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Maskenbeatmung

Und
Alternative NIV

Kurs Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung

01/14/2021
NIV - Definition
•Nichtinvasive Beatmung ist eine maschinelle Atemhilfe ohne
Einsatz eines Endotrachealtubus oder einer Trachealkanüle
•Die Beatmung erfolgt in der Regel über eine dicht sitzende
Nasen- oder Gesichtsmaske
•Es handelt sich hierbei meist über eine Überdruckbeatmung, bei
der die gleichen Beatmungsformen zum Einsatz kommen
können wie bei der invasiven Beatmung

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Maskenbeatmung/ NIV
• Beatmung über Maske = noninvasive
Beatmungsform meist NIV abgekürzt (non
invasiv ventilation)

• Beatmungszugang (die Maske) nicht in der


Trachea (wäre dann invasiv) platziert

• Häufigste Beatmungsform in der Häuslichkeit

• zum Teil erfolgt die Pflege noch durch


Angehörige oder Patienten selbst

• In der S2 Leitlinie zur außerklinischen


Beatmung als assistive Versorgung eingestuft,
d.h. auch ohne examiniertes Personal möglich

01/14/2021
Indikationen der Maskenbeatmung
• möglich, wenn der Betroffene lediglich eine Unterstützung der
Beatmung benötigt, oder die Atemmuskulatur z.B. Nachts
entlastet werden soll ???
• Nur möglich, wenn der Betroffene das Sekret (mit oder ohne
Hilfsmittel) abhusten kann
• Krankheitsbilder:
– Schlafapnoe
– Muskeldystrophien, wie z.B. Morbus Duchenne
– COPD/ Bronchiektasen
– Anfangsstadium ALS (neurodegenerative Erkrankung)
– Post-Polio-Syndrom
– Obesitas-Hypoventilationssyndrom (Pickwick-Syndrom)

01/14/2021
Kontraindikationen für eine NIV
•Maskenintoleranz
•minimale Spontanatmung
•Bewußtseinseinschränkung (komatöse Patienten)
•Atemwegobstruktion (Trauma/Tumor)
•Aspirationsgefahr unter Maskenbeatmung
•CO2 Anstieg unter Maskenbeatmung
•Entfernung des Kehlkopfes
•Wiederholte Pneumonien (> 3 / Jahr)

Insofern keine NIV möglich ist besteht die Indikation für eine
invasive Beatmung

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…???

01/14/2021
Beatmungsformen unter Maskenbeatmung
• Krankheitsbedingt zuerst vorwiegen spontan unterstützend
beatmet, also z.B. CPAP, PSV S (pressure supported ventilation
spontaneous)

• Im Krankheitsverlauf ggf. Umstellung der Beatmung auf


teilkontrolliert PSV ST (pressure supported ventilation
spontaneous) oder kontrolliert PCV (pressure controlled
ventilation)

• Je nach Krankheitsbild spätere Umstellung auf invasive


Beatmung

01/14/2021
NIV - Maskentypen
Nasenmasken
Vorteil  kleinere Auflagefläche
Nachteil  Mundleckage, unzureichende Beatmung

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Maskenarten - Konfektionierte Masken
Nasenmaske:

• Umschließt lediglich die Nase


• Abdichtung durch Gel-
manschette
• Fixierung durch Halteband
• Essen und Trinken möglich
• Sprechen möglich
• Höhere Gefahr der Druckstellen
(geringe Auflagefläche)
• Beatmungsdruckverlust bei
geöffnetem Mund

01/14/2021
NIV - Maskentypen
Nasenmasken
Vorteil  kleinere Auflagefläche, keine Sichteinschränkung,
Beweglichkeit
Nachteil  Mundleckage, unzureichende Beatmung, Druckstellen
in der Nase

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NIV - Maskentypen
Nasenmundmasken
Vorteil  Kompensation Mundleckage, sicherere Beatmung
Nachteil  große Auflagefläche, bedrückend

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Maskenarten - Konfektionierte Masken
Vollgesichtsmaske:

• Umschließt das gesamte Gesicht


• Abdichtung zur Gelmanschette
• Fixierung durch Halteband
• Kein Essen und Trinken unter
Beatmung, Sprechen schwierig
• Kann gut bei ängstlichen
Patienten(Kindern) eingesetzt
werden
• Gute Abdichtung, geringe Gefahr
der Druckstellen
• Gefahr durch Erbrochenes
• Beatmungsdruck erreicht die
Augen mit Gefahr der
Konjunktivitis
01/14/2021
NIV - Maskentypen
Gesichtsmasken
Vorteil  hohe Leckagetoleranz, hohe Flussgeschwindigkeiten
möglich, gute Anpassung, geringe Ulcerationsgefahr
Nachteil  Sichteinschränkung, Klimatisierung

