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ZAHN-RESTAURATIONEN

AUS KERAMIK PER

COMPUTER

CEREC
CERAMIC RECONSTRUCTION

ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG

VON
WERNER H. MÖRMANN
Zahnrestaurationen per Computer 2

Titelblatt: CEREC Prototyp auf Fahrgestell, Entwurf: Marco Brandestini. Kopf: Digi-
taler Sidexis-Scan von Werner Mörmann, Thumbnails von CEREC Präsentationen

CEREC Frontzahnveneer-Behandlung Dr. Klaus Wiedhahn.

Zahnrestaurationen per Computer 3

„In the real-world effecting change is so bloody difficult


The effort is wearing
You get beaten down by all the
outside forces you can't control“

E. Van Lustbader: The Bourne Deception


Zahnrestaurationen per Computer 4

© 2020 Prof. Dr. Werner H. Mörmann

Prof. Dr. Werner H. Mörmann


Quarzstrasse 15
8053 Zürich, Schweiz
w.moermann@bluewin.ch

Layout und Produktion: Prof. Dr. Werner H. Mörmann, Zürich

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Zahnrestaurationen per Computer 5

INHALT

VORWORT 13
DANK 14

Erster Teil: Wie ich Zahnarzt und zahnmedizinischer Forscher wurde 15

1) PERSÖNLICHER UND BERUFLICHER WERDEGANG 15


1. Auf dem Weg zur Berufswahl 15
2. 1962-67 Ausbildung zum Zahnarzt: Studium 1969 Promotion, Praxis 15
3. 1970 Assistent am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich 17
4. Prof. Mühlemann, Anforderungen und Motivation 18
5. Präventivzahnmedizin & Parodontologie 18
6. Fluoreszenzangiographie, Mucotom, Habilitation 19

Zweiter Teil: Weg von der Amalgam-Zahnplombe! 20

2) 1980 DAS PROBLEM DER ZAHNFÜLLUNGEN 20


7. Kariesbehandlung mit Amalgam - Toxizität des Quecksilbers 20
8. Komposit als Seitenzahnfüllung 21
9. Die Polymerisationsschrumpfung von Komposit und die Patentösung 22
10. Passgenauigkeit und adhäsive Befestigung von Komposit-Inlays 23
11. Nachlassen der Randqualität von Komposit-Inlays 24

3) 1980 EIGNUNG VON KERAMIK ALS EINLAGEFÜLLUNG („INLAY“) 25


12. Historische Anwendung von Keramik als Restaurationsmaterial 25
13. Schnelle Fertigung von Keramik-Inlays? 26
14. 1980: Vision der Methode 27
15. Wie ich Marco Brandestini kennenlernte 28

Dritter Teil: Moderne Herstellungstechnik für Keramik-Restaurationen 29

4) 1980 MASCHINELL HERGESTELLTE KERAMIK-INLAYS 29


16. Suche nach dem Technologie-Partner 29
17. Die Partnerschaft mit Marco Brandestini 29
18. Positionierung des CAD/CAM Projektes am Zahnärztlichen Institut 30

5) 1981 ERSTE SCHRITTE ZUR REALISIERUNG DES CAD/CAM KONZEPTES 31


19. Freihändig geschliffene „Inlay-Skulptur“ und Kopierschleifen
20. Warum nicht Kopierschleifen? 32
21. Das Konzept der chairside Herstellung von Inlays 33
22. Informationstechnologie um 1980 34

Vierter Teil: Computergestützte Formgebung - Problemreduktion 34

6) 1982 FORMSCHLEIFEN – LÖSUNGSVERSUCHE 34


23. Erster Ansatz zum Formschleifen 34
24. Formschleifen nach dem „Bratspiess“- Prinzip 35
25. Keramikinlays mit ebener Okklusalfläche? 36

7) 1982 ENTWICKLUNGS-PHILOSOPHIE 38
26. Möglichkeiten und Ziele der Entwicklung 38
27. Geniale Zusammenarbeit von Zahnarzt und Elektroingenieur 38

8) 1983 DIE FORMSCHLEIFMASCHINE 39


28. Formschleifen entlang der mesio-distalen Hauptachse 39
29. Der Wasserturbinen-Antrieb 40
Zahnrestaurationen per Computer 6

30. Geschwindigkeit und Ökonomie des Formschleifens 41

9) 1983 DIE BLOCK-KERAMIK 43


31. Eigenproduktion von Keramik-Blöcken 43
32. Suche nach der idealen Block-Keramik 43
33. Partnerschaft mit der VITA Zahnfabrik 45
34. Kontakt mit dem ‚Ceramics Processing Laboratory des MIT’ 45
35. Die Entwicklung von Feldspat Feinpartikel-Keramik 46

Fünfter Teil: Computergestützte Formerfassung und Formergänzung 47

10) 1983 DIE 3D-VERMESSUNG VON ZAHNPRÄPARATIONEN IM MUNDE 47


36. Konzept und Grund-Erkenntnis für das Messverfahren 47
37. Telezentrischer Strahlengang 48
38. Das technische Genie Marco Brandestini 49
39. Gemeinsames Ziel und Zusammenarbeit 50
40. Das 3D Messprinzip: Aktive Triangulation 50
41. Die opto-elektronische 3D-Mundkamera – des Pudels Kern 51
42. Projektion und Aufnahme des Messmusters: LED und CCD 52
43. Mattieren der Zahnoberflächen 54
44. Der Ablauf beim optischen Abdruck im Munde 54
45. Die Namensfindung „CEREC“ für unser Verfahren 55

11) 1984 DIE CEREC OPERATING-SOFTWARE DER ERSTEN STUNDE 56


46. Die Entwicklung der CEREC „COS 1.0“ Inlay-Software 56
47. Die Inlay-Konstruktionsschritte 57
48. Konstruktionsgerechte Inlay-Präparation 58
49. Konstruktion der Approximal- und Okklusal-Flächen 58

Sechster Teil: Konfektionierte Block-Keramik und Hilfsmaterialien 59

12) 1985 KONFEKTIONIERTE BLOCK-KERAMIK - ADHÄSIVE BEFESTIGUNG 59


50. VITA Mark I und Mark II Feldspat-Block-Keramik 59
51. Materialsets für Block-Keramik mit Hilfsmaterialien 60
52. Historische Schritte der adhäsiven Befestigung 62
53. Schwächung oder Festigung der Feldspatkeramik? 64
54. Randqualität von adhäsiven versus nicht adhäsive Restaurationen 65

Siebter Teil: Erstes Bekanntwerden von CEREC in der Fachwelt 67

13) 1985 VORTRÄGE UND VORFÜHRUNGEN 67


55. International Association of Dental Research (IADR), Vortrag Las Vegas 1985 67
56. Quintessenz Keramiksymposium Karlsruhe 1985 68
57. September 1985: CEREC Mundkamera funktionell 69
58. Erste CEREC Patientenbehandlung am 19. September 1985 69
59. Demo des CEREC 1 Gerätes für Zürcher Zahnärzte 70
60. CEREC Demo für Professor Dr. Michael Heners 71

Achter Teil: Wettbewerb der CAD/CAM Pioniersysteme 71

14) 1985 ANDERE CAD-CAMCAM PIONIERE UND CEREC 71


61. François Duret, der Vater der dentalen CAD/CAM Technologie 71
62. Weitere CAD/CAM Pioniere 73
63. Teilnahme an einem Duret-CAD/CAM Kurs 74
64. Abgrenzung und Charakterisierung des CEREC Systems 75
Zahnrestaurationen per Computer 7

15) 1985 EINTRITT IN DIE DENTALE GESCHÄFTSWELT 76


65. Gründung der Brains AG 78
66. Kontakte mit möglichen Systempartnern, 3M und Dentsply 78

Neunter Teil: CEREC findet den Industriepartner 79

16) 1986 KOOPERATION MIT SIEMENS DENTAL 79


67. Produktionsstart von CEREC 1 Geräten bei BRAINS 79
68. Kontakte mit anderen möglichen Systempartnern 80
69. Vertragsabschluss Brains AG – Siemens AG 80
70. Vorstellung von CEREC 1 für den Vorstand von Siemens UB Med 82
71. Siemens Dental formiert das CEREC Forschungs- und Entwicklungs-Team 83
72. Erarbeitung der neuen Technologie im CEREC F&E-Team 85
73. Weiterentwicklung der CEREC 1.0 Software 86

17) 1986 AUSEINANDERSETZUNG MIT DER FACHWELT, VORTRÄGE 87


74. Schwieriger Start computergesteuerter Produkte 87
75. Erste Konkurrenz durch analoges Kopierschleifen 88
76. CEREC 1 im Für und Wider der Fachwelt 88
77. CEREC 1 Vortrag in Wien und die Oper 88
78. CEREC 1 Präsentationen in Zürich und ausserhalb 90
79. Erste klinische Demo einer CEREC Inlay-Behandlung ausserhalb von Zürich 91
80. Das Französische und das Schweizer CAD/CAM System in New York 91

18) 1987 CEREC Präsentationen 93


81. Vortrag und Kurs an der Universität Regensburg 93
82. Vorträge in München, Düsseldorf und an der Universität Basel 94
83. Vorträge in Villach, Stuttgart und Berlin 95
84. CEREC am MIT und an der Harvard School of Dental Medicine 96

Zehnter Teil: Beginn der CEREC 1 Ära 97

19) 1987 COMPUTER RESTAURATIONEN–TRADITION VERSUS DIGITAL 97


85. CEREC 1 mit optimiertem Styling 97
86. Wirtschaftlichkeit des CEREC Systems 98
87. Argumente gegen und zugunsten der CEREC-Methode 99
88. Das „Einkleben“ der keramischen Restauration 100
89. Frei- und Trockenlegen des Arbeitsbereiches 100

20) 1987 CEREC INTEGRATION IN PRAXIS UND HANDEL 102


90. Erste Schulung von Praxis-Zahnärzten am CEREC 1 Gerät 102
91. CEREC und der Dental-Fachhandel 102
92. Die Änderung des Behandlungsrhythmus’ in der Praxis 103

Elfter Teil: CEREC 1 Behandlungsoptionen, Studien, Buch, Preise 104

21) 1987 ERWEITERTE KONSTRUKTIONSANWENDUNGEN VON CEREC 1 104


93. Quadrantensanierung mit der CEREC Operating Software 1.0 104
94. Veneers mit der CEREC Operating Software 1.0 105
95. CEREC Artikel – CEREC Buch 106
96. Walther-Engel-Preis 1987 107
97. Georg Friedrich Götz-Preis 1987 der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich 108

22) 1988 CEREC 1 OFFIZIELLE MARKTEINFÜHRUNG, KURSE & VORTRÄGE 109


98. Jahresbeginn 1988 109
99. CEREC 1 in Sydney 110
100. CEREC und die ‚Dentale Technologie’ in Böblingen (D) 110
Zahnrestaurationen per Computer 8

101. Marco Brandestini beendet seine technische Beratung bei Siemens Dental 111
102. Erster internationaler CEREC Ausbildungskurs 112
103. Anregungen im Kurs durch Teilnehmer 113
104. Opto-gekoppelte CEREC Ausbildungsgeräte 114
105. Erstes CEREC 1 Gerät in amerikanischer Privatpraxis 114

23) 1989 CEREC 1 PRÄSENTATIONEN IN SKANDINAVIEN UND ENGLAND 115


106. Reisen in skandinavische Städte 115
107. Guy’s Hospital, King’s College, University of London 116
108. Lehrstunden im Guy’s Hospital 117

Zwölfter Teil: 1990 “Nachentwicklung” von CEREC 1 118

24) 1990 REGRESSFORDERUNG UND MEDIATION 118


109. CEREC 1 mit E-drive und Software 2.1 118
110. Grosskonzern gegen Start-Up 119
111. Optionen einer Auseinandersetzung Siemens versus Brains 120
112. Mega-Ereignis für ostdeutsche Zahnärzte in Berlin 1990 121

25) 1991 INTERNATIONAL SYMPOSIUM ON COMPUTER RESTORATIONS 122


113. State of the Art of the CEREC-Method 122
114. Resultate des Symposiums 125

26) 1991 STIFTUNG ZUR FÖRDERUNG DER COMPUTERZAHNMEDIZIN 127


115. Ungewissheiten und Risiken 127
116. Stiftung zur Förderung der Computer-Zahnmedizin (SFCZ) 128
117. Mediation und Gründung der Stiftung SFCZ 129

Dreizehnter Teil: 1992 Basis für die Zukunft der CEREC Methode 130

27) 1992 KLINISCH WISSENSCHAFTLICHE INFRASTRUKTUR 130


118. Platz für eine klinische Aussenstation 130
119. Antrag an die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich 130
120. Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen (SZCR) 131
121. Integration der SZCR in das Zahnärztliche Institut der Universität 132
122. Finanzierung der SZCR 132

28) 1992 STATION FÜR ZAHNFARBENE & COMPUTER RESTAURATIONEN 133


123. Gestaltung der klinischen Behandlungs-Station 133
124. Betriebsbeginn der „SZCR“ 134
125. Offizielle Eröffnung der „SZCR“ 134
126. Behandlungskonzept und Ausbaupläne der „SZCR“ 134

29) 1992 OPTIMIERUNGEN DER CEREC 1 METHODE 135


127. CEREC 1 E-Drive und VITA Mark II 135
128. 1992 Chicago Midwinter Meeting 136
129. 11th International Symposium on Ceramics“ in Madrid 136
130. CEREC in Südafrika, Johannesburg, Sun-City, Sabi-Sabi 137
131. CEREC New York und Birmingham, Alabama 137
132. Los Angeles und St. Petersburg, Florida 138
133. Universität Genf, Schweiz 138

Vierzehnter Teil: Erfolg und Grenzen von CEREC 1 139

30) 1993 SZCR BETRIEB UND PATIENTENBEHANDLUNG 139


134. Die SZCR im ersten vollen Betriebsjahr 1993 139
135. 1993 Kursaktivitäten und Besucher an der SZCR 139
Zahnrestaurationen per Computer 9

136. 1993 Kursaktivitäten in Berlin 140


137. 1993 Gäste und Kurse 140
138. Greater New York Dental Meeting 141
139. Prof. Mühlemanns Rücktritt als Vizepräsident der SFCZ 143
140. 1993 Externer Blick auf die SZCR 143

31) 1993 CEREC IN JAPAN 144


141. Begegnungen und Eindrücke in Tokio 1993 144
142. Fischmarkt, Nikko und Teehaus 145
143. Osaka und Sapporo 146

32) 1993 CEREC 1 IM NACHFRAGETIEF 147


144. Anstrengungen des Marketings 147
145. Optimierungen des CEREC 1 Gerätes: Erste Generation 147
146. Zweite Generation des CEREC 1 Gerätes mit COS 2.0 148
147. Dritte Generation des CEREC 1 Gerätes 149

Fünfzehnter Teil: Kronenfertigung mit CEREC 2 150

33) 1994 DIE EINFÜHRUNG VON CEREC 2 150


148. Erwartungen und Weiterentwicklung 150
149. Design-Philosophie des F&E-Teams für CEREC 2 151
150. Erste Schritte mit dem Erprobungsgerät CEREC 2 152
151. Schleifpräzision und Passgenauigkeit von CEREC 2 Inlays 153
152. Konstruktionswege für die Vollkrone im Front- und Seitenzahnbereich 154
153. Der Formschleifprozess im CEREC 2 Gerät 156

34) 1996 Die VOLLKERAMISCHE ZAHNKRONE PER COMPUTER 156


154. Ästhetische Zahnversorgung mit Vollkeramik-Kronen 156
155. Garantie und Vertiefung der Fissuren 158
156. Labortests von CEREC Seitenzahnkronen 159
157. Fügebedingungen für monolithische Keramik-Vollkronen 160
158. Adhäsive Micro-Retention bei reduziertem Stumpf 160
159. Die adhäsive Retention von Endokronen 161
160. CAD/CIM in Aesthetic Dentistry 162
161. Hoffnung und Albtraum 164

Sechzehnter Teil: 10 Jahre klinische Anwendung der CEREC Methode 164

35) 1996 CEREC 10 YEAR SYMPOSIUM - Teil 1 Organisation 164


162. Organisationskomitee, Referenten, Editorial von Michael Heners 164
163. Die Teilnehmer 166

36) 1996 CEREC 10 YEAR SYMPOSIUM - Teil 2 Klinik und Labor 167
164. Überlebensrate von CEREC Inlays und Onlays 167
165. Gestaltung von CEREC Veneers 169
166. Die verblendete In-Ceram Zirconia Kappenkrone 169
167. Fertigungsumfang der CEREC 2 Technologie 170

37) 1996 CEREC 10 YEAR SYMPOSIUM - Teil 3 Ausklang 173


168. Ende des Symposiums, Fazit und Verlosung 173

38) 1996 NACH DEM CEREC 10 YEAR SYMPOSIUM 174


169. CEREC Experimente mit Kronen und Brücken 174
170. 1996 Lehre, Kurse, Vorträge, automatische Konstruktion 174
171. 1996 Reisen nach Palm Beach, Florida und Seoul/Korea 175
172. Reise nach Hiroshima 176
Zahnrestaurationen per Computer 10

173. Hiroshima Gedenkstätte, Itsukushima-Schrein 176

Siebzehnter Teil: Siemens verkauft die Dentalsparte 178

39) 1997 VERLUST DES PARTNERS SIEMENS 178


174. Schock nach der Internationalen Dental-Schau 1997 178
175. Umbruch und Spekulationen 179
176. 1997 Gründung von Sirona Dental Systems GmbH & Co. KG 179
177. Wie geht es weiter mit Sirona? 180
178. Verkauf der Brains AG, Zürich an Sirona 180

Achtzehnter Teil: Sirona und CEREC entwickeln sich 181

40) 2000 SIRONA PRÄSENTIERT CEREC 3 181


179. Schnelle Akzeptanz von Sirona als Nachfolger von Siemens 181
180. Öffnung des CEREC Systems für die Zahntechnik 182

41) 2000 CEREC 3 SYMPOSIUM AN DER UNIVERSITÄT ZÜRICH 183


181. Technischer Fortschritt bei CEREC 3 183
182. CEREC 3: Zeitgewinn, okklusale Morphologie, Befestigungsfuge 184

42) 2003/05/16 SIRONA: GESCHÄFTSLEITUNGS- & EIGENTÜMERWECHSEL 185


183. Innovations-Rhythmus bei CEREC und bei der Sirona Geschäftsleitung 185
184. Rasante Wertsteigerung 186
185. Die Fusion von Dentsply und Sirona 187

Neunzehnter Teil: Aktivitäten in Wissenschaft und Lehre 187

43) 1984 - 1999 CEREC DISSERTATIONEN AN DER UNIVERSITÄT ZÜRICH 187


186. Erarbeiten von Erkenntnissen zur CEREC Methode 187
187. CEREC Dissertationen 1984 bis 1995 188
188. CEREC Dissertationen 1995 bis 1999 190

44) 1997 - 2006 CEREC IM SPIEGEL UNSERER LEHRMITTEL 192


189. 1997 Manual: Computerkronen für den Selbstunterricht 192
190. 2001 Manual: CEREC 3 Vollkeramische CAD/CAM Inlays und Teilkronen 193
191. 2004 Manual: CEREC 3D Design 194
192. 2006 Symposiumsbuch ’20 Years of CEREC’ 195

Zwanzigster Teil: 20 Jahre CEREC - Stand der Technologie im Jahr 2006 196

45) 2006 DAS CEREC 20 YEAR SYMPOSIUM (20YC) 196


193. Organisation, das Fest, Kurzfassungen der Präsentationen 196
194. Begrüssungsansprache zur Eröffnung des 20 Year CEREC Symposiums 197

46) 2006 20YC - BEURTEILUNGEN DER METHODE 198


195. Clinical Status of Eleven CAD/CAM Materials after One to Twelve Years of Service 198
196. The Future Significance of CAD/CAM for Dentistry 198

47) 2006 20YC - MATERIALTECHNIK 199


197. Machinable Ceramics 199
198. Bonding of Ceramic Restorations - State of the Art 199

48) 2006 20YC - KLINISCHE LANGZEIT-ERFAHRUNG 200


199. Eighteen-Year Clinical Study in a Dental Practice 200
200. Different Ceramic Technologies in a Clinical Long-Term Comparison 200
201. Comparison of the Longevity and Cost-effectiveness of Three Inlay-types 200
Zahnrestaurationen per Computer 11

49) 2006 20YC - ANWENDUNGS-ERFAHRUNGEN 201


202. The „Five-Step“ CEREC Experience 201
203. Predictable CEREC Occlusal Relationships 201
204. CEREC Veneers: Esthetics and Longevity 201

50) 2006 20YC - BIOGENERISCHE OKKLUSION 201


205. Biogeneric Tooth Reconstruction - A New Fundamental Method 201
206. Die digitale okklusale Morphologie ersetzt das Aufwachsen 202

51) 2006 20YC - ANWENDUNGS-ENTWICKLUNGEN 204


207. Composite and Ceramic Slot-retained Adhesive Bridges 204
208. Ultimate CEREC Creations - Comprehensive Single Visit Esthetic Dentistry 204
209. CAD/CAM Systems and Materials for the Dental Lab 205
210. CEREC Implant Crowns on Ceramic Abutments 205
211. CEREC Chairside Superstructures for immediately Loaded Implants 206

52) 2006 20YC - KONZEPT FÜR DIE WEITERENTWICKLUNG 206


212. Our Future Vision of CEREC 206
213. What’s New in 2006? The V2.80 R2400 CEREC 3D Software Update 206
214. Vote on the Future 207

53) 2006 20YC - DIE CEREC-KRONE 207


215. CAD/CAM Crowns at the Crossroads between Cost-Pressure and Perfectionism 207
216. Bewährung der CEREC chairside Krone 208

54) 2006 20YC - BEITRÄGE VON ZAHNTECHNIKERN 211


217. Computerized Occlusion in the Laboratory 211
218. Switching Tools 211
219. CAD/CAM Frameworks for Cast Metal Restorations 210
220. Haute Couture - Smile with inLab 210

Einundzwanzigster Teil: Kontakte mit der Russischen Zahnmedizin 214

55) 1998 - 2019 CEREC IN MOSKAU UND ST. PETERSBURG 214


221. Der erste Kontakt 1998 214
222. Moskau 1998: Dr. med. Peter Schletter überträgt ins Russische 214
223. CEREC im Bolschoi-Theater, Ausflug nach St. Petersburg 215
224. Moskau 2004: ‚Ausbildung, Wissenschaft und Praxis in der Stomatologie‘ 216
225. Zürich 2007: Rektor der Moskau State University for Medicine & Dentistry 216
226. Moskau 2008: Eröffnungszeremonie der dentalen Wissens-„Olympiade“ 217
227. Honorary Professor of the Moscow State University of Medicine and Dentistry 217

Zweiundzwanzigster Teil: Administratives und Finanzielles am ZZMK 219

56) 2001-2009 CEREC: VOM WAGNISEXPERIMENT ZUM LEISTUNGSTRÄGER 219


228. Raumprobleme der Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen 219
229. 12. Stiftungsratssitzung SFCZ und Kaffeekanne mit Überdruck 219
230. Ein neuer Vertrag zwischen Universität und Stiftung SFCZ 220
231. Digitale Restauration als „Runner-up“ in der traditionellen Zahnmedizin 220
232. Professor Dr. Thomas Attin Direktor der Klinik PPK 221
233. Generationenwechsel am ZZMK 222
234. Albert Mehl: Professur für ’Computergestützte Restaurative Zahnmedizin’ 223

Dreiundzwanzigster Teil: CEREC Forschung am ZZMK 2000 bis 2008 223

57) 2000-2008 CEREC DISSERTATIONEN 223


235. CEREC Dissertationen der SZCR Mitarbeiter 2000 bis 2003 223
Zahnrestaurationen per Computer 12

236. Brückengerüste aus In-Ceram YZ 226


237. CEREC Dissertationen der SZCR Mitarbeiter 2004 bis 2008 227
238. 2007 Ablösung der CEREC 3 - durch die MCXL Schleifeinheit 229

Vierundzwanzigster Teil: Spektrum der CEREC Technologie 2009 230

58) 2009 ABSCHIEDS-SYMPOSIUM: STAND DER CEREC TECHNOLOGIE 230


239. Verabschiedung durch den Dekan der Medizinischen Fakultät 230
240. Grussadresse Jost Fischer, Vorstandsvorsitzender der Firma Sirona 231
241. W.H. Mörmann: Die CEREC-Pionierentwicklung 232
242. Thomas Attin: Das Spektrum der restaurativen Zahnheilkunde 2009 233
243. Joachim Pfeiffer: Der aktuelle Stand der CEREC-Technologie 2009 234
244. Albert Mehl: CEREC-Restaurationen - Morphologie und Funktion 2009 235
245. Andreas Ender: Bluecam - Messgenauigkeit und Anwendung 2009 236
246. Daniel Wolf: Zirkonoxidkeramik-Gerüstbrücken - Erfahrungen 2009 236
247. Andreas Bindl: Implantatplanung mit CEREC und GALILEOS 2009 238
248. Laudatio zur Verabschiedung von W. Mörmann durch Prof. Dr. Th. Attin 240

Fünfundzwanzigster Teil: Reifung der CEREC Methode 242

59) 2012 WETTBEWERB DER SCAN-SYSTEME 242


249. 2012 Rasante Weiterentwicklung des CEREC Scan-Systems: Die Omnicam 242
250. Wettbewerb bei 3D Scannern: Scanpuderfrei, Farbdarstellung 242
251. Digitale dynamische Okklusion 245

60) 2013 WETTBEWERB DER CAD/CAM BlOCKMATERIALIEN 246


252. Blockmaterialien und ihr Einsatz 246
253. Die Hybridkeramik ENAMIC 247
254. Schnellsintern von Zirkonoxidkeramik - der SpeedFire Ofen 248

Sechsundzwanzigster Teil: Ausbildung, Etablierung der CEREC-Methode 253

61) 2017 AUSBILDUNG IN DIGITALER RESTAURATIVER ZAHNMEDIZIN 253


255. Einführung von CEREC in das Curriculum der Studentenausbildung 253
256. Die historische CEREC Vitrine als Dauerausstellung im ZZM 254
257. Zahnärztliche Fachorganisationen für digitale Zahnmedizin und CAD/CAM 255
258. Einladungen nach meiner Emeritierung 256

62) 2019 - 2020 PERFEKTIONIERUNG DER CEREC TECHNOLOGIE 258


259. ’Primescan’ die neue CEREC Scanner Technologie 2019 258
260. ’Primemill’ Key Opinion Leader Meeting Januar 2020 Berlin 260
261. CEREC Tessera eine weiterentwickelte Lithium-Disilikat Keramik 262

63) 2020+ WEITERE VERBREITUNG DER CEREC TECHNOLOGIE? 263


262. Aktuelle Positionierung von CEREC 263
263. Präventivzahnmedizin: Verbesserte Zahngesundheit 264
264. Digitale Zahnmedizin mit dem 3D Scanner allein 264
265. Digitale Abformung für die orthodontische Aligner-Therapie 265
266. Spekulationen zur Weiterentwicklung 266

64) 1970-2019 PUBLIKATIONEN VON W. H. MÖRMANN 268


Zahnrestaurationen per Computer 13

VORWORT

Ich erzähle hier meine persönliche Geschichte, wie ich als Zahnarzt darauf kam, kariöse
Zahnschäden statt mit Amalgam oder Goldfüllungen, mit per Computer gefertigten Restau-
rationen aus Keramik zu behandeln.
Das im Jahre 1820 eingeführte moderne Amalgam wurde von Anfang an wegen sei-
nes potentiell toxischen Quecksilbergehaltes bekämpft. Gegen Ende der 1970er Jahre
konnten Analyse-Geräte Quecksilber in geringsten Mengen in Körperflüssigkeiten und in
der Luft nachweisen. Das heizte im Jahre 1979 die öffentliche Diskussion der möglichen
Gesundheitsschädigung durch Amalgam mit besonderer Heftigkeit an. Die Zahnmedizin
kam unter starken Druck, alternative Behandlungsmöglichkeiten kariöser Zähne anzubie-
ten. Ich erkannte die Dringlichkeit dieses Problems und fühlte mich aufgefordert, dafür
eine Lösung zu finden.
Es war die Zeit als Apple 1977 den Home-Computer präsentiert hatte und IBM 1981
den Personal Computer einführte. Die aufkommende Computertechnologie für den per-
sönlichen Gebrauch rückte die computerisierte schnelle Fertigung keramischer Zahnfül-
lungen in den Rahmen des Möglichen. Marco Brandestini und ich arbeiteten dann von
1980 an fünf Jahre, bis wir im September 1985 einen intraoralen 3D Scanner und ein
computergesteuertes Gerät für die CAD-Konstruktion und die CAM-Fertigung von Kera-
mikinlays erarbeitet hatten. Dazu entwickelten wir die Behandlungs- und Materialtechnik.
Wir gaben dieser Methode den Namen `CEREC`, ein Akronym aus CERamic REConstruc-
tion und gründeten 1985 die Firma Brains in Zürich, um diese Geräte zu produzieren und
in den Markt zu bringen.
In der deutschen Firma Siemens fanden wir 1986 einen starken Industriepartner. Die
technischen Grundelemente unserer Methode, das 3D-Scannen im Munde (1), das Kon-
struieren der Restauration auf dem Bildschirm (Computer Aided Design, CAD), (2) und das
Programm-gesteuerte Fertigen (Computer Aided Manufacturing, CAM), (3), wurden vom
industriellen Entwicklungsteam bei Siemens Dental und den Nachfolgefirmen Sirona sowie
Dentsply Sirona perfektioniert. Konkurrenz- und Nachahmer-Verfahren tauchten auf. Die
Methode erfuhr Anerkennung von der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, der
Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe und weltweit.
Am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich konnte ich in der Pionierzeit eine
Forschungsstation errichten, um die Fachwelt von der klinischen Einsatzfähigkeit und Zu-
verlässigkeit der CEREC Methode zu überzeugen und um Zahnärzte in der Methode aus-
zubilden. Der Zulauf von Patienten war enorm, Fachkollegen aus aller Welt interessierten
sich und nahmen an unseren wissenschaftlichen Fachkongressen teil. CEREC wurde in
die Ausbildung der Zahnmedizinstudenten aufgenommen. Wissenschaftliche Studien, Dis-
sertationen sowie Lehrmaterial und Publikationen in Deutsch und Englisch waren zu ver-
fassen, neue Erkenntnisse, Verbesserungen und Erweiterungen mussten in vielen Län-
dern vorgetragen werden. Offizielle Tarife für die CEREC Behandlung wurden etabliert.
Die Wirtschaftlichkeit von CEREC in der Praxis wurde nachgewiesen.
Heute (2020) nach 40 Jahren Entwicklung seit der Registrierung der ersten Patent-
schrift, benützen an die 50’000 Zahnärzte weltweit das CEREC System in ihrer Praxis. Die
Akzeptanz der Methode musste jedoch mit fachlichen Diskussionen über viele Entwick-
lungsstufen hart erarbeitet werden. Meine Darstellung folgt den erfinderischen, wissen-
schaftlichen und organisatorischen Ereignissen chronologisch, wie ich sie erlebt habe.
Zahnrestaurationen per Computer 14

DANK

Ich danke meiner Familie, den Eltern, meiner Frau Jeanette, die immer hinter mir stand
und meine Forschungsarbeit inspiriert und unterstützt hat, Sohn Jan, Tochter Viviane mit
Andi und den Enkeln Maximilian und Leopold.
Ich danke meinem Partner Marco Brandestini und seiner Familie, meinen Lehrern an
der Universität Heidelberg, allen die mich am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich
und an anderen Universitäten, bei der Firma Brains in Zürich, bei der Akademie für Zahn-
ärztliche Fortbildung Karlsruhe, bei Siemens Dental, Sirona, Dentsply Sirona, der VITA
Zahnfabrik und den vielen anderen Dental-Firmen, die mich bei der Realisierung der CE-
REC Methode unterstützt haben.
Mein Dank gebührt der Stiftung zur Förderung der Computer-Zahnmedizin. Sie konn-
te mit der Donation der Firmen Brains und Siemens das finanzielle Rückgrat für die kli-
nisch-wissenschaftliche Erprobung der CEREC Methode bilden. Ich danke der Zürcher
Kantons- und Universitätsadministration, die mit ihrer Flexibilität die Einrichtung der For-
schungs-Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen am Zahnärztlichen Insti-
tut der Universität Zürich ermöglicht hat.
Der Schwerpunkt meines Rapports liegt auf der Anfangszeit von CEREC. Die zahn-
medizinische Verantwortung für die Methode lag in der Pionierzeit voll auf mir.
Besonderen Dank und Anerkennung widme ich dem technischen CEREC-Entwick-
lungs-Team in Bensheim, Deutschland, unter der Führung von Dr. Joachim Pfeiffer. Das
Team hat aus unserer „Inlay-Onlay-Veneer Maschine“ ein universelles CAD/CAM Produk-
tionsgerät geschaffen, das heute mit Scanner, Hard- und Software einen wichtigen Beitrag
zur restaurativen Zahnheilkunde leistet.
Der VITA Zahnfabrik danke ich ganz besonders für die Materialunterstützung zu frü-
hen Pionierzeiten 1984 durch Herrn Assessor Henry Rauter. Er hat die Entwicklung der
Feinpartikelkeramik VITA Mark II zusammen mit Dr. Robert Kelly (damals am Massachu-
setts Institute of Technology, MIT) eingeleitet. Seinem Chefentwickler, Herrn Dr. Norbert
Thiel danke ich sehr für die innovative Erarbeitung der Enamic Hybridkeramik.
Herzlichen Dank richte ich an die `Deutsche Gesellschaft für computergestützte
Zahnheilkunde (DGCZ) mit der Digital Dental Academy (DDA) in Berlin und an die Ìnterna-
tional Society of Computerized Dentistry (ISCD), sowie an deren Gründer und Leiter Dr.
Bernd Reiss und Dr. Klaus Wiedhahn für ihren fachlichen und organisatorischen Beitrag
zur Ausbildung von Privatzahnärzten in der CEREC Methode.
Mein Nachfolger im Amt, Prof. Dr. Dr. Albert Mehl hat die CEREC Methode mit der
Einführung der biogenerischen Okklusion, dem Biokiefer und der digitalen Artikulation
fachlich erwachsen gemacht.
Klinische Geburtshelfer der CEREC Methode waren meine Kollegen/-innen und Mit-
arbeitenden an der ‚Station für Zahnfarbene- und Computerrestaurationen‘ der Abteilung
für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie (PPK) des Zahnärztlichen Insti-
tuts der Universität Zürich, speziell PD Dr. Andreas Bindl. Ihnen sei diese Episode der Re-
staurativen Zahnmedizin besonders gewidmet. Allen danke ich sehr herzlich.

Werner H. Mörmann
Zahnrestaurationen per Computer 15

Erster Teil: Wie ich Zahnarzt und zahnmedizinischer Forscher wurde

1) PERSÖNLICHER UND BERUFLICHER WERDEGANG

1. Auf dem Weg zur Berufswahl


In meiner Familie gab es keinen Zahnarzt. Mein Vater Gustav war Hotelkaufmann,
er war mittelgross, kräftig, hatte blaue Augen, schwarzes gewelltes Haar, mein
Grossvater, Gustav Adolf war ein Baumeister gewesen. Seine Häuser waren in der
Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg verloren gegangen.
Meine Mutter Lore, geborene Heugle war Hausfrau, sie hatte schöne lange natur-
blonde Haare, braune Augen. Sie war sanft, konnte gut kochen. Ihr Vater war offenbar Me-
taller und unter anderem bis 1939 Stadtrat im Stadtparlament von Göppingen/Württem-
berg gewesen, wo ich in der Wohnung der Tante Erna an der Bahnhofstrasse am 5. No-
vember 1941 zur Welt kam.
Mein Vater war in seinen Lehrjahren im Alter von 18 Jahren schon in Buenos Aires,
dem damaligen Mekka der Welt gewesen.
Er sprach Englisch, Französisch, Spanisch
und Holländisch. Er war ein treu sorgen-
der, lieber Vater, der leider viel zu früh zu
Beginn meines Studiums 1962 an den
Folgen einer Gefässoperation verstarb.

Abb. 1 Mein Vater, Gustav Mörmann im


Jahr 1942 im Alter von 35 Jahren und mei-
ne Mutter im Alter von 22 Jahren hielten
mich auf ihrem Arm, ich war damals ein
Jahr alt.

Mein Onkel väterlicherseits, war Augenarzt in Mannheim und hatte eine Praxis in promi-
nenter Lage, einer der Cousins wurde ebenfalls Augenarzt, war verheiratet mit einer Au-
genärztin und deren beide Söhne wurden ebenfalls Augenärzte.
Ich dachte daran, Zahnmedizin zu studieren. Eines Tages fühlte ich in einem Ba-
ckenzahn ein Ziehen beim Genuss von Eiskreme. Die Karies an diesem Zahn machte eine
Behandlung nötig. Ich konsultierte einen Zahnarzt im Zentrum der Stadt. Der Standard ei-
ner Zahnarztpraxis und der Ablauf einer Zahnbehandlung interessierten mich nun im Hin-
blick auf meinen zukünftigen Beruf. Das Herausbohren der Karies ging mit wenig Zucken
ohne Anästhesie.
Der Zahnarzt mischte Amalgampulver mit Quecksilber in einem kleinen Mörser mit
dem Pistill zu einem grauen Metall-Teig, knetete diesen dann mit dem Daumen der rech-
ten Hand in seiner linken Handfläche, formte eine Kugel zwischen den beiden ungeschütz-
ten Handflächen und drehte die Kugel zum Schluss zwischen Daumen und Zeigefinger.
Vor dem direkten Kontakt mit dem Quecksilber hatte er keine Angst.
Ich öffnete den Mund noch weiter und spürte wie der Klumpen Schneeball-artig knir-
schend in das Loch in meinen Backenzahn glitt. Sein Daumen kam drauf und drückte das
Amalgam fest in den Zahn. „Jetzt bitte vorsichtig schliessen und Kontakt machen.“ Er
schabte das überschüssige Material ab. „So, - bitte spülen und die nächsten zwei Stunden
nichts essen“ und schon war die „Plombe“ fertig, das ging schnell. Der Prozess kam mir
Zahnrestaurationen per Computer 16

als Zahnarzt-Aspirant enttäuschend banal vor, aber ich verstand nun auch, warum mein
Cousin Heinz meine Berufswahl respektlos als ‚Zahnspengler’ bezeichnete. Ich konnte
wieder ohne Probleme Süssigkeiten geniessen und tüchtig kauen, aber in meinem Zahn
steckte nun das Amalgam als quecksilberhaltige Plombe.

2. 1962-67 Ausbildung zum Zahnarzt: Studium, 1969 Promotion, Praxis


Ich war keineswegs sicher, ob der Zahnarztberuf wirklich das Richtige für mich sein würde
und schrieb mich deshalb für das Studium der Medizin und Zahnmedizin an der Universität
Heidelberg ein. So blieben zunächst alle medizinischen Fächer für mich offen. Ein medizi-
nisches Praktikum auf einer Bettenstation im städtischen Krankenhaus kam auf mich zu.
Im grossen rechteckigen Saal mit Fenstern auf beiden Seiten standen die Betten mit dem
Kopf zum Fenster nebeneinander. In der Mitte bildeten drei Betten längs eine zentrale In-
sel. Alle Betten waren belegt.
Neben anderen Pflichten stützte und führte ich einen älteren Patienten, der bewegt
werden musste. Ich hatte ihn gemächlich einmal um die Betten-Insel geführt. Als wir wie-
der auf der Höhe seines Bettes ankamen, meinte er ‚nochmal’. Ich sagte, „das ging ja sehr
gut, also machen wir noch eine Runde“. Die Schwester war einverstanden. Am Ende der
zweiten Runde sackte er noch vor dem Bett zusammen und war tot. Ich konnte ihn gerade
noch stützen und mit der Schwester zusammen ins frisch gemachte Bett legen.
Hätte ich ihn nach der ersten Runde gleich wieder ins Bett gebracht, wären ihm viel-
leicht noch viele schöne Tage geblieben. Die Nähe des Todes berührte mich. Der Kran-
kenhausbetrieb führte mich an viele Menschen in kritischem Zustand. Die grosse Verant-
wortung des Arztes wurde mir bewusst. In meiner Familie hatte ich das Leiden und den
frühen Tod meines Vaters noch vor meinem Studienbeginn unmittelbar miterlebt. Diese Er-
fahrungen trugen letztlich zu meinem Entschluss für die Zahnmedizin bei, die in ihrem Be-
handlungsumfang in der Praxis normalerweise nicht im lebensbedrohenden Bereich liegt.
In meinem Studium der Zahnmedizin an der Universität Heidelberg von 1962 bis
1967 habe ich ausschliesslich menschlich und fachlich hervorragende Lehrer gehabt und
traf freundliche Studienkolleginnen und – Kollegen
an. Ich bin für diese Zeit und die an der Zahnklinik
der Ruperto Carola Universität Heidelberg genos-
sene Ausbildung sehr dankbar.

Abb. 2 Heidelberger Schloss als Reminiszenz an


eine schöne und erfolgreiche Studienzeit. Bild:
Wikipedia.

Als Staatsexamensarbeit durfte ich im Fach Zah-


nerhaltungskunde unter anderem einen Patienten
mit drei Goldinlays behandeln mit sehr gutem Er-
gebnis. 1968 schloss ich meine Heidelberger Dis-
sertationsarbeit bei Prof. H.F. Overdiek „Kondensationsergebnisse mit einem Gamma-2-
freien Kugelamalgam“ ab, einem damals neuen Amalgam der Firma Degussa. Für die
Kondensation hatte ich eine spezielle Apparatur entworfen und konnte damit diese Unter-
suchung unter definierten Bedingungen durchführen. Das Kugelamalgam liess sich leich-
ter in der Zahnkavität verdichten als das herkömmliche Material und ich kam 1970 zu mei-
ner ersten Fachpublikation. (Mörmann, W., Overdiek, H.F., Wilstermann, G. „Zur heutigen
Füllungstherapie“. ZWR 79: 15-20, 1970).
Zahnrestaurationen per Computer 17

Erste Routine mit der Behandlung von Patienten in der privaten Praxis erwarb ich bei Dr.
W. Klymiuk im Zentrum von Mannheim, ‚auf den Planken’ wo ich vertretungsweise mehre-
re Monate arbeiten konnte. Im Wesentlichen behandelte ich Karies mit Amalgamfüllungen
nach den Regeln der Kunst, wie ich es an der Universität Heidelberg bei Oberarzt Dr. Wils-
termann gelernt hatte. Ich musste meine Ausbildung vertiefen und wollte auch aus Mann-
heim hinaus. Über einen Vertreter der Firma VITA Zahnfabrik, erhielt ich Kontakt zur Land-
praxis von Dr. Benno Matt in Schaan im Fürstentum Liechtenstein und verpflichtete mich
dort für ein Jahr.
Diese Praxis hatte wegen der günstigen Tarife sehr viele Patienten, wodurch meine
Arbeit das ganze Spektrum konservierender, prothetischer und chirurgischer Behandlun-
gen umfasste. Die Arbeitszeit war von 07.30 bis 12.00 und 14.00 bis 19.00 Uhr, das gab
einen langen Arbeitstag. Ich sah wochentags zwischen 30 bis 40 Patienten, samstags ar-
beiteten wir von 07.30 bis 14.00 Uhr. Mein Vorgänger war unter der Behandlungslast zu-
sammengebrochen. Mir aber sollte das nicht passieren. Ich würde das Jahr auf jeden Fall
durchhalten.
Meine Tätigkeit in der Landpraxis verstand ich als Herausforderung und praktische
Fortbildung. Der Verdienst war exzellent und die Abgaben waren gering. Ich suchte aber
von Beginn an, eine Ausbildung in Parodontologie und bewarb mich deshalb am Zahnärzt-
lichen Institut der Universität Zürich. Dort bekam ich per 15. Oktober 1970 eine Assisten-
tenstelle an der Abteilung für Konservierende Zahnkeilkunde und Parodontologie bei Pro-
fessor Dr. H.R. Mühlemann.
Nach meinem Staatsexamen und dem Abschluss meiner Heidelberger Dissertation
hatte ich Jeanette Emilia Buchmann in Mannheim kennengelernt. Ihre Mutter Grete war
von der Seite ihres Vaters her Schweizer Bürgerin von Zürich. Jeanette kannte Zürich und
wollte zum Studium gerne dorthin. Somit hatten wir neben der Zuneigung, die uns ver-
band, parallele fachliche Ziele, die wir sehr gut in Übereinstimmung brachten.
Wir zogen dann nach dem Abschluss meiner Zeit in der Praxis in Schaan FL, im Ok-
tober 1970 zusammen nach Zürich, wo ich meine Stelle bei Prof. Mühlemann antrat. Jea-
nette wurde an der Universität Zürich zum Biologiestudium zugelassen. Unser erstes Do-
mizil fanden wir in einem Apartment in der Minervastrasse 100. Wir heirateten ein Jahr
später, am 15. Oktober 1971.

3. 1970 Assistent am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich


Die Stelle verdankte ich dem Ansturm von Studenten zum Studium der Zahnmedizin im
Jahre 1970 und meiner jetzt schon umfangreichen klinischen Erfahrung aus der Stadt- und
der Landpraxis. Meine Pflicht als Assistenz-Zahnarzt bestand darin, zusammen mit mei-
nen Kollegen die nächste Generation von Studenten in den vorklinischen und klinischen
Kursen mit der Zahnfüllungskunde vertraut zu machen. Dazwischen konnte ich erstmals
wieder Zeit für das Studium von Fachliteratur in der
Bibliothek verbringen und so meinen Wissensdurst
zur eigenen Weiterbildung stillen.

Abb. 3 Zentrum für Zahnmedizin der Universität


Zürich. Quertrakt für die klinische Studentenausbil-
dung. Bild: ZZM

Der Lohn war bescheiden, aber ich schätzte den


erweiterten Horizont in Behandlung, Lehre und
Wissenschaft. Eingestellt hatte mich Prof. Mühle-
Zahnrestaurationen per Computer 18

manns Stellvertreter, OA Dr. Heinz Renggli. Er leitete die klinische Ausbildung in konser-
vierender Zahnheilkunde und Parodontologie und arbeitete zu dieser Zeit intensiv an sei-
ner Habilitation.
Unter seiner Führung konnte ich in das Gebiet der klinischen Parodontologie einstei-
gen und eine Dissertation mit dem damals aktuellen Thema „Die Reaktion des marginalen
Parodonts auf einen rauhen Füllungsrand“ durchführen. Ich setzte dazu nach dem Modell
von Heinz Renggli Goldinlays mit unter das Zahnfleisch reichenden Rändern ein. Die unter
dem Zahnfleischrand liegenden Oberflächen waren zunächst perfekt poliert und wurden in
einer zweiten Periode angeraut. Die Bildung von Zahnbelag (Plaque, Biofilm) auf dieser
Oberfläche fotografierte ich und mass sie planimetrisch aus. Die Entzündungsreaktion des
Zahnfleischs mass ich an der Menge des entzündlichen Exsudates (Entzündungsflüssig-
keit), dem Sulkusfluid, das mit Filterstreifen am Zahnfleischrand aufgenommen wurde. Im
Bereich der rauen Oberflächen waren die Bildung von bakterieller Zahnplaque und die
Entzündungsreaktion stets verstärkt.
Die Arbeit wurde 1974 im ersten Jahrgang des ‚Journals of Clinical Periodontology’
publiziert, ein Journal das Prof. Mühlemann mit anderen Kollegen gegründet hatte. Ich
kam damit in Ergänzung zu meinem Heidelberger Doktorat, zu einer Zweitpromotion an
der Universität Zürich, diesmal im Bereich der Parodontologie, die mich als Fachmann in
diesem Felde ausweisen konnte. Einen anerkannten Fachspezialistentitel gab es damals
noch nicht.

4. Prof. Mühlemann, Anforderungen und Motivation


Als frisch angestellter Assistent unter den ca. 80 Mitarbeitern dieser grossen Abteilung
durfte ich mich Prof. Mühlemann in seinem Büro vorstellen. Er befand sich im Oktober
1970 in seinem 54. Lebensjahr auf dem Gipfel seiner Karriere, denn er war zum ordentli-
chen Professor befördert worden, nachdem er das Zahnärztliche Institut an der Platten-
strasse 11 schon 1963 bis 1966 als Direktor geleitet hatte, und er im Mai 1970 mit dem Dr.
h.c. odontologiae des schwedischen Karolinska Institutet für seine beispielhaften Leistun-
gen auf dem Gebiet der Präventivzahnmedizin ge-
ehrt worden war. Ich hatte das Gefühl, dass ich bei
Professor Mühlemann an der richtigen Stelle arbei-
tete. In der Folge motivierten mich sein innovativer
Geist und seine endlose Begeisterung für die
zahnmedizinische Forschung.

Abb. 4 Prof. H.R. Mühlemann 1971 in seinem


Büro im Stock J des Zahnärztlichen Instituts der
Universität Zürich, an der Plattenstrasse 11 in Zü-
rich.

Diese sprangen auf mich über und hielten mich an


dieser Abteilung fest, bis zu seinem Rücktritt und darüber hinaus. Aus meinem geplanten
Weiter- und Fortbildungsaufenthalt an der Universität Zürich wurde ein spezieller Lebens-
weg.

5. Präventivzahnmedizin & Parodontologie


Präventivzahnmedizin und Parodontologie waren in meinem Studium in Heidelberg nicht
gelehrt worden, ich lernte hier zunächst eine für mich neue Seite der Zahnmedizin kennen.
H.R. Mühlemann war nicht nur ein Vermittler traditionellen therapeutischen Wissens son-
Zahnrestaurationen per Computer 19

dern hatte eine Forschungsstrategie zur Bekämpfung der Infektionskrankheiten Karies und
Parodontitis entwickelt.
Ich wurde ohne Verzug in diese Forschungsstrategie eingespannt und erhielt gleich
den Auftrag, einen internen Seminarvortrag über die Rolle von Endotoxinen bei der Ent-
stehung der Zahnfleischentzündung (Gingivitis) zu halten. Als Vorbereitungszeit blieben
mir zwei Wochen; mit Endotoxinen hatte ich mich bisher nie beschäftigt, aber das stand
jetzt an und es war spannend, in die Details der bakteriellen Infektion und der Entzün-
dungsreaktionen des Zahnfleisches einzudringen. Alle klinischen und forschenden Staff-
mitglieder, darunter die Leiter der Fachbereiche `Orale Strukturbiologie` Hubert E. Schro-
eder und `Orale Mikrobiologie und allgemeine Immunologie`, B. Guggenheim nahmen an
diesem Seminar und der Fachdiskussion teil. Es ging ja darum, Methoden zur Früherken-
nung der Parodontalerkrankung zu finden. Ich publizierte in der Folge 12 Arbeiten auf dem
Gebiet der Präventivzahnmedizin.

6. Fluoreszenzangiographie, Mucotom, Habilitation


Die Behandlung von Patienten mit Parodontalerkrankungen lernte ich an der Abteilungs-
klinik und bei der Instruktion der Studenten im klinischen Parodontologiekurs. Sie basierte
auf den wissenschaftlichen Grundlagen, wie sie Mühlemann HR, Rateitschak KH und
Renggli HH, damals 1975 im Buch „Parodontologie“, Thieme Verlag, Stuttgart, publizier-
ten. Speziell interessierten mich die chirurgische Parodontologie und die Okklusologie. Ich
fand in den Kollegen H.H. Renggli, U.P. Saxer, M. Germann, M. O. Schmid, J. Strub und
J.-P. Bernimoulin hervorragende Lehrer und Kollegen.
Prof. Mühlemann selbst liess es sich nicht nehmen, Aspekte der Parodontalbehand-
lung für seine klinischen Assistenten zu demonstrieren. Dazu gehörten die Lappenoperati-
on und die Behandlung von Knochentaschen, sowie auch die okklusal korrektive Therapie.
Besonders faszinierend fand ich die mukogingivale Chirurgie, die plastische Chirurgie des
Zahnfleisches, speziell die Überdeckung freiliegender Zahnhälse mit Verschiebelappen
oder mit Transplantaten von Gaumenschleimhaut.
Der Einfluss der Operationstechnik auf die Wundheilung interessierte mich ganz be-
sonders. Der Heilungserfolg von Lappenbildungen, war von der Rücksichtnahme auf den
Verlauf der Blutgefässe und bei Transplantaten vom Transplantatbett, d.h. von den Vor-
aussetzungen für die Revaskularisation, dem Wiederanschluss der verpflanzten Schleim-
haut an die Blutversorgung abhängig.
Ich adaptierte aus der Augenheilkunde die Methode der Fluoreszenzangiographie zur
Darstellung der Durchblutung der Mundschleimhaut während der Heilung und machte die-
ses Thema auch zum Gegenstand meiner Habilitation (Mörmann, W. H., Fluoreszenzan-
giographie oraler Schleimhaut nach mukogingivalchirurgischen Eingriffen. Habilitations-
schrift, Quintessenz, Berlin 1979). Insgesamt publizierte ich 24 Arbeiten auf dem Gebiet
der klinischen Parodontologie.
Bei der Visualisierung des Fluoreszenzeffektes in den Gefässen des Zahnfleisches
arbeitete ich mit der Firma Zeiss, Oberkochen, D, zusammen, die mir das optimale Be-
leuchtungs- und Filtersystem für ein vorhandenes Operationsmikroskop zur Verfügung
stellte.
Um die Neudurchblutung von Schleimhauttransplantaten zu beobachten, war es nö-
tig, eine möglichst konstante Schichtstärke des Transplantates zu erhalten. Für diesen
Zweck entwarf ich ein für die Gewebeentnahme am Gaumen geeigneten mechanischen
Schneidekopf mit definierter Schnittstärke. Dieser konnte mit dem an der Behandlungsein-
heit vorhandenen E-Antrieb gleichförmig dicke Streifen aus der Gaumenschleimhaut
schneiden (Mucotom, Aesculap, Tuttlingen, D). Die erarbeitete Transplantationstechnik
Zahnrestaurationen per Computer 20

stiess auf das Interesse praktizierender Zahnärzte, so dass ich sie in Fortbildungskursen
unter anderem auch an der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe (D) wei-
tergeben konnte.
Meine Antrittsvorlesung als Privatdozent an der Universität Zürich hielt ich thematisch
auf dem Gebiet der Präventivzahnmedizin mit dem Titel: "Parodontitis – ein Hygienepro-
blem?“ Ich wurde zum wissenschaftlichen Abteilungsleiter befördert. Danach kam das
Problem der Zahnfüllungen auf mich zu.

Zweiter Teil: Weg von der Amalgam - Zahnplombe!

2) 1980 DAS PROBLEM DER ZAHNFÜLLUNGEN

7. Kariesbehandlung mit Amalgam - Toxizität des Quecksilbers


Eine meiner Pflichten war die Studentenbetreuung im „Phantomkurs“ der therapeutischen
Kariologie. Hier lernten die Studenten an Modellzähnen, wie eine Zahnfüllung gefertigt
wird. Seit ca. 1820 war Amalgam in der Neuzeit als Füllungsmaterial verwendet worden.
Auch in den 1970er Jahren war Amalgam das Standard-Füllungsmaterial für den Seiten-
zahnbereich.
Nach einem Gutachten von Prof. Dr. Dr. P. Riethe, Tübingen, wurden In der Bundes-
republik Deutschland 1980 in der Gesetzlichen Krankenversicherung GKV an die 60 Mio.
Füllungen gelegt (davon 20,5 Mio. einflächige, 24,1 Mio. zweiflächige und 13,8 Mio. drei-
flächige Füllungen). Für den Seitenzahnbereich war Amalgam das gebräuchlichste Fül-
lungsmaterial. Der Jahresverbrauch entsprach in Deutschland ca. 20.000 kg.
Am Phantomkurs nahmen ca. 40 Studenten teil. Es kam
der Moment, wo diese begannen, das Amalgam aus gleichen
Teilen Quecksilber und Metallpulver zu mischen. Quecksilber
verdampft schon bei Zimmertemperatur, Quecksilberdämpfe
sind giftig und werden über die Lunge aufgenommen.
Es ist davon auszugehen, dass während diesen Übun-
gen eine hohe Quecksilber-Dampfkonzentration im Raum
herrschte, obwohl wir diesen immer gut lüfteten. Es ist mir
nicht bekannt, ob mir die wiederholte Quecksilberdampfexpo-
sition persönlich geschadet hat.

Abb. 5 Seitenzahnreihe mit typischer Amalgamversorgung


eines nicht bekannten Behandlers in den 1970er Jahren.

Aus einer frischen Amalgamfüllung werden Spuren von


Quecksilber frei und sind dann im Blut und Urin des Patienten
messbar. Nach dem Erhärten des Amalgams ist das Queck-
silber gebunden, es können aber Spuren von Quecksilber
durch Korrosion und Abrasion freigesetzt werden.
Die geringen im Körper freiwerdenden Mengen werden
jedoch heute mehrheitlich als unschädlich betrachtet. Aber
seit der Einführung des Amalgams als Füllmaterial kamen
immer wieder Diskussionen über die Gesundheitsgefährdung
Zahnrestaurationen per Computer 21

durch das Amalgam bzw. das daraus austretende Quecksilber auf. So wurde die „Giftig-
keit“ des Amalgams auch Ende der 1970 er Jahre in Fachkreisen und in der europäischen
Öffentlichkeit heftig diskutiert.
Später (ab 1995) führte die Fachdiskussion in skandinavischen Ländern und in
Deutschland zu Einschränkungen und Verboten des Gebrauchs von Amalgam.

8. Komposit als Seitenzahnfüllung


Im Jahre 1979 begannen Zahnärzte in der Stadt Zürich wegen der öffentlichen Diskussion
möglicher Gesundheitsschäden durch Amalgam, auf Wunsch der Patienten, Amalgamfül-
lungen systematisch durch Füllungen aus Kunststoff-basiertem Komposit zu ersetzen.
Dies führte zu Problemen, da Komposit zu jener Zeit noch nicht zur Fertigung von grossen
kaustabilen Seitenzahnfüllungen geeignet war. Das sachgerechte Einsatzgebiet von Kom-
posit waren kleine Frontzahn- und Zahnhalsfüllungen.
Beim Füllen von grossen Kavitäten im Seitenzahngebiet im Bereich von Kaukontak-
ten- und Kontaktflächen zum Nachbarzahn war die Konsistenz des Komposits ungewohnt
weich und es war nicht so einfach zielgerichtet anwendbar wie das Amalgam. Das Kom-
posit liess sich nicht kondensieren und stopfen wie das Amalgam. Das machte beim Ferti-
gen von Seitenzahnfüllungen aus Komposit Probleme. Die geringe Konsistenz erschwerte
die Ausformung strammer Kontakte zu den Nachbarzähnen. Mangelnde und fehlende
Kontakte führten zum Einbeissen von Speiseresten und diese
wiederum verursachten Schmerzen und Zahnfleischentzündung
(Abb. 6). Die Oberfläche von Komposit förderte wegen der groben
anorganischen Füllkörper die Bildung von Zahnbelag. Komposit
war auf der Kauffläche nicht abrasionsbeständig und schloss die
Zähne wegen der starken Polymerisationsschrumpfung beim Ab-
binden nicht dicht ab.

Abb. 6 Entzündetes Zahnfleisch im Kontaktbereich mit Komposit,


besonders in den Zahnschwischenräumen. Seitenzahnreihe mit
Komposit-Versorgung aus dem Jahr 1979 eines unbekannten Be-
handlers.

Die adhäsive Verklebung der Füllungsränder mit dem Zahn konnte


den Schrumpfungskräften des Komposits in grossen Füllungen
nicht standhalten. Es kam zum Abriss vom Rand und damit zur
Bildung von mikroskopischen Randspalten. Solcherart behandelte
Zähne waren empfindlich auf Temperaturreize und auf gesüsste
Speisen, weil die Kompositfüllungen damals an den Rändern von
Anfang an undicht und damit untauglich waren.
Die Patienten sahen sich vor der Entscheidung, die öffentlich diskutierte Gesund-
heitsgefährdung durch quecksilberhaltiges Amalgam in Kauf zu nehmen oder alternativ die
Kompositfüllung zu wählen, die zu jener Zeit im Seitenzahnbereich mit den erwähnten
Mängeln behaftet war. Goldinlays (Abb. 7) kamen aus kosmetischen und Kostengründen
meistens nicht in Frage.
Ein neuer Faktor aber, den bisher noch niemand beachtet hatte, kam auf der Seite
des Komposits hinzu, denn das Material war nicht nur metallfrei sondern auch zahnfarben.
Man konnte diese Füllungen bei Sprechabstand farblich vom Zahn kaum unterscheiden
und deshalb von aussen praktisch nicht erkennen. Das stach bald als ästhetischer Vorteil
Zahnrestaurationen per Computer 22

hervor, der für die Wahl des Füllungs- bzw. Restaurations-


materials zunehmend an Bedeutung gewann.
Speziell Frauen wollten beim Lachen keine dunkel-
grauen oder metallisch blinkenden Zahnfüllungen mehr zei-
gen, auch kein Gold. Sie wählten Komposit als Füllungsma-
terial und nahmen die erwähnten Risiken in Kauf. Dieses Di-
lemma rief nach einer fachlichen Lösung.

Abb. 7 Versorgung mit Goldinlays einer meiner Patienten.


Zahntechnisch hergestellte Goldinlays kamen kosmetisch
und aus Kostengründen meistens nicht in Frage. Behandler:
Dr. W. Mörmann.

Ich stellte mir die Frage: Wie können zahnfarbene Seiten-


zahnfüllungen in perfekter Qualität und mit dauerhaft dich-
tem Verschluss des Zahnes hergestellt werden? Dieses
Problem lag in meinem Kompetenzbereich. Ich begann, mir
Gedanken über die Herstellungsmöglichkeiten von funktio-
nell einwandfreien, metallfreien Seitenzahnfüllungen zu ma-
chen und setzte zuerst bei einer möglichen Optimierung des
Komposits an. Dies brachte mein Innovations-Abenteuer ins
Rollen.

9. Die Polymerisationsschrumpfung von Komposit und die Patentlösung


Komposit der frühen 80er Jahre schrumpfte bei der Härtung in der Zahnkavität um ca. 6%
und konnte als plastisches, in der Kavität härtendes Füllmaterial den Hohlraum im Zahn
deshalb nicht dicht abschliessen.
Die bei den grossen Volumina von Seitenzahnfüllungen auftretenden Schrumpfungs-
kräfte konnten speziell bei ausgedehnten Kavitäten nicht von der freien Oberfläche her
kompensiert werden. Der Füllkörper zog sich stellenweise von den Rändern und Wänden
der Kavität ab und die Füllungen waren dadurch von Anfang an undicht. Überempfindlich-
keit und Schmerzen waren die Folge. Dieser Effekt konnte auch durch eine adhäsive Kle-
bung an die Wände der Kavität nicht kompensiert werden.
Offene Ränder förderten die Bildung neuer Karies. Ich entschied mich deshalb für die
indirekte Vorfertigung des Füllkörpers ausserhalb der Mundhöhle als Einlagefüllung („In-
lay“). Ich presste die Komposit-Inlays im Labor in Küvetten und polymerisierte sie im heis-
sen Bad unter Druck wie dies bei Prothesen-Kunststoffen üblich war. Dies nahm die Poly-
merisationsschrumpfung ausserhalb der Kavität vorweg.
In Vorversuchen experimentierte ich mit druck- und hitzepolymerisierten Komposit-
Inlays in extrahierten natürlichen Molaren. In die gross präparierten mesio-okkluso-distalen
(mod) Kavitäten setzte ich die Inlays mit plastischem Komposit als Fugenmaterial und ge-
ätzten Schmelzrändern in die Zähne ein. Anhand weniger Fälle sah ich, dass die Inlays die
Zähne perfekt dicht verschlossen. Ich zeigte dieses Resultat meinem damaligen Chef,
Professor Mühlemann. Der bemerkte nur trocken. „Jetzt musst Du nur noch eine schnelle
Herstellungsmethode für die Inlays finden.“ Das liess ich mir nicht zweimal sagen und
machte mich an die Arbeit.
Gleich darauf, im Frühjahr 1980 formulierte ich ein Verfahrenspatent mit dem Titel:
„Verfahren zur Herstellung medizinischer und zahntechnischer alloplastischer, endo- und
Zahnrestaurationen per Computer 23

exoprothetischer Passkörper“ und liess es durch den Patentanwalt Herrn Rossel in Zürich
beim ‚Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum‘ in Bern registrieren.
Zunächst führte ich eine Patent- und Literatur-Recherche durch und sah, dass be-
reits andere Zahnärzte an alternative Herstellungsmethoden für Füllungen gedacht hatten.
Meine Idee aber war es, Zahnpräparationen mit einer berührungslosen Methode, z. B. mit-
tels Ultraschall dreidimensional zu vermessen. Die ermittelten Maße sollten dann zur Her-
stellung eines Füllkörpers aus einem bestimmungsgemässen Material, z. B. Komposit,
durch Abtragung von Substanz von einem Rohlingskörper benutzt werden.
Die den Zahn formergänzenden Restaurationskörper würde ich dann mit der schon
gefundenen adhäsiven Einsetztechnik mit dem Zahn verbinden, wie es meine Vorversuche
gezeigt hatten. Ich beschloss, das Kompositinlay der Fachwelt in einer Publikation vorzu-
stellen (Mörmann, W.: Komposit-Inlay: Forschungsmodell mit Praxispotential? Quintes-
senz 33, Ref II/6410; 1982: 1981-1901).

10. Passgenauigkeit und adhäsive Befestigung von Komposit-Inlays


Wegen der Polymerisationsschrumpfung beim Heisspressen mussten die Inlays auf der
Innenseite freigeschliffen werden, weil sie sonst aufsassen und nicht eingefügt werden
konnten. Durch die Schrumpfung und das freihändige Beschleifen entstanden Befesti-
gungsfugen am Rand zwischen Zahn und Inlay von bis zu einem halben Millimeter (500
µm) Breite. Das war dann wohlgemerkt keine hochpräzise Passung mehr, wie man sie für
einen perfekten Verschluss z.B. bei einem Goldinlay erwarten konnte.
Die Komposit-Inlays aber, konnten mit einer entsprechend Schicht von plastischem
Komposit als Fugenmaterial adhäsiv in die Zahnkavitäten eingefügt werden, analog bei-
spielsweise zu einem Mosaik oder einer Ziegel-/Mörtelwand beim Hausbau.
Vorteilhaft war dabei, dass das Befestigungskomposit nach Benetzung der Kavität
einerseits und des Werkstückes andererseits mit einem Adhäsiv-System, einen hermetisch
dichten Verbund zwischen dem Inlay und dem Zahn etablierte. Karies erzeugende Bakte-
rien und deren Stoffwechselprodukte
oder Fremdstoffe konnten also nicht
mehr unter der Restauration in den Zahn
eindringen.

Abb. 8 Vorgefertigtes, unter Druck und


Hitze polymerisiertes Komposit-Inlay
oberhalb der Punktelinie. Darunter Aus-
fugung mit plastischem selbst- und oder
lichthärtendem Komposit als Fugenma-
terial. Fugenbreiten am Rand bis 500
µm.

Dabei war es als Fugenmaterial farblich


sowohl vom Inlay-Komposit als auch vom Zahnschmelz visuell praktisch nicht unter-
scheidbar und anders als konventionelle Zinkphosphat- oder Glasionomer-Zemente war
es gegenüber der Mundflüssigkeit nicht löslich und damit beständig. Komposit war ja als
beständiges Füllmaterial für Frontzahn- und Zahnhalsfüllungen akzeptiert.
Der Anwender musste aber mit der Adhäsiv-Technik vertraut sein und die zusätzli-
chen Behandlungszeit für die Adhäsiv-Schritte aufbringen, wie das Ätzen der Kavität im
Bereich des Zahnschmelzes und später auch im Dentin, sowie das Aufrauen und Silanisie-
Zahnrestaurationen per Computer 24

ren der Innenflächen des Komposit-Inlays. Die Einwirkzeiten für die Primer-Flüssigkeit so-
wie den Adhäsiv-Vorstrich mussten eingehalten werden.
Kaubelastungs- und Farbpenetrationsuntersuchungen im Labor zeigten, dass diese
Art der „geklebten“ Restauration die Zahnkavität dicht verschloss und auch dem Kautest
im Labor standhielt. Ausserdem erwies sich das heisspolymerisierte Inlaykomposit in der
Kaumaschine als signifikant abrasionsresistenter als dies bei mit plastischem Komposit
direkt hergestellten Restaurationen der Fall war (Mörmann, W., Ameye, C. und Lutz, F.
Komposit-Inlays: Marginale Adaptation, Randdichtigkeit, Porosität und okklusaler Ver-
schleiss. Dtsch Zahnärztl Z 37; 1982: 438-441).
Die beschriebene Inlay-Methode erlaubte es demnach, auch grossvolumige okklusi-
onstragende Seitenzahnrestaurationen aus Komposit zu fertigen. Der Trick, die Polymeri-
sationsschrumpfung zu überlisten, bestand darin, das Komposit in zwei unterschiedlichen
Polymerisationsstufen zu verwenden, einerseits als extern gepresstes und gehärtetes
Hauptvolumen in Form des Inlays und andererseits als plastisches Fugenmaterial für die
spannungsfreie adhäsive Verbindung des Inlays mit der Zahnhartsubstanz. Anhand meiner
Ergebnisse gewann ich den Eindruck, die perfekte Seitenzahn-Restauration gefunden zu
haben.

11. Nachlassen der Randqualität von Komposit-Inlays


Aufgrund dieser positiven Resultate der Labortests startete ich eine klinische Studie mit
Komposit-Inlays bei Studenten. Die rasterelektronenmikroskopische Analyse der Inlays
nach sechs Monaten Kaubenutzung im Munde der Patienen zeigte aber einen graduellen
Verlust der marginalen Adaptation d.h. der dichte Verschluss der Kavität war im Randbe-
reich nicht mehr voll gewährleistet und Überempfindlichkeiten auf Süss- und Kaltreize trs-
ten auf.

Abb. 9 Kompositin-
lay im Munde: Verlust
der marginalen Adap-
tation nach 6 Mona-
ten klinischer Trag-
zeit der Komposit-In-
lays (Pfeil). Mörmann
WH, Ameye C, Lutz
F: Komposit-Inlays:
Marginale Adaptati-
on, Randdichtigkeit,
Porosität und okklu-
sale Abrasion. Dtsch
Zahnärztl Z 37:
438-441 (1982).

Ich führte dies einerseits auf die hohe Elastizität des damaligen Komposits zurück, wo-
durch die dauernde Kaubelastung Spannung auf die adhäsiv verklebten Ränder ausüben
und diese aufreissen konnte. Andererseits konnte der gegenüber dem Zahn etwa sechs-
fach höhere thermische Ausdehnungskoeffizient des Komposits zusätzliche Spannung auf
den adhäsiven Verbund ausüben, wenn heisse und kalte Speisen abwechselnd einwirkten.
Daraus schloss ich, dass ein Restaurationsmaterial für Inlays idealerweise thermi-
sche und elastische Eigenschaften haben sollte, die denen des Zahnschmelzes bzw. des
Zahnrestaurationen per Computer 25

Zahnes als Ganzes möglichst nahe kommen. Ein solches Material, speziell Keramik würde
die Füllungsränder bei thermischen und mechanischen Belastungen beim Essen und
Kauen nicht unter Spannungen setzen und diese schonen. Ich suchte deshalb nach einer
für Zahnrestaurationen geeigneten Keramik, die diese Bedingungen erfüllen konnte.

3) EIGNUNG VON KERAMIK ALS EINLAGEFÜLLUNG („INLAY“)

12. Historische Anwendung von Keramik als Restaurationsmaterial


Als nichtmetallisches dauerhaftes Restaurationsmaterial war nur noch Dentalpor-
zellan bzw. Dentalkeramik bekannt. Die ersten Porzellan-
zähne gehen auf den französischen Apotheker und Chemi-
ker Alexis Duchateâu und den Zahnarzt Dubois Dechémant
(1774) zurück.

Abb. 10 Dubois Dechémant (Bild) französischer Zahnarzt


(1774) entwickelte zusammen mit dem Apotheker und Chemiker
Alexis Duchateâu die ersten Porzellanzähne.

Im Jahre 1889 meldete der US-amerikanische Zahnarzt Charles


Henry Land ein Patent für die Vollkeramikkrone an. Zur Herstel-
lung dieser so genannten ’Jacketkrone’ („Mantelkrone“) kam
Feldspatkeramik zur Anwendung. Dies wegen ihrer kosmetischen
Natürlichkeit bezüglich Transluzenz und Farbe bei der Wiederherstellung eines zerstörten
Zahnes und wegen ihrer hohen Bioverträglichkeit und Beständig-
keit in der Mundhöhle.

Abb. 11 Erfinder der Porzellan-Jacket-Krone, der US-amerikani-


sche Zahnarzt Charles Henry Land. Erstes Patent für eine Zahn-
krone aus Porzellan 1889.

Die physikalischen Eigenschaften wie z.B. die Elastizität und die


thermische Ausdehnung der Feldspatkeramik entsprechen denen
des Zahnschmelzes bzw. den Werten des ganzen Zahnes sehr
gut, was der Feldspatkeramik eine hohe Eignung als Restaurati-
onsmaterial zum Ersatz verloren gegangener Zahnhartsubstanz
verleiht.
Aus Feldspat-Keramik gebrannte Inlays wurden zwischen 1880 und 1900 anwendbar
(Qualtrough et al. Operative Dentistry 1990; 15: 61-70). Das schichtweise Brennen von
Keramikinlays aus Feldspatkeramik stellte allerdings eine fachlich und zeitlich anspruchs-
volle, aufwendige zahntechnische Arbeit dar, die nicht dazu geeignet war, den Zahn eines
Patienten in einer Sitzung zu versorgen. Für diese Technik musste im Munde eine Abfor-
mung des mit einer Inlaykavität präparierten Zahnes und des Gegenzahnes sowie eine
Bissregistrierung durchgeführt werden.
Im zahntechnischen Labor war ein Modell des mit der Inlaykavität präparierten Zah-
nes aus brennfester Einbettmasse zu erstellen. In dieses wurde Keramikpulver einge-
bracht und schichtenweise gebrannt, bis die Endform durch das Sintern (Verschmelzen)
der Pulverkörner als Körper vollständig entstanden war und entnommen werden konnte.
Zahnrestaurationen per Computer 26

Der Zahntechniker bearbeitete dann die Kau- und Aussenflächen und prüfte die Passung
und die Kaukontakte am Modell. Das Inlay konnte dann mit Keramik-Malfarben ästhetisch
angepasst und in einem Schlussbrand glasiert werden.

13. Schnelle Fertigung von Keramik-Inlays?


Ich stellte mir den schon erwähnten schnelleren Weg für die Herstellung eines Inlays aus
Keramik vor und recherchierte die technischen Möglichkeiten. In der industriellen Fabrika-
tion wurden Formteile aus Keramik wie in Abb. 12 a) zum Teil schleifend bearbeitet. Die
schleiftechnische Herstellung von Kugeln wie in Abb. 12 b) aus hochreiner Aluminium-
oxid-Keramik für künstliche Hüftgelenke als Serienprodukt wurde mir im Frühjahr 1980 be-
kannt (Metoxit AG, Thayngen, Schweiz)
und rückte neben dem Komposit die
Keramik als alternatives Restaurati-
onsmaterial in den Anwendungsbereich
einer schnellen Herstellungstechnik für
Restaurationen.

Abb. 12 a) Gepresste und geschliffene


Formteile aus Industriekeramik. b)
formgeschliffene Gelenk-Kugel aus
hochreiner Aluminiumoxidkeramik der
Firma Metoxit AG, Thayngen, Schweiz. a b
Keramische Hüftgelenkkugeln waren
allerdings standardisierte sphärische
Formen und Aluminiumoxid-Keramik hätte sich damals für Zahnrestaurationen ästhetisch
wegen ihrer Opazität und schleiftechnisch wegen der hohen Härte kaum geeignet. Es
musste aber auch möglich sein, Inlays aus Keramik herzustellen, die bei jedem behandel-
ten Zahn eine andere individuelle Form und Grösse aufwiesen. Ein entsprechend miniatu-
risierter Formschleifprozess war bis dato in der Zahnerhaltung unbekannt. Ich überlegte
mir, wie ich die prinzipielle Eignung von Feldspat-Keramik für eine formgebende schleif-
technische Bearbeitung testen könnte.
Von der Firma VITA Zahnfabrik gab es
rondenförmige Testkörper aus Feld-
spatkeramik etwa in der Grösse von
Brausetabletten.

Abb. 13 Experimentelle Schleifvorrich-


tung zur Untersuchung der Form-
schleifbarkeit von Feldspatkeramik.
Diamantbelegte Schleifscheibe mit kon-
stantem Anpressdruck und Wasser-
spray-Kühlung.

Es interessierte mich, wie schnell die


Feldspatkeramik mit einem rotierenden dentalen Instrument ohne makroskopische Schä-
digung abgetragen werden konnte und welche Qualität der Oberfläche und der Kanten
dabei resultierte. Ich führte Schleifversuche an den rondenförmigen Testkörpern aus Feld-
spatkeramik mit einer diamantbelegten (D126) Schleifscheibe aus. Die Keramik war am
Zahnrestaurationen per Computer 27

Aussenradius einer Drehscheibe fixiert und wurde über einen Seilzug mit definiertem An-
pressdruck an die Schleifscheibe geführt. Diese wurde in einem fixierten Handstück vom
Elektromotor mit hoher Drehzahl angetrieben und bei starker Wasserkühlung und -Spü-
lung mit konstantem Eingriff beschliffen.
Die Abtragsleistung der diamantierten Schleifscheibe war bei geringem Druck und
hoher Drehzahl erstaunlich hoch, die erzeugten Ränder und Kanten der Probekörper wa-
ren stabil und die beschliffene Oberfläche wies einen feinen Glanz auf.
Als Ergebnis dieser Versuche stand für mich fest, dass Körper aus Feldspatkeramik
schnell und ohne makroskopisch erkennbare Schädigung mit einer feinen Oberflächen-
qualität beschliffen werden konnten. Ich schloss aus diesem Ergebnis, dass damit prinzi-
piell auch individuelle Inlayformen aus einem Feldspatkeramik-Rohling herstellbar sein
würden.

14. 1980 Vision der Methode


Aber wie konnte man individuelle Formdaten eines Inlays zur Steuerung einer Bearbei-
tungsmaschine gewinnen und wie müsste eine solche Maschine aussehen? Konnte ein
solches Verfahren schnell genug ablaufen, um einen Zahn in einer Sitzung mit einem Ke-
ramik-Inlay versorgen zu können? Das war eine Herausforderung, die mich packte.

Abb. 14 Vision der Methode: Schaffung einer Alternative zu Metallversorgungen (links


Amalgamfüllungen) durch CAD/CAM Restaurationen aus zahnfarbener Keramik (rechts).

Dies um so mehr, als es mit adhäsiv befestigten Keramikformteilen möglich würde, Zähne
in Form, Funktion und Farbe natürlich und ästhetisch perfekt wiederherzustellen. Die äs-
Zahnrestaurationen per Computer 28

thetische naturgetreue und dauerhafte Wiederherstellung kariös erkrankter Seitenzähne


entsprach einem zahnmedizinischen Ideal und eröffnete die Möglichkeit, eine vollwertige
und attraktive Alternative zur Metallrestauration aber auch zur plastischen Herstellung von
Restaurationen zu schaffen.
Das riesige Potential aber auch die enormen Schwierigkeiten der Entwicklung einer
solchen Methode waren offensichtlich. Ich entschloss mich, die Realisierung anzupacken.
Die datenbasierte Abformung der Präparation und die Umsetzung der gewonnenen Daten
zur Steuerung einer Formgebungsmaschine waren der Kern der Methode. Die Fertigung
musste schnell ablaufen, um dem Zahnarzt die Behandlung des Zahnes in einer Sitzung
zu ermöglichen.
Die Herstellung des Inlays musste am Patientenstuhl möglich sein, als Alternative zur
Herstellung von Restaurationen mit plastischem Material, direkt im Munde des Patienten,
ähnlich schnell wie der Zahnarzt eine Amalgamfüllung fertigte, nur zahnfarben und biolo-
gisch nachhaltig. Dies nicht nur in Bezug auf die bloße technische Machbarkeit, sondern
auch speziell in Bezug auf den zeitlichen Ablauf der Behandlung. Ich sah, dass das Ma-
schinenproblem mit vorhandener Technik wahrscheinlich lösbar sein würde, aber für die
datenbasierte Abformung und die konstruktive Verarbeitung der gewonnenen dreidimen-
sionalen Daten mussten neue Wege gefunden werden.
Ich erkannte, dass ein solches Verfahren eine lange Entwicklungszeit vor sich haben
würde, die Entwicklung hohe Kosten verursachen würde und mit dem Risiko des Schei-
terns verbunden war.

15. Wie ich Marco Brandestini kennenlernte


Am Zahnärztlichen Institut gewann ich unter meinen Kollegen schnell gute Freunde. Dar-
unter Peter Wyss, Bernard Allet, Thomas Gaberthüel und andere. Peter Wyss und Freun-
de von ihm, darunter Daniel Gerber und Marco Brandestini, traf ich jeweils mittwochs im
Traditionsrestaurant „Kropf“ in der Nähe des Paradeplatzes. Es gab und gibt dort wunder-
bare „Wädli mit Kraut“ oder Kutteln, auf dem Tisch standen frische „Bürli“ und ein Töpf-
chen mit frischem Senf.
Marco Brandestini hatte Elektrotechnik an der Eidgenössischen Technischen Hoch-
schule in Zürich (ETHZ) studiert. Er schloss als Dipl. el. Ing. ETHZ ab und erlangte 1976
den Titel eines Doktors der technischen Wissenschaften der ETHZ. Als die Zahnarztfreun-
de Peter Wyss, Bernard Allet, Thomas Gaberthüel ihre Privatpraxen in Zürich eröffneten,
löste sich der Freundeskreis langsam auf, ich blieb aber mit Peter Wyss und besonders
mit Marco Brandestini durch die 1970er Jahre immer in engerem Kontakt.
Marco trug sich, nachdem er Studium und Doktorat abgeschlossen hatte mit dem
Gedanken, nach Brasilien auszuwandern. Die Alternative war Seattle (Washington) in den
USA. Ich war froh, dass er sich schlussendlich für Seattle entschied, weil mir dies techno-
logisch attraktiver für ihn schien. In Seattle hatte er eine Stelle bei der Firma ‚Advanced
Technologies’ gefunden, wo er an der Entwicklung eines Mehrkanal-Ultraschallscanners
für die Messung des Blutflusses im Herzen beteiligt war. Die junge Familie Marco und
Kathrin Brandestini hatte dann in Kirkland, einem Vorort von Seattle ein Haus bezogen, in
dem die beiden Kinder Nicola und Vesna aufwuchsen.
Zahnrestaurationen per Computer 29

Dritter Teil: Moderne Herstellungstechnik für Keramik-Restaurationen

4) MASCHINELL HERGESTELLTE KERAMIK-INLAYS

16. Suche nach dem Technologie-Partner


Für das Frühjahr 1980 hatte ich von meinem Kollegen Max O. Schmid, der inzwischen am
Department of Periodontics an der University of Calfornia in Los Angeles (UCLA Dentistry)
arbeitete, die Einladung, an der dortigen Klinik einen Kurs über Mukogingivalchirurgie (kor-
rektive Chirurgie am Zahnfleisch) für Privatzahnärzte zu halten. Der Flug und ein gutes
Honorar würden bezahlt.
Gleich kam mir die Idee, anschliessend von dort aus mit Jeanette Ferien in Hawaii zu
machen. In LA konnten wir bei Ursi und Max im Haus in Santa Monica wohnen. Das war
ein tolles Angebot. Ich sagte zu, der Kurs lief bestens und danach, Aloha!!!, ging es ab auf
die Hawaii Inseln Oahu, Maui und Kauai, insgesamt drei traumhafte Wochen! Ich habe
danach nie mehr drei Wochen Ferien am Stück machen können.
Gegen Ende der unbeschwerten Zeit auf den Hawaii-Inseln, mit der Lektüre des Bu-
ches „Hawaii“ von James A. Michener, holte mich das ungelöste Problem der datenbasier-
ten Abformung der Inlaykavitäten wieder ein und ich beschloss, auf dem Rückweg die Fa-
milie Brandestini in Seattle bzw. Kirkland zu besuchen. Ich musste Marco, den Elektroin-
genieur mit Spezialfach Ultraschallscanning fragen, ob er eine Möglichkeit sah, die Zahn-
kavitäten schnell und einfach mit Ultraschall dreidimensional zu vermessen.
Als ich ihm mein Projekt und das Problem schilderte, bemerkte er nur trocken: „Zäh-
ne interessieren mich nicht.“ Ich schluckte meine Enttäuschung hinunter. Das diagnosti-
sche Ultraschall-Scannen des Blutflusses im Herzen hatte ohne Frage, einen höheren
Stellenwert als das Scannen von Zahnpräparationen. Jeanette und ich beschränkten uns
auf den Genuss der Gastfreundschaft von Marco und Kathrin. Am nächsten Tag zeigte
Marco mir die elektrische Eisenbahn, die er für seinen Sohn Nicola aufgebaut hatte.
Plötzlich sagte er zu mir: „Mit Ultraschall geht es nicht“. Ich fragte was meinst Du?
„Na, die Vermessung Deiner Zähne“. „Oh“, meinte ich, warum? „Die Wellenlänge ist bei
Ultraschall zu gross, man muss es optisch machen. – Welche Genauigkeit brauchst Du
überhaupt für die Inlays?“ Ich sagte: „Meine Versuche zeigen, dass Inlays mit Fugen, die
bis zu 500 µm breit sein können, dicht sind, wenn man die Inlays mit Komposit adhäsiv
einsetzt (Mörmann WH, Lutz F (1982) Composite Inlays: marginal adaptation, seal and
occlusal abrasion, J Dent Res 61:571, Abst 57).
„500 Mikrometer auf jeder Seite, das ist eine „Wurf-Toleranz“, sagte ich, das würde
fürs erste genügen.“ Er war überrascht! „Das ist ja easy, das ist optisch messtechnisch
ganz sicher machbar, da sehe ich eine Lösung“ meinte er. – Bingo! Da war der Partner!

17. Die Partnerschaft mit Marco Brandestini


Ich hatte Marco nicht die für konventionelle Metallrestaurationen allgemein als akzeptabel
geltende Fugenpassung von 50 µm genannt, denn meine Untersuchungen hatten gezeigt,
dass das adhäsive Einsetzen, das heisst die Verklebung von Inlays mit Befestigungs-
Komposit als Fugenmaterial im Zahn, eine neue Situation markierte, die für Einzelrestau-
rationen dieser Art, eine grössere Toleranz erlaubte. Frei nach dem Prinzip von Ziegel und
Mörtel und klassischen Mosaikböden.
Mindestens hielt ich es deshalb für legitim, die allgemeine Forderung in der Zahn-
technik nach Höchstpräzision nicht als unüberwindbare Hürde an den Anfang dieser Ent-
wicklung zu stellen. Höchstpräzision ist für komplexe prothetische Konstruktionen selbst-
Zahnrestaurationen per Computer 30

verständlich unabdingbar. Aber hier hatten wir zunächst einmal die Spezialsituation der
Einzelrestauration und die schon erprobte Adhäsivtechnik.
Marco war das Projekt über Nacht durch den Kopf gegangen. “Interessiert Dich das
Projekt jetzt doch?“, fragte ich. Was Marco an dem Projekt faszinierte, war, ein medizi-
nisch-technisches Problem von Anfang bis Ende, vom Entwurf bis zum fertigen Produkt
technisch zu gestalten. Er hatte bisher in der Industrie immer nur Teilprobleme bearbeiten
können.
Ich schlug ihm vor, das Projekt gemeinsam als gleichberechtigte Partner anzupacken
unter der Voraussetzung, dass er wieder nach Zürich zurückkehren würde. Er war einver-
standen, das war ein Projekt, in dem er seine technische Genialität voll ausleben konnte.
Ich schickte ihm meine Patentanmeldung (Verfahren zur Herstellung medizinischer
und zahntechnischer alloplastischer, endo- und exoprothetischer Passkörper) und bat ihn,
diese zu überarbeiten. Die erste Version zog ich zurück und meldete die gemeinsam über-
arbeitete Version mit uns beiden als Erfinder am 24. Dezember 1980 erneut als Schweizer
Patent (CH 9561/80) beim renommierten Patentanwaltsbüro Blum & Co in Zürich an (Abb.
15).

Abb. 15 System-Darstellung aus der


Schweizer Patentschrift CH 9561/80
Mörmann W, Brandestini M: ‚Verfahren
zur Herstellung medizinischer und
zahntechnischer alloplastischer , endo-
und exoprothetischer Passkörper’
Priorität Schweiz, 24. Dezember 1980.

Marco kam 1981 mit der Familie wie-


der nach Zürich und richtete sein Kon-
struktionsbüro im Gartenzimmer seines Hauses in Zollikon, einer an Zürich angrenzenden
Gemeinde ein. Von da an arbeiteten wir gemeinsam an der Realisierung des Projektes.

18. Positionierung des CAD/CAM Projektes am Zahnärztlichen Institut


Mein Chef, Professor Mühlemann, war mit meiner Entwicklung zum Dozenten in For-
schung und Lehre bis dahin offenbar zufrieden. Er überlies mir die freie Wahl meiner For-
schungsaktivitäten im Bereiche der therapeutischen Kariologie (Behandlung von Karies-
schäden) für die ich mich gleichzeitig mit der Parodontologie (Behandlung des Zahnflei-
sches und des Zahnhalteapparates) habilitiert hatte. Ich stellte ihm unser Projekt zusam-
men mit Marco Brandestini vor.
Prof. Mühlemann kannte den Elektroingenieur Dr. Marco Brandestini bereits. Er hatte
ihn schon früher einmal für eine Aufgabe zur Identifizierung von Flug-Unfallopfern anhand
der Zähne in Anspruch genommen.
Unser CAD-CAM Inlay-Projekt ordnete Prof. Mühlemann in der gleichen Kategorie
zukunftsorientierter technologischer Projekte an, für die er eine Schwäche hatte. Da die
technische und finanzielle Realisierung ausserhalb der Abteilung lagen, also keine Kosten
für die Universität entstanden, war er damit einverstanden, dass ich dieses Projekt zahn-
medizinisch fachlich und wissenschaftlich mit einem aussenstehenden Partner führte.
Infolgedessen war das Projekt in den Forschungsbereich der therapeutischen Kario-
logie der Abteilung integriert und ich hatte freie Hand, dieses Thema in allen Belangen zu
bearbeiten. Marco Brandestini war ein selbständig erwerbender Elektroingenieur, der sich
selbst finanzierte und sich an dem Projekt auf eigenes Risiko beteiligte. Das war ein glück-
Zahnrestaurationen per Computer 31

licher Umstand und machte die Zusammenarbeit auf diese Weise möglich. Die Zielsetzung
unseres Projektes ergänzte die von Felix Lutz an der Abteilung vorangetriebenen For-
schungsarbeiten auf dem Gebiet der direkten adhäsiven Restauration mit Komposit.
Ich konnte mich jeweils auf die von Felix Lutz und seiner Arbeitsgruppe, die im We-
sentlichen aus Benny Lüscher und Heinz Ochsenbein, später noch Ivo Krejci bestand, er-
arbeiteten Erkenntnisse auf dem gesamten Gebiet der Adhäsiv-Technologie und des
Komposits abstützen. Dies war auch die Grundlage für die fortgesetzte fruchtbare Zu-
sammenarbeit mit Felix Lutz, als er im Jahre 1983 die Nachfolge von Professor Mühle-
mann als Abteilungsvorsteher antrat.
Felix Lutz schätzte und förderte das CEREC-Projekt während unserer ganzen ge-
meinsamen Zeit ebenso wie nach seinem Ausscheiden sein Nachfolger a.i., Thomas Im-
feld und nach diesem Thomas Attin. Allen Genannten bin ich zu grossem Dank verpflich-
tet.
Der damalige Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, Professor Dr.
Peter Schärer, vertrat nach meiner Habilitation mir gegenüber die Ansicht, dass ich mich
nun als Privatdozent, um eine Professorenstelle alio loco (an einer anderen Universität)
bewerben müsse. Ich streckte meine Fühler nach den Universitäten Freiburg im Breisgau
sowie Bonn und Ulm aus. Aber ich kam an keiner dieser Stellen zu Verhandlungen. Zudem
machten diese Kontakte mir deutlich, dass die Verhältnisse in Forschung und Lehre und
bezüglich der Besoldung an der Universität Zürich damals eindeutig vorteilhafter waren als
an diesen Universitäten.
Als mein früherer, verehrter Lehrer Prof. H.F Overdiek in Heidelberg emeritiert wurde,
bewarb ich mich dort ebenfalls und bekam einen Ruf als dessen Nachfolger auf den Lehr-
stuhl für Konservierende Zahnheilkunde. Leider zerschlugen sich meine romantischen
Vorstellungen einer wissenschaftlichen Tätigkeit und der Weiterführung meines CEREC
Projektes als Lehrstuhlinhaber in Heidelberg an verschiedenen Problemen und ich ent-
schloss mich nach reiflicher Überlegung, mit der Unterstützung von Prof. Felix Lutz, an
seiner Abteilung am Zahnärztlichen Institut in Zürich zu bleiben. Die Freiheit in Forschung
und Lehre, die ich dort genoss, war für die Entwicklung von CEREC und für die Gestaltung
meiner persönlichen Verhältnisse entscheidend.

5) ERSTE SCHRITTE ZUR REALISIERUNG DES CAD/CAM KONZEPTES

19. Freihändig geschliffene „Inlay-Skulptur“ und Kopierschleifen


Meine Schleifversuche an Rondellen aus Feldspatkeramik mit definiertem Anpressdruck
habe ich schon erwähnt. Herr A. Lufi, unser Zahntechniker, hatte mir dabei geholfen. Er
war sehr an meinen Experimenten interessiert. Ich hatte in meiner Sammlung von Patien-
tenunterlagen das Gipsmodell einer mesio-okkluso-distalen Kavität in einem linken unte-
ren ersten Molaren, das zur Herstellung eines Goldinlays gedient hatte. Von der Grösse
und vom betroffenen Zahn her war dies ein Standardfall. Ich fragte Herrn Lufi, ob ich ihn
einmal zahntechnisch herausfordern dürfte. Er willigte ein. Ich gab ihm, eine der Kerami-
krondellen und sagte: „Beschleifen Sie diese freihändig mit rotierenden Instrumenten so
lange, bis aus dem Stück Keramik ein Inlay geworden ist, das in diese Kavität passt.“
Herr Lufi nahm das sportlich und machte sich an die Arbeit. Ich kann nicht mehr sa-
gen, wie viele Stunden es gedauert hat, aber er hat das verblüffend gut gemacht und
konnte mit Augenmass und vielfachem Probieren tatsächlich ein Teil produzieren, das die
Kavität ausfüllte.
Zahnrestaurationen per Computer 32

Abb. 16 Michelangelo arbeitete seinen „David“ mit Handinstrumen-


ten in drei Jahren von 1501 bis 1504 aus einem 5 Meter hohen
Marmorblock aus. Bild: Wikipedia (2019).

Ich gratulierte ihm und sagte: „Sehen Sie, was ich will ist, dass die
Formerfassung, die jetzt Ihre Augen und Gehirn erledigt haben und
ihr freihändiges Formschleifen, in Zukunft von einer computerge-
steuerten Maschine in wenigen Minuten gemacht werden.“ Er war
entsetzt und meinte: „Herr Mörmann warum wollen Sie denn das so
kompliziert machen, das geht doch mit einer Kopierschleifmaschine,
das wäre viel einfacher realisierbar.“

20. Warum nicht Kopierschleifen?


Als Zahntechniker hatte er Recht! Wie der Name sagt, können Ko-
pierschleifmaschinen einen Körper, z.B. aus Kunststoff durch Abfah-
ren des Originals mit einem Taster und gleichzeitigem Übertragen
der räumlichen Tastbewegung auf ein Schleifwerkzeug, die Original-
form eins zu eins in ein anderes Material, z.B. Keramik, physisch um-
setzen. Allerdings muss der Ausgangskörper, beispielsweise ein Inlay vom Zahntechniker
zuerst aus Kunststoff sorgfältig modelliert werden. Das Inlay wird dann in die Abtastvor-
richtung des Kopierers eingespannt und unter Sichtkontrolle manuell abgefahren. Dabei
wird die Form über ein Gestänge synchron auf das Schleifinstrument übertragen, welches
die Konturen aus einem Keramikrohling herausarbeitet.
Ein erstes solches Gerät mit Namen „Celay“ kam später tatsächlich kompetitiv auf
den Markt und irritierte uns von der zahntechnischen Seite her. Es verschaffte der Zahn-
technik die Möglichkeit, die von mir konzipierten, VITA Mark II Keramikblöcke ebenfalls zu
benutzen. Sie boten Zahnärzten die Möglichkeit, die ästhetisch und biologisch anspre-
chenden Keramik-Inlays ihren Patienten anzubie-
ten, ohne die technisch und finanziell aufwendige
CEREC-Technologie zu benützen.

Abb. 17 „Celay“ Kopierschleifgerät, Mikrona


Technologie AG, Spreitenbach, Schweiz: Abtas-
tung links (rot), Formschleifen rechts (orange).

Vorteil für den Zahnarzt war dabei, dass der Zahn-


techniker die Celay-Inlays fertig ausgearbeitet, po-
liert bzw. farblich charakterisiert und glasiert liefer-
te. Nachteil für den Patienten war die physische
Abformung und die provisorische Versorgung der Kavität während der Wartezeit bis zur
Lieferung des Inlays. Für die definitive Versorgung des Zahnes war eine zweite Sitzung
erforderlich, was den Aufwand des Patienten und des Zahnarztes steigerte. Die Rechnung
für die Arbeit des Zahntechnikers fiel für den Patienten zusätzlich an.
Das Celay Kopierschleifsystem wurde von unserem damaligen Studenten Stefan Ei-
denbenz, der auch eine Ausbildung als Ingenieur hatte, als Dissertationsthema unter der
Leitung des damaligen Vorstehers der Abteilung für Kronen-, und Brückenprothetik, Teil-
prothetik und Zahnärztliche Materialkunde und späteren Dekan der Medizinischen Fakultät
der Universität Zürich, Professor Dr. Peter Schärer, gestaltet und von der Firma Mikrona,
Spreitenbach, Schweiz, hergestellt und vertrieben. Später folgten auf Initiative von P.
Zahnrestaurationen per Computer 33

Schärer Geräte, bei denen die Kopierabtastung automatisiert ablief (CERCON, Degussa).
Aber diese Geräte lösten nur ein Teilproblem, nämlich das Formschleifen des Werkstü-
ckes.

Abb. 18 Automatisches Kopierschleifgerät ‚CER-


CON‘ (Degussa) für Restaurationsgerüste aus Zir-
konoxidkeramik. Manuell modelliertes Brückenge-
rüst aus Modellkunststoff auf der linken Seite (rot)
und teilgesinterter Rohling aus ZIrkonoxidkeramik
rechts in der Maschine (weiss). Darunter Modella-
tion (rot) und kopiergeschliffenes Brückengerüst
(weiss).

Die Gewinnung der Formdaten, durch Vorfertigung


des Inlay-Musters aus Kunststoff für die Abtastung,
blieb immer noch Handarbeit. Ein solches Gerät
konnte für das zahntechnische Labor interessant
sein. Aber die datenbasierte Abformung der Zahn-
präparation und die computergestützte Konstrukti-
on des dazu passenden Werkstückes fehlten. Deshalb war die Kopierschleiftechnik nicht
schnell genug und darum auch nicht für den Zahnarzt geeignet, um die Versorgung eines
Zahnes mit einer Keramikrestauration in einer Sitzung zu ermöglichen, was ganz klar mein
restauratives Ziel war.

21. Das Konzept der chairside Herstellung von Inlays


Nach meinem Konzept musste der Zahnarzt die Inlays am Patientenstuhl schnell herstel-
len können. Ich sah das Verfahren als Alternative für die direkte Fülltechnik grosser Defek-
te mit Amalgam oder Komposit, wobei für die Keramik mehrere Vorteile ins Gewicht fielen.
An erster Stelle stand der Ersatz des Metalls durch die inerte biologisch bestens verträgli-
che Keramik. Dazu kommen die Zahn-ähnlichen physikalischen Eigenschaften der Kera-
mik sowie die naturähnlichen ästhetischen Eigenschaften und die Beständigkeit der Kera-
mik im Mundhöhlen-Milieu.
Als Gerät hatte ich eine kleine autonome
Einheit vor Augen mit integrierter Formschleifma-
schine, Monitor und Recheneinheit mit Bedienele-
menten sowie per Kabel angeschlossener Mund-
kamera.

Abb. 19 Muster aus Balsaholz zur Ermittlung der


der geeigneten Grössenverhältnisse für eine 3D-
Mundkamera (3D-Scanner). Ich führe die Kamera
mit meiner rechten Hand frei in die Mundhöhle von
Marco Brandestini. Der Zugang bis zum Weis-
heitszahn musste möglich sein.

Das Gerät sollte auf Rollen beweglich sein, damit


es am Patientenstuhl nach Wunsch ausgerichtet und zu anderen Patientenstühlen der
Praxis gefahren werden konnte und in jeder Behandlungsbox per Elektrokabel anschliess-
bar war. Marco Brandestini und ich waren uns in dieser Zielrichtung völlig einig. Marco
Zahnrestaurationen per Computer 34

nahm die technische Herausforderung als Elektroingenieur voll an. Alles hing zunächst
davon ab, dass wir das Messprinzip für die schnelle optische dreidimensionale Vermes-
sung des Zahnes identifizieren und realisieren konnten. Die Mundkamera würde der
Zahnarzt mit der Hand halten (Abb. 19). Die Messung müsste als Sofort-Aufnahme erfol-
gen.
Was die Methode brauchte, war nichts weniger als die freihändige dreidimensionale
Vermessung eines präparierten Zahnes und seiner Nachbarn in Sekundenbruchteilen. Das
war vollständiges Neuland. Es war uns bewusst, dass wir uns in eine technische und
zahnmedizinische Hochrisiko-Zone begaben, ‚High-tech - High-risk’!

22. Informationstechnologie um 1980


Zum Verständnis der CEREC CAD/CAM Entwicklung ist es interessant zu betrachten, wie
der Stand der Informationstechnologie zu jener Zeit war. Wir bewegten uns im Zeitrahmen
der ‚Wissenschaftlichen Technischen Revolution 2.0‘ wie der Abschnitt zwischen den
1940er bis 1990er Jahren bezeichnet worden ist. Steve Jobs und Steve Wozniak präsen-
tierten 1977 den Apple II ‚Home Computer’, 1984 den Apple Macintosh.

Abb. 20 Links: Apple II ‚Home Computer’


1977 und rechts: Apple Macintosh 1984.

Das ‚Global Positioning System’ GPS stand


ab 1980 für zivile Anwendungen zur Verfü-
gung. Der ‚Compact Disc’ wurde 1980 für die
digitale Speicherung von Musik verfügbar und
digitale Videorekorder-Systeme kamen seit
1980 auf. Die Firma IBM präsentierte 1981 ih-
ren ersten ‚Personal Computer’ IBM PC. 1983 kündigte Bill Gates mit seiner Firma Mi-
crosoft erstmals die ‚Windows Software’ an.
Mit dem CEREC 1 Prototypen konnte ich am 19. September 1985 die erste chairside
Behandlung eines Patienten mit einem keramischen CAD/CAM Inlay durchführen. Es
herrschte ein Aufbruch in die Computertechnologie. Marco und ich hatten in dieser frühen
Phase, den digitalen Weg in die Restaurative Zahnheilkunde eingeschlagen.

Vierter Teil: Computergestützte Formgebung - Problemreduktion

6) FORMSCHLEIFEN – LÖSUNGSVERSUCHE

23. Erster Ansatz zum Formschleifen


Für Marco war ich als Zahnarzt der Bohr- und Schleifexperte. Es schien mir in einer ersten
Näherung sinnvoll, die zahnärztliche Arbeitsweise beim Präparieren umgekehrt auch für
das maschinelle Ausschleifen des Inlays aus dem Keramikrohling mit einem Diamant-be-
legten Fingerschleifer in zylindrischer Form (Zylinderdiamant) nachzuvollziehen. Marco
fand das folgerichtig. Dies würde es erlauben, die komplexen Formen und anatomischen
Formen mit den gleichen Instrumenten nachzubilden
Das effizienteste Abtragsinstrument war damals die zahnärztliche Luftturbine. Elektri-
sche Mikromotoren für das Winkelstück gab es noch nicht. Die Luftturbine würde problem-
Zahnrestaurationen per Computer 35

los in einer feuchten Schleifkammer einsetzbar sein. Sie arbeitete mit hoher Drehzahl.
Leider hatte sie für das Formschleifen der Keramik zu wenig Durchzugskraft. Herr Mosi-
mann von ‚BienAir’, ein bekannter Schweizer Hersteller von Dentalturbinen, überliess uns
freundlicherweise einen Doppelrotor-Turbinenkopf mit höherer Durchzugskraft als die
Standardturbine.
Marco baute eine Vorrichtung, in der er den Doppelrotor-Schleifkopf vertikal über
dem Keramikrohling positionierte und ihn horizontal durch zwei Schrittmotoren in x und y
führen konnte. Unter dem Schleifkopf, der mit einem Zylinderdiamanten bestückt war, be-
festigten wir den Keramikrohling auf einem Träger, den wir in der z-Achse gegen den Fin-
gerschleifer steuern konnten. Der Schleifer würde demnach ähnlich wie in der Hand des
Zahnarztes, in den drei Achsen x, y und z arbeiten.
In einem ersten Anlauf wollten wir den Zy-
linderdiamanten seitlich ein Stück in die Kera-
mik hineinfahren, um zu sehen, wie der Turbi-
nenantrieb und der Fingerschleifer reagieren
würden.

Abb. 21 Erster Ansatz zum dentalen Form-


schleifen. Experimentelle Doppelrotor-Turbine
der Firma BienAir, Biel, CH. Bewegung des
Turbinenkopfes in x und y, die Blockbasis in z.

Es kam der erwartungsfrohe Moment, in dem


die Turbine laut pfiff und der Zylinderdiamant
mit Höchstdrehzahl und konstanten Schritten in
den Keramikrohling hinein steuerte. Aber ach!
Nach kurzer Schleifstrecke bremste die Keramik
die Drehzahl auf Null. Während unserer Schrecksekunden-Starre trieb der Schrittmotor die
Turbine weiter, der Schleifer brach und die Aktion endete mit einem Knall.
Das Experiment machte deutlich, dass das Formschleifen eine adaptive Steuerung
und einen Schleifplan mit definiertem Eingriff des Instrumentes in die Keramik verlangte.
Die maschinelle adaptive Steuerung des Zylinderdiamanten hielten wir allerdings für sehr
komplex und aufwändig. Der Prozess würde viel Zeit in Anspruch nehmen.
Auch schienen weder die Durchzugskraft der Doppelrotor-Luftturbine noch die Effizi-
enz des Fingerschleifers, angesichts der zum Teil sehr grossen Abtrags-Volumina des Ke-
ramikrohlings von bis zu 80%, der Aufgabe zu genügen. Das Problem lag scheinbar un-
überwindlich vor uns. Das hiess: zurück auf Start bei der Schleiftechnik! Eine einfachere
und robustere Lösung musste gefunden werden.

24. Formschleifen nach dem „Bratspiess“ - Prinzip


Die Idee kam mir auf einer Autobahnfahrt von Basel nach Zürich bei einem Zwischenhalt
etwa auf halbem Weg zum Besuch der Habsburg. Ich besann mich beim Aufsteigen zur
mittelalterlichen Burgruine noch einmal auf die zahnmedizinischen Arbeitsbedingungen.
Den Zugang zu den Seitenzähnen erhält der Zahnarzt durch die Mundöffnung. Diese
räumliche Einschränkung bestimmt seine Arbeitsweise bei der Präparation der kariösen
Defekte im Seitenzahnbereich. Er arbeitet im Ober- und Unterkiefer auf beiden Seiten ent-
lang der Hauptachse der jeweiligen Zahnreihe. Es lag deshalb nahe zu prüfen, ob ein mod
Inlay entlang dieser Hauptachse formgeschliffen werden könnte.
Zahnrestaurationen per Computer 36

Wird bei einem Seitenzahn sowohl an der vorderen (mesialen) Nachbarzahnfläche, als
auch unter der Kaufläche (okklusal) und an der hinteren (distalen) Nachbarzahnfläche Ka-
ries diagnostiziert, so präpariert der Zahnarzt eine durchgehende mesio-okkluso-distale
‚mod’ - Kavität mit einer Bodenfläche und zwei offenen Nachbarwänden, die der Zahnrei-
henachse folgt und nach okklusal offen ist. Ganz grob gesagt, wie eine Badewanne, die
vorne und hinten offen ist.

Abb. 22 Schematisierende Handzeichnung oben: Längs-


schnitt durch ein mesio-okkluso-distales Inlay (mod), mit
Schleifachse und Schleifsegmenten (slices). Unten: Blick in
die schematisierte, zur Kaufläche offene Kavität von appro-
ximal.

Alle Querschnitte des Inlays, das diesen Raum füllt, haben


an jeder Stelle, eine zur Kaufläche offene, trapezoidale
Form in die das Inlay passt. Die Querschnitte können somit
von einer Schleifscheibe, die seitlich eingreift, ausgearbei-
tet werden. Ich stellte mir deshalb vor, dass eine Schleif-
scheibe ein Inlay entlang der mesio-distalen Hauptachse
Formschleifen kann, indem sie seitlich einsticht, während
der Rohling rotiert. Die Schleifscheibe würde auf ihrem Um-
fang wesentlich mehr Diamant-Belag gegenüber der Kera-
mik in den Eingriff bringen als der Fingerschleifer und ich
erwartete eine hohe Abtrags-Effizienz wie ich sie bei mei-
nen ersten Schleifversuchen mit den Versuchsrondellen
beobachtet hatte.

25. Keramikinlays mit ebener Okklusalfläche?


Als ich Marco diese Lösung unterbreitete, begann er sofort, die Möglichkeiten der Realisie-
rung zu prüfen. Zur Visualisierung bauten wir ein Zahnmodell mit mod Kavität und Inlay.
Wir klebten es aus einzelnen, ein Millimeter dicken Querschnitten aus Karton zusammen,
die wir nach digitalen Plots senkrecht zur mesiodistalen Hauptachse ausgeschnitten hat-
ten. Alle Querschnitte innerhalb der Kavität und am Inlay waren trapezförmig, folglich fügte
sich das Inlay in die Kavität ein.

Abb. 23 Dr. Mörmann arbeitet am Karton-


Modell eines Zahnes mit mod - Kavität, zu-
sammengeklebt aus Umriss-Plots auf Karton
mit 1 mm Dicke, die 90° zur mesio-distalen
Achse orientiert waren. Das Modell führte uns
vor Augen, dass praktisch jeder Aussenum-
fang des dazu passenden Inlays pro Karton-
segment bei Rotation des Rohlingsblocks mit
einer Schleifscheibe bearbeitbar war.

Es war offensichtlich, dass eine Schleifscheibe, die vier Seiten des Inlays, den Boden, die
beiden seitlichen Wände und die okklusale Fläche sowie die Übergänge zwischen diesen,
durch gesteuertes Einstechen in den Keramikrohling ausschleifen konnte.
Zahnrestaurationen per Computer 37

Abb. 24 Der 3D-Scan und die Konstruktion des mesio-okkluso-


distalen (mod) Inlays erfolgen in der mesio-distalen Hauptachse.
Diese wird in die Hauptachse des Materialblockes mit dem Hal-
ter und damit in die Bearbeitungsachse der Formschleifvorrich-
tung gelegt. In dieser dreht und treibt die Spindelachse den
Block gegen die Schleifscheibe, die 90° seitlich eingreift. Diese
Fertigungsart ist auf geometrisch passende Querschnitte ange-
wiesen, erlaubt aber eine schnelle Fertigung.

Klar wurde aber auch, dass die Schleifscheibe auf der Okklusal-
Fläche keine morphologischen Details wie Höckerabhänge und
Fissuren gestalten konnte. Innen- und Aussenkonturen mussten
für die 90° zur Hauptachse eingreifende Schleifscheibe erreich-
bar sein. Im Bereich der Innenkontur hielt ich die detailgetreue
Anpassung der Inlay-Oberflächen an den Boden und die Seiten-
wände nicht für relevant. Dies weil das Keramik-Inlay mit plasti-
schem Komposit adhäsiv in die Kavität eingefugt würde, wie sich
das bereits bei den Vorversuchen mit Komposit-Inlays bewährt hatte.
Starke Unregelmässigkeiten waren durch eine Unterfüllung auszugleichen. Schräg
zum Eingriff der Schleifscheibe verlaufende Extensionen konnten unter Umständen nicht
realisiert werden. Bis zu einem gewissen Grad konnten diese durch eine Abwinkelung der
mesiodistalen Hauptachse bei der Aufnahme kompensiert werden.
Für die Gestaltung der Kaufläche mussten wir den Zahnarzt bemühen. Bei der Be-
urteilung dieser Situation durfte nicht vergessen werden, dass das Ziel der Entwicklung
war, eine Alternative zur Amalgamfüllung zu bieten. Bei dieser arbeitet der Zahnarzt die
Höckerabhänge und Fissuren während dem Abbinden des Amalgams mit Handinstrumen-
ten aus. Das war das übliche und gewohnte Verfahren der Okklusionsgestaltung.
Ich war deshalb überzeugt, dass der Zahnarzt bzw. die
Zahnärztin diese Formen auch aus der Keramik manuell, in die-
sem Fall mit rotierenden, fein diamantierten Instrumenten im
Winkelstück ausarbeiten konnte.

Abb. 25 Querschnittsformen beim Formschleifen entlang der


mesio-distalen Hauptachse. Fissuren und Höckerabhänge muss-
ten vom Zahnarzt manuell mit rotierenden Feindiamant-Instru-
menten eingearbeitet werden, analog zum Vorgehen bei der di-
rekten Fülltechnik.

