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,

Wemer Fister

Fluidenergiemaschinen
Band 1:
Physikalische Voraussetzungen,
Kenngrößen, Elementarstufen
der Strömungs- und Verdrängermaschinen

Mit 253 Abbi ldungen

Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH


Professor Dr.-Ing. Wemer Fister
Lehrstuhl fUr Fluidenergiemaschinen
Ruhr-Universitiit Bochum
UniversitiitsstraBe 150, D-4630 Bochum 1

CIP-Kurztitelaufnahme der Oeutschen Bibliothek.


FisIer, Werner: Fluidenergiemaschinen/Werner Fister. - Berlin; Heidelberg; New York; Tokyo: Springer
Bd. 1 - Fistet Werner: Physikalische Voraussetzungen, KenngroBen, Elementarstufen der Stromungs- und Verdriinger-
maschinen
FiSIer, Werner: Physikalische Voraussetzungen, KenngroBen, Elementarstufen der StOmungs- und Verdriingermaschinenl
Werner Fister. - Berlin; Heidelberg; New York; Tokyo: Springer 1984. (Fluidenergiemaschinen/Werner Fister; Bd.l)

ISBN 978-3-642-86733-0 ISBN 978-3-642-86732-3 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-642-86732-3

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gebung als frei zu betrachten wiiren und daher von jedermann benutzt werden diirften.

2060/3020 5432\0
Vorwort

Der vorliegende erste Band dieses Buches, dessen Titel aus der von mir für alle
Maschinenbaustudenten der Ruhr- Universität Bochum gehaltenen Pflichtvorlesung
"Fluidenergiemaschinen" entlehnt ist, soll entsprechend der Wortneuschöpfung
dem Streben naCH möglichst gemeinsamer Behandlung von Strömungs- und Verdrän-
germaschinen Ausdruck geben, was dem ursprünglichen Bochumer Konzept für das
Maschinenbaustudium entspricht. Nach diesem Konzept sollte das Grundlagenwis-
sen filr den Maschinenbauingenieur, welches selbst von Änderungen des physikali-
schen Weltbildes in den kommenden Jahren voraussichtlich wenig berührt werden
dürfte, sehr intensiv vermittelt werden, während die Auslegung und Konstruktion
von Maschinen und Anlagen, welche den sich ändernden Bewertungsmaßstäben und
dem sich wandelnden Zeitgeschmack unterliegen, nur an wenigen Beispielen der
modernen Technik behandelt werden sollten.

Als ein Beispiel in diesem Sinne ist die Strömungsmaschine gewählt worden, weil
einerseits zu ihrer Auslegung das gesamte Grundlagenwissen angewendet werden
kann, und andererseits gegenwärtig ein gegenüber der Verdrängermaschine weiter-
gehendes theoretisches Eindringen in die Funktionsabläufe möglich ist.

Die durch diese Wahl benachteiligten Verdrängermaschinen verlangten .jedoch auf-


grund ihrer großen Verbreitung und ihrer sowohl technischen als auch wirtschaft-
lichen Bedeutung nach einer Berücksichtigung, ohne den Lehrstoff unnötig aufzu-
blähen, so daß eine mit der genannten Wortneuschöpfung bezeichnete gemeinsame
Behandlung beider Maschinenarten aufgegriffen wurde.

Im vorliegenden Band werden die Strömungs- und Arbeitsvorgänge nur vom Fluid
aus betrachtet, wobei über die geometrischen Abmessungen der gedachten Fluid-
energiemaschinen noch nichts ausgesagt wird.

Da es sich bei der Beschreibung der Funktionsabläufe in den Fluidenergiemaschinen


um eine spezielle Anwendung der Thermo- und Fluiddynamik handelt, werden die
möglichst bereits auf die Maschinen bezogenen, vorauszusetzenden thermodyna-
mischen und strömungsmechanischen Grundkenntnisse in den beiden ersten Kapiteln
wiederholt. Für das Studium dieser Grundlagen selbst bzw. für eine Erweiterung
dieses Fachwissens wird auf die diesbezüglichen Lehrbücher verwiesen.
VI

Dieses Buch soll vor allem den Studenten des Maschinenbaues helfen, ein Grund-
wissen über die Fluidenergiemaschinen zu erwerben. Vielleicht vermag es dar-
über hinaus auch Ingenieuren im Beruf weitere Anregungen zu vermitteln.

Es werden durchweg keine umfangreichen mathematischen Kenntnisse vorausge-


setzt. Jedem Abschnitt sind zum besseren Verständnis einige Rechenbeispiele zu-
geordnet worden.

Die Formelzeichen und Definitionen sind, soweit die notwendige Differenzierung


innerhalb des relativ großen Sachgebietes dies zuläßt, mit den deutschen und inter-
nationalen Normen abgestimmt.

In einem geplanten zweiten Band soll versucht werden, die Geometrie der funk-
tionsrelevanten Teile der Strömungs- und Schraubenmaschinen so zu gestalten, daß
die ursprünglich in der gedachten Maschine des vorliegenden Bandes vom Fluid
aus betrachteten Arbeits- und Strömungsvorgänge quantitativ richtig und optimal
vollzogen werden.

Außerdem werden mechanisch hochbeanspruchte Bauteile, wie z. B. die Radial-


laufräder und die Rotoren der Schraubenverdichter mit modernen Rechenverfahren
auf Festigkeit und Verformung untersucht.

Aus den globalen Ähnlichkeitsbetrachtungen werden Umrechnungen für die Kennli-


nien bei geänderten Betriebsbedingungen abgeleitet. Für größere Abweichungen
zwischen Auslegungs- und Versuchsbedingungen wird ein Verfahren vorgestellt,
das nach bisherigen Erkenntnissen mit hinreichender Genauigkeit ermöglicht, die
Einflüsse relativ großer Änderungen der Ma- und Re-Zahl sowie der relativen Rau-
higkeit bei der Umrechnung zu berücksichtigen. Dieser letztgenannte Teilabschnitt
soll das Verständnis für die modernen Verdichterabnahmerichtlinien bzw. -re-
geln vertiefen.

Meinen engsten Mitarbeitern, Herrn Dr. -Ing. J. Eikelmann und Herrn Dr. -Ing.
H. -P. Müller danke ich an dieser Stelle für ihre bereitwillige Unterstützung, für
ihre Ratschläge und kritischen Anmerkungen sowie für die organisatorischen Hil-
fen. Ebenso gilt mein Dank Herrn Dr. rer. nato W. Volgmann und Herrn Dipl.-
Ing. G. Neumann für ihren Einsatz beim Dberarbeiten des zweiten und dritten bzw.
des letzten Kapitels. Meinem Kollegen, Herrn Prof. Dr. -Ing. H. Pfost, danke
ich für die kritische Durchsicht des Manuskripts. Allen wissenschaftlichen Mitar-
beitern, die bei der Bearbeitung der Scripten nach meinen Vorlesungen zur Stoff-
aufbereitung beigetragen haben, der Konstruktionsgruppe unter Leitung von Herrn
Ing. M. Schmenk und dem Photolabor, die der Bildgestaltung große Sorgfalt ange-
deihen ließen, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, welche die umfangreichen
Schreibarbeiten durchführten, bin ich sehr dankbar.
VII

Nicht zuletzt gilt mein Dank dem Verlag für sein Interesse an einem derartigen
Buch, für sein Verständnis, seine Hilfeleistung bei der druckgerechten Gestaltung
und für die angenehme Zusammenarbeit.

Bochum, im August 1983 Werner Fister


Inhaltsverzeichnis

Formelzeichen und Symbole . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . • . . XIII

1. Einführung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

1. 1 Definition des Begriffes "Fluidenergiemaschine" . 1


1.2 Zur geschichtlichen Entwicklung . . . . . . . . . . . 2
1. 2.1 Zeittafel der "Wasser"-Energiemaschinen 3
1. 2. 2 Zeittafel der "Luft"-Energiemaschinen . . . . . . 13
1. 2. 3 Zeittafel der "Dampf"-Energiemaschinen . . . 18
1.2.4 Zeittafel der "Heißgas"-Energiemaschinen. . 23

1.3 Eine Systematik der Fluidenergiemaschinen . 30


1.4 Maschine und Anlage . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Literatur zu Kapitell. . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . • . .. 45

2. Einige thermodynamische Voraussetzungen . 47

2.1 Hauptsätze der Thermodynamik 47


2.1.1 Systeme . . . . . . . . 48
2.1.2 Erster Hauptsatz .. 49
2.1. 2.1 Anwendung auf geschlossene Systeme. 49
2.1. 2. 2 Anwendung auf offene Systeme . 50

2.1.3 Zweiter Hauptsatz . . . . . . . . . . . . . . . 55


2.1. 3.1 Definitionen und Fundamentalgleichung .. . 55
2. 1. 3.2 Exergie und Anergie . . . . . . . . . . . . . . 63

2.2 Thermodynamische Prozesse in Fluidenergiemaschinen . 73


2.2.1 Definition und Berechnung üblicher Vergleichsprozesse 78
2.2. 1. 1 Polytrope . 79
2.2.1.2 Isentrope . 83
2.2.1.3 Isotherme. 84

2.2.2 Darstellung der Prozesse in Diagrammen. 85


2.2.3 Definition und Berechnung von Prozeßwirkungsgraden. 100
x

2.2.3.1 Polytroper Wirkungsgrad. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 103


2.2.3.2 Isentroper Wirkungsgrad.. . 105
2.2.3.3 Isothermer Wirkungsgrad . . . 114

2.2.4 Definition des mechanischen Wirkungsgrades. 116


2.2.5 Darstellung der Prozeßwirkungsgrade in Diagrammen. 119
2.2.6 Definition mittlerer spezifischer Wärmekapazitäten . . . 128

2. 3 Hinweise auf Realgasverhalten . . . . 133

Literatur zu Kapitel 2 . . . . • . . . . . . . . . . 140

3. Einige strömungstechnische Voraussetzungen. 141

3.1 Kinematische Zusammenhänge . . . . . . . 141


3.2 Integralsätze der Strömungsmechanik . 148
3.2.1 Kontinuitätsgleichung . 149
3.2.2 Impulssatz . . . . . . . . 152
3.2.3 Impulsmomentensatz .. . 155
3.2.4 Energiesatz . . . . . . . . . 156

3.3 Inkompressible Strömungen . . . 157


3.3.1 Navier-Stokes-Gleichungen 158
3.3.2 Bernoulli-Gleichung 170
3.3.3 Potential strömung . 175
3. 3.4 Grenzschichten . 182
3.3.5 Radseitenreibung 191
3.3.6 Strömung um Profile . . . 195
3.3.7 Sekundärströmungserscheinungen 212
3.3.8 Kavitation . . . . . . . 215

3.4 Kompressible Strömungen. 217


3.4.1 Schallgeschwindigkeit und Schallausbreitung 217
3.4.2 Isentropes Ausströmen . 221
3.4.3 Adiabate Rohrströmung . 231
3.4.4 Verdichtungsstoß .. 237
3.4.5 Potentialgleichung . 242
3.4.6 Prandtl-Regel 244

Literatur zu Kapitel 3 . . . . . 252

4. Ähnlichkeitsgesetze für Fluidenergiemaschinen 254

4.1 Bildung der Kenngrößen . . . . . . . . . . . . . 255


4.1.1 Theorien zur Herleitung von Ähnlichkeitsgesetzen .. 255
4.1.2 Bildung der Kenngrößen nach dem Buckingham-Theorem 258
4.1.3 Empirisch gebildete "Kennzahlen" . . . . . . . . . . . . . . . 259
XI

4.2 Kenngrößenfunktionen für Strömungsmaschinen . . . • . . • . . . . . 261


4.2.1 Diabate Strömungsmaschinen mit kompressiblen Fluiden. 268
4.2.2 Adiabate Strömungsmaschinen mit kompressiblen Fluiden. . 274
4.2.3 Adiabate Strömungsmaschinen mit inkompressiblen Fluiden. 276
4.2.4 Darstellung der Kenngrößenfunktionen 280
4.2.5 Kenngrößenkombinationen. . . . . . . . . 282

4.3 Kenngrößenfunktionen für Verdrängermaschinen 293

Literatur zu Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . 307

5. Die Strömungsmaschinenstufe . . . . 309

5.1 Darstellung und Bezeichnungen. 310


5.2 Geschwindigkeitskdreiecke . 313
5.3 Energetische Betrachtungen 325
5.4 EULER 'sche Hauptgleichung 336
5.5 Mittel werte für die Stromfadentheorie . 346
5. 6 Kenngrößen der Stufe . . . . . . . . . . 356
5.6.1 Die adiabate Verdichterstufe. 362
5.6. 1. 1 Die axiale Verdichterrepetierstufe. 362
5.6. 1.2 Die radiale Verdichterrepetierstufe . 367
5.6.1.3 Zugeordnete Kenngrößenbereiche. 369

5.6.2 Die adiabate Turbinenstufe . . . . . . . . . . 378


5.6.2. 1 Die axiale Turbinenrepetierstufe 378
5.6.2.2 Die radiale Turbinenrepetierstufe 384
5.6.2.3 Die Freistrahl turbinenstufe . . . . 386
5.6.2.4 Zugeordnete Kenngrößenbereiche. 391

5.7 Kenngrößen der Schaufelgitter 395

Literatur zu Kapitel 5 . . . . . . . . . 408

6. Die Verdrängermaschinenstufe . . . . . . . . . . . . . . 410

6.1 Energetische und volumetrische Betrachtungen. 410


6. 1. 1 Prozesse der Verdrängerverdichter . . . 411
6.1. 1. 1 Idealisierte Verdichterprozesse 411
6.1.1.2 Bemerkungen zu realen Verdichterprozessen 429

6. 1. 2 Prozesse der Verdrängermotoren .. 441


6.1. 2.1 Idealisierte Motorprozesse. 441
6.1.2.2 Bemerkungen zu realen Motorprozessen . 452

6.2 Funktionsrelevante Betrachtungen • . . . . . 453


6.2.1 Beispiele für Verdrängerverdichter . 454
XII

6.2.1.1 Hubkolbenverdichter . 454


6.2.1.2 Drehkolbenverdichter 458
6.2. 1.3 Kreiskolbenverdichter .. 473
6.2.1.4 Arbeitsbereiche einiger Verdrängerverdichter. 476

6.2.2 Beispiele für Verdrängermotoren 478


6.2.2.1 Hubkolbenmotoren . 478
6.2.2.2 Drehkolbenmotoren. 482
6.2.2.3 Kreiskolbenmotoren 483
6.2.2.4 Arbeitsbereiche einiger Verdrängermotoren 485

Literatur zu Kapitel 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 485

Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 487
Formelzeichen und Symbole

Die Festlegung der häufig benutzten Formelzeichen berücksichtigt folgende Richtli-


nien:

ISO-Empfehlungen R 31, Teil I-IV


DIN 5492
VDI-Richtlinien 2045 (Abnahme- und Leistungsversuche an Verdichtern).

Daneben werden übliche Bezeichnungen aus vergleichbarer deutschsprachiger Fach-


literatur übernommen.

Lateinische Buchstaben

A Fläche (Querschnitts-) b Absolutbeschleunigung

A Auftrieb b Relativbeschleunigung
r
....
dA Flächennorm alenvektor bf Führungsbeschleunigung

a spezifische technische Arbeit b Corio Hs beschl euni gung


c
aG spezifische technische Schau- C Wärmekapazität
felgitterarbeit
Cr Crocco-Zahl
a Schallgeschwindigkeit
s
.... c Absolutgeschwindigkeit
a Translationsvektor
c Crocco-Geschwindigkeit
max
a* Laval-Geschwindigkeit
cA Auftriebs bei wert
B Anergie
C w Widerstandsbei wert
b spezifische Anergie
cF spezifische Wärmekapazität
b spezifischer Exergieverlust der Flüssigkeiten
ev
b spezifische Anergie der c spezifische Wärmekapazität
q p
Wärme bei konstantem Druck

bh spezifische Anergie der c spezifische Wärmekapazität


v
Enthalpie bei konstantem Volumen

b ht spezifische Anergie der Cf Reibungskoeffizient


Totalenthalpie
XIV

D,d Durchmesser h spezifische Enthalpie

hydraulischer Durchmesser spezifische Totalenthalpie

Drall bzw. Drehimpuls spezifische relative Total-


enthalpie
D Drall- bzw. Drehimpuls-
strom h Höhe (Kanal-)

E Energie (allgemein) Impuls

E Energiestrom (allgemein) Impulsstrom

E Exergie J Dissipation

Eu Euler-Zahl J oule-Thomson-Koeffizient

e spezifische Exergie spezifische Dissipation

spezifische Exergie der Profilverlust


spezifischen technischen
Arbeit Sandrauhigkeit

spezifische Exergie der k Isentropenexponent


Enthalpie
L Länge
spezifische Exergie der
Totalenthalpie La Laval-Zahl

spezifische Exergie der M Drehmoment


Wärme
Ma Mach-Zahl
e Exzentrizität
...e Einheitsvektor
Ma
u
Mach- Umfangszahl

Ma* mit kritischer Geschwindigkeit


F Kraft gebildete Mach-Zahl
FU Feld- oder Volumenkraft m Masse
F Druckkraft Massenstrom
p
FR Reibungskraft N Drehzahl
Fr Froude-Zahl n Polytropenexponent
Fr u Froude-Umfangszahl P Leistung
f Wärmerückgewinnungs- P. innere Leistung
bzw. Erhitzungsfaktor 1

Kupplungsleistung
f Frequenz
Schaufelgitterleistung
g Gravitationskonstante
(F all beschleunigung) mechanische Verlustleistung

H Enthalpie p Druck

H 12 ,H 32 Formparameter Totaldruck
xv

Q Wärmemenge W Arbeit

Q Wärmestrom Wt technische Arbeit

q spezifische Wärmemenge W.1 innere Arbeit, indizierte


Arbeit
R Radius
Wv Verschiebearbeit
R individuelle Gaskonstante
W Widerstand
R universelle Gaskonstante
m
w Relativgeschwindigkeit
Re Reynolds-Zahl
X Kompressibilitätsfunktion
Re Reynolds - Umfangszahl
u
x Koordinate
r Radius
...r Ortsvektor
y Kompressibilitätsfunktion
y Druckänderungsarbei t
S Entropie
y spezifische Druckänderungs-
s spezifische Entropie arbeit

s Wegkoordinate y Koordinate

sH Hublänge Z Realgasfaktor

T thermodynamische Tempe- Z Anzahl pro Umdrehung


ratur n
z Koordinate
Th Thomazahl
z geodätische Höhe
Tu Turbulenzgrad

Zeit Griechische Buchstaben


Temperatur in 0 C
0/ Anstell winkel
Gitterteilung
0/ Winkel der Absolutströmung
U innere Energie
01 Durchfl ußbei wert
U Potential eines
Kraftfeldes 0/ Machscher Winkel

u spezifische innere Energie 01 0 Nullauftriebswinkel

u Umfangsgeschwindigkeit ß Winkel der Relativströmung

V Volumen ßs Schaufel winkel

V Volumenstrom 'Y Winkel, Vergleichsfaktor

VH Hubvolumen r Zirkulation

Vo Schadraumvolumen ß Gitterverlustzahl

v spezifisches Volumen Ö Durchmesserzahl

v Translationsgeschwindigkeit 6 Grenzschichtdicke
XVI

Verdrängungsdicke eingebautes Volumenverhältnis


;Pein
I m puls ver lustdicke cp Meridianfl ußzahl

Energieverlustdicke Volumenflußzahl
CPD
Gleitzahl Stromfunktion

relativer Schadraum Enthalpiezahl

Verlustbeiwert Druckzahl

dynamische Zähigkeit w Winkelgeschwindigkeit,


Drehfrequenz
Wirkungsgrad

Gitterenthalpiezahl
Indizes und Kennzeichen
Drehimpuls, Drall

Temperaturverhältnis auf Leitrad bezogene Größe


Verhältnis der Wärmekapa- auf Laufrad bezogene Größe
zitäten cp/c v
00 ungestörter Zustand, Mittel-
Leistungszahl wert, bei unendlicher Anzahl

Liefergrad o Ruhezustand

Rohrreibungszahl o vor Leitrad bei Turbine


kinematische Zähigkeit 1 vor Laufrad

Laufzahl 2 nach Laufrad

allgemeine Kenngröße 3 nach Leitrad beim Verdichter


( TI-Theorem)
* Gitter
TI Druckverhältnis
if ,k kritische Zustandsgröße
p Dichte
A Maschinen- bzw. Systemaus-
Reaktionsgrad der tritt
Enthalpiedifferenzen
a außen
Reaktionsgrad der
Druckdifferenzen ad adiabat

Reaktionsgrad der E Maschinen- bzw. Systemein-


Druckänderungsarbei ten tritt

o Schnellaufzahl ein eingebaut


,. Schub- bzw. Scherspannung eff effektiv

Wandschubspannung innen. indiziert


Gitterflußzahl inkompressibel

Potentialfunktion irr irreversibel


XVII

k kompressibel T isotherm

m mechanisch tangential

m molar Totalzustand (Ruhe-, Gesamt- ,


Stagnations- )
m meridional
u in Umfangsrichtung
n normal
u Umgebungszustand
pol polytrop

isobar V Verdichter
p
v isochor
R radiale Richtung
z axiale Richtung
r radial

rev reversibel R,'f,z Komponenten in Zylinder-


koordinaten
s isentrop
x,y,z Komponenten in kartesischen
T Turbine Koordinaten

Die Symboldarstellungen für die verschiedenen Fluidenergiemaschinen sind der


DIN 2481 (Wärmekraftanlagen, Graphische Symbole), Ausg. Juni 1979, zu ent-
nehmen.
1 Einführung

1.1 Definition des Begriffes »Fluidenergiemaschine«

Als" Fluidenergiemaschinen" sollen Maschinen bezeichnet werden, die Fluiden


möglichst verlustarm Arbeit zuführen oder entziehen. Unter dem Begriff "Fluid"
sollen alle Flüssigkeiten, Gase und Dämpfe zusammengefaßt werden.

Das Fluid als materiell stetig zusammenhängender Körper zeichnet sich durch
leichte Verschieblichkeit seiner Moleküle aus, d.h. im Gegensatz zum festen Kör-
per setzt das Fluid seiner Formänderung nur geringen Widerstand entgegen.

Das sich aus dieser Eigenschaft ergebende Verhalten wird als Fließen bezeichnet.

Weil in der Energietechnik thermodynamisch gesehen im allgemeinen offene bzw.


periodisch geschlossene Systeme bevorzugt werden, um einen kontinuierlichen
Prozeß zu gewährleisten, ist es unter anderem wegen des Transportes und der
Einstellbarkeit des Massenstromes als Energieträger zweckmäßig oder auch not-
wendig, Stoffe zu wählen, die nach Vollzug der Arbeitsverrichtung leicht austausch-
bar sind, d.h. solche zu bevorzugen, die fließen können.

Der während eines Prozesses durchzuführende Transport von Energie über die
Grenzen des Systems "Fluidenergiemaschine" besteht im Verrichten von Arbeit
und im Übertragen von Wärme.

In den heutigen Fluidenergiemaschinen wird überwiegend Energie in Form von


mechanischer Arbeit ausgetauscht. Ansätze und Versuche, Arbeit in Form von
elektrischer Energie unmittelbar mit dem Fluid zu tauschen, haben schon zu
brauchbaren Ergebnissen geführt.

Obwohl das Übertragen von Wärme den Prozeßablauf in Fluidenergiemaschinen


wesentlich beeinflussen kann, ist dieser Vorgang nicht Selbstzweck wie z.B. in
Heizkesseln, Brennkammern, Kühlern usw., die daher nicht zu den Fluidenergie-
maschinen gezählt werden.

Besteht bei den mechanisch wirkenden Fluidenergiemaschinen die zwischen den be-
wegten Maschinenteilen und dem Fluid in einem geschlossenen System ausgetauschte
2

Arbeit vorwiegend in Volumenänderungsarbeit , wie z.B. in einem Zylinder-Kolben-


System, so werden diese Fluidenergiemaschinen als VeY'dY'ängeY'masohinen (im
angelsächsischen Sprachraum als positive displacement machines) , als Kolben-
masohinen oder auch als statisch aY'beitende Maschinen bezeichnet.

Beruht dagegen der Arbeitsumsatz zwischen den gerichtet strömenden Fluidteilchen


und den entsprechend geformten rotierenden Maschinenteilen in einem offenen
System vorwiegend auf einer Drehimpulsänderung , wie z. B. in einem angeströmten
rotierenden Schaufelgitter , so werden diese Fluidenergiemaschinen als StY'ömungs-
maschinen, als TUY'bomaschinen oder auch als dynamisch aY'beitende Maschinen be-
zeichnet.

Ein historischer Streifzug soll die Vielfalt der Ausführungsformen dieser Ma-
schinen aufzeigen.

1.2 Zur geschichtlichen Entwicklung

Für die Arbeiten aus frühgeschichtlicher Zeit, die das Vermögen einzelner Men-
schen überfordert haben, ist aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst die Energie
des fließenden Wassers herangezogen worden. Der Gedanke, die Energie der Luft-
strömungen auszunutzen, ist vermutlich erst später realisiert worden.

Viel später in geschichtlich belegbarer Zeit werden Versuche bekannt, Heißluft und
Dampf zu verwenden.

Über die historische Entwicklung und die Funktionsbeschreibung dieser sich einmal
durch die verwendeten Fördermedien und andererseits durch die Energietransport-
richtung bezüglich der Systemgrenzen unterscheidenden Fluidenergiemaschinen be-
steht eine sehr umfangreiche Literatur, aus der nur wenige Werke angeführt werden
können.

Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, wenn eine ausführliche Konstruk-
tions- und Funktionsbeschreibung von historisch wichtigen und wegweisenden Ma-
schinen aufgenommen worden wäre.

So soll versucht werden, durch eine Zeittafel mit Maschinenabbildungen einen so-
wohl zeitlich geordneten als auch konstruktiven Einblick in die im Laufe der Ge-
schichte entstandene Vielfalt von Fluidenergiemaschinen zu geben.

Analog zu der in vorgeschichtlicher Zeit vermuteten bzw. in geschichtlicher Zeit


belegten Reihenfolge in der Verwendung und Nutzung der Energie der einzelnen
Fluide Wasser, Luft, Dampf, Heißgas soll auch die Zeittafel aufgebaut werden.
3

1.2.1 Zeittafel der "Wasser"-Energiemaschinen

250 v. ehr.
Bericht über eine Schraubenpumpe in
Ägypten durch Archimedes [1]

200 v. ehr.
Beschreibung der unterschlächtigen Wasser-
räder mit Eimerketten durch Phi Ion von
Byzanz [2J

5. Jahrh. n. ehr.
Einsatz eines 1772 gefundenen Kreisel-
pumpenrades in einer portugiesischen
Kupfergrube in San Domingos [3J

8. und 9. Jahrh. n. ehr.


Weitere Verbreitung der unterschlächtigen
Wasserräder in Europa [5J
4

Ende des 11. Jahrh.


In England arbeiten über 5000 solcher Was-
serräder in Mühlen, das entspricht einer
Mühle je 400 Einwohner

um 1405
In der Göttinger Bellisfortis von Konrad
Kyeser Bild eines oberschlächtigen Was-
serrades [2J

um 1409
In den Manuskripten des Leonardo da Vinci
Skizzen über Wasserkraftmaschinen, z.B.
ein Wasserrad für hohe Gefälle [2J

16. Jahrh.
Wasserrad mit vertikaler Achse und tan-
gentialer Beaufschlagung [1 J
5

1682
Bau der Wasserhebemaschine von Marly
durch den Niederländer Renkin [1]
13 Wasserräder mit je 12 m Durchmesser
zum Antrieb von 235 Kolbenpumpen
Förderstrom pro Tag: 5700 m 3
Geodätische Höhendiff.: 162 m
Gesam twirkungsgrad: 6,7"/0
Kolbenpumpenantrieb über sog. Stangen-
künste [2J
1817 Abbruch dieser Anlage

1689
In der deutschen Gelehrtenzeitung "Acta
Eruditorum" Beschreibung einer Zentri-
fugalpumpe durch Denis Papin [4J

1705
Bau einer Zentrifugalpumpe mit Spiralge-
häuse durch Papin [3 J
6

1732
Vorschlag einer Zentrifugalpumpe mit ver-
tikaler Welle durch den Franzosen
LeDemour [6 J

1738
Nachweis der Reaktionswirkung des Wassers
durch Bernoulli in seiner "Hydrodynamica"

1750
Ein von Andreas Segner gebautes und nach
ihm benanntes Wasserrad [5J

1750 - 1754
Begründung einer vollständigen Turbinen-
theorie durch Leonard Euler (Turbine mit
Lauf- und Leitrad) [5J
7

1794
Darstellung einer Weiterentwicklung der
Zentrifugalpumpe als "Saugschwungma-
schine" nach Langsdorfs "Lehrbuch der
Hydraulik"

1808 - 1817
Entwicklung von Wassersäulenmaschinen
u.a. durch Georg von Reichenbach [2J

1818
---,.,-
"",.,

Fabrikmäßiger Bau von Zentrifugalpumpen


durch Massachusetts Pump [6 ]

1824
Erstmalige Bezeichnung der Wasserräder
als Turbinen durch Claude Burdin in seinem
Bericht an die französische Akademie der
Wissenschaften in Paris
8

1832
Inbetriebnahme einer radial von innen beauf-
sChlagten, durch Benoit Fourneyron er-
bauten Wasserturbine in Besanyon

1834
In St. Blasien aufgestellte bekannteste Aus-
führung der Fourneyron-Turbine [2 J

1837
Konstruktion einer axialen Reaktionstur-
bine mit vertikaler Welle durch earl
Henschel. Verbesserung dieser Turbinen-
bauart durch N. J. J onval [2 J

1838
Patenterteilung an Samuel Howd auf eine
radiale Uberdruckturbine

1844
Bau einer Jonval-Turbine von 100 PS durch
Escher Wyss, Zürich [2J
9

1845
Entwicklung einer teilbeaufschlagten Tan-
gentialradturbine durch Escher Wyss [2J

1846
Konstruktion einer dreistufigen Zentrifu-
galpumpe durch W. H. N. Johnson

1849
Verbesserung der Howd-Turbine durch
James Francis [2J

1860
Vorschlag von Carl-Ludwig Fink zu einer
drehbaren Leitradschaufelverstellung

1869
Verlegung der ursprünglich im Leitrad vor-
genommenen Umlenkung des Wassers in
das Laufrad (Grundform der Francis-Tur-
bine) durch A. N. Swain
10

1874
Von der Firma J. M. Voith in Heidenheim
gebaute Francis-Turbine mit nach
C. -L. Fink ausgeführten drehbaren Leit-
schaufeln [ 2J

1879
Fertigungsaufnahme von Niederdruckzen-
trifugalpumpen durch die Firma Klein,
Schanzlin und Becker, Frankenthal

1880
Patenterteilung an den a merikanischen In-
genieur Lester Allan Pelton für eine Frei-
strahlturbine (Nachkonstruktion) [2J

1905
Patenterteilung an Hermann Föttinger für
ein" Flüssigkeitsgetriebe" als Grundprin-
zip eines hydrodynamischen Wandlers [7J
11

1905
Patenterteilung an die Vulkan-Werft, Lübeck
für eine hydrodynamische Kupplung [8J

1908
Bau des Prototyps eines Föttinger-Wandlers
mit 89 Wirkungsgrad [7J

1913
Patenterteilung an Victor Kaplan für eine
Propellerturbine mit schwenkbaren Schau-
felblättern [1]

1919
Inbetriebnahme der ersten von Voith ge-
bauten Kaplanturbine in Velm (Niederöster-
reich) [2J
12

1925
Konstruktion des ersten automatischen Auto-
mobilgetriebes mit hydrodynamischem
Wandler durc h H. Rieseier

1927
Erprobung des Rieseler-Getriebes in einem
Mercedes-Wagen [8 J

1929
Patenterteilung an die Professoren Spann-
hake, Kluge und von Sanden in Karlsruhe
für den "Tri lok- Wandler" [ 8 J

1932
Beginn der Entwicklung moderner auto-
matischer Fahrzeuggetriebe mit hydro-
dynamischen Elementen durch General
Motors Corporation (USA) [ 8 J
13

1.2.2 Zeittafel der "Luft"-Energiemaschinen

1. Jahrh. n. ehr.
Entwurf eines Windrades zum Antrieb
einer Kolbenpumpe des Heron von
Alexandria [2J

um 600 n. ehr.
Vermuteter Erfindungszeitraum von Wind-
mühlen größerer Leistung mit vertikaler
Welle im persisch-afghanischen Grenzge-
biet

um 800 n. ehr.
Erste Berichte arabischer Gelehrter über
diese mit Segeln bespannten Windmühlen [2J

ab 1100 n. ehr.
Erste Darstellungen von europäischen
Windmühlen
14

ab 1200 n. Chr.
Weite Verbreitung von Windmühlen mit hori-
zontaler Achse in Europa, so sind z.B.
allein in Flandern 120 Windmühlen in Be-
trieb [2J

1550 - 1556
Beschreibung eines Gebläses durch Georg
Agricola in seinem Buch "De re metallica"
[ 1]

1609
In China nachweisbare Maschine mit Zen-
trifugalventilator zur Getreidereinigung
(Wann-Maschine) [9J

1615
Entwurf einer Windmühle mit vertikaler
Achse von Fausto Veranzio in Venedig [2J
15

1630
Beschreibung der sog. Pappenheimischen
Pumpe von Johannes Leurechin als Vor-
läuferin der Rootsgebläse [4 ]

um 1650
Bau einer Luftpumpe durch Otto von
Guericke

1654
Versuch mit den Magdeburger Halbkugeln
[ 10J

1654
Vorführung der Wirkung des Luftdruckes auf
dem Regensburger Reichstag (Anwendung
der aerostatischen Ubersetzung)

um 1690
Als Ventilator benutzte Zentrifugalpumpe
des Denis Papin

1716
Vorlage des Entwurfes einer Siebmaschine
mit Zentrifugalventilator bei der Pariser
Akademie der Wissenschaften durch Baron
de Knopperf
16

1728 - 1729
Begutachtung eines von dem Ingenieur Teval
gebauten Zentrifugalventilators zur Ver-
sorgung von Feuerungen durch die Pariser
Akademie der Wissenschaften

1730
Anwendung des Ventilators durch Desagulier
zur Belüftung des "House of Commons" in
London

1741
Versuche von Stephen HaIes mit Ventila-
toren zur Belüftung von Krankenhäusern usw.

um 1850
Zentrifugalverdichter "liner Rohrpostanlage
der "Pneumatic Despatch Company" in
London (Nachzeichnung )

1850
Entwicklung der Kapselräder durch Fabry
[4J
17

1867
Vorstellung des Roots-Gebläses auf der
Weltausstellung in Paris [ 11 ]

1868
Aufnahme der Roots-Verdichterfertigung
durch die Aerzener Maschinenfabrik

1899
Bau des ersten einstufigen Radialver-
dichters durch den Franzosen Rateau
(N achzeichnung )

um 1900
Aufnahme der Entwicklung von Axialver-
dichtern durch den Dampfturbinenkon-
strukteur A. Parsons

1905
Bau des ersten mehrstufigen Radialver-
dichters nach Rateau

1905
Übernahme der Rateau-Lizenzen durch die
Firma Kühnle, Kopp und Kausch, Franken-
thai

1906
Erstellung eines vielstufigen Radialver-
dichters in den Bergwerken von Bethune
(p/p = 7 bis 8)
18

1906
Übernahme der Rateau-Lizenzen durch die
Firma BBC in Baden (Schweiz) und durch
die GHH in Oberhausen

1907
Übernahme der Rateau-Lizenzen durch die
Frankfurter Maschinenbauanstalt , vormals
Pokorny und Wittekind und durch die AEG
in Berlin

1907
Bau eines Axialverdichters in Lizenz von
Parsons durch die Erste Brünner Ma-
schinenfabrik als 23. ausgeführter Ver-
dichter. Einstellung der Entwicklung nach
dem 30. Prototyp wegen unbefriedigender
Ergebnisse

1.2.3 Zeittafel der "Dampf"-Energiemaschinen

1. Jahrh. n. Chr.
Äolipile (Drehkugel ) des Heron von
Alexandria [2J

um 1505
Entwurf einer Versuchseinrichtung von
Leonardo da Vinci zur Messung der Aus-
dehnung von Wasserdampf [2J
19

1629
Entwurf des "Püsterich", einem Vorläufer
der Gleichdruckturbinen, von Giovanni
Branca [2J

1680
Vorschlag eines mit Wasserdampf be-
triebenen Wagens nach dem Rückstoßprin-
zip von Issac Newton [12J

1690
Erste Kolbendampfmaschine von Papin [10J

1706
Verbesserte Dampfpumpe von Papin [1]
20

1710
Atmosphärische Kolbendampfmaschine mit
Einspritzkondensation von Thomas New-
comen [ 2 J

1765
Versuchsapparat mit Trennung von Kessel,
Arbeitszylinder , Kondensationsraum und
Vacuumpumpe nach James Watt [10J

1781
Entwicklung der doppeltwirkenden Dampf-
maschine mit Drehbewegung durch
James Watt [2J

1784
Patent auf eine Reaktionsdampfturbine für
James Watt

1810
Dampfmaschine für 4 bar Kesseldruck
von Evans
21

um 1840
Gebrauchsfertige Dampfturbine mit 64 PS
Leistung von Christian Schiele

1883
Die erste von dem Schweden Karl Gustav
Laval erbaute einstufige Gleichdruck-
Dampfturbine (A-Rad) [1]

1884
Erteilung von zwei grundlegenden Patenten
auf eine axiale Überdruckturbine (Reak-
tionsturbine) an C. A. Parsons [2J

1892
Einfachwirkende Heißdampf-Maschine mit
350 0 C Dampftemperatur von Wilhelm
Schmidt [2J

um 1895
Bau von Laval-Gleichdruckturbinen durch
die Firma Humboldt in Deutz
22

1896
Bau von Turbinen mit Geschwindigkeits-
stufen nach Curtis (C-Rad, schematische
Darstellung der Beschaufelung)

1897
Vielstufige Gleichdruckturbine des
Franzosen Rateau

1903
Axialdurchströmte Gleichdruckturbine des
Schweizers Heinrich Zölly [2J

1904
Erster Einsatz einer radial durchströmten
gegenläufigen Dampfturbine nach dem
Schweden Ljungström in einem Kraftwerk
(schematische Darstellung) [1]
23

1.2.4 Zeittafel der "Heißgas"-Energiemaschinen

1. Jahrh. n. ehr.
Mittels Heißluft wirkender Tempelöffner des
Heron von Alexandria [9 J

um 1500
Nutzung der Rauchgase beim Bratenwender
nach der Darstellung von Leonardo da
Vinci [2J

1607
Darstellung eines mit Rauchgas betriebenen
Bratenwenders in dem Buch "Novo Theatro
di Machine" von Victorio Zonca [2J
24

1673
Pulvermaschine von Christian Huygens [10J

1791
Patenterteilung an den Engländer John
Barber auf eine Gasturbine (Nachkonstruk-
tion) [2 J

1816
Patenterteilung an den schottischen Pastor
Robert Stirling auf eine Heißluftmaschine
mit geschlossenem Kreislauf (schematische
Darstellung) [13J
25

1860
Einzylindrige, doppeltwirkende , s chieber-
gesteuerte Gasmaschine ohne Vorver-
dichtung von Etienne Lenoir [1]

1860
Heißluft maschine mit offenem Kreislauf
von Ericson [1]

1862
Vier - Zylindermasc hine von Nikola us Otto
mit Vorverdichtung und Zündung im O. T.
[ 2J

1867
Atmosphärische Gasmaschine von Nikolaus
Otto auf der Pariser Weltausstellung [1]
26

1874
Produktion von 80 atmosphärischen Gas-
maschinen pro Monat durch die Gasmo-
torenfabrik Deutz (heute KHD)

1876
Patenterteilung an Nikolaus Otto auf eine
Viertaktmaschine (Otto I s Neuer Motor) [1 ]

bis 1885
Herstellung von über 5000 Maschinen dieser
Art (Otto-Motor) bei der Gasmotorenfabrik
Deutz (heute KHD)

1892
Patenterteilung an Rudolf Diesel auf einen
Verbrennungsmotor mit Selbstzündung

1893
Beginn der Realisierung des Diesel-Motors
durch die Firma MAN in Augsburg

1897
Vorführung des 3. Versuchsmotors vor
einem größeren Interessentenkreis in Augs-
burg [2J

1897
Patenterteilung an Franz Stolze in Berlin
auf eine Gasturbinenanlage mit allen Merk-
malen moderner Ausführungen
27

1900 - 1904
Versuche an einer ausgeführten Stolze-Gas-
turbinenanlage mit Wärmetauscher [2 J

1905
Vorschlag der Abgasturboaufladung von
Verbrennungsmotoren durch den Schweizer
A. J. Büchi

1906
Bau einer Gleichdruckgasturbine durch die
Brüder A. und C. Lemale

1906 - 1908
Konstruktion einer Gleichraumgasturbine
durch Hans Holzwarth

1908 - 1910
Bau der ersten Maschine bei der Firma
Körting, Hannover

1909
Bau der zweiten Maschine bei der Firma
BBC, Mannheim [2J
28

1914
Bau der dritten Maschine bei Maschinen-
fabrik Thyssen in MülheimjRuhr

1923
Bau der ersten Abgasturbolader durch BBC
in Zusammenarbeit mit Büchi [2J

1930
Erstes Patent auf ein Gasturbinen-Flug-
triebwerk an F. Whittle [12J

1932
Erteilung von 114 Patenten im Zusammen-
hang mit Gasturbinen in Deutschland

1935
Patenterteilung auf eine geschlossene Gas-
turbinenanlage an J. Ackeret und C. Keller
[ 15 J
29

1939
Erste Inbetriebnahme einer von Escher-
Wyss gebauten geschlossenen Gasturbinen-
anlage von 2 MW Leistung

27.8.1939
Erstflug eines Heinkel-Flugzeuges (He 178)
mit einem Gasturbinentriebwerk (He S3-B)
[ 14J

1939
Inbetriebnahme der ersten G leichdruckgas-
turbine mit offenem Kreislauf durch BBC
in N euch13.tel

1941 - 1942
Erprobung weiterentwickelter Flugtrieb-
werke BMW 003 und Jumo 004 u.a. im
Flugzeug Me 262 [ 12J

1954
Vorlage des Konzeptes für einen Rotations-
kolbenmotor durch F. Wankel [1]

1957
Bau und Erprobung des ersten funktions-
fähigen Wankel-Motors durch NSU [16J
30

1.3 Eine Systematik der Fluidenergiemaschinen

Aus den Beispielen der historischen Entwicklung, aus den Anwendungen der Fluid-
energiemaschinen und anhand der Arbeitsprinzipien lassen sich Ordnungs gedanken
herausfiltern, die es erlauben, die Vielfalt aller Fluidenergiemaschinen auf re-
lativ wenige Grundtypen zu reduzieren.

Die in Bild 1.1 gezeigte Einteilung soll nur ein Vorschlag sein, daneben bestehen
weitere Möglichkeiten, nach anderen Ordnungsgedanken zu untergliedern.

Der 1. Ordnungsgedanke bezieht sich auf die Art der beim Arbeitsaustausch wirken-
den Kräfte.

In den aufgeführten Fluidenergiemaschinen wirken überwiegend mechanische Kräfte,


in Ausnahmefällen auch elektrische Kräfte auf das Arbeitsfluid.

Als elektrisch wirkende Fluidenergiemaschinen können der Magnetohydrodynamische


Generator (MHD-Generator) und die elektromagnetische Pumpe genannt werden.

Da diese Maschinen im weiteren Verlauf des Buches nicht eingehender behandelt


werden, soll an dieser Stelle eine kurze Funktionsbeschreibung folgen.

Mit Hilfe eines elektrisch leitenden Fluids findet in beiden Maschinen eine Wandlung
von mechanischer Fluidenergie in elektrische Energie bzw. umgekehrt statt.

Nach Bild 1. 2 strömt in dem MHD -Generator ein heißes, teilionisiertes Gas mit
freien Ladungsträgern durch ein Magnetfeld.

Auf die sich mit der Geschwindigkeit c senkrecht zu den Induktionslinien Beines
Magnetfeldes bewegenden Ladungsteilchen wirkt die sog. Lorentz-Kraft, die wieder-
um senkrecht auf der durch die Vektoren Bund c aufgespannten Ebene steht, so
daß zwischen den in dieser Richtung angebrachten Elektroden durch Aufnahme der
gegenpoligen Ladungen eine elektrische Spannung entsteht, bzw. unter Zwischen-
schaltung eines Verbrauchers ein Strom I fließt, der in dem ionisierten Gasstrom
unter Mitwirkung des Magnetfeldes seinerseits eine Bremskraft auf die Ladungs-
träger ausübt.

Bei der Expansion des Gases wird längs des Strömungsweges gegen diese Brems-
kraft Arbeit geleistet und in elektrische Energie umgesetzt, so daß die Energie
des Gasstromes abnimmt.

Eine unmittelbare Wandlung von elektrischer Energie in mechanische Energie des


Fluids wird in der elektromagnetischen Pumpe (Bild 1. 3) vollzogen, wobei das
Arbeitsmedium elektrisch leitend sein muß, wie flüssige Metalle, z.B. Quecksil-
ber oder Natrium höherer Temperatur.
Fluidenergiemaschine 1

1
1

[2J mechanisch wirkende 1 elektrisch wirkende

I
1 1

[TI I statisch arbeitende l dynamisch arbeitende


I 1

1 1 1 I I I
mit Verkleinerung mit Vergroßerung mit Verkleinerung mit Vergrößerung mit Verkleinerung mit Vergröflerung
der Fluidenergie der Fluidenergie der Fluidenergie der Fluidenergie der Fluidenerg ie der FI uidenerg ie
o I I I I 1 1

I I I I I I I I I I I I
kompr inkompr. kompr. inkompr kompr inkompr kompe inkompr. kompe inkompr kompr inkompr
~
Dampf-und hydr Kol- Kolbenver- Kolben- Dampf-und Flüss~keits- Turbover- Turbo - MHD - elektro -
Gasmotor benmotor dichter pumpe Gasturbine turbine dichter pumpe Generator mag. Pumpe

I I I I I I 1 1

I I I j
[D Hubkol ben j1 Kreiskolben j 1 Drehkolben axiale Durchstr. j 1 diag. Durchstr 11 radiale Durchstr
IKol be nverdichterj Iwankelverd ichterll Schraubenverd .1 1Axialverdichter 11 Diagonalpumpe IIRadialverdichter 1

Bild 1.1. Einteilung der Fluidenergiemaschinen nach Ordnungsgedanken

~
32

Kathode --
magn. Südpol - ,
I

( +)
Brennkammer mogn.Nordpol 1 Anode

L.._. I
--.---.-.--.j
Bild 1. 2. Funktionsprinzip
des MHD - V erfah-
rens [ 17 J

Kathode

mogn. Südpol

Bild 1. 3 . Funktionsprinzip ei-


ner elektromagneti-
magn. Nordpol schen Pumpe

Das Flüssigmetall befindet sich in einem Magnetfeld, dessen Feldlinien B vom


magnetischen Nordpol zum magnetischen Südpol verlaufen.

Über die Elektroden fließt durch das Metall ein elektrischer Strom I normal zu
den magneti schen F e ldlinien B.

Ebenso wie ein stromdurchflossener Leiter im Magnetfeld eine Auslenkung erfährt,


ergibt sich durch die Überlagerung des magnetischen und des elektrischen Feldes
ein Druckgradient in Richtung der statt dessen dargestellten Kraft F, die senk-
recht auf der durch I und B aufgespannten Ebene steht und damit eine Förderung
des flüssigen Metalls mit der Geschwindigkeit c bewirkt.
33

Der MHD-Generator und die elektromagnetische Pumpe benötigen, entsprechend


der beschriebenen Funktionsweise , keine bewegten mechanischen Bauteile, was
für die B e triebssicherheit dieser Maschinen von Vorteil ist. Während die elektro-
magnetisc he Pumpe z.B in natriumgekühlten Kr e isläufen von Schnellen Brütern be-
reits Verwendung findet, bereitet di e für eine hinreichende Teilionisation notwendige
hohe Te m peratur im MHD-Generator bezüglich der geeigneten Werkstoffwahl Schwie-
rigkei t e n.

Der 2. Ordnungs geda nke berücksichtigt die Wirkungsweise der mechanischen


Kräfte auf das Fluid.

Bei mechani s ch wirkenden Fluidenergiemaschinen erfolgt der Arbeitsaustausch


zwischen Fluid und Maschine in Form von Vo lumenändeY'ungsaY'beit , DY'uc kände -
Y'ungsaY'beit und VeY' schi ebeaY'beit.

Wie in Abs chnitt 2.1 näher erläutert wird, sind Volumenänderungsarbeit und Druck-
änderungs arbeit über die Verschiebearbeit (PA VA - PE V E) mite inander verknüpft.
Es gilt

A
-f Vdp.
E

Der Energieaustausch durch Volumenänderungsarbeit setzt ein geschlossenes


System mit einer beweglichen Systemgrenze voraus, mittels der die Forderung

dV '*' 0

erfüllt we rden kann.

Ein solche s System wird im einfachsten Fall durc h einen Zylinder mit Hubkolben
realisi e rt (Bild 1. 4a).

:-LI--;---
Br . .
c

r· Kolbenkrofl A. Auftnebskroft
W. WI derstondskrof t Bild 1.4. Zum Prinzip der Arbeitsüber-
r~ r Resutt Fluidkrofl
tragung
a) statisch
0) b) b) dynam isc h

Die Kolbenbewegung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Volumen-


änderung des geschlossenen Syst e ms. Aus Kolbenkraft Fund Kolbenweg resultiert
34

die Arbeit der Maschine, die im verlustfreien Fall gleich der Volumenänderungsar-
beit, bzw. bei inkompressiblem Fluid gleich der Verschiebearbeit des Fluids ist.
Da die Kolbenkraft auf einer statischen Druckdifferenz beruht, wird von einem sta-
tischen Arbeitsprinzip gesprochen.

Der Energieaustausch zwischen Fluid und Maschine in einem durchströmten offenen


System erfolgt im wesentlichen über die Druckänderungsarbeit.

Die damit verbundene Forderung

dp '*' 0

wird durch Umströmung eines Schaufelprofiles erreicht. Die dabei auftretende


Änderung der Fluidgeschwindigkeit nach Größe und/oder Richtung bewirkt eine
Impulsänderung der Fluidteilchen, aus der die Fluidkraft FR der Schaufel resul-
tiert (Bild 1. 4b) .

Befinden sich dabei die Schaufeln auf einem Rotor, so ergibt die Umfangskomponen-
te der resultierenden Fluidkraft multipliziert mit dem Weg des Kraftangriffspunktes,
der aus der Drehbewegung resultiert, die Arbeit des Rotors.

Im verlustfreien Fall ist diese Rotorarbeit gleich der Druckänderungsarbeit. Da


die Schaufelkraft auf dynamisch bedingten Druckunterschieden beruht, wird von
einem dynamischen Arbeitsprinzip gesprochen.

Bei den ebenfalls nach dem dynamischen Prinzip arbeitenden Raketen und Stau-
strahltriebwerken wird die aus der Impulsänderung resultierende Schubkraft un-
mittelbar zur Fortbewegung des Systems benutzt. Obwohl sie auch als mechanisch
wirkende Fluidenergiemaschinen einzuordnen sind, sollen sie ihrer speziellen
Nutzung wegen im weiteren Verlauf des Buches nicht mehr erwähnt werden.

Der 3. Ordnungsgedanke geht von der Richtung des Arbeitsaustausches zwischen


Fluid und Maschinenwelle aus.

Bezogen auf das Fluid läßt sich in der Maschine dessen Energie erhöhen bzw. ab-
senken, wobei die Energie der Maschinenwelle entsprechend reduziert bzw. ge-
steigert wird.

So wird in Bild 1.5a die Energie des Wassers in einem Wasserrad verkleinert,
während in Bild 1.5b die menschliche Arbeit mittels eines Schöpfwerkes die po-
tentielle Energie des Wassers erhöht.

Der 4. Ordnungsgedanke beschäftigt sich mit der Volumenbeständigkeit des Ar-


beitsfluids.
35

0)

Bild 1.5. Fluidenergiemaschinen


a) zur Verkleinerung der Fluidenergie
b) zur Vergrößerung der Fluidenergie

In einem mit kompre s siblem Fluid gefüllten Zylinder-Kolbensystem wird sich der
durch eine Kraft F beaufschlagte Kolben in Richtung der Kraft bewegen und das
eingeschlossene Volumen verkleinern. Wird das kompressible Fluid gegen ein
inkompr essibles Fluid ausgetauscht, bewegt sich der Kolben unter Kraftein-
wirkung nicht, das eingeschlossene Volumen bleibt konstant.

Obwohl Maschinen mit inkompressiblem bzw . kompressiblem Arbeitsfluid (Bild


1.6) jeweils nach den gleichen Prinzipien arbeiten, unterscheiden sie sich in
ihren konstruktiven Ausführungen und in ihrem Betriebsverhalten oft sehr wesent-
lich, so daß diese Unte rteilung zwec kmäßig ist.

Bild 1.6. Zum Verhalten eines Fluids


a) kompressibel
b) inkompressibel

0) b)

Ein 5. Ordnungsgedanke bezieht sich bei den dynamisch wirkenden Maschinen auf
die Strömungsrichtung beim Arbeitsaustausch , bei den statisch wirkenden Ma-
schinen auf die Bildung der" atmende n" Räume beim Arbeits- und Massenaus-
tausch.
36

Da der Arbeitsaustausch bei dynamisch wirkenden Fluidenergiemaschinen nur im


Laufrad stattfinden kann, werden diese Maschinen in solche mit vorwiegend ax ial -,
diagonal -, oder r adialdurch s t r ömtem Laufrad gemäß Bild 1. 7 unterteilt.

radial diagonal axial


I
\

Bild 1.7. Meridianfluß-


richtungen
beim Arbeits-
austaus ch in
Laufrädern

Für die statisch arbeitenden Fluidenergiemaschinen bietet sich als Ordnungsge-


danke die Art der durch kombinierte Bewegungen mehrerer Maschinenteile zu-
standekommenden Volumenänderung des Arbeitsraumes an, wel c he einerseits einen
Energieaustausch zwischen Fluid und Maschine nwe lle und andererseits detl Austausch
der jeweils "bearbeite ten " eingeschlossenen Masse gegen neu einzubringende be-
wirkt (Bild 1.8).

Hub olben Drehkolben Kreiskolben

Bild 1. 8 . aildung von volumenveränderlichen Räumen in Verdrängermaschinen

Bei ti e fe r e m Eindringen in die Funkti ons- und Kon s truktionsde tails der jeweiligen
Fluide n e r giemaschinen sind eine Viel z ahl weitere r Ordnungsgedanken aufzustellen.

Bereit s nach dem 4. Ordnungsgedanken wird es s c hwierig, gem e insame Gesichts-


punkt e für die statisch und dynamisch a rbeitenden Maschinen bei z ubehalten.
37

1.4 Maschine und Anlage

Anhand der aufgestellten Maschinensystematik und der zuvor gezeigten Zeittafel


wird die Vielfalt der Fluidenergiemaschinen deutlich. Vielfältig wie ihre Funktions-
und Ausführungsarten ist auch ihr Einsatz in den unterschiedlichsten Lebensbe-
reichen der modernen Zivilisation. Vom künstlichen Herzen über die Anwendung
im Haushalt, im Verkehr in Land-, Luft-, See- und Raumfahrzeugen bis hin zur
Verfahrens- und Energietechnik haben diese Maschinen heute einen riesigen An-
wendungsbereich gefunden.

Dabei sind die Maschinen in der Regel in Systeme bzw. Anlagen einbezogen, deren
Funktion und Charakteristik die Kriterien für die Auswahl der geeignetsten Fluid-
energiemaschine liefert.

Eine Sonderstellung nimmt die Fluidenergiemaschine im Bereich der Anlagen zur


Wandlung der sog. Primärenergie ein.

Primärenergien stellt die Natur in Form der Sonnenenergie, chemisch gebundener


Energie, Kernenergie, Erdwärme sowie als mechanische Energie des Windes und
des Wassers bereit.

Neben der Prozeßwärme werden vor allem mechanische Nutzarbeit und elektrische
Energie benötigt. Unter diesen sog. Sekundärenergien besitzt die elektrische Ener-
gie eine Vorrangstellung, da sie sich gut transportieren, problemlos in mechani-
sche Nutzarbeit , Licht, Wärme usw. umwandeln und für vielfältige Zwecke in nahe-
zu allen Lebensbereichen einsetzen läßt. Damit kommt der Umwandlung von Primär-
energie in elektrische Energie eine besondere Bedeutung zu.

Nach den in Bild 1.9 schematisch dargestellten Umwandlungsmöglichkeiten lassen

Fusion
:~~:~e~e Chemische-Energie
( sonnen -Energie)
St rahlUng~ ~ ~~<I'!I-\:;<I''{..
\",~\YS

Bild 1.9. Umwandlungs-


elektrodyn. Umwandlung möglichkeiten
von Primär-
Wasser - Energie Wind - Energie energien [ 18 J
38

sich direkte und indirekte Verfahren zur Umwandlung von Primärenergie in elek-
trische Energie unterscheiden.

Eine direkte Umwandlung von Primärenergie in elektrische Energie liegt im Fall


der Umwandlung von Sonnenenergie mittels Solarzelle und der chemisch gebundenen
Energie mittels Brennstoffzelle vor.

Alle großtechnischen Wandlungsverfahren sind derzeit indirekter Art, d.h. der


Übergang von der Primärenergie auf die elektrische Energie erfordert eine oder
zwei zwischengeschaltete Wandlungsstufen , in denen Fluidenergiemaschinen ein-
gesetzt werden.

Um die Wind- und Wasserenergie als Primärenergie in elektrische Energie zu über-


führen, ist nur der Weg über die mechanische Energie einer Fluidenergiemaschine
notwendig. Die übrigen Primärenergien werden in einem ersten Schritt in die Ener-
gieform "Wärme" umgesetzt, was im Fall der chemisch gebundenen Energie durch
Verbrennung, im Fall der Kernenergie durch einen Spaltungs- oder Fusionsprozeß
geschieht. In einem zweiten Schritt wird die Wärme teilweise in mechanische Ener-
gie gewandelt, wobei mechanisch wirkende Fluidenergiemaschinen wesentlich be-
teiligt sind.

Zur kontinuierlichen indirekten Energieumwandlung ist ein sog. Kreisprozeß not-


wendig, dem Wärmeenergie zugeführt wird, die im weiteren Prozeßverlauf teils in
mechanische Energie umgewandelt, teils als Wärme niedriger Temperatur abgeführt
wird. Der Kreislauf des energietragenden Prozeßfluids setzt einen Potentialunter-
schied voraus, durch den die kontinuierliche Strömung des Fluids aufrechterhalten
wird.

Dies sei zunächst am großräumigen Prozeß des natürlichen Wasserkreislaufes ver-


deutlicht (Bild 1.10).

Aus einem oberen Stausee strömt Wasser durch eine Turbine in ein tiefergelegenes
Becken, wobei dem Fluid in der Turbine mechanische Energie entzogen und diese
in einem Generator in elektrische Energie umgesetzt wird. Das Wasser verdunstet
auf seinem Weg zum Meer und vor allem im Meer selbst infolge von Sonneneinstrah-
lung . Die Temperaturschichtung der Atmosphäre bewirkt einen Vertikaltransport des
Wasserdampfes, der in größeren Höhen zu Wolken kondensiert. Luftbewegungen ,
d.h. Winde, transportieren diese Wolken in Richtung auf das Festland. Bei be-
stimmten atmosphärischen Verhältnissen wird das in ihnen gespeicherte Wasser in
Form von Niederschlägen ausfallen und so, bei abstrakter Betrachtungsweise,
wieder in das Oberbecken zurückkehren.
39

~ ~
WolkenbeViegung

Niederschlag
Wind
C I I
) Wolken-
bildung

\ I

1
Verdunslung

nulzbares
Gefölle
-- Turbine

I Bild 1. 10. Schema des


_L natürlichen
Wasserkreis-
laufes

Dieser Kreisprozeß, dessen Potentialunterschied durch den Verdunstungs- und


Transportvorgang infolge der Sonnenenergie aufgebaut wird, benötigt nur eine
Fluidenergiemaschine , nämlich eine Wasserturbine.

Gemessen an dem großräumig ablaufenden Kreisprozeß des Wassers sind die von
Menschen entwickelten Kreisprozesse zur Umwandlung von Primärenergie in elek-
trische Energie räumlich eng zusammengefaßt und benötigen zur Aufrechterhaltung
des Kreislaufpotentials anstelle der Sonne eine zweite Fluidenergiemaschine und
eine Wärmequelle mit hohem Temperaturniveau und anstelle der Temperaturschich-
tung der Atmosphäre eine Wärmesenke mit niedrigem Temperaturniveau.

So wird beim einfachen Dampfkraftwerksprozeß zusätzlich eine Pumpe, ein Dampf-


erzeuger (Wärmequelle) und ein Kondensator (Wärmesenke) gebraucht (Bild 1. 11).
Der mit äußerer Verbrennung arbeitende Dampferzeuger läßt den Luftsauerstoff
mit fossilen Brennstoffen reagieren. Die heißen Verbrennungsgase bestreichen
ein umfangreiches Rohrsystem , in dem das Prozeßfluid Wasser strömt. Dabei
wird ein großer Teil der Energie des Verbrennungsgases auf das Wasser über-
tragen, das bei vorgegebenem Druck verdampft.

In der Turbine wird der Dampf entspannt, wobei ein großer Teil der Fluidenergie
in mechanische Arbeit der rotierenden Turbinenwelle und im gekuppelten Generator
in elektrische Energie umgesetzt wird. Der entspannte Wasserdampf wird im Kon-
densator unter weiterer Wärmeabgabe in die flüssige Phase überführt und mit
Hilfe einer sog. Kesselspeisepumpe wieder in den Dampferzeuger transportiert.
Damit schließt sich der Wasserkreislauf, der über die Brennstoffzufuhr energe-
tisch aufrechterhalten wird und in dem die Speisepumpe das erforderliche Kreis-
laufpotential erzeugt.
40

Feuerung Rauchgas Dompferzeuger Damplturbine


I

ohle Generator

r;::::.==~D IKondensator

Lufl Speisewosser .
pumpe

Bild 1.11. Schema einer einfachen Dampfkraftanlage

Dieser Kreislauf erfordert also zwe i Fluidenergiemaschinen , di e Dampfturbine


und di e Kesselspeisepumpe.

Ähnlich s trukturiert ist eine Gasturbinenanlage (Bild 1. 12) , bei der ebenfalls
zwei Fluidenergiemaschinen, nämlich Ve rdic hter und Turbine benötigt werden.

Brenn ommer
Abgos

Verdichter Turbine Generotor

Bild 1. 12. Schema einer Gasturbinenanlage

Während die beiden vorgenannten Energiewandlungsanlagen mit jeweils zwei


dynamisch wirkenden Fluidenergiemaschinen betrieben werden, erfordert der
Kreisprozeß der Verbrennungsmotoren neben der Brennkammer zwei statisch
wirkende Fluidenergie maschinen, nämlich den Ko lbenverdichte r und den Kolbenex-
pander (Bild 1.13).
41

Brennkommer
Kol benverd ichler Kol benexpander

1
Bild 1.13. Schema eines Verbrennungs-
Umgebung motorenprozesses

Die in diesem Bild einzeln dargestellten Anlagenkomponenten sind im realen Ver-


brennungsmotor in einem Zylinder-Kolbensystem zusammengefaßt, das in zykli-
scher Abfolge nacheinander die Funktionen des Verdichters, der Brennkam mer und
des Expanders übernimmt.

Kombinationen von Fluidenergiemaschinen treten nicht nur in den zuvor ange-


sprochenen Anlagen zur Wandlung von Primärenergie auf, sondern bilden u.a.
auch die Grundlage der hydrodynamischen und hydrostatischen Wandler in der
Antriebstechnik .

Der hydrodynamische Wandler stellt eine Kombination aus Flüssigkeitsturbine und


Pumpe dar (Bild 1. 14).

P , Pumpe
T Turbine
L : Leilrod

Bild 1.14. Hydrodynamischer Wandler

Das Pumpenrad wird von einem Motor angetrieben und führt dem Kreislauffluid
mechanische Energie zu. Das Fluid gibt diese Energie an das Turbinenrad ab,
42

das die mechanische Nutzarbeit seinerseits z.B. auf das Fahrwerk eines Auto-
mobils überträgt. Zwischen Pumpen- und Turbinenrad sorgt ein gehäusefestes
Schaufelgitter, das sog. Leitrad, dafür, daß das Antriebsmoment der Pumpe und
das Abtriebsmoment der Turbine differieren können.

Beim hydrostatischen Wandler handelt es sich um eine Kombination aus Kolben-


pumpe und Kolbenmotor, wobei je nach Einsatzgebiet Pumpe und Motor nach den
verschiedenen, in Abschnitt 6.2 erläuterten, Verdrängerprinzipien ausgeführt
werden. In Bild 1.15 ist ein hydrostatischer Wandler nach der Flügelzellenbau-
art dargestellt.

Bild 1.15. Hydrostatischer Wandler

Die Wandlung des Antriebsdrehmomentes an der Pumpe in das Abtriebsdrehmo-


ment am Motor erfolgt durch Veränderung des Fluidstromes zwischen den bei den
Wandlerkomponenten, die im Fall der in Bild 1.15 dargestellten Flügelzellenbauart
durch eine Verstellung der Exzentrizität des Pumpenrotors gegenüber dem Pumpen-
gehäuse bewirkt wird.

Rückblickend läßt sich anhand des Ordnungsschemas (Bild 1.1) die Kombination
mehrerer Fluidenergiemaschinen zu Anlagen nachvollziehen (Bild 1. 16) .

So wird aus der Kombination von statisch wirkenden Verdichtern und Expandern
bei Wärmezufuhr der Verbrennungsmotor, aus der von statisch wirkenden Pumpen
und Motoren der hydrostatische Wandler, aus jener von Turbopumpe und Dampf-
turbine unter Einschluß eines Dampferzeugers und eines Kondensators das Dampf-
kraftwerk, aus der von Turboverdichter und Entspannungsturbine unter Einschluß
einer Brennkammer die Gasturbinenanlage und schließlich aus der Kombination von
Turbopumpe und Flüssigkeitsturbine der hydrodynamische Wandler.

Aus den vorgenannten Beispielen zum Einsatz der Fluidenergiemaschinen wird


deutlich, daß ein bestimmter Maschinentyp in unterschiedlichsten Betriebsan-
lagen und Systemen verwendet werden kann.

Für die Untersuchung und Beschreibung der maschinentypischen Funktionen und


Vorgänge ist es daher zweckmäßig, die Maschine als eigenständige Einheit zu
[2J Imechanisch wirkende Fluidenergiemaschine

I
I I
l statisch arbeitende J I dynamisch arbeitende I
o
I I
I I I
mit Verkleinerung mit Vergrößerung mit Verkleinerung mit Vergrößerung
der Fluidenergie der Fluidenergie der Fluidenergie der Fluidenergie j
o I I I I I I I
I I I
,----

L- r- ,-
- kompr. inkompr. - - kompr l- i nkompr kompr. r- inkompr kompr. r- inkompr. --
GJ r-

Dampf- und hydr. Kolben- Kolbenver- Kalbenpumpe Dampf-und Flüssigkeits- Turbover- Turbopumpe
Gasmotor motor dichter Gasturbine turbine dichter
---------
!
--------- 1 Wörmeabfuhr J-- 1-

Verbrenn ung smotor Dampfturbinenon loge


I Wörmezufuhr t---- Wörmezufuhr r-----
Gasturbinenanlage
1Wörmezufuhr } - - - -
I hydrostatischer Wandler . hydrodynamischer Wandler .
Bild 1.16. Ordnungsprinzip für mechanisch wirkende Fluidenergiemaschinen mit
Kombinationen zu Fluidenergieanlagen
~
./>.
Anlage ~dtransport ./>.
Li p
01 auf ein höheres geodätisches
Niveau (Druckbetrieb I

P, = cons!. Umgebungsdruck Pi P2 (g 'Li, I


A Li, " D Je - D
V
Li p

gegen cons!. Kesseldruck PI


bl~_-O @ Li, = D Je - D
PI > PI

V Pumpen kennlinie
Li p
cl Anlagenkennlinie
bei hohen Rohrleitungswiderstandsbeiwerten Je
Li p Druckdifferenz
P; = P2 Li z = D Je > D V Volumenstrom
V Betriebspunkt
lange Rohrleitung mit cR = A;-
Iluerschnittsfläche AR
-- V
Li p
mit Beschleunigung des Fluidstromes in einer
Düse mit dem Endquerschnitt Ao
dl ~% 0 PZ~~CO P2 > PI Li, = D Je - D
C =_L
o A o

mit Beschleunigung des Fluidstromes und Li p

el Energieentzug in einer Turbine mit dem


Durchtrittsquerschnitt Ao
Li, = D ; Je - D /
P2 > PI /,.
__ ./ I
(~CC I
V
PI Co = ~Ao
V
Bild 1.17. Einsatz einer Kreiselpumpe in verschiedenen Anlagen
45

betrachten, d. h., eine systematische Trennung zwischen Maschine und Anlage


vorzunehmen.