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NIV - Maskentypen
Beatmungshauben
Vorteil  wenig Auflagefläche, selten Druckstellen, geringe
Sichteinschränkung, Beweglichkeit
Nachteil  schnürt in den Achseln ein, Kondenswasser,
laute Strömungsgeräusche

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NIV - Maskentypen
Ohne integriertem Ausatemventil  Ventilsteuerung über das
Gerät oder einem externen Ausatemventil
Unterschieden werden konventionelle oder Individualmasken

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NIV - Maskentypen
Mundstücke
Vorteil  Vorteilhaft bei langer Beatmungszeit,
Nachteil  Kieferverformung bei langem Gebrauch.

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Maskenarten - individuell angepasste Masken

• Empfehlenswert bei längerer oder lebenslanger


Maskenbeatmung

• Herstellung im Dentallabor oder Beatmungszentrum unter


Verwendung eines Silikonabdrucks des Gesichts

Nasenmaske

Mund-Nasenmaske
01/14/2021
Maskenarten - individuell angepasste Masken
Vorteile dieser Masken sind:

• deutlich seltenere Druckstellen


• die Deformationen des Gesichts sind seltener oder weniger
stark ausgeprägt
• sie bestehen meist nur aus einem Teil und sind somit besser zu
reinigen
• sie sind dichter, somit kann mehr Druck während der Beatmung
gegeben werden
• und es kommt zu weniger Undichtigkeiten (Leckagen), damit
strömt keine Luft mehr in die Augen und es kommt seltener zu
Konjunktivitiden

01/14/2021
Maskenarten - individuell angepasste Masken
Nachteile dieser Masken sind:

• deutlich teurer und damit schwierigere Kostenübernahme durch den


Kostenträger (meist die Krankenkasse)
• durch die gewollte Enge der Maske kommt es häufiger zum Schwitzen
unter der Maske, dadurch steigt die Gefahr der Entstehung von
Hautpilzen
• Bei einer individuellen Mund-Nasenmaske ist der Mund versiegelt. Das
führt unter Umständen anfangs zu leichten Panikattacken. Zudem ist
durch diese "Versiegelung" die Kommunikation etwas erschwert
• Bei extremer Zunahme oder Abnahme des Körpergewichtes verändert
sich in der Regel auch die Gesichtsform. Das kann dazu führen, dass
die individuelle Maske nicht mehr "passgenau" sitzt und eine neue
erstellt werden muss

01/14/2021
Lebensqualität unter Maskenbeatmung

Ergebnisse einer umfassenden wissenschaftlichen Studie zur


Lebensqualität von heimbeatmeten Kindern und Jugendlichen und
jungen Erwachsenen:
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsene durch die Heimbeatmung offenbar weniger
beeinträchtigt werden als Eltern und Pflegepersonen glauben.
Eltern vermuten mehr Probleme als die jungen Patienten
tatsächlich empfinden. Diese Daten sollten die Eltern/die
Pflegepersonen und Ärzte ermuntern, viel mehr als bisher üblich
mit den Patienten selbst zu sprechen.

01/14/2021
Lebensqualität unter Maskenbeatmung
Zitate von Betroffenen, die auf eine Maskenbeatmung eingestellt
wurden:

• „Oft ist es so, dass die Begleitperson, weil auf einer Ebene mit
anderen Stehenden, angesprochen wird. Das Gespräch bewegt
sich oben. Selten kommt jemand auf den Gedanken, sich zu mir
wenigstens für einen Moment herunterzuhocken. Redet man den
Stehenden dazwischen, kann der Eindruck entstehen: Ach, die
Behinderten, die reden immer dazwischen.“

01/14/2021
Lebensqualität unter Maskenbeatmung
„Die Ausgangssituation war schwierig. Ich war zu dem Zeitpunkt des
Ausprobierens der Maskenbeatmung noch vollkommen unter
Medikamenten und von ständigen Erstickungs- bzw. Todesängsten
geplagt. Die Maske über Mund und Nase umgeschnallt, wurde mir
Luft in einem Rhythmus durch Nase und Mund mit Druck in die
Lungen geblasen, der nichts mit meinem eigenen Atemrhythmus zu
tun hatte. Ich konnte mich auf diesen Beatmugsmodus nicht
einlassen, es war furchtbar unangenehm. Der Druck wurde sehr
hoch gewählt, um mich ausreichend zu beatmen. Ich hatte riesige
Panik davor, was mit mir gemacht wurde und hielt die Prozedur nur
sehr kurze Zeit aus. Ich würde mich bei der Wahlmöglichkeit
Trachealkanüle oder Maske heute definitiv gegen die
Maskenbeatmung entscheiden.“

