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Abgabedatum: 29.04.2019 M. M.

Stahlherstellung
Herstellung von Roheisen und Roheisengewinnung im Hochofen

Mein Thema ist die Herstellung von Roheisen und Roheisengewinnung im Hochofen. Hierfür ist
zunächst die Frage „Was ist Stahl überhaupt?“ entscheidend. Stahl ist eine Legierung, deren
Hauptbestandteil Eisen ist. Zudem sind Elemente wie z.B. Nickel, Chrom, Silizium, Kohlenstoff oder
Molybdän in der Legierung enthalten, welche bereits als Zuschläge in das Roheisen gelangen oder
beim Schmelzprozess zugegeben werden. Das Element Eisen kommt natürlich nicht als reines Eisen
vor, sondern in Verbindungen (Eisenoxide/-sulfide) als Eisenerz. Für den Hochofenprozess werden
meist ausschließlich Eisenoxidverbindungen verwendet, da das Prinzip des Hochofens auf der
chemischen Reduktion beruht. Kurz: Das Ziel des Hochofens ist es aus Eisenoxidverbindungen reines
Eisen zu gewinnen, das Roheisen.

Der Hochofen besitzt eine aggregatähnliche Form, die etwa 30-50 Meter hoch ist (unter Umständen
können Hochöfen auch über 100 m ragen durch das Tragegerüst) und einen Durchmesser von ca. 14
Meter hat. Er besteht aus einem Metallgerüst, welches innen mit feuerfesten Schamottensteinen
vermauert ist. Der untere Teil des Hochofens (Gestell und Rast) wurden mit Kohlenstoffsteinen
ausgemauert. Das Gestell besitzt zwei Abstiche, Schlackeabstich und Roheisenabstich. Über diesem
befindet sich der Rast, der Kohlensack, der Schacht sowie die Gicht mit Gichtverschluss. Der
Gichtverschluss öffnet sich für die Zufuhr von Erzen, Koks, Möller und Einsatzstoffe (Beschlickung),
ohne, dass Gas austritt oder Temperatur verloren geht. Der Schacht ist mit einem Stahlmantel aus
feuerfesten Steinen gebaut und wird durchlüftet durch die Ringleitung unterhalb des Kohlensacks.
Zudem besitzt er Wasserleitungen zu Kühlung. Die Ringleitung verteilt die heiße Luft für die Reaktion
von Koks und Eisen. Die Abstichlöcher sind geschlossen und werden beim Ablassen in den Ofen
getrieben oder aufgebrannt.

Der Hochofenprozess verfolgt das Prinzip der Reduktion und ist damit eines der einfachsten und
massengeeignetsten Verfahren zur Erzeugung von Roheisen und zudem günstig. Neben den Erzen,
welche vorbereitet werden müssen, sind Koks und Zuschläge weitere Einsatzstoffe. Zuschläge (z.B.
Quarzsand, Kalkstein, …) sind Zugaben zum Erz, um deren Gangart (also unerwünschte Begleitstoffe)
zu entfernen. Hierfür werden chemische Verbindungen aufgebaut, die als Schlacke austreten. Die
Mischung aus Zuschlägen und Erzen nennt man Möller, dieser soll den Ablauf des Schmelzprozesses
ermöglichen. Als Reduktionsmittel und Brennstoff wird Koks eingesetzt.

Die Vorbereitung der Erze teilt man in drei Gruppen auf: Stückerze (natürlich vorkommende,
grobkörnige Eisenerze); Pellets (werden aus Feinsterzen mit unter einem Millimeter Durchmesser zu
Kugeln mit zehn bis fünfzehn Millimeter Durchmesser geformt); Sinter (Mix aus Feinerz, Koksgrus
und Zuschlägen, die durch Wärme zu großen Erzklumpen zusammenbacken).

Das Gegenstromverfahren des Hochofens läuft wie folgt ab: Zunächst werden durch die Gicht Koks
und Möller abwechselnd überführt und geschichtet, die Beschlickung. In der Vorwärmzone werden
sie durch die warmen Gase von unten getrocknet. Heiße Luft strömt von unten herab hinein und
steigt auf. Währenddessen sinkt die Schicht aus Koks und Möller langsam hinunter durch den Schacht
und Kohlensack. In der Kohlungszone reagiert die erste Koksschicht mit dem Sauerstoff der 1200°C
heißen Luft und entzündet sich. Es bildet sich dabei das Reduktionsgas Kohlenstoffmonooxid und
lässt Temperaturen von bis zu 2200°C entstehen. Das entstandene Gas steigt nach oben und reagiert

Fach: Technologie
Thema: Stahlherstellung – Herstellung von Roheisen und Roheisengewinnung im Hochofen
Abgabedatum: 29.04.2019 M. M.

nun mit dem Sauerstoff der Eisenoxide. Die Erze werden reduziert und es entsteht Kohlenstoffdioxid.
Das Gas erwärmt die darüberliegende Beschlickung und es bildet sich flüssige Schlacke aus den
Zuschlägen de Einsatzstoffe, die nun abgetrennt werden können. Das entstandene Roheisen und die
Schlacke sinken nach unten ab und zwei Abstiche mit feuerfesten Rohren am Gestell ermöglichen
den diskontinuierlichen Abfluss beider. Dabei verhindert die Schlacke, die sich auf dem flüssigen
Roheisen abgesetzt hat die erneute Oxidierung.

 Gleichung: Fe2O3 + 3 CO 2 Fe + 3 CO2

Bestimmend für die Hochofenprozesse ist das Boudouard-Gleichgewicht zwischen Koks,


Kohlenstoffmonooxid und Kohlenstoffdioxid (C, CO und Co2)

 Gleichung: CO2 + C  2 CO

Durch die Reduktion von Eisenoxiden wurde CO zu CO2, welches wiederum mit C zu CO
zurückreagiert. Dadurch können neue Reduktionen gestartet werden

Das nun entstandene Roheisen kann nun weiterverarbeitet werden. Entweder wird es für die
Gusserzeugung zu Masseln gegossen und es können daraus später Rohre oder Pfannen entstehen,
oder es wird sofort im noch flüssigen Zustand zum Roheisenmischer geliefert und zu Stahl
weiterverarbeitet

Quellen:
 https://www.chemie.de/lexikon/Stahl.html
 https://www.stahl-online.de/index.php/themen/stahltechnologie/stahlerzeugung/
 https://www.ingenieurkurse.de/fertigungslehre/urformen/verfahren-zur-gewinnung-von-
metallen/roheisengewinnung.html
 Eberhard Roos, Karl Maile, Michael Seidenfuß: „Werkstoffkunde für Ingenieure: Grundlagen,
Anwendung, Prüfung“; Springer-Verlag, 2013, S.143 -146
 Emil Greven: „ Lehr- und Arbeitsbuch für den Fachkundeunterricht in metallverarbeitenden
Berufen“; Springer-Verlag, 2013, S. 57-58
 H. Berns, L. Scheer: „Was ist Stahl: Eine Stahlkunde für jedermann“; Springer-Verlag, 2013,
S.1

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