Sie sind auf Seite 1von 20

113

8

Wechselstromschaltungen

8.1 Die Mittelpunktschaltung M2U

Eine einfache Ausführung eines netzgeführten Stromrichters stellt die ungesteuerte Zweipuls- Mittelpunktschaltung nach Abb. 8-1 dar. Durch die aufgeteilten Wicklungen des Trans- formators stehen zwei um 180° phasenverschobene Spannungen u S1 und u S2 zur Verfügung. Die Ventile wechseln sich daher in der Stromführung im Spannungsnulldurchgang der Sekundärspannungen ab. Bei idealen Ventilen liegt während der positiven Halbschwingung von u S1 am Lastwiderstand R die Spannung u d = u S1 . Außerdem ist i d = i S1 . Während der folgenden Halbperiode gilt: u d = u S2 und i d = i S2 . Die Gleichspannung u d ist eine Mischgröße.

1

i S1

u P

 

u P

   

u P

2

2   2
 

2

u

S1

   

u

S2

  2
 
  2

2

 

u

12

i

S2

 
     
   
 

i

d

  i d     R
   

R

u d

u

Mittelwert u d û S U di 2 t Ventilablösung u u S2 S1
Mittelwert
u
d
û
S
U
di
2
t
Ventilablösung
u
u
S2
S1

Abbildung 8-1 Ungesteuerte M2-Schaltung mit ohmscher Last

8.1.1 Gleichspannungsbildung Der Mittelwert der Gleichspannung u d berechnet sich analog zur M1-Schaltung. Da sich die Kurvenform bereits nach 180° wiederholt, erfolgt die Mittelwertbildung über 180°

U di

1

= u d

=

0

u d

d t

U di

u

S

u d

S sin t u

u

S 2 U S

cos

cos0

Ideelle Gleichspannung:

U di =

2

u S 0,9U S

Effektivwert:

U diRMS =

1

0

u

2

d

d t

U diRMS =

1 2 u

S

U S

S 0,9 U S Effektivwert: U d i R M S = 1 0 u 2

(8-1)

(8-2)

(8-3)

114

8 Wechselstromschaltungen

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

Ersetzt man in der Mittelpunktschaltung nach Abb. 8-1 die Dioden durch Thyristoren, so erhält man die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C nach Abb. 8-2. Darin schaltet der Steuergene- rator St die Ventile T 1 und T 2 abwechselnd über die Gatestromimpulse i G1 und i G2 ein. Die zeitliche Lage dieser Gatestromimpulse wird auf die positiven Spannungsnulldurchgänge der Spannungen u S1 bzw. u S2 bezogen. Zu diesem Zweck wird der Steuersatz (Abb. 8-3) mit der Netzspannung synchronisiert. Der Abstand der Gatestromimpulse zu den positiven Spannungs- nulldurchgängen wird durch den Steuerwinkel beschrieben.

i i P S1 T 1 i L1 d u V1 i G1 u u
i
i
P
S1
T
1
i
L1
d
u
V1
i G1
u
u
S1
R
d
U
St
St
u
S2
i G2
i
N
S2
T
2
Steuerwinkel Ventilspannung Gatestrom 180 0 t Ventilspannung > 0 <möglicher Zündbereich>
Steuerwinkel
Ventilspannung
Gatestrom
180 0
t
Ventilspannung > 0
<möglicher Zündbereich>

Abbildung 8-2 Gesteuerte M2-Schaltung (M2C) mit ohmscher Last

8.2.1 Die Wirkungsweise des Steuergenerators

Synchronisationsspannung Halbschwingungsauswahl u Syn VZ Potenzialtrennung Nulldurchgang I 0 SI Komparator G1
Synchronisationsspannung
Halbschwingungsauswahl
u
Syn
VZ
Potenzialtrennung
Nulldurchgang
I 0
SI
Komparator
G1
> 0
K
K1
u C
ZI
T
< 0
C
Impulsbildung
G2
u St
Verstärkung
K2
Steuerspannung
10 V
Abbildung 8-3 Steuersatz für eine M2-Schaltung

Der Kondensator C wird über eine Konstantstromquelle mit I 0 geladen. Die Spannung u C steigt dadurch zeitproportional an. Der Transistor T wird in den Nulldurchgängen der Syn- chronisationsspannung u Syn angesteuert und entlädt jeweils den Kondensator C, so dass u C einen sägezahnförmigen Verlauf annimmt (siehe Abb. 8-4). u C wird mit der Steuerspannung u St im Komparator K verglichen. Im Schnittpunkt beider Spannungen wird von K ein Impuls von der Dauer des Zündimpulses ZI ausgelöst. Der Impuls wird über den Schalter S so geschaltet, dass immer der blockierende Thyristor einen Zündimpuls erhält. Der Zündimpuls ZI ist gegenüber dem Spannungsnulldurchgang von u Syn um t bzw. um den Steuerwinkel = t verzögert (Abb. 8-2). Der Steuerwinkel liegt im Bereich 0 < < 180°.

t bzw. um den Steuerwinkel = t verzögert (Abb. 8-2). Der Steuerwinkel liegt im Bereich 0

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

115

Nulldurchgang u Syn t VZ t SI t u Schnittpunkt C u St t ZI
Nulldurchgang
u Syn
t
VZ
t
SI
t
u
Schnittpunkt
C
u St
t
ZI
t
t
Abbildung 8-4 Signalverläufe des Steuersatzes
8.2.2
Passive Last
8.2.2.1
Ohmsche Last

Die Spannungsbildung der M2C-Schaltung soll am Beispiel einer ohmschen Last mit Abb. 8-5 betrachtet werden. Der Strom i d verhält sich proportional zu u d , so dass Strom- und Spannungsnulldurchgänge gleichzeitig auftreten.