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Druckstellen im Gesicht:

• Tritt sehr häufig auf, wenn die Maske mit zu viel Druck an das Gesicht
gepresst oder die Maske nicht fachgerecht angelegt wird.
• Eine regelmäßige Krankenbeobachtung ist hier zwingend erforderlich, um
frühzeitig diese Druckstellen zu erkennen.
• Eine Druckstelle im Gesicht kann dazu führen, dass der Patient nicht mehr
beatmet werden kann.
• Eine identifizierte Druckstelle muss sofort behandelt und auch dokumentiert
werden, die zuständige pflegerische Leitung muss informiert werden. Diese
entscheidet, ob der verantwortliche Arzt informiert werden muss. Die
Einbeziehung von Wundexperten wird dringend empfohlen.
• Bei Patienten mit immer wieder auftretenden Druckstellen sollte über
spezielle Polsterungspflaster (z. B. Koloidpflaster - auch prophylaktisch)
nachgedacht werden.
• Salben können die Dichtigkeit und den Sitz der Maske beeinträchtigen.

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Schwitzen unter der Maske:

• Tritt auf bei hohen Außentemperaturen, aber auch bei Fieber.


Häufiger bei angepassten Masken, hier besteht die Gefahr der
Entstehung eines Hautpilzes.

• Eine regelmäßige Krankenbeobachtung ist auch hier erforderlich,


vor allem bei Fieber und hohen Außentemperaturen.

• Sollte es zum Schwitzen unter der Maske kommen, ist es sinnvoll,


die Maske regelmäßig abzunehmen und die Haut darunter zu
trocknen.

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Erbrechen unter Beatmung:

• Vor allem bei Maskenbeatmungen mit hohen Drü̈cken besteht


Gefahr, dass Luft auch in den Magen gepresst wird. Dies erhöht
die Gefahr des Erbrechens.
• Bei Patienten mit Mund-Nasenmaske oder Vollgesichtsmaske
kann es passieren, dass das Erbrochene in die Lunge gepresst
wird, wenn die Maske nach dem Erbrechen nicht schnell genug
vom Gesicht genommen wird. Diese Gefahr vergrößert sich,
wenn der Patient nicht in der Lage ist, sich selbständig die
Maske vom Gesicht zu nehmen.
• Patienten mit der Neigung zum Erbrechen und gleichzeitiger
Unfähigkeit, die Maske selbständig vom Gesicht zu nehmen,
müssen während der Beatmung kontinuierlich beobachtet
werden.
01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Erbrechen unter Beatmung:

.
• Sollte der Patient unter der Beatmung erbrechen, muss die
Leitungskraft/ der Arzt informiert werden. Diese entscheiden
über eine Fortsetzung der Beatmung.

• Sollte ein nächtlich beatmeter Patient im Tagesverlauf


erbrechen (z. B. aufgrund einer „Magenverstimmung“), liegt die
Entscheidung über die weitere Beatmung bei der Leitung/ dem
Arzt.

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Mundpflege:

• Im Rahmen der Beatmung kann es zu einer verstärkten


Austrocknung des Mund-Nasen-Rachenraums kommen.

• Eine Krankenbeobachtung des Mund-Nasen-Rachenraums ist


regelmäßig durchzuführen.

• Sollte es zu einer verstärkten Austrocknung kommen, ist eine


regelmäßige Mundpflege durchzuführen.

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Essen und Trinken:

• Bei nächtlicher Beatmung ca. eine Stunde vor den


Beatmungsbeginn keine großen oder schweren Mahlzeiten.

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung
Angst und Vertrauen:

• Luftnot ist eine Situation, die bei allen Menschen Todesangst


auslöst.
• Ruhe, Zuversicht und Kompetenz der Pflegenden geben dem
Patienten das Gefühl der Sicherheit und die Gewissheit, dass
diese ihm helfen können.
• Ruhe signalisieren, keine hektischen Bewegungen, vor allem
nicht im Gesichtsfeld.
• Eine Pflegekraft soll den Patienten beobachten, seine
Aktivitäten berücksichtigen, ihn fördern und fordern, aber vor
allem zuhören.