Die Voraussetzung dafür war aber, dass der gesamte CAD/CAM


Herstellungsprozess des Keramik-Inlays bis dahin möglichst
schnell ablief. Diese Überlegungen sprachen dafür, das maschi-
nelle Formschleifen entlang der Hauptachse mit der Schleif-
scheibe und dem rotierenden Rohling zu realisieren. Der Ver-
zicht auf die maschinell detaillierte Gestaltung der Kauflächen
musste erst einmal in Kauf genommen werden.
Abb. 26 a) zeigt den Zusammenhang zwischen der Schleifscheibe (rot) und dem
Querschnitt des Einlagenkörpers (schraffiert braun), die Lage der Hauptachse der Einlage
sowie den Arbeitspunkt, an dem die Scheibe die Oberfläche der Einlage bestimmt.
Zahnrestaurationen per Computer 38

a b

Abb. 26 a) Formbestimmende Steuerung des Arbeitspunktes der Schleifscheibe (rot) zur


Inlay-Oberfläche (braun) eines bestimmten Querschnittes. b) Mögliche Übertragung des
Scheibenradius zum leicht konkaven Eingriff in die Gestaltung der Inlaywände. Damit kön-
nen bei der Präparation entstandene gering hervorstehende Unregelmässigkeiten in den
Wänden kompensiert werden.

Die Abb. 26 b) zeigt den möglichen leicht konkaven Eingriff in die Gestaltung der Einla-
genwände, um zu vermeiden, dass die Einlage auf möglicherweise leicht unebenen Wän-
den aufsitzt.

7) ENTWICKLUNGS-PHILOSOPHIE

26. Möglichkeiten und Ziele der Entwicklung


Eine andere grundsätzliche Überlegung hatte ebenfalls Einfluss auf die Gestaltung der
Entwicklungsschritte. Es war klar, dass wir eine prinzipiell neue, bis dato nicht existierende
dentale Restaurations-Technologie begründeten. Der Zahnarzt wurde in die Lage versetzt,
bio-inerte, Zahnschmelz-ähnliche, dauerhafte Keramik im Zuge einer Zahnbehandlung am
Patientenstuhl selbstständig als Restauration zu fertigen und dem Patienten einzusetzen.
Das war als Restaurationsmethode bislang inexistent und gleichzeitig hochattraktiv,
wenn sie wie gedacht funktionierte. Es kam deshalb für die Entwicklung darauf an, die
vollständige Prozesskette in allen Schritten von der Präparation, der 3D Vermessung, der
Konstruktion, dem Formschleifen bis zur fertig eingesetzten Restauration funktionierend zu
entwickeln und der Fachwelt so zu präsentieren.
Dass das Verfahren, im Zuge der technischen Weiterentwicklung verbessert und er-
weitert werden musste und konnte, war klar. Die bereits in den Jahren 1980 bis 1985 be-
obachtbaren raschen Entwicklungsfortschritte der Computertechnologie gaben dafür ein
exemplarisches Beispiel.
Aufgrund meiner Untersuchungen war ich von der klinischen Wertigkeit adhäsiv ein-
gesetzter zahnfarbener Keramikrestaurationen voll überzeugt. Das Risiko der Entwicklung
lag darin, dass wir eine der technischen Komponenten mit unseren Mitteln nicht oder nicht
gut genug lösen konnten. Es galt, die 3D Vermessung, sowie die computergestützte Kon-
struktion und Fertigung einzeln zu realisieren und in ein praktisch bedienbares, funktionie-
rendes Gerät zu integrieren.
Zahnrestaurationen per Computer 39

27. Geniale Zusammenarbeit von Zahnarzt und Elektroingenieur


Marco und ich waren uns in den Zielen und Möglichkeiten völlig einig. Marco war ein Sys-
temdenker, der stets versuchte, technische Probleme mit dem geringsten technischen
Aufwand elegant zu lösen, und er fand diese Lösungen auch. Wir dachten auf der gleichen
Linie und hatten eine geniale Zusammenarbeit. Trotzdem konnten wir in allen Bereichen
scheitern.
Sehr hilfreich war, dass Marco den gesamten technischen Aufbau des Prototyp-Ge-
rätes auf der Basis der Firma Proceq S.A. in Zürich durchführen konnte. Proceq entwickel-
te und produzierte wie auch heute noch, portable Messinstrumente für die zerstörungsfreie
Testung von Materialeigenschaften in der Metall-, Beton- und Papierindustrie. Partnerfir-
men für Spezialanfertigungen und Konstrukteure hatte man an der Hand.
Marco war mit der Entwicklung und Weiterentwicklung dieser Geräte vertraut und
konnte dadurch in der Konstruktion und Fertigung von Komponenten unseres Projektes
auf bewährte Verbindungen zu Industriepartnern zurückgreifen. Die Einbindung in die Fir-
ma Proceq begründete auch die Beteiligung von Marcos Vater, Antonio Brandestini, an
unserem Projekt. Wir sind ihm zu grossem Dank verpflichtet und ich behalte ihn stets in
ehrender Erinnerung.

8) DIE FORMSCHLEIFMASCHINE

28. Formschleifen entlang der mesio-distalen Hauptachse


Die Entscheidung für das Formschleifen entlang einer Hauptachse mit einer Schleifschei-
be fiel mit bewusster Inkaufnahme der Einschränkungen, die dieses Werkzeug mit sich
brachte. Der grosse Durchmesser der Scheibe liess es nicht zu, geometrische Unregel-
mässigkeiten in Boden und Wänden der Kavität herauszuarbeiten. Trotzdem bot diese An-
ordnung auch wesentliche Vorteile. Vor allem versprach sie eine schnelle Fertigung, was
für die Sache entscheidend war.
Mit dem Formschleifen entlang der mesio-distalen Achse und der Ausrichtung der
Scheibenachse parallel zur Achse des Rohlings, konnte die Scheibe innerhalb des Roh-
lings beliebige Radien schleifen. Der Restaurationskörper war dann bis auf einen kleinen
verbleibenden Abstich-Steg in einer einzigen Aufspannung allseitig bearbeitbar.
Die Scheibengeometrie konnte zwar auf der Kaufläche (Okklusalfläche) keine inne-
ren Höckerabhänge und Fissuren schleifen, gestaltete aber die äusseren Höckerabhänge
sowie die konvexen mesialen und distalen Nachbarzahnflächen (Approximalflächen) sehr
schön, was für die Bildung des Kontaktes zum Nachbarzahn und die Gestaltung des Inter-
dentalraumes sowie den Abschluss der Füllung gegen den Zahnhals mit der zervikalen
Stufe ausserordentlich wichtig war. Auch die bukkalen- bzw. lingualen Aussenflächen von
Onlays mit einem Höcker konnten naturgetreu geschliffen werden. Der Rohling wurde bei
der Bearbeitung um seine Achse gedreht und pro 360° um 55 µm gegen die rotierende
Schleifscheibe vorwärts geschoben. Diese kombinierte Bewegung stellte einen Arbeits-
schritt dar und führte zu einer bearbeiteten Tranche (Slice) der Restauration. Bei den In-
lays stellten wir den Vorschub im okklusalen Abschnitt im Interesse der schnellen Ferti-
gung auf 55 µm ein und wählten den halben Vorschub von 27,5 µm für die Approximalflä-
che, zur Erzeugung einer feinen Oberfläche, was vom Zahnarzt einen geringen Polierauf-
wand verlangte und die präzise Gestaltung des Approximalkontaktes erlaubte.
Später zeigte sich, dass die mesio-distale Wölbungen der Fazialflächen von Front-
zähnen und Prämolaren bei der Fertigung von Schalenverblendungen (Veneers) ebenfalls
Zahnrestaurationen per Computer 40

sehr gut formgeschliffen werden konnten, wenn die Keramikschale in Richtung der mesio-
distalen Achse der Schleifscheibe ausgeschliffen wurde.

a b

d f

c e

Abb. 27 a) Blick in die Schleifkammer des Prototyp-CEREC Gerätes sowie in die Motor -
und Getriebekammer der Schleifeinheit. Das Pelton-Turbinenrad wird durch einen Was-
serstrahl mit 6 bar Druck angetrieben. Auf der gleichen Welle sitzt die Schleifscheibe. Der
Antriebsteil wird dem Arbeitspunkt der Schleifscheibe entsprechend in den Keramikblock
hinein gesenkt oder zurückgezogen. b) Marco Brandestini bei der Montage der drei
Schrittmotoren in der Dreiachsen Schleifeinheit (gelb) des CEREC Prototyp Gerätes. c)
Blick von oben in das Gerät bei abgehobenem Deckel, d) die Elektronik für die Steuerung
der Schrittmotoren, e) die Bild- und Rechnerplatinen, f) der R-Schrittmotor für die Steue-
rung der vertikalen Einstechbewegung des Schleifkopfes in der Schleifkammer,.

29. Der Wasserturbinen-Antrieb


Wie schon erwähnt, waren in den 1980 er Jahren keine elektrischen Mikromotoren verfüg-
bar, die wir für die hohe Abtragsleistung im feuchten Milieu einer kleinen Schleifkammer
mit Kühl- und Spülwasser hätten einsetzen können.
Marco kannte als Absolvent der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich
(ETHZ) die Turbinenabteilung und wusste, dass ein hydraulischer Turbinenantrieb eine
fast lineare Drehmoment-Kennlinie hat, wobei die maximale Leistung ungefähr bei der
halben Leerlaufdrehzahl erreicht wird. Der Turbinenspezialist empfahl uns, für den Antrieb
eine Freistrahlturbine. Diese war vom amerikanischen Ingenieur Lester Pelton 1879 kon-
struiert und 1880 patentiert worden. Pelton-Turbinen erreichen einen Wirkungsgrad von
annähernd 90% und werden normalerweise mit einem Durchmesser von drei Metern in
Hochdruck-Wasserkraftanlagen eingesetzt.
Zahnrestaurationen per Computer 41

Wir miniaturisierten den Originalbauplan mit dem Durchmesser des Turbinenrades von
drei Metern und liessen ein miniaturisiertes Pelton-Turbinenrädchen mit 3 cm Durchmes-
ser fertigen (Abb. 28 a).

a d e f g
c

Abb. 28 a) Miniatur-Pelton-Turbinenrad (d=3 cm), b) Wasserdüse (6 bar Wasserdruck), c)


Magnet für die Messung der Umdrehungszahl, d) diamantierte Schleifscheibe, e) Turbine
in Betrieb, f) die Schleifscheibe greift in die Keramik ein und wird mit dem ganzen Schleif-
kopf vertikal hoch und runter bewegt, g) die Spindelachse dreht den Keramikblock und
schiebt ihn gegen die Schleifscheibe vor.

Ein mit sechs bar auf die Turbinenschaufeln gerichteter Wasserstrahl trieb es an. Das Tur-
binenrad übertrug die Rotation am Schleifkopf über eine gemeinsame Welle auf die
Schleifscheibe. Das Antriebswasser wurde von einer Pumpe, die den Antriebsdruck er-
zeugte, über einen Schlauch auf die Wasserdüse geführt, aus der der Wasserstrahl die
Turbinenschaufeln direkt antrieb.
Das Abwasser der Turbine kühlte und spülte den Schleifvorgang und wurde dann am
Boden der Schleifkammer aufgefangen und zum Wassertank zurückgeführt, aus dem es
zuvor mit einer elektrischen Hochdruckpumpe ausgepumpt worden war. Durch die Düse
wurde es auf die miniaturisierten Schaufeln des Turbinenrades gelenkt und trieb diese an.
Der Schleifkopf wurde beim Formschleifen durch einen Schrittmotor entsprechend der
Steuerung entlang der Einstich-Achse der Schleifscheibe adaptiv in den Rohling hinein-
und heraus gesteuert.
Das schrittweise Vorrücken der Schleifscheibe beim Einstechen in den Keramikroh-
ling wurde von ihrer Umdrehungszahl abhängig gemacht, die am Turbinenrad gemessen
wurde. Dazu baute Marco an der Seitenwand des Turbinenrades einen kleinen Magneten
ein (Abb. 28 c). Der Durchgang des Magnetfeldes wurde von einem Sensor bei jeder Um-
drehung registriert und erlaubte die Messung der Rotationsgeschwindigkeit. Sobald die
Rotation der Schleifscheibe beim Einstechen in die Keramik gebremst wurde, konnte das
Einstechen der Schleifscheibe angepasst werden. Auf diese Weise war es möglich, den
Schleifvorgang adaptiv stets im optimalen Leistungsbereich der Wasserturbine zu halten.

30. Geschwindigkeit und Ökonomie des Formschleifens


Marco, das Ingenieurgenie, arbeitete die Schleiferkinematik, die Umrechnung der 3D Kavi-
tätendaten in Schleifdaten und die adaptive Steuerung aus. Die x/y/z/ Raumdaten aus
dem optischen Abdruck mussten zur Führung der Schleifscheibe für jeden Slice des Inlays
von 55 µm Dicke der Steuerung so präsentiert werden, dass für jeden der 256 Drehwin-
Zahnrestaurationen per Computer 42

kelschritte der Abstand der Scheibe zur Drehachse des Inlays be-
kannt wurde. Der Rechner wäre damit stark überfordert gewesen.
Marco entwickelte deshalb einen Algorithmus, der so schnell war,
dass er die vertikalen Positionen des Schleifkopfes vorauseilend
berechnen konnte. Der Hydroantrieb erfüllte seine Aufgaben dank
der adaptiven Steuerung ausgezeichnet, dies in Bezug auf die
Schnelligkeit und Präzision des Formschliffs. Das Gewicht des
Schleifkopfes konnte in dieser Konfiguration gering gehalten wer-
den.

Abb. 29 Formschliff eines mod Inlays entlang der mesio-distalen


Zahnreihen-Achse auf einem Prototyp-Gerät 1983. Selbstgefertig-
te Blockkeramik aus VITAdur alpha.

Die zum Teil hohen Beschleunigungen als Folge der schnell auf-
einander folgenden auf- und ab Bewegungen waren kein Problem.
Das Lager der Welle, die das Turbinenrad und die Schleifscheibe
miteinander verband, war robust gestaltet, um der Belastung beim
Formschleifen standhalten zu können und musste gegenüber dem
mit den abgetragenen Keramikpartikeln angereicherten Turbinen-
wasser dauerhaft perfekt abgedichtet sein.
Die Schleifscheiben belegten wir mit Diamantkorn der Grösse D126, die sich in
meinen Vorversuchen bewährt hatte. Marco und ich besuchten eine Reihe von Firmen, die
Diamantwerkzeuge herstellten, um die optimale Gestaltung der Schleifscheiben bezüglich
Effizienz und Abnützung herauszufinden. Doch was unsere spezielle Anwendung betraf,
lag keine Erfahrung vor. Ich führte Schleifuntersuchungen mit verschiedenen Diamant-Be-
legungsmustern der Schleifscheiben durch, bis wir zu einer segmentierten Belegung ka-
men, die einen wirkungsvollen spezifischen Anpressdruck und eine gute Abfuhr des kera-
mischen Abtrags gewährte (Abb. 30 a, b).

a b

D 46-3 D 46 D 64 D 126

Abb. 30 a) Schleifkopf mit Achsaufspannung für die Schleifscheibe mit Federlaschen, die
einen schnellen Scheibenwechsel erlaubten. b) Belegungsmuster mit unterschiedlichen
Diamantbelegungen.

Neben der relativ groben Diamantkörnung D 126 testeten wir feineren Körnungen D64, D
46 und D 46-3 (dreifach belegt). Die feineren Kornstufen ergaben feinere Oberflächen und
Kanten der Werkstücke, die Abtragsleistung reduzierte sich. Die mittlere Körnung D 64
wurde später für Die CEREC 2 Schleifinstrumente, bestehend aus Scheibe und Finger-
schleifer gewählt.
Zahnrestaurationen per Computer 43

Um meiner Forderung nach einem schnellen und einfachen Scheibenwechsel nachzu-


kommen, konstruierte Marco einen Bajonettverschluss mit dem die Scheibe durch eine
leichte Drehung bei blockiertem Turbinenrad arretiert wurde. Federlaschen sorgten für die
Zentrierung und sicheren Sitz auf dem Antriebskopf.

9) DIE BLOCK-KERAMIK

31. Eigenproduktion von Keramik-Blöcken


Für die Rohlingsblöcke sah ich die Grösse von 8x8x15 mm für ein mesio-okkluso-distales
Molareninlay vor. Ich liess eine Hohlform aus Stahl mit diesen Maßen herstellen und bat
unseren Zahntechniker in dieser, Blöcke aus Vitadur alpha Feldspat-Keramik zu brennen.
Dies gelang gut und damit waren die weltweit ersten CAD/CAM Inlay-Rohlingsblöcke die-
ser Grösse geboren (Abb. 31). Sie
sahen noch nicht so perfekt wie die
heutigen Blöcke aus, erfüllten aber
für Schleiftests ihren Zweck sehr
gut.

Abb. 31 Erste aus Vitadur alpha


Pulver selbstgebrannte CAD/CAM
Block-Keramik.

Marco konstruierte den pilzförmigen


Halter aus Aluminium mit Endplatte
zum Aufkleben des Keramikblockes
nach dem Vorbild von Objektträgern für die rasterelektronenmikroskopische Untersu-
chung. Mit seinem Schaft und axial gefräster Nut konnte der Halter bis zum Anschlag sei-
ner Endplatte in eindeutiger Lage in das Ende der horizontalen Spindel der Schleifvorrich-
tung gesteckt werden. Eine sogenannte ‚Friction Grip’ – Aufnahme wie bei den zahnärztli-
chen rotierenden Antrieben, hielt den Block in der Spindel fest. Am Ende des Schleifpro-
zesses konnte der Blockhalter mit dem nicht bearbeiteten Rest des Blockes wieder her-
ausgezogen werden.
Die Keramikrohlinge wurden mit Hilfe einer Klebelehre, mittig immer in der gleichen
Position in Relation zur axialen Nut auf die Halterplatte aufgeklebt. Dies legte die Position
der Rohlinge zum Halter fest. Die Rotationsachse des Blockhalters definierte dann präzise
die räumliche Beziehung des Inlays innerhalb des Keramik-Rohlings zur Formschleifma-
schine. Dazu kalibrierte sich die Schleifscheibe jeweils vor jedem Formschleifen, indem sie
bis zum Kontakt mit der radialen Oberfläche der Halterplatte gesteuert wurde.
Die Produktion einer genügenden Anzahl von Rohlingsblöcken aus Vitadur alpha Ke-
ramikpulver gestaltete sich als aufwändig. Ich kam deshalb darauf, für die vielen Schleif-
versuche, die zur Testung der Diamantbelegung der Schleifscheiben nötig waren Stan-
genglas zu verwenden. Es gab solches sogar in der Farbe „Elfenbein“. Im Vergleich zum
Brennen der Blöcke war das Ablängen von Glasstangen auf jeweils 15 mm viel einfacher.

32. Suche nach der idealen Block-Keramik


Um die Qualität der aus Vitadur alpha selbstgebrannten Rohlinge zu überprüfen, liess ich
diese im Labor in Millimeterschritten in Scheiben schneiden und untersuchte sie im Ras-
terelektronenmikroskop. Zu meinem Schrecken waren sie von Poren durchsetzt (Abb. 32
Zahnrestaurationen per Computer 44

a). Das war nicht die Superqualität, die mir für die CAD/CAM Technologie vorschwebte.
Die computergestützte Fertigungstechnik musste in der Lage sein, die höchst mögliche
Materialqualität zur Verfügung zu stellen. Es war klar, dass hierfür ein industrieller Partner
gefunden werden musste.

Abb. 32 Rasterelektronenmikroskopische Bilder


(200x) von selbstgebrannter a) und in der Fabrik
b) gefertigter Blockkeramik. Die selbstgefertigte
Blockkeramik a) ist mit Poren durchsetzt, die fa-
brikgfertigte Keramik ist porenfrei homogen b).

Firmen investieren aber nur in eine neue Entwick-


lung, wenn das Produkt nicht gleich von Mitbewer-
bern ebenfalls produziert werden kann. Die Blöcke
mussten deshalb patentiert werden. Wir reichten a b
eine entsprechende Patentanmeldung ein („Roh-
ling zur Herstellung zahntechnischer Formteile und
Verwendung desselben“, Priorität 06.03.84 CH
1110/84). Von zahntechnisch hergestellten Jacketkronen aus Feldspatkeramik war be-
kannt, dass sie bei starker Belastung frakturieren konnten. Ich fragte mich daher, ob die
Feldspatkeramik für Inlays nicht möglicherweise zu schwach war und ob nicht vielleicht
ausserhalb des Dentalbereichs geeignete bruchresistente Industriekeramiken zu finden
wären.
In der Uhrenindustrie wurden Zifferblätter aus hochreinem Aluminiumoxid gefertigt.
Eine Firma im Schweizer Jura bot Aluminiumoxid-Keramik in fein abgestimmten Farbtönen
an. Ich erhielt Muster mit denen ich Schleifversuche durchführte. Leider erwies sich diese
Keramik für den Hydroantrieb als zu schwer schleifbar.
Aus einem Zeitungsartikel erfuhr ich von den Anstrengungen des Stuttgarter Max
Planck Institutes, Verbrennungsmotoren aus Zirkonoxid-Keramik herzustellen. Ich bekam
auf Anfrage zwei dichtgesinterte Proben dieses Materials in der Grösse von 8x8x15 mm
eines Inlay-Blockes. Ich klebte eine davon auf einen Blockhalter und begann den Form-
schliff mit einer Inlay-Konstruktion.
Sobald die Diamanten der Schleifscheibe mit der Keramik in Kontakt kamen, sprüh-
ten sie Funken und an der Keramik passierte nichts. Dieses Material war zu hart und
konnte nicht im Geringsten bearbeitet werden. Leider kam ich damals nicht darauf, diese
Keramik im partiell gesinterten Zustand zu schleifen und anschliessend in einem Sinter-
brand zu härten. Aber das wäre ein weiterer Arbeitsgang gewesen, der für die chairside
Anwendung damals keinen Sinn gemacht hätte.
Ich wandte mich an die Firma Schott in Mainz. Deren Zerodur-Glas schien mir inter-
essant. Als ich dem Entwicklungschef mein Anliegen erklärte, fragte er mich: „Wie viele
Tonnen Material würden Sie denn brauchen?“ Nun, darauf konnte ich keine für ihn interes-
sante Antwort geben. Experimentierfreudig war er nicht.
Die Firma Degussa, deren Dental-Abteilung mir früher das Kugelamalgam für meine
Heidelberger Dissertationsarbeit zur Verfügung gestellt hatte, betrieb auch eine Fabrik zur
Herstellung von Industriekeramik. Aber der leitende Herr teilte uns mit: „Diese Fabrik ha-
ben wir leider vor Kurzem an ein anderes Unternehmen verkauft.“
Er fragte: „Können Sie denn mit Ihrer Maschine auch Blöckchen aus Gold zu Restau-
rationen formschleifen?“ Leider machte es wenig Sinn, von Goldblöckchen im Extremfall
bis zu 80% des wertvollen Materials für ein Inlay abzuspanen. Dies ganz abgesehen von
Zahnrestaurationen per Computer 45

der begrenzten Kapazität der damals verfügbaren Formschleiftechnik. Nach diesem Ver-
such gab ich die Idee auf, von der Grossindustrie eine Spezialkeramik für die dentale
CAD/CAM Methode zu erhalten und wandte mich an die Firma VITA Zahnfabrik.

33. Partnerschaft mit der VITA Zahnfabrik


Mit dem Hydroantrieb konnten wir in der Schleifkammer eines CEREC 1 Prototypgerätes
selbst gefertigte Inlay-Keramikblöcke sehr gut zerspanen. Es war mir aber aufgrund mei-
ner Untersuchungen klar, dass wir für die Blockkeramik einen etablierten Hersteller in der
Dentalbranche gewinnen mussten, um eine klinisch anwendbare qualitativ hochstehende
Keramik möglichst bald zur Verfügung zu haben. Traditionell hatte unsere Abteilung im Zu-
sammenhang mit der Komposit-Forschung gute Kontakte mit Ivoclar Vivadent. Bezüglich
der Block-Keramik fand ich aber in dieser Firma keinen interessierten Ansprechpartner.
An der Dentalausstellung 1984 in Lugano sprach ich Herrn Assessor Henry Rauter,
den geschäftsführenden Gesellschafter der Firma VITA an. Er sagte mir sofort die Unter-
stützung für die Herstellung von Probeblöcken aus Feldspatkeramik zu.
Die ersten Vitablöcke zeigten deutlich weniger Poren, als die von uns selbst gebrann-
ten, wiesen aber in der rasterelektronenmikroskopischen Kontrolle immer noch eine ge-
wisse Mikroporosität auf. Wir führten dies auf das grosse Korn in der Keramik-Mahlung
des Ausgangspulvers zwischen zurück. Diese allererste Version keramischer CAD/CAM-
Block-Keramik lief unter der Bezeichnung ‚Vita Mark I’.

Glass-
ceramics Composite Feldspathic Industrial
Alumina Zirconia
Porcelain glass-rods
„ebony“

Abb. 33 Für das CEREC 1 Gerät geprüfte Keramiken : Glaskeramik, gepresstes Kompo-
sit, Feldspat-Keramik, Aluminiumoxidkeramik, Stangenglas elfenbein, dicht gesinterte Zir-
konoxidkeramik.

Nach Optimierung des Sinterbrandes beurteilte ich die Homogenität der Vita Mark I Blöcke
als genügend und somit klinisch anwendbar.

34. Kontakt mit dem ‚Ceramics Processing Laboratory des MIT’


Im Frühjahr 1985 hatte ich mit einem parodontologischen Thema eine Präsentation am
Jahres-Meeting der ‚International Association of Dental Research’ (IADR) in New Orleans,
USA. Eine Ferienwoche auf der Karibikinsel Grand Cayman zum Gerätetauchen zusam-
men mit meiner Frau Jeanette schloss sich daran an. Das Seven Miles Beach mit der
Zahnrestaurationen per Computer 46

Tauchzone ‚Orange Canyon‘ war damals noch unberührt mit kolossal grossen Korallen-
ständen und riesigen Schwämmen. Leider wurden die Korallen durch den nachfolgenden
touristischen Andrang stark beschädigt.
Auf dem Rückflug nach Zürich machte Jeanette mich auf einen Artikel in der Zeit-
schrift ‚Scientific American’ aufmerksam, in dem ein Professor Kent Bowen, Leiter des ‚Ce-
ramics Processing Laboratory’ des Massachusetts Institute of Technology (MIT) über
Hochleistungs-Keramik berichtete. Dieser Artikel beeindruckte mich sehr durch seine pro-
fessionelle Darstellung und ich hatte das Gefühl, dass bei Kent Bowen Expertise zu finden
war, die vielleicht helfen konnte, die bestehende Dentalkeramik für die CAD/CAM Techno-
logie zu optimieren.
Zurück in Zürich schrieb ich Prof. Bowen, es war Anfang April, dass ich seinen Artikel
hochinteressant gefunden hätte und fragte, ob er Möglichkeiten sähe, die dentale CAD/
CAM Keramik für unser Projekt zu optimieren. Leider hörte ich zunächst nichts von ihm
und gab diese Option auf. Aber im August erhielt ich überraschend ein Schreiben von Kent
Bowen. Er bedauerte seine verspätete Antwort. Grund der Verzögerung war die Auswahl
des bestqualifizierten Zahnarzt-Kandidaten für das Weiterstudium in Materialwissenschaf-
ten am MIT unter Examensabsolventen der Harvard Dental School gewesen.
Der erfolgreiche Kandidat war nun ermittelt und damit war die Person gefunden, die
sich mit unserem Thema wissenschaftlich befassen sollte. Dies markierte den Beginn der
Karriere von Dr. J. Robert (Bob) Kelly als Keramik-Experte in der restaurativen Zahnmedi-
zin. Kent Bowen lud mich ein, unsere CAD/CAM Methode im Rahmen seiner Abteilung am
MIT in einem Vortrag vorzustellen. Ich buchte den Flug nach Boston umgehend und trug
zwei Wochen nach dem Eingang seiner Nachricht, Kent Bowen und seinem Team, dabei
Bob Kelly und Dick Pober, am MIT in Cambridge MA unser Projekt vor.

35. Die Entwicklung von Feldspat Feinpartikel-Keramik


Meine Untersuchungen der VITA Mark I Keramik in der Kaumaschine hatten, an der Stelle
wo der Höcker des Gegenzahnes die Keramik-Kaufläche des Inlays traf, die Freilegung
einer grobpartikulären Struktur gezeigt, die auf die Gefahr erhöhter Abrasion des natürli-
chen Schmelzantagonisten hinwies. Die Blöcke waren aus dem konventionellen Keramik-
pulver mit einer breiten Verteilung der Korngrösse zwischen ca. 1 - 250 µm gebrannt. Die-
se Korngrössen-Verteilung eignete sich besonders für den schichtweisen Auftrag der Ke-
ramik bei der ästhetischen Gestaltung der Frontzahn-Jacketkronen durch den Zahntechni-
ker. Bei der Verwendung als Blockkeramik für die Kauflächen von Inlays im Seitenzahnbe-
reich, konnte das Vorhandensein relativ grober Partikel hingegen ein Problem sein.
Eine feinere Korngrösse würde eine dichtere Struktur ergeben, die Abrasion des Ge-
genzahnes würde geringer sein und höhere Festigkeitswerte waren zu erwarten.
Bob Kelly hatte bei unserem ersten Meeting anlässlich meines Vortrages, ein Verfah-
ren zur Herstellung von Dentalkeramik mit einer Ausfällung kolloidaler Keramikpartikel
(‚Colloidal processing of dental ceramics’) erwähnt, das eine hochfeine Struktur ergeben
würde. Er hatte das Verfahren erarbeitet und es war vom MIT zum Patent angemeldet
worden.
Ich gewann den Eindruck, dass das ‚Ceramics Processing Laboratory’ hochqualifi-
zierte Materialexperten und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bieten konnte. Erforder-
lich war jetzt noch ein Sponsor, der bereit war, die Kooperation zu finanzieren. Nach mei-
ner Rückkehr schilderte ich die Situation Herrn Henry Rauter von VITA. Vier Wochen spä-
ter begleitete ich Herrn Rauter nochmals nach Cambridge, an das MIT, um den Kontakt
zwischen VITA und dem ‚Ceramics Processing Laboratory’ herzustellen. Beide Parteien
vereinbarten eine Zusammenarbeit. Aus dieser ging die Entwicklung der VITA Mark II
Zahnrestaurationen per Computer 47

Feinpartikel-Keramik hervor, an der Bob Kelly auf der Seite des MIT und Dr. Norbert Thiel
auf der Seite von VITA massgeblich beteiligt waren, und die im Jahre 1992 in den Markt
eingeführt werden konnte.

Fünfter Teil: Computergestützte Formerfassung und Formergänzung

10) Die 3D-VERMESSUNG VON ZAHNPRÄPARATIONEN IM MUNDE

36. Konzept und Grund-Erkenntnis für das Messverfahren


Inzwischen hatte Marco auch das 3D-Vermessen einer Zahnpräparation auf der optischen
Bank dem Prinzip nach gelöst und wir konnten damit im Labor Inlaykavitäten dreidimen-
sional aufnehmen (Abb. 34 c).
Meine Zielsetzung für die dreidimensionale Vermessung von Zahnpräparationen war,
dass sie die schnelle Behandlung eines einzelnen Zahnes mit einem Inlay ermöglichte.
Die Messung musste als Momentaufnahme erfolgen. Sie sollte mit einer Mundkamera
möglich sein, die der Zahnarzt bzw. die Zahnärztin im Patientenmund gleich wie das Win-
kelstück bei der Präparation des Zahnes im Füllhaltergriff halten konnte.
Die Aufnahme musste in Echtzeit auf dem Bildschirm erscheinen und die sofortige
Konstruktion des Inlays ermöglichen. Mein ultimatives Konzept war, dass die Inlay-Be-
handlung in einem Zuge von der Präparation, der Aufnahme der Kavität bis zur Fertigstel-
lung und dem Einsetzen des Inlays in einer Patientensitzung durchführbar war.

a c

Abb. 34 a) Oben links die Anordnung des optischen Systems auf der optischen Bank.
Darunter (b) der Flächensensor (Charge Coupled Device CCD, Fairchild). c) der erste 3D-
Scan auf der optischen Bank.
Zahnrestaurationen per Computer 48

Der Patient musste die Praxis mit einer vollständig abgeschlossenen Zahnbehandlung ver-
lassen können.
Für Seitenzahn-Inlays präpariert der Zahnarzt bzw. die Zahnärztin Kavitäten gemäss
einer Einschubachse mit nach okklusal offenen Wandwinkeln, damit das fertige Inlay ein-
gefügt werden kann. Meine Erkenntnis für die Realisierung der gewünschten Aufnahme-
technik war, dass alle an der Konstruktion des Inlays beteiligten Konturen, d.h. der Kavitä-
tenboden, die Wände und Ränder, bei korrekter Präparation, aus dem Blickwinkel von der
Kaufläche her entlang der Einschubachse des Inlays
mit einer einzigen Mess-Aufnahme erfasst werden
können (Abb. 35).

Abb. 35 Der Behandler hält und führt die 3D-Mund-


kamera (den Scanner) wie er dies mit dem zahn-
ärztlichen Winkelstück bei der Präparation der In-
laykavität gewohnt ist. Er blickt dann mit der Kame-
ra so in die Kavität hinein wie er die Einschubachse
des künftigen Inlays festgelegt hat. Er stellt sicher,
dass die Kamera auch die Kontaktbereiche der
Nachbarzähne erfasst. Eine Winkel-Toleranz von
etwa 10° erlaubt einen praktischen Spielraum.

Das Scannen sollte so einfach wie möglich gehal-


ten werden. Der Zahnarzt bzw. die Zahnärztin wür-
de in der Lage sein, die Mundkamera mit nur gerin-
ger Abweichung entsprechend dem präparierten Einschub-Blickwinkel anhand eines live
Videobildes auf dem Monitor auszurichten. Wir hatten dadurch klare Messbedingungen.

37. Telezentrischer Strahlengang


Es ging ausserdem darum, die dreidimensionale Vermessung einer Inlay-Präparation im
Mund ohne das Anbringen von Referenzmarken durchzuführen, wie sie in anderen An-
wendungen z.B. auch in der Methode unseres Mitbewerbers Dr. François Duret üblich wa-
ren. Das hätte die Anwendung kompliziert gemacht und zusätzlichen Zeitaufwand bedeu-
tet.
Die freihändige 3D-Messung bedingte die Verwendung eines Strahlenganges, der
unabhängig vom Abstand der Feldlinse vom Zahn eine verzerrungsfreie Vermessung er-
möglichte. Marco schlug deshalb den telezentrischen
Strahlengang vor. Dieser parallelisiert die Strahlenführung,
wodurch sich der Abbildungsmassstab nicht ändert, auch
wenn die Kamera etwas näher oder weiter weg gehalten
wird (Abb. 36). Das machte die Handhabung einfach.

Abb. 36 Diese Darstellung zeigt links einen normalen


Strahlengang bei dem sich der Abbildungsmassstab mit
dem Abstand zum Objekt ändert. Rechts wird gezeigt, wie
die Feldlinse den Strahlengang parallelisiert, wodurch der
Abbildungsmassstab des Objektes nicht verändert wird,
wenn sich der Abstand ändert. Dadurch wurde die freihän-
dige Tiefenmessung möglich.
Zahnrestaurationen per Computer 49

Der telezentrische Strahlengang bot dazu noch einen sehr praktischen Vorteil, weil er Un-
terschnitte in den Wänden ausblendete, die bei ausgedehnter Kariesexkavation vorkom-
men können (Abb. 37). Die Registrierung von Unterschnitten in den Wandpartien würde
die Passung des Inlays stören. Der Blickwinkel entlang der Einschubachse führte an die-
sen vorbei und blockte sie aus.
Der telezentrische Aufbau bedingte aber, dass die Frontlinse des optischen Systems
grösser sein musste als der Zahn. Das veranlasste mich, Statistiken der Zahnmorphologie
zu überprüfen, um sicher zu gehen, dass wir auch grosse Molaren erfassen konnten.

Abb. 37 Der telezentrische (parallelisierte) Strahlengang


wird hier an einer Kavität mit Unterschnitten bzw. unter
sich gehenden Exkavationen beispielhaft dargestellt. Die
parallel innerhalb der Kavitätenränder auf den Boden der
Kavität gelangenden Strahlen definieren den scanbaren
Raum, der zur Konstruktion eines Inlays vermessen wird.
Unter sich gehende Bereiche werden nicht erfasst.

Ich fand in der Literatur den grössten mesio-distalen


Durchmesser für erste Molaren im Unterkiefer mit einer
maximalen Distanz von 13,5 mm. Es galt, auch einen
solch grossen Zahn mit einer einzigen Aufnahme ver-
messen zu können, denn das Aneinanderreihen mehrerer
Aufnahmen (Matching) war uns damals noch nicht möglich.
Für das Messverfahren strebten Marco und ich die Auflösung von ca. 50 µm in X, Y und Z
an. Mit dem Bildsensor hatten wir Glück, denn der einzige digitale Bildsensor („Charge
Coupled Device“, CCD), der damals verfügbar war, bestand aus 256 x 256 Photodioden
und hatte den Abstand der Bildpunkte in x und y von 22 µm was bei dem prospektiven Ab-
bildungsmassstab von 1: 2,5 auf der Präparation 55 µm entsprach. Das ergab für die
Frontlinse ca. 14 X 14 mm. Mit diesen Abmessungen waren wir in der Lage, Inlay-Präpara-
tionen auch in grossen Molaren knapp mit den angrenzenden Nachbarzahnflächen aufzu-
nehmen.

38. Das technische Genie Marco Brandestini


Marcos technisches Genie dokumentierte sich schon in seiner Doktorarbeit am Institut für
Biomedizinische Technik der Universität und der Eidgenössischen Technischen Hochschu-
le Zürich mit dem Titel “Die Signalverarbeitung in perkutanen Ultraschall Doppler Blut-
flussmessgeräten“ (Diss. ETH 5711; 1976).
In dieser Arbeit analysierte er speziell die Signalverarbeitung und die Schaltungs-
technik verschiedener Lösungswege der Ultraschall Doppler Blutflussmessung. Eingehend
bearbeitete er die mathematischen Grundlagen der Vorgänge in einem gepulsten Doppler
System. Er kam zu eigenen vereinfachten, eleganten Lösungen der Blutgeschwindig-
keitsmessung und basierend darauf zur Konstruktion und zum Bau eines Prototyp-Gerätes
das er „TOPOFLOW“ nannte.
Marco war demnach Experte digitaler Messtechnik und besass das Flair, Entwicklun-
gen zu durchschauen und Probleme technisch schlank, mit dem geringsten möglichen
Aufwand zu lösen, eben ‚elegant’. Die bei CEREC auftretenden technischen Probleme
forderten ihn dazu heraus. Das Projekt faszinierte ihn. Die mathematischen Grundlagen
beherrschte er perfekt. Er konstruierte und baute sowohl die Rechner- als auch die Bild-
Zahnrestaurationen per Computer 50

platine, d.h. die elektronische Steuerung des gesamten CEREC Prototyps alleine und
selbständig.

39. Gemeinsames Ziel und Zusammenarbeit


Der Herstellungs-Prozess des Inlays sollte in der Praxis so schnell wie möglich ablaufen.
Unser gemeinsames Ziel war, ‚High Technology’ für eine neue restaurative Zahnarztme-
thode nutzbar zu machen und dafür die technische Lösung in Form eines kleinen prakti-
schen Gerätes zu schaffen.
Wenn immer ich nach meiner Arbeit in der Klinik konnte, kam ich am Abend in seinen
Gartenzimmer-Entwicklungsraum und er erklärte mir sein technisches Vorgehen bis ins
kleinste Detail. Das brachte uns nahe zusammen. Häufig blieb ich zum Abendessen das
Kathrin, seine Frau zubereitet hatte und auch Jeanette kam dazu. Marcos und Kathrins
Kinder Vesna und Nicola waren dabei. Im Sommer sassen wir am Abend auf der Garten-
veranda und diskutierten.
Marco kam auch häufig zu mir ins Zahnärztliche Institut und interessierte sich für die
endlosen Schleifversuche, die Materialuntersuchungen und die Entwicklung der Adhäsiv-
technik. Oder wir trafen uns bei der Messtechnik-Firma Proceq, wenn es um die Bespre-
chung mit einem Konstrukteur ging oder gar mit Antonio Brandestini, Marcos Vater.
Als zentrale Rechnereinheit setzte Marco einen Motorola 68 000 Prozessor ein. Die
Rechenprogramme wurden zum grossen Teil in „Assembly Language“ einer hardwarena-
hen Programmiersprache verfasst. Eine ausführliche Beschreibung der historischen Ent-
wicklung findet sich im Kapitel „Technischer Teil“ auf den Seiten 17-55 im Buch Mörmann
W. und Brandestini M. „Die CEREC Computer Reconstruction“, Quintessenz Verlag, Berlin
(1989).

40. Das 3D Messprinzip: Aktive Triangulation


Marco schaffte eine optische Bank (Spindler & Hoyer) an.
Auf dieser konnte er die Optik im ruhigen Gartenzimmer
zuhause in Zollikon aufbauen und das Messprinzip manu-
ell austesten. Ich verfolgte dies mit Spannung. Marco ent-
schied sich für das Messprinzip der „aktiven Triangula-
tion“.

Abb. 38 Aktive Triangulation: Es wird eine gerade Linie


(gelb, ‚single grid line‘) mit einem Parallaxwinkel auf die
Inlaykavität projiziert und die Linie auf dem Zahn unter
diesem Winkel beobachtet. Die gerade Linie wird durch
die Blende und die Feldlinse (beide blau) auf die Inlayka-
vität projiziert (weisser Querschnitt unten) und auf dem
Flächensensor (2D image sensor, oben) abgebildet. Die
ursprünglich gerade Linie erfährt auf den unterschiedli-
chen Höhen der Inlaypräparation eine tiefen-typische Ab-
lenkung und bildet dadurch eine Profillinie (braun). Die
Abweichung von der Geraden wird von den Sensorpixeln
registriert und daraus sowie der Kenntnis des Parallax-
winkels der Höhenverlauf des Profils errechnet.

Triangulation bedeutet, dass durch Kenntnis des Paral-


laxwinkels die sich ergebenden Verschiebungen eines
Streifenpunktes in Tiefenwerte umgerechnet werden kön-
Zahnrestaurationen per Computer 51

nen. Unser Scanner projizierte nicht nur eine Linie, sondern ein Muster paralleler Streifen,
unter diesem Parallaxwinkel, auf die Zahnpräparation, wobei die geradlinigen Streifen auf
den Präparations-Oberflächen, in Funktion unterschiedlicher Höhen und Tiefen, in typi-
scher Weise verschoben werden und sie der Flächensensor unter diesem Parallaxwinkel
registriert (Abb. 38).
Wird das Muster vieler paralleler Zeilen, d.h. ein Zeilenraster unter einem Parallax-
winkel, z.B. auf eine Inlaypräparation projiziert (Abb. 39 a, b, c), so werden sämtliche Zei-
len gleichzeitig tiefentypisch verzerrt auf dem Bildsensor (CCD) abgebildet, und aus der
Verschiebung über die einzelnen Photodioden-Bildpunkte kann die Tiefe gleichzeitig für
die gesamte Bildfläche in einer Momentaufnahme berechnet werden. Erst durch diese Me-
thode der schnellen 3D-Vermessung in der Mundhöhle wurde der „optische Abdruck“ für
unser Herstellungsverfahren in der Praxis anwendungstechnisch interessant.

a b c
Abb. 39 a) Ein Muster paralleler Streifen wird durch die Kamera auf den Zahn projiziert. b)
Das Streifenmuster lässt anhand der tiefentypischen Verschiebung das Profil des ganzen
Zahnes mit der Kavität erkennen. c) Es wird innerhalb von vier mal 40 ms in vier leicht
verschobene Positionen projiziert und aus den gesamten Profildaten das vollständige Tie-
fenprofil des präparierten Zahnes in Echtzeit (0,16 s) errechnet. Während der Messung
muss die Kamera 0,16 s still gehalten werden. Die Lage des Rasters (blau-schwarz) vier-
mal für je 40 ms. Darüber (grün) das Helligkeitssignal in Phase, Amplitude und Mittelwert
moduliert. Unten (gelb): Differenzsignal aus den Stellungen 0°-180° und 90°-270°.

41. Die opto-elektronische 3D-Mundkamera – des Pudels Kern


Die Identifikation des Messprinzips der aktiven Triangulation auf der optischen Bank war
eine Sache, aber alle Komponenten in ein schlankes, praktisch anwendbares zahnärztli-
ches Instrument hineinzubringen, war ein komplexes Unterfangen. Hier brauchten wir ei-
nen Optikpartner. Marco und ich besuchten die Firma Wild, Heerbrugg. Diese war bis 1990
ein führender Hersteller optischer Vermessungsinstrumente und der Photogrammetrie.
Es gelang uns leider nicht, dem R & D Manager unsere Idee der dreidimensionalen
Zahnvermessung mittels telezentrischen Strahlengangs und aktiver Triangulation beliebt
zu machen.
Wir streckten unsere Fühler an der ETHZ aus und lernten einen Privatdozenten,
Herrn R. Boutellier kennen, der zwischen 1981-87 Leiter der Entwicklung und Produktion
Optik bei Kern, Aarau war, einer damals in der Schweiz bekannten Herstellerin von Mess-
instrumenten für die Geodäsie und Photogrammetrie. Er fand unsere Entwicklung interes-
sant und hatte Verständnis für Start-up Forscher und Entwickler wie Marco und mich. Ich
Zahnrestaurationen per Computer 52

war zu dieser Zeit ebenfalls Privatdozent, so hatten wir eine kollegiale Basis für die Zu-
sammenarbeit.
Marco hatte ja schon das Modell einer Mundkamera aus Balsaholz mit einem gera-
den Körper gebastelt, um einen Eindruck über die Grössenverhältnisse zu gewinnen. Ich
wollte den Kamerakörper aber kontrawinklig gestaltet haben, wie beim Winkelstück für die
Präparation. Bei der Mundkamera würde der Prismen-Schnabel einen Winkel zum Ka-
merakörper bilden und der Prismenkopf mit der Feldlinse den Kontrawinkel bilden.
Dadurch lag die Kamera ausbalanciert in der Hand und erlaubte einen guten Zugang
zu den hinteren Seitenzähnen, ganz ähnlich wie ein zahnärztliches Winkelstück („Bohrer“)
mit dem der Zahnarzt die Inlaykavität präpariert.
Marco entwickelte den inneren Aufbau, die Steuerungselektronik der Aufnahmen und
den prinzipiellen Strahlengang, der die kontrawinklige Gestalt der Kamera berücksichtigte.
Die Firma Kern, Aarau, Schweiz erstellte die Berechnung und Fertigung der Optik.

42. Projektion und Aufnahme des Messmusters: LED und CCD


Die Schwierigkeit bestand darin, alle Elemente der Projektion des Messmusters, die Licht-
quelle, die bewegliche Strichplatte für die Projektion des Streifenmusters, die Linsen der
Optik und den Bildsensor samt der elektronischen Steuerung, im Gehäuse der Kamera
unterzubringen (Abb. 40 a, b).

Abb. 40 a) Optische, funktionelle und elektronische Elemente und b) äußere kontrawinkli-


ge Form der CEREC 1-Kamera ("red cam") 1985.

Als Lichtquelle verwendeten wir eine Leuchtdiode (LED). Es gab damals nur einen einzi-
gen Leuchtdiodentyp. Dieser emittierte im nahen Infrarot mit 840 nm Wellenlänge. Die 840
nm LED war näherungsweise eine Punktquelle und hatte die notwendige Intensität für die
Projektion und die Erkennung des Messmusters durch den Flächensensor. Für das men-
schliche Auge allerdings war das Gittermuster im nahen Infrarot nicht sichtbar. Kamera-
Zahnrestaurationen per Computer 53

versionen, die mit dieser 840 nm LED arbeiteten, tauften die amerikanischen CEREC An-
wender/innen später „Redcam“. Im Jahre 2009 wurde die „Bluecam“ mit blauer LED einge-
führt.
Leuchtdioden entwickeln praktisch keine Wärme und die Kamera brauchte deshalb
keine Kühlung, was ein grosser Vorteil war. Allerdings verursachte die Wellenlänge der
840 nm LED eine nicht optimale Auflösung des Flächensensors. Leuchtdioden anderer
Wellenlängen gab es aber damals nicht. Erst im Jahre 2009 konnte Sirona die „Bluecam“
mit blauem LED Licht der kurzen Wellenlänge von 450 nm präsentierten. Diese ermöglich-
te dann zusammen mit einem aktuellen Flächensensor eine bessere Bildauflösung.
Der CCD Flächensensor war zu Zeiten der Erstentwicklung ein High-Tech Produkt
der amerikanischen Firma Fairchild mit Sitz in Palo Alto, CA, USA, im Silicon Valley. Das
Produkt unterlag einer Lieferbeschränkung in den europäischen Ostblock, weil diese
Komponente auch in militärischen Produkten eingesetzt wurde und damals der kalte Krieg
zwischen Ost und West herrschte.
Marco und ich reisten zur Firma Fairchild nach Kalifornien um den Verwendungs-
zweck des Flächensensors für den Einsatz in der Mundkamera darzulegen und die Be-
zugsberechtigung wurde wohlwollend anerkannt. Wir verpflichteten uns, den CCD nicht
nach Osten weiterzugeben. Der CCD war also gesichert. Heute sind CCDs Massenpro-
dukte.

43. Mattieren der Zahnoberflächen


Solange wir mit Inlay-Präparationen in Zähnen aus Modellgips auf der optischen Bank ex-
perimentierten, funktionierte die optische Vermessung mit Streifenprojektion auf den opa-
ken Gipsoberflächen perfekt.
Sobald wir natürliche Zähne vermessen wollten, versank das Messmuster in der
transluzenten Schmelzoberfläche der Zähne und war für die Kamera nicht mehr erkenn-
bar. Wir mussten die Oberflächen der Präparation mit weissem Puder mattieren, damit das
Messmuster und seine tiefenanaloge Verzerrung für die Kamera wie auf einer Kinolein-
wand sichtbar werden konnte. Von der Zahnpasta her war mir das „weisseste“ Weiss be-
kannt, das Titandioxid. Es ist das wichtigste und meist genutzte Weisspigment. Ich bekam
eine Probe aus dem Chemielabor unserer Abteilung.
Wir brauchten einen Puder-Zerstäuber, um eine feine Puderschicht auf die Zahno-
berfläche aufzutragen. Ich fand einen Lieferanten für Treibgasdosen. Wir leiteten das
Treibgas durch eine kleine Plastikflasche mit Titandioxidpulver. Der Puder wurde aufgewir-
belt und konnte über eine Kanüle auf den Zahn aufgeblasen werden. Mit Hilfe von Beatrice
Sener, der Leiterin des Chemielabors, optimierten wir in einer Studie die Rieselfähigkeit
und setzten Trocknungsmittel bei, um das Klumpen des Puders zu verhindern.
Wir hatten damit ein praktisch einsatzfähiges Mattierungssystem (Abb. 41). Die Do-
sierung war jedoch schwierig. Um einen feinen Puderauftrag zu erzielen, musste man das
Treibgas sachte aus der Druckgasflasche entweichen lassen, sonst entlud sich eine gros-
se Puderwolke über den Zahn. Auch konnte sich Puder in der Auslasskanüle ansammeln,
welches vor der Verwendung am Zahn zunächst ausgeblasen werden musste, um die
Zahnoberfläche nicht mit Puder zu überladen.
Das Pudern der Zähne war als zahnärztliche Hilfsmassnahme ungewohnt. Als das
Gerät klinisch einsetzbar war, konnte ich es zum ersten Mal bei der Behandlung eines Pri-
vatpatienten in der Praxis meines Chefs, Prof. Mühlemann, unter Assistenz der Chefassis-
tentin Elisabeth Wachter anwenden. Der Applikator stiess eine riesige Wolke aus und der
Puder setzte sich überall im Behandlungsraum ab.
Zahnrestaurationen per Computer 54

a b c

Abb. 41 Druckgasbehälter (a) mit Gasauslass in die Pudervorratsflasche. Das auf die Pu-
der-Oberfläche in der Flasche strömende Gas wirbelt den Puder auf und nimmt ihn durch
die Auslasskanüle mit. Am Ende der Kanüle wird das Puder-Gasgemisch ausgeblasen.
Der Puder wird auf die Zahn- und Präparationsoberflächen gelenkt und beschichtet diese
deckend mit Puder. b) Die Zahn- und Präparationsoberflächen werden zuvor mit einer
Haftflüssigkeit, dem CEREC-Liquid benetzt, um die Haftung des Puders auf den vertikalen
Flächen zu verbessern. c) Die Zahnoberflächen sind nun mit einer ca. 50 µm dicken
Schicht des Mattierungspuders eingedeckt, der ideale optische Eigenschaften für den
Scanvorgang schafft.

Elisabeth meinte anschliessend, ich sollte mich mit dieser Methode nie mehr bei ihr in der
Chefpraxis blicken lassen. Sie lernte dann aber, überschüssigen Puder während dem Auf-
sprühen abzusaugen, was das Problem entschärfte. Jahre später brachte Sirona einen
Mattierungsspray heraus, der das Problem perfekt löste. Inzwischen hatte man aber das
Entwicklungsziel für das orale 3D-Scannen ohne Puder gesetzt, die „puderfreie Kamera“
war das Ziel. Dieses wurde dann von der Omnicam ab dem Jahre 2012 erfüllt. Die Omni-
cam befreite den CEREC-Anwender von der Notwendigkeit der Mattierung der Zahnober-
flächen. Das war ein grosser praktischer Fortschritt.

44. Der Ablauf beim optischen Abdruck im Munde


Das Vorgehen beim „optischen Abdruck“, heute bezeichnet man diesen Vorgang als das
„Scannen“, bestand aus den vier Schritten: Suchphase (1), 3D Aufnahme (2), Kontrolle der
Aufnahme (3) und Konstruktion (4).
In der Suchphase (1) positionierte der Zahnarzt bzw. die Zahnärztin den Kopf der
Mundkamera mit der Feldlinse über den Zahn mit der Inlaypräparation und suchte den
Blickwinkel der Einschubachse des Inlays in die Kavität auf. Die Toleranz von ± 10° mach-
te diesen Schritt einfach. Gewann er bzw. sie den Eindruck, dass die Kamera im richtigen
Blickwinkel zur Kavität ausgerichtet war, so löste er/sie die Aufnahme durch Loslassen des
Fusspedals aus (2). Dabei lief in der Kamera die Sequenz von vier Aufnahmen ab, von
denen jede einzeln 40 ms dauerte, zusammen 0,16 s. So lange musste die Kamera unbe-
wegt gehalten werden, um ein Verwackeln zu vermeiden. Verwacklungen zeigten sich an-
hand gezackter Konturen. Manuelles Abstützen der Kamera auf der betreffenden Zahnrei-
he machte das Aufnehmen aber einfach durchführbar.
Zahnrestaurationen per Computer 55

Abb. 42 Ablaufschema für den optischen Abdruck


im Munde. In der Suchphase (1) richtet der Zahn-
arzt die Kamera im Video-Mode gemäss der me-
sio-distalen Hauptachse mittig über der präparier-
ten Kavität aus. Stimmt der Kamerablickwinkel mit
der Einschubachse der Kavität überein und liegen
alle Präparationsgrenzen im Schärfetiefenbereich,
so löst er die 3D Aufnahme (2) durch Loslassen
des Fusspedals aus. Er kontrolliert (3) das erhalte-
ne Videostandbild auf die korrekte Darstellung der
Kavität. Sind Ränder, Wände und der Boden der
Kavität präzise dargestellt, justiert er den kontinu-
ierlich hell-dunklen Verlauf der z-Werte im Profilbild
(Abb. 43 b) über den Höhenbereich der Kavität
und beginnt mit der Konstruktion (4).

Das kontrastverstärkte Videostandbild (x und y-Da-


ten) (Abb. 43 a) wurde kontrolliert (3), ob der
Blickwinkel mit der Einschubachse der Kavität
übereinstimmte und ob die Registrierung nicht ver-
wackelt war. Wurde der „optische Abdruck“ anhand des Videostandbildes als korrekt beur-
teilt, so wurde das Helligkeits-kodierte Profilbild (z-Daten) (Abb. 43 b) im ‚Adjustmodus‘
mit der Zeichenkugel so in der Höhe justiert, dass der Hell-/Dunkelbereich die Kavität von
der tiefsten zervikalen Stufe bis zur höchsten Höckerspitze kontinuierlich abdeckte. Da-
nach konnte der Zahnarzt die Konstruktionselemente eingeben (4).

a b

Abb. 43 a) In das kontrastverstärkte Videostandbild wurden die Konstruktionselemente


eingezeichnet. b) Das helligkeitskodierte Profilbild repräsentiert die x, y, z - Daten und ist
im Bildspeicher dem Videostandbild deckungsgleich hinterlegt.
Zahnrestaurationen per Computer 56

Das Messverfahren patentierten Marco und ich gemeinsam. „Verfahren und Vorrichtung
zur Bestimmung und Darstellung der dreidimensionalen Gestalt von präparierten Zähnen“,
Priorität 24.06.86, CH 5089/84. Es wurde im CEREC System mit Optimierungen auch in
der 2009 präsentierten „Bluecam“ benutzt und wurde erst 2012 durch die Einführung der
„Omnicam“ technisch überholt.

45. Die Namensfindung „CEREC“ für unser Verfahren


Als Marco das Messprinzip für die dreidimensionale Messung auf der optischen Bank er-
folgreich darstellen konnte, bekamen wir das Gefühl, dass wir die grundlegenden Proble-
me unseres Verfahrens gelöst hatten.
Da war erstens die klare Zielsetzung einer Versorgung kariöser Zahnschäden mit ke-
ramischen Restaurationen. Die 3D-Vermessung der Präparation war geklärt, das Material
war identifiziert, das Formschleifen war gangbar und wir hatten eine klare Vorstellung vom
Aufbau des Gerätes insgesamt.
Damit war die Zeit für die Namensgebung gekommen. Mein favorisierter Name war
„CARES“ für Computer Aided REStoration. Diesen lehnte die Markenabteilung des Eidge-
nössischen Amtes für Geistiges Eigentum wegen der Nähe zum englischen Begriff „Care“
= Sorgfalt, Betreuung, Pflege ab. Viele Jahre später wurde CARES allerdings der Firma
Straumann als Marke zugesprochen. Marco kam als Alternative und in Anlehnung an den
Namen der familieneigenen Messtechnikfirma Proceq auf „CEREC“, für CEramic RECon-
struction.

Abb. 44 Markenname CEREC, spiegelbildliche


Buchstabenfolge, ein Palindrom. Markenanmeldung
im Jahre 1983.

Das war eines der wenigen Worte mit spiegelbildlicher Buchstabenfolge, - ein ‚Palindrom’
und hatte allein schon dadurch Seltenheitswert. Ich fand das auf Anhieb super und prä-
gnant. Aber auch CEREC gab es schon als Marke, jedoch nicht im Dentalbereich. Ich
brachte dann die Marke durch, indem ich sie auf eben den Dentalbereich einschränkte.
Nun hatten wir den Namen für das Baby und mussten es soweit bringen, dass es am Pati-
enten einsetzbar war.

11) 1984 DIE CEREC OPERATING-SOFTWARE DER ERSTEN STUNDE

46. Die Entwicklung der CEREC „COS 1.0“ Inlay-Software


Wir waren nun bereit, das Formschleifen der verschiedenen Inlayformen zu erproben und
benötigten hierfür die Konstruktionssoftware. Wie kamen wir vom 3D-Datensatz des prä-
parierten Zahnes zur Inlay-Konstruktion? Dafür brauchten wir einen Softwareingenieur. Die
Welt der Computer war zwar im Aufbruch, aber Software-Ingenieure gab es 1983 praktisch
nicht.
Wir sprachen Dr. Alain Ferru an, einen jungen französischen Softwareingenieur, der
an der ETHZ studiert hatte und der eine Herausforderung suchte. Marco kannte ihn vom
Institut für Biomedizinische Technik der Universität und ETH Zürich. Alain passte zu uns,
das Projekt faszinierte ihn. Die Firma Proceq stellte ihn für uns an. Ich erklärte Alain die
Zähne und den Aufbau einer Inlaykavität in den drei Grundebenen: Kavitätenboden (1),
Äquatorebene mit den Approximal-Kontakten (2), und der Kaufläche (3). Der grundsätzli-
che Aufbau der Konstruktionssoftware ergab sich aus diesen Elementen (Abb. 45 a).
Zahnrestaurationen per Computer 57

a b c
Abb. 45 a) Basis für die Rahmengerüst-Konstruktion eines Inlays waren die drei Ebenen:
Boden-, Äquator-, sowie die Kauflächen-Ebene. b) Zuerst wurde die seitlichen und zervi-
kalen Bodengrenzlinien eingegeben. c) Das System fand von diesen ausgehend automa-
tisch die okklusalen Ränder der Kavität und stellte das Höhenprofil links aussen dar.

Alain wohnte am Wiesliacker in Zürich-Witikon im Parterre und programmierte nachts zu


Hause („Home-office“), wenn alles still war. Wir trafen uns am Abend bei ihm und diskutier-
ten den jeweils nächsten Schritt. Dann machten Marco und ich uns auf den Weg und Alain
begann seine Programmierarbeit.
Das Ergebnis speicherte er auf ein EPROM (Erasable Programmable Read-Only
Memory) und legte es in den Milchkasten. Dort holte ich es am Morgen auf meinem Weg
in das Zahnärztliche Institut ab und steckte es dann in die Bildkarte des CEREC Prototyp-
Gerätes. Ich prüfte die neu programmierten Designschritte und beurteilte, ob sie brauchbar
waren oder verbessert werden mussten. Je nach Bedarf trafen wir uns wieder und bespra-
chen den nächsten Schritt.

47. Die Inlay-Konstruktionsschritte


Mit jeder Eingabe eines Punktes bzw. einer Linie wurden jedem markierten Bildpunkt x, y
und z-Daten zugeordnet, d.h. es wurde mit Rahmenlinien in drei Dimensionen konstruiert.
Die Orientierung auf dem Monitorbild der Inlay-Kavität wurde nach den Seiten der
Kamera mit ‚left’ bzw. ‚right’ benannt, was je nach Lage der Kamera bukkal, lingual oder
palatinal sein konnte. Das disto-zervikale Ende der Kavität war auf dem Monitor oben
(‚upper’), die mesio-zervikale Grenze wurde ‚unten’ (‚lower’) benannt. Als erstes gab man
auf dem Monitor die Grenzlinien des Kavitäten-Bodens ein. Mit der Zeichenkugel wurde
das Cursorkreuz auf einen Punkt platziert und dieser mit dem Fusspedal eingegeben. Eine
Punktelinie Abb. 45 b) wurde gesetzt, die der Rechner auf einen Doppelklick dann auto-
matisch zu einer Linie verband Abb. 45 c).
Das genialste charakteristische Merkmal der Konstruktionssoftware, war der automa-
tische Kantenfinder. Von den Bildpunkten der seitlichen Bodenlinie aus, legte der Kanten-
finder jeweils eine Segmentlinie durch das Wand- und Aussenprofil und richtete diese nach
okklusal auf, bis sie nur noch am Kavitätenrand anlag und die X- Y- und Z-Werte des
Randpunktes identifizierte.
Auf diese Weise wurde der Verlauf des okklusalen Kavitätenrandes bzw. die okklusa-
le Kante des Inlays auf jeder Seite bestimmt. Diese Detektion lief automatisch ab und wur-
de auf dem Monitor dargestellt, gleichzeitig erschien links ausserhalb der Kavität das Hö-
henprofil der linken Wand Abb. 45 c). Ich nannte dessen faszinierenden Ablauf das „Mäu-
sekino“ und konnte mich daran nicht satt sehen. Ein Höhenprofil wurde auch im Bereich
Zahnrestaurationen per Computer 58

der zervikalen Randlinie dargestellt und erlaubte es, den genauen Abschluss der Kon-
struktion auf dem zervikalen Stufenrand zu kontrollieren.

d e f g
Abb. 45 d) Die Kontaktlinie zum Nachbarzahn auf Äquatorhöhe wurde auf dem grössten
Zahnumfang eingegeben. Die Höhe der Approximalkontakte wurde mit Hilfe des ‚Level
Modes‘ kontrolliert. Die Eingabe der Randleistenlinie schloss die Rahmenkonstruktion ap-
proximal ab. e) Das System ergänzte die zwischen den Rahmenlinien liegenden Flächen
automatisch. Okklusal geschah dies durch die lineare Verbindung einander gegenüber lie-
gender Punkte auf den Kavitätenrandlinien. f) Diese konnten unterschiedlich hoch liegen,
in Summe ergab sich eine Kaufläche ohne Höckerabhänge und Fissuren. g) Die okklusale
Morphologie und die zentrischen und Gleitkontakte zum Gegenzahn stellte der Zahnarzt
freihändig instrumentell mit rotierenden Feindiamantschleifern her.

48. Konstruktionsgerechte Inlay-Präparation


In vitro Studien an Komposit- und Keramik-Inlays zeigten, dass Abschrägungen der Kavi-
täten-Ränder zur Erzielung eines dauerhaft perfekten Randschlusses wie bei Gold-Inlays
zwischen Inlay und Zahn bei adhäsiver Befestigung nicht erforderlich waren. Ganz davon
abgesehen, dass speziell Glaskeramiken wegen ihrer Sprödigkeit nicht so dünn ausge-
schliffen werden konnten und die Schleifscheibe des CEREC 1 Gerätes wegen der bei
CEREC 1 relativ groben Diamantkorn-Belegung dazu nicht geeignet war. Ohne Rand-
schrägung blieben die bei der Kastenpräparation erzeugten Winkel zwischen Kavitäten-
wand und Zahnoberfläche approximal und zervikal nahe bei 90° und waren deshalb im op-
tischen Abdruck bei der Eingabe der Grenzlinien eindeutig identifizierbar.
Lag der okklusale Rand im Bereich steiler Höckerabhänge von ca. 45°, konnte der
Wand-Oberflächenwinkel bei senkrechter Wand 135° betragen und lag dann schon an der
Grenze des vom Kantenfinder erkennbaren Winkelscheitels. Fehlregistrierungen konnten
dann manuell in X, Y und im Z Profil durch Punkteingaben mit dem Cursorkreuz korrigiert
werden.
Eine exakte Präparation mit geringer Wandöffnung gegen okklusal war für den opti-
schen Abdruck und die Passung des Inlays wichtig. Diese Anforderungen an die Präpara-
tion wurden beim Bekanntwerden von CEREC von der Fachwelt als mangelnde Gestal-
tungs-Flexibilität und maschinengerechte Präparation kritisiert, mussten aber im ersten
Entwurf der Methode akzeptiert werden.

49. Konstruktion der Approximal- und Okklusal-Flächen


Kariöse Läsionen entstehen bei den Seitenzähnen hauptsächlich im Bereich der Fissuren
und der Kontakte zum Nachbarzahn. Inlay-Kavitäten beziehen deshalb die Kontaktflächen
häufig ein d.h. die dem Nachbarzahn zugewandte approximale Fläche samt dem Kontakt
Zahnrestaurationen per Computer 59

zum Nachbarzahn muss rekonstruiert werden. Die Wiederherstellung des schlüssigen


Kontaktes ist wesentlich, damit sich beim Kauen keine Nahrungsteile in den Zahnzwi-
schenraum einpressen können.

Abb. 46 Hier wurde mit dem ‚Le-


vel Mode‘ die Höhenstufe des
Zahnäquators als weisse Höhen-
linie am oberen Nachbarzahn
eingestellt. Die Äquatorlinie des
Prämolareninlays wird in Fortset-
zung der äusseren Levelkontur
rechts am Prämolaren an den
Äquator des oberen Nachbar-
zahnes heran gezeichnet. Links
liegt der Äquator des Prämolaren
tiefer, der Level muss dort zur
Identfikation etwas tiefer einge-
stellt werden.

Bei orthognather (normal gerader) Stellung der Zähne, befinden sich die Approximalkon-
takte etwa in zwei Drittel der Kronenhöhe. Von der Kaufläche her gesehen, sind sie am
Übergang der oralen Zweidrittel des Kronenumfangs zum bukkalen Drittel platziert, also
etwas ausserhalb der Mittellinie nach bukkal. Um die Höhe des Approximalkontaktes rich-
tig konstruieren zu können, brauchten wir eine im optischen Abdruck sichtbare Höhenin-
formation. Marco schuf diese mit dem ‚Level Mode’. Mit diesem konnte der Benutzer jedes
Niveau der Höhendaten mit der Zeichenkugel wie ein Wasserspiegel weisse Konturlinien
am Zahn hoch und herunterfahren (Abb. 46).
Das Niveau des Zahnäquators entspricht in Blickrichtung des ‚optischen Abdrucks’
der grössten erkennbaren Umrisslinie des Zahnes. Diese ist am präparierten Zahn und am
Nachbarzahn gut erkennbar. Sie erlaubte, die approximale Rahmenlinie bzw. die Äquator-
linie des Inlays genau an die mit dem Level Mode dargestellte Äquatorlinie des Nachbar-
zahnes anzulegen. Auch die Anfangs- und Endpunkte der Äquatorlinie konnten exakt auf
die im Level Mode markierten approximalen Kavitätenränder gelegt werden.
Okklusal wurde die approximale Rahmenkonstruktion mit der Randleistenlinie abge-
schlossen. Die seitlichen Kavitätenränder wurden zwischen den Endpunkten des regis-
trierten okklusalen Randes, den Äquatorendpunkten und den zervikalen Eckpunkten ex-
trapoliert.
Die Approximalflächen wurden durch kubische Interpolation zwischen der Randleis-
ten-, der Äquator- und der zervikalen Kantenlinie gebildet. Die Okklusalfläche wurde gebil-
det, indem einander gegenüberliegende okklusale Kantenpunkte in der X-Achse geradlinig
miteinander verbunden wurden. Höckerabhänge und Fissuren wurden nicht konstruiert,
weil sie von der Schleifscheibe nicht ausgearbeitet werden konnten. Die Höcker- und Fis-
surengestalt musste der Zahnarzt manuell mit dem rotierenden Diamantinstrument einar-
beiten.
Zahnrestaurationen per Computer 60

Sechster Teil: Konfektionierte Block-Keramik und Hilfsmaterialien

12) 1984 KONFEKTIONIERTE BLOCK-KERAMIK - ADHÄSIVE BEFESTIGUNG

50. VITA Mark I und Mark II Feldspat-Block-Keramik


Die VITA Mark I Block-Keramik kam im September 1987 offiziell auf den Markt. Die Vita
Zahnfabrik hatte bisher ihre Keramikmaterialien für die Verwendung in der Zahntechnik
konfektioniert. Block-Keramik für die computergesteuerte Formschleiftechnik des CEREC-
Gerätes existierte deshalb nicht. Die VITA Mark I Block-Keramik wurde aus dem zahn-
technischen Keramikpulver mit der Partikelgrösse von 10-250 µm bei 750-1000°C gesin-
tert.
Wir hatten bei Untersuchungen dieses Materials in der Kaumaschine im Bereich des
Antagonistenkontaktes die Freilegung der relativ groben Partikelstruktur beobachtet, die
eine erhöhte Abrasion des Zahnschmelzes des Gegenzahnes bewirken konnte. Dies ver-
anlasste die VITA Zahnfabrik, die Partikelgrösse der Ausgangskeramik zu reduzieren.
Eine bezüglich Bruchfestigkeit und Abrasionseigenschaften am Gegenzahn verbes-
serte Block-Keramik wurde im Frühjahr 1991 als CEREC VITABLOCS Mark II eingeführt
und besteht als ‚Feinpartikelkeramik‘ bis heute. Die Rohbestandteile dieser Keramik be-
stehen aus der Mischung von ausgesuchtem reinem Kaliumfeldspat und einem Feldspat
aus Kalium- und Natriumoxiden.
Die chemische Zusammensetzung wurde von VITA wie folgt angegeben: SiO2
60-64%; Al2O3 20-23%; Na2O 7-9%; K2O 6-8%; CaO 0,3-0,6%; Ti02 0-0,1%. Die mittlere
Partikelgrösse des Keramikpulvers beträgt 4 µm, maximal 10 µm. Die Sinterung erfolgt bei
1100-1200°C. Die feinpartikuläre homogene Struktur bestimmt die höhere Festigkeit im
Vergleich zu VITA Mark I - Keramik und die Zahnschmelz-freundlichen Abrasionseigen-
schaften (Datzmann 1996 Proceedings 10YC Symposium pp 205-215).

51. Materialsets für Block-Keramik mit Hilfsmaterialien


Für die VITA-Zahnfabrik schlugen wir ein Materialsortiment vor, welches den Anwender mit
den unmittelbar für die Methode erforderlichen Materialien und Hilfsmaterialien versorgte.

Abb. 47 VITABLOCS und DICOR MGC (Machinable Glass Ceramic) Materialsets aus
den Jahren 1984/85 zur Einführung der CEREC Methode.
Zahnrestaurationen per Computer 61

An erster Stelle im Materialset stand das Mattierungsspray (Scanpuder), das für den opti-
schen Abdruck unabdingbar war. Es kam mit der Druckgasflasche, dem Puderbehälter und
der Spraykanüle. Später wurde noch das Scan Liquid hinzugefügt, als Haftmittel für den
Puder an vertikalen Kavitätenwänden.
Für die Materialblocks definierte ich die Grössen ‚I8‘ (8x8x15 mm) für kleine Inlays an
Prämolaren und Molaren, ,I10‘ (10x9x15 mm) und ‚I12’ (12x10x15 mm) für mittlere und
grosse Inlays und Onlays. Ausserdem legte ich die Grösse V5 für die Fertigung von Ve-
neerschalen fest. Die Schleifarbeit sollte durch eine der Restaurationsgrösse angepassten
Block möglichst gering und die Schleifzeiten so kurz wie möglich gehalten werden. Die VI-
TABLOCS gab es zunächst in den Farben A1c und A2c und waren transluzente Varianten
der Standardfarben.
Als weitere wesentliche Komponenten enthielt das VITA-Set noch das ‚Ceramics etch
gel‘ zur Ätzung der Restaurationsunterseite als Vorbereitung für die adhäsive Befestigung.
Ausserdem war ein Präparationsset mit grob- und feindiamantierten Instrumenten für
die Kavitätenpräparation und für die Ausarbeitung der Kauflächenmorphologie mit Fissu-
ren und Höckerabhängen untergebracht. Ein Vorrat von Schleifscheiben für die Schleif-
kammer des CEREC Gerätes ergänzte das Set.
Das Set für die DICOR MGC Glaskeramik wurde von der Firma Caulk Dentsply da-
mals für den amerikanischen Markt nach dem gleichen Muster bestückt.

d c

a b e
Abb. 48 Links Flasche a) mit rot gefärbtem Flusssäure-Ätzgel (CEREC etch). Der rote
Pfeil zeigt auf die polierte Keramikoberfläche (grün) mit retentiver Mikro-Porosität nach 60
s Einwirkung des 4,9% HF Ätzgels b). Im mittleren Bild wird die Applikation des blauen
Ätzgels (H3PO4 , 37%) auf den Zahnschmelzrand der Kavität gezeigt und der blaue Pfeil c)
zeigt auf den Effekt des (H3PO4 , 37%) auf dem Zahnschmelz. Es entsteht ein typisches
mikroretentives Schmelz-Ätzmuster d). Bild ganz rechts e) Lichthärtung des Befestigungs-
komposits nach dem Einsetzen des Keramikinlays.

Der Umgang mit der Adhäsivtechnik musste von den CEREC-Pionieren in der Praxis erst
gelernt werden. Der Umgang mit Flusssäure (HF 5%) zur Ätzung der Keramik und der
Phosphorsäure (H3PO4 , 37%) zur Ätzung des Zahnschmelzes und später auch zur Ätzung
des Dentins im Rahmen des „Total Bondings“ war zu Beginn bei CEREC Pionieren pro-
blematisch. Dies speziell ganz am Anfang, solange diese Agentien noch als farblose Lö-
sungen vorlagen. Es kam trotz eingehender Instruktion bei der praktischen Einarbeitung
zu Verwechslungen!
Nun, es gefährdete den Patienten nicht, wenn irrtümlich versucht wurde, den Zahn-
schmelz mit der 5% HF-Lösung zu ätzen. Das funktionierte genauso wenig wie die An-
wendung von (H3PO4 , 37%) auf Feldspat-Keramik. Bei der Berührung geringer Mengen
von 5% HF-Lösung der Haut oder akzidentell der Mundschleimhaut wurde nach meiner
Erfahrung kein Gewebsschaden gesetzt, ich hatte die 5% HF bei meinen Untersuchungen
Zahnrestaurationen per Computer 62

oft genug an den Fingern gehabt. Menge, Konzentration und Einwirkungsdauer waren zu
gering, um Gewebsschäden zu setzen.
Vorschrift war ausserdem die Behandlung unter Isolation des Arbeitsgebietes mit
dem Kofferdam-Gummituch. Die Entwicklung des rot gefärbten ‚Ceramics Etch‘ Gels war
aber für die Kennzeichnung und die exakte sachgerechte Anwendung wichtig. Seine Kon-
zentration musste dann noch auf 4,9% gesenkt werden, damit es ausserhalb der Giftklas-
se für das Transportverbot der Post lag und es diesbezüglich als harmlos deklariert wer-
den konnte (Abb. 48 a).

52. Historische Schritte der adhäsiven Befestigung


Der adhäsiven Befestigung von CEREC Restaurationen ging eine Jahrzehnte lange Ent-
wicklung von Adhäsiv-Techniken und -Materialien voraus, der zeitliche Ablauf ist in der Ta-
belle 1 dargestellt.

Tabelle 1 Zeitlauf der Entwicklung und Anwendung der restaurativen Adhäsivtechnik

Entwicklung der restaurativen Adhäsivtechnik


1955 Zahnschmelz-Ätzung als Haftelement Buonocore
1962 Bis-GMA Kunstharz als Matrix für Komposit Bowen RL
1963 Makrogefülltes plastisches Komposit Anwendung
1970s Kompositfüllung mit Zahnschmelz-Adhäsion Anwendung
1980 Grundlagen der Adhäsion am Dentin Nakabayashi

1985 CEREC mit Befestigungskomposit & Schmelzadhäsion Anwendung

1990 Feinhybrid-Komposit Anwendung

1990s CEREC mit Adhäsion an Zahnschmelz und Dentin Anwendung

2000 CEREC Block-Komposit-Restaurationen Anwendung

Grundlegende Voraussetzung für die adhäsive Befestigung keramischer Restaurationen


ist die Freilegung der mikroretentiven Oberflächenstrukturen am Zahnschmelz und am
Zahndentin einerseits, sowie an der Keramik andererseits durch Säureätzung. Die schon
erwähnten Säuren HF 4,9% für die Keramik und H3PO4 37% für die Zahnhartsubstanzen,
werden als rot bzw. blau gefärbtes Gel eingesetzt und nach der vorgeschriebenen Ein-
wirkdauer wieder abgespült und die Oberflächen mit Pressluft getrocknet.
Die geätzten Schmelzränder sind klinisch als weiss-opake Zonen erkennbar (Abb.
49 b). Rasterelektronenmikroskopisch (a) stellen sich im geätzten Bereich die Prismen-
köpfe dar, welche die mikroretentive Struktur bilden. Ein gewisser Substanzverlust des
Schmelzes ist an der Grenze zum nicht geätzten Bereich offensichtlich. Zahnschmelz und
Dentin werden dann mit Primer benetzt, damit das Adhäsiv und das Bonding bis in die par-
tiell demineralisierte Zone eindringen kann (a, b, c).
Zahnrestaurationen per Computer 63

a b c BONDING
AGENT

COMPLETELY
DEMINERALIZED

ETCHED DENTIN

PARTIALLY DEMINERA-
LIZED

Abb. 49 Links (a): REM-Bild der ungeätzten Zahnschmelzoberfläche oben und geätzt un-
ten. In der Mitte (b) geätzter Schmelzrand und geätztes Dentin. Rechts (c) Schnittpräparat
von geätztem Dentin. Untere partiell demineralisierte, darüber vollständig demineralisierte
Zone. Das Bonding durchdringt beide Zonen und wird dann lichtgehärtet.

Zum besseren Verständnis der Behandlung sei das adhäsive Einsetzen eines VITA Mark II
Inlays nochmals in den wesentlchen Schritten dargestellt (Abb. 50).

1 2 3 4 5

6 7 8 9 10

Abb. 50 Adhäsives Einsetzen eines Inlays: 1 Interdentalräume verkeilen, Inlay einprobie-


ren, 2 Transparentmatrizen verkeilen, Schmelz und Dentin konditionieren, 3 Primer und
Adhäsiv applizieren, ausblasen, 4 Bonding applizieren, ausblasen, 5 Bonding lichthärten,
6 Inlay-Unterseite konditionieren, 7 Silanisieren, mit Bonding bestreichen, dünn blasen,
8 Befestigungs-Komposit einfüllen, verteilen, adaptieren, Inlay mit Ultraschall einsetzen,
Kompositüberschüsse entfernen, okklusal & approximal lichthärten, 9 Inlay mit Feindia-
mant konturieren, okklusale Kontakte einstellen, 10 Inlay-Kaufläche nach Politur.
Zahnrestaurationen per Computer 64

Vor dem Beginn der Adhäsivschritte wird das Inlay einprobiert. Es bewährt sich dabei, die
Interdentalräume zu verkeilen (1), um diese leicht zu öffnen, wodurch das Einprobieren
spannungsfrei und dadurch exakt erfolgen kann. Ist der Sitz korrekt, werden mit den glei-
chen Keilen transparente Kunststoffmatrizenbänder interdental verkeilt (2). Dadurch sind
die Nachbarzähne bei Anwendung der nächsten Schritte geschützt und ein Verkleben mit
den Nachbarzähnen wird verhindert.
Es folgen die Schmelz- und Dentinätzung und Trocknung (3), die Applikation und das
Verblasen des Primers, des Adhäsivs und des Bondings (3 & 4). Die Lichthärtung des
dünn ausgeblasenen Bondings (5) schliesst sich an. Es folgten das Ätzen des Inlays (6),
das Einstreichen des Inlays mit Silanlösung, dünn ausblasen, auftragen von Bonding (7),
einfüllen und adaptieren des Befestigungskomposits, Platzieren des Inlays und finales ein-
setzen des Inlays mittels Ultraschall-Setzinstrument, Kompositüberschüsse entfernen (8).
Die Schlussbearbeitung bestand in der Ausarbeitung der okklusalen Morphologie mit
Feindiamanten und dem Einstellen der Okklusionskontakte des Antagonisten (9). Als letz-
tes folgte die Schlusspolitur mit rotierender Bürste und Diamantpolierpaste (10).
Wir verwendeten das Syntac Primer Adhäsiv System der Firma Ivoclar Vivadent,
Schaan, FL, das sich bei schulmässiger Anwendung bei uns sehr bewährte. Die Einwirk-
zeiten mussten strikt eingehalten werden. Dies erforderte Disziplin bei der Durchführung
und beanspruchte die Lehrperson bei den Ausbildungskursen und die Schüler unabhängig
davon, ob es sich um Studenten oder Zahnärzte in unseren Fortbildungskursen handelte.
Einerseits war jeder Schritt genau einzuhalten, andererseits sollte die Behandlung so
schnell wie möglich durchführbar sein. Viel Forschungsenergie ging deshalb in die mögli-
che Verkürzung der Adhäsivschritte ohne Adhäsionsverlust.
Nach meiner Erfahrung am eigenen Zahn bewährt sich z.B. die Lichthärtung des
dünn ausgeblasenen Bondings als Behandlungsschritt. Bei der Versorgung eines meiner
unteren Molaren mit einem CEREC Inlay durch Dr. A. Bindl habe ich erlebt, wie nach der
Lichthärtung des Bondings die Sensibilität meines Dentins sofort ausgeschaltet war.
Eine für die adhäsive Verbindung mit der Zahnhartsubstanz wichtige Eigenschaft der
Feldspat-Keramik ist die ausgeprägt gute Ätzbarkeit von VITA Mark II mit Flusssäure. Die
Ätzung macht die Oberfläche rau. Grundsätzlich verbessern raue Oberflächen die Haftung
von Adhäsiven, weil Rauigkeit eine Vergrösserung der Oberfläche bewirkt und dadurch die
Haftung erhöht.

53. Schwächung oder Festigung der Feldspatkeramik?


Die Bearbeitung der VITA Mark II Keramik bei der CEREC Formgebung der Inlays mit der
Diamant-belegten Schleifscheibe erzeugte eine Rauigkeit, die der relativ groben Diamant-
korn-Belegung der Siebung D126 (126 µm) in der CEREC 1 Maschine entsprach. Ausser-
dem bildeten sich die zirkulären Schleifbahnen im 55 µm Abstand okklusal und 25 µm ap-
proximal auf der Inlayoberfläche ab.

Abb. 51 Rasterelektronenmikroskopi-
sches Bild (1000x) einer formgeschliffenen
und mit Flusssäure (HF 4,9%) 60 s geätz-
ten Feldspatkeramikoberfläche. Herauslö-
sen der Glasmatrix erzeugt eine mikrome-
chanisch hoch retentive Struktur frei von 1000x
losem Schleifdetritus.

Hahn und Löst und andere Autoren brach-


Zahnrestaurationen per Computer 65

ten am ‚International Symposium on Computer Restorations‘ in Zürich (1991) ihre Beden-


ken zum Ausdruck, dass das Formschleifen Mikrofrakturen (‚micro-cracks‘) an der Ober-
fläche der Keramik setzt und dadurch die Fraktur der Füllung vorprogrammiert wird (Hahn
R, Löst C, Grinding of ceramic materials. Proceedings of the International Symposium on
Computer Restorations 3-4 May 1991 Regensdorf Zürich, pp 623-632).
Ich hatte im Zuge der CEREC 1 Entwicklung mit der Ätzung der Feldspatkeramik ex-
perimentiert und fand in Verdünnungsreihen, dass eine 5% HF Lösung gute Ätzresultate
auf polierten Oberflächen von Feldspatkeramik ergab (Abb. 48 b). Das HF löste die Glas-
matrix aus der Oberfläche und beliess die regelmässig verteilten kristallinen Anteile in der
Keramik unverändert. Auf formgeschliffener rauer Oberfläche führte die HF-Ätzung eben-
falls zu einer gleichförmig retentiven Oberflächenstruktur, kombiniert aus Schleif- und Ätz-
rauigkeit (Abb. 51). Das HF löste Schleifdetritus vollständig auf. Ätzen erweitert vorhande-
ne Mikrorisse und neutralisiert damit im Bereich der Spitze von Mikrorissen
vorhandene Spannung (Abb. 52).

Abb. 52 Schematische Darstellung eines durch diamantierte Schlei-


finstrumente verursachten Mikrorisses. Die Ätzung löst die Glasmatrix im
Bereich des Risses auf. Im Bereich der Spitze des Risses vorhandene
Spannung wird dadurch vermutlich gelöst.

Einen Effekt der Ätzung auf die Bruchfestigkeit von Feldspat-Keramik


konnten wir nicht feststellen (Influence of surface treatments on flexure
strength of computer machined ceramics (Lüthy H, Besek M and Mörmann WH. Procee-
dings of the International Symposium on Computer Restorations 3-4 May 1991 Regens-
dorf Zürich, pp 613-622). Wir gingen davon aus, dass die Festigkeit von Feldspatkeramik
durch die adhäsive Befestigung verstärkt wird, was in einer späteren Untersuchung bestä-
tigt wurde (Grewe I, Diss Zürich 2003 siehe S. 160).

54. Randqualität von adhäsiven versus nicht adhäsive Restaurationen


Aufgrund der Skepsis von traditionell orientierten Fachkollegen gegenüber der CEREC
Methode hielt ich es für wichtig, die Randqualität der klassischen Metallrestaurationen mit
Amalgam und Gold sowie der adhäsiv befestigten CEREC Restaurationen vergleichend zu
untersuchen.
Zahnrestaurationen sollen den durch die Karies zerstörten Teil des Zahnes mindes-
tens in Form und Funktion ersetzen. Dabei soll das Zahnersatzmaterial so an die Grenz-
flächen der Zahnpräparation adaptiert sein, dass ein dauerhaft dichter Verschluss zustan-
de kommt, der das Eindringen von Mundbakterien und damit die Wiedererkrankung durch
Karies verunmöglicht.
Die Phasengrenze zwischen Restauration und Zahn wird neben der Kaubelastung
auch stark von wechselnden Temperaturen beeinflusst. Metalle verhalten sich gegenüber
Temperaturwechseln anders als der Zahn. Die Reaktion der Keramik gleicht jener der
Zahnhart-Substanz. Je 12 mod Gold-, Amalgam- und CEREC-Restaurationen wurden ei-
nem thermischen Belastungstest unterzogen (Diss Jans 1987).
Die Randqualität wurde vor und nach dem Test im Rasterelektronen-Mikroskop bei
200-facher Vergrösserung quantitativ untersucht und die Restaurationen wurden nach der
thermischen Belastung zusätzlich einem Farbpenetrationstest unterworfen.
Zahnrestaurationen per Computer 66

a Amalgam b c
Goldinlay CEREC

Farbpenetration Farbpenetration Dicht


Abb. 53 Mesio-distale Schnitte durch Zähne mit mod a) Amalgamfüllungen, b) Goldinlays
c) CEREC-Inlays. Nach der thermischen Wechselbelastung waren die nicht adhäsiven
Amalgamfüllungen und Goldinlays alle am Rand gegenüber dem Farbpenetrationstest un-
dicht, während der adhäsive Verbund der CEREC - Inlays dicht blieb.

Die adhäsiv inkorporierten CEREC - Keramikinlays fügten sich praktisch unsichtbar in den
Zahn ein (Abb. 53 c & 54 c). Der thermische Expansionskoeffizient der Keramik stimmt
sehr nahe mit dem des Zahnes überein. Die Randqualität der adhäsiven Verbindung zwi-
schen der Zahnhart-Substanz, dem Komposit-Adhäsivsystem und der Keramik blieb des-
halb bei der thermischen Wechselbelastung praktisch unverändert erhalten.

Abb. 54 Laborstudie: Randqualität VOR NACH


von je 12 mod-Restaurationen:

a Amalgam-Füllungen
b Gold-Inlays a
c CEREC 1- Inlays

Auswertung: Marginale Adaptation


in % des Randes. Rasterelektro-
nenmikroskopische Untersuchung
vor und nach Thermocycling. Verlust b
der Randqualität bei Amalgam und
Gold, praktisch unverändert perfek-
ter Rand bei CEREC.
(Mörmann WH, Brandestini M et al:
Computer machined ceramic inlays:
in vitro marginal adaptation. J Dent c
Res (1986) 65: 763, Abst no 339)

Das Ergebnis der Studie zeigte,


dass die per Computer gefertigten
Keramikinlays durch die Klebeverbindung der Keramik mit dem Zahn nach Temperatur-
Zahnrestaurationen per Computer 67

wechseln, den besten Randschluss aufwiesen, während dieser bei den Metallrestauratio-
nen Amalgam und Gold klar schlechter war (Abb. 54, 55).
Nach unserer eigenen Interpretation hatten wir mit der computergefertigten adhäsi-
ven Keramikrestauration die perfekte Wiederherstellung des Zahnes gefunden. Dies nicht
nur bezüglich des dauerhaft hermetisch dichten Verschlusses, sondern auch in Bezug auf
die Ästhetik, die Biokompatibilität und die Beständigkeit, welche die Keramik als Werkstoff
versprach.

AMALGAM GOLD CEREC

Abb. 55 Die Höhe der Säulen zeigt die Randqualität in Prozent kontinuierlich ‚Perfekter
Rand‘ vor und nach thermischem Wechselbad zwischen 5° und 55° an. Die thermische
Belastung wirkte sich bei den Metallrestaurationen stark aus. Die adhäsive Befestigung
von CEREC Inlays wurde kaum beeinflusst (grün).

Siebter Teil: Erstes Bekanntwerden von CEREC in der Fachwelt

13) 1985 VORTRÄGE UND VORFÜHRUNGEN

55. International Association of Dental Research (IADR), Vortrag Las Vegas 1985
Marco sollte die Qualität der Klebeverbindung, unserer per Computer gefertigten Inlays mit
dem Zahn, dem internationalen Fachpublikum an der Jahrestagung der International As-
sociation of Dental Research vortragen. Wir rechneten damit, dass die maschinelle Her-
stellung von Keramikrestaurationen Fragen und Diskussionen auslösen würde, die uns ei-
nen Hinweis auf das fachliche Interesse geben würden.
Ich hatte diesen Beitrag als ‚oral presentation’ beim IADR für den 22. März 1985 wie
folgt angemeldet: Brandestini, M., Mörmann, W., Ferru, A., Lutz, F. und Krejci, I.: Computer
machined Ceramic Inlays: In vitro Marginal Adaptation. J Dent Res 64: 2081 (Abst 305)
1985. Zweck dieser Untersuchung war, einen in vitro Qualitätsvergleich zwischen den
überkommenen Zahnrestaurations-Techniken, der Amalgamfüllung und dem Goldinlay ei-
nerseits und dem neuen, computerunterstützt gefertigten Keramikinlay andererseits, zu
Zahnrestaurationen per Computer 68

Abb. 56 Längsschnitt (Montage)


durch einen Molaren. Links die na-
türliche Schicht des Zahnschmel-
zes auf dem Dentin. Rechts: Adhä-
siv befestigtes (‚geklebtes’) Kera-
mikinlay mit der deutlichen Schicht
aus Befestigungskomposit zwi-
schen der Inlaykeramik und dem
Kavitätenboden.

präsentieren. Die überlegene Quali-


tät der adhäsiven Keramikrestaura-
tion bezüglich der Randqualität ge-
genüber den herkömmlichen Me-
tallrestaurationen war zu dokumen-
tieren. Der Beitrag stützte sich zum Teil auf Ergebnisse der von mir geleiteten Dissertati-
onsarbeit von Hans Jans (1987, Diss 5).
Details der maschinellen Herstellung waren nicht Gegenstand des Vortrages. Falls
Fragen aus dem Publikum bezüglich des ‚Computer Machining’ kämen, würde Marco Aus-
kunft geben, ohne die optische Abdrucknahme im Munde und die chairside Fertigung
preiszugeben. Da aber ein Fachbereich für maschinell hergestellte Keramik-Restauratio-
nen nicht existierte, waren wir durch das Einkleben der Inlays mit Befestigungskomposit,
thematisch in die Kompositgruppe eingeordnet worden.
Marco trug unsere Studie professionell in perfektem amerikanischem Englisch vor, er
hatte ja im Lande gelebt und gearbeitet. Leider kamen von den versammelten Komposit-
Experten keine Fragen, auch nicht vom Chairman. Offenbar waren wir mit unserem Thema
zu exotisch weit weg vom Interesse dieser Fachgruppe. Niemand konnte mit unserer Bot-
schaft etwas anfangen und die erhoffte Resonanz blieb aus.

56. Quintessenz Keramiksymposium Karlsruhe 1985


Die fachliche Organisation des 4. Internationalen Quintessenz-Symposiums (1985) und
des Jubiläums „25 Jahre Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe“ oblag Profes-
sor Michael Heners, dem damaligen Direktor der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karls-
ruhe. Ich hatte an dieser Institution seit 1983 gut besuchte Fortbildungskurse z.B. mit dem Titel
„Adhäsive Zahnheilkunde, unsichtbare Füllungen dank perfekter Technik“ gehalten und war mit
Michael freundschaftlich verbunden.
Ich bot Michael an, einen Vortrag über „Computergefertigtes Keramikinlay – die Sei-
tenzahnfüllung der Zukunft“ zu halten. Er akzeptierte und teilte den Vortrag mit diesem
exotisch-futuristischen Titel einem kleinen Hörsaal im Nebengebäude zu. Ich war ent-
täuscht, im Nebengebäude vorzutragen, wo doch meiner Erwartung nach hinter diesem
Thema der Beginn einer ganz neuen Epoche der restaurativen Zahnmedizin steckte.
Aber die neue Herstellungstechnik durfte ich zu dieser Zeit im Frühjahr 1985 am
30.3.1985 noch nicht in ihren technologisch spannenden Aspekten offenlegen, weil die
Mundkamera noch nicht einsatzfähig war. Ich beschränkte mich deshalb darauf, lediglich
über die Randqualität der adhäsiv befestigten computergefertigten Keramik-Inlays im Ver-
gleich zu Gold-Inlays und Amalgamfüllungen zu berichten. Das war dem Inhalt nach das
Thema, welches schon Marco zuvor in Las Vegas am IADR Meeting ohne Resonanz vor-
getragen hatte. Im Unterschied zu Las Vegas bestand die Zuhörerschaft hier in Karlsruhe
aber aus in der Praxis tätigen jungen Zahnärzten. Ich kam frühzeitig zum Nebengebäude
Zahnrestaurationen per Computer 69

und fand schon den Zugang zum Saal von Hörern verstopft. Der kleine Hörsaal selbst war
bereits stark überfüllt. Die Leute sassen vor der Leinwand auf dem Boden wie ich selbst zu
meinen Studentenzeiten in der Anatomievorlesung. Die Restaurationstechnik interessierte
offenbar. „Sie sichern sich wohl Ihre Plätze für den nachfolgenden Vortrag von Professor
Hobo“, richtete ich mich an das Publikum. Grosses Gelächter. Ich war mir überhaupt nicht
sicher, was das bedeuten sollte. Der japanische Professor Hobo war berühmt und würde
eine neue Apatit-Keramik präsentieren. Offenbar waren die Teilnehmer auch an den com-
putergefertigten Keramik-Inlays interessiert. Meine Ergebnisse zeigten, dass die adhäsive
Befestigung der Keramik-Inlays die behandelten Zähne vor und nach einem thermischen
Belastungstest hermetisch dicht, praktisch übergangslos und in Farbe und Transluzenz
zahnschmelzähnlich verschloss.
Das war bei den Metallfüllungen nicht der Fall. Ich liebte diese Studie, sie veran-
schaulichte den möglichen Paradigmenwechsel in der restaurativen Zahnmedizin. Die Zu-
hörerschaft sah dies offensichtlich ähnlich. Sonderbarerweise fragte niemand danach, wie
ich die Keramik-Inlays genau hergestellt hatte.

57. September 1985: CEREC Mundkamera funktionell


Bis zum September 1985 hatten wir eine schwierige Zeit. Marco hatte Mühe, die Steuer-
elektronik der Kamera räumlich im schon gefertigten Kamerakörper unterzubringen und
war nahe am Aufgeben. Das wäre eine Katastrophe für das Projekt gewesen, denn kein
Dentalpartner würde sich für eine unfertige Methode dieser Art interessieren oder sogar
engagieren.
Die Optik für unsere Kamera war bei der Firma Kern in Aarau gerechnet und in einer
Prototypversion dreifach gefertigt worden, das Assembling wollten wir selbst durchführen.
So kam ich zum Einkleben von Linsen in das Kameragehäuse. Marco hatte es Ende Au-
gust geschafft, die Kameraelektronik einzubauen und wir hatten dann tatsächlich die erste,
in einem Scan von 4 x 40 Millisekunden (0,16 Sekunden), die Kavität praktisch in einer
Momentaufnahme dreidimensional vermessende optoelektronische CEREC Mundkamera.
Anfang September 1985 wurde das erste Cerec 1 Prototypgerät zum ersten Mal in allen
Teilen funktionsfähig. Marco und ich präsentierten uns stolz mit dem ersten funktionellen
Gerät, das intern „Zitrone“ hieß, wegen der gelben Farbe, die Marco so gerne hatte (Abb.
57). Das entsprechende Foto zeigt
uns beide an diesem Gerät und
war von der damaligen Fotografin
des Zahnärztlichen Institutes, Frau
Liselotte Brandenberger aufge-
nommen worden.

Abb. 57 Foto der Erfinder der


CEREC-Methode Werner H. Mör-
mann und Marco Brandestini (hält
die Kamera) Anfang September
1985 als das Prototyp-Gerät erst-
mals inklusive der opto-elektroni-
schen intraoralen 3D Messkamera
und der Konstruktionssoftware
vollständig anwendungsfähig wur-
de.
Zahnrestaurationen per Computer 70

58. Erste CEREC Patientenbehandlung am 19. September 1985


Die erste Cerec Chairside-Behandlung d.h. die Behandlung eines Patienten mit einer Ke-
ramikeinlagefüllung, wobei der Zahnarzt nach der Entfernung der kariösen Teile den prä-
parierten Zahn mit der 3D Mundkamera aufnimmt, das Inlay am Bildschirm des Gerätes
konstruiert und es dann von der Maschine aus einem Keramikblock in den Zahn passend
formschleifen lässt und es gleich in den Zahn adhäsiv eingliedert, fand am 19. September
1985 im Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich, an der Plattenstraße 11, Stock D,
Zimmer 37 statt.
Alain Ferru, unser Software-Ingenieur war der erste Patient, das erste Inlay war ein
mod Inlay an seinem Zahn 27. Das war bei den damaligen Behandlungsstühlen nicht ge-
rade die einfachste Situation. Aber es war die Behandlungsnotwendigkeit, die das Vorge-
hen bestimmte. Zwei Privatzahnärzte, altgediente Studenten-Instruktoren der Abteilung,
die sich brennend interessierten, liess ich unter dem Siegel der Verschwiegenheit als Zu-
schauer zu.
Als Inlay-Material kam Vita Mk I Feldspatkeramik aus einer der ersten Herstellungs-
chargen der Firma Vita zum Einsatz. Marco und ich hatten ein komplettes Materialset zu-
sammengestellt und hatten in der Firma Vita Zahnfabrik einen zuverlässigen Materialpart-
ner gefunden. Die Behandlung dauerte mit Erklärungen ca. zweieinhalb Stunden. Das war
zeitlich im Vergleich zur direkten Fülltechnik mit plastischem Amalgam oder Komposit noch
nicht konkurrenzfähig.
Aber im Vergleich zur indirekten Herstellung eines im zahntechnischen Labor ge-
brannten Inlays war das absolut revolutionär. Bei der adhäsiven Befestigung des Inlays
verließ ich mich damals allein auf die Adhäsion zwischen geätztem Zahnschmelz und ge-
ätzter Keramik. Diese Methode bewährte sich in der Praxis über die Jahre. Die funktionelle
Dentinadhäsion wendeten wir ab 1993 routinemässig an.
Die zwei etwas älteren enthusiastischen Kollegen waren nach Abschluss der Be-
handlung vom Resultat begeistert, waren aber doch angesichts der vielen neuen Arbeits-
schritte bei der Konstruktion, Ausarbeitung der Okklusalfläche und Politur etwas nach-
denklicher darüber geworden, ob sie wirklich in diese Methode einsteigen wollten. Tat-
sächlich sagten sie beide später ab. Marco, Alain und ich aber feierten die klinische Ge-
burtsstunde der CEREC-Methode. Die computergestützte Herstellung keramischer Re-
staurationen durch den Zahnarzt während der Behandlung des Patienten am Patienten-
stuhl, also „chairside“, war geboren. Wir hatten das Gefühl, wir hätten es geschafft und
könnten uns zurücklehnen.
Weit gefehlt! Die erfolgreiche klinische Anwendung, setzte uns unter stärksten Hand-
lungszwang, bis dahin hatten wir das Projekt locker, in Ruhe und ohne Information der
Fachwelt verfolgt, jetzt setzten der Druck der Fachwelt, das Interesse der Dentalindustrie
und die teilweise ätzende Kritik der Zahntechnik voll ein und verlangten unsere Reaktion.

59. Demo des CEREC 1 Gerätes für Zürcher Zahnärzte


Innerhalb unserer Abteilung und bei einem Teil der Kollegen im Zahnärztlichen Institut hat-
te es sich herumgesprochen, dass es da eine neue Methode gab. Als ich das Gerät einmal
über den Gang in ein anderes Zimmer rollte, kam der Kollege Georg Schwarz vorbei und
sah das Gerät. Er blieb stehen und fragte: „Ist dies das neue Gerät? Dann schaute er es
noch einmal an und sagte: „Jetzt musst Du vorne noch einen Haltegriff anbringen, damit
man es in der Klinik und in der Praxis besser hin-und herschieben kann“. Ich war verblüfft!
Er konfrontierte mich mit der banalen Erkenntnis, dass auch anspruchsvolle High-
Tech Methoden nur daran gemessen werden, ob sie in der Handhabung praktisch sind. Er
hatte natürlich Recht! Beim Re-Design zur Markteinführung erhielt das Gerät unter ande-
Zahnrestaurationen per Computer 71

rem genau diesen Haltegriff. Meine Erkenntnis war klar, man würde das Gerät und seine
Komponenten technisch endlos verbessern und erweitern können.
Am 17. Oktober 1985 lud ich die externen Instruktoren unserer Abteilung zu einer
Vorführung der Cerec-Methode ein. Das waren Privatzahnärzte mit eigener Praxis in oder
um Zürich. Ich führte den optischen Abdruck und die Konstruktion eines mesio-okkluso-
distalen Inlays an einer Modellkavität vor und liess das Inlay schleifen.
Praktisch alle waren von der Entwicklung begeistert. Einige sagten sie müssten das
Gerät sofort haben, wenn es auf den Markt käme. Einer war sehr interessiert, würde sich
das Gerät aber nicht von den Erfindern oder deren Startup Firma kaufen, sondern nur,
wenn es von einer renommierten Firma auf den Markt gebracht würde. Er meinte, wir
könnten ja Pleite gehen und das Gerät würde dann ohne den technischen Support durch
den Hersteller bald nutzlos in der Praxis stehen. Diese Argumente leuchteten mir ein.
Es gab mutige Kollegen, die das Gerät und die Methode möglichst schnell in ihrer
Praxis anwenden wollten. Andere meinten, die Entwicklung sei toll, aber es würde sicher
noch 20 Jahre dauern, bis das gesamte Verfahren ausgereift sei. Dann sei immer noch
Zeit einzusteigen. Ein Kollege meinte, er würde die Methode erst in Betracht ziehen, wenn
ein anderer Kollege in der Nachbarschaft, das System mit Erfolg bei den Patienten an-
wenden würde. Alle hatten auf ihre Weise irgendwie Recht und ich zog daraus meine
Schlüsse. Es wurde mir klar, dass CEREC einen in der Dentalwelt etablierten, technisch
potenten Industriepartner brauchte, der in der Lage sein musste, das System in den Markt
zu bringen, es dort zu unterstützen - und am wichtigsten, der in der Lage sein würde, das
System weiterzuentwickeln.

60. CEREC Demo für Professor Dr. Michael Heners


Die von den Zahnärzten mit privater Praxis geäusserten Kommentare wollte ich durch die
Meinung eines aussenstehenden ‚Opinion Leaders’ ergänzen. Wer konnte die Reaktionen
der Dentalwelt auf unsere Neuentwicklung besser beurteilen als der Direktor der Akademie
für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe, des damals prominentesten Veranstalters für
zahnärztliche Fortbildung in Deutschland, Professor Michael Heners? Ich rief Michael an
und er kam nach Zürich, um sich überraschen zu lassen. Das Verfahren verblüffte ihn voll-
ständig. Im Scherz meinte er, dass die Ausbildung von Zahnärzten in dieser Methode in
Zukunft exklusiv an seiner Akademie in Karlsruhe stattfinden müsse, damit Zahnärzte aus
aller Welt nach Karlsruhe kommen würden, um die neue Technologie kennenzulernen. Er
hatte damit das Potential von CEREC sofort erfasst und kam auch gleich darauf, dass die-
ses Verfahren einen kompetenten und starken Partner in der Dentalbranche brauchen
würde, wie z.B. den renommierten Elektrokonzern Siemens.
Er sagte, er sei mit Werner von Siemens bekannt und könne diesen ansprechen. Ich
bin nicht sicher, ob es dazu kam, aber sicher war, dass er einen guten Draht zu Herrn
Ernst August Behne, dem damaligen Standortleiter von Siemens Dental in Bensheim hat-
te, und diesen auf die Neuigkeit aufmerksam machte. Es dauerte aber bis ins Frühjahr
1986 bis der Kontakt zwischen Siemens Dental und unserer Firma Brains zustande kam.
Es war aber klar, dass wir die Inauguration von CEREC an der Akademie für zahn-
ärztliche Fortbildung in Karlsruhe mit einem extra Kurs im Beisein von Professor Michael
Heners veranstalten würden. An einem Kurs über die ‚Adhäsive Restauration‘ am 1. und 2.
November 1985 an der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe, ging ich zum
ersten Mal auf die „adhäsiven Inlays aus Komposit und Keramik“ ein und erwähnte die
CEREC Methode, ohne sie aber klinisch zu demonstrieren, das wollten wir dem ersten
reinen CEREC Kurs vorbehalten.
Zahnrestaurationen per Computer 72

Achter Teil: Wettbewerb der CAD/CAM Pioniersysteme

14) 1985 ANDERE CAD/CAM PIONIERE UND CEREC

61. Francois Duret, der Vater der dentalen CAD/CAM Technologie


Im November 1985 erhielt Marco von einem Freund in Paris einen Zeitungsartikel aus der
französischen Tageszeitung „Le Figaro“ zugesandt. Auf der Frontseite war ein Bild darge-
stellt, mit dem Titel „Le docteur François Duret et son appareil revolutionaire“. Der Doktor
hielt einen Endoskopstab, der aus einem, mehr als faustgrossen würfelförmigen Kasten
nach vorne ragte, in den weit geöffneten Mund einer Patientin. Am hinteren Ende des Kas-
tens liefen ein breites und ein schmales Kabel heraus. Der Artikel schilderte, dass der
Doktor François Duret mit dieser Vorrichtung Zahnpräparationen dreidimensional im Mude
der Patientin vermessen konnte. Er hatte dafür die Bezeichnung ‚empreinte optique’ (opti-
scher Abdruck) gewählt.

Abb. 58 Dr. François Duret, unser


persönlich liebenswerter Konkurrent
auf dem Gebiet der dentalen CAD/
CAM Technologie. Seine Dissertati-
on aus dem Jahre 1971 behandelt
erstmals das Konzept des ‚optischen
Abdrucks‘ („empreinte optique“) di-
rekt in der Mundhöhle. Er präsentier-
te sein CAD/CAM System 1985 öf-
fentlich in Fernsehberichten in
Frankreich. Leider haben Marco
Brandestini und ich erst durch die
abgebildete Zeitungspublikation im
November 1985 von seinen Aktivitä-
ten erfahren.

Damit würde die bekannte Abdrucktechnik des Gebisses mit Löffel und Abform-Massen
ersetzt, die bisher in der Zahnmedizin für die Herstellung von Zahnkronen gebraucht wur-
de. – Nun, das war im ersten Moment ein Schock für unser Team. Wir hatten bis dato we-
der in der zahnärztlichen noch in der Patentliteratur etwas von dieser Methode wahrge-
nommen, noch sonst wie davon gehört. Erst bei einer erneuten Recherche stiess ich auf
sein europäisches Patent EP 0040165 aus dem Jahre 1985, Duret F, Termoz C, Michallet
C: Procédé de realisation d’une prothèse.
François Duret hatte schon 1971 in seiner Doktorarbeit die Möglichkeiten des opti-
schen Abdruckes „empreinte optique“ und der CAD/CAM Herstellung von Zahnkronen
dargestellt. Man kann ihn deshalb zu Recht als den „Vater der dentalen CAD/CAM Techno-
logie“ betrachten. Konkrete Lösungen sind aus dieser Zeit von François Duret aber nicht
bekannt. Der Hintergrund seiner Ideen lag in der prothetischen Restauration, die vor allem
die Herstellung von Vollkronen zum Ziel hatte. Zahnkronen waren auch im Vergütungssys-
tem des französischen Kassensystem enthalten. Für die Herstellung sah er zunächst ein
faserverstärktes Polymermaterial (Aristée) vor.
Der Ablauf seines Prozesses erfolgte in drei Schritten: Der Zahnarzt bringt Refe-
renzmarkierungen auf der Zahnreihe an, erstellt mit der Mundkamera mehrere Aufnahmen
Zahnrestaurationen per Computer 73

der Zahnpräparation von verschiedenen Seiten und von den antagonistischen Zähnen des
Gegenkiefers, sowie eine seitliche Aufnahme vom Schlussbiss (1). Der Zahnarzt sendet
die Aufnahmedaten per Modem an eine zentrale Fertigungsstelle oder in das Praxislabor.
Der CAD/CAM Techniker fügt dann aus den einzelnen Aufnahmen das digitale Modell
zusammen und konstruiert die Krone mit einer Software. Diese erlaubt es, mit Daten aus
einer Zahnbibliothek eine Krone auf das digitale Stumpfmodell zu konstruieren. Die Kro-
nenränder konnten an den Präparationsrand manuell angepasst werden.
Die okklusale Morphologie konnte verschiedene Konzepte der Okklusion und Artiku-
lation berücksichtigen (2). Diese Software hatte für die damalige Zeit einen hohen Entwick-
lungsstand und präsentierte sich der Zahnärzteschaft äusserst attraktiv. Im letzten Schritt
wird die Krone aus dem Materialrohling formgeschliffen, fertig ausgearbeitet und dem
Zahnarzt zugesandt (3) (Duret F, Blouin J-L, Duret B. CAD-CAM in dentistry. J Amer Dent
Assoc 1988;117 (6): 691-720).

