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Kant, Leben und Werk

Kategorischer Imperativ
Was sollen wir tun?
Die Frage nach dem richtigen Handeln des Menschen
und die Entwicklung eines Moralprinzips
Gliederung

• Kant, Leben und Werk


• Überblick in der kantischen Philosophie
• Arten von Ethik nach Kant
• Kategorischer Imperativ
* 22. April 1724 in Königsberg, Preußen
† 12. Februar 1804 ebenda
Einfluss auf:

• die Erkenntnistheorie
mit der Kritik der reinen Vernunft

• die Ethik
mit der Kritik der praktischen Vernunft

• die Ästhetik Zudem verfasste Kant bedeutende


mit der Kritik der Urteilskraft Schriften/Beiträge zur:

• Religionsphilosophie
• Rechtsphilosophie
• Geschichtsphilosophie
• Astronomie
• Geowissenschaften
Kritik der reinen Vernunft
1781
• Der menschliche
Geist konstruiert
sich selbst
„Theorie ohne Empirie ist leer. Empirie ohne Theorie ist blind“
Überblick in der Philosophie von Immanuel Kant
Erkenntnistheorie nach Kant

Stuhl
Der Stuhl
Ich Objekt

• Wir stehen zu uns


selbst wie zu jedem
anderen Objekt in
Ich Ich der Außenwelt
Die Kategorien nach Kant
• Jeder Mensch denkt in
1. Der 2. Der 3. Der 4. Der Kategorien, auch wenn er sich
Quantität: Qualität: Relation: Modalität: dessen nicht bewusst ist
Einheit Realität Der Inhärenz Möglichkeit –
und Subsistenz Unmöglichkeit • Die Kategorien sind keine
Einschränkung des
Vielheit Negation Der Kausalität Dasein – Geistes, sondern eine
und Nichtsein Bedingung seiner
Dependenz Existenz
Allheit Limitation Der Notwendigkeit
Gemeinschaft - Zufälligkeit • Nach Kant sind diese 12
Kategorien der Geist selbst

Mein Stuhl existiert


Qualität Modalität
Quantität
Relation
„Der gestirnte Himmel über mir, und das moralische
Gesetz in mir.“

“Doppelte Conditio Humana”


Zwei-Welten-Lehre Urteilung der Welt in zwei grundsätzlich zu
MENSCH
als sinnlich-vernünftiges Wesen trennende, wenngleich mannigfaltig ineinander
hat teil an verschlungene Sphären, die Autonomie des Willens
und die Heteronomie der Sinnlichkeit

Sinnenwelt Verstandeswelt
empirisch intelligibel
Heteronomie Autonomie
Kant-Dualismen
„Der gestirnte Himmel über mir“ „Das moralische Gesetz in mir“
Sinnenwelt Verstandeswelt
Sinnenwesen Vernunftwesen
Phänomenon Noumenon
empirisch intelligibel
a posteriori a priori
Neigung Pflicht
pflichtgemäß aus Pflicht
hypothetisch kategorisch
heteronom autonom
Kausalität Freiheit
Welche Art von Wissen ist das philosophische
Wissen?

Kants ganze Philosophie


zwei Unterscheidungen zwischen:
Gesetzformulierung:
Wenn Wissen notwendig
oder universell ist, dann
ist es a priori Wissen
wenn nicht, ist a
posteriori.
Kommt von den Sinnen (aus der Erfahrung)
Ist gerechtfertigt durch die Sinne Kommt nicht von den Sinnen
Alltagswissen ist ein Beispiel für a posteriori Wissen Ist nicht gerechtfertigt durch die Sinne
Ist wahr per Definition

Alle Rosen sind Rosen


5+7=12
zwei Eigenschaften:
Es ist notwendig nicht zufällig
Es ist universal unabhängig von
Zeit und von Ort
Der Begriff des Prädikats des Urteils ist Der Begriff des Urteilsgegenstandes ist
im Begriff des Urteilsgegenstandes enthalten mit einem neuen Begriff verbunden
Wahr per Definition Nicht wahr per Definition; ausdehnend
(a priori) (a posteriori)

Leute, die rennen, bewegen ihre Körper. Leute, die rennen, sind glücklich.(?)
Alle analytischen Urteile sind a priori Alle synthetischen Urteile sind a posteriori
ihre Wahrheit hängt nicht von den Sinnen ab ihre Wahrheit hängt von den Sinnen ab
Analytisch Synthetisch
A priori A posteriori

Beziehungen von Ideen Tatsachen

Analytisch Synthetisch
A priori A posteriori
eine dreiseitige Figur in
Dreieck
einer Ebene eingeschlossen
Die Summe der inneren Winkel
jedes Dreiecks ist immer gleich 180°

180° scheint ausdehnend


d.h. synthetisch
scheint notwendig und
universell
d.h. a priori
Die Kantischen Fragen
Nach Kant ist die Aufgabe einer engagierten
Philosophie die Beantwortung von drei Fragen:

Was kann ich wissen?


Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?
„Was soll ich tun?“
Der Mensch ist Fähig und gezwungen,
sich zu entscheiden
Der Mensch hat die Möglichkeit sich zu entscheiden
weil er als Mensch frei ist, sich zu entscheiden

Die Fähigkeit und Notwendigkeit der Entscheidung


macht das Leben unbequem und schwierig

Menschen haben schon immer nach Richtlinien und


Regeln gesucht um das Entscheiden leichter zu machen
Heteronome Ethik
Umgangsformen, Gesetze und religiöse Gebote

von der Gesellschaft bereitgestellt


begründet in Tradition,
Gesetzgebungsverfahren oder göttliche
Offenbarung Problem 1
diese Regeln stark unterscheiden und
zum Teil sogar widersprechen – was
Problem 2 hier erlaubt ist, ist dort verboten, was
verschiedene Philosophen zu dort verpflichtend ist ist hier ohne
verschiedene Zeiten unterschiedlich Bedeutung
darüber gedacht haben was moralisch
geboten, was moralisch gleichgültig
und was moralisch verboten ist.
Prinzip a posteriori
dass alle diese Moralsysteme auf
Erfahrung entwickelt haben und
darum weniger oder mehr Zufall
Ein Moralprinzip, das allgemein und
beruhen.
notwendig gelten soll, darf nicht auf
rein aus der Vernunft entwickelt Erfahrung begründet sein.
werden rein formal und ohne inhaltliche
Bestimmungen
für alle Menschen, Länder und Zeiten
Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit Autonome Ethik
beanspruchen Prinzip a priori
Unabhängig von den Zufälligkeiten der Erfahrung
Praktische Grundsätze des
Willens

Grundsätzen, die das


Grundsätzen, die für jeden Handeln einzelnen
Menschen Gültigkeit Menschen bestimmen
haben sollen

Maxime
Imperative
nur subjektiv gültig
allgemein gültig
(“Ich will immer so
(“So sollst du handeln”)
handeln”)
Wenn man A will,
muss man B tun. „Wenn ich A will,
muss ich B tun.“

Hypothetische Imperative Kategorische Imperative


bedingt allgemein gültig unbedingt allgemein gültig
(“So sollst du handeln, (“So sollst du immer
falls…”) handeln”)
Drei Formulierungen des Zum Vergleich: Die goldene
Regel der Moralphilosophie
kategorischen Imperativs:
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘
du zugleich wollen kannst, dass sie ein auch keinem anderen zu!“
allgemeines Gesetz werde.“ (allgemeine Diese Regel ist überliefert in verschiedenen
Gesetzes-Formel) vorderasiatisch-europäischen Kulturen.

„Handle so, das du die Menschheit sowohl in „Auge um Auge, Zahn um Zahn. „
deiner Person als auch in der Person eines jeden Mose 21, 24
andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals ältestes massierendes Rechtsprinzip, sog.
bloß als Mittel brauchst.“ (Selbst-Zweck-Formel) Talionsprinzip; es fordert auf, Gleiches (nur) mit
Gleichem (und nicht mit Schlimmerem) zu
vergelten.
„Handle so, das die Maxime deiner Handlung
mit der Idee des Willens jedes vernünftigen „Alles, wovon ihr möchtet, dass es euch die
Wesens als eines allgemein gesetzgebenden Menschen tun, sollt auch ihr ihnen tun.“
willens vereinbar ist.“ (Autonomie-Formel) Matthäus 7, 12
Kategorischer Imperativ Schema

1. Ich entscheide mich 2. Ich formuliere anhand 3. Ich prüfe, ob ich wollen kann,
probehalber für eine dieser Handlungsalternative dass diese Maxime ein
Handlungsalternative. für mich eine Maxime allgemeines, für alle Menschen
gültiges Gesetz wird
Beschreiben des moralischen Dilemmas (Tipp: Formulieren einer Zweckrationalen
Problem in der ich-Perspektive formulieren) Maxime (Tipp: Immer wenn…., dann…)
Ich gehe in einen Supermarkt und möchte mich mit Essen Immer wenn ich nicht genügend
versorgen. Als mir auffällt, dass ich nicht genug Geld habe, Geld dabei habe, werde ich
entschließe ich mich dazu das Essen zu stehlen. Wenn ich stehlen.
aber mein Essen nicht bekomme muss ich stark Hungern
oder sterben.

Verallgemeinerungstest Ergeben einer Denkmöglichkeit oder


Wie wäre es, wenn jeder stehlen würde, wenn er nicht Denkunmöglichkeit
genügend Geld hätte. Wenn jeder sofort stehlen würde, Wenn alle stehlen würden, gäb es irgendwann
wären jegliche Preise sinnlos und niemand würde mehr kein Eigentum mehr zum stehlen. Von daher
auf ein hohes Einkommen abzielen, weil es ihm doch eh ist irgendwann stehlen schlichtweg nicht mehr
nur gestohlen werden würde. So würde die gesamte möglich. Es ergibt sich eine
Menschheit ohne Eigentum sein. Denkunmöglichkeit

Fazit für die Anwendung


Ich darf das Essen nicht stehlen, wenn ich nicht genügend Geld dabei habe.
Kritik und Probleme am kategorischen Imperativ

Die Frage ist, wie weit man


eine Verallgemeinerung
treiben kann oder darf. „Immer wenn ich Essen klauen
kann statt zu sterben, klaue ich
das Essen.“
hier könnte man aus
moralischer Sicht zu einem
anderen Urteil kommen.

„Würden alle sterben statt Essen zu klauen, gäb es irgendwann keine Menschen mehr.“

Folge: Denkunmöglichkeit und moralische Richtigkeit des Diebstahls.


Kann es den kategorischen
Imperativ nach Immanuel
Kant überhaupt geben?
Warum baut die Ethik auf
die Lehren von Kant?