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Architekten

Herzog & de Meuron, Basel


Jacques Herzog, Pierre de
Meuron, Ascan Mergentha-
ler (verantwortl. Partner)

Projektteam
Philip Schmerbeck (Projekt-
leiter), Mehmet Noyan
(Projektmanager), Vladimir
Pajkic

Mitarbeiter
Caroline Alsup, Mark Chan,
Simon Filler, Dara Huang,
Sara Jacinto, Jin Tack Lim,
Mark Loughnan, Jaroslav
Mach, Donald Mak, Hugo
Miguel Moura, Jeremy
Purcell, Chantal Reichen-
bach, James Richards,
Heeri Song, Charles Stone,
Kai Strehlke, Zachary Mar-
tin Vourlas, Jason Whiteley,
Sung Goo Yang, Daniela
Zimmer, Christian Zöllner,
Iwona Boguslawska, Mar­-
tin Raub, Josh Helin, Joem
Elias Sanez

Ausführende Architekten
Goldstein, Hill & West Archi­
tects, New York

Bauherr
Alexico Group, New York

Hersteller
Fassade Schüco, Enclos
Aufzüge Schindler

Die Green Street und die


Church Street entlang Rich-
tung Südwesten geschaut.
Herzog & de Meurons 253 Me-
ter hoher Apartment­s ta-
pel steht an der Ecke Church/
Leonard Street in Tribeca.
Fotos: Iwan Baan

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Wiederholung? Gleichför-
migkeit? Auf keinen Fall!
Herzog & de Meuron wollten
beweisen, dass auch die
Vertikale Spielraum für Indi-
vidualität bietet. Nur fünf
der 146 Apartments in ihrem
Turm sind gleich. Solche
Einzelstücke haben ihren
Preis, zumal in New York.
Für durchschnittlich 35.000
Dollar ging der Quadrat-
meter in „56 Leonard Street“
über den Maklertresen

Text Carolin Mees

Villen
2006 gab es in Manhattan 28 Luxuswohntürme, Meter das höchste Gebäude von New York City
die höher als 200 Meter sind. Bis 2020 sollen es sein. Ebenfalls 2019 soll weiter südlich, an der
doppelt so viele sein. Weitgehend unbeeinträch- 53. Straße neben dem Museum of Modern Art,
Jean Nouvels 320 Meter hoher Wohnturm

stapeln
tigt von der Wirtschaftskrise 2008, wächst die
Einwohnerzahl auf der Insel seit Jahren – heute „53W53“ bezogen werden.
leben dort rund 8,5 Millionen Menschen – und Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron
entsprechend wächst der Wohnraumbedarf. Der sind Downtown mit dabei: 253 Meter hoch ist
Bauboom zielt in die Höhe und schafft statt ihr Turm, bei einer Grundfläche von 1162 Quadrat-

in
Wohnraum für viele Investitionsmasse für das metern beträgt der Schlankheitsgrad 1 : 10,5.
reichste eine Prozent der Bevölkerung. Re­ Auf 57 Stockwerken gibt es 146 Eigentumswoh-
korde in Gebäudehöhe konkurrieren mit Rekord- nungen mit Wohnflächen zwischen 96 und 645
summen für Eigentumswohnungen. Quadratmetern. Die Verkaufspreise der Apart-
Vor allem in der sogenannten Billionairs’ Row ments lagen zwischen 3,5 Millionen und annä-

Tribeca
in Midtown südlich vom Central Park ist in letz­- hernd 50 Millionen Dollar. Das sind die höchsten
ter Zeit viel passiert: 2014 eröffnete das 306 Me- Summen, die südlich der 14. Straße bisher ge-
ter hohe „One57“, entworfen von Christian de zahlt wurden. Das Gebäude steht zehn Blocks
Portzamparc. Dieses Jahr wurde ein von Robert nördlich vom One World Trade Center und dem
A.M. Stern geplantes Hochhaus am 220 Central Financial District, an der Ecke Leonard Street
Park South mit 290 Metern Höhe fertiggestellt und Church Street in Tribeca, zwischen zu Lofts
und ein paar Blocks weiter östlich, an der 432 umgewandelten alten Fabrikgebäuden und
Park Avenue, ein 425 Meter hoher Wohnturm von sechsgeschossigen Wohnbauten.
Rafael Viñoly, wegen der rechteckigen Form und Im Jahr 2007 hatte der Projektentwickler Izak
seines Schlankheitsgrads von 1 :15 „Streichholz- Senbahar mit seiner Firma Alexico Group für 150
Haus“ genannt. Ein Wohnturm an 11 1 West 57th Millionen Dollar das Eckgrundstück von der an-
Street von SHoP Architects soll 2018 bei Fertig- grenzenden New York Law School gekauft und
stellung 426 Meter hoch und mit einem Ver­ auch deren Luftrechte erworben, wodurch sich
hältnis von Breite zu Höhe von 1 :23 der weltweit die zulässige Geschossfläche verdoppelte. Her-
schlankste Wolkenkratzer werden. Dafür wird zog & de Meuron erhielten den Auftrag, einen luxu-
der Nordstrom Tower von Adrian Smith + Gordon riösen und auffallenden Wohnturm zu entwer-
Gill höher und bei seiner Eröffnung 2019 mit 472 fen. Der zügig begonnene Bau von „56 Leonard