62. Weitere CAD/CAM Pioniere


Ein anderer früher Pionier ist Bruce Altschuler, der auch im Jahre 1971 begann, das glei-
che Thema zu bearbeiten. Er war offenbar in der Lage, mit Hilfe der Laser Holographie
Zahnmodelle dreidimensional abzubilden. Ein Datenmodell konnte er daraus nicht erstel-
len, untersuchte aber auch die Möglichkeit, mit Hilfe eine Datenmodelles, Zahnformen aus
Plastik auszuschleifen (Altschuler BR. Holodontography: an introduction to dental laser ho-
lography SAM-TR-73-4 report#AD 758191, USAF School of Medicine (AFSC), Brooks Air
Force Base, 1973). Von diesem Projekt sind keine nachfolgenden konkreten Lösungen
bekannt geworden.
Ein weiteres CAD/CAM – Projekt ‚DentiCAD’ befand sich bei Dianne Rekow an der
University of Minnesota in Entwicklung („Minnesota System“). Die Aufnahme sollte hier mit
einer Kleinbildkamera mit Endoskop-Ansatz für die Mundhöhle erfolgen. Damit wurde ein
Stereo-Bildpaar von der Präparation im Munde erstellt. Das Stereo-Bildpaar sollte mit ei-
nem Scanner mit sehr hoher Auflösung digitalisiert werden. Ein räumliches Korrelations-
programm sollte die Daten zu einem dreidimensionalen Objekt umrechnen.
Auch dieses System war auf die Fertigung von Kronen ausgerichtet, wozu Standard-
formen in einem Datenspeicher zur Verfügung gestellt werden sollten. Sämtliche zur Ver-
fügung stehenden Materialien sollten in einer Fünfachsen – Formschleifmaschine bearbei-
tet werden können. Das System war für die Zusammenarbeit mit einem zentralen Labor
gedacht und wurde von der deutschen Firma BEGO unterstützt. Auch von diesem System
ist keine erfolgreiche Realisierung bekannt geworden.
Zahlreiche weitere Autoren haben CAD/CAM-Projekte in der Patentliteratur doku-
mentiert, von denen jedoch keine konkreten Lösungen resultierten. Dazu gehören: Barrut
L, Becker G und Weiden H, Caudill R, Fujita T et al., Heitlinger P, Holler W et al., Musha-
bac D R, Swinson W E, Wedendal et al. sowie Willer J und Steinbichler H. (Literaturanga-
ben in: Mörmann WH, Brandestini M. Die CEREC Computer Reconstruction, Inlays, On-
lays und Veneers. Quintessenz, Berlin 1989 p.56).
Es wäre sicher interessant, auf alle publizierten Patentideen bezüglich dentaler Pro-
duktionssysteme einzugehen, aber das würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Die
wesentlichen mir bekannt gewordenen Produktionssysteme für zahnmedizinische Restau-
rationen habe ich in den Tabellen 2/1 - 2/2 aufgelistet. Von speziellem Interesse waren die
an der Internationalen Dentalschau in Köln im Jahre 1995 präsentierten Systeme.
Zahnrestaurationen per Computer 74

Tabelle 2/1 Mitbewerber CAD/CAM- und Kopierschleif-Systeme an der Internationalen


Dentalschau in Köln 1995.

1995 Internationale Dental Schau Köln: CAD/CAM


1991 DCS - CAD/CAM CH/D
1992 Celay Kopiersystem CH
1994 DCS-Precident CH/D
1995 Ceramatic S
1995 Microdenta D
1995 Procera S

Tabelle 2/2 Alternative Restaurations-Systeme in der Schweiz und frühe japanische CAD/
CAM Systeme.

1990 - 2000 Alternative Restaurations-Systeme Schweiz


1990/91 Wohlwend A. Empress-Presskeramik
1992 Eidenbenz S. Celay Kopierschleifen manuell
2000 Filser, Gauckler, Schärer Cercon Kopierschleifen automatisch

1991 - 1995 Frühe Japanische CAD/CAM Systeme


1991 Uchiyama et al. Hokkaido
1991 Tsutsumi, Maeda Kyoto
1992 Sohmura et al. Tokio
1995 Miyasaki et al. Tokio

Praktisch alle in den Tabellen 2.1 und 2.2 erwähnten Produktionssysteme für dentale Re-
staurationen sind angesichts neuer Entwicklungen in den Hintergrund getreten.

63. Teilnahme an einem Duret-CAD/CAM Kurs


Wir wollten uns vom Stand des Duret-Systems überzeugen und meldeten uns für einen
Duret-Kurs an. Marco, Alain und ich reisten im Frühjahr 1986 nach Marseille. Gerne erin-
nere ich mich an den Vorabend. Es war schon warm, wir genossen in einem Strassen-Re-
staurant je einen ‚Loup de mer’ und ‚Côtes de Provence’ Roséwein.
Der Kurs war gut besucht. Das Scannen wurde an einer Patientin mit vorbereiteter
Präparation, an einem Prämolaren gezeigt. Zuerst mussten in der betreffenden Zahnreihe
Klammern mit Referenzmarkierungen gesetzt werden, dann erfolgte eine Reihe von Auf-
nahmen mit der sperrig wirkenden Kamera aus verschiedenen Richtungen. Wir sahen im-
mer wieder ein Rastermuster paralleler Streifen über den Bildschirm flimmern. Das erin-
Zahnrestaurationen per Computer 75

nerte an unser eigenes Messprinzip. Es dauerte geraume Zeit, bis die Aufnahmen korre-
liert waren und ein digitales Modell der Situation zur Darstellung kam.
Das nachfolgende Einpassen einer synthetischen Kronenform in der Software-Kon-
struktion auf dem Bildschirm war faszinierend, obwohl die synthetische Zahnform etwas
schematisch wirkte. Diese Software präsentierte sich aber zu jener Zeit hoch professionell
und begeisterte uns wie auch das Publikum. Die maschinelle Fertigung der Krone ist mir
nicht mehr in Erinnerung. Hardware wurde nicht gezeigt. Insgesamt hatten wir den Ein-
druck, dass der die Methode noch nicht rund lief und sehr viel Zeit beanspruchte. François
Duret erregte in der Folge mit der Darstellung seiner eindrucksvollen Software vor allem in
den Fachkreisen der prothetischen Zahnheilkunde weltweit, vor allem aber in den USA
sehr viel Aufsehen. Trotzdem kam die Methode in der praktischen Anwendung in den Fol-
gejahren offenbar nicht recht voran.
Nach meiner Einschätzung könnten mindestens drei Gründe dafür verantwortlich
gewesen sein. Der optische Abdruck erforderte es, Referenzmarken zu setzen, was die-
sen Schritt aufwändig machte (1). Durch die Vielzahl der Aufnahmen wurde eine grosse
Datenfülle erzeugt, welche die damaligen Rechnerkapazitäten stark überforderte. Der
Zeitbedarf für die Berechnung des digitalen Modells und für die Konstruktion der Krone
dauerte deshalb sehr lange (2). Offenbar genügten wohl auch die Präzision des virtuellen
Zahnmodells, und infolgedessen auch die Passgenauigkeit der formgeschliffenen Kronen,
im Vergleich zur klassischen Zahntechnik den Ansprüchen der Fachvertreter nicht (3).
Die fachlichen Ansprüche an das Duret-System waren m. E. für den damaligen Stand
der Computer-Technik viel zu hoch, weshalb das Verfahren mit der klassischen Abdruck-
Modellmethode nicht wirklich konkurrieren konnte. War es doch als indirekte Herstel-
lungsmethode im CAD/CAM Labor dem unmittelbaren Vergleich mit der etablierten Tech-
nik der metallkeramischen VMK-Krone ausgesetzt. Im Weiteren dürfte die komplexe Soft-
ware mögliche Industriepartner von einem Engagement abgeschreckt haben, denn Soft-
warekompetenz wie sie heute existiert, war damals in den Dentalfirmen nicht vorhanden.
Sicher kam auch das von François Duret anfänglich vorgesehene faserverstärkte Kunst-
stoffmaterial nicht gut an.
Unser CEREC-Team war nach dem Besuch dieses Duret-Kurses überzeugt, dass wir
mit unserer eigenen Methode eine sehr gute Ausgangsposition im Bereich der Füllungs-
therapie hatten, mit dem Unterschied, dass ich eine konsequente fachliche Problemreduk-
tion auf das damals technisch Machbare verfolgte wie z.B. das Formschleifen entlang der
mesio-distalen Hauptachse. Zudem fand Marco die steuerungstechnisch schnellen Lösun-
gen für den optischen Abdruck und das Formschleifen.
Ganz wesentlich waren das von mir wissenschaftlich unterlegte, ausgefeilte klinische
Handling der adhäsiven Befestigung und die Zusammenarbeit mit einem angesehenen
traditionellen Hersteller von Dentalkeramik, der Firma VITA Zahnfabrik. Hierdurch war un-
ser System bereits auf dem damaligen Entwicklungsstand in der Zahnarztpraxis mit Ge-
winn für Patient und Zahnarzt anwendbar.
CEREC hatten wir auf einer vollkommen eigenen Schiene, ohne Kenntnis des Duret-
Systems, für die chairside Anwendung des gesamten Prozesses in einer Behandlungssit-
zung durch den Zahnarzt in der Praxis und nicht für das Praxislabor entwickelt. Wir gingen
davon aus, dass im CAD/CAM Bereich auf jeden Fall Platz für beide Methoden bestand.

64. Abgrenzung und Charakterisierung des CEREC Systems


Der Hintergrund des CEREC Systems liegt im Fachbereich der konservierenden Zahnheil-
kunde und geht von der Philosophie der „defekt-orientierten“ Behandlung aus. Diese wur-
de durch meinen beruflichen Werdegang am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich
Zahnrestaurationen per Computer 76

geprägt. Die präventive und minimal-invasive Orientierung in der therapeutischen Kariolo-


gie, d.h. in der restaurativen Behandlung der kariösen Zahnschäden, habe ich von mei-
nem damaligen Chef, Professor H.R. Mühlemann gelernt. Er hat die wissenschaftlich ba-
sierte, präventiv orientierte Zahnmedizin während seiner Amtszeit in den Jahren
1953-1983 in Zürich etabliert. Deshalb habe ich die CEREC Methode zuerst auf die Teil-
versorgung kariöser Defekte des Zahnes mit Inlays (Einlagefüllungen), Onlays (Teilkronen)
sowie Veneers (Verblendschalen) gerichtet und nicht auf die Restauration mit der Vollkro-
ne.
Die volle Überkronung eines Zahnes folgt der Regel „Extension for Prevention“ des
amerikanischen Zahnarztes und Lehrers G.V. Black (1836–1915). Unter den beschränkten
Möglichkeiten der Kariesprophylaxe zu Lebzeiten Blacks mag es richtig gewesen sein,
gleich den ganzen Zahn durch eine Überkronung zu schützen, auch wenn er nur lokalisiert
von Karies befallen war.
Heute behandelt man, mindestens nach der Zürcher Schule, die Karies begrenzt
auf den Bereich des Defektes und führt den Patienten zu Prophylaxe-Massnahmen, die
die Entwicklung neuer Karies an einer anderen Stelle des Zahnes verhindern. Diese Ziel-
richtung der Entwicklung von CEREC auf die Behandlung kariöser Defekte mit Inlays, er-
laubte von vorne herein eine Problemreduktion in allen Bereichen der Scan- und CAD/
CAM Technologie und liess die schnelle Abwicklung des Prozesses zu, wodurch der Ein-
satz als „chairside Methode“ erst möglich wurde.
Für die fachliche Akzeptanz der CEREC Methode war entscheidend, dass das klini-
sche Verfahren, durch die adhäsive Verklebung des keramischen Inlaykörpers mit dem
Zahn mittels polymerbasiertem Komposit, von der Notwendigkeit hoher Passgenauigkeit
wie sie für Metallrestaurationen erforderlich ist, entkoppelt wurde.
Der dauerhaft dichte Verschluss des behandelten Zahnes ist Karies-therapeutisch
und Karies-protektiv entscheidend. Diese von mir durch eigene und Studien anderer für
CEREC Inlays neu gewonnene Erkenntnis bestätigte sich in Langzeit-Überlebensstudien,
wurde aber insbesondere von der technologisch metallbasierten Zahntechnik und von pro-
thetisch-zahntechnisch orientierten Zahnärzten zunächst nicht akzeptiert. Wobei klar sein
sollte, dass die von der Zahntechnik beanspruchte hohe Fertigungstechnik und Präzision
der Passgenauigkeit besonders für komplexe Metall-Restaurationen unverzichtbar ist. Bei
der heutigen im Jahre 2020 erreichten hohen Fertigungsgenauigkeit von CEREC Restau-
rationen sind manuelle Korrekturen durch die perfekte Primärpassung auf ein Minimum
reduziert.
Für das Scannen war damals meine Erkenntnis wichtig, dass alle wesentlichen
Wand- und Bodenteile mit einer einzigen Aufnahme aus Blickrichtung der Einschubachse
erfasst werden konnten. Durch die Begrenzung auf eine einzige Momentaufnahme war die
Datenmenge des optischen Abdrucks von der damals noch wenig leistungsfähigen Hard-
ware problemlos beherrschbar.
Unsere Konstruktion der Kamera nach dem Vorbild eines leichten, schlanken zahn-
ärztlichen Instrumentes nach meinen Vorstellungen und die elegante Organisation der Da-
tenverarbeitung beim optischen Abdruck durch Marco Brandestini, erlaubte die dreidimen-
sionale Vermessung als Momentaufnahme ohne die Anbringung von Referenzmarkierun-
gen und ohne damals langwierige Anlagerungsprozesse einer Reihe von Einzelaufnah-
men.
Die Konstruktionssoftware konnte durch die Beschränkung auf ein Rahmengerüst
und zweidimensionale Konstruktionsschritte in Längs- und Querschnittsdarstellungen mit
geringen Datenmengen betrieben werden, die keine zusätzlichen Rechenzeiten der da-
Zahnrestaurationen per Computer 77

mals beschränkten Hardwarekapazität verlangten. Der Schleifprozess war einfach und ro-
bust organisiert und lief in Minuten ab.
Als Ziel des je nach Grösse des Inlaykörpers zwischen 5 und 10 Minuten schnellen
Formschleifprozesses konnten keramische Restaurationskörper mit einer Passtoleranz an
den Rändern von bis zu 500 µm akzeptiert werden. Das adhäsiv-technische Einsetzen der
Passkörper mit plastischem Komposit führte zum dauerhaft randdichten Verschluss des
zuvor kariösen Defektes (Diss 5). Dieses Vorgehen basierte auf den von Felix Lutz und
Mitarbeitern seit 1974 in Zürich erarbeiteten Grundlagen der adhäsiven Zahnheilkunde
und auf meinen eigenen Voruntersuchungen.
Die wissenschaftlich basierte Behandlungsphilosophie und die praxiskonforme Funk-
tion des Gerätes dürfte dazu beigetragen haben, dass wir für das System einen starken
Industriepartner finden konnten.

15) EINTRITT IN DIE DENTALE GESCHÄFTSWELT

65. Gründung der Brains AG


Marco und ich hatten bisher alle vier CEREC Patente (Verfahren, Gerät, Blöcke und Ka-
mera) gemeinsam als Erfinder unter unseren beiden Namen angemeldet. Die Firma Pro-
ceq S.A. hatte Vorleistungen durch die Anstellung und Bezahlung von Dr. Marco Brandes-
tini und Dr. Alain Ferru geleistet. Die drei Partner Marco Brandestini, Werner Mörmann und
die Firma Proceq S.A. gründeten im November 1985 die Firma Brains AG in Zürich mit ei-
nem Aktienkapital von einer Million Schweizer Franken. Ich konnte mich mit 33% daran
beteiligen und wurde Verwaltungsratspräsident während Marco als Geschäftsführer amte-
te.

Abb. 59 Liste der


CEREC Patentan-
meldungen beim
Europäischen Pa-
t e n t a m t i n M ü n-
chen. Diesen waren
nationale Anmel-
dungen in der
Schweiz vorausge-
gangen. Anmeldun-
gen in USA und Ja-
pan folgten.

Die Brains AG hatte


die Aufgabe, CE-
REC Geräte zu
produzieren und zu
verkaufen, die Pa-
tente und Marken-
rechte zu verwalten
und nach aussen zu
vertreten. Brains
Zahnrestaurationen per Computer 78

mietete eigene Geschäftsräume an der Bühlstrasse 1 in Zollikerberg, ein zur Gemeinde


Zollikon gehörender Ortsteil an der Peripherie der Stadt Zürich. Die Räume waren dazu
geeignet, vorerst 25 Geräte nach dem Muster des Prototyp-Gerätes zu assemblieren. Die
Teile waren bestellt, geliefert und bereit für die Produktion.
Meinen Anteil am Aktienkapital finanzierte ich mit Erspartem und durch die Verpfän-
dung unserer Lebens- und Rentenversicherungen. Aus der lockeren Forschungs- und
Entwicklungsarbeit wurde dadurch Ernst mit kommerziellem und existentiellem Risiko, frei
nach der Devise ‚High-Tech – High-Risk’. Wir hatten ein aus Familienmitteln finanziertes
Startup Unternehmen gegründet. Meine Stellung als Privatdozent und Oberarzt am Zahn-
ärztlichen Institut war zeitlich nicht begrenzt und ich arbeitete hoch aktiv in der Forschung.
Jeanette und ich hatten Nachwuchs, die Tochter Viviane Leonie 1982 und Sohn Jan Fre-
deric 1984, das verlangte von der jungen Familie im Gründungsjahr von Brains 1985 und
danach den Einsatz an mehreren Fronten.

66. Kontakte mit möglichen Systempartnern, 3M und Dentsply


Zuerst meldete sich anfangs 1986 ein freundlicher Technologie-Scout der Firma 3M bei
mir im Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich. Ich zeigte ihm das System und er war
hochinteressiert. Er sagte, die Firma würde sich in Kürze bei mir melden, um den Kontakt
zu vertiefen. Eine schriftliche Bestätigung oder Nachricht gab es nicht. Viel später, zu An-
fang Oktober 1986 tauchten aus dem heiteren Himmel drei amerikanische Herren der Fir-
ma 3M in schwarzen Anzügen im Institut auf und wollten sich für das CEREC System in-
teressieren. Da waren aber die Würfel bereits für ein anderes Unternehmen gefallen, so
blieb das Gespräch kurz.
Die Firma Dentsply International meldete sich bei der Brains AG. Der CEO, Herr Burt
Borgelt und sein „Director Research & Development“, Emery Dougherty, aus der interna-
tionalen Zentrale von Dentsply in York, Pennsylvania, USA, bezogen die Lakeview Suite
im obersten Geschoss des damalige Hotels ’Zürich’ und luden Marco Brandestini und mich
zu einem Gespräch dorthin ein.
Burt und Emery waren freundliche Dental-Professionals mit grosser Berufserfahrung.
Zum gegenseitigen Kennenlernen erzählte Burt voll Stolz, dass er seine Berufskarriere als
Laufbursche in der Firma Dentsply angefangen und es bis zum CEO gebracht hätte, mit
einem Satz, er war die Personifikation des „American Dream“. Das war sehr sympathisch
und sehr beeindruckend.
Emery erwähnte, dass er die Zahnärzte als Gewohnheitsmenschen kennengelernt
habe, die sehr lange bei einem Produkt oder einer Methode bleiben, auch wenn es inzwi-
schen etwas Besseres gibt. Was CEREC betrifft meinten beide, dass wohl zuerst die „we-
niger etablierten“ Zahnärzte auf die Methode einsteigen würden, um ihr Image mit einer
neuesten, spektakulären Methode aufzubessern. Die Einführung wäre deshalb sehr
schwierig und dürfte nur von einer sehr grossen Firma mit Erfolg durchgeführt werden
können. Das klang sehr plausibel, wir verstanden uns gut. Burt langte plötzlich in die
Brusttasche seines Sakkos, holte sein Scheckbuch heraus, öffnete es auf dem Tisch, holte
seinen Füllhalter heraus, nahm die Kappe ab, strich den Scheck glatt, machte sich bereit
zum Schreiben und sagte zu uns: “Tell me a number“. Er wollte CEREC kaufen.
Das war dramatisch und verblüffte uns zunächst einmal. Dann bedankten wir uns
sehr für die Geste. Ich stellte die Frage, ob Dentsply denn eine Entwicklungsabteilung und
ein Ingenieurteam für computergesteuerte Geräte zur Verfügung hätte. Burt meinte, man
könnte CEREC bei der Cavitron-Ultraschallgeräte Fabrik auf Long Island angliedern. Wir
fanden, dass dies wohl technologisch nicht genügen würde. Marco führte die technischen
Probleme noch weiter aus. Für Marco und mich war klar, dass Dentsply zu dieser Zeit auf
Zahnrestaurationen per Computer 79

der Technologieseite keine kompetenten Ansprechpartner hatte. Burt und Emery sahen
das Problem.
Aber auf der Materialseite konnte Dentsply ein interessanter Partner sein. Dentsply,
hatte nämlich die Vertriebsrechte für DICOR-Glaskeramik, die von der Corning, Inc. Glas-
fabrik im Ort Corning im State New York hergestellt wurde. DICOR war als Material für
Vollkronen im Laborbereich zu jener Zeit in der restaurativen Zahnmedizin sehr begehrt
und wurde konventionell über eine Keramik-Presstechnik zur Herstellung von Kronen ein-
gesetzt. Wir würden dieses Material als CEREC Block für den amerikanischen Markt ein-
setzen können und verblieben mit Burt und Emery bei dieser Option.
Der Entwickler der Dicor Glaskeramik Dr. David Grossman hatte später dann die
Aufgabe, das Dicor für die Produktion von CEREC-Blöcken als „Machinable Glass Cera-
mic“, das sogenannte „Dicor MGC“ und das MGCF mit intrinsischer Fluoreszenz vorzube-
reiten. Ich besuchte ihn in der Fabrik, im Ort ’Corning’ im Staate New York und war von
den Produktionsmöglichkeiten und der Vielfalt der Produkte der Firma Corning, Inc. stark
beeindruckt.
Die Option, eine amerikanische Glaskeramik mit der CEREC Methode anzuwenden,
erwies sich später als interessante Alternative zur Feldspatkeramik für die Forschung an
amerikanischen Dental Schools und in US-Privatpraxen, die mit CEREC arbeiteten.

Neunter Teil: CEREC findet den Industriepartner

16) 1986 KOOPERATION MIT SIEMENS DENTAL

67. Produktionsstart von CEREC 1 Geräten bei BRAINS


Die Firma Brains beschloss nach ihrer Gründung im November 1985, Bauteile für 25 Ce-
rec-Geräte nach Muster des Prototyps einzukaufen und diese Geräte an der Bühlstrasse 1
zusammenzubauen. Brains bezog die angemieteten Geschäftsräume im obersten Ge-
schoss im Haus an der Bühlstrasse 1 in Zollikerberg und liess die bestellten Teile liefern.
Jeanette hatte das Teileregister, anhand der früheren Einkäufe der Teile für den Bau des
Prototyps, schon im Sommer komplettiert.
Ich lud den damaligen CEO von Siemens Dental, Herrn Ernst August Behne und sei-
nen Forschungs- und Entwicklungsleiter, Herrn Otto Fleer ein, an unserer Klinik einer klini-
schen Demonstration der CEREC-Methode beizuwohnen. Die Demo war überzeugend
und die beiden Herren waren von der Technik sehr beeindruckt. Sie wollten die CEREC
Technologie zur Fertigung und Weiterentwicklung sowie die baldige Einführung in den
Dentalmarkt übernehmen. Die Zusammenarbeit mit Brains zur Übertragung der Technik
nach Bensheim und die weitere Beratung sollten vertraglich gesichert werden. Wir verein-
barten, dass Siemens einen Vertragsvorschlag machen würde.
Herr Ernst August Behne erinnerte sich 32 Jahre später, dass er aus den folgenden
Gründen vom CEREC-System sehr beeindruckt war:

1. „Weil damit ein neuartiges Verfahren der Kariestherapie vorliegt“,


2. „der Abdruck optisch gewonnen und elektronisch verwertet wird“,
3. „durch die Verwendung eines Keramikwürfels einige Probleme im Munde lösbar
werden: korrekte und dauerhafte Farbwahl für die spätere Füllung, chemische
Zahnrestaurationen per Computer 80

Beständigkeit des Füllungsmaterials und gleicher thermischer Ausdehnungskoef-


fizient wie der Zahnschmelz“,
4. „eine kleine hochtourige Schleifeinrichtung aus jenem Keramikwürfel anhand des
elektronischen Abdrucks ohne Zeitverzug das Inlay herstellt.“
5. „die Versorgung mit so einem hochwertigen Inlay in nur einer Sitzung möglich ist
und“
6. „dafür ein einziges kompaktes Gerät notwendig ist.“

Als nächstes besuchte Siemens Dental unter der Führung des Standortleiters, Herr Beh-
ne, die Firma Brains in Zollikerberg mit einer Delegation von Firmen-Experten, um ihr
technisches Personal mit dem System im Detail bekannt zu machen. Verschiedene Inge-
nieure sollten die Voraussetzungen für die Übernahme dieser Technologie und die Schaf-
fung der dafür erforderlichen Voraussetzungen im Siemens Dental Werk in Bensheim be-
urteilen.
Dabei waren auch Marketing- und Vertriebsleute. Nun, - das repräsentierte echtes
Interesse und zeigte, dass bei Siemens Dental technische und wirtschaftliche Kompetenz
vorhanden war. Dazu kam das Bewusstsein, dass Siemens Dental eine Tochtergesell-
schaft von Siemens Medical innerhalb des Siemens-Konzerns war, mit nach unserer Er-
wartung endlosen Forschungs- und Entwicklungs-Ressourcen. Das machte auf uns Ein-
druck und erweckte in uns die Hoffnung auf eine starke Partnerschaft, die in der Lage sein
würde, CEREC in den Markt einzuführen und technisch zu unterstützen.

68. Kontakte mit anderen möglichen Systempartnern


Zwischen den folgenden Treffen mit Siemens Dental fanden noch zahlreiche Kontakte mit
weiteren Dentalfirmen statt, von denen ich hier nur die wichtigsten nenne.
Es gab eine Demo für die Firma Ivoclar Vivadent. Das Interesse an der neuen Tech-
nologie war gross, aber Ivoclar war im Wesentlichen auf den Materialsektor und die Ver-
sorgung des zahntechnischen Labors ausgerichtet und verfügte nicht über eigene Grund-
voraussetzungen für die Produktion und Weiterentwicklung eines elektro-optischen digita-
len Systems. Man wollte hauptsächlich die neue Technologie kennenlernen.
Ivoclar hatte ja zur gleichen Zeit die Keramik-Presstechnik „Empress“ zur Marktreife
entwickelt und war daran interessiert zu sehen, wie sich die neue Konkurrenztechnik prä-
sentierte. Ivoclar-Vivadent wurde zunächst mit seiner Leuzit-verstärkten Block-Keramik
„ProCAD“, später in „EmpressCAD“ umgetauft, zum Materialpartner von CEREC und führ-
te später die Lithiumdisilikat-Blockkeramik „IPS e.maxCAD“ ein, die sich dann zum erfolg-
reichsten Kronenmaterial zur Anwendung im CEREC-System entwickelte.
Die technische Abteilung des Zahnärztlichen Instituts hatte eine Verbindung zur Fir-
ma KaVo. Unsere Kliniksäle waren mit KaVo-Behandlungseinheiten ausgestattet. So er-
gab sich das Interesse von KaVo für CEREC und ich demonstrierte das System für diese
Firma. Marco und ich erhielten eine Einladung, das Werk in Biberach a. d. Riss zu besu-
chen. Wir waren von den Produktionsstätten sehr beeindruckt, fanden beim Management
aber nach verschiedenen Gesprächen kein mit Siemens Dental vergleichbares Potential
und Interesse für eine Partnerschaft.
Einer der prominentesten Hersteller von sogenannt seitenzahntauglichem Komposit
war in den 70 er Jahren, zu Beginn der Komposit-Ära, die Firma Johnson & Johnson mit
der Kompositmarke „Adaptic“. Herr Brian Bootel meldete sich Anfang August 1986 bei mir
und interessierte sich für CEREC. Nach der Demo von CEREC erzählte er mir, dass John-
son & Johnson beschlossen hatte, die Produktion und den Verkauf von ihres Komposits
’Adaptic’ einzustellen. Jetzt, nachdem er die chairside Herstellung von keramischen Re-
Zahnrestaurationen per Computer 81

staurationen per Computer kennengelernt hatte, sei er sicher, dass diese Entscheidung
richtig war. Die Firma sei angesichts der damals aufkommenden Furcht vor der Aids-Infek-
tion in der Zahnarztpraxis in die Produktion von Gummihandschuhen eingestiegen, das sei
wesentlich profitabler als das Geschäft mit Kompositen.

69. Vertragsabschluss Brains AG – Siemens AG


Siemens Dental machte einen Vorschlag für einen Patentlizenz- und Kooperationsvertrag,
der vom Syndikus der Firma Siemens AG in Erlangen Herr Robert Kirschbaum vorge-
schlagen und mit diesem verhandelt wurde. Meine Sorge war, dass Siemens während der
Vertragsdauer aus irgendwelchen Gründen die Nutzung der Patente und die Zusammen-
arbeit einstellen könnte. Um aber in einem solchen Fall Brains die Weiterarbeit auf dem
dann zumal erreichten Entwicklungsstand zu ermöglichen, verlangte ich in den Vertrag ei-
nen Punkt einzuführen, der die Rücknahme der Nutzungsrechte durch Brains und die Ab-
gabe sämtlicher bis zu diesem Zeitpunkt erreichten Entwicklungsunterlagen an Brains si-
chern sollte.
Dass ein solcher Passus nicht weltfremd war, zeigte sich während des schleppenden
Absatzes von CEREC 1 in den Jahren von 1987/88 bis 1994. Mehrfach entstanden kriti-
sche Situationen, in denen die Finanzaufsicht über die ‚Medizinische Technik des Unter-
nehmens-Bereichs Medizin (UB Med)’, die Einstellung des CEREC-Projektes diskutierte.
Herr Kirschbaum nahm denn auch mein Begehren nach einigen Verhandlungen unter
Punkt 5.7 in den Vertrag auf.

Abb. 60 26. August 1986 Unterzeichnung des Brains - Siemens Vertrages. Von links
nach rechts: Herr Antonio Brandestini, Marco Brandestini, Werner H. Mörmann und Herr
Ernst August Behne, Standortleiter des Dentalbereichs der Firma Siemens in Bensheim,
Deutschland.
Zahnrestaurationen per Computer 82

Wie sich später herausstellte, war dieser Passus aber nicht durchsetzungsfähig, als Sie-
mens UB Med 1996/97 aufgrund des Finanzbedarfs der Sparte beschloss, die Tochterge-
sellschaft Siemens Dental an eine Finanzgesellschaft zu verkaufen. Aus Siemens Dental
wurde dann die Firma Sirona unter neuem Management. Das Siemens Dental CEREC
Team und auch Brains waren durch diesen Vorgang zunächst geschockt und sahen die
erfolgreiche Weiterführung von CEREC in dieser von Siemens UB Med getrennten Situati-
on als gefährdet an. Diese Befürchtungen erwiesen sich aber bald als unbegründet, Sirona
hatte zu jener Zeit mit CEREC 2 das beste zukunftsweisende Asset, das auch die finanzi-
elle Bewertung von Sirona in die Höhe trieb. Aber diese Entwicklung war zu Zeiten des
Vertragsabschlusses 1986 zwischen Brains und Siemens Dental noch weit entfernt.
Jedenfalls kam es zum Abschluss des Vertrages zwischen Brains und Siemens.
Marco Brandestini, sein Vater Antonio und ich reisten nach Bensheim und unterzeichneten
im Verwaltungsgebäude an der Fabrikstrasse 31 das Vertragswerk mit dem Datum des 26.
August 1986 zusammen mit dem Standortleiter von Siemens Dental, Herrn Ernst-August
Behne. Wir stiessen mit Herrn Behne mit hessischem Sekt auf den Vertragsabschluss an
und waren gemeinsam voller Zuversicht. Das war der erste Schritt zur industriellen Reali-
sierung der digitalen Zukunft in der restaurativen Zahnmedizin.
Ich bin Herrn Ernst-August Behne, für seine Weitsicht und seinen Mut, mit denen er
damals das Projekt bei den leitenden Herren von Siemens im Unternehmensbereich Me-
dizinische Technik (UB Med) in Erlangen durchgesetzt hat, zu grossem Dank verpflichtet.
Marco und ich durften uns angesichts des bis dahin Erreichten richtig gut fühlen. Aber sehr
schnell wurden wir vom Industriepartner voll gefordert.

70. Vorstellung von CEREC 1 für den Vorstand von Siemens UB Med
Gleich im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung erhielt ich die Einladung, am 26. Sep-
tember 1986 die CEREC Methode, den Herren des Vorstandes des Siemens Unterneh-
mensbereiches Medizinische Technik (UB Med) vorzustellen. Offizieller Anlass war die
Verabschiedung von Herrn Harald Burger, dem Fabrikleiter von Siemens Dental in Bens-
heim. An der Veranstaltung nahmen der CEO von UB Med, Herr Dr. Friedrich Kuhrt und
Herr Werner Maly, General Bevollmächtigter kaufmännischer Vorstand von UB Med, sowie
die Herren des Führungskreises von Siemens Dental in Bensheim teil. 
Man versammelte sich im Ausstellungsforum im Parterre des alten Verwaltungsge-
bäudes an der Fabrikstrasse 31. Ein Teil des Raumes bot ein kleines Auditorium in dem
die Herren Platz nahmen. Zu Unterrichtszwecken hatte ich schon im Frühjahr 1986 ein 17
min dauerndes Lehr-Video mit der professionellen Mannschaft der Televisionsabteilung
der Universität Zürich produziert und mit Musik und Text vertont. Es zeigte die komplette
chairside Behandlung einer Patientin mit einem CEREC Inlay. Zur Einleitung führte ich den
Herren dieses Video vor. Die Behandlung lief im Video flüssig in geraffter Weise ab und
machte einen perfekten Eindruck.
Danach hatte ich die live Demonstration unseres Prototyp-Gerätes vorgesehen, da-
mit die Herren mit eigenen Augen direkt die Funktionsweise des Gerätes beurteilen konn-
ten. Ich hatte das wegen der gelben Farbe, die „Zitrone“ genannte Prototypgerät aus Zü-
rich nach Bensheim im Auto mitgebracht und ein Gebissmodell aus Gips mit einer mod-
Präparation in einem oberen Prämolaren.
Das Gerät stand jetzt in der Mitte des Raumes, war angeschlossen und funktionsbe-
reit und die Teilnehmer sahen der Vorführung mit Spannung entgegen. Das waren einer-
seits die Herren von Siemens Dental, die die CEREC Methode befürwortet und das Enga-
gement vorangetrieben hatten und andererseits die Herren von Siemens UB Med, die von
ihrer übergeordneten Funktion her, eine distanzierte Haltung einnehmen konnten. Die
Zahnrestaurationen per Computer 83

Spannung im Raum stieg spürbar. „Sehr geehrte Herren, ich freue mich, Ihnen die Ar-
beitsweise des Gerätes jetzt live zu zeigen“, richtete ich mich an die Führungsherren. Dar-
auf ergriff der CEO von UB Med, Herr Dr. Friedrich Kuhrt das Wort und fragte mich: „ Sa-
gen Sie einmal, junger Mann, sind Sie der einzige, der dieses Gerät bedienen kann??“
Das war für mich eine perfekte Vorlage. „Um Ihre Frage zu klären, wäre es am bes-
ten, wenn Sie zu mir an das Gerät kämen. Wenn Sie möchten, bedienen wir es zusammen
und produzieren gemeinsam ein CEREC Inlay“, entgegnete ich. „Ah, das ist eine gute
Idee“, meinte er und kam herüber. Ein Stuhl wurde gebracht, ich gab ihm die Kamera in
die Hand und bat ihn das Fusspedal für die Aktivierung der Kamera heruntergedrückt zu
halten. Ich führte seine Hand mit der Kamera in die Aufnahmeposition über der Prämola-
ren-Kavität im Gipsmodell und bat ihn den Fussauslöser zu entlasten. Schon hatten wir
den optischen Abdruck! Ich führte ihn durch die Konstruktionsschritte, liess ihn die Markie-
rungslinien mit dem Cursor setzen. Die Software fand die okklusalen Ränder der Kavität.
Wir gaben die approximalen Kontakt- und Randleistenlinien ein. Ich bat ihn dann, die Kon-
struktion abzuschliessen, wodurch die Software die Inlayflächen bildete und die Konstruk-
tion automatisch abschloss. Ich zeigte ihm wie man den Keramikblock in die Maschine
einsetzt. Er tat es, schloss die Schleifkammer und startete den Schleifvorgang.
Das Formschleifen des Prämolaren-Inlays
würde ca. 5 min dauern. Ich erklärte Herrn Dr.
Kuhrt die Mechanik des Schleifvorganges und er
verfolgte die graphische Darstellung der Schleifak-
tionen auf dem Monitor des Gerätes mit grösstem
Interesse (Abb. 61).

Abb. 61 Darstellung der Einstechbewegungen


des Schleifkopfes der CEREC Formschleifma-
schine und der Abarbeitung der Arbeitspunkte der
Schleifscheibe während dem Formschleifen des
Inlays.

Unten am Gerät begann Wasser am Anschluss


des Druckschlauches zur Schleifkammer mit zu-
nehmender Tendenz auf den Boden zu tropfen. Es
war früher schon einmal vorgekommen, dass der
Schlauch abplatzte. Ich fühlte wie die Schleifzeit
sich dehnte, am Boden bildete sich eine kleine
Wasserlache. Angst überfiel mich, dass sich der
Schlauch mit einem Wasserschwall ablösen könn-
te.
Aber der Anschluss hielt. Plötzlich war der Schleifvorgang zu Ende, die Maschine
stoppte, das Prämolaren-Inlay lag fertig auf dem Bodensieb der Schleifkammer. Ich bat Dr.
Kuhrt, die Schleifkammer zu öffnen und das Inlay herauszuholen. „Nun setzen Sie das In-
lay in die Kavität ein“. Er setzte es auf den Zahn. Nein, das war verkehrt herum. Aber um-
gekehrt glitt das Inlay sehr gut passend in die Kavität. Er war verblüfft und sagte hocher-
freut: „Wenn ich das kann, dann kann das jeder auf der ganzen Welt“.
Es hatte ihm Spass gemacht, die Methode leuchtete ein, es hatte funktioniert. Ein
Aufatmen ging durch alle im Raum - es herrschte allgemein Freude über die erfolgreiche
Aktion. Ich war sehr stolz darauf, dass CEREC den ultimativen Test bestanden hatte und
fühlte mich wunderbar. Nun konnte alles weitergehen.
Zahnrestaurationen per Computer 84

71. Siemens Dental formiert das CEREC Forschungs- und Entwicklungs Team
Der Vertrag verpflichtete Marco zu einer Präsenz in Bensheim über mehrere Monate
zwecks Einschulung des zu bildenden CEREC Produktions- und Weiterentwicklungs-
Teams in die neue Technologie. Dazu übernahm Siemens Dental sämtliche bei Brains
vorhandenen Teile und Unterlagen für die 25 CEREC 1 Geräte, ausserdem war der Sour-
ce Code der CEREC 1.0 Software zu übermitteln. Eines der Geräte musste von Brains
funktionstüchtig abgeliefert werden.
Ich wurde zur zahnmedizinischen Beratung von Siemens Dental bei der Weiterent-
wicklung in allen Aspekten der Methode und zur Repräsentation des Verfahrens in der
zahnmedizinischen Fachwelt verpflichtet. Als erstes wurde ich In diesem Zuge eingeladen,
Werbeaufnahmen des von Brains gelieferten CEREC 1 Gerätes im Werbestudio von Sie-
mens Medizintechnik in Erlangen zu steuern, eine der Aufnahmen ist in Abb. 62 darge-
stellt.
Die Verpflichtung CEREC zahnmedizinisch zu vertreten, war mit meiner Forschungs-
und Entwicklungsarbeit am Zahnärztlichen Institut sehr gut vereinbar und führte zu wis-
senschaftlichen Arbeiten, welche die Formschleiftechnik, die Erweiterung der Methode auf
Onlays und Veneers, die Materialerprobung, die klinische Bewährung, die Weiterentwick-
lung der Weissmattierung für das optische Scannen, die automatische Kantendetektion,
die Optimierung der Adhäsivtechnik der
Restaurationen und die klinische Be-
währung der Methode betrafen, sowie
die Schulung von interessierten Zahn-
ärzten in CEREC Ausbildungskursen.

Abb. 62 Aufnahme der Zahnarzt-Pa-


tientensituation beim Scannen in der
Mundhöhle der Patientin. Heute würde
der Zahnarzt Handschuhe und Mund-
schutz tragen. Der Aufnahmebereich
im Munde könnte durch das isolierende
Kofferdam-Gummituch abgedeckt sein.
Aber die Zeiten waren 1986 noch nicht
so kritisch.

Unmittelbar nach meiner CEREC-Prä-


sentation vor UB Med ernannte der Lei-
ter der Abteilung Marketing von Sie-
mens Dental, Herr Franz Stüber, Herrn
Heinz Riedinger, den bisherigen Pro-
duktmanager für Messplätze, zum Produktmanager für das CEREC System.
Das Siemens Dental CEREC-Team der ersten Stunde für die Produktion und Weiter-
entwicklung wurde gebildet. Zuständig waren:

Teamsprecher und Dokumentation: Dieter Petruch,


Kamera: Harald Hamann und Axel Schwotzer
Software: Günter Saliger
VDE Sicherheitsprüfung und Normenkonformität: Walter Schneider
Konstruktion: Günter Moritz
Montage: Johann Vorreiter
Zahnrestaurationen per Computer 85

Und ergänzend 1987


Elektronik: Bernd Nickel (ein ehemaliger Schulkollege von mir)
Bildgebende Systeme: Joachim Pfeiffer stiess zu Beginn des Jahres 1987 dazu.

Damit war aus den drei Entwicklern bei Brains, die Gruppe von sieben Entwicklern und
zwei Managern bei Siemens Dental entstanden. In den folgenden Monaten fuhren Marco
und ich regelmässig zu Besprechungen mit dem Team frühmorgens mit dem neuen
Brains-Firmenwagen Saab 9000 von Zürich nach Bensheim und am Abend wieder zurück.
Mangels Platz im Werk und im Verwaltungsgebäude hatte Siemens Dental bei der
benachbarten Firma „Cirac“, (was durch die Ähnlichkeit dieses Namens mit CEREC ganz
gut passte), das Pförtnerhaus gemietet, in dem sich das CEREC-Team zunächst mit ge-
nügend Raum einrichten konnte. Die Stimmung im neu gebildeten Team selbst und zwi-
schen dem Team und uns war stets gut.
Zwar waren Marco und ich die Aussenseiter, aber die Pionierstimmung, die Marco
und mich stets begleitete, ergriff schnell auch das CEREC Team. Es bildete im Verhältnis
zur übrigen Belegschaft von Siemens Dental eine ganz besondere Truppe als Vorreiter der
digitalen Entwicklung in der restaurativen Zahnmedizin und als Entwickler eines neuen
Produkts und möglichen Umsatzträgers. Die übrige Belegschaft von Siemens Dental spal-
tete sich wie bei den Zahnärzten in die Fraktionen der begeisterten Befürworter und jene
der skeptischen Ablehner des CEREC-Systems.

72. Erarbeitung der neuen Technologie im CEREC F&E-Team


Die Verbreiterung der Entwicklungsbasis begeisterte mich, aber ich musste im industriellen
Bereich auch lernen mit der Arbeitsorganisation und den Zielen des Grossunternehmens
umzugehen.
Die praktisch automatische Übereinstimmung zwischen Marco und mir, die schnelle
Entschlussfassung und Durchführung von Entwicklungsschritten im Zweierteam war be-
endet. Sie blieb mir im Bereich der klinischen Verfahrenstechnik sowie in der Materialfor-
schung und Geräteerprobung.
Ganz wichtig war die Kooperation mit Siemens im Bereich der Ausbildung von Pri-
vatzahnärzten zu CEREC Anwendern. Als anerkannter Fachvertreter der CEREC Methode
in meiner Eigenschaft als Dozent an der Universität Zürich blieb ich für Siemens Dental
und das CEREC Entwicklungsteam ein wertvoller Partner.
Ganz anders entwickelte sich die Situation von Marco. Es kam nun nicht mehr darauf
an, das System überhaupt zum Laufen zu bringen, die damit verbundene Mühsal und
Faszination war weg. CEREC musste nun in die Arbeitsweise und die kommerziellen Be-
dürfnisse von Siemens Dental, d.h. die industrielle Entwicklung, Produktion und Vermark-
tung übertragen werden.
Das ging nicht so schnell wie das ursprünglich von der SIemens Firmenleitung ge-
dacht war und wie Marco und ich das eigentlich vom Siemens Technologie-Konzern erwar-
tet hätten. Auch Siemens-Dental und UB Med hatten die technischen Herausforderungen
des computergesteuerten, kleinen, individuelle Keramikinlays produzierenden CEREC-Ge-
rätes unterschätzt.
Das Team brauchte naturgemäß genügend Zeit, die gesamte Technologie zu adap-
tieren und Verbesserungen zu erarbeiten, denn es gab dafür weder allgemein in der Indus-
trie noch bei Siemens technologische Vorläufer. Die beauftragten Damen und Herren des
CEREC-Teams konnten in diesem neuen Bereich nicht auf eigenes Erfahrungswissen zu-
rückgreifen, alles war komplett neu. Gestaltungen und Notwendigkeiten flossen ein, die ich
anders gesehen hätte. Da das Team aber meine Philosophie der ‚schnellen chairside Fer-
Zahnrestaurationen per Computer 86

tigung’ voll verinnerlicht hatte, waren mir alle technischen Teillösungen recht, so lange sie
diesem Ziel dienten. Es war mir auch klar, dass die Schwierigkeit der Materie hohe Anfor-
derungen an die Formierung des CEREC Entwicklungsteams stellte und ich war zuver-
sichtlich, dass sich Geduld gegenüber erreichbaren Verbesserungen des Systems letzt-
endlich auszahlen würde.
Marco war wohl am Ende seiner Pflichtzeit in Bensheim zu Beginn des Jahres 1987
etwas frustriert. Experten der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der 3D Vermessung,
des Formschleifens, oder der Benützer-freundlichen Softwaregestaltung, mit denen er die
Entwicklung von CEREC hätte schnell vorantreiben können, traf er im frisch gebildeten
CEREC Team in Bensheim nicht an. Als Freelancer war er in der durchorganisierten Cor-
porate-Welt fremd. Seine Genialität war hier nicht am richtigen Platz. Er war ja gewohnt,
zu kommen und zu gehen wann er Lust hatte. Für mich war das in unserer gemeinsamen
Zeit nie ein Problem gewesen, ich wusste ja, dass sein Gehirn am Problem arbeitete, un-
abhängig davon wo er sich aufhielt.
Er war mir gegenüber in jeder Phase der Entwicklung offen und grosszügig gewesen,
trug mir alle seine Lösungen bis ins letzte Detail vor und war an der klinischen Verfahrens-
technik ebenfalls bis ins Detail interessiert. Das hatte unsere Zusammenarbeit über die
gemeinsame fünfjährige Pionierentwicklung möglich und fruchtbar gemacht.

Abb. 63 Dr. Marco Brandestini (links),


Otto Fleer, Entwicklungschef (Mitte), Dr.
Günter Saliger, Physiker, Software-Be-
auftragter (rechts) in Diskussion an ei-
nem CEREC Prototyp-Gerät Ende 1986
in Bensheim.

Abb. 64 Dr. Mörmann demonstriert die


Führung und Abstützung der Mundka-
mera beim ‚Optischen Abdruck‘ anhand
eines Kiefermodells, im Kreise des
Siemens Dental CEREC Entwicklungs-
teams, in Bensheim, Ende 1986.
Zahnrestaurationen per Computer 87

73. Weiterentwicklung der CEREC 1.0 Software


Ich hatte inzwischen durch meine zahlreichen CEREC Behandlungen von Patienten und
Demonstrationen vor Kollegen, eine umfangreiche klinische und praktische Erfahrung mit
dem System. Aufgrund der Diskussionen mit Kollegen war ich zum Schluss gekommen,
dass die Bedien-Oberfläche und die Konstruktionssoftware im Hinblick auf die erhoffte Ak-
zeptanz bei den Zahnärzten unbedingt vereinfacht werden müsste.
Die Software sollte den Benutzer in stärkerem Masse anhand eines Leitsystems
durch die Reihenfolge der Konstruktionsschritte führen. Ich nahm mir vor, dies mit Alain
Ferru, unserem Softwareingenieur in unsrer Firma Brains zu diskutieren. Alain hatte bis
dahin einen ausgezeichneten Job gemacht, alles was er programmiert hatte, funktionierte
perfekt. Er durfte darauf stolz sein. Ich war überzeugt, dass er mit Freude an der Optimie-
rung der Benutzerfreundlichkeit seines Werkes arbeiten würde.
Aber mein Anliegen kam bei ihm ganz falsch an. Er fasste es als Kritik auf. Ich ver-
suchte ihn davon zu überzeugen, dass wir die Anwenderfreundlichkeit erhöhen mussten,
damit das System in der Situation des Zahnarztes am Patienten nicht eine ingenieurhafte
Konzentration von diesem verlangte. Alain sagte, er hätte Leib und Seele in diese Soft-
ware investiert, sie sei perfekt so wie er sie programmiert hatte und er würde niemals et-
was daran ändern, ... Punkt! - Nun hatten wir ein Problem! Dies besonders im Hinblick auf
die mögliche Weiterführung der Softwareentwicklung bei Brains mit dem Industriepartner
Siemens. Ich hatte mir vorgestellt, dass unsere Brains-Gruppe speziell bei der Weiterent-
wicklung der Bedienoberfläche, durch meine unmittelbare Beziehung zur klinischen An-
wendung, dem CEREC Team in Bensheim noch bedeutende Schützenhilfe würde leisten
können.
Aber Alain verweigerte sich und verliess schliesslich Brains, seine Anteile kauften wir
zurück. Im CEREC-Team in Bensheim fand sich ein kongenialer Entwickler in der Person
des Physikers Dr. Günter Saliger, der dann die CEREC 1 Software optimierte und später
weitere Versionen entwickelte.

17) 1986 AUSEINANDERSETZUNG MIT DER FACHWELT, VORTRÄGE

74. Schwieriger Start computergesteuerter Produkte


Die Präsentation des Apple II ‚home computers’ 1977 und des Apple Macintosh im Jahre
1984 hatte gezeigt, dass ich mit meiner Vorstellung von einer computergestützten Herstel-
lung von Zahnrestaurationen, voll in der ersten Welle der Entwicklung computerisierter Ge-
räte für die individuelle professionelle Nutzung lag. Während die Computertechnologie zu-
vor auf Rechenmaschinen für wissenschaftliche, militärische oder verwaltungstechnische
Bereiche begrenzt war, kam sie nun in den Verfügungsbereich privater Personen.
Jetzt konnte die Computertechnologie über die 3D Datenakquisition und individuelle
Maschinensteuerung in den restaurativen Anwendungsbereich der Zahnärzte gelangen.
Das computergesteuerte CEREC Gerät lag so gesehen sehr früh, aber vom Timing her
genau richtig in der Zeit des allgemeinen Aufbruchs in eine Ära der zivilen Computer-Nut-
zung. So konnte ich CEREC klinisch erstmals im September 1985 für eine Patientenbe-
handlung einsetzen und wendete das System danach regelmässig für chairside Behand-
lungen an.
Die CEREC Methode wurde Teil meiner Vorlesung „Therapeutische Kariologie“ und
informierte die Studierenden der Zahnmedizin über diese neue Technologie und die damit
verbundenen Möglichkeiten der Zahnbehandlung. In dieser Zeit begannen sich Praxis-
Zahnärzte für die Anwendung von Computern mindestens in der Administration, aber auch
Zahnrestaurationen per Computer 88

für CEREC zu interessieren. Die Begriffe ‚Hardware’ und ‚Software’ drangen in die Zahn-
arztpraxis ein.

75. Erste Konkurrenz durch analoges Kopierschleifen


Auf der anderen Seite formierten sich die Anwender herkömmlicher Technologie und die
’Bedenkenträger’ gegen die aufkommende Computertechnologie, oder zogen sich nach
anfänglichem Interesse angesichts der noch vorhandenen Unvollkommenheiten der Inlay-
Fertigung per Computer davon zurück.
Bei der schon erwähnten CELAY Kopierschleifmaschine wurde ein Fingerschleifer
verwendet, was eine flexiblere Formgebung gestattete, als es das Schleifen mit der Schei-
be im CEREC Gerät zuliess. Damit konnte eine Zeitlang eine gewisse gestalterische Über-
legenheit dieses Systems demonstriert werden. Die Zahntechnik freute das. Das Gerät
wurde von der Firma Mikrona im Raum Zürich hergestellt und vertrieben. Als Rohlinge
wurden die von der Firma VITA Zahnfabrik gefertigten CEREC Keramikblöcke mit dem von
uns patentierten Halter auch in diesem System verwendet.
Das war für Marco und mich besonders ärgerlich, aber auch für Siemens-Dental.
Leider konnten wir nichts dagegen unternehmen, wir hatten die speziellen CEREC Block-
halter ausdrücklich für computergesteuerte Geräte patentrechtlich geschützt. Die handge-
steuerten Geräte operierten unterhalb der Gürtellinie unseres Patentschutzes. Ich wusste
aber, dass das Mikrona-Gerät technologisch nur eine vorübergehende Konkurrenz für die
CEREC Methode sein würde, sodass dies meine guten Beziehungen zur Firma VITA nicht
beeinträchtigen konnte. Auch Siemens blieb diesbezüglich cool.

76. CEREC 1 im Für und Wider der Fachwelt


Die Zahnärzte nahmen CEREC grundsätzlich als positiv wahr, weil mit dieser Methode ein
biologisch inertes, dauerhaftes, ästhetisches Material, die Keramik, zum Ersatz der zer-
störten Zahnhartsubstanz unmittelbar durch den Zahnarzt verfügbar wurde. Dies öffnete
den Weg zu ästhetischen und bioinerten Keramik-Restaurationen ohne Tragstruktur aus
Metall, was Zahnärzte grundsätzliche sehr begrüssten.
Ich bekam in den Jahren 1986 bis 1990 zunehmend die Gelegenheit, die Vorteile des
Systems anlässlich vieler Vortragseinladungen und Demonstrationen zu präsentieren (Ta-
belle 3) und konnte auch die mir entgegengehaltenen Mängel mit skeptischen Fachkolle-
gen im In- und Ausland diskutieren.
Zusätzlich zur Vermittlung der CEREC Hardware und Software hatte ich die Aufgabe,
den interessierten Kollegen die Adhäsivtechnik beliebt zu machen. Die adhäsive Befesti-
gung der Keramik-Inlays musste vom CEREC Anwender zusätzlich akzeptiert und gelernt
werden, was anfangs als mühsam empfunden wurde. Als Belohnung für diese Mühe er-
warb er sich jedoch einen entscheidenden Vorteil, weil er mit dem System das natürliche
Erscheinungsbild der Zähne biomimetisch, ästhetisch perfekt und dauerhaft dicht wieder
herstellen konnte.

77. CEREC 1 Vortrag in Wien und die Oper


Besonders schnell waren die Wiener Zahnärzte auf CEREC aufmerksam geworden und
ich erhielt eine Einladung, am 11. Januar 1986 in Wien, am Dr. Wilhelm Brenner Institut für
die Fachgruppe für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Ärztekammer für Wien, einen
Vortrag zu halten, mit dem Titel: Zahnärztliche Fortbildung: „Adhäsive Zahnheilkunde, das
CEREC System“. Das ehrte mich sehr. Ausserdem lief in Wien zu dieser Zeit das Musical
„CATS“, vielleicht konnten mir die Veranstalter eine Karte besorgen.
Zahnrestaurationen per Computer 89

Ich flog also am Freitag 10. Januar 1986 nach Wien, wurde extrem freundlich von einem
Kollegenehepaar empfangen und am Abend vorzüglich in einem sehr guten Restaurant
bewirtet.

Tabelle 3 CEREC Vortrags- und Kursorte (K) in den Jahren 1986 – 1990. Zürcher Kurse
in englischer (engl.), französischer (frz.) und italienischer (ital.) Sprache. MIT Massachu-
setts Institute of Technology. HDS Harvard Dental School.

CEREC Vortrags- und Kursorte 1986-90


1986 1987 1988 1989 1990
Januar Wien Regensburg (K) Karlsruhe Zürich (K)

Februar Freiburg Karlsruhe (K) Aachen


Karlsruhe (K) Zürich (K) engl.

März München Karlsruhe (K) Düsseldorf Cincinnati


Düsseldorf Stockholm Berlin
Zürich (K) ital.
Zürich (K)

April Basel Kopenhagen Helsinki


Zürich (K) Düsseldorf
Strassburg

Mai Zürich Baden-Baden München London


Zürich Sydney Zürich (K)
Zürich (K) frz.

Juni Karlsruhe Böblingen Zürich


Scheveningen Zürich (K)
Den Haag Zürich (K)

Juli Zürich Zürich (K) Zürich (K)


Zürich Zürich (K) stud.

August Zürich (K) Zürich (K) engl.

September Zürich, sieben Villach Aarhus Zürich (K) ital.


Abende Berlin Zürich (K)
Zürich (K)

Oktober Tübingen Washington DC Zürich (K) Flims


Graz Karlsruhe (K) Zürich (K) Berlin

November Karlsruhe Stuttgart Zürich (K) Darmstadt Zürich


Karlsruhe (K) Leuven Kopenhagen
Berlin London Zürich (K) engl.
München Zürich (K)

Dezember New York Boston MIT Karlsruhe (K) Zürich (K) Karlsruhe (K)
Boston HDS

Leider, leider hatte man für CATS kein Karte mehr bekommen, aber an dessen Stelle eine
für Donizetti’s ‚Lucia die Lammermoor’. Ich glaubte mich zu erinnern, dass ich dieses Werk
in meiner Jugend schon einmal gesehen hatte und nahm die Karte mit gebremster Erwar-
tung entgegen, um wenigstens das Opernerlebnis mitzunehmen.
Zahnrestaurationen per Computer 90

Meine Gastgeber entschuldigten sich, sie würden leider an meinem Vortrag nicht dabei-
sein können.
Am Morgen des 11. Januar begab ich mich bei Kälte, Wind und Schneetreiben vom
nahen Hotel zur Gumpendorfer-Straße 83 und läutete um 8.30 Uhr an der Eingangstüre,
der Vortrag sollte 9.15 beginnen. Nach mehrfachem Läuten öffnete der Hauswart. „Mein
Name ist Mörmann ich bin der Referent für die heutige Fortbildung“ sagte ich. „Kommen
Sie nur herein, Herr Dozent“, meinte er. Ich setzte meine Diapositive in den Projektor und
prüfte die Projektion, um 9.00 Uhr war ich bereit, aber es war sonst niemand da. Na ja, der
kalte Samstagmorgen und der Schnee! Dann kamen drei Fortbildungswillige und es wurde
9.15 und Zeit zum Anfangen.
Nach der Regel ist der Dozent verpflichtet, den Vortrag zu halten, wenn mindestens
drei Personen im Auditorium anwesend sind. Das war jetzt der Fall, ich begrüsste die drei
Hörer und begann. Alle paar Minuten kamen immer wieder interessierte Hörer dazu und
gegen das Ende meiner drei Vortragsblöcke gegen 12 Uhr, füllten etwa 80 Teilnehmer den
Saal. Ich nahm dies als positives Omen. CEREC und das Interesse daran würden sich
zwar zunächst langsam, dann aber stetig immer besser entwickeln. Am Abend ging ich in
die Oper und hatte einen guten Platz in mittlerer Höhe mit frontal guter Sicht auf die Büh-
ne. Der Saal war voll besetzt. Die Aufführung begann. Das Geschehen auf der Bühne, der
Klang des Orchesters waren unterlegt vom Geräuschpegel, den das Publikum durch gele-
gentliches Husten, Räuspern, Scharren erzeugte. Meine Gedanken wanderten weg von
der Bühne zur CEREC Methode.
Plötzlich legte sich eine magische absolute Stille über den Saal, eine hypnotische
Stimme durchdrang den Raum, die Stimme der wahnsinnigen Lucia, gesungen von Edita
Gruberova verzauberte und brachte mich und alle anderen zum Erstarren. Niemand regte
sich, alle waren gebannt, elektrisiert. Wie konnte so etwas möglich sein? - Erst Sekunden
nachdem Lucias Stimme wieder verstummt war, lösten sich die Menschen mit freneti-
schem Beifall aus dem Zauber. – Unglaublich, ein denkwürdiger CEREC-, Opern- und
Wien-Besuch!

78. CEREC 1 Präsentationen in Zürich und ausserhalb


Am 1. Mai 1986 war ich von der Zahnärzte-Gesellschaft des Kantons Zürich zum Vortrag
über CEREC in das Hotel Zürich eingeladen. Der Vortragssaal des Hotels war voll besetzt,
die Atmosphäre erwartungsvoll gespannt. In der Schweiz ist es ja üblich, dass man spä-
testens fünf Minuten vor Beginn seinen Platz eingenommen hat.
Die Präsentation wurde von den Kollegen sehr wohlwollend, in der Mehrheit positiv,
mit grossem Beifall aufgenommen. Ich spürte Anerkennung und Genugtuung von Kolle-
gen, dass diese Innovation in Zürich entwickelt worden war.
Ich bekam eine Einladung der internationalen Academy of Dental Materials unter
dem Motto ‚Ventures in Dental Materials’ für den 24. Juni 1986 in Schevenigen, Niederlan-
de. Als Titel meines Vortrages wählte ich „The CEREC System: Chairside computer aided
ceramic reconstruction and fabrication of inlays and onlays“.
Gleich danach am 27. Juni hielt ich in Den Haag anlässlich der 64. Jahrestagung der
‚International Association of Dental Research Central European Division’ (IADR CED),
meinen Vortrag „Computer-machined adhesive porcelain inlays: margin adaptation after
fatigue stress“. Hier lernte ich Dianne Rekow, die Erfinderin des schon erwähnten „Minne-
sota CAD/CAM Systems kennen. Sie war erstaunt darüber, CEREC als ein in allen Teilen
funktionierendes, am Patienten einsatzfähiges System kennenzulernen.
Der Vertragsabschluss mit Siemens im August 1986 motivierte mich, das CEREC-
Verfahren nun intern im Zahnärztlichen Institut für Mitarbeiter in allen Details darzustellen.
Zahnrestaurationen per Computer 91

Vom 8. bis 11. September 1986 trug ich in einem Abendkurs für alle Assistenten der Abtei-
lung für Kariologie, Parodontologie und Präventivzahnmedizin, die Grundlagen und das
praktische Vorgehen der Methode vor. Zusätzlich präsentierte ich Fortbildungsabende für
Privatzahnärzte zwischen 17 bis 21 Uhr, am 29. und 30. September sowie am 2., 6., 7.,
9., 13., 14. und 15. Oktober 1986. Damit hatte ich das Thema CEREC, am Zahnärztlichen
Institut und für die Zahnärzteschaft des Kantons Zürich erschöpfend dargelegt. Von der
Nachbar-Universität Tübingen luden mich Prof. P. Riethe und Prof. E. Körber zu einer Prä-
sentation ein. Ich packte am 8. Oktober 1986 unser CEREC 1 Prototyp-Gerät die „Zitrone“
in mein Auto, erwarb an der Grenze einen Sichtvermerk für das Gerät und fuhr zur Zahn-
klinik nach Tübingen, hielt den Vortrag, führte das Gerät vor und machte mich wieder auf
den Rückweg. An einem späteren erneuten Termin präsentierte ich an der Abteilung von
Prof. Riethe eine chairside Patientenbehandlung.
Im Oktober 1986 erhielt ich in Zürich Besuch von Herrn Prof. G. Schmalz, Leiter der
Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität Regensburg. Ich zeigte
ihm das Gerät und besprach mit ihm die Methode. Er lud mich ein, im Januar 1987 an sei-
ner Klinik einen Vortrag und eine Patientenbehandlung für seine Mitarbeiter und Studen-
ten zu präsentieren.
Universitätskollegen aus Deutschland und Österreich fragten an, ob ich CEREC an
ihrem Institut vorstellen könnte. Prof. R. Bratschko von der Universität Graz in der Steier-
mark hatte schon im Mai 1986 im Auftrag seines Chefs, Professor Dr. F. Moser angerufen
und wir hatten dann die Präsentation für den 24. Oktober 1986 vereinbart. Aus diesem
Kontakt entwickelten sich später an der Universität Graz die wissenschaftlichen Aktivitäten
von Prof. Gerwin Arnetzl. Dies in Form einer für CEREC sehr wichtigen Langzeit-Ver-
gleichsstudie zwischen traditionell laborgefertigten Keramikinlays, sowie CEREC- und
Goldinlays über 15 Jahre. Die adhäsiven CEREC 1 Keramikinlays waren bei vitalen Zäh-
nen bezügllich der Überlebenswahrscheinlichkeit dem Goldstandard ebenbürtig. An der
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) vom 13.-15. Novem-
ber 1986 präsentierte ich die CEREC Methode.

79. Erste klinische Demo einer CEREC Inlay-Behandlung ausserhalb von Zürich
Am 21. November 1986 hielt ich zusammen mit Marco Brandestini den ersten CEREC-
Kurs an der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe. Ich präsentierte das kli-
nische Vorgehen bis zum optischen Abdruck - Marco erklärte die Funktionsweise des opto-
elektronischen Scanvorganges und die digitale Datenakquisition im Vortrag.
Ich ging auf die Inlay-, Onlay- und Veneerpräparation und die dazu gehörenden Kon-
struktionen ein. Marco erklärte den Formschleif-Vorgang und ich wiederum ging auf das
adhäsive Einsetzen und das okklusale Ausarbeiten, Finieren und Polieren der Restaurati-
on ein. Dies alles als Vorbereitung der klinischen Live-Demo am Nachmittag. Bei dieser
allerersten klinischen Demonstration des CEREC Systems in der dentalen Öffentlichkeit
unter Einsatz des CEREC 1 Prototyps legte sich eine besondere Spannung über den Hör-
saal. Auch Prof. Heners, der Direktor des Hauses begleitete und verfolgte den Kurs mit
höchstem Interesse. Er persönlich und „seine“ Akademie waren mit dieser Innovation
durch die Vermittlung zwischen den Firmen Brains und Siemens massgeblich verbunden.
Ich selbst kam mir wie der dentale Trapezkünstler vor, der seine viel geübte Kunst zele-
brierte und gleichzeitig die Augen des Auditoriums spürte, die immer auf die Möglichkeit
eines Absturzes der Übung gefasst waren.
Alle genossen den Nervenkitzel des noch Unbekannten. Marco Brandestini hing an
den Aktionen „seiner Maschine“ und freute sich an der Spannung, wo er doch das techni-
sche Auffangnetz bildete, falls es zu einer Komplikation am Gerät kommen sollte.
Zahnrestaurationen per Computer 92

80. Das Französische und das Schweizer CAD/CAM System in New York
Der Einstieg von Siemens Dental in die computergesteuerte Fertigung zahnärztlicher Re-
staurationen wurde in der Dentalwelt aufmerksam registriert. Das Siemens Marketing
wünschte, CEREC sogleich im Dezember 1986 am ‚Greater New York Dental Meeting’
vorzustellen. Ich war aufgefordert, die klinische Anwendung der CEREC Methode mit von
mir behandelten Fällen zu dokumentieren. Marco sollte den technischen Hintergrund des
Systems präsentieren. Wir kamen auf das Programm der weltweit allerersten CAD/CAM
Session an einer Dental Show. Ich nahm zur Kenntnis, dass wir nicht alleine waren, son-
dern dass Herr Dr. François Duret mit seinem Hennson CAD/CAM System, im Programm
vor uns auftreten würde. Damit trafen die beiden Konkurrenten mit funktionsbereiten den-
talen CAD/CAM Systemen, CEREC (Swiss System) einerseits und Duret-HENNSON an-
dererseits (French System), unmittelbar aufeinander. Marco und ich sowie der Leiter von
Siemens Dental, Herr Behne und zwei Herren vom Vertrieb, Herr Herbst und Herr Lange-
negger bildeten das CEREC Team und waren auf die Begegnung der Systeme gespannt.
Der für die CAD/CAM Session angegebene Seminar-Raum präsentierte sich aller-
dings noch völlig menschenleer. Auch von Dr. Duret war nichts zu sehen. War die Session
gestrichen worden, weil sich niemand für das Thema interessierte? Dann, offenbar nach
dem Ende einer Session in einem benachbarten Raum, strömten plötzlich der Sitzungs-
Chairman, die Gruppe Duret und ca. 30 Hörer in den Raum. François Duret begann und
stellte seine damals sehr eindrucksvolle Drahtgeflecht-Kronensoftware dar. Marco Bran-
destini präsentierte das geniale Konzept seiner CEREC Mundkamera. Die CEREC Kame-
ra faszinierte durch ihre handliche Gestaltung als zahnärztliches Instrument, wohingegen
die Duret-HENNSON Kamera durch ihre Grösse und Gestaltung wie ein unfertiges Funkti-
onsmodell wirkte.
In meiner Präsentation konnte ich Schritt für Schritt je einen Inlay- und Onlayfall zei-
gen, beide fügten sich in Farbe, Form und Funktion perfekt in die Zähne ein. Highlight aber
war meine Veneerpatientin.
Die ältere Dame hatte mich wegen der Ästhetik der Frontzähne konsultiert. ich hatte
in einer ersten Beurteilung die Versorgung der gesamten Front mit traditionellen Verbund-
Metall-Keramischen Vollkronen vorgesehen. Bei nochmaliger kritischer Beurteilung fand
ich, dass die Patientin sich im Wesentlichen an den beiden mittleren Frontzähnen störte.-
Die aufwändige und für die Patientin belastende Überkronung der ganzen Front konnte
durch eine wenig invasive, schnelle chairside Behandlung ersetzt werden. Durch die La-
borstudie im Rahmen der Dissertation von Alexander Gougoulakis über die Fertigung von
CEREC 1 Veneers war ich in dieser Technik geübt.
Ich schlug der Patientin vor, eine neu entwickelte aber wesentlich schnellere und we-
niger invasive, computergestützte Technik zur Versorgung zuerst des rechten zentralen
Schneidezahnes (Abb. 65 a) anzuwenden. Falls sie nicht zufrieden wäre, könnte man im-
mer noch ohne Schaden zur bewährten Vollkronentechnik schreiten. Sie war einverstan-
den. Nach 40 Minuten zeigte ich ihr die Veneerversorgung im Spiegel, sie war begeistert
und verlangte: „Jetzt machen Sie mir bitte den linken mittleren Schneidezahn auch noch
mit dieser Methode. Es war dies meine allererste CEREC-Veneer Behandlung (Abb. 65
b).
Das Veneer hatte dem Zahn seine ursprüngliche Farbe, Form und Funktion mit ge-
ringem chairside Aufwand zurückgegeben und die Patientin glücklich gemacht. Die Kon-
kurrenz der Duret-CAD/CAM Krone hatte mich veranlasst, danach zu suchen, wie der An-
wendungsbereich des CEREC 1 Systems über die Fertigung von Inlays hinaus erweitert
werden konnte. Die 0,5-0,7 mm dünnen CEREC Keramik Veneer-Schalen wurden auf die
Zahnrestaurationen per Computer 93

grossflächigen Schmelz- und Dentin-Präparationen adhäsivtechnisch geklebt und danach


auf dem Zahn manuell mit rotierenden Diamantinstrumenten individuell konturiert und po-
liert. Das ästhetische Resultat der CEREC Veneerfertigung war verblüffend gut und ver-
fehlte nicht seinen positiven Eindruck auf die Teilnehmer, besonders aber auf unsere Part-
ner von Siemens Dental.
Mein Onlay-Fall zeigte das Konstruieren und das Formschleifen eines Onlays mit ei-
nem Höcker. Diese Anwendung im Bereich der Teilkronen war kreativ und demonstrierte,
dass wir mit der „Inlaymaschine“ zusammen mit Onlays und Veneers gegenüber der „Kro-
nenmaschine“ von Duret einen sehr praktischen Anwendungsbereich abdecken konnten.

a b

Abb. 65 a) Zentrale obere Schneidezähne mit ungenügenden Füllungen und intrinsischer


Verfärbung. b) nach Versorgung mit den allerersten CEREC 1 „Computer-Veneers, Sep-
tember 1986.

Beeindruckend war vor allem, dass die CEREC Restaurationen alle vom Zahnarzt selbst
chairside schnell und produktiv herstellbar waren. Die Gegenüberstellung der beiden Me-
thoden zeigte eindeutig, dass CEREC schon in der klinischen Routine-Anwendung stand
während das Duret-System noch im Versuchsstadium gefangen schien. Leider ergab sich
keine Gelegenheit zum persönlichen Kontakt mit François Duret. Aber die Möglichkeit
dazu, sollte sich dann bei zukünftigen anderen Meetings bieten.

18) 1987 CEREC PRÄSENTATIONEN

81. Vortrag und Kurs an der Universität Regensburg


Im Januar 1987 machte ich mich nach Erledigung dringender Arbeiten, mit dem Auto und
mit dem „Zitrone“ getauften Prototyp-Gerät im Kofferraum, an einem Winternachmittag, bei
schon dunklen und teilweise vereisten Strassen, auf den Weg und kam nach schier endlo-
ser Fahrt nachts gegen 10.00 Uhr in Regensburg am Einfamilienhaus der Familie Prof.
Schmalz an. Die Fahrt hatte mich richtig ‚geschlaucht’, deshalb genoss ich den herzlichen
Empfang bei Herrn und Frau Schmalz ganz besonders. Nach einem Imbiss versicherte mir
Zahnrestaurationen per Computer 94

Herr Schmalz, dass ich jetzt einen Schluck von seinem Pfälzer Riesling verdient hätte.
Das konnte ich nicht ablehnen und der Riesling würde meinen anschliessenden Schlaf
versüssen. Der Wein war gut und wurde immer besser. Er regte die Unterhaltung unge-
mein an und wir hatten uns viel zu sagen. So kam es, dass ich ungefähr gegen 04.00 Uhr
morgens fragte, „wann müssen wir denn Aufstehen und Abfahren? Die Antwort war: „um
05.00 Uhr aufstehen und 05.30 abfahren“. Oh mein Gott!! So war es dann. Wir fuhren zur
Klinik. Ich baute das Gerät auf. Beim Einschalten reagierte es nicht. Es war während der
langen Fahrt durchgeschüttelt worden und hatte in der Nacht im Kofferraum in der Kälte
gestanden. Ich nahm die Platinen heraus, steckte sie wieder fest und das Gerät funktio-
nierte wieder. Ich hielt den Einführungsvortrag vor den jungen interessierten Kollegen. Der
Patient war schon da und ich begann die Behandlung, alles lief soweit gut. Aber das Inlay
war leider im ersten Anlauf nicht zu meiner Zufriedenheit geraten - wahrscheinlich waren
mein Riesling-Pegel zu hoch und das Schlafdefizit zu gross gewesen.
Ich präparierte geringfügig nach und wiederholte das Inlay. Das zog die Demo zwar
etwas in die Länge, war aber für die Teilnehmer lehrreich. Zum Schluss klappte alles und
ich hatte diese spezielle Situation überstanden. Viele Jahre später sprach mich, an einer
Veranstaltung, der Patient dieser Demo an: „Herr Mörmann kennen Sie mich noch?“ Ich
sagte: „Bitte helfen Sie mir“. „Sie haben doch damals an der Abteilung von Herrn Professor
Schmalz das Inlay bei mir gemacht. Das ist immer noch in meinem Zahn und tut seinen
Dienst über die Jahre perfekt.
Frau Dr. Federlin, Mitarbeiterin von Prof. Schmalz untersuchte in der Folge meiner
Demo, den Einfluss der Fugenbreite zwischen Keramik-Inlay und Zahn auf die Dichtigkeit
des adhäsiven Verbundes. Ihre Resultate bestätigten meine eigenen Voruntersuchungen,
die von einer Fugentoleranz von bis zu 500 µm Breite ausgegangen waren. Der Kontakt
mit Professor Schmalz und seinem Team erwies sich auf diese Weise auch wissenschaft-
lich für die CEREC Methode als sehr erfolgreich.

82. Vorträge in München, Düsseldorf und an der Universität Basel


Nach einem Vortrag in Freiburg im Breisgau und einem Kurs in Karlsruhe im Februar 1987
fuhr ich im März zu Vorträgen in den M1 Klubs in München und Düsseldorf. Siemens hatte
mich gebeten, Präsentationen innerhalb der sogenannten M1 Klubs zu halten, in denen
Zahnärzte zusammen kamen, die für ihre Praxen die M1 Behandlungseinheit von Siemens
angeschafft hatten. Das war zwar für mich auch spannend, aber es ging darum, diese Kol-
legen mit der CEREC Methode vertraut zu machen, kurz, ich war Teil des Marketings.
Im Kreise der M1 Gruppe von niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten bil-
dete die Wirtschaftlichkeit der Methode den Kern der Diskussionen. Die Investitionskosten,
das Leasing, die Vor- und Nachteile und die Schwierigkeit der Eingliederung dieser Tech-
nik in die bestehenden Praxisstrukturen wurden erörtert. Der Boden der Realität bezüglich
der wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Herstellers und des Handels einerseits sowie der
Zahnärzte in der freien Praxis andererseits wurde für mich sichtbar.
Noch im März erhielt ich einen Anruf von Professor Klaus Rateitschak dem Lehrstuhl-
inhaber der Klinik für Parodontologie, Endodontologie und Kariologie der Universitäts-
Zahnklinik Basel, dem eigentlichen „Parodontologie-Pabst“ jener Zeit. „Werner Du hast
doch diese neue CEREC – Methode, meine Assistenten interessieren sich dafür, könntest
Du CEREC nicht im Rahmen unserer Assistentenfortbildung im April kurz vorstel-
len?“ „Klar, das ist kein Problem, mach ich gerne.“
Ich freute mich auf die Präsentation und den Meinungsaustausch im kleinen Kreis mit
den jungen Assistenten unserer Nachbaruniversität. An einem Donnerstagabend fuhr ich
nach Basel und traf Prof. Rateitschak allein in seinem Büro. Es war noch etwas früh. Nach
Zahnrestaurationen per Computer 95

dem Begrüssungs-Gespräch wollte er kurz schauen, ob sich seine Assistenten schon ver-
sammelt hätten. Ich gab ihm meine Diapositive (Kleinbilder für die Projektion) für den Vor-
trag schon mit. Die Zeit für Powerpoint- bzw. Keynote-Videopräsentationen war noch nicht
gekommen. Er kam zurück und fragte mich etwas unsicher, „es kommen noch ein paar mit
den Assistenten befreundete Zahnärzte zum Vortrag - wir gehen in den Hörsaal- ist das in
Ordnung?“ „Das ist OK“, sagte ich. Der Hörsaal war voll, aus der intimen Präsentation in
kleinem Kreis hatte sich die Zahl der Hörer durch Flüsterpropaganda selbsttätig erweitert, -
ich fühlte mich durch das grosse Interesse geschmeichelt.
Es waren auch Zahntechniker unter den Hörern. Als Grundlage für die Entwicklung
von CEREC war ich davon ausgegangen, eine Alternative für die direkten Fülltechniken
mit Amalgam und Komposit zu schaffen. CEREC löste das Problem Nr. 1, die mögliche
Toxizität des Amalgams und das Problem Nr. 2, die Unzulänglichkeiten des damals ver-
fügbaren plastischen Komposits, indem es bio-inerte zahnfarbene Keramik für Zahnfüllun-
gen erschloss. Computertechnologie wurde dazu eingesetzt, die Behandlung mit kerami-
schen Werkstücken annähernd so schnell wie eine direkte Füllung durchführen zu können.
Dass dies die Zahntechnik und die Zahntechniker berühren würde, daran hatte ich zu-
nächst überhaupt nicht gedacht.
Aber die Zahntechnik beurteilte die apparative indirekte Herstellung von keramischen
Restaurationen in den Händen der Zahnärzte aus ihrer eigenen Perspektive. Hier kündigte
sich eine Technologie an, welche die Zahntechnik früher oder später betreffen würde. Es
gab deshalb von dieser Seite harte Kritik. Ein Hörer bezeichnete CEREC als eine „mit
Elektronik verbrämte Pfahlbauertechnik“. Er meinte damit die damals im Vergleich zum
Metallguss geringere Passgenauigkeit und die noch fehlende Okklusionsgestaltung der
keramischen Werkstücke.
Für die Behandlung der Karies und die Gesunderhaltung des Zahnes war es zahn-
medizinisch aber entscheidend, dass die adhäsive Befestigung des keramischen Werk-
stücks die geringere Passgenauigkeit kompensierte und penetrationsdichte Restauratio-
nen auch bei breiteren mit Komposit gefüllten Fugen ergab. Dies hatten die vorangehen-
den in vitro Tests gezeigt und dies wurde auch in späteren Nachuntersuchungen von CE-
REC 1 Inlays nach 25 jähriger funktionell erfolgreicher Tragzeit im Munde bestätigt. Ich
war von allem Anfang absolut sicher, dass die Weiterentwicklung der CEREC Methode An-
feindungen dieser Art in Zukunft gegenstandslos machen würde.

83. Vorträge in Villach, Stuttgart und Berlin


Nach einer CEREC Präsentation am Österreichischen Zahnärztekongress in Villach in
Kärnten am 24. September hatte ich für den 7. November die Einladung zum Baden-Würt-
tembergischen Zahnärztetag nach Stuttgart mit dem Titel „Sind Adhäsivtechnologie, com-
putergestützt hergestellte Keramikinlays sowie Komposit-Fülltechniken Alternativen zum
Amalgam?“
Diese Veranstaltung in Stuttgart bot ein Programm aktueller Themen mit prominenten
Referenten aus anderen Fachbereichen an und fand in der Liederhalle statt, die mit 1200
Zahnärzten voll besetzt war. Das war die grösste Zuhörerschaft zu der ich bisher jemals
gesprochen hatte. Mein Vortrag wurde gut aufgenommen und diese Erfahrung stärkte
mein Selbstvertrauen.
Nach einem CEREC Kurs in Karlsruhe am 20. und 21. November machten Marco
und ich uns auf den Weg nach Berlin. Die Einladung an die Freie Universtität Berlin, Klinik
Nord hatte ich von von Prof. J.-F. Roulet erhalten. François war ein Freund und Kollege,
der an unserer Abteilung in Zürich im Bereich der Komposit-Forschung gearbeitet hatte
und unsere Familien hatten Kontakte gepflegt. Er kannte auch Marco Brandestini. Seiner
Zahnrestaurationen per Computer 96

Einladung wollten Marco und ich auf jeden Fall nachkommen. Wir gaben das CEREC 1
Untergestell als Sperrgepäck auf und nahmen das Oberteil der CEREC 1 Einheit als Kabi-
nengepäck in einer Tasche auf den Flug nach Berlin mit.
Höhepunkt war wieder die Patientenbehandlung. Eine Zahnarzthelferin stand zur
Verfügung, aber sie konnte nicht viel helfen, weil wir keine Gelegenheit gehabt hatten, sie
auf unsere neue Behandlungstechnik vorzubereiten. So funktionierte Marco als Assistenz.
Der Hörsaal war klein, die Behandlungseinheit und ihre Instrumente waren ungewohnt, so
musste ich viel improvisieren. Der um den Patientenstuhl zur Verfügung stehende Platz
war eng, was die Behandlung und das Präsentieren nicht einfach machte.
Der Hörsaal hatte ein steiles, voll mit Assistenz-Zahnärzten/ innen und Studenten besetz-
tes Auditorium und in der obersten Reihe konnte ich, neben Prof. Roulet sitzend, den da-
maligen Mentor der konservierenden Zahnheilkunde in Deutschland, Herrn Professor A.
Motsch entdecken, der das Geschehen mit kritischem Auge von ganz oben verfolgte.
Nun legte sich wieder diese unglaubliche Spannung über die Behandler und die Zu-
schauer. Marco und ich kämpften mit den ungewohnten Verhältnissen, aber CEREC liess
uns nicht im Stich. Das Gerät schliff das Inlay in wenigen Minuten. Ich setzte es adhäsiv
ein, arbeitete es aus und polierte es. Die Kollegen/innen durften den behandelten Zahn
nachher direkt am Patienten mit Spiegel und Sonde untersuchen.
Ich erhielt Jahre später eine Einladung von Prof. Motsch für einen Vortrag an seiner
Abteilung in Göttingen und er beeindruckte mich dort sehr mit seiner aufgeschlossenen
Persönlichkeit.

84. CEREC am MIT und an der Harvard School of Dental Medicine


Das Jahr 1987 schloss ich mit einer Reise nach Boston, USA ab. Ich hatte eine Einladung
von Professor Kent Bowen, dem Leiter des ‚Ceramics Processing Laboratory’ des Massa-
chusetts Institute of Technology (MIT) für einen Vortrag über das Thema „Computer-Aided
Design and Manufacturing in Dentistry: The CEREC System.“ Das Ceramics Processing
Laboratory beeindruckte mich mit seiner Grösse und seinen Einrichtungen sehr. Hier war
Forschungskapazität vorhanden.
Man zeigte mir eine Greifzange (‚Wasserpumpenzange’) aus Zirkonoxidkeramik und
forderte mich auf, die langen Zangengriffe mit aller Kraft zusammenzudrücken, um sie
eventuell zum Bruch zu bringen. Ich probierte es - ohne Erfolg. Nun, diese Keramik kam
mir damals zu hart, zu zäh und widerstandsfähig zu opak für den Gebrauch in der Mund-
höhle vor. Ich hatte ja früher schon vergebliche Schleifversuche mit dicht gesinterter Zir-
konoxidkeramik gemacht.
Aber Achtung, bitte lass die Zirkonoxidzange nicht auf den Steinboden fallen, baten
mich die Keramiker, dann könnte sie nämlich brechen. Von den Möglichkeiten der CEREC
Technik ausgehend, konnte ich damals noch nicht an die Fertigung dentaler Brückenge-
rüste oder gar vollanatomischer Brücken mit diesem Material denken, obwohl wir dies als
Möglichkeiten der Erweiterung der Methode in unseren Patentschriften schon ausgemalt
hatten.
Auch war mir die Verarbeitungsmöglichkeit von Zirkonoxidkeramik in partiell gesinter-
tem Zustand nicht präsent. Aber das würde ja einen zusätzlichen zahntechnischen Schritt
bedeuten. Zudem war das Material derart opak, dass es wohl niemals für monolithische
Restaurationen zum Einsatz kommen würde. So kann man sich täuschen! Aber der Be-
such in diesem Forschungslabor stimulierte und bestätigte mich in meinen Forschungs-
drang ungemein.
Professor Attwood hatte mich eingeladen, den gleichen Vortrag an der 1867 gegrün-
deten Harvard School of Dental Medicine (HSDM) ‚for Students und Faculty zu’ halten. Die
Zahnrestaurationen per Computer 97

HSDM war die erste mit einer Universitäts-basierten Medizinischen Fakultät verbundene
Ausbildungsstätte für Zahnärzte in den USA. Bob Kelly führte mich in die heiligen Hallen
dieser ehrwürdigen Topp-Ausbildungsstätte für Zahnärzte. Es gab mir ein gutes Gefühl,
diese beiden Institutionen, das MIT und die HSDM und die darin arbeitenden Menschen
kennengelernt zu haben. Das war ein schöner fachlicher Abschluss des Jahres 1987.

Zehnter Teil: Beginn der CEREC 1 Ära

19) 1987 COMPUTER RESTAURATIONEN – TRADITION VERSUS DIGITAL

85. CEREC 1 mit optimiertem Styling


Siemens Dental hatte zunächst geplant, mit CEREC in der Urform gleich 1987 auf den
Markt zu gehen. Ich war ja gebeten worden, Werbeaufnahmen mit diesem CEREC 1 Ge-
rät aus der Brains-Serie in der Werbeabteilung von Siemens UB Med in Erlangen bezüg-
lich der richtigen Einstellung der Behandlungs-Positionen zu steuern (Abb. 62, S. 84). Pa-
tientin und Zahnarzt wurden von professionellen Models dargestellt. Es war spannend ge-
wesen, mit diesen Professionals zusammen zu arbeiten und die Aufnahmen stellten im
Ergebnis die Behandlungsmethode sehr attraktiv dar. Nach meinem Eindruck präsentierte
sich das CEREC 1 Gerät der Brains-Serie zwar neben dem Siemens M1 Zahnarztstuhl als
Repräsentant völlig neuer digitaler Technologie sehr gut, es war aber deutlich, dass es
nicht dem Siemens Design entsprungen war.
Siemens entschloss sich deshalb, das Styling des Gerätes zur Markteinführung zu
optimieren. Es verpasste dem Fahrschemel-Unterteil, in dem der Wassertank und die
Pumpstation für den Hydroantrieb der Formschleifeinheit untergebracht waren, eine Ver-
kleidung, die dem Gerät optisch einen solide wirkenden Sockel gab. Zusätzlich wurde die
Kamera an die VDE Sicher-
heitsnormen angepasst. Das
Siemens-gestylte Gerät erin-
nerte äusserlich nun eher an
einen digitalen Zahnarzt-Die-
ner, dem R2D2 Robot aus
Star-Wars verwandt. Mir gefiel
das richtig gut, es passte in
dieser Gestalt perfekt in die
neue Zeit.

Abb. 66 CEREC 1 Gerät mit


Siemens Face-Lifting und noch
der originalen technischen
Ausstattung mit Turbinenan-
trieb und Software COS 1.0.

86. Wirtschaftlichkeit des CEREC Systems


Das CEREC 1 Marketing zielte darauf, dass die CEREC Methode dem Patienten in der
Kariesbehandlung mit Keramik sowohl Gesundheit als auch Ästhetik im Munde anbieten
konnte. Man ging davon aus, dass in Deutschland, selbst der Patient, der in der staatli-
chen Krankenkasse versichert war, der sogenannte „Kassenpatient“ bereit sein würde, für
Zahnrestaurationen per Computer 98

die gesunde und natürlich aussehende Wiederherstellung der Zähne durch die Zauberkraft
des Computers auf die begrenzte Kassenleistung die Differenz zu einem kostendecken-
den Betrag aufzuzahlen. Die Kassenpatienten würden dadurch partiell zu sog. „Teil-Privat-
patienten“ mit denen der CEREC-Zahnarzt rechnen konnte. Der mittlere Preis für ein „pri-
vates“ CEREC-Inlay lag damals in Deutschland zwischen 400 bis 600 D-Mark. In der
Schweiz existiert bis heute keine staatliche Pflichtversicherung für zahnärztliche Leistun-
gen und der Patient bezahlt diese Kosten selbst. Er kommt demnach in der Regel immer
als „Privatpatient“ auch wenn er eine private Versicherung für Zahnbehandlungen abge-
schlossen hat.
Es gibt aber die Richtpreise der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft SSO. Falls
ein Schaden durch die Schweizerische Unfall-Versicherungs-Anstalt (SUVA) für Berufstä-
tige zu bezahlen ist, kommt der niedrigste Ansatz, der sog. SUVA Tarif zum Ansatz. Der
Preis für ein CEREC-Inlay war auf dieser Grundlage ca. dreifach teurer als eine vergleich-
bare Amalgamfüllung.
Die Anschaffungskosten für das CEREC Gerät lagen immer etwa in der gleichen
Höhe wie die für einen dentalen Behandlungs-Stuhl mit allen Bedienungselementen. Ich
habe in den darauf folgenden Jahren von jungen Zahnärzten bei der Praxisgründung oft
gehört, „Ich kann mir ein CEREC Gerät leider nicht leisten, ich schaffe mir lieber einen
zweiten Behandlungsstuhl an. Das erlaubt rationelles Arbeiten auf einer breiteren Basis.
Wartezeiten können überbrückt werden, eine Dentalhygienikerin und oder ein Assistenz-
Zahnarzt kann diesen nützen. CEREC hatte dadurch bei Praxisgründungen eine betrieb-
lich organisatorische Konkurrenz.

87. Argumente gegen und zugunsten der CEREC-Methode


Es gab viele Argumente gegen CEREC. Mit dem Einstieg in die CEREC Methode machte
man doch eine etwas gewagte Selbstverpflichtung, die mancher scheute. Es galt, alle Be-
dienungsschritte möglichst schnell so zu beherrschen, dass man den gesamten Behand-
lungsablauf sicher durchführen konnte. Es zeigte sich, dass geübte Zahnärzte im Schnitt
etwa eine Stunde für die lege artis Fertigung eines CEREC Inlays brauchten. Besonders
geschickte und gut organisierte Kollegen, wie z.B. mein Freund Dr. Bernd Reiss, konnten
die Zeit sogar auf 40 Minuten drücken. Ganz schulmässig wurden ca. 90 min gebraucht.
Amalgamfüllungen konnten, je nach Grösse und Komplexität der Situation sowie der auf-
gewendeten Sorgfalt, in einem Bruchteil der Zeit gefüllt werden. Auf jeden Fall bedeutete
die Anwendung von CEREC eine totale Änderung des Arbeitsrhythmus von einer Kurzzeit-
zu einer Langzeitbehandlung, wobei CEREC mit zunehmender Grösse der Restauration
mit Vorteil gewann.
Die Praxiskosten und die Amortisation des Gerätes bzw. die Leasingrate mussten in
jedem Fall erarbeitet werden. Kollegen/innen mit der nötigen technischen Affinität waren
von Anfang an mit CEREC 1 sehr erfolgreich. Sie bewältigten in den CEREC Ausbildungs-
kursen eine steile Lernkurve und brachten die Methode nach kurzer Einarbeitung in ihrer
privaten Praxis in jeder Hinsicht vorteilhaft zum Tragen.
Andere Kollegen/innen scheiterten bereits im CEREC Ausbildungskurs an der Inter-
pretation des optischen Abdruckes, d.h. sie hatten bei der Konstruktion Schwierigkeiten,
die Rahmenlinien exakt auf die Präparationsgrenzen zu setzen und erhielten damit unbe-
friedigend passende Inlays. Voraussetzung für eine gute Passung war, dass alle Ränder
der Kavität klar und scharf und ohne Randabschrägung präpariert wurden. Das Finieren
(Schlussbearbeitung) der Kavitätenwände und -Ränder mit Feindiamanten trug dazu bei,
gestochen scharfe Umrissformen zu erhalten.
Zahnrestaurationen per Computer 99

Die Aussen- und Innenflächen des präparierten Zahnes und die angrenzenden Oberflä-
chen der Nachbarzähne mussten sorgfältig, hauchdünn mit optischem Puder mattiert wer-
den, damit die dreidimensionale Vermessung optimal präzise war. Die Mattierung erforder-
te mit den ersten Puder-Applikatoren und Pudern besondere Sorgfalt. Fehler konnten zur
Verfälschung des optischen Abdrucks und damit zu Passungenauigkeiten führen. In zwei
Dissertationsarbeiten versuchte ich, die Applikation und die Zusammensetzung des Pu-
ders zu optimieren (Med Diss Tolen 1990; Med Diss Meyer 1991).
Die Kamera musste entsprechend der Einschubachse des Inlays positioniert und
manuell abgestützt werden, um einen perfekten optischen Abdruck zu erhalten. Das war
für manche Anwender zu schwierig, wodurch sie ungenaue optische Abdrücke erhielten.
Man konnte in allen Bedienungsabschnitten Fehler machen.
Gegner sagten, für CEREC müsse man die Zähne mit unnötiger Substanzopferung
maschinengerecht präparieren. Daran war richtig, dass die Gestaltungsfähigkeit der Ma-
schine in Bezug auf komplexe Gestaltungen begrenzt war, bei Standardpräparationen
wurde jedoch keine gesunde Zahnhartsubstanz geopfert. Anwender welche die Arbeits-
weise des Systems verinnerlichten, konnten die Methode mit Erfolg substanzschonend
anwenden.
Der konsequente möglichst tägliche Einsatz half, die nötige Routine aufzubauen.
Aber viele Kollegen/innen sahen nicht, wie sie CEREC routinemässig in ihre Praxis ein-
ordnen könnten. Ihr Argument gegen CEREC war: „Ich habe in meiner Praxis nicht genü-
gend Patienten dafür.“
Demgegenüber erfreuten sich Zahnärzte/innen, denen es gelang, ein CEREC Klien-
tel aufzubauen, eines ansteigenden Zulaufs neuer Patienten und brachten die Methode zu
hoher Profitabilität. Es zeigte sich, dass die Patienten sich von CEREC faszinieren liessen,
konnten sie doch beobachten, wie der Computer die Formschleifeinheit vor ihren Augen
steuerte und das Resultat innerhalb von Minuten vor Ihnen lag. Das war ein magisches
Erlebnis und wurde bewundernd weitererzählt.
Ich hatte Edith Roth unsere Grafikerin gebeten, die Methode bildhaft charakterisie-
rend darzustellen. Der Zahnarzt wünscht sich natürlich, wie in der Karikatur von Edith ge-
zeigt (Abb. 67), die möglichst einfache Bedienung und grosse Produktivität. Ein einziges
Bedienungselement, Knopf oder Hebel, das wäre schön. Der Patient möchte möglichst
schnell, perfekt und vollständig in einer Sitzung behandelt werden.
Die Karikatur deutet an, dass es sich im dargestellten Entwicklungsstadium beim
CEREC Gerät, um einen Glücksspielautomaten handelt. Das wäre in der Praxis nicht ziel-
führend. Das Gerät darf und muss Anforderungen an die Fachperson stellen, sonst liegt
keine abrechenbare Leistung vor und die Bedienung des Gerätes kann dem Anwender
auch kein Image als digitaler Zauberkünstler vermitteln. Das Entwicklungsziel muss dem-
nach sein, dass das Gerät bei sachkundi-
ger Bedienung sicher zum Erfolg führt.

Abb. 67 Karikatur von Edith Roth. Edith


war Grafikerin an unserer Abteilung PPK.
Die Methode war ja nun Gegenstand ei-
nes Geschäftes und musste angepriesen
werden. Leider war CEREC noch nicht so
weit entwickelt, dass passende Inlays auf
Hebelzug automatisch herausfielen.
Zahnrestaurationen per Computer 100

88. Das „Einkleben“ der keramischen Restauration


Die Adhäsivtechnik, das „Einkleben“ des keramischen Werkstückes in den Zahn war für
konventionell ausgebildete Zahnärzte ebenso neu und in der Anwendung fremdartig wie
die Bedienung des computerunterstützten Gerätes.
Die adhäsive Befestigung war aber der Kern der klinischen CEREC Methode. Nur so
konnte die Keramik einerseits mit dem Zahnschmelz, der unempfindlichen harten äusse-
ren Schale der Zähne und andererseits auch mit dem Dentin, dem schmerzempfindlichen
Zahnbein, durch die Vorbehandlung mit Primer- und Adhäsiv-Agentien sowie durch das
Einsetzen mit Fugenmaterial aus polymerbasiertem Befestigungs-Komposit hermetisch
dicht verbunden werden.
Der/die konventionell ausgebildete Zahnarzt/in hatte im Studium gelernt, Werkstücke
wie z.B. Goldinlays oder verbundmetallkeramische Kronen mit Zinkphosphat- oder Glasio-
nomerzement in bzw. auf die Zahnpräparation zu „zementieren“. Um dabei einen exakten
Sitz und dauerhaften Halt zu erreichen, sollte der Fügewinkel der nach okklusal offenen
Präparation ca. 6° in jedem Wandabschnitt betragen. Bei exakter Passung des Werkstü-
ckes wie sie in Metallgussverfahren ohne weiteres erreicht wurde, kam es in der Endposi-
tion zu einem straffen Sitz. Denken Sie an den Verschluss der Glasflaschen mit einem ko-
nischen Stöpsel der durch die mikromechanische Reibung zwischen den Oberflächen zu-
stande kam. Der Zement sollte diesen winkelabhängigen Reibungskontakt mit seinen Par-
tikeln gegen Abzugskräfte verriegeln und dicht verschliessen.
Der bei einer Zahnkrone vom Zinkphosphatzement beanspruchte Zwischenraum,
speziell der Zementspalt am gingivalen Rand musste auf jeden Fall möglichst klein sein.
Dies weil der Zinkphosphatzement in der Mundflüssigkeit auf Dauer löslich war und durch
seine Auflösung ein offener Rand entstehen konnte. Ein im sichtbaren Bereich mit Zink-
phosphatzement gefüllter, eventuell breiter Rand würde wegen der Opazität des Zink-
phosphatzementes unangenehm auffallen.
Die konventionelle Präparationsvorschrift war deshalb, die Ränder von Inlays und
Kronen subgingival, unter den Zahnfleischrand in den nicht sichtbaren bzw. normalerweise
von Gingiva abgedeckten Bereich zu legen. Praktisch alle Zahnärzte waren an die Präpa-
ration unter den Zahnfleischrand gewöhnt.
Die konventionelle Abformtechnik mit Abdrucklöffel und plastischer Abformmasse
konnte den zervikalen Präparationsrand auch leicht subgingival meist gut erfassen, weil
die Abformmasse das Zahnfleisch vom Rand verdrängte. Mit Hilfe von Retraktionsfäden
konnten die Präparationsränder freigelegt werden. Auch das leichte Auftreten von Blut
oder Mundflüssigkeit störte die Abformung nicht unbedingt.
Die konventionelle Abformung der zervikalen Ränder war demnach auch bei schwie-
rigen Verhältnissen möglich. Problem der subgingivalen Ränder konnte sein, dass ein
nicht ganz perfekter Randschluss der zementierten Restauration oder rauhe Oberflächen,
die Bildung von bakteriellem Zahnbelag förderten, wodurch Gingivitis und Parodontitis
ausgelöst werden konnten. Ich hatte dies selbst in einer meiner früheren parodontologi-
schen Untersuchungen nachweisen können (Mörmann W. Die Reaktion des marginalen
Parodonts auf einen rauen Füllungsrand. Med Diss Zürich 1974).

89. Frei- und Trockenlegen des Arbeitsbereiches


Für die neue digitale Abformung war es gegenüber dem konventionellen Vorgehen hinge-
gen Voraussetzung, dass die zervikalen Präparationsränder frei lagen und ohne Kontami-
nation durch Blut und Speichel optisch gescannt werden konnten. Dies erforderte von den
restaurativ tätigen Zahnärzten eine gewaltige Umstellung.
Zahnrestaurationen per Computer 101

Vor der Präparation mussten auf jeden Fall gesunde entzündungsfreie Verhältnisse mit
blutungsfreier Gingiva, durch eine mundhygienische Vorbehandlung hergestellt werden.
Bei tiefer Karies war der Kavitätenrand durch Retraktions-Massnahmen, vorgängige
Gingivektomie oder gar Lappenoperation freizulegen. Auf die subgingivale Präparation
konnte verzichtet werden und die Kavitätenränder konnten, weniger invasiv, supragingival
angelegt werden, weil die Übergänge von der Keramik zum Befestigungskomposit und von
diesem zum Präparationsrand der Zahnhartsubstanz praktisch unsichtbar waren und sich
über die Zeit nicht veränderten.
Die Qualität der adhäsiven Verklebung der Zahn- und Keramikoberflächen war weder
vom Präparationswinkel noch von einer straffen Passung abhängig. Sie erforderte aber
eine sorgfältige absolute Trockenlegung des Operationsfeldes und eine mehrstufige Abfol-
ge der adhäsiven Konditionierungsschritte mit bestimmten Einwirkungszeiten der Agenti-
en. Das war eine neue Anforderung im Bereich der restaurativen Technik.
Die Trockenlegung erfolgte mit dem ’Kofferdam’-Gummituch und die Technik der Ap-
plikation des ’Kofferdams’ musste erlernt und gut vorbereitet werden. Die Dentalassistentin
und der die Behandler/in mussten mit dieser Technik vertraut und geübt sein. Alle diese
Massnahmen waren für die meisten Einsteiger in die CEREC Methode neu. Es wurde im-
mer wieder versucht, die Trockenlegung abzukürzen oder gar wegzulassen.
Das aufgespannte Kofferdamgummi schützte aber auch den Patienten bei der An-
wendung des Scanpuders und der Adhäsiv-Agentien, indem es den Behandlungsbereich
vom Rest der Mundhöhle abschirmte. Dadurch wurde das hypothetische Auslösen allergi-
scher Reaktionen durch diese Hilfsmittel von vornherein ausgeschlossen.
Eines Tages rief mir ein Siemens-Mitarbeiter aus Hamburg aufgeregt an und berich-
tete, der Patientin eines seiner CEREC Kunden seien nach einer CEREC Therapie sämtli-
che Kopfhaare ausgefallen, ob ich mir das erklären könnte. Das war nun wirklich einmalig
und es gab keinen bekannten Zusammenhang zwischen der CEREC Methode und einem
Haarausfall, aber bei der Anwendung einer noch wenig bekannten Technik konnte man ja
alles Mögliche in Betracht ziehen.

Abb. 68 Isolation des Zahnrei-


henbereichs im linken Oberkie-
f e r m i t d e m ` K o ff e r d a m ` -
Spanngummituch. Je ein Loch
pro Zahn wird in das Tuch ge-
stanzt und dieses über die ein-
bezogenen Zähne gestülpt. Das
Tuch wird durch Klammern und
Abbinden mit Zahnseide gesi-
chert. Das Arbeitsgebiet ist ge-
genüber der Mundhöhle isoliert
und gegenüber der Mundflüs-
sigkeit und eventueller Blutung
gesichert. Der optische Abdruck
und die Adhäsivmassnahmen
können sauber ausgeführt wer-
den.

Nun das wäre eine Sensation


gewesen: CEREC macht Haarausfall! Ich rief den Kollegen an und da hatte sich die Ange-
Zahnrestaurationen per Computer 102

legenheit medizinisch bereits geklärt, der Haarausfall und CEREC hatten nichts miteinan-
der zu tun. Etwas maliziös fragte ich den Kollegen, ob er denn mit Kofferdam gearbeitet
hätte. Er sagte „nein dieses Mal nicht“. Er würde aber nach dieser Erfahrung in Zukunft
unbedingt konsequent mit Kofferdam arbeiten. - Lernvorgänge können seltsame Wege
gehen.

20) 1987 CEREC - INTEGRATION IN PRAXIS UND HANDEL

90. Erste Schulung von Praxis-Zahnärzten am CEREC 1 Gerät


Sobald das CEREC 1 Gerät das Siemens-Facelifting erfahren hatte, lud die Firma Sie-
mens Dental im Mai 1987 zehn interessierte Zahnärzte aus ihrer Stammkundschaft zu ei-
ner Ausbildung am CEREC-Gerät an der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karls-
ruhe ein und bot an, dass die Kollegen das CEREC 1 Gerät in ihren Praxen für eine ge-
wisse Zeitspanne gratis als Feldtest für klinische Behandlungen einsetzen konnten. Ich
hatte ein erstes Benutzermanual produziert, das die technischen und klinischen Schritte
zur Fertigung eines Inlays beschrieb.
Die Kollegen stürzten sich in gespannter Erwartung auf die Präparation des Inlays im
Modellzahn und auf die Bedienung des Gerätes. Sie übten das Scannen, die Konstruktion,
und verfolgten gespannt, das maschinelle Formschleifen des Inlays. Sie isolierten den
Zahn auf dem Modell mittels Kofferdam und setzten das Inlay nach adhäsiver Vorbehand-
lung des Zahnes mit Befestigungs-Komposit ein.
Danach erfolgte die Ausarbeitung und Politur. Ich gab Tipps und begutachtete die Ar-
beiten am Ende. Die Kollegen äusserten sich mir gegenüber alle begeistert, aber ich konn-
te nicht sicher sein, was sie nach dieser Arbeitserfahrung wirklich von der Methode hielten.
Das Angebot von Siemens war, dass sie das Gerät eine gewisse Zeit gratis in ihrer Praxis
benützen konnten. Genau kannte ich die Leihbedingungen nicht, aber offenbar nahmen
zunächst alle dieses Angebot an.
Ich dachte an die Reaktionen meiner Zürcher Kollegen. Kaum einer war bereit gewe-
sen, sich in dieser Frühphase für CEREC zu entscheiden und die Methode sofort in seine
Praxis zu integrieren. Um einen Hinweis zu erhalten, was die Feldtest-Kollegen wirklich
von CEREC hielten, hatte ich einen Fragebogen vorbereitet, der mir einen Hinweis auf die
Einstellung der Karlsruher Kollegen geben konnte.
Die kritische Frage formulierte ich so: „In welchem Land wird Ihrer Ansicht nach die
CEREC Methode am ehesten Erfolg haben, in Deutschland, in der Schweiz, in den USA?“
Die Mehrheit sah den Erfolg am ehesten in den USA dann in der Schweiz und ein einziger
Kollege nannte Deutschland.
Ich schloss daraus, dass die meisten Teilnehmer die CEREC Methode für die eigene
Praxis nicht oder noch nicht als tauglich ansahen. Nun, das überraschte mich nicht. Die
Kollegen führten alle arrivierte Praxen, die auch ohne systemfremde, aufwendige Innovati-
on liefen. Nach diesen Informationen sah ich eine gewaltige Aufgabe auf das Siemens
Marketing und das CEREC Entwicklungsteam zukommen.

91. CEREC und der Dental-Fachhandel


Bei der in der Zahnärzteschaft vorhandenen Skepsis war die etablierte Verkaufsorganisa-
tion der Siemens-eigenen Dentalfachhandlungen und der freien Dentalfachhändler total
überfordert. Die Dentalverkäufer waren mangels eigener Erfahrung im Umgang mit CAD/
CAM Geräten und mit der Adhäsiv-Technik den Zahnärzten gegenüber argumentativ un-
Zahnrestaurationen per Computer 103

terlegen. Dies weil die erforderliche Ausbildung der Verkäufer von den freien Dentaldepot-
Firmen zunächst nicht erbracht werden konnte.
Siemens erwartete, dass die freien Dentaldepots ihre Mitarbeiter für CEREC schul-
ten, die Depots erwarteten, dass dies von Siemens unternommen würde. Die gegenseiti-
gen Erwartungen erfüllten sich aber leider nicht. Es war deshalb für Dentalverkäufer
schwierig, die kompliziert erscheinende und von vielen Zahnärzten und vor allem von
Zahntechnikern in Frage gestellten CAD/CAM Technologie zu durchdringen und die tech-
nischen Details zu adaptieren. Das bedeutete, sie konnten die Vorteile der CAD/CAM
Technologie und der adhäsiven Befestigung von keramischen Restaurationen interessier-
ten Zahnärzten nicht überzeugend darlegen.
Ausserdem war schnell klar, dass ein verkauftes CEREC Gerät innerhalb der Lern-
kurve des Anwenders eine anspruchsvolle Betreuung erforderte, die gegenüber dem Kun-
den geleistet werden musste. Dies erforderte zusätzlichen Aufwand und Mühe für den
Verkäufer. Dessen Interesse, einen CEREC Kunden zu gewinnen, war dadurch be-
schränkt. Interessierten Zahnärzten wurde deshalb in vielen Fällen empfohlen, mit der An-
schaffung eines CEREC Gerätes lieber noch zu warten. Siemens Dental sah deshalb die
Lösung des Problems darin, CEREC nur noch über die eigene geschulte Verkaufsorgani-
sation, nämlich die Siemens Dental Depots, exklusiv zu vertreiben.
Diese Entscheidung war zwar fachlich begründet, brachte aber den gesamten freien
Dentalhandel gegen Siemens auf, was dem Absatz von CEREC Geräten auf diesem
Wege nicht förderlich war. Auch erkundigten sich an CEREC interessierte Zahnärzte häu-
fig bei ihrem Zahntechniker in der eigenen Praxis oder beim zahntechnischen Labor mit
dem sie zusammenarbeiteten. Diese warnten meist vor der neuen Technik, die eine mögli-
che Bedrohung für sie selbst sein konnte.

92. Die Änderung des Behandlungsrhythmus’ in der Praxis


Viele Praxisinhaber sahen das Hauptproblem in der Integration der CEREC Behandlung in
den Praxisablauf. Die Umstellung weg von den gewohnten Kurzzeitbehandlungen, z.B.
beim direkten Füllen mit Amalgam oder beim Erstellen provisorischer Versorgungen im
Zuge der zweistufigen indirekten Herstellung von Zahnrestaurationen über das zahntech-
nische Labor, erschien schwierig.
Diese Schritte wurden bei CEREC durch eine einstufige Langzeitsitzung inklusive der
‚chairside’ CAD/CAM Fertigung des keramischen Zahnersatzteils und der definitiven adhä-
siven Eingliederung in den Zahn ersetzt.
Häufig gelang es dem Behandler nicht, die während des Formschleifens anfallende
Wartezeit produktiv zu nutzen. Das Personal musste für CEREC detailliert geschult wer-
den, wonach der Arbeitsrhythmus in der Praxis sich anpassen konnte.
Über die Nutzung von Randzeiten am Vor- oder Nachmittag sowie bei steigender
Nachfrage durch Einführung einzelner CEREC Tage, konnte man die Methode Schritt um
Schritt in die Praxis einführen.
Anwender, welche die Lernkurve schon hinter sich gebracht hatten und die Methode
beherrschten, liebten die ruhigere Arbeitsweise und schätzten die Arbeitspause, die durch
das Formschleifen der Restauration entstand. Die Arbeitspause wurde durch das Wegfal-
len der provisorischen Versorgungen kompensiert.
Die provisorische Versorgung mit einem weichen, leicht wieder entfernbaren Material
war eine leere Überbrückungsarbeit mit dem Risiko, dass die provisorische Füllung bis
zum nächsten Behandlungstermin herunter gekaut wurde, oder sich löste und herausfiel.
Die ungeschützte Kavität war dann unangenehm exponiert, präparierte Wände konnten
beim Kauen frakturieren.
Zahnrestaurationen per Computer 104

Die sofortige komplette einstufige chairside Versorgung war für den Patienten und den
Behandler ein eminenter Vorteil der CEREC Methode. Das ging so weit, dass Dr. Ron De-
enik, der erste Präsident der neu gegründeten amerikanischen Association for Computeri-
zed Dentistry (ACD), als ich ihn zum ersten Mal traf, ausrief „Dr. Mo-orman you saved my
life“. Das war ein vom Herzen kommendes Votum für CEREC.
Als ich einmal bei der Einführung an einem meiner späteren CEREC-Kurse erwähn-
te, dass eine CEREC Inlay-Behandlung bei Ausführung nach den Regeln der Kunst bis zu
eineinhalb Stunden dauern kann, rief ein Teilnehmer erregt: “Ich dachte, das dauert nur
eine Viertelstunde, mehr Zeit habe ich in meiner hochfrequenten Landpraxis nicht“.
Ich stellte fest: „Hier liegt offenbar ein Grundlagenirrtum vor, die 10-15 Minuten beziehen
sich allein auf das computergesteuerte Formschleifen“ und bot ihm die Rückzahlung der
Kursgebühr an, wenn er den Kurs infolge seines Irrtums verlassen wollte. Ich erwähnte
aber, dass er sich mit der CEREC-Behandlung zu besonderen Zeiten bei speziell interes-
sierten Patienten „einschleichen“ könne. Daraufhin wollte er am Kurs weiterhin teilnehmen.