u u d Abbildung 8-5 u S1 u S2 Gleichspannungsbildung bei der gesteuerten M2-Schaltung U
u
u d
Abbildung 8-5
u S1
u S2
Gleichspannungsbildung bei der
gesteuerten M2-Schaltung
U di ( )
t
Definition der Gleichspannung:
0
t :
= 0
u d
t : u d =
u S sin t
i d
mit:
u S u S1 u
S2
2
t
Berechnung des Spannungsmittelwertes U di :
1
U
u
0,45
di
S sin t d t 2 U S 1 cos
2

(8-4)

116

8 Wechselstromschaltungen

8.2.2.2 Ohmsch-induktive Last

Bei einer ohmsch-induktiven Last in Abb. 8-6 wird der Gleichstrom durch die Speicher- wirkung der Induktivität bestimmt, d. h. man erhält den Gleichstrom i d durch Bildung der Spannungszeitfläche an der Induktivität und anschließende Division durch L.

i d

1 L u L d t

(8-5)

Für die Spannung u L erhält man aus dem Maschenumlauf in Abb. 8-6:

u L

u d

u R

mit

u R

R i d

(8-6)

In Abb. 8-6 ist die Spannungszeitfläche an der Induktivität grau dargestellt. Bei konstantem Mittelwert d sind positive und negative Spannungszeitflächen gleich groß, d. h. L = 0.

u u S u R d u d + i d i d R L
u
u
S
u
R
d
u
d
+
i
d
i
d
R
L
u
t
L
u R
u L

Abbildung 8-6 M2C-Schaltung mit R-L-Last bei einem Steuerwinkel = 0° und d = konstant

Für größer 0° treten in Abb. 8-7 negative u d -Werte auf. Dadurch kann die Energie der Induktivität L abgebaut sein bevor das nächste Ventil einschaltet und der Gleichstrom i d wird unterbrochen. Man sagt, der Gleichstrom lückt. Der Steuerwinkel , bei dem dieses Stromlücken auftritt wird als Lückwinkel LG bezeichnet (Abb. 8-7a). Während des Lückens ist bei der passiven Last die Gleichspannung Null. Im Lückbetrieb ist in Abb. 8-7b durch den Wegfall der negativen Spannungszeitfläche A der Mittelwert U di angehoben. Der Stromfluss- winkel beträgt im nichtlückenden Betrieb 180° und ist im Lückbetrieb < 180°.

a) Lückgrenze LG b) Lücken LG u d u d Lücken u R u R
a) Lückgrenze
LG
b) Lücken
LG
u d
u
d
Lücken
u R
u R
i d
i d
t
t
u L
u
L
A
= 180°
< 180°
Abbildung 8-7 Betrieb mit und ohne Lücken, Definition der Spannungszeitfläche A
Im Lückbetrieb nach Abb. 8-7b berechnet sich die Gleichspannung U di abhängig vom Steuer-
winkel und vom Stromflusswinkel nach Gl. (8-7), [8].

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

 

117

LG :

180°

-

180°

:

( Lückbetrieb )

U di =

u

1

S

sin t d t = U di0 sin 2 sin 2

(8-7)

Für 90° muss bei passiver Last der Gleichstrom aus energetischen Gründen Lücken und der Gleichspannungsmittelwert bleibt positiv.

Für eine negative Gleichspannung U di ist eine Energiequelle auf der Gleichspannungsseite erforderlich, d. h. eine aktive Last. U di berechnet sich dann mit Gl. (8-12).

Der Gleichspannungsmittelwert U di des Stromrichters mit R-L-Last liegt, abhängig vom Zündwinkel und der Lastzeitkonstanten L , zwischen den Grenzkennlinien für rein ohmsche Belastung (lückender Betrieb, 180°) und dem Fall der idealen Glättung (nichtlückender Betrieb, = 180°). Der Gleichspannungsmittelwert ist im Lückbetrieb um den Anteil der negativen Spannungszeitfläche A erhöht. Für nichtlückenden Betrieb ist A = 0. Die Kennlinien für passive Last zeigt Abb. 8-8.

1 U di ohmsche Last U di 0,5 RL-Last mit Lücken RL-Last ohne Lücken 0
1
U di
ohmsche Last
U di
0,5
RL-Last
mit Lücken
RL-Last
ohne Lücken
0
30°
180°
Steuerwinkel

Tabelle 8.1 Typische Stromverläufe

Abbildung 8-8

Grenzkurven für den Anstieg des Gleichspannungsmittelwertes durch Lückeinsatz im Gleichrichterbetrieb bei passiver Last

Der schraffierte Bereich ist von der Last- Zeitkonstanten L bestimmt. Die Gleich- spannung ermittelt sich bei bekanntem Stromflusswinkel mit Gl. (8-7).

Mischstrom

i d

i d t

t

i d

t

i

d

t

i d
i d
i d t
i d t

t

Ideal geglätteter Gleichstrom

Nichtlückender Gleichstrom

Gleichstrom an der Lückgrenze

Lückender Gleichstrom

i d t Ideal geglätteter Gleichstrom Nichtlückender Gleichstrom Gleichstrom an der Lückgrenze Lückender Gleichstrom
i d t Ideal geglätteter Gleichstrom Nichtlückender Gleichstrom Gleichstrom an der Lückgrenze Lückender Gleichstrom
i d t Ideal geglätteter Gleichstrom Nichtlückender Gleichstrom Gleichstrom an der Lückgrenze Lückender Gleichstrom
i d t Ideal geglätteter Gleichstrom Nichtlückender Gleichstrom Gleichstrom an der Lückgrenze Lückender Gleichstrom
geglätteter Gleichstrom Nichtlückender Gleichstrom Gleichstrom an der Lückgrenze Lückender Gleichstrom

118

8 Wechselstromschaltungen

8.2.3 Aktive Last

Häufig tritt bei Gleichrichterschaltungen der Fall auf, dass im Gleichstromkreis eine Span- nungsquelle U q vorhanden ist, z. B. bei einer Gleichstrommaschine. In Abb. 8-9 ist diese Gleichstrommaschine durch die aktive R-L-U q Standardlast nachgebildet. Bezüglich der Spannungspolarität von U q sind zwei Fälle zu unterscheiden:

a)

T 1

b) u u S1 S1 u d u d T 1 M M i i
b)
u
u
S1
S1
u
d
u
d
T
1
M
M
i
i
d
R
L
d
R
L
U
U
q
q

u Gegenspannung

u Mitspannung

Abbildung 8-9 M2-Schaltung mit aktiver Last (Gegen- und Mitspannung)

Gegenspannung (motorischer Betrieb)

Ist, wie in Abb. 8-9a, die Spannung U q der Gleichspannung u d entgegen gerichtet, so spricht man von einer Gegenspannung. An der Impedanz des Lastkreises liegt die Spannung u.

