugen. Die auch Dauermedikation genannten Mittel beeinflussen die Entzündungsreaktion
der Bronchien. Sie werden nicht bei akuten Beschwerden, sondern dauerhaft jeden Tag
eingenommen.

Corpus luteum
Der Gelbkörper entsteht im Eierstock nach dem Eisprung aus den verbliebenen Zellen der Hülle.
Der Name kommt von der gelblichen Färbung dieser Zellen. Die medizinische Bezeichnung lautet
Corpus luteum (von „corpus“, lateinisch: Körper und „luteus“, lateinisch: gelb). Der Gelbkörper wird
in der zweiten Hälfte des weiblichen Zyklus zunächst immer größer. Er bildet eine geringe Menge
Östrogen und in steigender Menge das Hormon Progesteron, das daher auch Gelbkörperhormon
genannt wird. Unter der Wirkung von Progesteron wandelt sich die Gebärmutterschleimhaut so um,
dass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Kommt es nicht zur Schwangerschaft, bildet sich
der Gelbkörper wieder zurück und stellt immer weniger Progesteron her. Dadurch wird die
Menstruationsblutung ausgelöst. Bei schwangeren Frauen bildet der Gelbkörper circa drei Monate
lang Hormone, damit die Schwangerschaft weiter erhalten wird. Diese Aufgabe übernimmt ab dem
dritten Schwangerschaftsmonat der Mutterkuchen.

Corpus-luteum-Insuffizienz
Der Gelbkörper oder Corpus luteum entsteht im Eierstock nach dem Eisprung aus den verbliebenen
Zellen der Hülle. Der Name kommt von der gelblichen Färbung dieser Zellen. Der Gelbkörper sorgt
durch die Bildung des Gelbkörperhormons Progesteron dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut
umgewandelt wird und sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Bei einer Gelbkörperschwäche
(Corpus-luteum-Insuffizienz) wird zu wenig Gelbkörperhormon gebildet. Dies kann zu
Zwischenblutungen in der zweiten Zyklushälfte führen. Eine Gelbkörperschwäche kann auch der
Grund dafür sein, dass eine Frau nicht schwanger wird oder eine Fehlgeburt in der sehr frühen
Schwangerschaft hat.

Cox-2-Hemmer
Cox-2-Hemmer sind eine noch neue Klasse entzündungshemmender, schmerzlindernder und
fiebersenkender Wirkstoffe, die erstmals Ende der 90er Jahre auf den Markt kamen.

C-reaktives Protein
Das „C-reaktive Protein“ (CRP ) ist ein Eiweiß, das bei einer Entzündung im Körper vermehrt von
Zellen der Leber gebildet und ins Blut abgegeben wird. Ein erhöhter CRP -Wert im Blut kann
bereits frühzeitig auf eine Entzündung im Körper hinweisen, auch wenn noch kein Fieber
aufgetreten ist und die weißen Blutkörperchen im Blut (Leukozyten) noch nicht erhöht sind. Auch
bei einem akuten Herzinfarkt oder bei bestimmten Tumoren kann der CRP -Wert erhöht sein.

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Cross-over-Studie
In Cross-over-Studien erhalten die Teilnehmer zuerst eine und nach Ablauf der ersten Studienphase
auch die alternative Therapie. In der ersten Studienphase erhalten die Probanden des ersten
Studienarmes zunächst Therapie A, die Probanden des zweiten Studienarmes Therapie B. Nach
einer definierten Behandlungsdauer wird zur 2. Studienphase gewechselt: Studienarm eins erhält
nun Therapie B und Studienarm zwei Therapie A. Bei Cross-over-Studien wird also nicht die
Therapie, sondern die Reihenfolge der Therapie den Patienten (zufällig) zugeteilt. Die Wirksamkeit
der Therapien kann am Ende der Studie unter bestimmten Voraussetzungen sowohl durch den
Vergleich zwischen als auch innerhalb der Gruppen bestimmt werden. In Cross-over-Studien können
Therapiephasen auch mehrmals wechseln und auch mehr als zwei Behandlungen miteinander
verglichen werden.

Cross-sectional survey
In einer Querschnittsstudie (englisch: cross-sectional survey ) wird eine Population zu einem
bestimmten Zeitpunkt untersucht, zum Beispiel um Aussagen über die Häufigkeit (Prävalenz) einer
bestimmten Krankheit machen zu können.

Darmpolypen
Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die sich aber zu einem bösartigen
Tumor (Krebs) entwickeln können.

Debridement
Der Begriff "Debridement" stammt aus dem Französischen: "Debrider" bedeutet Entfernen von
Überflüssigem. Als Debridement oder Wundtoilette bezeichnen Medizinerinnen und Mediziner die
Entfernung von abgestorbenem Material und verschmutztem Gewebe aus einer Wunde.
Grundsätzlich kann das Debridement mit dem Skalpell, einem Löffel oder anderen Instrumenten,
also chirurgisch, chemisch mit bestimmten Eiweißen (Enzyme) oder mechanisch erfolgen.

Das mechanische oder physikalische Debridement erfolgt zum Beispiel mit speziellen
Wundauflagen: Überschüssige Wundflüssigkeit, Zelltrümmer und Keime werden im Verband
festgehalten und mit jedem Verbandwechsel entfernt. Eine mechanische Reinigung der Wunde
gelingt außerdem unter der Dusche: Mit dem Duschstrahl werden Keime und abgestorbene Zellen
ebenfalls gut entfernt. Weiterhin gehören zum physikalischen Debridement die Wundreinigung mit
Wasserstoffperoxid oder feuchte Umschläge.

Eine alte Art des Debridements, die kürzlich wiederentdeckt worden ist, ist das "biologische"
Debridement mit sterilen Fliegenlarven. Medizinisch wird Debridement häufig auch für
chirurgisches "Fäden entfernen" nach Heilung der Wunde verwendet.

Debriefing
Debriefing (engl.) bedeutet „Nachbesprechung" und ist eine spezielle Methode der
Notfallpsychologie. Kurz nach einem möglicherweise traumatischen Erlebnis bieten psychosozial
geschulte Fachkräfte Betroffenen eine Nachbesprechung an. Darin fragen sie gezielt nach dem
Erlebten und den damit verbundenen Gedanken und Gefühlen.

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Degenerative Veränderung
Eine degenerative Veränderung ist eine Veränderung eines Gewebes oder eines Organs durch
Abnutzung, Verschleiß, Alterung oder lange einwirkende Schädigung. Degenerativ veränderte
Organe oder Gewebe funktionieren häufig nur noch eingeschränkt. So sind degenerativ veränderte
Bandscheiben oder Gelenke häufig schmerzhaft und beeinträchtigen die Bewegungsfähigkeit des
Betroffenen.

Dekubitus
Ein Druckgeschwür (Dekubitus) ist eine offene Wunde. Diese entsteht durch einen anhaltenden
Druck auf die Haut. Die Schädigung kann von einer Rötung der betroffenen Stelle (Schweregrad 1
eines Druckgeschwürs) bis hin zu einer offenen Wunde (Schweregrad 2 bis 4) reichen.
Druckgeschwüre entwickeln sich meist durch längeres Liegen oder Sitzen in einer Stellung bei
Menschen, die sich wenig oder nicht bewegen können. Sie entstehen vor allem an den
Körperstellen, an denen die Haut dem Knochen unmittelbar anliegt, beispielsweise an
Schulterblättern, Steiß oder Ferse. Manchmal treten sie auch unter einem nicht richtig sitzenden
Gips auf. Weitere Faktoren, die die Entstehung eines Dekubitus begünstigen, sind
Durchblutungsstörungen oder chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Bei Menschen mit
Diabetes können auch falsch sitzende Schuhe ein Druckgeschwür verursachen.

Delphi-Verfahren
Bezeichnung einer Umfragemethode, bei der eine ausgesuchte Gruppe von Experten gebeten wird,
zu einem Thema wiederholt Stellung zu nehmen. Ein Delphi-Verfahren umfasst mehrere schriftliche
Befragungsrunden, wobei nach jeder Runde die Antworten zusammengefasst und den Teilnehmern
erneut zugesandt werden. Ziel ist das Erreichen eines Konsenses der Gruppe. Delphi-Verfahren
werden als formales Konsensverfahren bei der Leitlinien-Erstellung verwendet.

Demineralisation
Wenn der Körper Mineralstoffe wie Kalzium oder Phosphat verliert, wird dies als Demineralisation
bezeichnet. Davon sind vor allem Strukturen und Organe betroffen, deren Anteil an Mineralstoffen
besonders hoch ist, wie zum Beispiel Knochen und Zähne. Zähne können demineralisiert sein, wenn
Säuren Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz herausgelöst haben. Bei einer Demineralisation von
Knochen, wie bei der Osteoporose, ist vorwiegend die Knochensubstanz betroffen. Wenn nur der
Kalziumanteil krankhaft verringert ist, spricht man auch von Dekalzifizierung (Entkalkung).

Dermatologie
Die Dermatologie (von „derma“, griechisch: Haut und „-logie“, griechisch: Lehre, Wissenschaft)
umfasst als Teilgebiet der Medizin alle Erkrankungen der Haut sowie der Haare und Nägel. Zu
diesem Fachgebiet gehören in Deutschland auch die Venerologie, die sich mit den sexuell
übertragbaren Krankheiten befasst, sowie die Phlebologie, die sich mit den Erkrankungen der
venösen Blutgefäße beschäftigt.

Deutsches-Leitlinien-Bewertungsinstrument
Das DELBI (Deutsches-Leitlinien-Bewertungsinstrument, Link) ist eine erläuterte Checkliste zur
Beurteilung der methodischen Qualität von Leitlinien. DELBI ist die deutsche Adaptation des
internationalen AGREE-Instruments und entspricht diesem im Wesentlichen. Herausgeber sind die
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und das
Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

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Glossar IQW iG

Diabetesbedingte Folgeerkrankungen
Folgeerkrankungen bei Diabetes entstehen durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte. Sie
verursachen bleibende Schäden an den Blutgefäßen und Nerven. Dadurch können Erkrankungen an
Augen, Nieren, Nerven, Beinen und Füßen auftreten.

Diabetes mellitus
Diabetes mellitus heißt wörtlich "süßer Urin". Zu den Kennzeichen gehört, dass der Körper Zucker
ausscheidet. Umgangssprachlich wird die Krankheit auch Zuckerkrankheit genannt. Es gibt
mehrere Typen des Diabetes mellitus, am bekanntesten sind Typ 1 und Typ 2.

Allen Typen gemeinsam ist, dass zu viel Glukose, eine Form von Zucker, im Blut schwimmt, weil es
Probleme mit dem Hormon Insulin gibt. Die langfristigen Folgen reichen von
Durchblutungsstörungen, erschwerter Harnentleerung und Müdigkeit über schlecht heilende
Wunden, Nervenschädigungen und Erblindung bis zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch bei
Patientinnen und Patienten, die noch keine lange Krankengeschichte haben, kann es durch starken
Insulinmangel zu Bewusstseinsstörungen und lebensgefährlichem Koma kommen.

Glukose gelangt ins Blut, weil der Körper Kohlenhydrate und Zucker aus Nahrungsmitteln wie Brot,
Kuchen, Nudeln oder Kartoffeln verdaut und in seine kleinsten Bestandteile zerlegt. Außerdem
produziert die Leber selbst Glukose. Die Zellen des Körpers brauchen die einfach gebaute Glukose
als Energielieferanten. Das Hormon Insulin ist der "Türöffner" für Glukose: Insulin dockt an die
Zelle an und bewirkt, dass sie Zucker aus dem Blut aufnimmt. Beim Typ-1-Diabetes zerstört in den
meisten Fällen das eigene Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen in der
Bauchspeicheldrüse, oft schon früh in der Kindheit und Jugend. Deshalb fehlt dem Körper das
Hormon, die Glukose gelangt nicht in die Zellen, der Blutzuckerspiegel ist ständig zu hoch.

Beim Typ-2-Diabetes produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüsen zwar ausreichend Insulin,
aber die Zellen, die Glukose brauchen und an die das Insulin andockt, reagieren nicht auf den
"Türöffner". Sie sind Insulin-resistent und lassen die Glukose nicht hinein. Auch hier ist die Folge
ein Anstieg der Blutzuckerwerte. Während Menschen mit Typ-1-Diabetes regelmäßig Insulin
spritzen müssen, können Menschen mit Typ-2-Diabetes vor allem im Anfangsstadium den
Blutzuckerspiegel schon durch eine angepasste Ernährung und viel Bewegung normalisieren.

Ein weiterer bedeutender Diabetes mellitus ist der Gestationsdiabetes. Er heißt auch
Schwangerschaftsdiabetes, weil er Frauen in der Schwangerschaft treffen kann. Meist klingt dieser
Diabetes nach dem Ende der Schwangerschaft wieder ab.

Diagnose
Mit dem Begriff Diagnose (von „diagnosis“, griechisch: Erkenntnis, Urteil) ist das Feststellen und
Benennen einer Erkrankung gemeint. Die Diagnose sollte unter anderem anhand der Vorgeschichte,
der vorhandenen Beschwerden und der Untersuchungsergebnisse gestellt werden. Zu den
Untersuchungen gehören sowohl eine eingehende körperliche Untersuchung als auch
beispielsweise die Bestimmung von Blutwerten oder apparative Untersuchungen wie Ultraschall
oder Röntgen.

Diagnosis Related Groups


Pauschalierte Vergütungen in Form von diagnosebezogenen Fallgruppen mit einem festen Betrag
für Krankenhausaufenthalte. Der Krankenhausfall oder -aufenthalt wird abhängig von der
Fallschwere und den erbrachten Leistungen mithilfe einer DRG gegenüber der Krankenkasse des
Patienten abgerechnet.

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Disease-Management-Programm
Disease-Management-Programme (DMP ; disease : engl. = Krankheit) sind umfassende
Behandlungsangebote für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sie werden seit 2002 von den
gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland angeboten. (DMP sollen sich an den Kriterien der
evidenzbasierten Medizin ausrichten und dazu dienen, Krankheiten systematisch und koordiniert zu
behandeln und eine gute Lebensqualität für die Patientin oder den Patienten zu ermöglichen. Zu
den Programmen gehören regelmäßige Arzttermine mit Beratungsgesprächen und Untersuchungen
sowie die Vermittlung von Hintergrundinformationen zum Beispiel durch Schulungen. Derzeit
werden (DMP für Menschen mit Diabetes mellitus Typ I oder II, Asthma, Chronisch Obstruktiver
Lungenerkrankung (COPD ), Brustkrebs und Koronarer Herzkrankheit angeboten.

Diskontierung
Verfahren zur Ermittlung des Gegenwartswertes eines in Zukunft fälligen Wertes. Mithilfe der
Diskontierung können verschiedene Maßnahmen, deren Nutzen und Kosten zu unterschiedlichen
Zeitpunkten anfallen, durch Abzinsung miteinander verglichen werden.

Diuretika
Diuretika sind entwässernde Medikamente, die unter anderem zur Behandlung von Bluthochdruck
eingesetzt werden: Der Körper scheidet vermehrt Wasser und Salze über die Nieren aus, dadurch
ist die Flüssigkeitsmenge in den Blutgefäßen geringer und der Blutdruck sinkt. Diuretika werden
auch zur Behandlung von Wassereinlagerungen bei Herzschwäche angewendet. Sie werden dann in
der Regel höher dosiert als zur Bluthochdruck-Therapie.

Dünndarm
Der Dünndarm ist der vier bis fünf Meter lange Darmabschnitt zwischen Magenausgang und
Dickdarm. Er besteht aus drei Bereichen: dem Zwölffingerdarm, dem Leerdarm und dem
Krummdarm. Im Dünndarm wird die Nahrung weiter aufgespalten und die entstehenden Stoffe
werden aufgenommen.

DNS
Die DNS ist ein riesiges Molekül, das die menschlichen Erbinformationen enthält. Sie besteht aus
verschiedenen Basen sowie Phosphat und Zucker. Das Molekül hat zwei Stränge die wie eine Leiter
miteinander verbunden sind und sich wie eine Spirale verdrillen. Die DNS befindet sich als Teil der
Chromosomen in den Zellkernen des Körpers und speichert dort die genetischen Informationen, die
unter anderem bei der Bildung neuer Zellen benötigt werden.

Dreitagefieber
Das sogenannte Dreitagefieber wird von Herpesviren ausgelöst und tritt meist im Kindesalter auf.
Es ist durch Fieber und Krankheitsgefühl über drei bis vier Tage gekennzeichnet. Wenn das Fieber
abgeklungen ist, zeigt sich typischerweise zuerst am Rumpf und dann an Armen und Beinen ein
rötlich-kleinfleckiger Hautausschlag, der nach ein bis zwei Tagen verschwindet. Am Dreitagefieber
kann man nur einmal erkranken, nach der Infektion ist man lebenslang immun.

Dropout
Teilnehmer, der aus einer klinischen Studie vor dem geplanten Ende ausscheidet (engl. Dropout).

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Drusen
Drusen sind Ablagerungen in der Netzhaut. Sie bestehen aus Abfallprodukten des Stoffwechsels der
Sinneszellen.

Effekt
Ein Effekt im Rahmen klinischer Studien beschreibt einen Teilaspekt des klinischen und / oder
funktionalen Zustandes eines Patienten, nachdem eine bestimmte Intervention angewandt wurde.

Effektmaß
Angabe, die die Stärke eines Effekts einer Intervention beschreibt. Zum Beispiel lassen sich die
Effekte von Therapien, die Ereignisse (zum Beispiel Herzinfarkte) verhindern sollen, durch Angabe
einer Risikodifferenz oder eines relativen Risikos (RR) quantifizieren.

Ekzem
Ekzem ist der Sammelbegriff für jede akute oder chronische Entzündung der Haut mit Juckreiz, die
nicht ansteckend ist. Die Haut zeigt lokal begrenzte oder über den ganzen Körper verteilte
Rötungen, Bläschen, Knötchen, Schorf u.Ä.

Embolie
Wenn plötzlich ein Blutgefäß durch einen sogenannten Embolus (von „ballein", griechisch: werfen)
verstopft wird, spricht man von einer Embolie. Ein Embolus entsteht meist aus einem
eingeschwemmten Blutgerinnsel, dann spricht man von einer Thromboembolie. Aber auch Luft,
Gewebe- oder Kalkablagerungen können eine Embolie verursachen. Ein Blutgerinnsel kann sich an
einer Stelle im Gefäßsystem bilden, ablösen und dann mit dem Blutstrom weitergetragen werden.
Es setzt sich dann in einem kleineren Gefäß fest, blockiert dort den Blutfluss und damit die
Versorgung des Gewebes hinter der blockierten Stelle. Eine Lungenembolie wird zum Beispiel meist
durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, das in den Bein- oder Beckenvenen entstanden ist. Auch
Schlaganfälle können durch Embolien verursacht werden.

Emphysem
Bei einem Emphysem ist Luft an einer ungewohnten Körperstelle zu finden, oder aber es befindet
sich eine unüblich große Luftmenge an einer bestimmten Körperstelle. Ein bekanntes Emphysem ist
das Lungenemphysem. Beim Lungenemphysem sind die Lungenbläschen zerstört. Die eingeatmete
Luft kann nicht mehr vollständig ausgetauscht werden, sodass sich Luft in der Lunge ansammelt.

Emulgatoren
Emulgatoren sind Mittel, die es schaffen, zwei nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten zu
verbinden. Es entsteht eine sehr fein verteilte stabile Mischung der wässrigen und fettreichen
Anteile - die Emulsion. Emulgatoren werden sowohl in der Nahrungsmittelindustrie, beispielsweise
bei der Produktion von Speiseeis, Schokolade oder Desserts, als auch bei der Herstellung von
Cremes und Salben benutzt. Oft entstammen sie natürlichen Stoffen, beispielsweise findet man
Lezithin in Sojabohnen oder in Eigelb.

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Endorphine
Endorphine sind körpereigene Substanzen, die von der Hirnanhangsdrüse im Gehirn ausschüttet
werden. Reize, die zur Ausschüttung führen, können unter anderem Aktivitäten oder Dinge sein, die
ein Wohlgefühl auslösen, beispielsweise Ausdauersport, Lachen oder ein gutes Essen.
Umgangssprachlich wird deshalb oft von „Glückshormonen" gesprochen.
Die Bezeichnung „Endorphine" setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: „Endo", griechisch: innen,
innerhalb und „Morphin", einer aus Opium gewonnenen Droge. Dieser Name rührt daher, dass
körpereigene Endorphine im Nervensystem dieselben Rezeptoren besetzen wie von außen
zugeführte Opiate (beispielsweise Morphin). Hierauf werden von einigen Experten die Morphin­
ähnlichen Wirkungen der Endorphine wie Schmerzstillung und Euphorie zurückgeführt. Wie genau
Endorphine wirken, konnte bisher jedoch nicht geklärt werden.

Endoskop
Mit einem Endoskop kann eine Ärztin oder ein Arzt in das Innere von Körperhöhlen und -öffnungen
wie Magen, Darm, Lunge oder Blase hineinschauen. Endoskope verfügen meist über eine
Lichtquelle und eine kleine Kamera, sie sind je nach Verwendungszweck kurze, steife Rohre, die
etwa zur Inspektion der Blase oder der Scheide eingesetzt werden, oder lange, flexible Schläuche,
mit denen zum Beispiel Magen und Darm untersucht werden können.

Endpunkte
Endpunkte bezeichnen Ergebnisse oder Ereignisse, die sich in den Kategorien dichotom und
kontinuierlich differenzieren lassen.

Dichotome oder binäre Endpunkte sind Ereignisse, die für einen Patienten nur eintreten oder
nicht eintreten können. Teilnehmer haben entweder einen Herzinfarkt oder sie haben keinen
Herzinfarkt, sie haben bis zum Ende der Studie überlebt oder sie haben nicht überlebt. Der Begriff
dient der Abgrenzung zu kontinuierlichen Endpunkten.

Kontinuierliche Endpunkte sind Ergebnisse, die auf einer kontinuierlichen Werteskala gemessen
werden, wie zum Beispiel die Höhe des Blutdrucks.

Entblindung
Aufhebung der Verblindung während oder am Ende einer verblindeten Studie.

Enterisches Nervensystem
Das enterische Nervensystem (ENS - von „enteron", altgriechisch: Darm) ist ein Teil des
unwillkürlichen Nervensystems. Es besteht aus einem Nervengeflecht innerhalb der Darmwand, das
weitgehend unabhängig die Bewegung des Darmes bei der Verdauung reguliert.

Entscheidungshilfen
Entscheidungshilfen sind Hilfsmittel, die eine Patientin oder einen Patienten dabei unterstützen, auf
Grundlage verschiedener Gesichtspunkte eine Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidungshilfe
liefert zum Beispiel Informationen darüber, wie hoch das Risiko von Komplikationen einer Operation
ist, welche Alternativen es zu einer Operation gibt oder mit welchen Folgen man leben muss, wenn
man eine Operation nicht durchführen lässt.

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Entzündung
(Abwehr-) Reaktion des Körpers auf eine Verletzung, Reizung oder Infektion. Um den Körper zu
schützen, wird die betroffene Körperstelle stärker durchblutet. Dadurch fühlt sie sich wärmer an,
schwillt an, rötet sich und wird meist empfindlich. Sind Schleimhäute entzündet, sondern sie zudem
mehr Flüssigkeit ab als sonst. Dies hilft, eingedrungene Keime auszuschwemmen.

Entzündungsmarker
Entzündungsmarker sind Blutwerte, mit denen man ungezielt nach einer Entzündung im Körper
suchen kann. Dazu gehört die Laborbestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG ) und des C-
reaktiven Proteins (CRP ). Zusätzlich kann auch eine erhöhte Zahl an weißen Blutkörperchen
(Leukozyten) in Blut, Urin oder anderen Körperflüssigkeiten auf eine Entzündung hinweisen.

Enuresis
Enuresis ist der medizinische Fachbegriff für das regelmäßige Einnässen von Kindern, bei denen
dies eigentlich nicht mehr passieren sollte. Das nächtliche Bettnässen wird Enuresia nocturna
genannt. Macht das Kind regelmäßig tagsüber in die Hose, handelt es sich um eine Enuresia diurna.
Passiert dies wieder, nachdem das Kind eigentlich keine Probleme mehr damit hatte, spricht man
von einer sekundären Enuresis. Die Ursachen für Enuresis sind unklar, sie können psychischer, aber
offenbar auch genetischer Natur sein. Organische Ursachen sind bei einer echten Enuresis nicht
vorhanden.

Ependymom
Ein Ependymom (von „epi“, griechisch: auf, an und „endyma“, griechisch: Gewand, Kleid) ist ein
Hirntumor, der von bestimmten Zellen im Gehirn ausgeht. Diese Ependymzellen kleiden als dünne
Schicht alle inneren Hohlräume des Gehirns und den Rückenmarkskanal von innen aus. Sie trennen
die Hirnflüssigkeit, den Liquor, vom eigentlichen Nervenzellgewebe. Ependymome gehören zur
Gruppe der Gliome.

Epidemiologische Studien
Epidemiologische Studien nennt man Untersuchungen an größeren Bevölkerungsgruppen, die
systematisch im Hinblick auf eine Erkrankung oder eine Schädigung beobachtet werden. Durch
Vergleich unterschiedlicher Gruppen, die der vermuteten Ursache in unterschiedlichem Maße
ausgesetzt sind, kann man begründete Vermutungen über Zusammenhänge von schädlichen
Einflüssen und Erkrankungen anstellen.

EQ-5D
Krankheitsübergreifendes Instrument zur Erhebung von gesundheitsbezogener Lebensqualität
unter Verwendung folgender fünf Dimensionen: Beweglichkeit / Mobilität, für sich selbst sorgen,
allgemeine Tätigkeit, Schmerzen / körperliche Beschwerden, Angst / Niedergeschlagenheit.

Erbanlagen
Erbanlagen ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Gene, die jeder Mensch in seinen
Zellen trägt. Gene sind die Einheiten, die die genetische Erbinformation eines Menschen speichern.

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Eröffnungsphase
Die Geburt wird in drei Phasen unterteilt. Mit dem Einsetzen regelmäßiger Wehen beginnt die
sogenannte Eröffnungsphase. In dieser Phase weitet sich der Gebärmutterhals und der Muttermund
(Cervix) öffnet sich. Wenn er vollständig geöffnet ist, beginnt dann die sogenannte
Austreibungsphase, in der sich das Kind bis zur Geburt langsam durch den Geburtskanal schiebt. In
der Nachgeburtsphase löst sich durch weitere Wehen der Mutterkuchen ("Plazenta") aus der
Gebärmutter.

Ergebnissicherheit
Ergebnissicherheit ist eine Eigenschaft einer Einzelstudie oder einer systematischen
Übersicht/Meta-Analyse. Sie bezeichnet das Vertrauen, das ein in der (den) Studie(n) gefundenes
Ergebnis nahe am wahren Ergebnis liegt. Die Ergebnissicherheit ergibt sich aus der Bewertung des
Verzerrungspotenzials einer Studie und der Größe der statistischen Unsicherheit.

Ergometertraining
Das Ergometertraining ähnelt dem Training auf einem Heimtrainer, also einem Fahrrad für
Innenräume. Der Unterschied ist, dass ein Ergometer automatisch die Belastung verändern kann,
also z.B. die Belastung vermindert, wenn der Puls zu hoch steigt. Das verhindert, dass sich ein
Patient zu stark anstrengt.

Erythrozyten
Der Begriff „Erythrozyten“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „rote Zellen“. Erythrozyten
spielen bei der Sauerstoffversorgung eine wichtige Rolle: Sie nehmen den Sauerstoff in der Lunge
auf und transportieren ihn über den Blutkreislauf zu den Organen und Geweben, wo sie ihn an die
Zellen abgeben. Erythrozyten leben nur wenige Monate und werden dann hauptsächlich in der Milz
abgebaut. Um sie zu ersetzen, produziert der Körper täglich mehrere hundert Millionen
Vorläuferzellen, sogenannte Retikulozyten. Diese reifen dann zu neuen Erythrozyten heran.

Eukalyptusöl
Eukalyptusöl ist ein intensiv riechendes ätherisches Öl, das aus verschiedenen Eukalyptus-Arten
gewonnen wird. Es wird vielseitig verwendet, in flüssiger Form, als Tabletten, Dragees oder in
Badezusätzen. Eukalyptusöl wird vor allem bei Erkrankungen der Atemwege verwendet, aber auch
bei rheumatischen Beschwerden und Entzündungen im Mundraum.

Evidenz
Evidenz nennt man wissenschaftliche Belege aus gut durchgeführten, hochwertigen
wissenschaftlichen Studien, die sorgfältig zur Beantwortung spezifischer Fragen geplant wurden.
Für verschiedene Arten von Fragen sind jeweils unterschiedliche wissenschaftliche
Untersuchungsmethoden (Studientypen) am besten geeignet, solide Antworten auf diese Fragen zu
finden. So sind beispielsweise randomisierte kontrollierte Studien die beste Möglichkeit, um
zuverlässige Evidenz über die Wirksamkeit von Behandlungsmaßnahmen (Interventionen) zu
bekommen. Dieser Studientyp stellt allerdings nicht für alle denkbaren Fragen die beste Form von
Evidenz dar und liefert auch nicht für jede Art von Fragen die besten Antworten. So gibt es z.B. so
genannte epidemiologische Studien, die sehr geeignet sind, fundierte Belege für die Ausbreitung
von Krankheiten in der Bevölkerung zu erbringen.

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Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung
Die Anwendung der Methoden der evidenzbasierten Medizin in der breiten Patientenversorgung
führt zur evidenzbasierten Gesundheitsversorgung. In einem solchen
Gesundheitsversorgungssystem werden Entscheidungen auf der Grundlage von Evidenz getroffen,
d.h. wissenschaftlich und nachvollziehbar begründet, um so die jeweils bestmögliche Behandlung
auszuwählen und für Patienten anzubieten.

Evidenzbasierte Medizin
Der Begriff „evidenzbasierte Medizin“ (EbM) beschreibt Anwendungen medizinischer Leistungen,
die sich nicht alleine auf Meinungen und Übereinkünfte stützen, sondern „Evidenz“ einbeziehen -
Belege, die mit möglichst objektiven wissenschaftlichen Methoden erhoben wurden. EbM umfasst
Werkzeuge und Strategien, die vor Fehlentscheidungen und falschen Erwartungen schützen sollen.

Evidenzgrade
Skalen zur abgestuften Einordnung der Ergebnissicherheit der vorliegenden Evidenz. International
werden unterschiedliche Skalen und Definitionen verwendet, die nicht standardisiert sind. Im
Allgemeinen haben Studien mit einer hohen Anfälligkeit für Bias einen niedrigeren Evidenzgrad als
Studien mit einem kleinen Risiko für Bias. Qualitative gute randomisierte kontrollierte Studien
haben zum Beispiel in der Regel einen höheren Evidenzgrad als Beobachtungsstudien oder
Fallserien.

Exazerbation
Eine Exazerbation beschreibt einen Krankheitsschub. Viele chronische Krankheiten wie chronische
Lungenerkrankungen, rheumatische Erkrankungen oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen
können sich vorübergehend deutlich verschlechtern, also exazerbieren, manchmal sehr plötzlich.

Exposition
In Beobachtungsstudien verwendete Bezeichnung für den Faktor, dessen Auswirkungen erfasst
werden sollen. In Studien, die zum Beispiel gesundheitliche Auswirkungen von Vitaminpräparaten
analysieren sollen, wird die Einnahme von Vitaminen als Exposition erfasst.

Extrakt
Ein Extrakt (von „extrahere“, lateinisch: herausziehen) ist eine Substanz, die aus einem
Stoffgemisch mit Hilfe eines Lösungsmittels wie Wasser, Alkohol oder Öl „herausgezogen“ wird. Oft
werden hitzeempfindliche Substanzen wie Antibiotika oder Naturstoffe aus Heilpflanzen als Extrakt
gewonnen. Dieser Auszug kann flüssig oder vakuumgetrocknet sein - etwa ein Presssaft aus
frischen oder ein Pulver aus getrockneten Pflanzenteilen. Aromastoffe in Nahrungsmitteln werden
ebenfalls durch Extraktion aus dem ursprünglichen Zustand herausgelöst und konzentriert. So
werden beispielsweise die Aromastoffe aus gerösteten Kaffeebohnen bei der Zubereitung in einer
haushaltsüblichen Filter-Kaffeemaschine extrahiert und sind dann in Wasser gelöst.

Extraktionsbogen
Vordefiniertes Formular, auf dem Studienergebnisse/-charakteristika eingetragen werden.

Fallbericht
Ein in Fachzeitschriften publizierter Bericht über einen einzelnen Patienten mit einer Besonderheit.

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Fall-Kontroll-Studie
Fall-Kontroll-Studien gehen üblicherweise von erkrankten Personen aus und suchen passende
Personen aus einer Gruppe ohne diese Erkrankung. Beide werden dann befragt oder die
Krankengeschichten analysiert, um herauszufinden, ob es in der Vergangenheit Unterschiede gab,
die als Risikofaktoren für eine Erkrankung in Frage kommen.

Fallserie
Ein in Fachzeitschriften publizierter Bericht über mehrere Patienten mit einer Besonderheit.

Fallzahlplanung
Abschätzung vor Beginn einer Studie, um die Zahl der Teilnehmer und die Laufzeit der Studie
festzulegen, so dass eine gute Aussicht besteht, einen tatsächlich vorhandenen Effekt auch zu
erkennen.

Familienanamnese
Die Anamnese (von „anamnesis“, griechisch: Erinnerung) ist ein Gespräch zwischen Ärztin oder Arzt
und Patientin oder Patient, in dem es um die medizinische Vorgeschichte und die aktuellen
Beschwerden geht. Die Informationen unterstützen die Diagnosefindung und dienen auch als
Entscheidungsgrundlage für weitere Untersuchungen. Zur Anamnese gehört auch die
Familienanamnese, in der nach Besonderheiten und Erkrankungen von Verwandten gefragt wird.
Dies gibt wertvolle Hinweise auf ein möglicherweise vererbtes Risiko oder die Neigung zu
bestimmten Erkrankungen. Gefragt wird beispielsweise nach dem Auftreten von
Krebserkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck in der Familie.

Familiäre adenomatöse Polyposis


Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP ) ist eine erbliche Erkrankung des Dickdarms und
Mastdarms, bei der sich schon in jungen Jahren sehr viele Polypen im Darm bilden. Aus einigen wird
mit großer Wahrscheinlichkeit Darmkrebs entstehen.

Familiär vererben
"Familiär vererben" bedeutet, dass eine besondere Fähigkeit - eine körperliche Eigenschaft oder die
Anfälligkeit für eine Krankheit - in den Genen der Mitglieder einer Familie verankert ist. Es besteht
eine große Wahrscheinlichkeit, dass diese genetische Basis von den Eltern an die Kinder
weitergegeben wird. Dies kann über viele Generationen geschehen. Dass diese Gene vererbt
werden, bedeutet allerdings nicht, dass alle Mitglieder einer Familie betroffen sein müssen.