Elfter Teil: CEREC 1 Behandlungsoptionen, Studien, Buch, Preise

21) ERWEITERTE KONSTRUKTIONSANWENDUNGEN VON CEREC 1

93. Quadrantensanierung mit der CEREC Operating Software 1.0


Es gab Anwender, die CEREC 1 im Überschwang der Begeisterung gekauft hatten, aber
die Lernkurve der CEREC Methode und die produktive Eingliederung in ihre Praxis leider
nicht schafften. Es entstand daher für CEREC 1 bald einmal einen `Secondhand`- Markt
für wenig gebrauchte Geräte. Nun, das gab zu denken.
Es kam mir zu Ohren, dass der erste CEREC Zahnarzt in Zürich zur Fertigung der
Inlays mit einem Zahntechniker zusammenarbeitete, um Quadranten-Sanierungen, d.h.
mehrere Inlays in einer Seitenzahnreihe in einer Sitzung rationell fertigen zu können. Das
grämte mich etwas, weil ich dachte, dass speziell dieser Kollege die Methode wirklich
selbständig chairside, einen Zahn nach dem anderen durchführen würde.
Mario Besek kannte ich als genial praktisch veranlagten jungen Zahnarzt an unserer
Abteilung. Er suchte eine Dissertationsarbeit. „Mario, wir müssen herausfinden wie gross
der Rationalisierungsgewinn bei der Quadrantenbehandlung mit CEREC sein kann und
wie er zu erzielen ist, das könnte dein Dissertationsthema sein“, sagte ich zu ihm. Er ak-
zeptierte das Thema und es gelang ihm, eine Zahnarzt-Assistentin so auszubilden, dass
sie als CAD-Assistenz die Konstruktion von Inlays mit der COS 1.0 Software selbständig
durchführen konnte.
Bei der Behandlung mehrerer Inlays in einer Zahnreihe, führte sie nach der Entfer-
nung des Amalgams, die Konstruktion des zweiten Inlays aus, während er das erste Inlay
einsetzte, ausarbeitete und polierte und so fort. Anhand von Zeitmessungen konnte für die
Zusammenarbeit mit der CAD-Assistenz einen signifikanten Rationalisierungsgewinn von
ca. 30% pro Inlay ermitteln und es wurden in einem Quadranten mit 3 Inlays 80% weniger
Materialaufwendungen und Anästhetika gebraucht, im Vergleich zur Behandlung der Inlays
in einzelnen Sitzungen.
Zahnrestaurationen per Computer 105

Abb. 69 „Quadranten“- Behandlung mit COS 4.4 im Jahre


2003: Die in einer Kieferhälfte vorhandenen Amalgamfül-
lungen a) werden in einer Sitzung in einem Zeit-optimierten
Workflow durch CEREC Inlays ersetzt. Hier ist die Reihen- a
folge des Austauschs der Amalgamfüllungen durch zwei
Molareninlays und zwei Prämolareninlays dargestellt. Als
Resultat b) ergibt sich eine perfekte Quadranten-Versor-
gung.

Das war eine sehr interessante und nützliche Untersu-


chung. (Besek M: Die Quadrantenbehandlung mit CEREC-
Inlays bei Unterstützung durch eine CAD-Assistenz. Med
Diss, Zürich 1990).
In den USA wurde die Tätigkeit der CAD-Assistenz
bald gang und gäbe, während man diesbezüglich in Euro-
pa mindestens offiziell zurückhaltend blieb. Die Quadran-
tenbehandlung wird seit 2003 mit der Software COS 4.4
und folgenden Versionen perfekt unterstützt. Die ganze
Zahnreihe liegt als digitales 3D Modell vor, die Restauratio-
nen können aneinander konstruiert und kontinuierlich form- b
geschliffen werden, Okklusion und Artikulation sind perfek-
tioniert (Abb. 69).

94. Veneers mit der CEREC Operating Software 1.0


Während der Zeit der Entwicklung und Einführung von CEREC 1 in den 1980er Jahren be-
richtete die nordamerikanische Literatur vermehrt über die ästhetische Verblendung der
Frontzähne mit Veneers (Verblendschalen), wie dies Gougoulakis in seiner Dissertation
zusammenfasste. (Gougoulakis A. Retentionsrate und marginale Adaptation von CEREC-
Porzellanverblendschalen in-vitro (Med Diss, Zürich 1989). Verschiedene Techniken unter
Verwendung von Verblendschalen aus Kunststoff, Komposit und Keramik erlaubten es, die
Labialflächen von Frontzähnen und Prämolaren im Vergleich zu Vollkronen wenig invasiv,
dauerhaft mit Veneers zu gestalten. Erste Behandlungen hatten mir gezeigt, dass Veneers
mit CEREC 1 chairside herstellbar waren und sehr schöne, ästhetisch ansprechende und
dauerhafte Lösungen ergaben (Abb. 70).
Die Veneer Methode geht auf den, um 1930 in Hollywood praktizierende Zahnarzt Dr.
Pincus zurück, der als erster für Filmschauspieler zur ästhetischen Korrektur von Stel-
lungsanomalien der Frontzähne Verblendschalen hergestellt und angewendet hatte. Diese
wurden vor den Filmaufnahmen mit Haftpulver an den Zähnen fixiert, d.h. der/die Schau-
spieler/in präsentierte sich dann attraktiv mit weissen, regelmässig stehenden Zähnen wie
es dem Schönheitsideal entsprach. Im Film sind heute solche Korrekturen digital machbar.
Der heutige Patient/in möchte Veneers dauerhaft inkorporiert haben. Je nach der
Ausgangssituation ist dafür keine oder nur geringe Abtragung von Zahnschmelz erforder-
lich, oder die Präparation muss bis in das Dentin erfolgen. Zu Zeiten von CEREC 1, 1987,
war zwar die Adhäsion am Zahnschmelz sicher erreichbar, aber die Haftung am Dentin
war noch nicht etabliert.
Es galt daher bei Präparationen im Schmelz und Dentin zu untersuchen, wie hoch
der Anteil von adhäsiver Schmelzfläche sein musste, um eine sichere Adhäsion von CE-
REC Keramikschalen zu gewährleisten. Es zeigte sich, dass für eine dauerhafte Befesti-
gung mindestens in einem zirkulären Randbereich Schmelzhaftung vorliegen musste.
Zahnrestaurationen per Computer 106

Abb. 70 a) Junge Frau mit genereller Verfär-


bung der Zähne infolge einer Tetrazyklinbe- 1987
handlung während der Bildung der bleibenden
Zähne. b) Behandlung mit CEREC 1 Veneers
im Ober- und Unterkiefer vom ersten Prämolar
einer Seite zum erstem Prämolaren der Ge-
genseite im Jahr 1987, Behandler W. Mör- a
mann. c) Nach zwölf Jahren 1999, meldete
sich die Patientin. Das Veneer am 1. Prämola-
ren rechts unten hatte sich gelöst. Die Patientin 1987
hatte die Veneerschale dabei. Ich befestigte sie
wieder adhäsiv. Ich bot ihr an, sämtliche Ve-
neers mit CEREC 2 noch schöner und besser
(mit Dentinadhäsion) neu zu machen und zwar
gratis, sie lehnte ab, weil sie mit deren Ausse-
hen (c) völlig zufrieden war.
b
Alexander Gougoulakis bearbeitete dieses 1999
Thema in seiner Dissertation mustergültig. Er
und Mario Besek wurden zu meinen treuen
Freunden und Helfern bei zahllosen CEREC
Ausbildungskursen für praktizierende Zahnärz-
te. Ich konnte mich immer hundertprozentig auf
sie verlassen und bin Ihnen für ihre Unterstüt-
zung in dieser Zeit zu grossem Dank verpflich-
tet. c
Anders als man vermuten könnte, entwi-
ckelte sich die CEREC Veneertechnik nicht zum allgemeinen Renner bei den CEREC An-
wendern. Persönlich hatte ich bei der chairside Veneer-Behandlung immer den grössten
Erfolg und die Patienten waren jeweils extrem dankbar, wenn man ein ästhetisches Pro-
blem damit unmittelbar lösen konnte.
Es gab aber unter den frühen CEREC Anwendern Kollegen wie z.B. Dr. Klaus Wied-
hahn, der die chairside Veneertechnik zur Meisterschaft entwickelte und diese auch wis-
senschaftlich verfolgte.

95. CEREC Artikel – CEREC Buch


Um die Verbreitung der Methode unter Privatzahnärzten und in der wissenschaftlichen
Welt voranzutreiben galt es, klinische Berichte und methodische Untersuchungen zu erar-
beiten und zu publizieren.
Im Jahre 1987 publizierte ich zwei Artikel mit den Titeln „Das Cerec System: Compu-
ter-gestützte Herstellung von Keramikinlays in einer Sitzung“ in stark verbreiteten deutsch-
sprachigen Journalen wie der „Quintessenz“ und „Cerec-System: Computer Inlays, Onlays
und Schalenverblendungen“ in den „Zahnärztlichen Mitteilungen“, ein Journal, das jeder
Zahnarzt in Deutschland automatisch bekam.
Für die Georg-Friedrich Götz Stiftung der Medizinischen Fakultät der Universität Zü-
rich erstellte ich auf Anregung des damaligen Dekans der Medizinischen Fakultät der Uni-
versität Zürich, Professor Peter Schärer, einen Beitrag mit dem Titel „Computergestützte
Zahnrestaurationen mit Keramik- und Kunststoffmaterialien. Neue High-Tech-Methoden in
der ästhetischen Zahnmedizin“. Im Folgejahr 1988 publizierte ich unter anderem: „Innova-
Zahnrestaurationen per Computer 107

tionen bei ästhetischen Restaurationen im Seitenzahngebiet (Keramik): Computergestütz-


te Systeme“, in der „Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift“ und 1889 in englischer Spra-
che: “Chairside computer-aided direct ceramic inlays“ in der Zeitschrift „Quintessence In-
ternational.
Gleichzeitig arbeiteten Marco und ich an einem CEREC Buch mit dem Titel „Die CE-
REC Computer Reconstruction: Inlays, Onlays und Veneers“, das die Methode gesamthaft
technisch und klinisch darstellen sollte. Wegen der starken Präsenz des Quintessenz Ver-
lages im Bereich der Zahnmedizin sollte es dort erscheinen. Ich hatte ja schon meine Ha-
bilitationsschrift mit dem Titel: “Fluoreszenzangiographie oraler Schleimhaut nach muko-
gingival-chirurgischen Eingriffen“ in diesem Verlag publiziert.

Abb. 71 Im Buch „Die CEREC Computer Re-


construction, Inlays, Onlays und Veneers be-
schreibt Marco Brandestini die CEREC 1
Hardware im Detail und ich stelle die Konstruk-
tionsmöglichkeiten, die Material- und Anwen-
dungstechnik sowie klinische Aspekte dar.

Marco beschrieb die Hardware detailliert, der


anwendungstechnische klinische, software-
und materialtechnische Teil kam von mir. Wir
konzipierten das Buch gemeinsam, ich stellte
den Kontakt zum Verlag her. Als Marco seinen
Teil fertig hatte, bat ich Quintessenz, diesen
sofort für eine englische Version des Buches
übersetzen zu lassen. Nach meinem Dafürhal-
ten war die englische Version für die allgemei-
ne Verbreitung des CEREC Systems extrem
wichtig.
Umso grösser war Marcos und meine
Enttäuschung als die Übersetzung des techni- 1989
schen Teils eintraf. Leider kannte sich der
Übersetzer in der technischen Fachsprache
nicht aus, wodurch der Text laienhaft unbeholfen und unprofessionell wirkte, was wir nicht
akzeptieren konnten. Keiner von uns beiden hatte aber in dieser Zeit der ständigen Bean-
spruchung durch Anwender in aller Welt mit technischen und fachlichen Anfragen, den
Nerv, sich mit dieser Übersetzung selbst herumzuschlagen.
Unsere Reklamation beim Verlag blieb erfolglos. Offenbar war damals kein Überset-
zer im Dentalbereich zu finden, der unsere Technik sachgerecht in englischer Sprache be-
schreiben konnte. So schoben wir die Übersetzung auf die lange Bank. Ich selbst war
durch die Fertigstellung der deutschen Version beansprucht, das Werk kam im Jahre 1989
heraus und ich halte es heute immer noch für ein Prachtwerk. Leider ist es vergriffen. Ich
bedaure es deshalb sehr, dass wir die englische Fassung nicht geschafft haben.

96. Walther-Engel-Preis 1987


Nach den spannenden ersten Präsentationen der CEREC Methode an der Akademie für
Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe 1985 und 1986, quasi der Inauguration von CEREC in
Deutschland, erhielt ich mit dem Datum des 12. Dezember 1986 vom damaligen Rektor
der Universität Zürich, Prof. Dr. Dr. Konrad Akert das folgende Schreiben des Herrn Direk-
Zahnrestaurationen per Computer 108

tor der Karlsruher Akademie, Prof. Dr. Michael Heners zur Kenntnisnahme an mich weiter-
geleitet:

„Magnifizenz!
Sehr geehrter Herr Kollege Akert,
der Verwaltungsrat der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe hat auf seiner
Sitzung am 12. November 1986 beschlossen, den von unserem Hause getragenen Walt-
her-Engel-Preis 1987, dem Mitglied Ihrer Universität, Herrn Priv.–Doz. Dr. Dr. med. dent.
Werner Mörmann zuzusprechen. Der Walther-Engel-Preis 1987 ist dotiert mit DM 10.000.-.
Er dient dazu, den internationalen Austausch von Wissenschaftlern gezielt und aktiv zu
fördern. ...“

Nun, es wurde in dieser Nachricht nicht erwähnt, welches spezielle Verdienst des Preis-
trägers mit dem Preis ausgezeichnet wurde. Auf jeden Fall dokumentierte der Preis die
Förderungswürdigkeit eines Dozenten der Karlsruher Akademie. Ich hatte ja der Akademie
schon während den vorangehenden Jahren mit Kursen über Mukogingival-Chirurgie und
„Adhäsive Frontzahnfüllungen - Unsichtbar dank perfekter Technik“ gedient und war bisher
ein offenbar gerne gesehener und erfolgreicher Dozent der Akademie gewesen.
Natürlich waren die CEREC Präsentationen der auslösende und ausschlaggebende
Grund für die Vergabe des Preises an mich. Ich hatte deshalb gegenüber meinem lieben
Partner Marco Brandestini, dem genialen Elektroingenieur und Überwinder vieler techni-
scher Probleme der CEREC Hardware doch ein schlechtes Gewissen, konnte aber nichts
daran ändern, dass diese Ehre mir allein zufiel. Es handelte sich um die Anerkennung
meiner zahnmedizinischen Aktivitäten. Marco selbst hatte keine Probleme mit der Zuspra-
che dieses Preises an mich.

97. Georg Friedrich Götz-Preis 1987 der Med. Fakultät der Universität Zürich
Im Jahr 1987 wurde der Direktor der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik
und zahnärztliche Materialkunde (KBTM) Prof. Dr. Peter Schärer am Zahnärztlichen Insti-
tut, zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich gewählt.
Er gewann dadurch unmittelbaren Einfluss auf die Vergabe des Georg Friedrich Götz-
Preises. Der Georg Friedrich Götz-Preis wird seit 1964 jährlich, auch heute noch an junge
Wissenschaftler, die an der Universität Zürich oder am Universitäts-Spital Zürich tätig sind
und die sich über hervorragende international anerkannte Leistungen auf dem Gebiet der
Grundlagen- oder klinischen Forschung ausweisen können, ausgerichtet.
Herr Professor Schärer forderte mich auf, den schon genannten Beitrag mit dem Titel
„Computergestützte Zahnrestaurationen mit Keramik- und Kunststoffmaterialien“, der Ge-
org Friedrich Götz Stiftung einzureichen. Ich fragte, ob ich das mit der Co-Autorschaft von
Marco Brandestini tun konnte. Er sagte, das käme nicht in Frage, da nur der medizinische
Aspekt für die Beurteilung ausschlaggebend sei.
Prof. Schärer war kein eigentlicher Freund der CEREC-Methode. Als Prothetiker war
er der Überzeugung, dass jegliche Art der Herstellung von indirekten Restaurationen in die
Hände des Zahntechnikers gehörte. Er hielt nichts davon, dies per Computer dem Zahn-
arzt anzuvertrauen.
Er hatte deshalb die Idee unseres Studenten mit Ingenieur-Ausbildung, Stephan Ei-
denbenz unterstützt, das zahntechnische manuell gesteuerte Kopierschleifsystem „CE-
LAY“ zur Herstellung für Keramik-Inlays zusammen mit der Firma Mikrona zu realisieren.
Als Dekan aber kam es ihm darauf an, das Fach Zahnmedizin ins rechte Licht zu rücken.
Zahnrestaurationen per Computer 109

Das war mit der Erarbeitung der CEREC Methode am Zahnärztlichen Institut der Universi-
tät Zürich möglich.
Die computergestützte Zahnrestauration war als Alternativmethode zu den Metallre-
staurationen Amalgam und Gold von der Grundlage und der klinischen Bedeutung her, im
Jahre 1987 gegenüber den anderen zur Wahl stehenden medizinischen Themen offenbar
absolut preiswürdig und so wurde ich als Zahnarzt „in Anerkennung wegweisender Beiträ-
ge zur restaurativen Zahnmedizin“ zum Götzpreisträger des Jahres 1987 erkoren. Ich
denke, es war auch eine Anerkennung für Professor Peter Schärer selbst, als Förderer
und Mitbewerber sowie für das ganze Zahnärztliche Institut der Universität Zürich, das die
Basis für die zahnmedizinischen Arbeiten bereitgestellt hatte.
Die Verleihung des Götzpreises an einen Zahnarzt erscheint in etwas speziellem
Licht, weil weder vorher noch danach, mindestens bis zum Jahre 2020, kein weiterer
Zahnarzt diesen Preis jemals wieder erhalten hat. Ich habe das Preisgeld von damals CHF
10'000.- mit Marco Brandestini hälftig geteilt. Er nahm es locker, dass die Mediziner nur
den Angehörigen der eigenen Organisation belohnten und nicht auch den beteiligten
ETHZ-Absolventen, den Elektro-Ingenieur Dr. Marco Brandestini, der den Einstieg in diese
Methode auf der technischen Seite erst möglich gemacht hatte.

22) 1988 CEREC 1 OFFIZIELLE MARKTEINFÜHRUNG, KURSE & VORTRÄGE

98. Jahresbeginn 1988


Das Jahr 1988 begann für mich fachlich mit zwei Fortbildungskursen für Praxiszahnärzte
in Karlsruhe am 5./6. Februar „Adhäsivtechnologie“ und am 11./12. März Adhäsive Zahn-
heilkunde. Für die Ausbildung von Studenten und Praxiszahnärzten produzierte ich ein
CEREC Video-Tutorial von 50 min Dauer, das die aktuelle Marktversion des CEREC 1 Ge-
rätes zeigte. Für Anfang Mai hatte ich die Einladung der Bezirkszahnärztekammer Karls-
ruhe zu einem Vortrag mit dem Titel: “Ästhetische Gesichtspunkte in der neuzeitlichen Fül-
lungstherapie.“

99. CEREC 1 in Sydney


Meine Belastung durch Vorträge und Kurse nahm in den Jahren von 1986 bis 1990 stän-
dig zu, wie das aus der Tabelle 3 (Seite 89) deutlich hervorgeht. Einige Eindrücke und Er-
lebnisse von meinen Präsentationen und Kursen habe ich schon erwähnt, nämlich die von
Wien, Tübingen, Graz, New York, Regensburg, Düsseldorf, München, Basel, Villach,
Stuttgart, Karlsruhe, Berlin und Boston.
Kurzfristig erhielt ich die Einladung, am ‚25th Australian Dental Congress’ in Sydney
am 18. Mai 1988, einen Vortrag mit dem Titel: „The CEREC System: Chairside Computer-
Aided Fabrication of Ceramic Inlays“ zu halten. Ich war voll romantischer Erwartungen in
Bezug auf eine fremdartige Welt in Australien. Das Fliegen über diese Distanzen war da-
mals noch etwas Besonderes. Der Jetlag machte sich bei mir schon bei der Zwischenlan-
dung in San Francisco bemerkbar. Ernüchterung empfand ich beim Frühstück in der 747
“Pacific Version” als ich entdeckte, dass die Konfitüre aus Polen stammte. Nichts gegen
polnische Konfitüre, sie war perfekt, aber ich hatte etwas Australisches erwartet, vielleicht
Konfitüre aus Eukalyptusblättern.
Bei der Landung nach der langen Reise schaute ich auf das Flughafengelände und
war plötzlich verwirrt, es sah alles - so weit weg, ganz ähnlich aus wie in Zürich, waren wir
wieder zurück? Natürlich präsentierte sich Sydney in der Folge ganz wunderbar fremd und
vertraut zugleich, aber der Eindruck des Déjà-vu überfiel mich sofort wieder, als ich am
Zahnrestaurationen per Computer 110

Dienstag Früh die Ausstellungshalle des ’Dental Congress’ betrat, alles war wie immer an
Dental-Ausstellungen. Nur mit einem grossen Unterschied, mein Schädel brummte vom
Jetlag - mein Gehirn klopfte und pulste. Bis Herr Herbst am Siemens-Stand auf mich zu
stürzte „Professor Mörmann wunderbar, dass Sie da sind, das Gerät funktioniert nicht,
können sie das in Ordnung bringen?“
Ich öffnete das Gerät und überprüfte den Sitz der Platinen und befestigte sie erneut
und schon war das CEREC 1 Gerät wieder betriebsbereit. Ich warf einen Blick auf das
Vortragsprogramm, mein Vortrag war am Mittwochmorgen und was sah ich zu meinem Er-
staunen? Parallel zu meiner Präsentation sprach kein anderer als Professor Peter Schä-
rer, der Herr Dekan, mein Förderer, Kritiker und Mitbewerber, nun war ich so weit gereist –
und wen traf ich da? Déjà-vu, meinen lieben Kollegen aus Zürich, die Welt war klein.

Abb. 72 Souvenir vom 25th Australian Dental


Congress.

Am Abend waren Jeanette und ich Gäste des


Siemens Dental CEO Herr Karlheinz Kilk in
einem schönen Restaurant am Hafen. Herr
Kilk war ein sehr freundlicher, kompetenter
Mann und war nach dem Rücktritt von Herrn
Behne, dem Ingenieur, aus dem Marketing an
die Spitze von Siemens Dental vorgestossen.
Er hatte mir nach meiner so erfolgreichen
Präsentation des CEREC Gerätes 1986 vor
dem Vorstand von UB Med, im darauf folgen-
den Jahr zu Weihnachten einen sehr schönen
Keramikteller geschenkt, auf dessen Rand der folgende Sinnspruch zirkulär aufgetragen
war: „Der Mensch glaubt, was er sieht“. Offenbar wollte er andeuten, dass das von mir
präsentierte Produkt CEREC 1 nicht ganz das hielt, was ich einerseits so perfekt präsen-
tiert hatte und was sich Siemens andererseits davon versprochen hatte.
Allerdings hatten auch Marco und ich mehr von Siemens erwartet, nämlich, dass
Fachexperten aus dem Bereich der Siemens Grundlagenforschung, dem CEREC Team
von Anfang an unter die Arme greifen könnten, um das System möglichst schnell weiter zu
entwickeln. Das war aber nicht der Fall. Das CEREC-Team in Bensheim musste die Wei-
terentwicklung selbst erarbeiten und das brauchte seine Zeit, führte aber schlussendlich
auf der Basis der von mir und Marco erbrachten zahnmedizinischen und technischen
Grundlagen, nach langen Jahren zum erhofften Erfolg.
Hohe Erwartungen, Schwierigkeiten in der Technik und im Markt führten aber in der
Zeit von CEREC 1 zu Reibungsflächen zwischen Brains und Siemens, die dann viel Ge-
duld und Durchhaltevermögen auf beiden Seiten erforderte, vor allem aber bei mir.
Auf meinen Schultern lagen in dieser Zeit die Anforderungen der Universität, von
Siemens Dental, von Brains, von der klinischen Forschung und Lehre, der Ausbildung der
Studenten und der Aus- und Weiterbildung von Zahnärzten und es lastete die Verpflich-
tung auf mir, die CEREC Methode weltweit gegenüber dem Fach und den Fachexperten/
innen der restaurativen Zahnmedizin zu vertreten.

100. CEREC und die ‚Dentale Technologie’ in Böblingen (D)


Ich hatte in diesem Jahr noch eine Einladung für einen Vortrag an der Jahrestagung der
‚Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie’ in Böblingen. Bei meiner allgemein hohen Be-
Zahnrestaurationen per Computer 111

lastung hatte ich nicht wahrgenommen, dass es sich bei dieser Organisation im Wesentli-
chen um eine Gemeinschaft von Zahntechnikern und den damit verbundenen Firmen han-
delte. Es war mir deshalb auch während meiner Präsentation nicht bewusst, dass ich hier
einem speziell kritischen Publikum von Zahntechnikern gegenüberstand, während ich die
Vorteile des Systems für den Zahnarzt hervorhob.
Ähnlich wie in Basel erfuhr ich dann in der Diskussion sehr kritische Anwürfe durch
Zahntechniker. Doch einer dieser Zahntechniker sprach mich später an einer der Karlsru-
her Konferenzen an und entschuldigte sich bei mir, was ich grossartig fand.
Es zeigte sich in den Folgejahren, dass die Zahntechnik einen Strukturwandel erlebte
und sich die smarten Zahntechniker die digitale Technologie schnell selbst zu Nutzen
machten. Ich glaube nicht, dass es heute in den entwickelten Ländern noch zahntechni-
sche Labore gibt, die es sich erlauben können, nicht mit digitalen Methoden zu arbeiten.
Die Kritik der Passgenauigkeit der chairside gefertigten CEREC Restaurationen blieb aber
noch lange im Köcher der Argumentation gegen die CEREC Methode durch die Zahntech-
nik, ist aber heute gegenstandslos.
Während der Zahnarzt häufig Einzelrestaurationen in Form von Füllungen fertigt,
deckt das zahntechnische Labor durchgehend das ganze Spektrum von Einzelrestauratio-
nen und ausgedehnteren Brückenarbeiten aber auch die Fertigung von Teil- und Vollpro-
thesen ab, die vom Zahnarzt eingesetzt werden müssen. Der Anspruch auf hohe Ferti-
gungs- und Passgenauigkeit ist daher von Seiten der Zahntechnik wohlbegründet.
Die bei CEREC in der Pionierzeit kritisierte Spielpassung am Rand im Bereich von 0
bis zu 500 µm und die im Vergleich zur plastischen Fülltechnik und Gusstechnik mangeln-
de Innenanpassung war auf die begrenzte Gestaltungsmöglichkeit des Formschleifens
durch die zirkuläre subtraktive Bearbeitung mittels einer diamantierten Schleifscheibe
(„Aussenrundeinstech-Schleifen“) bedingt. Die erzielte Bearbeitungsgeometrie erlaubte es
nicht, die Formgestalt der Präparation in jedem Detail nachzuvollziehen.
Die nützliche Erkenntnis aus Randanalysen von CEREC Inlays war jedoch, dass die
verbleibenden Rand- und Innenfugen mit Hilfe der Adhäsivtechnik und der Verwendung
von plastischem Komposit als Fugenmaterial dauerhaft dicht ausgeglichen und verschlos-
sen blieben. Das wesentliche Ziel einer Restauration, nämlich der bakteriendichte Ver-
schluss des Zahnes und die funktionsgerechte Eingliederung wurden bereits von CEREC
1 erreicht. Langzeitstudien über bis zu 27 Jahren bestätigten dies.

101. Marco Brandestini beendet seine technische Beratung bei Siemens Dental
1988 war das Jahr der international offiziellen Einführung des CEREC 1 Gerätes durch
Siemens Dental. Marco Brandestini hatte sich aus der direkten technischen Beratung für
das CEREC Team in Bensheim zurückgezogen, weil das CEREC Entwicklungsteam nun
selbständig arbeitete.
Nach einiger Zeit zog es ihn wieder nach Seattle WA, diesmal zur Firma Neopath Inc.
Diese Firma beschäftigte sich mit der Digitalisierung von belichteten Filmnegativen von
Abstrichen und histologischen Präparaten. Die Digitalisierung sollte die Diagnose und Ar-
chivierung erleichtern. Marco erfand nach seiner Zeit bei Neopath, nun wieder als Free-
lancer, zusammen mit Richard Ferraro, Patentlösungen für das Problem der Digitalisierung
von belichteten Filmnegativen und Diapositiven. Darunter das Patent mit dem Titel „Me-
thod and apparatus for rapid scanning of color images“ (1990) und „Image digitizing sys-
tem“ (1991) und zwei weitere, die er im „Coolscan“ zum funktionierenden Gerät entwickel-
te.
Seine Coolscan Technik wurde von der Firma Nikon, Japan übernommen, weiterent-
wickelt und vermarktet. Auf Wikipedia heisst es in der am 10. Februar 2018 zuletzt bear-
Zahnrestaurationen per Computer 112

beiteten Version über den Nikon Coolscan 5000 ED:... „Mithilfe zusätzlich erhältlicher Ad-
apter ist das automatisierte Scannen von mehreren gerahmten Dias, Filmstreifen und un-
geschnittenen Filmrollen möglich.“ Der Filmscanner kam 2003 auf den Markt und hat seit-
dem den Ruf, bester Desktopscanner für Kleinbildfilm zu sein. Einen modernisierten Nach-
folger hat es nicht mehr gegeben und seit 2010 wird der Nikon Coolscan 5000 im guten
gebrauchten Zustand für ein Mehrfaches seines ursprünglichen Preises vertrieben“. Nun,
dies konnte man von CEREC 1 Geräten damals noch nicht sagen, aber wer weiß?
Marcos Herz hing aber weiter an der CEREC Methode und wir kommunizierten und
kooperierten vielfach.

102. Erster internationaler CEREC Ausbildungskurs


Im Juni 1988 organisierte ich den ersten CEREC Ausbildungskurs mit internationaler Be-
teiligung. Unterstützung hatte ich durch meinen damaligen Freund und Chef, Professor
Felix Lutz. Er stellte seine neu, höchst modern gestaltete und ausgestattete Klinik für Prä-
ventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie (PPK) für den ersten in Englisch prä-
sentierten CEREC Kurs, im Juni 1988, mit internationalen Teilnehmern aus europäischen
Ländern zur Verfügung.
Zahnärzte aus Grossbritannien, Frankreich, Italien, Benelux, Skandinavien, Deutsch-
land und der Schweiz nahmen teil. Ich hatte die Assistenz-Zahnärzte/innen der Abteilung
PPK als Instruktoren ausgebildet und auch Marco engagierte sich als Instruktor. Felix Lutz
präsentierte mit mir zusammen eine Einführung und ich leitete den Kurs. Hier entstand ein
bewährtes praktisches Ausbildungskonzept für unsere Zürcher CEREC Kurse, welches für
je zwei auszubildende Zahnärzte/innen ein CEREC Gerät und einen Instruktor/in vorsah.
Die Geräte stellte Siemens zur Verfügung. Vor jedem neuen Lernschritt wurde die
praktische Ausführung am Gerät in einer Demonstration für alle gezeigt und dann übte je-
der Teilnehmer den Schritt, wobei der/die Teamkollege/in zuschaute und umgekehrt, und
der Instruktor jeweils anleitete und helfend eingriff. Dies bot optimale Bedingungen für die
Ausbildung, war aber wesentlich aufwendiger als die Instruktion z.B. in unseren Studen-
tenkursen, wo wir während des Semesters mit einem Instruktor für 6 bis 8 Studenten für
die Anweisung und Kontrolle der Behandlungsschritte arbeiteten.

a b c
Abb. 73 18. Juni 1988 erster internationaler CEREC Ausbildungskurs für Zahnärzte.
Kurssprache Englisch. a) Marco Brandestini erklärt zwei Kursteilnehmern die Konstruktion
eines Inlays. b) Teilnehmerzertifikat, c) W. Mörmann beim Pausengespräch mit Kursteil-
nehmer Dr. Rens J. Pluim aus den Niederlanden.
Zahnrestaurationen per Computer 113

Höhepunkt des Kurses war am zweiten Kurstag die klinische live-Demo einer CEREC Pa-
tientenbehandlung. Diese wurde an einem Klinikplatz von den Assistenzzahnärzten Mario
Besek und Alexander Gougoulakis durchgeführt und per Video in den Hörsaal übertragen,
wo ich als Kommentator Fragen der Teilnehmer beantwortete.
Am Abend lud Siemens die Kursteilnehmer zum geselligen Abendessen ein. Es war
immer interessant, mit den Kollegen/innen ins Gespräch zu kommen.
Einmal kam ich mit einer ukrainischen Zahnärztin ins Gespräch, die in Deutschland
arbeitete. Sie unterbreitete mir in ihrer Begeisterung für CEREC ihre Idee, CEREC Geräte
in die Ukraine zu exportieren und die Bezahlung mit der Lieferung von Wodka als Gegen-
geschäft abzuwickeln. Ich verwies sie an Siemens.
Dann kam sie mit einem anderen spontanen Vorstoss und sagte: „Herr Professor, ich
will Sie heiraten!“ „Ich bin aber schon verheiratet“, versicherte ich. „Aber das macht doch
nichts“ meinte sie. Na ja, das war lustig aber auch anstrengend. Ich sehnte den Tag her-
bei, an dem die Methode so einfach wäre, dass solch intensive Kurse nicht mehr ge-
braucht würden.

103. Anregungen im Kurs durch Teilnehmer


Die Tatsache, dass hier eine funktionierende, grundlegend neue restaurative Methode ihre
volle Aufmerksamkeit forderte, regte den erfinderischen Gedankenflug einzelner Teilneh-
mer an, über Erweiterungen der Anwendung nachzudenken und sie verrieten mir diese
dann gleich während des Kurses in ihrer Begeisterung über die ungeahnten Möglichkeiten.
So zum Beispiel fand Frank Geiger heraus dass er für aneinander liegende Kavitäten
von zwei Prämolaren die Inlays für beide Kavitäten in einem Stück konstruieren und form-
schleifen konnte. Nach dem Zementieren würde das zwei Kavitäten überspannende Dop-
pel-Inlay, die beiden Zähne gegenseitig schienen. Dies könnte im Falle einer parodontalen
Lockerung eines dieser Zähne für die Festigung des gelockerten Zahnes therapeutisch
nützlich sein.
Ein Zahnarzt aus München, der ein CEREC 1 Gerät bereits vor der offiziellen Einfüh-
rung erhalten hatte, verriet mir, dass er ja schon Brücken mit CEREC 1 hergestellt hätte
und erzählte mir die Details. Ich gehe jetzt auf diese Bastelarbeit nicht näher ein, aber sie
zeigte mir, wohin der Weg der Weiterentwicklung zwangsläufig gehen würde, nämlich bis
zu Brücken und darüber hinaus, aber dafür waren wir zu jener Zeit, was Material und Me-
thoden betraf, noch 15 Jahre zu früh.
Ein Kollege aus Köln gab mir zu verstehen, er habe herausgefunden, wie man in
speziell geeigneten Fällen bereits mit CEREC 1, Vollkronen herstellen konnte. Er war ex-
trem begeistert und schlug vor, einen Eisenbahnwagon der Deutschen Bundesbahn als
CEREC-Praxis auszurüsten. Damit könne man von Ort zu Ort fahren um Patienten zu be-
handeln und auch um Zahnärzte in der CEREC Methode auszubilden. Dies, damit mög-
lichst schnell viele Patienten in den Genuss der Keramikrestaurationen kämen und auch
viele Zahnärzte die Methode lernen könnten. Die Vollkrone wurde dann, nach weiteren
sechs Jahren, 1994 mit der Entwicklung und Präsentation des CEREC 2 Gerätes durch
das CEREC Entwicklungsteam bei Siemens Dental, Realität.
Je ein Kollege aus Italien, Frankreich, Deutschland und Schweden engagierte sich
nach dem Kurs in ihren Ländern als CEREC Ausbilder. Zwei Kollegen waren vom ‚Guy’s
Hospital des King’s College der University of London’ gekommen. Und zwar kamen sie
beide in schwarzen Gesellschaftsanzügen zum Kurs. Ich war damals mit meiner Kursor-
ganisation noch nicht so erfahren, dass ich extra zahnärztliche Berufskleidung für den Fall
der Fälle sofort parat hatte. So puderten zunächst die beiden ihre Arbeitsmodelle für den
optischen Abdruck und sprayten kräftig das weisse Titandioxid-Mattierungspulver, was sich
Zahnrestaurationen per Computer 114

zum Teil auf ihre schwarze Kleidung legte. Alle nahmen es cool. Bernhard Smith und sein
Kollege waren sehr nette, liebenswerte Menschen.
Später erhielt ich von Bernhard Smith eine Einladung für einen Vortrag über die CE-
REC Methode am Guy’s Hospital in London und zwar für den 9. November 1989. Das war
eine sehr ehrenvolle Einladung, die mich sehr freute. Das Datum vom 9. November 1989
sollte später durch den Fall der Berliner Mauer eine ganz spezielle Bedeutung erhalten.

104. Opto-gekoppelte CEREC Ausbildungsgeräte


Es war klar, dass wir die schöne PPK Klinik nicht auf Dauer an Freitagen für CEREC-Kur-
se belegen konnten. Die Bedürfnisse der Abteilung für die klinische Behandlung in den
Fächern Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Endodontie standen dem entgegen.
Ich musste Ideen entwickeln, wie ich das wichtige Erfordernis der praktischen Ausbil-
dung von künftigen CEREC Anwendern an CEREC Geräten erfüllen konnte und welche
Räumlichkeiten dafür genutzt werden konnten. Unser Phantomkursraum in dem ich zu
Beginn meiner Anstellung die Studenten in der Amalgamfülltechnik ausgebildet hatte, war
mit eng gestaffelten durchgehenden Arbeitsflächen ausgestattet und deshalb für das Auf-
stellen von CEREC Geräten nicht geeignet.
Der Campus Irchel der Universität Zürich bot sich an. Er liegt gut erreichbar an der
Winterthurerstrasse 190, der Ausfallstrasse zum Flughafen Kloten. Der Komplex bietet
grosszügige Säle, die mobil für einen Kurs ausgestattet werden konnten, mit naher Mensa
und einem angeschlossenen Parkhaus. Die Hörsaaldisposition und der technische Dienst
funktionierten perfekt und waren sehr kooperativ.
Ich kam auf die Idee, für die Unterrichtung der Bedienung und Konstruktion von In-
lays, Onlays und Veneers 10 CEREC Geräte mit einem Steuergerät für den Kursleiter op-
tisch zu koppeln und trug dies Siemens vor. Nach der etwas schwierigen Klärung der Kos-
tenfrage ging Siemens darauf ein und ich erhielt das gekoppelte CEREC Unterrichtssys-
tem.
In einem der geräumigen Hörsäle richtete ich zwei Reihen mit je fünf CEREC Ein-
heiten ein und nummerierte sie durch von 1-10. An jedem Gerät sassen zwei Kursteilneh-
mer. Alle Geräte waren mit meinem Zentralgerät verkabelt. Zu jedem Gerät wurde je ein
Kiefermodell aus Kunststoff mit typischen Kavitätenpräparationen zugeteilt. Dadurch hat-
ten alle Teilnehmer die gleichen Übungsunterlagen.
Ich demonstrierte den optischen Abdruck einer mod-Kavität am Zentralgerät. Alle
Teilnehmer probierten, dies an ihren Geräten nachzuvollziehen. Kollegen, die glaubten,
einen guten optischen Abdruck erhalten zu haben, hoben den Arm. Ich schaltete das Bild
des ersten Teilnehmers auf meinen Bildschirm und beurteilte das Ergebnis und gab mei-
nen Kommentar ab. War das Ergebnis nicht brauchbar, forderte ich den Teilnehmer auf,
den Vorgang zu wiederholen. War das Ergebnis gut, so übergab er die Kamera an seinen
Platzkollegen.
Für jede der beiden Reihen stand ein Assistent zur Verfügung, der bei Schwierigkei-
ten helfen konnte. Nach diesem System arbeitete ich verschiedene Konstruktionen mit al-
len Teilnehmern durch. Das war intensiv, machte aber gleichzeitig mir und den Teilneh-
mern grossen Spass.
Alle wesentlichen Schritte zeigte ich jeweils vor diesen Monitorübungen in einem Vor-
trag, womit der Kurs für die Teilnehmer abwechslungsreich und instruktiv war. Auch Geräte
und Instrumente für die Präparation individueller Kavitäten standen zur Verfügung. Ich
sehe diese Phase heute als pionierhaft für die Ausbildung von praktischen Zahnärzten in
der CEREC 1 Methode.
Zahnrestaurationen per Computer 115

105. Erstes CEREC 1 Gerät in amerikanischer Privatpraxis


Für den 8. Oktober 1988 hatte ich eine Einladung der American Dental Association (ADA)
zum ‚Joint World Dental Congress’ der ADA mit der ‚Fédération Dentaire
Internationale’ (FDI) nach Washington DC. Marco kam mit. Wir lernten Bruce Altschuler
kennen, einen Zahnarzt und ersten amerikanischen CAD/CAM Pionier, der in den Jahren
1971-73 an dem Projekt „Holodontography: an introduction to dental laser holography“,
gearbeitet hatte. Er war sehr sympathisch und erzählte, dass das Projekt damals als wenig
realistisch eingestellt werden musste.
Am Kongress erfuhren wir von Mitarbeitern von ‚Pelton and Crane’, der Tochterge-
sellschaft von Siemens Dental in USA, dass das erste CEREC 1 Gerät in einer Privatpra-
xis platziert worden war. Die Praxis befand sich in Kirkland, einem Vorort von Seattle, Wa-
shington, wo Marco früher mit seiner Familie gewohnt hatte und ich ihn 1980 für CEREC
hatte begeistern können. Er wohnte jetzt wieder in Kirkland. Wir beschlossen, die erste
CEREC Praxis in USA gemeinsam zu besuchen. Wir fanden die Strasse mit typischen Ein-
familienhäusern, stellten das Auto ab und mussten noch etwas laufen, um die richtige
Hausnummer zu finden. Plötzlich hörte ich ein mir sehr bekanntes Geräusch und sagte zu
Marco: „Hörst Du auch was ich höre?“ „Ja, das ist die Schleifeinheit der CEREC Maschine,
das kommt vom nächsten Haus.“
Wir läuteten. „Hello! Doctors Mo-orman and Brandestini, the inventors of our machi-
ne, welcome! The doctor is just preparing a tooth for another CEREC and he will see you
in a minute“, rief die Chefgehilfin aus, die uns einliess.
Die ganze Praxis sei von CEREC total begeistert. Der Doctor würde die Präparatio-
nen und die optischen Abdrücke machen und sie würde die Inlays konstruieren, form-
schleifen lassen und approximal vorpolieren, erzählte sie. Es war ersichtlich, dass das
CEREC Business in dieser Praxis brummte. Das war für uns ein wundervolles Erlebnis.
Die CEREC Methode konnte demnach in der Praxis voll ankommen, wenn man es richtig
anpackte, das war hier offensichtlich der Fall. Diese Reise hatte sich gelohnt.

23) 1989 CEREC 1 PRÄSENTATIONEN IN SKANDINAVIEN UND ENGLAND

106. CEREC in skandinavischen Städten


Im März 1989 reiste ich auf Wunsch und Kosten von Siemens Dental nach Stockholm und
im April nach Kopenhagen und stellte an nationalen Jahrestagungen die CEREC Methode
dar. Als Hörerschaft fanden sich jeweils ein bis zwei Dutzend neugierige, interessierte und
auch skeptische Kolleginnen und Kollegen ein und dazu Vertreter der mit Siemens Dental
verbundenen Dentalfirmen. In den skandinavischen Ländern wurde die Diskussion um die
mögliche Toxizität der Amalgamfüllung besonders heftig geführt und schärfte das Nach-
denken über mögliche Alternativen.
Auch die Dentalfirmen, z.B. Dandental, waren sich dieser Situation bewusst und
standen deshalb CEREC als alternative Restaurationsmethode positiv gegenüber. Ich er-
innere mich gerne an sehr freundliche Gespräche in sehr guten Restaurants mit Reprä-
sentanten dieser Dentalfirmen. In Dänemark hatte ich zusätzlich eine Einladung von Frau
Kollegin M. Thordrup an das renommierte Royal Dental College, Aarhus, wo ich sehr
freundlich aufgenommen wurde.
Im darauf folgenden Jahr 1990 war ich neben einem Anwendertreffen in Stockholm
zur Jahrestagung finnischer Zahnärzte in Helsinki eingeladen. Ich hatte dort erstmals ei-
nen ausgedehnten Kontakt mit dem französischen CAD/CAM Pionier Dr. François Duret,
Zahnrestaurationen per Computer 116

dessen „Système Duret“ (Firma Hennson) zu jener Zeit in direkter Konkurrenz zum CE-
REC System stand. Allerdings waren bisher nur einzelne Verkäufe seines Systems be-
kannt, während es weltweit schon eine geraume Anzahl CEREC Anwender in der freien
Praxis gab.
Mein Kontakt mit François Duret war auf der persönlichen Ebene sehr freundschaft-
lich, ja kameradschaftlich. Als Kollegen empfand ich ihn wie einen Zwillingsbruder, irgend-
wie gleich als CAD/CAM Pionier und doch verschieden in der konzeptionellen Zielsetzung
und vor allem in den praktischen Lösungswegen, was uns trennte. Dazu kam, dass die
CEREC Methode inzwischen Teil einer bekannten und weltweit vertretenen Dentalfirma
war.
Wir waren gemeinsam auf dem CAD/CAM Programm in Helsinki und man hatte ei-
nen kleinen Seminarraum für dieses Thema reserviert. Als die Zeit für den Beginn der Vor-
träge heranrückte, François war als erster dran, fanden sich drei Hörer im Raum ein - ich
war der vierte Hörer. François hielt wie immer seine für mich sehr eindrucksvolle Präsenta-
tion. Da wir eine so intime Gruppe waren, gestattete ich mir anschliessend, unsere drei
Hörer auf dem Weg zum Rednerpult anzusprechen. Ich fragte sie, welche Gründe sie als
Zahnärzte zu den Vorträgen über die CAD/CAM Technologie geführt hatten: „Darf ich Sie
als Zahnarztkollegen fragen, wie es kommt, dass Sie sich für die CAD/CAM Technologie
interessieren?“ sprach ich die drei an.
„Aber wir sind gar keine Zahnärzte“ antwortete einer von ihnen. „Wir sind Ingenieure
und wir interessieren uns für diese Technologie, weil wir diese weiterentwickeln und dann
in verbesserter Form den Zahnärzten anbieten wollen.“ Ich war verblüfft. Aus ganz Finn-
land interessierte sich kein einziger Zahnarzt für die CAD/CAM Technologie aber dafür drei
Ingenieure, die sich quasi als zukünftige Konkurrenz präsentierten.
Dafür war ich extra nach Helsinki gekommen, na ja, immerhin interessierte sich
überhaupt jemand für CAD/CAM. Mir blieb wenigstens das Vergnügen, François Duret nä-
her kennenzulernen, tröstete ich mich und hielt den Herren meinen Vortrag. Sie gaben an-
schliessend keinen Kommentar, hatten auch keine weiteren Fragen und verschwanden
ohne Gruss. Vor der Türe lauerte ein wissensdurstiger Rundfunkreporter und stürzte sich
zuerst auf François. Der gab seine Story als Vater der dentalen CAD/CAM Technologie
seit 1971 preis, angefangen mit seiner Dissertationsarbeit aus dieser Zeit und entwickelte
seine Vision von einer weltweit verbundenen dentalen CAD/CAM Welt zu Gunsten der
Zahngesundheit.
Mir blieb nur noch den Interviewer darauf hinzuweisen, dass er sich am besten bei
einem schon etablierten CEREC Anwender in Dänemark oder Schweden nach den prakti-
schen Erfahrungen mit der CEREC Methode erkundigen sollte. So könne er am besten
etwas über den praktischen Nutzen beim Zahnarzt und die Eindrücke der Patienten erfah-
ren.

107. 1989 Guy’s Hospital, King’s College, University of London


Meine Reise nach London hatte ich mit einer Einladung von Professor Paul Lambrechts an
der Universität (KU) Leuven bei Brüssel in Belgien kombinieren können. Ich buchte also
einen Flug frühmorgens nach Brüssel, hielt den Vortrag am Vormittag und reiste am frühen
Nachmittag weiter nach London.
Mein Empfang in Leuven war extrem freundlich und das Echo der Mitarbeiter und
Studenten auf meinen Vortrag war für mich umwerfend. Dies forderte meinen Dank heraus
und meine Freigebigkeit in Bezug auf die Schweizer Schokolade, die ich zur Versüssung
von Hilfeleistungen zu gleichen Teilen für Leuven und London vorgesehen hatte. Tatsache
ist, dass ich im Überschwang der Gefühle meinen gesamten Vorrat an ‚Mitbring’-Schoko-
Zahnrestaurationen per Computer 117

lade - auch den Londoner Anteil - an die lieben Kollegen/innen in Leuven verteilte. Wer
konnte schliesslich wissen, was mich in London erwartete und ob sich dort überhaupt Per-
sonen fanden, die einen Süssgenuss verdienen würden.
Bernhard Smith in London hatte angeboten, dass mich seine Frau Susan am Flugha-
fen Heathrow abholen könnte. Ich schrieb ihm, das solle sie auf keinen Fall tun, Verspä-
tungen seien praktisch vorprogrammiert. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass sie dieses
Risiko wegen mir und angesichts der bekannten Überlastung des Flughafens Heathrow
auf sich nahm. Vor meiner Landung in London am späten Nachmittag waren dann in Hea-
throw drei Jumbojets aus der dritten Welt angekommen. Die Schweiz gehörte damals nicht
zu Schengen, folglich befand ich mich als Schweizer Passagier in der Dritte-Welt-Gruppe.
Etwa 1000 von diesen Passagierkollegen drängten sich vor mir zur Einreise in das Verei-
nigte Königreich. Nach ca. dreieinhalb Stunden konnte ich am Abend die Einreisekontrolle
passieren und hatte das Taxi vor Augen, das mich in die Stadt bringen würde.
Da sah ich gleich ganz vorne am Geländer ein Schild auf dem stand ‚Dr. Mörmann’.
Es wurde von einer adretten jungen Frau gehalten, das konnte nur Susan sein. Das Herz
blieb mir fast stehen, Sie musste circa 4 1/2 Stunden investiert haben, um mich hier abzu-
holen - und ich hatte keine Schweizer Schokolade mehr!
Peinlich berührt erklärte ich ihr gleich nach der Begrüssung ohne Umschweife mein
Manko, damit dies von vornherein klar war, dass ich die eigentlich für Sie gedachte Scho-
kolade schon in Brüssel an andere hilfreiche Leute verschenkt hatte und entschuldigte
mich tausendmal bei ihr, dass sie so lange hatte warten müssen.
Während der langen Autofahrt in die City erklärte sie mir die Stadtteile, die wir pas-
sierten und merkte historische Hinweise an. Ich versprach ihr, gleich nach meiner Rück-
kehr nach Zürich, eine ‚large box of Swiss Chocolate’ zu schicken. Sie war sehr charmant
und schien eher amüsiert über die Angelegenheit, als ob sie erwartet hätte, dass es so
läuft. Das Schicken der ‚box of chocolates’ war dann aber das erste, was ich bei meiner
Rückkehr nach Zürich organisierte.

108. Lehrstunden im Guy’s Hospital


Ich hatte mich an diesem 9. November 1989 nachmittags zum Tower des King’s College
der Universität London begeben, in dem das Guy’s Hospital untergebracht ist, unweit der
Themse und geisterte in den oberen Stockwerken herum, das Büro von Bernhard Smith
suchend.
Plötzlich machte sich in den Gängen eine Unruhe und laute Stimmen bemerkbar. Ich
hörte Ausrufe wie „The 3rd Reich comes back in Germany! The Nazis seize power again in
Germany“ und Ähnliches, dann legte sich die Aufregung wieder. Als ich schliesslich das
Zimmer von Bernhard Smith fand, klärte er mich über die Neuigkeit auf, die Berliner Mauer
war gefallen, die Wiedervereinigung stand vor der Tür.
Diese Nachricht hatte einige der britischen Kollegen in Aufregung versetzt. Sie fürch-
teten die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland und das Erstarken eines wie-
dervereinigten Deutschlands nach dem Muster des untergegangenen Nazi-Regimes. Das
heutige Datum würde einen historischen Wendepunkt markieren. Das traf für die CEREC
Methode zu der Zeit leider überhaupt noch nicht zu.
Mein Vortrag stiess auf höfliches Interesse. Ich fragte Bernhard wie er das von Sie-
mens gratis zur Verfügung gestellte CEREC 1 Gerät bisher eingesetzt hätte. Seine Antwort
war niederschmetternd. Sie hatten es klinisch nicht benutzt, auch keine Laborexperimente
durchgeführt, sondern es nur einmal, im propädeutischen Kurs verwendet, um den opti-
schen Abdruck zu demonstrieren. Das war für mich extrem enttäuschend.
Zahnrestaurationen per Computer 118

Ich fragte nach den Gründen. Bernhard machte mir klar, dass die Briten insbesondere die
englischen Zahnärzte sehr, sehr, sehr konservativ seien und deshalb traditionsbewusst
eine so neue Methode ohne ausgedehnte klinische Erfahrung nicht so schnell akzeptieren
konnten. Ich malte mir nach meinen bisherigen Erfahrungen aus, wie vielleicht die Diskus-
sion innerhalb des so konservativen Professorenkollegiums und auch von der zahntechni-
sche Seite aus gelaufen sein mochte. Darüber äusserte sich aber Bernhard nicht, sondern
er bemerkte, es gäbe da noch einen weiteren sehr schwerwiegenden Faktor, der zur Ab-
lehnung des CEREC Systems beigetragen hätte nämlich: „It was not invented here“.
Ich lernte daraus, dass die CEREC Methode dringend auf internationaler Basis von
den Vertretern der restaurativen Zahnheilkunde diskutiert werden musste, um die experi-
mentellen und klinischen Erfahrungen aufzubauen. Es galt, dass sich der Fachbereich auf
breiter Basis wissenschaftlich mit dieser Restaurationstechnik auseinandersetzte. Wir
mussten unsere seit Jahren erarbeiteten Erkenntnisse darlegen und zur Diskussion stel-
len. Das Potential der neuen Technologie war doch enorm, wenn man die CEREC Metho-
de weiterdachte und musste in das Bewusstsein der Fachvertreter gehoben werden. Ich
reiste mit der festen Absicht nach Hause, ein internationales Symposium mit dem Thema
„Computer-Restaurationen“ in Zürich zu organisieren.

Zwölfter Teil: 1990 „Nachentwicklung“ von CEREC 1

24) 1990 REGRESSFORDERUNG UND MEDIATION

109. CEREC 1 mit E-drive und Software 2.1


In einem zweiten Schritt 1992 präsentierte Siemens eine verbesserte CEREC 1 Version.
Der Turbinenantrieb war durch einen Elektromotor ersetzt worden. Die Schleifscheibe
wurde von 30 auf 40 mm Durchmesser vergrössert und um 0,1 mm dicker gestaltet, wo-
durch sie steifer wurde und präziser und effizienter arbeitete. Die Einheit wurde mit der
weiterentwickelten Konstruktionssoftware COS 2.1 ausgestattet und erhielt einen Handgriff
auf der Frontseite, um das Gerät am Stuhl und in der Praxis besser führen zu können
(Abb. 74). Diese Verbesserungen perfektionierten das CEREC 1 Gerät und erhöhten die
Attraktivität der Methode.

Abb. 74 Das CEREC 1 Gerät


von 1992 ausgestattet mit der
Software 2.1, dem Elektroan-
trieb in der Schleifkammer und
mit dem Handgriff.

Siemens Dental aber auch die


Lizenz gebende Firma Brains
mussten trotz der vorhandenen
Begeisterung erfolgreicher An-
wender für die CEREC Metho-
de, anhand der vielen kritischen
Kommentare aus der traditio-
nell konservativen Zahnärzte-
Zahnrestaurationen per Computer 119

schaft und dem ebenso konservativen Handel zur Kenntnis nehmen, dass diese noch
nicht bereit waren, sich im Umfang der erhofften Absatzzahlen, auf ein computergesteuer-
tes Produktionssystem für keramische Füllungen zu stürzen. Tatsächlich wehte der CE-
REC-Methode im Stadium des CEREC 1 Gerätes neben grosser Begeisterung auch ein
starker kritischer Wind entgegen.
Die ursprünglich optimistisch geplante Einführung des Systems in der von Brains er-
arbeiteten Form war deshalb zurückgestellt worden. Die äussere Form des Systems wur-
de optimiert und die 3D Mundkamera, mit der ich schon viele Patienten behandelt hatte,
war den VDE Sicherheitsvorschriften angepasst worden.

110. Grosskonzern gegen Start-Up


Die offizielle Markteinführung war dann im Jahre 1988 erfolgt. Siemens beklagte sich,
dass sie die von Brains gelieferten Geräte im Glauben übernommen hätten, diese seien
marktreif entwickelt. Durch die äussere Umgestaltung des Gerätes und die Implementie-
rung der VDE Sicherheitsvorschriften in die 3D Mundkamera sei die Markteinführung um
ein Jahr verzögert worden und Siemens Dental seien dadurch Millionenverluste entstan-
den.
Mir legte man dieses Anliegen an einer Sitzung im damaligen Verwaltungsgebäude
an der Fabrikstrasse 31 in Bensheim dar, in dem sich damals auch Büros der Entwick-
lungsleitung befanden. Ich war sowieso im Hause und wurde überraschend zu dieser Sit-
zung im 6. Flur, dem obersten Stockwerk des Gebäudes geladen. Am grossen Sitzungs-
tisch sassen der Standortleiter, der Fabrikleiter, der Finanzchef des Standortes, der Pro-
jektleiter, Personen des Marketings und Vertriebs sowie der Justitiar und der Controller für
den Bereich Dental von UB Med Erlangen, insgesamt 12 versammelte Herren.
Der Finanzchef Herr Wölfel rechnete mir die bisher für CEREC aufgewendeten Kos-
ten vor und begründete damit eine Rückforderung in noch unbenannter Grösse von der
Summe, die für die Entwicklung von CEREC bei unserer Firma BRAINS in Zollikon ver-
traglich vereinbart worden war. Die Zahlung der zweiten Tranche dieses Betrages stand
noch aus.
Ich schätzte alle Herren des Führungskreises und war ihnen persönlich und der Fir-
ma Siemens Dental gegenüber extrem dankbar für ihr uneingeschränktes Engagement für
die CEREC – Methode. Aber als ich den von Herrn Wölfel errechneten Betrag für die bis-
herigen Aufwendungen von Siemens für CEREC hörte, musste ich ungläubig lachen, denn
Brains hatte für die Erschaffung der gesamten Innovation inklusive vier Patenten in Euro-
pa, USA und Japan bis zum klinisch einsatzfähigen Gerät nur einen Bruchteil aufgewen-
det. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die von Herrn Wölfel genannten Zahlen zustande
kamen.
Ich antwortete, dass die vereinbarten Zahlungen auf unseren Netto-Entwicklungskos-
ten für das System beruhten und dass sie eine Rückforderung nur über meine Leiche
durchsetzen müssten. Die Situation entsprach dem Verhältnis David gegen Goliath, sprich
Grosskonzern gegen Start-Up Firma. Ich gab zu Bedenken, dass Ingenieure und Sachver-
ständige von Siemens Dental während 6 Monaten vor Vertragsabschluss Gelegenheit ge-
habt hatten, die Geräte zu prüfen und Fragen zu stellen. Alle Ihre Ingenieure hatten die
Gelegenheit dazu genutzt. Ich hielt deshalb jegliche Forderung von Siemens gegenüber
Brains für unbegründet.
Die sogenannte Marktreife des Systems war weder mündlich noch schriftlich in den
Vertragsverhandlungen jemals diskutiert, noch im Vertragstext festgehalten worden. Nach
meiner Auffassung lägen die Transformationskosten von der Klein- zur Grossfirma in der
Zahnrestaurationen per Computer 120

Verantwortung und im Risiko von Siemens und könnten nicht gegen die Entwicklerfirma
Brains aufgerechnet werden.
Im Angesicht der gemeinsam zu bewältigenden Aufgaben sah Siemens zunächst von
einer Durchsetzung von Regressansprüchen ab, hielt aber einen gewissen konstanten
Druck aufrecht. Die Belastung durch die entstandenen Probleme lag auf meinen Schul-
tern. Ich wollte dem CEREC-Verfahren unbedingt zum Erfolg d.h. zur breiteren Akzeptanz
in der restaurativen Zahnmedizin verhelfen. Nach meiner Auffassung konnte es nur die
gemeinsame Flucht nach vorne geben.

111. Optionen einer Auseinandersetzung Siemens versus Brains


Eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung über die Bewertung technischer Mängel
bzw. die Kosten der Nachentwicklung konnte sich in diesem Zeitpunkt für alle Beteiligten
nur negativ auswirken. Für Siemens Dental konnte dies Image- und geschäftsschädigend
sein und eventuell das gesamte Projekt innerhalb des Konzerns in Frage stellen.
Das wäre ein Misserfolg für alle Mitglieder der Geschäftsleitung von Siemens Dental,
die sich bisher für CEREC eingesetzt hatten. Tatsächlich standen sich in der Anfangszeit
der CEREC 1 Ära innerhalb von Siemens Dental in Bensheim und auch beim Bereich UB
Med in Erlangen die Befürworter und Gegner des CEREC Systems etwa in gleicher Stärke
gegenüber.
Anlässlich der Verabschiedungsfeier des CEO von UB Med, Herr Dr. Friedrich Kuhrt,
war ich in Erlangen zum Tisch der leitenden Herren eingeladen und fand mich plötzlich al-
leine einem älteren Zahnarztkollegen gegenüber, als die anderen Tischnachbarn zum Büf-
fet geeilt waren. Der Kollege meinte: „Mit Siemens geht es ja leider in der letzten Zeit
bergab.“ „Wie meinen Sie das?“ Fragte ich. „Sehen Sie, dieses CEREC System, das ist
die grösste Dummheit, mit der sich Siemens seit neuem befasst“, sagte er mit Nachdruck.
Ich schluckte, er fuhr fort. „Ich bin seit 30 Jahren Beratungszahnarzt bei Siemens und
kaufe grundsätzlich alles was bei Siemens entwickelt wird, aber mich haben sie nicht ge-
fragt. Wenn sie mich gefragt hätten, hätte ich Ihnen geraten, sie sollen die Finger von die-
sem Schrott lassen.“ Das war so klar, dass ich mich nicht als Erfinder dieses Schrotts zu
erkennen geben wollte, um eine unnütze Diskussion zu beginnen. Es schien mir ein Gene-
rationsproblem zu sein, das mit fachlichen Argumenten kaum lösbar war. Es zeigte mir
aber, dass CEREC als Produkt kein Selbstläufer sein konnte. Für die Firma Brains stellte
sich die Frage, ob bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung die Zahlung der zu erwar-
tenden Lizenzeinnahmen für die Nutzung der Patentrechte gefährdet sein könnte. Brains,
Marco Brandestini als technischer Entwickler und sein Vater Antonio Brandestini als Inge-
nieur und Financier waren aber auch aus Gründen der Bewahrung des seriösen geschäft-
lichen Images an einer einvernehmlichen Lösung des Problems und Vermeidung einer ge-
richtlichen Auseinandersetzung interessiert.
Für mich würde sich eine gerichtlichen Auseinandersetzung oder gar eine mögliche
Einstellung des Projektes durch Siemens bezüglich der akademischen Karriere ebenfalls
negativ auswirken. Bei einem Ausstieg von Siemens würden die fachlichen CAD/CAM
Skeptiker sich bestätigt fühlen. Zahnärzte, die bereits mit CEREC arbeiteten stünden ohne
technischen Service da.
Die CEREC Methode war inzwischen die Hauptbasis meiner Lehr- und Forschungs-
tätigkeit geworden, ich war der „CEREC-man“. Im Brains-Siemens Vertrag war zwar im
Falle einer Einstellung des CEREC Projektes durch Siemens das Zurückfallen der Nut-
zungsrechte an Brains und die kostenfreie Überlassung des bis dahin erarbeiteten techni-
schen Know-hows an Brains festgehalten. Ich hätte mir aber ohne profunde Wirtschaftser-
Zahnrestaurationen per Computer 121

fahrung nicht zugetraut, eine von Siemens aufgegebene CEREC Methode allein mit der
Firma Brains ohne starken Dentalpartner selbständig zum Erfolg zu führen.
Der Rückgriff auf eine eigene Produktions- und Entwicklungsstätte für CEREC war
allerdings als Alternative, nach einem möglichen Rückzug von Siemens, schon in meinem
Kopf herumgespukt. Ich sah, dass im Schweizer Jura die Uhrenindustrie danieder lag und
eventuell durch eine innovative zahnmedizinische Technologie belebt werden könnte. Die
fundamentale Umstellung von mechanischen Uhrwerken auf Quarzuhren durch die japani-
sche Firma Seiko hatte eine Krise („Quarzkrise“) ausgelöst. Die Schweizer Uhrenindustrie
lag in einer existenzbedrohenden und langfristigen wirtschaftlichen Krise danieder. Fabri-
ken standen leer. Feinmechanisches, an Hochpräzision orientiertes Know-How zum Bau
und zur Weiterentwicklung des CEREC Gerätes wäre hier sicher vorhanden gewesen.
Marco versicherte mir, dass er sich ebenfalls nicht als ‚Executive’ sehen könne. Sei-
ne Fähigkeiten lagen auf der erfinderischen, technisch-künstlerischen Seite des Hardware-
Entwicklers. Meine Stärke lag als Zahnarzt in der klinischen und materialtechnischen wis-
senschaftlichen Forschung. Ein kaufmännischer Partner, der Brains im Falle eines Aus-
stieges von Siemens mit der Weiterentwicklung, Produktion und dem Verkauf von CEREC
Geräten mit der Aussicht auf Erfolg in die Zukunft hätte führen können, war nicht in Sicht.

112. Mega-Ereignis für ostdeutsche Zahnärzte in Berlin 1990


Meine Beanspruchung durch Kurs- und Vortragstätigkeit war im Jahre 1990 sehr intensiv -
stärkte aber auch meine Position sowohl gegenüber Siemens als auch als Vorsitzender
des Verwaltungsrates der Firma Brains AG und auch am Zahnärztlichen Institut. Die Com-
puter Restauration hing von mir ab, lastete aber auch auf mir.
Ich führte am Zahnärztlichen Institut CEREC Kurse für italienische Zahnärzte zu-
sammen mit den Kollegen Drs. Siervo durch, dazu Kurse für französische Kollegen in Ko-
operation mit dem elsässischen Kollegen Dr. Leobold und Kurse in englischer Sprache für
Kollegen/innen aus verschiedenen Ländern. Dies in Zusammenarbeit mit der Vertriebsor-
ganisation von Siemens Dental. Vorträge hielt ich in Aachen, Cincinnati, Helsinki, Düssel-
dorf, Strassburg, London, Flims, Berlin und Kopenhagen.
Zentrales Ereignis im Jahr 1990 aber war die von Siemens im damaligen „Internatio-
nalen Congress-Centrum“ ICC Anfang Oktober in Berlin organisierte Veranstaltung für die
Zahnärzte/innen der ehemaligen DDR. 5500 Kolleginnen und Kollegen aus der ehemali-
gen DDR füllten den grossen Saal. Eine Laserlicht-Show mit auf der Bühne losgelasse-
nem CO2-Nebel heizte die Stimmung an. Professor Mörmann zeigte die zukünftige restau-
rative CEREC-Technologie von Siemens in Bild und Video. Vor einem derart gewaltigen
Publikum hatte er noch nie vorgetragen.
Der Marketingspezialist Werner Obst aus München trug den aus den ostdeutschen
Polikliniken freigesetzten Kolleginnen und Kollegen vor, wie sich ihr berufliches Leben
künftig in eigener Praxis mit den Geräten von Siemens entwickeln würde. Die vom Deut-
schen Staat für die nötigen Investitionen bereitgestellte Unterstützung würde die Praxis-
gründung erleichtern. Die rechtzeitige Bestellung müsste allerdings möglichst sofort erfol-
gen, da die Antragsfrist für diese Staatssubventionen gegen Ende Jahr auslaufen würde.
Die nötigen Anträge könnten in den Programmpausen mit Hilfe der Siemens-Mitarbeiter
ausgefüllt werden.
Der Finanzchef von Siemens Dental, Herr Wölfel, rieb sich die Hände. Siemens ging
mit gefüllten Auftragsbüchern für Praxiseinrichtungen nach Bensheim zurück. Inwieweit
CEREC vom Ansturm profitierte, wurde mir nicht bekannt. Alle freuten sich am riesigen Er-
folg. Sonderschichten wurden eingerichtet, Mitarbeiter eingestellt. Die Stimmung war gut,
CEREC und ich waren Nutznießer der guten Stimmung bei Siemens Dental. Jedenfalls
Zahnrestaurationen per Computer 122

wurde im Geschäftsjahr vom 1. Oktober 1990 bis 30. September 1991 die 1 Milliarde Um-
satzmarke erreicht. Es war mir nicht bewusst, dass ein Teil der Zahnärztinnen und Zahn-
ärzte sich aus Unerfahrenheit mit der Einrichtung einer privaten Praxis und den damit ver-
bundenen finanziellen Verpflichtungen hoffnungslos übernahmen. Ein unerfreulicher Drop-
out war hier zu erwarten und auch der Bestellungsüberhang beim Siemens Dental-Werk in
Bensheim und anderen Firmen der Dental-Branche war keine Dauererscheinung.

25) 1991 ‚INTERNATIONAL SYMPOSIUM ON COMPUTER RESTORATIONS‘

113. ‚State of the Art of the CEREC-Method’


Der Unsicherheit in Bezug auf den wirtschaftlichen Erfolg der CEREC CAD/CAM Methode
dachte ich am besten durch eine Intensivie-
rung der wissenschaftlichen Aktivität und den
Einbezug der internationalen Fachwelt zu be-
gegnen.
Ich unterbreitete Felix Lutz meine Idee
zur Planung und Durchführung eines Sympo-
siums über den Stand der Kunst der Compu-
ter-Restaurationen im Namen der Abteilungs-
klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontolo-
gie und Kariologie des Zahnärztlichen Institu-
tes der Universität Zürich. Er war begeistert
und bereit, das Ereignis durch eine Gruss-
adresse bei der Eröffnung des Symposiums
und seine Mitarbeit bei den Studien der CAD/
CAM Gruppe für die Präsentation am Sympo-
sium zu unterstützen.

Abb. 75 Das Symposiums-Buch umfasste 58


Originalbeiträge davon 11 Beiträge aus der
Zürcher Gruppe auf 632 Seiten.

Durch meine Vortragsreisen und Kurse hatte


ich persönliche Kontakte in europäischen Ländern und USA aufgebaut und lud mir be-
kannte, an CEREC interessierte Kolleginnen und Kollegen von Universitäten, Instituten,
Firmen und ehemalige Kursteilnehmer aus der privaten Praxis zu Vorträgen und Poster-
präsentationen ein. Das „International Symposium on Computer Restorations: State of the
Art of the CEREC Method“ fand am 3. und 4. Mai 1991 im Mövenpick Hotel in Zürich-Re-
gensdorf in der Schweiz, statt. Ich organisierte und leitete die Veranstaltung zusammen
mit meinem Team. 21 Vortragende von 11 Universitäten, einer Akademie, einem Institut für
Technologie und aus Forschungslabors zweier Firmen präsentierten ihre Erkenntnisse.
Dazu berichteten acht praktizierende Zahnärzte aus sechs Ländern, nämlich Däne-
mark, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweiz und aus den Vereinigten Staaten von
Amerika über ihre praktischen klinischen Erfahrungen mit der CEREC Methode (Tabelle
4). Zusätzlich beteiligten sich 30 Forscher von 16 Universitäten an einer ‚Poster Presenta-
tion’ (Tabelle 5).
Zahnrestaurationen per Computer 123

Tabelle 4. Liste der Vortragenden am International Symposium on Computer Restorations


3.-4. May 1991 in Zurich.

Lecturers from institutions


Name Title University / Place State/Coun-
try
M. Bergmann Prof. University of Umea Sweden

D. Grossmann Ing. Corning Inc., Corning NY, USA

B. Haller Dr. University Julius Maximilian Würzburg Germany

M. Heners Prof. Akademy Karlsruhe Germany

N, Hofmann Dr. University Julius Maximilian Würzburg Germany

B. Isenberg Dr. University of Alabama Birmingham AL USA

J.R. Kelly Dr. MIT Cambridge MA USA

B. Klaiber Prof. University Julius Maximilian Würzburg Germany

I. Krejci Dr. University of Zurich Switzerland

P. Lambrechts Prof. Katholieke University of Leuven Belgium

F. Lutz Prof. University of Zürich Switzerland

W. Mörmann Prof. University of Zürich Switzerland

D. Nathanson Prof. Boston University MA USA

U. Pallesen Dr. Royal Dental College Kopenhagen Denmark

J.-F. Roulet Prof. Free University of Berlin Germany

J.A. Sörensen Prof. University of California Los Angeles CA USA

V. Stachniss Prof. Philipps University of Marburg Germany

R. Stoll Dr. Philipps University of Marburg Germany

M. Thordrup Dr. Royal Dental College Aarhus Denmark

W. Walther Dr. Akademy Karlsruhe Germany

A.-D. Wilder Jr. Dr. University of North Carolina NC USA

Lecturing dentists with their own practice


J.M. Beuttell Dr. Northfield Illinois USA

S. Carlsen Dr. Faborg Denmark

F. Geiger Dr. Zurich Switzerland

J.-M. Leobold Dr. Mulhouse France

R.W. Nash Dr. Charlotte North Carolina USA

B. Reiss Dr. Malsch Germany

R. & S. Siervo Dr. Milano Italy

R. Schwärzler Dr. Zurich Switzerland


Zahnrestaurationen per Computer 124

Tabelle 5. Vortragende der Poster Präsentationen am International Symposium on Com-


puter Restorations 3.-4. May 1991 in Zurich. * Gewinner des Posterpreises.

Poster Presenters
Name Title University / Place State/Country
F. Barbakow Dr. U. Zürich Switzerland

M. Baumann Dr. J. Gutenberg U. Mainz Germany

M. Besek Dr. U. Zürich Switzerland

K.W. Biniek Dr. RWTH-U. Aachen Germany

P.J.Bronwasser Dr. U. Zürich Switzerland

A. Cerutti Dr. Monza Italy

G.P. Conforti Dr. Monticelli Terme Italy

M.E. Essig Dr. U. Alabama Birmingham AL USA

M. Federlin Dr. U. Regensburg Germany

A. Féher Dr. U. Zürich Switzerland

H.P. Fett Dr. UCSF San Francisco CA USA

A. Gougoulakis Dr. U. Zürich Switzerland

R. Hahn Dr. U. Tübingen Germany

R. Hickel Dr. U. Erlangen-Nürnberg Germany

V. Holz Dr. U. Genf Switzerland

M. Hürzeler Dr. U. Zürich Switzerland

N. Jedynakiewicz* Dr. U. Liverpool United Kingdom

K.H. Kunzelmann Dr. U. Erlangen-Nürnberg Germany

O. Loeffel Dr. U. Zürich Switzerland

G.M. Loesche Dr. Freie U. Berlin Germany

H. Lüthy Dr. U. Zürich Switzerland

P. Magne Dr. U. Genf Switzerland

D. Magnusson* Dr. Karolinska Institutet, Huddinge Sweden

N. Martin Dr. U. Liverpool United Kingdom

B. Meyer Dr. U. Zürich Switzerland

T. Otto Dr. Zollikon Switzerland

A. Peters Dr. RWTH-U. Aachen Germany

M. Roznowski Dr. U. Hannover Germany

G. Saliger Dr. Siemens Dental Germany

M. Ueberschär Dr. U. Hannover Germany

R. Zuellig-Singer Dr. U. Sydney Australia


Zahnrestaurationen per Computer 125

Abb. 76 Vortragende des „International Symposiums on Computer Restorations“ am 3.


und 4. Mai 1991 im Mövenpick Hotel in Zürich-Regensdorf, ¨Schweiz. Dabei waren 30
Forscher von 16 Universitäten aus europäischen Ländern und aus USA.

Das wissenschaftliche Komitee bestehend aus T. Imfeld, I. Krejci, F. Lutz, C. Marinello und
W. Mörmann, wählte sechs Poster für eine Diskussionsrunde (‚Poster Discussion
Session’) aus und sprach den Posterpreis von CHF 5000.- zur Hälfte dem schwedischen
Team, B. Magnuson, A. Oden und I. Krystek, für den Beitrag „Clinical evaluation of CEREC
Restorations“ zu. Die Begründung lautete: „For the competent evaluation of the CEREC
System’s potential in a well-performed, broadly based clinical trial“. Die andere Hälfte ging
an das britische Team N. Jedynakiewicz und N. Martin: „Management of Complex Com-
pound Cavities by Multi-Part CEREC Restorations“. Die Begründung lautete: „For the in-
novative and unique manner in which the CEREC system’s potential was used to overco-
me some system-inherent limitations“.

114. Resultate des Symposiums


An unserer Abteilung verfügten wir zum Zeitpunkt des Symposiums über Patientenfälle die
mit CEREC 1 und Vita Mk 1 Inlays mit bereits fünfjähriger Tragzeit versorgt waren. Ich hat-
te rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen an acht von diesen MOD-Inlays
durchgeführt und berichtete darüber.
Die perfekte marginale Adaptation des Befestigungs-Komposits am okklusalen Ka-
vitätenrand betrug bei der Beurteilung unter 200-facher Vergrösserung bei unteren Mola-
ren 87±11.5% der untersuchten Randlänge. Ich beurteilte dies als ein sehr gutes Ergebnis
und als Bestätigung unseres Konzeptes der adhäsiven Befestigung bei der damals erziel-
baren Passgenauigkeit der CEREC 1 Restaurationen.
Weitere Verbesserungen der Randqualität würden sich durch Verfeinerungen der Ke-
ramikstruktur, der maschinellen Bearbeitung der Keramik mit feineren Instrumenten, der
Bearbeitung des Kavitäten-Randes mit feineren Instrumenten und des Befestigungs-Kom-
posits ergeben. Dan Nathanson (Boston University, MA, USA) zeigte die wesentlichen
Zahnrestaurationen per Computer 126

Mechanismen beim Klebeverbund zwischen Keramik und Zahnhartsubstanz auf. Paul


Lambrechts (K. Universität Leuven) stellte eine Klassifizierung von Befestigungs-Komposi-
ten und deren Mechanismen vor. M. Thordrup (U. Aarhus, DK) stellte eine bessere Pass-
genauigkeit von laborgefertigten Keramik-Inlays gegenüber CEREC Inlays fest.

a b c

d e f

Abb. 77 a) Dr. G. Saliger, Siemens, b) Prof. J. Rotgans, U. Aachen, c) W. Mörmann, d)


Prof.Th. Marthaler, U. Zürich, Klarinette, e) Dr. R. Schwärzler und f) Dr. F. Geiger Privat-
zahnärzte.

Unter den Zahnärzten in eigener Praxis rapportierte S. Carlsen (DK) über 1’262 CEREC-
Restaurationen, die er in ca. 1700 Arbeitsstunden während 14 Monaten bei Patienten ein-
gesetzt hatte, die 2'397'800 DKR repräsentierten, mit weniger als 1% Komplikationen, die
alle reversibel behoben werden konnten. S. Siervo und Mitarbeiter (IT) hatten während 24
Monaten 1450 CEREC Restaurationen eingesetzt, davon 879 Inlays, 347 Onlays und 224
Veneers. J.-M. Leobold berichtete, dass CEREC in Frankreich nicht gut akzeptiert wurde.
Bernd Reiss (D) präsentierte eine Überlebensanalyse von 831 CEREC Restauratio-
nen. 20 Inlays davon mussten ersetzt werden. Die Kaplan Meier Überlebenswahrschein-
lichkeit berechnete er mit 96%. JM Beuttell, Illinois, USA berichtete, dass die Kosten für
das CEREC 1 Gerät in seiner Praxis bereits nach viereinhalb Monaten amortisiert waren
und dass die CEREC Methode die Produktivität der Praxis um 25% gesteigert hatte.
Roland Schwärzler, ein Zahnarzt mit Praxis in der Stadt Zürich stellte fest, dass der Preis
für ein CEREC Inlay generell ca. dreifach höher berechnet wird als eine gleich grosse
Amalgamfüllung, aber den Patienten nur halb so viel kostet wie ein im zahntechnischen
Labor hergestelltes Keramikinlay.
Das Symposium wurde von allen Beteiligten, als grosser fachlicher Erfolg empfunden
und es hatte eine grosse Ausstrahlung in die Fachwelt sowie in die Dentalindustrie.
Zahnrestaurationen per Computer 127

Am Ende der Veranstaltung dankte ich allen Beitragenden und den Teilnehmern ganz
herzlich, schliesslich konnten alle Anwesenden als Pioniere der digitalen restaurativen
Zahnmedizin gelten.
Mich persönlich bestärkte der Erfolg, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass
die Computer-Restauration als zahnärztliche Methode fest in der Praxis etabliert werden
konnte. Es war mir klar geworden, dass wir am Zahnärztlichen Institut die Computer-Re-
stauration in einer eigenen klinischen Behandlungs- und Forschungseinheit routinemässig
anwenden und erforschen mussten.

26) 1991 STIFTUNG ZUR FÖRDERUNG DER COMPUTER-ZAHNMEDIZIN

115. Ungewissheiten und Risiken


Der Weg der CEREC Methode lag bei dem moderaten Markterfolg von CEREC 1 im Un-
gewissen. Dies trotz aller offizieller Anerkennung der Innovation und Begeisterung einer
Anzahl sehr erfolgreicher Anwender in Privatpraxen. Es gab eine Reihe von Kollegen, die
mit dem Gerät nicht zurechtkamen.
Verkaufsangebote für gebrauchte CEREC 1 Geräte tauchten in den zahnärztlichen
Fachzeitschriften auf. Es war deshalb fraglich, ob es zu einer breiteren Anwendung und zu
genügendem Absatz der Geräte kommen konnte, der die CAD-CAM Sparte für Siemens
profitabel machen und die Weiterentwicklung sichern konnte. Diese Ungewissheit be-
stimmte auch meine Planungen.
Ich hatte, im Aufwind der stark beachteten Einführung der CEREC Methode die Idee
verfolgt, möglichst als Lehrstuhlinhaber einer eigenen klinischen Universitätsabteilung, den
Bereich „Computerzahnmedizin“ zu entwickeln und zu fördern. Meine Bewerbung an der
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg war erfolgreich und ich erhielt die Berufung auf eine
Planstelle der Besoldungsgruppe C4. Dazu kam ein Ausstattungsangebot der Abteilung für
Konservierende Zahnheilkunde mit 37 Mitarbeitern.
Nach eingehender Prüfung, kam ich aber zum Schluss, dass die angebotene Struk-
tur es mir nicht erlauben würde, die Computerzahnmedizin mit der erforderlichen Intensität
zu fördern. Die fachliche und administrative Steuerung einer grossen Abteilung, die Aus-
bildung der Studenten sowie die Notwendigkeit, Zeit für Privatbehandlungen aufzuwenden,
um ein genügendes Einkommen zu sichern, würden wenig Zeit für die Forschung und
Weiterentwicklung der CEREC Methode zulassen. Kam dazu, dass eine direkte Zusam-
menarbeit mit Siemens Dental in Bensheim, im Sinne einer „verlängerten Werkbank“ nicht
möglich war.
Ich besprach die Situation mit meinem damaligen Chef in Zürich, Professor Felix
Lutz. Er bot mir an, mich persönlich in einem Fachbereich „Computerzahnmedizin“ inner-
halb seiner Abteilung zu unterstützen und mir weiterhin freie Hand in der Verfolgung der
CEREC-Methode in der Forschung und Lehre zu geben. Der Lehrstuhl in Heidelberg war
zwar für mich ideell extrem begehrenswert, aber es wurde mir klar, dass die Forschungs-
möglichkeiten in Heidelberg erst aufgebaut werden mussten, die in Zürich bereits etabliert
waren. Zürich bot die bessere Voraussetzung, mich auf die Förderung der CEREC Metho-
de zu konzentrieren.
Mein Herz hing daran, die grundsätzlich neue Entwicklung der digitalen restaurativen
Zahnmedizin weiterzutreiben. Ich sagte deshalb schweren Herzens das Heidelberger An-
gebot ab. Felix Lutz hielt Wort, er unterstützte meine Beförderung zum Titularprofessor. Da
die ‚Computerzahnmedizin’ kein etabliertes Fach war, musste dieser akademische Rang
genügen, zudem stand die ‚Computerzahnmedizin’ noch auf sehr wackeligen Beinen. Ba-
Zahnrestaurationen per Computer 128

sis war meine zeitlich unbegrenzte Stelle als Oberarzt. Per 21. Dezember 1988 erhielt ich
die Ernennung zum Titularprofessor durch den Regierungsrat.
Für den Fall eines Scheiterns des Fachbereichs Computerzahnmedizin am Zahnärzt-
lichen Institut bewarb ich mich zur Sicherung meiner Existenz um eine Privatpraxisbewilli-
gung im Kanton Zürich. Diese würde mir, beim Auftreten von Schwierigkeiten die Möglich-
keit geben, eine private Praxis zu eröffnen.
Ich stellte den Antrag an die Direktion des Gesundheitswesens des Kantons Zürich.
Felix Lutz unterstützte diesen Antrag ebenfalls. Die Vorstandskonferenz des Zahnärztli-
chen Instituts und die Zahnärztegesellschaft des Kantons Zürich stimmten dem Gesuch in
Anerkennung meiner Verdienste in der Studentenausbildung und als Dozent zu, wonach
die Bewilligung per 16. April 1991 verfügt wurde.

116. Stiftung zur Förderung der Computer-Zahnmedizin (SFCZ)


Seit der Verzögerung der Markteinführung von CEREC 1 und dem Auftreten der Absatz-
schwierigkeiten schwelte zwischen Siemens Dental und Brains das Problem der Regress-
forderung. Aus der Verleihung des Götzpreises hatte ich gelernt, dass das Preisgeld von
der Georg Friedrich Götz Stiftung in Zürich zur Verfügung gestellt wurde. Dies bedeutete,
dass eine Stiftung Mittel halten konnte, die sie zu Förderungszwecken der Medizin/Zahn-
medizin einsetzen konnte.
Ich sah plötzlich die Möglichkeit einer Mediation zwischen Siemens und Brains,
durch die Gründung einer Stiftung, die einen Streitbetrag aufnehmen und zur Förderung
der CEREC Methode einsetzen könnte. Stiftungszweck würde die Förderung der CEREC
Methode am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich sein. Die Mittel müssten speziell
dazu eingesetzt werden, um die CEREC Behandlung von Patienten, auf breiter Basis kli-
nisch zu ermöglichen und diese wissenschaftlich auszuwerten.
Das wissenschaftliche Engagement und der Eingang in die Lehre der Universität Zü-
rich stünden bei den Aktivitäten der Stiftung im Vordergrund. Die CEREC Methode, die
Universität Zürich, das Zahnärztliche Institut, die beiden beteiligten Firmen und ich persön-
lich konnten von einer derartigen Verwendung der Mittel nur profitieren, das wäre quasi
eine “Win-win-Lösung“ des Problems.
Marco und Antonio Brandestini begrüssten die Idee und waren einverstanden, dass
ich sie Siemens-Dental unterbreitete. Herr Franz Stüber, der Leiter des CEREC Projektes
bei Siemens Dental nahm die Stiftungsidee positiv auf und versprach, die Haltung von
Siemens dazu abzuklären und der Firma Brains einen Förderungsbetrag vorzuschlagen,
mit dem die Streitfrage aus der Welt geschaffen wäre. Ich trug die Idee Professor Felix
Lutz vor. Er begrüsste sie sofort uneingeschränkt und versprach sie zu unterstützen.
Felix Lutz und ich diskutierten dann das absehbare Kapazitätsproblem, nämlich der
CEREC Methode genügenden klinischen Behandlungsraum, Infrastruktur und Personal
innerhalb seiner Klinik mit den Fächern Präventivzahnmedizin, Parodontologie und kon-
ventioneller therapeutischer Kariologie (PPK), inklusive Endodontologie einzuräumen, die
in erster Linie für Patientenbehandlungen innerhalb der etablierten Fachrichtungen belegt
war. Ideal wäre es, in einem der Nachbargebäude passende Räumlichkeiten anzumieten,
welche die Infrastruktur für einen separaten Klinikteil aufnehmen konnten.
Meine Planungen zur intensiven klinischen Nutzung der CEREC Methode liefen nun
entweder auf die Einrichtung und Führung einer von der Universität vollständig getrennten
privaten CEREC-Praxis hinaus oder auf die Gründung einer mit der Universität in Partner-
schaft (Private Public Partnership) arbeitenden Klinik- / Praxiseinrichtung. Letzteres konnte
für beide Seiten grosse Vorteile bringen. Beides würde mein fachliches Engagement benö-
tigen. Ein „Private Public Partnership“ allerdings, würde als öffentlich rechtliche Institution
Zahnrestaurationen per Computer 129

hohe Anforderungen an die Verwaltung stellen. Entsprechend qualifizierte Leute waren in


der Wirtschaftsmetropole Zürich im Finanzboom Anfang der 1990er Jahre für ein solches
Projekt praktisch nicht verfügbar.

117. Mediation und Gründung der Stiftung SFCZ


Die Frage war, ob sich meine Frau Jeanette in der Administration einer solchen Struktur
engagieren konnte bzw. wollte. Erfahrung mit privaten/öffentlichen Initiativen hatte sie
durch ihre Mitarbeit im Vorstand der ‚Freisinnigen Partei‘ (FDP) der Stadt Zürich, bei der
Einführung der Viersäulen-Drogenpolitik, Ende der 80er Jahre erworben. In der Folge hat-
te sie das „New Public Management“ in der Zürcher Administration und das der Universität
Zürich kennengelernt.
Jeanette hatte in der Zwischenzeit an der Universität Zürich Biologie studiert. Von
1975 bis 1983 war sie in der Kariesforschung bei Professor H.R. Mühlemann am Zahn-
ärztlichen Institut tätig. Sie arbeitete an einer „Untersuchung des oralen Stärkeabbaues
und der Acidogenität von Stärke“, (Brot, Mehl bestehen in der Hauptsache aus Stärke), die
interdisziplinär von Herrn Prof. H. Neukom, von der Abteilung für Lebensmittelforschung
an der ETHZ betreut wurde. Jeanette promovierte 1979 zum Dr. sc. nat. ETHZ (Diss ETH
346).
Jeanettes Diplomarbeit zur Alterung der DNA in Drosophila-Fliegen und ihre For-
schungsarbeit zur synergistischen Wirkung antimikrobieller Substanzen als Vorbeugung
gegen Zahnkaries nach Professor Mühlemann qualifizierten sie zur Pharmakologie-For-
scherin, wozu sie von der Pharmaindustrie attraktive Angebote bekam. Eine Karriere in
diesem Bereich stand ihr offen. Zum Glück hielt sie der Wunsch nach einer Familie bei mir
und der restaurativen Zahnmedizin.
Als unsere Kinder Viviane und Jan Frederic auf die Welt kamen, waren die Würfel
gefallen, sie entschied sich, zunächst das „Mörmann Family Office“ zu managen. Aus In-
teresse und um im Management professionell zu werden, bildete sie sich an der Volks-
hochschule Zürich, bei Serge Gaillard, dem heutigen Direktor der Eidgenössischen Fi-
nanzverwaltung, in Volkswirtschaft aus. An der Schule für Erwachsenenbildung des Kan-
tons Zürich lernte sie Buchhaltung. Diese Kenntnisse konnten bei der Bewältigung der fi-
nanziellen Belange der geplanten Stiftung von grossem Nutzen sein. Während der Abend-
kurse übernahm ich die Betreuung der Kinder.
Angesichts der positiven Reaktionen der direkt beteiligten Firmen Siemens und
Brains, nahmen Jeanette und ich Kontakt mit der Treuhandgesellschaft Treuco auf,
zwecks Gründung einer gemeinnützigen, steuerbefreiten Stiftung im Kanton Zürich. Name
der Stiftung sollte sein: „Stiftung zur Förderung der Computerzahnmedizin“.
Dr. iur. Felix Bänninger betreute uns bei der Formulierung der Stiftungsstatuten des
Stiftungszwecks und dem gesamten Gründungsprocedere. Wir zahlten das Stiftungskapi-
tal von CHF 10'000.- ein. Mein emeritierter ehemaliger Chef, Professor Dr. H.R. Mühle-
mann war bereit, als Vizepräsident zu amten, ich war Präsident und Jeanette übernahm
die Administration der Stiftung als Aktuarin. Die formale Stiftungsgründung per Eintragung
ins Handelsregister erfolgte per 9. Januar 1991.
Die Firmen Siemens Dental und Brains beschlossen, aus ihren vertraglich vereinbar-
ten Verpflichtungen eine Million D-Mark der Stiftung zur Förderung der Computerzahnme-
dizin zuzuwenden. Die gute alte DM ergab 857’000 Schweizer Franken. Das genügte, um
Räumlichkeiten auch in der teuren unmittelbaren Nachbarschaft des Zahnärztlichen Insti-
tuts anzumieten, auszustatten und mit Betriebskapital zu versehen. Für die Stiftung war
diese Zuwendung ein grosser Erfolg. Die Leistungen der SFCZ kamen in der Folge der
Zahnrestaurationen per Computer 130

CEREC Methode, dem Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich sowie den Firmen
Siemens und Brains voll zu Gute.

Dreizehnter Teil: 1992 Basis für die Zukunft der CEREC Methode

27) 1992 KLINISCH WISSENSCHAFTLICHE INFRASTRUKTUR

118. Platz für eine klinische Aussenstation


Per Zufall war ich an einem Morgen im Frühjahr 1991 auf dem Weg zum Zahnärztlichen
Universitäts-Institut (ZUI) mit dem Fahrrad von meinem Wohnort an der Zweiackerstrasse,
in Zürich-Witikon, über die Loorenhalde und das Degenried in die Aurora- und die Hof-
strasse durch die Attenhoferstrasse gekommen und sah dort links, nahe der Zürichberg-
strasse, einen Quartierblock vom ZUI entfernt, den frischen Aushub für ein neues Mehrfa-
miliengebäude.
Das war in kurzer Laufdistanz zum ZUI und konnte die geeignete Lokalität für einen
der CEREC-Methode gewidmeten Ableger der Universitätsklinik sein. Bauherrin war Frau
Huber, Spross einer alteingesessenen Zürcher Familie. Sie plante, die Attikawohnung in
diesem Hause im schönen Zürichberg-Quartier zu beziehen.
Es stellte sich heraus, dass die der Strasse zugewandten Parterre-Räumlichkeiten
von der behördlich zugelassenen Ausnutzung her, für den Betrieb einer Zahnarztpraxis
genutzt werden konnten. In Abwandlung der Raumaufteilung für eine Wohnung, konnte
Raum geschaffen werden, für eine Praxis mit vier Dental-Behandlungseinheiten, einen
Empfangsraum, eine Patiententoilette, die Instrumentenaufbereitung und Sterilisation, Kü-
che und Aufenthaltsraum für die Dental-Assistentinnen und ein Büro für den leitenden
Zahnarzt sowie im Souterrain Büroarbeitsplätze für Mitarbeiter, Personaltoilette, Zahn-
technik und ein Maschinenraum.
Frau Huber fand meine Idee gut, die Räume für einen Praxisbetrieb im Rahmen der
Universität Zürich zu nutzen. Damit zeichnete sich die Realisierung einer Infrastruktur für
die Gewinnung klinisch-wissenschaftlicher Erfahrung und Forschung mit der CEREC Me-
thode ab. Dazu war aber die administrative und personelle Integration der Mitarbeiter in
die akademische Struktur der Universtität Zürich, des Zahnärztlichen Institutes und der Ab-
teilung für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie erforderlich.

119. Antrag an die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich


Ich besprach die Situation mit Prof. Felix Lutz. Er unterstützte das Projekt einer klinischen
Aussenstation, die der Entwicklung von neuen Füllmaterialien und Restaurationstechniken
als Alternativen zum toxikologisch und für die Umwelt problematischen Amalgam dienen
sollten. Er war auch bereit, die von ihm gegründete Stiftung zur Förderung der Präventiven
Zahnmedizin als Co-Träger einzusetzen.
Die Zielsetzung, der Mangel an Raumkapazität im ZUI selbst und die Möglichkeit der
privaten Finanzierung des Projektes waren für die anderen klinischen Abteilungen des
Hauses und für die verantwortliche Regierungsstelle, die Erziehungsdirektion des Kantons
Zürich gesundheitspolitisch überzeugend. Die Verwaltung der Universität, der Kantons-
zahnarzt und die Direktion des Zahnärztlichen Instituts, hatten in Vorbesprechungen be-
reits ihr Einverständnis erklärt.
Zahnrestaurationen per Computer 131

Felix Lutz und ich richteten am 26. August 1991 einen entsprechenden Antrag an Frau Dr.
A. Trutmann, die Chefin der Abteilung Hochschule bei der Erziehungsdirektion des Kan-
tons Zürich. Das Schreiben lautete wie folgt:

„Sehr geehrte Frau Trutmann,


in der zahnmedizinischen Betreuung der Bevölkerung macht die Füllungstherapie rund
60% der zahnärztlichen Tätigkeit aus. Dabei war bis heute Amalgam das Standardfüllma-
terial. Dessen Ersatz wird nun aus toxikologischen Gründen und mit Rücksicht auf die
Umwelt ultimativ bis zum Ende des Jahrzehnts gefordert. Die Laborforschung hat in den
letzten 2-3 Jahren, nicht zuletzt dank Beiträgen aus Zürich, brauchbare, metallfreie, zahn-
farbene Restaurationsmaterialien entwickelt und entsprechende Anwendungsprinzipien
definiert.
Damit ist die Forschungsaufgabe aber nicht erfüllt. Es wird für die kommenden Jahre
die Aufgabe der klinischen Kariologie sein, die Vielfalt der neu entwickelten Amalgam-al-
ternativen Materialien und Restaurationsmethoden in vivo auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen
und gestützt auf in vivo Daten weiter zu verbessern. Dazu fehlt es der Abteilung an klini-
scher Kapazität und Personal.
Es soll deshalb eine Station für zahnfarbene und computergestützte Restaurationen
geschaffen werden. Sie soll Teil der Universität sein und in die Abteilung integriert werden.
Die Station wird aber infrastrukturell, personell und materiell von den von der Erziehungs-
direktion kontrollierten Stiftungen zur Förderung der Computerzahnmedizin und zur Förde-
rung der Präventivzahnmedizin getragen und soll als selbständige Einheit verwaltet wer-
den. ....“ (es folgen weitere Gestaltungsdetails des Projektes).

„Für die wohlwollende Prüfung unseres Antrages danken wir Ihnen zum voraus bestens.
Mit freundlichen Grüssen,

Prof. Dr. F. Lutz, Prof. Dr. W. Mörmann.“

120. Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen (SZCR)


Am 25. Oktober 1991 war die Entscheidung gefallen und sie war – positiv! Das sprach
sehr für die Effizienz der damaligen kantonalen Universitätsadministration, die vom Geiste
des Erziehungsdirektors Alfred Gilgen als Mediziner geprägt war und die von Frau Dr.
Trutmann, der Chefin der Abteilung Universität perfekt umgesetzt wurde.
Kernsätze der Entscheidung waren, „die beiden Stiftungen fungieren als Trägerinnen
der Station und übernehmen deren Sach- und Personalkosten mit Ausnahme der Lohn-
kosten von Prof. Mörmann. Die Station wird in das Organisationsgefüge des ZUI
integriert.“
Frau Dr. Trutmann arbeitete in der Folge zusammen mit dem Verwaltungsdirektor
des Zahnärztlichen Instituts Dr. Hans Caspar Hirzel einen fünfseitigen Vertrag mit den Stif-
tungen zur Förderung der Computer-Zahnmedizin und der präventiven Zahnmedizin aus.
Festgehalten wurde das Forschungsziel: „Die Träger gründen die Station SZCR mit dem
Ziel, neue Restaurationsmethoden mit zahnfarbenen Füllungsmaterialien und unter An-
wendung computergestützter Verfahrensmethoden, als Alternativen zum Amalgam und
anderen metallischen Füllungswerkstoffen, in die Praxis umzusetzen und die Eignung die-
ser Methoden unter Praxisbedingungen wissenschaftlich zu untersuchen.
Unter 2.1 des Vertrages hiess es: „Die Stiftung zur Förderung der Computer-Zahn-
medizin (SFCZ) mietet die Praxisräumlichkeiten an der Attenhoferstrasse 8 und ist da-
durch Vertragspartner des Hauseigentümers. Die SFCZ stellt die gemieteten Räumlichkei-
Zahnrestaurationen per Computer 132

ten der Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen (SZCR) zur Nutzung zur
Verfügung. Die SFCZ finanziert die gesamte betriebsbereite Praxisausstattung der Räum-
lichkeiten an der Attenhoferstrasse 8. Die Praxisausstattung ist alleiniges Eigentum der
SFCZ. Geschätzt wird ein Investitionsbetrag von CHF 700'000.--. Darüber hinaus garan-
tiert die SFCZ den Mietzins im ersten Betriebsjahr und entrichtet die Mietkaution.“

121. Integration der SZCR in das Zahnärztliche Institut der Universität


Unter Punkt 3.1 hiess es: „Das Personal der Station soll fachlich mit dem Personal der Ab-
teilungsklinik PPK verbunden sein, insbesondere wird gewährleistet, dass der wissen-
schaftliche Erfahrungsaustausch zwischen der Abteilung PPK und der Station gewährleis-
tet ist.“
Der Punkt 4. „Personelle Besetzung; Aufgaben; Anstellung“ detaillierte die personelle
Ausstattung und deren Aufgaben sowie deren Anstellung. Punkt 4.1 definierte die Leitung
der SZCR wie folgt: „Die Station wird von der Abteilung PPK aus durch den Leiter betreut.
Er führt die Station nach den fachlichen Grundsätzen der Abteilung PPK und entsprechend
dem Stiftungszweck der SFCZ. Er koordiniert den klinischen Einsatz der Mitarbeiter sowie
die Planung und Durchführung der wissenschaftlichen Studien.“
Die Anstellung der Mitarbeiter wurde in Punkt 4.3.3 bestimmt: „Die Mitarbeiter werden
über die Finanzabteilung der Universität Zürich, Fondsverwaltung, angestellt. Die Anstel-
lung und Besoldung richtet sich nach den kantonalen Vorschriften.“ Der fachliche Verbund,
die Nutzung der Infrastruktur des ZUI (Bibliothek, Mensa, Seminarien etc. wurden im ein-
zelnen erwähnt (Punkt 5).

122. Finanzierung der SZCR


In Punkt 6. der Vereinbarung wurde festgehalten, dass die gesamten Lohnkosten (mit
Ausnahme des Salärs des von der Abteilung PPK gestellten Leiters) und alle Betriebskos-
ten von der SZCR erwirtschaftet werden mussten.
„Die gesamte Abwicklung der Finanzen wird durch die Stiftung SFCZ selbständig und
unabhängig vom ZUI durchgeführt. Die Rechnungsstellung für Leistungen der Station er-
folgt durch die Stiftung SFCZ für Rechnung der Station. Für die Station wird eine Finanz-
buchhaltung mit allen erforderlichen Konten etabliert. Die Finanzbuchhaltung der SZCR ist
Bestandteil der Aktivitäten der Stiftung SFCZ und ist damit Teil der Jahresrechnung dieser
Stiftung, die von einer Kontrollstelle jährlich revidiert wird und die der Erziehungsdirektion
jährlich zu unterbreiten ist.“ .....„Die Haftung für die Finanzierung des Betriebes liegt allein
bei der Stiftung SFCZ.“
Der letzte Punkt 8. lautete: „Die vorliegende Vereinbarung tritt am 1. März 1992 für
10 Jahre in Kraft und erneuert sich jeweils stillschweigend um fünf Jahre. Gezeichnet wur-
de von Prof. W. Mörmann und Dr. J. Mörmann für die SFCZ, Prof. Dr. F. Lutz und PD Dr. T.
Imfeld für die SFPZ, Dr. Albertine Trutmann, Chefin Abteilung Universität und von Dr. H. C.
Hirzel, Direktor ZUI.
Damit hatte ich den Segen der Behörden für meinen eigenen fachlichen Funktions-
bereich im Rahmen des ZUI verbunden mit dem privaten Risiko eines „Start-Up Unter-
nehmens“.
Meine Überzeugung, dass die CAD/CAM Therapie mit der nun möglichen breiten
Anwendung unter meiner Führung und Kontrolle die besten Chancen hatte, sich durchzu-
setzen, war durch die breite Zustimmung zu dem Projekt der klinischen Forschungsstation
enorm gestärkt worden und half mir, die vielen auf mich zukommenden Probleme zu be-
wältigen. Ganz wesentlich dafür war die Unterstützung durch meine Frau Jeanette als
CFO der Station und COO der Stiftung zur Förderung der Computerzahnmedizin. Jeanette
Zahnrestaurationen per Computer 133

und ich vollbrachten mit unseren Partnern, den Vertretern der Universität Zürich und der
Verwaltung des ZUI eine exemplarische „Private-Public-Partnerschaft“, die mindestens am
ZUI einzigartig und innovativ war. Finanziell war dieses Wagnisunternehmen durch die
Flexibilität und die Leistungsbereitschaft der Industriepartner, der Firmen Brains AG und
Siemens Dental ermöglicht worden, was zukunftsweisend und extrem dankenswert war.

28) 1992 STATION FÜR ZAHNFARBENE- & COMPUTER RESTAURATIONEN

123. Gestaltung der klinischen Behandlungs-Station


Die Stiftung SFCZ schloss mit Frau Huber noch während der Rohbauphase des Gebäu-
des an der Attenhoferstrasse 8 einen Mietvertrag über 10 Jahre mit Verlängerungsmög-
lichkeit ab.
Die Fensterfront des Behandlungsraumes war gegen Südost orientiert und den gan-
zen Tag hell, der Blick führte in den Garten. Dies verlieh dem Raum eine freundliche At-
mosphäre.
In Anlehnung an die Gestaltung der Klinikräume im ZUI entschied ich mich dafür of-
fene Behandlungsboxen zu schaffen wodurch eine grosszügige Raumgestaltung möglich
wurde. Die Sichttrennung der Behandlungsplätze durch Schrankmöbel und leichte Wände
war in der Sitzhöhe der Patienten gewährleistet und darüber trennten wir die Boxen durch
Glaswände (Abb. 78). Im Souterrain war Platz für vier Büroarbeitsplätze und separat da-
von konnten Laboreinrichtungen und Umkleideräume untergebracht werden.

Abb. 78 Klinikraum mit vier getrennten Behandlungsboxen. Jede Box war 1992 mit einer
Siemens Behandlungseinheit, einem CEREC 1 Gerät, einem Administrationscomputer und
einem Bildschirm an der Decke zu Demonstrations- und Unterhaltungszwecken für den
Patienten ausgestattet wie das links zu sehen ist. Von 1994 bis 2000 war die Station mit
CEREC 2 Geräten und ab 2000 (rechts im Bild) mit CEREC 3 ausgestattet. Das Zahnarzt-
Team 2005 sehen Sie in der Mitte. Oben: zwei REM-Bilder von Vita Mark II Inlay-Oberflä-
chen und einer Randsituation nach 10jähriger Tragzeit.
Zahnrestaurationen per Computer 134

124. Betriebsbeginn der „SZCR“


Die Station SZCR wurde im August 1992 mit vier Behandlungsplätzen und der vollständi
gen Infrastruktur in Betrieb genommen. Die Bauinvestitionen beliefen sich auf CHF
615'567.40 womit das Budget von CHF 580'000 bedingt durch Verbesserungen im Innen-
ausbau um knapp 6% überschritten wurde.
Zur Sicherung des laufenden Betriebes wurde der grösste Teil der Zahnarzt- und La-
boreinrichtungen, das Büromobiliar sowie die EDV Soft- und Hardware gemietet oder wur-
de im Laufe der nächsten Jahre in Raten der reinen Anschaffungskosten zinslos abbe-
zahlt. Entsprechende Rückstellungen wurden im neuen Geschäftsjahr budgetiert. Der
Wert des versicherten Praxisausbaues und des Inventars betrug CHF 1'200'000.--.
Der Bestand der über die Fondsverwaltung der Universität Zürich angestellten Mitar-
beiter/innen erhöhte sich bis Ende 1992 auf fünf Assistenzzahnärzte, davon zwei Ex-
amensabsolventen, eine Sekretärin, vier Dentalassistentinnen sowie eine Reinigungsan-
gestellte. Zusätzlich wurde die SZCR von sechs Assistenzzahnärzten der Zentralabteilung
genutzt, die dort ihre Patienten auf dem Gebiet der Computer-Restaurationen behandel-
ten.

125. Offizielle Eröffnung der „SZCR“


Am 27. Oktober 1992 wurde die Station mit einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor-
gestellt. Anwesend waren der Direktor des Zahnärztlichen Institutes, Dr. H.C. Hirzel, der
Leiter der Abteilung Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie, Prof. F. Lutz
und Prof. W. Mörmann, der Leiter der SZCR sowie Vertreter der lokalen Presse. Die Stati-
on war danach voll mit der Patientenbehandlung ausgelastet, was darauf hin deutete, dass
diese Struktur einem Bedürfnis der Bevölkerung entsprach.

126. Behandlungskonzept und Ausbaupläne der „SZCR“


Die im Eröffnungsjahr mangelnde Ertragslage konsolidierte sich mit dem Beginn des neu-
en Geschäftsjahres und erreichte in den ersten Monaten des Jahres 1993 die betriebliche
Kostendeckung. Dies ist bemerkenswert, da die Patientenbehandlung nicht profitorientiert
war, sondern schulmässig ausgeführt wurde und mit zusätzlichem Dokumentationsauf-
wand der Arbeiten verbunden war. Die Dokumentation erfolgte mit Hilfe des in der Station
etablierten Computernetzes und mit dem von Doktorand Markus Zeller entwickelten ‚Doku-
Rec’ Programm.
Mein Plan war, das Computernetz auf volle Multimediakapazität auszubauen. Alle
Behandlungsplätze sollten mit den damals aufkommenden Farbvideokameras ausgestat-
tet werden. Farbbilder aus dem Munde konnten damit dem Patienten gezeigt werden. Ich
hatte aus diesem Grunde Farbmonitoren an der Decke über jedem Behandlungsplatz an-
bringen lassen. Der Behandler konnte dann dem Patienten im Behandlungsstuhl die Aus-
gangssituation z.B. den Schaden am Zahn zeigen und die geplante Behandlung erklären.
Einzelbilder vor und nach der Behandlung würden die Arbeit klinisch dokumentieren und
im Dokumentationssystem gespeichert werden.
Ebenso sah ich den Ausbau der Anlage im Hinblick auf die Registrierung und Verwal-
tung digitaler Röntgenbilder vor. Ausserdem wollte ich die optischen Abdrücke und die
Konstruktion jedes CEREC-Falles in der Dokumentation erfassen. Nun, damit stellte ich
mir eine gigantische Aufgabe, die angesichts der unterschiedlichen Datenformate der in
ständiger Weiterentwicklung befindlichen digitalen CEREC-, Farbvideo- und Röntgenauf-
nahmen eine niemals endende Sisyphusarbeit war. Wir waren schon alleine damit ausge-
lastet, die ständigen Entwicklungsschritte des CEREC-Systems zu implementieren.
Zahnrestaurationen per Computer 135

29) 1992 OPTIMIERUNGEN DER CEREC 1 METHODE

127. CEREC 1 E-Drive und VITA Mark II


Das CEREC 1 Gerät wie es 1988 auf den Markt gekommen war, entsprach in Hardware
und Software dem von Marco und mir geprägten Stand mit dem Hydroantrieb und der Ke-
ramik VITA Mark 1. Siemens Dental hatte beim Vertragsabschluss die Teile für 25 Geräte
dieser Version von der Brains AG gekauft, das äussere Erscheinungsbild mit dem Sie-
mens-Look versehen, die Materialschublade hinzugefügt und die 3D Mundkamera den
VDE Sicherheitsnormen angepasst.
Bis 1992 folgten nur leichte Optimierungen am Gerät so mussten z.B. die Sicherung
der Schleifscheibe und des Materialblocks verbessert werden. Im Hintergrund arbeitete
das CEREC-Team von Siemens Dental an der Optimierung des Formschleifsystems und
an der Neugestaltung der Konstruktionssoftware. Im Materialbereich arbeitete VITA an der
Optimierung der Blockkeramik in Zusammenarbeit mit Dr. Robert J. Kelly vom Massachu-
setts Institute of Technology.
1992 war es dann so weit. Man hatte einen elektrischen Mikromotor eines Schweizer
Herstellers gefunden, der sich für den Einbau in die Schleifkammer des CEREC Gerätes
eignete. Gleichzeitig wurde der Scheibendurchmesser von 30 mm auf 40 mm erhöht und
die Scheibendicke von 0,3 auf 0,4 mm verstärkt. Das CEREC Entwicklungsteam bei

a b

Abb. 79 Neuerungen der Jahre 1991/92: a) CEREC-1 mit Elektromotor, steiferer und
grösserer Schleifscheibe mit feiner (D 64) Diamantierung. b) Die VITA Mark II Feinpartikel-
Fespatkeramik wurde 1991 eingeführt. Hier im Bild mit dreifacher Farbabstufung, die im
Jahre 2003 erstmals zur Verfügung stand.

