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Credit-Point-Klausur im Fach Finanzmanagement II

Wintersemester 2004/2005
15.02.2005

Bearbeitungshinweise:

1. Die Klausur besteht aus 6 Aufgaben.


Beantworten Sie von den 6 Aufgaben 5 Aufgaben Ihrer Wahl.
2. Bearbeiten Sie die Aufgaben auf den ausgegebenen Lösungsblättern.
Tragen Sie auf jedem Lösungsblatt Ihre Matrikelnummer und Platznummer ein.
3. Sie haben für die Klausur 90 Minuten zur Verfügung.
4. Erlaubte Hilfsmittel: nicht programmierbarer Taschenrechner.
5. Die Klausur umfasst 2 Blätter. Sie haben 5 Lösungsblätter (10 Seiten). Überprüfen Sie die
Vollständigkeit des Exemplars.
6. Achten Sie bitte auf ausreichenden Rand und lesbare Schrift.

Korrekturangaben (Bitte nicht ausfüllen)

Aufgabe Punkte Punkte


(inkl. Wahlaufgabe) (maximal)

Aufgabe 1 15
Aufgabe 2 15
Aufgabe 3 15
Aufgabe 4 15
Aufgabe 5 15
Aufgabe 6 15
Maximal zu errei-
75
chende Punktzahl

Matrikel-Nr.:
Platznummer:

Viel Erfolg!

Prof. Dr. W. Bessler


Aufgabe 1: Agency-Theorie, Venture Capital (VC) und IPO (15)
a) Was verstehen Sie im Rahmen der Principal-Agent-Theorie allgemein unter den Prob-
lemen der Adverse Selection und des Moral Hazard?
b) Zwischen Venture-Capital Investoren und jungen Unternehmen bestehen aufgrund von
Informationsasymmetrien Probleme bei der Finanzierung. Gehen Sie auf diese Proble-
me ein und differenzieren Sie zwischen Maßnahmen vor und nach dem VC-Investment,
welche diese Probleme reduzieren.
c) Erläutern Sie die typischen Kursverläufe, die kurz- und langfristig nach einem IPO zu
beobachten sind. Was verstehen Sie unter einem Hot-Issue-Markt?

Aufgabe 2: Kapitalstruktur (15)


a) Erläutern Sie anhand des folgenden Beispiels, wieso unter den Annahmen von Modigli-
ani/Miller (1958) die Kapitalstruktur irrelevant für den Unternehmenswert ist. Der Zins-
satz für das Fremdkapital beträgt 6%. Erklären Sie in diesem Kontext die Bedeutung der
getroffenen Annahmen für den „Arbitrage-Beweis“.

Unternehmen A Unternehmen B
WACC 10% 10%
Konstanter Gewinn (EBIT) 5000 5000
Fremdkapital (Marktwert) 0 40.000
Gesamtkapital 50.000 50.000

b) Welche Bedeutung haben Agency-Probleme für den Zusammenhang zwischen Kapital-


struktur und Unternehmenswert? Unterstützen Sie ihre Ausführungen durch eine geeig-
nete Graphik und vergleichen Sie das Ergebnis mit den Aussagen von Modigliani/Miller
(1958).
c) Erläutern Sie die „Pecking-Order“. Gehen Sie dabei insbesondere auf die Bedeutung
von Informationsasymmetrien für diesen Erklärungsansatz ein.
Aufgabe 3: Dividendenpolitik(15)
a) Erläutern Sie das Irrelevanztheorem der Dividendenpolitik von Modigliani/Miller.
b) Stellen Sie die stilisierten Fakten nach Lintner (1956) dar. Wie lässt sich dieses empiri-
sche Verhalten von Managern durch Informationsasymmetrien erklären? Erläutern Sie
vor diesem Hintergrund die kurz- und langfristigen Kursreaktionen bei:
• Dividendenausfall
• Dividendensenkung
• Dividendenerhöhung
• Dividendenaufnahme
c) Wie könnte eine optimale Dividendenpolitik für IPOs aussehen. Gehen Sie bei Ihrer
Antwort auf die IPO vor (1980-1995) und am Neuen Markt (1997-2003) ein.