Fatigue
Mit Fatigue (französisch: Müdigkeit) wird eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung
bezeichnet, die mit einer hohen emotionalen Empfindlichkeit einhergehen kann. Im Gegensatz zu
normaler Müdigkeit lässt sich die Fatigue nur sehr begrenzt durch Ruhe und Schlaf verringern.

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Fehlbildung des Harntrakts


Fehlbildungen des Harntrakts betreffen die Nieren, die beiden Harnleiter, die Harnblase oder die
Harnröhre. Es sind angeborene Abweichungen von der normal entwickelten Form des Organs. Zum
Beispiel kann die Harnröhre enger als normal ausgebildet sein, oder bei Mädchen mündet der
Harnleiter nicht in die Blase, sondern direkt in die Scheide. Fehlbildungen des Harntrakts lassen
sich oft durch einen chirurgischen Eingriff korrigieren. Harnproduktion beschreibt den Schritt, bei
dem Abfallstoffe des Körpers in den Nieren aus dem Blut gefiltert werden. Aus diesen rund 150
Litern, die täglich an Primärharn in den Nieren erzeugt werden, zieht der Körper so viel Wasser und
Mineralstoffe, dass am Ende nur noch rund 1,5 Liter Urin ausgeschieden werden. Die
Harnproduktion kann durch Medikamente, bestimmte Getränke oder auch Erkrankungen gesteigert
oder gedrosselt werden.

Feigwarzen
Feigwarzen sind gutartige Gewebswucherungen, die zu den Hautwarzen zählen. Sie werden in der
Regel wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß. Feigwarzen sind rot, braun oder weiß, treten
zuerst einzeln auf, wachsen sich aber schnell zu Gruppen aus. Am häufigsten bilden sich
Feigwarzen im Genitalbereich und am Darmausgang. Sie werden von sogenannten humanen (den
Mensch betreffenden) Papillomviren (HPV) verursacht, wobei die Viren auch nachgewiesen werden
können, ohne dass Feigwarzen entstehen. Papillomviren werden häufig beim Geschlechtsverkehr
oder anderen intimen Kontakten weitergegeben; daher zählen Feigwarzen zu den sexuell
übertragbaren Infektionen.

Feldenkrais-Methode
Die Feldenkrais-Methode geht auf den Physiker und Neurophysiologen Moshe Feldenkrais zurück.
Es handelt sich bei der Feldenkrais-Methode um eine Behandlungsart, die das Gefühl für den
Körper und den Umgang mit dem Körper verbessert. Beispielsweise macht sich ein Patient mit
Nackenproblemen in Gegenwart eines Bewegungslehrers bewusst, welche eingeschränkten
Bewegungen er mit seinem Hals ausführt. Er erlernt dann weitgehend selbstständig, in kleinen,
vorsichtigen Bewegungen, einen neuen Bewegungsspielraum. Die Methode kann als
Einzelbehandlung, aber auch in Form einer Gruppenbehandlung angewendet werden.

Fermentation
Bei einer Fermentation (von „fermentum“, lateinisch: Gärung) werden mithilfe von Bakterien oder
Pilzen biologische Stoffe zersetzt und in neue Verbindungen umgewandelt. Für die eigentliche
Umwandlung sind aber nicht die Bakterien selbst, sondern Enzyme (Fermente) verantwortlich, die
von den Bakterien freigesetzt werden. Fermentation spielt in der Verarbeitung von Lebensmitteln
eine wichtige Rolle - beispielsweise bei der Herstellung von Sauerkraut, Käse, Joghurt, Salami oder
auch von alkoholreichen Getränken wie Wein. Auch im Darm findet Fermentation statt. Dabei
entstehen Gase und Flüssigkeiten, die für Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen
verantwortlich sind.

Fernmetastasen
Von einer Metastase (von „meta“, griechisch: weg und „stase“, griechisch: Ort) spricht man, wenn
sich bösartige Tumorzellen vom eigentlichen Tumor (Primärtumor) lösen und an einem anderen Ort
im Körper ansiedeln. Dabei unterscheidet man die Ausbreitung über ein Blutgefäß (hämatogene
Metastase) von der über Lymphgefäße (lymphogene Metastase). Eine Fernmetastase entsteht
beispielsweise, wenn Tumorzellen vom Ursprungsort über das Blut an einen entfernten Ort im
Körper gelangen und dort neues Tumorgewebe wächst. So können etwa Zellen eines Lungenkrebses
über das Blut in das Gehirn gelangen, sich dort ansiedeln und Gehirnmetastasen bilden.

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Fertilität
Unter Fertilität (fertil, lateinisch: „fruchtbar") oder Fruchtbarkeit versteht man die Fähigkeit,
Kinder zu zeugen (Mann und Frau) und auszutragen (Frau). Bei der Frau dauert die Zeit der
Fruchtbarkeit normalerweise von der ersten Periodenblutung (Menarche) bis zur Menopause (letzte
Periodenblutung). Männer können normalerweise von der Pubertät bis ins hohe Alter Kinder
zeugen. Im Gegensatz dazu bedeutet Infertilität (Unfruchtbarkeit) im Speziellen bei der Frau die
Unfähigkeit, eine Schwangerschaft bis zum Ende auszutragen.

Fissur
In der Zahnmedizin ist Fissur die Sammelbezeichnung für die Furchen und Täler in der Kaufläche
von Backenzähnen. Allgemein bezeichnet der Begriff Fissur in der Medizin sowohl natürliche
Furchen oder Spalten in der Oberfläche eines Organs, als auch Risse durch Verletzungen (zum
Beispiel Haarrisse in Knochen).

Flimmerhärchen
Die Innenwand der Bronchien ist mit kleinen beweglichen Härchen ausgekleidet. Man kann sich
diese sogenannten Flimmerhärchen wie einen Teppich vorstellen, der über der Innenwand der
Bronchien liegt. Die Flimmerhärchen sind von einer dünnen Schleimschicht bedeckt. An dieser
Schleimschicht bleiben unerwünschte Partikel aus der Luft (wie Krankheitskeime und Staub)
hängen, so dass sie nicht in die Lunge gelangen können. Die Flimmerhärchen sind ständig in
Bewegung und transportieren die unerwünschten Partikel aus den Bronchien in Richtung Rachen,
von wo aus sie heruntergeschluckt oder ausgehustet werden können.

Fluorid
Fluorid ist die Sammelbezeichnung für Salze der Fluorwasserstoffsäure. Als Zusatz zum Beispiel in
Zahncreme und Speisesalz dringen Fluoride aus dem Speichel in den Zahnschmelz ein und machen
ihn widerstandsfähiger gegen Karies. Wenn Kinder aber zuviel Fluorid herunterschlucken, kann das
über das Blut die Bildung des Zahnschmelzes beeinträchtigen. Sichtbares Zeichen sind weiße
Flecken auf den Zähnen. Kinderzahncremes enthalten deshalb deutlich weniger Fluorid als Cremes
für Erwachsene.

Fokusgruppe
Eine Gruppe von in der Regel 8 bis 12 Individuen, die gebeten werden, sich in einer moderierten
Diskussion zu vorgegebenen Fragen zu äußern. Die Ergebnisse der Fragerunde können aufgrund
der geringen Fallzahl der Befragten nie repräsentativ sein, es lassen sich aber grundlegende
Argumente und die dahinterliegenden Begründungen/Motive ableiten. Fokusgruppen werden zum
Beispiel in der Erarbeitung von Informationsbroschüren und Fragebögen eingesetzt.

Folat
Folat ist das Salz des Vitamins Folsäure.

Follow-up
Beobachtungsdauer einer Studie, während der das Auftreten von Ereignissen bei den Teilnehmern
registriert wird.

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Folsäure
Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin. Blattsalate, Gemüse (unter anderem Spinat und Broccoli),
Leber, Eigelb und vor allem Weizenkeime sind reich an Folsäure. Ein Folsäuremangel führt zu
Blutarmut, in der Schwangerschaft kann es zu einer Fehlbildung des Fötus kommen. Deshalb wird
Schwangeren empfohlen, zur Ergänzung Folsäurepräparate einzunehmen.

Fontanelle
Bei Babys ist der Schädel noch kein durchgehender Knochen, sondern besteht aus einzelnen
Platten, die durch Bindegewebe miteinander verbunden sind. Die Lücken zwischen den
Knochenplatten heißen Fontanellen. Die auffälligste ist die große Fontanelle oben auf dem Schädel.
Die Fontanellen verleihen dem Schädel eine gewisse Flexibilität, die für die Geburt nötig ist. Bis
etwa zum zweiten Lebensjahr verschließen sie sich ganz von alleine.

Forest-Plot
Eine grafische Aufbereitung zur Darstellung (a) der Ergebnisse aus Einzelstudien, die in eine Meta­
Analyse einfließen, und (b) des Ergebnisses der zusammenfassenden Meta-Analyse dieser Studien.

Fortgeschrittener Brustkrebs
Als fortgeschrittener Brustkrebs wird ein Brustkrebs bezeichnet, der bereits Tochtertumoren
(Metastasen) außerhalb des Brustgewebes in anderen Organen entwickelt hat.

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frühe Nutzenbewertung
Seit Anfang des Jahres 2011 durchlaufen in Deutschland die meisten Arzneimittel mit neuen
Wirkstoffen eine Bewertung des sogenannten Zusatznutzens, sobald sie auf den Markt kommen.
Vom Ergebnis dieser frühen Nutzenbewertung hängt später der Preis des neuen Arzneimittels ab,
der zunächst frei vom Hersteller festgelegt wird.

Das Verfahren erlaubt es Herstellern, neue Arzneimittel wie bisher schnell nach der Zulassung auf
den Markt zu bringen. In der Bewertung wird geprüft, ob das Arzneimittel patientenrelevante
Vorteile hat gegenüber einer bereits verfügbaren Behandlung, der sogenannten zweckmäßigen
Vergleichstherapie. Das können zum Beispiel andere Arzneimittel sein. Welche Vergleichstherapie
„zweckmäßig“ ist, wird vorab vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA ) festgelegt.

Für die frühe Nutzenbewertung müssen die Hersteller dem G-BA mit der Markteinführung ein
Dossier vorlegen, in dem sie die Ergebnisse aller relevanten Studien zu dem neuen Wirkstoff
zusammenfassen. Der G-BA reicht dieses Dossier dann in der Regel an das Institut für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG ) zur Bewertung weiter. Innerhalb von drei
Monaten prüft das Institut das Dossier und erstellt ein Gutachten („Dossierbewertung“), in dem es
die Vor- und Nachteile des neuen Wirkstoffs im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie
bewertet. Dieses Gutachten wird vom G-BA und vom IQWiG veröffentlicht.

Der Hersteller und andere vom G-BA bestimmte Institutionen können dann in Stellungnahmen das
Gutachten kommentieren. Der G-BA wertet diese Stellungnahmen aus und fasst nach insgesamt
weiteren drei Monaten einen Beschluss darüber, ob ein Zusatznutzen für das neue Arzneimittel
vorliegt oder nicht. Dieser Beschluss wird vom G-BA veröffentlicht.

Auf Basis dieses G-BA -Beschlusses wird der Preis für das neue Arzneimittel festgelegt. Abhängig
davon, ob ein Zusatznutzen vorliegt, wird der Preis zwischen dem Hersteller und dem
Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV -Spitzenverband) verhandelt oder direkt
festgelegt.

Spätestens 12 Monate nach Markteinführung sollen sich Hersteller und GKV -Spitzenverband
geeinigt haben. Gelingt dies nicht, entscheidet eine Schiedsstelle innerhalb von weiteren 3 Monaten
über den Erstattungspreis. Spätestens 15 Monate nach Markteinführung gilt also zukünftig für
jedes neue Arzneimittel ein festgelegter Erstattungsbetrag.

Friktionskostenansatz
Der Friktionskostenansatz berücksichtigt bei der Bestimmung der Produktivitätsverluste durch
Krankheit die Zeitdauer bis zur Neubesetzung der frei gewordenen Arbeitsstelle. Dieser Zeitraum
wird als Friktionsperiode bezeichnet.

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Glossar IQW iG

Funnel-Plot
Eine grafische Aufbereitung in Meta-Analysen zur Untersuchung von Publication-Bias. Falls
bestimmte Muster gefunden werden, kann das ein Hinweis darauf sein, dass es unpublizierte Daten
gibt.

Furcht (siehe Angst)


Furcht ist eine Form der Angst, die im Gegensatz zur Angst auf eine konkrete Bedrohung gerichtet
ist. Landläufig wird Furcht auch als abgemilderte Form der Angst betrachtet.

Fußzonenmassage
Die Fußzonenmassage ist auch als Fußreflexzonenmassage bekannt. Diese Massageform beruht auf
der Vorstellung, dass bestimmte Zonen der Füße mit bestimmten Körperbereichen oder Organen
über Energiebahnen in Verbindung stehen, z.B. der große Zeh mit dem Kopf. Durch Massage der
Zonen am Fuß sollen Beschwerden in den entsprechenden Körperteilen und Organen gelindert
werden.

Galaktosämie
Die Galaktosämie (von „galaktos“, griechisch: aus der Milch und „äma“, griechisch: Blut) ist eine
seltene angeborene Stoffwechselstörung, bei der sich zu viel Galaktose im Blut befindet. Galaktose
ist ein Zucker, den man in vielen Lebensmitteln findet, vor allem in der in Milch enthaltenen
Laktose (Milchzucker). Laktose ist ein Zweifachzucker und wird im Dünndarm in Glukose
(Traubenzucker) und Galaktose gespalten. Bei der Galaktosämie kann die Galaktose im Körper nicht
umgewandelt und zur Energiegewinnung genutzt werden. Dadurch lagern sich der Zucker und
einige Abbauprodukte ab und können verschiedene Organe schädigen. Da Galaktose auch in der
Muttermilch enthalten ist, zeigen sich bei Säuglingen mit Galaktosämie die Beschwerden schon in
den ersten Lebenstagen. Die Folgen können schnell lebensbedrohlich werden, deswegen gehört in
Deutschland ein Bluttest auf Galaktosämie zu den gesetzlich festgelegten Untersuchungen bei
Neugeborenen.

Geburtszange
Eine Geburtszange besteht aus zwei großen Metalllöffeln, die so geformt sind, dass sie den Kopf des
Kindes möglichst schonend umfassen können. Die Geburtszange kommt zum Einsatz, wenn der Kopf
bereits eine zur Geburt geeignete Position hat, die Presswehen aber nicht mehr stark genug sind,
um das Kind ohne technische Hilfe gebären zu können.

Gelbkörperhormon
Bei Frauen spielen zwei Arten von Geschlechtshormonen eine wichtige Rolle: Östrogene und
Gestagene - beide sind auch die wirksamen Bestandteile in Antibaby-Pillen. Die Gestagene werden
nach ihrem Entstehungsort auch Gelbkörperhormone genannt. Nach dem Eisprung bildet sich aus
verbliebenen Zellen der Hülle im Eierstock ein sogenannter Gelbkörper. Dieser hat die Fähigkeit,
Gestagene zu bilden. Der Hauptvertreter ist dabei das Progesteron.

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Gemeinsamer Bundesausschuss
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA ) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen
Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Seine Aufgaben sind seit 2004 im 5. Sozialgesetzbuch
geregelt. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der Gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV ) und legt damit fest, welche medizinischen Leistungen die gesetzlichen
Krankenkassen bezahlen. er besteht aus Vertretern der Patienten, der Krankenkassen, der Ärzte
und Zahnärzte, der Krankenhäuser und aus drei unabhängigen Vorsitzenden.

Generalauftrag
Um die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Institutes zu verstärken, hat der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) im Dezember 2004 einen Generalauftrag erteilt. Er ermöglicht es dem
IQWiG, eigenständig Themen aufzugreifen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Wissenschaftliche
Arbeiten im Rahmen des Generalauftrags werden als "Arbeitspapiere" bezeichnet.

Genodermatosen
Genodermatosen (von „derma“, griechisch: Haut und von „genos“, griechisch: Gattung) sind eine
Gruppe von erblich bedingten Hauterkrankungen, die nur durch Veränderung eines oder mehrerer
Gene verursacht werden und immer zu einer Erkrankung führen. Zu den Genodermatosen gehört
beispielsweise der Albinismus, sogenannte Ichthyosen - eine Gruppe von angeborenen
Verhornungsstörungen der Haut - und das Rombo-Syndrom, bei dem es zu Hautirritationen,
Verfärbungen der Haut und häufig zur Entstehung von Basalzelltumoren im Gesicht kommt.

Gestagene
Bei Frauen spielen zwei Arten von Geschlechtshormonen eine wichtige Rolle: Östrogene und
Gestagene - beide sind auch die wirksamen Bestandteile in Antibaby-Pillen. Die Gestagene werden
nach ihrem Entstehungsort auch Gelbkörperhormone genannt. Nach dem Eisprung bildet sich aus
verbliebenen Zellen der Hülle im Eierstock ein sogenannter Gelbkörper. Dieser hat die Fähigkeit,
Gestagene zu bilden. Der Hauptvertreter ist dabei das Progesteron.

Gestationsdiabetes
Diabetes, der während der Schwangerschaft auftritt. Etwa 2 bis 5 Prozent der Schwangeren haben
einen Gestationsdiabetes (Gestation = Schwangerschaft). Meistens normalisiert sich der Blutzucker
nach der Geburt wieder.

Gingivitis
Gingivitis ist der medizinische Begriff für Zahnfleischentzündung. Kennzeichen sind Schwellung,
Rötung oder Blutungen im Bereich des Zahnfleischrandes. Auslöser sind oft nicht gründlich genug
entfernte Reste von Zahnbelag, in denen sich Bakterien vermehren.

GKV-Spitzenverband
Zentrale Interessenvertretung der GKV, der alle Krankenkassen angehören. Er vertritt die Belange
der gesetzlichen Krankenversicherung auf Bundesebene und übernimmt alle gesetzlichen Aufgaben
der GKV, bei denen gemeinsam und einheitlich gehandelt werden muss.

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Glaukom
Glaukom ist der medizinische Begriff für "Grüner Star". Die Krankheit kann unbehandelt zu einer
Schädigung des Sehnervs und zu Erblindung führen, oft haben Patienten erhöhten
Augeninnendruck.

Glia
Gliazellen (von „Glia“, griechisch: Leim) bilden ein Stütz- und Haltegerüst für die Nervenzellen und
isolieren die Nervenfasern, damit elektrische Signale nicht ungeregelt weitergeleitet werden.

Glioblastom
Ein Glioblastom (von „Glia“, griechisch: Leim und „Blastos“, griechisch: Keim, Spross) ist ein
Hirntumor, der von bestimmten Zellen des Stützgewebes im Gehirn ausgeht, den Gliazellen.
Tumoren aus diesen Zellen werden allgemein als Gliome bezeichnet. Die Zellen von Glioblastomen
ähneln jungen, nicht ausgereiften Zellen, die man allgemein „Blasten“ nennt. Diese sind gleichzeitig
sehr stoffwechselaktiv und können rasch wachsen.

Gliom
Ein Gliom ist ein Hirntumor, der von einer bestimmten Zellart - den Gliazellen - ausgeht. Gliazellen
(von „Glia“, griechisch: Leim) bilden ein Stütz- und Haltegerüst für die Nervenzellen und isolieren
die Nervenfasern, damit elektrische Signale nicht ungeregelt weitergeleitet werden. Es gibt
verschiedene Gliazellen, aus denen Tumore entstehen können. Wie diese bezeichnet werden, hängt
davon ab, welchem Zelltyp die Tumorzellen am ähnlichsten sind. Gliome sind vergleichsweise
selten.

Glukose
Glukose, ein anderer Name für Traubenzucker, ist ein Einfachzucker. Gesunde Menschen haben
normalerweise zwischen 60 (3,3 mmol/l) und 140 mg/dl (7,7 mmol/l) Glukose im Blut.

GnRH-Analoga
GnRH steht für „Gonadotropin Releasing Hormon“, das bedeutet „Geschlechtshormone
freisetzendes Hormon“ (von „Gonaden“: Hoden, Eierstöcke und „Releasing“, englisch: Freisetzen).
GnRH-Analoga sind synthetisch hergestellte Substanzen, die diesem Hormon sehr ähnlich sind. Sie
blockieren die Bindungsstellen des körpereigenen GnRH und verhindern bei kontinuierlicher Gabe
so, dass die Eierstöcke oder Hoden Geschlechtshormone bilden.

Goldstandard
Bezeichnung für die Methode, Prozedur oder das Messverfahren, das allgemein als die
treffsicherste verfügbare Methode zur Diagnose oder die beste Methode zur Therapie akzeptiert ist
und mit der neue Entwicklungen verglichen werden sollten.

Good Clinical Practice


Ein in einem schriftlichen Regelwerk festgelegter Standard für Design, Durchführung,
Überwachung, Analyse und Publikation von klinischen Studien. Diese Regeln (GCP)sollen
sicherstellen, dass die Daten und Ergebnisse richtig und glaubwürdig sind, und dass die Rechte der
Teilnehmer geschützt bleiben.

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Gorlin-Goltz-Syndrom
Beim Gorlin-Goltz-Syndrom handelt es sich um eine vererbbare Erkrankung, bei der sich
vorwiegend im Alter von 20 bis 30 Jahren zahlreiche weiße Hauttumore (sogenannte Basaliome)
bilden. Diese Tumore entstehen vor allem an Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt sind. In der
Regel haben Menschen mit dem Gorlin-Goltz-Syndrom charakteristische Fehlbildungen des Skelett-
und Nervensystems, zum Beispiel Kieferzysten, eine auffällige Schädelform und Rippen- oder
Wirbelkörper-Veränderungen. Diese erbliche Veranlagung ist zum ersten Mal 1960 vom Genetiker
Robert James Gorlin und vom Hautarzt Robert William Goltz beschrieben worden.

Grading
Mit Grading (von „grade“, englisch: einteilen, ordnen) wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem
Tumorzellen danach beurteilt und eingeteilt werden, inwieweit sie sich von gutartigen normalen
Gewebezellen unterscheiden. Dafür werden Tumorzellen unter dem Mikroskop untersucht. Man
unterscheidet die Grade G1 bis G3, in manchen Einteilungen auch bis G4. Je höher der Grad, desto
stärker sind die Tumorzellen verändert. Dabei gilt oft: Je stärker sie verändert sind, desto schneller
wachsen sie und dringen in das umliegende Gewebe ein.

Grindflechte
Impetigo contagiosa, im Volksmund auch Eiter- oder Grindflechte genannt, ist eine oberflächliche
Entzündung der Haut. Oft tritt die Grindflechte im Kopf-, Hals- und Gesichtsbereich auf. Kleinkinder
sind am häufigsten betroffen. Typisch ist ein gelblicher Schorfbelag auf zum Teil offenen oder
bläschenbildenden Hautstellen, die jucken können und stark ansteckend sind. Ursache sind meist
Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken. Unbehandelt heilt eine milde Grindflechte in der
Regel innerhalb von Wochen narbenfrei ab. Komplikationen, wie z. B. Fieber oder ein Übergreifen
der Infektion auf tiefere Hautschichten und die Lymphknoten, sind selten.

Gruppentherapie
Gruppentherapie ist eine psychologische Behandlungsform, an der im Gegensatz zur
Individualtherapie mehrere Patientinnen und Patienten - meist mit der gleichen oder einer
ähnlichen Krankheit - über einen bestimmten Zeitraum teilnehmen.

Guillain-Barre-Syndrom
Das Guillain-Barre-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die als Komplikation im Anschluss an eine
Virus- oder Bakterieninfektion auftreten kann. Vermutlich handelt es sich dabei um eine
Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem irrtümlich den eigenen Organismus angreift. Das
Guillain-Barre-Syndrom befällt die Nerven und kann sich anfangs durch Kribbeln und Taubheit in
den Gliedern äußern. Es kann schnell zu extremer Muskelschwäche der Beine fortschreiten, die das
Gehen unmöglich macht. Die Lähmungserscheinungen breiten sich dann oft von den Beinen nach
oben aus. Auch die Atmung kann betroffen sein. Viele Menschen erholen sich innerhalb von einigen
Wochen, aber es handelt sich trotzdem um eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die Krankheit
betrifft häufiger ältere als junge Menschen.

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Hauttransplantation
Ist eine Wunde so groß, dass sie nicht von alleine heilt, kann der Defekt durch Haut von einer
anderen Stelle des Körpers gedeckt werden. Eine Hauttransplantation ist häufig bei
Verbrennungswunden notwendig. Ist die entnommene Haut nicht groß genug, um die Wunde zu
decken, kann das Hautstück mit der so genannten Mesh graft (mesh=Masche, netz)-Technik
vergrößert werden: Der Hautlappen wird über eine Messerwalze geführt und durch
Auseinanderziehen in ein rautenförmiges Gitter verwandelt. Mit diesem netzartigen Transplantat
kann der Chirurg Wunden decken, die bis zu dreimal größer sind als die Stelle, an der er den
Hautlappen entnommen hat.

Hautwarzen
Hautwarzen, oder kurz Warzen, sind meist kleine, gutartige Gewebewucherungen in der obersten
Hautschicht. Sie können ganz unterschiedliche Formen haben: Flachwarzen sind beispielsweise -
wie ihr Name schon sagt - flache Erhebungen, während Dornwarzen wie ein Dorn in die Tiefe
wachsen. Warzen werden durch Viren verursacht, die meist durch direkten Hautkontakt übertragen
werden, und können einzeln oder in Gruppen entstehen. Von der Ansteckung mit dem Virus bis zur
Warzenbildung können oft Wochen bis Monate vergehen. Menschen mit vorgeschädigter Haut oder
einer geschwächten Immunabwehr sind anfälliger für Warzen als andere Menschen.

HbAlc
HbA1c ist ein Teil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an dem Glukosemoleküle (Blutzucker)
chemisch anhaften können. Jeder gesunde Mensch hat eine bestimmte Menge von "verzuckertem"
rotem Blutfarbstoff. Der Anteil von HbA1c beträgt normalerweise bis zu 6 Prozent. Die Höhe des
HbA1c ist ein Zeichen dafür, wie gut der Blutzucker bei Diabetes eingestellt ist: Der HbA1c-Wert
gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten drei Monaten im Durchschnitt war und ob die
Behandlung zufriedenstellend war oder ob sie verändert werden sollte.

Höchstbetrag
Betrag, bis zu dem Arzneimittel mit nachgewiesenem patientenrelevantem therapeutischem
Zusatznutzen, die nicht einer Festbetragsgruppe zuzuordnen sind, von der GKV erstattet werden.
Der Höchstbetrag wird durch den GKV-Spitzenverband für das jeweilige Arzneimittel festgelegt.
Dies kann auch im Einvernehmen mit den pharmazeutischen Unternehmen erfolgen. Grundlage der
Festsetzung eines Höchstbetrages kann eine Kosten-Nutzen-Bewertung des IQWiG sein.

Head-to-Head-Vergleiche
Direkte Vergleichsstudien, bei denen zwei oder mehrere (zugelassene) Arzneimittel oder andere
Gesundheitstechnologien für ein Indikationsgebiet miteinander verglichen werden.

Health Literacy
Health Literacy (engl. für „Gesundheitskompetenz") bezieht sich auf jene kognitiven und sozialen
Kompetenzen, die die Motivation und Fähigkeiten eines Individuums bestimmen, sich Zugang zu
Informationen zu verschaffen, diese zu verstehen und in einer Weise zu nutzen, die Gesundheit
fördert und erhält. Gesundheitskompetenz bestimmt sich „als die Fähigkeit des Einzelnen, im
täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken - zu
Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein.
Gesundheitskompetenz stärkt die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit in Gesundheitsfragen und
verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und in Handeln
umzusetzen."

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Health Technology Assessment


Health Technology Assessment (HTA) bezeichnet eine umfassende und systematische Bewertung
neuer oder bereits auf dem Markt befindlicher Technologien der medizinischen Versorgung
(Medikamente, Medizinprodukte, Prozeduren, Organisationssysteme etc.) hinsichtlich ihrer vor
allem medizinischen, sozialen und finanziellen Auswirkungen. Die zentrale Aufgabe von HTA-
Berichten besteht in der Bereitstellung von Informationen zur Entscheidungsfindung im
Gesundheitswesen. Die Deutsche Agentur für Health Technology Assessment (DAHTA) ist unter
dem Dach des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zu
finden.

Health Utility Index


Der Health Utility Index (HUI) ist ein krankheitsübergreifender eindimensionaler Indexwert zur
Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, dessen Berechnungsalgorithmus auf
Präferenzen der kanadischen Bevölkerung basiert.

Hepatitis
Hepatitis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Leber. Die Entzündung kann
durch eine Infektion mit bestimmten Viren, die mit Buchstaben bezeichnet werden (Hepatitis A bis
E und G), verursacht werden, aber beispielsweise auch durch Bakterien, Parasiten oder Gifte (etwa
bei Alkoholmissbrauch). Eine Hepatitis-B-Infektion kann zu einer akuten oder chronischen
Leberentzündung führen. Anzeichen für eine Leberentzündung können Appetitlosigkeit,
Bauchschmerzen und andere Magen-Darm-Beschwerden sowie gelblich verfärbte Haut und Augen
sein. Eine Hepatitis kann man durch eine erhöhte Zahl von Leberenzymen (sogenannte
„Leberwerte") im Blut feststellen, die freigesetzt werden, wenn Leberzellen durch die Entzündung
zerstört werden.

Hereditäres nichtpolypöses kolorektales Karzinomsyndrom


Das hereditäre nichtpolypöse kolorektale Karzinomsyndrom (HNPCC ) ist eine erbliche Form von
Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, ohne dass sich vorher zahlreiche Polypen (Wucherungen) bilden,
wie es etwa bei der familiären adenomatösen Polyposis (FAP ) der Fall ist.

Herzinsuffizienz
Die Herzinsuffizienz wird auch Herzmuskelschwäche oder Herzversagen genannt. Bei einer
Herzinsuffizienz sind das Herz insgesamt oder Teile des Herzens zu schwach, um ausreichend Blut
in den Blutkreislauf zu pumpen, Organe und Muskeln werden schlecht versorgt. Eine
Herzinsuffizienz kann Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit so stark einschränken, dass schon jede
Bewegung Luftnot, Schmerzen und andere Beschwerden hervorruft. Es gibt Menschen, die eine
akute, kurzfristige Herzmuskelschwäche als Folge eines Herzinfarktes oder von
Herzrhythmusstörungen haben. Andere sind von einer chronischen Form betroffen, ausgelöst etwa
durch andauernden Bluthochdruck oder weil die feinen Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen,
geschädigt sind.

Herzschrittmacher
Herzschrittmacher sind kleine elektronische Geräte zur Implantation unter die Haut, die über
Drähte Kontakt zum Herzmuskel haben. Sie messen, ob das Herz regelmäßig und im richtigen
Tempo schlägt, und geben bei Störungen elektrische Impulse ab, um den richtigen Rhythmus
wiederherzustellen.

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Herzsportprogramm
Ein Herzsportprogramm ist ein Trainingsprogramm, das gezielt auf die Bedürfnisse von Menschen
mit Herzkrankheiten zugeschnitten ist. Es soll ihre Leistungsfähigkeit steigern. Vor allem
Ausdauersportarten wie Gehen oder Fahrradfahren sind geeignet, weil sie das Herz gleichmäßig
belasten. Das Programm wird von einem Arzt erstellt und überwacht. Während des Trainings wird
regelmäßig der Puls kontrolliert, um eine Überbelastung zu vermeiden.

Heterogenität / Homogenität
Beschreibung der Variabilität der Ergebnisse oder der Stärke der Unterschiede zwischen
Einzelstudien in systematischen Übersichten, die über die statistische Unsicherheit hinausgehen.
Ursache der Heterogenität können zum Beispiel Unterschiede im Design der Studien oder in der
Auswahl der Teilnehmer sein. Bei Heterogenität, die ein bestimmtes Ausmaß überschreitet, ist es in
aller Regel nicht sinnvoll, Studien in einer Meta-Analyse zusammenzufassen. Heterogenität
zwischen Studien lässt sich statistisch erfassen, z. B. durch das I2-Maß. Mit geeigneten
Testverfahren lässt sich überprüfen, ob die Abweichungen zwischen den Studien so groß sind, dass
ihr zufälliges Zustandekommen unwahrscheinlich ist. Das ist dann ein Hinweis, dass es zwischen
verschiedenen Studien unerkannte Unterschiede gibt, die wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse
haben.

Hirntumor
Hirntumore bestehen aus wuchernden Zellen des Gehirns und können gutartig oder bösartig sein.
Es gibt viele Symptome eines Hirntumors, beispielsweise Doppelbilder, Gesichtslähmungen,
Gangunsicherheit, epileptische Anfälle, Persönlichkeitsveränderungen und ungewohnte
Kopfschmerzen oder Übelkeit. Da der Schädel den Raum für das Gehirn begrenzt, können auch
gutartige Hirntumore durch den Druck, den sie verursachen, zu ernsthaften Beschwerden führen.
Andererseits kann jemand auch trotz Hirntumor lange Zeit beschwerdefrei sein.

Histamin
Histamin ist ein Gewebshormon, das vielfältige Aufgaben im Körper hat. Es kommt in sehr vielen
Gewebearten vor, vor allem in Haut, Lunge, Magen, Darm und im Zwischenhirn. Durch Histamin
werden die Blutgefäße erweitert und dadurch lokal die Blutzufuhr gesteigert. Außerdem ist es wie
das Gewebshormon Bradykinin an Entzündungsprozessen beteiligt.

Eine große Bedeutung hat der Wirkstoff auch im Gehirn: Dort wirkt Histamin als Nervenbotenstoff,
der unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Eine Histaminausschüttung kann auch zu
unangenehmen Reaktionen des Körpers führen: Es ist für die Bildung von Blasen und Quaddeln bei
Allergien verantwortlich; bei Migräne kann die gefäßerweiternde Wirkung von Histamin eine Rolle
spielen. Die Bronchien werden durch Histamin verengt, sodass es zu asthmaähnlichen Beschwerden
kommen kann; im Magen bewirkt Histamin eine erhöhte Magensäure-Bildung.

Entzündungen, Allergien, Gifte, Medikamente oder auch Koffein und Alkohol können die
körpereigene Histaminfreisetzung verstärken. Auch bestimmte Lebensmittel wie Rotwein,
Schokolade oder reifer Käse enthalten größere Mengen an Histamin und können bei empfindlichen
Menschen Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

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Hämatologie
Die Hämatologie (von griechisch „haem“: Blut) beschäftigt sich mit der Blutentstehung, dem Blut
sowie den Erkrankungen des Blutes. Dazu gehören beispielsweise Störungen der Blutbildung im
Knochenmark, Blutarmut, Gerinnungsstörungen sowie bösartige Erkrankungen des Blutes wie die
Leukämie.