U q

Die Spannung u ist um den Betrag der Gegenspannung U q vermindert. Dieser Fall tritt z. B. bei Speisung eines Gleichstrommotors auf. Die Gegenspannung U q entspricht dann der (dreh- zahlabhängigen) induzierten Spannung des Motors. Damit die Thyristoren (erstmalig) zünden können, muss der Augenblickswert der Netzspannung u S größer sein als die Gegenspannung U q , andernfalls werden beide Thyristoren in Sperrrichtung betrieben. Für den Steuerwinkel folgt daraus ein Mindestwert, ab dem eine Zündung möglich ist ( min ) und ein maximaler Wert bis zu dem eine Zündung spätestens erfolgen muss ( max ). Abb. 8-10 zeigt beispielhaft diese Einschränkung des Steuerwinkels . Bei einer idealen Stromglättung und vernachlässig- baren ohmschen Widerständen ist die Gleichspannung U di gleich der Gegenspannung U q . Bei nicht idealer Glättung tritt durch die Kurvenform der Gleichspannung u d eine Welligkeit des Gleichstromes auf. Sobald der Momentanwert i d aufgrund der Welligkeit negative Werte

u

u d

(8-8)

u u S Abbildung 8-10 U q Steuerbereich der M2-Schaltung mit Gegenspan- nung und ohmscher
u
u S
Abbildung 8-10
U q
Steuerbereich der M2-Schaltung mit Gegenspan-
nung und ohmscher Last
Steuerbereich
Die Grenzen des Steuerbereiches folgen aus der
Bedingung:
0
min
u S > U q .
t
max

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

119

annehmen will, sperren die Ventile und der Gleichstrom lückt. Der Lückeinsatz der M2-Schal- tung ist dadurch nicht nur abhängig vom Steuerwinkel und der Lastzeitkonstanten L , sondern bei aktiver Last auch vom Motorstrom I d . Während bei einem großen Motorstrom meist kein Lücken auftritt, setzt bei einer Entlastung des Motors im Allgemeinen Lücken ein. Den Verlauf der Gleichspannung u d im Lückbetrieb zeigt Abb. 8-11a. Im Lückbetrieb entfallen Anteile der negativen Spannungszeitflächen (A), wodurch die Gleichspannung U di – und somit auch die Drehzahl der Gleichstrommaschine – größer ist als im lückfreien Betrieb. Der Drehzahlanstieg im Lückbetrieb führt somit (ungeregelt) zu einem Anstieg der Gleichspannung U di . Der Maximalwert ist durch den Scheitelwert der Wechselspannung U S gegeben und ermittelt sich nach Gl. (8-9).

a) b) u u u d u d u u u u S1 S2 S1
a)
b)
u
u
u
d
u
d
u
u
u
u
S1
S2
S1
S2
U
U
di
di
2
2
t
t
A
lücken
i
i
i
d
i
d
I
d
I
d

t

t

Abbildung 8-11 M2C-Schaltung mit Gegenspannung bei unterschiedlichem Gleichstrom I d

U

di max

= 2U S = 2 U 0,9 di
= 2U S = 2 U 0,9 di

=

1,57 U di

Mitspannung (generatorischer Betrieb)

(8-9)

Haben u d und U q die gleiche Richtung, so liegt an der Lastimpedanz die Spannung:

u u d U q

(8-10)

Die Spannung u ist um den Betrag der Spannung U q erhöht. Die Spannung U q wird dann als Mit- bzw. Zusatzspannung bezeichnet. Dieser Fall tritt z. B. bei einer generatorisch arbeitenden Gleichstrommaschine auf. Für den Gleichstrommittelwert I d gilt:

I d U di U q

R

U q

kann

die

0

 

(8-11)

Stromrichtung

auch

bei

negativer

Durch die Mitspannung

Gleichspannung U d beibehalten werden. Die Lückgrenze des Steuerbereiches bei RL-Glättung

positive

die Mitspannung Gleichspannung U d beibehalten werden. Die Lückgrenze des Steuerbereiches bei RL-Glättung positive

120

8 Wechselstromschaltungen

nach Abb. 8-8 von LG 90° ist damit aufgehoben, wodurch für den Energieaustausch zwischen Wechselstromnetz und Gleichstromnetz folgende Fälle auftreten können:

0

90

Die Gleichspannung U di ist positiv. Zusammen mit dem positiven Laststrom I d ergibt sich auf der Gleichstromseite eine positive Wirk- leistung P d . Die Energieflussrichtung ist vom Wechselstromnetz zum Gleichstromnetz. Der Stromrichter wird als Gleichrichter betrieben.

90

Die Gleichspannung U di ist null. Obwohl ein positiver Laststrom I d fließt, ergibt sich keine Wirkleistung. Es kommt zwischen Wechsel- stromnetz und Gleichstromkreis zu keinem Energieaustausch.

90

< 180

Die Gleichspannung U di ist negativ. Mit dem positiven Laststrom I d ergibt sich eine negative Wirkleistung. Die Energieflussrichtung ist vom Gleichstromnetz in das Wechselstromnetz. Der Stromrichter wird als Wechselrichter betrieben.

Bei aktiver Last und im nichtlückendem Betrieb berechnet sich die Gleichspannung U di nach Gl. (8-12). Die Steuerkennlinien zeigt Abb. 8-12.