Aufgabe 4: Wandel- und Optionsanleihen (15)


a) Skizzieren Sie kurz, aus welchen Komponenten die Kapitalkosten einer Wandelanleihe
bestehen. Warum muss eine Wandelanleihe ex post keine günstige Finanzierungsform
sein?
b) Ihnen sind folgende Emissionsdaten einer Wandelanleihe gegeben:
• Nominalbetrag 1.000,00 €; Laufzeit 6 Jahre; Nominalzins 5% p.a.
• Die Emission erfolgt zu 100%.
• Zinssatz für einen vergleichbaren Straight Bond 8% p.a.
• Konversionsverhältnis 1:10
Außerdem hat die Unternehmung gerade gestern eine Dividende in Höhe von 4,00 € ge-
zahlt. Der risikofreie Zinssatz beträgt 4%, der Marktzins 7% und der Betafaktor des Un-
ternehmens 2,0. Sie prognostizieren des Weiteren ein Aktienwachstum sowie ein Divi-
dendenwachstum von 5% p.a.
ba) Wie hoch ist der Aktienkurs P0 im Emissionszeitpunkt der Wandelanleihe?
bb) Wie hoch ist die Emissionsprämie, die ein Investor für die Wandelanleihe zu zah-
len bereit ist?
bc) An welchem Jahresende ist die Wandlung der Anleihe frühestens sinnvoll?
Aufgabe 5: Optionen (15)
a) Herr Meyer ist Halter von Aktien der Sinkflug AG. In nächster Zeit wird sich heraus-
stellen, ob das Unternehmen ein sehr risikoreiches Projekt erfolgreich abschließen kann.
Sie sind der Meinung, dass die Aktie bei einem Projektfehlschlag sehr stark fallen, bei
einem Erfolg des Projektes sehr stark steigen würde.
aa) Erläutern Sie, wie sich Herr Meyer mit Hilfe einer Put-Option grundsätzlich gegen
einen Kursrückgang schützen kann. Ihm stehen zwei Put-Optionen zur Auswahl,
die sich nur durch die Höhe des Basispreises unterscheiden. Welche der beiden
Optionen hat einen höheren Wert? Begründen Sie ihre Antwort.
ab) Herr Fuchs hört von der ausstehenden Entscheidung über den Projekterfolg. Er
möchte keine Aktien der Sinkflug AG erwerben sondern durch eine Optionsstrate-
gie (Call-Put Kombination) von der Kursentwicklung profitieren.
Welche Kombination sollte Herr Fuchs eingehen? Erläutern Sie den Aufbau der
Optionsstrategie und stellen Sie den Aufbau sowie die Gewinn- und Verlustmög-
lichkeiten grafisch dar.
b) Bewerten Sie folgenden Put auf die Sinkflug AG mit Hilfe der Put-Call-Parität. Der
Preis eines Call auf die Sinkflug AG mit gleichem Basispreis und Laufzeit wie des zu
bewertenden Puts beträgt 5€. Die Sinkflug AG notiert derzeit zu 100€. Der Barwert des
Basispreises der Optionen beträgt 98€. Begründen Sie kurz, warum die Bewertung eines
Put über die Put-Call-Parität möglich ist.

Aufgabe 6: Innovationsfinanzierung und Börsen (15)


a) Stellen Sie an Hand einer geeigneten Grafik dar, wie durch die Verbriefung (Asset-
Backed-Securities) illiquide patentbasierte Kredite in handelbare Wertpapiere umge-
wandelt werden können. Erklären Sie, wie es dabei möglich ist, durch Risikentransfor-
mation Wertpapiere mit unterschiedlichen Risiko-Rendite-Profilen zu kreieren.
b) Skizzieren Sie die allgemeinen ökonomischen Funktionen von Börsen. Beurteilen Sie
aufbauend auf diesen Überlegungen, ob eine Börse für den Handel von patentbasierten
Finanztiteln die Finanzierungssituation innovativer Unternehmen verbessern könnte.