Hämorrhagie
Eine Hämorrhagie ist ein medizinischer Begriff für Blutung. Von Hämorrhagie spricht man, wenn
Blut aus Gefäßen als Folge einer Verletzung oder eines Gefäßprozesses in das umliegende Gewebe
austritt. Je nachdem, wo sie auftritt, kann eine Blutung harmlos oder gefährlich sein. Blutungen im
Gehirn zum Beispiel können einen Schlaganfall auslösen. Bei Menschen mit einer herabgesetzten
Gerinnungsfähigkeit des Blutes treten Hämorrhagien schneller auf und dauern länger an.

Hämorrhoiden
Hämorrhoiden hat eigentlich jeder Mensch, denn es ist die Bezeichnung für die stark durchbluteten
Aderpolster, die als Teil des natürlichen Verschlusssystems des Darms den Enddarm zusätzlich
abdichten. Diese können aus verschiedenen Gründen unnatürlich vergrößert sein, was zu
Beschwerden führen kann. Der Ausdruck „Hämorrhoiden haben“ bezieht sich dann auf
Beschwerden wie Bluten, Jucken, Nässen, Schmerzen oder das Heraustreten der Venen aus dem
After.

Homöopathie
Homöopathie ist eine Behandlungsform der alternativen/komplementären Medizin. Sie geht auf den
Mediziner Samuel Hahnemann zurück, der die Prinzipien Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt hat.
Die Homöopathie geht davon aus, dass Substanzen, die bei einem gesunden Menschen bestimmte
Symptome auslösen, dieselben Symptome bei Kranken lindern, nach dem Leitsatz "Heile Ähnliches
durch Ähnliches". Nach diesem Prinzip soll z.B. Kaffee ein Heilmittel gegen Schlaflosigkeit sein.
Neben den Symptomen bezieht die Therapeutin oder der Therapeut auch die
Persönlichkeitsmerkmale der Patientin oder des Patienten in die Therapie mit ein. Arzneien werden
in stark verdünnten Konzentrationen in Milchzuckerkügelchen, den Globuli, verabreicht, aber auch
in flüssiger Form und als Tabletten. Die errechneten Konzentrationen können so niedrig ausfallen,
dass sie tatsächlich keinen Wirkstoff mehr enthalten.

Hormone
Hormone sind der Sammelbegriff für verschiedene Klassen von Botenstoffen des Körpers. Sie
werden in bestimmten Organen oder Geweben gebildet und über das Blut- oder Lymphsystem im
Körper verteilt. Hormone wirken nur an Stellen im Organismus, an denen die passenden
Andockstellen vorhanden sind. Dadurch entwickeln Hormone auch ganz spezifische Wirkungen.
Bekannte Hormone sind z.B. Insulin, Östrogene, Oxytocin, Vasopressin und Thyroxin. Viele
medizinische Wirkstoffe imitieren die Wirkung von Hormonen.

Hormonspirale
Die Hormonspirale ist ein hormonelles Verhütungsmittel für die Frau. Früher bestand sie aus einem
T-förmigen Stäbchen aus Kunststoff, heute gibt es auch viele andere Formen. Die Hormonspirale
wird von Ärztin oder Arzt über die Scheide direkt in die Gebärmutter eingeführt. Dort verbleibt sie
für längere Zeit (in der Regel ungefähr 5 Jahre) und gibt kontinuierlich und gleichmäßig Hormone
ab (meist Gestagen). Die Hormonmenge, die die Spirale abgibt, ist viel geringer als die, die dem
Körper durch eine Antibabypille zugeführt wird. Durch diese geringe Hormondosis kommt es trotz
Schwangerschaftsverhütung weiterhin zum Eisprung und einer Regelblutung.

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Hornhaut
Die Hornhaut des Auges, der medizinische Begriff ist Cornea, ist die äußere durchsichtige Deckhaut
des Augapfels, auf dem die Augenlider aufliegen. Die Hornhaut schützt das Auge vor Fremdkörpern.
Sie wird durch Tränenflüssigkeit feucht gehalten.

Hornhauterosionen
Hornhauterosionen sind oberflächliche Verletzungen der Hornhaut des Auges, die normalerweise in
ein bis zwei Tagen von selbst ausheilen. Solche Kratzer werden oft durch Fremdkörper verursacht,
die zum Beispiel unter ein Augenlid geraten sind.

Hospiz
Ein Hospiz (von „hospitium", lateinisch: Herberge) ist eine Pflegeeinrichtung für schwerstkranke
Menschen. Sie werden dort bis zum Lebensende begleitet und von einem Team unter anderem aus
Ärzten, Sozialarbeitern, Psychologen und Pflegenden versorgt. Es gibt ambulante, teilstationäre
oder vollstationäre Hospize. Hospize sind meist kleinere, wohnliche Einrichtungen. In der Regel
arbeiten sie mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammen. Außerdem unterstützen häufig
ehrenamtliche Mitarbeiter, die speziell für die Sterbebegleitung geschult sind, die hauptamtlichen
Fachkräfte. Die Angehörigen werden in einem Hospiz immer mit einbezogen.

Humaninsulin
Humaninsulin ist Insulin, wie es von der menschlichen Bauchspeicheldrüse produziert wird.
Humaninsulin kann auch auf zwei verschiedene Arten industriell hergestellt werden: entweder
mithilfe von Bakterien bzw. Hefen in gentechnischen Verfahren oder durch chemische Veränderung
von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse vom Schwein.

Humankapitalansatz
Der Humankapitalansatz bewertet den Produktionsausfall bei der Berechnung der indirekten Kosten
durch den erwarteten zukünftigen Verdienst. Bei der Ausfallschätzung wird vernachlässigt, ob die
Arbeit von anderen übernommen werden kann, wenn eine Person krank ist oder stirbt.

HWI-Symptome
HWI-Symptome sind die Anzeichen einer Harnwegsinfektion. Dazu zählen etwa Schmerzen und
Brennen beim Wasserlassen oder häufiges Verlangen, auf die Toilette zu müssen.

HWS-Manipulation
Bei der HWS-Manipulation versucht der Therapeut die Beschwerden der Muskulatur und Wirbel der
Halswirbelsäule (HWS) durch kurzes schnelles, ruckartiges Ziehen, Dehnen oder Drücken mit der
Hand zu lindern. Zu den ausgelösten Beschwerden zählen Nacken- und Kopfschmerzen, aber auch
andere Leiden wie Schwindel, Seh- und Hörstörungen. Eine Manipulation darf nur von einem Arzt
ausgeführt werden, nicht von einem Physiotherapeuten.

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HWS-Mobilisation
Bei der HWS-Mobilisation versucht der Therapeut Beschwerden, die von der Muskulatur oder den
Wirbeln der Halswirbelsäule (HWS) ausgehen, durch langsames Ziehen, Dehnen und Drücken mit
der Hand zu lindern. Dazu zählen Nacken- und Kopfschmerzen, aber auch andere Leiden wie
Schwindel, Seh- und Hörstörungen. Eine Mobilisation darf sowohl von einem Arzt als auch einem
Physiotherapeuten durchgeführt werden.

Hydrokolloidverband
Hydrokolloidverbände bestehen aus einer wasserabweisenden Matrix. In diese sind wasserliebende
Partikel wie Zellulose, Pektine oder Gelatine eingelagert. Außen hat der Verband eine Schicht aus
einer halbdurchlässigen, keim- und wasserdichten Folie aus Polyurethanfolie. Diese schützt die
Wunde von außen. Das Grundprinzip des Hydrokolloidverbandes ist ein Druckgradient: Die Partikel
nehmen Wundsekret auf, quellen auf und entwickeln sich zu einem Gel. Dieses Gel hält die Wunde
feucht. Das Gel kann solange Wundsekret aufsaugen, bis die Hydrokolloide gesättigt sind. Dies
erkennt man dann daran, dass sich der Verband blasenförmig ausformt. Mit jedem Verbandwechsel
werden abgestorbene Zellen, überschüssiges Sekret und Keime entfernt.

Hydrolyse
Bei einer Hydrolyse (von „hydor“, griechisch: Wasser und „lysis“, griechisch: Lösung, Auflösung)
wird eine chemische Verbindung durch Reaktion mit Wasser in zwei Bestandteile gespalten. Im
Stoffwechsel von Lebewesen und Pflanzen werden viele Stoffe mithilfe von Enzymen durch
Hydrolyse gespalten, beispielsweise Eiweiße, Fette oder Mehrfachzucker.

Hyperbare Sauerstofftherapie
Mit der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) atmet ein/e Patient/in reinen Sauerstoff mit einem
Druck von über 100 kPa (> 1 bar) ein. In der Lunge nimmt das Blut den Sauerstoff auf und
transportiert ihn zu den Organen und Geweben.

Hyperglykämie
Bei einer Überzuckerung ist der Glukosespiegel im Blut über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) angestiegen.
Der medizinische Begriff ist Hyperglykämie.

Hypertonie
Hypertonie ist der medizinische Begriff für Bluthochdruck. Ein erhöhter Blutdruck verursacht in der
Regel keine Beschwerden. Meist nur bei sehr hohen Werten können Symptome wie zum Beispiel
innere Unruhe, Schwindel oder Kopfschmerzen auftreten. Menschen mit chronisch erhöhtem
Blutdruck haben jedoch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz­
Kreislauf-Erkrankungen. Bei den meisten Menschen mit Bluthochdruck lässt sich keine eindeutige
Ursache dafür feststellen. Manchmal kann eine Hypertonie eine Begleiterscheinung von anderen
Erkrankungen sein, zum Beispiel von Nierenkrankheiten. Eine Schwangerschaft oder manche
Medikamente können den Blutdruck ebenfalls vorübergehend erhöhen.

Hypnose
Mit Hypnose wird versucht, das Bewusstsein eines Menschen so zu beeinflussen, dass er Teile
seiner Wirklichkeit, z.B. Schmerzen, nicht mehr wahrnimmt. Unter Hypnose ist die Aufmerksamkeit
eingeschränkt, man reagiert nur auf bestimmte Signale der Therapeutin oder des Therapeuten.

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Hypoglykämie
Bei einer Unterzuckerung liegt der Blutzuckerspiegel unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l). Der medizinische
Begriff ist Hypoglykämie. Menschen mit einer Unterzuckerung sind blass, haben einen schnellen
Puls, sind kaltschweißig, zittern und können sich schlecht konzentrieren. Einige haben
Kopfschmerzen oder sind verwirrt. Bei sehr niedrigem Blutzucker kann das Bewusstsein
beeinträchtigt sein. Dies bezeichnet man als schwere Hypoglykämie.

Hyposensibilisierung
Hyposensibilisierung ist ein älterer Begriff für die spezifische Immuntherapie, einer Behandlung für
Patienten mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder allergischem Asthma bronchiale.
Bei einer Allergie reagiert der Körper mit einer übermäßigen Abwehrreaktion auf einen eigentlich
unschädlichen Auslöser (Allergen) wie zum Beispiel Pollenstaub. Hier setzt die spezifische
Immuntherapie an: Nachdem ein Auslöser festgestellt wurde, wird dieser in der Regel monatlich in
kleinen Dosen unter die Haut gespritzt. Die Behandlung erstreckt sich meist über 3 bis 5 Jahre.
Dadurch soll das Abwehrsystem „hyposensibilisiert" werden, d.h. der Körper soll sich langsam an
das Allergen gewöhnen und nicht mehr so stark darauf reagieren.

Hypothese
Allgemein ist mit Hypothese eine Aussage, Behauptung oder Theorie gemeint, deren Zutreffen oder
Nicht-Zutreffen mit Hilfe einer Studie oder eines Experiments geprüft werden soll.

Man unterscheidet einseitige und zweiseitige Hypothesen. Erstere beschreibt eine Festlegung
vor Beginn einer Studie, dass Maßnahme A sich in einer bestimmten Richtung von Maßnahme B
unterscheidet, also zum Beispiel überlegen sein soll. Zweitere beschreibt eine Festlegung vor
Beginn einer Studie, dass Maßnahme A sich in einer beliebigen Richtung von Maßnahme B
unterscheiden kann.

Hypotonie
Hypotonie ist der medizinische Fachbegriff für niedrigen Blutdruck.

Ibuprofen
Ibuprofen ist ein Wirkstoff, der schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend wirkt. Er
zählt wie Acetylsalicylsäure (ASS) zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika.

IDDM
Die Abkürzung IDDM bedeutet "insulin dependent diabetes mellitus" (deutsch: insulinabhängiger
Diabetes mellitus). Menschen mit IDDM haben Diabetes Typ 1. Sie bilden selber nicht mehr genug
Insulin in ihrer Bauchspeicheldrüse und sind auf das Spritzen von Insulin angewiesen.

IGeL
IGeL ist die Abkürzung für sogenannte „individuelle Gesundheitsleistungen". Diese Leistungen
werden von vielen Ärztinnen und Ärzten angeboten, jedoch nicht von der gesetzlichen
Krankenkrankenversicherung bezahlt. Dabei kann es sich etwa um Impfberatungen vor Fernreisen
oder Sportuntersuchungen bei Gesunden handeln, die in der Regel von der Patientin oder dem
Patienten nachgefragt werden. Manchmal werden derartige Leistungen auch vom Arzt oder der
Ärztin empfohlen, etwa ein Test zur Glaukomfrüherkennung oder ein PSA-Test zur Prostatakrebs­
Früherkennung.

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I2-Maß
Angabe, die zur Abschätzung des Ausmaßes von Heterogenität von Studienergebnissen in Meta­
Analysen dient. Das I2-Maß beschreibt, welcher Anteil der Variabilität der Ergebnisse verschiedener
Studien auf Heterogenität zurückzuführen ist und nicht auf zufällige Schwankungen.

Immunsystem
Das Immunsystem, oft auch Abwehrsystem genannt, hat die Aufgabe, in den Körper eingedrungene
Krankheitserreger sowie entartete Körperzellen (zum Beispiel Krebszellen) unschädlich zu machen.
Das Immunsystem ist sehr komplex und noch nicht in allen Details verstanden. Man unterscheidet
zwei Komponenten: die zelluläre Immunabwehr (zum Beispiel "Fresszellen", "Killerzellen") und die
durch Moleküle (zum Beispiel "Antikörper") vermittelte Immunabwehr.

Impfung
Eine Impfung regt die körpereigene Produktion von Antikörpern gegen ein bestimmtes Virus oder
Bakterium an. Dies macht geimpfte Personen widerstandsfähiger, wenn sie den lebenden Erregern
ausgesetzt sind. Eine Impfung zielt darauf ab, das Abwehrsystem des Körpers gezielt in Gang zu
setzen, ohne die infektionsbedingte Erkrankung auszulösen. Je nach Impfstoff kann es einige Zeit
dauern, bis sich eine Immunität entwickelt hat. Bei den meisten Impfungen ist eine mehrmalige
Impfstoffgabe notwendig. Allerdings kann die impfbedingte Abwehrbereitschaft nach einer Zeit
nachlassen. Daher müssen viele Impfungen nach einigen Jahren wiederholt werden, damit der
Impfschutz aktiv bleibt.

Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen. Manche sind "inaktiviert" oder "abgetötet" - das
bedeutet, selbst wenn sie zum Beispiel aus dem Virus hergestellt wurden, enthalten sie keine
lebenden Virusanteile. Ein inaktivierter Impfstoff kann keine Infektion verursachen. Andere
Impfstoffe sind "abgeschwächte" Lebendimpfstoffe. Die in diesen Impfstoffen enthaltenen Erreger
wurden in ihrer Wirkung so stark abgeschwächt, dass sie keine Symptome auslösen sollten.

Individualtherapie
Individualtherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsform, an der im Gegensatz zur
Gruppentherapie nur ein Patient teilnimmt; es findet also im Prinzip eine Art Zwiegespräch
zwischen Therapeut und Patient statt. Therapeutische Ziele können z.B. darin bestehen, dem
Patienten Hoffnung und Mut zu machen, sein Selbstbewusstsein zu stärken und ihm Wege zur
alltäglichen Problembewältigung aufzuzeigen.

Infektion
Von einer Infektion spricht man in der Medizin, wenn sich eine Person mit einem Krankheitserreger
angesteckt hat. Dieser Erreger kann z.B. ein Bakterium, ein Virus, ein Pilz oder auch ein Wurm sein.
Der Erreger vermehrt sich, breitet sich im Körper aus oder befällt nur ein bestimmtes Organ.
Solange die Person noch keine Anzeichen einer Krankheit zeigt, sprechen Ärztinnen und Ärzte von
einer asymptomatischen Infektion. Sobald der Körper auf die Erreger reagiert, was sich in
Krankheitssymptomen bemerkbar macht, handelt es sich um eine symptomatische Infektion, eine
Infektionskrankheit. Der Zeitraum vom ersten Befall des Körpers durch den Erreger bis zu den
ersten Krankheitssymptomen bezeichnet die Medizin als Inkubationszeit. Sie kann wenige Stunden
oder Tage, aber auch viele Jahre dauern. Eine Infektion muss nicht in jedem Fall zum Ausbruch
einer Krankheit führen.

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Infusion
Infusion ist eine Variante der Injektion, bei der eine Kanüle längere Zeit im Körper verbleibt, sodass
dem Patienten nach und nach über einen Schlauch größere Flüssigkeitsmengen verabreicht werden
können. Umgangssprachlich werden Infusionen auch "Tropf" genannt.

Inhalatives Insulin
Insulin zum Inhalieren besteht aus einem Trockenpulver. Das Medikament wird in einem Inhalator
mithilfe von Druck zerstäubt. Der Anwender atmet das Medikament tief in die Lunge ein. Dort
gelangt das Insulin in die kleinen Lungenbläschen, die von Blutgefäßen netzartig überspannt sind.
Über diese Blutgefäße gelangt das inhalierte Insulin in den Blutkreislauf.

Inhalator
Ein Inhalator ist ein Gerät, mit dem man Medikamente einatmet und über die Lunge aufnimmt. Der
Wirkstoff liegt häufig in Pulverform vor, wird im Inhalator fein zerstäubt und über ein Mundstück
eingeatmet. Über die Bronchien gelangt der Wirkstoff in die kleinen Lungenbläschen (Alveolen), wo
er in das Blut aufgenommen wird. Mit Inhalatoren können Menschen mit Asthma, Bronchitis oder
anderen Erkrankungen der Atemwege ihre Beschwerden behandeln.

Inkontinenz
Inkontinenz ist der medizinische Fachbegriff dafür, wenn jemand Stuhl oder Urin nicht willentlich
zurückhalten kann. Meistens wird der Begriff für die Harn- oder Blaseninkontinenz verwendet, bei
der die Kontrolle über die Blasenentleerung gestört ist.

Es gibt unterschiedliche Formen der Inkontinenz: Wenn etwa beim Husten oder Niesen Urin
ungewollt abgeht, spricht man von Stress- oder Belastungsinkontinenz. Ursache hierfür ist meist ein
schwacher Harnblasenverschluss, wie er etwa bei Frauen mit geschwächter
Beckenbodenmuskulatur vorkommt.

Neurologische Erkrankungen wie multiple Sklerose oder Demenz, aber auch eine
Prostatavergrößerung beim Mann können zu der sogenannten Dranginkontinenz führen: Dabei
können nur kleine Mengen Urin in der Harnblase gespeichert werden, bevor das Bedürfnis entsteht,
Wasser zu lassen. Bei einer Schädigung des Rückenmarks, etwa bei Menschen mit
Querschnittslähmung, ist der Blasenschließmuskel direkt gestört. Hier spricht man von
Reflexinkontinenz.

Inkontinenz-Produkte
Inkontinenz-Produkte sind Produkte, die Menschen verwenden, die keine sichere Kontrolle über
ihre Blase haben. Dazu zählen Windeln, feuchtigkeitsbindende Einlagen und Unterlegmatten für das
Bett, aber auch Blasenkatheter und Auffangbeutel für Urin.

INR-Wert
Die Abkürzung INR steht für „International Normalised Ratio“. Der INR-Wert ist ein Wert für die
Gerinnungsdauer des Blutes. Er wird regelmäßig bei Menschen gemessen, die bestimmte
Medikamente zur Gerinnungshemmung einnehmen. Je höher der Wert ist, desto langsamer gerinnt
das Blut. Normalwerte liegen um 1, bei der Einnahme von Blutgerinnungshemmern sind die Werte
höher. Ein INR-Wert von 2 bedeutet, dass das Blut zur Gerinnung doppelt so lange braucht wie
normalerweise.

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Insulin
Das Hormon Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse, den so genannten
Betazellen, gebildet. Die Bauchspeicheldrüse setzt mehr Insulin frei, wenn wir Kohlenhydrate mit
der Nahrung aufnehmen. Insulin führt dazu, dass die Blutglukose (Blutzucker) von der Leber oder
den Muskeln aufgenommen, verwertet oder gespeichert wird. Außerdem fördert Insulin die
Produktion von Eiweiß, fördert das Wachstum und reguliert den Fettstoffwechsel.

Insulinanaloga
Ein Insulinanalogon ist ein gentechnisch hergestelltes Insulin mit einer veränderten chemischen
Struktur. Hierbei werden bestimmte Aminosäuren ausgetauscht. Je nachdem, welche Aminosäuren
verändert sind, wirken Insulinanaloga schneller und kürzer als Normalinsuline bzw. langsamer und
länger als NPH -Verzögerungsinsuline.

Insulin-Antikörper
Insulin-Antikörper werden durch das Immunsystem gebildet. Antikörper sind Eiweiße, die
körperfremde Substanzen abwehren, um den Körper zu schützen. Insulin, das von außen zugeführt
wird und sich von körpereigenem Insulin unterscheidet, erkennt der Körper manchmal als
Fremdstoff. Dies kann zur Bildung von Insulin-Antikörpern führen.

Insulinbolus
Ein Insulinbolus ist eine Insulinmenge, die vor dem Essen gespritzt wird, zum Beispiel der
Mahlzeitenbolus ("Bolus" ist das lateinische Wort für "Stoß") oder der Korrekturbolus, eine
Insulinmenge, die zur sofortigen Korrektur des Blutzuckers bestimmt ist. Ein Bolus wird mit
schnellwirkendem Insulin gegeben.

Insulin-Pen
"Pen " ist Englisch und bedeutet "Stift". Insulin-Pens sind so genannte Injektionshilfen: An einem
Dosierknopf wird die gewünschte Insulinmenge eingestellt. Wie beim Spritzen von Insulin wird die
Nadel des "Stiftes" in das Unterhautgewebe eingestochen. Durch einen Knopfdruck wird das Insulin
abgegeben. Es gibt nachfüllbare Pens , bei denen das Insulin wie bei einem Füllfederhalter in einer
Patrone eingelegt wird, und Fertig-Pens , die nach Gebrauch weggeworfen werden. Insulin-Pens
sehen häufig aus wie "normale" Stifte oder Füllfederhalter und fallen daher im Alltag kaum auf. Die
Nadeln der Insulin-Pens sind sehr dünn und so scharf geschliffen, dass man den Einstich kaum
spürt.

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Insulinpumpen
Eine Insulinpumpe ist ein Gerät, das etwa so groß ist wie ein Mobiltelefon oder eine
Zigarettenschachtel. Die Insulinpumpe trägt der Anwender außen am Körper. Im Gerät befindet
sich ein Insulinreservoir, das durch einen dünnen Schlauch (Katheter) mit einer Nadel verbunden
ist. Der Anwender führt die dünne Nadel in das Unterhautfettgewebe ein. Das Gerät versorgt den
Körper dann rund um die Uhr mit Insulin. Die Technik wird deshalb "kontinuierliche subkutane
Insulininfusion" genannt. Auf Englisch heißt dies "continuous subcutaneous insulin infusion", die
Abkürzung dafür lautet CSII.

Die Insulinampulle der Pumpe kann schnellwirkendes Normalinsulin oder Insulinanaloga enthalten.
Die Pumpe gibt regelmäßig eine vorprogrammierte Menge an Insulin ab, die über den Schlauch in
das Unterhautfettgewebe und in die Blutgefäße gelangt (Basalrate). Zusätzlich zu jeder Mahlzeit
drückt der Anwender auf einen Knopf der Pumpe und erhält zusätzliches Insulin (Bolus). Der
Anwender bestimmt, wie viel Insulin er sich zuführt. Die Menge hängt davon ab, wie viel er isst und
wie hoch sein Blutzuckerspiegel ist. Nach ein bis drei Tagen werden üblicherweise Nadel und
Katheter gewechselt.

Insulinwirkung
Insulin bindet sich auf den Körperzellen an einen Rezeptor. Diese Bindung verursacht in der Zelle
verschiedene biochemische Reaktionen. Diese Reaktionen führen dazu, dass die Blutglukose in die
Zellen aufgenommen und verwertet werden kann.

Intensivpflege
Mit Intensivpflege wird die medizinische und pflegerische Betreuung von schwerkranken Menschen
in besonders dafür ausgestatteten Krankenstationen (Intensivstationen) bezeichnet.
Intensivstationen sind von der personellen und technischen Ausstattung (beispielsweise
Beatmungsmaschinen) so eingerichtet, dass akute und lebensbedrohliche Zustände behandelt
werden können.

Intention-to-Treat-Prinzip
Intention-to-Treat-Prinzip (ITT-Prinzip) bezeichnet eine Vorgehensweise zur Auswertung der
Ergebnisse von kontrollierten Studien. Auch wenn Teilnehmer im Laufe einer Studie ausscheiden
oder die Therapie wechseln, sollten sie trotzdem in ihrer Gruppe zur Endauswertung eingeschlossen
bleiben, so wie es zu Beginn der Studie die “Intention" war. Das soll die Gefahr minimieren, dass
eine Gruppe bevorteilt wird. Wenn Teilnehmer zum Beispiel aufgrund unerwünschter Ereignisse,
durch einen Wechsel der Therapie oder durch Tod ausscheiden, könnte das mit der in der Studie
erhaltenen Behandlung zusammenhängen. Das Intention-to-Treat-Prinzip stärkt die Verlässlichkeit
von Studienergebnissen: Wenn sich nach einer ITT-Analyse ein Unterschied zeigt, erhöht das die
Sicherheit, dass der Unterschied tatsächlich auf die überprüfte Therapie zurückzuführen ist. Die
Alternative ist die „Per-Protokoll-Analyse".

Interaktion
Situation, in der sich zwei Faktoren gegenseitig verstärken oder abschwächen. Liegt zum Beispiel
vor, wenn eine Behandlung bei einem Geschlecht einen stärkeren Effekt hat als beim anderen.

Intervention
In der Medizin: Sammelbegriff für Maßnahmen, die den Verlauf einer Erkrankung verändern
können oder sollen. Dazu gehören Therapien, aber auch vorbeugende Maßnahmen oder
diagnostische Untersuchungen, die zu Verhaltensänderungen führen können.

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Interventionsstudie
Studie, in der Teilnehmer geplant verschiedenen Interventionen zugeordnet werden. Zur
Unterscheidung von Beobachtungsstudie, in der nicht vorab bestimmt wird, wie Interventionen
zugeteilt werden, sondern eine Beobachtung der Teilnehmer ohne externe Beeinflussung erfolgt.

Inzidenz
Inzidenz beschreibt die in einem bestimmten Zeitraum neu aufgetretene Anzahl an Krankheitsfällen
in einer definierten Population.

Irrtumswahrscheinlichkeit alpha, beta


Alpha ist die vorgegebene maximale Wahrscheinlichkeit, in einer Studie durch Zufall einen
Unterschied zu beobachten, der in Wahrheit nicht vorhanden ist (= Fehler erster Art, siehe auch p-
Wert).

Beta ist die Wahrscheinlichkeit, in einer Studie einen tatsächlich vorhandenen Effekt wegen zu
kleiner Stichprobengröße nicht zu beobachten (= Fehler zweiter Art, siehe auchPower)

Ischialgie
Als Ischialgie (von „ischio“, griechisch: Hüfte und „algos“, griechisch: Schmerz) werden Schmerzen
bezeichnet, die durch eine Reizung des Ischias-Nerven oder der Nervenwurzeln im Bereich der
unteren Lendenwirbel auftreten. Sie können längere Zeit bestehen oder plötzlich Probleme
verursachen. Die Reizung kann beispielsweise durch die Vorwölbung einer Bandscheibe bedingt
sein oder knöcherne Veränderungen an der Wirbelsäule drücken auf die Nervenwurzel.

Typisch für eine Ischialgie ist ein ziehender oder reißender Schmerz, der vom Gesäß, über die
Rückseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, in seltenen Fällen auch bis in den Fuß ausstrahlt.
Oft verstärkt sich der Schmerz beim Husten oder Pressen. Manchmal begleiten
Empfindungsstörungen der Haut wie Kribbeln oder ein Kälte- und Wärmegefühl die Schmerzen. Oft
wird die Ischialgie mit einem „Hexenschuss“ (Lumbago) verwechselt. Ischialgie und Hexenschuss
können auch gleichzeitig auftreten. Dann spricht man von einer Lumbo-Ischialgie. Der Übergang ist
fließend, deswegen werden beide Begriffe oft verwechselt.

Ischämie
Eine Ischämie (von „ischein“, altgriechisch: zurückhalten und „haima“, griechisch: Blut) ist eine
verminderte oder fehlende Durchblutung von Gewebe. In der Folge kommt es durch die mangelnde
Durchblutung zu einem Sauerstoffmangel in den Zellen. Ist die Ischämie nur vorübergehend, kann
sich das minderversorgte Gewebe wieder erholen. Bei länger andauerndem Sauerstoffmangel
sterben allerdings die Zellen ab. Die Folge: ein sogenannter Gewebeinfarkt - wie etwa bei einem
Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ursache einer Ischämie können beispielsweise Gefäßverschlüsse
durch Arteriosklerose-Ablagerungen oder weitergeleitete Pfropfen (Embolie) sein. Aber auch eine
Herzschwäche oder ein Kreislaufversagen kann zu einer Mangeldurchblutung führen.

Kaiserschnitt
Auch "Sectio" oder "Schnittentbindung" genannt. Ein Kaiserschnitt ist eine Operation, bei der unter
Narkose Bauchdecke und Gebärmutter der Schwangeren geöffnet werden, um das Kind zur Welt zu
bringen. Ein Kaiserschnitt kann nötig werden, wenn sich das Kind nicht in die geeignete Position
dreht, oder wenn eine normale Geburt so lange dauern würde, dass die Gesundheit von Mutter oder
Kind gefährdet wäre.

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Kalium
Kalium ist ein für den Körper wichtiger Mineralstoff. Er ist hauptsächlich im Zellinneren vorhanden
und für die Funktionsfähigkeit aller Zellen, vor allem aber von Nerven- und Muskelzellen
notwendig. Kalium ist unter anderem für den Zellstoffwechsel, den Flüssigkeitsgehalt der Zellen
sowie für die Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen wesentlich. Kaliumreiche Lebensmittel
sind unter anderem Bananen, Bohnen, Fleisch und Fisch, Spinat und Kartoffeln.

Kalzium
Kalzium ist ein für den Menschen wichtiger Mineralstoff. Es ist ein Aufbaustoff für Knochen und
Zähne, notwendig für die Blutgerinnung, die Muskelerregung und Nervenreizung. Kalzium ist vor
allem in Milch und Milchprodukten und grünem Blattgemüse enthalten. Ein Kalziummangel kann
z.B. entstehen durch eine chronische Darmentzündung, Schwangerschaft oder die Stillphase.

Kardiovaskulär
Kardiovaskulär (von „kardio“, griechisch: Herz und „vas“, lateinisch: Gefäß), heißt übersetzt „das
Herz und das Gefäßsystem betreffend“. Das kardiovaskuläre System wird auch Herz-Kreislauf­
System genannt. Typische kardiovaskuläre Erkrankungen sind beispielsweise Arteriolosklerose und
Schlaganfall. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen und Rad fahren, die das Herz und den
Kreislauf über längere Zeit moderat und gleichmäßig belasten, werden auch als kardiovaskuläres
Training bezeichnet.

Karies
Mit Karies (lateinisch caries: Fäulnis) ist meist die Zahnkaries gemeint, auch Zahnfäule genannt.
Karies wird durch Bakterien verursacht, die sich im Zahnbelag ansiedeln. Sie bilden aus dem
Zucker in Speisen und Getränken Säuren, die den Zahn angreifen. Diese Säuren schädigen zuerst
den Zahnschmelz, später auch die tieferen Teile des Zahns, und man verspürt gelegentliche oder
dauerhafte Schmerzen. Wird die Karies nicht behandelt, droht der Verlust des Zahns.

Karzinogen
Als karzinogen (von „karzino“, griechisch für Krebs und „gen“ für erzeugen) bezeichnet man Stoffe
und Strahlungen, die Krebs erzeugen oder eine Krebserkrankung wahrscheinlicher machen. Dies
kann dadurch geschehen, dass man Stoffe einatmet, verschluckt oder über die Haut aufnimmt.
Karzinogen sind beispielsweise bestimmte Viren, radioaktive Strahlung und chemische Stoffe wie
Asbest.

Katarakt
Als Katarakt ("Grauer Star") wird eine Eintrübung der Linse bezeichnet. Die Anzeichen können
verschwommenes Sehen sowie "Wie-durch-einen-Nebel-Sehen" sein. Die betroffene Linse kann
durch eine Operation entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt werden.

Katheter
Katheter ist die medizinische Bezeichnung für dünne Röhrchen oder Schläuche, die in
Körperöffnungen eingeführt werden und dort oft für längere Zeit verbleiben. Über
Medikamentenkatheter lassen sich zum Beispiel Schmerz- oder Betäubungsmittel gezielt in
bestimmte Körperregionen leiten. Andere Katheter dienen dazu, Flüssigkeiten aus dem Körper zu
befördern.

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Kieferchirurgie
Ein Kieferchirurg hat sowohl ein Studium der Medizin als auch der Zahnmedizin abgeschlossen und
eine fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Kieferchirurgie mit einer Facharztprüfung
absolviert.

Kieferorthopädie
Der Begriff Kieferorthopädie leitet sich von den griechischen Begriffen "ortho" (gerade,
aufgerichtet) und "paideia" (Erziehung) ab und wird auch als "Orthodontie" bezeichnet. Die
Kieferorthopädie beschäftigt sich mit der Erkennung, Verhütung (Prophylaxe) und Behandlung von
Fehlbildungen des Gebisses, das heißt von Zahnfehlstellungen oder einer veränderten
Lagebeziehung der Kiefer zueinander. Ein Kieferorthopäde ist ein Zahnarzt, der eine Weiterbildung
im Fach Kieferorthopädie absolviert und eine Prüfung abgelegt hat.