U

di

U

di0

1

0,5

0

-0,5

-1

U di

1

u N sin t d t

u

N

mit:

mit:

cos cos

cos cos

(8-12)

u N 2 cos 0,9U N cos U di Abbildung 8-12 ohmsche Last Steuerkennlinien der
u
N
2
cos
0,9U N cos
U di
Abbildung 8-12
ohmsche Last
Steuerkennlinien der M2-Mittelpunktschaltung für ohm-
sche Last und für den Betrieb mit eingeprägtem Strom
Für Steuerwinkel > 90° arbeitet die M2-Schaltung im
Wechselrichterbetrieb. Die Energie wird vom Gleichstrom-
netz in das Wechselstromnetz übertragen.
30°
180°
Der theoretische Steuerbereich der M2-Schaltung beträgt:
0 180°
Passive Last
Aktive Last

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

121

8.2.4

Ventilbelastung

Den Ventilstrom für unterschiedliche Lastfälle zeigt Tabelle 8.2.

Tabelle 8.2 Ventilstrom mit und ohne Glättung

Ohmsche Last ideale Glättung î V 0 2 t Mittelwert I V i V Effektivwert
Ohmsche Last ideale Glättung î V 0 2 t Mittelwert I V i V Effektivwert
Ohmsche Last ideale Glättung î V 0 2 t Mittelwert I V i V Effektivwert
Ohmsche Last ideale Glättung î V 0 2 t Mittelwert I V i V Effektivwert

Ohmsche Last

ideale Glättung

î V 0 2 t
î
V
0
2
t

Mittelwert

I V

i V

Effektivwert

I V,RMS

i V

2

I d 0 2 t
I
d
0
2
t

Mittelwert

V I d

I
I

2

Effektivwert

I V,RMS

I d

2

Zur Ermittlung der Spannungsbelastung dient das vereinfachte Schaltbild der M2-Schaltung nach Abb. 8-13. Darin sind beide Ventile als Schalter dargestellt, die jeweils bei positiver Ventilspannung geschlossen und bei negativer Ventilspannung u V geöffnet sind. In Abb. 8-13 ist beispielsweise V 1 geschlossen, V 2 offen.

i P u P u u S2 S1 i i S1 S2 u 21 V
i P
u P
u
u
S2
S1
i
i
S1
S2
u
21
V
u
V
2
V2
1
i
R
d
u d

Abbildung 8-13 Ventilspannung u V2

u

u 21

u 21

u

S2

u

S

u S1

û V2

u

V2

u V 2 u u 21 u S2 u S u S1 û V2 u V2

t

Die Ventilspannung u V2 folgt wieder aus der Maschengleichung in Abb. 8-13 .

M : U 0 u V2 u S1 u S2

(V 1 leitend, V 2 sperrt )

Ventilspannung :

u V2 u S2 u S1

u 21

(8-13)

Die Ventile müssen in Rückwärtsrichtung (Sperrbeanspruchung) dem doppelten Scheitelwert der Spannung u S standhalten.

Ventile müssen in Rückwärtsrichtung (Sperrbeanspruchung) dem doppelten Scheitelwert der Spannung u S standhalten.

122

8 Wechselstromschaltungen

8.2.5 Trafo- und Netzgrößen

Bei idealer Stromglättung verlaufen die Ventilströme i S1 bzw. i S2 rechteckförmig entsprechend Abb. 8-14. In den Sekundärwicklungen des Transformators fließt ein Mischstrom, d. h. ein Gleichstrom i S= mit überlagertem Wechselstrom i S~ . Im magnetischen Kreis kann sich kein Gleichfluss ausbilden, so das im Eisenkern wird nur ein magnetisches Wechselfeld vorliegt.

u S1 i S1 i S2 i S1= 0 2 t i S1 u u
u
S1
i
S1
i S2
i S1=
0
2
t
i S1
u
u
i
S1
P
S2=
i
S1=
i
S2
i
μ
0
i S2=
2
t
u
S2

u S2

Abbildung 8-14 Sekundärströme und -spannungen mit Transformator-Ersatzschaltbild

Der Netzstrom i P ist nach Abb. 8-15 ein rechteckförmiger Wechselstrom.

u P i P 0 2 t
u P
i P
0
2
t

Abbildung 8-15 Netzgrößen der M2-Schaltung

Für die Scheinleistung S T erhält man Gl. (8-2) bei den angegebenen Stromkurvenformen und einer angenommenen Übersetzung des Transformators von N P /N S = 1 (dann ist U P = U S ):

Primär:

S P

U P I P mit U P

U di

0,9 ,

P d : ideelle Gleichstromleistung.

Sekundär: S S 2U S I S mit U S

U di

0,9

I P I d

S P

U di

0,9 I d

,

I S

I

2 d

S S 2 U di I d 0,9 2

1,11 P d

1,57 P d

(8-14)

(8-15)

Aus den primär- und sekundärseitigen Scheinleistungen wird der Mittelwert S T nach Gl. (8-16) als Bauleistung des Transformators berechnet.

S T S P S S

2

1,11 P d 1,57 P d

2

Bauleistung des Transformators berechnet. S T S P S S 2 1,11 P d 1,57 P

1,34 P d

(8-16)

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

123

Die Bauleistung des Transformators für eine M2-Schaltung ist unabhängig von der Übersetzung um 34 % größer zu wählen als die ideelle Gleichstromleistung P d . Verglichen mit der M1-Schaltung ist die Transformator-Baugröße wesentlich günstiger.