Die Wechselbeziehung zwischen einer Fluidenergiemaschine und einer zugehörigen


Anlage ergibt sich bei Annahme eines quasistatischen Betriebsverhaltens aus der
Zuordnung des Maschinen- und des Anlagenkennfeldes • Bei dynamischen Vor-
gängen, z.B. schnellen Lastwechseln usw., ist die Wechsel wirkung zwischen Ma-
schine und Anlage über die Betriebskennlinie allein nicht zu klären. Die Uber-
lagerung des stationären Betriebsverhaltens mit instationären Speichervorgängen
läßt sich nur durch geeignete dynamische Simulationsmodelle nachbilden, die
das Zusammenwirken von Maschinen- und Anlagencharakteristik beschreiben.
Solche Si mulationsmodelle sind z. B. für Verdichteranlagen in [19 und 20] dar-
gestellt .

Die systematische Trennung von Maschine und Anlage erweist sich auch für die
Praxis als notwendig, da bei der Konstruktion und dem serienmäßigen Bau von
Fluidenergiemaschinen der spätere Einsatzfall im allgemeinen noch nicht bekannt
ist.

Am Beispiel einer Kreiselpumpe, die unter Beibehaltung ihrer Betriebsdaten in


unterschiedlichen Anlagen, d.h. zur Lösung verschiedener Aufgaben, eingesetzt
wird, soll die angesprochene Trennung in Maschine und Anlage verdeutlicht
werden (Bild 1.17).

Der Schnittpunkt der jeweils anlagencharakteristischen Verbraucherkennlinie (auch


Anlagenkennlinie genannt) mit der Kennlinie der verwendeten identisch gleichen
Pumpe ergibt den bei quasistatischem Verhalten zu erwartenden Betriebspunkt .

Li teratur zu K8.pi tell:

[1 J Str8.udh, S.: Die Maschine-Geschichte, Elemente, Funktion. Herder Verlag Freiburg ,


B8.sel, Wien.
[2J Arnold, G.: Bilder aus der Geschichte der Kraftmaschinen. Heinz Moos Verlag,
München 1968.
[3J Troskolanski, A. T.; Lazarkiewicz, St.: Kreiselpumpen. Eirkhäuser- Verlag, Basel und
Stuttgart 1976.
[4J Leupold, J.: Schauplatz der Wasserkünste. Th. Schäfer, Hannover 1982.
[5J Camerer, R.: Wasserkraftmaschinen. Verlag Engelmann, Leipzig 1914.
[6J Technisches Handbuch Pumpen. VEB Verlag Technik, Berlin 1969.
[7J Stodola, A.: Dampf- und Gasturbinen. Verlag von Julius Springer, Berlin 1924.
[8J Kickbusch , E.: Föttinger-Kupplungen und Föttinger-Getriebe. Springer-Verlag Berlin ,
Göttingen, Heidelberg 1963.
[9 J Feldhaus , F. M.: Die Maschine im Leben der Völker. Verlag Birkhäuser Basel, Stuttg3.rt.
[tOJ Klaulehn, W.: Die eisernen Engel. Rowohlt-Verlag, Hamburg.
[l1J 100 Jahre Aerzener Drehkolbenmaschinen . Festschrift der Aerzener Maschinenfabrik
G.m.b.H., Aerzen 1964.
46

[12J Casamassa, J.V.: Jet Aircraft Power Systems. Mc.Graw-Hill, NewYork1950.


[13J Van Weenen, F .L.: Die Konstruktion des Philips-Heißluftmotors. Philips' Technische
Rundschau, 9 (1947), 5, 125-135.
~14J Ostenrath, H.: Gasturbinentriebwerke. Giradet-Verlag, Essen 1968.
[15J Keller, C.: Ursprung und Entwicklung der Gasturbine mit geschlossenem Kreislauf.
Escher-Wyss Mitteilungen 38 (1966), 1, 5-10.
[16J Bensinger, W .D.: Rotationskolbenverbrennungsmotoren. Springer-Verlag Berlin,
Heidelberg, New York 1973.
[17J Schmidt, F.A.F.: Verbrennungskraftmaschinen. 4. Auflage, Springer-Verlag Berlin,
Heidelberg, New York 1967.
[18J Euler, K. -J.; Scharmann , A. (Hrsg.): Wege zur Energieversorgung . Thiemig Taschen-
bücher 60, München 1977.
[19 J Fasol, K.H.: Theoretical Model Building and Simulation of Industrial Processes . Int.
Symposium on Systems and Simulation. Berlin, 1.-5. Sept. 1980.
[20J Gronau, M.: Ein Beitrag zur theoretischen Modellbildung von Verdichteranlagen. Diss.
Bochum 1983.
2 Einige thermodynamische Voraussetzungen

Da in allen Fluidenergiemaschinen Energieumwandlungen stattfinden, ist die


Thermodynamik als allgemeine Lehre von der Energie zur Beschreibung der Vor-
gänge in den Maschinen unerläßlich. In diesem Kapitel werden fast ausschließlich
solche thermodynamischen Zusammenhänge wiederholt und zusammengestellt,
die für das Verständnis der Vorgänge in den Fluidenergiemaschinen relevant
sind. Es werden also Grundkenntnisse in der Thermodynamik vorausgesetzt.
Für ein grundlegendes bzw. weiterführendes Studium der Thermodynamik sei auf
die Fachliteratur, insbesondere auf das Buch "Thermodynamik" von H. D. Baehr
[1] verwiesen.

Weil die hier für Fluidenergiemaschinen benutzte klassische Thermodynamik von


Gleichgewichtszuständen bzw. von quasistatischen Zustandsänderungen ausgeht,
bei denen alle Zwischenzustände in enger Nachbarschaft zum Gleichgewicht
durchlaufen und somit erst in Zustandsdiagrammen darstellbar werden, ist zu
prüfen, ob die Geschwindigkeit der wirklichen Zustandsänderung noch diese
Idealisierung zuläßt.

Wenn diese Voraussetzungen bei schnellablaufenden Zustandsänderungen nicht


mehr- gegeben sind, lassen sich Aussagen über den Ein- und Austrittszustand
machen, wenn das System hier in einem Gleichgewichtszustand ist.

Als Fluide werden beispielhaft das ideale Gas und die inkompressible nüssigkeit
betrachtet. Ein weiteres ideales Fluid, den idealen Dampf, behandelt z.B.
W. Traupel [2J.

2.1 Hauptsätze der Thermodynamik

Die Thermodynamik stützt sich auf vier Hauptsätze:

Der nutzte Hauptsatz sagt aus, daß zwei Systeme im thermischen Gleichgewicht
mit einem dritten System auch untereinander im thermischen Gleichgewicht stehen.
48

Aus der Erfahrung des nullten Hauptsatzes läßt sich der Temperaturbegriff ein-
führen.

Der eY'ste Hauptsatz formuliert das Energieerhaltungsgesetz .

Der zweite Hauptsatz stellt fest, daß alle natürlichen Prozesse irreversibel sind.

Diese beiden Hauptsätze spielen bei der Energieumwandlung, d.h. auch in den
Fluidenergiemaschinen , eine entscheidende Rolle. Sie werden deshalb ausführlich
in ihren Anwendungen auf diese Maschinen besprochen.

Der dY'itte Hauptsatz postuliert, daß die Entropie jedes reinen Stoffes im absolu-
ten Nullpunkt verschwindet. Dieser Hauptsatz hat für den Fluidenergiemaschinen-
bau keine unmittelbare Bedeutung, es sei denn z.B. für veränderliche Fluid-
eigenschaften •

2.1.1 Systeme
Für alle thermodynamischen Untersuchungen ist es unerläßlich, einen Bereich im
Raum abzugrenzen, auf den sich die Untersuchung beziehen soll. Dieser Bereich
wird als System, alles außerhalb als Umgebung bezeichnet. Die Trennung zwi-
schen System und Umgebung wird durch materielle oder gedachte Wände (System-
grenzen) vollzogen, denen hinsichtlich ihrer Durchlässigkeit bezüglich Materie
und Energie bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden.

Im folgenden sollen nur einfache Systeme betrachtet werden, bei denen Ober-
flächenerscheinungen , elektrische und magnetische Effekte keine Rolle spielen.
Als äußeres Kraftfeld wird nur das Schwerefeld der Erde berücksichtigt.
Eine Einteilung der Systeme kann wie folgt vorgenommen werden:

Ein abgeBchloBBenes System besitzt Grenzen, welche für Materie und Energie un-
durchlässig sind. Ein solches System ist für die Beschreibung der eigentlichen
Energieübertragung in Fluidenergiemaschinen im allgemeinen ohne Bedeutung.
Es kann z.B. bei der Betrachtung von Temperaturausgleichsvorgängen in still-
stehenden abgeschlossenen Maschinen hilfreich sein.

Ein geschlossenes System hat für Materie undurchlässige Grenzen, d.h. es ent-
hält stets dieselbe Stoffmenge. Jedoch kann Energie in Form von Wärme und
technischer Arbeit über seine gegebenenfalls verschieblichen Grenzen treten.
Dieses System wird bei der Energieübertragung der Kolbenmaschinen verwendet.

Ein offenes System läßt über seine Grenzen bereichsweise Energie und Materie
treten. Diese Systeme mit bereichsweise durchlässigen Grenzen werden auch als
49

Kontrollräume bezeichnet. Um die Energieübertragung in Strömungsmaschinen zu


beschreiben, wird dieses offene System verwendet.

Mit Hilfe beweglicher Grenzen lassen sich ggf. offene und geschlossene Systeme
ineinander überführen.

2.1.2 Erster H~uptsatz


Der erste Hauptsatz formuliert das Prinzip der Energieerhaltung . Unter Be-
schränkung auf einfache Systeme unterscheidet er dabei als Energieformen die
im System gespeicherte innere, die potentielle, die kinetische und die über die
Grenzen als Wärme und mechanische Arbeit transportierte Energie.

Im folgenden werden die Energiebilanzen für die vorgenannten Systeme aufgestellt.

2.1.2.1 Anwendung auf geschlossene Systeme

Das abgeschlossene System

Da über seine Systemgrenzen weder Masse- noch Energietransport möglich ist,


kann nur bei Teilsystemen im Inneren dieses Systems ein Energie- und Stoffaus-
tausch stattfinden, wenn zwischen den Teilsystemen ein thermodynamisches Un-
gleichgewicht vorliegt.

Der Energiesatz für ein solches abgeschlossenes System lautet:

n
U
i
L= 1 U.
1
= const. (2.1)

Darin ist U i die innere Energie des i-ten Teilsystems.

Das geschlossene System

Während über seine Systemgrenzen Energie in Form von Wärme oder Arbeit ge-
führt werden kann, bleibt die Stoffundurchlässigkeit der Systemgrenzen erhalten,
d.h. die Masse m im System bleibt konstant. Durch einen Energieaustausch mit
der Umgebung ändert sich nur die innere Energie des Systems.

(2.2)

Darin ist der Term U A - U E die Zu- oder Abnahme der inneren Energie bei
einer Zustandsänderung zwischen den Zuständen E und A, QEA die zu- oder
abgeführte Wärmemenge und WEA die am System verrichtete Arbeit.
50

E -

a b

Bild 2.1. Stationär durchströmtes offenes System, betrachtet


a) zur Zeit t
b) zur Zeit t + M

2.1.2.2 Anwendung auf offene Systeme

Zusätzlich zum geschlossenen System sind die Grenzen des offenen Systems be-
reichsweise stoffdurchlässig .
Zur Ableitung des Energiesatzes läßt sich das offene System, oder auch Kontroll-
raum genannt, für stationäre Verhältnisse durch ein geschlossenes ersetzen, in-
dem in das System eine Fluidmenge mit der Masse llm so einbezogen wird, daß
in Bild 2. la die Masse llm E zur Zeit t bei E gerade zum Eintritt in den Kontroll-
raum bereitsteht, während in Bild 2. lb zur Zeit t + llt der Eintritt vollzogen und
die gleichgroße Masse tlm A gerade wieder bei A aus dem Kontrollraum entlassen
ist. Es ist demnach tlm A = tlmE = tlm. Das System mit den zeitabhängigen Grenzen
beinhaltet somit zu jedem Zeitpunkt eine konstante Masse.

Wegen der konstanten Masse in beiden Bildteilen kann der Energiesatz für das ge-
schlossene System angesetzt werden:

(2.3)

Zur Zeit t, d.h. zu Beginn des Prozesses, besteht der Energieinhalt EE aus dem
konstanten Energieinhalt E K des Kontrollraums und aus den in der Masse tlm ent-
haltenen spezifischen Energien:
51

Zur Zeit t + 6t, d.h. am Ende des betrachteten Prozesses, ist der Energieinhalt
des nach Bild 2. 1b definierten geschlossenen Systems mit demselben Massenin-
halt wi e zu Beginn:

2
E A = E K +fIrn ( u A + c: + gzA) .

Damit ergibt sich nach Gleichung (2.3) :

2
QEA + WEA = 6m ( u A + c: + gz A )

Die Gesamtarbeit W EA setzt sich zusammen aus:

- Der technischen Arbeit WtEA ' die mit der Welle die Grenze des Kontrollraums
überschreitet.

- Der Verschiebearbeit W VEA = (PE v E - PA v A )6m, die sich durch das Ein- und
Austreten der Masse 6 m in das System bei jeweils konstantem Druck im Ein-
bzw. Austrittsquerschnitt ergibt.

Für die Gesamtarbeit folgt damit;

So ergibt sich für den Energiesatz;

2 2
QEA + WtEA - 6m(P A v A - ~vE) 6m (u A + c: + gZA) - 6m( u E + c~ + g~)
oder
2
QEA + WtEA = 6m (u A + PA vA + gZA + c:) - 6m (u E + PE v E + gZE

(2.4)
Die Größen u und pv werden durch Addition zu einer kalorischen Zustandsgröße,
der Enthalpie h, kombiniert:

h = u + pv. (2.5)
52

Weiterhin wird unter dem Begriff Totalenthalpieht die statische Enthalpie, die
kinetische und die' potentielle Energie zusammengefaßt:

2
c
h t = h +"2 + gz. (2.6)

Die Gleichung (2.4) vereinfacht sich dadurch wie folgt:

(2.7)

Da der Prozeß stationär ist, gilt Gleichung (2.7) nicht nur für das Zeitintervall
LI t, sondern auch für beliebig große Zeitintervalle. So lautet sie mit

dem Wärmestrom (2.8)

W tEA
der inneren Leistung P.
1 -xt (2.9)

und dem Massenstrom


lIm
m =M' (2.10)

(2.11)

Um die energetischen Vorgänge in den Fluidenergiemaschinen von den unterschied-


lich großen, energietragenden Massen trennen zu können, ist es zweckmäßig und
üblich, alle Größen auf die Einheit der Masse zu beziehen, d.h. mit spezifischen
Größen zu arbeiten. So ergibt sich aus der Gleichung extensiver Größen eine Glei-
chung spezifischer Größen, wenn

die spezifische Wärmemenge

Q
m =q (2.12)

und die spezifische technische Arbeit

P.
1
-;-= a (2.13)
m

in die Gleichung (2.11) eingeführt werden:

(2.14 )
53

Bei Aufschlüsselung der Totalenthalpie ergibt sich der häufig benutzte, in spezi-
fischen Größen geschriebene Energiesatz für stationär durchströmte, offene
Systeme:

(2.15)

Vorzeichenregel

In Gleichung (2.3) ist bereits durch die Differenzbildung der Energien zwischen
Austritt und Eintritt eine Vorzeichenvereinbarung getroffen worden, die nachfolgend
explizit als Vorzeichenrege l herausgestellt werden soll.

Bei stationär durchströmten Systemen, für die gilt:

LIDE'In =2ID A us (2.16)

werden bei der Formulierung des ersten Hauptsatzes alle Energieströme, die in
das System eingebracht werden, mit positivem Vorzeichen, alle diejenigen, welche
die Grenzen des Systems verlassen, mit negativem Vorzeichen versehen.

1----- --I
I I
I I
I I
I I
E,=P; I I
~~I~~--~~'~~

I
I
I
I
~ / 1

L _____ ___________ J

Bild 2.2. Zur Vorzeichenregel

Unter Beachtung dieser Vereinbarung gilt mit den in Bild 2.2 eingezeichneten Ener-
gieströmen:

d.h.
54

Danach ist die Summe aller Energieströme , welche die Systemgrenzen passieren,
gleich Null:

L E.1 = o. (2.17)

Bei einem Verdichter sind nach dieser Vorzeichenregel für Pi positive Werte in
die Gleichung des ersten Hauptsatzes einzusetzen, weil dem Fluidstrom Leistung
zugeführt wird. Bei der Kühlung wird dem Fluidstrom ein Wärmestrom Q entzogen,
der demgemäß mit negativen Vorzeichen in die Gleichung des ersten Hauptsatzes
einzusetzen ist.

Bei einer Turbine wird dem Fluidstrom eine Leistung Pi entzogen, so daß diese
mit einem negativen Wert zu berücksichtigen ist. Der bei einer Zwischenüberhitzung
zuzuführende Wärmestrom Q erhöht die Leistung des Fluidstroms und ist mit po-
sitivem Vorzeichen zu versehen.

Sonderfälle des Energiesatzes

Aus dem Energiesatz in spezifischen Größen (Gleichung 2.14)

lassen sich folgende Sonderfälle herausstellen:

q = 0 adiabates System
wärmeundurchlässige Systemgrenzen.

q r' 0 diabates System


wärmedurchlässige System grenzen
q > 0 "Wärmezufuhr"
q < 0 "Wärmeabfuhr".

a =0 StY'ömungsvoY'gang
kein Austausch von technischer Arbeit zwischen Fluid und Maschinen-
bauteilen.

a r' 0 AY'bei tsvoY'gang


Austausch von technischer Arbeit zwischen Fluid und Maschinenbau-
teilen .
a > 0 "Arbeitsaufnahme" (Verdichter)
a< 0 "Arbeitsabgabe" (Turbine).

Durch Kombination dieser Sonderfälle kann mit guter Annäherung das Verhalten
ausgeführter Fluidenergiemaschinen beschrieben werden:
55

a " 0, q = 0 adiabater Arbeitsvorgang


Berechnungsannahmen für Fluidenergiemaschinen ohne Wärme-
tauscher. Weil die mit der Umgebung ausgetauschte Wärme-
menge infolge relativ kleiner Oberflächen im Verhältnis zur
spezifischen technischen Arbeit im allgemeinen sehr klein ist
(q/a« 1), ergibt sich mit guter Näherung aus:

a +q = a( 1 +~) = h tA - h tE die Folgerung: a "" h tA - h tE •

a " 0, q" 0 diabater Arbeitsvorgang


Berechnungsannahme für Fluidenergiemaschinen mit Wärme-
zu- oder -abfuhr in der Maschine, z.B. Gasturbinen mit
innengekühlten Hohlschaufeln oder Verdichter mit Mantel-
kühlung

a = 0, q =0 adiabater Strömungsvorgang
Berechnungsannahme für alle nichtbewegten Teile in der
adiabaten Fluidenergiemaschine , z.B. Eintrittsstutzen , Leit-
räder, Spiralen, Austrittsstutzen

a = 0, q" 0 diabater Strömungsvorgang


Berechnungsannahme für unbewegte wärmeübertragende Teile,
z.B. Kühler, Wärmetauscher

2.1.3 Zweiter Hauptsatz

2.1.3.1 Definitionen und Fundamentalgleichung

Der zweite Hauptsatz beinhaltet die Erfahrung, nach der alle natürlichen Energie-
wandlungsprozesse nicht exakt umkehrbar, also irreversibel sind, und reversible
Prozesse nur als idealisierte Grenzfälle realer Prozesse zu verstehen sind. Diese
Erfahrung führt zur Definition der extensiven Zustandsgröße Entropie S, der nach
dem zweiten Hauptsatz folgende Eigenschaften zugeschrieben werden:

Die Entropie eines aus Teilsystemen bestehenden Systems ist gleich der Summe
der Entropien der Teilsysteme ( 1. PostUlat).
56

Findet in einem abgeschlossenen Gesamtsystem ein Austauschprozeß zwischen


den Teilsystemen statt, so ist der sich einstellende thermodynamische G leich-
gewichtszustand durch das Maximum der Entropie gekennzeichnet (2. Postulat).

Die Entropie ist eine monoton wachsende, stetige und differenzierbare Funktion
der inneren Energie U

(~~) > 0
V,nA·nB ••··

mit dem Systemvolumen V und den 'Substanzmengen nA,n B , ... der Stoffkom-
ponenten A,B, ..• als konstante Zustands- bzw. Stoffgrößen (3. Postulat).

Diese auf axiomatische Weise postulierten Aussagen des zweiten Hauptsatzes sind
nicht auf tiefer liegende Gesetze zurückzuführen. Sie stimmen jedoch mit den bis-
herigen Erfahrungen bei thermodynamischen Prozessen über ein .

Für die thermodynamische Behandlung der Prozesse in Fluidenergiemaschinen ist


insbesondere das vorgenannte dritte Postulat des zweiten Hauptsatzes von Bedeutung,
das anhand der Gibbsschen Fundamentalgleichung

näher betrachtet werden soll.

Die innere Energie U eines Systems ist danach außer von der Entropie S und dem
Volumen V von den Substanzmengen nA,nB , ..• der Stoffe A,B, .•• , aus denen ein
Prozeßfluid im allgemeinsten Fall bestehen kann, abhängig. Wird die Betrachtung
auf Systeme homogener Fluide beschränkt, so reduziert sich die Abhängigkeit der
inneren Energie U auf

U=U(S,V). (2.18)

Die partiellen Ableitungen der inneren Energie U nach den Variablen S und V sind
wie folgt definiert:

(2.19)

_(aU) = p
aV S - , (2.20)

wobei T als thermodynamische Temperatur und p als Druck bezeichnet wird.


57

Mit der Definition (2.19) lautet das dritte Postulat des zweiten Hauptsatzes für ein
Einstoffsystem :

Daraus geht hervor, daß die thermodynamische Temperatur T niemals negativ sein
kann.

Wird mit den Definitionen gemäß (2.19) und (2.20) das totale Differential der
inneren Energie U nach Gleichung (2.18) gebildet, so ist

dU = TdS - pdV (2.21)

bzw.

dS = ~ dU + f dV .
Anhand dieser Gleichungen lassen sich die Eigenschaften der Entropie mit Er-
fahrungen aus natürlichen Prozessen vergleichen, wie z.B. bei einem mittels ge-
schlossenem adiabaten Zylinder-Kolben-System gemäß Bild 2.3 durchgeführten
Prozeß.

Bild 203. Zur Untersuchung eines Prozesses


in einem adiabaten Zylinder-Kolben-
System

Es wird angenommen, daß sich das System bei der KolbensteIlung 1 mit der Um-
gebung im thermodynamischen Gleichgewicht befindet.

Wird nun der Kolben unter Wirkung der Kraft F so langsam in die Position 2 ver-
schoben, daß eine quasistatische Zus tandsänderung angenommen werden kann, so
wird am System durch die von außen zugeführte Arbeit die Volumenänderungsarbeit

FdL = pAdL = pdV

verrichtet.
58

Die innere Energie U des Systems vergrößert sich dadurch um den Betrag

Wird nun die Wirkung der Kraft F so langsam entfernt, daß wiederum quasistatische
Gleichgewichtszustände durchlaufen werden, so kehrt der Kolben in die Position 1
zurück, sofern während der Zustandsänderungen von 1 nach 2 und 2 nach 1 am
System keine Reibungsverluste aufgetreten sind. Die zur Verschiebung des Kolbens
von 1 nach 2 von außen eingebrachte Arbeit kehrt in ein geeignetes äußeres System
zurück.

In diesem reversiblen Fall ist also nach Gleichung (2.21)

dU + pdV = TdS = O. (2.22)

Bei gleichen Beträgen ist der Term pdV wegen V 2< V 1 negativ und der Term dU
wegen U 2 > U 1 positiv.

Da sich bei allen natürlichen Prozessen Reibungsverluste nicht völlig ausschließen


lassen, wird die Volumenänderungsarbeit pdV im natürlichen irreversiblen Fall
betragsmäßig stets kleiner als die Anderung der inneren Energie dU, so daß unter
Beachtung der Vorzeichen gilt:

dU + pdV :: TdS> O.

Daraus folgt, daß natürliche irreversible Prozesse stets mit einer Erhöhung der
Entropie bzw. einer Entropieerzeugung verbunden sind.

Die Entropieerzeugung bei irreversiblen Prozessen resultiert aus dissipativen Ein-


flüssen am System. Der zugehörige, stets positive Energiebetrag wird als Dissi-
pation J bezeichnet:

TdS. = dJ > O.
Irr

Im Fall des reversiblen Prozesses wird die Entropieerzeugung und die damit ver-
bundene Dissipation gemäß Gleichung (2.22) zu Null.

Der Fall einer Entropievernichtung

TdS< 0

widerspricht der Erfahrung, weil dabei die Volumenänderungsarbeit pdV größer


als die Anderung der inneren Energie dU werden müßte;

dU +pdV=Tds<O.
59

Ein derartiger adiabater Prozeß mit Entropieabnahme ist erfahrungsgemäß nicht


möglich.

Zur weiteren Betrachtung der Entropie soll nun angenommen werden, daß der Kolben
des Systems gemäß Bild 2.3 in der Position 1 fest arretiert ist und somit Volumen-
änderungen des Systems ausgeschlossen sind. Demgemäß gilt für diesen Fall mit
dV = 0

dU = TdS. (2.23 )

Über die nun wärmedurchlässig angenommenen Wände des Systems soll aus der
Umgebung eine Wärmemenge dQ bei geringem Temperaturgradienten zwischen Um-
gebung und Systeminnerem zugeführt werden. Die innere Energie des Systems er-
höht sich um den Betrag

(2.24)

Zusammen mit Gleichung (2.23) ist demnach

dQ = TdS. (2.25)

Die Wärmezufuhr dQ verursacht also ohne Berücksichtigung dissipativer Vorgänge


eine Erhöhung der Entropie um den Betrag dS.

Wird der Prozeß umgekehrt, d.h. dem System eine Wärmemenge dQ entzogen, so
ist wegen der damit verbundenen Minderung der inneren Energie und unter Beachtung
der stets positiven Temperatur T die Entropieänderung dS gemäß Gleichung (2.23)
negativ.

Da dissipative Einflüsse am System ausschließlich Entropieerhöhungen bewirken


können, ist die Senkung der Entropie nur über eine reversible Wärmeabfuhr möglich.

Der Wärmetausch an einem diabaten System ist stets mit einem Entropietransport
über die Systemgrenzen verknüpft, was demgemäß auch als EntY'opiestY'ömung be-
zeichnet wird. Die darauf beruhende Entropieänderung des Systems hat je nach
Richtung des Wärmestromes ein positives oder negatives Vorzeichen:

dS - dQ ~O (2.26)
rev - TZ:·

Das Gleichheitszeichen in (2.26) gilt für den adiabaten Fall dQ = O.

Die Ergebnisse der zuvor gedanklich durchgeführten Prozesse führen zu folgender


Schlußfolgerung:
60

Im allgemeinen Fall eines irreversiblen diabaten Prozesses wird die Änderung der
Entropie im betrachteten einfachen System sowohl durch die Entropieströmung
dS rev als auch durch die Entropieerzeugung dS irr bewirkt. Danach ist

TdS = TdS + TdS. = dQ + dJ (2.27)


rev Irr

oder in spezifischen Größen

Tds = Tds rev + Tds irr dq + dj. (2.28)

Dieser allgemeine Zusammenhang beinhaltet außer den bereits behandelten Sonder-


fällen - diabater reversibler Prozeß (dq " 0, dj = 0) und adiabater irreversibler
Prozeß (dq = 0, dj > 0) - die Sonderfälle einer isentropen Zustandsänderung
(Tds=O).

Die isentrope Zustandsänderung eines diabaten irreversiblen Prozesses bedingt ge-


mäß Gleichung (2.28)

Tds rev + Tds irr = dq + dj = o. (2.29)

Daraus folgt wegen dq ,,0 und dj > 0

- Tds = Tds. (2.30)


rev Irr

bzw.

- dq = dj. (2.31)

Die isentrope Zustandsänderung ist unter den getroffenen Voraussetzungen möglich,


wenn simultan zur stets positiven Entropieerzeugung dS irr bzw. Dissipation dj
eine betragsgleiche Entropiemenge ds rev bzw. Wärmemenge dq abgeführt wird.
Die isentrope Zustandsänderung eines adiabaten Prozesses (dq = 0) bedingt ge-
mäß Gleichung (2.28):

Tds = Tds irr = dj = O. (2.32)

Daraus ist zu erkennen, daß eine isentrope Zustandsänderung bei einem adiabaten
Prozeß nur erreichbar ist, wenn im System keinerlei dissipative Vorgänge statt-
finden (dj = 0) bzw. keine Entropie erzeugt wird (ds. = 0). Dieser Fall ist je-
Irr
doch bei natürlichen, also irreversiblen Prozessen ausgeschlossen.
61

Der adiabate, reversible Prozeß, der die Bedingung nach Gleichung (2.32) erfüllt,
hat demgemäß nur Bedeutung als idealer Grenzprozeß, an dem die Güte realer Pro-
zesse gemessen werden kann.

Die vorstehenden Betrachtungen zum zweiten Hauptsatz sind aus Gründen der An-
schaulichkeit auf das geschlossene System bezogen worden, d.h. mit Gleichung
(2.21) in spezifischen Größen geschrieben, gilt:

Tds = du + pdv. (2.33)

Der Übergang zum offenen System ergibt sich durch Kombination mit der diffe-
renzierten Form der Gleichung (2.5) zu:

Tds = dh - vdp. (2.34 )

Die Gleichung (2.33) bzw. die Gleichung (2.34) wird als Gibbssche Fundamental-
gleichung des geschlossenen bzw. des offenen Systems bezeichnet.

Das darin enthaltene Produkt vdp wird als differentielle DY'Uckänderungsarbeit

dy = vdp (2.35 )

bzw.

y f vdp (2.36)

als spezifische Druckänderungsarbeit bezeichnet, die für alle Arten von Fluidener-
giemaschinen gleichermaßen sinnfällig verwendet werden kann. Für y sind u.a.
auch die Begriffe spezifische reversible Strömungsarbeit [9J, spezifische Ver-
dichtungsarbeit [10 J und spezifische Stutzenarbeit [11] gebräuchlich.

Mit Gleichung (2.35) geht Gleichung (2.34) über in

dh=Tds+dy. (2.37)

Mit der Aufspaltung des Terms Tds gemäß Gleichung (2.28) ergibt sich

dh = dy + dq + dj. (2.38)

Aus der Integration dieser Gleichung (2.38) über den Prozeßverlauf zwischen Ma-
schineneintritt E und Maschinenaustritt A resultiert die Beziehung

A A A A
J dh = f dy + f dq + f dj.
E E E E
62

Während die Integration der Zustandsgröße Enthalpie möglich ist, ist die Integration
der Prozeßgrößen dy, dq und dj vom Prozeßverlauf abhängig. So soll verkürzt ge-
schrieben werden:

( 2.39 )

Aus der Kombination der totalen Enthalpiedifferenzen

(2.40)

mit dem Energiesatz nach Gleichung (2.14)

ergibt sich ein Ausdruck für die spezifische technische Arbeit :

(2.41)

Wenn es dem Konstrukteur gelingt, z.B. seinen Verdichter relativ verlustfrei aus-
zulegen, so wird der größte Teil der spezifischen technischen Arbeit a EA in re-
versible spezifische Energien des Fluids, nämlich in die Druckänderungsarbeit , in
kinetische Energie und Energie der Lage überführt, während durch dissipative Vor-
gänge nur ein kleiner Teil als irreversible Entropieerzeugung jEA erscheint.

Beispiel 2.1:

An einer Dampfturbine sind folgende Daten gemessen worden:

Spez. Enthalpie am Eintritt h E = 3549 kJ/kg

Spez. Enthalpie am Austritt h A = 3134 kJ/kg

Geschwindigkeit am Eintritt CE = 50 m/s


Geschwindigkeit am Austritt c A -- 150 m/s
Massenstrom rh = 20 kg/s

Es ist die spezifische technische Arbeit a, die innere Leistung Pi' die spezifische Druckände-
rungsarbeit y und die spezifische Dissipation j für den adiabat angenommenen Entspannungspro-
zeß zu ermi tteln, wenn 10 0/, des verfügbaren Enthalpiegefälies in Dissipation übergehen.

Nach dem ersten Hauptsatz (2.15) gilt


63

Der potentielle Energieanteil g( z A - zE) ist bei Gasen und Dämpfen relativ klein und kann in
diesem Fall gegeniiber den übrigen Energietermen vernachlässigt werden.

Mit dieser Einschränkung und der Annahme einer adiabaten Entspannung (q =' 0) gilt

a = h A - hE + 2"1( 2 - cE
cA 2) = 3134000 - 3549000 + 2"1 (150 2 - 50 2 ) = - 405000 J/kg.

Die spez. technische Arbeit a besitzt gemäß Vorzeichenregel (Abschnitt 2.1.2.2) ein negatives
Vorzeichen.

Fiir die innere Leistung gilt nach Gleichung (2.13)

Pi = a rh = - 405000 . 20 = - 8100000 J/kg s = - 8100 kW.

Die spezifische Dissipation j ist stets positiv und gemäß Vorgabe

J = 0, l(h E - h A ) = 0,1 . (3549 - 3134) = 41,5 kJ/kg.

Aus Gleichung (2.39) ergibt sich für die adiabate Expansion die Druckänderungsarbeit

y = tJh - j = (3134 - 3549) - 41,5 = - 456,5 kJ/kg.

2.1.3.2 Exergie und Anergie

Nach ihrer Um wandelbarkeit lassen sich Energien aufteilen in:

unbeschränkt umwandelbare Energie, sogenannte Exergie;


beschränkt umwandelbare Energie;
nicht umwandelbare Energie, sogenannte Anergie.

Die unbeschränkt umwandelbaren Energieformen sind die entropielosen Energie-


formen , wie z.B. mechanische, kinetische, potentielle oder elektrische Energie,
welche auch als Exergie bezeichnet werden. Dagegen lassen sich die entropiebe-
hafteten Formen, wie z.B. die innere Energie von Systemen, die mit der Um-
gebung nicht im Gleichgewicht stehen oder auch Wärme bei einer Temperatur, die
von der Umgebungstemperatur abweicht, nur beschränkt ,umwandeln. Wärme bei
Umgebungstemperatur oder innere Energie der Umgebung stellt hingegen eine nicht
um wandelbare Energieform dar, welche als Anergie bezeichnet wird.

Nach diesen Definitionen läßt sich jede Energie aus der Summe von Exergie und
Anergie zusammengesetzt denken, wobei der eine oder andere Anteil auch Null sein
kann.

Für die gemischten, d.h. beschränkt umwandelbaren Energieformen Wärme und


Enthalpie soll der Exergieanteil im folgenden bestimmt werden.
64

Die Exergie der Wärme e q ist derjenige Anteil, der bei idealen Bedingungen wie
beim Carnot-Kreisprozeß [1] in eine entropiefreie Form, also z.B. technische
Arbeit umgewandelt werden kann.

Für den C'arnot-Prozeß gilt in differentieller Form:

(2.42)

Der Ausdruck (1 - T;) wird auch als Carnot-Faktor bezeichnet. Hierbei ist Tu

die Umgebungs- und T die Prozeßtemperatur.

Nach Gleichung (2.42) wird die Exergie der Wärme bei Umgebungstemperatur
T = Tu zu Null, was gleichbedeutend damit ist, daß Wärme bei Umgebungstem-
peratur eine nicht umwandelbare Energieform darstellt.

Wird der Anergieanteil der Wärme mit b bezeichnet, so setzt sich die differen-
q
tielle Wärmemenge dq aus einem exergetischen und einem anergetischen Anteil
zusammen:

(2.43)

Mit Gleichung (2.42) folgt daraus:

T
u
db q = T dq. (2.44)

Wird eine Wärmemenge nicht bei konstanter Temperatur, sondern zwischen den
Temperaturgrenzen Tl und T 2 aufgenommen, so folgt durch Integration für die
Exergie der Wärme:

(2.45)

bzw. für die Anergie der Wärme:

J~
2
b q = Tu T . (2.46)
1
65

Zur Darstellung bei der Anteile im T ,s-Diagramm wird die Wärmemenge dq nach
der Beziehung (2.28)

Tds rev = dq

zerlegt in einen exergetischen Anteil e :


q

2
e
q
=q-T
u
S9gT'
1

2
e
q
= q - T
u 1
f ds,

und nach Gleichung (2.46) in einen anergetischen Anteil:

(2.47)

'.1---
O'----------''--'-----''---- - O - L -- Bild 2.4. Zur Exergie- und Anergie
s der Wärme

In einem T ,s-Diagramm (Bild 2.4) stellt sich hiernach die Exergie als Fläche
unter der Zustandsänderung, aber oberhalb der Umgebungstemperatur Tu dar. Die
Exergie hat also im Umgebungszustand einen natürlichen Nullpunkt. Die Anergie
der Wärmemenge entspricht nach Gleichung (2.47) dem Rechteck, das aus der
Temperaturdifferenz (Tu - 0) und der Entropiedifferenz (s2 - s1) gebildet wird.
66

Um den Exergie- und Anergieanteil der Enthalpie zu bestimmen, wird ein gedachter,
stationärer, reversibler Strömungsprozeß betrachtet. Diesem Prozeß wird ein
Stoffstrom mit den Zustandsgrößen h l , si' Pi' Tl zugeführt. Der Stoffstrom ver-
läßt den Prozeß mit niedrigst möglicher Energie, also mit den Zustandsgrößen der
Umgebung h u ' su' Pu' Tu' der Geschwindigkeit Cu = 0 auf dem Höhenniveau Zu = O.

Außerdem soll die Wärmemenge q bei der Temperatur Tu auf den Prozeß über-
tragen werden können. Diese Wärmemenge bringt entsprechend den vorausgehenden
Betrachtungen keine zusätzliche Exergie ein. Die mit einem solchen Prozeß erreich-
bare technische Nutzarbeit stellt gerade die Exergie der Enthalpie dar.

Der erste Hauptsatz für den betrachteten Prozeß lautet:

Mit c = 0 und z = 0 ist:


u u

(2.48)

Außerdem gilt für die Wärmeübertragung bei konstanter Temperatur Tu:

1
q STds = T)sl - s). (2.49)
u

Die Kombination der Gleichungen (2.48) und (2.49) ergibt die technische Arbeit
des Prozesses, die mit der Exergie der Totalenthalpie im Anfangszustand über-
einstimmt:

(2.50)

Wird andererseits die Totalenthalpie in Exergie und Anergie zerlegt:

so ergibt ein Vergleich mit der Beziehung (2.50) für den Anergieanteil der
Enthalpie:

(2.51)

Nach Gleichung (2.50) wird die Exergie im Umgebungszustand wegen h l = h u '


sl=su' c l =c u =O, zl=zu=O zu Null:
67

eht(Umgebung) = 0,

während die Enthalpie der Umgebung nur Anergie darstellt:

Um den Energiesatz in exergetischer Betrachtungsweise abzuleiten, wird - ähnlich


wie in Bild 2.2 - für ein System gemäß Bild 2.5 eine Bilanz der ein- bzw. aus-
tretenden spezifischen Exergien und Anergien aufgestellt.

,-------------,
I I

1
I

1
I
i
I

'". : ' ~
L ______ _
!

Bild 2.5. Zur Exergie- und Anergiebi-


lanz für eine diabate Strö-
m ungsm aschine

Der ers t e Hauptsatz nach Gleichung (2.14)

erhält di e exergetische Form:

(2.52)

Durch Reibung innerhalb des Kontrollraumes entsteht ein Exergieverlust b ev' der
wegen der Energieerhaltung als Anergievermehrung auftritt. Für den Exergiever-
lust gilt:

(2.53 )

Die Anergiedifferenz der Totalenthalpie zwischen Aus- und Eintritt ergibt sich ent-
sprechend Gleichung (2.51) zu:
68

Die Anergie der Wärme nach Gleichung (2.46):

wird in Gleichung (2.53) eingesetzt:

b ev = Tu (s A - sE) - Tu f ~.
E

Der Integrand kann mitHilfe der Beziehung (2.28) umgeformt werden:

=T (s - s ) -T (s -s)
u A E u A E

so daß für den durch innere Reibung entstandenen Exergieverlust der Maschine gilt:

f 2.i
A

b ev = Tu T . (2.54)
E

Um für Fluidenergieanlagen eine anschauliche Darstellung von Energieflüssen zu


erhalten, kann ein Energieflußbild - das sogenannte Sankey-Diagramm - ge-
zeichnet werden. Hierin sind die einzelnen spezifischen Energien durch Ströme
dargestellt, deren Breite ein Maß für die Größe der übertragenen Energien ist.
Soll zusätzlich der Grad der Umwandelbarkeit einzelner Energieformen berück-
sichtigt werden, so können die Energieflüsse in Exergie- und Anergieflüsse aufge-
teilt werden. Es entsteht ein Exergie-Anergie-Flußbild.

Als Beispiel hierzu soll die isotherme Verdichtung eines idealen Gases vom Um-
gebungsdruck Pu auf PA> Pu bei Umgebungstemperatur T = Tu betrachtet werden.

Der Einfachheit halber sollen kinetische und potentielle Energieanteile vernach-


lässigt werden. Der erste Hauptsatz vereinfacht sich unter diesen Annahmen zu:

(2.55 )

Wegen der isothermen Zustandsänderung ist

(2.56)
69

und damit

a =- q.

Die technische Arbeit ist also vom Betrag her genauso groß wie die abgeführte
Wärmemenge, was im Exergie-Anergie-Flußbild entsprechend berücksichtigt
wird (Bild 2.6).

Die Zerlegung der Enthalpien in ihren Exergie- und Anergieanteil ergibt:

Für die isotherme Verdichtung muß wegen Gleichung (2.56) die eintretende Enthalpie
h E im Schaubild der austretenden h A entsprechen.

Da außerdem am Eintritt das Gas Umgebungszustand besitzt, ist der Exergieanteil


dort gleich Null:

so daß gilt:

Die abgeführte Wärmemenge q besteht ebenfalls vollständig aus Anergie, denn die
Verdichtung läuft bei T = Tu ab:

eq =0,

q = b •
q

Gleichung (2.52) vereinfacht sich damit zu:

(2.57)

Für den Exergieverlust gilt:

(2.58 )
70

so daß aus Gleichung (2.57) folgt:

und damit:

a = e hA + bey.

Die spezifische technische Arbeit a teilt sich in einen exergetischen Anteil e hA der
Enthalpie am Austritt und in einen dissipativen Anteil, den Exergieverlust b ev auf.

Durch Umstellen von Gleichung (2.58):

zeigt sich außerdem, daß sich die Anergie b hE am Eintritt in die Anergien - b q
und b hA - b ev aufteilt.

Hiernach ergibt sich mit den getroffenen Annahmen das in Bild 2.6 gezeigte Exer-
gie-Anergie-Flußbild für die isotherme Verdichtung.

b,. q
Verdichler

TE=Tu
PE=P u L--L~~ ____________ ~/

Bild 2.6. Exergie-Anergie-Flußbild für einen isothermen Verdichter


71

Verdichter

I
.cf

Bild 2.7. Energieflußbild für einen isothermen Verdichter

Als Vergleich wird das Energieflußbild der isothermen Verdichtung in Bild 2.7
diesem Exergie-Anergie-Flußbild nach Bild 2.6 gegenübergestellt.

Die beschriebene exergetische Betrachtungsweise der verschiedenen Energieformen


kann überall dort, wo Energie in Kreisprozessen umgewandelt wird, sehr auf-
schlußreich für die Prozeßbeurteilung und das Auffinden von Verlusten sein.

Bei Anwendung dieser Betrachtungsweise auf einzelne Fluidenergiemaschinen er-


geben sich i. a. jedoch keine besonderen Vorteile, so daß hier weiterhin der ener-
getischen Betrachtungsweise der Vorzug gegeben wird.

Verluste in Fluidenergiemaschinen

Bei irreversiblen Prozessen, wie sie in Fluidenergiemaschinen ablaufen, wird


durch dissipative Vorgänge Entropie erzeugt, d.h. die z.B. einem Verdichter als
Exergie zugeführte technische Arbeit der Welle wird während des Prozesses teil-
weise in Anergie verwandelt. Diese Minderung der Arbeitsfähigkeit des Fluids
gegenüber der zugeführten technischen Arbeit wird als Verlust bezeichnet.

In Fluidenergiemaschinen werden die Verluste entweder nach ihrer Ursache oder


ihrer Wirkung bzw. nach der Art oder dem Ort ihrer Entstehung benannt. Nach
ihren Wirkungen lassen sich zwei Gruppen von Verlusten unterscheiden:

Die erste Gruppe faßt die Verluste zusammen, die nur primäre Wirkungen haben,
während die zweite größere Gruppe die Verluste aufzählt, welche darüberhinaus se-
kundäre und weitere Folgewirkungen nach sich ziehen, d.h. sie verursachen wei-
tere Verluste oder zusätzlichen Arbeitsaufwand im weiteren Prozeßverlauf.
72

In der ersten Gruppe sind zu nennen:

Mechanische Verluste

Sie treten bei Strömungsmaschinen vorwiegend als Reibungsverluste in Lagern und


Wellendichtungen auf und beeinflussen die Kupplungsleistung , jedoch nicht die innere
Leistung, falls nicht durch Wärm eleitung in der Welle mit dem eigentlichen System
Wärme getauscht wird. Bei Verdrängerverdichtern mit reibenden Kolbenringen z.B.
sind derartige Folgewirkungen auf den Verdichtungsprozeß wahrscheinlicher.

Äußere Leckverluste

Über die Gehäuse-Wellendichtung z.B. auf der Druckseite eines Strömungsverdich-


ters entweicht ein Teil der energiegeladenen Masse in die Umgebung, d.h. am
Druckstutzen steht ein um diesen Leckstrom verringerter Nutzmassenstrom an. Im
allgemeinen wird dieser Verlust keine Folgewirkungen auf den Prozeßverlauf haben.

Zur zweiten Gruppe zählen:

Profilverluste

Sie entstehen als Druck- und Reibungsverluste in Gittern von Strömungsmaschinen.


Sie hängen von den Strömungsgeschwindigkeiten, den Gitter- und Profildaten wie
auch von der Oberflächenbeschaffenheit der Schaufeln ab. Sowohl ihre Nachlauf-
dellen beeinflussen die Funktion der nachfolgenden Gitter als auch bei kompressiblen
Fluiden die durch Dissipation hervorgerufene Temperaturerhöhung den Arbeitsauf-
wand der weiteren Stufen.

Rand- und Spaltverluste

Sie sind durch die endliche Schaufellänge bedingt. Randverluste entstehen infolge
von Grenzschichten an den kanalbegrenzenden Rotationsflächen von Nabe, Deck-
band oder -scheibe bzw. Gehäuse und ihrer Interferenz mit den eigentlichen Schau-
felgrenzschichten. Spaltverluste entstehen durch Leckmassenströme, die infolge
von Druckdifferenzen durch die Spalten zwischen ruhenden und rotierenden Bauteilen
fließen. Eine Leistungsverminderung tritt nicht nur durch eine Verringerung des
durchgesetzten Massenstroms auf, sondern die Spaltströmung kann darüberhinaus
die Gitterströmung z. T. erheblich beeinflussen und dadurch dissipative Verluste so-
wohl im eigenen als auch in nachfolgenden Gittern verursachen. Spaltverluste ent-
stehen auch in den Labyrinthdichtungen am Saugmund von Radialmaschinen , von
denen neben dem Massendefekt z.B. auch eine Art Strahlspoilerwirkung ausgehen
kann. In rotierenden Verdrängermaschinen werden durch diese Leckmassenströme
die Masseninhalte der einzelnen Zellen während des Prozesses verändert und durch
Temperaturerhöhung der Arbeitsaufwand bei der Verdichtung erhöht.
73

Zusatzverluste in der Beschaufelung

Diese Verluste werden durch konstruktive Besonderheiten der Beschaufelung, wie


z.B. sogenannte Dämpfungsdrähte bzw. Deckbänder zur Beeinflussung des
Schwingungsverhaltens verursacht, welche die Strömungswiderstände im Gitter
erhöhen und Folgewirkungen in den nächsten Stufen hervorrufen.

Teilbeaufschlagungsverluste

Bei Turbinen wird die Leistung u.a. mittels Teilbeaufschlagung von Gleichdruck-
bzw. Umlenkstufen gesteuert (Abschnitt 5.6.2). Die Laufradbeschaufelung bewirkt
längs des nicht beaufschlagten Teilstücks des Umfangs eine regellose Verwirbelung
des Fluids. Dabei wird technische Arbeit in Dissipation umgesetzt, die als Ven-
tilationsverlust bezeichnet wird. Außerdem kommt es zu instationären Störungen
am Anfang und Ende des beaufschlagten Gittersegmentes , welche die sogenannten
Übergangsverluste bewirken.

Radreibungsverl uste

Sie treten bei Turbomaschinen mit scheibenförmigen Rotoren in nennenswerter


Größe auf. Umfangsgeschwindigkeit und Größe der reibenden Fläche sind neben der
Zähigkeit des Fluids maßgebliche Größen, wie in Abschnitt 3.3.5 näher erläutert
wird. Auch diese Verluste erhöhen die Temperatur des Fluids, sie beeinflussen ge-
gebenenfalls die Strömung im Gitter und die inneren Leckströme.

Verluste am Maschinenein- und -austritt

Sie entstehen durch Wandreibung und Umlenkung in den Kanälen, in denen das Fluid
vom Eintrittsflansch zur Stufe bzw. von der Stufe zum Austrittsflansch geführt
wird. Mit den meistens von der radialen in die axiale Richtung bzw. umgekehrt
notwendigen Umlenkungen werden u.a. von der Rotationssymmetrie abweichende
Strömungsprofile erzeugt, die ihrerseits weitere Verluste in den nachfolgenden
Stufen verursachen.

Diese Aufzählung soll nur einen Hinweis auf die Verlustaufteilung in Fluidenergie-
maschinen geben. Weitere Angaben über die einzelnen Verluste werden bei der
geometrischen Gestaltung der Maschinen gemacht.

2.2 Thermodynamische Prozesse in Fluidenergiemaschinen

Ein im Gleichgewicht befindliches thermodynamisches System läßt sich in seinEm


Zustand nur durch äußere Einwirkungen verändern, z.B. durch Energieaustausch
über seine Grenzen, was als thermodynamischer Prozeß bezeichnet wird. Während
74

des Prozesses ändert sich der Zustand des Systems, d.h. das System vollzieht
eine Zustandsänderung. Um den Prozeß beschreiben zu können, sind über die Zu-
standsänderung hinaus weitere Angaben z.B. über das Verfahren notwendig.

Ein einfaches System besitzt im thermodynamischen Gleichgewichtszustand ganz be-


stimmte Werte für den Druck p, die Temperatur T und das spezifische Volumen v.
N ach der theY'mischen Zustandsgleichung gilt für diese drei Zustandsgrößen allge-
mein:

F(p,T,v) = o. (2.59)

Die nachfolgende Behandlung von Prozessen in Fluidenergiemaschinen setzt als Ar-


beitsmittel u. a. das ideale Gas voraus, das wie folgt definiert ist:

Das ideale Gas folgt der Zustandsgleichung

pv = RT. (2.60)

Außerdem ist seine innere Energie nur eine Funktion der Temperatur, d.h.

u=u(T). (2.61)

Die sogenannte Gasgleichung (2.60) ist also eine spezielle thermische Zustands-
gleichung gemäß Gleichung (2.59). Geometrisch sind mit Hilfe der Gasgleichung
alle Gleichgewichtszustände als Punkte auf einer Fläche mit den drei Koordinaten
p, v und T darzustellen. Für das ideale Gas zeigt Bild 2.8 den Flächenverlauf.

Nach der Gasgleichung ergeben sich für kOflstante Temperaturen gleichseitige


Hyperbeln als Schnittkurven • Wird p als konstant angenommen, so folgt, daß v
und T proportional wachsen. Die Fläche muß also von allen Ebenen p = const in

RT

v Bild 2.8. Zustands fläche des idealen Gases


75

Geraden geschnitten werden. Entsprechendes gilt für das spezifische Volumen.


Eine für Auswertungen einfachere Darstellungsmöglichkeit ergibt sich, wenn diese
Zustandsfläche auf die drei Koordinatenebenen projiziert wird.'

In einem p, v-Diagramm läßt sich eine Kurvenschar konstanter Temperatur ein-


zeichnen, die sogenannten Isothermen. Parameter für diese Kurvenschar ist die
Temperatur T.

Entsprechend lassen sich in einem v, T -Diagramm Kurven konstanten Druckes ein-


zeichnen. Solche Kurven werden Isobaren genannt.

Für konstantes spezifisches Volumen lassen sich in einem p, T -Diagramm soge-


nannte Isochoren einzeichnen.

Für ein reales Fluid ist die innere Energie eine Funktion des Druckes und der Tem-
peratur:

u = u(T ,p) (2.62)

bzw. des spezifischen Volumens und der Tetnperatur:

u = u(T, v). (2.63)

Damit folgt für das vollständige Differential:

du = (~~) v dT + (~~ ) T dv. (2.64)

Die partielle Ableitung (~~) wird als spezifische Wärmekapazität bei konstantem
v
Volumen c
v
bezeichnet. Für den Fall des idealen Gases, für den u = u(T) gilt,
wird der zweite Term aus Gleichung (2.64) zu Null und c kann ebenfalls nur eine
v
Funktion der Temperatur sein:

(2.65)

Weil die Enthalpie im allgemeinen ebenfalls von Druck und Temperatur abhängt,
lautet das vollständige Differential dieser Zustandsgröße:

dh Oh)
(oT dT + (eh)
"S'"""" dp. (2.66)
P P T

Die partielle Ableitung (~~ )p = c


p
ist die spezifische Wärmekapazität bei konstan-
76

tem Druck. Da die Enthalpie im Fall' des idealen Gases nur von der Temperatur
abhängt

h = u(T) + RT = h(T) , (2.67)

wird der zweite Term aus Gleichung (2.66) zu Null und c p ist ebenfalls nur eine
Funktion der Temperatur. Demgemäß läßt sich schreiben:

(2.68)

Zwischen den Größen R, c , c , die ein Gas charakterisieren, besteht ein un-
p v
mittelbarer Zusammenhang. Wird die Gleichung (2.67) nach T abgeleitet, so er-
gibt sich:

dh du
dT = dT + R.

Nach Gleichung (2.65) und (2.68) ist dann:

(2.69)

Für das Verhältnis der spezifischen Wärmen wird im allgemeinen das Symbol ~ ein-
geführt:

C
11.= -E.
c
(2.70)
v

Es folgt dann aus den Gleichungen (2.69) und (2.70):

11.
c p =--1 R. (2.71)
11.-

Werden in die Gibbssche Fundamentalgleichung (2.34) die Beziehungen (2.60) und


(2.68) eingeführt, so ergibt sich:

ds=c dT -R
-T ~
• (2.72)
P P

Mit Hilfe der differentiellen Form der Zustandsgleichung (2.60)

pdv + vdp = RdT (2.73)

und Gleichung (2.69) folgt:

ds = c ~ + c dv. (2.74)
v p p v
77

Bei einer isentropen Zustandsänderung (ds = 0) ergibt sich aus Gleichung (2.74):

_ Y-
P
(92)
GV
= ~.
c
s v

Dabei wird der auf der linken Gleichungsseite stehende Ausdruck als Isentropenex-
ponen t k bezeichnet:

k = _ XP (~)
GV
. (2.75)
s

Für das ideale Gas sind der Isentropenexponent k und das Verhältnis der spezifischen
Wärmekapazitäten )t identisch:

c
k '" J'\ =--.E.
c
(2.76)
v

Da im folgenden fast ausschließlich ein ideales Gas zugrunde gelegt wird, soll für
den Isentropenexponenten k das Verhältnis der spezifischen Wärmekapazitäten )t

gesetzt werden, um zu verdeutlichen, daß es sich um Zusammenhänge handelt, die


auf der Annahme des idealen Gases beruhen.

Für eine isentrope Zustandsänderung gilt nach Gleichung (2.74) :

c
.9.E = _ --.E dv
P cv v

Daraus folgt durch Integration zwischen zwei Zuständen E und A:

fE .:r.
A
dv
c v
v

Da die spezifischen Wärmen temperaturabhängig sind, gilt dieses auch für )t.

Bei Zustandsänderungen m.it relativ geringen Druck- und Temperaturunterschieden


pro Stufe, wie sie in Strömungsmaschinen vorkommen, wird oft vereinfachend die
Temperaturabhängigkeit der Wärmekapazitäten und damit auch die von )t vernach-
lässigt. Sofern größere Temperaturunterschiede auftreten, sind nach Abschnitt
2.2.5 die mittleren spezifischen Wärmekapazitäten zu ermitteln. Wenn )t als Ex-
ponent auftritt, ist der Mittelwert logarithmisch zu bilden, d. h.
78

A
f )t ~T
E (2.77)
In TA - In TE .

Entsprechendes gilt für die Mittelung des Exponenten ~


)t
wenn in Gleichung
(2.77) an Stelle von )t die Größe 11. ~ 1 eingesetzt wird.

Im folgenden soll wegen der einfacheren Schreibweise auf eine besondere Kennzeich-
nung der Mittelwerte verzichtet werden. Bei Prozessen, die zwischen größeren
Temperaturunterschieden stattfinden, ist für die temperaturabhängigen Stoffgrößen
der entsprechende Mittelwert in die jeweiligen Gleichungen einzusetzen.

2.2.1 Definition und Berechnung üblicher Vergleichsprozesse

Unter der einleitend begründeten Voraussetzung, daß bei einer Zustandsänderung


Gleichgewichtszustände durchlaufen werden, können die jeweiligen thermischen Zu-
standsgrößen (z.B. p, T) gemessen, in entsprechende kalorische Zustandsgrößen
(z.B. h, s) umgerechnet und eindeutig in einem h,s-Diagramm durch Punkte ge-
kennzeichnet werden. Die Verbindungslinie der Punkte aufeinanderfolgender Zu-
stände entspricht dann der wirklichen Zustandsänderung.

Das Bild 2.9 zeigt eine solche gemessene Zustandsänderung für einen einstufigen
Verdichtungsprozeß. Im allgemeinen ist jedoch eine zuverlässige Ermittlung der
Zustandsgrößen in Fluidenergiemaschinen problematisch. Häufig läßt sich nur der
Anfangs- und Endzustand meßtechnisch erfassen.

Bild 2.9. Wirkliche Zustandsänderung bei


einem Verdichtungsprozeß
s
79

Die im Verlauf meist unbekannte wirkliche Zustandsänderung soll durch einen Zu-
standsverlauf approximiert werden, der die wirklichen Verhältnisse gut annähert
und sowohl Verdichter als auch Turbinen unterschiedlicher Anfangszustände und
Druckverhältnisse untereinander vergleichbar macht.

2.2.1.1 Polytrope

Um eine diesbezügliche idealisierte Zustandsänderung zu finden, soll angenommen


werden, daß das Verhältnis einer differentiellen Änderung der Dissipation zu
einer entsprechenden differentiellen Änderung der Druckänderungsarbeit über die
Zustandsänderung konstant bleibt, d. h. für diese idealisierte Zustandsänderung
soll definitionsgemäß gelten:

d
~ = const. (2.78)

Daraus folgt wegen des konstanten Differentialquotienten für eine endliche Zustands-
änderung:

d" "
~d
y
=1.y = const. (2.79)

Für eine solche diabat geführte Zustandsänderung gilt gemäß Gleichung (2.39)

llh = Y + j + q,

(2.80)

(2.81)

Das Verhältnis der Größen q zu j ist entsprechend der Reynoldsschen Analogie,


die eine Ähnlichkeit zwischen dem Geschwindigkeits- und dem Temperaturfeld po-
stuliert, konstant [5J:

~ = const.
J

Mit der Voraussetzung gemäß Gleichung (2.79) folgt aus der Beziehung (2.81) für
die diabat wie auch adiabat geführte idealisierte Zustandsänderung:

II h = const. ( 2.82)
y

Um die Energieanteile II h, y, q und mit den Zustandsgrößen Temperatur T,


80

Druck p und dem spezifischen Volumen v verknüpfen zu können, sind Angaben


über die Prozeßführung notwendig, da y, q und j weg- bzw. prozeßabhängig sind.

Für die Druckänderungsarbeit

y = f vdp
ist also ein funktioneller Zusammenhang zwischen v und p zu suchen, um das In-
tegral lösen zu können.

Für die idealisierte Zustandsänderung gilt gemäß Gleichung (2.82) dh = const dy.
Mit dy = vdp und dh =c p dT folgt:

c dT = const vdp. (2.83)


p

Die differenzierte Gasgleichung (2.73) :

RdT = pdv + vdp

wird nach dT aufgelöst und in die Gleichung (2.83) eingesetzt:

c
J' (pdv + vdp) = const vdp. (2.84)

Wird Gleichung (2.84) nach dp geordnet und mit Gleichung (2.71) kombiniert, so
ist

f\ ~ 1pdv = v ( const - rC ~ 1) dp
bzw.

_ vdp 1
pdv (2.85 )
const ( ~ - 1 ) + 1

Unter Vernachlässigung der Temperaturabhängigkeit des It-Wertes stellt die rechte


Seite der Gleichung (2.85) für diese idealisierte Zustandsänderung eine Konstante
dar, die mit n bezeichnet wird und analog zu dem in Gleichung (2.75) definierten
Isentropenexponenten k aufgebaut ist. Diese Größe "n", welche in Analogie zum
Isentropenexponenten als partielle Ableitung unter Beachtung der Definition (2.78)
dj/dy = const dargestellt werden kann

n - - ~ (~) ( (2.86)
- p ov ~)'
81

wird als PolytY'openexponent bezeichnet, weil sich je nach dem Zahlenwert der
Konstanten dj/ dy eine Vielzahl von Zustandsänderungen ergibt.

Um die gesuchte Funktion v = v(p) zu finden, wird die Gleichung (2.86) integriert:

Da nach Gleichung (2.86) der Polytropenexponent n u.a. von )i = )i(T) abhängt,


ist somit auch der Polytropenexponent n = n(T) für das ideale Gas eine Funktion
der Temperatur.

Um die Integration zu vereinfachen, wird analog zur Mittelwertbildung beim Isen-


tropenexponenten (Gleichung 2.77) ein mittlerer Polytropenexponent fi eingeführt,
der für die Integration als konstant angesehen wird. Die Integration liefert unter
Annahme eines mittleren Polytropenexponenten , der hier wiederum wegen der ein-
facheren Schreibweise ohne weitere Kennzeichnung verwendet werden soll:

Durch Umformung ergibt sich die sogenannte Polytropenbeziehung

n n (2.87)
p v = PE vE = const.

Da nun die Funktion v = v(p) für die Polytrope bekannt ist, kann die Gleichung für
die Druckänderungsarbeit der Polytrope y I integriert werden:
po

(2.88)

Nach Einsetzen der Gleichung (2.87) in Gleichung (2.88) ergibt sich:

n - 1

Ypol nn1PE vE[(:~)-n -11


C (2.89)

bzw. unter Einführung der Gasgleichung (2.60):

n - 1

ypolcn~IRTE[(:~)-n -11. (2.90)


82

Der Index "pol" soll im folgenden bei der polytropen als der allgemeinsten Zu-
standsänderung weggelassen werden.

Bei der Berechnung der Enthalpiedifferenz lIh ergibt sich aus Gleichung (2.68)

(2.91)

mit Gleichung (2.71) der Ausdruck

lIh = _1{_
I{ - 1
R(T A - TE) (2.92)

oder

1I h = I{ : 1 RT E (~~ - 1) •

TA PA
Wird das Temperaturverhältnis - durch das Druckverhältnis ersetzt:
TE PE

n - 1

~~ = (:~) n (2.93)

so folgt für die Enthalpiedifferenz :

n - 1

ßh 06RTE[ G~)-n -1]- (2.94)

Im Gegensatz zu gasförmigen Medien läßt sich bei inkompressiblen Fluiden (v =


const) die Druckänderungsarbeit sehr einfach über die Definitionsgleichung (2.36)
bestimmen:

A
Y= f vdp = vE(PA - PE)' (2.95)
E

Das gleiche Ergebnis stellt sich mit Gleichung (2.89) als Ausgangspunkt ein. Der
Polytropenexponent n gemäß Gleichung (2.86) läßt sich als das Verhältnis von
Druckänderungsarbeit zu Volumenänderungsarbeit interpretieren:

_ vdp
n - - pdv'
83

Da für ein inkompressibles Fluid dv = 0 ist, strebt n gegen Unendlich, bzw. so-
n - 1 n
wohl - n - als auch n _ 1 gegen 1.

Somit läßt sich für die Druckänderungsarbeit bei inkompressiblem Fluid schreiben:

Die Berechnung der Enthalpiedifferenz 6h für inkompressible Fluide wird über die
Bestimmung von y, j und ggf. q mit Hilfe der Gleichung (2.39) durchgeführt.

2.2.1.2 Isentrope

Bei einer isentropen Zustandsänderung, bei der die Entropie konstant bleibt, folgt
aus Gleichung (2.37): dh = dy.

Der aus Enthalpie dh und Druckänderungsarbeit dy gebildete Quotient hat also den
Wert 1:

( ~~) s
(2.96)
= const = 1.

Mit Gleichung (2.80) folgt hieraus:

bzw.

dq + dj = o.

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine isentrope Zustandsänderung zu verwirklichen, ent-


weder indem sowohl dq =0 als auch dj =0 angenommen wird, oder indem die Sum-
manden dq und dj betragsgleich sind, jedoch umgekehrte Vorzeichen besitzen:

dq = - dj,

d.h. die Dissipation dj =Tds.irr muß simultan als Wärmemenge dq = Tds rev abge-
führt werden. Im folgenden wird unter einer isentropen Zustandsänderung in der
Regel der erste Fall dj = dq = 0, d.h. also der adiabate Fall verstanden.

Die adiabate Isentrope gibt einen Zustandsverlauf ohne Dissipation wieder und bietet
sich als reversible Grenzzustandsänderung an.
84

Aus Gleichung (2.96) ergibt sich mit Hilfe der Gleichungen (2.85) und (2.86):

n = )t.

Aus der Gleichung (2.96) folgt, daß die spezifische Druckänderungsarbeit y s der
Isentropen:

)t - 1

Ys =_11. RT [(PA)-11. -1]


l1.-1 E PE
(2.97)

gleich der zugehörigen spezifischen Enthalpiedifferenz ist:

l1. - 1

"s ~.~ 1 RTE [ (:~)-. -,\. (2.98)

d.h.

(2.99)

Für inkompressible Medien gelten die bei der Polytropen abgeleiteten Gleichungen.

2.2.1.3 Isotherme

Ein weiterer Sonderfall der Polytropen läßt sich definieren, wenn eine Zustands-
änderung bei konstanter Temperatur T erfolgt.

Da die Enthalpie eines idealen Gases nur von der Temperatur abhängig ist, folgt aus
Gleichung (2.91) mit T = const: llh = O.
Für die isotherme Zustandsänderung ergibt sich nach Gleichung (2.39) :

q =- (y + j)

und nach dem ersten Hauptsatz (Gleichung 2.14), wenn llc 2 und llz vernachlässigt
werden:

a + q = llh =0
bzw.

a = - q, (2.100)
85

d.h. die mit dem Fluid ausgetauschte spezifische technische Arbeit ist gleich der
zu- bzw. abgeführten spezifischen Wärmemenge.

In der Praxis ist eine exakte isotherme Zustandsänderung schwer erreichbar. Sie
wird näherungs weise bei Verdichtern durch Wand- bzw. durch Zwischenkühlung des
Gases realisiert. Der Vorteil einer isothermen Verdichtung liegt darin, wie später
noch gezeigt wird, daß zur Übertragung einer bestimmten Druckänderungsarbeit y
gegenüber einer adiabaten Polytropen eine geringere technische Arbeit erforderlich
ist. Die Verminderung an spezifischer technischer Arbeit erfordert jedoch einen
höheren Aufwand für die Kühlung.

Da eine isotherme Zustandsänderung durch T = TE = const ausgezeichnet ist, er-


gibt sich nach Gleichung (2.93):

n - 1

T: = (~)-n- 1.