Die Steifigkeit des Systems war erhöht und verbesserte die Schleifpräzision sowie die Effi-
zienz des Systems (Abb. 79 a). Die Untersuchungen von Oliver Furrer (Med Diss Zürich
1993) zeigten, dass der E-Antrieb die Scheibenstandzeit gegenüber der Hydroantriebsver-
sion beträchtlich steigerte und die Schleifqualität, speziell die Kantenqualität, verbesserte.
Mit Vorteil wurden die Schleifscheiben mit feineren Diamantierungen (D64, D46) be-
legt im Vergleich zu den zunächst verwendeten Schleifscheiben mit Korngrösse D126 (126
Siemens Dental entschied sich damals aufgrund dieser Untersuchungen, die Schleifschei-
Zahnrestaurationen per Computer 136

ben generell mit der Diamantkorngrösse D 64 (64 µm) auszustatten, was einen deutlich
feineren Schliff als die D126 Diamantierung ergab.
Im Jahre 1991 führte die VITA Zahnfabrik die VITABLOCS Mark II in den Dentalmarkt
ein (Abb. 79 b). Die CEREC 1 Methode verfügte damit über eine zuverlässige Schleif-
technik und als Restaurationsmaterial die VITA Mk II Keramik, die sich über Jahrzehnte
bewähren sollte.

128. 1992 CEREC am Chicago Midwinter Meeting


Neben der Etablierung der Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen
(SZCR) erfüllte ich im Jahre 1992 meine Lehraufträge für Klinische Kariologie und Klini-
sche Parodontologie, absolvierte zusammen 10 CEREC Vortragsreisen und zwar nach
Chicago, Kempten, Madrid, Glasgow, Sun City Südafrika, New York, Birmingham Alaba-
ma, Los Angeles, St. Petersburg Florida und Genf. Überall gewann ich fachliche Eindrü-
cke, und genoss den Kontakt, mit den an der CAD/CAM Technologie interessierten Kolle-
gen oder kam nach eher frustrierenden Meetings gerne schnell wieder nach Hause.
Am Midwinter-Meeting in Chicago am 15. Februar 1992 - der ersten grossen Dental-
messe jeden Jahres in den USA - hatte ich die Einladung, am „62nd Annual Meeting of the
American Academy of Restorative Dentistry’, einen Vortrag mit dem Titel „Chairside Com-
puter Generated Ceramic Onlays“ zu halten. Der Winter mit schneidender Kälte, Schnee,
Wind und Dunkelheit hatte Chicago im Griff. In einer Ausstellungshalle traf ich zum ersten
Mal den Zahnarzt Ron Deenik. Ron hatte seine Praxis in ‚Holland’, einer Stadt nahe am
Ufer des Lake Michigan nordwestlich gegenüber von Chicago. Ron war CEREC 1 Anwen-
der und er war so begeistert von der Methode („Dr. Mormann you saved my life“), dass er
die ‚American Society for Computerized Dentistry’ (ACD) gründete und als ihr erster Präsi-
dent aktiv war. Ron war ein positiver Typ und setzte sich sehr für diese Organisation ein.
Er begriff CEREC wie es von mir konzipiert war, als alternative Methode zum Füllen
mit Amalgam. Die Routine des Amalgamfüllens und der graumetallischen „Plomben“ hatte
ihn beruflich zermürbt. CEREC dagegen brachte die Zahnrestauration auf ein höheres ver-
fahrenstechnisches Niveau mit dem Ergebnis einer biokompatiblen und ästhetischen Wie-
derherstellung des Zahnorgans. Der neue Herstellungsprozess forderte die konstruktiven
Fähigkeiten des Zahnarztes heraus, machte Freude und faszinierte den Behandler wie
auch den Patienten. Das Treffen mit ihm war für mich ein Gewinn, die Reise nach Chicago
hatte sich fachlich und menschlich gelohnt.

129. CEREC am 11th International Symposium on Ceramics“ in Madrid


Am Kemptener Kolloqium in Kempten/Allgäu stiess am 26. Juni 1992 mein Vortrag „Erfah-
rungen und Perspektiven des praktischen CAD/CAM Einsatzes – CEREC“ auf grosses In-
teresse. Etwas anders gestaltete sich am darauf folgenden Tag die Veranstaltung in Ma-
drid. Es handelte sich dabei um das “11th International Symposium on Ceramics“ des
Quintessenz Verlages. Mein Vortrag mit dem Titel „The 3rd Generation CEREC System:
CAD/CAM Inlays/Onlays and Veneers“ war am Samstagnachmittag der letzte im Pro-
gramm.
Ein paar Teilnehmer waren noch anwesend, einige unterhielten sich laut, lachten,
keiner interessierte sich für CEREC CAD/CAM. Das enttäuschte und frustrierte mich aus-
serordentlich. Offensichtlich war die spanische Zahnmedizin von CEREC CAD/CAM noch
weit entfernt. 25 Jahre später, an einem Symposium in Malaga, sollte ich das ganz anders
erleben. Damals In Madrid beschloss ich allerdings, nie mehr einen Vortrag an letzter Stel-
le im Programm anzunehmen. Ich versöhnte mich mit Madrid als Stadt durch einen Be-
Zahnrestaurationen per Computer 137

such des Prado Kunstmuseums. Besonders beeindruckten mich die Bilder von Francisco
José de Goya und die von Pablo Picasso.
Jedenfalls motivierte mich der Kunstgenuss im Prado, vier Tage später nach Glas-
gow zu fliegen und am Symposium „CAD-CAM Technology in Restorative Dentistry“ im
Rahmen der ‚International Association for Dental Research’ (IADR) meine Präsentation mit
dem Titel „Efficiency of an Electric Drive in the CEREC CAD-CAM Unit“ vorzutragen.

130. CEREC in Südafrika, Johannesburg, Sun-City, Sabi-Sabi


In Sun City, Südafrika, einem Resort in der Nähe von Johannesburg, präsentierte ich vom
10.-14. August 1992 eine Reihe von fünf Vorlesungen mit dem Titel „The CEREC CAD/
CAM Process“ anlässlich des ‚Platinum Jubilee Congress’ of the Dental Association of
South Africa. Herr Karlheinz Kilk, der damalige CEO von Siemens Dental war anwesend.
Es gab schon einige CEREC Anwender im Land und das Potential möglicher Interessen-
ten erschien vielversprechend.
Meine Frau Jeanette hatte als damalige Mitarbeiterin im Bereich Präventivzahnmedi-
zin an der Abteilung PPK am Zahnärztlichen Institut in Zürich einen südafrikanischen Pro-
fessor mit ihren Kenntnissen antimikrobieller Substanzen zur Plaquebekämpfung beein-
druckt und erhielt ebenfalls eine Einladung, am Kongress darüber zu berichten. Beim Be-
such des Kongressorganisators in Zürich fiel ihm und seiner Frau der in den internationa-
len Medien bekannte „Needle Park“ gegenüber ihrem 5 Stern Hotel beim Hauptbahnhof
auf. Beim gemeinsamen Dinner erklärte Jeanette dem besorgten Ehepaar aus Kapstadt,
wie man in der Stadt Zürich versuchte, das Drogen- und AIDS Problem auf innovative Art
zu bewältigen. Die beiden Gäste bestanden darauf, dass meine Frau, dies auch in einem
Vortrag im Ladies Programm des Kongresses in Sun City präsentierte.
Die beiden Einladungen deckten unsere Reisekosten zum grossen Teil und so konn-
ten wir zusammen reisen und nahmen auch unsere beiden Kinder Viviane (9) und Jan (7),
mit. – Das bedeutete ‚Lift-off’ der Familie Mörmann nach Südafrika. Die beiden Kinder wa-
ren von der Flugreise und den ‚Swimming Pools’ im Resort begeistert. Meinen Vortrag
nahmen die südafrikanischen Zahnärzte mit Interesse auf, weil CEREC sie von der Ver-
fügbarkeit zahntechnischer Labors unabhängiger machte. Jeanettes Vortrag stand bei den
Ladies im Mittelpunkt des Interesses.
Nach dem Kongress nahmen wir in Johannesburg an einer Führung in einer Goldmi-
ne teil, die uns per Minenschacht in die heisse Tiefe brachte, sahen im Krüger National
Park Gnus, Elefanten, Löwen, Büffel, Leoparden und Krokodile ‚Aug in Auge’ und flogen
dann an die Küste nach Durban.
Wir mieteten ein Auto und fuhren durch die Region Natal nach Saint Lucia, einem Ort
am „Ende der Welt“ an der Nordostküste mit offener Wildnis und endlosem menschenlee-
rem Sandstrand. Die Kinder badeten im Meer in der flach auslaufenden Brandung. Erst
später sah ich das Hinweisschild „Beware of Sharks“. Aber die Haie waren Gott sei Dank
nur auf Fischbeute fokussiert.

131. CEREC in New York und Birmingham, Alabama


Für den September 1992 hatte ich Einladungen nach New York und nach Birmingham
Alabama. In New York war die Einladung von John Calamia vom ‚New York University De-
partment of Restorative and Prosthetics’ gekommen. John war mir durch seine Publikatio-
nen über ‚Porcelain Veneers’ bekannt und ich hatte schon mehrfach mit ihm korrespon-
diert.
Seine Erkenntnisse konnten auf die CEREC Veneers übertragen werden. Mein Vor-
trag hatte den Titel „Chairside Computer-Generated Ceramic Restorations: The CEREC
Zahnrestaurationen per Computer 138

3rd Generation Improvements“ und wurde als ‚Lecture for students and faculty’ angekün-
digt. Das Interesse war gross.
Von New York ging es weiter nach Alabama, auf Einladung von Prof. Karl Leinfelder
vom Department of Restorative Dentistry an der University of Alabama at Birmingham
Dental School. Das UAB School of Dentistry Team, bestehend aus Barry P. Isenberg, Mil-
ton E. Essig, Karl, F. Leinfelder, L.A. Mueninghoff hatte am International Symposium on
Computer Restorations am 3-4 Mai 1991 in Zürich eine wichtige Studie über den Rand-
schluss von CEREC 1 Inlays präsentiert mit dem Titel „Clinical evaluation of marginal inte-
grity: Two year results“. Vermessen wurden 118 Molareninlays bei Patienten die entweder
aus VITA Mk I Feldspatkeramik oder Dicor MGC Glaskeramik geschliffen worden waren.
Die Fugenbreite an adhäsiv eingesetzten Inlays betrug im Durchschnitt 88 Mikrome-
ter. Diskussionspunkt bei CEREC Restaurationen allgemein war die an der Kaufläche ex-
ponierte, mit Befestigungskomposit gefüllte Fuge zwischen der Keramik des Inlays und
dem Präparationsrand. Die Studie stellte fest, dass sich die okklusale Oberfläche des Fu-
genkomposits während der Beobachtungsperiode in der Mitte der Fuge zunächst linear bis
auf 50% der Fugenbreite vertiefte und dann stabil blieb, mit unverändert dichtem adhäsi-
ven Verbund zum Zahn.
Auf der Basis dieser Studie wurden die routinemässig erstellten CEREC Inlays als
klinisch ausgezeichnete Restaurationen bewertet. Die Birmingham Kollegen hatten mich
sehr freundschaftlich empfangen und bewirtet und ich empfand den Besuch als mensch-
lich und fachlich bereichernd.

132. Los Angeles und St. Petersburg, Florida


Weiter ging es im September 1992 nach Los Angeles zur „International Conference on
Computers in Clinical Dentistry“. Dieses Ereignis war von Dr. Jack Preston, University of
Southern California (USC) organisiert worden. Dessen Fachrichtung war die prothetische
Zahnheilkunde. Er war deshalb im CAD-CAM Bereich speziell an der Kronenfertigung mit
dem Duret-System interessiert.
François Duret stellte sein System detailliert vor. Leider kam es dieses Mal nicht zum
persönlichen Kontakt mit ihm. Es war aber spürbar, dass sein System nicht so recht vor-
ankam, das Thema der Konferenz war deshalb breit auf den administrativen Einsatz von
Computern in der Zahnmedizin gerichtet und für mich weniger informativ.
Im Oktober 1992 reiste ich noch einmal nach USA zum CEREC Owners Meeting
nach St. Petersburg an der Golfküste Floridas in der Tampa Bay. Das Hotel lag direkt am
Strand. Der freundliche CEREC Manager Joe Flumian hatte mir eine Topsuite von giganti-
scher Grösse mit eigenem Jacuzzi reserviert.
Mein Freund Bob Kelly, der Keramikexperte war auch da. Wir verbrachten Zeit am
Strand und buchten beide eine Runde ‚Parachute Gliding’. Das war wirklich sehr span-
nend und verschaffte einen wunderbaren Rundblick aus der mit dem Gleitschirm erreich-
ten Höhe. Allerdings ängstigte sich der Kursorganisator Joe Flumian zu Tode als er erfuhr,
dass sich seine Referenten derartig in Gefahr begeben hatten. Aber es war alles gut ge-
gangen und die Kollegen CEREC Anwender waren mit den Informationen, die ich ihnen in
meinem Vortrag über die „CEREC 3rd generation improvements“ geben konnte sehr zu-
frieden. Für mich war diese kurze Reise ein schöner Abschluss in den USA.

133. CEREC an der Universität Genf, Schweiz


Den letzten externen Vortrag hatte ich am 2. November 1992 in Genf auf Einladung von
Professsor Jacques Holz Université de Genève, Section de Médecine Dentaire, Division
de Restaurations Dentaires et d’Endodontie. Prof. Holz war als eigentlicher „Amalgam-
Zahnrestaurationen per Computer 139

pabst“ bekannt, hatte aber die Tochter Valerie Holz, die als Zahnärztin in seiner Abteilung
arbeitete und eine Reihe junger Assistenzzahnärzte, die sich für CEREC interessierten.
Das Team Valerie Holz, Serge Bouillaguet, Bernard Ciucchi und Jacques Holz hatte sich
mit der Studie: „In vitro study of proximal adaptation and seal of CEREC inlays im Jahre
1991 am ‚International Symposium on Computer Restorations am 3. Und 4 Mai in Zürich
beteiligt. „The results of the proximal adaptation of the axial segments show a global 75%
of perfect margins with no differences between the materials and the sides.“
Mein Freund und Kollege Ivo Krejci wurde später der Nachfolger im Amt von Jacques
Holz in Genf. Er ist überzeugter Benützer der CEREC Methode unter Anwendung der heu-
te qualitativ ausgezeichneten restaurativen Block-Komposite.

Vierzehnter Teil: Erfolg und Grenzen von CEREC 1

30) 1993 SZCR BETRIEB UND PATIENTENBEHANDLUNG

134. Die SZCR im ersten vollen Betriebsjahr 1993


Wir starteten den klinischen Betrieb mit den optimierten CEREC 1 Geräten und mit der Ke-
ramik VITA Mk II. Ausser mir als Leiter waren ein Oberassistent (Klinikchef) und fünf stän-
dige Assistenten an der Station tätig.
Die Einstellung eines Oberassistenten in der Funktion des Klinikchefs wirkte sich auf
die klinische Arbeit sehr konstruktiv aus. Der Klinikchef gewährleistete die fachliche Be-
treuung und Ausbildung der immer wieder wechselnden jungen Zahnarztassistenten/innen
nach den bewährten Behandlungsabläufen („Unité de Doctrine“) der Klinik der Abteilung
PPK. Dies betraf besonders die Anwendung der Adhäsivtechnik und das von mir erarbeite-
te Vorgehen bei der CEREC Behandlung. Die Voraussetzung für die optimale Durchfüh-
rung der chairside CAD/CAM Methode durch alle Mitarbeiter war dadurch gegeben. Zu-
sätzlich zur Stammbesatzung arbeiteten im Turnus zwischen sechs bis acht Assistenten
der Abteilung PPK an der SZCR mit dem Ziel der Ausbildung in der CEREC Methode.
Die klinische Arbeit der Zahnärzte wurde durch fünf voll angestellte Dentalassisten-
tinnen unterstützt. Klinisch wurden im Jahr 1993 an der Station für Zahnfarbene- und
Computer-Restaurationen 2951 Behandlungen ausgeführt, 481 Patienten beraten und an
300 Patienten der klinische Befund erhoben.
Die SZCR verfügte am Jahresende 1993 über einen Arbeitsvorrat von 6-8 Monaten.
Die Akzeptanz dieser universitären klinischen Behandlungsstation in der Bevölkerung war
somit ausgezeichnet. Die administrativen Arbeiten wurden von der SZCR-Sekretärin Frau
C. Conrad bewältigt. Die Finanzadministration der Station lag im Rahmen der Stiftung zur
Förderung der Computerzahnmedizin in den Händen von Dr. sc. nat. J. E. Mörmann.

135. 1993 Kursaktivitäten und Besucher an der SZCR


Die von meinen Mitarbeitern an der Station und den PPK Assistenten/innen erworbenen
fachlichen Kenntnisse der chairside CAD/CAM Restauration wurden in zahlreichen Ausbil-
dungskursen für externe Zahnärzte/innen praktisch umgesetzt.
So führten wir im Jahre 1993 acht Cerec-Intensivseminare mit total 151 Teilnehmern
in deutscher Sprache durch. Einen "Advanced Course in CAD/CAM-Technology", quasi
ein Minisymposium mit CEREC Fachvorträgen von Kollegen aus USA und Deutschland
organisierten wir im Juni für 58 amerikanische Universitätsprofessoren und an Universitä-
Zahnrestaurationen per Computer 140

ten tätige Zahnärzte sowie ca. 50 amerikanische Privatzahnärzte in englischer Sprache.


Neben theoretischen Beiträgen präsentierten meine Mitarbeiter klinische Live-Demonstra-
tionen von Inlay-/Onlay- und Veneer-Behandlungen. Namhafte Gastreferenten, nämlich Dr.
John Calamia, New York (USA), Dr. Ron Deenik, Holland (USA), Dr. John Drummond,
Chicago (USA), Dr. Milton Essig, Birmingham (USA), Dr. Barry Isenberg, Birmingham
(USA), Dr. Bernd Reiss, Malsch (D), Dr. Klaus Wiedhahn, Hamburg (D) bereicherten das
zweitägige Programm. Die meisten Kollegen aus USA hatten ihre Frauen mitgebracht. So
organisierten wir einen geselligen Abend für ca. 200 amerikanische Gäste im Zunfthaus
zum Rüden am Limmatquai. In diesem Haus hatte bereits im 15. Jahrhundert der Grosse
Rat der Stadt Zürich mit seinen 200 Mitgliedern getagt. Ich bat Herrn Dr. Hans Caspar Hir-
zel, unseren damaligen Verwaltungsdirektor des Zahnärztlichen Instituts, die ausländi-
schen Gäste im Namen der „Dental School“ zu begrüssen. Diese Aufgabe übernahm er
gerne.
Im wunderschönen historischen Saal im obersten Stock trat er an der Stirnwand des
Saals vor das Portrait eines reich dekorierten ehrwürdigen historischen Ratsherrn in Le-
bensgrösse und begrüsste die Gäste sinngemäss so: „Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kollegen: Mein Ahnherr hier auf dem Gemälde aus dem 16. Jahrhundert mit dem
gleichen Namen wie ich, wir beide heissen Hans Caspar Hirzel, er ist etwa 400 Jahre älter
als ich, wir beide begrüssen Sie ganz herzlich zu diesem festlichen Abend.
Ich war genau so verblüfft wie die Gäste zu hören, dass er einer so traditionsreichen
Zürcher Familie angehörte. So verbanden sich an diesem Abend Tradition und dentale
High Technology. Alle waren von der Jahrhunderte währenden Zeitlinie der Familie Hirzel
tief beeindruckt, die sich nun mit der modernen Restaurations-Technik kreuzte.

136. 1993 Kursaktivitäten in Berlin


Für drei Cerec-Ausbildungskurse in Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Götz Siebert
übernahm die Stiftung SFCZ das Patronat sowie einen Teil der administrativen Abwick-
lung. Im fachlichen Bereich wurden die ersten Berliner-Kurse durch die Ausbildung eines
Mitarbeiters von Prof. Siebert, Dr. Stefan Neukirchen zusätzlich unterstützt.
Dr. Stefan Neukirchen hospitierte an der SZCR vom 05.07.1993 bis 30.09.1993 und
beteiligte sich dann massgeblich an der fachlichen und administrativen Abwicklung der
ersten Berliner-Kurse. Professor Siebert war ein feiner Mann, den ich sehr schätzte, den
aber leider ein Krebsleiden früh von uns nahm. Einer seiner hervorragenden Schüler Dr.
Andreas Bindl wurde im Jahre 1994 mein Mitarbeiter, dann Klinikchef der SZCR und spä-
ter mein Nachfolger im klinischen Bereich.

137. 1993 Gäste und Kurse


1993 lud ich Dr. Mohsen Taleghani Professor and Chairman, Dept. of General Dentistry,
Baylor College of Dentistry, Dallas, USA zur Teilnahme an einem unserer CEREC Kurse
ein. Individuelle Spezialausbildungen in CAD/CAM-Technologie führten wir für Dr. Haji-
heshmati und Herr Akbarkhani, Teheran University, Iran, Herr Dr. Amiram Vizenski, Tel
Aviv, Israel, Frau Dr. Sharifa Fauziah Alhabshi, Head of Dept., Dental Dept., General Hos-
pital, Kuala Lumpur, Malaysia und für Herrn Dr. T. C. Ng, Hong Kong durch. Die CEREC
Methode, die SZCR und die „University of Zurich Dental School“ gewannen durch die
namhaften Besucher viel internationale Reputation im Bereich der klinischen Anwendung
der CAD/CAM Technologie.
Basis der Förderung der CAD/CAM Technologie waren aber die Zahnärzte in der
unmittelbaren Umgebung, in der Stadt und im Kanton Zürich und besonders im Hause
selbst. Einen Spezialkurs offerierte ich für die Studiengruppe Dr. Herbert F. Wolf, Mitautor
Zahnrestaurationen per Computer 141

und Autor der Thieme Parodontologie-Atlanten und insgesamt neun Kollegen aus dem
Raume Zürich. Fünf Assistenten anderer Abteilungen des Zahnärztlichen Instituts offerierte
ich die Teilnahme an regulären CEREC Kursen. Zusätzlich wurden 20 Besucher aus
Deutschland, UDSSR, USA, Japan und aus der Schweiz registriert. Aus Japan besuchten
mich die Professoren Hirokata Shimokobe vom Fachbereich Operative Dentistry und Yoi-
chi Uchiyama vom Fachbereich Crown and Bridge Prosthodontics der Graduate School of
Dental Medicine der Hokkaido University in Sapporo.

138. 1993 Greater New York Dental Meeting


Zusätzlich zur klinischen Arbeit in der ‚Station’ führte ich 1993 wie auch in den Vorjahren
1991 und 1992 zahlreiche Vortragsreisen und Kurse durch (Tabelle 6).
Meine letzte Reise im Jahre 1993 ging nach New York. An einem Novemberwochen-
ende flog ich am Freitagmittag in Zürich ab. Das Greater New York Dental Meeting kannte
ich ja schon von meiner Präsentation im Jahre 1986. So gegen 17 Uhr Lokalzeit kam ich
im ‚Downtown Manhattan Mariott Hotel’ an.
Es war ein Häusserblock weit von der Radio City Music Hall entfernt. Die Zeit dehnte
sich, der Vortrag war am nächsten Morgen um 11.00 Uhr angesetzt. Wie sollte ich den
langen Abend verbringen? Der Concierge empfahl mir einen Besuch des „Christmas Spec-
tacular“ in der nahen Radio City Music Hall, eine traditionelle Weihnachtsrevue mit Santa
Claus und dem ‚Rockette Ballet’.
Ich kaufte ein Ticket und betrat die riesige ‚Music Hall’ die mich mit ihrer endlos brei-
ten Bühne, so kam sie mir jedenfalls vor, klein aussehen liess. Ich kam neben eine Fami-
lie, Vater, Mutter und zwei Kinder, zu sitzen. Auf einer Bühne hatte noch nie zuvor so viele
schlanke Beine in einer Reihe gesehen wie bei den Tänzerinnen des ‚Rockette’ Ballets.
Sie schwenkten ihre Beine tüchtig zu Weihnachtsklängen. „Isn’t it gorgeous, - isn’t it
gorgeous!“ rief mein Nachbar immer wieder spontan aus. Er war so begeistert und klopfte
mir dabei freundnachbarlich auf die Schulter. – Jedes Mal, wenn mein Jetlag mir sagte,
„Du musst jetzt schlafen“ brachte er mich mit seiner begeisterten Aktion wieder in den
Wachzustand und so verpasste ich auch das Ende der Vorstellung nicht. Der Abend war
auf jeden Fall ‚gorgeous’ gewesen.
Am Morgen fuhr ich zum K. Javits Convention Center, in dem jeweils zum Jahresende
das grösste Dental Meeting der USA stattfand und hielt meinen CEREC Vortrag, der die
klinischen Erfahrungen und die Neuerungen präsentierte. Das war Routine für mich - die
Zuhörer waren aufgeschlossen und positiv interessiert.
Ich wurde interviewt. Was kostet das Inlay? Tut die Behandlung weh? Wie lange
dauert die Behandlung? Wie lange hält die Füllung? Das waren die Hauptfragen. Danach
nahm ich ein Taxi zum Flughafen - schlug mir den Abend um die Ohren und flog durch die
Nacht nach Zürich. Sonntagmorgen um 11 Uhr war ich wieder zu Hause. Montagmorgen
rief die Pflicht und ich war 7.45 Uhr wieder in der Station SZCR zur Stelle. Meine Assisten-
ten/innen gingen um 8.00 Uhr an ihre CEREC Patientenbehandlungen.
Ich hatte schnell gelernt, dass meine Präsenz den effizienten Betrieb der Station för-
derte. Dies um Fragen zu beantworten, zu sehen wo Probleme auftraten, zu helfen und zu
motivieren. Alle brauchten Führung und lernten. Sie benötigten Anerkennung aber auch
freundliche Korrekturen. Liess ich nach, liessen sie nach, kam ich morgens einmal später,
kamen sie auch später. Ich war gezwungen Vorbild zu sein, was sicher lohnenswert, aber
auch anstrengend war.
Zahnrestaurationen per Computer 142

Tabelle 6 CEREC Vortrags- und Kursorte in den Jahren 1991 / 92 / 93. Zürcher Kurse in
Deutsch (K), Englisch (K engl.), Französisch (K frz.) und italienisch (K ital.).

Vortrags- und Kursorte 1991-93


Jahr/Monat 1991 1992 1993

Januar Zürich K Zürich K

Februar Chicago Davos


Zürich K

März Zürich K Zürich K Zürich K


franz. / ital.

April Zürich K Basel


Zürich K

Mai Zürich Symposium Zürich K

Kempten Zürich K engl.


Juni Zürich K Madrid Zürich K
Zürich K

Zürich K Glasgow Karlsruhe K


Juli Studentenkurse Zürich K Tokyo
III. & IV. Jahr

Sun City, Sapporo


August Zürich K engl. South Africa Tokyo
Osaka

New York
Birmingham, Alabama,
September Zürich K USA Zürich K
Los Angeles
Zürich K
Zürich K

St. Petersburg,
Oktober Zürich K Florida, USA Zürich K
Zürich K
Zürich K

Genf San Francisco


November Zürich K Zürich K San Francisco
New York

Dezember Zürich K engl. Zürich K Zürich K

Dazu führte ich zusammen mit meinen Mitarbeitern neun CEREC Ausbildungskurse für
Privatzahnärzte an der Universität Zürich durch und betreute die Dissertationsarbeiten von
Ivana Sandera, Oliver Furrer, Philipp Kümin, Jens Schug, Cristiano Persi, Markus Zeller,
Alexandra Werner, Claudia Link und Monika Marending. Mein Sekretariat führten in dieser
Zeit Antonietta Solimando und ab Februar 1992 Maribel Mozzi. Alle waren auf Hochtouren.
Zahnrestaurationen per Computer 143

139. 1993 Prof. Mühlemanns Rücktritt als Vizepräsident der Stiftung SFCZ
Am 21.06.1993, nachdem wir das erste Jahr des Bestehens der Stiftung zur Förderung
der Computerzahnmedizin SFCZ erfolgreich bestanden hatten, meldete mir „Mühli“ dass
es jetzt für ihn Zeit sei, von seinem Amt als Vizepräsident der SFCZ zurückzutreten. Die-
ser Zeitpunkt lag zudem runde 10 Jahre nach seinem Rücktritt als Vorsteher der Abteilung
PPK. Zuvor war er 23 Jahre lang, von 1970 bis zu seinem Rücktritt als Vorsteher im Jahre
1983, mein Chef gewesen und hatte mich stets gefördert.
Sein Beitrag und seine Unterstützung der therapeutischen CAD/CAM Technologie
hatte uns bei der Gründung der Stiftung wie auch bei der Gründung der Station für Zahn-
farbene und Computerrestaurationen grossen Rückhalt gegenüber der Kollegenschaft im
damaligen Zahnärztlichen Institut und den Behörden verschafft.
Jeanette und ich waren und sind „Mühli“ stets für seine moralische und aktive Hilfe
sehr dankbar. Sein Einfluss hat unser Leben entscheidend geprägt. Es war mir deshalb
eine grosse Freude und Ehre, anlässlich des H.R. Mühlemann Symposiums des Zahnme-
dizinischen Zentrums ZZM der Universität Zürich zum Gedenken seines 100. Geburtstags,
am 26. August 2017 sein Leben und Werk in einem Vortrag darzustellen.
Zum Nachfolger im Amt des Vizepräsidenten konnte die Stiftung Herrn Dr. iur. Felix
Bänninger gewinnen, der uns als Mitarbeiter der Firma Treuco in Zürich bei der Gründung
der SFCZ beraten hatte. Sein stets hoch geschätzter Rat hat seither in sämtlichen Belan-
gen den Weg der Stiftung massgeblich mitbestimmt.

140. 1993 Externer Blick auf die SZCR


F. Rinne, Redaktor des Philipp Journals hielt sich zwei Tage an der Station für Zahnfarbe-
ne und Computer-Restaurationen auf und berichtete über seine Beobachtungen und Ein-
drücke (Philipp Journal 10/12: 1993, 538-539).
„Die Station SZCR vereint Praxis und Forschung“, heisst es schon in der Überschrift
und er kolportiert unsere Auffassung, dass das Cerec-Verfahren eine zahnärztliche und
keine zahntechnische Methode ist. Nach seiner Beobachtung beweist die SZCR mit ihrem
allgemein ausgerichteten Behandlungsangebot, dass sie ihre Aufgabe vollkommen ohne
die damals als Standardversorgung etablierten Metallfüllungen aus Amalgam oder auch
Gold erfüllen kann, das war zu jener Zeit revolutionär.
Er schreibt „Ich konnte mich davon überzeugen, dass in der SZCR hervorragend be-
handelt wird: Auffallend wohlvorbereitet waren die Behandlungsplätze. Die Restaurations-
ergebnisse liessen nach zufälligem Augenschein besonders hinsichtlich der Gestaltung
des okklusalen Reliefs nichts zu wünschen übrig. Trotz Computerunterstützung kommt es
hierbei eben - genauso wie bei der Amalgamrestauration – auf hohes manuelles Können
des Zahnarztes an.
CAD/CAM bedeutet also nicht, dass die Zahnrestauration simpel wird. Bei korrekter
Anwendung sind in angemessener Zeit offensichtlich äusserst befriedigende CEREC Er-
gebnisse zu erzielen. Herr Rinne resümiert: „Insgesamt beeindruckte die SZCR durch das
geordnete und durchdachte Erscheinungsbild und als einzigartiges Modell einer klinischen
Forschungsstation.“
Zahnrestaurationen per Computer 144

31) 1993 CEREC IN JAPAN

141. 1993 Begegnungen und Eindrücke in Tokio


Ich erhielt eine Einladung nach Japan. Dr. Eiichi Masuhara, Direktor des „Japan Institute of
Advanced Dentistry“ in Tokio hatte Herrn Friedrich A. Herbst vom Dental-Vertrieb Ausland
der Siemens AG am 7. Januar 1993 angefragt, ob er die Einladung vermitteln könnte. Das
„6. International Symposium on Advanced Dentistry“ war für den 31. Juli bis 2. August des
Jahres in Tokio geplant. Ich sagte sofort zu. Diese Einladung lag ausserhalb des Semes-
ters und kollidierte terminlich nicht mit einem meiner CEREC Kurse. Japan interessierte
mich kulturell sehr. Speziell das Buch „Shogun“ von James Clavell, das die ersten Kontak-
te eines englischen Kapitäns nach der Strandung seines Schiffes im Jahr 1600 mit der
feudalen japanischen Kultur beschreibt, hatte mich fasziniert und ich war gespannt auf das
moderne Japan.
Die Firmen Morita und Kuraray unterstützten das Symposium. Frau Gerda Daum von
der Siemens AG buchte für mich den Hinflug ab Zürich am 27. Juli um 12.50 Uhr mit Swis-
sair 169 und Landung in Narita am 28. Juli um 07.50 Lokalzeit. Der Rückflug war für den
7. August gebucht, das gab genug Zeit für das Symposium und für Vorträge an den wich-
tigsten Dental Schools in Tokyo und für einen Besuch der Dental School of Sapporo auf
der Insel Hokkaido. Ich freute mich sehr.
Im Flugzeug hatte ich einen Gangplatz. Am Fenster sass eine japanische ältere
Dame. Ich hatte mir auf die Schnelle im Wörterbuch ein paar japanische Ausdrücke ange-
schaut, „bitte, danke etc.“ aber ich konnte sie mangels Übung und Spracherfahrung nicht
im Kopf behalten und anwenden, mir blieb das Englisch, was aber bei der japanischen
Dame nicht ankam. So gab es keine Konversation und kommuniziert wurde mit freundli-
chen Gesten. Wir überflogen die endlose Weite Russlands, Land, Flüsse, Seen, keine
Städte und Strassen, danach durch die Nacht. Am Morgen tauchte Narita auf - ein riesiger
Flughafen mit geschätzt im 90 Sekundentakt startenden und landenden Passagierjets.
Man holte mich mit einer schwarzen Limousine ab, der Fahrer, im Livree bediente das
Lenkrad mit weissen Handschuhen. Er fuhr mich zum Fünf Sterne Hotel ‚Tokyo Imperial’ -
am Hibiya Park mit Aussicht auf den kaiserlichen Palast und angrenzend an das Ginza
Viertel mit den edlen Läden.
Der Geschäftspartner von Siemens Dental in Japan war die Firma Morita, deren Gast
ich während des Aufenthaltes war. Nach der Ankunft im Hotel lag das Frühstück welches
ich noch im Flugzeug erhalten hatte Stunden zurück und ich bestellte mir durch den Zim-
merservice einen frisch gepressten Orangensaft. Es kam eine Karaffe mit dem Saft, ich
sah auf der Menükarte des Zimmerservice, dass dies mit 50$ berechnet wurde. Ich war
ein teurer Gast für Morita und hielt mich in der Folge mit Extrabestellungen zurück.
Das Symposium fand in einem naheliegenden Kongresszentrum statt. Prof. Dan Na-
thanson, Professor für Restorative Sciences & Biomaterials an der Boston University Den-
tal School, der mich schon 1987 zusammen mit Marco Brandestini für einen Vortrag und
Life CEREC Behandlung an die BU eingeladen hatte, war ausser mir der einzige ausländi-
sche Redner. Eine Reihe japanischer Professoren trugen ebenfalls zum Vortragspro-
gramm bei.
Am Abend hatte der Organisator Dr. Eiichi Masuhara, Direktor des „Japan Institute of
Advanced Dentistry“ alle Redner des Symposiums und die Vertreter der unterstützenden
Firmen zu einem formellen Dinner zwischen 20.00 und 10.00 Uhr im Imperial Hotel einge-
laden. Das Dinner lief in einer zeremoniellen, würdigen Art ab, die mich sehr beeindruckte.
Ich war dennoch froh, dass mit Dan Nathanson eine mir von früher vertraute Person noch
Zahnrestaurationen per Computer 145

in Gsprächsnähe anwesend war. Nach Lob- und Dankesreden wurde das Dinner pünktlich
um 10.00 Uhr beendet.
Haruo Morita der jüngste Repräsentant der Familie Morita lud Prof. Shimokobe, Dan
und mich zum Abschluss des Abends in eine Bar ein. Wir tranken Whisky. Bald wurde es
sehr lustig, ich hielt mich aber mit dem Alkohol zurück, hatte ich doch am nächsten Mor-
gen einen Vortrag mit Diskussion am Tokio Dental College zu absolvieren.
Der Fahrer mit der schwarzen Limousine und den weissen Handschuhen brachte
mich dorthin. Dabei begleitete mich der Mitarbeiter von Siemens Uwe Lichtenhofer, der mir
bei dem gesamten Aufenthalt ein geschätzter Betreuer war. Wir besuchten die Tokyo Me-
dical and Dental University und die International Dental Academy von Prof. Sumiya Hobo
und waren auch zu einem Besuch des Firmensitzes der Firma Morita eingeladen.

142. Fischmarkt, Nikko und Teehaus


Ich wollte unbedingt den Fischmarkt in Tokio besuchen. So machten Herr Lichtenhofer und
ich uns eines Morgens um drei Uhr früh auf zum Fischmarkt. Ich beobachtete, wie Arbeiter
zwei bis drei Meter lange tiefgefrorene Thunfische mit Hakenstangen aus dem Kühlwagen
auf die Waage zogen. Ich verfolgte die Versteigerung von fangfrischem Thunfisch für die
Restaurants und bestaunte die Vielfalt der präsentierten Meeresfrüchte.
Ein Besuch von Nikko stand auf dem Programm. Nikkō ist ein beliebtes Ausflugsziel
mit historischen Gebäuden und Denkmälern etwa 140 Kilometer nördlich von Tokio und ist
direkt mit dem Zug erreichbar. Nebst dem Nikko Schrein wollte ich das  Mausoleum des
Shogun Tokugawa sehen, das Macht und Schönheit der vergangenen Zeiten ausstrahlt.
Vorher beeindruckte mich aber der blitzsaubere Bahnhof samt Personal mit weissen
Handschuhen und die auf die Sekunde genaue Abfahrt des Zuges, aus dem heraus wir die
vorbeiziehende Landschaft, die Besiedelung und die typischen Häuser beobachten konn-
ten. Das ländliche Japan prägte sich mir im Gegensatz zur Stadt mit sorgfältig geordneter
Ruhe ein.
Fukuo Morita das Oberhaupt der Familie Morita und oberster Boss des Familienun-
ternehmens lud Herrn Lichtenhofer und mich in ein traditionelles Teehaus ein. Wir wurden
auf einem Pfad durch einen Garten mit fliessendem Bach zum Teehaus geleitet und traten
durch eine niedrige Tür ein. Im karg ausgestatteten Raum nahmen wir auf Tatamis Platz.
Ich sass als Ehrengast mit dem Rücken zu einer Wandnische mit Ornamenten, mir
gegenüber nahm Fukuo Platz, Herr Lichtenhofer sass rechts neben mir. Zwei Geishas in
traditionelle Kostüme gekleidet, frisiert und weiss geschminkt, versorgten uns wie mit
Geisterhand mit Tee und Speisen.
Fukuo, das Familien- und Firmenoberhaupt von Morita nahm ich als würdige Re-
spektsperson auf der sonnigen und fitten Seite von 70 Jahren wahr. Er präsentierte sich
mir gegenüber höflich geschäftsmässig, mit natürlicher Selbstsicherheit aber mit unbeweg-
lichem Gesicht. Das gab der Situation trotz der auf Selbsteinkehr gerichteten Umgebung
eine gewisse Spannung, da sie für mich völlig neu und ungewohnt war. Die sich geräusch-
los bewegenden Frauen mit ihren maskenhaft weiss geschminkten Gesichtern, verstärkten
dieses Gefühl.
Fukuo präsentierte uns kleine Geschenke. Das lockerte den Kontakt und wir bedank-
ten uns höflich. Die feine Geste, Geschenke auszutauschen, war mir von japanischen Be-
suchern in Zürich bekannt. Ich hatte mich deshalb mit einem Geschenk für Fukuo gerüstet
und holte es nun aus der mitgebrachten Tasche hervor, um es Fukuo zu überreichen. Es
befand sich in einer länglichen flachen Schachtel, war sorgfältig in weisses Geschenkpa-
pier eingeschlagen und mit farbigem Schmuckband eingebunden.
Zahnrestaurationen per Computer 146

Fukuo nahm es unbewegt entgegen und war dann kurz damit beschäftigt, die Schleifen
und das Papier zu entfernen. Er hob den Deckel und legte ihn zur Seite. Ich schaute ge-
spannt zu. Ich sah wie er die in der Schachtel liegende Seidenkrawatte wahrnahm, sie
heraushob und wie sich auf seinem Gesicht ungeschminkte Freude ausbreitete. Er war
ausser sich vor Freude.
Ich hatte, dieses vom Schweizer Künstler Jean Tinguely für die Luxusmarke Fabric
Frontline designte Kunstwerk im Shop an der Bärengasse in Zürich, gefunden. Tingely hat-
te das Design der Krawatte anlässlich des 700 Jahre Jubiläums (1291-1991) der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft entworfen. Die Schweizer Flagge in Originalfarbe und die
Jahreszahl 1991 in rot auf schwarzblauem Hintergrund sind prominent dargestellt im Ver-
ein mit lebensfrohen Ornamenten in allen Farben des Spektrums. Mit einem Wort, ein
Prachtstück von einem Kunstwerk.
Wir hatten mit der entstandenen Freude den Bann gebrochen und genossen das
Beisammensein und den Gedankenaustausch in der ruhigen Atmosphäre des Teehauses.
Der Seelenfrieden stellte sich ein, wie es im Teehaus sein soll.

143. Osaka und Sapporo


Nach Osaka hatte ich eine Einladung von Prof Taiji Sohmura der Graduate School of Den-
tistry der Osaka University. Er hatte zusammen mit Kollegen der Division of Engineering
Science, Osaka University, einen High-Speed Laser Line
Scanner entwickelt, mit dem das Gesicht und der ganze
Schädel dreidimensional gescannt werden konnte. Dieser
wurde in einer späteren Version auch für das Scannen des
Gebisses und der Okklusion eingesetzt (J Prosthet Dent
2000; 84(3): 345-352). Ich liess mir das Gesicht und ringsum
den ganzen Schädel scannen. Das ging sehr schnell indem
der Scankopf 360° zügig um meinen Schädel geführt wurde.

Abb. 80 Kopf-, Gesichts-Scan bei meinem Besuch der Gra-


duate School of Dentistry der Osaka University.

Ein Ausdruck des Scans wurde mir gleich danach als Erinne-
rungsstück ausgehändigt. Das war damals sehr beeindru-
ckend. Ich hängte diesen Print nach meiner Rückkehr in meinem Büro auf und er hat mich
seither an der Wand bis heute begleitet. Eine in der Zahnarztpraxis für die Herstellung von
Restaurationen praktisch anwendbare Lösung resultierte aus dieser Entwicklung nicht.
Dieser Besuch war aber fachlich sehr interessant und anregend.
Danach stand noch als Abschluss meiner ersten Japanreise der Besuch an der Sap-
poro University School of Dental Medicine an. Hier traf ich die Professoren Shimokobe
(Operative Dentistry) und Uchiyama (Prosthetic Dentistry). Beide hatten mich miteinander
in Zürich besucht und ich erinnere mich gerne an ihren Besuch. Ich hatte die beiden auf
die Dachterrasse des Zahnärztlichen Instituts geführt. Bei schönstem Wetter hatten wir
den Blick über den Zürichsee und die Alpenkette im Hintergrund genossen.
Hier in Sapporo hatte man unter der Leitung von Prof. Uchiyama ein CAD/CAM Sys-
tem für die Herstellung von Metallkronen entwickelt. Das war zwar noch nicht in einem all-
gemein anwendungsbereiten Entwicklungszustand, konnte aber anatomisch sehr schöne
Goldkronen erstellen.
Kaum war ich in das Büro von Prof. Shimokobe eingetreten, fing der Raum, Boden,
Wände und die Decke an, sich zu bewegen, Bücher fielen aus den Regalen, - tatsächlich,
Zahnrestaurationen per Computer 147

das war ein Erdbeben, der Schock dehnte die Zeit. Aber das Schütteln und Rütteln war
plötzlich wieder vorbei. Prof. Shimokobe erklärte, dass man an die Beweglichkeit der Erde
gewohnt sei. Nun, ich kam bei diesem leichten Erdbebentest mit leichtem Schrecken und
einer bleibenden Erinnerung davon. Der Aufenthalt in Japan bereicherte mich sehr und ich
entwickelte Respekt und Bewunderung für dieses Land.

32) 1993 CEREC 1 IM NACHFRAGETIEF

144. Anstrengungen des Marketings


Im Jahr 1993 stagnierte die Verbreitung der CEREC Methode trotz erhöhten Anstrengun-
gen des Marketings der Firma Siemens Dental. Ansatzweise wurden die folgenden Wege
beschritten, um die Methode zu verbreiten: Einflussnahme auf Meinungsbildner, Universi-
täten, Professoren und bekannte Fachexponenten. Stimulierung der Nachfrage beim Laien
über Massenmedien, Fernsehen, Radio, Patienteninformationen. Werbung in zahnärztli-
chen Fachzeitschriften, Messen. Spezielle Marketingveranstaltungen in Grossstadtzentren
für Zahnärzte. Schnupperkurse in zahnärztlichen Depots. Sponsoring von Fachgesell-
schaften wie ‚Deutsche Gesellschaft für Computerunterstützte Zahnheilkunde e.V.’ und
„American Academy of Computerized Dentistry“. Sponsoring von Ausbildungsstellen, Eta-
blierung eines CEREC-Intensivkurs-Ausbildungssystems an Universitäten in verschiede-
nen Ländern. Nach Einschätzung unseres Zürcher CEREC Teams wurde mit diesem
Massnahmenkatalog praktisch schon alles versucht, was irgendwie machbar schien.
Wir stellten die Frage, ob die Aktivitäten für CEREC als ungewöhnliches, die Kom-
fortzone störendes, innovatives und komplexes Produkt angemessen waren und konse-
quent eingesetzt wurden. Offenbar gab es in der Marketing- und Vertriebsorganisation von
Siemens das Generationen-Problem. Etwas Neues anzupacken war für jüngeres Personal
einfacher. Zeitweise mussten die Marketinganstrengungen für CEREC in diesem Jahr hin-
ter dem Standardgeschäft zurückstehen. In Deutschland hatte sich 1993 die gefühlte wirt-
schaftliche Situation der Zahnärzte verschlechtert. Es gab weniger Patientenbedürfnisse
und mehr Konkurrenz, ein vorangegangener Prothetik-Boom war abgeflacht.
Ein zum Verwechseln ähnlich aussehendes CAD/CAM System mit dem Namen „in-
lac“ und mit „endlos besseren Leistungen“ war von der deutschen Firma Ritter angekün-
digt worden und verunsicherte den Markt. Wechsel des Managements und inkonsequente
Steuerung des Projektes bei Ritter verhinderten aber schlussendlich den Markteintritt von
„inlac“.

145. 1993 Optimierungen und Schwächen des CEREC 1 Gerätes


Die erste Generation des CEREC Gerätes hatte Abnehmer unter einer begrenzten Zahl
von begeisterten CAD/CAM Freaks gewonnen. Für mich war das CEREC Operating Sys-
tem COS 1.0 absolut faszinierend und vielseitig gewesen, war aber für einen grösseren
Benutzerkreis zu kompliziert. Der Schleifkopf und die Kamerafunktion waren verbesse-
rungswürdig. Die 1988 für die Markteinführung optisch aufgewertete Version des Gerätes
steigerte die Attraktivität des Systems. 1989 kam die Firma Dentsply International mit den
`Dicor MGC` Glaskeramikblöcken auf den Markt (MGC = `Machinable Glass Ceramic`).
Diese wurden dann vor allem von den amerikanischen CEREC Anwendern eingesetzt.
Die Leistung des Turbinenantriebs erwies sich aber zu schwach, um das in den USA
häufig verwendete Dicor MGC ‚Dark’, die dunklere und festere Variante dieser Glaskera-
mik, effizient zu schleifen. Häufig konnte mit einer Schleifscheibe nur ein einziges Inlay
geschliffen werden. Unter diesen Umständen überzeugte das CEREC-Gerät die Kursteil-
Zahnrestaurationen per Computer 148

nehmer an Intensiv-Seminaren nicht. Ausserdem fehlte dem Material zu Anfang die intrin-
sische Fluoreszenz. Dies bedeutete, dass die Restaurationen im blauen Licht z.B. beim
Besuch einer Nachtbar oder Disco bei blauem Licht schwarz erschienen, das konnte bei
Veneers peinlich sein. Ich war entsetzt, als ich dieses Manko bemerkte. David Grossman
präsentierte dann ziemlich bald das Dicor MGC-F.

146. Zweite Generation des CEREC 1 Gerätes mit COS 2.0


Das CEREC Operating System COS 2.0 war gegen Ende 1990 vom CEREC Software-
Team um Dr. Günter Saliger betriebsbereit entwickelt worden. Es erwies sich in der Ge-
staltung als benutzerfreundlicher als unser COS 1.0 und gab der Akzeptanz der CEREC
Methode einen Schub.
Für uns war dies die zweite CEREC 1 Generation. Aber leider hatte sich bei dieser
ein Mangel eingeschlichen. Im neuen Softwareansatz wurden die im COS 1.0 vorhandene
Kompensation von Unebenheiten in den Seitenwänden der Kavität vorläufig weggelassen.
Man hatte das Hohllegen der Boden- und Wand-Unebenheiten für vernachlässigbar gehal-
ten, weil sich die Entwickler an den idealen Übungspräparationen mit glattem Boden und
geraden Wänden der Übungsmodelle orientierten.
Am lebenden Zahn aber folgt die Präparation der unterschiedlichen Ausdehnung des
kariös erkrankten Dentins, wodurch sich Unebenheiten ergeben. Je nach der Grösse des
Defektes wurden traditionell bei den Metallrestaurationen Amalgam und Goldinlay tiefe
Kavitätenbereiche durch eine Unterfüllung, meist aus Zinkphosphatzement ausgeglichen.
Auch wurden durch die Karies unterminierte Höcker unterfüttert und gestützt.
Für Goldinlays gewährleistete die Unterfüllung die Herstellung der geometrischen
Fügeform und erlaubte es mit graziler Formgestaltung Gold und damit Kosten zu sparen.
Bei Amalgamfüllungen schützte die Unterfüllung beim Abbinden des Amalgams das Dentin
gegen Quecksilber und konnte an den Seitenwänden einer Kavität das Durchschimmern
des dunkel-metallischen Amalgams verhindern. Bei beiden Metallen isolierte die Unterfül-
lung gegen die hohe thermische Leitfähigkeit der Metalle beim Kontakt mit heissen oder
kalten Speisen.
Das zeitaufwendige Ausgleichen der Kavitätengeometrie mit einer Unterfüllung kom-
pensierte die CEREC 1 COS 1.0 Software indem sie den Kavitätenboden entweder hoch
legte oder tiefere Bereiche überbrückte. Die Seitenwände wurden von der Bodengrenzli-
nie zum okklusalen Rand nicht geradlinig verbunden, sondern es wurde ein Segment des
Scheibenumfanges mit der konkaven Seite an die Wand angelegt. Dadurch konnten leich-
te Wandunregelmässigkeiten kompensiert werden. Die COS 2.0 Software aber verwende-
te die Boden- und Wanddaten geradlinig, indem sie von einer ebenen Wand- und Boden-
gestaltung ausging.
Auch konnten mit CEREC tiefe Defekte ohne Weiteres durch tief reichende Inlayan-
teile ausgefüllt werden. Die Keramik war chemisch inert und verhielt sich physikalisch wie
die Zahnhartsubstanz. Nach meinem Konzept war deshalb eine ausgleichende Unterfül-
lung zur Erstellung ebener Boden- und Wandanteile nicht vorgesehen. Hohl liegende Be-
reiche zwischen Inlay und Kavitätenboden wurden bei der adhäsiven Befestigung des In-
lays durch das Befestigungskomposit direkt ausgefüllt. Über das Adhäsiv und das Befesti-
gungskomposit wurde so eine durchgehende Haftung zwischen Zahn und Inlay hergestellt.
Eine Zwischenlage durch eine nivellierende Zementunterfüllung würde die durchgehende
Haftung aufheben.
Unterschnitte in der Wand wurden in der Regel ebenfalls nicht durch Zement unter-
füttert, solange sie noch mit genügender Dicke durch Dentin unterstützt waren, sondern
wurden ebenfalls beim adhäsiven Befestigen mit Komposit aufgefüllt. Dies erlaubte es, die
Zahnrestaurationen per Computer 149

Seitenwände mit nur geringem Öffnungswinkel substanzschonend zu präparieren. Unter-


schnittene Wandbereiche wurden dann beim Einsetzen des Inlays mit Adhäsiv und Befes-
tigungskomposit automatisch aufgefüllt. Die digitale Freilegung des Bodens und der Wän-
de war erst wieder für die Software des Nachfolgegerätes geplant, weil dieses schleiftech-
nisch neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten würde. Wir mussten uns also gedulden.
Die mangelnde Korrektur der Boden- und Wanddaten in COS 2.0 führte dazu, dass
die CEREC 1 Inlays in den Ausbildungskursen im Übungsmodell mit ebenem Boden zwar
passten, jedoch am Patienten in der Praxis auf den Unebenheiten aufsassen oder klemm-
ten und manuell korrigiert werden mussten. Das trug nicht zur Attraktivität der CEREC Me-
thode bei.
Die mangelnde Primärpassung war der Hauptgrund für die Kritik der Zahnärzte und
liess sich durch Marketingaktionen nicht aus der Welt schaffen. Für den Anwender waren
nicht irgendwelche Features der Maschine wichtig, sondern der Primärsitz der Restaurati-
on. Die Nachfrage nach CEREC 1 Geräten blieb aufgrund dieser Voraussetzungen auch
im Jahre 1991 begrenzt.

147. Dritte Generation des CEREC 1 Gerätes


Das CEREC 1 Gerät der dritten Generation kam im Frühjahr 1992 auf den Markt. In der
Schleifkammer löste ein Elektromotor den Antrieb mit der Wasserturbine ab und trieb eine
im Durchmesser auf 40 mm vergrösserte und steifere Schleifscheibe. Diese erhöhte auf-
grund der grösseren Durchzugskraft des E-Motors die Abtragsleistung und gestattete es,
die Korngrösse der Diamantierung von 126 µm auf 64 µm zu reduzieren.

Abb. 81 Feinere Dia-


mantbelegungen der
CEREC Schleifscheibe
erhöhten die Kanten-
schärfe der Keramik
und damit die Qualität
der Restauration. a&b
= 126 µm; c = 64 µm;
d&e = 46 µm. a b c d e
Dadurch wurden ein signifikant feinerer Schliff und eine deutliche Verbesserung der Kan-
tenqualität erreicht. Die höhere Steifigkeit der Schleifscheibe erhöhte generell die Schleif-
präzision und es konnte nicht mehr vorkommen, dass die Schleifscheibe nach mehrfacher
Benutzung und Abnahme der Schnittigkeit in der Keramik stecken blieb und der Form-
schliff mit einer neuen Scheibe wiederholt werden musste. Insgesamt war die Formschleif-
technik dadurch auf einem störungsfreien zuverlässigen Stand.
Leider war aber die softwaretechnische Kompensation von Unebenheiten der Präpa-
ration am Boden und in den Seitenwänden auch in der Softwareversion COS 2.1 gemäss
dem Entwicklungsplan aus dem Jahre 1991 nicht enthalten. Die Inlays und Onlays jegli-
cher Konfiguration konnten daher bei der Einprobe klemmen oder fielen nach der manuel-
len Korrektur mit zu breitem Fügespalt in die Kavität hinein. Die Vorteile der verbesserten
Formschleiftechnik kamen daher wenig zum Tragen.
Die Erweiterung der COS 2.0 auf die Version COS 2.1 brachte Vorteile bei der Kon-
struktion von Onlays. Der Trend zu grösseren und komplexeren Restaurationen führte den
Anwender immer öfter an die Grenzen des Arbeitsspeichers. Leider zeigte die Software
Zahnrestaurationen per Computer 150

das Erreichen der Kapazitätsgrenze nicht an. Dies konnte dann nach einigem Konstruie-
ren zum Absturz des Systems führen. Die investierte Zeit musste der Anwender abschrei-
ben ohne Garantie, dass es beim nächsten Versuch klappen würde. Solche Erfahrungen
konnten auch beim Anwender zum kompletten Absturz der Motivation führen und zum To-
talverlust seines weiteren Interesses an diesem System. Die Erwartungen an das nachfol-
gende neu entwickelte CEREC 2 Gerät waren aus diesem Grunde hoch, als das erste
noch geheime CEREC 2 Gerät im Frühjahr 1993 zur Erprobung in der SZCR eintraf.

Fünfzehnter Teil: Kronenfertigung mit CEREC 2

33) 1994 DIE EINFÜHRUNG VON CEREC 2

148. Erwartungen und Weiterentwicklung


Siemens Dental hatte von 1988 bis zur Markteinführung von CEREC 2 im Herbst 1994 et-
was gegen 3000 CEREC 1 Geräte verkauft. Bei den Vertragsverhandlungen im Jahre
1986 hatten Marco Brandestini und ich mit dem damaligen Leiter von Siemens Dental
Herrn Behne und seinem Entwicklungschef Herrn Otto Fleer zusammen am Tisch geses-
sen. Herr Behne fragte Herrn Fleer: „Was meinst du Otto, wie viele dieser Geräte werden
wir in Zukunft herstellen (und absetzen)?“ Ich wartete gespannt wie ein Flitzbogen auf die
Schätzung. Dann kam die Antwort: „Ich denke wir machen 3000 Geräte pro Jahr“, meinte
Herr Fleer. Ich kickte Marco, der mir gegenüber sass, unter dem Tisch ans Bein und dach-
te mir „das wäre ja super“ - eine für uns unvorstellbare Dimension die wir aber insgeheim
dem grossen Partner zutrauten. Aber die Realität mit 500 Geräten pro Jahr sah dann im
Verhältnis zur Schätzung von Otto Fleer eher bescheiden aus.
Niemand der CEREC Mitarbeiter bei Siemens, ausser dem Finanz-Controller in Er-
langen zweifelte an der CEREC-Idee. Der Erfolg würde sicher eintreten, wenn man das
System nur technisch perfekt genug gestalten und in der Anwendung auf grössere Restau-
rationen erweitern konnte. Das natürliche Nahziel der Weiterentwicklung durch das R & D
Team in Bensheim war deshalb die Erweiterung der Anwendung auf die Fertigung von
Vollkronen. Dieser Restaurationstyp stand besonders in USA im Vordergrund der Praxis-
leistungen.
Voraussetzung für die anatomisch richtige Konstruktion der Kaufläche der Krone auf
den präparierten Stumpf war, Informationen von den Nachbarzähnen über die Position und
Höhe der Zahnhöcker zu erhalten, denn am betroffenen Zahn hatte die Präparation die
gesamte Kaufläche abgetragen.
Daten von den Kauflächen der Nachbarzähne erhielt das System durch die Vergrös-
serung des Messbereichs der Kamera vor allem in der mesio-distalen Richtung. Das inte-
grierte Aneinanderreihen mehrerer Scans über einen grösseren Bereich, beherrschte man
damals noch nicht. In der neuen Kamera verlängerte man das Scanfenster der Kamera
von 14 mm auf 17 mm. Damit wurden sowohl die Präparation als auch die Höcker der be-
nachbarten Zähne mit dem „optischen Abdruck“ knapp erfasst. Die neue Krone wurde
dann unter Berücksichtigung der Position und Höhe der Nachbarzahnhöcker konstruiert.
Die Fertigung von Einzelkronen erforderte aber auch die Erweiterung aller anderen
Systemkomponenten. Der grössere Messbereich der Kamera und die höhere Auflösung
des neuen CCDs produzierten mehr Daten. Die Konstruktionssoftware wurde erweitert.
Das Formschleifsystem wurde durch einen Fingerschleifer ergänzt und die Schleifsoftware
erweitert.
Zahnrestaurationen per Computer 151

Die Elektronik war der erhöhten Rechenleistung und dem erhöhten Speicherbedarf anzu-
passen. Ziel der Entwicklung war die chairside Fertigung der monolithischen (vollkerami-
schen) Einzelkrone für den Front- und Seitenzahnbereich. Wurde dieses Ziel erreicht, so
würde die CEREC Methode das gesamte Spektrum der Einzelzahnrestaurationen abde-
cken.

149. Design-Philosophie des F&E-Teams für CEREC 2


Der Leiter des CEREC Entwicklungsteams bei Siemens in Bensheim, Dr. Joachim Pfeiffer
schreibt zu diesem Thema in seinem Beitrag zum internationalen CEREC 10 Year Anni-
versary Symposium, am 14.-16. März 1996 in Zürich: „Als Siemens CEREC 1 auf den
Markt brachte, das im Wesentlichen auf dem Prototypengerät der Erfinder basierte, führte
man viele Gespräche mit der damals noch kleinen Gruppe der CEREC Anwender über die
Vor- und Nachteile dieses Systems. Gleichzeitig erreichten andere dentale CAD/CAM Sys-
teme das Prototypenstadium wie das Duret-System, das DentiCAD System und andere.

Abb. 82 Dr. Bindl scannt mit der CEREC 2 Kamera und arbeitet mit dem Erprobungsge-
rät. Integrierte Bauweise, Aufnahme, Design und Schleifmaschine in einem Gerät = Com-
puter-Integrated Manufacturing CAD/CIM. Neue Benutzeroberfläche: a) Auswahl des zu
behandelnden Zahnes aus dem Zahnschema. b) Wahl des Restaurationstyps Krone, Inlay,
Veneer. Wahl des Konstruktionsmodus beim Design einer Krone: ‚Extrapolation, Correlati-
on I / II und ‚Function I / II. Die Wahl wird mit OK bestätigt.
Zahnrestaurationen per Computer 152

Deshalb sollte auch die neue Geräte-Generation diesem Lösungsweg folgen. Die kompak-
te Bauweise und Erschwinglichkeit waren somit die strikten Anforderungen an das neue
Gerät.“
Der Beitrag fährt fort: „Die grundsätzlichen technischen Lösungen für den optischen
Abdruck, die Konstruktion am Bildschirm und das im Gerät integrierte Formschleifen sind
gut und haben das Potential, alle Anforderungen eines dentalen CAD/CAM Gerätes zu er-
füllen. Deshalb sollen die technischen System-Lösungen des CEREC 1 nicht geändert,
sondern verbessert und erweitert werden.“
Es bestand aber kein Zweifel, dass die angestrebte Verbesserung und Erweiterung
wieder ein anspruchsvoller Prozess sein würde. Dr. Pfeiffer sagte mir dann unter dem Sie-
gel der Geheimhaltung per Jahresende 1993 ein erstes CEREC 2 Prototyp-Gerät für die
klinische Erprobung in unserer Klinik SZCR zu.

150. Erste Schritte mit dem Erprobungsgerät CEREC 2


Die elektronische Architektur des CEREC 1 Gerätes stammte aus dem Jahre 1983. Die
Entwicklung von CEREC 2 war im Jahre 1989 gestartet worden. Die verfügbaren elektro-
nischen Komponenten hatten sich mindestens um zwei Entwicklungsschritte weiter entwi-
ckelt und waren deutlich leistungsfähiger. Die neue Kamera hatte ein grösseres Aufnah-
mefeld von 14 x 17 mm, die Pixelgrösse hatte sich auf 29 x 25 µm verkleinert und betrug
in der dritten Dimension 25 µm. Die Präzision wurde mit +/- 25 µm angegeben und die
Aufnahmezeit mit 133 msec, 340 000 Pixel bildeten die Aufnahme. Das ergab gegenüber
CEREC 1 eine starke Verbesserung der Bildqualität. Unsere Erwartungen an die Erpro-
bung des ersten CEREC 2-Prototyps waren deshalb sehr hoch.

Abb. 83 Der Aufbau der CEREC 2 Kamera entsprach demjenigen unserer originalen CE-
REC 1 Kamera. Man hatte den Kontrawinkel verlassen, um den Strahlengang einfacher zu
gestalten. Der Bildausschnitt war vergrössert, die Pixelgrösse verringert.
Zahnrestaurationen per Computer 153

Ich hatte die ersten fünf CEREC-1 Pionier-Entwicklungsjahre durchlitten und hatte erfah-
ren, dass eine geplante Entwicklung mit Geduld Schritt um Schritt erarbeitet werden muss-
te. Geduld war auch jetzt wieder angesagt. Das erste CEREC 2 Erprobungsgerät kam mit
einer Software, die auf der COS 2.1 aufbaute und die zusätzlich zur Bearbeitung des In-
lay-/Onlay-Körpers mit der Schleifscheibe, einen Fingerschleifer als zusätzliches Instru-
ment für den Formschliff des Innenlumens, der Höckerabhänge und einer zentralen Fissur
steuerte. Das war eine klare Erweiterung und ein grosser Fortschritt.
Die Erwartung des Zahnarztes an ein vom Zahntechniker oder vom CEREC-System
hergestelltes Werkstück ist, dass es beim ersten Einprobieren passt. Der Zahnarzt arbeitet
nach den Präparationsregeln, aber er tut dies freihändig und nach Augenmass. Es kommt
dabei zu Abweichungen von der idealen geometrischen Form entsprechend der Arbeits-
weise des Behandlers. Die Präparationen tragen seine Handschrift. Der Zahntechniker
gleicht Störstellen mit Fachkenntnis aus. Er kennt auch die Handschrift des Zahnarztes,
mit dem er zusammenarbeitet. Die computergestützte Konstruktion kann Unregelmässig-
keiten der Präparation mit der Zugabe einer gewissen Fehlertoleranz kompensieren, so-
lange es selbst nicht mit Fehlererkennung und Workaround-Kapazität ausgestattet ist.
Wird die Toleranz überschritten, muss der Zahnarzt das Werkstück manuell nacharbeiten
und anpassen, bis es sitzt. Das kostet Zeit.
An der Behandlung der Wand- und Bodendaten hatte sich bei der Erprobungssoft-
ware noch nichts geändert. Das Passen auf Anhieb („first fit“) war deshalb nach wie vor
nicht gegeben. Ich hatte die lockere Passtoleranz der CEREC-1 Werkstücke mit der aus-
gleichenden Eigenschaft der adhäsiven Befestigung kompensieren können. Sie hat den
Einstieg in diese Methode erst möglich gemacht. Wir hofften, die manuellen Korrekturen
bei Einführung der nächsten technologischen Stufe los zu werden.
Die Herstellung von Vollkronen führte uns in den Bereich der prothetischen restaura-
tiven Zahnmedizin, der einen höheren Anspruch an die Passgenauigkeit stellen würde,
speziell bei der Erweiterung auf Brücken. Der höhere Anspruch würde sich dann auch auf
den bisherigen Indikationsbereich der Inlays, Onlays und Veneers ausdehnen. Wir waren
gespannt, wie sich die höhere Präzision des Systems in der Anwendung praktisch auswir-
ken würde. Die neue Kamera, der Bildschirm, die neue Schleifkammer und das handliche
Gerät als Ganzes waren jedenfalls beeindruckend.

151. Schleifpräzision und Passgenauigkeit von CEREC 2 Inlays


Wir untersuchten die Schleifpräzision vergleichend bei CEREC 1 und 2 mit der Software
COS 2.1. Zur Messung der Schleifpräzision verwendeten wir einen geometrischen Probe-
körper in Form eines stilisierten mesio-okkluso-distalen (mod) Inlays mit bekannten Län-
gen-, Breiten- und Höhenmassen und schliffen je 40 Probekörper auf beiden Geräten mit
VITA Mark II und Dicor MGC Keramik. Wir massen die formgeschliffenen Dimensionen an
den Probekörpern und verglichen die Varianz der mit den beiden Geräten erzielten Werte.
Die Passgenauigkeit massen wir anhand der Fugenbreiten von je sechs mod Inlays
aus VITA Mark II und Dicor MGC Inlays. Die Kavitäten präparierten wir mit glatten Böden
und Wänden in extrahierte natürliche Molaren. Je 12 Inlays wurden mit CEREC 1 und 2
hergestellt und dann adhäsiv eingesetzt. Die Breite der Randfugen wurde bei jedem Inlay
an 36 Stellen gemessen.
Die Schleifpräzision des CEREC 2 Gerätes erwies sich als 2,4fach höher als die von
CEREC 1. Bei CEREC 2 Inlays betrug die Fugenbreite 56 +/- 27 µm, was die Passgenau-
igkeit am Rand gegenüber CEREC 1 um 30% verbesserte. Dies brachte bei idealer Präpa-
ration einen deutlichen Fortschritt (Mörmann, W.H., Schug, J.: Grinding precision and ac-
curacy of fit of Cerec 2 CAD-CIM Inlays. J Amer Dent Assoc 128: 47-53, 1997).
Zahnrestaurationen per Computer 154

Abb. 84 a) MOD Kavität mit


annähernd vertikalen Wänden
und scharf präparierten Kan-
ten. b) 3D Scan mit der CE-
REC 2 Kamera mit klar defi-
nierten Randlinien okklusal,
approximal und zervikal.

Als Anwender stellte man sich


schnell auf die Präparationsbe-
dingungen ein. Das bedeutete
nicht, dass man deshalb ge-
sunde Zahnhartsubstanz op-
fern musste. Bei Erstversor-
gungen konnte der Geübte de-
a b
fektorientiert mit steilen Kavitä-
tenwänden substanzschonend präparieren. Dies ermöglichte scharfe, im optischen Ab-
druck gut erkennbare Kanten im gesamten okklusalen Randverlauf, die eine optimale
Randpassung von Inlays ermöglichten. Das Verständnis und die Geschicklichkeit des
Zahnarztes waren gefragt und prägten die Qualität der Inlay-/Onlay-Restauration.

152. Konstruktionswege für die Vollkrone im Front- und Seitenzahnbereich


Die Kronensoftware ‚Crown 1.0 stand uns in Form von Erprobungsversionen zur Verfü-
gung, wurde aber erst 1997 in den Markt eingeführt. Wie schon früher erwähnt, lag die
Verantwortung für die Entwicklung der Kronensoft-
ware im CEREC Team der Firma Siemens Dental
in Bensheim Deutschland beim Physiker Dr. Gün-
ter Saliger. Günter war ein sehr kompetenter,
freundlicher Partner, der ein ausgezeichnetes
Gespür für die zahnärztliche Arbeitsweise hatte.

Abb. 85 Kronenkonstruktion: Im Konstruktions-


weg ‚Extrapolation‘ wurde die Kaufläche aus ge-
krümmten Dreiecksflächen aufgebaut.

Das CEREC Team erweiterte die CEREC 1


Rahmenkonstruktion für Inlays und Onlays mit
Boden-, Äquator- und Randleistenlinien auf die
zirkuläre Situation der Kronenpräparation. Die Randleistenlinie wurde zur Randleisten-Hö-
ckerlinie und zusätzlich schlug das Programm eine Fissurenlinie vor. Diese erlaubte es,
die Kaufläche mit einem anatomisch morphologisch angepasstem Höcker-Fissurenrelief
zu gestalten.
Im Manual „CEREC 2 Vollkeramische CAD/CIM Computerkronen beschrieben mein-
Doktorand Robert T. Toth und ich die Konstruktionswege für Studenten und Anwender, die
das Arbeiten mit Kronen im Seiten- und Frontzahnbereich mit Hilfe des Manuals im
Selbstunterricht Schritt für Schritt erlernen konnten.
Die Konstruktionswege waren die ‚Extrapolation‘, die ‚Korrelation‘ und die ‚Funktion‘.
Als Sondersituationen wurde das Vorgehen in der Freiendsituation, bei der Kronenkappe
und der Frontzahnkrone dargestellt. Basis der Übung waren spezifische Präparationen an
Zahnrestaurationen per Computer 155

Zähnen in einem Unterkiefer-Übungsmodell das für die Aufnahmen und Konstruktionen


benützt werden konnte.
‚Extrapolation‘ hiess die Standardkonstruktion für Restaurationen im Seitenzahnbe-
reich. Das Programm griff auf eine morphologische Datenbank zu und baute die Kaufläche
aus gekrümmten Dreiecksflächen auf (Abb. 85). Die in der morphologischen Datenbank
enthaltenen Zahnformen stammten vermutlich vom bekannten amerikanischen Zahntech-
niker Lee Culp.
Der 3D Scan der Mundkamera nahm die Kronenpräparation, z.B. eines ersten Mola-
ren in die Mitte und erfasste zu gleichen Teilen Abschnitte der mesialen und distalen
Nachbarzähne. Für die Rekonstruktion der Kronenkaufläche benötigte das System Infor-
mationen über die Kauflächen der Nachbarzähne. Die
räumliche Beziehung zu diesen wurde durch die Ein-
gabe von Referenzäquatoren an den Nachbarzähnen
erfasst. Danach schlug das System eine mesio-distale
Hauptfissur vor mit den approximal tiefsten Randleis-
tenpunkten. Die Orientierung der Hauptfissur bestimm-
te die mesio-distale Ausrichtung der Krone.

Abb. 86 Höckersymbole in Form kleiner gelber Vier-


ecke als Programmvorschlag für die Position und Höhe
der Höcker zur Konstruktion der CEREC Krone für den
Zahn 47 des Übungs-Modelles.

Sobald als nächstes das Höckerwerkzeug aufgerufen


wurde, berechnete das System aus den gespeicherten
morphologischen Zahndaten und aus den Daten des
optischen Abdrucks die Anzahl, Position und Höhe des
zu rekonstruierenden Höckers. Die Höckerspitzen wur-
den als viereckige gelbe Symbole dargestellt (Abb. 86).
Die Position und Höhe der Höckersymbole konnten beliebig angepasst und mit dem
Level Mode überprüft werden. Danach schlug das Programm die Äquator- und die Höcker-
Randleistenlinie vor. Beide konnten in ihrem Umfangs- und Höhenverlauf angepasst wer-
den. Wichtig war die Kontrolle der Wandstärke der Kro-
ne speziell im Verlauf der Hauptfissur. Die Wandstärke
konnte mit dem Querschnittsfenster kontrolliert werden
(Abb. 87).

Abb. 87 Zur Kontrolle der Wandstärke besonders un-


ter der zentralen Fissur können beliebige Querschnitte
der Konstruktion abgefahren werden. Im Bild ist die
gewählte Querschnittstrecke im optischen Abdruck ge-
zeigt und darüber der zugehörige Querschnitt der Kro-
nenkontur (rot) sowie der Positionen des gingivalen
Randes, der Äquatorlinie, der Höckerspitzen und der
Fissur. Alle diese Punkte können korrigiert werden und
wirken sich auf die Gestalt der Krone aus.

Im Programm ‚Korrelation‘ konnte die Okklusalgestalt


eines morphologisch und funktionell einwandfreien
Zahnrestaurationen per Computer 156

Zahnes, einer aus Wachs modellierten Kaufläche oder der am zu rekonstruierenden Zahn
vorbestehenden, bewährten Kaufläche auf die neue CEREC Krone konstruktiv übertragen
werden. Dies reduzierte den Konstruktionsaufwand erheblich (Korrelation I / II). Das ‚Func-
tion‘-Programm ermöglichte es, Höckerdaten der Antagonisten in die Konstruktion einer
Krone einzubeziehen, wodurch diese funktionell angepasst war.

153. Der Formschleifprozess der im CEREC 2 Gerät


Die Schleifeinheit des CEREC 2 - Gerätes faszinierte mich sofort. Die Anordnung der
Schleifscheibe zum Materialblock war gleich wie bei CEREC 1 und nun kam der Finger-
schleifer dazu, der die inneren Höckerabhänge, den Kavitätenboden und das Lumen der
Krone ausarbeiten konnte und zwar gleichzeitig mit der Aussenbearbeitung durch die
Schleifscheibe - das fand ich einfach genial. Alle Elemente der CAD/CAM Fabrikation wa-
ren wie bei CEREC 1 in dem Gerät
integriert. Ich war mit dieser Lösung
sehr einverstanden und empfand
CEREC 2 als gewaltigen Fortschritt.

Abb. 88 Anordnung der Schlei-


finstrumente bei CEREC 2. Die
Scheibe trägt zirkulär die Umriss-
form ab, der Fingerschleifer arbeitet
die Kaufläche, die zentrale Fissur
und Höckerabhänge sowie bei Kro-
nen das Innenlumen aus.

Die Möglichkeit der Fertigung von


Vollkronen würde das System er-
wachsener und für viele Praxen, be-
sonders in USA für viele Zahnärzte
nun echt interessant machen. Ich
freute mich auf die Forschungsaufgaben, die diese erweiterte Anwendung mit sich brach-
te. Wir würden schnell mit der klinischen Kronenversorgung beginnen und die Erfahrungen
dokumentieren. Fachpolitisch drangen wir damit in prothetisch restauratives Terrain ein,
was innerhalb des Zahnärztlichen Instituts mit Feingefühl und Rücksichtnahme auf diesen
Fachbereich zu behandeln war.
Mein Team musste ausgebildet werden, damit wir die Kronenfertigung in unserer Kli-
nik bei der Markteinführung in Kursen mit Kompetenz lehren konnten. Und wir würden un-
sere Erfahrungen anlässlich des 10 Jahre-Jubiläums der CEREC-Methode seit dem Ein-
stieg von Siemens im Jahre 1986, der Zahnärzteschaft 1996 in einem Symposium in Zü-
rich vorstellen.

34) 1996 Die VOLLKERAMISCHE ZAHNKRONE PER COMPUTER

154. Ästhetische Zahnversorgung mit Vollkeramik-Kronen


Die vollkeramische ‘Porzellan-Jacketkrone’ für die ästhetische Versorgung der Frontzähne
wurde wie schon erwähnt, vom amerikanischen Zahnarzt, Charles Henry Land
(1847-1922), erfunden. Er brannte die Jacketkronen in einem Keramikofen vollständig aus
Keramikpulver ohne zusätzliche Verstärkung. Seine Jacketkrone gewährleistete als Alter-
Zahnrestaurationen per Computer 157

native zur Goldkrone im Frontzahnbereich bis in die 1960er Jahre die ästhetisch beste
Wiederherstellung eines Zahnes. Ihre Bruchfestigkeit war jedoch begrenzt. Der Zahntech-
niker brannte Keramikpulver schichtenweise auf ein Stumpfmodell und baute so die Krone
auf. Durch den schichtenweisen Auftrag der Keramik resultierte nach dem Brennen im Ke-
ramikofen jedoch eine inhomogene, zum Teil poröse Struktur. Diese konnte bei ungünsti-
ger Belastung zum Bruch der Krone führen.
Die Jacketkrone löste damals bei den Kollegen von C.H. Land negative Reaktionen
aus. Sie waren auf Goldkronen spezialisiert und bezeichneten C.H. Land als Quacksalber.
Die Michigan Dental Society, die örtliche Zahnärztevereinigung, schloss ihn aus dem Ver-
band aus. Er gründete daraufhin eine Vertriebsgesellschaft für seine Entwicklung. Die Kol-
legen aber führten gegen ihn zahlreiche Prozesse, die ihn zu guter Letzt in den
Bankrott führten. Heute ist das ‚Charles H. Land Museum of the School of Dental and Oral
Surgery’ an der Columbia Universität in New York in Anerkennung seiner Verdienste nach
ihm benannt“ (Wikipedia, 24. Juli 2019).

CEREC 2 Kronen

Abb. 89 Mit CEREC 2 auf den unterschiedlichen Präparationsformen konstruierte und


formgeschliffene Kronenformen für Molaren a) für den klassischen Kronenstumpf, b) mit
reduziertem Stumpf ohne Aufbau, c) Krone für den wurzelbehandelten Zahn mit einem Re-
tentionsteil, der in die ausgeschachtete Pulpakammer bis zu den Wurzelkanaleingängen
reicht, dieser Kronentyp wurde von mir „Endokrone“ getauft (Mörmann, W.H., Bindl, A.,
Lüthy, H., Rathke, A.: Effects of Preparation and Luting System on All-Ceramic Computer-
Generated Crowns. Int J Prosthodont 1998; 11: 333-339).
Zahnrestaurationen per Computer 158

Das Drama um die Jacketkronen aus Keramik des Kollegen C.H. Land gab mir in Bezug
auf unsere künftigen vollkeramischen CEREC 2 Seitenzahnkronen zu denken. Allerdings
war die VITA Mark II Blockkeramik in der Fabrik in höchster Qualität vorgefertigt. So waren
von den CEREC 1 Anwendern seit der Markteinführung von CEREC 1 im Jahre 1988, kei-
ne Klagen über Inlay-Frakturen registriert worden.
Meine persönliche Erfahrung bezüglich der Dauerhaftigkeit von CEREC 1 Inlays, On-
lays und Veneers seit dem September 1985 war gut, ich hatte bei meinen eigenen Patien-
ten keine Frakturen beobachtet. In der Klinik SZCR war die Erfahrung mit den seit 1992
von den Assistenzzahnärzten/innen ausgeführten CEREC 1-Restaurationen ebenfalls po-
sitiv. Ich führte die Bewährung der CEREC 2 Kronen auf die hohe Qualität der, in der VITA
Zahnfabrik, unter kontrollierten Bedingungen hergestellten Keramik und auf die sorgfältige
adhäsive Befestigung der Restaurationen in der Klinik SZCR zurück.
Es stellte sich die Frage, ob die adhäsiv eingesetzten Kronen aus Feldspatkeramik
Vita Mark II auch die Belastungen im Seitenzahnbereich ohne Frakturen tragen können.
Faszinierend waren die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten für Seitenzahnkronen,
die sich durch die adhäsive Befestigung ergaben (Abb. 89). Neben der klassischen Kro-
nenpräparation mit zirkulärer Stufe (klassisch) konnte sich das innere Kronenprofil wie
beim Scannen automatisch an eine reduzierte Form der Präparation (reduziert) anpassen,
ohne dass ein zusätzlicher Aufbau erforderlich war. Die spektakulärste Kronenform auf-
grund der digitalen Herstellung wurde bei wurzelbehandelten Seitenzähnen, mit der "En-
dokrone", wie ich sie getauft habe, möglich. Diese wurde mit einem in die ausgeschachte-
te Kronenpulpakammer hineinragenden Retentionsteil konstruiert und formgeschliffen.

155. Garantie und Vertiefung der Fissuren


Für die SZCR Klinik legte ich fest, dass wir den Patienten auf die Haltbarkeit der CEREC 1
Restaurationen, - das galt dann auch für die Front- und Seitenzahnkronen -, 10 Jahre Ga-
rantie gaben. Kam trotzdem eine Fraktur vor, so musste sie der behandelnde Zahnarzt in
einem Misserfolgsprotokoll dokumentieren, und der Austausch war für den Patienten gra-
tis.
Bei CEREC 1 Inlays und Onlays konnte die Ursache für das Eintreten einer Fraktur
die ungenügende Dicke der Keramik im Bereich der zentralen Hauptfissur der Kaufläche
sein. Auch an einer schmalen Stelle eines Inlays konnte es, zu einer Isthmusfraktur kom-
men, wenn die Präparationsbreite und -Tiefe ungenügende waren. Auch konnten an einer
zu hohen Randleiste von Inlays Abplatzungen der Keramik auftreten (Chipping).
Häufig war für eine Fraktur der Ehrgeiz des Behandlers schuld, dem Inlay, oder On-
lay nach dem Einsetzen, ein besonders schönes, naturnah ausgeprägtes Fissurenrelief
manuell einzuarbeiten. Dabei gerieten die Fissuren zu tief und die Keramikstärke konnte
weniger als einen Millimeter betragen. Dies war möglich, weil der CEREC 1-Anwender
beim freihändigen Verschönern der Fissuren keine Information über die Reststärke der Ke-
ramik hatte.
Normalerweise garantierten die fabrikgefertigte, homogene Qualität der Blockkeramik
und die adhäsive Befestigung der formgeschliffenen Teile an der Zahnhartsubstanz den
Erfolg von CEREC 1 Restaurationen. Die adhäsive Verklebung hielt auch dünne oder gar
frakturierte Teile am Ort und schützte den Zahn auf jeden Fall. Aber würden diese Fakto-
ren auch bei Vollkronen im Seitenzahnbereich die Dauerhaftigkeit der Restauration ge-
währleisten? In vitro und in vivo Studien mussten durchgeführt werden, um dieses Pro-
blem abzuklären. Sonderbarer Weise machte sich niemand ausser mir Sorgen über dieses
Problem.
Zahnrestaurationen per Computer 159

Es war mir klar, dass ich einen prothetisch geschulten jungen Zahnarzt brauchte, der sich
dem Problem der Seitenzahnkronen speziell widmete und der auch seine Kollegen dies-
bezüglich ausbilden konnte. Professor Siebert in Berlin empfahl mir seinen Mitarbeiter Dr.
Andreas Bindl. „Andi“ wurde dann per 1. Oktober 1994 Mitarbeiter im SZCR Team und
sollte sich für die SZCR als Glücksfall erweisen.

156. Labortests von CEREC Seitenzahnkronen


Um einen Eindruck von der Belastungsfähigkeit der Vita Mark II Keramik in der Form einer
Seitenzahnvollkrone zu gewinnen, führten wir Laborversuche durch. Der festigende Effekt
der adhäsiven Klebung auf die Belastungsfestigkeit der Vita Mark II Kronen bestätigte sich
in einer Labor-Untersuchung.
In der Untersuchung meiner Mitarbeiterin Isabel Grewe (Diss Zürich 2003) war die
Bruchresistenz von Feldspatkeramik bei Kronen durch die adhäsive Befestigung signifi-
kant erhöht (Abb. 90 c). Bei Kaubelastung entsteht an der Unterseite der Keramikkauflä-
che eine Zugspannung, die bei steigender, übermässiger Belastung zur Bildung eines in-
itialen Risses führt. Die Bruchresistenz war bei adhäsiver Befestigung der Restauration mit
Komposit signifikant höher 2392±75 N als bei nicht adhäsiver Befestigung mit Zinkphos-
phatzement (1270±301 N). Der Zinkphosphatzement frakturierte frühzeitig (Abb. 90 b
Pfeil) und der Riss setzte sich in die Keramik fort. Das mit der Präparationsfläche und der
Restaurationskeramik adhäsiv verbundene Befestigungs-Komposit (Abb. 90 c) wirkte der
Rissbildung bei Belastung entgegen. Die Rissbildung trat dann erst bei signifikant höherer
Überlast auf.

a b c
Abb. 90 a) Schema der experimentellen Situation: Belastung (F) der Testkronen in der Mit-
te der Kaufläche. Dabei entsteht auf der Unterseite eine Zugspannung, die zur Rissbildung
führt, siehe vergrösserte Darstellung links oben. b) und c) zeigen Schliffbilder von der Un-
terseite einer okklusalen Kronenwand je einer VITA Mark II Krone. Initial entstehende Ris-
se (rote Hinweispfeile) bei Belastung b) im nicht adhäsiven Zinkphosphatzement und der
Keramik bei 985 ±199 N und c) in der Keramik die adhäsiv mit Komposit befestigt war, bei
1548±304) N (n=15, SD).

Ich interpretierte diese Resultate so, dass wir es wagen konnten, Patienten mit adhäsiven
Vita Mark II Seitenzahnkronen zu behandeln, ohne ein besonderes Misserfolgsrisiko für
die Patienten einzugehen. Die VITA-Keramik liess sich im CEREC 2 Gerät zügig form-
Zahnrestaurationen per Computer 160

schleifen, was vorteilhaft war. Damit ermöglichte die CEREC Technologie die schnelle
Versorgung eines Zahnes mit einer keramischen Vollkrone in einer einzigen Sitzung. Das
war arbeitstechnisch und von den Kosten her gesehen, für beide, sowohl den Patienten
als auch für den Zahnarzt hochinteressant.
Dazu kam als wichtiger Sicherheitsfaktor beim Design der Krone, die Kontrolle über
die Wandstärke. Nach unseren Laboruntersuchungen mussten Vita Mark II Kronen auf der
Kaufläche eine Schichtstärke von mindestens 1,5 Millimeter aufweisen. Das konnte der
Zahnarzt beim Konstruieren der Krone auf dem Bildschirm festlegen. Nachträgliches, frei-
händiges Vertiefen der Fissuren war nicht erlaubt. Patienten mit anamnestisch hohen
Kaukräften und Knirscher waren ausgeschlossen. Unter diesen Voraussetzungen starteten
wir die Versorgung von Patienten mit den CEREC 2 Seitenzahnkronen.

157. Fügebedingungen für monolithische Keramik-Vollkronen


Die digitale Technik bot eine Alternative für alt-bewährte gewohnte Regeln der traditionel-
len Vorgehensweise mit Metallkronen. Nach diesen letzteren, wird ein Zahn für die Auf-
nahme einer Metallkrone in eine zur Kaufläche leicht konisch zulaufende Stumpf-Form ge-
bracht. Dies, damit die Krone auf den konischen Zahnstumpf bei satter Passung mit Frikti-
on der Innenwände aufgesetzt werden kann, die Metallkrone gewinnt dadurch eine me-
chanische Makro-Retention. Zwischen der Aussenfläche des Zahnstumpfes und der In-
nenfläche der Krone entsteht eine mechanische Haftung, die durch das Zementieren fixiert
wird. Der zirkuläre Stumpfwinkel von ca. 6°, die exakte Formkongruenz der Innenflächen
sowie das korrekte Anmischen des Zementes bestimmten bei Metallkronen den dauerhaf-
ten Sitz der Krone.
Die Erzeugung einer Passung unter Friktion wie bei der Metalltechnik wäre für eine
Keramikkrone allerdings ungeeignet. Sie könnte die Innenwände unter Spannung setzen,
welche die Keramik vermöge ihrer geringen Elastizität nicht aufnehmen kann. Es bestünde
Frakturgefahr. Vollkeramische Kronen müssen spannungsfrei auf der Stumpfpräparation
aufsitzen. Sie gewinnen ihre Retention durch die adhäsive Befestigung mit Befestigungs-
komposit oder selbstadhäsiven Befestigungsmaterial. Bei CEREC 2 wurde mit der compu-
tergesteuerten Formschleiftechnik der spannungsfreie Sitz vollkeramischer Kronen mit ge-
nügender Präzision erreicht.

158. Adhäsive Micro-Retention bei reduziertem Stumpf


Für den Verbund zwischen der CEREC Keramik-Vollkrone und dem behandelten Zahn
wird zahnfarbenes Komposit verwendet. Es handelt sich um einen in der Mundhöhle che-
misch und mechanisch beständigen Werkstoff aus organischer Kunststoffmatrix, die bis zu
80 Vol% mit anorganischen meist Glaspartikeln im Submikronbereich gefüllt ist.
Anders als Zinkphosphat- oder Glasionomerzement ist Komposit im Mundspeichel
unlöslich und passt sich ästhetisch sowohl an die Zahnhartsubstanz als auch an die Ke-
ramik in Farbe und Transluzenz bestens an. An der Oberfläche der Fuge am gingivalen
Kronenrand ist es auf Hockglanz polierbar. Dadurch sind Fugenübergänge zwischen Kro-
nenrand und Zahn nicht erkennbar. Dies stellt einen wichtigen ästhetischen Vorteil gegen-
über herkömmlichen Zementen dar.
Nach der Insertion der Krone härtet das Befestigungs-Komposit chemisch und/oder
bei Bestrahlung mit der Polymerisationslampe zwischen der Krone und der Zahnhartsub-
stanz aus. Zuvor werden jedoch die Oberflächen sowohl der Zahnhartsubstanz als auch
der Keramik in getrennten Arbeitsgängen durch Einwirkung von Phosphorsäure bzw.
Flusssäure entmineralisiert, wodurch poröse Strukturen auf Zahnschmelz und Dentin ei-
nerseits und der Keramik auf der anderen Seite erzeugt werden.
Zahnrestaurationen per Computer 161

Diese Strukturen werden mit Adhäsiv benetzt, welches in die offenen Poren eindringt.
Beim Aushärten des Befestigungs-Komposits verbindet sich dessen Polymer mit dem Po-
lymer des Adhäsivs und beide erhärten gleichzeitig in den porösen Strukturen des Zahnes
einerseits und der Keramik andererseits. Es entsteht dadurch ein fester, hermetisch dich-
ter, mikromechanischer Verbund von Zahn und Keramik. Dieser innige Verbund geht in der
Qualität, d.h. in der Ästhetik und Beständigkeit über die klassische Zementierung hinaus
und ist von der Präparationsform des Zahnstumpfes unabhängig.
Ich schloss aus diesen Bedingungen, dass CEREC Kronen auf Kronenstümpfen be-
festigt werden können, auch wenn diese aufgrund starker, durch Karies verursachter De-
fekte, mit einer reduzierten Stumpfform vorliegen. Die adhäsive Befestigung alleine, würde
auch bei „reduzierter Stumpfform“, d. h. nicht geometrisch ergänzter makro-retentiver
Stumpfform, die dauerhafte Retention der Krone garantieren. Auf einen extra Stumpfauf-
bau kann deshalb in vielen Fällen bei vitalen Zähnen verzichtet werden. Das CEREC Sys-
tem gestaltet die Innenform der Krone analog zur reduzierten Stumpf-Form. Die Innenform
der Krone folgt der Form des Stumpfes und passt sich ihr an.
Ein gewisses Risiko für den festen Halt der Krone auf reduziertem Stumpf könnte al-
lerdings in der Reduktion der noch zur Verfügung stehenden Adhäsivfläche bestehen.
Auch die unterschiedliche retentive Qualität des Dentins z.B. in sklerosierten Bereichen
konnte möglicherweise den Halt beeinträchtigen. Erste erfolgreiche Anwendungen be-
stärkten uns jedoch darin, Zähne mit reduziertem Stumpf ohne Stumpfaufbau mit adhäsi-
ven Kronen zu versorgen.

159. Die adhäsive Retention von Endokronen


Messungen der Grösse der Innenflächen des Pulpakavums von wurzelbehandelten Mola-
ren zeigten, dass diese bei Molaren annähernd gleich viel Adhäsivfläche boten wie die
Aussenflächen klassisch präparierter Kronenstümpfe (Mörmann WH, Bindl A.The bonding
area of intra- and extra-coronal tooth preparations. Am J Dent 2006;19: 201-205).
Ich schloss daraus, dass bei einem wurzelbehandelten Zahn, dessen klinische Krone
verloren gegangen war, die adhäsive Verankerung einer Vollkrone mit einem in das aus-
geschachtete Pulpakavum formkongruent geschliffenen Retentionsteil der Krone erfolgen
könnte. Dieser würde sich von der klinischen
Krone in voller Keramik bis in den Raum zu den
Wurzelkanaleingängen ausdehnen und die
Krone adhäsiv verankern (Abb. 91).

Abb. 91 Endokrone für die Versorgung eines


wurzelbehandelten Molaren konstruiert und
formgeschliffen mit CEREC 2. Der Retentions-
teil reicht tief in das Pulpakavum bis zu den
Wurzelkanaleingängen.

Die klassische Versorgung eines solchen Falles


war vergleichsweise aufwendig: In einer der
Wurzeln wurde der Kanal erweitert, sowie ein Stift eingepasst und zementiert. Er diente
als Pfeiler für den direkten Aufbau eines Kronenstumpfes aus Amalgam oder Komposit,
der dann zu einem klassischen Kronenstumpf präpariert wurde. Der Aufbau konnte auch
aus Metall an den Stift angegossen und dann als Ganzes zementiert werden oder der
Zahn wurde von vornherein als Stiftzahn konstruiert. Jegliche Stiftaufbau-Konstruktion war
Zahnrestaurationen per Computer 162

jedoch arbeitsintensiv, diffizil und mit Risiken bei der Anlage und beim Setzen des Wurzel-
stiftes verbunden.
Für diese klassische Behandlungsform eine Alternative zu finden, war reizvoll und
konnte mit der CEREC Technologie ohne zusätzliche technische Massnahmen realisiert
werden. Das Scannen des ausgeschachteten Pulpakavums stellte keine besonderen An-
sprüche, ebenso erfolgten der Design der Krone und das Formschleifen gemäss dem
Standardvorgehen.
Eine erste Beschreibung endodontisch verankerter Frontzahnkonstruktionen ist von
Pissis 1995 bekannt. Er fabrizierte vollkeramische Fontzahnkronen mit Retentionsfortsatz
in den Wurzelkanaleingang mit der Keramik-Presstechnik und nannte dies ‚Monobloc
Technik‘. Die Kronen befestigte er mit ihrem endodontischen Fortsatz im ausgeschachte-
ten Pulpakavum makroretentiv und mikroretentiv mittels Adhäsivtechnik. (Pissis P. Fabrica-
tion of a metal-free ceramic restoration utilizing the monobloc technique. Pract Periodonti-
cs Aesthet Dent 1995;7:83-94).
Ich setzte diese Monobloc-Technik in die CEREC-Methode um, zur Anwendung in
Prämolaren und Molaren und taufte diesen Kronentyp „Endokrone“. Die CEREC-Endokro-
ne beschrieb ich in einem wissenschaftlichen Artikel. Ein Reviewer erklärte mir, dass „En-
dokrone“ kein in der prothetischen Zahnheilkunde üblicher Fachausdruck sei. Nun – ich
bestand darauf, dass es hin und wieder etwas Neues geben müsse, speziell im Zuge der
digitalen Zahnmedizin. Er liess es gelten und die „Endokrone“ erblickte das Licht der Pu-
blikation (Mörmann WH, Bindl A, Lüthy H, Rathke A: Effects of preparation and luting sys-
tem on all-ceramic computer generated crowns. Int J Prosthodont 1998; 11:333-339).
Die Endokrone ist die restorative Einzelversorgung, bei der die digitale Technologie
dem Patienten den grössten Vorteil bezüglich Kosten/Nutzen-Relation bringt, indem sie
einen ganzen Behandlungsabschnitt, nämlich die Fertigung und Inkorporation eines Wur-
zelstiftes samt Stumpfaufbau eliminiert. Die Endokrone bewährte sich klinisch, z.B. in der
Praxis von Dr. Tobias Otto, Aarau, Schweiz und wir setzten sie auch häufig in unseren kli-
nischen Studentenkursen ein. (Otto T, Mörmann WH. Clinical performance of chairside
CAD/CAM feldspathic ceramic posterior shoulder- and endocrowns up to 12 years. Int J
Comput Dent 2015; 18 (2): 1-15).

160. CAD/CIM in Aesthetic Dentistry


Meine Abteilung, die Station für „Zahnfarbene und Computer Restorationen“ der Klinik für
Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie des Zahnärztlichen Instituts der
Universität Zürich hatte sich in den ersten zwei Betriebsjahren von 1993 und 1994 sehr gut
entwickelt.
Dies war der dem tüchtigen Einsatz aller Mitarbeiter, der jungen Zahnärztinnen und
Zahnärzte (Abb. 92), meinem eigenen stetigen Engagement und dem von Jeanette zu
verdanken, die das Rechnungswesen der sich selbst tragenden Klinik transparent führte.
Hauptsächlich aber war es die hohe Attraktivität der technischen Neuerung, die metallfreie
Restauration per Computer, die die Patienten anzog. Wir hatten Arbeitsvorrat auf Monate
im Voraus.
Rechnet man vom ersten vollen Anwendungsjahr des CEREC 1 Gerätes im Jahre
1986 an, so stand 1996 bereits das 10jährige Jubiläum der klinischen CEREC CAD/CAM
Methode vor der Tür. Für mich war klar, dass dies nach dem „International Symposium on
Computer Restorations“ im Jahre 1991 nun die Gelegenheit war, unsere Erfahrungen und
Fortschritte im klinischen Bereich zu demonstrieren und vor allem auch die CEREC 2 Kro-
ne zu präsentieren.
Zahnrestaurationen per Computer 163

Ich stürzte mich also in die Vorbereitungen für ein „CEREC 10 Year Anniversary Symposi-
um“ mit dem Titel „CAD/CIM in Aesthetic Dentistry“. Professor Dr. M. Anliker, der Doktorva-
ter von Marco Brandestini, hatte unsere CEREC 1 Einheit und das CEREC 2 Gerät der
Firma Siemens Dental mit dem Akronym „CAD/CIM“ als Typ-Bezeichnung charakterisiert.
CAD/CIM steht für „Computer Aided Design / Computer Integrated Manufacturing“. Dies
sagt aus: Sämtliche Herstellungskomponenten sind bei diesem Gerätetyp in einer Einheit
integriert: Die Datenakquisition, das Design und die Herstellung. Tatsächlich waren Marco
und ich besonders stolz darauf und fanden es total genial, diese drei Funktionen in
einem kleinen mobilen Gerät vereint, dem Zahnarzt zur Verfügung zu stellen.

6 10 14
9 13
2 4 8
5 16
1

3 7 11 12 15

Abb. 92 Mitarbeiter der SZCR im Jahre 1996, 11 Zahnärzte/innen und fünf Dental-Assis-
tentinnen: 1) Dr. Alexander Gougoulakis, 2) med.dent. Simone Windisch, 3) Dentalassis-
tentin, 4) med. dent. Andreas Rathke, 5) Dr. Mario Besek, 6) Dr. Andreas Bindl, 7) DA
Busch, 8) Frau Dr. Becker, 9) med. dent. Markus Bitz, 10) Dr. Kathrin Lampe, 11) DA
Schneider, 12) DA Gabi Schuler,13) med. dent. Sabatino De Nisco, 14) med. dent. Uwe
Dörrwald, 15) DA Corinna Nagel, 16) med. dent. Jens Schug. (Namen z.T. unvollständig).

Die damals für CEREC wichtigsten Firmen Siemens Dental und die VITA Zahnfabrik sag-
ten für das „CEREC 10 Year Anniversary Symposium“ ihre volle Unterstützung zu. Aber
auch weitere Firmen mit einem Bezug zur CEREC Methode zeigten sich interessiert. Ich
lud die in der CEREC Methode an Universitäten und in der Praxis aktiv gewordenen Ex-
ponenten ein, den Stand ihrer Erfahrungen mit CEREC in Vorträgen und Poster-Präsenta-
Zahnrestaurationen per Computer 164

tionen zu berichten. Das Auditorium Maximum der Universität Zürich-Irchel reservierte ich
für die Vorträge in Erwartung von ca. 500 Teilnehmern und das Foyer für die Präsentation
von Posterbeiträgen sowie die Ausstellung beteiligter Firmen. Ein Gesellschaftsabend soll-
te sich anschliessen. Nun, das war ein anspruchsvolles Unternehmen.

161. Hoffnung und Albtraum


Die klinischen Erfahrungen mit CEREC 1 Restaurationen an unserer Abteilung und die von
Anwendern in anderen Ländern in USA, Deutschland und Österreich aber auch die von
CEREC Anwendern in der Schweiz, speziell in der Stadt Zürich waren trotz der bekannten
Limitationen der Methode sehr positiv. Ich sah deshalb zusammen mit meinen Mitarbeitern
dieser Veranstaltung mit grosser Zuversicht entgegen.
Bezüglich der Haltbarkeit unserer CEREC 2 Kronen war unsere klinische Erfahrung
allerdings noch sehr begrenzt. Im Hinblick auf das „CEREC 10 Year Anniversary Symposi-
um“ verfolgte ich die Kronenfälle unserer Patienten deshalb mit besonderer Sorge. Die Ke-
ramikkrone per Computer war aktuell das Kernstück der weiterentwickelten CEREC Me-
thode und die Firmen verliessen sich auf unsere klinische Beurteilung.
Die meisten Kronenfälle behandelte in unserer Klinik Dr. A. Bindl. Als wir in unserer
Dokumentation schon Ende 1995 an die vierhundert CEREC Kronen dokumentiert hatten,
war ich hoch erfreut, bezüglich möglicher Misserfolge aber auch sehr besorgt, - ein Alb-
traum begann mich zu plagen.
Immer wieder sah ich im Traum vor meinem geistigen Auge die vierhundert Patien-
ten als Gruppe reklamierend mit frakturierten CEREC 2 Kronen in die Klinik kommen. Das
wäre eine Blamage der klinischen Anwendung und würde ein vernichtendes Urteil über die
Methode abgeben. - Aber an den jeweils nachfolgenden Morgen konnte ich mich anhand
der Klinikdokumentation und im Gespräch mit Andi Bindl immer wieder beruhigen.
Alles war gut, Gott sei Dank, gab es keine Frakturen.

Sechzehnter Teil: Zehn Jahre klinische Anwendung der CEREC Methode

35) 1996 DAS “CEREC 10 YEAR ANNIVERSARY SYMPOSIUM" IN ZÜRICH


Teil 1 Organisation

162. Organisationskomitee, Referenten, Editorial


Das CEREC 10 Year Anniversary Symposium fand am 14.-16 März 1996 an der Universi-
tät Zürich-Irchel statt und wurde von Mitarbeitern der Station für Zahnfarbene und Compu-
ter-Restaurationen (SFCZ) unter meiner Leitung organisiert.
Referenten aus europäischen Ländern und Mitarbeiter der SFCZ gestalteten das
Fachprogramm. Als Symposium Chairman bildete ich ein Wissenschaftliches Komitee. Es
bestand aus Prof. Dr. Th. Imfeld, Prof. Dr. F. Lutz, Prof. Dr. C. Marinello, Prof. Dr. W. Mör-
mann, Dr. sc. nat. J.E. Mörmann, Dr. M. Besek, Dr. A. Bindl und Dr. A. Gougoulakis.
Siemens Dental und weitere 15 Firmen unterstützten das Symposium und beteilig-
ten sich an der Ausstellung CEREC bezogener Produkte im zentralen Foyer der Universi-
tät Zürich-Irchel. Finanzieller Träger war die Stiftung zur Förderung der Computerzahnme-
dizin in Zürich.
Zahnrestaurationen per Computer 165

Abb. 93 Titelseite des Symposiumsbuches mit 50 Beiträgen


der Vortragenden auf 663 Seiten.

Als Vortragende wurden 34 wissenschaftlich arbeitende


Zahnärzte eingeladen. Sie kamen von deutschen Universitä-
ten aus Aachen, Berlin, Köln, Münster, aus Graz, Österreich,
aus USA, vom University of California Center for Aesthetic
Dentistry in Los Angeles, von der University of Liverpool,
School of Dentistry, Liverpool, UK und von der School of
Dentistry, Copenhagen, Denmark. Des weiteren wurden Ex-
perten der Firmen Siemens Dental, Bensheim und VITA
Zahnfabrik, Bad Säckingen, Privatzahnärzte mit namhaften
CEREC Praxen in Deutschland, Zahntechniker, eine Dental-
assistentin der Deutschen Gesellschaft für computerunter-
stützte restaurative Zahnheilkunde e.V. (DGCRZ) und last but
not least Zahnärzte und Mitarbeiter des Zahnärztlichen Insti-
tuts der Universität Zürich darunter meine zahnärztlichen Mit-
arbeiter/innen (Tabelle 7).
Acht Mitarbeiter der deutschen Universitäten in München, Berlin, Köln, Marburg und
Freiburg i.Br. stellten Poster Präsentationen vor und acht Zahnärzte aus Privatpraxen in
Sölvesborg, Schweden, Siracusa, Italien, Laguna Niguel CA/USA, Aarau, Schweiz, Kiel,
Deutschland, Memmingen Deutschland, Washington D.C./USA und Dresden, Deutschland
berichteten über ihre Erfahrungen mit CEREC 1 aus ihren privaten Praxen. Alle Präsenta-
toren gaben am Symposium ein Manuskript ihrer Präsentation in englischer Sprache ab.

Tabelle 7 Mitarbeitervorträge und eigene Vorträge am CEREC 10 Year Symposium

Vorträge von Mitarbeitern und eigene Vorträge


Name Titel

Besek M: Curing of Composites under CEREC Inlays


Bindl A: Clinical and Technical Aspects of the CEREC In-Ceram Crown
Bitz M: Documentation of CEREC Crowns via Electronic Communication
De Nisco S: Occlusal Morphology of CEREC 2 Inlays and Overlays
Lampe K: Fracture Load of All-Ceramic Computer Crowns
Link C: Color Changes in Veneer Ceramics Caused by Bonding Composite Resins
Mörmann W: The Fundamental Inventive Principles of CEREC CAD/CIM and Other CAD/CAM Me-
thods
Mörmann W: Computer Generated Occlusion of CEREC 2 Inlays and Overlays
Schug J: Grinding Precision and Accuracy of Fit of CEREC 2 CAD/CIM Inlays
Rathke A: Strength of CEREC crowns on Different Praparations

Die Beiträge wurden in einem Symposiumsband bei Quintessenz, Berlin publiziert (Abb.
93). Ich sichtete und editierte die Beiträge und der Quintessenz-Verlag, Berlin 1996 druck-
Zahnrestaurationen per Computer 166

te das Werk mit 663 Seiten. Jeder der Teilnehmer erhielt nach dem Symposium ein Exem-
plar zugeschickt.
Prof. Dr. Michael Heners, der Direktor der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung,
Karlsruhe schrieb für das Symposiumsbuch ein Editorial, das ich hier im Andenken an ihn
und als Dank für seine wertvolle Unterstützung der CEREC-Methode im Original wieder-
gebe:
„CEREC: 10 Years Old or 10 Years Young?“
“Ten years ago, Werner Mörmann presented his version of a futuristic form of restorative
dentistry at a news conference before a selected scientific audience at the Academy Karls-
ruhe. His presentation was entitled „The CEREC System“. One year previously he had in-
troduced the system to me in detail in Zurich. Fascinated by the system and the idea be-
hind it, I had tried to get German Dental Companies interested in it.“
“For me, it was a breathtaking news conference. In the presence of TV and press,
dentists and dental technicians argued over the practicability of Werner’s sci-fi dentistry.
And indeed, only a few shared his conceptions. Counter-arguments, the insignificance and
the impossibility of this new concept were emphasized. There was a general awareness of
something new, but no true conviction that a new era had begun.”
“But as always with new ideas, as soon as they are proclaimed, they are declared
impossible. Then, as soon as they win recognition, they are stated to be unimportant. And
after their acceptance, the experts declare them as nothing new!”
“10 years of the CEREC System – 10 years young?”
“I believe that CEREC is old enough to have passed the most crucial tests. But it is also
young enough to inspire dentists, scientists and patients to work with it and on it!
Our best regards from Karlsruhe to Werner Mörmann and his steadily growing baby
CEREC!”
Michael Heners

163. Die Teilnehmer


Um auf das freundschaftliche Editorial von Michael Heners zurückzukommen, gab es zur
Zeit des „10 Year“ Symposiums weltweit ca. 3000 CEREC Anwender. Diese hatten immer-
hin einen Betrag in der Grössenordnung des Preises einer zahnärztlichen Behandlungs-
einheit, für das CEREC 1 Gerät investiert und die Methode in ihre Praxis integriert. Es war
wichtig, ihre Erfahrungen zu hören und zu diskutieren.
Die spätere Weiterentwicklung zeigte, dass CEREC wie von Prof. Heners angedeu-
tet, an diesem Symposium, was die Technik betraf, 10 Jahre jung war. CEREC stand be-
zogen auf die Perfektion der technischen Entwicklung und auch in Bezug auf die Akzep-
tanz und Verbreitung noch sehr am Anfang.
Das klinische Verfahren dagegen war 10 Jahre alt, die adhäsiven Restaurationen aus
Feldspatkeramik hatten den Test der Zeit bestanden. Die adhäsive Befestigung der Re-
staurationen mit der Verwendung von Komposit als Befestigungsmaterial und die adhäsive
Vorbehandlung der Zahnhartsubstanzen Schmelz und Dentin sowie der Keramik hatten
sich über 10 Jahre bewährt.
Wir zählten bis zum Beginn des Symposiums ca. 450 registrierte Teilnehmer inklusi-
ve der Vortragenden was mich doch etwas enttäuschte. Ich hatte mehr erwartet. Hatte ich
mich doch mit gewaltigem Engagement zusammen mit dem Organisationskomitee für die-
ses Ereignis eingesetzt, das Symposium thematisch gegliedert, die Einladungen der Refe-
renten bestimmt und ausgesprochen, die Korrespondenz geführt, elf Studien meines
Teams vorbereitet und in Englisch formuliert, die Vorträge mit den Mitarbeitern trainiert, die
Zahnrestaurationen per Computer 167

Ausstellung geplant und organisiert mit einem Wort, das ganze Team und die Infrastruktur
der Universität extrem aktiviert.
Dankenswerter Weise unterstützte uns Siemens Dental in jeder Beziehung, aber das
fachliche und finanzielle Risiko lastete auf uns. Die wesentliche Neuigkeit der Veranstal-
tung war natürlich die Vorstellung des CEREC 2 Gerätes und die Neuerung die CEREC 2
bot, war die Vollkrone aus Keramik. Das Gerät fertigte mit dem ähnlichen Aufwand wie es
ein Inlay oder Onlay herstellte, in kürzester Zeit ein grösseres höher wertiges Zahnersatz-
teil, die keramische Vollkrone. Damit erschloss CEREC die Herstellung eines Basisele-
mentes der prothetischen Zahnversorgung, die Zahnkrone.
Die Kronenherstellung durch den Zahnarzt in der Praxis verbesserte die Kosten/Nut-
zen Relation der CEREC Methode entscheidend. Das Therapieangebot der CEREC Krone
in einer Sitzung war für den Zahnarzt als Anwender hoch attraktiv.
Offenbar hatte das Zielpublikum diese Kernbotschaft in den zahlreichen Ankündigun-
gen des Symposiums nicht genügend in ihrer ganzen Tragweite wahrgenommen. Der
ausserordentliche Neuigkeitsgehalt war in den regelmässigen Up-Dates und Up-Grade-
Botschaften untergegangen. In Kenntnis dieses Sachverhaltes hielt ich es für nötig, mögli-
che Interessenten mit einem besonderen Lockmittel (Schweizerisch: „Zückerli“) zur Teil-
nahme am Symposium zu interessieren.
Ich schlug Siemens Dental vor, am Symposium ein fabrikneues CEREC 2 Gerät für
die Gratisverlosung an registrierte Teilnehmer aus der Privatpraxis zur Verfügung zu stel-
len. Siemens war einverstanden und dieses Ereignis wurde zusammen mit den letzten An-
kündigungen des Symposiums verbreitet.
Am Tage des Symposiums trafen registrierte Teilnehmer ein und konnten sich, mit
Namensschild und Programm versehen, zur grosszügigen Aula mit 900 Plätzen begeben.
Aber auch ein erster, nicht vor-registrierter Teilnehmer kam an, dann weitere. Wir improvi-
sierten eine Registrierung für nicht vorangemeldete Teilnehmer und es bildete sich eine
separate, wachsende Warteschlange.
Das Empfangsteam registrierte über 200 zusätzliche Teilnehmer. Nur registrierte
Teilnehmer konnten an der Verlosung teilnehmen. Unser Team wickelte den Ansturm der
zusätzlichen Teilnehmer problemlos ab. Ich freute mich daran, wie sich die Aula füllte und
spürte die gespannte Erwartung des Auditoriums, das ich nun begrüssen konnte.
Offensichtlich hatte die Vorstellung des CEREC 2 Gerätes am Symposium doch noch
eine besondere Anziehungskraft auf die Kollegen ausgeübt. ‚Honi soit qui mal y pense‘.