8.2.6 Bemessung einer Glättungsinduktivität

Bei idealisierten Betrachtungen wird die Induktivität der Glättungsdrossel L d oft als so groß angenommen, dass der Gleichstrom i d als völlig geglättet angesehen werden kann. Bei prak- tisch ausgeführten Schaltungen wird die Induktivität aus unterschiedlichsten Gründen (Dyna- mik, Kosten, Gewicht, Volumen) nur so groß gewählt, wie es für einen stabilen Betrieb und zur Vermeidung des Lückbetriebes erforderlich ist. In der Praxis wird der Gleichstrom i d daher eine Welligkeit besitzen. Die Welligkeit w i berechnet sich mit Gl. (8-17). Abb. 8-16 zeigt den Verlauf des Gleichstromes i d bei unterschiedlichen Glättungszeitkonstanten L und = 0°.

Glättungszeitkonstanten L und = 0°. i d i d 1 2 0 w i I 2

i d

i d

1

2

0

w i

I

2

 

1

 

Stromwelligkeit

 

I d

 

L =

 

L = 10 ms

L = 3,2 ms

L =

1 ms

L = 0

 

0

2

t

0 2 t

(8-17)

Abbildung 8-16

Stromverlauf bei unterschiedlichen Zeitkonstanten L

Der theoretische Grenzwert L dient nur zum Vergleich.

Zur Auslegung der Mindestinduktivität geht man von einer M2C-Schaltung nach Abb. 8-17 aus. Als Steuerwinkel wählt man einen Wert von 90°, um die maximale Welligkeit der Gleichspannung zu berücksichtigen. Die Größe der Induktivität wird so bemessen, dass der Gleichstrom i d bei diesem Steuerwinkel den Wert Null gerade noch nicht erreichen soll (Lückgrenze).

T 1

u S1 u d i L d d u L
u
S1
u
d
i
L
d
d
u
L

U di

Abbildung 8-17

Aktive Last (Gleichstrommotor) mit verlustfreier Induktivität L

Die Induktivität L wird so groß gewählt, dass

die Welligkeit hinreichend klein bleibt und

im Betrieb kein Lücken auftritt.

L wird so groß gewählt, dass die Welligkeit hinreichend klein bleibt und im Betrieb kein Lücken

124

8 Wechselstromschaltungen

Abb. 8-18 zeigt die Gleichspannung u d ( ). Der Mittelwert von u d liegt an einem Gleichstrom- motor M. Die überlagerte Wechselspannung u L = u d U di fällt an der verlustfreien Glättungs- drossel L d ab. Der Mittelwert der Spannung an der Glättungsdrossel ist Null. Der Gleichstrom I d ist in diesem Beispiel abhängig vom geforderten Drehmoment des Motors. Der Wechselanteil i W ermittelt sich als Differenz vom Momentanwert i d und Mittelwert I d .

i W i d u d u u S1 S2 2 a) 0 t i
i W
i d
u
d
u
u
S1
S2
2
a)
0
t
i
i
i
S1
S2
î
d
b)
I
d

t

I d

Abbildung 8-18

Betrieb an der Lückgrenze

Verlauf von Gleichspannung und -strom

bei = 90° und R = 0.

Der Mittelwert von u d ist Null.

An der Glättungsdrossel liegt die Gleichspannung u d und erzwingt den

abschnittweise sinusförmigen Gleichstrom i d .

(8-18)

Bei einem Steuerwinkel von = 90° ist U di Null. An der Drossel L d liegt abschnittweise die sinusförmige Spannung u L . Der Gleichstrom verläuft abschnittweise sinusförmig. Zur Berech- nung der Induktivität L d wird zuerst in Gl. (8-19) für = 90° die Stromamplitude î d ermittelt.

u L

d i d

L d d t

d i d

1 d u L d t

L

Mit der Spannung u L u S1 2U S sin t folgt:

d i d

i d

2U S sin t d t d i d i d 2 U S sin t d t

0

d i d i d 2 U S sin t d t 0 L d 2

L d

2

1
1

L d

i d

2 U S L d

t d t 0 L d 2 1 L d i d 2 U S L

cos t

2U S

2

L d

(8-19)

Die Mittelwertbildung von i d liefert den Gleichstrom I d . Durch Einsetzen in Gl. (8-19) folgt in Gl. (8-20) der erforderliche Mindestwert für die Induktivität L d .

I d

L d

i d

2

0,9

2

0

cos t d t i d

2

somit:

U S I d

oder mit

0,9U S = U di

i d 2 somit: U S I d oder mit 0,9 U S = U d

I d

2

2U S

L d

L d U di I d

(8-20)

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

125

8.2.7 Die Kommutierung

Bei der M2-Schaltung wurde gezeigt, dass die Ventile sich in der Stromführung periodisch ablösen. Man bezeichnet den Vorgang dieser Ventilablösung als Kommutierung. Da in den bisherigen Schaltungen keine wechselspannungsseitigen Induktivitäten berücksichtigt wurden, erfolgte die Kommutierung sprunghaft und konnte vernachlässigt werden. In realen Schaltungen weisen die an der Kommutierung beteiligten Stromkreise Induktivitäten auf. Diese stammen z. B. von der Streuinduktivität des vorgeschalteten Transformators. Zur Betrachtung dieses Kommutierungsvorganges dient eine Schaltung nach Abb. 8-19.

i L i G1 S1 K i P 1 i d L1 T u 1
i
L
i
G1
S1
K
i
P
1
i
d
L1
T
u
1
u
L
S1
L
u
S2
U
di
R
N
T
2
i
S2
2
L
i
G2

u d

Abbildung 8-19

Verlustfreier Transformator mit Wicklungs-

Streuinduktivitäten L

Die Ventile lösen sich periodisch ab und bilden

eine Kommutierungsgruppe. Die Anzahl von Kommutierungen innerhalb einer Netzperiode

wird als Kommutierungszahl q bezeichnet.

Für die betrachtete M2-Schaltung ist q = 2.