Um diese Gleichung für beliebige Druckverhältnisse ....E.. t 1 erfüllen zu können, muß


PE
der Polytropenexponent der Isotherme sein:

Wird die Gasgleichung (2.60) in die Ausgangsbeziehung (2.88) eingeführt, so ist

und damit

(2.101)

2.2.2 Darstellung der Prozesse in Diagrammen


In der Einleitung zu Abschnitt 2.2 ist erläutert, daß Isobaren in einem v, T -Dia-
gramm und Isochoren in einem p,T-Diagramm dargestellt werden können. Beide
Kurvenscharen lassen sich auch als Exponentialkurven in ein T ,s-Diagramm ein-
zeichnen.
86

Für ein ideales Gas folgt gemäß Gleichung (2.72) für die differentielle Änderung der
spezifischen Entropie:

dT dn
ds =c P(T)-T - R=.
P

Wird diese Beziehung von einer beliebigen Bezugstemperatur TO bis zur Temperatur
T integriert und ein mittlerer Wert für c p angenommen, so ist:

s(T,p)
TO
s
T
c p dT
T
- R
P
S~
PO
P ,

s(T,p) = c in
POPO
i -
R In.E... + sO. (2.102)

Im T ,s-Diagramm sind Isobaren Exponentialkurven.

Aus Gleichung (2.72) läßt sich die Steigung einer Isobaren im T,s-Diagramm be-
stimmen, wenn dp = 0 eingesetzt wird:

T
(~~) p =c-p
Für Isochoren lassen sich entsprechende Zusammenhänge herstellen:

Tds = du + pdv,

Tds = c v (T)dT + RT dv •
v

dT dv
ds = c v ( T ) -T + R v
-. (2.103)

Die Integration dieser Beziehung zeigt, daß auch Isochoren im T ,s-Diagramm Ex-
ponentialkurven bilden, wenn ein mittlerer Wert für die Wärmekapazität Cv ange-
nommen wird:

s(T, v) = c
v
In TT0 + R In -
vo
v
+ sO· (2.104 )

Die Steigung einer Isochoren läßt sich mit Hilfe von Gleichung (2.103) durch Ein-
setzen von dv =0 ermitteln:

(N) v c
T
v
87

Da für ein ideales Gas gemäß Gleichung (2.69) gilt:

c - c =R
P v '

ist c >c und damit


p v

d.h. die Steigung der Isobaren im T ,s-Diagramm bei gleicher Temperatur ist ge-
ringer als die der Isochoren (Bild 2.10).

I-R --c,(1)- 5
Bild 2.10. Isobare und Isochore im T ,s-Dia-
1----cp(T)-
gramm

Aus den Funktionsdarstellungen der Isobaren und der Isochoren geht hervor, daß sie
unter den getroffenen Voraussetzungen im T ,s-Diagramm äquidistant in s-Richtung
verlaufen, d.h. durch Parallelverschiebung in dieser Richtung zur Deckung ge-
bracht werden können.

Aus der Differenz der Entropien für zwei Isobaren PE und PA bei konstanter Tem-
peratur TE folgt nach Gleichung (2.102):
88

Analog gilt für zwei Isochoren v E und vA bei konstanter Temperatur TE:

Diese Entropiedifferenzen sind unabhängig von der Temperatur und stellen somit je-
weils für zwei Isobaren bzw. zwei Isochoren einen konstanten Wert dar.

Aus der Entropiedifferenz s A - sE = 0 kann der Abstand zweier Isobaren PE = const,


PA = const in T -Richtung bestimmt werden:

Unter der Annahme, daß die Werte der spezifischen Wärmekapazitäten für die Tem-
peraturen TE und TA gleich sind, gilt:

Da die rechte Seite der Gleichung unter den getroffenen Voraussetzungen eine Kon-
stante darstellt, ergibt sich:

TA = const TE' (2.105)

Um den Abstand der Isobaren in T-Richtung bestimmen zu können, wird die Tem-
peraturdifferenz 6 T = TA - TE eingeführt. Mit Gleichung (2.105) folgt hierfür:

6T = const TE - TE = TE (const - 1).

Diese Gleichung besagt, daß die Temperaturdifferenz zweier Isobaren in T -Richtung


proportional zur Temperatur TE ist, d.h. je weiter auf der Isobaren in positiver
s-Richtung fortgeschritten wird, desto größer wird der Abstand der bei den Iso-
baren, wie in Bild 2.11 dargestellt, d.h.

6T TE
- - - - < 1.
6T' - TE

Im folgenden werden die Zustandsänderungen im T ,s- bzw. h,s-Diagramm der Ein-


fachheit halber geradlinig gezeichnet, obwohl die polytrope Zustandsänderung in
diesen Diagrammen eine Exponentialkurve mit schwacher Krümmung darstellt, wie
Bild 2.12 zeigt.
89

~'
E
f
I
'--

"I
~- -

Bild 2.11. Zur Temperaturdifferenz zweier


5 Isobaren

T T

5 5

a b

Bild 2.12. Tatsächlicher Verlauf der Polytropen


a) bei einer Verdichtung
b) bei einer Expansion

Darstellung im T ,s-Diagramm

Da nach den Gibbsschen Fundamentalgleichungen (2.33) und (2.34) spezifische


Energien mit dem Term Tds verknüpft sind, ist eine Darstellung dieser Energien
im T ,s-Diagramm möglich.

Enthalpie

Nach der Gibbsschen Fundamentalgleichung ergibt sich für die Isobat:e zwischen E
und A:

A
f (Tds) =h A -hE = Lh EA •
E P
90

Dieses Integral stellt sich als Fläche unter der Isobaren dar (Bild 2.13).

OL.------'-L...L.j-+'-L.L1.---~ Bild 2.13. Zur Darstellung der Enthalpie-


5 differenz bei isobarer Zustands-
ds änderung im T ,s-Diagramm

Um eine spezifische Enthalpiedifferenz im T ,s-Diagramm für eine Zustandsänderung


zwischen den auf verschiedenen Isobaren liegenden Punkten E und A darzustellen,
wird als Zwischenschritt ein beliebiger Bezugszustand auf beiden Isobaren, z.B.
mit der Temperatur TB gewählt.

Es ergibt sich damit in Bild 2.14 auf der Isobaren PE = const der Punkt B, auf der
Isobaren PA = const der Punkt B'. Die Enthalpiedifferenz h A - h B zwischen den

o ~----~~~~~~---------
C' oF 5 C', C 0 5

a b

Bild 2.14. Zur Darstellung der Enthalpiedifferenz bei einer nicht-isobaren Zu-
standsänderung im T, s-Diagramm
a) Fläche für h E - h B unt e r der Isobaren PE = const
b) Fläche für h E - h B in s-Richtung verschoben unter der Isobaren
PA = const
91

Temperaturen TB und TA bzw. h E - h B zwischen den Temperaturen TB und TE


ist in Bild 2. 14 a gekennzeichnet.

Die Enthalpiedifferenz zwischen den Temperaturen TE und TA läßt sich also als
Differenz der Flächen h A - h B und h E - h B darstellen. Die Fläche h E - h B kann
wegen der Äquidistanz der Drucklinien in s-Richtung als verschiebbar angenommen
werden, so daß sich, wie in Bild 2.14b, die Enthalpiedifferenz h A - h E als zu-
sammenhängende Fläche ergibt:

hA - hE ~ Fläche DFAE '.

Innere Energie

Für die spezifische innere Energie u eines einfachen Systems ergibt sich aus der
Fundamentalgleichung (2.33) bei einer isochoren Zustandsänderung

A A
f (Tds)v = f du.
E E

Im T ,s-Diagramm nach Bild 2.15 stellt sich die innere Energie als Fläche unter der
Isochoren dar.

O~------~4h~~------
5
Bild 2.15. Zur Darstellung der inneren Ener-
ds
gie im T ,s-Diagramm

Differenzen der inneren Energien lassen sich analog zu Bild 2.14 geschlossen dar-
stellen.
92

Dissipation

Die spezifische Dissipation, die sich für eine adiabate Zustandsänderung aus der
Gleichung (2.28) herleiten läßt

A
= f (Tds)ad
E

stellt sich demnach im T ,s-Diagramm als Fläche unterhalb der Linie der Zustands-
änderung dar (Bild 2.16).

0'------------''--'--'-''-----
Bild 2.16. Zur Darstellung der Dissipation
ds im T ,s-Diagramm

Druckänderungsarbeit

Für die adiabate Zustandsänderung ergibt sich die Druckänderungsarbeit y aus der
Gleichung (2.39)

y=boh-j. (2.106)

Die Enthalpiedifferenz bo h und Dissipation j sind bereits als Flächen im T ,s-Dia-


gramm dargestellt worden. Die Druckänderungsarbeit y für einen Verdichter er-
gibt sich als Differenzfläche aus Enthalpiedifferenz und Dissipation nach Bild 2.17.

Für die adiabat arbeitende Turbine gilt ebenfalls die Gleichung (2. 106), wobei
allerdings das negative Vorzeichen der Druckänderungsarbeit bzw. der Enthalpie-
differenz zu berücksichtigen ist, d.h. - Iyl = - lbohl - Ijl = - (Ibohl + lil).
So ergibt sich in Bild 2.18 der mit negativem Vorzeichen versehene Betrag der
Druckänderungsarbeit als ebenfalls mit negativem Vorzeichen behaftete Summe von
der Enthalpiedifferenz bo h und der Dissipation j.
93

T
h

Bild 2.17. Zur Darstellung der Druckände-


rungsarbeit bei polytroper adia-
bater Verdichtung im T ,s-Dia-
gramm. 6h ~ Fläche BF AC;
o '-------'BL-..:>....::......::....--O'"-..L..F- - -- S Y ~ Fläche BDEAC; j ~ Fläche
DFAE

Tl r--------~

Bild 2.18. Zur Darstellung der Druckän-


derungsarbeit bei polytroper
adiabater Expansion im T ,s-
Diagramm. y ~ Fläche
BDAEC, 6h ~ Fläche BFEC,
B F 0 s j ~ Fläche FDAE

Anhand der Flächen für die Druckänderungsarbeit und für die Enthalpiedifferenz
lassen sich im T ,s-Diagramm isentrope und polytrope adiabate Zustandsänderungen
einfach vergleichen (Bild 2.19).

Bild 2.19. Vergleich zwischen isentroper


und polytroper adiabater Ver-
dichtung im T ,s-Diagramm.
y, = 6h s ~ Fläche BDA sC,
y ~ Fläche BDEAC ,
6h ~ Fläche BF AC
94

Die polytrope Druckänderungsarbeit ist gegenüber der isentropen um die Fläche


EA A größer, während sich die Enthalpiedifferenzen um die Fläche DA AF unter-
s s
scheiden.

Für den Fall einer isothermen Verdichtung lassen sich die Größen y, q und j im
T ,s-Diagramm darstellen, wenn unter Beibehaltung der Verhältnisse im Kontroll-
raum eine adiabate polytrope Zustandsänderung einer isothermen Zustandsänderung
gegenübergestellt wird.

Bild 2.20. Zur isothermen Verdichtung im T ,s-


Diagramm
j ~ Fläche GFA.dE, y ~ Fläche BGEA T ,
8 G F s Iql = y + j ~ Fläche BFA.dEA T

Da j als Prozeßgröße von der Zustandsänderung zwischen E und A abhängig ist,


wird i. a. die spezifische Dissipation bei adiabater polytroper Zustandsänderung
gegenüber der bei isothermer Zustandsänderung unterschiedlich sein. Um jedoch
die spezifischen Energien y und q der isothermen Zustandsänderung darstellen zu
können, wird die Dissipation in bei den Fällen als gleich groß angenommen. Bild
2.20 zeigt die entsprechenden Flächen.

Wärmemenge

Eine explizite Darstellung der spezifischen Wärmemenge q eines diabaten Prozesses


ist nur möglich, wenn der adiabate Prozeß des Systems mit gleichem Eintrittszu-
stand und gleichem Austrittsdruck zum Vergleich herangezogen wird, wobei ent-
sprechend der Aussage im letzten Absatz die Dissipation in beiden Fällen als gleich
angenommen wird. Die Fläche unter der Kurve der Zustandsänderung ist allgemein

A
f Tds = q + j.
E

Für den adiabaten Prozeß ist q =0 und somit

A ad
f (Tds)ad = j.
E
95

Somit gilt für einen diabaten Prozeß

A
- q :: (Tds) d -
a E
fTds. (2.107)

Daraus wird deutlich, daß zur Darstellung der spezifischen Wärmemenge q neben
der diabaten die zugehörige adiabate Zustandsänderung gezeichnet werden muß. Es
sollen nachfolgend vier Fälle der diabaten Verdichtung untersucht werden:

Iql < j

Es wird weniger Wärme abgeführt, als Dissipation entsteht. Die Darstellung dieser
Zustandsänderung zeigt Bild 2.21. Es ist

A ad
j = J (Tds) d ~ Fläche DFAadE
E a

und
A
q + j :: f Tds ~ Fläche DGAE :: Fläche D 'F 'A 'E '.
E

Bild 2.21. Abgeführte spezifische Wärmemen-


ge bei polytroper diabater Verdich-
0'----------'-----'---'--'---'--- -- tung ( Iq I < j) entsprechend gera-
8 s sterter Fläche

Im Fall dieser gekühlten Verdichtung ist die Entropieerzeugung größer als die En-
tropieströmung. Somit ist

A
f Tds> O.
E

Nach der Beziehung (2.107) wird q durch die Differenz der beiden Flächen DF AadE
96

und D 0 F 0 A 0 E 0 dargestellt. Durch eine Parallel verschiebung der Fläche JTds


in s-Richtung ergibt sich die für die abgeführte Wärmemenge q repräsentative
Fläche DD oE 0 A 0 AadE.

Iq I = j
Wird gerade so viel Wärme abgeführt, wie Dissipation entsteht, so verläuft die Zu-
standsänderung makroskopisch isentrop. Das bedeutet:

A
s
J Tds = O.
A

Damit ist

A ad
- q = f
E
(Tds) d = j.
a

Die Fläche DF AadE repräsentiert im Bild 2.22 gleichermaßen und q.

Bild 2.22. Abgeführte spezifische Wärmemen-


ge bei polytroper diabater Verdich-
tung (I q I = j) entsprechend gera-
O~--~------~--L----- __ sterter Fläche
8 o F s

Wird mehr Wärme abgeführt, als durch Dissipation entsteht, so verläuft der Pro-
zeß mit Entropieverminderung, d.h. die Entropieströmung ist größer als die En-
tropieerzeugung. Es gilt:

A
f Tds < 0 (2.108)
E
97

und damit

A ad A
- q = S (Tds) ad - S Tds,
E E

A ad A
- q = f (Tds) d + If Tds I.
E a E

Die spezifische Wärmemenge wird demnach durch die Summe der Flächen
S (Tds)ad und S Tds repräsentiert. Nach Bild 2.23 ist dieses die Fläche GFAadEA.

[;;I'-- - +-Jf.

Bild 2.23. Abgeführte spezifische Wärmemen-


ge bei polytroper diabater Verdich-
o ~----~--~~--~-------- tung (I q I > j) entsprechend gera-
8 G 0 F s sterter Fläche

Wird soviel Wärme abgeführt, daß TA = TE ist, so ergibt sich eine isotherme Ver-
dichtung. Die Wärmemenge wird durch die Summe der Flächen j und y dargestellt.
Nach Bild 2.24 ist dieses die Fläche BFAadE~.

Bild 2.24. Abgeführte spezifische W ärmemen-


ge bei isothermer Verdichtung
o L -_ _ _' - - -_ _ _ --'--_....L_ _ _ __
( Iq I = j + y) entsprechend gera-
8 G F s sterter Fläche
98

Darstellung im h, s-Diagramm

Während im T,s-Diagramm die verschiedenen Energien t>h, y, j und q als Flächen


dargestellt werden, ist im h, s-Diagramm von den genannten Energien nur die Dar-
stellung von Enthalpiedifferenzen t>h als Strecken parallel zur h-Achse möglich.

~c>I~-'----_ _I

Bild 2.25. Vergleich der isentropen


und der polytropen adia-
baten Verdichtung im
h, s-Diagramm

Ih A
~ «I~
J .., I

A, Bild 2.26. Vergleich der isentropen


und der polytropen adiaba-
ten Expansion im h,s-Dia-
s gramm

In den Bildern 2.25 und 2.26 ist je eine isentrope und polytrope Zustandsänderung für
Verdichter bzw. Turbine eingezeichnet.

Es sind zusätzlich die kinetischen Energieanteile des Ein- und Austrittszustandes an-
gedeutet. Da grundsätzlich nur Enthalpiedifferenzen dargestellt werden können, wird
dazu angenommen, daß die kinetische Energie in einem adiabaten, isentropen
Strömungsprozeß in potentielle Energie umsetzbar ist.

Aus der Darstellung des Prozesses im h,s-Diagramm lassen sich charakteristische


Eigenschaften der Prozeßführung erkennen. Bei adiabaten Prozessen stellt die Isen-
trope jeweils den Grenzfall der optimalen polytropen Prozeßführung dar. Steigt die
99

Dissipation der Zustandsänderung, so wandert der Endpunkt A weiter nach rechts


- die Zustandsänderung weicht zunehmend von der vertikalen Richtung ab.

Darstellung im p, v-Diagramm

Im p, v-Diagramm lassen sich ebenfalls Verdichtungs- und Expansionsvorgänge dar-


stellen. Bild 2.27 zeigt mögliche Zustandsänderungen mit Druckzunahme bei unter-
schiedlichen Polytropenexponenten n.

PEr4---------------------~~

Bild 2.27. Verdichtung im p, v-Diagramm bei unterschiedlicher Prozeßführung


a) n> 11. polytrope Verdichtung ohne Kühlung
b) n = 11. isentrope Verdichtung mit oder ohne Kühlung
c) n < K polytrope Verdichtung mit Kühlung
d) n = 1 isotherme Verdichtung mit Kühlung

Aus der Polytropengleichung (2.87)

ergeben sich hyperbelartige Zustandsverläufe .

Die jeweilige benötigte Druckänderungsarbeit entspricht gemäß der Definition


y = Jvdp der Fläche innerhalb der Eckpunkte 1 2 3 4. Im Fall der isothermen
Verdichtung ist sie am geringsten: YT = 12d34, im ungekühlten polytrop arbeitenden
Verdichter am größten Yad = 12a34.

Formal ist noch eine Verdichtung mit äußerer Wärmezufuhr denkbar. Diese Zu-
standsänderung verläuft noch weiter rechts im p, v-Diagramm als die der verlust-
behafteten ungekühlten Verdichtung. Da der Aufwand an Druckänderungsarbeit da-
mit noch größer wäre, wird ein solcher Zustandsverlauf nicht angestrebt.
100

2.2.3 Definition und Berechnung von Prozeßwirkungsgraden


Als vlir-kungsgrad ist ganz allgemein das Verhältnis von Nutzen zu Aufwand zu ver-
stehen. Nach den thermodynamischen Hauptsätzen, die im statistischen Sinn das
Verhalten einer großen Zahl von Ereignissen wiedergeben, kann dieses Verhältnis
stets nur kleiner oder höchstens gleich eins sein. Bei einem Spielautomaten kann
beim Einwurf von Geld als" Aufwand", der Gewinn als "Nutzen" manchmal höher als
der Aufwand sein. Aber auch dieses Verhältnis von Nutzen zu Aufwand wird bei
häufigem Spiel statistisch ausgewertet kleiner als eins sein. Zugunsten des Auto-
matenbetreibers ist ebenfalls statistisch gesehen ein Wirkungsgrad, der kleiner als
eins ist, in den Automaten hineinkonstruiert worden.

Für einen Verdichter läßt sich ein Wirkungsgrad als das Verhältnis der auf das Fluid
übertragenen wiederverwendbaren Energie zu der an der Welle aufgewendeten Arbeit
darstellen. Für eine Turbine läßt sich als ein Wirkungsgrad das Verhältnis der von
der Maschinenwelle abgegebenen technischen Arbeit zur Energie, die dem Fluid ent-
zogen wird, definieren. Da die spezifischen Energien y, q und j prozeßabhängige
Größen sind, d.h. von der Zustandsänderung selbst abhängen, ist es erforderlich,
den gewählten Vergleichsprozeß - also z.B. die Polytrope, Isentrope oder Iso-
therme - anzugeben.

Grundsätzlich läßt sich diese Definition des Wirkungsgrades auf totale Größen be-
ziehen. Da bei vielen Maschinen die Ein- und Austrittsquerschnitte so ausgelegt wer-
den, daß die Geschwindigkeiten cE und cA und die geodätischen Höhen zE und z A
etwa gleich groß sind, wird der Wirkungsgrad aber auch häufig auf die statischen
Größen bezogen.

Nach den Hauptsätzen der Thermodynamik kann die auf das Fluid übertragene Ener-
gie nicht größer sein als die aufgewendete Arbeit. Der Wirkungsgrad des Verdichters
kann also - unabhängig von der Zustandsänderung - hijchstens den Wert eins er-
reichen. Diese Aussage gilt entsprechend für die Turbine.

Bei der Definition des totalen Wir-kun{]sgrades eines Verdichters ergibt sich als
Nutzen die nach der Verdichtung im Fluid vorhandene reversible Energie, die sich
als Summe der Druckänderungsarbeit YEA' der Differenzen der kinetischen Energie
2
/::, c2 und der potentiellen Energie g/::,z am Ein- und Austritt ergibt. Der Aufwand ist
die spezifische technische Arbeit a EA . Es folgt für den totalen Wirkungsgrad eines
Verdichters:

(2.109)
101

Mit Hilfe der Gleichung (2.41) ergibt sich für \V:

(2.110)

Da im Fall des Verdichters die technische Arbeit dem Fluid zugeführt wird, ist sie
nach der eingeführten Vorzeichenregel positiv. Nach dem zweiten Hauptsatz kann die
Dissipation nicht negativ werden, so daß der Wirkungsgrad im Grenzfall höchstens
eins sein kann.

Wenn die spezifische technische Arbeit nach dem ersten Hauptsatz (2.14) durch die
totale Enthalpiedifferenz und die Wärmemenge ersetzt wird, ergibt sich ein wei-
terer Ausdruck für den totalen Verdichterwirkungsgrad:

h tA - h tE - qEA - jEA
Tlw h tA - h tE - qEA

Da im Fall der Turbine die vom Fluid an die Welle abgegebene spezifische technische
Arbeit a EA den Nutzen darstellt, während die Druckänderungsarbeit YEA' die Dif-
2
ferenzen der kinetischen !:; c2 und der potentiellen Energien g!:; z als Aufwand gelten,
lautet demnach die Definition des totalen Wirkungsgrades:

(2.111)

Der Turbinenwirkungsgrad entspricht also gerade dem Reziprokwert des Verdichter-


wirkungsgrades • Durch Einführen der Gleichung (2.41) in die Beziehung (2.111)
vereinfacht sich die Gleichung für den Turbinenwirkungsgrad:

(2.112)

Nach der Vorzeichenregel ist die technische Arbeit a EA der Turbine negativ, eben-
so die Differenz a EA - jEA:
102

Der Turbinenwirkungsgrad hat deshalb einen positiven Wert, der stets kleiner oder
höchstens gleich eins ist, da wegen a EA < 0 und jEA ~ 0

gilt. Entsprechende Umformungen wie beim totalen Verdichterwirkungsgrad führen


bei der Turbine auf folgende Gleichung:

Neben der Verwendung des totalen Wirkungsgrades ist es üblich, den Wirkungsgrad
auf statische Größen zu beziehen. Hierbei ist für den Verdichter die Druckänderungs-
arbeit YEA als Nutzen und die spezifische technische Arbeit a EA vermindert um
2
Energieanteile A c2 und gAz als Aufwand anzusehen. Damit folgt für den stati-
schen Wirkungsgrad:

Tl V (2.113)

Mit Gleichung (2.41) folgt für den Verdichterwirkungsgrad:

bzw. mit Gleichung (2.39) :

YEA YEA
(2.114)
1IV = YEA + jEA - 6h EA - qEA·

Analog zu Gleichung (2.113) für den Verdichter, folgt für den statischen Wirkungs-
grad der Turbine:

(2.115)

da bei der Turbine als Nutzen die spezifische technische Arbeit und als Aufwand die
Druckänderungsarbeit gilt. Mit entsprechenden Umformungen folgt:

(2.116)
103

Im folgenden werden am Beispiel des statischen Wirkungsgrades drei Vergleichs-


prozesse , nämlich die Polytrope, die Isentrope und die Isotherme zugrunde gelegt,
um die prozeßabhängigen spezifischen Energien y, q und j angeben zu können. Zur
einfacheren Schreibweise wird auf die Indizierung "EA" verzichtet.

2.2.3.1 Polytroper Wirkungsgrad

Wird als Vergleichsprozeß für die Bestimmung des Nutzens beim Verdichter bzw.
des Aufwandes bei der Turbine eine polytrope Zustandsänderung gewählt, so ergibt
sich der sogenannte polytY'ope WiY'kungsgY'ad. In Abschnitt 2.2.1. 1 ist gezeigt, daß
das Verhältnis y/j während einer polytropen Zustandsänderung sowohl im diabaten
als auch im adiabaten Fall konstant ist. Dies bedeutet, daß auch der polytrope
Wirkungsgrad für die betrachtete Zustandsänderung einen konstanten Wert hat. Der
statische polytrope diabate Wirkungsgrad des Verdichters ist nach Gleichung (2.114)

'11 -~
pol V - t,h - q.

Entsprechend gilt für die Turbine nach Gleichung (2.116) :

t,h - q
'I1 po I T =- - y -

Für die Bestimmung von y und t,h im Falle der adiabaten Polytrope sind bereits
Gleichungen abgeleitet worden, aus denen sich die statischen polytropen adiabaten
Wirkungsgrade ergeben, wenn q = 0 ist.

Für den adiabaten Verdichter gilt:

_n
n-1
RT
E
[( PA )n ~ 1_1]
PE
'11 -
pol ad V - 6 h -
..L - ----"------:;----"'
n - 1

_ ' " RT
'" - 1 E
[(PA)-n -1]
PE

bzw.

n ;t - 1
'I1polad V = n:1" -;t-
(2.117)

Für die adiabate Turbine ergibt sich analog zum Verdichter:


104

t'lh
Tl pOl adT - y'
(2.118)
n - 1 )'\
Tl pol ad T =- n - ){:1 .

Der polytrope adiabate Wirkungsgrad ist also eine Funktion Tl pol = Tl pol (K ,n) .
Der polytrope Wirkungsgrad kann in entsprechender Weise auch für ein inkompres-
sibles Fluid bestimmt werden. Dabei soll vorausgesetzt werden, daß die Zustands-
änderungen adiabat verlaufen, was dem Verhalten von Pumpen und Flüssigkeits-
turbinen in guter Näherung entspricht. Die Druckänderungsarbeit y eines inkom-
pressiblen Fluids ergibt sich nach Gleichung (2.95) zu:

Für die Dissipation ergibt sich in dem hier betrachteten adiabaten Fall nach
Gleichung (2.28):

A
= f Tds.
E

Nach der Gibbsschen Gleichung (2.33) ist für ein inkompressibles Fluid der Inte-
grand Tds = du. Damit folgt nach Gleichung (2.65) :

A
j = S Cv dT. (2.119)
E

Es besteht zwischen den spezifischen Wärmekapazitäten c p und Cv folgender Zu-


sammenhang [1]:

(~n p
der für ein inkompressibles Medium wegen dv = ° übergeht in
c -c =0,
p v

d.h.

c =c .
p v
105

Die im Falle eines inkompressiblen Mediums übereinstimmenden Wärmekapazitäten


c und c werden zusammengefaßt als Wärmekapazität cF der FlÜssigkeit.
p v

Somit ergibt sich aus Gleichung (2.119) :

.
J =
A
f cF dT = cF T
_ IT A (T A - TE)
E E

Darin ist cF die für den Temperaturbereich I~ A angegebene mittlere Wärmekapa-


.E
zität der Flüssigkeit.

Der Wirkungsgrad der adiabaten Pumpe ist somit:

11 - ---X- _ 1 (2.120)
pol ad P - Y + j - 1..-
1 +
Y

Für die Flüssigkeitsturbine ergibt sich entsprechend:

11 pol ad FT -
- 1...2:.1
Y (2.121)

Mit den bekannten Stoffwerten wird aus der Messung der Temperatur- und Druck-
differenz der polytrope Wirkungsgrad der adiabaten Pumpe bzw. der der adiabaten
Flüssigkeitsturbine ermittelt.

2.2.3.2 Isentroper Wirkungsgrad

Wird als Vergleichsprozeß für die Bestimmung des Nutzens beim Verdichter bzw.
des Aufwandes bei der Turbine eine isentrope Zustandsänderung gewählt, so ergibt sich
der sogenannte isentrope Wirkungsgrad, der für den Verdichter lautet:

Ys Clh
s
Clh - q.
(2.122)
Y+ j

Dabei ergeben sich y und j bzw. CI hund q aus der polytropen Zustandsänderung,
während sich y s aus der entsprechenden vom gleichen Anfangspunkt ausgehenden
isentropen Zustandsänderung ableitet.

Für eine Turbine folgt analog:

11 -1...2:.1-~-~ (2.123)
sT - ys - ys - (:;, h s •
106

Im adiabaten Fall lautet der isentrope Wirkungsgrad für den Verdichter:

I'Ih
s (2.124)
11 s ad V I'Ih .

Werden die in Abschnitt 2.2. 1 • 2 gefundenen Beziehungen eingesetzt, so ergibt sich:

>\ - 1

_' Rr [(PA )->\ _


I'Ih
s Ys
>\ - 1 E PE 1 1
11 s ad V 6h I'Ih n - 1

_ ' Rf [(PA
1
)-n _
>\ - 1 E PE 1

bzw.

>\ - 1
>\

11 s ad V
(:~) - 1
(2.125)
n - 1
n

(:~) - 1

Der isentrope Wirkungsgrad der adiabaten Turbine lautet analog dazu:

n - 1
n

I'Ih (:~) - 1
(2.126)
11 s ad T ti1ls >\ - 1
>\
(:~ ) - 1

Der isentrope Wirkungsgrad ist also im Gegensatz zum polytropen Wirkungsgrad eine
Funktion

11
s
= 11 (>\,
s
n, PA),
PE

d. h. also zusätzlich vom Druckverhältnis abhängig. Um diese Aussage zu verdeut-


lichen, sind gemäß Bild 2.28 in ein h, s-Diagramm eine polytrope Verdichtung von
PE auf PA und eine vom gleichen Anfangspunkt ausgehende isentrope Verdichtung auf
107

den gleichen Enddruck eingezeichnet. Zusätzlich sind die Isobaren von zwei Zwi-
schendrücken Pi und P2 eingetragen, die so gewählt sind, daß die Zwischendruck-
verhältnisse gleich sind, d.h.:

Bild 2.28. Abhängigkeit des isentro-


pen Wirkungsgrades vom
s Druckverhältnis

Die Enthalpiedifferenz der isentropen Verdichtung llh s läßt sich aus den Enthalpie-
differenzen der isentropen Teilverdichtungen zusammensetzen:

Die Enthalpiedifferenz der polytropen Verdichtung llh läßt sich entsprechend in die
Enthalpiedifferenzen der polytropen Teilverdichtungen aufteilen:

(2.127)

Der isentrope Wirkungsgrad der gesamten Zustandsänderung lautet:

llh
s (2.128)
11 sV llh

Um die isentropen Wirkungsgrade der Teilverdichtungen bestimmen zu können, sind


zusätzlich in Bild 2.28 die isentropen Enthalpiedifferenzen II h~ 12 und II h~2A dieser
Teilverdichtungen eingezeichnet worden. Aus diesen isentropen Teilwirkungsgraden
lassen sich die zugehörigen polytropen Enthalpiedifferenzen ermitteln:
108

11 sE1

6h~12
bzw. 6h 12 = -11--'
s12

6h~2A
bzw. 6 h 2A = -11--·
s2A

Damit wird nach Gleichung (2.127) die Gesamtenthalpiedifferenz der polytropen Ver-
dichtung:

6h sE1 6h~12 6h~2A


6h = - - - + - - - + - - - .
11 sE1 11 s12 11 s2A

Der isentrope Gesamtwirkungsgrad nach Gleichung (2.128) läßt sich nunmehr


schreiben:

(2.129)
6h
6h~12
I •
s2A
11 s 12 + 11 s2A

Wenn im Gegensatz zu dem zu begründenden Sachverhalt angenommen wird, daß in


Gleichung (2.129) die isentropen Teilwirkungsgrade gleich dem isentropen Gesamt-
wirkungsgrad sind, d.h.

11 s2A . (falsche Annahme) ,

so müßte sein:

(2.130 )

Diese Aussage nach Gleichung (2.130) ergibt aber einen Widerspruch, denn in Ab-
schnitt 2.2.2 ist nachgewiesen worden, daß die Isobaren in T-Richtung bei Fort-
schreiten in positiver s-Richtung einen immer größer werdenden Abstand voneinan-
der haben. Da wegen h = CpT diese Aussage entsprechend für das h,s-Diagramm
gilt, kann die Beziehung (2.130) nicht richtig sein. Also ist auch die Annahme
falsch, daß die isentropen Teilwirkungsgrade gleich dem isentropen Gesamtwir-
kungsgrad sind.

Verdichter, die mit unterschiedlichen Druckverhältnissen arbeiten, können also


nicht über den isentropen Wirkungsgrad verglichen werden. Je größer das Druck-
109

verhältnis, um so schlechter erscheint der isentrope Wirkungsgrad bei gleicher


Güte, d.h. bei gleichen relativen Verlusten innerhalb der Zustandsänderung, wie
auch aus den Gleichungen (2.125) und (2.126) hervorgeht.

Die Zusammenhänge zwischen dem isentropen und dem polytropen Wirkungsgrad ver-
deutlichen diese Aussage. Wenn für einen Verdichter Gleichung (2.117) mit Gleichung
(2.125) kombiniert wird, ergibt sich für den adiabaten isentropen Wirkungsgrad:

~" - 1
K

l1s ad V
(~~1 1
- 1

-
" --1
(:~) l1poladV " - 1

Analog gilt für die adiabate Turbine:

11 ~
(~) pol ad T " _ 1

11 s ad T = K - 1
- -
"
(~~) - 1

Diese Beziehungen nach dem polytropen Wirkungsgrad aufgelöst, ergeben für den
adiabaten Verdichter:

+·-; :;-~d- -=- ~, (:~


die adiabate Turbine:
V [ )-'
" - 1

1 II
110

Diese Zusammenhänge zwischen polytropem und isentropem Wirkungsgrad sind ab-


hängig vom Druckverhältnis für adiabate Zustandsänderungen in Bild 2.29 darge-
stellt.

\,0
77 pol = 100

0,95

---
0,9 -
0,90
-

----
r--
0.8 0,85
r-- ,.......
0.80
0,7 1---.. . .

0,6
----- - -t 0,75

0,70
o 8 9 10 11 12

Bild 2.29. Zusammenhang zwischen isentropem und polytropem Wirkungsgrad


von adiabaten Verdichtern in Abhängigkeit vom Druckverhältnis für
l1. = 1,4

Aus Bild 2.29 ist zu erkennen, daß der isentropeWirkungsgrad einer Verdichtung
bei steigendem Druckverhältnis sinkt, wenn der polytrope Wirkungsgrad konstant
bleibt. Dies bedeutet, daß bei einer polytropen Verdichtung der für die gesamte Zu-
standsänderung gebildete isentrope Wirkungsgrad stets geringer ist als der für einen
beliebigen Teilabschnitt der gesamten Zustandsänderung gebildete, da das Druckver-
hältnis der Teilverdichtung auf jeden Fall kleiner ist als das der gesamten Ver-
dichtung.

Die in vielen einzelnen Stufen gedachte Verdichtung von einem Druck PE auf einen
Druck PA zeigt, daß die in den ersten Stufen im Bereich niedrigen Druckes auf-
tretende Energiedissipation besonders schädlich ist: sie erwärmt das Fluid zu-
sätzlich und führt damit zu einer Vergrößerung des Volumens und einem zusätzlich
benötigten Arbeitsaufwand in allen folgenden Stufen.

Bei einer Entspannung dagegen läßt sich die zu Beginn durch Dissipation verursachte
Erwärmung des Fluids im Verlauf der weiteren Zustandsänderung teilweise rückge-
winnen , so daß die am Anfang der Zustandsänderung auftretenden Verluste bei einer
Entspannung nicht so schädlich sind wie bei einer Verdichtung.

Zur quantitativen Beschreibung dieser Zusammenhänge wird ein Wärmerückgewinni-


faktor bei der Turbine bzw. ein Erhit3ungsfaktor beim Verdichter definiert.
111

Um den Wärmerückgewinn darstellen zu können, wird nach Bild 2.30 eine polytrope
und eine isentrope Entspannung vom Druck PE auf den Druck PA durch Wahl zweier
Zwischendrücke in drei Abschnitte unterteilt.

Bild 2.30. Zur Darstellung des Wär-


merückgewinnfaktors bei
o ~ __
- L_ _ _ _ _ _ _ _ _ _J -_ _~~_ _ _ _~
einer adiabaten Entspan-
B [ o F 5 nung

Wird die isentrope Entspannung von PE auf PA mit einer Zustandsänderung ver-
glichen, die sich aus z isentropen Teilentspannungen zusammensetzt, die vom je-
weiligen Anfangszustand (E,K,H) ausgehen, so ergibt sich die aus dem Wärme-
rückgewinn zusätzlich erhaltene Druckänderungsarbeit als Differenz der Druckän-
derungsarbeiten y z und y s' wobei y s der Fläche BCEG in Bild 2.30 entspricht.

Die Druckänderungsarbeit y z ist nicht unmittelbar als zusammenhängende Fläche


darstellbar, jedoch läßt sich durch schrittweise Flächenaddition bzw. -subtraktion
zeigen, daß die Differenz y z - y s' der sogenannte Wärmerückgewinn , durch die
in Bild 2.30 schraffiert dargestellte Fläche repräsentiert wird.

Wird dieser Wärmerückgewinn zur isentropen Druckänderungsarbeit y s der Ent-


spannung von A nach A s ins Verhältnis gesetzt, so ergibt sich der sogenannte
Wärmerückgewinnungsfaktor f z

1. (2.131)

Aus der Darstellung in Bild 2.30 und den vorstehenden Überlegungen läßt sich ent-
nehmen, daß der Wärmerückgewinn bzw. der Wärmerückgewinnungsfaktor f bei
z
einer Expansion vom Druck PE auf den Druck PA von der Anzahl z der Teilex-
pansionen bzw. Stufen abhängt.

Bei unendlich vielen Teilexpansionen bzw. Stufen erreicht der Wärmerückgewinn


den oberen Grenzwert, der in diesem Fall durch die Fläche A AE (Bild 2.30) re-
s
112

präsentiert wird. Der zu diesem Grenzwert gehörende Wärmerückgewinnungsfaktor


wird mit f.., bezeichnet.

Der untere Grenzwert wird durch die einstufige Entspannung erreicht, bei der kein
Wärmerückgewinn erzielt wird. Für eine diskrete Stufenzahl z > 1 mit gleichen
Enthalpiedifferenzen gilt:

f
z
=f
'"
(1 - 1.)
z!
.
Aus dieser Beziehung ist zu erkennen, daß der Wärmerückgewinn mit steigender
Stufenzahl z zunimmt.

Der Wärmerückgewinnungsfaktor f", bei unendlicher Stufenzahl läßt sich aus den Be-
ziehungen der polytropen und isentropen Zustandsänderungen berechnen.

Da sowohl für den Verdichter als auch betragsmäßig für die Turbine die adiabate
polytrope Druckänderungsarbeit y stets größer als die adiabate isentrope Druck-
änderungsarbeit y s ist, wie ein Flächenvergleich im T ,s-Diagramm zeigt, ergibt
sich für den Erhitzungsfaktor :

(2.132)

d.h.

f", ;?- O.

Für den adiabaten Verdichter ergibt sich aus Gleichung (2.132) :

bzw.

11 sadV ';;;11 poladV •

Für die adiabate Turbine ergibt sich analog:

lIh
v Ys 11 sadT
l+f =~=""Xh= ;;'1
'" ys - 11 pol ad T
y
113

bzw.

Tl s ad T ? Tl pol ad T .

Der Erhitzungsfaktor f", ist also eine Funktion von y und y s.

bzw.

da die Druckänderungsarbeiten y und y s wiederum Funktionen des Druckverhält-


nisses n, des polytropen Wirkungsgrades Tl po I und des Isentropenexponenten K

sind.

Das Bild 2.31 zeigt für ein adiabates System die Abhängigkeit des Erhitzungsfaktors
von den genannten Größen.

Der Vergleich der Kurvenverläufe für Verdichter und Turbine bestätigt noch einmal,
daß Tl s ad V ,,:;; Tl pol ad V bzw. Tl s ad T ? Tl pol ad T·

0.15
I - .-
0.14
0.13 1-1-
-I- I-
O,1Z -
0.11
- Turbine .-
I- -
Verdichter
f-t- l-
0.10 r- '-1-I - i -
l -I - -- -

h
I~ j---
0,09 - .-
I-
.J! 0.08 I---
f'.-
0.07 f;
0.06
"-
"" q,"0/,'0:..>
!--
~
<;:;~L
0.05 L
- "" ""i--
0-I l
0.04 1'- L L
L <;';
0.03 --..
O,OZ
--..0.9 """ ./
---
--
/ ./
/
0,01
o
r--- r- l.0
0.1 O.Z 0.3 0.4 0.5 0.6 0.8 1.0
./
--- 3
10
5 6 7 8 10
PA
PE

Bild 2.31. Erhitzungsfaktor f", in Abhängigkeit vom Druckverhältnis PA/PE für


Luft (l'.. = 1,4)
114

2.2.3.3 Isothermer Wirkungsgrad

In vielen Anwendungen werden Verdichter mit Zwischenkühlung eingesetzt, da durch


diese Maßnahme sowohl der Arbeitsaufwand für die Verdichtung verringert werden
kann, als auch eventuell vorliegende Sicherheitsbestimmungen über die zulässige
maximale Temperatur des Gases erfüllt werden können. Im idealen Grenzfall läßt
sich eine solche Verdichtung isotherm und reversibel durchführen. So vergleicht der
isotherme Wirkungsgmd beim Verdichter die isotherme Druckänderungsarbeit YT
mit der wirklichen, bei polytropen Zustandsänderungen und Zwischenkühlungen auf-
zuwendenden Arbeit, d.h.

YT
Ti TV (2.133)
Y+ j

In einem Beispiel gemäß Bild 2.32 wird die ideale isotherme Verdichtung von PE
auf PA durch eine dreistufige polytrope Verdichtung mit Zwischenkühlungen , wobei
die Teildruckverhältnisse unterschiedlich sein können, angenähert.

Bild 2.32. Vergleich einer isother-


men mit einer mehrfach
zwischengekühlten adia-
s baten Zustandsänderung

Die abgeführte Gesamtwärmemenge q setzt sich aus den in den Zwischenkühlern ab-
geführten Wärmemengen qK zusammen. So ergibt sich:

Die in einem Zwischenkühler abzuführende Wärme qK entspricht als diabater Strö-


mungsvorgang nach dem ersten Hauptsatz (siehe Abschnitt 2.1) der Enthalpiedif-
ferenz tlh K des Kühlers, wenn Geschwindigkeits- und Höhendifferenzen vernach-
lässigt werden:

(2.134 )
115

Die Enthalpiedifferenz llh EA für die Gesamtverdichtung setzt sich aus den Enthalpie-
differenzen Clh i der Teilverdichtungen und den Enthalpiedifferenzen Clh K der Rück-
kühlungsvorgänge zusammen:

Nach Gleichung (2.134) entsprechen die in den Zwischenkühlern abgeführten Wärme-


mengen qK den Enthalpiedifferenzen Cl h K , so daß gilt:

Der isotherme Wirkungsgrad kann also für das Beispiel auch in der Form

'fl TV (2.135)

geschrieben werden. Im Nenner ergibt sich die wirkliche Energieaufnahme des


Fluids aus der Addition der Enthalpiedifferenzen der Teilverdichtungen aller Stufen.

Wenn nach Abschnitt 2.2.1. 3 die isotherme Druckänderungsarbeit YT bestimmt


wird, ergibt sich mit Gleichung (2.133) für den isothermen Wirkungsgrad:

RT E In (~)
(2.136)
lIhEA - L qK

Für die Bestimmung des isothermen Wirkungsgrades aus Meßergebnissen ist zur Er-
mittlung der Gesamtwärmemenge q = LqK eine Bilanz ilber abgeführte Wärme-
menge Q und Kühlwassererwärmung Qw aufzustellen. Hierfür gilt, wenn mW den
Kühlwassermassenstrom eines Zwischenkühlers und m den des Fördermediums
darstellen:
116

Die Summe der abgeführten Wärmemengen ergibt sich aus der Kühlwassererwär-
mung (T WA - TWE ) und der spezifischen Wärmekapazität des Kühlwassers cF'
während die in Gleichung (2.136) auftretende Enthalpiedifferenz aus der Tempera-
turdifferenz des Gases gemäß LI h EA = c p (T A - TE) bestimmt werden kann. Mit den
Massenströmen rD und rD W gilt also insgesamt:

(2.137)

2.2.4 Definition des mechanischen Wirkungsgrades

Werden die Lagerungen der Maschine nach Bild 2.33 in das System" Maschine" ein-
bezogen, dann tritt über die Systemgrenze die Kupplungsleistung P K als Summe aus
der inneren Leistung P. und den Lagerverlustleistungen P = P L + P F.
1 m m m

Systemgrenze iJ
1 ___ J --------- -I
I
: PI-Pml -,

,I
Loslager

Bild 2.33. Systemgrenze


I
I
"Maschine" mit
_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ ..J Einschluß der
Lager

Für alle Fluidenergiemaschinen gilt unter Beachtung der Vorzeichenregel :

(2.138)

Da die mechanische Verlustleistung Pm der Lager Fund Laus dissipativen Vor-


gängen hervorgeht, ist Pm stets positiv, so daß sich für die Leistungen von
117

Pumpen und Verdichtern, für die nach Vorzeichenregel P KV > 0 und P iV > 0 ist,
aussagen läßt:

Für Motoren und Turbinen sind nach der Vorzeichenregel die Leistungen P KT und
P iT negativ, so daß nach Gleichung (2.138) gilt:

Der mechanische Wirkungsgrad Tl setzt die innere Leistung und die Kupplungslei-
m
stung in Relation zueinander. Es ergibt sich

für Verdichter:

P iV P iV
Tl V=-P =P P ";'1, (2.139)
m KV iV + m

für Turbinen:

(2.140)

Beispiel 2.2:

Von einem ungekühlten Verdichter zur Förderung von Luft sind folgende Daten bekannt:

Isentropenexponent k =K 1, 4 (ideales Gas)

Gaskonstante R = 287 J/kg K

Druck am Eintritt PE 1 bar

Druck am Austritt PA 2,8 bar

Temperatur am Eintritt TE = 293 K

Massenstrom ril 5 kg/s

pol. Wirkungsgrad \oladV = 0,8

Es ist die Austrittstemperatur TA der Stufe, der isentrope Wirkungsgrad 'T1 s ad V' die spezifi-
sche Druckänderungsarbeit y sowie die innere Leistung Pi zu bestimmen, wobei cE = cA und
g tJ.z = 0 angenommen wird.

Lösung:

Nach der Polytropengleichung (2.93) ist


n - 1 n - 1

TT A = (PA)
E PE
n bzw. TA =TE(:~) n
118

Bei adiabater Verdichtung ergibt sich aus dem polytropen Wirkungsgrad nach Gleichung (2.117):

n-1 ,,-1
n = Jot llpOladV·

Mit Hilfe dieser Beziehung ergibt sich die Austrittstemperatur TA zu

" - 1 0,4
_ (PA)" \oladV 28)1,4.0,8
TA - TE - = 293 ( T = 423 K.
PE

Zur Berechnung des isentropen Wirkungsgrades lls ad V einer adiabaten Verdichtung gemäß Glei-
chung (2.124)

6h
11s ad V = 6~

müssen vorab die Größen 6h und 6h bestimmt werden.


s

Für die spezifische Enthalpiedifferenz 6 h gilt nach Gleichung (2.91)

6h = cp(T A - TE) =~
,,- 1
(T
A
- T ) = 287 • 1,4 (423 - 293)
E 0,4
= 130585 J/kg.

Die spezifische isentrope Enthalpiedifferenz ,\h s ergibt sich aus dem Zusammenhang (2.98)

" - 1 0,4

6h
s ;-ö-r HT E [ (:~)-' , 1=H-. 287·293· r (2 i 8 ) 8 100663 J/kg.

Damit errechnet sich der isentrope Wirkungsgrad zu \ ad V = 0,77.

Die spezifische Druckänderungsarbeit y läßt sich über die Definitionsgleichung (2.117) des po-
lytropen Wirkungsgrades einer adiabaten Verdichtung bestimmen:

11pol ad V -.L
- 6h'

y = \oladV 6h = 0,8 . 130585 = 104468 J/kg.

Für die innere Verdichterleistung gilt nach Gleichung (2.13)


119

wobei die spezifische technische Arbeit a nach dem ersten Hauptsatz (2.15)

a + q = tlh + 2"1 (cA


2 - cE
2 ) + g tlz

unter den getroffenen Voraussetzungen (q = 0, cA = cE und g tlz =0) gleich der statischen En-
thalpiedifferenz llh ist. Danach ergibt sich

Pi = m llh = 5·130585 = 652925 W = 652,925 kW.

2.2.5 Darstellung der ProzeBwirkungsgrade in Diagrammen

Darstellung im T ,s-Diagramm

Weil sich Energien im T ,s-Diagramm als Flächen darstellen lassen, können die
Wirkungsgrade und der Erhitzungsfaktor als Flächenverhältnisse wiedergegeben
werden.

Am Beispiel eines diabaten Verdichtungsvorganges nach Bild 2.34 ist eine solche
Darstellung des Wirkungsgrades durch Flächenverhältnisse veranschaulicht.

Bild 2.34. Z ur Betrachtung des polytropen


O'-----..J....--'----'----..L....---_ Wirkungsgrades im T, s-Dia-
B F G o 5 gramm

Für den polytropen diabaten Wirkungsgrad gilt gemäß Gleichung (2.114) ;

11 - --L - --L-
pol V - Y + j - t::. h - q •

Nach den Uberlegungen aus Abschnitt 2.2.2 werden die Energien durch folgende
Flächen dargestellt;
120

tlh ~ BDAC

A
STds = j + q ~ DFEA
E

A
Y = tlh - J Tds ~ BFEAC. (2.141)
E

Da die Kühlung, d.h. die abgeführte Wärme, bei der betrachteten Verdichtung so
groß ist, daß die Entropieströmung größer als die Entropieerzeugung ist, gilt nach
Gleichung (2.108):

A
STds<O.
E

Die Größe y stellt nach Gleichung (2.141) betragsmäßig die Summe der Flächen
aus tlh und STds dar.

Die Dissipation j ist als Fläche unter der entsprechenden adiabaten Zustandsän-
derung darstellbar:

Unter der Voraussetzung, daß die Dissipation als Prozeßgröße sowohl bei adiabater
als auch diabater Prozeßführung gleichbleibt , kann die abgeführte Wärmemenge q
durch

A
q = S Tds - j ; DGAadEA
E

veranschaulicht werden.

Der polytrope Wirkungsgrad entspricht in diesem Fall dem Verhältnis der Flächen:

_~~ BFEAC
'Tl pol dia V - Y + j - BGAadEAC·

Wird der polytrope Verdichtungsvorgang adiabat geführt, so entsprechen nach Bild


2. 34 Zähler und Nenner folgenden Flächen:
121

so daß sich der polytrope adiabate Wirkungsgrad als Flächenverhältnis ergibt:

L A BFEAadC
Ti po l ad V llh = BGA C·
ad

Um den isentropen Wirkungsgrad Tlsv im T, s-Diagramm nach Bild 2.35 darstellen


zu können, werden die Flächen BDAsC ~ Ll h s und BFAC ~ llh gemäß Gleichung
(2. 124) ins Verhältnis gesetzt :

llh BDA C BFAC - DFAA


s A s s
Tl s ad V llh BFAC BFAC

Bild 2.35. Zur Darstellung des polytropen und


isentropen Wirkungsgrades einer
adiabaten Verdichtung im T ,s-Dia-
gramm

Je kleiner die Differenzfläche DFAA s zwischen den oben genannten Flächen wird,
desto größer ist der isentrope Wirkungsgrad. Für den isentropen Prozeß wird die-
se Differenzfläche zu Null und der isentrope Wirkungsgrad gleich 1.

Um den Erhitzungsfaktor foo im T, s-Diagramm darstellen zu können, werden nach


der Definition (2.131)

f 00

die Flächen EAsA und BDAsC ins Verhältnis gesetzt.

EA A
s
foo - BDA C·
s

Die Fläche EAsA steht in direkter Relation zur Größe des Erhitzungsfaktors. Im
reversiblen adiabaten Grenzfall wird diese Fläche und damit der Erhitzungsfaktor
gleich Null.
122

Die Darstellung des isothermen Wirkungsgrades für einen Verdichter als Flächen-
verhältnis im T, s-Diagramm gemäß Gleichung (2.135)

YT
TlTV Y+ j

zeigt Bild 2.36.

Bild 2.36. Zur Darstellung des isothermen


Wirkungsgrades für eine Verdich-
OL---~~~~~~~------
tung im T, s-Diagramm bei Rück-
B HI {)GC K 5 kühlung auf Ansaugetemperatur

Im Gegensatz zur dreistufigen Verdichtung mit unterschiedlicher Rückkühltempera-


tur von Abschnitt 2.2.3.3 soll hier bei dieser dreistufigen Verdichtung jeweils auf
die Eintrittstemperatur zurückgekühlt werden, um eine übersichtlichere Darstel-
lung der Flächen im T, s-Diagramm zu erhalten. Eine entsprechende Ableitung kann
jedoch auch für unterschiedliche Rückkühltemperaturen durchgeführt werden.

Die Fläche BCE~ in Bild 2.36 entspricht der Druckänderungsarbeit YT des iso-
thermen Prozesses.

Zur Darstellung des Nenners muß die Summe aus den Flächen gebildet werden, die
jeweils der Enthalpiedifferenz einer Stufe entsprechen. Für die erste Stufe der
dreistufigen Verdichtung aus Bild 2.36 ist dies die Fläche DK1F, für die zweite
Stufe HG2J und für die dritte Stufe BIAAT .

YT A BCEAT
Tl
TV I
=--=
Chi DK1F + HG2J + BIA~ .

Es ist zu erkennen, daß die Summe im Nenner der in den Wärmetauschern abgege-
benen Wärmemengen qi entspricht, wenn nach der letzten Stufe auf die Eintritts-
temperatur zurückgekühlt wird.
123

Darstellung im h, s-Diagramm

Da in einem h, s-Diagramm Enthalpie- und Entropiedifferenzen als Strecken er-


scheinen, ist zunächst nur der isentrope Wirkungsgrad als Streckenverhältnis aus
Enthalpiedifferenzen darstellbar. Für einen adiabaten Verdichtungsprozeß ergibt
sich nach Bild 2.37 und Gleichung (2.124)

6h
s
11 sad V 6h .

htAT-=wl{
-c:
-c: <J -c:
<J <J
I i
. I
+----+--->i------T'~-J h t E

'---7"---~
E Bild 2.37. Zur Betrachtung des isen-
tropen und polytropen adia-
baten Wirkungsgrades im
h, s-Diagramm

Im Grenzfall kann von E nach A reversibel verdichtet werden, wobei das den
s
adiabaten isentropen Wirkungsgrad charakterisierende Streckenverhältnis gleich
eins wird.

Der adiabate polytrope Wirkungsgrad

-~ ~ (2.142)
11 pol ad V - dh c dT
P

läßt sich unter Einführung der Gasgleichung (2.60) schreiben:

RQE
~
11 pol ad V =c dT·
-
pT

Für eine differentielle Entropieänderung ergibt sich mit Gleichung (2.34) und Glei-
chung (2.68):

c dT - vdp
p
ds
T

d. h. für eine Änderung bei konstantem Druck:


124

(ds)
p
= c P -dT
T
(2.143)

bzw. für eine Änderung bei konstanter Temperatur unter Benutzung der Gasglei-
chung (2.60):

(2.144)

Damit kann der adiabate polytrope Wirkungsgrad als Verhältnis differentieller En-
tropieänderungen dargestell t werden:

- (ds)T
Tlpol ad V = (ds) . (2.145)
p

Für endliche Entropiedifferenzen bei konstantem Druck ergibt sich aus Gleichung
(2.143) :

dT TA
"'1'= c In TE (2.146)
p

und für endliche Entropiedifferenzen bei konstanter Temperatur nach Gleichung


(2.144) :

(2.147)

Diese Beziehungen (2.146) und (2.147) lassen sich in die Gleichung (2.145) des
adiabaten polytropen Wirkungsgrades für den Verdichter einsetzen:

(2.148)
Tlpol ad V
J (ds)
p

Für die Turbine folgt analog:

Tlpol ad T (2.149)
125

Die Entropiedifferenzen bei konstantem Druck (ll s) bzw. bei konstanter Tempera-
p
tur (6 s)T erscheinen als Strecken auf der s-Achse z. B. in einem h, s-Diagramm,
wie Bild 2.38 für eine adiabate Expansion und Bild 2.39 für eine adiabate Verdich-
tung zeigt. Das Streckenverhältnis stellt den jeweiligen adiabaten polytropen Wir-
kungsgrad dar.

h
[ ['

(LJsI p--i Bild 2.38. Entropiedifferenzen bei konstan-


(LJslr -1 tem Druck und konstanter Tem-
peratur für eine adiabate Expan-
sion

Das Strecken verhältnis in Bild 2.38 stellt nach Gleichung (2.149) den polytropen
adiabaten Turbinenwirkungsgrad dar:

(lls)p
T1 po l adT :0 - ( 6s l T '

Das Streckenverhältnis in Bild 2.39 stellt nach Gleichung (2.148)

h
A'

- (LJs I T
Bild 2.39. Entropiedifferenzen bei kon-
-(LJsl p stantem Druck und konstanter
Temperatur für eine adiabate
Verdichtung
126

T1 pol adV

analog zu den Dberlegungen bei der Expansion den polytropen adiabaten Verdich-
terwirkungsgrad dar.

Beispiel 2.3:

Von einer Entspannungsturbine sind folgende Daten gegeben:

Isentropenexponent k = K 1,4 (ideales Gas)

Gaskonstante R = 287 J/kg K

Druckverhältnis PA/PE 0,17

Temperatur am Eintritt TE = 953 K

Temperatur am Austritt TA = 62.3 K

Massenstrom m 55 kg/s

mechanischer Wirkungsgrad 11 m 0,98

Zu bestimmen sind die spezifische Druckänderungsarbeit y, die spezifische Dissipation j, die


Kupplungsleistung P K' die spezifische Entropieänderung /',s des Entspannungsprozesses und
der polytrope Wirkungsgrad \01 ad T' Dabei soll angenommen werden, daß der Prozeß adiabat
verläuft (q = 0), die Strömungsgeschwindigkeiten am Ein- und Austritt gleich sind (CE = cA) und
der potentielle Energieanteil g 6 z = 0 ist.

F;lr die spezifische Druckänderungsarbeit y gilt nach Gleichung (2.90)

n - 1

Y 0 A RY E I(;~ )-0 -, 1

Der Polytropenexponent n ergibt sich aus der Polytropenbeziehung (2.93)

n - 1
n
n - 1 In (T A/TE)
bzw.
n In (PA/PE)

Danach ist mit den vorgegebenen Zahlenwerten

n - 1 In (623/953)
- n - = In (0,17) = 0,2399 und n~1=4,169.

Somit ist

,Y = 4,169·287.953. [(0,17)°,2399 - 1] 394864 J /kg.


127

Für die adiabate Expansion gilt nach Gleichung (2.39)

tlh=y+j bzw. j = tlh - y.

Die spezifische Enthalpiedifferenz ergibt sich aus dem Zusammenhang (2.91)

" R 1,4 • 287


tlh = cp(T A - TE) ="- _ 1 (TA - TE) = 1,4 _ 1 (623 - 953) = - 331485 J/kg.

Für die spezifische Dissipation j gilt somit

j = - 331485 - (- 394864) = 63379 J/kg.

Die Kupplungsleistung P K wird nach Gleichung (2.140) und (2.13) bestimmt

Die spezifische technische Arbeit a ist nach dem ersten Hauptsatz (2.15) unter Beachtung der ge-
troffenen Voraussetzungen (q = 0, cA = CE und tlz = 0) gleich der Enthalpiedifferenz I\h.

Damit gilt für die Kupplungsleistung

P K = 11 m ,~h rh = 0,98 • (- 331485) • 55 = - 17867042 W 17867,042 kW.

Nach Abschnitt 2.2.5 setzt sich die Änderung der spezifischen Entropie ils zusammen aus

Für die Entropieänderungen der beiden Teilprozesse gilt nach Gleichung (2.146) und (2.147)

und

Damit ist

und mit den bekannten Zahlenwerten

tls = 287· [-ln(O,l7) + 1,1~~1In(623/953) 1= 81,57 J/kg K.

Der adiabate polytrope Wirkungsgrad ist nach Gleichung (2.149) und den vorstehenden Beziehungen
128

2.2.6 Definition mittlerer spezifischer Wärmekapazitäten


Die Wärmekapazitäten reaZer Gase sind i. a. eine Funktion des Druckes und der
Temperatur. Bei idealen Gasen dagegen sind die Wärmekapazitäten nur von der Tem-
peratur abhängig (siehe Abschnitt 2.2) • Bild 2.40 zeigt die Temperaturabhängigkeit
der Wärmekapazität c am Beispiel von Luft.
p

1,17
/'
,/"
V
/'
~
1,09
V
."" V
V
1,05
L
,/'
1,01 ~
- --
f Bild 2.40. Temperaturabhängigkeit der
260 580 900 1110 1540 1860 2180 spezifischen Wärmekapazität
T in K c p von Luft

Auch unter der Annahme eines idealen Gases ist also die Veränderlichkeit der Wär-
mekapazitäten mit der Temperatur zu berücksichtigen.

Wird einem Gas mit temperaturabhängiger, spezifischer Wärmekapazität Wärme


zu- oder abgeführt, um eine bestimmte Temperaturdifferenz zu erreichen, ergibt
sich die zugehörige Wärmemenge q aus dem Integral

A
q =f c(T)dT.
E

Da die Lösung dieses bestimmten Integrals der Funktion c(T) aufwendig sein kann,
wird in den Integrationsgrenzen eine mittlere spezifische Wärmekapazität in fol-
gender Weise definiert:

(2.150)

Das Bild 2.41 zeigt prinzipiell die Bildung dieses Mittel wertes.

Der Mittelwert der spezifischen Wärmekapazität wird so bestimmt, daß die Flä-
chen TE TA AE und TE TA A' E' gleich sind.
129

c(h) A C (T)

c/kr-____~E,·~~--~
h E
C (TE)

Bild 2.41. Zur Definition der mittleren


T spezifischen Wärmekapazität

Aus Gleichung (2.150) folgt:

A
J c(T)dT
c T I TA
E
(2.151)
E

Mit TE = OK ergibt sich:

c ITo =T1 T0J c (T ) dT • (2.152)

Die mittlere Wärmekapazität zwischen TE t 0 und TA ergibt sich aus:

TA TA TE IT IT
J c (T ) dT = J c( T ) dT - J c( T ) dT =c A (T A - 0) - c E (TE - 0) •
TE 0 0 0 0

Für die mittlere Wärmekapazität zwischen TE und TA gilt also nach Gleichung
(2.151) :

TA
T ~ T J
c ( T ) dT •
A E TE

c T
A
=T 1_ T. ( TA IT A JT E ) (2.153)
ITE A E
C
10
- TE C
0

130

Die Entropiegleichung

Bei Prozessen mit großen Druck- und damit auch hohen Temperaturverhältnissen
können die Zustandsgrößen nach der Verdichtung auch mit Hilfe der Entropieglei-
chung über die absoluten Entropiewerte bestimmt werden. Bei einstufiger Arbeits-
übertragung an das Fluid unter den genannten Bedingungen kommt als Maschine nur
der Kolbenverdichter als geschlossenes System in Frage.

Mit der Gibbsschen Gleichung für das geschlossene System (2.33) und der Gasglei-
chung ergibt sich in spezifischen Größen:

ds = cv(T) di + R
d(!)
~,
P

=f ( f
T T T
s dT
Cv T) T + R ln~ P = dT + R {InT
Cv(T) T P - In TPO0 } •
o - 0
Po

Um tabellierte Zahlenwerte benutzen zu können, wird nach [3J - R In TO/PO = So ge-


setzt, so daß sich abgekürzt schreiben läßt:

f
T
dT T
s = cv(T) T + R In p (2.154)
o

Dabei ist zu beachten, daß die beiden letzten Terme auf der rechten Seite der Glei-
chung (2.154) nur zusammengenommen die Dimension der Entropie haben.

f
T
Das Integral cv(T) ~T wird nachfolgend aus der Gleichung der mittleren Wärmeka-
o
pazität (2.152) bestimmt:

T T
c I T = 0J c v (T)dT
v 0

bzw. in differenzierter Form:

d (c I
T)T + c T dT
v 0 v 0
I = cv dT.

1
Nach Multiplikation mit T und anschließender Integration ergibt sich:
131

(2.155)

Mit Gleichung (2.155) läßt sich Gleichung (2.154) schreiben:

(2.156)

Um bereits vorliegende Tabellen z.B. für das häufig verwendete Fluid "Luft" aus
dem Verbrennungsmotorenbau verwenden zu können, die wegen der dort notwendi-
gen Kombination mit Verbrennungsprozessen auf das Mol bezogen sind, ist es
zweckmäßig, auch die Gleichung (2.156) auf molare Größen umzustellen.

Für die temperaturgemittelten Molwärmen C gilt entsprechend Gleichung (2.152):


m

1 T
-T f C (T)dT.
o m

Die mittleren auf ein Mol bezogenen Wärmekapazitäten C m zwischen OK und einer
beliebigen Temperatur T sind für verschiedene Gase tabelliert [3J.

Für die molare Entropie gilt Gleichung (2.156) in entsprechender Form für das
geschlossene System:

S
m
dT + C I T + R In
vm 0 m
(I)p + So
m
. (2.157)

Für einen Druck von 1 bar wird aus Gleichung (2.157) eine zugeschnittene Größen-
gleichung:

S
m
(p = 1 bar) dT + C I T + R In T + So .
vm 0 m m
(2.158)

Der Vorteil dieser zugeschnittenen Größengleichung liegt darin, daß die Werte für
S
m
(p =1 bar) bereits tabelliert vorliegen. Für einen von 1 bar abweichenden
132

Druck läßt sich die Entropie S aus den Gleichungen (2.157) und (2.158) herlei-
m
ten, wenn der Druck ebenfalls in bar eingesetzt wird:

S
m
= Sm (p = 1 bar) - R
m
ln p.

Die Gleichung der molaren Entropie S kann mit der Gasgleichung in molaren
m
Größen

T
P

umgeschrieben werden zu

bzw. nach Umordnung:

Tel T
S
m
= S v~1 0 dT + c
vm 0
T - R
m
I
ln R
m
+ So
m
+ R m In V m •
,0
~-----------------y~------------------
ql(T)

Der mit der Klammer bezeichnete Ausdruck, der nur von Tabhängige bzw. kon-
stante Glieder enthält, wird in einer sogenannten TempemtuY'funktion 4l(T) zusam-
mengefaßt. Diese Temperaturfunktionen sind ebenfalls für verschiedene Temperatu-
ren und technisch wichtige Gase berechnet und tabelliert.

S ;: cp (T) + R ln V m (2.159)
m m

Aus den tabellierten Werten C


vm 0
I
T, Sund 'fl (T) läßt sich die Endtemperatur ei-
m
ner isentropen Zuständsänderung im geschlossenen System bestimmen:
133

(2.160)

wobei sich das Verhältnis (~ :~) aus dem Kolbenweg ergibt.

Über den erhaltenen Wert cp (TA) der Entropiefunktion läßt sich mit Hilfe der Ta-
bellen die zugehörige Temperatur TA entnehmen. Damit sind zwei Zustandsgrößen
für den Zustand A bekannt.

2.3 Hinweise auf Realgasverhalten

Um die begrenzte Gültigkeit der thermischen Zustandsgleichung für ideale Gase


(2.60)

pv = RT
zu zeigen, sind in Bild 2.42 die Bereiche abgegrenzt, in denen sich das spezifi-
sche Volumen von Luft nach der Zustandsgleichung idealer Gase berechnen läßt,
sofern der angegebene prozentuale Fehler I':.v/v akzeptabel ist.

200

o
.0
150
-'"
Cl.. 100 f-----+--+t+'+-+---+--+--+--f-------1

50
Bild 2.42. Bezogene Abweichung des spe-
zifischen Volumens der Luft
-100 100 200 300 400 500 600 gegenüber dem Idealgasver-
f in oe halten nach [1 ]

Zur Beschreibung dieses Verhaltens realer Gase gibt es zahlreiche Ansätze, die
jeweils in bestimmten Zustandsbereichen mit hinreichender Genauigkeit gelten.