Klimakterium
Als Wechseljahre oder Klimakterium werden die Jahre unmittelbar vor und nach der letzten
Regelblutung im Leben einer Frau bezeichnet. Die meisten Frauen sind dann zwischen 40 und 58
Jahre alt. Während der Wechseljahre verändern die Eierstöcke ihre Hormonproduktion und das
hormonelle Gleichgewicht im Körper verschiebt sich. Damit können verschiedene Beschwerden
einhergehen. Nach der letzten Regelblutung, auch Menopause genannt, ist eine Schwangerschaft
nicht mehr möglich. Wenn die Regelblutung in zwölf aufeinander folgenden Monaten ausgeblieben
ist, kann man davon ausgehen, dass die letzte Blutung die Menopause war.

Klingelhöschen
Klingelhöschen sind Unterhöschen oder Hosen für Kinder, die nachts ins Bett machen. Die Höschen
sind mit feinen Drähten ausgestattet, die auf Feuchtigkeit reagieren und einen Alarmton auslösen,
der das Kind wecken soll. So soll es über mehrere Wochen lernen, bei voller Blase selbstständig
wach zu werden und auf die Toilette zu gehen.

Klingelmatten
Klingelmatten sind feuchtigkeitsempfindliche Bettunterlagen, die ein Kind mit einem Alarmton
wecken, sobald die Sensoren Urin feststellen. Damit sollen bettnässende Kinder über mehrere
Wochen lernen, bei voller Blase selbstständig wach zu werden und auf die Toilette zu gehen.

Knochenmark
Das Knochenmark ist ein schwammartiges Gewebe, das sich im Inneren einiger Knochen befindet.
Bei der Geburt enthalten die Knochen nur rotes Knochenmark, das für die Produktion von Blutzellen
wichtig ist. Im Laufe des Lebens wird das rote Knochenmark zu großen Teilen vom sogenannten
gelben Knochenmark verdrängt und bleibt nur noch in wenigen Knochen erhalten, zum Beispiel in
den Rippen, dem Brustbein und dem Becken. Das gelbe Knochenmark enthält viele fetthaltige
Zellen und produziert keine Blutzellen mehr, kann sich bei Bedarf aber in rotes Knochenmark
zurückbilden.

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Koffein
Koffein ist eine Substanz mit anregender oder sogar aufputschender Wirkung, außerdem wirkt
Koffein Harn treibend, d.h. es regt den Körper an, mehr Urin herzustellen. Der Harn treibende
Effekt von Koffein ist allerdings gewöhnungsabhängig - Menschen, die regelmäßig große Mengen
Koffein zu sich nehmen, bemerken ihn also kaum oder gar nicht. Koffein ist in vielen Getränken wie
Kaffee, Cola oder Energydrinks enthalten, aber auch in Schokolade. Schwarzer Tee enthält ebenfalls
Koffein, allerdings in kleineren Mengen.

Koffeinhaltige Getränke
Koffeinhaltige Getränke sind Getränke, die Koffein in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten
und vor allem wegen der anregenden Wirkung des Koffeins getrunken werden. Kaffee und Tee
enthalten zwischen 100 und 400 Milligramm Koffein pro Liter. Das sind zwischen 50 und 100
Milligramm pro Tasse Kaffe oder bis zu 50 Milligramm pro Tasse Tee. Energydrinks und Alcopops
enthalten 120 bis 320 Milligramm pro Liter, meist um 300 Milligramm pro Liter, darüber hinaus
weitere anregende Substanzen wie z.B. Taurin. Cola-Getränke enthalten zwischen 65 und 250
Milligramm pro Liter, meist aber unter 150 Milligramm.

Kognitive Störung
Bei kognitiven Störungen haben Personen zeitweise oder andauernd Probleme mit der geistigen
Leistungsfähigkeit. Typische Beschwerden sind z.B. zunehmende Vergesslichkeit, herabgesetzte
Aufmerksamkeit, Konzentrationsprobleme, Sprachstörungen, Orientierungsprobleme oder
Gedächtnisverlust. Kognitive Störungen können nach einer Operation, im Rahmen einer Erkrankung
oder im Gefolge eines allgemeinen Abbaus im hohen Lebensalter auftreten.

Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine Behandlungsform der Psychotherapie. Ein wesentliches
Ziel dieser Therapieform besteht darin, den Patientinnen und Patienten eine andere Sichtweise zu
vermitteln, sie beispielsweise darauf hinzuweisen, wo ihnen vielleicht Denkfehler unterlaufen oder
wo falsche Vorstellungen zu Erkrankungen beitragen. Kognitive Verhaltenstherapie kann dazu
beitragen, dass Patientinnen und Patienten lernen, ihre Situation anders einzuschätzen, und so ihre
Symptome als weniger quälend erleben, ihr Verhalten ändern und insgesamt an Lebensqualität
gewinnen.

Kohorten-Studie
Eine Kohorte ist eine Gruppe von Personen, die über eine definierte Zeitspanne beobachtet wird,
um zum Beispiel das Auftreten einer bestimmten Erkrankung festzustellen. Kohortenstudien können
prospektiv oder retrospektiv durchgeführt werden.

Kollagen
Der Wortteil "Kolla" stammt aus dem Griechischen und bedeutet Leim. Kollagen ist ein Eiweiß, das
als Stützsubstanz verschiedener Gewebe dient. Kollagen kommt zum Beispiel im Bindegewebe, in
Sehnen, Bändern, Knorpel, Knochen oder im Zahnbein vor.

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Kolon
Das Kolon ist eigentlich der Hauptteil des Dickdarms, zu dem auch der Blinddarm zählt. Der Begriff
wird aber auch synonym für Dickdarm verwendet. Im Kolon wird der Nahrungsbrei eingedickt,
indem ihm Wasser und Mineralsalze entzogen werden. Gleichzeitig sondert der Darm Schleim ab,
um den Stuhlgang zu erleichtern. Das Kolon wird auch Grimmdarm genannt.

Kolorektales Karzinom
Als „kolorektales Karzinom“ wird Krebs im Bereich des Dick- und/oder Enddarms bezeichnet. Die
Silben „Kolo“ stehen für den Dickdarm, der auch „Kolon“ genannt wird; „rektal“ für den Enddarm,
der auch als „Rektum“ bezeichnet wird. Das kolorektale Karzinom ist eine der häufigsten
Krebsarten in Deutschland.

Komplementärmedizin
Komplementär bedeutet „ergänzend“, das heißt, diese Art von Heilkunde wird häufig zusätzlich zur
medizinischen Versorgung („Schulmedizin“) angewendet. In Deutschland versteht man unter
Komplementärmedizin vor allem alternative Arzneimittel und Heilverfahren wie Homöopathie und
Naturheilverfahren, aber auch Akupunktur. Die traditionelle chinesische Medizin, bestimmte
Ernährungstheorien, Bachblütentherapie und bioenergetische Verfahren werden ebenfalls zur
Komplementärmedizin gerechnet.

Konfidenzintervall
Ein Konfidenzintervall ist ein Bereich, in dem der „wahre“ Wert zum Beispiel des Effektes einer
Behandlung mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann (üblicherweise
95%-Konfidenzintervall). Das bedeutet, dass die Konfidenzgrenzen mit fünfundneunzigprozentiger
Wahrscheinlichkeit den wahren Wert einschließen.

Konsensustechniken
Konsensusverfahren sind informelle oder formelle Methoden, um innerhalb von Gruppen mit
anfangs divergierenden Meinungen am Ende Einigkeit herzustellen. Zu den wichtigsten formellen
Konsensverfahren gehören die Delphi-Methode und der Nominale Gruppenprozess.

kontinuierlicher Atemwegsüberdruck
CPAP steht für „continuous positive airway pressure “. Übersetzt bedeutet das: kontinuierlicher
Atemwegsüberdruck. Bei der CPAP -Therapie wird während des Schlafes mit einem leichten
Überdruck Raumluft über eine Maske in die Atemwege gepumpt. Eingesetzt wird sie zur
Behandlung vorübergehender nächtlicher Atemstillstände. Die einströmende Luft verhindert dabei,
dass die Rachenmuskulatur in sich zusammenfällt und die oberen Atemwege verschließt. Während
es bei der CPAP -Therapie also darum geht, die erschlaffte Muskulatur des Rachens durch den
leichten Überdruck der Atemluft zu stabilisieren, wird die CPAP -Beatmung hingegen auf
Intensivstationen oder im Rettungsdienst bei Menschen mit Lungen- oder Herzerkrankungen
eingesetzt. Hier erleichtert der leichte Überdruck das Einatmen und sorgt dafür, dass mehr Luft in
die Lunge strömt.

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Koronare Herzkrankheit
Bei einer Koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, wird das Herz schlecht mit Sauerstoff versorgt, weil
die Blutgefäße durch Ablagerungen geschädigt sind und weniger Blut durchlassen als gesunde
Gefäße. Betroffene leiden immer wieder an Schmerzen in der Brust - einer Angina pectoris -, weil
der Herzmuskel für eine Belastung zu wenig Sauerstoff erhält. Die Folgen einer KHK können
Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder der "Plötzliche Herztod" sein. Mediziner
unterscheiden eine stabile von einer instabilen Variante. (Siehe Stabile Koronare Herzkrankheit und
Akute Koronare Herzkrankheit)

Koronarsyndrom
Akutes Koronarsyndrom ist ein Sammelbegriff für verschiedene schwere Erkrankungen des
Herzens, die jederzeit zu einer lebensbedrohlichen Situation führen können oder gerade geführt
haben, wie etwa ein Herzinfarkt oder der "Plötzliche Herztod".

Kortikoid
Kortison (Kortikoid) ist ein Wirkstoff, der entzündungs- und wachstumshemmend wirkt und die
körpereigene Abwehr unterdrückt. Er zählt zu der Gruppe der Glukokortikoide. Kortison ist ein
Hormon, das auch natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt.

Krebsregister
Krebsregister sind Einrichtungen der Bundesländer, die systematisch Informationen zu
Krebserkrankungen sammeln. Es werden Daten über die Verbreitung von Krebsfällen und die
Sterblichkeitsraten an den verschiedenen Krebsarten erhoben. In einigen Registern werden auch
die individuellen Krankheitsdaten von Patientinnen und Patienten anonym erfasst. Die
Informationen dienen der Ursachenforschung, der Bewertung und Verbesserung der Versorgung
von Menschen mit Krebs.

Kurzatmigkeit
Kurzatmigkeit ist auch unter den Begriffen "Atemnot" oder "Luftnot" bekannt. Eine Person hat
zeitweise oder ständig das Gefühl, zu wenig Luft beim Atmen zu bekommen. Bei starker Luftnot
haben Menschen ein beklemmendes Gefühl oder sogar die Angst, zu ersticken. Sie atmen
angestrengt, das Durchatmen fällt ihnen schwer. Atemnot erfahren Menschen mit
Lungenkrankheiten wie Asthma oder einer Lungenentzündung, aber auch während eines
Herzinfarkts oder bei extremem Übergewicht.

LDL-Cholesterin
LDL-Cholesterin ist neben HDL- und VLDL-Cholesterin einer von drei verschiedenen Komplexen aus
Cholesterin und seinem Transportmolekül. LDL ist die Abkürzung für Low-Density-Lipoprotein, zu
Deutsch etwa Fett-Eiweiß-Molekül mit geringer Dichte. Ohne die verschiedenen Transportmoleküle
kann Cholesterin nicht durch das Blut befördert werden. LDL-Cholesterin wird als "schlechtes
Cholesterin" bezeichnet, weil das LDL-Molekül zur Arterienverkalkung beitragen soll und somit das
Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

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Lebensqualitätsscore
Eindimensionaler Ergebniswert, der sich durch die summarische Zusammenfassung verschiedener
Dimensionen bei der Erfassung von Lebensqualität sowohl durch krankheitsübergreifende als auch
durch krankheitsspezifische Instrumente ergibt. Die Dimensionen müssen dabei nicht
notwendigerweise gleich gewichtet sein.

Leberzirrhose
Unter Leberzirrhose versteht man einen Prozess, bei dem das Lebergewebe zerstört und in Narben
und funktionsloses Bindegewebe umgewandelt wird - bis hin zur kompletten Leberschrumpfung. Die
Ursache für eine Leberzirrhose sind meist nicht ausgeheilte Lebererkrankungen unterschiedlichen
Ursprungs. Dazu zählen beispielsweise Leberschäden aufgrund langjährigen Alkoholkonsums oder
eine chronische Virushepatitis. Die Vorstufe der Leberzirrhose nennt man Leberfibrose. Dabei wird
vermehrt Bindegewebe in die Leber eingebaut. Bei der Leberzirrhose geht das Lebergewebe dann
zugrunde und es entsteht knotiges Ersatzgewebe, welches die Funktion der Leberzellen nicht mehr
übernehmen kann. Langfristig kommt es zum Leberausfall. Die Leberzirrhose hat nichts mit einer
Fettleber gemein, bei der die Leber insgesamt mehr Fettzellen enthält, aber noch normal arbeitet.

Leitlinie
Leitlinien sind im Idealfall systematisch entwickelte, wissenschaftlich begründete und
praxisorientierte Entscheidungshilfen über eine angemessene Vorgehensweise bei speziellen
gesundheitlichen Problemen. Sie sind Orientierungshilfen im Sinne von Handlungs- und
Entscheidungskorridoren, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar
muss.

Lendenwirbelsäule
Die Wirbelsäule des Menschen besteht normalerweise aus 33 Wirbeln. Die ersten sieben bilden die
Halswirbelsäule, dann folgen zwölf Brustwirbel. Unterhalb des Brustkorbs beginnt die aus fünf
Wirbeln bestehende Lendenwirbelsäule. Sie wird beim Bücken und Heben besonders stark belastet.
Die Wirbel in Hals-, Brust- und Lendenbereich sind durch flexible Bandscheiben miteinander
verbunden, im Bereich von Becken und Steißbein sind jeweils mehrere Wirbel miteinander zu einem
Knochen verwachsen.

Leukozyten
Der Begriff "Leukozyten" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "weiße Zellen". Die auch als
"weiße Blutkörperchen" bezeichneten Zellen gehören zum Immunsystem und sind die
"Gesundheitspolizei" unseres Körpers: Sie bekämpfen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren,
Tumorzellen oder giftige Stoffe und schützen unseren Körper so vor vielen Krankheiten. Die
Leukozyten nutzen den Blutstrom, um den Körper nach diesen Krankheitserregern abzusuchen.
Gesunde Erwachsene haben zwischen 4.000 und 10.000 Leukozyten pro Mikroliter Blut. Bei
Infektionen kann dieser Wert auf ein Vielfaches ansteigen.

Likelihood-Quotient
Wahrscheinlichkeitsverhältnis (Likelihood Ratio, LR): Beschreibt die Güte eines diagnostischen
Tests. Das Verhältnis der Wahrscheinlichkeit, dass ein positives (oder negatives) Testergebnis bei
einer Person mit der Erkrankung auftritt zur Wahrscheinlichkeit, dass dieses positive (oder
negative) Testergebnis bei einer Person ohne diese Erkrankung auftritt. Die LR ermöglicht eine
Aussage darüber, wie stark sich durch das Testergebnis die Wahrscheinlichkeit für oder gegen das
Vorliegen einer Erkrankung ändert.

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Linse
Die Linse des Auges liegt unmittelbar hinter der Pupille. Sie ist gewölbt und bricht die einfallenden
Lichtstrahlen so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Abbild der Umwelt entsteht.

Liquor
Das Gehirn enthält mehrere mit Flüssigkeit gefüllte Kammern. Außerdem ist es mit dem
Rückenmark zum Schutz gegen Erschütterungen in ein gemeinsames Flüssigkeitspolster
eingebettet. Diese Flüssigkeit wird "Liquor" genannt.

Literatur, graue
Als “graue Literatur" wird Informationsmaterial bezeichnet, das nicht in per Computerrecherche
leicht zugänglichen Zeitschriften oder Datenbanken publiziert ist. Dazu gehören zum Beispiel
Zusammenfassungen (Abstracts) von Tagungen.

Lokalrezidiv
Ein Rezidiv oder Rückfall (von „recidere“, lateinisch: zurückfallen) bedeutet das Wiederauftreten
von Beschwerden oder einer Erkrankung nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung oder
Besserung. Bei einem Lokalrezidiv eines Tumors wachsen erneut Krebszellen an dem Ort, an dem er
bereits beim ersten Mal aufgetreten ist.

lokoregionär
Mit dem Begriff lokoregional (von „locus“, lateinisch: Ort, Stelle und “regio“, lateinisch: Gebiet)
wird in der Medizin ein Geschehen beschrieben, das auf eine bestimmte Körperstelle oder auf einen
eng begrenzten Körperbezirk beschränkt ist. Die Bezeichnung „lokoregionär“ hat die gleiche
Bedeutung.

Lumbago
Als Lumbago (von „lumbus“, lateinisch: Lende und „algos“, griechisch: Schmerz) werden starke
Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbel bezeichnet, die plötzlich einsetzen. Sie gehören zu
den häufigsten Rückenschmerzen überhaupt. Ursache sind vielfach Muskelzerrungen, eine
verminderte Beweglichkeit einzelner Rückenwirbel oder ein Bandscheibenvorfall. Anzeichen sind
Kreuzschmerzen, die stark von der Körperhaltung abhängig sind. Im Gegensatz zum Ischias­
Schmerz ist die Lumbago ein reiner Rückenschmerz und strahlt nicht bis in das Bein aus. Lumbago
und Ischias-Schmerzen können auch kombiniert auftreten. Man spricht dann von einer Lumbo-
Ischialgie. Der Übergang ist fließend, deswegen werden beide Begriffe oft verwechselt.

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Lungenkollaps
Von einem Lungenkollaps spricht man, wenn ein Lungenteil oder ein ganzer Lungenflügel
zusammensinkt. Dadurch steht dieser Teil der Lunge nicht mehr für die Atmung zur Verfügung.
Anzeichen für einen Lungenkollaps können schnelle Atmung, Atemnot, Ohnmacht oder plötzliche
stechende Schmerzen im Brust- und Oberbauchbereich sein.

Ein Lungenkollaps entsteht, wenn Luft in den sogenannten Pleuraspalt eindringt. Der Pleuraspalt ist
der sehr schmale Raum zwischen dem Rippenfell, das unter anderem den Brustkorb von innen
auskleidet, und dem Lungenfell, das die Lungenflügel überzieht. In diesem Spalt befindet sich
normalerweise nur ein dünner Flüssigkeitsfilm.

Kommt es zum Beispiel in Folge einer chronischen Lungenerkrankung zu einem Defekt im


Lungengewebe und im Lungenfell, kann Luft aus den Lungenbläschen in den Pleuraspalt
eindringen. Eine andere Ursache kann eine Verletzung des Rippenfells von außen sein, zum Beispiel
durch einen Unfall oder eine Stichverletzung. Dann kann Luft von außen in den Pleuraspalt
eindringen und so zu einem Lungenkollaps führen. Ein Lungenkollaps ist in der Regel ein Notfall.

Lymphödem
Bei einem Lymphödem (von „lympha“, lateinisch: klares Wasser und „ödema“, griechisch:
Schwellung) schwillt meist ein Arm oder ein Bein an, weil sich Lymphflüssigkeit darin staut. Es
können aber auch eine Brust oder ein anderes Körperteil betroffen sein. Die Lymphe ist eine klare
Flüssigkeit, die durch den ganzen Körper fließt und unter anderem eine Rolle im Abwehrsystem
spielt. Ein Lymphödem entsteht, wenn der Fluss der Lymphe durch Schädigung von Lymphgefäßen
oder Lymphknoten gestört ist und sich Lymphflüssigkeit im Gewebe sammelt.

Lymphdrainage
Die Lymphdrainage (von „drainage“, französisch: Entwässerung) ist eine spezielle, sanfte
Massagetechnik, die dabei hilft, angestautes Gewebewasser über Lymphgefäße abzutransportieren.
Diese Behandlung wird beispielsweise angewandt, wenn bei der Operation eines Brusttumors auch
benachbarte Lymphknoten entfernt wurden.

Lymphozyt
Lymphozyten (von „lympha“, lateinisch: klares Wasser und „zyto“, griechisch: Zelle) gehören zu den
weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie werden im Knochenmark gebildet, reifen dort in der unter
dem Brustbein gelegenen Thymusdrüse heran und entwickeln sich in den sekundären
lymphatischen Organen weiter - beispielsweise in der Milz, den Rachenmandeln und Lymphknoten.
Lymphozyten sind wichtige Bestandteile unseres Immunsystems: Die so genannten T-Lymphozyten
produzieren Botenstoffe, die unter anderem verschiedene körpereigene Abwehrzellen dazu bringen,
körperfremde Zellen, Bakterien oder Viren - so genannte Antigene - zu bekämpfen. B-Lymphozyten
produzieren Antikörper, die diese Antigene als "fremd" markieren. Eine als natürliche Killer-Zelle
bezeichnete Gruppe von Lymphozyten kann Antigene direkt bekämpfen. Bei einem gesunden
Menschen machen die Lymphozyten etwa 25 % der weißen Blutkörperchen aus.

Magnetresonanztomografie
Die Magnetresonanztomografie (MRT ) oder Kernspintomografie ist eine bildgebende
Untersuchung, bei der mehrere Schichtbilder erstellt werden (von „tome“, griechisch: Schnitt und
graphein“: schreiben). Die Methode arbeitet mit Magnetfeldern und Radiowellen und misst, wie
stark die Wassermoleküle des Körpers durch einen starken Magneten abgelenkt werden. Im
Gegensatz zu Röntgenuntersuchungen geht eine MRT mit keiner Strahlenbelastung einher.

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Makula
Die Makula (Gelber Fleck) liegt im Zentrum der Netzhaut des Auges. In der Makula sind die
Sinneszellen besonders dicht gepackt, sodass sie der Bereich des schärfsten Sehens ist.

Malheur
"Malheur" ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Missgeschick, das "mal passiert", aber
nicht regelmäßig vorkommt, z.B. wenn ein Kind gelegentlich in die Hose macht. Das Wort stammt
aus dem Französischen und bedeutet "schlechte Stunde" (mal-heur) im Sinne von "Pech haben".

Maligne Lymphome
Maligne Lymphome sind Krebserkrankungen des Lymphsystems. Sie können zu
Lymphknotenschwellungen, Fieber, Nachtschweiß, Leistungsminderung und Gewichtsverlust
führen. Bei malignen Lymphomen kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von bösartigen
Lymphzellen, die sich im fortgeschrittenen Stadium auch auf andere Organe ausbreiten können. Je
nachdem, ob die entarteten Zellen bestimmte Merkmale aufweisen oder nicht, spricht man auch von
Hodgkin-Lymphomen oder Non-Hodgkin-Lymphomen.

Mammographie
Als Mammographie (von „mamma“, lateinisch: Brust und „graph“, griechisch: aufzeichnen)
bezeichnet man die Röntgenuntersuchung der Brust. Sie wird zur weiteren Abklärung bei einem
Tumorverdacht, z.B. bei einem tastbaren Knoten in der Brust, und zur Früherkennung von
Brustkrebs bei Frauen eingesetzt. Bei der Untersuchung wird die Brust zwischen zwei
strahlendurchlässige Plexiglasscheiben gelegt und kurz zusammengedrückt. Eine Mammographie
geht wie jede andere Röntgenuntersuchung mit einer Strahlenbelastung einher. Für Frauen
zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr ist die Mammographie in Deutschland Bestandteil des
Krebsfrüherkennungsprogramms.

Marginale Zahlungsbereitschaft
Geldbetrag, den der Kostenträger bzw. Patient bereit ist, für eine zusätzliche Nutzeneinheit, die er
durch eine neue Gesundheitstechnologie innerhalb einer Indikation gewinnt, zu bezahlen.

Masseur
Masseure sind Therapeuten, die zwar keine akademische Ausbildung (wie z.B. Ärzte) haben, jedoch
eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum "Masseur und medizinischen Bademeister" absolviert und
innerhalb dieser Ausbildung auch medizinische Grundlagen erworben haben. Masseure dürfen
keine Diagnose erstellen - im Unterschied etwa zu den Chirotherapeuten, die zwar auch
Körperbereiche mit den Händen bearbeiten, aber über eine Ausbildung und Zulassung als Arzt
verfügen müssen. Während Chirotherapeuten vor allem die Muskulatur des Rückens und der
Gelenke bearbeiten, erstreckt sich eine Massage auf alle Körperbereiche. Masseure bearbeiten die
Körperpartien gemäß den Diagnosen und den Anweisungen von Ärzten .Massagen sollen vor allem
Schmerzen lindern, die Durchblutung und den Stoffwechsel des Körpers verbessern und den Körper
beweglich halten.

Median
Der Wert, der in einer nach Größe geordneten Reihenfolge von Messwerten, in der Mitte liegt.

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Meningitis
Meningitis ist der medizinische Begriff für Hirnhautentzündung. Sie kann durch Krankheitserreger
wie Viren und Bakterien, selten auch durch Pilze ausgelöst werden. Anzeichen sind hohes Fieber,
Kopfschmerzen, Verwirrtheit und ein steifer Nacken, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit sowie
Übelkeit und Erbrechen bis hin zur Teilnahmslosigkeit und Bewusstlosigkeit. Eine Meningitis ist
eine gefährliche Erkrankung, die so schnell wie möglich behandelt werden muss.

Messfehler
Messfehler sind Abweichungen von wahren Ergebnissen eines Experiments oder einer Messung. Je
nach Ursache werden systematische und zufällige Messfehler unterschieden. Zufällige Fehler
kommen durch wechselnde Umstände und Ungenauigkeiten zustande und verfälschen ein Ergebnis
mal in die eine und mal in die andere Richtung. Systematische Messfehler sind (oft unerkannte)
Eigenschaften einer Messmethode, die sich konstant in eine Richtung auswirken.

Meta-Analyse
Statistisches Verfahren, um im Rahmen einer systematischen Übersicht die Ergebnisse mehrerer
Studien, die die gleiche Frage bearbeiten, quantitativ zu einem Gesamtergebnis zusammenzufassen
und dadurch die Aussagekraft (Ergebnissicherheit) gegenüber Einzelstudien zu erhöhen.

Meta-Regression
Statistisches Verfahren, um in einer systematischen Übersicht den Zusammenhang zwischen
Eigenschaften der Studien oder Studienteilnehmer (zum Beispiel verdeckte Zuteilung,
Basischarakteristika der Teilnehmer) und den Ergebnissen der Studie zu untersuchen.

Metastasen
Metastasen, auch Tochtergeschwülste genannt, sind Absiedelungen eines bösartigen Tumors an
einer anderen Stelle des Körpers. Vom griechischen „Metastas = Auswanderung“ abgeleitet -
entstehen sie, indem sich Zellen von einem bösartigen Tumor ablösen und in der Regel über die
Lymphbahnen oder über Blutgefäße an einen anderen Ort wandern. Beispielsweise können Zellen
eines Darmkrebses in die Leber gestreut werden, es entsteht eine sogenannte Lebermetastase. An
diesem neuen Standort wächst die Metastase örtlich weiter und zerstört auch hier gesundes
Gewebe.

Metastasierung
Metastasierung bedeutet, dass sich Zellen von einem bösartigen Tumor ablösen und auf
Wanderschaft gehen: Die Tumorzellen werden über Blutgefäße oder Lymphbahnen weitergeleitet
und siedeln sich dann an einem anderen Ort im Körper an. Dort vermehren sie sich und bilden eine
Metastase, ein Tochtergeschwulst des ursprünglichen Tumors. Die Fähigkeit, auch an anderen
Stellen des Körpers aufzutauchen, ist ein Kennzeichen bösartiger Tumoren, also von Krebs.

Mitogenität
Dieser Begriff beschreibt, welchen Einfluss eine Substanz auf die Zellteilung hat. Ein Stoff hat eine
hohe Mitogenität, wenn er die Zellteilung in einem Organismus beschleunigt. Die so angeregten
Zellen wachsen dann schneller und breiten sich stärker aus.

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Mittelwert
Die Summe aller Werte geteilt durch die Anzahl der Werte.

Mobilisation
Mobilisation ist eine Behandlungstechnik der manuellen Medizin. Die Therapeutin oder der
Therapeut versucht, Einschränkungen der Bewegung - z.B. durch einen Hexenschuss - zu
beseitigen, indem sie oder er den betroffenen Körperteil behutsam in Richtung oder entgegen der
Schmerzgrenze bewegt, um so einen größeren Bewegungsspielraum für die Patientin oder den
Patienten zu gewinnen.

Modell
Für den Begriff „Modell“ im Kontext des Gesundheitswesens finden sich verschiedene Definitionen.
Modelle sind analytische Werkzeuge, die dazu verwendet werden, Systeme in der realen Welt zu
verstehen, verschiedene Zielgrößen in Abhängigkeit eines gegebenen Sets von Inputparametern zu
schätzen und die Auswirkungen von Veränderungen auf das System zu modellieren. Modelle sind
als Abbild der Wirklichkeit zu verstehen, die aus einem reduzierten Satz von Komponenten bestehen
und vereinfachende Annahmen erfordern.

Die Validität eines Modells ist entscheidend davon abhängig, ob das von ihm repräsentierte System
hinreichend widergespiegelt wird. Im Rahmen der Modellierung werden für Zeiträume, zu welchen
keine studienbelegte Nutzen- und Kostenverläufe von gesundheitlichen Interventionen vorliegen,
Daten aus Primär- oder Sekundärquellen mittels verschiedener mathematischer Techniken
simuliert. Modellierung kann auch zur Übertragung von kontextfremden Studienergebnissen auf
einen spezifischen nationalen Kontext angewendet werden.

Modelleffekte
Modelle sind in Meta-Analysen verwendete statistische Verfahren zur Berechnung des
Effektschätzers und seiner Unsicherheit. Man unterscheidet zwischen Modellen mit zufälligen oder
festen Effekten.

feste Effekte: Geht von der Annahme aus, dass die Unterschiede zwischen den Ergebnissen der
betrachteten Studien alleine auf Zufall beruhen.

zufällige Effekte: Schließt zur Berechnung auch systematische Unterschiede zwischen den
einzelnen Studien mit ein.

Morbidität
Rate der nicht-tödlichen Krankheitsereignisse.

Morbus Bowen
Morbus Bowen, benannt nach seinem Entdecker, dem Hautarzt John T. Bowen, ist die Bezeichnung
für eine frühe Form eines Hautkrebses. Diese frühe Form ist auf die oberste Schicht der Haut -
genannt Epidermis - beschränkt und wird deshalb auch intraepidermales Carcinoma in situ genannt
(von „intra“, lateinisch: innerhalb, „epi“, griechisch: über und „derma“, griechisch: Haut). Die
Hautveränderungen wachsen im Gegensatz zu anderen Hautkrebs-Formen sehr langsam.
Unbehandelt kann die Bowen's Krankheit meist erst nach Jahren in ein sogenanntes Plattenepithel­
Karzinom, auch Spinaliom oder Stachelzellkrebs genannt, übergehen.

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Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine von zwei ähnlichen Formen einer chronischen Schleimhautentzündung des
Darms (neben Colitis ulcerosa). Bei Morbus Crohn ist vor allem der Dünndarm betroffen, seltener
der Dickdarm. Beschwerdefreie Phasen wechseln sich mit Zeiten ab, in denen Schmerzen im
rechten Unterbauch, Durchfall und Gewichtsverlust so stark sein können, dass die Betroffenen in
dieser Zeit nicht ihrer Arbeit nachgehen können oder sogar ins Krankenhaus müssen.

Mortalität
Rate der tödlichen Krankheitsereignisse, bezogen auf die Gesamtbevölkerung.

Multiple Sklerose
Multiple Sklerose - kurz MS - ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung des
zentralen Nervensystems. Der Begriff Multiple Sklerose leitet sich vom Lateinischen „multiplex“
(vielfach) und „skleros“ (hart) ab. Denn bei MS treten an verschiedenen Stellen des Gehirns und /
oder des Rückenmarks akute Entzündungsherde auf, die nach Abheilung eine Verhärtung
hinterlassen.

Je nachdem an welcher Stelle des zentralen Nervensystems die Entzündung auftritt, können die
Krankheitszeichen von Sehstörungen, über Gefühlsstörungen und Schmerzen in Armen und Beinen
bis hin zu Lähmungserscheinungen, Schwindel und Zittern reichen. Menschen mit MS können auch
zu spontanen Stimmungsschwankungen neigen. Häufig verläuft die Erkrankung schubweise mit
beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Krankheitsphasen. Bei anderen Verläufen fehlen
diese beschwerdefreien Intervalle.

Bei allen Verlaufsformen kann es zu bleibenden Funktionseinschränkungen wie beispielsweise Geh-


und Sehstörungen kommen.

Mutterpass
Einen Mutterpass erhalten alle schwangeren Frauen in Deutschland bei der Feststellung der
Schwangerschaft von ihrem Frauenarzt. In den Mutterpass werden unter anderem alle wichtigen
Informationen zur Gesundheit der Mutter (zum Beispiel die Blutgruppe), zum
Schwangerschaftsverlauf (zum Beispiel das Gewicht und der Blutdruck der Schwangeren), zum
Zustand des Kindes (zum Beispiel die Lage in der Gebärmutter oder die Herztöne), zum Verlauf der
Geburt und über den Zustand des Neugeborenen nach der Geburt eingetragen. In Notfällen kann
anhand dieses Passes schnell reagiert werden.

Myokardinfarkt
Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) wird ein Teil des Herzens plötzlich nicht mehr ausreichend
mit Sauerstoff versorgt, so dass es zu dauerhaften Schäden am Herzmuskelgewebe kommen kann.
Ursache eines Myokardinfarkts (von „myokard“, griechisch: Herzmuskel und „infarct“, lateinisch:
hineingestopft) ist in der Mehrzahl der Fälle ein kleines Blutgerinnsel, das eines oder mehrere
Herzkranzgefäße verschließt. Plötzlich auftretende starke Schmerzen in der Brustgegend, die oft in
den linken Arm, den Oberbauch und den Unterkiefer ausstrahlen, Übelkeit, Kreislaufprobleme bis
hin zum Kollaps, Todesangst und Luftnot sind typische Zeichen für einen Herzinfarkt. Aber auch
andere, weniger typische Krankheitszeichen wie Bauch- oder Rückenschmerzen können auf einen
Herzinfarkt hinweisen.

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Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel sind Konzentrate aus zum Beispiel Vitaminen, Mineralstoffen,
Spurenelementen, Ballaststoffen und / oder anderen Substanzen, die die Nahrung ergänzen sollen.
Ihre Befürworter behaupten, dass sie im Körper eine bestimmte, häufig vorbeugende oder
stärkende, Wirkung entfalten. Sie werden zum Beispiel als Kapseln, Tabletten, Pulver oder
Ampullen angeboten. Nahrungsergänzungsmittel zählen rechtlich zu den Lebensmitteln und
benötigen daher - im Gegensatz zu Arzneimitteln - keine behördliche Zulassung. Weitere
Informationen finden Sie auf der Seite des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Nahrungsmittelintoleranz
Bei einer Nahrungsmittelintoleranz entwickelt der Körper aus unterschiedlichen Gründen
Beschwerden, z.B., weil er eine bestimmte Substanz nicht verdauen kann, weil ihm dazu ein
bestimmter Stoff, ein Enzym, fehlt. Menschen mit einer Milchzucker-Intoleranz fehlt das
Verdauungsenzym Laktase. Deshalb können sie den Milchzucker in Milchprodukten nicht verdauen.
Bei einer Intoleranz bildet der Körper keine Antikörper wie bei einer Allergie. Typische
Beschwerden einer Intoleranz sind Magen-Darm-Probleme und Durchfall.