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Street“ musste 2008 wegen der einsetzenden geklemmt ist, spiegelt die Passanten und den öf-
Wirtschaftskrise unterbrochen werden. 2012 fentlichen Raum. Die verglaste Lobby liegt un-
konnte es weitergehen. Heute sind alle Wohnun- scheinbar daneben an der Leonard Street. Mit
gen bis auf drei verkauft. Rücksprüngen und unterschiedlichen Höhen
Herzog & de Meuron hatten sich die Aufgabe reflektieren die sieben Geschosse des Sockels
gestellt, eine Alternative zur gängigen Hoch- die Vielfalt von Gebäudetypen und Stockwerk-
haus-Typologie zu entwickeln. Statt der oft un- höhen in der Nachbarschaft. Den Abschluss des
wirtschaftlichen, im Grundriss unflexiblen Bau- Sockels bilden die Gemeinschaftsräume. Die
weise, die eine monotone, anonyme Atmosphäre von Herzog & de Meuron entworfenen „Amenities“
fördert, sollte ihr Wohnturm einen individuellen, bieten auf 1742 Quadratmetern in zwei Geschos-
privaten Charakter haben. Seine Gestalt sollte sen ein 23 Meter langes Schwimmbad mit abge-
fragmentiert sein und Zufälligkeit ausdrücken. rundeten Ecken zum Rundenschwimmen, eine
Entstanden ist ein Turm, dessen Erscheinung Sauna, ein Dampfbad, einen Massageraum, ein
mit der Möglichkeit provoziert, dass er wie das Fitnessstudio, Umkleideräume, einen Kinder-
Spiel „Jenga“ aus aufeinandergestapelten, ver- spielraum, eine Lounge mit Bibliothek und offe-
schachtelten Bauklötzen besteht, die einstür- nem Kamin, einen Konferenzsaal mit Küche so-
zen könnten, aber so austariert sind, dass sie sich wie ein privates Kino.
gegenseitig stabilisieren. Den Bauklötzen des Ab 27 Metern Höhe – dort beginnt der leicht
Spiels entsprechen bei Herzog & de Meuron ge- konische Schaft – stapeln sich die verschieden
geneinander verschobene „Raumpakete“. Auf großen Eigentumswohnungen. Die Geschosshöhe
diese Weise verbanden die Architekten die klas- variiert zwischen 3,60 Meter in den unteren und
sischen drei Zonen eines Hochhauses – Sockel, fast 7 Meter in den oberen Etagen. Absicht der Ar-
Schaft und Krone – zu einem kohäsiven, in sei- chitekten war es, dass die Wohnungen in der
nen Teilen aber unterschiedlichen Gebäude. Art von Einfamilienhäusern individuell identifizier-
Eine bohnenförmige, hochglänzende Edelstahl- bar sind und mit einem besonderen Ausblick
skulptur von Anish Kapoor, die an der Ecke aus jedem Zimmer sowie über Balkone bzw. Ter-
Church/Leonard Street in das Erdgeschoss ein- rassen eine Verbindung zur Stadt herstellen.

Öffnungsflügel im Wolken- Badewanne und Wasch-


kratzer! In 56 Leonard tisch (Laufen) sind Entwürfe
Street wird die Außenseite von Herzog & de Meuron.
der Fenster klassisch – von Das höchstgelegene Pent-
innen – geputzt. Die Kon- haus wurde im Juni für
zertflügel-förmige Küchen- 47.866.945 Dollar verkauft.
insel (Molteni/Dada) so­wie Fotos: Hufton + Crow

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Die Architekten nennen man 1960 von dem Haus
­Pierre Koenigs „Case Study machte, waren wiederum –
House #22“ von 1959 als unverkennbar – Inspira­-
Inspiration. Die berühmten tion für unseren Fotografen.
Aufnahmen, die Julius Shul- Fotos: Iwan Baan

Für die New Yorker Skyline können sonnen-


badende, grillende oder gärtnernde Hoch-
hausbewohner nur eine Bereicherung sein
Bauwelt 17.2017 Thema 39
Ebene 42 Ebene 49