36) 1996 CEREC 10 YEAR SYMPOSIUM Teil 2 Klinik und Labor

164. Überlebensrate von CEREC Inlays und Onlays


Die Vorträge am Symposium demonstrierten in ihrer Gesamtheit den bis zu 10jährigen Er-
fahrungsschatz, der sich aus der klinischen Anwendung und wissenschaftlichen Analysen
der CEREC Methode national und international gebildet hatte. Die wichtigsten Beiträge
waren hierbei die Untersuchungen der Qualitätssicherung, die sich speziell mit der Über-
lebenswahrscheinlichkeit befassten. Diese sollen hier erwähnt werden, weil die Dauerhaf-
tigkeit das entscheidende Kriterium für die Beurteilung der keramischen Computer-Restau-
rationen darstellt.
Drs. Bernd Reiss und Winfried Walther von der Akademie für Zahnärztliche Fortbil-
dung Karlsruhe berichten über eine Überlebensanalyse von CEREC Restaurationen in ei-
ner privaten Praxis über zehn Jahre. Gemäss der Kaplan-Meier Analyse betrug die Über-
lebenswahrscheinlichkeit der Restaurationen nach fünf Jahren 95% (Abb. 93). Restaura-
Zahnrestaurationen per Computer 168

tionen auf nicht vitalen Zähnen zeigten ein erhöhtes Versagensrisiko. Gesamthaft wurde
ein guter Langzeiterfolg der CEREC Restaurationen festgestellt.
Dr. A.K. Posselt and Prof. Dr. Thomas Kerschbaum von der Abteilung für Vorklini-
sche Zahnheilkunde der Zahnklinik der Universität Köln, Deutschland analysierte die Qua-
lität von CEREC Restaurationen. Die Überlebensrate der CEREC Restaurationen in die-
sen Studien lag nach fünfjähriger Beobachtungszeit zwischen 91- 95 % (Abb. 94), was als
gutes Resultat beurteilt wurde.
Drs. Astrid W. Brauner und Kristian W. Bieniek von der Klinik für Konservierende
und Präventive Zahnheilkunde und Parodontologie, der Medizinischen Universitätsfakultät
der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Deutschland, berichteten
über ihre siebenjährige klinische Erfahrung mit CEREC 1 Restaurationen. Die Überle-
bensdauer nach fünf Jahren lag über 95%.

Überlebensrate von CEREC Inlays und Onlays

CEREC
1010 Restorations, 299 Patients
Total bonding, no base, 10 years: 94 % survival

Reiss B, Walther W: Clinical long-term results and 10-year


Kaplan-Meier-analysis of Cerec restorations. Int J Comp Dent 2000; 3: 9-13.

2328 Restorations, 794 Patients


Total bonding, no base, 9 years: 95,5% survival
Posselt AK, Kerschbaum T: Longevity of 2328 chairside CEREC-Inlays and Onlays.
Int J Comp Dent 2003; 6: 231- 248

187 Restorations, 108 Patients


Cerec 1, Vita Mk I, glasionomer base, 10 years: 90,4 % survival
Otto T: Computer-Aided Direct Ceramic Restorations: A 10-year prospective clinical
study of Cerec CAD/CAM inlays and onlays. Int J Prosthodont 2002; 15: 122-128.

• SZCR 10 years 93,1% survival

Jahre
Abb. 94 Überlebensstudien von CEREC Inlays und Onlays, die am CEREC 10 Year Anni-
versary Symposium vorgetragen wurden, im Proceedings-Buch enthalten sind und später
mit längeren Laufzeiten zur Publikation kamen.

Die für CEREC 1 klinisch umfassendste Arbeit des Symposiums wurde vom Team um Drs.
M. Haas und Gerwin Arnetzl und Kollegen aus der Abteilung für Prothetik, Restaurative
Zahnheilkunde und Parodontologie der Universitätszahnklinik der Karl-Franzens-Univer-
stiät in Graz, Österreich präsentiert. Das Team berichtete über in vitro und in vivo Untersu-
chungen von 983 zwei- und dreiflächigen laborgefertigten Inlays aus verschiedenen Ke-
ramiken, Dicor, Optec, Hi-Ceram, Du-Ceram, Shofu Vintage und Kompositinlays, dazu
Goldinlays sowie CEREC inlays. Die klinische Erfolgsrate von CEREC Inlays nach sieben
Zahnrestaurationen per Computer 169

Jahren war mit über 95% sehr überzeugend. Nach 9 bis 10jähriger Tragzeit publizierte
Überlebensanalysen anderer Studien sind in Abb. 94 dargestellt.

165. Gestaltung von CEREC Veneers


Die Konstruktionsmöglichkeiten für CEREC 2 Veneers und speziell die Gestaltung von Ve-
neerschalen mit Überdeckung der Schneidekante beschrieb Dr. Klaus Wiedhahn. In einer
zweiten Arbeit ging er auf die innere und äussere Farbcharakterisierung von Veneers ein.

vor nach

Abb. 95 CEREC Veneer Behandlung durch Dr. K.Wiedhahn Oberkiefer-Frontzähne inklu-


sive erste Prämolaren links und rechts.

Speziell mit der internen Farbhinterlegung erzielte er eine natürlich wirkende, ästhetische
Versorgung von Frontzähnen. Für mich ist er der absolute Meister der chairside-Versor-
gung mit CEREC Veneers.
Dr. Günter Fritzsche legte dar, wie die originale Zahnkontur mit Hilfe des Korrelati-
onsmodus auf die maschinell hergestellte Veneerschale übertragen werden kann.
In einer Arbeit meiner Doktorandin med.dent. Claudia Link untersuchten wir die Farb-
veränderungen von Keramikplättchen mit 0,4; 0,7 und 1,0 mm Dicke, bei Hinterlegung mit
Komposit. Die Resultate bestätigten den Einfluss der Dicke und Transluzenz bzw. Opazität
der Keramik auf ihre Farberscheinung. Die Helligkeit der unter der Keramik liegenden
Zahnhartsubstanz bzw. des hinterlegten Komposits beeinflusst die Wahrnehmung sehr
stark, während spektrometrisch messbare Farbunterschiede vom menschlichen Auge nur
begrenzt wahrgenommen werden.

166. Die verblendete In-Ceram Zirconia Kappenkrone


Die Festigkeit der monolithischen CEREC-Krone aus Feldspatkeramik (VITA Mk II) war
begrenzt (Abb. 96 a) und musste zur Verstärkung in jedem Fall adhäsiv eingesetzt wer-
den. Dr. A. Bindl beschrieb als alternative beziehungsweise zusätzliche Verstärkungsmög-
lichkeit die Herstellung einer CEREC In-Ceram Zirconia Kappen-Krone, die erhöhte Fes-
tigkeit durch die Kombination der äusseren ästhetischen Feldspat-Verblendkeramik mit der
hochfesten inneren Kappe aus Zirconoxid-Keramik versprach.
Mit CEREC konnte die In-Ceram Kronenkappe einfach und schnell aus porös gesin-
terter Zirconia-Block-Keramik hergestellt werden (Abb. 96 b und 97 c). Diese wurde nach
dem Formschleifen, im Ofen mit Lanthanglas infiltriert und die Verblendung mit Feldspat-
keramik wurde traditionell aufgebrannt. Es handelte sich damit um einen kombinierten
CAD/CAM - Labortechnik Workflow. Diese Arbeit war ein erster methodischer Hinweis auf
den indirekten Einsatz von CEREC im zahntechnischen Bereich. Für den Einbezug von
CEREC Technologie in die Zahntechnik war dies ein wichtiges Signal.
Zahnrestaurationen per Computer 170

Monolithische Kronenkappe Kappen -


Krone Krone

a b c
Abb. 96 a) Monolithische Vollkrone aus VITA Mk II, b) formgeschliffene und mit Lanthan-
glas infiltrierte In-Ceram Zirconia Kronenkappe, c) Kappenkrone mit zahntechnisch-manu-
eller Verblendung aus Feldspatkeramik.

Die Erzeugung der Kronenkappe (Abb. 97 b) mit CEREC 2 erwies sich als sehr einfach
und schnell im Vergleich zur traditionell verwendeten Schlickertechnik. Die In-Ceram Kap-
penkrone sicherte auch die CEREC Herstellung von Kronen für den Fall ab, dass die ein-
stufig direkt vom Zahnarzt hergestellten monolithischen Vollkronen aus VITA Mark II Feld-
spatkeramik sich in der klinischen Bewährung als zu schwach erweisen sollten.

a b c d
Abb. 97 a) In-Ceram Zirconia Block-Keramik (VITA Zahnfabrik), b) Kronenkappe aus In
Ceram Zirconia formgeschliffen, c) Kronenkappe mit Lanthanglas infilftriert, d) Kappen-
Krone fertig durch Aufbrennen von Feldspat-Verblendkeramik.

167. Fertigungsumfang der CEREC 2 Technologie


Die Darstellung der CEREC 2 Vollkronen am Symposium und die nachfolgende Verteilung
des Symposium-Buches in englischer Sprache führte der Dentalwelt das Entwicklungspo-
tential der CAD/CAM Technologie im allgemeinen und der CEREC-Methode im Besonde-
ren vor. Konnte man CEREC 1 noch als beiläufige Kuriosität oder Extravaganz betrachten,
so zeigte sich mit CEREC 2 die Entschlossenheit einer Weltfirma, diese Technologie wei-
terzutreiben. Dazu beflügelte der Eintritt von CEREC in die Fertigung von Vollkronen direkt
in der Praxis, die klinische Forschung sowie die Materialforschung und brachte die Zahn-
technik endgültig zur Überzeugung, dass man sich auf die CAD/CAM Technologie einstel-
len musste.
Natürlich betraf das ‚Aha‘-Erlebnis nun auch Vollkronen fertigen zu können, die CE-
REC Anwender besonders in Ländern, in denen die Kronenversorgung von den Versiche-
rungen gedeckt wurde wie z.B. in Frankreich, oder wo sie traditionell in grösserem Maße
bei der Patientenversorgung angewendet wurde wie z.B. in den USA und anderen angel-
sächsischen Ländern. Rein fachlich wurde CEREC jetzt auch für die Abteilungen für die
Zahnrestaurationen per Computer 171

zahnärztliche Prothetik richtig interessant, wogegen zuvor sich mehr oder weniger die Ab-
teilungen für konservierende Zahnheilkunde von CEREC betroffen gesehen hatten.
Die Software war im Prinzip wie die CEREC 1 Software auf der Erstellung eines Ge-
rüstes der Krone aus Rahmenlinien aufgebaut. Der Anwender musste sich die dreidimen-
sionale Form anhand von Längs- und Querschnitten vorstellen können. Für geübte CE-
REC 1 Anwender stellte die Kronenkonstruktion mit CEREC 2 keine zusätzlichen Proble-
me, sondern konnte leicht adaptiert werden. Der Extrapolationsmodus, der auf Basis der
zirkulären Konstruktionslinien und der zugeordneten Höhenwerten die dreidimensionale
Gestalt der Krone erstellte, erwies sich vom Konstruktionsaufwand her als am anwender-
freundlichsten.

Abb. 98 Anwendungsspek-
trum von CEREC 2: Inlay,
Onlay, Seitenzahnkrone
Veneer und Frontzahnkro-
ne.

Das Anwendungsspektrum
war nun entscheidend er-
weitert und umfasste neben
Inlays, Onlays, Veneers
auch Front- und Seiten-
zahnkronen (Abb. 98).
Was die Kronen be-
trifft, so wendeten wir in
unserer Klinik SZCR die
monolithische Extrapolati-
onskrone aus VITA Mk II Feldspatkeramik mit adhäsiver Befestigung am häufigsten an.
Ungeübte Anwender konnten sich allerdings nach wie vor im Bemühen um eine op-
timale Gestaltung einer Krone zeitlich übernehmen. Nicht jeder brachte die konstruktive
Vorstellungskraft auf, um die Krone rasch und sicher fertigzustellen. Die Konstruktionsfer-
tigkeit musste auf jeden Fall durch Übung erworben werden.
War ein Seitenzahn mehr-
fach mit Amalgamfüllungen ver-
sehen und brach eine der Sei-
tenwände ab, wie in der Abb.
99 a gezeigt, so war das die
Indikation für die Versorgung
mit einer monolithischen Voll-
krone. Im vorliegenden Fall
wurde die Krone mit leuzitver-
stärkter Feldspatkeramik ‚Pro-
CAD‘ versorgt.

Abb. 99 Versorgung eines vor-


mals mit Amalgam gefüllten
Molaren mit einer monolithi-
schen ProCAD Vollkrone. Be-
handlung: Dr. Andreas Bindl.
a b
Zahnrestaurationen per Computer 172

Die Leuzit-verstärkte ‚ProCAD‘ Feldspatkeramik war ursprünglich von der Firma Ivoclar
Vivadent in den Jahren 1990/91 in Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker A. Wohlwend
als Presskeramik (Empress) eingeführt worden. Unter dem Namen ‚ProCAD‘ wurde sie im
Jahre 1998 in die CEREC Methode eingeführt. Mit der späteren Einführung polychromati-
scher Blöcke im Jahre 2005 wurde sie von Ivoclar Vivadent in den Namen ‚Empress CAD‘
umgetauft.
Die digitale Herstellung von keramischen Restaurationen hatte die Presstechnik in
den Hintergrund treten lassen. EmpressCAD ist wie VITA Mark II eine Feldspatkeramik
und unterscheidet sich in der Struktur durch die Einlagerung der Leuzitkristalle. Eine
Nachuntersuchung von EmpressCAD Kronen zeigte ein ähnliches klinisches Verhalten wie
das der VITA Mark II Keramik. Der Ersatz von Amalgam durch Keramik war ein wesentli-
cher Teil der klinischen Arbeit an der SZCR. Aber auch Goldrestaurationen wurden gegen
Keramik ausgetauscht. CEREC leitete den Ersatz der Metalle als zahnärztliches Restaura-
tionsmaterial ein.
Es war schon zur Zeit von CEREC 1 vorgekommen, dass ich von mir selbst sorgfäl-
tigst, für die prospektive ganze Lebensdauer zementierte Gold-Inlays bzw. -Onlays, auf
Wunsch des Patienten durch CEREC 1 Inlays ersetzen musste (Abb. 100).

Abb. 100 Die grosse


G o l d — Te i l k r o n e
(Overlay) wurde ohne
Substanzverlust mit
einer CEREC -Teil-
krone aus VITA Mark
II Keramik mittels ad-
häsiver Befestigung
ersetzt - die Kauflä-
chengestaltung wurde
identisch übernom-
men. Behandler: Dr.
Andreas Bindl.

einprobiert

adhäsiv inkorporiert

Abb. 101 Goldkrone ersetzt durch eine CEREC Keramik-Vollkrone (Dr. Björn Richter).
Zahnrestaurationen per Computer 173

Goldkronen beim Lachen zu zeigen, konnte ehemals das Zeichen sein, dass eine Dame
von gutem Stande war. Noch besser wirkt allerdings, wenn das Gebiss sich jugendlich,
ohne erkennbare zahnärztliche Arbeiten präsentiert (Abb. 99, 100, 101). Das macht den
unwiderstehlichen Appeal der keramischen Restauration aus.

37) 1996 CEREC 10 YEAR SYMPOSIUM Teil 3 Ausklang

168. Ende des Symposiums, Fazit und Verlosung


Die Beiträge der Kolleginnen und Kollegen in Vorträgen, Poster-Präsentationen und aus
der Praxis erwiesen sich für die Teilnehmer als äusserst nützlich und zeigten, dass die
CEREC Methode am 10jährigen Jubiläum wirklich Grund zum Feiern hatte. Sie war in Be-
zug auf die Versorgung der Patienten, die Akzeptanz der CEREC Methode bei Patienten,
bei Zahnärzten und CAD/CAM-bezogenen Unternehmen, sowie in der Ausbildung, For-
schung und Entwicklung ein wichtiger Faktor geworden. Allen Beteiligten wurde gegen
Ende des Symposiums klar, dass sich mit und um CEREC eine wesentliche Technologie
entwickelte, die weitere Zukunftsperspektiven eröffnete. Die Stimmung im Sale war ange-
regt.
Meine Sekretärin, Frau Regina Hanselmann, hatte alle Anmeldungen von Zahnärz-
tinnen und Zahnärzten aus Privatpraxen registriert und zu Losen verarbeitet. Die füllten
eine grosse Schale, die Regina nun in den Saal brachte und auf ein breites Arbeitspult
stellte. Ich trat trat vor und bedankte mich bei allen Mitwirkenden für Ihre Beiträge, dankte
allen Unterstützern des Ereignisses, den Ausstellern, dem technischen Personal, bedankte
mich bei meinen Mitarbeitern und bei den Teilnehmenden.
„Wir kommen nun zur Verlosung des fabrikneuen CEREC 2 Gerätes“ sprach ich die
Hörerschaft an. Ein Raunen ging durch den Saal. „Welche Kollegin aus dem Saal möchte
als Zahnfee das Los für den oder die Gewinnerin ziehen?“ Eine nette Kollegin aus der Mit-
te ging zur Los-Schale, die ihr Regina entgegenhielt und zog das Glückslos nach kräftigem
Durchmischen der Lose in der Schale. Ich dankte ihr und öffnete das Los. Name und
Adresse eines Zahnarztes aus Ostdeutschland standen darauf. Ich verlas seinen Namen.
Ein Geräusch als ob alle Teilnehmer die Luft angehalten hätten und diese jetzt ab-
liessen, teilte sich mit, die Spannung löste sich. Ich bat den Gewinner zu mir und begrüss-
te ihn. Er war im mittleren Alter, sehr sympathisch. Ich gratulierte ihm und fragte ihn ob ge-
glaubt hätte, dass er gewinnen könnte. Das verneinte er.
Ich ging zum Arbeitstisch und nahm das Tuch von einem etwa 10 Zentimeter grossen
naturgetreuen Modell einer CEREC 2 Einheit, das ich von Siemens Dental bekommen hat-
te. Ich nahm das Modell, das nun alle sehen konnten und überreichte es dem Kollegen. Er
ergriff es erstaunt. Ein Raunen ging durch das Auditorium.
„Das Modell dient Ihnen als Nachweis, dass Sie der Gewinner des originalen fabrik-
neuen CEREC 2 Gerätes sind, das Ihrer Praxis vom nächstgelegenen Siemens-Depot
ausgeliefert wird“ sagte ich, „so wie dieses, das wir hier haben“ und nahm das Abdecktuch
von einem neuen glänzenden CEREC 2 Gerät in voller Grösse. Ich meinte, ein Stöhnen
aus dem Publikum zu hören.
Ich dankte allen Teilnehmern am Symposium noch einmal ganz herzlich, wünschte
allen eine gute Heimreise und weiterhin viel Freude mit CEREC und verabschiedete mich.
Der Saal leerte sich, wieder war ein grosses CEREC Ereignis vorbei.
Zahnrestaurationen per Computer 174

38) 1996 NACH DEM 10 YEAR SYMPOSIUM

169. CEREC Experimente mit Kronen und Brücken


Alle Vortragenden Mitarbeiter und ich waren nach dem Symposium damit beschäftigt, die
vorgetragenen Themen entweder als Dissertationsarbeiten oder als Publikation fertig zu
stellen. Wir führten in diesem Jahr zusätzlich zum Symposium sieben CEREC 2 Kurse
durch.
Experimentell liefen an der SZCR unter der Leitung von Dr. A. Bindl klinische Studien
mit CEREC 2 Kronen aus a) VITABLOCS Mark II Keramik, b) CEREC Seitenzahnkronen
aus In-Ceram Alumina, c) CEREC Seitenzahnkronen aus In-Ceram Spinell und CEREC
Frontzahnkronen aus In-Ceram Spinell, VITABLOCS Mark II sowie Mark II Esthetica.
Im Hinblick auf die künftige Fertigung von Brückengerüsten fertigten wir experimen-
tell zwei Brücken aus In-Ceram Alumina. Weil es noch keine verwendbare Software für ein
dreigliedriges Brückengerüst gab, wendeten wir eine Hilfskonstruktion an: Je eine Kronen-
kappe wurde für den mesialen und distalen Pfeilerzahn konstruiert. Die distale Wand der
vorderen Kronenkappe wurde nach distal im Maße eines halben Zwischengliedes ausge-
weitet und die Gegenhälfte des Zwischengliedes konstruierten wir an der hinteren Kronen-
kappe nach mesial.
Die Zwischengliedhälften sinterten wir an der Fuge mit Aluminiumoxid zusammen
und infiltrierten die nun dreigliedrige Gerüstkonstruktion mit Lanthanglas, wodurch das Ge-
rüst aus In-Ceram Alumina zur Verblendung vollendet war. Die Fertigung von Brückenge-
rüsten war mit diesem Experiment vorgespurt. Die Festigkeit von zusammengesinterten
In-Ceram Alumina Stäben untersuchten wir systematisch in einer Dissertationsarbeit (Med
Diss 30, Tabelle 11, Seite 224).

170. 1996 Lehre, Kurse, Vorträge, automatische Konstruktion


Im Studentenunterricht des Jahreskurses III wurden am 7. und 8. Juni 1996 ein 16 stündi-
ger CEREC Kurs durchgeführt. Im Wintersemenster 1996/97 legten die Studenten des
Jahreskurses V unter aktiver Anleitung und Hilfe der Assistenten CEREC Restaurationen
am Patienten. Als Materialien standen VITA Mark II Feldspatkeramik und Kompositblöcke
zur Wahl. Indikationen waren a) Klasse II Kavitäten mit tief liegender Stufe, b) grosse
Klasse II Kavitäten mit dünnen Wänden, bei denen die Gefahr bestand, dass bei direkter
Fülltechnik die Höcker frakturierten, c) Overlaykavitäten mit 1-4 Höckern. Bis 31.12.96
wurden im Studentenkurs 23 CEREC Restaurationen am Patienten gelegt.
CEREC Kurse für externe Zahnärztinnen und Zahnärzte hielten wir neben dem 10
Jahre Symposium im März, jeweils einmal in den Monaten Januar, April Juni, und im Sep-
tember, Oktober, November und Dezember.
Den multimedialen Arbeitsplatz in der SZCR Klinik bauten wir aus und konnten CE-
REC Bildinhalte über einen Konverter auf den jeweiligen Arbeitscomputer und den De-
ckenmonitor portieren, um die Bilder dem liegenden Patienten zeigen zu können.
Meine Mitarbeiter M. Bitz und A. Rathke sowie Kathrin Lampe hielten Vorträge am
Jahreskongress der International Asssociation of Dental Research CED-NOF.
Wir unterstützten eine Forschungsarbeit „Computertechnische Interpretation dreidi-
mensionaler Bilder von Zahnpräparationen und automatische Formergänzung“. Ich hatte
dieses Projekt unter Annahme der Hypothese angeregt, dass die Umrissform einer jeden
Zahnpräparation durch geeignete Algorithmen automatisch detektiert werden könnte. Ich
stellte mir vor, dass davon ausgehend die Konstruktion des Inlays von der Software eben-
falls automatisch erstellt werden konnte, um den Zahnarzt von dieser Aufgabe zu entlas-
ten.
Zahnrestaurationen per Computer 175

Ich hatte zu diesem Zweck Kontakt mit Herrn Prof. Niederer, dem Leiter des Instituts für
Biomedizinische Technik der Universität Zürich und der Eidgenössischen Technischen
Hochschule Zürich, Kontakt aufgenommen. Er beauftragte seinen Mitarbeiter Dr. Th. Lee-
mann und dessen Dissertanten Dipl. Ing L. Felber mit dieser Aufgabe. Die Schweizerische
Zahnärzte-Gesellschaft SSO unterstützte dieses Projekt mit CHF 93 000.- zur Anschaffung
eines geeigneten IBM Rechners. Leider funktionierte die gefundene Lösung zu einem
zwar hohen aber in der Praxis nicht genügenden Prozentsatz der Fälle, so dass der Bei-
trag mit einem lediglich akademischen Erfolg abgeschlossen werden konnte.

171. 1996 CEREC Reisen nach Palm Beach, Florida, Seoul/Korea


Vor meinen CEREC Reisen nach Asien flog ich vom 25. bis 27. September 1996 zum
Meeting der American Academy for Computerized Dentistry (ACD) in Palm Beach, Florida,
USA und berichtete über „CEREC 2 Crowns“. Dieses Meeting mit den amerikanischen
CEREC Kollegen war für mich höchst angenehm und erfreulich. Wer immer CEREC in
seiner Praxis erfolgreich anwendete, kam zu mir, schüttelte mir die Hand und sagte „Thank
you Dr. Mormann“ als Dank dafür, dass ich diese Methode in die Zahnarztwelt gesetzt hat-
te. Das tat mir jeweils gut.
Im November ging es dann nach Seoul/Korea, wo ich eine Einladung zum „Symposi-
um of the Korean Academy of Conservative Dentistry“ am 23. November 1996 hatte. Im
Jahr zuvor hatten wir einen koreanischen Kollegen, Prof. Chung-Moon Um drei Monate zu
Gast, um ihn am CEREC 2 Gerät einzuschulen. Es war ein sehr netter, freundlicher Kolle-
ge, der mich an der Seoul National University School of Dentistry herzlich empfing.
Die Situation der CEREC 2 Methode in Seoul fand ich ähnlich vor wie die von CE-
REC 1 im Jahre 1989 in London am Guy’s Hospital. Man war nicht so weit gekommen,
CEREC 2 für irgendwelche Studien oder zur Patientenbehandlung einzusetzen. Dem Kol-
legen Prof. Chung-Moon Um war das sehr peinlich, aber die Hintergründe konnte ich auch
wegen des Sprachproblems, das er mit Englisch hatte, nicht herausfinden.
Ich hielt also am Symposium der ‚Korean Academy of Conservative Dentistry‘ meinen
Vortrag mit dem Titel „The Fascinating New Creativity in Ceramic Restorations: Dental
CAD/CIM“.
Ganz im Gegensatz zu dem geringen Erfolg der CEREC 2 Methode an der hiesigen
Klinik wurde mir die grosse Ehre einer Einladung zu einem Festbankett am Abend zu Teil.
Ich sass am Kopfende einer langen Tafel, die mit Gemüsen und Früchten und feinen Zuta-
ten reich gedeckt war und an der beidseits die Mitglieder der Fakultät aufgereiht sassen,
alles Männer. In meiner Erinnerung war die Tafel endlos lang, es kam mir so vor als sei die
gesamte männliche Zahnärzteschaft des Landes hier vertreten.
Als Ehrengast sass ich dem Universitätspräsidenten gegenüber, der mir das wunder-
bar frisch appetitlich aussehende Kimchi Gemüse anbot, das vor uns stand. Allerdings war
es stark mit Knoblauch gewürzt. Nun muss man wissen, dass ich Knoblauch nur in ho-
möopathischer Verdünnung vertrage. Deshalb konnte ich den wiederholten dringenden
Angeboten meines Gegenüber, doch beim Kimchi zuzugreifen, nicht nachkommen. Der
Reisestress, das Jetlag, der Knoblauchgeruch, - ich konnte mich einfach nicht überwinden,
den freundlichen Angeboten des Universitätspräsidenten nachzukommen. Ich sah, dass er
enttäuscht war und dass er fürchtete, sein Gesicht zu verlieren und versuchte mein Bes-
tes, meine Aversion zu verbergen und im Gespräch darüber wegzukommen. Irgendwie
ging dann diese schwierige Situation vorüber. Es tat mir sehr leid, ich entschuldigte mich.
Der freundliche Kollege Herr Professor Park, Chef der Abteilung für Konservierende
Zahnheilkunde lud mich nach dem Bankett ein, zum Schlummerdrunk mit den Kollegen in
die Bar zu kommen, was ich gerne annahm.
Zahnrestaurationen per Computer 176

Einer der Kollegen erzählte mir dort aus seinem Leben und bot Whisky an. Er hatte stan-
desgemäss in dieser Bar seine persönliche Flasche Whisky, aus der er seine Gäste bewir-
tete und vor allem sich selbst bediente. Ein Ober stellte eine Schale mit gerösteten Heu-
schrecken als Ergänzung zum Getränk auf den Tisch, so wie man andernorts Salzstangen
oder Grissini anbietet. Der Kollege bot mir die Heuschrecken zum Probieren an.
Das brachte mein aufgewühltes System vollends aus dem Gleichgewicht und ich musste
mich plötzlich am Tisch dringend für eine kurze Abwesenheit entschuldigen. Ich rechne
dieses Ereignis meiner heroischen CEREC-Pionierzeit zu.

172. CEREC Reise nach Hiroshima


In Hiroshima war ich Gast von Prof. Shintani. Er war der Leiter der Abteilung für Konser-
vierende Zahnheilkunde der Hiroshima University Dental School und hatte den Vorsitz des
105. Jahres-Kongresses der Japanischen Gesellschaft für Konservierende Zahnheilkunde.
Die Veranstaltung fand in einem schönen grossen rechteckigen Kongresssaal statt. Etwa
120 Professoren von allen Zahnkliniken des Landes, in schwarzen Anzügen hatten sich
zu Beginn an den Seiten des Saales aufgestellt. Alle hatten Gläser, war es Wein oder Bier,
ich kann es nicht mehr sagen.
Ich stand zusammen mit Prof. Shintani, Prof. Park aus Korea und Prof. Fusayama
auf der Bühne und wir unterhielten uns. Prof. Fusayama erzählte mir voll Stolz, dass er als
einziger Zahnarzt in die Akademie der Japanischen Medizinischen Wissenschaften als
Mitglied aufgenommen worden war. Prof. Fusayama war durch durch die Entwicklung sei-
nen Kariesdetektors bekannt geworden, ein Reagens, das bei Kontakt mit kariösem Dentin
in eine intensive rote Farbe umschlug. So erlaubte es dem Zahnarzt, beim Entfernen der
Karies mit dem Rosenbohrer durch die Rotmarkierung des Dentins zwischen dem erkrank-
ten und dem gesunden Dentin zu unterscheiden. Der Zahnarzt konnte dadurch eine Ver-
letzung des Zahnnerven vermeiden. Eine unzweifelhaft sehr wichtige Entdeckung. Ich hat-
te demnach die Ehre, einen der prominentesten Zahnärzte in Japan und auf der Welt per-
sönlich kennen zu lernen. Ein denkwürdiges Ereignis.
Es war dann Zeit für den Beginn des Programmes. Prof. Shintani gab das Zeichen.
Wir drei, Fusayama, Park und ich hatten ebenfalls zu den angebotenen Gläsern gegriffen.
Prof. Shintani hob das Glas und rief in den Raum: „Kampai“ (Prost) und alle im Saale ver-
sammelten Kollegen hoben ihr Glas und antworteten im Chor: „Kampai“ und nahmen dann
in den Stuhlreihen Platz. Prof. Shintani stellte die Redner einzeln vor und ich realisierte,
dass jeder von uns, ich eingeschlossen, die Vorstellung kurz mit ein paar persönlichen
Worten an das Publikum ergänzen sollte.
Das war nicht schwer. Ich sagte, dass ich Japan schon 1992 ein erstes Mal besucht
hatte. Bei meiner Rückkehr in die Schweiz hatte meine Frau festgestellt, dass ich beson-
ders gesund, jugendlich und tatkräftig wirkte. Ich erklärte damals meiner Frau, dass dies
die Wirkung von Japan auf meinen Geist und Körper sei. Die japanische hohe Kultur, das
gesunde Essen und die Anregungen aus der Wissenschaft hätten auf mich abgefärbt. -
Das sei auch der Grund, warum ich heute gerne nach Japan zurückgekommen sei,
um seine wohltuende Wirkung auf mich noch einmal zu geniessen. Nun, das kam bei den
Kollegen gut an. Ich hielt dann meinen Vortrag wie in Seoul mit dem Titel „The Fascinating
New Creativity in Ceramic Restorations: Dental CAD/CIM“. Die Kollegen nahmen meine
Präsentation mit hohem Interesse zur Kenntnis. Ich buchte dieses Ereignis als Erfolg.

173. Hiroshima Gedenkstätte, Itsukushima-Schrein


Für den Abend hatte mich Prof. Shintani ins Teehaus eingeladen. Der Weg zum Eingang
führte durch einen gepflegten Garten mit fliessendem Bach. Das Innere war im internatio-
Zahnrestaurationen per Computer 177

nalen gepflegten Restaurantstil gehalten. Wir


hatten sehr guten Fisch, tranken Sake und wa-
ren in guter Stimmung. Herr Shintani sagte mir,
er und ich, wir seien verwandt. Ich war ver-
blüfft, „ wie sind wir denn verwandt?“, fragte
ich. Er meinte, mein ehemaliger Chef, Profes-
sor Mühlemann und sein ehemaliger Chef,
Prof. Kinoshita seien Freunde gewesen. Diese
freundschaftliche Beziehung setze sich nun
zwischen uns beiden fort, ganz wie eine fami-
liäre Verwandtschaft. Ich fand diesen Brücken-
schlag sehr schön und fühlte mich ihm sehr
verbunden.

Abb. 102 Ruine mit Kuppel-Skelett der ehemaligen Industrie- und Handelskammer, Gedenkstätte
für die erste Atombomben Explosion 160 Meter über der Kuppel.

Für den Besuch der Hiroshima Gedenkstätte delegierte Prof. Shintani einen jungen Zahn-
arzt seiner Abteilung. Er begleitete mich durch den Friedenspark zur Ruine der Industrie-
und Handelskammer. Diese markiert das Zentrum der Stadt. Die Atombombe namens
„Little Man“ war 1946 genau hier über dem Zentrum, in 160 Meter Höhe zur Explosion ge-
bracht worden, um eine maximale Zerstörung der Stadt zu bewirken. Mein japanischer
Begleiter sagte mir, dass sein Grossvater hier im Zentrum gewohnt hatte. Man hat von ihm
nach der Explosion keine Überreste gefunden. Die extreme Hitze der Explosion hatte ihn
verdampft. Ich bekam durch diese persönliche direkte Information einen tiefen Eindruck
von der urgewaltigen Zerstörungskraft der Atomexplosion.
Beim Ausflug zum Itsukushima Shinto-Schrein kam noch eine junge japanische Kol-
legin dazu. Der Schrein steht auf der gegenüberliegenden heiligen Insel Miyajima. Tickets
mussten gekauft werden. Die junge Kollegin
führte die Kasse und besorgte alle Tickets.
Scheinbar ist dies eine typische Aufgabentei-
lung in Japan. Ich bewunderte die zwanglose
Ausübung von religiösen Riten durch einzelne
Besucher im Schrein und die gelassene Hal-
tung der Menschen ringsum beeindruckte
mich.

Abb 103 Tor des Itsukushima Shinto -


Schreins auf der heiligen Insel Miyajima.
Zahnrestaurationen per Computer 178

Siebzehnter Teil: Siemens verkauft die Dentalsparte

39) 1997 VERLUST DES PARTNERS SIEMENS

174. Schock nach der Internationalen Dental-Schau 1997


Die folgenden Ereignisse schildere ich auf der Basis einer Dokumentation von Zeitungsbe-
richten aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Bergsträsser Anzeiger und der
Deutschen Zahnärztlichen Wochenschrift, die mir Herr Friedrich A. Herbst, ehemaliger Ex-
portmanager bei Siemens Dental dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat.
Am 30. April 1997, wenige Wochen nach der Internationalen Dental-Schau in Köln
erschien in der Deutschen Zahnärztlichen Wochenschrift ein Bericht, dass Siemens seine
in Bensheim ansässige Dental-Gruppe nicht mehr zum Kerngeschäft zählt und für 600 bis
900 Millionen DM abgeben möchte. Sobald das „Bewerbungsverfahren ausgeschrieben
war, hatten sich mehr als 70 Firmen und Investorengruppen als Kaufinteressenten gemel-
det.”
Ich war schockiert, Marco Brandestini war schockiert und die Mitarbeiter des CEREC
F&E Teams in Bensheim waren schockiert. Man war ja in Bensheim stolz darauf, ein ‚Sie-
mensianer‘ zu sein. Marco und ich fürchteten, dass CEREC ohne den Nimbus der Firma
Siemens verloren sein würde. Bis zum 25. September sollte dann die Entscheidung fallen,
wer per 1. Oktober der neue Besitzer von Siemens Dental sein würde. Vieles sprach dafür,
dass ein Finanzinvestor das Rennen machen würde.
Ich fürchtete zusammen mit Marco, dass bei einer Übernahme durch Finanzinvesto-
ren inkompetente Leute in die Forschung und Entwicklung im Bereich CAD/CAM eingrei-
fen könnten. Ich erinnerte mich an das schlechte Beispiel der Firma Ritter, Karlsruhe, mit
dem ‚Inlac‘ CAD/CAM Projekt zu Zeiten von CEREC 1, bei dem jährlich wechselnde Fir-
menleiter jeweils das System-Konzept und die Entwicklungsziele geändert hatten. Der to-
tale Misserfolg und die Einstellung des Projektes waren die Folge gewesen. Führungs-
und Finanzierungsprobleme, Mängel des Konzeptes sowie ungenügende Marktmacht hat-
ten auch andere Konkurrenten aus der CAD/CAM Pionierzeit zur Aufgabe der Projekte ge-
zwungen wie beispielsweise die Lösungen der Firmen Hennson (Duret System) und Bego
(Minnesota System) sowie andere.
Wesentlich erschien mir auch, dass es für Grossfirmen mit bekanntem Namen we-
sentlich einfacher ist, Top-Mitarbeiter und Entwickler anzuziehen, als dies eine unbekann-
ten Firma vermag. Der Verkauf der Sparte Dental könnte demnach auch eine technologi-
sche Bremse bedeuten. Die Mitglieder des CEREC-Teams in Bensheim dachten ähnlich
und standen quasi mit „abgesägten Hosen da“. Sie waren vom Siemens Imperium ausge-
stossen und auf den Markt geführt, um meistbietend verkauft zu werden. Ein seltsames
Gefühl, das Marco und ich mitempfanden. Siemens machte einigen wenigen Mitarbeitern
Übernahmeangebote oder bot je nach Alter Frühpensionierungen an.
War CEREC schuld? Das konnte nicht sein! Der damalige Geschäftsführer Dr.-Ing.
Karl-Heinz Annecke, Nachfolger von E.A. Behne und K.-H. Kilk machte die folgenden An-
gaben zur Leistung von Siemens Dental: Der Dentalbereich erwirtschaftete mit 2750 Mit-
arbeitenden weltweit einen Umsatz von etwa 900 Millionen D-Mark pro Jahr und schrieb
„tiefschwarze“ Ertragszahlen. Die Siemens Zentrale in München begründete die Verkaufs-
entscheidung mit einer „Bereinigung des Portfolios“.
Marco fand eine bessere Erklärung. Er wusste, dass Siemens Medizintechnik in
USA, freundlich ausgedrückt, ‚wenig erfolgreich‘ operiert hatte. Der Konkurrent ‚General
Electric‘ hatte bei MRI-Scannern die Nase vorn. Der Verkauf der Dental-Sparte hatte des-
Zahnrestaurationen per Computer 179

halb seinen Grund in der Notwendigkeit, die Sparte Siemens Medizintechnik finanziell zu
sanieren und dafür wurde meines Erachtens das Tafelsilber, der Dental-Bereich verkauft.

175. Umbruch und Spekulationen


Das Management von Siemens Dental in Bensheim versuchte, der Situation eine positive
Seite abzugewinnen. Mit neuen Inhabern konnte es auch neue Chancen geben. Hatte
doch die Konzernmutter Siemens manche Entscheidungen der Bensheimer erschwert
oder gar blockiert.
Etwa 800 Mitarbeiter der Siemens-Dentalsysteme in Bensheim demonstrierten nach
der Bekanntgabe des Verkaufs zwei Tage lang vor den Werkstoren dafür, den Geschäfts-
zweig, in dem sie beschäftigt waren und den der Münchner Konzern loswerden wollte,
selbst zu einem „fairen Preis“ kaufen zu dürfen. Einen Mitarbeiter-Buy-Out in dieser Grös-
senordnung hatte es allerdings in der Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegeben.
Der Buchwert des Unternehmens wurde auf 200 Millionen Mark geschätzt.
Der Vorsitzende des Betriebsrates, Klaus Bauer, arbeitete an einem Modell für die
Übernahme. Die Finanzierung würde einen Lohnverzicht der Mitarbeiter von 10% über fünf
Jahre bedingen, Banken, Dental-Händler und Zahnärzte müssten als Investoren gefunden
werden. Voraussetzung wäre, dass sich Siemens auf einen Preis einliesse, der nicht we-
sentlich über dem Buchwert liegen sollte. Ein Grossteil der Belegschaft in Bensheim hielt
den Mitarbeiter-Buy-out für denkbar, aber nicht für sehr realistisch. Der Siemens-Sprecher
der Zentrale liess verlauten, es gebe noch weitere Interessenten.
Der Betriebsrat erhöhte das Angebot auf 400 bis 500 Millionen. Die Belegschaft be-
auftragte einen Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt mit der Ausarbeitung eines Finanzie-
rungsmodells. 80% des Kaufpreises sollten von einer Bank, die restlichen 20% von einem
Investor und der Belegschaft aufgebracht werde. Der Siemens Konzernchef bewertet den
Verkaufspreis neu mit 750 Millionen DM.
Der technische Direktor und Vorstandssprecher von Siemens Dental Dr. K.-H. Anne-
cke hielt die Arbeitsplätze für gesichert und ging davon aus, dass beim richtigen Käufer
sogar ein Aufschwung des Unternehmens erfolgen könnte.

176. 1997 Gründung von Sirona Dental Systems GmbH & Co. KG
Am 26. September 1997 erschien im Werk ein Aushang auf rotem Papier mit dem Titel
„Aktuelle Information“, darin hiess es: „Heute wurde das Geschäftsgebiet Dental mit Wir-
kung zum 1. Oktober 1997 aus der Siemens AG ausgegliedert und in eine Kommanditge-
sellschaft, die Sirona Dental Systems GmbH & Co. KG mit Sitz in Bensheim überführt.
Diese Gesellschaftsform erlaubt die grösstmögliche Flexibilität in der Weitergabe an den
endgültigen Erwerber. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen“.
Der Erwerb von Sirona wurde von der internationalen Venture-Capital Gesellschaft
‚Schroders‘, London, begleitet. Marco und ich lernen Friedrich Graf von der Groeben, den
Geschäftsführer von Schroders & Partner in Frankfurt am Main kennen. Er und seine Fir-
ma vertraten die britische Finanz-Investorengruppe namens ‚Permira‘, die sich im Wesent-
lichen aus nordamerikanischen Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften zu-
sammensetzt. Permira habe in Deutschland bereits elf in anderen Branchen tätige Unter-
nehmen erworben (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4. September 1997, S. 24).
‚Schroders‘ habe in Deutschland bis dato die Übernahme von mehr als 40 Gesell-
schaften begleitet. Dies in acht von zehn Fällen mit Erfolg, versichert mir Graf von der
Groeben. Meine Befürchtungen beruhigte das nicht. Für Sirona zahlte Permira offenbar
790 Millionen DM.
Zahnrestaurationen per Computer 180

Bei dem verkauften Unternehmensteil handelt es sich um die Sirona Dental Systems
GmbH & Co. KG in Bensheim und deren amerikanische Tochtergesellschaft Pelton & Cra-
ne sowie um Handelsgesellschaften in DE, AU, Dänemark, den Niederlanden und Frank-
reich mit zusammen 2700 Mitarbeitern und einem Umsatz im Geschäftsjahr 1995/96 von
900 Millionen DM. Im Geschäftsjahr 1996/97 sank der Umsatz auf 830 Millionen DM.
Die Geschäftsführung geht in die Hände von Dr. Franz Scherer (Vorsitzender). Dr. K.-
H. Annecke vormaliger Chef und Richard Wölfel, der Finanzchef stehen noch kurze Zeit
beratend zur Verfügung. Herr Dr. Scherer als neuer Statthalter machte mir den Eindruck
des harten Sanierers, der den Auftrag hat, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen.
Dr. Scherer war in den vergangenen 10 Jahren in führenden Positionen bei der Rank-Xe-
rox Gruppe in Deutschland und Frankreich tätig. Wie wird er mit CEREC umgehen?
Nachdem die neue Ordnung entschieden war, atmete der Betrieb auf, man ging wie-
der an die Arbeit, besonders das CEREC Entwicklungsteam. In Bezug auf die Zukunft hiel-
ten sich alle bedeckt. Marco und ich waren weiterhin skeptisch.

177. Wie geht es weiter mit Sirona?


Das Werk war 1997/98 nicht voll ausgelastet und müsse einen drastischen Schnitt zur Ver-
ringerung des Personals tätigen, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Im CEREC Team
war davon allerdings nichts zu spüren. Im Gegenteil wurde CEREC im Zeitungsbericht der
FAZ vom 19. Juni 1998 als starker Wachstumsfaktor erwähnt. Laut Friedrich Graf von der
Groeben sollte Sirona in drei bis vier Jahren an die Börse gebracht werden.
Die Jahresergebnisse 1997, -98,-99 waren negativ, die durchschnittliche Zahl der
Vollzeit-Mitarbeiter in Bensheim sank auf 1082 (FAZ, 14. Januar 2000). Der Umsatzerlös
in der Produktion im Geschäftsjahr 1998/99 betrug knapp 400 Millionen DM. Alle Handels-
aktivitäten wurden mit Wirkung zum 1.10.1998 abgespalten und konstituierten dann die
Sirona gehörende ‚Demedis‘-Gruppe, Düsseldorf mit einem Jahres-Umsatzerlös von ca.
500 Millionen DM.
Einen möglichen Börsengang sah Sirona nur für den Produktionsteil vor. Dr. Scherer
betonte, dass die Permira Finanzinvestoren sich nicht in das operative Geschäft einmisch-
ten. Das Sirona-Management und die Mitarbeiter würden dies geniessen. Zu Siemens-Zei-
ten hätten vier übergeordnete Unternehmensebenen bürokratisch mitregiert.

178. Verkauf der Brains AG, Zürich an Sirona


Bald nach der Amtsübernahme von Herrn Dr. Scherer wandte er sich an Brains mit dem
Wunsch, die Patente von Brains zu übernehmen. Marco und ich traten in Verhandlungen
mit Sirona ein, die von Dr. Scherer und Frau Simone Blank, Finanzvorstand des Unter-
nehmens mit Beratern und Anwälten auf beiden Seiten geführt wurden.
Wegen der niedrigen Marktdurchdringung von CEREC und der Turbulenzen in und
um das Unternehmen in Bensheim war es regelmässig zu Diskussionen zwischen Sie-
mens und Brains über die Lizenzzahlungen im Verhältnis zu den Forschungs- und Ent-
wicklungskosten für CEREC gekommen. Unser Patent mit der längsten Laufzeit „Verfah-
ren und Vorrichtung zur Bestimmung und Darstellung der dreidimensionalen Gestalt von
präparierten Zähnen“ schützte die CEREC Scanner und würde im Juni 2007 in Europa,
USA und Japan ablaufen. Auch die Lizenzierung unseres Blockpatentes an die Firmen
VITA Zahnfabrik (VITA Mark II und Dentsply (Dicor MGC) gehörten dazu, sowie unsere
Marke „CEREC“.
Der Wunsch von Sirona, die CEREC Patente nicht weiterhin zu lizenzieren sondern
zu besitzen, waren verständlich. Dies weil die Weiterentwicklung bei Sirona erfolgte und
der Besitz der ursprünglichen Patente die Anmeldung weiterführender Patente sichern
Zahnrestaurationen per Computer 181

konnte. Auch im Hinblick auf den möglichen Börsengang des Unternehmens machte die
Sicherung der Patente und der Marke Sinn.
Auf meiner Seite war es schwierig, einerseits eine weiterhin fruchtbare Zusammen-
arbeit mit Sirona aufrechtzuerhalten und andererseits dieses Anliegen von Sirona abzu-
lehnen. Für Brains erhoben sich Fragen: Vergab man sich mit einer auf den bisherigen
Markterfolg von CEREC bezogenen Ablösesumme die Chance auf einen rasch ansteigen-
den Markterfolg mit ebenso rasch ansteigenden Lizenzen in den kommenden 10 Jahren?
Wollte man sich auf eine Auseinandersetzung über eine mögliche einseitige Kürzung der
Lizenzen durch Sirona einlassen? Konnte man bei einer einseitigen Kürzung die Exklusivi-
tät der Lizenz aufheben und einen zweiten Lizenznehmer finden?
Brains entschied sich für „Take the money and run“ und einigte sich mit Sirona nach
längeren zähen Verhandlungen auf den Verkauf der Patente und Markenrechte „CEREC“
samt der Firma Brains an Sirona per 25. Oktober 1999. Im Nachgang liquidierte Sirona die
Firma Brains. Ich war von meinen administrativen Verpflichtungen bei Brains entlastet.
Über die finanzielle Regelung wurde Stillschweigen vereinbart. Auch wenn das Ergebnis
des CEREC Ventures für Brains moderat ausgefallen war, wünschten wir CEREC für die
weitere Entwicklung nur das Beste. Ich war entschlossen, mich weiterhin nach besten
Kräften für den Erfolg meiner Methode einzusetzen.

Achtzehnter Teil: Sirona und CEREC entwickeln sich

40) 2000 SIRONA PRÄSENTIERT CEREC 3

179. Schnelle Akzeptanz von Sirona als Nachfolgerin von Siemens


Zu meiner Erleichterung erwies sich Dr. Scherer als CEREC-Fan. Ich revidierte meine an-
fängliche Skepsis gegenüber Dr. Scherer im Laufe meiner Kontakte mit ihm vollständig
und entwickelte Sympathie und Achtung für ihn. Er sah sich ehrlich als Söldner der Öko-
nomie, der Unternehmensprobleme pragmatisch und zielstrebig löst. Sirona wuchs unter
seiner Leitung national und international.
Im Jahr 1998/99 zeichnete sich für Sirona ein positiver Trend auf dem Weltmarkt ab.
Der Firmenname „Sirona“ wurde schnell akzeptiert. Jeder dritte Zahnarztstuhl und 45%
der Röntgengeräte in Deutschland kamen von Sirona, das digitale Röntgen entwickelte
sich als Domäne von Sirona. „Mit dem CE-
REC-Verfahren ist Sirona Weltklasse. Siro-
na hat die Chance zu einem Paradebeispiel
einer erfolgreichen privaten Geschäftsüber-
nahme zu werden“ (Dr. Franz Scherer im
Bergsträsser Anzeiger, 27. Januar 1999).
Das Sirona-Management steuerte einen
harten Kurs, um das Unternehmen so rasch
wie möglich in die Gewinnzone zu fahren.

Abb. 104 CEREC 3 getrennte Anordnung


der Aufnahme und Konstruktionseinheit im
Behandlungsraum, Datenübertragung per
Kabel oder per Funk.
Zahnrestaurationen per Computer 182

Bei einem Besuch in Bensheim im Herbst 1999 wurde mir überraschend die dritte Evoluti-
onsstufe von CEREC vorgestellt, die man bis dahin erfolgreich vor mir geheim gehalten
hatte. Mir blieb das Herz stehen, als ich ein Aufnahme- und Konstruktionsgerät mit einem
grossen Flachbildschirm (CAD) und separat davon eine Schleifeinheit als Tischgerät
(CAM) zu sehen bekam. Sie hatten mein Konzept des integrierten Gerätes gesprengt, die
Idee des integrierten kleinen handlichen chairside CAD/CAM Gerätes speziell für den
a Zahnarzt in der Praxis war dahin.
Es ist mir präsent, als wäre es gerade eben gewesen, wie ich meine extreme Enttäu-
schung darüber förmlich hinunterschluckte und mir die Zwänge und Vorteile des CEREC 3
durch den Kopf schossen. So war ich ohne das geringste Zögern in der Lage, allen Ent-
wicklern, speziell Herrn Dr. Joachim Pfeiffer und Herrn Dr. Franz Scherer sofort ganz herz-
lich für die Entwicklung von CEREC 3 zu gratulieren und Erfolg zu wünschen. Alle waren
über meine Reaktion erleichtert. Sirona erhielt für diese Entwicklung einen Innovations-
preis in Gold.

180. Öffnung des CEREC Systems für die Zahntechnik


Markttechnischer Vorteil von CEREC 3 war die Zugänglichkeit des separaten Formschleif-
gerätes für die Zahntechnik. Fachpolitisch war der Einbezug der Zahntechnik in Deutsch-
land extrem wichtig. Das CEREC System wurde damit für den Berufstand der Zahntechni-
ker geöffnet.

b
a c
Abb. 105 a) Laptop mit Konstruktionssoftware und b) CEREC Scan Gerät. c) Ein in die
Schleifkammer integrierter Laser Line Scanner scannt das Silikonmodell mit drei Zähnen.
Diese Konfiguration konnte auch vom Zahntechniker als „inLab“ -Gerät und Software be-
nutzt werden.

Das Betriebssystem und die CEREC 3 Konstruktionssoftware CEREC Link waren neu auf
Windows basiert worden. Dies ermöglichte es Zahntechnikern mit dem Erwerb des ‚inLab‘
CAM-Gerätes und der CEREC Link Software, Messaufnahmen eines Zahnarztes im Labor
auf einen PC zu übernehmen und die Restauration zu konstruieren, formzuschleifen, dann
manuell fertig auszuarbeiten, farblich zu charakterisieren und zu glasieren.
Das Windows Betriebssystem erlaubte auch die Anbindung an die Patientenverwal-
tung und Abrechnung bei Zahnärzten und Zahntechnikern. Man setzte dabei auf offene
Schnittstellen und die digitale Integration der Produktbausteine.
Zahnrestaurationen per Computer 183

Auch ein „Semi-chairside Workflow war möglich. War der Praxis ein Labor mit Zahntechni-
ker angegliedert, so konnte mit einer physischen Schnell-Abdruck-und Modellmasse das
Scanmodell eines Zahnreihensegmentes erstellt werden (Abb. 105 c). Das CEREC 3
CAM-Gerät war als ‚inLab‘-Gerät mit einem ‚Laser Line Scanner‘ bestückt. Dieser konnte
das Modell eines Zahnreihen-Segmentes mit bis zu drei Zähnen scannen. Das Modell
wurde mit einem Halter auf der Blockspindel anstelle des Keramikblocks befestigt. Das li-
nienweise Scannen wirkte im ersten Moment des Erlebens interessant, war aber eine
Hilfslösung. Der Line Scanner brauchte minutenlang bis der Scan vollständig war. Der
Zahntechniker konnte dann das Inlay auf seinem PC/Laptop konstruieren und danach
formschleifen. Hier wurde das Konzept der modularen Produktgestaltung von Dr. Scherer
verwirklicht, das nicht schlecht ankam. Die Aufgliederung in mehrere Produkte erlaubte
auch eine flexiblere Preisgestaltung.
Fachlich ganz wesentlich, war CEREC 3 mit zwei feineren Fingerschleifern bestückt,
die die Restauration simultan von zwei Seiten ausschliffen (Abb. 106). Sie erlaubten eine
feinere Ausarbeitung als bei CEREC 2.
Interessant war es herauszufinden, ob
die Standzeit der feineren Instrumente
für den Praxisbetrieb genügend war. Die
Software benutzte nach wie vor die
Konstruktion mit Hilfe zweidimensiona-
ler Schnittdarstellungen.

Abb. 106 CEREC 3 Schleifanordnung


für simultanes Formschleifen mit zwei
Fingerschleifern. Der linke Fingerschlei-
fer mit konischer Spitze arbeitet die Hö-
cker und Fissuren und die Kanten sehr
naturnah aus. Die Ränder und Kanten
werden fein ausgeschliffen und zeigen
keine Frakturen.

41) 2000 CEREC 3 SYMPOSIUM AN DER UNIVERSITÄT ZÜRICH

181. Technischer Fortschritt bei CEREC 3


Mrs. Assistant-Professor Dr. Seung-Mi JEONG vom ‚College of Dentistry‘ der Chosun Uni-
versity, Seosuk-dong, Dong-gu, Kwang-ju, Korea, nahm am 4. März 2000 am CEREC 3
Symposium teil und verfasste einen perfekten Symposiumsbericht, den ich hier stark ge-
kürzt präsentiere.
„Obwohl das Symposium sehr kurzfristig angekündigt wurde, stieß es auf reges In-
teresse. Es kamen über 270 Teilnehmer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Exponenten der CEREC-Entwicklungsabteilung der Firma. Sirona präsentierten das Kon-
zept und die technischen Daten des neuen CEREC-3 Systems, die Mitarbeiter von Prof.
Mörmann berichteten über die zirka achtmonatige Erfahrung mit der neuen Technik an der
Station für Zahnfarbene- und Computerrestaurationen des Zentrums für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde der Universität Zürich.
Prof. Dr. W. Mörmann eröffnete das Symposium. Dr. J. Pfeiffer, CEREC Entwick-
lungsleiter bei Sirona, erläuterte das Hardware-Systemkonzept von CEREC 3 wie es oben
in den Abb. 104 und 105 dargestellt ist. Dieses stelle nun ein modulares System dar, das
Zahnrestaurationen per Computer 184

sich den jeweiligen Anforderungen anpassen läßt. Das System ist jetzt aufgrund des Mo-
dularkonzepts sowohl zum chairside Einsatz am Patienten, zum semi-chairside Arbeiten
z.B. mit dem Zahntechniker in der Praxis als auch zum indirekten Arbeiten im externen
zahntechnischen Labor einsetzbar.
Herr U. Orth, Chef der CEREC Softwareentwicklung bei Sirona, ging auf das Soft-
warekonzept der neuen Gerätegeneration ein. Die auf Windows NT basierende Software
zeichnete sich durch eine bessere Übersicht, erhöhte Ablaufgeschwindigkeit, Netzwerk-
und Internet-Anbindungsfähigkeit sowie vor allem eine höhere Konstruktionssicherheit
aus.“
Herr G. Eichhorn, Sirona, stellte die Möglichkeiten der Einbindung des CEREC 3 Ge-
rätes im Praxis-Netzwerk vor. CEREC 3 konnte mit der Intraoral-Farbvideo-Kamera Siro-
cam 2 und mit dem Digitalröntgen-Gerät Sidexis vernetzt werden. Dadurch liessen sich
sowohl Röntgenbilder als auch Intraoral-/Extraoralaufnahmen von Patienten effizient ver-
walten.

182. CEREC 3: Zeitgewinn, okklusale Morphologie, Befestigungsfuge


Dr. Tim Rügge verglich die Herstellungszeit und vertikale Diskrepanz von Restaurationen
bei CEREC 2 und 3. Im direkten Vergleich konnte die Herstellungszeit von 47 min auf 30
min (CEREC 3) reduziert werden. Dies war auf die übersichtliche Benutzerführung, die
Anwendung des Präparations- und Funktions-Scans sowie auf die verbesserte Rechner-
kapazität von CEREC 3 zurückzuführen.
Dr. Andreas Bindl erläuterte anhand eines von ihm versorgten Patientenfalles (Abb.
107), wie man mit CEREC 3
eine Endokrone auf einem
wurzelbehandelten Molaren
in einer Sitzung herstellen
kann.
a b
Abb. 107 a) Oberkieferzahn-
reihe mit CEREC 3 Restaura-
tionen. b) Röntgenbild: wur-
zelbehandelter erster Molar
mit Endokrone. c) Endokrone
close-up. d) Die CEREC 3
Formgestaltung der Endo-
krone ist gegenüber der von
CEREC 2 (Abb. 91, S.161)
wesentlich detailierter und c d
verfeinert. Behandler: Dr. An-
dreas Bindl.

Bei Vorliegen einer genügend


grossen Adhäsivfläche, sowie bei exaktem Einhalten der Regeln der Adhäsivtechnik, kann
bei der Versorgung mit einer Endokrone auf die Erstellung von Stiftaufbauten verzichtet
werden.
Dr. Bindl ging auch auf das neue Veneerprogramm von CEREC 3 ein, das die Kon-
struktion anatomisch gestalteter Veneers gestattete (Abb. 108). Die Inzisalkante konnte
individuell detailliert formgeschliffen werden, die Passung war gegenüber CEREC 2 deut-
lich verbessert.
Zahnrestaurationen per Computer 185

a b c
Abb. 108 a) Bei Unfall frakturierter oberer rechter Schneidezahn ohne Verletzung der
Pulpa. b) Chairside Fertigung eines Veneers: Graziler Formschliff der Veneerschale in der
CEREC 3 Schleifeinheit. c) Adhäsiv befestigtes Veneer. Behandler: Dr. Andreas Bindl.

Frau Professorin Dr. Seung-Mi JEONG beurteilte die am CEREC 3 Symposium vorgestell-
ten neuen Möglichkeiten als beeindruckend und für die Zukunft vielversprechend.

42) 2003/05/16 SIRONA: GESCHÄFTSLEITUNGS- & EIGENTÜMERWECHSEL

183. Innovations-Rhythmus bei CEREC und bei der Sirona Geschäftsleitung


Im Jahr 2000 konsolidierte sich der Übergang von Siemens zu Sirona weiter. Dies galt
auch für die technische Innovation. Mehr als drei Viertel des Umsatzes wurden mit Pro-
dukten gemacht, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt waren. Ein nachhaltiges
Wachstum von 25% pro anno bei CEREC, Behandlungsstühlen und anderen Produkten
wurde verzeichnet. Die Zeichen standen auf Wachstum.
Alle 60’000 Zahnärzte/innen in Deutschland, die in 45’000 Praxen arbeiten, kannten
den Begriff ‚CEREC‘. Die Marktdurchdringung war mit 6% (3000 Geräte) allerdings noch
sehr bescheiden. Sirona-Chef Dr. Franz Scherer klassifiziert das so: “CEREC ist auf dem
Weg, ein allgemein akzeptiertes Verfahren zu werden“.
Darüber waren die Meinungen allerdings gespalten. Produktentwickler Dr. Joachim
Pfeiffer kannte einerseits „begeisterte Kunden“, andererseits Zahnärzte, „die CEREC ach-
selzuckend gegenüberstehen“. Das entsprach auch meiner eigenen Erfahrung. Die Enthu-
siasten sehen, neben dem unmittelbaren Patientennutzen, die Vorteile der Wertschöpfung
innerhalb der Praxis. Dr. Scherer rechnet vor, dass sich der mit rund 100 000 DM nicht un-
erhebliche Anschaffungspreis in 18 bis 24 Monaten amortisiert hat. Die Skeptiker argu-
mentieren mit einer völligen Umorganisation der gewohnten Arbeitsabläufe, wenn CEREC
zum Einsatz kommt, berichtet der Bergsträsser Anzeiger am 18. April 2001.
Offenbar galt der Innovations-Rhythmus von ca. fünf Jahren für technische Produkte
wie er sich bei Sirona etabliert hatte, auch als Richtschnur für den leitenden Topmanager.
So konnte ich am 12. Februar 2002 einer dürren Mitteilung, folgendes entnehmen: Verän-
derung in der Geschäftsführung der Sirona Gruppe. „Am 2. April 2002 tritt Herr Jost C. Fi-
scher in die Geschäftsführung ein. Er wird per 01. Mai 2002 den Vorsitz von Herrn Dr.
Franz Scherer übernehmen“. Nach meiner Ansicht hatte Herr Dr. Scherer seine Sanie-
rungsaufgabe mit Bravour erfüllt.
Der neue Vorsitzende hatte unter anderem bereits eine Beteiligungsgesellschaft von
Schroders/Permira geleitet. Ich stellte mir vor, dass dies für die Kommunikation zwischen
zwischen dem Vorsitzenden und den Inhabern von Permira ein spezieller Vorteil sein
konnte.
Zahnrestaurationen per Computer 186

184. Rasante Wertsteigerung


Die Finanzgesellschaft Permira hatte Sirona Dental Systems von Siemens offenbar für ca.
700 Millionen DM (Deutsche Mark) gekauft und das sollte sich als gute Anlage erweisen.
Üblicherweise versuchen Finanzgesellschaften nach der Sanierung einer Anlage, diese in
fünf bis sechs Jahren gewinnbringend weiterzuverkaufen. Permira verkaufte Sirona an den
zum schwedischen Wallenberg Clan gehörende Beteiligungsgesellschaft EQT nach sechs
Jahren mit einem guten Gewinn.
Sirona hatte sich zum „Global Player“ entwickelt, indem es bereits 70% des Umsat-
zes im Ausland erwirtschaftete. Mit dem Einstieg von EQT nahm Sirona 300 Millionen
Euro auf, um den Grossteil des Kaufpreises zu finanzieren. Dadurch rutschte der Gewinn
von Sirona zuletzt ins Minus. Nach nur anderthalb Jahren verkaufte EQT die Firma Sirona
Dental Systems weiter an die Beteiligungsgesellschaft Madison Dearborn mit Sitz in Chi-
cago mit einem Aufschlag von fast 400 Millionen Euro (Tabelle 8).

Tabelle 8 Wertsteigerung des Unternehmens Sirona Dental Systems. Daten des Ver-
kaufs von Permira an EQT Wallenberg aus Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. No-
vember 2003.

SIRONA DENTAL SYSTEMS WERTSTEIGERUNG

Jahr Verkauf Preis


Millionen

1997 Siemens gründet ‚Sirona‘

1997 Siemens verkauft Sirona an Permira für 358 €

2003 Permira verkauft

an EQT 84%, das Sirona


für 417 €
Management hält 16%
2005
EQT verkauft Sirona an Madison für 800 €
Dearborn

2016 Merger Dentsply Sirona

Die Schweizerische Bank UBS war von Sirona als beratende Investmentbank hinzugezo-
gen worden und hatte den Unternehmenswert von Sirona aufgrund des Ergebnisses des
Geschäftsjahres 2003/2004 und der sehr guten Entwicklung des laufenden Geschäftsjah-
res den Wert des Unternehmens auf 700 Millionen Euro geschätzt.
CEREC dürfte nicht unerheblich zu der Wertsteigerung des stark expandierenden
Unternehmens beigetragen haben, denn im Jahre 2003 war die dreidimensional darstel-
lende Konstruktionssoftware eingeführt worden. Die neue Konstruktionssoftware hatte die
Designphase (CAD) der Restaurationen signifikant erleichtert und attraktiver gemacht.
Madison Dearborn gehört zu den weltgrössten und ältesten Beteiligungsgesellschaf-
ten. Die smartesten waren aber im Falle von Sirona sicher die Schweden, sie hatten den
Riecher für den schnellen Euro gehabt. Sie begründeten den schnellen Weiterverkauf mit
Dissonanzen zwischen ihnen und dem Sirona Vorstand Jost Fischer, ohne weitere Erklä-
rung. Auch der Vorstand dürfte ein Interesse an dem schnellen Wechsel gehabt haben.
Zahnrestaurationen per Computer 187

Angesichts dieses finanziellen Fischzuges beschlich mich das Gefühl, dass Brains unser
geistiges Eigentum, nämlich unserer Patente und unsere Marke CEREC bei den Verhand-
lungen zwischen Brains und Sirona vielleicht doch zu bescheiden bewertet hatten.
Aber man musste den Verkauf von Brains auch in Relation zu den Menschen sehen,
die im Werk Bensheim täglich an der Weiterentwicklung und Produktion von CEREC arbei-
teten und zu denen, die die Aufgabe hatten, das Verfahren skeptischen Zahnärzten beliebt
zu machen. Diese gehen mit ihrem normalen Lohn nach Hause, auch wenn die Firma von
Finanzakrobat zu Finanzakrobat mit hohem Aufschlag weiterverkauft wird. Auch Siemens
selbst und die englischen Investoren Permira hatte sich ja im Vergleich zu den Schweden
mit bescheideneren Profiten zufrieden gegeben.

185. Die Fusion von Dentsply und Sirona


Nach dem Kaufinteresse von Dentsply an CEREC im Jahre 1985 und der Block-Lizenz für
das Dicor MGC, als die Patente noch in den Händen von Brains waren, kommen Dentsply
und CEREC im Jahre 2016 unter ganz anderen Voraussetzungen zusammen. Dentsply
und Sirona fusionieren als gleichberechtigte Partner. Dentsply Sirona ist nach diesem Zu-
sammenschluss weltweit der größte Hersteller von Dentalprodukten für Zahnärzte und
Zahntechniker. Im Februar des Jahres 2019 konnte ich mich bei der Vorstellung der neu-
esten CEREC Kamera „Primescan“ davon überzeugen, dass das digitale Herz des Unter-
nehmens nach wie vor am Standort Bensheim schlägt.

Neunzehnter Teil: Aktivitäten in Wissenschaft und Lehre

43) 1984 -1999 CEREC DISSERTATIONEN AN DER UNIVERSITÄT ZÜRICH

186. Erarbeiten von Erkenntnissen zur CEREC Methode


Im Laufe der Entwicklung der CEREC Methode stellten sich verfahrenstechnische Fragen.
Die Anwendung und Qualität verschiedener Keramiken und Hilfsmaterialien war zu unter-
suchen, der klinische Erfolg musste kontrolliert und dokumentiert werden, Lehrmittel waren
zu erstellen. So ergaben sich ständig Themen für Dissertationsarbeiten (Tabelle 9) und es
fanden sich immer junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich für die Bearbeitung eines
Themas im Rahmen der CEREC Methode interessierten.
In der Position als Assistenz-Zahnarzt/in und Doktorand/in konnten sie klinische Er-
fahrung in der Behandlung von Patienten mit der CEREC-Methode erwerben und während
der Assistenzzeit eine Doktorarbeit vollenden. Gleichzeitig nahmen sie am allgemeinen
Fortbildungsprogramm teil und/oder trugen dazu bei. Die Erkenntnisse aus den Dissertati-
onsarbeiten leisteten einen wichtigen Beitrag für direkte Verbesserungen der CEREC Me-
thode, oder für das Verstehen der Methode in der Lehre und in der Anwendung. Die Assis-
tenzzahnärzte/innen erwarben sich mit ihren Arbeiten Kompetenz beim Unterrichten von
Studenten und privaten Zahnärzten in den Kursen.
Die in den Tabellen 9 und 10 aufgeführten Dissertationen geben einen Eindruck von
den behandelten Problemen und von der Entwicklung der Methode über die Jahre 1984
bis 1995. Einige von ihnen brachten grundlegende Erkenntnisse, die für die Qualität und
Dauerhaftigkeit der CEREC Restaurationen von entscheidender Wichtigkeit waren.
Zahnrestaurationen per Computer 188

187. CEREC Dissertationen an der Universität Zürich 1984 bis 1995.


Dissertation Nr. 1 zeigte, dass das adhäsive Befestigen von Inlays mit Komposit als Fu-
genmaterial, keine durch Polymerisationsschrumpfung verursachte Spannung in der Kle-
befuge erzeugte, was der Dauerhaftigkeit des Verbundes förderlich ist (Abb. 109).
Dissertation Nr. 2 schloss an die vorgenannte Arbeit an und zeigte, dass der Rand-
schluss der adhäsiven Klebefuge bei CEREC Keramikinlays thermischen Belastungen
standhielt, während er bei Goldgussinlays und bei Amalgamfüllungen zu einem starken
Verlust der Randqualität führte (siehe Abb. 52, 53, 54, Seiten 66, 67). Im Penetrationstest
waren die adhäsiven CEREC Inlays penetrationsdicht, während die Ränder der Metallfül-
lungen vollständig von der Testfarbe penetriert wurden.

Abb. 109 Dissertation 1: Anord-


nung zur Messung der Verände-
rung des Abstandes zwischen den
seitlichen Kavitätenwänden beim
adhäsiven Füllen mit plastischem
Komposit versus adhäsivem Be-
festigen von CEREC Inlays. Bei
direkt gehärteter Kompositfüllung
entstand eine messbare Här-
tungsspannung auf die seitlichen
Kavitätenwände, bei Härtung des
Befestigungskomposits eines ein-
gefügten CEREC Inlays entstand
keine messbare Härtungsspan-
nung. (Götsch T. Med Diss 1984)

Dissertation Nr. 3 ergab, dass Frontzahnveneers mit Präparation der Fazialfläche im Den-
tin, mindestens eine 1 mm breite zirkuläre Ätzhaftung am Zahnschmelz in der Randzone
von Veneers benötigten, um eine Haftung zu bewirken, die einer gegen die Schneidekante
einwirkenden Belastung standhält. Diese Information war für die Befestigung von Veneers
anfänglich wichtig, da die Dentinhaftung in den 80 er Jahren noch nicht verfügbar war. 

Dissertation Nr. 4: Die adhäsive Befestigung bewährte sich auch bei grossen Onlay-
Restaurationen mit dem Ersatz von Höckern.
Dissertation Nr. 5 zeigte eine Zeitersparnis für die Behandlungszeit des Zahnarztes
von 30% pro Zahn bei der Behandlung von drei Zähnen in einer Reihe, wenn ihn eine
speziell ausgebildete CAD Assistenz unterstützte. Dieser Rationalisierungsgewinn war für
die praktische Anwendung des CEREC 1 Gerätes sehr wichtig, da sich häufig Patienten
sämtliche Amalgamfüllungen durch CEREC Keramikinlays ersetzen liessen.
Dissertation Nr. 6: Inlays und Onlays aus Dicor MGC (Machinable Glass Ceramic)
konnten mit ähnlicher Qualität wie solche aus Feldspatkeramik (VITA Mark II) adhäsiv be-
festigt werden. Das Dicor MGC war als Keramik aus amerikanischer Fabrikation (Corning
Inc., Corning NY, USA) bei US-Anwendern beliebt. Dicor wurde durch die frühere Firma
Dentsply vertrieben. Dicor war im zahntechnischen Labor zur Herstellung von Kronen mit-
tels Presstechnik verfügbar und war in den 80er Jahren sehr beliebt. Man hoffte, dass sich
das Material auch für dreigliedrige Brücken mindestens im Prämolarenbereich bewähren
würde. Das war aber nicht der Fall. In der Form des Dicor MGC war es durch einen Li-
zenzvertrag zwischen den Firmen Brains und Dentsply in einem Set für CEREC 1 Anwen-
der verfügbar. Leider war dem Produkt kein dauerhafter Markterfolg beschieden.
Zahnrestaurationen per Computer 189

Tabelle 9 Von Prof. Mörmann geleitete CEREC Dissertationen in den Jahren 1984 bis
1995.

CEREC Dissertationen an der Universität Zürich 1984 bis 1995


Jahr Autor Titel

1 1984 Götsch T. Deformation der Seitenwände und marginale Adaptation von Klasse II
Kavitäten beim Füllen mit Komposit (und Komposit Inlays)
2 1987 Jans H. Marginale Adaptation von maschinell hergestellten Keramikinlays in
vitro
3 1989 Gougoulakis Retentionsrate und marginale Adaptation von CEREC Porzellanver-
A. blendschalen in vitro.
4 1989 Zimmermann Marginale Adaptation von maschinell hergestellten Onlays in vitro
E.
5 1990 Besek M. Die Quadrantenbehandlung mit CEREC-Inlays bei Unterstützung
durch eine CAD-Assistenz
6 1990 Bronwasser Die marginale Adaptation von CEREC DICOR-MGC Restaurationen
PJ unter Verwendung von Dentinadhäsiven
7 1990 Fett H. Optimierung der adhäsiven Befestigung von CEREC Inlays in vitro
8 1990 Meyer B.J.A. Die Optimierung der Puderapplikation bei der CEREC-Methode unter
Berücksichtigung umweltfreundlicher Treibgassysteme
9 1990 Tolen F.R. Der Einfluss der Vermessungspuderapplikation auf die Passform von
CEREC Unlays
10 1990 Schmid O. Evaluation von verschiedenen Ausarbeitungs- und Polier-Verfahren für
Sofortinlays aus Komposit und Keramik
11 1992 Fehér A. Die Standzeit von Diamantscheiben mit unterschiedlichen Belagsmus-
tern bei der Bearbeitung von Keramikwerkstoffen mit dem CEREC
System
12 1992 Steuber- Fügeverhältnisse bei computergestützter Herstellung von Keramik-in-
Sandera lays unter Anwendung von drei Gerätegenerationen

13 1993 Furrer O. Die Kantenqualität von computertechnisch formgeschliffenen Keramik-


inlays
14 1993 Kümin P. Biegefestigkeit zahnfarbener Restaurationswerkstoffe nach CAD/CIM
Bearbeitung und im adhäsiven Verbund mit Dentin
15 1994 Zeller M. Die Erfassung zahnfarbener Restaurationen mit einem computerge-
stützten Dokumentationssystem
16 1995 Link C.S, Untersuchung der Farbwirkung von Porzellanveneers bei Hinterlegung
mit Komposit
17 1995 Mattiola A. Vertikale Diskrepanz und Zeitaufwand beim Einschleifen von maschi-
nell gefertigten Inlays und Overlays mit der CEREC 2 Methode

18 1995 Persi C. Die Aushärtung von lichthärtendem Komposit unter zahnfarbenen In-
lays
Zahnrestaurationen per Computer 190

Dissertation Nr. 7 untersuchte die Frage, ob eine Fein-Schrägung des Zahnschmelzes an


lateralen und gingivalen Rändern und die Silanisierung der Restaurations-Keramik einen
Vorteil für die Qualität des adhäsiven Verbundes bieten konnte. Die Feinschrägung redu-
zierte Schmelzrandfrakturen und die Adhäsion zwischen Komposit und Keramik wurde
durch die Silanisierung eindeutig verbessert.
Die Dissertationen Nr. 8 & 9 bearbeiteten die Problematik der Puderapplikation. Die
Schichtdicke des Mattierungspuders betrug 25µm an den proximal-lateralen Kanten, 80µm
auf den zervikalen Stufen und dem okklusalen Kavitätenboden und 28 µm an den okklusa-
len Kanten. Das Klumpen und Verstopfen der Puderkanüle konnte durch Optimierung der
Zusammensetzung des Puders reduziert werden.
Dissertation Nr. 10: Die Oberflächenqualität der CEREC Restaurationen wird durch
die Rauigkeit der Abtragsinstrumente bestimmt. Rauigkeiten über 0,2 µm fördern die Bil-
dung mikrobiellen Zahnbelags. Dies bedeutet, dass die Aussenflächen der Restaurationen
vom Zahnarzt manuell auf Hochglanz poliert werden müssen. Die Oberflächenqualität und
ihre Beständigkeit würde die CEREC Methode auch in Zukunft beschäftigen. (Mörmann W,
Stawarczyk B, Ender A, Sener B, Attin T, Mehl A. Wear characteristics of current aesthetic
dental restorative CAD/CAM materials:two-body wear, gloss retention, roughness and
Martens hardness. J Mech Behav Biomed Mater 2013;20:113–125.)
Die Dissertation Nr. 11 untersuchte verschiedene Diamant-Belegungsmuster hinsicht-
lich der Abtrags-Leistung und der Scheibenstandzeit herauszufinden.
Die Dissertation Nr. 12 untersuchte vergleichend die drei Entwicklungsstufen des
CEREC 1 Gerätes. Die Bedienung und die Schleifpräzision des Gerätes wurden nach-
weislich verbessert.
Dissertation Nr. 13: Die Kantenqualität der Inlays wurde in Abhängigkeit der Dia-
mantkorngrösse auf der Schleifscheibe untersucht. Das D 64 µm Diamantkorn erzielte das
beste Ergebnis bezüglich Kantenqualität und Abtragsleistung.
Dissertation Nr. 14: Die Versuchsanordnung ergab keinen Einfluss auf die Biegefes-
tigkeit von Keramik bei Verklebung mit Dentin. Dissertation
Nr. 15: Alle CEREC-Restaurationen an der SZCR konnten mit dem DokuRec-System
zuverlässig erfasst werden.
Dissertation Nr. 16: Die Farbtönung von Keramik konnte durch Hinterlegung von ver-
schieden-farbigem Komposit beeinflusst werden („Internal shading“). Sehr stark wirkte sich
die Helligkeit des Hintergrundes auf die äussere Erscheinung aus.
Die Dissertation Nr. 17 untersuchte die vertikale Diskrepanz bei der Einprobe von
CEREC 2 Inlays und Overlays und die für das Einschleifen der korrekten Okklusion benö-
tigten Zeit. Das Einstellen der störungsfreien Okklusion und Artikulation ist ausschlagge-
bend für den Patientenkomfort und den Erfolg der restaurativen Behandlung.
Dissertation Nr. 18: Die Aushärtung des lichthärtenden Komposits unter der Keramik-
restauration hing von der Intensität des durch die Keramik zum Komposit gelangenden
Lichtes und der Bestrahlungsdauer ab. Die Aushärtung des zur adhäsiven Befestigung der
Restauration verwendeten Komposits war für den Erfolg der Behandlung wesentlich.

188. CEREC Dissertationen an der Universität Zürich1995 bis 1999


Die CEREC Dissertationen 1995 bis 1999 mit den Nummern 19 bis 28 sind in der Tabelle
10 aufgelistet.
Dissertation Nr. 19. Für die Akzeptanz der CEREC Methode war es wichtig nachzu-
weisen, dass die Schleifpräzision und Passgenauigkeit von CEREC 2 gegenüber dem
CEREC 1 Gerät deutlich verbessert war.
Zahnrestaurationen per Computer 191

Tabelle 10 Von Prof. Mörmann geleitete CEREC Dissertationen in den Jahren 1995 bis
1999.

CEREC Dissertationen an der Universität Zürich 1995 bis 1999


Jahr Autor Titel

19 1995 Schug J. Schleifpräzision und Passgenauigkeit bei der Herstellung vom compu-
tertechnisch formgeschliffenen Restaurationen

20 1995 Werner A. Aesthetik und marginale Adaptation von CEREC Frontzahnrestauratio-


nen
21 1996 De Nisco S. Untersuchung der Okklusalmorphologie von CEREC 2-Inlays und
Overlays
22 1996 Felber L. Computergestützte automatische Konstruktion von Zahnrestauratio-
nen mit Hilfe dreidimensionaler Bilddaten

Diss Techn Wiss Nr. 11648, ETH Zürich


23 1996 Lampe K. Bruchlast vollkeramischer Computerkronen
24 1998 Bitz M. Dokumentationsprogramm „Doktor“ zur Verfahrenserprobung von CE-
REC-Kronen im elektronischen Verbund
25 1998 Rathke A. Der Einfluss von Präparation und Befestigungsmethode auf die Bruch-
last vollkeramischer Computerkronen
26 1998 Windisch S. Marginale Passgenauigkeit und interne Fugenbreite von CEREC Front-
zahnkronen und Frontzahnkronenkappen
27 1998 Zangger D. Die Aushärtung von lichthärtenden Befestigungsmaterialien unter
CAD/CIM Kompositinlays
28 1999 Toth R.T. Selbstunterrichtsprogramm für die Computerkrone

Dissertation Nr. 20: In dieser Arbeit wurde gezeigt, dass es mit CEREC 2 auch möglich
war, keramische Frontzahn-Restaurationen der Klasse III und IV herzustellen.
Dissertation Nr. 21. Es interessierte, wie nahe die von CEREC 2 erzeugbare Kauflä-
chengestaltung der natürlichen Morphologie kam, bzw. welche Diskrepanzen bestanden.
Die Auswertung geschah mit Hilfe digitaler Differenzbilder.
Dissertation Nr. 22. Bei der Ausbildung von Studenten und privaten Zahnärzten in der
CAD-Konstruktion von Inlays kam es oft vor, dass der Anwender im Bestreben, die Kon-
struktion zu perfektionieren zu viel Zeit verlor. Ich kam deshalb zur Ansicht, dass ein Weg
gefunden werden musste, der es erlaubte, dass die formergänzende Konstruktion des In-
lays vom System automatisch gefunden werden konnte. Mit den erarbeiteten Lösungen
wurden aber nur Erfolgsraten von ca. 70% erreicht. Das war für die Routine-Anwendung
leider zu wenig.
Dissertation Nr. 23 bestätigte, dass Restaurationen aus Feldspatkeramik, insbeson-
dere die VITA Mark II Keramik wegen ihrer begrenzten Belastbarkeit nur in Kombination
mit der adhäsiven Befestigung klinisch angewendet werden sollten.
Dissertation Nr. 24. Das interne Dokumentationsprogramm für CEREC Kronen be-
währte sich innerhalb unserer Klinik. Ein Feldversuch kam nicht zustande.
Dissertation Nr. 25 zeigte, dass CEREC Kronen dank der adhäsiven Befestigung auf
Präparationen unterschiedlicher Ausprägung inkorporiert werden konnten.
Zahnrestaurationen per Computer 192

Dissertation Nr. 26. Die Passung von Frontzahnkronen war trotz des stark unterschiedli-
chen Höhenverlaufs des zervikalen Stufenrandes von Frontzahnpräparationen ausge-
zeichnet.
Dissertation Nr. 27. Rein llchthärtendes Komposit bewährte sich gegenüber der
Dualhärtung in der praktischen Anwendung.
Dissertation Nr. 28. Ein Selbstunterrichtsprogramm für die Konstruktion von CEREC
2 Kronen wurde als Manual gestaltet und erprobt. Das Manual mit Kontrollfragen erwies
sich für die Vorbereitung des praktischen Kurses und für das Nacharbeiten als wertvolles
Lehrmittel.

44) 1997- 2006 CEREC IM SPIEGEL UNSERER LEHRMITTEL

189. 1997 Manual CEREC 2 Computerkronen für den Selbstunterricht


Mit der Einführung der CEREC 2 Kronensoftware Crown 1.0 im Jahre 1997 stieg das In-
teresse der Zahnärzteschaft am CEREC System schlagartig an. Voll besetzte Fortbil-
dungskurse sowie zahlreiche Anfragen liessen auf einen enormen Informations- und Aus-
bildungsbedarf schliessen. An der Universität Zürich war allgemein für die Lehre die soge-
nannte ‚Mediendissertation‘ als akzeptiertes Dissertationsthema eingeführt worden.
Diese neue Sparte kam angesichts des evidenten Bedarfs im ganz neuen Feld der
‚Computerzahnmedizin‘ gerade zur rechten Zeit. Ich suchte deshalb unter den Examens-
absolventen unseres Hauses nach einem jungen Kolle-
gen, der die Neigung und Fähigkeit zur Gestaltung ei-
nes zum Selbstunterricht geeigneten Lehrmittels haben
würde und fand ihn in der Person von Robert T. Toth.

Abb. 110 Manual „CEREC 2 vollkeramische CAD/CIM


Computerkronen, Konstruktion im Front- und Seiten-
zahnbereich“. Autoren: Robert T. Toth und Werner H.
Mörmann. Eigenverlag der Stiftung zur Förderung der
Computer-Zahnmedizin (SFCZ), Zürich, 1999, 154 Sei-
ten. Layout und Satz erfolgten mit dem Adobe InDesign
Programm. Farbdruck: OK AG, Organisation Kolb, Zü-
rich. ISBN 3-9521752-O-X.

Auf meine Anregung und unter meiner Leitung führte er


diese Arbeit mit Bravour aus, um das Erlernen der CE-
REC 2 Kronensoftware im Selbstunterricht zu ermögli-
chen. Das Manual bildete zusammen mit dem
Übungsmodell und dem Zürcher Kronenkurs eine di-
daktische Einheit. Die Konstruktionsverfahren ‚Extrapo-
lation‘, ‚Korrelation‘, ‚Funktion‘, ‚Kronenkappe‘ und ‚Frontzahnkrone‘ wurden gelehrt.
Jeweils am Kapitelende wurden Kontrollfragen gestellt, die das Verständnis des Ge-
lesenen vertiefen sollen. Die korrekten Antworten befanden sich im Anhang, am Ende des
Manuals. Den Abschluss bildeten das Literaturverzeichnis bezüglich Vollkeramik-Kronen
und ein Sachregister.
Zahnrestaurationen per Computer 193

190. 2001 Manual CEREC 3 Vollkeramische CAD/CAM Inlays und Teilkronen


Relativ kurze Zeit nachdem wir das Manual für die Konstruktion von Kronen 1997 präsen-
tiert hatten, kam Sirona im Jahre 2000 mit dem CEREC 3 System auf den Markt. Das Kro-
nenmanual hatte sich derart bewährt, sodass ich sofort nach einem jungen Kollegen Aus-
schau hielt, der ein CEREC 3 Manual erstellen würde. Ein perfektes Vorbild hatten wir be-
reits. Björn Richter übernahm dieses Mal die Herausforderung.
Für die Anerkennung als Medien-Dissertation war entscheidend, dass das Werk zur
Verbesserung des Unterrichts beitragen konnte. Wir bil-
deten die Studenten im Jahreskurs III (3. Studienjahr)
seit 1992 in der CAD/CAM-Technologie aus. Dies ge-
schah jeweils theoretisch in Vorlesungen und praktisch
in einem zweiwöchigen Kurs an einem Phantomkopf mit
Modellzähnen.

Abb. 111 CEREC 3 Lehrbuch als gedrucktes Manual,


als elektronisches Buch (e-book) und in Form eines
computergestützten Trainings-Programmes.

Im 4. und 5. Ausbildungsjahr behandelten die Studenten


Patienten unter Aufsicht und mit aktiver Hilfe der schon
ausgebildeten Assistentinnen und Assistenten. Da nur
ein Teil der umfangreichen Materie über die Konstrukti-
on von CAD/CAM-Restaurationen in einem Ausbil-
dungskurs vermittelt werden konnte, bestand ein drin-
gendes Bedürfnis nach Lehrmaterial, anhand dessen
die Kurse vor- bzw. nachbearbeitet werden konnten. Darüber hinaus sollten die Lernenden
ihr Wissen anhand des Lehrmittels kontrollieren können, ohne einer Prüfungssituation
ausgesetzt zu werden.
Hinsichtlich der Kosten untersuchten wir, ob sich der Farbdruck gegenüber einem
Schwarzweissdruck des Lehrmittels in der Anwendung
durch die Benützer unterscheiden würde.

Abb. 112 CEREC 3 Wissensquiz: Ein interaktives Fra-


ge-Antwortsystem bezogen auf die Kapitel des Lehrmit-
tels.

Als Ergebnis zeigte sich, dass die Benutzer des Farb-


druckes mit 8,7 Stunden signifikant mehr Zeit aufwen-
deten als die Benutzer des Schwarzweiss-Druckes mit
3,6 Stunden. Studenten, die das Kontroll-Fragesystem
im Lehrbuch benutzten, hatten im CEREC 3 Wissens-
quiz deutlich bessere Punkte-Bewertungen als jene die das Kontrollfrage-System nicht
benutzten.
Entschied sich der Lernende für eine der möglichen Antworten auf eine Frage, so
präsentierte das System unmittelbar eine Rückmeldung, ob die Antwort richtig oder falsch
war. Dazu gab ein Feedback-Text weiterführende Erklärungen oder Hinweise. Die Feed-
back-Grafik unterstützte dabei diesen Text visuell. Das Lehrbuch umfasste ein Inhaltsver-
Zahnrestaurationen per Computer 194

zeichnis, 283 Seiten in 17 Kapiteln aufgeteilten Lerntext mit 585 farbigen Abbildungen,173
Kontrollfragen und ein Sachregister mit 1094 Schlagworten. Der Wissenstest umfasste
121 Fragen. Davon waren 16 Short-Text- , 41 Single-Choice-, 14 True-False-, 14 Multiple-
Choice-, 24 Hot-Spot- und 12 Drag-and-Drop-Fragen. Der Wissenstest hatte einen Daten-
umfang von 137 MB. Die Assistenzzahnärzte/innen der SZCR benötigten zur Durchfüh-
rung des gesamten Wissenstestes zwischen 1,5 und 2,5 Stunden.
Dieses CEREC 3 Lehrbuch kam bei Studenten und bei Privatzahnärzten in den CE-
REC-Kursen der verschiedenen Ausbildungsstellen sehr gut an, worauf ich es auf Wunsch
von Sirona ins Englische übertrug.

Abb. 113 Englische Version des CEREC 3 Lehrmittels.


Im Anhang befanden sich die Antworten auf die Kon-
trollfragen und ein thematisch geordnetes Literaturver-
zeichnis mit 201 Literaturangaben zum Thema Keramik-
restaurationen. Der gesamte Inhalt war auf der inneren
Seite des hinteren Einbandes in Form eines e-books
auf CD-ROM beigefügt.

191. 2004 Manual: CEREC 3D DESIGN


Die bisherigen Fortschritte der CEREC Methode möch-
te ich wie meinen eigenen Beitrag dazu „fleissig und
anerkennenswert“ nennen. Die Herstellung war auf die
Vollkronen erweitert worden, die indirekte Arbeitsweise
durch den Zahntechniker und das zahntechnische La-
bor hatte man einbezogen, die Herstellung der Restau-
rationsstücke war etwas perfekter in Bezug auf die Pas-
sung und Qualität der Oberflächen und Feinheit der Re-
staurationskanten geworden. Wir hatten eine teilweise
individuell anpassbare, Kauflächengestaltung gewonnen
und auch die Funktion konnte berücksichtigt werden. Bei allen technischen Fortschritten
war zwar das Anwendungsspektrum erweitert, aber die Anwendung leider nicht einfacher
geworden. Die Konstruktion erfolgte bei CEREC 3 nach wie vor anhand zweidimensionaler
Längs- und Querschnittdarstellungen aus der Arbeitswelt des technischen Zeichnens. Die
Anschaulichkeit dieser Konstruktionsweise war für den klinisch arbeitenden Zahnarzt und
auch Zahntechniker begrenzt.
In der Zwischenzeit hatte sich in der grossen Welt der Computerspiele in der 6.
Spielkonsolengeneration (1998-2005) eine verbesserte 3D-Grafik entwickelt PlayStation 2
(2000), Nintendo GameCube (2001), Panasonic Q (2001) (zit. aus Wikipedia, 13. Dezem-
ber 2019). Die technischen Grundlagen für die Schaffung eines CEREC Konstruktionspro-
grammes mit dreidimensionaler Darstellung realitätsnahem Rendering waren dadurch ge-
geben und wurden vom CEREC Entwicklungsteam in perfekter Manier genützt.
Sirona präsentierte im Jahre 2003 das CEREC 3D Design. Dies rückte die CEREC
Methode auf einen Schlag für Zahnärzte und Zahntechniker in den visuell greifbaren An-
wendungsbereich und bedeutete für die Akzeptanz einen grossen Schritt vorwärts. Das 3D
Design verlieh dem digitalen Datengerüst der CEREC Methode das visuell fassbare kör-
perliche Gesicht und brachte damit eine elementare Verbesserung. Von Konstruktionslini-
en und Rahmengerüst kam man zurück auf das realitätsnahe dreidimensionale Modell des
Zahnes.
Zahnrestaurationen per Computer 195

Abb. 114 ‚CEREC 3D Design, Vollkeramische CAD/


CAM Inlays, Teilkronen, Kronen und Veneers, Konstruk-
tion und Fertigung per Computer‘. 292 Seiten. © 2005
Stiftung zur Förderung der Computerzahnmedizin.
ISBN-10 3-9521752-4-2, ISBN-13 978-3-9521752-4-8.

Die Präparationen und die Restaurationen waren wie


beim physischen Gipsmodell in ihrer digitalen Form
rundum anschaubar, beurteilbar, kontrollierbar und kör-
perlich gestaltbar. Das war ein „Quanten“-Sprung für die
praktische Anwendung.
Unser klinisches Ausbildungsteam setzte die Ein-
führung des 3D Designs wiederum unter den Zug-
zwang, ein neues Unterrichtsmanual zu schaffen. Gut
hatte ich Andreas Ender als Mitarbeiter gewonnen, den
die graphische Gestaltung des 3D Manuals nach dem
Vorbild der vorhandenen Beispiele sehr reizte. In der
Folge schufen wir das CEREC 3D Design-Manual ge-
meinsam wie es im Titelbild in der Abbildung 114 dar-
gestellt ist.

192. 2006 Symposiums-Buch: ’20 Years of CEREC’


Das Buch enthielt sämtliche Vorträge des Symposiums, das im wissenschaftlichen Pro-
gramm unter meiner Führung lief und am 17 &18 März 2006 in Berlin stattfand. Wie schon
beim ersten CEREC Symposium 1991 stand es unter
dem Titel ‚State of the Art of CAD/CAM Restorations‘
und präsentierte den Stand der Technik der CEREC
Methode.
Es markierte 20 Jahre CEREC, gerechnet von
dem Vertragsabschluss zwischen Brains und Sie-
mens im August 1986. Ich hatte damals seit 1980
schon 6 Jahre CEREC-Entwicklung hinter mir, befand
mich demnach zur Zeit des Symposiums in meinem
26. CEREC-Jahr.

Abb. 115 ‚State of the Art of CAD/CAM Restorations,


20 Years of CEREC‘ © 2006 Quintessence, Berlin.
224 Seiten, mit CD-ROM ‚Electronic Posters’

Das Buch (Abb. 115) war mein letztes Werk als Her-
ausgeber. Die Stimmung am Symposium war gut, Si-
rona war mit CEREC speziell in USA erfolgreich. Man
konnte das Gefühl haben, dass CEREC auf einem
Höhepunkt der Entwicklung und der Akzeptanz ange-
kommen war. In-Ceram Classic Alumina, Spinell und
Zirconia (VITA) Kronenkappen und dreigliedrige Brückengerüste konnten konstruiert und
formgeschliffen werden.
Parallel zur 3D Software waren maschinell bearbeitbare Blöcke aus YTZP-Zirkonoxid
(Yttrium stabilized tetragonal zirconia polycrystals) „In-Ceram 2000 YZ (VITA) und im Jahr
Zahnrestaurationen per Computer 196

2005 IPS e.max CAD und ZirCAD (Ivoclar Vivadent) eingeführt worden. Der ‚inEOS Extra-
Orale Scanner‘ kam bei Zahntechnikern gut an. Weltweit nutzten an die 17’000 Zahnärzte,
die grösste Zahl in USA, 100 Zahnkliniken und 2000 Zahntechniker die CEREC Methode.
Die grosse Zahl der Anwender in USA bestimmte auch die Reihenfolge der Beiträge,
wodurch Dr. Rella und Dr. Gordon Christensen am Anfang standen. Es war mir gelungen,
diese prominentesten Vertreter der angewandten Zahnmedizin in USA einzuladen. Sie lei-
teten und vertraten die ’Clinical Research Associates’ (CRA) mit seinen Forschungs- und
Unterrichtseinrichtungen in Provo, Utah (UT).
CRA untersuchte jeweils neue Methoden und Produkte auf ihre Brauchbarkeit und
Erfolgsraten in vitro in ihren Forschungslabors in Provo, UT, aber auch in vivo. Die klini-
schen Beurteilungen basierten auf der durch Anwender in der zahnärztlichen Praxis erziel-
ten Ergebnisse. Der CRA-Newsletter war unter den praktizierenden Zahnärzten in den
USA stark meinungsbildend.
Ich hatte selbst 1998 in Provo, UT, einen Fortbildungskurs von Gordon mit dem Titel
„Fast and Easy Dentistry“ besucht, der mir sehr gut gefallen hatte. Steckte doch die Idee
der „Fast and Easy“-Handhabung von Anfang an und bis heute im Kern meiner „chairside“,
bzw. „in office“, „one visit“ Anwendungsphilosophie für CEREC.
In der Folge entsandte ich meine Mitarbeiterin Dr. Simone Windisch zu einem Auf-
enthalt an das Forschungsinstitut CRA, c/o Dr. Rella Christensen: „Clinical Research As-
sociates“, 2707 North Canyon Road, Suite 6, Provo, UT 84604, USA, vom 7. Juli bis 30.
September 1998.
Simone sollte dort zur Durchführung einer klinischen Studie 40 CEREC 2 Computer-
kronen in der Praxis von Gordon produzieren. Das CEREC 2 Gerät war durch die Sirona-
Tochter Pelton & Crane zur Verfügung gestellt worden. Das Schwergewicht der klinischen
Tätigkeit von Gordon lag im Bereich von komplexen prothetischen Behandlungen. Zur Fa-
brikation der CEREC 2 Kronen war ihm Simone als CAD/CAM-Assistentin zugeordnet. Die
Arbeitsweise mit CAD/CAM Assistenz hatte sich schon in der Dissertation von Besek
(1990) bewährt.

Zwanzigster Teil: 20 Jahre CEREC - Stand der Technologie im Jahr 2006

45) 2006 DAS ’20 YEARS CEREC SYMPOSIUM (20 YC)

193. Organisation, das Fest, Kurzfassungen der Präsentationen


Das Symposium fand in Berlin, im Maritim Hotel an der Stauffenbergstrasse 26, statt und
wurde, was den Rahmen betrifft vom Quintessenz Congress Office in Zusammenarbeit mit
Sirona unter der Leitung von Dr. W. Schneider und Dr. J. Serafin organisiert. Die Gestal-
tung des Programmes und die wissenschaftliche Leitung mit der Gestaltung des Symposi-
umsbuches lag in meiner Hand.
Die 20YC Geburtstagsparty fand im Tempodrom statt, einem zentralen Berliner Ver-
anstaltungsort. Drs. Wilhelm Schneider und Jürgen Serafin hatten ein rauschendes Fest
mit künstlerischen Darbietungen organisiert. Marco Brandestini und ich standen standen
als Pioniere der CEREC Methode ganz im Vordergrund und wurden in Ansprachen geehrt.
In den folgenden Kapiteln stelle ich den Inhalt der im Symposiums-Buch gedruckten
Beiträge in Kurzfassungen dar, um den damals erreichten Stand der Technik der CEREC
Methode in allen Bereichen im Spiegel des Symposiums festzuhalten. Die Beiträge in
Zahnrestaurationen per Computer 197

Form von Präsentationen wissenschaftlicher Arbeiten auf Posterplakaten würden das vor-
liegende Format überschreiten und werden deshalb nicht berücksichtigt. Bei Interesse
können diese auf einem Compact Disc vom Quintessenz Verlag bezogen werden: 20 Year
Anniversary Symposium, Berlin, March 17-18, 2006. Electronic Posters. Copyright 2006 by
Quintessence Publishing Co. Ltd. New Malden, Surrey KT3 3AB, UK. (System Require-
ments: Adobe Acrobat Reader Version 5.0).

194. Begrüssungsansprache zur Eröffnung des 20 Year CEREC Symposiums


“Guten Morgen meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ich begrüsse Sie ganz herzlich im Namen des Organisationskomitees und des wissen-
schaftlichen Komitees zum 20 Jahre CEREC Symposium.
Wir freuen uns, dass Sie dem Ruf nach Berlin zum 20. Geburtstag der CEREC Me-
thode folgen konnten, um dieses denkwürdige Ereignis zu feiern. CEREC-Anwender in der
Praxis und an den Universitäten, Forscher und Lehrende auf den Gebieten der klinischen
Anwendung, Entwickler und Untersucher auf den Gebieten Hardware, Software und Mate-
rialtechnik, im Bereiche der Hilfsmethoden und Materialien, Firmenvertreter von Herstel-
lern und aus dem Handel, alle kommen zusammen. Das Wissen und die Erfahrungen sol-
len mitgeteilt, ausgetauscht und gefeiert werden.
Als Motto für diese Geburtstagsfeier könnte gelten: Was wenige erdacht haben, ist
für viele Wirklichkeit geworden und als die Vielen sich faszinieren liessen und anfingen
mitzudenken und mitzugestalten, wurde CEREC allgemein brauchbar, für alle zugänglich,
nützlich und gut. In diesem Sinne danke ich allen, die mitgearbeitet haben, uns dieses
Fest zu ermöglichen, speziell den Damen und Herren der Firma Sirona.
Mein Dank geht an erster Stelle an meinen Partner, den genialen Elektroingenieur
Marco Brandestini, auf dessen Lösungen auch noch im Jahre 2006 die aktuelle CEREC
Kamera beruht. An zweiter Stelle geht mein Dank an den nicht minder genialen Physiker
Dr. Joachim Pfeiffer, der die Forschung und Weiterentwicklung der CEREC Geräte zuerst
bei Siemens Dental und dann bei Sirona und Dentsply Sirona bis heute so erfolgreich ge-
leitet hat.
An dritter Stelle, das ist klar, geht der Dank an uns alle, denn die genialen Ingenieure
und Physiker kommen ohne die Mitarbeit der nur geringfügig weniger genialen Mitmen-
schen nicht aus. Ganz besonders zähle ich dazu die enthusiastischen allerersten Pionier-
anwender des CEREC 1 Gerätes. Stellvertretend nenne ich Dr. Bernd Reiss in Deutsch-
land, Dean Andersen in USA und Tobias Otto in der Schweiz und denke an die vielen an-
deren, die ich hier nicht alle aufzählen kann.
Seit dem Start von CEREC bei Siemens Dental im Jahre 1986 wurden zahlreiche
andere CAD/CAM Systeme an Universitäten und in Firmen entwickelt und wieder aufge-
geben. Das CEREC 1 Gerät musste sich gegen harte Kritik durchsetzen wobei der klini-
sche und ökonomische Erfolg der Pionieranwender hilfreich war. Immer wieder habe ich
befürchtet, das von irgendwo ein neues System, das kleiner, billiger und besser ist, als
Konkurrent auftauchen könnte.
Aber CEREC ist an seinem 20. Geburtstag das einzige komplette dentale CAD/CAM
System mit Scanner, CAD-Software und Schleifeinheit. Die klinische Bewährung und die
stetige Weiterentwicklung der technischen Komponenten wie auch der Restaurationsmate-
rialien hat CEREC zu einer etablierten Methode in der Zahnärztlichen Praxis und im Den-
tallabor reifen lassen.
Über die breite Anwendung dieser Methode berichten heute und morgen die Refe-
renten und Posterpräsentatoren aus aller Welt, Lehrer und Forscher an den Universitäten,
alterfahrene und neue Anwender, Zahnärzte und Zahntechniker. Die besten sind gekom-
Zahnrestaurationen per Computer 198

men, um mit uns dieses Jubiläum zu feiern. Ich wünsche uns allen ein anregendes Sym-
posium, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!”

Werner Mörmann

46) 2006 20 YC - BEURTEILUNGEN DER METHODE

195. Clinical Status of Eleven CAD/CAM Materials after One to Twelve Years
Rella P. Christensen, PhD, April D. Galàn and Timothy A. Mosher. Provo, UT, USA.
Die Autoren kommen zur Beurteilung, dass die mit CEREC 1 und CEREC 2 in den USA
hergestellten Restaurationen sich klinisch etwa gleich wie die konventionell aus den glei-
chen Materialien hergestellten Restaurationen verhielten.
In der klinischen Qualität zeigte sich in der Analyse der Autoren kein erkennbarer
Vorteil der CAD/CAM Anwendung, was die klinische Qualität betrifft. Die ästhetische An-
passung der Blockmaterialien war schlechter als die der konventionell im zahntechnischen
Labor hergestellten Restaurationen. Das ideale CAD/CAM Material sei noch nicht gebo-
ren.

196. The Future Significance of CAD/CAM for Dentistry


Gordon J. Christensen, DDS, MSD, PhD; CRA, Provo, UT, USA.
Gordon zitierte Studien, welche die technische und finanzielle Akzeptanz des CAD/
CAM Konzeptes für die private Zahnarztpraxis bestätigten. Er diskutierte die Vor- und
Nachteile der CAD/CAM Technologie für die Praxis und das zahntechnische Labor. Kos-
tentreibend sei die rasche Weiterentwicklung mit der Notwendigkeit, in der Praxis jeweils
die neuesten Geräte anzuschaffen und deren Bedienung zu lernen.
Vorteile der CAD/CAM Nutzung in der Praxis: Der in-office Workflow erschliesst die
„One-Visit“-Behandlung und hatte damals unter den US-Zahnärzten bereits eine grosse
Akzeptanz erreicht. Viele Zahnärzte geniessen es und ziehen es vor, ihre restaurativen
Arbeiten voll in eigener Kontrolle ohne die Zwischenschaltung eines zahntechnischen La-
bors auszuführen. Dabei kann ein grosser Teil der CAD/CAM Gerätebedienung an kompe-
tente, intelligente und motivierte Assistenzpersonen delegiert werden. Der Zahnarzt kann
sich dadurch auf die Massnahmen konzentrieren, die legal nur er ausführen darf.
Die assistierte CAD/CAM-Anwendung in der Praxis ist schnell und kann die Effizienz
und Produktivität der Praxis verbessern. Die Passgenauigkeit wurde als bereits gleich gut
oder besser als die von laborgefertigten Restaurationen beurteilt. Nach der Einarbeitung in
die CAD/CAM-Anwendung entwickeln die meisten Praktiker die Motivation, eher konserva-
tivere, substanzsparende Restaurationen wie Inlays und Onlays als Vollkronen anzuwen-
den. Wenn dieser Wechsel eintritt, profitieren beide, der Patient und der Zahnarzt vom
konservativen, die Zahnhartsubstanz schonenden Konzept.
Nach Gordons Erfahrung erzählen Zahnärzte, die CAD/CAM benützen, dass sie
mehr Behandlungen in einem schnelleren Rhythmus und mit sichererem Ergebnis als mit
konventionellen Methoden ausführen können. In einer aktiven Praxis, die viele Behand-
lungen erlaubt, zahlt sich die CAD/CAM Ausrüstung durch die reduzierten Rechnungen für
das zahntechnische Labor.
Nachteile der CAD/CAM Nutzung in der Praxis: Der Kaufpreis bzw. die Erfüllung der
Leasing-Raten schrecken die meisten Praktiker stark ab. Praxen in denen viele Einzelre-
staurationen behandelt werden, amortisieren die Kosten am ehesten. Für komplexere
Zahnrestaurationen per Computer 199

festsitzende Restaurationen war speziell CEREC im Jahr 2006 mit der 3D Software zwar
im Kommen.
Gordon schätzt die Einarbeitungszeit in die CEREC Methode auf mehrere Monate in
der Praxis, wobei sich ältere Kollegen eher schwer tun. Die Einarbeitung der Mitarbeiter
benötigt Zeit und Aufwand. Die Kosteneffizienz wird in jeder Praxis spezifisch erreicht und
ist von der Zahl der in einer bestimmten Zeit erstellten Restaurationen abhängig. Up-
grades und Verbesserungen der Methode müssen laufend adaptiert werden.

47) 2006 20 YC - MATERIALTECHNIK

197. Machinable Ceramics


Robert Kelly, Prof., DDS, MS, DMedSc, University of Connecticut, USA.
Bob Kelly präsentierte eine strukturelle Einteilung der maschinell bearbeitbaren Kerami-
ken, die bis zum Jahr 2006 für die CEREC Methode zur Verfügung standen. Er hielt fest,
dass im Jahre 2006, die Mikrostruktur betreffend alle Haupttypen zahnärztlicher Keramik
zur Verarbeitung im CEREC-System zur Verfügung stehen.
Block-Keramiken weisen tendenziell eine höhere Qualität auf als gleiche Keramiken,
die mit traditionellen Methoden der Laborkeramik verarbeitet werden. Er stellt die dentale
Keramik auch in seinem neuesten Buch spannend dar: J. Robert Kelly „Ceramics in Den-
tistry, Principles and Practice“ Hanover Park, IL, Quintessence 2016.

198. Bonding of Ceramic Restorations - State of the Art


Ivo Krejci, Prof. Dr., Minos Stavridakis, Stefano Ardu and Tissiana Bortolotto Université de
Genève, CH.
Die Autoren erklärten die grundlegenden Schritte beim adhäsiven Einsetzen von ke-
ramischen Inlays:
1. „Conditioning“: Konditionieren der Präparationsoberfläche mittels Phosphorsäure-
Ätzgel. Dieses löst und entfernt die durch die Präparation auf dem Dentin und dem Zahn-
schmelz erzeugte sogenannte Schmierschicht aus abgetragener Zahnhartsubstanz. Dabei
wird auch die Zahnhartsubstanzoberfläche angelöst und mikroretentiv aufgeraut. Das
Konditionieren hinterlässt eine saubere, raue Oberfläche mit hoher Oberflächenenergie.
Die Kontaktfläche wird dadurch vergrössert, mikroretentiv und leicht benetzbar.
2. „Priming“: Die ‚Primer‘-Applikation dient der Benetzung. Der Primer ist extrem
fliessfähig, bildet aber nur eine sehr dünne Schicht, die ohne Primer vom hochviskosen
Bonding nur schwer benetzt werden kann.
3. „Bonding“: Eine schichtbildende Komponente, das ‚Bond‘ oder ‚Adhäsiv‘ wird auf-
getragen und stellt die Verbindung zwischen der mit dem Primer benetzten Oberfläche und
dem Befestigungskomposit her.
Die drei funktionellen Schritte, Konditionieren, Benetzen (Priming) und Applikation
des Klebers (Bonding) können als universelle Prinzipien für die technische Adhäsion gel-
ten. Diese funktioniert auf Schmelz, Dentin, Komposit, ätzbaren und nicht ätzbaren Kera-
miken und auf Metall. Das schrittweise Vorgehen beim Einsetzen eines Inlays wurde be-
schrieben.
Zahnrestaurationen per Computer 200

48) 2006 20 YC - KLINISCHE LANGZEIT-ERFAHRUNG

199. Eighteen-Year Clinical Study in a Dental Practice


Bernd Reiss, Dr., Privatpraxis Deutschland:
In der Privatpraxis Reiss/Pohlmann in Malsch, Deutschland wurde vom Juni 1987 bis
September 1990 die Zahl von 1011 CEREC (1) Restaurationen bei 299 Patienten gelegt.
Die Inlays wurden alle chairside hergestellt und in den meisten Fällen adhäsiv eingesetzt.
Die Restaurationen wurden nach 18 Jahren klinisch nach modifizierten Ryge Kriterien be-
urteilt.
Die Kaplan Meier Überlebensrate aller Inlays war auf 84,4% gesunken. Umrissform
und Grösse der Inlays hatten keinen Einfluss auf das Ergebnis. Die Resultate waren in
Prämolaren besser als in Molaren und Inlays auf vitalen Zähnen hatten wiederum bessere
Resultate als auf nicht vitalen Zähnen. Die Anwendung der „Total Bonding Technik“ ver-
besserte den Langzeiterfolg.
Für den Einsatz in der Praxis wurde die dokumentierte Haltbarkeit der CEREC 1 Re-
staurationen über 18 Jahre als ausgezeichneter Erfolg beurteilt.