Nahrungsmittelunverträglichkeit
Nahrungsmittelunverträglichkeit bedeutet, dass der Körper einer Person mit bestimmten
Beschwerden reagiert, sobald sie ein bestimmtes Nahrungsmittel isst oder trinkt. Entweder hat
diese Person eine Nahrungsmittelallergie oder eine Nahrungsmittelintoleranz. Der Begriff
"Nahrungsmittelintoleranz" wird häufig auch synonym mit Nahrungsmittelunverträglichkeit
verwendet.

Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert der Körper überempfindlich auf eine bestimmte
körperfremde Substanz. Genau wie gegen einen Krankheitserreger bildet er Antikörper, um die
Substanz zu bekämpfen, obwohl der Stoff keine Gefahr für den Körper bedeutet. AHergieauslösende
Stoffe in Nahrungsmitteln können bestimmte Eiweiße oder Lebensmittelzusatzstoffe sein. Anzeichen
einer Nahrungsmittelallergie sind Magen-Darm-Probleme, Hautausschläge, aber auch Schnupfen
oder ein asthmatischer Anfall. Typische Nahrungsmittel, bei denen Allergien auftreten, sind
Kuhmilch, Eier, Nüsse oder Fisch.

Naht
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Wunde mit einer Naht zu verschließen. Ärztinnen und
Ärzte können dabei den Faden fortlaufend führen oder die Wunde mit einzelnen Nähten
verschließen. Bei dieser Einzelknopfnaht verknotet die Ärztin oder der Arzt den Faden nach jedem
Stich und schneidet ihn ab. Damit die Narbe später möglichst unauffällig wird, werden manche
Wunden mit einer Intrakutannaht verschlossen: Hierbei sticht man nicht durch die Haut, sondern in
die Unterhaut und zieht die Wundränder eng zusammen. Ärztinnen und Ärzte verwenden
verschiedene Materialien zum Nähen: Es gibt Nahtmaterial, das sich im Körper nach einer gewissen
Zeit auflöst (resorbierbares Nahtmaterial), und welches, das sich nicht auflöst (unresorbierbar). Bei
der Klammernaht werden Klammern aus einer Klammerpistole verwendet. Damit kann man die
Wunde schnell schließen, eine Klammernaht ist aber viel teurer als die Naht per Hand.

Narkose
Die Narkose wird auch Vollnarkose oder Allgemeinanästhesie genannt. Sie ist eine von der
Narkoseärztin oder vom Narkosearzt künstlich herbeigeführte und kontrollierte Bewusstlosigkeit,
durch die man angst- und schmerzfrei und mit entspannter Muskulatur operiert werden kann.

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Nüchtern-Blutzucker
Der Nüchtem-Blutzuckerwert ist der Glukosewert, der im nüchternen Zustand, etwa acht Stunden
nach der letzten Mahlzeit, gemessen wird. Er beträgt bei Gesunden normalerweise weniger als 110
mg/dl (6,1 mmol/l).

Nächtliche Polyurie
Nächtliche Polyurie bedeutet, dass die Nieren nachts viel mehr Urin (poly-urie) produzieren, als sie
es normalerweise tun. Dies kann zu Bettnässen führen.

Nekrose
Nekrose ist der medizinische Fachbegriff für abgestorbenes Gewebe in einem lebenden Körper. Der
Begriff kommt aus dem Griechischen vom Wortstamm "nekro", was "tot, gestorben" bedeutet.
Hautnekrosen können zum Beispiel bei chronischen Druckgeschwüren entstehen. Dabei werden die
betroffenen Zellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und sterben ab.
Auch Gifte und Bakterien können zum Zell- und Gewebetod führen. Die abgestorbenen Zellen
werden meistens durch nachwachsende Zellen komplett ersetzt, manchmal entsteht nach einer
Nekrose aber auch Narbengewebe.

Neurodermitis
Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Die Haut ist an typischen Stellen
rot, trocken, rau und kann stark jucken. Am häufigsten sind die Arm- und Kniebeugen, das Gesicht
und der Nacken betroffen. Die Haut ist sehr empfindlich und kann leicht durch Bakterien oder
Chemikalien, beispielsweise in Körperpflegeprodukten, oder andere Stoffe noch weiter gereizt
werden. Der Begriff Neurodermitis stammt aus der Zeit, als man davon ausging, dass eine
Nervenentzündung die Ursache der Hautauschläge sei (von „neuron“, griechisch: Nerv und von
„derma“, griechisch: Haut). Diese Auffassung ist inzwischen widerlegt, der Begriff wird aber
weiterhin verwendet. Bei Menschen mit Neurodermitis reagiert das Immunsystem überempfindlich
auf Stoffe, die eigentlich harmlos sind. Die Abwehr entsendet spezielle Zellen in die Haut und es
kommt dort zu einer Entzündungsreaktion. Dadurch werden bestimmte Nervenfasern irritiert und
verursachen einen starken Juckreiz.

Neuropathie
„Neuropathie“ (griechisch) bedeutet übersetzt „Nervenerkrankung“. Dabei sind Nervenbahnen des
Körpers geschädigt. Menschen mit Neuropathie können Missempfindungen, Schmerzen,
Lähmungserscheinungen sowie Kreislauf- oder Verdauungsbeschwerden haben. Eine Neuropathie
ist oft Folge einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Autoimmunerkrankung, einer
Entzündung oder eines Diabetes. Aber auch akute Vergiftungen, Verletzungen oder Unfälle können
zu einer Neuropathie führen.

nicht-steroidale Antirheumatika
Nicht-steroidale Antiphlogistika sind eine Klasse von Schmerzmitteln, die entzündungshemmend
und fiebersenkend wirken. Sie werden auch als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR ) oder
englisch nonsteroidal antiinflammatory drugs (NSAID ) bezeichnet. Ursprünglich gab es nur
Abkömmlinge der Acetylsalicylsäure (ASS ). Eine neue Variante ist die Gruppe der COX-2-Hemmer,
die nicht von Acetylsalicylsäure abgleitet sind.

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Nicht-Unterlegenheitsstudie
Klinische Studien zielen meist auf den Nachweis, dass eine medizinische Maßnahme einer anderen
überlegen ist. Nicht-Unterlegenheitsstudien zielen demgegenüber auf den Nachweis, dass eine
medizinische Maßnahme gegenüber einer anderen nur höchstens so wenig schlechter abschneidet,
dass der Unterschied klinisch ohne Bedeutung ist oder dass diese Maßnahme gegenüber der
anderen sogar besser ist. Dazu muss schon bei der Planung der Studie eine Nicht­
Unterlegenheitsgrenze festgelegt werden, oberhalb derer eine Maßnahme als mindestens
gleichwertig bewertet wird.

NIDDM
Die Abkürzung NIDDM steht für "non insulin dependent diabetes mellitus" (= nicht
insulinabhängiger Diabetes mellitus). Menschen mit NIDDM haben Diabetes Typ 2. Sie können
ihren erhöhten Blutzucker zunächst ohne zusätzlich gespritztes Insulin behandeln, zum Beispiel
durch Gewichtsabnahme oder Tabletten. Bei fortschreitender Erkrankung brauchen auch Menschen
mit NIDDM häufig zusätzlich gespritztes Insulin.

Niereninsuffizienz
Bei einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) ist die Nierenfunktion eingeschränkt, sodass
Abfallprodukte des Stoffwechsels nicht mehr ausreichend aus dem Körper ausgeschieden werden.
Stoffe, die nicht mehr mit dem Urin aus dem Körper transportiert werden können, sammeln sich
dann im Blut. Auch der Wasserhaushalt kann nicht mehr ausreichend reguliert werden, so dass es
zu Wasseransammlungen im Körper kommt.

Eine chronische (dauerhafte) Niereninsuffizienz verursacht meist lange keine Beschwerden. Erst bei
fortgeschrittener Nierenschwäche kann es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Kopfschmerzen
kommen. Weitere Anzeichen können Antriebslosigkeit und verstärkte Müdigkeit sein. Eine
Niereninsuffizienz kann plötzlich auftreten (akute Niereninsuffizienz) oder sich über einen längeren
Zeitraum entwickeln (chronische Niereninsuffizienz). Sie wird häufig durch Diabetes mellitus,
Bluthochdruck oder Nierenentzündungen verursacht.

Nominaler Gruppenprozess
Verfahren zur Erzielung von Konsens. Kernelemente eines Nominalen Gruppenprozesses (NGP)
sind: Vorlage zuvor produzierter Texte/Elemente, Kommentar jedes Gruppenmitgliedes zu einem
bestimmten Aspekt (Empfehlung der Leitlinie, Begründungstext o. a.), Sammlung aller Kommentare
durch Moderator/Leiter, Zusammenfassung ähnlicher Kommentare, Abstimmung über
Diskussionspunkte/Priorisierung, Diskussion aller Kommentare mit ggf. daraus resultierender
Überarbeitung des Entwurfes, Anschließend erneute Diskussion des Entwurfes, ggf. erneute
Diskussionsrunde.

Non-Hodgkin-Syndrom
Non-Hodgkin-Lymphome sind Krebserkrankungen des Lymphsystems. Es gibt langsam wachsende,
weniger aggressive und schnell wachsende, aggressive Non-Hodgkin-Lymphome. Symptome der
Erkrankung sind unter anderem Schwellungen der Lymphknoten, Leistungsminderung, Infekte und
Blutungsneigung.

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Normalflora
Als Normalflora (von „flora“, italienisch: Pflanzenwelt) wird in der Medizin die Gesamtheit aller
Mikroorganismen bezeichnet, die sich dauerhaft auf der menschlichen Haut und Schleimhaut
angesiedelt haben. Diese Bezeichnung stammt aus einer Zeit, als man Bakterien noch zum
Pflanzenreich zählte. Eigentlich nennt man den Bestand aller Pflanzen in einer Region „Flora“,
abgeleitet von der römischen Göttin der Blumen.

Die Normalflora beim Menschen besteht überwiegend aus harmlosen Bakterien, vor allem auf der
Haut und Schleimhaut von Mund, Nase, Rachen, Vagina und Dickdarm. Die Art und
Zusammensetzung der Bakterien und Pilze unterscheidet sich je nach Körperregion sehr stark. Die
Bakterien der Normalflora versuchen, ihren Lebensraum gegen andere Erreger zu verteidigen und
können so einen gewissen Schutz vor einer Infektionen durch fremde Bakterien bieten.

So wandeln beispielsweise die Corynebakterien auf der Haut die von den Talgdrüsen produzierten
Fette in Fettsäuren um. Diese Fettsäuren bilden den sogenannten Säureschutzmantel der Haut, der
das Wachstum vieler Krankheitserreger aus der Umwelt hemmt.

Normalinsulin
Gelöstes Insulin ohne weitere Zusatzstoffe wird als Normalinsulin bezeichnet. Das Insulin wird aus
der Bauchspeicheldrüse von Schweinen oder Rindern gewonnen oder gentechnisch hergestellt.
Normalinsulin wirkt innerhalb von 15 bis 20 Minuten. Nach etwa zwei Stunden ist die maximale
Wirkung erreicht. Normalinsulin wirkt etwa sechs Stunden lang. Wegen der kurzen Wirkdauer wird
Normalinsulin als "kurzwirksames Insulin" und wegen der rasch einsetzenden Wirkung daneben
auch als "schnellwirkendes" Insulin bezeichnet.

NPH-Insulin
NPH -Insulin ist das gebräuchlichste Verzögerungsinsulin. Dem Insulin wird ein bestimmtes Eiweiß
( Neutral-Protamin-Hagedorn) beigemischt. Dadurch wird das gespritzte Insulin langsamer aus der
Unterhaut vom Körper aufgenommen.

Nullhypothese
Voraussetzung zur Durchführung statistischer Signifikanztests in einer Studie ist, dass vorab zwei
Aussagen (Nullhypothese, Alternativhypothese) formuliert werden, die sich gegenseitig
ausschließen. Die Nullhypothese enthält zum Beispiel die Aussage, dass bezüglich des
interessierenden Endpunkts zwischen den Gruppen einer Studie kein Unterschied besteht. Nach
Abschluss der Studie wird die Nullhypothese mit Hilfe geeigneter statistischer Verfahren überprüft.
Wenn der p-Wert den vorab definierten alpha-Fehler unterschreitet, wird die Nullhypothese
verworfen und die Alternativhypothese akzeptiert.

Number-Needed-to-Treat
Angabe, wie viele Personen im Mittel mit einer bestimmten Therapie behandelt werden müssen,
damit bei einer Person ein ungünstiges Ereignis vermieden wird. Ein Number-Needed-to-Treat
(NNT) von 20 bedeutet, dass im Mittel eine von 20 behandelten Personen bezüglich einer
bestimmten Zielgröße (zum Beispiel Vermeidung eines Herzinfarktes) einen Vorteil hat. In der
Regel bezieht sich die Angabe auf eine bestimmte Behandlungsdauer (zum Beispiel fünf Jahre), die
dann angegeben werden sollte.

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Nutzen
Der Begriff „Nutzen“ wird in der gesundheitsökonomischen Literatur weit und eng verwendet. In
seiner engen Bedeutung lehnt er sich an die EbM an und spiegelt den reinen medizinischen Nutzen
zur Beurteilung einer Maßnahme wider (= Gesundheitseffekte / Outcomes). In seiner weiten
Bedeutung umfasst der Begriff „Nutzen“ nicht nur die Gesundheitseffekte einer Intervention per se,
sondern berücksichtigt auch den Wert, den der Patient diesem Effekt zuschreibt (sogenannte
Nutzwerte / Utilities). Diese Nutzwerte können zur Gewichtung von Effekten genutzt werden und
hierdurch die Bedeutung eines Effektes aus Sicht der Betroffenen erhöhen oder reduzieren.

Obstipation
Obstipation ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung des Darms. Verstopfung entsteht z.B.,
weil eine Person zu wenige Ballaststoffe wie unverdauliche Pflanzenfasern isst, sich im Urlaub
anders ernährt als zu Hause, zu wenig trinkt oder sich zu wenig bewegt. Verstopfung kann aber
auch durch Medikamente oder krankhafte Veränderungen des Darms verursacht sein. Menschen,
die unter Verstopfung leiden, können nur selten auf die Toilette, der Stuhlgang fällt schwer, der
Stuhl selbst ist hart. Sie haben ständig das Gefühl eines vollen Bauchs, manche fühlen sich auch
müde und abgekämpft.

Obstruktiv
Obstruktiv (von „obstruere“, lateinisch: verschließen) wird in der Medizin als Fachbegriff
verwendet, um einen Verschluss oder eine Verengung von Gefäßen, Kanälen oder Hohlorganen
(beispielsweise Speiseröhre, Darm etc.) zu bezeichnen. Bei der chronisch obstruktiven
Lungenerkrankung (COPD) etwa sind die Atemwege aufgrund einer chronischen Entzündung
dauerhaft verengt.

obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
OSAS ist die Abkürzung für obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Betroffene haben während des
Schlafes regelmäßig eine flache Atmung und Atemaussetzer (Apnoe), die länger als zehn Sekunden
dauern. Der Sauerstoffmangel führt zu einer kurzen Aufwachreaktion, damit die Atmung wieder
einsetzt. Dadurch sind Menschen mit einem OSAS tagsüber oft müde, unkonzentriert und leicht
reizbar. Die Atemaussetzer entstehen dadurch, dass die Muskulatur im Rachen erschlafft und in
sich zusammenfällt. Der Atemweg ist verengt oder sogar ganz blockiert (von „obstructio“,
lateinisch: Verschluss).

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Odds-Ratio
Odds bezeichnet im Englischen umgangssprachlich die Quote einer Wette, im Sinne von: „Die Quote
steht 9 zu 1“. Analog bezeichnet der Begriff in der Medizin das Verhältnis der Personen einer
Gruppe mit einem Endpunkt zu den Personen ohne diesen Endpunkt. Wenn also 30 von 100
Teilnehmern den Endpunkt aufweisen (und 70 nicht), beträgt die Odds „30 zu 70“ oder 0,43.

Das "Odds-Ratio" ("OR", Chancenverhältnis) bezeichnet das Verhältnis (Ratio) der Odds, dass ein
Ereignis in der experimentellen Gruppe eintritt, zu den Odds, dass das Ereignis in der
Kontrollgruppe eintritt. Beispiel: In der Kontrollgruppe liegen die Odds , wie oben, bei 30 zu 70
(0,43), in der experimentellen Gruppe weisen aber nur 20 von 100 Personen den Endpunkt auf.
Daraus ergibt sich die Odds „20 zu 80“ = 0,25. Die Odds-Ratio errechnet sich dann aus 0,25 / 0,43 =
0,58. Odds sind nicht identisch mit Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit errechnet sich aus
dem Verhältnis der Personen einer Gruppe mit einem Endpunkt zu allen Personen der Gruppe.

Wenn also 30 von 100 Teilnehmern den Endpunkt aufweisen, beträgt die Wahrscheinlichkeit „30
von 100“ oder 0,30. Analog zur Odds-Ratio wird beim Vergleich von Gruppen das relative Risiko als
Verhältnis der Wahrscheinlichkeiten der beiden Gruppen berechnet: 0,20 / 0,30 = 0,66. Das Beispiel
zeigt, dass Odds-Ratio und relatives Risiko zwar denselben Informationsgehalt haben, dennoch nicht
verwechselt werden dürfen. Allerdings werden die Unterschiede bei kleinen Risiken (ab 1 zu 100)
vernachlässigbar.

Off-Label-Use
„Off-Label-Use “ bzw. "Off-Label -Anwendung" bedeutet sinngemäß: "Nicht bestimmungsgemäßer
Gebrauch". Gemeint ist damit der Einsatz eines Arzneimittels gegen eine Krankheit, für die das
Medikament von den Zulassungsbehörden keine Genehmigung hat - wenn also zum Beispiel ein
Medikament, das nur zur Behandlung von Menschen mit Blutkrebs erprobt und zugelassen ist, auch
zur Behandlung von Menschen mit Magenkrebs eingesetzt wird. Wenn ein Arzt ein Medikament im
Off-Label-Use anwendet, ist fraglich, wer für eventuelle Nebenwirkungen haftbar ist. Die Haftung
liegt normalerweise beim Hersteller des Arzneimittels. Patienten müssen über mögliche
Konsequenzen aufgeklärt werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Medikamente, die
im Off-Label-Use angewendet werden, nur in Ausnahmefällen.

Oligodendrogliom
Ein Oligodendrogliom ist ein Hirntumor, der von bestimmten Zellen des Stützgewebes im Gehirn
ausgeht, den Gliazellen. Tumoren aus diesen Zellen werden allgemein als Gliome bezeichnet. Die
entsprechenden Zellen heißen Oligodendrozyten (von „Oligo“, griechisch: wenig, „dendro“,
griechisch: Baum und „cytos“, griechisch: Zellen). Sie ähneln unter dem Mikroskop Bäumen mit
wenigen Ästen. Diese astförmigen Zellfortsätze legen sich um die Nervenfasern und isolieren diese,
damit elektrische Signale im Gehirn nicht ungeregelt weitergeleitet werden.

Ophthalmoskop
Das Ophthalmoskop (aus dem Griechischen: ophthalm = Auge, skopein = Betrachten) ist ein Gerät,
mit dem das Auge untersucht werden kann. Mit seiner Hilfe können krankhafte Veränderungen des
Auges, vor allem der Netzhaut und der sie versorgenden Blutgefäße, entdeckt werden. Die
Untersuchung nennt man Ophthalmoskopie, Funduskopie (lateinisch fundus = Hintergrund),
Augenspiegelung oder auch Augenhintergrunduntersuchung.

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Opportunitätskosten
Wert, den die für eine Technologie beanspruchten Ressourcen in alternativer Verwendung für die
Gesellschaft haben. Grundidee ist, dass jede Geldeinheit nur einmal ausgegeben werden kann und
eine Entscheidung für eine medizinische Maßnahme immer mit einem Verzicht auf eine andere
Leistung verbunden ist.

Osteoporose
Osteoporose oder Knochenschwund ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen. Knochengewebe
wird vermehrt abgebaut oder vermindert aufgebaut. Die Knochendichte nimmt dadurch ab, sodass
die Knochen weniger stabil sind und leichter brechen. Insbesondere die Knochen der Wirbelsäule
(Wirbelkörper) können leicht einbrechen. Bei einer fortgeschrittenen Osteoporose ist der typische
Rundrücken ein deutliches Zeichen dieser Einbrüche. Von Knochenschwund betroffen sind vor
allem ältere Menschen und Frauen nach der Menopause. Östrogenmangel, Untergewicht und
mangelnde Bewegung begünstigen das Entstehen einer Osteoporose ebenso wie Langzeittherapien
mit bestimmten Medikamenten, zum Beispiel mit Kortison.

Outcome
Ein Outcome ist ein einer bestimmten Intervention zuschreibbarer Effekt, d. h. hier wird von einer
Kausalität zwischen Intervention und Effekt (= Outcome) ausgegangen. Outcomes werden
gemessen, um die Effektivität / Wirksamkeit einer Intervention einzuschätzen.

Ozon
Ozon ist ein Gas, das aus drei Sauerstoffatomen besteht (O3), es gibt der Ozonschicht ihren Namen,
die die Erde in einer Höhe von circa 15 bis 50 Kilometern umschließt. Die Ozonschicht hat eine
wichtige Funktion für den Menschen: Sie filtert die aggressive UV-Strahlung fast vollständig aus
dem Sonnenlicht heraus. Durch eine erhöhte Belastung mit Schadstoffen in der Luft nimmt die
Ozonschicht aber ab, dadurch erhöht sich das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Wenn Ozon in
Bodennähe entsteht, wird aus dem schützenden Stoff allerdings ein unerwünschtes Umweltgift: Bei
sonnigem Sommerwetter fördert die starke UV-Strahlung der Sonne die Bildung von Ozon, indem
schädliche Stickstoffgase vor allem aus dem Straßenverkehr zerfallen und sich mit dem Luft­
Sauerstoff verbinden. Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen, Atemprobleme, Hustenreiz,
tränende Augen und vermehrte Asthma-Neigung.

Palliativmedizin
Die Palliativmedizin (von „pallium“, lateinisch: Mantel - im Sinne von: umgeben, lindern) ist ein
Teilbereich der Medizin, der sich mit der Behandlung von Menschen mit einer schweren, nicht mehr
heilbaren Erkrankung befasst. Das hauptsächliche Augenmerk liegt auf der Linderung von
Schmerzen oder anderen Beschwerden. Zusätzlich geht es auch darum, die Lebensqualität der
Patientinnen und Patienten so gut wie möglich zu erhalten und ihnen zu seelischen und sozialen
Belangen zur Seite zu stehen. Auch Fragen zum Lebenssinn und der Gestaltung des weiteren
Lebens können hier besprochen werden.

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Palliativstation
Eine Palliativstation ist eine Spezialabteilung von Kliniken. Eine palliative Behandlung (von
„pallium", lateinisch: Mantel - im Sinne von: umgeben, lindem) hat nicht die Heilung einer
Erkrankung zum Ziel, sondern eher die Linderung von Symptomen bei unheilbaren und
fortgeschrittenen Erkrankungen. Ziel ist die Erhaltung der bestmöglichen Lebensqualität. Grund für
eine Aufnahme sind beispielsweise starke Schmerzen, ausgeprägte Übelkeit oder Beschwerden wie
Luftnot. Im Gegensatz zu Intensivstationen steht auf Palliativstationen nicht medizinische Technik,
sondern Pflege und Zuwendung im Mittelpunkt. Die Zimmer sind meist wohnlich eingerichtet.
Angehörige können oft den ganzen Tag beim erkrankten Patienten sein und auch dort übernachten.
Zusätzlich zu Ärzten und Pflegenden steht ein Team aus Fachleuten wie Seelsorgern,
Sozialarbeitern, Physiotherapeuten oder Psychologen zur Verfügung. Die Betreuung auf einer
Palliativstation ist zeitlich begrenzt, Ziel ist die Entlassung nach Hause oder wenn dies nicht
möglich ist, in ein Hospiz oder eine Pflegeeinrichtung.

Pankreas
Die Bauchspeicheldrüse ist ein etwa 16 bis 20 cm langes Organ und liegt unterhalb des Magens
quer im Oberbauch. Sie produziert einen Verdauungssaft mit Verdauungsenzymen, der durch einen
Gang im Inneren der Bauchspeicheldrüse in den Darm fließt. Dort helfen die Enzyme bei der
Verdauung zum Beispiel von Fett. Weiterhin liegen in der Bauchspeicheldrüse die Langerhans'schen
Inseln mit verschiedenen Zellen, die Hormone für den Stoffwechsel produzieren. Die Hormone
werden nicht wie die Verdauungsenzyme in den Darm, sondern in das Blut abgegeben. In den
Alphazellen entsteht das Glukagon, in den Betazellen das Insulin und in den Deltazellen das
Somatostatin. Diese sind die drei wichtigsten Hormone für die Regulierung des
Glukosestoffwechsels.

Pap-Test
Bei einem Pap-Abstrich - auch Pap-Test genannt - wird mit einem Wattetupfer oder Bürstchen eine
Zellprobe vom Muttermund (dem Übergang der Scheide zum Gebärmutterhals) entnommen und
mikroskopisch untersucht. Mithilfe dieses Abstrichs kann relativ einfach festgestellt werden, ob die
Zellen des Gebärmutterhalses normal entwickelt oder verändert sind. So können Entzündungen und
bösartige Zellen nachgewiesen werden. Das Ergebnis wird nach dem sogenannten Klassensystem
eingeteilt: Es reicht von Pap I (normales Zellbild) bis Pap V (Nachweis bösartiger Krebszellen). Der
Pap-Test ist nach dem Arzt George Papanicolaou benannt, der ihn 1928 entwickelte. Der Test ist
Teil der Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs.

Parasymphatikus
Der Parasympathikus (von „para", griechisch: gegen, neben und „sympathem", griechisch:
mitleiden, mitempfinden) ist ein Teil des unwillkürlichen Nervensystems. Das parasympathische
Nervensystem kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Es aktiviert die Verdauung, kurbelt
verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung. Der Gegenspieler dazu ist das
sympathische Nervensystem (Sympathikus). Parasympathikus und Sympathikus wirken aber nicht
immer entgegengesetzt; bei manchen Funktionen ergänzen sich beide Nervensysteme.

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Parkinson
„Parkinson", oder genauer die Parkinsonsche Krankheit (Morbus Parkinson) ist eine langsam
fortschreitende Schädigung von Nervenzellen, die nach ihrem Entdecker, dem englischen Arzt
James Parkinson benannt ist. Meist erkranken Menschen erst in einem höheren Alter an ihr. Männer
sind häufiger betroffen als Frauen. Typische Zeichen einer Parkinsonerkrankung sind
Gangunsicherheit, Fallneigung, Abbau der Gedächtnisleistung, Bewegungsarmut, fehlende Mimik,
eine erhöhte Muskelspannung und Zittern im Ruhezustand. Aufgrund dieser Symptome spricht man
auch von einer „Schüttellähmung“.

Weitere Symptome sind unter anderem ein allgemeiner Leistungsabfall, Unsicherheiten beim
Stehen und Gehen sowie Gliederschmerzen. Diese Parkinsonsymptome werden dadurch verursacht,
dass im Gehirn Nervenzellen absterben, so dass ein bestimmter Botenstoff (Dopamin) nicht mehr
ausreichend produziert wird. Parkinsonsymptome können aber auch bei anderen Erkrankungen wie
beispielsweise Hirntumoren oder als Nebenwirkung bei der Einnahme bestimmter Medikamente
auftreten.

Parodontitis
Die Parodontitis ist eine meist durch im Zahnbelag lebende Bakterien ausgelöste Entzündung des
Zahnbetts. Sie ist oft schmerzlos und kann sich aus einer Zahnfleischentzündung entwickeln. Wenn
sie unbehandelt bleibt, können Bindegewebe und Knochen, die dem Zahn seinen Halt geben, so
beschädigt werden, dass er schließlich ausfällt. Die Erkrankung wird oft auch "Parodontose"
genannt.

Patientenrelevanter Endpunkt
Im Rahmen der Nutzenbewertung wird Nutzen als kausal begründeter positiver Effekt, Schaden als
kausal begründeter negativer Effekt einer medizinischen Intervention, bezogen auf
patientenrelevante Endpunkte, bezeichnet. Patientenrelevant meint in diesem Zusammenhang, wie
ein Patient fühlt, seine Funktionen und Aktivitäten wahrnehmen kann oder überlebt. Es werden in
erster Linie Endpunkte berücksichtigt, die zuverlässig und direkt konkrete Änderungen des
Gesundheitszustandes abbilden. Hierunter fallen z.B. die Gesamtsterblichkeit und Herzinfarkte
(siehe auch „Zielgrößen").

Patientenverfügung
In einer Patientenverfügung - auch Patiententestament genannt - kann festgelegt werden, ob und
wie man ärztlich behandelt werden möchte - und zwar für den Fall, dass man später durch Unfall,
Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage ist, selbst zu entscheiden oder seinen Willen
auszudrücken. Wichtig ist, möglichst konkrete Krankheitssituationen und medizinische Eingriffe zu
beschreiben und festzulegen, ob man in die jeweilige Behandlung einwilligt, diese komplett
untersagt oder nur in bestimmten Fällen zustimmen möchte. Inhalt kann etwa sein, wann
lebenserhaltende Maßnahmen wie Wiederbelebung, künstliche Beatmung und Ernährung
gewünscht sind. Auch eine kurze Schilderung persönlicher Wertvorstellungen über das eigene
Leben und Sterben und religiöser Anschauungen helfen dabei, die Verfügung im Sinne der Patientin
oder des Patienten zu deuten. Die Verfügung muss eigenhändig mit Vor- und Zunamen
unterzeichnet werden. Sie kann jederzeit formlos - auch mündlich - widerrufen werden. Die
Verfasserin oder der Verfasser muss volljährig sein.

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Pädiatrische Onkologie
Die pädiatrische Onkologie (von griechisch „paed“: Kind und „onko“: Geschwulst) beschäftigt sich
mit bösartigen Tumorerkrankungen im Kindes- und Jungendalter. Zu diesen Erkrankungen gehören
beispielsweise Leukämien (Krebs der weißen Blutkörperchen), Lymphknotenkrebs sowie bösartige
Geschwulste der Knochen, der Nieren und des Gehirns.

Peak-Flow-Messung
Die Messung der maximalen Strömungsgeschwindigkeit der Luft beim Ausatmen.

Peer Review
Peer, englisch: Gleichgestellter, Ebenbürtiger; review, englisch: Begutachtung. Peer Review
bezeichnet einen Begutachtungsprozess für wissenschaftliche Arbeiten in dem Experten eines
Feldes wechselseitig die Qualität und Wichtigkeit ihrer Arbeiten (zum Beispiel zur Publikation
eingereichte Manuskripte) beurteilen.

Periduralanästhesie
Periduralanästhesie (PDA) nennt man eine Methode zur Schmerzdämpfung oder zur völligen
Betäubung einer Körperregion. Sie wird auch "Epiduralanästhesie" genannt. Dabei wird ein
Betäubungsmittel entweder im Bereich der Brust- oder Lendenwirbel in den sogenannten
Periduralraum gespritzt, der das Rückenmark umgibt. Je nach Dosis dämpfen die Medikamente eine
Zeit lang die Übertragung von Schmerz- und Nervensignalen im Rückenmark oder unterbrechen sie
vollständig, wodurch abwärts gelegene Körperteile gelähmt werden.

Periduralraum
Gehirn und Rückenmark sind von insgesamt drei Schutzhüllen umgeben. Die äußere Hülle trägt den
Namen "harte Rückenmarkshaut", medizinisch: "Dura mater". Im Bereich des Rückenmarks spaltet
sich diese Hülle in zwei Schichten auf, zwischen denen der mit Blutgefäßen und Bindegewebe
gefüllte Periduralraum liegt. "Peridural" bedeutet "um die Dura herum".

Periphere arterielle Verschlusskrankenheit


Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz paVk genannt, sind die großen Blutgefäße
meist im Becken und den Beinen verengt. Dadurch ist die Durchblutung gestört und verursacht
Beschwerden, zum Beispiel in Form von Schmerzen beim Laufen von kurzen Strecken oder aber in
Ruhestellung. Auch schlecht heilende Wunden oder Amputationen können Folgen einer paVk sein.
Ursachen für eine paVk sind unter anderem Rauchen, unbehandelter Bluthochdruck, hohe Blutfette
und Diabetes mellitus.

Peripheres Nervensystem
Nach der Lage der Nervenbahnen im Körper unterscheidet man zwischen einem zentralen und
einem peripheren Nervensystem. Die Funktion beider Systeme ist jedoch eng miteinander
verknüpft. Das periphere Nervensystem oder PNS (von „peripheres“, lateinisch: sich herum
bewegend, am Rand gelegen) beinhaltet die Gesamtheit der Nerven und deren Leitungsbahnen
außerhalb des Gehirns und Rückenmarks. Es verbindet das zentrale Nervensystem mit allen
Organen und Geweben. Man kann die Gesamtheit des PNS deswegen auch als Leitungskabel mit
allen Verzweigungen betrachten, die Informationen aus dem gesamten Körper zum Gehirn leiten
oder Impulse vom Gehirn empfangen und weiterleiten.

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perkutan
Als perkutan (von „per", lateinisch: durch und „cutis“, lateinisch: Haut) wird in der Medizin der Weg
von Medikamenten, Injektionsnadeln oder anderen medizinischen Geräten durch die Haut hindurch
bezeichnet. So werden Kanülen zur Blutabnahme oder Katheter in Gefäße perkutan, also durch die
Haut, eingestochen. Auch andere Hohlorgane, wie beispielsweise der Magen oder das
Nierenbecken, können perkutan mit einem Katheter erreicht werden. Und auch Medikamente in
Salben wirken durch die Haut hindurch.

Per-Protokoll-Analyse
Analyse, bei der nur die Teilnehmer ausgewertet werden, die eine Studie wie im Studienprotokoll
geplant abgeschlossen haben. Sie führt eher zur Überschätzung von Unterschieden.

Person-Trade-off
Technik zur Bewertung des gesellschaftlichen Werts verschiedener medizinischer Interventionen.
Der Befragte entscheidet sich zwischen zwei verschieden großen Personengruppen; in der einen
Gruppe befinden sich x Personen in Krankheitszustand A, in der anderen y Personen in
Krankheitszustand B. Es kann jedoch nur einer Gruppe geholfen werden. Die Anzahl der Personen
in den Gruppen wird nun so lange variiert, bis beide Alternativen gleichwertig erscheinen.