01/14/2021
Pflegerische Aspekte der Maskenbeatmung

Angst und Vertrauen:


• An erster Stelle steht die Information des Patienten. Alles was
wir tun möchten, soll dem Patient sachlich, verständlich und
kurz erklärt werden. Er soll verstehen was mit ihm gemacht
wird und damit einverstanden sein.
• Verantwortung und Autonomie fördern, indem man dem
Patienten verdeutlicht, dass er auch in dieser Situation für sich
selbst verantwortlich ist. Dies können wir erreichen, indem wir
den Patienten bestimmen lassen oder den Eindruck vermitteln,
er könnte es jederzeit tun. Und wenn dies nicht möglich ist, so
könnte man Vereinbarungen treffen. An diese Absprachen sind
der Pflegende und der Patient gleichermaßen gebunden.
• Durch Zuwendung (z. B. Berührungen, Nachfragen, wie es dem
Patienten geht) das Gefühl geben, wahrgenommen zu werden.

01/14/2021
Grenzen der Maskenbeatmung
• Immer wiederkehrende bzw. nicht abheilende Druckstellen

• Mangelnder Husten- und Schluckreflex

• Fehlende Compliance des Patienten

• Ungünstige Gesichtsanatomie, z.B. durch Deformationen

• Bei notwendigen hohen Beatmungsdrücken zu große Leckagen

• ausgeprägte Husteninsuffizienz

• Häufiges Erbrechen
01/14/2021
Phrenicusschrittmacher
Phrenicusschrittmacher

• Die Anlage eines PNS erfolgt operativ.

• Zur Darstellung der N. Phrenici ist eine


Thorakotomie beidseitig nötig. Dabei wird
bei einem Erwachsenen ein Teil der Rippe
auf der rechten sowie linken Seite entfernt
(ca. 3-6 cm)

• In der Pleura visceralis wird eine Tasche


geschaffen, um somit die Elektroden um
jeden Nerv zu platzieren.
Phrenicusschrittmacher
Phrenicusschrittmacher - Vorteile

• Die Ventilation mittels eines PNS entspricht


der physiologischen Atmung.

• Komplikationen die aufgrund einer


Überdruckbeatmung entstehen können wie
beispielsweise kardiale Folgen, werden mit
dieser Beatmungsform minimiert.

• Diese Form der Atemunterstützung


ermöglicht die Ventilation der unteren
Lungenareale. Somit können verschiedene
Risiken, wie beispielsweise Atelektasen,
minimiert werden
Phrenicusschrittmacher - Vorteile

• PNS ventilierte sind wesentlich


beweglicher und unabhängiger als mit
einem normalen Heimbeatmungsgerät.

• Auf die Mortalität hat die Form der


Beatmung keinen Einfluss. Die
durchschnittliche Überlebensrate liegt
bei der PNS-Beatmung sowie der
maschinellen Ventilation bei etwa 6
Jahren.

• Die Möglichkeit ein normales Gespräch


zu führen

• Fähigkeit riechen und schmecken zu


können.
Phrenicusschrittmacher - Nachteile

• Unter der PNS-Beatmung kann das


Atemzugvolumen massiv schwanken

• Beim Ausfall des PNS wird kein Alarm


vom Gerät abgegeben

• Aufgrund der Zuckungen, die durch die


Stimulation des Diaphragmas ausgelöst
werden, kann vor allem der Schlaf der
Betroffenen gestört werden

• Die operative Anlage des PNS ist mit


Komplikationen und Risiken verbunden

• Falsche Einstellungen des PNS oder zu


lange Beatmungsintervalle können zur
Muskelermüdung oder Muskelschäden
führen
Beatmungsmethoden
Positivdruckbeatmung
Luft wird aktiv in die Lunge gedrückt
•Invasiv, nicht invasiv
•assistiert, kontrolliert
•Volumen- oder Druckvorgabe
Negativdruckbeatmung
Äußerer mechanischer Einfluss erzeugt einen Unterdruck in der
Lunge, wodurch Luft hineinströmt
•Eiserne Lunge
•Anzug, Cuirass

© Die Pflegeschule (DPS) GmbH41


Beatmungsarten - Negativdruckbeatmung
•Imitiert die Spontanatmung
•Ein Kompressor baut intermittierend einen negativen Druck auf, um
Brustkorb und Bauch auszudehnen
• Dieser Sog bewirkt die Einströmung von Luft in die Alveolen
•Obstruktive Apnoen können auftreten

© Die Pflegeschule (DPS) GmbH42


Fazit:
Immer aufmerksam sein!

01/14/2021