Eine Darstellung, die das reale Verhalten qualitativ richtig wiedergibt, stammt
von van der Waals [12J. Er hat die ideale Gasgleichung durch zwei Korrekturen
erweitert, welche aus physikalischen Annahmen folgen:
134

- Das Gas ist nur bis zu einer bestimmten Dichte zusammendrückbar , da die Mo-
leküle ein endliches Eigenvolumen besitzen:

v R !p + b.

Dabei ist b das auf jeden Fall bleibende Eigenvolumen, das bei abnehmenden
Temperaturen an Bedeutung gewinnt.

- Zwischen den Gasmolekülen besteht eine Anziehungskraft (van-der-Waals-Kraft),


die sich als Zusatzterm im Druck bemerkbar macht und nach der van-der-Waals
Ableitung umgekehrt proportional zum Quadrat des spezifischen Volumens ist.

RT a
p v - b 2"
v

oder

Dabei sind die Konstanten a und b experimentell bestimmbar, aber auch mit
bestimmten Annahmen für die zwischenmolekularen Kräfte berechenbar.

Obwohl diese Gleichung einige Erscheinungen qualitativ richtig beschreibt, reicht


sie bei höheren Genauigkeitsanforderungen nicht aus.

Wichtig für die Anwendung ist dagegen ein empirisches Verfahren, das die Zu-
standsgleichung des idealen Gases (2.60) für reale Gase korrigiert, indem es
Realgasfaktoren verwendet, die in Tabellen oder Diagrammen zur Verfügung ste-
hen. Dabei ist der RealgasfaktoY' Z definiert als:

Z ~ (2.161)
RT·

Dieser Faktor hat bei idealem Gasverhalten den Wert 1.

Je weiter der Realgasfaktor vom Wert 1 abweicht, um so weniger ideal verhält sich
das betreffende Gas. Aus Messungen ist Z für viele Gase in Abhängigkeit von
Druck und Temperatur bekannt. In Bild 2.43 sind die Werte für Z von Luft im Be-
reich von 0 bis 300 bar und - 100 0 C bis + 200 0 C angegeben.

Die Berechnung thermodynamischer Prozesse wird erleichtert, wenn für die


Temperatur- und Druckabhängigkeit des Realgasfaktors ein geschlossener mathe-
matischer Zusammenhang existiert, der für einen möglichst weiten Bereich der
Zustandsgrößen gültig ist.
135

1,1

0,8 1----'\---+-----+-+-----1

0,7 I-----\-t------+-t----------I

100 200 300 Bild 2.43. Realgasfaktor Z der Luft


p in bor nach [lOJ

Hierzu ist eine Vielzahl von Näherungsansätzen vorgeschlagen worden [4 J •

Im Prinzip laufen diese Ansätze überwiegend auf eine Polynomdarstellung der


Form

E B(T) C(T) (2.162)


Z --+ --+
RT v 2
v

oder

E 2 (2.163)
= Z B '(T) P + C '(T) P + ...
RT

hinaus.

Die Temperaturfunktionen B(T), C(T), ... bzw. B'(T), C'(T), ... werden als
Virialkoeffizienten bezeichnet und sind für diverse Realgase empirisch ermittelt
und in Kurvenblättern bzw. Zahlentafeln festgelegt worden [4, 7, 8J.

Die Genauigkeit der Zustandsgleichung in der vorstehenden Polynomdarstellung


nimmt mit dem Grad des Polynoms bzw. mit der Anzahl der verwendeten Virial-
koeffizienten zu. Es ist jedoch anzumerken, daß die vorgeschlagenen Polynoman-
sätze einschließlich der zugehörigen stoff- und temperaturabhängigen Virialkoeffi-
zienten stets nur für einen begrenzten Zustandsbereich gültig sind.
136

Für technisch wichtige Stoffe, z.B. Luft oder Wasserdampf, sind aufwendige
Gleichungen bzw. Gleichungssysteme entwickelt worden, mit deren Hilfe die Zu-
standsgrößen in relativ großen Temperatur- und Druckbereichen berechnet werden
können.

Das Realgasverhalten äußert sich nicht nur in einer gegenüber dem Idealgasverhal-
ten geänderten Zustandsgleichung, sondern es führt außerdem zu einer möglichen
Berücksichtigung der vorhandenen Druckabhängigkeit der spezifischen Wärmekapa-
zitäten und des Isentropenexponenten.

Auch diese Realgaserscheinungen lassen sich im allgemeinen nur empirisch erfas-


sen.

Zur Berechnung thermodynamischer Zustandsgrößen eines Verdichtungs- oder Ent-


spannungsprozesses sind z. T. sehr aufwendige Verfahren vorgeschlagen worden,
deren Benutzung im allgemeinen leistungsfähige Rechenanlagen voraussetzt.

Ein solches Verfahren ist z.B. in [6J zur thermodynamischen Auslegung von Ver-
dichtern und zur Versuchsauswertung entwickelt worden. Bei diesem Verfahren
wird zunächst der sonst übliche Realgasfaktor Z durch zwei additiv verknüpfte
Funktionen X und Y ersetzt.

Diese beiden Funktionen sind wie folgt definiert:

X T (OV) _ 1
v oT
(2.164)
P

und

y=_E(oV).
v op T
(2.165)

Die Verknüpfung dieser beiden sogenannten Kompressibilitätsfunktionen mit dem


Realgasfaktor Z ist durch die folgenden Gleichungen gegeben:

X !.
Z
(oZ)
oT
p

Y_- 1 - pz (OZ)
;;T .
T

Werden die Zustandsgrößen T und p auf die jeweiligen kritischen Zustandsgrößen


Tk und Pk eines Gases bezogen, so ergeben sich hinsichtlich der relativen Zu-
standsgrößen
137

und

verallgemeinerte Kompressibilitätsfunktionen X und Y gemäß

(2.166)

und

Y = _ Pr (~) . (2.167)
v oPr T
r

Diese allgemeinen Kompressibilitätsfunktionen sind in [6] empirisch-mathematisch


ermittelt und für die Zustandsbereiche

und

in Diagrammen (Bild 2.44 und 2.45) dargestellt worden.

Aus diesen Funktionsdarstellungen können für ein vorgegebenes Realgas mit be-
kannten kritischen Größen Tk und Pk und für einen bestimmen Bereich der Zu-
standsgrößen Tr und Pr Mittelwerte der Größen X und Y entnommen werden.

Zur weiteren Beschreibung des Realgasverhaltens wird die Druck- und Tempera-
turabhängigkeit der spezifischen Wärmekapazität c und/oder des Isentropenexpo-
p
nenten k benötigt.

Diese Abhängigkeit kann für ein bestimmtes Gas indirekt über die meßtechnische
Ermittlung des sogenannten JouZe-Thomson-Koeffizienten bestimmt werden.

Der J oule-Thomson-Koeffizient ist definitionsgemäß

(2.168)
138

12 Zi8
r- H·I:~)p·1 I
$/
~,~

11 f--
Pr'~
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10

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o
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V
~ M M W U U U u m u u u u ~
-5.lO
u
Pr
Bild 2.44. Allgemeine Kompressibilitätsfunktion X nach [6J

5
- Y'"+I~~ ),
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V l-- ~ ~

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--r- --
2.110
\ ~.OO ....... r-
t--..
t-- 1.00
o
o ~ ~ U M W U " U U U U U U U U
Pr
Bild 2.45. Allgemeine Kompressibilitätsfunktion Y nach [6J
139

Er gibt demzufolge die Temperaturänderung bei einem Drosselvorgang (h = const)


mit definierter Druckabsenkung an. Für technisch wichtige Gase ist die Abhängig-
keit des J oule-Thomson-Koeffizienten von Druck und Temperatur in Diagrammen
bzw. Zahlentafeln festgelegt [4].

Die spezifische Wärmekapazität bei konstantem Druck gemäß Gleichung (2.68)

ist über die Beziehung

mit dem Joule-Thomson-Koeffizienten J T und der Kompressibilitätsfunktion X


verknüpft.

Die spezifische Wärmekapazität bei ~onstantem Volumen gemäß Gleichung (2.65)

c
v
= (OU)
oT
v

ergibt sich aus dem Zusammenhang

c _c _ pv (1 + X) 2 (2.169)
P v - TY

und der Isentropenexponent k gemäß

(2.170)

Der Zusammenhang mit dem Realgasfaktor Z ist über die Gleichung

(c - c )Y
Z P v

gegeben.

Damit liegen alle wesentlichen Größen vor, um die Zustandsänderung eines Realga-
ses berechnen zu können. Es sei jedoch angemerkt, daß eine solche Rechnung im
allgemeinen iterativ erfolgen muß, da die benutzten Größen, wie z.B. X, Y, c p '
c v usw., von dem zu errechnenden thermodynamischen Zustand abhängig sind.
140

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die vorstehenden Beziehungen auch
den Sonderfall des idealen Gases einschließen. In diesem Fall sind X = 0 und
y=z= 1.

Damit wird nach Gleichung (2.169):

cp - cv =R

und nach Gleichung (2.170):

c
k -.E.
c
v

Literatur zu Kapitel 2:

[lJ Baehr, H.D.: Thermodynamik. 4. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg,


New York 1978.
[2 J Traupel, W.: Thermische Turbomaschinen , Band 1. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg,
New York 1977.
[3J Schmidt, F. A.F.: Verbrennungskraftmaschinen. Springer-Verlag, 3erlin, Heidelberg,
New York 1967.
[4 J Plank, R.: Handbuch der Kältetechnik, Band 2. Springer-Verlag, Berlin , Göttingen ,
Heidelberg 1953.
[5J Plank, R.: Handbuch der Kältetechnik, Band 3. Springer-Verlag, Berlin, Göttingen,
Heidelberg 1959.
[6 J Schultz , J. M.: The Polytropic Analysis of Centrifugal Compressors. Trans. ASME,
J. of Eng. for Power, 83 (1962) 69-82.
[7 J Hirschfelder , J. 0.; Curtiss, C. F .; B ird, R.B.: Molecular Theory of Gases and
Liquids. J. Wiley&Sons, NewYork1954.
[8 J Thodos, G.; Shah, K. K.: A Comparison of Equations of State. Industrial and Engineering
Chemistry 57 (1965) 30-37.
[9 J Beitz, W.; Kilttner, K. -H. (Hrsg.): Dubbel Taschenbuch für den Maschinenbau. 14.,
vollst. neub. u. erw. Auf!. Springer-Verlag, Berlin , Heidelberg, New York 1981.
[10 J Abnahme- und Leistungsversuche an Verdichtern. VDI-Richtlinien 2045.
[11 J Pfleiderer, C.; Petermann, H.: Strömungs maschinen . 4. Auflage. Springer-Verlag,
Berlin, Heidelberg, New York 1972.
[12J van der Waals, J .D.: Die Kontinuität des gasförmigen und flüssigen Zustands. Diss.
Leiden 1873.
3 Einige strömungstechnische Voraussetzungen

Die in Kapitel 2 vorgestellten thermodynamischen Voraussetzungen für die Behand-


lung der Fluidenergiemaschinen basieren auf der klassischen Thermodynamik, die
von Gleichgewichtszuständen und quasistatischen Zustandsänderungen ausgeht.

Nur an den durch Gleichgewichtszustände gekennzeichneten Grenzen, die entspre-


chend Wf'it von schnellablaufenden oder instationären Vorgängen weggerückt sind,
vermag diese Thermodynamik Aussagen über die Zustände bzw. ihre Änderungen
zu machen. Um die Vorgänge innerhalb der Systemgrenzen, z.B. die Fluidbewe-
gungen, die dabei auftretenden Kräfte, die entstehenden Verluste usw. beschreiben
zu können, ist die Strömungsmechanik notwendig. So sollen die für das Verständnis
der Fluidenergiemaschinen relevanten strömungsmechanischen Voraussetzungen
zusammengestellt werden. Dabei werden Grundkenntnisse vorausgesetzt. Für ein
grundlegendes oder weiterführendes Studium der Strömungsmechanik wird auf die
Fachliteratur, wie z.B. [4, 8, 9, 16J verwiesen.

3.1 Kinematische Zusammenhänge

Die Bewegung eines Körpers ist bekannt, wenn dessen Lage bezogen auf ein System
in jedem Zeitpunkt bekannt ist. Hierzu wird ein Grundsystem benötigt, in dem die
Lage des Körpers durch Angabe von Koordinaten bestimmt werden kann.

Für die meisten technischen Zwecke reicht es aus, das sogenannte Inertialsystem
(Inertia = Trägheit) zu verwenden, das mit der Erde fest verbunden ist. In ihm sind
die Gesetze der Mechanik für den Ingenieur hinreichend genau erfüllt.

Um die Bewegung der Fluidteilchen in Strömungsmaschinen beschreiben zu können,


werden in den meisten Fällen entweder kartesische oder Zylinderkoordinaten ge-
... ... ...
wählt. Die entsprechenden Einheitsvektoren werden gemäß Bild 3.1 mit e , e • e
... ... ... x y z
bzw. mit eR' e u ' e z bezeichnet.

In Tabelle 3.1 sind die Einheitsvektoren • der Ortsvektor und der Geschwindigkeits-
vektor im kartesischen und im Zylinderkoordinatensystem gegenübergestellt.
142

Tabelle 3.1. Einheitsvektoren, Ortsvektor und Geschwindigkeitsvektor in kartesi-


schen und Zylinderkoordinaten

Kartesische Koordinaten Zylinderkoordinaten

Einheitsvektoren
.... .... ....
ex ' e y , e z

~x = (g) (3.4)

~y = (!) (3.2) C
~u = ~~~:) (3.5)

~z = (D (3.3) ~z = (~) (3.6)

Ortsvektor eines Punktes P

x = R cos cp (3.7)
y = R sin cp ( 3.8)

z =z (3.9)

; zyl = R cos cp (g) + R sin cp (D +z (~)

;ZYl = R(~~g:) z(D +

Darstellung von anderen Vektoren, z.B. des Geschwindigkeitsvektors


-Jo --+ -+ -+
c = c (r , t), der vom Ortsvektor r und von der Zeit tabhängt:
.... .... .... ....
c=ce+ce+ce
x x y y z z

c , c , c hängen jeweils von c R ' cu' C z hängen jeweils von


x y z
x, y, z, tab. R, CD, z, tab.
143

z z
ez

pIr; /
/~-+--

/
/
r

y y
e,

x x

Bild 3.1. Einheitsvektoren des kartesischen bzw. des Zylinderkoordinatensystems

Die Beschreibung der Fluidbewegungen in den ruhenden, strömungsrelevanten Bautei-


len von Fluidenergiemaschinen wird im allgemeinen auf ein mit der Erde verbundenes
Koordinatensystem bezogen. Strömungen in sich relativ zu diesem erdfesten System
bewegenden Bauteilen , wie z. B. in Laufrädern, werden oft vorteilhaft von diesem
Relativsystem aus beschrieben, so daß zunächst allgemeine Zusammenhänge bei
der Bahnbeschreibung eines Punktes bezüglich seiner Geschwindigkeiten und Be-
schleunigungen im Absolut- und Relativsystem aufgezeigt werden.

q 7 w

Bild 3.2. Absolut- und Relativsystem zu


einem bestimmten Zeitpunkt t Absolutsystem Relativsystem

Zur mathematischen Beschreibung wird gemäß Bild 3.2 ein Relativsystem mit dem
Koordinatenursprung ü R gewählt, das außerdem imstande ist, eine Drehbewegung
( Winkelgeschwindigkeit --' -+
w) um ü R sowie eine Translation (Vektor a) in Bezug auf
das feste Absolutsystem mit dem Ursprung Ü A zu vollführen. Zu einem festen
Zeitpunkt t ist die Lage des Punktes Q einerseits im Absolutsystem durch den Vek-
-+ -+
tor q, andererseits im Relativsystem durch den Vektor r beschrieben. Nach einer
Zeitdifferenz dt hat sich die Lage des Punktes Q und damit auch die der Vektoren
-+
q und -; verändert. Die dabei sich ergebende Absolutgeschwindigkeit C; = ~{ des
Punktes Q setzt sich aus drei Anteilen zusammen, nämlich:

- der Relativgeschwindigkeit in Bezug auf ü R : ;; = dÜd~-; (hierbei soll die Differen-


144

tiation dOR/dt andeuten, daß die auf das Relativsystem 0R bezogenen Koordinaten
->
von r nach der Zeit abgeleitet werden) ;
-+ ~ -+ -+
_ der Umfangsgeschwindigkeit in Bezug auf 0R: u = w X r, wobei w die Winkelge-
schwindigkeit ist.

_ der TY'anslationsgeschwindigkeit von 0R in Bezug auf °A im Absolutsystem :


->
-> da
v = dt •

Es ist also

(3.10)

-+
C=w+u+v.
-i' ~ ~ (3.11)

Diese Gleichung soll anhand eines Beispiels erläutert werden:


Von einem festen Punkt °A auf der Erde wird die Bewegung eines Flugzeugs am
Himmel beobachtet. Der Punkt 0R' d.h. der Nullpunkt des Relativsystems, soll
dem Mittelpunkt der Propellernabe entsprechen. Bezogen auf den Nullpunkt °A
setzt sich die Geschwindigkeit von Luftteilchen, die auf einem bestimmten Radius
durch den Propeller strömen, aus drei Geschwindigkeitsanteilen gemäß Gleichung
(3.11) zusammen:
->
da
v der Geschwindigkeit des Flugzeuges, vom Absolutsystem aus ge-
dt messen
....
u =->wX ->
r der Umfanggeschwindigkeit des Propellers im betrachteten Radius

der Geschwindigkeit der Luftteilchen auf dem betrachteten Radius


des Relativsystems.

Nachdem mit Gleichung (3. 11) der Zusammenhang zwischen den Geschwindigkeiten
des Absolut- und Relativsystems bekannt ist, läßt sich durch Differentiation der
Absolutgeschwindigkeit nach der Zeit eine Beziehung für die Absolutbeschleunigung
finden:

(3.12)
145

Im Gegensatz zu der Schreibweise dOR/dt ist hier mit dem Symbol d/dt die auf das
Absolutsystem bezogene zeitliche Änderung gemeint.

-" -7 -7
Aus der vektoriellen Verknüpfung r = q - a gemäß Bild 3.2 läßt sich das Differential
d;/dt umformen:

Mit den Gleichungen (3.10) und (3.11) folgt:

(3.13)

Diese Beziehung stellt zugleich eine allgemeine Vorschrift für die Differentiation
eines zeitabhängigen, auf das Relativsystem bezogenen Vektors dar.

Mit dieser Vorschrift ergibt sich analog für die zeitliche Ableitung der Relativge-
schwindigkeit :

2 -7
-" -" dORr -7 ....
+w X w=--2-+ wXw • (3.14)
dt

und für die der Winkelgeschwindigkeit:

(3.15)

Damit folgt r;Jr die Absolutbeschleunigung des Punktes Q durch Einsetzen der Be-
ziehungen (3.14), (3.15), (3.13) in die Gleichung (3.12):

2 -7
.... dORr d 2;; "7 ........ ........ ....
b = ~ + dt 2 + w X r + w X (~ X r) + 2w X w. ( 3.16)

Die einzelnen Terme dieser Gleichung werden folgendermaßen bezeichnet:

als Relativbeschleunigung (3.17)

als Führungsbeschleunigung ( 3. 18)

...b -"
= 2w X w
.... als Coriolisbeschleunigung • (3.19 )
c
146

Damit kann für die Absolutbeschleunigung geschrieben werden:

(3.20 )

Im allgemeinen wird bei Relativbewegungen versucht, Absolut- und Relativsystem


....
so festzulegen, daß der Vektor a von der Zeit unabhängig ist. Das bedeutet,
daß der Nullpunkt des Relativsystems seine Lage zum Absolutsystem nicht ändert,
.... 2....
da .... da ....
so daß df = 0 und somit auch -2- = 0 gilt.
dt .

In diesem Fall vereinfachen sich die Gleichungen (3.11) und (3.20) zu:

.... .... .... ( 3.21)


c = w + u

....
mit b r gemäß Gleichung (3.17) ,

....
und b c gemäß Gleichung (3.19).

Zum besseren Verständnis der Coriolis-Beschleunigung werden Bewegungen auf der


Erdkugeloberfläche gemäß Bild 3.3 betrachtet.

Bild 3.3. Zur Coriolis-Beschleunigung bei


nordwärts gerichteter Bewegung
auf einem Erdmeridian

Im Inertialsystem "Erde" soll sich ein Masseteilchen auf einem Meridian mit der
....
Relativgeschwindigkeit w vom Äquator nach Norden bewegen.
147

Nach Bild 3.3 ist auf der nördlichen Halbkugel die Coriolis-Beschleunigung wegen
= 2w x w bzw. Ib I = 2w w sin '+' mit cp als Breitengrad nach Westen ge-
~ --i' -1 -1
b
c c ~
richtet. Die auf die Erde ausgeübte Coriolis-Kraft C ist dann nach Osten gerich-
tet (B ild 3.3). Sie bewirkt auf der nördlichen Halbkugel z. B • :

- eine Mehrabnutzung der rechten Schiene bei nach Norden fahrenden Bahnen

- die Unterspülung des Ost ufers nach Norden, bzw. des West ufers nach Süden flie-
ßender Flüsse.

Nach dem Vektorprodukt bc = 2~ x ;;; steht die Coriolis-Beschleunigung senkrecht


auf der durch die Richtung der Drehachse und die der Relativgeschwindigkeit aufge-
spannten Fläche. Deshalb wirkt die Coriolis-Kraft auf Bewegungen, die an den Erd-
polen erfolgen, tangential zur Erdoberfläche, auf Bewegungen entlang des Äquators
dagegen normal zur Erdoberfläche. Dadurch werden Körper, die sich entlang des
Äquators in Richtung Osten bewegen, leichter, solche, die sich in Richtung We-
sten bewegen, schwerer.

Relative Totalenthalpie

Neben der Relativgeschwindigkeit und -beschleunigung soll die Totalenthalpie für das
Relativsystem abgeleitet werden.

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik lautet für ein offenes System mit den
Grenzen E und A gemäß Gleichung (2.14):

Die in Abschnitt 5.4 abgeleitete Euler-Gleichung setzt die spezifische technische Ar-
beit a in Beziehung zu den Geschwindigkeiten. Sie lautet in der zweiten Form nach
Gleichung (5.39) :

1(2
a = 2 cA - cE 2) +21 (2
wE 2 ) + "2
- wA 1 (2 2).
u A - uE

Die Gleichungen (2.14) und (5.39) werden miteinander verknüpft. Speziell für ein
adiabates System gilt:

bzw. geordnet:

(3.22)
148

Der Term h - 2"1 u


2
+ 2"1 w
2
+ gz wird als relative Totalenthalpie bezeichnet:

1 2 1 2
h t rel = h - 2" u + 2" w + gz. ( 3.23)

Aus Gleichung (3.22) für das adiabate System folgt also, daß die Differenz der re-
lativen Totalenthalpie Null ist.

Cl h t rel = O. ( 3.24)

Das bedeutet, daß die Relativströmung bezogen auf das Relativsystem nicht als Ar-
beits-, sondern als Strömungsvorgang gilt.

Während die statische Enthalpie sowohl im Absolut- als auch im Relativsystem die-
selbe ist, da sich die Stoffwerte und Temperaturen beider Systeme nicht unterschei-
2
den, subtrahiert sich im Relativsystem das Potential u2 des Fliehkraftfeldes . Der

Term T 2
ist die spezifische kinetische Energie, der Term gz die spezifische po-
tentielle Energie im Relativsystem •

Nur im Drehpunkt sind die Totalenthalpien für Absolut- und Relativsystem gleich.
-7 -io -i' -i'
Wegen u = 0 und damit c = w, folgt:

h t rel = h + "21 c 2 + gz = ht (Drehpunkt).

3.2 Integralsätze der Strömungsmechanik

Soll die Bewegung des Fluids beschrieben werden, so sind zwei Methoden zu unter-
scheiden:

Die Betrachtungsweise nach Lagrange geht davon aus, das Schicksal jedes individuel-
len Fluidteilchens innerhalb eines Koordinatensystems zu verfolgen und zu beschrei-
ben. Nach Lösung der Lagrangeschen Gleichungen ist es möglich, für alle Fluidteil-
chen zu ausgewählten Zeitpunkten Koordinaten anzugeben, aus denen sich dann z. B.
Geschwindigkeiten und Beschleunigungen berechnen lassen.

Im Gegensatz dazu geht die Betrachtungsweise nach Euler davon aus, jedem Raum-
--)
punkt zu jeder Zeit Werte für die Geschwindigkeit c, den Druck p usw. zuzuord-
nen. Das Schicksal eines einzelnen Fluidteilchens wird dabei ignoriert.

Für die Berechnung der Strömung in Fluidenergiemaschinen wird hier ausschließ-


lich die Eulersche Betrachtungsweise zugrunde gelegt.
149

->
Ist der Geschwindigkeitsvektor c einer Strömung in jedem Koordinatenpunkt bekannt,
so läßt sich ein Feld von Geschwindigkeitsvektoren in ein Koordinatensystem ein-
zeichnen. Linien in einem Strömungsfeld , die zu einem festen Zeitpunkt überall
tangential zu den örtlichen Geschwindigkeitsvektoren verlaufen, können zur Veran-
schaulichung eines Strömungsfeldes dienen. Die so konstruierten Linien heißen
StY'omlinien.

Gebündelte Stromlinien, die normal durch eine infinitesimale Fläche hindurchlau-


fen, bilden einen StY'om.faden. Er besteht aus infinitesimaler Ein- und Austrittsflä-
che sowie der Mantelfläche, die auch als StY'omY'öhre bezeichnet wird.

3.2.1 Kontinuitätsgleichung

Zur Formulierung der Kontinuitätsgleichung wird der Anschaulichkeit wegen eine


zweidimensionale Strömung mit unendlicher Erstreckung normal zur Bildebene be-
trachtet. Die Strömung hat weder Quellen noch Senken und ist durch ihre Stromli-
nien (Bild 3.4a) charakterisiert.

Stromlinien

Kontrollfläche
a b

Bild 3.4. Kontrollfläche in einer ebenen Strömung


a) Stromlinien
b) in Strömung eingebrachte Kontrollfläche

Ein unendlich langer, normal zur Bildebene in die Strömung eingebrachter Kontroll-
raum erscheint in der Zeichenebene (Bild 3.4b) als Kontrollfläche K, d.h. als
->
Querschnitt des Kontrollraums • Der Vektor dA eines Oberflächenelementes steht
senkrecht auf K und zeigt nach außen. Sein Betrag ist gleich der Fläche des Ele-
mentes. Zum Zeitpunkt t befindet sich im Kontrollraum die Masse m(t). Ist der
->
Kontrollraum durchlässig, so kann zu jedem Oberflächenelement dA der zugehöri-
->
ge Geschwindigkeitsvektor c der Strömung eingezeichnet werden. Durch Integration
über die Oberfläche des Kontrollraumes ergibt sich die zeitliche Änderung der im
Kontrollraum befindlichen Masse m. Es gilt (siehe z.B. [8J):

dm = SS
df -> ->
PC dA. ( 3.25)
K
150

Bei stationär er Strömung bleibt die Masse im Kontrollraum konstant, d.h. es ist

dm
dt = O.

Damit folgt aus Gleichung (3.25) die Kontinuitätsgleichung für stationäre Strömun-
gen:

( 3.26)

-> ...
Da c dA den infinitesimalen Volwnenstrom dV angibt, gilt:

SS p dV = O. (3.27)
K

Für den Sonderfall des inkompressiblen Fluids. bei dem die Dichte p konstant ist,
folgt:

(3.28)

Der Übersichtlichkeit wegen soll diese Integralbeziehung auf eine ebene, inkom-
pressible Strömung angewendet und das Ergebnis auf eine räumliche, kompressible
Strömung ohne Beweisführung ausgedehnt werden.

Auf ein Volumenelement als Kontrollraum wird der Erhaltungssatz für die Masse
unter der Voraussetzung angewandt, daß die Strömung eben, stationär und inkom-
pressibel ist. Dieses Volumenelement mit den Seitenlängen dx, dy und der kon-
s tanten Dicke b senkrecht zur Zeichenebene ist in ein kartesisches Koordinatensy-
stem gemäß Bild 3.5 eingeordnet. Im Punkt P mit dem Ortsvektor r = (x, y) liegt
die Abs olutgeschwindigkeit ~ = (c ,c ) und der Druck p(x,y) vor. Da das Volu-
x y
menelement infinite simal ist, ändert sich die Ge schwindigkeitskomponent e C x längs
dy, bzw. c längs dx nicht.
y

y
c1 · -ac,
' - dy
ay

, . ßdx
C
ax

Bild 3.5. Zur Massenbilanz an einem Vo-


lumenelement konstanter Dicke
in einer ebenen, inkompressib-
len Strömung
x
151

Unter den genannten Annahmen lautet die Kontinuitätsgleichung (3.28) :

{j (; dÄ = 0= Cx b dy + C
c y b dx - ( x + 0:: dX) b dy _ (C y + 0:: Y)
d b dx.

Daraus ergibt sich

(3.29)

Diese Kontinuitätsgleichung für eine ebene, inkompressible Strömung läßt sich ana-
log auf eine inkompressible, räumliche Strömung [8J erweitern :

oc oc oc
x ---.X z (3.30)
~ + oy + CiZ = o.

Bei kompressiblen Fluiden ist die Dichte ortsabhängig , so daß auch diese Größe
nach den Ortskoordinaten differenziert werden muß. Bei instationären Strömungen
tritt außerdem die zeitliche Ableitung der Dichte auf. Wenn diese Vorgaben berück-
sichtigt werden, läßt sich schreiben [ 8 J :

(3.31)

Für eine Stromröhre , bei welcher die Stromlinien die seitlichen Begrenzungen der
Kontrollfläche bilden, werden die ebenen Kontrollflächen A E und AAsenkrecht zu
den jewe iligen Strömungsrichtungen gewählt (Bild 3.6).

Bild 3.6. Zur Kontinuitätsgleichung für


eine Stromröhre

Unter Annahme konstanter Geschwindigkeiten und konstanter Dichten über den Ein-
und Austrittsquerschnitten ergibt sich;
152

... ...
Da die Vektoren cE und A E entgegengesetzt gerichtet sind, folgt für ihr Skalar-
-+ ~ --) -+
...cA AA
produkt cE A E = - cE A E · Die Vektoren cA und A A sind gleichgerichtet, so daß
... = cA AA ist. Damit ergibt sich:

(3.32)

bzw. rn E rn A , d.h. der Massenstrom ist konstant:

rn pcA = const. (3.33 )

Da für den Volumenstrom

V -_rn-cA
p - ( 3.34)

gilt, ist für stationäre, inkompressible Strömungen auch der Volumenstrom kon-
stant:

V =c A = const. (3.35)

3.2.2 Impulssatz

Nach dem Newtonschen Grundgesetz der Mechanik, das hier auf Strömungsvorgänge
von Fluiden angewendet wird, ist die zeitliche Änderung des Impulses reiner Mas-
se m gleich der Summe aller von außen angreifenden Kräfte F:
...

( 3.36)

7 ...
wobei I = ~~ auch als ImpulsstY'om bezeichnet wird.

Für den differentiellen Impulsstrom gilt:

7 ...
dI = c drn.

Anhand des in Bild 3.4 betrachteten Kontrollraumes läßt sich nach Integration über
dessen Oberfläche für die zeitliche Impulsänderung eines stationär strömenden
Fluids schreiben (z.B. [9J):

-+
i
dl fS ( pc) c
= dt =
-7 -7 -+
dA. ( 3.37)
K
153

Mit Gleichung (3.36) folgt dann:

II -7-7 -+~-7
( pc) c dA = L... F . (3.38 )
K

Mit dieser Gleichung (3. 38 ) läßt sich für einen durchströmten Rohrkriimmer nach
Bild 3.7 die resultierende Wandkraft FK des Krümmers auf das Fluid bestimmen.

Bild 3.7. Anwendung des Impuls satzes auf einen Rohrkrümmer

Dabei wird die Kontrollfläc he so gewählt, daß ihre seitlichen Begrenzungen mit den
Wänden des Krümmers zus ammenfallen und di e Flächen A E und AAsenkrecht
durchströmt werden, wobe i die Flächenvektoren gemäß Definition des Kontrollrau-
mes (siehe Bild 3.4) nach außen gerichtet sind. Die Geschwindigkeiten, DrUcke und
Dichten über den Ein- und Austrittsflächen sollen konstant sein.

Nach dem Impul s satz ist die Summe der Impulsströme gleich der Summe der von
außen einwirkenden Kräfte. Der gesamte Impulsstrom kann nach Gleichung (3.37)
berechnet werden. Da die Kontrollfläche nur am Ein- und Austritt durchströmt
wird und die Geschwindigkeiten sowie die Dichten über Ein- und Austrittsfläche
nach Voraussetzung jeweils als konstant angenommen werden, vereinfacht sich das
Oberflächenintegral für den Impulsstrom , so z.B. am Eintritt:

.... ....
Da am Eintritt cE und.... AE entgegengesetzt gerichtet sind, ist das Skalarprodukt
.... .... .
cE A E negativ und für I E folgt:
154

-+
iE ( PE ~E) cE AE = - m~E·

7 -+
Der Impulsstrom I E ist also der Geschwindigkeit cE entgegengesetzt.

Für den Impulsstrom am Austritt gilt unter den getroffenen Annahmen

-t
IA = fJ -t -J
(pc)cdA
-+

Austritt
-J -t -J -J
Da cA und A A gleichgerichtet sind, ist das Skalarprodukt cA AA positiv und für
-;>
I A folgt:

-;> -+ -+
I A = PA cA cA A A = mc A •

7 -+
Der Impulsstrom I A hat also die gleiche Richtung wie die Geschwindigkeit cA.

Als äußere Kräfte wirken folgende Druckkräfte:

wobei

-+
FK die resultierende Druckkraft der Krummerwandungen auf das Fluid,

-+ -+
FE' F A die Druckkräfte der Kontrollflächen auf das Fluid im Krümmer am
Eintritt bzw. Austritt

darstellen.

-+
Die durch den Druck p hervorgerufene Kraft dF steht normal auf dem Flächenele-
-+
ment dA und ist dem Flächenvektor dA entgegengesetzt gerichtet. Es gilt für die
Druckkraft daher:

-+ -+
dF=-pdA

und nach Integration

F = - ff p dA.
K

Insbesondere folgt damit für die Druckkräfte am Ein- bzw. Austritt des Krümmers:
155

ff p dA = - PE AE ,
Eintritt

Nach Gleichung (3.36) folgt für die Einzelterme :

Wenn die einzelnen Ausdrücke für die Impulsströme und für die Druckkräfte einge-
.....
setzt werden, ergibt sich für F K:

Die Addition dieser Vektoren ist in Bild 3.7 dargestellt und ergibt als Resultierende
.....
die Wandkraft F K des Krümmers auf das Fluid.

3.2.3 Impulsmomentensatz

Eine dem Impulssatz analoge Aussage ist der Impulsmomentensatz, der einen Zu-
sammenhang zwischen Impulsmoment (Dr>all) und Kraftmoment herstellt. Danach
ist die zeitliche Änderung des Dralls gleich der Summe aller angreifenden äußeren
Momente .

.....
dD "\' .....
df = ~M. ( 3.39)

In einem Kontrollraum K bewegt sich ein Fluidteilchen der Masse dm mit der Ge-
..... .....
schwindigkeit c längs einer Bahn, die durch den Ortsvektor r beschrieben wird.

~ ~ ~ ~
Das Vektorprodukt aus Ortsvektor r und Impuls dI = c dm ergibt den Drall dD:

Hieraus folgt durch Integration über die Kontrollraumgrenzen :

Nach dem Impulsmomentensatz (3.39) gilt damit:

-;> dD d .......... .....


D = df = dt SS (r )( c) dm = IM. (3.40)
K
156

Aus dieser Beziehung wird in Abschnitt 5.4 die für den Strömungsmaschinenbau
wichtige Euler-G leichung abgeleitet.

3.2.4 Energiesatz

Anhand des in Bild 3.4 eingezeichneten Kontrollraumes kann eine Energiebilanz


durchgeführt werden. Bei stationärer Strömung ergibt sich der über die Kontroll-
raumgrenze fließende Energiestrom durch Integration des Produktes der sogenannten
2 ) .... .... 2
Energiestromdichte p ( c2 + u mit dem Volumenstrom c dA, wobei ~ die spezifi-
sche kinetische und u die spezifische innere Energie darstellen:

E• dE = SS( '2
=dt 1 c2 + u ) pc
......
dA.
K
Der Energiestrom steht mit folgenden Leistungen im Gleichgewicht:

PA Verschiebeleistung an offenen Kontrollflächen ,

Pu Schwerefeldleistung ,

Pi innere Leistung,

Q Wärmeleistung (Wärmestrom) .

Hiermit lautet der Energiesatz für stationäre Strömungen:

......
pc dA = PA + Pu + Pi + Q. (3.41 )

Um die vorliegende Integralform des Energiesatzes in den ersten Hauptsatz der


Thermodynamik zu überführen, wird die Integration über eine Strom röhre gemäß
Bild 3.6 vorgenommen. Dabei wird von konstanten Größen über der Eintritts- und
der Austrittsfläche der Stromröhre ausgegangen:

Durch Einfiihren des Massenstromes m PE CE AE PA cA A A ergibt sich:

(3.42)
157

Der Leistungsanteil PA infolge der Verschiebearbeit stellt sich als Produkt aus
~ ~
der am Flächenelement dA angreifenden Druckkraft - p dA und der Geschwindig-
~

keit c dar. Dabei berücksichtigt das negative Vorzeichen, daß Druckkraft und Flä-
chenelement entgegengesetzt gerichtet sind:

PA =- Upe; dA = - SS~ pe; dA,


K

( 3.43)

Der Leistungsanteil Pu infolge des Schwerefeldes der Erde läßt sich für den Mas-
senst rom rh angeben, wenn (z A - zE) die geodätische Höhendifferenz zwischen
Aus- und Eintritt und g die Erdbeschleunigung ist:

(3.44)

Das Einführen der Gleichungen (3.42), (3.43) und (3.44) in den Energiesatz
(3.41) liefert:

rh ( u A + i c~ - uE - i c~) = rh ( - :~ + ::) - rhg (z A - zE) + Pi + Q.

Mit der spezifischen Enthalpie gemäß Gleichung (2.5) folgt der erste Hauptsatz der
Thermodynamik in spezifischen Größen:

bzw.

3.3 Inkompressible Strömungen

In den für Strömungs maschinen relevanten Aggregatzuständen, die ein Fließen mit
größeren Geschwindigkeiten zulassen, d.h. dem flüssigen und dem gasförmigen
Zustand, gehorchen die Fluide unterschiedlichen Zustandsgleichungen v = v(T,p).
Im allgemeinen werden die Flüssigkeiten in Relation zu den Gasen und Dämpfen als
158

raumbeständig angesehen, wie wohl Tabelle 3.2 am Beispiel des Wassers zeigt, daß
diese Annahme nur innerhalb bestimmter Druck- und Temperaturbereiche hinrei-
chend genau ist.

Tabelle 3.2. Spezifisches Volumen des Wassers (v in m 3/ kg ) in Abhängigkeit von


Druck und Temperatur

~ o oe 50 oe 100 oe I 200 oe

1 bar 1,0002·10 -3 m 3/kg 1,0121·10 -3 m 3/kg - -

5 bar 1,0000·10 -3 m 3/ kg 1,0119.10 -3 m 3/ kg 1,0436·10 -3 m 3/ kg -

10 bar 0,9997· 10 -3 m 3/kg 1,0117.10 -3 m 3/ kg 1,0434·10 -3 m 3/kg -


20 bar 0,9992.10 -3 m 3/ kg 1,0113·10 -3 m 3/ kg 1,0428·10 -3 m 3/ kg 1, 1563. 10- 3 m 3/kg

50 bar 0,9977·10 -3 m 3/kg 1,0099·10 -3 m 3/ kg 1,0413.10 -3 m 3/ kg 1,1532.10 -3 m 3/kg

100 bar 0,9953·10 -3 m 3/kg 1,0077-10 -3 m 3/ kg 1,0387-10 -3 m 3/ kg 1,1483.10 -3 m 3/kg

200 bar 0,9904·10 -3 m 3/kg 1,0035·10 -3 m 3/ kg 1,0338·10 -3 m 3/ kg 1,1390-10 -3 m 3/kg

Nach dieser Tabelle kann das Wasser bei konstanter Temperatur in relativ großen
Druckbereichen als inkompressibel gelten. Diese Dichteabhängigkeit ist jeweils für
das zu verwendende Fluid zu prüfen. Für viele technisch interessante Flüssigkeiten
zeigt sich dabei, daß die Annahme der Volumenbeständigkeit in den flüssigkeits-
durchströmten Maschinen im allgemeinen bei nicht zu hohen Druckdifferenzen ge-
rechtfertigt ist. Ohne den Bezug zur Realität zu verlieren, darf deshalb zur Ver-
einfachung der Strömungsbeschreibung zunächst ein inkompressibles Fluidverhalten
angenommen werden.

3.3.1 Navier-Stokes-Gleichungen

Werden die allgemeinen Erhaltungssätze für Masse und Impuls auf ein raumbestän-
diges Volumenelement angewendet, so ergeben sich partielle Differentialgleichun-
gen für das Geschwindigkeits- und Druckfeld einer Strömung, die als NavieY'-
Stokes-Gleichungen oder auch als Bewegungsgleichungen bekannt sind. Die zu die-
sen Gleichungen führenden Überlegungen werden zunächst an einer stationären, ebe-
nen, inkompressiblen Strömung durchgeführt, um anschließend auf die instationäre,
räumliche, inkompressible Strömung erweitert zu werden.

Der Impulssatz nach Gleichung (3.38)

ss (pc)c dA ='L.,F
~ ~ ~\"' ~

K
159

wird gemäß Bild 3.8 auf ein Volumenelement der Dicke b normal zur Bildebene in
einer ebenen inkompressiblen Strömung angewandt.

y
c . ~dy
Y ay
C. ac
ax
dx

c • 2..s:. dx
~-+---.--..J Y ax

T dx - --
Bild 3.8. Zur Impulsbilanz am Vo-
x lumenelement

Die Integration längs der Berandung des Volumenelementes wird in vier Teilintegra-
tionen über die Einzelflächen AI = Am = dy b und All = A IV = dx b zerlegt, wobei
die Flächenvektoren vom Volumenelement weg nach außen zeigen.

II ->-> ->
( pc) c dA = II ( pc)
............
c dA +
K AI

So ergibt sich beispielhaft für die x-Komponente des Impulsstroms :

2
pC x b dy,

JJ (pC;)C; dA =- pC x Cy An = - pc c bdx,
x y
An

JJ
Am
(pC;)C;dÄ= p ( Cx + 0:: dX) ( Cx + 0:: dX) b dy,

Die sich bei der Multiplikation ergebenden, von 2. Ordnung kleinen Terme werden
vernachlässigt, so daß mit dV = b dx dy für die x-Komponente folgt:

IKI pc C; dÄ = p ( c ~
oc
+ c
oc )
~ dV + pc
(OC., x + ~
OC) dV.
x x ox y oy x uX uy
160

Da der zweite Summand auf der rechten Seite gemäß der Kontinuitätsgleichung (3.29)
zu Null wird. ergibt sich für die x-Richtung:

SKJ pc x -.c dA-. = P (OC


c ~ + c
oc )
~ dV. ( 3.45)
x ox y oy

Analog für die y-Richtung:

JKJ pc Y -.c dA-. = p (OC oc )


c ~ + c ~ dV.
xox yoy (3.46)

Die Summe der äußeren Kräfte. die gleich der zeitlichen Anderung des Gesamtim-
pulses ist. setzt sich zusammen aus:

-.
der Fe ld- oder Va lwnen kraft F U •
-.
der Druckkraft F •
P
-.
der Reibungskraft FR'

(3.47)

-.
Die Feldkraft F U ergibt sich aus der Ableitung eines Kraftfeldpotentials U nach den
-. -.
Koordinatenrichtungen • Mit den bei den Einheitsvektoren e
x und e y gilt :

( 3.48)

Die bei den Komponenten der Druckkraft Fp lassen sich anhand des Bildes 3.9 be-
stimmen:

y
ap
p · - dy
ay

-S
p
~~ I
p . iE...- dx
ax

T dx Bild 3.9. Zur Ableitung der Druckkraft an


einem Volumenelement konstan-
ter Dicke
x
161

Die x-Komponente F
px

F px P b dy - ( P + ~~ dX) b dy - ~~ dV.

Die y-Komponente F
py

F py =P b dx - ( P + ~~ dy ) b dx = - ~ dV.
->
Damit wird die Druckkraft F :
p

(3.49)

->
Die Reibungskraft FR' die am Volumenelement angreift. wird aus einer Bilanz der
Schubspannungen nach Bild 3.10 bestimmt.

y
T. -aT dy
ay

x Bild 3.10. Zur Bilanz der Schubspannungen

Die Ableitung für die Reibungskraft soll nur an einer zur x-Achse parallel verlau-
fenden inkompressiblen Schichtenströmung vorgenommen werden. Für die ebene
und die räumliche Strömung werden Gleichungen für die Reibungskraft ohne Beweis
angegeben.

Für die in x-Richtung parallel verlaufende Schichtenströmung gilt:

c = c (y) c =" O.
x x Y

Die Reibungskraft in x-Richtung F Rx ergibt sich nach Bild 3.10 aus einer Bilanz der
Schubspannungen an den Schnittflächen eines freigeschnittenen Volumenelementes :

F Rx =- T b dx + ( T + ~; dY) b dx.
162

Um einen Zusammenhang der Reibungskraft mit den Geschwindigkeitskomponenten


herzustellen, wird das Newtonsche Reibungsgesetz benutzt, nach dem die Schub-
spannung proportional dem Geschwindigkeitsgradienten ist. Die Proportionalitäts-
konstante ist die dynamische Zähigkeit. Für Fluide, die diesem Gesetz gehorchen,
gilt für die Reibungskomponente F Rx einer Schichtenströmung :

F Rx =

Erweitert auf die ebene inkompressible Strömung gilt gemäß der Fachliteratur z. B.
[lJ und [8J für die x-Komponente der Reibungskraft

bzw. für die y-Komponente:

also insgesamt für die Reibungskraft einer inkompressiblen ebenen Strömung:

",2 (2)
(--i c 02 "2)
--i --f --f
\JC -> C vC ->
Tl + dV ex + Tl ( + dV e • (3.50)
OX oy ox oy y

Nach Einsetzen der Gleichungen (3.45) bis (3.50) in den Impulssatz (3.38) erge-
ben sich mit der kinematischen Zähigkeit \) =1lp die Bewegungsgleichungen für eine
stationäre, ebene, inkompressible Strömung in Komponentenschreibweise :

Für die x-Komponente:

bzw. für die y-Komponente:

2 2

c;- -
OC OC OU 1 0 (0 c 0 c )
c ----Y+ c
x ox y
-----5:E.+ v --.L+--.L
oy P oy ox 2 oi'
163

Für die instationäre, ebene, inkompressible Strömung gilt gemäß [sJ:

(3.51)

2 2
OC
~+c
OC
~+c
oc OU
---L=---r---~+v
1 '0 ('0.:..........L+---1l...
c 0 c )
(3.52)
ot x Ox y oy oy p oy OX 2 oi

In diesen Bewegungsgleichungen treten zwei unterschiedliche Beschleunigungsterme


auf:

'
~

die lokale Beschleunigung' ~f die das Fluid an einem ortsfesten Bezugspunkt in


einer instationären Strömung infolge der zeitlichen Änderung der örtlichen Ge-
schwindigkeit erfährt,
oer ~
- die konvektive Beschleunigung --::; c, die das Fluid infolge der Änderung der Ge-
or
schwindigkeit längs des Weges erfährt.

Der Term
or
0: er
~

faßt folgende Summanden auf der linken Seite der Gleichungen

(3.51) und (3.52) zusammen:

(
Cx 0:
oc
oc
+ c y OC) 0; _ 0:
oc -
(OC
oc
'0:;) (cx) _06 ~
oc -.,.~c.
c ---1l. + c ---1l. ---1l. ---1l. c ur
x ox y oy cx cy y

Die lokale und die ~konvektive Beschleunigung werden zur sogenannten substantiellen
Besc h" ·
&eun1.-gung Dc zusammengefaßt:
Dt

~ ~ ~
Dc oc cc
rn = ät + --::; ~c. (3.53)
or

Die Navier-Stokes-Gleichungen für instationäre inkompressible Strömungen lassen


sich damit folgendermaßen verkürzt darstellen:

(3.54)

wobei

~
b U die von der Feldkraft ,
164

....
b p die von der Druckkraft ,
....
b R die von der Reibung

hervorgerufenen Beschleunigungen sind.

Für die räumliche, instationäre und inkompressible Strömung lauten die N avier-
Stokes-G leichungen in kartesischen Koordinaten:

(3.55)

Die zugehörige Kontinuitätsgleichung für die räumliche, instationäre, inkompres-


sible Strömung lautet in kartesischen Koordinaten:

oc
0: +
oc
~ + 0:
oc
= o.

Bisher beziehen sich die Betrachtungen auf ein kartesisches Koordinatensystem. Da


Strömungs maschinen rotationssymmetrisch aufgebaut sind, ist es oft von Vorteil,
die Bewegungsgleichungen in Zylinderkoordinaten zu formulieren.

Navier-Stokes-Gleichungen in Zylinderkoordinaten
.... ... ....
In Bild 3.1 sind bereits die Einheitsvektoren eR' e u ' e z eines solchen Koordina-
tensystems definiert worden.

Mittels der Gleichungen (3.4) bis (3.9) werden die Navier-Stokes-Gleichungen in


das Zylinderkoordinatensystem transformiert, wobei für die konvektive Beschleu-
nigung
....
oc ....
---::;c
or

diese Umformung beispielhaft durchgeführt wird. Für das Produkt aus Matrix und
Vektor gilt nach den Regeln der Vektoranalysis:
165

oe.... ....
-c=e
01 x
l c x oC x +c y -oCoy-x+ c z -oCx
~ oz
1 . . y l c x --1!...+c
- +e
oc
ox
oc oc 1
--1!...+c --1!...
y cy z oz

.... [OC z
+e
z
cc z
c--.,-,-+c~+c~
x ox y oy
oc z
Z OZ
1
....
oc ....
-::;C (3.56)
or

-7
Wenn in einem Zylinderkoordinatensystem die Absolutgeschwindigkeit c in die Kom-
ponenten c R in radialer, Cu in Umfangs- und Cz in axialer Richtung zerlegt wird,
läßt sich der Ausdruck (3.56) für die konvektive Beschleunigung in Zylinderkoordi-
naten schreiben:

Um die drei Komponentengleichungen für die konvektive Beschleunigung zu erhal-


ten, werden die Klammern ausmultipliziert.

'0 .... 1 0.... 0 ....


+ c R "'R
u
(cu e u ) + c u -R -ctp (c u e)
u + c z -s-
oZ
(c U e U )

(3.57)

.... ....
Bei der Differentiation ist zu beachten, daß die Einheitsvektoren eR und e u von
der Koordinate cp abhängen, so daß sich wegen der Beziehungen (3.4) bis (3.6)
ergibt:

....
=e u

....
oe
u
~=
166

Werden die Ableitungen der Einheitsvektoren in Gleichung (3.57) eingeführt, so er-


gibt sich bei gleichzeitiger Ordnung der Terme nach den Einheitsvektoren für die
konvektive Beschleunigung im Zylinderkoordinatensystem :

Entsprechende Umformungen für die auf der rechten Seite der Gleichung (3.55)
stehenden anderen Beschleunigungsterme führen auf die Navier-Stokes-Gleichungen
in Zylinderkoordinaten für die räumliche, inkompressible, instationäre Strömung:

Komponente in radialer Richtung:

2 2
[ 1. ~ ( 'OCR) _1_ '0 c R '0 c R _ c R _ ~ 'Ocu ]
+" R 'OR R 'OR + 2 2 + 2 2 2 0 • (3.58)
R 'Ocp 'Oz R R cp

Komponente in Umfangs richtung :

oC u 'Oc u Cu oC u oC u cRc u 1 OU 1 1 0
- - + c - - + - - - + c - - + - - - - - - - - - EI!.
ot R oR R ocp z oz R - R ocp P R ocp

(3.59)

Komponente in axialer Richtung:

oc z oc z Cu oc z oc z OU 1 0
- - + c - - + - - - + c --=----~
ot R 'OR R ocp z oz oz p oz

2 2
1 0 (
+" [ R ClR R ClR
OCZ) 1 Cl c z 0 cz ]
+ 2--2-+ --2- . (3.60 )
R o~ Clz
167

Die Kontinuitätsgleichung in Zylinderkoordinaten für die instationäre, räumliche,


inkompressible Strömung lautet:

(3.61)

Navier-Stokes-Gleichungen im Relativsystem

Um die Strömung in rotierenden Laufrädern von Turbomaschinen zu beschreiben,


werden die eben abgeleiteten Bewegungsgleichungen ggf. auf das Relativsystem be-
zogen.

In Abschnitt 3.1 ist· die Absolutbeschleunigung eines Punktes' Q im Relativsystem


dargestellt. Unter der Annahme, daß die Nullpunkte des Relativsystems und des
Absolutsystems ihre Lage zueinander nicht ändern und außerdem die Winkelgeschwin-
-+
digkeit w von der Zeit unabhängig ist, vereinfacht sich Gleichung (3.16):

(3.62)

Da die Relativgeschwindigkeit La. eine Funktion von der Zeit und vom Ortsvektor
2 -+
-+ dORr
rist, folgt für die Ableitung - - '
dt 2 '

(3.63 )

... -+ ...
Sind b U die von der Feldkraft , b p die von der Druckkraft , b R die von der Reibung
hervorgerufenen Beschleunigungen, so lassen sich die Navier-Stokes-G leichungen
für das Relativsystem folgendermaßen schreiben, wenn Gleichung (3.63) in Glei-
chung (3.62) eingesetzt wird:

ow + -::;
ar ow......
-+ -+
......
w + w X (w X r) + 2w x w
-+......-+
=b U + b p + bR.
or
In den Tabellen 3.3 und 3.4 sind die Navier-Stokes-G leichungen mit der zugehörigen
Kontinuitätsgleichung für inkompressible Fluide .sowohl auf das Absolut- als auch
auf das Relativsystem bezogen, jeweils in kartesischen und Zylinderkoordinaten ge-
schrieben, zusammengestellt worden. Für die Bewegungsgleichungen im Relativ-
system ist dabei angenommen, daß der Vektor der Winkelgeschwindigkeit in positi-
ve z-Richtung zeigt.
Tabelle 3.3. Navier-Stokes-Gleichungen und Kontinuitätsgleichung für inkompressible Fluide im Absolutsystem • 85
A) kartesische Koordinaten; E) Zylinderkoordinaten
r~ ..
1) Navier-Stokes-G leichungen

(!) oc oc oc oc 02 c x
r 02 c x 02 c x J
x x x x x oU _1. ~
Ol~I y + Cx ox + c y ~ + Cz OZ + v --2- + --2- + --2-
.S ox p ox
OX oy oZ'
'0
0'"
0 oc oc oc oc 02 c
r 02 c 02 c J
~ y -L -L -L -L OU_1.~ + v ---...L + ---X + ---X
(!)
ot +c x OX +c y oy +C Z OZ oy p oy ox 2 oy2 oz2
..c:
ü
rn
oC oc oc oc r 02 c z 02 c z 02 c z J
Z Z Z Z Z OUl~
2it+ c x ox +c y ~+cz ~ - ~-p oz + \I ox2 + oy2 + oz2
~I
m
.>::
Kontinuitätsgleichung
~
OC OC OC
~+-L+~-O
OX oy OZ-
1) Navier-Stokes-Gleichungen
2 2 2
~ oCR oCR Cu oCR oCR Cu OU 1 0 0 (
r1 OCR) 1 0 cR 0 cR cR 2 oc u J
~ R ~+cR oR+R~+cz~-R oR-p~ +v lR oR R oR +R2ocp2 + oz2 -R2-R2 Ötf>
~ ~ __+-___________________________ ~ _________ ~ ___________2 - _
~ 2 2
~ oC u oc u Cu oC u oC u cucR 1 OU 1 1 0 1 0 ( OC u ) 1 0 Cu 0 Cu Cu 2 oCR
r 1
~ ce 2it+CR oR+R~+Cz oz+~=-R~-PR~+v RaR RaR +R2ocp2+oz2-R2+R2aqJ
(!) I----+----------------------------~-----~--------------~--
'0 2 2
ß z oc z oc z Cu oc z oc z 0U 1 0 0 ( oc z )
r1 1 0 Cz 0 Cz 1
~ 2it+cR2iR+R~+cz~ ~-p& +vI R2R Raff +~7+d
III 2) Kontinuitätsgleichung
OCR cR 1 OC u OC z
R'1'zl
, , -oR
- + -R+ -R- -0'1' =0
+ - -OZ
Tabelle 3.4. Navier-Stokes-Gleichungen und Kontinuitätsgleichung für inkompressible Fluide im Relativsystem.
A) kartesische Koordinaten; B) Zylinderkoordinaten

1) Navier-Stokes-Gleichungen

~
Q) OW OW ow ow
] x I~+w ~+w ~+w _x_ _ w2 x-2ww = _oU_..!.lE ro2 w x o2 w x 02 Wx ]
ot x OX Y 'Oy Z oz Y ox p ox + \I dX 2 + dV 2 + oz2
~rl--r-----------------------------------------------------_
o
o OW 'ow OW 'ow
:.:: Y I ---L + W ---L + W ----1L + W ----1L 2 _ CU _..!.~ ro2 w o2 w '0 2W ]
- w y+2ww + \I ----1L + ----.X + ----.X
x
Q) ot x ox Y 'oY Z 'oz 'oY P oy ~y2 ~v2 oz2
~Ir---~-----------------------------------------------------~----
Ul
..... OW ow 'ow ow
Ul 02w]
Q) z I ~+w ~+w __ z+w __ z '0 2w z
_'OU_1.~ z r'02w z
+'
i-< ot x 'ox Y 'oY z 'oz + \I dX OZ p oz
2 + dV 2 + 'Oz2
~ ~____L -____________________________________________________________~________~______________________________~

<r------,-------------
ow oW 'ow
x v Z
ax-+Ty+az=O

1) Navier-Stokes-Gleichungen

& R OWR+W OWR + Wu 'OwR+w OWR _ W~_w2R_2WW _OU_1..9E. +\1[1. ~(R OWR )+_1_ o2WR+ o2wR _ wR_~ OwuJ
] 'Ot R 'OR R Ocr z 'oz R u 'OR p oR R oR 'OR R2 Oq;2 oz2 R2 R2 ocp

~ 2 2
S cp oWu oW u Wu oWu 'Owu wuwR 1 OU 1 1 '0 [1 0 ( 'OWu ) 1 0 Wu 0 Wu Wu 2 OWR ]
] Cit+wR 'OR +-R- + 2ww R =-"R ;;---"R ~+\I "R 'OR R 'OR +2--2-+--2--2+2-';;;;-
i-< Ocp U't'
+R~+wz T Z cp P q; R oz R R
Q)
] r----;------------------------------------------------------------------------------2------2--------------~

:::: z oW z oW z Wu oWz oWz oU 10 0 ( OW z ) 1 '0 Wz '0 w z ]


: Cit+wR a1f+Ff--aqJ+wzaz +\1 RaR --1
-az-p~
[1R m +;Z7+~
2) Kontinuitätsgleichung

OWR w R 1 owu 'Owz


R,cp,zl - - + - + - --+--=0
oR R R Ocp OZ
fB
170

3.3.2 Bernoulli-Gleichung

Die Navier-Stokes-Gleichungen für das Absolutsystem gehen bei reibungsfreier


Strömung in die sogenannten Eu7.el'-BewegungsgZeiehungen über. die in kartesischen
Koordinaten lauten:

oC oC oc oc x oU 1 0
- -x+ c - -x+ c - -x+ c __ = ____ EE. (3.64)
ot x ox y oy z oz ox p ox

(3.65)

oc oc oC oc
~+c ~+c ~ +c ~ = _ oU _ .! EE (3.66)
ot x ox Y oy z oz oz p oz

Obwohl die Euler-Gleichungen hier aus den an einer inkompressiblen Strömung ab-
geleiteten Navier-Stokes-Gleichungen hervorgehen, gelten sie auch für kompres-
sible Strömungen [6].

Bei einer stationären Strömung fallen in der Euler-Gleichung (3.64) bis (3.66) die
zeitlichen Ableitungen der Geschwindigkeitskomponenten heraus.

Werden die Komponenten der so vereinfachteR Euler-G leichungen mit dx bzw. dy.
dz multipliziert und aufaddiert • so folgt:

Clc x Oe Clc oc oc oc
c -.,.- dx + c .,. x dx + c .,. x dx + c -=;!l- dy + c --..:L dy + c --..:L dy +
x oX y vy Z oZ x oX y oy z oz

oc z oc z oc z oU oU oU
+c ~ dz + c - - dz + c - - dz
x uX y oy z oZ
= - -0 x dx - ;;- dy - ;;- dz -
oy oZ

(3.67)

Aus den drei Geschwindigkeitskomponenten

ergeben sich folgende drei Beziehungen

c
Y
dx =c xdy·· c
z
dx =c xdz·
'

die in Gleichung (3.67) eingesetzt werden:


171

oc oc oc oc oc oc
C ." X dx + C ." X dy + c '" x dz + c ~ dx + c ~ dy + c ~ dz +
x oX x oy x uZ y oX y uy y uZ

- 1.p (~dX
ox + ~ dy + ~ dZ) .
oy OZ
(3.68)

Da die Geschwindigkeitskomponenten Funktionen des Ortes sind, gilt für deren to-
tales Differential, wenn beispielhaft die x-Komponente ausgewählt wird:

oc oc oc
x x x
dc x = ox dx + oy dy + Tz dz. (3.69)

Analog zu dieser Gleichung (3.69) für die x-Komponente lassen sich die totalen
Differentiale der y- und z-Komponente, sowie des Feldkraftpotentials und des Druk-
kes bilden.

Zusammengefaßt läßt sich somit Gleichung (3.68) schreiben:

1
c x dc x + c y dc y + c z dc z = - dU - -p dp

oder

1
= - dU - -p dp. (3.70 )

Für das Schwerkraftpotential U der Erde gilt:

U = gz,

wenn das kartesische Koordinatensystem so ausgerichtet wird, daß die positive


z-Achse normal auf der Erdoberfläche steht, so daß z die geodätische Höhe ist.

Unter Annahme der Volumenbeständigkeit resultiert dann aus Gleichung (3.70)


durch Integration längs einer Stromlinie die sogenannte BeY'nouUi-Gleichung für ei-
ne dreidimensionale, stationäre, inkompressible Strömung:

1( 2 2 2) + Ep + gz =const.
-2• c x + c y + c z (3.71)
172

Insbesondere gilt für den eindimensionalen Fall:

2
~
2 + .Ep + gz = const. (3.72)

Für zwei verschiedene Punkte derselben Stromlinie stellt Gleichung (3.72) einen
unmittelbaren Zusammenhang zwischen Druck und Geschwindigkeit her.

Aus der sogenannten Energieform der Bernoulli-Gleichung gemäß Beziehung (3.72)


ergibt sich die entsprechende Druckform

2
~ + P + pgz = const (3.73)
2

bzw. die Höhenform

2
~ + J2.... + z
2g pg
= const. (3.74)

Die Bernoulli-Gleichung kann auch auf die reibungsbehaftete , inkompressible Strö-


mung angewendet werden, wenn die Dissipation durch einen zusätzlichen Term be-
rücksichtigt wird. Mit dem durch Reibung verursachten Druckverlust tlPVEA lautet
die Bernoulli-Gleichung bezogen auf zwei Punkte E und A einer Stromlinie:

p 2 p 2
"2 cE + PE + pgzE ="2 cA + PA + pgz A + tlPVEA' (3.75)

Ist das Fluid eine Flüssigkeit, so muß im allgemeinen der Einfluß von geodätischen
Höhenunterschieden innerhalb der Maschine - also der des Schwerefeldes - berück-
sichtigt werden. Bei Gasen dagegen spielen Gravitationskräfte im allgemeinen eine
untergeordnete Rolle und können vernachlässigt werden. So lautet die Bernoulli-
Gleichung (3.71) für Gase bei Vernachlässigung des Schwerefeldeinflusses:

1(
-2 c x2 + c y2 + c z2) + 1::.
n
p
= const (3.76)

bzw. im eindimensionalen Fall

2
c2 + * = const. (3.77)

Ein Beispiel soll die Anwendung der Bernoulli-Gleichung in ihrer allgemeinen Form
mit Druckverlusten zeigen.
173

Beispiel 3.1:

Eine Pumpenanlage soll Wasser aus einem See in einen offenen Hochbehälter fördern. Die Rohr-
leitungsführung und -länge ist der nachfolgenden Skizze zu entnehmen.

Neben diesen Daten sind weiter bekannt:

3
Dichte des Wassers = 1000 kg/m

Druck auf den Unterwasserspiegel P1 bar

Massenstrom rh 100 kg/s

Rohrdurchmesser D 0,2 m

Rohrreibungszahl A 0,02

Widerstandszahl für den Eintritt


der Saugleitung 'E = 0,35

Widerstandszahl für den Krümmer 'K = 0,45

Widerstandszahl für den Auslauf


in den Speicher 'A = 0,8

Es ist die Druckdifferenz an den Pumpenstutzen (PA - PE) zu berechnen.

Lösung:

Zwischen dem Unterwasserspiegel (Punkt 1) und dem Pumpeneintritt (Punkt E) wird die
Bernoulli-Gleichung (3.75) angesetzt, wobei die durch Reibung entstehenden Verluste in
einem Druckverlust llPV1E berücksichtigt werden:

Für den Unterwasserspiegel (Punkt 1) gilt cl = ° und, wenn das Nullniveau auf 1 gelegt wird:
zl = 0. Die geodätische Höhe des Eintrittspunktes ergibt sich aus der Skizze zu zE = - 4 m. Mit
Hilfe der Kontinuitätsgleichung (3.33) kann die Geschwindigkeit am Pumpeneintritt berechnet wer-
den:
174

m 4m
cE = - - = - - - 2 =
4 . 100
2 = 3,18 m/s.
pA pTTD 1000. rr .O,2

Der Druckverlust 6PV1E setzt sich aus zwei Anteilen zusammen, nämlich aus einem, der die
Rohrreibung in dem 1 m langen Saugrohr berücksichtigt, und einem zweiten, der die Reibungs-
verluste am Eintritt in die Saugleitung angibt.

Mit Hilfe der Gleichungen (3.191) und (3.193) folgt hierfür

_ 1.E. 2 .E. 2 _ 1 . 1000


6PV1E - A D 2 cE + CE 2 cE - 0,02 0,2. 2 3,18
2 + °, 35 1000
2
3 18 2 = 2275 N/ m 2 .
'

Nach der Bernoulli-Gleichung und den getroffenen Annahmen (cl = 0; zl = 0) ist

Um den Austrittsdruck PA zu berechnen, wird die Bernoulli-Gleichung zwischen den Punkten A


und 2 angesetzt und ebenfalls ein Druckverlust 6P V A2 berücksichtigt

Aus der Kontinuitätsgleichung (3.32) folgt mit p = const und D = const, daß die Geschwindigkei-
ten am Ein- und Austritt der Pumpe gleich sind (cE = cA) •

Der Druckverlust t,P V A2 setzt sich aus dem Rohrreibungsverlust und zusätzlichen Verlusten im
Krümmer sowie im Auslauf zusammen

103 3 3
6PVA2 = 0,02 .
43
ü,2 -2-· 3,182+~.3
2 ' 18
2 0,45 + 210 3,18 2 .0,8 = 28062 N/m 2 .

Aus der Bernoulli-Gleichung kann der Druck PA am Pumpenaustritt berechnet werden, wobei
c2 = ° und wegen der geringen Luftdruckdifferenz infolge des geringen Höhenunterschiedes P 2 = PI
ist.

PA = 10 5 + 10 3
10 3 . 9,81 ·33 + 28062 - -2-.3,18 2 - 10 3 .9,81. (- 3) = 476166 N/m 2 •

Die Druckdifferenz zwischen Ein- und Austrittsstutzen der Pumpe beträgt

2
PA - PE = 476166 - 131909 = 344257 N/m '" 3,44 bar.
175

3.3.3 Potentialströmung
Um eine zweidimensionale inkompressible und stationäre Strömung ohne Reibung zu
beschreiben, stehen mit der Bernoulli-Gleichung und der Kontinuitätsgleichung zwei
Beziehungen zur Verfügung, denen drei Unbekannte, nämlich die Geschwindigkeits-
komponenten c , c und der Druck p gegenüberstehen. Eine dritte Gleichung läßt
x y
sich aus Aussagen über die Drehung der Fluidteilchen in der Strömung gewinnen.