Phagozyten
Phagozyten oder Fresszellen sind Zellen, die tote Zellen und Keime entfernen können. Die
Phagozyten werden im Blutstrom transportiert.

Photodynamische Therapie
Bei einer photodynamischen (von „photo“, griechisch: Licht) Behandlung wird ausgenutzt, dass sich
bestimmte Stoffe durch eine Bestrahlung mit Licht in wirksame Medikamente umwandeln lassen.
Bei der Behandlung wird zunächst die Vorstufe des jeweiligen Medikaments zum Beispiel in eine
Vene gespritzt, so dass sich der Stoff im Körper verteilen kann. Anschließend wird dann das
erkrankte Organ oder Gewebe gezielt mit Laserlicht bestrahlt, so dass nur dort das eigentliche
Medikament entsteht. Auf diese Weise sollen unerwünschte Wirkungen vermindert werden.

Physikalische Maßnahmen
Physikalische Maßnahmen sind Behandlungsformen, bei denen ein Therapeut nicht mit
Medikamenten oder psychotherapeutischen Techniken arbeitet. Zu diesen Maßnahmen zählen
Massage, Wärme- und Kältebehandlungen, Elektrotherapeutische Maßnahmen, Krankengymnastik,
Ultraschall, Fangopackungen und Schlammbäder, Wassertherapien usw. Sie werden ergänzend zu
den anderen Behandlungsformen, aber auch alleine angewandt.

Physiotherapeuten
Physiotherapeutinnen und -therapeuten üben einen anerkannten medizinischen Beruf aus, der aber
keine medizinisch-akademische Ausbildung, wie z.B. ein Medizinstudium, voraussetzt. Sie haben
eine dreijährige Ausbildung zu absolvieren, während der sie auch medizinische Grundlagen lernen.
Sie dürfen aber keine medizinischen Diagnosen stellen, sondern wenden die verschiedenen
Therapieformen auf Grundlage der Diagnose und Anweisung einer Ärztin oder eines Arztes an.
Physiotherapeutinnen und -therapeuten nutzen vor allem sogenannte physikalische Maßnahmen wie
die Krankengymnastik, Massagetherapie, Ultraschall oder Lichttherapie u.a.

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Phytotherapie
Behandlung mit Arzneimitteln auf pflanzlicher Basis, zum Beispiel mit Kräuterextrakten oder Tees.

Placebo
Ein Placebo ist eine therapeutische Intervention, die von der aktiven Therapie nach Art der
Verabreichung, Aussehen, Farbe, Geschmack und Geruch nicht zu unterscheiden ist, aber keinen
spezifischen bekannten Wirkmechanismus hat. Meist wird der Begriff „Placebo“ im Zusammenhang
mit Medikamentenstudien verwendet. Placebos werden in Studien eingesetzt, um Teilnehmer und
Ärzte im Ungewissen zu lassen, wer welche Behandlung erhält (Verblindung). Demselben Zweck
dienen Scheinbehandlungen (Sham), die zur Verblindung bei Operationen und Eingriffen verwendet
werden können.

Placeboeffekt
Sammelbezeichnung für zum Teil psychologisch bedingte Einflüsse, die auf den Umständen der
Gabe einer Therapie beruhen und nicht auf einer spezifischen Wirkung der Therapie.

Plaque
Zahnbelag ist ein pelziger Überzug des Zahns meist am Rand zum Zahnfleisch. Medizinerinnen und
Mediziner sprechen in diesem Fall von "Plaque". Zahnbelag entsteht dort, wo sich auf den Zähnen
eine klebrige Eiweißschicht ablagert. An diese erste Schicht heften sich dann Mundbakterien, die
sich stark vermehren und dabei Schleim absondern, der zu einem festen Überzug verklebt.

Plazenta
Die Plazenta (Mutterkuchen) entwickelt sich in der Gebärmutter, nachdem sich eine befruchtete
Eizelle eingenistet hat. Sie wächst zu einem scheibenförmigen Organ mit einem Gewicht von etwa
500 g heran. Die Plazenta ist über die Nabelschnur mit dem Fetus verbunden und sorgt für seine
Ernährung. Nach der Geburt des Kindes wird der Mutterkuchen als "Nachgeburt" ausgestoßen.

Pneumokokken
Pneumokokken sind bestimmte Bakterien, die Infektionen hervorrufen können, beispielsweise eine
Lungenentzündung.

Pneumonie
Pneumonie („pneu“ aus dem Griechischen bedeutet „Hauch“) ist der medizinische Begriff für
Lungenentzündung. Sie kann durch Viren, Bakterien und Pilze ausgelöst werden, die über die
oberen Atemwege bis in die Lunge gelangen. Betroffen sind häufiger alte und sehr junge Menschen
sowie andere Personen mit schwachem Immunsystem. Zu den Krankheitsanzeichen gehören
Husten, Auswurf, Atemnot, Brustschmerzen und Fieber. Die Atmung ist beschleunigt und kann von
Rasselgeräuschen begleitet sein.

Polypen
Polypen sind Wucherungen der Schleimhaut, z.B. im Darm oder in den Nasennebenhöhlen. Der
Begriff wird meist für gutartige Wucherungen verwendet.

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Population
Gruppe von Personen. Populationen können zum Beispiel definiert sein durch geographische
Grenzen, Alter, Geschlecht oder bestimmte Erkrankungen. Zur Beantwortung von Forschungsfragen
wird nach Möglichkeit eine Stichprobe einer Population untersucht, die für die Gesamtgruppe
repräsentativ ist.

Positronen-Emissions-Tomografie
Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET ) ist eine bildgebende Untersuchung, bei der mehrere
Schichtbilder erstellt werden (von „tome", griechisch: Schnitt und graphein": schreiben). Die
Methode arbeitet mit einer schwach radioaktiven Substanz. Diese Substanz wird in eine Armvene
gespritzt und verteilt sich über das Blut im Körper. Das PET -Gerät kann den Weg dieser Substanz
im Körper genau verfolgen und die ausgesendete Strahlung messen. Mithilfe der PET kann man
ermitteln, wie aktiv der Stoffwechsel eines Gewebes ist, und insbesondere Gewebe mit hohem
Energiebedarf darstellen - beispielsweise das Gehirn oder Herzmuskelzellen, aber auch entzündetes
Gewebe oder Tumoren. Eine PET geht mit einer Strahlenbelastung einher.

Postthrombotisches Syndrom
Das Postthrombotische Syndrom ist der medizinische Fachbegriff für die Auswirkungen eines
Verschlusses einer Bein- oder Beckenvene. In der Folge schwillt das Gewebe an, die Haut verhärtet
sich. Später entzünden sich einzelne Bereiche und es können offene entzündliche Stellen entstehen,
in denen Gewebe zerstört ist.

Power
Die Fähigkeit einer Studie, einen vorhandenen Unterschied zum Beispiel zwischen zwei Therapien
tatsächlich statistisch signifikant nachzuweisen. Die Power einer Studie hängt unter anderem von
der Größe des Unterschieds und von der Häufigkeit des Ereignisses ab, anhand derer die Therapien
verglichen werden.

Pragmatische Studie
Eine Studie, in der experimentelle Behandlungen möglichst unter Alltagsbedingungen erprobt
werden, indem es kaum Einschränkungen bei Auswahl der Teilnehmer und sonstiger Behandlung
gibt. Steht im Gegensatz zu Studien, in denen Therapien unter Idealbedingungen erprobt werden,
um festzustellen, ob eine Therapie unter günstigen Umständen das Potenzial zu einem Nutzen hat.

Progesteron
Progesteron ist ein Geschlechtshormon, das zur Gruppe der Gestagene (Gelbkörperhormone)
gehört. Es wird vermehrt nach dem Eisprung in den Eierstöcken einer Frau gebildet. Progesteron
hat unterschiedliche Aufgaben: Das Hormon spielt vor allem eine wichtige Rolle bei der
Vorbereitung und Erhaltung einer Schwangerschaft. Es sorgt dafür, dass die
Gebärmutterschleimhaut aufgelockert wird und sich eine befruchtete Eizelle somit besser in der
Gebärmutter einnisten kann. Während einer Schwangerschaft ist die Konzentration von Progesteron
stark erhöht, da es dann im Mutterkuchen und außerdem weiterhin im Eierstock produziert wird.
Dort verhindert es, dass erneut Eizellen heranreifen. Zusätzlich fördert Progesteron unter anderem
den Knochen- und Muskelaufbau.

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Prognose
Prognose bedeutet soviel wie „Voraus-Wissen". Sie ist in der Medizin die Vorhersage darüber, wie
eine Krankheit wahrscheinlich verlaufen wird. Für eine Prognose wird der gegenwärtige Stand
einer Erkrankung kritisch beurteilt. Dafür ziehen Ärztinnen und Ärzte statistische und
wissenschaftliche Kriterien, aber auch ihre Erfahrung heran. Die Prognose kann sich im Verlauf
einer Erkrankung ändern.

Progressive Muskelrelaxation
Die progressive Muskelrelaxation (von „progressus“, lateinisch: Fortschreiten und „relaxare“,
lateinisch: erschlaffen, entspannen) ist eine weit verbreitete Methode, durch die schrittweise
Entspannung eintreten soll. Bei dieser Technik legt oder setzt man sich bequem hin und
konzentriert sich in einer bestimmten Reihenfolge auf einzelne Muskelpartien: Zunächst spannt
man sie für eine Weile bewusst an, hält die Spannung kurz und entspannt sie anschließend wieder
vollständig. So können die Muskeln im gesamten Körper gelockert werden. Eingesetzt wird die
progressive Muskelentspannung bei körperlichen Beschwerden wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen,
Schlafstörungen und Stress, aber auch als Begleitung einer Verhaltenstherapie oder bei
Angststörungen.

Prospektive Studie
In einer prospektiven Studie ist das den Forscher interessierende Ereignis (zum Beispiel eine
bestimmte Krankheit) zum Zeitpunkt des Studienbeginns noch nicht eingetreten. Forscher haben
die Möglichkeit, vorab die Ereignisse, die sie messen wollen, und die interessierenden
Einflussgrößen präzise zu definieren.

Prostaglandin
Prostaglandine sind Gewebshormone, dass heißt, sie werden von Zellen im Gewebe und nicht von
speziellen Drüsen gebildet. Man unterscheidet mehrere Gruppen mit zum Teil gegensätzlichen
Wirkungen. Prostaglandine der Gruppe 1 zum Beispiel wirken entzündungshemmend,
Prostaglandine der Gruppe 2 fördern dagegen Entzündungen und verstärken die
Schmerzwahrnehmung. Daher wirken viele Schmerzmittel wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS)
dadurch, dass sie unter anderem die Bildung von Prostaglandinen der Gruppe 2 hemmen.

Provitamine
Provitamine sind noch unwirksame Vorstufen von Vitaminen, die im Körper in das entsprechende
Vitamin umgewandelt werden. Dabei stellt der Körper nur die Menge an Vitamin her, die der
Stoffwechsel gerade benötigt. Beispiel für ein Provitamin ist der Pflanzenfarbstoff Beta-Karotin, eine
Vorstufe von Vitamin A. Beta-Karotin ist vor allem in roten und orangefarbenen Früchten und
Gemüsen wie Tomaten oder Möhren enthalten. Ein anderes wichtiges Provitamin ist das Provitamin
D. Es wird in der Haut durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts aktiviert und in weiteren Schritten
zu Vitamin D umgewandelt.

Prävalenz
Der Anteil von Menschen mit einem bestimmten Merkmal (zum Beispiel einer Erkrankung) zu einem
bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Population (siehe auch Querschnittsstudie).

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Prävention
Vorbeugung von Krankheiten und deren Folgen, mit dem Ziel der Vermeidung oder zumindest der
Verschiebung des Auftretens. Je nach Zeitpunkt im Verlauf einer Krankheit, lassen sich primäre,
sekundäre und tertiäre Prävention unterscheiden:

primär: Maßnahmen, die das Auftreten einer Krankheit verhindern oder verzögern, indem sie
Krankheitsursachen beseitigen oder verringern. Dazu zählen zum Beispiel Impfungen, Benutzung
von Kondomen, Trinkwasserhygiene, Vermeidung von Übergewicht. Primäre Prävention findet meist
als Teil des Alltagslebens außerhalb des Gesundheitswesens statt.

sekundär: Maßnahmen, die eine bereits begonnene Krankheit erkennen, bevor Symptome
auftreten, und die das Fortschreiten verhindern oder abbremsen sollen. Dazu zählen zum Beispiel
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen.

tertiär: Maßnahmen, die nach Auftreten einer Krankheit die weitere Verschlechterung verhindern
oder abbremsen oder die Häufigkeit von Komplikationen reduzieren sollen. Beispiele sind der
Einsatz von ASS, Betablockern oder Statinen nach einem Herzinfarkt.

Psychoonkologie
Die Psychoonkologie ist ein noch relativ neuer Bereich der Psychologie, der sich mit den
Auswirkungen einer Krebserkrankung beschäftigt. Die Betroffenen bekommen Unterstützung, um
mit den seelischen und sozialen Belastungen der Krebserkrankung und der Behandlung besser
umgehen zu können. Belastend können etwa die Diagnose selbst, die Angst vor einem erneuten
Auftreten oder dem Fortschreiten der Krankheit sein. Aber auch die Auswirkungen der Behandlung
beispielsweise einer Chemotherapie oder Bestrahlung vor allem auf das soziale Leben sind ein
wichtiges Thema. Bei einer psychoonkologischen Betreuung werden, soweit gewünscht, immer auch
die Angehörigen miteinbezogen. Die Betreuung übernehmen verschiedene Berufsgruppen wie z.B.
Psychologen, Mediziner aus den Bereichen Psychosomatik, Psychiatrie oder Onkologie
(Krebsmedizin) - aber auch Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Pflegende oder Kunsttherapeuten.

Psychopharmaka
Psychopharmaka ist die Sammelbezeichnung für Medikamente, die zur Behandlung psychischer
Störungen wie zum Beispiel Depressionen und Angsterkrankungen eingesetzt werden.

Pulmonal
Pulmonal (von „pulmo“, lateinisch: die Lunge) bedeutet wörtlich „die Lunge betreffend“. Unter
pulmonalen Erkrankungen etwa versteht man Erkrankungen der Lunge und im weiteren Sinne auch
der Atemwege. Wenn Medikamente beispielsweise in Form von Sprays oder per Inhalation
verabreicht werden, wird dies auch als pulmonale Anwendung bezeichnet. Im Gegensatz dazu
können Arzneimittel unter anderem auch über den Mund („oral“) oder über die Haut („perkutan“)
verabreicht werden.

Pumpleistung
Die Pumpleistung ist die Menge des Blutes, die das Herz innerhalb einer bestimmten Zeit in den
Blutkreislauf pumpt. Das gesunde Herz eines erwachsenen Menschen pumpt in Ruhe etwa 5 bis 6
Liter pro Minute. Bei einer körperlichen Belastung steigt dieses Herzminutenvolumen auf 20 bis 25
Liter. Krankheiten können die Pumpleistung des Herzens unnatürlich senken oder steigern. In der
Folge wird der Körper schlecht versorgt oder der Herzmuskel und das Blutgefäßsystem werden
belastet oder sogar geschädigt.

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Pupille
Die Pupille ist eine runde Öffnung in der Iris, der Regenbogenhaut. Die Pupille reagiert auf die
Helligkeit. Sie verengt sich bei hoher Lichteinstrahlung und erweitert sich bei geringem
Lichteinfall.

p-Wert
Salopp formuliert beschreiben p-Werte („p“ von probability) die Wahrscheinlichkeit, dass der in
einer Studie beobachtete Effekt alleine auf Zufall beruhen könnte. p-Werte können zwischen 0 und 1
liegen. Je kleiner der p-Wert, desto unwahrscheinlicher ist Zufall als Erklärung für ein Ergebnis. Per
Übereinkunft wird für die meisten Fragestellungen ein p-Wert gleich oder kleiner 0,05 als
„statistisch signifikant“ angesehen (entspricht einer Wahrscheinlichkeit für ein zufälliges Ergebnis
von höchstens 5 Prozent).

Pyelonephritis
Eine Pyelonephritis ist eine Entzündung des Nierenbeckens (von griechisch „nephros“: Niere,
„pylos“: Becken und „-itis“: Entzündung). Auslöser einer Pyelonephritis sind meist Bakterien, die
über die Harnröhre und Harnblase durch den Harnleiter bis ins Nierenbecken gelangt sind. Einer
akuten Nierenbeckenentzündung kann daher eine Blaseninfektion vorausgegangen sein. Die
Pyelonephritis kann sich durch Schmerzen in der Nierengegend, hohes Fieber sowie allgemeine
Schwäche äußern und zu Veränderungen des Urins führen. Heilt eine akute Pyelonephritis nicht
vollständig aus, kann sie in eine chronische Nierenbeckenentzündung übergehen, bei der
möglicherweise Nierengewebe unwiderruflich geschädigt wird.

QALY
Auf der Erwartungsnutzentheorie basierendes Nutzenkonzept, in dem erzielte oder erwartete
Lebensjahre und die Veränderung der in Nutzwerten ausgedrückten (gesundheitsbezogenen)
Lebensqualität in einem Index zusammengefasst werden. Jeder Gesundheitszustand erhält seinen
eigenen, bei Betroffenen oder anderen Referenzbevölkerungen erhobenen Nutzwert. Die QALYs
einer Person werden bestimmt, indem man die erwartete Dauer jedes Gesundheitszustandes mit
dem Nutzwert dieses Zustandes gewichtet. Das QALY bewegt sich in einem Skalenbereich von 1 bis
0, wobei ein QALY von 1 ein Jahr in voller Gesundheit bedeutet, während ein QALY von 0 dem Tod
entspricht. Der Nutzen einer Intervention ergibt sich durch den von ihr erreichten Zugewinn an
QALYs.

Äquivalenzbereich
Vorab definierter Wertebereich, innerhalb derer Ergebnisse unterschiedlicher medizinischer
Maßnahmen als gleichwertig betrachtet werden.

Äquivalenzhypothese
Zur Planung von Studien formulierte Festlegung, unter welchen Bedingungen zwei medizinische
Maßnahmen im Ergebnis als gleichwertig betrachtet werden können.

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Äquivalenzstudie
Klinische Studien zielen meist auf den Nachweis, dass eine medizinische Maßnahme einer anderen
überlegen ist. In Äquivalenzstudien wird jedoch untersucht, ob zwei oder mehr medizinische
Maßnahmen sich so wenig unterscheiden, dass dies klinisch ohne Bedeutung ist. Liegt der
beobachtete Unterschied inklusive der statistischen Unsicherheit innerhalb eines vordefinierten
Wertebereichs (Äquivalenzbereichs), können die Maßnahmen als gleichwertig betrachtet werden.

QUOROM-Statement
Das QUOROM-Statement (Quality of Reporting of Meta-analyses) beschreibt, welche Informationen
Publikationen von Meta-Analysen klinischer Studien standardmäßig enthalten sollten. Zentrale
Elemente sind eine Checkliste und ein Flussdiagramm, das den Umgang mit identifizierten Studien
beschreibt.

Radioaktiv
Als radioaktiv (von „radius“, lateinisch: Strahl und „activus“, lateinisch: tätig) wird die Eigenschaft
von chemischen Stoffen bezeichnet, ohne Einwirkung von außen zu zerfallen und dabei Strahlung
abzugeben. Einige Stoffe sind von Natur aus radioaktiv, die freigesetzte Strahlung wird natürliche
Strahlung genannt. Radioaktive Substanzen werden auch in der Medizin angewandt, beispielsweise
in der Diagnostik, aber auch bei der Therapie meist bösartiger Erkrankungen.

Radiofrequenztherapie
Zur Radiofrequenztherapie zählen verschiedene Verfahren, bei denen Körpergewebe durch
Wärmeeinwirkung verödet wird. Die dafür nötige Wärme wird durch elektromagnetische Wellen
erzeugt. Das Wärmefeld wird beispielsweise mit einer Sonde oder Nadel direkt an das Gewebe
herangeführt. Die Radiofrequenztherapie wird zum Beispiel bei der Behandlung von Krampfadern
und atmungsbedingten Schlafstörungen angewendet.

Randomisierte kontrollierte Studien


Eine randomisierte kontrollierte Studie ist ein spezieller Typ einer wissenschaftlichen Studie, die es
erlaubt, die Wirksamkeit einer Behandlung zu untersuchen. Die Studienteilnehmer werden per
Zufall unterschiedlichen Gruppen zugeordnet, sodass nicht vorhersehbar ist, wer in welche Gruppe
kommt. Dann erhält beispielsweise die eine Gruppe ein Medikament A, die andere Gruppe ein
Medikament B. Die zufällige Zuordnung zu den Gruppen ist notwendig, damit ein wirklicher
Vergleich zwischen den Medikamenten möglich ist. Wenn die Zuteilung nicht zufällig, sondern z.B.
durch eine Person vorgenommen wird, dann kann diese Person das Ergebnis der Studie im
Vorhinein stark beeinflussen.

Diese Person könnte z.B. besonders kranke Menschen vor allem mit dem Medikament A und
weniger kranke mit dem Medikament B behandeln. Dann hätte das Medikament B einen deutlichen
Vorteil, und es wäre am Ende der Studie nicht klar, ob Medikament B wirklich besser als
Medikament A ist. Die zufällige Zuteilung in einer randomisierten kontrollierten Studie bewirkt,
dass man sich ziemlich sicher sein kann, dass die Unterschiede in den Ergebnissen der Gruppen am
Ende der Studie tatsächlich auf die untersuchte Behandlung zurückzuführen sind und nicht auf
irgendeine andere Ursache.

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Randomisierung
Verfahren, um Teilnehmer einer kontrollierten Studie frei von subjektiven Einflüssen auf die
Untergruppen der Studie zu verteilen, zum Beispiel auf eine Interventions- und eine Kontrollgruppe.
Damit soll sichergestellt werden, dass beide Gruppen möglichst gleich zusammengesetzt sind, also
sich zum Beispiel in Alter der Teilnehmer und Schwere der Erkrankung nicht unterscheiden. Wenn
sich zwischen den beiden Gruppen im Laufe der Studie ein Unterschied zeigt, kann dieser kausal
auf die experimentelle Intervention zurückgeführt werden.

Randomisierung, stratifizierte
Variante der Randomisierung, bei der die Teilnehmer zuerst anhand von wichtigen Eigenschaften in
Untergruppen aufgeteilt werden. Dann werden die Teilnehmer jeder Untergruppe per Zufall den
Studiengruppen zugeteilt. Das soll sicherstellen, dass Faktoren mit besonders starker Bedeutung
für eine Krankheit auch tatsächlich gleich auf die Studiengruppen verteilt werden.

Rapid Report
„Rapid Report“ bezeichnet einen Publikationstyp des IQWiG. Rapid Reports werden vorrangig mit
dem Ziel einer kurzfristigen Information über relevante Entwicklungen im Gesundheitswesen
einschließlich neuer Technologien erstellt. Dabei ist meist eine schnelle Bearbeitung notwendig. Der
Ablauf der Erstellung von Rapid Reports unterscheidet sich von dem der Berichtserstellung in zwei
wesentlichen Punkten: 1. Es werden keine Berichtspläne und Vorberichte veröffentlicht, 2. Es
erfolgt keine Anhörung. Rapid Reports werden im Auftrag des G-BA oder BMG erstellt.

Rückenschule
Als Rückenschule werden Kurse bezeichnet, die Informationen und Übungen zur Rückengesundheit
vermitteln. Ziel der Kurse ist, Rückenproblemen vorzubeugen, bereits bestehende
Rückenschmerzen zu lindern und zu verhindern, dass sie chronisch werden. Die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer lernen, wie man sich rückenschonend bewegt und die Rücken- und
Bauchmuskulatur durch gezielte Übungen stärkt. Auch psychischer Stress, Bewegungsmangel und
Haltungsprobleme, beispielsweise am Arbeitsplatz, die mit Rückenbeschwerden in Verbindung
gebracht werden, sind bei der Rückschule ein Thema. Menschen mit Rückenproblemen sollen durch
die Rückenschule auch die Angst vor körperlicher Bewegung verlieren.

Receiver Operating Characteristic


Oft grafisch aufbereitete Präsentation des Zusammenhangs zwischen Sensitivität (Anteil der richtig­
positiven Ergebnisse) und des Anteils der falsch-positiven Ergebnisse eines diagnostischen
Verfahrens.

Reflexologie
Die Reflexologie ist eine therapeutische Richtung, die davon ausgeht, dass durch gezielte Massage
bestimmter Reflexzonen an den Füßen (aber auch an den Händen, der Nase, den Ohren)
Beschwerden in anderen Bereichen des Körpers gelindert werden können. Reflexologen gehen
davon aus, dass die Reflexzonen und entsprechende Organe über Energiebahnen verbunden sind.
Durch die Massage soll ein innerer Energiestau aufgelöst und ein Gleichgewicht im Körper
wiederhergestellt werden.

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Regressionsanalyse
Statistisches Verfahren um Art und Stärke des Zusammenhangs zwischen zwei oder mehr Faktoren
zu beschreiben, zum Beispiel die Abhängigkeit einer Krankheit vom Alter.

Regressionsmodell, multifaktoriell
Statistisches Verfahren um Art und Stärke des Zusammenhangs zwischen mehr als zwei Faktoren
zu beschreiben, zum Beispiel die Abhängigkeit einer Krankheit von Alter, Körpergewicht und
Rauchverhalten.

Rehabilitationsprogramm
Ein Rehabilitations- oder kurz Reha-Programm ist ein Paket von Maßnahmen, die erkrankten
Personen helfen sollen, soweit zu gesunden, dass sie z.B. wieder arbeiten oder überhaupt ein so
weit wie möglich unabhängiges Leben führen können. Bei Menschen mit einer chronischen
Krankheit sollen Reha-Programme helfen, dass sich ihre Krankheit nicht weiter verschlimmert. Reha-
Programme sind auf die jeweilige Krankheit abgestimmt. Je nach Krankheit zählen zu den
Maßnahmen Ausdauersport, gymnastische- oder Koordinationsübungen oder auch Sprachtraining.

Reizdarmsyndrom
Das Reizdarmsyndrom ist eine anhaltende Erkrankung, die zu Bauchschmerzen und Blähungen
führt und mit Verstopfung und / oder Durchfall einhergeht. Das Reizdarmsyndrom ist nicht
gefährlich, es kann aber sehr unangenehm sein und das tägliche Leben belasten. Die Beschwerden
können unter Umständen lange andauern. In der Regel verschwinden sie jedoch nach einiger Zeit
von selbst. Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht bekannt. Bei manchen
Menschen scheinen aber bestimmte Lebensmittel oder Stress ein Auslöser zu sein.

Reizstromtherapie
Die Reizstromtherapie zählt zu den Verfahren der so genannten Elektrotherapie, bei der über
Sonden schwache elektrische Signale in menschliches Gewebe geschickt werden. Ziel ist unter
anderem, die Muskeln und Nerven zu stimulieren, Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu
verbessern.

Rektum
Rektum ist der medizinische Begriff für Mastdarm oder Enddarm. Der Name bezeichnet die letzten
15 bis 20 Zentimeter des Dickdarms, die im After enden.

Reliever
Reliever sind Asthmamedikamente, die bei Asthmabeschwerden das Atmen erleichtern (engl. "to
relieve" = erleichtern), indem sie die Atemwege erweitern. Die Mittel werden meist inhaliert.
Schnell wirksame Medikamente können die Beschwerden innerhalb weniger Minuten lindern.
Werden sie nur bei akuten Symptomen eingesetzt, heißen sie auch Bedarfsmedikamente.

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Reminiszenztherapie
Die Reminiszenztherapie, auch Erinnerungstherapie genannt, ist ein Verfahren, das speziell für
ältere Menschen mit Gedächtnisstörungen oder Demenz entwickelt wurde. Sie beruht darauf, dass
im Alter vor allem die im Langzeitgedächtnis gespeicherten Erinnerungen gut verfügbar sind. Die
Personen sollen sich in der Therapie an Erlebnisse und Erfahrungen aus ihren vergangenen Tagen
erinnern und sie lebendig halten, zum Beispiel mithilfe eines „Erinnerungskoffers", der etwa Fotos,
alte Briefe und persönliche Gegenstände enthält. Dadurch sollen das Erinnerungsvermögen bewahrt
und die Lebensqualität verbessert werden.

Resistenz
Von einer Resistenz oder Widerstandsfähigkeit wird in der Medizin gesprochen, wenn ein
Organismus zum Beispiel vor Viren oder Giften geschützt ist. Beim Menschen gibt es Resistenzen,
die den Körper vor Infektionen schützen. Aber auch Krankheitserreger selbst können Resistenzen
entwickeln. Zum Beispiel können Bakterien gegen Antibiotika resistent werden; diese Mittel wirken
dann weniger gut oder gar nicht mehr gegen diese resistenten Bakterien.

Responder
1. Personen, die auf eine spezifische Behandlung in der erwarteten Weise reagieren. Zum Beispiel
Patienten mit erhöhtem Blutdruck, bei denen nach Einnahme eines Medikaments der Blutdruck
deutlich sinkt.

2. Personen in Befragungen, die einen zugesandten Fragebogen zurücksenden.

Retard
Retard (von „retardare", lateinisch: verzögern, verlangsamt wirkend) bezeichnet eine
Arzneimittelform, bei der Wirkstoffe erst verzögert und über einen längeren Zeitraum freigegeben
werden. Dies sind beispielsweise Tabletten oder Wirkstoffkügelchen in Kapseln, die einen speziellen
Überzug haben, der der Magensäure längere Zeit widersteht, so dass der enthaltene Wirkstoff nur
langsam freigesetzt und auch erst später in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Dadurch setzt die
Wirkung des Arzneimittels verzögert ein und hält dafür oft länger an, sodass die
Einnahmehäufigkeit verringert werden kann.

Retina
Die Netzhaut (Retina) kleidet die Rückwand des Augapfels aus, auf die die Linse ein Abbild der
Umwelt wirft. In der Netzhaut befinden sich lichtempfindliche Zellen, die Farben und Helligkeit des
Bildes in Nervensignale umwandeln, die das Gehirn verarbeiten kann.

Retrospektive Studie
In einer retrospektiven Studie ist die Erkrankung (das Ereignis) zu Beginn der Studie schon
eingetreten, und es wird rückblickend nach Risikofaktoren für die Erkrankung gesucht.

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Reye-Syndrom
Das Reye-Syndrom ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es vor allem zu
einer Schädigung des Gehirns und der Leber kommt. Seine Ursachen sind noch nicht genau
erforscht. Man hat aber beobachtet, dass es vor allem bei Kindern auftritt, die an einem Virusinfekt
erkrankt sind und Acetylsalicylsäure (ASS) einnehmen. Deshalb soll ASS bei Kindern nur in
Ausnahmefällen und unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. In seltenen Fällen tritt das
Syndrom aber auch auf, ohne dass das erkrankte Kind ASS eingenommen hat. Erwachsene sind nur
in Ausnahmefällen betroffen. Die Erkrankung kann bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie
folgenlos ausheilen. Das Reye-Syndrom ist nach dem australischen Wissenschaftler benannt, der es
als erstes beschrieben hat.

Rezeptor
Unter einem Rezeptor (von „recipere", lateinisch: annehmen, aufnehmen) versteht man allgemein
entweder Zellen oder bestimmte Zellbestandteile, die auf Einflüsse reagieren und ein Signal
weitergeben. Dazu gehören zum einen Sinnesorgane wie das Auge oder die Nase, bei der die Reize
Licht beziehungsweise Geruch von speziellen Zellen, den Sinnesrezeptoren erfasst und an das
Gehirn weitergeleitet werden. Zum anderen werden in der Medizin auch bestimmte Eiweiße als
Rezeptoren bezeichnet, die sich meist auf der Oberfläche von Zellen befinden. An diese Eiweiße
binden sich Hormone oder andere Botenstoffe, die wie eine Art Schlüssel nur in das jeweilige
Schloss passen. Durch diese Bindung werden im Inneren der Zelle weitere Reaktionen ausgelöst.

So gibt es beispielsweise für das Stresshormon Adrenalin zahlreiche Rezeptoren an


unterschiedlichen Stellen im Körper. Befindet sich mehr Adrenalin im Blut, kommt es durch das
vermehrte Andocken des Hormons beispielsweise zu einem Anstieg des Blutdrucks, der Herzschlag
beschleunigt sich und die Bronchien weiten sich. Bestimmte Medikamente wie Beta-Blocker
blockieren genau diese Rezeptoren und verhindern damit die Wirkung des Botenstoffes. Sie werden
etwa gegen Bluthochdruck eingesetzt.

Rezidiv
Das Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung oder spontaner
Verbesserung wird als „Rezidiv" oder auch „Rückfall" bezeichnet.

Rheumatoide Arthritis
Rheumatoide Arthritis, auch primäre chronische Polyarthritis oder Rheuma genannt, ist eine
chronisch entzündliche Gelenkerkrankung. „Arthritis" steht dabei für eine Gelenkentzündung (von
„arthros", griechisch: Gelenk und „itis", Entzündung). „Rheuma" kommt ebenfalls aus dem
Griechischen und bedeutet „fließen". Früher stellte man sich vor, dass bei Rheuma schleimige
Ströme vom Kopf in den Körper fließen und dort Krankheiten auslösen.

Heute verbinden wir mit Rheuma dem „fließenden" Charakter ausstrahlender Schmerzen und
Beschwerden, die von einem Gelenk zum anderen wandern. Typische Symptome einer
rheumatoiden Arthritis sind Schmerzen in den Gelenken, vor allem der Finger und Zehen, aber auch
der Knie, Schulter und Hüfte. Die Krankheit verläuft in der Regel in Schüben. Bei einem akuten
Schub werden die Gelenke warm, schwellen an und sind unbeweglich, besonders morgens
(sogenannte Morgensteifigkeit). Mit den Jahren versteifen die Gelenke durch die chronische
Entzündung zunehmend. Da es sich um eine Erkrankung des Immunsystems handelt, können auch
Organsysteme wie das Herz-Kreislaufsystem von den Entzündungsreaktionen betroffen sein.

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Rinder-Insulin
Schweine- oder Rinder-Insulin wird aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen oder Rindern
gewonnen. Schweine-Insulin unterscheidet sich vom menschlichen Humaninsulin chemisch durch
einen Eiweißbaustein (Aminosäure). Rinder-Insulin hat drei andere Aminosäuren als Humaninsulin.

