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Das Madrigal als Experimentierfeld für die Oper - Die Wandlung des Madrigalstils

Claudio Monteverdi: Cruda Amarilli - Grausame Amaryllis (1605)


Grausame Amaryllis, deren bloßer Name uns leider lehrt, wie bitter Liebe ist!
Amaryllis, noch weißer und noch schöner als der weiße Liguster,
doch taub wie die Natter, noch tauber, härter, unsteter als sie,
da ich mit meinen Worten dich verletze, will schweigend ich sterben... (Guarini: „Il pastor fido“)

Schreiben Sie die Noten des gekennzeichneten Akkordes in enger Lage in folgende Notenzeile:
Das Madrigal „Cruda Amarilli“ wurde zum Symbol für den Epochenwandel in der Musik
um 1600. Der Musiktheoretiker Artusi fand darin neun Verstöße gegen die Satzregeln und
bezeichnete das Stück als ein Musterbeispiel für schlechtes Komponieren.
Monteverdi sah die Aufgabe der Kunst darin, die Zuhörer zu bewegen, zu erschüttern. Dafür war ihm jedes Mittel willkommen,
selbst das gezielte Überschreiten der Regeln. Der Schmerz wird mit buchstäblich schmerzenden Klängen zum Ausdruck ge-
bracht. Der Text ist damit Herr über den musikalischen Satz.
Die Dissonanz hat bei Monteverdi denselben Stellenwert wie die Konsonanz.
Claudio Monteverdi: Ohimè, se tanto amate - Ach, wenn ihr so gerne (1603)
Ach, wenn ihr so gerne mich „Ach!“ rufen hört,
warum dann wollt ihr den der „Ach!“ ruft, töten?
Wenn ich sterbe, werdet ihr nur ein klagendes, schmerzliches „Ach!“ hören;
doch wenn ihr wollt, Geliebte, dass ich durch euch lebe
und ihr durch mich, dann hört ein tausendfaches süßes „Ach!“ (Guarini)
Das Wort Tod hat im Italienischen zweifache
Bedeutung; zum einen meint es das tatsächliche
Sterben und zum anderen den „kleinen Tod“,
den Liebestod. Welche Ausdeutung erfährt es
in diesem Madrigal? Dies offenbart sich beim
Hören.
Auch in diesem Madrigal finden sich bis dahin
nicht gekannte Kühnheiten, z.B. die freien
Einsätze in den Takten 2 und 4 (gekennzeichnet).
Bestimmen Sie die Harmonien in den Takten 1
und 3 und beurteilen Sie die Einsätze der beiden
Frauenstimmen!
Die Basslinie erscheint als eine Art Generalbass, völlig getrennt von den anderen Stimmen (siehe z.B. den Orgelpunkt am Ende).
Die darüber erklingenden zwei Frauen- und zwei Männerstimmen stellen zwei Personen dar (wie eine „Minioper“).
Dieses Madrigal lebt von der häufigen Verwendung von Sequenzen und parallelen Klangketten, beides wenige Jahre früher noch
streng verboten. Eine Sequenz ist die Bezeichnung für die Wiederholung einer Tonfolge auf anderer Tonstufe.