Fluidleilchen

a b

Bild 3.11. Um ein Zentrum rotierende Strömungen


a) starr rotierend, drehungsbehaftet
b) drehungsfrei

Im Bild 3.11 sind zwei Strömungen dargestellt, die um ein Zentrum kreisen, wobei
auf einem gewählten Radius das Verhalten der dort befindlichen, mit Pfeil markier-
ten Fluidteilchen unterschiedlich ist. Anhand der Pfeile im Beispiel a) ist zu er-
kennen, daß sich die Fluidteilchen bei dieser kreisenden Strömung um ihre eigene
Achse drehen. Diese Strömung soll daher als drehungsbehaftet gelten.

Im Gegensatz dazu behalten die Teilchen im Beispiel b) bei dieser kreisenden Strö-
mung, wie die Pfeile zeigen, ihre ursprüngliche Ausrichtung bei. Diese Strömung
soll deshalb als drehungsfrei bezeichnet werden.

Derartige drehungsfreie und reibungsfreie Strömungen werden als PotentiaZströrrrun-


gen bezeichnet.

Ein mathematischer Ausdruck für die Drehung eines Teilchens in reibungsfreier


Strömung, bei der sich das Teilchen nicht deformiert, läßt sich anhand des Bildes
3.12 ableiten.

Wenn ein starres Teilchen M sich auf einer Kreisbahn mit konstanter Winkelge-
schwindigkeit um den Koordinatenursprung bewegt, ist seine Tangentialgeschwindig-
keit:
...c =...w X ...r. (3.78)
176

'--- -DM

w r
\
\
\
\
Bild 3.12. Zur Bestimmung der Drehung eines
x starren Teilchens

Durch Zerlegung der Tangentialgeschwindigkeit ergeben sich die x- und y- Kompo-


-->
nente von c:

bzw. c = wx.
y

Hieraus folgt:

oc
bzw. -i- = w. (3.79)

Aus der Summe beider Ausdrücke ergibt sich die sogenannte mittlere Drehung:

w
1(OC
=2: ~ - a; .
OC) (3.80)

Dieser Ausdruck, der für ein starres Teilchen in reibungsfreier, stationärer Strö-
mung abgeleitet worden ist, stimmt mit demjenigen überein, der sich in zäher
Strömung bei Drehung und Deformation ergibt.

Die DY'ehungsfY'e iheit um die auf der x-y-Ebene senkrecht stehenden z-Achse be-
dingt, daß

oc oc
-Y _ ~ - 0 (z-Achse) (3.81)
ox oy-
sein muß.

Dieses ist die dritte fehlende Gleichung, um eine zweidimensionale Potentialströ-


mung berechnen zu können.

Für die drehungsfreie, stationäre, räumliche Strömung müssen außer der abgelei-
teten Gleichung (3.81) zusätzlich die Bedingungen der Drehungsfreiheit um die x-
und y-Achse erfüllt sein:
177

oc oc
~ _..J... - 0 (x-Achse), (3.82)
oy oz-

oc oc
~ - -~ - 0 (y-Achse). (3.83)
oz ox-

Diese Gleichungen der Drehungsfreiheit gelten für die AQsolutströmung. Bei der
Berechnung von Strömungen in Laufrädern, die mit der Umfangsgeschwindigkeit
~ ~
u umlaufen, ist die Absolutgeschwindigkeit c in den Gleichungen (3.81) - (3.83)
~
durch die Relativgeschwindigkeit w zu ersetzen. Nach Abschnitt 3.1 gilt der Zu-
sammenhang (3.21):

-+ -+ -t -t
=W =W
-7 -7
C + U + W X r.

Es wird etngenommen, daß sich das Laufrad um die z-Achse dreht, so daß für den
~
Vektor der Winkelgeschwindigkeit w = (0,0, w) gilt. Für die Komponenten der Um-
~ ~ ~
fangsgeschwindigkeit folgt nach Auswerten des Vektorproduktes u = w X r:

(3.84)

Werden die Gleichungen (3.21) und (3.84) in die Bedingung (3.81) der Drehungs-
freiheit der Absolutströmung um die z-Achse eingesetzt, so folgt:

oc oc ow ou ow ou ow ow
..J... _ ~ - -..X
ox oy - ox
+ ..J... ___
ox oy
x _ "yX
U
= ~x _
U U
"yX + 2w = o.

Hieraus ergibt sich die mittlere Drehung um die z-Achse im Relativsystem :

(3.85)

Wenn eine im Absolutsystem drehungsfreie Strömung von einem auf dem rotieren-
den Laufrad befindlichen Beobachter betrachtet wird, erscheint sie nicht mehr dre-
hungsfrei. Ihre Drehung entspricht bis auf das Vorzeichen der Winkelgeschwindig-
keit des Laufrades.

Wird die x-Komponente der Euler-Gleichung für stationäre, ebene Strömungen ana-
log Gleichung (3.64) nach y und die y-Komponente analog Gleichung (3.65) nach x
differenziert, so ergibt sich:

1 02
--~ (3.86)
p oyox
178

2 2
'oc 'oc '0 c 'oc 'oc '0 c 1 '0 2
x --..L + c ---L + --..L --..L + c ---L - _ - ~ (3.87)
dX 'ox x 'Ox2 'ox 'oY y 'Ox'oY - P 'Oxoy·

Da der Druck im allgemeinen eine stetig differenzierbare Funktion ist, gilt:

so daß die beiden Gleichungen (3.86) und (3.87) miteinander kombiniert werden
können, wobei sich nach Umformungen schreiben läßt:

_
'ocx_ ['oCx
oy
_ _ +--..L
'oY
'oc
oy
1

(3.88)

Weil gemäß Kontinuitätsgleichung (3.29) die beiden in eckigen Klammern stehenden


Terme auf der linken Seite der Gleichung (3.88) gleich Null sind, lautet die umge-
formte Restgleichung :

o =C - o[OC 'OCl +c - o [aC


--..L_~
x 'ox 'ox oy y 'oY OX
'oC
--..L_~
oy·
1
Mit Gleichung (3.80) für die mittlere Drehung folgt weiter:

oder in Vektorschreibweise :

Da das Skalarprodukt des Geschwindigkeitsvektors und des Gradientenvektors der


mittleren Drehung gleich Null ist, stehen nach den Regeln der Vektorrechnung die
genannten Vektoren senkrecht aufeinander.

Daraus folgt, daß längs der Stromlinien die Drehung konstant bleibt. Diese Aussage
ist der Inhalt des Helmholtzschen Wirbelsatzes • Eine Potentialströmung muß dem-
nach im Absolutsystem drehungsfrei bleiben, auch wenn sie in das rotierende Lauf-
179

rad eintritt; . wobei sie allerdings dem raumfesten Beobachter als instationär er-
scheint.

In diesem Zusammenhang soll der Begriff der Zirkulation eingeführt werden. Als
Zirkulation r wird das Wegintegral der Geschwindigkeit

,f:. -> ->


r=':Ycds (3.89)
L

über eine geschlossene Kurve L, die im Strömungsfeld verläuft, definiert. Nach


dem Integralsatz von Stokes gilt für ebene Strömungen, wenn B den Bereich dar-
stellt, der von der Kurve L umschlossen wird:

r = r
,f:. -> ->
c ds = B
SS (OC
~ - 0; dx dy
OC)

oder

r =2 JJ w dx dy. (3.90)
B

Die Zirkulation ist also ein Maß für die Drehung im Bereich B.

Potential- und Stromfunktion

Ebene Potentialströmungen genügen der Gleichung der Drehungsfreiheit (3.81):

oc oc
~_-2.=0.
ox oy

Ebenso erfüllen sie auch die Kontinuitätsgleichung (3.29) :

oc oc
-2.+~-0
ox oy - .

Die Lösung der beiden Gleichungen (3.29) und (3.81) läßt sich durch Einführung ei-
ner Funktion iI? (x, y) erreichen, welche so definiert wird, daß die Gleichung der
Drehungsfreiheit von selbst erfüllt ist:

(3.91)
180

Sofern t stetig differenzierbar ist, ergibt sich durch Einsetzen in die Gleichung der
Drehungsfreiheit (3.81):

Mit dem Ansatz (3.91) geht die Kontinuitätsgleichung (3.29) über in die Gleichung:

(3.92)

Diese lineare partielle Differentialgleichung 2. Ordnung wird Potentialgleichung ge-


nannt und ist vom Typ der Laplace-Differentialgleichung.

Es ist also nur noch eine Gleichung zur Beschreibung der Potentialströmung not-
wendig, denn aus der sogenannten Potentialfunktion . ~ ergeben sich durch Differen-
tiation die Geschwindigkeitskomponenten c und c •
x y

Eine andere Möglichkeit, die Ausgangsdifferentialgleichungen (3.81), (3.29) zu


lösen, besteht darin, eine Funktion ~ einzuführen, welche die Kontinuitätsgleichung
von vornherein erfüllt:

(3.93)

Sofern * stetig differenzierbar ist, ergibt sich durch Einsetzen in Gleichung


(3.29) :

Aus der Bedingung für die Drehungsfreiheit (3.29) kann folgende Differentialglei-
chung abgeleitet werden:

DD
2 + 2 = o. (3.94)
ox oy
Diese Gleichung wird als Differentialgleichung für die Stromfunktion 'f bezeichnet
und ist ebenfalls vom Typ der Laplace-Differentialgleichung.

Rein äußerlich fällt die Analogie zwischen Potential- und Stromfunktion ins Auge.
Durch Verknüpfen der Gleichungen (3.91) und (3.93) ergibt sich:
181

(3.95)

Für das Skalarprodukt der Gradienten von Strom- und Potentialfunktion folgt bei
Einführung der Gleichungen (3.95):

Nach den Regeln der Vektorrechnung müssen die Stromlinien (+ =const) und die
PotentiaUinien (~ = const) senkrecht aufeinanderstehen.

Weil die Euler-Gleichungen nicht linear sind, ergeben sich bei ihrer Lösung im all-
gemeinen Schwierigkeiten. Dagegen ist die Potentialgleichung linear, d. h. die
Summe zweier Lösungen ~1 und ~2 der Potentialgleichung muß ebenfalls eine Lö-
sung sein:

Dabei sind a 1 und a 2 Konstanten.

Gemäß dem Superpositionsprinzip ist es möglich, durch Überlagern bekannter Lö-


sungen von einfachen Elementarströmungen kompliziertere Gesamtströmungen nach-
zubilden.

Als Elementarströmungen gelten: Trans lationsströmung, Que Uen- bzw. Senken-


strömung, Potentialwirbelströmung und Dipolströmung, wobei die drei letztge-
nannten im Funktionsverlauf singuläre Punkte haben und deshalb auch als Singulari-
täten bezeichnet werden. Mit Hilfe dieser Singularitäten und der Translationsströ-
mung ist es möglich, die Strömung um technisch interessante Körper nachzubilden,
wie z.B. in [1, 7, 17, 34J näher erläutert ist.

Eine weitere Möglichkeit, die ebene Potentialströmung analytisch zu behandeln,


bietet die Funktionentheorie. Real- und Imaginärteil von differenzierbaren komple-
xen Funktionen genügen danach der Laplace-Differentialgleichung. Da die Potential-
funktion ~ und die Stromfunktion + ebenfalls der Laplace-G leichung genügen, kann
eine komplexe Funktion f eingeführt werden, deren Realteil die Potentialfunktion ~

und deren Imaginärteil die Stromfunktion + ist:


f(z) = ~(x,y) + i $(x,y).

Als analytische Funktion vermittelt f eine sogenannte konforme Abbildung von ei-
182

ner komplexen Ebene in eine ande're, bei der im Differentiellen Winkel und Strek-
kenverhältnisse gleichbleiben .

Insbesondere bleiben die in der Ausgangsebene senkrecht aufeinander stehenden Po-


tential- und Stromlinien bei der konformen Abbildung orthogonal.

Nicht nur Strom- und Potentiallinien werden transformiert, sondern auch eventuell
vorhandene Körperkonturen. So ist es mit Hilfe spezieller komplexer Funktionen
möglich, aus bekannten Strömungsbildern neue mit anderer Berandung zu entwik-
keIn. Als Beispiel sei hier die Abbildung von Joukowsky erwähnt, die es gestattet,
aus einer Kreiszylinderströmung die Umströmung spezieller Profile zu bestimmen.

Auf eine ausführliche Behandlung der Methode der konformen Abbildung soll hier
verzichtet werden. Es sei auf [1, 7, 20] verwiesen. Die genannten Verfahren ha-
ben ihre Bedeutung weitgehend eingebüßt, weil die heutigen Rechenanlagen die nu-
merische Lösung der Bewegungsgleichungen für räumliche, viskose, kompressible
Strömungen mit gewissen Einschränkungen möglich gemacht haben.

3.3.4 Grenzschichten
Wenn zwei benachbarte Schichten eines viskosen Fluids mit verschiedenen Ge-
schwindigkeiten nebeneinander parallel strömen, so entsteht zwischen beiden
Schichten infolge von Scherkräften eine Wechselwirkung, die den Geschwindigkeits-
unterschied auszugleichen sucht.

Sollen Schubspannungen von angrenzenden Fluidelementen berechnet werden, so


sind grundsätzlich nach ihrem Erscheinungsbild zwei Strömungsformen zu unter-
scheiden: die laminare und die turbulente Strömung.

Die laminare Strömung verläuft in geordneten parallelen Schichten, ohne daß ein
Fluidaustausch quer zur Strömungsrichtung erfolgt. Bei der turbulenten Strömung
dagegen führen unregelmäßige Querbewegungen zu einer Durchmischung der benach-
barten Schichten. Der Grundströmung sind zufällige zeitliche Schwankungen über-
lagert.

Nach Newton verhält sich die Schubspannung 'I" der meisten Fluide in laminarer
Strömung proportional zum Geschwindigkeitsgradienten ~~ normal zur Strömungs-
richtung x, mit der dynamischen Viskosität Tl des Fluids als Proportionalitätsfak-
tor:

(3.96)

Fluide, die dieser Beziehung gehorchen, heißen Newtonsehe Fluide.


183

Flüssigkeiten, die feste Teilchen, Gasblasen oder Tröpfchen eines zweiten Stoffes
enthalten, weisen nichtlineare Abhängigkeiten des Geschwindigkeitsgefälles von der
Schubspannung T auf, wie in Bild 3.13 für einige Nicht-Newtonsche Flüssigkeiten
gezeigt ist.

dc
2
dy

l
Bild 3.13. Die Abhängigkeit der Schubspannung
vom Geschwindigkeitsgradienten für
verschiedene Flüssigkeiten [8J
1) N ewtonsche
2) struktuviskose Fr"" k "t
3) dilatante uSSlg el
4) Binghamsche

Im Vergleich zur laminaren Strömung treten in turbulenter Strömung weitaus größe-


re Schubspannungen auf, die durch den Impulsaustausch bei der Schwankungsbewe-
gung verursacht werden.

Eine gleiche Wirkung, wie die Wechselwirkung zwischen zwei benachbarten Schich-
ten eines viskosen Fluids, übt eine feststehende Wand auf ein strömendes viskoses
Fluid aus, das durch die Scher- oder Schubkräfte verzögert wird.

Gemäß Bild 3.14 wird die Strömung um einen Körper betrachtet, der mit der Ge-
....
schwindigkeit c"" angeströmt wird. Die Strömung sei laminar.

erx) Außenströmung

Bild 3.14. Grenzschicht- und Außen-


strömung

Wegen der Reibung an der Körperoberfläche werden in Wandnähe die benachbarten


Fluidschichten stark verzögert, bzw. unmittelbar an der Oberfläche bis zum Haften,
d.h. bis zum Stillstand, abgebremst.
184

Dagegen wird die Geschwindigkeit in der Außenströmung nur wenig von der Reibung
beeinflußt. Die wandnahe Schicht wird Grenzschicht genannt. Ihre Dicke 6 ist u.a.
von der Lauflänge der Strömung abhängig.

Diese Unterteilung in Grenzschicht- und Außenströmung läßt sich allgemein bei


Strömungen mit großer Reynolds-Zahl durchführen. Der Vorteil liegt in der einfache-
ren mathematlschen Behandlung beider "Teilströmungen" . Weil bei der Grenzschicht
der Einfluß der Zähigkeitskräfte gegenüber dem der Trägheitskräfte groß ist, kön-
nen einzelne Summanden der Navier-Stokes-Gleichungen vernachlässigt werden.
Die Bewegungsgleichungen reduzieren sich auf die Grenzschichtgleichungen. Auf
die Außenströmung dagegen lassen sich statt der Navier-Stokes-Gleichungen die
Euler-Gleichungen anwenden, da wegen der geringen Zähigkeitskräfte die Reibungs-
terme vernachlässigt werden können. Die so vereinfachten Bewegungsgleichungen,
nämlich die Grenzschicht- und die Euler-Gleichungen, lassen sich in den beiden an-
gesprochenen Bereichen gesondert betrachten, wobei die jeweiligen Lösungen der
Gleichungen am Übergang Grenzschicht-Außenströmung anzupassen sind.

Werden für eine ebene, stationäre, inkompressible und laminare Strömung für den
Bereich der Grenzschicht in den Navier-Stokes-Gleichungen Terme von geringem
numerischen Einfluß vernachlässigt, so ergibt sich gemäß [6J zusammen mit der
Kontinuitätsgleichung (3.29) :

(3.97a)

(3.97b)

0: +~
oc oc
= o. (3.97c)

Sind an der Körperkontur keine extremen Krümmungsänderungen vorhanden, wie


z.B. Kanten, so läßt sich das (x,y)-Koordinatensystem gemäß Bild 3.14 so aus-
richten, daß die y-Achse senkrecht auf der Körperoberfläche steht.

Aus dem Gleichungssystem (3.97) können folgende Aussagen abgeleitet werden:

- Die Gleichung op/oy =0 besagt, daß der Druck nur eine Funktion p = p( x) ist,
also quer zur Strömungsrichtung konstant bleibt, wobei sein Wert als Randbedin-
gung von der Außenströmung aufgeprägt wird.

- Reibungskräfte werden in den laminaren Grenzschichtgleichungen nur noch durch


185

02 c
den Term \) _ _ x repräsentiert.
oy2

Da für die drei unbekannten Funktionen c , c und p nur zwei Gleichungen zur Ver-
x y
fügung stehen, besteht eine Möglichkeit der Lösung darin, den Druck als eine be-
kannte Funktion aufzufassen, die von der Außenströmung vorgegeben wird. Am
Rand der Grenzschicht und in der Außenströmung kann für die dort vorliegende
Geschwindigkeitsverteilung C (x) die Bernoulli-Gleichung angesetzt werden:

f C 2 (x) + p(x) = const. (3.98)

Obwohl allgemeine Lösungen des Gleichungssystems (3.97) nicht bekannt sind, las-
sen sich daraus qualitative Aussagen über das Verhalten der Grenzschicht ableiten.

Die Haftbedingung

c (x,O)
x
= 0; c y (x,O) = ° (3.99)

vereinfacht die Grenzschichtgleichung (3. 97a) für diesen Bereich:

(3.100)

In Wandnähe beeinflußt also der Druckgradient in Strömungsrichtung das Geschwin-


digkeitsprofil. Dabei sind grundsätzlich zwei Fälle zu unterscheiden:

Fall 1:
Strömung mit Druckanstieg, dp/dx> 0, d.h. verzögerte Strömung.

Wegen Gleichung (3.100) muß in Wandnähe sein:

In größerer Wandentfernung , wenn das Geschwindigkeitsprofil der Grenzschicht in


das der Außenströmung stetig übergeht, liegt eine konvexe Krümmung vor, so daß
dort die zweite Ableitung negativ ist. Wegen des Vorzeichenwechsels dieser zwei-
ten Ableitung, besitzt das zugehörige Geschwindigkeitsprofil im Inneren der Grenz-
schicht einen Wendepunkt , in dem gilt:

(3.101)
186

Die Entwicklung des Geschwindigkeitsprofils in der Grenzschicht längs einer ebenen


Wand ist in Bild 3.15 dargestellt.

c c c

Bild 3.15. Zur Ablösung der Grenz-


schicht [16J

Während Fluidteilchen im Punkt A an der Wand haften, kommen sie in der wandna-
hen Schicht am Punkt A zum Stillstand und kehren bei Fortschreiten in x-Richtung
ihre Strömungsrichtung um. Der Punkt A, der die Grenze zwischen Vor- und Rück-
strömen markiert, wird als Ablösungspunkt definiert. Für die Geschwindigkeits-
komponente Cx in diesem Punkt gilt folgender Zusammenhang:

(3.102)

Da das Profil einer ablösenden Strömung gemäß Bild 3.15 im Inneren der Grenz-
schicht einen Wendepunkt hat und andererseits bei der verzögerten Strömung gemäß
Gleichung (3.101) ein Wendepunkt vorliegt, folgt, daß die verzögerte Strömung,
d.h. die Strömung mit Druckanstieg, ablösungsgefährdet ist.

Fall 2:
Strömung mit Druckabfall, dp/dx <0, d.h. besahZeunigte Strömung.

Nach Gleichung (3.100) muß in Wandnähe sein:

was bedeutet, daß das Geschwindigkeitsprofil an der Wand konvex gekrümmt ist.
Da das Profil in größerer Wandentfernung wegen des stetigen Übergangs von Grenz-
schicht- und Außenströmung ebenfalls konvex gekrümmt ist, besitzt es innerhalb
der Grenzschicht keinen Wendepunkt und damit keine Tendenz zum Rückströmen.
Nach dem erwähnten Ablösungskriterium ist die beschleunigte Strömung, d.h. die
Strömung mit Druckabfall, nicht ablösungsgefährdet •
187

Bezüglich der Grenzschichtdicke 5 und der Geschwindigkeit C in der Außenströ-


mung haben sich folgende Definitionen eingeführt:

Grenzschichtdicke:

5 bei c
x
= 0,99 C nach [16].

Verdrängungsdicke:

(3.103)

Impulsverlustdicke:

52 = Sc; ( c)
5
1 -; dy. (3.104)
o

Energieverlustdicke:

(3.105)

Für alle drei Größen gilt, daß die Integrationen auch bis Unendlich erstreckt wer-
den können, da für y> 5 Cx '" eist.

Anschaulich lassen sich diese Begriffe folgendermaßen deuten:

Wenn die Fläche der Geschwindigkeitsminderung (C - c ) durch ein Rechteck glei-


x
cher Fläche mit der Basislänge C ersetzt wird, so entspricht seine Höhe in y-Rich-
tung der Verdrängungsdicke 51' um welche die Potentialströmung von der Wand weg
verdrängt wird bzw. um welche der Körper dicker wird.

Die kleinere Geschwindigkeit in der Grenzschicht ruft außerdem eine Verminderung


des Impulsstromes sowie des Energiestromes hervor, wenn als Vergleich die rei-
bungsfreie Strömung herangezogen wird. Dieser Fehlbetrag ist gleich dem Impuls-
bzw. Energiestrom , der bei der Geschwindigkeit C durch eine Schicht von der Dik-
ke °2 bzw. 53 tritt.

Mit den Größen 51' 52 und 53 können sogenannte Formparameter eingeführt wer-
den. Der Formp-arameter H 12 setzt die Verdrängungs- und die Impulsverlustdicke
ins Verhältnis, während der Formparameter H 32 die Energie- und Impulsverlust-
dicke verknüpft:
188

(3.106)

(3.107 )

Für den Sonderfall der ebenen inkompressiblen Plattenströmung haben die Formpa-
rameter gemäß [9J folgende Werte: H 12 = 2,591, H 32 = 1,573 für die laminare
Strömung, bzw. H 12 = 1,3, H 32 = 1,799 für die turbulente Strömung.

Bei der turbulenten Strömung sind der Grundströmung zufällige zeitliche Schwan-
kungen überlagert. Es lassen sich die Geschwindigkeitskomponenten und der Druck
aus einem zeit unabhängigen Mittelwert und einem zeitabhängigen Schwankungswert
zusammensetzen, wie am Beispiel der x-Komponente zu sehen ist:

cx(x,y,z,t) = cx(x,y,z) + c~(x,y,z,t) (3.108)

mit

t o
cx(x,y,z) =-ti J c (x,y,z,t)dt.
00 x

In analoger Weise können die anderen Geschwindigkeitskomponenten aufgegliedert


werden. Für den Druck ergibt sich entsprechend:

p(x,y,z,t) = p(x,y,z) + p'(x,y,z,t) (3.109 )

mit

to
p(x,y,z) = fo 0J p(x,y,z,t)dt.
Für den Mittelwert der zeitabhängigen Schwankung gilt laut Definition:

to
c ~ (x, y ,z , t) = /
o
J c'x (x, y ,z , t) dt = O.
0

Wird die Bernoulli-Gleichung (3.98) in die laminare Grenzschichtgleichung (3.97a)


eingeführt, so ist:
189

oC x oC x dC
C --+c --=C-+ (3.110)
x ox y oy dx

Die Bewegungsgleichung für die turbulente Grenzschichtströmung ergibt sich. wenn


die Geschwindigkeitskomponenten C x und c y durch ihre Mittelwerte und zeitabhän-

gigen Schwankungswerte ersetzt werden:

(3.111)

Diese Grenzschichtgleichung für die Mittelwerte der turbulenten Strömung ist bis
auf den letzten Term der rechten Seite analog zur laminaren Grenzschichtgleichung
(3.110) aufgebaut.

Mit dem Newtonschen Schubspannungsgesetz für die laminare Strömung (Index 1)


läßt sich der erste Reibungsterm schreiben:

Ein mit einer turbulenten Schubspannung 'l"t gebildeter. dem laminaren Reibungs-
term analoger Ausdruck ergibt in Verbindung mit dem zweiten Reibungsterm der
Gleichung (3.111) die turbulente Schubspannung nach Gleichung (3.112) :

Damit ergibt sich für die turbulente Schubspannung :

p C'"'C'. (3.112)
x y

Der Wert C'"'C' ist in turbulenter Strömung La. negativ [4J. so daß sich für die
x y
Schubspannung 'l"t positive Werte ergeben.

Die Zusammenfassung der turbulenten und laminaren Schubspannung zu einer Ge-


samtschubspannung

(3.113)

führt zur Grenzschichtgleichung für eine ebene inkompressible turbulente Strömung.


190

die formal auch für die laminare Strömung gilt, wenn statt T die laminare Schub-
spannung Tl eingesetzt wird:

( 3.114a)

Die Kontinuitätsgleichung (3. 97c) ergibt sich entsprechend zu:

(3.114b)

Um das Differentialgleichungssystem (3.114) lösen zu können, fehlt ein Zusammen-


hang zwischen dem in der turbulenten Schubspannung auftretenden Produkt der
Schwankungsgeschwindigkeiten c', c' und den zeitlichen Mittelwerten
x y
c,
x
c.
y
Die-
ser Zusammenhang kann nur auf empirischem Wege hergestellt werden, da eine
zeitliche Abhängigkeit der Schwankungsgeschwindigkeit nicht bekannt ist.

Ein für Fluidenergiemaschinen häufig verwendeter empirischer Ansatz ist die Mi-
schungsweg-Hypothese von Prandtl, nach der für die turbulenteSchubspannung gilt [16J :

'T"t (3.115)

Dabei wird die sogenannte Mischungsweglänge l(x,y) durch verschiedene in der Li-
teratur beschriebene Ansätze [9, 16J bestimmt.

Mit den auf die Anströmgeschwindigkeit c'" bezogenen zeitlichen Mittelwerten der
turbulenten Schwankungs geschwindigkeiten c~, c~. c~ wird ein sogenannter
TurbuZenzgrad definiert:

Tu =
y1(,2
-3c
x
+c ,2 +c .2)
y z (3.116)
c'"

Dieser Turbulenzgrad nimmt in turbulenten Strömung etwa den Wert von Tu = 10- 1
an, während ein Tu = 0,5 . 10- 4 turbulenzarmen Strömungen zugeschrieben wird
[4J.

Die Beziehungen für die Grenzschicht sind in der Anwendung oft nur schwer zu hand-
haben. Für einfache Abschätzungen genügt es allerdings oft, Einflüsse an Hand von
Näherungsformeln zu erfassen. Um z.B. die Auswirkung der Grenzschicht in Strö-
mungen von Laufrädern wenigstens tendenziell zu erfassen, werden meist Ergebnis-
se einer längsangeströmten ebenen Platte zugrunde gelegt.
191

Auf eine weitergehende Behandlung der Grenzschichtströmung sei hier verzichtet.


Es wird auf die Fachliteratur, insbesondere [16, 22, 23, 24J verwiesen.

3.3.5 Radseitenreibung
Radreibungsverluste treten in Strömungs maschinen mit scheibenförmigen Rotoren
in nennenswerter Größe auf. Um hierfür Näherungsansätze zu erhalten, wird die
durch eine mit der Winkelgeschwindigkeit w in dichtebeständigem Fluid rotierende
Scheibe gleicher Dicke verursachte Strömung betrachtet.

Infolge der Oberflächenreibung wird das Fluid in unmittelbarer Wandnähe mitgeris-


sen, gleichzeitig aber durch die Wirkung der Zentrifugalkräfte nach außen beför-
dert. Aus Kontinuitätsgründen wird der abfließende Strom durch axial auf die Schei-
be zuströmendes Material ersetzt.

Das Moment der Schubspannung für einen konzentrischen Ring der Scheibe mit der
radialen Erstreckung dr nach Bild 3.16 ergibt sich aus:

2
dM = 2 TI r T W dr.

Bild 3.16. Zur Herleitung des Reibungsmomentes an einer


rotierenden Scheibe

Für die Wandschubspannung 'l"W gilt folgende Proportionalität [16J:

(3.117)

wobei w
Ö die Dicke der mitgerissenen Fluidschicht darstellt. Für sie ergibt sich
gemäß [16J:

~ lr:!,
ö
W rw (3.118)

d.h. die Schicht wächst mit der Zähigkeit des Fluids und nimmt mit steigender Win-
kelgeschwindigkeit ab.
192

Für das Moment der Schubspannung einer Scheibenseite folgt damit:

3 210
dM-211r PUl rü:idr

bzw.

dM - 2 11 r 3 P Ul y-;-;;; dr.
Bei einem Außenradius R der Scheibe ergibt sich durch Integration:

R
M-211 Sr 3 PUlY-;;-dr,
o

11 4 ~
M - 2" pR Ul r
\i Ul.

Für die beschriebene StrömlJIlg um eine Scheibe mit unendlicher Erstreckung kann
nach [29J eine exakte Lösung der Navier-Stokes-Gleichungen angegeben werden, die
in guter Näherung auch für Scheiben gilt, deren Radius R groß ist im Verhältnis
zur Schichtdicke 0W. Dabei wird angenommen, daß die Strömung inkompressibel
und laminar ist. Aus der Lösung ergibt sich die Proportionalitätskonstante für das
Reibungsmoment der beidseitig benetzten Scheibe zu 0,616:

2 M = 0,616 11 P R 4 w y\i w. (3.119)

Für einen dimensionslosen Beiwert der beidseitig benetzten Scheibe gemäß folgender
Definition:

(3.120)

gilt dann:

2 0,616· 11 ~
wR

bzw.

wobei eine Reynolds-Zahl mit der Umfangsgeschwindigkeit u = Ul R und dem Radius


R gebildet ist:
193

Re = uR. (3.121)
Ii

Bis zu Reynolds-Zahlen von 3 • 10 5 ergibt sich eine gute Übereinstimmung mit Meß-
ergebnissen [16J. Bei größeren R eynolds-Zahlen, d.h. wenn die Strömung turbulent
ist, gilt für das Reibungsmoment der beidseitig benetzten Scheibe [16J:

)5
1

2M = 0,073 P w2 R 5 ( w vR 2 (3.122 )

bzw. für den nach Gleichung (3.120) bestimmten Beiwert

1
-5
c M -= 0,146 Re (3.123)

Für Strömungs maschinen sind Untersuchungen interessant, bei denen eine Scheibe
in einem Gehäuse rotiert. Ist der Abstand s der Scheibe zur Gehäusewand kleiner
als die Grenzschichtdicke , so ergibt sich im Spalt eine lineare Geschwindigkeits-
verteilung • Für das Reibungsmoment der beidseitig benetzten Scheibe gilt dann für
die laminare Strömung [16 J :

2M=TI pwR
4 v
s (3.124)

bzw. für den Momentenbeiwert :

(3.125)

Eine graphische Auswertung dieser Gleichung (3.125) zeigt Bild 3.17, Kurve(D,
wobei sich das Reibungsmoment der beidseitig benetzten Scheibe aus Gleichung
(3.120) bestimmen läßt:

2M =c M '2P w2 R •
5

Wenn die Spaltweite s ein Mehrfaches der Grenzschichtdicke ist, bildet sich zwi-
schen der an der Wand und an der Scheibe befindlichen Grenzschicht eine Kernströ-
mung aus, die bei gleicher Oberflächenrauhigkeit von Wand und Scheibe mit etwa ~
rotiert. Es ergibt sich für die beidseitig benetzte Scheibe bei laminarer Strömung
nach [30J:
194

2M:1,334pR4 wFw (3.126 )

bzw.

(3.127)

und bei turbulenter Strömung:

1
-5"
2M =0, 0311 p w2 R
5
Re (3.128)

bzw.

1
-5"
c M : 0,0622 • Re (3.129)

1,0
0,5
0,2
, ,CD
0,1

'"'
u
0,05 " :::: ~
0,02
~ (Z)

--
0,01
0,005 "::::::
""r-- -.QL
0,002
0,001 2
10 3

Bild 3.17. Momentenbeiwert einer in einem Gehäuse rotierenden Scheibe

~
Wandabstand kleiner als Grenzschichtdicke ö laminar
2 Wandabstand ein Mehrfaches der Grenzschichtdicke ö laminar
3 wie @ ö turbulent

Die Formeln (3. 127) und (3. 129) für den Momentenbeiwert sind als Kurven @ und
® in Bild 3.17 dargestellt. Während Kurve @ für Reynolds-Zahlen von 1 • 104 bis
2 • 10 5 mit Meßwerten gut übereinstimmt, ergibt die Kurve ®
für den turbulenten
Bereich im Mittel etwa 17% zu kleine Werte [16J.
195

Neben diesen vorwiegend theoretischen Untersuchungen an der rotierenden Scheibe


sind in [1] sowohl für Trommel- als auch für Spiralgehäuse experimentelle Ergeb-
nisse für den Reibungsbeiwert zusammengestellt, die bei ähnlichen Stufenkonfigura-
tionen nützliche Hinweise geben können.

3.3.6 Strömung um Profile


Ein Einzelflügel mit der endlichen Spannweite b, welcher reibungsfrei mit der An-
strömgeschwindigkeit w'" angeströmt wird, erfährt nach dem Satz von Kutta-
Jouko1iJsky den Auftrieb A:

A = P w'" b r (3.130)

mit der Zirkulation

(3.131)

Bei Tragflügelprofilen stellt sich theoretisch zu einer vorgegebenen Zirkulation eine


bestimmte Umströmung ein, wie Bild 3.18 am Beispiel von drei Zirkulationen ver-
schiedener Stärke zeigt.

--~--
a
--------------------
~

Bild 3.18. Zur reibungsfreien Profilumströmung mit drei Zirkulat ionen unter-
schiedlicher Stärke
a) kleine Zirkulation mit hinterem Staupunkt auf Schaufeloberseite
b) Zirkulation mit hinterem Staupunkt an Hinterkante
c) große Zirkulation mit hinterem Staupunkt auf Schaufelunterseite
196

Um aus den nach Bild 3.18 möglichen, unendlich vielen Annahmen über die Zirku-
lationsstärke die der wirklichen Profilumströmung entsprechende zu finden, ist die
Kutt asche Abflu ßbedingung zu beachten, welche besagt, daß sich bei der wirklichen
Strömung um ein Profil ein glattes Abströmen an der Hinterkannte einstellt.

Weil nach Bild 3.18 nur die mittlere Zirkulationsstärke b) ein glattes Abströmen
gewährleistet, entspricht diese der einzigen, in der realen Strömung möglichen.

Selbst bei der reibungsfreien Umströmung eines Tragflügels endlicher Spannweite


tritt neben dem Auftrieb ein Widerstand auf, der durch das Umströmen der Flügel-
enden infolge der Druckunterschiede an Profilober- und -unterseite erklärt werden
kann (Bild 3.19). Dieser wird induzierter Widerstand genannt.

Bild 3.19. Hufeisenwirbel als Ersatz


für das System "Tragflügel"

Zur vereinfachten Berechnung hat Prandtl den Tragflügel durch einen sogenannten
Hufeisenwirbel ersetzt. Dieser besteht aus einem gebundenen Wirbel, der sich über
die Flügeltiefe L erstreckt, und aus den freien Wirbeln, die von den Enden des
Tragflügels abgehen und bis ins Unendliche verlaufen (Bild 3.19). Diese freien Wir-
bel erzeugen am gebundenen Wirbel eine Geschwindigkeit w i ' die abwärts gerichtet
ist, so daß die resultierende Geschwindigkeit w res gegenüber der Anströmrichtung
um den Winkel Q'i geneigt ist, wie im Bild 3.20 dargestellt.

11'00

II' j
Bild 3.20. Aus Auftrieb und induziertem Wi-
derstand resultierende Kraft
197

Wenn die Auftriebs kraft A auf eine Kraft bezogen wird, die dem Produkt aus dem
Staudruck der Anströmgeschwindigkeit w"" und der Flügelgrundrißfläche b L ent-
spricht, ergibt sich der dimensionslose Auftriebsbeiwer t cA:

A (3.132)
cA = .E. w 2 b L '
2 ""

wobei L die Profillänge und b die Spannweite des Flügels darstellen.

Mit Gleichung (3. 130) ergibt sich weiter :

Analog zum Auftrieb, für den nach Gleichung (3.132) gilt:

(3.133)

läßt sich der induzierte Widerstand definieren:

(3.134)

Dabei ist c Wi der sogenannte indu zierte Wi ders tandsbeiwer t .

w.
Der induzierte Widerstand und der Auftrieb stehen wegen tan CI. = _1 in Zusammen-
1 w""
hang:
w.
(3.135)
W.
1
= A tan Oll' =A .2...
W""

Beim Hufeisenwirbel gemäß Bild 3 .19 ist eine konstante Auftriebsverteilung über
die gesamte Breite des Flügels vorausgesetzt worden. Beim wirklichen Flügel
nimmt an den Flügelenden der Auftrieb ab. Ein Minimum des induzierten Wider-
standsbei wertes c Wi ergibt sich, wenn die im Bild 3.21 dargestellte elliptische
Auftriebsverteilung zugrunde gelegt wird (siehe [1]).

Bild 3.21. Elliptische Auftriebsver-


teilung über die Breite des
z Flügels
198

In diesem Fall ist die Abwärtsgeschwindigkeit w i über der Spannweite b konstant


[1], nämlich

(3.136)

bzw. mit Gleichung (3.130):

(3.137)

Mit Gleichung (3.135) ergibt sich damit:

(3.138)

Für den Beiwert des induzierten Widerstandes folgt hieraus:

Wi 4 A2
( 3. 139 )
~w~ bL - lT(pw~)2b3L

Wird für den Auftrieb Gleichung (3.132) eingeführt, so ist der Zusammenhang zwi-
schen den Beiwerten c Wi und cA sichtbar:

(3.140)

wobei A = b/L als Seitenverhältnis oder Flügelstreckung bezeichnet wird.

Die Gleichungen (3.136) bis (3.140) gelten mit der genannten elliptischen Auftriebs-
verteilung in guter Näherung für Flügelstreckungen A = b/L ~ 3.

Als Folge der Reibung in zähen Medien tritt zusätzlich zum induzierten Widerstand
noch ein PY'ofilwideY'stand W auf.
p

x
Bild 3.22. Zum Druck- und Reibungswiderstand
an einem Profil
199

Der Profilwiderstand dW eines Flächenelementes b ds setzt sich zusammen aus


~ p ~
der Druckkraft dF p und der Reibungskraft dF R :

~ :::1 -+
dW = dt<· + dF R •
P P

Mit der Wandschubspannung TW läßt sich anhand des Bildes 3.22 folgender Zusam-
menhang für die x-Komponente ableiten:

dW P = P b ds sin j' + T W b ds cos 't,

dW p = pb dy + TW b dx.

Wird das symmetrische Profil nach Bild 3.22 in x-Richtung angeströmt, so ergibt
die Integration über die Profillänge auf der Ober- und Dnterseite den gesamten Pro-
filwiderstand zu

L d L
W = 2b f P ~d dx + 2b f T W dx.
P 0 x 0

Dabei legt y(x) den Konturverlauf fest.

Insbesondere besteht der Profilwiderstand einer längsangeströmten dünnen Platte


fast ausschließlich aus Reibungswiderstand, bei der querangestellten dagegen voll-
ständig aus Druckwiderstand.

Ebenso wie der Auftrieb und der induzierte Widerstand läßt sich auch der Profilwi-
derstand dimensionslos machen. Der so gebildete Profilwiderstandsbeiwert c Wp
lautet:

W
--~ 2 • (3.141)
2. w F
2 '"

Der gesamte am Flügel endlicher Spannweite auftretende Widerstand setzt sich so-
mit aus zwei Anteilen zusammen:

W = W + W. (3.142)
P 1

bzw.

(3.143)
200

Die Zähigkeit des Fluids bewirkt durchweg eine Verminderung des reibungsfrei er-
mittelten Auftriebs. Die Auftriebs- und Widerstandsbeiwerte in reibungsbehafteter
Strömung werden im allgemeinen durch Windkanalmessungen bestimmt. Die dabei
ermittelten Zusammenhänge zwischen dem Auftriebsbeiwert cA' dem Widerstands-
beiwert C w und dem Anstellwinkel 0', werden in sogenannten Polaren dargestellt,
welche Bild 3.23 für drei verschiedene Profile zeigt.

1,4
a I
7,IS/ 10 r-l~
........ r-,!S
1,2 c
S
b
1,0 V 7S 10 ,-- - IS -
2.S
/s Ir
0

--rs 10
O,B IS
2.5 12,5
0,6
Y
0
0,4
I
-2.5 V5
...,«
0,2
J / 2,S

0 ~
J ~'2.S

I
-0,2 f- -1O
0",

I \-2,5 )
"-
'T
- 0,4

-0,6
o 0.1 0,2

Bild 3.23. Polaren für drei verschiedene Profile mit A. = 5 bei Re = 4,2 • 10 5
nach [19J
a) Ebene Platte
b) Gewölbte Platte
c) Göttinger Profil 650

Der Ans tellwinkel 0' nach Bild 3.24 wird aus der Anströmrichtung w'" und der Pro-
filsehne gebildet.

Bei kleinen Anstellwinkeln Q und kleinen relativen Profilwölbungen f/L gilt in guter
Näherung für den Auftriebsbeiwert cA [4J:

CA =2n(a+2f/ L) (3.144)

d.h. der Auftriebsbeiwert ist linear vom Anstellwinkel und der relativen Profilwöl-
bung abhängig.
201

w.. Bild 3.24. Anstell winkel CI und Nullauftriebs-


(l. Profilsehne richtung eines Profils

Der Winkel a 0' für den der Auftrieb zu Null wird, kennzeichnet die NuUauftriebs-
Y'i chtung (Bild 3.24). Aus Gleichung (3.144) ergibt sich hierfür:

(3.145)

In der Regel werden bei Windkanal messungen Tragflügel mit einem Seitenverhältnis
von " =5 untersucht.

Sollen derartige Meßergebnisse für die Auslegung von Axialverdichtern oder -pum-
penschaufeln verwendet werden, so ist eine Umrechnung der Polaren erforderlich,
weil die Axialschaufeln am Fuß durch den Rotor und am Kopf durch das Gehäuse ge-
gen das seitliche Umströmen abgeschirmt sind und deshalb in etwa Tragflügeln mit
Endscheiben gemäß Bild 3.25 entsprechen.

Bild 3.25. Tragfliigel mit Endscheiben

Mit derartigen Tragflügeln wird die ebene Strömung bei unendlich langer Flügel-
streckung t.. = '" simuliert. Obwohl durch räumliche Effekte, durch Interferenzen
zwischen Flügel und Endscheiben sowie Wirbelablösungen die exakte Nachbildung
der ebenen Strömung beeinträchtigt wird, genügt es für Flügel mit Endscheiben
ausreichender Flügelstreckung im allgemeinen, aus den z.B. bei t.. = 5 gemesse-
nen Polaren den Profilverlustbeiwert c und den Anstellwinkel CI zu entnehmen
Wp
und diese Werte auf A = '" umzurechnen.
202

Nach Gleichung (3.143) ergibt sich für eine Flügelstreckung A = 5 der Profilver-
lustbeiwert

(3.146 )

Der induzierte Widerstandsbeiwert für A = 5 ist nach Gleichung (3.140):

Durch Einsetzen dieser Gleichung in Gleichung (3.146) folgt:

2
c Wp = cW('A = 5) - 0,06366 cA· (3.147)

Da der Flügel mit unendlicher Erstreckung keinen induzierten Widerstand hat, gilt
W('A = "') = W . Hieraus folgt durch Einsetzen in die für A = 5 verwendete Glei-
p
chung (3.142)

W('A= "') =W(A=5) -W.(A=5)


1

bzw.

W('A = <xl) Wo. = 5)


W.('A
1
= 5)
A A A

Für den Anstellwinkel O! analog zu Gleichung (3.135) kann damit folgender Zusam-
menhang abgeleitet werden:

tan 0'( A = "') = tan a( A = 5) - tan CI. (A = 5)


1

bzw. für kleine Winkel

a(A = "') = a(A = 5) - ",.(A = 5).


1
(3.148 )

Mit Hilfe der Gleichung (3.140) ergibt sich für den Winkel Cl' i:

(3.149)

bzw. für A = 5, wenn a i in Altgrad angegeben wird:


203

Q'~ = 3,648 cA.

Durch Einsetzen in Gleichung (3.148) folgt die Umrechnungsformel für den Anstell-
winkel:

(3.150)

Die hier angeführten Umrechnungsformeln (3.147) und (3.150) resultieren aus Glei-
chung (3.140), die für die elliptische Auftriebsverteilung gültig ist. Wenn bei Wind-
kanaluntersuchungen andere Verteilungen auftreten, können nach [21] Korrekturfak-
toren eingeführt werden.

Eine auf das Seitenverhältnis Je = '" umgerechnete Polare aus den Messungen an ei-
nem Tragflügel mit Je =5 zeigt Bild 3.26.

a (A. oo ) Polme für A =~


\ /-L .
.;r '"
Polare tür A = 5

A :_b_
L

(Nullwllrieb)

o ~~---------------------
'w

.~

."
Bild 3.26. Umrechnung einer Profilpolaren von endlicher auf unendliche Flilgel-
streckung

Für jeden Punkt der Polaren ergibt sich aus dem Verhältnis von Widerstand zu Auf-
trieb die sogenannte Gleitzahl

W Cw
€ = - = - - = tan "I. (3.151)
A cA
204

Wird im Polarendiagramm vom Koordinatenursprung die Tangente an die Polare ge-


zeichnet, so liegt im Berührungspunkt das günstigste Verhältnis von Widerstand zu
Auftrieb vor, d.h. eine optimale Gleitzahl ~ t. Der Auslegepunkt für die Beschau-
op
felung wird im allgemeinen in die Nähe dieses Optimalpunktes gelegt.

Die zuvor abgeleiteten Eigenschaften einer Tragflügelströmung lassen sich nur be-
dingt auf die Strömungsverhältnisse in Turbomaschinenbeschaufelungen übertragen.

Abgesehen von Propellern axialer Pumpen und Flüssigkeitsturbinen sind die


Lauf- und Leiträder von Strömungsmaschinen mit einer relativ großen Anzahl
periodisch angeordneter Einzelschaufeln bestückt, die sich gegenseitig beeinflussen.
Die periodis che Anordnung mehrerer Einzelschaufeln wird Schaufelgitter oder abge-
kürzt Gitter genannt.

In Bild 3.27 ist ein sogenanntes gerades ebenes Gitter darges tellt, das sich z. B.
durch Abwicklung eines koaxialen Zylinderschnittes eines Axialschaufelkranzes in
die Ebene ergibt.

Gitterfront-Austritt 2

Gitterfront-
Eintritt 1
Bild 3.27. Kennzeichnung eines gera-
den ebenen Gitters

Um die Stellung des Einzelprofils im Gitterverband ke nnzeichnen zu können, sind


neben den charakteristischen Tragflügelabmessungen weitere Angaben notwendig,
die wie folgt benannt sind:

Gitterteilung t : Entfernung gleicher Profilpunkte zweier benachbarter


Schaufeln.

Im Fall einer am Durchmesser D abgewickelten Axialbe-


schaufelung mit z Einzelschaufeln ist t = TI D/z.

Schaufelwinkel ßs : Winkel zwischen Gitterfront und Profilsehne.


205
Staffelungswinkel A: Winkel zwischen Gitterfrontnormale und Profilsehne
A= ßs - 90° •

Anstellwinkel a: Winkel zwischen der Profilsehne und der mittleren Strö-


mungsrichtung ßco' die durch die mittlere Geschwindigkeit
.... 1.... ....
w"" = 2" (w 1 + W 2) charakterisiert ist.

Teilungsverhältnis t/L: Verhältnis der Teilung t zur Profillänge L.

Das Teilungsverhältnis t/L ist ein Maß dafür, wie stark die Eigenschaften des Ein-
zelprofils im Gitterverband von den benachbarten Schaufeln beeinflußt werden.

Bei großen Teilungsverhältnissen, wie sie insbesondere aufgrund geringer Schaufel-


zahl bei Propellerpumpen und -turbinen im Bereich der hydraulischen Strömungsma-
schinen vorliegen, ist die gegenseitige Beeinflussung der Einzelprofilwirkungen ge-
ring. In diesem Fall kann die Profilauslegung auf die Tragflügeltheorie gestützt wer-
den.

Bei geringeren Teilungsverhältnissen, wie sie aufgrund der hohen Schaufelzahlen in


Verdi chtern und thermischen Turbinen üblich sind, liegt eine entsprechend große
gegenseitige Beeinflussung der Einzelprofileigenschaften vor, so daß bei der Ausle-
gung solcher Beschaufelungen der Gittereinfluß nicht vernachlässigt werden darf.

Um den Gittereinfluß zu erfassen, sind verschiedene Verfahren entwickelt worden.


So wird z.B. nach einem Verfahren von Betz [31] die Geometrie eines Einzelprofils,
dessen Tragflügeleigenschaften bekannt sind, so verändert, daß es im Gitterverband
die gleichen Eigenschaften, z.B. die gleiche Zirkulation r besitzt. Dieses Nähe-
herungsverfahren hat den Vorzug, daß die tabellierten Ergebnisse systematischer
Einzelprofiluntersuchungen benutzt werden können.

Eine weitere Möglichkeit, den Gittereinfluß bei einer Auslegung zu berücksichtigen,


beruht darauf, daß die aerodynamischen Eigenschaften eines Profils im Gitterver-
band unmittelbar an entsprechend gestalteten Gittern gemessen und in Tabellen, Dia-
grammen usw. katalogisiert werden. Derartige Untersuchungen sind von der NACA
(National Advisory Committee for Aeronautics) systematisch durchgeführt worden.
Die Ergebnisse sind in umfangreichen Katalogen niedergelegt.

Analog zu den am Tragflügel abgeleiteten Beziehungen hinsichtlich des Auftriebes A


bzw. des Auftriebsbeiwertes cA lassen sich entsprechende Zusammenhänge für das
Gitter herstellen. Um den Unterschied zur Einzelprofilbetrachtung zu verdeutlichen,
wird der Auftrieb des Profiles im Gitter mit Ai~ und der zugehörige Auftriebsbei-
wert mit cÄ bezeichnet.
206

Entsprechend der für das Einzelprofil in Gleichung (3.132) festgelegten Definition


des Auftriebsbeiwertes gilt für die Schaufel im Gitter

(3.152)

Um den Zusammenhang zwischen dem Auftriebsbeiwert cÄ des Gitters und den Pa-
rametern der reibungsbehafteten Gitterströmung herstellen zu können, soll der in
Bild 3.28 dargestellte Kräfte- und Geschwindigkeitsplan betrachtet werden.

Geschwindigkeitspion

Bild 3.28. Kräfte und Ge-


schwindigkeiten
Kräftepion am Profil im
Gitterverband

-> ->
Aus den Geschwindigkeiten w 1 am Eintritt und w 2 am Austritt wird eine mittlere
-> '
Geschwindigkeit w'" gebildet:

.. 1'" ->
w'" = '2( w 1 + W 2) •

Der Auftrieb A~} ist normal zur Geschwindigkeit w'" gerichtet, die Widerstands-
kraft F W wirkt parallel zu w",. Die resultierende Schaufelkraft F* läßt sich in ei-
ne Umfangskomponente F~ parallel zur Gitterfront und in eine axiale Komponente
F~ senkrecht zur Gitterfront zerlegen. Nach dem Impulssatz ist die Schaufelkraft-
komponente in Umfangsrichtung :

F* = rh( w 2 - w 1 ).
u u u

Für den Massenstrom ergibt sich nach der Kontinuitätsgleichung

rh P w m t b.
207

Für die Geschwindigkeitskomponenten gilt:

Weiterhin wird vorausgesetzt:

Die resultierende Schaufelkraft F~~ läßt sich nach dem Kräfteplan in Bild 3.28 einer-
seits durch

F*
F* _ u
- sin(1800 - ß
CI> + 'I)

und andererseits durch

cos "i

ausdrücken, so daß sich durch Gleichsetzen

F* cos Y
A* _ u
- sin( 180° - 13", + )')

ergibt. Mit der für F~ abgeleiteten Beziehung und unter Verwendung des Additions-
theorems für den Sinus ist

pw tb(w 2 -w 1 )cos)'
Aif m u u
= sin( 1800 - ß".,) cos y + cos( 180 0 - ß) siny

p w t b( w 2 - w 1 ) cos Y
A* _ m u u (3.153)
- sin 13"" cos y - cos 6"" sin y •

Unter der bereits benutzten Voraussetzung, daß der sogenannte Gleitwinkel y nur
sehr kleine Werte annimmt, gilt:

tan y = <.:* ~ sin y

und

cos y 0,; 1.
208

Wird die damit vereinfachte Beziehung für den Auftrieb A* in die Definitionsglei-
chung (3.152) des Auftriebsbeiwertes cÄ eingesetzt, so ist

(3.154)

bzw.

c* !:= l wm (w2u - w1) (3.155)


A t w2 sin ß", - e* cos ß", •
'"

Der Ausdruck c;t ~ wird als Belastungszahl oder auch als Gitterbelastung be-
zeichnet und stellt ein Maß für die Umlenkeigenschaften eines Gitters dar.

Je nach Profilform kann der Auftriebsbeiwert des Gitters Werte in der Größenord-
nung von

c;t = 0,8 bis 1,25

annehmen. Höhere Werte sind im allgemeinen wegen der Gefahr von Strömungsab-
lösungen nicht zu realisieren. Das Teilungsverhältnis z. B. eines Axialverdichter-
gitters hat wegen der zunehmenden reibenden Oberflächen eine untere Grenze, die
etwa bei t/L ~ 0,5 liegt. Damit ergibt sich für den Nabenschnitt eines Axialver-
dichtergitters ein Grenzbereich der Belastungszahl von etwa

if
CA !: ""
t1' 5 b"1S 2 ,5.

Um die bei einer Gitterströmung auftretenden Profilverluste bestimmen


zu können, werden meist Ergebnisse entsprechender experimenteller Gitterunter-
suchungen herangezogen.

Wird dabei, wie in Bild 3.29 dargestellt, die Geschwindigkeitsverteilung der Git-
terabströmung in mehreren Meßebenen ermittelt, so zeigen sich hinter jeder Schau-
fel sogenannte Nachlaufdellen, die mit größerwerdender Entfernung vom Gitter-
austritt durch Impulsaustausch mit der ungestörten Strömung abkHngen.

Sie stellen einen Impuls- bzw. Energieverlust der Strömung dar, der durch Druck-
und Reibungsverluste an den Profilen im Gitter verursacht worden ist.

Wird in einer inkompressiblen Strömung mit Hilfe der gemessenen Geschwindig-


keits- bzw. Totaldruckverteilung vor und nach dem Gitter eine Integration über die
Schaufelteilung t vorgenommen, so ergibt sich der Profilverlust jp gemäß
209

III?II?II?II?IIIII? CA
Meflebene .II

Il1lTr117Tllr!7mzz 1
Meflebene ][
!7771llfl!JJIIJl1IIIfJIII ~A
Meflebene I
Achs- I
richtung j

Bild 3.29. Zur Geschwin-


Gitterfront (Eintritt) E
digkei tsvertei 1ung
im Nachlauf eines
Schaufelgitters

.
Jp =t
1
+
f
t/2
PtA - PtE
P dt. (3.156)
- t/2

In der Praxis kann dieses Integral durch Planimetrieren der Totaldruckverteilungen


bestimmt werden.

Für die Messung des Abströmprofils wird in der Regel eine Meßebene gewählt, in
der die Druckunterschiede weitgehend ausgeglichen sind, jedoch noch deutlich Ge-
schwindigkeitsnachlaufdellen erkennbar sind, z. B. Meßebene II.

Der Zusammenhang zwischen dem gemessenen Profilverlust jp und der Wider-


standskraft F Wergibt sich gemäß
mjp = F'~W w co

bzw.
F'~ w
W co
jp m

Mit der Definition des Gitterwiderstandsbeiwertes C w


c'~
W

und

m=pw tb
m
210

ergibt sich

ci< P w"" b L w""


W
2 w;;, L
2 pw tb c{V TWt·
m m

Der Widerstandsbeiwert C wist über die Gleitzahl 0;;' des Gitters mit dem zugehö-
rigen Auftriebsbeiwert c~ verknüpft:

Mit dieser Beziehung wird

2 w t
m

Für hinreichend kleine Werte der Gleitzahl o;;f gilt für den Auftriebsbeiwert cl ge-
mäß Gleichung (3.154) näherungsweise :

w (w -w )
c lf "" !. ~ m 2u 1u
A L 2 sin ß
w ""
""
bzw. wenn Llw u (w 2u - w 1u ) gesetzt wird:

Damit ergibt sich

(3.157)

bzw.

(3.158)

Die vorstehende Beziehung ist unter der Voraussetzung abgeleitet worden, daß die
örtliche Geschwindigkeit w im Gitter nach Größe und Richtung dem konstant ange-
nommenen Mittelwert

entspricht.
211

Wird diese Bedingung aufgegeben und eine örtlich veränderliche Geschwindigkeit w


zwischen den Gitterfronten zugelassen, so gilt nach [35J für den Gitterverlust längs
eines differentiellen Strömungsweges :

2
E:~dw
wm u

Der Profilverlust jp ergibt sich durch Integration über den Strömungsweg zwischen
Gitterein- und austritt, bzw. über die Geschwindigkeitskomponente Wu zwischen
Ein- und Austritt.

Um diese Integration ausführen zu können, wird die örtliche Gleitzahl E: durch eine
über den Integrationsweg konstante mittlere Gleitzahl 1: ersetzt und weitergehend
angenommen, daß

ist.

Damit wird

Weiterhin gilt

2 2 2
w = wm + wu

und

Damit wird

1
w +-26w

w
E "'u
f1 u (2
w +w
2) dw. (3.159)
m m u u
w --6w
"'u 2 u

Nach Integration und Einsetzen der Grenzen ist


212

g
w
m

jp = e __
ßw u [w
2 + w2 + -1 (ß w ) 2] (3.160)
w m "'u 12 u
m

Diese Beziehung wird in Abschnitt 5.7 zur Bildung einer sog. Gitterverlustkenngrö-
ße benutzt.

3.3.7 Sekundärströmungserscheinungen

Sekundärströmungserscheinungen beeinflussen die Strömung in Kanälen und Beschau-


felungen ganz wesentlich, insbesondere dann, wenn große Druckgradienten quer zur
Strömungsrichtung vorhanden sind.

Das für den Mittelschnitt eines Ringkanals nach der Potentialtheorie berechnete Ge-
schwindigkeitsprofil zeigt nach einer 1800 -Umlenkung , wenn die Zuströmung als
homogen angenommen wird, ein Geschwindigkeitsmaximum am Innenradius (Bild
3.30) •

Bild 3.30. Nach der Potentialtheorie be-


rechnetes Strömungsprofil in
einem Ringkanal

Bei gemessenen Geschwindigkeitsverteilungen nach Bild 3.31 in dem gleichen Ring-


kan.al liegt das Maximum dagegen am Außenradius.

Das von der potentialtheoretischen Berechnung völlig abweichende reale Strömungs-


profil wird durch Sekundärströmungen verursacht, die laut Definition senkrecht
zur Hauptströmungsrichtung verlaufen und in Form von gegensinnig drehenden Dop-
pelwirbeln im Kanal auftreten.

Die Ursache für diese Sekundärbewegungen ist primär ein Anstieg des statischen
Druckes von der Kanalinnen- zur Kanalaußenwand infolge der Fliehkraft der auf ge-
213

Cm
m/s
!
I

I-tt-+-t--+-+-tf 20 _~ j __ 30\f-t-"~~-+-I
Cm
m/s

Bild 3.31. Gemessenes Strömungsprofil in einem Ringkanal nach [32J

krümmten Bahnen strömenden Fluidteilchen, wie aus den Bewegungsgleichungen in


Zylinderkoordinaten gemäß Tabelle 3.3 abgeleitet werden kann.

Diese Druckverteilung bewirkt zunächst eine Beschleunigung des in energiearmen


Zonen, z.B. in Grenzschichten, Nachlaufdellen, befindlichen Fluids in Richtung
des Druckgradienten. Aus Gründen der Kontinuität muß die abfließende Masse er-
setzt werden, so daß in energiereicheren Zonen eine Strömung in entgegengesetzter
Richtung einsetzt und ein Doppelwirbel entsteht.

Mit Hilfe eines partiell-parabolischen Differenzenverfahrens [25, 26, 27, 28J


lassen sich z.B. die Bewegungsgleichungen für die reibungsbehaftete Strömung in
einem Rohrkriimmer numerisch lösen [10J. In Bild 3.32 sind errechnete Isotachen
für die jeweiligen Krümmungswinkel dargestellt.

Eine Verlagerung des Geschwindigkeitsmaximums von der Mitte bei cp = 0° zum Au-
ßenrand bei cp = 90° ist deutlich zu erkennen.

Um die Sekundärströmungen selbst sichtbar zu machen, sind für denselben Rohr-


krümmer die Geschwindigkeitsvektoren der Sekundärströmung maßstäblich darge-
stellt worden (Bild 3.33).

Bereits nach kurzem Weg im Rohrkrümmer hat sich bei etwa cp = 30° der Doppel-
wirbel ausgebildet, wobei die Drehrichtung des Doppelwirbels so gerichtet ist, daß
das Fluid im Kanalinneren von der Mitte zur Außenwand und an den Seitenwänden in
Richtung des Druckgradienten von der Außen- zur Innenkrümmung transportiert
wird.
214

f{J = 10°

0 3,60
· 7,50
v 4,50
·• 8,20

. 5,30 m/s 8,40 m/s


+

6,00 · 8. 70
0
6,70 c
9,00
blr;n = 0,125

~. ~
~ .~ I
f{J = 50° f{J = 70° f{J = 90 --t

... , I
~
I

Bild 3.32. Isotachen einer reibungsbehafteten Rohrkrümmerströmung nach [10J

'"''li//''' ~,,,,\
\'\\\1//1 I • ' , , , • j
\'-..\\1//1 I \ ~ . I
''''>.II//"/
-- ..... , ' , - - I~:::::I -C>

--_:_~_;","-
_~_~_:::_~----' 1I~J
, 1 ' - - , .. --_ ......

blr;n =0,125
-
L _ \_
....
, = 30°
....-c
I

-- , --,
~:~;;;::\ r
, ~ ;-- ........ ,---,
I ' '\ \ I , , \

:,::I J
j , \ t t I , ~

I-
, I f j I!! f -C>

\ -
\ -
I f
I
I
I \
I , \ - I
-
1~
\:;::;~I
\ _//1\_, m
--" , '-- , s 1~ , ,11-s
" I L -_ _ _ _ _ _ _ I

f{J = 50° f{J = 90° '_-'=


I

Bild 3.33. Sekundärbewegungen in einer reibungsbehafteten ROhrkrümmerströmung


nach [10J
215

3.3.8 Kavitation

Jeder Stoff kann in Abhängigkeit von Druck und Temperatur in festem, flüssigem
oder gasförmigem Aggregatzustand auftreten.

Für Fluidenergiemaschinen sind definitionsgemäß nur der flüssige und gasförmige


Aggregatzustand von Bedeutung, so daß ausschließlich die Dampfdruckkurve , die
den für einen Stoff eigentümlichen Zusammenhang zwischen Dampfdruck und Tempe-
ratur wiedergibt. interessiert. Der Dampfdruck steigt bei allen Fluiden mit der
Temperatur an, wie am Beispiel des Wassers die Dampfdruckkurve in Bild 3.34
zeigt.

Cl
.Cl

c: 0.5
Q.

50 100
t in oe Bild 3.34. Dampfdruckkurve des Wassers

Wird in einer Flüssigkeitsströmung, z.B. in Schaufelgittern, örtlich der statische


Druck unter den der Fluidtemperatur entsprechenden Dampfdruck abgesenkt, so
bilden sich dort mit Dampf gefüllte Hohlräume, welche, durch die Strömung in Ge-
biete höheren Druckes transportiert, schlagartig zusammenfallen. Der gesamte
Vorgang wird als Kavitation bezeichnet und ist im allgemeinen bei Druckabsen-
kung zunächst akustisch, später auch optisch wahrnehmbar.

Die an der Saugseite der Laufschaufeln (Punkt K") bzw. der Leitschaufeln (Punkt
K') einer Radialpumpe sichtbaren Kavitationsblasen in Bild 3.35 sind mit Hilfe ei-
ner stroboskopischen Beleuchtung aufgenommen worden.

Die Dampfblasenbildung wirkt sich im allgemeinen sowohl auf das Betriebsverhalten


als auch auf das Material der betreffenden Strömungsmaschine aus;

- In Wandnähe wird die Grenzschicht abgelöst. Die Kavitationsgebiete engen den


freien Strömungsquerschnitt ein, was sich auch im Abknicken der Maschinenkenn-
linien äußert.
216

Bild 3.35 Bild 3.36

Bild 3.35. Kavitationsgebiete im Laufrad (KlO) und Leitrad (K') einer Pumpe
Bild 3.36. Durch Kavitation zerstörtes Pumpenlaufrad

- Die wandnahe Implosion der Dampfblasen kann eine Erosion der umströmten Ka-
nalwände bis zur vollständigen Materialzerstörung bewirken, wie in Bild 3.36
am Beispiel eines Pumpenlaufrades zu sehen ist.

- Als Folge des hohen Druckes beim Einsturz einer Dampfblase kann es in sauer-
stoffhaltigen Flüssigkeiten zu intensiven Kontakten zwischen Sauerstoff und Wand-
werks toff und damit zu einer gesteigerten Oxydation kommen.

- Als Folge der eben genannten intensiven Kontakte kann es in mineralhaltigen,


sauren oder basischen Flüssigkeiten zu erhöhten elektrolytischen Abtragungen
kommen, wenn bereits durch die Inhomogenitäten des Wandwerkstoffes galva-
nische Elemente vorliegen.

- Als Folge der hohen Drücke und Fluidgeschwindigkeiten bei der Blasenimplosion
wird eine mechanische Erosion eingeleitet, di e nach heutigem Kenntnisstand die
Haupturs ache für die Werkstoffz erstörung ist.

Mit Hilfe von Hochges chwindigkeitskameras ist der Zusammenfall von Kavitations-
blasen in Wandnähe untersucht worden [5], [14]. Dabei zeigt sich, daß die einzel-
nen Dampfblasen in kurzzeitige Schwingungen hoher Amplitude geraten. Die Blasen
werden zunächst an einer Seite eingestülpt und bewirken beim weiteren Zusammen-
fallen einen mikrofeinen Flüssigkeitsstrahl, der nahezu mit der Schallgeschwindig-
keit der Flüssi.gkeit, gegen die Wandfläche gerichtet, das Material mechanisch
hoch beansprucht und schließlich nach einer je nach Werkstoff unterschiedlichen In-
kubationszeit Teilchen aus der Werkstoffmatrix herauslöst. Die Einwirkung des ein-
zelnen Mikrostrahles dauert jeweils nur wenige Mikrosekunden.

Ein hoher Anteil an freien und gelösten Gasen in der Flüssigkeit begiinstigt La. den
Kavitationsbeginn und das Blasenwachstum . So wachsen z.B. Luftkerne , die an der
217

Oberfläche eines angeströmten Profils haften, nach der Ablösung von der Wand ex-
plosionsartig auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe an, obwohl der örtliche
Druck über dem Dampfdruck liegt. Gasarme Flüssigkeiten zeigen auch unterhalb
des Dampfdruckes keine nennenswerte Kavitation.

In die Dampfblase eindiffundierte Gase mindern in aller Regel jedoch die Implo-
sionsgeschwindigkeit der Blase und üben somit eine dämpfende Wirkung aus.