Die für die Kommutierung wirksame Kommutierungsinduktivität L K folgt aus der relativen Kurzschlussspannung u K . Diese ist definiert als das Verhältnis der beim kurzgeschlosse- nen Transformator bei Nennstrom auftretenden Spannung, der Kurzschlussspannung U K und der Nennspannung U n . Dieser Ansatz ist unabhängig von Primär- oder Sekundärseite des Transformators. Erst nach Zuordnung der Nenngrößen zur betrachteten Transformatorseite ist für diese aus Gl. (8-21) die wirksame Kommutierungsinduktivität berechenbar. Im Falle der M2-Schaltung interessiert die sekundärseitige Kommutierungsinduktivität L K . Unter Vernach- lässigung des ohmschen Widerstandes R K folgt für U K :

U K L K I n

R K 0

(8-21)

In Abb. 8-19 gilt: L K = 2 L . Für L K folgt daher mit U n = U S1,n und U S1 = U S2 = U S sowie I S1 = I S2 = I S bei gleicher Aufteilung der Transformatortypenleistung S n auf die beiden Sekundär- stränge die Gl. (8-22). I S,n wird darin durch S n und U s,n ausgedrückt.

U S,n I S,n

S n

2

und

I S,n

S n

2U S,n

Wird I S,n in Gl. (8-21) eingesetzt, so folgt für L K :

L K

U K

I S,n

u K U S,n

I S,n

u K U S,n

S n

2U S,n

2u K U

2

S,n

S n

mit

U K

U

S,n

u K

(8-22)

(8-23)

L K kann mit Gl. (8-23) aus den Transformator-Nenndaten ermittelt werden. Die Nenndaten U S,n und I S,n sind für diese Berechnung auch dann anzusetzen, wenn der Transformator mit einer von U S,n abweichenden Spannung arbeitet.

Berechnung auch dann anzusetzen, wenn der Transformator mit einer von U S , n abweichenden Spannung

126

8 Wechselstromschaltungen

8.2.7.1

Überlappung

Zur Betrachtung der Kommutierung wird jetzt davon ausgegangen, dass bei t = 0 Thyristor T 1 leitet und Thyristor T 2 sperrt. Das bedeutet, dass u d = u S1 und i S1 = I d ist. Wird bei t = T 2 gezündet, so gilt Abb. 8-20. Die zwischen den Punkten 2 und 1 liegende Spannung u 21 treibt einen Kurzschlussstrom i K . Man bezeichnet u K als Kommutierungsspannung (bei der M2-Schaltung gilt: U K = 2 U S ) und i K als Kommutierungsstrom. i K fließt in T 2 , d. h. i S2 = i K . In T 1 fließt der Kommutierungsstrom i K dem Strom I d entgegen, so dass für T 1 aus der Stromsumme im Knoten K für die Dauer der Kommutierung folgt:

i S1 i d

i K

0

mit i d = konstant = I d

(8-24)

Die Kommutierung ist im Stromnulldurchgang von i S1 beendet. Dann ist i S2 = I d . Der Verlauf von i K wird durch die Kommutierungsinduktivitäten L K bestimmt und ist abhängig vom Steu- erwinkel durch Gl. (8-26) beschrieben.

u

K

i K

L K

i K

1

L

K

t K

u K d t

i K t , i K cos t cos

u

K

L K

mit

t

sin t d t

i K

u

K

L K

(8-25)

(8-26)

Hat der von t = 0 aus ansteigende Kommutierungsstrom i K den Wert von I d erreicht, so ist die Kommutierung abgeschlossen. Die Dauer der Kommutierung wird als Kommutierungszeit t K oder als Überlappungswinkel u = t K ermittelt. Den Sonderfall einer ungesteuerten Schaltung (bzw. für = 0°) beschreibt Gl. (8-27):

i K t , 0 i K 1 cos t i K 180° u 21
i K t , 0
i K 1
cos t
i K
180°
u 21
u
1
V 1
L
i V1
1
u 2
u 1
M
u
21
V 2
i d
t
i V2
2
L
u 0
u 2
u V2
i V2
u
0
u 1 u V2
I d
u 2
i V1
u V2 u 2 u 1 u 21
t

(8-27)

Abbildung 8-20 Kommutierung eines eingeprägten Gleichstromes i d von V 1 nach V 2

u 2 u 1 u 21 t (8-27) Abbildung 8-20 Kommutierung eines eingeprägten Gleichstromes i d

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

127

Am Ende der Kommutierung ist i K = I d . Aus Gl. (8-27) folgt für die Anfangsüberlappung u 0 :

cos u 0 1

I d i K

oder

u 0

arcos 1

I d i K

(8-28)

Eine Kommutierung ist nur für I d kleiner î K möglich. Aus Gl. (8-26) folgt für t = + u eine Beziehung für alle Steuerwinkel Durch die Erweiterung mit 1 ist die Überführung in die allgemeine Form nach Gl. (8-29) möglich.

i K u I d i K cos u cos

mit

cos u 1 I d i K

u arcos cos cosu 0 1

cos 1

(8-29)

Den Verlauf von i K bei unterschiedlichen Steuerwinkeln zeigt Abb. 8-21. Es ist deutlich die Abhängigkeit der Überlappung u vom Steuerwinkel zu erkennen. Durch die Überlappung ist die Kommutierungsfähigkeit in diesem Beispiel auf Steuerwinkel < 150° beschränkt. Dieser Grenzfall und ein zusätzliches Beispiel für ein Kommutierungsversagen ist seitlich zusätzlich vergrößert dargestellt. Eine Thyristorschonzeit ist nicht berücksichtigt.

2 = 0° u K i K i K = 150° Grenzfall 1 i V2
2
= 0°
u K
i K
i K
= 150°
Grenzfall
1
i V2
u = 90°
I d
i V1
u 0
t
0,134
t
> 150°
Keine Kommu-
= 150°
tierung möglich
i
V1
I d
i V2
-1
t
= 180°
-2
Abbildung 8-21 Verlauf von i K bei unterschiedlichen Steuerwinkeln
Der Kommutierungsgrenzfall wurde durch u 0 = 30° zu = 150° gewählt.