Risiko
absolutes: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis bei einem einzelnen Menschen in
einer bestimmten Zeit eintritt. Der Bereich liegt zwischen 0 (das Ereignis wird überhaupt nicht
auftreten) und 1 (das Ereignis wird auf jeden Fall auftreten). Zum Beispiel bedeutet ein absolutes
Risiko von 0,6, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Ereignisses 60% beträgt. Von
100 Personen werden also 60 betroffen sein.

relatives: Angabe zur Quantifizierung eines Therapieeffekts bei Endpunkten, die nur in zwei
Ausprägungen vorliegen können (dichotome Endpunkte). Das relative Risiko basiert auf dem
Vergleich von zwei absoluten Risiken. Wenn zum Beispiel in der Kontrollgruppe einer Studie 30 von
100 Teilnehmern gestorben sind, beträgt das Risiko „30 von 100“ oder 0.30. Wenn in der
Therapiegruppe 20 von 100 Teilnehmern gestorben sind, liegt das Risiko bei 0,20. Das relative
Risiko ist das Verhältnis dieser beiden Risiken: 0,20 / 0,30 = 0,66. Wird oft auch in Prozent
angegeben: „Das relative Risiko beträgt 66 Prozent.“ Ein relatives Risiko von 1 bedeutet, dass
zwischen den Vergleichsgruppen kein Unterschied besteht. Bei Werten kleiner 1 ist das Risiko
verringert, bei Werten größer 1 erhöht.

Risikoreduktion, absolute
Angabe zur Quantifizierung eines Therapieeffekts bei Endpunkten, die nur in zwei Ausprägungen
vorliegen können (dichotome Endpunkte). Die absolute Risikoreduktion beschreibt die Differenz der
Ereignisraten in Kontroll- und Therapiegruppe, wenn die Therapie einen Nutzen hat. Wenn zum
Beispiel in der Kontrollgruppe einer Studie 30 von 100 Teilnehmern gestorben sind, beträgt das
Risiko „30 von 100“ oder 0.30. Wenn in der Therapiegruppe 20 von 100 Teilnehmern gestorben
sind, liegt das Risiko bei 0,20. Die absolute Risikoreduktion beträgt 0,3 - 0,2 = 0,1. Wird oft auch in
Prozent angegeben: „Die absolute Risikoreduktion beträgt 10 Prozent.“ Der Kehrwert der ARR
ergibt die Number Needed to Treat (1/ARR = NNT).

Rombo-Syndrom
Das Rombo-Syndrom ist eine sehr seltene erbliche Hauterkrankung. Die ersten Merkmale der
Erkrankung zeigen sich ungefähr ab dem siebten Lebensjahr: Lippen und Hände verfärben sich
bläulich-rot, an der Wangenhaut entstehen viele kleine Grübchen; später können Augenbrauen und
Wimpern ausfallen. Im Erwachsenenalter zeigen sich zahlreiche hautgrießähnliche Knötchen,
Hornpfropfen und Pusteln der Haut am ganzen Körper, vermehrt an den Streckseiten der Oberarme
und an den Unterschenkeln. Auch gutartige Gewebstumoren können entstehen. Bei Menschen mit
Rombo-Syndrom ist wahrscheinlich das natürliche Reparatursystem der Erbgutinformation (DNA)
gestört. Dadurch kommt es bei Lichteinwirkung zu Irritationen der Haut- und Gewebszellen.
Aufgrund des fehlerhaft arbeitenden Reparatursystems bekommen die Betroffenen häufig ab dem
35. Lebensjahr Basalzelltumoren, vor allem im Gesicht.

Sauerstoffaufnahme
Unter Sauerstoffaufnahme versteht man im medizinischen Zusammenhang die Menge Sauerstoff,
die ein Körper aufnimmt und verbraucht. Sie ist abhängig von Atemfrequenz und Atemtiefe, von der
Funktion des Sauerstoff-Transportsystems im Blut sowie der Fähigkeit der Muskeln, den Sauerstoff
aufzunehmen und zu verwerten. Ärztinnen und Ärzte messen die maximale Sauerstoffaufnahme, um
die Ausdauer einer Person zu ermitteln.

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Saugglocke
Eine Saugglocke ist über einen Schlauch mit einer Pumpe verbunden, die innerhalb der Glocke
einen Unterdruck erzeugen kann. Die Saugglocke kommt zum Einsatz, wenn der Kopf des Kindes
zwar schon eine zur Geburt geeignete Position hat, die Presswehen aber nicht mehr stark genug
sind, um das Kind ohne technische Hilfe gebären zu können. Die Glocke wird dann so auf dem Kopf
aufgesetzt, dass sie dort fest anhaftet, sodass das Kind mit den Wehen herausgezogen werden kann.

Scaling
Beim Scaling in der zahnärztlichen Praxis werden die Zähne mit einem Spezialgerät manuell
abgeschabt oder per Ultraschall gereinigt. Dabei können Zahnbelag, Zahnstein und Flecken auf den
Zähnen entfernt werden. Ein Scaling reinigt nicht nur die sichtbare Oberfläche des Zahns, sondern
auch die Wurzeloberfläche in der Zahnfleischtasche.

Schlafapnoe
Der Begriff "Schlafapnoe" bezeichnet kurze Atemstillstände während des Schlafs. Treten sie
regelmäßig auf und dauern länger als zehn Sekunden, sprechen Medizinerinnen und Mediziner vom
Schlafapnoe-Syndrom. Der kurzfristige Sauerstoffmangel lässt den Blutdruck steigen und die Person
kurz aufwachen, woran sie sich aber am folgenden Morgen nicht erinnern muss. In der Folge sind
Betroffene tagsüber schläfrig und haben Probleme, sich zu konzentrieren.

Schleudertrauma
Ein Schleudertrauma bekommen Personen, deren Kopf schnell und heftig nach hinten und dann
nach vorne geschleudert wurde, wie es z.B. bei einem Auffahrunfall passiert. Dabei wird die
Halsmuskulatur so stark überdehnt und gezerrt, dass die oder der Betroffene einige Zeit nach dem
Unfall Nacken- und auch Kopfschmerzen bekommt. Die Schmerzen sind zum Teil so stark, dass man
den Hals fast nicht mehr bewegen kann.

Schmerzbewältigungstherapie
Eine Schmerzbewältigungstherapie ist eine Methode aus der Verhaltenstherapie. Es geht darum,
den Umgang mit langandauernden starken Schmerzen zu lernen. Oft hat sich ein Teufelskreis aus
verstärkter Schmerzwahrnehmung, Angst vor den Schmerzen, körperlicher Schonung und weiterer
Schmerzverstärkung entwickelt. In den meisten Fällen finden Gruppengespräche statt, ergänzt
durch gelegentliche Einzelgespräche. Zu einer Schmerzbewältigungstherapie gehören
Entspannungstechniken und Übungen, bei denen man lernt, die Schmerzen bewusst
wahrzunehmen, um dann die Aufmerksamkeit vom Schmerz wegzulenken.

Schutzimpfung
Eine Impfung, auch Schutzimpfung genannt, ist eine Maßnahme, die vor Infektionskrankheiten
schützen soll, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden. Bei einer Impfung wird ein
Impfstoff in den Körper gebracht. Dieser soll den Körper zur Bildung von Abwehrstoffen gegen
bestimmte Bakterien oder Viren anregen.

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Schwangerschaftshormone
Bei Frauen spielen zwei Arten von Geschlechtshormonen eine wichtige Rolle: Östrogene und
Gestagene - beide sind auch die wirksamen Bestandteile in Antibaby-Pillen. Die Gestagene werden
nach ihrem Entstehungsort auch Gelbkörperhormone genannt. Nach dem Eisprung bildet sich aus
verbliebenen Zellen der Hülle im Eierstock ein sogenannter Gelbkörper. Dieser hat die Fähigkeit,
Gestagene zu bilden. Der Hauptvertreter ist dabei das Progesteron.

Schweine-Insulin
Schweine- oder Rinder-Insulin wird aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen oder Rindern
gewonnen. Schweine-Insulin unterscheidet sich vom menschlichen Humaninsulin chemisch durch
einen Eiweißbaustein (Aminosäure). Rinder-Insulin hat drei andere Aminosäuren als Humaninsulin.

Screening
Ein Screening ist ein Früherkennungsprogramm (aus dem Englischen: Screening = Durchsiebung).
Es richtet sich an Menschen, die sich nicht krank fühlen, und hat das Ziel, Krankheiten zu
entdecken, bevor sie Beschwerden verursachen. Dies soll eine frühzeitige und dadurch
erfolgreichere Behandlung ermöglichen. Ein Beispiel für ein Screening-Programm ist das Röntgen
der Brust (Mammographie) zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 69
Jahren.

Screening-Studie
Studie, in der Vor- und Nachteile eines Screening-Verfahrens untersucht werden.

Sedativa
Sedativa ist der medizinische Fachbegriff für Beruhigungsmittel. Diese Medikamente können
einerseits beruhigen, gleichzeitig aber das Reaktionsvermögen und das Denken beeinträchtigen.

Selen
Selen ist ein für den Menschen notwendiger Mineralstoff, der vor allem enthalten ist in Fisch,
Fleisch, Getreide, Nüssen und Innereien. Selenmangel kann entstehen durch eine chronische
Magen-Darm-Erkrankung, Nierenversagen oder eine unausgewogene Ernährung. Der Körper
braucht Selen, um bestimmte lebensnotwenige Stoffe herzustellen, die Körperzellen schützen.

Sensitivität
Die Sensitivität (Empfindlichkeit) ist ein Begriff, der angibt, wie zuverlässig ein medizinisches
Diagnoseverfahren erkennt, ob man erkrankt ist. Ein Test hat eine hohe Sensitivität, wenn er bei
der Suche nach einer bestimmten Krankheit möglichst viele erkrankte Menschen auch als krank
erkennt. Das heißt, dass er nur wenige kranke Menschen übersieht. Ein Beispiel: Wenn Ärztinnen
und Ärzte bei Verdacht auf eine bestimmte Krankheit zur Bestätigung einen Test anordnen, hat
dieser eine sehr hohe Sensitivität, wenn er 95 von 100 Menschen entdeckt, die die Krankheit
wirklich haben.

Sensitivitätsanalyse
Verfahren, um festzustellen, wie empfindlich (sensitiv) eine Modellrechnung oder eine Meta-Analyse
auf Veränderungen der Methodik reagiert - wenn also zum Beispiel einzelne Studien aus einer
Auswertung herausgenommen werden.

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Sepsis
Bei einer Sepsis werden Krankheitserreger, meist Bakterien, von einem lokalen Entzündungsherd,
zum Beispiel einer Hautinfektion oder bei Verletzungen, über die Blutbahnen gestreut. So lösen sie
im ganzen Körper eine Infektion aus. Eine Sepsis geht unter anderem mit hohem Fieber,
Schüttelfrost und allgemeinem Schwächegefühl einher. In der Folge kann es zum Ausfall von
Organen kommen. Ohne Behandlung ist eine Sepsis lebensgefährlich.

Sinneszellen
Die Netzhaut (Retina) des Auges enthält mehr als 120 Millionen Sinneszellen, die die einfallenden
Lichtstrahlen in Nervensignale umwandeln. Es gibt zwei Typen: "Stäbchen" ermöglichen das
"Schwarz-Weiß"-Sehen während der Dämmerung und nachts. "Zapfen" ermöglichen das Sehen von
Farben. Die Zapfen sind in der Makula, der Zone des schärfsten Sehens, besonders dicht gepackt.

Skiaskopie
Unter Skiaskopie versteht man objektive Methoden zur Bestimmung der Brechkraft der Augen. Mit
der Brechkraft ist die Sehstärke gemeint. Sie wird in Dioptrien mit Plusvorzeichen (Weitsichtigkeit)
oder Minusvorzeichen (Kurzsichtigkeit) in Abweichung von der hundertprozentigen Sehkraft
angegeben. Eine geübte Fachkraft kann die Skiaskopie durchführen, indem sie bestimmte
Lichtphänomene in der Pupille beobachtet und verschiedene Gläser vor das Auge hält. Oft
übernimmt diese Aufgabe jedoch ein spezielles Instrument, das Skiaskop. Es wirft zur Bestimmung
der genauen Brechkraft einen Lichtstrahl ins Auge und überprüft die Reflexion des Lichtes
mechanisch, indem verschiedene Korrekturlinsen in den Lichtstrahl geschoben werden.

Sklerosierung
Sklerosierung, auch Sklerotherapie oder Verödung genannt, ist ein medizinisches Verfahren, um
krankhaft veränderte Adern zu verschließen. Es wird zum Beispiel bei Krampfadern (Varizen) der
Beine, der Speiseröhre oder des Afters (Hämorrhoiden) angewendet. Dabei wird eine Substanz in
das betroffene Gefäß gespritzt, die eine lokale Entzündung der Gefäßwand hervorruft. Dadurch
verkleben die Wände miteinander und die Ader wird auf diese Weise verschlossen.

Somatisches Nervensystem
Das somatische Nervensystem (von „soma“, griechisch: Körper, Leib) steuert alle Vorgänge, die uns
bewusst sind und die wir willentlich beeinflussen können. Dies sind zum Beispiel gezielte
Bewegungen von Armen, Beinen und anderen Körperteilen. Deswegen wird es auch als willkürliches
Nervensystem bezeichnet.

Sonne-Wolken-Kalender (Belohnungssystem)
Der "Sonne-Wolken-Kalender" ist eine Methode, um Kindern das Bettnässen abzutrainieren. Für
jeden Tag, an dem das Kind nachts nicht ins Bett gemacht hat, malt es zur Belohnung eine Sonne in
seinen Kalender. An den anderen Tagen einen Mond. Die Sonne soll ein positiver Anreiz für das
Kind sein, nicht ins Bett zu machen.

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Sonographie
Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann das Innere des Körpers sichtbar gemacht
werden. Dazu werden Schallwellen oberhalb des menschlichen Hörbereichs verwendet, deren
„Echos“ sich in Bilder umwandeln lassen. Mit einem bestimmten Gerät werden diese Wellen in den
zu untersuchenden Körperteil gesendet und dort je nach Gewebeart stark (z.B. flüssigkeitsgefüllte
Körperhöhlen), schwach oder gar nicht (z.B. Knochengewebe) reflektiert. Das Ultraschallgerät
macht aus dem Echo auf einem Leuchtschirm ein räumliches Abbild der untersuchten Körperregion.
Typische Einsatzgebiete der Sonographie sind unter anderem Schwangerschaftsdiagnostik,
Diagnostik von Erkrankungen des Bauchraums wie Gallen- und Nierenerkrankungen sowie
Schilddrüsen- und Gefäßuntersuchungen.

Spezifität
Die Spezifität ist ein Begriff, der angibt, wie zuverlässig ein medizinisches Diagnoseverfahren
erkennt, ob man nicht erkrankt ist. Ein Test hat eine hohe Spezifität, wenn er bei der Suche nach
einer bestimmten Krankheit die nicht erkrankten Menschen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit
erkennt. Das heißt, dass er nur sehr wenige Menschen fälschlicherweise für krank hält. Ein Beispiel:
Wenn Ärztinnen und Ärzte bei Verdacht auf eine bestimmte Krankheit zur Bestätigung einen Test
anordnen, hat dieser eine sehr hohe Spezifität, wenn er bei 95 von 100 nicht erkrankten Menschen
richtig erkennt, dass sie die gesuchte Krankheit nicht haben.

Spinaliom
Das Spinaliom (von „spino“, lateinisch: Stachel), auch Stachelzellkrebs oder Plattenepithelkarzinom
genannt, entsteht in den sogenannten Stachelzellen der obersten Hautschicht. Diese Schicht wird
auch als verhornendes Plattenepithel bezeichnet. Daher auch die alternative Bezeichnung
Plattenepithelkarzinom. Im Gegensatz zum Melanom, dem „schwarzen Krebs“, der von den dunklen
Melanozyten der obersten Hautschicht ausgeht, wird das Spinaliom auch als „heller Hautkrebs“
bezeichnet. Als Auslöser gilt vor allem zu lange und zu häufige Einwirkung von Sonnenlicht, wobei
hellhäutige Menschen am stärksten gefährdet sind. Der Stachelzellkrebs kann rasch in andere
Hautschichten und in das umgebendes Gewebe wachsen. Die Hautveränderungen sind unscharf
begrenzt und rau, durch zunehmende Verhornung weiß gefärbt und können bei fortgeschrittenem
Verlauf blumenkohlartige Hautwucherungen bilden.

Spirometrie
Die Spirometrie ist ein medizinisches Verfahren, mit dem die Lungenfunktion gemessen wird. Das
dazu genutzte medizinische Gerät heißt Spirometer. Bei einer Spirometrie wird erfasst, wie viel und
wie schnell Luft ein- beziehungsweise ausgeatmet werden kann. Dies geschieht, indem nach
Anweisung in ein Mundstück geatmet und die Menge sowie die Geschwindigkeit an ein- und
ausgeatmeter Luft erfasst wird.

Sprachtherapie
Bei der Sprachtherapie werden einerseits Stimm- und Sprechstörungen wie Stottern, und Lispeln
behandelt. Andererseits betreuen Sprachtherapeuten auch Kinder, bei denen die
Sprachentwicklung verzögert oder die Sprachwahrnehmung gestört ist. Älteren Patientinnen und
Patienten helfen Sprachtherapeutinnen und -therapeuten zum Beispiel nach einem Schlaganfall das
Sprechen wiederzuerlernen und Schluckprobleme zu bewältigen.

Spritz-Ess-Abstand
Der Spritz-Ess-Abstand ist der Zeitraum zwischen der Injektion des Insulins und dem Beginn des
Essens.

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Spurenelemente
Spurenelemente sind Nährstoffe, die nur in kleinen Mengen (in „Spuren") vom Körper benötigt und
mit der Nahrung aufgenommen werden. Jod, Zink, Selen oder Eisen sind zum Beispiel
Spurenelemente. Eine zu geringe Zufuhr an Spurenelementen über einen längeren Zeitraum kann
zu gesundheitlichen Problemen führen. So kann Jodmangel die Arbeit der Schilddrüse
beeinträchtigen oder Eisenmangel zu Blutarmut führen.

Stabile Koronare Herzkrankheit


Eine Stabile Koronare Herzkrankheit ist eine Form der Erkrankung der Herzkranzgefäße, die man
als kontrollierte Form bezeichnen könnte. Beschwerden wie Brustschmerzen treten vorhersagbar
bei Belastung auf, hören aber auf, sobald der Betroffene sich weniger belastet oder ganz zur Ruhe
kommt. Ärzte unterscheiden vier Schweregrade. Bei Schweregrad Vier spürt der Patient schon
Schmerzen bei leichten alltäglichen Aktivitäten. Zu den Betroffenen zählen auch Personen, die
bereits einen Herzinfarkt hatten.

Stammzellen
Stammzellen sind Zellen, die sich zu verschiedenen Zellen oder Gewebstypen ausbilden können.
Grundsätzlich unterscheidet man embryonale und erwachsene (adulte) Stammzellen. Embryonale
Stammzellen können beim Ungeborenen in einem frühen Stadium alle Zell- oder Gewebstypen
bilden. Die auch beim Erwachsenen noch im Körper vorhandenen Stammzellen nennt man adulte
Stammzellen. Sie können im Gegensatz zu den embryonalen Stammzellen jedoch nicht mehr
sämtliche Zell- und Gewebetypen ausbilden, sondern sind auf die Neubildung bestimmter Zellen
oder Gewebe spezialisiert. Die vorwiegend im Knochenmark vorhandenen Blutstammzellen sind
zum Beispiel dafür zuständig, neue Blutzellen zu bilden, können aber beispielsweise kein neues
Nervengewebe bilden.

Standardabweichung
Die Standardabweichung ist ein Maß für die Streuung von Messwerten; sie berechnet sich aus der
Quadratwurzel der Varianz.

Standardfehler
Der Standardfehler ist ein Maß für die Präzision von Schätzwerten. Er ist z.B. hilfreich bei der
Konstruktion von Konfidenzintervallen.

Standard Gamble
Verfahren zur direkten Erhebung der Präferenzen für Gesundheitszustände, damit QALYs bestimmt
werden können. Hierbei sollen sich die Probanden ein hypothetisches Szenario vorstellen, in dem
sie aufgrund einer Krankheit in einen bestimmten Gesundheitszustand versetzt werden. Eine
mögliche Behandlung könnte sie nun mit der Wahrscheinlichkeit p vollständig heilen oder mit der
Wahrscheinlichkeit (1 - p) zum sofortigen Tod führen. Die Frage lautet nun, bei welcher
Wahrscheinlichkeit p die Befragten beide Alternativen als gleichwertig erachten (indifferent).
Daraus wird auf die Präferenz für den Gesundheitszustand geschlossen.

Statine
Statine bilden eine Klasse von Wirkstoffen, die vor allem als „Cholesterinsenker" bekannt sind
(senken die „Blutfettwerte"). Statine greifen in den Fettstoffwechsel des Körpers ein, der in der
Folge weniger Cholesterin produziert.

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Sterberegister
Im Sterberegister werden Daten zu Verstorbenen gesammelt - unter anderem Name, Wohnsitz,
Familienstand, Ort und Zeitpunkt des Todes. Bisher lief diese Erfassung noch über Sterbebücher,
die in den Standesämtern verwaltet werden. Seit 2009 erfolgt der Übergang in ein elektronisches
Sterberegister.

Stichprobe
Teilmenge einer Population. Stichproben werden stellvertretend für eine Population untersucht,
wenn eine Untersuchung der gesamten Population nicht möglich oder zu aufwendig ist. Um
repräsentativ für die Gesamtpopulation zu sein, muss die Stichprobe ausreichend groß und ohne
Verzerrung ausgewählt worden sein. Idealerweise geschieht diese durch zufällige Auswahl.

Stoffwechselerkrankung
Alle Vorgänge im menschlichen Körper beruhen letztlich auf chemischen Reaktionen, bei denen
Stoffe auf-, ab- oder umgebaut werden. Die Gesamtheit dieser Reaktionen nennt man Stoffwechsel.
Der Stoffwechsel sorgt beispielsweise dafür, dass der Körper ausreichend mit Energie versorgt
wird, und er hält so die Körperfunktionen aufrecht.

Von einer Stoffwechselerkrankung oder Stoffwechselstörung spricht man, wenn der gesamte
Stoffwechsel oder Teilbereiche nicht mehr richtig funktionieren. Die Ursache ist meistens, dass für
den Stoffwechsel wichtige Enzyme oder Hormone fehlen. Dies ist beispielsweise bei Typ-1-Diabetes
der Fall, bei dem es an dem Hormon Insulin mangelt. Dadurch gerät der gesamte
Zuckerstoffwechsel aus dem Gleichgewicht.

Andere Beispiele sind Gicht, bei der der Harnsäurestoffwechsel gestört ist, und eine
Schilddrüsenunterfunktion, bei der es an lebenswichtigen Schilddrüsenhormonen mangelt.
Stoffwechselstörungen können angeboren sein oder sich erst später im Leben entwickeln.

Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird auch als Radiotherapie oder Radioonkologie bezeichnet. Bei der
Strahlentherapie wird ein Tumor gezielt mit Röntgen- oder Elektronenstrahlung behandelt, um so
die Tumorzellen zu schädigen. Sie soll im Gegensatz zur medikamentösen Chemotherapie lokal, also
nur in der unmittelbaren Umgebung des Tumors wirken. Um die Bestrahlung möglichst verträglich
zu machen, wird die notwendige Strahlendosis nicht auf einmal verabreicht, sondern auf mehrere
Tage innerhalb einiger Wochen verteilt. Die Strahlentherapie wird je nach Krebsart mit den anderen
Therapieformen kombiniert.

Subgruppenanalyse
Auswertung, ob sich in einer Studie der Effekt einer Intervention zwischen verschiedenen
Untergruppen unterscheidet (zum Beispiel Geschlecht, Alter). Subgruppen-Analysen bringen in der
Regel keine verlässlichen Ergebnisse, wenn sie nicht von vorneherein beim Entwurf einer Studie
eingeplant wurden.

Subkutan
Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "unter der Haut". In der Medizin wird
subkutan häufig mit den Buchstaben "s. c." abgekürzt. Menschen mit Diabetes spritzen sich das
Insulin in das subkutane Gewebe (Unterhaut). Von dort wird es in die Blutgefäße aufgenommen.

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Supportivtherapie
Eine Supportivtherapie (von „supportare", lateinisch: unterstützen) umfasst alle Maßnahmen, die
die Nebenwirkungen einer Behandlung oder Krankheitsfolgen lindern sollen. Bei einer
Krebsbehandlung fallen darunter etwa die vorbeugende Gabe von Medikamenten gegen Übelkeit
oder die Schmerztherapie. Auch die Ernährung oder Haut- und Mundpflege zählen dazu.

Suprakonstruktion
Eine Suprakonstruktion ist der nach außen sichtbare Teil eines implantatgetragenen Zahnersatzes.
Dies kann eine Krone, Brücke, Teil- oder Vollprothese sein. Nach einem Zahnverlust wird zunächst
ein Implantat aus Titan oder Keramik als künstliche Wurzel in den Kiefer eingesetzt. Eine
Suprakonstruktion (von "supra", lateinisch: über, oberhalb und „construere": zusammenbauen)
kann dann am Implantat befestigt werden und so einen oder mehrere fehlende Zähne ersetzen.

Surrogatparameter
Endpunkte, die selbst nicht von unmittelbarer Bedeutung für einen Patienten sind, aber mit
patientenrelevanten Endpunkten assoziiert sind (zum Beispiel Senkung des Blutdrucks als
Surrogatparameter für Vermeidung eines Schlaganfalls). Surrogatendpunkte sind oft physiologische
oder biochemische Messwerte, die sich relativ schnell und einfach bestimmen lassen.
Surrogatparameter werden oft dann eingesetzt, wenn patientenrelevante Endpunkte relativ selten
oder erst mit einer längeren zeitlichen Verzögerung auftreten. Auch wenn ein Surrogatparameter
mit einem Endpunkt assoziiert ist, muss keine kausale Beziehung zwischen beiden bestehen.
Solange ein kausaler Zusammenhang nicht explizit belegt ist, kann aus Veränderungen eines
Surrogatparameters nicht auf Veränderungen von patientenrelevanten Endpunkten geschlossen
werden.

Survey
Umfrage, Bestandsaufnahme, Studie.

Sympathikus
Der Sympathikus (von „sympathem", griechisch: mitleiden, mitempfinden) ist ein Teil des
unwillkürlichen Nervensystems. Das sympathische Nervensystem bereitet den Organismus auf
körperliche und geistige Leistungen vor. Es sorgt beispielsweise dafür, dass das Herz schneller und
kräftiger schlägt, dass sich die Atmung beschleunigt und die Atemwege erweitern. So kann der
Körper mehr Sauerstoff aufnehmen und transportieren. Die Leistungsfähigkeit verbessert sich.
Gleichzeitig wird unter anderem die Verdauungstätigkeit gehemmt. Der Gegenspieler dazu ist das
parasympathische Nervensystem (Parasympathikus). Sympathikus und Parasympathikus wirken
aber nicht immer entgegengesetzt; bei manchen Funktionen ergänzen sich beide Nervensysteme.

Symptom
Ein Symptom (von „symptoma", griechisch: Zufall, Begleiterscheinung) ist in der Medizin ein
Krankheitszeichen, das auf eine Erkrankung hinweist. Symptome können Beschwerden sein, die
Betroffene selbst wahrnehmen, oder Anzeichen, die die Ärztin oder der Arzt durch eine
Untersuchung feststellt. Im weiteren Sinne zählen auch durch Messungen erfasste Veränderungen
dazu, die durch eine Krankheit oder Verletzung bedingt sind.

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Systematische Übersicht
Zusammenfassende Forschungsarbeit zu einer klar formulierten Frage, die auf definierten
Methoden und einem systematischen, reproduzierbaren Vorgehen basiert. Vorhandene Studien zu
einer Frage werden recherchiert, auf Relevanz geprüft und kritisch bewertet. Aus den (aufgrund
vorab definierter Kriterien) identifizierten Studien werden die Ergebnisse extrahiert und, wenn
sinnvoll, mit statistischen Methoden (Meta-Analyse) zusammengefasst.

Szintigrafie
Eine Szintigrafie (von „szintillare", lateinisch: blitzen, funkeln und „grafein", griechisch: zeichnen,
beschreiben) ist eine Untersuchungsmethode, mit der man beispielsweise ermitteln kann, wie aktiv
der Stoffwechsel eines bestimmten Organes oder Gewebes ist. Bei der Untersuchung wird eine
schwach radioaktive Substanz in eine Vene gespritzt. Diese Substanz gelangt über das Blut auch in
das zu untersuchende Organ oder Gewebe. Über eine spezielle Kamera wird die Strahlung, die von
der radioaktiven Substanz ausgeht, mithilfe eines Kristalls erfasst: Der Kristall erzeugt jedes Mal
einen Lichtblitz, wenn ein Strahlungsteilchen auf den Kristall auftrifft. Diese Lichtblitze werden
elektronisch erfasst und zu einem Bild zusammengesetzt. So kann man sehen, ob in dem
untersuchten Gewebe besonders viel der Substanz angereichert wird oder eher wenig. Eine
typische Farbszintigrafie stellt Stellen mit hoher Strahlenaktivität rot dar, solche mit geringer
Aktivität blau. Die Szintigrafie wird beispielsweise zur Untersuchung der Schilddrüse, des Skeletts
oder des Herzens eingesetzt.

Tagesklinik
Eine Tagesklinik ist eine Art Krankenhaus, in dem Patientinnen und Patienten nur für einige
Stunden täglich betreut werden. Die Nächte und einige Tagstunden verbringen sie typischerweise
zu Hause. So ermöglicht eine Tagesklinik ein höheres Maß an Selbstständigkeit als ein
vollstationärer Aufenthalt und erleichtert die "Abnabelung" vom Krankenhaus.

Tai Chi
Tai Chi ist eine in China entwickelte Kampfkunst, die auch chinesisches Schattenboxen genannt
wird. Typisch für Tai Chi sind langsame, fließende Bewegungen, die traditionell morgens im Freien
geübt werden. Ursprünglich als Selbstverteidigungsstrategie entwickelt, wird Tai Chi heute sowohl
in China als auch in der westlichen Welt vornehmlich praktiziert, um die Konzentration zu erhöhen,
zu entspannen, die Gesundheit zu fördern und chronische Beschwerden zu lindern.

TENS
TENS ist die Abkürzung für „transkutane elekrische Nervenstimulation". TENS-Geräte werden bei
der Schmerzbehandlung eingesetzt. Sie übertragen elektrische Reize über die Haut auf das
Nervensystem. Dadurch soll die Weiterleitung des Schmerzes ans Gehirn gemindert und die Bildung
des körpereigenen, schmerzlindernden Hormons Endorphin angeregt werden.

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Therapeutischer Zusatznutzen
Das IQWiG ist laut Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG 139a (3) SGB V) mit der Bewertung des Nutzens
und der Kosten von Arzneimitteln beauftragt. Die Art der Bewertung des Nutzens und der Kosten
von Arzneimitteln wird in § 35b (1) SGB V näher bestimmt. Danach hat eine Bewertung durch den
Vergleich mit anderen Arzneimitteln und Behandlungsformen unter Berücksichtigung des
therapeutischen Zusatznutzens für die Patienten im Verhältnis zu den Kosten zu erfolgen. Nutzen
bzw. Schaden wird im Vergleich mit Placebo (oder einer andersartigen Scheinbehandlung) oder
keiner Behandlung festgestellt. Bei einem Vergleich der zu evaluierenden medizinischen
Intervention mit einer anderen, eindeutig definierten medizinischen Intervention spricht das IQWiG
im Falle eines höheren Nutzens von „Zusatznutzen".

Therapie
Als Therapie (von „therapeia", griechisch: Pflege, Heilung) wird in der Medizin die Behandlung von
Krankheiten, einzelnen Beschwerden oder Verletzungen bezeichnet. Genauer sind damit die
einzelnen Maßnahmen zur Behandlung einer Erkrankung gemeint. Diese Maßnahmen umfassen
beispielsweise eine Änderung der Ernährungsweise, die Einnahme von Medikamenten, Operationen
oder Krankengymnastik. Das Ziel einer Therapie ist Heilung oder zumindest eine Verbesserung der
Beschwerden.

ätherische Öle
Ätherische Öle sind ölige, leicht verdampfende Extrakte aus Pflanzen oder Pflanzenteilen mit einem
starken, für die Herkunftspflanze charakteristischen Geruch. Sie sind häufig in Medikamenten,
Kosmetika und Lebensmitteln enthalten. Es gibt viele nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel
mit Wirkstoffen aus ätherischen Ölen, zum Beispiel aus Pfefferminz- und Eukalyptusblättern,
Kamillenblüten, Fenchelfrüchten oder Kiefernnadeln. Die Anwendungsgebiete der ätherischen Öle
sind von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich.

Thrombophilie
Menschen mit einer Thrombophilie neigen zur Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen (von
„thrombos", altgriechisch: Klumpen und von „phileein", griechisch: lieben). Ursache für die
Gerinnselbildung kann eine veränderte Zusammensetzung des Blutes sein: Normalerweise sind
gerinnungsfördernde und gerinnungshemmende Stoffen im menschlichen Blut im Gleichgewicht.
Werden aber zu wenig gerinnungshemmende oder zu viel gerinnungsfördernde Substanzen
gebildet, gerät das Blut ins Stocken. Auch bei Veränderungen der Blutzellen oder der Blutplättchen
- den Thrombozyten - können sich leichter Blutgerinnsel bilden.

Thrombozyten
Thrombozyten (von „thrombos", altgriechisch: Klumpen und von „zytos", altgriechisch: Hülle) sind
die kleinsten Zellen des Blutes und werden aufgrund ihres Aussehens auch Blutplättchen genannt.
Sie unterstützen die Blutgerinnung, indem sie sich bei der Verletzung eines Blutgefäßes an die
offene Stelle und das Bindegewebe in der Nähe anheften und verklumpen. Dadurch wird die
verletzte Stelle und somit das Gefäß abgedichtet. Zusätzlich produzieren Thrombozyten
gerinnungsfördernde Stoffe, um die Blutung vor Ort schnell zu stoppen. Blutplättchen entstehen im
Knochenmark und gelangen von dort ins Blut. Nach acht bis zwölf Tagen werden sie vor allem in
der Milz abgebaut.

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Thyreotropin-Releasing-Hormon
Das TSH-Releasing -Hormon (von „release “, englisch: freigeben) wird vom Hypothalamus, einem
Teil des Zwischenhirns, gebildet. Es regt die Hirnanhangsdrüse an, mehr Thyroidea stimulierendes
Hormon (TSH ) ins Blut abzugeben. TSH gelangt dann über das Blut in die Schilddrüse und fördert
dort die Bildung und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen. Neben seiner Hauptwirkung auf die
Schilddrüsenhormone stimuliert TRH auch die Freisetzung von Prolaktin, einem Hormon, welches
das Wachstum der weiblichen Brust während der Schwangerschaft und die Milchproduktion anregt.