Untersuchungen an ebenen Gittern haben gezeigt, daß rauhe Oberflächen auf der
Saugseite im Bereich der Eintrittskante die Kavitationsneigung erheblich fördern.
Als Folge beginnender Kavitation werden Strömungsablösungen und Verminderung
des Auftriebs registriert. Ein zusätzliches Aufrauhen der Oberfläche durch Kavita-
tionserosion hat eine eskalierende Wirkung.

3.4 Kompressible Strömungen

Im Gegensatz zu den inkompressiblen Fluiden zeigen Gase und Dämpfe als kompres-
sible Fluide gemäß der Zustandsgleichung p = p (T ,p) neben der Temperaturabhän-
gigkeit auch eine starke Druckabhängigkeit ihrer Dichte. Weil für ein ideales Gas,
wie in Abschnitt 2.2 aufgeführt, ein relativ einfacher Zusammenhang zwischen den
Zustandsgrößen besteht, werden die nachfolgenden Betrachtungen der kompressiblen
Strömung darauf bezogen.

3.4.1 Schallgeschwindigkeit und Schallausbreitung


Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit einer kleinen Druckstörung dp in einem kom-
pressiblen Fluid sei mit a s und die Koordinate in Fortschrittsrichtung mit x be-
zeichnet. Nach der Kontinuitätsgleichung (3.31) gilt bei eindi mensionaler, statio-
närer Strömung:

Aus der Kettenregel ergibt sich:

das dp
p--+a - = 0
dx s dx

bzw.

da (3.161)
s
218

Die auf dieses Beispiel bezogene, unter Vernachlässigung des Schwerefeldeinflusses


angeschriebene Bernoulli-Gleichung (3.72) wird differenziert:

(3.162)

Aus der Kombination der Gleichungen (3.161) und (3.162) folgt:

_ a 2 dp = _ iP.
s pp'

Für kompressible Fluide ergibt sich also eine endliche Fortpflanzungsgeschwindig-


keit a s einer Druckstörung , die als Schallgeschwindigkeit bezeichnet wird. Für
dr --> 0, d.h. für inkompressible Fluide, resultiert dagegen eine theoretisch un-
endlich hohe Fortpflanzungsgeschwindigkeit einer Druckstörung , d. h. die Schallge-

*
schwindigkeit in einem reibungslosen, streng inkompressiblen Fluid ist unendlich
groß. Da bei der Bernoulli-Gleichung (3.162) ein reversibler Prozeß zugrunde
liegt, wird statt des totalen ~ auch der partielle Differentialquotient geschrie-
ben, um anzudeuten, daß die Zustandsänderung der Druckstörung isentrop ver-
läuft .

(3.163)

Für eine isentrope Zustandsänderung eines idealen Gases gilt:

Mit der Gasgleichung (2.60) kombiniert, ergibt sich:

bzw.

a
s
= v;-RT. (3.164)

Die Größe der Schallgeschwindigkeit im idealen Gas hängt neben den Stoffgrößen nur
von der Gastemperatur ab. Da die Temperatur in einer Strömung i.a. örtlich ver-
schieden ist , wird a s auch als örtliche Schallgeschwindigkeit bezeichnet.
219

Das Bild 3.37 stellt die Ausbreitung einer kleinen. punktförmigen Druckstörung in
einem ruhenden Gas dar.

Entstehungsort Bild 3.37. Zur Schallausbreitung in ruhendem Gas

Um den Entstehungsort breiten sich mit Schallgeschwindigkeit Druckwellen aus. die


zu aufeinanderfolgenden Zeitpunkten konzentrische Kugeln bilden. Der Kugelradius
r i zum Zeitpunkt \ ergibt sich aus r i = a s \ .

Wird die punktförmige, ruhende Störquelle mit der Geschwindigkeit c eines Gases
angeströmt, so verlagern sich die Störfronten entsprechend der Anströmgeschwin-
digkeit.

C< Os

/
Störquelle
Bild 3.38. Zur Schallausbreitung in strömendem
Gas (c < a.)

Bei Anströmgeschwindigkeiten c, die kleiner als die Schallgeschwindigkeit a s


sind, bilden gemäß Bild 3.38 die Störfronten zu verschiedenen Zeitpunkten Kugeln,
deren Mittelpunkte stromabwärts verschoben liegen.

Bei Anströmgeschwindigkeiten c, die größer als die Schallgeschwindigkeit a s sind,


werden die Mittelpunkte der kugeligen Störfronten soweit stromabwärts verscho-
ben, daß die Störfronten innerhalb eines Kegels mit dem halben Öffnungswinkel Cl'

liegen, wobei die Störquelle in der Kegelspitze liegt (Bild 3.39) .


220

Machsehe Linie

IX

----
c>os I tO.<:'+-H--H<>-----of-,---b

Stiirquelle

Bild 3.39. Zur Schall ausbreitung in strömendem


Gas (c> a.)

Der Kugelmittelpunkt ist zum Zeitpunkt t i um den Weg ct i stromabwärts gewandert.


Dabei hat die kugelförmige Störfront den Radius a t. angenommen. Aus den geo-
s 1
metrischen Verhältnissen läßt sich ablesen:

a t. a
.
Sin 0/ =-cs - 1 s
t. = -C •
(3.165)
1

Das Verhältnis aus Strömungsgeschwindigkeit c und Schallgeschwindigkeit a s wird


als Mach-Zah l bezeichnet.

(3.166)

Mit der Mach-Zahl läßt sich Gleichung (3.165) schreiben:

. 1
Sin 0/ =- (3.167)
Ma '

d. h. mit größer werdender Mach-Zahl wird der Winkel 0/ kleiner.

Insbesondere gilt:

Ma = 1:
Ma = 2:
Der Winkel a zwischen der Kegelmittel- und der Kegelmantellinie wird als Mach-
scher' Winkel, die den Kegel erzeugenden Geraden, d.h. die im Meridianschnitt
des Kegels sichtbaren Mantellinien werden als Machsehe Linien bezeichnet.
221

3.4.2 Isentropes Ausströmen


Da bei bestimmten Prozeßabläufen in Fluidenergiemaschinen Gase zwischen Ar-
beitsräumen unterschiedlicher Drücke überströmen, soll idealisiert ein aus einem
Kessel reibungsfrei ausströmendes Gas betrachtet werden (Bild 3.40).

Co = 0

~ - - - - .--.----f--
~ P
T
9
Bild 3.40. Zum Ausströmen aus einem Kessel

Der Gaszustand im Kessel wird durch die Werte PO' PO' TO des Ruhezustandes,
d.h. bei Co = 0 beschrieben, während die Ausströmgeschwindigkeit c sowie die
Dichte P und die Temperatur T bei vorgegebenem Druck p bestimmt werden sollen.

Uber die Isentropenbeziehung und die Gasgleichung lassen sich Dichte und Tempera-
tur in Abhängigkeit vom Druckverhältnis plPo ermitteln:

(
1

..2...- ..E... )
~

Po - Po ' (3.168)

~ - 1

_
T - ( .E.. )
TO - Po
~ • (3.169)

Die Ausströmgeschwindigkeit ergibt sich aus dem Energiesatz, nach dem für einen
Strömungsvorgang die Totalenthalpie konstant ist:

(3.170)

Wegen Co =0 geht diese Gleichung über in:

(3.171)
222

Um c in Abhängigkeit vom Druckverhältnis p/PO darstellen zu können, wird c auf


die maximal erreichbare Geschwindigkeit bezogen, die sich ergibt, wenn T =0
wird:

(3.172)

Das Geschwindigkeitsverhältnis lautet somit als Funktion des Temperatur- bzw.


Druckverhältnisses :

c (3.173)
c
max

Ebenso läßt sich die Mach-Zahl in Abhängigkeit vom Temperatur- bzw. Druckverhält-
nis darstellen:

c c c max c
Ma
a
---
c
-a- -
c
s max s max

Ma = lr- 2 -
Y )1. - 1
Y T0 _ 1
T

bzw.

Ma = Y- )1.
2
- 1
(3.174)

Hieraus kann das sogenannte kritische Druckverhältnis p"/pO ermittelt werden, bei
dem das Gas gerade mit der Schallgeschwindigkeit a s strömt. Aus der Bedingung
Ma = 1 resultiert das kritische Druckverhältnis :

(3.175)

Speziell für )t 1,4, d.h. für zweiatomige Gase wie z.B. Luft ergibt sich E: -_
PO
0,528.
223

Die übrigen kritischen Werte ergeben sich durch Einführen von Gleichung (3.175)
in die entsprechenden Beziehungen. So gilt z.B. für die kritische Dichte:

1 1
.L
if -
Po -
(*)i:\
E.:.
Po
- (_ _ ~
-
2
11. + 1
) (3.176)

Üblicherweise wird die sogenannte Massenstromdichte p c dadurch dimensionslos


gemacht, daß sie auf die kritischen Werte p" C if bezogen wird. Durch Erweitern
mit Po c max folgt zunächst:

~ -L. _c_ Po c max


pif C if - P
o
c
max
P* ~.

Werden die Gleichungen (3.168), (3.173), (3.175) und (3.176) eingeführt, so er-
gibt sich nach Umformung:

(3.177)

Im oberen Teil des Bildes 3.41 sind die Gleichungen (3.168), (3.169), (3.173) und
(3.177) für ein Gas mit dem Isentropenexponenten )( = 1,4 dargestellt.

Aus dem unteren Teil des Bildes 3.41 ist zu entnehmen, daß im Unterschallbereich
(Ma< 1) das Druckverhältnis plPO größer, dagegen im Überschallbereich (Ma > 1)
kleiner als das kritische Druckverhältnis p" Ipo ist, d. h. :

..E...> ~ (Unterschallbereich) ,
Po Po

n< n if
.L.. L..- (Überschall bereich) •
Po Po

Aus dem Diagramm läßt sich der Zusammenhang zwischen der Änderung des Strom-
röhrenquerschnitts und der Änderung der Geschwindigkeit entnehmen, der nach
Bild 3.42 prinzipiell dargestellt ist.

Wie der Kurvenverlauf der bezogenen Stromdichtefunktion zeigt, hat

pc A*
pif C if =A
224

0.2 0.4 I 0.6 0.8 1.0


i PiPa

4.0 ---~
I
I I
3.0
~
-i--~i
. I
2.0 ,~--
I .

I
1.0

Bild 3.41. Bezogene Zustandsgrößen bei isen-


- - Überschall- -+-- Unterschall--1 troper Strömung

Unterschall Überschall
Ma<l Ma>l

c wächst
V CD
c föllt
CD ~ Bild 3.42. Zur Wirkung von Düsen und
Diffusoren im Unter- und
Überschallbereich

beim kritischen Druckverhältnis seinen Maximalwert 1. Da sowohl im Über- als


auch im Unterschallbereich A größer als A~' ist, stellt A~' den engsten Querschnitt
dar, in dem das Gas bei kritischem Druckverhältnis mit Schallgeschwindigkeit
strömt. Um eine Strömung mit Überschallgeschwindigkeit zu erzeugen, muß des-
halb hinter der engsten Stelle der Querschnitt erweitert werden. Diese sogenannte
Laval-Düse ist im unteren Teil von Bild 3.43 dargestellt.
225

E
Po
1

P' --.- - ----


Po

----1
1
1(4)
I

Bild 3.43. Druckverlauf in einer Laval-Düse

Bis zur engsten Stelle strömt das Gas mit Unterschallgeschwindigkeit , erreicht im
Querschnitt A" die Schallgeschwindigkeit und wird danach weiter beschleunigt. Im
oberen Teil des Bildes 3.43 ist der Verlauf des Druckverhältnisses piPa über der
Längsachse der Laval-Düse aufgetragen. Es ist zu sehen, daß das Druckverhältnis
im engsten Querschnitt den kritischen Wert p'f/Pa annimmt und danach gemäß Bild
3.41 im Überschall bereich weiter fällt.

Um also mit Hilfe einer Laval-Düse eine Überschallströmung zu erhalten, muß am


Austritt ein ganz bestimmter Druck angelegt werden, der sich aus dem Druckver-
hältnis P A/pa der Kurve (4) ergibt. Den Verlauf des Druckverhältnisses bei einer
reinen Unterschallströmuug zeigt Kurve (1). Zwar fällt der Druck bis zur engsten
Stelle der Laval-Düse ab, erreicht aber dort nicht den kritischen Wert und steigt
wieder an.

Der Druckverlauf gemäß Kurve (2) stellt sozusagen eine Grenzkurve dar, bis zu
der bei Anlegen eines entsprechenden Austrittsdrucks die Strömung in der Düse
noch im Unterschallbereich verläuft. Werden Gegendrücke angelegt, die im Be-
reich zwischen den Kurven (2) und (4) liegen, kommt es im divergenten Teil der
Laval-Düse zu einer unstetigen Druckerhöhung, einem sogenannten Verdichtungs-
stoß (Abschnitt 3.4.4), der durch Kurve (3) dargestellt ist.

Ein Zusammenhang zwischen der örtlichen Schallgeschwindigkeit und der Schallge-


schwindigkeit des Ruhezustandes läßt sich z.B. beim Ausströmen aus einem Kessel
studieren, wobei wiederum angenommen wird, daß der Ruhezustand im Kessel kon-
stant bleibt. In Gleichung (3.171) wird die spezifische Wärmekapazität c
P
= __
)1,
)1,_
- 1
R
eingeführt:
226

Mit der Gasgleichung und der Isentropenbeziehung folgt schließlich für die Aus-
strömgeschwindigkeit aus dem Kessel nach Bild 3.40:

(3.178)

Für die örtliche Schallgeschwindigkeit nach Gleichung (3.164) gilt mit Gleichung
(3.168):

(3.179)

Werden die beiden Gleichungen (3.178) und (3.179) kombiniert, so ist:

Da der Ausdruck Vl< PoPo gerade die Schallgeschwindigkeit a O im Ruhezustand dar-

stellt, ergibt sich:

a s2 = a O
2 - -
li-1
2- c 2 , ( 3.180 )

d.h. die örtliche Schallgeschwindigkeit a s eines Gases wird mit größer werdender
Geschwindigkeit c kleiner. Das Maximum von a wird im Ruhezustand (c = 0) er-
s
reicht.

Wenn ein Gas gerade mit Schallgeschwindigkeit (c = a ) strömt, wird die nach Glei-
s
chung (3.180) definierte Geschwindigkeit kritische Geschwindigkeit a i ' , oder auch
Laval-Geschwindigkeit genannt:

2 PO){ - 1 ><2
a" =)( - - - 2 - a" ,
Po

a" = V~RT
1 O·
){-t
(3.181)

Eine in der Literatur außerdem verwendete Geschwindigkeit ist die schon in Glei-
chung (3. 172) definierte Grenzgeschwindigkeit c ,die auch Crocco-Geschwindig-
max
227

keit genannt wird. Für ein ideales Gas folgt für die Crocco-Geschwindigkeit:

c max =V22-1RTO. (3.182)


l1.-

Neben der örtlichen Mach-Zahl eines Gases gemäß Gleichung (3.166) ist es üblich,
die Gasgeschwindigkeit c auf die Laval-Geschwindigkeit a* bzw. auf die Crocco-Ge-
schwindigkeit c max zu beziehen. Die auf a if bezogene Geschwindigkeit c wird auch
Laval-Zahl genannt:

La = c'c • (3.183)
a"

Die auf c max bezogene Geschwindigkeit c wird auch als CY'occo-Zahl bezeichnet:

Cr = _c_. (3.184)
c
max

Die mit ,dem Totalzustand, d.h. mit der Ruhetemperatur TO gebildeten Geschwin-
digkeiten a* und c sind für ein Gas konstante Größen, so daß sowohl die La-
max
val- als auch die Crocco-Zahl bei isentroper Zustandsänderung proportional zur ört-
lichen Geschwindigkeit c der Strömung sind. Beide Zahlen werden deshalb im Ma-
schinenbau oft dazu verwendet, um Strömungsgleichungen dimensionslos zu machen.

Zur Berechnung des Massenstromes werden die Gleichungen (3.168) bis (3.171) in
die Kontinuitätsgleichung (3.33) eingesetzt:

bzw.

(3.185)

wobei eine DUY'chflußfunktion ~ eingeführt wird:

(3.186)
228

Bei konstantem Kesselzustand PO' Po hat die Durchflußfunktion ljJ ein Maximum ljJ{f
beim kritischen Druckverhältnis nach Gleichung (3.175) mit dem Wert

(3.187)

Nach den bisher beschriebenen Zusammenhängen ist die im engsten Querschnitt Alf
maximal erreichbare Geschwindigkeit die Schallgeschwindigkeit, die sich auch durch
eine weitere Druckabsenkung nicht mehr steigern läßt. Deshalb behält auch die
Durchflußfunktion ljJ nach Unterschreiten des kritischen Druckverhältnisses den
Wert ljJ = ~lf bei.

Damit ergibt sich zur Berechnung des Massenstromes bei isentropem Ausströmen
aus einem Kessel die Beziehung

(3.188)

mit

(3.189)

bzw.

K + 1

ljJ = K(_21 )~
K + (3.190 )

Der Verlauf der Durchflußfunktion ljJ (fo, K) ist für verschiedene Isentropenexponen-

ten K in Bild 3.44 dargestellt.

Um Einflüsse, wie z.B. Reibung, Strahlkontraktion usw. auf den Massenstrom bei
Ausström vorgängen zu erfassen, wird ein Korrekturfaktor , die sogenannte Durch-
flußzahl 0:', in Gleichung (3.188) eingeführt:

Die Durchflußzahl O! hängt nach [36J von geometrischen Größen, der Mach-Zahl und
der Reynolds-Zahl ab.
229

';>. 0.4

0,2

-j-
I
Bild 3.44. Durchflußfunktion $ fiir
0.2 0,4 0.6 0.8 1.0 isentropes Ausströmen aus
p* p einem Kessel bei verschie-
p; Po denen Isentropenexponenten

Beispiel 3.2:

Von einer Laval-Düse, die Luft auf Uberschallgeschwindigkeit beschleunigen soll. sind folgende
Daten bekannt (Bild 3.43) :

lsentropenexponent k =K 1,4 (ideales Gas)

Gaskonstante R = 287 J/kg K

Ruhetemperatur K

Druck am Austritt bar

Kritisches Querschnittsverhältnis A*/AA = 0,8

Es werden die Zahlenwerte folgender Größen gesucht:

Ruhedruck PO' kritischer Druck p*, Temperatur TA' Dichte PA' Geschwindigkeit cA' Laval-
Zahl La und Crocco-Zahl Cr am Düsenaustritt .

Mit Gleichung (3.177)

>< - 1

1 - (:~ )

2 )~l~
(~ r~

ist ein Zusammenhang zwischen dem Druckverhältnis (PA/PO) und dem Querschnittsverhältnis
(A*/AA) gegeben, aus dem sich der Druck Po iterativ bestimmen läßt. Aus Bild 3.41 läßt sich
ein Startwert für PA/PO bei dem kritischen Querschnittsverhältnis A*/AA = 0.8 zu

entnehmen.
230

Die Iterationsrechnung ergibt schließlich

Daraus resultiert der Ruhedruck gemäß

Po = P A /O,235 = 1/0,235 = 4,255 bar.

Aus Gleichung (3.175) folgt der kritische Druck p*:

><. 1,4

P* = Po ( -
2
-
)~ = 4 255 ( _2
2,4
)0,4 = 2,248 bar.
><. + 1 '

Die Austrittstemperatur ergibt sich aus Gleichung (3.169)

><. - 1
~
TA = T 0 (:~) ><. = 290 0,235 1 ,4 = 191,7 K.

Damit kann die Dichte PA am Düsenaustritt berechnet werden:

PA 100000 3
PA = RT A = 287.191,7 = 1,817 kg/m .

Die Austrittsgeschwindigkeit cA ergibt sich aus Gleichung (3.171)

cA = V2 ><.: 1 R(T O - TA)' = V2 1,~'~ 1 287· (290 - 191,7) = 444,3 m/s.

Die Laval-Geschwindigkeit a* wird nach Gleichung (3.181) zu

a* = y~ R T = V~ . 287 • 290 = 311, 6 m/ s


><+10 1,4.1

errechnet. Damit ergibt sich die Laval-Zahl zu

cA 444,3
La=ä;*= 311,6 = 1,426.

Nach Gleichung (3.182) ergibt sich für die Crocco-Geschwindigkeit

c max = Y ~
2>< R T = y2.14
O
/
~. 287 • 290 = 763,3 m s,

woraus die Crocco-Zahl

resultiert •
231

3.4.3 Adiabate Rohrströmung


Für Überschlagsrechnungen zur Bestimmung der Verluste in den Kanälen einer
Fluidenergiemaschine wird oft der folgende Zusammenhang zwischen spezifischer
Dissipation j und Strömungsgeschwindigkeit c angenommen:

(3.191)

Dabei ist C eine Widerstandszahl , die meist empirisch bestimmt wird. Für die
Rohrströmung läßt sich ein Zusammenhang zwischen dieser Widerstandszahl und
der Rohrreibungszahl A herstellen.

Die Reibungskraft an der Wand eines Rohres, das den Umfang U und die Länge L
hat, ergibt sich aus der Wandschubspannung TW :

FR=TWUL.

Hiermit folgt für die Reibleistung :

bzw. für die spezifische Dissipation unter Verwendung der Kontinuitätsgleichung:

PR TW U L c
=Ih= pcA

Wird ein Rohr mit Kreisquerschnitt zugrunde gelegt, so ist

Ein Vergleich mit Beziehung (3.191) ergibt für die Widerstandszahl C folgenden
Zusammenhang:

8 TW
Es ist üblich, für den Faktor --2- die Rohrreibungszahl A einzuführen, so daß
p c
gilt:

(3.192)
232

Damit geht Gleichung (3.191) über in

(3.193)

Für die Rohrströmung ist die Abhängigkeit der Rohrreibungszahl A von der Rey-
nolds-Zahl untersucht worden, wobei die Reynolds-Zahl mit der mittleren Rohr-
strömungsgeschwindigkeit und dem Rohrdurchmesser gebildet worden ist.

Um die Rauhigkeit des Rohres zu berücksichtigen, wird der dimensions lose Para-
k
meter (; verwendet. Dabei ist die sogenannte Sandrauhigkeit k s als die "Höhe"
unendlich dicht angeordneter gleich großer Sandkörner aufzufassen.

Dabei haben sich je nach Bereichen der Reynolds-Zahl unterschiedliche Widerstands-


gesetze ergeben, von denen fünf in Bild 3.45 dargestellt worden sind [4J:

CD Hagen-Poiseuille A = ~! . (3.194)

Im laminaren Strömungsbereich, d.h. unterhalb der kritischen Reynolds-Zahl


Rek , ist die Rohrreibungszahl A nur von der Reynolds-Zahl und nicht von der
relativen Rauhigkeit abhängig.

Die vier weiteren Gesetze gelten für die turbulente Ström ung.

@ Blasius: A=~,316 für 2,3 .10 3 <Re<1. 10 5 (3.195)


YRe
® Prandtl: _1_ = 2 log(Re "'(Ä) - 0,8 für Re> 1 • 10 5 • (3.196)
VI
Die Gesetze von Blasius und Prandtl gelten für hydraulisch glatte Rohre. Die
Rauhigkeit der Wand ist so gering, daß sie A nicht beeinflußt.

® Colebrook: - 1 = 1,74 - 2 log (2~


ks + ~
18 7) (3.197)
r>:

Re rA

Die Rohrreibungszahl A ist eine Funktion der Reynolds-Zahl und der relati-
ven Rauhigkeit.

® v. Karm(m: - 1 = 1,74 - 2 log (2Dks ) • (3.198)


~
Die Rohrreibungszahl A hängt ausschließlich von der relativen Rauhigkeit ab.
233

0,100
0,080
\
0,060 : '\
'\
l1~
0,040 ~~ '\

0,030
\1 ~ ~ "-
-<
0,025 r--r- 1 ~ "-
0,020 I- - :
1 CD~ ~ ( 5)
1
T:
'-.;~ "-
0,015 f-

~ ~~ ~

0,010 ~
0,008
r+1 ! jQJ~ I--- "
] I 4 5 5 7
10 1 10 10
I
Re k

Bild 3.45. Reibungszahl A für Rohrströmungen

Die hier für die Rohrströmung gefundenen Ergebnisse lassen sich auch auf Strömun-
gen mit nicht-kreisförmigem Querschnitt übertragen, wenn als Durchmesser der
hydraulische Durchmesser D h eingeführt wird:

(3.199)

wobei A die Fläche des Strömungsquerschnitts und U der benetzte Umfang sind.
Für den Kreisquerschnitt sind hydraulischer und Kreisdurchmesser gleich.

Fanno-Kurven

Um die reibungs behaftete Strömung in einem horizontalen, adiabaten Rohr mit kon-
stantem Querschnitt beschreiben zu können, werden, wie in Bild 3.46 dargestellt,
die Geschwindigkeiten und Zustandsgrößen in zwei Kontrollflächen miteinander in
Beziehung gesetzt. Das Rohr soll an der Kontrollfläche E mit Unterschallgeschwin-
digkeit CE < a s durchströmt werden.

p; T; h

Bild 3.46. Zur Strömung in einem adia-


baten R ohr mit konstantem
adiabat Querschnitt A
234

Da in allen Querschnitten eines solchen Rohres ohne Zu- oder Abfuhr von Energie
die Totalenthalpien gleich sein müssen, gilt nach dem ersten Hauptsatz der Ther-
modynamik:

(3.200)

Nach der Kontinuitätsgleichung ergibt sich für das Rohr gleichen Querschnittes ei-
ne konstante Massenstromdichte :

rh cE c
A v
= v E = = const. (3.201)

Mit dieser Gleichung können die Geschwindigkeiten cE bzw. c in (3.200) elimi-


niert werden:

v~
( • )2
h E +""2~ =h + ~2 ( ~• ) 2 =const. (3.202)

Ist der Anfangszustand E bekannt, so läßt sich die spezifische statische Enthalpie
h an weiteren Orten des Rohres bei Vorgabe des spezifischen Volumens mit Hilfe
der Gleichung

h =h E + (~. )2(V~
""2 - ~
2) ( 3.203)

finden, wenn eine bestimmte Massenstromdichte rh/ A gewählt wird.

Werden die zu einer konstanten Massenstromdichte ermittelten Werte von h und v


in ein h,s-Diagramm (Bild 3.47) eingezeichnet und miteinander verbunden, so er-
geben sich die sogenannten Fanno-KuY'ven, die G. Fanno nach [18J 1904 in seiner
Diplom-Arbeit an der ETH-Zürich erstmalig beschrieben hat.

Aus dem Bild 3.47 läßt sich entnehmen, daß mit absinkendem Druck p längs einer
Fanno-Kurve das spezifische Volumen und damit die Geschwindigkeit zunimmt.

Wird der Druck im Rohr so weit abgesenkt, daß der Punkt U der Fanno-Kurve mit
den Zustandsgrößen s' und p' überschritten wird, so müßte die Entropie abneh-
men, was wegen des vorgegebenen adiabaten Systems gemäß dem zweiten Hauptsatz
235

Bild 3.47. Fanno-Kurven für Unterschall-


s' s strömung

jedoch ausgeschlossen ist. Die Fanno-Kurve ist daher in diesem Bereich für Ex-
pansionsprozesse als irreal nur gestrichelt gezeichnet.

Der Punkt U mit senkrechter Tangente an die Fanno-Kurve stellt einen Grenzfall
dar, für den ds = 0 gilt. Damit ergibt sich aus der Gibbsschen Gleichung (2.34):

Tds = dh - vdp = o.
Wird die in differentieller Form geschriebene Gleichung (3.202) :

dh + ( ~ ) 2 vdv = 0

mit Gleichung (2.34) kombiniert, so ergibt sich:

vdp + ( ~ ) 2 vdv = 0

(m)
A
2 _ QE _
- - dv - -
(~)
ov .
s

Mit der Kontinuitätsgleichung (3.201) folgt:

(~) s
bzw.

(3.204)
236

Wird v = 1/ P nach p differenziert, so ist:

(3.205)

Durch Kombination von Gleichung (3.204) mit Gleichung (3.205) ergibt sich die Ge-
schwindigkeit an der Stelle U:

Da sich als Grenzfall gerade die Schallgeschwindigkeit ergibt, ist für den einge-
zeichneten Fanno-Kurvenast die zugehörige Geschwindigkeit c stets kleiner oder
höchstens gleich der Schallgeschwindigkeit. Für die Mach-Zahl auf diesem Kur-
c
venast gilt entsprechend Ma ,,;; 1, insbesondere Ma E = a E < 1.
s
Wenn der Druck PA außerhalb des Rohres unter den Druck p' absinkt, wird im
Austrittsquerschnitt des Rohres der Druck p' und damit die Schallgeschwindigkeit
a s erreicht. Erst außerhalb des Rohres expandiert das Gas auf den Druck PA.

Wenn ein Fluid in das adiabate Rohr konstanten Querschnitt A (Bild 3.46) mit Uber-
schallgeschwindigkeit eintritt (cE> a s )' wird der Zustandsverlauf bei konstanter
Massenstromdichte nach der bereits abgeleiteten Gleichung (3.203) durch den un-
terhalb des Punktes U liegenden Ast der entsprechenden Fanno-Kurve beschrieben.
Damit muß in Strömungsrichtung bei reibungsbehaftetem Fluid die Entropie, die sta-
tische Enthalpie und der Druck zunehmen, während die Geschwindigkeit abnimmt
(Bild 3.48).

h
- ~Rayleigh-Kurve
\

ß '
u/
/
1 / 5, <52 . c2<os
unstetige
Zustandsänderung p/::
_-----L2- 11 !Ti =const
1 11 A
1 1
~~----------r--*-----hE
11
Bild 3.48. Zum geraden Verdichtungs-
5 stoß nach [18J

Im Punkt U erreicht die Strömungsgeschwindigkeit c die Schallgeschwindigkeit a s •


Dabei ist der Druck p auf den Druck pt angestiegen.
237

3.4.4 Verdichtungsstoß

Der an hand eines durch eine konstante Massenstromdichte gekennzeichneten unteren


Astes der Fanno-Kurve beschriebene Zustandsverlauf der Strömung kann nur auf-
recht erhalten werden, wenn eine für diesen Verlauf der Fanno-Kurve abgestimmte
Rohrlänge vorliegt. Übersteigt die Rohrlänge diesen Grenzwert, so tritt an einer
bestimmten Stelle des Rohres eine Unstetigkeit bezüglich des Druck- und Geschwin-
digkeitsverlaufes auf. Der Druck steigt schlagartig an und die Geschwindigkeit c
fällt unter die Schallgeschwindigkeit ab. Es kommt zu einem sogenannten geraden
Verdichtungsstoß im Rohr.

Kon rollroum

/ / '[,14 / / / / / / / / / /

CI
91 . PI

Ston Bild 3.49. Stoßfront in einem Rohr

Die Zustandsgrößen vor dem Verdichtungsstoß seien mit dem Index 1, die nach dem
Stoß mit dem Index 2 bezeichnet.

Auf den in Bild 3.49 eingezeichneten Kontrollraum angewendet, ergeben die Erhal-
tungssätze:

Kontinuitätsgleichung:

(3.206)

Energiesatz:

h ti = h t2 ,

2 2
Ci c2
hi + 2"" = h2 + 2""'

(3.207)
238

Impulssatz:

(3.208)

Der Impulssatz geht mit Gleichung (3.206) über in:

(3.209)

Durch Kombination der drei Erhaltungssätze (3.206), (3.207) und (3.209) können
die Geschwindigkeit c 2 ' die Dichte P2 und der Druck P2 hinter dem Verdichtungs-
stoß ermittelt werden, wenn die Zustandsgrößen vor dem Stoß bekannt sind:

1__2_ (1 _~
11. + 1 Pl
Pl)
2 '
(3.210 )
cl

(3.211)

Der Zusammenhang gemäß Gleichung (3.209) liefert für konstante Massenstrom-


dichten im h,s-Diagramm Kurven, die als RayZeigh-Kurven bezeichnet werden. Ei-
ne derartige Linie verbindet alle Zustände, welche wegen der infinitesimalen Dicke
des Kontrollraumes um den Verdichtungsstoß durch eine reibungsfreie Strömung ge-
kennzeichnet sind.

Für die gleiche Massenstromdichte ergeben sich gemäß Bild 3.48 zwei Schnittpunk-
te 1 und 2 der Fanno-Kurve mit der Rayleigh-Kurve, die den Zustand vor, bzw.
nach dem Verdichtungsstoß kennzeichnen.

Das vor dem Stoß mit Überschallgeschwindigkeit strömende Gas wird nach dem Stoß
unter Entropiezunahme sprunghaft auf Unterschallgeschwindigkeit verzögert, d. h.
es ist cl> a s > c 2 und damit P1 < P2 bzw. mit Gleichung (3.208) Pl <P2·

Ein "Verdünnungsstoß" beim Übergang vom Unterschall- in den Überschallbereich,


also vom oberen Teil der Fanno-Kurve zum unteren, ist nicht möglich, weil unter
Beachtung konstanter Massenstromdichte die Entropie im adiabaten System abneh-
men müßte, was aber dem zweiten Hauptsatz widersprechen würde.

Beim geraden Verdichtungsstoß, wie er bei der Rohrströmung gemäß Bild 3.49 auf-
tritt, verläuft die Stoßfront senkrecht zur Richtung der Überschallströmung •

Außer geraden Verdichtungsstößen können auch, z.B. bei der Strömungsumlenkung


239

durch Schaufeln, schräge VerdichtungssU5ße beobachtet werden, bei denen die


Stromlinien der Uberschallströmung an einer zur Anströmrichtung schräg liegenden
Stoßfront einen Knick erfahren.

Dieser Vorgang läßt sich so darstellen, daß einem geraden Verdichtungsstoß ein
konstantes Geschwindigkeitsfeld c t parallel zur Stoßfront überlagert wird, wie es
Bild 3.50 zeigt •

v
.. Stonfront Bild 3.50. Zum schrägen Verdich-
----=C'-n--I" ? tungsstoß

Der Winkel zwischen der ankommenden Strömung und der Stoßfront sei 01, der Ab-
lenkungswinkel zwischen der Strömungsrichtung vor und der nach dem Stoß sei Ii.
~ ~

Die Geschwindigkeitsvektoren Cl vor dem Stoß und c 2 hinter dem Stoß werden ge-
mäß Bild 3.50 in die Komponenten senkrecht und parallel zur Stoßfront zerlegt.

Um den Impulssatz (3.38) anwenden zu können, wird in Bild 3.50 eine Kontrollflä-
che eingezeichnet, die aus je zwei Stromlinien und je einer Parallelen zur Stoßfront
besteht. Bezüglich dieser Kontrollfläche lauten die Erhaltungssätze bei adiabater,
isentroper Zustandsänderung:

Kontinuitätsgleichung:
(3.212 )

Impulssatz:

(3.213)

Energiesatz:
240

Da das überlagerte Geschwindigkeitsfeld c t konstant ist, gilt c H = c 2t • Der Ener-


giesatz geht damit über in:

(3.214)

Werden Impuls-, Kontinuitäts- und Energiegleichung zusammengefaßt, so ergibt


sich folgende Gleichung für die Geschwindigkeiten c 1n und c 2n [6J:

(3.215)

Dabei ist ale die nach Gleichung (3.181) definierte Lavalgeschwindigkeit. Diese Be-
ziehung wird dazu benötigt, bei vorgegebenen Geschwindigkeiten cl' a * und dem
Winkel CY die Größe und Richtung der Geschwindigkeit c 2 eindeutig zu bestimmen.

Um die geometrischen Zusammenhänge besser zu erkennen, sind im Bild 3.51 vom


Ursprung eines Koordinatensystems (u, v) aus die vorgegebene Geschwindigkeit
Cl vor dem Stoß und die zum Ablenkungswinkel 6 gehörige Geschwindigkeit c 2 hin-
ter dem Stoß aufgetragen. Das verwendete Koordinatensystem ist so gezeichnet,
daß die Geschwindigkeit Cl in die u-Richtung fällt. Es sind außerdem die zu den
.... ...
Geschwindigkeiten Cl und c 2 gehörenden Komponenten u 1 bzw. u 2 und v 2 einge-
zeichnet.

Stonpolore
Bild 3.51. Zur Stoß polaren
241

Dem Bild 3.51 ist zu entnehmen:

c ln = u 1 sin CI,

Eingesetzt in Gleichung (3.215) ergibt sich:

2.2
u 1 sm CI - u 1 v 2 tan CI = a*2 -
~-12
~ + 2 u 1 cos
2
01. (3.216)

Um nur mit einer Winkelfunktion in Gleichung (3.216) arbeiten zu müssen, werden


sin 2
Q und cos 2 Q durch

. 2 tan 2
Sin 01 = 01
(3.217)
1 + tan 2 CI
'

2 1
cos er = (3.218)
1 + tan 2 CI

ersetzt.

Es ist andererseits

(3.219)

Durch Einsetzen der Gleichungen (3.217) bis (3.219) in die Gleichung (3.216) er-
gibt sich:

(3.220)

Dies ist die Gleichung der in Bild 3.51 eingezeichneten Stoßpo"laY'en. Sie beschreibt
~ ~
den Endpunkt des Vektors c 2 ' der dann festgelegt ist, we~n cl und a* vorgegeben
sind. Es läßt sich also aus Kenntnis der Geschwindigkeit cl und dem Winkel 0/ die
...
Geschwindigkeit c 2 nach dem Stoß mit Hilfe von Gleichung (3.220) ermitteln.

Speziell für v 2 =0 ergibt sich aus Gleichung (3.220):


242

Somit gilt:

(3.221)

Daraus folgt, daß die beiden Schnittpunkte P und Q der Stoßpolaren mit der u-Ach-
se über die Beziehung

verknüpft sind.

Da a if gerade die Laval-Geschwindigkeit darstellt, wird die Stoßpolare durch den


Kreis mit dem Radius a if um den Nullpunkt in zwei Teile zerlegt. Der Kreis grenzt
die Bereiche der Unter- und der Überschallgeschwindigkeit für c 2 ab.

Wenn die Komponente c t zu Null wird, liegt der gerade Stoß vor, d.h. eine Ge-
schwindigkeit c 1 > a* vor dem Stoß ergibt stets eine Geschwindigkeit c 2 < a if nach
dem Stoß. Der Strecke OP entspricht dann der Geschwindigkeit c 2 nach dem Stoß.

Nimmt c t positive Werte an, so ist es möglich, wie auch in Bild 3.51 eingezeich-
net, daß sowohl c 1 als auch c 2 im Überschallbereich liegen, wobei eine Winkel-
änderung der Strömung um den Winkel 6 stattfindet.

3.4.5 Potentialgleichung

Um analog zur inkompressiblen Strömung eine Potentialgleichung einer kompres-


siblen, ebenen. stationären. reibungsfreien und drehungsfreien Strömung abzulei-
ten, stehen neben der Kontinuitätsgleichung (3.31)

o( pc) 0 (pc )
___
x_+~=O
ox oy
die Bernoulli-Gleichung (3.70) in differenzierter Form unter Vernachlässigung des
Schwerefeldeinflusses

! dc 2 =! d( c~ + c~) =-i dp (3.222)


243

und die Bedingung der Drehungsfreiheit (3.81)

oc oc
.2_~-O
oy ox-

zur Verfügung.

Um aus der mittels der Kettenregel umgeformten Kontinuitätsgleichung

1 op oc x 1 op oc
-c - + - - + - c -+~=O (3.223)
P x ox ox p y oy oy

die Ableitungen der Dichte nach den Ortskoordinaten eliminieren zu können, wird
die Bernoulli-Gleichung (3.222) benutzt:

bzw. :

Da es sich um reibungsfreie Strömungen handelt, folgt mit Gleichung (3.163):

1. dp = _ 1. ~ d ( c 2 + c2 ) .
p 2 a2 x y
s

Für die x-Koordinate ergibt sich daraus:

(3.224)

bzw. für die y-Koordinate:

1
--op-
p oy - - a;1 (OC
x c oc )
c
oy
x --1l (3.225)
+ y oy •

Die Gleichungen (3.224) und (3.225) werden in die Kontinuitätsgleichung (3.223)


eingesetzt:
244

2
c2j
x oe x [ c j oc
J.~2-J.. c c [OC x~OC] (3.226)
[ 1 - a: OX + 1 - a: oy - a: Ty + ox = o.

Die Bedingung der Drehungsfreiheit wird durch das Einführen der Potentialfunktion
!Ii erfüllt, die den Beziehungen genügt:

c
o!Ii
=-
x ox

Mit der Potentialfunktion !Ii lautet die Gleichung (3.226):

(3.227)

Diese nichtlineare partielle Differentialgleichung für das Geschwindigkeitspotential


!Ii der kompressiblen, stationären, ebenen, reibungsfreien Strömung ist allgemein
nicht geschlossen zu lösen.

3.4.6 Prandtl-Regel

So ist es nach dieser Feststellung allgemein nicht möglich, von dem Verhalten eines
Schaufelgitters, das in einer UnterSChallströmung bestimmter Mach-Zahl untersucht
worden ist, auf sein Verhalten bei einer anderen Mach-Zahl im subsonischen Bereich
zu schließen, wenn Reibungseinflusse einmal unberücksichtigt sein sollen.

Wenn jedoch die Gitterschaufelform bestimmte vereinfachende Annahmen zuläßt, ge-


lingt es, Gleichung (3.227) zu linearisieren und damit eine diesbezügliche Umrech-
nung der Gittereigenschaften durchzuführen.

Für schlanke, schwach umlenkende Profilformen, wie z.B. die von Axialverdich-
tergittern (Bild 3.52), läßt sich in guter Näherung annehmen, daß sowohl die Ge-
schwindigkeitskomponente c y gegenüber der Anströmgeschwindigkeit c"" als auch die
oC oc Clc
Gradienten Cl;' at
und ~ klein sind. Mit dieser Annahme können die diesbezüg-
lichen Terme vernachlässigt werden.

c_ p
d71222ZZZZ22/z 2 2

'L x Bild 3.52. Geschwindigkeiten am


schlanken Profil
245

Damit geht die Bewegungsgleichung (3.226) über in:

Da Cx nur wenig von der Anströmgeschwindigkeit c"" abweicht, läßt sich schreiben:

Die Potential gleichung (3.227) reduziert sich damit auf eine nunmehr lineare Diffe-
rentialgleichung zweiter Ordnung:

(3.228)

Diese Gleichung unterscheidet sich von der Laplaceschen Differentialgleichung für


inkompressible Strömungen nur durch den Faktor (1 - Ma~) •

Mit einer Koordinatentransformation kann sie in die Laplace-Gleichung überführt


werden und damit Anschluß an deren Lösungsmethoden finden. Dazu sollen Strö-
mungsfelder, die durch Gleichung (3.228) beschrieben werden, verglichen wer-
den mit Feldern, bei denen die Geschwindigkeitskomponenten in x-Richtung erhal-
ten bleiben, während die y-Komponenten um einen Faktor j umzurechnen sind.
Werden die Komponenten durch Indizes gekennzeichnet, wobei i für inkompressibel
und k für kompressibel steht, so läßt sich schreiben:

(3.229)

(3.230)

Mit der Potentialfunktion folgt hieraus:

(3.231)

und
246

o~ ) . . ( o~ )
c yi = ( oy i = J c yk = J oy k· (3.232)

Für die Abszissen ergibt sich aus Gleichung (3.231):

(3.233)

und für die Ordinaten aus Gleichung (3.232):

(3.234)

Da die Gleichung (3.228) das kompressible Strömungsfeld beschreibt, erhalten die


einzelnen Terme den Index k und werden mit Hilfe der Gleichungen (3.231) und
(3.234) umgeformt:

(1-Ma;') (o2~) +(o2~) =0, (3.235)


ox k oy k

2
(1 - Mag) (o2~)
-2 1
+ 2" (o2~)
-2 = 0. (3.236 )
ox i J oy i

Wird der Transformationsfaktor für den Unterschallbereich gerade so gewählt,


daß gilt:

(3.237 )

so ergibt sich die Laplace-Gleichung für das Potential der inkompressiblen Strö-
mung:

(3.238)
247

Die Transformation (3.231) und (3.232) überführt also die linearisierte Potential-
gleichung (3.235) für das kompressible Strömungsfeld in die Potentialgleichung der
inkompressiblen Strömung. Die Berechnung der ebenen kompressiblen Strömung
kann also unter den getroffenen Annahmen auf die Berechnung der ebenen inkompres-
siblen Strömung zurückgeführt werden. Die Transformation, die zu diesem Ergeb-
nis geführt hat, wird als Prandtl-Rege l bezeichnet.

Es ist aufschlußreich, die Neigung der Stromlinien beider Felder zu vergleichen.


Ist "t der Winkel, den die Stromlinien mit der x-Achse eines Koordinatensystems
bilden, so folgt aus den Geschwindigkeitskomponenten für die inkompressible bzw.
kompressible Strömung:

c . c k
tan i'- = ..:JJ:. bzw. tan"t = ~ (3.239)
I c xi k c xk

Da nur die y-Komponente gemäß Gleichung (3.230) transformiert wird, ergibt sich
für die Neigungswinkel der Stromlinien aus den Gleichungen (3.239):

j c k
tan '\'i =~ = j tan '\'k· (3.240 )
Xl

Der Faktor j ist im Unterschallbereich nach Gleichung (3.237) stets größer als 1,
so daß für die Neigungswinkel der Stromlinien gilt: "ti > "tk . Für ihre Abstände
folgt dagegen aus Gleichung (3.234): llYi< lly k . Gleichwertige Strömungsverhält-
nisse zwischen kompressibler und inkompressibler Strömung liegen also dann vor,
wenn die Neigungswinkel der Stromlinien in inkompressibler Strömung entsprechend
Gleichung (3.240) steiler verlaufen und sie einen um den Faktor j verkleinerten Ab-
stand als in kompressibler Strömung haben.

Ein Profil muß demnach in der kompressiblen Strömung um den Faktor j schlanker
sein, um das gleiche Strömungsbild und damit die gleiche Druckverteilung hervor-
zurufen. Diesen Zusammenhang stellt Bild 3.53 dar.

a b

Bild 3.53. Zum Abstand der Stromlinien um ein Profil bei


a) kompressibler Strömung
b) inkompressibler Strömung
248

Die abgeleiteten Beziehungen können dazu verwendet werden, die eingangs erwähnte
Gitterumrechnung bei unterschiedlichen Mach-Zahlen durchzuführen.

Wie in Bild 3.54 dargestellt, ist bei einem vorgegebenen Gitter in inkompressibler
Strömung ein kartesisches Koordinatensystem so gewählt, daß die x-Achse in die
Richtung der Geschwindigkeit ;", = i (;1 + ;2) fällt.

Nach der Prandtl-Regel bleiben nun alle geometrischen Abmessungen des Profils in
x-Richtung unverändert, die Ordinaten sind dagegen gemäß der Gleichung

(3.241)

zu verkleinern. Ebenso müssen die Winkel ß 1 , ß2 , ßs ' ß", nach der Prandtl-Re-
gel umgerechnet werden.

Für den Winkel ß", folgt zunächst mit Gleichung (3.234):

bzw.

1
cot ß k = -:- cot ß .• (3.242)
'" J "'1

/
/~/
I /
i~ompressibel /

Bild 3.54. Zur Prandtl-Regel für ein ebenes Axialverdichtergitter


249

Die anderen Winkel lassen sich mit Hilfe von Gleichung (3.240) umrechnen. Es ist:

(3.243)

(3.244)

(3.245)

Die sich aus diesen Gleichungen ergebenden Richtungen der Geschwindigkeitsvekto-


.... ....
ren w 1 und w 2 sind in Bild 3.54 dargestellt. Es ist zu erkennen, daß das für die
kompressible Strömung ausgelegte Profil weniger stark umlenkt als das für die in-
kompressible Strömung.

Zur Umrechnung der Teilung t des Gitters wird der in Bild 3.54 aufgezeigte Zusam-
menhang zwischen den Koordinaten der Punkte i und k und den Teilungen t i und t k
benutzt:

bzw.

bzw.

Die Anwendung der Prandtl-Regel nach den Gleichungen (3.233) und (3.234) lie-
fert:

bzw.

woraus durch Einsetzen folgt:

\ cos ß"'k
bzw.
t k = cos ß"'i

Unter Verwendung der trigonometrischen Beziehung sin ß"'k = Y1 - cos 2 ß"'k er-
gibt sich hieraus für die Teilung des Gitters bei kompressibler Strömung nach ei-
ner Zwischenrechnung :

(3.246 )

Die Teilung muß also beim Übergang zur kompressiblen Strömung größer werden,
was auch in Bild 3.54 dargestellt ist.
250

Beispiel 3.3:

Für die kompressible Strömung durch ein ebenes Axialverdichtergitter sind folgende Daten gegeben
(Bild 3.54):

Isentropenexponent k = K 1,4 (ideales Gas)

Gaskonstante R = 287 J/kg K

mittlere Temperatur im Gitter T", = 290 K

Eintrittswinkel 150 °
o
Austrittswinkel 140

Meridiangeschwindigkeiten 120 mls


Teilungsverhältnis 1,18

Mit Hilfe der Prandtl-Regel sind der Umlenkwinkel (ß 1 - ß2 \ sowie das Teilungsverhältnis (~).
I
für die inkompressible Strömung zu berechnen.

Die komponentenweise Zerlegung der Geschwindigkeiten ist der nachfolgenden Skizze zu entneh-
men.

Zunächst wird der Winkel ß"'k der mittleren Relativgeschwindigkeit V;", = i(V;l + V;2) bestimmt.
Aus den geometrischen Zusammenhängen und unter Benutzung der Vorgabe w 1m = w 2m = w"'m er-
gibt sich

w
"'m 2
w 1u w 2u
-
w - +w- -
1m 2m

Die auftretenden Geschwindigkeitsverhältnisse können durch die Funktionen der Winkel ß 1k und ß2k
ersetzt werden

tan ß = 2 2 _ 0,684.
"'k cot ß1k + cot ß2k - cot 150 0 + cot 140°

Hieraus ergibt sich ß"'k = 145,6°.


251

Damit kann die mittlere Geschwindigkeit w'" berechnet werden

wm 120
w'" = -.-,,- = SIn
SIn I-'cpk
. 145 , 6 = 212,5 m/s.

Um den Umrechnungsfaktor j zu bestimmen, wird die Mach-Zahl Ma .. ermittelt:

w'"
Ma.. =--==== 212,5 = 0,622.
y" R T", Y 1,4 • 287 • 290

Damit ist nach Gleichung (3.237)

j = 1 = 1 = 1,277.
Y1-Ma;, Y1_0,622 2

Mit Hilfe der Gleichungen (3.242) bis (3.245) können nun die Winkel ß"'i' ß li , ß2i für die inkom-
pressible Strömung errechnet werden.

Aus

cot ß"'i =j cot ß"k = 1,277 • cot 145,6°

folgt ß"'i = 151,8°.

Aus

tan(ß 1 - ß"'}i = j tan(ß 1 - 1''''\ = 1,277 • tan(1500 - 145,6°} = 0,09826

folgt

(6 - 6 ). = (1'1 - 151,8). = 5,6°


1 .. 1 1

und damit

Aus

folgt

und damit
252

Für den gesuchten Umlenkwinkel ergibt sich somit:

Dieser Umlenkwinkel ist im Vergleich zu dem bei kompressibler Strömung

MI
k
= (il 1 - ß)
2 k
= 150° - 140° = 10°

erwartungsgemäß größer.

Die Berechnung des Teilungsverhältnisses erfolgt nach Gleichung (3.246)

ß"'I. + l sin 2 ß"'I"

(!!)
,t i
= 1,18 Ycos 2 151,8° + 1,277 2 sin 2 151,8° = 1,26.

Das Teilungsverhältnis im inkompressiblen Fall ist größer als im kompressiblen Fall.

Literatur zu Kapitel 3:

[1] Albring, W.: Angewandte Strömungslehre. 2. Auflage. Verlag Theodor Steinkopff,


Dresden 1966.
[2] Bourne, D.E.; Kendall, P.C.: Vektoranalysis. Teubner, Stuttgart 1973.
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[5] Lauterborn, W.; Hinsch, K.; Bader, F.: Hochfrequenzkinematographische und hologra-
phische Untersuchungen zur Dynamik von Kavitationsblasen. Forschungsbericht DFG/Ka-
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Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 1967.
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1960.
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New York 1980.
[9 J Truckenbrodt, E.: Fluidmechanik , Band 2. Springer-Verlag, Berlin , Heidelberg,
New York 1980.
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von Turbomaschinen • Diss. Ruhr-Universität Bochum 1982.
[11] Fister, W.; Zahn, G.; Adrian, F. - W.: Theoretische und experimentelle Untersuchungen
an Rückführkanälen hydraulischer Strömungsmaschinen. VDI-Berichte Nr. 424, 1981-
[12] Fister, W.; Zahn, G.; Tasche, J.: Theoretical and experimental investigations about
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253

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Compressible Duct Flow. Transact. ASME, J. of Fluids Engineering 101 (1979) 415-428.
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Development in a Centrifugal Impeller. in: Performance Prediction of Centrifugal Pumps
and Compressors, ASME Publication 1980.
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[30 J Schultz-Grunow, F.: Der Reibungswiderstand rotierender Scheiben in Gehäusen. ZAMM 15
(1935) 191-204.
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[32J Gruber, H.: Strömungen in Rückführkanälen von mehrstufigen Radialverdichtern. Diss.
Ruhr-Universität Bochum 1973.
[33J Jones, B.M.: The Measurement of Profile Drag by the Pitot Traverse Method. ARC RM
1688 (1936).
[34J Keune. F.; Burg, K.: Singularitätenverfahren der Strömungslehre. Verlag Braun,
Karlsruhe 1975.
[35J Dibelius, G.: Bewertung der strömungs- und festigkeitstechnischen Eigenschaften von
axialen Beschaufelungen. VDI-Berichte Nr. 264, 1976.
[36J VDI-Durchflußmeßregeln, DIN 1952, Ausg. 1971.
4 Ähnlichkeitsgesetze tür Fluidenergiemaschinen

Die Energieaustausch- und Strömungsvorgänge in Fluidenergiemaschinen werden


durch die Gesetze der Thermo- und Fluiddynamik beschrieben. Dabei zeigt es sich
jedoch häufig, daß bestimmte physikalische Erscheinungen und Zusammenhänge ei-
ner mathematisch-deduktiven Lösung unzugänglich sind, weil entweder eine vollstän-
dige mathematische Beschreibungsmöglichkeit fehlt, oder eine geschlossene Lösung
der Gleichungen bzw. Gleichungssysteme nicht möglich ist.

In solchen Fällen wird sowohl in der Thermo- und Fluiddynamik als auch im Be-
reich der Fluidenergiemaschinen die Modellversuchstechnik benutzt. Die dabei ge-
fundenen Ergebnisse lassen sich auf geometrisch ähnliche Konfigurationen und Sy-
steme übertragen, sofern über die geometrische Ähnlichkeit hinaus auch eine phy-
sikalische Ähnlichkeit der problembeschreibenden EinfZußgr8ßen gesichert ist.

Die geometrische Ähnlichkeit von Flächen und Körpern wird bekanntermaßen durch
einen dimensionslosen Maßstabsfaktor der charakteristischen Abmessungen festge-
legt. Zur Beschreibung der physikalischen Ähnlichkeit muß in analoger Weise zu
jeder Einflußgröße (z.B. Geschwindigkeit, Energie, Temperatur, Dichte, Zähig-
keit usw.) ein dimensionsloser "Maßstabsfaktor" , auch Kenngr8ße genannt, gebil-
det werden.

Stimmen diese problembeschreibenden dimensionslosen Kenngrößen bei der Modell-


untersuchung und im betrachteten Fall jeweils überein , so liegt physikalische Ahn-
lichkeit vor.

Bei der Vielzahl physikalischer Einflußgrößen , die in einer Fluidenergiemaschine


wirksam werden, ist es nicht immer möglich, vollkommene Ähnlichkeit z.B. zwi-
schen Modell und Original oder bei geänderten Fluidzuständen zu gewährleisten. Zur
Anwendung der Ähnlichkeitsmechanik ist es daher häufig notwendig, eine Abschätzung
bezüglich der Wirkung der einzelnen Einflußparameter vorzunehmen und Größen mit
untergeordnetem Einfluß zu vernachlässigen.

Auf diese Weise reduziert sich im allgemeinen erst das zu behandelnde Problem.
255

Die Gesetze der Ähnlichkeitsmechanik sind bei Anwendung im Bereich der Fluid-
energiemaschinen von zweierlei Bedeutung: zum einen erlaubt die Ubertragbarkeit
von Ergebnissen aus Modellversuchen die Berechnung von Auslegungsdaten von ähn-
lichen Maschinen verschiedener Größe und Leistung; zum anderen lassen sich prin-
zipielle Neuentwicklungen von Maschinen an Modellen durchführen. Außerdem ge-
stattet die Ähnlichkeitsmechanik die Umrechnung bzw. Superposition von Betriebs-
kennlinien einer Fluidenergiemaschine.

4.1 Bildung der Kenngrößen

4.1.1 Theorien zur Herleitung von ÄhnliChkeitsgesetzen

Dimensionsanalyse

Dieses von Buckingham 1914 entwickelte Verfahren besteht im wesentlichen aus der
Bildung von Potenzprodukten [1J. Es ist auch unter dem Namen TI -Theorem bekannt
und wird nach der Erläuterung weiterer Verfahren auf die Bildung der Maschi-
nenkenngr8ßen angewandt.

Fractional Analysis

Diese von Lord Rayleigh entwickelte Methode der gZeichartigen Gr8ßen [2J ist im
19. Jahrhundert auf vielfältige Probleme der Mechanik angewendet worden. Nach
diesem Verfahren werden Kenngrößen dadurch gebildet, daß physikalische Größen
gleicher Dimension sinnvoll miteinander ins Verhältnis gesetzt werden. Im Bereich
der Thermo- und Fluiddynamik sind dieses entweder Kräfte oder Energien.

Kraftverhältnisse :
In der Strömung innerhalb eines einfachen Systems können nach Abschnitt 2.1 fol-
gende Kräfte auftreten: Trägheitskraft F T' Druckkraft F D' Reibungskraft FR und
Schwerkraft F S •

Aus der Relation der Kräfte zueinander lassen sich Schlußfolgerungen auf den Strö-
mungscharakter ziehen.

Da die aufgeführten Kräfte jeweils in Proportionalität zu anderen Systemparametern,


wie Geschwindigkeit w, Länge L, Druck p, Dichte p, kinematische Zähigkeit v
und Gravitationskonstante g stehen, lassen sich die gebildeten Kraftverhältnisse
auch durch die genannten Parameter ausdrücken.

Nachstehend wird die Proportionalität der Strömungskräfte zu den wesentlichsten


Einflußgrößen angegeben:
256

2
Trägheitskraft: F T -w /L,

Druckkraft F D - p/p L,
2
Reibungskraft : FR ~ \I w/L ,

Schwerkraft F S ~ 'g.

Hieraus lassen sich 3 voneinander unabhängige Kraftverhältnisse bilden, z. B. :

FD
F =~ = Eu (Euler-Zahl) ,
T Pw

FT L
-F =~ = Re (Reynolds-Zahl) ,
R \I

FT
FS
= gW 2L = Fr (Froude-Zahl).

Energieverhältnisse :
Durch ähnliches Vorgehen ergeben sich nach Zierep [2J Kenngrößen der Strömung,
wenn die an einem Massenelement ausgetauschten Energien ins Verhältnis gesetzt
werden.

Diese Möglichkeit der Kenngrößenbildung stellt insofern eine Erweiterung dar, als
auch Kenngrößen bezüglich solcher Einflüsse gebildet werden können, die nicht mit
mechanischen Wechselwirkungen verbunden sind.

Dies ist z.B. bei Wärmeaustauschvorgängen wie Wärmeleitung, Konvektion und


Strahlung der Fall.

Da diese Erscheinungen für di e Behandlung der Fluidenergiemaschinen im Rahmen


dieses Buches nicht relevant sind, soll auf die Behandlung der zugehörigen Kenn-
größen verzichtet werden.

Methode der Differentialgleichungen

Dieses Verfahren [2] geht davon aus, daß ein physikalisches Problem durch ein Sy-
stem verschiedener Differentialglei chungen im Rahmen der getroffenen Annahmen
vollständig beschrieben ist. Außerdem wird vorausgesetzt, daß unter den vorliegen-
den Rand- und Anfangsbedingungen eindeutige Lösungen der Differentialgleichungen
existieren.

Ist ein so definiertes Differentialgleichungssystem einer analytisch geschlossenen


Lösung nicht zugänglich, so erweist es sich in bestimmten Fällen als nützlich, von
257

der Problembeschreibung mittels absoluter physikalischer Einflußgrößen auf eine


Beschreibung mittels dimensionsloser Größen überzugehen.

Dazu werden zunächst alle Einflußparameter dadurch dimensionslos gemacht, daß


sie auf jeweils physikalisch gleichartige Systemparameter bezogen werden (z.B.:
clc max ,piPa usw.).

Mit diesen dimensionslosen Größen werden nun die Differentialgleichungen sowie die
Rand- und Anfangsbedingungen entsprechend umformuliert.

Produkte und Quotienten dieser dimensionslosen Variablen innerhalb der Differen-


tialgleichungen lassen sich danach zu dimensionslosen Parametergruppen bzw.
Kenngrößen zusammenfassen, was einer Reduzierung der Gleichungsparameter
entspricht.

Die mit derartigen Kenngrößen aufgestellten Differentialgleichungen bilden die Ähn-


Zichkeitsgesetze des betrachteten Problems.

Lösungen dieser Gleichungen sind demgemäß auf alle gleichartigen Probleme an-
wendbar, die in den definierten Kenngrößen übereinstimmen und somit physikalisch
ähnlich sind.

Die Kenngrößenbildung nach der Methode der Differentialgleichungen ist für die Er-
mittlung von Maschinenkenngrößen im allgemeinen weniger geeignet, da eine um-
fassende mathematische Beschreibung aller relevanten physikalischen Einflüsse
meist nicht gegeben ist. Sie wird dagegen in bestimmten Teilbereichen, z. B. bei
der Behandlung von Grenzschichtströmungen erfolgreich angewendet.

Ähnlichkeitsgesetze durch Transformation der Variablen

Wie bei der Methode der Differentialgleichungen wird auch bei diesem Verfahren ei-
ne vollständige Problembeschreibung durch ein System von Differentialgleichungen
nebst zugehöriger Rand- und Anfangsbedingungen vorausgesetzt [2J.

In einigen Fällen läßt sich eine Lösung des Problems dadurch erreichen, daß durch
Transformation der unabhängigen und abhängigen Variablen die Zahl der unabhängi-
gen Variablen um mindestens eine reduziert wird.

Liegt z.B. eine partielle Differentialgleichung mit zwei unabhängigen Variablen als
Problembeschreibung vor, und ist es möglich, diese beiden Variablen zu einer di-
mensionslosen Variablen zusammenzufassen, so liegt bezüglich dieser dimensions-
losen Variablen eine gewöhnliche Differentialgleichung vor.
258

Die Lösung dieser Differentialgleichung gilt demgemäß für alle gleichartigen Pro-
bleme, die in den dimensions losen Variablen bzw. Kenngrößen übereinstimmen.

Ein solches Vorgehen wird z. B. bei der Lösung der Wärmeleitungsgleichung für den
eindimensionalen Fall angewandt. Eine systematische Kenngrößenbeschreibung der
Vorgänge in Fluidenergiemaschinen ist nach dieser Methode kaum möglich.

4.1.2 Bildung der Kenngrößen nach dem Buckingham-Theorem


Um die jeweiligen Kenngrößen zu erhalten, wird für einen physikalischen Vorgang
eine Mindestzahl von Einflußgrößen E gewählt, die das betrachtete System vollstän-
dig und eindeutig beschreiben. Diese Einflußgrößen E sind anschließend durch einen
geeigneten Faktor dimensionslos zu machen.

Mit der Zahl der im betrachteten Problem auftretenden Grundgrößen liegt die Zahl
der Bezugsgrößen B fest, die aus voneinander unabhängigen Einflußgrößen E zu
wählen sind (Tabelle 4.1).

Tabelle 4.1. Grundgrößen

Art des Problems Auftretende Grundgrößen Anzahl der notwendigen


Bezugsgrößen B

geometrisch Länge (L) 1

kinematisch Länge, Zeit (T) 2

dynamisch Länge, Zeit, Masse (M) 3

thermodynamisch Länge, Zeit, Masse,


Tem peratur (8) 4

allgemein physikalisch Länge, Zeit, Masse,


Temperatur, elektro
Ladung (Q) 5

In der Gesamtheit der gewählten Bezugsgrößen B müssen alle vorkommenden


Grundgrößen mindestens einmal enthalten sein. Dementsprechend läßt sich grund-
sätzlich eine Vielzahl von Kenngrößen K bilden. Um eine Inflation von Kenngrößen
zu vermeiden, sind heute im allgemeinen für die jeweils zu betrachtenden physika-
lischen Vorgänge bestimmte, besonders aussagefähige Kenngrößen vereinbart und
standardisiert worden (siehe z.B. VDI- Verdichter-Richtlinien VDI 2045 [3J).
259

Unabhängig von der Art der gewählten Bezugsgrößen ergibt sich stets die Anzahl der
Kenngrößen K als Differenz aus Einflußgrößen- und Bezugsgrößenanzahl.

K = E - B.

Nach der Wahl der Bezugsgrößen läßt sich durch eine Dimensionsanalyse das Po-
tenzprodukt der Bezugsgrößen ermitteln, das jeweils die betrachtete Einflußgröße
dimensionslos macht und somit die betreffende Kenngröße bildet. Auf diese Weise
ergeben sich aus allen Einflußgrößen, die nicht zugleich Bezugsgrößen sind, die
di mensionslosen Kenngrößen •

4.1.3 Empirisch gebildete »Kennzahlen«


Die bisher angesprochenen Theorien zur Bildung von Kenngrößen verfolgen das Ziel,
durch eine formale mathematische Behandlung der systembeschreibenden Einfluß-
größen bzw. Gleichungen zu dimensionslosen Kenngrößen und Kenngrößenfunktionen
zu gelangen, die eine möglichst umfassende Ähnlichkeitsbeschreibung des betrach-
teten Systems erlauben.

Neben den Kenngrößen, die aus derartigen Uberlegungen und Verfahren entstanden
sind, existieren "Kennzahlen", die ursprünglich mehr intuitiv gebildet oder als Er-
gebnisse meßtechnischer Untersuchungen entstanden sind. Hierbei handelt es sich
im allgemeinen um "Kennzahlen", die nicht einem umfassenden Kennzahlsystem an-
gehören, sondern lediglich die Ähnlichkeit bestimmter Teilbereiche des vorliegen-
den Problems beschreiben. Dabei ist zu beachten, daß nicht alle so gebildeten
"Kennzahlen" dimensionslos sind.

Beispiele für derartige "Kennzahlen" sind u.a. der älteren Literatur für Flüssig-
keitspumpen und -turbinen zu entnehmen. Bemerkenswert ist die darin enthaltene
und auch in der heutigen Maschinenbaupraxis noch anzutreffende spezifische Dreh-
zahl n •
q

Diese spezifische Drehzahl, auch Radformkennzahl genannt, ist wie folgt definiert:

Darin sind Ni und Qi Einheitswerte der Drehzahl und des Volumenstroms, die
sich auf eine Förderhöhe bzw. Fallhöhe von 1m und auf einen Laufraddurchmesser
von 1m beziehen.

Q 1' Q
= v-::- 2·
, H D1
260

Damit wird

mit der Drehzahl N, der Förderhöhe bzw. Fallhöhe H und dem Volumenstrom Q
der betrachteten Pumpe oder Wasserturbine.

Diese Kennzahl n hat die Dimension


q

und ist also nicht dimensionslos .

Als weitere empirisch gebildete Kennzahl in der älteren Pumpenliteratur soll die
Saugzahl S genannt werden, die folgendermaßen definiert ist:

Neben der Drehzahl N und der Durchflußmenge Q wird i1H als sog. Mindesthalte-
höhe und KaIs Geometriekennzahl

definiert, welche die relative Verengung des Saugmundquerschnittes durch die Lauf-
radnabe kennzeichnet. Die Mindesthaltehöhe i1H ist ein Maß für die Kavitationsge-
fährdung einer hydraulischen Strömungsmaschine.

Ein Dimensionsvergleich ordnet der Saugzahl S die Dimension

[m:: 2
]

zu, d. h. sie ist ebenfalls nicht dimensionslos .

Neben diesen dimensionsbehafteten "Kennzahlen", die sich für eine vollständige


Ähnlichkeitsbeschreibung weniger eignen, sind durch empirisches Vorgehen eine
Vielzahl dimensionsloser "Maschinenkennzahlen" gebildet worden, die z. T. heute
noch üblich sind und die sich in eine vollständige Ähnlichkeitsbeschreibung nach
einer systematischen Kenngrößenbildung einfügen lassen.
261

Einige dieser "Kennzahlen" unterscheiden sich von den im nächsten Abschnitt 4.2
formal abgeleiteten Kenngrößen nur durch Zahlenfaktoren oder dadurch, daß sie
zueinander in einem reziproken Verhältnis stehen.