0 10

Ebene 25
Ebene 12
Individualisierung der Woh-
nungen war das Thema
im Turm 56 Leonard Street.
Grundrisswiederholungen
gibt es nur in fünf der insge-
samt 146 Wohnungen.
4 Auswahl an Grundrissen im
Maßstab 1 :500
5
7

1 Lobby
8
2 Plastik von Anish Kapoor
3 Laden
4 Kinderspielraum
6 5 Lounge
6 Kino
7 Pool
Ebene 6
8 Sportstudio

Ebene 7

Ebene 1 Ebene 3

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Die von Herzog & de Meu- Höhe: 252,6 m
ron gestalteten Gemein-
schafts- und Wellnessräu-
me bilden den Abschluss
der 27 Meter hohen Sockel-
zone. In den 226 Metern da-
rüber stapeln sich, unter-
brochen von zwei Technik-
geschossen, die Apart-
ments. Penthäuser
Ansicht von Norden ohne
Maßstabs­angabe
Fotos: Hufton + Crow

Zone 6: Technik

Zone 5

Zone 4

Als Inspiration diente zum einen Pierre Koenigs geöffnete Fenster die angrenzenden Elemente je
Zone 3: Technik
„Case Study House #22“ von 1959, mit auskra- zur Hälfte gereinigt werden können. Der Rhyth-
gendem Wohnraum, weitem Dachüberstand und mus der Fassade ergab sich, wenn man so will,
dramatischem Panorama über Los Angeles. aus der Nutzung vom Innenraum heraus.
Zum anderen berufen sich die Architekten auf den Eine weitere Besonderheit des Turms: die in Zone 2B
klassischen Typus des Erkerfensters. So ist fünf unterschiedlichen Dicken in situ betonier-
eine im New Yorker Hochhausbau bisher einma- ten Decken. Um eine möglichst glatte Oberfläche
lige Verbindung von Innen- und Außenraum ent- zu erreichen, wurden sie auf Plastikfolie gegos-
standen. Die Anordnung der weit auskragenden sen. Die Falten, die beim Auslegen der Folie will-
Balkone, die in den darunterliegenden Wohnun- kürlich entstanden, haben Furchen im Beton hin-
gen als Dachüberstand wahrgenommen werden, terlassen. Sie zeugen von handwerklicher Arbeit
erzeugt selbst in den oberen Etagen des ein- und brachten der Oberfläche bei den Bauar-
Zone 2A
zeln stehenden Turms ein Gefühl von Nachbar- beitern den Namen „Elefantenhaut“ ein. An den
schaft und eine Ahnung von städtischer Dichte. Rändern der Deckenschalungen wurde zudem
Die Krone von 56 Leonard Street bilden zehn ein abgerundetes Gummielement eingelegt, so-
Penthäuser. Acht davon belegen jeweils eine dass sich konkave Außenkanten ergaben – ein
ganze Etage, zwei weitere teilen sich eine. Eine sorgsam ausgearbeitetes Detail der Fassade.
Zusammenlegung mehrerer Penthäuser zu Mai- Beim Blick aus der Ferne bleibt das Auge neben Zone 1 B
sonetten bleibt eine Möglichkeit. der unregelmäßig verschachtelten Form von
Die Fassade ist rund um den Turm geschoss- 56 Leonard Street vor allem an den vielen Balko-
hoch verglast. Verwendet wurde Glas mit ge- nen hängen. Die Vermarktungsagentur riet von
Zone 1 A
ringem Eisengehalt, das weniger grünlich und da- Balkonen ab, da sie in New York nicht angenom-
durch transparenter ist als konventionelles men, als Stauraum genutzt und vermüllen wür-
Glas. Außen ist es verspiegelt. Entsprechend dem den. Doch die Architekten und der Developer setz- Pool, Fitness
Konzept gestapelter Einfamilienhäuser wird ten sich durch. Balkone gehen laut Baurecht
Lounge, Kino
die Fassade des Hochhauses, anders als üblich, nicht in die Berechnung der Geschossfläche ein,
nicht von außen gereinigt. Einzelne Fenster las- die in Manhattan seltenen privaten Außenräume Wohnen

sen sich zum Lüften kippen; die Gebäudereini- bilden somit ein willkommenes Plus an verkäuf- Wohnen

gung kann sie weit öffnen, um von innen die Au- licher Fläche. Für die New Yorker Skyline kön- Wohnen

ßenfassade zu putzen. Die Fenster sind so ange- nen sonnenbadende, grillende oder gärtnernde Parken
ordnet, dass ein Kippfenster zwischen zwei Hochhausbewohner in jedem Fall nur eine Be-
Lobby, Laden
festverglasten Bereichen liegt, sodass durch das reicherung sein.

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