128

8 Wechselstromschaltungen

Die Auswirkungen der wechselspannungsseitigen Induktivität bei der Kommutierung:

Der Scheitelwert des Kurzschlussstromes wird abhängig vom induktiven Widerstand L K reduziert. Hierdurch kommt es zu einer Begrenzung des maximal zu kommutierenden Ventilstromes. Die Leitdauer der Thyristoren ist um die Überlappung u verlängert.

Wechselrichter nicht mehr steuerbar Kommutierungs -versagen i V1 i V2 u d
Wechselrichter nicht mehr steuerbar
Kommutierungs
-versagen
i
V1
i
V2
u
d

Zündimpulse

Kommutierungs -versagen i V1 i V2 u d Zündimpulse t Abbildung 8-22 Anstieg des Gleichstromes mit

t

Abbildung 8-22 Anstieg des Gleichstromes mit anschließendem Wechselrichterkippen ( = 160°)

Im Wechselrichterbetrieb betragen die Steuerwinkel zwischen 90° und 180°. Der Stellbereich der Gleichspannung U di ist beim Wechselrichterbetrieb dadurch begrenzt, dass die Ventile bei 180° ihre Sperrfähigkeit wiedererlangt haben müssen. Da hierbei neben dem Schonzeit- winkel der Thyristoren auch die Überlappung u berücksichtigt werden muss, wird der Steuerwinkel auf ca. 150° begrenzt. Abb. 8-22 zeigt die Simulation eines Wechselrichter- betriebes mit einem bis zum Kommutierungsversagen linear ansteigenden Gleichstrom. Nach dem Kommutierungsversagen ist der Wechselrichter nicht mehr steuerbar, die Ventile bleiben leitend und der Gleichstrom steigt weiter an, bis eine Sicherung den Strom unterbricht.

8.2.7.2 Die induktive Gleichspannungsänderung

Während der Kommutierung der M2-Schaltung ist die Gleichspannung u d entsprechend Abb. 8-23 gleich Null. Die markierte Spannungszeitfläche A berechnet sich darin mit der Spannung u S2 und der Streuinduktivität L nach Gl. (8-30).

di S2

 

u S2 L

d t

umgestellt:

 

t

2

liefert:

A

=

u S2 d t

 

t

1

u S2 d t

I d

L di S2

L di S2 L I d

0

Integration über t K t 2 t 1

(Vs)

(8-30)

Die Spannungszeitfläche A ist proportional zu L und I d .

Die Spannungszeitfläche A ist unabhängig vom Steuerwinkel und der Netzfrequenz f.

zu L und I d . Die Spannungszeitfläche A ist unabhängig vom Steuerwinkel und der Netzfrequenz

8.2 Die gesteuerte Mittelpunktschaltung M2C

129

u d u u S1 S2 A U di U d 0 t u i
u
d
u
u
S1
S2
A
U
di
U
d
0
t
u
i
i
i
S1
S2
I
d

u S

t

1

t

2

t

Abbildung 8-23

Gesteuerte M2-Schaltung mit berücksichtigter

(L K = 2 L )

Kommutierungsinduktivität L K

u

1

 

1

L

V

1

 

u 21

u

21

2

 

i

d

 

2

L

V

2

u

2

u d u 2

u 21

2

0

u d

Während der Kommutierung verläuft die Gleichspannung u d auf Null.

Die durch L K verursachte Änderung des Gleichspannungs- Mittelwertes berechnet sich über T/2 nach Gl. (8-31) als induktive Gleichspannungsänderung U dx .

U dx

2 L I d

T

bzw. mit

f

1

T

U dx

2 f L I d

(8-31)

Die induktive Gleichspannungsänderung U dx ist direkt proportional zur Netzfrequenz f, zum Gleichstrom I d und zur Kommutierungsinduktivität L K .

Die Lastabhängigkeit der Gleichspannung U d in Abb. 8-23 wird mit Gl. (8-32) beschrieben.

(8-32)

Um eine Belastungskennlinie des realen Stromrichters zu erhalten müssen zusätzlich noch die ohmschen Spannungsabfälle sowie die Ventilspannungsabfälle berücksichtigt werden. Die ohmschen Spannungsabfälle werden zusammenfassend durch die ohmsche Spannungsänderung U dr bei Nennstrom I dn nach Gl. (8-33) berücksichtigt. In der Verlustleistung P V sind die ohmschen Verluste des Stromrichters und Transformators bei Nennstrom zusammengefasst.

U d U di

U dx

U dr P V

I dn

(8-33)

Der Ventilspannungsabfall U dv ist durch die Anzahl n in Reihe geschalteter, gleichzeitig leitender Ventile bestimmt und wird näherungsweise als lastunabhängig angenommen. Somit erhält man für das Lastverhalten der Gleichspannung die Gl. (8-34):

(8-34)

Durch Normierung von U dx und U dr bei Nennstrom (I dn ) auf U di erhält man die relative induktive und ohmsche Gleichspannungsänderung d x und d r nach Gl. (8-35).

U d U di U dx U dr n U

dv

d x und d r nach Gl. (8-35). U d U d i U d x

130

8 Wechselstromschaltungen

U dx U dr und bei: d x d r I d = I dn
U dx
U dr
und
bei:
d x
d r
I d = I dn
U di
U di
Die resultierende Belastungskennlinie des Stromrichters zeigt Abb. 8-24.
U di
U di - n U dv
U dx + U dr
U d
I
d
0
I
dn
- U di cos
- U di
Wechselrichter-Trittgrenze

In jedem Punkt der Kennlinie muss die Bedingung

u

180 °

(8-35)

Abbildung 8-24

Belastungskennlinie

mit Wechselrichter-

trittgrenze

: Schonzeitwinkel

(8-36)

erfüllt sein. Nun steigt die Überlappung u nach Gl. (8-28) mit dem Gleichstrom I d an, wodurch für >> 90° die Gefahr des Wechselrichterkippens besteht. Der Steuerwinkel bzw. die Gleichspannung U d wird im Wechselrichterbetrieb deshalb stromabhängig begrenzt (Wechselrichter-Trittgrenze in Abb. 8-24). Zur Ermittlung dieser Wechselrichter-Trittgrenze geht man von Gl. (8-28) und (8-29) aus. Die Umformung von Gl. (8-28) liefert:

Aus: d x

2

f L K I d

U di

und damit wird aus:

wird mit U K 2U S

cos u 0

1 I d i K

2 U di

d x

cos u 0

I d

2 i K

1

2d x

Gl. (8-36) und (8-37) eingesetzt in Gl. (8-29) liefert:

Aus:

mit: u 180 °

Eine Erweiterung mit U di führt zu:

cos

u

cos

cos u 0

1

cos

u

cos

2 d x

folgt:

cos

cos

2 d x

2 U dx

U di

U di cos U di cos

(8-37)

Wird U di in Gl. (8-34) eingesetzt, so erhält man für die Wechselrichter-Trittgrenze:

U

U

d

d

U di cos

U dx

U di cos d x

U dr n U dv

bzw.

d r I

d

I dn n U dv

d i cos U d x U d i cos d x U d r n

(8-38)

8.3 Die Brückenschaltung B2

131

8.3 Die Brückenschaltung B2

Die B2-Brückenschaltung entsteht durch die Reihenschaltung von zwei M2-Schaltungen. Nachfolgend sind verschiedene Entwicklungsstufen der B2-Schaltung dargestellt.

a) u S1 i d1 u S2 R u d1
a)
u S1
i d1
u S2
R
u d1

b)

u S1 R i d2
u S1
R
i d2
u S2

u S2

u S2
u S2

u d2

c) u S1 i d1 u S2 R u d1 i M K R u
c)
u
S1
i
d1
u
S2
R
u
d1
i
M
K
R
u
d2
i
d2

Abbildung 8-25 Herleitung der B2-Brückenschaltung

Die Zusammenfassung einer Kathodenschaltung (a) mit einer Anodenschaltung (b) führt auf die Vorstufe einer Brückenschaltung nach Abb. 8-25c. Betrachtet man hierbei die Knoten- punktgleichung K, so ist der Mittelleiterstrom i M Null. Der Mittelleiter kann daher entfallen und man erhält die Brückenschaltung nach Abb. 8-26.

Aus i 0 folgt: i M i d1 i d2 0 und aus u 0 folgt: u d u d1 u d2

2

Aus Gl. (8-2) folgt somit U di 2 u S

Auf die Reihenschaltung der beiden Sekundärwicklungen kann verzichtet werden, so dass die B2-Schaltung die gleiche Ausgangsspannung U di (und U dx ) wie die M2-Schaltung hat.

T T i d 1 2 i i P S u u P S R
T
T
i
d
1
2
i
i
P
S
u
u
P
S
R
T
T
3
4

u d

Abbildung 8-26

Die voll gesteuerte B2-Brückenschal- tung (B2C)

Durch die Reihenschaltung ist die

Gleichspannung U di doppelt so groß

wie bei einer Mittelpunktschaltung. Für die einfache Gleichspannung

genügt daher nur eine Wicklungs- hälfte, wodurch sich der Transfor- mator vereinfacht (oder entfällt).

Die Gleichspannung U di berechnet sich mit Gl. (8-2) für die B2C-Schaltung zu:

U di 2

u S cos = 0,9 U S cos

sich mit Gl. (8-2) für die B2C-Schaltung zu: U di 2 u S cos = 0,9

(8-39)

132

8 Wechselstromschaltungen

8.3.1 Ventilbelastung

Bezogen auf die gleiche Ausgangsspannung U d werden die Ventile der B2-Schaltung nach Abb. 8-27 nur mit dem halben Wert einer vergleichbaren M2-Schaltung belastet. Die Strom- belastung der Ventile entspricht der M2-Schaltung.

V 1 u V V1 2 M u u P S V V 3 4
V
1
u
V
V1
2
M
u
u
P
S
V
V
3
4

u d

Abbildung 8-27 Ventilspannung der B2-Schaltung

u V 1 sperrt u S û S t û V1 Aus: u 0 u
u
V 1 sperrt
u
S
û
S
t
û
V1
Aus: u 0 u S u V1 0 folgt: u V1 u S

Die Ventilspannung u V ermittelt sich aus dem Maschenumlauf M in Abb. 8-27 zu :

u V u S

(Schalter offen)

u V 0

(Schalter geschlossen )

Es liegen stets zwei Ventile in Reihe. Daher sind die Durchlassverluste der B2-Schaltung doppelt so groß wie bei einer vergleichbaren M2-Schaltung.

8.3.2 Transformatorbauleistung

Für den Fall einer idealen Glättung hat der netzseitige Strom i P einer B2-Schaltung wie bei der M2-Schaltung Rechteckform. Auch in der Sekundärwicklung fließt ein reiner Wechselstrom. Dies bedeutet durch den Wegfall des Gleichanteils eine bessere Ausnutzung und damit eine geringere Bauleistung des Transformators. Die erforderliche Bauleistung S T berechnet sich für die B2-Schaltung nach Gl. (8-40).

S S S P U P I P U 0,9 di I d

S T

1,11 P d

(8-40)

Ein Eingangstransformator ist bei der B2-Schaltung jedoch nicht prinzipiell erforderlich!

Tabelle 8.3 Transformatorbauleistungen unterschiedlicher Stromrichterschaltungen

Schaltung S T /P d

M1

3,09

M2

1,34

B2

1,11

Eine Gegenüberstellung der Transformatorbauleistungen unter- schiedlicher Stromrichterschaltungen zeigt Tabelle 8.3.

Die ideelle Gleichstromleistung P d wird aus den Mittelwerten von Gleichstrom und -spannung gebildet und ist im Allgemeinen eine reine Vergleichsgröße.

wird aus den Mittelwerten von Gleichstrom und -spannung gebildet und ist im Allgemeinen eine reine Vergleichsgröße.