In beiden Fällen wird die Ähnlichkeitsaussage nicht verändert. Es muß lediglich bei
einer Zahlenwertangabe für die jeweilige Kenngröße deren Definitionsgleichung be-
achtet werden.

Bei der nachfolgenden formalen Ableitung von Maschinenkenngrößen wird daher in


entsprechenden Fällen der Zusammenhang zwischen der abgeleiteten und der einge-
führten, gleichwertigen Maschinenkenngröße aufgezeigt.

4.2 Kenngrößenfunktionen für Strömungsmaschinen

Zunächst sollen für die Strömungsmaschinen charakteristische Kenngrößen nach der


Dimensionsanalyse abgeleitet werden. Um die Einflußgrößenbeziehung aufstellen zu
können, wird als System eine Strömungsmaschine nach Bild 4.1 gewählt. Dabei wer-
den zunächst keine Besonderheiten hinsichtlich der Fluideigenschaften (kompressi-
bel, inkompressibel) und der Prozeßführung (diabat, adiabat) vorgegeben.

T, • " : ' . " .p;

EA
Sth
. ,' . ' . - -0

Ne ~
~a
~~_.~~---------

(f)--

Bild 4.1. System "Strömungsmaschine" mit Einflußgrößen

Wie bereits in Abschnitt 2.1 vereinbart worden ist, wird die Strömungs maschine
als ein thermodynamisch einfaches System betrachtet. Demgemäß wird der ther-
modynamische Zustand am Maschinenein- und -austritt durch jeweils zwei Zustands-
größen (TE' v E bzw. TA' vA) eindeutig beschrieben, die als integrale Mittelwer-
te über den jeweiligen Bilanzquerschnitt AE bzw. AA zu verstehen sind.
262

Die Fluideigenschaften am Ein- und Austritt werden durch die jeweils zugeordneten
Stoffgrößen (1iE , 1iA , PE' P jv k E , k A' R) beschrieben.

Da die Bilanzquerschnitte AE und AA auf unterschiedlichem geodätischen Niveau


(zE,zA) liegen können, ist der Einfluß des Schwerefeldes, ausgedrückt durch die
Gravitationskonstante g, zu berücksichtigen.

Der Massenstrom rh soll am Ein- und Austrittsquerschnitt gleich sein (keine äuße-
ren Leckagen) •

Über die mit der Drehzahl N rotierende Maschinenwelle findet die Zu- oder Abfuhr
spez. technischer Arbeit a statt. Die Systemgrenzen werden als wärmedurchlässig
betrachtet, so daß eine auf den Massenstrom rh bezogene Wärmemenge qEA ausge-
tauscht werden kann.

Der maximale Rotordurchmesser D charakterisiert die Geometrie des energie-


übertragenden Bauteils "Laufrad".

Die aufgeführten Einflußgrößen werden in einer Einflußgrößenfunktion zusammenge-


faßt :

F Einfl(m,a,qEA,T E ,TA ,v E ,vA ,zE ,zA,AE ,AA ,k E ,kA,R, vE ' VA'PE 'PA ,D,N ,g) =0.

( 4.1)

Die Anzahl der Einflußgrößen in dieser Funktion läßt sich reduzieren, indem

- schwach ausgeprägte Druck- und Temperaturabhängigkeiten der Stoffgrößen ver-


nachlässigt werden

- solche Einflußgrößen ausgesondert werden, die von anderen abhängig sind, d.h.
deren Einfluß bereits durch andere Größen eindeutig beschrieben wird.

Vereinfachende Annahmen zu den Stoffgrößen

Wird das Prozeßfluid als reales Gas betrachtet, so muß gemäß Abschnitt 2.3 die
Druck- und Temperaturabhängigkeit der Stoffgrößen berücksichtigt werden. Dazu
wird u.a. die Gasgleichung mit dem druck- und temperaturabhängigen Realgasfak-
tor Z (p, T) ergänzt. In Abschnitt 2.3 werden Verfahren angesprochen, mit de-
nen die Druck- und Temperaturabhängigkeit des Realgasfaktors Z, der spezifischen
Wärmekapazitäten c p und c v sowie des Isentropenexponenten k näherungs weise
erfaßt werden können.

Das in diesem Zusammenhang erläuterte Verfahren von J. M. Schultz [4J basiert


auf der Definition von sogenannten allgemeinen Kompressibilitätsfunktionen, welche
263

zusätzliche Einfluß- und Stoffgrößen, wie den Joule-Thomson-Koeffizienten J T , den


kritischen Druck PK und die kritische Temperatur TK beinhalten.

An dieser Stelle wird die Betrachtung auf ideale Gase beschränkt, um den Zusam-
menhang der Einflußgrößen überschaubar zu halten und die späteren Ähnlichkeitsge-
setze auf die üblicherweise benutzten Kenngrößen zu beschränken.

Bei idealen Gasen sind die spezifischen Wärmekapazitäten c und c nicht mehr
p v
vom Druck und von der Temperatur, sondern nur von der Temperatur abhängig.

Wegen der relativ geringen Temperaturdifferenzen in den meisten Turbomaschinen-


stufen kann außerdem die Temperaturabhängigkeit der spezifischen Wärmekapazi-
täten häufig vernachlässigt werden, so daß diese als konstante Größen betrachtet
werden können.

Des weiteren gilt für ein ideales Gas

c
k = It =...Q und R =c - c .
Cv p v

Mit der vorherigen Annahme konstanter spezifischer Wärmekapazitäten ist It eben-


falls eine konstante Stoffgröße , so daß nicht zwischen It E und It
A unterschieden
werden muß, d.h.

It A = ItE = It = const.

Abhängige Einflußgrößen

Die Abhängigkeiten der Einflußgrößen untereinander werden durch die Gesetze der
Thermo- und Fluiddynamik beschrieben.

So wird über den 1. und 2. Hauptsatz der Thermodynamik ein Zusammenhang zwi-
schen den Zustandsgrößen am Ein- und Austritt des Systems und den Prozeßgrößen
hergestellt.

Nach dem 1. Hauptsatz gilt :

(4.2)

Unter der getroffenen Annahme konstanter Wärmekapazitäten gilt

und
264

Mit dem für ein ideales Gas geltenden Zusammenhang

wird

(4.3)

Über die Kontinuitätsgleichung

rh = c A = const
v

ergeben sich die Zusammenhänge

und

Damit ergibt sich für die spez. technische Arbeit a gemäß Gleichung (4.2):

(4.4)

Die spezifische technische Arbeit a läßt sich demgemäß durch ebenfalls vorgege-
bene Einflußgrößen ausdrücken

a = a(TE,TA,vE,vA,AE,AA,zE,zA,rh,QEA,l1,R,g) (4.5)

und kann daher als abhängige E infl ußgröße entfallen.

Die dynamische Zähigkeit 11 ist im allgemeinen eine druck- und temperaturabhän-


gige Stoffgröße .

Nach Sutherland [5] kann die Druckabhängigkeit bei den in Turbomaschinenstufen übli-
chen Druckverhältnissen jedoch vernachlässigt werden.

Damit besteht zwischen der dynamischen Zähigkeit TlE am Eintritt und Tl A am Aus-
tritt nur mehr eine Temperaturabhängigkeit , so daß 11 A durch die Zähigkeit 11E am
Eintritt und die zugehörige Temperatur TE sowie die Temperatur TA am Austritt
ausgedrückt

(4.6)

und damit als unabhängige Größe ausgesondert werden kann.


265

Mit den zuvor getroffenen Vereinfachungen hinsichtlich der Stoffgrößen und der Eli-
minimierung abhängiger Einflußgrößen vereinfacht sich die Einflußgrößenfunktion
(G leichung 4. 1) zu:

(4.7)

Die zur Bildung der üblichen Kenngrößen benutzte Einflußgrößenfunktion enthält an-
stelle der dynamischen Zähigkeit TlE die kinematische Zähigkeit \JE' anstelle des
spez. Volumens vA die spez. Druckänderungsarbeit YEA' anstelle der spez.
Wärmemenge qEA den polytropen Wirkungsgrad \01 und anstelle der Gaskonstan-
ten R die Schallgeschwindigkeit asE.

Die Gleichwertigkeit der alternativ benutzten Einflußgrößen ist über die aus ther-
modynamischen Gesetzen resultierenden Abhängigkeiten nachweisbar.

Austausch der dynamischen Zähigkeit ll E durch die kinematische Zähigkeit \JE

Die dynamische Zähigkeit TlE ist über das spez. Volumen v E mit der kinemati-
schen Zähigkeit \JE gemäß

(4.8)

verknüpft. Da v E als Einflußgröße definiert ist, kann \l E anstelle von l1E in die
Einflußgrößenfunktion einbezogen werden.

Austausch des spezifischen Volumens vA durch die spezifische Druckänderungs-


arbeit YEA

Nach Abschnitt 2.2.1.1 läßt sich die Druckänderungsarbeit YEA gemäß

(4.9)

berechnen.

Das spezifische Volumen vA ist nach der Polytropenbeziehung

(~:)n:1 (4.10 )
266

Der funktionale Zusammenhang zwischen YEA und vA läßt sich über den als Ein-
flußgröße nicht benutzten Polytropenexponenten n herstellen. Nach Gleichung (4.9)
ist

(4.11)

Wird diese Abhängigkeit in den funktionalen Zusammenhang gemäß Gleichung (4.10)

eingesetzt. so ergibt sich

(4.12)

Da die Größen TE ' TA' v E und R als unabhängige Einflußgrößen vereinbart sind,
kann vA ohne Beeinträchtigung der Aussagefähigkeit gegen YEA ausgetauscht wer-
den.

Austausch der spez. Wärmemenge gEA durch den pOlytropen Wirkungsgrad ~ol

Der polytrope Wirkungsgrad \01 ist in Abschnitt 2.2.3.1 wie folgt definiert wor-
den:

YEA YEA
für Verdichter (4.13)
\01 V = Llh - qEA YEA + jEA

für Turbinen (4.14)


\OlT

Die spez. Wärmemenge qEA ist nach Gleichung (2.39)

(4.15)

Die Abhängigkeit der Enthalpiedifferenz Ilh von bereits definierten Einflußgrößen


ist aus Gleichung (4. 3) zu erkennen:

Damit gilt mit Gleichung (4.15):

(4.16 )
267

Die spez. Dissipation jEA besitzt gemäß Gleichung (4.13) und (4.14) die Abhän-
gigkeit

Wird diese Abhängigkeit in die Funktion (4.16) eingesetzt, so ergibt sich:

(4.17)

Da die spez. Wärmemenge qEA neben den bereits vorgegebenen Größen TE ' TA'
rt, Rund YEA nur mehr vom polytropen Wirkungsgrad \01 abhängt, kann sie in
der Einflußgrößenfunktion gegen \01 ausgetauscht werden.

Austausch der Gaskonstanten R durch die Schallgeschwindigkeit asE

Für ein ideales Gas ergibt sich die örtliche Schallgeschwindigkeit nach der Glei-
chung

a
s ~.

Mit Bezug auf den Zustand am Maschineneintritt (TE und asE) kann aus dieser Be-
ziehung die Gaskonstante R gemäß

bestimmt werden. Die daraus zu ersehende Abhängigkeit

(4.18)

zeigt, daß die Gaskonstante R gegen die Schallgeschwindigkeit asE am Eintritt


ausgetauscht werden kann, da rt und TE als unabhängige Einflußgrößen des Systems
bereits definiert sind.

Aufgrund der zuvor abgeleiteten Abhängigkeiten gemäß (4.8), (4.11), (4.17) und
(4.18) läßt sich die Einflußgrößenfunktion (4.7) wie folgt umformulieren:

(4.19)
268

Die Auswahl der darin enthaltenen Einflußgrößen stellt eine erste Willki.i.rlichkeit
des Verfahrens zur Kenngrößenbildung dar.

Werden hinsichtlich der Prozeßführung und des benutzten Fluids bestimmte Vorgaben
getroffen, so läßt sich die allgemeine Einflußgrößenfunktion (4.19) vereinfachen.

4.2.1 Diabate Strömungsmaschinen mit kompressiblen Fluiden

Als kompressible Fluide sollen in diesem Zusammenhang nur Gase verstanden wer-
den, die im interessierenden Druck- und Temperaturbereich einen hinreichenden
Abstand zum kritischen Zustand besitzen.

Unter diesem Vorbehalt ist der Dampfdruck (PE und pp) keine relevante Ein-
flußgröße.

Außerdem ist der potentielle Energieanteil

im allgemeinen wegen der geringen Dichte gegenüber den übrigen Energieanteilen


(Gleichung 4.2) von vernachlässigbarer Größenordnung. Somit entfallen bei kom-
pressiblen Fluiden die Einflußgrößen

PE ,PA' ZE ,z A und g.

Für die diabate Maschine mit Gasförderung ergibt sich eine reduzierte Einflußgrößen-
funktion:

F Einfl (rh 'YEA' v E ,TE ' TA ,N ,D ,A E ,AA ,asE' \JE' ll pol ' ,,) = o. (4.20)

In Tabelle 4.2 sind die Einflußgrößen mit den zugehörigen Größenarten aufgelistet.

Da die vier Grundgrößen L, T, M, e auftreten, liegt ein thermodynamisches


Problem vor. Daher sind vier Bezugsgrößen auszuwählen, die in ihrer Gesamt-
heit die vier Grundgrößen mindestens einmal enthalten müssen.

Die Wahl der Bezugsgrößen stellt die zweite Willkürlichkeit des Verfahrens dar.
269

Tabelle 4.2. Einflußgrößen und Größenarten

Einflußgröße Größenart
(Grundgrößen - Potenzprodukt )

\01

Exemplarisch werden als Bezugsgrößen gewählt:

spezifisches Volumen v E am Eintritt,


Drehzahl N,
Laufraddurchmesser D,
Eintrittstemperatur TE.

In der Reihenfolge der in Gleichung (4.20) aufgeführten Einflußgrößen sollen mittels


der gewählten Bezugsgrößen die Kenngrößen ermittelt werden.

Um die Kenngröße TIm zu finden, welche sich auf den Massenstrom m bezieht, ist
ein Potenzprodukt aus den Dimensionen der Bezugsgrößen zu bilden, das der Di-
mension des Massenstromes entspricht:

(4.21)
270

Um eine dimensionslose Kennzahl llm zu erhalten, muß gelten:

Der Exponentenvergleich ergibt:

Exponent von Nenner =Zähler Ergebnis des Vergleichs

M: - 01 = 1 CI' =- 1
T: - ß =- 1 ß= 1
L: 301+')' 0 'Y= 3
18: Ö 0 Ö = 0

(4.22)

Diese Kenngröße llm wird in der Praxis nicht verwendet, da sich bereits eine
gleichwertige Kenngröße eingebürgert hat, die sich von llm durch einen dimensions-
losen Faktor unterscheidet. Wenn auch der Zahlenwert dieser beiden als gleichwer-
tig bezeichneten Kenngrößen verschieden ist, so ändert sich bei Multiplikation mit
diesem Faktor nichts an der korrespondierenden Aussagefähigkeit dieser Kenngrö-
ßen.

Die in der Praxis eingebürgerte Kenngröße coD ist die VoZumenfZußzahZ

(4.25)

Darin ist die sog. Durahtrittsgesahwindigkeit cD

(4.24)

eine fiktive Geschwindigkeit, die sich einstellen würde, wenn der Eintrittsvolumen-
strom VE durch die von dem maximalen Laufraddurchmesser D aufgespannte Kreis-
fläche strömt (Bild 4.2).
271

o o

Rodiolloufral Axiolloufrod

Bild 4.2. Zur Definition der Durchtrittsgeschwindigkeit Co

Der Durchmesser D ist sowohl eine die Baugröße bestimmende als auch eine die
geometrische Ahnlichkeit charakterisierende Einflußgröße , und u ist die Umfangs-
geschwindigkeit am Durchmesser D:

u=DnN.

Der Vergleich der Volumenflußzahl CD D mit der formal gebildeten Kenngröße TIm
ergibt

(4.25)

4
epD = Il.m 2'
n

wobei der dimensionslose Faktor den Wert 4 annimmt.


n2

Nachfolgend benutzte Definition:

4V (4.26)
epD = - - 2 - ·
nD u
272

Ein analoges Vorgehen ergibt eine Kenngröße bezüglich der spez. Druckänderungs-
arbeit YEA:

YEA
Il EA ="22' (4.27)
Y D N

Auch diese Kenngröße wird in dieser Form nicht benutzt, weil bereits nach VDr
2045 [3J eine Druckzahl W definiert ist.
Y

(4.28)

Die bei den Kenngrößen nach Gleichung (4.27) und (4.28)

(4.29)

unterscheiden sich durch den konstanten Faktor ~.


TI

Nachfolgend benutzte Definition:

2 YEA
W = --2- ( 4.30 )
Y u

Die Kenngrößenbildung bezüglich der Größen v E ' D, N und TE' die als Bezugsgrö-
ßen gewählt worden sind, ergibt jeweils nur die Trivialkenngröße 1. Der Be-
weis hierfür läßt sich durch Exponentenvergleich erbringen. Damit wird die ein-
gangs aufgestellte Behauptung bestätigt, wonach beim Übergang von der Einfl uß-
größenfunktion auf die Kenngrößenfunktion die Zahl der Variablen entsprechend der
Zahl der Bezugsgrößen reduziert wird.

Bezüglich der Austrittstemperatur TA liefert die Dimensionsanalyse die Tempera-


turkenngröße

(4.31)

die üblicherweise als Terrrperaturkennzahl mit dem Symbol

(4.32)

bezeichnet wird.
273

Bezüg lich der Querschni ttsflächen AE und A A ergeben sich die Kenngrößen :

(4.33)

(4.34 )

Beide Kenngrößen machen eine Aussage über die geometrische Ähnlichkeit.

Der Exponentenvergleich bezüglich der Schallgeschwindigkeit asE ergibt die Kenn-


größe

(4.35)

Der mit dem Umfang des Einheitskreises TI multiplizierte Kehrwert von nasE
wird als die Mach-Umfangszahl Mau bezeichnet. Sie bezieht eine Festkörperge-
schwindigkeit u auf die örtliche Schallgeschwindigkeit am Maschineneintritt:

(4.36)

TI
Mau = -n--·
asE

Nachfolgend benutzte Definition:

Ma =~. (4.37 ).
u asE

Bezüglich der Einflußgröße \JE liefert die Dimensionsanalyse die Kenngröße :

(4.38)

Wie bei der Mach-Umfangszahl ist auch hier der mit TI multiplizierte Kehrwert als
sog. Reyno lds-Umfangszahl Re u gebräuchlich:

(4.39)
274

Tl
Re
u -n-·
vE

N achf01gend benutzte Definition:

Re = _u_D_ (4.40)
u

Die Einflußgrößen \01 und 11- sind dimensionslos und haben somit bereits den Cha-
rakter von Kenngrößen .

Die Kenngrößenfunktion für diabate Strömungsmaschinen mit Gasförderung lautet


somit:

(4.41)

Diese Kenngrößenfunktion wird wegen der üblichen Darstellungsweise der Kennli-


nien in zwei Funktionen aufgesplittet, wobei alternativ jeweils eine Variable ~y

bzw. 11 nur in einer Funktion auftritt.


pol

(4.42)

(4.43)

4.2.2 Adiabate Strömungsmaschinen mit kompressiblen Fluiden


Ungekühlte Strömungsmaschinen sowie alle Einze1stufen können in guter Näherung
als adiabate Systeme behandelt werden.

In diesem Fall ist die Verknüpfung zwischen Ein- und Austrittstemperatur TE und
TA durch die vorgegebene Zustandsänderung eindeutig bestimmt.

Die Druckänderungsarbeit YEA ist nach Gleichung (4.9)

Für den polytropen Wirkungsgrad eines adiabaten Prozesses gilt:

n It - 1
\01 = n - 1 -It-
275

und für die Schallgeschwindigkeit am Maschineneintritt

Werden diese Beziehungen in Gleichung (4.9) eingesetzt und wird nach TAlTE auf-
gelöst, so ergibt sich:

TA YEA 11. - 1
T=-2--- +1. (4.44)
E asE '1\POl

Das Temperaturverhältnis ist also eine Funktion der Größen YEA , asE' '1\pol und
11.. Diese Größen sind nach Gleichung (4.20) jedoch als unabhängige Einflußgrößen

gewählt, so daß auf das Temperaturverhältnis und damit auf die Temperaturen TE
und TA verzichtet werden kann.

Die Kenngrößenfunktion der adiabaten Strömungs maschine geht aus der einer dia-
baten Maschine hervor, wenn das Temperaturverhältnis weggelassen wird.

Da jetzt nur noch drei Grundgrößen (L, M, T) auftreten, wird unter den getroffe-
nen Vereinbarungen, z.B. Vernachlässigung der Temperaturabhängigkeit von c p '
11. usw., aus dem thermodynamischen ein dynamisches Problem.

In diesem Fall können analog zu Gleichung (4.42) und (4.43) folgende Kenngrößen-
funktionen für adiabate Strömungsmaschinen mit kompressiblem Fluid definiert
werden:

(4.45)

(4.46)

Bei adiabaten Strömungsmaschinen ist der polytrope Wirkungsgrad \01 als Quo-
tient aus Druckänderungsarbeit Y und Enthalpiedifferenz 6h der Maschine bzw.
Stufe definiert. So gilt z.B. für einen adiabaten Verdichtungsvorgang :

TI - .L
polV - llh·

Werden Zähler und Nenner dieses Quotienten mit u 2 /2 erweitert, so ergibt sich:

?:J..
2
u
\01 V = -2 2llh- •
u
276

Während der Zähler der bereits definierten Druckzahl

entspricht, wird der Ausdruck im Nenner als Enthalpiezahl

IIh
(4.47)
~h = u2/2

bezeichnet. Demgemäß ist für adiabate Verdichter

\01 V -
-.!Y
~h

und für adiabate Turbinen

Aus diesen Zusammenhängen ist zu entnehmen, daß in den Kennfunktionen (Glei-


chung 4.45 und 4.46) entweder ~y oder \01 durch die Enthalpiezahl ~h ersetzt
werden kann, ohne daß eine Änderung in der Ähnlichkeitsaussage eintritt.

4.2.3 Adiabate Strömungsmaschinen mit inkompressiblen Fluiden

Unter inkompressiblen Fluiden sollen an dieser Stelle nur verdampfbare Flüssig-


keiten. nicht aber Gase z. B. bei kleinen Druckänderungen verstanden werden.

Flüssigkeitspumpen und -turbinen sind im allgemeinen stets als adiabate Systeme


aufzufassen, so daß sich im Fall der inkompressiblen Fluide eine Untersuchung der
diabaten Prozeßführung erübrigt.

Ausgangspunkt ist wieder die allgemeine Einflußgrößenbeziehung für Strömungsma-


schinen gemäß Gleichung (4.19) :

Unter Beachtung der Stoffeigenschaften von Flüssigkeiten sowie der adiabaten Pro-
zeßführung ergeben sich die nachfolgenden Besonderheiten hinsichtlich der Kenn-
größenbildung :
277

- Wegen v E :: vA:: v :: const wird

(4.48)

- Wie in Abschnitt 4.2.2 erläutert, sind die Temperaturen TE und TA für den
adiabaten Prozeß über weitere Prozeßgrößen eindeutig miteinander verknüpft.

- Bei exakt dichtebeständigen Fluiden ist die Schallgeschwindigkeit a s und der Isen-
tropenexponent 11. unendlich groß j bei realen Flüssigkeiten nehmen die Größen
endliche, jedoch im Vergleich zu Gasen noch sehr hohe Werte an, so daß hier-
mit gebildete Kenngrößen keine differenzierende Aussagekraft haben, d.h. die
Größen a s und 11. können als Einflußgrößen vernachlässigt werden.

- Die potentielle Energie g(z A - zE) ist bei Flüssigkeiten im Gegensatz zu Ga-
sen nicht vernachlässigbar .

- Der Dampfdruck PE und PA ist für die Beschreibung von hydraulischen Turbo-
maschinen von wesentlicher Bedeutung. Vom Dampfdruck ist das Kavitationsver-
halten von Pumpen und Turbinen abhängig. Nach Abschnitt 3.3.8 ist für das Auf-
treten von Kavitation die Differenz zwischen Dampfdruck p I und dem örtlichen
statischen Druck Pstat maßgebend, d.h.

Llp' ::Pstat _p'.

Je nach Maschinenart - Pumpe oder Turbine - ist diese Druckdifferenz Llp I mit
dem niedrigsten statischen Druck Pstat E bzw. Pstat A und dem zugehörigen
Dampfdruck PE bzw. PA zu bilden.

Die Einflußgrößenfunktion für die adiabate Strömungsmaschine mit inkompressiblem


Fluid reduziert sich unter Beachtung der vorgenannten ttberlegungen auf:

(4.49)

Die nachstehende Tabelle 4.3 enthält die Einflußgrößen mit den zugehörigen Größen-
arten.

Werden als Bezugsgrößen

spezifisches Volumen v,

Laufraddurchmesser D,

Drehzahl N
278

gewählt, so ergeben sich bezüglich der Einflußgrößen YEA , A A' AE und \) die-
selben Kenngrößen wie bei den adiabaten Maschinen mit inkompressiblen Fluiden.
den.

Tabelle 4.3. Einflußgrößen und Größenarten

Einflußgröße Größenart
(Grundgrößen - Potenzprodukt )

m
YEA
v

AA' AE

zA' zE
II p'

\)

\01
g

Die Anwendung der Dimensionsanalyse auf die restlichen Einflußgrößen ergibt


über den Exponentenvergleich folgende weitere Kenngrößen:

(4.50 )

( 4.51)

Beide Kenngrößen geben Geometrieverhältnisse der Maschine wieder und werden


unter dem Begriff "Geometrie" zusammengefaßt.

Bezüglich der Einflußgröße IIp' ergibt sich die Kenngröße

(4.52)
279

Diese Größe wird in der Praxis nicht verwendet. Die benutzte Kenngröße hinsicht-
lich des Dampdruckes ist die sog. Thoma-ZahZ;

Th = ~
!lp . ( 4.53)

Diese Kenngröße läßt sich ableiten, wenn anstelle der Druckänderungsarbeit YEA
die Druckdifferenz !lp als Einflußgröße eingeführt (siehe Gleichung 4.48) und !lp
statt des spez. Volumens v als Bezugsgröße gewählt wird. Beide Substitutionen
sind im Rahmen der freien Wahl von unabhängigen Variablen und Bezugsgrößen er-
laubt.

Eine Kenngröße, welche den Einfluß der Gravitationskonstanten g berücksichtigt,


läßt sich über den Exponentenvergleich mit den ursprünglichen Bezugsgrößen v,
D und N ableiten;

( 4.54)

Die Kenngröße wird jedoch nicht in dieser Form benutzt, weil bereits die sog.
Froude-Umfangszahl eingeführt ist, die wie folgt definiert ist;

Fr =_u_ (4.55a)
u y-grs-

bzw.

nDN
Fr = ---. (4.55b)
u rgD

Zusammen mit Gleichung (4.54) ist somit

um;
n
Fr =--.

Die allgemeinere Froude-ZahZ

Fr =_w
__ (4.56)
~
ist eine Kenngröße, die bei Strömungen mit freien Oberflächen unter Schwerkraft-
280

einfluß zu beachten ist. Solche Strömungen treten z. B. in offenen Gerinnen, teil-


weise gefüllten Rohren und Gehäusen auf, .wobei w die Fließgeschwindigkeit und 6z
die Flüssigkeitstiefe ist.

Im Strömungs maschinenbau ist diese Kenngröße im allgemeinen ohne Bedeutung, da


im normalen Betriebszustand keine freien Strömungsoberflächen sondern nur benetz-
te Wände vorliegen (Ausnahmen: z.B. Kavitationsgebiete, Freistrahlturbinen) .

Zusammenfassend können folgende Kenngrößenbeziehungen für adiabate Strömungs-


maschinen mit inkompressiblen Fluiden aufgestellt werden, sofern Strömungen mit
freien Oberflächen ausgeschlossen sind:

FK ,1,( 'Ir ,'t'D,Re ,Th,Geometrie) = 0, (4.57 )


enn~ y u

(4.58)

Wie schon im Zusammenhang mit der Mach-Umfangszahl Mau bei Strömungsma-


schinen mit kompressiblen Fluiden angesprochen, weist auch die Reynolds- Umfangs-
zahl Re u gegenüber der allgemeinen Reynolds-Zahldefinition eine Besonderheit auf.

Während bei der allgemeinen Reynolds-Zahl

Re = w L (4.59)
v

die örtliche Strömungsgeschwindigkeit w zur örtlichen kinematischen Zähigkeit \l

ins Verhältnis gesetzt wird, besteht die Relation bei der Reynolds-Umfangszahl ge-
mäß Gleichung (4.40) zwischen der Umfangsgeschwindigkeit u des Laufrades und
der kinematischen Zähigkeit \i E am Maschinen- bzw. Stufeneintritt .

Über die letztgenannte Kennzahldefinition ist damit keine Ähnlichkeitsaussage über


den örtlichen Strömungscharakter in der Maschine möglich, wohl aber eine Ähn-
lichkeitsaussage über den Zusammenhang zwischen dem Zähigkeitsverhalten des
Fluids und der Baugröße sowie Drehzahl der Maschine.

Damit wird ein entsprechender Ähnlichkeitsvergleich zwischen verschiedenen Be-


triebszuständen verschiedener Maschinen möglich.

4:2.4 Darstellung der Kenngrößenfunktionen

Beim Übergang von Einflußgrößen- auf Kenngrößenfunktionen wird die Zahl der Va-
riablen um die Anzahl der Bezugsgrößen reduziert.
281

Zur üblichen Darstellung des Maschinenverhaltens in Kennfeldern werden außerdem


die abgeleiteten Kenngrößen in zwei zusammengehörigen Kenngrößenfunktionen der
Maschine zusammengefaßt.

Für die beiden Kenngrößenfunktionen einer adiabaten Strömungsmaschine mit in-


kompressiblem Fluid ergibt sich in expliziter Form:

(4.60)

( 4.61)

Auf den Kenngrößenbegriff "Geometrie" kann an dieser Stelle verzichtet werden, da


sich die Kenngrößenfunktionen auf eine ganz bestimmte Maschinengeometrie bezie-
hen.

Unter der Vorgabe konstanter Parameter Heu und Th reduzieren sich beide Kenn-
funktionen auf die Abhängigkeiten

(4.62)

Tlpol = \01 ('l'D) , ( 4.63)

die in Bild 4.3 für den Fall einer Pumpe qualitativ dargestellt sind.

Th = const
1/Iy Re u = const
7!pol

(110 Bild 4.3. Kennfunktionen einer Kreiselpumpe

Bei Berücksichtigung von abweichenden Kenngrößen Heu und Th bei geometrisch


ähnlichen Maschinen gemäß Gleichung (4.60) und (4.61) ergeben sich Kurvenscha-
ren mit der betreffenden Kenngröße als Parameter.

Mit der Darstellung in Kenngrößen ist ein gewisser Informationsverlust verbunden,


wenn die Beträge der Bezugsgrößen, mit denen die Kenngrößen gebildet werden,
282

unbekannt sind. Dies soll am Beispiel eines Laufrades (Bild 4.4) verdeutlicht wer-
den.

1-- - - 0 - ----i Bild 4.4. Kennzeichnende Laufradabmessungen

Die Ähnlichkeit hinsichtlich der Abmessungen D s ' bund a ist bei allen Laufrä-
dern gegeben, deren Geometriekenngrößen bezogen auf den Außendurchmesser D
konstant sind, d.h.;

D s/D = const,

b/D = const,

a/D = const.

Sind nur diese Kenngrößen, nicht aber der Betrag des Durchmessers D bekannt,
der bei dem Modellrad vorgelegen hat, so ist ein Rückschluß auf die absoluten Ab-
messungen des Modellrades nicht möglich.

Entsprechend ist bei dimensionsloser Kenngrößendarstellung ein Rückschluß auf die


absoluten Betriebsgrößen nur dann möglich, wenn der Betrag der Bezugsgrößen,
mit denen die Kenngrößen gebildet worden sind, bekannt ist.

4.2.5 Kenngrößenkombinationen

Die abgeleiteten Kenngrößenfunktionen beinhalten alle Kenngrößen, die unter den je-
weils getroffenen Voraussetzungen eine vollständige Ähnlichkeitsbeschreibung der
betrachteten Strömungsmaschine ergeben.
283

Um Strömungs maschinen verschiedener Bauformen und Kennfunktionen in korres-


pondierenden Betriebspunkten, z.B. dem Optimalpunkt, untereinander vergleichen
zu können, haben sich im Laufe der Zeit Kenngrößen eingebürgert, die durch Kom-
bination zweier bereits definierter Kenngrößen entstanden sind.

Diese Kombinationen sind im Sinne der Ähnlichkeitstheorie zulässig, da durch die


mathematische Verknüpfung dimensionsloser Größen auch die resultierende Größe
dimensionsfrei ist und somit der Kenngrößencharakter erhalten bleibt.

Im Strömungsmaschinenbau beziehen sich Kenngrößenkombinationen vornehmlich


auf die Verknüpfung von Volumenflußzahl ~D und Druckzahl +y bzw. Enthalpiezahl
+h·

Nachfolgend sollen die bekanntesten Kenngrößen dieser Art aufgeführt werden:

LeistungszahZ A +h (jlD' (4.64)

(jlD
Schluckzahl 1-1 = 1$ ,1 / 2'
(4.65)
Y

1 _ -L
Laufzahl v =1$ 1 1/2 - ~D '
(4.66 )
Y
1/2
((!D
SchneZZaufzahl (J := (4.67)
1 W 13/4 '
Y
1+ 11/ 4
Durchmesserzahl 6
y. (4.68)
1/2
CPD

Die beiden letztgenannten Kennzahlkombinationen sind von Cordier [7J mit dem
Ziel eingeführt worden, über die gegenseitige Zuordnung dieser Kenngrößen den Zu-
sammenhang zwischen den vorgegebenen Betriebsgrößen und der optimalen Maschi-
nengeometrie anschaulich darstellen zu können.

Der Zusammenhang zwischen den Betriebsgrößen und der Maschinengeometrie über


die Schnellaufzahl (J und die Durchmesserzahl ö wird deutlich, wenn in die vorste-
henden Definitionsbeziehungen (Gleichung 4.67 und 4.68) die Definitionen der Druck-
zahl wy und der Volumenflußzahl (jlD eingeführt werden;
284

(4.69)

(4.70)

Cordier hat die Kenngrößen für eine große Zahl von einstufigen Strömungsmaschi-
nen unterschiedlicher Bauarten ermittelt, die im Betrieb einen guten Wirkungsgrad
gezeigt haben. Die jeweils festgestellte Zuordnung von Schnellaufzahl a und Durch-
messerzahl ö für den Optimalpunkt hat er punktweise in ein Diagramm mit den ent-
sprechenden Koordinaten eingetragen.

Wird durch die aufgetragenen Kennzahlzuordnungen für Verdichter bzw. Pumpen


und Turbinen jeweils eine Ausgleichkurve (durchgezogene Linien) gelegt, so ergibt
sich die Darstellung gemäß Bild 4.5.

Aus dem Verlauf der 0, c-Kurven für Turbinen und Verdichter ist zu erkennen, daß
bei gleicher Schnellaufzahl 0, also gleicher Druckänderungsarbeit y, Drehzahl N
und gleichem Volumenstrom V, Verdichter eine größere Durchmesserzahl c, d.h.
größere Bauabmessungen besitzen als Turbinen.

r-- Rodiol - -----j Axial- - Pumpen u.


t--Oiogonol - - Verdichter
10
9
,
B1\ \
\\-':L \' \
..,
6 \
\
, \ '.
:c 5 '\ \ '
\
~
0
t:
w
'"'"w
\' \ ,
E
..c
\\ \~
::=> \ '\
= '\
\\ \ r~ Verdichte
'\ ~

Turbine~ \. '\ \
\ I\. 1'.
~ I\.
1\ I\. "- ,
'-,"- ~ ,
"-
" ~ ......... ......
I-I- ~ro~cils -ITyr~inle n
~"Koplon-Turbinen
~~
"-
..... ;-.
1 1-, 't-... 1' ...1
0.1 0.2 0.3 0,4 0,5 0,6 O,B 1.0 2 3 Bild 4.5. ö -Dia gram m nach
0,

Schnellaufz ohl (j
Werten von Cordier
285

In Verdichtern wird die Strömungsgeschwindigkeit verzögert, um die kinetische


Energie weitgehend in potentielle Energie umzuwandeln, während in den Turbinen
das. Fluid beschleunigt, potentielle in kinetische Energie umgesetzt werden muß,
um den Impulsaustausch zwischen Rotor und Fluid zu ermöglichen.

Aus der Strömungsmechanik (Abschnitt 3.4) ist bekannt, daß eine verzögerte Ka-
nal- oder Profilströmung gegenüber einer beschleunigten Strömung ablösegefähr-
det ist.

Demgemäß kann unter Vermeidung von Ablösungserscheinungen, die das Betriebs-


verhalten negativ beeinflussen, in einer Verdichterstufe nur ein geringeres Druck-
verhältnis erreicht werden als dieses in der baugrößengleichen Turbinenstufe
umgesetzt werden kann.

Die in Bild 4.5 eingetragenen, gestrichelt gezeichneten Kurven kennzeichnen nähe-


rungsweise die Streubreite der Einzelmessungen zur jeweiligen Ausgleichskurve.
Sie beranden ein Toleranzband , in dem entlang der Ausgleichskurve mit einem gu-
ten Stufenwirkungsgrad gerechnet werden kann.

Das 0,6 -Diagramm läßt sich bei vorgegebenen Betriebsdaten einer Strömungsma-
schine zur Abschätzung des Laufraddurchmessers und zur Festlegung der prinzi-
piellen Laufradbauform benutzen.

Bei zahlenmäßig vorgegebenen Betriebsgrößen, wie Druckänderungsarbeit y, Vo-


lumenstrom V und Drehzahl N liegt nach Gleichung (4.69) der Zahlenwert der
Schnellaufzahl fest. Aus der jeweiligen 0, li-Kurve (Verdichter oder Turbine) läßt
sich die zugeordnete Durchmesserzahl 6 entnehmen, aus der gemäß Gleichung
(4.70) der Laufraddurchmesser D als ein erster Anhaltswert der Baugröße be-
stimmt werden kann.

Uber die Durchmesserzahl 6 und die Schnellaufzahl 0 wird nicht nur die Baugröße
einer Maschine sondern auch die prinzipielle Laufradform beschrieben. In Bild 4.6
sind die Kenngrößenbereiche der radialen, diagonalen und axialen Bauform angege-
ben.

Die Zahlenwerte der Bereichsgrenzen sind nur als Anhaltswerte zu verstehen. Au-
ßerdem ist zu beachten, daß die Kenngrößenbereiche der einzelnen Laufradformen
nicht scharf voneinander getrennt sind, sondern fließend ineinander übergehen.

Aus den Definitionsgleichungen der Kenngrößen 0 und I) (Gleichung 4.69 und 4.70)
ist zu erkennen, daß einem hohen Druckverhältnis und einem geringen Volumen-
durchsatz eine große Durchmesserzahl I) und eine kleine Schnell aufzahl 0 entspre-
chen. Im Grenzbereich einer solchen Konstellation ergeben sich Radialräder mit
286

radial diagonal axial


I

Schnellaufzahl Ci
0,07 - 0,32 0,25 - 1,0 0,6 - 2,5
Durchmesserzahl Ö
13 - 2,8 3,5 - 1,5 1,95 - 1.1

Bild 4.6. Laufradformen und zugeordnete Kenngrößenbereiche

relativ geringer Schaufelhöhe bei relativ großer radialer Schaufelerstreckung • Da


in diesem Fall die strömungsführenden , reibenden Oberflächen und damit verbun-
den die Wandreibungsverluste relativ groß werden, ist mit einem ungünstigen Wir-
kungsgrad zu rechnen. Dieser Nachteil kann durch die Aufteilung des vorgegebenen
Druckverhältnisses bzw. der vorgegebenen Enthalpiedifferenz auf mehrere hinter-
einandergeschaltete Stufen vermindert werden. Bei mehrstufigen Turbomaschinen
sind die Laufräder in der Regel auf einer gemeinsamen Welle angeordnet und wer-
den entsprechend der Reihenschaltung der Stufenelemente von einem konstanten
Massenstrom beaufschlagt.

Unter der Voraussetzung einer gleichmäßigen Aufteilung der Enthalpiedifferenz und


eines konstanten Wirkungsgrades der hintereinandergeschalteten Stufen ergibt sich
die Durchmesserzahl 6 der Einzelstufe aus dem Zusammenhang:

(4.71)

Darin ist 0M die Durchmesserzahl , die sich aus den Auslegungsgrößen der Maschi-
ne ergibt und z die Anzahl der Stufen.

Den Gleichungen (4.69) und (4.70) ist zu entnehmen, daß aus geringem Druckver-
hältnis bzw. kleiner Druckänderungsarbeit y und großem Volumenstrom V eine
niedrige Durchmesserzahl 6 und eine hohe Schnellaufzahl 0 resultieren. Im G renz-
bereich bedeutet diese Kennzahlkombination ein axial durchströmtes Laufrad mit
wenigen und somit weitgefächerten Schaufeln, das auch als Propeller bezeichnet
wird.
287

Mit zunehmender Schnellaufzahl nimmt das Verhältnis von Nabendurchmesser zu


Laufradaußendurchmesser stetig ab. Damit wächst die Neigung zur Bildung des sog.
Nabentotwassers . Dieses mit zusätzlichen Verlusten behaftete Phänomen realer
Drallströmungen begrenzt das Nabenverhältnis und damit die Schnellaufzahl a.

Ist ein vorgegebener Volumenstrom unter der Maßgabe eines guten Wirkungsgrades
nicht in einer zusammenhängenden Maschinen- bzw. Stufendurchströmung reali-
sierbar, so wird eine mehrflutige Anordnung bzw. Parallelschaltung der Stufen
oder Stufengruppen erforderlich. Bei mehrflutigen Maschinen werden die parallel-
geschalteten Stufen bzw. Stufengruppen jeweils von einem der Flutigkeit entspre-
chenden Teilvolumenstrom durchsetzt. Der spez. Energieumsatz jeder "Flut" ist
gleich dem der Maschine. Unter der Voraussetzung einer gleichmäßigen Aufteilung
des Gesamtvolumenstromes ergibt sich fiir den Zusammenhang zwischen der Schnell-
laufzahl a M der Maschine und az der einzelnen "Flut" :

a
z
'" 1fT
r z aM' (4.72)

worin z die Anzahl der Fluten ist.

VOllständige und angenäherte Ähnlichkeit

Die Ähnlichkeit zweier Maschinen ist dann gewährleistet, wenn sowohl die geome-
trische Ähnlichkeit erfüllt ist, als auch alle Maschinenkenngrößen exakt überein-
stimmen. In diesem Fall wird auch von vollständiger lIhnlichkeit gesprochen.

Bei angenäherter lIhnlichkeit sind zwar die geometrischen Abmessungen ähnlich,


jedoch stimmen nicht mehr alle Maschinenkenngrößen exakt überein. Allerdings
müssen diese voneinander abweichenden Kenngrößen innerhalb bestimmter Toleran-
zen liegen, für die nachgewiesen ist, daß trotz der Abweichung keine nennenswer-
ten Diskrepanzen in den charakteristischen Kenngrößenfunktionen auftreten.

Die angenäherte Ähnlichkeit hat für die Strömungs maschine Bedeutung gewonnen,
weil in vielen Fällen eine vollständige physikalische Ähnlichkeit zwischen Modell
und Original nicht zu erreichen ist. Dies soll an einem Beispiel erläutert werden.

Treten bei Verdichtern Unterschiede in den Ansaugetemperaturen zwischen Ausle-


gung und Versuch auf, so driften Reynolds-Umfangszahl Re u und Mach-Umfangs-
zahl Mau bei Versuch und Auslegung auseinander, wie die funktionalen Abhängig-
keiten der Größen Reu und Mau von der Temperatur zeigen:

u d •h• Ma T - 0,5 ,
Ma '" 1'----:::-::: u ~

u , 11. RT
2BB

uD P uDp Re ~ T- (1 + w)
Re u = -Tj- = Tj(T)R T d.h. u '

wenn Tj ~ T W, wobei W nach Sutherland [5J eine stoff- und temperaturabhängige


Größe ist, deren Zahlenwert für Luft etwa 0,76 beträgt.

Durch eine gegenüber dem Auslegungszustand geänderte Temperatur T verändert


sich die Mach-Umfangszahl Mau entsprechend der Proportionalität

Ma ~ T- O,5
u '

während die Reynolds-Umfangszahl Re u sich gemäß

Re ~ T- 1,76
u

verändert.

Daraus ist zu erkennen, daß bei einer Änderung der Bezugstemperatur ein gleich-
zeitiges Konstanthalten der Mach-Umfangszahl und der Reynolds-Umfangszahl unter
den vereinfachenden Annahmen, z.B. unter konstantem Eintrittsdruck, ausgeschlos-
sen ist. Demgemäß wäre für diesen Fall keine exakte Ähnlichkeit zu erreichen.

Am Beispiel der Reynolds-Zahl soll der Begriff der angenäherten Ähnlichkeit erläu-
tert werden. In Bild 4.7 ist nach H. Davis [sJ das Verhältnis der Reynolds-Zahl
von Modell und Original über der Reynolds-Zahl des Originals aufgetragen.

unzulässiger

10 ~-------+--------+-----~~~----~~--

I
i zulässiger
~l ,O~~====~-+----------1-----------r--B~e~re7ic~h~--i---~

'--
i
:0:

~
"
~,
0,1 f---------+---------I-------~><-;:---------f"'-;~

unzulössiger

Re u OrigirIGl

Bild 4.7. Anhaltswerte für zulässige Abweichungen der Reynolds-Umfangszahl nach


H. Davis [ s J
289

Im "zulässigen Bereich" werden im allgemeinen keine nennenswerten Abweichungen


des Betriebsverhaltens (Wirkungsgrad und Kennlinie) zwischen Modell und Original
erwartet.

Dieses Diagramm ist allerdings nur noch als eine Hilfe zur Abschätzung des Rey-
nolds-Zahleinflusses auf die Strömungsähnlichkeit anzusehen.

Zur Quantifizierung des Einflusses abweichender Reynolds-Zahlen auf die Strö-


mungsähnlichkeit in Maschinen sind in neuerer Zeit weitere Arbeiten veröffentlicht
worden, z.B. [9 und 10J.

Um die unterschiedliche Temperaturabhängigkeit der Reynolds- und der Mach-Um-


fangszahl in der gleichen Versuchsmaschine zu kompensieren, können der Druck p
bzw. die Gaskonstante R entsprechend geändert werden, was jedoch einen ge-
schlossenen Kreislauf voraussetzt.

Abschließend soll noch angemerkt werden, daß die vorangegangene Ähnlichkeitsbe-


trachtung für Strömungsmaschinen nur auf geometrische.sowie thermo- und fluid-
dynamische Einflußgrößen gegründet worden ist. Einflußgrößen, welche die festig-
keitsmechanischen Zusammenhänge und das Schwingungsverhalten der Bauteile be-
schreiben, sind demgemäß nicht berücksichtigt worden.

Elastomechanische Ähnlichkeitsgesetze sind z.B. bei der Entwicklung von Typen-


reihen bestimmter Maschinenbauarten zu beachten.

Beispiel 4.1:

Eine Radialverdichterstufe zur Förderung von Luft wird auf einem Prüfstand mit stufenlos dreh-
zahlverstellbarem Antriebsmotor im geschlossenen Kreislauf untersucht. Dabei weichen die Zu-
standsgrößen am Stufeneintritt im Versuch (Index" V") gegenüber denen bei Auslegung (Index" A")
voneinander ab.

Folgende Daten sind gegeben:

Dyn. Zähigkeit am Eintritt bei Auslegung T'>r1A = 2,01 10- 5 N s/m 2


Dyn. Zähigkeit am Eintritt im Versuch T'>rlV = 1,82 10- 5 N s/m 2
Eintrittstemperatur bei Auslegung T 1A = 333 K

Eintrittstemperatur im Versuch T 1V = 293 K

Eintrittsdruck bei Auslegung 2 bar

Reynolds-Umfangszahl bei Auslegung

Unter der Voraussetzung, daß die Luft als ideales Gas mit temperaturunabhängigem Isentropenex-
ponenten K betrachtet und der Prozeßadiabat angenommen wird, soll das Drehzahlverhältnis und
der Eintrittsdruck P1V ermittelt werden, mit dem Strömungsähnlichkeit zwischen Versuch und
Auslegung zu erreichen ist.
290

Weiterhin ist das Verhältnis der inneren Verdichterleistungen bei Auslegung und Versuch zu be-
stimmen, wobei vereinfachend cE = cA und g 6z = 0 angenommen werden soll.

Lösung:

Der Zusammenhang zwischen dem Ansaugezustand und der Rotordrehzahl ist über die Mach-Um-
fangszahl gegeben. Die Ähnlichkeitsbedingungen bezüglich dieser Kenngröße lauten:

u 2V u 2A
MauV = MauA bzw. mit Gleichung (4.36)
V>tRT 1V V>tRT 1A

Daraus ergibt sich mit u 2 = Tl D 2 N und D 2V = D 2A

N
N=
V ~1V
r-=
1{293
r33"3=O,938.
A 1A

Wird die Drehzahl N V im berechneten Verhältnis zur Auslegungsdrehzahl NA am Versuchsstand


eingestellt, so stimmen unter den getrOffenen Voraussetzungen die dimensionslosen Stufenkenn-
linien bei Versuchs- und Auslegungsbedingungen überein, sofern eine Ubereinstimmung der Rey-
nolds-Zahlen bezüglich der Auslegungs- und Versuchsbedingungen vorliegt, d.h. es muß gelten

Das Verhältnis der Reynolds-Zahlen wird unter Benutzung des Zusammenhanges

gebildet.

Da der Laufraddurchmesser D 2 und die Gaskonstante R unveränderliche Größen sind, ergibt sich
unter gleichzeitiger Benutzung der zuvor abgeleiteten Beziehung zwischen Umfangsgeschwindigkeit
und Temperatur

Wird diese Gleichung nach PIV aufgelöst, so ist

P
1V
~
=T1V P 1A
ilr1A
~
--1.Y. = 1,82 • 10 -5 • 2
T 1A 2,01.10-5
vm293 = 1,699 bar.
333

Dieser Druck muß beim Versuch am Stufeneintritt eingestellt werden, um die Strömungsähnlich-
keit gegenüber der Auslegung zu sichern.

Die innere Verdichterleistung errechnet sich aus dem Zusammenhang


291

wobei wegen der getroffenen Voraussetzungen (q = 0; cE = cA und g ß z = 0)


a = ßh

ist.

Der Massenstrom m und die Enthalpiedifferenz ßh lassen sich unter Benutzung der Volumen-
flußzahl 'PD und der Enthalpiezahl ~h wie folgt ausdrücken:

Damit wird

P.
1

Aus Gründen der Strömungsähnlichkeit zwischen Auslegung und Versuch muß 'P DA = 'PDV und
'i hA = 'i hV gelten. Außerdem sind die Größen Rund D 2 unter Auslegungs- und Versuchsbedin-
gungen konstant.

Demgemäß gilt für das Verhältnis der inneren Leistungen

und mit der zuvor abgeleiteten Beziehung zwischen Drehzahl bzw. Umfangsgeschwindigkeit und
Eintri ttstemperatur

2
T lA u 2A
~=-2-
lV u 2V

wird

0,938 = 0,797.

Beispiel 4.2:

Eine einstUfige Radialpumpe zur Förderung von Wasser ist unter Benutzung des Cordier-Dia-
gramms für die nachfolgenden Daten auszulegen:

Dichte des Wassers

Druckdifferenz der Pumpe


292

Volumenstrom

Drehzahl der Pumpe N

Es ist die "Flutigkeit" der Pumpe sowie der Laufraddurchmesser D 2 zu bestimmen.

Lösung:

Die Schnellaufzahl 0 ist durch die Beziehung (4.69)

0=~(2")
N rv 2 1/4
/ y/

definiert.

Die Druckänderungsarbeit y errechnet sich im Fall eines inkompressiblen Fluids gemäß Gleichung
(4.48)

Y= S vdp =v
1 8 • 105
~p = p ~p = ----woo-= 800 J/kg.

Zusammen mit den Zahlenwerten des Durchsatzes und der Drehzahl ist für die einflutige Maschine

f1.2
o = 24, 5 . 1 , 2 (2 TT 2 )
1/4
= 0, 376 •
/800/ 3/ 4

Aus dem Cordier-Diagramm (Bild 4.5) ist zu erkennen, daß die Schnellaufzahlen radialer Pumpen-
räder den Wert 0 = 0,32 nicht übersteigen sollten. Demzufolge muß im vorliegenden Fall die
Schnellaufzahl der Stufe gesenkt werden, wenn die radiale Bauart beibehalten werden soll. Dies
ist durch eine mehrflutige Ausfiihrung der Pumpe möglich. Gemäß Gleichung (4.72) gilt für jede
Flut bei gleichmäßiger Aufteilung des Volumenstromes

0' =0 n.
Bei zweiflutiger Ausßhrung (z = 2) ergibt sich für jedes der bei den Laufräder

0' =0 V1 = 0,376 V1 = 0,266.

Diese Schnellaufzahl einer "Flut" liegt im Bereich der radialen Bauform • Ihr ist im Cordier-Dia-
gramm eine Durchmesserzahl

5 = 3,7

zugeordnet.

Wird die Definitionsgleichung der Durchmesserzahl (4.70)

(11 2 )1/4
rv
= D 2 /y/l/4
5 8
293

nach dem Durchmesser D 2 aufgelöst, so ergibt sich

Der so ermittelte Laufraddurchmesser D 2 gibt einen ersten Hinweis auf die Baugröße der auszu-
legenden Pumpe.

4.3 Kenngrößenfunktionen für Verdrängermaschinen

In Abschnitt 1.3 ist der generelle Unterschied zwischen Strömungs maschinen und
Verdrängermaschinen hinsichtlich des Energieaustausches erläutert worden.

Wie in Kapitel 6 am Beispiel verschiedener Bauarten verdeutlicht wird, bedingt die


kontinuierliche Energiewandlung in einer Verdrängermaschine einen insgesamt in-
stationär verlaufenden Arbeitsprozeß mit pulsierender Strömung am Ein- und Aus-
trittsquerschnitt des Arbeitsraumes • Jedoch können unter bestimmten, dort ange-
gebenen Voraussetzungen die Einflußgrößen der Strömung in den Kontrollquerschnit-
ten vor und hinter der Maschine näherungsweise als konstante zeitliche Mittelwerte
betrachtet werden.

Mit dieser Vereinfachung können für Verdrängermaschinen formal die gleichen


Kenngrößen und Kenngrößenfunktionen abgeleitet werden, wie sie sich in den vorhe-
rigen Abschnitten für die Ähnlichkeitsbeschreibung der Strömungs maschine ergeben
haben.

Eine besondere Problematik ergibt sich bei den Verdrängermaschinen jedoch hin-
sichtlich der charakteristischen geometrischen Bezugsgrößen.

Im Fall der Strömungsmaschinen ist der Rotoraußendurchmesser D eine Größe, die


hinsichtlich Energieumsatz, Volumendurchsatz und Baugröße gleichermaßen charak-
teristisch ist.

Durch die Verknüpfung von Laufraddurchmesser D und Drehzahl N ist die Umfangs-
geschwindigkeit u gebildet worden, die als weitere Bezugsgröße zur Definition der
Druckzahl 1jr
y , der Volumenflußzahl CPD' der Mach-Umfangszahl Mau und der
Reynolds-Umfangszahl Re u benutzt wird.

Der Laufraddurchmesser D wird außerdem zur Definition der fiktiven Durchtritts-


geschwindigkeit cD benutzt, durch welche der Volumendurchsatz und die Baugröße
der Maschine unmittelbar zusammenhängen.
294

Bei Verdrängermaschinen ist wegen der großen Vielfalt kinematischer Funktions-


prinzipien und Bauformen auf den ersten Blick keine derartige Geometriegröße zu
finden, die bauartübergreifend eine vergleichbare Charakterisierung erlaubt wie
der Laufradaußendurchmesser bei Strömungsmaschinen.

Wenn für die formale Kenngrößenbildung eine jeweils bauarttypische Geometriegrö-


ße und Geschwindigkeit gewählt wird, ist wohl ein Ähnlichkeitsvergleich zwischen
den zu einer Bauart gehörenden Verdrängermaschinen möglich; dagegen ist ein
quantifizierter Kenngrößenvergleich zwischen verschiedenen Verdränger- und Strö-
mungsmaschinenbauarten bei diesem Vorgehen kaum zu erreichen. Damit entfällt
ein wesentlicher Gesichtspunkt der Kenngrößenbeschreibung , der darauf gerichtet
ist, mit Hilfe der Kenngrößen bei vorgegebenen Betriebsdaten die geeignetste Ma-
schinenbauart auswählen zu können.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll versucht werden, die Auswahlkriterien der Tur-
bomaschinen auf die Verdrängermaschinen zu übertragen, nämlich:

- Die gewählte geometrische Bezugsgröße soll möglichst als Durchmesser für die
Baugröße der Maschine bzw. Maschinenstufe charakteristisch sein (wie D als
geometrische Bezugsgröße bei der Strömungsmaschine) .

- Sie soll im unmittelbaren Zusammenhang mit der als kinematische Bezugsgröße


gewählten charakteristischen Geschwindigkeit des energieübertragenden Bauteils
stehen (wie u bei der Strömungsmaschine) .

- Die durch die geometrische Bezugsgröße (Durchmesser) aufgespannte Kreisflä-


che soll mit dem Volumenstrom zur Definition der fiktiven Durchtrittsgeschwin-
digkeit führen.

Für die Verdrängermaschinen werden gleichermaßen ein bauarttypischer Durch-


messer des rotierenden Energieübertragers und die mit diesem Durchmesser über
die Drehzahl verknüpfte Umfangsgeschwindigkeit als Bezugsgrößen gewählt.

Sofern die Umfangsgeschwindigkeit am Bezugsdurchmesser infolge eines ungleich-


förmigen Bewegungszustandes zeitlich nicht konstant ist, wird der arithmetische
Mittelwert über eine Umdrehung des energieübertragenden Bauteils als Bezugsge-
schwindigkeit benutzt.

Die mit dem Bezugsdurchmesser gebildete Kreisfläche wird als fiktive Durchtritts-
fläche des Volumenstromes betrachtet, über die der Zusammenhang zwischen der
Baugröße und dem Volumendurchsatz hergestellt wird.

Nach diesen Kriterien sollen nachfolgend die Kenngrößen der verschiedenen Ver-
drängermaschinenbauarten definiert werden. Dabei sollen nur die gebräuchlichsten
295

Bauarten exemplarisch betrachtet werden. Außerdem soll die Ähnlichkeitsbeschrei-


bung auf die für den Zusammenhang zwischen Baugröße, Volumendurchsatz und
Energieübertragung relevanten Kenngrößen , nämlich Volumenflußzahl <:PD und Druck-
zahl *y und ihre Kombinationen beschränkt bleiben.

Hubkolbenmaschinen

Bei Hubkolbenmaschinen wird die oszillierende Kolbenbewegung über den Kurbel-


trieb in eine rotierende Bewegung der An- bzw. Abtriebswelle gewandelt (Bild 4.8).

Bild 4.8. Hubkolbenmaschine

Der für die Kennzahlbildung geeignete Bezugspunkt der Drehmomentenübertragung


liegt in diesem Fall nicht unmittelbar am Energieübertrager "Kolben", sondern im
Zentrum des Kurbelzapfens , der den Kolben über die Pleuelstange mit der rotie-
renden Kurbelwelle verbindet.

Am Kurbelkreisdurchmesser D K tritt aufgrund der Wellendrehzahl N die Umfangs-


geschwindigkeit u

auf.

Der Kurbelkreisdurchmesser D K entspricht dem Kolbenhub sH:


296

der eine für die Baugröße der Hubkolbenmaschine charakteristische geometrische


Abmessung darstellt.

Mit der Wahl der Umfangsgeschwindigkeit u am Kurbelzapfen als kinematische Be-


zugsgröße und der Hublänge sH als geometrische Bezugsgröße lassen sich analog
zu der Kenngrößenbildung bei Strömungsmaschinen die Druckzahl "y und die Volu-
menflußzahl <:PD definieren.

Es ist

(4.73)

Zur Definition der Volumenflußzahl <:PD ist in Abschnitt 4.2 eine fiktive Durchfluß-
geschwindigkeit cD gemäß

gebildet worden, die eine formale Verknüpfung zwischen dem durchgesetzen Volu-
menstrom V und der charakteristischen Stufenabmessung - in diesem Fall des Lauf-
radaußendurchmessers D - darstellt. Der Term n/4 D 2 wird auch als fiktiver
Durchtrittsquerschnitt bezeichnet.

Konsequenterweise wird bei der Hubkolbenmaschine die Fläche des Kurbelkreises


als fiktive Durchtrittsfläche bezeichnet und die Durchtrittsgeschwindigkeit ist dem-
gemäß

(4.74)

Damit ergibt sich für die Volumenflußzahl <:PD der Hubkolbenmaschine

(4.75)
297

Vielzellenmaschinen

Wie in Abschnitt 6.2.1 eingehender erläutert wird, ist die Vielzellenbauart durch
eine exzentrische Anordnung des Rotors gegenüber der kreisförmigen Gehäusekon-
t ur gekennzeichnet (B ild 4. 9 ) .

Arbeits -
schieber

Bild 4.9. Vielzellenmaschine

Wird im Sinne der eingangs angestellten Uberlegungen der Gehäusedurchmesser D G


als bauarttypische Geometriegröße gewählt, so stellt die Gleit- bzw. Umfangsge-
schwindigkeit der Lamellen an diesem Durchmesser die zugehörige Bezugsgeschwin-
digkeit dar. Bedingt durch die exzentrische Rotoranordnung wird diese Bezugsge-
schwindigkeit bei konstanter Rotordrehzahl N während einer Rotordrehung je nach
Lamellenposition unterschiedliche Werte annehmen.

Mit der Exzentrizität e ergibt sich der Maximalwert zu

u = (D G + 2 e) n N
max

und der Minimalwert zu

u min = (D G - 2 e) nN.

Wird vereinbarungsgemäß der arithmetische Mittelwert als Bezugsgeschwindigkeit


herangezogen, so gilt in diesem Fall

u + u .
max mln
u =--""="-:2:---== = DG TI N. (4.76)

Mit diesen Bezugsgrößen läßt sich die Druckzahl und die Volumenflußzahl gemäß
allgemeiner Definition bilden:
298

(4.77)

CD 4 V
erD =u =- - 2 - , (4.78)
TI DG u

4V (4.79 )

Roots-Maschinen

Fluidenergiemaschinen der Roots-Bauart arbeiten mit zwei Rotoren, von denen ei-
ner als eigentlicher Energieübertrager wirkt, während der zweite als sogenannter
Nebenläufer der Bildung geschlossener Arbeitsräume dient (Bild 4.10).

,
Houpllöu !er Hl

Bild 4.10. Roots-Maschine

Der Energieübertrager , auch Hauptläufer genannt, rotiert mit konstanter An- bzw.
Abtriebsdrehzahl N. Dabei beschreibt ein Punkt mit der größten radialen Erstrek-
kung des Läufers eine Kreisbahn mit dem Durchmesser D HL , der auch als Haupt-
läuferdurchmesser bezeichnet wird.

Dieser Hauptläuferdurchmesser D HL ist zur Charakterisierung der Baugröße und


somit als geometrische Bezugsgröße geeignet.

Die Umfangsgeschwindigkeit des Hauptläufers am Durchmesser D HL ist bei kon-


stanter Drehzahl ebenfalls konstant und kann daher unmittelbar zur Kenngrößende-
finition benutzt werden.
299

Es ist demgemäß

~ =--1L =----'2:....;..y--.,..2 • (4.80)


y U 2 /2 (nDHLN)

4 V (4.81)
erD 2 3
TT D HL N

Schraubenm aschinen

Schraubenmaschinen zählen wie die der Roots-Bauart zur Kategorie der zweiwelli-
gen Verdrängermaschinen. Im Gegensatz zur Roots-Bauart sind die ineinandergrei-
fenden Läuferprofile nicht zylindrisch ausgefilhrt. sondern schraubenförmig ver-
drillt.

Eine detailliertere Beschreibung der kinematischen Zusammenhänge und der ther-


modynamischen Abläufe in einer Schraubenmaschine wird in Abschnitt 6.2.1 ge-
geben.

Auch bei der Schraubenbauart lassen sich die beiden Läufer nach ihrer primären
Aufgabenstellung unterscheiden (Bild 4.11) •

Houpllöufer HL Nebenlöufer NL

Bild 4.11. Schraubenmaschine

Über den sog. Hauptläufer findet vorrangig der Energieaustausch zwischen dem
Fluid und der rotierenden An- bzw. Abtriebswelle statt. Der sog. Nebenläufer
dient im wesentlichen der Bildung des bauarttypischen Arbeitsraumes und über-
trägt nur einen geringen Anteil der ausgetauschten Leistung.

Vereinbarungsgemäß wird der Außendurchmesser D HL des energieübertragenden


Hauptläufers als charakteristische geometrische Bezugsgröße der Schraubenma-
schine gewählt. Bei konstanter An- bzw. Abtriebsdrehzahl dieses Läufers ist auch
300

die Umfangsgeschwindigkeit an seinem Außendurchmesser DHL eine konstante


Größe und kann unmittelbar als Bezugsgröße zur Bildung der Druckzahl $y und
der Volumenflußzahl Cl'D verwandt werden. Demgemäß unterscheiden sich die
diesbezüglichen Kenngrößenbeziehungen formal nicht von denen, die zur Ähnlich-
keitsbeschreibung der Roots-Bauart aufgestellt worden sind:

cD 4 V
CJl D =-u =--=-~--
2 3
TI D HL N

Kreiskolbenmaschinen

Das kinematische Prinzip .der Kreiskolbenmaschine wird ausführlich in Abschnitt


6.2.1 dargestellt. An dieser Stelle sollen daher nur die zur Kenngrößendefinition
benötigten Bezugsgrößen der Bauart erläutert werden.

Bild 4.12. Kreiskolbenmaschine

Wie aus der schematischen Darstellung einer als Beispiel gewählten Kreiskolben-
bauart (Bild 4.12) zu erkennen ist, wälzt der innenverzahnte Kolben auf der au-
ßenverzahnten An- bzw. Abtriebswelle ab. Die Kolbeneckpunkte mit dem Abstand R
zur Kolbenmitte beschreiben bei dieser Bewegung eine Epitrochoide. Sofern das
Durchmesserverhältnis der beiden Verzahnungen den Wert

besitzt, entsteht der in Bild 4.12 dargestellte Bahnverlauf der Kolbeneckpunkte ,


der gleichzeitig die Gehäusekontur ergibt.
301

Die Differenz der Verzahnungsradien wird als Exzentrizität e bezeichnet:

Als bauarttypische Geometriegröße wird der Umkreisradius R des Energieüber-


tragers "Kolben" gewählt. An den auf diesem Umkreis liegenden Eckpunkten tritt
die sog. Leistengeschwindigkeit auf, die entsprechend der Drehbewegung des Kol-
bens auch als Umfangsgeschwindigkeit des Kolbens bezeichnet werden kann.

Infolge der exzentrischen Anordnung des Kolbens gegenüber der Antriebswelle ist
diese Umfangsgeschwindigkeit während einer Kolbenumdrehung nicht konstant,
sondern schwankt zwischen dem Maximalwert

u =2nN K (R+3e)
max

und dem Minimalwert

wobei die Drehzahl N K die des Kolbens bezeichnet.

Wird vereinbarungsgemäß die mittlere Umfangsgeschwindigkeit als Bezugsgeschwin-


digkeit herangezogen, so gilt hierfür

u + u .
max mln
u =--=":':'="'--;0;2:----':':':":':.0

(4.82)

Mit diesen Bezugsgrößen können entsprechend der allgemeinen Definition die Kenn-
größen vy und '+'D gebildet werden:

,h
~y
-~
- 2/ 2 (4.83)
,u

v
(4.84)

Soll anstelle der Kolbendrehzahl N K die An- bzw. Abtriebsdrehzahl N der Kreis-
kolbenmaschine benutzt werden, so muß das Durchmesserverhältnis D /D. be-
a 1
kannt sein bzw. vorgegeben werden. Bei einem Verhältnis von
302

ist

Anmerkungen zur Aussagefähigkeit der Kenngrößen

Die zuvor definierten Kenngrößen Druckzahl *y und Volumenflußzahl erD verknüp-


fen die Prozeßparameter Energieumsatz und Volumenstrom mit einer jeweils bau-
arttypischen Geometrieabmessung und Bezugsgeschwindigkeit der Maschine.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß z.B. der Volumenstrom einer Hubkolbenmaschine
nur von der Hublänge LH und der Kurbelzapfengeschwindigkeit u bestimmt wird,
wie auch bei einer Strömungsmaschine der Volumendurchsatz nicht nur vom Lauf-
raddurchmesser D und der Umfangsgeschwindigkeit u abhängt.