Thyroidea stimulierendes Hormon


Das Thyroidea stimulierende Hormon (TSH ) regt die Schilddrüse an, mehr Schilddrüsenhormone
zu bilden. Es wird von der Hirnanhangsdrüse produziert und gelangt über das Blut in die
Schilddrüse. Die Bildung von TSH in der Hirnanhangsdrüse wird wiederum vom Zwischenhirn
gesteuert. Dort entsteht die Substanz TRH , die dazu führt, dass mehr TSH freigesetzt wird. Ist die
Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut zu hoch, wird die TSH -Bildung gehemmt. Dadurch bleibt
der Schilddrüsenhormonhaushalt bei einem gesunden Menschen im Gleichgewicht.

TIA
TIA ist die Abkürzung für transitorische ischämische Attacke. Es handelt sich hierbei um eine
vorübergehende („transitorische“) Durchblutungsstörung („Ischämie“) von Hirngefäßen, deren
Anzeichen sich innerhalb von 24 Stunden wieder zurückbilden. Eine TIA kann sich durch
schlaganfallähnliche Symptome bemerkbar machen, wie beispielsweise eine halbseitige Lähmung
von Arm oder Bein, oder Sehstörungen. Diese Anzeichen können wenige Minuten bis mehrere
Stunden andauern. Eine TIA kann Vorbote eines Schlaganfalls sein.

Tiefe Beinvenenthrombose
Bei einer tiefen Beinvenenthrombose ist nicht eine oberflächlich Vene direkt unter der Haut,
sondern eine Vene im Inneren des Beins oder auch des Beckens teilweise oder vollständig
verschlossen, sodass kein oder nur noch wenig Blut durch diese Vene fließt. Der medizinische
Fachbegriff ist Phlebothrombose.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie


Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat sich aus der klassischen Psychoanalyse
entwickelt. Wie die Psychoanalyse geht auch diese Therapierichtung davon aus, dass die Ursache
psychischer Probleme in unbewussten seelischen Konflikten liegt, die in der Therapie genauer
ergründet werden sollen. Dahinter steckt die Annahme, dass man die Probleme im täglichen Leben
besser bewältigen kann, wenn man sich darüber im Klaren ist, wo sie herrühren. Im Vergleich zur
klassischen Psychoanalyse, bei der die einzelnen Sitzungen frei und ohne eine vorgegebene
Struktur verlaufen, ist die tiefenpsychologische Psychotherapie stärker zielgerichtet. Der
Ausgangspunkt sind aktuelle psychische oder soziale Konflikte. Von dort aus werden Erinnerungen
an Kindheits- und Jugenderlebnisse aufgegriffen und in Zusammenhang mit der aktuellen Situation
gebracht. Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie dauert in der Regel sechs Monate bis
zwei Jahre.

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Time-Trade-off
Methode zur direkten Erhebung der Präferenzen für Gesundheitszustände, damit QALYs bestimmt
werden können. Hierbei werden die Befragten mit einem hypothetischen Szenario konfrontiert, in
dem sie aufgrund einer Krankheit in einen bestimmten Gesundheitszustand versetzt werden. Eine
Behandlung könnte die Krankheit vollständig heilen, doch die Befragten müssten eine Verkürzung
ihrer Lebensdauer in Kauf nehmen. Die Frage lautet nun, bei wie vielen Jahren Lebensdauerverlust
die Probanden beide Alternativen als gleichwertig erachten (indifferent). Daraus wird sind auf die
Präferenz für den Gesundheitszustand geschlossen.

Totimpfstoffe
Totimpfstoffe sind Impfstoffe, die im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen mit stark abgeschwächten
Erregern getötete Krankheitserreger oder deren Bestandteile enthalten. Derartige Impfstoffe
können keine Infektionen mehr auslösen. Sie regen den Körper aber dennoch an, einen Schutz
gegen eine Infektion mit dem jeweiligen Erreger aufzubauen. Die meisten üblichen Impfungen
werden inzwischen mit Totimpfstoffen durchgeführt.

Tranquilizer
Tranquilizer werden Medikamente genannt, die beruhigen, den Schlaf fördern, Angst dämpfen
und/oder die Muskulatur entspannen. Eine bedeutende Wirkstoffklasse von Tranquilizern sind die
Benzodiazepine, zu denen z.B. Diazepam gehört.

Transplantation
Bei einer Transplantation (von „transplantare", lateinisch: versetzen) werden Zellen, Gewebe oder
ganze Organe verpflanzt. Je nach Herkunft der Zellen unterscheidet man dabei die autologe
Transplantation von der allogenen: Autolog bedeutet, dass der Spender und Empfänger des
Gewebes dieselbe Person ist. Dies wird etwa angewandt bei Hauttransplantation nach schweren
Verbrennungen oder bei einem verstopften Herzkranzgefäß unter Verwendung eines
Beinvenenstücks (Bypass). Bei der allogenen Transplantation dagegen stammt das gespendete
Gewebe von einer anderen Person. Zu den allogenen Transplantationen gehören beispielsweise die
Nieren-, Herz-, Leber- oder Lungentransplantation.

Trigger
Englisches Wort für "Auslöser". In der Medizin werden die Auslöser von Krankheitszuständen und
Symptomen als "Trigger" bezeichnet. Asthmatische Beschwerden zum Beispiel können von
physikalischen "Triggern" wie kalter Luft ausgelöst werden.

Tumorzentrum
Ein Tumorzentrum koordiniert die Betreuung von Krebspatienten in einer Region. Hier arbeiten
Experten verschiedener Fachrichtungen eng zusammen und treffen sich zu sogenannten
Fallbesprechungen, um die Behandlung eines an Krebs erkrankten Menschen zu planen. In einem
Tumorzentrum werden Patienten mit unterschiedlichen Krebsarten behandelt. Daneben bieten
Tumorzentren oft auch eine Beratung für Betroffene und Angehörige an. Sie forschen über die
Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Krebs und sind an der Entwicklung von
Behandlungsleitlinien beteiligt. Tumorzentren wurden in den 1990er Jahren auf Initiative der
Bundesregierung gegründet. Mittlerweile ist die jeweilige Landesregierung für sie zuständig.

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Ulcus cruris
Offenes Bein oder "Ulcus cruris" ist ein Geschwür am Unterschenkel. Dieses Geschwür entsteht
häufig bei einer chronischen Venenschwäche, seltener bei Durchblutungsstörungen der Arterien,
bei langjährigem Diabetes oder bei verschiedenen anderen Krankheiten.

Ulkus
Der Begriff "Ulcus" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Geschwür. Ein Ulkus ist ein Defekt
der Haut oder der Schleimhaut, der bis in das Unterhautgewebe reicht. Ein Ulkus kann an
verschiedenen Stellen des Körpers auftreten, zum Beispiel im Magen (Ulcus ventriculi), im
Zwölffingerdarm (Ulcus duodeni), an den Beinen (Ulcus cruris) oder an druckbelasteten
Körperstellen bei bettlägerigen Patienten wie Steißbein oder Ferse (Dekubitus, Druckulkus).
Bestimmte Faktoren können die Entstehung eines Ulkus fördern, beispielsweise
Durchblutungsstörungen, Infektionen, Tumore, Diabetes oder Gefäßerkrankungen wie zum Beispiel
eine arterielle Verschlusskrankheit. Ein Ulkus ist häufig sehr schmerzhaft und es dauert oft lange,
bis er heilt.

Ultraschalltherapie
Bei der Ultraschalltherapie werden Schallwellen eingesetzt, um Schmerzen zu lindern und die
Selbstheilungskräfte zu fördern. Auf die Körperstelle, die behandelt werden soll, wird ein
sogenanntes Kontaktgel aufgetragen. Dann wird ein Schallkopf über diese Stelle geführt, der
Schallwellen überträgt. Die Schallwellen lösen eine Vibration des Gewebes aus, eine sogenannte
„Mikromassage". Außerdem erwärmen sie das behandelte Gewebe. Die Ultraschalltherapie wird
unter anderem bei Muskel- und Sehnenschmerzen, Knochenbrüchen und zur Behandlung von
Narbengewebe angewendet.

Unerwünschtes Ereignis
Ein schädliches Ereignis, das nach oder während des Einsatzes einer Intervention wie zum Beispiel
der Einnahme eines Medikaments eintritt, ohne dass beurteilt wird, ob es sich um eine kausale
Folge handelt.

Unerwünschte Wirkung
Ein schädliches Ereignis, bei dem zumindest ein begründeter Verdacht auf eine kausalen
Zusammenhang mit dem Einsatz einer Intervention besteht.

Urologe
Urologen sind Fachärzte, die auf Erkrankungen der Harnwege spezialisiert sind, angefangen bei
den Nieren über den Harnleiter und die Blase bis zur Harnröhre. Außerdem sind Urologen die
vorrangigen Behandler bei Symptomen und Erkrankungen im Bereich der männlichen
Geschlechtsorgane. Für die Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane sind in der Regel
Gynäkologen zuständig.

Uterus
Der Uterus (die Gebärmutter) ist ein Teil der weiblichen Geschlechtsorgane. Wenn eine Frau
schwanger wird, nistet sich in der Gebärmutter die befruchtete Eizelle ein und entwickelt sich dort
weiter zum Embryo. Der Uterus liegt hinter der Scheide und ist über zwei Eileiter mit den
Eierstöcken (Ovarien) verbunden.

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U-Untersuchung
Vorsorgeuntersuchungen des Kindes werden U-Untersuchungen genannt. Die insgesamt 11
Untersuchungen sollen jeweils in einem bestimmten Alter stattfinden, beginnend unmittelbar nach
der Geburt (U1) bis zur U11 im 11. Lebensjahr. Sie sind ein Screeningprogramm zur
Früherkennung kindlicher Entwicklungsstörungen. In der Regel führt sie die Kinderärztin oder der
Kinderarzt durch.

UV-Strahlung
UV-Strahlung ist die Abkürzung für ultraviolette Strahlung. Sonnenlicht beispielsweise enthält UV-
A, UV-B und UV-C-Strahlung, wobei A einen geringen, B einen mittleren und C einen hohen
Energiegehalt hat. Die natürlichen UV-A-Strahlen der Sonne treffen überall mit der gleichen
Intensität auf die Erdoberfläche. Sie bewirken eine schnelle, nur kurzfristige Bräunung der
menschlichen Haut und lassen sie vorschnell altern.

Auch künstliches UV-Licht der Sonnenbänke enthält hauptsächlich UV-A-Strahlung. UV-B-Strahlen


dringen nur zu einem geringen Prozentsatz zur Erde durch; ihre Intensität ist von der geografischen
Lage, der Jahres- sowie Tageszeit abhängig. Sie bräunen die Haut langsamer und nachhaltiger, was
der Haut einen gewissen Eigenschutz vor weiterer Sonnenstrahlung gibt. UV-B-Strahlung benötigt
der Körper, um das lebenswichtige Vitamin D zu bilden.

Die UV-C-Strahlung der Sonne wird fast vollständig von der Erdatmosphäre abgefangen. Alle UV-
Strahlen können die menschliche Haut schädigen und Hautkrebs auslösen. Allerdings wird in der
Medizin auch kontrolliert dosierte UV-Strahlung zur Therapie chronisch entzündlicher
Hauterkrankungen eingesetzt.

Vakuumsversiegelungstherapie
Bei einer Vakuumversiegelungstherapie wird eine Wunde einem Unterdruck ausgesetzt. Wie bei
jeder chronischen Wunde säubern Ärztinnen, Ärzte oder Pflegekräfte zunächst die Oberfläche und
die Ränder der Wunde und entfernen abgestorbenes Gewebe und Wundsekret. Danach bedecken sie
die Oberfläche der Wunde mit einem sterilen Schwamm und fixieren ihn mit einer Folie luftdicht auf
der umliegenden Haut. Aus dem Schwamm führt ein kleiner Schlauch nach außen, der an eine
Pumpe mit einem Behälter angeschlossen ist. Durch die Versiegelungstherapie wird die Wunde
ständig gleichmäßig feucht gehalten, ohne zu nass zu sein.

Validation
Die Validation ist eine spezielle Methode für den Umgang mit Menschen mit Demenz. Es gibt zehn
Grundsätze, die im Gespräch und im Umgang mit den erkrankten Menschen eingehalten werden
sollen. Unter anderem sollen Verhaltensweisen nicht bewertet und kritisiert, sondern akzeptiert
werden. Außerdem soll den Gefühlen, Werten und Erfahrungen des demenzkranken Menschen
genügend Platz eingeräumt werden.

Validität
Man unterscheidet zwischen interner und externer Validität einer Studie. Zur Bewertung der
internen Validität muss überprüft werden, inwieweit der Einfluss verzerrender Faktoren durch die
Machart der Studie minimiert wurde, ob also Ergebnisse tatsächlich auf die untersuchte Therapie
zurückzuführen sind. Die externe Validität beschreibt die Übertragbarkeit (Generalisierbarkeit)
der Studienergebnisse auf Patientengruppen oder Bedingungen der Routineversorgung. Die
Generalisierbarkeit hängt zum Beispiel von der Auswahl der Studienteilnehmer und von der
Qualifikation der beteiligten Ärzte ab.

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Varianz
Ist ein Maß für die Streuung mehrere Messwerte. Zur Berechnung wird (a) zu jedem Messwert die
Differenz zum Mittelwert gebildet, (b) diese Differenz quadriert, (c) die Quadrate dann aufaddiert
und (d) die Summe durch die Anzahl der Werte minus 1 dividiert.

Vasopressin
Vasopressin ist ein Hormon, das die Niere dazu veranlasst, vermehrt Wasser aus dem Harn
zurückzugewinnen. Es wird nachts verstärkt ausgeschüttet und sorgt so dafür, dass weniger Urin
produziert wird. Vasopressin wird auch als antidiuretisches Hormon (ADH) bezeichnet, also eine
Substanz, die antidiuretisch ("Harnbildung unterbindend") wirkt.

Vegetatives Nervensystem
Das vegetative oder auch autonome Nervensystem (von „vegetare“, lateinisch: beleben, anreizen
und von „autonomia“, altgriechisch: selbstständig) regelt die Abläufe im Körper, die man nicht mit
dem Willen steuern kann. Es ist ständig aktiv und reguliert beispielsweise den Herzschlag, die
Darmtätigkeit und den Stoffwechsel. Hierzu empfängt es Signale aus dem Gehirn und sendet sie an
die entsprechenden Organe. In der Gegenrichtung überträgt das vegetative Nervensystem
Meldungen des Körpers zum Gehirn, zum Beispiel wie voll die Harnblase ist oder wie schnell das
Herz schlägt. Das vegetative Nervensystem kann sehr rasch die Funktion des Körpers an veränderte
Bedingungen anpassen: Ist uns beispielsweise warm, wird die Haut stärker durchblutet und mehr
Schweiß gebildet, um den Körper abzukühlen.

Verblindung, doppel-blind
Maßnahme während einer Studie, um die Patienten aber auch Ärzte, Pflegepersonal und/oder
Wissenschaftler bis zum Ende im Unwissen zu lassen, welche Patienten welche medizinische
Maßnahme erhalten haben. Ziel der Verblindung ist es, Verzerrungen zu minimieren, die entstehen
können, wenn die Bewertung einer Behandlung durch die Kenntnis der Behandlung beeinflusst
werden könnte.

Oft gibt es Vorurteile, die bei Patienten oder Ärzten zur Überschätzung einer der Alternativen
führen können. Möglich ist zudem, dass Ärzte Patienten einer Gruppe für benachteiligt halten und
bei ihnen dann zusätzliche Maßnahmen ergreifen, die dann ebenfalls das Ergebnis verzerren
können. Verblindung lässt sich in Therapiestudien zum Beispiel aufrechterhalten, indem eine
Gruppe der Teilnehmer eine identisch erscheinende Schein- oder Placebobehandlung erhält, zum
Beispiel identisch aussehende Tabletten. Verblindung ist auch dadurch möglich, dass dem
Studienpersonal, das die Untersuchungsergebnisse auswertet, nicht mitgeteilt wird, zu welchen
Patienten die Ergebnisse gehören.

In einfach-blinden Studien wissen nur die Patienten nicht über ihre Zuordnung Bescheid, in doppel­
blinden Studien bleibt die Zuordnung dem Patienten, dem behandelnden Arzt sowie dem Erheber
der Endpunkte verborgen. Die Terminologie ist hier jedoch nicht einheitlich, so dass in einer
verblindeten Studie besser klar beschrieben werden sollte, wer genau verblindet ist.

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Verdeckte Zuteilung
Verdeckte Zuteilung (engl.: Allocation Concealment) ist der Sammelbegriff für Maßnahmen, die vor
Beginn einer randomisierten kontrollierten Studie sicherstellen sollen, dass die Teilnehmer
tatsächlich zufällig auf die Vergleichgruppen aufgeteilt werden. Wenn Studienteilnehmer oder
Forscher vorab wissen oder vorhersagen können, welcher Gruppe der nächste Teilnehmer zugeteilt
wird, können sie zum Beispiel bestimmte Patienten von der Teilnahme an einer Studie abhalten. Das
verhindert, dass die Gruppen zufällig zusammengesetzt sind und erhöht die Gefahr eines
Selektionsbias (Verzerrung durch Auswahl). Die Frage, ob eine Zuteilung tatsächlich verdeckt ist,
ist ein wichtiges Kriterium für die Qualitätsbeurteilung einer randomisierten kontrollierten Studie.

Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie (VT) ist ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem es vor allem um die
konkrete Lösung von Problemen geht. Sie geht davon aus, dass Verhaltensweisen erlernt und auch
wieder verlernt werden können. Indem man an bestehenden Verhaltensmustern arbeitet und sie
ändert, versucht man, seelische und soziale Probleme zu lindern und zu beheben. Die
Verhaltenstherapie wird häufig bei Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen
eingesetzt.

Verum
Verum ist die wissenschaftliche Bezeichnung für ein „echtes“ Medikament - das heißt, für ein Mittel
mit einem oder mehreren Inhaltsstoffen (Wirkstoffen), die eine Wirkung auf den Organismus haben.
Placebos (Scheinmedikamente) dagegen enthalten keinerlei wirksame Inhaltsstoffe.

Verzögerungsinsulin
Verzögerungsinsulin, zum Beispiel NPH-Insulin, ist ein Insulin, das langsam vom
Unterhautfettgewebe in das Blut gelangt und zur Wirkung kommt. Verzögerungsinsulin wird auch
als Basalinsulin bezeichnet, das den Grundbedarf an Insulin abdecken soll.

Vierfeldertafel
Tabelle zur vergleichenden Darstellung der Ergebnisse von zwei Therapie- oder Diagnoseverfahren.
Der Kern besteht aus zwei Spalten und zwei Zeilen, die vier Tabellenfelder ergeben. Für
diagnostische Verfahren lassen sich zum Beispiel Sensitivität und Spezifität aus einer Vierfeldertafel
ableiten.

Virus
Viren sind Krankheitserreger, die zu ihrer Vermehrung in Zellen (pflanzliche, tierische oder
menschliche Zellen) eindringen. Beispiele für Krankheiten, die durch Viren verursacht werden, sind
Pocken, Influenza, Erkältungen, Hepatitis, Herpes und AIDS.

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Vitamine
Vitamine sind Stoffe, die der Körper mit wenigen Ausnahmen nicht selbst bilden kann, die wir aber
zum Leben benötigen. Sie müssen daher zum größten Teil über die Nahrung aufgenommen werden.
Die Vitamine werden in zwei Gruppen eingeteilt: Fettlösliche Vitamine wie zum Beispiel Vitamin K
oder E können im Körper gespeichert werden. Man kann sie also „auf Vorrat“ zu sich nehmen.
Wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C müssen dagegen regelmäßig über die Nahrung zugeführt
werden, da der Körper die überschüssige Menge direkt wieder ausscheidet. Vitamine spielen eine
wichtige Rolle bei vielen Stoffwechselabläufen im Körper, zum Beispiel der Bildung neuer Zellen
oder bestimmter Faktoren der Blutgerinnung.

Vitamin C ist wasserlöslich und wird auch als Ascorbinsäure bezeichnet. Es ist das Vitamin, von
dem der Mensch täglich die größten Mengen benötigt. Es ist vor allem in frischem Gemüse und
Obst enthalten. Vitamin C schützt Zellen vor Schäden durch bestimmte aggressive Atome und
Moleküle und zählt deshalb zu den Antioxidantien. Die Lebensmittelindustrie setzt es häufig als
Konservierungs- und Säuerungsmittel ein. Ein massiver Mangel führt zu Müdigkeit und Reizbarkeit
sowie zu Beschwerden an Knochen, Knorpel und Zähnen.

Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Es wird entweder über die Nahrung
aufgenommen oder in der Haut mithilfe von UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht gebildet. Es ist
wichtig für die Knochenbildung, sorgt für die Härtung der Zähne und hält den Kalziumgehalt im
Blut im Gleichgewicht. Vitamin D ist vor allem in fettreichem Fisch wie Makrele oder Lachs
enthalten, außerdem in Avocado, Pilzen, Eigelb und Milch.

Vitamin E bezeichnet eigentlich eine ganze Gruppe von acht verschiedenen fettlöslichen
Vitaminen. Sie schützen Zellen vor Schäden durch aggressive Atome und Moleküle und zählen
deshalb zu den Antioxidantien. Vitamin E ist vor allem enthalten in Nüssen und kaltgepressten
pflanzlichen Speiseölen (z. B. Sonnenblumenöl, Distelöl und vor allem Weizenkeimöl). Die
Lebensmittelindustrie setzt es als Konservierungsstoff ein. Weil es nicht wasser-, sondern fettlöslich
ist, nimmt der Körper Vitamin E nur auf, wenn es von Fetten in der Nahrung begleitet wird.

Vorbericht
Zwischenschritt in der Erstellung eines IQWiG-Berichts. Der Vorbericht beschreibt die vorläufigen
Ergebnisse der Arbeit des IQWiG. An die Veröffentlichung eines Vorberichts schließt sich eine
Anhörung an.

Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist eine Form der Herzrhythmusstörung, bei der die Vorhöfe des Herzens sehr
schnell und unregelmäßig schlagen. Das ist in der Regel nicht akut lebensbedrohlich, kann auf
Dauer aber das Schlaganfallrisiko erhöhen, da sich in den Vorhöfen leichter Blutgerinnsel bilden
können, weil die normale Blutströmung gestört wird.

Vorsorgevollmacht
In einer Vorsorgevollmacht kann man bestimmen, wer wichtige beispielsweise gesundheitliche
Angelegenheiten regeln soll, wenn man dazu selbst nicht mehr in der Lage sein sollte. Als
Erweiterung einer Patientenverfügung regelt die Vorsorgevollmacht auch, welche Personen die in
der Verfügung benannten Entscheidungen treffen dürfen und dafür sorgen sollen, dass der
Patientenwille umgesetzt wird. Soll zusätzlich die gesetzliche Vertretung geregelt werden, ist statt
einer Vorsorgevollmacht eine Betreuungsverfügung nötig.

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Wachstumsfaktoren
Wachstumsfaktoren sind Eiweiße, die auf vielfältige Weise die Wundheilung beeinflussen können:
Wachstumsfaktoren locken Entzündungszellen (Leukozyten) und Bindegewebszellen (Fibroblasten)
in die Wunde. Die Entzündungszellen bekämpfen Bakterien, die Bindegewebszellen fördern die
Bildung von neuem Gewebe. Weiterhin stimulieren Wachstumsfaktoren die Bildung neuer Zellen
und Blutgefäße.

Walking
Der Begriff „Walking" kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt „gehen“. Hierzulande ist
damit eine Ausdauersportart gemeint: ein zügiges Gehen, bei dem in der Regel die Arme bewusst
mitgeschwungen werden. Im Unterschied zum Joggen hat man beim Walken immer mit einem Fuß
Bodenkontakt. Dadurch ist die Stoßbelastung für die Gelenke geringer. Beim Nordic Walking
werden zur Unterstützung des Oberkörpers zusätzlich Walking-Stöcke eingesetzt, die Ski- oder
Wanderstöcken ähneln. Durch die besondere Lauf- und Stocktechnik wird ein erweitertes Training
erreicht, das die Muskulatur von Brust, Schultern, Hals und Rücken mit einbezieht.

Weckgerät
Ein Weckgerät ist ein System, das ein Kind aufwecken soll, sobald es eine volle Blase hat. Damit soll
das Kind lernen, bei voller Blase wach zu werden und auf die Toilette zu gehen, anstatt ins Bett zu
machen. Das Weckgerät reagiert, sobald es erstmals Urin registriert. Dann löst es ein Warnsignal
aus, z.B. ein Klingeln. Weckgeräte gegen Bettnässen gibt es in verschiedenen Varianten, etwa als
Klingelhöschen, Klingelmatten oder in Form von Sensoren, die im Schlafanzug angebracht werden.

Weisheitszähne
Weisheitszähne sind die letzten (hintersten) Zähne auf jeder Seite des Gebisses. Die Zähne brechen
als letzte der drei Mahlzähne (Molaren) durch, in der Regel erst zwischen dem 17. und 24.
Lebensjahr. Häufig brechen Weisheitszähne jedoch gar nicht oder nur unvollständig durch. Dies ist
der Fall, wenn nicht genügend Platz im Kiefer ist oder andere Zähne im Weg stehen. Dies wird als
"Retention" (von dem lateinischen Begriff "retenere" = zurückhalten) bezeichnet.

Weltgesundheitsorganisation
Die Weltgesundheitsorganisation (engl. World Health Organization , WHO ) ist eine Organisation
der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Genf, die sich auf internationaler Ebene mit Fragen der
öffentlichen Gesundheit befasst. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, für alle Menschen weltweit eine
bestmögliche Gesundheit zu erreichen. Gesundheit wird dabei als „ein Zustand des vollständigen
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder
Gebrechen" verstanden. Um dies zu erreichen, entwickelt die WHO unter anderem in
gesundheitsbezogenen Bereichen Leitlinien und Standards, koordiniert Aktivitäten im Kampf gegen
übertragbare Krankheiten, lanciert globale Impfprogramme und analysiert weltweite Gesundheits­
und Krankheitsdaten.

Die WHO im Internet: http://www.who.int/en/

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Glossar IQW iG

Werte, prädiktive
Positiver prädiktiver Wert: Anteil der Personen mit positivem Testergebnis, bei denen die
gesuchte Krankheit auch tatsächlich vorliegt.

Negativer prädiktiver Wert: Anteil der Personen mit negativem Testergebnis, die tatsächlich frei
von der gesuchten Krankheit sind.

Beide Werte hängen zum einen von der Sensitivität und Spezifität des Diagnoseverfahrens, zum
anderen von der Prävalenz der Erkrankung in der untersuchten Gruppe ab.

Xeroderma pigmentosum
Xeroderma pigmentosum (XP) ist eine sehr seltene, vererbbare Hautkrankheit, bei der die Haut
extrem empfindlich auf UV-Licht reagiert (von „xero", griechisch: trocken und „derma“, griechisch:
Haut sowie von „pigmentum", lateinisch: Farbe). Die Ursache ist ein Mangel eines Reparatur­
Enzyms in den Hautzellen. Dieses Enzym behebt normalerweise fortlaufend Schäden an der
Erbsubstanz, die durch UV-Strahlung oder andere schädliche Reize verursacht wurden.

Die Erkrankung wird umgangssprachlich auch als „Mondscheinkrankheit" bezeichnet, da sich die
Menschen nie dem Sonnenlicht aussetzen dürfen und viele nur nachts das Haus verlassen. Schon
nach kurzem Aufenthalt in der Sonne reagiert die Haut mit sonnenbrandähnlichen Rötungen, die
wochenlang bestehen bleiben. Später kommen Pigmentflecken und sichtbar erweiterte Hautgefäße
hinzu, die Haut trocknet aus und schrumpft - deswegen wird gelegentlich auch von „Lichtschrumpf­
Krankheit" gesprochen. Das Hautkrebsrisiko von Menschen mit XP ist mehr als zweitausendmal so
hoch wie das gesunder Menschen. Bisher kann diese Erkrankung nicht geheilt werden.

Zahnfleischentzündung
Anzeichen einer Zahnfleischentzündung (Fachausdruck: Gingivitis) sind Schwellung, Rötung oder
Blutungen im Bereich des Zahnfleischrandes. Auslöser sind oft nicht gründlich genug entfernte
Reste von Zahnbelag, in denen sich Bakterien vermehren.

Zahnhals
Der Zahnhals ist die Übergangsstelle vom Schmelz der Zahnkrone (dem sichtbaren Teil des Zahns)
zur Zahnwurzel. Bei einem gesunden Zahn ist der Zahnhals vom Zahnfleisch bedeckt. Eine
Entzündung des Zahnbetts (Parodontitis) kann jedoch dazu führen, dass sich das Zahnfleisch
zurückbildet und die Zahnhälse freiliegen.

Zahnschmelz
Der Zahnschmelz ist die äußerste Schicht des Zahns. Er überzieht den sichtbaren Teil des Zahns,
die Zahnkrone, wie eine Glasur. Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen
Organismus. Er besteht vor allem aus Mineralien wie Phosphat, Fluor und Kalzium.

Zahnstein
Als Zahnstein bezeichnet man harte Ablagerungen auf den Zähnen, die sich durch Zähneputzen
nicht entfernen lassen. Er entsteht dadurch, dass sich Mineralien aus dem Speichel mit dem
Zahnbelag verbinden. Zahnstein kann Entzündungen des Zahnfleischs begünstigen, weil sich auf
seiner rauen Oberfläche leicht Bakterien ansiedeln können.

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Zahnwurzel
Die Zahnwurzel ist der Teil eines Zahnes, der im Ober- oder Unterkieferknochen steckt. Zähne
haben unterschiedlich viele Wurzeln: Schneide- und Eckzähne haben meist eine Wurzel,
Backenzähne bis zu vier. Durch die Wurzeln verlaufen auch die Zahnnerven und -gefäße.

Zelle
Eine Zelle ist der kleinste Baustein eines Lebewesens. Eine Zelle ist ein System, das einen eigenen
Stoffwechsel hat, mit seiner Umgebung im Stoffwechselaustausch steht, sich vermehren und auf
Reize reagieren kann. Eine Zelle wird von einer Zellmembran umgeben und besteht aus einem
Zellkern und einem Zellleib mit Zellorganen. Die Gesamtzahl der Zellen eines erwachsenen
Menschen wird auf rund 10 bis 100 Billionen geschätzt (das ist eine 1 mit 13 bzw. 14 Nullen).

Zentrales Nervensystem
Nach der Lage der Nervenbahnen im Körper unterscheidet man zwischen einem zentralen und
einem peripheren Nervensystem. Die Funktion beider Systeme ist jedoch eng miteinander
verknüpft. Das zentrale Nervensystem oder ZNS (von „centrum", lateinisch: Mitte, Hauptsache)
umfasst alle Nerven und Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark. Es befindet sich sicher
eingebettet in unserem Schädel und dem Wirbelkanal in der Wirbelsäule. Alle anderen
Nervenbahnen des Körpers gehören zum peripheren Nervensystem (PNS ). Sowohl das zentrale als
auch das periphere Nervensystem können nur zum Teil willentlich gesteuert werden. Denn das
Nervensystem regelt auch Vorgänge wie die Atmung und Verdauung, die unbewusst ablaufen.

Zervix
Die Zervix (der Gebärmutterhals) ist der Ausgang der Gebärmutter. Er befindet sich am Ende der
Scheide und enthält Schleim bildende Drüsen. Der Schleim dient zum Beispiel dazu, während einer
Schwangerschaft die Gebärmutter zu verschließen und das Kind vor einer Infektion zu schützen.

Zielgrößen
Krankheits- oder behandlungsbedingte Veränderungen können in Bezug auf verschiedene
Zielgrößen gemessen werden. Zielgrößen sind z. B. Mortalität, Morbidität und gesundheitsbezogene
Lebensqualität. Eine Zielgröße umfasst meist verschiedene Endpunkte. Beispielsweise kann die
Zielgröße Mortalität den Endpunkt „Gesamtsterblichkeit" und den Endpunkt „Mortalität bedingt
durch koronare Herzerkrankung" umfassen. Morbidität kann zum einen den Endpunkt „nicht
tödlicher Herzinfarkt" und zum anderen den Endpunkt „unerwünschte Ereignisse" umfassen.

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Zöliakie
Die Zöliakie (von „koilia", griechisch: Bauch, Unterleib und von „koilos" griechisch: hohl, leer) ist
eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer Überempfindlichkeit der
Darmschleimhaut gegenüber Gluten beruht. Gluten ist ein Eiweiß, das in vielen Getreidesorten
vorkommt, beispielsweise in Weizen, Dinkel und Roggen. Bei der Zöliakie - auch einheimische
Sprue genannt - können Nährstoffe und Mineralien vom Körper nicht mehr gut aufgenommen
werden, so dass es zu einer Mangelernährung kommt und die unverdaute Nahrung im Darm
Beschwerden verursacht.

Die Symptome können je nach Alter sehr unterschiedlich sein. Kinder bekommen oft schnell einen
vorgewölbten Bauch und Durchfall mit Blähungen, wenn sie zum ersten Mal Getreideprodukte
essen. Auch können sie keinen Appetit haben, sich erbrechen oder misslaunig sein. Bei älteren
Kindern und Erwachsenen sind die Beschwerden viel schwächer ausgeprägt und gleichzeitig
vielfältiger. Bei ihnen können beispielsweise Durchfall, starke Erschöpfung, eine verminderte
Knochendichte und Eisenmangel, aber auch Depressionen, Unfruchtbarkeit oder Gelenkschmerzen
auf eine Zöliakie hinweisen.

Zyste
Eine Zyste (von „kystis", griechisch: „Blase") ist ein Hohlraum im Körpergewebe, der durch eine
Haut, eine sogenannte Kapsel, von der Umgebung abgetrennt wird. Diese Kapsel kann wenige
Millimeter bis mehrere Zentimeter groß sein, unter Umständen mehrere Kammern enthalten und ist
meist mit Flüssigkeit gefüllt. Zysten können in jedem Körpergewebe und aus ganz unterschiedlichen
Gründen entstehen. So können beispielsweise chronische Entzündungen, Tumore oder
Erbkrankheiten zu Zysten führen.

Zystoskopie
Eine Zystoskopie (von „kystis" griechisch: Blase und „skopein": betrachten) ist eine
Blasenspiegelung, das heißt eine optische Untersuchung des Inneren der Harnröhre und der
Harnblase. Dabei wird ein schlauch- oder stabförmiges Sichtgerät, ein so genanntes Zystoskop, über
die Harnröhre in die Blase eingeführt. Auf diese Weise kann die Beschaffenheit der Harnröhre und
der Harnblase untersucht werden. Gleichzeitig lassen sich unter anderem mögliche Engen in der
Harnröhre beseitigen sowie Steine oder Polypen aus der Blase entfernen.

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