200. Different Ceramic Technologies in a Clinical Long-Term Comparison


Gerwin Arnetzl, Prof. Dr., Universität Graz, Österreich.
An der Abteilung für Prothetik, Restaurative Zahnheilkunde und Parodontologie wur-
den von 1988 bis 1990 total 358 zwei-und dreiflächige Inlays aus Dicor, Optec, Hi-Ceram,
Du-Ceram, CEREC 1 (Vita Mark 1) und Goldguss Inlays adhäsiv eingesetzt. Als Kontrolle
dienten Goldinlays, die mit Zinkphosphatzement eingesetzt wurden. Im Jahre 2005, nach
15 Jahren wurden die Test- und Kontrollinlays nach folgenden Kriterien beurteilt: Verlust
oder vollständige Fraktur (1), Teilfraktur der Restauration oder des Zahnes (2), Desintegra-
tion des Zementes (3), Kariesrezidiv (4), Vitalität des Zahnes (5).
In allen Gruppen war die Überlebenswahrscheinlichkeit der Restaurationen auf vita-
len Zähnen signifikant (P<0,05) grösser als auf nicht vitalen Zähnen. Das Überleben von
Restaurationen aus Block-Keramik unterschied sich nicht signifikant (P>0,05) von den
Kontrollrestaurationen (Goldinlays). Über die 15-jährige Beobachtungszeit betrug die
Überlebensrate von CEREC Inlays 93% und war signifikant höher (P<0,05) als die von in-
dividuell im Labor gebrannten Keramikinlays mit 68% Überlebensrate.

201. Comparison of the Longevity and Cost-Effectiveness of Three Inlay-Types


Thomas Kerschbaum, Prof. Dr., Universität Köln, Deutschland
Die Langzeitbewährung und Kosteneffizienz von dreiflächigen Goldinlays, konventio-
nell laborgefertigten und chairside CAD/CAM-gefertigten Keramikinlays wurden in einer
Meta-Analyse untersucht.
Die Analyse der Kosteneffizienz basierte auf der Auswertung von Rechnungen priva-
ter deutscher Krankenversicherer. Über eine neun jährige Beobachtungsperiode blieben
Gold-, Labor- und CAD/CAM-Inlays bei einem Konfidenz-Intervall von 95% zwischen 8,6
und 8,8 Jahren praktisch gleich lang ohne Misserfolg. Konventionell laborgefertigte Kera-
mikinlays waren am teuersten und erwiesen sich damit weniger kosteneffizient als Gold-
und CAD/CAM-Keramikinlays.
Zahnrestaurationen per Computer 201

49) 2006 20 YC - ANWENDUNGS-ERFAHRUNGEN

202. The „Five-Step“ CEREC Experience


Steve B. Sharma, Dr., ISCD Accredited Trainer, Harley Street, London.
Das Problem der Einführung von CEREC in eine frequente Praxis wurde diskutiert.
Steve empfahl den Kollegen für den Eintritt in die „CERECOLOGY“ ein strukturiertes Vor-
gehen in fünf Schritten, um die Integration der CEREC Methode in die Praxis erfolgreich
zu bewältigen. Dies auf dem Stand der Technik im Jahre 2006.

203. Predictable CEREC Occlusal Relationships


Dennis J, Fasbinder, DDS, Prof., University of Michigan, Ann Arbor, USA
Diese in vitro Studie untersuchte, wie exakt die von der Software im Werkzeug ‚Ant-
agonist’ markierten Kontakte in Lage und Höhe auf dem formgeschliffenen Restaurations-
Werkstück reproduziert wurden. Die Resultate zeigten, dass die Kontakte tatsächlich mit
genügender Genauigkeit reproduziert wurden und sich die vertikale Beziehung der Re-
stauration zu den Antagonisten verbesserte.

204. CEREC Veneers: Esthetics and Longevity


Klaus Wiedhahn, Dr., Praxis Buchholz, Deutschland
Der Beitrag untersuchte die Eignung der Hinterlegung von Farben (internal shading),
des Auftragens von Farbglasur (external shading), des Keramik-Farbschichtens und der
Verwendung von farbgeschichteten Blöcken (VITA Triluxe, Abb. 77, S. 132) als Methoden
der ästhetischen Individualisierung von CEREC Veneers. Ausserdem wurden Entschei-
dungskriterien für die Wahl dieser Methoden entwickelt.
Die Kaplan Meier Überlebensrate von 617 bei 260 Patienten eingesetzten CEREC
Veneers wurde nach neun Jahren untersucht und deren und Farbverhalten beurteilt. Die
Überlebensrate betrug 94 %. Klinisch wurden die überlebenden Veneers zu 98 % als „ak-
zeptabel“ bewertet und 91% der überlebenden waren farblich perfekt an die natürlichen
Nachbarzähne angepasst.
Die Vor- und Nachteile der angewandten ästhetischen Gestaltungsmethoden wurden
diskutiert. CEREC Veneers erwiesen sich als zuverlässige und ästhetisch hochstehende
Behandlungsmethode.

50) 2006 20 YC - BIOGENERISCHE OKKLUSION

205. Biogeneric Tooth Reconstruction - A New Fundamental Method


Albert Mehl, Prof. Dr. Dr., U. München und Volker Blanz, Prof. Dr., U. Siegen, D
Hier bahnte sich eine grundlegende Änderung der morphologisch-anatomischen Ge-
staltung und Rekonstruktion der Zähne an. Die von Albert Mehl vorgestellte Methode wür-
de einen ganz wesentlichen Impakt auf die Verbesserung der CEREC Methode ausüben,
die zum Zeitpunkt der Präsentation noch gar nicht richtig erfasst werden konnte. Aber
auch die persönliche Begegnung von uns beiden sollte einen entscheidenden Einfluss auf
die Fortsetzung der Zürcher computergestützten restaurativen Zahnmedizin ausüben.
Einer Präsentation von Albert Mehl hatte ich schon einmal zuvor an der Jahresta-
gung der DGCZ in Ettlingen im Spätjahr 2005 beigewohnt und war von seinem Vortrag
elektrisiert. Ich sass zusammen mit Uli Orth, dem Chef CEREC-Softwareentwicklung in
der sechsten Reihe im Parkett. Wir verstanden beide: Die Grundlagenerkenntnisse von
Albert Mehl waren der Schlüssel zur automatischen Rekonstruktion der individuellen ok-
Zahnrestaurationen per Computer 202

klusalen Morphologie eines jeden Patienten. Das passte zur CEREC chairside Restaurati-
on. Ein gigantischer Schritt von der ebenen Okklusalfläche von CEREC 1 über die sche-
matisch vorgestaltete okklusale Morphologie des CEREC 2 Gerätes zur digital individuell
angepassten Kaufläche.
Gross war die Überraschung und Freude, als sich Albert Mehl bei mir mit Schreiben
vom 22.02.2006 um „einen unbezahlten Forschungsaufenthalt an der Station für Zahnfar-
bene- und Computerrestaurationen der Universität Zürich für den Zeitraum vom
01.05.2006 bis 03. 11.2006“ bewarb. Was konnte mir und dem Fach ‚Computergestützte
Restaurative Zahnmedizin am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich besseres
passieren? Der einzige für die computergestützte restaurative Zahnmedizin höchstqualifi-
zierte Professor in Deutschland und weltweit mit abgeschlossenen Ausbildungen in Physik
und Zahnmedizin bewarb sich bei mir mit einem für mich unwiderstehlichen Bewerbungs-
schreiben.
Neben einer ausführlichen Beschreibung seiner wissenschaftlichen Aktivitäten
schrieb er zur Begründung des Aufenthaltes:
“Die Station für Zahnfarbene- und Computerrestaurationen des Zentrums für Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde der Universität Zürich stellt in vieler Hinsicht eine Ausnahme dar. Un-
ter der Leitung von Prof. Mörmann ist dieses Institut schon seit einigen Jahren das einzige
weltweit, das sich in Klinik, Lehre und Forschung ausschliesslich mit der Frage der compu-
tergestützten Herstellung von Zahnersatz beschäftigt. Der Erfahrungsschatz auf diesem
Gebiet ist daher einzigartig. Im Zusammenhang mit unseren Erkenntnissen aus der
Grundlagenforschung bezüglich der Kauflächengestaltung können hier wichtige Erfahrun-
gen ausgetauscht und Untersuchungen durchgeführt werden, die entscheidend die weitere
Entwicklung der CAD/CAM-Technologie beeinflussen können:“
Er stiess damit bei mir offene Türen ein. Mein rudimentärer Versuch einer automati-
schen Software-technischen Formergänzung der durch Karies und die Präparation verlo-
ren gegangenen Zahnhartsubstanz war ja in den Jahren 1996-97 in der Arbeit von Herrn
Leo Felber unter der Leitung von Prof. Niederer, dem Leiter des Instituts für Biomedizini-
sche Technik der Universität Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zü-
rich trotz Unterstützung durch die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO mit einem
Betrag von CHF 93 000.-, noch gescheitert.
So war Albert Mehl bei seinem Vortrag am ’20 Year Anniversary Symposium’ am 17.
&18. März 2006 in Berlin, praktisch schon einer von uns. Ich fasse seinen Beitrag hier nur
kurz zusammen, die biogenerische Okklusion ist seit 2007 mit nachfolgenden signifikanten
Erweiterungen in die CEREC Konstruktionssoftware integriert.

206. Die digitale okklusale Morphologie ersetzt das Aufwachsen


Albert Mehl schrieb in seinem Symposiumsbeitrag. „Die computergestützte Rekonstrukti-
on von teilweise oder vollständig verloren gegangener Kauflächen, erfordert ein funda-
mentales Wissen über die Zahnmorphologie. Empirische Beschreibungen der einzelnen
Zahnformen eignen sich nicht für die Übertragung in die computergestützten Prozesse.“
Albert Mehl präsentierte dann eine mathematische Beschreibung der Zahnmorpholo-
gie, speziell der Kauflächen. Diese konnte für eine wissensbasierte vollautomatische Re-
konstruktion der Kauflächen von Inlays, Overlays und Vollkronen eingesetzt werden, wel-
che die originale Zahnmorphologie des Patienten wiederherstellt.
In der Ausbildung lernten die Studierenden der Zahnmedizin und die angehenden
Zahntechniker die typischen Zahnformen. Ich selbst habe als Student aus Gipsklötzchen
Zahnformen geschnitzt und so die Gestalt der Kauflächen der Seitenzähne erlernt. Dazu
habe ich als Dozent meinen Studenten die typischen morphologischen Kennzeichen der
Zahnrestaurationen per Computer 203

Zähne anhand von Zeichnungen, in der Vorlesung und im Kurs der ‚Therapeutischen Ka-
riologie’ vorgetragen. Der Zahnarzt ist dann in der Lage, bei der direkten Anfertigung von
Restaurationen aus plastischem Material, die Kaufläche ganz oder teilweise in der charak-
teristischen Form wieder herzustellen.
Traditionell wachst der Zahntechniker für indirekt im Labor hergestellte Restauratio-
nen die Kaufläche unter Berücksichtigung der Antagonisten-Kontakte auf, um z.B. Gold-
guss-Inlays, -Onlays oder -Kronen herzustellen.
Die erzeugten Kauflächen tragen dann die ‚schematisierende Handschrift‘ des Zahn-
arztes oder Zahntechnikers und entsprechen der natürlichen Morphologie mehr oder we-
niger.

a b
Abb. 116 a) Molar vor Implementierung der biogenerischen Okklusion, b) nach Implemen-
tierung der biogenerischen Okklusion.

Voraussetzung für die ganz- oder teilweise digitale Rekonstruktion einer natürlichen Kau-
flächenmorphologie ist die Anlage einer digitalen Bibliothek von mehreren hundert natürli-
chen digitalen okklusalen Morphologien eines jeden Seitenzahntyps. Solche wurden in der
Arbeit von Albert Mehl mit einer Auflösung von 100’000 3D-Punkten an natürlichen, karies-
freien Kauflächen mit einem Laser Scanner erfasst. Das digitale Daten-Modell muss prak-
tisch alle möglichen natürlichen Zahnmorphologien eines jeden Zahntyps repräsentieren.
Um aus einer Restkaufläche, der Kaufläche von Nachbarzähnen oder von Zähnen
des Gegenkiefers die natürliche Zahnmorphologie eines Patienten zu erkennen, muss das
biogenerische Zahnmodell Strukturkennzeichen der verschiedenen Molarenkauflächen
identifizieren können. So sind z.B. Höckerspitzen zu Höckerspitzen korreliert, Kammlinien-
punkte zu Kammlinienpunkten, Fissurenpunkte zu Fissurenpunkten etc. Die automatische
Korrespondenzanalyse des biogenerischen Zahnmodells findet und analysiert diese
Kennzeichen. Die entscheidende Herausforderung ist, die Übereinstimmung nicht nur für
einige charakteristischen Punkte zu finden, sondern für alle 100’000 Punkte.
Darauf aufbauend kommt in einem zweiten Schritt die Hauptkomponentenanalyse
zum Einsatz. Sind die Hauptkomponenten erkannt, kann das Zahnmodell mit wenigen Pa-
rametern charakterisiert werden. Jede Veränderung dieser Parameter beeinflusst alle
Oberflächenpunkte, so dass eine nahezu unbegrenzte Vielfalt von neuen Morphologien
generiert werden kann, die alle innerhalb des Raumes natürlicher Zähne zu liegen kom-
men, d.h. es können keine atypischen Formen entstehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit
wird die ursprüngliche Morphologie der teilweise oder ganz verloren gegangenen Kauflä-
che wieder hergestellt.
Zahnrestaurationen per Computer 204

a b
Abb. 117 a) Anlage einer digitalen Bibliothek von mehreren hundert natürlichen digitalen
okklusalen Morphologien eines jeden Seitenzahntyps. b) Das digitale Daten-Modell muss
praktisch alle möglichen natürlichen Zahnmorphologien eines jeden Zahntyps repräsentie-
ren. Das biogenerische Zahnmodell kann Strukturkennzeichen der verschiedenen Mola-
renkauflächen identifizieren und aus einer Restkaufläche, der Kaufläche von Nachbarzäh-
nen oder von Zähnen des Gegenkiefers die natürliche Zahnmorphologie eines Patienten
erkennen.

Dieses von Albert Mehl geschaffene grundlegende Verfahren bedeutete für die CEREC-
Methode einen grossen Schritt in Richtung der automatischen dreidimensionalen CAD-
Rekonstruktion von dentalen CAD/CAM Werkstücken. Es hebt die Wiederherstellung von
Zahnschäden in der Praxis zum Nutzen des Patienten und des Behandlers auf ein techno-
logisch und biologisch höchstes Niveau. Vielen Dank Albert!
Die Biogenerik wurde dann erstmals 2007 in die CEREC Softwareversion 3.60 inte-
griert, auf der IDS vorgestellt und dann ca. ab Mai ausgeliefert.

51) 2006 20 YC - ANWENDUNGS-ENTWICKLUNGEN

207. Composite and Ceramic Slot-retained Adhesive Bridges


Tissiana Bortolotto, Ioana Onisor, Nikolaos Perakis und Ivo Krejci, U. Genève, CH.
Die Autoren untersuchten in einer in Laboranordnung die Behandlung einer Prämola-
renlücke mit einem Brückenglied, das in minimal invasiven schachtartigen Inlaypräparatio-
nen (‚Slot-Inlay) in einem Prämolaren und einem Molaren adhäsiv verankert war.
Die Slotinlay-Brückenkörper wurden aus Komposit und Keramik mit CEREC 3 gefer-
tigt und einer thermo-mechanischen Belastung unterworfen. Die marginale Adaptation
wurde vor und nach der Belastung untersucht. 33% der Kompositbrücken entwickelten
Frakturen in der Konnektorzone. Bei den Keramikbrücken trat Adhäsionsverlust an der
Grenze zwischen Keramik und Befestigungskomposit auf. Die Autoren beurteilten die Me-
thode in der angewendeten Form als klinisch nicht einsatzfähig.

208. Ultimate CEREC Creations-Comprehensive Single Visit Esthetic Dentistry


Rich Masek, DDS, Dentistry by Design, San Diego, CA, USA.
Rich war ein begnadeter Zahnarzt und CEREC Instruktor mit zahntechnischer Vorbil-
dung. Er hatte in San Diego zusammen mit seiner Praxis eine CEREC-Ausbildungsstätte
für Zahnärzte eingerichtet, die mich sehr beeindruckte. Rich beschrieb in seinem Beitrag
anhand von drei Fallbeispielen im Detail den Arbeitsablauf für die Herstellung und Einglie-
Zahnrestaurationen per Computer 205

derung von 10 bis 14 CEREC Kronen und Veneers in einer einzigen restaurativen Sitzung
nach sorgfältiger Planung und Vorbereitung. Ich erhielt von ihm mit persönlicher Widmung
ein wunderbar ästhetisch gestaltetes Buch mit der Darstellung von CEREC-Fällen.
Rich wandte sich später neben seiner zahnärztlichen Tätigkeit religiösen Aktivitäten
zu und publizierte sein umfangreiches und ideenreich gestaltetes Werk „IDEOLATRY the
Character and Nature of God“. Er schenkte mir dieses Buch 2015 mit Widmung und ich
verfolgte auch eine seiner Predigten auf Youtube. Er suchte den Kontakt mit mir. Leider
verfüge ich über keine Antennen für die evangelikale Theologie, bewundere aber Rich Ma-
sek’s Aktivität und Vortragskunst.

209. CAD/CAM Systems and Materials for the Dental Lab


Dr. Joachim Tinschert, Privatdozent, Oberarzt, Universität Aachen, D.
Sein Beitrag liefert eine Übersicht über zu jener Zeit verfügbare CAD/CAM- Systeme
und -Materialien die im zahntechnischen Labor eingesetzt werden konnten. Er ging auf die
Erwartung des CAD/CAM Pioniers François Duret ein, dass CAD/CAM Systeme die ma-
nuelle Arbeit des Zahntechnikers reduzieren und dadurch die Kosten zahntechnischer Ar-
beiten senken würde. Diese Vorstellung beruhte auf der Annahme, dass in der Industrie
vorhandene CAD/CAM Fertigungsmethoden mit geringen Kosten in die Zahntechnik über-
tragen werden könnten.
Diese Annahme charakterisierte Dr. Tinschert als fundamental falsch. Dies weil in der
Industrie mit CAD/CAM identische Teile in Serie produziert werden und sich die Maschi-
nenkosten durch hohe Stückzahlen amortisieren. In der Zahnheilkunde handelt es sich um
die Produktion individueller Einzelstücke. Der Dentalmarkt ist ein vergleichsweise begrenz-
ter Markt, wodurch hohe Entwicklungskosten der dentalspezifischen CAD/CAM Systeme
auf den Preis der Restaurationen umgelegt werden müssen.

210. CEREC Implant Crowns on Ceramic Abutments


Dr. Andreas Bindl, Universität Zürich, Schweiz
Andreas Bindl berichtete über seine Erfahrung mit CEREC VITA Mark II Implantat-
kronen auf Zirkonoxidkera-
mik-Abutments (Zireal 3i).

Abb. 118 VITA Mark II Kro-


ne auf in situ präpariertes
Zirkonoxidkeramik-Abutment
(Zireal, 3i) mit Panavia 21
TC adhäsiv zementiert. Be-
handler: Dr. A. Bindl.

Seine Erfahrung hat gezeigt,


dass ein einzelnes Abutment
chairside mit einer VITA Mark II CEREC-Krone versorgt werden kann. Bei der Herstellung
von zwei oder mehr Abutmentkronen wurde empfohlen, diese im Labor anzufertigen.

211. CEREC Chairside Superstructures for Immediately Loaded Implants


Sören Hansen, Zahnarzt, Wolfsburg, Deutschland
Er berichtete über die Versorgung von immediat nach Zahnextraktion in die Alveole
gesetzten Zahnimplantaten mit einer belastungsfreien provisorischen Krone. Als Voraus-
setzungen für dieses Vorgehen wurden genannt: gute Primärstabilität, Implantatlänge
Zahnrestaurationen per Computer 206

mehr als 10 mm, stabile Okklusion, Einzelzahnkrone in Einzelzahnlücke, Lage in der obe-
ren Front vom erstem Prämolar zum ersten Prämolar, frei von okklusalen Kontakten und
frei von Kontakten während der Protrusion oder seitlichen Bewegungen des Unterkiefers.

52) 2006 20 YC - KONZEPT FÜR DIE WEITERENTWICKLUNG

212. Our Future Vision of CEREC


Dr. Joachim Pfeiffer, Leiter des Forschungs- und Entwicklungsteams CEREC bei Sirona.
Er beschreibt die bisherige Entwicklung des bildgebenden Kamerasystems, der
CAD-Software und des CAM-Formschleifsystems.
In seinem Artikel skizzierte er die möglichen Schritte der weiteren Entwicklung. Au-
ßerdem ging Dr. Pfeiffer auf die Situation und die zu erwartende Weiterentwicklung der
Restaurationskeramik ein. Das Potenzial der additiven Material(druck)techniken wurde
bewertet. Der Wandel von der konventionellen physischen Abdruck- und Gipsmodelltech-
nik im Dentallabor hin zur Übertragung digitaler Modelle über das Internet deutete auf ei-
nen grundlegenden Wandel in der Herstellung von Zahnersatz hin.
Das inLab-System und der inEOS-Scanner sollen dem Dentallabor den Übergang
zur CAD/CAM-Technologie erleichtern. Das CEREC-System in der Zahnarztpraxis stellt
den Anfang und das Zentrum dieses Erweiterungsprozesses auf den gesamten Bereich
der CAD/CAM-Anwendungen in der Zahnmedizin dar.

213. What’s New in 2006? The V2.80 R2400 CEREC 3D Software Update
Roddy Mac Leod, Product Manager CEREC Software, Sirona.
Bei der dauernden Weiterentwicklung der CAD Konstruktionssoftware wurden stets
versucht, die Bedürfnisse der schon erfahrenen Benützer zu berücksichtigen. Die Lernkur-
ve musste für neue Anwender möglichst kurz sein. Die von Roddy MacLeod präsentierten
neuen Software-Features waren mit dieser Absicht eingeführt worden.
Roddy MacLeod begleitete CEREC über mehrere Jahre mit grosser Begeisterung
und sachgerechtem Engagement. Er bewährte sich auch als hervorragender Photograph.
Unter anderem schoss er für ein Feature sehr schöne Aufnahmen am Zahnärztlichen Insti-
tut. Roddy Mac Leod war mit Laura, einer sympathischen, begabten Künstlerin verheiratet.
Laura schuf ein CEREC Kunstwerk (Abb. 119), welches Einzelteile des CEREC 1 Gerätes
aus der Prototypenphase auf einem transparenten Tableau vereinte.

Abb. 119 CEREC 1 Kunstwerk von Laura


MacLeod mit dem 3D Scanner, der Monitor-
front des CEREC 1 Gerätes, Hydrodrive,
Platine, Trackball, abgeschliffene Keramik-
blöcke mit den Metallhaltern über den trans-
parenten, beleuchteten Hintergrund verteilt.

Eine Vielzahl von gebrauchten, abgeschlif-


fenen Keramikblöcken, eine 3D Mundkame-
ra, Monitorblende und ein Turbinenradan-
trieb in der Mitte, symbolisieren die Methode. Die Szenerie wird von hinten durch die
transparente Basis beleuchtet.
Das Werk stellt auf spielerische Weise das Wesen der CEREC Technologie dar. Si-
rona erwarb es von ihr und schenkte es mir anlässlich des CEREC 20 Year Anniversary
Zahnrestaurationen per Computer 207

Symposiums in Berlin. Ich bin für dieses Geschenk sehr dankbar. Es ziert von damals an
bis heute, die Rückwand meines Büros zu Hause. Ich betrachte es jeden Tag, wenn und
freue mich daran.

214. Vote on the Future


Dr. Wilhelm Schneider, Leiter des CEREC Marketings bei Sirona
Das CEREC Forschungs- und Entwicklungsteam bei Sirona bestand aus einer
wachsenden Zahl von Ingenieuren, leitenden Damen und Herren für die CEREC-Hard-
und -Software, dem CEREC- Marketing und dem -Vertrieb. Diese Mannschaft musste in
den Dialog mit den CEREC Anwendern in der Praxis und im zahntechnischen Labor tre-
ten, um der Weiterentwicklung die richtige Stossrichtung geben zu können. Der weitere
fachliche und wirtschaftliche Erfolg war davon abhängig.
Allerdings konnten die Wünsche der CEREC Anwender trotz grosser Fortschritte der
CEREC Technologie bis ins Jahr 2006, nicht alle sofort erfüllt werden. Es war zu entschei-
den, was kurzfristig verbessert werden konnte und welche Lösungen einen grösseren
Entwicklungszeitraum benötigten. Die Priorisierung der Wünsche war unabdingbar.
Manche Vorschläge mussten ganz zurückgestellt werden wie z.B. die weitspännigen
Brückengerüste. Die Entwicklung der klinischen Indikationen war zu berücksichtigen. Die
Versorgung von Implantaten trat immer mehr in den Vordergrund. Eine klare Trennung der
chairside Anwendung von dem Bereich grosser komplexerer Arbeiten in Kooperation mit
dem zahntechnischen Labor drängte sich auf.
Der Hersteller lernte auch, wie die Zahnärzte CEREC einsetzten. Wurden hauptsäch-
lich Einzelrestaurationen gefertigt oder häufig umfangreichere Sanierungen, z.B. Quadran-
tenversorgungen oder die ästhetische Neugestaltung der Frontzähne durchgeführt? Lag
im Seitenzahnbereich das Schwergewicht auf Kronen und Brücken, auf Inlays und Teilkro-
nen oder auf der Versorgung von Implantaten mit Kronen?
Den Wunsch, die biogenerische Okklusion in die CEREC Software zu integrieren,
hätte das Team am liebsten sofort per Zauberstab blitzartig erfüllt. Aber das war endlos
Arbeit und dauerte schlussendlich bis ins Jahr 2007. Der ebenso heisse und wichtige
Wunsch, das Scannen puderfrei durchführen zu können und die Zahnreihe mit der Präpa-
ration und dem Zahnfleisch in Echtfarben darzustellen, dauerte schliesslich bis in das Jahr
2012.
Aufkommender Wettbewerb unter Herstellern von Scannern machte zusätzlichen
Druck. Eine neue Kamera und Scantechnik musste entwickelt werden und wurde schliess-
lich mit der Omnicam im Jahre 2012 präsentiert.

53) 2006 20 YC - DIE CEREC-KRONE

215. CAD/CAM Crowns at the Crossroads between Cost-Pressure & Perfectionism


Drs. Andreas Kurbad und Kurt Reichel
Die Autoren stellten fest, dass im Jahre 2006 konventionell im zahntechnischen La-
bor hergestellte Goldgusskronen für den Patienten immer noch günstiger kamen als zahn-
farbene Kronen. Es sei aber absehbar, dass die CAD/CAM-Krone aufgrund des verbesser-
ten Herstellungsprozesses und der erleichterten klinischen Handhabung ein ähnliches
Preisniveau erreichen würde und die konventionellen Metallguss-Kronen ersetzen würde.
Die Mehrheit der Patienten verlangte nicht nur funktionell dauerhafte, sondern auch
ästhetisch ansprechende Restaurationen. Stand der konventionellen zahntechnischen
Herstellung ästhetischer Kronen war die Verbund-Metall-Keramische Krone (VMK). Diese
Zahnrestaurationen per Computer 208

bestand aus einer gegossenen Metallkappe als Gerüst, das vom Zahntechniker manuell
mit Keramik ästhetisch verblendet wurde. Die VMK-Krone konnte einfach mit konventionel-
len, nicht-adhäsiven Zinkphosphat- oder Glasiomer-Zementen befestigt werden, was die
Zahnärzte gewohnt waren und das ihnen entgegenkam.

a b c e

Abb. 120 Digitale Ausstattung für die Zahntechnik:‚inEOS


Scanner‘ (a), Rechner (b), CEREC 3D Software (c), Inlab Schleifge-
rät (d) und Infiltrationsofen (e), Stand 2006.

Beim Umsteigen auf CEREC-CAD/CAM Kronen lag es für traditionell ausgebildete Zahn-
ärzte nahe, aus Gründen der Festigkeit und wegen der gewohnten nicht adhäsiven Befes-
tigung, auf keramische Gerüstkronen (Kappenkronen) zu setzen. Bei diesen wurde zuerst
ein CAD/CAM-Gerüst aus hochfester Keramik hergestellt, z.B. aus In-Ceram Alumina Infil-
trationskeramik (VITA). Die Kronenkappe wurde aus einem Block dieser porös gesinterten
Keramik geschliffen und in einem Hochtemperatur-Prozess mit Lanthanglas infiltriert, wel-
ches der Kappe die Festigkeit verlieh. Die Kappe wurde dann manuell mit ästhetischer
Feldspatkeramik (VITA VM7) verblendet (siehe Seite 170).
A. Kurbad und K. Reichel besprachen die verschiedenen keramischen Gerüstkombi-
nationen bis zum Stand 2006 detailliert. Die bi-keramische Gerüstkrone war aber keine
schnell herstellbare Computerkrone, die der Zahnarzt chairside herstellen konnte wie ich
es mir vorgestellt hatte. Für mich waren dies „Two-step“-Kronen eine Kombination von-
Computer- und traditioneller Zahntechnik. Was mir vorschwebte, war die „One-Step“ Com-
puterkrone wie wir sie an unserer Abteilung realisiert hatten.

216. Bewährung der CEREC chairside Krone


Eine klinische Studie an der SZCR hatte keine Überlebens-Unterschiede zwischen mono-
keramischen und Gerüst-keramischen Frontzahnkronen gezeigt (Abb. 121). Vorteile der
mono-keramischen Krone aus Feldspatkeramik (VITA Mark II, EmpressCAD) sind die
leichte und schnelle Formschleifbarkeit und die einfache Polierbarkeit der Aussenflächen.
Nachteilig wurde angesehen, dass monolithische Kronen ihre Dauerhaftigkeit erst
durch die adhäsive Befestigung gewannen. Die meisten traditionell ausgebildeten Zahn-
ärzteempfanden die adhäsive Befestigung aber als lästige Massnahme. Abgesehen von
der Notwendigkeit der adhäsiven Befestigung erlaubt die Verwendung der Feldspatkera-
mik die sehr schnelle Herstellung von Seitenzahn- und Frontzahnkronen wie dies auch im
Beitrag der o.g. Autoren abschliessend festgestellt wird. Der Zahnarzt kann unter diesen
Umständen dem Patienten ein sehr günstiges Angebot machen. Die Zahnkrone aus dem
Computer ist dadurch für Patient und Zahnarzt sehr wirtschaftlich.
Zahnrestaurationen per Computer 209

Abb. 121 Klinischer Überlebens-Vergleich von je 18 monolithischen VITA Mark II Front-


zahnkronen mit 18 In-Ceram Spinell Kappenkronen über 2-5 Jahre and der Klinik SZCR.
(Bindl A and Mörmann WH. Survival rate of mono-ceramic and ceramic-core CAD/CAM
generated anterior crowns over 2-5 years. Eur J Oral Sci 2004; 112_197-204).

Im März 2017 war ich zu einem Vortrag über die Hybrid-Keramik ENAMIC (VITA) an das
Spear Education Center, Scottsdale, Arizona, USA, vor der CEREC-Doctors Gruppe ein-
geladen. Nach meinem Vortrag demonstrierte Sameer Puri, „The Director of CAD/CAM at
Spear“ die schnelle Herstellung einer CEREC Molarenkrone. Es ging darum zu zeigen,
wie schnell eine Molarenkrone aus ENAMIC mit CEREC gefertigt werden kann. Die Präpa-
ration, Scannen und die Konstruktion waren fertig und jetzt lief die Zeit für die maschinelle
Herstellung. Nach 4 Minuten stoppte die MCXL-Formschleifmaschine.
Sameer Puri meinte, ohne die etwas langwierigen Kalibrations- und Touschierbewe-
gungen der Schleifwerkzeuge könnten es drei Minuten sein. Die etwa 250 CEREC Zahn-
ärzte applaudierten und standen auf, `standing ovation` für CEREC! Das bestätigte: Die
CEREC CAD/CAM Krone aus „one-step“ Keramik oder Komposit ist schnell, effizient und
ökonomisch.
Die in unserer SZCR Klinik geführte klinische Kronen-Studie von 208 monolithischen,
adhäsiv befestigten Molaren-Kronen aus VITA Mark II Feldspatkeramik ergab Überle-
benswahrscheinlichkeiten über bis zu 7 Jahre von 94.6% für klassische Stumpfpräparatio-
nen und von 92,1 % für Kronen mit reduzierten Stümpfen (Abb. 122). Das sind sehr gute
Ergebnisse, mit denen wir in der Klinik und bei unseren Patienten sehr gut fuhren. Bei den
Endokronen war die Überlebenswahrscheinlichkeit mit 87.1% etwas geringer, der Unter-
schied zu den anderen beiden Präparationstypen war aber statistisch nicht signifikant.
Zahnrestaurationen per Computer 210

Abb. 122 CEREC 2 klinische Kronenstudie (Bindl A, Richter B, Mörmann WH. Survival of
computer-aided design/manufacturing crowns bonded to preparations with reduced macro-
retention geometry. Int J Prosthodont 2005;18.219-224).

Die Endokronen wurden oft auf stark zerstörten Restzähnen befestigt, bei denen im We-
sentlichen die Wurzelbasis und die Wurzeln noch vorhanden waren. Die retentiven Dentin-
flächen der noch zur Verfügung stehenden Pulpakammern waren dann reduziert oder
konnten auch sklerosiert sein. Das Risiko für die Versorgung mit Stiftaufbauten war in die-
sen Fällen aber ebenfalls erhöht. Also konnte man sich gerne für die weniger aufwendige
und auch wegen dem Verzicht auf das Setzen eines Wurzelstiftes weniger risikobehaftete
Behandlung mit einer Endokrone entscheiden.
Die Behandlung mit der Endokrone war auf jeden Fall einfacher und verlangte weni-
ger Behandlungsaufwand. Die Endokrone war für den Patienten die schnellere und atrau-
matischere Lösung im Vergleich zum Setzen eines Stiftes und Fertigung eines Stiftauf-
baues. Das machte sie auch besonders im Studentenkurs für wurzelbehandelte Molaren
geeignet und sie wird deshalb in unseren Kursen routinemässig eingesetzt.
Persönlich beurteile ich die Endokrone aufgrund meiner klinischen Erfahrung im Ver-
gleich zur Behandlung mit Stiftaufbau und klassischer Krone als wertvolle Alternative.
Allerdings schnitten die CEREC 2 Endokronen an Prämolaren in dieser Studie mit
68,8% Überlebenswahrscheinlichkeit signifikant schlechter ab. Dies war auf den beim
Formschliff von Prämolaren-Endokronen mesio-distal zu stark reduzierten pulpalen Reten-
tionszapfen zurückzuführen. Er war deshalb in mesio-distaler Richtung zu dünn.
Dieses Manko war bei CEREC 3 behoben. Bei mit CEREC 3 auf Prämolaren herge-
stellten Endokronen entspricht die mesio-distale Dicke der Endo-Kavität. Die klinische Be-
währung von Endokronen auf Prämolaren müsste deshalb neu untersucht und bewertet
werden. Vermutlich kommt sie der Überlebensrate der Endokronen auf Molaren näher.
Zahnrestaurationen per Computer 211

Abb. 123 CEREC 3 Endokrone


(VITA Mark II Feldspatkeramik)
nach 9 Jahren Tragzeit im Munde
des Patienten. Endodontisch,
a parodontal, funktionell und aest-
hetisch perfekt gesunde Situati-
on. Behandler: Dr. Andreas Bindl.

54) 2006 20 YC - BEITRÄGE VON ZAHNTECHNIKERN

217. Computerized Occlusion in the Laboratory


Lee Culp, CDT, CEO Mosaic Studios Inc., Zahntechnik.
Seine Publikationen, Fotografien und Lehrmethoden haben ihm international Aner-
kennung eingebracht als einer der fesselndsten Redner und innovativsten Künstler für die
Spezialgebiete digitale Zahnmedizin, Dentalkeramik und funktionale Ästhetik. Er fasst sei-
nen Beitrag wie folgt zusammen: Die erfolgreiche Integration der digitalen Technologie in
das zahnärztliche Labor etabliert effizientere Kommunikations- und Fabrikationsmethoden
und sichert den Freiraum für die individuelle Kreativität und künstlerische Gestaltungsfä-
higkeit des qualifizierten Zahntechnikers. Die Nutzbarmachung der neuen Technologie
wird durch die enge Kooperation und Arbeitsbeziehung des Zahnarzt/Technikerteams ge-
fördert.

218. Switching Tools


Volker Brosch, Zahntechnikermeister, Essen, Deutschland
Herr Brosch stellt fest, dass sich das Berufsbild des Zahntechnikers mit dem Auf-
kommen der CAD/CAM Technologie deutlich ändern wird. Die digitale Technologie und mit
ihr die Entwicklung neuer Zahnersatzmaterialien ändern den täglichen Ablauf im Labor. Er
ist überzeugt, dass die neuen technischen Werkzeuge rasch auf breiter Basis in die Zahn-
technik einziehen werden. Sie werden die Effizienz der Arbeit und deren Qualitätverbes-
sern.
Herr Brosch führt weiter aus: Die Zahntechnik hegte anfänglich grosse Bedenken,
dass die CAD/CAM Technologie jemals im der zahntechnischen Labor akzeptiert würde.
Mit der Weiterentwicklung der Technik und dem Einsatz von Zirkonoxidkeramik als Ge-
rüstmaterial wurde CAD/CAM in der Zahntechnik einsetzbar. Interessant war auch die
Möglichkeit, digitale Konstruktionen an Schleifzentren zur Herstellung hochpräziser Gerüs-
te zu übermitteln, die dann im Labor individuell verblendet wurden.
CEREC bereitete den Weg für die chairside Fabrikation von Inlays. Die hohe klini-
sche Qualität der CEREC Restaurationen ist generell akzeptiert. Alle, die heute mit CE-
REC oder inLab arbeiten, stehen vor einer fast quälenden Vielfalt von Materialoptionen,
die über die anfänglich verwendeten Feldspatkeramiken VITA Mark II und ProCAD/Em-
pressCAD (Abb. 124) hinausgeht.
Herr Brosch urteilt: Mit dem e.max System (Abb. 125) hat Ivoclar Vivadent eine
hervorragende Keramik geschaffen, welche den Anwendungsbereich der CAD/CAM Re-
staurationen mit e.max CAD Keramikblöcken stark erweitert hat.
Zahnrestaurationen per Computer 212

a b c d
Abb. 124 Polychromatische Blöcke aus Feldspat-
keramiken: a) VITA Mark II polychromatisch 2003, b) Deutlicher Farbverlauf in der Krone.
c) ab 2005 unter dem Namen ‚Empress CAD’ als polychromatischer Block erhältlich. d)
Die Farbintensität folgte einem Verlauf von der hellen transluzenten Zahnschmelzfarbe im
Bereich der Kaufläche zur dunkleren gelblichen Farbe des Dentins im Zahnhalsbereich
(Pfeil).

Auch die Anwendungsmöglichkeiten der Zirkonoxidkeramik IPS.e.max ZirCAD (Ivoclar Vi-


vadent) sind vielfältig. Die Passgenauigkeit der CAD/CAM Werkstücke sei ausgezeichnet.
Es gibt keine Gründe mehr, im Labor nicht mit der CAD/CAM Technologie zu arbeiten.

Abb. 125 IPS e.maxCAD wurde im Jahr 2005 erstmals vorgestellt. Die Lithiumdisilikat-
Glaskeramik hatte in der ersten Version einer Festigkeit von 360 MPa. Allerdings muss
diese Keramik zweistufig verarbeitet werden. Im Block (blau) weist die Keramik eine nied-
rige Festigkeit auf, die in der Formschleifmaschine gut bearbeitbar ist. Nach dem Form-
schleifen erlangt sie in einem Kristallisationsbrand ihre hohe Festigkeit und die natürliche
Ästhetik.

219. CAD/CAM Frameworks for Cast Metal Restorations


Andres Baltzer Dr. Rheinfelden, CH und Vanik Kaufmann, ZTLM, Liestal, CH
Präparationsmodelle können nun im Labor mit dem inLab Laser oder mit dem inEOS
Extraoralgerät gescannt werden. Kronen- und Brückengerüste für den Metallguss werden
dann anstatt der Wachsmodellation auf dem digitalen Modell am Bildschirm konstruiert.
Die fertige Konstruktion wird anschliessend aus einem Acrylblock (CAD-Waxx, VITA Zahn-
fabrik) im inLab-Gerät formgeschliffen. Das Gerüstmodell aus Acryl wird dann in Einbett-
Zahnrestaurationen per Computer 213

masse eingebettet und nach deren Abbinden ausgebrannt. Der Metallguss erfolgt in die
Hohlform des Gerüstes.
Vorteile der CAD-Waxx Technik sind: Die Gerüstkonstruktion auf dem Monitor ist
schneller als das Modellieren des Gerüstes auf dem Präparationsmodell. Mindeststärken
der Pfeilerkappen und der Konnektoren können besser eingehalten werden. Das Acrylmo-
dell kann verformungsfrei vom Modell abgehoben und falls nötig im Munde des Patienten
überprüft werden, was mit Wachs nicht geht. Das Acrylmodell kann, falls nötig mit Wachs
ergänzt werden. Arbeitszeit und Produktionskosten werden gespart.

220. „Haute Couture“ Smile with inLab


Marc Cristou MDT, Cristou Laboratory, Paris, Frankreich
‚Last but not least‘ der Beitrag von Marc Cristou, einem prominenten Pariser Zahn-
techniker. Er schreibt, dass CEREC inLab seine Arbeitsweise revolutioniert und die Pro-
duktivität seines Labors dramatisch erhöht hat. Die digitale Technologie hat seine interne
Organisation und das Verhältnis zu seinen Zahnarztkunden verändert.
Anfangs musste er den Zahnärzten die Erfordernisse der Präparation für die formge-
schliffenen Restaurationen erklären und sie mit den optischen Eigenschaften der neuen
Materialien wie In-Ceram Spinell, Alumina, Zirconia, Zirconia 2000 YZ und IPS e.max Zir-
CAD bekannt machen.
Monsieur Cristou schwärmt für monolithische (vollkeramische) Veneers. Er sieht in
ihnen den grössten Schritt vorwärts in Richtung der ästhetischen Gestaltung der Front-
zähne in den letzten 15 Jahren. Sie erlauben es, die Form, die Oberfläche und die Farbe
ohne intensive Präparation neu zu gestalten.

Abb. 126 Fest-


veranstaltung
zur Feier des
20jährigen Be-
stehens der
CEREC Metho-
de im „Tempo-
drom“ 2006 in
Berlin. Der Vor-
s t a n d s v o r s i t-
zende von Si-
rona, Herr Jost
Fischer hält die
Festansprache.
Er streicht die
Verdienste von
W. M ö r m a n n
und M. Bran-
destini als CE-
REC-Pioniere
lobend hervor.
Zahnrestaurationen per Computer 214

Einundzwanzigster Teil: Kontakte mit der Russischen Zahnmedizin

55) 1998 - 2019 CEREC IN MOSKAU UND ST. PETERSBURG

221. Der erste Kontakt 1998


Zum ersten persönlichen Kontakt war es mit der Anmeldung von Prof. Igor Lebedenko
zum CEREC Basiskurs am 27./28. März 1998 in Zürich gekommen. Prof. Lebedenko
sprach weder Deutsch noch Englisch. Aber Herr Andreas Burkhardt, Länderreferent für
Russland, sorgte für die Verständigung während und ausserhalb des Kurses. Schnell kam
dadurch eine fachlich engagierte und freundschaftliche Beziehung mit beiden zustande.

Abb. 127 W. Mörmann zusammen mit Prof.


Dr. Igor Lebedenko (re.), Vize-Rektor für Wis-
senschaft und Forschung an der Moscow Sta-
te University for Medicine and Dentistry an-
lässlich seines Besuches am ZZMK der Uni-
versität Zürich.

Ich erhielt dann die Einladung zu einem Vor-


trag in Moskau am 20. September 1998 mit
Ausflug nach St. Petersburg, am 25. Septem-
ber. Natürlich war ich damals sehr gespannt
darauf, die russischen Kollegen und die bei-
den Städte kennenzulernen. Ich reiste mit
meiner Frau Jeanette und Herr Burkhardt betreute uns. Das erste Meeting mit Prof. Lebe-
denko und seinem Kollegen Prof. Arutyunov fand im Hotel Metropol nahe beim Kreml statt.
Auf dem Weg dorthin fiel mir die Statue des russischen Nationaldichters Alexander
Puschkin auf. Die bronzene Statue ist mit Sockel über zehn Meter hoch. Am Fuße der Sta-
tue lagen Blumensträuße als Zeichen der Verehrung. Sein Werk lebt offensichtlich im Her-
zen der Menschen fort.
An das feine Mittagessen schloss sich ein Besuch des Kreml an. Der rote Platz, die
Rüstkammer, die Kutschen von Katharina der grossen, die Kirchen und das Lenin Mauso-
leum, indem ich schliesslich vor dem gläsernen Sarkophag von Lenin stand, der mit wäch-
sernem Gesicht darin ruhte. Er hätte es selbst nicht gewollt, so da zu liegen, aber Stalin
hat es so bestimmt.

222. Moskau 1998: Dr. med. Peter Schletter überträgt ins Russische
Ich berichtete im Vortrag vor meist jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten über CEREC 2
und die Herstellung der verschiedenen Kronentypen. Ich konnte auf Deutsch vortragen.
Die Textinhalte in meinem Powerpoint-Vortrag waren in Englisch gefasst, für Hörer, die in
Englisch bewandert waren. Ich traf auf Dr. med. Peter Schletter, ein Zahnarzt-Kollege und
begeisterter CEREC Anwender.
Er erwies sich als der perfekte Konsekutivübersetzer. Als früherer Offizier der ost-
deutschen Volksarmee und verheiratet mit Natascha, seiner russisch-stämmigen Frau, die
er während des Medizin- und Zahnmedizin-Studiums in Moskau kennengelernt hatte,
sprach er Russisch wie eine Kalaschnikow. Er führte eine frequente Praxis in Neustadt-
Glewe. Das ist eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern mit ca. 7000 Einwohnern. Vor dem
Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 lag Neustadt-Glewe in der ehemaligen Deutschen
Zahnrestaurationen per Computer 215

Demokratischen Republik DDR. Auf der Karte findet man sie auf der Route Berlin-Ham-
burg näher bei Hamburg als bei Berlin.
Als Vollblut-Anwender war Dr. Schletter mit CEREC vollkommen vertraut. Zur Vorbe-
reitung gingen wir meinen Vortrag gemeinsam auf dem Computer durch. Dann traten wir
vor das Publikum. Ich hatte häufig den Eindruck, dass er mit seinem russischen Text
schon voraus war, bevor ich gesprochen hatte. Mein Beitrag bestand auf diese Art haupt-
sächlich darin, die nächste Folie auf dem
Computer aufzurufen, während Peter
Schletter meine Vortragsabschnitte auf
Russisch präsentierte. Er war wunderbar,
ein perfektes Bindeglied zwischen den
beiden Sprachen auf dem Feld der compu-
tergestützten restaurativen Zahnmedizin,
wir bildeten ein starkes Team.

Abb. 128 Dr. Peter Schletter im Hinter-


grund beim konsekutiven Übersetzen mei-
nes Vortrages. Wir waren ein perfektes
Team. Er war ein sehr feiner Mensch und
ein fachlich perfekter Kollege.

223. CEREC im Bolschoi-Theater, Ausflug nach St. Petersburg


Wir fuhren wir durch die Strassen von Moskau zur Universitäts-Zahnklinik mit der Abtei-
lung von Prof. Lebedenko. Das Gebäude und der Eingang wirkten zunächst sehr beschei-
den. Wir stiegen rohe abgetretene Betontreppen hoch, bis mir der Geruch frischer Farbe in
die Nase stieg. Herr Prof. Arutyunov, Dr. Schletter und Herr Burkhardt begleiteten uns.
Plötzlich waren wir in einer ganz anderen Welt, in modernen, gepflegten zahnärztlichen
Behandlungsräumen, es hätte auch bei uns in Zürich sein können. Alles war neu. Voll stolz
zeigten mir junge Zahnärztinnen ein blitzendes CEREC 1 Gerät noch von Siemens Dental.
Ich war verblüfft und freute mich über die Begeisterung der jungen Kolleginnen.
Am Nachmittag besuchten wir eine Prominenten-Praxis, deren Leiterin Frau Dr.
Ochinikova war. Dass diese Einrichtung exklusiv war, teilte sich bereits am Hauseingang
ab, es gab eine Personen-Kontrollschleuse, aussen beschützt durch einen Wachmann mit
umgehängter Kalaschnikow und innen bewehrt durch Bodygards. Zur Praxis ging es in
den ersten Stock. Das Haus, die Einrichtung, alles war edel, Eichenholztüren, Fenster-
rahmen und Paneele aus Natureiche mit goldenen Beschlägen. Zwei Behandlungsräume
waren mit CEREC 2 Geräten ausgestattet.
Am Abend waren wir in ein ebenso exklusives Restaurant eingeladen. Der Boden
des Gastraumes war aus begehbarem Glas und darunter befand sich ein Aquarium, das
beleuchtet war. Ein bis zwei Meter lange Störe schwammen darin im Kreis. Exotischer
geht es nicht mehr. Ein wunderbares Dinner folgte.
Ein junger Zahnarzt sass an meiner Seite. Er gestand mir, er hätte sich den Erfinder
von CEREC ganz anders vorgestellt, etwa so wie später Professor Dumbledore in Harry
Potters Hexenschule. Nach dem Dessert stand jeder der Gruppe einmal auf, mit dem Glas
Wodka in der Hand und brachte einen Trinkspruch aus, wonach alle anderen auch ihr Glas
erhoben. Die Regel ist, dass man bei jedem Toast, das Glas auf einmal austrinkt. Das ga-
rantiert eine zunehmende Geselligkeit und die Freundschaft unter den Anwesenden
wächst.
Zahnrestaurationen per Computer 216

Die Einladung zum Ballettabend „Romeo und Julia“ (nach William Shakespeare) von Ser-
gei Prokofjew im Bolschoi-Theater elektrisierte Jeanette und mich. Die Zahnarztkollegin
Frau Dr. Ochinikova hatte vom Cheftänzer die Karten für die erste Loge vorne links direkt
über dem Orchestergraben mit direktem Blick auf die Bühne erhalten. Man fühlt sich da-
bei, als ob man sich selbst auf der Bühne befände. Er war ihr Patient und sie hatte ihn mit
CEREC Inlays behandelt. Das Ballett war ein grosser Genuss. Der Tanz, die Musik, die
Kostüme. In der Pause stand das zur Loge gehörende Chambre séparée zur Verfügung, in
dem Krimsekt und Kaviar serviert wurden. Ein unvergessliches Erlebnis.
Nach drei Tagen Moskau stand der Ausflug nach St. Petersburg auf dem Programm.
Jeanette und ich flogen mit Aeroflot in Begleitung einer russischen Professorin und der
Leiterin der Zahnklinik in St. Petersburg. Von der Besichtigung der Zahnklinik dort ist mir
nichts Spezielles mehr in Erinnerung CEREC war hier noch nicht eingezogen, aber Bilder
der Stadt, der Winterpalast und das Eremitage Museum sind mir lebhaft im Gedächtnis.
Zurück in Zürich stellte ich eine junge Zahnärztin, Frau Gerit Kade ein, die in Dres-
den zur Schule gegangen war. Hatte sie in der Schule Russisch gelernt? Ja tatsächlich,
das sollte sich als wichtig erweisen. Ich entsandte sie zur Präsentation von je einem
theoretisch/praktischen CEREC 1- bzw. CEREC 2- Kurs am „Department of Therapeutical
Dentistry of the Ural State Medical Academy“ in Ekaterinburg vom 23.08.- 27.08.1999. Sie
machte das perfekt und förderte das Image unserer Abteilung und das der Universität Zü-
rich in Russland.

224. Moskau 2004: ‚Ausbildung, Wissenschaft und Praxis in der Stomatologie‘


Über Dr. med. Peter Schletter erhielt ich die Einladung zum „Symposium Okklusions-
Odontologie“ im Rahmen der „Gesamtrussischen Wissenschaftlich-Praktischen Konfe-
renz“ in Moskau, am 13. Februar 2004, mit dem Vortrag: „CEREC 3D als virtuelle Methode
der Okklusionsgestaltung“.
Ich traf dort den Kollegen Prof. Dr. Georg Meyer von der Universtität Greifswald, der
im gleichen Programm über die „Wechselwirkung zwischen Okklusion und Kiefergelenken
referierte. Er lud mich anschliessend zu Vorträgen in Greifswald ein und er war dort ein
perfekter Gastgeber. Peter Schletter war wieder der bewährte Konsekutiv-Übersetzer beim
Vortrag und im Kontakt mit den russischsprachigen Menschen.
Prof. Igor Lebedenko trug zum 20YC 2006 eine Posterpräsentation bei, mit dem Titel:
„CEREC Education Experience at Universities of the Russian Federation“, Professor I. Le-
bedenko, D.D.S, S. Vafin, Ph.D, A. Lebedenko, Ph.D., Moscow State University for Medi-
cine and Dentistry, Russia. Diese wurde mit einem Preis „Special Award“ in der Kategorie
„Education“ ausgezeichnet.

225. Zürich 2007: Rektor der Moskau State University for Medicine & Dentistry
Mein guter Freund Professor Igor Lebedenko sagte sich kurzfristig am Dienstag, 13.11.
2007 zu einem Besuch zusammen mit dem Rektor der MSUMD und einer kleinen Gruppe
von Professoren in unserem Institut in Zürich an, für Freitag, den 16. November. Er konnte
sich einen solchen Überfall erlauben, da wir ja bei meinen Besuchen in Moskau schon so
oft Wodka zusammen getrunken hatten, wobei ich allerdings immer sehr auf eine niedrige
Dosis geachtet hatte. Ich ging davon aus, dass die russische Gruppe Dentalfirmen be-
suchte und jetzt noch den akademischen Kontakt brauchte, wo doch Igor Lebedenko in
mir den guten Kontakt zur Verfügung hatte.
Igor war ‚Vice-Rector for Scientific Research‘ und reiste mit seiner Frau. Chef der
Gruppe war der Rektor der MSUMD Prof. Oleg Yanushevich. Dabei waren der ‚Dean of
the postgraduate education faculty‘, Prof. Ernest Basikyan, der ‚Dean of the dental techni-
Zahnrestaurationen per Computer 217

cians faculty‘ Prof. Sergey Arutyunov (with wife) und die Department Chefs, Prof. Tanka
Ibragimov, Prof. Eugeny Volkov und Prof. Alexander Mitronin.

Abb. 129 2007: Besuch der Professoren-


Delegation der Moscow State University of
Medicine and Dentistry (MSUMD) am ZZMK
in Zürich. (v.l.n.r) Prof. Oleg Yanushevich
Rektor, W. Mörmann, Prof. Igor Lebedenko
Vizerektor für wissenschaftliche Forschung,
Prof. E. Basikyan, Dean of dental postgra-
duate education und Prof. Sergey Arutyunov
Dean of dental technicians faculty.

Es gelang mir, den Dean unseres ‚Center for


Dental and Oral Medicine‘, Prof. Sandro Palla
zu gewinnen, der bereit war, die Moskauer Professoren mit einem Vortrag ‚Swiss Educa-
tional Structure and Curriculum for Dentists‘ zu begrüssen. Das war das passende Thema
für diese Delegation und war auch ein Thema, mit dem Sandro Palla bestens vertraut war.
Die russischen Kollegen waren sehr interessiert und es kam zu guten Gesprächen. Über-
setzer war in diesem Fall Igors Sohn Anton Lebedenko, der bei der Firma Ivoclar Vivadent
angestellt war und sehr gut Deutsch sprach.
Ich ergänzte die Ausführungen von Prof. Palla mit dem Thema: „CEREC CAD/CAM
Education of Undergraduates and Continuing Education Courses for Practitioners“. Nach
den Vorträgen führte mein Assistent Dr. Jörg Michel die Gruppe noch durch das Haus. Die
russischen Kollegen schätzten unsere Informationen offenbar sehr.

226. Moskau 2008: Eröffnungszeremonie der dentalen Wissens-„Olympiade“


Die Einladung traf am 10. November 2008 per E-Mail bei mir ein und lautete wie folgt:

„Dear Prof. Moermann,


We would like to inform you that in December 2008 Moscow State University for Me-
dicine and Dentistry will be organizing in Moscow an All-Russia competition, „Olympics“,
for dental students-graduates from all 40 dental higher schools of the Russian Federation.“
„It is planned 80 young specialists from all regions of the RF will participate in this competi-
tion. The motto of the Olympics, i.e. „Today science, tomorrow technology!“, provides for
the implementation of the most up-to-date achievements of the medical science in the field
of diagnosis, prevention and treatment into everyday practice of young dentists. One of
such innovative techniques is CEREC introduced by you.
It will really be a great honor for our University and for all the participants of the
Olympics have you here at the opening ceremony on 2nd December 2008, and to listen to
your speach (30-40 min) about the history of CEREC development, about the teaching of
this technology in Europe and its prospects.
It will be our pleasure to show you, dear professor, our innovative training centre CEREC
and to discuss the prospects of our cooperation.
Yours sincerely, O.O. Yanushevich, MSUMD Rector, prof.“ (signature)

227. Honorary Professor of the Moscow State University of Medicine and Dentistry
Die jungen Zahnarzt-Olympioniken in weissen Schürzen füllten Treppe und Vorraum zum
grossen Hörsaal. Es war noch Zeit bis zum Beginn der Eröffnungszeremonie. Igor Lebe-
Zahnrestaurationen per Computer 218

denko bahnte uns den Weg in den Saal und zum Podium. Ich hatte Schwierigkeiten die
a Projektion einzurichten und kam ins Schwitzen. Das Bildformat stimmte nicht. Zum
Schluss klappte es. Der Rektor eröffnete die Zeremonie. Der Saal war voll. In der ersten
Reihe die Fakultätsmitglieder, dann die Zahnarzt-Olympioniken in ihren weissen Schürzen
und das Publikum. Mein Freund und Übersetzer Dr. Peter Schletter hielt mich auf dem
Laufenden was gesprochen wurde. Der Rektor Prof. Yanushevich kündigte meinen Fest-
vortrag an und fügte hinzu, dass die MSUMD beschlossen hatte, mich aufgrund meiner
Verdienste mit einer Honorarprofessur zu ehren.

Abb. 130 Professur h.c. der Moscow State Uni-


versity for Medicine and Dentistry (MSUMD) für
Werner Mörmann im Dezember 2008. Prof. Igor
Lebedenko, Vize-Rektor für Wissenschaft und
Forschung der MSUMD gratuliert. Im Hintergrund
Dr. Peter Schletter, CEREC-Kollege, Freund und
Konsekutivübersetzer.

Ich war geschockt und erfreut. Peter Schletter


freute sich, Igor Lebedenko kam mit schelmi-
schem Lächeln mit einem Doktorhut und einem
Talar auf mich zu. Ich musste den Talar über meinen Anzug anlegen. Er war schwer. Den
Doktorhut musste ich aufsetzen.
Der Doktorhut und der Talar waren schwer und heizten mir nicht schlecht ein. Aber
ich trug es mit Fassung und hielt den Vortrag über die Entwicklung der CEREC Methode.
Peter Schletter machte in bewährter Manier einen Vortrag in Russisch daraus.
Ein Ausflug in den Kreml mit Führung folgte. Am Abend stand um 19.00 Uhr der Be-
such eines Tanzkonzerts von Igor Moiseyev auf dem Programm, das ich sehr genoss. Der
ultimative Härtetest kam am Abend. Igor Lebedenko und Sergey Arutyunov luden mich
zum Abendessen in einem Restaurant ein. Beide hatten Taschen dabei. Zusätzlich zur Be-
stellung packte jeder eine Flasche Beluga Wodka aus.
Es sei jetzt Zeit ‚Freundschaft zu trinken‘. Das bedeutete, jedes eingeschenkte Glas
musste leer gedrunken werden. Jeder kann sich vorstellen, zu was das führte. Sie liessen
mich nachher ins Hotel fahren. Zum Laufen im Hotel musste ich Hilfe in Anspruch nehmen.
Mein Bewusstseins-Zustand war ähnlich wie in einer guten Narkose. Aber der Stoff war
rein, ich hatte am nächsten Morgen weder Kopfweh noch Übelkeit. Rinat, der Fahrer
brachte mich um 11.30 zum Flughafen Domodedovo. Ich hatte den Freundschaftstest be-
standen.
Igor besuchte mich letztmals am 26. November 2019 mit einer Gruppe von PhD Stu-
denten. Ich zeigte Ihnen die CEREC-Vitrine, die ich im Jahre 2015 im historischen Ab-
schnitt des Foyers im Stock A des Zentrums für Zahnmedizin in Zusammenarbeit mit dem
Verwaltungsdirektor Dr. Kai von Massenbach einrichten konnte.
Zahnrestaurationen per Computer 219

Zweiundzwanzigster Teil: Administratives und Finanzielles am ZZMK

56) 2001-2009 CEREC: VOM WAGNISEXPERIMENT ZUM LEISTUNGSTRÄGER

228. Raumprobleme der Station für Zahnfarbene- und Computer-Restaurationen


Die freundliche und der SZCR wohlgewogene Dame, die unserer Stiftung zur Förderung
der Computer-Zahnmedizin die Praxisräumlichkeiten an der Attenhoferstrasse 8a vermie-
tet hatte, war verstorben. Ein neuer, den Zahnarztaktivitäten weniger gewogener Eigentü-
mer, kritisierte die von unseren Dental-Aktivitäten ausgehenden „Emissionen“. Der Geruch
im Hause, das Laufen der jungen Zahnärzte/innen und der Patienten, das Büro und die
Laboreinrichtung im Souterrain störten ihn und er drohte mit einer ausserordentlichen
Kündigung.
Ich suchte Hilfe bei der Rechtsabteilung der Universität, die mir gewährt wurde. Eine
junge Anwältin versicherte mir, dass wir uns rechtlich sehr gut behaupten könnten. Ihre in
Mietangelegenheiten erfahrenere Kollegin riet aber zu einer Schlichtung. Eine rechtliche
Auseinandersetzung schien mir zu langwierig und nervtötend, deshalb entschied ich mich
für die Schlichtung. Im Ergebnis mussten wir die Assistentenbüros im Souterrain aufgeben
und die zahntechnischen Arbeiten einschränken.
Die Universität hatte auf dem Vorplatz zum Hochtrakt der Zahnklinik zur Gloria-Stras-
se und zur Tramhaltestelle „Platte“ hin, einen zweistöckigen Fertigelement-Pavillon mit
Seminar-Räumen errichtet. Der strassenseitige Raum mit der Kennzeichnung BB4, im
oberen Stock, war dem Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (ZZMK) zur Nut-
zung zugeteilt. Der Vorsteher des ZZMK, Herr Prof. P. Schärer, der Direktor der Abteilung
Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie, Herr Prof. Felix Lutz und der Ver-
waltungsdirektor, Herr B. Weder unterstützten freundlicherweise die Nutzung durch die
SZCR.
Herr R. Bandle von der Universitätsverwaltung, Abteilung Bauten und Räume half
und stellte Büromöbel zur Verfügung. Der technische Dienst des Hauses unter der Leitung
von Herrn Urs Roth richtete einen Laborraum ein. Sämtliche Einrichtungskosten und eine
Raummiete bezahlte die Stiftung zur Förderung der Computerzahnmedizin (SFCZ).

229. 12. Stiftungsratssitzung der SFCZ und Kaffeekanne mit Überdruck


Für die zwölfte Sitzung des Stiftungsrates der Stiftung zur Förderung der Computer-
Zahnmedizin (SFCZ) am 5. April 2001, stand das gewohnte Konferenzzimmer nicht zur
Verfügung. Der Stiftungsrat und Prof. Lutz als Vertreter des Zentrums für Zahn-, Mund-und
Kieferheilkunde (ZZMK), mussten am Vorbereitungstisch eines Seminarraums tagen. Ich
verteilte die schriftlichen Unterlagen mit dem Tätigkeitsbericht, der Jahresrechnung und
dem Protokoll der letztjährigen Sitzung für den Präsidenten, Vizepräsidenten (Justitiar), die
Aktuarin, den Revisor und Prof. Lutz auf der begrenzten Tischplatte.
Beim Vortrag des Tätigkeitsberichtes hob sich der Deckel der Kaffeekanne mit einem
Knall und Kaffee spritzte auf die Unterlagen. Die Kanne war randvoll gewesen und entste-
hender Druck hatte den Weg ins Freie gesucht. Ich legte mein besudeltes Dossier auf der
Ablage in der Ecke neben der Eingangstüre ab und benutzte das Dossier der Aktuarin. Die
Diskussion war intensiv. Ich vergass mein Kaffee-gebräuntes Stiftungsdossier und liess es
auf der Ablage in der Raumecke liegen. Am Abend vermisste ich es, ging in den Raum zu-
rück, aber es war weg! Vielleicht hatte es jemand auf der Direktion abgegeben. Die gute
finanzielle Verfassung der SFCZ war aus diesen Unterlagen klar ersichtlich.
Zahnrestaurationen per Computer 220

Was auch immer passiert war, die Stiftung zur Förderung der Computer-Zahnmedizin er-
hielt per Einschreiben vom 3. Juli 2001, zu Händen von Herrn Prof. Dr. W. Mörmann, die
Kündigung der Vereinbarung aus dem Jahre 1992 zwischen der Erziehungsdirektion des
Kantons Zürich einerseits und der Stiftung zur Förderung der Computer-Zahnmedizin so-
wie der Stiftung zur Förderung der Präventiven Zahnmedizin andererseits, betreffend den
Betrieb einer Station für Zahnfarbene- und Computerrestaurationen per 28. Februar 2002.
Unterzeichnet war die Kündigung von dem mir persönlich unbekannten Prof. A. Borbely,
Prorektor Forschung und dem mir seit langem bekannten Prof. Dr. P. Schärer, dem Vor-
steher des ZZMK.

230. Ein neuer Vertrag zwischen Universität und Stiftung SFCZ


Das ZZMK unterbreitete der SFCZ einen neuen Vertrag mit schweren Belastungen. Am
26. Juni 2002 unterzeichnete ich ihn für die SFCZ zusammen mit Dr. F. Bänninger, dem
Juristen und Vize-Präsident der SFCZ im Interesse der Erhaltung der computergestützten
restaurativen Zahnheilkunde am ZZMK. Die Stiftung zur Förderung der Präventiven
Zahnmedizin (SFPZ) war nicht mehr Vertragspartner.
Im neuen Vertrag hiess es unter 2. Leistungen der Stiftung SFCZ in Punkt 2.2 „Die
Stiftung SFCZ stellt während der Laufzeit der Vereinbarung 3 CEREC-Geräte der Klinik
PPK und nach Absprache weiteren Kliniken des ZZMK zur Verfügung. Sie dienen der
Durchführung von Patientenbehandlungen, Weiterbildung der Assistenten und zur Durch-
führung wissenschaftlicher Arbeiten.“
Punkt 2.3 lautete: „Die Stiftung SFCZ macht dem ZZMK eine jährliche Zuwendung
von Fr. 150’000.- zur Förderung der restaurativen Computer-Zahnmedizin und zur Abgel-
tung indirekter Leistungen des ZZMK. Die Zuwendung erfolgt pro rata temporis bei vorzei-
tiger Kündigung des Vertrages.“
Mit der finanziellen Zuwendung ging einerseits beträchtlich „Butter vom Brot“ der Stif-
tung SFCZ, andererseits gewannen die CEREC-Methode und damit auch ich selbst im
Hause als „Gewinnbringer“ an Gewicht. Die vordem als risikobehaftet eingeschätzte
„Computer-Station“ wurde zum Leistungsträger für das ZZMK. Beides, unsere Methode
und unsere Stiftung wurden zu fachlichen und finanziellen Stützen des ZZMK. Jedenfalls
liess ich mich von diesem Diktum nicht in meinen Anstrengungen für CEREC beeinträchti-
gen.

231. Digitale Restauration als „Runner-up“ in der traditionellen Zahnmedizin


Trotz der Bereitschaft des ZZMK, die Station für Zahnfarbene- und Computer-Restauratio-
nen (SZCR) unter der finanziell eigenständigen Führung der Stiftung SFCZ zu integrieren,
wurde die digitale Restauration von den Chefs der etablierten Fächer als „Runner-up“ ge-
sehen, der fachlich und wirtschaftlich nicht mehr übersehen werden konnte.
Angreifbar war die Methode im Stadium von CEREC 3 trotz grossen Fortschritten,
weil sie beim Eintritt in das 3. Jahrtausend noch mit einigen Schwächen behaftet war. CE-
REC erforderte eine ständige Zusammenarbeit mit der Dental-Industrie, um die stets auf-
einander folgenden technischen Entwicklungsschritte zu begleiten und Verbesserungen zu
untersuchen, zu beurteilen und zu stimulieren.
Mir lag es daran, die „Computergestützte Restaurative Zahnmedizin“ mit meinen Mit-
teln so weit zu bringen, dass sie von der Universität als eigenständiges Fach anerkannt
werden konnte. Davon waren wir aber im Jahre 2002 noch ein Stück weit entfernt. Disso-
nanzen im Professorenkollegium zwischen den Professoren B. Guggenheim und P. Schä-
rer einerseits und meinem damaligen Chef und Freund Prof. Lutz andererseits führten zum
Rücktritt von Prof. F. Lutz. Damit fiel mein gleichgesinnter Förderer und Schutzpatron erst
Zahnrestaurationen per Computer 221

einmal weg. Glück im Unglück war, dass der mir persönlich und der digitalen restaurativen
Zahnmedizin ebenso wohlgesinnte Freund und Kollege, Prof. Dr. Thomas Imfeld, zum Lei-
ter ad interim der Abteilung PPK ernannt wurde.
An der 13. Sitzung des SFCZ Stiftungsrates am 21. Mai 2002 nahmen dann Prof. Im-
feld und Herr lic. oec. Bruno Weder, der Geschäftsführer des ZZMK als Vertreter des Hau-
ses teil. Diese Sitzung stand stark unter dem Eindruck des Hinschiedes von Prof. Felix
Lutz, der nach seinem vorzeitigen Altersrückdritt im Vorjahr, wenige Wochen vor der Sit-
zung, am 10. März 2002 verstorben war.
Die Jahresrechnung 2002 der SFCZ zeigte, dass die in der Vereinbarung vom 26.
Juni 2002 willkürlich festgelegte, jährlich zu leistende Zuwendung in Höhe von CHF
150’000.- nicht aus laufenden Erträgen zu finanzieren war, sondern das Vermögen der
SFCZ angegriffen werden musste. Die SFCZ stellte deshalb am 7. Mai 2003, an das
ZZMK einen Änderungsantrag, die jährliche Zuwendung ab dem laufenden Vertragsjahr
2003/2004 auf die Hälfte, d.h. auf CHF 75’000.- unter Beibehaltung der Vereinbarung im
Übrigen zuzustimmen.
Das ZZMK wies diesen Änderungsantrag mit Schreiben vom 23. Mai 2003 und mit
Hinweis auf die angespannte finanzielle Lage des Zentrums zurück. Die Herren PD Dr.
Markus M. Koller, Vorsteher des ZZMK und Prof. Dr. B. Guggenheim, Prodekan, als Un-
terzeichner, sahen die Situation anders. Sie gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich die
Situation bald verbessert. Das Problem könne aber erst mit dem Antritt des neuen Lehr-
stuhlinhabers PPK wieder besprochen werden. Die vakante Stelle von Prof. Lutz war be-
reits ausgeschrieben.

232. Professor Dr. Thomas Attin Direktor der Klinik PPK


Für den 12. und 13. April 2002 hatte ich eine Einladung zur Schwarzwaldtagung der Süd-
badischen Zahnärzte in Titisee-Neustadt im Schwarzwald gehabt. Der Titel meines Vortra-
ges lautete: „CAD/CAM Restaurationen gestern, heute, morgen“. Ich lernte bei dieser Ver-
anstaltung Herrn Professor Thomas Attin mit seiner Frau, Dr. Rengin Attin, kennen. Er be-
eindruckte mich durch seine kompetente, klare und ruhige Art beim Vortrag und im persön-
lichen Gespräch. Das wäre ein hervorragender Nachfolger für unseren ausgeschiedenen
Prof. Lutz an der Abteilung PPK des ZZMK der Universität Zürich, schoss es mir durch den
Kopf.
Intuitiv sagte ich es ihm direkt: „Herr Attin, Sie haben die menschlichen und fachli-
chen Fähigkeiten, die ein Nachfolger von Mühlemann und Lutz haben muss, um diese
grosse Abteilung für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie am ZZMK der
Universität Zürich erfolgreich leiten zu können, bitte bewerben Sie sich um diese Position“.
Diese Äusserung dürfte ihn darin bestärkt haben, sich für diese Stelle zu bewerben, was
er dann tatsächlich auch tat.
Wie ich später erfuhr, war Thomas Attin zu dieser Zeit bereits in hoher Position als
Direktor (C4) der Abteilung für Zahnerhaltung, Präventive Zahnheilkunde und Parodonto-
logie der Georg August Universität Göttingen und als geschäftsführender Leiter von deren
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde gewesen. Aus dieser Position bewarb er
sich in Zürich und wurde dank seiner hohen Qualifikation und zum Segen für das ZZMK
per 1. März 2006 zum Direktor der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und
Kariologie (PPK) der Universität Zürich gewählt. Er war damit auch mein administrativer
Chef. Ich aber würde am 5. November 2006 das 65. Lebensjahr und damit das reguläre
Dienstende erreichen.
Zahnrestaurationen per Computer 222

233. Generationenwechsel am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde


Am ZZMK bahnte sich im Spätjahr 2004 ein Generationenwechsel an. Es verstarb PD Dr.
Markus Koller, der Vorsteher des ZZMK am 28. September 2004, bald darauf verstarben
Prof. Peter Schärer am 22.12. 2004 und Prof. B. Guggenheim am 27. Juni 2005.
Ich hatte Prof. Albert Mehl für den von ihm gewünschten Forschungsaufenthalt in Zü-
rich sofort zugesagt. Er trat diesen am 1. Mai 2006 an und würde bis zum 3. November
2006 bleiben. Herrn Prof. Attin hatte ich gleich bei seinem Amtsantritt über den Aufenthalt
von Prof. Mehl informiert. Prof. Attin war mit der Person und der Qualifikation von Prof.
Mehl sehr einverstanden.
Albert Mehl fügte sich als Gast von Anfang an perfekt in unser Team ein. Er arbeitete
an unseren CEREC Kursen mit und konnte fachlich die Zusammenarbeit mit Sirona im Be-
reich der Implementierung der biogenerischen Okklusion in die CEREC Software aufneh-
men. Albert war eine absolute Bereicherung unseres Teams, der Abteilung PPK und des
ZZMK.
Ich blickte auf das absehbare Ende meiner regulären Amtszeit und besprach dieses
Thema mit Thomas Attin. Ich hätte es gerne gesehen, wenn mein langjähriger, hoch ver-
dienter Mitarbeiter Dr. Andreas Bindl mein Nachfolger im Bereich der Computergestützten
Restaurativen Zahnmedizin an der Abteilung PPK geworden wäre. Prof. Attin hatte nichts
dagegen einzuwenden. Andreas Bindl hatte im Oktober 2005 seine Habilitationsschrift
eingereicht mit dem Titel „All-Ceramic CAD/CAM-Generated Crowns In Vitro and In Vivo
Studies“. Es war eine sehr schöne Arbeit, die er an der SZCR erarbeitet hatte und die pro-
blemlos akzeptiert wurde.
Andreas Bindl hatte seit 1994 die Entwicklung der CEREC Kronentechnik begleitet
und diese im klinischen Bereich massgeblich beeinflusst. Aber Andi hatte alle meine
Kämpfe, die mit der Entwicklung von CEREC im akademischen Bereich verbunden gewe-
sen waren. miterlebt und zog es vor, die Praxisräumlichkeiten der SZCR als private Praxis
zu übernehmen. Er konnte mit dieser eigenen Basis als Privatdozent weiterhin einen wich-
tigen Beitrag in Lehre und klinischer Forschung am ZZMK leisten. Ich respektierte seine
Entscheidung. Er übernahm die SZCR mit der gesamten Einrichtung per Jahreswechsel
2006/07 vom Eigentümer, der Stiftung zur Förderung der Computerzahnmedizin.
Blieb nur noch die Frage, wer meine Position am ZZMK übernehmen konnte. Prof.
Attin schlug PD Dr. Wolfgang Buchalla als möglichen Kandidaten für diesen Bereich vor.
Wolfgang war schon damals ein wissenschaftlich und klinisch bestens ausgewiesener Ka-
riesforscher. Er hatte das Format, den CAD/CAM-Bereich zu übernehmen, besass jedoch
in diesem Bereich keine klinische und wissenschaftliche Erfahrung.
Im September 2006 fragte mich mein Mitarbeiter Dr. J. Michel bei einem CEREC-
Kurs ob ich denn wüsste, dass Albert Mehls Professorenstelle an der Universität München
per Zeitvertrag im November des Jahres auslaufen würde. Das war mir nicht bekannt ge-
wesen. Aber meine Reaktion war: „Dann behalten wir Albert hier bei uns, als mein Nach-
folger“. Er hatte durch seine bisherige wissenschaftliche Arbeit die perfekte Qualifikation
für diese Stelle.
Ich besprach die Situation mit Thomas Attin und er war mit dieser Lösung sofort ein-
verstanden. Wir hielten es für möglich, dass die Medizinische Fakultät Albert Mehl mit ei-
ner Direktberufung auf eine Professur für Computergestützte Restaurative Zahnmedizin
‚ad personam‘ berufen könnte und besprachen dies mit dem damaligen Dekan der Medizi-
nischen Fakultät Prof. Bär. Dieser sah sich aber nicht in der Lage, unser Begehren zu un-
terstützen.
Zahnrestaurationen per Computer 223

234. Albert Mehl: Professur für ’Computergestützte Restaurative Zahnmedizin’


Mein eigenes Mandat konnte verlängert werden, sofern die SFCZ mein Gehalt bezahlen
würde. Das war mit den entsprechenden Anträgen möglich und wurde sowohl vom ZZMK
als auch von der SFCZ unterstützt. So konnte ich beide Institutionen überzeugen, Herrn
Professor Mehl als Gastprofessor im ZZMK zu akzeptieren, während die SFCZ sein Ge-
halt als Gastprofessor übernahm.
Das ZZMK stellte einen Antrag an die Medizinische Fakultät, Herrn Prof. Mehl offiziell
zum Gastprofessor zu ernennen. Diese Ernennung erfolgte dann per 1. März 2008 und
galt bis 28. Februar 2009. In der Zwischenzeit wurde die Stelle einer Professur für Compu-
tergestützte Restaurative Zahnmedizin offiziell ausgeschrieben und Albert Mehl bewarb
sich für diese Stelle in einem regulären Berufungsprozess.
Die Berufung von Albert Mehl auf die ‚Professur für Computergestützte Restaurative
Zahnmedizin‘ erfolgte dann per 1. September 2010. Danach konnte ich mich getrost zu-
rückziehen, Die Computergestützte Restaurative Zahnmedizin war nun offiziell an der Uni-
versität Zürich in Forschung und Lehre durch überaus kompetente Fachkräfte weiterhin
gesichert. Mein fachliches Lebensziel war damit erreicht. Der auf Prof. Bär folgende Dekan
Prof. Dr. Dr. Klaus Grätz, Kieferchirurg des ZZMK, hatte die Etablierung dieser Professur
stark unterstützt. Dafür sei ihm herzlich gedankt. Mir blieb noch, eine standesgemässe Ab-
schiedsveranstaltung zu organisieren.

Dreiundzwanzigster Teil: CEREC Forschung am ZZMK 2000 bis 2008

57) 2000-2008 CEREC DISSERTATIONEN

235. CEREC Dissertationen der SZCR Mitarbeiter 2000 bis 2003


Die Arbeiten befassten sich mit der klinischen Qualität, der Passgenauigkeit, der Festig-
keit, der Schleifeffizienz, der Herstellungszeit bei Anwendung verschiedener Konstrukti-
onswege, der Flächenmessung zur Ermittlung der Adhäsionsfläche, der Bruchlast von
Kronen, der okklusalen Diskrepanz von Kronen und der Erstellung von Lehrmitteln (Tabel-
le 11).
Es ging immer darum, den technischen Fortschritt bei CEREC zu untersuchen und
zu bewerten. Die Dissertationen repräsentieren deshalb Wegzeichen der Weiterentwick-
lung und sie kennzeichnen das Engagement der SZCR und ihrer Mitarbeiter.
Mich persönlich faszinierte immer das Zusammenspiel von Optimierungen der Me-
thode, der Labortests und der klinischen Anwendungserfahrung. Die letztere konnten wir
dann weitertragen in den Studentenunterricht, in die CEREC-Kurse der Aus- und Weiter-
bildung von Privatzahnärzten und schliesslich in Form von Präsentationen an Fachveran-
staltungen und Publikationen in Anwender-orientierten und in wissenschaftlichen Fach-
journalen.
Ganz wesentlich war auch der Austausch der an der SZCR und im Unterricht erwor-
benen klinischen Erfahrungen mit den Entwicklern beim Gerätehersteller bezüglich der
Bewährung von Hardware und Software, wie auch die Diskussion mit den Herstellern der
Restaurationsmaterialien und der für die Durchführung der Methode erforderlichen Adhä-
siv- und Hilfsmaterialien.
Den Entwicklern in allen Bereichen konnten aus der wissenschaftlichen und klini-
schen Tätigkeit wertvolle Hinweise und Anregungen vermittelt werden.
Zahnrestaurationen per Computer 224

Tabelle 11 Von Prof. Mörmann geleitete CEREC Dissertationen (Med Diss) in den Jahren
2000 bis 2003 an der Universität Zürich.

CEREC Dissertationen an der Universität Zürich 2001 bis 2003


Jahr Autor Titel

29 2000 Kade SG Die klinische Qualität von CEREC Onlays aus drei System-Entwick-
lungsstufen

30 2001 Apholt W Biegefestigkeit von Aluminium- und Zirkonoxid-Keramiken nach


CAD/CiM Bearbeitung und Sinter-Verbund

31 2001 Neumann G Bruchfestigkeit sofort gefertigter, minimal invasiv verankerter CAD/


CAM Slot-Brücken

32 2001 Schultz CB Passgenauigkeit, marginale Adaptation und okklusale Abrasion von


CEREC Inlays

33 2001 Thoma K Schleifeffizienz und Kantenqualität bei CEREC 3 Inlays, Onlays und
Kronen

34 2001 Rügge TC Herstellungszeiten und vertikale Diskrepanz von CAD/CAM gefertig-


ten Teilkronen.

35 2002 Richter B Lehrmittel als gedrucktes und elektronisches Buch mti computerge-
stütztem Trainingsprogramm für zahnmedizinische CAD/CAM-Re-
staurationen
36 2003 Zingg CP Flächenmessung von intrakoronalen Präparationen mit der CEREC
3D Kamera.
37 2003 Le Tran DT Marginale und interne Passgenauigkeit computergestützt gefertigter
vollkeramischer Brückengerüste
38 2003 Weber AS Abtragseffizienz und Bearbeitungsqualität oszillierender Instrumente

39 2003 Grewe I Die Bruchlast von CAD/CAM Kronen und Kronenkappen aus Kera-
mik bei adhäsiver und nicht adhäsiver Befestigung
40 2003 Rist AC Okklusale Diskrepanz von CAD/CAM-gefertigten Keramikkronen

Dieser intensive Austausch motivierte mich stets von Neuem. In der Folge gehe ich jeweils
mit einem Kommentar kurz auf die Ergebnisse dieser Arbeiten einzeln ein.
Dissertation Nr. 29: CEREC Onlays aus drei Systementwicklungsstufen wurden am
Patienten nach einer Tragezeit von knapp 5 Jahren mittels klinischen Kriterien (United Sta-
tes Public Health Service, USPHS) beurteilt und rasterelektronenmikroskopisch (REM
200x) nachuntersucht. Die klinische Bewertung war in allen drei Untersuchungsgruppen zu
mehr als 96% sehr gut bzw. gut. Die mittlere Fugenbreite war bei den CEREC 2 Onlays
(242±48µm bzw. 207±63µm signifikant (p<0,01) gegenüber CEREC 1 (308±95µm) redu-
Zahnrestaurationen per Computer 225

ziert. Der Anteil an kontinuierlich perfektem Rand an den Phasengrenzen der Klebefugen
lag bei den drei Gruppen ohne signifikante Unterschiede zwischen 94,5% und 97,5%.
Kommentar: CEREC Onlays aller Gruppen erfüllten damit die Schweizer Qualitätsleitlinien
an den Restaurationsgrad 3 (SSO 2000). Das war ein hervorragendes Ergebnis und erfüll-
te unsere CEREC-Gruppe mit Genugtuung.
Dissertation Nr. 30: Hypothese der Arbeit war, dass dreigliedrige Brückengerüste
eventuell in der Mitte durch das Zusammensintern eines mesialen mit einem distalen Brü-
ckenteil geschaffen werden könnten, solange eine Software für die Konstruktion eines
vollständigen Gerüstes noch nicht vorlag. Die Biegefestigkeit von unverbundenen versus
mittels Schlicker und Sinterbrand verbundenen Biegestäben wurde in einer Prüfmaschine
untersucht. Die Biegefestigkeit von verbundenen Stäben war zwischen 15 bis 24 % gerin-
ger als die der genuinen unverbundenen Stäbe. Verbundene In-Ceram Zirconia Biegestä-
be allerdings erreichten Festigkeiten um die 500 MPa, die eine Anwendung für kurze Ge-
rüstkonstruktionen in den Bereich der Anwendbarkeit rückten. Kommentar: Die material-
technisch interessante Dissertation Nr. 30. war mit der Verfügbarkeit der Software für Brü-
ckengerüste überholt.
Dissertation Nr. 31: Minimal invasiv in Slotinlay-Kavitäten verankerte Brücken zum
Ersatz eines Zahnes überspannen etwa die Distanz von 14 mm und können so leicht mit
CEREC 3 aus Keramik- und oder Kompositblöcken gefertigt werden. Ziel einer solchen
Lösung ist die geringst mögliche Präparation der Pfeilerzähne bei kurzer Herstellungszeit
und geringen Kosten. Es konnte anhand der Resultate nicht entschieden werden, ob sich
Komposit oder Keramik besser für eine solche Lösung in der Klinik eignen würden. Kom-
mentar: Offen blieb, ob der Verbund zwischen dem Brückenkörper und den minimal ge-
stalteten Ankerkavitäten der Dauerbeanspruchung unter klinischen Verhältnissen stand
halten kann. Nach meiner Einschätzung ist das nicht wahrscheinlich. Die Idee wurde auch
nicht weiterverfolgt.
Dissertation Nr. 32: Die Passgenauigkeit, die marginale Adaptation und die Abrasion
kennzeichnen die Restaurationsqualität. MOD-Keramik- (Vita Mark II, ProCAD) und Kom-
positinlays (Versuchs-Komposit-Blöcke von 3M und GC) wurden mit CEREC 3 hergestellt
und mit Total-Bonding und Selective-Bonding eingesetzt. Die Passgenauigkeit betrug
54±13µm und war damit sehr gut. Die Inlays wurden in einer Kaumaschine mechanisch
belastet und einem thermischen Wechselbad unterworfen. Bei der marginalen Adaptation
ergaben sich zwischen ‚Total‘ und ’Selective’ Bonding keine Unterschiede. Keramikinlays
abradierten den antagonistischen Zahn etwas stärker als Kompositinlays. Die letzteren
verloren im Kontaktbereich mehr Substanz als die Keramikinlays. Kommentar: Beide
Werkstoffe, in der Fabrik vorgefertigte Keramik- und Kompositblöcke eignen sich für CAD/
CAM Restaurationen.
Dissertation Nr. 33: Untersucht wurden in einem Vergleich zwischen den CEREC 2
und CEREC 3 Geräten: 1. Die Standzeit eines Instrumentensatzes beim wiederholten
Formschleifen von Inlays, Onlays, Frontzahnkronen, Seitenzahnkronen sowie eines Test-
körpers (3x4x12mm). Pro Instrumentensatz wurden je nach Art des Werkkörpers und des
Materials mit CEREC 3 zwischen 30-40% weniger Restaurationen geschliffen. Dies war
bei CEREC 3 der Preis für die Verwendung feinerer Instrumente und ihrer detaillierteren
Ausarbeitung der Formen. Die höhere Passung der CEREC 3 Werkstücke rechtfertigte die
geringere Standzeit der Instrumente bei Weitem, waren doch die Formschleifzeiten aller
Werkstücke bei CEREC 3 geringer als bei CEREC 2. Kommentar: Diese Arbeit dokumen-
tierte einen bedeutenden Fortschritt der CEREC Schleiftechnologie.
Dissertation Nr. 34: Die Herstellungszeiten und die vertikalen Diskrepanzen der Kau-
kontakte von Teilkronen mit CEREC 2 vs CEREC 3 wurden vergleichend untersucht. Die
Zahnrestaurationen per Computer 226

Gesamtzeit reduzierte sich von 52 min bei Cerec 2 auf 35 min bei Cerec 3. Der Zeitgewinn
bei Cerec 3 war zum einen durch die übersichtliche Benutzerführung und sichere Zweiab-
drucktechnik und zum anderen auf die höhere Rechnerleistung zurückzuführen. Die gerin-
gere vertikale Diskrepanz lässt sich bei Cerec 3 durch den Einsatz des Kegelschleifers er-
klären, der eine genauere okklusale Morphologie erzeugte als Cerec 2. Kommentar: Der
Patient muss bestätigen, dass die neue Restauration beim Zusammenbeissen und bei der
Ausführung von Kaubewegungen passt und angenehm ist. Die Technik ist perfekt, wenn
sowohl die Höhe als auch die Kontakte bei Seitbewegungen von Anfang an stimmen oder
wenn nur geringe Korrekturen nötig sind.
Dissertation Nr. 35: Ein Lehrmittel in Form eines Manuals zur CAD/CAM-Konstruk-
tion und -Fertigung vollkeramischer Inlays und Teilkronen wurde in Form eines gedruckten
Manuals, als elektronisches Buch (e-Book) und in Form eines Computer basierten Trai-
nings-Programmes (CBT) erstellt. Die Qualität des Lehrmittels und die Effizienz des CBT
wurde unter Mitwirkung von Zahnmedizinstudenten und berufstätigen Zahnärzten unter-
sucht.
Benutzer des Lehrbuches im Farbdruck verwendeten signifikant mehr Zeit zum Stu-
dium des Buches als die Benutzer des Schwarz-Weiss-Druckes. Beide Gruppen bewerte-
ten die Qualität des Buches aber gleich gut. Der Informationsgehalt wurde überwiegend
als ‚genau richtig‘ bestätigt und die didaktischen Hilfsmittel sowie die grafischen Darstel-
lungen als ‚sehr nützlich‘ bewertet. Studenten, die das Kontroll-Fragesystem im Lehrbuch
benutzten, hatten signifikant bessere Punktezahlen. Die Benutzung des CBT Wissensquiz’
hatte keinen Effekt auf den Wissenserfolg. Kommentar: Problem von CEREC war immer
der Lernprozess aller Aspekte der Methode mit seinen völlig neuen Anforderungen. Prak-
tisch alle Einsteiger in die CAD/CAM Methode hatten keinerlei diesbezügliche Lernerfah-
rungen während ihres Studiums gehabt und betraten völliges Neuland. Erschwerend für
die Lehre war auch die ständige Erweiterung von CEREC durch die technische Entwick-
lung.
Dissertation Nr. 36: Die Fläche von Prämolarenkavitäten war zweiflächig: 55±16
mm2.; dreiflächig 81±15 mm2; mit einer Höckerüberdeckung: 69±6 mm2. Bei Molarenkavi-
täten: einflächig 31±18 mm2; zweiflächig 89±25 mm2; dreiflächig 136±23 mm2; 4 bis 5-flä-
chig: 145±19 mm2; mit Überdeckung eines Höckers 138±26 mm2 und mit Überdeckung
von zwei bis drei Höckern 140±24 mm2. Kommentar: Die Präparationsflächen können voll-
ständig zur Adhäsion der Restaurationen benutzt werden.

236. Brückengerüste aus In-Ceram YZ


Dissertation Nr. 37: CEREC 3D CAD/CAM Brückengerüste passten marginal (71±34
µm) bei Stufen- und Hohlkehlpräparation besser als bei der automatischen Kopierschleif-
methode ‚Cercon‘ (120± 34µm) (CAM) - und bei Herstellung mit der konventionellen Schli-
ckermethode (110±46µm) (Abb. 131). Kommentar: Mit dieser Qualität können die konven-
tionellen Techniken durch CAD/CAM abgelöst werden.
Die Verfügbarkeit von porös gesinterter Zirkonioxidkeramik für die CEREC Form-
schleiftechnik in Form der VITA In-Ceram YZ Cubes Blöcke verschiedener Grösse mar-
kierte den Anfang der Entwicklung der Zirkonoxid Materialtechnik vom Gerüstmaterial bis
zur Verwendbarkeit für Vollkontur-Kronen und Brücken. Bei den Zirkonoxidkeramik-Ge-
rüstbrücken war die Verblendung mit ästhetischer Feldspatkeramik der Schwachpunkt.
Dissertation Nr. 38: Die Abtragseffizienz im Schmelz und Dentin und die Bearbei-
tungsqualität im Schmelz von drei ultraschallbetriebenen approximalen Präparationssys-
temen PCS (EMS) und Siroson I und II (Sirona) wurden in vitro untersucht. Bezüglich Ein
dringtiefe und Schmelzrandfrakturen unterschieden sich die beiden Systeme nicht.
Zahnrestaurationen per Computer 227

Abb. 131 In-Ceram YZ (VITA) im CEREC inLab Gerät


formgeschliffenes Brückengerüst aus der Arbeit von
Diem Tu Le Tran a) Klinsche Lückensituation mit Präpa- a
ration der Pfeilerzähne, b) formgeschliffenes ca. 25%
grösseresGerüst von bukkal, c) nach dem ca. 2-stündi-
gen Sinterbrand, d) verblendet von bukkal. b
Kommentar: Die Ultraschallpräparation erwies sich für
die approximalen Wände von Inlaykavitäten als ausser-
ordentlich nützlich für die schnelle und schonende Her-
stellung klar definierter Ränder im approximalen Kasten-
c
bereich.
Dissertation Nr. 39: Seitenzahn-Vollkronen aus
Feldspatkeramiken sollten mit Rücksicht auf die Bruch- d
festigkeit nur mit adhäsiver Befestigung verwendet wer-
den. Kommentar: Ausserdem muss die Mindestwand-
stärke von 1,5 mm der Kronenkaufläche unter der Haupt-
fissur bei VITA Mark II Feldspatkeramik eingehalten werden.
Dissertation Nr. 40: Ziel war es, die Fertigungswege von Seitenzahnkronen mit CE-
REC 3D chairside versus CEREC 3 labside vergleichend zu untersuchen. Hinsichtlich der
Parameter ‚okklusale vertikale Diskrepanz‘, der Einschleif- und Politurzeit liessen sich kei-
ne wesentlichen Unterschiede feststellen. Dies bestätigte die Hypothese, dass sich die ok-
klusale Höhe von mit CEREC 3D chairside und laborgefertigten Molarenkronen nicht un-
terscheidet. Kommentar: Damit war klar, dass die Herstellungsqualität der Kronen aus der
Hand des Zahnarztes und aus der Hand des Zahntechnikers gleich war. Ich hatte von der
frühen Diskussion um CEREC aus den Stimmen der Zahntechnik immer eine gewisse
Skepsis der Zahntechniker in Bezug auf diesen Vergleich herausgehört. Nun war offen-
sichtlich ein technischer Stand der CAD/CAM Technologie erreicht worden, der die Ergeb-
nisqualität vom Berufsstand unabhängig machte.

237. CEREC Dissertationen der SZCR Mitarbeiter 2004 bis 2008


In diesem Kapitel kündigen sich die letzten von mir geleiteten CEREC Dissertationen an.
Dissertation Nr. 41: CEREC Flächenmessungen von Präparationen waren bei korrek-
ter Anwendung der Kamera mit geringer Abweichung reproduzierbar. In dieser Studie wur-
den unter anderem 155 Scans von klinischen Kronenpräparationen mit zirkulärer Stufe
vermessen und ergaben folgende Werte: Mittlere Oberkiefer-Schneidezähne (zentrale In-
zisivi): 96±18 mm2 (n=22); laterale Inzisivi 61±13 (n=22); Oberkiefer-Eckzähne 104±32
mm2 (n=8). Messungen bei Prämolaren/Molaren (P/M) im Ober- und Unterkiefer: P 75±17
mm2 (n=51) / M 142±28 mm2 (n=52); bei reduzierter Stumpfhöhe: P 71±17 mm2 (n=10) / M
134±27 mm2 (n=32); sowie bei „Endo“-Präparationen: P 72±14 mm2 (n=12) / M 132±26
mm2 (n=69). Kommentar: Die „Endo“-Retentionsfläche glich demnach der Retentionsflä-
che bei reduziertem Kronenstumpf und hatte damit ein vergleichbares Risiko des mögli-
chen Adhäsionsverlustes. Ich fand aus diesem Grunde diese Flächenmessungen interes-
sant. Unsere klinischen Erfahrungen mit der Retention von Endokronen auf Molaren sind
ausserordentlich gut. Dies angesichts der Tatsache, dass stark zerstörte Molaren im dista-
len Bereich der Mundhöhle versorgt werden können, die für aufwendige Stiftaufbauten
schwer erreichbar sind.
Zahnrestaurationen per Computer 228

Tabelle 12 Von W. Mörmann geleitete CEREC Dissertationen (Med Diss) in den Jahren
2004 bis 2008 an der Universität Zürich.

CEREC Dissertationen an der Universität Zürich 2004 bis 2008


Jahr Autor Titel

41 2004 Schalcher RE Vermessung der Oberflächen von Kronenpräparationen mit der CE-
REC 3D Kamera

42 2004 Kraus H Optimierung der adhäsiven Befestigung von CEREC Inlays in vitro

43 2004 Homann D Topographische Bedarfsanalyse für CAD/CAM gefertigte Suprakon-


struktionen auf zahnärztlichen Implantaten

44 2006 Wolf BD Bruchfestigkeit von monolithischen CAD/CAM Kronen auf Implan-


tatabutments aus Titan und Zirkonoxidkeramik bei adhäsiver und
nicht adhäsiver Befestigung

45 2006 Ender A CEREC 3D Design. Lehrmittel als gedrucktes Manual, Qualitätsbeur-


teilung und Wissensvermittlung

46 2007 Görög YL CEREC 3D CAD/CAM Veneers: Akzeptanz und Nutzung eines Lehr-
mittels als gedrucktes Manual

47 2008 Schrage BU Untersuchung der Effizienz des computergestützten Formschleifens


von Inlays und Kronen aus ästhetischen Werkstoffen und deren Fes-
tigkeit

Speziell interessant war die Planung der Dissertationen mit den Kolleginnen und Kollegen
sowie die Führung und Motivation der Dissertanten. Wesentlich kam es auf die konse-
quente und saubere Fertigstellung der Arbeiten an. Dazu gehörte die Literaturanalyse des
betreffenden Themas und die Entwicklung einer Untersuchungshypothese. Die statistische
Gestaltung musste auf eine aussagekräftige Schlussfolgerung ausgerichtet werden. Die
Festlegung der Untersuchungsbedingungen speziell der Mitführung von Kontrollmethoden
war zu bedenken. Der Einsatz von Materialien und Prüfmethoden war festzulegen. Auf die
nüchterne Formulierung der Resultate und deren Interpretation war zu achten. Schlussfol-
gerungen sollten vorsichtig unter Berücksichtigung einschränkender Untersuchungsbedin-
gungen gezogen werden.
Dissertation Nr. 42: Der Einfluss reduzierter Adhäsivmassnahmen an der Keramiko-
berfläche von CEREC 3 Inlays auf die marginale Adaptation wurde vor und nach Einwir-
kung des Kausimulators an natürlichen Zähnen untersucht. Hypothese war, dass die Weg-
lassung der Silanisierung einerseits und andererseits der Weglassung der Keramikätzung
und Silanisierung des Inlays zur Minderung der marginalen Adaptation an der Phasen-
grenze Inlay zu Befestigungskomposit führt. Während die Weglassung der Silanisierung
bei geätztem Inlay zu keiner Minderung der Adaptation führte, kam es bei Weglassung der
Ätzung zur signifikanten Verschlechterung der Adaptation des Befestigungskomposits am
Inlay. Kommentar: Für die Qualität der Adaptation zwischen Keramikinlay und Befesti-
Zahnrestaurationen per Computer 229

gungskomposit ist offenbar die Ätzung der Keramikoberfläche der bestimmende Faktor
und kann nicht weggelassen werden.
Dissertation Nr. 43: Die Raumdimensionen von 98 mit Implantaten versorgten Ein-
zelzahnschaltlücken wurden anhand von Arbeitsmodellen an der SZCR versorgter Fälle,
manuell mit der Schublehre und digital anhand von Scans, mit der CEREC 3D Kamera un-
tersucht. Leichte Differenzen zwischen den manuellen und digitalen Raumdimensionen
wurden als nicht relevant beurteilt. Die Voraussetzungen für die Versorgung von Implanta-
ten mit CEREC Kronen wurden als erfüllt angesehen. Kommentar: Diese Arbeit fiel in die
Zeit der aufkommenden Anwendung der Zahnimplantate in der zahnärztlichen Praxis. Dr.
Bindl hatte sich in der konventionellen Versorgung von Implantatfällen mit CEREC Kronen
ausgebildet. Ich hielt ihn an, die Setzung der Implantate selbst an der SZCR durchzufüh-
ren und chairside mit CEREC Kronen zu versorgen. Die Dissertation lieferte uns Informa-
tionen über die Raumverhältnisse und Winkelneigungen von konventionell ausgeführten
Implantaten als Grundlage für digitale Fertigungswege unter Anwendung der CEREC
Technologie.
Dissertation Nr. 44: Ziel der Studie war es, die Bruchlast von monolithischen CAD/
CAM Molarenkronen auf Implantatabutments aus Titan und Zirkonoxidkeramik bei unter-
schiedlichen Befestigungsarten zu untersuchen. Im Ergebnis zeigte sich, dass CEREC Ke-
ramikkronen bei adhäsiver Befestigung für die Versorgung von Implantaten geeignet wa-
ren. Kronen mit offenen und adhäsiv verschlossenen Schraubenkanälen waren etwas ge-
ringer aber genügend bruchresistent. Kommentar: Die Arbeit gab uns Informationen und
Vertrauen in die Versorgung von Implantaten mit CEREC-Kronen.
Dissertation Nr. 45: Andreas Ender schuf mit dieser Arbeit ein perfektes Lehrmittel für
das Erlernen des CEREC 3D Designs. Kommentar: Mit der 3D Software und diesem wun-
derbaren Lehrmittel fühlten wir uns mit CEREC wirklich topp!
Dissertation Nr. 46: Das Thema CEREC 3D CAD/CAM Veneers wurde speziell als
Selbstlernprogramm in Form eines gedruckten Manuals erarbeitet. Auch in diesem Werk
wurde das Kontrollfragensystem als vorteilhaft für den Lernerfolg angesehen. 75% der As-
sistenten und 67% der Praxiszahnärzte gaben dem gedruckten Manual den Vorrang vor
einer Nutzung des Stoffes in elektronischer Form. Kommentar: Auch heute, im Zeitalter
fortgeschrittener Nutzung digitaler Medien, geben viele Menschen dem Gedruckten den
Vorzug, sei es die Zeitung oder das Buch.

238. 2007 Ablösung der CEREC 3 - durch die MCXL Schleifeinheit


Dissertation Nr. 47: Dies war die letzte formale CEREC-Dissertationsarbeit, die ich
am ZZM leitete. Ausgangspunkt für diese Arbeit war die Verfügbarkeit eines MCXL-Form-
schleifgerätes als Nachfolge für die CEREC 3 Schleifeinheit.

Abb. 132 MCXL Schleifeinheit als Ablösung der


CEREC 3 Schleifeinheit im Jahre 2007.

Die Dissertantin Frau Barbara Schrage führte


diese Arbeit mit grösster Sorgfalt aus. Das Gerät
verfügte über zwei Schleifarten, das Formschlei-
fen mit „normaler“ Geschwindigkeit und das
„Schnellschleifen“. Die beim MCXL Normalschlei-
fen von VITA Mark II um bis zu 50% gegenüber
CEREC 3 verkürzte Schleifzeit bei gleichzeitig
erhöhter Biegefestigkeit, d.h. Schonung der Keramik, wies eine bedeutende Effizienzstei-
Zahnrestaurationen per Computer 230

gerung der CEREC Formschleiftechnik nach, welche aber mit einem höheren Instrumen-
tenverschleiss einherging. Kommentar: Die MCXL war eine Meisterleistung der CEREC
Ingenieure. Das Schnellschleifen war vor allem für den US-Amerikanischen Markt wichtig.
Als Anwender musste man wie schon bei allen Vorgängergeräten den Grad der Ab-
nützung der Schleifwerkzeuge kontrollieren. Wurde eines der Werkzeuge während dem
Formschliff ineffizient, so hielt das Gerät an. Der betreffende Schleifer musste gewechselt
werden, was am Patienten einen Zeitverlust bedeutete. Nach einem Instrumentenwechsel
gab es zunächst die Option, den Formschleifprozess ganz neu mit einem neuen Material-
block zu starten. Um auf der sicheren Seite zu sein, empfahl es sich, gleich beide Schlei-
finstrumente zu wechseln. Später gab es den Modus „Weiterschleifen“. Dann konnte der
schon fortgeschrittene Formschliff wieder aufgenommen und zu Ende geführt werden.

Vierundzwanzigster Teil: Das Spektrum der CEREC Technologie 2009

58) 2009 ABSCHIEDS-SYMPOSIUM: STAND DER CEREC TECHNOLOGIE

239. Verabschiedung durch den Dekan der Medizinischen Fakultät


Das Abschiedssymposium feierten wir am 27. Juni 2009 in der Aula der Universität Zürich-
Irchel. Dazu hatten wir im Lichthof eine Dental-Ausstellung organisiert, die 08.30 Uhr öff-
nete. Um 9.00 Uhr erschallte im Lichthof ein Alphornruf (Abb. 133).

Abb. 133 Alphorngruss zur Beendigung meiner offiziellen Amtszeit und zur Eröffnung des
Abschieds-Symposiums an der Universität Zürich.

Die musikalische Begleitung des Programmes war reichlich. In der Kaffeepause präsen-
tierte das Duo Malcolm Green und Hector Ceravolo Jazz, Gospel, Blues, Dixie, Reggae,
Pop und Rock.
Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Herr Dr. Dr. Klaus Grätz eröffnete das Sym-
posium und begrüsste die Teilnehmer mit einer kurzen Laudatio auf den ausscheidenden
Zahnrestaurationen per Computer 231

Werner Mörmann und dankte ihm für seine erfolgreiche Arbeit, die er mit unerschütterli-
cher Zielstrebigkeit für das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität
Zürich erbracht hat.
Der Dekan Klaus Grätz hatte als Kieferchirurg die nötige Weitsicht und Lockerheit in
der Beurteilung der CEREC
Entwicklung und stand über
eventuellen Konkurrenz-Über-
legungen im restaurativen Be-
reich der Zahnmedizin.

Abb. 134 Der Dekan der Me-


dizinischen Fakultät, Herr Dr.
Dr. Klaus Grätz (li.) mit Prof.
Mörmann (re.) nach der Eröff-
nung des Symposiums.

In seiner routinierten überle-


genen Art konnte er die Ent-
wicklung der digitalen restau-
rativen Technologie sachge-
recht beurteilen.

240. Grussadresse Jost Fischer, Vorstandsvorsitzender der Firma Sirona


In seiner Grussadresse umriss Jost Fischer, Vorstandsvorsitzender der Firma Sirona, Her-
steller der CEREC-Geräte, den Stand der Technik 2009 in Praxis und Labor:
„Es gibt kaum eine Methode, die unsere Zahnheilkunde so nachhaltig verändert hat
wie CEREC. 1985 waren ästhetische Restaurationen noch den ‚Reichen und Schönen‘
vorbehalten. Der Bedarf lag auf der Hand. Lösungsansätze gab es viele - aber es gab
niemanden, der die Wünsche der Patienten und die Bedürfnisse einer Zahnarztpraxis so
miteinander vereinen konnte wie Werner Mörmann und auch Marco Brandestini.
Am Anfang belächelt, dann mit Erstaunen beobachtet, hat CEREC seinen Weg ge-
macht. Sehr schnell wurde klar, dass die Behandlung in einer Sitzung nicht nur attraktiv für
die Patienten war, sondern sowohl klinische Vorteile durch den Verzicht auf das Provisori-
um als auch wirtschaftliche Vorteile durch die zusätzliche Wertschöpfung in der Praxis be-
sass.
Die Zehnjahresergebnisse universitärer Studien fingen an, Zweifler zu überzeugen,
und jeder Entwicklungsschritt von CEREC beseitigte der Reihe nach die Fragen beson-
ders kritischer Zahnärzte bezüglich Workflow, Wirtschaftlichkeit, Präzision und Kauflächen-
Gestaltung.
In der gesamten Zeit hat Prof. Werner Mörmann als Partner und Vordenker viele der
Weiterentwicklungen initiiert und alle klinisch begleitet. Er hat CAD/CAM für die Zahnheil-
kunde erschlossen und ihm gebührt die Ehre, sie auf ein neues Niveau gehoben zu haben
- denn heute können sich die meisten Patienten hochwertige, ästhetische Vollkeramik-Re-
staurationen leisten. Dank CEREC und Dank Werner Mörmann.“
Jost Fischer, Vorstandsvorsitzender Sirona

Sponsoren der Veranstaltung und Teilnehmer an der Dentalausstellung waren die folgen-
den Firmen bzw. Institutionen: Sirona Dental Systems, VITA Zahnfabrik, Ivoclar Vivadent,
Dentona, Intensiv, Demadent, ABC Dental, Kaladent, Breitschmid Healthco, Stiftung zur
Zahnrestaurationen per Computer 232

Förderung der Computerzahnmedizin. Im Folgenden stelle ich die Kurzfassungen der Vor-
träge in leicht editierter Form dar. Damit
soll der technische und klinische Stand
der CEREC Methode im Jahre 2009 do-
kumentiert werden, dem Jahr der definiti-
ven Übergabe der Verantwortung an
meinen Nachfolger im Amt am Zentrum
für Zahnmedizin der Universität Zürich
Herrn Dr. Dr. Albert Mehl.

Abb. 135 Herr Jost Fischer Vorstands-


vorsitzender Sirona (M.) mit Frau Dr. sc.
nat. ETHZ Jeanette Mörmann (r.) und
Prof. Mörmann (l.) nach der Grussadres-
se

Ich blieb der Abteilung noch durch die


Aktivitäten der SFCZ und durch einzelne
Projekte verbunden und konnte mein Büro F 10 im Pestalozzi Gebäude weiterhin benut-
zen. Es begann für mich eine Zeit ohne Routineverpflichtungen. Ich konnte, Projekte ver-
folgen, Peer-Reviews für Fachzeitschriften fertigen, Vorträge halten. Natürlich fand ich
auch Zeit, die vorliegende CEREC Chronik anzupacken.

241. W. H. Mörmann: Die CEREC-Pionierentwicklung


Beim offiziellen Ausscheiden aus dem akademischen Forschungs- und Lehrbetrieb war es
mir ein Bedürfnis, den Ablauf der Pionierentwicklung noch einmal vorzutragen. Dies auch,
um auch an die Leistungen von Dr. Marco Brandestini, der anwesend war, zu erinnern.
Zielsetzung meines klinischen Konzeptes war es, die Zahnbehandlung von Karies-
schäden anstatt mit Amalgam durch die Behandlung mit zahnähnlicher Keramik zu erset-
zen. Dazu musste die schnelle Herstellung
von Keramikinlays Teil der Behandlungs-
sitzung werden. Die Entwicklung des com-
puterunterstützten CEREC Verfahrens
machte dies möglich. Damit konnten teil-
zerstörte Zähne während einer Behand-
lung in individueller Form, Farbe und Funk-
tion wieder hergestellt werden.

Abb. 136 Dr. sc. techn. Dipl. el. Ing. ETHZ


Marco Brandestini und Prof. Dr. W. Mör-
mann, die CEREC-Pioniere am Abschieds-
Symposium.

Dr. Marco Brandestini adaptierte das


Mess-Prinzip der aktiven Triangulation und
die telezentrische Optik für die CEREC 1
3D-Mundkamera. Diese erlaubte im Video-
Suchmodus die Ausrichtung auf die Einschubachse der Präparation des Inlays. Die Mess-
Aufnahme dauerte 0,16 s und erfasste auch die Approximalflächen der Nachbarzähne,
Zahnrestaurationen per Computer 233

womit der Benützer mit einer einzigen Aufnahme alle Daten für die Konstruktion eines In-
lays erfassen konnte.
Unsere Pionierentwicklung dauerte von 1980 bis 1985 und realisierte die Komponen-
ten: 3D Messverfahren (3D-Scannen) mittels Mundkamera, Anwendungskonzept, opti-
scher Strahlengang und Linsensystem, Bildgrösse, Tiefenschärfe, Kameralichtquelle,
CCD-Bildsensor, Messgittersteuerung, Signalverarbeitung, Scanpuder, Scanpuderapplika-
tor, Bildjustierung, Konstruktionssoftware COS 1.0, Keramikmaterial, Keramikblöcke,
Blockhalterung, Schleifverfahren, Schleifantrieb, Schleifsteuerung, Kühlung, Schleifschei-
ben, Diamantierung, Materialtests, Vergleichsuntersuchungen, Feldtest.