Über die genannten Bezugsgrößen hinaus wird der Volumendurchsatz je nach Bau-
art der Maschine u.a. von weiteren Geometrieparametern beeinflußt, die im Fall
der Maschinenauslegung den vorgegebenen Betriebs- und Ähnlichkeitsbedingungen
angepaßt werden müssen.

Die Relation dieser freien Geometrieparameter zur baugrößentypischen Bezugs-


größe - im Fall der Hubkolbenmaschine also zur Hublänge sH' im Fall der Strö-
mungsmaschine zum Laufraddurchmesser D - kann jedoch nur in bestimmten Gren-
zen variiert werden.

Die Grenzkriterien resultieren im allgemeinen aus Randbedingungen hinsichtlich


der Bauteilbelastung bzw. -festigkeit, günstiger Wirkungsgrade usw. So ist z.B.
bei Hubkolbenmaschinen das Verhältnis von Kolbendurchmesser zur Hublänge nicht
beliebig variierbar, wie auch bei Strömungs maschinen das Verhältnis von Saug-
munddurchmesser , Schaufelhöhe usw. zum Laufraddurchmesser nur in bestimm-
ten Grenzen sinnvoll verändert werden kann.

Entsprechendes gilt auch für die Parameterrelationen anderer Bauarten.

Durch die genannten Kriterien werden die günstigsten Einsatzbereiche der ver-
schiedenen Maschinenbauarten gegeneinander abgegrenzt.

Unter Berücksichtigung der Kenngrößendefinition und der bauarttypischen Grenz-


kriterien lassen sich für jede Fluidenergiemaschinenbauart Wertebereiche der re-
levanten Kenngrößen angeben, die einen ersten Hinweis zur Auswahl der geeignet-
sten Bauart bieten.
303

Derartige Wertebereiche werden bei der Behandlung der Strömungsmaschinenstufe


(Kapitel 5) und der der Verdrängermaschinenstufe (Kapitel 6) angegeben.

So liegt z.B. bei Hubkolbenmaschinen der Bereich üblicher Volumenflußzahlen 'PD


in der Größenordnung

'PD '" 0, 175 + 0, 36 •

Dieser Volumenflußzahlbereich stimmt etwa mit dem der diagonal bis axial be-
schaufelten Strömungsmaschine überein .

Daraus könnte nun formal der Schluß gezogen werden, daß die Hubkolbenmaschine
im gleichen Maße wie z.B. die axiale Strömungsmaschine für den Durchsatz größ-
ter Volumenströme geeignet wäre.

Daß diese Folgerung unzutreffend ist, mag folgende Überlegung veranschaulichen:

Die Definition der Volumenflußzahl 'PD lautet in allgemeiner Form:

bzw. mit u = D TIN

cp
D

Der Term ~ kann als das pro Umdrehung durchgesetzte Fluidvolumen interpretiert
werden, während der Term D 3 das Bauvolumen der Maschine charakterisiert.

Stimmt nun die Volumenflußzahl 'PD z.B. eines Kolbenverdichters mit der eines
Axialverdichters überein und besitzen beide einen vergleichbaren Bezugsdurch-
messer , so wäre das pro Umdrehung durchgesetzte Fluidvolumen ebenfalls von
gleicher Größenordnung.

Aufgrund der am Kurbeltrieb einer Hubkolbenmaschine auftretenden freien Massen-


kräfte und der damit verbundenen Bauteilbelastungen ist die Umfangsgeschwindig-
keit am Kurbelkreis auf relativ niedrige Werte (5 + 10 m/s) begrenzt.

Im Gegensatz dazu werden bei Axialverdichtern wegen des Fehlens freier Massen-
kräfte relativ hohe Umfangsgeschwindigkeiten realisiert, die unter bestimmten
Voraussetzungen in einer Größenordnung von 300 mls liegen können.
304

Bei gleichen Bezugsdurchmessern D kann daher die Drehzahl und damit der Volu-
mendurchsatz pro Zeiteinheit beim Axialverdichter (u = 300 m/ s) 60 mal höher
liegen als beim Hubkolbenverdichter (u = 5 m/ s) .

Anders ausgedrückt: Soll ein bestimmter Volumenstrom mit einem von einer Axial-
stufe erreichbaren Druckverhältnis gefördert werden, so wird bei gleicher Durch-
~~ußzahl der Bezugsdurchmesser D des Hubkolbenverdichters um den Faktor
y 60 ~ 4 höher als derjenige der Axialstufe liegen müssen.

Diese Relation überzeichnet jedoch die realen Verhältnisse, da die für stationäre
Axialverdichter erreichbaren Stufendruckverhältnisse ([] = 1.1 .;. 1.25) für Hub-
kolbenstufen , in denen Druckverhältnisse [] = 2 .;. 8 erreicht werden, im allgemei-
nen zu klein sind.

Wird demgemäß z.B. ein Druckverhältnis [] = 4 vorgegeben, so ist hierfür eine


Hubkolbenstufe, jedoch ein bis zu 14-stufiger Axialverdichter erforderlich.

Da sich die Mehrstufigkeit in einer entsprechenden Vergrößerung der axialen Bau-


länge des Axialverdichters äußert, wird mit zunehmendem Druckverhältnis die
Diskrepanz hinsichtlich des Bauvolumens zwischen Hubkolben- und Axialverdichter
geringer.

Diese Überlegungen zeigen, daß eine isolierte Betrachtung der Volumenflußzahl


CJlD und des Volumenstromes kein hinreichendes Kriterium für die Auswahl der ge-
eignetsten Verdichterbauart liefert. Notwendigerweise muß die Druckzahl bzw.
das Druckverhältnis TI in die Auswahlkriterien einbezogen werden.

Demgemäß ist die Schnellaufzahl (J, die als Kombination aus Volumenflußzahl CJlD

und Druckzahl 'li definiert worden ist (Gleichung 4.69), zur Auswahl der geeignet-
y .
sten Bauart bei vorgegebenen Betriebsgrößen (V, Y und N) aussagefähiger.

Die Relation zwischen der Schnellaufzahl und der nach Gleichung (4.70) definier-
ten Durchmesserzahl 6 kann in der von Cordier [7J für Strömungsmaschinen ein-
geführten Diagrammdarstellung auf Verdrängermaschinen ausgedehnt werden und
liefert bei vorgegebenen Betriebsdaten (V, y und N) sowohl ein Auswahlkriterium
für die geeignetste Bauart als auch einen Richtwert der zu erwartenden Baugröße ,
ausgedrückt durch den Bezugsdurchmesser D.

Ein so erweitertes (J, 6-Diagramm für verschiedene Verdichterbauarten ist in


Bild 4.13 wiedergegeben.

In diesem Diagramm sind neben der bereits in Bild 4.5 aufgetragenen (J, 6-Zuord-
nung für Turboverdichter die entsprechenden Kennzahlzuordnungen und Betriebsbe-
reiche für einige Verdrängerverdichterbauarten aufgetragen.
305

100~6 EE=EfI=E=E=t=IH=l=l=~'llc-==t==E83~E~=l~
1 I I I I I I I I I I I I-r--~'~
' I-'f---[ Huliolbenverdichter =-:;;-::I=.- ----+----1--r--+-
I -Vi elzellenverdichler~
;o+ -I--I-I---tI-
11---+"-"',, :- Kraskolbewerdichler .- I - - - - - -----j
" rKreiskolbenverdichler 11)1
100B LL

': :,
11 11
6 " 11

I()
' 1---+---+--++ -t~
~ rt: ~ -r- L
Schroubenverdichter' 16 i
I 11
-Rootsgebliise -
, - i-

r--.,:I--:.-: ~
~ ~I-4~4-~4-~~~ ~ ~
sClhrwbenverd.314-
I I --,
_~
.

86 1
f- ~+=~~+=~=t~~
I I- l
.

Bild 4.13. Erweitertes (J, ö-Diagramm

Die dargestellten Kurvenzüge sind als Ausgleichskurven zu verstehen, die sich


aus punktweise aufgetragenen (J, ö-Zuordnungen ausgeführter Verdrängerverdich-
terstufen ergeben.

Wie an Bild 4.5 erläutert worden ist, sind in einem Toleranzband um diese Aus-
gleichskurven ebenfalls noch gute Wirkungsgrade zu erwarten. In Bild 4.13 ist aus
Gründen der Übersichtlichkeit auf die Darstellung dieser Toleranzbänder verzich-
tet worden.

Formal läßt sich eine solche Zuordnung auch für Expansionsmaschinen angeben.
Die technische Bedeutung der Verdrängermotoren liegt jedoch vornehmlich im Be-
reich der Verbrennungsmotoren. die vom Funktionsprinzip her eine Kombination
von Verdichter, Expander und Brennkammer darstellen und somit als Fluidener-
gieanlage zu bezeichnen sind. Da in diesem Fall das Zylinder-Kolben-System in
zyklischer Abfolge die Funktion eines Verdichters und die eines Expanders über-
nimmt, ist eine eindeutige Kenngrößenbeschreibung im Cordier-Diagramm schlecht
möglich.

Reine Expansionsmaschinen der Verdrängerbauart sind bisher im wesentlichen als


Dampf-, Druckluft- und Druckölmotoren bekannt (Abschnitt 6.2.2).

Eine den Turbinen adäquate Darstellung dieser Verdrängermaschinen im Cordier-


Diagramm gestaltet sich jedoch schwierig, da für die verschiedenen Bauarten
nicht immer die erforderliche, repräsentative Menge von Betriebsdaten ausge-
306

führter Maschinen verfügbar ist. Aus diesem Grund soll an dieser Stelle auf eine
entsprechende Darstellung verzichtet werden. Auf die Grenzwerte der den ver-
schiedenen Bauarten zugeordneten Betriebsbereiche wird in Abschnitt 6.2.2.4 ein-
gegangen.

Die voraufgegangene Ähnlichkeitsbetrachtung an Verdrängermaschinen beschränkt


sich auf die Definitionen der Druckzahl ~y' der Volumenflußzahl (jlD sowie auf
die daraus kombinierten Kenngrößen Schnellaufzahl (J und Durchmesserzahl 1).

Auf eine ausfiihrliche Behandlung der übrigen, zur vollständigen Ähnlichkeitsbe-


schreibung notwendigen Kenngrößen , wie z.B. Mau' Re u usw., kann verzichtet
werden, da sie unter Berücksichtigung der filr Verdrängermaschinen bauarttypi-
schen Bezugsgrößen nach den für Strömungsmaschinen abgeleiteten Beziehungen
ggf. zu bilden sind.

So kann z.B. die Mach-Umfangszahl Mau einer Schraubenverdichterstufe entspre-


chend der Definition

Ma =~
u as

mit der Schallgeschwindigkeit a s und der Umfangsgeschwindigkeit u am Haupt-


läuferdurchmesser DHL gebildet werden.

Die Ähnlichkeitsaussage der Mach-Umfangszahl Mau bezieht sich in diesem Fall


insbesondere auf den Zusammenhang zwischen der charakteristischen Umfangsge-
schwindigkeit • der Gasart • dem Ansaugezustand und den relativen inneren Leck-
verlusten.

Die inneren Leckverluste resultieren aus Spaltströmungen zwischen den Rotoren


und denen zwischen Rotoren und Gehäusewandungen. Wird die Gesamtheit der geo-
metrisch bedingten Spaltquerschnitte in der Spalt fläche A zusammengefaßt, so
errechnet sich der Leckvolumenstrom t::. V bei einem unterkritischen Spaltdruckver-
hältnis n mit der Durchflußzahl Ci aus den in Abschnitt 3.4.2 angegebenen Zusam-
menhängen


t::. V =A 01 a s V- 2
;:-:-r
2
K
(n - n ) .
-K-
K+l
(4.85)

Wird nun ein Schraubenverdichter bei gleicher Drehzahl mit einem Gas höherer
Schallgeschwindigkeit a s bei sonst konstanten Betriebsgrößen gefahren. so nimmt
der Leckvolumenstrom gemäß Gleichung (4.85) relativ zum gleichbleibenden Volu-
307

mendurchsatz zu. Durch eine linear zur Schallgeschwindigkeit gesteigerte Haupt-


läuferdrehzahl wird der Volumendurchsatz des Verdichters ebenfalls linear ge-
steigert. so daß die Relation zwischen Leckstromvolumen und Durchsatzvolumen-
strom im Vergleich zur ursprünglichen relativen Leckstrommenge konstant bleibt.

Wird die gesteigerte Drehzahl bei gleichem Durchmesser D HL zur erhöhten


Schallgeschwindigkeit a s des Versuchsgases ins Verhältnis gesetzt; so ergibt
sich gemäß Definitionsgleichung eine konstante Mach-Umfangszahl Ma • Daraus
u
kann gefolgert werden. daß bei konstanter Mach- Umfangszahl eines Schraubenver-
dichters • der Gase unterschiedlicher Schallgeschwindigkeiten fördert. der rela-
tive innere Leckstrom konstant ist.

Die in Gleichung (4.85) enthaltene Durchflußzahl CI hängt außer von der Geometrie
der Spaltquerschnitte von der Reynolds-Zahl der Spaltströmung ab.

Soll nun in dem zuvor beschriebenen Fall die relative innere Leckstrommenge kon-
stant sein. so ist neben der bereits angesprochenen konstanten Mach- Umfangszahl
Mau auch eine konstante Durchflußzahl 0/ bzw. eine konstante Reynolds- U mfangs-
zahl Re u erforderlich, da die Geometrie der Spaltquerschnitte unveränderlich ist.

Daraus ist zu erkennen. daß neben der Druckzahl 1\r y und der Volumenflußzahl CDD

auch die übrigen am Beispiel der Strömungsmaschine abgeleiteten Kenngrößen für


eine vollständige Ahnlichkeitsbeschreibung der Verdrängermaschinen erforderlich
sind.

Literatur zu Kapitel 4:

[lJ Buckingham, E.: Dimensional Analysis. Phys. Rev. 4 (1914) 345-377.


[2J Zierep, J.: Ähnlichkeitsgesetze und ModeUregeln der Strömungslehre. G. Braun,
Karlsruhe 1972.
[3J Abnahme- und Leistungsversuche an Verdichtern. VOI 2045, Blatt 1, VOI-Verlag,
Oüsseldorf 1973.
[4 J Schultz , J. M.: The Polytropic Analysis of Centrifugal Compressors. Transact. ASME,
J. of Engineeri ng for Power 84 (1962) 69-82.
[5J Truckenbrodt, E.: Fluidmechanik , Band 1. Springer-Verlag, Berlin , Heidelberg,
New York 1980.
[6J Traupel, W.: Thermische Turbomaschinen, Band 1. 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin,
Heidelberg, New York 1977.
[7J Cordier, 0.: Ahnlichkeitsbedingungen für Strömungsmaschinen. In: Probleme der Strö-
mungstechnik im Maschinenbau. VOI-Berichte, Band 3, 1955, S. 85-88.
[8J Oavis, H.: Equivalent Performance Parameters for Turboblowers and Compressors.
ASME Paper 56-A-122.
[9 J Wiesner, F. J.: A New Apprisal of Reynolds Number Effects on Centrifugal Compressor
Performance. ASME Paper 78-GT-149, 1978.
[10 J WÖhrl, B.: Analyse der hydraulischen Verluste in einer Radialverdichterstufe und Abschät-
zung des Reynoldszahleinflusses auf die Wirkungsgradkennlinien. Oiss. Stuttgart 1980.
308

[11] Fister, W.; Kotzur , J.: Zur Umrechnung von Kennlinien gekühlter und ungekühlter Turbo-
verdichter. VDI-Fortschrittsbericht, Reihe 7, Nr. 29, 1972.
[12J Fister, W.: Versuche an Turboverdichtern. GHH-Technische Berichte 1962. 2, 2-9.
[13J Fister, W.; Kotzur • J.: Ungekühlte Turboverdichter bei geänderten Betriebsbedingungen .
Chemie-Ing .-Technik, 37 (1965) 1055-1062.
[14J Kotzur , J.: Analyse und Umrechnung von Radialverdichterkennlinien. Diss. Bochum 1978.
[15J Fister, W.; Kotzur , J.: Conversion of Centrifugal Compressor Performance Curves Con-
sidering Non-Similar Flow Conditions. ASME P3.per 82-GT-42.
[16J Kotzur, J.: Strömungsmechanische Ähnlichkeitsbedingungen bei Abnahmeversuchen an Turbo-
kompressoren. Fortschrittsberichte der VDI-Zeitschriften, Reihe 7, Nr. 72, 1983.
5 Die Strömungsmaschinenstufe

Neben Maschinenteilen, die der Zu- und Abfuhr des Fluids dienen, bestehen die
Strömungsmaschinen im wesentlichen aus einer oder mehreren Stufen als den klein-
sten funktionsfähigen Einheiten, in denen sowohl der Arbeitsaustausch zwischen den
rotierenden Maschinenteilen und dem Fluid als auch eine Energieumwandlung zwi-
schen kinetischer und potentieller Energie innerhalb des Fluids stattfindet. Die
Stufe besteht im allgemeinen aus einem Laufrad und einem Leitrad. In Sonderfällen,
wie z.B. bei Windrädern und Propellern, wird auf das Leitrad verzichtet.

Bei mehrstufigen Maschinen werden mehrere Stufen in Strömungsrichtung hinter-


einander angeordnet, was bei axialen Ström ungsmaschinen ohne weiteres möglich
ist. Die entsprechende Kombination von radialen Stufen macht allerdings meistens
sogenannte Umlenk- und Rückführpartien erforderlich, wie sie am Beispiel von
Strömungsverdichtern in Bild 5.1 gezeigt sind.

axial

Bild 5.1. Mehrstufiger Strömungsverdichter


La Laufrad
Le Leitrad

Eine Parallelschaltung von Stufen oder Stufengruppen führt zu sogenannten mehr-


flutigen Ausführungen, die im allgemeinen dann gewählt werden, wenn eine Stufe
bestimmten Laufradaußendurchmessers den gewünschten Fluidstrom nicht mehr
310

schlucken kann. Ein Beispiel für einen zweiflutigen, einstufigen Radialverdichter


zeigt Bild 5.2. Bei dieser Konstruktion ist die sogenannte back-to-back-Anordnung
der Laufräder gewählt worden.

Bild 5.2. Zweiflutiger , einstufiger Radial-


verdichter

Häufig werden die einzelnen Fluten wiederum mehrstufig ausgeführt, was vor al-
lem bei axialen Strömungsmaschinen üblich ist. Die mehrflutige Bauweise wird
vorwiegend entsprechend der Volumenstromänderung bei Verdichtern in den ersten
und bei Turbinen in den letzten Stufen notwendig.

5.1 Darstellung und Bezeichnungen

Die Strömungsmaschinenstufen können sowohl als Radial-, Diagonal- wie auch als
Axialstufen ausgeführt werden. Entsprechend den unterschiedlichen Aufgaben ist
von der Funktion her zwischen Verdichter- und Turbinenstufen zu unterscheiden.

Für die Auftrennung der Stufe in Lauf- (La) und Leitrad (Le) sind die Bezugsebe-
nen nach Bild 5.3 definiert.

Dabe i sollen zur einheitlichen Darstellung die Ebenen vor und hinter dem Laufrad
unabhängig von der Funktion grundsätzlich mit 1 bzw. 2 bezeichnet werden, so
daß das bei Turbinen im allgemeinen vor dem Laufrad angeordnete Leitrad zwischen
den Ebenen 0 und 1 und das bei Verdichtern dem Laufrad in Strömungsrichtung
folgende Leitrad zwischen den Ebenen 2 und 3 zu finden ist. Diese Bezeichnungen
werden zur Zuordnung von Größen zu den einzelnen Strömungsquerschnitten be-
nutzt. Das Laufrad betreffende Größen werden mit (,,), das Leitrad betreffende
Größen mit ( ') gekennzeichnet.
311

a VerdichIer b Turbinen
Rodiolslufe Axiolslufe Axiolslufe

Bi ld 5.3. Beispiele für Stufen von Strömungsmaschinen mit Indizierung der Strö-
mungsebenen 0 bis 3; Laufrad ["J, Leitrad [ ']

In den genannten Ebenen vor und hinter den jeweiligen Stufenelementen werden im
allgemeinen komplizierte dreidimensionale und ggf. auch instationäre Verhältnis-
se der strömungstechnischen und thermodynamischen Größen des Fluids vorliegen.
Um die Beschreibung der physikalischen Vorgänge in einer Strömungsmaschinen-
stufe zu vereinfachen, werden die örtlichen Geschwindigkeiten und Zustandsgrößen
in den betreffenden Strömungsquerschnitten durch geeignete Mittelwerte (s. Ab-
schnitt 5.5) ersetzt und auf einen repräsentativen Punkt dieses Querschnitts bezo-
gen. Die Verbindung dieser Punkte ergibt den sogenannten repräsentativen Strom-
faden, der hier vorläufig so angenommen wird, daß durch ihn als Erzeugende einer
koaxialen Rotationsfläche die Flächen der jeweiligen Strömungsquerschnitte halbiert
werden (Bild 5.4). Diese Annahme über die Lage des repräsentativen Stromfadens
wird in Abschnitt 5.5 überprüft.

b b
'27.

- -miltlerer Si rom faden

Bild 5.4. Lage des mittle-


ren Stromfadens
Radiolverdichler Axiolverdichfer beim Radial- und
Axialverdichter
312

Nach Bild 5.4 liegt der so definierte mittlere Stromfaden für einen axialen Stufen-
eintritt auf dem Durchmesser

(5.1)

Bei einem rein radialen Strömungskanal wird z.B. die Kanalbreite b am Laufrad-
austritt durch den mittleren Stromfaden halbiert. Bei diagonal durchströmten Quer-
schnitten ist die Lage des mittleren Stromfadens gemäß der beschriebenen Flächen-
halbierung zu konstruieren.

Die eindimensionale Beschreibung der thermodynamischen und strömungstechni-


schen Vorgänge auf einem mittleren Stromfaden wird auch als elementare oder ein-
dimensionale Theorie der Stufe bezeichnet. Die Behandlung der Strömungsmaschi-
nenstufe soll in diesem Kapitel im wesentlichen nach dieser Theorie erfolgen.

Wie die Bilder 5.1 bis 5.3 zeigen, wird zur zeichnerischen Darstellung der Stufen-
elemente, abweichend von dem sonst im Maschinenbau üblichen Verfahren der Pa-
ralle lprojektion, vorteilhaft die Zirkularprojektion eingesetzt.

Bei den Lauf- und Leiträdern sind die Schaufeln zentralsymmetrisch auf rotations-
symmetrischen Grundkörpern aufgebracht. Ein Meridianschnitt durch einen sol-
chen Körper würde bei einer Parallelprojektion bezüglich der Schaufeln schwierig
zu konstruierende Durchdringungskurven ergeben, wie dieses in Bild 5. 5a am Bei-
spiel eines Radialverdichterlaufrades gezeigt ist. Je nach LaufradsteIlung würden
sich die Schaufeln unterschiedlich darstellen und ggf. auch geschnitten werden.

Bild 5.5. Zeichnerische Darstellungs-


weisen eines Radialverdich-
terlaufrades
a) Parallelprojektion
A a A b b) Zirkularprojektion

Bei der Zirkularprojektion (Bild 5.5b) wird jeder Punkt der Schaufelkontur ent-
sprechend seinem Radius in die Meridianschnittebene gedreht. Die Darstellung der
Schaufel erfolgt unabhängig von der momentanen Winkelstellung als Ansicht und
nicht als Schnitt, so daß die radiale Erstreckung der Schaufel dadurch stets maß-
stäblich richtig abgebildet wird. Durch die Wahl der Zirkularprojektion wird der
zeichnerische Aufwand reduziert und zugleich eine einfachere und eindeutige Ver-
maßung möglich.
313

5.2 Geschwindigkeitsdreiecke

Die in eine Strömungsmaschinenstufe, z.B. in eine Verdichterstufe nach Bild 5.1,


eintretenden Fluidteilchen passieren mit entsprechender Geschwindigkeit zunächst
das im allgemeinen mit konstanter Winkelgeschwindigkeit rotierende Laufrad, um
nach Durchströmen der raumfesten Leiträder und ggf. des anschließenden Umlenk-
und Rückführkanals bei Radialverdichtern die Stufe zu verlassen.

Für die Beschreibung der Strömungsvorgänge vor und hinter einem Laufrad ergibt
....
sich nach Abschnitt 3.1 zwischen der Absolutgeschwindigkeit c und der Relativge-
schwindigkeit ;:, wenn der Koordinatenursprung vom Absolut- und dem mit konstan-
ter Winkelgeschwindigkeit rotierenden Relativsystem zusammenfällt, über die Um-
fangsgeschwindigkeit ~ des Relativsystems der Zusammenhang
.... .... ....
c = w + u.

Werden diese Geschwindigkeitsvektoren jeweils auf dem repräsentativen Stromfa-


den am Ein- und Austritt des Relativsystems "Laufrad" addiert, so ergeben sich
sogenannte GeschwindigkeitsdY'eiecke an diesen Punkten, wie Bild 5.6 am Beispiel
einer in die Ebene abgewickelten Axialverdichter-Rotorbeschaufelung zeigt.

0_......--+-.........-_ _

Bild 5.6. Geschwindigkeitsdreiecke am Ein-


und Austritt einer Axialverdichter-
beschaufel ung

Da es sich bei den Geschwindigkeiten stets um Vektoren handelt, soll der Einfach-
heit halber in den Bildern auf die Kennzeichnung durch den Vektorpfeil verzichtet
werden. Außerhalb dieses Abschnitts wird im folgenden auch in den Gleichungen nach
Möglichkeit auf die Vektorkennzeichnung verzichtet, so z.B. bei der Addition von
Vektorkomponenten gleicher Richtung.

Da die am Ein- und Austritt einer Beschaufelung erstellten Geschwindigkeitsdreiecke


nach Abschnitt 3.2.2 Auskunft über die Impulsänderung beim Durchströmen dieses
"rotierenden Krümmers" geben, also den Impulsaustausch zwischen Fluid und Be-
314

schaufelung charakterisieren, werden sie im allgemeinen gemeinsam dargestellt.


Dabei haben sich zwei Arten zusammenfassender Darstellung eingebürgert, die in
Bild 5.7 für eine Axialverdichterbeschaufelung gemäß Bild 5.6 gegenÜbergestellt
worden sind.

Bild 5.7. Darstellungsweisen der Ge-


a schwindigkei tsdreiecke

In der Literatur über die Strömungsverdichter werden überwiegend die Anfangs-


punkte des Umfangsgeschwindigkeitsvektors beim Ein- und Austrittsdreieck zu-
sammengelegt (Bild 5. 7a), während in der über die Turbinen weitgehend die Ein-
und Austrittsdreiecke mit ihren Vektorpfeilspitzen der Absolut- und Relativge-
schwindigkeit überlagert werden (Bild 5. 7b), um eine Zuordnung zu erreichen,
wobei die Geschwindigkeiten entsprechend den Ebenen mit dem Index 1 bzw. 2
versehen werden.

Für eine normierte Darstellung der Geschwindigkeitsdreiecke und zur Einhaltung


der Vorzeichenregel nach Abschnitt 2. 1. 2.2 werden folgende Vereinbarungen ge-
troffen, die sowohl für Verdichter als auch für Turbinen gelten:
...
- Die Umfangsgeschwindigkeit u wird in der Darstellung nach rechts weisend auf-
...
getragen. Alle in u-Richtung zeigenden Vektorkomponenten sind positiv.

Über das Vektorprodukt


...u=wXr
... ...

...wird ein rechtsdrehendes Koordinatensystem festgelegt, in dem der positiven


...
u-Richtung die positive t1J-Richtung entspricht •

- Die Meridiangeschwindigkeit c
... wird in der Darstellung senkrecht zur Richtung
m
der Umfangsgeschwindigkeit zum oberen Bildrand weisend aufgetragen. Alle
...
Vektorkomponenten in Richtung von c m sind positiv.

- Die Winkel bzw. ß zwischen den Absolut- bzw. Relativgeschwindigkeiten und


...
01
...
der positiven u-Richtung werden von der positiven u-Richtung im mathematisch
positiven Sinne, d.h. im Gegenuhrzeigersinne, angetragen.

Diese Vereinbarungen entsprechen der Vorzeichenregel nach Abschnitt 2.1.2.2,


d.h. Gleichungen, in denen Größen gemäß dieser Vorzeichen- bzw. Winkeldefi-
315

nitionen verwendet werden, führen rein formal zu Ergebnissen, die mit der Vor-
zeichen regel übereinstimmen.

.... ....
Um die räumlichen Geschwindigkeitsvektoren c und w durch Komponenten darstel-
len zu können, bieten sich in der Strömungs maschine bevorzugte Richtungen an.

Da die Beschreibung der Strömungsvorgänge im allgemeinen auf Punkte des mitt-


leren Stromfadens in den Strömungsquerschnitten @, CD, ® bzw. CD, ®, G)
nach Bild 5.3 beschränkt wird, ist es zweckmäßig, das in Bild 3.1 dargestellte
Zylinderkoordinatensystem vereinfacht zu verwenden. Dazu wird die z-Achse in
die Maschinenachse gelegt. Der Kreis mit dem Radius R um die Maschinen-
achse nach Bild 3.1 möge durch den Punkt z.B. des mittleren Stromfadens im
Strömungsquerschnitt verlaufen, für den die Geschwindigkeit C; in Komponenten
zerlegt werden soll. Wird nun der Ursprung eines Zylinderkoordinatensystems
jeweils in den Mittelpunkt des Kreises vom Radius R gelegt, dann wird der Orts-
....
vektor r nach Bild 3.1 zum Radiusvektor mit

I....rl = R,

und es bieten sich analog zu Bild 3.1 folgende Komponenten für die räumlichen
Vektoren der Absolutgeschwindigkeiten C;1 und C;2 am Eintritt CD und Austritt ®
z.B. eines diagonalen Verdichterlaufrades (Bild 5.8) an:

....
Radia l komponen te c senkrecht zur Maschinenachse
r

....
Axial komponente Cz in Richtung der Maschinenachs e

.... ....
Umfangskomponent e Cu in Richtung der Umfangsgeschwindigkeit u.

Bild 5.8. Räumliche Darstellung der Kom-


ponenten der Absolutgeschwindig-
....
keit c im Meridianschnitt eines
diagonal durchströmten Verdich-
terlaufrades
316

Die vektorielle Summe aus Axial- und Radialgeschwindigkeitskomponente wird als


....
Mer>idiangeschwindigkeit c m bezeichnet, die ebenfalls in Bild 5.8 dargestellt ist:

...c ...
=cr +
....
c (5.2)
m z
....
Somit läßt sich die Absolutgeschwindigkeit c ausdrücken durch

....
wobei die Meridiankomponente c den Volumen- bzw. Massenstrom charakteri-
m ....
siert, und die Umfangskomponente Cu für den Impulsaustausch von Bedeutung ist .

....
Für den Sonderfall des reinen Axialverdichters , bei dem die Radialkomponente c
.... r
definitionsgemäß zu Null wird, lassen sich die Geschwindigkeitskomponenten c
... m
und Cu auch in der Abwicklungsebene eines koaxialen Zylinderschnittes zusammen
mit den Profilen der Laufradbeschaufelung darstellen (Bild 5.9) .

Bild 5.9. Komponenten der Absolutgeschwin-


....
digkeit c im koaxialen Zylinder-
schnitt eines Axialverdichters

Für ein überwiegend radial durchströmtes Laufrad sind die Absolutgeschwindigkei-


.... ....
ten Cl und c 2 gemäß Bild 5.10 wiederum in die gewählten Komponenten zerlegt
worden. Um die Geschwindigkeitsdreiecke in der Ebene darstellen zu können, ist
es notwendig, eine Zweikomponentenzerlegung der Geschwindigkeiten in Meridian-
und Umfangsrichtung zu wählen.
317

Cll

Bild 5.10. Komponentenzerlegung der


Absolutgeschwindigkeiten
..... .....
c:1 und Cz an einem über-
wiegend radial durchström-
ten Verdichterlaufrad

Damit entsprechen die von der Umfangskomponente -;; und der Meridiankomponen-
..... u
te c m aufgespannten Eben(·n denen der Geschwindigkeitsdreiecke. In diesen so
.....
ausgerichteten Ebenen liegt die Absolutgeschwindigkeit c, die Umfangsgeschwin-
.....
digkeit u wegen ihrer ebenenaufspannenden Komponenten und damit auch die Rela-
..... .....
tivgeschwindigkeit w. Die Meridiankomponente c m ist für die Ausrichtung der
Ebenen der Geschwindigkeitsdreiecke maßgebend, wobei Grenzfälle das reine
Axiallaufrad und das reine Radiallaufrad sind.
..... ........
Beim reinen Axiallaufrad ist, wie im Bild 5.9 gezeigt, c r = 0, d.h. c m = C z und
damit liegen die Geschwindigkeitsdreiecke für Ein- und Austritt in einer Ebene •

.....
Beim reinen Radiallaufrad mit axialem Einlauf nach Bild 5.11 ist cl = 0 und da-
-+ -+ ~ -+ r -+
mit c 1m = c 1z und am Austritt c 2z = 0 und damit c 2m = c 2r ' d.h. in diesem
Fall stehen die EbeneI'l von Ein- und Austrittsdreieck senkrecht aufeinander. Für
die Darstellung wird die Ebene der Austrittsdreiecke in diesem Fall um 90° in die
Ebene der Eintrittsdreiecke geklappt.

Bild 5.11. Komponenten der Absolutgeschwindig-


... .....
keiten C:1. und Cz an einem Radial-
verdichterlaufrad mit axialer Zu-
strömung und rein radialer Abströ-
mung
318

Für den allgemeinen Fall mit

-> .... ....


c 1m "f c 2m "f c 3m ;

ergeben sich die in Bild 5.12 dargestellten Geschwindigkeitsdreiecke der Stufe mit
.... ....
den wichtigsten Komponenten in den jeweils durch Cu und c m aufgespannten Ebe-
nen. Dabei wird die in der Verdichterliteratur übliche Darstellung a) mit der aus
....
der Turbinenliteratur b) verglichen. Neben den Geschwindigkeitsvektoren c 1 und
.... ....
c 2 ist auch der Geschwindigkeitsvektor c 3 hinter dem Leitrad der Verdichterstu-
fe dargestellt.

- -- ..1 eu - - --,

Bild 5.12. Geschwindigkeitsdreiecke


eines Verdichters in den
beiden gebräuchlichen Dar-
stellungsweisen ohne ein-
b schränkende Bedingungen

Bild 5.13. Definition der mittleren Ge-


schwindigkeiten
319

Mit sogenannten mittleren Geschwindigkeiten, wie sie in Abschnitt 3.3.6 bezüglich


der Relativgeschwindigkeit für Tragflügel und Gitter benutzt worden sind, lassen
sich physikalische Zusammenhänge häufig in verkürzter Schreibweise darstellen.

Die Definitionsgleichungen der mittleren Geschwindigkeiten lauten für das Leitrad:

Verdichter Turbine
.... .... .... -t

.... c2 + c3 .... Co + cl
c' c' (5.3)
'" 2 '" 2

.... .... .... ....


.... c 2u + c 3u .... c Ou + c lu
c'
2
c'
2
(5.4)
"'u ""u

.... .... .... ....


.... c 2m + c 3m .... c Om + c lm
c' c' (5.5)
"'m 2 "'m 2

Für das Laufrad lassen sich mittlere Absolut- und Relativgeschwindigkeiten bilden:

.... ....
....
cl'
Cl + c 2
(5.6)
"" 2
.... ....
....cl' c 1u + c 2u
(5.7)
""U 2

.... ....
....cl' c 1m + c 2m
(5.8)
"'m 2

.... ....
.... w1 + w 2
w (5.9)
'" 2
.... ....
.... w 1u + w 2u
(5.10 )
w""u 2
.... ....
.... w 1m + w 2m
w""m (5.11)
2

Daß die Geschwindigkeitsdreiecke nicht nur formale Hilfsmittel sind, sondern die
1i,irkliche Strömung charakterisieren, kann z.B. eine Sichtbarmachung der Strö-
mung in den Stufenelementen zeigen. Eine Möglichkeit, Gasströmungen sichtbar
zu machen, bietet das sogenannte Funkenblitzverfahren [1, 2, 3, 4], dessen
Prinzip darauf beruht, daß auf dem kürzesten Weg zwischen zwei Elektroden hoher
Potentialdifferenz eine Funkenentladung auftritt, die einen ionisierten Plasma-
320

schlauch hinterläßt , der von der Strömung mitgenommen und entsprechend der
Geschwindigkeit verformt wird. Bei Wiederherstellung der Potentialdifferenz in-
nerhalb der begrenzten Lebensdauer dieses Plasmaschlauchs findet die leuchtende
Entladung wegen des geringeren elektrischen Widerstandes über diesen Plasma-
schlauch und nicht über die ursprüngliche Zündstrecke statt.

Wird die Potentialdifferenz in einer bestimmten Frequenz an die Elektroden des


Strömungskanals angelegt, ergeben die aufleuchtenden Plasmaschläuche eine so-
genannte Funkenblitzgardine • Die Fotografie einer solchen Funkenblitzgardine ist
in Bild 5.14 zu sehen.

Bild 5.14. Funkenblitzgardine in einem Freistrahl (Strömung von links nach rechts)

Aus dem durch die Frequenz bekannten Zeitabstand zwischen zwei Blitzen und dem
Weg, der sich aus dem fotografierten Bild entnehmen läßt, ist für jeden Ort eine
Geschwindigkeit zu errechnen.

Um die Relativströmung in rotierenden Systemen, wie z.B. im Laufrad sichtbar


zu machen, könnte ein laufradfester Fotoapparat benutzt werden. Da dieser den
hohen Radialbeschleunigungen im allgemeinen nicht standhält, werden gerne dop-
peltbrechende, mit halber Objekt drehzahl rotierende Prismen in den Strahlengang
zwischen das rotierende System und die ruhende Kamera gebracht, um ein Bild
des Relativsystems fotografieren zu können. Der Antrieb der verschiedenen Pris-
men, die gemäß Bild 5.15 zu diesem Zwecke einsetzbar sind, kann u.a. durch
elektrische Wellen, Schrittmotoren usw. mit der Laufradwelle synchronisiert
werden.

Am Strahlengang durch ein Dove-Prisma in Bild 5.16 läßt sich das Entstehen des
raumfesten Bildes verfolgen. In der Ausgangsstellung wird der rotierende Gegen-
321

Oove Prisma Pechan Prisma

Abbe' Prisma gefaltetes Abbe' Prisma

Bild 5.15. Drehprismen

stand a (hier ein Pfeil) in b als Bild dargestellt. Nach Drehung des Gegenstan-
des um 180° und gleichsinniger Drehung des Prismas um 90° zeigt der Strahlen-
gang, daß das Bild b I sich gegenüber der Ausgangsstellung b nicht verändert
hat, d.h. also: Das Prisma muß gleichsinnig mit der halben Objektdrehzahl ro-
tieren, um der Kamera ein ruhendes Bild anzubieten. Dabei muß die optische
Achse des Prismas mit der Drehachse des Laufrades übereinstimmen.

Turboprismo Teiterptotte Getriebe Gleichstrom-


a b I motor\

Ausgangsstellung

Bild raumfesl

Empföngermotor 2polig

Prismo noch 90' -Drehung u. gleichsinniger KA Komera für Absolutströmung


Drehung des Gegenstondes 0 um 180' KR Komera für Relotivst römung

Bild 5.16. Strahlengang und Schaltbild eines Dove-Prismas für Radiallaufradunter-


suchungen

Im rechten Teil des Bildes ist eine Anordnung dargestellt, mit der sich mittels
einer halbdurchlässigen Teilerplatte ein rotierendes Laufrad ohne Parallaxe sowohl
vom Absolutsystem mit der Kamera KA als auch über das Dove-Prisma vom Rela-
tivsystem (Kamera KR) aus betrachten läßt.
322

Funkenblitzaufnahmen, die mit dieser Anordnung von der Strömung in einem Lauf-
radkanal aufgenommen worden sind, zeigt Bild 5.17 rechts.

Bild 5.17. Schematische Darstellung und Fotografie der identisch gleichen Funken-
blitzgardine im Kanal eines Radiallaufrades mit ruhender Kamera (A)
und bei Zwischenschaltung eines Dove-Prismas (R)

Die beiden gezeigten Funkenblitzgardinen setzen sich aus den identisch gleichen
Einzelblitzen zusammen. Mit Hilfe der Winkelgeschwindigkeit UJ des Laufrades und
der Blitzfrequenz fBlitz lassen sich die Blitze des Absolutsystems in das Relativ-
system entsprechend der Schemazeichnung links im Bild um den Laufradverdreh-
winkel

19 =__w_
f Blitz

" zurückdrehen", weil die Uberschlagszeit eines jeden Einzelblitzes gegenüber der
Drehfrequenz so gering ist, daß eine Verzerrung des Blitzes für die Betrachtung
im Absolutsystem praktisch nicht auftritt. Das Bild 5.17 vermittelt außerdem eine
Vorstellung von dem Weg der Fluidteilchen , wie er vom Absolut- bzw. Relativsy-
stem aus zu sehen ist.

Mit ruhender Kamera, d.h. bezogen auf das Absolutsystem, ergeben sich bei ei-
ner Anordnung von punktförmigen Elektroden am Laufradaustritt , die sich auf der
Rad- und Deckscheibenseite des Laufradkanals gegenüberliegen. wie links im Bild
5.18 schematisch dargestellt, Funkenblitzschlaufen • wie sie mit der, genannten
Elektroden über der Laufradaustrittsbreite bei Winkeldrehung des Laufrades er-
zeugt werden.

Die Scheitelpunkte der Funkenblitzschlaufen markieren in etwa den W eg ~ines perio-


disch aufleuchtenden Fluidteilchens im Absolutsystem • Die örtliche Geschwindigkeit
-+
c läßt sich aus dem geometrischen und zeitlichen Abstand der Scheitelpunkte der
-+
Funkenblitzschlaufen ermitteln. Die Umfangsgeschwindigkeit u ergibt sich aus
dem Weg der als Blitzursprung markierten Elektroden am Laufradaustritt , wäh-
323

obsolule Sirombchn
(Loufrodouslrilil - - --/

~ Uz

Bild 5.18. Funkenblitze und schematische Darstellung der Strömung am Laufrad-


austri tt eines Radial verdichters

....
rend z.B. waus Länge und Richtung der zeitzugehörigen Blitzschlaufe zu entneh-
men ist. Damit ergibt sich ein aus den Funkenblitzen markiertes Geschwindig-
keitsdreiec~ mit gekrümmten Seiten. WiE' e8 im Bild 5.18 gezeigt ist.

Bei Betrachtung im Relativsystem läßt sich durch "Rückdrehen" der einzelnen. im


Absolutsystem aufgenommenen Funkenblitze um den jeweiligen Laufradverdrehwin-
....
kel lSi die relative Strombahn von w 2 konstruieren, wie links im Bild 5.18 darge-
stellt •

In Abhängigkeit vom Betriebszustand ände rn sic h u.a. auch die Geschwindigkeits-


dreiecke arn Laufradaustritt. Im Bild 5.19 ist an einem Verdichterlaufrad gezeigt.
daß sich die untersc hiedlichen Aus trittsdreiecke ebenfalls mit dem Funkenblitz-
verfahren darstellen lassen. Die Betriebspunkte der Stufe sind in diesem Bild
durch die gemäß Gleichung (5.77) definierte Meridianflußzahl cp charakterisiert.
wobei cp t für den Betriebspuniet des maximalen Stufenwirkungsgrades gilt.
op

Bild 5.19. Sichtbarmachung der Geschwindigkeitsdreiecke am Laufradaustritt einer


Radial verdi c hters tufe für '{J/ <:Po Pt = 0,85 und 1,25
324

Beispeil 5.1:

Von einer adiabaten Radialverdichterstufe, aufgebaut wie im Bild 5. 3a dargestellt, sind folgende
Daten bekannt:

Mittlerer Laufraddurchmesser am Eintritt Olm 0,19 m

Laufraddurchmesser am Austritt O2 0,4 m


-1
Drehzahl des Laufrades N = 250 s

Absolutgeschwindigkeit am Laufradeintritt cl = 120 m/s

Winkel der Relativgeschwindigkeit am


Laufradaustritt ß2 = 120
Es sollen die Geschwindigkeitsdreiecke auf dem mittleren Strom faden am Ein- und Austritt des
Laufrades bestimmt werden, wobei eine drallfreie Zuströmung (c 1u = 0) und eine konstante Meri-
diangeschwindigkeit (c 1m = c 2m ) vorgegeben ist.

Die Umfangsgeschwindigkeiten ergeben sich zu

ul =Olm TT N = 0,19 . TT. 250 = 149,2 m/s,

u 2 =D 2 TTN=O,4 .TT.250=314,2m/s.

Wegen c 1u = 0 und c lm = c 2m folgt c lm = c 2m = cl = 120 m/s, so daß sich das Eintrittsdreieck


aus u l ' c lm und 0'1 = 90° mit den in diesem Abschnitt getroffenen Vereinbarungen über positive
Geschwindigkeitsrichtungen und Winkeldefinitionen zeichnen läßt. Mit u 2 ' ß2 und c 2m = w 2m =
cl läßt sich ebenso auch das Austrittsdreieck zeichnen.

Für beide Dreiecke gemeinsam wird die Darstellungsart für Verdichter nach Bild 5.7a gewählt.
Die zur Konstruktion benutzten Größen sind mit einem Kreis versehen.

Die damit zeichnerisch festgelegten Geschwindigkeiten und Winkel lassen sich auch rechnerisch
ermitteln.

Die Relativgeschwindigkeit w 1 ergibt sich zu

w1 = rc~ + u~ = y 120 2 + 149,22 = 191,5 m/s.

Der Winkel S1 errechnet sich aus der Gleichung


325

Aus dem Additionstheorem der Geschwindigkeiten nach Gleichung (3.21) folgt, weil bei drallfrei-
er Zuströmung c 1u = 0 ist,

und damit

ß 1 = arctan(c 1m /- u 1 ) = arctan(_ ;:g,2) 141,2°.

Für das Austrittsdreieck ergibt sich

w 2m cl 120
w 2 =sin 8 =sin B =0866 = 138,6m/s
22'

w 2u = w2 cos 82 = 138,6 • (- 0,5) = - 69,3 m/s.

Aus dem formalen Ansatz w 2u = w 2 cos 8 2 folgt wegen ß 2 > 90° also eine negative Geschwin-
digkeit. w 2u < 0 bedeutet, daß diese Komponente der mit der Umfangsgeschwindigkeit definierten
positiven Richtung entgegengerichtet ist. Mit diesem Vorzeichen ergibt sich auch c 2u auf rein
formalem Wege richtig:

c 2u = u 2 + w 2u = 314,2 - 69,3 = 244,9 m/s,

c2 = V c~m + c~u = V 120 2 + 244,9 2 = 272,7 m/s,

5.3 Energetische Betrachtungen

Nach Abschnitt 2.1.2.2 lautet der Energiesatz für ein offenes System, dessen
Grenzen die innere, vom Arbeitsfluid benetzte Oberfläche und die Ein- und Aus-
trittsql1.erschnitte der Maschine bilden:

a 1
+ q " t;h + 2" (CA
2 - CE
2 ) + g IlZ. ( 5.12)

Die potentielle Energie g Lz ist bei Gasen und Dämpfen gegenüber den übrigen Ener-
gietermen des 1. Hauptsatzes meist vernachlässigbar klein. Bei Flüsslgkeiten lst
der Einfluß dieses Terms jeweils zu prüfen und ggf. zu berücksichtigen.
326

Wird die spezifische technische Arbeit a durch den Massenstrom rh und die innere
Leistung Pi ersetzt, so läßt sich mit der eben genannten Vernachlässigung für die
Maschine schreiben:

P.
1
rh + q 1 (2
L'lh + 2' 2 ).
cA - cE (5.13)

Ebenso wie für die gesamte Maschine läßt sich der Energiesatz auch für kleinere
Funktionseinheiten der Maschine aufstellen, so z.B. für eine Stufe. Wird die Sy-
stemgrenze dabei so gelegt wie es im Bild 5.20 für eine Turbine gezeigt ist, lautet
der Energiesatz für diese Stufe:

(5.14)

!im - Bild 5.20. Die Grenzen des Systems "Stu-


fe" am Bei s piel einer Turbine

Da die ausgetauschten Wärmemengen sowohl wegen der kleinen Oberflächen einer


Stufe absolut als auch bezogen auf den gesamten Energieaustausch relativ gering
sind, kann eine Stufe in guter Näherung als adiabates System betrachtet werden.

Bei der Betrachtung des Gesamtsystems "Stufe" nach Bild 5.20 sind mit der Ener-
giegleichung (5.14) alle energetischen Vorgänge innerhalb der Stufe summarisch
erfaßt und zwar sowohl der Arbeitsaustausch bzw. die Energieumwandlung in den
Beschaufelungen als auch die zumeist dissipativen Effekte außerhalb des Strömungs-
kanals wie z.B. Spaltverluste und Radseitenreibung •
327

Es kann deshalb zur Beschreibung von energetischen Vorgängen, die sich nur in dem
beschaufelten Strömungskanal der Stufe vollziehen, von Vorteil sein, ein System mit
den Grenzen nach Bild 5.21 zu wählen.

Bild 5.21. Die Grenzen des Systems "Stufen-


!i _ beschaufelung" am Beispiel einer
m Turbine

Bei adiabater Betrachtung dieses Systems würden sich allerdings gegenüber dem
ebenfalls als adiabat angesehenen System "Stufe" eine andere Enthalpie h2 und eine
andere Geschwindigkeit c2 ergeben, die deshalb in Bild 5.21 mit einer Schlange ge-
kennzeichnet sind.

Von besonderer Bedeutung fUr den Austausch von technischer Arbeit mit dem Fluid
ist das Laufrad, weil ein Arbeitsaustausch nur Uber ein bewegtes Bauteil möglich
ist. Ein System, in dem ein Laufrad einer Stufe isoliert betrachtet werden könnte,
ist in Bild 5.22 dargestellt. Der Energiesatz für dieses adiabate System "Laufrad"
lautet:

(5.15)

Eine weitere Einengung der System grenzen auf ein adiabates System "Laufradbe-
schaufelung", wie im Bild 5.23 dargestellt, ist z.8. dann zweckmäßig, wenn die
Laufradbeschaufelung auszulegen ist. Der Energiesatz für dieses System lautet mit
den Bezeichnungen nach Bild 5.23:

(5.16 )
328

Bild 5.22. Die Grenzen des Systems "Laufrad"


am Beispiel einer Turbine

hl
- 2
Cl
T

Bild 5.23. Die Grenzen des Systems "Lauf-


P; radbeschaufelung" am Beispiel
m einer Turbine

Die spezifische technische Arbeit, die zwischen der Laufradbeschaufelung und dem
Fluid ausgetauscht wird, soll bei Bezug auf dieses System "Laufradbeschaufelung"
als SchaufelgitteY'aY'beit a G bezeichnet werden, die sich von der technischen Arbeit
a für die Gesamtstufe um die Energien unterscheidet, die als Verluste in den Sy-
stemgrenzen "Stufe" jedoch außerhalb der Grenzen "Stufenbeschaufelung" auftreten,
so daß folgender Zusammenhang gilt:

aG =a + ~ L PV • (5.17)

Die dissipativen Verluste P v sind gemäß der Vorzeichenvereinbarung stets positiv,


329

während die technischen Arbeiten bei Turbinen negativ, bei Verdichtern positiv
sind. Daraus folgt für Turbinen

und für Verdichter

Die Betrachtung der Stufe und ihrer Elemente in verschiedenen System grenzen ist
dazu geeignet, die Energieumsetzung in den Stufenelementen zu beschreiben und
diese ins Verhältnis zur Energieumsetzung der gesamten Stufe zu setzen, wie am
Beispiel einer adiabaten Axialverdichterstufe gezeigt werden soll. Dazu werden die
Kennzeichnungen nach Bild 5.3 benutzt. Ohne besondere Kennzeichnung bleiben alle
Größen, die sich auf die ganze Stufe zwischen den Ebenen 1 und 3 beziehen. Mit
diesen Vereinbarungen lautet der Energiesatz für das System "Laufrad" nach Bild
5.22:

a" t;h" + i (c~ - c~ ) ,

t;h" = a" - i (c~ - c~ )

und analog für das entsprechende System "Leitrad" beim Verdichter

a , = t; h' +"21( c 23 - c 2)
2 •

Da das ruhende Leitrad mit dem Fluid keine spezifische technische Arbeit austau-
schen kann, folgt daher mit a' = 0:

6, h ' = 1(22)
-"2 c 3 - c 2 .
330

Die entsprechenden Beziehungen lauten für das System "Stufe" nach Bild 5.20 für
Verdichter

a = ß h ' + ß h" + 2"


1 (c23 - cl2 ).,

II h = ß h' + ß h" ,

a = ßh + 1(2 - c 2)1 '


2" c 3

llh = a - 2"1(2
c3 2) •
- cl

Da die spezifische technische Arbeit mit dem Fluid nur im Laufrad ausgetauscht
wird, gilt:

a = all.

Nach Gleichung (2.39) lassen sich Aussagen über die Dissipation in den adiabaten
Verdichterelementen : Laufrad, Leitrad und Stufe machen:

Laufrad:

2
S(Tds). =j"=h 2 -h 1 -y",
1 irr

j" = ßh" - y"


(5.18)

Leitrad:

j' ßh' - Y I (5.19 )

Stufe:

3
S
1
(Tds).
irr
= j = h 3 - h 1 - y,

j = ßh - y. (5.20)
331

Wenn angenommen wird, daß das Laufrad einen besseren polytropen Wirkungsgrad
als das Leitrad hat, verläuft die Zustandsänderung in einem T, s-Diagramm nach
Bild 5.24 von Punkt 1 über 2 nach 3, während bei globaler Stufenbetrachtung nur
die Zustandsänderung von Punkt 1 nach 3 bekannt ist.

Bild 5.24. Vergleich der bei Einzel- und Global-


betrachtung einer Verdichterstufe auf-
A B F CO [ s tretenden Energien

Die bei Einzel- und Globalbetrachtung auftretenden Dissipationen und Druckände-


rungsarbeiten ergeben sich nach Abschnitt 2.2.2 als Flächen im T,s-Diagramm,
die in Tabelle 5.1 zusammengestellt sind.

Tabelle 5.1. Flächen der Druckänderungsarbeiten


und Dissipationen nach Bild 5.24

~e
Element
y j

Laufrad 1"21CB 12DC

Leitrad 2'32DF 23ED

Stufe global l'31CA 13EC

Die globale Betrachtung der Stufe liefert nur die Zustandsgrößen in den Punkten 1
und 3 und damit eine idealisierte Zustandsänderung entsprechend der Verbindungs-
linie 1-3. So ergibt sich im Vergleich zwischen globaler und detaillierter Betrach-
tung eine um das Dreieck 1 2 3 1 geringere Dissipation für die Gesamtstufe. Nach
Bild 5.24 gilt somit:

j < j ' +j".


332

Entsprechend nimmt der polytrope Wirkungsgrad, dessen Größe mit der Steigung
der Zustandslinie im T, s-Diagramm verknüpft ist, einen mittleren Wert bezogen
auf Leit- und Laufrad an:

Tl"pol > TIpol > n'pol·

Die Unterschiede, die sich bei der globalen Stufenbetrachtung gegenüber der Ein-
zelbetrachtung von Leit- und Laufrad ergeben, sind bei den meisten Strömungsma-
schinen nicht sehr gravierend. Wenn Tl~OI "" 11pol ist, entspricht die Dissipation
der Stufe näherungsweise der Summe der Dissipationen von Leit- und Laufrad:

j "" j' + j". ( 5.21)

Exakt gleich ist jedoch die vom Prozeßverlauf unabhängige Enthalpiedifferenz llh
als Zustandsgröße, wie Bild 5.25 zeigt:

t; h = t; h' + t; hOl • (5.22)

Bild 5.25. Zum Zusammenhang zwischen der Enthalpiedifferenz der Verdichterstu-


fe , des Lauf- und Leitrades bei verschiedenen Zustandsverläufen
2: Tl~ 0 , » Tl~ 0 L
2~~: Tl'~ 0' > Tlpo L
2*lf: Tl 'p 0 L = Tl~ 0 \

Für die prozeßabhängige Druckänderungsarbeit y adiabater Prozesse folgt aus den


Beziehungen

tJh = Y + j,

tJ h ' = y' + j' ,

tJh" = yl1 + jlJ


333

und den Gleichungen (5.22) und (5.21):

y + j = (y' + j') + (y" + j") ,

y+j=y'~y" +j'+j",

j '" j' + j"

die Gleichung

y '" y' + y", (5.23)

wonach die Druckänderungsarbeit y der Stufe bei der Voraussetzung angenähert


gleichen polytropen Wirkungsgrades von Lauf- und Leitrad näherungsweise gleich
der Summe der Druckänderungsarbeiten von Leit- und Laufrad ist.

Reaktionsgrade

Die nach Abschnitt 2.2.1 eingeführten Prozesse und die Zustandsgrößen für Leit-,
Laufrad und Stufe erlauben eine weitere Kennzeichnung der Stufe. Als bewertende
Größe zur Aufteilung der Energie- bzw. Druckumsetzung in der Stufe wird der
sogenannte Reaktionsgrad verwendet, der das Verhältnis des im Laufrad umge-
setzten Anteils zum entsprechenden in der Stufe umgesetzten Ganzen der betreffen-
den Größe angibt. Dabei lassen sich je nach betrachteten Größen verschiedene
Reaktionsgrade bilden:

Reaktionsgrad der Enthalpiedifferenzen, auch kinematischer Reaktionsgrad ge-


nannt:

II h" II h"
Ph = ---;;i"h = llh' + llh"· ( 5.24)

Reaktionsgrad der Druckänderungsarbeit, auch polytroper Reaktionsgrad genannt:

-L~ y" (5.25)


Py - Y ~ y' + y"

Reaktionsgrad der Druckdifferenzen

_~ _ IIp'' (5.26)
Pp - IIp - IIp' + IIp''

Im Turbinenbau ist es auch üblich, einen Reaktionsgrad anhand der zugehörigen


isentropen Zustandsänderung zu definieren. In diesem Fall gehen Ph nach Gleichung
( 5.24) und P nach Gleichung (5.25) gemeinsam in folgende Form über:
y

llh"
s
t.i11
s
334

Wird angenommen, daß der polytrope Laufradwirkungsgrad gleich dem polytropen


Stufenwirkungsgrad ist (~Ol = \01)' so ist nach Gleichung (5.24) und (5.25) für
einen Verdichter

d.h.

Gilt zusätzlich

1l"pol -- 'l'l'Ipol -- 1 ,

dann liegt eine isentrope Zustandsänderung vor und es folgt

Für inkompressible Fluide ist das spezifische Volumen nur von der Temperatur ab-
hängig: v = v(T). Da die spezifische Wärmekapazität z.B. des Wassers groß ist
und die Temperaturerhöhung durch Dissipation im Bereich von Bruchteilen eines
Grades liegt, kann mit guter Näherung angenommen werden

v = const

d.h.

Bei gleichem polytropen Wirkungsgrad von Lauf- und Leitrad sind im betrachteten
Fall alle drei Reaktionsgrade Ph , p und p identisch.
y p

Mit den nach Gleichung (5.24) und (5.25) definierten Reaktionsgraden lassen sich
die polytropen Wirkungsgrade für Lauf-, Leitrad und Stufe verknüpfen. Die Defini-
tion der polytropen Wirkungsgrade für die Einzelelemente der Stufe und für die
Stufe selbst lauten beim Verdichter:
335

Laufrad: Ti" - L
pol V - L'lh" ,

Leitrad: Ti'pol V --L'lh'


L,

Stufe: Tipol V -.L


- L'lh •

Mit Gleichung (5.23) läßt sich schreiben:

-.L ~ y' + y"


\01 V - L'lh ~ L'lh

y' llh' y" L'lh"


\olV"" L'lh' L'lh + L'lh" L'lh·

Nach Einführung des kinematischen Reaktionsgrades Ph ergibt sich

Ti ",,'n' (l-p)+W' P ( 5.27)


pol V "pol V h pol V h·

Mit Hilfe des Reaktionsgrades der Druckänderungsarbeit P läßt sich ebenfalls der
y
polytrope Wirkungsgrad der Verdichterstufe durch die polytropen Einzelwirkungs-
grade ausdrücken:

1 L'lh L'lh' + L'lh" L'lh' y' L'lh" y"


y'
+
y" Y
,
\olV Y Y Y

1 1 1
- - " " - ,- (1 - p ) Py. (5.28)
\01 V T\pOl V Y + T\~ol V

Für die Turbinenstufe ergeben sich aufgrund der Wirkungsgraddefinition

L'lh
\OlT =y
auf gleiche Weise folgende Zusammenhänge:

1 1 1
~""~(l-Ph)+~Ph' (5.29)
pol T pol T pol T

(5.30 )
336

5.4 EULER'sche Hauptgleichung

Beim Arbeitsaustausch zwischen dem Fluid und dem beschaufelten Rotor treten an
den benetzten Oberflächen Druck- und Schubkräfte auf. Die Umfangskomponenten
dieser Kräfte bestimmen das Drehmoment der Strömungsmaschine, während die
Axialkomponenten dieser Kräfte die Drucklagerbelastung hervorrufen.

An einem in Bild 5.26 schematisch dargestellten Turbinenlaufrad sollen stellver-


tretend für die an seiner gesamten Oberfläche angreifenden Kräfte jeweils die
Kräfte an einem Oberflächenelement dO einer Schaufel und die an einem Oberflä-
chenelement des Rotors betrachtet werden. An einem Oberflächenelement können
sowohl Druckkräfte F
... ...
als auch Schubkräfte F auftreten. Durch Integration der
p T
Druck- und Schubspannungen über die benetzten Rotorflächen ergeben sich die wir-
kenden Kräfte und aus deren Umfangskomponenten ergibt sich durch Multiplikation
mit der jeweiligen örtlichen Umfangsgeschwindigkeit die Rotorleistung als innere
Leistung:

(5.31)

Um diese Gleichung lösen zu können, müssen die örtlichen Druck- und Schubspan-
nungsverteilungen bekannt sein. Im allgemeinen ist die experimentelle Ermittlung
dieser Verteilungen derart schwierig und aufwendig, daß eine Bestimmung der in-

dO Schoufelgitter

- Pj

Bild 5.26. An der Oberfläche eines Turbinenrotors wirkende Kräfte


337

neren Leistung nach dieser Gleichung der Forschung und Entwicklung vorbehalten
bleibt.

Ergebnisse derartiger Druckverteilungsmessungen an rotierenden Turbinenschau-


fein nach [5J sind im Bild 5.27 dargestellt worden. Aus diesen in fünf Schaufel-
ebenen mit je 18 Bohrungen durchgeführten Druckverteilungsmessungen lassen
sich unter Berücksichtigung der Flächenelementvektoren die Umfangs- und Axial-
kraftkomponenten ermitteln.

Bild 5.27. Bezogene Druckverteilung


an einer rotierenden Tur-
binenschaufel

Die weiterhin zur Lösung der Gleichung (5.31) notwendige Verteilung der Schub-
kräfte ist noch wesentlich schwieriger zu ermitteln.

Da eine Bestimmung der Rotorleistung auf dem so dargestellten Wege örtlicher


Messungen am Profil praktisch nicht in Frage kommt, wird ein Zusammenhang
zwischen der inneren Leistung Pi und den Geschwindigkeiten vor und hinter dem
Laufrad hergeleitet, der ohne detaillierte Kenntnisse der örtlichen Strömungsvor-
gänge den Arbeitsumsatz im Laufrad beschreibt. Wird der in Abschnitt 3.2.3 her-
geleitete Impulsmomentensatz (Drallsatz)

;> d ........ ....


D = dt (m (r xc)) = M (5.32)

auf einen stationären Fließprozeß angewendet, bei dem die Zustandsgrößen und Ge-
schwindigkeiten an jeder Stelle des Systems von der Zeit unabhängig sind, kann sich
der Drehimpuls eines offenen Systems nur dadurch ändern, daß über die System-
grenzen Drehimpulsströme fließen. Diese ergeben sich aus Gleichung (5.32) unter
338

Berücksichtigung, daß der für einen repräsentativen Radius;' mittlere Geschwin-


...
digkeitsvektor c zeit unabhängig ist, zu

:' dm ... ... ...


D=(jt(rxc)=M,

(5.33 )

...
Für ein Teilchen, das sich auf dem Radius r im Strömungsquerschnitt einer Stufe,
z.B. vor oder hinter einem Laufrad, mit der Gesc hwindigkeit c bewegt, ist in
...
Bild 5.28 versucht worden, diese Zusammenhänge in einem Zylinderkoordinatensy-
stem darzustellen, welches so ausgerichtet ist, daß die z-Achse mit der Maschi-
...
nenachse übereinsti mmt und r senkrecht auf der z -Achse steht. Der Momentenvek-
....
tor M steht gemäß Gleichung (5.33) senkrecht auf der durch den Geschwindigkeits-
.... ....
vektor c und den Ortsvektor raufgespannten, im Bild 5.28 dunkel angelegten Flä-
che.

Bild 5.28. Perspektivische Darstel-


lung der Geschwindigkeits-
und Momentenvektoren

Ein Austausch von Arbeit zwischen Rotor und Fluid ist jedoch wegen der Lagerung
des Rotors nur mittels einer in Umfangsrichtung wirkenden Kraft und damit eines
Momentes in Achs- bzw. (z-) richtung möglich. Sie ergibt sich nach Bild 5.28 zu

M z = M cos '(.

Mit

M = rh 1-; x ~I = rh r c sin(90o + ö)
339

folgt:

Mz =m r c cos 6 cos 'Y. (5.34 )

Dazu sollen zunächst zwei Sonderfälle betrachtet werden:

- Für die rein axial durchströmte Stufe ist die Radialkomponente c r = 0, so daß
gilt:

6 = O.

Damit wird aus Gleichung (5.34):

M zax = mr c cos "I'

- Für die rein radial durchströmte Stufe ist die axiale Geschwindigkeitskomponente
Cz = 0, so daß gilt:

"I =0 und 6 = e.

Damit ergibt sich aus Gleichung (5.34):

M zrad = mr c cos 6.

Bei der reinen Axialstufe liegt der Geschwindigkeitsvektor er in einer r,z-Ebene


und bildet mit der positiven Umfangsrichtung den Winkel "I. Bei der reinen Radial-
... ....
stufe ist die durch c und c aufgespannte Ebene die Strömungsebene. In dieser
ur ...
bildet der Geschwindigkeitsvektor c mit der positiven Umfangsrichtung den Winkel
E. Die Winkel )' und 6, die in den beiden Sonderfällen für die Projektion der Ge-
schwindigkeit c in die Umfangsrichtung maßgebend sind, werden wie bereits in den
3 ezeichnungen für die Geschwindigkeitsdreiecke nach Abschnitt 5.2 geschehen,
durch eine gemeinsame Bezeichnung 01 ersetzt. So läßt sich sowohl für die axial-,
wie auch radial durchströmte Stufe schreiben:

Mz =m r c cos 01.

Mit der Beziehung

c
u
=c cos Cl

folgt für das Moment

(5.35)
340

Die Drehimpulsströme , die an den Grenzen eines offenen Systems, z.B. dem Ein-
und Austritt eines Laufrades, vorliegen, entsprechen nach Gleichung (5.32) äuße-
ren Momenten. Ihre Differenz ist das am Rotor wirksame Moment

Für die Komponente in Achsrichtung (z-Richtung) gilt analog

Durch Einführen der Gleichung (5.35) ergibt sich

Mit dem bei stationärer Strömung konstanten Massenstrom vor und hinter dem Lauf-
rad ergibt sich mit m1 = m2 = m das Moment M z21 zu

(5.36 )

Mit der Winkelgeschwindigkeit w des Laufrades ergibt sich die mit dem Fluid aus-
getauschte spezifische technische Arbeit

und damit;

(5.37 )

Nach der Vorzeichenvereinbarung gemäß Abschnitt 5.2 ist die Winkelgeschwindig-


keit w definitionsgemäß positiv, und das Vorzeichen der technischen Arbeit a wird
durch das Vorzeichen des Momentes M z21 bestimmt. Entsprechend der Vorzei-
chenregel nach Abschnitt 2.1. 2.2 folgt

für Pumpen und Verdichter a> 0

und

für Turbinen a < O.


341

Mit Gleichung (5.37) ergibt sich das richtige Vorzeichen der technischen Arbeit
automatisch, wenn die durch Definition über u 1 und u 2 festgelegte positive Rich-
tung der Umfangskomponenten c 1u und c 2u beachtet wird.

Gleichung (5.37) gilt in dieser Form für das System "Laufrad" nach Bild 5.22, wo-
bei die ausgetauschte technische Arbeit der inneren