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10.12.

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Maria Stuart: Fortsetzung
Elisabeth – eine königliche Heuchlerin? Versuch einer Charakterisierung
Ja, sie ist eine Heuchlerin, denn... Nein, sie ist keine Heuchlerin, weil
• Äußerer Schein zählt → Geltungssucht 1590f • spielt niemandem etwas vor: zeigt auch
Gefühle, stolz + selbstbewusst
• zeigt sich nach außen stolz und selbstbewusst
• nimmt Beruf ernst → will gute Königin sein
III.4 V. 1116
und ist es auch
ziert sich mit Bescheidenheit • nur hochnäsig, weil pflichtbewusst
Handeln ist von Gedanken an Nachruf in • beeinflusst von Beratern: kann nur schwer
Geschichte geleitet unabhängige Entscheidungen treffen; niemand
ist unfehlbar
• kriminelle Gedanken und geheime Mordpläne, • gutes Recht, auf Diener und Berater zu
um ihre Interessen (Akzeptanz im vertrauen
Volk/Staatsrat, Machterhalt, Wohl Englands
• politische Stabilität und gute Regentschaft
und des Volkes) durchzusetzen: legt Mortimer
geben ihr Recht
Mord an Maria nahe II.5
• reale Gefahr + Katholizismus und Intrigen
• emotionale Beweggründe: Neid Rache • Geschlecht, Herkunft, Werdegang, Stellung ist
Eifersucht bestimmen ihr Vorgehen gegenüber problematisch
Maria → Rechtfertigung ihres Verhaltens in Bezug
• Ignoriert Marias Reue III.4 auf Maria IV.10
• musste dem Beruf ihre Weiblichkeit opfern
• Charakterschwächen:
◦ empfänglich für Lob und Schmeichelei
Widerstreit von Eifersucht und politischer
◦ lässt ich beeinflussen und drängen IV.9 Verantwortung
◦ will die Verantwortung für das Urteil nicht Furcht vor öffentlicher Meinung
übernehmen
• verschließt sich moralischen Argumenten IV.10 nicht durch und durch schlecht
• gnadenlos und unmenschlich ihren Anhängern
gegenüber V.12

Verhalten ist amoralisch, feige, unwürdig


Versagt sie als Herrscherin?

gemischter Charakter, aber Negatives überwiegt

Maria Stuart – Eine Charakteristik


Maria Stuart – ein gemischter Charakter
• Verhalten in der Jugend von Leichtsinn bestimmt (V.362)
• politisches Verhalten kurzsichtig und töricht (V.344)
• leidenschaftliches Verhalten trieb sie zu Kurzschlusshandlungen (V.341) → Männer
• fühlt sich durch ihre Geburt / Herkunft ausgezeichnet (V.174ff)
• kokettiert mit ihrem „Frau – Sein“ (V.764f)
• Konfrontation mit Elisabeth (III.4): zeigt zunächst Schwäche (V.2162), dann Gefasstheit
(V.2250)
• ihre Leidenschaftlichkeit bricht unter den Demütigungen Eilsabeths durch (V.2421f)
• ihre Leidenschaftlichkeit zeigt sich auch in den letzten Minuten ihres Lebens in ihren
Worten gegenüber Leicester (V.3830ff)
• aufrecht und selbstbewusst bei ihrem letzten Gang (V.8)
• voller Fürsorge für ihre Diener (V.3773ff)
• Glaube an Gott macht sie stark (V.3581ff)
• zeigt tiefe Sittlichkeit: Würde bedeutet ihr mehr als Befreiung (V.2548ff) → lehnt Mortimers
Avancen ab
• großzügig, edelmütig: Grüße an Elisabeth auf dem Weg zum Schafott (V.9)

▪ sinnliche Schönheit
▪ sündige, aber religiöse Katholikin
▪ leidenschaftlich
▪ königliche Haltung
▪ politisch unklug, anfechtbar, leichtsinnig

Maria ist durch ihr Verhalten eine moralisch anfechtbare Figur


ABER: Schiller schildert sie so positiv, dass der Zuschauer ihr trotz ihrer moralischen
Anfechtbarkeit seine Sympathie nicht verwehren kann.

Maria: Elisabeth:
verkörpert unterdrückte erotische Triebe zeigt hemmende Kräfte des Gewissens, die
Elisabeths Maria unterdrückt