BLUECAM

Abb. 137 Entwicklungsstufen der CEREC Hardware von 1985/87 bis 2009. CEREC 1
Prototypgerät 1985/87 (Brains, Zürich); CEREC 1 Gerät (Siemens) 1987 bis 1994. CEREC
2 (Siemens) erweitert auf keramische Vollkronen. 2000 CEREC 3 System geteilt in Akqui-
sitions- und Konstruktionsgerät sowie separate Formschleifeinheit mit Funkverbindung;
2007 MCXL Schleifgerät; 2008/9 AC, Bluecam.

Die erste chairside Anwendung am Patienten fand am 19. September 1985 statt. Koope-
ration mit Siemens Dental ab August 1986. Erster offizieller CEREC Ausbildungskurs für
Zahnärzte an der Universität Zürich im Juni 1988. Weiterentwicklung bei Siemens Dental:
CEREC 2 1994. Bei Sirona: CEREC 3, 2000; inLab 2001; 3D Software 2003; inEOS
Scanner 2005; biogenerische Software 2007; MCXL Formschleifmaschine 2007; CEREC
AC, BlueCam 2008; CEREC Connect 2009.

242. Thomas Attin: Das Spektrum der restaurativen Zahnheilkunde 2009


Das Spektrum der restaurativen Zahnheilkunde hat sich sowohl aus Sicht der Zahnersatz-
kunde als auch aus dem Blickwinkel der Zahnerhaltungskunde in den letzten zwanzig Jah-
ren wesentlich verändert. Als Grund für diese Veränderungen ist die Akzeptanz und An-
wendung der Adhäsivtechnik zu nennen.
Daneben hat sich das Bewusstsein verstärkt, dass restaurative Massnahmen unter
grösstmöglicher Schonung und Erhaltung der vorhandenen Zahnhartsubstanzen durchge-
führt werden sollten. So hat sich die Abkehr von rein retentiv verankerten Restaurationen,
wie z.B. Amalgamfüllungen oder Goldinlays bzw.- Teilkronen, zu minimal-invasiven Ver-
sorgungen mit Komposit oder adhäsiv verankerten Restaurationen, wie z.B. keramischen
Zahnrestaurationen per Computer 234

Werkstücken vollzogen. Übersichtsarbeiten konnten eindrucksvoll belegen, dass die mo-


dernen Techniken der Versorgung in der Zahnerhaltung nach anfänglichen Problemen
ebenbürtige oder teilweise überlegene Massnahmen in Bezug auf die Lebenserwartung
der Restaurationen darstellen. Hinzu kommt, dass mit diesen Versorgungen dem ästheti-
schen Anspruch der Patienten hinreichend Genüge getan wird, die Rekonstruktion mög-
lichst naturidentisch erscheinen zu lassen.
Das Spektrum der restaurativen Zahnheilkunde hat in der letzten Zeit weitere Ergän-
zungen erfahren, mit denen Karies mit Infiltranten oder Folien (patches) in einem Frühsta-
dium, d.h. vor Kavitation, versiegelt werden kann.
Das Referat vermittelte einen Überblick über verschiedene Massnahmen in der re-
staurativen Zahnheilkunde aus Sicht der konservierenden Zahnmedizin und nahm Stellung
zu Überlebensraten der möglichen Restaurationsformen. Daneben wurden die genannten
neuen Methoden zur Kariesversiegelung vorgestellt und diskutiert.

243. Joachim Pfeiffer: Der aktuelle Stand der CEREC-Technologie 2009


Das CAD/CAM System CEREC wurde seit seiner Erfindung durch Prof. Mörmann und Dr.
Brandestini vor über 25 Jahren von der Firma Sirona (vormals Siemens) ständig weiter-
entwickelt und weist aktuell eine bislang unerreichte Anwendungsbreite auf. Historisch war
CEREC auf Inlays, Onlays und Veneers beschränkt. Heute (2009) ist es ein Universalgerät
zur „chairside“-Restauration einzelner oder meh-
rerer Zähne (Quadranten) sowie zur Herstellung
von Brückenprovisorien in einer Sitzung. Dar-
über hinaus ist CEREC heute ein „Digitales Ab-
form-System“.

Abb. 138 Dr. Joachim Pfeiffer, Leiter CAD/CAM


Systeme bei Sirona

Den grössten Vorteil für Zahnarzt und Patient


erzeugt CEREC bei der chairside-Herstellung.
Die gewonnenen 3D-Daten von Kieferteilen
können aber auch an ein Labor geschickt wer-
den, das dann den Zahnersatz herstellt. Diese
Möglichkeit, obwohl bei CEREC im Prinzip seit
Anbeginn enthalten, wird erst in jüngerer Zeit
wirklich interessant, weil Genauigkeiten, Geschwindigkeit der Vermessung und die not-
wendigen Geräte zur Weiterverarbeitung der Daten erst heute einen Stand erreicht haben,
der es erlaubt, dem konventionellen Abdruck Konkurrenz zu machen.
Bei Sirona hat diese neue Anwendung den Namen CEREC Connect und wird derzeit
schrittweise eingeführt. Dies macht CEREC zu einem Universal-Instrument für „digitale
Restaurationen“ und ein Zahnarzt mit Aufnahmeeinheit und Schleifeinheit kann ohne kon-
ventionellen Abdruck bei der Behandlung entscheiden, ob er umfangreiche Restaurationen
lieber chairside herstellt oder den Zahntechniker „digital“ dazu beauftragt.
Die Verfügbarkeit von hoher Rechenleistung und leistungsfähiger Software erlaubt
automatische Serienaufnahmen (Bluecam) der Präparationen und zahnfreier Kieferab-
schnitte, der Bissregistrierung und der Antagonisten, die sich auf dem Bildschirm zu drei-
dimensionalen Modellen mit hoher Formgenauigkeit zusammenfügen. Die digitalen Mo-
delldaten werden entweder chairside genutzt oder z.B. für Brücken per E-Mail an den
Zahntechniker versandt.
Zahnrestaurationen per Computer 235

Die spezielle Formschleifmaschine ist heute so optimiert, dass sie in wenigen Minuten ein
hochpräzises Zahnersatzteil mit ausgearbeiteter Okklusalfläche aus einem Keramikblock
schleifen kann. Aspekte von Konstruktion und Steuerung der Maschine werden erläutert.

244. Albert Mehl: CEREC-Restaurationen - Morphologie und Funktion 2009


Die Herstellung von indirekten Zahnrestaurationen in der gleichen Sitzung wie die Präpa-
ration bietet die Möglichkeit, Behandlungszeiten zu reduzieren und durch den automati-
sierten Herstellungsprozess industriell gefertigte Materialien mit höchster Qualität zu ver-
wenden.
Dieses „chairside“-Konzept hat inzwischen weite Verbreitung gefunden und ist wis-
senschaftlich sehr gut dokumentiert. Für die Akzeptanz beim Benutzer und für die klinische
Eignung im Praxisalltag sind vor allem ein hoher Automatisierungsgrad und eine einfache
intuitive Bedienung entscheidend.
Durch die rasante Entwicklung der Informationstechnologie in den letzen Jahren rü-
cken nun solche Ansätze immer mehr in den Mittelpunkt, sogar mit dem Anspruch, kon-
ventionelle manuelle Verfahren zu verbessern. Ein wichtiger Forschungsbereich ist dabei
die automatisierte Berechnung von Kauflächen und die Integration aller funktionellen Pa-
rameter in die Gestaltung der Zahnrestaura-
tionen. In Kombination mit dem „chairside“-
Verfahren eröffnen sich hier neue Therapie-
ansätze.

Abb. 139 Prof. Dr. Dr. Albert Mehl, berufen


auf die Professur für ‚Computergestützte Re-
staurative Zahnmedizin‘ an der Universität Zü-
rich in der Nachfolge von Prof. Mörmann.

Während früher Gipsmodellherstellung und


Einartikulation notwendig waren, lässt sich
heute mit der intraoralen Vermessung die
Antagonistensituation in die Rekonstruktion
der Restauration virtuell einbeziehen. Hierzu
genügt die Anfertigung eines Bissregistrates.
Auf ähnliche Weise können auch alle dynami-
schen Bewegungen in Form eines funktionellen
Bissregistrates aufgezeichnet oder auch virtuell errechnet werden. Damit sind alle Voraus-
setzungen für die Gestaltung der Aussenform des Zahnes gegeben.
Das biogenerische digitale Zahnmodell bietet dabei eine der Möglichkeiten, diese Si-
tuation zu analysieren und einen aufgrund der Restzahnsubstanz, der Nachbarzähne und
Antagonisten am besten geeigneten Vorschlag zu errechnen. Dahinter steht das Wissen
über die okklusale Morphologie von Tausenden von Zähnen, die im Vorfeld nach bestimm-
ten Kriterien analysiert wurden. Dieses Wissen kann man dann auf vielfältigste Art zur Re-
konstruktion von Inlays, Onlays, Kronen oder aber auch grösseren Gebissabschnitten nut-
zen. In diesem Vortrag wurden die Möglichkeiten der neuen Techniken vorgestellt und die
Hintergründe zu diesen Konzepten erläutert.
Zahnrestaurationen per Computer 236

245. Andreas Ender: Bluecam - Messgenauigkeit und Anwendung 2009


Die intraorale optische Vermessung wurde inzwischen als Alternative zur konventionellen
Abformung diskutiert. Eine intraorale 3D-Messkamera muss für den Zahnarzt und den Pa-
tienten angenehm anwendbar sein, die schnelle, einfache Datenerfassung in allen Berei-
chen der Mundhöhle erlauben, die Verwackelung bei der Handhabung vermeiden und eine
hohe Messgenauigkeit gewährleisten. Die CEREC Bluecam wurde im Januar 2009 als
verbessertes Aufnahmesystem eingeführt. Neu sind die Verwendung von blauem kurzwel-
ligen Licht, die Vergrösserung des Tiefenschärfebereichs (Abstandsunabhängigkeit), Ver-
meidung des Zentralreflexes (höhere Detailgenauigkeit), bessere Kalibrierung (Verzer-
rungsfreiheit) und die Einführung einer internen Verwacklungskontrolle.
Die hohe Genauigkeit der Einzelaufnahmen ist wichtig, um diese zu formpräzisen
Quadranten- oder Gesamtkiefermodellen zusammenfügen zu können, wie dies für die An-
fertigung von Brücken oder für diagnostische Zwecke und Planungen (z.B. Backward-
Planning in der Implantologie) erforderlich ist.
Zur Untersuchung der Genauigkeit an Modellen wurden Einzelzahn- und Quadran-
tenaufnahmen der Bluecam mit den Scandaten eines Referenzscanners (Laserscan 3D
Pro, München, Genauigkeit 12 µm) mittels einer Überlagerungssoftware nach einem Best-
Fit Algorithmus überlagert und auch mit Aufnahmen der bisherigen CEREC 3D-Kamera
(Redcam) verglichen. Die grössten Abweichungen zum Referenzscanner zeigte die

Abb. 140 Einführung der Bluecam 2009.


Messprinzip wie bei der originalen CEREC
Kamera. Blaues (450 nm) LED Streifen-
messlicht. Mehrfachscans zur Quadran-
tenvermessung, Winkelaufnahmen. Akti-
ves Bildformat 21x15 mm; Pixelgrösse 25
µm.

CEREC 3D Kamera (Redcam) mit 31,1 +


6,2 µm. Die Bluecam erzielte mit 19,2 +
5,9 µm statistisch hochsignifikant (p<
0,001) weniger Abweichung gegenüber
dem Laserscan 3D Pro. Die Wiederho-
lungsgenauigkeit war hoch (11 µm) und
der Behandlereinfluss gering (10 µm).
Bei Quadrantenaufnahmen mit der Bluecam lagen die Abweichungen zum Referenz-
scanner bei 35 µm und waren mittels der Verwacklungsdetektion auch klinisch einfach
durchzuführen (Auto Capture Mode).
Schlussfolgerung: Die 3D-Messgenauigkeit der Bluecam ist höher als die der her-
kömmlichen CEREC 3D Kamera (Redcam). Die erhaltenen Genauigkeiten kommen be-
reits in den Bereich von hochgenauen extraoralen Referenzscannern. Die hohe 3D-Mess-
genauigkeit ist Basis für eine hohe Detailauflösung und eine verbesserte Überlagerung
von Einzelaufnahmen (Int J Comput Dent 2009; 12: 11–28).

246. Daniel Wolf: Zirkonoxidkeramik-Gerüstbrücken - Erfahrungen 2009


Drei- und viergliedrige Seitenzahnbrücken, deren Gerüste mit CEREC inLab VITA In-Cer-
mam YZ formgeschliffen und mit Verblendkeramik beschichtet waren, wurden an der
SZCR klinisch untersucht. Alle Brücken wurden adhäsiv befestigt und bei den Kontrollen
a
Zahnrestaurationen per Computer 237

anhand modifizierter Kriterien des United States Public Health Service (USPHS) Index be-
urteilt.
Alle 58 dreigliedrigen Seitenzahnbrücken bei 54 Patienten waren nach einer Tragzeit
von 58 + 11 Monaten ohne Gerüstfraktur intakt. Lokale Abplatzungen der Verblendkeramik
wurden bei acht Brücken beobachtet. Bei drei Pfeilerzähnen wurde nach 34 - 59 Monaten
eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. 38 viergliedrige Brücken bei 35 Patienten wur-
den nach 35 + 16 Monaten klinisch nachuntersucht. Bei zwei Unterkieferbrücken kam es
je nach einem Jahr zur Gerüstfraktur. Die
mikroskopische Untersuchung der
Bruchstücke wies eindeutige Verarbei-
tungsfehler nach.
Eine Brücke wurde nach 20 Mona-
ten wegen ausgedehnter Abplatzung
der Verblendkeramik ausgetauscht. Bei
sechs weiteren Brücken kam es zu lokal
leichten Abplatzungen (Chipping), die a
poliert werden konnten. Weiter wurden
vier biologische Misserfolge beobachtet:
Bei zwei Pfeilerzähnen (Zahn 48 und
Zahn 23) kam es nach 32 und 58 Mona-
ten zur Wurzelfraktur, eine Brücke wur-
de nach 24 Monaten wegen Sekundär-
karies ersetzt, eine ging infolge eines
Unfalltraumas verloren.
Der Plaquebefall der Pfeilerkronen b
war signifikant (p<0,05) geringer als an
den Kontrollzähnen. Die Blutungsnei-
gung der marginalen Gingiva an den
Pfeilerzähnen wies jedoch keinen signi-
fikanten (p>0,05) Unterschied zu den
Kontrollzähnen auf. Die klinische Quali-
tät der Brücken wurde aufgrund der In-
dexbeurteilungen als ‚gut‘ bewertet.
Viergliedrige Brücken bargen eine hö- c
heres Risiko für biologische und techni-
sche Misserfolge.

Abb. 141 Viergliedrige VITA In-Ceram YZ Gerüstbrücke aus dem Jahr 2007. a) Form-
schleifen des Zirkonoxidgerüstes im MCXL Schleifgerät. b) Gerüsteinprobe im Munde
nach dem Sinterbrand c) Brücke verblendet und adhäsiv eingesetzt.

Die Verblendtechnik wurde zusätzlich an dreigliedrigen, je 20 geschichteten und gepress-


ten Brücken bei je 20 Patienten nach 12 Monaten untersucht. Alle Brücken waren ohne
Gerüstfrakturen intakt. Bei 9 Brücken mit gepresster und bei nur einer mit geschichteter
Verblendung wurden lokale Abplatzungen beobachtet.
Ein neues CAD/CAM Verfahren zur Herstellung vollkeramischer Brücken wurde vor-
gestellt: Dabei werden beide, das Gerüst und die Verblendung für sich getrennt per CAD/
CAM hergestellt und die Verblendschale anschliessend mit einem speziellen Lot mit dem
Gerüst zusammengefügt. Abplatzungen der Verblendung sollen dadurch ausgeschlossen
Zahnrestaurationen per Computer 238

werden. Beispielsweise mit der CAD-on


Technik von Ivoclar Vivadent mit IPS e.-
max CAD als formgeschliffenen Ver- b
blendteil und IPS e.max ZirCAD als
formgeschliffenes Gerüst.

Abb. 142 Alternative Brückentechnik:


Nach der voll-anatomischen Konstruktion
trennt die Software die Abmessungen in
einen Gerüst- und einen Verblend-Da-
tensatz. Das Gerüst (a) kann aus hoch- a
fester Zirkonoxikeramik gefertigt werden,
die Brücken-Verblendschale aus einer
ästhetischen Keramik (b).

Die weitere Entwicklung muss zeigen, ob


diese Technik genügend anatomische Gestaltungsfreiheit bietet und sich durchsetzen
kann. Konkurrent könnte ästhetische Zirkonoxidkeramik als Vollkonturbrücke werden.

247. Andreas Bindl: Implantatplanung mit CEREC und GALILEOS 2009


Voraussetzung für erfolgreiche dentale Implantatversorgungen ist eine sorgfältige Pla-
nung. Mit Hilfe von Röntgenbildern werden das Knochenangebot und die anatomischen
Strukturen des zukünftigen knöchernen Implantatbettes beurteilt. Die digitale Volumento-
mographie (DVT) erlaubt dem Zahnarzt, Knochenstrukturen dreidimensional sehr genau
beurteilen zu können. Beim Galileos 3D-Röntgen-System kann das Implantat in Abhängig-
keit des Knochenangebotes mit entsprechender Länge und entsprechendem Durchmesser
virtuell mit der Galaxis Software geplant werden.

Abb. 143 Implantatplanung:


Die Galaxis-Software schlägt
die Position des Implantates im
Knochen mittels dreidimensio-
naler Darstellung der prospekti-
ven Implantatposition und Nei-
gung vor a) mesio-distal; b) oro- a b c
bukkal, c) cranio-caudal.

Bei einer Implantatplanung sollte auch die prothetische Planung der Suprastruktur berück-
sichtigt werden.
Mit der Bluecam des CEREC AC Gerätes konnten nicht nur Präparationen, sondern
auch zahnlose Kieferbereiche mit Nachbarzähnen präzise aufgenommen und durch die
CEREC Software ein 3D-Modell erstellt werden. Eine digitale prothetische Planung erfolgt
folgendermassen: Fehlende Zähne können mit der Kronensoftware als virtuelle Kronen
unter Berücksichtigung der Antagonisten konstruiert und in das 3D-Modell eingesetzt wer-
den (Abb. 144 a).
Vom Patient wird mit dem Galileos3D-Röntgen-System eine DVT-Aufnahme angefer-
tigt und ein Dicom-Datensatz erstellt. Mittlerweile ist eine Implantatplanungssoftware in
Entwicklung, mit der es möglich ist, einen CEREC 3D-Datensatz mit einem 3D-Röntgen-
datensatz zu überlagern.
Zahnrestaurationen per Computer 239

a b

Abb. 144 Prothetische Planung durch Überlagerung von a) der CEREC digitalen Ober-
flächendaten (in b rot) mit den b) digitalen Volumentomographie-Daten.

Dadurch wird die digitale prothetische Planung (CEREC) in der DVT-Aufnahme visualisiert
und die Implantatplanung kann unter Berücksichtigung der geplanten Prothetik erfolgen.
Die Galaxis Software
mach dann einen opti-
m i e r t e n Vo r s c h l a g .
(Abb. 145).

Abb. 145 Vorschlag


der Galaxis Software
für die korrigierte Posi-
tionierung des Implan-
tates unter Berücksich-
tigung der Position des
Antagonisten.

Entsprechend der op-


timierten Planung kann
eine Bohrschablone für
das sichere Setzen des
Implantates gefertigt
werden.

Abb. 146 Aus Kunst-


stoff (VITA CAD-WAX-
Block) formgeschliffene
Bohrschablone, welche
die Implantat-Bohrung
im Kiefer entsprechend
der ermittelten Position
sicher führt.
Zahnrestaurationen per Computer 240

248. Laudatio zur Verabschiedung von W. Mörmann durch Prof. Th. Attin
Aus Anlass meiner Verabschiedung verfasste mein Chef, Herr Prof. Dr. Thomas Attin eine
Laudatio, die in der Schweizerischen Monatsschrift für Zahnmedizin publiziert wurde
(Schweiz Monatsschr Zahnmed 119 (9):939, 2009). Ich zitiere in der Folge seinen um
schon eingangs erwähnte persönliche und berufliche Daten gekürzten Originaltext:

„Im Juni 2009 endete die fast 39-jährige, in vielen Belangen einzigartige und faszinierende
Tätigkeit von Professor Werner Mörmann am Zahnärztlichen Insitut Zürich in der Klinik für
Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie (PPK). Zusammen mit Dr. Marco
Brandestini entwickelte Prof. Mörmann auf
der Basis der CAD/CAM-Technik das
erste voll funktionsfähige und direkt am
Patienten einsetzbare CEREC-Gerät zur
Herstellung indirekter Restaurationen aus
Keramik.“
In den folgenden Jahren bis zu sei-
nem Ausscheiden am Zahnärztlichen Insti-
tut hat Prof. Mörmann unermüdlich und mit
bemerkenswerter Begeisterung die Wei-
terentwicklung des CEREC-Systems bis
zum heutigen Tage vorangetrieben. Man
kann ihn daher guten Gewissens als den
massgeblichen Pionier der computerge-
stützten restaurativen Zahnmedizin be-
zeichnen.“

Abb. 147 Prof. Dr. Thomas Attin, Klinikdi-


rektor der Abteilung für Präventivzahnme-
dizin, Parodontologie und Kariologie
(PPK).

„Die damit verbundenen aufsehenerregenden wissenschaftlichen Arbeiten fanden hohen


Anklang, sodass Prof. Mörmann mit zahlreichen Auszeichnungen (u.a. Walter-Engel-Preis
der Akademie Karlsruhe, Götzpreis der Universität Zürich) dekoriert und ihm im Jahre
1985 der Titel des Titularprofessors verliehen wurde.“
„Im Jahre 1992 gründete Prof. Mörmann die Station für Zahnfarbene & Computer
Restaurationen (SZCR) am Zahnärztlichen Institut Zürich, die er bis zu seinem Ausschei-
den leitete. Sein wissenschaftliches Werk umfasst zur Zeit 150 Originalarbeiten und weite-
re zahlreich Übersichtsarbeiten sowie acht Bücher und weitere Buchbeiträge. Daneben
war Prof. Mörmann intensiv in die studentische Lehre eingebunden und bei Studenten ein
hochgeschätzter Lehrer. Zahlreiche seiner Studienideen mündeten in anspruchsvolle Dis-
sertationen. Auch war er der Habilitationsvater der Privatdozentur von Dr. Andreas Bindl.“
„Das von Prof. Mörmann entwickelte CEREC-Verfahren fand aber nicht nur unter
Wissenschaftlern, sondern auch unter Zahnärzten einen hohen Zuspruch. So hat Prof.
Mörmann in über 160 attraktiven Fortbildungskursen Zahnärzten aus aller Welt die Syste-
matik des Verfahrens nahebringen können. Dies trug dazu bei, dass das CEREC-Verfah-
ren heute weltweit als anerkannte Methode zur chairside-Anfertigung indirekter Restaura-
tionen akzeptiert ist. Somit konnten bisher mehr als 20 Millionen Restaurationen mit dem
CEREC-Verfahren erfolgreich eingegliedert werden.“
Zahnrestaurationen per Computer 241

„Die von Prof. Mörmann initiierten und vorangetriebenen Weiterentwicklungen des CE-
REC-Systems lassen heute hochpräzise computergestützte Restaurationen zu, die in vie-
len wissenschaftlichen Studien ihre überragende Langzeit-Überlebensrate beweisen konn-
ten. Sein unermüdlicher Einsatz für die Wissenschaft erfuhr im Jahre 2008 mit der Verlei-
hung der Ehrenprofessur der Moscow State University of Medicine and Dentistry eine wei-
tere Auszeichnung.“
„Ich selbst lernte Prof. Mörmann als Mitarbeiter mit meinem Dienstantritt im Jahre
2006 kennen und bin seither von seiner Dynamik, seinem Tatendrang und seiner positiven
Ausstrahlung beeindruckt. Prof. Mörmann und seine erfrischende Art kennengelernt zu
haben, haben mein Leben bereichert.“
Thomas Attin.

Die Referenten versammelten sich zum Abschlussfoto. Den aktuellen Stand von CEREC
hatten sie im Lichte der restaurativen Zahnmedizin in dieser Etappe eindrucksvoll darge-
stellt.

Abb. 148 Die Refe-


renten des CEREC
Symposiums zur
Verabschiedung von
P r o f . D r. We r n e r
Mörmann am 27.
Juni 2009 an der
Universität Zürich
(v.l.): Prof. Dr. Dr. Al-
bert Mehl, Dr. Daniel
Wolf, Dr. Andreas
Ender, Prof. Dr. Wer-
ner Mörmann, PD Dr.
Andreas Bindl, Prof.
Dr. Thomas Attin, Dr. Joachim Pfeiffer. (Bild: Schweiz Monatsschr Zahnmed 119 (9):939,
2009).

Abb. 149 Die Länd-


lerkapelle Prof. Tho-
mas Marthaler (zwei-
ter von links) spielte
frisch auf.

Die Ländlerkapelle Prof. Thomas Marthaler rundete die Veranstaltung sehr harmonisch ab.
Ich kam mir vor wie ein Läufer, der die Ziellinie überquert und das Zielband reisst. Aber
das war noch nicht das Ende der CEREC Story. Ganz entscheidende Entwicklungen stan-
den noch bevor.
Zahnrestaurationen per Computer 242

Fünfundzwanzigster Teil: Reifung der CEREC Methode

59) WETTBEWERB DER SCAN-SYSTEME

249. 2012 Rasante Weiterentwicklung des CEREC Scan-Systems: Die Omnicam


Ende 2012 stellte Sirona anlässlich einer Veranstaltung in Las Vegas eine neue Kamera,
die „Omnicam“ vor. Das war nun wirklich ein revolutionärer Schritt im Bereich des 3D
Scannens in der Mundhöhle. Die Kamera umfasste ein chromatisches Objektiv, eine poly-
chromatische Lichtquelle und einen Farbsensor für die spektrale Analyse. Das Wichtigste
aus praktischer Sicht aber war, dass sie ohne Mattierung der Zähne mit Scan-Puder funk-
tionierte.

Abb. 150 Das von der Omnicam projizierte Mess-


muster spektraler Farblinien. Die Kamera produziert
ca. 18 scans pro Sekunde, eine einzelne Aufnahme
dauert ca. 50 ms. Die Kamera kann für die Aufnah-
me einer Kieferseite schnell, maximal 6 cm/s be-
wegt werden, bei 0,3 cm Überlappung der einzel-
nen Aufnahmen, um ein kontinuierliches digitales
Modell der Zahnreihe zu erhalten. Bild von Prof. A.
Mehl freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Als Resultat ergab sich das dreidimensionale natür-


liche Bild der Zahnreihe. Das stellte eine fantasti-
sche Leistung der Sirona-Kameraspezialisten dar. In der Anwendung war dies wirklich
grossartig.

a b c

Abb. 151 Darstellung des Scanvorgangs auf dem Bildschirm des Omniscan Akquisitions-
gerätes: a) zeigt den mit einem Scan erfassten Bildausschnitt gemäss der Position der
Kamera in c); b) zeigt den Aufbau des digitalen Modells entsprechend den bereits ge-
scannten Ober- und Unterkieferabschnitten im Schlussbiss, c) demonstriert die Position
der Kamera gemäss dem Bildausschnitt a) zur Registrierung des Schlussbisses.

250. Wettbewerb bei 3D Scannern: Scanpuderfrei, Farbdarstellung


Mit dem zunehmenden Erfolg der CEREC Methode ab den Jahren 2003/06 formierten sich
Mitbewerber in diesem Feld. Nach einer Übersichtsarbeit befanden sich im Jahre 2012/13
mindestens 12 Scansysteme auf dem Dentalmarkt. Fünf von diesen arbeiteten ohne
Zahnrestaurationen per Computer 243

Scanpuder. Nach meine Beurteilung war absehbar, dass nur diese Systeme Überlebens-
chancen hatten.
Drei von den 12 stellten ihre digitalen Modelle in Echtfarben oder Echtfarben-ähnlich
dar. Auch die Farbdarstellung war ein hartes Wahlkriterium für Zahnärzte, die sich für die
digitale Restauration interessierten. Und dann war da noch die Präzision bzw. die dimen-
sionsgetreue Wiedergabe der intraoralen Situation.
Die Präzision und Zuverlässigkeit war zwischen den digitalen Scanmethoden ein
heisses wissenschaftliches Thema. Aber grundsätzlich war für die breitere Akzeptanz der
Zahnärzteschaft die Frage entscheidend: Was ist besser, die digitale oder die herkömmli-
che Abform- und Modelltechnik? Die Arbeit von Reich und Mitarbeitern (2013) gab zu dem
auf der Internationalen Dentalschau in Köln erreichten Stand der Technik der angebotenen
Scanner einen vergleichenden Überblick (Reich S et al. Intraoral impression systems. An
overview. Int J Comput Dent 2013, 16: 143-162).
In diesem Artikel bemerkten die Autoren zum Verhältnis zwischen der herkömmlichen
und der digitalen Abformung: “Im Vergleich zu der bislang zumeist eingesetzten konven-
tionellen Abformtechnik ist die digitale Abformung mittels Intraoralscannern in vielerlei Hin-
sicht vorteilhaft und in vielen Punkten der konventionellen Technik deutlich überlegen“.
Das Angebot hat sich in der Folge erweitert (Zimmermann et al. Int J Comput Dent
2015;18(2): 101-129).
Die Genauigkeit der dimensionsgetreuen Abformung der führenden digitalen Syste-
me lag bei Einzel- und Quadrantenabformungen in vitro bei ca. 30-50 µm Abweichung
(Ender A, Mehl A, Quintessence Int 2015;46:9-17). Bei Ganzkieferaufnahmen wurde das
Ergebnis von der konsequenten Durchführung einer Scanstrategie beeinflusst. Für die
Überlagerung der seriellen Aufnahmen im Videomodus, zum Aufbau des digitalen Ganz-
kiefermodells war es wichtig, charakteristische Kennzeichen an den Zähnen zu erfassen.

OMNICAM iTero Trios CS 3500 Planscan


Sirona Cadent 3 Shape Carestream Planmeca

Abb. 152 Im Jahr 2013 waren neben anderen fünf Scan-Puder-freie digitale Abform-Sys-
teme auf dem Markt, davon Omnicam, Trios und Carestream mit Echtfarben- bzw. Echtar-
ben-ähnlicher Darstellung der digitalen Modelle (Reich S. et al. Intraoral impression sys-
tems. An overview. Int J Comput Dent 2013, 16: 143-162).
Zahnrestaurationen per Computer 244

Anhand dieser konnte die Software die Scans zuverlässig überlagern. Günstig war es, die
Fissuren der Seitenzähne senkrecht und die Fazial- und Oralflächen der Frontzähne min-
destens im Winkel von 45° zu scannen (Ender A, Mehl A. Int J Comput Dent
2013;16:11-21). Hier war noch Verbesserungspotential bei der Überlagerungs-Software
vorhanden.
Dr. Klaus Wiedhahn hat die Weiterentwicklunsstufen der CEREC Kameras über
die Jahre anlässlich der Präsentation der Omnicam 2012 trefflich im Bild festgehalten,
das ich hier in der Abbildung Abb. 153 a) zitiere (Wiedhahn K. et al. Int J Comput Dent
2012; 15: 199-205, Fig 2).
Die Situation in Abb. 153 b) zeigt das Problem beim beim intraoralen Scannen. Mit
der CEREC 1 Kamera war es noch genial, dass man mit einer einzigen Aufnahme die Da-
ten für die Konstruktion eines mod Inlays erhalten konnte. Bei der Ganzkiefer-Erfassung
ist das manuelle Führen der Omnicam über und entlang der Zahnreihe beim Verfolgen ei-
ner Scanstrategie in der Handhabung recht anspruchsvoll. Dies, weil der Behandler den
Scanfortschritt auf dem Monitor verfolgt und deshalb keine direkte Sichtkontrolle auf die
Führung der Kamera im Munde hat. Das erfordert Übung. Die Software erlaubt es aller-
dings, sogenannte Scanlöcher nachzuscannen, wenn die Führung der Kamera einmal
vom strategisch empfohlenen Weg abweicht.
Der Entwicklungsfortschritt gegenüber den Anfängen dokumentierte sich bei der
Omnicam in ausgeprägtem Maße. Nicht nur die Datenakquisition und -Verarbeitung in
fortgeschrittener Rechnerhardware sondern auch die Konstruktionssoftware war enorm
erweitert worden. Hatte die CEREC 1 Konstruktionssoftware COS 1.0 ca. 300 kbyte ent-
sprechend 250 Seiten geschriebenem Text, so umfasste die COS 4.0 ca. 130 Mbyte ent-
sprechend etwa 100’000 Seiten geschriebener Text, wobei nach Aussage von Prof. A.
Mehl noch ca. 3.7 Gbyte an Morphologie-Daten dazu kommen.

a b

Abb. 153 a) Von oben nach unten: CEREC Intraoral Scanner von 1985 (Firma Brains AG,
Zürich, Schweiz, erste Anwendung am Patienten 19. September 1985 am Zahnärztlichen
Institut der Universität Z¨ürich) 1988 Markteinführung durch Siemens Dental, Bensheim,
Deutschland. CEREC 2 (1994), CEREC 3 (2000), CEREC AC Bluecam 2009, CEREC AC
Omnicam 2012. b) Dr. Klaus Wiedhahn bei der Scan-Demo der Omnicam auf der Bühne
vor grossem Publikum anlässlich der DGCZ Jahrestagung.
Zahnrestaurationen per Computer 245

Mit COS 4.0 - 4.3 (2011- 2014) konnten nun multiple Restaurationen auf den gleichen digi-
talen Modellen restauriert werden, wie dies in Abb. 154 gezeigt wird.

a b

Abb. 154 COS 4.0 - 4.3 Multiple Restaurationen: a) Ober- und Unterkiefer-Frontkronen.
b) Oberkiefer Seitenzahnkronen, Teilkronen, Frontzahnkronen.

251. Digitale dynamische Okklusion


Die Möglichkeit, multiple Restaurationen in einem Zuge mit Scans beider Kiefer und einem
Schlussbiss-Scan zu fertigen, verlangte nach einem dynamischen digitalen Okklusions-
Konzept. Dieses etablierte Albert Mehl.
Das Fehlen einer funktionellen Okklusalgestalt bei CEREC 1 Inlays war ein Handi-
cap, das ich damals ganz bewusst eingehen konnte, weil ich die Idee zur „metallfreien
Computerzahnfüllung“ als Alternative für die plastische Metallfüllung, das Amalgam, sah.
Bei der Amalgamfüllung schnitzt der Zahnarzt die Okklusalgestalt mit geeigneten ‚Carving‘
Handinstrumenten aus der gestopften, langsam abbindenden Amalgamoberfläche und
prüft dabei vorsichtig die Kaukontakte. Man konnte zur Not auch fehlende Höcker ersetzen
und aufbauen, wenn eine gegossene Teilkrone finanziell nicht in Frage kam.
Bei der Herstellung von indirekten Restaurationen wie Inlays, Teil- und Vollkronen
konnte zur Berücksichtigung der Funktion, ein Modell des Gegenkiefers und eine lokali-
sierte funktionelle Registrierung in Wachs gefertigt werden, ein sogenanntes ‚Functionally
Generated Path‘-Registrat (FGP). Für diese Registrierung wurde das Registrierwachs auf
der Zahnpräparation fixiert. Zur Registrierung der Kaufunktion schloss der Patient zuerst
den Kiefer. Er musste dann Gleitbewegungen des Unterkiefers auf den Kontaktflächen der
Unterkiefer- mit den Oberkieferzähnen im Vor- und Seitbiss ausführen. Der Bewegungs-
raum des antagonistischen Höckers zum präparierten Zahn bildete sich dabei im weichen
Registrierwachs ab und konnte mit Gips ausgegossen und festgehalten werden. Fehler-
möglichkeiten waren Verziehen oder Verrutschen des Registrats.
Mit der Software-Version 2.80 wurde im Jahr 2004 die FGP-Technik auch digital für
das CEREC-System verfügbar.
Zahnrestaurationen per Computer 246

a b

Abb. 155 „Virtual Functional Pathway“ a) Digitale Ober- und Unterkiefermodelle gemäss
Schlussbiss-Scan in habitueller Okklusion. b) Die gleichen Modelle mit zahngeführtem di-
gitalem Gleitbewegungs-Registrat als rot-braune Umhüllung. Basis für die funktionelle ok-
klusale Gestaltung („Digital Dynamic Occlusion“) neuer Restaurationen. (A. Mehl, Vortrag
Berlin 2012)

Liegen nun digitale Ganzkiefermodelle beider Kiefer vor und ein digitales Schlussbissre-
gistrat, so können die funktionellen Gleitbewegungen virtuell ausgeführt werden. A. Mehl
nennt dies „Virtual Functional Pathway“.
Im Falle von chairside Behandlungen sind die Kiefer im allgemeinen gut gegenein-
ander abgestützt und es liegen keine Probleme von den Kiefergelenken vor, sodass die
virtuellen Gleitbewegungen ungestört erfolgen. Die virtuelle Registrierung kann in der
Konstrukionssoftware automatisch beim Design von Inlays, Teil- und Vollkronen berück-
sichtigt werden. Statische Störkontakte der Restaurationen werden dadurch vermieden.
Störkontakte bei der Artikulation können durch den Einbezug einer automatischen mittel-
wertigen Artikulation eliminiert werden. Bei wenig Restzahnsubstanz, Bisslagenverände-
rungen, fehlender Eckzahnführung können individuelle Parameter über eine Dialogbox in
das digitale Artikulatormodell eingegeben werden (Mehl A. Ein neues Konzept zur Integra-
tion der dynamischen Okklusion in den digitalen Konstruktionsprozess. Int J Comput Dent
2012;15;109-123).

60) WETTBEWERB DER CAD/CAM BLOCKMATERIALIEN

252. Blockmaterialien und ihr Einsatz


Im Jahre 2014 war das Angebot von Blockmaterialien, unter denen der CEREC Anwender
wählen konnte schon sehr gross. In der CEREC Operating Software 4.3 waren Materialien
der Firmen SIRONA, VITA, IVOCLAR VIVADENT, DENTSPLY, MERZ, 3M ESPE und in
der Rubrik VERSCHIEDENE noch weitere Hersteller vertreten. Alle Materialien wurden
vom Sirona-Werk in Bensheim auf ihre Performance in der MCXL Schleifmaschine über-
prüft und das Schleifprogramm wenn nötig auf die Materialeigenschaften angepasst. Die
Materialvielfalt hat sich in den Folgejahren noch erweitert.
Die Materialien lassen sich in chairside und labside Materialien unterteilen. Die chair-
side Materialien sind Endfabrikate und lassen sich nach der Formgebung per Computer,
d.h. nach dem Formschleifen und Polieren sogleich beim Patienten eingliedern. Dies ent-
spricht dem von mir verfolgten „Chairside-Verfahren, nämlich der vollständig fertigen Be-
handlung eines Zahnes in einer möglichst kurzen Sitzung („One Step“).
Labside Blockmaterialien sind Halbfabrikate, die im ersten Schritt teilgesintert oder
teilkristallisiert CAM-formgeschliffen und im zweiten Schritt thermisch endgefertigt werden.
Zahnrestaurationen per Computer 247

Das können Gerüstmaterialien sein, die nach CAM-Formschleifen mit hochfestem Glas
infiltriert (z.B. In-Ceram Zirconia) oder Zirkonoxidkeramiken die dicht gesintert werden,
z.B. inCoris, In-Ceram YZ. Ästhetische Glaskeramiken (z.B. IPS e.maxCAD, Suprinity)
werden nach dem CAM Formschleifen endkristallisiert. Das Angebot von labside Blockma-
terialien in der digitalen Fertigung von Restaurationen hat mehrere Aspekte.
Erstens: Es können ästhetisch anspruchsvolle grössere Arbeiten oder Mehrfachver-
sorgungen, welche die Mitarbeit des Zahntechnikers erfordern, mit einer Wartepause für
den Patienten im Praxislabor durchgeführt werden. Die Zahntechnik wird einbezogen. Die
chairside Behandlung wird zur „in office“ Versorgung.

Abb. 156 Blockauswahl in COS 4.3 im Jahre 2014. Einstufen- (One-Step) chairside Kera-
mik- und Komposit-Blöcke (rote Kreise) sowie zweistufige- (Two-Step) labside Gerüst- und
ästhetische Materialien (blaue Kreise) stehen zur Auswahl.

Zweitens: Die zweistufig verarbeiteten Keramik-Materialien erschliessen eine höhere Fes-


tigkeit als die ästhetischen nur formgeschliffenen Keramiken. Die höhere Festigkeit wird
für Gerüstkonstruktionen oder für Vollkontur-Brücken benötigt. Keramiken mit höherer Fes-
tigkeit versprechen eine längere Lebensdauer und Beständigkeit der Oberflächen und sind
bezüglich der adhäsiven Befestigung weniger kritisch. Der optische Nachteil speziell von
Zirkonoxidkeramiken ist die ästhetisch einschränkende Opazität bzw. zum Teil ungenü-
gende Transluzenz, was sie bisher für den monolithischen Einsatz für Kronen und Brücken
nicht einsetzbar machte. Die Keramikwissenschaftler sind dabei, dieses Problem zu lösen.
Die VITA Mark II Feldspatkeramik, die in der Pionierzeit mangels Alternativen fast
ausschliesslich klinisch eingesetzt wurde, zeigt in den Studien von Arnetzl über 15 Jahre
und Reiss über 18 Jahre Tragzeit bei der Patienten-Versorgung von nicht vitalen Zähnen
eine hohe Fraktur-Neigung von 50% (Abb. 157). Wünschenswert wäre aber, dass auch
„One-step“-Materialien, die ausschliesslich formgeschliffen werden und keine thermische
Nachbehandlung benötigen, eine möglichst hohe Überlebenswahrscheinlichkeit auch bei
nicht vitalen Zähnen aufweisen. Alternativ stehen heute Materialien mit einem niedrigeren
E-Modul, wie z.B. VITA Enamic oder Block-Komposite verschiedener Hersteller für die
One-step chairside Versorgung zur Verfügung.

253. Die Hybridkeramik ENAMIC


Die von uns in der SZCR Klinik bisher routinemässig verwendete VITA Mark II Keramik hat
demnach diese Fraktur-Gefährdung bei der Versorgung nicht vitaler Zähne. Was tun?
Prof. Russell Giordano, an der Boston University Dental School realisierte die geniale
Idee, offen-poröse Feldspatkeramik mit dem für Komposit verwendeten BisGMA-Harz zu
Zahnrestaurationen per Computer 248

verstärken (Giordano R. Materials for chairside CAD/CAM-produced restorations. J Am


Dent Assoc 2006; 137 Suppl: 14S-21S; United States Patent US 6,881,488 B2 2005).

90% 90%
Arnetzl Reiss
2006 2006
50% 50%

Abb. 157 Die klinischen Langzeitstudien von Arnetzl über 15 Jahre und von Reiss über 18
Jahre zeigen eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit von Inlays aus VITA Mark II Kera-
mik auf vitalen Zähnen von 90%, aber eine auf nur 50% begrenzte Überlebenswahrschein-
lichkeit von Inlays auf nicht vitalen Zähnen. Das geht auf den Verlust der parodontalen
Sensoren beim Verlust der Vitalität zurück. Die fehlende Sensorik kann zur Überlastung
des Zahnes und seiner Restauration führen.

Vorbild dürfte die in den Achtzigerjahren von dem französischen Zahnarzt Sadoun entwi-
ckelte Dentalkeramik gewesen sein, bei der Sadoun porös gesinterte Aluminiumoxidkera-
mik mit Lanthanglas infiltrierte. Dies diente zur Verstärkung des Materials. VITA In-Ceram
Alumina (classic) wurde dann 1989 das erste für die Zahntechnik verfügbare vollkerami-
sche Kronen- und Brückensystem (Claus H. Vita In-Ceram, ein neues Verfahren zur Her-
stellung oxidkeramischer Gerüste für Kronen und Brücken. Quintessenz Zahntech
16:35-46 (1990).
Keramiken elastische Eigenschaften zu geben, ist ein alter Traum der Werkstoffkun-
de. Mit dem interpenetrierenden Netzwerk von Feldspatkeramik (hier VITA Mark II) mit Po-
lymer ist dies gelungen (Coldea A, Swain MV, Thiel N. Mechanical properties of polymerin-
filtrated-ceramic-network materials: official publication of the Academy of Dental Materials.
Dent Mater 2013; 29: 419-26). Aber es war nicht einfach, Materialblöcke industriell mit
konstant homogen und isotrop durchgehärtetem Polymernetz zu fabrizieren (Abb. 158).
Der Elastizitätsmodul von dicht gesinterter VITA Mark II Keramik beträgt etwa 60 GPa
und ist damit etwa gleich wie das von Zahnschmelz. Der E-Modul von Dentin wird je nach
Autor mit 11-17 GPa angegeben. Der E-Modul von ENAMIC liegt mit 30 GPa in der Mitte.
Die hybride Struktur von ENAMIC reagiert demnach elastischer als seine Keramik-Haupt-
komponente, die VITA Mark II - Keramik.
Im Biegeversuch ist die Festigkeit der noch nicht infiltrierten porösen Keramik des
Enamic gegenüber dicht gesinterter Keramik schwächer. Die Infusion und Härtung des Po-
lymers führt aber zur Verstärkung des Materials über die Biegefestigkeit der dicht gesinter-
ten Keramik hinaus. Erst Anfang 2013 war es so weit, dass das ENAMIC in den Markt ein-
geführt werden konnte. Dem Entwicklungsteam um Dr. Norbert Thiel bei der VITA Zahnfa-
brik ist dieses Meisterstück gelungen.
Zahnrestaurationen per Computer 249

a b

Abb.158 Vergösserung a), b), c) je 5000x: Interpenetrierende Struktur von ENAMIC a) of-
fen porös strukturgesinterte Feldspatkeramik: Anteil Gewicht 86%; Anteil Volumen 75%. b)
Komplementäre Matrix aus in der Struktur gehärtetem UDMA & TEGMA Polymer, Ge-
wichtsanteil 14%, Volumenanteil 25%. c) Interpenetrierende duale Matrixstruktur.

Der SZCR stand das ENAMIC frühzeitig zur Testung zur Verfügung. Mich freute es sehr,
dass die Gruppe der One-Step CAD/CAM Materialien: VITA Mark II, EmpressCAD, Lava
Ultimate zu dieser Zeit, um diese völlig neue Materialklasse der Hybridkeramik erweitert
werden konnte. Die Härtemessungen (Abb. 159) charakterisieren das ENAMIC als
weichstes Material in der Klasse der Keramiken und in der Härte nicht signifikant ver-
schieden von dem damals ein-
zig verfügbaren Blockkomposit
„LAVA Ultimate“ (3M).

Abb. 159 Härtemessungen:


ENAMIC ist die „weichste“ Ke-
ramik. (Tabelle aus: Mörmann
et al. Wear characteristics of
current aesthetic dental resto-
rative CAD/CAM materials:
Two-body wear, gloss retenti-
on, roughness and martens
hardness. J Mech Behaviour
Biomed Mater 2013 Apr; 20:
113-25.

Zahnschmelz und Dentin repräsentieren anisotrope, d.h. gerichtete Strukturen. Das be-
deutet, die Reaktion auf Belastung ist richtungsabhängig. ENAMIC weist dagegen eine
isotrope Struktur auf, die elastische Reaktion auf Belastung ist von der Belastungsrichtung
unabhängig. Die Formschleifeigenschaften von ENAMIC sind ausgezeichnet (Abb. 160).
Zahnrestaurationen per Computer 250

Abb. 160 ENAMIC lässt sich signifikant schneller formschleifen als alle anderen Kerami-
ken und Komposit. Es eignet sich speziell für das Schnellschleifen wie das aus unseren
Untersuchungen hervorgeht (Mörmann et al.J Mech Behaviour Biomed Mater 2013
Apr;20:113-25).

ENAMIC bringt den Schleifinstrumenten unabhängig von der Schleifrichtung keinen


Schleifwiderstand entgegen, der diese elastisch deformieren und dadurch zu Formabwei-
chungen der Restauration führen könnte, wie das bei harten Materialien möglich ist. EN-
AMIC-Restaurationen passen deshalb auf Anhieb sehr gut. Das Schleifen z.B. einer Voll-
krone erfolgt besonders im ‚Fast Mode’ innerhalb weniger Minuten und mit ausgezeichne-
ter Passung,
Die Kantenrauigkeit ist bei ENAMIC signifikant geringer als bei VITA Mark II Keramik,
d.h. die Kanten werden exakt ausgeformt. Die Ätzbarkeit von ENAMIC ist ausgezeichnet,
sie betrifft die Keramikkomponente der Hybridkeramik, die ja aus VITA Mark II Feldspatke-
ramik besteht. Die adhäsive Befestigung und wenn nötig, die Reparatur mit direktem
Komposit ist gewährleistet. Die Oberfläche des ENAMIC wird durch die beiden Komponen-
ten, harte Keramik und weiches Polymer strukturiert, wie dies in Abb. 158 c) erkennbar ist.
Aufgrund der elastischen Eigenschaften von ENAMIC dürfte sich diese Hybrid-Kera-
mik für die Versorgung nicht vitaler Zähne besser
bewähren als VITA Mark II. Weitere klinische Er-
fahrung muss dies zeigen.

Abb. 161 ENAMIC-Block mit Farbschichtung zur


Fertigung von Vollkronen mit naturähnlichem ge-
schichteten Farbverlauf vom Zahnhals bis zur
Kaufläche. Einführung im Jahre 2017.

Im Bürstversuch mit der Labormaschine zeigte


sich bei ENAMIC eine leicht geringere Bestän-
digkeit des maschinell erzeugten Hochglanzes im
Vergleich zur VITA Mark II Keramik (Mörmann et
al.J Mech Behaviour Biomed Mater 2013
Apr;20:113-25). In Bezug auf die Erhaltung des
Glanzes verhält sich ENAMIC im Laborversuch
ähnlich wie Komposit. In der Mundhöhle scheint
dies nach der klinischen Erfahrung einer ausgezeichneten Ästhetik der ENAMIC Restaura-
tionen keine Relevanz zu haben, wie dies der mir von Herrn Kollegen Dr. Andreas Kurbad
freundlicherweise zur Verfügung gestellte Fall demonstriert (Abb. 162).
Zahnrestaurationen per Computer 251

Abb. 162 ENAMIC Veneers mit minimalinvasiver Präparation, optimale Formschleifbarkeit


dünner Restaurationsteile aus ENAMIC; Farbe 0M1, ‚High Translucency‘ mit guter De-
ckung. Korrektur der Zahnform, -Farbe und des Diastemas. Fall freundlicherweise zur Ver-
fügung gestellt von
Dr. Andreas Kurbad.

254. Schnellsintern von Zirkonoxidkeramik - der SpeedFire Ofen


Anlässlich der IDS 2017 wurde ich gefragt (Quintessenz der Zahntechnik), an welchem
Produkt ich die meiste Freude hätte. Meine Antwort war: „Das sind die Materialien ENA-
MIC (VITA Zahnfabrik) und die Schnellsinter-Zirkonoxid-Keramik TZI Speed mit dem com-
putergesteuerten CEREC SpeedFire Schnellsinterofen (Dentsply Sirona). Diese begeis-
tern mich, weil sie absolute Neuentwicklungen mit großem praktischen Anwendungsnut-
zen im Felde der digitalen Restauration repräsentieren und die innovativ über die bisherige
Material- und Systemtechnik hinausgingen. ENAMIC bietet „elastische“ Keramik und das
System TZI Speed / CEREC SpeedFire bietet die ‚Single Visit‘ Zirkonoxid-Krone.
Bei der CEREC SpeedFire Schnellsinterung handelt es sich um die Erweiterung des
CAD-CAM Konzeptes durch ein Computer Aided Firing CAF, d.h. die Brennzeit wird an-
hand jedes individuell erzeugten Restaurationsstückes bemessen und gesteuert.

Abb. 163 Zirkonoxidkeramik Blockfor-


men und Restaurationsgrössen. Voll-
kontur-Einzelkrone und dreigliedrige
-Brücke.

Eine umfassende, perfekte erste Untersuchung des SpeedFire Systems liegt im Artikel von
Klaus Wiedhahn und Mitarbeitern (2016) vor. (Wiedhahn K, Fritzsche G, Wiedhahn C,
Schenk O. Kronen aus Zirkonoxid - der neue Stand für „Single Visit Dentistry“? Int J Com-
put Dent 2016;19(1):9-26.
Zahnrestaurationen per Computer 252

Die Autoren heben hervor, dass substanzschonende Präparation und hohe Festigkeit die
Hauptvorteile der monolithischen Vollkontur-Zirkonoxidkrone sind. Wegen des mit her-
kömmlichen Sinteröfen mehrere Stunden dauernden Sinterprozesses der formgeschliffe-
nen Krone war bisher eine Behandlung während eines Termins in der Praxis nicht möglich.
Der CEREC SpeedFire Ofen wird in das Netzwerk von CEREC AC und Schleifeinheit
integriert. Die erforderlichen Brenndaten werden automatisch nach dem Schleif- bzw.
Fräsvorgang an den CEREC Speedfire Ofen übertragen. Dieser verfügt über eine inte-
grierte Wasserkühlung in einem geschlossenen System, was eine sehr schnelle und präzi-
se Brennführung erlaubt. Eine Vollkontur inCoris TZI-Krone kann in ca. 13 min gesintert
und mit einem ca. 9 min Glasurbrand fertiggestellt werden. „Die Vorteile des vollanatomi-
schen Zirkonoxids können somit auch bei der Chairside-Anwendung genutzt werden“, sagt
das Marketing.
Aktuell im Jahre 2020 können die folgenden Keramiken im Ofen gesintert bzw. end-
kristallisiert werden: CEREC Zirconia, Celtra Duo, CEREC Blocs C und C PC (Dentsply
Sirona) sowie die Materialien der CEREC Materialpartner: e IPS e.max CAD (Ivoclar Viva-
dent), VITA SUPRINITY PC (VITA Zahnfabrik), Chairside Zirconia (3M Dental), KATANA
Zirconia (Kuraray Noritake Dental) und der Initial LiSi Block (GC).
Der CEREC SpeedFire ist ein computergesteuerter Induktionsofen. Er vereint die
Prozesse Sintern und Glasieren in einem Gerät. Der CEREC SpeedFire erreicht eine ma-
ximale Aufheizgeschwindigkeit von 300°C pro Minute, es sind keine Vorwärmphasen oder
Haltetemperaturen notwendig. Der Ofen hat ein keramisches zylindrisches Heizelement,
was eine ideale Wärmeeinstrahlung in
den Brennraum bedeutet. Die maxima-
le Sintertemperatur beträgt 1600°C.
Nach der thermischen Behandlung
werden Wartezeiten durch aktive Küh-
lung verkürzt.

Abb. 164 Durch die automatische


Übernahme der Material- und Restau-
rationsdaten aus der AC- und der
Schleifeinheit ist der Speedfire in das
CEREC System eingebunden und
kann aufgrund der schnellen Sinterzei-
ten eine chairside Behandlung unter-
stützen.

Die kurzen Sinter-Zeiten werden bei


trockener Fräsung der vorgesinterten
Zirkonoxidkeramik ermöglicht. Durch
Nass-Formschleifen bearbeitete Re-
staurationen können in einem Trocknungs- & Sinterprozess verarbeitet werden. Klaus
Wiedhahn und Mitautoren zogen in ihrem Artikel 2016 die Schlussfolgerung, dass Sirona
mit dem CEREC Speedfire Ofen ein beeindruckendes System geschaffen hat, das chair-
side anwendbar ist. Die einzige Kritik war die immer noch starke Opazität der Zirkonoxid-
keramik. Hier sind Verbesserungen und eine Erweiterung des Materialangebotes realisiert
worden, z.B. durch die ‚KATANA‘ Zirconia Keramik von Kuraraynoritake Dental.
Zahnrestaurationen per Computer 253

Sechsundzwanzigster Teil: Ausbildung, Etablierung der CEREC-Methode

61) 2017 AUSBILDUNG IN DIGITALER RESTAURATIVER ZAHNMEDIZIN

255. Einführung von CEREC in das Curriculum der Studentenausbildung


Eine wichtige Folge der sehr erfolgreichen klinischen Aktivitäten der Station für Zahnfarbe-
ne- und Computer-Restaurationen war die Aufnahme der CEREC Methode in das Curricu-
lum der Studentenausbildung am ZZMK der Universität Zürich im Jahre 1997.
Mit CEREC 2 Geräten führten wir einen propädeutischen Kurs für die Fertigung von
indirekten Füllungen, sprich Fertigung von Keramikinlays mit der CEREC Methode ein. In
diesem Kurs lernten die Studenten alle Schritte einer chairside Inlay-Behandlung an
Kunststoffzähnen, die in Kiefermodellen in einem Übungskopf auswechselbar montiert
sind. Die klinische Situation wird hier in Bezug auf die Verhältnisse am Patienten schon
recht praxisnah simuliert. Das ist die gleiche Übungssituation wie wir sie auch für die Aus-
bildung von Praxiszahnärzten/innen verwendeten, die CEREC Methode erlernen und in
ihre Praxis einführen wollten.
Ich hatte jetzt für die Einweisung und Hilfestellung der Studenten bei der Präparation,
dem optischen Abdruck und der Konstruktion sowie beim adhäsiven Einsetzen und ausar-
beiten der Inlays, klinisch erfahrene, hauptamtliche CEREC Assistenten/innen. Während in
den Anfangsjahren noch eine gewisse Skepsis vorhanden war und es Studenten gab, die
aus irgendwelchen Gründen den Kurs schwänzten, gab es solche spätestens nach Einfüh-
rung der 3D Software im Jahre 2003 nicht mehr. Alle wollten dabei sein und blieben bei
Zeitnot lieber einem anderen Kurs fern, als dem CEREC Kurs. Dieser wickelte sich inklusi-
ve Einführungsvorlesung und praktischen Demos über 32 Stunden ab.
Im Jahre 2017 beschloss das Professorenkollegium des Zentrums für Zahnmedizin
ein interdiziplinäres, umfassendes Programm der digitalen Ausbildung der angehenden
Zahnärzte/innen unter der Beteiligung der Professur für Computergestützte Restaurative
Zahnmedizin, Professor Dr. Dr. Mehl und aller therapeutischen Abteilungen des Hauses.
Dieses Lehrangebot komplettierte die propädeutische vorklinische Ausbildung und die An-
wendung der CEREC Methode in den klinischen Kursen wie folgt:
Teil 1: Für Studierende im 4. Ausbildungsjahr, Einführung in die digitale Zahnmedizin,
- Demonstration und Übungen der intraoralen optisch-dreidimensionalen Abformung
- Vorlesung: Der digitale Workflow in der prothetischen Zahnheilkunde
- Demonstration und Übungen: Computergestützte Konstruktion (CAD)
- Vorlesung: Materialien für die Computergestützte Herstellung von Restaurationen
Teil 2: Für Studierende im 5. Ausbildungsjahr, Einführung in die digitale Zahnmedizin,
- Vorlesungen:
- Extra- und intraorales 3D-Scannen, virtuelles Design
- 3D Röntgen, Analyse von Volumendaten
- CAD/CAM in der Implantologie
- CAD/CAM in der Orthodontie
- CAD/CAM in der Funktionsanalyse

Damit ist die Digitale Technologie im Allgemeinen und die CAD/CAM Herstellung von den-
talen Restaurationen mit der CEREC Methode im Besonderen in dieser akademischen
zahnärztlichen Ausbildungsstätte voll angekommen. Meiner und Marco Brandestini’s Bei-
trag wurden voll anerkannt.
Zahnrestaurationen per Computer 254

256. Die historische CEREC Vitrine als Dauerausstellung im ZZM


Ich fühlte mich sehr geehrt und freute mich riesig als der Verwaltungsdirektor des Zen-
trums für Zahnmedizin (ZZM früher ZZMK) Dr. Kai von Massenbach an mich herantrat mit
der Frage, ob ich nicht eine CEREC Vitrine für die permanente historische Ausstellung des
ZZM gestalten möchte. Klar, machte ich das gerne. Sirona war bereit, nach dieser langen
Zusammenarbeit eine aktuelle MCXL Schleifeinheit zur Verfügung zu stellen. Die Firmen
VITA Zahnfabrik und Ivoclar Vivadent beteiligten sich mit der Bereitstellung ihrer aktuellen
Blockmaterialien an diesem Projekt. Diesen Firmen sei für Ihr Engagement herzlich ge-
dankt.
Ich stellte unser Prototyp CEREC Gerät, die „Zitrone“ für den Austellungszweck als
Dauerleihgabe zur Verfügung und führte die Planung zur Gestaltung und Beschriftung der
Vitrine aus. Das ZZM trug die Herstellungskosten.
Auf Augenhöhe im Zentrum ordnete ich zwei Flachbildschirme Rücken an Rücken
an. Auf der Vorderseite der Vitrine stellte ich die Entwicklungsstufen der Hard- und Soft-
ware in einer Folienpräsentation dar und auf der Rückseite die Entwicklung der CAD/CAM
Blockmaterialien und daraus entstandene zahnärztliche Restaurationsarbeiten. Die Videos
laufen endlos an Arbeitstagen während der Öffnungszeit des Gebäudes, sodass es immer
etwas zu sehen gibt, für jeden der gerade vorbeikommt (Abb. 165).

Abb. 165 CEREC Vitrine


mit dem gelben Prototyp-Ge-
rät auf dem Fahrgestell,
links, darüber ein dentaler
Übungskopf mit der 3D-
Mundkamera.
Oben im Zentrum Flachmo-
nitoren Rücken an Rücken
für Videopräsentation beid-
seits. Sirona MCXL Gerät
unten, Lehrbücher, Proto-
kollhefte, Materialsets, VITA
und Ivoclar Vivadent Block-
keramiken. W. Mörmann mit
historischem Dicor MGC
Blockset. Vitrine eingerichtet:
September 2015.

Ich danke der Verwaltungsdi-


rektion und dem Vorsteher
des ZZM, Herr Professor Dr.
Thomas Attin sehr für die
Verwirklichung dieser Vitrine
und habe selbst den gröss-
ten Spass daran. Die Vitrine
finden sie im Stock B des
ZZM an der Plattenstrasse 11
in Zürich.
Marco Brandestini hätte sicher gerne an der Gestaltung der Vitrine mitgearbeitet.
Leider war er im November 2012 viel zu früh verstorben. Marco war ein wunderbarer
Zahnrestaurationen per Computer 255

Mensch, er war technisch und künstlerisch hochbegabt. Es war traumhaft, zu lauschen


wenn er Balladen im Schweizer Dialekt oder auf Italienisch sang und die Gitarre spielte.
Wir danken ihm für alles.

257. Zahnärztliche Fachorganisationen für digitale Zahnmedizin und CAD/CAM


CEREC-Anwender der ersten Stunde waren automatisch Pioniere der Methode. Sie lies-
sen sich von ihr faszinieren und erkannten ihr Zukunftspotential. Einige von ihnen enga-
gierten sich als Lehrer der Methode und begannen CEREC Kurse zu organisieren. In der
Schweiz war dies z.B. Dr. Alessandro Devigus und in Deutschland Dr. Bernd Reiss und Dr.
Klaus Wiedhahn. In allen Ländern in denen CEREC zur Anwendung kam, formierten sich
Exponenten der Methode. Die wichtigsten Länder waren Deutschland und die USA. Bernd
Reiss startete die CEREC Ausbildungskurse an der Akademie für Zahnärztliche Fortbil-
dung in Karlsruhe zusammen mit dem Kollegen Dr. N. Hofmann (Universität Würzburg).
Die Formierung von CEREC Anwendern in Fachgruppen war für die Anerkennung
der Methode und für die Bildung eines Tarifsystems äusserst wichtig. Erst als eine klare
Tarifierung der Behandlung mit CEREC Restaurationen vorlag, konnte sich die Methode in
der Praxis seriös etablieren. Ein von CEREC begeisterter Kollege, Dr. Christian Bless, war
Mitglied der Tarifkommission der Zürcher Zahnärzte-Gesellschaft ZGZ (heute SSO) und
machte sich um die Tarifierung der CEREC Behandlung verdient.
In Deutschland gründeten Bernd Reiss und Klaus Wiedhahn zusammen mit fünf wei-
teren engagierten CEREC Anwendern die ‚Deutsche Gesellschaft für computergestützte
Zahnheilkunde‘ e.V. (DGCZ, dgcz.org) im Januar 1992 in Frankfurt am Main, als Unter-
stützungsorganisation für CEREC-Anwender. Heute ist die DGCZ als assoziiertes Mitglied
der Dachorganisation ‚Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DG-
ZMK) der kompetente Ansprechpartner für die digitalen Verfahren in der Zahnheilkunde.

Abb. 166 Dr. Bernd Reiss (li)


und Dr. Klaus Wiedhahn (re),
gründeten zusammen mit fünf
weiteren engagierten CEREC
Anwendern die ‚Deutsche
Gesellschaft für computerge-
stützte Zahnheilkunde‘ e.V.
(DGCZ, dgcz.org) im Januar
1992 in Frankfurt am Main,
als Unterstützungsorganisati-
on für CEREC-Anwender.

Die DGCZ engagiert sich in Aus- und Fortbildung der Kollegen, der Initiierung von Rechts-
gutachten und der Erstellung von Abrechnungshilfen. Sie unterstützt die Herausgabe des
‚International Journals of Computerized Dentistry‘ (Quintessenz Verlag). Die DGCZ ist
Gründungsmitglied der ‚International Society of Computerized Dentistry‘(ISCD) und aktuell
zugleich die mitgliederstärkste Gesellschaft dieser Organisation. Für die verwaltungsmä-
ßige Abwicklung der DGCZ Aus- und Fortbildungskurse ist die DDS GmbH Digital Dental
Services (Berlin) zuständig. Die ‚Digital Dental Academy Berlin‘ (DDA, dda berlin) ist eben-
falls eine Gründung, die aus der DGCZ mit Dr. Klaus Wiedhahn als treibender Kraft her-
vorgegangen ist. Die Digital Dental Academy Berlin GmbH ist das weltweit größte CEREC-
Zahnrestaurationen per Computer 256

Fortbildungsinstitut. Der Beitrag von Klaus Wiedhahn zur Förderung der CEREC Methode
verdient höchste Anerkennung.
Eine fruchtbare Kooperationen Der DGCZ besteht mit der 1999 in Mannheim ge-
gründeten ‚Arbeitsgemeinschaft Keramik in der Zahnheilkunde‘ (ag.keramik.de). Dr. Bernd
Reiss hat hier als Vorsitzender des Vorstandes eine wissenschaftlich tätige Gruppe von
Zahnärzten, Wissenschaftlern, Werkstoffexperten und Zahntechnikern formiert, die sich
intensiv mit der Qualitätssicherung bei der Ausübung der CEREC Methode befasst hat.
Der Beitrag von Bernd Reiss zur Förderung der CEREC Methode verdient höchste Aner-
kennung. Bernd Reiss und Klaus Wiedhahn haben sich beide durch ihre gemeinsamen
wissenschaftlichen und organisatorischen Aktivitäten in höchs-
tem Masse um die CEREC Methode verdient gemacht.
In den USA ist seit 2006 die CEREC Doctors Gruppe in
der Aus- und Weiterbildung von CEREC Anwendern aktiv. Die
aktuelle Nachfolgeorganisation ist die CDOCS.com Academy
unter der Leitung von Dr. Sameer Puri.

Abb. 167 Sameer Puri DDS. Dr. Puri ist der Vice President of
CAD/CAM am Pears campus in Scottsdale, Arizona, USA und
ist verantwortlicher Leiter der Website www.cdocs.com. Seit
2005 ist er CEREC® beta Tester.

Die CDOCS Academy arbeitet in Partnerschaft mit Dentsply


Sirona. Sie bildet für den Fachbereich ‚Digital Dentistry‘ einen
Teil des Spear Dental Education Centers for Dentistry in Scottsdale, Arizona, USA und hat
ein perfektes Online-Lehrangebot. Der Spear Campus ist absolut Top. Ich hatte die Ehre
und das Vergnügen, dort im Juni 2013 einen Vortrag mit dem Thema „Characteristics of
current CAD/CAM materials“ halten zu dürfen.

258. Einladungen nach meiner Emeritierung


Nach meiner Emeritierung genoss ich das Privileg, mein Büro und die Infrastruktur des In-
stituts und der Abteilung PPK weiter benützen zu dürfen, hatte aber keinerlei Routinever-
pflichtungen mehr. Es tat gut, nicht von einem auf den anderen Tag aus dem gewohnten
Rhythmus hinaus katapultiert zu werden und ich konnte zusammen mit den Kolleginnen
und Kollegen eine letzte Materialstudie durchführen und abschliessen (Mörmann WH
Stawarczyk B, Ender A, Sener B, Attin T, Mehl A. Wear characteristics of current aesthetic
dental restorative CAD/CAM materials: two-body wear, gloss retention, roughness and
Martens hardness. J Mech Behav Biomed Mater. 2013 Apr;20:113-25).
Auf Vorschlag von J. Robert Kelly, DDS, MS, DMedSc, zu jener Zeit Präsident der
American Academy of Fixed Prosthodontics, erhielt ich von dieser Gesellschaft die Einla-
dung zu einem Vortrag mit dem Titel ‚A perspective on the development of CAD/CAM
Restorations‘ für das wissenschaftliche Programm des Jahreskongresses am 24. Februar
2012 in Chicago. Bob meinte später, das sei eine sehr gute Präsentation gewesen, er war
zufrieden. Ich hatte ihn als ‚Vater der VITA Mark II Feinpartikelkeramik‘ gebührend erwähnt
und war froh, dass CEREC bei dieser sehr konservativen Fachgesellschaft gut angekom-
men war.
Die Leiterin der Materialkunde an unserem Hause, Prof. Dr. Dr. h.c. Mutlu Özcan,
PhD empfahl mich der ‚European Prosthodontic Association für einen Vortrag im Rahmen
der „Oxford Lecture“ an der 38. Jahrestagung dieser Gesellschaft in Istanbul. Ich erhielt
die Einladung zum Vortrag am 25. September 2014 mit wiederum dem Titel: ‚A perspective
Zahnrestaurationen per Computer 257

on the development of CAD/CAM Restorations‘. Ich reiste mit Jeanette vom 23. bis 27.
September nach Istanbul. Die Tagung fand im Wyndham Kalamis Marina Hotel statt. En-
gagierte CEREC Anwender, die mit neuesten Geräten, aber auch noch mit CEREC 1 ar-
beiteten waren dabei, ein Fernseh-Interview schloss das Fachliche ab. Wir genossen die
wunderbare Gastfreundschaft der türkischen Kollegen und die faszinierenden Sehenswür-
digkeiten dieser Stadt.
Mitte Januar 2015 erhielt ich eine Einladung aus Frankreich, die mich sehr über-
raschte und erfreute, von Dr. Bertrand Dinahet, dem wissenschaftlichen Präsidenten der
Studiengruppe "CEREC Touch", zu einem Vortrag über die Entwicklung der CEREC-Me-
thode am 2. Juli 2015 in Saint Malo in der Bretagne an der französischen Atlantikküste
(Abb. 168).

Abb. 168 Dr. Bertrand Dinahet präsentiert sein Organisationskomitee vor über 300 Zahn-
ärzten zum Auftakt des "Congrès de Dentisterie Numérique CEREC Touch" im Palais du
Grand Large, Saint Malo am Donnerstag, 2. Juli und Freitag, 3. Juli 2015.

Frankreich ist das Land von François Duret, dem Vater des CAD/CAM-Verfahrens in der
Zahnmedizin. Für Sirona war es nicht einfach gewesen, eine starke Gruppe von CEREC-
Anwendern aufzubauen. Doch "Les ateliers CEREC TOUCH" ist eine Gruppe von jungen,
dynamischen Zahnärzten, die sich für CEREC begeistern.
Im März 2015 erhielt ich von Prof. Dr. Dr. h.c. Joerg R. Strub, dem Präsidenten der
frisch gegründeten ‚International Academy For Digital Dental Medicine‘ die Einladung als
Ehrengast zum ersten Meeting der IADDM am 13. November 2015 und einen 30 min Vor-
trag über CEREC zu halten. Gleichzeitig teilte er mir mit, dass die IADDM mich zum Eh-
renmitglied gewählt hatte. Dies „in appreciation of personal merit and professional achie-
vement“. Mit grosser Freude nahm ich die Einladung zum Meeting und die Ehrenmitglied-
schaft an.
Am Meeting selbst beeindruckte mich der Vortrag von Dr. Roberto Spreafico, der sei-
ne Praxis in Busto Arsizio, nördlich von Mailand führt. Vom entschiedenen Gegner von
CEREC war er zum glühenden Anwender der Methode geworden. Seine Umorientierung
war durch Kontakte mit Prof. Ivo Krejci an der Universität Genf ausgelöst worden und den
Einsatz von Block-Komposit mit CEREC. Das Block-Komposit lässt sich in der MCXL Ma-
schine mit feinen, dünn auslaufenden Rändern formschleifen, was ihn faszinierte.
Entscheidend aber war für ihn der praktische Faktor, nämlich die Möglichkeit der
chairside Behandlung. Er leitete seinen Vortrag mit einem Foto der voll verstopften Auto-
bahn in seiner Nähe ein. Das seien seine Patienten. Sie könnten es sich nicht leisten, un-
ter den erschwerten Verkehrsverhältnissen mehrfach seine Praxis zu besuchen. Es sei
deshalb entscheidend, jegliche Behandlung, ob ein oder mehrere Zähne, möglichst in ei-
Zahnrestaurationen per Computer 258

ner Sitzung abzuschliessen. Er hätte dies erkannt und es hätte sich für ihn sehr gelohnt,
die Mühe der Eingliederung der CEREC Technologie in seine Praxis auf sich zu nehmen.
Für mich war das eine grossartige Geschichte, die perfekte Bestätigung meiner
Chairside Behandlungs-Philosophie. Danke, Herr Kollege Spreafico!

62) 2019 - 2020 PERFEKTIONIERUNG DER CEREC TECHNOLOGIE

259. Primescan die neue CEREC Scanner Technologie 2019


Ich freute mich sehr, als mich Dentsply Sirona im Frühjahr 2019 zum ‚Key Opinion Leader‘
Meeting in Frankfurt am Main einlud. Die Präsentationen der Primescan Mundkamera wa-
ren perfekt. Hatte man nicht geglaubt, dass die
2012 eingeführte Omnicam schon unübertrof-
fen der beste Scanner sei? Aber die Konkur-
renz der Scanner war in der Zwischenzeit drü-
ckend geworden (Abb. 169).

Abb. 169 Im Jahre 2017 ergab sich eine Flut


von chairside Scannern, welche den Wettbe-
werbsdruck in diesem Hardwarebereich erhöh-
ten.

Eindeutig lag die konfokale Scantechnologie


von 3 Shape mit der Trioskamera der Omnicam eine Nasenlänge voraus. Aber jetzt kam
die Primescan mit dem vergrösserten Bildfeld, optimierter Software und eben, einer per-
fektionierten speziell konfokalen Scantechnik.

a b

Abb. 170 a) Primescan: Die Kamera hat einen Tiefenmessbereich von 20 mm. b) Ar-
beitsprinzip der konfokalen Messung, der Fokus der Optik wird über den Tiefenmessbe-
reich automatisch mehrfach verschoben, wodurch sich über den ganzen Bereich scharf
fokussierte Abbildungen ergeben.

Die hervorragende Messtechnik musste zwar mit etwas grösserem Kamerakörper und et-
was mehr Gewicht erkauft werden. Aber im Ergebnis nähert sich die intraorale Scantech-
nik mit der Primescan asymptotisch der Perfektion der intraoralen 3D Messtechnik. Offen-
Zahnrestaurationen per Computer 259

bar bietet die auch in der Mikroskopie angewendete konfokale Methode die beste Voraus-
setzung für die dimensionsrichtige Formvermessung. Zusammen mit einer speziellen Ge-
staltung und Software ist dies bei Primescan gelungen. Das Prinzip der konfokalen Mes-
sung wird in Abb. 170 b) dargestellt.
In vitro Vergleichsmessungen zeigten nun absolute Spitzenwerte für Präzision und
Richtigkeit der digitalen Ganzkiefer-Abformung (Ender A, Zimmermann M, Mehl A. Accura-
cy of complete- and partial-arch impressions of actual intraoral scanning systems in vitro.
Int J Comput Dent 2019;22(1):11-19). Die Primescan (33,9±7.8 µm) war bezüglich Richtig-
keit der Abformung statistisch signifikant (p<0.05) besser als die Omnicam und alle Ver-
gleichskameras ausser der Trioskamera im „insane scan speed mode“ (51,1± 16,1 µm),
Allerdings war die konventionelle Abformmethode mit Polyvinylsiloxan (President
heavy body und President light body, Coltène AG) mit 16,2±1,6 µm immer noch signifikant
(p<0,05) einen Tick besser als alle Kamerasysteme. Wenn man bei der Beurteilung die
ersten begeisterten Anwendungserfahrungen berücksichtigt, kann die Primescan erstmals
in der gleichen Klasse wie die perfekten konventionellen Abformmethoden eingereiht wer-
den (Skramstad MJ. Welcome to Cerec Primescan AC. Int J Comput Dent
2019;22(1):69-78).
Das war keine einfache Entwicklung und bedurfte einer grossen Anstrengung des
gesamten Forschungs- und Entwicklungsteams von Dentsply Sirona in Bensheim. Ich
sage dazu nur: Herzliche Gratulation an das ganze Team und seine Führungspersonen Dr.
Joachim Pfeiffer und Dr. Frank Thiel mit ihren Fachexperten (Abb. 171).

Abb. 171 CEREC Forschungs- und Entwicklungsteam Dentsply Sirona 2019. Herzliche
Gratulation für die Entwicklung der Primescan.

Ich stelle hier einen der ersten optischen Scans aus der CEREC 1 Pionierzeit, einer Auf-
nahme mit der Primescan gegenüber (Abb. 172).
Zahnrestaurationen per Computer 260

a b

Abb. 172 CEREC Optische Abdrücke a) CEREC 1 Mai 1983 auf der optischen Bank mit
Streifenlichtprojektion und aktiver Triangulation auf der optischen Bank, b) Primescanauf-
nahme MO Kavität Zahn 18 am Patienten Januar 2019, Behandler PD Dr. A. Bindl.

Den CEREC 1 Scan (Abb. 172 a) einer mod-Kavität haben Marco Brandestini und ich am
4. Mai 1983 auf der optischen Bank gemacht, die Primescan-Aufnahme stammt aus einem
Quadrantenscan, den PD Dr. A. Bindl im Januar 2019 gefertigt hat (Abb. 172 b).
Die Schärfe der Kanten auf der Primescan-Aufnahme ist extrem gut. Die neu entwi-
ckelte CEREC Software 5 verleiht der CEREC Primescan einen enormen Fortschritt beim
Scannen und der Herstellung von Restaurationen. Aber der Kampf um die beste digitale
Abformung dürfte deshalb noch nicht beendet sein.

260. ’Primemill’ Key Opinion Leader Meeting Januar 2020 Berlin


Die Einladung von Dentsply Sirona zur Vorstellung der Primemill-Schleifeinheit am 24./25.
Januar 2020 in Berlin empfand ich wiederum als grosse Ehre. Die Axica ist eine Veranstal-
tungsräumlichkeit am Pariserplatz 3, direkt am Brandenburger Tor in Berlin. Die ausser-
gewöhnliche Architektur wurde vom bekannten Architekten Frank O. Gehry geschaffen, -
sie ist wirklich revolutionär und der Präsentation neuer Technologie angemessen.
Ich wurde gebeten, eine kurze Laudatio anlässlich der Verabschiedung des langjäh-
rigen Leiters der CAD/CAM Forschung und Entwicklung Herr Dr. Joachim Pfeiffer, zu prä-
sentieren. Vertreter des Top-Managements von Dentsply Sirona sassen in der ersten Rei-
he des Kongressraumes.Ich verriet in meiner kurzen Ansprache, dass ich bereits 1985
Kontakt mit dem CEO von Dentsply International gehabt hatte und dass Marco Brandestini
und ich es damals ablehnten, CEREC an die damalige Dentsply zu verkaufen, weil wir die
Entwicklungskapazität für CEREC bei Dentsply als nicht genügend beurteilten.
Die geniale Führungspersönlichkeit von Dr. Joachim Pfeiffer bei Siemens Dental hät-
te dann CEREC zur Perfektion entwickelt und es sei von Dentsply klug gewesen, so lange
zu warten, um sich dann mit Sirona auf dem von Dr. Pfeiffer erarbeiteten hohen Stand der
Entwicklung und Akzeptanz von CEREC partnerschaftlich zu verbinden. Ich dachte, Joa-
chim Pfeiffer mit diesen Worten gebührend zu ehren und seine Leistung öffentlich anzuer-
kennen.
Zahnrestaurationen per Computer 261

Das Primemill-Gerät kombiniert Nass- und Trockenfräsen und Nassschleifen und ist damit
in der Lage, alle Materialien von der Feldspat-, Hybrid- und Glas- sowie, Zirkonoxidkera-
miken, Block-Komposit sowie Polymer zu bearbeiten. Dies im Schnellschleif- bzw. Fräs-
modus und mit Fein- bzw. Extrafeinschleifen.

Abb. 173 CEREC Primemill-Ge-


rät im Jahr 2020.

Ein erster Anwendungsbericht


dieses neuen Bearbeitungssys-
tems liegt vor: Skramstad MJ.
Eine neue Fertigungseinheit für
einen effizienten Workflow. Int J
Comput Dent 2020;23(1):83-91.
Eine lange gewünschte Verbes-
serung ist die Verkürzung der
Blockerkennung. Die Identifizie-
rung erfolgt nun durch das Einle-
sen des Matrix Codes mit dem
Blockscanner. Das spart die mühsame Erkennung durch die zwei bis drei Minuten dauern-
de Vortouchierung des Blockes. Nach Eingabe des ‚Start‘-Kommandos wird die achsenbe-
zogene Kalibrierung kurz ausgeführt und der Formschliff, gemäss den von der AC-Einheit
übertragenen Restaurationsdaten, beginnt. Eine Zirkonoxidkrone wird im superschnellen
Fräsmodus in den meisten Fällen in ca. vier Minuten formgeschliffen. Der schnelle Form-
schliff erlaubt die Fertigstellung von Zirkon- und Glaskeramik-Kronen in einer Stunde.
Mike Skramstad kommt in seiner Erstbeurteilung der Primemill zum Schluss: „Der
wichtigste Vorteil von Primemill ist die Schnelligkeit des Fertigungsprozesses ohne Quali-
tätseinbussen der Restauration. Der Zahnarzt spart 15-20 Minuten pro Behandlungstermin
für eine Vollkrone.“

Abb. 174 Die Primemill hält für alle validierten Materialien und speziell für die Formbear-
beitung von Zirkonoxid- und Glaskeramiken Nass- und Trockenfräsen sowie Nassschleifen
bereit. Dazu werden die kodierten, speziellen Fräs- und Schleifinstrumente für Schnell-
und Fein- sowie extrafein eingesetzt.
Zahnrestaurationen per Computer 262

261. CEREC ’Tessera’, eine weiterentwickelte Lithium-Disilikat Keramik


Ganz auf den Einsatz mit dem Primescan-, Primemill-, Speedfire-Workflow abgestimmt
stellte Dr. Markus Vollmann die neue Glaskeramik mit Namen ‚Tessera‘ vor. Hier lohnt sich
ein Blick auf Wikipedia: Das Wort Tessera ist abgeleitet vom altgriechischen „téssares“ -
„vier“ und bezeichnet kleine viereckige oder runde Plättchen aus Stein, Keramik etc. oder

Abb. 175 Dr. Markus Vollmann, Direktor der Material-Entwicklung bei Dentsply Sirona
stellt die neue CEREC Tessera Glaskeramik vor.

ähnlich harten Materialien, mit denen man Mosaiken auslegt. Nun, das kann sich auf die
Form der Virgilit Kristallplättchen beziehen oder auf die CEREC Blöcke mit zweimal vier
Ecken.
Tessera dürfte im Wettbewerb zur extrem bewährten IPS e.max CAD Keramik von
Ivoclar Vivadent stehen. Als erstes fällt auf, dass sie im vorkristallisierten Zustand nicht in
blauer Farbe, sondern als zahnfarbene Blöcke vorliegt. Zwei verschiedene Kristallarten,
nämlich stäbchenförmiges Lithiumdisilikat und plättchenförmige Virgilitkristalle sind in eine
Zirkon-Glasmatrix eingebettet. Das Virgilit wird durch den Ofenprozess zu neuem Kristall-
wachstum angeregt.
Die beiden Kristallarten vernetzen sich zu einer dicht gepackten, robusten Struktur
mit einer Festigkeit von über 700 MPa nach einer Brennzeit von viereinhalb Minuten im
SpeedFire Ofen. Kronen können mit einer Wandstärke von 1 mm gestaltet werden.
Die chemische Löslichkeit ist gering, was für die Langzeiterhaltung der Oberflächen-
qualität wichtig ist. Die Kantenstabilität soll so gut sein wie bei formgeschliffenem Kompo-
sit, berichtete Prof. Dennis Fasbinder von der University of Michigan School of Dentistry.
Die klinische Anwendungspraxis muss zeigen, wie sich Tessera praktisch und klinisch be-
währen kann.
Zahnrestaurationen per Computer 263

Abb. 176 Prof. Dennis Fasbinder, University of Michigan School of Dentistry beim Vortrag
seiner Untersuchungen der Formschleifeigenschaften der CEREC Tessera Glaskeramik.

63) 2020+ WEITERE VERBREITUNG DER CEREC TECHNOLOGIE?

262. Aktuelle Positionierung von CEREC


Kollegen fragen mich manchmal ob ich denn damit zufrieden sei, wie sich die CEREC Me-
thode von den Anfängen bis heute weiterentwickelt hat.
Dazu sage ich klar, dass mich die Innovationskraft speziell des Entwicklungsteams
am Standort Bensheim innerhalb der Firmen Siemens, Sirona und zuletzt Dentsply Sirona
sehr stark beeindruckt hat, und dass mich die entwickelten Produkte total begeistern. Die
CEREC Methode repräsentiert heute (2020) mit Primescan, Primemill und Speedfire sowie
mit den verfügbaren Restaurationsmaterialien eine auf der höchsten Qualitätsstufe ste-
hende Produktionstechnik für die restaurative Arbeit in der zahnärztlichen Praxis.
Ich bin demnach mit der technischen Weiterentwicklung extrem zufrieden. Das CE-
REC Projekt war und ist für alle Beteiligten, eine fachliche und wirtschaftliche Erfolgsge-
schichte. CEREC ist trotz der grossen Zahl von Mitbewerbern nach wie vor die einzige
CAD/CAM Methode, die alle Herstellungsstufen in einem System umfasst und wird welt-
weit in bis zu 20% der Zahnarztpraxen angewandt. Die Steigerung darüber hinaus er-
scheint aber nicht einfach. Was steht einer weiteren Expansion entgegen?
Die chairside Behandlungsphilosophie ist der Kern von CEREC, nämlich die Herstel-
lung von Zahnrestaurationen per Computer durch den Zahnarzt in der Praxis. Die Idee
wurde 1980 als Atlternative zur Amalgamfülung geboren. Der Austausch der Amalgamfül-
lungen hat dann auch CEREC 1 getragen. Aus der „Inlaymaschine als Amalgam-Alternati-
ve“- wurde 1994 eine „Kronenmaschine“, die Fertigung von Kronen machte CEREC 2 für
den Hersteller profitabel. CEREC 3 verfeinerte das Formschleifen und öffnete die Methode
für die Zahntechnik. Die Einführung der 3D Software, der digitalen biogenerischen Okklu-
Zahnrestaurationen per Computer 264

sion und Artikulation, sowie die Optimierung der Scantechnik durch Bluecam, Omnicam
und Primescan und die Weiterentwicklung der Anwender- und Schleif-Software perfektio-
nierten die CEREC Technologie im Hinblick auf die Kronen- und Brückentherapie sowie
die Implantat-Versorgung.
Zahlreiche Keramik- und Komposit- Blockmaterialien, Material-spezifisches Form-
schleifen und die `Speedfire` computergestützte Schnell-sinter-Technologie für Glas- und
Zirkonoxidkeramiken vervollkommneten das System. CEREC ist heute ein „Alleskönner“,
der fast sämtliche Behandlungsbedürfnisse abdeckt. Kann jede Zahnarztpraxis dieses di-
gitale „Top-Angebot“ voll nutzen?
Übrigens, ich schätze heute auch die jetzt in hoher Qualität vorliegenden Block-
Komposite. Sie bieten entscheidende Vorteile. Komposit kann in einem Gang mit feinen
Kanten und perfekter Oberflächenqualität formgefräst oder formgeschliffen werden und ist
dann mit geringstem Polituraufwand einsatzbereit. Das macht Komposit zu einem schnel-
len Restaurationsmaterial, ganz im Sinne von CEREC und auch ganz nach meiner Vor-
stellung.

263. Präventivzahnmedizin: Verbesserte Zahngesundheit


In der Zahngesundheit der Bevölkerung hat sich seit der ersten CEREC Chairside-Be-
handlung 1985 bis heute viel geändert. Die Präventivzahnmedizin war in den Industrielän-
dern sehr erfolgreich. Frühe zahnprophylaktische Aufklärung in Kindergärten und Schulen,
Fluoridzahnpasten und Schallzahnbürsten bewirkten einen starken Rückgang der Karies
in einer immer zahnbewussteren Bevölkerung.
Es ist davon auszugehen, dass sich unter diesen Bedingungen, die Gesunderhaltung
der Zähne bis in das Alter fortsetzt und die Zahl grösserer restaurativer Arbeiten begrenzt.
Präventivmassnahmen und die Versorgung substanzschonender kleiner und mittelgrosser
Restaurationen mittels der direkten adhäsiven Versorgung mit plastischem Komposit rü-
cken in den Vordergrund. In Schwellenländern dagegen, kommt es durch den zunehmen-
den Wohlstand mit mehr Zuckerkonsum zwar zur Zunahme kariöser Läsionen, es werden
aber auch zahnprophylaktische Massnahmen zugänglich.
Die doch beträchtlichen Kauf- oder Leasing-Kosten des kompletten Systems und
Kosten für Upgrades, machen die CEREC Methode für zahnärztliche Praxen geeignet,
welche diese erwirtschaften können. Bei genügendem Zulauf solventer Patienten und
Technikaffinität des Behandlers kann die sehr produktive chairside Technologie mit allen
Komponenten, Scannen, Konstruieren, Formschleifen und computergestütztem Schnell-
Sintern ausgelastet werden. Auch die Nachrüstung oder Neuanschaffung weiterentwickel-
ter Geräte ist dann finanzierbar und das System kann stets auf dem neuesten Stand ge-
halten werden.

264. Digitale Zahnmedizin mit dem 3D Scanner allein


Alternativ zum Einstieg in die restaurative Vollausrüstung, bietet sich der erste Schritt in
die digitale Zahnmedizin mit der Anschaffung nur des Scanners an. Bei CEREC ist dies
die Akquisitions- und Konstruktionseinheit `CEREC AC’. Das opto-elektronische 3D-Scan-
nen war von Anfang an die Kerntechnologie der digitalen Restauration und stellt die
Grundausstattung für die digitale Zahnmedizin dar. Dies gilt besonders für Zahnärzte/in-
nen, die die Herstellung von Restaurationsstücken dem externen oder internen zahntech-
nischen Labor überlassen wollen. Das digitale Scannen allein ist auch ohne Produktions-
gerät vielseitig einsetzbar und bietet folgende Vorteile:
- Das Gebiss kann als Ganzes mit Ober- und Unterkiefer-Scans sowie Bissregistrat-Scan
von einer Dentalassistent/in in wenigen Minuten vermessen werden. Die Qualität und
Zahnrestaurationen per Computer 265

Vollständigkeit der digitalen Abformung ist sofort am Bildschirm überprüfbar und kann
gegebenenfalls ergänzt und korrigiert werden.
- Die digitalen Oberflächendaten des ganzen Gebisses stellen einen perfekten Anfangs-
befund des morphologisch-anatomischen Gebisszustandes zum Zeitpunkt der Aufnah-
me dar und werden automatisch archiviert.
- Die exakte räumliche Darstellung der Scans erlaubt diagnostische Beurteilungen, die
der Behandlungsplanung dienen.
- Die Echtfarbendarstellung des digitalen Gebissmodells erlaubt ebenfalls diagnostische
Beurteilungen, die in die Fallplanung eingehen.
- Wiederholte Scans verschiedener Stadien oder mindestens am Ende der Behandlung,
dokumentieren den Fortschritt, den Erfolg und die Qualität einer Behandlung.
- Der digitale Datensatz eines oder mehrerer vom Zahnarzt präparierter Zähne, samt Ge-
genkiefer und Bissregistrat, kann zur Konstruktion und Fertigung von Restaurationen
jeglicher Art, online an das zahntechnische Labor gesendet werden.
- Die sofortige Kontrolle der Präparation ist vergrössert auf dem Bildschirm möglich. Ist
eine Korrektur nötig, so kann nur der betreffende Bereich nachgescannt werden und die
verbesserte Situation wird automatisch in den Ganzkiefer-Scan eingefügt.
- Die einfache Archivierung der digitalen Befunde, erlaubt bei Bedarf die wissenschaftli-
che Auswertung.
Die Zahnarztpraxis kann demnach mit
einer Basisinvestition in den Intraoral-
Scanner in die digitale Zahnmedizin
einsteigen. Was die Erstellung von
Restaurationen betrifft, ersetzt sie die
konventionelle Abformung mit plasti-
schem Material, durch die digitale Ab-
formung mit dem Scanner. Die sicht-
bare Freilegung und der Kontaminati-
onsschutz der Präparationsgrenzen ist
dabei allerdings zu beachten. Die
Präparationen müssen konventionell
bis zur Sitzung für die Eingliederung
der Restauration provisorisch versorgt
werden. Die organisatorische Situation
in der Praxis ändert sich dabei nur
wenig, was vielen Kollegen entgegen-
kommt. Voraussetzung für diese Nut-
zung, ist die digitale Verbindung zu
einem kompetenten CAD/CAM Labor.

Abb. 177 CEREC ’Key Opinion Lea-


ders’ feiern die Vorstellung der Prime-
scan zu Jahresbeginn 2019 in Frank-
furt am Main, Mörmann in der Mitte.

Die Akzeptanz der digitalen Abformung


in der zahnärztlichen Praxis wird sich in dem Maße verbessern, mit dem sich ihre Qualität
und einfache Anwendung, denen der klassischen Abformung annähern. Der erweiterte
Zahnrestaurationen per Computer 266

Nutzen der digitalen Abformung kompensiert die höheren Kosten der digitalen Technolo-
gie.

265. Digitale Abformung für die orthodontische Aligner-Therapie


Für Patienten mit dem Wunsch nach einer ästhetischen Stellungskorrektur der Frontzäh-
ne, können die Kiefer in der Praxis digital abgeformt und die Daten zur Erstellung eines
orthodontischen Behandlungsplanes, an ein kieferorthopädisches Expertenteam gesandt
werden. Dieses plant die Behandlung mit einer Serie von `Aligner`-Schienen und liefert die
dem Behandlungsfortschritt angepassten Schienen. Dieser Weg ist beispielsweise über
den „SureSmile“ Workflow von Dentsply Sirona gangbar.
Die orthodontische Alignertherapie mit Verwendung einer Serie transparenter Korrek-
turschienen, wurde von der Firma Align Technology Inc. in Kalifornien, USA, mit dem Logo
“Invisalign“ seit 1997 entwickelt. Erschlossen wurde die Methode zunächst mit traditionel-
len Abformungen. Ab 2011 setzte `Align` den konfokalen iTero-Scanner für die Ganzkiefer-
Abformung ein. Align hat erkannt, dass der Wunsch nach einer makellos ästhetisch aufge-
stellten Frontzahnreihe ein Geschäftsmodell für die Masse der Bevölkerung bietet.
Der Markt für Aligner-Behandlungen wird aktuell über “Smile-Scan-Shops“ in Laufge-
genden von Städten angeregt. Grundlage dieses Scan-Angebotes ist, dass die Anwen-
dung des Scanners zur Abformung der Kiefer vom Gesetzgeber als völlig gefahrlos, ana-
log dem Fotografieren, von jedermann informativ angewendet werden kann und infolge-
dessen nicht von einem Zahnarzt oder einer zahnmedizinisch ausgebildeten Fachperson
ausgeführt werden muss.
Die Interpretation der Daten, Diagnose und Therapie müssen allerdings von einem
Zahnarzt verantwortlich geleitet werden. Das Scan-Angebot im “Smile-Scan-Shop“ macht
mit dieser Beurteilung die ästhetisch schön regelmässige Zahnfront für jedermann begehr-
lich und schafft eine niedrige Eintrittsschwelle für die angepriesene orthodontische „Smile-
Therapie“. Ich bin gespannt, wie sich diese Scan-Anwendung im Bereich der Schönheits-
behandlung entwickeln wird. Auch Apotheken werden den “Smile-Scan” wahrscheinlich
der Kundschaft anbieten.
Sollten sich diese Scan-Angebote tatsächlich im kommerziellen Bereich etablieren,
so kann die dentale 3D Scantechnik in die allgemeine Wahrnehmung eingehen und dürfte
dann auch von der Bevölkerung genutzt werden. Die selbstverständliche Anwendung die-
ser Technik im kommerziellen Bereich, könnte dann auch Druck auf Zahnarztpraxen aus-
üben, das digitale Scannen in der Praxis anzuwenden. Meine früher gemachte Voraussa-
ge: „Bis zum 50. Jahrestag von CEREC, wenn nicht schon früher, wird CEREC oder zu-
mindest ein intraoraler Scanner in jeder Praxis stehen“ , könnte sich dann bewahrheiten.

266. Spekulationen zur Weiterentwicklung


Für die ’Restaurative Zahnmedizin’ stellt sich die Frage, in welchem Maße die Zahl der
Anwender digitaler chairside bzw. “in-office” Restaurationen in der Zahnarztpraxis erweitert
werden kann. Die Kosten-Nutzen Relation entscheidet sich an der möglichen Auslastung
der technischen Geräte. Die heutige Durchdringung der Zahnarztpraxen weltweit mit CE-
REC und etablierten Mitbewerbersystemen könnte den digitalen chairside Behandlungs-
bedarf bereits zu einem beträchtlichen Teil abgedeckt haben. Die Hersteller wären dann
immer noch mit der Deckung des Ersatzbedarfes und der Weiterentwicklung ausgelastet,
auch ist der Wettbewerb um die besten Lösungen unter den Herstellern in vollem Gange.
Von den erfahrenen Anwendern werden ja stets die Realisierung zusätzlicher Leis-
tungen des Systems verlangt. Häufig bevorzugen auch die an digitaler Technologie neu
interessierten Zahnärzte die aktuelle Topversion sowohl bei Scannern als auch bei
Zahnrestaurationen per Computer 267

Schleifeinheiten. Dies im Interesse höchster Qualität der Restauration bei möglichst kür-
zester Behandlungszeit.
Voraussetzung für beides ist die perfekte Ganzkiefervermessung. Hier scheinen die
bisherigen Scansysteme noch einen Nachholbedarf gegenüber der klassischen Abfor-
mung zu haben, war doch die konventionelle Abformmethode mit Polyvinylsiloxan (Presi-
dent heavy body und President light body, Coltène AG) mit 16,2±1,6 µm immer noch signi-
fikant (p<0,05) besser als alle Kamerasysteme (Ender A, Zimmermann M, Mehl A. Accura-
cy of complete- and partial-arch impressions of actual intraoral scanning systems in vitro.
Int J Comput Dent 2019;22(1):11-19).
Die schnelle Übertragung immer grösserer Datenmengen ist eine Realität. In einer
nicht allzu fernen Zukunft könnte ein zentraler CAD/CAM Hochleistungs-Computer (CC)
die Konstruktion von Restaurationen in Echtzeit ermöglichen, sobald Ganzkieferscans
(Primescan) online geschickt werden. Er verfügt dank künstlicher Intelligenz über ein ana-
lytisches System zur Erkennung des menschlichen Gebisses in Grösse, Form, Voll- und
Teilbezahnung sowie Funktion. Er erkennt die individuelle okklusale Morphologie sowie die
Präparationen und beherrscht die vollständige Konstruktionssoftware für sämtliche vor-
kommenden Restaurationsarten. Er lernt aus jedem neuen digitalen Konstruktionsfall, lernt
die Arbeitsweise eines jeden Zahnarztes anhand der Präparations-Scans. Das Form-
schleifgerät (Primemill) in der Praxis empfängt die vom CC erstellten Konstruktions- und
Schleifdaten.
Der Workflow könnte so aussehen:
1. Die Praxis sendet vor Beginn einer Behandlung die Ganzkieferscans und Bissregistrie-
rung des Patienten an den CC mit Angabe der geplanten Behandlung, z.B. Keramikin-
lays/Onlays der beiden Prämolaren bis einschliesslich dem zweiten Molaren des Qua-
dranten im Unterkiefer links. Der Computer analysiert die digitalen Kontakte und Be-
wegungsbahnen mittels “dynamischer Okklusion”
2. Die Praxis sendet die Präparationsaufnahmen. Der CC konstruiert die Restaurationen
in Echtzeit und sendet sie instantan auf den Monitor in der Praxis.
3. Gibt die Praxis das OK, startet CC Die Formschleifmaschine in der Praxis, die mit dem
CC in online Verbindung steht. Die vom Zahnarzt in Typ und Farbe gewählten Materi-
alblöcke setzt die Dentalassistentin für jeden Schleifvorgang in das CAM Gerät ein,
bzw. das CAM entnimmt diese aus dem Vorratsmagazin. Der CC steuert und über-
wacht das Formschleifgerät.
4. Die Restaurationen können ohne eigenen Konstruktionsaufwand kurze Zeit nach den
Präparationsaufnahmen und dem Formschleifen eingesetzt werden.
Ob eine solche Struktur praktikabel wäre und zur Kostensenkung und damit Erschliessung
von mehr Praxen für die digital restaurative Technologie führen könnte, steht dahin. Jeden-
falls werden menschliche und technische Intelligenz die digitale Restauration weiter per-
fektionieren.
Heute blicke ich manchmal ungläubig auf meine frühen Aktionen als Initiator und Ge-
burtshelfer von CEREC zurück. Ich geniesse die erreichte Perfektion der CEREC Techno-
logie, wenn ich selbst als Patient bei PD Dr. Andreas Bindl zur Behandlung mit CEREC in
seiner Praxis bin. CEREC war von Anfang an und ist aktuell eine ganz besonders faszinie-
rende Methode.
+/-

Zahnrestaurationen per Computer 268

64) PUBLIKATIONEN VON W. H. MÖRMANN 1970-2019

Die Publikationen vor der Entwicklung der CEREC Methode kennzeichnen meinen fachli-
chen Hintergrund.
Die Aufzählung der CEREC Publikationen zeigt das fachliche Engagement aller Auto-
ren und Co-Autoren für die Entwicklung dieser Methode. Das CEREC System hat die
technische Scan- und CAD/CAM-Technologie sowie die dazugehörende Material-For-
schung und -Entwicklung weltweit in starken Maße angeregt. Die Darstellung der gesam-
ten mit diesem Thema befassten Literatur würde über das Format dieser Chronik weit hin-
ausgehen.

Präventivzahnmedizin 1972-83

1. Mörmann, W.: Karies und Ernährung


Zahnärztl Prax 23, 231-232 (1972)

2. Mörmann, W., Regolati, B. and Mühlemann, H.R.:


The gingivitis fluorescein test.
Helv Odontol Acta 18, 1-6 (1974)

3. Mörmann, W., Regolati, B., Lutz, F. and Saxer, U.P.:


The gingivitis fluorescein test in recruits.
Helv Odont Acta 19, 27-30 (1975)

4. Breitenmoser, J., Mörmann, W. and Mühlemann, H.R.:


Zahnfleischverletzung durch Zahnbürstenborsten.
SSO 88, 79-89 (1978)

5. Breitenmoser, J., Mörmann, W. and Mühlemann, H.R.:


Damaging effects of toothbrush bristle end form on gingiva.
J Periodontol 50, 212-216 (1979)

6. Mörmann, W.: Die Prophylaxe von Zahnbetterkrankungen.


Deutscher Zahnärztekalender 39, 23-37 (1980)

7. Mörmann, W.:XXVII. ORCA-Kongress: Kariesforschung aktuell.


Swiss Dent 1 (11), 5-9 (1980)

8. Mörmann, W:Parodontitis - ein Hygieneproblem?


Swiss Dent 1 (3), 11-22 (1980)

9. Mühlemann, H.R., Saxer, U.P. and Mörmann, W.:


Reduction of plaque and gingivitis by stannous fluoride stabilized with amine
fluoride.
Caries Res 15: 186 (ORCA Abst 20), 1981
Zahnrestaurationen per Computer 269

10. Lutz, F., Curilovic, Z. und Mörmann, W.:


Interdentale Restorationsüberhänge - rationelle Entfernung mit neu-
entwickelten Maschineninstrumenten.
SSO 91, 969-982 (1981)

11. Saxer, U.P.,Mörmann, W., Firestone, A. and Eltink B.:


Plaque control with chlorhexidine and a quaternary amonium compound.
J Clin Periodontol 9, 162-169 (1982)

12. Mörmann, W. Lutz, F. und Curilovic, Z.:


Die Bearbeitung von Gold, Keramik und Amalgam mit Composhape-
Diamantschleifern und Proxoshape-Interdentalfeilen.
Quintessenz 34, Ref VIII/6524, 1575-1583 (1983)

Parodontologie 1974-85

13. Mörmann, W. and Lutz, F.:


Fluoreszenzangiographie der Gingiva.
Acta Parodontol in: SSO 84, 798-818 (1974)

14. Mörmann, W.: Die Reaktionen des marginalen Parodonts auf einen rauhen
Füllungsrand.
Med Diss Zürich 1974.

15. Mörmann, W. Regolati, B. and Renggli, H.:


Gingival reaction to well-fitted subgingival proximal gold-inlays.
J Clin Periodontol 1, 120-125 (1974)

16. Mörmann, W. Bernimoulin, J.-P. and Schmid, M.:


Fluoresceinangiography of free gingival grafts.
J Clin Periodontol 2, 1977-189 (1975)

17. Mörmann, W. et Bernimoulin, J.-P.:


Possibilité offerte par l'angiographie fluorescéinique en parodontologie.
Actual Odontostomatol 109, 105-111 (1975)

18. Mörmann, W., Schmid, M. und Bernimoulin, J.-P.:


Die Durchblutung des Mukosa-Spaltenlappens bei der Verstibulumplastik nach
Edlan/Mejchar.
Dtsch Zahnärztl Z 31, 560-565 (1976)

19. Mörmann, W.: Die Fluoreszenzangiographie der Gingiva.


Quintessenz 27, Ref V/5435, 93-97 (1976)

20. Mörmann, W.: Prävention und Therapie des mukogingivalen Problems.


Zahnärztl Prax 27, 113-114 und 134-138 (1976)
Zahnrestaurationen per Computer 270

21. Gaberthüel, T. und Mörmann, W.:


Fluoreszenzangiographische Diagnostik des Lippenbandzuges.
Acta Parodontol in: SSO 86, 764-771 (1976)

22. Schmid, M. und Mörmann, W.:


Die subperiostale Vestibulumextension.
Acta Parodontol in: SSO 86, 495-509 (1976)

23. Mörmann, W. and Ciancio, S.:


Blood supply of human gingiva following periodontal surgery.
A fluorescein angiographic study.
J Periodontol 48, 681-692 (1977)

24. Mörmann, W. und Schaer, F.:


Orale Schleimhauttransplantation mit dem Mucotom.
SSO 87, 656-666 (1977)

25. Gaberthüel, T. and Mörmann, W.:


The angiographic tension test in mucogingival surgery.
J. Periodontol 49, 395-399 (1978)

26. Mörmann, W.: Freie Schleimhauttransplantate: Entnahmetechnik mit einem


neuentwickelten Mucotom.
Dtsch Zahnärztl Z 33, 88-92 (1978)

27. Mörmann, W., Meier, C. and Firestone, A.:


Fluorescein angiography of gingiva after experimental wounds.
Bibliotheca Anat, No 18, 343-346 (1979)

28. Mörmann, W. und Meier, C.:


Der Einfluss des Gefässtraumas auf die Heilung experimenteller
Gingivawunden.
Dtsch Zahnärztl Z 34, 833 (1979)

29. Mörmann, W.,Meier, C. and Firestone, A.:


Gingival blood circulation after experimental wounds in man.
J Clin Periodontol 6, 417-424 (1979)

30. Schmid, M., Mörmann, W. and Bachmann, A.:


Mucogingival surgery. The subperiosteal vestibule extension.
Clinical results 2 years after surgery.
J. Clin Periodontol 6, 22-32 (1979)

31. Mörmann, W.: Fluoreszenzangiographie oraler Schleimhaut nach mukogingival-


chirurgischen Eingriffen. Habilitationsschrift
Quintessenz, Berlin 1979.
Zahnrestaurationen per Computer 271

32. Mörmann, W., Schaer, F. and Firestone, A.:


The relationship between success of free gingival grafts and transplant thick
ness. Revascularisation and shrinkage. A one year clinical study.
J Periodontol, 52, 74-80 (1981)

33. Sanderink, R., Mörmann, W. and Barbakow, F.:


Periodontal pocket measurements with a modified Plast-o-Probe and metal pro
be.
J Clin Periodontol 10, 11-21 (1983)

34. Sanderink, R.B.A. und Mörmann W.:


Mundhygienekontrolle durch Selbsteinschätzung der Papillenblutung.
SSO 93, 275-281 (1983)

35. Sanderink, R.B.A. en Mörmann, W.:


Controle von de mondhygiene door beordeling von de papillaire
bloeding door de patient zelf.
Ned Tijdschr Tandheelkd 90, 301-306 (1983)

36. Iselin, W., Lutz, F. und Mörmann, W.:


Iatrogene Reize: Vorkommen, Wirkung und Eliminationstechnik
Dtsch Zahnärztl Z 40, 730-738 (1985)

37. Mörmann, W., Bösiger, P., Grau, P. und Scaroni, F.:


The thermodynamic behaviour of labial gingiva in patients with
destructive periodontal disease.
J Clin Periodontol 12, 477-493 (1985)

Zahnerhaltung / Endodontie 1970-79

38. Mörmann, W., Overdiek, H.F., Wilstermann, G.:


Zur heutigen Füllungstherapie.
ZWR 79, 15-20 (1970)

39. Lutz, F., Mörmann, W. und Lutz, T.:


Schmelzsprünge durch die Vitalitätsprüfung mit Kohlensäureschnee?
SSO 84, 709-725 (1974)

40. Mörmann, W., Lietha-Elmer, E., Meier, C. und Lutz, F.:


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41. Mörmann, W. und Bachmann, A.:


Zur Therapie des internen und externen Granuloms.
Quintessenz 30, Ref II/5935, 51-59 (1979)
Zahnrestaurationen per Computer 272

CEREC Patente

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MöRMANN WERNER H, BRANDESTINI MARCO:
Process for the manufacture of medical and dental, alloplastic, endoprosthetic
and exoprosthetic fittings.

43. 1984-03-06 CH19840001110 19840306


MöRMANN WERNER H, BRANDES TINI MARCO:
Blank for producing formed pieces in dental technics and its utilization.

44. 1984-10-24 CH19840005089


BRANDESTINI MARCO, MöRMANN WERNER:
Method and device for the manufacture of a tooth restoration body ready for use
and fitting individually.

45. 1986-06-24 CH672722 (A5)


BRANDESTINI MARCO, MöRMANN WERNER:
Method and apparatus for the three-dimensional representation and determi-
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CEREC Artikel 1982-2019

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Komposit-Inlays: Marginale Adaptation, Randdichtigkeit, Porosität
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Dtsch Zahnärztl Z 37, 438-441 (1982)

48. Mörmann, W., Lutz, F. and Ameye, C.:


Composite-inlays: Marginal adaptation, seal and occlusal abrasion.
J Dent Res 61: 247 (Abst 617) 1982.

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50. Mörmann, W., Schmid, U., Mörmann-Buchmann, J.E. und Roulet, J.F.:
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54. Mörmann, W., Lutz, F. und Bolli-Besançon, H.:


Löslichkeitbeständigkeit und Säureresistenz von Kalziumhydroxid- Unterfül
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Schweiz Mschr Zahnmed 95, 14-30 (1985)

55. Brandestini, M., Mörmann, W., Ferru, A., Lutz, F. und Krejci, I.:
Computer machined Ceramic Inlays: In vitro Marginal Adaptation.
J Dent Res 64: 2081 (Abst 305) 1985

56. Lutz, F., Mörmann, W. und Krejci, I.:


Seitenzahnkomposite - Ja, Nein oder Jein?
Dtsch Zahnärztl Z 40, 892-896 (1985)

57. Mörmann, W., Brandestini, M., Ferru, A., Lutz F. und Krejci, I.:
Marginale Adaptation von adhäsiven Porzellan-Inlays in vitro.
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Das Cerec-System: Computergestützte Herstellung direkter Keramik-Inlays in
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Marginal Adaptation of Cerec-MOD Inlays in vitro.
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In: Mörmann, W.H. (ed): CAD/CIM in Aesthetic Dentistry, Cerec 10 Year Anni
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Acta Med Dent Helv 2: 217-225 (1997)

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Die CEREC-Computerkrone - erste klinische und wissenschaftliche Erfah-
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Survival rate of mono-ceramic and ceramic-core CAD/CAM-generated anterior
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